The Project Gutenberg EBook of Gnadenreiche, unsere Knigin, by Franz Jung

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Title: Gnadenreiche, unsere Knigin

Author: Franz Jung

Release Date: July 13, 2014 [EBook #46267]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GNADENREICHE, UNSERE KNIGIN ***




Produced by Jens Sadowski








                              FRANZ JUNG
                            GNADENREICHE,
                            UNSERE KNIGIN


                               LEIPZIG
                          KURT WOLFF VERLAG
                                 1918

                   BCHEREI DER JNGSTE TAG BAND 42
               GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRCKNER  WEIMAR




DIE KRISE


Ich will nicht mehr, sagte Maria und warf die Karten hinter sich auf das
Fensterbrett. Drauen regnete es.

Der Wald klebte an den Bergwnden wie ein schleimiger, schwammiger Aussatz.

Sie spielten den ganzen Tag Karten, er gab sich Mhe, geschickt zu
verlieren. Von Zeit zu Zeit sagte sie: Ich will nicht mehr und warf die
Karten hinter sich auf das Fensterbrett. Sie sprach nur, was auf das Spiel
Bezug hatte. Wenige Worte. Sie sahen sich schweigend an, als ob jeder in
dem anderen etwas tief Geheimnisvolles, eine letzte Erkenntnis ergrnden
mte. Sie merkten nicht, da sie aneinander vorbeisahen, durch die
Fenster, den Wald und die Berge hindurch in eine unendliche Ebene, in der
sie sich verloren. Von Zeit zu Zeit sagte er: Was wird nun -- und
versuchte, sich aufzurichten. Er verga, da er wohl eine Antwort berhrt
haben mochte. Er nahm wieder die Karten auf und sagte einen Trumpf an.

Und doch glimmte ein Funken, fr Sekunden leckten Stichflammen an die
Oberflche empor, es zog den Krper auf und nieder, etwas Weiches,
Glitschiges, das sich ansaugte und Ekel erregte.

Ich will nicht, hrte er wieder und meinte, eine frische Brise msse ihn
forttragen, hinaus, weit fort. Weg von dieser Frau, und ihm Frieden geben.
Blitzschnell durchzuckte ihn der Gedanke, da er ihre krperliche Nhe
nicht mehr ertragen knnte, und lie ein Gefhl von Unbehagen zurck, das
sich steigerte.

Neulich trumte ich von dir. Du warst von mir gegangen, und ich suchte
dich. In einem Konzertgarten glaubte ich dich gefunden zu haben. Du saest
in einem Kreise von Mnnern, die wie Kellner und Zuhlter aussahen, und
schienst sehr vertraut zu sein. Ihr lachtet alle sehr laut, du erzhltest
etwas und langtest stndig mit den Armen ber den Tisch. Ich mute denken,
so mu es sein wenn man den Kindern Brot schneidet, und ich entdeckte an
deinem Krper, da er eckig war und starke Knochen hatte. Es war so, da
man htte sagen mssen, diese Frau hat viele Kinder. Sie ist gut fr den
Staat. Ich war sehr bestrzt. Ich lief in weitem Bogen um den Tisch und
traute mich nicht mehr, mich bemerkbar zu machen. Ich fhlte, da du von
mir sprachst. Aber seltsam, es traf mich nicht. Ich wute wohl, da alle
ber mich lachten, aber ich war so ruhig und dachte, das ist gut so, da
alle ber mich lachen. Es ist ein so weiter Abstand. Nur die Neugierde
empfand ich, zu sehen, ob du das wirklich warst, du verstehst, ich
zweifelte noch. Einer der Mnner hatte einen Buckel. Ich erinnerte mich,
da du von einem Vetter gesprochen hattest, der nach der ganzen Schilderung
einen Buckel haben mute. Ich war erlst. Ich hatte Mitleid mit dir. Ohne
da es mich qulte. Doch wollte ich Gewiheit haben, ich merkte, wie ich
mit dir rang, ich dachte mir, la doch, es hat ja doch keinen Zweck, es ist
gut so. Ich mochte wohl lange Zeit berlegt haben, auf einmal rief ich laut
mehrmals hintereinander: Hilpert -- Hilpert. Wie wenn man kurz eine Kugel
nach dem Ziel stt. Ich dachte, der Buckelige wrde erschrecken oder
schnell sich umdrehen und nach einem Bekannten ausschauen, aber er drehte
nur langsam den Kopf mir zu und drohte lchelnd mit dem Finger. Wie wenn
ein Vater sein Kind schilt und sagt: Sei brav. Mir war, als htte ich einen
Schlag bekommen. Ich sah, da alle von meiner Anwesenheit wuten, sie war
selbstverstndlich. Es qulte mich so, da ich erwachte. Ich hrte dich im
Nebenzimmer im Bett, und ich gestand mir ein, du seiest vielleicht doch
anders als jene Frau.

Sie sahen wieder lange Zeit schweigend durcheinander hindurch.

Sie hatte den Kopf gesttzt und schien zu lauschen.

Er htte es gern gesehen, wenn sie gelchelt oder irgendeine Bemerkung
gemacht htte. Sie blieb unbeweglich und schwieg. Er dachte an die
Mglichkeit, da sie eingeschlafen war. Er empfand seine Unruhe wachsen. Es
lastete etwas auf ihm und drohte ihn zu ersticken. Sein Atem ging kurz. Er
sah sie mit flackernden Blicken an. Seine Stimme bekam einen rissigen
Klang.

Manchmal erinnere ich mich jenes Auftrittes, als ich mit dir in einer
fremden Stadt in ein Tanzlokal ging. Es war ein Lokal, das in sehr
schlechtem Rufe stand, aber ich wollte durchaus hin, du weit, es spielte
ein Orchestrion. Er sprach schneller, als wollte er etwaigen Einwendungen
zuvorkommen. Er sprach ber sie hinweg wie zu einer fremden Person, die
hinter dem Fenster stand. Ach was, dachte er, ich werde es ihr zeigen,
nein, ich mu das sogar und gerade jetzt. Er suchte in ihrem Gesicht nach
Spuren von Unruhe und lchelte boshaft.

Du mut verstehen, ich konnte nicht anders, ich mute hingehen und um
Entschuldigung bitten. Es war ja lcherlich, er kommt auf dich zu, schlgt
dir mit der Faust ins Gesicht und schreit, du httest ihm Geld genommen.
Warum du nur darauf eingingst -- es war ja gleich, was er auch sagte, aber
du gebrauchtest Ausdrcke -- du sagtest damals, du wrest noch nie dort
gewesen, es war seltsam. Er schwieg pltzlich. Ihr Gesicht bekam einen
abweisenden Zug, wurde kalt, fremd, als wollte sie einem hinzutretenden
Unbekannten zurufen: Wer spricht eigentlich hier?

Er nahm schnell die Karten wieder auf und sagte einen Trumpf an. Die
Erkenntnis seiner Feigheit war ihm so beschmend, da das Blut in den Kopf
stieg. Er wartete nicht erst ab, ob sie auf das Spiel einging, und legte
die Karten wieder hin. Er tat es behutsam, als habe er Kostbares in den
Hnden, und hielt den Kopf gesenkt.

Sie fragte leichthin: Wo hast du deine Freundinnen eigentlich kennen
gelernt? Er schwankte einen Augenblick, als ob er auffahren wollte, und
antwortete ruhig: Du weit es ja, bei jenem Fest.

Ich hatte das nicht von dir gedacht. Sie sprach leise mit zitternder
Stimme, in Erinnerungen versunken: Du solltest ganz mein sein, ich wollte
jemanden haben, zu dem ich htte aufblicken knnen.

Er stie hervor: Und da hast du das Schlimmste getan, was berhaupt ein
Weib tun kann . . .

Was habe ich denn getan . . . sagte sie leise, alles ist von dir
ausgegangen, du hast mich gehetzt, wo ich bei dir die Ruhe gesucht habe.

Und was ist schlielich, es war ja nicht so schlimm, du httest zu mir
kommen sollen. Eine Flut widersprechender Gedanken stieg in ihm auf.

Du hast mich gebeten, immer ganz offen zu sein. Ich habe in der ersten
Minute unseres Zusammenseins gezittert, enttusche mich nicht, nur du
nicht, es tut mir so weh, aber ich habe das nicht gefunden, was ich
suchte.

Was soll ich denn tun . . . schrie er, brach ab und bereute seine Worte.

Sie sprach unbeirrt weiter: Du hast mich immer allein gelassen. Du hast
deine Freunde und deine Vergngungen. Was habe ich, und ich habe dich so
lieb . . . Sie schwiegen wieder eine Zeitlang.

Die Stille des Zimmers und das gleichmige langsame Anklatschen der
Regentropfen lieen ein Grauen entstehen, das riesengro emporwuchs. Es war
ein unfrmiger Kolo, der lautlos und unabwendbar niederglitt. Es war, da
man lauscht nach dem Knistern der erwrgten Fleischmassen und den Splittern
der zerriebenen Knochen, da man sich sehnt nach Krachen und Getse und man
nichts hrt. Es war, als ob ihre Krper sich in einem verzweifelten Grinsen
schttelten. Er fhlte: Vielleicht hat sie recht. Sie ist eine Spinne, ich
verstehe es nicht -- hat sie nach mir gefragt?

Sie sa ihm gegenber wie festgebannt.

Sie starrte ihn unverwandt an. In seinen Blicken lag der Todesschrei eines
Tieres.




GNADENREICHE, UNSERE KNIGIN


Tanzten schwarze Ringe.

Durch das Zittern in der Luft, da alle Bume sich hinaufrecken und die
Knospen springen, geht die Frau. Verwachsen mit dem dampfenden Boden, ein
flimmernder Kelch. Die Sonne treibt vorwrts, die Trambahn hlt. Eigentlich
hat sie gesagt, sie wird bald zurckkommen. Die Trambahn fahrt. Die Frau
trgt Bcher im Arm. Auch Briefe: Ich denke immer an dich, ich bin
hineingewachsen -- schrieb sie vor Jahren. Ihre Briefe. Aber der andere
wartet. Auch der eine. Sie frstelt. Sie rckt hin und her. Sie schaut ber
die goldenen Huser auf die Wipfel, die sich im weiten Blau schaukeln.
Morgen werd ich's ihm sagen. Er wird sie durchdringend ansehen. Sie ist als
Kind die Strae hastig auf und ab gegangen. Der andere frchtet sich sehr.
Er schweigt, wenn sie nur den Namen nennt. Er wird traurig, sieht sie
hilflos an. Er fragt, wei er denn, da du bei mir bist? Aber es ist etwas
an ihm, das sich schnell verkriechen mchte. Sie kann ihm nicht antworten.
Oder sie mu lgen. Sie wird ihn allmhlich aufblttern. Er soll alle Wrme
und Schnheit haben, da er zu ihm und ihr hinauf gedeihen mag. Er trgt
seine hohe Stirn gegen das Gesindel. Vielleicht, da er noch gegen diese
Welt streitet. Und siegen wird, ohne sich umzusehen. Ihm ein Kamerad
werden. Sie hob mit einem Ruck ihren Kopf. Sie wurde rot. Wollte sich
umwenden. Befreit aufatmen. Vielleicht laut sprechen. Aber sie merkte, da
alle Leute sie haten. Um so besser.

Sie war daran, mit dem Blonden ein Nest zu bauen. Und die Kinder werden
dann alle miteinander spielen. Sie besucht mit ihm Konzerte. ber alle
Stimmen, die sie trafen, hinweg glhte ein Klang, der wuchs, sich wlbte zu
einem Dom und sie verschlang. Wie in Zeiten, da alles um die Menschen herum
noch stark war, da sie sich selbst nicht merkten. Er blhte ihr entgegen,
aus Chorlen, die sie gemeinsam sangen. Er schwebte vor ihr, wenn sie sich
in die Augen sahen. Er strahlte ber sie, wenn sie die Strae entlang
gingen. Der eine merkte dies alles und wurde unruhig, da sie nicht zu ihm
sprach. Ich frchte, du wirst alles zerstren, wenn du nicht zu mir
sprichst. Er beunruhigte sich. Er sprach hart und abgerissen. Er ging mit
ihr dieselbe Strae entlang. Er sprach von Chorlen. Er sprach von dem
Klang. Da spuckte sie aus. Sie wies auf Vorbergehende, die sich nach ihr
umsahen. Sie schrie: Schweine, Sue und hnliches. Die Leute blieben
stehen. Sie ballte die Fuste, sie zitterte. Er merkte, da sie ihn ganz
verga. Er redete auf sie ein. Er hielt sie eisern umklammert, als sie
einer fremden Frau nachstrzen wollte. Die Augen quollen hervor, dann
weinte sie lautlos. Unaufhrlich. Bengstigend. Sie hrte, wie er sagte, zu
jeder Reinheit gehrt eine Sicherung, sie kann niemals zufllig sein. Er
sah, wie sie darber hinwegglitt. Spter hrte sie demtig seinen
Entwicklungen zu. Er mu vorher alles wissen, man kann nicht auf seine
Kosten leben, Bezahlung schwcht. Er erinnerte sich, da sie ihn vor
einigen Tagen einen Heiligen genannt hatte. Er erinnerte sich, da sie ihn
scheu gestreichelt hatte. Er war still geblieben, die Zhne
zusammengebissen. Gesthnt, warum sagst du mir nichts. Sie fllt wieder
zusammen, vermorscht, klagt und mu um Hilfe winseln. Er wird wieder Wrter
sein. Eine Glut war ber ihm zusammengeschlagen. Er htte sich qulen
mgen, um sie zum Sprechen zu bringen. Er blieb einsam. Und wollte es
nicht. Und durfte es nicht. Sie sthnte zwischendurch, ich bin so dreckig,
ich bin ein Hund. Er lauschte. Aber sie sagte nicht: verzeih. Sie schmhte
den Blonden. Er widersprach. Er ist schuldlos, du hast ihn genommen. Sieh,
da ein Ende wird. Sie weinte lange. Er sprach viel. Er verteidigte ihn
heftiger, aber er schlo immer, der soll sich beweisen . . . . Es war, als
ob sie den andern schtzen mte. Er kann sich nicht beweisen, dachte sie.
Er ist noch so schwach und klein. Nun gut, htte er da schlieen wollen.
Aber sie ging aus seinen Armen und lchelte scheu. Er blieb gebannt stehen.
Er brachte keinen Laut hervor. Alles Blut drngte sich zusammen. Er blieb
zusammengekauert. Sie war sehr lange aus. Er whlte sich in die Kissen. Ich
hab euch lieb, fhlte er und zuckte.

Es half nichts, da ihm war, als mte er ersticken. Da er verbrannte. Er
blieb angeschmiedet und ohne Waffen. Er erinnerte sich, da sie gestern
gewnscht hatte: Eine Stube voll Jungerle. Er erinnerte sich, da manchmal
ihr Gesicht hohl und wie entschwunden war. Hergerichtet zum Schlag und
unempfindlich. Er wurde nicht erlst, das Feuer prasselt. Eine furchtbare
Angst war um ihn: ich bin ausgestoen. Da tauchte eine Tote vor ihm auf,
der sein Wesen unaufhaltsam zustrmte. Er dehnte sich beglckt. Er wurde
ruhiger. Er merkte, wie sehr er mit einem blassen lustigen Gesicht
verbunden war. Er sah dnne goldene Haare, einen flimmernd bleichen Krper.
Er mute ein qulendes Gefhl zurckscheuchen, da er sie bedrckend
empfunden hatte. Ihre Nhe war hei und fiebrig. Auch glitschig. Aber er
sah jetzt in eine Werkstatt. Er sah ihre Krfte an der Arbeit. Ihn
schmieden. Dort war sein Leben. Er versank in ein wohliges Trumen. Er
kroch ganz in sich zusammen. Er hrte die Schritte der Frau und whlte sich
tiefer ein. Er htte rufen mgen, jetzt wenigstens lat mich in Ruh. Da
bebte er in Erschtterungen. Wie Nebel ber dem Waldhange sich wlbt,
zerreit und sich wieder fngt. Er qulte diese Frau, er drngte ihr ein
Leben auf, das in einem dunklen Land verankert war. Vor dem sie zitterte.
Sie liebt die Sonne. Sie umspannt das weite graue Feld. Sie ist im
quellenden Wasser, in den Katarakten des Stromes. Sie will leuchten und
Glck sein . . . . Er versank in ein dumpfes Weh. Und doch merkte er noch,
wie er daran ging, sich aus dem Drohenden, Ungeheuren Krfte zu ziehen. Er
sah sich panzern. Die Augen ausschlagen. Sein Weg ging steil und schmal. Er
fhlte, jeder Schritt ist gegen die Welt. Gegen das Glck. Gegen alles
hchstes Leben. Und doch . . . .

Aber er mute es ablehnen . . . .

Denn er mute es ablehnen, ein Krppel zu sein.




LUTERUNG


Er liegt am Boden. Hat sich eingewhlt in die harten Schollen. Eine Strae
atmet und dehnt sich, steigt, keucht schwer im Dahingleiten, reit -- da
er zittert und sich enger pret. Grne Halme ballen sich dichter, weiten
sich, Wolken tupfen auf blauem Bogen. Er mchte schreien.

Hinten drngen die vielen Menschen. Wimmeln. Weie Schuhe. Lchelnd
verstohlen sehnschtig. Straffen sich. Beine. Ein Kind springt. Lockendes
Parfm aus der Zeit, als er zwlfjhrig neben einer hochgestellten Dame im
Parkett des Provinztheaters sa, die Treppe hinter einer Ingenieursgattin
hinaufstieg, die Fuste gegen die Wand schlug und sich wrgte, spter:
Steine, Segel, Meer, schlielich enger zusammenkroch, hei, Blut rieselt,
bunte lachende Menschen zueinander, alle -- Sonne --

Atmete fiebernd, schlug den Hinterkopf gegen das Grau des Himmels, fra
sich tiefer in die Schollen, weinte und schluchzte und wollte beten, ein
Duft zog ber allen und schlug nieder. Eine ferne Huserreihe schob sich
nher.

Er wehrte sich, dachte sich die Achseln zucken. Aufstehen. Das Gesicht
abwischen. Langsam den Leuten zugehen.

Eine Gaslampe, die so lange niedergehalten war, flackert heller und surrt.

Angst schreit. Nicht sich aufblttern zu knnen. Die Welt zieht vorbei. Das
Blut kreist enger.

Die Gemeinschaft wird wieder brechen. Eher gegen alles, als in sich.
Revolution. Sich selbst zerstren. Glck des Gehenkten. Wenn man sich
selbst erstickt, bleibt noch ein dnnes Leben. Klingt weiter. Er hrt sich
beten, anschwellen, Wnde schwinden, Weiten tun sich auf, aber
angeschmiedet . . . durchbohrt . . . kreisend in fremder Qual . . . Hilfe,
knirscht er.

Jetzt baut er still, voll Sicherheit, ein Werk vor sich her. Unbeirrt. Wenn
es auch wchst, streng, fest gefgt -- er schaut kaum hin, keine Freude,
keine Zweifel, die Uhr zhlt die Zeit, die Arbeit, die Steine, die er
aufschichtet, Menschen gliedern sich an. Er bebt nicht vor Ungeduld, obwohl
das Herz schlgt.

Da steht jemand auf, dreht das Licht aus.

Ein Stuhl wird gerckt.

Alle merken, da es fast hell ist.

Whrend sich alle rekeln, den Kopf wieder in die Kissen whlen, der Wchter
hngt sich die Kontrolluhr ber, rafft am Tisch Papiere zusammen, Sindbad
den Seefahrer, -- sagt der Nachbar von Nr. 12 nach der hinteren Wand zu und
steigert schnarrend: Morgen, Leute. Merkwrdig, wie er die Worte quetscht.
Alle Wrter sind auf ihn rgerlich. Meistens hren sie spter, da er ein
Schneider ist namens Erb. Sollen glauben, da Erb Beziehungen hat, in
Verbindung mit Regierungsstellen, andererseits Intrigen, die Frau spielt
eine Rolle, will ihn los werden. Graf braucht Ehescheidung. Dann aber
lassen sie an Erb die Wut ber den Schneider aus.

Erb mit dem schmalen spitzen Kopf, knallrotes Gesicht, springt im Bett auf,
wiederholt. Sieht sich enttuscht um.

Ganz vorn an der Tr lacht ein hbscher junger Mensch. Erb schaut
strafenden Blickes hin. Der Junge schttelt sich vor Lachen.

Erb schreit: Heute nehme ich euch alle mit raus.

Schmidt fragt: Wie denn -- raus -- mein Kopf tut mir so weh. Verzieht das
Gesicht zum Weinen. Die beiden neuen Wrter kennen ihn noch nicht und
tuscheln.

Es wird jetzt gekehrt, gewischt, Eimerklappern. Die Fenster sind
aufgerissen. Es scheint, als ob die Eisenstbe in der Sonne glitzern
wollen.

Dann erinnert sich Schmidt, da er einen Hammer sich vor den Kopf
geschlagen hat. Er erzhlt, da er einmal sich halb die Zunge abgebissen
hat. Er macht eine gute Figur, frher trug er schwarzen Bart, die Haare
etwas wirr. Er hat sehr viel in seinem Leben studiert. Allerdings ist er
unter gewissen Voraussetzungen bereit, heute mit Erb gleich wieder
wegzugehen, er trinkt indessen keinen Schnaps. Erb wrde Wein trinken.
Beide sind schlielich vergngt.

Der Wrter denkt, es ist ekelhaft hier drin. Man sitzt und sitzt. Die
Toilette, die zwischen den beiden Slen eingebaut ist, stinkt. Er kocht vor
Wut. Was? Ach so, austreten. Die Wnde des Kastens werden heruntergelassen.
Los! Der schiebt sich den Gang entlang. Der Kollege im anderen Saal erzhlt
sich was mit seinen Leuten.

Wenn Frhling ist, singen drauen die Vgel. Einige drfen aufstehen und
sitzen an ihrem Bett. Schmidt denkt, ob er hier von seiner Frau erzhlen
soll, vielleicht wissen die was? -- Ob sie den Erb wirklich kennt --
manches stimmt ja. Schnauer liegt dem Schmidt gerade gegenber. Er soll in
Paris Ringkmpfer gewesen sein. Schmidt denkt nach. Er wei nicht, ob seine
Frau solche Muskelmenschen mag. Schmidt qult sich. Er gibt dem Erb keine
Antwort.

Der Oberwrter flitzt durch die Sle. Alle sind einen Augenblick in
gehobener Stimmung. Schmidt fhlt ein ungeheures Loch in seiner Seele, das
immer weiter noch reit. Und doch glaubt er nicht an Gott. Genossen, mchte
er losheulen. Ich wei nicht, was das fr Leute sind. Einer heit Draqua,
einer Schubert. Die Frau, die Frau, sie spricht mit allen Menschen. Er kann
sich nichts wegseufzen.

Whrend alle aufhorchen, die Becher werden aufs Brett gestellt, man hrt
schon Tritte, ein hbsch aufgeputztes Mdchen schleppt das Tablett, einer
nimmt Becher fr Becher ab, Brot mit rotem Mus, die Uhr geht ganz genau,
selbst der Wrter it Brot, das Mdchen mit der weien Schrze . . .

Ein Vergngen, wie schnell die Tage vergehen. Mehr als jede Wohltat.

Schmidt lebt in seine Leute um ihn herum mehr hinein. Hrt, da einer, den
er schon lange wegen seines gequlten Gesichtsausdrucks beobachtet, ein
Ofensetzer ist. Zu dem kommt fters eine Frau, setzt sich zu ihm, bringt
Milch, Eier, Bonbons. Jedesmal dreht sich der Ofensetzer weg, wenn die Frau
erscheint. Einmal begleitet sie ein junger schmchtiger Mann, vielleicht
der Sohn, er steht verlegen am Bett herum, die Frau stopft dem Manne
Ewaren in den Mund. Der spuckt wtend alles aus. Die Frau ist fiebrig an
der Arbeit. Der Mann hebt den Kopf der Hals quillt an, wird blutrot, er
gurgelt etwas, dann kann er nicht mehr sprechen, hlt den Arm weit weg. Der
ganze Krper erstarrt. Die Frau dreht sich gekrnkt zum Wrter um. Der
Ofensetzer mchte hinausgehen, schreitet durch den Gang, bis er gefat und
ins Bett geworfen wird. Die Wrter schreien, das Aas fhrt uns an. Die
anderen sagen: wenn einer geht, soll man ihn gehen lassen. Einige lachen
aber, wenn er Prgel bekommt.

Es geschieht sonst nichts. Nr. 5 hat die Faust in den Vorhang gewickelt,
schlgt die Fensterscheiben ein, geht dann langsam ins Bett zurck, lacht.
Drauen scheint die Sonne. Eigentlich freuen sich alle, sprechen
miteinander, fragen, warum denn eigentlich -- nur die Wrter, der Vize, der
Oberwrter -- Erb freut sich kindisch. Prophezeit, es wird noch schlimmer
kommen, das schlechte Essen mu herhalten, auch von drauen werden sie
kommen. Zwei Stunden spter ist vlliger Aufruhr. In allen Stockwerken. In
den anderen Husern.

Schmidt qulte sich mehr. Er hrte in sich etwas aufbrllen. Laut sagte er:
Ordnung mu sein. Jeder mu sich in etwas hineinfgen, sonst kann eine
menschliche Gemeinschaft nicht bestehen, da mu der eine dem andern
nachgeben, aber er fhlte zu tiefst eine qualvolle Fessel, es wrgte ihn.
Er begann wieder, andere Menschen um dessentwillen zu hassen.

Dennoch wehrte sich Schmidt weniger heftig gegen das zarte einspinnende
Wesen vieler Gegenstnde, die scheinbar von selbst sich zu ihm ordneten.
Der Tisch, Schrank, Sthle, die Bettstellen, der Fuboden, die Lampe --
sprachen vertraut dmmernd auf ihn ein und umrankten seine Unterhaltung mit
den Freunden in zunehmend besttigender Herrlichkeit. Er lernte viel und
streichelte die Bettdecke zaghaft, manchmal beruhigt und voll Erwartungen,
einer bisher fremden Seligkeit den Weg bereiten zu helfen.

Drauen -- zwischen den Stben, Verzierungen, Rosetten und Kreisen, die das
Fenster vergitterten, schwand Tag um Tag das Licht, sprach in der
Dmmerung, summte von Glck. Weiter hinaus stand ein Fabrikschornstein
starr gegen den Dunst, ein Gewimmel schwarzer Huser, daneben ein Stck
Laubwald, der bis an den schmalen Garten heranlief. Und wieder daneben
Ackerland, die Mnner vom anderen Haus gingen hufig drber hin, aus
versteckter Feldhtte kruselt Rauch. Schmidt hrt Schaufeln, metallischen
Klang, kurzen Ruf eines Aufsehers, drei groe Buchen standen allein, ganz
scharf, und weiter weg zog sich der Bahndamm. Tag fr Tag.

Schmidt hrte das Rollen der Eisenbahn und lauschte, bis es verklang, die
Sirenen der Fabriken, Glockenluten von fern her, und sprte keinerlei
Sehnsucht, so stark lebte er in sich und in allem, was ihn umgab.

Bis er auch nach Wochen selbst in den Garten hinaustrat und immer in der
Runde herum und dann kreuz und quer ging, anfangs scheu allein, dann auch
mit anderen zusammen. Kinder wurden im geschlossenen Zuge herumgefhrt.
Hinkten, stolperten, schleppten sich nach, hingen so schleimig aneinander
und sangen. Schmidt ging immer den Kindern nach. Da krampfte wer sein Herz
zusammen.

Da stand auf einmal alles um ihn herum still. Wurde schwarz. Trocknete ein.
Verkroch sich. Wind pfiff.

Da rief wer.

Dann sah er den Wrter auf sich zukommen. Er htte noch etwas schnell sagen
wollen. Aber er mute sogleich mitgehen. Es war alles so eisig. Die Zune,
Mauern, Stufen, die Glastr. Drin stand der Doktor, eine Frau, ein dicker
Beamter, der freundlich lcheln wollte. Pltzlich mute er daran denken,
wie peinlich es sei, drauen sagt einer, Schmidt wird auer der Reihe
vorgerufen. Er wurde glhend rot. Sah sich scheu im Vorzimmer um. Die Dame
sprach hastig auf ihn ein. Der Doktor sagte etwas zur Dame. Der Beamte
klopfte ihm auf die Schulter. Der Doktor ma ihn mit einem scharfen Blick.
Schmidt verzog das Gesicht. Die Frau sah gleichfalls sich scheu um. Eine
Pause. Eine Frau. Dann drngte der Doktor weiter. Dem Schmidt stieg ein Ha
gegen die Frau auf. Er merkte, es beginnt schon zu schlucken, es steigt
auf. Willst Du was haben, hrte er. Alles wurde glitschig. Er klammerte
sich wo an. Er verzog noch mehr das Gesicht. Bitten kann man hier nicht,
dachte er noch. Und doch htte er die Frau am Arm fassen wollen und auf sie
einreden. Der Ha wanderte zum Doktor. Schmidt sagte etwas leise zum
Beamten. Der verstand nicht. Wurde pltzlich grer, ein fetter Kolo.
Immerhin fhlte sich Schmidt zu ihm hingezogen. Er setzte alles daran, mit
dem Mann weiter zu reden. Er merkte, da er der Frau unrecht tat. Sie wird
bald weinen. Er fhlte auch in sich etwas, das unsagbar weh tat. Und ihn
wohlig berzog. Dann gingen alle. Er gab die Hand. Und fiel in einen
Abgrund.

Schreiend.

Er hrte sich noch einem hinzutretenden Aufseher sagen, ich will heute
nicht in den Saal, ich will eine Zelle. Ich halt's nicht aus. Eine Zelle
fr mich allein. Der bot ihm eine Zigarette an, drauen im Garten, ein paar
Zge --? Es sieht niemand.

Schmidt aber dachte, ich habe ihr sehr weh getan. Ich habe sie irgendwo
getroffen.

Dann begann er zu fiebern.

Es ist alles doch nicht so! Brchig. Faulig. Bedreckt. Immer gefesselt,
unlsbar verstrickt, angeschmiedet. Er fhlte sich das Maul aufreien.
Hinten im Kopf hing ein Grinsen: Vorsicht! Dann schlich er weiter. Pah. Die
Frau. Soll sie sehen . . . ich will nicht mehr. Die andern! Aber es war
keiner mehr da. Schmidt brach ganz zusammen. Er schlich im Gang herum,
pickte an die Fensterscheiben. Dachte noch, es wird dunkel, man wird bald
zur Nacht essen. Es qulte sich immer hher. Stand schlielich: Ich hab'
mich verschrieben, -- ich mu folgen, demtig sein, ich mu . . . dann
wollte er Trnen herauspressen, sich selbst beflecken, stellte Stationen
auf, hate sich, wollte sich an die Gurgel fahren, auf heulen -- bald wird
man mich rufen, ngstigt er sich -- nein oder ja? Ja!

Er mute lachen.

Er wurde dann gerufen.

Dann trumte er, schwer, interessiert, in Schwei gebadet.

Er trumte voller Auf und Nieder. Versuche, Zusammenbrche. Er trumte,
trumte zh und krallte sich am Bettpfosten fest. Noch, als man ihm Trional
geben wollte, das er ausspie. Es ntzte nichts, da man gewaltsam die Zhne
auseinanderbrachte.

Stotternd sagte er: Lassen Sie mich doch, ich bin gleich ganz ruhig. Der
Oberwrter war geradezu erstaunt. Wollte nochmals zugreifen, lie aber,
whrend er schon fest den Kopf hielt, pltzlich ab. Er nahm das Glas und
trug's hinaus, ohne dem Aufsichtfhrenden noch ein Wort zu sagen. Drauen
rollte die Bahn.

An einem der nchsten Morgen wurde Schmidt zum Doktor gerufen. Ein
Schreiber sa da, mit aufgedunsenem Gesicht, Triefaugen, die Hand zitterte
schrecklich, dann der Doktor, hinter einem Sto Akten; auf einem Stuhl
dicht an der Tr nahm Schmidt Platz.

Die Personalien -- der Vater etc. Der Doktor horcht auf, der Schreiber
schreibt auf einen Wink. Und Sie? Nichts. Schmidt gibt an: Nichts.
Mutter lungenleidend. Lieben Sie Ihre Mutter? Nein. Warum? Sie
lgt. Der Doktor rckt auf dem Sessel herum. Schmidt schweigt auf die
nchste Frage.

Ja, aber nun sagen Sie mal, wie lange leben Sie mit Ihrer Frau zusammen?
-- -- Also -- nach einer peinlichen Pause -- hier ist angegeben, Sie
haben sich mit einem Hammer auf die Stirn geschlagen. Sie leiden an
Krmpfen? Ich wei nicht. Der Doktor steht auf. Lang, hager, faltiges
Gesicht, die Augen blinzeln ber dem Klemmer hinweg. Kommen Sie doch
nher, frchten Sie sich denn? Schmidt lchelt verlegen. Na also -- sagen
Sie mir doch, qult Sie die Frau nicht? Man wei doch, wie das ist.
Schttelt den Kopf, reckt sich. Ja? Nein -- ehrlich berzeugt. Der
Doktor fragt schnell: Trinken Sie? -- Stottern Sie immer? So ein
Hund, denkt Schmidt. Vorwurfsvoll: Schmidt --? Nein. Der Doktor legt
seine Hand Schmidt auf den Arm. Vertrauen Sie mir doch. Ja, um Gottes
willen, was soll ich denn sagen, sprudelt der hervor. Sehen Sie, so was
tut man doch nicht. Der zuckt die Achseln. Pause. Dann sagte er leise:
Manchmal kann ich mich nicht halten. Ich mu einfach. Wie -- Ich will
nicht mehr leben, es ist so furchtbar, ich halt's nicht aus, ich will
nicht, es ist geradezu . . . Ein Gewicht fllt nieder. Der Doktor verzieht
nervs das Gesicht. Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Schweigt. Sieht dann
zum Doktor auf. Der lchelt etwas. Man hat das Gefhl, die werden
zueinander gehen. Schmidt steht auf und sieht zur Tr. Fehlt Ihnen hier
was? Schmidt verbeugt sich, will gehen. Warten Sie, lieben Sie Ihre
Frau? -- Doktor zuckt nervs. Sehen Sie, Sie sind doch ein prchtiger
vernnftiger Mensch, ich glaube, Sie passen nicht zusammen, ha? Ach --
denkt Schmidt geringschtzig, bereitet eine lange Rede vor. Dann sagt er:
Ich prgle sie manchmal. -- Ich mu. Viel schlimmer, als wenn ich mich
prgle. Der Doktor winkt rgerlich ab, murmelt: Sie werden doch einen
Grund haben. Schmidt mchte den Doktor in die Gurgel beien. Er ist hier
so machtlos. Schmidt will sprechen. Da kommt schon der Nchste.

So glcklich wurde Schmidt, da er fest daran glaubte, es wrde ihm noch
gelingen, den Doktor zu retten.

Es blieb dabei, drauen leuchtete die Sonne blutrot. Die Vorhnge wurden
vorgezogen, es hie schlafen gehen, und sein Glaube wuchs und wurde so
bermchtig, da alle Glieder bebten.

In solcher Nacht lauschte Schmidt dem Ablauf jedes Lebens. Und es kam vor,
da sein Nachbar Schubert sich aufrichtete, sthnte, einige Worte stammelnd
starr gegen das Fenster sah. Auch Schmidt richtete sich auf, er dachte,
Schubert wird jetzt zu ihm sprechen wollen. Aber der sah angstverzerrt zum
Fenster hin, sthnte . . . Die Augen, die Augen . . . und brach in Weinen
aus. Jammerte: Ich kann nicht hier bleiben, wand sich hin und her, bis er
nur noch krampfhaft zuckte. Es half nichts, da der Wrter ihn festhielt,
er begann aufzustehen, es hielt ihn keine Gewalt, er schrie: Ich mu hier
fort, liebe liebe Leute. Half nichts, da man ihn schlug, die Arme und
Beine binden wollte -- die Wrter schwitzten -- er gurgelte und sthnte und
brachte immer neue Kraft auf, alle ringsum im Saal wurden unruhig, Schmidt
fieberte vor unertrglichstem Schmerz -- dann glitt ein leuchtender Strahl
ber den Jammernden hin, er lauschte gespannt, Verzerrungen lsten sich,
man lie von ihm ab, Schmidt sah, wie er das eingefallene Gesicht zu einem
Lcheln verzog.

Dann fhlte er, wie Schubert nebenan sich lang hinstreckte, den Kopf unter
die Decke vergrub. Er fhlte deutlich die entsetzliche Spannung hoch- und
niedergehen. Fhlte, wie dessen Krper mitging, er mute ganz
zusammengeballt verkrochen sein. Zwar waren die Hnde mit Fausthandschuhen
bedeckt am Bettpfosten angebunden, aber sein Blut bebte ruckweise, atmete
schwer und sehnschtig, bis er erlst abbrach, ein lauter heller Ton
schwebte noch im Saal, dann fiel Schubert wieder vllig zusammen, der Kopf
hing zur Seite ber das Bett hinaus, der Krper schrumpfte sich mit ein, es
war unschwer, auch die Hnde wieder aus der Fesselung zu befreien.

Dennoch hatte alle ein ungeheuer lastendes Grauen gepackt, sie schwangen
mit diesem Krper mit und waren erstarrt, da sie nicht mit erlst wurden.
Eine Wrgehand hielt alles nieder. Es war entsetzlich, da niemand die
Kraft hatte, laut zu schreien. Nur der Wrter lchelte verzweifelt an
seinem Tisch. Er kam allen auf einmal klobig und eckig vor. Ein plumpes
glotzendes Stck Menschenfleisch, vllig auerhalb. Er konnte durch das
Grauen hindurch kaum deutliche Worte sprechen. Es klang blechern, klapperte
vor Unruhe, er htte sagen wollen, auch das ist eine Krankheit wie zu
vieles Saufen oder so etwas. Schmidt sah, da er sich lieber meilenweit
fortwnschte. Es war eine malose berlegenheit vieler Menschen ber den
Wrter hereingebrochen. Der dachte noch daran, da Schubert eine junge Frau
hatte, der viele Mnner auch hier im Hause nachsahen. Er erzhlte dann noch
jemandem, da Schubert bei seiner Einlieferung einen feinen Anzug hatte, er
sei sicher was Besseres und seufzte zu guter Letzt.

Schmidt wlzt sich noch ruhelos herum, in steigender Angst. Sie greifen
wieder in das Leben ein, denkt er. Widerwillen bis zum Speien. Die
Eingeweide schmerzen. Kein Fleck an seinem Krper, der nicht wieder
betastet werden wird. Es fliet ekle Weichheit ber ihn. Er mchte sich
aufbumen und ist doch so wehrlos. Sieh mal, hrt er eine ferne Stimme sich
zusprechen, die Menschen sind aufeinander angewiesen. Nein, will er
schreien, doch doch, sie sollen sich ergnzen, auch trgt die Kraft des
einen viele anderen mit. Ich habe keine Kraft, begehrt er auf. Allerdings
bin ich auch zu viel mit anderen Menschen verbunden, gesteht er sich zu --
darum will ich jetzt allein sein. Aber die Glut, die ber ihm ist, lt
nicht locker: Sei doch stark. Er beginnt schon nachzugeben, Trnen steigen
auf. Wenn ich auch wollte, ich kann doch nicht, fhlt er noch. Dann ist er
bereiter. Vielleicht soll man sich wieder mitten in die Welt hineinstellen,
beschliet er. Ich habe die Frau doch nicht geliebt, fllt ihm ein. Ich mu
erst einsehen, da sie mich vllig trgt. Vielleicht wird sie bald zu mir
kommen, fhlt er. Mu daran denken, da sie bei ihren Besuchen immer Trnen
in den Augen hat. Es braucht nicht alles glitschig und schmierig zu sein.
Er ist schuld, da sie nicht freier atmet. Es ntzt nichts, sich selbst zu
zerstren. Alles Betrug. Warum sollen die andern ersticken, da er nicht
leben will? Er beginnt sich glhender zu schmen. Wie ein schmerzendes Netz
liegen die Gedanken ber ihm. Er mu die Knoten von innen her ausbrennen.
Freies Leben. Frohlocken.

Dann spinnt er ruhiger seine Plne fort. Er fhlt, da er unendlich stolz
geworden ist. Jetzt merkt er erst, da er schon viele Menschen in sich
lebt. Sehnsucht quillt. Wenn er die Tiere liebt, Blumen, den Horizont, den
blauen Strich ferner Wlder und im Menschen das alles zusammen? Zuerst in
dem einen einmal bestimmten und gewhlten Menschen -- niemals mehr Ekel
empfinden, sich gehen lassen. Mag er selbst noch gezogen, gezwungen,
bestimmt sein -- los! Er wartet alle Tage auf die Frau. Schillernder
Frhling macht alles weit, das Feld dehnt sich und lockt. Er mu ganz
schnell im Garten hin- und herlaufen. Er mu den Doktor, den Oberwrter,
gar den Professor glckstrahlend gren, dankend aufatmen. Das Lcheln
verstrickter Gewohnheiten ist hinter ihm. Klammert sich an. Gibt mir Kraft,
fhlt er. Ganz frei.

Wenn auch drauen die Sonne steigt und fllt, freches Grn zwitschert,
Schmidts Sehnsucht klammerte sich nicht daran. Eine andere Arbeit hielt ihn
im Bann und zwang und lockte. Es galt, sich tiefer zu festigen. So, da er
tglich mit sich rang und Erinnerungen vor sich ausbreitete, die zwar tiefe
Wunden geschlagen hatten und immer wieder das Blut sieden lieen, aber
dennoch eine mehr regelmige Bewegung loslsten, auf deren Zgelung
Schmidt alle Hoffnung setzte. Darin war der Glanz seiner Umwelt mit
einbegriffen.

Er dachte -- zwischen blutheien Schauern und bohrenden Erbitterungen -- an
den Musiker, zu dem erst noch unlngst die Frau gelaufen war: Sie mu ihm
helfen, ruft er mich nicht -- ist nicht auch dort mein Platz? Sicherlich
hat sie so gesprochen, jedenfalls lief sie hin, sie blieb Nacht fr Nacht
dort, gleichwohl er sie schlug, sich selbst das Haar raufte, auf dem Boden
lag und mit den Fen schlug. Schmidt fhlte, es wird nie sein, da er das
begreift. Damals hatte er auch noch gejammert: Ich hab' ihr doch nichts
getan. Bald wute er, das war es nicht. Auch der andere nicht. Ich htte
auch sein Freund sein knnen, erinnerte er sich. Und das Schlimmste --
schlielich versank wieder alles. Die Frau lie allmhlich den Musiker
fallen. Es wurde eher, da Schmidt ihn htte verteidigen wollen, er fhlte
sich immer nher, er kam nie dazu, sich klar auszusprechen, die Frau stritt
gegen ihn, sie wurde so leidzerrissen, da er erschrak und verstummen
mute. Das Leid dieser Frau schob sich dazwischen und verlangte nach ihm,
fra sich ein und erstickte alles. Das Leid dieser Frau. Manchmal war es so
lcherlich klar, da er sie nicht liebte. Er dachte daran, Liebe ist etwas
Befreiendes, es mu aufstrmen, Emprung, ungeheueres Glck sein. Alles das
aber kann es nicht sein, grbelte er. Eher eine Erweiterung voll grlicher
Anstrengungen, sich zu ertragen in all dem Mehr. War der Musiker ein Stck
Holz -- mute er nicht ein Mensch sein, der auch zu ihr strebte, und
dennoch wuten sie voneinander nichts. Sie vereinten sich niemals. Schmidt
konnte keine Antwort geben. Bi sich die Faust, das Blut sickerte. Er
stellte sich hin und hmmerte sich in den Kopf. Ich will dennoch aushalten.
Ihr Blut strmt zu einem andern, sie schliet mich aus. Gut, ich ersticke
trotzdem nicht. Aber er weinte.

Es war so schwer, wenn sie dann spter zu ihm sprach, neben ihm ging, er
erlebte jede Sekunde beider Zusammensein. Das Blut sehnte sich zu beiden.
Ob er sich auch emprte, und wurde verschmht und wandte sich gegen ihn da
er zitterte und zerri.

Die Birken im Garten wuten darum.

Auch die Frau kam hufiger und kte ihn. Auch sonstige Menschen von
drauen kamen und sprachen zu ihm, Schmidt richtete sich langsam darin ein,
wenngleich berlegener. Aber er dachte: die Frau soll gehen. Ich will
aufmerken, da ihr nichts fehlt, da ich fr sie da bin. Die Frau drngte
ihn wieder zu sich. Sie war zu scheu, ihm aufzuzeigen, ob sie litt. Das
Wesen der Frau war ihm so fremd. Er wollte ihr glauben und liebte sie.

Und zu verschweigen, da er ins Bordell gegangen war in der Hoffnung,
aufgeblttert zu werden, emporgerissen, endlich ein neuer Mensch, um
enttuscht wieder herauszulaufen, Gelchter hinter ihm.

So lebte Schmidt zwischen den Tagen aufblhender Klarheit. Aber es fgte
sich so, da Schmidt, als er viel spter eines Tages pltzlich auf die
Strae entlassen wurde und an der Seite der Frau zur Bahn ging durch ein
hohes altertmliches Tor hindurch, an dem kunstvolle Schmiedearbeit
besonders auffiel, fgte es sich, da Schmidt alle uere Sicherheit wieder
verlor, die Kameraden, Kinder, Birken und den Rauch aus der kleinen
Waldhtte.

Er erschrak vor den Menschen, die jetzt um ihn herum sein wollten. Sie
waren so aufgequollen, grob-stier, eckig und zuckten wie Hampelmnner,
waren wirklich so klobig, er ekelte sich und schrie verzweifelt in sich
hinein. Die lcherliche Bahnfahrt.

Er schritt dann am Arm der Frau ihrer Wohnung zu. Sonne grinste herbstlich.
Die Frau war mild befangen, zutunlich, zuweilen aufgeregt, sie strte nicht
und bestrkte ihn. Er wird es nie merken, da sie vielleicht fr ihn in
sich die Welt trgt. Aber Schmidt kriselte. Kruste auf Kruste fiel. Ein
Leben umspannender Schrei dehnte sich, eine namenlose Furcht -- er hrte
die Menschen sprechen, als ob sie bellen, beien werden -- doch das Wunder
hielt stand: er wute, von ihm selbst wird's abhngen. Sollte er auch
allein sein -- und htte der Frau die Hand kssen wollen.




JEHAN


Jehan lebte zu der Zeit, als noch jeder ungerufen und ungestrt darauf
ausgehen konnte, die Welt zu erobern. Heut zwingt das die ganze Menschheit
in den Einzelnen hinein und hngt sich mit ihrem ganzen Jammer dran.

Jehan war eigentlich ein Ruber, ein Kosak, ein Perser-Chan und ein
mchtiger Knig aus dem Geschlecht der Timuriden. Die Schtze Indiens, von
denen man als junger Mensch noch immer soviel hrt, waren alle sein und
noch mehr: die niedergehaltene Wucht der indischen Seele, da jeder von der
Glut seines Glaubens entflammt gegen die Sonne lodert, als ginge die
Menschen endlich einmal die Weltordnung berhaupt nichts mehr an -- am
Ganges oder sonst irgendwo, Gebetschnre, Betel, Augenverdreher, die sich
Dolche durchs Hirn stoen fr irgendwelchen Zweck -- das alles war sein und
murmelte zu ihm hinauf. Natrlich war Jehan damit nicht so recht
einverstanden.

                   *       *       *       *       *

Denn als freier Mann aus der Steppe schmte er sich zu verachten. Hchstens
sich selbst. Und auerdem ist es eine andere Sache, einem Baschkiren einen
Futritt zu geben als etwa einem Sulenheiligen. Das fhlte Jehan sehr
wohl. Er wurde unruhig und schmte sich, da er niemals spterhin die Qual
davon in seinem Tun mehr los wurde. Aber er wute auch, da so viel
triftiger Grund dazu gar nicht da war.

In dem jetzt verfallenen Delhi hielt Jehan seinen Hof, in einem Palast, von
einer Pracht, die zu beschreiben sich nicht mehr lohnt. In feinen Gewndern
liefen die Leute herum, riesige Burgen wurden gebaut und die so merkwrdig
aussehenden achteckigen breiten Trme, aus Gold und Elfenbein und Marmor,
dazwischen die mit Asche beworfenen Heiligen, hunderttausend Baumeister,
hunderttausend Heerfhrer und edle Perser. Unzhlige von Lasttrgern, alles
Inder und das sonstige winselnde Millionenpack. Was dabei Sonne, Mond und
Sterne an Wunder taten, die blauen Schlangen und gelbroten Schmetterlinge
und schneeweie Bume mit purpurnen Tupfen und langen grnen Schrpen --
kann man sich denken.

Schah Jehan unterhielt auch einen Harem mit vielen tausend Frauen. Darber
mute er immer weinen. Es ntzte gar nichts, da immer mehr Millionen an
seinen Burgen und Sulen bauten und arbeiteten, Tag und Nacht. Den Himmel
konnte er nicht einreien und die Qual in seinem Herzen nicht mildern.

                   *       *       *       *       *

Jehans Vorfahren wurden noch zur Liebe gerufen. Da stellte einer den Speer
vor die Htte zum Zeichen, da er drinnen bei der Frau war. Die Frauen
trugen die Liebe. Und Jehan wute nicht, hatte Mahal ihn gerufen, trgt sie
ihn. Vielleicht in den Tagen, da er als Eroberer ber das Land zog. Sie
sieht seine Arbeit nicht an, fhlt er, lchelt ber die Edelsteine, die er
ihr zu Fen legt. Kt ihn, da es wild schmerzt. Nicht so, schreit er.
Die Haremsfrauen, die er tagsber besucht. Dmmernd, da er allein ist.
Jehan schreit zu Mahal. Das Lcheln frit sich ein. Er lt die Edlen
schlagen, die ihr Blick streift. Er baut, plndert, mordet. Mahal lchelt
und dehnt sich. Sie kniet demtig, wenn er an ihr Lager tritt, leuchtet bei
seinen Festen, da ihn eine unertrgliche Scham zerreit: Starr ruht sie an
seiner Seite, in Blicken unergrndlich, ferner Schimmer -- weit -- jenseits
ber ihn weg. Sie wird schweben, ahnt er, ein schillernder Hauch ber das
Land, das ihrer Familie eigen. Ich bin der noch nicht fremd, keucht er.

Jehan wird schwach und stark zu sich selbst. Schwer lastet eine tckische
Angst, Glut schlingt. Er kann die schneeigen Felsenberge nicht ebnen. Er
windet sich am Boden, jammert zu einem ihm frchterlich fremden Gott. Aber
Mahal blht in Schnheit und Liebe. Blht, reift, berschttet die klglich
kleine Welt. Reit es ihn auch empor -- er glaubt nicht. Schwankend in
stechend scharfen Trumen, da er Mahal schlgt. Fr die Gewiheit ihrer
Liebe. Ruhen im Gleiten der Welt zueinander, in Mahal. Jehan erwrgt einen
Heiligen. Kein Laut. Hrt nicht fremden Ruf, neues Frohlocken. Blind,
verzweifelt. Tobt.

Schatten steigen auf, zngeln.

Noch deucht ihm eine leise Stimme nher.

Dann sieht er Hogal aus seinem Geschlecht neben sich stehen. Die Schwester
spricht zu ihm, die Schwester fhrt ihn, die Schwester kniet neben Mahal,
die Schwester umarmt ihn. Die Schwester liebt. Jehan erkennt erschauernd,
da Mahal liebt.

Es reit sich aus ihm los, quillt, will zertrmmern.

Dann schlgt er sich vor die Stirn und strzt.

                   *       *       *       *       *

Wie die Verzweiflung, drckt jetzt den Knig das Glck nieder.

Whrend Jehan drauen in jher Machtentfaltung ber das Land wchst,
niedergedrckt von der Wucht seines Glcks in das Gemach der beiden Frauen
tritt, taumelnd in der Erlsung: ich bin nicht der Herr der Welt, in der
Liebe ruht -- gebiert sich jeder neue Tag. Frohlockend gegen Gott, und die
Heiligen glauben ihm.

Jehan sitzt auf den Stufen seines Palastes und singt. Das Volk singt, die
Krieger, Bauleute. Die elfenbeinerne Pracht der Mahalssule steigt empor
ber alle Wunder der Welt. Die Perser dringen ins Land und ziehen vor
Jehans Stadt. Jehan wei, da sie sein Schwert in alle Winde stieben lassen
wird. Ich bin nur einer, fhlt der Knig -- das Volk singt. Ich bin das
Volk nicht mehr, und -- dazu ist es schon zu spt, ahnt er. Er singt,
getragen von dem Glck der Welterlsung.

Es ist zu spt -- Jehan, heit es; wo sind deine Brder? Jehan wei keinen
Bruder, es schmerzt.

Eine neue Angst breitet sich, aber Jehan lchelt: Ich glaube dennoch, wird
es mich auch treffen, der eine wird zu Ende gehetzt.

Die Qual seines Stammes rast. Die Edlen empren sich. Des Knigs
krperliche Hlle zittert. Eine Schlacht wird geschlagen. Ein Sohn Jehans
erkmpft den Sieg. Jehangir entthront den Vater. Stecht ihm die Augen aus,
ich will der Welt meine neuen Wunder bringen, ruft er.

Der blinde Jehan modert im Kerker mehr als dreiig Jahre. Ein Heiliger
dient ihm, des Knigs Haupt deckt Asche. Jehan singt aus dem Kerker gegen
die Welt sein sptes Glck. Es wuchtet auf der Arbeit der Lasttrger. Glht
ber aller Pracht und dehnt sich im Strom des heiligen Flusses.

Bis Jehangir eine neue Stadt viele tausend Meilen weiter ins Innere baut.
Denn Jehangir, geliebt in der Vereinigung der Frauen, lockt das Verhngnis,
auch wenn Jehan im Traum zu ihm spricht.

                   *       *       *       *       *

Ob wohl die beiden noch zusammenkommen?

Unter der Weltenlast der Verantwortung zur Macht, sich zu entfalten und
sich zu schenken -- da die Liebe ber das Glck sich breitet. In
Traumbildern, Maschinen und Unsterblichkeit -- statt endlich herzugehen im
Schatten aller Frauen, da jedwedes Leben sich befreit! Da das Glck aus
dem Wesen der Frau Gemeinschaft wird!

Wennschon einer schreit und im Alltag herumlungert, statt in der Liebe zu
verrecken.





End of Project Gutenberg's Gnadenreiche, unsere Knigin, by Franz Jung

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GNADENREICHE, UNSERE KNIGIN ***

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receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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