The Project Gutenberg EBook of Die Entstehung der Kontinente und Ozeane, by 
Alfred Wegener

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Title: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane

Author: Alfred Wegener

Release Date: April 23, 2014 [EBook #45460]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KONTINENTE UND OZEANE ***




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                    Anmerkungen zur Transkription:
                    ##############################

Der vorliegende Text wurde anhand der 1920 erschienenen zweiten Ausgabe
mglichst originalgetreu wiedergegeben. Inkonsistente Ausdrcke wurden
beibehalten; dies gilt auch fr Unterschiede in den Schreibweisen
im Text gegenber dem Namens- und Sachregister. Weiterhin wurden
unterschiedliche Worttrennungen ebenfalls nicht angeglichen.

Kursive Textstellen wurden mit Unterstrichen gekennzeichnet (_kursiv_),
fettgedruckte dagegen mit Rautensymbolen (#fett#). Insbesondere
Eigennamen wurden im Originaltext gesperrt dargestellt; hier wird dies
durch Schrgstriche reprsentiert (/gesperrt/). Das Symbol [vc] steht
fr den Kleinbuchstaben c mit Caron (Hatschek); Caret-Symbole (^) gehen
hochzustellenden Zahlen und Buchstaben voraus.

Die folgenden typographischen Fehler wurden korrigiert:

# S. 16: "einmalig" --> "einmalige"
# S. 79: "Nornordwest" --> "Nordnordwest"
# Funote 41: "sogar nur 8 bis 9 km" --> "sogar nur 8 bis 9 km betragen"
# Funote 57: "Research in Chine" --> "Research in China"
# Funote 106: "in Kommission be" --> "in Kommission bei"

Die Bezeichnungen "Megascolecinen" und "Lumbricinen" fr die blichen
Namen der biologischen Familien der Megascoleciden und Lumbriciden
wurden im Text beibehalten; ebenso "Palorchectes" und "Miolania" fr
die Gattungsnamen Palorchestes und Meiolania.




                           DIE WISSENSCHAFT

         Sammlung von Einzeldarstellungen aus den Gebieten der
                   Naturwissenschaft und der Technik

             Herausgegeben von Prof. Dr. EILHARD WIEDEMANN

                                BAND 66

                          Die Entstehung der
                         Kontinente und Ozeane

                                  Von

                       Prof. Dr. Alfred Wegener

     Abt.-Vorst. d. Deutschen Seewarte u. Priv.-Doz. d. Geophysik
                    a. d. Hamburgischen Universitt

                 Zweite gnzlich umgearbeitete Auflage

                          Mit 33 Abbildungen

                            [Illustration]

                             Braunschweig

              Druck und Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn

                                 1920




                          Die Entstehung der
                         Kontinente und Ozeane

                                  Von

                       Prof. Dr. Alfred Wegener

     Abt.-Vorst. d. Deutschen Seewarte u. Priv.-Doz. d. Geophysik
                    a. d. Hamburgischen Universitt

                 Zweite gnzlich umgearbeitete Auflage

                          Mit 33 Abbildungen

                            [Illustration]

                             Braunschweig

              Druck und Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn

                                 1920




                       Alle Rechte vorbehalten.


   Copyright, 1920, by Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig, Germany.




Vorwort.


Das vorliegende Buch ist die -- vllig umgearbeitete und wesentlich
vermehrte -- zweite Auflage meiner gleichnamigen, 1915 in der Sammlung
Vieweg (Nr. 23) erschienenen Schrift, die vergriffen ist. Die
bernahme der neuen Auflage in die Sammlung Wissenschaft erfolgte
wegen des vergrerten Umfanges; sie erscheint aber auch durch die
starke Vernderung gerechtfertigt, die sie bei der Neubearbeitung
erfahren hat und durch welche sie den Charakter eines neuen Buches
annimmt.

Die Theorie der Kontinentalverschiebungen ist in allen Teilen schrfer
gefat, und ihre Prfung durch Heranziehung von Beobachtungsmaterial
erheblich weiter im einzelnen durchgefhrt, als es mir bei der ersten
Auflage mglich war. Insbesondere konnten die Polverschiebungen und
auch die Ursache der Kontinentalverschiebungen weit ausfhrlicher
behandelt werden; dies sind wohl die beiden Punkte, in denen die
Theorie am weitesten fortgefhrt werden konnte. Die im Vorwort der
ersten Auflage als experimentum crucis bezeichneten nderungen der
transatlantischen Lngenunterschiede haben sich zwar fr die zunchst
in Betracht gezogene Strecke Europa-Nordamerika bisher nicht besttigen
lassen, dagegen haben die endgltigen Ergebnisse der Danmark-Expedition
eine um so glnzendere Besttigung fr die Strecke Europa-Grnland
gebracht.

Seit der ersten Auflage ist im In- und Auslande eine umfangreiche
Literatur ber die Kontinentalverschiebungen entstanden, deren
Aufzhlung mehrere Seiten fllen wrde. Eine Reihe bekannter
Fachgelehrter, allen voran /Dacqu/, hat sich trotz der Neuheit
dieser Gedankengnge mit Interesse, ja teilweise mit vorbehaltloser
Anerkennung dazu geuert. Naturgem ist aber die Zahl der Zweifler
noch immer gro, zumal die Theorie von verschiedenen Seiten, namentlich
den Geologen /Diener/, /Semper/ und /Srgel/ heftig angegriffen
worden ist. Der teilweise verfehlte Ton dieser Angriffe ist bereits
von anderer Seite getadelt worden[1]. Was an tatschlichen Einwnden
vorgebracht wurde, ist in der vorliegenden Neubearbeitung sorgfltig
bercksichtigt. Leider beruht ein groer Teil der Einwnde auf bloen
Miverstndnissen, ja sogar Versehen, die sich bei grerer Sorgfalt
der Kritik leicht htten vermeiden lassen. Obwohl auch hierauf
bereits von anderer Seite hingewiesen worden ist[2], sind diese
Miverstndnisse doch unerkannt in zahlreiche Referate bergegangen.
Ich bin deshalb bestrebt gewesen, die betreffenden Fragen in der
vorliegenden Darstellung mglichst unzweideutig zu behandeln.

Wie die erste Auflage durch die selbstlose geologische Beratung
und Mitarbeit von /Cloos/ gefrdert, um nicht zu sagen, ermglicht
wurde, so ist die zweite gekennzeichnet durch die nicht minder
wertvolle Mitarbeit eines Klimatologen; ihre Ausarbeitung geschah
nmlich in tglichem Gedankenaustausch mit /W. Kppen/, und ich hatte
die Genugtuung, da dieser, anfangs khl und zweifelnd, sich mit
wachsender Wrme in die Ideenwelt der Verschiebungstheorie vertiefte
und schlielich mit hoher Freude zu der berzeugung hindurchdrang, da
hier der rote Faden im Labyrinth der Paloklimatologie gefunden sei.
Mehrere Kapitel entstanden in so engem Gedankenaustausch mit ihm, da
die Grenze des geistigen Eigentums nicht mehr feststellbar ist. Seine
wichtigsten Ideen ber diesen Gegenstand wird /Kppen/ noch in zwei
besonderen Abhandlungen in Petermanns Mitteilungen verffentlichen.

Von anderen Fachleuten bin ich namentlich den Herren /Andree/,
/Irmscher/, /Michaelsen/ und /Tams/ fr geistige Untersttzung dieser
Arbeit zu Dank verpflichtet.

Der Leser sei nachdrcklichst darauf hingewiesen, da eine groe Zahl
von Fragen -- wenn man nicht auf eigenes Urteil verzichten will --
durchaus die Benutzung eines Erdglobus erfordern. Ein Atlas reicht
wegen der Verzerrung durch die Projektion nicht aus. Die Kritik der
ersten Auflage krankt geradezu an der Nichtbenutzung des Globus.

    /Hamburg-Groborstel/, im April 1920.

                                                   Alfred Wegener.




Inhaltsverzeichnis.


                                                                   Seite

  /Erstes Kapitel./ #Landbrcken, Permanenz der Ozeane und Isostasie#  1

    Die Schrumpfungshypothese 1. -- Betrag des Gebirgszusammenschubs
    2. -- Flachseenatur der marinen Ablagerungen 3. -- Isostasie 4.
    -- Hebung der Strandlinien 4. -- Nachhinken des isostatischen
    Ausgleichs 5. -- Mchtigkeit der Sedimente in Geosynklinalen 5. --
    Massendefizit unter Gebirgen 5. -- Schwerkraft auf den Ozeanen 5.
    -- Dicke der Lithosphre nach der Isostasie 6. -- Keine Isostasie
    fr kleine Dimensionen 6. -- Hypothese der Brckenkontinente 7.
    -- Schelfbrcken 8. -- Die Permanenzhypothese 9. -- Horizontale
    Verschiebungen der Kontinente 10. -- Geschichtliche Bemerkungen 11.


  /Zweites Kapitel./ #Die Natur der Tiefseebden#                     13

    Barysphrische Natur der Tiefseebden 13. -- Das doppelte Niveau
    der Erdrinde 14. -- Aufreien der Lithosphre als Kompensation der
    Gebirgszusammenschbe 16. -- Vulkanische Gesteinsfunde bei
    Dredschzgen 17. -- Grere Magnetisierbarkeit des Tiefseebodens 18.
    -- Schlichtheit des Tiefseebodens 19. -- Fehlen von Faltengebirgen
    am Meeresboden 19. -- Fortpflanzung von Erdbebenwellen in
    kontinentalen und in ozeanischen Gebieten 20.


  /Drittes Kapitel./ #Geophysikalische Erluterungen#                 21

    Sial und Sima 22. -- Spezifische Gewichte 23. --
    Schollenmchtigkeit nach /Hayford/ und /Helmert/ 24. --
    Schmelztemperaturen 25. -- Starrheitsgrad der Erde 26. --
    Zhflssigkeit des Simas 27. -- Deformierbarkeit des Sials 28.

    /Erscheinungen der Kontinentaltafeln/                             29

    Schelfgebiete 29. -- Gebirgsfaltung 30. -- Grere Mchtigkeit der
    Sedimente in Gebirgen 30. -- Faltung unter Wahrung der Isostasie
    31. -- Abschmelzung von unten 32. -- Vergleich des Zusammenschubs
    mit der Hhe der Gebirge 32. -- Staffelfalten 33. -- Abtragung
    unter Wahrung der Isostasie 33. -- Krfte der Gebirgsfaltung 34.
    -- Faltung am Vorderrand triftender Schollen 35. -- quatorialer
    Faltungsgrtel 35. -- Spaltung 36. -- Die ostafrikanischen Brche
    36. -- Das Dreieck zwischen Abessinien und der Somalihalbinsel 37.
    -- Eindringen des Simas in die Spalte 38. -- Niederbruch grerer
    Gebiete durch Dehnung 39.

    /Erscheinungen des Kontinentalrandes/                             39

    Schwerestrung am Kontinentalrand 40. -- Druckverhltnisse am
    Kontinentalrand 41. -- Vulkanismus 42. -- Die ostasiatischen
    Inselgirlanden 42. -- Parallelerscheinungen dazu 47. -- Gleiten der
    Randketten 48. -- Atlantischer und pazifischer Kstentypus 51.

    /Erscheinungen der Tiefseebden/                                  52

    Entblung des hochtemperierten Simas unter Wasser 52.
    -- Verschiedene Tiefe der Ozeane 53. -- Verteilung der
    Tiefsee-Sedimente 53. -- Erklrung der Tiefenunterschiede
    durch Temperaturunterschiede 54. -- Strmungen im Sima 54. --
    Mittelatlantische Bodenschwelle 55. -- Tiefseerinnen 56.


  /Viertes Kapitel./ #Die Verschiebungen der Kontinentalschollen#     58

    Die Panthalassa 58. -- Erstes Aufreien und Zusammenschub der
    Lithosphre 58. -- Hypsometrische Kurve der Erdoberflche fr
    die Vorzeit und die Zukunft 59. -- Allmhliche Abnahme der
    Faltungsvorgnge in der Erdgeschichte 60. -- Rekonstruktion der
    Kontinentalschollen fr das Karbon 61. -- Landbrcken nach /Arldt/
    64.

    /Die atlantische Spalte/                                          66

    Rekonstruktion der atlantischen Gebiete fr das Eozn 67.
    -- Parallelitt der atlantischen Ksten 70. -- Frherer
    Landzusammenhang zwischen Nordamerika und Europa 71. -- Geologische
    und tektonische Brcken 73. -- Frhere Landverbindung zwischen
    Sdamerika und Afrika 77. -- Streichrichtungen im Urgebirge 77.
    -- Karbonische Faltung in Sdafrika und bei Buenos-Aires 79.
    -- Unwahrscheinlichkeit des Zufalls 80. -- Die amerikanische
    Landbrcke 80. -- Die nordpazifische Landbrcke 81.

    /Lemurien/                                                        82

    Frhere Landverbindung zwischen Madagaskar und Dekan 82. --
    Betrag der Himalaja-Faltung 83. -- Randliche Spuren des groen
    Zusammenschubs 83. -- Ablsung Madagaskars von Afrika 84. --
    Abspaltung Vorderindiens von Madagaskar 84.

    /Gondwana-Land/                                                   85

    Dreifache Beziehungen der australischen Lebewelt 86. -- Die
    gondwanische Brcke 86. -- Die antarktische Brcke 87. -- Die
    hinterindische Brcke 89. -- Die Tiefenkarte der Sunda-Inseln
    89. -- Angliederung Australiens an Vorderindien 90. -- Die
    australischen Kordilleren und Neuseeland 91. -- Unsicherheit der
    Angliederung Australiens an Antarktika 91.


  /Fnftes Kapitel./ #Polwanderungen#                                 92

    Theoretische Zulssigkeit groer Polwanderungen 92. -- Geologische
    Notwendigkeit der Annahme von Polwanderungen 96. -- Theorien von
    /Reibisch/ und /Kreichgauer/ 97. -- Methodische Vorbemerkungen 98.
    -- Kurve der Breitennderungen 100. -- Pollage in der Eiszeit 102.
    -- Pollage im Pliozn 107. -- Im Miozn 107. -- Im Oligozn 108. --
    Im Eozn 109. -- Im Paleozn 110. -- In der Kreide 110. -- Im Jura
    112. -- In der Trias 113. -- Im Perm und Karbon 113. -- Im Devon
    118. -- Tabellarische bersicht der Pollagen 118.


  /Sechstes Kapitel./ #System, Ursachen und Wirkungen der
  Kontinentalverschiebungen#                                         119

    Polflucht 119. -- Westwanderung 120. -- Ursache der Polflucht 121.
    -- Ursache der Westwanderung 122. -- Polwanderungen als Folge von
    Kontinentalverschiebungen 122. -- Meridionale Spaltungen 123. --
    Entstehung der mittelmeerischen Bruchzone 124. -- Transgressionen
    als Folge von Polvernderungen 124.


  /Siebentes Kapitel./ #Nachweis der Kontinentalverschiebungen durch
  astronomische Ortsbestimmung#                                      125

    Absolutes Zeitma der geologischen Abschnitte 126. -- Die nach
    der Verschiebungstheorie zu erwartenden Abstandsnderungen 127.
    -- Nachweis der Verschiebung Grnlands 127. -- Die Frage der
    Verschiebung Nordamerikas 129. -- Skulare Breitenabnahme der
    europischen und nordamerikanischen Sternwarten 130.




Erstes Kapitel.

Landbrcken, Permanenz der Ozeane und Isostasie.


Die heutige Geologie steht im Zeichen eines Wechsels ihrer
zusammenfassenden Grundanschauungen. Bis heute herrscht noch, wenn
auch nicht mehr unbestritten, die von /Dana/, /Albert Heim/ und
/Eduard Suess/ vertretene Theorie einer Schrumpfung der Erde. Wie ein
trocknender Apfel durch den Wasserverlust des Innern faltige Runzeln
an der Oberflche bekommt, so sollten sich durch die Abkhlung und
damit verbundene Schrumpfung des Erdinnern die Gebirgsfalten an
der Oberflche bilden. /Suess/ fand den krzesten Ausdruck: Der
Zusammenbruch des Erdballes ist es, dem wir beiwohnen[3]. Noch in der
1918 erschienenen 5. Auflage von /E. Kaysers/ Lehrbuch der Allgemeinen
Geologie wird diese Lehre vorbehaltlos angenommen. Man wird gewi gern
einrumen, da diese Theorie das historische Verdienst hat, lange Zeit
hindurch eine ausreichende Zusammenfassung unseres geologischen Wissens
darzustellen. Heute ist sie aber bereits weit entfernt davon, dieser
Aufgabe zu gengen, worin wohl die meisten Geologen und jedenfalls
alle Geophysiker einig sind. Man hat sich aber bisher meist damit
beschieden, da die Kontraktionstheorie lngst nicht mehr voll
anerkannt wird, und einstweilen keinerlei Theorie gefunden ist, die sie
vollstndig ersetzen und alle Umstnde erklren kann[4].

Von geophysikalischer Seite wird abgestritten, da die Erde sich
merklich abkhlt, weil durch den Zerfall der radioaktiven Stoffe
in der Erdrinde so viel Wrme frei werde, da die Temperatur sogar
umgekehrt im Steigen sein knnte[5]. Und die Geologen mssen
zugeben, da schon im Algonkium groe Inlandeismassen die damaligen
Polargebiete bedeckten, die Bodentemperatur also nicht viel anders
gewesen sein kann als heute. Aber noch viel schlimmer steht es mit der
eigentlichen Beobachtungsgrundlage der Schrumpfungshypothese, nmlich
dem Gebirgszusammenschub. Denn es stellt sich als immer unmglicher
heraus, diese riesenhaften Zusammenschbe auf Rechnung einer Abkhlung
der Erde zu setzen. Die Arbeiten von /Bertrand/, /Schardt/, /Lugeon/
u. a. haben zu einer ganz neuen und eigenartigen Auffassung eines
groen Teiles der Alpenfaltung gefhrt, indem hier statt eigentlicher
Falten schuppenartige Deckfalten oder berschiebungen angenommen
werden. Hierdurch wird der Betrag des Zusammenschubes noch wesentlich
grer, als frher angenommen wurde. /Heim/ hat nach der lteren
Auffassung fr den Schweizer Jura eine Verkrzung auf 4/5, fr die
Alpen auf 1/2 berechnet, dagegen nach den neuen Anschauungen fr
letztere 1/4 bis 1/8[6]. Da die heutige Breite etwa 150 km betrgt, so
wre also hier ein Rindenstck von 600 bis 1200 km Breite (5 bis 10
Breitengraden) zusammengeschoben. Jeder Versuch, solche Gren auf eine
Temperaturerniedrigung des Erdinnern zurckzufhren, mu scheitern.
/Kayser/ bemerkt zwar, da ein Zusammenschub um 1200 km nur 3 Proz.
des Erdumfanges ausmacht, so da sich auch der Radius um 3 Proz.
verringert haben mte, allein anschaulich werden diese Zahlen erst,
wenn man die Temperaturen berechnet, die ihnen entsprechen. Legt man
einen Mittelwert aus den vier linearen Ausdehnungskoeffizienten von
Nickel (0,000013), Eisen (0,000012), Kalkspat (0,000015) und Quarz
(0,000010) zugrunde [0,0000125], so kommt man -- allein um die tertire
Faltung zu erzielen -- auf einen Temperaturverlust der Erde von etwa
2400. Es bedarf keiner Erluterung, da man damit namentlich fr die
lteren Zeiten, in denen die Faltung viel universeller wirksam war, zu
ganz absurden Temperaturen kme. Es ist auch nicht einzusehen, wie es
physikalisch mglich sein soll, wie /Heim/ will, da die Schrumpfung
eines ganzen grten Kreises gerade an einer Stelle zum Austrag
kommt. Wie /Ampferer/[7], /Reyer/[8], /Rudzki/[9], /Andre/[10] u. a.
gefordert haben, mte vielmehr die ganze Erdoberflche gleichmig von
der Runzelung betroffen werden, was ja auch der trocknende Apfel zeigt.

Noch weit grere Bedenken stehen der Auffassung der Kontinente
als stehengebliebene, der Ozeane als abgesunkene Schollen beim
Zusammenbruch nach der Schrumpfungshypothese entgegen. Nach
/Lyells/ Vorgang nahm man einen schrankenlosen Wechsel zwischen
dem Auftauchen von Tiefseebden ber Wasser und dem Versinken von
Kontinenten bis zum Tiefseeboden an, gesttzt einerseits auf die
marinen Ablagerungen auf den heutigen Kontinenten und andererseits
auf die Verwandtschaft der fossilen Fauna und Flora heute getrennter
Kontinente, welche einen Brckenkontinent an Stelle des Ozeans
zwischen ihnen zu erfordern schien. Doch mu man gerechterweise
anerkennen, da die Vertreter der Schrumpfungshypothese das besondere
Problem, welches in den Kontinentalschollen steckt, als solches
anerkannt haben. 1878 mute /A. Heim/ bekennen, da, bevor genauere
Beobachtungen ber die kontinentalen Schwankungen der Vorzeit gemacht
sind,... und bevor wir vollstndigere Messungen ber die Betrge des
ausgeglichenen Zusammenschubes der meisten Gebirge haben, kaum ein
wesentlich sicherer Fortschritt in der Erkenntnis des urschlichen
Zusammenhangs von Gebirgen und Kontinenten und der Form der letzteren
untereinander zu erwarten sein wird[11]. Und 1918 schreibt /E.
Kayser/: Gegenber dem Rauminhalt dieser Steinkolosse erscheinen
alle festlndischen Erhebungen unbedeutend und geringfgig. Selbst
Hochgebirge wie der Himalaya sind nur verschwindende Runzeln auf der
Oberflche jener Sockel. Schon diese Tatsache lt die alte Ansicht,
nach der die Gebirge das magebende Geblk der Kontinente darstellen
sollten, heute unhaltbar erscheinen... Wir mssen vielmehr umgekehrt
annehmen, da die Kontinente das ltere und Bestimmende, die Gebirge
aber nur nebenschliche jngere Gebilde darstellen[12]. Man kann
in diesen beiden Zitaten wohl das Zugestndnis erblicken, da die
Kontinentalschollen der Schrumpfungshypothese Schwierigkeiten machen.
Es drfte in der Tat schwer sein, vom Boden dieser Hypothese aus
zu irgendwelchen bestimmten Vorstellungen ber die Entstehung der
Kontinente zu kommen. Davon, da einzelne Schollen beim Zusammenbruch
bis zum Tiefseeboden absinken, andere unter Wirkung des Gewlbedruckes
als Stufen stehenbleiben, kann doch bei den ungeheuren, hier
in Betracht kommenden Flchen nicht die Rede sein. Die marinen
Ablagerungen auf dem Lande haben sich berdies mit verschwindend
wenigen Ausnahmen als Flachseeerzeugnisse erwiesen, wie sie sich heute
auf den randlichen berflutungen der Kontinentalschollen, den Schelfen,
bilden. Frher fr Tiefseeablagerungen gehaltene Sedimente haben sich
durch neuere Forschungen als Flachseesedimente erwiesen, wie es z. B.
fr die Schreibkreide von /Cayeux/ nachgewiesen ist. Bei einer kleinen
Anzahl, wie den kalkarmen Radiolariten der Alpen und gewissen roten
Tonen, die an den roten Tiefseeton erinnern, nimmt man zwar auch heute
noch groe Entstehungstiefen an, vor allem, weil das Seewasser erst
in groer Tiefe auflsend auf den Kalk wirkt. Aber die Deutung dieser
Funde ist noch umstritten, meist kommt man mit Tiefen von 1000 bis 2000
m aus, die also noch immer zu der Kontinentalstufe gerechnet werden
knnen, und jedenfalls ist die rumliche Erstreckung dieser Sedimente
eine ganz verschwindende[13].

Es ist deshalb auch heute ein allgemein anerkannter Satz, da die auf
den Kontinenten abgelagerten Sedimente grundstzlich nicht der Tiefsee,
sondern seichten berflutungen durch Epikontinentalmeere entstammen.
Die heutigen Kontinente haben also zu keiner Zeit der Erdgeschichte den
Boden der Tiefsee gebildet, sondern waren stets Kontinentalschollen,
und /Lyells/ Vorstellung von einem wiederholten Absinken und Auftauchen
ist also jedenfalls dahin einzuschrnken, da es sich nur um wechselnde
berflutungen von permanenten Kontinentalschollen handelt.

Ganz und gar unbrauchbar aber erweist sich die Schrumpfungshypothese,
um die neueren Ergebnisse der Geophysik aufzunehmen, die uns ein ganz
anders geartetes Bild von der Natur der Erdrinde entrollen. Diese
Ergebnisse werden zusammengefat in der Lehre von der Isostasie, d. h.
dem Druckgleichgewicht oder dem Schwimmen der Erdrinde (Lithosphre)
auf einer magmatischen, schwereren Unterlage (Barysphre). Wie ein
Stck Holz bei Belastung tiefer in das Wasser eintaucht, so taucht
auch die Lithosphre der Erde an der Stelle, wo die z. B. mit einer
Inlandeiskappe belastet wird, nach dem /Archimedi/schen Gesetz tiefer
in das schwere Magma der Barysphre ein, um nach dem Abschmelzen
des Eises die whrend der Depression gebildeten Strandlinien mit
emporzuheben. So zeigen die aus den Strandlinien abgeleiteten
Isobarenkarten /de Geers/ fr die letzte Vereisung Skandinaviens eine
Depression des zentralen Teiles um mindestens 250 m, die nach auen
allmhlich geringer wird[14], und fr die groe Eiszeit sind noch
hhere Werte anzunehmen. Dieselbe Erscheinung hat /de Geer/ auch
fr das nordamerikanische Vereisungsgebiet nachgewiesen. /Rudzki/
hat gezeigt, da man unter Annahme der Isostasie hieraus plausible
Werte fr die Dicke der Inlandeisschicht berechnen kann, nmlich
930 m fr Skandinavien und 1670 m fr Nordamerika, wo die Senkung
500 m betrug[15]. Da die Barysphre nicht leichtflssig wie Wasser,
sondern sehr zhflssig ist, so hinken alle solche isostatischen
Ausgleichsbewegungen stark nach; die Strandlinien haben sich meist erst
nach Abschmelzen des Eises, aber vor der Hebung gebildet, und auch
heute steigt Skandinavien, wie die Nivellements zeigen, noch um etwa
1 m im Jahrhundert[16]. Auch sedimentre Ablagerungen haben, wie wohl
/Osmond Fisher/ zuerst erkannte, eine Senkung der Scholle zur Folge.
Jede Aufschttung von oben fhrt zu einer freilich etwas nachhinkenden
Senkung der Scholle, so da die neue Oberflche wieder fast in der
alten Hhe liegt. Vom spezifischen Gewicht der Ablagerung hngt es ab,
ob die alte Hhe berschritten wird oder nicht. Da Sedimente wohl stets
leichter sind als das Urgestein, welches das eigentliche Material der
Lithosphre darstellt, so lt sich eine Mulde (Geosynklinale) trotz
Nachgebens der Unterlage allmhlich ausfllen, aber die Mchtigkeit der
hierzu ntigen Ablagerungen wird erheblich grer sein mssen als die
ursprngliche Tiefe der Mulde, weil sich diese whrend des Prozesses
weiter vertieft. Auf diese Weise knnen viele Kilometer mchtige
Ablagerungen entstehen, die alle gleichwohl in flachem Wasser gebildet
sind.

Ihre physikalische Begrndung fand diese von /Pratt/ herrhrende Lehre
von der Isostasie (das Wort wurde erst 1892 von /Dutton/ geprgt) durch
die Schweremessungen. /Pratt/ hatte schon 1855 festgestellt, da der
Himalaja nicht die erwartete Anziehung auf das Lot ausbt, und dem
entsprach die spter berall besttigte Tatsache, da die Schwerkraft
bei groen Gebirgen nicht wesentlich von ihrem gewhnlichen Werte
abweicht, so da die Gebirgsmassive durch unterirdische Massendefekte
irgendwelcher Art kompensiert erscheinen, wie die Arbeiten von /Airy/,
/Faye/, /Helmert/ u. a. zeigten. Nachdem der Gedanke an unterirdische
Hohlrume hatte aufgegeben werden mssen, blieb nur die von /Heim/
wohl zuerst ausgesprochene Annahme, da die leichte Lithosphre unter
den Gebirgen verdickt sei und das schwere Magma hier in grere Tiefe
drnge. Auch auf den Ozeanen hat sich gezeigt, da die Schwerkraft
ungefhr ihren Normalwert besitzt, trotz des sichtbaren Massendefekts,
den die groen Ozeanbecken darstellen. Die frheren Messungen auf
Inseln lieen zwar noch verschiedenartige Deutungen zu; nachdem es aber
/Hecker/ gelungen war, statt der an Bord nicht verwendbaren Pendel nach
einem Vorschlage von /Mohn/ die Schwere durch gleichzeitige Ablesungen
am Quecksilberbarometer und am Siedethermometer zu bestimmen, konnte er
diese Messungen auch an Bord eines Dampfers ausfhren und so eindeutige
Resultate erhalten[17]. Aus diesem Ergebnis mu also, umgekehrt wie
bei den Gebirgen, geschlossen werden, da der sichtbare Massendefekt
der Ozeanmulde durch einen unterirdischen Massenberschu kompensiert
wird, was zu der Annahme fhrte, da die Lithosphre unter den Ozeanen
sehr viel dnner sei als unter den Kontinenten, so da hier das schwere
Magma dem Beobachter um so viel nher lge. (Eine ebenso gute Lsung
ist aber die spter zu begrndende neue Annahme, da die Lithosphre
hier ganz fehlt.) Eine schematische Darstellung dieser durch die
Isostasielehre begrndeten Vorstellung von der Natur der Lithosphre,
die schon 1855 von /Airy/ entwickelt und spter von /Stokes/ ausgebaut
wurde, gibt Fig. 1. Die neuere Entwickelung dieser Isostasielehre
betrifft vor allem die Frage ihres Gltigkeitsbereiches. Fr grere
Schollen, wie z. B. einen ganzen Kontinent oder einen ganzen
Tiefseeboden, mu ohne weiteres Isostasie angenommen werden. Aber im
kleinen, bei einzelnen Bergen, verliert dies Gesetz seine Gltigkeit.
Solche kleineren Teile knnen durch die Elastizitt der ganzen Scholle
getragen werden, genau wie ein Stein, den man auf eine schwimmende
Eisscholle legt. Die Isostasie vollzieht sich dann zwischen Scholle
plus Stein als Ganzem und dem Wasser. So zeigen die Schweremessungen
auf den Kontinenten bei Gebilden, deren Durchmesser nach Hunderten von
Kilometern mit, sehr selten eine Abweichung von der Isostasie; betrgt
der Durchmesser nur Zehner des Kilometers, so herrscht meist nur eine
teilweise Kompensation, und betrgt er nur einige Kilometer, so fehlt
die Kompensation meist ganz[18].

[Illustration: Fig. 1.

Schnitt durch die Lithosphre nach der Isostasielehre.]

Es leuchtet unmittelbar ein, da sich diese Lehre von der Isostasie
in keiner Weise mit der Schrumpfungshypothese und ihrer Vorstellung
vom Gewlbedruck und dem Zusammenbruch des Erdballes vereinigen
lt. Die geologische Wissenschaft ist damit vor die Aufgabe gestellt,
eine neue Grundhypothese zu schaffen, welche die Schrumpfungshypothese
ersetzen und das gesamte Tatsachenmaterial unter Einschlu des
geophysikalischen zu einem Gesamtbilde vereinigen kann.

Aber statt dessen sehen wir heute nur zwei Teillsungen des Problems in
einem fr beide gleich hoffnungslosen Kampf gegeneinander verstrickt,
nmlich die Hypothese der Brckenkontinente und die Hypothese der
Permanenz der Ozeane und Kontinente.

Die Verfechter der Brckenkontinente halten sich an die heute wohl
als gesichert zu betrachtende Tatsache, da die enge Verwandtschaft
der Fauna und Flora heute weit getrennter Kontinente durchaus breite
Landverbindungen fr die Vorzeit erfordert[19]. Die immer reichlicher
zustrmenden Einzelfunde lassen das Bild dieser Zusammenhnge immer
deutlicher vor unseren Augen erwachsen, und heute schon herrscht
bei den wichtigsten dieser Landbrcken unter den verschiedenen
Fachgelehrten eine sehr weitgehende bereinstimmung. Wir verweisen
in dieser Hinsicht auf die im vierten Kapitel gegebene tabellarische
bersicht ber die ablehnende oder zustimmende Stellung von 20
Fachgelehrten zu den einzelnen Brcken. Als gesichert gelten eine
bisweilen behinderte Landverbindung zwischen Nordamerika und Europa,
die erst in der Eiszeit endgltig abbrach, ferner eine solche zwischen
Afrika und Sdamerika, die, schon mit der Kreide behindert, im Eozn
endgltig abbrach, eine dritte, die lemurische Brcke zwischen
Madagaskar und Vorderindien, die im Untereozn abbrach, aber noch bis
zum Miozn einen beschrnkten Formenaustausch zulie, und endlich eine
gondwanische Brcke zwischen Afrika plus Madagaskar und Australien,
die im Lias oder Unterdogger abbrach und vermutlich Antarktika enthielt.

Auch zwischen Sdamerika und Australien mu unbedingt frher eine
bequeme Landverbindung geherrscht haben, aber die Ansicht, da diese
durch einen Brckenkontinent im sdlichen Pazifik gebildet worden sei,
wird nur von ganz wenigen Fachgelehrten vertreten. Die meisten nehmen
an, da diese Verbindung ber Antarktika ging, welches gerade auf der
krzesten Verbindung zwischen den beiden Kontinenten liegt.

Daneben ist natrlich eine groe Anzahl von Brcken anzunehmen, die
heute durch Schelfmeere ersetzt sind. Die Anhnger der Hypothese der
Brckenkontinente haben bisher gar keinen Unterschied gemacht zwischen
Brcken ber Tiefsee und Brcken ber Schelfe. Fr die ersteren werden
in diesem Buche neue Anschauungen entwickelt, fr die letzteren aber,
dies sei besonders betont, bleiben die bisherigen Anschauungen vom
Versinken und Wiederauftauchen des trockenen Landes in vollem Umfange
bestehen, und wir haben z. B. nicht das geringste einzuwenden gegen
die bisherige Vorstellung, da an der Beringstrae vom Eozn bis zum
Quartr Landverbindung zwischen den beiden groen Kontinentalschollen
geherrscht hat, und da sie erst dann versank, ebenso wie sie bereits
frher, namentlich in der Trias, zeitweise versunken gewesen war[20].
Nur das Versinken von Landbrcken bis zum Tiefseeboden ist es, was, wie
gezeigt werden wird, der Kritik nicht standzuhalten vermag, aber ohne
da wir deshalb die Landverbindung entbehren knnen.

Gegenber diesen Anhngern der Hypothese der Brckenkontinente
verfechten die Anhnger der Permanenzhypothese den Satz: Die groen
Tiefseebecken bilden permanente Erscheinungen der Erdoberflche und
haben mit geringen nderungen ihrer Umrisse schon seit der ersten
Sammlung des Wassers an derselben Stelle gelegen, an der sie jetzt
liegen[21]. Sie gehen aus von der oben errterten Tatsache, da auf
den Kontinenten keine Tiefseeablagerungen in irgendwie betrchtlicher
Ausdehnung vorkommen, da also die Kontinentalschollen als solche
unbestritten permanent sind. Hierdurch entsteht aber fr die
Konstruktion von Brckenkontinenten eine groe Verlegenheit. Denn
wenn deren Erhebung nicht durch anderweitige entsprechende Senkungen
kompensiert wird, so enthalten die brigbleibenden, sehr verkleinerten
Tiefseebecken bei weitem nicht Raum genug fr die Wassermenge der
Ozeane. Es mten dann -- mit Ausnahme hoher Gebirge -- alle Kontinente
einschlielich der emporgehobenen Brckenkontinente, mit einem wenn
auch nicht sehr tiefen Meere vollstndig berflutet gewesen sein. Eine
solche allgemeine berflutung durch eine Panthalassa wird aber in der
Geologie nur fr die allerlteste Zeit angenommen, und es ist klar,
da wir durch diese Konsequenz fr die in Frage kommenden Zeiten, wo
wir gerade Landbrcken zwischen trockenen Kontinenten brauchen, ad
absurdum gefhrt werden. Um dieser von /Willis/ und /Penck/ betonten
Schwierigkeit zu entgehen, mten wir die sehr unwahrscheinliche, sonst
durch nichts begrndete Annahme machen, da die Gesamtwassermenge
der Erde sich gerade in entsprechendem Tempo vermehrt hat, wie die
Landbrcken abgesunken sind. Diese Hypothese ist aber ernstlich noch
von niemand vertreten worden.

Weiter fuen die Anhnger der Permanenzhypothese auch auf den
geophysikalischen Ergebnissen, die wir oben skizziert haben. Ein
Absinken von Kontinenten zum Tiefseeboden erscheint unmglich.
Zwar lt sich ein Untertauchen von Landgebiet bis zur Schelftiefe
durchaus physikalisch erklren. Es kommen dafr sogar mehrere Ursachen
in Betracht, deren jede fr sich allein ausreichen drfte. Einmal
kann durch Zugkrfte eine Zerrung der ja plastisch zu denkenden
Kontinentalscholle eintreten, welche mit Hhenschrumpfung verbunden
sein mu; und zweitens besteht durchaus die Mglichkeit, da es bei
greren Polverlagerungen in dem Quadranten, von dem sich der Pol
fortbewegt, infolge des Nachhinkens der Erde bei der Einstellung
auf das neue Rotationsellipsoid zu groen berflutungen kommt,
worauf /Simroth/[22] u. a. hingewiesen haben. (Und umgekehrt in dem
Quadranten, auf den sich der Pol zubewegt, zu groen Trockenlegungen).
Dieses Absinken bis zu Schelftiefen hat zweifellos z. B. an der
schon oben erwhnten Beringstrae, in der Nordsee und dem Kanal, im
gischen Meere, in der Bassstrae zwischen Tasmanien und Australien,
und an vielen anderen Stellen stattgefunden und ist geophysikalisch
auch durchaus einwandfrei. Fr diese Flle gilt zweifellos das
allgemeine Gesetz, da die so erzeugten Abweichungen vom mittleren
Kontinentalniveau um so seltener auftreten, je grer sie sind[23].
Etwas ganz anderes wre aber ein Absinken bis zur Tiefseestufe,
welche 5000 m unterhalb der Kontinentalstufe, von dieser durch ein
Hufigkeitsminimum getrennt, liegt. Die Gre dieser Senkung sowohl wie
die Gleichartigkeit der erreichten Tiefe drften fr diejenigen, welche
auch hier am Versinken der Landbrcken festhalten wollen, sehr schwer
zu erklren sein.

Aus diesen Widersprchen gibt es nur einen Ausweg: wenn wir annehmen,
da die Kontinentalschollen nicht nur in vertikaler Richtung zu
isostatischen Ausgleichsbewegungen befhigt sind, sondern auch zu
Bewegungen in horizontaler Richtung. Tun wir diesen nur durch seine
Neuheit seltsam erscheinenden, in Wahrheit aber geophysikalisch
wie geologisch durchaus vorbereiteten Schritt, so haben wir die
Mglichkeit, breite Landverbindungen auch da zu rekonstruieren, wo
heute die Tiefsee liegt, und zwar ohne in Konflikt mit der Isostasie
zu kommen, und ohne da uns die Wassermenge der Erde Schwierigkeiten
macht. Wir nehmen also an, da die nordamerikanische Kontinentalscholle
frher dicht neben der europischen gelegen, ja mit ihr eine einzige
Scholle gebildet hat, da diese groe Scholle sich spaltete und die
beiden Teile sich im Laufe der Zeiten weiter und weiter voneinander
entfernten. Ebenso nehmen wir an, da Sdamerika und Afrika einst
unmittelbar zusammenhingen, sich abspalteten und immer mehr voneinander
entfernten. Um das alte Gondwanaland zu rekonstruieren, schieben
wir auch Antarktika und Australien konzentrisch auf Sdafrika
zusammen und nehmen auch hier eine Aufspaltung einer einzigen groen
Kontinentalscholle an. Um Lemuria zu rekonstruieren, brauchen wir
dagegen nur die Falten von Hochasien zu gltten, wodurch Vorderindien
schon von selbst zur Berhrung mit Madagaskar und dies mit Afrika
gebracht wird.

Es wird Aufgabe der folgenden Abschnitte sein, zu zeigen, da diese
Verschiebungstheorie eine groe Reihe berraschender Vereinfachungen
liefert, und da sie geeignet ist, die Gesamtheit unserer heutigen
Kenntnisse zu einem Bilde zusammenzufassen. Eine so kleine Schrift
wie die vorliegende kann dazu natrlich nur eine Skizze liefern, die
Ausfhrung erfordert liebevolle Einzelarbeit auf einer langen Linie.

Einige geschichtliche Bemerkungen seien vorausgeschickt. Die
Vorstellung einer Verschiebung der Erdrinde in horizontaler Richtung
ber die magmatische Unterlage fort ist schon vielfach errtert worden,
namentlich von /Evans/ und /Kreichgauer/, nach welchen sich die ganze
Rinde als einheitliche Kugelschale verschieben sollte[24]. Von direkten
Anklngen an die im folgenden vertretenen Anschauungen sind mir nur
folgende Schriften zu Gesicht gekommen:

/H. Wettstein/[25] stellt sich die Erdrinde als flieend vor. Die
Kontinente, deren Schelfe er allerdings nicht mit bercksichtigt, sind
horizontal verschiebbar und erleiden bei den Verschiebungen starke
Deformationen. Alle Kontinente wandern nach Westen, gezogen durch die
Flutkrfte der Sonne im festen Erdkrper[26]. Die Ozeane hlt er jedoch
fr versunkene Kontinente, und ber die geographischen Homologien und
andere Probleme des Erdantlitzes uert er phantastische Vorstellungen,
die wir hier bergehen.

Im Jahre 1907 hat /Pickering/[27] die wegen der Parallelitt der Ksten
ja naheliegende Vermutung ausgesprochen, Amerika sei von Europa-Afrika
abgerissen und um die Breite des Atlantik fortgezogen worden. Aber
er denkt sich diesen Vorgang leider verbunden mit der von /G. H.
Darwin/ angenommenen einstmaligen Abschleuderung der Mondmasse von der
Erde[28], deren Spur man noch im pazifischen Becken sehe, und verlegt
damit die Entstehung des Atlantik in eine graue Vorzeit.

Am nchsten kommt eine Arbeit von /Taylor/[29] der
Verschiebungstheorie. Er nimmt speziell im Tertir bedeutende
horizontale Verschiebungen der Kontinente an und bringt sie teilweise
mit den groen tertiren Faltungssystemen in Zusammenhang. Fr die
Lostrennung Grnlands von Nordamerika kommt er zur gleichen Vorstellung
wie die Verschiebungstheorie. Beim Atlantik nimmt er jedoch an,
da nur ein Teil seiner Breite durch Fortziehen der amerikanischen
Schollen entstanden sei, whrend der Rest abgesunken sei und die
mittelatlantische Bodenschwelle darstelle. Er sieht in der Polflucht
des Landes das gestaltende Prinzip fr die Anordnung der groen
Gebirgsketten auf der Erde und begegnet sich dabei mit /Kreichgauer/.
Die Verschiebung von Kontinenten spielt bei ihm eine untergeordnete
Rolle und wird nur sehr kurz begrndet.

Als Geophysiker lernte ich diese Arbeiten naturgem erst kennen,
als ich mich bei der Ausarbeitung der Verschiebungstheorie
in der geologischen Literatur umsah. Die erste Idee der
Kontinentalverschiebungen kam mir einst bei Betrachtung der
Weltkarte unter dem unmittelbaren Eindruck von der Parallelitt der
atlantischen Ksten. Erst nach Jahr und Tag, als ich zufllig mit den
palontologischen Ergebnissen ber frhere Landverbindungen im Sd-
und Nordatlantik bekannt wurde, entschlo ich mich, die in Betracht
kommenden Wissenschaften systematisch auf die Wahrscheinlichkeit
solcher groen Verschiebungen zu durchmustern. 1912 erfolgten die
ersten beiden Verffentlichungen der Verschiebungstheorie[30], denen
1915 die ausfhrlichere Darstellung in der ersten Auflage dieser Arbeit
folgte.




Zweites Kapitel.

Die Natur der Tiefseebden.


Die Theorie von der Verschiebung der Kontinente findet ihre tiefere
physikalische Begrndung erst durch eine neue Auffassung ber die
Natur der Tiefseebden, die wir in dem Satz formulieren knnen: /Die
Tiefseebden sind nicht Teile der Lithosphre, sondern bestehen bereits
aus dem schwereren Material der Barysphre/. Die oberste Erdhaut,
die Lithosphre, soll also nicht mehr die ganze Erde umspannen,
sondern in Gestalt der Kontinentalschollen nur noch etwa ein Drittel
der Erdoberflche bedecken, whrend auf den brigen zwei Dritteln
der Erdoberflche bereits die Barysphre entblt ist. Fig. 2 zeigt
schematisch einen Vertikalschnitt durch einen Kontinentalrand nach der
neuen Anschauung.

[Illustration: Fig. 2.

Schematischer Querschnitt durch einen Kontinentalrand.]

Der entscheidende Grund fr die Richtigkeit dieser neuen Annahme
ist die Existenz eines doppelten Hufigkeitsmaximums in den
Hhenstufen der Erdrinde. Aus der Statistik dieser Hhenstufen
geht mit auerordentlicher Deutlichkeit hervor, da die ganze
Erdoberflche in zwei um rund 5000 m verschiedenen Niveauflchen
angeordnet ist, die abwechselnd nebeneinander vorkommen und uns
als Oberflchen der Kontinente und Tiefseebden entgegentreten. Die
bekannte hypsometrische Kurve der Erdoberflche (Fig. 3) gibt ein
anschauliches Bild davon. Zahlenmig stellt sich die Hufigkeit
folgendermaen[31]:

                     Tiefe                               Hhe
  -----------------------------------------  ----------------------------
  unter 7  6-7  5-6   4-5  3-4  2-3 1-2 0-1    0-1  1-2  2-3 3-4  ber 4 km
       0,2 0,7  2,1 #36,0# 13,0 6,5 4,0 9,2  #22,3# 4,0  1,0 0,5  0,5 Proz.

Das mittlere Krustenniveau, das bei 2,3 km Tiefe liegt, kommt also
nur selten vor, und es bestehen zwei Hufigkeitsmaxima fr die Hhen
0-1 km und die Tiefen 4-5 km; auf diese beiden Abschnitte entfallen
allein fast 60 Proz. der gesamten Erdoberflche. Wir knnen die Lage
der Maxima noch genauer ermitteln, wenn wir innerhalb ihrer Stufen noch
Unterstufen bilden. Es ergibt sich dabei:

    4,8-5  4,6-4,8  4,4-4,6  4,2-4,4  4,0-4,2 km Tiefe
     9,4    #12,1#    6,0      4,7      3,8   Proz.

und

    -0,2-0  0-0,2  0,2-0,4  0,4-0,6  0,6-0,8  0,8-1,0 km Hhe
      6,0   #10,0#   5,2      3,2      2,1      1,8   Proz.

[Illustration: Fig. 3.

Hypsometrische Kurve der Erdoberflche, nach /Krmmel/.]

Die beiden Maxima liegen also bei einer Tiefe von etwa 4700 m und
einer Erhebung von etwa 100 m. Bei der groen Wichtigkeit, welche der
Gegenstand besitzt, seien diese Verhltnisse nochmals in anderer Weise
in Fig. 4 veranschaulicht. Die als Abszissen dienenden Prozentzahlen
beziehen sich auf Hhenstufen von 100 m Dicke. Bei diesen Zahlen ist
noch zu beachten, da mit der Zunahme der Lotungen der Steilabfall
vom Kontinental- oder Schelfrand zur Tiefsee sich immer schroffer
zeigt, wie jeder Vergleich lterer Tiefenkarten mit den neuen von
/Groll/[32] entworfenen zeigt. Es ist daher zu erwarten, da die beiden
Hufigkeitsmaxima sich in Zukunft als noch steiler herausstellen
werden, als sie es nach den bisher vorliegenden Beobachtungen tun.

[Illustration: Fig. 4.

Die beiden Hufigkeitsmaxima der Hhen.]

Auf dem ganzen Gebiet der Geophysik gibt es wohl kaum eine zweite
Erscheinung, die ein so klares Gesetz erkennen lt wie diese
Hhenstatistik der Erdrinde. Es ist deshalb sehr merkwrdig, da
bis zu meinen ersten Verffentlichungen darber anscheinend noch
von keiner Seite her ein Versuch zu einer Erklrung dieses Gesetzes
gemacht worden ist, obwohl es doch schon so lange bekannt ist.
Nur /Srgel/[33] hat in seiner Polemik gegen die hier vertretenen
Kontinentalverschiebungen den Versuch gemacht, dieses doppelte Niveau
auf andere Weise zu erklren, in der richtigen Erkenntnis, da die
von mir gegebene einfache Erklrung eine starke Sttze fr die
Verschiebungstheorie darstellt. Aber seine Darstellung ruht auf einer
irrigen berlegung. Durch Hebungen und Senkungen, also Strungen des
vorgegebenen Gleichgewichtsniveaus, knnen nur dann zwei verschiedene
Hufigkeitsmaxima der Hhen entstehen, wenn physikalische Ursachen fr
die Bevorzugung dieser beiden bestimmten Hhen vorhanden sind. Ist
dies, wie bei uns, nicht der Fall, so regelt sich die Hufigkeit der
Hhen nach dem /Gau/schen Fehlergesetz, d. h. wir erhalten nur /ein/
Hufigkeitsmaximum etwa in der Gegend des mittleren Krustenniveaus
(-2300 m), und die Strungen werden um so seltener, je grer sie sind
(vgl. die gestrichelte Linie in Fig. 4).

Die statt dessen vorhandene Duplizitt des Hufigkeitsmaximums
verlangt also auch eine Duplizitt des ungestrten Ausgangsniveaus.
Handelt es sich aber wirklich um zwei verschiedene Niveauflchen,
die nebeneinander vorkommen, so bedeutet dies, da wir es mit zwei
verschiedenen Schichten des Erdkrpers zu tun haben: Die Kontinente
gehren der Lithosphre, die Tiefseebden der Barysphre der Erde an.
Dieser Schlu erscheint uns durchaus unvermeidlich[34].

Da die Schweremessungen ber den Ozeanen durch diese Annahme des
gnzlichen Fehlens der Lithosphre ebenso gut dargestellt werden wie
durch die frhere Annahme, da dieselbe hier nur wesentlich dnner sei,
liegt auf der Hand. Denn sie besagen ja nur, da das Gestein unter den
Ozeanen schwerer ist als das unter den Kontinenten.

Noch aus einem anderen Grunde erscheint diese neue Auffassung der
Tiefseebden unabweisbar. Es war schon oben darauf hingewiesen worden,
da es nach den neueren Ergebnissen der tektonischen Forschungen,
insbesondere ber den Deckfaltenbau der Gebirge, nach dem Urteil aller
Spezialforscher unmglich ist, diese gewaltigen Zusammenschbe auf
Rechnung einer Kontraktion des Erdkrpers zu setzen. Wir verzichten
hier auf eine Wiedergabe der Beweisfhrung, weil dies anscheinend ein
heute allgemein anerkannter Satz ist. Wenn dies aber richtig ist, wenn
also die Erde nicht in dem Mae kleiner geworden ist, wie ihre Rinde
sich zusammenschob, so ist es ein logisch unvermeidbarer, nur bisher
noch nicht gezogener Schlu, da dann den groen Zusammenschben
andere Stellen gegenberstehen mssen, wo die Rinde aufri und die
Erdoberflche nicht mehr vollstndig bedeckt. Auch dieser Schlu ist so
einfach und selbstverstndlich, da ich nicht sehe, wie man ihn umgehen
knnte.

Nach /E. Kayser/[35] sind die ltesten archischen Gesteine berall
auf der Erde stark gestrt und gefaltet und finden sich ungefaltete
Ablagerungen erst hier und da im Algonkium. Viele Gebiete erfuhren auch
mehrmalige Faltungen, z. B. wurde das Alpengebiet bereits einmal im
Karbon gefaltet. Ziehen wir in Betracht, da nach unseren bisherigen
Erfahrungen ein Zusammenschub auf die Hlfte des ursprnglichen
Areals einen nicht unwahrscheinlichen Wert fr eine einmalige Faltung
darstellt, so erscheint es durchaus erklrlich, da die Lithosphre
heute nur noch ein Drittel der Erdoberflche bedeckt[36].

Die Frage nach der Natur der Tiefseebden wre sehr leicht zu lsen,
wenn man Proben des anstehenden Gesteines von dort erhalten knnte.
Leider ist das bisher nicht mglich. Allein man hat mit Dredschzgen
groe Mengen von Gesteinsbrocken und kleinen und kleinsten Splittern
heraufgebracht, und man hat namentlich den roten Tiefseeton einer
eingehenden Untersuchung unterzogen. Nach /Krmmel/[37] hat sich
/Wyville Thomson/, der Leiter der Challenger-Expedition, nachdem er
anfnglich anderer Meinung gewesen war, spter der schon 1877 von
/John Murray/ vertretenen Ansicht angeschlossen, da der rote Ton
von der Zersetzung vulkanischen Materials herrhre. Beseitigt man
die 6,7 Proz. Kalk, so bleiben Mineralien von sehr verschiedenem
Ursprung. Die Hauptmasse freilich ist, wie schon das Dredschmaterial
erweist, vulkanisch, namentlich berwiegen Bimssteine aller Arten und
Dimensionen..., sodann begegnen die Trmmer von Sanidin, Plagioklas,
Hornblende, Magnetit, vulkanischem Glas und dessen Zersetzungsprodukt
Palagonit, auch Lavabrocken von Basalten, Augitandesiten usf. /John
Murray/ meint, da die vulkanischen Aschen am meisten vertreten seien;
nach seines Arbeitsgenossen /Renard/ Ansicht aber sind es noch mehr
die submarinen Eruptionen. /John Murrays/ Ansicht ist wohl wenig
wahrscheinlich. Denn wenn wirklich die ungeheuren Flchen der Tiefsee
in solcher Weise mit Vulkanaschen berlagert wren, dann mten diese
Aschenregen doch wohl grere Spuren auch auf dem Lande hinterlassen
haben. Aber auch /Renards/ Ansicht kann in dieser Form kaum das
Richtige treffen. Denn wenn es bloe Ausbrche sind, wie sie auch auf
dem Festlande sich vollziehen, warum bedecken diese Produkte auf dem
Tiefseeboden so ungeheure Flchen? Viel einfacher und natrlicher
ist unsere Annahme, da der Tiefseeboden grundstzlich aus diesem
Material besteht. Vielleicht sehen wir auf Island, wie vorgreifend
erwhnt sei, ein Stck solchen Tiefseebodens, der durch darunter
geflossenes oder geschobenes lithosphrisches Material [Sial][38]
gehoben ist. Vielleicht ist eine hnliche Entstehung auch fr das
merkwrdige Senkungsdreieck im Winkel zwischen Abessinien und der
Somalihalbinsel (zwischen Ankober, Berbera und Massaua) anzunehmen. Das
ganze Land besteht auch hier aus jungen vulkanischen Laven und sieht
nach /Traversi/ aus wie eine durch eine riesige Feuersbrunst zerstrte
Gegend, hat also groe hnlichkeit mit den islndischen Lavawsten.
Man darf hier vielleicht annehmen, da das untergeschobene Sial von
der Unterseite des abessinischen Gebirgslandes stammt, welch letzteres
vielleicht eine Stauchung darstellt, die bei einer Drehung (Schleppung)
der Somalihalbinsel nach Norden im Zusammenhang mit dem groen
lemurischen Zusammenschub entstand. Auch die Abrolhos-Bank an der
brasilianischen Kste drfte in hnlicher Weise auf ein Herausquellen
flssiger Sialmassen von der Unterseite der sdamerikanischen Scholle
zurckzufhren sein und wrde vielleicht, wenn sie sich ber den
Meeresspiegel erhbe, eine hnliche Basalthaube zeigen. Vielleicht
ist auch der Schelf der Seychellen in gleicher Weise am Rande von
Madagaskar entstanden und sodann von diesem abgetrieben.

Einen weiteren Beweis fr die Richtigkeit unserer Anschauung liefert,
worauf mich /A. Nippoldt/ aufmerksam machte, der Erdmagnetismus.

In der Theorie des Erdmagnetismus wird allgemein angenommen, da die
Abweichung der magnetischen Pole von den Rotationspolen der Erde durch
die unregelmige Verteilung der Kontinentaltafeln und Tiefseebden
erzeugt wird. /Henry Wilde/ (Roy. Soc. Proc. June 19, 1890 und
January 22, 1891) hat ein viel diskutiertes magnetisches Modell der
Erde gebaut, bei welchem er die grte Annherung an die wirkliche
Verteilung des Erdmagnetismus dadurch erzielte, da er die Ozeanflchen
mit Eisenblech belegte. /A. W. Rcker/[39] beschreibt diesen Versuch
mit den Worten: Herr /Wilde/ hat ein gutes magnetisches Modell der
Erde mit einer Versuchsanordnung vorgefhrt, die aus der Wirkung eines
primren Feldes einer gleichfrmig magnetisierten Kugel und eines
sekundren Feldes von Eisenmassen bestand, welche nahe der Oberflche
lagen und durch Induktion magnetisiert wurden. Die Hauptmasse des
Eisens ist unter den Ozeanen angebracht... Herr /Wilde/ legt das
Hauptgewicht auf die Bedeckung der Ozeane mit Eisen. Auch /Raclot/[40]
hat neuerdings besttigt, da dieser Versuch von /Wilde/ in rohen
Zgen das Verteilungsbild des Erdmagnetismus gut darstellt, so da
geschlossen werden mu, da unter den Ozeanen eisenhaltigeres Gestein
liegt als unter den Kontinenten. Da bekanntlich allgemein angenommen
wird, da bereits in dem Silikatmantel der Erde der Eisengehalt mit
der Tiefe wchst und das Erdinnere weiterhin berhaupt vorwiegend
aus Eisen besteht, so besagt dies, da die Tiefseebden eine tiefere
Schicht der Erde darstellen und aus den eisenhaltigen Gesteinen der im
nchsten Kapitel zu besprechenden Simagruppe (Hauptvertreter: Basalt)
bestehen. Der Erdmagnetismus begegnet sich also in diesem Resultat
mit den Schweremessungen, welche ein schwereres Gestein verlangen
(was gleichfalls fr Basalt erfllt ist). Aber sein Ergebnis ist
viel eindeutiger; denn bekanntlich erlischt der Magnetismus bei der
Temperatur der Rotglut, welche unter Zugrundelegung der gewhnlichen
geothermischen Tiefenstufe[41] bereits in etwa 15 bis 20 km Tiefe
erreicht wird. Der starke Magnetismus der Tiefseebden mu also gerade
schon in den obersten Gesteinschichten vorhanden sein, ein deutliches
Anzeichen dafr, da hier in der Tat die schwcher magnetische
Lithosphre ganz fehlt.

Ein weiteres, wenn auch weniger deutliches Anzeichen fr die
Richtigkeit unserer Auffassung bildet die Schlichtheit des
Tiefseebodens. Schon vor langer Zeit ist man darauf aufmerksam
geworden, da der Tiefseeboden ber weite Strecken oft erstaunlich
geringe Hhenunterschiede zeigt, ein Umstand, der nicht ohne
praktische Bedeutung fr die Kabellegung ist. Z. B. sind unter den
100 Lotungen, welche fr das Kabel zwischen den Midway-Inseln und
Guam auf einer Strecke von 1540 km ausgefhrt wurden, die Extremwerte
(5510 und 6277 m) nur um 767 m verschieden. Auf einer 10 Seemeilen
langen Teilstrecke, bei der das Mittel aus 14 Lotungen 5938 m ergab,
waren die grten Abweichungen +36 und -38 m[42]. Allerdings ist der
Satz von der Schlichtheit des Tiefseebodens in neuerer Zeit etwas
eingeschrnkt worden, da sich herausstellte, da das Lotungsnetz meist
noch zu weitmaschig ist, um solche Schlsse zu gestatten, und da man
auch auf dem Lande bei hnlich zerstreuten einzelnen Hhenmessungen
einen irrtmlichen Eindruck groer Schlichtheit gewinnen kann. Mit
/Krmmel/ sind aber wohl die meisten Forscher von der zeitweilig
bertriebenen Skepsis zu der Auffassung zurckgekehrt, da --
abgesehen von den Tiefseerinnen -- dennoch ein solcher grundstzlicher
Unterschied zwischen Land und Tiefsee besteht, whrend doch wegen des
Gewichtsverlustes unter Wasser die Bschungen dort viel steiler sein
knnten als in der Luft. In dieser greren Schlichtheit tut sich eine
grere Plastizitt, ein hherer Grad von Flssigkeit der Tiefseebden
kund.

Eine uerung der Schlichtheit ist auch das Fehlen von Faltengebirgen
auf dem Meeresboden. Whrend die Kontinentalschollen von alten und
jungen Faltungen kreuz und quer gerunzelt sind, kennen wir von
den ungeheuren Flchen der Tiefsee trotz aller Lotungen bisher
kein einziges Gebilde, welches wir mit einiger Wahrscheinlichkeit
als ein Kettengebirge ansprechen knnten. Einige wollen zwar die
Mittelatlantische Bodenschwelle und den Rcken zwischen den beiden
vor Java liegenden Rinnen als entstehende Faltengebirge auffassen,
allein diese Ansicht zhlt nur so wenig Anhnger, da wir uns hier mit
einem Hinweis auf /Andres/ Kritik begngen knnen[43]. Wie erklrt
sich dieses Fehlen, da doch Zusammenschbe auch beim Tiefseeboden
anzunehmen sind? Die Antwort ergibt sich von selbst, wenn wir die
Isostasie bei der Gebirgsbildung bercksichtigen. Gebirgsbildung ist
Faltung unter Wahrung der Isostasie. Da der weitaus grte Teil der 100
km dicken Kontinentalschollen in das barysphrische Magma eintaucht,
mu auch der grte Teil der Schollenverdickung bei Faltung nach unten
gerichtet sein. Nur ein sehr kleiner Teil des Zusammenschubes wird
als Erhebung sichtbar, denn nach der Forderung der Isostasie mu das
Verhltnis zwischen oberhalb und unterhalb des Barysphrenniveaus immer
das gleiche bleiben. Geht aber bei den Kontinentalschollen bereits der
grte Teil des Zusammenschubes nach unten, so kann ein Zusammenschub
in der Barysphre berhaupt nicht mehr zu einer Erhebung fhren. Das
Material weicht hier nur nach unten oder der Seite aus, ebenso wie
das Wasser zwischen zwei sich nhernden Eisbergen. Deshalb wird durch
das Fehlen von Faltengebirgen auf dem Tiefseeboden die Vorstellung
besttigt, da hier die magmatische Barysphre entblt ist.

Es ist zu erwarten, da sich auch auf dem Gebiet der Erdbebenkunde
noch eine weitere unabhngige Kontrolle fr unsere Vorstellungen
ergibt, denn die Erdbebenwellen mssen offenbar, wenn das
Gesteinsmaterial grundstzlich verschieden ist, auch verschiedene
Fortpflanzungsgeschwindigkeiten ber den Ozeanen und den Kontinenten
haben. Eine befriedigende Untersuchung ber diese Frage steht noch aus,
aber es lassen sich doch schon Anzeichen fr das tatschliche Bestehen
eines solchen Unterschiedes erkennen. So erhielt /F. Omori/[44] fr den
sogenannten ersten Vorlufer beim

    Guatemala-Beben (19. April 1902)            v = 16,02 km/Sek.
    San Franzisko-Beben (18. April 1906)        v = 13,97   "
    Indischen (Kangra-)Beben (4. April 1905)    v = 11,36   "

Die Bebenstrahlen verliefen im ersten Fall vorzugsweise ber
Tiefseeflchen, im zweiten Fall teils ber Kontinente, teils ber
Tiefsee, im dritten vorzugsweise ber Kontinente. Leider wird die
Beweiskraft dieses Ergebnisses dadurch beeintrchtigt, da die
Mehrzahl der Geophysiker /Omoris/ Ansicht, nach welcher sich
diese ersten Vorlufer lngs der Erdoberflche fortpflanzen, nicht
teilt, sondern annimmt, da sie auf dem krzesten Wege durch das
Erdinnere fortschreiten, so da die Lithosphre jedenfalls nur auf
Teilstrecken zur Geltung kommen kann. Die Hauptwellen, welche
anerkanntermaen Oberflchenwellen darstellen, haben aber im
Seismogramm immer einen so unscharfen Einsatz, da es sehr schwierig
ist, die genauen Geschwindigkeiten aus den Zeitunterschieden ihres
Eintreffens bei den verschiedenen Stationen zu bestimmen. Auch hngt
ihre Geschwindigkeit, wie die Theorie lehrt, in solcher Weise von den
verschiedenen Elastizittskoeffizienten des Materials ab, da die
Einwirkung der greren Dichte der Tiefseebden durch diejenige ihrer
greren Plastizitt teilweise wieder aufgehoben wird. Immerhin ist zu
bercksichtigen, da man dieser Frage bisher in der Seismologie noch
keine gengende Beachtung geschenkt hat, und ich halte es durchaus fr
mglich, da sich auch aus den bisher vorliegenden Registrierungen
bereits ein solcher Geschwindigkeitsunterschied der Oberflchenwellen
ber Kontinenten und Tiefseebden ergeben knnte. Desgleichen wrde es
sich verlohnen, die so auffllig verschiedenartigen Absorptionswerte,
die sich in der Abnahme der Wellenamplitude uern, nach diesen
Gesichtspunkten zu untersuchen. --

Die in diesem Kapitel angefhrten Beweise fr die barysphrische Natur
der Tiefseebden reden eine sehr eindeutige und eindringliche Sprache.
Daher hat denn auch dieser Teil unserer Vorstellungen bisher am
wenigsten Widerspruch erfahren, und eine Reihe namhafter Gelehrter hat
sich bereits mit ihm einverstanden erklrt.




Drittes Kapitel.

Geophysikalische Erluterungen.


Die Ausfhrungen dieses Kapitels gehren nur zum kleinen Teile zur
eigentlichen Beweisfhrung der Verschiebungstheorie. Zum greren Teile
setzen sie diese als gegeben voraus und stellen den Versuch dar, die
von dieser Theorie angenommene Plastizitt oder Zhflssigkeit der
Erdrinde durch Anwendung auf bekannte morphologische Erscheinungen der
Erdoberflche zu veranschaulichen. Ich habe selber bei den spter zu
besprechenden Rekonstruktionen anfangs bisweilen groe Schwierigkeiten
gehabt, ein anschauliches Bild von den groen plastischen Deformationen
zu gewinnen, denen die Kontinentalschollen offenbar ausgesetzt gewesen
sind, und fr manche Stellen der Erdoberflche bin ich auch heute noch
keineswegs hierin zur Klarheit gelangt. Auch die Kritik, welche meine
frheren Verffentlichungen erfahren haben, zeigt aufs deutlichste,
wie schwer es ist, sich diese Dinge richtig vorzustellen, die unseren
gewhnlichen Erfahrungen so fern liegen. Die folgenden Erluterungen
mgen also namentlich das Miverstndnis beseitigen, als seien die
Kontinentalschollen starre Kltze, die sich nur dort deformiert htten,
wo diese Deformation durch Faltungen nachweislich geworden ist.


Allgemeines.

Im dritten Bande seines groen Werkes: Das Antlitz der Erde (S.
626) zeigt /E. Suess/, da die nicht sedimentren Gesteine in zwei
Gruppen zerfallen, nmlich in die sauren, d. h. an Kieselsure
reichen gneisartigen Urgesteine, und die basischen vulkanischen
Tiefengesteine. Letztere nennt er Sima nach den Anfangsbuchstaben
der Hauptkomponenten Silicium und Magnesium, erstere Sal nach
Silicium und Aluminium. Einer Anregung /Pfeffers/ folgend, mchte ich
statt dessen, um die Identitt mit dem lateinischen Wort fr Salz zu
vermeiden, Sial schreiben. Es ist wahrscheinlich, da wir berechtigt
sind, diese beiden Bezeichnungen auch fr das Gesteinsmaterial der
Tiefseebden und der Kontinentalschollen anzuwenden. Was letztere
betrifft, so mu man sich zunchst klar werden ber die Rolle,
welche die Sedimente in ihrem Aufbau spielen. Als grte Mchtigkeit
der Sedimente kann man etwa 10 km betrachten, ein Wert, den die
amerikanischen Geologen fr die palozoischen Sedimente der Appalachen
berechnet haben; die andere Grenze ist Null, da an vielen Orten das
Urgebirge jeder Sedimentdecke bar ist. /Clarke/ schtzt die mittlere
Mchtigkeit auf den Kontinentalschollen zu 2400 m. Da die Gesamtdicke
der Kontinentalschollen aber, wie gleich zu zeigen ist, auf etwa 100
km veranschlagt werden darf, so bedeutet diese Sedimentdecke nur eine
oberflchliche Verwitterungsschicht, bei deren vlliger Entfernung
berdies die Schollen zur Wiederherstellung der Isostasie fast bis zur
frheren Hhe aufsteigen wrden, so da am Relief der Erdoberflche
wenig gendert wrde. Als Material der Kontinentalschollen ist deshalb
in erster Linie das Urgestein (Hauptvertreter: Gneis) zu betrachten,
dessen Ubiquitt heute trotz gewisser Bedenken nicht abzuleugnen ist.
Es ist gerade das Material, welches wir mit Sial bezeichnen wollen.
Als Material der Tiefseebden aber haben wir uns, wie schon frher
erwhnt, offenbar basaltartige Gesteine zu denken, die schwerer und
eisenhaltiger sind. Basalt ist aber der Hauptvertreter der Simagruppe.
Natrlich kann der Tiefseeboden noch besondere mineralogische Merkmale
aufweisen, da ja schon atlantische und pazifische Laven solche
Unterschiede zeigen. Aber wir sind jedenfalls wohl berechtigt, die
beiden von /Suess/ bezeichneten Klassen von Gesteinen auf die Herkunft
von verschiedenen Schichten der Erde zu beziehen und diese Schichten
mit der Lithosphre und der Barysphre zu identifizieren.

[Illustration: Fig. 5.

Schematischer Querschnitt durch einen Kontinentalrand.]

Es ist von grter Bedeutung, die spezifischen Gewichte von Gneis und
Basalt zu vergleichen. Fr ersteren fanden /Whitmann/, /Cross/ und
/Gilbert/ im Mittel aus zwlf Proben 2,615. Andere Messungen geben
Werte zwischen 2,5 und 2,7. Da alle Proben der Oberflche entstammen,
das spezifische Gewicht aber wohl berall mit der Tiefe wchst, darf
man als Mittel fr die ganze Scholle vielleicht 2,8 annehmen. Simische
Gesteine, wie Basalt, Diabas, Melaphyr, Gabbro, Olivinfels, Andesit,
Porphyrit, Diorit und andere, haben ein spezifisches Gewicht von etwa
3,0, nur selten bis 3,3. Da dies Material wohl meist etwa von der
Unterseite der Kontinentalschollen stammt, darf man fr die hher
gelegenen Simaschichten unter den Ozeanen wohl ein etwas geringeres
Gewicht, vielleicht 2,9, annehmen[45]. Wir knnen diese spezifischen
Gewichte mit der Eintauchtiefe der Kontinentalschollen vergleichen und
auf diese Weise eine wenn auch nicht sehr scharfe Kontrolle fr unsere
Vorstellungen gewinnen. Da die Gewichte der kontinentalen und der
ozeanischen Massensulen, bis zur Unterseite der Kontinentalschollen
hinab gemessen, gleich sein mssen, so erhalten wir fr die Mchtigkeit
_M_ der letzteren, wie Fig. 5 zeigt, die folgende Gleichung, in welcher
_a_, _b_, _c_ die spezifischen Gewichte des Sials, des Simas und des
Seewassers bezeichnen:

                    _Ma_ = (_M_ - 4,8)_b_ + 4,7_c_

                                (4,8_b_ - 4,7_c_)
                     oder _M_ = -----------------.
                                   (_b_ - _a_)

Das spezifische Gewicht des Seewassers ist _c_ = 1,03; setzt man _a_
= 2,8, _b_ = 2,9, so ergibt sich fr die Schollenmchtigkeit der, wie
wir gleich sehen werden, ganz plausible Wert 91 km. Es ist klar, da
dieser Wert sich sehr stark ndert, wenn die doch sehr unsicheren
Ausgangswerte nur um ein weniges gendert werden, so da man ihn
durchaus nicht fr zuverlssig halten darf. Er kann nur so viel zeigen,
da sich die spezifischen Gewichte mit den brigen Vorstellungen in
Einklang bringen lassen.

Um die Dicke der Kontinentalschollen zu bestimmen, gibt es genauere
Methoden. /Hayford/ hat aus den Lotabweichungen an mehreren hundert
Stationen in den Vereinigten Staaten die sogenannte Tiefe der
Ausgleichsflche (nmlich des Druckes), welche identisch mit der
unteren Flche der Kontinentalschollen ist, berechnet und sie zu
114 km gefunden. Und fast die gleiche Zahl, nmlich 120 km, fand
/Helmert/ aus Schweremessungen (Pendel) an 51 Kstenstationen. Die gute
bereinstimmung beider auf so verschiedenem Wege gewonnener Zahlen
gibt ihnen natrlich eine erhhte Sicherheit, darf aber nicht dazu
verleiten, den Kontinentalschollen etwa berall dieselbe Mchtigkeit
zuzuschreiben. Das wrde sich schon mit der Isostasie nicht vertragen.
Bei Schelfen mu die Mchtigkeit viel geringer, bei Hochlndern, wie
Tibet, viel grer veranschlagt werden, so da etwa 50 bis 200 km als
Grenzen anzunehmen sind.

Man sollte erwarten, da auch die Erdbebenforschung imstande sein
msse, die Dicke der Kontinentalschollen durch die Reflexionen zu
bestimmen, welche die Erdbebenstrahlen an inneren Schichtgrenzen
der Erde erfahren. Man ist aber hier noch nicht zu ganz eindeutigen
Resultaten gekommen. Aus Eigenschwingungen der Lithosphre schlo
/Wiechert/ auf eine Dicke derselben von weniger als 100 km, ein
Wert, den /Benndorf/ fr zu klein hlt. /Mohorovi[vc]i[vc]/ findet
aus Reflexionen eine Schichtgrenze bei 50 km Tiefe. Die Herdtiefe
der Erdbeben lag in den bisher gemessenen Fllen zwischen 1,5 und
170 km, was andeutet, da letzterer Wert etwa die Maximalgrenze der
Schollendicke darstellt. Es ist nicht unmglich, da bei knftiger
Unterscheidung zwischen sialischen Kontinentalschollen und simischem
Meeresboden auch hier eine bessere bereinstimmung erzielt wird. Es ist
aber vielleicht auch denkbar, da das Material der Kontinentalschollen
an ihrem Unterrande bereits so wenig von dem darunter liegenden
verschieden ist, da der Charakter der Schichtgrenze hier beinahe
verwischt ist.

Um die im vorangehenden besprochenen Verhltnisse zu veranschaulichen,
ist in Fig. 6 ein Querschnitt der Erde auf einem grten Kreise
durch Sdamerika und Afrika in getreuen Grenverhltnissen gegeben.
Gebirge, Kontinente und ozeanische Vertiefungen bilden so geringfgige
Unebenheiten, da sie sich innerhalb der Kreislinie abspielen, welche
in der Figur die Erdoberflche bezeichnet. Der hauptschlich aus Nickel
und Eisen bestehende Kern der Erde trgt nach /Suess/ die Bezeichnung
Nife. Zum Vergleich sind auch die Hauptschichten der Atmosphre
eingetragen: Die Stickstoffsphre bis 60 km Hhe, darber bis 200 km
die Wasserstoff- und ber ihr die hypothetische Geokoroniumsphre.
Die Zone der Witterungserscheinungen, die nur bis 11 km Hhe reicht
(Troposphre), ist zu dnn, um zur Darstellung zu gelangen.

[Illustration: Fig. 6.

Schnitt im grten Kreise durch Sdamerika und Afrika in getreuen
Grenverhltnissen.]

Von Interesse sind ferner die Schmelztemperaturen. Die
zusammengesetzten Silikatgesteine haben, wie die Versuche von /Doelter/
und /Day/ zeigen, keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern nur ein
mitunter sehr groes Schmelzintervall; man kann sagen, da Diabas
bei 1100, die Vesuvlaven bei etwa 1400 bis 1500 schmelzen. Diese
Zahlen gelten allerdings fr Atmosphrendruck, so da man fr 100 km
Tiefe wohl einige 100 zu addieren hat[46]. Auf der anderen Seite
geben die heute tiefsten Bohrlcher Czuchow II und Paruschowitz V in
Oberschlesien fr die obersten 2 km der Erdrinde eine Temperaturzunahme
von 3,1 pro 100 m Tiefe[47]. Diese Messungen sind allerdings
in Sedimenten ausgefhrt, die wohl geringere Wrmeleitfhigkeit
besitzen, was zur Folge haben mu, da sich die Isothermen in ihnen
zusammendrngen. Im Urgestein des Gotthard-, Mnch- und Simplontunnels
ergab sich nur 2,2, 2,2 und 2,4 pro 100 m. Da hier wieder wegen
der konvexen Bergform ein abnorm schwaches Geflle angenommen werden
darf, so wird man 2,5 pro 100 m als einen guten Durchschnittswert fr
die Kontinentalschollen betrachten. Bei linearer Extrapolation kmen
wir hiermit fr 100 km Tiefe bereits auf 2500, also weit ber den
Schmelzpunkt der Gesteine. Indessen wird die zentrale Temperatur der
Erde heute im Gegensatz zu frheren zgellos hohen Schtzungen meist
nur zu etwa 3000 bis 5000 angenommen, so da wir anzunehmen htten,
da das Temperaturgeflle mit zunehmender Tiefe schnell abnimmt. Dann
erhalten wir fr 100 km Tiefe etwa Werte zwischen 1000 und 2000, so
da die Annahme, am Unterrand der Kontinentalschollen sei etwa der
Schmelzpunkt erreicht, nicht unwahrscheinlich wird. Im Einzelfall
freilich werden groe Abweichungen davon mglich sein. Insbesondere
wird die Schmelzisotherme mitunter weit in die Kontinentalscholle
hinaufwandern knnen. Die Granitaufschmelzungen, deren Deutung
durch die Beobachtungen von /Cloos/ in Sdafrika von den bisherigen
Zweifeln befreit ist, zeigen ja, da diese Isothermenflche sogar bis
zur Erdoberflche heraufwandern kann. Gewisse Anzeichen dafr, da
geschmolzene sialische Massen von der Unterseite der Kontinentalscholle
bei deren Verschiebung zurckbleiben und zum Vorschein kommen, oder,
wie unter einem Gebirge, sich seitlich ausbreiten knnen, haben wir
bereits im vorigen Kapitel besprochen.

Wichtig ist, da nach /Doelter/[48] der Schmelzpunkt der sialischen
Gesteine allgemein um etwa 200 bis 300 hher liegt als der der
simischen, so da bei gleicher Temperatur magmatisches Sima und festes
Sial nebeneinander bestehen knnen.

Endlich mssen wir, um die groen, spter zu errternden Deformationen
der Erdrinde zu verstehen, uns noch Rechenschaft geben von dem
Starrheitsgrade der Erde oder, vom umgekehrten Standpunkt betrachtet,
von der Zhigkeit dieser zhen Flssigkeit. Aus dem Starrbleiben
gegenber den schnellen Erdbebenwellen und dem Flieen gegenber der
bei der Rotation auftretenden Zentrifugalkraft lt sich die Zhigkeit
der Erde hchstens in gewisse Grenzen einschlieen. Die Mondflut im
festen Erdkrper aber, welcher der Erdkrper nur zum Teil nachgibt,
ermglichte es /Lord Kelvin/, /v. Rebeur-Paschwitz/, /Hecker/ und
/Schweydar/, durch Messung dieses Teiles eine quantitative Bestimmung
der Zhigkeit des Erdkrpers durchzufhren. Es ergab sich, da die
Erde im Durchschnitt aller Schichten die Zhigkeit von Stahl besitzt.
Zu demselben Ergebnis gelangte man auch noch auf einem anderen Wege,
nmlich aus der Diskussion der Polschwankungen. Diese zerfallen in zwei
bereinanderliegende Perioden, nmlich eine erzwungene Schwingung
von Jahresperiode, welche nach /Spitaler/ und /Schweydar/ auf die
jhrliche Verlagerung der Luftmassen und die damit verbundene geringe
Vernderung der Trgheitsachse der Erde zurckzufhren ist, und als
Haupterscheinung eine freie Schwingung von 14 Monaten, welche einem
Kreisen des Rotationspoles um den Trgheitspol entspricht. Nach
/Eulers/ theoretischer Berechnung unter Annahme einer vollkommen
starren Erde sollte die Periode dieser Schwingung nur 10 Monate
betragen. /Newcomb/ vermutete, da sie durch die Plastizitt der Erde
verlngert sei, die eine teilweise Neuanpassung der Ellipsoidform der
Erde an die jeweilige neue Rotationsrichtung gestattet, und /Hough/
und /Schweydar/ berechneten hieraus, da sich die Erde dann wie Stahl
verhalten msse. Letzterer machte auch einen Versuch, die Schichtung
im Erdkrper zu bercksichtigen, und fand fr den von /Wiechert/ aus
Erdbebenbeobachtungen wahrscheinlich gemachten Eisenkern das Dreifache,
fr den 1500 km dicken Silikatmantel ein Achtel der Zhigkeit des
Stahles[49].

Nun mssen wir indessen ein naheliegendes Miverstndnis beseitigen.
Fr unsere gewhnlichen Begriffe ist Stahl durchaus ein starrer
Krper. Wir wissen aber, da er schon bei solchen Drucken, die wir
technisch herstellen knnen, seine Starrheit verliert und plastisch
wird. Wir knnen nicht eine beliebig hohe Sule aus Stahl errichten,
sondern wir kommen an eine Grenze, bei welcher der Fu dieser Sule
anfngt zu flieen. Denken wir uns einen ganzen Kontinentalrand aus
Stahl, so wrde sein oberer Teil zwar starr bleiben, die tieferen
Schichten wrden aber unter dem Druck der darber liegenden Massen
plastisch werden und seitlich herausquellen. Fr die groen Dimensionen
des Erdkrpers ist also Stahl kein fester Krper mehr, sondern ein
zhflssiger. Und der Silikatmantel der Erde besitzt, wie erwhnt, nur
ein Achtel der Zhigkeit des Stahles.

Die Eigenschaften zhflssiger Krper sind deswegen paradox, weil
es bei ihnen viel mehr auf die Zeitdauer, als auf die Gre der
deformierenden Krfte ankommt. Deshalb fangen solche Krper, wenn man
ihnen nur Zeit lt, unter dem Einflu der Schwere an zu flieen, auch
wenn sie sich gegen Schlag und Sto wie ein absolut fester Krper
verhalten. Ein Stck Kork lt sich mit Gewalt nicht durch eine
Schicht Pech hindurchtreiben, aber wenn man ihm Zeit lt, gengt
sein geringer Auftrieb, um vom Boden eines Gefes langsam durch das
Pech hindurch aufzusteigen. Einen noch besseren Vergleich bietet
Siegellack bei Zimmertemperatur. Wirft man eine Stange Siegellack auf
den Boden, so zerspringt sie in scharfkantige Stcke. Lt man sie
aber, an zwei Punkten untersttzt, in der Schwebe liegen, so kann man
schon nach wenigen Wochen ein Durchhngen bemerken, und nach einigen
Monaten hngen die nicht untersttzten Teile fast vertikal herab.
Aus den Mondgezeiten im festen Erdkrper berechnete /Schweydar/, da
die Zhigkeit des Simas noch etwa 10000mal so gro ist wie die des
Siegellacks. Was also beim Siegellack ein Monat, ist beim Sima nahezu
ein Jahrtausend. Ein anderes, fr die Bewegungen der Erdrinde besonders
lehrreiches Beispiel fr Zhflssigkeit bildet das Gletschereis.
Auch hier erscheint das Flieen auf den ersten Blick paradox, so da
man besondere Ursachen, wie z. B. Regelation (Wiedergefrieren) dafr
annehmen zu mssen glaubte, bis durch Beobachtung der gleichfalls
flieenden polaren Gletscher mit ihren tiefen Innentemperaturen in
jngster Zeit eine richtigere Auffassung von der Zhflssigkeit dieser
Gebilde gewonnen worden ist.

Wir mssen nicht nur dem Sima, sondern auch dem Sial einen erheblichen
Grad solcher Zhflssigkeit zuschreiben, denn wir erkennen bei
richtiger Deutung des Kartenbildes auch bei den Kontinentalschollen
groe Deformationen, die nicht immer in Faltungen ihr quivalent
besitzen und also auf einem Flieen beruhen mssen. Da aber die
Kontinentalschollen bis zu einem erheblichen Grade ihre Individualitt
trotz aller Deformationen im Laufe der Erdgeschichte bewahrt und sich
nicht etwa wie eine flssige Schicht wieder ber die Simaoberflche
ausgebreitet haben, so ist doch ein deutlicher Unterschied in bezug
auf den Flssigkeitsgrad des Sials und des Simas festzustellen.
Auch bei noch so langen Zeiten bedarf es anscheinend eines gewissen
Schwellenwertes der verschiebenden Krfte, um ein Flieen zu erzeugen,
und dieser Schwellenwert scheint beim Sial wesentlich hher zu sein
als beim Sima, so da letzteres bereits unter dem Einflu der Schwere
fliet, whrend fr ersteres doch grere Krfte erforderlich scheinen.

Eine Wirkung der Zhigkeit des Simas ist das schon besprochene
Nachhinken der isostatischen Ausgleichsbewegungen. Noch viele tausend
Jahre nach Abschmelzen der Eisbedeckung steigt der herabgedrckte
Krustenteil empor. Es ist nicht ohne Interesse, da der frher fr
Skandinavien erwhnte Wert von 1 m in 100 Jahren -- gleichfrmigen
Verlauf vorausgesetzt -- zu der Annahme fhrt, da die Gesamterhebung
um 250 m etwa 25000 Jahre gebraucht hat. Da der wirkliche Verlauf aber
wohl nicht gleichfrmig ist, sondern sich asymptotisch dem Stillstande
nhert, ist diese Zahl jedenfalls noch erheblich zu verkleinern. Wir
kommen damit auf eine Zeitdauer, die zu unseren Vorstellungen vom Alter
der letzten Eiszeit sehr gut pat.


Erscheinungen der Kontinentaltafeln.

[Illustration: Fig. 7.

Karte der Kontinentalschollen in Merkatorprojektion.]

Da unsere ganzen Betrachtungen sich nicht auf die Form der heutigen
Kstenlinien, sondern auf die der Kontinentaltafeln einschlielich
der Schelfe bezieht, so ist es notwendig, sich von dem gewohnten
Bilde der Erdkarte etwas frei zu machen und eine gewisse Vertrautheit
mit der Form der vollstndigen Kontinentaltafeln zu gewinnen. Es
sei deshalb in Fig. 7 eine Erdkarte der Kontinentalblcke gegeben.
In der Regel gibt die 200 m-Tiefenlinie am besten den Rand dieser
Tafeln wieder, doch erreichen einige Teile, die noch sicher zu den
Kontinentaltafeln gehren, auch 500 m Tiefe. Die grten Abweichungen
von den Kstenlinien treten auf in der Umgebung der britischen Inseln,
auf der Neufundland-Bank, im Nrdlichen Eismeer, wo Spitzbergen, Franz
Josef-Land und neusibirische Inseln mit Eurasien verbunden erscheinen,
in der Umgebung der Falklandsinseln, die auf dem sdamerikanischen
Schelf liegen, bei den Sunda-Inseln, die einen groen, mit Asien
zusammenhngenden Lappen bilden, und zwischen Australien und Neuguinea,
die als eine einzige groe Tafel erscheinen. Auch die nordamerikanische
Scholle hngt durch den Schelf der Beringstrae unmittelbar mit der
asiatischen zusammen.

Es ist von Wichtigkeit, den Proze der Gebirgsfaltung etwas nher ins
Auge zu fassen. Er ist es ja, welcher den Zusammenschub der Lithosphre
zu immer grerer Dicke vorzugsweise bewirkt und damit die Kontinente
aus dem Meere auftauchen lt. Auch Tafellnder lassen ja die Faltung
des Urgesteins meist noch deutlich erkennen, durch welche sie dem
Urmeere entstiegen sind. Erst nachtrglich sind diese anfangs als
echte Kettengebirge entstandenen Faltungen durch Verwitterung oder
Abrasion wieder eingeebnet worden, so da man bisweilen aus dem Grade
dieser Einebnung bereits einen rohen Schlu auf das Alter der Faltung
ziehen kann. Deshalb ist es wichtig, ein mglichst klares Bild von dem
Faltungsvorgang zu gewinnen.

/James Hall/ wurde zuerst auf die unbestreitbare Tatsache aufmerksam,
da die Mchtigkeit der Sedimente gerade in Faltengebirgen viel grer
ist als in den benachbarten ungefalteten Gebieten. Da es sich meist um
kilometermchtige Schichten handelt, die gleichwohl alle in flacher
See abgelagert sind, deutete /Hall/ die Erscheinung ganz richtig in
der schon oben besprochenen Weise, da am Orte des Gebirges anfangs
eine Mulde (Geosynklinale) bestanden habe, deren Aufschttung mit
Sediment durch ein isostatisches Sinken der Scholle fast kompensiert
wurde. Man kam so zu dem Gesetz: Kettengebirge entstehen aus
Schelfen[50]. Da gerade die Schelfe hier bevorzugt werden, kann
verschiedene Grnde haben. /Reade/ wies darauf hin, da durch die
kilometerdicken Ablagerungen das Urgestein in das Gebiet der hheren
Temperatur hinabgedrngt und hierdurch plastischer gemacht wrde, so
da beim Zusammenschub diese Stelle zuerst nachgeben mu. Vielleicht
darf man auch annehmen, da solche Geosynklinalen von Anfang an
durch eine besonders hohe Lage der Isotherme der Schmelztemperatur
ausgezeichnet waren, und da deswegen ein Sinken der Scholle bei
Sedimentauflagerung besonders leicht eintreten konnte, weil bei
Schollenverdickung die geschmolzenen Massen an der Unterseite der
Lithosphre leichter seitwrts ausweichen konnten. Auch dadurch wrde
eine Bevorzugung dieser Stellen bei Faltung erklrbar. Auerdem mu
aber beachtet werden, da die Schollendicke aus isostatischen Grnden
bei Schelfen viel geringer sein mu, als bei den hheren Teilen
der Kontinentalschollen, wodurch die Schelfe als Zonen geringsten
Widerstandes an sich schon fr die Faltung prdestiniert erscheinen.

[Illustration: Fig. 8.

Zusammenschub unter Wahrung der Isostasie.]

Die Faltung selbst geschieht, wie schon frher ausgesprochen, unter
Wahrung der Isostasie. Die Rinde schwimmt ja auf der Barysphre, und
daher mu auch bei der entstehenden Verdickung das Verhltnis von
oberhalb und unterhalb des barysphrischen Niveaus das gleiche bleiben
wie vorher (Fig. 8). Nach oben gestaut werden also nur alle diejenigen
Schichten, die schon vorher oberhalb des Tiefseebodens lagen, und
diese betragen nur etwa 5 Proz. der ganzen Scholle, whrend 95 Proz.
eingetaucht sind. Was wir also in den Gebirgen sehen, ist nur ein sehr
kleiner Teil dieses Zusammenschubes, der weitaus grte Teil sinkt bei
der Auffaltung nach unten. Da z. B. ein Schelf von 70 km Schollendicke
nur um etwa 3-1/2 km aus der Barysphre herausragt, so wird, wenn er
mit einer Sedimentschicht von der letzteren Dicke bedeckt ist, die nach
oben gerichtete Faltung zunchst nur aus Sediment bestehen, whrend das
darunter liegende Urgestein sich nach unten faltet, bis die Abtragung
dies Verhltnis ndert. Die Schraubungen (Torossen) des Meereises im
Polarmeer bilden eine Erscheinung, welche der Gebirgsfaltung ganz
analog ist, ja geradezu als eine Kopie im kleinen gelten kann. Auch
hier sind es schwimmende Schollen, bei denen der Hauptzusammenschub
nach unten gerichtet ist, whrend der nach oben gerichtete Schraubwall
nur den kleineren Teil darstellt. Auch die tektonischen Beben treten
dabei im kleinen auf. Nur in bezug auf die Zhigkeit des Simas
versagt der Vergleich; denn die Eisscholle findet natrlich im Wasser
nicht gengend Stirnwiderstand, um einen Schraubwall an der freien
Vorderkante zu bilden.

Mit der nach unten gerichteten Verdickung der Scholle wird nun meist
noch eine weitere Vernderung vor sich gehen. Wenn, wie frher
wahrscheinlich gemacht wurde, am Unterrand der ungefalteten Scholle
etwa der Schmelzpunkt der Silikate erreicht ist, so werden die tiefer
hinabrckenden Massen geschmolzen werden und sich an der Grenze
zwischen der festen Scholle und dem darunter liegenden flssigen, aber
schweren Sima ausbreiten. Besitzt die Scholle keine fortschreitende
Bewegung ber das Sima, so wird diese Ausbreitung nur die Wirkung
haben, da das Gebirge selbst weniger hoch wird und statt dessen auch
die benachbarten Teile der Scholle gehoben werden. Wenn aber, was in
der Regel der Fall sein wird, eine solche fortschreitende Bewegung
besteht, so mssen offenbar die geschmolzenen Massen einseitig sich
ausbreiten, da sie ebenso wie das flssige Sima zurckbleiben. In
diesem Fall entsteht eine unsymmetrische Hhenverteilung, indem
sich die Hebung nur auf die Rckseite des Gebirges (im Sinne der
Bewegungsrichtung der Scholle) beschrnkt, vor dem Gebirge dagegen
eher eine Senkung (Vortiefe) auftritt. So drfen wir z. B. bei den
Alpen wie auch beim Himalaja annehmen, da die tief hinabgesenkten und
geschmolzenen Schollenteile einseitig nach Norden ausgewichen sind und
hier zur Hebung des deutschen Mittelgebirges bzw. von Tibet beigetragen
haben. Dementsprechend zeigen auch die Schweremessungen in den Alpen,
da das grte Massendefizit nicht unter der Mittellinie, sondern
erheblich weiter nrdlich unter dem Gebirge liegt.

Wenn keine derartige Schmelzung an der Unterseite der
Schollenverdickung eintrte, so knnte man aus der mittleren Hhe des
Gebirges und seiner Breite die Gre des Zusammenschubes berechnen.
Nimmt man z. B. an, da das Gebirgsland vor dem Zusammenschub einen
Schelf bildete, dessen Oberflche 200 m unter dem Meere lag (und
da die spezifischen Gewichte des Sials und des Simas 2,8 und 2,9
sind), so folgt fr eine mittlere Seehhe des Gebirges von 2000
(4000) m eine Verkrzung auf 0,6 (0,4) der ursprnglichen Breite.
Aus der mittleren Seehhe der Alpen wrde man hiernach fr dies
Gebirge einen Zusammenschub berechnen, wie er zwar den lteren
Anschauungen entsprach, aber mit dem heute erkannten Deckfaltenbau
unvereinbar ist. Auch fr den Himalaja erhlt man durch diese
Rechnung im gnstigsten Falle nur einen Zusammenschub Lemuriens um
1500 km, was als viel zu klein erscheint. Hierin zeigt sich deutlich
der Einflu der Abschmelzung von unten. Da diese Vorstellung aber
berhaupt unabweisbar ist, zeigt eine Reihe anderer Erscheinungen,
welche sich, wie schon erwhnt, wohl nur so erklren lassen, da die
geschmolzenen Sialmassen von der Unterseite einer Kontinentalscholle
bei deren Verschiebung auch an ihrem Rande auftauchen knnen und so
unmittelbar in Erscheinung treten (Island, das Dreieck im Winkel
zwischen Abessinien und der Somali-Halbinsel, die Abrolhos-Bank, die
Seychellen-Bank).

Eine besondere Erwhnung verdient die Staffelung der Gebirgsfalten. Die
einzelnen Faltenzge liegen meist nicht genau hintereinander, sondern
gestaffelt, so da, wenn man ein solches Gebirge weithin verfolgt,
immer neue, anfangs noch zurckliegende Ketten an seinen Vorderrand
treten, wo sie erlschen und den nchst hinteren Platz machen. Sind
die Faltenzge gut getrennt, so lt sich die Staffelung schon auf
der topographischen Karte erkennen, wie z. B. zwischen Hindukusch
und Baikalsee oder am Nordende der australischen Kordilleren. Sind
die Falten eng zusammengeschoben, so ist die Staffelung entsprechend
schwerer zu erkennen. Ein einfacher Versuch zeigt, unter welchen
Bedingungen die Staffelung zustande kommt. Legen wir beide Hnde
auf ein ausgebreitetes Tischtuch und nhern sie einander in gerader
Richtung, so entsteht meist zwischen ihnen nur eine einzige riesige
(Deck-) Falte. Dies entspricht der Faltung ohne Staffelung, wie
bei den Alpen. Versuchen wir aber, die beiden Hnde aneinander
vorbeizuschieben, so entsteht ein hbsches System kleiner, paralleler
und namentlich gestaffelter Falten, welches der Staffelfaltung z.
B. der Dinarischen Alpen entspricht. Man sieht nun leicht, wie die
verschiedenen Arten der Faltung miteinander zusammenhngen: drngen die
Schollen gerade gegeneinander an, so entstehen groe Deckfalten, wollen
sie halbwegs aneinander vorbei, so entstehen kleinere Staffelfalten.
Die Fltelung wird immer enger, je mehr die Schollen einander aus dem
Wege gehen; schlielich hrt die Faltung ganz auf, und es entsteht
nur noch eine horizontale Verwerfung (Blattverschiebung). Es ist
hiernach klar, da Staffelfalten besonders auch fr das seitliche Ende
groer Gebirge charakteristisch sein mssen. Bei den weiter unten zu
besprechenden ostasiatischen Girlanden, welche abgelste Randketten
darstellen, ist diese Staffelung besonders deutlich sichtbar gemacht.

Ebenso wie die Faltung der Gebirge vollzieht sich auch ihre sofort
einsetzende Abtragung unter Wahrung der Isostasie. In dem Mae, wie der
hchste, mittelste Teil des Gebirges durch die Abtragung der Sedimente
entlastet wird, steigt die Scholle hier wiederum isostatisch empor, so
da schlielich nach vlliger Entfernung des Sediments ein Urgebirge
von fast gleicher Hhe emporgewachsen ist. Dabei ist es wichtig,
da sich Sediment und Urgestein bei der Faltung etwas verschieden
verhalten: Sediment splittert mehr und fllt daher dem rinnenden Wasser
viel schneller anheim, als das darunter liegende Urgestein, welches
bei Faltungen mehr fliet[51]. Daher lt die Abtragung sehr nach,
sobald die Sedimentdecke des Gebirges beseitigt ist. Der Himalaja mit
seinen mchtigen Sedimentaufstauungen befindet sich noch im ersten
Teile dieser Entwickelung. Die Abtragung ist hier eine gewaltige.
Die Gletscher sind unter enormen Schuttmengen begraben. Bei den
Alpen ist nur noch im Norden und Sden die Sedimentzone erhalten,
in der Zentralkette ist das Sediment beseitigt und das Urgestein
emporgestiegen; die Abtragung ist hier viel geringer geworden. Die
Schnheit unserer Alpengletscher beruht zum groen Teil auf ihrer
Mornenarmut. Und beim norwegischen Gebirge, das viel lter ist, ist
die Sedimenthaube bereits ganz beseitigt, und die heutige Abtragung
sehr gering.

Durch diese Betrachtungen wird offenbar allen denjenigen Theorien,
welche gerade die Erhebung der Gebirge erklren wollen, der Boden
entzogen. Denn sobald man berhaupt besondere Krfte fr diese Erhebung
annimmt, setzt man fest, da sie sich entgegen der Isostasie vollzieht,
was fr grere Gebirge zweifellos nicht der Fall ist.

Von der Natur der Faltungskrfte entwirft die Verschiebungstheorie
ein ganz neues Bild. Von einem Gewlbedruck im Sinne der
Schrumpfungshypothese ist ja keine Rede mehr, die lithosphrische
Haut, die lngst nicht mehr die ganze Erde umspannt, schwimmt frei auf
einer zhflssigen Unterlage. Die Krfte, welche die Gebirge falten,
mssen jetzt dieselben sein, welche auch die Horizontalverschiebungen
der Kontinente bewirken. Dabei haben wir die Wahl zwischen zwei
Mglichkeiten: Einmal knnte eine ungleiche Verteilung dieser Krfte
selbst bewirken, da die verschiedenen Teile der Lithosphre sich
verschieden schnell bewegen und also falten mssen. Andererseits kann
aber auch bei gleichmiger Verteilung der Verschiebungskrfte ein
solcher Unterschied in der Bewegung und damit eine Faltung dadurch
erzeugt werden, da die verschiedenen Teile der Lithosphre bei ihrer
Bewegung ungleiche Widerstnde erfahren. Gerade diese letztere
Erklrung erscheint von besonderer Bedeutung, denn wie die Karte zeigt,
treten Faltungen mit Vorliebe am Vorderrande triftender Schollen auf,
wo also zu dem berall gleichen Widerstand durch die Reibung an der
Unterseite der Scholle noch ihr Stirnwiderstand hinzukommt, der nicht
unbetrchtlich sein wird, weil es hier gerade die oberen, ausgekhlten
und daher weniger plastischen Simaschichten zu verdrngen gilt. Das
riesige Andengebirge z. B. ist -- wenngleich auch ihm bereits ltere
Faltungen zugrunde liegen -- wesentlich tertiren Ursprungs, also
gleichaltrig mit der Verschiebung der amerikanischen Schollen nach
Westen. Der Schlu eines urschlichen Zusammenhanges ist hier wohl kaum
abzuweisen. Vielleicht noch klarer tritt dieselbe Erscheinung bei der
Scholle Australien--Neuguinea auf: Das hohe jugendliche Gebirge auf
Neuguinea liegt auf der jetzigen, die lteren Faltungen Neuseelands und
Ostaustraliens auf der frheren Vorderseite der triftenden Scholle.

Auch in den Fllen, wo die Faltung an der einen Stelle durch
ein Aufreien der Lithosphre an anderer Stelle kompensiert
erscheint, ist diese Erklrung durch ungleichen Widerstand bei
gleichmigen Verschiebungskrften anwendbar, wenn man nur die nicht
unwahrscheinliche Annahme macht, da auch die Reibung von unten an der
zhflssigen Simaunterlage rtlich verschieden ist. Insbesondere mte
dies also auch fr das erste Aufreien der Lithosphre bei Gelegenheit
der ersten Zusammenschbe der Fall gewesen sein.

Das letzte groe Faltungssystem, das tertire, zeigt eine merkwrdige
Anordnung, nmlich eine groe, dem damaligen quator ungefhr
entsprechende Faltenzone, dem der Himalaja und die Alpen angehren,
und dazu noch die groe meridionale Faltenzone der Anden. Die erstere
entspricht einem allseitigen Hinstreben der Kontinente zum quator,
wie sie auch durch die europischen Breitenbestimmungen besttigt
wird. ber diese Erscheinung einer Polflucht der Kontinente, die
eine Hauptursache der Kontinentalverschiebungen zu sein scheint, wird
in dem Kapitel ber die Ursachen derselben nheres mitgeteilt werden.
Es sei nur erwhnt, da /Kreichgauer/ diesen quatorialen Faltungsring
auch fr die frheren geologischen Zeiten nachweisen zu knnen glaubt,
namentlich fr die karbonischen Faltungen, welche in einem dem
damaligen quator entsprechenden Grtel die Kohlenlager von Asien,
Europa und Nordamerika enthalten. Das meridionale Andensystem aber lt
sich in Verbindung bringen mit der gleichfalls vorwiegend meridionalen
Richtung der Spaltungen, hier insbesondere der atlantischen Spalte,
die aber in der Richtung des Rheingrabens und namentlich des
ostafrikanischen Spaltensystems, von dem im folgenden noch weiter die
Rede sein wird, eine Parallele hat. Auch in dieser Hinsicht wird auf
das Kapitel ber die Ursachen der Verschiebungen verwiesen.

Dagegen mssen wir den Vorgang der Spaltungen schon hier etwas nher
ins Auge fassen. Das schnste Beispiel solcher Spaltungen bilden die
ostafrikanischen Grben. Sie gehren einem groen Bruchsystem an,
welches sich nach Norden noch durch das Rote Meer, den Golf von Akaba
und das Jordantal bis an den Rand der taurischen Faltungen verfolgen
lt (Fig. 9). Nach neueren Untersuchungen setzen sich diese Brche
auch nach Sden noch bis zum Kaplande fort, doch sind sie am schnsten
in Deutsch-Ostafrika ausgebildet[52]. Wir lassen hier eine kurze
Beschreibung im engen Anschlu an /Neumayr-Uhlig/ folgen[53].

[Illustration: Fig. 9.

Die ostafrikanischen Grben, nach /Supan/.

[Symbol: 1 Punkt ber 2 Punkten] Grben, [Symbol: schwarzes Quadrat]
mit Wasser bedeckte Grabenteile.]

Von der Sambesimndung aus zieht sich ein solcher 50 bis 80 km breiter
Graben nach Norden, den Shireflu und Njassasee enthaltend, um dann
nach Nordwesten zu drehen und sich zu verlieren. Dafr beginnt dicht
neben ihm und parallel zu ihm der Graben des Tanganikasees, von
dessen Groartigkeit der Umstand zeugt, da die Tiefe des Sees 1700
bis 2700 m, die Hhe des mauerfrmigen Steilabfalles aber 2000 bis
2400 m, ja selbst 3000 m betrgt. In seiner nrdlichen Fortsetzung
enthlt dieser Graben den Russisiflu, den Albert-Edward- und den
Albertsee. Die Rnder der Senkung erscheinen aufgewulstet, wie
wenn hier das Bersten der Erde mit einer gewissen Aufwrtsbewegung
der pltzlich freigewordenen Bruchrnder verbunden gewesen wre.
Mit dieser eigentmlichen wulstigen Formung der Plateaurnder hngt
es wohl auch zusammen, da unmittelbar stlich vom Abfall des
Tanganika die Nilquellen entspringen, whrend sich der See selbst
zum Kongo entleert. Ein dritter markanter Graben beginnt stlich des
Viktoriasees, enthlt weiter nrdlich den Rudolfsee und biegt bei
Abessinien nach Nordosten ab, wo er sich einerseits in das Rote Meer
und andererseits in den Golf von Aden fortsetzt. Im Kstengebiet und
im Innern von Deutsch-Ostafrika nehmen diese Brche meist die Form von
Bruchstufen an, deren Ostseite abgesunken ist[54].

Von besonderem Interesse ist das in Fig. 9 ebenso wie die Grabensohle
punktiert gezeichnete groe Dreieck im Winkel zwischen Abessinien
und der Somalihalbinsel (zwischen Ankober, Berbera und Massaua),
welches von vielen fr eine riesige Verbreiterung des Spaltenbodens
gehalten wird. Das ganze Land besteht, wie frher erwhnt, aus
jungen vulkanischen Laven. Es wurde schon gesagt, da es vermutlich
geschmolzene Sialmassen von der Unterseite des abessinischen Gebirges
sind, die hier in der Spalte aufgestiegen sind, und die oberste schon
erstarrt angetroffene Simadecke als Haube bis ber das Meeresniveau
emporgetragen haben. Schon die Betrachtung der Parallelitt der Ksten
ntigt wohl zu dieser Auffassung als nachtrgliche Strung.

Die Entstehung dieser in Ostafrika selbst maschenfrmig angeordneten
Brche ist in geologisch junge Zeiten zu setzen. An mehreren Stellen
durchschneiden sie junge basaltische Laven, einmal auch pliozne
Swasserbildungen. Jedenfalls knnen sie also nicht vor Schlu der
Tertirzeit entstanden sein. Andererseits scheinen sie zur Diluvialzeit
schon vorhanden gewesen zu sein, wie man aus den Strandterrassen als
Marken hheren Wasserstandes bei den abflulosen, auf der Grabensohle
liegenden Seen geschlossen hat. Beim Tanganikasee deutet auch seine
offenbar frher marine, dann aber dem Swasser angepate sogenannte
Reliktenfauna auf lngeren Bestand. Die hufigen Erdbeben und der
starke Vulkanismus der Bruchzone deuten aber wohl darauf hin, da der
Trennungsproze jedenfalls auch heute noch im Gange ist.

[Illustration: Fig. 10.

Spaltung (schematisch).]

Fr die mechanische Deutung solcher Grabenbrche ergibt sich nur
insofern etwas Neues, als diese die Vorstufe einer vlligen Trennung
der beiden Schollenteile darstellen, wobei es sich um rezente, noch
nicht beendete Abspaltungen oder auch um frhere Versuche einer solchen
handeln kann, die infolge Erlahmens der Zugkrfte wieder zur Ruhe
gekommen sind. Eine vollstndige Trennung wrde sich nach unseren
Vorstellungen etwa in der in Fig. 10 schematisch dargestellten Weise
vollziehen. Zunchst wird nur in den oberen, sprderen Schichten ein
klaffender Ri entstehen, whrend die unteren plastischen sich ziehen.
Da vertikale Steilwnde von der hier in Betracht kommenden Hhe viel
zu groe Anforderungen an die Druckfestigkeit der Gesteine stellen
wrden, so bilden sich gleichzeitig mit der Spalte oder auch an Stelle
von ihr schrge Rutschflchen aus, lngs welchen die Randpartien der
beiden Schollenteile unter zahlreichen lokalen Erdbeben in demselben
Tempo in die Spalte absinken, wie diese sich ffnet, so da immer
nur ein Grabenbruch miger Tiefe in Erscheinung tritt, dessen Boden
aus verworfenen Schollen derselben Gesteinsserien besteht, die auch
seitwrts des Grabens auf der Hhe anstehen. In diesem Stadium ist
der Grabenbruch noch nicht isostatisch kompensiert, wie es denn
auch nach /E. Kohlschtter/[55] bei einem groen Teil der jungen
ostafrikanischen Grben der Fall ist. Es ist ja ein unkompensiertes
Massendefizit vorhanden; daher wird eine entsprechende Schwerestrung
beobachtet, und auerdem steigen beide Spaltenrnder zum isostatischen
Ausgleich empor, so da der Eindruck entsteht, als gehe der Graben
gerade in der Lngsrichtung durch eine Aufwlbung hindurch. Schwarzwald
und Vogesen beiderseits des oberrheinischen Grabenbruches sind die
besten Beispiele fr diesen Randwulst. Reit endlich die Spalte ganz
durch die Scholle hindurch, so steigt das Sima in ihr empor, so da
das bisherige Massendefizit ersetzt wird und der Graben sich nunmehr
als Ganzes isostatisch kompensiert erweist. Den Boden des Grabens
bedecken auch hier an den meisten Stellen vollstndig die Bruchstcke
der Spaltenrnder, doch kommt natrlich bei weiterer ffnung der
Augenblick, wo auch die freie Simaoberflche zutage tritt. Bei dem
groen Graben des Roten Meeres, der nach /Triulzi/ und /Hecker/
bereits isostatisch kompensiert ist, drfte die Entwickelung so weit
fortgeschritten sein, da an den tieferen Stellen bereits das Sima
unbedeckt ist. Bei der weiteren Trennung der Schollen bleiben die
vom Rande abgebrochenen Teile als Inseln zurck. Zu beachten ist
dabei, da diese Brocken, auch wenn sie mit ihren hchsten Teilen
das Kontinentalniveau erreichen oder berschreiten, durchaus nicht
dieselbe Mchtigkeit zu haben brauchen, wie die Kontinentalschollen.
Sie brauchen statt dessen nur in dem eintauchenden Teil wesentlich
breiter zu sein als in dem emporragenden. Es braucht eben auch hier nur
die Bedingung erfllt zu sein, da das Verhltnis der Massen oberhalb
und unterhalb des barysphrischen Niveaus das gleiche ist wie bei den
groen Kontinentaltafeln. -- Alle diese Vorstellungen ber die Natur
der Grabenbrche stehen nicht im Widerspruche mit den landlufigen,
sondern ergnzen diese nur.

[Illustration: Fig. 11.

Grerer Einbruch durch Dehnung der Unterlage (schematisch).]

Ebenso wie sich eine einzelne Spalte mitunter in ein ausgedehntes,
maschiges Netz kleinerer Spalten auflsen kann (das System der
ostafrikanischen Grben, welches im Roten Meere in eine einzige Spalte
bergeht, bildet ein Beispiel dafr), so kann sich auch statt eines
einzelnen Grabenbruches der Niederbruch eines ausgedehnteren Gebietes
vollziehen. Das gische Meer ist das beste Beispiel dafr. Hier
ist ein greres Gebiet in jngster geologischer Zeit in einzelne
Schollen zerbrochen, die zu ungleicher Tiefe abgesunken sind. Wir
mssen annehmen, da die tieferen Schichten der Lithosphre sich
gezogen haben, so da die Verwerfungsspalten sich nach unten allmhlich
verlieren. Der Betrag der Dehnung kann in unserer schematischen Fig. 11
an den schrgen Verwerfungsflchen, soweit sie frei sind, abgemessen
werden. In hnlicher Weise ist offenbar noch an vielen anderen Stellen
eine Landverbindung versunken, z. B. auch in der Bass-Strae zwischen
Tasmanien und Australien. Man sieht aber leicht, da das Ma dieses
Absinkens seine Grenze hat, und da eine vllige Zerreiung und
Trennung der beiden Schollen eintreten mu, lange bevor die absinkenden
Stcke das barysphrische Niveau erreichen. Unmittelbar vor dem
Abreien Neufundlands von Irland fand nach unseren Vorstellungen der
Einbruch des Kanals, der Nordsee und der anderen heute in Schelfgebiete
verwandelten frheren Landgebiete um England statt. Aber es wurden doch
nur flache Schelfe, dann trat eine vllige Trennung der Schollen ein.


Erscheinungen des Kontinentalrandes.

[Illustration: Fig. 12.

Schwerestrung an einem Kontinentalrand, nach /Helmert/.]

Wie /Schitz/ zuerst aus den Schweremessungen der im Polarmeere
ber dem Schelfrande treibenden Fram erkannte und /Helmert/[56]
spter ausfhrlich ableitete, zeigen die Pendelbeobachtungen am
Rande der Kontinentalschollen eine charakteristische Schwerestrung,
welche in Fig. 12 nach Helmert wiedergegeben ist. Nhert man sich
vom Lande der Kste, so wchst die Schwere bis zu einem Maximum an
der Kste selbst, um dann schnell zu sinken und an der Stelle, unter
welcher der Boden der Tiefsee beginnt, ein Minimum zu erreichen,
worauf sich dann in grerem Kstenabstande wieder der normale Wert
einstellt. Das Zustandekommen dieser Schwerestrung kann man sich
etwa folgendermaen vorstellen. Der Beobachter auf dem Lande, der
im Inlande normale Schwere gehabt hat, erreicht an der Kste ein
Maximum, weil er sich dem schrg unter ihm liegenden schweren Sima
des Tiefseebodens nhert. Dieser berschu an Schwere sollte zwar
dadurch wett gemacht werden, da die obersten 4 km durch das leichte
Seewasser ersetzt sind. Aber diese Schichten liegen neben, nicht mehr
unter dem Beobachter und bewirken also, statt die Schwere wieder auf
ihren Normalwert herabzudrcken, eine Lotabweichung im Sinne einer
Anziehung des Lotes durch die Kontinentaltafel. Dem Beobachter auf
See, der sich der Kste nhert, geht es umgekehrt: Das Pendel reagiert
auf die Massenverringerung unter ihm, und die Massenvermehrung neben
ihm kann nicht die Gre, sondern nur die Richtung der Schwerkraft
beeinflussen, so da ein Minimum der Schwere entsteht. Da berhaupt
eine Schwerestrung eintreten mu, folgt schon aus der berlegung, da
eine vertikale Grenzflche zwischen leichtem und schwerem Material,
wie sie hier vorhanden ist, nicht einer isostatischen Massenlagerung
entspricht, sondern lediglich durch die Molekularkrfte der
Kontinentalscholle erhalten bleiben kann.

Man kann diese Verhltnisse auch noch auf eine andere Weise betrachten,
welche geeignet ist, ihre Wirkungen unmittelbar zu erlutern. In einer
Kontinentalscholle mu der Druck offenbar nach einem anderen Gesetz
mit der Tiefe zunehmen als im ozeanischen Gebiete. Vergleichen wir
die Drucke in gleichen Hhen, so finden wir, da im Kontinentalblock
berall -- mit Ausnahme seiner Oberflche und seiner Unterflche
-- der Druck hher ist als im ozeanischen Gebiete. Legen wir die
Zahlenverhltnisse von Fig. 5 (S. 23) zugrunde, so erhalten wir fr
diesen Druckberschu in der Kontinentaltafel die Werte:

    Bei   100 m Hhe       Druckberschu    0 Atm.
     "      0 m   "               "         28  "
     "   4700 m Tiefe             "        860  "
     " 100000 m   "               "          0  "

[Illustration: Fig. 13.

Wirkung der Druckkrfte am Kontinentalrand (schematisch).]

Der Druckberschu wchst also im obersten Teile sehr rasch, weil
dort Gestein gegen Luft steht, im nchsten Abschnitt nur etwa zwei
Drittel so rasch weiter, da hier bereits Wasser im ozeanischen Gebiete
vorhanden ist. In der Tiefe des Tiefseebodens wird das Maximum des
Druckberschusses erreicht. In noch grerer Tiefe wird dieser wieder
kleiner, da jetzt das schwerere Sima im ozeanischen Gebiete liegt
und hier eine schnellere Druckzunahme bewirkt. Und am Unterrande der
Kontinentalscholle mssen die Drucke natrlich ausgeglichen sein.
Diese Druckunterschiede verursachen am vertikalen Kontinentalrande ein
Spannungsfeld, welches bestrebt ist, das Material der Kontinentaltafeln
in die ozeanischen Rume hinauszupressen, und zwar am meisten in der
Schicht des Tiefseebodens[57]. Wre das Sial leichtflssig, so wrde es
sich in dieser Schicht ausbreiten. Das ist nun nicht der Fall. Aber es
ist doch plastisch genug, um diesen erheblichen Druckkrften merklich
nachzugeben. Das zeigt sich klar in den stufenfrmigen Brchen, welche
den Kontinentalrand in der Regel begleiten (Fig. 13).

Dies seitliche Vorquellen der tieferen plastischen Schichten ist auch
der Grund dafr, da die Rnder zerspaltener und weit getrennter
Schollen, wie Sdamerika und Afrika, in ihrer Kstenlinie die
Parallelitt besser bewahrt haben als in der Grenzlinie zwischen
Kontinentalabfall und Tiefseeboden.

[Illustration: Fig. 14.

Girlanden von Nordost-Asien.

(Tiefenlinien 200 u. 2000 m; Tiefseerinnen punktiert.)]

Es ist nicht undenkbar, da der Vulkanismus aus dem Grunde so hufig
an den Ksten auftritt, weil durch das geschilderte Spannungsfeld
die Simaeinschlsse der Lithosphre -- als welche wir /Stbels/
periphere Herde bezeichnen knnen -- zur Auspressung gelangen knnen.
Ganz besonders sind diese Bedingungen natrlich bei ozeanischen
Inseln zur Stelle, welche ringfrmig von einem solchen Spannungsfelde
umgeben sind[58]. Solche Inseln mten auerdem in dem Mae, wie ihre
untergetauchten Massen sich seitlich ausbreiten, nach und nach an Hhe
verlieren, so da sich das Sinken der Korallenatolle auch auf diese
Weise erklren liee.

Die interessanteste Erscheinung des Kontinentalrandes bilden aber die
Inselgirlanden, die namentlich an der ostasiatischen Kste ausgebildet
sind (Fig. 14). Auf der Grundlage der alten Vorstellungen hat
/Richthofen/ fr sie eine Erklrung gegeben[59], die wohl bisher das
grte Ansehen geniet, wenn auch schon verschiedentlich Widerspruch
dagegen erhoben worden ist. /Richthofen/ denkt sie sich entstanden
durch einen vom Pazifik kommenden Zug in der Erdrinde. Zusammen
mit einer breiten Zone des benachbarten Festlandes, die auch durch
bogenfrmigen Verlauf der Kste und der Erhebungen ausgezeichnet ist,
sollten die Inselbgen ein groes Bruchsystem bilden. Das Gebiet
zwischen Inselkette und Festlandskste sei die erste Landstaffel,
welche infolge einer Kippbewegung im Westen unter den Meeresspiegel
getaucht sei, whrend der Ostrand als Inselgirlande herausrage. Auf dem
Festlande glaubte /Richthofen/ noch zwei weitere derartige Landstaffeln
zu sehen, deren Senkung jedoch geringer war. Die regelmige Bogenform
dieser Brche bildete zwar eine Schwierigkeit, doch glaubte man diesen
Einwand mit dem Hinweise auf bogenfrmige Sprnge im Asphalt und
anderen Stoffen entkrften zu knnen. Es mu hervorgehoben werden,
da diese Theorie ein groes historisches Verdienst besitzt, nmlich
insofern, als die Einfhrung von Zugkrften einen Bruch mit dem Dogma
vom Gewlbedruck darstellte, und durch ihre Autoritt die Zurckfhrung
sonstiger Randbrche der Kontinente auf Zugkrfte ermglichte.

Indessen stehen dieser /Richthofen/schen Erklrung der ostasiatischen
Inselgirlanden schwerwiegende Einwnde entgegen. Beim Asphalt und
anderen Beispielen drften strukturelle Vorbedingungen ntig sein, um
die Bogenform der Risse zu erzeugen. Wo solche fehlen, sehen wir in
der Natur durch Zug meist nur geradlinige Risse entstehen, von den
geplatzten lfarben alter Gemlde und den Trocknungsrissen in Lehm
bis zu den Grabenbrchen der Erdrinde und den Mondrillen. Die oben
eingehend besprochenen Grben Ostafrikas zeigen uns, wie solche durch
Zug entstandenen Spalten der Lithosphre aussehen. Wie /Horn/ betont
hat[60], zeigt Ostasien auch tektonisch gar nicht die Merkmale von
Brchen, sondern von einem Zusammenschub senkrecht zur Kste. Schon aus
der topographischen Karte erkennt man, da wir nicht ein durch Brche
zerstckeltes Tafelland wie Ostafrika vor uns haben, sondern da die
Inselreihen ebenso wie das kontinentale Kstenland aus Faltengebirgen
aufgebaut sind, die zur Kste parallel verlaufen. Namentlich spricht
aber die Tiefenkarte, so unvollkommen sie infolge mangelnder
Lotungen auch heute noch ist, dafr, da /Richthofens/ Erklrung
einer Abnderung bedarf. Denn sie zeigt, da zwischen Girlande und
Festlandsrand die Erdoberflche sich nicht allmhlich senkt, sondern
ein Tiefseebecken eingeschaltet ist, welches bereits dicht innerhalb
der Girlande groe Tiefen erreicht. Nach unseren Vorstellungen von der
barysphrischen Natur der Tiefseebden liegt hier zwischen Girlande
und dem Festlande das Sima fensterartig zutage. Die Inselgirlanden
stellen also abgelste oder in Ablsung begriffene Randketten der
Kontinentalscholle dar.

Um zu einer genaueren Auffassung dieses Ablsungsvorganges zu gelangen,
mssen wir die in den Girlanden auftretenden Gesetzmigkeiten etwas
schrfer ins Auge fassen. Sehr auffllig ist ihr bereinstimmender
geologischer Bau. Die konkave Seite der Girlande trgt stets eine
Reihe von Vulkanen, offenbar eine Folge des bei ihrer Biegung hier
entstehenden Druckes, der die Simaeinschlsse herauspret. Die konvexe
Seite dagegen trgt tertire Sedimente, whrend diese am entsprechenden
Festlandsufer meist fehlen. Dies deutet an, da die Ablsung erst
in jngster geologischer Zeit vor sich gegangen ist, und da die
Girlande zur Zeit der Ablagerung dieser Sedimente noch den Rand des
Festlandes bildete. Diese tertiren Sedimente zeigen berall starke
Lagerungsstrungen, eine Folge des bei der Biegung hier auftretenden
Zuges, der zur Zerklftung und zu vertikalen Verwerfungen fhrt. Da
dieser Auenrand der Girlande trotz der mit der Dehnung sonst berall
verbundenen Senkung gehoben erscheint, deutet eine Kippbewegung
der Girlande an, die man sich dadurch verursacht denken kann, da
sie gem der allgemeinen Westwanderung der Kontinentalscholle an
ihren Endpunkten mitgeschleppt, in der Tiefe aber durch das Sima
zurckgehalten wird. Mit demselben Vorgang scheint auch die meist
ihren Auenrand begleitende Tiefseerinne zusammenzuhngen. Es
ist sehr auffllig, da sich diese Rinne niemals auf der frisch
entblten Simaflche zwischen Kontinent und Girlande, sondern stets
nur an deren Auenrande, also an der Grenze des alten Tiefseebodens
bildet. Sie erscheint hier als eine Spalte, deren eine Seite von dem
stark ausgekhlten und bis in groe Tiefen bereits erstarrten alten
Tiefseeboden und deren andere Seite von dem lithosphrischen Material
der Girlande gebildet wird. Gerade in Verbindung mit der genannten
Kippbewegung der Girlande wre die Bildung einer solchen Randspalte
zwischen Sial und Sima sehr verstndlich. Das frisch entblte Sima
am Kontinentalrand ist dagegen zu flssig, um eine Spalte bilden zu
knnen. Natrlich bedarf aber diese Vorstellung von der Natur der
Tiefseerinnen noch der Kontrolle, namentlich durch Schweremessungen.
Wir werden spter auch Flle kennen lernen, wo noch andere Ursachen fr
die Entstehung einzelner solcher Rinnen anzunehmen sind.

Es bestehen aber noch andere Gesetzmigkeiten bei den ostasiatischen
Girlanden. Zunchst ist die bauchige Kstenlinie des Kontinents,
dem sie vorgelagert sind, zu nennen. Namentlich, wenn wir auer der
Kstenlinie selber auch die 200 m-Tiefenlinie in Fig. 14 betrachten,
so zeigt sich, da der Kontinentalrand stets das Spiegelbild einer
S-Form aufweist, whrend die davor liegende Girlande einen einfachen
konvexen Bogen bildet. Diese Verhltnisse sind schematisch in Fig. 15 B
dargestellt. Die Erscheinung ist bei allen drei in Fig. 14 enthaltenen
Girlanden in gleicher Weise ausgebildet und trifft z. B. auch beim
ostaustralischen Kontinentalrand und seiner einstigen, durch den
Sdost-Auslufer Neuguineas und Neuseeland gebildeten Girlande zu.
Diese bauchigen Kstenlinien kennzeichnen einen Zusammenschub parallel
zur Kste und also auch zur Streichrichtung der Kstengebirge. Sie sind
als horizontale Grofalten zu betrachten. Es handelt sich hierbei um
eine Teilerscheinung in dem gewaltigen Zusammenschub, den das ganze
stliche Asien in der Richtung Nordost-Sdwest erfahren hat. Macht man
den Versuch, diese Schlangenlinie der ostasiatischen Festlandskste
zu gltten, so wchst die Entfernung zwischen Hinterindien und der
Beringstrae, die jetzt 9100 km betrgt, auf 11100 km.

[Illustration: Fig. 15.

Schema der Entstehung von Inselgirlanden.

A Querschnitt; B Aufsicht. (Der stark ausgekhlte Teil des Sima ist
durch Strichelung bezeichnet.)]

Bei dieser Vorstellung eines Zusammenschubes in der Streichrichtung
einer bereits vorhandenen Faltung mssen wir etwas verweilen. Durch
Faltung wird die Struktur einer Kontinentalscholle wesentlich
verndert. Namentlich wenn die einzelnen Gebirgsketten gut voneinander
getrennt sind, mu offenbar eine Art Teilbarkeit nach parallelen
vertikalen Ebenen entstehen (vgl. den schematischen Querschnitt A
in Fig. 15). Wie wird sich ein solches Gebilde bei Zusammenschub in
Richtung der Gebirgskmme verhalten? Ein extremes Beispiel haben
wir in einem Spiel Karten. Legen wir es auf den Tisch, so haben wir
horizontale Schichtung, und ein Zusammenschub fhrt zu der gewhnlichen
Gebirgsfaltung, bei der die Falten nur nach oben oder unten ausweichen.
Stellen wir das Spiel aber auf die hohe Kante, so haben wir vertikale
Teilbarkeit; ein Zusammenschub fhrt jetzt zu seitlichem, horizontalem
Ausweichen der Falten. Schon beim Kartenspiel sehen wir, da oft
zufllig einzelne Randglieder sich durch abweichende Krmmung
abzweigen, whrend der Rest geschlossen bleibt. Bei den ostasiatischen
Inselgirlanden wird diese Abzweigung offenbar durch die Westwanderung
der Kontinentalmassen unmittelbar herbeigefhrt. Alle Girlanden,
welche wir auf der Erdkarte sehen, namentlich auch die Girlanden
Mittelamerikas, die Antillen, bleiben nach Osten zurck oder doch --
bei den Aleuten -- nach derjenigen Richtung, welche im Diluvium mit
Rcksicht auf die damalige Pollage Osten war.

Sehr auffllig ist ferner die gleichartige Staffelung der Girlanden.
Die Aleuten bilden eine Kette, welche weiter stlich in Alaska nicht
mehr Randkette ist, sondern aus dem Innern kommt. Sie endigen bei
Kamtschatka, von wo ab nun die bisher innere Kamtschatka-Kette mit
den Kurilen als uerste Kette die Girlande bildet. Diese endigt
wiederum bei Japan, um der bisher inneren Kette Sachalin-Japan den
Platz zu rumen. Auch sdlich von Japan lt sich diese Anordnung
noch weiter verfolgen, bis bei den Sunda-Inseln die Verhltnisse
verworrener werden. Und auch die Antillen zeigen genau dieselbe
Staffelung. Es liegt auf der Hand, da diese Staffelung der Girlanden
eine unmittelbare Folge der Staffelung der einstigen Randgebirge
der Kontinente ist und also auf das frher besprochene allgemeine
Gesetz der Staffelfalten zurckgeht. Die auffllig gleiche Lnge der
Girlanden [Aleuten 2900, Kamtschatka-Kurilen 2600, Sachalin-Japan
3000, Korea-Riu-Kiu 2500, Formosa-Borneo 2500, Neuguinea-Neuseeland
ehemals 2700 km][61] knnte vielleicht auf diese Weise bereits
tektonisch in der Anlage der Randgebirge vorgezeichnet sein; es
knnte aber auch sein, da sie die Grenze darstellt, bis zu welcher
sich eine Druckbertragung beim Zusammenschub des Kontinentalrandes
geltend macht. Denn wenn wir auf unser Beispiel mit dem Kartenspiel
zurckgehen, so ist klar, da die sich abzweigenden Randketten
nicht beliebig lang sein knnen, sondern nur so lang, da eine
Druckbertragung von den beiden Endpunkten her noch mglich ist.

Betrachten wir die Verteilung der Girlanden im Pazifik, so sehen wir
ein grozgiges System. Namentlich wenn wir Neuseeland als einstige
Girlande Australiens auffassen, so ist die ganze Westkste des Pazifik
mit Girlanden bedeckt, whrend die Ostkste frei davon ist. Bei
Nordamerika kann man vielleicht in der Abtrennung von Inseln zwischen
50 und 55 Breite, der Kstenausbauchung bei San Franzisko und der
Abtrennung der kalifornischen Randkette noch unentwickelte Anfnge
zur Girlandenbildung erkennen. Im Sden lt sich mglicherweise die
Westantarktis als Girlande (dann vermutlich Doppelgirlande) ansprechen.
Im ganzen deutet also das Girlandenphnomen auf eine Verschiebung
der westpazifischen Kontinentalmassen, die etwa nach Westnordwest,
also fr die diluviale Pollage etwa nach Westen gerichtet war, die
ferner mit der Lngsachse des Pazifik (Sdamerika-Japan) und mit
der Hauptrichtung der alten pazifischen Inselreihen (Hawaii-Inseln,
Marshall-Inseln, Gesellschafts-Inseln usw.) zusammenfllt. Die
Tiefseerinnen, einschlielich der Tongarinne, sind als Spalten
senkrecht zu dieser Verschiebungsrichtung angeordnet. Es ist wohl
keine Frage, da alle diese Dinge urschlich miteinander verknpft
sind. Stellen wir uns ein kreisrundes Blatt aus Gummi vor, welches
in die Lnge gezogen wird, so haben wir ein hnliches Bild: der eine
Durchmesser wchst, der andere verkleinert sich; durch das Ziehen
des Gummis werden alle Punktgruppen (Inselgruppen) zu Ketten in die
Lnge gezogen, und senkrecht zur Zugrichtung reien Spalten auf. Die
ostasiatischen Inselgirlanden treten hierdurch in enge Beziehung zum
Bau des ganzen pazifischen Ozeans, ebenso wie sie in engster Beziehung
zum Bau von Asien stehen.

Das Zurckbleiben der sich ablsenden Randketten leitet uns hinber
zu einem allgemeineren Gesetz, nach welchem berhaupt alle kleineren
lithosphrischen Bruchstcke, also namentlich Inseln, aber auch
vorspringende Halbinseln, bei der Westwanderung der Kontinente
zurckbleiben; sie bleiben gewissermaen im Sima stecken, whrend die
groen Schollen sich ber dasselbe fort verschieben. Es ist nicht
schwer, einzusehen, da der Grund hierfr in dem Stirnwiderstand der
bewegten Schollen im Sima zu suchen ist, der fr kleine Schollen
relativ viel grer ist als fr groe, weil nmlich die Mchtigkeit
oder Eintauchtiefe der kleineren Schollen nicht entsprechend ihrer
Dimension verkleinert ist[62].

So bleiben nicht nur die Inselgirlanden und die ganz abgetrennten
Inselgruppen im Sima stecken, whrend die Kontinentalscholle sich
weiterschiebt, sondern auch der zerrissene lithosphrische Lappen
Hinterindiens und der Sunda-Inseln bleibt nach Osten zurck, die
Sdspitze Grnlands, Florida, Feuerland und Grahamland. Die
Tiefenkarte der Drakestrae (Fig. 16) mit diesen beiden nach Osten
zurckbleibenden Landspitzen kann geradezu als Illustration fr
diese plastischen Deformationen dienen. Noch im Diluvium hat hier
Landverbindung geherrscht, was nur mglich war, wenn beide Landspitzen
noch in der Gegend des Inselbogens der Sandwichinseln lagen. Seitdem
sind sie von da aus nach Westen weiter gewandert, ihre schmale
Verbindung aber ist im Sima stecken geblieben.

[Illustration: Fig. 16.

Tiefenkarte der Drakestrae, nach /Grolls/ Tiefenkarten der Ozeane.]

Wir knnen aus dieser Abbildung 16 noch eine weitere Erscheinung
ablesen, die eine wichtige Rolle in der Grotektonik zu spielen
scheint, nmlich das Gleiten der Randketten. Diese Erscheinung hat
eine gewisse Verwandtschaft mit den Inselgirlanden, insofern es sich
in beiden Fllen um eine Ablsung von Randketten handelt. In der
Glaziologie besteht eine ganz entsprechende Verwandtschaft zwischen
Spalten und Blaubndern. Beide entstehen als Diskontinuitten
infolge unzureichender Plastizitt und stellen Trennungen dar, die
offenen Spalten unter Zug, die Blaubnder unter Druck, beide unter
Blattverschiebung. Die gleitenden Randketten der Gebirge entsprechen
den Blaubndern, welche dem Seitenrand eines Gletschers folgen. Die
Randkette klebt eben am alten Simaboden der Tiefsee, und es bildet sich
zwischen Randkette und der nchst inneren Kette eine Gleitflche aus,
lngs welcher nun beliebig groe Blattverschiebungen eintreten knnen.

[Illustration: Fig. 17.

Tiefenkarte von Hinterindien.

(Tiefenlinien 200 u. 2000 m; Tiefseerinne punktiert.)]

Noch zwei besondere Flle seien erwhnt, um die plastischen
Deformationen der Kontinentalschollen zu erlutern. In Fig. 17
ist eine Tiefenkarte von Hinterindien dargestellt. Der Knick der
Malakka-Halbinsel entspricht dem Nordabbruch von Sumatra; aber es ist
nicht mglich, die nrdlich dieser Insel erkennbare fensterartige
Entblung der Barysphre dadurch wieder zuzudecken, da wir die
Halbinsel Malakka wieder ausrichten. Das zeigt schon die vor dem
Fenster liegende Inselkette der Andamanen. Wir mssen hier offenbar
annehmen, da der groe Zusammenschub des Himalaja einen Zug auf die
hinterindischen Ketten in ihrer Lngsrichtung ausgebt hat, da unter
diesem Zuge die Sumatrakette am Nordende dieser Insel gerissen ist und
da der nrdliche Teil der Kette (Arakan) wie ein Tauende nach Norden
in den groen Zusammenschub hineingezogen worden ist und noch wird. Zu
beiden Seiten dieser grandiosen Blattverschiebung mssen sich dabei
Gleitflchen ausgebildet haben. Interessanterweise blieb die uerste
Randkette, die Andamanen und Nikobaren, am Sima haften, und es war erst
die zweite Kette, die diese merkwrdige Verschiebung erfuhr.

[Illustration: Fig. 18.

Kalifornien und die Erdbebenverwerfung von San Franzisko.]

Das zweite Beispiel ist Kalifornien. Die kalifornische Halbinsel zeigt
an ihren seitlichen Vorsprngen Schleppungserscheinungen (Fig. 18),
die ein Vorwrtsdrngen der Landmassen nach Sdsdost zu beweisen
scheinen. Die Spitze der Halbinsel ist durch den Stirnwiderstand des
Sima bereits amboartig verdickt, und die Halbinsel erscheint im ganzen
bereits stark verkrzt, wie aus dem Vergleich mit dem Ausschnitt des
kalifornischen Golfs hervorgeht. Da die Spitze frher wirklich in der
vor ihr liegenden Einkerbung der mexikanischen Kste gelegen hat,
besttigt die geologische Karte durch das gleichartige ausgedehnte
Vorkommen von Intrusivgesteinen (postkambrischen) hben und drben.
Man braucht aber wohl nicht anzunehmen, da diese Verkrzung ganz
als Zusammenschub zu deuten ist, es handelt sich offenbar auerdem
auch um ein Gleiten. Wir knnen die ganze Halbinsel und die nrdlich
sich anschlieenden Kstenketten als gleitende Randketten betrachten,
die allerdings im nrdlichen Teil mit der Hauptscholle wieder fest
zusammenhngen, wodurch die groe Ausbauchung der Uferlinie bei San
Franzisko ihre Erklrung als Stauung findet. Diese Auffassung wird in
auffallender Weise besttigt durch die berhmte Erdbebenverwerfung
von San Franzisko vom 18. April 1906, die nach /Rudzki/[63] in unsere
Fig. 18 eingezeichnet ist. Denn der stliche Teil schnellte hierbei
nach Sden, der westliche nach Norden. Wie zu erwarten, zeigten die
Vermessungen, da der Betrag dieser Blattverschiebung mit zunehmender
Entfernung von der Spalte immer geringer wurde und in grerer
Entfernung nicht mehr nachweisbar war. Die groe nordamerikanische
Scholle strebt also, relativ zum Sima, nach Sden, und ihre westlichen
Randketten erfahren so groen seitlichen Widerstand am Boden des
Pazifik, da sie an diesem kleben und infolgedessen an dem Hauptteil
der Scholle entlanggleiten. Grtenteils ist diese Gleitbewegung wohl
ein kontinuierliches Flieen; wchst aber das Spannungsfeld ber die
Grenze der Bruchfestigkeit hinaus, so kommt eben eine pltzliche
Verwerfung den reinen Fliebewegungen zu Hilfe.

Endlich sei noch kurz des bekannten Unterschiedes zwischen
pazifischem und atlantischem Kstentypus gedacht. Die
atlantischen Ksten stellen Brche eines Tafellandes dar, whrend
die pazifischen durch Randketten und vorgelagerte Tiefseerinnen
gekennzeichnet sind. Zu den Ksten mit atlantischem Bau zhlt man
auch diejenigen von Ostafrika mit Madagaskar, Vorderindien, West-
und Sdaustralien, sowie die Ostantarktis, zu den pazifischen auch
die Westkste Hinterindiens und des Sunda-Archipels, die Ostkste
Australiens mit Neuguinea und Neuseeland, und die Westantarktis. Auch
Westindien mit den Antillen hat pazifischen Bau. Den tektonischen
Unterschieden dieser beiden Typen entspricht auch ein verschiedenes
Verhalten der Schwerkraft[64]. Die atlantischen Ksten sind, abgesehen
von der oben beschriebenen Strung des Kontinentalrandes, isostatisch
kompensiert, d. h. die schwimmenden Kontinentalschollen sind hier
im Gleichgewicht. Dagegen herrscht bei den pazifischen Ksten keine
Isostasie. Bekannt ist ferner, da atlantische Ksten relativ frei von
Erdbeben und auch von Vulkanen sind, whrend pazifische an beiden reich
sind. Wo einmal an einer Kste atlantischen Typs ein Vulkan auftritt,
zeigen seine Laven, worauf /Becke/ hingewiesen hat, systematische
mineralogische Unterschiede gegenber den pazifischen Laven, sie sind
nmlich schwerer und eisenreicher, scheinen also aus grerer Tiefe zu
stammen.

Vom Standpunkt der Verschiebungstheorie ergibt sich noch ein
weiterer Unterschied zwischen diesen beiden Kstentypen, welcher
vielleicht geeignet ist, Licht auf den urschlichen Zusammenhang
dieser Erscheinungen zu werfen. Die atlantischen Ksten sind nmlich
stets solche, welche sich erst seit dem Mesozoikum, zum Teil noch
erheblich spter, durch Spaltung der Scholle gebildet haben. Der vor
ihnen liegende Meeresboden stellt also eine relativ frisch entblte
Sima-Oberflche dar und mu daher als relativ flssig betrachtet
werden. Es kann aus diesem Grunde nicht berraschen, da diese Ksten
isostatisch kompensiert sind. Bei Verschiebungen ferner erfahren die
Kontinentalrnder wegen dieser greren Flssigkeit des Simas nur wenig
Widerstand und werden daher weder gefaltet noch gepret, so da weder
Randgebirge noch Vulkane entstehen. Auch Erdbeben sind hier nicht
zu erwarten, da das Sima flssig genug ist, um alle erforderlichen
Bewegungen ohne Diskontinuitt, durch reines Flieen, zu ermglichen.
Die Kontinente verhalten sich hier, bertrieben ausgedrckt, wie starre
Eisschollen in flssigem Wasser.

Ganz anders aber bei den alten, tief ausgekhlten Meeresbden vor den
pazifischen Ksten. Hier ist das Sima fast von gleicher, ja bisweilen
vielleicht grerer Zhigkeit als das Sial des Kontinentalrandes.
Die Kontinente verhalten sich hier nicht mehr wie starre Schollen
auf einer Flssigkeit, sondern wie eine plastische Haut auf einer
sehr zhflssigen Masse, z. B. wie Schlacken auf einer erstarrenden
Schmelze. Bei Verschiebungen erfahren sie starken Stirnwiderstand
(whrend die Reibung an ihrer Unterseite, wo das Sima wieder flssiger
ist, relativ gering ist), so da Randgebirge aufgeworfen werden,
sobald die Bewegung eine Komponente gegen den alten Tiefseeboden hin
besitzt. Ist sie von ihm fortgerichtet, so haftet die Randkette am
Tiefseeboden, und statt da dieser sich zieht, zerreit lieber die
lithosphrische Haut und lt die Randkette als Girlande zurck,
whrend der Zwischenraum mit leichtflssigerem Sima aus der Tiefe
gefllt wird. Die bis in groe Tiefen fortgeschrittene Erstarrung des
alten Meeresbodens befhigt diesen auch, spaltenhnliche Erscheinungen,
die Tiefseerinnen, zu bilden. Bei dem geringen Flssigkeitsgrade des
Simas wird hier hufig die Spannungsgrenze berschritten werden, bei
der ein pltzliches Zerreien der lithosphrischen Haut, also ein
Erdbeben, eintritt. Da auch die vulkanischen Magmen hier eine andere
Zusammensetzung haben, erscheint gleichfalls verstndlich.


Erscheinungen der Tiefseebden.

Man braucht nicht anzunehmen, da mit dem Zutagetreten des hoch
temperierten Simas am Meeresboden irgendwelche katastrophalen
Ereignisse verbunden wren. Der kritische Druck des Wassers betrgt
ja nur 20 Atm. und wird also schon in 200 m Tiefe erreicht. In greren
Tiefen tritt also bei noch so groer Erhitzung keine Dampfbildung mehr
ein, sondern das berkritisch erhitzte Wasser sucht nur vermge seiner
Gewichtsverminderung aufzusteigen, wobei es natrlich bald der Mischung
mit den fast auf den Gefrierpunkt abgekhlten Wassermassen der Tiefsee
anheimfllt. So pflegen ja auch unterseeische Lavaergsse in aller Ruhe
zu erfolgen. Nach /Bergeat/ haben z. B. in den Jahren 1888, 1889 und
1892 in der Nhe von Vulcano solche unterseeischen Ausbrche in 700
bis 1000 m Tiefe stattgefunden und eine Zerreiung des von Lipari nach
Milazzo fhrenden Kabels zur Folge gehabt, wodurch man berhaupt erst
auf sie aufmerksam wurde. Es gilt als eine bekannte Eigentmlichkeit
solcher submarinen Eruptionen, sich fast geruschlos zu vollziehen[65].

Die Tiefen der drei groen Ozeane sind nicht genau dieselben.
/Krmmel/[66] gibt als mittlere Tiefe des Pazifik 4097, des Indik
3929 und des Atlantik nur 3858 m an, und auf Grund der Ausmessung
der /Groll/schen Tiefenkarten fand /Kossinna/[67] noch grere
Unterschiede, nmlich fr den Pazifik 4286 m und den Indik 3977
m. Da dieser Unterschied der Tiefen kein zuflliger ist, sondern
ein systematischer, und da er mit dem zwischen atlantischem und
pazifischem Kstentyp zusammenhngt, zeigt am besten der Indik, dessen
Westhlfte atlantischen, und dessen Osthlfte pazifischen Charakter
trgt. Denn hier ist wiederum die Osthlfte erheblich tiefer als die
Westhlfte. Diese Dinge haben fr die Verschiebungstheorie deshalb ein
besonderes Interesse, weil ein Blick auf die Karte zeigt, da es gerade
die ltesten Tiefseebden sind, welche die grte Tiefe haben, whrend
diejenigen, welche erst vor relativ kurzen Zeiten entblt sind, die
geringste Tiefe zeigen.

[Illustration: Fig. 19.

Karte der Tiefseesedimente, nach /Krmmel/.

1 roter Tiefseeton, 2 Radiolarienschlamm.]

Ein getreues Bild dieser Tiefenverhltnisse und damit auch des Alters
der Tiefseebden gibt auch die Verteilung der Tiefseesedimente (Fig.
19), worauf /Krmmel/ mich seinerzeit persnlich aufmerksam gemacht
hat. In berraschender Weise sieht man hier sozusagen die Spur der
Verschiebungen. Der rote Tiefseeton und der Radiolarienschlamm, die
beiden echt abyssischen (Tiefsee-) Sedimente, sind wesentlich auf den
Pazifik und stlichen Indik beschrnkt, whrend Atlantik und westlicher
Indik von epilophischen Sedimenten bedeckt sind, deren grerer
Kalkgehalt mit der geringeren Meerestiefe urschlich verknpft ist.

Diese Unterschiede der Tiefe der Ozeane knnen natrlich durch
verschiedenes spezifisches Gewicht der darunterliegenden Gesteine
verursacht sein. Der mineralogische Unterschied zwischen pazifischen
und atlantischen Laven legt sogar diese Auffassung sehr nahe. Es knnte
ja sein, da sich die Zusammensetzung der zhen Simaflssigkeit im
Laufe der Erdgeschichte durch Auskristallisieren gewisser Bestandteile
oder andere Ursachen etwas gendert hat, und da die Tiefseebden
deshalb je nach ihrem Alter verschiedene Eigenschaften besitzen.
Allein man sollte dann wohl erwarten, da gerade junge Meeresbden die
grten, nicht die kleinsten Tiefen aufweisen. Wahrscheinlicher drfte
es deshalb sein, da es sich nur um den Einflu der Temperatur handelt,
da also die alten Tiefseebden strker ausgekhlt und deshalb schwerer
sind als junge. Betrgt nmlich das spezifische Gewicht des Sima 2,9,
so wrde es bei Temperaturerhhung um 100 unter Zugrundelegung des
kubischen Ausdehnungskoeffizienten fr Granit 0,0000269 auf 2,892
verndert. Zwei um 100 verschieden temperierte Tiefseebden, die
miteinander im isostatischen Gleichgewicht stehen, mten dann einen
Tiefenunterschied von 300 m aufweisen, um welche der wrmere Boden
hher liegt. Es ist freilich schwer vorstellbar, da z. B. der Boden
des Atlantik seine hhere Tiefentemperatur einen auf Millionen Jahre
zu schtzenden Zeitraum hindurch bewahrt haben sollte, selbst wenn man
den anfnglichen Temperaturunterschied viel hher (etwa 1500) bemessen
darf. Allein wir wissen ja nicht, aus welcher Quelle die Innenwrme
der Erde berhaupt stammt. Wenn sie, wie manche meinen, durch den
Zerfall der radioaktiven Stoffe erzeugt wird, und sogar wenn sie nur
teilweise durch denselben unterhalten wird, drfte der Gedanke, da
frisch entblte Tiefenschichten vermge ihres hheren Gehaltes an
radioaktiven Stoffen selbst geologische Zeitrume hindurch erhhte
Temperatur aufweisen, wohl nicht gnzlich von der Hand zu weisen sein.

Wenn die Verschiebung der Kontinente auf der Flssigkeit des
barysphrischen Sima beruht, so wre es merkwrdig, wenn bei diesen
Prozessen das Sima als gnzlich ruhend zu betrachten wre und seine
Fhigkeit, zu strmen, sich nur darin uerte, da es den triftenden
Kontinentalschollen nach unten ausweicht und hinter ihnen wieder
emporsteigt. Es ist vielmehr wohl anzunehmen, da bisweilen auch
Strmungen selbstndigeren Charakters im Sima auftreten. Die Karte gibt
an einigen Stellen durch die Verzerrung frher anscheinend geradliniger
Inselketten eine unmittelbare Anschauung von solchen mehr lokalen
Strmungen des Simas. In Fig. 20 sind zwei Beispiele dafr gegeben,
nmlich das der Seychellen, die einen von Madagaskar nach Vorderindien
gerichteten, von der Mittellinie nach beiden Seiten schnell
abnehmenden Strom anzuzeigen scheinen, und das der Fidschi-Inseln.
Der erstere Strom pat sehr gut zu unseren Vorstellungen von
dem Zusammenschub der langen lemurischen Halbinsel gegen die
asiatische Scholle, denn er luft in der Spur von Lemurien, also im
frisch entblten Tiefseeboden, whrend die lteren Tiefseebden
nordwestlich und sdstlich davon sich langsamer bewegen. Die Form
der Fidschi-Inseln dagegen, die an einen zweiarmigen Spiralnebel
erinnert, scheint mit der Bewegungsnderung zusammenzuhngen, welche
Australien erfuhr, als es seine letzte Verbindung (ber Tasmanien)
mit Antarktika zerri und unter Zurcklassung der Girlande Neuseeland
seine noch heute erkennbare Bewegung nach Nordwesten begann, die zur
Kollision mit dem hinterindischen Schelfgebiet fhrte. Den schon frher
besprochenen Inselbogen zwischen Feuerland und Grahamland, der auf den
ersten Blick gleichfalls hierher zu gehren scheint, mchte ich jedoch
nicht als Ausdruck einer lokalen Strmung auffassen, sondern auf die
allgemeine Verschiebung der Kontinente nach Westen zurckfhren. Denn
ein hnliches Zurckbleiben der kleineren Brocken nach Osten sehen
wir in allen Breiten: Bei Mittelamerika die Antillen, in Ostasien
die Inselgirlanden; ein hnlicher Inselbogen (Prinz-Edwards-Inseln,
Crozet-Inseln, Kerguelen, Heard-Insel) verbindet auch Sdafrika mit
Antarktika, und auch zwischen Australien und Antarktika entspricht
die stlichere Lage Neuseelands einem solchen Bogen ber die
Macquarie-Inseln nach Wilkes- oder Viktoria-Land.

[Illustration: Fig. 20.

Oben: Madagaskar und Seychellen-Bank.

Unten: Die Fidschi-Inseln.

(Tiefenlinien 200 und 2000 m; Tiefseerinnen punktiert.)]

Es sei in diesem Zusammenhange auch ganz kurz der mittelatlantischen
Bodenschwelle gedacht. Die Auffassung von /Haug/, welcher den ganzen
Atlantik als eine riesige Geosynklinale und die mittelatlantische
Schwelle als den Beginn der Faltung dieser Geosynklinale betrachten
will, ist heute wohl ganz allgemein als unzureichend erkannt. Wir
verweisen hier nur auf /Andres/ Kritik[68]. Auch fr diese merkwrdige
Erscheinung gibt die Verschiebungstheorie eine einfache Erklrung in
die Hand: Es handelt sich hier wohl um die ehemalige Grabensohle aus
der Zeit, als der Atlantik erst einen relativ schmalen Grabenbruch
darstellte, der mit abgesunkenen Randpartien, Kstensedimenten und
wohl teilweise auch geschmolzenen lithosphrischen Massen angefllt
war. Die Inseln, welche heute die lange Bodenschwelle krnen, sind
wohl alle bereits zu dieser Zeit als Bruchstcke der Spaltenrnder
entstanden, was natrlich nicht hindert, da ihr sichtbarer Aufbau
ganz vulkanisch sein kann. Als sich dann im weiteren Verlauf der
Verschiebung die atlantische Simaoberflche wie Gummi auseinanderzog,
nahm dieses sprdere Material an der Ausdehnung nicht teil, sondern
blieb gesammelt, stets die Mitte zwischen beiden Kontinenten haltend.
Die sogenannten Tiefseesande mit Mineralkomponenten bis zu 0,2 mm
Durchmesser, die offenbar in Kstennhe abgelagert sind, aber von der
Valdivia-Expedition und von der deutschen Sdpolar-Expedition unter /v.
Drygalski/ mitten im Ozean entdeckt wurden, scheinen besonders auf ein
solches Ziehen des Meeresbodens hinzudeuten, da nur auf diese Weise
alle Teile desselben frher kstennah gewesen sein knnen.

ber die Natur der Tiefseerinnen[69] lt sich wohl auf Grund der
bisherigen, sehr drftigen Beobachtungen noch kein abschlieendes
Bild gewinnen. Sie sind, wie schon oben erwhnt wurde, so hufig der
konvexen Seite von Girlanden vorgelagert, da sich ein urschlicher
Zusammenhang beider Erscheinungen wohl nicht von der Hand weisen lt.
Sie liegen hier offenbar an der Grenze zwischen dem lithosphrischen
Material und dem barysphrischen und scheinen jedenfalls relativ
schnellen Prozessen zu entspringen, weil das Sima offenbar noch keine
Zeit gefunden hat, die Vertiefung auszufllen. Sie befinden sich
immer am Rande des alten Tiefseebodens, z. B. stlich von Japan die
Tuscarora-Rinne, whrend am entsprechenden Rande der Hauptscholle
(Korea), wo die Simaflche erst frisch entblt ist, keine Rinne
vorhanden ist. Es scheint also, als sei der alte Tiefseeboden infolge
seiner tiefergehenden Abkhlung und Erhrtung allein dazu befhigt,
solche groen Spalten zu bilden. Die Zugkrfte, welche sie aufrissen,
waren jedenfalls wohl dieselben, welche auch die Abtrennung der
Girlande von der Hauptscholle verursachten. In Fig. 21 ist als
Beispiel der Querschnitt der Yap-Rinne nach /G. Schott/ und /P.
Perlewitz/ wiedergegeben, welche auch die typische Horst-Erhebung auf
der der Inselreihe gegenberliegenden Seite der Rinne zeigt. Die Tiefen
darin sind fnffach bertieft; die gestrichelte Linie entspricht den
natrlichen Verhltnissen.

Bei der tiefen, rechtwinklig gebogenen Rinne sdlich und sdstlich
der Insel Neu-Pommern beruht die Entstehung offensichtlich auf dem
gewaltsamen Fortzerren der Insel nach Nordwesten infolge Kollision mit
Neuguinea; die 100 km tief sich hinabsenkende Inselscholle pflgt das
Sima, welches nachstrmend das Loch noch nicht ganz gefllt hat. Den
Zusammenhang dieses ganzen einzigartigen Vorganges mit der Bewegung
Australiens und Neuguineas werden wir spter zu besprechen haben. Es
ist dies wohl derjenige Fall, wo wir uns am genauesten Rechenschaft
ber die Entstehung einer Tiefseerinne ablegen knnen.

[Illustration: Fig. 21.

bertiefter Querschnitt durch die Yap-Rinne.

(Oben gestrichelt die natrlichen Maverhltnisse.)]

Fr die den sdamerikanischen Anden westlich von Chile vorgelagerte
Atakama-Rinne scheint sich die Mglichkeit einer noch anderen Erklrung
zu bieten. Bercksichtigen wir nmlich, da sich bei der Aufstauung
dieses Gebirges alle Schichten unterhalb des Tiefseeniveaus nach
unten stauchen, so mu hierdurch auch der benachbarte Tiefseeboden
mit hinabgezogen werden. Dazu kommt noch ein weiterer Grund fr das
Sinken des Kontinentalrandes, nmlich die Abschmelzung der nach unten
gerichteten Gebirgsfaltung und die durch die Westwanderung der Scholle
bewirkte Entfhrung der geschmolzenen Massen nach Osten. Auch hierdurch
mu der Kontinentalrand sinken und wird das benachbarte Sima mit
hinabschleppen.

Indessen bedrfen alle diese Vorstellungen ber die Natur der
Tiefseerinnen noch durchaus der Besttigung durch weitere genauere
Erforschung, namentlich auch durch Schweremessungen. Bisher liegen
hierber meines Wissens nur /Heckers/ Beobachtungen ber der Tongarinne
vor, welche eine Schwerestrung ergaben, was mit unserer Vorstellung,
da hier der isostatische Ausgleich durch Nachstrmen des Sima noch
nicht erfolgt sei, zu harmonieren scheint. Es wre aber von groer
Wichtigkeit, die Natur dieser interessanten Schwerestrung durch
weitere Beobachtungen auch an anderen Rinnen genauer kennen zu lernen.




Viertes Kapitel.

Die Verschiebungen der Kontinentalschollen.


Zu irgend einer Zeit hat die lithosphrische Haut den ganzen Erdball
bedeckt. Sie kann damals nicht 100, sondern nur etwa 30 km dick gewesen
sein, und war mit einer Panthalassa bedeckt, deren durchschnittliche
Tiefe /Penck/ zu 2,64 km berechnet, und die wohl nur wenige oder
gar keine Teile der Erdoberflche frei lie. Diese Vorstellung pat
durchaus zu dem, was wir ber die lteste Entwickelung des Lebens auf
der Erde wissen. Es zweifelt wohl kaum jemand ernstlich daran, da das
Leben des Swassers, sowie des festen Landes und der Luft aus dem des
Meeres hervorgegangen ist[70]. Vor dem Karbon kennen wir noch keine
Vierfler und Insekten, vor dem Devon keine Landpflanzen und vor dem
Silur berhaupt keine luftatmenden Tiere.

Durch irgendwelche Krfte wurde nun diese verschiebbare und selber
plastische Erdhaut aufgerissen, und diesem Aufreien auf der einen
Seite entsprach auf der anderen Seite ein Zusammenschub. So bildeten
sich die ersten Faltengebirge, und gleichzeitig begann das Meer, sich
in Tiefsee und Flachsee zu gliedern, die auch damals schon durch
einen Steilabfall geschieden waren. /Walther/ schreibt: Allgemeine
biologische Grnde, die stratigraphische Stellung der heutigen
Tiefseefauna, ebenso wie tektonische Untersuchungen drngen uns die
berzeugung auf, da die Tiefsee als Lebensbezirk keine primitive
Eigenschaft der Erde aus den ltesten Perioden ist, und da ihre
erste Anlage in dieselbe Zeit fllt, wo in allen Teilen der jetzigen
Kontinente tektonische Faltungsbewegungen einsetzen und das Relief
der Erdoberflche so wesentlich umgestalten[71]. Diese ersten Risse
der Lithosphre, in denen die barysphrische Oberflche zum ersten
Male zutage trat, mgen denjenigen hnlich gewesen sein, welche heute
die meisten der ostasiatischen Inselgirlanden von der Hauptscholle
trennen. Sie ffneten sich um so weiter, je grere Fortschritte die
Faltung der lithosphrischen Haut machte. Es war ein Vorgang, den wir
etwa mit dem Zusammenfalten eines runden Papierlampions vergleichen
knnen. Auf der einen Seite ffnung, auf der anderen Zusammenschub.
Hchstwahrscheinlich ist es die Flche des allgemein fr sehr alt
gehaltenen Pazifischen Ozeans, welche auf diese Weise zuerst ihres
lithosphrischen Mantels beraubt wurde. Schon beim Aufreien und
auch noch bei der weiteren ffnung des Risses brckelten vom Rande
dieses Mantels kleinere Stcke ab, welche im Sima stecken bleibend
als Inseln oder submarine Erhebungen den Tiefseeboden bedeckten.
Die Inselreihen des Pazifik zeigen eine merkwrdige Parallelitt;
/Arldt/ hat 19 Reihen ausgemessen, welche alle sehr nahe N 62,5
West streichen[72]. Es liegt nahe, anzunehmen, da dieser Strich des
Pazifik jene alte Verschiebungsrichtung andeutet, durch welche sich
dieses Tiefseebecken ffnete[73]. Vermutlich sehen wir das quivalent
dieses Aufreiens des Pazifik in den alten Faltungen, welche die
Gneismassive Brasiliens, Afrikas, Vorderindiens und Australiens
durchziehen[74]. Diese Zusammenschbe hatten eine erhebliche Verdickung
des Lithosphrenmantels zur notwendigen Folge, und die berflutung
desselben mu also im Laufe der Erdgeschichte -- ganz abgesehen vom
Wechsel ihres Ortes -- im ganzen immer mehr abgenommen haben, ein
Ergebnis, das mit der herrschenden Meinung bereinstimmt.

[Illustration: Fig. 22.

Ehemalige und knftige hypsometrische Kurve der Erdoberflche.

.... fr die Zukunft, ---- fr die Gegenwart, --. -- fr die Vorzeit,
-- -- im Urzustand (zugleich mittleres Krustenniveau).]

Ein wechselndes Spiel von Zug- und Druckkrften in der schwimmenden und
plastischen Erdrinde war also nicht imstande, seine Wirkungen selbst
wieder aufzuheben; denn die Zugkrfte konnten nicht die Falten wieder
gltten, welche die Druckkrfte aufgeworfen hatten, sondern fhrten nur
zu Zerreiungen. Es war und ist also ein einseitig fortschreitender
Proze, bei dem der Lithosphrenmantel fortgesetzt an Oberflche und
Zusammenhang verliert, whrend er gleichzeitig an Dicke wchst. In Fig.
22 sind die hypsometrischen Kurven dargestellt, welche hiernach fr die
Vorzeit, Gegenwart und Zukunft anzunehmen sind. Das heutige mittlere
Krustenniveau stellt zugleich die ursprngliche Oberflche der noch
ungespaltenen Lithosphre dar.

Es ist einleuchtend, da dieser Proze der Verkleinerung der
Lithosphre nicht in der ganzen Erdgeschichte dasselbe Tempo behalten
konnte. Je kleiner die Kontinente werden und je mchtiger ihre Schollen
sind, um so geringer wird das Ausma neuer Faltungen sein. Mit anderen
Worten: Hat sich die Gre der Lithosphre verringert, so mu die
Gebirgsbildung in der Erdgeschichte schwcher geworden sein. Und dies
ist in der Tat der Fall.

/E. Kayser/[75] schreibt: Es ist von groer Bedeutung, da die
ltesten archischen Gesteine berall auf der Erde stark gestrt und
gefaltet sind. Erst vom Algonkium an finden sich neben gefalteten
hier und da ungefaltete oder nur schwach gefaltete Ablagerungen.
Gehen wir zur nachalgonkischen Zeit ber, so sehen wir, wie die
Ausdehnung und Zahl der starren unnachgiebigen Massen hier immer
grer, und dementsprechend der Umfang der faltbaren Krustenteile immer
beschrnkter wird. Dies gilt bereits fr die carbonisch-permischen
Stauungen. In nachpalozoischer Zeit schwchten sich die faltenden
Krfte allmhlich mehr und mehr ab, um indes in der jngeren Jura- und
der Kreidezeit wieder zu erwachen und in der jngeren Tertirzeit einen
neuen Hhepunkt zu erreichen. Es ist aber sehr bezeichnend, da das
Verbreitungsgebiet dieser jngsten groen Gebirgsstauung selbst hinter
der carbonischen Faltung ganz betrchtlich zurckblieb. Diese Tatsache
der allmhlichen Abnahme der Faltungsvorgnge in der Erdgeschichte
scheint unsere Vorstellungen von der Entwickelung der Erdrinde ganz
besonders zu sttzen. Denn die Faltungen mssen naturgem um so mehr
abnehmen, je mehr sich die Lithosphre in Stcke zerteilt und je mehr
die Oberflche dieser Stcke zusammenschrumpft. Kleine Schollen, wie
z. B. Madagaskar, drften in Zukunft berhaupt keiner Faltung mehr
unterworfen sein. Auch im Tertir ist die bedeutendste Faltung, nmlich
die des Himalaja, gerade auf der grten Scholle erfolgt.

Hiernach hat die Annahme nichts Unwahrscheinliches, da im Mesozoikum
die Lithosphre nur noch etwa die Hlfte der Erdoberflche bedeckte.

In Fig. 23 ist der Versuch gemacht, die Erdkarte fr die Karbonzeit
zu rekonstruieren. Freilich nicht in dem blichen Sinne einer
Unterscheidung zwischen Land und Wasser, sondern nur zwischen
lithosphrischer und barysphrischer Oberflche, oder zwischen
Kontinentalschollen und Tiefseebden. Die Hinzufgung der
Epikontinentalmeere zu den Meeresrumen wird keine Schwierigkeiten
machen, sobald diese Grundlage gegeben ist, und ist fr die
Verschiebungstheorie nicht von unmittelbarem Interesse.

[Illustration: Fig. 23.

Lage der Kontinentalschollen fr die Karbonzeit (ohne Rcksicht auf
Wasserbedeckung).]

Die Karte bietet naturgem ein fremdartiges Aussehen und wird die
Vermutung nahelegen, da bei ihrer Zeichnung ziemlich willkrlich
verfahren wurde. Das ist indessen nicht der Fall. Es handelt sich um
eine -- innerhalb der gegebenen Grenzen -- exakte Rekonstruktion,
und es sei erwhnt, da mehrfache unabhngige Wiederholungen keine
merklichen Abweichungen von der mitgeteilten Karte ergaben. Fr die
Rekonstruktion wurde ein Globus von 0,5 m Durchmesser benutzt. Auf ihm
wurde die Form der Kontinente einschlielich der Schelfe auf Pauspapier
durchgepaust, wobei die greren, um der Kugelform zu gengen, mehrmals
durchgeschnitten wurden. Sodann muten die /nach/ dem Kartentermin
gefalteten Gebirge, also namentlich die tertiren, geglttet werden.
Fr den alpinen Faltengrtel wurde dabei ein Zusammenschub von 10 bis
15 angenommen. Die groen herzynischen Faltungen des Oberkarbons
sind nicht mehr dabei bercksichtigt, so da hiernach der Zeitpunkt
der Karte das Ende des Karbons oder Anfang des Perms wre. Die so
ausgeschnittenen und vergrerten Kontinente wurden nun gleich in
der richtigen Lage zum quator auf dem Globus aufgeklebt, d. h.
in diesem Falle so, da Sdafrika dicht beim Sdpol lag und der
quator durch Deutschland ging. Da das Gradnetz des Globus durch das
Pauspapier hindurch zu sehen war, machte dann die bertragung auf
eine vorbereitete Gradnetzprojektion keine Schwierigkeiten mehr. Die
Zusammenfgung der Kontinente geschah in erster Linie nach parallelen
Konturen; oft gab die Tiefenkarte noch in anderer Weise Auskunft ber
die Triftbahnen der Kontinentalteile, nmlich durch zurckbleibende
Inseln oder unterseeische Bodenerhhungen. Am sichersten ist die
Zusammenfgung da, wo neben der Parallelitt der Konturen auch noch von
hben nach drben hinbersetzende tektonische Brcken verwertet werden
konnten (atlantische Spalte); unsicher da, wo nur die biologischen
Beziehungen verwertbar sind, wie rings um Antarktika. Hier strt unsere
Unkenntnis der Konturen und der Landausdehnung sehr. Unter der mir
bis jetzt durchaus wahrscheinlichen Annahme, da Dekan unmittelbar
mit der madagassischen Ostkste einerseits und der australischen
Westkste andererseits zusammengehangen hat, bleibt nicht genug Platz
fr eine zusammenhngende antarktische Landmasse von der Gre, wie sie
unsere heutigen Karten unter hypothetischer Verbindung der bekannten
Kstenstrecken darstellen. Ich habe deshalb hier die Hypothese gemacht,
da die Westantarktis und Knig-Eduard-Land, welche zusammen gerade
eine Lnge gleich zwei ostasiatischen Inselgirlanden haben (z. B. von
Jesso bis Formosa), tatschlich eine solche Doppelgirlande darstellen,
welche schon erheblich nach der Seite Sdamerikas zurckgeblieben
ist. Der etwas zu kleine Raum, der zwischen Australien, Afrika und
Sdamerika fr die Ostantarktis bleibt, legt hier die in der Karte
angedeutete Annahme nahe, da Coatsland nicht mit Viktoria-Land und
Wilkesland zusammenhngt, sondern gleichfalls ein zurckgebliebenes
Kontinentalstck darstellt, bei dessen Heranschiebung das Gesamtareal
der Ostantarktis erheblich kleiner wird. Bei der in der Figur
gezeichneten Lage der Westantarktis wird erreicht, da dieselbe auch
gleich noch einen Teil der jetzigen australischen Ostkste abdeckt.
Dies ist nicht unerwnscht, denn das Fehlen tertirer Marinschichten
an dieser Westkste im Gegensatz zur Sdkste deutet an, da das
heutige Ufer noch im Tertir vom Meere durch eine Gebirgskette, die
sptere Girlande, getrennt war. Und die Girlande Neuseeland, welche,
wie zwei lange Rcken am Meeresboden zeigen, in der Korallensee
zwischen Neuseeland und Australien anzusetzen ist, ist wohl nicht lang
genug, um die ganze australische Ostkste zu decken. Der stliche
Auslufer Neuguineas erscheint in der Rekonstruktion gleichfalls
als Girlandenteil, etwa hnlich wie das heutige Kamtschatka. Der
groe Kontinentallappen Hinterindien, der heute bei der allgemeinen
Westwanderung der Kontinente stark stlich zurckbleibt, wurde in der
Rekonstruktion nach Westen gedrckt, wodurch einerseits erreicht wird,
da sich die Schollen hier zum Zusammenschlu nhern, und andererseits,
da ein einheitlicher Zug von Girlanden entsteht, der von der
Westantarktis ber Neuseeland, Neuguinea, die Sunda-Inseln, Japan usw.
bis zu den Aleuten hinauf geht. Erteilt man in unserer Karte der ganzen
Kontinentalmasse eine Rotation nach Westen um die Erdachse, wie es der
Westwanderung der Kontinente entspricht, so sieht man ohne weiteres,
da diejenige Hlfte des Kontinentalrandes, welche Girlanden trgt
(von Kap Horn ber Japan zur Beringstrae), die Rckseite der Scholle
darstellt, whrend die Seite ohne Girlanden (von Kap Horn ber San
Franzisko zur Beringstrae) die Vorderseite wird. Die bereinstimmende,
heute von OSO nach WNW weisende Richtung der pazifischen Inselreihen
wird parallel zum karbonischen quator und stimmt mit der Richtung der
Westwanderung der Kontinente berein. Im brigen enthlt unser Krtchen
noch allerlei bewute Ungenauigkeiten zum Zwecke besserer Orientierung,
wie z. B. die Entblungen der Barysphre zwischen den Girlanden und
der Hauptscholle, die natrlich im Karbon noch nicht bestanden haben,
u. a.

Der Besprechung der einzelnen, in dieser Rekonstruktion angenommenen
Kontinentalverbindungen sei die folgende Tabelle vorausgeschickt,
welche nach /Arldt/ angibt, wie viele von 20 Spezialforschern fr die
verschiedenen geologischen Zeiten die im Kopf angegebenen Landbrcken
annehmen oder leugnen[76]. Unter der lemurischen Brcke ist eine
Landverbindung zwischen Madagaskar und Vorderindien, unter der
gondwanischen in etwas ungewhnlicher Weise eine solche lediglich
zwischen Afrika plus Madagaskar und Australien verstanden. Die
sdgeorgische ist der Landweg zwischen Sdamerika und Westantarktis,
die Macquarie-Brcke derjenige zwischen Australien und Ostantarktis.
Die indoaustralische Brcke verbindet Hinterindien, z. T. auch
Vorderindien mit Australien, die amerikanische Nord- und Sdamerika;
die sdpazifische Brcke ist als Kontinent im sdlichen Pazifik
gedacht, welcher hier (und nicht ber die Antarktis) Australien mit
Sdamerika verbinden soll. Die nordpazifische Brcke geht ber den
Schelf der Beringstrae. Es ist natrlich eine miliche Sache, die
Stellungnahme zur Frage der Existenz einer Landbrcke sozusagen
von einer Abstimmung abhngig zu machen. Allein bei dem ungeheuren
Tatsachenmaterial palontologischer und biologischer Art, welches
hierfr in Betracht zu ziehen ist, und dem Umstand, da der einzelne
Forscher fast immer ein bestimmtes Spezialgebiet vorzugsweise
bercksichtigt, bleibt kaum ein anderer Weg[77].

    Annahme (+) oder Ablehnung (-) von Landbrcken durch 20 Spezialforscher,
   nach /Arldt/.
                                                            Eurasische Brcke
                                                       ------------------+
                                                       Eurafrische Brcke|
                                                     ----------------+   |
                                                     Arabische Brcke|   |
                                            ---------------------+   |   |
                                            Nordpazifische Brcke|   |   |
                                         --------------------+   |   |   |
                                         Sdpazifische Brcke|   |   |   |
                                     --------------------+   |   |   |   |
                                     Amerikanische Brcke|   |   |   |   |
                             ------------------------+   |   |   |   |   |
                             Indo-australische Brcke|   |   |   |   |   |
                             --------------------+   |   |   |   |   |   |
                                 Macquarie-Brcke|   |   |   |   |   |   |
                         --------------------+   |   |   |   |   |   |   |
                         Sdgeorgische Brcke|   |   |   |   |   |   |   |
                      -------------------+   |   |   |   |   |   |   |   |
                      Gondwanische Brcke|   |   |   |   |   |   |   |   |
                    -----------------+   |   |   |   |   |   |   |   |   |
                    Lemurische Brcke|   |   |   |   |   |   |   |   |   |
            ---------------------+   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |
            Sdatlantische Brcke|   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |
       ----------------------+   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |
       Nordatlantische Brcke|   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |
  -----------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---
                         |+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -|+ -
  Unter- }              {|  5|2 1|  2|  2|  2|  2|1 2|  5|  3|  5|1 2|  3|2
  Ober-  } Kambrium     {|  6|3 1|3  |  1|  3|  3|2 3|  6|  4|  6|2 3|  4|3
  Unter- }              {|6 1|4 1|5  |5  |  4|  4|  5|4 3|  5|1 6|  5|  5|  5
  Ober-  } Silur        {|6 1|4 1|5  |5  |  4|  4|  5|1 7|  5|1 6|  5|  5|  5
  Unter- }              {|6  |4 1|5  |5  |  4|  4|  5|3 3|1 5|2 4|  5|  5|  6
  Mittel-} Devon        {|7 1|5 1|5 1|5 1|1 4|1 4|  6|4 4|2 5|1 7|  6|  6|  6
  Ober-  }              {|3  |2  |2  |2  |  1|  1|  2|1 2|1 1|  3|  2|  2|  3
  Unter- }              {|6  |5  |4  |5  |1 3|  4|  5|1 7|1 5|  7|  5|  5|2 4
  Mittel-} Karbon       {|7  |5  |5  |5  |1 3|  4|  5|  7|1 5|2 5|  5|  5|  6
  Ober-  }              {|8  |6  |6  |6  |  5|  5|  6|  8|1 6|2 6|  6|  6|  7
  Unter- }              {|3 1|3  |3  |3  |1 2|1 2|  3|1 2|1 3|2 1|  3|3 1|  5
  Mittel-} Perm         {|1 2|2  |2  |1 1|  2|  2|  2|1 2|1 2|2 1|  2|1 1|  3
  Ober-  }              {|1 2|3  |3  |2 1|  3|  3|  3|2 1|1 3|  3|1 2|2 1|2 2
  Unter- }              {|4 1|4 1|5  |4 1|1 3|  4|  5|3 3|1 5|  5|1 4|2 3|2 3
  Mittel-} Trias        {|5  |4  |4  |4  |  3|  3|  4|2 3|1 4|  4|2 2|2 3|5
  Ober-  }              {|4 3|5 1|6  |5 2|1 4|  5|  6|  8|1 6|  8|  6|  6|6
  Rhaet                  |3  |2  |2  |2  |  1|  1|  2|  2|1 2|  2|  2|  3|3
  Lias                   |  4|5  |5  |2 3|  4|  4|  3|  6|1 5|4 2|2 2|  5|5
  Unter- }              {|2 1|4  |4  |1 3|  3|  2|  2|  4|1 5|3 1|2 1|  4|4
  Ober-  }Dogger        {|  2|3  |3  |  3|  2|1 2|  3|  3|1 3|1 2|  2|  3|  4
  Malm                   |  6|5  |5  |  5|  4|1 3|  3|  7|1 5|  6|  5|  5|  5
  ltere }Unter- }      {|5 3|4 2|6  |  6|1 4|2 3|1 5|  8|1 6|  7|  6|  6|  7
  Jngere}       }Kreide{|  1|  1|1  |  1|  1|  1|  1|1 1|1 1|2  |  1|  1|1
          Mittel-}      {|1 5|1 4|6  |  5|1 4|1 4|  6|3 4|2 5|2 5|  6|  6|3 3
          Ober-  }      {|7 1|2 5|8  |  7|1 6|1 6|  8|4 6|2 7|4 6|  8|  8|8 1
  Unteres}              {|5 2|3 3|1 5|  6|6  |3 3|1 6|2 5|1 5|7 1|1 5|  6|3 5
  Oberes }Eozn         {|6 2|1 5|1 5|  6|2 4|1 5|  6|  8|  5|7 1|  6|  6|  6
  Oligozn               |4 2|  4|2 2|  4|1 4|  4|  4|  6|  4|7  |  4|  4|  5
  Miozn                 |4 4|  6|1 4|  6|1 6|  6|  6|2 6|  6|7 1|3 4|  7|6 1
  Pliozn                |2 2|  3|  3|  3|1 3|  3|  3|4  |  3|3 1|3  |1 2|3
  Quartr                |1 3|  3|  3|  3|  3|  3|  3|4  |  3|3  |3  |1 2|4

Die Tabelle enthlt nicht nur Landbrcken ber heutige Tiefseeflchen,
sondern auch solche ber heutige Schelfgebiete, wie die Beringstrae
(nordpazifische Brcke), oder sogar solche ber heutige Landgebiete,
die aber frher zeitweise Schelfverbindungen waren, wie die zwischen
Nord- und Sdamerika, die arabische und die eurasische Brcke. In
letzterem Falle kann man wohl berhaupt kaum von einer Brcke reden.
Wir werden auf diese lehrreiche Tabelle im folgenden wiederholt
zurckgreifen.


Die atlantische Spalte.

Fr die am besten bekannten Rnder des Atlantik habe ich in Fig. 24
eine etwas ausfhrlichere Rekonstruktion zu geben versucht, fr deren
Erluterung ich den Leser bitte, einen guten Atlas zur Hand zu nehmen.
Sie gilt etwa fr das Eozn, d. i. fr den Beginn des Aufreiens der
groen, nahezu meridionalen Spalte.

Der Schelfrand zwischen Spitzbergen und Hammerfest ist auf /Grolls/
Tiefenkarte durch seinen Steilabfall so gut erkennbar, da ein Zweifel
ber die Schelfnatur der stlich davon liegenden Meeresteile nicht
herrschen kann und somit auch die Angliederung Grnlands so geschehen
mu, wie es unsere Karte zeigt. Bei Grnland bleibt die Sdspitze
etwas nach Osten zurck und mu also zur Rekonstruktion wieder nach
Westen gedrckt werden. Fr Island wurde angenommen, da es zwischen
einer Doppelspalte lag, worauf die Form der Tiefenlinien in seiner
heutigen Umgebung hinzudeuten scheint. Es ist, wie frher erwhnt,
nicht unwahrscheinlich, da seine Entstehung hier auf besondere
Weise zu denken ist. Vielleicht entstand hier zuerst eine einfache
Spalte, die sich mit Sima anfllte und in die dann geschmolzene
Sialmassen von den Unterseiten der Schollen nachdrangen, die erhrtete
Basaltdecke mit emportragend. Bei der endgltigen Trennung wre
dann dieser Spaltenboden im Norden an der grnlndischen, im Sden
an der europischen Scholle haften geblieben, whrend Island das
Verbindungsstck darstellt. Jedenfalls zeigt die rein vulkanische
Natur Islands, da hier eine besondere Erscheinung irgendwelcher Art
vorliegt, so da wir nicht erwarten knnen, seine Konturen bei den
Nachbarschollen wiederzufinden.

In Nordamerika zeigt unsere Rekonstruktion eine Abweichung von der
heutigen Karte, indem Labrador stark nach Nordwesten gedrckt
erscheint. Es wurde angenommen, da der starke Zug, der schlielich
zum Abreien Neufundlands von Irland fhrte, unmittelbar vor dem
Abri eine Dehnung und oberflchliche Zerreiung der beiderseitigen
Schollenteile bewirkte. Auf der amerikanischen Seite wurde nicht nur
die neufundlndische Scholle (einschlielich der Neufundlandbank)
herausgebrochen und um etwa 30 gedreht, sondern ganz Labrador sackte
bei dieser Gelegenheit nach Sdosten, so da der vorher geradlinige
Grabenbruch St. Lorenzstrom-Belle-Islestrae seine jetzige S-frmige
Biegung erhielt. Wahrscheinlich entstand gleichzeitig auch der Graben
der Hudsonstrae, die also bei der Rekonstruktion wieder zu schlieen
ist. Auch die Hudsonbai mag teilweise auf eine mit diesen Vorgngen
zusammenhngende horizontale Dehnung der Scholle zurckzufhren sein.
Die Lage des Neufundlandschelfs erfhrt also eine zweifache Korrektion,
nmlich eine Drehung und eine Verschiebung nach Nordwest, und pat
sich dadurch der Schelflinie bei Neu-Schottland wieder an, ber die er
gegenwrtig weit hinausragt.

[Illustration: Fig. 24.

Lage der atlantischen Kontinentalschollen im Eozn (ohne Rcksicht auf
die Wasserverteilung).

Die Signaturen beiderseits der atlantischen Spalte bedeuten: in
Grnland-Grinnelland die Grenze zwischen triadischen und devonischen
Ablagerungen; desgl. -Spitzbergen karbonische Ablagerungen;
desgl. -Labrador prkambrische Intrusivgesteine. Von da der Reihe
nach sdwrts: algonkische (punktiert), kaledonische (gezahnt),
armorikanische Faltung (doppelt, gefeldert), Streichrichtungen in
Afrika und Brasilien (Grenze punktiert), karbonische Faltung im Kapland
und bei Buenos Aires.]

Den keilfrmigen, 5000 m tiefen Teil des Golfes von Biskaya habe
ich als eine buchfrmig sich ffnende Spalte betrachtet, bei deren
ffnung sich Spanien um das Westende der Pyrenen drehte. Die
Pyrenenfaltung, namentlich ihr Ostende, wo sie breiter ist und die
Kstenlinie die groe Ausbauchung zeigt, entspricht dem Buchrcken,
der den entsprechenden Zusammenschub zu tragen hat. Die Nordkste
Spaniens ist heute allerdings krzer als der gegenberliegende Rand
der Biskayaspalte. Es ist mglich, da sie sich durch Zusammenschbe
inzwischen etwas verkleinert hat; aber namentlich mchte ich annehmen,
da sich das nrdliche Schelfgebiet vor dem Abreien von Amerika um
fast den ganzen Betrag der Differenz gezogen hat, wobei dann auch
groe, bisher landfeste Teile, wie der Kanal, die Nordsee usw., unter
den Meeresspiegel versanken.

Die Azoren drften Brocken vom Westrande der iberischen Halbinsel sein.
An der afrikanischen Kste folgt nun eine Reihe von Erscheinungen,
welche von der Kste nach Westen oder Sdwesten in den Ozean
hineinweisen und ein langsames Einstrmen des Sima in die atlantische
Spalte anzudeuten scheinen, nmlich die Kanaren, Kapverden, die
Vulkanreihe von Fernando Po, der Walfischrcken und ein entsprechender
vom Kap der guten Hoffnung nach Sdwesten streichender unterseeischer
Rcken. Die Vulkaninseln Fernando Po, Principe, St. Thom und Annobom
bilden die Fortsetzung der durch Kamerun in nordstlicher Richtung
hindurchziehenden Bruchlinie, welche auch den vulkanischen Kamerunberg
trgt. Vom Standpunkte der Verschiebungstheorie ist diese Stelle
ganz besonders prdestiniert fr vulkanische Erscheinungen, da die
beiden groen Lappen von Nordwest- und Sdafrika nur unbedeutende
Verschiebungen gegeneinander zu erfahren brauchen, um gerade hier
am Winkel zwischen ihnen bedeutende horizontale Druckkrfte zu
erzeugen, welche die flssigen Simaeinschlsse herauspressen. Ob
diese Kamerunlinie auch mit dem noch zu besprechenden Wechsel der
Streichrichtung der alten Gneisfaltungen etwas zu tun hat, der, wie wir
sehen werden, in dieses Gebiet fllt, sei dahingestellt.

Entgegen meiner frheren Darstellung habe ich diesmal vorgezogen,
die atlantische Spalte zwischen Nordamerika und Afrika nicht ganz zu
schlieen. Da sie frher auch hier irgend einmal ganz geschlossen
gewesen ist, halte ich zwar fr sehr wahrscheinlich. Aber es ist doch
mglich, da dieser Teil der Spalte sich schon viel frher geffnet
hat. Die Gegenstzlichkeit zwischen der spanischen Halbinsel und der
gegenberliegenden amerikanischen Kste scheint darauf hinzudeuten,
da hier bereits frhzeitig eine Fortsetzung der mittelmeerischen
Bruchzone vorhanden gewesen ist; das Atlasgebirge begann sich bereits
in der Kreide zu falten (Hauptfaltung allerdings erst im Oligozn) und
findet auf der Gegenseite keine Fortsetzung; auch die groe Meerestiefe
im westlichen Teile des Nordatlantik scheint anzudeuten, da hier
der Meeresboden bereits lter ist. Nach unserer Tabelle scheinen
auch die palontologischen Befunde anzudeuten, da die ungehinderte
Landverbindung zwischen Ost und West nur im nrdlichen Gebiet
geherrscht hat.

Fr Mittelamerika, bei welchem die plastischen Deformationen besonders
gro gewesen sein mssen, mchte ich die Rekonstruktion ausdrcklich
fr eine provisorische erklren. Fr eine in allen Einzelheiten
begrndete Rekonstruktion wren hier umfangreiche Vorarbeiten ntig,
deren Durchfhrung mir bisher nicht mglich war.

Das Nigerdelta wurde bei der Rekonstruktion stark zurckgeschnitten.
Es ganz fortzulassen, liegt kein zwingender Grund vor, da sich an der
brasilianischen Nordkste eine kleine, ihm entsprechende Einbuchtung
zeigt.

Ganz fortgelassen wurde jedoch auf amerikanischer Seite die
Abrolhosbank. Ihre zackige Kontur stellt sie in scharfen Gegensatz zu
dem weiter sdlich recht geradlinig verlaufenden sdamerikanischen
Schelfrand und deutet eine besondere Entstehung an. Es drfte, wie
schon mehrfach erwhnt, nicht unwahrscheinlich sein, da wir es auch
hier mit geschmolzenen Massen von der Unterseite der sdamerikanischen
Scholle zu tun haben, die durch deren Verschiebung an ihrem
rckwrtigen Rande auftauchen. Es ist dabei wohl kein Zufall, da diese
Massen gerade von derjenigen Stelle zu kommen scheinen, an welcher
die Anden die grte Breite haben, also wahrscheinlich auch die unter
die Schmelzisotherme hinabgesenkten Massen am grten sind. Wenn
sich die Oberflche der Abrolhosbank ber den Meeresspiegel erhbe,
wrde sie wahrscheinlich eine hnliche basaltische und vulkanische
Haube zeigen, wie Island oder das Dreieck zwischen Abessinien und der
Somalihalbinsel, die wohl ebenso entstanden sind.

Eine besondere Beachtung verdient auch in diesem Zusammenhange
die schon frher besprochene Tiefenkarte der Drakestrae zwischen
Feuerland und Grahamland (vgl. Fig. 16, S. 48). Die frher
zusammenhngende Scholle Sdamerika-Westantarktis ist, wie schon dort
auseinandergesetzt, an der schmalsten Stelle bei der Verschiebung nach
Westen stecken geblieben. Die Inselreihe Sdgeorgien, Sandwich- und
Sdorkneyinseln bilden dies Verbindungsglied, und zwar haben wir die
letzteren beiden Gruppen als gleitende Randketten aufgefat, was durch
ihre zueinander und zum Auslufer von Grahamland gestaffelte Lage
angedeutet wird.

Eine ganz entsprechende, nach Osten zurckbleibende Inselkette bilden
auch die Antillen; auch hier bleibt die schmalste Kette, die kleinen
Antillen, am weitesten zurck, weniger die greren Brocken, wie Haiti
und Kuba. Diese ganze Anordnung lt unmittelbar die zur ffnung des
Atlantik fhrende Verschiebung der amerikanischen Scholle nach Westen
erkennen und bildet schon allein fr sich einen starken Beweis fr die
Realitt von Kontinentalverschiebungen.

Da aber wirklich die ganze Breite des Atlantik durch ein solches
Auseinanderziehen der Kontinentalmassen entstanden ist, das lehrt ganz
besonders die strenge Kongruenz der sdatlantischen Ost- und Westkste.
Wo plastische Deformationen eingetreten sind, wie bei Mittelamerika
oder bei der Sdspitze von Sdamerika, ist diese bereinstimmung
natrlich verloren gegangen. Aber bei den anerkanntermaen fast ganz
ungestrt gebliebenen groen Tafeln von Brasilien und Afrika ist die
Kongruenz noch fast in allen Einzelheiten erhalten. Man vergleiche
diese beiden Ksten auf dem Globus und messe mit dem Zirkel die Lnge
der Buchten und Vorsprnge aus: sie sind vollkommen gleich. Wie will
man diese Kongruenz (noch dazu ohne Parallelitt) bei einem heutigen
Abstande von 4000 bis 6000 km erklren, wenn man davon ausgeht, da
das Zwischenland versunken sein soll? Wie eingangs erwhnt, war es
diese uerst packende Gleichheit der Kstenlinien, welche mich auf
den Gedanken eines unmittelbaren Zusammenhanges dieser Kontinente
brachte, lange bevor ich mit der palogeographischen Annahme ber einen
frheren Landzusammenhang bekannt wurde. Wenn uns nicht ein glcklicher
Zufall diese Konturen so ungestrt erhalten htte, so wre der Weg zur
richtigen Deutung der Groformen der Erdrinde wohl wesentlich lnger
und mhsamer gewesen.

Die atlantische Spalte ist am breitesten im Sden, wo sie zuerst
aufri. Ihre Breite betrgt hier 6220 km. Zwischen Kap San Roque
und Kamerun liegen nur noch 4880, zwischen der Neufundlandsbank und
dem britischen Schelf nur noch 2410, zwischen Scoresbysund und
Hammerfest 1300, und zwischen den Schelfrndern von Nordostgrnland und
Spitzbergen wohl nur noch etwa 200 bis 300 km. Hier scheint der Abri
erst in allerjngster Zeit erfolgt zu sein.

Nach dieser Durchmusterung der Karte gehen wir nunmehr zur Besprechung
der biologischen Beziehungen zwischen der Ost- und Westseite des
Nordatlantik ber. Bei dem ungeheuren Tatsachenmaterial knnen wir
allerdings nicht daran denken, hier alle biologischen Grnde fr eine
frhere Landverbindung zwischen Nordamerika und Europa anzufhren.
Man lese die inhaltreiche Zusammenstellung dieser Argumente bei
/Arldt/[78]. Unsere Tabelle, S. 64, zeigt, da fr manche Zeiten
jedenfalls von der Mehrzahl der Fachgelehrten eine Landverbindung
angenommen wird, whrend freilich zu anderen Zeiten die Landverbindung
durch Transgressionen wieder abgebrochen erscheint. Interessant sind
die von /Arldt/ angegebenen Prozentzahlen identischer Arten hben und
drben, die hier in Tabellenform folgen mgen:

    ===========================================
                   |  Reptilien  |  Sugetiere
                   |  Proz.      |  Proz.
    ===========================================
    Karbon         |     64      |     --
    Perm           |     12      |     --
    Trias          |     32      |     --
    Jura           |     48      |     --
    Untere Kreide  |     17      |     --
    Obere Kreide   |     24      |     --
    Eozn          |     32      |     35
    Oligozn       |     29      |     31
    Miozn         |     27      |     24
    Pliozn        |      ?      |     19
    Quartr        |      ?      |     30

[Illustration: Fig. 25.

Verbreitung nordatlantischer Organismen, nach /Arldt/.

Punktiert: Gartenschnecke. Gestrichelt: Lumbricinen-Regenwrmer.
Strichpunktiert: Barsche. Schraffiert Nordost-Sdwest: Perlmuschel;
desgl. Nordwest-Sdost: Hundsfische (Umbra).]

Der Gang dieser Zahlen stimmt erfreulich berein mit unserer Tabelle,
S. 64, nach welcher die Landverbindung im Karbon, in der Trias, dann
allerdings nur fr den unteren, nicht mehr den oberen Jura, aber wieder
von der Oberkreide ab das ltere Tertir hindurch von der Mehrzahl
der Fachgelehrten angenommen wird. Fr die Verbreitung derjenigen
Organismen, welche am meisten entscheidend sind, hat /Arldt/ das
Krtchen Fig. 25 gegeben. Die jungen Regenwurmgattungen der Lumbricinen
sind in ununterbrochenem Zuge von Japan bis Spanien, jenseits des
Ozeans aber nur im Osten der Union verbreitet. Die Perlmuschel kommt
an den Abristellen der Kontinente, auf Irland und Neufundland und
den beiderseits angrenzenden Gebieten vor. Noch aufflliger ist die
Verbreitung der Gartenschnecke von Sddeutschland ber die britischen
Inseln, Island und Grnland hinber zur amerikanischen Seite, wo sie
aber nur in Labrador, Neufundland und dem Osten der Union vorkommt.
hnliches gilt von der Familie der Barsche (Perciden) und anderen
Swasserfischen. Vielleicht wre noch das gemeine Heidekraut (Calluna
vulgaris) zu nennen, das sich auer in Europa nur in Neufundland und
den daran angrenzenden Gebieten findet, wie denn auch umgekehrt sich
besonders viele amerikanische Arten in Europa ganz auf den Westen
Irlands beschrnken. Es spricht manches dafr, da diese Landbrcke
bei Neufundland und Irland noch bis zum Beginn des Quartrs erhalten
blieb. Auerdem scheint eine zweite Brcke weiter im Norden bestanden
zu haben, die wohl kaum vor der Mitte des Quartrs abri[79]. Lehrreich
sind in dieser Hinsicht auch die Untersuchungen /Warmings/ und
/Nathorsts/ ber die grnlndische Flora, welche zeigen, da an der
Sdostkste Grnlands, also gerade auf der Strecke, welche nach der
Verschiebungstheorie noch im Diluvium Skandinavien und Nordschottland
vorgelagert war, die europischen Elemente berwiegen, whrend auf der
ganzen brigen grnlndischen Kste einschlielich Nordostgrnland der
amerikanische Einflu vorherrscht[80]. Ich habe deshalb angenommen,
da die Trennung der Schollen hier erst zwischen der groen und der
letzten europischen Eiszeit eintrat. Von Spanien ab sdwrts nehmen
die meisten Autoren keine Landverbindung mehr an; als Sdgrenze der
Landbrcke wird von /Arldt/ u. a. die 1000 oder 2000 m Tiefenlinie
angenommen. Nrdlich von dieser Breite werden in Schottland die weiter
sdlich marinen devonischen Sedimente durch Sandsteine ersetzt, es
kommen in Nordirland, den Hebriden, den Frern, Island, an der Ost-
und Westkste Grnlands und auf Spitzbergen in gleichartiger Weise
Landpflanzen fhrende Kohlen zwischen zwei basaltischen Lavadecken
vor. Dies deutet auf Landzusammenhang hin, und zwar legt es einen
unmittelbaren Zusammenhang im Sinne der Verschiebungstheorie noch nher
als einen durch einen Brckenkontinent vermittelten. Damit sind wir
aber bereits auf dem Gebiete der geologischen Beweisgrnde fr die
Verschiebungstheorie, die wir nunmehr in Krze besprechen wollen.

Fr die Zulssigkeit und Richtigkeit unserer Zusammensetzung spricht
eine groe Reihe tektonischer Zge im beiderseitigen Bau der
Kontinentaltafeln. Gerade diese bereinstimmungen bilden wohl den
strksten Beweis fr die Richtigkeit der Verschiebungstheorie und ihren
besonderen Vorzug gegenber der Hypothese der versunkenen Kontinente;
denn wenn die Schollen wirklich schon bei der Entstehung dieser lteren
Erscheinungen in ihrem heutigen Abstande von so viel Tausend Kilometern
gelegen htten, so wre es ein ganz unwahrscheinlicher Zufall, da sich
die Fortsetzung einer solchen Erscheinung auf der anderen Seite gerade
an derjenigen Stelle befinden sollte, die bei der Rekonstruktion zur
Berhrung mit der diesseitigen kommt.

Beginnen wir im Norden, wo die Spalte offenbar erst vor kurzem
aufgerissen und noch nicht sehr breit ist. In Nordostgrnland steht
auf 81 nrdl. Br., jh am Meere abbrechend, ein vereinzelter, noch
ungefalteter Rest karbonischer Ablagerungen an, welche in gleicher
Weise an der gegenberliegenden Kante Spitzbergens wiedergefunden
werden. Von 75 ab sdwrts beginnen auf grnlndischer Seite die Reste
einer groen tertiren Basaltdecke, welche hier namentlich die groe,
den Scoresbysund im Sden begrenzende Halbinsel zusammensetzt. Auer
dem losgelsten und halbwegs mitwandernden Jan Mayen gehren hierzu
namentlich Island und die Frer, und weiter sdlich taucht diese
Basaltzone wieder am Nord- und Nordwestrande Schottlands auf. Ihre
Verlegung von der grnlndischen Seite (im Norden) zur europischen
(im Sden) entspricht wohl, wie oben erwhnt, dem Umstande, da an
dieser Stelle die sonst einfache Spalte sich in zwei parallele Spalten
auflste, welche Island und die Frer einschlossen.

Auch zwischen Grnland und Nordamerika herrscht die geforderte
bereinstimmung des Baues. Bei Kap Farvel und nordwestlich davon
treten vielfach prkambrische Intrusivgesteine im Gneis auf, welche man
amerikanischerseits genau an der entsprechenden Stelle, nmlich auf
der Nordseite der Belle-Islestrae, wiederfindet[81]. Beim Smithsund
und Robesonkanal im Nordwesten Grnlands besteht die Verschiebung
nicht in einem Auseinanderziehen der Spaltenrnder, sondern in einer
horizontalen Verwerfung von groen Dimensionen, einer sogenannten
Blattverschiebung. Grinnelland gleitet an Grnland entlang, wodurch
wohl auch die merkwrdig geradlinige Begrenzung der beiden Schollen
erzeugt wird. Man kann diese Verschiebung in dem verkleinerten
Ausschnitte aus der geologischen Karte von Nordamerika (Fig. 26)
erkennen, wenn man die Grenze zwischen Devon und Trias[82] aufsucht,
welche in Grinnelland auf 80 10', in Grnland auf 81 30' nrdl. Br.
liegt. Es geht hieraus hervor, da Nordamerika seit diesem Abreien von
Grnland eine mindestens starke, vielleicht berwiegende Sdkomponente
der Bewegung besitzt, wie dies nach unseren frheren Ausfhrungen durch
die Form der kalifornischen Halbinsel und die Erdbebenspalte von San
Franzisko besttigt wird.

[Illustration: Fig. 26.

Geologische Karte des Smith-Sundes u. des Robeson-Kanals, nach der
Geologic Map of North America.

1 Trias, 2 Devon, 3 Silur, 4 Karbon, 5 Gneis, 6 Vorkambrium, 7
Spttertir, 8 Kambrium und Unter-Ordovicium.]

Diese bereinstimmungen beziehen sich freilich zunchst nur auf
relativ benachbarte Ksten. Erheblich beweiskrftiger werden deshalb
diejenigen zwischen Europa und Nordamerika selber sein. Dem sehr
alten (algonkischen) Gneisgebirge der Hebriden und Nordschottlands
entsprechen drben die Gneisgebirge von Labrador, welche bis an
die Belle-Islestrae nach Sden reichen und sich weit nach Kanada
hineinziehen. Die Streichrichtung ist in Europa Nordost-Sdwest,
in Amerika wechselnd von derselben Richtung bis Ost-West. /Dacqu/
bemerkt hierzu: Daraus kann man folgern, da die Kette ber den
nordatlantischen Ozean hinberreichte[83]. Das angeblich versunkene
Verbindungsglied mte allerdings die gewaltige Lnge von 3000 km
besessen haben. Heute liegt die amerikanische Fortsetzung brigens
nicht in der geraden Verlngerung des europischen Gebirgszuges,
sondern letztere weist mehrere Tausend Kilometer an jenem vorbei nach
Sdamerika. Bei dem rekonstruktiven Zusammenfgen der Schollen nach der
Verschiebungstheorie erfhrt dagegen das amerikanische Gebirge gerade
eine solche Querversetzung nach Osten und eine solche Drehung, da es
unmittelbar an das europische anschliet und als seine Verlngerung
erscheint.

In Europa folgen, sdlich daran anschlieend, die Faltenzge eines
etwas jngeren, zwischen Silur und Devon aufgeworfenen Gebirges,
welches sich durch Norwegen und Nordengland hindurchzieht. /E. Suess/
nennt es das kaledonische Gebirge. Mit der Frage der Fortsetzung
dieser Gebirgsfaltung in den Kanadischen Kaledoniden (/Termier/),
nmlich den schon kaledonisch gefalteten kanadischen Appalachen, haben
sich /Andre/[84] und /Tilmann/[85] beschftigt. Es beeintrchtigt
natrlich nicht die bereinstimmung, da diese kanadische Faltung in
Amerika von der gleich zu besprechenden armorikanischen Faltung
noch einmal berarbeitet wurde, was hben nur im mittleren Europa
(Hohes Venn und Ardennen), aber nicht im nrdlichen Europa der Fall
war. Die Berhrungsstcke dieser kaledonischen Faltungen drften in
den schottischen Hochlanden und Nordirland einerseits und Neufundland
andererseits zu suchen sein.

Am schlagendsten ist aber die bereinstimmung bei dem wiederum sdlich
sich anschlieenden karbonischen Faltengebirge, welches /E. Suess/ das
Armorikanische Gebirge nennt, und welches die Kohlenlager Nordamerikas
als die unmittelbare Fortsetzung der europischen erscheinen lt.
Dieses heute stark eingeebnete Gebirge zieht sich in Europa, aus
dem Innern des Kontinents kommend, in bogenfrmigem Verlauf zuerst
gegen WNW, dann gegen W, um an der Sdwestkste von Irland und der
Bretagne eine wild zerrissene Kste (sogenannte Riaskste) zu bilden.
Natrlich ist anzunehmen, da sich die Faltung auch durch den der Kste
vorgelagerten, durch die Abrasion der Brandungswoge abgehobelten Schelf
hindurchzieht. Die Fortsetzung auf der amerikanischen Seite bilden,
wie /Bertrand/ zuerst 1887 entdeckte, die Auslufer der Appalachen
auf Neuschottland und dem sdstlichen Neufundland. Hier endigt
gleichfalls ein karbonisches Faltengebirge, ebenso wie das europische
nach Norden gefaltet, indem es eine Riaskste erzeugt und davor wohl
noch den Schelf der Neufundlandbank durchzieht. Seine Richtung, sonst
nordstlich, geht nahe der Abristelle in die rein stliche ber.
Die im Karbon besonders gut bekannte Fauna und Flora zeigt eine mit
wachsendem Beobachtungsmaterial immer klarer erkannte Identitt. Auf
die zahlreichen Arbeiten hierber von /Dawson/, /Bertrand/, /Walcott/,
/Ami/, /Salter/ u. a. knnen wir hier natrlich nicht eingehen. Das
Abbrechen dieser transatlantischen Altaiden, wie /E. Suess/ sie auch
nennt, gerade an denjenigen Stellen der beiden Kontinentalrnder,
welche aus biologischen Grnden als Pfeiler einer letzten Landbrcke
zwischen den beiden Kontinenten erscheinen, bildet eine sehr scharfe
Kontrolle fr die Richtigkeit der Verschiebungstheorie. Wie Fig. 24
zeigt, besteht diese die Probe aber glnzend, indem die beiden freien
Enden der Faltungen bei der Rekonstruktion genau zur Berhrung gebracht
werden und das ganze Gebirge als ein zusammenhngender Bogen ohne
Knickung erscheint. Nach der Hypothese der versunkenen Landbrcken
mte -- was /Penck/ bereits als Schwierigkeit hervorgehoben hat -- das
versunkene Stck grer gewesen sein als die uns bekannte Erstreckung.
Auf der Verbindungslinie liegen einige vereinzelte Erhhungen des
Meeresbodens, die man bisher als Gipfel der versunkenen Kette
betrachtet hat; nach der Verschiebungstheorie wren es geschmolzene
und aufgequollene Massen von der Unterseite oder auch abgebrochene vom
Oberrande der triftenden Schollen, deren Loslsung gerade in solchen
tektonischen Strungszonen natrlich besonders plausibel ist.

Fast in dasselbe Gebiet fallen auch die Endmornen der groen
diluvialen Inlandeiskappen Nordamerikas und Europas. Auch diese fgen
sich ohne Lcke oder Knick zusammen, was doch sehr unwahrscheinlich
wre, wenn die Ksten zur Zeit der Ablagerung ihren heutigen Abstand
von 2500 km gehabt htten. Das amerikanische Ende liegt heute 4-1/2
Breitengrade sdlicher als das europische.

Weiter im Sden finden wir auf afrikanischer Seite das tertire
Atlasgebirge, welches, wie das ganze alpine Faltungssystem, dem es
zugerechnet wird, auf amerikanischer Seite keine Fortsetzung hat[86].
Wie schon erwhnt, tut sich darin kund, da zur Zeit dieser Faltung
im Westen von ihr bereits ein Stck Tiefseeboden vorhanden war, so
da die Faltung am Rande der Kontinentaltafel ihr natrliches Ende
fand. Die Azoren, Kanaren und Kapverden sind nach der bereits frher
errterten Auffassung Brocken vom Kontinentalrande, vergleichbar
mit Kalbeisstcken vor einem schwimmenden Eisberge. So kommt auch
/Gagel/ fr die Kanaren und Madeira zu dem Schlu, da diese Inseln
abgesprengte Reste des europisch-afrikanischen Kontinents sind, von
dem sie erst in verhltnismig junger Zeit getrennt wurden[87].

Da auch zwischen Sdamerika und Afrika einstmals eine Landverbindung
bestanden haben mu, darber herrscht, wie unsere Tabelle, S. 64,
lehrt, fast vllige Einigkeit. Gestrt wurde die Verbindung erst in
der Unterkreide[88], vermutlich durch den schon damals entstehenden,
aber noch nicht sogleich zur vlligen Trennung fhrenden Grabenbruch,
jedenfalls zunchst durch ein Epikontinentalmeer. Im oberen Eozn
brechen dann die letzten Beziehungen ab.

Um auch hier die lteren Strukturen beiderseits zu vergleichen,
benutzen wir die in Fig. 27 wiedergegebene, von /Lemoine/ entworfene
Karte der Streichrichtungen im nordwestlichen Afrika[89]. Die Karte
ist fr andere Zwecke entworfen und zeigt daher das, was wir brauchen,
nicht sehr deutlich, aber sie zeigt es doch. Der ganze afrikanische
Kontinent besteht aus einem sehr alten, gefalteten Gneismassiv, in
welchem hauptschlich zwei etwas verschieden alte Streichrichtungen
vorkommen. Im Sudan herrscht die ltere nordstliche Streichrichtung
vor, welche sich schon in dem geradlinigen gleichgerichteten Oberlauf
des Niger zeigt und noch bis Kamerun beobachtet wird. Sie schneidet
die Kste unter einem Winkel von etwa 45. Sdlich von Kamerun dagegen
-- auf der Karte gerade noch erkennbar -- tritt die andere, jngere
Streichrichtung in den Vordergrund, welche etwa von Nord nach Sd weist
und der Kste (auch mit ihren Krmmungen) parallel verluft.

[Illustration: Fig. 27.

Streichrichtungen in Afrika, nach /Lemoine/.]

Denselben Wechsel der Streichrichtung finden wir nach /E. Suess/ in
Sdamerika wieder. Die Karte des stlichen Guayana... zeigt mehr oder
minder ostwestliches Streichen der alten Felsarten, aus welchen dieses
Gebiet besteht. Auch die eingelagerten palozoischen Schichten, welche
den nrdlichen Teil der Mulde des Amazonas ausmachen, verfolgen diese
Richtung, und der Verlauf der Kste von Cayenne gegen die Mndung des
Amazonas ist daher quer auf das Streichen... Soweit der Bau Brasiliens
heute bekannt ist, mu angenommen werden, da auch bis Kap San Roque
der Umri des Festlandes das Streichen des Gebirges quert, aber von
diesem Vorgebirge an wird allerdings bis nach Uruguay hinab die Lage
der Kste durch das Gebirge vorgezeichnet. Auch hier folgen die
Flulufe in groen Zgen der Streichrichtung. Schieben wir Sdamerika
zur Rekonstruktion an Afrika heran, wozu eine Drehung Sdamerikas
um etwa 45 erforderlich ist, so wird der jetzt West-Ost flieende
Amazonas parallel zum Oberlauf des Niger. Die Streichrichtung des
nrdlichen Teiles von Sdamerika fllt dann mit derjenigen im Sudan
zusammen, und selbstverstndlich auch die andere Streichrichtung
sdlich Kap San Roque mit derjenigen sdlich von Kamerun. -- Da dieser
Wechsel der Streichrichtung hben und drben gerade an denjenigen
Stellen eintritt, die bei der Rekonstruktion zur Deckung gebracht
werden, mte nach der Hypothese der versunkenen Landbrcken wiederum
ein Zufall sein, ebenso wie die Erreichung der Parallelitt der
Streichrichtungen nach der fr die Rekonstruktion ntigen Drehung
Sdamerikas.

Nach der Verschiebungstheorie gibt uns dieser Wechsel der
Streichrichtung auch eine Erklrung fr den eigenartigen Knick, den
die Spalte gerade hier erfhrt. Die Zugkrfte, welche sie aufrissen,
waren anscheinend so orientiert, da die Spalte eigentlich nicht genau
von Sden nach Norden, sondern etwa von Sdsdost nach Nordnordwest
aufreien sollte. Sie wurde aber durch die nordsdliche Streichrichtung
wegen der leichteren Teilbarkeit der Scholle nach dieser Richtung
abgelenkt, bis sie bei Kamerun bzw. Kap San Roque an das andere
Faltungssystem herankam, welches sie allzuweit aus der Richtung
abgelenkt htte. Daher wurde dieses System quer durchgerissen in einem
fast rechten Winkel zur bisherigen Richtung[90].

Ganz im Sden Afrikas findet sich noch ein von Ost nach West
streichendes karbonisches Faltengebirge (die Zwarten Berge); kurz vor
Erreichung des Ufers biegt zwar ein Arm desselben (die Cedar-Berge)
nach Norden ab, um bald zu endigen. Aber dies ist offenbar eine
lokale Abzweigung, whrend die Hauptstreichrichtung Ost-West ist.
Die Verlngerung dieser Kette trifft in der Rekonstruktion auf die
nach der Karte zunchst durch nichts hervorgehobene Partie sdlich
von Buenos Aires. Die dort befindlichen Sierren wurden nun in der Tat
ganz neuerdings von /Keidel/[91] als eine gleichfalls karbonische
Faltung erkannt, welche mit dem Kapgebirge in Bau und Geschichte
vllig bereinstimmt. Diese karbonische (und teilweise vorkarbonische)
Sierrenfaltung scheint weiter westlich ebenso wie der afrikanische
Zweig nach Norden abzubiegen und sich an die Prkordilleren
anzuschmiegen. Man wird zugeben, da gerade diese Beziehung ein sehr
schlagender Beweis fr die Richtigkeit der Verschiebungstheorie ist.
An keiner anderen Stelle dieser beiden groen Kontinentaltafeln sind
karbonische Faltungen vorhanden. Heute sind die beiden Schelfrnder
um 6220 km voneinander entfernt. Ist es da wirklich gestattet,
anzunehmen, sie seien nur durch Zufall gerade so gelegen, da sie bei
der Rekonstruktion zur Berhrung gebracht werden? Die rekonstruktive
Zusammenfgung der beiden Schollen Sdamerika und Afrika lt der
Phantasie durchaus keinerlei Spielraum. Denn die Rnder haben sich
hier so genau kongruent erhalten, da man den einen Kontinent um
keine 100 km gegen den anderen verschieben knnte. Die Sierren von
Buenos Aires brauchten also nur um einige Hundert Kilometer nrdlicher
oder sdlicher zu liegen, um zu einer Diskrepanz in Gestalt einer
unerklrten horizontalen Verwerfung bei der Zusammenfgung zu fhren.
Dies tun sie aber nicht, sondern sie liegen gerade an der Stelle, wo
sie nach der Verschiebungstheorie zu erwarten sind.

Von den Gegnern der Verschiebungstheorie werden diese Verhltnisse
meist nicht richtig gewrdigt. Es kommt nicht so sehr auf die bloe
Tatsache an, da eine solche alte Faltung drben auch ihre Fortsetzung
findet, als vielmehr auf die Frage, ob diese Fortsetzung richtig liegt.
Nehmen wir, um uns die Grenordnungen klar zu machen, an, da bei
der heutigen Entfernung beider Ksten eine jenseitige Kstenstrecke
von 2000 km als Ort der Fortsetzung in Frage kommt, und da alle 200
km-Abschnitte dieser Strecke gleiche Wahrscheinlichkeit fr sich
haben. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, da sich die Fortsetzung der
Faltung durch Zufall gerade in demjenigen Teilabschnitte befindet,
der durch die Rekonstruktion mit dem diesseitigen Faltungsende zur
Berhrung gebracht wird, gleich 1/10, d. h. man kann bereits 9 gegen
1 wetten, da dies Zusammentreffen /kein/ Zufall ist. Wenn aber an
mehreren Stellen gleichzeitig dieser Zufall eintreten soll, so
potenziert sich die Unwahrscheinlichkeit. Betrachten wir in diesem
Sinne, von Norden nach Sden gerechnet, die Eiszeitmorne als erste,
das algonkische Gebirge als zweite, das kaledonische als dritte, das
karbonische als vierte bereinstimmung, den Streichrichtungswechsel
bei Kap San Roque-Kamerun als fnfte und das Kapgebirge als sechste
bereinstimmung, und nehmen wir der Einfachheit halber fr jeden dieser
Flle dieselben Bedingungen an, so wird die Wahrscheinlichkeit, da
uns hier ein Zufall tuscht, gleich (1/10)^6 oder 1:1000000, d. h. wir
knnen 999999 gegen 1 wetten, da die Verschiebungstheorie Recht hat.
Man mag gern glauben, da diese Zahl bertrieben ist; aber man soll
bei seinem Urteil bercksichtigen, da sich die Wahrscheinlichkeit
potenziert, wenn sich die bereinstimmungen addieren. Es ist deshalb
meines Erachtens nicht mehr mglich, an der prinzipiellen Richtigkeit
der Verschiebungstheorie zu zweifeln.

In unserer Tabelle kommt noch die amerikanische Brcke zwischen Nord-
und Sdamerika und die nordpazifische Brcke zwischen Nordamerika
und Sibirien vor, die wir noch in diesem Zusammenhange kurz besprechen
wollen, um gewisse Miverstndnisse zu beseitigen. Die Betrachtung
der Karte zeigt sofort, da die jetzige Schollenverbindung zwischen
Sd- und Mittelamerika nicht auf zuflliger Berhrung beruht.
Diese Schollen haben offenbar von alters her zusammengehangen, wenn
auch zeitweise, wie unsere Tabelle lehrt, unter Wasser. Damit steht
keineswegs im Widerspruch, da sich Sdamerika eher von Afrika ablste
und seine Wanderung nach Westen begann, als Nordamerika. Denn die
Bewegung Sdamerikas bestand anfangs wohl vorwiegend in einer Drehung
etwa um Panama als Mittelpunkt. Gerade bei Mittelamerika legen die
Konturen nahe, da sich hier bei der Ablsung und in der folgenden Zeit
bedeutende plastische Deformationen vollzogen. Unsere Tabelle zeigt
vier Perioden, in denen diese Brcke von Panama anscheinend ber Wasser
gelegen hat, nmlich 1. Silur und Devon, 2. Perm bis Mittel-Trias, 3.
Kreide, 4. vom Miozn ab; aber nur die vierte ist ganz unbestritten.
Dieses vierte Auftauchen darf man vielleicht mit der Abwanderung der
amerikanischen Schollen in Zusammenhang bringen. Stellt man sich
vor, da die Abtrennung Sdamerikas eine Drehung dieser Scholle um
bisher 45 mit sich brachte, und da die atlantische Spalte von Sden
nach Norden fortschritt, so ist einleuchtend, da dieser Vorgang
zu bedeutenden Stauchungen und Zerrungen des mittelamerikanischen
Schelfgebietes fhren mute, welche zur Zertrmmerung und Verkleinerung
der Bruchstcke fhrte, gleichzeitig aber letztere, namentlich an
ihrem Westrande, mehr aus dem Wasser herauswachsen lie. Durch
dieses drehende Abrcken Sdamerikas erklrt sich auch, warum die
Andenfaltung am Nordende dieses Kontinents nach Osten zurckbog und nur
eine schwache Fortsetzung in den Antillen fand. Das Verbindungsstck
zwischen den beiden groen Schollen war eben schmal und plastisch.

Auch fr die Beringstrae mu ein schon frher (S. 9) erwhntes
Miverstndnis beseitigt werden[92]. /Diener/ hat gemeint, wenn
man Nordamerika an Europa heranrcke, so werde dadurch zwischen
Amerika und Asien eine breite Tiefseeffnung geschaffen, whrend
die Palontologie zur Annahme einer frheren Landbrcke ber den
heutigen Schelf fhrt[93]. In der Tat zeigt unsere Tabelle, da eine
solche Landverbindung 1. im Silur und Devon, 2. vom Mittelkarbon bis
Mittelperm, 3. im Lias und Dogger und 4. von der Kreide bis zum Quartr
angenommen wird; besonders in der letzteren Periode ist seit dem Beginn
des Tertir diese Landbrcke recht sicher. Wenn sie im Miozn und
Pliozn von einzelnen Forschern geleugnet wird, so darf man vielleicht
annehmen, da die Nhe des Pols in dieser Zeit die Verbindung durch
Vereisung zeitweise unwirksam gemacht hat. Hierber wird im nchsten
Kapitel Ausfhrlicheres mitgeteilt werden. Jedenfalls gengt bereits
ein Blick auf die Tiefenkarte, um zu sehen, da nichts uns berechtigt,
anzunehmen, die beiden Schollen seien frher getrennt gewesen und erst
neuerdings zur Berhrung gelangt. Aber /Dieners/ Annahme ist nicht
richtig. Unsere auf dem Globus ausgefhrte Rekonstruktion ist gewi
in manchen Punkten schwierig und unsicher, wrde aber durchaus nicht
verbessert, wenn man die Schollen bei der Beringstrae abreien liee.
Es handelt sich eben auch bei Nordamerika mehr um eine Drehung als um
eine Parallelverschiebung, wie ja schon die nach Norden abnehmende
Breite des Atlantik nahelegt. /Diener/ hat nur auf der Merkatorkarte
recht.


Lemurien.

In bezug auf die lemurische Landbrcke zwischen Madagaskar und
Vorderindien zeigt unsere Tabelle (S. 64) eine bereinstimmung der
Ansichten, wie sie vollkommener wohl kaum irgendwo erwartet werden
kann. Fr die gesamte Vorzeit bis zum Beginn des Tertir wird eine
solche, offenbar stets so gut wie ungestrte Landverbindung angenommen,
vom Eozn ab herrschte aber nach der Ansicht der Mehrzahl, die vom
Pliozn ab unbestritten ist, Trennung. Es ist nicht ohne Interesse,
da der Abbruch des Austausches kein momentaner war, sondern letzterer
vom Eozn bis zum Miozn anscheinend in beschrnkter Weise noch
andauert. Es gibt eben viele peregrine Formen sowohl im Tier- wie im
Pflanzenreich, welche zur berseeischen Ausbreitung in gewissen Grenzen
befhigt sind, und daher wird das vllige Erlschen des Austausches
erst eintreten, nachdem die Schollen bereits einen gewissen Abstand
voneinander erreicht haben.

Nach den bisherigen Anschauungen nahm man an, da diese Landverbindung
zwischen Vorderindien und Madagaskar bei unvernderter Lage dieser
beiden Teile durch einen jetzt versunkenen Brckenkontinent Lemuria
gebildet wurde. Auf unserer Rekonstruktion (Fig. 23, S. 61) finden
wir an Stelle dieses langgestreckten Brckenkontinents eine lange,
von Hochasien ausgehende Halbinsel von genau derselben Form wie jene
hypothetische Lemuria. Aber das Dreieck Vorderindien bildet auf ihr die
Sdspitze dieser langen Zunge und hngt unmittelbar ohne Brcke mit
Madagaskar zusammen. Fr eine versunkene Lemuria im alten Sinne bleibt
kein Platz.

Betrachten wir das heutige Kartenbild. Die riesigen, wesentlich
im Tertir gebildeten Falten des Himalajagebirges bedeuten den
Zusammenschub eines erheblichen Stckes der Erdrinde, durch dessen
Rekonstruktion die Umrisse des asiatischen Kontinents ganz andere
werden. Wahrscheinlich nahm das ganze stliche Asien ber Tibet und
die Mongolei hinweg bis zum Baikalsee und vielleicht sogar bis zur
Beringstrae an diesem Zusammenschub teil; beschrnken wir uns aber auf
die hchste, im Mittel etwa 4000 m ber dem Meere liegende Region, die
in der Schubrichtung 1000 km mit, und nehmen wir (trotz der greren
Hhe) nur eine gleiche Verkrzung wie bei den Alpen, nmlich auf den
vierten Teil ihrer ursprnglichen Erstreckung, an, so erhalten wir eine
Verschiebung Vorderindiens um 3000 km, so da es vor dem Zusammenschub
neben Madagaskar gelegen htte.

[Illustration: Fig. 28.

Der lemurische Zusammenschub.]

Die Spuren dieses ungeheuren Zusammenschubes, den die Lithosphre
hier erfahren hat, sind auch rechts und links von der Schubzone noch
zu erkennen. Die schon im Trias durch einen Grabenbruch vorbereitete,
aber erst im Quartr endgltig vollzogene Loslsung Madagaskars von
der sdwestlich davon liegenden afrikanischen Kstenstrecke, das
ganze System junger Grabenbrche in Ostafrika, zu dem auch das rote
Meer und das Jordantal gehrt, bilden Teilerscheinungen davon. Die
Somalihalbinsel erscheint, wie schon frher erwhnt, nach Norden
herumgeschleppt, wobei wohl das abessinische Gebirge aufgestaut wurde,
dessen Abschmelzung von unten zum Herausquellen der Massen im Winkel
zwischen Abessinien und der Somalihalbinsel fhrte. Auch Arabien sprte
diesen Zug nach Nordosten und zeigt eine dementsprechende plastische
Stauchung, indem die Auslufer des Akdargebirges wie ein Sporn in die
persischen Gebirgsketten hineindrngen. Die fcherfrmige Scharung der
Bergketten des Hindukusch- und Soleimangebirges deutet an, da hier die
westliche Grenze des Himalajazusammenschubes erreicht ist; ihr getreues
Spiegelbild tritt auch am Ostrande desselben auf, wo die Bergketten von
Burma aus der durch Annam, Malakka und Sumatra vorgezeichneten Richtung
heraus bis zur Nordsdrichtung herumgeschleppt wurden. Das Aufbrechen
der Arakan-Sumatrakette gerade neben dem Knick von Malakka war schon
frher dahin gedeutet worden, da diese Kette ri und gleitend nach
Norden in den Zusammenschub hineingezogen wurde. Aber, wie schon
erwhnt, ist wohl das ganze stliche Asien von diesem riesigen
Zusammenschub betroffen worden, der seine westliche Begrenzung in dem
gestaffelten Faltensystem zwischen Hindukusch und Baikalsee und dessen
Fortsetzung bis zur Beringstrae findet, whrend die Ostgrenze durch
die bauchigen Kstenformen mit den Inselgirlanden Ostasiens gebildet
wird.

Madagaskar besteht wie das benachbarte Afrika aus einer Tafel
gefalteten Gneises mit nordstlicher Streichrichtung. An der Abrilinie
sind beiderseits identische marine Sedimente abgelagert, welche
andeuten, da seit der Trias beide Lnder durch einen berschwemmten
Grabenbruch getrennt waren, was auch die madagassische Landfauna
verlangt. Aber noch in der Mitte der Tertirzeit, als Indien bereits
abgerckt war, sind nach /Lemoine/ zwei Tiere, der Potamochoerus und
der Hippopotamus, von Afrika eingewandert, die, wie /Lemoine/ meint,
hchstens einen Meeresarm von 30 km Breite durchschwimmen konnten[94],
whrend jetzt der Kanal von Mozambique gut 400 km breit ist. Erst nach
dieser Zeit kann sich also die madagassische Scholle auch untermeerisch
von Afrika losgerissen haben, wodurch sich der weite Vorsprung
erklrt, den Vorderindien in der Verschiebung nach Nordosten gegenber
Madagaskar bekommen hat.

Auch Vorderindien ist eine flache Tafel aus gefaltetem Gneis. Die
Faltung wirkt noch heute formengebend in dem uralten Arvaligebirge im
uersten Nordwesten (am Rande der Wste Tharr) und in den gleichfalls
sehr alten Koranabergen. Nach /Suess/ weist sie im ersteren nach
N 36 O, in letzteren nach Nordost. Beide Richtungen stimmen also
hinreichend mit der afrikanischen und madagassischen Streichrichtung
berein, zumal nach der geringen, bei der Rekonstruktion ntigen
Drehung Indiens. brigens tritt hier noch eine etwas jngere, jedoch
immer noch mesozoische Faltung in den Ghats von Nellore oder dem
Vellakondagebirge auf, welche von Nord nach Sd streicht und vielleicht
mit der gleichfalls jngeren nordsdlichen Streichrichtung in Afrika
gleichzusetzen ist.

Vielleicht darf man annehmen, da die indische Westkste mit der
Ostkste Madagaskars zusammengehangen hat. Beide Ksten bestehen aus
einem auffllig geradlinigen Abbruch eines Gneisplateaus, der den
Gedanken nahelegt, sie knnten nach der Spaltenbildung aneinander
entlang geglitten sein, hnlich wie Grinnell-Land und Grnland. Am
nrdlichen Ende dieses an beiden Ksten etwa 10 Breitengrade langen
Abbruches treten beiderseits Basalte auf. In Indien ist es die bei 16
Nordbreite beginnende Basaltdecke des Dekan, die aus dem Beginn des
Tertir stammt und deshalb vielleicht in urschlichen Zusammenhang
mit der Ablsung gebracht werden darf. Und auf Madagaskar ist der
nrdlichste Teil der Insel ganz aus zwei verschieden alten Basalten
aufgebaut.

Die Ostkste Vorderindiens knnte mglicherweise mit der Westkste
Australiens unmittelbar zusammengehangen haben. Sie stellt gleichfalls
einen jhen Abbruch des Gneisplateaus dar. Eine Unterbrechung erfhrt
dies nur durch das grabenartig schmale Kohlengebiet des Godvari,
welches aus den unteren Gondwanaschichten besteht. Die oberen
Gondwanaschichten liegen, der Kste folgend, diskordant quer ber
seinem Ende.

Da wir uns berhaupt auf dem Boden der Tatsachen befinden, wenn
wir das Erlschen der Landverbindung zwischen Indien und Madagaskar
mit der Faltung des Himalaja in Zusammenhang bringen, geht aus der
bisher nicht beachteten Gleichzeitigkeit beider Erscheinungen hervor.
Wie alle greren Gebirge ist auch der Himalaja das Produkt einer
Mehrzahl von Stauungen; die Hauptrolle aber spielt diejenige in der
jngeren Tertirzeit, welche nach unserer Tabelle (S. 64) dem Abbruch
der Landverbindung mit Madagaskar folgte. Da der Faltungsproze des
Himalaja auch heute noch andauert, dafr spricht unter anderem auch die
starke zeitliche Vernderlichkeit der Schwerkraft, die am Fue seiner
Ketten durch wiederholte Messungen festgestellt wurde.


Gondwana-Land.

Das Gondwana-Land umfat einerseits die Verbindung Australiens
ber Vorderindien und Madagaskar nach Sdafrika und andererseits
diejenige von Australien ber Antarktika nach Sdamerika. ber
diese Verbindungen gibt uns die australische Tierwelt Aufschlsse.
/Hedley/ unterscheidet drei Elemente in ihr: zunchst eine lteste,
gondwanische Fauna, die hauptschlich im uersten Sdwesten
Australiens anzutreffen ist; zweitens eine weitere endemische Fauna
mit den bezeichnenden Kloakentieren, Beutlern usw., ausgebreitet ber
das ganze Festland, in einzelnen Vertretern bergreifend bis Neuguinea
und bis zu den Salomoinseln; und drittens als jngstes Element die
Papua-Fauna, die von Neuguinea her hauptschlich an der Ostkste von
Queensland vordrngt. Die erste dieser Faunen entspricht offenbar der
Verbindung mit Vorderindien, Madagaskar und Sdafrika, die zweite der
antarktisch-sdamerikanischen Brcke, und die dritte der heutigen nahen
Berhrung mit dem Sunda-Archipel.

Die erste dieser Brcken ist in unserer Tabelle auf S. 64 nach
/Arldt/ als gondwanische Brcke bezeichnet, obwohl man sonst
unter Gondwanaland meist den ganzen Kontinentalkomplex versteht, zu
dem Sdamerika, Sdafrika, Vorderindien, Australien und Antarktika
gehren. Wie die Tabelle zeigt, herrscht ber die Existenz dieser
gondwanischen Brcke fast vllige Einigkeit. Sie erlosch schon
frh, nmlich im Lias oder sptestens Unterdogger, so da Australien
schon seit dieser Zeit von Sdafrika und Madagaskar und damit auch
von Vorderindien abgesperrt wurde. In unserer Tabelle ist brigens
nur die Verbindung mit Sdafrika und Madagaskar, nicht die mit
Vorderindien, bercksichtigt. Da aber Madagaskar mit Vorderindien
eine Einheit (Lemurien) bildet, so ist nicht einzusehen, auf
welche Weise Vorderindien von dieser Gemeinschaft auszuschlieen
wre. Die Regenwrmer Australiens stehen nach /Michaelsen/[95] in
engster Beziehung gerade zu denen Vorderindiens. So verbinden die
Octochaetinen unmittelbar Neuseeland mit Madagaskar und Vorderindien
samt dem nrdlichen Hinterindien unter interessanter berspringung
der dazwischenliegenden Hauptscholle Australiens. Die lebhaftesten
Beziehungen zeigen aber die gattungsreichen Megascolecinen, welche
Australien zum Teil unter Einschlu der Nordinsel Neuseelands oder
des ganzen Neuseelandgebietes mit Ceylon und besonders dem sdlichen
Vorderindien, zum Teil auerdem auch dem nrdlichen Vorder- und
Hinterindien verbinden (und merkwrdigerweise zum Teil auch mit der
nordamerikanischen Westkste). Dagegen zeigen die australischen
Regenwrmer keine unmittelbaren Beziehungen zu Afrika oder gar
Sdamerika. Wir drfen hiernach vielleicht annehmen, da in der
gondwanischen Brcke Vorderindien sogar das nchste Glied war, welches
mit Australien vielleicht unmittelbar zusammenhing.

Die zweite, antarktische Brcke Australiens hat dessen Beziehungen zu
Sdamerika zum Gegenstand. Diese Beziehungen sind sehr bekannt, denn es
gehrt hierher namentlich die eigenartige Sugetierfauna Australiens,
welche im schroffen Gegensatz zu der des Sunda-Archipels steht, wie
/Wallace/ zuerst erkannte (/Wallace/-Grenze der Sugetiere). Sie
besteht nmlich wesentlich aus Beuteltieren, deren nchste Verwandte
die sdamerikanischen Beutelratten sind. Diese zweite Fauna /Hedleys/
hat die besondere Eigentmlichkeit, da sie keine kltescheuen Formen
enthlt. Schon /Wallace/ bemerkte ber die Verbindung mit Sdamerika:
Aber welchen Beweis wir auch haben mgen, der eine frhere Verbindung
dieser Lnder zu involvieren scheint, er deutet darauf hin, da
dieselbe, wenn sie berhaupt vorhanden war, nach ihren kalten sdlichen
Grenzen zu lag, da die tropischen Faunen im ganzen keine hnlichkeit
zeigen. Diese Worte beziehen sich zwar nur auf die Sugetiere. Aber
bei der Besprechung der Reptilien, Amphibien und Fische sagt er
gleichfalls: Es ist wichtig, hier zu bemerken, da die Hitze liebenden
Reptilien kaum einen Beweis einer nahen Verwandtschaft zwischen den
beiden Regionen liefern, whrend es die Klte aushaltenden Amphibien
und Swasserfische im berflu tun[96]. Auch die Regenwrmer haben
diese Landbrcke nicht benutzt. Da man auf diese Weise geradezu auf
Antarktika als Verbindungsstck der Brcke hingewiesen wird, und da
dasselbe obendrein auch auf dem grten Kreis zwischen Australien und
Sdamerika liegt, also den krzesten Weg darstellt, so ist es nicht zu
verwundern, da die von wenigen Autoren statt dessen vorgeschlagene
sdpazifische Brcke, die nur auf der Merkatorkarte die krzeste
Verbindung vortuscht, fast einstimmig abgelehnt wird, wie unsere
Tabelle, S. 64, zeigt. Nur /Burckhardt/ vertritt ihre Existenz vom
Devon bis zum Eozn, in einem Falle von /Katzer/, in zwei anderen von
/Arldt/ untersttzt. Er hat fr seine Annahme keinen biologischen,
sondern einen geologischen Grund: Es finden sich an der Westkste
Sdamerikas zwischen 32 und 39 Sdbreite grobe porphyrhnliche
Konglomerate, die von frheren Autoren als vulkanisch angesprochen,
von /Burckhardt/ aber als verfestigtes Strandgerll betrachtet
werden. /Burckhardt/ fand nun, da dies Konglomerat weiter stlich
berall durch Sande ersetzt wird. Er schlo hieraus, da es sich um
eine Kstenlinie handeln msse -- und zwar im Mndungsgebiet eines
groen Flusses --, bei welcher die Verteilung von Wasser und Land
gerade umgekehrt war wie heute. Westlich im Gebiet des Pazifik Land,
stlich davon im Gebiet des heutigen Landes Wasser. Das grbere
Gerll entsprche dann dem Strande, der feinere Sand dem tieferen
Wasser. Dagegen hat /Simroth/[97] geltend gemacht, da keinerlei
biologische Anzeichen fr die Existenz einer solchen Landmasse im
Sdpazifik, die womglich von Sdamerika bis nach Australien reichen
soll, angefhrt werden knnen, und da /Burckhardts/ Beobachtungen,
auch wenn ihre unmittelbare Deutung richtig ist, auch schon durch die
Annahme befriedigt werden, da der stliche Teil der Anden und ihr
stliches Vorland damals einen langen schmalen, von Norden nach Sden
weisenden Meeresarm darstellten. Der Flu, dessen Gre wohl immer nur
recht unsicher wird geschtzt werden knnen, kann umgebogen sein, und
sein Hinterland nicht im Westen, sondern im Norden oder Sden gehabt
haben. Im brigen bieten gerade die Beobachtungen aus Sdamerika,
wie im Kapitel ber die Polwanderungen gezeigt werden wird, noch so
viel Widerspruchsvolles, da hier doppelte Vorsicht am Platze ist.
Die Mehrzahl der Fachgelehrten hat denn auch angenommen, da die in
Rede stehende sdpazifische Brcke nicht existiert hat, und da fr
/Burckhardts/ Beobachtungen eine andere Erklrung gesucht werden
mu[98].

Statt dessen interessieren uns nunmehr in unserer Tabelle die
Sdgeorgische Brcke zwischen Sdamerika und Westantarktis und die
Macquarie-Brcke zwischen Australien und Ostantarktis. Wegen unserer
Unkenntnis der Antarktis sind hier die Angaben der Tabelle anders zu
bewerten als die frheren. Denn viele Autoren haben es offensichtlich
nur deshalb unterlassen, eine Landbrcke anzunehmen, weil sie mangels
Beobachtungen noch keine Ursache hatten, es zu tun. Es kommt hier also
hauptschlich nur auf die bejahenden Urteile an. Unsere Tabelle scheint
dann zu zeigen, da die Macquarie-Brcke bereits im oberen Eozn, die
sdgeorgische aber erst im Pliozn ganz abbrach, nachdem sie schon
seit dem Oligozn stark behindert war. Aus biologischen Grnden hat
man brigens eine doppelte Brcke angenommen, die eine von Wilkesland
ber Tasmanien nach Westaustralien, die andere ber die Westantarktis
nach Neuseeland und Neuguinea. Die beiden Einwanderungsstrme zeigen
charakteristische Unterschiede.

Die sdgeorgische Brcke brach erst im Pliozn ab, konnte aber nach der
Isolierung Australiens diesem nichts mehr liefern.

Die dritte Fauna /Hedleys/ ist die jngste, von den Sunda-Inseln
eingewanderte. Die heutige Lage Australiens gewhrt keine Absperrung
mehr gegen die Tier- und Pflanzenwelt der Sunda-Inseln. Die
altertmlichen australischen Sugetiere dringen im Sunda-Archipel
immer weiter vor, so da man die /Wallace/-Grenze schon weit jenseits
der Schollengrenze zwischen den kleinen Sunda-Inseln Bali und Lombok
hindurch und weiter durch die Makassarstrae zieht, und andererseits
wanderten der Dingo (wilder Hund), Nagetiere und Fledermuse u. a.
postdiluvianisch nach Australien ein. Die junge Regenwurmgattung
Pheretima, welche mit groer Lebenskraft auf den Sunda-Inseln, den
sdostasiatischen Kstengebieten von der Malaiischen Halbinsel bis
China und auf Japan die meisten lteren Gattungen verdrngt hat, hat
auch Neuguinea vollstndig erobert und bereits auf der Nordspitze
Australiens festen Fu gefat. Alles dies beweist einen regen Austausch
von Fauna und Flora, der erst in jngster geologischer Zeit begonnen
haben kann. Er zeigt deutlich, da man ohne Kontinentalverschiebungen
nicht auskommt, denn in der gegenwrtigen Lage knnte sich natrlich
die Eigenart der australischen Tierwelt nicht entwickelt haben.

[Illustration: Fig. 29.

Tiefenkarte der Umgebung von Neuguinea, Nach den Tiefenkarten der
Ozeane von /Groll/.]

Auch bei Australien besttigt die Tiefenkarte aufs schnste unsere
Annahme, da hier jngst eine Kollision dieser groen Scholle mit den
zerteilten Ketten des Sunda-Archipels stattgefunden hat. Betrachten
wir die beiden sdlichsten Reihen der Sunda-Inseln (Fig. 29). Die
genau weststlich streichende Kette von Java, Bali, Lombok, Soembava,
Flores, Wetter usw., biegt sich bei Annherung an die groe Tafel
Australien-Neuguinea in spiraligem Bogen allmhlich nach Nordost,
Nord, Nordwest, West, Sdwest. Die ihr vorgelagerte Timorkette bezeugt
schon durch ihre gestrte, wechselnde Richtung die Kollision mit dem
australischen Schelf und wird weiterhin in derselben energischen Weise
in einer Spirale zurckgebogen. Die australische Tafel erfat hier,
aus Sdosten herandrngend, die ursprnglich geradlinigen, nach Osten
weisenden Inselreihen und schiebt sie vor sich her. Und eine sehr
interessante Ergnzung zu diesem Vorgang sieht man auf der Ostseite
Neuguineas. Als Nordende der groen australischen Tafel aus Sdosten
kommend, hat Neuguinea die Inseln des Bismarckarchipels gleitend
gestreift, hat dabei aber Neupommern an seinem frheren Sdostende
erfat und mit sich geschleppt, die lange Insel um mehr als 90
herumdrehend und sie halbkreisfrmig biegend. Die tiefe Rinne, die
der Meeresboden im Sden und Osten dieser Insel aufweist, zeugt von
der Gewaltsamkeit dieses Vorganges, da das Sima sie noch nicht wieder
auszufllen vermocht hat.

Zwei unterseeische Rcken verbinden Neuguinea und Nordostaustralien
mit den beiden neuseelndischen Inseln und scheinen den Weg der
Verschiebung zu weisen, vielleicht als geschmolzene, zurckgebliebene
Massen von der Unterseite der Scholle. Auch auf biologischem Wege ist
/Hedley/ zu dem Resultat gekommen, da Neuguinea mit Neukaledonien, den
neuen Hebriden und den Salomoinseln eine Einheit bildet.

Auch Australien, insbesondere sein sdwestlicher Teil, wird von einer
hnlichen Gneistafel mit welliger Oberflche gebildet wie Vorderindien
und Afrika. Sie fllt lngs der Kste mit einem langen Steilrande,
der Darling Range und ihrer nrdlichen Fortsetzung zum Meere ab.
Vor dem Steilrand liegt ein abgesunkener Streifen flachen Landes, der
aus palozoischen und mesozoischen Schichten aufgebaut und an wenigen
Stellen von Basalten durchbrochen ist, und vor diesem wieder ein
schmaler, bisweilen ganz verschwindender Gneiszug an der Kste. Die
genannten Sedimente enthalten am Irvinflusse auch ein Kohlengebiet.
Es liegt nahe, anzunehmen, da diese australische Westkste einstmals
die Fortsetzung der indischen Ostkste einschlielich Ceylons gebildet
hat, schon nach den Konturen und der Tiefenkarte, aber auch weil
gerade manche biologische Beziehungen (Regenwrmer) Sdwestaustralien
besonders eng an Ceylon anschlieen. Die heutige Streichrichtung
der Gneisfaltung ist in Australien berall meridional gerichtet und
wrde also bei dieser Angliederung an Vorderindien in Nordost-Sdwest
verwandelt und somit parallel zur dortigen Hauptrichtung werden.

Im Osten Australiens verlaufen die wesentlich im Karbon gefalteten
australischen Kordilleren lngs der Kste von Sden nach Norden, um
hier in einem staffelfrmig nach Westen zurckweichenden Faltensystem,
dessen einzelne Falten immer genau nordsdlich verlaufen, zu endigen.
Ebenso wie bei den staffelfrmigen Falten zwischen Hindukusch und
Baikalsee zeigt dies die seitliche Grenze des Zusammenschubes an; die
riesenhafte Andenfaltung, welche, in Alaska beginnend, durch vier
Erdteile hindurchzieht, erreicht hier ihr Ende. Die westlichsten Ketten
der australischen Kordilleren sind die ltesten, die stlichsten die
jngsten. Tasmanien bildet eine Fortsetzung dieses Faltensystems.
Interessant ist im Bau des Gebirges die spiegelbildliche hnlichkeit
mit den sdamerikanischen Anden, wo wegen der Lage jenseits des Poles
die stlichsten Ketten die ltesten sind. Indessen fehlen in Australien
die jngsten Ketten. /Suess/ findet sie in Neuseeland wieder[99],
dessen Gebirge in der Trias-Jura-Zeit gefaltet wurde[100]. Schon diese
Verhltnisse legen die Annahme nahe, da Neuseeland im Karbon noch ein
Randschelf neben den australischen Kordilleren, im Jura eine Randkette
derselben bildete, die sich erst im Tertir als Girlande ablste.
Hiermit stimmt die Verteilung der marinen tertiren Randsedimente
Australiens berein. Der breite Streifen tertirer Sedimente, der die
ganze Sdkante Australiens begleitet und sich durch die Bass-Strae
hindurchzieht, deutet an, da hier im Tertir mindestens schon
ein berschwemmter Grabenbruch Australien von Antarktika trennte;
vielleicht war sogar die vllige Trennung schon erfolgt bis auf
den tasmanischen Anker, der erst etwas spter durchgerissen wurde.
Die Fortsetzung dieser tertiren Sedimente findet man erst auf
Neuseeland wieder, whrend die australische Ostkste vllig frei von
ihnen ist. Zur Zeit der Ablagerung scheint also Neuseeland noch mit
Australien landfest gewesen zu sein. Die zwischen beiden gelegene
Lord-Howe-Insel kann erst in jngster Zeit isoliert worden sein; dort
sind groe Knochen von Landtieren gefunden worden, welche den riesigen
Eidechsengattungen Megalania und Notiosaurus zugeschrieben werden.
Diese Tiere, die in Australien Zeitgenossen der groen Beuteltiere
gewesen sind und also in sehr junger Zeit gelebt haben, knnen
unmglich auf einer so kleinen Insel gehaust haben.

ber die permokarbonischen Glazialablagerungen im Gebiet des alten
Gondwanalandes wird im folgenden Kapitel berichtet werden.

Die Angliederung Australiens in der Rekonstruktion der karbonischen
Urkontinentalmasse ist aus dem Grunde besonders schwierig, weil wir
den Bau von Antarktika noch nicht gengend kennen. Namentlich in der
Ostantarktis sind die Konturen noch auf lange Strecken unerforscht,
so da wir nicht in der Lage sind zu beurteilen, wie eine probeweise
ausgefhrte Angliederung berhaupt pat. Es ergeben sich infolgedessen
hier noch mehrere Mglichkeiten, welche namentlich die Lage Neuguineas
erheblich ndern wrden. Auf meine Wahl, die nur zur Sttze fr die
Vorstellung getroffen wurde, lege ich keinen groen Wert, insbesondere
ist auch die Verschiebung der Westantarktis an der Ostantarktis
entlang rein hypothetisch. Hierdurch wurde erreicht, da das Ende der
Gebirgskette von Grahamland, nmlich Knig Edward VII. Land, neben die
Ketten des Viktorialandes und Tasmaniens zu liegen kommt und seine
unmittelbare Fortsetzung in der Girlande Neuseeland findet.




Fnftes Kapitel.

Polwanderungen.


ber die Frage der Pollage in frheren geologischen Zeiten herrscht
gegenwrtig in der Geologie eine Verwirrung, die nach dem Gesamtstand
unserer Kenntnisse nicht mehr notwendig erscheint, wenn sie auch
historisch verstndlich ist.

Nach dem Vorgange von /Laplace/ waren die Geophysiker anfangs geneigt,
praktisch in Betracht kommende Polwanderungen ganz zu leugnen, da
sie nachweisen konnten, da geologische Massenverlagerungen, wie
Sedimentation, Bildung von Inlandeisdecken, Hebungen und Senkungen
nur uerst geringe nderungen der Trgheitsachse der Erde und damit
auch der Rotationsachse verursachen knnen, vorausgesetzt, da
die Erde sich wie ein starrer Krper verhlt. Es ist auch leicht
einzusehen, da in letzterem Falle die Trgheitsachse -- bei der
Kugel noch durch jeden beliebigen Durchmesser reprsentiert -- beim
abgeplatteten Rotationsellipsoid, wie es die Erde darstellt, eben
durch die Abplattung in dem Grade festgelegt ist, da ganz ungeheure
Deformationen des Ellipsoids dazu gehren, sie auch nur um ein geringes
zu ndern.

Die Resultate des Internationalen Breitendienstes entsprechen auch
tatschlich nahezu diesen Anschauungen. Diese Messungen haben uns,
wie im dritten Kapitel errtert wurde, mit einer sehr geringfgigen
kreisenden Bewegung des Rotationspoles bekannt gemacht, den sogenannten
Polschwankungen, nach denen der Pol eine eigentmliche, bisweilen
spiralig sich zusammenziehende, dann wieder sich erweiternde Kurve
um eine mittlere Lage (den Trgheitspol) beschreibt, ohne sich dabei
aber mehr als etwa 20 m von diesem zu entfernen. Die Natur dieser
kreisenden Bewegung ist gut bekannt; sie besteht, abgesehen von
einer erzwungenen jhrlichen Schwingung, aus der freien /Euler/schen
Bewegung um den Trgheitspol, welche bei starrer Erde nur 305 Tage
Umlaufszeit haben sollte, infolge der Plastizitt des Erdkrpers aber
eine solche von 423 Tagen hat. Man hat sich also vorzustellen, da
von Zeit zu Zeit durch Erdbeben oder andere geologische Ereignisse
eine minimale Verlagerung der Trgheitsachse eintritt; dann schiet
jedesmal der Rotationspol im rechten Winkel zu dieser Verlegung aus
und beginnt seine kreisende Bewegung, die allmhlich spiralig wieder
zur Ruhe kommt, meist aber schon vorher wieder durch eine neue kleine
Verlagerung der Trgheitsachse einen neuen Impuls erhlt. Diese
Verlagerungen der Trgheitsachse sind jedoch so minimal, da sie sich
aus den bisherigen Beobachtungsreihen nicht mit einiger Sicherheit
erkennen lassen, sondern nur aus der Bewegung des Rotationspoles
erschlossen werden. Es lt sich nachweisen, da diese /Euler/sche
Kreisbewegung nur bei starren, nicht bei flssigen Krpern mglich ist,
und so scheinen unsere Erfahrungen ber Polschwankungen in der Tat das
alte /Laplace/sche Vorurteil gegen groe Polwanderungen zu sttzen.

Indessen hat man doch schon vor lngerer Zeit eingesehen, da dies
ein Trugschlu ist, und eine Autoritt wie Lord /Kelvin/[101] hat z.
B. das Ergebnis seiner Untersuchung ber diesen Gegenstand in die
Worte gekleidet: Wir knnen nicht nur zulassen, sondern sogar als
hchst wahrscheinlich behaupten, da die Achse grter Trgheit und
die Rotationsachse, immer nahe beieinander, in alten Zeiten sehr weit
von ihrer gegenwrtigen geographischen Position entfernt gewesen
sein knnen, und da sie nach und nach um 10, 20, 30, 40 oder mehr
Grade gewandert sein knnen, ohne da dabei jemals eine wahrnehmbare
pltzliche Strung, sei es des Wassers oder des Landes stattgefunden
hat. Namentlich /Schiaparelli/[102] hat der Frage, wie sich die Dinge
bei einer nichtstarren Erde stellen, eine lichtvolle Untersuchung
gewidmet, auf deren Resultate wir kurz eingehen wollen. Er behandelt
nacheinander die drei Flle einer vllig starren Erde, einer vllig
flssigen Erde und einer solchen mit verzgerter Anpassung der
Abplattung an die jeweilige Pollage. Im ersten Teil kommt er zu dem uns
bereits bekannten Resultat, da selbst groe geologische Vernderungen
nur uerst geringfgige Lagennderungen der Trgheitsachse mit sich
bringen, und da die Rotationspole die /Euler/sche Kreisbewegung um
die Trgheitspole beschreiben. Ganz anders im zweiten Fall, der einer
flssigen Erde mit sofortiger Anpassung der Abplattung an die Rotation
entspricht. Es leuchtet ein, da jetzt die Abplattung nichts mehr zur
Festlegung der Rotationsachse beisteuern kann. Sie folgt automatisch
und ohne Widerstand der jeweiligen Lage der Rotationsachse und damit
auch der Trgheitsachse. Hierdurch wird diese frei beweglich, d. h.
nur noch durch die Unregelmigkeiten der Massenverteilung an der
Erdoberflche oder im Erdinnern bestimmt. Das Maximum der Trgheit,
welches der Trgheitsachse entspricht, ist also jetzt nur wenig
verschieden von den Trgheitswerten anderer Achsenlagen, und es gengen
daher sehr kleine geologische Vernderungen, um auerordentliche
Polwanderungen zu erzeugen. Die Erdpole wrden in diesem Falle
auerordentlich empfindlich gegenber den geologischen Vorgngen sein,
und es wre zu erwarten, da sie in lebhafter, mebarer Bewegung
wren. Die /Euler/sche kurzperiodische Bewegung wre verschwunden,
oder genauer, das fortwhrende Wandern ihres Zentrums verhindert ihre
Entfaltung; statt dessen treten lange schwingungsartige Bewegungen sehr
groer Amplitude auf, deren Geschwindigkeit und Periode /Schiaparelli/
in einem Zahlenbeispiel auf 200 km/Jahr, bzw. 100 bis 200 Jahre
berechnet. Man gewinnt also den Eindruck, da diese Annahme sofortiger
Anpassung der Abplattung an die Rotation ber das Ziel hinausschiet.

Um so wichtiger ist das Ergebnis der dritten Annahme, nmlich der der
verzgerten Anpassung. Und zwar stellt sich /Schiaparelli/ vor, da
die Abplattung ihre gegebene Orientierung so lange beibehlt, also
der Ellipsoidpol (/Schiaparelli/ nennt ihn ple d'quilibre) so lange
unverndert bleibt, bis der Rotationspol eine bestimmte Entfernung
_k_ von ihm berschreitet, worauf dann der Ellipsoidpol, immer in der
Entfernung _k_, ihm zu folgen beginnt. Macht jedoch der Rotationspol
in seiner Bahn eine schrfere Wendung, so da sich sein Abstand vom
Ellipsoidpol wieder verringert, so bleibt dieser sogleich wieder
still liegen, und zwar so lange, bis der Rotationspol wiederum die
Entfernung _k_ berschreitet. Mit anderen Worten: der Ellipsoidpol
wird vom Rotationspol so nachgeschleppt, als ob beide durch eine
Leine von der Lnge _k_ miteinander verbunden wren. Vom dritten Pol,
dem Trgheitspol, haben wir noch nicht gesprochen; sein Abrcken vom
Ellipsoidpol bildet fr den Rotationspol die Veranlassung, seine
Wanderung zu beginnen.

Die ganze Bewegung spielt sich hiernach in zwei Phasen ab: in der
ersten Phase verhlt sich die Erde wie ein starrer Krper, der
Ellipsoidpol verharrt ungendert in seiner Lage; geologische Ursachen
bewirken sehr kleine Verlagerungen des Trgheitspoles, auf welche
der Rotationspol mit der /Euler/schen Kreisbewegung reagiert. Dies
ist, um es vorweg zu nehmen, das Bild, welches wir heute sehen. Die
zweite Phase der Bewegung aber beginnt dann, wenn die Abweichung des
Rotationspoles vom Ellipsoidpol infolge einer strkeren Verlegung des
Trgheitspoles die kritische Gre _k_ berschreitet. Dann ndern sich
mit einem Schlage die ganzen Verhltnisse. Die wesentliche Bedingung
dafr, da groartige Polwanderungen als Folge der allmhlichen
Anpassung auftreten, besteht aber darin, da durch irgendeine Ursache
der Abstand zwischen Rotations- und Ellipsoidpol grer wird als die
Konstante _k_. Der Ellipsoidpol wird nunmehr hinter dem Rotationspol
im Abstand _k_ hergezogen, zwingt nun aber seinerseits wieder den
Trgheitspol, die neue Orientierung der Abplattung zu bercksichtigen.
Zu der bisherigen Bewegung des Trgheitspoles, die nur durch die
geologischen Vorgnge bestimmt ist, tritt also nun noch eine zweite,
nmlich die Tendenz, mit dem von ihm selber in Bewegung gesetzten
Ellipsoidpol mitzugehen. Da auf diese Weise die Wirkung immer wieder
erneut zur Ursache wird, so werden schon kleine erste Ursachen
(geologische Prozesse) imstande sein, ganz ungeheure Polwanderungen
zu erzeugen. Sie mssen nur so gro sein, da der Rotationspol um
mehr als _k_ vom Ellipsoidpol fortgedrngt wird. Leider ist es
noch nicht mglich, ber die Gre von _k_ ein Urteil zu haben.
/Schiaparelli/ berechnet ein Zahlenbeispiel, bei welchem _k_ = 300 m
herauskommt, aber natrlich ist dies eine ganz unsichere Schtzung;
aus den Polschwankungen scheint nur so viel hervorzugehen, da _k_
> etwa 20 m sein mu. /Schiaparelli/ meint: Es ist wahrscheinlich,
da die Erde, indem sie sich infolge der Abkhlung verfestigte, den
Wert dieser Konstante fortschreitend vergrert hat, und ihn noch
heute vergrert. Wenn dies zutrifft, und wenn wir annehmen, da die
Intensitt der geologischen Prozesse immer dieselbe bleibt, wird sich
die Wahrscheinlichkeit groer Wanderungen der geographischen Pole,
die ja durch die Anpassung verursacht werden, fortschreitend im Laufe
der Zeit verringern. Hieraus leitet sich eine wichtige Folgerung ab;
nmlich selbst wenn es gelungen wre zu zeigen, da solche Bewegungen
fr die Gegenwart unmglich seien (was noch nicht geschehen ist), so
knnte man den Schlu noch nicht auf die Zeiten ausdehnen, wo durch
die Bewegungen der Erdkruste die Alpen, die Anden und der Himalaja
um mehrere Kilometer emporgehoben wurden; und noch weniger auf die
ltesten Zeiten der Erdgeschichte.

Wir mssen uns allerdings erinnern, da auch ohne nderung von _k_
zeitweise wieder die erste Phase der Bewegung eintreten kann, die sich
so abspielt, als ob die Erde absolut starr und die Leine zwischen
Rotations- und Ellipsoidpol schlaff wre, nmlich wenn die Polbahn eine
scharfe Biegung macht oder einen Umkehrpunkt hat. Das Vorhandensein der
/Euler/schen Periode spricht dafr, da wir uns gegenwrtig in einem
solchem Zwischenstadium befinden, aber wir mssen jeden Tag gewrtig
sein, da der Radius der /Euler/schen Kreisbewegung grer als _k_
wird und dann der Pol sozusagen durchgeht, wobei dann die /Euler/sche
Periode nicht mehr in Erscheinung tritt. Vielleicht herrschte derselbe
Ruhezustand auch sehr lange in der Sekundrzeit. Die im folgenden zu
besprechende auffllig rasche tertire Polwanderung nach der langen
Zeit relativer, zum Teil auch wohl vlliger Ruhe erfhrt hierdurch eine
ganz neue, eigenartige Beleuchtung.

Die geologischen Tatsachen drngen, wie in neuerer Zeit immer
mehr anerkannt wird, durchaus zu der Annahme, da die Pole in den
verschiedenen geologischen Zeiten an verschiedenen Orten gelegen haben.
So kommt /E. Kayser/[103] in bezug auf die groe Polverschiebung im
Tertir zu dem Resultat: Wir mchten glauben, da sie schon deshalb
schwer zu umgehen sein wird, weil ohne sie die monatelange Polarnacht
mit ihrer ungeheuren Wrmeausstrahlung ein nahezu unberwindliches
Hindernis fr die Entwickelung solcher Baumfloren sein wrde, wie wir
sie im Tertir Grnlands und Spitzbergens antreffen. Auch /Hoernes/
hlt es in seinem Referat ber diese Frage[104] fr in hohem Grade
unwahrscheinlich, da eine abweichende Verteilung von Land und Meer
und vertikale Hhendifferenzen daran Schuld tragen sollten, da
Nordamerika in ungleich hherem Grade vereist war als Europa. Viel
wahrscheinlicher ist es, da eine andere Lage des Poles an dieser
Erscheinung die Schuld trgt. /Eckardt/[105] hebt insbesondere mit
Recht hervor, da ohne Polverlegung die Ausdehnung der diluvialen
Eiskappe -- namentlich in Amerika -- in Konflikt mit der Lage der
Klimagrtel der Erde kommen mte. Von Spezialforschern haben besonders
/Neumayr/, /Nathorst/ und /Semper/ auf die Notwendigkeit hingewiesen,
fr den Beginn des Tertirs eine andere Pollage anzunehmen, und zwar
nahm /Neumayr/ eine Verschiebung um 10, /Nathorst/ um 20 und /Semper/
um 20 bis 30 in der ungefhren Richtung auf die Beringstrae an. (Es
wird gezeigt werden, da 40 am besten den Tatsachen entspricht.)
Der Wahrheit am nchsten kommen wohl zwei Arbeiten von nicht streng
fachmnnischer Seite, nmlich die des Ingenieurs /Reibisch/[106]
und die des Physikers /Kreichgauer/[107], welche fr die Zeiten
nach der Kreide zu fast identischen Resultaten gelangen. Leider hat
/Reibisch/ seine von der Kreide ab ganz zutreffenden Vorstellungen
in die wunderliche Zwangsjacke einer strengen Pendulation der Pole
auf einem Schwingungskreise eingekleidet, die als physikalisches
Kreiselgesetz hchstwahrscheinlich falsch ist und auch zu manchen
Widersprchen mit den Beobachtungen fhrt. Daher hat auch /Simroths/
umfangreiche biologische Beweisfhrung[108] nicht zur Annahme dieser
Pendulationstheorie gefhrt. Sie enthlt auch naturgem keine
Beweise fr die von /Reibisch/ behauptete strenge Gesetzmigkeit der
Polbewegungen, aber sie bringt doch wichtige Belege fr die Richtigkeit
groer Polverlegungen, namentlich derjenigen des Tertir, in der
ungefhren Richtung des /Reibisch/schen Schwingungskreises, und sie
enthlt beachtenswerte Gedanken und Feststellungen ber das Stagnieren
der Entwickelung an den Orten bestndigen Tropenklimas [Ecuador und
Sumatra, den Schwingungspolen][109] und die schpferische Kraft
des Schwingungskreises, wo die groen Klimaschwankungen durch die
Ntigung zu immer neuen Anpassungen die Entwickelung der Lebewelt
mchtig frderten.

/Kreichgauer/ vermeidet die schdliche Schematisierung und spricht nur
von Polwanderungen, die sich auf unregelmigen Kurven vollziehen.
Er leitet sie teilweise aus der Gesamtheit der klimatologischen
Anzeichen ab -- hauptschlich aber in einer nicht immer berzeugenden
Weise aus den Streichrichtungen der jeweiligen Gebirgsfaltungen. Zur
Karbonzeit lag nach ihm der Nordpol im nrdlichen Pazifik, der Sdpol
bei Sdafrika; dann nherte sich der Nordpol den Aleuten, so da
Sdafrika eisfrei wurde, und in dieser Lage verharrten die Pole in der
ganzen Sekundrzeit, die /Kreichgauer/ berspringt. Erst mit Beginn des
Tertir begann eine neue groe Wanderung, die ber Alaska fort bis nach
Grnland (Quartr) hineinfhrte, von wo der Pol seit der Eiszeit wieder
auf seinen heutigen Platz zurckgegangen ist. Die Fachgeologen haben
seine ungewhnlich klaren Gedankengnge nur wenig beachtet und nehmen
hauptschlich daran Ansto, da /Kreichgauer/ die Pollage bis in die
ltesten Zeiten zu rekonstruieren versucht und dabei zu einer Wanderung
um etwa 180 kommt. Dies letztere gbe nun freilich an sich keinen
Grund zur Beanstandung. Aber man wird zugeben, da die Klima-Anzeichen
fr die vorkarbonische Zeit immer sprlicher und schwieriger werden, so
da man wohl am besten tut, diese alten Zeiten vorlufig auer Betracht
zu lassen.

Die bereinstimmung zwischen /Reibisch/ und /Kreichgauer/ in den
bestbekannten jngeren geologischen Abschnitten deutet an, da ihr
Ergebnis der Wahrheit bereits sehr nahe kommt. Der folgende Versuch,
die Pollagen bis zum Karbon zurck zu verfolgen, besttigt dies, denn
das Ergebnis ist auch hier im wesentlichen das gleiche. Dabei gelingt
es, durch die Verschiebungstheorie eine Anzahl von Widersprchen zu
beseitigen, welche -- wie die permokarbonische Vereisung der ganzen
Sdhalbkugel -- die Aufgabe bisher schlechterdings unlsbar machten.
Diese Fhigkeit der Verschiebungstheorie, die Dinge zu vereinfachen und
auch sehr verwickelte Knoten zu lsen, wird sich gerade hier besonders
schn zeigen. Da wir zugleich auch in den Kontinentalverschiebungen
die Ursache der Polwanderungen zu sehen haben, wird im nchsten Kapitel
erlutert werden.

Es kann nicht ganz mit Stillschweigen bergangen werden, da in der
heutigen geologischen Literatur immer noch hufig Polwanderungen ganz
geleugnet werden. Die Verwirrung erscheint mir nicht einmal dadurch
erklrbar, da man ohne Einfhrung der Kontinentalverschiebungen
naturgem zu Widersprchen kommt. Es ist wohl der Wahn von einer
fortdauernden, merklichen Abkhlung der Erde, dessen Ketten die
Geologie noch immer nicht abgestreift hat, und der hier den Gedanken
nahelegt, die Innenwrme der Erde knnte frher ein gleichmiges,
warmfeuchtes Klima erzeugt haben. Wenn wir ehrlich sind, mssen wir
auch gestehen, da dieser Trugschlu nahe liegt. Die beiden kalten
Zonen der Erde machen nach /Supan/ nur 12 Proz., die heie Zone 50
Proz. der Erdoberflche aus; es ist deshalb, wie /Eckardt/ hervorhebt,
ganz allgemein viermal wahrscheinlicher, eine tropische Ablagerung als
eine polare zu finden[110]. Dazu kommt, da whrend des grten Teiles
der Erdgeschichte der Nordpol in den Pazifik, der Sdpol auf Antarktika
fiel, von wo wir fast keine Beobachtungen haben und teilweise auch
nicht haben knnen. Und endlich mu man sich vergegenwrtigen, da die
Geologie -- auch heute noch! -- wesentlich europisch orientiert ist;
und Europa war eben im Tertir und in der ganzen Sekundrzeit tropisch
oder subtropisch. Nachdem aber Spuren von Inlandvereisung fr das
Permokarbon, Devon, das Kambrium, ja schon fr das Algonkium gefunden
sind, haben wir offenbar diesen ganzen Vorstellungskreis aufzugeben.
Die vielfach hervortretende Neigung, die Polverlegung, deren
Unabweisbarkeit man eingesehen hat, wenigstens so klein als mglich
zu halten, ist unlogisch und dient dazu, die Forschung zu verwirren
und aufzuhalten. Wenn der Pol 10 wandern kann, so braucht er nur
18mal lngere Zeit, um 180 zurckzulegen, ohne da neue Ursachen
hinzuzutreten brauchen. Wir sind also bei der Bestimmung frherer
Pollagen lediglich auf die geologischen Befunde angewiesen und haben
diese ohne Rcksicht auf die heutige Pollage zu deuten.

Es soll nicht geleugnet werden, da das Klima eines Ortes nicht nur
von seiner geographischen Breite, sondern in hohem Grade auch von
der Verteilung von Wasser und Land abhngt. Allein es heit doch das
Pferd vom Schwanz aufzumen, wenn man, wie vielfach geschehen, alles
aus diesen Unregelmigkeiten herleiten will und Polwanderungen als
entbehrlich bezeichnet. Die Haupterscheinung bildet doch die Lage der
Klimagrtel, und demgem mu der erste Schritt der Versuch sein, die
Pollage aus den Beobachtungen abzuleiten. Dies ist gewissermaen die
erste Nherung bei der Lsung des Problems. Erst wenn die ungefhre
Pollage gefunden ist, ist es angezeigt, die durch Land und Meer
bedingten Abweichungen von den Klimazonen heranzuziehen und auf diese
Weise eine zweite Nherung fr die Pollage zu erhalten, wovon aber
in der vorliegenden Skizze noch ganz abgesehen werden mu. Bei der
Breitenschtzung nach dem Charakter des Fundes mssen natrlich alle
verfgbaren klimatischen Anzeichen verwertet werden, wie auer der
Gre und Art der Fossilien auch die rote lateritische Bodenfarbe der
Tropen und die gelbe der gemigten Breiten[111], ferner Windkanter
als Wstenmerkmal, Salzlager als solche fr Trockenheit und Wrme,
Korallen als tropische Meeresbewohner, desgleichen Nummuliten, Rudisten
u. a., Kohlen und Torfbildung als Anzeichen fr die quatoriale und
die beiden gemigten Niederschlagszonen, Jahresringe an Bumen,
Glazialerscheinungen, und dergleichen mehr.

Es wre zweckmig, fr alle gut untersuchten Gegenden der Erde nach
solchen Gesichtspunkten fr jedes Zeitalter die Breitenschtzung
auszufhren, wie es versuchsweise in der graphischen Darstellung Fig.
30 fr Deutschland geschehen ist. Wenn diese Kurve -- deren genauere
Begrndung auch nur fr Deutschland den Rahmen unserer Darstellung
weit berschreiten wrde -- fr eine Reihe verschiedener Lnder mit
einiger Sicherheit ermittelt ist, so lassen sich aus ihnen, wenn
noch die relative Verschiebung der Kontinente bercksichtigt wird,
durch Rechnung oder Messung am Globus die sukzessiven Pollagen
leicht und sicher ermitteln. Die von /Dacqu/ entworfene Klimakurve
der Vorzeit[112] ist ein erster Schritt in Richtung dieser viel
versprechenden Methode, leidet aber an dem grundstzlichen Mangel,
da sie nicht fr eine bestimmte Gegend gelten soll, sondern fr die
ganze Erde. Wir knnen aber natrlich von einem vorzeitlichen Klima der
ganzen Erde ebensowenig reden wie von dem Gesamtklima der heutigen Erde.

[Illustration: Fig. 30.

Die Breitenlage Mitteleuropas im Laufe der Erdgeschichte.]

Die folgenden Ausfhrungen stellen nur einen skizzenhaften berblick
dar, dem ein Ausbau im einzelnen noch dringend nottut. Es ist zu
erwarten, da sich bei einer vollstndigeren Verwertung aller bisher
vorliegenden klimatisch verwertbaren Funde die resultierenden Pollagen
hier und da noch etwas ndern werden. Wir mssen auch bercksichtigen,
da die hier abgeleiteten Pollagen Mittelwerte darstellen, whrend aus
den Interglazialzeiten hervorzugehen scheint, da die Pole bei ihren
Wanderungen nicht geradlinig fortschreiten, sondern dabei Schwankungen
bis zu mindestens 10 ausfhren, die wir hier (und auch in der obigen
Klimakurve) ganz vernachlssigen. Da grundstzliche nderungen
ntig sein werden, ist jedoch bei der guten inneren bereinstimmung
fr die Nordhalbkugel wenig wahrscheinlich. Auf der Sdhalbkugel
freilich treten Widersprche auf, welche eine Revision der dortigen
Altersbestimmungen wnschenswert erscheinen lassen. Es soll keineswegs
versucht werden, diesen Mistand irgendwie zu verbergen. Die Geologen
haben indessen kein Recht, aus diesem Grunde etwa ber die ganze
Theorie der Polwanderungen den Stab zu brechen. Die Forderung nach der
genannten Revision ist bereits aus ihren eigenen Reihen erhoben worden,
und ihre Notwendigkeit erhellt -- von allen Theorien abgesehen -- aus
der Tatsache, da die jetzigen Angaben sich selbst widersprechen. Wir
werden auf diese inneren Widersprche der bisherigen Altersschtzungen
noch zurckkommen.

[Illustration: Fig. 31.

Rekonstruktion der Kontinentalschollen fr die groe Eiszeit.]

In Fig. 31 ist die gegenseitige Lage von Nordamerika und Europa zur
Eiszeit dargestellt. Man ersieht aus ihr, da das Gesamtareal der
Vereisung nach der Verschiebungstheorie wesentlich kleiner wird, was
unter allen Umstnden eine Vereinfachung bedeutet. Die gestrichelt
angedeutete Endmorne umschliet, ohne irgendeine Diskontinuitt
an der amerikanisch-europischen Grenze zu zeigen, jetzt ein
zusammenhngendes Inlandeisgebiet, was ein sehr merkwrdiger Zufall
sein mte, wenn die Kontinente bei ihrer Ablagerung ihre heutige
Entfernung voneinander gehabt htten. Die Karte soll etwa fr die
groe Eiszeit gelten. Es sei dahingestellt, ob die Verbindung der
Schollen bei Neufundland und Irland vielleicht schon ein wenig
frher abgebrochen war. Bei der letzten europischen Vereisung war
jedenfalls Grnland bereits von Skandinavien abgerckt, was sowohl aus
biologischen Grnden als auch aus der Richtung der Eisschrammen und
der Neigung der gehobenen Strandlinien in den norwegischen Fjorden
zu schlieen ist. Den Pol auerhalb dieser groen Eiskappe zu legen,
liegt keinerlei Grund vor. Legen wir ihn in die Mitte desselben, um 20
verschoben, so liegen die entferntesten Mornenrnder auf 57 Breite,
das Mittelmeer in der Zone der regenreichen Westwinde, Kamerun in der
Trockenzone und St. Helena und der Sambesi auf dem quator.

Whrend der Interglazialzeiten haben die Saiga-Antilope und zahlreiche
andere Steppentiere, welche zum Teil noch heute in den sdrussischen
Halbwsten leben, auch in Deutschland ihre Heimat gehabt. Ihre Reste
finden sich bald mit Vertretern der nordischen Schneefauna gemischt,
bald fr sich allein in groen Mengen gehuft. Man hat daraus
gefolgert, da Mitteleuropa damals ein hnliches steppenartiges Klima
gehabt hat, wie heute Sdruland oder Westsibirien. Bei der heutigen
Nhe einer breiten Tiefsee und namentlich des Golfstromes im Westen ist
dies meteorologisch nicht erklrbar. Die Verschiebungstheorie bietet
auch hier eine Vereinfachung, da nach ihr, wie ein Blick auf unser
Krtchen zeigt, der Atlantische Ozean damals in der Gegend von Spanien
sein nrdliches Ende erreichte.

Sibirien hatte im Diluvium tatschlich, wie nach vorstehendem zu
erwarten, ein wrmeres Klima als heute, und der Baumwuchs reichte
dort hher nach Norden hinauf, so da zahlreiche Mammute noch auf den
Neusibirischen Inseln gengend Pflanzennahrung fanden. Aus Sdafrika
hat /Passarge/[113] von einer Lateritbildung berichtet, deren Alter
zwar nicht genau feststeht (tertir bis rezent), aber wahrscheinlich
als diluvial zu betrachten sein drfte. Damit stimmt auch berein, da
sich die in Sdafrika anfnglich vermuteten diluvialen Eisspuren nicht
besttigt haben.

Der Sdpol mte im Diluvium am Nordende von Viktorialand gelegen
haben. Australien lag damals nach der Verschiebungstheorie noch
sdstlicher, nahe bei Neuseeland. Hierzu stimmt, da in Ostaustralien,
Tasmanien und Neuseeland (Sdinsel) Anzeichen strkerer diluvialer
Gebirgsvergletscherung gefunden worden sind. /Penck/ bezeichnet
diese australische Eiszeit als ziemlich drftig. Neuseeland lag
damals auf etwa 60 Sd. Eine interessante Einzelheit sei erwhnt:
in Tasmanien lag nach /Penck/ die diluviale Schneegrenze 500 bis
600 m tiefer als auf Neuseeland. Bei der heutigen, fast gleichen
Breite beider Lokalitten wre dies schwer verstndlich. Nach der
Verschiebungstheorie dagegen lag Australien relativ zu Neuseeland
erheblich sdlicher, so da Tasmanien in hhere sdliche Breiten
hinaufrckt als Neuseeland.

In Australien finden sich am Callabonna-See massenhaft aufgehufte
Knochen der Riesen-Beuteltiere, wie Diprotodon, Phascolonus, des
Riesen-Knguruhs (Macropus titan), Palorchectes und des Thylacoleo.
Diprotodon erreichte Nashorngre. In Sdaustralien lebten gleichzeitig
riesige Krokodile und groe Schildkrten (Miolania) und die
Riesenvgel aus der Verwandtschaft der Moas[114]. Das Aussterben dieser
Fauna ist vielleicht besser auf das Nherrcken des Poles im Diluvium
statt, wie meist blich, auf Austrocknung zurckzufhren, whrend
man wohl nicht fehl geht, ihre Entstehung in eine Zeit zu setzen, wo
Australien unter besonders geringer Breite lag, aber vor der Invasion
fremder Tropenfaunen geschtzt war. Wir werden spter sehen, da das
ltere Tertir eine solche Zeit war.

Patagonien mte im Diluvium auf nur 30 Sd gelegen haben und
wohl ganz frei von Gletschern gewesen sein. Damit kommen wir zu
der heiklen Frage der Altersbestimmung der sdamerikanischen
Glazialerscheinungen. /Steinmann/[115] unterscheidet eine ltere,
weit ausgedehnte berschwemmung ganz Patagoniens mit Inlandeis, die
er ins Altquartr setzen mchte und eine junge weniger ausgedehnte,
die er unserer Eiszeit gleichsetzt. Sehen wir zunchst von der lteren
Vereisung ab, die, wie spter gezeigt werden wird, wahrscheinlich in
das Tertir umzudatieren ist, und betrachten wir nur die frischen
Spuren jngster Vereisung; nach der groen Karte in /Dacqu/,
Grundlage und Methoden der Palogeographie (Jena 1915), handelt es
sich hier wohl wesentlich nur um Gebirgsvergletscherung. Und nrdlich
des Wendekreises liegen alle Eisspuren oberhalb 4000 m. Dieser
geringe Vereisungsgrad steht jedenfalls in schroffem Gegensatz zu
der riesenhaften Inlandeisberschwemmung Nordamerikas bis St. Louis
(38) herab. Geht man immerhin davon aus, da die Vergletscherung
strker gewesen ist als heute, so liegt nichts nher als anzunehmen,
da es sich um eine nordamerikanische Interglazialzeit handelt. Eine
stratigraphische Entscheidung hierber drfte kaum mglich sein. Aber
da wir eine diluviale Verlegung des Nordpoles durchaus nicht entbehren
knnen, um nicht in einen absurden Konflikt mit den Klimagrteln der
Erde zu kommen, verlangt die Logik eine entsprechende Verlegung des
Sdpoles nach der anderen Seite, und damit folgt, da Inlandeis in
Kanada Wrme in Patagonien bedeutet. Und hiermit stimmen in der Tat die
palontologischen Befunde. Denn nur durch eine diluviale Wrmeperiode
Sdamerikas findet die dortige ganz eigenartige diluviale Fauna von
riesigen Edentaten, den groen Vorfahren der kleinen, heute fr dies
Gebiet charakteristischen Faultiere, Grteltiere und Ameisenbren, ihre
Erklrung. Das Riesenfaultier (Megatherium) erreichte Elefantengre.
Eine kleinere Gattung (Mylodon) soll in gewissen Hhlen bis in die
neueste Zeit gelebt haben und jedenfalls Zeitgenosse, vielleicht
Haustier des Menschen gewesen sein. Die Reste dieser Tiere liegen
meist in Pampaslehm eingebettet, einer ausgedehnten Lformation, die
sich auen an das mit Grundmorne bedeckte Gebiet lterer Vereisung
anschliet (nrdlich von Patagonien). Man erkennt allgemein an, da
diese Fauna nur in warmem Klima gelebt haben kann, ist aber bestrebt,
sie ins Tertir oder wenigstens Altquartr zu setzen, um nach Analogie
mit Europa fr das Tertir ein warmes, fr das Quartr ein kaltes Klima
zu retten, whrend die Tiere doch in dem Produkt der groen Vereisung
eingebettet liegen, also erst lebten, als der Wind bereits den Staub
von der abgetrockneten Grundmorne entfhren konnte. Jedenfalls wird
man zugeben, da diese Tiere nicht gleichzeitig mit der Vereisung
gelebt haben knnen, und da deshalb jedenfalls eine Revision der
Altersbestimmungen fr Sdamerika ntig ist.

Das gleiche gilt dann aber wohl auch fr die Altersbestimmungen in der
Westantarktis, die ja durch die sdamerikanischen in entscheidender
Weise beeinflut werden. Hier wurden Araukarien, Nothofagen und
Koniferen mit brasilianischer Verwandtschaft gefunden, auch ein
Riesenpinguin, also Anzeichen eines gemigten Klimas. Die Funde wurden
in das Tertir gesetzt. Es wird wahrscheinlich eine Verbesserung
bedeuten, wenn wir diese von den heutigen nicht sehr abweichenden
Formen in das Diluvium setzen knnen. Besonders interessant ist die
Verwandtschaft mit Brasilien, im Gegensatz zu lteren Zeiten, wo
die Beziehungen nicht nach Brasilien, sondern Neuseeland und Dekan
hinweisen. Denn im Diluvium hatten sich Australien und Neuseeland
bereits von Antarktika losgelst, und auerdem lag die Polarkappe
zwischen Westantarktis und Neuseeland, whrend der Weg zum tropischen
Brasilien frei war.

Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, da wir von einer
genaueren paloklimatischen Erforschung Patagoniens auerordentlich
wichtige Resultate zu erwarten haben. Die groe Breiten- und
Klimanderung, welche Europa zwischen Eozn und Diluvium durchmachte
und die einer Polwanderung von 65 entspricht, mu hier in Sdamerika
ohne Unterbrechung und in vollem Ausma zur Geltung gekommen sein,
aber in umgekehrtem Sinne wie in Europa: Anfangs Eiszeit, dann
regenreiche Westwindzone, dann als wrmste Zeit gerade noch das Klima
der Wstenzone und darauf wieder Abkhlung auf den heutigen Stand. Wir
kommen auf diese Frage beim Eozn zurck.

Es ist wohl ausgeschlossen, da jemals das ganze nrdliche
Vereisungsgebiet gleichzeitig vereist war. Selbst in der Antarktis
reicht das Inlandeis nur bis etwa 66, in Sdgrnland bis etwa 60
Breite. Diese Zahlen stellen aber Extreme dar. Die antarktischen
Verhltnisse sind wegen der ozeanischen Umgebung des Sdpolargebietes
extrem gnstig fr Inlandeisbildung. Auf der Nordhalbkugel fehlt das
Inlandeis in Sibirien noch in 75 Breite. Die grnlndische Eiskappe
darf man vielleicht mit /v. Drygalski/ als Relikt aus der Eiszeit
betrachten. Aus den Temperaturmessungen, die ich auf der /Koch/schen
Expedition quer ber Grnland ausgefhrt habe, geht hervor, da das
Inlandeis selbstttig durch Verstrkung der Ausstrahlung an seinem
Orte die Temperatur um etwa 7 herabdrckt; infolgedessen kann es sich
beim Steigen der Temperatur lnger erhalten, nmlich so lange, bis
die Temperatur 7 hher geworden ist als diejenige, bei der sich das
Eis zu bilden begann. Da diese 7 C rund 10 Breitegraden entsprechen,
knnen wir sagen, da im landreicheren Nordpolargebiet Inlandeis auf
etwa 70 Breite entsteht und auf 60 abschmilzt. Hiernach mte der
Nordpol, um die Eiskappe zu erzeugen, etwa einen Weg vom Nordufer der
Hudson-Bai durch Grnland fast bis Nordskandinavien zurckgelegt haben.
Indessen ist seine Bewegung wohl nicht auf krzestem Wege erfolgt. Die
Interglazialzeiten deuten groe Schwankungen der Pollage an, und es ist
wohl nicht undenkbar, da es sich um eine Fortbewegung in Schleifen
handelt. Wir brauchten dann nur anzunehmen, da der Nordpol mit den
grten Ausschlgen seiner Bahn die oben genannte Linie erreicht hat.

Schon fr Europa ist /Geikie/ zu dem Schlu gekommen, da die Vereisung
im Osten spter eintrat als im Westen. Er fand nmlich, da der untere
Blocklehm Ostdeutschlands gleichzustellen sei dem oberen Blocklehm
Mittel- und Westdeutschlands, d. h. da im letzteren Gebiet bereits
eine Grundmorne lag, als sich die unterste Grundmorne des Ostens
ablagerte. Fr Amerika ist /Chamberlin/ zu einem ganz hnlichen
Resultat gekommen. Auch hier geht aus der bereinanderlagerung der
Grundmornen hervor, da die verschiedenen Vereisungszentren nicht
gleichzeitig in Ttigkeit gewesen sind, sondern die Vereisung im
Westen lter war als die im Osten. Whrend im Osten die vom Eise
abgeschliffenen Felsen und die Mornen noch ganz frisch aussehen,
kostete es in Kolumbien Mhe, das Inlandeis sicher nachzuweisen, und
es sind bisher dort nur kurze Stcke der Endmorne gefunden worden.
Die Teilung durch Interglazialzeiten lt sich in Europa und Amerika
nicht in bereinstimmender Weise durchfhren. In Europa unterscheidet
man drei (in den Alpen jedoch vier) Eiszeiten, in Nordamerika
frher vier, neuerdings sechs Eiszeiten, sowie die entsprechenden
Interglazialzeiten. Auch die eiszeitliche Fauna lt sich hben
und drben zeitlich nur fr die letzte Phase der amerikanischen
Eiszeiten identifizieren, whrend die ersten Phasen kein Gegenstck
in Europa haben. Die lteste amerikanische Interglazialzeit enthlt
insbesondere noch eine durchaus tertire Fauna, nmlich den Sbeltiger
(Machaerodus), Mylodonten, Lamas, Kamele, Mastodonten. Letztere sind
sogar noch in allen amerikanischen Interglazialzeiten vorhanden,
whrend sie in Europa bereits vor der ersten Eiszeit ausstarben.
/Kreichgauer/ hat aus diesen Grnden angenommen, da die Vereisung
im Westen Nordamerikas bereits in die ltere Tertirzeit fllt. Im
untersten Eozn sei nur Alaska von der Vereisung betroffen worden,
womit vielleicht das fossile Inlandeis der Gebiete um Point Barrow und
auf den Neusibirischen Inseln zusammenhngt (beschrieben in /Suess/,
Das Antlitz der Erde #2#, 616). In diesem ganzen Gebiet fehlt jede
tertire Fauna und Flora. Die typischen Quartrtiere Europas, wie
Mammut, Pferd und Wisent, haben auf der Erdschicht gelebt, die das Eis
verhllt, und auf welcher damals Erlen und Weiden wuchsen. Im Diluvium
herrschte hier also schon wieder eine hhere Temperatur als heute, wenn
auch das Jahresmittel unter -2 blieb, wie die Erhaltung des Bodeneises
zeigt. Als zweite Eiszeit mssen wir diejenige von Britisch-Columbia
bezeichnen; als dritte die der Barren-Lands (am Westufer der
Hudsonbai); als vierte die Eiszeit von Labrador; als fnfte die
schottische; als sechste die skandinavische; und endlich als siebente
die finnische Eiszeit. Die Gegenwart mte man als grnlndische
Eiszeit auffassen. (/Kreichgauer/, a. a. O., S. 337-338.)

Da auch noch die zweite und dritte Eiszeit ganz in das Tertir
gehren, dafr gibt /Waagen/ (Unsere Erde, Mnchen, Allg. Verl.-Ges.,
o. J.) noch einige wichtige Beweise an: Nach /Russel/ fand die
Hauptfaltung des Eliasgebirges und nach /Leconte/ auch der Aufbau des
Kaskadengebirges erst nach der Vereisung des Landes statt, drfte aber
doch wohl zu der allgemeinen jungtertiren Faltung des pazifischen
Randes gehren. Ferner werden in den oberen Glazialablagerungen neben
Mastodon auch sechs Vertreter der Pferdefamilie gefunden, darunter
das dreizehige Hipparion, das in Europa, Asien und Afrika seit dem
mittleren Jungtertir ausgestorben erscheint. Auch diese lassen sich
nicht in das Diluvium setzen, zu welcher Zeit vielmehr in Nordamerika
der Pferdestamm ganz ausgestorben und in Europa nur das heutige Pferd
brig geblieben war, das nun wieder nach Amerika einwanderte. Die
Brcke von Panama endlich wurde schon im Eozn landfest. Die ersten
Auswanderer von Nord gehren in der Tat dieser Zeit an, die ersten von
Sd findet man aber in den Glazialschichten Nordamerikas.

Ich glaube nicht, da /Kreichgauer/ mit seiner Altersschtzung zu hoch
gegriffen hat; man wird kaum umhin knnen, die ltesten Teile der
amerikanischen Vereisung bereits weit in die Tertirzeit zu setzen.

Damit kommen wir zur Frage nach der Pollage im Tertir. In dieser Zeit
grter Kontinentalverschiebungen, Gebirgsfaltungen und vulkanischer
Erscheinungen finden wir die Pole in schneller Wanderung begriffen und
mssen deshalb die Unterteile der Tertirzeit getrennt behandeln.

Im /Pliozn/ war nach unserer obigen Annahme der Nordwesten von
Nordamerika vereist, und gleichzeitig war in Europa das Klima vom
heutigen nicht wesentlich verschieden. Dies pat gut zueinander, denn
das Vereisungsgebiet lag, wenn man die Verschiebung Nordamerikas
bercksichtigt, damals von Mitteleuropa ebenso weit entfernt, wie
heute der Pol. Weniger gut pat dazu, da nach /Neumayr/ nicht nur
das miozne, sondern auch noch das pliozne Klima Japans khler
war als heute. Zu bercksichtigen ist allerdings, da schon in
der Rekonstruktion ohne Polverlegung der Polabstand sowohl des
nordamerikanischen Vereisungsgebietes wie auch Japans kleiner wird als
heute. Wir knnen also wohl die heutige Pollage als eine Mittellage fr
das Pliozn betrachten. Der Pol war in dieser ganzen Zeit in schneller
Bewegung und drfte im Laufe des Pliozns etwa 10 durchlaufen haben,
aber anscheinend war der Teil der Schleife, der hier beschrieben wurde,
so gelegen, da die Poldistanz Mitteleuropas nicht stark beeinflut
wurde. Die beiden Umkehrpunkte der Schleife entsprechen dann vielleicht
dem khleren Klima Japans einerseits und der nordamerikanischen
Vereisung andererseits.

Im Miozn befand sich der Pol etwa an der Beringstrae in 67 Nord,
172 West[116]. Dabei war der Pol in diesem Abschnitt in schneller
Bewegung auf Europa zu. In Deutschland (das vor der Alpenfaltung von
Afrika 10 weiter entfernt war als heute) kamen zu Beginn des Miozns
noch viele subtropische Formen vor, einzelne Palmen, Magnolien,
Lorbeer, Myrte usw., so da man wohl annehmen kann, es habe unter
30 bis 35 Breite gelegen, was zu der obigen Pollage fhrt. Spanien
hatte nach /Penck/ ein Klima wie heute Marokko unter 28 Breite; unter
Bercksichtigung der Atlasfaltung mit 5 kme man hiermit auf eine
Lage des Poles bei 70 Nord (und gleicher Lnge wie oben). Aber im
Laufe des Miozns verschwindet die subtropische Flora in Deutschland,
bei Zschipkau und Senftenberg finden sich zwischen Anzeichen milderen
Klimas auch erfrorene Bltter. In der Schweiz ging nach /Heer/ die
Mitteltemperatur von 20-1/2 auf 18-1/2 zurck. Im Laufe des Miozns
erlosch auch die Baumflora in Spitzbergen, Grnland und Grinnell-Land
(heute 80), die nach unserer Annahme zu Beginn des Miozns noch in
55 Breite lag. Nach den Untersuchungen von /Dall/ und /Harris/ ber
Meeresconchylien war Nordamerika bis zur Hudsonmndung (jetzt 40)
im Miozn tropisch. Schiebt man Amerika an Europa heran, so erhlt
die Hudsonmndung bei der angegebenen Pollage etwa 20 Breite. Da
das Miozn von Alaska und Sachalin nach /Neumayr/ nordischer ist als
das von Grnland und Spitzbergen, erklrt sich nach der Pollage ohne
weiteres, zumal wenn man Nordamerika an Europa heranschiebt und dadurch
die Stauchung von Nordostasien rckgngig macht.

Der Sdpol htte im Miozn, auf Afrika bezogen, in 67 Sd, 8 Ost
gelegen. Auf Kerguelen ist eine miozne Marinfauna gefunden, welche
zeigt, da diese Inselgruppe eisfrei war. In der Tat mte es auf
etwa 55 Breite gelegen haben. Feuerland lag damals wohl noch nicht
erheblich westlicher als die antarktischen Sandwich-Inseln, von denen
der Pol nur etwa 20 entfernt war. Wir kommen auf die Frage einer
tertiren Vereisung Patagoniens beim Eozn zurck. Das Miozn bildet
hier nur den bergang zu den eisfreien Zeiten des Diluviums.

Im /Oligozn/ war das europische Klima im ganzen noch wrmer und
entsprach meist dem Beginn des Miozns. Palmen und andere immergrne
Gewchse waren bis an den heutigen Ostseestrand verbreitet; im
Oberoligozn der Wetterau finden sich z. B. massenhafte Hlzer und
Blattreste von Palmen. Auf Spitzbergen, Grnland, Grinnell-Land,
Franz-Joseph-Land, Breninsel wuchsen nicht nur Kiefern, Fichten und
Eiben, sondern auch Linden, Buchen, Pappeln, Ulmen und Eichen, ja
sogar Taxodien, Sequoien, Platanen, Kastanien, Weinreben, Gingko und
Magnolien. /Heer/ schtzte die Jahresmitteltemperatur Spitzbergens
hiernach zu +9, und entsprechend die Jahresmitteltemperatur der
oligoznen Schweiz zu +20,5. Die 9-Isotherme geht heute nur in
Ostasien ein wenig unter 40Breite herab, in Westeuropa liegt sie
heute bei 55, in Ruland bei 46. Wir drfen also vielleicht 50 als
passende Breitenschtzung betrachten. Die Isotherme von 20,5 verluft
heute lngs etwa 30 Breite. Die erstere Bestimmung wrde den Nordpol
in 60, die zweite in etwa 67 ergeben (Lnge ungefhr 180).

Im /Eozn/ scheint der quator am weitesten nach Norden heraufgerckt
zu sein. Nach /Zittel/ sind die Korallenriffe im lteren Tertir am
Nord- und Sdrand der Alpen und Pyrenen, in Arabien und Westindien
zu finden, whrend sich dieser Grtel im Miozn und Pliozn mehr
dem heutigen quator nhert. Fr Mitteleuropa schtzt /Heer/ die
Mitteltemperatur auf 25. Hiernach htten die Alpen, deren Mitte damals
etwa 5 weiter von Afrika entfernt war als heute, auf dem quator
gelegen, und der Pol folglich auf 40 Breite (und etwa 180 Lnge)
im Pazifik. Im Eozn Belgiens besteht nach /Semper/ ein Drittel,
in dem von Paris sogar die Hlfte der Arten aus tropischen Formen;
ungewhnlich groe Conchylien treten auf, die Nummuliten gedeihen
ppig, die Landpflanzen sind tropisch. Auch die mitteleozne Flora der
Themsemndung hat nach /Schenck/ ein tropisches Geprge. /Semper/ hat
den Versuch gemacht, nach der indischen und atlantischen Verwandtschaft
der eoznen Fauna des damaligen Mittelmeeres die Stromrichtung zu
bestimmen, und gelangte zu dem interessanten Resultat, da im Eozn
der Strom aus Osten gekommen, also durch Passat verursacht war,
whrend in spteren Zeiten die Zunahme der atlantischen Beziehungen
eine Stromrichtung aus Westen und also den Eintritt des Mittelmeeres
in die nrdliche Westwindzone erkennen lt. Er kommt auf diese Weise
auf eine eozne Polverlegung um 20 bis 30[117]. Nehmen wir den wohl
richtigeren hheren Wert und schlagen, um die Verschiebung relativ zu
Afrika auszudrcken, wegen der Alpenfaltung noch 10 hinzu, so erhalten
wir den Pol bei 50 Nordbreite (180 Lnge). Fassen wir zusammen, so
knnen wir also wohl annehmen, da der Nordpol im Eozn etwa auf 40 bis
50 Breite im nrdlichen Pazifik lag.

Die von dicken Manganknollen berwucherten Glazialgeschiebe, welche
/Agassiz/ im nrdlichen Pazifik aus der Tiefsee hervorholte, drften
mit dieser frhtertiren Lage des Nordpols, wenn nicht sogar mit den
sehr hnlichen noch lteren Lagen, in Verbindung zu bringen sein.

Da im Eozn Sdamerika noch nahe westlich vor Afrika lag, und der
Sdpol seinen grten Ausschlag nach Norden gerade in dieser Gegend
ausfhrte, so mute Patagonien stark vereist sein, Neuseeland und
Australien dagegen subtropisches Klima haben. Diese zu erwartende
frhtertire Vereisung Patagoniens scheint mir die zu sein, deren
Spuren /Steinmann/ als Jujuy-Schichten bezeichnet. Es sind nach ihm
fossilfreie Blocklehme viel hheren Alters als die vorerwhnten
frischen Gletscherspuren. Sie sind stark gestrt, teilweise bis zur
senkrechten Stellung aufgerichtet und von Verwerfungen durchsetzt und
werden von den jngeren Glazialbildungen diskordant berlagert. Hierzu
pat auch sehr gut /Neumayrs/ Angabe, da in Chile (35 Breite) im
Alttertir und Miozn keine Formen vorkommen, die auf grere Wrme
als heute schlieen lassen. Denn dies Gebiet war im Eozn unter
Bercksichtigung der Verschiebung von Sdamerika nur etwa 15, im
Miozn 30 vom Pole entfernt.

Die Westantarktis mute bei dieser eoznen und auch noch bei den
vorangehenden Lagen des Sdpols von Brasilien abgeschnitten sein,
dagegen mit Australien und Neuseeland in Formenaustausch stehen. Es
ist sehr interessant, da tatschlich dort im Gegensatz zu jngeren
Funden mit brasilianischer Verwandtschaft ltere Faunen und Floren
gefunden sind, die keine brasilianischen, sondern neuseelndische
Verwandtschaften aufweisen. Sie werden jedoch in die Jura- und
Kreidezeit gesetzt. Jedenfalls enthalten sie noch keine Anzeichen der
im Tertir der Nordhalbkugel neu auftretenden Laubbume, sondern die
Flora ist noch rein mesozoisch. Wir wollen die Frage, ob es mglich
ist, diese Flora etwa in das Alttertir zu setzen (die Einwanderung
der tertiren Flora knnte durch Eisbedeckung Patagoniens verzgert
sein), offen lassen. Es ist wohl nicht ausgeschlossen, da sich diese
Funde auch dann gut in das Bild einfgen, wenn man an der vorliegenden
Altersbestimmung festhlt. Wichtig bleibt jedenfalls der Umschlag in
den Verwandtschaftsbeziehungen der Westantarktis, welcher offenbar
durch die groe im Tertir und Quartr erfolgte Verlegung des Sdpols
hervorgerufen wurde.

Im /Paleozn/ endlich scheint der quator wieder seiner heutigen Lage
ein wenig nher gelegen zu haben. Die Landpflanzen im Paleozn des
Pariser Beckens sollen nach /Dacqu/ sogar nur auf gemigtes bis
subtropisches Klima hinweisen. Auch die Nummuliten treten, was ihre
Krpergre betrifft, bescheidener auf als in der darauffolgenden Zeit.
Wenn wir demgem den quator wieder ins Mittelmeergebiet auf heute
35Nord legen, und dies Gebiet wegen der Atlasfaltung um 5 nrdlich
verschieben, so liegt der Nordpol wieder auf 50 Nordbreite.

Um die Pollage in der /Kreide/zeit zu ermitteln, benutzen wir
/Dacqus/ in Fig. 32 wiedergegebene Karte der Fundstellen tropischer
Rudistenmuscheln. Sie bilden einen etwa 16 Breitengrade breiten
Streifen, dessen Mitte einem grten Kreise entspricht und als quator
der Kreidezeit angesprochen werden mu. Um die Pollage in bezug auf
Afrika aus dieser Karte zu ermitteln, mssen wir zunchst die Fundorte
so verschieben, da sie nach der Verschiebungstheorie ihre richtige
damalige Lage in bezug auf Afrika einnehmen. Trgt man sie dann nach
Lnge und Breite in eine Millimeterteilung ein, so kann man durch
graphischen Ausgleich unschwer die Lage des quators ermitteln. Man
findet auf diese Weise seine grte Abweichung vom heutigen quator bei
etwa 40 stlicher Lnge im Betrage von etwa 42. Dies entspricht einer
Lage des Nordpols bei 48 Nordbreite und 140 westlicher Lnge. Hierzu
pat sehr gut, da die nordamerikanische Baumflora der Oberkreide
(vielleicht schon Eozn), obwohl heute so viel sdlicher als Grnland,
doch ganz mit der grnlndischen Flora bereinstimmt. In Ostgrnland
wie an der atlantischen Kste Nordamerikas wuchsen Magnolien,
Brotfruchtbaum, Feigen usw., so da /Waagen/ ihre geographische Breite
bereinstimmend zu 38 schtzt[118]. Die von /Gothan/ untersuchten
altkretazischen Koniferenstmme mit Jahresringen auf Spitzbergen
wren dann auf etwa 50 Breite gewachsen. Mit dieser relativ groen
Abweichung des Poles in Lnge pat gut, da /Basedow/ in der Oberkreide
Australiens Glazialspuren fand[119]; der jetzige Sdrand Australiens
war damals nur 18 vom Sdpol entfernt.

[Illustration: Fig. 32.

Fundstellen tropischer Rudistenmuscheln aus der Kreidezeit, nach
/Dacqu/.]

Fr die Bestimmung der Pollage in der /Jura/zeit bilden noch immer
/Neumayrs/ Angaben ber den Klimacharakter der jurassischen Meeresfauna
die beste Grundlage. Er unterscheidet drei Faunen, nmlich den
polaren moskauer Typus, den gemigten mitteleuropischen und den
tropischen alpinen. Nach seiner hier nicht mitgeteilten Karte[120]
lt sich der tropische Grtel an der Westkste Amerikas zwischen 20
Sd und 32 Nord, ferner an der Ostkste Afrikas zwischen 3 Sd und
46 Nord und im ostasiatischen Gebiet zwischen 23 Sd und etwa 30
Nord festlegen. Hieraus finden wir durch eine hnliche Konstruktion
wie fr die Kreidezeit die Pollage bei etwa 69 Nordbreite und
170 westlicher Lnge. /Neumayr/ hebt selbst hervor, da sich die
nrdlichsten Spuren jurassischer Korallenriffe etwa in 53 Breite,
nmlich in England und Norddeutschland, finden, whrend heute deren
uerstes Vorkommen an den Bermudas-Inseln nur bis etwa 32 reicht, so
da man hierdurch, wenn man noch die Alpenfaltung mit 10 in Rechnung
setzt, eine Polverschiebung um etwa 30 (auf 60 Nord) in ungefhr
der angegebenen Richtung erhalten wrde, was wohl hinreichend mit dem
obigen Resultat stimmt. In bereinstimmung mit unseren Ergebnissen
steht auch, wie ein Blick auf Fig. 30, S. 100, lehrt, die Angabe
/Zittels/, da die jurassische Flora Englands nur subtropisch war, aber
gegen Ende der Jurazeit rein tropisch wurde.

Eine Schwierigkeit bereitet wieder die Westantarktis. Hier sind,
wie schon oben erwhnt, nach /Nordenskjld/ jurassische Farne,
Schachtelhalme und Cykadeen gefunden worden, welche mit der
jurassischen Flora Indiens und Neuseelands, nicht mit der Sdamerikas,
verwandt sind. Der Sdpol scheint damals allerdings etwa 33 sdlich
von Sdafrika gelegen zu haben, also jedenfalls auerhalb von
Antarktika, das zwischen ihm und Afrika lag (vgl. Fig. 23, S. 61), aber
die antarktische Fundstelle wrde doch kaum 20 Polabstand erhalten,
was reichlich klein erscheint. Man darf nun allerdings die Genauigkeit
der Polbestimmung nicht berschtzen und mu auerdem auf grobe Fehler
in unseren Annahmen ber die Gliederung von Antarktika gefat sein.
Es kann deshalb mglich sein, da die Schwierigkeit nur durch diese
Fehler vorgetuscht wird. Vielleicht kommt aber, wie erwhnt, auch
eine Umdatierung in das Alt-Tertir in Frage. Man kann aber immerhin
als bereinstimmung buchen, da von der Westantarktis aus der Weg nach
Australien frei und nicht durch polare Eismassen versperrt war, was die
erwhnten Verwandtschaftsbeziehungen zu fordern scheinen.

Die /Trias/zeit ist in Deutschland charakterisiert durch die roten
Buntsandsteine und die groen Salzlager, beides Anzeichen der heien
Wste. Deutschland hat also damals in der nrdlichen Wstenzone
der Erde, etwa in 25 Breite, gelegen. Die fr die Triaszeit
charakteristischen Sagopalmen wuchsen noch auf Franz-Joseph-Land,
welches damals in der nrdlichen Regenzone, unter 50 Breite,
lag. Ebenso war die vorangehende /Perm/zeit in Deutschland durch
Wstenbildung ausgezeichnet. Haben wir hierdurch bereits den Abstand
des Nordpols, so erhalten wir auch seine Richtung durch die auffallende
Gleichartigkeit der permo-triassischen Saurier- und Stegocephalenfaunen
des Urals und in Texas, die es wahrscheinlich machen, da diese
beiden Gegenden -- heute in 25 Breitenunterschied gelegen! -- damals
in gleicher Breite lagen. Wir brauchen also nach Heranschieben von
Amerika nur die Mittelsenkrechte auf der Verbindungslinie Ural-Texas
zu errichten und haben damit auch die Richtung des Nordpols. Wir
erhalten auf diese Weise den permischen Nordpol auf etwa 50 Nord
und 130 West. Der Sdpol, auf 50 Sd, 50 Ost, lag wohl noch auf
Antarktika, aber nahe an dessen Grenze gegen Australien, und konnte
infolgedessen die dortigen Glazialspuren verursachen. Damit haben wir
den Ausgang der groen permokarbonischen Glazialspur erreicht, welche
sich ber vier heute weit getrennte Kontinente hin erstreckt. Im
/Karbon/ oder Permokarbon liegt der in der ganzen Erdgeschichte bisher
einzige Fall vor, da sowohl der quatoriale Regengrtel, wie die
polare Inlandeiszone wenigstens eines Poles beide gleichzeitig sicher
nachzuweisen sind[121]. Fr diese Zeit gilt unsere Rekonstruktion Fig.
23, S. 61. Es sei zum Vergleich damit auch die lehrreiche Karte von
/Kreichgauer/ mitgeteilt (Fig. 33). hnlich wie ber dem frhtertiren
quator entstand auch ber dem Karbonquator ein Grtel von
Gebirgsfalten (Karbon-Ring /Kreichgauers/). Man wird aber bemerken,
da dieser Faltungsring bei Nordamerika und bei Australien erheblich
von dem Karbonquator abweicht, und da in Sdamerika, welches von
letzterem durchquert wird, das Gebirge fehlt. Diese Abweichungen
verschwinden in berraschender Weise, wenn man die Kontinente nach der
Verschiebungstheorie zurechtschiebt, wie in Fig. 23, S. 61, geschehen.
Mir scheint daher gerade diese Abbildung wieder ein Beleg fr die
Richtigkeit der Verschiebungstheorie zu sein.

Es ist viel darber diskutiert worden, ob die Steinkohlen wirklich,
wie hier angenommen, im quatorialen Regengrtel erzeugt wurden oder
nicht vielmehr nach Analogie der heutigen Torfmoore in den feuchten
gemigten Westwindzonen, ja /Ramann/, /Frech/ u. a. haben gemeint,
die Verkohlung erfordere tiefe Temperaturen und sei in den Tropen
unmglich. Allein diese Bedenken sind durch die Entdeckung tropischer
Moore zerstreut worden. Die ganze Beschaffenheit der karbonischen
Flora, die nach /Potoni/ durchaus das Geprge einer tropischen
Moorflora besitzt, spricht zugunsten dieser Anschauung. Die Stein-
und auch die Braunkohlensmpfe stellen nach dem genannten Forscher
fossile Flachmoore dar, die am meisten nicht sowohl an die groen
Swamps Nordamerikas, als vielmehr an die Waldmoore Sumatras und anderer
Tropengegenden erinnern [/Potoni/, Die Entstehung der Steinkohle, S.
161, 1910][122]. Besonders betrachtet man das Fehlen von Jahresringen
bei den karbonischen Holzgewchsen als Anzeichen von Tropenklima[123],
zumal nachdem /Arbers/ Entdeckung von Jahresringen an permokarbonen
Hlzern von Neusdwales und /Halles/ gleiche Feststellung auf den
Falklandsinseln gezeigt haben, da das Fehlen von Jahresringen nicht
etwa eine allgemeine Eigenschaft der damaligen Flora war. Die typische
Karbonflora mit Baumfarnen, Kalamiten, Sigillarien und Lepidodendren
erstreckt sich vom Sambesi (jetzt 15 Sd) bis Spitzbergen (80
Nord) und ist von der Danmark-Expedition sogar zwischen 80 und
81 Nord in Nordostgrnland gefunden worden[124]. In diesen hohen
Breiten ist sie freilich nicht mehr so ppig wie in dem groen
Steinkohlengrtel, der etwa die Mitte zwischen diesen Extremen hlt.
Auch ist zu bercksichtigen, da die Pole gerade in der Karbonzeit
in lebhafter Wanderung begriffen waren, wie schon aus dem langen Zug
von Glazialablagerungen auf der sdlichen Halbkugel hervorgeht. Die
Funde auf Spitzbergen und in Nordostgrnland gehren nach /Nathorst/
dem lteren Karbon an, wo der Sdpol vielleicht seine nrdlichste
Lage (etwa bei Loanda) inne hatte. Selbst unter Bercksichtigung der
karbonischen und der Alpenfaltung in Europa mit je 10 kommen wir
dabei nur auf eine Breitenlage Spitzbergens von etwa 20 Nord. Diese
typische Karbonflora wird nun in schnster Weise ergnzt durch die
polare Glossopteris-Flora, welche auf der Sdhalbkugel berall in
enger Verbindung mit den Ablagerungen der permokarbonischen Vereisung
erscheint.

[Illustration: Fig. 33.

Karbonische Faltungen und quatorlage, nach /Kreichgauer/.]

Diese ganze Florengliederung lt keine andere Mglichkeit zu,
als da der groe Steinkohlengrtel der Erde, der sich von den
nordamerikanischen Appalachen ber Mitteleuropa nach China hinzieht,
der quatorialen Regenzone des Permokarbons entsprach. Diese Deutung
liegt schon deswegen nahe, weil es eben nur einen, nicht zwei solche
Grtel gibt, und wird dadurch zur unumstlichen Gewiheit, da
gleichzeitig mit diesem tropischen Moorgrtel die von /Moolengraaff/ u.
a. beschriebenen, wunderbar erhaltenen permokarbonischen Eisschliffe
und Grundmornen des Kaplandes gebildet wurden, in jetzt 80, damals
(wegen der Alpenfaltung) 90 Breitengraden Abstand von jenem.

Die permokarbonischen Glazialablagerungen in ihrer Gesamtheit
verdienen eine genauere Betrachtung, gerade mit Hinblick auf eine
Prfung der Verschiebungstheorie. Diese Eisspuren sind in allen
Teilen des alten Gondwanalandes gefunden worden, zum Teil mit
berraschender Deutlichkeit, so da man aus den Schrammen in der
polierten Felsoberflche noch die Bewegungsrichtung der Eismassen
ablesen kann. Namentlich in Sdafrika sind diese Spuren eingehend
studiert worden, hnlich aber auch in Vorderindien, in Australien, in
Brasilien (Rio Grande do Sul) und dem nordwestlichen Argentinien, auf
den Falklandsinseln, in Belgisch-Kongo (von /Stutzer/ und /Grosse/)
und sogar in Togo (von /Koert/). Die Ohnmacht, mit der die alte Lehre
vom Versinken der Landbrcken diesen Tatsachen gegenbersteht, kann
keinen besseren Ausdruck finden als durch /Kokens/ lichtvolle Schrift:
Indisches Perm und die permische Eiszeit (Festband d. N. Jahrb. f. Min.
1907), die zu einer Zeit erschien, als der Fund auf den Falklandsinseln
noch ausstand und man die sdamerikanischen Funde noch in Zweifel
ziehen durfte. Selbst unter diesen gnstigen Bedingungen ergab sich,
da eine so groe polare Eiskappe unmglich war. Denn selbst wenn der
Pol an die gnstigste Stelle, nmlich mitten in den Indischen Ozean
gelegt wurde, so erhielten die fernsten Gebiete mit Inlandeis immer
noch geographische Breiten von 30 bis 35. Bei einer solchen Vereisung
htte kaum irgendein Teil der Erdoberflche von glazialen Erscheinungen
frei bleiben knnen. Und dabei fiele dann der Nordpol auf Mexiko,
dessen gut bekanntes Perm keine Spur von Vereisung zeigt. Auf den
etwas verzweifelten Ausweg /Kokens/, alle diese Glazialfunde durch
eine ehemals groe Seehhe der Fundsttte zu erklren, brauchen wir
wohl nicht einzugehen. Kurz nach der genannten Verffentlichung wurden
die erwhnten Glazialerscheinungen auf den Falklandsinseln entdeckt,
durch welche /Koken/ den quator gelegt hatte; und heute sind auch die
brasilianischen und argentinischen Funde besttigt, welche gleichfalls
/Kokens/ quator sehr nahe liegen. In dem viel genauer bekannten Perm
der Nordhalbkugel hat man nirgends mit einiger Sicherheit permische
Glazialerscheinungen nachweisen knnen, und so wrde das reine
Tatsachenmaterial vom Standpunkt des alten Vorstellungskreises, welcher
Horizontalverschiebungen der Kontinente nicht zult, besagen, da
die ganze Sdhalbkugel mit Inlandeis berschwemmt, die Nordhalbkugel
aber ganz frei davon war. Da dies Resultat aber in meteorologischer
wie in astronomischer Hinsicht ein Unding ist und die ltere Theorie
damit ad absurdum gefhrt ist, bedarf keiner Erluterung. Es ist
schon verschiedentlich, insbesondere von /Penck/, hervorgehoben,
da diese Verhltnisse die Annahme von Verschiebungen der Erdrinde
doch nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen. Man kann wohl weiter
gehen und sagen, da es unmglich ist, den Widersinn zu beseitigen,
wenn man nicht die Sdkontinente in hnlicher Weise wie bei unserer
Rekonstruktion, Fig. 23, S. 61, zusammenrcken lt. In dieser
Darstellung bildet die Gesamtheit der permo-glazialen Funde eine
breite Spur von Neuseeland bis Togo, hnlich der diluvialen Eisspur
auf der Nordhalbkugel. Auch hier drfte die Vereisung nicht auf der
ganzen Linie gleichzeitig erfolgt sein, wie schon die Tatsache einer
zweifachen Vereisung sowohl in Australien wie in Sdafrika nahelegt. In
Afrika und Indien liegen die Schichten mit Glossopteris-Flora ber, in
Australien unter dem Blocklehm. Daraus geht wohl eines unzweideutig
hervor, da in Indien und Sdafrika das Eis frher, in Australien aber
spter seinen Mantel ausbreitete, und so knnen wir fr Indo-Afrika
eine karbonische, fr Australien eine permische Eiszeit ansetzen
(/Waagen/, Unsere Erde, Mnchen, Allg. Verl.-Ges., o. J., S. 437).
Sollten sich die Glazialfunde in Togo besttigen, so mte der Sdpol
als uerste Lage wohl etwa Loanda erreicht haben, so da der quator
zeitweilig sogar bis nach Norwegen hinauf kam. Um den Ort genauer
anzugeben, mten wir allerdings den Betrag der karbonischen Faltungen
in Europa abschtzen.

Es scheint also, als ob der Sdpol im Karbon in Afrika auf 25 Sd, 25
Ost gelegen hat (also Nordpol auf 25 Nord, 155 West); im Perm scheint
er jedenfalls, wie gezeigt wurde, weiter nach dem indisch-australischen
Ende der Vereisungsbahn zu gelegen zu haben.

Fr die vorkarbonische Zeit werden unsere Vorstellungen ber die
Klimagrtel immer unsicherer. Allenfalls knnen wir uns noch fr das
Devon Rechenschaft von der Pollage geben. In jener Zeit bildeten sich
in Sdafrika im Kaplande Glazialerscheinungen, und gleichzeitig bildete
sich der Old-Red-Sandstein in Nordamerika von Neufundland bis New York,
in Grnland, Spitzbergen, England, Livland, Kurland und im sdlichen
Norwegen. Gltten wir nicht nur die tertiren, sondern auch die
karbonischen Faltungen Mitteleuropas, so da der Abstand Mitteleuropas
von Afrika etwa um 20 vergrert wird, und schieben wir Nordamerika
wieder an Europa heran, so liegt England etwa 110 bis 120 von den
sdafrikanischen Glazialfunden entfernt, d. h. wir haben es beim Old
Red mit der nrdlichen Wstenzone zu tun. Mit Rcksicht auf die Lage
dieses Wstenstreifens findet man den Nordpol bei 30 Nord, 140 West
und den Sdpol bei 30 Sd, 40 Ost, etwa 16 von seinen Glazialspuren
entfernt. -- Im Kambrium gab es in China Inlandeis, whrend sich in
Indien, damals etwa 60 davon entfernt, Salzlager bildeten (Salt Range).

So verlockend es auch erscheint, diese immer unsicherer werdenden
Spuren weiter zu verfolgen, so mssen wir uns dies bei dem
gegenwrtigen Stand unserer Kenntnisse doch versagen, da hierbei
den Vermutungen ein ungebhrlicher Raum zugewiesen werden mte.
Da bereits sichere Inlandeisspuren aus dem Algonkium (in Kanada)
gefunden sind, so wird es zweifellos frher oder spter gelingen, die
Pollage auch fr diese ltesten Zeiten zusammenhngend zu verfolgen.
Gegenwrtig erscheint mir jedoch ein solcher Versuch als verfrht,
da unser Bild von den Konturen, ja sogar von der Gre der damaligen
Urkontinentalscholle noch nicht deutlich genug ist. Es gengt auch
wohl, bis zur Devonzeit zu zeigen, da die Verschiebungstheorie auch in
der Paloklimatologie imstande ist, die grundstzlichen Schwierigkeiten
zu beseitigen.

Zum Schlu seien noch einmal die mittleren Lagen der Pole sowie
Deutschlands seit dem Devon, bezogen auf Afrika in der heutigen Lage,
zusammengestellt:

  ====================++====================+==================+=============
                      ||      Nordpol       |      Sdpol      | Deutschland
  ====================++====================+==================+=============
  Rezent              || 90 N,       --    | 90 S,     --    |   50 N
  Quartr             || 70  N        10 W | 70  S,    170 O |   69  N
  Pliozn             || 90  N,       --    | 90  S,     --    |   54  N
  Miozn              || 67  N,      172  W | 67  S,      8  O |   37  N
                      ||                    |                  |
  Oligozn            || 58  N, etwa 180  W | 58  S, etwa 0    |   29  N
  Eozn               || 45  N,   "  180  W | 45  S,   "  0    |   15  N
  Paleozn            || 50  N,   "  180  W | 50  S,   "  0    |   20  N
                      ||                    |                  |
  Kreide              || 48  N,      140  W | 48  S,     40  O |   19  N
  Jura                || 69  N,      170  W | 69  S,     10  O |   36  N
                      ||                    |                  |
  Trias}              ||                    |                  |
  Perm } (Mittellage) || 50 N,       130  W | 50  S,     50  O |   26  N
  Karbon              || 25 N,       155  W | 25  S,     25  O |    3  S
  Devon               || 30 N,       140  W | 30  S,     40  O |   15  N




Sechstes Kapitel.

System, Ursachen und Wirkungen der Kontinentalverschiebungen.


/System./ Obwohl die Verschiebungen der Kontinente auf den ersten Blick
ein recht buntes Bild verschiedenartiger Bewegungen bilden, so erkennt
man doch ein groes System: Die Kontinentalschollen bewegen sich
quatorwrts und westwrts. Es empfiehlt sich, die beiden Komponenten
dieser Bewegung gesondert zu betrachten.

Eine quatorwrts gerichtete Bewegung, die Polflucht der
Kontinentalmassen, ist bereits von verschiedenen Autoren, so namentlich
von /Kreichgauer/[125] und /Taylor/[126], angenommen worden. Sie ist
wohl ganz allgemein zu erkennen, bei groen Schollen mehr, bei kleinen
weniger, und am strksten in mittleren Breiten. Insbesondere uert sie
sich bei Eurasien in der Anordnung des groen tertiren Faltengrtels
des Himalaja und der Alpen, welcher auf dem damaligen quator entstand,
sowie in den bauchigen Stauchungsformen der ostasiatischen Kste.
Sehr deutlich ist ferner die Polflucht bei Australien, denn es bewegt
sich nach Nordwesten, wie aus den Deformationen der Inselreihen des
Sunda-Archipels, aus dem hohen jugendlichen Gebirge auf Neuguinea und
aus dem sdstlichen Zurckbleiben der einstigen Girlande Neuseeland
bereinstimmend hervorgeht. Bei Nordamerika macht sich die Polflucht
geltend in der sdwestlichen Verschiebung Grinnell-Lands gegenber
Grnland (oder auch Labradors gegenber Sdgrnland), ferner auch in
der beginnenden Stauchung der sich ablsenden Randkette Kaliforniens
und der damit in Verbindung stehenden Erdbebenverwerfung von San
Franzisko. Sogar bei der kleinen Scholle Madagaskar ist die Polflucht
noch erkennbar, da sie sich von ihrer Abristelle am afrikanischen
Kontinent nach Nordosten bewegt hat. Afrika und Sdamerika liegen heute
auf dem quator und erfahren deshalb wohl nur geringe meridionale
Verschiebungen. Die groen Verschiebungen, welche Sdamerika im Tertir
erfuhr und die zur Auffaltung der sdamerikanischen Anden fhrten,
waren -- unter Rcksicht auf die damalige Pollage -- nach Nordwesten
gerichtet, lassen also gleichfalls die Polflucht erkennen. Gleiches
gilt wohl auch fr Antarktika.

Der Zusammenschub Lemuriens vom Tertir ab bis heute lt sich in
seinen ersten Teilen noch als Polflucht Vorderindiens auffassen. Heute
liegt dies allerdings 10 bis 20 nrdlich des quators, so da eine
Polflucht die Faltung nur verringern knnte. Das gegenwrtige Andauern
des Zusammenschubes mu daher wohl ganz auf Rechnung der Polflucht
Asiens gesetzt werden, wobei anzunehmen ist, da Indien als Vorderrand
desselben durch den Widerstand, den es im Sima findet, festgehalten und
infolgedessen aufgefaltet wird.

Die andere Komponente, die Westwanderung der Kontinente, geht aus dem
unmittelbaren Anblick der Erdkarte vielleicht noch klarer hervor.
Die groen Schollen ziehen im Sima nach Westen. Schon die Panga der
Karbonzeit hatte so einen Vorderrand (Amerika), der sich wegen des
Widerstandes des zhen Simas in Falten legte (Prkordilleren), und
einen Hinterrand (Asien), von dem sich Randketten und Brocken ablsten
und als Inselgruppen im Sima des Pazifik stecken blieben. Dieser
Gegensatz zwischen dem Ost- und dem Westufer unseres Hauptozeans ist
auch heute uerst auffallend, zumal sich in Ostasien, begnstigt durch
dessen meridionale Stauchung, gerade der groartige Proze der Ablsung
und Zurcklassung zahlreicher Randketten abspielt. Der nach Sden
vorgestreckte Kontinentallappen von Hinterindien und den Sundainseln
zeigt ein Zurckbleiben nach Osten und bezeugt so die Westwanderung
ebenso wie das gleichfalls nach Osten gerichtete Abbrechen Ceylons
von der Sdspitze Vorderindiens. Auch sdlich davon, im Bereich
Australiens, spielen sich dieselben Vorgnge ab, wie die schon
zurckgelassene Girlande Neuseeland und das nordwestlich gerichtete
Vordringen der australischen Scholle zeigen. Dieselben Erscheinungen
wie an der ostasiatischen Kste treffen wir auch an der Ostkste
Amerikas wieder. In Mittelamerika bilden die Antillen ein schnes
Beispiel nach Osten zurckbleibender Girlanden, wobei zu bemerken
ist, da die kleinen Inseln strker zurckbleiben als die groen;
Florida bleibt nach Osten zurck, ebenso wie die Sdspitze Grnlands.
In Sdamerika treten die Massen der Abrolhos-Bank durch Zurckbleiben
nach Osten unter dem Kontinent heraus; die Gegend der Drakestrae mit
ihren nachschleppenden Festlandspitzen und weit zurckgebliebenen
Verbindungsketten war schon frher als Musterbeispiel fr die
Verschiebung nach Westen erlutert worden. In Afrika uert sich die
Westwanderung in dem stlichen Zurckbleiben der kleineren Scholle
Madagaskar (was sich mit dessen Polflucht zu nordstlicher Bewegung
zusammensetzt). Vielleicht darf man auch das junge ostafrikanische
Bruchsystem, von welchem die Abtrennung Madagaskars wohl nur einen
Teil bildet, mit der Westwanderung in Verbindung bringen, wenn es sich
hier auch nicht mehr um Girlanden, sondern um grere Schollen, etwa
von der Gre Madagaskars, handelt. An der afrikanischen Westkste
scheinen sich zwar die Kanaren und Kapverden erst in jngerer Zeit vom
Kontinent gelst und sich also von ihm nach Westen entfernt zu haben,
allein dieses geringe Vorauseilen des Sima nach Westen ist wohl leicht
aus dem ganzen Strmungsbild des Sima bei der ffnung des Atlantik zu
erklren und wrde nur besagen, da sich die Simaflche des Atlantik
bei dem Fortschreiten seiner ffnung wie Gummi zieht, oder da hier das
Einstrmen des Sima in die Spalte berwiegt.

Ob sich alle Einzelheiten der Verschiebungen durch diese zwei
Komponenten der Polflucht und der Westwanderung darstellen lassen, mu
wohl noch dahingestellt bleiben. Die Hauptbewegungen -- auch fr die
Vorzeit -- werden aber anscheinend durch sie vollstndig dargestellt.

/Ursachen./ Als Ursache der Polflucht hat /Kreichgauer/ die
Zentrifugalkraft bezeichnet. Seine Ableitung ist aber falsch, da er
statt des Rotationsellipsoids die Kugelform voraussetzt, und die von
ihm abgeleitete Kraft fllt eben gerade dadurch fort, da die Erde
abgeplattet ist. Indessen bleibt auch beim Rotationsellipsoid noch eine
Polfluchtskraft fr die Kontinente brig, wie folgende Betrachtung
lehrt, die ich mit Zustimmung des Verfassers einer demnchst in Peterm.
Mitt. erscheinenden Arbeit von W. /Kppen/ entnehme:

Der Schwerpunkt einer Kontinentalscholle liegt 2,4 km hher als ihr
Auftriebspunkt (Schwerpunkt des verdrngten Simas), liegt also in einer
hheren Niveauflche als dieser letztere. Die hhere Niveauflche
ist aber strker abgeplattet, weil die Anziehungskraft der Erde fr
sie kleiner ist (auch in den hier in Frage kommenden Schichten des
Erdinnern nimmt die Anziehungskraft mit Annherung an den schweren
Eisenkern der Erde noch zu) und obendrein die Zentrifugalkraft noch
etwas grer ist als fr die untere. Diese beiden Niveauflchen haben
also ihren grten Abstand am quator, den kleinsten am Pol, und sind
nur an diesen beiden Orten einander parallel, in mittleren Breiten aber
gegeneinander geneigt. Dies letztere ist es nun, worauf es ankommt.
Denn der Auftrieb wirkt senkrecht zur unteren, die Schwere senkrecht
zur oberen Niveauflche, und diese beiden Krfte knnen also, da die
beiden Lotrichtungen einen kleinen Winkel miteinander bilden, sich
nicht gegenseitig aufheben, sondern geben eine kleine Resultante in
Richtung auf den quator. Es ist auch ohne weiteres einzusehen, da
diese Polfluchtskraft sowohl am Pol wie am quator Null sein mu. Denn
an beiden Stellen sind eben die genannten beiden Niveauflchen parallel
zueinander, so da keine Resultante aus Auftrieb und Schwerkraft brig
bleibt. Die Polfluchtskraft mu also fr mittlere Breiten ein Maximum
erreichen[127].

Die andere Bewegungskomponente, die Westwanderung, kann meines
Erachtens durch die ablenkende Kraft der Erdrotation zwangslufig
mit der Polflucht verknpft sein, so da die Bewegung der
Kontinentalschollen -- auch urschlich -- hnlichkeit mit der der
Passatwinde bekme. Wie weiter unten gezeigt werden wird, wrde sich
hieraus gerade eine besonders einfache Erklrung fr die Zertrmmerung
der mittelmeerischen Bruchzone ergeben. Auch wrde dazu stimmen, da
Afrika, weil am genauesten auf dem quator, die geringste Westwanderung
erkennen lt.

Es besteht aber auch die Mglichkeit, diese allgemeine Westwanderung
der Lithosphre auf die Reibung der Gezeitenwelle zurckzufhren,
welche durch die Sonnen- und Mondanziehung im festen Erdkrper erzeugt
wird. Es ist bei dem heutigen Stand der Forschung allerdings keineswegs
sichergestellt, ob und wieweit wir mit einer solchen Gezeitenwelle des
festen Erdkrpers zu rechnen haben, speziell, ob die durch Sonne und
Mond erzeugte Deformation nicht eine rein elastische ist. Aber das
eine ist sicher: wenn eine noch so kleine Gezeitenwelle des festen
Erdkrpers die Erde umkreist, so uert sich die Reibung -- sofern sie
eben berhaupt zu Wort kommt -- in einem fortwhrenden Zurckhalten
namentlich der oberflchlichen Schichten nach Westen. Auch diese
Gezeitenreibung ist bereits wiederholt, so von E. H. L. /Schwarz/[128],
/Wettstein/[129] u. a., zur Erklrung der Erdoberflche herangezogen
worden. In der Verschiebungstheorie wrde sie namentlich zur Erklrung
des ersten Aufreiens der Lithosphre und ihrer anfnglichen
Zusammenfaltung nach Art eines Papierlampions gute Dienste leisten. Man
brauchte dazu nur anzunehmen, da die Reibung, welche diese stndig auf
ihrer Unterlage nach Westen gleitende Lithosphre erfuhr, nicht berall
gleich gro war. Es mu wohl noch dahingestellt bleiben, ob man zur
Erklrung der Westwanderung zwischen diesen beiden Ursachen zu whlen
hat, oder ob sie beide gleichzeitig wirksam sind.

/Wirkungen./ Die wichtigste Wirkung der Kontinentalverschiebungen
bilden die Polwanderungen. Es war schon frher gesagt, da bei der
zhflssigen Erde die Abplattung nicht eigentlich zur Festlegung
der Achse grter Trgheit beisteuert, sondern nur bewirkt, da die
Polwanderungen auerordentlich langsam vor sich gehen. Denn die
Abplattung ist ja bei jeder nderung der Trgheitsachse bereit,
ihr durch flieende Verschiebungen der Teilchen zu folgen und sich
der neuen Lage anzupassen. Nur geschieht dies wegen der Zhigkeit
des Erdkrpers mit Verzgerung. Die Haupttrgheitsachse, und
damit also auch die Drehungsachse, die sich auf jene einzustellen
strebt, werden also nicht durch die Abplattung bestimmt, von der
man vielmehr ganz absehen mu, sondern nur durch die kleineren
Unregelmigkeiten der Massenverteilung, namentlich also durch
die Anordnung der Kontinentalschollen, die trotz ihrer Isostasie
wegen ihres von der Erdachse entfernter gelegenen Schwerpunktes ein
greres Trgheitsmoment besitzen als das verdrngte Sima. Jede
nderung in der Anordnung der Kontinente wird daher auch die Lage
der Haupttrgheitsachse und damit der Rotationsachse beeinflussen,
und zwar in sehr betrchtlicher Weise, da die Achsenlage eben nur
von dieser Anordnung abhngt. Es wird vielleicht einmal mglich
sein, aus jeder vorgegebenen Kontinentalgruppierung mathematisch
die Haupttrgheitsachse abzuleiten, natrlich nur auf dem Wege
numerischer Integration, da die Flchen und Konturen der Kontinente
sich nicht in Formeln fassen lassen. Man wrde dann in der Lage sein,
diese theoretisch berechnete Haupttrgheitsachse unmittelbar mit den
geologischen Befunden fr die verschiedenen Zeiten zu vergleichen.
Bisher steht eine solche mathematische Behandlung der Frage allerdings
noch aus. Da aber ein solcher enger Zusammenhang zwischen der
Kontinentalgruppierung und der Achsenlage tatschlich besteht, geht
schon daraus hervor, da die groen Polwanderungen gerade immer
mit den Zeiten lebhafter Kontinentalverschiebungen zusammenfallen.
Besonders deutlich ist dies fr die Zeit seit dem Beginn des Tertirs:
als der sdliche Atlantik sich ffnete, wich der Sdpol nach der
entgegengesetzten Seite hin aus bis zu seiner Lage im Diluvium; als
dann auch die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika abbrach,
wich nunmehr umgekehrt der Nordpol wieder nach der entgegengesetzten
Richtung bis zu seiner heutigen Lage aus.

Auch die Spaltungen der Lithosphre, die Grabenbrche, scheinen
eine bestimmte Rolle in diesen groen Zusammenhngen zu spielen.
Wenngleich hier wohl manche Unregelmigkeiten vorkommen, ist doch zu
bemerken, da sich diese Spalten vorzugsweise im quatorialen Gebiet,
und zwar in meridionaler Richtung bilden. Dies gilt offensichtlich
fr das groe ostafrikanische Bruchsystem, das der heutigen und der
diluvialen quatorlage entspricht, und es gilt auch fr den im Oligozn
entstandenen Rheingraben. Die groe atlantische Spalte verluft fr die
tertiren Pollagen ungefhr meridional, desgleichen die Spalte, deren
eine Seite der Ostrand von Afrika bildet. Die sdliche Zuspitzung der
Kontinente in Sdamerika, Sdafrika, Vorderindien lt sich so auf
nahezu meridionale Spalten zurckfhren, die bis zum damaligen Sdpol
durchgefhrt wurden.

Namentlich scheint mir auch die Entstehung der mittelmeerischen
Bruchzone mit ihren fensterartigen ffnungen in der Lithosphre
hierdurch eine neue Beleuchtung zu gewinnen. Sie drfte auf krzere
meridionale Spalten in der alten quatorzone der Sekundrzeit
zurckzufhren sein, welche sodann durch die Polflucht der
Kontinentalmassen in ihrer Lngsrichtung breitgequetscht wurden.
Da diese Zone so besonders stark zertrmmert und vielfach bis zur
Unkenntlichkeit der ursprnglichen Formen zerwrgt ist, lt sich
vielleicht durch die Schwankungen der quatorlage erklren; denn
wenn der quator aus ihr z. B. nach Sden herausrckt, so lt die
Polflucht der sdlichen Kontinentalmasse nach und damit wird auch deren
Westwrtsdrngen vermindert, sofern dies durch die ablenkende Kraft der
Erdrotation mit der Polflucht verknpft ist. Umgekehrt nimmt fr die
nrdliche Kontinentalmasse Polflucht und Westwrtsdrngen zu. Wenn dann
der quator wieder auf die Nordseite des Mittelmeeres hinberschwankt,
so wird nunmehr das Westwrtsdrngen der nrdlichen Kontinentalmassen
geschwcht, das der sdlichen verstrkt. Auf diese Weise mu bei
wiederholten Schwankungen der quatorlage ein Hin- und Herarbeiten oder
Schrauben der nrdlichen Kontinente gegen die sdlichen eintreten.

Als ein weiteres Glied in der Reihe dieser groen Zusammenhnge sind
auch noch die Transgressionen zu erwhnen. Es ist ein naheliegender
und bereits von zahlreichen Autoren, wie /Reibisch/[130],
/Kreichgauer/[131], /Semper/[132], /Heil/ u. a. vertretener Gedanke,
da wegen der Zhigkeit des Erdkrpers seine Abplattung bei Verlegung
der Achse gegen diese nachhinkt, whrend das Wasser der Ozeane sofort
folgt. Infolgedessen mten alle diejenigen Gebiete, deren Breite bei
der Polvernderung abnimmt, berschwemmt, solche, deren Breite zunimmt,
trockengelegt werden. Wir knnen diese Regel an der Hand unserer Fig.
30 (S. 100) fr die Breitennderungen Deutschlands prfen. Im Laufe
des Karbons nahmen die Transgressionen ab; im Perm war Deutschland
noch teilweise von dem Zechsteinmeer bedeckt, in der Triaszeit dagegen
wurde es trockene Wste (Buntsandstein!) und blieb dies auch noch in
der lteren Jurazeit. In der jngeren Jurazeit dagegen setzt eine groe
Transgression ein, welche das Jurameer in Deutschland schafft; in der
mittleren Kreide setzt wieder eine neue Verstrkung der Transgression
ein (Kreidemeer), und noch im Paleozn und Eozn sind groe Teile des
Landes vom Meere bedeckt. Von der Mitte des Eozn ab findet jedoch
ein auffallender Rckgang der Transgression statt, der dann in der
Folgezeit zur gnzlichen Trockenlegung Deutschlands fhrte. Vielleicht
lt sich das heutige Sinken der Nordseekste und das junge Abbrechen
der Landverbindungen mit England als neuerliches Vordringen der
Transgressionen deuten, soweit hier nicht die Nachwirkungen der Eiszeit
berwiegen. Vergleichen wir hiermit die oben genannte Breitenkurve,
so findet man in der Tat besttigt, da die Transgressionen abnehmen,
wenn die Breite zunimmt, und zunehmen, wenn diese abnimmt. Es wrde
sich durchaus verlohnen, dieselbe Probe auch fr andere Orte auf der
Erde anzustellen. Doch wrde eine solche Untersuchung den Rahmen dieses
Buches berschreiten.

Zum Schlu dieses Kapitels mchte ich nicht unterlassen, den
hypothetischen Charakter dieser Betrachtungen, insbesondere derjenigen
ber die Ursachen der Kontinentalverschiebungen, zu betonen. Im
Gegensatz zur Verschiebungstheorie selbst, an deren grundstzlicher
Richtigkeit mir, wie mehrfach ausgesprochen, ein Zweifel nicht mehr
zu bestehen scheint, handelt es sich hier um die ersten, tastenden
Versuche einer mechanischen Auffassung dieser zunchst lediglich aus
den Beobachtungen erschlossenen Kontinentalverschiebungen. Selbst
wenn diese mechanischen Vorstellungen sich als wesentlich unrichtig
erweisen sollten, so wrde damit natrlich die Richtigkeit der
Verschiebungstheorie in keiner Weise in Frage gestellt werden. Denn
wenn die Beobachtungen zeigen, da Verschiebungen stattgefunden haben,
so mssen wir sie offenbar annehmen, gleichgltig, ob wir sie heute
schon erklren knnen oder nicht.




Siebentes Kapitel.

Nachweis der Kontinentalverschiebungen durch astronomische
Ortsbestimmung.


Vor allen anderen Theorien mit hnlich weitreichenden Aufgaben
hat die Verschiebungstheorie den Vorzug voraus, da sie sich
durch exakte astronomische Ortsbestimmungen prfen lt. Wenn die
Kontinentalverschiebungen so lange Zeitrume hindurch ttig waren, so
ist ohne weiteres anzunehmen, da sie auch heute noch fortdauern, und
es ist nur die Frage, ob die Bewegungen schnell genug sind, um sich
unseren astronomischen Messungen innerhalb nicht allzu langer Zeitrume
zu verraten. Um hierber ein Urteil zu gewinnen, mssen wir auf die
absolute Zeitdauer der geologischen Abschnitte etwas eingehen. Die
Bewertung derselben ist bekanntlich unsicher, aber doch nicht in dem
Mae, da es eine Beantwortung unserer Frage unmglich macht. Wenn z.
B. der seit der letzten Eiszeit verflossene Zeitraum von /Penck/ auf
Grund seiner alpinen Glazialstudien auf 50000 Jahre, von /Steinmann/
auf mindestens 20000, hchstens 50000, und von /Heim/ nach neueren
Berechnungen aus der Schweiz und ebenso von den Glazialgeologen der
Vereinigten Staaten nur auf etwa 10000 Jahre geschtzt wird, so reicht
die bereinstimmung dieser Zahlen doch fr unsere Zwecke bereits vllig
aus.

Fr die lteren Zeiten hat man namentlich aus der Mchtigkeit der
Sedimente ein Urteil ber die Zeitdauer ihrer Ablagerung zu gewinnen
versucht und ist dabei z. B. fr das Tertir auf eine Grenordnung
von 1 bis 10 Millionen Jahre gekommen[133]. Das grte Ansehen geniet
gegenwrtig wohl die auf etwa gleiche Werte fhrende physikalische
Altersbestimmung der Gesteine auf Grund des Heliumgehalts derselben,
der aus dem Zerfall radioaktiver Stoffe stammt. Die Messungen werden
an Zirkonkristallen ausgefhrt, deren Heliumgehalt durch Zerfall des
Uranoxyds erzeugt wird. /Strutt/, der diese Methode ausbildete, fand
so fr das Oligozn 8,4 Millionen Jahre, fr das Eozn 31, das Karbon
150 und das Archaikum 710 Millionen Jahre. /Knigsberger/[134] hat
spter die /Strutt/schen Messungen neu berechnet und das geologische
Alter einiger der Versuchsgesteine anders bestimmt. Aus seinen und den
frheren Angaben kommt man etwa auf die folgenden Zeitrume:

  Seit Beginn des  Palozoikums      verflossen    500 Millionen Jahre
   "     "     "   Mesozoikums           "          50     "       "
   "     "     "   Tertir (Paleozn)    "          15     "       "
   "     "     "   Eozns                "          10     "       "
   "     "     "   Oligozns             "           8     "       "
   "     "     "   Miozns               "           6     "       "
   "     "     "   Pliozns              "          2-4    "       "
   "     "     "   Diluviums             "        1/2-1    "       "
   "     "     "   Postdiluviums         "        10-50 Tausend  Jahre.

Mit Hilfe dieser Zahlen und den von den Kontinenten zurckgelegten
Wegen knnen wir uns unschwer ein ungefhres Bild von dem zu
erwartenden Betrag der jhrlichen Verschiebung machen. Leider werden
die Zahlen auch besonders dadurch sehr unsicher, weil der Zeitpunkt, zu
welchem die Schollen sich trennten, auch in der relativen geologischen
Zeitfolge meist noch recht ungenau bestimmt ist. Es ist daher zu
erwarten, da manche von diesen Zahlen knftig noch stark verndert
werden mssen. Einstweilen komme ich auf die in der folgenden Tabelle
zusammengestellten Werte:

  ==========================++==========+===================+==============
                            || Abstand  |   Trennung vor    | Jhrl. Beweg.
                            ||   km     | Mill. Jahre etwa  |       m
  ==========================++==========+===================+==============
  Sabine-Insel-Bren-Insel  ||   1070   |     0,05-0,1      |    21-11
  Island-Norwegen           ||    920   |     0,05-0,1      |    18-9
  Kap Farvel-Schottland     ||   1780   |     0,05-0,1      |    36-18
  Kap Farvel-Labrador       ||    790   |     0,05-0,1      |    16-8
                            ||          |                   |
  Neufundland-Irland        ||   2410   |         1         |     2,4
  Kap S. Roque-Kamerun      ||   4880   |        20         |     0,24
  Buenos Aires-Kapstadt     ||   6220   |        20         |     0,3
  Feuerland-Sandwich-Inseln ||   2390   |         1         |     2,4
                            ||          |                   |
  Madagaskar-Afrika         ||    890   |         0,1       |     9
  Vorderindien-Madagaskar   ||   5110   |        10         |     0,5
                            ||          |                   |
  Tasmanien-Wilkesland      ||   2890   |         8         |     0,36

Die grte nderung ist also bei dem Abstand Grnlands von Europa zu
erwarten. Die Bewegung ist hier eine ostwestliche, die astronomischen
Ortsbestimmungen knnen also nur eine Vergrerung der Lngendifferenz,
nicht der Breitenunterschiede, ergeben. Es ist in der Tat vor kurzem
gelungen, diese Vergrerung der Lngendifferenz Grnland-Europa
exakt nachzuweisen. J. P. /Koch/ hat im sechsten Bande der Ergebnisse
der Danmark-Expedition[135] in dessen Hauptteil Survey of Northeast
Greenland auf S. 240 in einem The drift of North Greenland in a
westerly direction berschriebenen, 16 Seiten langen Kapitel[136]
die Frage der Bewegung Grnlands auf Grund der Lngenbestimmungen von
/Sabine/ (1823), /Brgen/ und /Copeland/ (1870) und /Koch/ (1907) in
sorgfltigster Weise untersucht und dabei eine Verschiebung Grnlands
nach Westen gefunden, welche betrug

    im Zeitraum 1823-1870  420 m oder  9 m pro Jahr
     "     "    1870-1907 1190 "  "   32 "  "   "

Die Lngenbestimmungen sind nicht genau an der gleichen Stelle
ausgefhrt. /Sabine/ beobachtete am Sdufer der nach ihm benannten
Insel, /Brgen/ und /Copeland/ ebendort, aber an einer etwas anderen
Stelle, /Kochs/ Beobachtungen waren dagegen erheblich nrdlicher,
am Danmarkshafen auf Germanialand angestellt, waren jedoch durch
ein Dreiecksnetz mit der Sabine-Insel verbunden. Die aus dieser
bertragung entspringenden Ungenauigkeiten wurden von /Koch/
in eingehendster Weise untersucht, und es wurde festgestellt,
da sie gegenber der Ungenauigkeit der Lngenbestimmungen
selber vernachlssigt werden knnen. Diese Ungenauigkeit der
Lngenbestimmungen, die in allen drei Fllen durch Mondbeobachtungen
gewonnen wurden, sind, wie bei dieser Methode unvermeidlich, recht
gro; sie werden durch den mittleren Fehler ausgedrckt, der aus der
inneren bereinstimmung der Beobachtungsreihen abgeleitet wird. Dieser
mittlere Fehler betrgt:

    1823      etwa 124 m
    1870        "  124 "
    1907        "  256 "

Vergleichen wir diese mittleren Fehler, die uns den Grad der
Ungenauigkeit der Lngenmessungen angeben, mit den beobachteten
nderungen der Lnge, so ist ersichtlich, da die letzteren den
mittleren Fehler weit bersteigen. Es ist also nicht mehr mglich,
diese Lngennderungen der Ungenauigkeit der Messungen zur Last zu
legen, wir haben sie vielmehr als reell zu betrachten[137].

Die Bedeutung dieses ersten Nachweises von Kontinentalverschiebungen
durch astronomische Ortsbestimmungen kann meines Erachtens gar nicht
hoch genug eingeschtzt werden. Wie unsere Tabelle lehrt, ist ein noch
grerer Betrag bei Kap Farvel zu erwarten, und es mte hier, wenn man
die viel genauere funkentelegraphische Lngenbestimmung benutzt, in
noch viel krzerer Zeit mglich sein, die Verschiebung zu ermitteln. Da
Island seit 1906 durch Kabel mit Europa verbunden ist, mte sich auch
hier die Verschiebung durch telegraphische Lngenmessung im Laufe von
fnf bis zehn Jahren einwandfrei ermitteln lassen[138].

Weniger gnstig liegen offenbar die Verhltnisse bei der
Lngendifferenz Europa-Nordamerika. Nach unserer Tabelle ist hier
ein jhrlicher Zuwachs des Abstandes von zwei bis drei Metern zu
erwarten, aber diese Zahl gilt als Mittel seit dem Abri Neufundlands
von Irland. Seitdem scheint sich die Bewegungsrichtung Nordamerikas
durch den Abri von Grnland gendert zu haben, indem sie sich mehr
nach Sden richtete. Dies geht aus der heutigen Lage zu Grnland
hervor und wird auch besttigt durch die beginnende Stauchung der
kalifornischen Halbinsel und die Sprungrichtung bei der Erdbebenspalte
von San Franzisko. Es lt sich also schwer sagen, wie gro hier
der zu erwartende heutige Zuwachs der Lngendifferenz ist. Man
kann nur so viel sagen, da er jedenfalls kleiner sein wird als
die genannte Zahl. Aus den vorliegenden, mit dem Kabel gewonnenen
transatlantischen Lngenbestimmungen von 1866, 1870 und 1892 hatte
ich seinerzeit auf eine tatschliche Vergrerung des Abstandes von
vier Metern pro Jahr geschlossen. Nach /Galle/[139] sind jedoch die
dabei zugrunde gelegten Messungen unrichtig kombiniert, wodurch
der Betrag zu gro wird. Kurz vor dem Kriege war mit Rcksicht auf
unsere Frage eine neue Lngenmessung mit Amerika im Gange, die
auch durch eine funkentelegraphische Messung kontrolliert wurde.
Obwohl diese Messung durch Zerschneiden des Kabels bei Kriegsbeginn
vorzeitig abgebrochen wurde und infolgedessen das Resultat nicht die
wnschenswerte Genauigkeit besitzt, scheint doch daraus hervorzugehen,
da die Vernderung noch zu klein ist, um als gesichert gelten zu
knnen. Es wurde nmlich fr den Lngenunterschied Cambridge-Greenwich
gefunden[140]:

    1872      4^h 44^m 31,016^s
    1892      4^h 44^m 31,032^s
    1914      4^h 44^m 31,039^s

Die lteste Bestimmung von 1866, fr welche ich 4^h 44^m 30,89^s
gefunden hatte, ist als zu ungenau fortgelassen worden. Es ist hiernach
wohl sehr zu wnschen, da eine neue vollstndige Lngenbestimmung
ausgefhrt wird, aber man wird mit der Mglichkeit rechnen mssen,
da die Verschiebung zu klein ist, um mit Rcksicht auf den mittleren
Fehler der Beobachtung schon jetzt sicher wahrgenommen zu werden.

Vielleicht wird es aber mglich sein, die Verschiebung Nordamerikas
durch korrespondierende Breitenbestimmungen mit Grnland zu
ermitteln. Nach unserer Tabelle hat sich Labrador mit einer mittleren
Geschwindigkeit von 8 bis 16 Meter pro Jahr von Sdgrnland nach SW
bewegt. Nehmen wir an, da hiervon etwa sechs Meter pro Jahr auf die
Breitennderung entfallen, so wrde sich der Breitenunterschied dieser
beiden Orte jhrlich um etwa 0,2" vergrern, ein Betrag, der durch
die viel genaueren Breitenbestimmungen in relativ kurzer Zeit ermittelt
werden knnte. Auch bei der Breitendifferenz Madagaskar-Afrika und
vielleicht sogar Vorderindien-Afrika und Australien-Wilkesland besteht
wohl Aussicht, ihre nderung durch wiederholte korrespondierende
Breitenbestimmungen in nicht allzu langer Zeit zu messen.

Zum Schlu sei noch auf die bekannte Erscheinung der skularen
Breitenabnahme der europischen und nordamerikanischen Sternwarten
hingewiesen. Nach A. /Hall/[141] sind folgende Breitenabnahmen als
gesichert zu betrachten: bei Washington in 18 Jahren um 0,47"; bei
Paris in 28 Jahren um 1,3"; bei Mailand in 60 Jahren um 1,51"; bei Rom
in 56 Jahren um 0,17"; bei Neapel in 51 Jahren um 1,21"; bei Knigsberg
i. Pr. in 23 Jahren um 0,15"; bei Greenwich in 18 Jahren um 0,51". Auch
fr /Pulkowa/ ergibt sich nach /Kostinsky/ und /Sokolow/ eine skulare
Breitenabnahme. Die Ursache dieser Breitennderungen kann entweder
die Polflucht der Kontinente oder eine Verlegung des Pols nach der
vom Atlantik abgewendeten Seite hin sein. Im ersteren Falle wre zu
erwarten, da Japan gleichfalls eine Breitenabnahme hat, im letzteren
mte hier die Breite zunehmen. Bevor einwandfreie Beobachtungen
aus Ostasien vorliegen, wird man eine Entscheidung hierber kaum
treffen knnen. Zum Vergleich sei nur angefhrt, da fr die Zeit
zwischen Eozn und Eiszeit (etwa zehn Millionen Jahre) eine totale
Polverschiebung von etwa 65, das ist 0,02" pro Jahr, resultiert.




Namen- und Sachregister.


  Abessinien 17-18, 84.

  Abkhlung der Erde 98.

  Abrolhos-Bank 18, 69.

  Abtragung 33.

  Abyssische Sedimente 53.

  Afrikanische Streichrichtungen 77.

  gisches Meer 39.

  Agassiz 109.

  Airy 5-6.

  Akdargebirge 84.

  Alaska 108.

  Algonkische Eiszeit 118.

    -- Faltung 75.

  Alpenfaltung 2, 32.

  Altaiden, transatlant. 76.

  Altersbestimmungen, absolute 126.

  Amazonas 78.

  Ameisenbren 104.

  Amerikanische Brcke 80.

  Ami 76.

  Ampferer 2, 33.

  Anden 35.

  Andre 1-2, 20, 56, 75, 88.

  Antarktika 62 ff., 92.

  Antarktische Brcke 87.

  Antillen 46, 70, 77.

  Arakan, Blattverschiebung 49.

  Araukarien in Westantarktika 104.

  Arber 114.

  Arldt 7-8, 59, 63-65, 71 bis 73, 79, 86-87.

  Armorikanische Faltung 75-76.

  Arvaligebirge 84.

  Astronomische Ortsbestimmung 125 ff.

  Atlantischer Kstentyp 51.

    -- Laven 51.

  Atlantische Spalte 66 ff.

  Atlas 69, 76-77.

  Aufreien, erstes, der Lithosphre 59.

  Auftriebspunkt der Kontinentalscholle 121.

  Ausdehnungskoeffizient 2.

  Ausgleichsflche 24.

  Australische Eiszeit 103.

    -- Faunen 86.

    -- Kordilleren 90-91.

  Azoren 68, 77.


  Breninsel 108.

  Barsche 72.

  Barus 25.

  Basedow 112.

  Bebenwellen 20.

  Becke 51.

  Benndorf 24, 27.

  Bergeat 52.

  Beringstrae 8-9, 81-82, 107.

  Bermudas-Inseln 112.

  Bertrand 2, 76.

  Beuteltiere, (Ries.-), Australiens 103.

  Biskaya, Golf von 68.

  Bismarck-Archipel 90.

  Blattverschiebung 49.

  Blaubnder 48.

  Brgen 127.

  Borneo 97.

  Bse E., 1.

  Braunkohlensmpfe 114.

  Brasilien,  permokarbon. Glazial 116.

    --, Streichrichtungen 78.

    --, Verwandtsch. m. Westantarktika 104.

  Breite Mitteleuropas in der Erdgeschichte 100.

  Breitenabnahme europischer Sternwarten 130.

  Brotfruchtbaum 112.

  Brche von Ostafrika 36.

  Brcken (Liste) 64.

  Buntsandstein 113.

  Burckhardt 65, 87-88.


  Caledonisches Gebirge 75.

  Californische Randkette 49.

  Callabonna-See 103.

  Canadische Caledoniden 75.

  Canaren 68, 77, 120.

  Cap Farvel 73.

  Capgebirge 79.

  Cap San Roque 78.

  Capverden 68, 77, 120.

  Carbon. Rekonstruktion 61.

    -- Flora 114.

    -- Pollage 114 ff.

    -- Faltungen 75.

    -- -- in Sdafrika 79.

  Cascadengebirge 106.

  Cayeux 3.

  Cedar-Berge 79.

  Ceylon 90.

  Chamberlin 105.

  Chile 109.

  China 116, 118.

  Clarke 22.

  Cloos 26.

  Colberg, Lffelholz von 96.

  Continentalrand 39 ff.

  Continentalschollen, Problem der 3.

  Contractionstheorie 1.

  Copeland 127.

  Coranaberge 84.

  Cross 23.


  Dacqu 4, 7, 75, 100, 103, 110, 112, 126.

  Dall 108.

  Dana 1.

  Danmark-Expedition 127.

  Darwin, G. H. 12.

  Dawson 76.

  Day 25.

  Deckfalten 2.

  Depression durch Inlandeis 4.

  Deutschostafrika, Brche 36.

  Devonische Pollage 118.

  Dicke der Kontinentalschollen 23.

  Diener C., 9, 65, 81-82, 88.

  Diluviale Pollage 101 ff.

  Diprotodon 103.

  Doelter 25, 26.

  Doppeltes Niveau der Erdrinde 15.

  Drakestrae 48, 70.

  Druckverteilung im Kontinentalrand 41.

  Drygalski v., 56, 105.

  Dutton 5.


  Eckardt 58, 96, 98.

  Ecuador 97.

  Edentaten, sdamerik. 104.

  Eiszeit 101 ff.

  Eliasgebirge 106.

  Endmornen 76.

  Eozne Pollage 108.

  Epilophische Sedimente 53.

  Erdbebenverwerfung von San Franzisko 50.

  Erdbebenwellen 20.

  Erdmagnetismus 18.

  Euler 27, 93-96.

  Evans 11.


  Falklandsinseln, karbon. Vereisung 116.

  Faltung 30 ff.

    --, Abnahme im Laufe der Erdgeschichte 60.

  Faltungskraft 34.

  Faultiere 104.

  Faye 5.

  Feigen 112.

  Fernando Po 68.

  Fidschi-Inseln 55.

  Fisher O., 5.

  Fjordksten 5.

  Franz-Joseph-Land, tertire Flora 108.

    --, triassische Flora 113.

  Frech 65, 104, 112, 114.

  Friedlaender J., 19.

  Fritz 65.


  Gagel 42, 77.

  Galle 129.

  Gartenschnecke 72.

  Gebirgsfaltung 30 ff.

    --, Abnahme im Laufe der Erdgeschichte 60.

  Geer de, 4.

  Geikie 105.

  Gentil 77.

  Geosynklinale 5.

  Geothermische Tiefenstufe 25-26.

  Geyler 97.

  Gezeitenwelle im festen Erdkrper 122.

  Gilbert 23.

  Gipfelhhen, Gleichartigkeit in den Alpen 6.

  Girlanden 42 ff., 120.

  Glossopterisflora 116.

  Godvari 85.

  Gondwanaland 85 ff.

    -- -schichten 85.

  Gondwanische Brcke 86.

  Graban 93.

  Grabenbrche 36, 123.

  Granitaufschmelzungen 26.

  Grinnell-Land, tert. Flora 72 108.

    --, Verschiebung geg. Grnland 74.

  Groll 15, 48, 53, 66.

  Grnlndische Flora 72.

    -- Tertirflora 108.

    -- Inlandeis 105.

  Grnland, Verschiebung 127-128.

  Grosse 116.

  Grundmornen in Europa 105.

    -- in Nordamerika 106.

  Gnther 130.

  Grteltiere 104.


  Hall 30, 130.

  Halle 114.

  Hammer 33.

  Handlirsch 65.

  Harris 108.

  Haug 30, 42, 65.

  Hayford 24.

  Hebriden 75.

  Hebung 4.

    -- Skandinaviens 28.

  Hecker 5, 6, 26, 38, 57.

  Hedley 85, 87, 89-90.

  Heer 108, 109.

  Heidekraut 72.

  Heil 124.

  Heim, Albert 1-3, 5, 126.

  Heliumgehalt der Gesteine 126.

  Helmert 5, 24, 40.

  Himalaja 32, 83.

  Hindukusch 84.

  Hinterindien, Tiefenkarte 49.

  Hipparion 106.

  Hise, van 34.

  Hhenstatistik d. Erdrinde 14.

  Holland 99.

  Horn 43.

  Hrnes 96.

  Hough 27.

  Howe-Insel, Lord 91.

  Hudson-Bai 68.

    -- -Mndung, mioz. Flora 108.

    -- -Strae 68.

  Hypsometrische Kurve der Erdoberflche 14.

    -- --, ehemalige u. knftige 59.


  Iherin, v., 65.

  Inlandeis 4 76.

  Inlandeis, fossiles 106.

    -- von Grnland 105.

  Innenwrme der Erde 98.

  Inselgirlanden 42 ff.

  Inselreihen der Pazifik 47.

  Interglazialzeiten 102, 106.

  Internat. Breitendienst 92.

  Irmscher 65.

  Irvinflu 90.

  Island 17, 66, 73.

  Isostasie 4.

    --, Gltigkeitsbereich 6.


  Jacobitti 97.

  Jahresringe an karbonischen Hlzern 114.

    -- an altkretazischen Koniferen 112.

  Jan Mayen 73.

  Japan, tertires Klima 107.

  Jaworski 77.

  Jujuy-Schichten 109.

  Jura, Pollage 112.


  Kabelzerreiung 52.

  Kalaharikalk 102.

  Kaledonisches Gebirge 75.

  Kalifornische Randkette 49.

  Kamerunlinie 68-69.

  Kanadische Kaledoniden 75.

  Kanaren 68, 77, 120.

  Kap Farvel 73.

  Kapgebirge 79.

  Kap San Roque 78.

  Kapverden 68, 77, 120.

  Karbonische Faltungen 75.

    -- -- in Sdafrika 79.

    -- Flora 114.

    -- Pollage 114 ff.

    -- Rekonstruktion 61.

  Karpinsky 65.

  Kaskadengebirge 106.

  Katzer 65, 87.

  Kayser E., 1-3, 16, 34, 52, 60, 96, 114.

  Keidel 79.

  Kelvin Lord, 26, 93.

  Kerguelen 108.

  Klimagrtel 99.

  Klimakurve 100.

  Koch, Lauge 74.

    --, J. P. 127-128.

  Koert 116.

  Kohlenlager 76 99.

  Kohlschtter E. 38.

  Kohn H. 7.

  Koken 65, 116, 117.

  Kongo, permokarbonisches Glazial 116.

  Knigsberger 126.

  Kontinentalrand 39 ff.

  Kontinentalschollen, Problem der 3.

  Kontraktionstheorie 1.

  Kppen 6, 9, 81, 121.

  Korallen 99, 108, 112.

  Koranaberge 84.

  Kossinna 53.

  Kossmat 65.

  Kostinsky 130.

  Krfte der Faltung 34.

    -- -- Verschiebung 121.

  Kreichgauer 11-12, 35, 97-98, 106-107, 113 bis 115, 119, 121, 124.

  Kreide, Glazialspuren in Australien 112.

    --, Pollage 110.

  Krit. Druck des Wassers 52.

  Krmmel 17, 19, 53.

  Kstentyp, atlantischer u. pazifischer 51.


  Labrador 66.

  Landbrcken 8.

    --, Liste 64.

  Lngendifferenzen 127.

  Laplace 92.

  Lapparent 65.

  Laterit 99.

    -- in Sdafrika 102.

  Laven, atlantische und pazifische 51.

  Leconte 106.

  Lemoine 77, 78, 84.

  Lemurien 82 ff.

  Lepidodendron 114.

  Liapunow 12.

  Lffelholz von Colberg 96.

  Lorbeer 107.

  Lord Howe-Insel 91.

  Lugeon 2.

  Lumbricinen 71.

  Lyell 2.


  Mchtigkeit der Kontinentalscholle 23-24.

  Macquarie-Brcke 88.

  Macropus 103.

  Madagaskar 84.

  Madeira 77.

  Magnetismus 18.

  Magnolien 107, 108.

  Malakka 49.

  Mammut 102.

  Manganknollen um Glazialgeschiebe 109.

  Marshall 91.

  Massendefizit unter Gebirgen 5.

  Mastodon 106.

  Matthew 65.

  Megatherium 104.

  Meiner, O. 51.

  Meridionale Spalten 123.

  Mexiko 116.

  Meyer, O. E. 36.

  Michael 25.

  Michaelsen, W. 65, 86.

  Miolania 103.

  Miozn, Pollage 107.

  Mittelatlantische Bodenschwelle 55 ff.

  Mittelmeerische Bruchzone 123.

  Mittlere Tiefe d. Ozeane 53.

  Moa 103.

  Mohn 5.

  Mohorovi[vc]i[vc] 24.

  Mondabschleuderung 12.

  Moolengraaff 42, 116.

  Mornen 76, 101.

  Mozambique-Kanal 84.

  Murray, John 17.

  Mylodon 104.

  Myrte 107.


  Nachhinken isostatischer Bewegungen 5, 28.

  Nathorst 72, 96, 114, 116.

  Neufundland 68.

  Neuguinea, Tiefenkarte 89.

  Neumayr 36, 65, 96, 107 bis 109, 112.

  Neu-Pommern 57, 90.

  Neuseeland 91, 103, 110, 113.

  Neusibirische Inseln 102.

    -- --, fossiles Inlandeis 106.

  Newcomb 27.

  Nife 24.

  Niger, 77.

    -- -Delta 69.

  Nippoldt 18.

  Nordatlantische Beziehungen 71.

  Nordenskjld 112.

  Nordost-Grnland 114.

  Nordpazif. Brcke 81-82.

  Nothofagen in Westantarktika 104.

  Nummuliten 99, 109, 110.


  Obst E., 37.

  Old Red 73, 118.

  Oligochaeten 65.

  Oligozne Pollage 108.

  Omori F. 20.

  Ortmann 65.

  Osborn 65.

  Ostafrikanische Brche 36, 83.

  Ostasien 43 ff.


  Paleozn, Pollage 110.

  Pampaslehm 104.

  Panama 80.

  Panthalassa 58.

  Papua-Fauna Australiens 86.

  Passarge 77, 99, 102.

  Patagonien 103.

    --, Eiszeit 109.

  Pazifische Inselreihen 59.

    -- Kontinent 87-88.

    -- Kstentyp 51.

    -- Laven 51.

  Penck 7, 10, 58, 76, 107, 117, 126.

  Pendulationstheorie 97.

  Perlewitz 57.

  Perlmuschel 71.

  Permanenz d. Kontinentalschollen 4.

    -- der Ozeane 9-10.

  Permische Eiszeit 116.

  Permokarbonische Pollage 113.

  Pfeffer, G. 7, 22.

  Pferd 106-107.

  Pflanzengeographie 66.

  Pheretima 89.

  Pickering 12.

  Pliozne Pollage 107.

  Pockels 27.

  Podsolbden 99.

  Point Barrow, fossiles Inlandeis 106.

  Polflucht 12, 119.

  Polfluchtskraft 121.

  Pollagen, Tabelle 118.

  Polschwankungen 26, 92.

  Polwanderungen 92 ff.

    -- als Folge d. Kontinentalverschiebung 122.

  Prkordilleren 120.

  Pratt 5, 40.

  Pyrenen 68.


  Quartre Pollage 101 ff.

  Quitzow 25.


  Raclot 18.

  Radioaktivitt d. Gesteine 1.

  Ramann 99, 114.

  Randbrche 41.

  Rasmussen, Knud 74.

  Reade 30.

  Rebeur-Paschwitz, v. 26.

  Regenwrmer 65, 71.

    -- Australiens 86.

  Reibisch 96-98, 124.

  Reibung 47.

    -- der Gezeitenwelle 122.

  Rekonstruktion fr Karbon 61.

    -- -- Eozn 67.

    -- -- Quartr 101.

  Riasksten 76.

  Richthofen, F. v. 43.

  Riesen-Faultier 104.

    -- -Knguruh 103.

    -- -Pinguin 104.

  Robeson-Kanal 74.

  Roterden 99.

  Roter Tiefseeton 17.

  Rotes Meer 38.

  Rcker, A. W. 18.

  Rudisten 99, 110.

  Rudzki 2, 4, 12, 50.

  Russel 106.


  Sbeltiger 106.

  Sabine 127.

  Sachalin, Miozn 108.

  Sagopalmen auf Borneo 97.

    -- auf Franz-Joseph-Land 113.

  Saiga-Antilope 102.

  Sal 22.

  Salter 76.

  Salt Range 118.

  Salzlager 99, 113.

  Sambesi 114.

  San Franzisko, Erdbebenverwerfung 50.

  Saurier 113.

  Schardt 2.

  Scharff 72.

  Scharung 84.

  Schelfe 30.

  Schenck 109.

  Schiaparelli 93-95.

  Schitz 39.

  Schlichtheit des Meeresbodens 19.

  Schmelztemperaturen 25.

  Schmelzung von unten 32.

  Schott G., 57.

  Schreibkreide 3.

  Schrumpfungstheorie 1 ff.

  Schuchert 65.

  Schwarz, E. H. L. 11, 122.

  Schwarzschild 12.

  Schweiz, mioznes Klima 108.

  Schweremessungen im Gebirge 5.

    -- auf See 5.

    -- in Ostafrika 38.

    -- im Roten Meer 38.

    -- an atlantischen und pazifischen Ksten 51.

    -- ber d. Tonga-Rinne 57.

    -- am Fu des Himalaja 85.

  Schwerestrung am Kontinentalrand 40.

  Schwerpunkt der Kontinentalscholle 121.

  Schweydar 26-28.

  Schwingungspole und Schwingungskreis 97.

  Sedimentschale, Dicke 22.

  See 12.

  Seismische Wellen 20.

  Semper 72, 96, 109, 124.

  Senftenberg 108.

  Senkung 5.

  Sequoien 108.

  Seychellen-Bank 55.

  Sial 22.

  Sibirien, diluviales Klima von 102.

  Siegellack 28.

  Sierren von Buenos Aires 19.

  Sigillarien 114.

  Sima 22.

  Simroth 10, 88, 97.

  Sokolow 130.

  Somaliland 18, 83.

  Srgel 9, 15, 88.

  Spaltung 36, 123.

  Spez. Gew. der Gesteine 23.

  Spitaler, 27.

  Spitzbergen, Oligozne Flora 108.

    --, Karbonische Ablagerungen 73.

  Staffelfalten 33.

  Staffelung der ostasiatischen Girlanden 46.

  Starrheitsgrad der Erde 26.

  Stegocephalen 113.

  Steinkohlengrtel 114.

  Steinmann 58, 79, 103, 109, 126.

  Steppenklima, interglaziales, in Europa 102.

  Stirnwiderstand 47.

  Stokes 6.

  Strandlinien 4.

  Streichrichtung in Afrika 77.

    -- in Dekan 84.

    -- in Madagaskar 84.

    -- in Australien 90.

  Strmungen im Sima 54 ff.

  Strutt 126.

  Stbel 42.

  Stutzer 116.

  Submarine Eruptionen 52.

  Sudan 77.

  Sdamerikanische Eiszeit 103.

  Sdatlant. Brcke 77.

  Sdgeorgien 48, 70.

  Sdgeorgische Brcke 88.

  Sdorkney 48, 70.

  Sdpazifische Brcke 87.

  Suess E., 1, 22-24, 75-78, 84, 91, 106.

  Sunda-Inseln 89.

  Supan 36, 98.

  System der Verschiebungen 119 ff.


  Tams 50.

  Tanganikasee 37.

  Tasmanien, Schneegrenze im Diluvium 103.

  Taxodien, tertire, auf Spitzbergen 108.

  Taylor 12, 119.

  Tektonische Brcken ber den Atlantik 73 ff.

  Temperatur der Tiefseebden 54.

  Termier 75.

  Tertirer Faltengrtel 35.

  Tetraederhypothese 7.

  Texas 113.

  Thomson, Wyville 17.

  Tiefe der Ozeane 53.

  Tiefseeablagerungen 17, 53.

    -- -bden 13 ff., 52 ff.

    -- -rinnen 44, 47, 56 ff.

    -- -sande 56.

  Tilmann 75.

  Togo, Glazialfunde 117.

  Tonga-Rinne 57.

  Torf 99.

  Trabert 14.

  Trgheitsachse 93.

  Transatlant. Altaiden 76.

  Transgressionen 124.

  Traversi 17.

  Trias, Pollage 113.

  Triulzi 38.

  Tuscarora-Rinne 56.


  berschiebungen 2.

  Uhlig 36, 65, 112.

  Unterseeische Vulkanausbrche 52.

  Ural 113.

  Ursache der Verschiebung 121.


  Vellakondagebirge 85.

  Verschiebung der ganzen Erdrinde 11.

  Verschiebung Grnlands 127-128.

    -- Nordamerikas 129.

  Verschiebungsgeschwindigkeit 127.

  Vogt 25.

  Vulkane auf Inselgirlanden 44.

  Vulkannatur der Tiefseebden 17.

  Vulkanismus der Ksten und Inseln 42.


  Waagen 106, 112, 117.

  Wahrscheinlichkeit d. Verschiebungstheorie 80.

  Walcott 76.

  Wallace 87, 89.

  Walther, J. 58.

  Warming 72.

  Westantarktis 104, 110, 112.

  Westwanderung der Kontinente 120.

  Wetterau, oligozne Flora 108.

  Wettstein H., 11, 122.

  Whitmann 23.

  Widerstand bei Verschiebung 35, 47.

  Wiechert 24, 27.

  Wilde, Henry 18.

  Willis B. 9-10, 41, 65.

  Windkanter 99.

  Wirkungen d. Kontinentalverschiebungen 122 ff.

  Wisent 106.

  Wolff, v. 1.


  Yap-Rinne 57.


  Zhigkeit 26-27.

  Zeitskala der Geologie 126.

  Zentrifugalkraft 121.

  Zittel 108, 112.

  Zschipkau 108.

  Zusammenschub 31.

    -- der Alpen 2.

  Zuspitzung der Kontinente nach Sden 123.

  Zwarten Berge 79.




Funoten:

[1] /Von Hofsten/, Wegeners frskjutningsteori och de djurgeografiska
landfrbindelsehypoteserna. Ymer 1919, Heft 4, S. 278-301.

[2] /W. Kppen/, ber Isostasie und die Natur der Kontinente. Geogr.
Zeitschr., Bd. #25#, Heft 1, 1919, S. 39-48.

[3] /E. Suess/, Das Antlitz der Erde #1#, 778, 1885.

[4] /E. Bse/, Die Erdbeben (Sammlung Die Natur, o. J.), S. 16; vgl.
auch die Kritik bei /Andre/, ber die Bedingungen der Gebirgsbildung.
Berlin 1914.

[5] /v. Wolff/, Der Vulkanismus #1#, 8. Stuttgart 1913.

[6] /A. Heim/, Bau der Schweizer Alpen. Neujahrsblatt d. Naturf. Ges.
Zrich 1908, 110. Stck, S. 24.

[7] /Ampferer/, ber das Bewegungsbild von Faltengebirgen. Jahrb. d. k.
k. Geol. Reichsanstalt #56#, 539-622. Wien 1906.

[8] /Reyer/, Geologische Prinzipienfragen, S. 140 f. Leipzig 1907.

[9] /Rudzki/, Physik der Erde, S. 122. Leipzig 1911.

[10] /Andre/, ber die Bedingungen der Gebirgsbildung. Berlin 1914.

[11] /A. Heim/, Untersuchungen ber den Mechanismus der Gebirgsbildung,
2. Teil, S. 237. Basel 1878.

[12] /E. Kayser/, Lehrb. d. allgem. Geol., 5. Aufl., S. 132. Stuttgart
1918.

[13] Eine ausfhrliche Diskussion dieser etwaigen Tiefseeablagerungen
findet man in /Dacqu/, Grundlagen und Methoden der Palogeographie, S.
215. Jena 1915.

[14] /G. de Geer/, Om Skandinaviens geografiska Utveckling efter
Istiden. Stockholm 1896.

[15] /Rudzki/, Physik der Erde, S. 229. Leipzig 1911.

[16] Die auffallend gleichartige Zerrissenheit der symmetrisch
angeordneten Fjordksten von Norwegen und Labrador, ferner der
Westkste Nordamerikas zwischen 48 und 58 nrdl. Br. und der
Westkste Sdamerikas zwischen 42 und 55 sdl. Br. drfte neben der
Gletschererosion wohl auch auf diese noch nicht ausgeglichene Senkung
durch Inlandeis zurckzufhren sein.

[17] Die geschichtliche Entwickelung ging infolge falscher
theoretischer Berechnungen einen Umweg, den wir hier bergehen
(vgl. /Kppen/, ber Isostasie und die Natur der Kontinente, Geogr.
Zeitschr. #25#, 40, 1919). Auerdem ist /Heckers/ Resultat, weil
zehnmal ungenauer als die Pendelmessungen, angegriffen worden,
aber mit Unrecht. Leider haben diese Verhltnisse bei solchen
Geologen, denen die Voraussetzungen zu einem eigenen Urteil ber die
mathematischen Ableitungen fehlen, vielfach Verwirrung gestiftet. Eine
Weiterentwickelung der /Hecker/schen Methode wre deshalb jedenfalls
wnschenswert.

[18] In diesen Verhltnissen gibt sich der bergang von der Herrschaft
der Massenkrfte (Schwere) zu der der Molekularkrfte (Festigkeit)
zu erkennen. Fr groe Dimensionen gibt die Erdrinde der Schwerkraft
nach, sie verhlt sich plastisch, es herrscht Isostasie; fr kleine
Dimensionen ist sie starr, es fehlt die Isostasie. Aus demselben Grunde
haben ja auch sehr kleine Weltkrper, wie manche Planetenmonde und
einige der kleinen Planeten, und um so mehr natrlich die Meteoriten,
nicht mehr die Kugelform; denn diese bedeutet Isostasie. Beim Monde
herrscht, wenn man ihn als Ganzes nimmt, Isostasie; die groen
Unebenheiten seiner Oberflche entsprechen aber dem Umstande, da die
Massenkrfte dort bereits erheblich geringer sind als auf der Erde, so
da die Molekularkrfte mehr hervortreten. Auch die Hhe der Gebirge
ist eben, wie schon die von /Penck/ hervorgehobenen gleichfrmigen
Gipfelhhen der Alpen nahelegen, keine zufllige Gre, sondern es
ist dafr gesorgt, da auch die Berge nicht in den Himmel wachsen,
indem nach berschreiten einer gewissen Schollenmchtigkeit die Massen
namentlich auf der Unterseite der Scholle seitlich auseinanderflieen
und sich einebnen. -- Aus diesen berlegungen geht auch hervor, da
alle Hypothesen, welche die Erde als einen Kristall irgendwelcher Art
auffassen, unhaltbar sind. So wrde der jngst von /Kohn/ angenommene
Eisenkristall im Erdinnern (/H. Kohn/, Die Entstehung der heutigen
Oberflchenformen der Erde und deren Beziehungen zum Erdmagnetismus,
Ann. d. Natur- u. Kulturphilosophie #12#, 88-130, 1913) aus eigenem
Antrieb die Kugelform annehmen, und auch das viel befrwortete
Kontraktionstetraeder (vgl. /Dacqu/, Grundlagen u. Methoden d.
Palogeographie, S. 55. Jena 1915) lt sich nur mit hinreichend
kleinen Gummiballonen erzeugen, ist aber bei Weltkrpern unmglich.

[19] Allerdings gibt es heute auch noch einige Gegner der Landbrcken.
Unter ihnen ist besonders /G. Pfeffer/ hervorzuheben. Er geht davon
aus, da verschiedene jetzt auf die Sderdteile beschrnkte Formen auf
der Nordhalbkugel fossil nachgewiesen sind. Fr diese ist es nach ihm
unzweifelhaft, da sie einst mehr oder weniger universal verbreitet
waren. Ist nun schon dieser Schlu nicht unbedingt zwingend, so
noch viel weniger der weitere, da wir eine universale Ausbreitung
auch in allen den Fllen diskontinuierlicher Verbreitung im Sden
annehmen drften, in denen ein fossiler Nachweis im Norden noch nicht
stattgefunden hat. Wenn er so alle Verbreitungseigentmlichkeiten
ausschlielich durch Wanderungen zwischen den Nordkontinenten und ihren
mediterranen Brcken erklren will, so steht diese Annahme durchaus auf
ganz unsicherem Boden... (/Arldt/, Sdatlantische Beziehungen, Peterm.
Mitteil. #62#, 41-46, 1916). Da jedenfalls die Verwandtschaften der
Sdkontinente sich einfacher und vollstndiger durch unmittelbare
Landzusammenhnge erklren lassen, als durch parallele Abwanderung vom
gemeinsamen Nordgebiet, bedarf keiner Errterung.

[20] Unter den zahlreichen Miverstndnissen, auf denen sich
/Dieners/ Ablehnung unserer Vorstellungen sttzt (Die Groformen der
Erdoberflche, Mitteil. d. k. k. Geol. Ges. Wien #58#, 329-349, 1915),
und die grtenteils bereits von /Kppen/ (ber Isostasie und die Natur
der Kontinente, Geogr. Zeitschr. #25#, 39-48, 1919) zurckgewiesen
sind, befindet sich auch das folgende: Wer Nordamerika an Europa
heranschiebt, zerreit seinen Zusammenhang mit der asiatischen
Kontinentalscholle an der Beringstrae. Dieser durch die Merkatorkarte
nahegelegte Einwand schwindet, wenn man den Globus zur Hand nimmt;
es handelt sich im wesentlichen um eine Drehung Nordamerikas etwa um
Alaska. Nheres siehe Kap. 4.

[21] /Bailey Willis/, Principles of palaeogeography. Sc. #31#, N.
S., Nr. 790, S. 241-260, 1910. Dies ist wohl die schroffste Fassung.
Andere Autoren, wie z. B. /Srgel/ (Die atlantische Spalte, kritische
Bemerkungen zu /A. Wegeners/ Theorie von der Kontinentalverschiebung,
Monatsber. der D. Geol. Ges. #68#, 200-239, 1916), versuchen einen
Mittelweg zu finden, indem sie die Brckenkontinente mglichst zu
schmalen Brcken am Rande der Ozeanbecken zusammenschrumpfen lassen.
Aber sie erschweren dadurch unntig die Erklrung der Verwandtschaften
und geben dabei den Vorzug der schrofferen Fassung der Permanenzlehre
auf, den geophysikalischen Ergebnissen gerecht zu werden.

[22] /Simroth/, Die Pendulationstheorie, S. 8. Leipzig 1907.

[23] Vielleicht existiert ein kleines sekundres Hufigkeitsmaximum
beim Meeresniveau wegen der Abrasion durch die Brandung.

[24] /D. Kreichgauer/, Die quatorfrage in der Geologie, 394 S. Steyl
1902.

[25] /H. Wettstein/, Die Strmungen des Festen, Flssigen und
Gasfrmigen und ihre Bedeutung fr Geologie, Astronomie, Klimatologie
und Meteorologie, 406 S. Zrich 1880.

[26] Ein Westwrtswandern der Kontinente infolge von Sonnenanziehung
hat in neuerer Zeit auch /E. H. L. Schwarz/ angenommen (G. J. 1912, S.
294-299).

[27] The Journ. of Geol. #15#, Nr. 1, 1907; auch Gaea #43#, 385, 1907.

[28] Die Geologen sollten im Gebrauch dieser von /Schwarzschild/,
/Liapunow/, /Rudzki/, /See/ u. a. fr unrichtig gehaltenen Idee
vorsichtiger sein. /See/ sagt sehr treffend (Astr. Nachr. #181#,
370, 1909): In der herkmmlichen Betrachtungsweise, nach welcher
die Monde sich von den Planeten, die jetzt ihre Bewegung regieren,
abgelst haben, wie es von /Laplace/ und seinen Nachfolgern mehr als
ein Jahrhundert lang angenommen wurde, gab es keinen anderen Weg als
den, welchen die Meisterhand von /George Darwin/ vorgezeichnet hat.
Wenn aber heute unsere Anschauungen andere geworden sind und wir klar
erkennen, da alle anderen Satelliten eingefangen sind, entsteht
natrlich die Frage, ob wirklich ausreichende Grnde fr die Annahme
beigebracht werden knnen, da der Mond eine Ausnahme in der Kosmogonie
des Sonnensystems bilden solle. Nach sehr sorgfltiger Erwgung
aller in Frage kommenden Verhltnisse glaube ich, wir mssen diese
Vorstellung aufgeben und den Mond in dieselbe Klasse mit den anderen
Satelliten setzen.

[29] /F. B. Taylor/, Bearing of the tertiary mountain belt on the
origin of the earth's plan. B. Geol. S. Am. #21# (2), 179-226, Juni
1910.

[30] Am 6. Jan. 1912 hielt ich einen Vortrag Die Herausbildung der
Groformen der Erdrinde (Kontinente und Ozeane) auf geophysikalischer
Grundlage in der Geologischen Vereinigung in Frankfurt a. M., am 10.
Jan. 1912 einen solchen ber Horizontalverschiebungen der Kontinente
in der Ges. z. Befrderung d. gesamten Naturw. zu Marburg. Der Inhalt
erschien unter dem Titel: Die Entstehung der Kontinente, Geol. Rundsch.
#3#, H. 4, S. 276-292, 1912, und etwas ausfhrlicher unter gleichem
Titel in Peterm. Mitt. 1912, S. 185-195, 253-256, 305-309.

[31] Nach /W. Trabert/, Lehrb. d. kosm. Physik, S. 277. Leipzig und
Berlin 1911.

[32] /Groll/, Tiefenkarten der Ozeane, Verffentl. d. Inst. f.
Meereskunde, N. F. A, H. 2, Juli 1912. Berlin, Mittler & Sohn.

[33] /W. Srgel/, Die atlantische Spalte, kritische Bemerkungen zu
/A. Wegeners/ Theorie von der Kontinentalverschiebung. Monatsschr. d.
D. Geol. Ges. #68#, 200-239, 1916.

[34] Dies verhindert natrlich nicht, da die barysphrische Oberflche
der Tiefseebden bisweilen mit lithosphrischem Abfall von den
Kontinentalschollen bedeckt sein kann. Vergleichen wir die etwa 100
km mchtigen Kontinentalschollen mit tafelfrmigen Eisbergen (die
etwa 200 m tief in das Wasser eintauchen), so wrde dieser Abfall den
kleineren Kalbeisbrocken und Meereisschollen entsprechen, welche die
Wasseroberflche zwischen ihnen bedecken knnen.

[35] /E. Kayser/, Lehrb. d. allgem. Geol., 5. Aufl., S. 904. Stuttgart
1918.

[36] Die 510 Mill. Quadratkilometer der Erdoberflche gliedern sich
nach /Krmmel/ in 149 Mill. Quadratkilometer Land, 30 Mill. Schelf und
331 Mill. Tiefsee. Die Kontinentalschollen machen also heute 35 Proz.
der ganzen Erdoberflche aus.

[37] /Krmmel/, Handb. d. Ozeanographie #1#, 193 u. 197. Stuttgart 1907.

[38] ber Sial = Lithosphre und Sima = Barysphre vgl. Kap. 3.

[39] /A. W. Rcker/, The secondary magnetic field of the earth.
Terrestrial Magnetism and atmospheric. Electricity #4#, 113-129,
March-December 1899.

[40] C. R. #164#, 150, 1917.

[41] Nach /J. Friedlaender/, Beitr. z. Geophys. #11#, Kl. Mitt. 85-94,
1912, ist jedoch die Wrmeleitfhigkeit der vulkanischen Tiefengesteine
kleiner, so da fr Laven die geothermische Tiefenstufe sogar nur 17 m
betrgt. Damit wrde die Dicke der magnetischen Schicht sogar nur 8 bis
9 km betragen.

[42] /Krmmel/, Handb. d. Ozeanographie #1#, 91. Stuttgart 1907.

[43] /K. Andre/, ber die Bedingungen der Gebirgsbildung, S. 86 ff.
Berlin 1914.

[44] /F. Omori/, On the dependence of the transit velocity of seismic
waves on the nature of path. Bull. of the Imp. Earthquake Invest.
Committee #3#, 61-67. Tokyo 1909.

[45] Da auch in der Simazone das spezifische Gewicht mit der Tiefe
zunimmt, geht schon daraus hervor, da die Erdbebenforschung als Mittel
fr den ganzen, 1500 km dicken Silikatmantel der Erde den Wert 3,4
liefert.

[46] Bei allen Stoffen, welche beim Erstarren spezifisch schwerer
werden, also in ihrer eigenen Flssigkeit untersinken, steigt der
Schmelzpunkt ein wenig mit stark zunehmendem Druck. Zu diesen Stoffen
gehren wahrscheinlich die meisten Gesteine. Bei Diabas steigt der
Schmelzpunkt nach /Barus/ um 0,025 pro Atmosphre, was /Vogt/ auf
0,005 verbessert. Dagegen sinkt der Schmelzpunkt mit stark zunehmendem
Druck ein wenig bei allen solchen Stoffen, welche beim Erstarren
leichter werden und also auf ihrer eigenen Flssigkeit schwimmen. Zu
dieser Gruppe gehrt namentlich das Eis, aber auch Eisen und andere,
vielleicht alle Metalle.

[47] /Michael/ und /Quitzow/, Die Temperaturmessungen im Tiefbohrloch
Czuchow in Oberschlesien. Jahrb. d. Kgl. Preu. Geolog. Reichsanstalt
1910.

[48] /Doelter/, Petrogenesis. Die Wissenschaft #13#, Braunschweig 1906.

[49] /Benndorf/, ber die physikalische Beschaffenheit des Erdinnern.
Mitt. d. Geol. Ges. Wien #3#, 1908. -- /Pockels/, Die Ergebnisse der
neueren Erdbebenforschung in bezug auf die physikalische Beschaffenheit
des Erdinnern. Geolog. Rundsch. #1#, 249-268, 1910.

[50] /Haug/ (Trait de Gologie #1#, Les Phnomnes gologiques, p.
160, Paris 1907) formuliert es: Les chanes de montagne se forment sur
l'emplacement des gosynclinaux. Ich halte Schelfe fr richtiger als
Geosynklinalen, da man einen Randschelf, wie z. B. den, aus welchem
sich die Anden Sdamerikas aufgebaut haben, wohl nicht gut als Mulde
bezeichnen kann.

[51] Zu diesem Ergebnis kommen unter anderem auch /Ampferer/ und
/Hammer/ (Geologischer Querschnitt durch die Ostalpen vom Allgu zum
Gardasee, Jahrb. der k. k. Geol. Reichsanstalt #61#, 531-709, 1911,
namentlich S. 708-709). Nach ihnen war unter der oberflchlichen Zone
der greren Schiebungen und Faltungen ein tiefer Herd von magmatischen
Bewegungen vorhanden, bei welchem mchtige Teile der oberen Zone in
die Tiefe gesaugt wurden... Denkt man sich die Decke der jngeren
Schichten wieder in ihrer ursprnglichen Art ausgeglttet, so erhlt
man einen wohl zwei- bis dreimal breiteren Streifen als bei der
Ausglttung der jngeren kristallinen Falten, so da eine Absorption
der tieferen Zonen anzunehmen ist.

Auch /E. Kayser/ (Lehrb. d. allgem. Geol., 5. Aufl., S. 914, Stuttgart
1918) meint, da, whrend an und in der Nhe der Erdoberflche die
rupturelle Umformung vorherrscht, mit wachsender Tiefe die plastische
Umformung immer mehr die Oberhand gewinnt. Der amerikanische Geologe
/van Hise/ hat dies schon vor 25 Jahren erkannt und hat eine obere Zone
der Zertrmmerung (zone of rock fracture) und eine tiefere Zone des
Gesteinsflieens (zone of rock flow oder flowage) angenommen. Er legte
die Grenze zwischen beiden in 10 bis 12 km Tiefe.

[52] /Oskar Erich Meyer/, Die Brche von Deutsch-Ostafrika. Neues
Jahrb. f. Min., Geol. u. Palont., Beil.-Bd. #38#, 805-881, 1915.

[53] /Neumayr-Uhlig/, Erdgeschichte #1#, Allgem. Geol., 2. Aufl., S.
367. Leipzig u. Wien 1897.

[54] Vgl. die neuen Karten des abflulosen Rumpfschollenlandes im
nordstlichen Deutsch-Ostafrika von /E. Obst/.

[55] /E. Kohlschtter/, ber den Bau der Erdkruste in
Deutsch-Ostafrika. Nachr. d. Kgl. Ges. d. Wiss. Gttingen, Math.-phys.
Kl., 1911.

[56] Helmert, Die Tiefe der Ausgleichsflche bei der /Pratt/schen
Hypothese fr das Gleichgewicht der Erdkruste und der Verlauf der
Schwerestrung vom Innern der Kontinente und Ozeane nach den Ksten.
Sitzber. d. Kgl. Preu. Ak. d. Wiss. #18#, 1192-1198, 1909.

[57] Die Verhltnisse liegen gerade umgekehrt als /Willis/ voraussetzt,
wenn er ein Vordringen der schweren ozeanischen Gesteine gegen die
tieferen Schichten der Kontinentalschollen annimmt (Research in China
#1#, 115 ff., Washington 1907).

[58] Manche Forscher, wie /Moolengraaff/, halten die pazifischen
Inseln fr reine Vulkankegel, die dem Tiefseeboden einfach aufgesetzt
sind und nun zur Herstellung der Isostasie langsam sinken, wie ja die
Korallenatolle zeigen. Ich halte aber die andere, z. B. von /Gagel/
fr die Kanarischen Inseln und von /Haug/ fr viele pazifische
Inseln vertretene Anschauung fr wahrscheinlicher, da alle diese
Inseln Brocken der Lithosphre und da sie nur in manchen Fllen so
vollstndig mit Lava berzogen sind, da ihr lithosphrischer Kern
nirgends zutage liegt.

[59] F. v. /Richthofen/, ber Gebirgskettungen in Ostasien.
Geomorphologische Studien aus Ostasien #4#; Sitzber. d. Kgl. Preu.
Akad. d. Wiss., Berlin, Phys.-math. Kl., #40#, 867-891, 1903.

[60] E. /Horn/, ber die geologische Bedeutung der Tiefseegrben. Geol.
Rundsch. #5#, 422-448, 1914.

[61] Die westindischen Girlanden zeigen dagegen eine
Abstufung: Kleine Antillen-Sdhaiti-Jamaika-Mosquitobank 2600,
Haiti-Sdcuba-Misteriosabank 1900, Cuba 1100 km.

[62] Setzen wir voraus, da die Dicke zweier Schollen die gleiche ist,
da ihre Konturen geometrisch hnlich, und sie zur Bewegungsrichtung
gleich orientiert sind. Der Widerstand, den sie bei Verschiebung zu
berwinden haben, zerfllt in zwei Teile, deren einer, die Reibung
an der flssigen Simaunterlage, der Oberflche proportional ist. Der
andere Teil aber, der Stirnwiderstand an den oberen kristallisierten
und darum zheren Simaschichten, wchst nur proportional der linearen
Dimension, nmlich dem zur Bewegungsrichtung senkrechten Durchmesser.
Da nun anzunehmen ist, da die verschiebenden Krfte, welcher Art sie
auch seien, bei Schollen gleicher Dicke ihren Oberflchen proportional
sind, so wird der erste Teil des Widerstandes keinen Unterschied fr
groe und kleine Schollen ergeben, da Widerstand und Kraft in gleicher
Weise wachsen. Der zweite Teil des Widerstands aber wchst nur mit
der linearen, nicht wie die Kraft mit der quadratischen Dimension der
Scholle, so da die Schollen um so leichter beweglich werden, je grer
sie sind.

[63] /Rudzki/, Physik der Erde, S. 176. Leipzig 1911. Vgl. auch /Tams/,
Die Entstehung des kalifornischen Erdbebens vom 18. April 1906. Peterm.
Mitt. #64#, 77, 1918.

[64] /Otto Meissner/, Isostasie und Kstentypus. Peterm. Mitt. #64#,
221, 1918.

[65] /E. Kayser/, Lehrbuch der Geologie #1#, Allgem. Geol., 5. Aufl.,
S. 784. Stuttgart 1918.

[66] /Krmmel/, Handb. d. Ozeanographie #1#, 144. Stuttgart 1907.

[67] Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin 1915, S. 646.

[68] /Andre/, ber die Bedingungen der Gebirgsbildung, S. 86 f. Berlin
1914.

[69] Die Bezeichnung Tiefseegrben halte ich fr weniger glcklich,
da sie wohl einen anderen Bau und andere Entstehung besitzen als die
Grabenbrche der Lithosphre.

[70] /Steinmann/, Die kambrische Fauna im Rahmen der organischen
Gesamtentwickelung. Geol. Rundschau #1#, 69, 1910.

[71] /J. Walther/, ber Entstehung und Besiedelung der Tiefseebecken.
Naturwiss. Wochenschr., N. F., 3. Bd., Heft 46 (zitiert nach /Eckardt/).

[72] /Arldt/, Handb. d. Palogeographie #1#, 231-232, Leipzig 1917.

[73] Und zwar wohl in der Weise, da die oberflchlichen Simaschichten
bei der immer weiter fortschreitenden ffnung in Richtung der
Verschiebung gezogen wurden. Hierdurch mute eine anfangs unregelmig
gestaltete Inselgruppe in eine mit der Zugrichtung bereinstimmende
Kette ausgezogen werden.

[74] Von den beiden in Afrika vorhandenen alten Streichrichtungen
(Nordost und Nord) wrde die jngere nrdliche gut zur Richtung der
pazifischen Inselreihen passen.

[75] /E. Kayser/, Lehrb. d. allg. Geol., 5. Aufl., S. 904. Stuttgart
1918.

[76] /Th. Arldt/, Handb. d. Palogeographie #1#, Palaktologie, S.
278-281, Leipzig 1917. Der bersicht halber haben wir in der Tabelle
auf die Namen verzichtet. Es sind: /Arldt/, /Burckhardt/, /Diener/,
/Frech/, /Fritz/, /Handlirsch/, /Haug/, /v. Ihering/, /Karpinsky/,
/Koken/, /Kossmat/, /Katzer/, /Lapparent/, /Matthew/, /Neumayr/,
/Ortmann/, /Osborn/, /Schuchert/, /Uhlig/, /Willis/.

[77] /W. Michaelsen/ machte mich darauf aufmerksam, da die
heutige Verbreitung der Regenwrmer wichtige Schlsse auf frhere
Landzusammenhnge gestatte. Das Vorkommen gleicher oder nahe verwandter
Unterfamilien oder sogar Gattungen auf getrennten Kontinenten lt
auf einen frheren Landzusammenhang schlieen, da die Regenwrmer,
fr die das Meer im allgemeinen ein unberschreitbares Hindernis
ist, nur auf Landwegen zu ihrer jetzigen Verbreitung kommen konnten.
Herr /Michaelsen/ hatte die Gte, mir die Krtchen seines Werkes
Die geographische Verbreitung der Oligochaeten, Berlin 1903, 186
Seiten, durch Nachtragungen auf den neuesten Stand gebracht, zur
Verfgung zu stellen, und sie durch wertvolle mndliche Mitteilungen
zu ergnzen, wofr ihm herzlich gedankt sei. Die Karten besttigen
in berraschender Weise die oben angenommenen Landverbindungen der
Vorzeit. Eine besonders groe Zahl von Verwandtschaftsfden spinnt
sich in den verschiedensten Breiten quer ber den Atlantischen Ozean
fort. Im Sdatlantik weisen diese Beziehungen mehr auf ltere Zeiten
hin (Chilotaceen, Glossoscolecinen-Microchaetinen, Ocnerodrilinen,
jngere Microchaetinen, Trigastrinen), whrend der Nordatlantik nicht
nur von der vielleicht lteren Gattung Sparganophilus berspannt wird,
sondern auch von den zweifellos jungen Gattungen der Lumbricinen,
die in zusammenhngendem Zuge von Japan bis Portugal verbreitet
sind und zugleich jenseits des Atlantik im Osten der Union (nicht
aber im Westen!) in endemischen Arten auftreten. -- Einen hnlichen
Gedankengang hat /Irmscher/ in seiner am 11. Oktober 1919 in Hamburg
gehaltenen ffentlichen Antrittsvorlesung: Die Entstehung der
Kontinente in ihren Beziehungen zur Pflanzenverbreitung auf die
geographische Verbreitung der rezenten Pflanzengattungen angewendet
und gezeigt, da diese sich gleichfalls mit der Verschiebungstheorie
in Einklang bringen lt. (Noch nicht gedruckt.) Die groen
Verbreitungsmglichkeiten des Pflanzensamens, z. B. durch Strme,
schaffen hier allerdings eine weitgehende Durchmischung, die das Bild
sehr verworren macht und seine Deutung erschwert.

[78] /Arldt/, Handb. d. Palogeographie #1#, Palaktologie, S. 89 f.
Leipzig 1917.

[79] /Scharff/, ber die Beweisgrnde fr eine frhere Landbrcke
zwischen Nordeuropa und Nordamerika (Proc. of the Royal Irish Ac. #28#,
1, 1-28, 1909; nach dem Referat von /Arldt/, Naturw. Rundsch. 1910).

[80] Die tertire Flora von Grinnell-Land war interessanterweise enger
(zu 63 Proz.) mit der von Spitzbergen als mit der von Grnland (30
Proz.) verwandt, whrend es heute natrlich umgekehrt ist (64 bzw.
96 Proz.). Vgl. /Semper/, Das palothermale Problem, speziell die
klimatischen Verhltnisse des Eozns in Europa und im Polargebiete.
Zeitschr. Deutsch. Geol. Ges. #48#, 261 f., 1896. Bei unserer
Rekonstruktion wird der Abstand Grinnell-Land--Spitzbergen kleiner als
der zwischen Grinnell-Land und den grnlndischen Fundorten.

[81] Vgl. die Geologic Map of North America der U. S. Geol. Survey.

[82] In /Lauge Kochs/ geologischer Karte von Nordwestgrnland (/Knud
Rasmussen/, Grnland langs Polarhavet, Kbenhavn og Kristiania 1919,
S. 564) sind diese Ablagerungen als Silur und Devon bezeichnet. Die
Grenze, welche die Blattverschiebung anzeigt, hat die gleiche Lage.

[83] /Dacqu/, Grundlagen und Methoden der Palogeographie, S. 161.
Jena 1915.

[84] /Andre/, Verschiedene Beitrge zur Geologie Kanadas. Schriften d.
Ges. z. Befrd. d. ges. Naturwiss. zu Marburg #13#, 7, 437 f. Marburg
1914.

[85] /N. Tilmann/, Die Struktur und tektonische Stellung der
kanadischen Appalachen. Sitzber. d. naturwiss. Abt. d. Niederrhein.
Ges. f. Natur- u. Heilkunde in Bonn 1916.

[86] /Gentil/ betrachtet allerdings die gleichaltrigen
mittelamerikanischen Gebirge, speziell die Antillen, als Fortsetzung.
Doch hat /Jaworski/ dem entgegengehalten, da dies mit der allgemein
angenommenen Auffassung von /E. Suess/ unvereinbar ist, welcher
den stlichen Kordillerenbogen Sdamerikas in die kleinen Antillen
bergehen und also wieder nach Westen umbiegen lt, ohne da dabei
Auslufer nach Osten entsendet werden.

[87] /Gagel/, Die mittelatlantischen Vulkaninseln. Handb. d. Regionalen
Geologie VII, 10, 4. Heft. Heidelberg 1910.

[88] Nach /Passarge/ (Die Kalahari, S. 597, Berlin 1904) ist die
Entstehung der Randbrche von Sdafrika bereits in die Jurazeit zu
setzen. Es entstanden aber zunchst nur Grabenbrche.

[89] /Lemoine/, Afrique occidentale. Handb. d. Regionalen Geologie VII,
6 A, 14. Heft, S. 57. Heidelberg 1913.

[90] Wenn man annehmen drfte, da dieser Wechsel der alten
Streichrichtung auch die sdamerikanische Scholle noch bis zu
ihrem Westrande durchsetzt, so wrde sich auch erklren, warum
auch der Westrand von Sdamerika eine hnliche Linienfhrung hat.
Denn der nrdliche Teil mute der Andenfaltung greren Widerstand
entgegensetzen als der sdliche, weil im ersteren die Andenfaltung
quer, im letzteren lngs zur vorgegebenen Faltung im Urgestein verlief.

[91] Nach /Steinmanns/ Bericht ber /Keidels/ Vortrag auf dem
Internationalen Geologenkongre in Toronto 1914 (Geol. Rundsch. #5#,
Heft 3, 216, 1914). Vgl. auch /Arldt/, Handb. d. Palogeographie #1#,
196. Leipzig 1917.

[92] /W. Kppen/ hat in seinem Aufsatz ber Isostasie und die Natur
der Kontinente, Geogr. Zeitschr. #25#, Heft 1, S. 39-48, 1919, dieses
und eine Reihe anderer Miverstndnisse richtiggestellt.

[93] /C. Diener/, Die Groformen der Erdoberflche, Mitt. d. k.
k. Geol. Ges. Wien #58#, 329-349, 1915 und Die marinen Reiche der
Triasperiode, Denkschr. d. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Kl.,
1915.

[94] /Lemoine/, Madagaskar, Handb. d. Regional. Geol. VII, #4#, 6.
Heft, S. 27. Heidelberg 1911.

[95] Nach den handschriftlichen Ergnzungen, welche Herr /Michaelsen/
mir zu seinem Werke Die geographische Verbreitung der Oligochaeten,
Berlin 1903, freundlichst zur Verfgung stellte.

[96] /Wallace/, Die geographische Verbreitung der Thiere, deutsch von
/Meyer/, #1#, 463. Dresden 1876.

[97] /Simroth/, ber das Problem frheren Landzusammenhangs auf der
sdlichen Erdhlfte. Geogr. Zeitschr. #7#, 665-676, 1901.

[98] So schreibt /Andre/ (Das Problem der Permanenz der Ozeane und
Kontinente, Peterm. Mitt. #63#, 348, 1917): Vllig unntig ist,
worauf schon nach dem Referenten auch /Diener/ hingewiesen hat, die
Annahme eines ausgedehnten pazifischen oder auch nur sdpazifischen
Kontinents. Ebenso hat /Srgel/ ihn ausdrcklich abgelehnt; selbst
/Arldt/ mu zugeben (Die Frage der Permanenz der Kontinente und
Ozeane, Geogr. Anzeiger #19#, 2-12, 1918): Am wenigsten lt sich
ein sdpazifischer Kontinent geologisch sttzen, wenn sich auch die
von /Burckhardt/ angenommene Landmasse im Westen von Sdamerika nicht
gnzlich ablehnen lt.

[99] /Suess/, Das Antlitz der Erde #2#, 203. Wien 1888.

[100] /Marshall/, New Zealand, Handb. d. Regional. Geolog. #7#, 1, H.
5, S. 36. Heidelberg 1911.

[101] Zitiert nach /Grabau/, Principles of Stratigraphy, S. 897-898.
New York 1913.

[102] /Schiaparelli/, De la rotation de la terre sous l'influence
des actions gologiques (Mm. prs.  l'observatoire de Poulkova 
l'occasion de sa fte semisculaire), 32 S. St. Ptersbourg 1889.

[103] /E. Kayser/, Lehrbuch der Geologie #1#, Allgem. Geol., 5. Aufl.,
S. 88. Stuttgart 1918.

[104] /Hoernes/, ltere und neuere Ansichten ber Verlegungen der
Erdachse, Mitt. Geol. Ges. Wien #1#, 158-202, 1908.

[105] /Eckardt/, Das Klimaproblem der geologischen Vergangenheit und
historischen Gegenwart (Die Wissenschaft Nr. 31). Braunschweig 1909.

[106] /Reibisch/, Ein Gestaltungsprinzip der Erde, 27. Jahresber. d.
Ver. f. Erdk. zu Dresden 1901, S. 105-124. -- Zweiter Teil (enthlt nur
unwesentliche Ergnzungen) Mitt. d. Ver. f. Erdk. zu Dresden, H. 1,
S. 39-53, 1905. -- Die Vorstellung, da die Erdrinde als Ganzes sich
ber den Erdkern verschiebt, scheint /Carl Freiherr Lffelholz von
Colberg/ zuerst ausgesprochen zu haben (Die Drehung der Erdkruste in
geologischen Zeitrumen. Eine neue geologisch-astronomische Hypothese.
Mnchen 1886, in Kommission bei J. Bcklein).

[107] /Kreichgauer/, Die quatorfrage in der Geologie. Steyl 1902. Zu
nennen wre auch die Arbeit von /E. Jacobitti/, Mobilit dell' Assa
Terrestre, Studio Geologico, Torino 1912, die mir leider nicht
zugnglich ist.

[108] /Simroth/, Die Pendulationstheorie. Leipzig 1907.

[109] Nach /Geyler/ (Verh. d. k. k. Geol. Reichs-Anst. Wien 1876, S.
151) hat sich z. B. in Borneo seit dem Eozn das Klima nicht gendert;
Sagopalmen wachsen wie im Eozn noch heute auf den Sunda-Inseln.

[110] /Eckardt/, Paloklimatologie (Samml. Gschen), S. 10. Leipzig
1910.

[111] /Ramann/, Bodenkunde, 3. Aufl., Berlin 1911, schreibt: Die
Bden der humiden Zonen sind verschieden nach dem herrschenden
Klima; sie schlieen sich im ganzen den groen klimatischen Zonen
an. In den Tropen Laterit und Roterden, im gemigten Gebiete die
Braunerden, im khlen gemigten und kalten Gebiete die Podsolbden
(Bleicherden z. T.). Laterit ist berall in den Tropen, Roterde z. B.
im Mittelmeergebiet, Braunerde in Mitteleuropa verbreitet. Die rote
Farbe des Laterits rhrt nach /Passarge/ von kolloidem Eisenhydroxyd
her. Nach /Holland/ bildet sich in Indien Laterit nur an Orten, deren
Wintertemperatur ber 15,5 betrgt.

[112] /Dacqu/, Grundlagen und Methoden der Palogeographie, S. 432.
Jena 1915.

[113] /Passarge/, Die Kalahari, S. 646. Berlin 1904. Der Laterit ist
gleichaltrig mit dem Kalaharikalk, mit welchem er in der Weise
abwechselt, da /Passarge/ annimmt, er entspreche Waldinseln in den
groen Brackwasserseen, welche den Kalk lieferten.

[114] /Frech/, Allgem. Geologie, V. Steinkohle, Wsten und Klima der
Vorzeit. Aus Natur und Geisteswelt #211#, 3. Aufl., S. 108. Leipzig u.
Berlin 1918.

[115] /Steinmann/, ber Diluvium in Sdamerika, Zeitschr. der D. Geol.
Ges. 1906, Monatsber.

[116] Diese und die im folgenden angegebenen Pollagen sind bezogen
gedacht auf ein Gradnetz, welches in der heutigen Weise starr mit
Afrika verbunden ist. Fr die ltere Tertirzeit htte dann Deutschland
eine 5 bis 10 nrdlichere Breite.

[117] /Semper/, Das palothermale Problem, speziell die klimatischen
Verhltnisse des Eozn in Europa und im Polargebiet. Zeitschr. Deutsch.
Geol. Ges. #48#, 261, 1896.

[118] /Waagen/, Unsere Erde, Mnchen, Allg. Verl.-Ges., o. J. Da
/Waagen/ die Verschiebung Nordamerikas nicht bercksichtigt, schliet
er hieraus auf eine Pollage bei den Aleuten. Schiebt man aber
Nordamerika an Europa heran, so findet man wieder die obige Pollage.

[119] /Frech/, Allgem. Geol. #5#, Steinkohle, Wsten und Klima der
Vorzeit. Aus Natur und Geisteswelt #211#, 3. Aufl. Leipzig und
Berlin 1918. /Dacqu/ bezeichnet das kretazische Glazial Australiens
allerdings als unsicher.

[120] Siehe z. B. /Neumayr-Uhlig/, Erdgeschichte, 2. Aufl., S. 263.
Leipzig und Wien 1895.

[121] Fr das Eozn drfte aber Aussicht bestehen, sogar beide
Polarkappen festzulegen. Vgl. Fig. 24, S. 67.

[122] E. /Kayser/, Lehrb. d. allgem. Geol., 5. Aufl., S. 649. Stuttgart
1918.

[123] W. /Gothan/, Die Jahresringlosigkeit der palozoischen Bume.
Naturw. Wochenschrift, N. F. 10, Nr. 28, 1911 (zitiert nach /Kayser/).

[124] Danmark-Expeditionen til Grnlands Nordstkyst 1906-1908, #3#,
Nr. 12: /Nathorst/, Contributions to the Carboniferous Flora of
North-eastern Greenland. Kbenhavn 1911.

[125] /Kreichgauer/, Die quatorfrage in der Geologie. Steyl 1902.

[126] /Taylor/, Bearing of the tertiary mountain belt on the origin of
the earth's plan. B. Geol. S. Am. #21#, 2, Juni 1910, S. 179-226.

[127] Es ist wesentlich, da der Schwerpunkt der Scholle oberhalb des
Auftriebspunktes liegt. Wre es umgekehrt, so wrde eine quatorflucht
die Folge sein. Die Polflucht setzt voraus, da die Dichtezunahme nach
unten im Sial jedenfalls nicht merklich rascher ist als im Sima, eine
Annahme, die wohl ohne weiteres plausibel ist.

[128] G. J. #40#, 294-299, 1912.

[129] /Wettstein/, Die Strmungen des Festen, Flssigen und Gasfrmigen
und ihre Bedeutung fr Geologie, Astronomie, Klimatologie und
Meteorologie. Zrich 1880.

[130] /Reibisch/, Ein Gestaltungsprinzip der Erde. 27. Jahresber. d.
Ver. f. Erdk. z. Dresden, S. 105-124, 1901.

[131] /Kreichgauer/, Die quatorfrage in der Geologie. Steyl 1902.

[132] /Semper/, Das palothermale Problem, speziell die klimatischen
Verhltnisse des Eozn in Europa und im Polargebiet. Zeitschr. Deutsch.
Geol. Ges. #48#, 261, 1896.

[133] Vgl. /Dacqu/, Grundl. u. Meth. d. Palogeographie, S. 273, Jena
1915, und /Rudzki/, L'ge de la terre, Scientia #13#, No. XXVIII, 2, S.
161-173, 1913.

[134] /Knigsberger/, Berechnungen des Erdalters auf physikalischer
Grundlage, Geol. Rundsch. #1#, S. 241, 1910.

[135] Danmark-Ekspeditionen til Grnlands Nordstkyst 1906-1908 under
Ledelsen af L. /Mylius-Erichsen/ #6# (Meddelelser om Grnland #46#).
Kbenhavn 1917.

[136] Vgl. mein Referat in Astr. Nachr. #208#, Nr. 4986, Mai 1919.

[137] In meinen frheren Verffentlichungen war der Betrag der
Lngennderung wesentlich kleiner angegeben, so da mit Rcksicht auf
den mittleren Fehler der Beobachtungen noch keine vllige Sicherheit
des Resultats bestand. Diese Angaben beruhten auf einer vorlufigen
Berechnung der Lngen der Danmark-Expedition. Die inzwischen erfolgte
endgltige Berechnung ergibt, wie oben angegeben, einen greren
Lngenunterschied, so da nunmehr kein Zweifel an der Realitt bleibt.

[138] Bei der Landesaufnahme der Frer 1890 bis 1900 zeigte sich, wie
J. P. /Koch/ mir mitteilte, eine auffallende Drehung des nrdlichen
Teiles der Inselgruppe gegen den sdlichen, welche man, da sie fr
Beobachtungsfehler viel zu gro war, schlielich auf verkehrtes
Zusammenkleben der lteren Karten zurckfhren zu mssen glaubt. Da
aber auch die Lnge und Breite der Inselgruppe -- letztere um nicht
weniger als zwei Bogenminuten! -- anders ausfielen als bei der ersten
Vermessung, scheint diese Annahme doch nicht zulssig zu sein. Obwohl
die Gre des Betrages den Verdacht nahelegt, da diese Unstimmigkeit
doch auf andere Ursachen zurckzufhren ist, bleibt doch die
Mglichkeit bestehen, da es sich auch hier um reelle Verschiebungen
handelt, die dann allerdings auergewhnlich stark wren. Jedenfalls
bedarf die Angelegenheit dringend einer Revision.

[139] /Galle/, Entfernen sich Europa und Nordamerika voneinander?
Deutsche Revue, Febr. 1916.

[140] Vgl. den Jahresbericht d. preu. Geodt. Instituts in
Vierteljahresschrift d. Astron. Ges. #51#, 139.

[141] /Gnther/, Lehrb. d. Geophysik #1#, 278. Stuttgart 1897.





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Ozeane, by Alfred Wegener

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