The Project Gutenberg eBook, Gedichte, by Friederike Kempner


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Title: Gedichte
       Sechste vermehrte Auflage


Author: Friederike Kempner



Release Date: May 16, 2014  [eBook #45664]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE***


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Anmerkungen zur Transkription

     Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt, fremdsprachliche
     Passagen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, sind
     _so_ gekennzeichnet.

     Text der im Original g e s p e r r t gesetzt ist, ist hier
     =so= gekennzeichnet.





[Illustration: Friederike Kempner.]


GEDICHTE

von

FRIEDERIKE KEMPNER.

Sechste vermehrte Auflage.







Berlin 1891.
Verlag von Karl Siegismund.
Mauerstrae 68.




          Meiner verewigten Mutter,

                  der Frau Rittergutsbesitzer

                        Marie Kempner

                      geb. Aschkenasy.




Das waren Tage des Glckes, als ich diese Gedichte einzeln schrieb, und
jedes derselben, noch kaum entstanden, ihr vorlas.

Ist's mglich, da solch reine Wonne gleich einem Schatten
vorberziehen, oder gleich dem Untergange der Sonne nichts als ein
in Gluth getauchtes Roth -- die Spur ihres leuchtenden Weges --
zurcklassen kann? --

Doch auch die Sonne geht nicht wirklich unter, und auch ihr reines Bild
lebt hinter dem Vorhange unsrer Zeitlichkeit, und lchelt am Ufer dem
noch auf den Wellen Spielenden....

                                            Die Verfasserin.




            Vorwort zur 2. Auflage.


Wenn ich der zweiten Auflage meiner Gedichte einige Worte voranschicken
soll, so sind es Worte des Dankes an die liebe Lesewelt, welche der
ersten Auflage ein so reges Interesse entgegenbrachte, da nach so
kurzer Zeit eine zweite nothwendig geworden ist.

Es freute mich unbeschreiblich, da aus allen Gegenden Deutschlands,
von nah und fern, Anfragen und das Verlangen nach diesen Gedichten an
mich schriftlich ausgesprochen wurden. Ich bin stolz darauf und ganz
besonders davon gerhrt, da alle Farben und Parteien dabei vertreten
waren; scheint es doch, als wenn Jeder im Innern fhlte, da es Aufgabe
und Ziel der Poesie ist: die Wahrheit fr Alle zu veranschaulichen, --
und durch ihren Sieg dereinst Alle zu vershnen.

    =Friederikenhof=, 1882.

                                            Die Verfasserin.




            Vorwort zur 3. Auflage.


Der dritten Auflage meiner Gedichte, denen ich viele neue hinzugefgt,
schicke ich einige Worte des freudigsten Dankes voraus: Dank der
liebenswrdigen Lesewelt, welche die 2. Auflage -- 1882 erschienen --
schon im Mai 1883 vergriffen hatte!

Mge dieser dritten dieselbe Gunst zu Theil werden, eine Gunst, die das
Glck und den Trost der Verfasserin ausmacht.

    =Breslau=, im April 1884.

                                            Die Verfasserin.




            Vorwort zur 4. Auflage.


Nachdem die dritte Auflage dieser Gedichte, denen ich eine Anzahl neue
zur vierten Auflage beifge, in etwa vier Monaten vergriffen, kann
ich nur meinen lebhaftesten Dank wiederholen und nochmals sagen, da
dieses Wohlwollen und diese Sympathie mich rhrt und wahrhaft beglckt.
Ja, das Bewutsein, meine Gedanken getheilt zu wissen, erhebt mich
zu der freudigen Erwartung, da auch meine humanen Bestrebungen sich
in die Herzen der Menschen immer mehr Bahn brechen und den Sieg ber
Inhumanitt und Unverstand davon tragen werden.

    =Berlin=, im November 1884.

                                            Die Verfasserin.




            Vorwort zur 5. Auflage


Ich habe bei dieser fnften Ausgabe meiner Gedichte wiederum fr
das berreiche Wohlwollen, welches der vierten Auflage zu Theil
geworden ist, nur zu danken. Es fehlte freilich auch nicht an anonymer
Feindschaft, ja an Ha und Verfolgung niedrigster und widrigster Art,
und wie mancher Beherrscher von Ruland, sah ich mich fast tglich von
anonymen Briefen heimgesucht, eine Ehre, die ich gar nicht erwartet
htte, die ich aber zu wrdigen wute. Denn giebt es in der That ein
einziges Streben oder eine einzige Schrift, welche Etwas will und nicht
angefeindet worden wre?

Und so kam ich zu der Ueberzeugung, da denn doch hie und da ein
vorurtheilsloses, harmloses Gedicht, ein humaner Gedanke, objektiv
zur Anschauung gebracht, frei von aller Parteilichkeit, gezndet, d.
h. manchen Bsewicht aufgestachelt haben msse, so da er zu Dynamit
und Gift greifen wollte. Aber Dynamit und Gift sind schlechte Waffen,
die sich berlebt haben, und die unparteiische Wahrheit trifft Beides
nicht, und so hat denn das liebenswrdige Publikum diese gemeinen
Angriffe kaum seiner Entrstung gewrdigt und in seiner reichen Gunst
sind die Gedichte ein bleibendes Buch geworden.

    =Friederikenhof=, den 12. Oktober 1887.

                                            Die Verfasserin.




            Zur sechsten Auflage.


        Mit regem Dankgefhl
        Send' ich euch wiedermal
        Euch Bltter ohne Zahl
        Ins menschliche Gewhl;

        Bringt meinen Gru der Welt
        Und habt ihr ihn bestellt,
        Verfolget euer Ziel
        Und -- gleichsam wie im Spiel. --

        Verkndet allzumal:
        Auf Bergen und im Thal,
        In Htte und Knigssaal,

        Der Schnheit Ideal
        Der Wahrheit Erz und Stahl
        Der Tugend Gtterstrahl!

    =Friederikenhof=, im Januar 1891.

                                            Die Verfasserin.




            Inhalt.


                                                                Seite

  Abdel-Kaders Traum                                               2

  Ach, meine Mutter, fnd ich Dich wieder                        156

  Ach, Sternlein dort                                            207

  Alles grnt und alles blht                                    103

  Alles Trumen                                                  100

  Als ich heut so bitterlich                                      99

  Als Jemand beim Anblick einer armen Frau den Kopf wegwendete   176

  Am Rhein                                                        42

  Am Scheidewege                                                  70

  Amerika                                                         56

  An den Kaiser Friedrich                                         87

  An denselben                                                    89

  An der Tugend nur genippet                                     141

  An diejenige, welche immer das Bse von mir abwehrte           200

  An einen Miggnger                                           144

  An L. zu P.                                                     91

  An meine Mutter                                           151, 152

  Ansicht                                                        126

  Antibrderlichkeit                                               3

  Antwort                                                        104

  Arglos und harmlos                                              85

  Atheismus                                                       61

  Auch Goethe war nicht unfehlbar                                139

  Auf allerlei Hetzen                                            143

  Auf der Hhe stehen Bume                                      142

  Auf des Lebens Ocean                                           183

  Auf das Zimmer meines Vaters                                   172

  Auf meinem Gesicht                                             187

  Auf meinen dahingegangenen Papagei                             240

  An denselben                                                   241

  Auf und nieder steigt die Welle                                 10

  August Bckh                                                    171

  Ausdauer                                                        84

  Aus dem Dunkel bricht das Licht                                226

  Barde, der                                                      41

  Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets               195

  Besessen ist die Welt                                          196

  Bitterbse ist das Leben                                       186

  Bittrer als der Tod ist Leben                                  230

  Blmlein, das rothe                                             51

  Blmlein auf der Au                                             95

  Brderlich, brderlich                                         138

  Burschenlied, das                                              217

  Daktylen, Jamben, Trochen                                     174

  Das Paradies verschwand                                         85

  Da die Sterne blsser werden                                  122

  Dem Kaiser Wilhelm I.                                           86

  Dem kleinen Prinzen B. von C.  zum Geburtstage                  96

  Dem Priester-Philanthropen Franz Marson                        173

  Den Studenten                                                  200

  Der Dichter lebt im Traume                                     110

  Der Himmel ist hell                                            197

  Der Himmel so blau                                             124

  Der Lorbeer spriet!                                           114

  Der Mond erscheint                                             179

  Der mde Wandrer sitzet am Steg                                132

  Der Tag so kurz, der Tag so lang                               214

  Der Traum der Poesie                                           187

  Des Abends letztes Gold                                        203

  Deutsche Bildung, deutsche Sitte                               192

  Die Aerzte Philosophen gleichen                                147

  Die Fenster sind gefroren                                      140

  Die Nachtigall schlgt                                         190

  Die Nemesis, sie waltet                                        132

  Die Sonne geht strahlend unter                                 145

  Die weie Rose am lngsten blht                               143

  Die Wolken sich thrmen                                        182

  Dieselben Bume hier wie dort                                  144

  Dorten aus der grnen Hecke                                    147

  Dorten winkt ein neuer Morgen                                  105

  Drei Schlagworte                                                22

  Droschkau                                                      165

  Du siehst das Vglein in den Lften fliegen                    113

  Dunkle Veilchen, weie Blthen                                 104

  Du willst verbinden, was sich ewig flieht                      139

  Edelwei                                                       129

  Egoist, der                                                    178

  Ein leeres Bauer, ein leeres Haus                              136

  Ein Meer von Balsam ist die Zeit                               226

  Ein purpurnes Rslein auf grner Au                             98

  Ein Reiter auf der Haide                                       178

  Eine Blume ist gebrochen                                       242

  Eine Blthe seh' ich prangen                                   156

  Eine Mitternacht in Tyrol                                      208

  Einen Vers soll ich Dir machen                                 199

  Eingebung, die                                                 127

  Elisabeth                                                      234

  Es eilt der Flu                                               198

  Es flammet das herrlichste Sonnengold                          111

  Es geht die Zeit den sichern Gang                              137

  Es grnen die Bume des Waldes                                 107

  Es hat uns Gott gegeben                                        215

  Es ist mir so federleicht ums Herz                              93

  Es ringt der Regen mit dem Winde                               127

  Es scheint der Mond in's Zimmer                                121

  Es scheint der Mond so helle                                   113

  Es schlft die Welt                                            195

  Es schwebt mir auf der Zung' ein Lied                          116

  Es sprechen nur noch die Affen                                 134

  Es stimmen meines Herzens Saiten                               119

  Es strmt so viel auf mich herein                              144

  Es wankt der Boden                                             131

  Fanatismus und Geld                                             19

  Feldarbeit                                                     178

  Fernweh                                                         37

  Fest-Romanze                                                    60

  Frage                                                          104

  Franzensbad                                                    160

  Frauenbild                                                      63

  Freundlich gucken meine Blicke                                 143

  Frhlingslfte wehen leise                                     101

  Fr Ferdinand Freiligrath                                      163

  Fr die Ostpreuen                                              83

  Ganz gebrochen ist die Kraft                                   125

  Gebet                                                          206

  Gedicht ohne r                                                 237

  Gefangenen, die                                                130

  Gegen den Selbstmord                                           189

  Gegen die Einzelhaft                                            11

  Gegen die Vivisektion                                           66

  Gehabt euch wohl, Gott segne euch                              147

  Gemlde                                                         95

  Geschichte                                                      12

  Giebt's ein Glck                                              197

  Ginge es nach meinem Herzen                                    196

  Goldfischer, der                                               246

  Goldner Sonnenschein                                           189

  Gott ist gro                                                  140

  Gott segne die Armen                                           146

  Gretchen                                                       227

  Grne Saaten, grne Bltter                                    177

  Grne Zweige, goldne Frucht                                    114

  Hab' ich Dich bisher geleitet                                   99

  Habt ihr mir es gar verleidet                                  102

  Hannah Thorsch                                                 161

  Hast Du darum mich verstoen                                   225

  Heimchen, die                                                   40

  Heinrich, der stolze,                                          134

  Heinrich Heine                                                 162

  Heie Thrnen flieen, rauschen,                               101

  Herzog Georg Bernhard                                          149

  Hoch auf der Berge Gipfel                                      106

  Hoffnungsschimmer                                               77

  Holden Trume, ging't verloren                                 176

  Holdes Blmlein, du willst ntzen                                9

  Hundegebell im Fleischerladen                                  194

  Ja, ja, es kommt noch nach                                     229

  Jagd, die                                                       54

  Ich lehn' am Fensterkreuze                                     109

  Ich meint es rechtschaffen und ehrlich                         226

  Ich ritt auf einem Pferde                                      224

  Ich trumte schn und trumte viel                             123

  Ich trumte tausend Lieder                                     213

  Ich wei eine groe Geschichte                                 190

  Ideelle, das                                                   112

  Jetzt                                                          154

  Ihr wit schon, wen ich meine                                  165

  Im Traume sah ich die Mutter heut                              199

  Immergrn                                                       20

  In der Schweiz                                                 105

  In die Wolken mcht ich fliegen                                140

  Innere Stimme                                                   75

  Invalide, der                                                    5

  Ist die Weihe denn gewichen                                     98

  Ist's der Dichtung Loos                                        142

  Judenkirsche, die                                               43

  Kanarienvgleins Traum                                          65

  Kalt ist's, eine trockene Klte                                212

  Klte                                                          177

  Kannst Du zweifeln, kannst Du zagen                            107

  Kennst Du das Land                                              59

  Kennst Du nicht das Licht des Lebens                           106

  Kennst Du vielleicht ein Land                                  185

  Kennt ihr sie nicht die bse bunte Schlange                    201

  Kind, das scheintodte                                           44

  Klara Wuras                                                    158

  Kleine Blthen, Rselein                                        92

  Knaben, die                                                     17

  Kontrast, der                                                   13

  Krnk Dich nicht                                               194

  Lat mich in die Wste eilen                                   109

  Lat mich schlafen, schlafen                                   125

  Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens                      141

  Lawinenmasse                                                   103

  Leben, das                                                     159

  Leipziger Lerchen                                              164

  Leuchtthurm, der                                                 68

  Lied                                                      108, 184

  Lied der braven Frau                                           170

  Logik                                                           46

  Lord Byron                                                     181

  Mdchen an der Donau                                            49

  Mdchen vom See                                                203

  Mgdelein, das                                                 205

  Man sagt, die Liebe wre blind                                 175

  Meiner Mutter lichtes Bild                                     155

  Meiner Schwester Luise zum Geburtstage                         168

  Meine Thrnen flieen                                          124

  Menschliche Hilfe ist bald kaput                               186

  Mich greift die Langeweile                                     185

  Mir trumte, da ich stund                                     232

  Misanthrop, der                                                 35

  Motto                                                            4

  Mtterlein, das                                                 18

  Nach dem Gesetz ber die Pensionirung der Arbeiter             243

  Nach der Auffhrung Rudolfs II. in Berlin                    136

  Nach Sedan, an den Kaiser Wilhelm I.                           135

  Nachtigall und die Katze                                       215

  Natur und Mensch                                                47

  Nero                                                           145

  Nero's Angedenken                                              133

  Nicht bei der Leidenschaft trbem Feuer                         78

  Nicht Farbe und nicht Glaube                                   139

  Nicht im Reichthum wohnt das Glck                             176

  Nicht mehr sprechen die Sterne                                 133

  Nur allein kann ich erstarken                                   75

  O erklret mir das Rthsel                                      67

  O Faust, Du Bild des Menschen                                  139

  O gieb mir Laut und Stimme                                     117

  O Gott, Du weit am besten                                     197

  O ist's denn ganz unmglich                                    144

  O mag ein Engel Dir die Schrift diktiren                       115

  O Mensch, Du trittst mit Fen                                  79

  O sieh, wie sich's thrmt                                       93

  O wit ihr, was ich denke                                      136

  Oft ist verhat                                                175

  Parteilichkeit, Parteienha                                    196

  Phantasie                                                       79

  Poesie, die                                                     90

  Poesie ist Leben                                                92

  Polterabend, der                                                26

  Poniatowsky                                                     48

  Prall nicht an, prall nicht an                                 244

  Purpurn glnzt die Abendrthe                                  102

  Rhoswitha                                                       26

  Rosenbsche, dunkle Haine                                      228

  Rselein, das                                                   23

  Sag', was hngst Du so daran                                   115

  Scheintodte, der                                               140

  Schner Stern, hab' Dich gern                                  146

  Schwarze Wolken, graue Wolken                                  117

  Seh' ich Euch wieder, goldne Sterne                            215

  Sei Dir Alles gleich, mein Kind                                230

  Sei ein Held, ertrag die Leiden                                200

  Selbst noch eine Menschenblthe                                 74

  Sieg des Geistes                                               233

  Siehst Du nicht die grnen Matten                              123

  Sinn der Ferne                                                  81

  'S ist ja Alles nur ein Trumen                                112

  Sonnenuntergang und Aufgang                                    234

  Sperrt euch ein in groe Stdte                                177

  Spitzen-Klpplerin im Harz                                     204

  Stimmung                                                   62, 187

  Sympathie und Antipathie                                        43

  Tausend Mcken tanzen in der Sonne                              82

  Thierbndiger, der                                             219

  Thrne, die stille                                             191

  Tribun, der deutsche                                            53

  Trstend senkt die Poesie                                      122

  Tscherkessen, die                                               30

  Ufergemlde                                                     37

  Und der Himmel lacht mir wieder                                141

  Und htte ich nicht im Herzen                                  121

  Unntz lyrisches Gesinge                                       142

  Unter den Linden                                               128

  Unter mir die tausend Plagen                                   116

  Untergeh'nde Sonne, sprich                                     138

  Verschiedenheit ist nthig                                     201

  Versunken ist das Glck                                        195

  Vogelin-Prinze                                                 72

  Vglein, das                                                     1

  Vglein auf den grnen Zweigen                                  97

  Von Moral ist keine Spur                                       194

  Vor der Mutter Bild                                            157

  Vor Hermann Bdekers Bildni                                   166

  Vor meiner Mutter Bild                                         188

  Vor demselben Bilde                                            188

  Vor Nees von Esenbecks Bildni                                 148

  Vor Schillers Denkmal in Berlin                                145

  Wahrheit                                                       202

  Wanderlied                                                     245

  Wldchen, das                                                   57

  Wr ich ein Vgelein                                           175

  Was ich Hohes je getrumt                                      105

  Was ist das Beste?                                              58

  Was ntzen alle Lieder                                         126

  Wehmthig, demthig                                            138

  Weie Blthen, grne Zweige                                    228

  Weit Du was, ich will Dir sagen                               138

  Welch' Schreckenstille herrschet hier                          243

  Welten-Chaos, Menschen-Chaos                                    67

  Wenn man die Mtter                                            157

  Wer die Bangigkeit                                             110

  Wer einsam kam zu trber Hhe                                  214

  Wer Niemand ber sich zum Richter                              148

  Wie ist das deutsche Vaterland                                  21

  Wie niedrig lchelt die Dirne                                  141

  Willst Du nach den Sternen fragen                               77

  Wintergemlde                                                  193

  Wirklichkeit                                                    36

  Wo sich Epheu schlingt                                         155

  Wollte Gott                                                     58

  Wunderlieb, das                                                 24

  Zanket nicht, hetzet nicht                                     137

  Zertrmmert das Leben                                          180

  Zu allem Guten sage ja                                         143

  Zu des Orkus finsteren Gewalten                                 97

  Zu einem Gemlde Kaiser Friedrich des Dritten                   90

  Zugvgel, die                                                   69

  Zum 9. Juli, dem Todestage meiner Mutter                       153

  Zum 70jhrig. Geburtstage eines Onkels                         174

  Zur Erinnerung                                                  72

  Zustand der Gesellschaft                                        28

  Zwecklos scheint mein Leben                                    130

  Zwei Blmlein blhen am Aronstab                               156




            Das Vglein.


        Vglein, Vglein mit den Schwingen,
        Mit den Aeuglein schwarz und klein,
        La uns mit einander singen,
        La uns liebe Freunde sein!

        Vglein hpfte auf den Bumen,
        Endlich es mit Sang begann:
        Du kannst nur von Freiheit trumen,
        Dich seh' ich als Fremdling an!

        Mensch, auch Du hast Deine Schwingen,
        Aeuglein hell und klar und rein,
        Knntest Freiheit Dir erringen,
        Dann erst la uns Freunde sein!




            Abdel-Kaders Traum.


        Wolkenloses himmlisches Gewlbe,
        Unter grnen Palmen Purpur-Zelt
        Eine Reiter-Karavane hlt,
        Auf dem Boden Wstensand, der gelbe.

        Krachend unterirdisches Gewlbe,
        Fnfzehnhundert Leichen, tief entstellt,
        Jede Leiche war ein wackrer Held,
        Speit die Flamme rasselnd aus, die gelbe.

        Solch' ein Traumbild Abdel-Kader grte,
        Trunken er der Heimath Boden kte:
        Allah, Allah ruft er, meine Wste!

        Pellipssier, Dein frchterlicher Brand! --
        Pltzlich sich der Held im Traum ermannt,
        Seine Blicke trafen Kerkerswand! --




            Antibrderlichkeit.


        Sterne, knnt ihr freundlich glnzen,
        Wenn das Unerhrteste geschehen,
        Knnt ihr gleichgltig herniedersehen,
        Wenn das Bse sie bekrnzen?
        Wenn ein Funke in euch sprhet,
        Sterne lodert auf in helle Flammen,
        Nur mit Flammen knnet ihr verdammen,
        Was auf Erden hier geschiehet!

        Und Du Erde, stille, kalte,
        Birgst in Tiefen Du nicht Feuerschlnde?
        Hast Du keine fr die rgste Snde?
        Rttle Dich, Du krft'ge Alte!
        Spei sie aus mit einem Zuge,
        Unterwelt und heil'ges Himmelsfeuer,
        Schlag' zusammen ber Ungeheuer,
        Und geheuer wird's im Fluge!




            Motto.


        Sei ein Mensch, hab ein Herz
        Unter Millionen,
        Wie ein Fels, wie ein Stern,
        Stehe fest, leuchte fern,
        Setz' die Welt in Staunen!

        Sei ein Mensch, hab' ein Herz
        Fr die Millionen,
        Wenn's der Thor auch Wahnsinn nennt,
        Weil er keine Weisheit kennt,
        Kannst Du drber staunen?

        Sei ein Geist, schr' die Gluth
        Unter Millionen,
        Selber hei, selber glh',
        Frchte nie, raste nie,
        Setz' die Kraft in Staunen.

        Sei ein Geist, schr die Gluth
        Unter Millionen,
        La auf Erden eine Spur,
        Ahne sie und lchle nur,
        Es giebt sichre Kronen.

        Sei ein Geist, schr' die Gluth
        Unter Millionen,
        Wie am Himmel still ein Stern,
        Wirke lchelnd, scheide gern,
        Alles wird sich lohnen!




            Der Invalide.


        Ein alter Mann mit grauen Haaren,
        Tiefbraun von Hand und Angesicht,
        Aus dem, so stark die Glieder waren,
        Hohnfrei ein stilles Lcheln spricht.

        Mit blauen Augen, sanft, voll Leben,
        Wie mancher friedlich deutsche Strom,
        Und wie die Heil'gen sie erheben
        Im stolzen Vatikan zu Rom.

        Es spielt auf off'nem Markt die Leier,
        Der arme, alte Invalid',
        Von trber Zeit, von alter, neuer,
        Singt er dazu ein hbsches Lied:

        Oed' und verlassen
        Nah' ich dem Grab,
        Spielet ihr Lfte,
        Sanft mich hinab!

        Viel hab' ich gelitten,
        Gekmpft und gestrebt,
        Fr Deutschland gestritten,
        Fr Deutschland gelebt.

        Und eifrig that lieben
        Ich Menschen und Gott,
        Die Menschen, sie blieben
        Mir fern in der Noth!

        Oed' und verlassen
        Nah' ich dem Grab,
        Spielet ihr Lfte,
        Sanft mich hinab! --

        Viel' Leute gehn an ihm vorber,
        Die meisten sehen gar nicht auf,
        Sein sanfter Blick wird trb und trber,
        Doch spielt er immer wacker auf.

        Der Abend naht, die Sonne sinket,
        Der Alte packt die Leier ein,
        Im Auge eine Thrne blinket,
        Er seufzt: man soll zufrieden sein.

        Ich dachte heute nicht zu fasten,
        Und hofft' auf frisches Lagerstroh!
        Komm', alter, lieber Leierkasten,
        Man denkt, doch geht's nicht immer so!

        Es waren freilich khne Plne,
        Doch niemand hat mich angeschaut,
        Man zahlt nun nicht mehr solche Tne:
        Was fang' ich an in meiner Noth?

        Und, spricht er stockend und verlegen,
        Ich wei nicht, red' ich Jemand an?
        Es ist an mir nicht viel gelegen,
        Doch ganz man nicht verhungern kann!

        Herr, fleht er endlich einen Reichen,
        Sie borgen wohl acht Pfenn'ge mir?
        Mein Freund, man borgt nicht eures Gleichen,
        Und Bettlern geben selten wir. --

        Als Bettler ward ich nicht geboren,
        Ein Bettler wird man erst alsdann --
        Lehrt sanft der Greis den tauben Ohren,
        Wenn man sich nicht mehr helfen kann!

        Ein Knabe zieht die Stra' herunter,
        Mit Rosenbscheln zum Verkauf,
        Der kleine Proletarier, munter,
        Horcht bei des Alten Stimme auf.

        Herr, spricht der Knabe sehr verlegen,
        Ich hab' den Greis zwar nie gekannt,
        Doch, wenn sie einen Argwohn hegen,
        So bleib' ich Ihnen gern zum Pfand! --

        Der arme Mann, fleht er mit Beben,
        Er spielt den ganzen Tag schon hier,
        Und kann die Arme kaum mehr heben.
        Etwas verdient er schon dafr!

        Erbarmen Sie sich seines Lebens,
        Er bringt das Geld schon morgen her, --
        So fleht der Knabe, ach vergebens,
        Der harte Reiche hrt nichts mehr.

        Hrt, spricht zum Invalid der Knabe,
        Ich bind' ein Struchen fr euch los,
        's Ist freilich eine kleine Gabe,
        Doch dies allein besitz ich blo!

        Es wankt der Greis in seine Wohnung,
        Wirft matt sich auf das faule Stroh,
        Ach, -- seufzt er bitter -- ohne Schonung
        Behandelt man den Armen so?

        Die Nacht ging langsam ihm vorber,
        Es auf dem kalten Boden graut,
        Da leuchtet wunderbar herber
        Ein herrlich lichtes Morgenroth.

        Die Leier lag zu seinen Fen,
        Und dicht das Struchen rosenroth,
        Der schne Kopf auf grobem Kissen:
        Der brave Invalid war todt. --




        Holdes Blmlein, Du willst ntzen?
        Auf der weiten grnen Au?
        Sieh', die Sonne scheint so golden,
        Und der Himmel, er ist blau!

        Hohe Plne, khne Plne
        Werden Dir das Blut erhitzen,
        Holdes Blmlein, um Dich schau:
        Plne werden meistens grau.

        Rselein sich tiefer bckte:
        Was das kleine Herz entzckte,
        Kalter Zweifel will's ihm rauben!
        An das Schne will ich glauben
        -- Sprach es -- ob auch Blttlein sich entlauben! --
        Und dem Rslein Alles glckte.




        Auf und nieder steigt die Welle,
        Auf und nieder steigt die Nacht,
        Und der Sterne Glanz und Pracht
        Wechseln mit des Tages Helle.

        Ew'ger Wechsel, Nacht und Helle,
        Grne Matten, dunkler Schacht,
        Sprich, was siehst Du auf der Wacht?
        Steigend auf die festen Wlle?

        Moder, aus den Grften,
        Blumendfte in den Lften,
        Manchen Geist, ach, schwergeprften.

        Eine Welt, die Alles preist,
        Was da Glanz und Schimmer heit,
        Und das Bse vorwrts reit! --




            Gegen die Einzelhaft.


        Allein, allein -- doch nicht auf freier Erde,
        In einer Zelle dst'rem Raum allein --
        Dmonen steigen auf im engen Schrein,
        Als Ton ein Schrei, -- als Bild wahnsinnige Geberde.

        Nacht -- Tag -- Nichts -- Nichts; die Zeit, sie stehet stille,
        Das Herz steht gleichfalls still -- im Innern lebt's,
        Von Auen Eis und Tod, im Innern bebt's
        Im Innern kocht und bumet sich des Menschen Wille!

        Des Menschen Wille! Gro und Furien hnlich,
        Kleinmthig, schwach! Barmherzigkeit, ich fleh':
        Werft mich hinab in schumend wilde See,
        Nach raschem Tod, nicht nach lebend'gem Grab begehr' ich sehnlich!

        Vom schroffen Fels stot mich mit Menschenhand hinunter!
        Lat mich dabei ein einzig Menschenantlitz seh'n, --
        Ertdtet nicht den Blick -- die Sonne bleibt am Himmel stehn,
        Die Sinne, die gemordet, gehn fr immer unter!




            Geschichte.


        Tiefe Nacht und lange Schatten
        Ueber Land und ber Meer,
        Auf Europa's sumpf'gen Matten
        Tanzt das Irrlicht hin und her.

        Kohlengluthen auf dem Heerde,
        Gluthen in des Menschen Herz,
        Der mit gleichglt'ger Geberde,
        Schmiedet seiner Ketten Erz.

        Finst're Nacht und lange Schatten,
        Thrn'n und Blut auf jedem Steg,
        Auf Europa's dstern Matten
        Geht die Schlange ihren Weg.

        Und es steigen aus den Tiefen,
        Mit dem greisen Haupt und Haar,
        Ungeheuer, die sonst schliefen,
        Lautlos naht die Schreckensschaar.

        Flammen zischen, Strme brausen,
        Tritt aus Deinem Ufer aus,
        Meer, verwste und mit Grausen,
        Unsrer Erde grnes Haus! --




            Der Kontrast.


        Im feinen weien Spitzenkleide,
        Im braunen Haar Kamelienkranz,
        Steht heut Madam', 'ne Augenweide
        Macht Toilett' beim Kerzenglanz.

        Vier Hnde sind bemht zu schmcken
        Ihr selig lchelnd Angesicht,
        Ihr Dies und Jenes recht zu rcken,
        Und auch die ihrigen ruhen nicht.

        Sie geht zum Ball, und dreist ich sage,
        Die Frau ist reizend, wunderschn,
        Da sie gefllt ist keine Frage,
        Das mu ihr selbst der Neid gesteh'n!

        Wenn auch nicht eingehllt in Flimmer,
        So spielt doch fast dieselbe Scen'
        Ihr Herr Gemahl im Nebenzimmer,
        Der freilich etwas minder schn.

        Sehr fein ist seine Toilette,
        Reich glnzt der Ring an seiner Hand,
        Er putzt die goldene Lorgnette,
        Steckt seine Cigarre in Brand.

        Er ist schon fertig, spricht mit Wrde:
        Der Wagen steht fr uns bereit,
        Du bist sehr schn, genug der Zierde,
        Mein Kind, es ist die hchste Zeit!

        Wie glcklich bin ich, ruft sie leise,
        Auch ich, sagt lauter ihr Gemahl,
        Es macht mich Deine Art und Weise
        Sehr stolz auf meine gute Wahl!

        Komm -- spricht er, froh an Faro denkend, --
        Dir Alles, Alles herrlich steht, --
        Und seinen Kopf bedenklich senkend --
        Wir kommen wahrlich heut =zu= spt!

        Nur noch das Halsband mit Demanten,
        Nur noch die Broche mit dem Opal,
        Das Taschentuch mit den Brabanten,
        Den Blthenstrau und dann den Shawl!

        Zu End' ist nun die Toilette,
        In Wahrheit ein possierlich Bild,
        Solch Thorheitseifer um die Wette,
        Stets aus beschrnktem Geiste quillt.

        So jung, so schn, so voller Freuden,
        So voller Anmuth und so reich,
        Eilen hinunter nun die Beiden,
        An Eleganz sich selber gleich.

        Die reichen Menschenkindchen trumen
        In dem Moment von Unglck nicht,
        Da sieh, sich scheu die Rosse bumen
        Vor eines Mannes Angesicht.

        Ein armer Mann, die Stirn voll Falten,
        Mit stierem Aug' und hohler Wang',
        Mit Lippen, dnnen, bleichen, kalten,
        Die schon vertrocknet schienen lang;

        Stand an des heitern Hauses Schwelle,
        Verhungert und erstarret fast,
        Der Mond beschien an jener Stelle
        Das Elend unter seiner Last.

        Ich fleh' -- spricht er -- um ein Almosen,
        Und kt der schnen Frau die Hand,
        Sein schwacher Ku drckte die Rosen,
        Die an des theuren Handschuhs Rand.

        Mein Freund, sagt sie mit kalten Mienen,
        Erzrnt durch diese Frevelthat,
        Ich habe keine Zeit zu Ihnen,
        Ob Robert etwa Kleingeld hat?

        Robert zieht nun den vollen Beutel,
        Wie herrlich glnzt darin das Gold,
        Doch all sein Suchen war nur eitel,
        Denn Wen'ges war's, was er gewollt.

        Halt, halt, gieb etwas jenem Armen,
        Herrscht nun der Herr den Kutscher an,
        Des Letzteren Blick fllt voll Erbarmen
        Und Grauen auf den armen Mann.

        Er greift hinein in seine Taschen,
        Zwei- und Viergroschen sind darin.
        Schnell sucht er beide zu erhaschen,
        Und wirft sie rasch dem Armen hin.

        Hier Bruder, sind sechs Groschenstcke,
        's ist Alles, was ich geben kann
        Und -- sagt er sanft mit feuchtem Blicke --
        Fragt manchmal dort im Giebel an!

        Jetzt rollte fort der rasche Wagen,
        Der Kutscher wischt ein Aug' sich ab:
        Er denkt an all die groen Fragen,
        Die solch' Kontrast zu lsen gab.




            Die Knaben.


        Wie Du so viel Thrnen weinst!
        Ziehest fort, Du lieber Freund,
        Seh'n wir uns auch wieder einst?

        Weit zieh' ich, weit bers Meer,
        Und ob wir uns wiederseh'n:
        Zweifle, zweifle ich gar sehr! --

        In die Lnder ziehst Du hin,
        Wo's so schn und schwl soll sein?
        Kennst Du auch die Kinder drin?

        Nach Amerika geht's hin,
        Drckend hei soll es dort sein,
        Und ein Fremdling dort ich bin!

        Mach' das Herz mir nicht so schwer,
        Einstens seh'n wir uns noch, ja:
        Einstens kommst Du wieder her!

        La mich schau'n Dir ins Gesicht,
        Denn wenn wir uns wiedersehn:
        Kinder sind wir dann doch nicht! --




            Das Mtterlein.


        Was siehst Du, Kind, im Mondenschein?
        Ein Mtterlein am Wegestein,
        Viel Tausend Falten auf Stirn und Wang'!
        Ihr scheinet, ach, so weh, so bang!
        Viel Tausend Zhren sie leise verschluckt,
        Das matte Haupt zur Erde gebuckt.

        O, weine nicht, armes Mtterlein,
        Es blinkt so hell der Mondenschein!
        Die gold'nen Aehren auf Berg und Thal,
        Sie bcken und gren Dich allzumal!
        Und bis auf das kleine Goldkferlein,
        Kann Alles nicht schner und prchtiger sein.

        Wohl blinket so silbern der Mondenschein,
        Doch dster und eng ist mein Kmmerlein,
        Fr mich wchst nichts auf dem grnen Feld,
        Dem meine Hnde den Acker bestellt!
        Ach freilich konnt' es nicht anders sein,
        So seufzet das arme Mtterlein.

        Was sieh'st Du, Kind, im Mondenschein?
        Ich seh' die grnen Hgelreih'n,
        Die goldnen Aehren auf Berg und Thal,
        Sie gren und laden die Alte zum Mahl!
        Die Stirne in Hnden sie mchtig sinnt,
        Und Thrne auf Thrne zur Erde rinnt.




            Fanatismus und Geld.


        Auf der Kette wohlverschlung'ner Berge
        Steh'n zwei Gnomen, stolz und mchtig gro,
        Tausend Riesen knien vor jedem Zwerge,
        Ihre Arme mig bei dem eignen Loos;
        Nur wenn jene Gnomen es gebieten,
        Eilt die Arbeit, da die Funken sprhten. --

        Jedem Zwerg ist unterthan die Erde,
        Krppelhaft gestaltet sich die Welt,
        Riesen wurden eine staub'ge Heerde,
        Vor den Gnomen: Fanatismus, Geld!
        Geist'gen Arme schttelt eure Kette,
        Und der Gnome wird zur Brandessttte.




            Immergrn.


        Immergrn trotz Zeit und Wetter,
        Pflnzchen zart und fest und schn,
        Smaragdfarben Deine Bltter,
        Knntest bei den schnsten stehn!

        Denn der Freieste von Allen,
        Dessen Blick man nie bestach,
        Rousseau fand an Dir Gefallen,
        Ward gerhrt, wenn er Dich brach.

        Wenn er Deinen zarten Stengel
        Selten froh in Hnden nahm,
        Zagend, forschend, suchend Mngel,
        Und zum Vorschein keiner kam!

        Pflnzchen, liebstes mir von Allen,
        Ewig bleibst Du theuer mir:
        Rousseau konntest Du gefallen,
        Dank fr seine Freuden Dir!




            Wie ist das deutsche Vaterland?


        Sieh, das Haus ward mir zu enge,
        Und es trieb mich in die Welt,
        In des Thales dunkle Gnge,
        Wo sich's wie im Traum verhlt.

        Rebenhgel, Tannenwlder,
        Mitten hin des Stromes Band,
        Schmucke Auen, Weizenfelder,
        Schnes deutsches Vaterland!

        Zu den blankgeputzten Htten
        Droben auf der Bergeshh',
        Zog es mich mit raschen Schritten
        Und verwundert still ich steh'.

        Eine Stimme ruft von innen,
        Eine Stimme klar und hell:
        Guter Jngling, geh' von hinnen,
        Schreit' nicht ber diese Schwell'!

        Steig' auf Burgen, steig' auf Zinnen,
        Sieh' von auen an das Land,
        Was Du sehen kannst da drinnen,
        Es verwirrt Dir den Verstand.

        Unsrer Htten trbe Weise
        Pat nicht zu der schmucken Au,
        Guter Jngling, wirst zum Greise,
        Und Dein Lockenhaar wird grau.

        Blmlein ranken um die Mauer,
        Schn bepflanzt von welker Hand,
        Und benetzt von Thrnenschauer
        Grnt das deutsche Vaterland!




            Drei Schlagworte.


        Wie heit das Wort, das in der halben Welt
        Man gleichbedeutend mit dem Gelde hlt,
        Doch mit dem Geld, das stets im Sckel bleibt,
        Und schon von selbst die besten Zinsen treibt?
        Es ist, es heit, die, die, die, die,
        Die theure Bourgeoisie!

        Wie heit das Wort, das in der halben Welt
        Man gleichbedeutend mit dem Elend hlt,
        Doch mit dem Elend, das mit wack'rem Muth
        Die schwere groe Arbeit thut?
        Es ist, es heit, der, der, der, der,
        Es heiet: Proletarier!

        Wie heit das Wort, das in der halben Welt
        Man gleichbedeutend mit Utopien hlt,
        Doch mit Utopien, hnlich Morgenlicht,
        Das hell und warm zu jedem Herzen spricht?
        Es ist, es ist mein Ideal,
        Das groe Wort, es heit: social.




            Das Rselein.


        Gr Dich Gott, mein Rselein,
        Schn und klein und sanft Du bist:
        Wie sie so anmuthig ist!

        Rselein, gern seh ich Dich!
        Bleib so still und lieb und rein:
        Bleib so ewig jung und mein!

        Rslein mein, o denk an mich!
        Purpurroth und grn Dein Stiel:
        Geist und Anmuth hat sie viel!

        Rslein, Dich, Dich liebe ich!
        Zart drck' ich Dich an den Mund:
        Nehme Abschied, bleib gesund!

        Blttlein klein, o bleibet frisch,
        Ihres Zweiges dunkelgrn:
        Ach, ich mu von dannen zieh'n!

        Rslein, nein, es war nur Scherz:
        Ewig, ewig bleib ich Dein!
        Ewig bleibst Du lieb und fein!

        Rselein, o gr Dich Gott,
        Schn und frisch und mein Du bist:
        Voll mein Herz vor Freuden ist! --




            Das Wunderlieb oder die Bucht in Wckelsdorf.


        Tief unten zwischen Bergen
        Da liegt ein Fischerkahn,
        Den lenkt das Wundermdchen,
        Die 's Vielen angethan.

        Ihr Aug' so blau und strmisch,
        Wie aufgeregte Fluth,
        Halb traurig und halb schaurig
        Still auf der Gegend ruht.

        Der braunen Flechten Lnge,
        So gro wie Schilf im Flu,
        Drauf, sagt man, drckt die Nixe
        Allnchtlich einen Ku.

        Den Strohhut auf den Haaren,
        Das Ruder in der Hand,
        So fhrt sie auf und nieder
        Doch niemals bis an's Land.

        Die Thrnen in den Augen
        Der Jungfrau sind erstarrt,
        Und ihre weien Arme
        Sind Marmor, kalt und hart.

        Den Jngling fat Entsetzen:
        Das Wunderliebchen sein,
        Der Nachen samt dem Ruder
        Und alles ist von Stein.

        Es dunkelt auf den Bergen,
        Des Fischerkahns Gestalt
        Samt Jngling und samt Jungfrau
        Umschlingt die Tiefe bald.

        Das schne Wundermdchen
        Samt Ruder und samt Boot
        Sind noch in Stein zu sehen, --
        Den Jngling fand man todt.




            Rhoswitha.


        In stiller Klosterzelle sa
        Ein ernstes Frauenbild,
        Tief eifrig schrieb und dacht' und las
        Rhoswitha, sanft und mild.

        Ein dunkel hrenes Gewand
        Bis an den Hals sie trgt,
        Ein groes Buch von Pergament
        Liegt vor ihr aufgelegt.




            Der Polterabend.


        Herab von seiner stolzen Feste
        Lehnt sich ein Rittersmann,
        Tief unten aus dem Felsengrunde
        Schwingt's lautlos sich hinan.

        Schwarzbraune Locken auf dem Nacken,
        Rothsammtnes Prachtgewand,
        Den erznen Panzer um die Hfte,
        Das Visir in der Hand,

        So lehnt er an dem Erkerfenster
        Im hochzeitlichen Schmuck,
        Was stierst Du, Ritter, in die Tiefe
        Das Irrlicht zeigt nur Trug!

        Ruht Laura nicht im stillen Grabe?
        Kein Schatten kehrt zurck,
        Vergi die Schuld, zum Hochzeitsmahle
        Ruft bald Dein froh Geschick!

        Ha, immer stiert er noch herunter,
        Den feur'gen Blick hinab,
        Das Irrlicht steht an jener Stelle,
        Wo sie den Tod sich gab.

        Sein Grund ist leer, o weh, der Schrecken!
        Was singt dort am Gestein?
        Was schwingt sich hoch von Fels zu Felsen
        Im weien Heil'genschein?

        Noch grauet nicht Dein Hochzeitsmorgen,
        Noch schaust Du nicht Dein Glck,
        O, harter Ritter, schau' lieb' Laura,
        Ihr Schatten kehrt zurck! --

        Den stolzen Mann erfat ein Grausen,
        Als er das Lied gehrt,
        Von Geisterarmen fortgerissen
        Er in den Abgrund fhrt.

        Horch, da ein namenloses Poltern
        Im felsigten Gestein,
        Als wenn auf einmal tausend Donner
        In's Burgthor schlgen ein.

        Drum soll am Abend vor der Hochzeit
        Ein Polterabend sein
        Denn, heit es, wo viel Licht und Freude
        Wagt sich kein Geist hinein.




            Der Zustand der Gesellschaft.


  Die Erde bebt, gro und gewaltig wird ihr inn'res Wthen,
  Und schwarz und finster war's und keine Sonnen glhten.

  Ach, keine Blten, und kein Rauschen, und kein Frhlingswehen
  Die groe Nacht war dster, schauerlich mit anzusehen.

  Da erschallt des Donners Stimme und erweckt die stumme Nacht.
  Des Blitzes Schein erhellt die Erde, die Menschheit, sie erwacht.

  Sie ffnet halb das mde Auge, vom Schein zurckgeschreckt,
  Und schlfrig bleibt die Wimper liegen, die ihr das Licht versteckt.

  Doch durch die zarten, kleinen Hrchen, der groe Lichtstrahl dringt.
  Und golden es dem langen Schlfer ins trbe Auge blinkt.

  Es folgt ein Blitz dem ersten Strahle, mit voller Blitzeskraft,
  Die ganze Welt, sie steht in Flammen, und hat sich aufgerafft.

  Die Menschheit mit den edlen Zgen, sie sieht den jungen Tag,
  Und macht sich auf vom finstern Lager, wo sie im Schlafe lag.

  Noch fhlt sie nicht den Rausch der Wonne, sie schreckt die Gegenwart,
  Sie fhlt sich schwach, denn sie ist feige, und ahnt, was ihrer harrt:

  Sie konnt' das Finst're ja nicht schauen, was that es ihr zu Leid? --
  Jetzt sieht sie es, vom Licht erhellet, und sieht es weit und breit!

  Ich soll die Finsterni verscheuchen, so ruft der Mensch und weint,
  Die Finsterni wird gro und grer, je nher sie erscheint; --

  Ich will ihr nicht ins Auge sehen, der schwarzen Hllenbraut,
  In diesen Abgrund, der verzehret, wenn man hinunter schaut! --

  Die Menschheit mchte wieder schlafen, und drckt ein Auge zu,
  Doch auch im Herzen brennt die Flamme; und ihr wird keine Ruh'.




            Die Tscherkessen.


        Sieh, drei Reiter, glnzend, prchtig,
        Wie sie nur im Traume!
        Scharlachroth, auf schwarzen Rossen,
        Und mit gold'nem Zaume.

        Schwarz und golden, herrlich flimmert's,
        Wie sie blitzschnell eilen,
        Funken stuben gleich Raketen,
        Und es schwinden Meilen.

        Purpurfedern auf Baretten,
        Dolche an den Seiten,
        Schienen sie die schnelle Runde
        Um die Welt zu reiten.

        Und die Rosse, wie arabisch
        Ihre Blicke leuchten,
        Wie die glnzend schwarzen Haare
        Helle Tropfen feuchten!

        Dreimal kam die Nacht gezogen,
        Dreimal sah man's tagen,
        Und noch immer Rosseshufe
        Samt den Herzen schlagen.

        Dreimal kam die Nacht gezogen,
        Dreimal sah man's tagen,
        Und es konnten Feuerkugeln
        Sie noch nicht erjagen!

        Endlich sieh' im Mondenscheine
        Die drei Reiter knieen,
        Brck und Wasser hinter ihnen
        Eine Linie ziehen.

        In dem Grenzort auf dem Berge
        Steht des Marktes Menge,
        Und Bewunderung, Staunen, Rhrung,
        Wechseln im Gedrnge:

        Seht ihr, seht ihr die Tscherkessen,
        Herr Gott! wie die reiten:
        Feuer sprhen ihre Blicke
        Hin nach allen Seiten!

        Sie entfloh'n aus tiefem Reuen,
        Heldenmut im Blute, --
        So tnt's in des Volks Geflster --
        Wie den' auch zu Muthe?

        Vor des Preu'schen Rathhaus Schwelle
        Stehet die Behrde,
        Und die Reiter, hei und glnzend,
        Ruhen auf der Erde.

        Ihre Zeichen, ihre Mienen,
        Blicke, freudetrunken,
        Streicheln sie die prcht'gen Rosse,
        Wie im Traum versunken.

        Ihre Zeichen, ihre Mienen,
        Ihre dunklen Worte,
        Sie entrthselt halb ein Dolmetsch,
        Tief gerhrt am Orte.

        Wir Cirkassien's freie Shne
        In der Sklaven-Ferne
        Hrten rhmen eure Freiheit,
        Dienten Freien gerne!

        Durch des groen Gottes Fgung
        Nun auf freier Erde,
        Flehen wir zum freien Preuen,
        Da uns Hilfe werde!

        Dreimal vier und zwanzig Stunden
        Ohne Rast geflohen,
        Bieten wir uns, uns're Schwerter
        Euch an voll Vertrauen!

        Dreimal vier und zwanzig Stunden
        Ohne Rast geritten,
        Wir um edle, groe, deutsche
        Gastlichkeit nun bitten! --

        Also klangen ihre Worte,
        Und mit starrem Munde
        Still vernahm des Ortes Vorstand
        Diese selt'ne Kunde.

        Selbe Nacht noch, sieh', pechfinster,
        Trotz des Vollmonds Lichte,
        Lautlos durch die tiefe Stille
        Lauschet die Geschichte.

        Horch, zwei preuische Schwadrone,
        Die Tscherkessen mitten,
        Ziehen auf dem dunklen Boden
        Hin mit festen Tritten.

        Wieder sieht man durch die Gegend
        Rosseshufen sprhen,
        Brck' und Wasser diesmal ihnen
        Vorn die Grenze ziehen.

        Horch, da ffnet sich der Schlagbaum,
        Und am Brckenkopfe
        Nicken durch die hohle Oeffnung
        Russen mit dem Kopfe.

        Dumpf Gemurmel vom Kartelle,
        Freundschaft, ungeschwchten,
        Und man bergiebt die Helden
        Den Kosakenknechten!

        Dster graut der vierte Morgen,
        Einzeln leuchten Sterne,
        Russen bilden einen Halbkreis,
        Wetterleuchten ferne:

        Dster flimmern die Laternen,
        Donner westwrts grollen,
        Von der Helden Haupt, gebcktem,
        Groe Thrnen rollen:

        Niederknien alle Dreie,
        Und vom Regimente
        Dreimal tnt die Russische Salve,
        Da die Erde drhnte!




            Der Misanthrop.


        O Einsamkeit, Du stilles Land,
        Der Trume und des Friedens Du,
        Die Dankbarkeit mich Dir verband,
        Dir dank' ich meine se Ruh'!

        Du gabst mir wieder alles das,
        Was ich verloren hielt,
        Die Liebe, die ich schon als Ha
        In meiner Brust gefhlt.

        All das, was Edles ich geglaubt,
        Dir dank' ich's nun allein,
        =Den= Glauben mir nun keiner raubt,
        Denn einsam will ich sein!

        Wer wei, ob nicht in jener Welt
        Ein Geist wird einsam sein,
        Ob jedem Geist nicht eine Welt
        Beschieden auch wird sein.

        Es lebe stille Einsamkeit!
        Du gabst mir se Ruh!
        Ich weihe mich der Dankbarkeit,
        Mein einziger Freund sei'st Du.




            Wirklichkeit.


        Grne Matten, Staub und Asche,
        Menschenauge, schn und gro,
        Ist es wahr, da solchem Glanze
        Drohet der Vernichtung Loos? --

        O verwesen und vernichten!
        Doch Vernichtung ist es nicht
        Nur verpuppen wie die Raupe
        Soll der Mensch sein Angesicht.

        Sag', was ist Dir, ses Kindchen,
        Und was widert jetzt Dich an?
        Macht's die Aehnlichkeit der Raupe,
        Da Dir geht ein Ekel an?

        Ses Kindchen, Menschenrupchen,
        Mach kein bitterbs Gesicht,
        Und verbitt're drum das Leben
        Deinen Mite-Raupen nicht. --




            Fernweh.


        Gold'ne Sonne mit den Strahlen,
        Komm und nimm mich an Dein Herz
        Und von Deinem Licht getragen,
        Steige mit mir himmelwrts!

        Zeige mir dort Deine Wesen,
        Deinen groen Wunderraum,
        Und damit ich's nicht verrathe,
        La mich's schauen wie im Traum!

        Oder nimm mich in die Hhe
        Nur ein tausend Meilen mit,
        Da von dort aus ich es sehe,
        Wie die Erde klein aussieht!




            Ufergemlde.


        Es heulet der Sturm,
        Es tobet die See,
        Es peitschet der Wind
        Die See in die Hh.

        Es steuert ein Fahrzeug
        Am seegrnen Strand,
        Es steiget die Mannschaft
        Mit Beben ans Land.

        Ein Weib ist dazwischen,
        Das Kind auf dem Arm,
        Drckt's fester und flehet:
        Da Gott sich erbarm'!

        Gerettet, bewahret
        Von gttlicher Hand,
        Bewahrt vor dem Abgrund,
        Der Tiefe Gestrand.

        Am Ufer ich bete,
        Mit Blumen geschmckt,
        Mein Kind ist kalt,
        Mein Haupt ist gebckt.

        Sie sagen, 's wr todt,
        O Vater, o nein,
        Du lssest nicht halb nur
        Gerettet uns sein!

        Im Schrecken nur schlo es
        Die Aeugelein zu,
        O rettender Gott
        Gelobet seist Du!

        Belebe mein Kindlein,
        Mein Herz und mein Blut,
        Sonst wollte ich lieber
        Hinab in die Fluth;

        Zurck in die Tiefe,
        In Wassers Gewalt,
        Wo unser Nothschu
        In Klften verhallt'.

        Das Auge sie hebet
        Zum Himmel empor,
        Da schlaget, horch pltzlich
        Ein Schrei an ihr Ohr.

        Ei, sieh' da, das Kindlein,
        Das Kind ist erwacht,
        Sein Mund hat geschrieen.
        Sein Aug' hat gelacht!

        Es sinkt in die Kniee
        Die Mutter am Strand
        Und rufet ganz trunken!
        O sehet doch Gottes Hand!

        Die Mnner, sie wenden
        Verwundert sich um
        Und geben das Kindlein
        In die Runde herum.

        Sie heien es Jeder
        Willkommen am Land!
        Und murmeln dazwischen
        O sehet doch Gottes Hand!




            Die Heimchen.


        Hrst Du, wie die Heimchen zirpen?
        Wird es Dir nicht heimlich so?
        Ist es nicht, als wenn Dir riefen
        Freundesstimmen irgendwo?

        Dst're Nacht im Krankenzimmer,
        Strme drauen, Strme drin,
        Feuersbrunst am dunklen Himmel,
        Heie Gluth um Herz und Sinn.

        Sehnend mich nach neuer Schpfung,
        Mich nach ros'gem Morgenlicht,
        Sa ich still beim Lampenscheine,
        Kummer in dem Angesicht.

        Horch da, pltzlich Heimchen sangen,
        Traulich, heimlich ward es so,
        Als wenn Freundesstimmen riefen,
        Trstend, hoffend irgendwo!

        Heimchentne, Heimchenworte,
        Klangvoll fing's zu sprechen an:
        =Wer die= Kehlchen singen lehrte,
        =Der= auch Heilung schaffen kann! --




            Der Barde.


        Fr eine Dame schn und hold,
        Fr Minnetreu und Minnesold,
        Des Barden hchstes Gut,
        Verspritzen wir das Blut.

        Der Barde liebet Ehr' und Recht,
        Er ist der Erste im Gefecht,
        Fr Mortimer von Lewellyn[1]
        Bis in den Tod die Barden ziehn.

        Fr Wales, unser Vaterland,
        Gesegnet schn von Gottes Hand
        Fr seine Berge und grne Seen
        Die Barden Alle fr Einen stehn.


Anmerkung:

[1] Der letzte der selbststndig regierenden Frsten von Wales.




            Am Rhein.


        Auf Bergeshh'
        Den Pfad entlang,
        Auf off'ner See
        Beim Harfenklang.

        Im Frhrothschein,
        Bei blauer Luft,
        Am Rhein, am Rhein
        Beim Kruterduft.

        Im Himmelsraum
        Den Vgelschwarm,
        Im Hirn den Traum,
        Ganz sonder Harm.

        Im Abendroth
        Das Thal hinab,
        Und dann, dann todt,
        Allein, im Grab.




            Die Judenkirsche.

            (_Physallis Alkekengi_).


        Ein kleines, ernstes Bumlein,
        Streckt seine Zweige aus,
        Es lie nicht gern sich essen
        Und Ha war drum sein Loos!

        Roth sind die schnen Frchte,
        Die Blthen wei wie Schnee,
        Es zeuget die Geschichte
        Von Bumchens Schmerzensweh!




            Sympathie und Antipathie.


        O, menschliche Wohlfahrt und menschliche Freiheit,
        Euch beide die Seele mit Liebe umfat,
        O menschliches Elend und menschliche Bosheit,
        Wie seid ihr mir beide so tief doch verhat.

        Und sollt ich die Ersten auch niemals erblicken,
        Und schlgen die Letzten mir stets ins Gesicht,
        Ich hng' an den Ersten mit ew'gem Entzcken,
        Im Leben verlocken die Letzten mich nicht! --




            Das scheintodte Kind.

              _Nocturno._


        Strmisch ist die Nacht
        Kind im Grab erwacht,
        Seine schwache Kraft
        Es zusammenrafft.

        Machet auf geschwind
        Ruft das arme Kind,
        Sieht sich ngstlich um:
        Finster ist's und stumm.

        Ueberall ist's zu,
        Mutter, wo bist Du?
        Stoet aus den Schrei,
        Horchet still dabei;

        Und in seiner Qual
        Klopft es noch einmal
        Sieht sich grausend um:
        Finster ist's und stumm.

        Streckt die Aermlein aus,
        Hmmert schnell drauf los,
        Ruft entsetzt und laut:
        Hrt, ich bin nicht todt!

        Lehnt sein Haupt am Arm:
        Da sich Gott erbarm',
        Lebt man ewig so?
        Und wo stirbt man, wo?

        Ach, man hrt mich nicht,
        Gott, ach nur ein Licht!
        Sieht sich nochmals um!
        Finster bleibt's und stumm.

        Stier und starr es tappt,
        Und am Sarg' es klappt,
        Horch, da strmt sein Blut
        Durch des Nagels Hut;

        Aus dem warmen Quell,
        Sprudelt's rasend schnell
        Endlich stirbt das Kind,
        Froh die Engel sind!

        Strmisch ist die Nacht,
        Bltter rauschen sacht,
        Niemand sah sich um:
        Finster blieb's und stumm!




            Logik.


        Es hrt ein wack'rer Kriegersmann
        Sich dies Geschichtchen einmal an,
        Dem Tod konnt er ins Antlitz sehn,
        Doch jetzt im Aug' ihm Thrnen stehn.

        Ein Leichenhaus, ein Leichenhaus,
        Ruft er aus vollem Halse aus,
        Wir wollen nicht auf bloen Schein
        Beseitigt und begraben sein!

        Wir wollen, alle Wetter auch,
        Nicht halten an dem dummen Brauch,
        Da man mit uns zu Grabe rennt,
        Als wenn man's nicht erwarten knnt'!

        Fr Todte haben Gelder wir,
        Und um Lebend'ge handelt's hier!
        Man shnt wohl solche Grausamkeit
        Nicht mehr in aller Ewigkeit.

        Fr Tnzer giebt es Raum und Zeit --
        O, tiefbethrte Menschlichkeit!
        So lang' nicht Leichenhuser sind,
        Seid alle ihr so schlecht als blind!




            Natur und Mensch.


        Es blinken die Sterne hinab auf das Moos
        Es regt sich das Blttlein im Moose,
        Im Schatten der Palme dort riesengro,
        Dort wchst eine purpur'ne Rose:
        O Blttlein mein, so frisch und klein,
        O duftiges, purpurnes Rselein!

        Es blinken die Sterne hinab auf das Moos,
        Es hpfet ein Vglein im Moose,
        Im Schatten der Palme dort riesengro,
        Erblhet die Wundermimose:
        O Rslein mein, Mimslein mein,
        Und lustiges, hpfendes Vgelein.

        Es funkeln die Sterne hinab auf das Moos
        Es birgt ein Gesicht sich im Moose,
        Ein weinend Gesicht, und riesengro
        Die Thrne, allberall groe: --
        Und Thrne und Blut bis zum Himmel reicht,
        Und allerlei Schnheit auf einmal erbleicht.




            Poniatowsky.


        Ich sa am Fu des Berges
        Und trumte mancherlei,
        Die kleine, frische Elster,
        Sie pltscherte vorbei.

        Was hast Du zu erzhlen,
        Du schmales Silberband,
        Was wir nicht schon gehret,
        Was uns nicht schon bekannt?

        Was Dir bekannt geworden,
        Durch der Geschichte Mund,
        Das waren bunte Muscheln,
        Doch Perlen beut mein Grund.

        Ich sa am Fu des Berges,
        Und trumte mancherlei
        Die kleine frische Elster,
        Sie pltscherte vorbei.

        Komm her, la Dir erzhlen,
        Du fremdes Menschenkind,
        Einstmalen Ro und Reiter
        In mir versunken sind.

        Versteh' mich recht, dem Polen,
        Die Hoffnung gnzlich sank;
        Er strzt sich in die Tiefe,
        Es hie: da er ertrank;

        Er =lebt= in meinen Fluthen,
        Singt nchtlich einen Sang,
        Wie ein Gebet so klingt es,
        Doch traurig, weh und bang;

        Er =lebt= in meinen Fluthen,
        Und weint um's Vaterland,
        Die Thrnen werden zu Perlen,
        Man fischt sie an das Land.




            Das Mdchen an der Donau.

              Genrebild.


        Frischer strahlt im Morgenglanze
        Uns're junge Erde noch,
        Und das Mdchen pflckt zum Kranze,
        Klettert auf der Berge Hoch.

        Schn ist's auf der Berge Rcken,
        Schn im schatt'gen Thalesgrund,
        Und es lchelt voll Entzcken
        Still des Mdchens kleiner Mund.

        Auf der Hhe steh'n noch Reben,
        Von der Trauben Zahl gebckt,
        Und ein Krbchen dicht daneben,
        Dem das Mdchen nher rckt.

        Schnell sie nimmt und stecket denkend
        Von den Beeren in den Mund,
        Und das kleine Kpfchen senkend,
        Blickt sie abwrts in den Grund.

        Bricht noch saft'ge Trauben viele,
        Vollgepflckt schon's Krbchen steht,
        Doch sie ist noch nicht am Ziele,
        Still und rasch sie weiter geht.

        Zu dem Strome, der hinunter
        In die weite Eb'ne eilt,
        Unser Mdchen, rasch und munter,
        Gern beim wilden Strom verweilt.

        Heller strahlen ihre Blicke,
        Frhlich frbt die Wange sich,
        Und auf ein'ge Augenblicke
        Setzt das wilde Mdchen sich.

        Stiert hinunter in die Welle,
        Stiert hinunter in die Fluth,
        In den Augen spiegelhelle,
        Eine schne Thrne ruht.




            Das rothe Blmlein.


        Ein rothes Blmlein auf grner Au,
        Ein kleines Wlkchen an Himmels Blau,
        Ein feines Mgdlein im leichten Kahn,
        Es eilet, es eilet die Fluth hinan.

        Das Blmlein zittert auf grner Au,
        Das Wlkchen am Himmel wird schwarz und grau
        Das Mgdlein bebet im leichten Kahn,
        Und mchtiger eilet die Fluth hinan.

        Das Blmlein zerstoben auf grner Au,
        Das Wlklein verschwunden am himmlischen Blau.
        Das Mgdlein versunken im leichten Kahn,
        Es steiget die Fluth die Hhen hinan.

        Was strmst Du, Fluth, den Himmel hinan?
        Was willst Du, Du grulicher Wassersmann? --
        O stolzer Knabe, sei ruhig, sei still,
        Dein Spiel und Dein Traum und Dein Lieb ich will! --

        Mein Spiel ist hin, und mein Traum ist hin,
        Was kmmt Dir thrichter Mann in den Sinn!
        Mein Lieb lebt unter der brausenden Fluth,
        Und nimmer verlischt uns're Liebesgluth.

        Das rothe Blmlein, das war mein Spiel,
        Dem Wlkchen am Himmel traut' ich so viel,
        Dem Mgdlein folgte mein ganzes Herz,
        Durch Htte und Kerker und Noth allerwrts:

        Und schlgt die Woge auch ber ihm her,
        Das Mgdlein erstehet aus Nacht und Meer.
        Ich seh' es behalten so wohl auf dem Grund,
        Als wie es mir noch vor den Augen stund.




            Der deutsche Tribun.


        Es stand ein zierlicher Jngling
        Auf einem Hgel von Stein,
        O drfte ich, rief er, hinber --
        Hinber bis ber den Rhein!

        Der Strom zu meinen Fen,
        Mit seinem lieblichen Grund,
        Steh' trumerisch ich am Ufer,
        Schon manche so lange Stund'!

        Wohl bin ich ein echter Deutscher,
        Verbannet, doch ohne Grund,
        Ein Deutscher schon tausend Jahre --!
        Und spttisch gar lchelt sein Mund.

        Ein Deutscher, trotz schwarzer Locken,
        Der Falte in Mitten der Stirn,
        Dem trbe und bleichen Antlitz,
        Und einem so glhenden Hirn! --

        Wer war's, der sich so sinnig
        An jenen Fels hat gelehnt?
        So wahrhaft sich und so innig
        Nach Deutschland hat gesehnt?

        Er war es, der wackere Brne,
        In dessen Brust es so schwl,
        Der Deutschland so ernsthaft liebte,
        Mit sdlichem Gefhl! --

        Den Deutschland einst verstoen,
        In Deutschland einst verpnt,
        Und der sich darum nicht minder
        Nach Deutschland hat gesehnt.




            Die Jagd.


        Hell der Himmel ist erleuchtet.
        Sonnenstrahlen hin und her,
        Frischer Thau den Rasen feuchtet,
        Silbern glnzt das Jagdgewehr.

        Eine Jagd ist's! Blutig jagend
        Eilt der Jger durch den Wald,
        Fr das Bse Alles wagend,
        Mordruf weit und breit erschallt!

        Aufgescheucht flieh'n junge Rehe,
        Von dem blut'gen Schauplatz fort,
        Doch der Jger Todes-Nhe
        Eilet nach von Ort zu Ort.

        Mit der Hast, dem wilden Grimme
        Der das Bse gern beschnt,
        Der betubend jene Stimme
        Ernsten Mahnens nicht verhhnt.

        Bei dem blut'gen Reh daneben
        Steht der Schtze blutig roth:
        Rche, Gott, mein schuldlos Leben,
        Fleht das Thier vor seinem Tod.

        Trotzig glnzt des Waidmann's Miene
        Bei des jungen Rehes Blut,
        Und es war, als wenn's ihm schiene
        Heute htt' er Glck und Gut! --

        O da ich den Bock erwische!
        Und so sprengt er rasend fort,
        Und bleibt hngen im Gebsche,
        Und das Ro trabt weiter fort.

        Schleift den Jger zu der Haide,
        Wo das Thier getroffen liegt,
        Still am Boden liegen Beide,
        Schuldlos Reh hat obgesiegt!

        Endlich macht es eine Runde,
        Endlich steht das muth'ge Ro,
        Und in selbiger Sekunde
        Geht des Jgers Bchse los.

        Trifft des Jgers stiere Blicke,
        Schmerz durchzuckt sein Angesicht:
        Jger, traue Deinem Glcke,
        Deiner wilden Jagdlust nicht!




            Amerika.


        Amerika, Du Land der Trume,
        Du Wunderwelt, so lang und breit,
        Wie schn sind Deine Kokosbume,
        Und Deine rege Einsamkeit!

        Mit Deinen blau und rothen Vgeln,
        Mit Deinem stolzen Blumenheer,
        Mit Deinen tausend Schiff' und Segeln,
        Von denen voll Dein weites Meer!

        Mit Deinen smaragdgrnen Blttern,
        Mit Deiner duftig khlen Nacht,
        Zu nahn Dir auf des Schiffes Brettern,
        D'ran hab' als Kind ich schon gedacht!

        Trotz Deiner prchtig bunten Schlangen,
        Trotz Deiner heien Sonnengluth,
        Gilt Dir mein eifriges Verlangen,
        Das mchtig nun und nimmer ruht!




            Das Wldchen.


        Ein Wldchen sich erhebt,
        Sprot frhlich himmelan,
        Ob unser eins noch lebt,
        Wenn einst die Axt daran?

        Man pflanzt den Berg mit Wein,
        Der Muskateller bringt,
        Ob wir noch lebend sein,
        Wenn er im Becher blinkt?

        Ein Rosenknspchen blht,
        Und morgen auf es bricht,
        Ob es mein Aug' noch sieht
        Wei Gott, ich wei es nicht!




            Wollte Gott.


        Die dunkelgrnen Tannen
        Auf grnem Rasenland,
        Darber Sonnenstrahlen
        Und Himmel ausgespannt.

        Die Sonne ist gesunken,
        Die Senner gehn nach Haus,
        Zerlumpte, bleiche Leute,
        Sie sehn gespenstisch aus.

        Ihr schnen grnen Tannen,
        Ihr glnzt im Abendroth,
        O wollte Gott, so hinge
        An euren Zweigen Brot!




            Was ist das Beste?


        Ein Liedlein tnt von Ferne:
        Was ist das Liebste Dir? --
        Die Augen und die Sterne,
        Sie sind das Liebste mir.

        Ein Liedlein tnt von Ferne:
        Was ist das Schnste hier? --
        Das Schnste und das Liebste,
        Das ist der Himmel mir! --

        Und sprich, was ist das Grte
        Und Allertreu'ste Dir? --
        Das Grte ist der Glaube,
        Das Treu'ste Tugend mir.

        Und weiter tnt es ferne:
        Was ist das Beste hier?
        Das Beste ist die Mutter,
        Das Allerliebste mir!




        Kennst Du das Land
        Wo die Lianen blhn
        Und himmelhoch
        Sich rankt des Urwalds Grn?
        Wo Niagara aus dem Felsen bricht,
        Und Sonnengluth den freien Scheitel sticht? --

        Kennst Du das Land
        Wohin Mrtyrer ziehn,
        Und wo sie still
        Wie Alpenrslein glhn?
        Kennst Du das Land, kennst Du es nicht?
        Die zweite Heimath ist's, so mancher spricht!




            Fest-Romanze.


        Reich bekrnzet glnzt die Stadt,
        Bunte Fahnen, Flaggen wehen,
        Ehrenpforten blhend stehen,
        Und des Frsten Stirn ist glatt.

        Gases Flammen, wie im Traum,
        Bllerschsse und Raketen,
        Macht die Gegend rings errthen,
        Und das Jauchzen endet kaum.

        Ueber'm Knotenstock gebckt,
        Steht ein Greis mit langen Haaren,
        Dster seine Zge waren:
        Thor und Thoren sind geschmckt --

        Spricht er lchelnd -- doch frwahr,
        Ehrenhafter wrd' es klingen,
        Wrde Dir ein Vivat bringen
        Unsrer Bettler groe Schaar!




            Atheismus.


        Es gleitet das Schiff durch pechschwarze Klippen,
        Schon ghnt es der bannende Abgrund an --
        O wollte die Mannschaft den Himmel erblicken --
        Der Himmel allein sie erretten kann.

        Nichts and'res kann retten -- verhllen die Sterne
        Weinend ihr Haupt und strahlen euch nicht --
        Und Wetterwolken bedecken am Tage
        Der heiteren Sonne weitreichendes Licht. --

        Auch auer dem Wetter, im eigenen Herzen
        Beginnt ein Kampf um das Ja und das Nein --
        Um Hhe und Tiefe und Helle und Dunkel,
        Um hheres oder niederes Sein. --

        Um Leben fr immer, um Sterben fr immer --
        Um ewigen Unsinn und ewigen Zweck --
        O verlscht nicht das Licht bei der finsteren Brandung --
        Das Schiff der unglcklichen Menschheit ist leck.




            Stimmung.


        Dster liegt die Welt mir da,
        Wie ein des Meer.
        Und der Abgrund ist so nah,
        Und er reizt mich sehr.

        Drin vergessen und versenken,
        Selbst das Schne mit,
        Nichts mehr fhlen, nichts mehr denken,
        Erde, wir sind quitt! --

        Keine Lust ist's, keine Wonne,
        Aber mehr als das! --
        Keinen Schatten, keine Sonne, --
        Keine Lieb', kein Ha! --

        In dem Nichts die Freiheit lieget,
        Nicht Notwendigkeit --
        Und von fern es schon besieget
        Alles Mu߫ und Leid.

        Dster liegt die Welt mir da,
        Wie ein des Meer,
        Aller Welten End' ist nah,
        Und es reizt mich sehr.




            Ein Frauenbild.


        Auf dem weichen grnen Rasen
        Kniet ein Frauenbild,
        Ihre Arme gegen Himmel,
        Lchelt sie so mild;

        Sanft sich ihre Lippen regen,
        Lispeln hrbar kaum,
        Ihre Blicke schweifen trunken
        In des Himmels Raum!

        Groer Gott, Du hast willfahret
        Meinem still' Gebet,
        Groer Gott, nur Dank und Freude
        Sei von Dir gefleh't.

        Englein steigen auf und nieder,
        Und der Morgen graut,
        Und das Herz der Jungfrau bebet,
        Und die Rose thaut.

        Einen Blick noch zu dem Himmel,
        Einen Dankesblick,
        Einen Blick erhab'ner Klarheit,
        Ruh' und Seelenglck.

        Und das Haupt die Jungfrau birget
        In dem weichen Gras,
        Andachtsschauer hebt die Seele,
        Und ihr Aug' wird na.

        Gieb mir eins noch, Gott der Gnade,
        La mich =dankbar= sein,
        Treu und dankbar, Gott der Gnade,
        Und mein Herz bleib' rein!

        Wit ihr wohl, wer so erglhet
        Sprach das Dankgebet?
        Die's gewesen, lieber Leser,
        Selber vor Dir steht.




            Kanarienvgleins Traum!


        Es bettet sich das Vgelein
        In seinem eignen Flaum,
        Es hllet sich das Kpfchen ein,
        Und trumt den schnsten Traum.

        Vom blauen Himmel -- lebenslang --
        Vom dunkelgrnen Hain,
        Von seinem eigenen Gesang,
        Harmonisch klingend, rein;

        Von einer schnern bessern Welt
        Bei stetem Sonnenschein,
        Aus Morgenroth gewebt ein Zelt,
        Darunter Gro und Klein;

        Des Sngers gleichgestimmte Brust,
        So treu und hochgesinnt,
        In Wonne, berird'scher Lust,
        Vereint die Knstler sind:

        Ein schn Duett, so khn, so zart,
        Wird aufgefhret bald,
        Kein einz'ger Miton, rauh und hart,
        Aus ihren Kehlen schallt:

        Nur himmlisch Licht, Gerechtigkeit,
        Nur Klarheit, Himmels Bild,
        Verschwunden Unbill, Neid und Leid,
        Nur Englein strahlend mild!

        Kanaria's Flug, Kanaria's Traum
        Im Himmel Sieben schwebt,
        Erwachend aus dem eignen Flaum
        Das Vglein sich erhebt.

        Des Kfigs Wand, des Kfigs Luft! --
        Das Vglein fat sich schnell:
        Die Wirklichkeit ist enge Kluft,
        Der Traum ein Lebensquell.




            Gegen die Vivisektion.


        Ein unbekanntes Band der Seelen kettet
        Den Menschen an das arme Thier,
        Das Thier hat einen Willen -- _ergo_ Seele --
        Wenn auch 'ne kleinere als wir.

        Ein Mensch, mibrauchend die Gewalt und Strke,
        Ein lebend Herz zerreien -- wie?
        Wer gleicht denn hier dem wilden Thiere,
        Ist es der Mensch, ist es das Vieh? --




        O erklret mir das Rthsel
        Der umringenden Natur,
        Zu den Wundern, zeiget, gebet
        Mir nur eine einz'ge Spur!

        Unbegriffen, unverstanden,
        Seh ich sehnsuchtsvoll mich um,
        Fragend all das Welten Chaos:
        Und das Chaos bleibet stumm.




        Welten Chaos, Menschen Chaos
        Chaos in des Menschen-Brust,
        Heil'ge Liebe, glhend Hassen,
        Dster Gram und heit're Lust!

        Wie es lodert, wie es flammet,
        Finstre Wolke, schwanker Kahn,
        Heil'ger Muth und ses Hoffen:
        Bleibet in dem morschen Kahn!




            Der Leuchtthurm.


        Ein Morgen, ein schner Morgen bricht an,
        Ein Morgen voll goldener Sonnen!
        Es reifen die herrlichsten Frchte alsdann,
        Von ewiger Dauer umsponnen.

        Ein Morgen, ein schner Morgen bricht an,
        Ein Morgen voll goldener Sonnen!
        Wann bricht er, wann bricht jener Morgen an,
        Dess' Roth noch heut nicht begonnen?

        Der Morgen, der goldne, dem Welttheil gleicht,
        Entdeckt in groen Gedanken,
        Der muthige Denker, der khn ihn erreicht,
        Er trat mit der Welt in die Schranken.

        Der Morgen, der goldne, dem Leuchtthurm gleicht,
        Ersphet auf brandigen Wogen,
        Ob Brandung das Schiff, das Schiff ihn erreicht --
        Das Licht, es hat nimmer gelogen!

        Die Nacht ist da und die Brandung ist da,
        Der Leuchtthurm, er strahlet von ferne,
        Ob wir uns ihm nahen, ihn sehen von nah --
        Dran zweifle ich, Gott wei es, nicht gerne!

        Doch da ihn dereinst, doch da ihn dereinst
        Das Schifflein noch jubelnd begre,
        O knftige Mannschaft, ich wei es, -- Du weinst --
        Alsdann erst die Thrne, die se:

        Der frheren, vorigen Mannschaft geweiht,
        Die strandend das Licht noch erblickte:
        Das herrliche Licht der Brderlichkeit,
        Trotzdem sie die Finsterni drckte.




            Die Zugvgel.


        Lieben Vglein, singet ihr,
        Was und welches Lied?
        Ob vom kalten Norden hier,
        Ob vom heien Sd,

        Ob von Schneelawinen nur,
        Wo die Raben schrei'n,
        Oder wo auf Kaktus Flur
        Kolibris gedeih'n?

        Ob wo Eichenbltter weh'n,
        Herbstlich rosenroth,
        Oder wo auf Baumes Hh'n
        Wchst das Wunderbrod?

        Heier Sden, kalter Nord,
        Sag't wo's besser ist,
        Sag', mein Vglein, sag' auf's Wort:
        Wo du lieber bist!




            Am Scheidewege.


        Weicher wurden meine Saiten,
        Dstrer ward mein Blick,
        Sprich, wie soll ich Dich mir deuten,
        Rthselhaft Geschick?

        Bessere Gefhle ringen
        Sich in meiner Brust,
        Besserem wird schwer Gelingen --,
        Schadenfrohe Lust!

        Nicht mehr grad' wie Pol zum Pole,
        Fass' ich's im Begriff,
        Von dem Scheitel bis zur Sohle,
        Gleicht's unsich'rem Schiff.

        Aus dem positiven Grunde
        Ward ein Frhrothschein,
        Trau' mein Urtheil kaum dem Munde,
        Knnte irrig sein.

        Als da leuchteten die Sterne,
        Holden Glckes Schein,
        Kannt' ich in der weitsten Ferne
        Jeden Punkt allein.

        Wie mit Seherblick begabet,
        Traf ich Alles recht,
        Ob ihr Falsches, Bses gabet,
        Kannt' es gleich fr schlecht.

        Helle Sterne untergingen,
        Dunkel mich umgiebt,
        Wolken lagern auf den Dingen,
        Kenn's nicht, was mich liebt.

        Kann es schwer nur unterscheiden
        Was da falsch, was echt --,
        In der Finsterni der Leiden,
        Wird das Auge schlecht.

        Kehret wieder, goldne Sterne,
        Holden Glckes Schein --
        Da ich finde in der Ferne
        Jeden Punkt allein.




            Zur Erinnerung.


        Vergimeinnichtblthen
        Zu pflcken am Strand
        Dem Bchlein gebieten
        Mit kindischer Hand,
        Den Nachen umlenken,
        Und wieder zurck,
        Die Blthen verschenken
        Mit gromth'gem Blick:
        Das waren die Spiele,
        Das kindliche Glck,
        O ruft mir Gefhle
        Der Kindheit zurck!




            Vogelin-Prinze.


        Es war einmal ein Vgelein,
        Kanaria von Geschlecht,
        Es war so schn, so gelb, so fein,
        Wie's Vgeln eben recht.

        Doch ach, das arme Vgelein
        Im goldnen Kfig sa,
        Und mit den kleinen Aeugelein
        Den groen Himmel ma.

        Ein frecher Sperling flog vorbei,
        Und sang ihr zum Exce:
        Ich lieb' Dich bis zur Raserei,
        O, Vogelin-Prinze!

        O, Vogelin, Dein Kpfchen klein
        Gefllt mir gar zu gut!
        Da kocht des stolzen Vgelein
        Kanarisch heies Blut!

        Ich mag Dich nicht, ich brauch' Dich nicht,
        Mir ist nach Dir nicht bang,
        Wohl sehn' ich mich nach Himmelslicht,
        Und nach des Knstlers Sang!

        Doch nach des frechen Sperlings Lied
        War mir noch niemals bang,
        Denn -- singt sie himmlisch -- nie erglht
        Mein Herz bei nied'rem Klang! --




        Selbst noch eine Menschenblthe,
        Trug ich Kummer im Gemthe,
        Gro genug fr eine Welt.

        Jeder Wahn, der sie bethrte,
        Den sie -- grausam -- hoch verehrte,
        Diese kleine Menschenwelt. --

        Sieh, er ward in mir zur Wunde,
        Blutend, schmerzend, Tag und Stunde,
        Immer tiefer dringend ein. --

        Fremden Ha und eigne Schmerzen,
        Trug ich in dem weichen Herzen,
        Wandte aufwrts meinen Blick:

        Helfen mcht' ich, lindern, retten,
        Glck an dieses Weltall ketten,
        Rosig bilden sein Geschick.

        Diese Freuden, diesen Segen,
        Betend sich die Lippen regen,
        Gott mich's ahnen lie!




            Innere Stimme.


        Der sonnige Morgen, der bluliche Teich,
        Die lock'gen bethaueten Reben,
        Sie spiegeln mir wieder, an Reizen so reich,
        An Wundern, das herrliche Leben.

        Den Gott im Herzen, die eherne Macht,
        So wandle ich voll Hoffnung auf Erden,
        Es spricht in mir laut, die Allmacht sie wacht,
        Die Hoffnungen werden Dir werden!




        Nur allein kann ich erstarken,
        Nur allein spriet mir die Kraft,
        Tret' ich in des Kampfes Marken,
        Mit des Muthes Eigenschaft.

        Sag' ich los mich jenem Jammer,
        Jenem tiefen Seelenweh --
        Meine Lenden grt' ich strammer
        Und gepanzert fest ich steh!

        Fest wie eine Memnonsule
        Unter mir den Staub der Welt, --
        Ob mein Blick auch drauf verweile --
        's ist der Blick von einem Held.

        Fest wie eine Memnonsule,
        Schwarzer Marmor ist mein Kleid,
        Doch nicht mig ich verweile,
        In der Wsten Einsamkeit.

        Pflegend nicht wie jener Knig
        Von Aegypten feiger Ruh',
        Der ist gar nichts oder wenig,
        Der dem Bsen siehet zu.

        In die Enge, ins Gedrnge
        Strz' ich mich mit lautem Klang,
        Singe vor der ganzen Menge
        Ew'ger Wahrheit groen Sang.




        Willst Du nach den Sternen fragen,
        Werden sie Dir Antwort sagen?
        Schnheit freilich ist es nicht,
        Was nur aus dem Staube spricht;

        Schn ist nur das Groe, Reine,
        Meer und Feuer, Sonnenschein, --
        Schn ist auch Vergimeinnicht,
        Und ein treues Augenlicht!

        Alles Gute, Freie, Biedre!
        Aber alles andre Niedre,
        Hlich, scheulich, ekel ist:
        Duftig nimmer ist der Mist. --




            Hoffnungsschimmer.


        Hoffnungsschimmer, Licht des Lebens,
        Lsche niemals gnzlich aus,
        Dunkler wird's sonst in dem Herzen
        Als im dstern Erdenschoo!

        Sieh der Frhling ist Dein Abbild!
        Wenn das erste Grn erspriet,
        Dann die Seele, hell vor Freuden,
        Dich in ihre Arme schliet.

        Lockst selbst Kinder in die Weite.
        Sei ihr Wnschen auch gering,
        Sei's auch nur ein kleines Blmlein,
        Dem das Aug' mit Lieb' anhing.

        Sprichst Du nur: ihr werdet's finden,
        Freudig sind sie gleich bereit!
        Liebe Hoffnung tusch' sie nimmer,
        Mit den Kindern hab' Mitleid!

        Leucht' auch mir voran auf Erden,
        Leit' mich bis zum Jenseits hin,
        Zum Gestade voller Hoffnung, --
        Wo enthllt der Hoffnung Sinn!




        Nicht bei der Leidenschaft trbem Feuer,
        Nur bei der Weisheit strahlendem Licht,
        Schaue die Dinge, die Gott geschaffen,
        Das wie und wann, -- das ergrndest Du nicht.

        Schaue die Wunder, die groen und kleinen:
        Leuchtende Sterne in dsterer Nacht!
        Doch verschmh' ob des Glanzes von tausend Sonnen
        Keinerlei Rsleins bescheidene Pracht.




        O Mensch, Du trittst mit Fen tausend Wunder,
        Und tausend Wunder sie umgeben Dich,
        Und tausend Wunder in den Lften fliegen,
        O Mensch, und Du beklagest Dich?

        Knie' nieder in dem weiten Welten-Raume,
        Ist's Tag, so knie' im goldnen Sonnenschein,
        Ist's Nacht: hoch ber Dir die Sterne leuchten, --
        Und Dein Gebet sei Dank allein!




            Phantasie.


        Die sanften blauen Lfte, sie flsterten mich ein,
        Mir trumte, ich sei auf Erden ganz mutterseelenallein:
        Es war so bunt und ppig, es war so frisch und grn,
        Ich sah zum ersten Male purpurne Rosen blhn!

        Ein buntes Heer von Blthen umgab das Rasenland,
        Vergimeinnicht und Epheu sich um die Felsen wand,
        Und tief aus hohem Grase, da schauten lieblich scheu
        Hervor die blauen Veilchen, so schchtern und so treu.

        Es wiegten in den Wipfeln der hohen Palmen sich
        Die schnsten Papageien und grten jubelnd mich;
        Mein Herz schlug laut und lauter, doch ich vernahm es nicht,
        Denn voller Freud' und Staunen sah ich ins Sonnenlicht!

        Sah ich zur Erde nieder, zu allen Blumen hin,
        Und fhlte wonnetrunken, da ich so selig bin.
        Die frischen, jungen Rosen, die Lilien wei und schlank,
        Die tausend kleinen Blthen, und all der Vgel Sang.

        Sie schienen mir zu sagen, sie htten auch ein Herz,
        Sie wollten mit mir fhlen und theilen Freud' und Schmerz!
        Zwei Nachtigallen riefen einander liebend zu,
        Und dem Gesange folgte harmonisch tiefe Ruh'!

        Ich sah die Sonne scheiden mit trbem Angesicht,
        Ich wut' nicht, was es wre, und sah ins Mondenlicht,
        Die Schmetterlinge flogen zu Myrthenbschen auf,
        Ich blickte immer hher und sah der Sterne Lauf.

        Verwundert und erhoben, schaut' endlich ich ins Herz,
        Und fhlte drin vereinigt die Sehnsucht, Lieb' und Schmerz,
        Da fragt' ich mich ganz ernsthaft, wer schuf das Schne, sprich,
        Sprich, Seele, Herz, o sage: erschufst Du selber Dich?

        Da rauscht es in den Palmen, mich fat ein selig Weh!
        Wer schuf mich und was bin ich, wer schuf das, was ich seh'?
        Mein Auge hatte Thrnen, vernehmlich rief's in mir:
        Er schuf aus Liebe alles, er schuf das Herz in Dir!

        Gerecht ist er und weise, die Gre ist nur er,
        Und heilig ist sein Name, er lautet: Ewiger!
        Erhebe Dich, erkenne wie er unendlich gut,
        Doch mehr kannst Du nicht wissen, Du klebst an Fleisch und Blut!

        Du kannst das nie ergrnden, was unergrndlich ist,
        So wie Du nicht ergrndest wie tief die Tiefe ist. --
        Nur leise wehten Zweige durch blaue Frhlingsluft,
        Des Mondes bleiche Helle schien in die Felsenkluft.

        Ich war bewegt und setzte mich an des Meeres Strand,
        Sah in die Hh' und Tiefe, sah in der Wellen Brand;
        Gerhrt und dankerglhet, rief ich: o Allmacht mein,
        Die Gnade und Erbarmen und Liebe, sie sind Dein!

        Ich weinte Freudenthrnen, schon schien das Dmmerlicht,
        Der Thau sank auf die Palmen, wie auf's Vergimeinnicht,
        Da kam der Morgen wieder, vorber war die Nacht,
        Mich dnkt, als wenn ich schliefe -- ich war erst aufgewacht!




            Der Sinn der Ferne!


        Erd' und Himmel rollen in einander,
        Nur ein einzig Sternlein blinket noch,
        Wie ein blaues Aug' im dunklen Wetter,
        Strahlt es an dem Himmelszelte hoch.

        Jenes Sternlein birget ferne Welten,
        Und Dein Blick, er trgt Dich sonnenweit:
        Wer rief Stern' und jenen Sinn der Ferne
        In das Leben unsrer Wirklichkeit?

        Mast und Segel schwimmen auf dem Meere,
        Wer schafft dieses Ungewitters Sturm?
        Und die Schlange in den schwarzen Wolken,
        Und den kleinen rothen Todtenwurm?

        Menschheit, unter Wrmern steh' mir Rede,
        Armes undankbar-verwhntes Kind:
        Trgt der Zufall meilenweit die Blicke,
        Ist's nur Zufall, da wir sterblich sind?

        Unser Jammer brgt fr Ewigkeiten, --
        Und das offne nimmersatte Grab!
        Doch ein Gott erschuf den Sinn der Ferne,
        Und wir sinken drum getrost hinab. --




        Tausend Mcken tanzen in der Sonne,
        Tausend Sonnen in des Himmels Raum,
        Brgt fr Wirklichkeit nicht das Gescheh'ne?
        Ist die Gre klein genug zum Traum?

        O selbst Traumgebilde, sie sind Wahrheit,
        Trum'risch nur von uns zusamm'gestellt, --
        Was nie war, wird von uns nicht geschaffen --
        Aus dem Nichts schuf Gott nur eine Welt! --




            Fr die Ostpreuen.


        Dstre Nacht und lange Schatten
        Ueber Land und ber Meer,
        Auf des Vaterlandes Matten
        Schleicht das Elend hin und her;

        Dstre Nacht und lange Schatten
        Ueber Land und ber Meer,
        Die Gestalten, bleichen, matten,
        Rcken immer, immer nh'r! --

        Da -- ein Leuchten lngs des Meeres --
        Ach, der Liebe Sonnenschein,
        Strker als die Macht des Heeres --
        Rcket in die Nacht hinein.
        Spricht zum Elend: horch, ich lehr' es,
        Da zuletzt der Sieg doch mein!




            Ausdauer.


        Wenn ich so in Unruh' lebe,
        Zwischen Angst und Hoffnung schwebe,
        Sagt mir Etwas: habe Muth,
        Noch 'ne Weile, dann wird's gut.
        Einst noch, ja auf Erden hier,
        Wird ein Ruhehafen Dir,
        Wie Oase in der Wste,
        Leuchtet Dir die schne Kste!
        Und zu diesem sichern Port,
        Auf zu diesem Wonneort,
        Wird Entsetzen, Qual und Bangen --
        Diese Fluthen nie gelangen!

        Dort Du auf vergang'ne Strme,
        Die vor Dir einhergebraust,
        Wie auf kleine Kartenthrme
        Gleichgltig herniederschau'st.
        Ja, es wird Dir Freiheit, Frieden,
        Wonn'ge Ruhe noch hienieden,
        So ward es von Gott beschieden:
        Sei inde damit zufrieden!




        Das Paradies verschwand,
        Die Erde vor mir stand
        Ganz schwarz und anzubaun:
        Mich fat ein tiefes Grau'n.

        Doch fat' ich mich geschwind,
        Und rasch, wie Seltne sind,
        Ward ich ein Ackersmann
        Und fing die Arbeit an;

        Bald ward die Erde grn,
        Und tausend Blthen blhn,
        Das Paradies von Neu
        Erstand, bei meiner Treu!




        Arglos und harmlos,
        Durchs Leben hin,
        Kommt mir das Bse
        Nicht in den Sinn!

        Arglos und harmlos,
        Glcklich ich bin,
        Hr' ich das Bse,
        Denk' ich nicht hin!

        Und kaum ist's verhallt,
        Vergess' ich es bald,
        Vergesse um zu vergeben,
        Vergebe, um zu erheben.
        Zum reinen Leben,
        Durch gt'ge Gewalt.




            Dem Kaiser Wilhelm I.[2]

              Sonett.


        Staunest ob der Alpenhhe,
        Sinkest nieder vor den Sternen,
        Vor dem Glanz des Meteores
        Aus den unbegriffenen Fernen;

        Staun' nicht ob der Alpenhhe,
        Sink' nicht nieder vor den Sternen,
        Vor dem Glanz des Meteores
        Aus den unbekannten Fernen:

        An und fr sich sind sie wenig
        -- Wahre Gre wohnt im Geist --
        Staune an den groen Knig,
        Den mit Recht man Ersten heit --
        Jeder Zoll ein Kaiser-Knig,
        Der die Vlker mit sich reit! --


Anmerkung:

[2] Als in Folge der Einreichung meiner Denkschrift ber die
Notwendigkeit einer lngeren Frist vor der Bestattung an den
hochseligen Kaiser smmtliche Regierungen veranlat wurden,
=schleunigst= darber zu berichten, in welchem Umfange in den
Ortschaften ihres Verwaltungs-Bezirkes fr die Einrichtung von
Leichenhusern Sorge getragen ist.

        (Denkschrift bei W. G. Korn, Breslau, sechste Auflage.)






            An den Kaiser Friedrich,
    damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm.


        Eilst von Sieg zu Siege
        Pfeilschnell wie Achill,
        Held in jedem Kriege,
        Sprichst Du nur: ich will!

        Fliehen Feindesheere
        Und ergeben sich,
        Werfen weg die Speere,
        Unterwerfen sich!

        Doch in Deinem Ruhme,
        Dicht im Lorbeer, wchst
        Noch 'ne groe Blume,
        Menschlichkeit zunchst.

        Drum gewhre heute
        Was der Dichter fleht:
        Wenn des Todes Beute-
        Feld voll Leichen steht. --

        Die Gefallnen lasse,
        Ob auch scheinbar todt --
        Oft der Todten Masse
        Manch Lebend'gem bot; --

        Die Gefallnen lasse
        Nicht vergraben bald,
        Heldenmienen, blasse,
        Sterben nicht sobald;

        Da nicht in der Tiefe
        Solch ein Held erwacht,
        Und nach Hilfe riefe
        In dem finstern Schacht!




            An Denselben.


        Die groen Bltter der Geschichte fallen,
        Das eine, Prinz, es ist ganz voll von Dir,
        Und alle Herzen, sie erobert's Dir,
        Und spter Nachwelt wird es noch gefallen.

        Wer sich des Schicksals, wie des Sieg's bemeistert,
        Gekrntes Leben in die Schanze schlgt,
        Ein groes Herz im Heldenbusen trgt,
        Zu aller Zeit der Menschen Sinn begeistert.

        Drum Heil dem Tage, Prinz, der Dich geboren,
        Du selber gleichst frwahr dem goldnen Tag,
        Dem Sonnengott vor Akropolis Thoren!
        Doch auch dem Aar vor unsern Siegesthoren:
        Da Dich die Siegesgttin stets begleiten mag!




            Die Poesie.


        Die Poesie, die Poesie,
        Die Poesie hat immer Recht,
        Sie ist von hherer Natur
        Von bermenschlichem Geschlecht.

        Und krnkt ihr sie, und drckt ihr sie,
        Sie schimpfet nie, sie grollet nie,
        Sie legt sich in das grne Moos,
        Beklagend ihr poetisch Loos!




            Zu einem Gemlde, welches nach dem Tode
             Kaiser Friedrich des Dritten erschien.


        Bist als Meteor erschienen
        Unsrer kalten Wirklichkeit,
        Ach erschienen und entschwunden
        All zu frh zur Ewigkeit.

        Gabst die Liebe zur Parole,
        Zum Panier Gerechtigkeit,
        Da sie eine Wahrheit werde
        Die ertrumte Menschlichkeit.

        Und erwrmet ward die Erde,
        Aufgericht't das Ideal
        Von des dritten Friedrichs Geiste,
        Seines Herzens warmen Strahl.

        Dritter Friedrich Du wirst leben,
        Hier und dort der Edle lebt,
        Unvergessen bleibt auf Erden
        Wer schon hier zum Himmel schwebt.




            An L. zu P.,

  welche unbekannter Weise meine Handschrift
       oder einen Vers von mir wnschte.


        Einen Vers hast Du bestellt,
        Poesie scheint Deine Welt,
        Denn Wer selber Poesie
        Liebet und verehret sie.

        Zeige Du Dein eigen Sein,
        La mich in Dein Leben ein,
        Auch das Herz ist stammverwandt --
        Sympathie von Gott gesandt.




        Kleine Blthen, Rselein,
        Alle unschuldsvoll und rein,
        Whlte tief bewegt ich aus
        Ach, zu einem Abschiedsstrau.

        Ferne sang ein Vgelein:
        Menschenherz, so gro und klein,
        Buntester Gefhle Strau,
        Schau'st so treulich heute aus!

        Vgelein, Dein Lied ist wahr,
        Dankestreue in mir weilt,
        Beten werd' ich immerdar:

        Jenen, der heut von uns eilt,
        Gott im Himmel ihn bewahr
        Aller Orten, wo er weilt!




        Poesie ist Leben,
        Prosa ist der Tod,
        Engelein umschweben
        Unser tglich Brod.




        O sieh, wie sich's thrmt,
        Die Welle sich bumt,
        Das Ufer ergrnt,
        Von Blumen besumt.

        Es nh'rt sich das Boot,
        Die Woge, sie schumt.
        Das Mgdlein, da drin,
        Das Mgdlein, es trumt!

        Und ber dem Haupt,
        Am Himmel aufwrts
        Ein Zeichen von Gold,
        Ein flammendes Herz! --




        Es ist mir so federleicht ums Herz,
        Versunken ist der wilde Schmerz,
        Und wenn's mir so im Innern glht,
        Sing' ich euch bald ein neues Lied:

        Ein blaues Aug', ein goldner Stern,
        Ein rothes Wlkchen nah und fern,
        Ein Freundesherz, ein treuer Blick,
        Ein menschlich rhmliches Geschick.

        Die Welle steigt, die Welle sinkt,
        Ein brauner Nachen freundlich winkt,
        Ein frischer Ruderschlag ertnt!
        Wie man sich dort nach Sngern sehnt!

        Ade, ade, Du grne Welt,
        Der Snger ist der wahre Held,
        Greift er in seine Saiten ein,
        Stimmt bald die ganze Seele ein!

        Die ganze Welt, sie stimmt mit ein,
        Die Welt ist sein, die Menschen sein,
        Ade, ade, Du grne Welt,
        Der Snger ist der wahre Held!

        Die ganze Welt, sie stimmt mit ein,
        Die Welt ist sein, die Menschen sein,
        Ade, ade, Du grne Welt,
        Der Snger ist der wahre Held!




            Gemlde.


        Siehst Du die grnen Thler,
        Das dunkle Abendroth?
        Die schumend weien Wellen,
        Darauf das kleine Boot? --

        Drin sitzet die Geliebte,
        Ein Engel wunderhold,
        Mit klaren groen Augen,
        Das Haar so licht wie Gold.




        Blmlein auf der Au,
        Blmlein, wunderblau,
        Sag' was zitterst so?
        Strmt es irgendwo? --

        Bchlein silberblau,
        Bchlein durch die Au,
        Grtel ziehest so,
        Mndest irgendwo?

        Fischlein auf dem Grund,
        Mit den Aeuglein klein,
        Fischlein schlank und bunt;

        Wag' es Fischlein mein,
        Wag's zur guten Stund,
        Schwimm in's Meer hinein!




            Dem kleinen Prinzen B. von C. zum Geburtstage.


        Kleiner Prinz, wirst grer werden,
        Wandle wohlgemut auf Erden
        Dein sei Freude, dein sei Glck,
        C...land kehre Dir zurck.

        Deiner Ahnen hohe Ziele
        Waren keine Kinderspiele
        Menschenfreunde gab's dabei:
        Prinz, ein Freund der Menschen sei!




        Hebe hoch die freien Schwingen,
        La Dich nicht vom Feind bercken,
        Hlfe kann der Morgen bringen,
        Und die Bosheit geht in Stcken.




        Zu des Orkus finsteren Gewalten
        Lege ich mein lebensmdes Haupt,
        Ungeheuer, ffne Deine Falten,
        Viel hab' ich gestrebt und viel geglaubt!

        Jung und krftig und vom Muthe strahlend,
        Lebenswarm die Brust, das weiche Herz:
        Mitwelt, Deine Schuld bezahlend,
        Grbt die Nachwelt einst mein Bild in Erz.




        Vglein auf den grnen Zweigen,
        Die sich auf- und abwrts neigen,
        Freude hebet eure Brust,
        Klopfen hr' ich sie vor Lust!

        Frhlingswonne, Schwalben, Lerchen,
        Laut Geklapper unter Strchen,
        Wiedersehen, Reiselust,
        Hohe Freude in der Brust.

        Gnnet mir die Freudenfeier,
        Meine Seele athmet freier,
        Herr im Himmel, habe Dank
        Fr den innern Festgesang!




        Ein purpurnes Rslein auf grner Au,
        Ein gldenes Sternlein am himmlischen Blau,
        Ein singendes Vglein auf schwankendem Ast,
        Sag' an, was Du Schnres zu zeigen hast?

        Gar schn ist das Rslein auf grner Au,
        Gar prchtig das Sternlein am himmlischen Blau,
        Gar frei ist das Vglein auf schwankendem Ast,
        Und Freiheit und Schnheit zusammen wohl pat!




        Ist die Weihe denn gewichen
        Sind die Blumen all' verblht?
        Ist der duft'ge Schmelz gestrichen?
        Ach, ein dichter Nebel zieht!

        Und in diesen eingehllet
        Lichtlos scheint der Horizont --
        Keine Sehnsucht wird gestillet,
        Keine Blthe, die sich sonnt!




        Hab' ich Dich bisher geleitet,
        Wanke nicht an meiner Hand,
        Sieh', der Teppich ist gebreitet,
        Und es grt das Uferland.

        Und es lcheln alle Sterne,
        Und die schn're Sonne winkt, --
        In der Nhe, in der Ferne
        Dich der Allmacht Arm umschlingt. -- --




        Als ich heut so bitterlich,
        Tief vor Gott geweinet,
        Da -- ein kleines Vgelein
        Meinem Schmerz sich einet;

        Flog zu mir bis an den Sims
        Meines Fensters treulich:
        Weine nicht, Du Herzensmaid,
        Schrecklich ist es freilich.

        Also sprach das Vgelein,
        Mit den braunen Blicken:
        Einstens wird es besser sein! --

        Und mit Kopfesnicken,
        Breitet es die Flgelein,
        Und entfloh den Blicken.




        Alles Trumen
        Tauget nichts,
        Werth ist's kaum
        Des Stckchen Lichts.

        Alles schwindet
        Um uns her,
        Gro ist nur der
        Vergangenheit Meer. --

        Tief gelegen
        Hinter mir,
        Ist der Traum,
        Der goldne, mir.

        Alles Trumen
        Tauget nichts,
        Werth ist's kaum
        Des Stckchen Lichts.




        Heie Thrnen flieen, rauschen,
        Ueber mein Gesicht,
        Ob die Englein ihnen lauschen?
        O, ich zweifle nicht!

        Bin so de, bin so trbe,
        Melancholische Gestalt,
        Wenn es nur nicht also bliebe,
        Glhend hei und kalt!




        Frhlingslfte wehen leise,
        Traurig ist das Herz,
        In der unbewuten Weise,
        Doch verwandt dem Schmerz.

        Bunte Schmetterlinge fliegen
        Zu den Blthen auf,
        Nchst der Blthe kriecht das Wrmlein,
        Lauert schon darauf! --

        Ist auch schn die Auenseite,
        Inn'res ist nicht -- s:
        In der Welten Lnge und Breite
        Bitter -- man es hie!




        Habt ihr mir es gar verleidet,
        Dieses kleine Leben, ach,
        Wenn mein Geist einst von euch scheidet,
        Sag' ich euch nichts Gutes nach;

        Denn das Aller-Allerbeste,
        Trug ich glcklich in der Brust,
        Freudig glich sie einem Feste,
        Tglich feiernd neue Lust!

        Und die frohen Blthen alle,
        Breitete ich vor euch aus:
        Wieder gab't ihr mir nur Galle,
        Machtet traurig, ach mein Loos!




        Purpurn glnzt die Abendrthe,
        Still der Prosna zugekehrt,
        Man ein Frau'nbild beten hrt:
        Warum weint Frau Margarethe?

        Fremdling frgst, warum ich bete?
        Hast von der Legion gehrt,
        Die vom Schwerte ausgezehrt,
        Polens Boden blutig ste?

        Lieber Sohn war mit dabei,
        Hochgelehrt und achtzehn Jahr,
        Strker war die Tyrannei;

        Reichte das Schwert ihm selber dar,
        Fremdling, eine Thrne weih':
        Polens Asche, sei fruchtbar! --




        Alles grnt und alles blht,
        Aber nicht in meinem Herzen,
        Ach, in meinem Herzen glht
        Nur das Morgenroth der Schmerzen;

        Seine Blthe, Rselein,
        Purpurrselein genennet,
        Das erschliet sich gro und klein,
        Wenn 'ne schlimme Wunde brennet.




            Lawinenmasse.


        Wie Lawinenmasse strzet
        Sich die Sorge auf das Herz.
        Gleicht des Weltmeers finsterer Welle,
        Schwarz und wei, und grau wie Erz. --

        Kummer steigst Du auf und nieder,
        Und verschlingst die Freude wild,
        Und entrollst mit Sturmesschnelle
        Der Verzweiflung wirres Bild.




            Frage.


        Dieses Leben liebst Du noch?
        Diese wechselvolle Pein?
        Dieses schmerzerfllte Sein?




            Antwort.


        Ach, man liebt es heimlich doch! --




        Dunkle Veilchen, weie Blthen,
        Aller Seelen Freudenfest!
        Stimmen aus dem Saitenspiele
        Nie verklungner Harmonie! --

        Thrnen knnet ihr entlocken
        Aus der tiefsten Seele mir,
        Doch gemischt sind diese Thrnen:
        Freuden auf des Schmerzes Grund! --




        Dorten winkt ein neuer Morgen,
        Dorten bin ich wieder ich,
        Nicht allein und ganz geborgen
        Find' ich, meine Mutter, Dich!




        Was ich Hohes je getrumt,
        Was ich Sinniges gedacht,
        Was sich mir im Geist gereimt,
        Wenn die Seele hat gelacht.

        Alles, Alles ist verklungen,
        Sieht mich fast gespenstisch an,
        In den Abgrund ist's gesprungen,
        Funkelt wie ein Feuermann! --




            In der Schweiz.


        Unter Felsen wandelst Du,
        Unter Trumen wirkest Du,
        Wandle, wirke immer zu,
        Doch das Herz find't keine Ruh.

        Nicht die Wste, nicht der Strand,
        Nicht die Kste, nicht das Land
        Bringen es zum Schweigen
        Wenn der Schmerz sein eigen.




        Kennst Du nicht das Licht des Lebens,
        Kennst Du seine Schatten nur,
        Nicht des Lebens goldne Sonne,
        Nur des dstern Nebels Spur?

        Zage nicht, die Truggestalten
        Schwinden hin gleich eitlem Schein,
        Dorten wird die Tugend leuchten,
        Und das Blendwerk dunkel sein!




        Hoch auf der Berge Gipfel
        Verge' ich die ganze Welt,
        Der Selbstsucht bunte Wipfel,
        Die Bosheit und das Geld.

        In kleiner mosiger Htte,
        Da leb' ich so wohlgemuth,
        Voll Gottesfurcht im Herzen,
        Im Herzen froh und gut.

        Der Morgen hret mich beten,
        Der Abend den Gottes Dank,
        Es ernten Diejenigen, die sten,
        Ihr ganzes Leben lang.




        Es grnen die Bume des Waldes,
        Es kndigt der Frhling sich an,
        Hinweg mit dem frostigen Winter,
        Der Frhling ist ein sanfter Mann!

        Die langen goldnen Strahlen,
        Sie sind wie ein langes Haar!
        Die Veilchen im tiefen Grase,
        Sind blau wie ein Augenpaar!




        Kannst Du zweifeln, kannst Du zagen?
        Blick' nach jenem groen Wagen,
        Wovon jeder Himmelszoll
        Von Myriaden Welten voll.

        Myriaden Welten, Sonnen
        Ewigkeiten, ew'ge Wonnen,
        Heilge Gottheit, hre mich,
        Tief im Staube preis ich Dich!




            Lied.


        Wird auch das Leben
        Manchmal so schwer,
        Lchelt die Liebe
        Von oben doch her!

        Lchelt die Liebe
        Von oben hinein,
        Drfen die Herzen
        Nicht kummervoll sein!




        Ich lehn' am Fensterkreuze,
        Es schmerzet tief in mir,
        Die alt' und frischen Wunden
        Sie alle bluten mir.

        Doch Eines, sanft balsamisch,
        Es ziehet drber hin,
        Da ich an allen Wunden
        Unschuldig bin.




        Lat mich in die Wste eilen,
        Wo die siebzig Palmen sind,
        Dort in =der= Oase weilen
        Wo die Quelle ewig rinnt.[A]

        Dort in jenen schlanken Bumen
        Mit dem groen Geist allein,
        Will ich Alle glcklich trumen
        Und will selber glcklich sein.




        Der Dichter lebt im Traume,
        Er spielt im Weltenraume
        Mit Zeit und Ewigkeit --
        Verscherzet Glck und Zeit!

        Und wenn er nichts erzielet
        Als das, was er gespielet,
        So bleibt's doch immer Viel,
        Denn werthvoll ist sein Spiel!




        Wer die Bangigkeit
        Jemals hat gefhlt,
        Jene Ewigkeit,
        Die im Schmerze whlt --

        Der nur, der allein
        Kennt die ew'ge Macht:
        Ueber seinem Sein
        Hat sie doch gewacht. --




        Es flammet das herrlichste Sonnengold
        Im Westen -- die Sonne geht unter --
        Der grnende Teppich ist aufgerollt,
        Er strotzet voll Blumen, voll bunter.
        Ein Mensch in Gedanken im Schatten steht
        Und fhlet im Herzen ein froh Gebet.

        Er kehrte zurck aus dem Menschen-Gewhl
        Der Stdte -- das Herz entzweit und zerrissen,
        Verletzt und verwundet sein innigst Gefhl,
        Gerettet allein sein Gewissen. --
        Und kaum, da er einsam drei Tage weilt --
        Sein Herz, sein Gefhl sind pltzlich geheilt.




            Das Ideelle.


        Wie die Rose unter Dornen
        Steht das Ideelle jetzt,
        Nur das Scheulich-Materielle,
        Kommt zuerst und kommt zuletzt!

        Wird gepredigt aller Orten,
        Als Vernunft, Gebot der Zeit,
        Und mit Beispiel und mit Worten
        Macht es berall sich breit.

        Aber, wie die Rslein blhen
        Ungetrbt und ewig rein.
        Trotz der Dnste, die da ziehen, --
        Bleibet alle Schnheit sein. --




        'S ist ja Alles nur ein Trumen,
        Nur ein silberweies Schumen
        Von dem Meere, das erst wird;

        Wie ein Degen, der da klirrt,
        Eh er aus der Scheide irrt
        Zu den thatengroen Rumen:

        Wie der Aar die Schwingen hebt,
        Wenn er noch im Neste lebt,
        Eh' er auf gen Himmel schwebt.




        Du siehst das Vglein in den Lften fliegen,
        Die kleinen Blthen auf dem Rasenland,
        Die Kfer schwirrend in den blauen Lften
        Und mitten hin des Stromes Silberband!

        O freue Dich! denn nur durch Wunder
        Schwebt in der Luft das Vgelein,
        Die Blthen und der Strom sind Wunder!
        Wo Wunder sind, mu Gottes Tempel sein! --




        Es scheint der Mond so helle,
        So silbern strahlt der Mond,
        Ich stehe auf der Schwelle,
        Wo all' mein Lieben wohnt.

        Ich stehe still und segne
        Den Platz, das Haus, die Luft,
        Da niemals drin begegne,
        Was Schmerz und Thrnen ruft.




        Der Lorbeer spriet!
        Sei mir gegrt,
        Du liebes Blatt!

        Erkoren bist
        Was edel ist
        Zu krnen Du!

        Der Bse hat,
        Das Laster prat,
        Der Dichter denkt --

        Im Traume schenkt,
        Im Traume senkt
        Dies Blatt sich seinem Haupt!




        Grne Zweige, goldne Frucht!
        Wer sie findet, wer sie sucht!
        Kennst du ihren tiefen Sinn?
        In der Seele wohnt er drin. --

        Grne Zweige, goldne Frucht!
        Wer sie findet, wer sie sucht!
        Suchen, finden wirst Du sie,
        Brechen, ach, auf Erden nie. --




        Sag', was hngst Du so daran,
        An dem ird'schen Wahn?
        Sieh das Glck in Wahrheit an,
        Gleicht es schwankem Kahn. --

        Schaukelt auf den Wellen sich,
        Gleitet hin und her,
        Schwebet leicht vernderlich
        Auf des Lebens Meer.




        O mag ein Engel Dir die Schrift diktiren,
        Da jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
        Ein Engel Deine Feder fhren,
        Ein Zauber drinnen leben unbewut!

        Damit, wenn ich das Siegel lse,
        Das Glck sich ungetrbt daraus ergiet,
        Und keine Wolke, keine bse,
        Mein Geist von Deinem Geiste liest.




        Unter mir die tausend Plagen
        Unsrer Kleinlichkeit,
        Ueber mir die tausend Fragen
        Unsrer Ewigkeit.

        Neben mir der Rosenschimmer
        Goldner Poesie,
        Schlag't das Saitenspiel in Trmmer,
        Sie zerstrt ihr nie! --




        Es schwebt mir auf der Zung' ein Lied,
        Ein frohes sinnig Lied,
        Es wchst so rasch, es grnt, es blht,
        Ging ich, so ging's, schied ich, es schied.

        O goldnes Lied, geboren kaum,
        Gedankenschwerer junger Traum,
        Frwahr Du bist von Gott gesandt,
        Des Himmels ses Unterpfand.

        Das Leben trumt, der Traum er lebt,
        Seht, wie er hoch am Himmel schwebt,
        Des Dichters Traum, des Dichters Sang,
        Es ist der Wahrheit goldner Klang! --




        Schwarze Wolken, graue Wolken,
        Grau der Kummer, schwarz der Kampf,
        Sieh, dort unter grnen Bumen
        Steigt herauf ein weier Dampf.

        Blauer Himmel, goldne Sterne,
        Gt'ger Allmacht Zauberlicht,
        Strahlend, wachend in der Ferne:
        Herr und Gott verla mich nicht!




        O gieb mir Laut und Stimme,
        O gieb mir Wort und Sang,
        Da ich ein Lied anstimme
        Fr Dich zum Lobgesang.

        La mich Dein Geist durchdringen,
        Dein hoher Gottesgeist,
        Ich will's den Menschen singen,
        Wie man Dich, Hchster, preit!

        Ich will's der Menschheit singen,
        Da Du die Welten lenkst,
        Da Du das Licht erschaffen,
        Da Du die Meere trnkst.

        Da Du im tiefsten Abgrund
        Das kleinste Wesen nhrst,
        Da Du vom tiefsten Kerker
        Den stillsten Seufzer hrst!

        Da Du mit Deiner Schne
        Die Sonnen hast geschmckt,
        Doch auch das kleinste Blmlein
        An Deine Brust gedrckt;

        Bevor Du sie erschaffen
        Bevor Du uns sie giebst,
        Nimmst Du die kleine Blthe
        Und zrtlich Du sie liebst!

        Du giebst ihr Glanz und Leben,
        Du machst sie zart und schn,
        Du giebst ihr Licht und Sonne,
        Und lt sie Sonnen seh'n.

        Da Du die blauen Himmel,
        Die goldnen Sterne schufst,
        Da Du mit Deiner Stimme
        Der Berge Echo rufst:

        Damit man endlich wisse
        Da jeder Laut Dir kund,
        Da unterdrckter Seufzer
        Durchdringt der Tiefe Grund;

        Durchdringt der Meere Klippen,
        Dringt hin zum Himmelszelt,
        Zu Gott dem Allerhchsten,
        Dem Schpfer aller Welt;

        Da er den Seufzer stille,
        Dem Schwachen Kraft verleih',
        Da er das Recht bewhre,
        Der Unschuld Schutzfels sei.




        Es stimmen meines Herzens Saiten,
        O Herr, Dir an ein Dankgebet,
        Und tausend Stimmen mich begleiten,
        Ich sing' es frh und spt.

        Was sing ich denn? Ich singe: Erhaben,
        Hoch ber Zeit und Raum,
        Bist Du, o Herr, und Deine Gaben
        Sind Wirklichkeit, nicht Traum!

        Ich halte still, und juble weiter:
        Das goldne Leben gleicht
        Nur einer Sprosse auf der Leiter,
        Die bis zum Himmel reicht; --

        Die Jakobsleiter, voller Wesen
        -- Jahrtausende der Grund --
        Aus dem sie werden, sind gewesen,
        Ein Chaos, schn und bunt!

        Ein Chaos, Herr, von tausend Sonnen,
        Von Sternen, Mondschein-Pracht,
        Von kleinen Blthen, Millionen Wonnen,
        Dazwischen Dmm'rung, Traum und Nacht!

        Dazwischen milde Frhlingslfte
        Und Thrnenschauer liegt,
        Und ses Hoffen, Himmelsdfte,
        Und was das Herz besiegt!

        Ich juble laut und singe weiter,
        Hab' Dank, o Herr, dafr:
        Wie auf dem Gipfel jener Leiter, --
        So preis ich Dich schon hier!




        Und htte ich nicht im Herzen
        Den groen Trost aus der Hh,
        Ich wre ja lngst vergangen
        Vor Kummer und schwerem Weh!

        Und htte ich nicht den Glauben
        An Gottes Barmherzigkeit,
        Ich wre ja lngst erlegen
        Der Bosheit, dem albernen Neid!




        Es scheint der Mond in's Zimmer,
        Ein Sternlein strahlt in's Haus,
        Ich denke nach, wie immer,
        O nicht an Saus und Braus.

        Ich denk' an all das Schne --
        Die groe Illusion --
        Der Tuschung Meistertne --
        Ein Jeder kennt sie schon.

        Was ihr das Herz erzhlte,
        Das se Mrchen, schn,
        In Worten, lieb gewhlte, --
        -- Doch wild auch gleich dem Fhn
        Wie Saiten, hart gesthlte --
        Ein flsterndes Gesthn.




        Trstend senkt die Poesie
        Sich auf meine Seele,
        Ihren Schleier hebet sie,
        Wenn ich's euch erzhle.

        Goldne Leyer, bleibe mein,
        Hng' Dich um die Seele,
        Deine Tne, klar und rein,
        Liebend ich sie stehle.




        Da die Sterne blsser werden,
        Wenn das Herz vor Leiden glht,
        Htte nimmer ich gedacht!

        Wenn das Herz vor Freuden lacht,
        Jedes Sternlein Feuer sprht,
        Und die Sterne dunkler werden.




        Ich trumte schn und trumte viel,
        Das Leben schien ein Kinderspiel,
        Das Gute schien so federleicht,
        Als htte man es bald erreicht!

        Das Leben ist ein Kampfesspiel,
        Und bot der Wunden schwer und viel,
        Das Gute, ach, ein goldner Traum,
        Erreichbar selten oder kaum!




        Siehst Du nicht die grnen Matten,
        Und das blaue Himmelszelt,
        Und der Bume lange Schatten
        Und die ganze Frhlingswelt?

        All die Bche und die Quellen,
        Und die Wiesen gelb und grn,
        All die Knospen, die da schwellen,
        Und die Dfte, die da ziehn?




        Der Himmel so blau,
        Die Erde so grn,
        O la uns ein wenig
        Nach Sden hin ziehn!

        Dort blhet die Myrthe,
        Orangen sind frisch,
        Dort decken die Blthen
        Dir freundlich den Tisch.




        Meine Thrnen flieen
           Brennend hei,
           Gott nur wei,
        Was fr Segnungen d'raus sprieen.

        Wenn im Innern verletzet
           Stolzes Herz,
           Seelenschmerz
        Seine Stacheln wetzet.

        La die Thrnen flieen
           Brennend hei,
           Gott nur wei,
        Was fr Segnungen d'raus sprieen.




        Lat mich schlafen, schlafen,
        Trumen lange Zeit,
        Damit ich vertrume
        Halbe Ewigkeit! --

        Ewigkeit hat keine Hlfte,
        Stets erneuernd sich --
        Stets auf's Neu beginnend,
        Whrt sie ewiglich.

        Nun, so lat mich schlafen,
        Trumen ew'ge Zeit,
        Da ich schn vertrume
        Ganze Ewigkeit!




        Ganz gebrochen ist die Kraft,
        Und entmuthigt ist der Sinn,
        Weltumfassend khne Trume,
        Fahret alle, alle hin.

        Goldbesumte Wolken lagen
        Ueber wonnig Morgenroth,
        Dst're Nacht ist's. Nimmer tagen
        Wird das Licht: Das Licht ist todt!




        Was ntzen alle Lieder,
        Was ntzt das beste Herz?
        Dmonen kehren wieder,
        Mit Zungen hart wie Erz.

        Dmonen kehren wieder,
        Im Aug' den gift'gen Strahl,
        Was soll das blau Gefieder,
        Des Dichters Ideal?

        O schweigt ihr goldnen Lieder,
        Halt stille, Poesie:
        Du fielst vom Himmel nieder,
        Hier wirst Du heimisch nie!




            Ansicht.


        In Abenddmm'rung schwanken
        Die Lilien hin und her,
        Und frische Rebenranken
        Besplt das glatte Meer.

        Die Schatten steigen nieder,
        Der Mond mit weiem Strahl
        Bescheint die Hhen wieder
        Rings um das stille Thal.

        Von einer jener Stellen,
        Gelehnt an Felsenwand,
        Sieht man des Jordans Wellen,
        So wei wie ein Gewand.




        Es ringt der Regen mit dem Winde,
        Es ringt der Segen mit dem Fluch,
        Es ringt das Alter mit dem Kinde,
        Es ringt die Sage mit dem Buch.

        Es ringt die Tugend mit dem Bsen,
        Es ringt die Arbeit mit dem Gold,
        Es ringt ein jeglich, jeglich Wesen:
        Ob es, und ob es nicht gewollt!




            Die Eingebung.


        Die Vgel singen ihr Morgenlied,
        Man hrt den Jubel im ganzen Gebiet,
        Im Ost die purpurne Sonne glht
        Und sendet Strahlen nach West und Sd.

        Allein in meinem stillen Gemach,
        Umrankt von ppigem Bltterdach,
        So sa ich trumend -- ach, trumend wach --
        Und dachte und sann gar eifrig nach --

        -- Den Kopf auf beide Hnde gesttzt: --
        Hat es gezndet, hat es gentzt?
        Was ich geschrieben, so frei und frisch?
        Und kindisch schlug ich auf den Tisch.

        Ist dies der Lohn fr alle Mh',
        Fr Wirklichkeit und Poesie?
        Wen kmmert's wohl, wer steht mir nah,
        Steht Alles nicht noch feindlich da?

        Da horch, da sieh! Was sprengt heran?
        Welch prchtiges, glnzendes Viergespann!
        Apollo selber im Sonnenwagen:
        Kannst Du Dich jetzo noch beklagen?




            Unter den Linden.


        Die Bltter der Bume fallen
        Die herrlichen Linden entlang,
        In allen Farben und Formen
        Bestreut ist der reizende Gang.

        Ihr Bltter und Bume und Menschen,
        Verschieden an Farbe so sehr:
        Ein Windsto weht Alles zusammen,
        Man merkt keinen Unterschied mehr!




            Edelwei.


        Von den hchsten Bergen
        Kommst Du so weit her!
        Weie, sammtne Blume
        Intressirst mich sehr.

        Hast gar viel gesehen,
        Fels und Berg und Thal,
        All' die grnen Seen,
        Wunder ohne Zahl.

        Und des Eises Grotte,
        Und des Gletschers Wand,
        Rauschende Luzzine,
        Schwarz und wei genannt.

        Und den Savoyarden,
        Streckend aus die Hand,
        Seine dunklen Blicke,
        Flehend, festgebannt.

        Viel hast Du gesehen,
        Fels und Berg und Thal,
        Eis und Schnee und Seen,
        Wunder ohne Zahl.

        Deine Heimath, Blmlein,
        Edelwei genannt,
        Ist ein kleines Eden,
        Schn das Schweizerland.




        Zwecklos scheint mein Leben
        Ohne Zweck mein Sein,
        Doch ein einzig Streben
        Hllt's in Dunkel ein. --

        Ist's dereinst gelungen.
        Wird vielleicht gesungen:
        Viel hat sie gethan,
        Wenige sahn's ihr an. --




            Die Gefangenen.


        Ihr Vglein, die ihr in Freiheit,
        Ihr Vglein, jubelt laut,
        Wir Andern leben in Knechtschaft,
        Vor Kummer frh ergraut;

        Die Menschen leben im Wahne,
        Wir wren nur fr sie da,
        Zu ihrem Spiel und Vergngen,
        Zu ihrem Essen, ja!

        Wir sind nicht zu ihrem Vergngen,
        Wir sind fr uns selber da,
        Die Menschen sind unsre Verwandte
        Im Essen und Trinken so nah. --

        Ihr Vglein, die ihr in Freiheit,
        O singet den Menschen nichts vor:
        Die Menschen sind schlechte Verwandte!
        So sangen die Vglein im Chor!




        Es wankt der Boden unter unsren Fen,
        Des letzten Morgenrothes heilige Parole,
        Gesegnet schn und anerkannt von Pol zu Pole:
        Die Menschlichkeit ist aus und Thrnen flieen.

        Es zieht die Nacht hinaus, die Schwerter blitzen,
        Das Irrlicht sprht, kein einzig klares Sternlein glht,
        Das zarte Blmlein unter Rosseshuf verblht, --
        Die Pulse glhn, die Leidenschaften sich erhitzen.

        Was wird aus dieser spten Nacht entstehen?
        Das Schnste, was man glaubt, es wird zum Raube,
        Und Lieb' und Duldung liegen tief im Staube,
        Was bleibt von allen Erdengtern da noch stehen?




        Der mde Wandrer sitzet am Steg,
        Vorber eilet der Flu,
        Am Ufer lehnend, die Hnde gekreuzt,
        Und badet den mden Fu.

        Die Hnde so braun und braun ist der Fu,
        Noch brauner ist das Gesicht,
        Wo kam er nur her, der mde Gesell?
        Wahrhaftig, ich wei es nicht.




        Die Nemesis, sie waltet
        Bei Allem, was man thut,
        Nehmt euch in Acht, ihr Menschen,
        Die Nemesis nie ruht.




            Nero's Angedenken.


        Wo bist Du hin, Du liebes Thier,
        Das mir so treu gewesen,
        Das sich vor Freuden nicht fassen konnt',
        Durft' es in meinen Blicken lesen;

        Das hoch hinauf zum Wagen sprang
        Mit wonnigem Geschreie
        Wenn ich nach Haus zurckgekehrt:
        Ein solches Herz ist Weihe!

        Ein solches Herz vergehet nicht,
        Es lebt zu allen Zeiten,
        Die Seele nur erkennt und liebt,
        Nur Thoren es bestreiten.




        Nicht mehr sprechen die Sterne,
        Nicht mehr die Sonne zu mir,
        Verstummt ist, ach, die Sprache,
        Die allerschnste hier.

        Es sprechen nur noch die Affen,
        Die Masken alle zu mir,
        Algebra der Dummheit sie reden,
        Die hlichste Sprache hier!

        Die Bltter lautlos, die Vgel,
        Ganz ohne Lied und Ton,
        Die Reifen der Rcke nur klirren,
        Wie Schimpf und Schande und Hohn.




            Der stolze Heinrich.


        Zartes Blmlein wunderhold,
        Zogest aus der Gartenwelt,
        In das freie, offne Feld,
        Helles Blmlein, duftend Gold!

        Liebtest's nicht, im engen Raum
        Einzeln, mig dazustehen,
        Steif und nutzlos auszusehen
        Wie ein stilles Bild im Traum! --




            Nach Sedan, an den Kaiser Wilhelm I.


        Ist das des Jahrhunderts schne Erde,
        Strme Blut's und Berge voller Leichen!
        Wird das Bse nicht dem Guten weichen?
        Wr's nicht Zeit, da endlich Frieden werde?

        Frevelnd ward der Krieg heraufbeschworen,
        Der Urheber Anseh'n ging verloren,
        Ausgekmpfet ist der Krieg, genug gethan
        Ist's an Allem, was Europas Augen sah'n!

        Doch nicht Rache will der groe Sieger,
        Menschlich fhlt der ruhmgekrnte Krieger,
        Theuer ist ihm seines Volkes Blut,
        Das vertrauensvoll in seinen Hnden ruht!

        Und die weisen Lehren der Geschichte treten,
        Und das Wort, um das die Vlker beten,
        Das =Erbarmen=, es tritt vor ihn hin,
        Leuchtet heute seinem Kniglichen Sinn!

        Und des Ahnherrn wohlbekannte Sympathien --
        Unbegrndet -- in der Sprache im Gedicht --
        Steigen auf vor seinem Angesicht,
        Und des Knigs Blicke Segen sprhen:

        Wollen aller Welt den Frieden geben,
        Einen langen Sonntag uns'rem Vaterland,
        Das um uns wie Heldenmauer stand, --
        Und -- bestraftem Uebermuthe sei vergeben! --




            Nach der Auffhrung Rudolfs II. in Berlin.


        Der Lorbeer liegt in meinem Zimmer,
        Der Himmel mir ihn gab!
        Ich will ihn nchstens tragen
        Auf meiner Mutter Grab.




        O wit ihr, was ich denke?
        O nein, ihr wit es nicht!
        Wenn ich mich ganz versenke,
        Dann denk ich ein Gedicht!




        Ein leeres Bauer, ein leeres Haus,
        Das sieht so triste und traurig aus,
        Wo sind Deine Bewohner, Du leerer Raum?
        Entschwunden, versunken, ein seliger Traum!




        Es geht die Zeit den sichern Gang,
        Den Gang zur Ewigkeit.
        Die Zeit ist kurz, die Zeit ist lang --
        Der Weg bald schmal, bald breit!




                    =Motto=: Der Weg zur neuen Bildung geht
                             Von Humanitt
                             Durch Nationalitt
                             Zur Bestialitt.

                                 (Grillparzers Gedichte.)

        Zanket nicht, hetzet nicht,
        Friedlich scheint das Sonnenlicht,
        Lat die Juden und die Christen
        Ungekrnkt ihr Leben fristen.

        Zanket nicht, hetzet nicht,
        Jedem scheint das Sonnenlicht,
        Lat die Christen und die Juden,
        Muselmnner, Botokuden;

        Lasset Alle ungestrt,
        Jede Feindlichkeit zerstrt
        Harmonien nah und fern!
        Lobet Alle Gott, den Herrn,
        Dessen gt'ge Vorsicht hrt
        Solch Geznke gar nicht gern!




        Wehmthig,
        Demthig,
        Viel verkannt und tief gebeugt,
        Ist der Mensch, vom Weib erzeugt.




        Untergeh'nde Sonne, sprich,
        Wird es ewig dauern,
        All das dstere Migeschick,
        Alt das dumpfe Trauern?




        Brderlich, brderlich,
        Nennt die Welt das Ideal,
        Die Utopie, die einstmal
        Sich verwirklicht feierlich!




        Weit Du was, ich will Dir sagen,
        Was die Weltgeschichte ist:
        Ein Gemisch von Thrn' und Klagen,
        Falschheit, Grausamkeit und List.




        Auch Goethe war nicht unfehlbar,
        Was auch die Goethe-Jnger meinen:
        Was sich nicht schickt, schickt sich fr Keinen,
        Fr Jeden das, was recht und wahr.




        O Faust, Du Bild des Menschen,
        Bald gro und klar, bald dster wild
        Wer Dich gemalt, er war an Kunst ein Riese,
        Gigantisch war der Stoff, und schn gelang das Bild.




        Nicht Farbe und nicht Glaube,
        Sie trennen uns nicht mehr,
        Es fiel der Zeit zum Raube,
        Was uns geschmerzt so sehr.




        Du willst verbinden, was sich ewig flieht,
        Die Tugend mit dem ird'schen Glck?
        Wie sich Dein Geist auch drum bemht:
        Eins weichet vor dem Anderen zurck.




        Gott ist gro, Dein Sinn kann ihn nicht fassen, --
        Kannst Du Sterne zhlen, des Meeres Wellen? --
        Lieb' und Gte, Gnade, die er Dir erweist,
        Notir' so viel Du kannst, wenn's auch unzhlbar ist.




            Der Scheintodte.


        Und er schlief und schlief so lange,
        Da ihn keine Macht mehr weckte --
        Unsichtbar beim Grabgesange
        Sich der Todtgeglaubte streckte.




        In die Wolken mcht' ich fliegen,
        In die Sonne mcht' ich sehen!
        Jedes Vorurtheil besiegen
        Und als Sieger vor euch stehen.




        Die Fenster sind gefroren,
        Wie eis'ge Blmlein, schau:
        Das sind die falschen Menschen,
        Auf menschlich schner Au!




        Wie niedrig lchelt die Dirne,
        Wie spiegelt sich drin ihr Herz,
        Kein Lcheln ist's der Gestirne,
        Nur Glanz von gemeinem Erz. --




        Und der Himmel lacht mir wieder,
        Und die Sonne scheinet hell,
        Und es tauchen auf die Lieder
        Wie ein unversiegter Quell.




        An der Tugend nur genippet,
        Und die Bosheit ausgetrunken, --
        Also sind die armen Menschen
        In ihr liebes Ich versunken.




        Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens,
        Alles freilich, es hat seine Zeit --
        Zeit des Zankens -- Hetzenzeit -- des Meidens:
        Bet' und zanke heit's in neuester Zeit!




        Auf der Hhe stehen Bume
        Groe Menschen haben Trume,
        Trume, die im Himmel schweben,
        Die nicht an der Scholle kleben.




        Ist's der Dichtung Loos
        Traurig sein?
        Schmerzen klein und gro
        Ziehn ins Herz hinein.

        Schmerzen, klein und gro,
        Ziehet endlich aus,
        Nicht der Dichtung Loos
        Ziemet Weh und Graus.




        Unntz lyrisches Gesinge,
        Unntz lyrisches Geklinge
        Gehst Du mir nicht aus dem Sinn,
        Schreib' ich auf's Papier Dich hin.




            Auf allerlei Hetzen.


        Das ist ein helles Zanken,
        Ganz ohne Unterla,
        Fr dieses kurze Leben
        Hat man nicht Zeit zum Ha! --




        Die weie Rose am lngsten blht,
        Am stillsten das weie Rslein glht,
        Am tiefsten fhlet ein reines Gemth:
        Da Gott alle Beide vor Schaden beht'!




        Freundlich gucken meine Blicke,
        Hoffnungsvoll den Himmel an,
        Einem freundlichen Geschicke
        Harrt getrost der fromme Mann.




        Zu allem Guten sage ja,
        Zu allem Bsen sage nein,
        Das Eine dort, das And're da:
        Beisammen knnen sie nicht sein.




        Dieselben Bume hier wie dort,
        Dieselben Grslein hier wie dort,
        Dieselbe Sprache hier wie dort,
        Und dennoch bleibt's ein fremder Ort.




        Es strmt so viel auf mich herein,
        Mag sein, mag sein,
        Das Gute find't ja doch Gedeih'n,
        Und einmal sehn es Alle ein.




        O ist's denn ganz unmglich,
        -- Was doch nicht ganz unsglich --
        Da Alles glcklich wr?
        O, wenn's doch mglich wr!




            Auf einen Miggnger.


        Was ist das Hlichste auf Erden?
        Das Hlichste bist Du!
        Du willst nicht wachsen, willst nicht werden,
        Du pflegst der sen Ruh'!




            Vor Schillers Denkmal in Berlin.


        Hast erhoben die Nation,
        Groer, deutscher Volkessohn,
        Klein im Leben ward dein Lohn --
        Kleiner noch in Gyps und Thon.




        Die Sonne gehet strahlend unter,
        Nur scheinbar, Freund, nicht in der That --
        Der Vorhang fllt so rasch herunter, --
        Da man nur ihn gesehen hat. --




            Nero.


        In den Augen meines Hundes
        Liegt mein ganzes Glck,
        All mein Innres, krankes, wundes
        Heilt in seinem Blick.




        Schner Stern
        Hab' Dich gern,
        Schau'st in's Fensterlein,
        Und ins Herz hinein.

        Schnste Zier
        Strahle mir,
        Bist so ganz allein,
        Stolzes Sternelein.




        Gott segne die Armen,
        Gott segne sie,
        Sein reiches Erbarmen
        Verlasse sie nie!

        Die Armen, die Armen
        An Glauben so reich,
        An Gottesvertrauen
        Den Glcklichsten gleich. --




        Dorten aus der grnen Hecke
        An des Gartenzaunes Ecke
        Schaut mein Schatz heraus:
        Haare braun, nicht kraus;

        Klein Gesichtchen rund,
        Kirschenrother Mund;
        Augen braun, nicht blau:
        Wird bald meine Frau!




        Gehabt euch wohl, Gott segne euch,
        Euch All' im Sonnenlicht,
        Dich Vglein, Rslein, Immergrn,
        Die Dornen und die -- Wrmer nicht! --




        Die Aerzte, Philosophen gleichen --
        Der groe staunt und betet an,
        Der kleine sieht in Gottes Reichen
        Sich selbst als grtes Wunder an. --

        Beschrnktheit absolut dictiret!
        Die Weisheit bleibt ihr fremd und fern --
        Wen nie der Genius berhret,
        Ein solches Mnnchen tuscht sich gern.




        Wer Niemand ber sich zum Richter,
        Wer niemals sagt: ich wei es nicht, --
        Der taugt zu keinem hh'ren Richter
        Mit seinem unfehlbaren Licht.




            Vor Nees von Esenbecks Bildni.


        Stillschweigend ruht der Blick auf der Geschichte
        Menschlichen Treibens, menschlich Mhn,
        Und dster wie vorber ziehn,
        Den bittern Unmuth im Gesichte; --

        Nur gleich Oasen in verbrannter Wste
        Und krftig schmucken Blttergrn,
        Und wie die Meteore glhn
        An Nordpols eisig rauher Kste.

        So einzeln steht im Blatte der Geschichte
        Das Groe da auf seinen Hh'n --
        Wir bleiben lange vor ihm stehn,
        Gleich wie beim Sonnenaufgangslichte! --

        So stehn wir lange, Nees, vor Deinem Bilde,
        Und stolzer unsre Wangen glhn,
        Und unsre Blicke Funken sprhn,
        Dir, hoher Meister, gro und milde!

        Laut schlgt das Herz hier unter Deiner Bste,
        Horch, Allen, Allen -- ungestillt --
        Stark wie gigantisch Sulenbild,
        In Thebens prcht'ger Tempelwste!

        Doch stauntest Du, wenn Deinem sonn'gen Blicke
        Entgegen niedre Sklavenschaar?
        Es folgt die Schnecke nicht dem Aar,
        Sie klebt an ihres Staubes Stcke. -- --




            Herzog Georg Bernhard.


        Blauer Himmel, Bergesluft,
        Dunkler Hain und Blumenduft,
        Zitternd glnzt auf grner Au
        Schon der frische Abendthau.

        Kunstgebilde, Saitenklang,
        Bei der Sonne Untergang,
        Ganz allein an Waldessaum
        Steht der Herzog wie im Traum.

        Ja, des Herzogs Seele trumt,
        Seine Lippen sind gereimt,
        Und der Abendsonne Schein
        Fat sein schlichtes Bildni ein

        Trumet er vom Wstensand,
        Von des Meeres grnem Strand,
        Von der Welten-Harmonie
        Und der Wahrheit Poesie?

        Trumet er von einem Licht,
        Einstens strahlend -- sichtbar nicht --
        Jenes Wunderbild, es lebt,
        Ueber ihm im Himmel schwebt.




              Einst.

            An meine Mutter.


        Komm Geliebte, meiner Seele,
        Komm und still' die Sehnsucht mir,
        Meinen Schmerz ich nicht verhehle,
        Wenn Du, ach, so fern von hier!

        Dieses Hoffen, dieses Bangen,
        Diese ew'ge Qual und Lust,
        Dieses mchtige Verlangen,
        Dieses Klopfen meiner Brust.

        Doch es ist kein leeres Sehnen,
        Ja, Du kehrst, Du kehrst zurck,
        Schaust in meine Freudenthrnen,
        Mit dem schnen, lieben Blick!

        Wirst schon nie mehr von mir weichen,
        Wirst schon niemals fort von hier,
        Ach, es giebt nicht Deines Gleichen,
        Mir ist doch nur wohl bei Dir!




              Einst.

            An meine Mutter.


        Ich wnsche Dir alles Gute,
        Und wnsche Dir alles Glck!
        Des Schicksals eiserne Ruthe,
        Sie weiche vor Dir zurck.

        Ich wnsche Dir schne Trume,
        Und schnere Wirklichkeit,
        Und ppige Blthenbume
        Und stete Frhlichkeit.

        Ich wnsche Dir ein Jahrhundert,
        Und Frische der Jugend dabei,
        Damit sich ein Jeder verwundert
        Wie rstig die Edle sei!

        Doch was ich fr mich ersehne,
        Das rathest Du alsobald:
        Mein Ohr vernehm' Deine Tne,
        So lang ihm noch etwas schallt!

        So lange es fhig, zu hren! --
        Mein Auge, so lange es sieht --
        Sie mgen Dich sehen und hren! --
        Mein Herz, das fr Dich erglht;

        Es mge Dich wonniglich fhlen,
        Bevor es von hinnen zieht!
        Dann scheid' ich mit Dankesgefhlen,
        Mit einem zufriednen Lied!




            Zum 9. Juli, dem Todestage derselben.


        Erde stehe still, Sonne scheine nicht,
        Frchterlich ist dieser Tag!
        Jenes Engelsangesicht
        Sterbend mir vor Augen lag.

        Sonne scheine dort, wo dorten sie erschien --
        Strahlen wirf auf ihren Pfad.
        Englein alle mt entgegen ziehn,
        Wenn die Allereinste naht!

        Ewig, ewig waren wir vereint,
        Eins in Wort, Gedanke, That,
        Uns nur Gott geschieden hat! --
        Da er unser Fleh'n verneint,
        Uns im Tode nicht vereint,
        Ist verhllt in seinem Rath! --




            Jetzt.


        Grt mich mein Mutterlieb?
        Ist ihr nicht bang?
        Ach, schon so lang
        Ist's, da sie fortblieb:

        Dort in der Ferne
        Kreisen die Sterne,
        Sphrische Lieder,
        Rauschend Gefieder,

        Dorten ihr Bild,
        Sehn wir uns wieder,
        Tnen die Lieder,
        Mutterlieb, mild!




        Wo sich Epheu schlingt,
        Eine Hand mir winkt,
        In der Mutter Gruft
        Eine Stimme ruft:
        Dich hab' ich geliebt! --

        Weine nicht, mein Kind,
        Unsterblich wir sind,
        Seh'n uns wieder einst,
        Unwrdig Du weinst,
        Gott uns wieder giebt!




        Meiner Mutter lichtes Bild,
        Meiner Mutter sanft Gesicht
        Meiner Mutter braune Augen,
        Alles dieses seh' ich nicht.

        Aber tief im Busen lebt,
        All der unversehrte Glanz,
        Ihres Wesens Schnheit schwebt
        Ueber mir im Himmel ganz!




        Zwei Blmlein blhen am Aronstab,
        Ach, Beide berdauern das Grab;
        Das weie liebliche Blmelein,
        Das schenkte mir mein Mtterlein.

        Mein Mtterlein, so hold und rein,
        Wie dieses lichte Blmelein:
        Ihr Blmlein berdauert das Grab,
        Im Jenseits grnet der Aronstab!




        Eine Blthe seh' ich prangen,
        Eine Blthe rosenroth,
        Hlt mein ganzes Herz gefangen,
        Ach, mein Herz -- ich glaubt' es todt.




        Ach, meine Mutter, fnd' ich Dich wieder --
        Ach, in der Welten unendlichem Raum,
        So wrd' ich Dich suchen mit allen Krften,
        Wie jetzt ich Dich suche im Wachen und Traum.




            Vor der Mutter Bild.


        Fast strenge sah sie zu mir nieder --
        Gefallen Dir nicht meine Lieder,
        Die ich ja oftmals von Dir singe?
        Bin ich nicht gut und treu und bieder?
        Und thu' ich jemals schlechte Dinge?


            Antwort.

        Du thuest gut, doch nicht so, wie du's solltest,
        Und lange nicht so gut, als wie du's wolltest --
        Dir ward das hchste, schwerste Ziel: Erringe
        Es ganz! Sonst sieht es aus, als wenn Du schmolltest,
        Da aufgegeben Dir die grten Dinge!




        Wenn man die Mtter aus der Erde graben knnte,
        Dann wrden alle Menschenhnde graben,
        Mit einer Eil', als wenn es brennte:
        Denn Jeder will die Mutter wieder haben.

        Wenn man die Mtter aus der Erde knnte graben,
        Dann wre Sonnenschein bei Tag und Nacht auf Erden,
        Und Alle wrden wieder frohe Kinder werden,
        Wenn sie die Mtter wrden wieder haben.

        Ein Jubelschrei, er wrde rings ertnen,
        Ein Glck bei Armen und bei Reichen,
        Ach, reich sind Alle, welche nie vom Mutterherzen weichen. --

        Ein Lieben ohne End' und Gleichen --
        Das Wiedersehen nach lang' getrag'nem Sehnen,
        Nach stillen, lauten, heien Thrnen! --




            Klara Wuras.


        Klara Wuras, lebst nicht mehr,
        Bist der Welt so ganz entrckt?
        Eine Blthe, schon geknickt --
        Ach, an Tnen warst ein Meer. --

        Tausend Melodien strmten,
        Brausten, Klara, auf's Klavier --
        Lieest Deine Saiten hier?
        Deiner Tne Schmelz -- verschmten? --

        Venetianisch se Lieder --
        Deiner Brautfahrt Melodei --
        Klinget in dem Herzen wieder. --

        Goldne Wogen strmt herbei --
        Rauschen wie des Aars Gefieder --
        Klara's groe Phantasei.




            Das Leben.


        Schwestern, Brder, lat uns leben,
        Leben ist gar hohes Gut,
        Machet stark die freie Seele,
        Frischet auf den Lebensmuth!

        Ist das Herz euch so verdorben,
        Da das Leben euch nicht lieb?
        Ist das Feuer schon erstorben,
        Da der Geist euch schwach und trb?

        O vergeudet nicht die Krfte
        In der eitlen Sinnenlust!
        Werfet ab den Staub zur Erde,
        Wenn ihr euch des Staub's bewut!

        Schliet das Leben in die Arme,
        Bis es euch zum Herzen dringt,
        Lat den Arm nicht kraftlos hngen,
        Der das =Gute= gern vollbringt!

        O die Macht, die uns gegeben,
        Wer wei, ob sie wiederkehrt?
        Ob die Macht, die klein uns dnket
        Einst uns auch noch angehrt?

        Brder, Kindheit ist das Leben
        Eines hhern Lebens dort.
        Lat der Kindheit wrdig leben:
        Gott hlt uns dort droben Wort!




            Franzensbad.


        Auf der Franzensbader Hhe
        Steht ein prchtig Sulenbild,
        Franz der Kaiser, wie im Leben,
        Wrdig, sinnig, ernst und mild.

        Welcher Meiel, welcher Zauber
        Hlt die Blicke festgebannt,
        Schnes letztes Werk des Knstlers,
        Schwanenthalers Meisterhand.

        Graf von Mnch von Bellinghausen,
        Dessen Name einst ein Glanz,
        Weihte jenes groe Denkmal
        Seinem Freunde Kaiser Franz.




            Hannah Thorsch.


        Eine Blthe abgefallen! --
        Ach, die lieblichste von allen,
        Unsre Hannah fiel,
        Hin ist Lust und Spiel.

        Alle Freuden jh verhallen,
        Klagen berall erschallen,
        Ach, noch oft und viel,
        Ohne Zweck und Ziel. --

        Klaget nicht, die Seelen leben,
        Glcklicher sie sich erheben,
        Und von Welt zu Welt sie schweben --
        Ganz entrckt dem niedren Staube,
        Keinem Schmerze je zum Raube:
        Das ist des Deisten Glaube!




            Heinrich Heine.


        Ruh' in Frieden, groer Dichter,
        Ruh' in Frieden, Dichtergeist,
        Ruh' in Frieden, Herz voll Saiten,
        Das kein Miton mehr zerreit.

        Oder singe, spiele weiter,
        In der selbstgeschaff'nen Art
        Jener Lieder se Worte,
        Unvergleichlich, geistvoll, zart:

        Von des Fichtenbaumes Trumen
        In des Nordens kalter Hh',
        Von der armen Snderblume,
        Von Ramiro's dstrem Weh'!

        Singe in des Himmels Sphre,
        Alle Engel stimmen ein,
        Witzli Putzli sei vergeben --
        Alle Poesie ist rein!




            Fr Ferdinand Freiligrath.


        Liebt die Dichter! Seh't, sie geben
        Euch das Beste, was es giebt!
        Sie verschnern euch das Leben,
        Dankbar Gegenliebe b't!

        Blmlein wachsen, Wolken ziehen,
        Im Verborgenen wchst Metall,
        Eisen brechen, Sonnen glhen,
        Im Kontrast gedeiht das All!

        Jedes soll vom Seinen geben,
        Schnheit wird zur Harmonie,
        Reicher, edler wird das Streben,
        Es entsteht die Poesie! --

        Kennt ihr nicht der Blumen Rache?
        Nicht des Schwarzwalds braune Maid?
        Eines Volkes Ehrensache
        Ist des Dichters Feierkleid! --




            Leipziger Lerchen.


        Die lieblichen Snger des Feldes,
        Ach, nackt, und zum Frae bereit,
        Ihr werdet doch Lerchen nicht essen?
        Mein Gott, ihr wr't nicht gescheidt!

        Die Lerche, die wahre Poetin,
        Zum Himmel schwingt sie sich auf,
        Ihr Nestlein sorglos am Boden,
        Die Senner treten darauf.

        Allein der Bauer vom Lande,
        Er hat ein natrliches Herz, --
        Mit Schonung schwingt er die Sense,
        Die Sense von Stahl und Erz.

        In Leipzig aber schlachten
        Die singenden Kehlchen sie,
        -- Ach, nackt und klein zum Erbarmen --
        Ein Schlachten der Poesie!




            Droschkau.


        Gott im Himmel, sei gndig,
        Schtze dieses Dorf!
        Schtze diese grnen Auen,
        Diesen Moor und Torf.

        Diese Wiesen, diese Felder,
        Dieses stille Thal,
        Diese dunklen Fichtenwlder,
        Sngers Ideal!




        Ihr wit schon, wen ich meine,
        Die Stadt liegt an der Seine,
        Entschieden ist's die schnste Stadt
        Die man wohl je gesehen hat,
        Die man wohl je gesehen hat.

        Sie hat ein wunderbar Gesicht,
        Ihr Haar ist lang und ist auch dicht,
        Und zauberhaft wie ein Gedicht
        Ihr Wort zu meinem Herzen spricht,
        Ihr Wort zu meinem Herzen spricht.

        Du kennst ach, die Geschichte nicht,
        Und wie das Herz ihr brach und bricht,
        Der Mond strahlt kalt und reine,
        Die Stadt liegt an der Seine,
        Die Stadt liegt an der Seine.




            Vor Hermann Bdekers Bildni.


        Von Goethes Anblick berrascht,
        Nach Worten einst ein Kaiser hascht,
        Er sah ihn lange forschend an,
        Und rief dann aus: Das ist ein Mann!

        Ein wahrer Mensch -- ja, ja, ganz recht!
        Des Menschen Typus, ganz und echt,
        Trgt an der Stirn ein geistig Mal
        Von seinem innern Ideal:

        Wenn Wahrheit kndend die Gestalt
        Das Schne zeigt mit Allgewalt, --
        Und thatverkndend vor uns tritt
        Mit menschlich schnem Heldenschritt,

        Dann sind wir tief und froh bewegt,
        Und unser Herz nur Segen hegt:
        Denn selten ist der Anblick nur
        In unsrer kleinlichen Natur.

        Man rhmt als groe Seltenheit
        Das Gtterfeuer Menschlichkeit, --
        (Es reiht Geschlecht sich an Geschlecht,
        Selbstschtig, kleinlich, ungerecht!)

        Ihr Funken hat fast ausgesprht,
        Er lodert nicht, und nicht er glht --
        Als Irrlicht nur noch auf dem Plan,
        Stirbt er im Sumpf -- im dunklen Wahn --

        Wie ander's ist's bei Dir: hinauf
        Zum Himmel schlgt die Flamme auf,
        Als Leuchte spendend rings ihr Licht,
        Dein Name, er verlschet nicht!

        Es sitzt der Dichter zu Gericht,
        Sein Urtheil schreibt er im Gedicht,
        Und wer dem Ideale gleicht,
        Begeistert er die Palme reicht.




            Meiner Schwester Luise zum Geburtstage.


              Bltter rauschen
              Wunderreigen,
              Vgel lauschen
              In den Zweigen
        Und das Purpurrslein blht.

              Maienwonne
              Herrlich milde;
              Vor der Sonne
              Zauberbilde
        Singt das Vgelein ein Lied:

              Lautre Schne,
              Strahlend Feuer,
              Horch, die Tne
              Meiner Leier
        Hat mein Herz fr Dich entbrannt!

              Deinem Glanze,
              Purpurlichte,
              Weih' ich ganze
              Sinngedichte,
        Die der Himmel mir gesandt.

              Khne Trume,
              Rebenranken,
              Blthenbume
              Der Gedanken,
        Eine ungezhlte Schaar! --

              Vogellieder,
              Vogelweise,
              Klangen wieder
              Ernst und leise
        Tief in meiner Brust.

              Und ich dachte:
              Poesien,
              Vgleins sachte
              Melodien,
        Sie besitzen, welche Lust.

              Einer Holden,
              Strahlend prchtig,
              Haare golden,
              Mien' andchtig,
        Lippen schn und treu und wahr.

              Ihre Blicke,
              Zge, milde,
              -- Wie Antique
              Auf dem Bilde --
        Wrd' ich bringen den Gesang! --




            Das Lied der braven Frau.[3]


        Ein Jeder kennt im deutschen Gau
        Das Lied vom braven Mann.
        Mit Recht so mancher fragen kann:
        Gieb's keine brave Frau? --

        Die brave Frau ist mir bekannt:
        Wer khn das Vorurtheil zertritt,
        Voraus uns geht mit Riesenschritt --
        Ein Beispiel fr das ganze Land; --

        Was uns're Zeit begriffen kaum,
        Was Mancher kaum zu denken wagt,
        Die brave Frau gab unverzagt
        In wackrer That der Wahrheit Raum! --

        Der Wahrheit Raum, der erste Schritt
        Im Kampf fr Alle, Aller Wohl --
        Das ist das Allerbravste wohl --
        Wo mancher Held schon seitwrts glitt. --

        Dies Lied sing ich der braven Frau,
        Die einfach Christel Wiesen heit,
        Gefeiert sei ihr Herz und Geist,
        Als Vorbild hoch im deutschen Gau.


Anmerkung:

[3] Frau Wiesen auf Egestorf erklrte sich zuerst fr die
Leichenverbrennung.

                                                 A. d. V.






            August Bckh.


        Bckh ist todt! Aeolsharfen spielet,
        Trauerweide, senke Dich hinab!
        Grner Lorbeer, schlanke Palme,
        Werfet Schatten auf des Griechen Grab!

        Geist des Bckh! Offen sind die Hallen,
        Freude herrschet im Elysium!
        Lauten Jubel hrt man drinn erschallen,
        Horcht, man feiert seinen Ruhm!

        Chor der Griechen! dankbar froh, vor Allen
        Drcken die Athener ihm die Hand,
        Gtter zeigen ihm ihr Wohlgefallen,
        Psyche selber einen Lorbeer wand.

        Bckh ist todt, Aeolsharfen spielet,
        Trauerweide, senke Dich hinab.
        Grner Lorbeer, schlanke Palme,
        Werfet Schatten auf des Weisen Grab!




            Auf das Zimmer meines Vaters,
  des Rittergutsbesitzers Joachim Kempner auf Droschkau.


        Fast verfallen ist das Fenster.
        Keiner wohnt im Zimmer drin,
        Der Erinnerung Gespenster,
        Sie umnebeln meinen Sinn. --

        Wohnt' der Vater nicht leibhaftig,
        Wie das Leben selber drin?
        Wnschend, wollend, einzig-krftig,
        Stets mit =einem= frischen Sinn? --

        Blaue Augen, braune Haare,
        Stark und gro, ein Riese fast,
        Ungebleicht trotz sechzig Jahre,
        Urgeschftig ohne Rast!

        Und verschwunden ist das Alles,
        Die lebendige Gestalt,
        Und kein Nachhall eines Schalles,
        Mehr aus diesen Fenstern schallt!!

        O, die Trume nur, sie leben,
        Und die Wirklichkeit, sie stirbt, --
        Nur der Dichtung Reich entschweben
        Geister, die kein Hauch verdirbt!




            Dem Priester-Philanthropen Franz Marson.


        Gleich selten auf dem Throne,
        Wie im geweihten Kleid,
        Ein Rthsel fr die And'ren,
        Wer And'ren sich geweiht.




            Zum 70jhrigen Geburtstage eines Onkels.


        Was auch die Menschen trennt, die Geister scheidet,
        Eins giebt's, was alle Welt verehrt,
        Die Tugend mit dem reinen Strahlenkranze,
        Die uns sich selbst vergessen lehrt.

        Wer so wie Du in ihr gelebt, gewandelt,
        Sie liebend keinen Augenblick verlie,
        Mit aller Kraft und Lust nur gut gehandelt,
        Zu jeder Zeit man gerne pries!

        Ob viel geprft, gekmpft, ob viel gelitten:
        Bewutsein heit das inn're Glck,
        Den Allerbesten ward nicht mehr beschieden --
        Kein hh'res strahlt vom Thron zurck. --




        Daktylen, Jamben, Trochen,
        Sie schlie' ich in einen Bund,
        Die Regel sie ewig zu trennen
        Hat keinen vernnft'gen Grund!

        Nicht Stnde giebt es und Kasten
        Im Reiche der Poesie,
        Das Mannigfache im Schnen,
        Es bildet die Harmonie!




        Oft ist verhat
        Und gilt als Last
        Wer engelsrein,
        Denn nur der Schein
        Und der Bombast
        Er gilt allein.




        Wr' ich ein Vgelein
        Und wr' ich noch so klein,
        Flg' ich von Feld zu Feld
        Rasch durch die ganze Welt!




        Man sagt, die Liebe wre blind,
        Ich sage: Ha und Groll es sind:
        Von Einsicht seh' ich keine Spur
        Die Hasser hassen eben nur. --




        Holden Trume, ging't verloren,
        In des Lebens Dunkelheit,
        Bleibt zum Traume auserkoren!
        Traum ist keine Wirklichkeit. --




        Nicht im Reichthum wohnt das Glck,
        Ach, es weichet scheu zurck
        Vor den vielen Eitelkeiten,
        Die sich rasch durch's Geld bereiten:

        Nicht im Reichthum wohnt das Glck,
        Ach! es weichet scheu zurck
        Vor dem vielen Ueberflusse
        Und dem dummen Scheingenusse.




            Als Jemand beim Anblick einer armen Frau
              den Kopf wegwendete.


        Wendest Deinen Blick Du nicht
        Weil das Mitleid zu Dir spricht?
        Spricht von Deiner Menschenpflicht?
        Mensch, o tusch' Dich selber nicht,
        Wende nur den Kopf zurck:
        Helfen ist das grte Glck! --




        Grne Saaten, grne Bltter,
        Braune Stmme, gelbes Schilf,
        Ach, der Landmann mit den Sorgen,
        Gott, dem armen Landmann hilf!




        Sperrt euch ein in groe Stdte,
        Athmet ein die dicke Luft,
        Die ein And'rer ausgeathmet --
        Unbeschreiblich ser Duft!
        Brauchet dann noch eine Kur
        Eine Morphium-Mixtur,
        Und ihr bauet eine Kluft
        Zwischen euch und der Natur:
        Ach, ihr bauet eure Gruft!




            Klte.


        Klte, eis'ge Klte
        Wrme nur belebt!
        Auf so manchem Antlitz
        Ganzes Eismeer schwebt. --




            Der Egoist.


        Und schliefest Du, Schlfer, noch einmal so lang,
        Erwachen wirst Du schwer und bang
        Im liebeleeren Raume --
        Aus Deiner Selbstsucht Traume --
        Dein ich so traurig und so bang --
        Und das Erwachen whret lang.




            Feldarbeit.


        Arme Menschen, arme Thiere,
        Ist's noch finster, mt ihr raus!
        Arme Thiere, arme Menschen,
        Lang' ist's finster, geht's nach Haus. --




        Ein Reiter auf der Haide,
        Er trgt ein Wams von Seide,
        Ein weies Wams, 'n schwarzen Hut,
        Er scheinet noch ein junges Blut,
        Er scheinet noch ein junges Blut.

        Er fhrt sein Pferd zur Weide,
        Zu einer Trauerweide,
        Dort harret, ach, die Liebste sein
        Mit Augen frisch, wie Bchelein,
        Mit Augen frisch wie Bchelein.

        Du, meine Augenweide,
        Mein Blmlein auf der Haide,
        Du gleichst dem Reh im dichten Wald,
        An wunderlieblicher Gestalt,
        An wunderlieblicher Gestalt!

        So schmeichelt auf der Haide
        Der Ritter in der Seide,
        Der schlanken frischen Bauernmaid:
        Er hat sie aber nie gefreit,
        Er hat sie aber nie gefreit.




        Der Mond erscheint,
        Er hat geweint.
        Man sieht es ihm an
        Dem traurigen Mann.

        Aus jenen Hhn
        Hat er gesehn
        Des Bsen so viel --
        Gefhrliches Spiel. --

        Die Menschen all',
        Sie spielen Ball
        Mit jeglichem Gut,
        Mit Flamme und Gluth;

        Der Weisheit taub,
        Der Thorheit Raub,
        Dem Bsen so hold,
        Und so hold dem -- Gold.

        Der Mond erscheint,
        Ach, ganz verweint,
        Er sah zu viel
        Vom bsen Spiel. --




        Zertrmmert das Leben,
        Zertrmmert das Glck,
        Die Freuden, sie schweben,
        Ach, niemals zurck.

        Geopfert das Leben
        Der hchsten Idee --
        Umsonst es gegeben --
        Wem tht' es nicht weh?

        Geopfert das Leben
        Dem menschlichen Glck,
        Sie schlugen das Streben,
        Zerschlugen's in Stck'. --

        Geopfert das Leben
        Der hchsten Idee --
        Umsonst es gegeben:
        Wem tht' es nicht weh!




            Lord Byron.


        Eine Blume blhet
        Dunkler Horizont --
        Bei dem schweren Wetter
        Schwerlich sie sich sonnt.

        Eine Blume blhet --
        Dunkler Horizont --
        Schwarze Wellen peitschet,
        Schumt der Hellespont;

        Eines Mannes Hand
        Tauchet oben auf
        In der Fluthen Lauf.

        Byron schwamm an's Land
        Wo die Blume stand
        Gab den Geist er auf.




        Die Wolken sich thrmen
        Am himmlischen Zelt,
        Gepeitschet von Strmen
        Ein Strahl sie erhellt;

        Ein Sonnenstrahl eilet
        Zerstreuet sie bald,
        Im Nu sie zertheilet
        Des Lichtes Gewalt.

        Im menschlichen Leben
        Erleuchtet ein Strahl
        Des Friedens manchmal
        Die menschliche Qual:
        Die Wolken entschweben,
        Die Freuden sich heben.




        Auf des Lebens Ocean
        Fhrt der Dampfer stolz geehrt,
        Mancher, ach, im schwanken Kahn
        Stehend jeder Welle wehrt.

        Seht das Schiff mit sichrer Hast
        Fast im Hafen liegt --
        Und der Nachen ohne Rast
        Auf den Wogen fliegt.

        Himmelhoch und Abgrundstief
        -- Gott, der Mensch zu Hilfe rief --
        Endlich er vor Anker lief;
        Doch es rennt des Dampfers Last
        An der Klippen mcht'gen Ast
        Und zerschellet Kiel und Mast. --




            Lied.


        An Waldes Saum, an Waldes Saum,
        Da trumt das Blmlein einen Traum,
        Da trumt das Blmlein einen Traum.

        Mir ist so weh, mir ist so bang
        Drum sing' ich diesen Minnesang
        Drum sing' ich diesen Minnesang;

        Ihr Zauberblick, ihr Riesenschritt,
        Er nahm mir all die Ruhe mit,
        Er nahm mir all die Ruhe mit.

        Zu Ende war des Blmleins Lied,
        Das Blmlein sang's und es verschied --
        Das Blmlein sang's und es verschied --

        Wen es wohl so geliebet hat,
        Das blaue Blmlein todesmatt?
        Das blaue Blmlein todesmatt?

        Ich wette, ihr errathet's nicht,
        Drum sag' ich's euch ins Angesicht,
        Drum sag' ich's euch ins Angesicht:

        Das Blmlein hat die Pflicht geliebt --
        Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt,
        Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt.

        Und als man ihm ins Herze sah,
        Da lag das Herz entblttert da,
        Da lag das Herz entblttert da.




        Kennst Du vielleicht ein Land
        Wo keine Bsen sind?
        Das wr' mein Heimathland,
        Ich ginge hin geschwind.

        Kennst Du vielleicht ein Land,
        Wo Niemand Bses thut?
        Das wr mein Heimathland,
        Fr Das gb' ich mein Blut!




        Bitterbse ist das Leben,
        Und vergeblich alles Streben
        Nach dem hh'ren Ziel:
        Alles bleibt ein Spiel,
        Illusionen es umschweben,
        Die sich nie als Wahrheit geben.




        Menschliche Hilfe ist bald kaput,
        Gttliche Hilfe allein es thut. --




        Mich greift die Langeweile,
        Ich schreibe keine Zeile,
        Kein Vogel gedeiht in solcher Luft,
        Wo Alles nur nach Gelde ruft;
        Wo Alles raset nach Gewinn,
        Kommt einem gar kein Lied in Sinn;
        Die Bume stehen d' und leer,
        Man hrt kein einzig Zwitschern mehr!




            Stimmung.


        Kalt von auen und von innen,
        Alles kalt und freudlos nur,
        Und von Wrme und von Sonne
        Und von Freude keine Spur.




        Auf meinem Gesicht
        Steht ein Gedicht,
        Drin ist zu lesen,
        Wie 's stets gewesen.




        Der Traum der Poesie,
        Der Reiz der Phantasie,
        Der Kindheit Glck:
        Nichts kehrt zurck.




            Vor meiner Mutter Bild.


        Ich sah Dich heut im Traume
        An eines Waldes Saume,
        Du sprachst ein groes Wort:
        Mein Kind, geh' eilig fort.

        Auf, zgere nicht mit Sumen,
        In lieblos engen Rumen
        Versteht man kein Gedicht
        Und auch -- Dich selber nicht!




            Vor demselben Bilde meiner Mutter.


        Wenn Du noch wrst am Leben,
        Dann lohnte sich's frwahr --
        Doch da du nicht am Leben,
        So lohnt sich's nimmerdar.




        Goldner Sonnenschein
        Steigt zum Fenster ein:
        Weil Du so allein
        Will ich bei Dir sein.




            Gegen den Selbstmord.


        Hinab in die Fluth, hinab in den Tod,
        In das sehnlichst erwartete Nichts,
        Kein neues Tagen, kein Morgenroth
        Und kein Funken lebendigen Lichts. --

        Betrogener Wahn, ach, allberall
        Ein neues Tagen, ein Morgenroth,
        Stets kreiset ein neuer Sonnenball:
        Und es giebt, ach, gar keinen Tod.




        Die Nachtigall schlgt,
        Der Frhling ist da,
        Das Herz ist bewegt,
        Die Freude ist nah!

        Die Freude ist nah,
        Das Herz ist bewegt,
        Der Frhling ist da,
        Die Nachtigall schlgt!



        Ich wei eine groe Geschichte,
        Die meisten =fhlen= sie nur:
        Das Leben ist ein Gedichte,
        -- Und oft eine schwere Kur. --

        Verschieden sind ja Gedichte,
        Das eine rosig und licht,
        Das andere hat Blei-Gewichte,
        Und macht ein bittres Gesicht.




            Die stille Thrne.


        Die Thrne, ach, die stille,
        Nur sie brennt hei,
        In ihr wohnet der Wille:
        Da Niemand davon wei --

        Da Niemand ahne, she,
        Wie sie dem Aug' entquillt,
        Ein Aug' in hchster Hhe
        Sie dennoch sieht und -- stillt.

        Nicht immer ganz -- nicht immer --
        Oft bleibt zurck ein Schimmer,
        Ein glnzend feuchter Glanz --
        Wie Perlen oder Glimmer --
        Doch trocknen alle Thrnen,
        Winkt jh ein Lorbeerkranz!




        Deutsche Bildung, deutsche Sitte,
        Deutsche Hetze, Kampfkultur,
        Kultivirte Kmpfe nur,
        Humanisten, schweigt, ich bitte,
        Denn im goldnen Reich der Mitte
        Ist von Hetze keine Spur,
        Und ob solcher Unnatur,
        Lacht Franzose, Dne, Britte.

        Groer Friedrich, armer Kant,
        Leibniz, Lessing, Hufeland,
        Jh vergessen von der Welt,
        Wenn Sophist und Kter bellt
        Wird das deutsche Vaterland,
        Gar mit Ruland gleichgestellt.




            Wintergemlde.


        Es schneit im Wald
        Unheimlich kalt,
        Ein Mann versinkt im Schnee;
        Sein Ach, sein Weh
        Verhallet bald
        Im groen Wald.
        Die Jagd, sie naht,
        Zertritt die Saat;
        Ein angeschossen blutend Reh
        Versinkt im Schnee,
        Die Bchse knallt,
        Der Schu verhallt.




        Unschuldig verurtheilt sein
        Ist ein Unglck, das nicht klein,
        Doch natrlich ist es fast
        Trifft den Richter keine Last --

        Keine Schuld -- ach unfehlbar!
        Ob ein Richter stets es war?
        Straflos darf ein Richter sein?
        Darauf sagt ein Jeder nein!




            Hundegebell im Fleischerladen.


        Mit Hunden hetzen sie das arme Thier,
        Mit Kolben stoen sie's zu Tod!
        Ist's nicht genug an Wein und Brot?
        Nach Blut lechzt die Begier.




        Von Moral ist keine Spur,
        Alles strebt nach Schlauheit nur,
        Jeden listigen Betrug
        Nennt man Usus, oft auch klug.




        Krnk' Dich nicht,
        Grm' Dich nicht,
        Pltzlich scheinet Sonnenlicht,
        Auch die Finsterni wird hell,
        Auch das Glck, es schreitet schnell --
        Und verstummt ist das Gebell!




        Versunken ist das Glck
        In bodenlose Tiefe,
        Nichts bringt's zurck:
        Es ist, als wenn die Gottheit schliefe. --




            Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets.


        So sieht es aus das Irdische
        Nach kurzer Zeit!
        Das sind die blendenden Irrwische
        Der Zeitlichkeit!




        Es schlft die Welt, es ruhen alle Herzen,
        Nur meines nicht --
        Ob Bsewichter Herzen haben?
        Bei mir brennt Licht:
        Wie ist solch dunkeln Rthsels Sinn zu lsen?
        Sie denken nicht --
        Und nur Phantome, ferne Schreckensbilder,
        Sind ihnen Recht und Pflicht.




        Besessen ist die Welt
        Von Eigennutz und Geld,
        Und Alles zum --
        Verzweifeln dumm!




        Parteilichkeit, Parteienha,
        Das schaut so grn und wird so bla --
        Von Schlang' und Nesseln ein Gewhl! --
        Welch unnatrliches Gefhl!
        Welch unnatrliches Gefhl!

        O kurze Zeit, des Lebens Zeit
        Noch krzer durch Parteilichkeit
        In Confession und Politik:
        Parteienha hat keinen Schick!
        Parteienha hat keinen Schick!




        Ginge es nach meinem Herzen,
        Wrde Allen ich vergeben,
        Allen Denen, welche leben:
        Jene tausend Qual und Schmerzen,
        Welche sie mich lieen leiden,
        Kann sie darum nicht beneiden --
        Wlzten sich im goldnen Koth --
        Doch -- vom Leben geht's zum Tod.




        O Gott, Du weit am Besten was uns frommt,
        Und gut ist Alles, was von Deiner Gte kommt,
        Allein die Menschen sind so schwach:
        Sieh' ihnen lieber Alles nach!




        Giebt's ein Glck?
        Gab's ein Glck?
        Ich bezweifl' es sehr!
        Giebt es ohne Sturm und Angst
        Irgendwo ein Meer? --




        Der Himmel ist hell,
        Das Feld es ist wei,
        Es leuchten so kalt in der Ferne
        Unzhlige silberne Sterne.

        Die Nacht ist lang
        Der Traum ist bang
        Viel Geister, sie fehlen hienieden,
        Geb' Gott den Fehlenden Frieden!




        Es eilt der Flu
        Die Wiese entlang,
        Ein Vglein hpft
        Dabei und sang,
        Doch da der Flu
        Kein Ende nahm
        Das Vglein md'
        Zurcke kam,
        Und sang nicht mehr
        Und grmt sich sehr,
        Weil's, ach, so schwer --
        Ach, gar so schwer,
        Und freut sich nie:
        Weil alle Mh
        Ihm nicht gedieh --
        Ihm nicht gedieh.




        Im Traum sah ich die Mutter heut,
        O golden ser Traum! --
        Ich sah sie so schn und wunderbar,
        Wie oft im Leben kaum.

        Was kommst Du zu verknden mir
        Du liebes Engelsbild? --
        Mein Kind, vergieb die Snden all,
        Sei immer gut und mild!

        Sei auch den Sndern gut gesinnt,
        Die Lge ist ihr Brauch --
        Ein tglich wiederkehrend Gift --
        Vergieb den Sndern auch.




        Einen Vers soll ich Dir machen;
        Verse, Freund, sie sind verschieden
        Wie das Leben ist hienieden
        Oft sehr ernst und oft zum Lachen --
        Will 'nen heiteren Dir machen:
        Heiterkeit sei Dir beschieden,
        Allen Denen, die hienieden,
        Man kein X fr U kann machen; --




        Den Studenten,
        Die nie flennten,
        Die mit eignen Ohren hren,
        Nie auf eine Dummheit schwren,
        Nimmer slich sich bethren,
        Nie in falsche Schlingen rennten. --




            An Diejenige, welche immer das Bse
              von mir abwehrte.


        Vom Himmel schau hernieder,
        Und segne meine Lieder,
        Und halte Bosheit fern,
        Ich meide sie so gern;
        Die Bosheit eilt mir nach,
        Ist ewig fr mich wach,
        Verfolgt mich schon so lange:
        Die dumme gift'ge Schlange!




        Sei ein Held, ertrag' die Leiden,
        La Dein Aug' daran sich weiden,
        La Dein Aug' daran sich weiden,
        Sei ein Held, ertrag' die Leiden.




                 _Depuis qui je suis ne, j'ai vu la calomnie
                  Exhaler le venin de sa bouche impunie_.

                                                     _=Voltaire=_.

        Kennt ihr sie nicht die bse bunte Schlange,
        Die vom Gebsch die Ferse sticht?
        Sie schleicht verderbend auf dem Gange,
        Und tretet nie vor's Angesicht.

        Ihr Weg ist Mord, allein ganz ungefhrdet
        Vergiftet sie aus dem Versteck,
        Horch, zischend sie im Staube sich geberdet:
        O Menschen, schafft das Monstrum weg!




            Verschiedenheit ist nthig.


        Ach wren All' von einem Glauben!
        Ach gb's nur eine Sorte Trauben,
        Auch gelbe nicht und blaue nicht,
        Und gb's nur einerlei Gedicht --

        Und einerlei sei das Gesicht,
        Und berall ein dunkel Licht,
        Ach, wren All' von einem Glauben
        Und gb's nur eine Sorte Trauben!




            Wahrheit.


        Der Abend dmmert weich und mild,
        Nichts strt des Schweigens Stille,
        Da tritt der Mond hervor aus seiner Hlle,
        Beleuchtend ein erhabenes Bild.

        Die Kokospalme blht und der Granatbaum brennt
        Im frischen menschenhohen Grase,
        Ist dies die menschliche Oase,
        Wo man nicht Ha, noch Liebe kennt?

        Im Schatten eines Palmenhains,
        Im weien Kleid mit langen Haaren
        Da kniet die Priesterin von achtzehn Jahren,
        Bestrahlt vom Licht des Mondenscheins.

        Sie spricht ein wunderbar Gebet,
        Horch, was sie leise innig fleht:
        =Verbann', was Deine Welt entstellt,
        Verbann' die Lge von der Welt.=




            Das Mdchen vom See.


        Es toben die Wellen des Meeres,
        Sie heben ein Weib in die Hh',
        Wer bist Du, lichtes Bildni,
        Bist Du das Mdchen vom See?
        Ich bin einstmals versunken
        Im tiefen Meeresschlund,
        Doch wenn die Sonne goldig
        Bestrahlt den tiefen Grund,
        Dann steig' ich in die Hh':
        Denn =mir= gehrt die See.




        Des Abends letztes Gold,
        Es spiegelt sich im Rhein,
        Still kniet das Mgdelein
        Am Ufer, wunderhold!

        Ihr Haar, so licht wie Gold,
        Ihr Aug' so himmelsrein,
        Was kniest Du so allein,
        Komm Maid, das Wetter grollt! --

        Still winkt die Jungfrau mir:
        Ein Opfer ruhet hier,
        Auf einem Grab' sind wir;

        Lieblosigkeit ist Mord --
        Entfliehe diesem Ort',
        Doch sprich ein segnend Wort!




            Die Spitzen-Klpplerin im Harz.


        Im weien Gewande von Spitzenzeug,
        Die Blthen in braunen Locken,
        So sieht man das Bildni, das schne Weib,
        Dort oben hoch thronen am Brocken.

        Was ist Dir denn heut, und was weinest Du Kind?
        Ich liebe nur lustige Leute,
        Dein Auge ist na, und Dein Lcheln ist trb,
        Du bist ja so schwermthig heute. --

        Mein Auge ist na und mein Lcheln ist trb,
        Ich bin, ach, so schwermthig heute,
        Mich plaget ein Leid, ach, ein mchtiges Leid,
        Ich hasse den Ballanzug heute.

        Ich hasse die Spitzen aus Thrnen gewebt,
        Drin werden zu Wasser die Freuden,
        Ein Wehe, ein Seufzen da drinnen lebt,
        Ein Chaos von bittersten Leiden! --




            Das Mgdelein.


        Ich traf einmal im fremden Land,
        Ein Mgdlein zierlich und gewandt;
        Wo kommst Du her, wo weilest Du?
        Ich find' im fremden Land nicht Ruh'!

        Bist Du ein deutsches Mgdelein?
        Geboren an dem deutschen Rhein? --
        Mein Vater war ein Kriegersmann,
        Die Mutter keine Seide spann! --

        Wie kamst Du in das fremde Land?
        An eines Fremden falscher Hand.
        Die Treue wohnt in Deutschland nur;
        Von ihr ist hier, ach, keine Spur! --




            Gebet.


        O, la mir die Welt der Erscheinungen stehn, sie ist so schn,
        O, la mich die Sonne immer sehn,
        Die Bume unter Bltter wehn,
        Die Blumen, die auf Erden stehn,
        Die Sterne in den lichten Hhn,
        O, la' mir das Licht, das herrliche Licht,
        Ein anderes Glck begehr ich nicht.

        Du gabst's jedem Wurme, den Wesen all,
        Auf jedem Erd- und Sonnenball,
        O, schliee mich nicht, nicht mich g'rade aus
        Aus Deines Lichtes glcklichem Haus,
        O, la mich die Sonne immer sehn,
        Die Berge und die grnen Seen,
        Die Bume unter Bltter wehn,
        Die Blumen, die auf Erden stehn.




        Ach, Sternlein dort,
        Am Himmelsort,
        Du glnzest so alleine
        Und scheinest uns so kleine.

        Doch sprich, was geht denn dorten vor,
        Doch mach' mir keine Wippchen vor,
        Ist es denn dort erquicklich?
        Und lebt man dorten glcklich?

        Ach, Mgdelein
        Im grnen Hain,
        Du glnzest so alleine
        Und scheinest nur so kleine.

        Was geht in Deinem Herzen vor,
        Doch mach' mir keine Wippchen vor,
        Ist es darin erquicklich,
        Und lebt sich's drinnen glcklich?




            Eine Mitternacht in Tyrol.


        Die groen Kaiser sind alle erwacht,
        Stehn aufrecht da in der Gruft,
        Sie tragen die deutsche Reichskrnungstracht,
        Es glhet und zischt in der Luft.

        Der Reichsverweser schlft ein in Tyrol,
        Die Uhr schlgt Mitternacht,
        Da wecket ihn dumpf, da wecket ihn hohl
        Der Ahnherr'n gespenstische Pracht.

        Wie bist Du so klein, wie bist Du so schwach,
        Du kleinlicher Enkelsohn,
        Du brachtest dem Reich, Du brachtest uns Schmach,
        So hallt es in grollendem Ton.

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach!

        Und Rudolf von Habsburg mit Hoheit begann:
        Du Reichsverweser Erzherzog Johann,
        Bewahre, Du bist mir kein Rittersmann,
        Ich schleudere Dich in Acht und Bann.

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach.

        Und Karl der fnfte in seiner Art:
        Wer unehrlich, sei klug, Johann,
        Und weil Ihr nicht klug und nicht ehrlich war't,
        So thun wir Euch in Acht und Bann.

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach.

        Und Maximilian spricht, Schmerz im Gesicht,
        Fluchwrdig, wer die Treue bricht,
        Wer wei, ereilt Dich kein Gottesgericht.
        In Bergen Tyrols verbirg Dich nicht! --

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach!

        Und Joseph der Gute wehmthig klagt:
        In Wien ein Stand- und Kriegsgericht?
        Das Beste, das Schnste hast Du gewagt,
        Die Mutter -- sie vergit Dir's nicht!

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach.

        Und Marie Theresia, die schnste Frau,
        Mit unmuthiger Miene spricht sie,
        Mit der Rechten zeigt sie Brigittenau:
        Auch dieses verge' ich Dir nie!

        Die Shne Arpads, sie schtzten mein Haus,
        Das Reich und des Habsburgers Thron,
        Und -- ruft mit Beben die Kaiserin aus,
        Verderben war darum ihr Lohn.

        Im weien Gewand, das Haar in die Hh',
        Die Rechte zum Himmel hinan:
        Den Feinden Arpads sei ewiges Weh,
        Vergelichen Enkeln mein Bann!

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als ob Fels an Felsen sich brach.

        Dem Reichsverweser wird bang um das Herz,
        Die Ahnen, sie haben vollend't,
        Die Worte lasten wie Panzer von Erz,
        Der Bannstrahl das Hirn ihm verbrennt. --

        Und scheu, aus den Armen des schweren Alp,
        Reit entsetzt und matt er sich auf,
        Da sieh da, nach Schatten ein blutiger, halb, --
        Er steigt aus der Erde herauf!

        Ein Jngling, das lockige Haupt in der Hand,
        Um die Stirne den Streifen von Blut:
        An Deiner Statt -- ruft er, mein wr' das Land,
        Dir fehlte mein reichlicher Muth! --

        Ein Nu, der blutige Schatten war hin,
        Es lachte noch jugendlich auf:
        Nicht Jeder, nicht Jeder ist Konradin,
        Nicht Jeder ein Hohenstauf'.

        Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol,
        Sie hallen es tausendfach nach,
        Das tnet so dumpf, das tnet so hohl,
        Als wenn Fels an Felsen sich brach.

        Den Erzherzog schwindelt, zur Erd' er fllt,
        Und siehe, es war nur ein Traum,
        O Volksmann Johann, die Meinung der Welt,
        Sie fand in dem Traume den Raum.




        Kalt ist's, eine trockene Klte,
        Aus modernen Burgen schallt
        Tadel fr das Holz, den Heizer
        Durch die weiten Sle bald.

        Aber in des Armen Htte
        Ist von Tadel keine Spur,
        Eingefroren ist das Wasser
        Und man weint und zittert nur.




        Ich trumte tausend Lieder
        Und alle schn und hold,
        Sie hatten blaue Augen
        Und Haare licht wie Gold.

        Die Welt lag mitten drinnen,
        Ein Purpurrslein rein,
        Unangehaucht vom Menschen,
        Bestrahlt vom Sonnenschein.

        Jetzt trum' ich viele Lieder,
        Doch all' mit dunklem Haar,
        Mit groen dunklen Augen,
        Und thrnenvoll wohl gar.

        Die schattigen Gestalten,
        Sie schwanken hin und her,
        Wie sturmbewegte Wellen,
        Auf sturmbewegtem Meer.

        Ihr groen dunklen Augen,
        Mit tief und ernstem Blick,
        Ihr gleicht an Ernst und Wunder,
        Dem tragischen Geschick.

        Ihr schattigen Gedanken,
        Die Wahrheit Euch verzehrt,
        Ihr zeigtet mir im Rslein
        Den Wurm, der es zerstrt. --




        Wer einsam kam zu trber Hhe,
        Oft unverstanden angegafft,
        Dem rauschet jedes Lftchen Wehe
        Und jedes Blttchen: halte Kraft.

        Ja Kraft soll dem die Gottheit geben,
        Wer selbstlos nur das Gute will,
        Mit seinem Herzblut, seinem Leben,
        Und sich verblutet einsam still.




        Der Tag so kurz, der Tag so lang,
        Die Stunde so froh, die Stunde so bang,
        Das Leben so kurz, das Leben so lang,
        Die Freude so kurz, ach, und niemals lang.




        Seh' ich euch wieder, goldne Sterne,
        Hab' euch lange nicht gesehn,
        Wut' euch freilich in der Ferne
        Unsichtbar am Himmel steh'n!




        Es hat uns Gott gegeben
        Das menschliche Gefhl,
        Der Tugend nachzustreben,
        Sei unser Lebensziel.

        Barmherzigkeit zu ben,
        Das sei das Losungswort,
        Die Menschen all' zu lieben,
        An jedem, jedem Ort.




            Die Nachtigall und die Katze.


        Die Nachtigall sie schlaget
        In Blitz und Donner fort,
        So lang' ein Baum noch stehet,
        Bleibt jubelnd sie am Ort.

        Sie jauchzet auf am Morgen,
        Sie bliebt das Tageslicht,
        Doch Katzen, ihre Feinde,
        Vertragen solches nicht.

        Die Katze webt im Dunkeln
        Ist Knigin der Nacht,
        Doch Nachtigall trotzt singend
        Nchtlich der finstern Macht.

        Die Dichter alle dichten,
        Trotz Nacht, Verrat und Spott,
        Inmitten ihrer Feinde
        Ruhig getrost auf Gott! --

        Von jedem Platz der Erde,
        Von dem er nicht verbannt,
        Hat stets der wahre Dichter
        Sein Veto ausgesandt.

        Und Beide, Beide hren
        Zu singen niemals auf:
        Ihr Katzen und Philister,
        Mein Ehrenwort darauf! --




            Das Burschenlied.


        Die Poesie ist ein Gebiet,
        Wo alle Blthen treiben.
        Jetzt soll ich gar ein Burschenlied
        Fr die Studenten schreiben.
        Wohlan, es sei, ich fange an,
        Und schreib', so gut ich schreiben kann.

        Ich lob' mir die Studentenschaft,
        Die brav, fidel und bieder,
        Mit hellem Geist und Muth und Kraft
        Hoch hlt die deutschen Lieder.
        Mit Liedern zieht er in die Welt,
        Ein solcher Bursche ist ein Held.

        Im schmucken, reichgestickten Kleid,
        Mit Humpen und mit Degen
        Ist gern gesehn er weit und breit,
        Auf allen deutschen Wegen.
        Ein solcher Bursche ist ein Held,
        Er zieht als Sieger durch die Welt.

        Und zeigt man ihm ein bses Weib,
        Die Braut ihm zu ersetzen,
        Weicht tausend Schritte er vom Leib,
        Er lt sich nichts verhetzen.
        Mit achtzehn Jahr' hat er gefreit,
        Und damals war er grundgescheidt.

        Studenten, unsere Zukunft einst
        Hngt ab von eurem Werden,
        Ob's freund- und friedlich wird dereinst,
        Ob's heimlich wird auf Erden.
        Und Eins noch hnget von euch ab,
        Ob man lebendig mu in's Grab. --

        Ob Nacht, ob Finsterni, ob Licht,
        In eurer Hand wird's liegen.
        Verget der groen Ahnen nicht,
        Dann wird das Rechte siegen.
        Die Burschenschaft, sie ist ein Held,
        Und ihr gehrt die ganze Welt.




            Der Thierbndiger.

        Des Thierbndigers Bude ist drckend voll,
        Die Menge lauscht lautlos andchtig schier,
        Da tritt zornig herein das Pantherthier,
        Und stattlich der Lwe und wrdevoll,
        Und mit grausigen Tnen dicht hinterdrein
        Zwei schwarze Hynen hinein in die Reih'n.

        Des Bndigers Tochter von hoher Figur,
        Von lieblich rundem, rosigem Gesicht
        Von glnzend hellbraunem Augenlicht,
        Das schwarze Kpfchen in Mannesfrisur,
        Betritt grend den Kreis, im Miederchen nett,
        Um schneeige Schultern und lchelt kokett.

        Johanna, gewappnet mit festem Blick,
        Schwingt behend' sich hinauf auf den Leu,
        Mit sanftem Muth und mit selt'ner Treu
        Ertrgt sie das knigliche Genick,
        Stolz kreuzt sie die Arme und lchelt dabei
        Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

        Die Jungfrau steigt ab und mit Heldenmuth
        Fhrt in des Panthers Rachen ihr Arm,
        Drinn braust's gewaltig wie Bienenschwarm
        Und wilder tobt es in Heihungers Gluth,
        Sie reicht ihm das Becken mit Blut gefllt
        Und gierig, doch langsam den Durst er nun stillt.

        Inzwischen sieht man die Knigin der Wuth
        Gefrig, schnaubend, sphen ringsum,
        Das Mdchen bieget den Nacken krumm,
        Und hinten hinauf steigt die wilde Brut:
        Den Mrder am Halse, sie lchelt dabei,
        Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

        Die zweite Hyne eilt nun hinan,
        Die erste klettert rckwrts hinab,
        Johanna Beiden die Ftterung gab,
        Ihr strahlender Blick, er hlt sie in Bann.
        Und dankend entflieht sie dem strm'schen Applaus,
        Der Bndiger fhret die Thiere hinaus.

        Hierauf tritt herein das gehrnte Pferd,
        Das seltsam geformte, seltene Gnu
        Und leicht hpft herein das Knguruh.
        Ein Ach des Staunens im Kreise man hrt,
        Denn des Knguruh's seitwrts laufender Sprung
        Erregt die allgemeinste Bewunderung.

        Der Bndiger fhrt nun auch Affen hinein,
        Die Thiere ledig der keuschen Scham,
        Die Menge es demthigend berkam
        Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein --
        Die thrichten Knaben nur jubeln dazu,
        Der Bndiger benennet die Thiere im Nu.

        Ich sparte, ruft laut er, trotz niederm Preis,
        Was am meisten die Augen ergtzt,
        Das Allerschnste Euch auf, auf zuletzt; --
        Johanna, getrocknet schon ist Dein Schwei,
        Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fu lange
        Und hundert Pfund schwere Riesenschlange.

        Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall
        Hinaus ein schneeweies junges Lamm,
        Ach, zaghaft das Auge in Thrnen ihm schwamm,
        Doch vorwrts drhnt ihm der Peitsche Geknall.
        Das Lmmchen, das heute zum Tode bestimmt,
        Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt.

        Nun trgt man hinein die riesige List,
        Mit Kraft und Schnheit herrlich geschmckt,
        Und drohend und schlau sie rings um sich blickt,
        Und aus der Menge ertnet ein lautes Pst!
        Johanna daneben, sie lchelt dabei
        Und zeigt' ihrer Zhne hell glnzende Reih'.

        Die prchtige Riesin, sie wendet sich um,
        Raubgierig sphend und unheilvoll,
        Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll,
        Und windet sich um das Mdchen herum.
        Die mnnliche Jungfrau, sie lchelt dabei,
        Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

        Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier,
        Hlt's geschickt vor ihr hin in der Hand,
        Die Schlange blickt glhend unverwandt
        Und zischend hascht sie darnach mit Begier,
        Da zittert das Mdchen, das Antlitz entstellt,
        Das Haar sich ihr strubt, und das Lamm ihr entfllt.

        Schnell will sie's erhaschen, den Kopf sie senkt,
        Doch im Zug sich das Unthier befand,
        Ein Nu, ein Schrei, das Kpfchen verschwand,
        Und die schne Gestalt am Rachen hngt.
        Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin,
        Und dem starren Vater luft's wild durch den Sinn.

        Er zieht ein Terzerol, er feuert es los
        Rasch in den giftigen Schlund hinein,
        Die Tochter will er vom Frae befrein.
        Und richtig er traf, denn richtig er scho:
        Es wlzt sich in schwrzlichen Strmen von Blut,
        In schumenden Geifer die furchtbare Brut.

        Nun ffnet der Bndiger den riesigen Mund,
        Sein stierer Blick sprht funkelnden Glanz,
        Johanna ist todt, doch sie ist ganz,
        Nur rund um den Hals, da ist es wie wund.
        Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit,
        Fast schien's, als tht's um die Jungfrau ihr leid.

        Der Bndiger blickt scheu im Kreise herum
        Da dringt kein einziger Laut an sein Ohr
        Die Menge sich fhllos lngst verlor,
        Und im Bretterzelt ist's entsetzlich stumm,
        Der Mond durch die Spalten bescheinet darin
        Den Thierbndiger zu Fen der Thierbndigerin.




        Ich ritt auf einem Pferde,
        Den grnen Wald entlang
        Voll Blthen war die Erde,
        Ich rasch hinunter sprang.

        Vor mir auf grner Aue,
        Viel hundert Vgelein,
        So hbsche, kleine graue,
        Mit schwarzen Aeugelein.

        Ihr singet goldene Lieder,
        Nach Mozart'scher Manier,
        Seid Ihr denn alle Brder,
        Da Ihr versammelt hier?

        Die Antwort lautet leise:
        Wir sind nur gleichgesinnt,
        Ha ist der Brder Weise
        Einfltig Menschenkind.

        Sieh, es grnt an allen Hecken,
        Und auf allen Lnderein,
        Und es tummeln sich die Gecken
        In des Frhlings Sonnenschein!

        Nachtigallen singen, flten,
        Lerchen steigen jubelnd auf,
        Doch die Frsche und die Krten
        Hemmen der Begeist'rung Lauf!




        Hast Du darum mich verstoen,
        Weil ich Deinen Eltern fern?
        Schau, ein unbekannter, fremder,
        Aber glnzend heller Stern.

        Oder hast Du mich verstoen,
        Weil Entsagen Dir 'ne Lust?
        Ewig wird Dich Lgen strafen
        Deine lebenswarme Brust.

            Antwort.

        Es geschah aus andrem Grunde,
        Weil fr mich ich niemals Zeit,
        Sieh, das Leben whrt 'ne Stunde,
        Warte bis zur Ewigkeit.




        Aus dem Dunkel bricht das Licht,
        Neu erstrahlet mir die Welt,
        Und verstoen bin ich nicht,
        Gott, aus Deines Lichtes Zelt.

        Welche Wonne, welches Glck,
        Welcher Jubel kehrt zurck!
        Einzig Glck wohnt nur im Licht,
        Gott, ich lese ein Gedicht.




        Ich meint' es rechtschaffen und ehrlich,
        Doch zu mir selber nicht gut --
        Mit jeglichem Wesen viel besser --
        Und schrieb meine Verse mit Blut.




        Ein Meer von Balsam ist die Zeit,
        Was hat sie Alles nicht geheilt!
        Die falschen und die wahren Schmerzen,
        Die man zu schaffen sich beeilt.




            Gretchen.


        Mdchenthrnen,
        Schmerzlich Sehnen,
        Perlen aus des Himmels Thau,
        Werden wei und werden grau.

        Einer Seele weiches Sehnen,
        Eines Herzens schmerzlich Dehnen,
        Hui, das ist so warm und kalt
        Wie gespenstische Gestalt.

        Eisig schmckt es alle Wnde,
        Starr und freudlos alle Hnde,
        Alles schweigend, alles stumm,
        Nur der Bse geht herum.




        Weie Blthen, grne Zweige,
        Unschuld, Gte fesselt mich,
        Sicher leiten eure Steige,
        Abseits geht es frchterlich.




        Rosenbsche, dunkle Haine,
        Duftig blhende Sinnlichkeit,
        Nennest niemals mich die Deine,
        Falsch ist Deine Sigkeit.

        Deine Strme, Deine Wogen,
        Deine ahnungsschwere Lust,
        Sicher haben sie betrogen
        Manche unschuldsvolle Brust. --




        Ja, ja, es kommt noch nach,
        Das Schne kommt noch nach,
        Es rufen Freudentne
        Die Herzenslust Dir wach.

        Ja, ja, es kommt das Gute,
        Das Gute kommt noch nach,
        Die Tugend mit dem Muthe,
        Sie ruft das Rechte wach.

        Ja, ja, es kommt der Glaube,
        Auch er, er kommt noch nach,
        Er ruft dem Sohn vom Staube
        Einst das Gewissen wach! --




        Sei Dir Alles gleich, mein Kind,
        S' ist ja alles gleich,
        Jedes Ding vergeht geschwind
        In dem flchtigen Reich.

        Freud und Leiden, Schmerz und Glck,
        Eis und Schnee und Sonnenblick,
        Alles trifft ja ein Geschick,
        Kommt auf eins zurck. --

        Inn'res Glck nur wechselt nie,
        Das Bewutsein bleibt,
        Ewig gleich der Poesie
        Seine Blthen treibt.




        Bittrer als der Tod ist Leben,
        Wenn ein stolzes Herz verletzt, --
        Sieh', die Furien sich erheben,
        Deren Stahl die Hlle wetzt.

        O, Der kennt die Seelen wenig,
        Der die besten stille schmht,
        Sah man jemals einen Knig
        Der um Schwarzbrot betteln geht?

        In dem lichten Sonnenglanze,
        Wandelnd durch das Leben hin,
        Schaffend, wirkend fr das Ganze,
        Treu mit heiem, festen Sinn.

        Wer fr jedes Glied des Ganzen,
        Gerne gb' sein Herzensblut,
        Liebend, selbst das Thier, die Pflanzen,
        Dessen Herz ist rein und gut.

        Bittrer als der Tod ist Leben,
        Wenn ein solches Herz verletzt,
        Sieh' die Furien sich erheben,
        Deren Stahl die Hlle wetzt.

        O, Der kennt die Seelen wenig,
        Der die besten wagt zu schmhn,
        Sah man jemals einen Knig,
        Einen Knig betteln gehn!




        Mir trumte, da ich stund
        An eines Teiches Grund,
        Und sieh', mein Mutterlieb,
        Es schaute drinn so trb'.

        Was machst so trb Gesicht --
        Fragt ich, ich fass' es nicht.
        Bist gut, -- sprach sie, -- mein Kind,
        Weit nicht, wie bs' sie sind; --

        Du fat das Bse nicht,
        D'rum mach' ich trb' Gesicht.
        So sprach mein Mutterlieb
        Und ich erwachte trb'.




            Der Sieg des Geistes.


        Hast Du den Schmerz schon einst empfunden,
        Den Seelenschmerz, der tief im Innern nagt,
        Und hast in diesen trben Stunden
        Du nie und nimmermehr trostlos verzagt?

        Auch bei des Krpers groen Leiden,
        Wenn Grauen schon Dein Aug' bedeckt,
        Du fhlst das Leben von Dir scheiden
        Und bist auch dann nicht aufgeschreckt?

        Wohl Dir, du bist nicht berwunden,
        Es endet alles Erdenleid,
        Glck auf! Es nahen bessere Stunden,
        Und Du erhltst fr Alles einst Bescheid.

        Bescheid vom ewigen Richter droben,
        Wofr Du Edler denn gelitten hast. --
        Es hret auf des Herzens Toben,
        Weg ist sie, die schwere Sorgenlast.

        Der Geist ist Sieger, er sieht heiter,
        Ja, sieht mit froh' und unumwlkten Blick
        Auf die Vergangenheit zurck,
        Und schreitet ewig immer weiter.




            Elisabeth.


        Aus jenem Tro von Kniginnen
        Ragt hoch empor dein tugendhaftes Sein,
        Den Glanz der Throne kann das Haupt entbehren,
        Doch nie der Tugend Heiligenschein.

        Dem Knig brach das Herz, in dir gefunden
        Hat er o, eine Welt voll Herrlichkeit,
        Hat ihn des Undanks Pfeil auch tief getroffen,
        In Dir vershnte ihn die hhere Menschlichkeit.




            Sonnenuntergang und Aufgang.


        Ein Sonnenuntergang, der Untergang
        Desjenigen Volk's, das einst so hoch gestrahlt,
        Siehst du die Streifen, purpurroth und lang,
        Den jeder Untergang am Himmel malt --

        _El fresco_, blutig halb, halb rosenroth,
        Als zgen Schmerz und Unschuld Hand in Hand --
        Ein strmisch Leben, ein erhabner Tod --
        Ein siegreich Dulden, das nichts berwand.

        Welch groes Bild! im Hintergrunde Tag,
        Im Vordergrunde tiefe Nacht man sieht,
        Ein Volk, das tief im Staube kniet --
        Hoch ber seinem Haupt die Prfung lag --

        Und Thrnen, Dornen, Ketten allerart --
        Und harte, gift'ge Zungen lauern dort --
        Und Herzen, ihnen gegenber, hart
        Wie Stein, und wie der stille Mord.

        Und Angst und jhe Flucht und bleiche Noth
        Mit tausend Schrecken, Qualen, wechseln ab,
        -- Ein Schatten-Leben und ein rascher Tod, --
        In dstern Flammen-, frischem Wellengrab.

        Das Volk sieht lange sich die Prfung an:
        Das Unglck, wie es leibt und lebt und stirbt,
        Und wie es, demthig auf steilem Pfad hinan,
        Um einen kalten Blick des Mitleids wirbt!

        Im Vordergrunde Nacht -- im Herzen Licht,
        Im Herzen jenes Morgenroth
        Des Glaubens und der Zuversicht --
        Erhaben ber Finsterni und Tod --

        Sie berdauernd, berdauernd Raum und Zeit,
        Sie umgestaltend in den ew'gen Tag --
        Sie umgestaltend in Unsterblichkeit:
        Das glub'ge Volk hofft es bei jedem Schlag;

        Das Volk sieht in den Abgrund tief hinab,
        Und ruft: ich werde leben! Gott mit mir!
        Geb't mir zur Reise um die Welt den Stab
        -- Den Glauben -- ihn allein nehm ich mit mir.

        Und berall verknd' ich Gottes Wort,
        Ein Weltalls-Prediger bewhrt durch That,
        Als Glaubensbild weil' ich an jedem Ort,
        Ein Gotteslehrer, und -- der Vlker Rath. --

        Hier steht das Migeschick, doch dicht der Glaube,
        Dort steht das irdsche Glck, mit ihm das Nichts --
        Hier bist Du jedem irdischen Schmerz zum Raube,
        Allein Du bleibst ein Sohn des ew'gen Lichts --!

        So rief ein Engel unter Lorbeerzweigen
        Und zeigte nochmals Tag und Nacht zugleich,
        Und todesmuthig sie die Hupter neigen,
        Und rufen laut: =wir whlen ew'ges Reich=.




            Gedicht ohne r.


        Wie viel Licht im Sonnenball,
        Wie viel Staub im Weltenall,
        Wie viel Staub und wie viel Sand
        Giebt's nicht schon im Heimathland!
        Wie viel hohes, schnes Licht
        Hat's im deutschen Lande nicht!
        Wie viel Angst in Blitzes Schein,
        Wie viel Lust im Glase Wein!
        Doch ganz komisch ging man um,
        Alles schaffend, meistens stumm; --

        Blos den Menschen ausgenommen,
        Lebt sonst Alles still beklommen,
        Dem Menschen allein die Kunst man gab
        Zu zhlen all' sein Gut und Hab',
        Zu sagen wie's und was ihm thut,
        Und wie ihm jetzt und je zu Muth:
        Wenn ihn die Habsucht voll gefllt,
        Und wenn die heie Sucht gestillt!
        Wie wonneathmend das Gefhl,
        Wenn nah' man einem hohen Ziel.

        Khn Manche, dies in's Auge nehmen,
        Ohn' des Milingens sich zu schmen,
        Weil edle Pflanzen oft eingehen,
        Wenn sie auf sand'gem Boden stehen! --
        Ja, all' dies ist Jenen nicht gegnnt,

        Die man nach uns Geschpfe Gottes nennt:
        Das edle Wild kann es nicht sagen,
        Wie Jagd und Hunde ihm behagen,
        Und wenn man den Hals des Fisches sticht
        Denkt man, die Fische empfinden's nicht!

        Ei, sehet doch, wie doppelt unbillig,
        Die Fische zucken ja, doch bswillig,
        Will man sie dennoch gefhllos nennen,
        Weil sie nicht seufzen und klagen knnen;
        Und so geht's bis zum Elephanten hin,
        Still behlt es den unabhngigen Sinn,
        Das gute, weise, edle Vieh,
        Denn Sklavendienst beugt seine Weisheit nie,
        Stolz denkt es an das heimathlich Gebiet,
        Sanft duldend, was im Ausland ihm geschieht.

        Aus all diesem ziehe ich den Schlu,
        Da die Sagekunst man haben mu,
        Nicht um zu klagen stets Leid und Weh',
        Da ich Elephanten standhaft seh';
        (Und ach, wie langweilig ist man,
        Wenn man niemals von sich schweigen kann);
        Deshalb denk' ich lediglich alsdann,
        Wenn man etwas sagt, was ntzen kann,
        Was man weise nennt, und Edles denkt,
        Wenn man dies dem Geist des Nchsten schenkt.

        Bses so zum Besten wendet:
        Wenn dann die Lippe niemals endet,
        Sie hat sich damit nicht geschndet,
        Dazu hat sie ein Gott gespendet;
        Da das Aug', das Wahn geblendet,
        Sich dem hellen Tag zuwendet;
        Seelen schwachen, schon im Sinken,
        Heil und Hoffnung zuzuwinken!
        Und die Besten und Gescheidten,
        Mit den edlen Geistesgaben,
        Die zu thun im Sinne haben,
        An die Thaten zu gewhnen,
        An die guten, menschlich schnen;
        Ja, und mchtig hohen Seelen,
        Die Gott Lob auch niemals fehlen,
        Zu dem Hchsten zu geleiten! --




            Auf meinen am 15. November 1890
              dahingegangenen Papagei.


        Allgeliebter Vogel Du,
        Gingest auch zur ewigen Ruh
        Liebenswrdig, zahm und zart
        Und von selten geistiger Art!

        Warst mir zweiundzwanzig Jahr,
        Was kein Anderer mir war,
        Steter Freund, ach lebenslang,
        Nehme meinen heien Dank.

        Mancher hat Dich arg betrbt,
        Weil Du allgemein beliebt,
        Gnnte diesen Trost mir nicht,
        -- Das ist Wahrheit im Gedicht --

        Nochmals Dank fr Deine Treu!
        Lebe dorten auf, auf's Neu --
        Jeder Geist er lebet fort
        Glcklich sei an jedem Ort!




            An denselben.


        Den ersten Gru am Morgen
        Empfing ich stets von Dir,
        Und Herz und Geist und Seele
        Lag in dem Ton zu mir.

        Du wirst mir immer fehlen,
        Stets bange bleibt's nach Dir
        Du ser Jakob, Kobusch
        Bleibst unvergessen hier.

        Seit zweiundzwanzig Jahren
        Seit meiner Mutter Tod
        Warst Du mein treu' Gefhrte
        In Freude, Schmerz und Noth!

        Du bist nicht fortgewichen
        Von ihrem Totenbett
        Und warst Dein ganzes Leben
        Stets geistvoll, klug und nett.

        Du wirst mir immer fehlen
        Stets bange bleibt's nach Dir
        Du ser Jakob, Kobusch
        Bleibst unvergessen hier.

        Und mehr warst Du beweinet,
        Als mancher Mensch vor Dir
        O, Koberle, o Jakob
        Bleibst unvergelich mir.




        Eine Blume ist gebrochen,
        Hier fr immerdar, --
        Und die edle Frstin zhlte
        Vierundzwanzig Jahr.

        Wer des Lebens Glck gekostet,
        Und dann rasch entflieht,
        Kennt nicht seine Dissonanzen,
        Hrte nur sein Lied.

        Und mich dnkt, in solcher Jugend
        Enden leichter sei,
        Wie die Tne leicht sich lsen
        Einer Melodei.




            Nach dem Gesetz ber
        die Pensionirung der Arbeiter.


        Das Echo schall' es weit
        Es tagt Gerechtigkeit
        Es lauschet Menschlichkeit:
        Kommt eine bessere Zeit?

        Ob Noth und Elend flieht
        Aus mchtigstem Gebiet.
        Es war ein Hohenzollernwort, --
        Und Kaiser Friedrich freut sich dort.




        Welch' Schreckenstille herrschet hier,
        Bin ich allein, ich bin allein!
        Entsetzen, ach, ein Grauen schier
        Erfat mich, so allein zu sein. --

        Du nahmst mir Viel, fast rthselhaft
        Ist des Geschickes Grausamkeit,
        Beeil dich, Mut, beeil dich, Kraft,
        Zu krzen mir die de Zeit.

        Der Menschheit Traum -- die Kunst -- verhindert hin --
        Nichts als des Daseins anspruchsvoller Sinn!
        Doch halt, doch nein; das Grte ist bei Dir:
        Gott ist, ist berall, und ist auch hier.




        Prall nicht an, prall nicht an,
        Steine giebt es berall,
        Und man kann, und man kann
        Haben einen bsen Fall;

        Sto nicht an, sto nicht an,
        Bse Menschen giebt es viel,
        Und man kann, und man kann
        Kommen in ein bses Spiel;

        Halt zurck, halt zurck
        Deine Meinung, deinen Blick
        Und die Klugheit, und das Glck
        Leiten weise dein Geschick.




            Wanderlied.


        Thre auf, Thre zu,
        Niemals Rast, niemals Ruh',
        Schne Damen, liebe Herr'n
        Kaufet freundlich, kaufet gern,
        Brauch's auf Brot, und brauch's auf Bier,
        Und das gnnt ihr sicher mir.

        Thre auf, Thre zu,
        Niemals Rast, niemals Ruh,
        In der Klte, in der Glut,
        Keiner meiner Fe ruht,
        Such' am Heerde einen Platz,
        Finde keinen, keinen Schatz.

        Schne Damen, liebe Herr'n
        Kaufet freundlich, kaufet gern,
        Komm aus fernem Lande her
        Und dem Fremdling wird's so schwer:
        Thre auf, Thre zu
        Niemals Rast, niemals Ruh'.




            Der Goldfischer.


        Am Rande des Meeres
        Am Rande der Fluth,
        Da weilet der Knabe,
        Gar freundlich und gut;

        Er stahl seinem Vater
        Die Goldfischlein sein
        Und wirfet sie wieder
        Ins Meer hinein.

        Der Vater, er jaget
        Dem Ufer entlang,
        Da wird, ach, dem Knaben
        So ngstlich und bang;

        Er frchtet den Vater,
        Es sinkt ihm der Muth,
        Fast mchte er lieber
        Hinab in die Flut.

        Da frbt sich das Wasser,
        Wird schwarz und wird grn
        Und weie Gespenster
        Darber hinziehn;

        Die Tiefe, sie donnert,
        Der Abgrund geht auf
        Die Fluten beginnen,
        Den rasenden Lauf.

        Sie stoen den Knaben
        Den Goldfischlein nach:
        Das rufet des Vaters
        Gewissen erst wach.




             =Ed. Freyhoff='s Buchdruckerei, Oranienburg.




      *      *      *      *      *      *




Anmerkungen zur Transkription

     Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden
     bernommen, nur offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.



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