Project Gutenberg's Der Untergang der Deutschen Juden, by Felix A. Theilhaber

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Title: Der Untergang der Deutschen Juden
       Eine Volkswirtschaftliche Studie

Author: Felix A. Theilhaber

Release Date: April 18, 2014 [EBook #45434]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNTERGANG DER DEUTSCHEN JUDEN ***




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                        $FELIX A. THEILHABER$

                          $DER UNTERGANG$
                                DER
                         $DEUTSCHEN JUDEN$

                  Eine volkswirtschaftliche Studie.


              _2. vernderte Auflage / 3. bis 4. Tausend_

                                1921

                     $JDISCHER VERLAG / BERLIN$


              _Copyright 1921 by Jdischer Verlag, Berlin_
              _Druck von Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L._
              _Einbandzeichnung von Menachem Birnbaum_




$INHALT.$


  VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE                                          5


  KAPITEL I. Einfhrung                                                7

      Ueberblick ber die Sexualverhltnisse der alten Welt. Die
      Grundlagen und die Bedeutung der jdischen
      Geschlechts-Ethik. Ehe, Frhehe und Kinderreichtum als
      religises Postulat. Ihre strikte Durchfhrung im
      Mittelalter. Fruchtbarkeit und Profetie. Der Gedanke der
      Auserwhltheit. Einwirkung auf unsere Zeit.
      Hoffnungsfreudigkeit der Offiziellen.
      Beschwichtigungs-Manver der jdischen Statistiker. Die
      Auflsungsprozesse in der Geschichte des Volkes Israel. Der
      Untergang der 10 Stmme. Die Vertreibung in Spanien. Die
      Zersetzung in Westeuropa. Die Sexualfrage bei den Juden --
      ein Indikator der allgemeinen Wissenschaft.


  KAPITEL II. Ueberblick ber die Geschichte der
      Juden in Deutschland                                            37

      Die erste Assimilationsperiode im Mittelalter. Die
      Judenverfolgungen. Intensivierung des jdischen Gedankens.
      Naturnotwendigkeit einer groen Fruchtbarkeit. Die
      Emanzipation und ihre Folgen. Versagen der religisen
      Sexualgebote.


  KAPITEL III. Die Bevlkerungsentwicklung im Reich                   44

      Fruchtbarkeit und Judenfeindschaft. Auswanderungsfragen.
      Sinkender Anteil der deutschen Juden. Minderung in
      Sddeutschland. Stagnation in den Hansastdten. Zunahme in
      Sachsen. Die Volksvermehrung in Preuen und die Ostjuden.


  KAPITEL IV. Das Wanderungsproblem                                   56

      Das Versiegen des flachen Landes. Die verlorene Ostmark. Der
      Abgang in den Provinzen. Der Zug nach dem Westen. Die
      Dezimierung der Kleinstdte. Der Rckgang in den
      Grostdten. Grostadtfolgen.


  KAPITEL V. Das Sexualproblem                                        73

      Allgemeine Gesetze. Einwirkungen des Kapitals. Ehe und
      wirtschaftlicher Aufstieg. Sptehe. Unehelichkeit. Sexuelle
      Freiheit des Mannes. Die Gleichstellung der Frau.


  KAPITEL VI. Die Eheschliessung                                      82

      Liebe und Oekonomie. Die brgerliche Liebe. Besonderheiten
      der jdischen Ehe.


  KAPITEL VII. Die Geburten bei den Juden                             87

      Rekord der Geburtenbeschrnkungen. Das Zweikinder-System.
      Stndig weitere Beschrnkung. Abnahme der Juden auf dem
      Lande und in den Stdten. Retardierende Momente im
      primitiveren Sexualismus der Eingewanderten. Moloch Berlin.
      Triebkrfte des Neomalthusianismus. Internationale
      Einflsse. Ausblick in die Zukunft.


  KAPITEL VIII. Die Mortalitt                                        98

      Glnzender Stand der Mortalitt. Gnstige
      Kindersterblichkeit. Ansteigen der Todesflle. Der
      Wendepunkt.


  KAPITEL IX. Zum Problem des Geburtenberschusses                   102

      Falsche Berechnungen. Das Stahlbad des Krieges. Der Rckgang
      der Jugendlichen. Die Unterbilanz. Beweise. Die
      Fruchtbarkeitsberechnungen.


  KAPITEL X. Die Austrittsbewegung                                   114

      Die Intelligenz und die Taufe. Der Adel und die Reichen. Die
      Akademiker. Die Taufe als soziale Erscheinung. Idealistische
      Kmpfer. Freidenkertum. Die Kirchensteuer. Das beschnittene
      Judentum.


  KAPITEL XI. Die Mischehe                                           124

      Historische und religise Voraussetzungen. Biologische und
      gesellschaftliche Einflsse. Die Macht der Umgebung.
      Sexuelle Freiheit. Erschtterung der Inzucht. Statistische
      Entwicklung. Verschmelzungsprozesse im Ausland.


  KAPITEL XII. Wirtschaftsprobleme                                   138

      Die Berufsbewegung. Einstrmen in die freien Berufe.
      Abstrmen von der Landwirtschaft. Verschlechterung der
      Berufsverteilung. Verwachsung mit dem Kapital. Die
      Berufsttigkeit der Frau. Wohlstand und Geburtlichkeit.
      Psychische Einstellung. Die Ausstrahlungen des Kapitalismus.


  KAPITEL XIII. Das Entartungsproblem                                148

      Degenerative Vorgnge, Geisteskrankheiten. Potatorium.
      Geschlechtliche Verseuchung. Militruntauglichkeit.
      Selbstmord.


  KAPITEL XIV. Uebersicht                                            153

      Mangelnde Geschlechts- und fehlende Geburtenpolitik.
      Evangelium des Rationalismus. Sinkendes Rassebewutsein.
      Prognose quoad vitam.


  KAPITEL XV. Schluss                                                156

      Optimismus und Pessimismus. Die Bekmpfung des Uebels. Die
      historische Mission des Judentums. Das jdische Volk.
      Auferstehung.




VORWORT ZUR 2. AUFLAGE.


Anatole France empfiehlt jedem Schriftsteller, seinen Leser beileibe
nicht zu berraschen oder gar zu erschrecken. Das Bestreben, ihn
aufzuklren, wrde der brave Leser nur mit dem Geschrei beantworten, man
beschimpfe seinen Glauben. Und letztens versichert er, da nur der
Schriftsteller, der die bestehenden Gesellschaftsformen preist, sich
allgemeiner Beliebtheit, in Sonderheit der besseren Kreise erfreuen
wird.

Trotz der frheren Vorhaltungen, mit meinen Untersuchungen dem Judentum
zu schaden, und unbeachtet der Vorstellungen, die Statistik und die
Nationalkonomie absolut nicht zu beherrschen, habe ich mich
entschlossen, dieses Buch in noch schrferer Fassung aufzulegen. Die
Erniedrigungen und Enttuschungen, die ich Jahre lang vor dem ersten
Erscheinen mit Verlegern und jdischen Organisationen erlebte, lieen
mich in dem Vorwort der ersten Auflage den Kampf erahnen, der sich an
das Erscheinen des Buches knpfen wrde. Leider hat dieser sich mehr an
meine Person als an die Sache selbst gewandt. John Ruskin sagte ja
bereits den Juden nach, da sie alles, was sich gegen ihre Religion
wende, als Aergernis (die Griechen als Torheit) empfnden. Ich frchte
nunmehr erst recht ein ffentliches Aergernis zu erregen. Aber
Aergernis hin -- Aergernis her, es rgere sich die ganze oder halbe
Welt meinte der Wittenberger und trstete sich vermutlich mit einem
Wort Eckhardts: Wer diese Predigt verstanden hat, dem gnne ich es
wohl; wenn sie aber auch niemand verstanden htte, dann wrde ich sie
dem Opferstocke gehalten haben. -- --

Mir ist beim Niederschreiben nicht nur die Feder hei geworden, und ich
bin der Zeit dankbar, in der ich Problemen, die mich seit vielen Jahren
bewegten, wissenschaftlich nachgehen konnte.

$Wilmersdorf$, im Jahre 1920.

                                                  $Felix A. Theilhaber.$




KAPITEL I. EINFHRUNG.

                                    _Wir haben es noch nicht erlebt:
                                    folglich ist es unmglich -- ist
                                    kein logischer Schluss, lehrt der
                                    Talmud._ --

                                            _Edijoth M. II., 2.
                                            Ordnung Neziqim_


Der Orient gilt als die Wiege der Zivilisation. Wir kennen seine
Geschichte, seine Religionen, seine schnen Knste und Wissenschaften.
Und nur der Verfall der alten Staaten ist in ein mystisches Halbdunkel
gehllt. In dem Buche, $das sterile Berlin$ glaubte ich den
Untergang des Imperium Romanum auf $bevlkerungspolitische Vorgnge$
zurckfhren zu knnen. Die Erhaltung dagegen des einzigen Kulturvolkes
des Altertums -- nmlich der Juden -- erscheint uns ebenso mit ihren
sexualhygienischen Institutionen und Gewohnheiten verbunden zu sein.
Gewi bei vielen alten Vlkern zeigen sich bereits Anstze, dem
Bevlkerungsproblem nher zu treten. Aber wie sahen diese auch aus!
Solon begann sein Werk mit der Errichtung eines groen Bordells, fr
das im Auslande Sklavinnen gekauft wurden. Die neue Staatsanstalt,
deren Hausordnung amtlich publiziert wurde, unterstand einer eigenen
Gottheit, der Venus Pandemos. Und selbst Lykurg hat sein gepriesenes
System, das $ein Volk von Kriegern$ heranzchten sollte, mit der
Vernichtung aller anscheinend schwchlichen Kinder eingeleitet. Mit der
Austilgung von bereits geborenen, lebenden menschlichen Wesen! Ihr
sollt mir sein $ein Volk von Priestern$, betonte Moses dagegen.
Diese Forderung knpft an moralische Prinzipien an. Selbst die alten
Geschichten, die in der Bibel vorkommen und in denen uralte sexuelle
Erlebnisse nachklingen, werden solange retouchiert und berzeichnet,
bis sie in das System der neuen $sittlichen Weltordnung$ hineinpassen
(Adam und Eva, Noah, Abraham usw.). Die Bibel hat nicht die reine
Fantasie des Gilgameschepos und wei nichts von der Tendenzlosigkeit
farbenprchtiger homerischer Erzhlungskunst. Das jdische Schriftwerk
hat keinen Selbstzweck. Es ist nicht Kunst und auch nicht Wissenschaft
im eigentlichen Sinne. Alle Disziplinen sind Mittel geworden in der
groen Aufgabe, das moralische Handeln des Individuums und des Volkes
durch ethische Verankerungen zu lenken, klare sittliche Voraussetzungen
fr alles Denken und Trachten zu schaffen.

Diese neue Einstellung des jdischen Volkes verleugnet nicht manche
Abhngigkeit von frheren und gleichzeitigen Kulturwerten anderer
Vlker. Solche bergnge finden sich auch in der Sexualsphre.

Mir erscheint sogar die Beschneidung die Ablsung der Opferung von
Kindern, wie sie die vorderasiatische Welt dem Moloch, dem Gott des
Sadistentums, zollte, darzustellen. Viele Gebruche knnen den Einflu
der Umwelt auf die Juden nicht verwischen. Nur natrlich. Bestand das
jdische Volk doch aus jungen, kaum geeinten Stmmen, die sich in einem
kleinen Lande zwischen alten Kulturvlkern auf einem Terrain 1/100 so
gro wie Deutschland niederlieen, und auf viele technische, konomische
und geistige Gter der Nachbarn angewiesen waren. Nach Dr. Fink schreibt
auch der Talmud Synhedr. 63 es der Sinnenlust der Juden zu, da sie sich
den fremden Gtzen zuwandten. Vor allem lockten die mystischen
Opferfeste, die erotischen Exzesse, der Phallusdienst, das breit
ausladende Hetrentum und die mnnlichen Hierodulen -- alles Kult, der
sich an den Dienst der Gttin Astarte knpfte. Wankelmtige,
prunkliebende, lsterne Frsten beherrschten damals das kleine jdische
Volk, das sich der immer wachsenden Bedrohung und Gefahren von auen und
innen kaum erwehren konnte.

Da stipulierte eine kleine Zahl von Volksfreunden -- die Propheten --
die gesunde Fortpflanzung als sittliche Tat, $als den kategorischen
Imperativ des Judentums$. Groe neue Kulturbewegungen suchten die
eigenartige Entwicklung im Keime zu ersticken. Nach dem Abklingen der
vorderasiatischen und gyptischen Kulturperiode ward im jdischen Volk
die grohellenistisch-rmische Weltanschauung propagiert, nicht nur von
den Reichen und Mchtigen der Welt, getragen nicht allein von den Waffen
der allbeherrschenden Siebenhgelstadt und von den Handelsherren Asiens
und Afrikas, sondern von jdischen Priestern und von jdischen Frsten
selbst. Gleichwohl bauten hunderte von geistigen Fhrern des Volkes die
jdische Sexualethik zu einem eigenen, festumrissenen, starren System
aus, das einem beraus klaren Zweck dienen sollte, nmlich das Hchstma
der menschlichen Fruchtbarkeit in den Dienst des Volkes zu stellen.
Dieses rabbinische System ist wie aus einem eisernen Gu und nicht voll
der Widersprche wie z. B. das der alten Rmer. Diese hatten neben der
rechtmigen Ehe ein privilegiertes Konkubinat, hatten die allgemeine
und religise Prostitution, die an die Luperkalien und Florealfeste zu
Ehren der Gottheit anknpfte. In diese Sittenwelt pate kein Gesetz wie
die berhmte lex Julia et Poppaea hinein, eine Verordnung, die
brigens in sich widerspruchsvoll und schon deshalb zur
Wirkungslosigkeit verurteilt war. Die Juden hatten es gewissermaen auch
leichter. Ihre sexualhygienischen Theorien, die vielleicht strkere
Bande mit der Staatsraison verbinden als sich auf den ersten Blick
vermuten lt, hngen direkt mit den religisen Ideen zusammen. Und
diese Vorstellung von Gott und der Welt sind nun einmal viel
differenziertere als bei den anderen Vlkern des Altertums. Der Kampf
um diese Weltanschauung erschttert das Volk bereits, bevor ihr Staat
der Auflsung verfllt. Und der Extrakt der Gedankenwelt aller geistigen
Krfte steht in Harmonie mit den Lehren der ersten babylonischen
Gefangenschaft und den brigen Erlebnissen. Nur die Flle der
Fruchtbarkeit wird das Volk erhalten. Und der gesunde Volksinstinkt
schafft daraus ein System, das zwei Jahrtausenden stand gehalten hat.
Seine Wurzeln fuen in unzhligen Ausfhrungs-Bestimmungen, in
vielfltigen Spekulationen praktischer Lebensklugheit und Realitt
bejahender Vorkehrungen, die Sexos $in den Dienst Gottes und des Volkes
bis zur letzten Konsequenz$ stellen.

$Die Geschichte des jdischen Volkes, die wunderbare Erhaltung ihrer
Existenz kann nicht ohne diese sexuellen Einrichtungen begriffen
werden.$ Diese billige Erkenntnis wurde noch nicht klar von den
Forschern ausgesprochen, wenn auch alle Wissenschaftler den einer
starken Zeugung dienenden Sexualismus als einen der hervorstechendsten
Zge des jdischen Volkscharakters anerkannten.

Mehr als allen anderen Vlkern gilt den Juden mnnlicher Nachwuchs
als ehrenvoll und Unfruchtbarkeit als Fluch. Schaff mir Kinder, wo
nicht, so sterbe ich! ruft die Allmutter Israels Rahel zu Jakob.
Rahels Lehre war allen Jdinnen heilig, urteilt Dr. $Fritz Kahn$ (in
seinem Versehen der Schwangeren im Volksglauben). Der Altmeister der
Volkskunde $Andree$ spricht von der Erfahrung, die mit dem Eintreten
des Juden in die Geschichte beginnt und eine grere Vermehrungskraft
als bei den meisten anderen Vlkern darstellt. Schon in Aegypten
wuchsen die Kinder Israels, zeugten Kinder und mehrten sich und wurden
ihrer so viele, da ihrer das Land voll ward.

$Seid fruchtbar und mehret Euch$ lautet der lapidare Satz, der die
Erotik in den Dienst der Allgemeinheit stellt und das Recht auf die
freie Liebesbettigung und den Verkehr der Geschlechter dem Zweck der
generativen Politik unterordnet. Eros und Psyche, die das Liebesleben
der Griechen versinnbildlichen, Astarte und Moloch, Merkmale des
vorderasiatischen Sinnenkultes, haben in dem logisch aufgebauten
jdischen Sexualkodex keinen Raum. Mit Recht knpfte $Lothar Krupp$ an
die Besprechung der ersten Auflage dieses Buches die Betrachtung an:
Die wenigen Buchstaben des Peru-urebu stellen ein Zauberwort von
unvergleichlicher Gewalt und Strke dar, als erste Anrede und erstes
Gebot Gottes an das erste Menschenpaar unmittelbar nach dessen
Erschaffung, sogleich am Eingang der heiligen Schrift stehend, wo es mit
seiner Segenflle Jahrtausende lang dem jdischen Volke vorschwebte und
gro und stark gemacht, es in Gefahr und Bedrngnis aufrecht erhalten,
so da man von ihm als dem ewigen Volke fast mit grerem Recht zu
sprechen schien als von der ewigen Stadt ....

Poetisch verklrt ist diese Lehre[1] in den Psalmen: Siehe ein Erbe von
Gott sind Kinder, ein Lohn die Frucht des Leibes. (Psalm 127), Wie
Pfeile in der Hand des Helden, so sind der Jugend Shne. Heil dem Manne,
der seinen Kcher mit ihnen angefllt hat. Wenn Du deiner Hnde Arbeit
genieest, heil Dir und wohl Dir. Dein Weib ist wie die Rebe, blhend im
Innersten Deines Hauses, Deine Kinder wie des Oelbaums Sprlinge rings
um Deinen Tisch. Siehe also wird der Mann gesegnet, der den Herrn
frchtet. (Psalm 128).

Schammaj, der Zeitgenosse Jesus, eine Gre unter den Autoren des
Talmud, betrachtet das Ehegebot als das erste der -- 613 -- jdischen
Gebote und findet es erst erfllt, wenn der Mensch zwei Knaben und zwei
Mdchen das Leben gegeben hat. Die Voraussetzung der Fruchtbarkeit
scheint den Juden in der Ehe gegeben.

In der orientalischen Ausdrucksweise heit es dementsprechend im Talmud
(Jebamoth 63) wer nicht heiratet, ist kein Mensch und wird angesehen
wie einer, der einen Menschen umgebracht hat, der Ehelose verringert
die Gestalt (d. h. den Machtbereich) der Gottheit. Die Sprche Sirachs
geben -- unter den vielen Variationen dieses Gedankens -- das Thema
wieder mit den Worten: wo kein Zaun ist, wird das Besitztum verwstet,
$wer keine Frau hat$, irrt unstet umher. Wer wollte Vertrauen schenken
einem bewaffneten Kriegsmann, der von Stadt zu Stadt entspringt? Ebenso
geht es einem Menschen, der keine Heimat hat und einkehrt, wo er abends
hinkommt ... oder wie es im Sefer Refuot heit: Jedermann, der ohne
Frau lebt, lebt ohne Freude, ohne Segen, ohne Glck. Unverheiratet zu
sein, ist ungesund und verderblich fr das Denken, darin stimmen alle
Weisen berein (s. auch Hilekhot deot III. 2, Issure Biach XXI, 112.)

Wer die Flle dieser heiligen Erklrungen zu Gesicht bekommt, wird ihre
Bedeutung ermessen knnen fr ein Volk, das den Talmud von Jugend auf
studierte, das in den Jahrhunderten der sie umgebenden Unbildung der
Massen in allen und den kleinsten Gemeinden der Lehre, ihrem Studium und
ihrer Auslegung Tag und Nacht ergeben war. Blieben sonst viele der
berhmten Gesetze alter Herrscher nur papierne Verordnungen oder stumpfe
Erlasse in Erz und Stein -- die Bestimmungen des jdischen Gesetzes,
selbst der mndlichen Ueberlieferung, nahmen Leben an und griffen in das
Tun und Lassen der Volksgenossen ein.

Die grte Fruchtbarkeit ist in der $Frhehe$ nur mglich. Der Talmud
sagt selbst: (Jebamoth 62b) Wer seine Shne und Tchter nicht lange
nach der Reifezeit verheiratet, von dem heit es: sei gewi, da Friede
Dein Zelt sein wird. Das sind aber nicht nur allgemeine schne
Redensarten. Die praktische Durchfhrung wird bis ins letzte durchdacht.
Ist kein Bewerber zur Stelle und ist Deine Tochter reif, so erklre
Deinen Sklaven fr frei und gib sie ihm zur Frau (Synhed 100b) denn so
heit es: Eine Tochter ist zweifelhaftes Gut fr den Vater. Aus Sorge
um sie kann er nicht schlafen; wenn sie heranwchst, da sie buhle; wenn
sie reif ist, da sie nicht zu verheiraten sei; wenn sie verheiratet
ist, da sie kinderlos bleibe. Ketuboth 113 rechnet deshalb die
Ehelosen zu den 8 vor Gott gleichsam Verbannten (ferner Kiduschin 30.
Nedarim 48. Ber. 6. Kidd. 20b Kohel 9.)

Die prgnante Ausfhrung der Bibel: $Es ist nicht gut, da der Mensch
allein sei,$ blieb also bei den Juden nicht nur Literatenweisheit,
nicht nur ein frommer Wunsch der Theologen und Volksfreunde oder gar
eine utopistische Forderung eines regierenden Frsten. Der eheliche
Umgang wird religise und nationale Pflicht, diese Weltanschauung zum
geistigen Besitz des Volkes, zur wirklich gelebten Ethik. Der Schulchan
Aruch,[2] der als der praktische Gesetzkodex der Juden in der neueren
Zeit gelten darf, konnte und mute daher als praktische Forderung
aufstellen, da jeder junge Jude sptestens mit 18 Jahren heiraten msse
und vom 13. Lebensjahre an heiraten knne. Dementsprechend begann auch
sein Abschnitt Eben-ha-Eser, der diese Fragen behandelt, kurz und
bndig: Jeder Mann ist verpflichtet, eine Frau zu heiraten.

Aber dieses Gesetz hatte noch eine spezielle Auslegung. Es galt fr
besonders rhmlich, die Kinder nicht erst zum sptesten, sondern $zum
frhesten Termin$ zu verheiraten!

Die Herren Geschichtsschreiber, die sich mit dem Wunder der Existenz
Israels abmhen, sind an diesem Problem vorbei gegangen. Sie haben nie
beobachtet, da der -- wenn wir so sagen drfen -- elektrisch geladene
Motor, dessen Energien immer neue Kraft und tausendfltiges Leben
weckten, geladen wurde an dieser Quelle. Die Memoiren der guten Mutter
Glckel von Hameln verraten uns, da nur zwei Jahrhunderte zurck noch
die deutschen Juden im Glauben an das Verdienstvolle ihrer Fruchtbarkeit
ihre Sinnlichkeit und die ganze Kraft ihrer Triebe in den Dienst dieser
heiligen Sache, in die der Vermehrung ihres Volkes stellten. Und alle
Dokumente bezeugen die Tatschlichkeit dieser Verhltnisse. Salomon
Maimon hat uns in seiner Lebensgeschichte dieselbe grenzenlose Naivitt
des jdischen Ehelebens, wie es von Posen angefangen bis weit nach dem
fernsten Osten gepflogen wurde, geschildert fr eine Zeit, die heute um
150 Jahre entfernt liegt. Und noch heute hlt sich der rechtglubige
Ostjude daran.

    Gewiss auch der Talmud verschliesst sich nicht der Erkenntnis, dass
    Geburtenverhtung angezeigt sein knnte. In Hungerjahren darf eine
    Familie mit Kindern eine zeitweise Geburtenverhtung vornehmen. Und
    Jebam 126 sieht diese ferner vor:

      1. fr Sugende, die ihr Kind stillten (da ja tatschlich die
      Muttermilch bei neuer Conzeption leidet und versiegt),

      2. bei Mdchen (die mit 12 Jahren heiraten durften) bis zur Zeit
      ihrer Geschlechtsreife,

      3. fr Schwangere, von denen man -- natrlich flschlich -- eine
      nochmalige Schwngerung frchtete.

    Diese Ausnahmen haben weder einen besonderen Nachhall gefunden, noch
    konnten sie die stark erregten Vorstellungen des Volkes ber das fr
    verbrecherisch gehaltene Vorgehen Onans rektifizieren. Die
    Geburteneinschrnkung ist keine jdische Erfindung,
    Neomalthusianismus keine jdische Einrichtung gewesen.

Hjalmar J. Nordin findet gleichfalls in seiner ausfhrlichen Ethik der
Juden zur Zeit Jesu (Leipzig 1911): Die Fortpflanzung hatte einen
religisen Glorienschein. Vom hohen Wert der Fortpflanzung in der
Meinung der Juden zeugen ungezhlte Aussprche. Im 15. Kap. des Buches
Henoch wird die Fortpflanzung gefordert, da die Menschen sterblich und
vergnglich sind, whrend die unsterblichen Engel sich nicht
fortzupflanzen brauchen. Tacitus besttigt bereits damals in Hist. V. 5:
Augenda tamen multitudini consulitur ... hinc $generandi amor$ et
moriendi contemptus. Josephus, der zeitgenssische vertraute jdische
Historiker, der selbst mindestens dreimal verheiratet war, erklrt
ausdrcklich in der Schrift gegen Apion: Das Gesetz hat allen
anbefohlen, Kinder zu zeugen (II. 202). Alle Aussprche des R. Elieser,
R. Elasar b. Asarja, Ben Assaj, R. Abaji gehen von dem einen festen
Punkte aus: Die Welt ist nur geschaffen zur Fruchtbarkeit und
Fortpflanzung. Deshalb ist es hchste Menschenpflicht, alles zu meiden,
was die Zeugungsfhigkeit herabsetzt. Nach Gittin 70a verringern
8 Dinge den Samen: Salz, Hunger, Ausschlag, Weinen, Schlafen auf dem
Felde, Lotus, Cusenta zur Unzeit, Aderla unter dem Genitale (Aderla
darber ist doppelt vorteilhaft).

In jener Zeit drfte die Sitte des Kaddischsagens aufgekommen sein, jene
religise Ceremonie, die der lteste Sohn zu Ehren der verstorbenen
Eltern ein Jahr lang tglich verrichtet. Und die Vorstellung keinen
Kaddisch, d. h. keinen Sohn zu besitzen, der die Trauergebete verrichten
kann, hatte fr jeden Juden noch bis in unsere Tage etwas ungemein
schmerzliches. Viele Gesetze gehen von derselben Voraussetzung aus, so
da jede Ehe nach 10jhriger Kinderlosigkeit (auch von Seiten der Frau)
gelst werden konnte. In der einschlgigen Literatur von Nossig
(Einfhrung in das Studium der sozialen Hygiene 1894), in der
Talmud-Archaeologie von Krau, bei Nordin u. a. finden sich noch weitere
wertvolle Beitrge.

Ben Assaj, ein weier Rabe unter den groen Lehrern in Israel, blieb
allerdings selbst unvermhlt, empfahl aber gleichwohl die Fruchtbarkeit.
Warum Ben Assaj nicht heiratete, ist unbekannt. Es liegen sicher ganz
besondere Grnde vor. Gleichwohl war er der Gegenstand spterer
Diskussionen, in denen es heit: Ben Assaj lehrt wohl schn, aber er
handelt nicht gut.

Und wie wre es auch anders mglich gewesen in der Ideenwelt von
Menschen, die das ganze Sexualleben so genau festgelegt wissen wollten,
da nicht nur Verlobung, Hochzeit, Scheidung in den feinsten
Einzelheiten gesetzlich geregelt waren, da selbst fr Form und
Hufigkeit der intimsten menschlichen Beziehungen Weisungen und Gebote
existierten. Wie weitgehend der Gedankengang fortgesponnen wird, beweist
die Erzhlung Abbas ben Papa (Pappaj) (cfr. $Bacher$ Pat. ann. III.
S. 650), Josua sei mit Kinderlosigkeit bestraft worden, weil er Israel
eine Nacht lang an der Fortpflanzung gehindert habe.

Schriftliche und mndliche Lehre, Tradition und Volkssitte bemhten sich
in allem nicht nur, die normale Fruchtbarkeit des einzelnen Individuums
zu gewhrleisten, sondern die Fortpflanzung auf das Hchstma des
Mglichen zu steigern. Die vielen Aderlsse, die blutigen und unblutigen
Opfer, die Abfall und Vermischung bedingten, konnte die Judenheit nur
deshalb glcklich berstehen, weil die Gedankengnge, die der Gesamtheit
ewiges Leben verhieen, jeder einzelnen Familie ihren sicheren Bestand
sicherte. $Das System war auf der richtigen Voraussetzung aufgebaut, da
jedes Glied der Gemeinschaft an der Erhaltung der Art in der vlkisch
zweckdienlichsten Weise gebunden und ohne Rcksicht auf seine eigenen
Interessen bis aufs uerste beteiligt ist.$

$So war das ganze Liebesleben der Juden darauf abgestimmt, dem groen
nationalen Gedanken, dem berragenden Begriff vom immanenten Bestehen
der Nation die realen Grundlagen zu liefern.$ Die Fruchtbarkeit und
Sicherstellung der einzelnen Familie ist nur die Basis einer grozgigen
Volksidee.

Die Propheten sind in diesem Sinne die geschickten Redakteure eines $auf
das ganze Volk gerichteten Optimismus, des hoffnungsvollen
Zukunftsglaubens, der sich eng an alle anderen entwicklungsfreudigen
Ideen angliedert.$

So spricht der Ewige, der bestellt hat die Sonne zum Licht bei Tage,
die Scheibe des Mondes zu leuchten in der Nacht, der das Meer aufwhlt,
da seine Wellen brausen, Adonai Zebaoth ist sein Name. Eher werden
diese Gesetze aufhren, ehe da der Same Israels aufhren wird ...

So kndigt Jeremia und stempelt sein Volk zum Gewissen der Vlker, zum
Zeugen fr die Nationen. Wie man des Himmels Heer nicht zhlen, noch
den Sand am Meere messen kann, also will ich mehren den Samen Davids,
meines Knechts und die Leviten, die mir dienen. (siehe Kapitel 31 bis
33). Auch im hchsten Zorne sehen die Propheten Israel nicht der
Vernichtung anheimfallen, immer wieder verheien sie die Rettung und
Aufrichtung aus tiefem Fall. Und gleichsam ist die Geschichte dieses
hartnckigen Volkes die Illustration zu den seherischen, den gequlten
Herzen entspringenden Ankndigungen u. a. zum ausklingenden Midrasch zu
Psalm 36: Vlker stehen auf und verschwinden, aber Israel bleibt ewig.

Heute orientieren wir uns und formen unsere Ueberzeugung nicht nach
religisen Prophezeiungen; aber die Wissenschaft hat ihnen bisher Recht
gegeben. Nossig, der Altmeister der jdischen Statistik, erklrte noch
um die Zeit der Jahrhundertwende in dem Standard Werk der jdischen
Statistik (eine Auffassung, die er schon in seinem glnzenden Werke
Einfhrung in das Studium der sozialen Hygiene vertreten hatte):

    Der mosaische Gedanke eines ewigen Volkes scheint sich
    verwirklichen zu wollen.... Als ein frappantes, biologisches
    Ergebnis dieser Auswhlungsidee tritt uns die Tatsache des Bestehens
    der noch immer ungewhnlichen Lebens- und Reproduktionskraft der
    Juden entgegen. Und an anderer Stelle: Der jdische Stamm vermehrt
    sich ausserordentlich rasch und vermehrt sich etwa 3,03 mal rascher
    als die nichtjdischen Stmme und wrde sich bei ungestrter
    Entwicklung in einer etwa 4,02 mal krzeren Periode verdoppeln als
    jene.

Also sprach die offizielle jdische Statistik zu Beginn unseres
Jahrhunderts (ber die weitere Haltung und Aeuerungen noch mehr und
spter). Auch die anthropologische Wissenschaft sah in der Persistenz
der Juden ein frmliches Gesetz. $Andree$ behauptete sogar: Bei den
Juden ist die Rasse strker als die Religion. Es ist den Juden einfach
unmglich, sich mit anderen Vlkern zu vermischen.

    $Leroy-Beaulieu$, ein kleiner statistischer Papst in der
    Wissenschaft, der insbesondere auf dem Gebiete jdischer Fragen als
    Kenner galt, erfand folgende Theorie: Die Juden setzen wenige
    Kinder in die Welt, aber sie bringen mehr zur Reife. So haben sie
    dies schwierige Bevlkerungsproblem in einer Weise gelst, welche
    fr sie selbst die vorteilhafteste und fr die Nationalkonomie die
    befriedigendste ist.

Aehnlich uerten sich die fhrenden deutschen Statistiker u. a.
M. $Hoffmann$, $de Neuville$, $Fircks$. Der Rassenhygieniker von
$Gruber$ schrieb 1908 in den Verffentlichungen des Deutschen Vereins
fr Volkshygiene:

    Noch eins lehrt uns das Beispiel der Juden. Sie htten unmglich
    diese Jahrhunderte bestndigen Kampfes um ihre Existenz berdauern
    knnen, wenn sie nicht einen so $gesunden Instinkt$ und eine so
    bewunderungswrdige Aufopferungsfhigkeit fr die Erhaltung ihres
    Volkes besessen htten. Der junge Mann, kaum erwerbsfhig geworden,
    hlt es fr seine Pflicht, seinem Volke unter Entbehrungen und
    harter Arbeit zahlreichen Nachwuchs aufzuziehen:

        $SO WIRD EIN VOLK UNSTERBLICH$!

Geschah dies am trockenen Holz der Wissenschaft -- und wenn wir deren
Bume krftig schtteln wrden, flgen noch viele andere Frchte dieser
Art herab -- wer wird sich wundern, wenn die jdischen Theologen erst
recht die alten Weissagungen (bestrkt durch die Ergebnisse der 2-1/2
Jahrtausend Geschichte) gesinnungstchtig auslegen, wenn die politischen
Fhrer der jdischen Organisationen die Daseinsmglichkeit der Ihren als
eine alte historische Notwendigkeit hinnehmen. Umsomehr als selbst ein
so kluger Mann der Feder, der sich selbst einmal auerhalb des
jdischen Volkes hatte stellen wollen, wie $Heinrich Heine$, Israel ins
Gedenkbuch schrieb: Aegyptens Mumien sind ebenso unverwstlich wie jene
Volksmumie, die ber die Erde wandelt, eingewickelt in ihre alten
Buchstabenwindeln, ein verhrtetes Stck Weltgeschichte ... Und ein
jngerer, -- $Bernhard Mnz$ -- mnzte diesen Gedanken in die Worte um:
Ein Volk schreitet mitten durch die ganze Geschichte der Menschheit,
spiegelt sich in dem grten Teil ihrer Entwicklung wieder und taucht
aus allen Prfungen und Umwlzungen der Zeit immer wieder gesthlt und
gekrftigt empor.

Wohl gab es abwegige Urteile. Aber die breite Masse der Juden blieb von
der Ideenwelt der Pessimisten unberhrt. Sie nahm keine Notiz von der
Broschre eines anonymen Verfassers, die etwa 16 Seiten stark 1894 in
Zrich erschien und Der Untergang Israels hie. Ich wurde auf sie
aufmerksam durch einen tiefer schrfenden Artikel Arthur Kahns, der sich
auf sie bezog. Der Aufsatz Kahns in den U. O. B. B. Logenblttern Die
Wurzeln des Uebels rhrten an den tiefsten Grnden der Judenfrage.
Neben Kahn haben Zollschan in seinem Buch Das Rassenproblem und Dr.
Arthur Ruppin in den Preuischen Jahrbchern die bedrohliche Situation
in ihrem Ausmae erfat. Im Gegensatz zu dieser nicht gerade groen und
nicht eindrucksvoll genug wirkenden Literatur stand die unzhlig oft in
Wort und Schrift dokumentierte ffentliche Meinung der Rabbiner, Lehrer,
Beamte, Vorstnde der Gemeinden, Fhrer und Vorsitzenden der Verbnde,
der Redakteure und Mitarbeiter der jdischen Presse, die dem
Zukunftsglauben der Juden in Deutschland huldigten, und ihnen tglich
mit dem an Mitteln reichhaltigen Arsenal und mit der Emphase ihrer
Begeisterung und ihrer Liebe zum Judentum in warmherzigen Versicherungen
schmeichelten, die zwar an Schwung den biblischen nachstanden, den
Ansprchen der braven Judenbrger aber gengten.

Meine eigensten Untersuchungen dieses Problems begannen vor 18 Jahren,
wobei ich als Schler mich wohl eines nom de guerre (meines mtterlichen
Namens) bedienen mute. Es war eine Untersuchung, deren Inhalt der Titel
verrt: $Der Untergang der deutschen Landjuden$ (gezeichnet Felix
Th.-Cohen) publiziert im Frankfurter Isr. Familienblatt. Ich hatte die
Verhltnisse und die Entwicklung der jdischen Dorfgemeinden
Hessen-Nassaus und Unterfrankens auf verschiedenen Ferienreisen
bersehen, ihr Schicksal gezeichnet. In den nchsten Jahren arbeitete
ich an einem statistischen Werdegang der deutschen Juden. Immer
deutlicher ergaben sich aus den Zahlenreihen der dumpfe Drang und die
unaufhaltsame Bewegung der Auflsung. Umgearbeitet nach diesen
Gesichtspunkten nahm Jahre lang kein Verleger von diesem Buch Notiz. Und
als es erschienen, konnte es in der dumpfen Atmosphre und grauenhaften
Stagnation der deutschen Judenheit nicht einmal die nachhaltende
Aufmerksamkeit der jdischen Fhrer bewirken.

Die unbeirrte Zukunftszuversicht, die Harmlosigkeit der jdischen
ffentlichen Meinung ber $Sein oder Nichtsein$, das mangelhafte
Vorstellungsvermgen der Situation erinnert an unzhlige Parallelen in
der Geschichte, an die unbedingte Siegeszuversicht des Deutschen Volkes,
das noch 1918 ber eine Welt von Feinden zu triumphieren glaubte, oder
aus den vergangenen Tagen des jdischen Volkes an die Vorgnge im
belagerten Jerusalem, in dem die Juden mehr auf ihren guten Stern als
auf ihre lebendigen Krfte bauten.

Ein Volk kann sich ebensowenig wie der Einzelne immer Reflexionen ber
seine Existenz-Berechtigung und seine Existenzmglichkeiten hingeben.
Das cogito ergo sum ist ein philosophischer Satz, belastet mit all den
Schwchen der Spekulation, und eine reale, wenn auch nur relative
Wahrheit. Aber in Zeiten, wo das Barometer auf Sturm zeigt, knnen
Steuermann und Kapitn nicht gemtlich die Vorkehrungen, die fr
schnes Wetter getroffen sind, beibehalten. Ihr Schifflein drfte sonst
leicht Schaden erleiden und ihre Schuld wrde selbst ihr eigener Tod
nicht mildern.

Die deutsche Judenheit ist sich des tdlichen Keimes ihrer Erkrankung
nicht bewut. Frher mochte Unkenntnis entschuldigen, da ihre Fhrer
der kardinalen Existenz-Frage nicht nher traten. Nach dem Erscheinen
des Untergang haben sie die von mir geschilderte Entwicklung in ihrer
Tendenz als falsch abgelehnt und die Deduktion als irrtmlich
zurckgewiesen. Es besteht dabei sicher ein tiefgehender Spalt in den
Massen, zwischen denen, die Morgenluft wittern und ihre innere
Gebundenheit mit der jdischen Gemeinschaft lsen, und jenen, die von
jdischen Erinnerungen, Instinkten und jdischem Wissen angefllt ihren
persnlichen starken Gemeinschaftswillen als allgemeine psychische
Stimmung der ganzen Judenheit unterlegen.

Es lohnt sich nicht, Dokumente, in denen sich alle Unkenntnis in
Begriffsverwirrung auflst, zu zitieren. Nur die Aussagen der Fhrer
seien zitiert. Denn sie sind der offizielle Ausdruck der jdischen
Gemeinschaft. Sie bezeugen, da man noch heute in Verkennung der Lage
sich kein Bild der Entwicklung geschaffen hat und mit offenen, aber
nicht rezeptierenden Augen dem Strudel des Untergangs entgegentreibt. Um
Selbstverstndliches zu klren: In diesem Buch wird einzig das Schicksal
der $deutschen$ Juden der Untersuchung unterworfen -- nicht das
Schicksal des jdischen Volkes in seiner $Totalitt$. Ob auch dieses
hnlichen Erschtterungen entgegengeht, wird hier nicht behandelt,
geschweige gelst. Die Fhrer der jdischen Oeffentlichkeit haben in der
leichtfertigen Behandlung der Frage sich die Widerlegung recht bequem
gemacht, indem sie nicht auf die Fragestellung, nmlich den Untergang
der $deutschen$ Juden, eingingen.

Hren wir die Vertreter der deutschen Juden selbst an. Bald nach dem
Erscheinen dieses Buches versammelte sich der Verband der deutschen
Juden zu einer Tagung. Bei dieser Veranlassung hielt der Vorstand der
jdischen Gemeinde Berlins, Geheimrat Dr. Stern eine Rede, die auerdem
gedruckt im Amtsblatt der jdischen Gemeinde Berlins allen
Gemeindemitgliedern zuging und folgenden Wortlaut hatte:

    Einer unserer Rabbiner hat an einem letztverflossenen Feiertage auf
    der Kanzel die Frage aufgeworfen, ob irgend Grnde fr die
    Befrchtung da seien, dass das deutsche Judentum, wie es ihm in
    neuerer Zeit prophezeit wird, seinem Untergang zusteure. Er hat
    darauf hingewiesen, dass manche Gelehrte auf Grund
    wissenschaftlicher Forschungen an Hand der Statistik und unter
    Zuhilfenahme anderweitiger symptomatischer Anzeichen und
    Erscheinungen, beispielsweise der stetigen Zunahme der Mischehen, zu
    dem Ergebnis gelangt sind, dass das deutsche Judentum seiner
    allmhlichen, aber sicheren Auflsung entgegen gehe, einem
    unaufhaltsamem Untergange geweiht sei. Der Rabbiner hat vom
    theologischen Standpunkt aus diese Auffassung sich nicht zu eigen
    gemacht, hat vielmehr diese traurige und trbe Vorhersage auf das
    Entschiedenste bekmpft. Das auserwhlte Volk, auserwhlt, um seit
    Jahrtausenden Verfolgung, Hass und Unterdrckung zu erdulden, hatte
    immer wieder die Kraft und die Strke gefunden, sein Martyrium allen
    Anfeindungen und Angriffen zum Trotz mannhaft zu berwinden. Es habe
    zu allen Zeiten ber Propheten und fhrende Geister verfgt, die das
    Panier, auf dem in unauslschlichen, flammenden Zeichen der
    Monotheismus und die schrankenlose Bettigung der Nchstenliebe hell
    erstrahlen, immer wieder siegreich aufpflanzten.

    Und wenn ich in dieser Stunde die gleiche Frage mir vorlege: wird
    das deutsche Judentum untergehen? so trage auch ich vom
    Laienstandpunkte aus keinen Augenblick Bedenken, diese Frage
    rckhaltslos zu verneinen. Ich setze dieser brennenden Frage ein
    dreimaliges krftiges Nein entgegen, wenn ich meinen Blick ber
    diese Tafelreihen schweifen lasse und mit Bewunderung, Freude, Stolz
    und Genugtuung feststelle, dass Hunderte von Mnnern aus den
    angesehensten und hervorragendsten Berufs- und Lebensstellungen,
    Leuchten der Wissenschaft, fhrende Knstler, Phnixe des Handels,
    Pfadfinder der Industrie, Bahnbrecher der Technik, hier vereinigt
    sind, als die berufenen Vertreter der deutschen Juden und ihrer
    Interessen. Unwillkrlich drngt sich mir angesichts dieses hchst
    erfreulichen Bildes des Psalmisten Wort auf die Lippen. Nimmer
    rastet noch schlummert der gute Genius Israels.

Der $Israelit$, das fhrende Blatt der gesetzestreuen Juden
Deutschlands, anerkannte zwar den Ernst der Situation und ma dem
Kassandrarufer der Statistik mehr Bedeutung bei. Gleichwohl findet
sich auch hier (in der Besprechung des Untergangs) folgender Passus:

    Derselbe Gott, der die Existenz seines Volkes an seine
    Gesetzestreue geknpft und ihm die Alternative gestellt hat, fr die
    Thora zu leben oder unterzugehen, hat uns auch die trstliche
    Verheissung mit auf den Weg gegeben, dass Gott sein Volk nicht
    fahren lsst und sein Erbe nicht preisgibt ... Die Schrecknisse der
    Auflsungsliteratur schrecken uns nicht.

Die Anschauungen gesetzestreuer Kreise fanden einen weiteren
literarischen Niederschlag in dem orthodoxen Blatte $Die Laubhtte$,
welche in der Nr. 52 des Jahres 1911, die Wichtigkeit der Frage zwar
anerkannte, aber doch folgenden Schlu ziehen zu mssen glaubte:

    Theilhabers Buch weist mit Recht auf die Gefahren des modernen
    Judentums hin. Der Titel Untergang -- ist fr einen glubigen
    Juden unannehmbar, weil er der gttlichen Verheissung widerspricht.
    So spricht der Ewige: Wenn mein Bund nicht mehr sein wrde mit Tag
    und Nacht, wenn ich die Gesetze von Himmel und Erde nicht
    festgesetzt htte ... dann wrde ich auch die Nachkommenschaft
    Jakobs und meines Dieners verwerfen. (Jeremia.) Du frchte Dich
    nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Ewige, denn ich bin bei Dir.
    Sollte ich auch alle Vlker zugrunde gehen lassen, unter welchen ich
    Dich hinweg gefhrt habe, Dich werde ich nicht zugrunde gehen
    lassen. Ich werde Dich wohl zchtigen zum Rechte, aufreiben werde
    ich Dich nicht (Jeremia). Wer an die Offenbarung Gottes glaubt, kann
    also das Wort Untergang nicht gutheissen.

Die Presse der neologen deutschen Juden lehnte gleichfalls die
Richtigkeit meiner Behauptungen ab. Ihre Hauptzeitschrift, $Die
allgemeine Zeitung des Judentums$, brachte noch am 2. Januar 1920 einen
Artikel, der Jahre vorher das hebrische Leserpublikum im Haschiloach
aufgeklrt hatte und nunmehr der deutschen Leserschaft nicht
vorenthalten werden sollte. $Dr. Kaminka$ kmpft gegen Windmhlen wie
ein zweiter Don Quichote. In dem abgelegten Artikel findet sich ein
Passus, der immerhin beachtenswert ist und deshalb nicht totgeschwiegen
werden soll. Er lautet:

    Die allerwichtigste Vorfrage ist die nach der dynamischen (nicht
    statistischen) Bedeutung der gezhlten Individuen, nach den Quellen
    der Seelenkraft und der entsprechenden Daseinsmglichkeit jener
    Einzelnen, wenn sie noch so gering an Zahl wre, fr welche ihre
    Zukunft etwas absolut Gesichertes ist, da ihr Daseinswille alles in
    ihrer Umgebung an Kraft und Bestandsfhigkeit bertrifft. Die
    numerische Strke drfte in solchem Falle mit der moralischen Strke
    zu multiplizieren sein.

    Es ist ... ein Trugschluss und eine petitio principii, wenn der
    Massstab irgend eines Stammes oder einer Nationalitt in das
    Judentum gelegt wird, was von jeher eine Gemeinschaft mit einer ganz
    bestimmten philosophischen Anschauung war, die sich auf die Ewigkeit
    eingerichtet und nach einem bestimmten Plan in die fernsten Lnder
    hinausgezogen ist, um als Minoritt unter allen Vlkern durch ihre
    ethische Ueberlegenheit zu wirken. --

Vernichtender urteilte die offizielle Besprechung, welche das
Centralorgan der zionistischen Bewegung $Die Welt$ der
Untergangstheorie zu teil werden lie. $S. H. Lieben$ aus Prag schrieb
in der Besprechung des Untergangs:

    ... Rckkehr zu jdischen Gesetzen, wie auch Nationalisierung
    lassen sich nicht in kurzer Zeit erzielen und darum msste man am
    Bestand der deutschen Judenheit schier verzweifeln, wren die von
    Theilhaber ermittelten Daten einwandfrei sicher gestellt. Aber
    Theilhaber ist aus Liebe zu seinem Volke zu einem Schwarzseher
    geworden, hat die Zahlen zu traurig gedeutet, wie der bekannte
    jdische Statistiker Dr. Jacob Segall im Septemberheft der
    Zeitschrift Im Deutschen Reich eingehend darlegt. Nach Segalls
    Ansicht ist eine exakte Fruchtbarkeitsstatistik heute noch ein Ding
    der Unmglichkeit, da die wissenschaftlichen Vorarbeiten fehlen. Er
    gesteht wohl zu, dass die Fruchtbarkeit der Deutschen Juden eine
    hhere htte sein knnen, aber er findet, dass Theilhaber sie zu
    gering veranschlagt, wie er auch die Sterblichkeit der deutschen
    Juden zu gnstig beurteilt. Die geringe Zunahme der jdischen
    Bevlkerung findet nach Segall ihre Erklrung in grossen, aus
    politischen und wirtschaftlichen Ursachen entstandenen
    Abwanderungen der Juden, die zeitweilig sehr grosse Dimensionen
    angenommen haben.

Eine rein sachliche Erwiderung wies die Redaktion der Welt zurck. Der
Redakteur gestand mir mndlich ausdrcklichst, da die Untergangstheorie
ihm gefhrlich erscheine und da er meiner Entgegnung oder jeder
hnlichen aus diesen politischen Erwgungen keinen Raum geben knne.

Der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Juden, einer
Zusammenfassung aller groen und der meisten kleinen Gemeinden, Prof.
Dr. $Kalischer$, glaubte gleichfalls die gefhrliche Theorie einer
Nachrichtung im $Gemeindeblatt der jdischen Gemeinde$ zu Berlin vom
9. Februar 1912 unterziehen zu mssen. Das Pronuntiamento verriet der
Titel Die Zukunft der Juden. Ich zitiere aus dem Anfang:

    Man prophezeit uns, namentlich den Juden der westlichen Lnder, den
    Untergang; man hrt bereits den Flgelschlag des Todesengels und
    sieht ihn sein trauriges Werk schon in ungezhlten Generationen
    vollenden. Die Grundlage der Zukunftsschau dieser neuen Seher bilden
    Zahlen der Statistik, die ein $anscheinend$ trostloses Bild der
    Zustnde innerhalb der Judenheit entrollen, und es sind ohne Zweifel
    tiefernste Betrachtungen, die daran geknpft werden und die nicht
    ungehrt verhallen drfen ... -- -- --

    Es erscheint uns willkrlich und als eine Verkennung und
    Ueberschtzung dessen, was die Statistik zu leisten vermag, in
    diesen Zahlen, die sich im besten Falle ber drei Jahrzehnte
    erstrecken, einen Naturprozess zu erblicken, der mit der
    Notwendigkeit eines solchen unabnderlich in einem bestimmten Sinne
    abluft ...

An der Hand der Geschichte folgert nun $Kalischer$ die
Zukunftssicherheit des jdischen Volkes:

    Der Gottesgedanke bildete die Schwingen, mit dem sich die jdische
    Volksseele aus der staatlichen Enge erhob, und das Palladium, das
    sie vor dem Schicksal der Zerstrer ihres staatlichen Daseins
    schtzte und sie am Leben erhielt, war die Thora, auf die das Gott
    selbst geltende Wort angewandt wurde, sie ist Dein Leben und deiner
    Tage Dauer, (5 B. M. 30, 20). Kalischer gibt sodann eine
    glckliche Zusammenstellung der Grossen in Israel von Mose bis
    Maleachi, die der jdischen Lebensbejahung das Wort sprachen. Und
    eine Welt von Hoffnungen erweckt in diesem Sinne derselbe Prophet
    Jesaia mit der Verheissung: Er -- mein Knecht Israel -- wird nicht
    ermatten und nicht dahin gehen, ehe er das Recht auf Euch gegrndet
    hat und auf dessen Lehre Eilande harrten. Und der Artikel schliesst
    in dem Appell an die Lehre der Bibel. Im Hinblick auf sie knne
    Kalischer mehr Vertrauen zu der Lebenskraft des Judentums schpfen.
    Vertrauen auch zu dem Geist der Geschichte, dass -- wie schon
    oftmals im Leben der Juden -- eine Wendung sich zur rechten Zeit
    einstellen wird, Vertrauen zu der Macht der Idee, Vertrauen endlich
    auf das Prophetenwort Jeremias: Es bleibt Hoffnung fr Deine
    Zukunft.

Die Mehrzahl der Leser fhlte aus allen diesen und vielen hnlichen
Artikeln, Reden und Predigten nur das Nein heraus, die absprechende
Beurteilung aller pessimistischer Deduktionen.

Wenn auch khl abwgende Artikel, insbesondere im Hamburger
Israelitischen Familien-Blatt, in der Jdischen Rundschau und in dem
Frankfurter Israelitischen Familien-Blatt (jetzt Neue jd. Presse)
Raum fanden, als deren gewichtigste Autoren $Dr. Artur Kahn$, $Nachum
Goldmann$, $Dr. Hans Fischer$, $Dr. Hoppe$ zeichneten, so waren das doch
nur Stimmen einzelner Privatleute ohne Amt und Wrde in der Judenheit,
deren Urteil keinerlei Autorittsglaube beigemessen wurde. Nicht nur die
genannten zionistischen und orthodoxen offiziellen Publikationsorgane
sprachen sich gegen die Auflsungstheorie aus, nicht nur die Vertreter
der groen jdischen Verbnde und Gemeinden wuten durch allerlei
Maregeln die absolut nicht beunruhigten Gemter zu neuem Schlaf zu
verleiten ... das Hauptverdienst eines frisch-frhlichen Auto-da-fs
verbten die Vertreter der jdischen Statistik, die auf verschiedenen
literarischen Schaupltzen als die offiziellen Fachleute geharnischten
Protest gegen meine unwissenschaftliche, falsche und leichtfertige
Schrift einlegten.

Die strkste Vernichtung erfolgte im Rahmen der Zeitschrift des
Centralvereins deutscher Staatsbrger jdischen Glaubens $Im deutschen
Reich$ vom Jahre 1911. Der Centralverein deutscher Staatsbrger ist
der grte jdische Verein Deutschlands. Sein Blatt erscheint in einer
ungewhnlich hohen Auflage und wird in allen jdisch interessierten
Kreisen gelesen. Der Autor der Besprechung meines Buches, die sich zu
einem selbstndigen 13 Seiten umfassenden Artikel auswuchs, nahm
berdies in der einzigen wissenschaftlichen jdischen Zeitschrift, die
sich mit statistischen Fragen beschftigte, in der Monatsschrift fr
Statistik und Demographie der Juden, die Gelegenheit wahr, um
persnlich und mit Freunden meine gefhrlichen Anschauungen mit Stumpf
und Stiel auszurotten. An vielen Beispielen behauptete Dr. $Jacob
Segall$ nachweisen zu knnen, da ich viel zu rasch aus den Zahlen
Schlsse gezogen, da ich nicht sorgfltig und reiflich das Material
angesehen htte, das mir fr die zuweilen recht khnen
Schlufolgerungen diente. Dazu kmen weiter meine Manipulationen mit
vielen falschen Zahlen, Zahlen ber deren Zustandekommen ich unfhig
wre zu urteilen, Berechnungsmethoden, die von der Wissenschaft
vollstndig abgelehnt seien und viele andere Mngel. Das vernichtende
Urteil des offiziellen Statistikers der deutschen Juden mute bedeutsam
in die Wagschale fallen. Des langen und breiten glaubte Segall Fehler
ber Fehler nachweisen zu knnen, Leichtfertigkeit, die an
Gewissenlosigkeit grenzte, Unkenntnis aller mglichen Dinge, Berufung
auf falsche Autoritten, die sich ihre Zahlen aus der Luft griffen!
Die einschlgige Abhandlung Segalls erschien der langweiligen und
wichtigtuerischen Form nach als die berechtigte Abfertigung eines
Wissenschaftlers gegen einen dilettantischen Laien. Ich werde auf alle
wesenhaften Punkte der Segallschen Methodologie noch in meinen weiteren
Ausfhrungen eingehen. Obwohl dadurch diese Schrift einen polemischen
Charakter bekommt, der ihr besser erspart geblieben wre. So aber mu
ich die Zeit und das Papier verschwenden, um darzulegen, wie Segall nur
einige Zahlen sieht, deren groe Zusammenhnge er nicht versteht.
Kleine Druckfehler, die sich in jeder Arbeit finden und die einem
ebenso in Segallschen Arbeiten begegnen, sind fr ihn die Gewhr
wissenschaftlichen Unvermgens. Im brigen ist die Technik Segalls sehr
einfach. Er kommt berall, wo ihn eine Ziffer strt, mit Fragen,
Vermutungen, Theorien, fr die er keine Unterlagen beibringt. Ich habe
in meiner Entgegnung in der Zeitschrift Im deutschen Reich
nachgewiesen, wie leichtfertig Segall mit Behauptungen umspringt und
habe ein Beispiel fr die minderwertige wissenschaftliche Methodik
Segalls angegeben.

    Segall schrieb 1909:

    Ein letzter Grund, dass die $Sterblichkeit der Juden niedrig$ ist,
    liegt in der Einwanderung. Man denkt beim Rckgang der Sterblichkeit
    zumeist an die Verbesserung der sanitren Verhltnisse und
    bercksichtigt nicht, dass bei den Juden wesentlich die Einwanderung
    von $Leuten im produktiven Alter$, wo die Sterbewahrscheinlichkeit
    eine geringe ist ...

    Die Einwanderung hat den Vorteil, dass sie durch die Masse der
    jugendlich krftigen Personen, welche herbeistrmen, die
    Sterbeziffer im ganzen herabdrckt. Daher kommt es, dass die
    Sterblichkeit der deutschen Juden in Deutschland in den letzten
    Jahrfnften bei weitem nicht so abgenommen hat, als man htte
    erwarten drfen.

    Und 1911:

    Theilhaber bersieht, dass $die Einwanderer die Sterblichkeit
    erhhen$.

    Denn nicht immer sind es bloss die im krftigsten Alter stehenden
    Personen, welche einwandern, sondern zum Teil geht die Einwanderung
    familienweise vor sich, $sodass Kinder und alte Leute$, welche von
    der Sterblichkeit mehr bedroht sind, zur Masse der Einwanderer
    gehren.

In meinen Studien zum Untergang der Deutschen Juden hatte ich die
Probleme der Erhhung oder der Erniedrigung der Sterblichkeit durch
die Einwanderung sehr wohl beobachtet. Ich konnte aber daraus
keinerlei umwlzende Beeinflussung feststellen. Wenn Segall glaubte,
da die Einwanderung einmal die Sterblichkeit erhht, und einmal sie
niedriger werden lt (wie es gerade in seinen Kram pat) so htte
Segall sofort sich Aufklrung schaffen knnen, htte die Ziffern der
gestorbenen Auslnder in Deutschland nachsehen mssen, wie ich es tat
und u. a. darlegte in meiner Preisarbeit der Gesellschaft fr
Rassenhygiene Bringt das materielle und soziale Aufsteigen der
Familien Gefahren in rassehygienischer Beziehung? Dargelegt an der
Entwicklung der Judenheit von Berlin. (Sonderabdruck aus Archiv fr
Rassen- und Gesellschafts-Biologie, Heft 1/2, 1913, Leipzig). In
Wahrheit bte nmlich die Einwanderung $keinen$ wesentlichen Einflu
auf die jdische Sterblichkeit aus.

Segall konnte sich ebenso sehr ber alle die Fragen, die ihm noch
unklar waren, Aufklrung verschaffen. Er, der hauptschlich
statistisch arbeitete, dem ein Verband und ein Bro ganz andere
Mglichkeiten einrumte, wie mir, der ich als Arzt nur in wenigen
Muestunden mich der Materie widmen konnte, war mir in allen
technischen Hilfsmitteln und Voraussetzungen berlegen. Wenn er
trotzdem die Sterblichkeit der auslndischen Juden, die
Fruchtbarkeitsziffer an den Berliner, Leipziger, Hessischen Juden und
vieles andere, was ich sofort z. T. zur Ueberprfung meines Materials
bearbeitete, nicht selbst untersuchte, sondern stets behauptete, man
knne mangels Materials die Fragen noch nicht klren, so geht aus alle
dem nur die Unfhigkeit des offiziellen Vertreters der Statistik in
Deutschland hervor. Ich wrde diese mangelnde Befhigung Segalls, das
zu geringe Talent, Entwicklungstendenzen zu berblicken, nicht
hervorheben, wenn ich mich nicht im Interesse der Sache dazu gentigt
she. Bei der Bedeutung des ganzen Problems hat Dr. Jacob Segall
durch seine absprechende Kritik die Auslsung einer wissenschaftlichen
weiteren Untersuchung der Frage unterbunden.

Wie sich die Journalisten das Ergebnis der wissenschaftlichen
Abfertigung ausdeuteten, mag ein Artikel der jdischen Monatsschrift
Ost und West, (1917) anzeigen, der u. a. also anhebt: $Dreierlei
Lgen$ gibt es, sagt ein englisches Witzwort: Weie Lgen, schwarze
Lgen und Statistik: es knnte sein, da die $Statistik des Sehers
Theilhaber zu der dritten Sorte gehrt$ ...

Um Segalls Anschauungen kurz zu resmieren, sei gesagt, da er die
Geburtenreduktion bei den deutschen Juden auf die Auswanderung
zurckfhrte, da er durch den Rckgang der Sterblichkeit einen weiteren
Geburtenberschu erhoffte, da er so ziemlich alles, was die Existenz
der deutschen Juden bedroht, in Abrede stellte. So pflanzte ein Mann am
Grabe die Hoffnung auf, leugnete was war und suchte das graue Bild mit
hellen Farben zu bertnchen. Es ist vielleicht nicht ohne Reiz, daran
zu erinnern, da der andere Redakteur der Zeitschrift fr Statistik der
Juden, Dr. Blau, zuerst in einem Brief, den ich noch besitze, bald nach
Erscheinen der Arbeit zum Ausdruck brachte, er habe die von mir
vertretenen Dinge in Vortrgen ausgesprochen, allerdings sei es
gefhrlich, wie er mir spter mndlich hinzufgte, derartige
Anschauungen in Druck zu geben.[3]

Da die jdischen Gesellschaften und die Oeffentlichkeit eine
wissenschaftliche Aussprache ber die Probleme nicht zulieen, da bei
keiner Gemeinde ein Referat, auf keiner Tagung eine Darlegung der
Verhltnisse durchzusetzen war, so mute ich mich begngen, in ein paar
lokalen Vereinen und einigen loyalen Zeitschriften[4] auf die groen
Gesichtspunkte hinzuweisen. Im brigen war es unmglich, der offiziellen
absprechenden Kritik aller Organisationen und Institute, die dazu das
Wort genommen hatten, entgegen zu treten. Das gibt mir nicht nur ein
Recht, diese Schrift nochmals auflegen zu lassen, sondern es erscheint
mir als Pflicht, trotz aller weiteren Verunglimpfungen, die mir
bevorstehen, mit aller Schrfe, die alten Fragen wieder aufzuwerfen und
mit Hilfe einiger neuer Zahlen die Entwicklung von neuem zu belegen,
wobei ich betone, da alle wichtigen Ziffern und Tabellen diesmal nur
gekrzt wiedergegeben werden knnen.

Der Gedanke, der in diesem Buch in seinen Konsequenzen wiederholt
soziologisch und statistisch eingehend ausgefhrt wird, wird allerdings
allgemeine Gesetze fr die Existenz der jdischen Bevlkerung auch in
anderen Lndern abgeben; inwieweit aber deren Lage mit den Verhltnissen
der deutschen Juden bereinstimmen, bedarf erst der Feststellung. Die
deutsche Judenheit hat eine teilweise unterschiedliche soziale und
sexuelle Gestaltung erfahren, die sie von gewissen jdischen Centren --
wenigstens vor dem Kriege abhob.

$Es ist somit nicht der Theorie eines Untergangs der Juden berhaupt das
Wort geredet. Wer dagegen die Persistenz aller Teile mit
religisen,[5] historischen und gefhlsmigen allgemeinen Argumenten
belegt, der mag sich auf den Untergang der 10 Stmme Israels$ besinnen,
an die Auflsung der $jdischen Reiche in Arabien$, an die starken
Verluste $jdischer Siedelungen in Aegypten und Vorderasien$. Ich
verweise auf die Geschichte des $Chazaren-Reiches$ und das Ende der
$Juden in Spanien$, auf die Trmmer der jdischen Wanderung nach Indien,
wo die Exilarchen im Jahre 490 zu Kranganor an der Kste Malabar durch
den brahmanischen Frsten Airvi aufgenommen wurden, Land bekamen und
unter eigenen Huptlingen leben durften. Diese Huptlinge hatten alle
Rechte der indischen Frsten, und ritten auf Elefanten, denen Musik
vorherging. Vorhandene Erztafeln kndeten noch in hebrischer Sprache
und in dem Idiom des Talmud von ihren Rechten. Die Kolonien wurden
lngst zerstrt. In den weien Juden von Mattatscheri sollen Reste
erhalten sein. Von den $chinesischen$ Juden blieb niemand zurck. Sie
sind ausgestorben und nur die Tempel, wie der von Kai-Fong-Fu,
Handschriften, Briefe u. a. zeugen von der Vergangenheit. Ferner ist
wenig bekannt, da $vorderasiatische Juden$ unter einem gewissen
Benjamin im Jahre 614 n. Chr. Geb. Jerusalem eroberten und sich in
$Palstina$ wieder ansiedelten, um bald vom Kaiser Heraklios
niedergemacht zu werden.

Die Geschichten der jdischen Siedelungen sind ein Widerspiel von
gewaltsamer Auflsung und Zerstrung, von Zersetzung und Abwanderung.
Vor einigen Jahren erregte das Schicksal der zu Grunde gehenden
Falaschas Aufsehen, jener abessynischen Juden, die viele Jahrhunderte
lang ihre eigenen Frsten besaen, die zwei Jahrhunderte lang ganz
Abessynien beherrschten. Dr. S. $Weienberg$ schrieb in der Zeitschrift
f. Stat. u. Dem. der Juden, 10. Jahrgang, ber $Die Karer$ -- ein
verdorrender jdischer Stamm: Die von Asran gegrndete Sekte der
Karer scheint anfangs groen Anhang gefunden zu haben. Dies ist daraus
zu schlieen, da im Mittelalter an fast allen jdischen Sitzen (auer
Zentraleuropa) auch karische Gemeinden in grerer oder geringerer
Strke vorhanden waren ... Er schliet seine eingehende Arbeit
wrtlich: Wir stehen somit vor einem nicht ganz fernen Untergang der
Karer, falls nicht Manahmen getroffen werden, die einem neuen
Aufblhen dieses Vlkchens frderlich sein knnten. Die bekannten
$Samaritaner$ stehen gleichfalls auf dem Aussterbeetat.

Interessant ist die Geschichte der $spanischen$ Juden in Westindien, die
blhende Kolonien anlegten, die heute vernichtet sind. Und wie steht es
mit den Familien der alteingesessenen Juden von $Frankreich$? Was ist
aus den blhenden Gemeinden von $Italien$ geworden, deren geistiges
Leben durch viele Jahrhunderte die jdische Welt bereicherte? Von der
groen spanisch-jdischen Bevlkerung $Hollands$ ist nur noch ein Rest
brig.

So sehr es eine historische Weisheit ist, da sich das jdische Volk als
einziges in der Zerstreuung unter den Vlkern erhielt, so tatschlich
ist der Umstand, da die Persistenz einer jdischen Bevlkerung
allzumeist nur einige Zeit in einem Landstrich whrte, da Blte,
Niedergang, freiwilliges und unfreiwilliges z. T. fluchtartiges
Verlassen abwechseln, da ein Bestand der Judenheit und eine
Fortentwicklung in gerader Linie in einem Lande historisch zu den
Ausnahmen gehrt.[6] Die Nachkommen der alten deutschen Juden sind
numerisch in der Hauptsache in Polen, Ruland, Rumnien und Amerika
verbreitet, der spanische Jude wohnt im ganzen Orient, in Nordafrika.
Spanien, das eine wundersame jdische Kultur durch ein Jahrtausend
gesehen hat, hat sein Judentum mit Stumpf und Stil ausgerottet, so sehr,
da kaum eine Erinnerung mehr an Ort und Stelle zurckgeblieben ist.

Wer also die Zukunft der Juden in Deutschland -- und nur darum handelt
es sich -- durch die Profetie fr gesichert hlt, kann nicht ernst
genommen werden. Er kennt die Geschichte nicht, bersieht die
Kleinigkeit, da selbst das althebrische Schrifttum $von der Existenz
des jdischen Volkes in der Allgemeinheit und nicht in einzelnen Teilen
spricht und die Schrift die Absplitterung von Partikeln ins Auge fat$.

Natrlich gibt es eine Mglichkeit, den Zerfall des jdischen Volkes in
Deutschland zu verhten, wenn nmlich die Ursachen, die jetzt zur
vlligen Auflsung fhren, in Fortfall kmen. Ob es tunlich ist, die
Voraussetzungen zu bannen, ist eine beraus schwierige Frage.

Meine Untersuchung beleuchtet diese Probleme, lehrt die Zusammenhnge
zwischen der Entwicklung der Ziffern der Geburten, Taufen, Mischehen,
usw und den soziologischen Einflssen, sie belegt die Bedeutung der
Zahlen, der Kurven, sie geht auf die Wanderung, auf die Berufsttigkeit,
auf das Heiratsalter, auf die Ausstrahlungen des Kapitalismus ein. Ich
schrieb s. Z. in der ersten Auflage:

    Vorausgesetzt, der neue Gedanke dieses Buches erweist sich als
    richtig, so wird er wohl die deutsche Judenheit, die sich bisher als
    religise Gemeinschaft lediglich dazu berufen fhlt, die Erfllung
    der Ritualien zu berwachen, veranlassen, eine grosszgige
    Volkspolitik zu treiben, um das zu retten, was zu erhalten ist (oder
    wenigstens zu versuchen, ob es zu retten ist). Und selbst, wenn
    viele jdische Gemeinden so kurzsichtig sein werden, trotz aller
    Anzeichen von dem drohenden Zerfall lieber der Stimme
    unverbesserlicher Optimisten zu vertrauen und in bequemem Quietismus
    zu beruhen, als energischen Gegenmassregeln sich anzuschliessen, so
    wird doch die Idee, erst einmal durch die Bltterwelt und die
    mndliche Verkndigung zum geistigen Gemeingut des Volkes geworden,
    auf alle mglichen sozialen und politischen Aktionen befruchtend
    einwirken ...

Auch die Nationalkonomen vom Fach haben die Bevlkerungsbewegung,
die sich unter den deutschen Juden vollzieht, mit Interesse verfolgt,
weil wohl kein Volk, keine Bevlkerungsklasse in demselben kurzen
Zeitraum eine so wechselvolle, zahlenmig genau zu belegende
Entwicklung durchmachte, weil wohl keine Rasse oder Gemeinschaft
Geburteneinschrnkung, Sterblichkeit, Ehelosigkeit, auf eine Tiefe resp.
Hhe gebracht hat, die als das non plus ultra gelten mu.

Die Nationalkonomen haben an den Juden studiert. Ein Schriftsteller hat
sie einmal das Barometer der Vlker genannt. Diese Hypothese gebietet
Aufmerksamkeit. A. $Grotjahn$, der Altmeister der Sozialhygiene, schrieb
in seinen Jahresberichten in einer Besprechung:

    Mit den beraus pessimistischen Profezeiungen des Verfassers ber
    die Zukunft des Judentums mgen sich auseinandersetzen, die es
    angeht. An dieser Stelle ist nur mit Nachdruck hervorzuheben, dass
    der hier geschilderte Verfall nicht eine spezifische
    Eigentmlichkeit der Juden ist, sondern nur bei ihnen reiner zur
    Beobachtung kommt, als bei den entsprechenden Schichten der
    nichtjdischen Bevlkerung Mitteleuropas, die z. Z. noch aus dem,
    brigens nicht unerschpflichen Born des lndlichen und stdtischen
    Proletariats Zufluss erhlt. Tua res agitur Germania, agitur. Das
    vorliegende Buch ist die beste Arbeit der letzten Jahre auf dem
    Gebiete des Entwicklungsproblems, nicht nur dem sachlichen Inhalte
    nach, sondern vor allem wegen der hier gebten, geradezu
    vorbildlichen Methode, die den konkreten Fall auf Grund
    statistischen Materials empirisch untersucht und auf Anwendung
    darwinistischer Metaphysik, die bei den Errterungen ber die
    Vlkergeneration bereits starke Verwirrung angerichtet hat,
    verzichtet.

Das deutsche $statistische Centralblatt$ anerkannte in einer Besprechung
in der ersten Nummer des Jahres 1912 den Wert derartiger Untersuchungen
mit den Worten:

    Die Bevlkerungs-Bewegung der Juden des letzten Menschenalters wird
    nicht zuletzt der Statistiker mit Interesse verfolgen.

Die $Deutsche Hochschule$ (Nr. 7 1912) lobte die Ausfhrlichkeit und
die Objektivitt des Untergangs in der Sammlung und Verarbeitung des
reichhaltigen statistischen Materials.

Dr. $Mottek$ fate im Freien Wort den Hauptteil meiner Untersuchungen
als den Selbstmord des Kapitals oder klar ausgedrckt Die geringe
Vermehrung der besitzenden Klassen durch Zeugung von Kindern zusammen,
und $Rdin$ hat im Archiv fr Rassen- und Gesellschafts-Biologie diese
Arbeit als den Spiegel fr die christlichen Staatsbrger genannt,
darinnen sie die Zukunft auch des Kulturchristen sehen, die ebenso
unvermeidlich trbe ist, wenn nicht ein sexual-hygienisches Fhlen und
Handeln aufkommt, wie es Theilhaber den Juden rt.

Dem schlieen sich die $Mnchener Neuesten Nachrichten$ an:

    Ein Buch, dem es zu wnschen ist, dass es nicht nur in dem engeren
    Kreise, an den es sich wendet, wie ein Weckruf wirkt, sondern
    unserer ganzen heutigen Kultur als Spiegel vorgehalten wird ... Noch
    einen, wenn auch nur zeitlichen, doch nicht zu unterschtzenden
    Vorteil hat das Buch. Es zeigt, dass die Fragen der Rassen und ihrer
    Hygiene nicht unbedingt etwas mit dem Antisemitismus zu tun haben.
    Vielleicht werden manche Kreise diese Fragen, die fr unser
    deutsches Volkstum bedeutungsvolle Zukunftsfragen darstellen,
    daraufhin zugnglicher sein, als es bisher der Fall war.




KAPITEL II.

BERBLICK BER DIE GESCHICHTE DER JUDEN IN DEUTSCHLAND.

                                    _Ich war immer bestrebt, die Sitten
                                    der Juden, dieses klugen Volkes, zu
                                    bessern, ohne ihnen je etwas zu
                                    leide zu tun. Das wre auch
                                    unchristlich gehandelt, denn das
                                    Judentum bildet die lebende
                                    Zeugenschaft des Christentums.
                                    Sollten die Juden aussterben, so bin
                                    ich berzeugt, dass dies fr den
                                    Fortbestand des Christentums eine
                                    ungnstige Prognose wre._

                                    _Bismarck im Gesprch mit
                                    Dr. Kepes._


Die Juden des frhen Mittelalters erfreuten sich im frnkischen und
burgundischen Reiche aller Freiheiten. Sie waren dort in jeder Beziehung
unbeschrnkt, hatten ihre eigene Gerichtsbarkeit, besassen eigene
Schiffe auf den Flssen Galliens und auf dem Meere, durften Grundbesitz
erwerben, wirkten als Aerzte und kmpften als Krieger; mit den Christen
lebten sie auf gutem Fue, da selbst Ehen zwischen beiden Parteien
vorkamen. Ihre eigentmlichen Speisevorschriften boten den ersten
ueren Anla zu Differenzen, indem es christliche Geistliche fr
unwrdig befanden, wenn Juden bei christlichen Gastmhlern sich gewisser
Speisen enthielten, whrend Christen bei jdischen Mhlern dies nicht
taten. Mehrere Konzilien verboten daher (seit 465) den Geistlichen mit
Juden zu speisen: aber sie fanden keinen Gehorsam. Selbst als sich
Chlodwig zur rmisch-katholischen Kirche bekannte, trat noch keine
Benachteiligung der Juden ein. Erst als der den germanischen Vlkern
neue Glaube grere Fortschritte machte und die Geistlichkeit mchtig
wurde, setzte man Einschrnkungen der Juden durch (507 Verbot des
Besuches der jdischen Gastmhler, 533 der Eheschlieung mit Juden usw.)
Von der Lage der Juden unter Karl dem Groen schreibt z. B. Otto Henne
v. Rhyn, ein gewi unvoreingenommener Historiker:

    Dieser von religiser Beschrnktheit freie und mit den grssten
    Verdiensten um die Kultur begabte grosse Herrscher sah in den Juden,
    welche bereits den Welthandel in der Hand hatten, nicht zu
    unterschtzende finanzielle Sttzen seiner Macht. Er liess gebildete
    Juden aus Italien nach Deutschland kommen, die Kalonymos aus Lucca,
    um auf ihre roheren dort lebenden Glaubensgenossen gnstig
    einzuwirken. Gewiss lebten damals schon seit langem Juden in
    Deutschland, wenn auch verschiedene Angaben ber ihre vorchristliche
    Einwanderung zu dem Zwecke erfunden sind, um nachzuweisen, dass sie
    an der Hinrichtung Jesu unschuldig wren und um sie hierdurch gegen
    Verfolgungen zu schtzen!

Karl der Groe, der einen jdischen Leibarzt hatte, (Zedekias,) rumte
den Juden gleiche Rechte mit den Christen ein, ebenso wie sein Sohn
Ludwig, dessen Liebling, der Geistliche Bodo, zum Judentum bertrat (ein
Beweis, da das Judentum nicht gering geschtzt wurde). Erst der
Uebertritt des Kaplans Wecelinus zum Judentum am Anfang des
XI. Jahrhunderts und dessen Angriff auf das Christentum brachten Kaiser
Heinrich II., der mehr Mnch als Monarch war, in das Lager der sich
mehrenden Judengegner und inhibierten das friedliche Zusammenleben von
Juden und Christen. Hatten diese nach der Historia Francorum noch im
Jahre 585 in Orleans dem Knig in hebrischer Sprache Huldigungslieder
gesungen, so treffen wir zum Ausgang dieser Periode jdische Minnesnger
in deutscher Sprache, deren bekanntester Jud Skind von Trimberg
gewesen sein mochte, von dem uns die Mnchener Staatsbibliothek Lieder
aufbewahrte. Der Regensburger Jude Liwa unternahm im 13. Jahrhundert
die Uebersetzung der Geschichte des Knig David.

Verschiedene erlassene Gesetze und Aufzeichnungen versuchen die
Vermischung mit der brigen Bevlkerung aufzuhalten und beweisen diese
Epoche als Zeit der Assimilation, die durch die Kreuzzge unterbrochen
wird. In ihrer Folge fhren die absolute Abschlieung der Juden in
eigene Stadtbezirke, (in die Ghetti), die besondere Bekleidung (der
Judenhut und der gelbe Judenfleck) und andere Maregeln eine scharfe
Absonderung der Juden kulturell, beruflich und territorial herbei. Die
Hauptmasse der Juden aus Deutschland wurde nach Polen abgedrngt, wo sie
die deutsche Mundart, die sie aus dem Rheinland mit sich nahmen, zum
Jdisch-Deutsch entwickelten. Bevlkerungspolitisch interessant ist die
Bemerkung eines Berichterstatters (zitiert bei J. $Elbogen$,
Bevlkerungspolitik im alten Judentum, Gemeindeblatt d. J. Gem. Berlin,
12. Mrz 1920,) da es damals in Polen keine armen unverheirateten
Mdchen unter 18 Jahren gab. In Deutschland wird es hnlich gewesen
sein. Die von hier zurcksickernden Elemente verstrkten die in
Deutschland von Ort zu Ort vertriebenen Juden und gaben ihnen das
Jdisch-Deutsch, das wir als die Sprache der deutschen Judengemeinden
von ca. 1400-1800 antreffen. Die Memoiren des Ascher Levy und der Glckel
von Hameln, die jdischen Privatbriefe aus den Jahren 1619 u. a.
beleuchten die Verhltnisse jener Zeiten.

Die deutsche Judenheit wurde mit wenig Ausnahmen bis an das Ende des
18. Jahrhunderts von der jdischen Kultur beherrscht. Sie ging auf im
Studium hebrischer Schriftwerke und nahm den strksten Anteil an allen
Ideen und Vorgngen des Lebens des jdischen Volkes. Die Hoffnung auf
den Messias, die insbesondere in den Zeiten nach dem Friedenschlu zu
Mnster die Juden erschtterte, hat sie noch lange Zeit spter (siehe
auch Jakob Wassermanns Juden von Zirndorf) aufs lebhafteste erregt.
Wirtschaftlich befaten sich die Juden ausschlielich mit dem Handel. Im
eigenen Kreis richteten sie sich nach ihren eigenen Gesetzen. Der
Schulchan-Aruch, das brgerliche Gesetzbuch der Juden, hatte ber alle
seine Macht und wer Mitglied der Gemeinde sein wollte, mute auch sein
privates Leben dem jdischen Gesetz anpassen. Die Macht ihrer religisen
Gemeinschaft und ihrer Organisation war eine so straffe, da sich
Absplitternde nur schwer im Leben zurecht fanden. Der persnliche
Zusammenhang, der kleine Spielraum, den das Ghetto lie, frderte den
Einflu aller Vorstellungen, aller Volkssitten und Gebruche. Es darf
uns daher nicht verwundern, da alle religisen Forderungen bei der
seelischen Primitivitt, insbesondere des Sexuallebens ein beraus
ursprngliches und naturwchsiges Darin-Aufgehen fanden, so da gleich
beim Eintritt der ersten Reife Knaben mit kindlichen Mdchen verheiratet
wurden. Dem Ablauf der Fruchtbarkeit fiel niemand in den Arm und diese
mglichst starke Vermehrung war gewissermaen eine Notwendigkeit. Die
stndigen Massakers und die Volkstaufen, die Ghettoluft mit ihren
Miasmen, mit den hufigen Todesfllen an Typhus, Fleckfieber, an Pocken,
Pest, Cholera, an Influenza und an anderen Infektionskrankheiten
verlangten eine mglichst starke Vermehrung, da nur durch diese die
Erhaltung der Art gewhrleistet werden konnte. Die Ziffern $Hanauer's$
ber die Sterblichkeit der Frankfurter Juden, erschienen mir frher
unwahrscheinlich gro. Sie sind aber durch die unsglich ungesunden,
unhygienischen Verhltnisse der mittelalterlichen Stadt erklrlich, von
denen unter anderem $Gottstein$ nachwies, da die Bevlkerung der Stdte
in wenigen Generationen ausstarb und da die Existenz einer
Einwohnerschaft nur durch den Zuzug vom Lande gesichert wurde.
Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, da die Zahl der Juden
in der ganzen Welt zum Ausgang des Mittelalters mit nur einer halben
Million veranschlagt, whrend sie heute mit ungefhr 14 Millionen
gemessen wird.[7]

Das Ende des 18. Jahrhunderts stand wesentlich unter dem Einflu der
franzsischen Philosophen und Staatsrte, unter den Manahmen der
aufgeklrten Frsten, Friedrich II. und Joseph II., und der Gedankenwelt
eines Lessing und Schillers.

Insbesondere wurde durch die Erschtterungen der franzsischen
Revolution in den Beziehungen der Menschen zu einander eine ungeahnte
Umwlzung hervorgebracht, die die starken Scheidewnde zwischen der
jdischen und nichtjdischen Bevlkerung niederri. Mendelssohn und
seine Nachfolger drngten die ausschlieliche Beschftigung der Juden
mit ihrer Nationalliteratur zurck, bekmpften die Erhaltung der eigenen
Mundart und sorgten fr die Eingliederung der Juden in alle deutsche
Kulturkreise. Die Zeit der deutschen Erneuerung unter Stein und
Hardenberg, die franzsische Verwaltung in Westdeutschland wie die
Freiheitskriege, bedingten eine politische Befreiung des jdischen
Elementes. Aber erst die Revolution von 1848 und letztmalig die Reformen
der 60er Jahre verhieen den Juden offiziell alle Rechte, wenn auch
viele nur auf dem Papier standen. Gleichwohl, der deutsche Jude fand
Wege zum Eintritt in die Oeffentlichkeit, in die Umgebung. Die
ausschlielich jdischen Interessensphren wurden gesprengt. Politische,
wirtschaftliche und kulturelle Ideen der Umwelt lockten den Juden zur
Anteilnahme. Die jdische Nationalitt erfuhr mit ihrer ausgeprgten
vlkischen Religionsverfassung eine Umnderung zu einer
Religionsgemeinschaft. An die Stelle bindender Gesetze traten
verstandesmig gehaltene, allgemeine ethische Prinzipien. Eine nie
gekannte Verwirrung ber das Wesen der jdischen Religion setzte ein.
Hundertfach schillerte die jdische Religion. Sabbathheiligung,
Speisegesetze, viele der Feste und Feiern verloren an Glanz und Macht
ber die Seelen des Volkes. Und auch die Richtlinien der Theologen,
Rabbiner und Vorkmpfer eines liberalen Judentums konnten den religisen
Bau nicht neu verankern. Als $Gemeingut$ aller, als bindendes Band blieb
eine an fast keine Form gebundene Weltanschauung, eine theistische
Ueberzeugung, wie wir sie bei ganz liberalen Christen und in Kreisen der
ethischen Kultur finden. Gegen diese rationalistischen Juden traten die
gesetzestreuen immer mehr in den Hintergrund. Wohl erzeugte der in den
80er Jahren einsetzende Antisemitismus einen neuen Zusammenschlu vieler
freisinnigen Elemente. Er ist der Vater fast aller modernen jdischen
Organisationen und verhalf letzten Endes der national-jdischen Bewegung
zur Blte. Auerdem belebten die Eigenheit der jdischen Namen und die
religise Katasterbildung, wie sie der deutsche Staat bis vor kurzem
liebte, die Erinnerung an das Vaterhaus und die alten Sitten! Die
aktivierenden Krfte, welche das Fortbestehen der jdischen Eigenart
frderten, beruhen hauptschlich in:

1. Der Tatsache eines unterschiedlichen Typus, welche das Aufgehen der
Juden rein krperlich in ihrer Umgebung erschwert.

2. Der Erziehung in der Ideenwelt der jdischen Religion, die
Heranwachsende mit den Gefhlen der Beharrung ausfllte.

3. In der Einwirkung des Elternhauses und der Literaturerzeugnisse,
welche eine gewisse historische Kenntnis und eine seelische Gebundenheit
ans Judentum verursacht; endlich des Einflusses der Organisationen,
welche die Individuen und die Vereine an die Gemeinschaft ketten.

4. In den Ausstrahlungen des familiren Zusammenhanges, der aus der
Inzucht entspringt, die es als selbstverstndlich erscheinen lt, da
Ehen nur unter den Shnen und Tchtern Israels geschlossen werden.

Die Entkleidung der jdischen Religion von vielem ihrer Eigenart, die
Aufgabe der jdischen Schulen, das Eindrngen in andere Kreise sind
unbewute Empfindungen und Tendenzen, welche das Assimilationsbegehren
strken. Anderseits fhrt Beharrungsgefhl, religis und nationales
Empfinden zum Judentum zurck. Dieser Kampf um die Erhaltung der
Eigenart drckt der deutschen Judenheit den Stempel auf, er lt sich in
nuce in vielen der Geschehnisse als die eigentliche Triebfeder erweisen;
oft nur erahnen.

Die Abkehr von dem naiven Typus des Judentums, vom religis verankerten
Volkstum[8] zu einer losen Glaubensgemeinschaft, die ihre nationalen
Wnsche und Interessen nicht mehr in der eigenen Mitte zu finden und zu
lsen wnscht, hat die Judenheit Deutschlands in eine neue Situation
gebracht. Die deutschen Juden unterstehen in ihrer Majoritt nicht mehr
den alten Sexual- und Lebensgesetzen des Judentums, sondern den
Einflssen, welche die allgemeinen Verhltnisse Deutschlands bedingen,
vermehrt oder vermindert durch retardierende jdische Momente. Unter
diesen Gesichtspunkten ist auch ihre Entwicklung zu betrachten. --




KAPITEL III.

DIE BEVLKERUNGSENTWICKLUNG IM REICH.


Preuen einverleibte sich bekanntlich polnische Gebietsteile zum Ausgang
des XVIII. Jahrhunderts und beschenkte sich dadurch selbst mit einer
groen Zahl jdischer Untertanen. Die Stimmung der Regierung war seit
Jahrhunderten nicht gerade judenfreundlich[9]. Und einer der ersten
Erlasse an die Juden der neuen Gebiete war die Ausweisungsordre an die
unglcklichen jdischen Bewohner des Netzedistriktes. Das Edikt wurde
nicht inhibiert wegen seiner Brutalitt, wonach alte Gemeinden mit einem
Federstrich von den Usurpatoren einfach vernichtet und ihre Mitglieder
in die Fremde gestoen wurden, sondern aus dem einfachen Grund, weil
sich aus ihrer Vertreibung zu starke wirtschaftliche Schdigungen
ergeben htten. Die durch das Gesetz beengte Freizgigkeit drngte die
Juden im Osten sowohl wie in den kleinen Orten Sd- und
Mitteldeutschlands zusammen und veranlate einen Teil des Ueberschusses
zur Auswanderung. Die Angleichung der wohlhabenden Kreise an das
deutsche Kulturleben, der immer strker werdende liberale und
demokratische Gedanke frderten schlielich ihre volle Emanzipation.
Mhselige Kmpfe, die in der friederizianischen und napoleonischen Zeit
begonnen, hatten sie in der Mitte der 60 er Jahre so weit gefrdert, da
alle negativen Bestimmungen, alle Ausnahmegesetze, alle Beschrnkungen
fielen. Gewisse Vorteile, die mit dem Militrdienst, mit ffentlichen
Aemtern und Wrden verknpft waren, blieben den Juden, abgesehen von
Ausnahmefllen, vorenthalten. Neben der Emanzipation veranlate ein
inneres Moment die Umgruppierung der Juden. Im Zeitalter der Postkutsche
konnte der Handel in kleinen Orten fast ebenso florieren wie in den
damals auch nicht berragenden Hauptstdten. Die neuen Schienenwege
schufen Industrie- und Handelszentren, die nicht nur neue Mglichkeiten
erschlossen, sondern auch die alten Betriebe in den abseits von den
Verkehrspunkten gelegenen Orten zur Uebersiedelung in die aufblhenden
Grostdte zwangen, die die sich zusammenballenden Massen in den Drfern
und Mrkten und das von der starken Fruchtbarkeit gelieferte Heer
Jugendlicher die Stdte berfluten lie. Daher resultierte die
pltzliche Einwanderung in die Grostdte und strkte die
judenfeindliche Stimmung. Der Antisemitismus der 80er Jahre ist wohl die
politische Reaktion auf die Herrschaft des Liberalismus, der auf die
Dauer mit dem Bismarckschen Junkertum nicht harmonieren konnte, auf die
soziale Not, die durch den mangelhaften Schutz des wirtschaftlich
Schwcheren, bei den nichtjdischen Massen viel strker in Erscheinung
trat und von den Juden, die sich des Kapitals zu bemchtigen schienen,
herzurhren gedeutet wurde. Der fleiige, auffassungsfhige Jude kam
wirtschaftlich empor. Trotz des starken Zuzuges nichtjdischer Kreise in
die Hauptstdte, trotz der Abwanderung der Juden ins Ausland, nimmt bis
ans Ende des vorigen Jahrhunderts der stdtische und grostdtische
Anteil der Juden gewaltig zu und fhrt zur Verjudung der Stdte. Ihre
intensive Bettigung im Wirtschaftsleben besonders im Zwischenhandel,
ihre Beweglichkeit, ihr starker Individualismus, ihr Bildungsstreben und
hnliche Eigenschaften lieen sie als noch mehr erscheinen, als sie
wirklich waren.

In jener Zeit trat die Verjudung einzelner Erwerbszweige hervor. Der
Viehhandel war eine alte jdische Domne, auch das Warengeschft. Im
Getreidevertrieb dominierte lange schon die jdische Note, ebenso im
Ledergeschft. Es entstehen in jener Zeit industrielle Unternehmen, die
die Schuhfabrikation, die Konfektion, die chemische Industrie in
Deutschland gro machen. Juden beherrschen die Brse und das Bankwesen,
monopolisieren die Anwaltschaft, z. T. die Presse, die grostdtische
Aerzteschaft, die Theater, das Verlagswesen und vieles andere. Immer
neue Enklaven sucht die erfinderische Zeit aufzutun: jdischer Einflu
amerikanisiert das Kaufmannswesen (Warenhaus), merkantilisiert Zweige
der Industrie (A. E. G. -- Hapag) schafft die moderne Reklame (Mosse).
In einem demnchst erscheinenden Werke $Die Juden im deutschen
Wirtschafts- und Kulturleben$ zeige ich die berragende Bedeutung
dieses einen Prozent der deutschen Bevlkerung.

Nebenbei geht bis in die 80er Jahre eine betrchtliche
Auswanderungsbewegung, die deutsche Juden in Frankreich, England und
Amerika zu hoher Bedeutung bringt. Die Haute finance der ganzen Welt ist
z. T. made in Germany. Die Rothschilds waren die Vorlufer, die Hirsch
in Paris, Beit auf Speyer, Speyer-Ellisen, Lb, Kuhn, Warburg, Schiff,
Strau, Sachs, Guggenheim, Marschall in Wallstreet in New York haben
u. a. das Aufblhen Amerikas, wie auch $Sombart$ in seinem Werke Die
Juden und das Wirtschaftsleben anerkennt, mit bewirkt. Jdische
Wissenschaftler und Knstler hat die ganze Welt aus Deutschland bezogen.
Weit ber die Grenzen des deutschen Landes hinaus, machten sich die
Folgen der uneingeschrnkten Fruchtbarkeit geltend.

Das ist nun anders geworden.

Der Geburtenrckgang der deutschen Juden hat die Auswanderung immer mehr
eingeschrnkt. Segall hat die Auswanderung in der Zeitschrift f. Dem. u.
Stat. d. J. Bd. 5, S. 58, und Bd. 8, S. 164 der letzten Jahre beziffert.
$Dr. Wlad. W. Kaplun-Kogan$, der ein erster Kenner des jdischen
Wanderungsproblems ist, spricht von Wanderungen, die wirkungslos sind
unter den groen Gesichtspunkten. Da im Laufe der letzten 34 Jahre
10000 Juden aus Deutschland nach Amerika eingewandert sind, hat auf die
Lage der deutschen Judenheit und der deutschen Volkswirtschaft gar
keinen wesentlichen Einflu ausgebt.

Die Entwicklung der Judenheit im ganzen deutschen Reich kann erst von
1871 ab bersehen werden, da wir erst seit dieser Zeit eine
Reichsstatistik besitzen.

Es betrug die Zahl der Juden in Deutschland:

   1871     1880     1890     1900     1905     1910
  512153   561612   567884   586833   607802   615021

Bei den deutschen Juden war die Zunahme also:

  In den 70er Jahren  ca.  50000
  "   "  80er   "      "    6000
  "   "  90er   "      "   20000
      1900 bis 1910    "   30000

Jedem, der eine Statistik zu lesen vermag, fllt die geringe Zunahme in
den 80er Jahren und die pltzliche Zunahme in den 90er Jahren und gar
die noch strkere von 1900 auf 1910 auf. Leider besitzen wir keine
umfassende Ermittlung der jdischen Einwanderung in ganz Deutschland,
sondern nur einzelne Ziffern fr die Gebiete Hamburg, Sachsen, Hessen,
Berlin usw. Danach geht ganz klar hervor, da die Einwanderung 1900-1910
bestimmt ber 30000 Juden betrug, nach allen Berechnungen ca.
40000-50000, so da die Zunahme selbst unter Bercksichtigung der
Abwanderung keine eigentliche Volksvermehrung bedeutet, sondern einem
zuflligen ueren Zuwachsgewinn aus dem Osten entspricht.
Proportionell sinkt der Anteil der Juden erheblich. Wenn wir die Juden
auf 1000 Deutsche berechnen, gab es ihrer (in 0/00):

  1871   1880   1890   1900   1905   1910   1920
   125    124    115    104    100     95   (92?)

Der Anteil der Juden ging somit unter der Gesamtbevlkerung in einem
Menschenalter um 30% zurck. Der jdische Einschlag wurde um ber ein
viertel zurckgedrngt (Judenfeinde mssen diese Ziffern mit
Befriedigung lesen). $Sombart$ und andere Wirtschaftspolitiker glaubten
letzthin auch ein deutliches Zurckweichen und eine sinkende Einwirkung
der Juden im Wirtschaftsleben angezeigt zu finden. Ihre prominierende
Stellung in einzelnen Wirtschaftsformen: im Bankwesen, im Textilfach, im
Produktenhandel hat nicht nur durch die Angleichung an das brige
Wirtschaftsgetriebe zu einer Erschtterung gefhrt. Sie haben nicht mehr
die ausreichende Zahl von Individuen, um neukonomische
Existenzmglichkeiten zu erschlieen und die alten Positionen sich zu
erhalten. So ergibt der relative Rckgang der Juden im Reich bedeutsame
Perspektiven. Ein deutliches Bild gewinnen wir durch Eingehen auf die
Entwicklung in den einzelnen Bundesstaaten.

In dem inzwischen abgetretenen $Elsa-Lothringen$ gab es Juden
(detailliertere Ziffern gab ich in allen diesen Fragen in meiner ersten
Auflage dieses Buches):

  1881       39278 = 2,5%
  1911       30483 = 1,6%

Damit verlor Elsa-Lothringen 8995 = 29% seiner Juden.

$Hessen$ hatte Juden:

   1858       1905       1910
  12630      24699      24063

Es wurden Auslnder 1910 ermittelt in Offenbach 1131, Darmstadt 512,
Mainz 360. Die (1905) ermittelten 1787 auslndischen Juden erfuhren bis
1910 eine Zunahme von 715, so da ohne ihren Zuzug ein doppelt so groer
Verlust eingetreten wre. Die auslndischen Juden, die 1905 noch 7,2%
der Judenheit bildeten, waren in 5 Jahren schon 10%. Dabei hat Hessen
viele kleine Landgemeinden, deren Fruchtbarkeit wir noch berhren
werden. $Knpfel$ schlo seine Betrachtung in den Mitteilungen der gr.
hess. Zentralstelle f. d. Landesstatistik, Sondernr. 1910 mit den
vorsichtigen Worten:

    Die jdische Bevlkerung Hessens ist nicht wie die nichtjdische im
    raschen Wachstum begriffen, liefert vielmehr das Bild der
    Stagnation. Ein Hauptzeichen besteht darin, dass sie kinderarm
    geworden sind.

Das anschlieende $Baden$, das 1890 noch 27278 Juden = 1,74% auf wies,
hatte

  1905   25893 Juden = 1,29%
  1910   25896   "   = 1,21%

Leider verffentlicht Baden keine Ziffer ber den Zuzug fremder Juden.
Strker ist die Abnahme in $Wrttemberg$, wo die Juden in konstantem
Rckgang

      1880   13331 = 0,67%
  und 1910   11982 = 0,49% zhlten,

und in $Mecklenburg-Schwerin$ mit

  1880   2580 = 0,53% Juden
  1910   1413 = 0,22%   "

Selbst fr dieses kleine Land weist $Max Grnfeld$ nach, da
auslndische Juden sich niederlassen und die Abnahme der Juden aufhalten
(Zeitschrift f. Stat. u. D. d. J. 8. J. Heft 1). Von den 12 Gemeinden,
die bis 1850 noch ber 100 Juden aufwiesen, blieben nur zwei brig, die
allerdings die Hlfte der Juden an sich rissen (Rostock und Btow),
dafr wuchs die Zahl der Zwerggemeinden mit weniger als 26 Juden von 3
(1860) auf 31.

Seit 1880 verloren die Juden in einzelnen Kleinstaaten z. T. bis ber
100 Prozent.

Es hatten Juden

                  1880       1910

  $Anhalt$        1752       1382
          in %       0,93       0,42

  $Sachsen-
    Meiningen$    1627       1137
          in %       0,86       0,41

  $Oldenburg$     1654       1525
          in %       0,47       0,32

  $Lippe$         1030        780
          in %       0,93       0,45

  $Braunschweig$  1824       1757
          in %       0,39       0,36

  $Lbeck$        670        626
          in %       0,69       0.54

$Bayern$ hatte 1840 bereits 59168 Juden, von denen viele durch die
bedrckenden Ausnahmegesetze zur Auswanderung verurteilt waren. Bis Anno
1870 hatte sich ihre Zahl auf 50000 gemindert. Bis in die 90er Jahre
steigt ihre Ziffer. In der neuesten Zeit (etwa seit dem Jahre 1900) geht
die Bevlkerung wie ehedem in der Zeit der groen Auswanderung wieder
zurck.

Ihre Ziffer betrug:

  1840    1852    1871    1880    1900    1905    1910
  59168   56168   50162   53526   54928   55341   55065

Ich habe berall Erkundigung ber die Wanderung der bayrischen Juden
angestellt. Insbesondere die Mnchener, Nrnberger, Frther, Wrzburger
Juden, die knapp die Hlfte der bayrischen ausmachen, sind recht
sehaft. Allerdings besteht unter den Landjuden eine betrchtliche
Abwanderung, die aber hauptschlich in nahe liegende Stdte fhrt. Die
Zahl der Amerikafahrer ist jetzt im Gegensatz zu frheren Jahrzehnten
zusammengeschrumpft. Dagegen ist das emporblhende Bayern eine
Wanderetappe der Ostjuden geworden. Frau Dr. $Weiner-Odenheimer$ gibt in
ihrem Buch Die Berufe der Juden in Bayern eine Auszhlung der
erwerbsttigen Juden in Mnchen, von denen unter 100 geboren waren
(1907)

     in Bayern                44
  b) im brigen Deutschland   26,5
  c) im Ausland               29,5

Von der erwerbsttigen Bevlkerung im ganzen sind nur 5% im Ausland
geboren gegenber 29,5% bei den Juden! Die Tatsache der berragenden
Einwanderung geht aus der Weinerschen Arbeit klar hervor. Sie gibt sich
dann auch aus der eingehenden Statistik Bayerns zu erkennen. Es hatten
Juden

                      1895           1910

  Oberbayern          7411      11625 + 4214
  Niederbayern         240        339 +  139
  Mittelfranken      12291      14219 + 1928
  Unterfranken       14157      11925 - 2232
  Rheinpfalz         10423       8998 - 1425
  Schwaben            4286       3462 -  826
  Oberfranken         3516       2946 -  560
  Oberpfalz           1451       1395 -   86

Die Zunahme betrifft also nur Mnchen, da es auerhalb dieser Stadt
keine oberbayrischen Juden gibt und fr Mittelfranken: Nrnberg. --

Whrend in Bayern das flache Land die umliegenden Stdte mit reichlichem
Nachwuchs versorgt und kleine Orte wiederum an die greren Stdte ihre
Juden abgeben, ist $Hamburg$ ohne bedeutendes jdisches Hinterland.
Schleswig-Holstein ist selbst judenarm, ebenso wie das Elbgebiet. Wir
treffen Juden in Hamburg:

  1871    1880    1890    1900    1905    1910
  13796   16024   17877   17945   19602   19472
  4,1%    3,5%    2,9%    2,3%    2,2%    1,9%

Die Ziffern fr 1905 und 1910 schlieen 804 resp. 540 jdische
Auswanderer, die auf der Veddel (Hafen) lagen, ein. Diese mssen
abgerechnet werden, so da wir es mit 19000 Juden zu tun haben, von
denen (1910) (siehe die Zusammenstellung von $Dora Weigert$ in der
Zeitschr. f. St. u. D. 15. Jahrg.) 21,6% aus nichtdeutschen Lndern
stammten (gegenber 4,8% bei der brigen Bevlkerung). Dora Weigert
schreibt: Es war selbst in den 80er Jahren zur Zeit der grauenhaften
Judenbedrckungen von einer verstrkten russischen Einwanderung in
Hamburg nichts zu merken. Der Staat hatte Manahmen getroffen, um die
eintreffenden Flchtlinge nach England und Amerika weiter zu befrdern.
Trotz der neuesten starken ostjdischen Einwanderung, trotz eines nicht
unbetrchtlichen Zuzuges aus dem brigen Deutschland erhlt sich die
jdische Bevlkerung Hamburgs auf ihrer absoluten Hhe; im Verhltnis
zum Wachstum der brigen Bewohnerschaft ist sie aber um 100%
zurckgegangen.

Aber ein Staat in Deutschland hat eine Entwicklung seines jdischen
Bevlkerungsmassivs erfahren: In Sachsen fand man Juden[10]

  1871    1880    1890    1900    1910
  3357    6518    9368   12416   17587
  0,1%    0,2%    0,3%    0,3%    0,4%

Im Jahre 1900 wurden 5637 auslndische Juden und 1910: 10378 ermittelt.
Ohne diesen Zuzug der Ostjuden gbe es also auch keine eigene Zunahme.
Wie die schsischen jdischen Gemeinden aussehen, erkennen wir aus
Leipzig, das 1871: 731 Ostjuden und 1905: 4843 hatte, ferner Dresden
(anno 1905) 1715 Ostjuden neben 1799 in Deutschland geborenen, von denen
viele nur die Kinder der ersteren waren. Jetzt soll mehr als die Hlfte
der schsischen Juden auf die Einwanderung aus dem Osten zurckzufhren
sein.

Die brigen $Kleinstaaten$ haben eine nur unbetrchtliche jdische
Bevlkerung (z. B. Reu . L. mit 54 Juden (1900) und 44 (1910)). Nur
Bremen, das um 1900 in seiner jdischen Bevlkerung stagnierte, bekam
neuerdings (1910) einen Zuwachs von 400 Kpfen, wohl ein
Wanderungsgewinn, der sich hnlich wie in anderen Stdten hauptschlich
auf auslndische Einwanderung resp. sogar Durchwanderung zurckfhren
lassen drfte.

Trotz der Zuwanderung von Ostjuden, die fr die sddeutschen Staaten auf
10-20% der einheimischen Bevlkerung und mehr betragen, entstand eine
deutliche Stagnation resp. ein auffallender Rckgang des jdischen
Anteils.

Die sddeutschen Staaten, die zusammen 1880: 160159 zhlten, wiesen 1910
nur noch 147489 auf.

In den mitteldeutschen Kleinstaaten sind analoge Verhltnisse.

Die Juden der Hansastdte, deren allgemeine Bevlkerung sich seit 1880
durchschnittlich verdoppelte, konnten sich nur durch den
Einwanderungsgewinn der Ostjuden minimal entwickeln.

Die Zunahme der Juden in Sachsen ist durch die russische und
sterreichische Immigration erfolgt.

Somit ist abgesehen von Preuen ein Rckgang der jdischen Bevlkerung
eingetreten resp. der Zuwachs durch die auslndische Wanderungsbewegung
bedingt.


$DIE JUDEN IN PREUSSEN.$

Vor hundert Jahren (1816) hatte Preussen 123938 = 11,9 0/00 Juden, die
sich trotz des starken Abstrmens und keiner nennenswerten Einwanderung
bis 1861 verdoppelt hatten und 251145 = 13,6 0/00 ausmachten. Nach der
Einverleibung von Schleswig und der 1866 annektierten Gebiete treffen
wir 1867: 313156 Juden, die in 45 Jahren um ein schwaches Drittel
zunahmen, d. h. um 100000 Seelen, von denen 50000 in 13 Jahren bis 1880
gewonnen wurden und in den darauffolgenden 30 Jahren wiederum 50000. Es
gab ihrer

  1871:   325426 = 13,2 0/00
  1880:   363790 = 13,3 0/00
  1890:   372059 = 12,4 0/00
  1900:   392372 = 11,4 0/00
  1910:   415867 = 10,7 0/00

  In dem Jahrzehnt 1871/80  betrug die Zunahme 38400
  "   "      "     1881/90     "    "     "     8300
  "   "      "     1891/1900   "    "     "    20300
  "   "      "     1901/10     "    "     "    23500

Nach einem Rckgang in den 80er Jahren erfolgt wieder eine strkere
Bevlkerungszunahme in den nchsten Jahrzehnten. Leider besitzen wir nur
eine unvollkommene Erfassung der Einwanderung. 1880 ermittelte die
amtliche Untersuchung 11390 und 1905 38844 nichtdeutsche Israeliten.
Berlin hat folgende drei Auszhlungen veranstaltet:

Berlin ermittelte fr seinen Stadtbezirk

  1890     5077 auslndische Juden
  1900    11651      "         "
  1905    18316      "         "
  1910    fehlt!

Mit Charlottenburg und den brigen Vororten drfte Gro-Berlin bereits
1905 ca. 23000 auslndische Juden beherbergt haben. Wenn nun Segall diese
Einwanderung fr eine vorbergehende Erscheinung nimmt, so entspricht
das weder der ganzen Entwicklung, noch der Analogie in Sachsen etc.,
noch den inzwischen zur Geschichte gewordenen Tatsachen. Alle Kenner
haben die Zunahme der Ostjuden besttigt. Nachdem 1905 knapp 40000
ermittelt waren, werden es 1910 50-60000 gewesen sein, so da der
Zuwachs an preuischen Juden seit 1880 auf ihr Konto fllt; da von 1905
auf 1910 eine Zunahme von insgesamt nur 6366 jdischen Seelen in Preuen
gezhlt wurde, ist dieser Ueberschu wohl fraglos allein von dem Zuzug
der Ostjuden getragen. Ohne den Andrang vom Ausland htte die
Volkszhlung von 1910 auch fr Preuen eine Abnahme an Juden ergeben.

$Segall$ lt die Ostjuden nur in dem Pogromjahre 1904 vorbergehend
nach Berlin flchten. Das ist unrichtig. Die Industriebezirke in
Oberschlesien und Rheinland, die Grenzorte wie Knigsberg, Grostdte
und zwar Frankfurt, Hannover, Breslau etc., haben seit 20 Jahren
stndigen auslndischen Zuzug bekommen. Ein Zuzug, der in der Million
Auslnder, im Deutschen Reich (anno 1910) an sich nicht gewaltig ist,
bei der mangelhaften Fruchtbarkeit der deutschen Juden doch fr diese
ins Gewicht fllt.[11]

Der Centralverein der deutschen Staatsbrger jdischen Glaubens gab eine
Schrift Die Juden im Heere von Dr. W. Leiser heraus, in der die
auslndischen Juden auf mindestens 70000 zu Beginn des Krieges geschtzt
wurden. Nach den preuischen Ermittlungen, die 1880 10000 auslndische
Juden in Preuen ergaben, knnen damals noch keine 20000 in Deutschland
gewesen sein. $Auch darnach ist der Zuwachs der deutschen Juden seit dem
Jahre 1880 auf die Ostjdische Einwanderung zurckzufhren$.

Bereits W. Bambus hat in einem Artikel, der mir erst jetzt in die Hnde
fiel (Nr. 5 jd. Presse von 1902), berechnet, da die Volkszhlung mehr
Seelen ergab, als der Ueberschu der Geborenen ber die Ausscheidenden
betrug. Und er spricht in dem Artikel, den er bezeichnungsweise
Warnende Zeichen nannte:

    Eine ernste Prfung dieser Frage, bei der es sich um Sein oder
    Nichtsein handelt, wre wahrhaftig des Schweisses der Edlen wert und
    verdienstlicher als manche Geistesarbeit unserer Gelehrten, auf
    welche Zeit und Mhe ohne Nutzen fr die Gesamtheit verschwendet
    wird. Caveant consules!




KAPITEL IV.

$DAS WANDERUNGSPROBLEM$.

                                    _Es ist klar, dass in dem
                                    bestndigen Wechsel, dem die
                                    Judenschaft ausgesetzt war, nicht
                                    die behaglich bodenstndigen,
                                    sondern die rastlos nomadialen
                                    Elemente diejenigen waren, die sich
                                    am widerstandsfhigsten erhielten,
                                    und darum berlebten._

                                                      _Werner Sombart._


Die deutsche Judenheit sa vor einem Jahrhundert in einer Unzahl
kleiner, aber in sich geschlossener Judengemeinden des Elsa, in
Unterfranken, im Schwabenlndchen und am gesegneten Rhein. Wir trafen
Judendrfer in den drei Hessen; sporadisch finden wir jdische
Siedelungen in Thringen, Westfalen, im Hannoverschen und insbesondere
im Badischen. Die Strke dieser Gemeinschaften trat zurck gegen die
Bedeutung der Kolonien in der Ostmark, aus der immer wieder neue Strme
von jdischen Menschen hervorbrachen, und seit Jahrhunderten die
westlichen Gemeinden mit frischen jdischen Impulsen versahen. Berlin,
das zu Beginn des 19. Jahrhunderts 3000 Juden aufwies, ma sich mit
Kempen, Lissa u. a. jdischen Gemeinden. Die Assimilation in Berlin war
solange von sekundrer Bedeutung, als es hundert andere groe Gemeinden
gab, in denen man von der Assimilation kaum den Namen kannte. Die
Kleinstadt, in der die jdische Bevlkerung dominierte, war fr die
Juden von dreierlei Bedeutung:

1. Sie bot eine gleichmige soziale Verteilung auf verschiedene
Berufe.

2. Die Nhe der Natur und das einfache Leben brachten hygienisch bessere
Verhltnisse mit als das aufreibende Milieu der Grostadt.

3. Vom $jdischen$ Gesichtspunkt. Hier entfaltete sich ein
ausgesprochenes jdisches Leben. Hier wurden die Sabbathe gehalten, die
Feste bildeten den Kulminationspunkt des Jahres, die Lebenshaltung war
eine selbstverstndlich rituelle. Taufen, Mischehen waren ebensolche
Unmglichkeiten, als sie in der Grostadt Selbstverstndlichkeiten
geworden sind.

Wie stark die Judenheit im Osten an kleinen Orten gewesen ist, lt ein
Vergleich beobachten. Es waren

       in                    1817                    1905

                            insges.    in %               in %
                    Juden    Einw.     d. B.     Juden    d. B.

  1)  Fordon[12]     1290     1972     65,4       181      6,5
  2)  Kempen[13]     2406     4588     52,4       739     11,5
  3)  Schwersenz     1091     1974     55,5       208      6,6
  4)  Cchodziesen     906     1706     51,5       300      4,7
  5)  Zempelbg.      1160     2304     50,7       393     20,3
  6)  Wreschen       1210     2414     50,1       386      6,6
  7)  Mrkisch
        Friedland    1151     2301     50         200      9,4
  8)  Hohensalza     1784     3804     46,9      1157      5
  9)  Grtz          1455     2983     48,8       250      4,4
  10) Lissa          3644     7934     46         196??    6,2
  11) Filehne        1231     2788     44,2       378
  12) Zlz           1050     2433     43,3         8      0,3
  13) Kurnick         774     1809     42,8       108      4,3

Erst die Ziffern des Jahres 1920 werden die volle Umgruppierung der
Juden ergeben, wie sie das Beispiel des Ortes Zlz angibt. Auch ohne die
Abtretung der Posenschen Provinzen an Polen wre das ursprnglich
unerschpfliche Reservoir der deutschen Juden zum Versiegen gekommen.
Noch im Jahre 1880 finden wir 100 000 Juden in den drei Ostprovinzen.
1910 gerade die Hlfte, soda ihr Anteil rasch verkmmert ist. Zwischen
1900 und 1910 verminderte sich z. B. die Judenheit in

  Kempen     um 320 Juden
  Lissa       " 359   "
  Krotoschin  " 200   "
  Samter      "  50   "

So rasch lste sich die preuische Ostjudenheit auf. Ihre ehemals
gesunde gewerbliche Struktur beschreibt N. M. $Gelber$ an den
westpreuischen Stdten des XVIII. Jahrhunderts: Durchschnittlich
finden wir in den (s. Zeitschr. f. St. d. J. 9. Jahrg. Nr. 4) genannten
Ortschaften 3-10 Brauereipchter, 2-6 Krmer, 1-10 Schneider,
1-3 Fleischer, 1-15 Krschner, 1-4 Glaser, Barbiere usw. Es scheint, da
das jdische Proletariat sehr stark vertreten war.

Die Posener Kammer erfate Gewerbetreibende im

  Jahre 1797                 jdisch   christlich
  Schneider                    923        676
  Schlosser                    238        638
  Schankwirte und Brenner       81       1048
  Barbiere                      47        163
  Musikanten                    26        126
  Bcker                        51        607

Ebenso stark waren die Juden unter den Goldschmieden, Buchbindern,
Posamentieren, Mtzenmachern, Knopfmachern und in anderen Gewerben
vertreten. Der Einflu der krperlichen Arbeit, das Leben in der kleinen
Stadt und auf dem Dorfe brachte sie in persnlichen Konnex mit der
Mutter Erde. Sowohl im Osten wie auch in Sddeutschland besaen viele
drfische Juden Land. Mit der Abwanderung vom Land geht proportional ein
Absinken der in der Landwirtschaft beschftigten Juden vor sich. Die
Verknpfung der Juden mit dem Grund und Boden wurde gerade zu Beginn des
XIX. Jahrhunderts strker, als $ihnen$ der Ankauf gesetzlich gestattet
wurde. Hufig bestellten Handwerker und Hndler, die mit Vieh, Pferden,
Getreide und mit Waren einen Teil ihres Lebensunterhaltes sich
erwarben, ihren Hof und ihr Feld und gewannen ihren Eigenbedarf, ihr
Brot und die Kartoffeln, Milch und Eier sich selbst. --

Berechnungen haben ergeben, da der deutsche Osten 1/4 Million Juden
auswandern lie, von denen wir ungefhr allein 100000 in Berlin
wiederfinden. Die Politik Deutschlands ist oft ohne Verstand gemacht
worden. Es wurde aber wenigstens Politik -- wenn auch schlechte --
gemacht. Die Judenpolitik fara da s. Was kmmerte irgend einen Minister
das jdische Ostmarkenproblem. Mochte das gesunde Volksleben der Juden
in der Ostmark ersterben, die deutschen Interessen dabei einen
empfindlichen Schlag erleiden: Ha macht blind. -- Fr die
Oeffentlichkeit und fr die Gesamtheit der Juden selbst existierte keine
jdische Frage.

Vor vielen Jahren fand die Renegatin $Fanny Lewald$, die Vielgelesene,
in ihrer Lebensgeschichte die beherzten Worte:

    In Frankreich und wohin die franzsische Herrschaft sich
    ausbreitete, waren die Juden emanzipiert. In Preussen lastete
    Unfreiheit und Verspottung auf ihnen. Es ist also natrlich, dass in
    jener Zeit sich in vielen Juden die Frage regte, ob Freiheit unter
    einem fremden Herrscher nicht der Knechtschaft unter einem
    heimischen Frstenbauer vorzuziehen sei? Und es ist nach meiner
    Meinung nie genug gewrdigt worden, wie gross die Selbstverleugnung
    und die Vaterlandsliebe der Juden gewesen ist, welche sich im Jahre
    1813 als Freiwillige den Kmpfen gegen Frankreich angeschlossen
    haben, um einem Lande seine Freiheit wieder erobern zu helfen,
    welches ihnen keine Freiheit, wohl aber Krnkungen und
    Beschrnkungen aller Art dafr zum Lohne bot.

Trotzdem ergab die Zhlung in der Provinz Posen

        Juden    mit deutscher   polnischer Muttersprache

  anno   1900        35011                176
         1905        30036                 70
         1910        26444                 22

Der Rckgang der Juden im Osten stellte somit einen Verlust fr den
deutschen Volksteil dar. $Swart$, einer der besten Kenner dieser Frage
betont: Die Juden haben in der Provinz Posen berall die deutsche
Muttersprache und gehren kulturell und politisch zu den Deutschen ...
Solange die Juden, schrieb Leo $Wegener$, einen groen Teil der
stdtischen Bevlkerung ausmachten, waren sie nicht nur in den Zweigen
des Handels, sondern auch in denen des Handwerks zu finden und lieen
kein polnisches Handwerk aufkommen. $Bernhard$ unterstrich die
Bedeutung des jdischen Elements fr die Loyalitt der Ostprovinzen und
spricht den Auswanderern einen proletarischen Charakter zu, da sie meist
ein Handwerk erlernt htten. An einer anderen Stelle nennt Bernhard die
in den letzten 20 Jahren emporgekommenen Organisationsformen der Polen,
die Banken, Einkaufs-, Verkaufsgenossenschaften, Berufsvereine die
Mittel, die ein polnisches Gemeinwesen schufen und zur Erttung des
deutschen und jdischen Einflusses fhrten. Sogar die amtliche
Denkschrift 20 Jahre deutsche Kulturarbeit bringt den Rckgang des
Deutschtums ausschliesslich mit der Abwanderung der Juden zusammen und
in der im Auftrag des Vereins zur Sozialpolitik gefertigten Studie steht
der vom Brgermeister Zitzlaff von Marienwerder formulierte Satz: Man
kann ber den nationalen Wert der Juden denken wie man will, jedenfalls
ist die Abwanderung als Verlust auf deutscher Seite zu buchen.

Ein jdischer Autor ($Kassel$) fhrt die Ursache weiter aus: Wurden die
Juden heute verhhnt, so wurden sie morgen abgestoen. Bei dem Hin- und
Herstoen wurden die Juden jedoch wirr- und planlos, was sich durch den
Mangel an jeder Organisation unter ihnen schlielich bis in die heutige
Zeit hinein fhlbar machte. Hinzu kam, da die Juden den christlich
deutschen Kulturtrgern eine billige Gelegenheit boten, den Aerger ber
das Miglcken aller anti-polnischen Maregeln an einem geduldigen
Prgelknaben auszulassen ... Lautete die Losung fr die Ostjuden
Auswandern und Aussterben,[14] so ist jetzt die Frage gelst. Die
letzten Reste der ostdeutschen Juden strmen im Jahre 1920 nach Berlin
und von einigen Nachzglern abgesehen, existieren im Osten nur noch
Trmmer von kleinen Siedelungen. Mit der antisemitischen Politik hat
Preuen die Juden zwar aus dem Osten vertrieben, selbst aber dazu
beigetragen, das Polentum zu strken und ihren Abfall begnstigt.[15]

Ebenso bedeutsam ist die Verstdtichung, die Ueberfhrung der Dorf- und
Kleinstadtjuden in die Grostdte. Viele Ziffern illustrieren diese
Umstellung. Es waren z. B. in Preuen in Orten mit weniger als 20000
Einwohnern Juden:

      1895     1900     1910     1920
     160106   141736   117881    80000??
  in % d. Juden
      42,2     36,1     28,4     18??

dagegen in Grostdten:

        164110   193204   247518   300000??
  in %   43,2     49,3     59,5     72,0??

Mindestens 3/4 der preuischen Juden drften 1920 in den Grostdten
leben, wahrscheinlich 50% allein in Berlin, das 1910 schon ber 1/3
beherbergte.

$Das Tempo, in dem sich dieser Umzug vollzieht, ist
Exprezugsgeschwindigkeit$. Bei der nichtjdischen Bevlkerung bleibt
die Masse der lndlichen Bevlkerung ungefhr konstant, die kleinen Orte
vermehren sich, wenn auch der grte Teil der Volksvermehrung den
Hauptstdten zugute kommt. Man kann aber nicht von einer Dezimierung
des flachen Landes und der Kleinstadt sprechen. Bei den Juden entstand
aber eine Auflsung der Dorfgemeinden und der Landstdte. Allein in der
kurzen Frist von 5 $Jahren$ nderte sich die Bevlkerungszahl der Juden
in

                                1900      1905
  (Westpreuen): Zempelburg      792       393
  (Posen): Schrimm               593       396
  (Brandenburg): Landsberg       568       479

In Bayern waren in unmittelbaren, d. h. greren Stdten Juden

         1875   1900   1905   1920
  in %   31,6    50     60     70?

auf dem Lande

            1840   1895   1905   1920
           51097  24065  15053  10000?

  in % d. J.
            86,2   41,8   27,2    18?

Durch das Abfluten der Dorfjuden sollte man meinen, wrde sich die Zahl
der Juden in den Stdten vermehren; dem ist aber nicht so. Es gab zu
Beginn unseres Jahrhunderts ber 70 Stdte in Preuen, die mehr als 500
Juden zhlten. Von diesen verloren 1900-1910 an Juden:

   1. Hohensalza      440
   2. Gnesen          391
   3. Posen           382
   4. Lissa           359
   5. Stettin         371
   6. Gleiwitz        298
   7. Beuthen         204
   8. Krotoschin ca.  200
   9. Ratibor         187
  10. Oppeln          161
  11. Altona          182
  12. Glogau          147
  13. Schneidemhl    155
  14. Thorn           161
  15. Rogasen         150
  16. Breslau         144
  17. Danzig          170
  18. Bromberg        170
  19. Liegnitz        132
  20. Memel           114
                     ----
                     4518
  21. Frankfurt O.    121
  22. Tilsit          102
  23. Stolp            98
  24. Ostrowo          78
  25. Mlheim          41
  26. Grlitz          41
  27. Krefeld          67
  28. Trier            72
  29. Graudenz        113
  30. Magdeburg        82
  31. Kreuznach        54
  32. Samter           50
  33. Schnlanke       50
  34. Halberstadt      28
  35. Hanau            20
  36. Hildesheim       20
  37. Knigshtte      24
  38. Aachen           17
  39. Bochum           10
  40. Eschwege         13
                     ----
                     1101

Auerdem schieden aus der Reihe der Grogemeinden mit ber 500 jdischen
Gemeindemitgliedern aus im Jahre 1905 resp. 1910: 41. Czarnikau,
42. Rawitsch, 43. Myslowitz, 44. Coblenz, 45. St. Johann, 46.
Zempelburg, 47. Krotoschin, 48. Landsberg a. W. Ueber 500 Juden hatten
neu 1900/10 nur vier Orte (also nur die Hlfte der Ausfallenden), Hagen,
Zabrze, Marburg, Kattowitz. Insgesamt nahmen in ihrer absoluten Zahl ca.
24 Grogemeinden Preuens in ihrer Bevlkerung zu und in 48 -- das ist
die doppelte Zahl -- ging die jdische Einwohnerschaft zurck. Die
Zersetzung der kleinen Gemeinden hier anzufhren, ist leider zur Zeit
wegen Platzmangels unmglich.

Es handelt sich um die Grogemeinden. Wir finden die niedergehenden
jdischen Grogemeinden in Stdten mit ber 100000 Einwohnern, wie
Danzig, Stettin, Posen, Krefeld, Altona, sodann von bedeutenden
Industriezentren Beuthen, Bochum, Knigshtte, Magdeburg, Grlitz,
Mlheim und Breslau, das Zentrum der schlesischen Juden. Insgesamt
verloren in nur 10 Jahren allein 40 der judenreichsten $Stdte$ ber
6000 ihrer Seelen.

Nun sollte man in den restlichen 24 Stdten einen groen
Zuwanderungsgewinn vermuten, der die Juden ber ihr Verhltnis strkte;
das gerade Gegenteil $ist richtig$. Trotz des Zuzugs vom Lande, der
Kleinstadt, der zu erwartenden eigenen Vermehrung und der auslndischen
Einwanderung, ist auch hier $ein relativer Rckgang der Juden$ in der
Bevlkerung eingetreten.

Es waren Juden unter 100 der Bevlkerung in

                          1900         1910

   1. Frankfurt a. M.      7,6          6,3
   2. Kln                 2,6          2,4
   3. Knigsberg           2,1          1,9
   4. Wiesbaden            3,5          2,5
   5. Kassel               2,3          1,8
   6. Essen                1,1          0,9
   7. Dortmund             1,4          1,2
   8. Bonn                 1,7          1,4
   9. Mnster              0,8          0,7
  10. Duisburg             0,9          0,7
  11. Gelsenkirchen        2,2          0,7
  12. Bielefeld            1,3          1,1
  13. Emden                4,6          3,5
  14. Erfurt               0,8          0,7
  15. Kattowitz            7,1          6,9
  16. Hannover             1,9          1,7
  17. Hagen
  18. Zabrze
  19. Marburg              2,55         2,37
  20. Dsseldorf           1,14[16]     1,11

Bei einer Reihe von ihnen zeigt sich in 10 Jahren eine relative Abnahme
der jdischen Bevlkerung von 20-40%. Handelt es sich auch stellenweise
um Orte, die durch Eingemeindung rasch anschwellen, die Tatsache bleibt
dieselbe. Die kolossale Abnahme der Landbevlkerung hat zu keiner
Vermehrung des jdischen Anteils in den Stdten gefhrt. Nur ein Ort in
Preuen konnte sich von 1900 bis 1910 den gleichen prozentualen Stand
der Juden wahren. Nmlich Mnchen-Gladbach 1900 und 1910 = 1,26%.

Eine relative Zunahme finden wir in zwei Orten, in Fulda und Elberfeld,
und selbst bei diesen beiden Orten ist der prozentuale Zuwachs minimal.

  Fulda       1900 : 1910   4,0 : 4,25 % der Bevlkerung
  Elberfeld     "  :   "   1,06 : 1,13 %  "     "

Wir haben bis jetzt der Entwicklung von Gro-Berlin noch nicht gedacht.
Die verschiedenen Vororte von Berlin bilden bekanntlich mit der alten
Hauptstadt lngst ein organisches Ganze. Gro-Berlin insgesamt
zhlte[17] im Jahre 1900 4,35% Juden und 1910 nur noch 4,05% oder um ca.
7,5% weniger.

Die jdischen Gemeinden in Deutschland haben sich somit relativ berall
und selbst in den Grostdten und Industriecentren vermindert. Hier sank
durchschnittlich der jdische Anteil um 25%. In der Hlfte der
Gro-Gemeinden trat auch eine absolute Abnahme der Bevlkerung ein, so
da ein Teil von ihnen zur baldigen Bedeutungslosigkeit verurteilt ist.
Dieser Prozess ist keine auf Preuen beschrnkte Erscheinung. Wir finden
analoge Verhltnisse in den brigen deutschen Staaten:

  in Hessen: Mainz      3104 (1900)       2906 (1910)
  im Elsa: Mlhausen   2466    "         2287    "
  in Braunschweig:
     Braunschweig:       861    "          720    "

In Bayern hatten eine Abnahme

  Frth                 3017      auf     2826
  Wrzburg              2567       "      2514
  Kaiserslautern         741       "       726
  Landau                 874       "       785
  Regensburg             571       "       493
  Speyer                 520       "       478

Bamberg blieb seit 1880 stationr.

Die Volksverschiebung und Konglomeration gibt die Entwicklung der
einzelnen Provinzen wieder: Es hatten Juden

                              1880        1910

  Ostpreuen                  18218       13027
  Westpreuen                 26547       13954
  Pommern                     13886        8862
  Posen                       56603       26512
  Schlesien                   52682       44985
  Schleswig-Holst.             3522        3343
  Sachsen                      6700        7833
  Hannover                    14790       15545
  Westfalen                   18810       21036
  Hessen-Nassau               41316       51781
  Rheinland                   43694       57287
  Berlin und Brandenburg      66245      151298

$Die Provinzen Ost- und Westpreuen, Pommern, Posen, Schlesien und
Schleswig verloren seit 1880 bis 1910 somit neben ihrem
Geburtenberschu an ihrer absoluten Ziffer den dritten Teil$ (= 60000
$Juden$). Auf der anderen Seite hatten die brigen Provinzen einen
Gewinn von 113000, der sich in folgender Weise verteilte:

Berlin-Brandenburg gewann 85000 Juden,[18] die Rheinlande 14500,
Hessen-Nassau ber 10000, Westfalen 2000, Sachsen und Hannover je 1000.

Damit beteiligten sich an der Volksvermehrung der deutschen Juden Berlin
mit 75%, die Rheinlande mit 13%, Westfalen, Sachsen und Hannover mit
etwas ber 3%.

Wohnten von hundert preuischen Juden 1880 noch 46% im Osten, so waren
es 1910 25,8%. (Im Jahre 1817 wurden im damaligen Preuen 127345 Juden
angetroffen, von denen 41% = 52568 $allein$ in Posen ansssig waren,
gegenber 6% im Jahre 1910).

Die Zunahme betrug

       in         1905 gegen 1900      1910 gegen 1905

  Hessen Nassau         1911                  1675
  Rheinland             3157                  1879

Davon gewann Kln (in den Rheinlanden) 1900 auf 1905 allein 1300 Juden,
Frankfurt in derselben Zeit 1500. Auch diese Provinzialstatistik zeigt,
da die Zunahme der Juden nur die bekannten Immigrationspunkte der
Ostjuden berhrt.

Von den 150000 Juden in Brandenburg und Berlin wohnten 144000 in
Gro-Berlin, $somit ebenso viele Juden in Berlin, als in folgenden
Provinzen zusammen: nmlich in Posen, Westpreuen, Ostpreuen, Pommern,
Schlesien, Schleswig-Holstein, Sachsen und Hannover$. Eine Volkszhlung
um 1920 wird durch die erneute Umgruppierung und bei der Zunahme fr
Berlin hierfr ebensoviel Juden ergeben, wie fr das brige ganze
Preuen. Nehmen wir die zehn grten Judengemeinden Preuens zu Berlin,
so umfassen die paar Gemeinden ber 2/3 aller Juden Preuens! --

Auch fr die Bevlkerung existiert das Grostadtproblem. Gleichwohl
verfgt Deutschland ber eine bedeutende sich gleich bleibende
Landbevlkerung, die ihren Geburtenberschu auf kleine und Grostdte
verteilt. Immerhin nehmen im Reiche kleinere und grere Orte an
Bevlkerung zu. Das jdische Problem kann aber in ihren Tendenzen
soziologisch in die Worte gekleidet werden, da es sich um eine vllige
Entvlkerung des Landes und um eine Volkswanderung in wenige
Hauptstdte, insbesondere Berlin, handelt.

    Der nivellierende und teilweise abstumpfende Einfluss, schreibt
    Paul Drey am Schlsse seiner Juden in Stadt und Land, Berlin 1906,
    stdtischen Lebens macht sich aber in der ganzen Lebenshaltung
    auch in religisen Anschauungen geltend. Mit den bewegenden Ideen
    der modernen Kultur und durch die Besserung der wirtschaftlichen
    Lage schwinden manche mitgebrachten religisen Vorstellungen,
    vollzieht sich langsam eine Entfremdung gegenber dem ererbten
    Bekenntnis.

Auch kein orthodoxer Jude kann bestreiten, da das grostdtische
Wirtschaftsleben der strkste Feind der Sabbathheiligung ist, da die
breiten Massen in ihrer jdischen Lebensweise durch die Einflsse der
Grostdte einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt sind. Wir wollen
die allgemeinen Nachteile und die Schdigungen fr das Judentum sondern
und auseinanderhalten. Die allgemeinen Grostadtprobleme sind in der
medizinischen und nationalkonomischen Literatur hufig behandelt.
O. $Amon$ und $Roese$ haben der Grostadtbevlkerung nachgesagt, da sie
rasch ausstirbt. Roese hat den Beweis an Dresden erbracht, Stubenluft,
Alkoholismus, kalkarme Nahrung sind die Totengrber. Ich selbst konnte
in meinem sterilen Berlin die gewaltige Ehe- bezw. Kinderlosigkeit und
Kinderarmut der Grostadtbevlkerung in ihrer noch nicht abgeschlossenen
Entwicklung darlegen. $Woltman$ hat auf die Bedeutung der Reservekrfte
hingewiesen, die in gesunder Lebensanschauung und Lebensfhrung auf dem
Lande gelegen sind. $Dade$ hat den minder physiologischen Wert der
Berliner Bevlkerung aufgedeckt. Ferner sei an die $Westergaardschen$
Spezialuntersuchungen erinnert. Nur grozgiges Erfassen kann diese
volksgesundheitlichen Schdigungen feststellen und ihre Wurzeln
blolegen (Gesetz von Ursache und Wirkung); denn die Vlker verfaulen,
wie $Dode$ meint, ohne da sie es merken.

       *       *       *       *       *

$Napoleone Colajanni$ hat in seinem Werke Latini e Anglosassoni gezeigt,
da der Verfall der Nationen begann, ehe er nach auen deutlich wurde.
Dem moralischen Rckgang soll der geistige und wissenschaftliche
folgen.

Die Generation, die heute in den Stdten wohnt, ist grtenteils noch
auf dem Lande geboren, zum mindesten stammen die Eltern oder Groeltern
vom Dorfe. Der Jude des platten Landes war ein Muster an Einfachheit.
Sein Leben war ein natrliches, von keinerlei Ueberkultur beleckt.
Ttigkeit und Aufenthalt brachten die Ausbung rein physischer Arbeit
mit sich. Der einfache, religise, mige Jude stellte ein Kapitel
Volksgesundheit dar.

Da ihre ersten Nachkommen noch von deren zhen Lebenskraft zehren,
erscheint selbstverstndlich. Die Urwchsigkeit kann sich aber
erschpfen. Die Geschichte gibt Beweise des Niederganges tchtiger
Rassen. An den Adelsgeschlechtern der ganzen Kulturwelt ist
nachgewiesen, da nur das Einstrmen bislang Namenloser die Kaste vor
dem Verfall bewahrt hat.

Die Schattenseiten der Grostdte gelangen bei der Mehrzahl der
preuischen Juden vorerst noch nicht voll zur Erscheinung. Erst in der
Descendenz der Zugewanderten machen sich die Einflsse der
grostdtischen Sitten und Verhltnisse frei geltend. Ist nun der Zug
nach Berlin nur eine vorbergehende Erscheinung und ein durch
Zuflligkeiten bedingtes Ereignis, das morgen einem pltzlichen Abbruch
unterliegt? Es gehrt ein groer Mangel an sozialem Verstndnis dazu,
diese organische, zu einem Orkan anwachsende Volksbewegung fr eine
Zuflligkeit zu halten. Diese Verschiebung in den Wohnsitzen der Juden
in Deutschland bedingen hauptschlich folgende Ursachen:

    1. Im jdischen Volkscharakter liegt das Streben nach Geselligkeit.
    Wie ein Schmetterling, der um das Licht herumflattert, so sucht der
    Jude mit seinem sensitiven nervsen Charakter die Reize der
    Grostadt. Ihn locken die Sttten der materiellen und geistigen
    Gensse. Der geistige und konomische Aufstieg der ersten Emigranten
    wirkt anreizend auf die zurckbleibenden.

    2. Seit Jahrtausenden hat der Jude eine Vorliebe fr geistige
    Beschftigung. Bei keinem anderen Volk wurde das Studium so
    kultiviert und hochgehalten. Die Universitt, hohe Schulen, die
    Akademien ziehen die Schler und ebenfalls die um ihr Fortkommen
    besorgten Familien an.

    3. Der Kaufmann findet das vielfltigste Bettigungsfeld in der
    Grostadt. Mit Recht fhrt der stellungslose Kaufmann dorthin, wo er
    berhaupt leichter (und als Jude besonders) Arbeit findet.

    4. Da der Jude seltener Grund und Boden besitzt, und, wo es der Fall
    ist, mit ihm nicht sehr lange verwoben ist, so lst er sich von
    seiner Heimat leichter wie der bodenstndige deutsche Bauer[19].
    Umsomehr als der Jude erst seit 100 Jahren Land erwerben durfte und
    gerade in dieser Zeit die auslndischen Agrar-Produkte die Arbeit
    der deutschen Landwirte unterboten. Die Zukunft der deutschen
    Landwirtschaft sah wenig rosig aus. Selbst die Nachkommen der alt
    eingesessenen Bauern, die nichts anderes gesehen und gelernt hatten,
    wandten sich anderen Berufen zu. Und nur aus Sport oder Liebhaberei
    steckten einige Reiche neues Geld in Grund und Boden. Trotz der
    kolossalen Volksvermehrung Deutschlands nahm die Landwirtschaft
    nicht zu. Und auch vom goldenen Boden des Handwerkerstandes war kein
    Schimmer. Die, welche die Berufsumschichtung der Juden mit zu
    geringen Mitteln ohne staatliches Verstndnis und Hilfe betrieben,
    erlitten Schiffbruch. Nicht nur aus seelischen Einstellungen mute
    der Jude sein Fortkommen im aufblhenden Handel suchen. Es wre
    daher ein Wunder, wenn die Berufsstellung der Juden sich anders
    eingestellt htte, als wir sie historisch erfassen.

    5. In der Grostadt verschwindet der Jude. Der antisemitische Geist
    der Kleinstadt kann ihm hier nichts anhaben, im Gegenteil, in Berlin
    z. B. gilt sogar der Jude etwas. Eine Zurcksetzung im ffentlichen
    Leben, insbesondere in den groen kaufmnnischen
    Organisationsformen, ist hier weniger zu spren als in der
    Kleinstadt, in der der Jude immer um seine Anerkennung ringen mu.
    Eine Reihe von hnlichen und prdisponierenden Momenten, die
    Herrschaft des demokratischen und sozialistischen Gedankens in der
    Grostadt gegenber der konservativ-klerikalen Cliquenherrschaft,
    gegenber den fhlbaren Einflssen des Junkertums auf dem Lande und
    vieles andere lassen den Proze, der einmal in Flu gekommen ist,
    nicht so rasch mehr zum Stillstand kommen. Wo so viele
    psychologische, konomische und soziale Einflsse am Werk sind,
    versagen Ermahnungen und Appelle, sowie Beschwrungen. Wir mssen
    den zurckgebliebenen Teil in der Provinz mit einer Gesellschaft
    vergleichen, die sich in Liquidation befindet.

So lange Berlin nur einen Teil der Juden und zwar einen kleinen
darstellte, hatte es schon eine ber ihre Gre bedeutsame
Beeinflussung auf die Entwicklung der deutschen Juden ausgebt. Sobald
es an Zahl die brigen deutschen Juden berholt haben wird, werden die
Vorgnge in Berlin umsomehr bewut und unbewut die kleinstdtischen
Verhltnisse im Berliner Geist beeinflussen. Dieses Abfrben
grostdtischen Geistes und grostdtischer Sitten lt sich schon heute
nachweisen.

Bei den bekannten Wechsel-Wirkungen zwischen Berlin und der Provinz, die
bei den Juden besonders erstarkt sind, bleibt es nicht nur bei der
Nachahmung der Mode, bei der Aufnahme grostdtischer Lektre und bei
dem Anschlu an die Organisationsformen, welche hier das Licht der Welt
erblicken, sondern tausend Imponderabilien, die den ueren
Erscheinungsformen anhaften, werden mit bernommen und bestimmen auch
das dabei der Kleinstadt und so wird der Provinzjude gewissermaen nur
noch ein Vorposten der Gemeinde Gro-Berlin. Wenn wir mit der Geschichte
Berlins die Geschichte vorerst der Hlfte der preuischen Juden
schreiben, so ist das nur mathematisch richtig.




KAPITEL V.

$DAS SEXUALPROBLEM$.

                                    _Die vernunftmssige Ueberlegung
                                    erobert auch die Sexualsphre. Die
                                    Zeit, wo die Rassen instinktmssig
                                    dahinlebten und neben der Stillung
                                    des Hungers keinen anderen
                                    intensiven Lebensgenuss als den
                                    ehelichen Verkehr kannten, ist
                                    vorbei._

                                                      _Dr. Mensinga._


$1. Die Ehelosigkeit.$

Mit der Umwlzung, welche die Judenheit durch die Lsung ihrer
religisen Gebundenheit und durch Umstellung in Beruf und Wohnort
erfahren hat, traten Sexualverhltnisse auf, die wir zusammenfassend
folgendermaen kennzeichnen knnen:

$Von 100 Juden, heiraten 25 berhaupt nicht. Ein weiteres Viertel bleibt
kinderlos, das dritte Viertel begngt sich mit ein oder zwei Kindern und
nur beim letzten Viertel treffen wir drei und bei einem kleinen
Prozensatz mehr Geburten.$ Diese vorweggenommenen Resultate bedrfen der
nheren Untersuchung. Wir werden zuerst die Frage der Ehelosigkeit
berhren.

Die Ehelosigkeit ist aus verschiedenen Grnden bedingt. In den
Wirtschaftsverhltnissen ist ein Teil der Hindernisse gelegen. Die
Grostadt verfgt ber tausende von jungen Beamten und kaufmnnischen
Angestellten die nach ihrem Stand sich zur Schicht des Mittelstandes
rechnen, und ihrem Einkommen nach Proletarier sind. Whrend der
Arbeiter frhzeitig eine Lebensgefhrtin nimmt, die mit ihrem Verdienst
-- wo es ntig ist -- die Einknfte der Familie sicher stellt, hat der
Jude den Uebergang in das moderne Wirtschaftsleben noch nicht vollkommen
gefunden. Bei ihm soll die Frau nur im Heim ihre Fertigkeit entfalten
und da der jdische Kastengeist eine gewisse Stufe, resp. Hhe der
Lebenshaltung zum ungeschriebenen Gesetz erhoben hat, ist es fr den
niederen Angestellten eine Schwierigkeit, mit einer produktiv kaum
gewinnreich ttigen Frau und mit kostspieligem Nachwuchs das armselige
Budget zu belasten. Wie jeder Soldat angeblich den Marschallstab im
Tornister trgt, so glaubt mancher Kaufmann es noch zu einem kleinen
Rothschild zu bringen. Es ist daher in den Kreisen der jdischen
Handlungsgehilfen Sitte, mit der Vermhlung zu warten, bis der Herr
Kommis sich aus dem kmmerlichen Lohnverhltnis herausgearbeitet hat und
selbst Unternehmer geworden ist. Was vor wenigen Jahrzehnten
verhltnismig einfach war, ist in dem Zeitalter der Konglomeration des
Kapitals eine Schwierigkeit geworden. Und wenn der 30jhrige noch immer
auf die passende Gelegenheit lauert, so hat der 40jhrige schon die
Hoffnung aufgegeben, im Kampf ums Dasein den konomischen Aufstieg fr
sich gnstig zu entscheiden. Er bleibt das, was ihm als eine
vorbergehende Periode erschien, sein Lebtag ein Gehilfe. Zu spt hat er
seinen Beruf erfahren und damit zum Teil verfehlt. Und die meisten
knnen sich auch dann nicht in den Gedanken finden, Proletarier zu sein.
Die echten Proletarier haben manches vor ihnen voraus. Der einfache
Arbeiter baut sein Leben auf seine derzeitigen Existenzverhltnisse auf,
der jdische kommerzielle Angestellte rechnet mit Gren aus dem Reiche
der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit.

Der $Arbeiter$ heiratet im Durchschnitt recht frh. Er erlangt schon
Anfang der Zwanziger das Maximum seines Einkommens. Er vermietet seine
Arbeitsleistung, seine Kraft, seine Arme an den Unternehmer und gewinnt
damit durch $rein physische Leistung$ den Lebensunterhalt. Also erreicht
der Proletarier etwa mit der Volljhrigkeit, in der Zeit der sexuellen
Vollreife die wirtschaftliche Hhe seines Einkommens, die die Unterlage
fr Ehen seines Standes zu bilden pflegt.

$Der jugendliche Handlungsangestellte und der Beamte$ bekommt nicht wie
der Arbeiter den Lohn, den auch die lteren Berufsgenossen beziehen. Er
vermietet zwar seine volle Arbeitsleistung, sein Hauptkapital das er
besitzt, wird aber im jugendlichen Alter nur insoweit entlohnt, da er
knapp allein sein Leben fristen kann. Je lnger er ausgebildet ist,
Schulen besucht, Sprachen gelernt hat, das Ausland bereiste, in anderen
Unternehmungen sich bettigte, Erfahrungen und Zeugnisse sammelte, desto
grer wird die Chance seines Einkommens. Das schliet fr diese
Berufsangehrige den Verzicht in sich, frhzeitig viel zu verdienen.
Seine konomischen Verhltnisse trmen der Familienbildung Widerstnde
entgegen, die sich im Laufe der Jahre verringern, insbesondere, wenn der
niedere Angestellte eine gehobene Stellung erreicht oder den Traum
seines Lebens, den Weg zum Unternehmertum, gefunden hat.

Der $Unternehmer$ arbeitet nicht nur mit Kraft und Intelligenz,
sondern besonders mit seinem Kapital. Das Kapital gibt ihm die Ware,
die Unterlagen, Rume zu mieten, Krfte einzustellen, Reklame zu
treiben, Kunden anzulocken. Der Besitz des Kapitals gibt ihm
Arbeitsmglichkeiten. Der kapitalarme Unternehmer kann hchstens durch
besondere Intelligenz, durch glcklichen Kredit (was dem eigenen
Kapital nahekommt) den Kampf mit kapitalskrftigen Konkurrenten
aufnehmen. Es ist klar ersichtlich, da jeder Hndler, jeder Inhaber
eines Ladengeschftes, jeder grere Agent das Geld nicht nur um des
Geldes willen, sondern als Arbeitskraft, als Vorausbedingung braucht.
Daher ist es erklrlich, da der Jude als das nach Erfahrungen und
Statistiken am meisten zur Selbstndigkeit und Unternehmertum
strebende Element im Tanze um das goldene Kalb sich verzehrt. Mit dem
immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Kampfe rckt das Alter
hinaus, in dem der Kaufmann sich eine selbstndige Position errungen
hat. Und da er hinwiederum erst dann auf eine Mitgift rechnen kann,
wenn er schon selbst sich eine kleine Basis, eine Position geschaffen
hat, ist sein Heiratsalter um so spter. In den Kreisen aber, in denen
die jungen Leute wissen, da sie jahrelang nicht an eine Ehe denken
knnen, wird der Anreiz immer stark sein, mit Surrogaten der Liebe
vorlieb zu nehmen. Umsomehr als der jdische Kaufmann auf den vielen
Reisen, bei der leichten Lebensauffassung seines Standes, bei der
groen Zahl der Mdchen, die ihn umgeben, die gleichfalls die
Mglichkeit einer Ehe fr nicht allzu gro erachten, Auswahl und
Anreiz in Menge vor sich sieht. Deshalb ist die freie sexuelle
Bettigung des jdischen Kaufmannes und Studierenden eine konomisch
besonders bedingte und bei aller Bewunderung, die wir denen zollen,
welche sich in Aufrufen an das Verantwortlichkeitsgefhl der jungen
Leute abmhen, ist es doch ausgeschlossen, da dadurch der starke
sexuelle Trieb unterdrckt wird. Die Frhehe der alten Juden mochte
den Menschen Genge tun. Sie verzichtete auf das trichte Verfangen,
naturam expellere furca. Wo die jdische Lehre aber in zu starkem
Widerspruch mit den Voraussetzungen des Lebens geriet, erlitt auch sie
eine Niederlage. Ein Beispiel mag es bezeugen: Verpnt war die
Geldehe, (Eben Haezar 2, 1). Die gesetzestreuen Juden haben sich nicht
daran gekehrt. Die alten jdischen Weisen rechneten wenigstens mit der
Gewalt des Geschlechtstriebes und gaben ihm Unterlagen. Die modernen
Prediger in der Wste vertrsten erwachsene Menschen.

Die Aussicht auf die Sptehe mu die Verseuchung der grostdtischen
kaufmnnischen Bevlkerung auslsen. Die Folge zahlreicher Infektionen
ist aber wiederum ein Anschwellen impotenter Ehemnner und
Dauerzlibatre. Immer grer wird die Zahl der jdischen Junggesellen.
In der Grostadt ist die Heirat keine Lebensnotwendigkeit. Die Grnde
fr die Ehelosigkeit sind im Zunehmen begriffen. Niemand findet heute an
dem Junggesellentum einen sittlichen Mangel. (Selbst unter den Rabbinern
und orthodoxen Juden befinden sich ledige Juden.)

Fr Hessen hat $Ruppin$ bereits fr 1905 die geringere Heiratsneigung
der Juden nachgewiesen. (Zeitschr. f. St. der Juden, Band III.) Nach
meiner Preisarbeit der Gesellsch. f. Rassenhygiene waren von hundert
Berliner Juden verheiratet:

                    1895              1900                         1910
               mnnl.  weibl.   mnnl.  weibl.              mnnl.   weibl.

  Bis 25 J. alt  2,0    21,4      3,3    21,5      18-20 J.  0,1     10,0
   "  30    "   20,6    52,9     19,0    52,7      20-30    12,0     35,4
   "  35    "   47,0    65,5     43,7    66,0      30-40    57,9     69,6
   "  40    "   70,0    71,3     57,4    69,8      40-50    77,7     70,2
   "  45    "   78,0    73,0     78,3    68,1      50-60    81,5     56,8
   "  50    "   82,6    68,3     82,0    67,1
   "  55    "   83,7    62,7     68,6    54,6
   "  60    "   81,2    50,6     66,9    52,7

Danach waren bis zum dreiigsten Lebensjahr (1910) 12,4% der Mnner
verheiratet gegen 20,6% im Jahre 1895, vom 35.-40. etwas ber die
Hlfte. Die lteren Jahrgnge entstammen einer frheren Zeit, soda wir
heute wohl mit geringeren Ziffern zu rechnen haben. Gleichwohl ergab
sich, da von $100 mnnlichen und weiblichen Juden in den Jahresklassen
der 40- bis 50-jhrigen 22,3% resp. 29,8% unverheiratet$, ($darunter$
ber 20% $ledige$) eine Zahl, die nach dem Stand von 1920 auch ohne
Bercksichtigung der schweren wirtschaftlichen Verhltnissen der neuen
Zeit zugenommen htte.

Die Statistik zeigt, da die Jahrgnge 25-40 der Berliner Juden
durchschnittlich mit 1700 bis 1800 Personen besetzt waren (1910),
whrend an jdischen und nichtjdischen Eheschlieungen zwischen 1910
und 1913 ca. 1200 Eheleute jhrlich beteiligt waren, von denen wir die
Witwen und Geschiedenen abziehen. Es heirateten also vor dem Krieg keine
2/3 der jdischen Berliner Bevlkerung. Bei der allgemeinen Berliner
Bevlkerung gab es von den 40- bis 50jhrigen nur 10,7% mnnliche und
14,7% weibliche ledige, gegenber 22 und 27% bei den Juden. Wie wir aus
der vorliegenden Statistik ersehen, betrifft bei den Juden ein groer
Teil der geschlossenen Ehen, Sptehen. Von Frauen zwischen 20 und 30
Jahren war nur ein Drittel verheiratet. Die Folge mu eine geringe
Ziffer von Geburten sein. Auch ein Heiratsalter von ber 45 Jahren von
Seiten des Mannes kann unmglich zur Erzeugung einer groen Zahl von
Kindern fhren: unbeachtet von der Frage, ob diese spte Eheschlieung
noch physisch und geistig gutgeartete Kinder zult. Die Erschwerung der
Eheschlieung, welche durch den Krieg ausgelst wurde, betrifft die
jdischen Kreise strker wie die nichtjdischen, weil die Juden viel
rationeller alle Fragen des Familienlebens berdenken. Die Grndung
eines eigenen Heims wird auf Jahre hinaus eine schwere konomische Frage
fr alle Heiratenden sein und whrend bei der nichtjdischen Bevlkerung
viel eher Einschrnkungen vollzogen werden, hlt der Jude an dem
Auftreten, an dem Schein und Zeigen eines gewissen Wohlstandes fest.
Jugendliche Idealisten scheinen den Weg der Jugend zu beeinflussen.
Rcksichtslos wollen sie ihre Verbindungen anknpfen, gegen den Stachel
der Gesellschaft lcken und ein Heim, wenn auch auf wirtschaftlichem
Nichts, begrnden. Aber knnen sie zum Prototyp einer Zeit werden, in
der alle Nte, Teuerung und spte Selbstndigkeit ihrer Klasse so sehr
die Stunde regieren? Einen Gradmesser der sexuellen Nte verraten allein
schon die jdischen $unehelichen Geburten$.

In Preuen wurden uneheliche Geburten bei Juden betroffen:

                    in %                           in %
              d. jd. Geburten                  d. Geburten

  1821/30    94      1,7         1891/95   237      3,0
  1831/40   127      2,0         1896/00   259      3,4
  1841/50   162      2,4         1901/05   261      3,6
  1861/65   250      3,6         1906/10   318      4,2
  1881/90   248      2,5         1910/14   318      5,0

In Berlin allein waren uneheliche Geburten:

  1875/81         518
  1882/91         789
  1892/01         847
  1902/11        1051

In den letzten Jahren vor dem Krieg bildeten die unehelichen Geburten 10
Prozent der ehelichen Geburten der Juden Berlins gegen 5% in den 70er
Jahren.

Weder Entrstung noch der Ausdruck irgend welcher sonstiger krasser
moralischer Werturteile ist hier am Platze. Die in der Enge des
jdischen Familienlebens erzogene Jdin, ihre an alten Beispielen
verankerte Sittlichkeit und ihre im Kreise der Kleinstadt und der
Ihrigen behtete und bewachte sexuelle Auffassung hat eine vllige
Ummodelung in dem Augenblick erfahren, wo das junge Mdchen in das
Erwerbsleben eintritt. Eine neue Umgebung lt neue Anschauungen
aufkommen. Die Emanzipation vom Elternhaus, die Mglichkeit sich selbst
den Unterhalt zu verdienen, gibt ihr die Kraft sich von aller
Konvention, von aller Abhngigkeit vom Hause freizumachen, ein eigenes
modernes Leben zu fhren und nicht nach dem zu fragen, was einst fr gut
und bse gehalten wurde. Die vllige Freiheit des jdischen Mannes ist
seit langem geduldet. Vor hundert Jahren war es auch darin anders und es
ist keine Unwahrscheinlichkeit, da sich auch die Frau dasselbe
laisser-faire, laisser-passer erringen wird. Ob wir es wnschen oder
nicht -- ist dabei gleichgltig. Der Einflu der Civilisation, die
Neuzeit mit ihrer breit ausladenden Sinnlichkeit, das Grostadtmilieu,
die Einwirkungen des Kapitalismus, die unglckliche Verteilung der
wirtschaftlichen Gter und die ungerechte Bezahlung der
Arbeitsleistungen der einzelnen Stnde und der Geschlechter u. a.
bringen Einflsse mit sich, welche eine Umwlzung in der Psyche des
Weibes vornehmen. Die Ausschlieung lebensfreudiger Elemente von der Ehe
mu eine natrliche Reaktion sinnlicher Individuen hervorrufen und die
Prediger der Enthaltsamkeit warnen so lange vergebens, als der
natrlichen Regung des Weibes, ihrem unbewuten Sehnen, ihrem
selbstverstndlichen Trieb das eigentliche Objekt: Ehe und Mutterschaft
entzogen wird. Mit dem Steigen der Ehelosigkeit der Jdinnen nimmt die
Zahl der unehelichen Geburten zu, soweit sie die Geburtenpraevention
nicht verhtet, was in noch strkerem Mae der Fall ist. Trotz allem ist
ihre Ziffer nicht gro genug, um von Bedeutung fr die Erhaltung der
Judenheit zu sein. Die 300 unehelichen Kinder in Preuen sind eigentlich
lcherlich wenig an und fr sich, nur das Sinken der allgemeinen
Geburtenziffern und die frhere relative Seltenheit unehelicher Kinder
bei den Juden berhaupt lassen sie zu einer soziologischen Bedeutung
werden. Moralstatistisch ist sie hochbedeutsam; Bevlkerungstechnisch
ist ihr Wert zu bersehen.

Es ist sicher, da die Ziffer der unehelichen Geburten absolut keinen
erschpfenden Ueberblick ber das sexuelle Leben der unehelichen
Jdinnen gibt. Die Jdin der Grostadt, insbesondere das Mdchen von
Berlin W, das den Weg zur Ehe nicht findet, hat keine groe Vorliebe fr
auereheliche Mutterfreuden, die sie zu hintertreiben wei. Wer aber dem
berhmten Schrei nach dem Kinde Leben verleiht, den berlt die
Oeffentlichkeit der Aechtung. Aber alle Schuld rcht sich auf Erden. Die
Entwicklung, die heute nur ein Fnftel der jdischen Mdchen in dem
angemessenen Alter zum Altar fhrt und die Aussicht fr eine Heirat
berhaupt immer unsicherer gestaltet, modelt die berhmte altjdische
Sittlichkeit des Weibes um, nachdem die des Mannes lngst zum Teufel
ging. Ist es Schicksalswende der Juden oder Entwicklung des Sexualismus:
Liebe, Ehe, Sexualbefriedigung finden ihre Umwlzung und der Proze, der
sich anbahnt, ist noch lange nicht zum Abschlu gekommen. Eine weibliche
Jugend mit eigenen starken Impulsen wchst heran, die ihr Leben sich
selbst einrichten will, ohne Rcksicht auf die Philistermoral. Und mit
einer Energie, die der Sexualtrieb verstrkt und die logische
Ueberlegung sttzt, nimmt sich die Jdin ihr Recht auf das Leben, das
nun einmal der Gter hchstes ist, das Recht auf ihr eigenes Leben.




KAPITEL VI.

$DIE EHESCHLIESSUNG$.

                                    _Die alte Ehe war der beste Hort des
                                    Konfliktes zwischen der
                                    individuellen und generativen
                                    Leistung. Eine neue Ehe muss die
                                    glckliche Harmonie bringen, die
                                    beide Geschlechter als Eltern und
                                    Menschen zur vollen Entfaltung
                                    bringt. Dann wird jede neue
                                    Generation das biologische und
                                    traditionelle Erbgut reicher an die
                                    Zukunft weiter geben._

                                                      _M. Vaerting._


Alle Untersuchungen ergeben, da der Bevlkerungsaufbau der Juden eine
10-20% $strkere$ Besetzung ihrer Bevlkerung im $heiratsfhigen Alter$
aufweist. Das hat seine Ursache in der herabgeminderten Suglings- und
Kindersterblichkeit. Wir besitzen Untersuchungen von Grostdten
(Berlin, Mnchen, Leipzig), ferner eine Auszhlung von Hessen, die uns
die falsche Auffassung zurckweisen lt, als ob eine groe Auswanderung
die Zahl der Heiratsfhigen geschwcht htte. Trotzdem ergibt sich, da
auch mit den Elementen, welche eine Mischehe eingehen, die Zahl der
Eheschlieungen um durchschnittlich 20-50% geringer ist, als bei den
Nichtjuden. Die Ursachen, die in den vorigen Kapiteln bereits angedeutet
wurden, fhren zu folgenden Erscheinungen:

    1. Die Eheschlieung der Juden nimmt immer mehr ab. Dieser Rckgang
    dauert stndig an.

    2. Die eheschlieenden Juden sind durchschnittlich hheren Alters
    als die Nichtjuden, insbesonders auch im Vergleich zum Heiratsalter
    ihrer eigenen Groeltern. Besonders wird das Heiratsalter der
    Jdinnen immer mehr hinausgeschoben.

    3. Fr die Forterhaltung des Judentums spielen fast nur die
    jdischen Ehen eine Rolle. Die Zahl der auerehelichen Mtter ist
    numerisch fast belanglos. Aus den Mischehen werden ziffernmig nur
    wenige Kinder dem Judentum zugefhrt.

Spt geschlossene Ehen sind weniger fruchtbar, als jung eingegangene
Ehen. Zwischen dem Alter der Eheschlieenden und der Kinderzahl besteht
ein natrliches Verhltnis. Das urwchsige sexuelle Bedrfnis wird im
fortgeschrittenen Alter eher allen Hemmungen, Ueberlegungen und
Vernunftsgrnden unterworfen. Die Impotenz ist eine Begleiterscheinung
des hheren Alters, insbesondere wenn Jahre und Jahrzehnte vorehelichen
Sexuallebens vorausgegangen sind.

Liebe ist in jdischen Kreisen ein Faktor, der stark von ueren
Einwirkungen beeinflut ist. Damit ist noch nicht gesagt, als ob wir
nicht hnliche Einstellung auch bei gewissen Bevlkerungsschichten des
deutschen Volkes beobachten wrden. Der Adlige legt sich gleichfalls
Beschrnkungen in der Auswahl der Zuknftigen auf. Der mit dem Kapital
arbeitende Christ bersieht ebenso immer mehr den Nutzen, den ihm eine
materiell gut fundierte Heirat einbringt. Ein Sprichwort sagt, da der
Jude bei der Eheschlieung nicht nur an die Kinder, sondern schon an die
Enkel denke und dieses Verantwortlichkeitsgefhl ist wohl lblich, hat
aber fr die Erhaltung der Art Nachteile. Die groe nichtjdische Masse
pflegt noch heute eine Eheschlieung viel unbekmmerter um die Fragen
der Zukunft einzugehen. Sie ist weniger berechnend, weniger berlegend,
weniger besorgt. Dazu kommt noch die Belastung, welche dem jdischen
Mittelstand dadurch erwchst, da die verheiratete Jdin nicht im
Erwerbsleben stehen soll, da sie oft verwhnt ist und in der Ehe eine
Verbesserung ihrer Stellung und ihrer Bedrfnisse sucht. Die frhere
allgemeine Verehelichung der Tchter stellte ihre Versorgung dar. Das
Einkommen des Heiratskandidaten spielte naturgem eine ausschlaggebende
Rolle ber Schnheit und Gestalt. Wenn heute die Liebe, d. h. das
erotisch-psychische Empfinden bei der Eheschlieung der Jdin mitwirkt,
so kann dieses Gefhl doch nicht bei der Gebundenheit der Ehemglichkeit
an Geld und Einkommen ber alle traditionelle Gedankengnge und reale
Ueberlegungen sich hinwegsetzen. Vielmehr wirken auch diese Faktoren
mehr oder weniger stark mit ein. Die Jdin von heute mchte einen Mann,
den sie liebt und eine wirtschaftliche Sicherstellung ihrer Person. Man
kann ihr beides nicht verbeln. Groe nichtjdische Massen folgen
dagegen strker ihren erotischen Trieben und heiraten ohne Rcksichten
auf die konomischen Voraussetzungen und Folgen. (Im christlichen
Mittelstand hat sich die Rationalisierung zusehends und die Angleichung
an die Verhltnisse bei den Juden vollzogen).

Wir haben schon betont, da der Arbeiter, der Lohnempfnger und der
Bauer frhzeitig die volle Hhe seines Einkommens, das ihm die Arbeit
seiner Hnde einbringt, erreicht. Der Jude, der zumeist Trger des
Kapitalismus ist, oder es werden will, unterwirft sein Liebesleben
diesem Idol. Er ist Herr und Sklave des goldenen Kalbes. Die
Bewegungsfreiheit ist auf diesem Altar geopfert und der Einzelne
machtlos gegen die berwltigenden Einflsse dieses Gtzen. Wenn er die
Schranken des Wirtschaftsgesetzes durchbrechen will, in dessen Schatten
er steht, so wird er nur persnliche Nachteile erfahren, die sein
aufopferndes Beispiel nicht als begehrenswertes Vorgehen vielen Jngeren
erscheinen lassen wird ...

       *       *       *       *       *

Bedeutsam sind inbesonders diese und weitere Punkte, die wir kurz
andeuten wollen:

    1. Der deutsche Jude ist durchschnittlich bereits seit 15 Jahren
    geschlechtsreif und seit 10 Jahren geschlechtlich ttig, ehe er in
    die Ehe tritt. Durch sein Vorleben sind seine erotischen Instinkte
    ihrer Ursprnglichkeit beraubt, so da uns die Erschtterung der
    inneren Gebundenheit vieler jdischen Ehen nicht berraschen kann.

    2. Dem spten Eheschlu gehen venerische Krankheiten in erhhtem
    Mae voraus, die proportional mit der Lnge der Wartezeit ansetzbar
    sind. Aus ihr entspringt ein entsprechender Prozentsatz von
    Infektionen der Ehefrauen und eine Verseuchung des Nachwuchses.

    3. Je grer der Altersunterschied zwischen den Eltern und Kindern
    ist, desto strker klafft die Weltanschauung zwischen ihnen. Jede
    Generation spricht eine andere Sprache, die das gegenseitige
    Verstndnis zum mindesten erschwert und die die ber das Ma der
    blutsverwandtschaftlichen Beziehungen hinausgehende Freundschaft
    zwischen beiden Teilen verkrzt. Jede Erweiterung des
    Altersabstandes erweitert die psychische Kluft.

    Die husliche Erziehung der Kinder wird durch die Erschwerung des
    Wirtschaftslebens in der Grostadt auf eine neue Basis gestellt. Die
    Einwirkung der Eltern im jdischen Sinne, wie sie in der Kleinstadt
    Usus war, erfhrt in der Grostadt eine Minderung. Selbst in
    Kreisen, die der Religion groes Interesse entgegenbringen. Dadurch
    entsteht eine geistige Entjudaisierung, ber welche sich
    insbesondere die Lehrer entsetzen und ber die allgemein geklagt
    wird, die aber selbstverstndlich ist. Ob den altjdischen Einflu
    des Elternhauses jdische Schulen und eigene Schulgemeinden ganz
    ersetzen, ob bei der $Abnahme der Geschlossenheit der Ehe und dem
    Rckgang des Konnexes zwischen den Generationen, insbesondere im
    grostdtischen$ Milieu, $die neuen Edukationsformen den alten
    Geist bermitteln knnen, ist recht fraglich.$ --

Die Entwicklung der Eheschlieungen verraten uns einige Ziffern.

Es fand statt eine Eheschlieung von Juden

  ================================================================
   im Durchschnitte der Jahre | in Preuen | Bayern | Deutschland
  ----------------------------+------------+--------+-------------
           1875-84            |    2517    |   362  |
           1885-94            |    2577    |   360  |
           1895-00            |    3131    |   384  |
           1901-05            |    2534    |        |     3908
           1906-09            |    2672    |        |     3978
             1910             |    2667    |   367  |     3880
             1911             |    2581    |   390  |
             1912             |    2546    |   372  |
             1913             |    2482    |   389  |     3883

In $Deutschland$ betrug die Zahl der Eheschlieungen 1901-1909
durchschnittlich bei der allgemeinen Bevlkerung 8,0% bei der jdischen
Bevlkerung 7,2%.

In Berlin in den 10 Jahren vor dem Krieg (incl. Mischehen) trotz
Konstanz der heiratsfhigen Bevlkerung:

  1904   1504
  1905   1533
  1906   1524
  1907   1562
  1908   1451
  1909   1433
  1910   1429
  1911   1438
  1912   1356
  1913   1251




KAPITEL VII.

$DIE GEBURTEN BEI DEN JUDEN.$

                                    _Die Entwicklung geht dahin, die
                                    Zeugung von der Befriedigung des
                                    Geschlechtstriebes zu trennen._

                                                      _Forel._

                                    _Das Konstante ist nicht der
                                    Fortpflanzungstrieb, sondern der
                                    Begattungstrieb._

                                                      _Pothoff._


Vom Jahre 1875 bis zum Jahre 1914 hat die jdische Bevlkerung in
Preuen um 75000 und damit um ca. ein Fnftel zugenommen (1910). Die
Zahl ihrer Geburten hat sich dagegen von ber 11000 auf unter 6000
vermindert und ist absolut um fast 100%, relativ um fast 360% gesunken.

Es war

  ===============================================================
       im Jahr      |                   |              |
   durchschnittlich | die Zahl d. Juden | der Geburten | in Proz.
  ------------------+-------------------+--------------+---------
       1820-30      |       153688      |      5512    |   37,0
       1831-40      |       174000      |      6212    |   35,5
       1841-50      |       214000      |      7446    |   35,1
       1851-60      |       234000      |      7933    |   35,0
       1861-66      |       262000      |      8473    |   33,4
       1875-80      |       350000      |     11151    |   31,0
       1881-90      |       366000      |      9650    |   27,1
      1891-1900     |       380000      |      8250    |   21,4
       1901-05      |       400000      |      6995    |   17,5
       1906-10      |       412000      |      6790    |   16,5

  ===============================================================
       im Jahr.     | die Zahl d. Juden | der Geburten | in Proz.
   durchschnittlich |                   |              |
  ------------------+-------------------+--------------+---------
        1911        |                   |      6350    |  15,3
        1912        |                   |      6250    |  15,0
        1913        |      ? 416000     |      6100    |  14,75
        1914        |                   |      5800    |  14,0
        1915        |                   |      4800    |  11,4
        1916        |                   |      3500    |   8,3
        1917        |      ? 420000     |      2900    |   7,1

diese Ziffer umschliet

  1. die eh. jd. Geborenen
  2. die unehelichen
  3. 25% der Kinder aus Mischehen.

Die deutschen Juden halten den Weltgeburtenrekord nach unten.
Frankreich, das in der Wissenschaft als das kinderrmste Volk gilt,
hatte 1905-1910 noch 19-21 0/00 (gegen 16,5 der preuischen Juden).
Fr Frankreich ist lngst erwiesen, da bei dieser Ziffer eine
Volksvermehrung aufhrt. Die jdische Sterblichkeit war allerdings
niedriger als die franzsische, dagegen war die Geburtenziffer ebenso
viel geringer, ohne da die Taufen und Austritte dabei bercksichtigt
sind. Wenn man trotzdem noch an eine Bevlkerungszunahme der Juden
glaubt, so gehrt diese Anschauung in den Kreis der Vorstellungen,
die jenseits der Wissenschaft stehen.

Die jdischen Eheschlieungen in Preuen schwankten (siehe voriges
Kapitel) zwischen 2500 (Mitte der 70er Jahre) bis 3000 (Anfang des
Jahrhunderts), und stellten sich allmhlich wieder auf 2500 (1912/13)
ein. Dementsprechend mten wir logischerweise erwarten, da die
Geburten, die in der Mitte der siebziger Jahre ber 11000 betrugen, sich
bis zum Ende des Jahrhunderts gleichfalls um 1/5 vermehren wrden (also
auf 13200), um dann wieder auf 11000 zu fallen.

Einen deutlichen Einblick in den Rckgang der Geburten bekommen wir bei
einer Gegenberstellung der Geburten und der Eheschlieungen. Der
Redakteur der Zeitschrift fr Stat. u. Dem. d. Juden, Segall, spricht
zwar Theilhabers Ergebnisse beruhen auf dieser Berechnungsweise, die
sich bei nherer Betrachtung als durchaus unzuverlssig darstellt und
von der Wissenschaft jetzt vollstndig abgelehnt ist.

Die Zeitschrift fr die Statistik und Demographie der Juden benutzte
selbst diese unzuverlssige Methode und brachte im Heft 8, Jahrgang
1905 eine Untersuchung, wonach in Bayern auf eine jd. Eheschlieung
Geburten trafen:

  1876/80     4,75
  1881/85     4,15
  1886/90     3,5
  1891/95     3,0
  1896/1900   2,5
  1901/05     2,25[20]
  1906/10     2,15
  1912/13     1,9

Es wurden nmlich in Bayern ermittelt:

            jd. Eheschlieungen   jd. Geburten

  1891/95            364                1093
  1896/00            392                 977
  1901/05            427                 934
  1906/10            388                 873
  1913/14            384                 738

Auf eine Eheschlieung von Juden kamen jdische Geburten dementsprechend
in Preuen:

  1820/30     5,2
  1841/50     5,0
  1875/84     4,3
  1885/90     3,5
  1895/1900   2,8
  1901/05     2,7
  1906/08     2,4
  1910/14     2,15

Rost hat in der Sozialen Kultur (August 1912) ganz richtig berechnet,
da 1876/80 auf 1000 Eheschlieungen 4640 Geburten und 1910 auf 1000
Eheschlieungen nur noch 2160 Geburten kamen.

Man mu nicht jahrelang Statistiken geschrieben haben, um zu begreifen,
da wenn in den ersten Jahrzehnten des XIX. Jahrh. 5,2 Geburten auf eine
jdische Eheschlieung kamen und von 1910-13 nur 2,15 -- durch diese
Gegenberstellung ein anschauliches Bild gewonnen ist. Um das Werk nicht
zu sehr auszuspinnen, verzichte ich auf die Wiedergabe aller einzelnen
Zahlen, die ohnedies das Unglck der jdischen Statistiker geworden
sind, weil diese vor lauter Ziffern die Dinge selbst nicht mehr zu
entziffern verstehen.

Es wurden in Preuen gezhlt:

     jdische             Geburten
  Eheschlieungen      (aus jd. Ehen)

    1910: 2667            1911: 5737
    1911: 2581            1912: 5541
    1912: 2546            1913: 5497
    1913: 2482            1914: 5279

Wir waren also auch vor und ohne den Krieg beim Zweikindersystem
angelangt und jedes Bestreiten dieser Tatsache beweist nur den Mangel
statistischen Wissens und loyalen Denkens.

Einen Ueberblick ber die Entwicklung der Fruchtbarkeit in Stadt und
Land gibt die bayrische Statistik. Danach gab es Geburten:

  =======================================================
               |     in den     | im brigen  |
       anno    |  gr. Stdten |    Land     | zusammen
  -------------+----------------+-------------+----------
       1879    |       584      |     973     |   1557
     1881-85   |       563      |     892     |   1455
     1886-91   |       500      |     722     |   1222
     1891-95   |       488      |     595     |   1083
     1897-00   |       496      |     470     |    966
     1901-05   |       473      |     460     |    933
     1906-10   |       460      |     374     |    834
     1912-13   |       444      |     294     |    738
      (1917    |       216      |     118     |    334)

Seit dem Jahre 1879 haben sich die Juden in den bayrischen Stdten mehr
als verdoppelt. Ihre Eheschlieungsziffer ist entsprechend grer
geworden. Trotzdem hat ihre $Geburtenzahl$ keineswegs zugenommen,
sondern sich sogar absolut um 20% vermindert. Aber auch auf dem Lande
ist die Fruchtbarkeit, mehr als ihrer Eheziffer entsprach,
zurckgegangen und der Ausgleich fehlt, welcher der nichtjdischen
Bevlkerung der Grostdte durch das flache Land erwchst. Im Jahre 1905
war die spezifische Geburtenhufigkeit der Kleinstadt- und Dorfjuden
zwar um ca. 33% grer als die der Stdte, gleichwohl um 100% geringer,
als die der Christen. Wir sehen ferner aus dem raschen Rckgange der
Fruchtbarkeit in den Kleinstdten und auf dem Lande: der minimale
Nachwuchs des Landes kommt fast garnicht mehr in Betracht und kann so
keine Kompensation der gesunkenen stdtischen Fertilitt herbeifhren.
Mit den jungen Landjuden, die in die Stdte strmen, wird es bald aus
sein.

Ich habe eigene Untersuchungen in den Drfern Unterfrankens angestellt,
die von Grostdten weit ab liegen und deren Juden den Boden bebauen und
auch hier eine beraus starke Reduktion der Kinderzahl nachweisen
knnen. Statistischen Institutionen der Juden ist es ein leichtes, sich
durch Enquten eine Uebersicht zu verschaffen und es erscheint mir
mindestens ebenso wichtig, dieser Frage nachzugehen, als der endlos
beackerten Frage der jdischen Berufsttigkeit Arbeiten folgen zu
lassen. Trotzdem sind in den letzten 10 Jahren auf dem Gebiet der
jdischen Bevlkerungspolitik, abgesehen von meinen Untersuchungen, nur
kleine Zeitschriftenabhandlungen erschienen, die meist in abgeschwchter
Form meine Ergebnisse wieder brachten, zumeist allerdings ohne meine
eingehenderen Arbeiten zu berhren.

Um Lesern, die mit der Statistik nicht zu sehr vertraut sind, die Dinge
zu erleichtern, kann man diese Ziffern auch in folgender Aufmachung
verstndlich zeigen.

Es wurden Jdinnen gezhlt in Preuen:

  ========================================================================
       | a)       | b)      |           |           |     zusammen
       | als Hei- | als Ge- | als Hei-  | als       | Hei-    | ehelich
       | ratende  | brende | ratende   | Gebrende | ratende |
       | in jd.  | in jd. | in        | in        | ber-   | Gebrende
       | Ehen     | Ehen    | Mischehen | Mischehen | haupt   | berhaupt
  -----+----------+---------+-----------+-----------+---------+-----------
  1910 |   2667   |   5864  |     316   |    371    |   2983  |   6235
  1911 |   2581   |   5835  |     301   |    375    |   2882  |   6216
  1912 |   2546   |   5779  |     334   |    354    |   2886  |   6133
  1913 |   2482   |   5497  |     327   |    355    |   2819  |   5852

Nach solchen Ziffern mu man sich fragen, was fr eine Ausrede knnen
noch die Schnfrber erfinden, um die klare Lage der Dinge zu verleugnen
und zu verwischen?

Das Bild wre noch eindeutiger, wenn nicht die Einwanderung
fortpflanzungsfreudiger Ostjuden die vllige Auflsung verhinderten.
Segall selbst hat fr Mnchen vom Jahre 1894 bis 1905 nachgewiesen, da
70% der Kinder von auswrts beheimateten Eltern stammten und er selbst
schlo auf einen hheren Anteil der Auslnder! Das Rabbinat und die
Aufzeichnungen des Mnchener Mohels haben mir auch eine ungebhrlich
hohe Nachwuchsziffer von auslndischen Mttern angegeben.

Fr Gro-Berlin entnehme ich der Zeitschr. f. Statistik d. J.
(10. Jahrg. Heft 9/10) einer Zahlenkompilation Segalls eine brauchbare
Ziffer. Danach waren 6-15 Jahre alte jdische Kinder:

  ==============================================
            in         | davon Auslnder | in %
  ---------------------+-----------------+------
  Berlin         11645 |      2718       | 23,3
  Charlottenbg.   2463 |       342       | 15,9
  Schneberg      1248 |       195       | 15,6
  Wilmersdorf     1185 |       205       | 17,3
  Neuklln         321 |        81       | 25,2
  Lichtenberg      180 |        58       | 32,2
  ---------------------+-----------------+------
  insgesamt      16040 |       3649      | 22,8

Dagegen waren prozentual im Ausland gebrtig unter 100 Juden

            in Berlin           17,2
               Charlottenburg   13,3
               Schneberg       10,8
               Wilmersdorf      13,2
               Neuklln         19,4
               Lichtenberg      20,0

Damit ist ihre strkere Beteiligung an der jdischen Volksvermehrung,
die von Segall bestritten wurde, von Segall selbst erwiesen. Die Zahl
der 0-6jhrigen Kinder war bestimmt eine bei den Auslndern
verhltnismig noch grere, da ihre Einwanderung -- wie wir sahen --
erst im Anfang dieses Jahrhunderts stark eingesetzt hat, kann ihr
Nachwuchs erst allmhlich in die Erscheinung treten. Die 6-15jhrigen
mssen daher betrchtlich weniger als die 0-6jhrigen sein.

Ich habe in der bereits citierten Arbeit ber die Berliner Juden des
weiteren nachgewiesen, da die Eltern, welche ein drittes, viertes,
fnftes und sechstes Kind bekamen, in immer strkerem Mastabe Auslnder
waren. So da letzten Endes die Familien mit sehr groer Kinderzahl in
50% auslndischen Juden angehren. Die Juden aus dem Ausland sind somit
1) berhaupt ehefreudiger 2) gehen weniger Mischehen ein und 3)
beschrnken sie ihre Kinderzahl nicht so stark. Ohne diese Einwanderung
wre die Kinderziffer der deutschen Juden nicht einmal zwei pro Ehe.
Ohne die Einwanderung wre die Frage keine Frage mehr.

Bei dem Geburtenproblem operiert Jacob Segall immer mit den
ausgewanderten deutschen Juden, das heit eine klare Sache verwirren
wollen. Wir kennen die Ziffer der Eheschlieungen und kennen die
Geburtenziffern. Wenn keine Auswanderung erfolgt wre, wre die Zahl der
Eheschlieungen und die Zahl der Kinder etwas grer; aber ihre Relation
bliebe die gleiche. D. h. mit anderen Worten, die Auswanderung hat das
Zweikindersystem der deutschen Juden nicht verursacht oder begnstigt.
Fr mich ist eine derartige Deduktion wissenschaftlicher Unsinn!

Bei der Bedeutung Berlins mag die Anfhrung ihrer Statistik gestattet
sein. Es gab in Berlin allein

          Jd. Geburten   in Promille   Juden insgesamt

  1871-75      1141           27,5           40000
  1876-80      1455           26,0           50000
  1880-90      1550           22,0           65000
  1891-1900    1775           18,0           86000
  1901-05      1570           16,7           95000
  1906-10      1500           15,0           95000
  1911-14      1250           13,6           92000
  (1917         640)

Leider gibt es keine Zusammenstellung der Geburten in Gro-Berlin. Im
eigentlichen Berlin wohnt die rmere jdische und auslndische
Bevlkerung, whrend die zweite Generation, die wohlhabender geworden
ist, nach dem Westen verzieht. Einzelne Detailziffern ergeben fr die
westlichen Vororte Geburtenziffern unter 10 0/00.

Eine reichliche Literatur hat sich bemht, das Problem des
Geburtenrckgangs zu erklren. Es ist unmglich, die Ursachen des
Geburtenrckgangs mit einer Formel zu erfassen. Eine Reihe von
Komponenten wirken am Werke. Mhen der Schwangerschaft, Gefahren der
Entbindung spielen im Unterbewutsein der Frauen eine Rolle. Liebe zum
Kinde, Angst vor der Abtreibung, religise Vorstellungen und nationales
Denken wrden gleichwohl der Natur freien Lauf lassen, wenn die Sorge
fr den gepflegten Leib, fr die Taille und die Unannehmlichkeit der
neun Monate der Empfngnis und des Stillens die einzigen Widerstnde
wren. Am strksten aber hemmen die Emanationen der wirtschaftlichen
Schdigungen. Wer wie der Jude mit seinen Kindern hher hinaus will, der
beschrnkt leicht deren Schar, wenn er oder seine Frau nicht selbst auf
viele Annehmlichkeiten des Lebens verzichten will. Und mit dem Erwachen
der Lust fr die Annehmlichkeiten des Lebens hrt die restlose Opferung
der Eltern fr die Kinder auf. Ich habe in dem Werke das Sterile
Berlin (Berlin 1912) nachgewiesen, wie sich die Ausgaben fr die Kinder
deutlich bemerkbar machen. Eine groe Familie bringt selbst begterten
Eltern schwere Lebenssorgen, wenn den Kindern eine in ihren Kreisen
bliche Erziehung und Lebensstellung verschafft wird. Die Tchter haben
einen Anspruch auf eine Mitgift, die dem Stande der Eltern angepat sein
soll, da ihnen sonst leicht die ebenbrtige Heirat verwehrt bleiben
kann. Die Ausbildung der Shne verlangt einen Aufwand, der schon vor dem
Kriege einem kleinen Vermgen gleich zu setzen war. Die gute alte Zeit
unsrer Groeltern kam der Kinder-Zeugung entgegen. Sie lebten
hauptschlich in Drfern oder Kleinstdten.

Auf dem Lande war die Aufzucht einer groen Kinderzahl leichter und eher
mglich, da die Wohnungs-, Bekleidungs- und Nahrungskosten auf dem Lande
bei starkem Familienzuwachs nicht so gro wie in der Stadt sind. Auch
die Stdter hatten bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch keinen so
ausgeprgten Kapitalismus, der berragend das Erwerbsleben beherrschte.
Die Unternehmer arbeiten heute mit immer greren Geldmitteln, soda der
geldarme Konkurrent ihnen gegenber einen beraus schweren Stand hat und
nur mhselig emporkommt.

An und fr sich ist die Reduktion der Geburten eine naturnotwendige
Erscheinung unseres Zeitalters. Deutschland hatte 1910 doppelt so viele
Einwohner wie ein Menschenalter vorher und es htte bei ungehemmter
Fruchtbarkeit, welche der Geburtenquote der Jahre 1800-1840 entspricht,
im Jahre 1950 ber 100 Millionen Einwohner.

Die glnzende Bekmpfung der Krankheiten und der Sterblichkeit
verlangt einen Einhalt der Geburtenerzeugung, wenn die alten
Aderlsse der Menschheit, die ihre Zahl stets einschrnkten, Kriege,
Infektionskrankheiten und Hungersnte in Fortfall kommen.

Die natrliche Fruchtbarkeit, die in wahnsinnigem Tempo sich vollziehen
knnte, lt schwer Platz und Brot genug finden fr zu groen Nachwuchs.
Die Beschaffung alles dessen, was wir besitzen und was uns das Leben
angenehm macht: wohnliche Huser, Einrichtungsgegenstnde, Schmuck jeder
Art, ffentliche Gebude, Schulen, Badehuser, Volksheime, ferner die
Verbindungsmglichkeiten, Eisenbahnen, Dampfschiffe, alle die
Erfindungen des menschlichen Geistes, alle Vergngungen, alle Werke, die
der Kultur und der Zivilisation dienen, knnen nicht so rasch vermehrt
werden, als eine stark wachsende Bevlkerung es verlangen wrde.

Zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig ghnt eine Kluft. Aber die kurze
Zeit von 40 Jahren hat sie berbrckt.

Die Schattenseiten des Geburtenrckganges liegen nicht in dem Rckgang
der Geburten an sich, sondern sie treten erst dort auf, wo anormale
Sexualverhltnisse die Tendenz der Beschrnkung bis aufs uerste
treiben. Die durch das Wirtschaftsleben unserer Zeit bedingte unsinnige
Sptehe lt Kinder zur Welt kommen, die krperlich und geistig
minderwertig sind. Was die Liebe der Eltern durch die Beschrnkung der
Familie an den wenigen Kindern gutmacht und durch ihre aufopfernde
Pflege ntzen mchte, das erfhrt eine unangenehme Einschrnkung durch
die zu spte Zeugung.

In meinem sterilen Berlin habe ich auf den internationalen Charakter
des Geburtenrckgangs hingewiesen. Fr die vereinigten Staaten ist
selbst bei den akklimatisierten orthodoxen Juden eine beraus niedrige
Geburtenrate festgestellt worden. Fr die Westjuden zeigte sich dieselbe
Erscheinung, z. B. in Kopenhagen, wo nicht einmal zwei jdische Kinder
auf eine jdische Ehe kommen. $Cordt Trap$, der Direktor des
statistischen Bros in Kopenhagen schlo:

    In richtiger Uebereinstimmung ist es, dass die Todesflle bei den
    Israeliten die Zahl der Geburten bei weitem bertreffen. 1891-1905
    wurden im ganzen 1.049 Todesflle gegen nur 692 Geburten
    registriert.

Auch $Weienberg$ und $Fishberg$, dieser in einem Buche ber die
Rassenmerkmale der Juden, jener im Archiv fr Rassen und
Gesellschaftsbiologie haben selbst bei den russischen Juden sichtliche
Anzeichen einer Minderung der Empfngnis wahrgenommen. Wie weit im Osten
der Neumalthusianismus Fortschritte machen wird, ist hier nicht zu
errtern. Wir knnen uns damit begngen, die Geburtenentwicklung der
deutschen Juden zu bersehen: Eine weitere Geburtenbeschrnkung wird bei
der Generation stattfinden, die heute im Gedanken und im Banne der
berhand nehmenden Verhltnisse heranwchst. Die Verschrfung der
kapitalistischen Zustnde im Wirtschaftsleben des Mittelstandes und
insbesondere die Schden, die die Familienbildung durch den Krieg
erfahren hat, wird sich in Ziffern kund tun, welche die numerische
Erschtterung der deutschen Juden unfehlbar bedeutet.




KAPITEL VIII.

$DIE MORTALITT$.

                                    _Die Lebensfhigkeit im Leben des
                                    Volkes fand ihren entsprechenden
                                    Ausdruck in der Lebenszhigkeit der
                                    Individuen, aus denen sich dasselbe
                                    zusammensetzte._

                                                                _Hoppe._


Die Mortalittsstatistik der Juden ist eigentlich nicht ganz zureichend,
weil Personen, die als Juden geboren und als Freireligise, bezw.
Christen sterben, nicht in ihr gezhlt werden. Diese Ungenauigkeit wird
gleichwohl von gewissen Statistikern geflissentlich bei
Geburtenberschuberechnung nicht bercksichtigt. Wir werden bei der
Bilanz (Beim Kapitel Bevlkerungsberschu) darauf zurckkommen. -- Es
starben

  =======================================================
  in Preuen durchschnittlich |         in Bayern
  in den Jahren               |
  ----------------------------+--------------------------
             Juden   in 0/00  |           Juden   in 0/00
                              |
  1821/30     3318     21,6   | 1876       939      18,6
  1841/50     4332     20,7   | 1880       992      18,0
  1861/65     4337     16,0   | 1890       875      16,3
  1885/90     5935     16,5   | 1900       740      13,5
  1890/95     5779     15,3   | 1901/10    711      13,0
  1895/1900   5499     14,9   |
  1901/05     5663     14,4   |
  1906/10     5725     13,8   |
  1911        5877     14,3   |
  1912        5733     14,0   |
  1913        5741     14,0   |
  1914        6535            |

Die Sterblichkeit der Juden ist -- fr den Fachmann sofort erkennbar --
bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine berraschend gnstige.
Von Jahr zu Jahr werden die Zahlen geringer, sie erreichten den
niedersten Stand im Jahre 1906-10 mit 13,8 Todesfllen auf 1000 Lebende.
(Mathematisch gesprochen entspricht diese Zahl einem Durchschnittsalter
von ber 70 Jahren. Sie ist aber nur erklrlich entweder bei momentanen
Einsparungen oder bei mangelhafter Erfassung wie z. B. beim Fortfall der
sterbenden Juden, die infolge ihres Austritts nicht gezhlt werden
u. s. w. Fragen, die ich u. a. in der 1. Auflage berhrte.)

Die letzten 10 Jahre vor dem Krieg zeigten im allgemeinen eine
auffallend gleiche absolute und fast auch relative Sterblichkeitsziffer.
Sie betrug praeter propter 5700-5800 Seelen. Da die Suglinge von Jahr
zu Jahr abnehmen, sinkt der Anteil der sterbenden Suglinge. Bei der von
dem frheren Geburtenreichtum herrhrenden zunehmenden Strke der
erwachsenen Bevlkerung (auch durch die Einwanderung), nimmt dafr die
Zahl der gestorbenen Erwachsenen zu. Der Bevlkerungsaufbau der Berliner
und der hessischen Juden, der nach weiteren Teilstatistiken wirklich
typisch fr die Verteilung der Juden auf Altersklassen ist, zeigt eine
immer strker werdende Besetzung der Altersklassen ber 40 Jahre. Da die
Sterblichkeit der alten Leute immer grer ist als z. B. der jngeren
(mit Ausnahme der Suglinge), so ist fr die Zukunft mit einer Zunahme
der Sterblichkeit mit mathematischer Sicherheit zu rechnen. Es verteilte
sich die Berliner jdische Bevlkerung unter 100 Personen

  =======================================
  auf die Jahrgnge | 1871 | 1905 | 1910
  ------------------+------+------+------
     0-20           | 40,9 | 30,5 | 29,3
    20-40           | 37,3 | 38,6 | 37,7
    40 und lter    | 21,8 | 30,9 | 33,0

Dieser Bevlkerungsaufbau ist auch in ihren Tendenzen in allen anderen
Auszhlungen beobachtet worden, so da man berhaupt von einer
Umgruppierung der Juden auch in der Altersbesetzung ihrer Bevlkerung
sprechen kann. Segall irrt sich auch in der Behandlung dieser Frage,
insofern er aus einer Einsparung der Sterbenden einem Geburtenberschu
das Wort redet.

Artur Kahn hat darauf hingewiesen, da die Verschrfung des
Erwerbslebens in der Grostadt dazu beitrgt, die Menschen frhzeitig
aufzureiben. Wir knnen diese Schden vor allem auf folgende
Einwirkungen zurckfhren:

      1. Die Minderung der jdischen Migkeit, besonders hinsichtlich
      des Alkoholkonsums und die zunehmende sexuelle Verseuchung.

      2. Die Beschftigung in Berufen, welche keine krperliche
      Anstrengung erfordern und auf Kosten der gesunden Bewegung die
      Disposition fr Herz-, Nieren-, Gef- und Nervenkrankheiten
      schaffen. Die Verschrfung des Erwerbslebens steigert die soziale
      Krankheitsindikation.

      3. Der starke Arbeitseifer der Juden. Die Minderung der lndlichen
      Urwchsigkeit in der zweiten Generation.

      4. Die Aufzucht Lebensschwacher, welche frher als kleine Kinder
      eingingen, jetzt aber aufgepppelt werden und als Erwachsene
      vorzeitig sterben und so das Durchschnittsalter herabsetzen.

      Die Zunahme rasseschlechter Elemente berhaupt infolge der
      Sptehen, der Geschlechtskrankheiten usw.

Die Kindersterblichkeit der deutschen Juden ist heute ungefhr 12%; von
100 Kindern erreichen 88 das 16. Lebensjahr. Selbst wenn sich diese Zahl
noch um ein bis zwei Punkte gnstiger stellen wird, so handelt es sich
um eine jhrliche Ersparung von hchstens 50-100 Seelen; auf der anderen
Seite ist die Sterblichkeit der lteren Jahrgnge noch verhltnismig
niedrig. Es ist ein Irrtum und verrt eine direkte Denkarmut, wenn
Statistiker glauben, die Mortalitt knnte ad infinitum verbessert
werden. Auf 1000 Einwohner kamen Todesflle bei den Juden

  ===============================================================
           unter   |   ber    | 0-15jhr. waren unter 100 Gest.
         15 Jahren | 15 Jahren |  bei den Juden  |    Christen
  -----------------+-----------+-----------------+---------------
  1877     2850    |   3473    |        45       |       54
    80     2696    |   3599    |        43       |       54
    85     2341    |   3822    |        38       |       54
    90     1955    |   4038    |        32       |       53
    95     1497    |   4086    |        27       |       53
  1900     1365    |   4563    |        23       |       51
    05     1089    |   4735    |        19       |       49
    10      743    |   4966    |        13       |       44
    11      823    |   5054    |        14       |       45
    12      634    |   5119    |        11       |       40
    13      678    |   5063    |        12       |       41
    14      648    |   5887    |                 |

Die strkere Besetzung der lteren Jahresklassen bedingte eine
erheblichere Sterblichkeit der Erwachsenen. Der Rckgang der Mortalitt
der Kinder von 2850 auf 648 schuf einen Ausgleich. Damit ist aber die
Kindersterblichkeit am Ende ihrer Verbesserungsmglichkeit. Auch ohne
den Krieg und seine Folgen wre bei der Verschiebung der Verteilung der
jdischen Bevlkerung auf die lteren Altersklassen eine Zunahme der
Sterblichkeit erfolgt.

$Vor einiger Zeit noch ist ein Geburtenberschu durch das Absinken
der Sterblichkeit erfolgt. Wir stehen aber jetzt am Ende dieser
Entwicklung. Von hier wird dem sterbenden Simson keine Hilfe mehr
zuteil. Seien wir froh, wenn die Schden des Krieges, die ungesunde
Bevlkerungsschichtung, die Aufzucht der lebensschwachen nicht zu einer
qualitativen und quantitativen Schdigung der Rasse von strkstem
Ausma fhrt.$




KAPITEL IX.

$ZUM PROBLEM DES GEBURTENBERSCHUSSES$.

                                    _Nun tausend Jahr schon leb ich Im
                                    Drucke, im Exil, Ein Knecht in
                                    Wsteneien Dem Uhu ein Gespiel! Komm
                                    Daniels Engel tu Das Ende mir doch
                                    kund! Das Ende auch verhllt ist
                                    Verstummt des Engels Mund..!_

                                                  _Salomon ibn Gabirol._


Bevlkerungsbewegung der Juden

  =========================================================================
    In    |      Im      |          |         | Austritte || Bevlkerungs-
  Preuen | Durchschnitt | Geburten | Sterbe- |  [21] und ||    bilanz
          |  der Jahre   |          |  flle  |    Taufen ||  (ungefhr)
  --------+--------------+----------+---------+-----------++---------------
          |   1881-90    |  9650    | 6075    |    350    ||   + 3225
          |   1890-00    |  8250    | 5639    |    500    ||   + 2100
          |   1900-05    |  6995    | 5665    |    600    ||   +  750
          |   1906-10    |  6790    | 5723    |    700    ||   +  350
          |    1911      |  6357    | 5877    |     "     ||   -  220
          |    1912      |  6288    | 5753    |     "     ||   -  175
          |    1913      |  6264    | 5741    |     "     ||   -  175
          |    1914      |  5987    | 5750[2] |     "     ||   -  400[22]

          Bevlkerungsbewegung der Juden

  ========================================================================
    In   |      Im      |          |         | Austritte || Bevlkerungs-
  Bayern | Durchschnitt | Geburten | Sterbe  |  [21] und ||    bilanz
         |  der Jahre   |          |  flle  |    Taufen ||  (ungefhr)
  -------+--------------+----------+---------+-----------++---------------
         |    1876      |  1740    |  939    |     30    ||      770
         |    1880      |  1680    |  992    |     40    ||      648
         |    1890      |  1147    |  875    |     50    ||      222
         |    1900      |   932    |  740    |     60    ||      132
         |   1905-09    |   868    |  712    |     75    ||       81
         |    1910      |   793    |  644    |}          ||       79
         |    1911      |   773    |  745    |}          ||   -   42
         |    1912      |   740    |  713    |}          ||   -   43
         |    1913      |   695    |  686    |}    70    ||   -   69
         |    1914      |   740    |         |}          ||
         |    1917      |   325    |  878[24]|}          ||   -  553

In $Wien$

  =======================================================================
       |          | Uebertritt |             |            | Bevlkerungs
  Jahr | Geborene |  z. Juden  | Austritt[25] | Gestorbene | Zunahme resp.
       |          |            |             |            |   Abnahme
  -----+----------+------------+-------------+------------+--------------
  1910 |   2457   |     91     |     512     |    2163    |    - 127
  1911 |   2371   |    107     |     539     |    2332    |    - 393
  1912 |   2225   |    124     |     567     |    2259    |    - 477[26]
  1913 |   2237   |    117     |     498     |    2355    |    - 499
  1914 |   2548   |    107     |     532     |    2551    |    - 428

Fr die Provinz und zwar gerade fr die ursprnglich fruchtbarste
hat Friedrich Swart in Schmollers Jahrbchern im Jahre 1912 S. 316
(Deutsche und Polen in der Provinz $Posen$) den Geburtenberschu
nachgeprft und bezeichnenderweise auch fr diese Gegenden das
unzulngliche Resultat festgestellt. So betrug der Geburtenberschu
auf je 10000 Kpfe in Posen:

  Jahr   Kath.   Juden      Jahr   Kath.   Juden

  1880    202     119       1895    248       25
  1885    178      89       1900    225      -24
  1890    197      41       1905    213      -36

Auf dem Lande bleiben verhltnismig viele alte Leute zurck, whrend
die Mehrzahl der zeugungsfhigen abwandert und der Rest bei geschmlter
Fruchtbarkeit immer geringeren Nachwuchs produziert.

Eine Ruppinsche Berechnung fr die Jahre 1885-1900 habe ich fortgesetzt.
Danach waren in Preuen Juden:

  =======================================================================
                     | 1885  |  1890 |  1895  |  1900  |  1906  |  1911
                     |  bis  |   bis |   bis  |   bis  |   bis  |   bis
                     | 1890  |  1895 |  1900  |  1905  |  1910  |  1913
  -------------------+-------+-------+--------+--------+--------+--------
       Geboren:      | 45302 | 42442 |  39386 |  37343 |  33950 |  18909
      Gestorben:     | 29678 | 28896 |  27496 |  28314 |  28615 |  17371
  -------------------+-------+-------+--------+--------+--------+--------
  Geburtenberschu: | 15624 | 13546 |  11890 |   9029 |   5335 |   1538
  ===================+=======+=======+========+========+========+========
      Verluste       |       |       |        |        |        |
                     |       |       |        |        |        |
  a) durch Austritt  |  1250 |  2000 |   2500 |   3000 |   3200 |   2000
                     |       |       |        |        |        |
   b) durch Kinder   |       |       |        |        |        |
    aus Mischehen.   |   664 |   696 |    775 |   1000 |   1000 |   1000
  -------------------+-------+-------+--------+--------+--------+--------
    Zunahme resp.    |       |       |        |        |        |
       Abnahme       |+13716 |+10850 | + 8615 |   5029 |   1135 |  -1500
  -------------------+-------+-------+--------+--------+--------+--------

Leider sind die Ziffern, die den Verlust der Gemeinschaft durch die
Taufe, Austritt und Mischehe betreffen, nicht ganz genau zu erfassen
(siehe das betr. Kapitel). Es ist nun ganz gleichgltig, ob der Verlust
durch Austritt oder Mischehen um ein paar Seelen grer oder kleiner
ist. $Selbst bei gnstigster Berechnung haben die preuischen Juden vor
dem Kriege keine Bevlkerungszunahme aus sich heraus erfahren.$ Der
Ausfall ist auf Grund sorgfltiger Berechnungen auf 1500 Seelen von
1911-1913 resp. 500 fr das Jahr anzunehmen. Das ist aber nicht das
Wesentliche an dem Vorgang, die Bedeutung liegt in der fabelhaften
Tendenz, die sich in den wenigen harmlosen Ziffern widerspiegelt.

Auch Bayern weist z. B. fr das Jahr 1913 695 Geburten und 686
Todesflle auf. Wir knnen noch so sophistisch die Zahlen deuteln, die
Geburtenunterbilanz ist unleugbar, da den 686 gestorbenen Juden die
hinzuzuzhlen sind, die bei ihrem Tod als Christen oder Freireligise
gezhlt wurden. Selbst bei bescheidensten Ziffern der getauften resp.
ausgetretenen bayrischen Juden lt sich nicht ein Plus erzielen.

Segall hat es, obwohl es von mir fters im Untergang als ein
fundamentaler Fehler gekennzeichnet wurde, trotzdem unterlassen (siehe
z. B. die reptilienartige Berechnung eines Geburtenberschusses der
preuischen Juden auf Seite 136 d. 9. Jahrg. der Zeitschr. f. St. d. J.)
die Zahl der Austritte bei seinen Geburtenberschu-Berechnungen zu
buchen; auf diese Weise tuscht er einen Geburtenberschu vor, der in
Wirklichkeit nicht existiert. Wenn die Austretenden nicht zu dem
Zeitpunkte, an dem sie die jdische Gemeinde verlassen, als Abgang in
Rechnung gebracht werden, dann sind sie in ihrem Sterbejahr den
gestorbenen Juden zuzuzhlen, da sie doch auf der anderen Seite auch in
die Statistik der geborenen Juden aufgenommen werden!

Im Jahre 1914 gab es in Preuen -- naturgem alle aus der Friedenszeit
stammend -- fast 6000 Geburten, die dem Judentum zuflossen. Demgegenber
war die Sterblichkeit der letzten Jahre vor dem Krieg durchschnittlich
ber 5700, mit der Zahl der Austretenden aber bertraf sie den Zuwachs.
Der aus Geburten stammende Zuflu gengt also im Jahre 1914 nicht, den
regelmigen Abgang zu ersetzen.

Mit Absicht bin ich nicht auf die Bevlkerungsbewegung der Kriegszeit
eingegangen. Die Kinderzahl jener Jahre sinkt noch um die Hlfte,
whrend die Sterblichkeit sich fast verdoppelte. Es ist anzunehmen, da
whrend des Krieges der einheimischen jdischen Bevlkerung eine Abnahme
von 25-30000 Seelen erwachsen ist, was ungefhr 4-5% ihrer Gesamtheit
ausmacht. Genaue Berechnungen werden sich erst aufstellen lassen, wenn
alles Material vorliegt.

Man hat erwartet, da Deutschland durch einen frisch-frhlichen Krieg
bevlkerungsproblematisch gebessert wrde. Auch die statistische
Wissenschaft der Juden ($Segall$) hat noch im Dez. Heft 1915 ihrer
Zeitschrift dem Gedanken Ausdruck verliehen: Ob durch den Krieg eine
$andauernde Besserung$ bewirkt werden wird, wird die Zukunft lehren
(S. 106) und auf das Stahlbad der ehernen Zeit gehofft, das insbesondere
auch auf dem Gebiet des Sexuallebens tief einschneidende Aenderungen
auslsen sollte. Da aber der Wille der Massen von den konomischen
Einflssen abhngig ist, da die Erkenntnis vorteilhafteren Lebens und
die Bannung dogmatisch-religiser Vorstellungen gerade durch den Krieg
eine starke Beeinflussung erfahren haben, wird die Hoffnung der
Optimisten Schiffbruch erleiden. Deutschland und insbesondere seine
Juden werden mehr denn je ihre Fruchtbarkeit beschrnken, wenn auch die
Geburtenhhe des Jahres 1920, des ersten Friedensjahres, durch ein
momentanes Anschwellen der Heiraten, besonders infolge der Zuwanderung
ansteigen wird. Aber die Erschwerung der Kinderhaltung wird durch die
bekannten neuen Verhltnisse erst recht potenziert. Allerdings ist die
absolute Zahl der Juden Deutschlands durch eine starke Einwanderung
gekrftigt. Das verzgert den Proze, gestaltet ihn aber nicht um. --

Wer Sinn und Verstndnis fr Statistik hat, der mag sich den
Bevlkerungsaufbau der Juden Berlins vom Jahre 1910 ansehen. Ich htte
ihn gerne ausfhrlichst mit weiteren frheren Altersgliederungen
gegeben, mu aber aus Raummangel hier, wie so oft, mich bescheiden.

Von 100 Juden in Berlin[27] waren alt:

                 1871   1880   1900   1910

   0-20 Jahre    40,9   38,5   30,2    29
  20-50   "      47,0   48,4   52,3    50
  50 und lter   12,1   13,1   17,5    20

Nach einzelnen Altersklassen wurden ausgezhlt Personen (1910):

  ===========================================
   davon betrafen die  |   0-5  Jahre    5859
   0-1  Jahre    1148  |   5-10          6238
   1-2           1136  |  10-15          6627
   2-3           1150  |  15-20          7791
   3-4           1204  |  20-25          8879
   4-5           1221  |  25-30          8588
  ---------------------+---------------------
  30-35 Jahre    8814  |  61-65 Jahre    3041
  35-40          7552  |  66-70          2202
  40-45          6869  |  71-75          1391
  45-50          5837  |  76-80           721
  50-55          5160  |  81-85           352
  55-60          3924  |  86 und lter

Hier wie auch anderorts sind die Juden des reifen Alters in grerer
Zahl vertreten als ihr Nachwuchs. Die aufrckenden jngeren Jahrgnge
sind nicht imstande, numerisch gleich stark an die Stelle der lteren
Jahrgnge zu rcken. Die in den Jahren 1906-1910 in Berlin geborenen,
insgesamt nicht ganz 6000 jdischen Kinder werden in 2-3 Jahrzehnten aus
sich heraus nur ca. 5000-5300 Erwachsene stellen, (bei gnstiger
Sterblichkeit). Damit ersetzen sie, oder sollen sie die heute 8588 25-30
Jhrigen ersetzen! Und selbst mit den Jahrgngen jenseits der
Fruchtbarkeitszeit, selbst mit diesen lteren Jahrgngen knnen sie sich
nicht messen. Man kann mit viel Kunst Ziffern anzweifeln und den Wert
der Statistik kritisieren. Hier zeigt sich schwarz auf wei: die
Fruchtbarkeit der Berliner Juden ist schon heute um groe Teile zu
gering. Exakte Berechnungen, die ich in der Preisschrift der
Gesellschaft fr Rassenhygiene anstellte, ergaben einen Nachwuchs, der
weit mehr als 40% zu gering ist! Die Geburtenziffer von 1910-1914 ist
noch strker zurckgegangen. Eine Unterbilanz von etwa 50% war ihre
Folge.

Der Altersaufbau gibt einen glnzenden Ueberblick ber die Frage der
Quantitt des Nachwuchses. In der jdischen Statistik ist diese
treffliche Beobachtungsmethode leider unbeachtet geblieben. Einige
Beispiele lehren die Uebereinstimmung des Prozesses an anderen jdischen
Centren.

Im Jahre 1905 gab es in $Hamburg$

             bei der allgemeinen             jdischen Bevlkerung

  Kinder      (0-10 Jahre) 176341 = 19.7%       3027    5,15%
  Erwachsene (30-40   "  ) 140897 = 16%         3234   16,5%

Bei der $allgemeinen$ Bevlkerung kam auf jeden Kopf der 30-40jhrigen
1,25 der jngeren Generation. Danach hatte die Hamburger Bevlkerung
damals die Mglichkeit, sich aus den Kindern zu ergnzen. Bei den Juden
kamen auf 3234 Dreissigjhrige nur 3027 Kinder von 0-10 Jahren. Damit
war die Altersklasse der Kinder um 7% schlechter besetzt.
Erfahrungsgem fallen noch 10-12% infolge der Suglings- und
Kindersterblichkeit aus. Die jdische Geburtenziffer war fr Hamburg im
Jahre 1905 mit 20% zu gering zu veranschlagen. Selbst wenn die
auslndischen Juden daran schuld wren (Segall), so interessiert uns
dies fr den Augenblick nicht. Wir stellen momentan lediglich die
Tatsache fest und knnen uns erst spter den Einwnden nhern, die in
dieser Ziffer Zuflligkeiten erblicken wollen.

Segall hat einmal eine weitschweifige Arbeit ber die Mnchener Juden
herausgegeben, in der einige bedeutsame Ziffern in dem Wust der Tabellen
verborgen blhten und die unbeachtet geblieben sind. Diese Zahlen
betreffen den Bevlkerungsaufbau. Es waren in Mnchen:

  ===============================================
            |      Juden      | Gesamtbevlkerung
  Jahre alt |  1875  |  1905  |   1875  |  1905
  ----------+--------+--------+---------+--------
     1-15   |  1088  |  2225  |  43758  | 142810
    16-30   |  1085  |  3173  |  64766  | 158982
    31-50   |   817  |  3034  |  57774  | 159044
    51-70   |   400  |  1409  |  27660  |  65912
  ber 70   |    77  |   215  |   4806  |  12235

Die eine Tatsache geht aus dieser Statistik klar hervor, da (1905) die
Jahrgnge der 1-15jhrigen Juden durchschnittlich 148 Kinder zhlen und
die der 30-50jhrigen 151 Personen. Wie sollen die 148 Kinder nach Abzug
der Verluste durch ihre Sterblichkeit die mit 151 Personen besetzten
Jahrgnge der Erwachsenen ersetzen?

Bei der $allgemeinen$ Bevlkerung ist eine ebenso groe Einwanderung wie
bei der jdischen. Trotzdem kommen auf die mit 9520 Kinder besetzten
Jahrgnge (0-15 Jahre) der Gesamtbevlkerung nur 7952 Erwachsene von
30-50 Jahren. Bei der christlichen Bevlkerung war der Nachwuchs fast
gengend, bei der jdischen war er absolut ungengend. Und Segall gibt
selbst den Beweis, da die starke Einwanderung in die Stdte nicht den
Grund fr den anormalen Volksaufbau abgibt. Er gibt ja die Statistik des
Jahres 1875, da die Zuwanderung in Mnchen schon begonnen hatte. Damals
waren 1-15 Jahre alt durchschnittlich 72 Juden und 31-50 jhrig nur 41
Personen.

Segalls Irrtum, da die auslndischen Juden die Fruchtbarkeit
herabdrcken, erweist die Statistik der Leipziger Juden.

Hier, wo die verhltnismig strkste Zuwanderung von Ostjuden besteht,
ist $einzig und allein eine strkere Besetzung der jngeren
Jahresklassen$ (der Kinder) $anzutreffen$. Es waren die Altersklassen
besetzt in Leipzig

              1900      1905

   1-10      19,6%     20,1%
  10-20      20,6      20,1
  20-30      19,7      20,7
  30-40      15,3      14,8
  40-50      12,4      12,8

In Leipzig ist sogar die Zahl der Kinder unter der Bevlkerung
proportionell gewachsen!

Segall gibt in seiner $Andacht zum Unbedeutenden$ wie einmal A. W.
Schlegel sich ausdrckte, das von amtlicher Stelle gesammelte Material
in hundert Aufstzen und Arbeiten, aber er verwirrt nur die Probleme mit
seinen Kommentaren. Er kompliziert die einfachsten Vorgnge.

Segall gengt nichts. Er sieht die Ziffern der Eheschlieungen,
Ehelosen, der Geburten, ihr Verhltnis zu den Eheschlieungen. Nichts
gengt ihm, der Geburtenrckgang erscheint ihm nicht wissenschaftlich
belegt. Nur die Fruchtbarkeitsziffer knne bezeugen, ob tatschlich die
Kinder bei den Juden weniger wurden. Zum Unglck aber knne man diese
Ziffer nicht bekommen. Wie steht es nun wirklich mit diesem seltenen
Schlssel, der allein uns das Rtsel lsen knnte. Diese
Fruchtbarkeitsberechnung geht von dem Gedanken aus, die Zahl der
Geburten an den Frauen zu messen, die gebrfhig sind, also an $allen$
Mdchen und Frauen vom 15. bis 50. Lebensjahre. Jacob Segall benutzte
eine Auszhlung, die er $nur$ an den Mnchener $Ehe$frauen anstellte.
Diese Arbeit ist natrlich nur eine halbe Sache. Die Fruchtbarkeit hngt
nicht nur von verheirateten Frauen ab, sondern von allen weiblichen
Wesen, also auch von ledigen ohne Kinder. Ist der Prozentsatz der
Ledigen gering, so kann eine mige $eheliche$ Fruchtbarkeit noch
gengenden Nachwuchs liefern, ist die Ziffer der Ledigen mit Kindern
gro, so knnte auch eine mige eheliche Geburtenziffer die Gre des
Nachwuchses nicht beeintrchtigen. Alle diese Zwischenfragen werden
berflssig, wenn wir die Fruchtbarkeitsziffer an allen weiblichen
Individuen ermitteln.

Aber selbst die Entwicklung der ehelichen Fruchtbarkeit in Mnchen mte
einem Statistiker zu denken geben, denn das ist ja eben das wesentliche
an dieser Untersuchungsmethode, da sie sich frei macht von der
Besetzung der einzelnen Jahresklassen, da sie die Einflsse der
Abwanderung gebrfhiger Elemente paralysiert und ein wirkliches
$absolut einwandfreies Bild$ der Zeugungslust abgibt. Nach den
Segallschen Zahlen habe ich diese jdische eheliche Fruchtbarkeit
zusammen gefat. Sie betrgt in Mnchen

  Im Durchschnitt d. Jahre      Geburten

           1875/76                222
           1877/82                170
           1883/80                122
           1891/99                112
           1900/05                107,5

Glaubt Segall wirklich, da dieser rapide Geburtensturz der Mnchener
Jdinnen eine in Deutschland singulre Erscheinung darstellt? Da er mir
vorwarf, da ich die Fruchtbarkeitsberechnung nicht fr andere Gegenden
aufstellte, kam ich seinen Vorhaltungen nach und habe eine einwandfreie
in der citierten Preisarbeit ber die Berliner Juden niedergelegt.

Meine Berechnungen wenden sich nicht nur an die gebrfhigen Ehefrauen,
sondern bercksichtigen, wo es logisch ist, alle fruchtbarkeitsfhige
weibliche Wesen. Es wre ein leichtes, auch wenn die offizielle
Statistik diesbezglich versagt, diese Ziffern fr andere jdische
Gemeinden nachzuprfen.

Es trafen auf 1000 verheiratete und ledige weibliche Personen im
Fruchtbarkeitsalter Geburten bei der

            preu. Bev.   Berliner Bev.   bei d. Jd. Berlins

  1880                        105                100,8
  1895                         96                 67,5
  1900                         84                 60,8
  1905      ca. 150-160        76                 56,8
  1910                                            48,6
  1911/14                                        40-45

Eingehendere Ziffern sind a. O. gegeben. Im Jahre 1910 fanden sich in
Berlin 25742 Jdinnen im Alter von 15-50 Jahren. Ihre Geburtenziffer in
1100 ehelichen jdischen und 100 unehelichen und ca. 50 jdischen
Kindern aus Mischehen (die biologische Fruchtbarkeitsziffer der Jdinnen
ohne Rcksicht auf die Kindererziehung war dementsprechend 50,5).

Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer fr die gesamte Bevlkerung war
z. B. in Bayern

                                    1908-12   1913
  in den Grostdten                  87,1    74,9
  in den Bezirksmtern               145,5   124,0

Jeder Mathematiker kann nachrechnen, da eine Bevlkerung ohne
jede Kindersterblichkeit 57,2 Geburten pro Jahr auf 1000 Frauen
(15-50 Jahren) gebraucht. Bei einer $idealen$ Suglings- und
Kindersterblichkeit und Mortalitt der Erwachsenen bis zum
50. Jahre aber 65 Geburten. In praxi drften bei den heutigen
Mortalittsverhltnissen 70 Geburten auf 1000 gebrfhigen Frauen
gerade die Bevlkerung erhalten. Darnach war die $Berliner jdische
Fruchtbarkeit um ber 40% zu gering$.

Segall verlangte nach einer Fruchtbarkeitsstatistik eines Landes. Die
grostdtische Ziffer gengte ihm mit Recht nicht. Er htte sie sich
selbst bequem aus der Ruppinschen Arbeit (III. Jahrgang der Zeitschr. f.
Statistik) ausziehen knnen. Sie ergibt fr das Jahr 1905 und fr
$Hessen$ mit reichlich lndlichen Gemeinden einen Fruchtbarkeitswert von
65. Damit hinkt die jdische Fruchtbarkeit Hessens der Berlins nicht
sehr nach. Auch Hessen teilte das Schicksal der deutschen Juden bereits
1905.

Genug der Methodik, der Tabellen, der Polemik.

Eine folgende schlichte Zusammenstellung ergibt dem, dem das Gewirr der
Tabellen nicht Klarheit bietet, den erwnschten Ueberblick.

Von 100 Mdchen, die vor 45 Jahren von jdischen Eltern geboren wurden
(im Durchschnitt berechnet)

  =======================================================================
  sind getauft |           |        |           |             |
    als Kind   |  ledig u. | ledige |   heir.   | heir. Juden | Insgesamt
   und spter  | kinderlos | Mtter | Nichtjud. |             |
  -------------+-----------+--------+-----------+-------------+----------
         2     |    22     |    3   |    18     |     55      |    100
  -------------+-----------+--------+-----------+-------------+----------
   davon       |           |        |           |             |
  jdisch.   0 |     0     |    3   |     4     |    118      |    125
  Nachwuchs    |           |        |           |             |
  -----------------------------------------------------------------------

Auf jede dieser Frauen kommen momentan durchschnittlich 1,25 Kinder,
whrend zur Erhaltung der Art 2,4 Kinder auf den Scho jedes Weibes
entfallen sollten. (Man verwechsle hiermit nicht unsere Berechnung,
wonach auf jede jdische Ehe je 2,15 kommen. Hier handelt es sich nicht
nur um die Ehestatistik, die brigens in Rubrik 5 enthalten ist, sondern
um die Fruchtbarkeit im allgemeinen). Selbst wer nachsichtig, noch so
liebevoll wissenschaftlich die Statistik des jdischen Sexuallebens
bearbeitet, kann nie und nimmer zu anderen Resultaten gelangen.
(Dr. $Herlitz$ fand an einzelnen Familien hnliche Resultate, die er in
dem Wiener Archiv fr jdische Genealogie publizierte). $Die den Juden
zuflieende Fruchtbarkeit war nach dem statistischen Stand im Jahre 1913
um die Hlfte zu gering.$




KAPITEL X.

$DIE AUSTRITTSBEWEGUNG$.

                                    _Der Stolz des Mannes ist sein
                                    Volk._

                                                      _Beaconsfield._


Die Theologen und Moralisten haben in der Austrittsbewegung nur die
ethische Komponente beobachtet. Sie haben das verwerfliche Motiv
unterstrichen, wonach die Anerkennung dogmatischer Voraussetzungen und
religiser Ideengnge von ueren Vorteilen abhngig gemacht wird. Sie
bewerten den Charakter des Austritts als gesellschaftliche Erscheinung
ideell, aber nicht soziologisch. Man hat bisher wenig die Ursachen
dieser Bewegung aufgeklrt. Zeitlich seit der Emanzipation verliert die
Taufe den Charakter der Seltenheit. Bereits 1811 reichte David
Friedlnder dem Staatskanzler von Hardenberg ein Verzeichnis ein, nach
dem in den vorhergehenden 8 Jahren 32 Familien und 18 ledige Mnner in
Berlin die Taufe nahmen. 1830 klagte Sarah Levy, die Tochter Itzigs:
Ich komme mir vor wie ein entlaubter Baum; alle die Meinigen um mich
her sind durch ihren Uebertritt zum Christentum mir doch in vieler
Hinsicht fremd geworden. In einer demnchst erscheinenden Arbeit ber
$Die Juden in der deutschen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte$ konnte
ich beobachten, da gerade die bedeutendsten und bekanntesten deutschen
Juden in Handel und Verkehr, in der Literatur, Kunst und Wissenschaft
die Beziehungen zur jdischen Gemeinschaft gelst haben.

Der Mangel jdischer Kenntnisse und die fehlende Ehrfurcht vor den
Geistesgren des Judentums allein kann nicht die Erklrung bieten, wenn
sogar die Familien der Vorkmpfer die Taufe nahmen. $Fishberg$ machte
bereits neben $Samter$ (Judentaufen) darauf aufmerksam: Die
bestbekanntesten jdischen Familien aus dem Beginn des letzten
Jahrhunderts sind in der christlichen Majoritt, in deren Mitte sie
lebten, aufgegangen. Dazu sind zu rechnen: die Mendelsohns, die
Nachkommen des jdischen Historikers Bresslau und Grtz, des
begeisterten Chowewe Zionisten Hirsch Kalischer, die Anverwandtschaft
des jdischen Schriftstellers Bernstein bis in die Kreise des Berthold
Auerbach und Gabriel Rieer, Shne gebildeter Rabbiner (Wedell,
Levy[28], Klemperer etc.), wie die Kinder von jdischen Adeligen, welche
als Juden nobilitiert worden waren z. T. mit alttestamentarischen und
prononcierten Namen Cohn-Oppenheim, v. Hirsch. Von 100 geadelten
Familien rechnet sich der kleinste Teil noch zu den Juden. Die
v. Bleichrder, Beit auf Speyer, Friedlnder-Fould, von Weinberg -- um
nur einige zu nennen -- sind convertiert. Aus den Kreisen der
Wissenschaft wren viele Hunderte aufzuzhlen, die nur noch der Rasse
nach als Juden betrachtet werden knnen. Von vielen bekannten
Forscher-Familien[29] und vielen Husern der Haute-Finance ist es kaum
mehr bekannt, da ihr Aufstieg durch einen Juden eingeleitet wurde. In
einer Arbeit (Archiv f. Rassen und Ges. Biol. 1911) zur Geschichte der
Familie Samson habe ich Beispiele fr den Uebergang der geadelten
deutschen Judenschaft in die christliche Gesellschaft angefhrt. Fr die
nobilitierten deutschen Juden bedeutete die Aufnahme in eine der Kreise
der alten Geschlechter den letzten mglichen Aufstieg, den Hhepunkt
ihres ehrgeizigen Strebens. ($Blau$ hat vor dem Krieg nachgewiesen, da
in Berlin unter den Austretenden allein 12 Personen, die mehr als 1000
Mk. Steuern zahlten, sich befanden, also damals Millionre waren.) Bei
der Sucht eine Rolle zu spielen, geachtet zu werden, ist die Taufe so
lange eine Notwendigkeit, als die jdische Gemeinschaft nicht nur
fremdartig, sondern als $minderwertig$ den Deutschen und ihnen selbst
erscheint.

Ueber die numerische Bedeutung belehren einige Berechnungen von
$Hoffmann$, $Samter$ u. a. Danach gab es

  1822-1840 Uebertritte in Preuen      2200
  1841-1880                             7000
  1880-1912                             6513

Fr Dresden liegen genaue Erfassungen vor. Dort waren (1886-1911) 277
Austritte und 30 Eintritte.

  In $Hamburg$ (nach Weigert)               in $Wien$

           Taufen                 Austritte        Eintritte

    1885-1890         281       1880        110          53
    1890-1895         370       1890        302          60
    1895-1900         381      1901/05     3104         500
    1900-1905         404      1906/10     3073         766
    1905-1910         363


      in $Berlin$

       Austritte

  1873-1880          51
  1881-1888         105
  1889-1896         509
  1897-1904         996
  1905-1913        1324
  1913-1919        1055

Fr das Jahr 1903 hatte das Bro fr Statistik d. J. eine Enqute fr
ganz Deutschland veranstaltet. Es wurden 20 Eintritte und 259 Austritte
gemeldet, davon etwa 120 zum Protestantismus, whrend die Mitteilungen
der evangelischen Landeskirche von 500 Uebertritten sprachen. Da viele
Juden an Orten, wo man es sozusagen nicht wahrnimmt, aus dem Judentum
verschwinden, kann letztere Ziffer richtig sein. Samter hat auch in
Berlin hhere Taufziffern als Blau (Zeitschr. f. Statistik d. J.
III. Jahrg. S. 149). Sie sind durchweg um das 2-3 fache so hoch als die
Austrittsziffern, welche die jdische Gemeinde gibt. Samter zitiert
hierfr das stdt. Jahrbuch der Stadt Berlin und das Allg. Kirchenblatt
f. d. ev. Deutschland. Zusammen mit den Uebertritten zum Katholizismus
und den Anschlu an die dissidentische Bewegung ist der Abfall vom
Judentum (die Taufe etc. der Kinder jdischer Ehen einbezogen) etwa um
die Jahrhundertwende auf mindestens 1000 pro Jahr fr Deutschland zu
veranschlagen.

Die jdischen Gemeindestatistiken ermitteln fast nur Tuflinge ber 20
Jahre, 17-20 jhrige betrafen nur wenige, kleine Kinder allein wurden
ohne die Taufe der Eltern nie gemeldet, so da die der Kinder allein
statistisch nicht festgehalten wurde. $Artur Kahn$ hat in dem Blatt der
Grologe fr Deutschland geschrieben, da s. Z. ca. 15% aller jdischen
Kinder am evangelischen Religionsunterricht teilnahmen. In einzelnen
Lehranstalten steigt der Prozentsatz bis ber 30%. Natrlich ist die
Erteilung des Religionsunterrichts nicht nur eine rein platonische
Ehrenbezeugung vor dem Christentum. Die Konsequenzen aus dieser Vorliebe
fr die Heilswahrheit des Evangelismus ziehen die Eltern bei passender
Gelegenheit, sonst htte diese Uebung keinen Zweck. Ebenso bedeutsam ist
die Tatsache, da in dem Jahr 1897 von 11668 jdischen Kindern 1245 ohne
Religionsunterricht waren.

Die Absentierung vom jdischen Unterricht bedeutet eine starke Abneigung
gegen die jdische Religion, die leicht zur vollstndigen Aufgabe
jeglicher Beziehungen zur Religionsgemeinschaft fhrt. Blau hat in
Gross-Berlin (Zeitschr. f. Stat. d. J. Bd. 11 S. 12) von 36671 Kindern
rein jdischer Ehen 416 in nicht jdischem Glauben ermittelt, darunter
nur 24 konfessionslos und 3 als katholisch, 389 evangelisch. Diese
Auszhlung gibt einen gewissen Ueberblick ber die Kindertaufe. $Dora
Weigert$ hat in einer eingehenden und trefflichen Arbeit fr Hamburg
nachgewiesen, da von 100 ehelich geborenen jdischen Kindern vom Jahre
1880-1910 1,6-3,6% getauft wurden, bei den unehelichen schwankt der
Prozentsatz zwischen 10-18%, wir knnen also mit einer Taufe von Kindern
rechnen, die fr ganz Deutschland zwischen 1 und 2% aller geborenen
liegt.

Nicht uninteressant ist es, der Berufsttigkeit der Tuflinge
nachzuspren. 1911 waren in Berlin unter den 148 Mnnern 45 Akademiker,
also fast ein Drittel, was natrlich der Beteiligung dieser Berufe an
der Bevlkerung nicht entspricht.

$Gotthold Weil$ hat in der Jdischen Rundschau einige der Motive
blogelegt. Die Sorge der Eltern um ihre Kinder, die Furcht, da diesen
spter einmal durch die Zugehrigkeit zum Judentum viele Schwierigkeiten
im ffentlichen Leben erwachsen knnten, bestimmte die meisten nur nach
dem Erfolg strebenden Eltern durch einen rechtzeitigen Austritt aus dem
Judentum ihren Kindern wenigstens die ueren Hindernisse aus dem Wege
zu rumen, die sie trotz groen Fleies und starker Kmpfe fr sich
nicht zu beseitigen vermochten.

G. $Wolf$ bemerkte in seiner Abhandlung Die Judentaufen in Oesterreich
(Wien 1863) Aller Sorge und Qual des unsglichen Jammers und Elends
konnte man sich mit einem Schlage entledigen. Das Taufwasser wscht jede
Schmach und jeden Makel weg; er, der noch gestern gramgebeugt
einherging, kann heute stolz das Haupt emporgehoben einhergehen, noch
mehr, er wird mit Amt und Wrden ausgezeichnet.

Neuerdings ist zum Austritt der Reichen und der Akademiker noch eine
Abfallbewegung der Proletarier gekommen. Eine genaue Untersuchung der
Wiener und Berliner Statistik hat diese auf den ersten Augenblick
befremdende Erscheinung sichergestellt.

Die Taufe der Wohlhabenden ist der Ausdruck ihres Strebens ber das
Erreichte noch emporzukommen. Auf das Butterbrot der Konversion bekommt
man, wie Nordau einmal sagte, alles gestrichen, sie ist das Entreebillet
zur besten Gesellschaft, sie ist noch heute die conditio sine qua non,
fr akademische Lehrsttten, kurz fr Amt und Wrde und Auszeichnung.
Ueber das Weihbecken geht der aussichtsvolle und bequeme Weg zu den
Quellen der Macht und dem sprudelnden Born der Wissenschaft. In Lndern,
wo die politische Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden
restlos auch im Unterbewutsein des Volkes sich durchgesetzt hat, ist
die Taufe eine unbekannte Erscheinung. Im Lande D'Israelis und Ricardos
ist sie heute berflssig geworden, in Vergessenheit geraten, ebenso wie
im Reich der Luzatti und Ottolenghi. Solange die Juden den Deutschen
minderwertig erscheinen, wird die Taufe anhalten, und viele, die nicht
die Kraft oder das Lustvermgen aufbringen, das Los der Miachteten zu
teilen, aus ihrer Mitte entfhren. Die Juden, die dem Judentum den Wert
absprachen, sind Produkte dieser Konstellation. $Rathenau$, $Samuel
Lublinski$, $Benedictus Levita$, $Weininger$, $Fromer$, $Trebitzsch$ und
andere handelten und schrieben unter dem Einflu der politischen Lage.

    Bleichrder meinte zu Bismarck (Zukunft 17. Jahrg. No. 32): Etwas
    sujet mixte muss auch der beste deutsche Jude bleiben, wie es schon
    in den Worten deutscher Jude liegt. Und es gibt nur drei Auswege aus
    dieser Doppelmischung: Rckkehr nach Jerusalem oder wie es die
    meisten meiner Glaubensgenossen jetzt so halten, vllig Eins werden
    und Untergehen in dem germanischen Volkskrper. Ein Knigsberger
    Jude verstieg sich sogar zur Forderung der Zwangsmischehen, deren
    Kinder zu taufen seien (Grtz II 5. 263).

    Der moderne Jude ist in das Kulturleben der Wirtsvlker eingetreten
    (Fromer), nimmt an ihren Freuden und Leiden Anteil, und beansprucht
    gesellschaftliche und politische Gleichstellung. Er ist auf die
    Leiden nicht gefasst, hat keinen Trost, keine Linderung fr diese
    Leiden und ist gegen die Auflsung, die er nicht will, durch nichts
    geschtzt.

    $Marcuse$ findet in seiner Apologetik der Mischehe (Sexualprobleme
    (1912)): Die Auflsung ein Schicksal, das zugleich aufs innigste zu
    wnschen und wie jede auf ihren Gesetzen sich vollziehende
    Entwicklung unabwendbar. So kann die Mischehe nur, was zum Sterben
    reif ist, einem schnelleren und schneren Tod zufhren und der
    jdische Deutsche darf, wenn er klar erkennt, was ist und was werden
    muss, mit Friedrich $Biach$ die Bezeichnung der Mischehe als eines
    Selbstmordes getrost anerkennen, aber als eines freien und freudigen
    Selbstmordes: Denn ich will nicht mehr das Selbst sein, das ich war,
    ich will dem herrlichen Volke angehren, in dessen Mitte ich
    geboren; stirb zur rechten Zeit: also lehrte Zarathustra, allzu
    lange haben wir gezaudert.

Der deutsche Jude entlehnt einen Teil seiner Methodologie
antisemitischer Lektre. Chamberlain haben die meisten Juden gelesen.
Der scharfe, kritische Geist erkennt am besten die Schwche seines
Volkes. Wie bei einem geschlagenen Heer, wenn die Kommando-Gewalt der
Offiziere versagt, die Soldaten zu entweichen suchen, so drckt sich die
Masse der Juden, die sich nur an ihren eigenen Interessen orientieren,
denen das jdische Joch zu schwer wird. Aus der Not wird eine Tugend.
Die Aufgabe des eigenen Ichs zu einem kategorischen Imperativ -- der
Abschied vom Judentum zur befreienden Tat.

Letzten Endes ist dieser Vorgang nichts anderes als ein Versuch aus dem
sich entwurzelnden Judentum mit einem khnen Sprung ins andere Lager zu
springen.

Kompliziert wird aber die Judenfrage durch neue Einflsse. Die jdische
Gemeinschaft des XIX. Jahrhunderts galt allgemein als religise
Korporation. Die vom Sozialismus erfassten Kreise des Proletariats und
ihres Umkreises haben aus politischen und kulturellen Erwgungen heraus
den Kampf gegen den Katholizismus als den Bundesgenossen des Centrums
und gegen die evangelische Kirche als die Beschtzerin der bestehenden
Rechtsordnung und der konservativen Richtung angenommen. Die Feindschaft
ging somit gegen die Religionen als die Horte der Reaktion, als
Fundamente des Autorittsglaubens, des Konservativismus, dem der
Fortschritt, die materielle und rein konomische Auffassung der
Lebensprobleme entgegenstanden. Aus diesem $politischen$ Gegensatz
resultiert die Verneinung der Existenzberechtigung der Konfessionen, die
erbitterte Feindschaft der radikalen Parteien gegen die Kirchen und die
Geistlichkeit. Die Abwehrstellung gegen die Religionen entspringt einer
politischen Einstellung, die durch kulturelle Interessen gefrdert wird.
Auch im universellen Gedanken der Profeten stecken Anstze, die
zum Bund der allmenschlichen ethischen Gemeinschaft fhren zum
Ueber-Konfessionalismus, zu Formen der allgemeinen humanen Ethik, die in
seiner vollen Tiefe Spinoza geahnt hat.

Der Jude mit seinem scharfsinnigen Geist und seiner ethisch
prononcierten Ueberlegung hat am frhesten sich allen Bewegungen
angeschlossen, die das geistige Ghetto, das die Vlker umgab,
durchbrechen sollten. Deshalb waren lange Zeit die Konfessionslosen
meist jdischer Rasse.

Ist die Taufe in gewissem Sinne eine Folge des Antisemitismus und ist
die Taufe vor allem das Mittel des utilitaristisch denkenden Menschen,
so ist der Austritt der Freidenker, Atheisten, Ueberkonfessionellen
u. s. w. gerade das Stigma idealistisch gesinnter Personen, die in dem
Abstreifen einer engherzigen Religionsgemeinschaft eine kulturelle Tat
begangen zu haben glauben.

Solange das Judentum als rein religise Organisation fungiert, werden
sich welche von ihm absondern, die keine religisen Interessen oder
nicht die jdischen besitzen. Dabei wird die Erleichterung des Austritts
ihre Zahl um das Heer derer vermehren, die aus den simpelsten
finanziellen Erwgungen (die aber heute fr jeden Haushalt von
weittragendster Bedeutung sind) heraus den Augenblick begren, einer
der vielen Belastungen zu entgehen, mit denen man in Deutschland zur
Stunde recht gesegnet ist.

Das Bekenntnis zum Judentum ist eine freiwillige Willensuerung. Sie
appelliert an die Ueberzeugung, an das Gefhl des einzelnen, aber es
steht ihr kein Machtmittel zur Verfgung, ihre Mitglieder festzuhalten.
Vorerst hat sie keine Mglichkeit, ihre Anhnger von konomischen,
kulturellen, politischen und anderen Interessengebieten unabhngig zu
machen. Wohl knnen sich einzelne persnlich in vielem freimachen, die
Mehrzahl, die in Deutschland lebt, wird wohl ihren Anteil an den
Lebensformen der Umwelt nehmen. Solange die Judengemeinschaft bestehen
bleibt, dauert dann der Anreiz an, der Zwitterstellung zwischen
Deutschen und Juden zu entsagen. Mgen in jdischem Lager die
Philosophen und Literaten, die Theologen und Politiker die Unterschiede
in der Rassenpsyche und der letzten Mentalitt der beiden Volksteile
bestreiten, die Konkruluz des Deutschtums und des Judentums beweisen,
das Unternehmen wird immer ein akademisches bleiben, so lange die
tatschlichen Kontraste, die Randspannungsgefhle der beiden
Gemeinschaften nicht einen gewissen Ausgleich gefunden haben. Ob dieser
letzten Endes bei den Menschen berhaupt und gerade den Deutschen
mglich ist, ist nicht a priori abzusehen. Im Orient haben Jahrhunderte
lang fremde Rassen nebeneinander gelebt, das alte rmische Reich war
vielerorts das Sammelbecken der verschiedensten Vlker, in Indien sollen
verschiedene Nationen friedlich nebeneinander hausen.

Vorerst hat die deutsche Judenheit in den letzten hundert Jahren ihren
Zusammenhang mit dem nationalen Judentum gelst und die religisen
Absonderungsgesetze und Sitten gelockert. An die feste Vorstellung von
der Auserwhltheit des jdischen Volkes, das in jedem Anhnger das
unbedingteste Vertrauen an die Zukunft der eigenen Nation, die Hoffnung
auf den Messias so fest verankerte, da kein Zweifel mglich war, trat
eine rationalistische ethische Vorstellung von Gott und der Welt,
losgelst von alter Form und ureigenstem Inhalt.

Der Nivellierung, Assimilierung und Entjudaisierung ist gerade dadurch,
da nunmehr das Judentum die festen nationalen und religisen Umrisse
verloren hat, die Arbeit der Auflsung leicht gemacht. Dass die
deutschen Juden die Rckkehr zum nationalen und religisen Judentum
antreten werden, ist unwahrscheinlich. Wie wenig das neologe religise
Judentum die Erhaltung bewerkstelligen konnte, belegt die Geschichte des
ganzen XIX. Jahrhunderts. Ob dem $nationalen$ Judentum, also einer
Komponente des jdischen Komplexes, die Kraft des ursprnglichen
nationalen und religisen Judentums inne wohnt, ist fraglich.

Nicht der Sieg ber die neologen und religis interessierten Juden,
nicht die Erreichung neuer Gesetze wird ihre letzte Bedeutung belegen,
sondern die Fhigkeit des Nationalismus, alle Juden zu erfassen und das
Judentum zu binden, insbesondere das Sexualleben so zu regeln, dass Eros
sie nicht auerhalb der Gemeinschaft hinausfhrt, ein Unterfangen, dem
man nur mit grtem Skeptizismus gegenber treten kann ...

Selig die, denen diese Gedankengnge berflssig und zu schwarz
erscheinen!




KAPITEL XI.

$DIE MISCHEHE$.

                                    _Religion und Inzucht waren die
                                    beiden eisernen Reifen, die das
                                    jdische Volk fest umschlossen und
                                    als eine einzige feste Masse durch
                                    die Jahrtausende erhalten haben. Und
                                    wenn sie sich lockern? Was wird dann
                                    die Wirkung sein?_

                                                      _Werner Sombart._


Das genealogische Moment hat die Nationen nicht geschaffen, sondern sie
fixiert. Die Vererbung ist ein Zeichen und das Resultat der
Nationalitt, aber nicht ihre Ursache. Nicht der Beginn, sondern die
weitere Existenz wird durch die Vererbung erklrt ($Bluntschli$: Die
nationale Staatenbildung, gesammelte Schriften). Mit anderen Worten:
Nachdem eine gewisse Menschengruppe, die aus den verschiedensten
Rassenbestandteilen zusammengewrfelt sein kann, untereinander in engere
Verbindung getreten ist, wird nach D. $Pasmanik$ durch Wechselheiraten
und Vererbung ein bestimmter Menschentypus fixiert und konserviert. Der
ursprnglichen wahllosen Vermischung der Juden in der Zeit ihrer
Volkswerdung suchten einzelne weitsehende jdische Politiker entgegen zu
treten. Die Vorkehrungen gegen die Mischehe und die sie verwerfende
Stellen deuten darauf hin. (Abraham und Isaak -- Jacobs Brautfahrt,
Deut. 23, 4, 8, 9, die Eheverbote mit den Amalikitern, Moabitern,
Edomitern und Egyptern. Es sei an Ex. 34, 15, 16, und Deut. 7, 3, 4,
erinnert).

Unter Esra und Nehemia wurde der Kampf um die Reinerhaltung der
jdischen Art bewut durchgefhrt. Auch im Talmud befinden sich viele
dahin zielende Auslassungen. Maimonides und insbesondere der Schulchan
Aruch, der diese Entwicklungen abschliesst, kommt zu einer absoluten
Verwerfung der Mischehe. Praktisch hat (nach dem Schrifttum) Esra am
konsequentesten gehandelt, indem er die damals in Palstina
existierenden 113 Mischehen verwarf und ihre Auflsung durchsetzte. So
alt die Geschichte der Juden ist, so oft wiederholen sich aber Anstze
und Ausbreitung der Mischehe. Moses heiratete die Tochter eines
midianitischen Gtzenpriesters, die allerdings rassenmssig einem nicht
sehr fernestehenden Stamme angehrte. Die Sexualbeziehungen von Simson
und David, des Sohnes der Moabiterin Ruth, Salomons, des Nachkommens
einer hittitischen Mutter, Ahabs u. a. darf man als bekannt
voraussetzen. Ich verweise hierbei insbesondere auf die Arbeit von Dr.
$Fritz Kahn$, Die Juden -- als Rasse und Kulturvolk, Welt-Verlag 1920,
und Dr. Tnzers Die Mischehe, Berlin 1913.

Eine Rolle in der jdischen Religion und in den Festen dieses Volkes
spielen die Vorgnge am persischen Hofe zur Zeit der Knigin Esther, und
man kann es den Kabbalisten nicht verdenken, da sie deren Andenken
verwarfen. Unter den Hasmonern in der Zeit des Hellenismus tritt die
Mischehe recht stark auf. Im Mittelalter gibt es sogar in Deutschland
(900-1100) erotische Wechselbeziehungen mit der christlichen Umgebung.

In der Geschichte der Rassenforschung ist die Frage nach der Vermischung
der Juden des hufigen aufgeworfen worden. Von der Parteien Ha und
Gunst verwirrt, schwankt das Urteil ber die Beimischung fremden
Blutes.

Historisch wichtig ist, da im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert
Mischehen im gesamten Judentum der Welt zu den Ausnahmeerscheinungen
gehrten. Diese sexuelle Abgeschlossenheit, wird durch die Mischehe
durchbrochen in der Zeit der Emanzipation und in hoc signo. Napoleon
wollte jeden dritten Juden zwingen, einen christlichen Gemahl zu nehmen,
sein Staatsrat wies allerdings eine solche Manahme zurck. Sogar
Bismarck war fr die Zucht des arischen Hengstes mit der semitischen
Stute, wie auch E. v. Hartmann und andere die providenzielle Beimischung
des jdischen Blutstropfens als einen Segen fr den deutschen Michel
hielten. Sogar im jdischen Lager wurde fr die Mischehe Propaganda
gemacht.

Natrlich fanden sich auch Gegner. So protestierte H. St. Chamberlain
gegen die Idee einer Infizierung der Indoeuroper mit jdischem Blut.
Ginge das ein paar Jahrhunderte fort, es gbe dann in Europa nur noch
ein einziges rassereines Volk, das der Juden; alles brige wre eine
Herde pseudo-hebrischer Mestizen und zwar ein unzweifelhaft physisch,
geistig und moralisch degeneriertes Volk.

Die Kenntnis und Benutzung des Hebrischen als Kultursprache, des
jdisch-deutschen als Umgangsdialekt, die absolute Befangenheit im
jdischen Glauben verbanden sich als psychische Voraussetzungen fr die
Inzucht. Das Einheiraten in die Gruppe derselben Menschen, hatte zur
Erhaltung eines krperlich von anderen unterschiedlichen Typus gefhrt,
der zwar nicht reinrassig in dem Sinne ist, als ob nur eine und dieselbe
Form von Menschen am Eingang der jdischen Nation bestanden htte.

Aber die stetige Verschwgerung der Juden fhrte zu einer krperlichen
Verwandtschaft, die sich im Aussehen allein schon anzeigt. $Fishberg$
hat ganz recht, wenn er von der Mischehe das vllige Aufgehen des
Judentums erwartet, weil die Kinder von Mischpaaren nicht mehr Trger
der jdischen Rasse sein knnen und religis zumeist aus dem Judentum
ausscheiden.

Die Mischehe ist dementsprechend eine weitere Form der Auflsung der
jdischen Gemeinschaft. Die Wege zur Mischehe sind verschiedentliche.
$Sie liegen letzten Endes nicht wie die Taufbewegung auf politischem
Gebiet, sondern auf sozialem.$ Ist die Geburtseinschrnkung ein
vornehmlich durch konomische Ursachen bedingter Vorgang, so fhren
gesellschaftliche Momente zur Vermischung. Man kann ihre einzelnen
Vorausbedingungen einbeziehen in das Gebiet der:

  1.  Liebe,

  2.  Gewhnung,

  3.  Rasseprobleme,

  4.  gesellschaftlichen Angleichung.

1. Die Wege der Liebe sind oft wunderbar. Aber erst die Neuzeit, welche
die Schranken zwischen den einzelnen Klassen und Kasten wegrumt, hat im
Erwerbsleben, im gesellschaftlichen Umgang auf Schritt und Tritt den
jdischen und nichtjdischen Mensch einander nher gebracht. Ob die
psychischen Differenzen durch die erotischen Beziehungen, die zwei so
verschiedene Charaktere aneinander knpfen, auf die Dauer berbrckt
werden, diese Ueberlegung versagt, wo starke Erotik alle brigen
Denkvorgnge zurckdrngt. Das Ideal der altjdischen Ehe war die Heirat
durch den Segen der Eltern und nach deren Willen und Bestimmung. Das
Idol der heutigen und kommenden Bindungen ist die vllige Abkehr von
allen Konventionshindernissen.

2. Die Gewhnung als Voraussetzung zur Mischehe besteht in der
Fortsetzung des Verhltnisses in der Legalisierung des Zusammenlebens.
Der Student, der Handlungsgehilfe, der sich in seinem Drang einen
Kameraden sucht, nimmt ihn hufiger aus dem christlichen Volke, da sich
die Jdinnen weniger leicht hingeben. Mit der Zeit, durch uere
Umstnde, Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, Infizierung und so
weiter findet die ursprnglich nur auf kurze Zeit gedachte Verbindung
ihren Dauerzustand in der Ehe.

3. Um gesellschaftlich emporzukommen, verheiraten sich reiche Jdinnen
mit verarmten Adligen oder wohlhabende Juden mit Nichtjdinnen aus
vornehmen Hause. Die Jdin, die in ihrem Kreise keinen Mann findet,
insbesondere die arme, ist froh, wenn sie einem Nichtjuden gefllt. Denn
der innerste Beruf des Weibes ist ihr Streben nach der Hingabe. Und die
Vereinsamung um Volkes willen mag ein gutes nationales Ziel sein. Rein
menschlich betrachtet ist dieser Idealismus obsolet. Vielfach kann sich
auch das heterogene Geschlechts- und Schnheitsempfinden ausleben erst
in den Beziehungen zur Umwelt. Der dunkle Jude, auf den das blonde
schlichte Gretchen, die groe schlanke Frauengestalt der Deutschen
wirkt: Les extrmes se touchent. Die Juden fangen bereits an, bei der
Wahl des Ehegatten das Schnheitsideal des sie umgebenden Volkes
anzuerkennen, die jdische Art und den jdischen Typus zu meiden und den
sogenannten arischen zu bevorzugen. In jdischen Heiratsannoncen wird
oft die blonde Haarfarbe hervorgehoben und sogar die geschmackvolle
Bemerkung nicht jdisch aussehend ist nicht allzu selten (Ruppin).

Umgekehrt erotisiert die schwarze Jdin, mit ihrem Reiz, ihrer Eigenart,
und ihrer geistigen Aufgewecktheit den Nichtjuden; selbst ausgeprgte
antisemitische Ueberlegungen treten oft zurck, wo schne Judenmdchen
mit Feinden ihres Volkes in Berhrung kommen.

Und schlielich wre es sonderlich, wenn in einer Zeit, in der die
sexuellen Beziehungen so stark gelockert sind, in der eine vollkommene
Vermischung der Rassen, eine bunte Liebeslust die Menschheit ergriffen
hat, nicht auch nahe Beziehungen zwischen den Individuen der
germanisch-deutschen und der deutsch-semitischen Gemeinschaft
entstnden.

Die von Napoleon I. berufene jdische Nationalversammlung -- als das
Sanhedrion bekannt -- hat erstmalig der Schlieung einer Mischehe
zugestimmt. Allerdings in der stark gewundenen Form, diese stehe in
Uebereinstimmung mit dem brgerlichen Gesetz, und drfe, wenn auch gegen
den jdischen Ritus vorgenommen, nicht den Vorwurf fr den rabbinischen
Bann abgeben. Die Versammlung der jdischen Theologen in Braunschweig
(1844) und die Synoden von Leipzig und Augsburg sanktionierten die
Mischehe, wenngleich mit dem Vorbehalt der jdischen Erziehung der
Kinder. Die in den 70er Jahren eingefhrte Zivilehe bot vollends jedem
die Mglichkeit der freiesten Eheschlieung. Da sich dabei die
Eheschlieenden nicht an die Wnsche der Rabbiner kehrten und die Kinder
in Mischehen zum grten Teil im anderen Glauben erzogen, ist
selbstverstndlich. Insbesonders ist es einer Jdin nicht leicht, von
ihrem christlichen Ehemanne zu verlangen, da er die Kinder in ihrer
Religionsgemeinschaft aufwachsen lasse, der er selbst fernsteht und die
in Deutschland als etwas minderwertiges erscheint. Die Mischehe ist ein
Bund zwischen zwei Partnern, von denen der jdische einer in der
Oeffentlichkeit wenig beliebten Gemeinschaft angehrt[30].

Die Freiheit der sexuellen Bettigung, die heute der Mann geniet,
erobert sich immer mehr und mehr das in der Grostadt selbstndige, von
der Aufsicht der Familie losgelste Mdchen. Durch die Erschwerung der
Eheschlieung kann sie sich nicht mehr darauf verlassen durch die
Mitgift oder die Macht der Eltern an den Mann gebracht zu werden, so
wnscht sie sich selbst zu versorgen und ihren Anteil am Leben und
Genieen zu erhaschen. Dieser Proze ist noch lange nicht
abgeschlossen. Ich mchte fast glauben, da er erst richtig
einsetzt. J. D. Meyer hat die Frankfurter Mischehen untersucht
(Zeitschr. f. St. d. J.) und eine auffallend hohe Verehelichungsziffer
armer Jdinnen mit Christen gefunden, whrend die jdischen Mnner
besonders des Mittelstandes sich christliche Partnerinnen whlten.

Die Mischehe ist aus dem Stadium herausgetreten, in dem sie eine
Seltenheit war. Heute wo sie etwas alltgliches ist, findet sie keine
Verurteilung und so werden die Widerstnde von allen Seiten geringer und
mit dem Sinken der Hemmungen wird sie nur selbstverstndlicher.

Es gehrt auch hier eine gesunde Naivitt dazu, das pltzliche Aussetzen
eines berall wirkenden Vorganges zu erhoffen, das Versiegen einer
soziologischen Erscheinung zu erwarten. Die aus so vielen Ursachen
bedingte Mischehe ist letzten Endes dadurch kurz erklrt, da unter 100
Nichtjuden ein Jude lebt, der nach Ableugnung des nationalen Bandes nur
noch mit einigen Vorstellungen ber Gott und die Welt Beziehungen
besonderer Art zu anderen Juden unterhlt, wobei aber auch hier krasse
Differenzen zwischen den Glaubensvorstellungen des konservativen und
liberalen Juden auftreten. Objektiv ist der Unterschied in der
Religionsauffassung zwischen gesetzestreuen und neologen Juden strker
als zwischen neologen Juden und ebensolchen Evangelischen. (Der unbewut
empfundene jdische Nationalismus wird bewut durch diese neologe
offizielle Judenheit geleugnet und bekmpft). Ohne nationalistische
Einstellung ist also die Mischehe bei diesem Standpunkt nicht zu
verwerfen. --

           $Mischehen in Preuen$

  1875-1879:  1195      1895-1899:  2318
  1880-1884:  1228      1900-1904:  2452
  1885-1889:  1466      1905-1909:  3435
  1890-1894:  1566      1910-1914:  4279
            ------                ------
  1875-1894:  5455                 12384

in % der rein jd. Ehen waren Mischehen

  1876-1880:   9,6      1896-1900: 17,5
  1886-1890:  12,8      1906-1910: 26,5

Mischehen in Deutschland

                       in % d. jd. Ehen

  1900-1902: 1952          17,0
  1912-1913: 2232          30,25

in Berlin (im Durchschnitt)

  jdische              Mischehen

  1875-1880   284          146
  1881-1890   469          183
  1891-1900   574          181
  1901-1910   608          252
  1911-1914   502          291

Es wurden Mischehen -- $stehende$ -- 1910 in Preuen ermittelt: 3643 mit
1675 Kindern davon 782 jdische, also auf fast 5 Mischehen ein jdisches
Kind.

Stehende Mischehen in $Berlin$.

  Vater   Mutter   Zahl der Ehen   Kinder     davon jdische

  ev.      jd.         641          763           164
  kath.    jd.          81           88            30
  sonst.   jd.         105          154            56
  Jude     ev.         1124         1199           340
  Jude    kath.         117          119            37
  Jude   sonst.          79           95            64
                       ----         ----          ----
                       2147         2418           691

Von 1875-1914 wurden in Preuen 18000 Mischehen geschlossen, wobei die
Mischehen nicht ermittelt sind, die zwischen getauften Juden und
Nichtjuden eingegangen wurden. Insgesamt mssen es mehr denn 20000
gewesen sein. Gegenber den jhrlichen rein jdischen Ehen in Preuen
von durchschnittlich 2500 bis 2700 handelt es sich um recht respektable
Ziffern. Die Grostadt liefert ein besonders reichliches Kontingent.
Hamburg, Berlin, Frankfurt und Mnchen bezeugen es. Einen Ueberblick
ber die Mischehen im Reich ergibt die Tabelle, nach der auf 100
jdische Ehen (1901) 17 Mischehen trafen, die sich bis (1909) auf 25,4
vermehrten. In letzter Zeit scheint die Mischehe 1/8 bis 1/7 der
Heiratenden ergriffen zu haben. Die Vermischung kann aber noch zunehmen.
Die Verhltnisse in Dnemark ergaben in den ersten Jahren unseres
Jahrhunderts auf 100 jdische Ehen 96 Mischehen und fr Schweden
(1901-1908) 135 gemischte auf 154 reine Ehen, so da selbst in Lndern,
in denen eine russische Einwanderung vorherrschte, bei der starken
Assimilierungstendenz der Einheimischen eine rasche Vermischung eintrat.
Erhebungen aus Italien, Frankreich, Ungarn, Holland, der Schweiz und
Australien unterrichten uns ber den internationalen Charakter dieser
Erscheinung.

Ich habe mich in der ersten Auflage des Untergangs mit den
Verhltnissen in anderen Lndern eingehend befat. $Wilhelm Mller$
spricht vom amerikanischen Judentum im 19. Jahrhundert (Nr. 34 der
Zukunft):

    Von den Reformierten sagt der franzsische Schriftsteller Henry
    Barky, dass es die wahren Vertreter des Judentums in Amerika seien.
    Ihre Religion ist Deismus und ihr Ritus ein Ausdruck des
    Gefhlslebens, der die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet.
    Diese Hauptaufgabe erblickt er jedoch in tatkrftiger Verwirklichung
    sittlicher Ideen. Mit dieser Auffassung nhern sich die Juden den
    liberalen christlichen Kirchen. Mr. Copp meinte, die religise
    Entwicklung der Juden habe sie dem liberalen Christentum zugefhrt.
    Damit geht Hand in Hand die Abschaffung des Sabbaths, den Rabbiner
    Dr. Isidor Singer einen alt semitischen Aberglauben nennt.

Wie das Deutschtum im Amerikanertum aufgegangen ist, so sieht schon
jetzt eine Anzahl bekannter Juden die jdische Zukunft in demselben
Licht. Zangwill bezeichnet in seinem Drama: Der Schmelztiegel:

    ..... ein Aufgehen der Juden im Amerikanertum durch Zwischenheirat
    als das voraussichtliche Los seines Stammes.

Damit fnde wie so mancher wegmde Wanderer auch Israel im groen
gastlichen Land der Freiheit Ruhe und Frieden.

In Sombarts Judentaufen verbreitet sich $Zangwill$ ber die Bedeutung
der Zwischenheiraten.

    Htte uns der Christ stets christlich angefasst, kein einziger Jude
    lebte heute in Europa. Ganz abgesehen von den Ereignissen im
    Ausland, ist in Deutschland die Mischehe kein Produkt des Zufalls,
    sie ist eine heute weitverbreitete Erscheinung, die bei einigen
    Wechselverbindungen zwischen Volksteilen, die sich immer mehr
    ausgleichen, auftreten muss. Die jdische Gesamtheit bietet wohl
    noch Differenziertheiten. Diese Eigenart kann von einzelnen
    Individuen bersehen oder mit in den Kauf genommen werden. Der Jude
    ist an und fr sich keine besondere Erscheinung mehr. Sein Geld,
    seinen Beruf, seine Anschauungen besitzen auch Christen.

    $Zollschan$ hat in einigen markanten Stzen zusammengefasst, was zu
    sagen ist: Vlkerstmme, die untereinander wohnen, vermischen sich
    stets, wenn die Ehe nicht durch das Gesetz oder die Religion
    verboten ist. Die Juden wohnen vermischt mit den anderen Vlkern.
    Das Zivilgesetz gestattet heute die Mischehe. Die sexuellen und
    materiellen Interessen sind mchtiger als jede konfessionelle
    Schranke, namentlich wenn an diese selbst nur mehr eine blosse
    Erinnerung besteht. Die statistisch konstatierten Erfahrungen
    stimmen mit diesem Syllogismus berein.

    Professor $Dr. Eduard Steiner$, der Kenner des amerikanischen
    Judentums, befand: Es ist zweifellos, dass das jdische Volk in
    Amerika ernsterer Krisis entgegengeht als einst im babylonischen
    Exil. Das amerikanische Judentum geht einer Katastrophe entgegen.
    Der Auflsungsprozess wird nur durch den Zuzug von Juden aus
    Russland und Polen verzgert. Der Durchschnittsjude hat sich so
    weit amerikanisiert, dass er bereits vollstndig seine Herkunft und
    Abstammung vergessen hat. Amerikanisierung und Assimilation sind nur
    zwei Seiten derselben Medaille, sind ein einheitlicher Prozess.

    $Ruppin$ hat in klassischer Prgnanz die Inzucht der Juden gedeutet:
    Ob die Juden von ihrem Eintritt in die Geschichte an eine
    einheitliche Rasse gebildet und diesen einheitlichen Charakter stets
    bewahrt haben, steht vllig dahin. Als sicher aber kann gelten, dass
    die Bekenner der mosaischen Religion gegen Ende des XVIII.
    Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb
    eines relativ kleinen und rumlich beschrnkten Kreises eine durch
    anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf
    unterschiedene Gemeinschaft bilden. Im XIX. Jahrhundert sind manche
    Angehrige dieser Rasse von der jdischen Religion zur christlichen
    bergetreten, andere haben einen christlichen Ehegatten geheiratet
    und ihre Kinder dem Christentum zugewendet, sodass sich jetzt
    Angehrige der jdischen Rasse auch unter den Anhngern der
    christlichen Religion befinden. Dem gegenber sind die Flle, in
    denen Christen (d. h. anthropologisch gesprochen Germanen, Slaven
    u. a.) durch Uebertritt zum Judentum oder auf dem Wege der
    geschlechtlichen Vermischung mit Juden zu Bekennern der mosaischen
    Religion geworden sind, so selten, dass man sie ohne erheblichen
    Fehler ganz vernachlssigen und auch heute noch $alle Anhnger der
    mosaischen$ Religion als Anhnger der jdischen Rasse bezeichnen
    kann.

$Die Inzucht gewhrleistet das einzige objektiv jdische Kennzeichen,
erhlt die krperliche Eigenart des Juden, whrend das Bekenntnis der
jdischen Religion oder zur Nationalitt nur ein subjectives Merkmal,
die momentane geistige Willensrichtung, die Empfindung der Zugehrigkeit
darstellt.$

Die jdische Inzucht ist die letzte Komponente, die die Eigenart erhlt.
Daher sehen die Vorkmpfer der rein religisen Gemeinschaft die
Mischehe, selbst wenn der Partner die jdische Religion annimmt,
durchaus nicht gern. Die Aufhebung der Inzucht bedingt einen Verlust der
Eigenart und heit sich selbst aufgeben.

Fr die Umwelt hat die Mischehe keine groe Bedeutung. Es hat sich
herausgestellt, das die Kinderzahl in jdisch-christlichen Ehen das
Zweikindersystem schon lngst verlassen hat und zum Einkind bergegangen
ist. (Ueber die Statistik u. dgl. siehe die verschiedenen Arbeiten
M. Marcuses u. a. in den Sexualproblemen, 1911, und die 1. Auflage
dieses Buches).

Die Entwicklung der Fruchtbarkeit in der Mischehe deutet darauf hin, da
auch hier rationalistische Einflsse die Geburtenzahlen herabdrcken und
wir es mit den allgemeinen Erscheinungen zu tun haben, denen wir
allgemein bei der Errterung des Geburtenproblems nher kamen. Die
Anschauungen der Anthropologen, welche diese geringe Fruchtbarkeit auf
die Rassenverschiedenheiten zurckfhren, wie Lapouge, erscheint mir
nicht mehr stichhaltig. Wohl aber mag ein seelischer Reiz oder vielmehr
eine psychische Hemmung vorliegen, welche die Ehegatten den Nachwuchs
noch weniger erwnscht sein lt als bei rein jdischen Ehen. Wegen der
Verschiedenheit der Religion bringt die Geburt eines Kindes die
unangenehme Frage und die Entscheidung mit sich, in welchem Glauben man
es aufziehen soll. Die beste Lsung aller bevorstehenden Differenzen ist
und bleibt die Geburtenverhinderung. Umsomehr, als insbesonders beim
jdischen Partner der Wille, den Namen und die Familie zu erhalten, von
geringer Bedeutung ist. Vor allem aber sind die Ehegatten beraus
moderne Menschen, die in ihrem Liebesleben der Allgemeinheit und der
Umwelt keine Konzessionen zu machen wnschen und ihren Bund als die
einfache Beziehung zwischen zwei Menschen ohne Bercksichtigung der
Interessen der Verwandtschaft, der Rassen oder des Volkes, aufgefat
wissen wollen. Da die Mischehe gerade in den assimiliertesten Kreisen
stattfindet, ist die Unterfrchtigkeit der Ausdruck der
Gebr-un-Freudigkeit (sit venia verbo!) dieser Schichten.

Ich habe in meiner Untersuchung der Entwicklung der Berliner Juden den
geringeren Anteil der auslndischen Juden an den Mischehen nachgewiesen.
Whrend im Jahre 1909 der Anteil der Auslnder an jdischen
Eheschlieungen 16,4% betrug, waren sie unter den Mischehen mit 10,8
vertreten. Ohne diese Einwanderung wre der Mischehekoffizient noch
grer.

Bei der Mischehe wird ein hoher Prozent (12 vom 100 nach Dr. A. $Kahn$)
wieder aufgelst. Die Individualitten, die in diesen Ehen praevalieren
-- im Gegensatz zu den Partnern der Konvenienzehe -- scheinen rascher
davon zurckzutreten, wenn sie ihren Zweck der Ehe d. i. ihr
persnliches Glck nicht finden.

    $Sombart$ schrieb in der Zukunft der Juden: Die Kinder, die den
    Mischehen entspringen, so wunderbar schn und so hochbegabt sie oft
    genug sind, scheinen doch des seelischen Gleichgewichts zu
    entbehren, das rassenreine Blutmischung gewhrleistet. Wir finden
    unter ihnen gar zu hufig intellektuelle oder moralisch
    disquilibrierte Menschen, die entweder sittlich verkommen oder mit
    Selbstmord oder in geistiger Umnachtung endigen. (Obwohl sich
    darber zuverlssige Aussagen, die auf mehr als der persnlichen
    Erfahrung beruhen, beim heutigen Stand unseres Wissens Schlsse
    nicht machen lassen).

Derartige Werturteile entbehren vorerst der eingehenden Beweisfhrung.
Einige bekannte Gren, wie $Ludwig Gurlitt$, $Heyse$, $v.
Hofmannsthal$, v. Bayer$, $Nobel$, $Dernburg$ entstammen jdischen
Mischehen. Da die Zahl der in Mischehen Geborenen bis zum Jahre 1890
insgesamt nur 12-15000 betrug, so kann man auch nicht verlangen, da bis
jetzt unheimlich viele Genies aus der Mischehe hervorkamen. $Kohler$
meinte zwar in dem Sammelheft ber die Judentaufe:

    Nicht reine, sondern Mischrassen haben von jeher die Welt
    beherrscht und eine der Hauptmischrassen, die Englnder, wren
    niemals das geworden, was sie sind, wenn nicht das keltische,
    schsische und normannische Element in ihnen in so glcklicher Weise
    vereinigt worden wre. Eines mchte ich noch bemerken.
    Eigenschaften, die den Juden zukommen, finden sich auch in der
    deutschen Nation und zwar in sehr bedeutender Weise vertreten. Auch
    hier gibt es abstraktdenkende Kinder, auch gibt es Finanzgenies und
    Menschen von gewaltiger Kombinationsgabe und Suggestivkraft, Allein
    wir Deutschen sind nun durch den dreissigjhrigen Krieg so verdet
    worden, dass wir im praktischen Leben mit unseren eigenen Talenten
    allein nicht vollstndig das leisten wrden, was notwendig ist,
    damit wir anderen Vlkern den Widerpart halten. Das ist der
    Hauptgrund, der uns die Assimilierung des Judentums wnschenswert
    macht.

    Der anonyme Verfasser der Broschre Der Untergang Israels wendet
    sich sehr energisch gegen die Mischehe. Individuelle Heiraten
    zwischen Juden und Christen haben physiologisch genommen wenig
    Zweck. In moralisch, ethisch, historischer Hinsicht halte ich solche
    Heiraten fr direkt verderblich. Verderblich fr die Reinheit des
    Stammes, verderblich fr die weitere Durchfhrung der jdischen
    Gesetzgebung, verderblich mit einem Wort fr den Geist des
    Judentums, der aller Stagnation abhold als Fortschrittsfaktor der
    Weltgeschichte.

Die Mischehe fhrt aus dem Judentum heraus. Alle Ziffern ergeben, da
20% bis hchstens 25% der Kinder im jdischen Glauben erzogen werden.
Bei der an und fr sich geringen Fruchtbarkeit der Mischehen bedeutet
diese Zahl fast nichts mehr. Beobachtet wird, da getaufte Juden gern
ebensolche heiraten. Diese Erscheinung weist darauf hin, wie unbewusstes
Rassegefhl und historische Nachwirkung noch stark im Spiel sind und
sich wieder geltend machen (also eine Parallel resp. Contreaktion). Das
alles nimmt nicht der Mischehe ihre Aussicht, ihre eigentliche Bedeutung
und die Wirkung, die mit Nietzsche in sich sterben lt und zur
Vernichtung auffordert, was reif zum Sterben ist: Geburten zu verhten,
um knftigen Generationen das niederdrckende Gefhl des Elends zu
ersparen und somit noch schneller fallen zu lassen, was reif zum Sterben
ist; und das, was fllt, nicht zu halten, sondern sogar noch zu stoen,
damit es noch schneller falle ...




KAPITEL XII.

$WIRTSCHAFTSPROBLEME$.

                                    _Heute gibt es keinen ernsten
                                    Beobachter des jdischen Lebens, der
                                    nicht die Abnormitt einshe, die
                                    den konomischen Grundlagen der
                                    jdischen Existenz anhaftet. Dies
                                    ist die historische Krankheit des
                                    jdischen Wirtschaftslebens. Und
                                    alle die, die das jdische Volk an
                                    die verdnnte Golusluft ketten
                                    wollen, es mit Golusgesngen und
                                    Golushoffnungen einlullen -- wollen
                                    diese Krankheitsverewiger._

                                                      _Ber Borochow._


In der ersten Auflage dieses Buches habe ich die bekannte
Berufsstatistik der deutschen Juden ausfhrlich wiedergegeben, wovon ich
nur das Wichtigste wiederhole. Von der gesamten preuischen Bevlkerung
waren 1907 29% in der Landwirtschaft ttig, gegenber 1% bei den Juden.
Im Handel und Gewerbe waren es 55% aller Juden und 13% der Christen. Im
ffentlichen Dienst, in den freien Berufen und als Selbstndige ohne
Beruf finden wir Juden in steigender Zahl (20,8% gegenber 13,8%).
Zwischen den Jahren 1895 und 1907 waren folgende Vernderungen der
berufsttigen Juden: In den freien Berufen plus 15000, Industrie plus
13000, Handel 6000, Landwirtschaft plus 700, Dienende minus 1000. Mit
anderen Worten: $Der Jude drngt vor allem zu den freien Berufen, d. h.
zur Kopfarbeit.$

Die geringe Zunahme der preuischen Juden in der Landwirtschaft ist cum
grano salis zu verstehen. Von 2355 hier ttigen Juden waren 1406 Frauen,
zwischen den letzten zwei Zhlungen wurden 162 jdische Mnner weniger
und 867 Jdinnen mehr vorgefunden. Anscheinend wurde frher die Arbeit
der Jdin in der Landwirtschaft statistisch schlecht erfat, whrend
heute die Frauen der Juden auf dem Lande, soweit sie im Stall und auf
dem Feld helfen, als landwirtschaftlich erwerbsttig gezhlt werden. Die
Zahl von 949 Mnnern gegenber 1406 Frauen gibt zu denken. In der
Hauptsache interessiert uns die Zahl der erwerbsttigen mnnlichen
Landwirte, von denen die selbstndigen in der Zeit zwischen den letzten
Berufszhlungen um 30% abgenommen hatten.

Die Landwirtschaft hat bei den deutschen Juden keinen goldenen Boden.
Der 12. Jahresbericht des Vereins zur Frderung der Bodenkultur unter
den Juden verkndet resigniert: Die meisten der landwirtschaftlich
ausgebildeten Eleven haben den Wanderstab ergriffen und sind
grtenteils nach Amerika ausgewandert, whrend einige in Ungarn und
neuerdings auch in Palstina Beschftigung gefunden haben. Nach diesem
Jahresbericht verteilen sich die in der Landwirtschaft hauptschlich
beschftigten 3727 Juden (wohl in ganz Deutschland gezhlt) in

  1.  930 Eigentmer und Miteigentmer,

  2.  126 Beamte, Aufseher, Bropersonal,

  3.  155 Knechte, Arbeiter,

  4.  2887 hauptberuflich mitttige Familienangehrige,

  5.  179 Grtner und Tierzchter.

Unter den 930 Eigentmern verstehen sich auch die Grogrundbesitzer und
Gutsherren, die sich ein Rittergut anschafften. Die Zahl der wirklichen
jdischen Landwirte ist recht klein geworden und schrumpft immer mehr
zusammen. In Bayern gab es

  1882   2005 Landwirte = 9,7% aller erwerbsttigen
              Juden,
  1895    893 = 3,9%,
  1905    723 = 2,9%.

Ja, es gibt in Deutschland eine Judenheit, die so gut wie gar keine
landwirtschaftliche Bevlkerung unter sich hat, nmlich die schsische,
die insgesamt sieben agrarisch berufsttige ermittelte. Einige Landwirte
mehr zhlte Wrttemberg.

Nach Segall (7. Jahrgang d. Zeitschr. f. St. d. J.) war die Beteiligung
der Juden in der Landwirtschaft in Deutschland:

                    selbst.   Angest.     Mithelf.    Arbeiter   Insgesamt
                                        Fam.-Angeh.

  mnnliche { 1895   1616        76                      1679       3371
            { 1907   1011        70         2096          569       3746

  weibliche { 1895    419         3                       786       1108
            { 1907    324        14         1688          149       2175

Von 5772 in der Landwirtschaft (1907) nach Segall gezhlten Juden (nach
der Addition wren es 5921!) ben 514 ihren Beruf in den Grostdten
ber 100000 Einwohner aus, das sind 8,8% aller landwirtschaftlich
ttigen Juden. Segall interpretiert diese Erscheinung:

    Dies drfte vielleicht damit zusammenhngen, dass die Juden in der
    jngsten Zeit auf dem Weg ber den Kapitalismus zur Landwirtschaft
    gelangen; der Kapitalismus aber hat seinen Sitz in den
    Grossstdten.

Vielleicht meint Segall mit diesem Kapitalismus der Grostdte die
reichen Grossgrundbesitzer, die in den Stdten wohnen. Es handelt sich
allerdings um diese, und um Grtnereibesitzer und Angestellte, Besitzer
von Molkereien und Milchwirtschaften. Der ausgesprochene enorme Rckgang
der mnnlichen Angestellten und Arbeiter in der Landwirtschaft zeugt
nicht davon, dass die Juden ber den Kapitalismus auf dem Anmarsch zur
Landwirtschaft sind. Wenn auch vereinzelte die Landwirtschaft in den
Grostdten betreiben, so verschwinden sie und berhmten
Rittergutsbesitzer gegenber den kleinen Landjuden, die ihre Wirtschaft
aufgaben.

Der Friedensschluss von Versailles nimmt den deutschen Juden zwei
wertvolle Gebiete, nmlich Elsass-Lothringen und die Ostmark. In beiden
fanden sich noch Reste jdischer Landbevlkerung. --

Alle Untersuchungen ergeben das Einstrmen der Juden in die freien
Berufe und in die Industrie. 1905 waren unter den preussischen Studenten
7% reichsinlndischer Juden (Blau) bei 1% ihres Volksanteiles. Wenn auch
viele Akademiker in eine wirtschaftliche Notlage kommen, so entstehen
dadurch nicht echte Proletarier mit den Gewohnheiten dieser Klasse,
sondern Zwittermenschen, die mit ihren Ansprchen in der Welt der oberen
Zehntausend sich befinden, mit ihren Einnahmen womglich unter den
Arbeitern rangieren. Diese Klasse von Enterbten stellte das hchste
Prozent von Ledigen und neigt zur Taufe, weil sie von ihr Wunder
erwartet oder fhrt zu einer Mischehe, weil die jdischen
Gesellschaftskreise den wirtschaftlich unsicheren Kantonisten ihre
Tchter nicht anvertrauen.

Die Verpflanzung der Juden in die Handels- und Industriecentren bringt
die Juden einander nher und reit sie auch wieder wirtschaftlich
auseinander. Eigenart, Ueberlieferung und konomische Voraussetzungen
lassen sie gewisse Berufe bevorzugen. Antisemitische Beschrnkungen, die
ihnen vielfach andere Berufsgelegenheiten nehmen, tun ein briges und so
ist es ein Selbstverstndliches, da sich in der deutschen Judenheit
wieder gewisse Domnen und Typen (des jdischen Konfektionrs, des
Agenten, des Anwaltes und des Arztes) herausbilden. Die jdische Note
und Eigenart lt sich auch in anderen Berufen nachweisen (Warenhuser,
Pelzhandel, Tabakgeschft, selbst in der Presse). Eines der jdischen
Merkmale ist der Zug des Individualismus, die Sucht sich selbstndig zu
machen, sowie der Drang, eine materiell mglichst gnstige Lage zu
erreichen. Nach der statistischen Aufnahme in Berlin im Jahre 1871
(citiert bei Nossig, Materialien z. Stat. d. jd. Stammes, Wien 1887)
ergaben sich schon

  unter               Adeligen   Juden   evang.   Kath.
  100 Arbeitgebern      90,2      71,9    38,1    36,9
  100 Arbeitnehmern      9,8      28,1    61,3    63,1

Die bayrische Statistik kommt zu denselben Ergebnissen. In dem
industriellen Sachsen dagegen fand sich ein geringerer Anteil
selbstndiger Juden. Trotzdem waren sie unter den Selbstndigen immer
noch dreimal so stark wie die Katholiken vertreten. In Preuen waren von
hundert Erwerbsttigen in der Industrie 5,6 Juden. Unter den
Selbstndigen waren es jedoch 11,4%. Sombart hat berechnet, da sie zu
13% die Direktorstellen der Industriegesellschaften besetzen und als 24%
der Aufsichtsrte erscheinen. Dieser Aufstieg hat neuerdings scheinbar
einen Stillstand erfahren. Entweder sind die Juden gesttigt oder
gengsamer geworden. An dem Einstrmen in den Beamtenberufen, (1895 gab
es im Eisenbahn- und Trambahnbetrieb nur 117 Juden unter 231688
Angestellten) knnen wir diese Erscheinungen nicht gengend feststellen,
da ussere Widerstnde ihr Aufgehen in diesen Beruf verhindern. Die
antisemitischen Einschrnkungen verursachen daher die wiederkehrende
Zusammendrngung in einzelnen Berufen und begnstigen die Auswirkung
ihrer Eigenart.

Am strksten aber wird die soziale Eigenart umgewlzt und erschttert
durch das Auftreten der $erwerbsttigen$ jdischen Frau.

Ursprnglich war ihre Arbeit auf Haus und Hof beschrnkt. 1882 fanden
sich 16% aller jdischen weiblichen Personen berufsttig, 13 Jahre
spter 22%, gegenber 26,4% der Christinnen, 1907 bereits 24%. Die Zahl
der erwerbsttigen jdischen Frauen, d. h. der Mdchen und Ehegattinnen
nimmt von Jahr zu Jahr zu. Da wir in der Statistik nach Sundberg mit 50%
der Bevlkerung im reifen Alter rechnen, waren 1907 bereits die Hlfte
aller Jdinnen im erwerbsttigen Alter berufsttig. Die Unterhaltkosten
der Familien werden immer kostspieliger, die Aussichten fr die Ehe
geringer, so da bei allem Wohlstand der Juden jede Familie, die nicht
unter ihr Niveau sinken will, einen gewissen Kampf mit den Verhltnissen
aufzunehmen hat. Viele jdische Mdchen erlernen heute auch einen Beruf,
damit sie nicht mehr beim Staubabwischen der vterlichen Wohnung auf den
Freiersmann zu warten brauchen ...

    Die Zeit, schliesst Henriette Frth eine Untersuchung ber
    Erwerbsttigkeit und Berufswahl der jdischen Frau in der das
    Biederweib der Bibel als Knigin und Herrin am heimischen Herd
    waltete, ist auf ewig dahin. Das Paradies, das besonders wir Juden
    in dieser Form besassen, ist und bleibt uns ewig verloren.
    Henriette Frth verspricht sich dafr Ersatz in neuen Lebensformen.

Die Berufsttigkeit der Frau bedingt eine vollkommene Umwlzung der
Denkungsweise der Jdinnen. Auf keinen Fall wird das vorher berufsttige
Mdchen, das in der Grostadt eine glnzende Ausbildung genossen hat, im
Kreise aufgeweckter Kameradinnen verkehrte und durch die Anschauung des
grostdtischen Lebens gegangen ist, eine ungehemmte Fruchtbarkeit
entfalten. Sie, die die Unannehmlichkeiten gehufter Schwangerschaften
vom pekuniren Standpunkt wie vom persnlichen bersieht, wei sich
immer mehr in die Zeit zu schicken. Die Sptehe mit allen ihren Folgen
und Voraussetzungen ist kinderarm. Aber auch die Frhehen, die heute
geschlossen werden, bescheiden sich.

Es ist eine allgemein beobachtete Erscheinung, da die
Geburteneinschrnkung gerade bei den wohlhabenden Kreisen einsetzt und
spter erst die Aufklrung zu den niederen Schichten der Bevlkerung
dringt. Es ist brigens falsch, von den wohlhabenden Leuten eine grere
Geburtenfreudigkeit erwarten zu wollen. Da sie entsprechend grere
Bedrfnisse haben, mehr Luxus und Aufwand treiben und ihre Kinder am
liebsten noch wohlhabender werden lassen mchten, so besteht bei ihnen
die fortwhrende Angst, durch zu reichen Kindersegen zu verarmen. Wer
erst einmal in die Kreise des Kapitalismus geriet, den erfat der auri
sacra fames und lt ihn nicht mehr los. Fr die Juden war die Erfassung
des Geldes als Machtfaktor und Lebensidol geboten.

Im Zeitalter des Rationalismus wurde ihr Losungswort Business as
usual. Die deutsche Judenheit wurde der Vorposten der neuen Zeit, das
Amerikanertum im alten Europa. Dies und vieles andere erklrt die
folgenden Statistiken.

Ueber den Volkswohlstand der Berliner Juden (ohne die westlichen
Vororte) brachte ich eingehendes Material in meiner Preisarbeit. Ich
wiederhole hier einige der Ziffern:

Es betrug das Steuersoll der Stadt Berlin in Mark

  ====================================================================
        1895        |       |          |       | pro Kopf versteuerten
       bei den      | in %  | 1904/05  | in %  |   1895  | 1905/06
  ------------------+-------+----------+-------+---------+------------
  Evang.   11456605 |  61,3 | 19005042 |  61,2 |  138,7  |  132,9
  Kath.      776970 |   4,2 |  1589473 |   5,0 |  110,6  |  111,9
  Juden     5924431 |  31,7 |  8554329 |  30,3 |  317,2  |  357,4
  ------------------+-------+----------+-------+---------+------------
           18676532 | 100,0 | 31568882 | 100,0 |  166,9  |  165,8

Eine bei Nossig zitierte Breslauer Statistik des Jahres 1874 lt sich
in drei Steuerstufen zusammenfassen. Danach gab es unter 100 Breslauern

             Arme   mittlere   reiche
  Juden      36       48,8      15,2
  Christen   85,2     12,9       1,9

Nach Sombart war der prozentuale Anteil der Juden

                       an d.             am
     in             Einwohnerzahl   Steuerbetrag

  Aachen                 1,16            7,79
  Barmen                 0,37            1,75
  Beuthen                4,04           26,9
  Bielefeld              1,2             7,2
  Bochum                 0,9             5,3
  Bonn                   1,5             3,8
  Brandenburg            0,5             2,3
  Bromberg               2,8            13,7
  Crefeld                1,7             6,6
  Dsseldorf             1,1             3,6

Nach Sombart war der prozentuale Anteil der Juden

                       an d.             am
        in          Einwohnerzahl   Steuerbetrag

  Duisburg               0,5             2,1
  Elberfeld              1,1             3,8
  Essen                  1,0             4,7
  Frankfurt a. O.        1,2             6,9
  Gelsenkirchen          0,8             3,0
  Gleiwitz               3,2            23,9
  Kiel                   0,3             0,8
  Coblenz                1,2             0,4
  Knigshtte            1,5            14,5
  Magdeburg              0,8             2,7
  Mlheim Rhein          0,5             2,2
  Mlheim Ruhr           0,8             2,7
  Mnchen-Gladb.         1,3             6,9
  Mnster                0,6             2,6
  Oberhausen             0,6             1,6
  Osnabrck              0,8             2,7
  Posen                  4,2            24,0
  Wiesbaden              2,6             8,2

Eine hnliche Entwicklung zunehmenden Wohlstands (Kapitalvermgen und
Einkommen) finden wir bei den Berliner und Badischen Juden (siehe erste
Auflage und meine Preisschrift).

Auch die Frankfurter Juden liefern einen wertvollen Beitrag zur
Beurteilung dieser Frage. Im Jahre 1902 waren

  Steuerpflichtige   in %   mit einem Steuerbetrag v. Mk.   in %

  Evang.    24870    61,0             3020000             = 49,0
  Kath.     10030    24,5              595000             =  9,7
  Juden      5950    14,5             2541000             = 41,3
            -----   -----             -------             ------
  Insges.   40850   100,0             6157000              100,0

in % aller Zensiten waren vertreten

                             Evang.   kath.   Jud.

  9500-12000 Mk. Einkommen    1,8      0,8     5,2
  ber 12000                  4,9      1,9    16,5

Allerdings hatten die Frankfurter Juden schon vor Hunderten von Jahren
einen gewaltigen Reichtum. Sie versteuerten anno

                      1556   1630   1700   1800

     50-100     fl.      4       7    33 }
    150-950             28      98    27 }  314
   1000-5000            44     198   265 }
   5000-10000            9      22    20     60
  10000-15000            5       3     2     26
  darber                       12    18     85
                      ----    ----  ----   ----
  Steuerzahler          90     340   365    485
  Seelenzahl           550    2400  2400   3000

Trotzdem hatten die Frankfurter Juden wie die reichen Spaniolen in
Amsterdam und die wohlhabenden Berliner Juden von 1737 eine groe
Kinderzahl. Von den 120 jdischen Familien, die es 1737 in Berlin gab,
hatten nur 10 weniger als 1000 Taler im Vermgen, alle brigen 2-30000
Taler und mehr. Von 166 spanischen Juden in Amsterdam, die sich zwischen
1590 und 1650 dort aufhielten, konnte noch von 84 nach 250-300 Jahren
die Deszendenz nachgewiesen werden. $Kohlbrugge$ fiel die ziemlich
starke Vermehrung und der Erhaltungstrieb dieser durchschnittlich stets
reichen Juden auf, aber neuerdings ist die Zahl der Spaniolen in Holland
zusammengeschmolzen. Es gab 1910 in Holland

                    mnnl.   weibl.
   deutsche Juden    47746   52039
  spanische Juden     3079    3545

Ebenso hat $Dietz$ eine recht groe Kinderzahl bei den frheren reichen
Frankfurter Juden beobachtet. Der Reichtum an sich bietet also nicht die
letzte Ursache zu der Destruktion der Familie, sondern der $Kapitalismus
+ Rationalismus$.

Die Juden als die Trger des Kapitalismus sind am meisten von den Launen
des Kapitals abhngig und von den Schden der Geldwirtschaft getroffen.
Die religisen Teile des jdischen Volkes kmpfen um die Suprematie des
Geistes ber die mchtigen wirtschaftlichen Einflsse.

Und das ist eines der vielen tragischen Momente: es fiel noch keinem der
jdischen Experten ein, wie viel wir auch ber die psychische Infektion,
ber Feminismus, gehobene Lebenshaltung, Individualismus, Freidenkertum
reden -- dass jenseits der Einflsse von Kultur und Wohlstand,
Zivilisation und Sitte, Erotik und Ehe, eine Kraft aus dem Dunkeln
emporsteigt, die das Sexualleben von der Wurzel her verpestet, ihm den
Hauch der Ursprnglichkeit nimmt und die Freude am einfachen Leben
zerstrt.[31]

Diese Infektion besitzt ihre organische Grundlage in dem Wirken des
Kapitalismus, jenes werbenden Geldes, das ohne Sinn und Verstand des
Besitzers ihm dauerndes usseres Glck verspricht.




KAPITEL XIII.

$DAS ENTARTUNGSPROBLEM$.

                                    _Meinet Ihr, die Welt wird es euch
                                    danken, wenn Ihr ein Volk von
                                    grossen Leistungen und seltenen
                                    hohen Krften, wenn Ihr euer
                                    ruhmreiches Volk in den Tod
                                    hinzugeben bereit seid ...?!_

                                                      _Dr. Max Joseph._


Degeneration oder Entartung eines Volkes ist ein tglich gebrauchtes
Wort. Die Degeneration, an der einst die alte Welt und heute indianische
Vlkerstmme, die Neger Australiens und manche Rassen in Afrika zugrunde
gehen, bedeutet nicht die echte Degeneration. Geschenke Europas: Alkohol
und Syphilis, die Ansteckung mit der Tuberkulose sind uere
Einwirkungen. Die echte Degeneration eines Volkes verlangt eine
$biologische Entartung$ seiner Individuen in allergrtem Umfang. Erst
wenn die Qualitt des Nachwuchses infolge sozialer und hygienischer
Mistnde immer mehr abnimmt, knnen wir von einer Entartung reden,
obwohl wir uns damit einer unsicheren Definition und eines
unwissenschaftlichen Schlagwortes bedienen.

Einzelne Rassenforscher haben versucht, Aeuerungen der Psyche gereizter
oder auch krankhafter Individuen als Kennzeichen der Entartung
anzusehen. $Gobineau$ findet alle Kennzeichen der Degeneration an dem
Beispiel von Frankreich: unverhohlene Freude am Lppischen, an der
Karrikatur, grausame Jagd auf wehrlose Tiere, aberglubischer Kult von
Amuletten, Talismen und Fetische in alljhrlich wechselnder Modeform,
die Tatsache von Polygamie, rckhaltige Unterwerfung unter die Tyrannei
sexueller Sinnlichkeit. Als exakte Wissenschaft kann uns diese Methodik
nicht ansprechen, da sie die Zahl der objektiv minderwertigen und
krankhaften Subjekte nicht feststellt und einzelne feine psychische
Vorgnge zum Mastabe der Dinge erhebt.

Wir sollten eigentlich von degenerativen Vorgngen sprechen, sobald ein
Volk oder eine Rasse statistisch gesprochen, in zunehmender Zahl
biologisch minderwertige Elemente aufweist, wenn die Masse der
Geisteskranken, sei es durch Vererbung oder durch betrchtliche
Kulturschdigungen zunimmt. Fr all das wren entsprechende Statistiken
notwendig, ber die wir nicht verfgen.

Es liegen fr die Verbreitung der Geisteskrankheiten unter den Juden
Angaben nur bis zum Beginn dieses Jahrhunderts vor. Ich habe sie in der
ersten Auflage dieses Buches ausfhrlich reproduziert. Danach bildeten
die Juden in den Jahren 1892-1900 3,5% aller eingelieferten
Geisteskranken und somit 300% mehr, als ihrer Verteilung unter der
stehenden Bevlkerung entsprach. Die jdischen Paralyse-
(Gehirnerweichung) Kranken waren 1/4 bis 1/8 aller Flle und beim
jdischen Mann zehnmal so hufig wie bei der jdischen Frau. Die
Paralyse ist eine Folgeerscheinung der Syphilis, die also verheerend zu
wirken beginnt. Von den Paralytikern betraf 1/3 Individuen aus
belasteten Familien, whrend Epileptiker zur Hlfte prdisponiert waren.
Das letztere Verhltnis wurde auch bei den Idioten festgestellt; die
Sufer stammten zu 86% aus normalen Familien. $Dr. Max Sichel$ hat in
der Zeitschr. f. Sexualwissenschaft die Paralyse einer sexologischen
Beleuchtung unterzogen, im Verlauf deren er die in erschreckendem Mae
berhandnehmende Gehirnerweichung feststellt. Sichel hat allein in
Frankfurt 127 Flle beobachtet. Die Gehirnerweichung ist bei den Juden
eine Krankheit jngeren Datums. Das starke Anschwellen, auf das u. a.
auch $Zollschan$ und A. $Guttmann$ hingewiesen haben, lt sich immer
mehr verfolgen. Es ist die Begleiterscheinung der syphilischen
Verseuchung der Westjuden.

Allein an Gehirnerweichung, also nur einem Folgezustand der sexuellen
Verseuchung, wurden 1892-1900 740 jdische Paralytiker in preuischen
Irrenanstalten eingeliefert (bei einer Gesamtbevlkerung von 400000
Menschen). Ein beachtenswertes Factum!

Tacitus hat schon von den Juden behauptet, da sie ein projectissime ad
libidinem gens seien. Die Lockerung der nationalen religisen
Vorstellungen, verbunden mit der starken Einwirkung der Eigenart ihrer
sozialen Stellung, verstrkt durch das grostdtische Milieu, lt die
Zahl der sexuellen Erkrankungen von Jahr zu Jahr steigen und alle Formen
pathologischer Erscheinungen, die hiermit in Zusammenhang stehen, immer
mehr in Erscheinung treten.

Der a. o. zitierte anonyme Physiologe meinte, der Jude von heute neige
zur Unmigkeit. Er sei ein Schlemmer und Prasser geworden und tue des
Guten zu viel, das heutige Geschlecht befinde sich im Zustand
konstitutioneller Entartung. $Hoppe$ bemerkte das Anwachsen des
Alkoholbrauchs bei den Juden; die Zahl der wegen delirium tremens in
preuischen Irrenanstalten eingelieferten Juden hat sich von 1878 zu
1900 verdoppelt.

Die Zahl der Blinden und Taubstummen ist hier nur wenig verwertbar.

1895 fand man bei den Christen und bei den Juden

  blind               6,5               10,5
  und taubstumm       1,8                1,0
  geisteskrank       25,3               29,2

$Fishberg$ folgerte: So lautet das Ergebnis, da der greren
Taubstummenrate keine ethnischen Faktoren zu Grunde liegen, sondern
lediglich die Tatsache, da mehr jdische als nicht jdische Kinder die
frher akuten Kinderkrankheiten berstehen und zwar unter Verlust des
Hr- und Sprachvermgens, und da ihnen die Juden als Stdtebewohner
mehr als die Masse der Landbewohner ausgesetzt sind.

$Ruppin$ versuchte eine Berechnung der Militrtauglichkeit der Juden
aufzustellen, wobei die Juden ungnstiger abschnitten. Auf der anderen
Seite erschien unter den Einwirkungen der guten Ernhrung, der modernen
Erziehung und der bekannten Sorge der jdischen Eltern fr die
Gesundheit der Kinder eine hermetische Erstarkung der jngeren
Generation.

Vor Jahrzehnten glaubte ein Autor ($Drckheim$) als ein Gesetz annehmen
zu drfen, da die Juden nicht zum Selbstmord neigen. Nach v. $Mayr$
kamen Suizide vor in Preuen

            bei den Kath.   Prot.   Juden
  1849-55        50          160      46
  1900-07       101          252     294

und in seinem Werke Statistik und Gesellschaftslehre schreibt
dieser bekannte Soziologe: gewaltige Vernderungen zeigt die
Selbstmordlichkeit der Israeliten, ein schner Nachweis dafr, da hier
von natrlicher Gesetzlichkeit nicht die Rede ist, sondern von $sozialen
Gesetzmigkeiten$. Dabei befllt der Selbstmord gerade Individuen mit
labilem Nervensystem. Wenn die Ziffer der Selbstmordkandidaten bei den
Juden auch an und fr sich nicht so gro ist, da sie die
Bevlkerungsmasse erschttert, so lt doch der Widerschein dieses
grellen Schlaglichtes den Ernst der Situation mitbeleuchten. $Ncke$
kommt mit seiner Definition der Wahrheit am nchsten.

    Die Entartung ist im strengsten Sinne nur ein Krankheitszustand,
    aber noch nicht Krankheit an sich. Das Keimplasma ist von einer
    ungeheuren Widerstandsfhigkeit und Bestndigkeit und strebt mit
    einer bewundernswerten Zhigkeit einer harmonischen Entwicklung nach
    immanenten Gesetzen der eigenen Organisation zu. In der
    primitivsten Organisation liegt auch bereits das Streben und die
    Fhigkeit zur Regeneration, was ebenfalls vollstndig ausser Acht
    gelassen wird, wenn man die Notwendigkeit der schrfsten Auslese
    predigt. Gewiss gibt es Strungen in der Organisation, Schdigungen
    des Keimplasmas, die nicht beseitigt werden knnen, unheilbar sind;
    aber die Erfahrung zeigt, dass sehr bedeutende Minderwertigkeit der
    Keimstoffe durch gnstige ussere Umstnde oder durch Vermischung
    mit gesnderem Keimplasma ausgeglichen werden kann (z. B. Erlschen
    hereditrer Geistesstrung in einzelnen Stmmen).

    Die Hufung pathologischer Individuen,[32] die Anzeichen gereizter
    Psyche, kurz die Menge psychischer und physischer Minderwertigkeit
    ist kein echter biologischer Prozess, sondern die Folge einer
    unzureichenden Sozialhygiene.

    Die Dekadenz der deutschen Juden ist keine echte, geboren aus der
    Entartung der Rasse, sondern propagiert aus ungesunder beruflicher
    Verteilung, Lebensweise und Wohnart. $Fishberg$ urteilt hierzu: Es
    sollte aber nicht bersehen werden, dass die Juden seit
    Jahrhunderten bis auf die Neuzeit in allen Teilen der Welt unter
    fast identischen sozialen und konomischen Verhltnissen gelebt und
    ungefhr denselben Berufen obgelegen haben, whrend sie berall
    denselben Beleidigungen, Zurcksetzungen, Verfolgungen ausgesetzt
    waren. So hat denn die nmliche Umgebung ein und dieselben
    pathologischen Resultate hervorgebracht. Die Juden sind somit ein
    Beispiel zur Illustrierung des Milieus auf die Pathologie.

Aber im Effekt ndert es nicht die Tatsache. Die Tatsache: Eine
steigende Unsumme von physischem und geistigem Defizit.




KAPITEL XIV.

$UEBERSICHT$.

                                    _Du siehst das Unkraut nicht, wenn
                                    es wchst, aber Du wirst es schon
                                    sehen, wenn es gewachsen ist._

                                                                _Hebbel._


Der Untergang eines Volkes ist zumeist kein momentaner, zeitlich absolut
kurz begrenzter Vorgang, ist nicht einmal ein absoluter Prozess. Der
Untergang der rmischen Kulturwelt, der griechischen Vlker, der
spanischen Weltgeltung vollzog sich in Zeitluften, die Jahrhunderte
umfassten. Der Untergang eines Volkes erfolgt dort am eindeutigsten, wo
eine Gemeinschaft durch Aussterben zum Verschwinden gelangt. Man kann
dies Ende bei einer Bevlkerung von 600000 Seelen nicht in einer
Generation erwarten. Aber alle Bedingungen, Voraussetzungen und
Prozesse, welche die Auflsung zum System machen, sind fr die Juden
Deutschlands vorhanden. Die Juden haben sich in einem Netz verfangen,
das mit allen Maschen, mit allen Zusammenhngen an diese Entwicklung
verknpft ist. Die Judenheit ist die grostdtische, kapitalistische,
rationalistische Bevlkerungsschicht in der hchsten Potenz geworden.
Ihre geistigen, konomischen, sozialen und biologischen Verhltnisse und
Eigenarten drngen darauf hin, den eisernen Reifen, der das jdische
Volk fest umschlossen hielt, zu sprengen, Religion und Inzucht, die
Basis ihrer Existenz zu lockern und alle die Erscheinungen, welche am
Rande und im Kern die Zersetzung bedeuten, verstrken zu lassen. Gewiss
tritt auf die Ebbe wieder die Flut ein, und es mag Reaktionen geben,
welche die Verhltnisse einige Augenblicke aufzuhalten versuchen.
Darber mu man sich aber klar sein, da den am Werke wirkenden
Triebkrften nichts von ungefhr angeflogen ist, dass es sich nicht nur
um ein momentanes Gespinst handelt, welches heute die Gemter ergriffen
hat und morgen durch andere Vorstellungen abgelst werden kann, sondern
da die Einwirkungen und Komponenten, die von Jahr zu Jahr an Macht
wachsen und noch zunehmen, ein Konglomerat von Wirtschaftsproblemen,
geistigen Vorstellungen, von politischer Konstellation und von
Weltbildern bilden, welche in ihren Ursachen kaum in der jdischen
Gemeinschaft allein bekmpft werden knnen.

Es ist ganz gleichgltig, ob ein Statistiker in strflichem Optimismus
irgend eine kleine Zahl in diesem Buch anders auffat, ob ihm irgend
eine der Erklrungen nicht zusagt. Es dreht sich hier um die groe
Frage, ob die Juden an der Spitze der Bevlkerung, welche zur
Geburteneinschrnkung bergeht, steht, resp. stehen mu, ob die jdische
Bevlkerung zur sexuellen Vermischung sich drngt, ob irgend welche
Unterlagen vorhanden sind, die eine Aenderung des Sexualproblems in
nchster Zeit erwarten lt.

Es ist ferner die Frage vorzulegen, ob bei der Nherung der jdischen
und nicht jdischen Massen eine chinesische Mauer zwischen den
Individuen auf sexuellem Gebiet aufgeschlossen werden kann, die auf
anderen Gebieten immer mehr niedergerissen wird, ob auf deutsch ein
krperliches Ghetto eingerichtet wird, whrend die geistigen
Unterschiede immer mehr zurcktreten. Ja, ob es berhaupt mglich wre,
unter den heutigen Verhltnissen das sexuelle Leben der Menschen in der
Weise einzuzwngen, da sie Ziel und Zweck, bedachte und unbedachte
Regungen, Gefhle, und Triebe vllig beherrschen und ihr Ausleben nur in
ihrer Eigenart suchen und finden. Mit der Erschtterung der Macht des
nationalen und religisen Gedankens fllt jede Mglichkeit hinweg, die
Mitglieder der Gemeinschaft festzuhalten und ihnen bestimmende
Vorschriften zu machen. Der moderne Lebensknstler ist der Pflichten
enthoben und keine Schranke hindert ihn, sich im Leben so zu bewegen,
wie es ihm der Augenblick eingibt und das Gesetz des Staates erlaubt.
Gerade die letzten Jahre vor dem Krieg bewiesen deutlich, da die Juden
ein untergehendes Volk sind, das durch die Preisgabe der religisen und
nationalen Momente die Emanzipation und die Aufnahme in den deutschen
Staatsbrgerverband teuer erkaufte.

Allerdings kann die stliche Einwanderung den Vorgang verwischen und
eine Entwicklung vortuschen, die nicht da ist. Es ist zwar zu
berlegen, ob diese Zuwanderung bestndig bleibt. Es deuten manche
Arbeiten (u. a. von $Weienberg$) darauf hin, da auch die Ostjuden
langsam aber sicher zu einer Geburteneinschrnkung bergehen, und da
sie vielleicht bald keinen Geburtenberschu und keine Auswanderung
aufzuweisen haben werden. Andererseits ist es nicht sicher, ob die
deutschen Grenzen noch lange ihnen geffnet sind, oder ob nicht andere
Lnder den Strom der Auswanderer mehr anziehen werden. So ist es leicht
mglich, da die Juden des Ostens nach Ruland und Sibirien, nach
Canada, den Vereinigten Staaten, Sdamerika oder Afrika insbes.
Palstina wandern werden. Das besiegte Deutschland bietet vielleicht
bald keine Chancen mehr fr einen Zuzug, vielleicht bekommt es sogar
eine Abwanderung der eigenen Bevlkerung und auch seiner Juden, wodurch
der Abbrckelungsproze noch beschleunigt wrde. Aber selbst bei einer
Immigration in Permanenz gibt sich die Zersetzung innerhalb der
deutschen Juden nicht weniger als bedeutsam und die Entwicklung der
deutschen Judenheit bleibt erschttert.[33]




KAPITEL XV.

$SCHLUSS$.

                                    _Nicht Jeremias Klagereden, sondern
                                    Esras Taten haben das Judentum
                                    erhalten._

                                                                _Tnzer._


    $Nietzsche$ drckte sich einst drastisch aus: Wenn die Statistik
    nichts anderes knne als zu beweisen, dass es Gesetze in der
    Geschichte gbe, dann hole die Masse und die Statistik der Teufel.
    Mit ihm will ich nicht rechten. Aber mit denen, die berall eine
    Moral angeklebt haben mchten oder gar mit denen, die immer von
    einer $glcklichen$ Zukunft trumen.

Von jedem Arzt, der am Krankenlager die Diagnose stellt, verlangt man
eine Therapie. Vom Tode gezeichnete Kranke wollen noch Genesungstropfen.
Die Natur hat deshalb die Euphorie vorgesehen, die den Absterbenden in
eine gehobene Stimmung versetzt, ihnen ein Traumbild von Gesundheit und
Genesung vorgaukelt.

So lange das Gesetz von Ursache und Wirkung unerbittliche Wahrheit
bleibt, hofft nur der Einfltige auf Zuflliges. Zuflligkeit ist das,
was wir nicht zu erklren verstehen. Aber der Weg von der Flle der
Fruchtbarkeit zur Kinderarmut, von der Inzucht zur Vermischung, von dem
mrtyrerfreudigen Sich-hingeben an die Gemeinschaft zum feigen
Verleugnen und willenlosesten Fahrenlassen sind Symptome und Stigmata
eines groen Prozesses, dessen Stationen wir berblickten, deren
Triebkrfte, Hebel und Gewalten wir befunden haben. Die Emanzipation
hat die Schleusen geffnet und den Strom der neuen Ideale in das Ghetto
hineingelassen; das moderne Wirtschaftsleben, das Zeitalter des
werbenden Kapitals, der Fabriken und der Technik haben konomische
Umwlzungen bedingt. Sollen weitere Vernderungen, neue
Wirtschaftsprobleme, politische Einflsse, geistige Vorstellungen und
soziale Umwallungen ein Nichts bedeuten?

Gewi! Wenn sich aber auch von Grund auf das Bild der deutschen
Judenheit ndert. $Nehmt der konomischen Schwere den ganzen Druck$
($und nicht ein Gramm weniger$) $und kmmert euch$ ($nicht wie impotente
Moralisten$) $um den starken Trieb der Menschen.$

Gebt aber auch der Masse, die sich national und religis entkleidet hat,
keine neuen Surrogate, harmlosen Ersatz, Kinkerlitzchen und Firlefanz.
Bringt ihr hebrische Sprache und Kultur, eigene Sitte und Gesetz und
$zwingt den letzten, dessen kollektives Interesse erlschen knnte, mit
fester Hand, da er sich nicht entwinden kann, in ein marschfhiges
Ganze.$ Genug der frommen Ermahnungen und des tatenlosen Hoffens. Das
Uebel (sit venia verbo) ist viel zu fest mit der ganzen Kultur
verankert, als da man es mit Reden oder Schriften ndern knnte.

Der Appell an den Idealismus in Ehren: Hat nicht das offizielle Judentum
auch im vorigen Jahrhundert fr die altjdischen Ideale gekmpft? Gab es
nicht ein Heer von Vorstnden, Rabbinern, Lehrern, Schriftstellern, die
fr die Erhaltung und Erneuerung tagtglich warben? Hat nicht die
Pogromgefahr Tausende aufgeschreckt, die ihr Sein lngst vergessen
hatten? Hat aber das Leben nicht strker gewirkt und selbst die
Orthodoxie von der Frhehe verjagt? Gut, weckt mit Posaunen die
Hunderttausende aus der Apathie und Lethargie, erfllt sie mit neuem
religisen und nationalen Willen. Vor allem $schafft ein gesundes
Volkstum$, $Mglichkeiten normalen Liebeslebens$, $konomische
Grundlagen$, kurz reformiert an Haupt und Gliedern, werdet Juden wie die
der frheren Zeiten, modelt eine neue Welt in die opponierende Umwelt,
macht ein neues Volk mit neuen oder alten Gesetzen -- wo ihr knnt!

Esten, Irlnder, und Litauer sind zu neuem nationalen Bewutsein erweckt
worden. Ihnen kam die Einheit und die Kraft des eigenen Grund und Bodens
zustatten, Sprache, Sitte und Kultur, politische und wirtschaftliche
Interessen, Einflsse und Beengungen. Andere untergehende Vlker fanden
nicht mehr den Weg zum Leben. So die Indianer, die aus ihren alten
Lebensbedingungen verdrngt, ihrer frheren Kultur entwurzelt, der
modernen Civilisation kein Paroli bieten knnen. Es ist nicht unsere
Aufgabe, die Analogie ihres Schicksals mit dem der Westjuden darzulegen,
aber eines gehrt festgehalten. Die Indianer haben keine Kulturwerte
geschaffen, der Welt keine Bibel, keine Sabbathruhe, kein Recht des
Fremden und keinen Menschlichkeitsgedanken gegeben.

    Ein Volk, das von Moses bis zu den Propheten, bis Hillel und Jesus
    von Nazareth, von Spinoza bis Mendelssohn und Heinrich Heine bis
    Karl Marx und Lombroso, mit soviel Wirklichkeit und Glanz dem
    menschlichen Geist und der Civilisation diente, hat seine letzten
    Worte noch nicht gesprochen, glaubte bereits 1911 A. Valensis in
    den Dokumente des Fortschrittes profezeihen zu knnen. Und weiter
    heisst es dort: Auf dem Boden seiner Vter physisch neugeboren und
    der Verwirklichung eines alten durch die soziale Gerechtigkeit
    verjngten Ideals nachstrebend, wird es der Menschheit ohne Zweifel
    eines Tages um so schnere und eigenartigere Frchte bieten, als sie
    auf den gesegneten Feldern der Freiheit gereift werden.

Heine meinte, Gott verlt berhaupt kein Volk, und wenn ein Volk aus
Ermdung oder Faulheit einschlft, so bestelle er ihm seine Wecker, die
verborgen in irgend einer Abgeschiedenheit ihre aufrttelnde Stunde
erwarten.

Und wirklich, in den Jahren, in denen die Zersetzung das europische
Judentum erfate, entstand eine nationale Bewegung, welche die Juden von
den Einwirkungen der europischen Einflsse befreien, die normale
soziale Struktur und die jdische Kultur im Lande der Vter erneuern und
dort die sichernde Erhaltung der jdischen Art bewerkstelligen will.

Und ein gesundes jdisches Volk wird werden, allerdings abseits von den
Trmmern dieser Judenheit und diese Judenheit verachtend;

Diese Pseudojudenheit mit ihrer unjdischen Politik, mit dem Bruderkrieg
aller gegen alle: der Unzahl der religisen Richtungen, der Nationalen,
der Fremdgebrtigen. --

Diese absterbende Judenheit mit unverbesserlichem, fast verbrecherischem
Optimismus jener wie im Morphiumrausch Delirirenden oder der im
praktischen Pessimismus und im Zynismus Frohlockenden, die rasch das
sinkende Schiff verlassen. --

Diese demoralisierte Judenheit, deren Mitlufer im Indifferentismus nur
den Sinn auf das eigene Wohl, den Beruf und die Gensse des Lebens
gerichtet haben.

Wie im Jahrmarktstrubel treiben unverstndige Millionre, schwerflliger
Mittelstand, flatterhafte Juden in Ghettofurcht, Angst vor Pogromen, das
ganze Unglck einer anormalen Geschichte und eines unnatrlichen Lebens.

Und so bleibt das unglckliche Huflein der deutschen Juden,
schaffenslustig und wissensdurstig, von Erfolgen gesegnet und von Neid
und Migunst verfolgt. Und ihrem Tun und Leben scheint die alte
verklrende Sonne, unbekmmert um die Frage: Ob ihre Gemeinschaft
erfolgreich dieses Jahrtausend durchsegeln wird zum sicheren Port, oder
ob es wie ein Wrack auf hohem Meer nach vielen glcklichen und schweren
Fahrten, von allen Wellen und Winden getrieben, zuletzt ziel- und
zwecklos umher gepeitscht, sich mhselig ber Wasser hlt bis die
Fluten ber dem lecken Schiff zusammenschlagen.[34].....


Anmerkungen:

  [1] Deut. XXXII, 47. Es ist kein leeres Wort fr Euch, sondern es
  ist Euer Leben ... und Deut. XXX., 19: Siehe ich nehme heute den
  Himmel und Erde zu Zeugen, da ich vor dich gestellt Leben und Tod,
  Segen und Fluch. So whle denn das Leben, auf da du lebst, du und
  deine Nachkommenschaft!

  [2] Eine bersichtliche, kurze und systematische Zusammenstellung der
  praktischen Gebote des Talmud wurde unter diesem Namen von Joseph
  Karo im 16. Jahrhundert zusammengefat. An diesen Codex hat sich die
  orthodoxe Judenschaft in den letzten Jahrhunderten gehalten. (Nossig
  a. O.).

  [3] Trotzdem oder vielleicht eben deshalb, war es mir nicht mglich,
  die Segallschen Einzelheiten, soweit sie statistisch irrefhrend
  waren, in der Zeitschrift fr Statistik einer Entgegnung zu
  unterziehen. Der Vorsitzende des Verbandes, Geheimrat Dr. Maretzki,
  hatte mir zwar die Aufnahme des Artikels zugesichert, die Redaktion
  verweigerte aber seine Aufnahme.

  [4] Vor allem erwiesen sich hier durchaus entgegenkommend: Das
  Hamburger Israel. Fam.-Blatt, die Frankfurter Jd. Presse und die
  Jd. Rundschau, sowie das Schweizer Israel. Wochenblatt.

  [5] Levit. XXVI: Und wo Ihr mir entgegenwandelt -- sollt Ihr
  untergehen unter der Umwelt und deren Geist wird Euch aufsaugen. Und
  der Rest wird verdorren, infolge seiner Snden und infolge der Snden
  ihrer Vter ...

  [6] Azulai, der groe italienische Talmudgelehrte hat in seinem Schem
  ha Ketolim vor 100 Jahren die These aufgestellt, da es das Los der
  Juden sei, in der Diaspora in einem Lande zu blhen und in einem
  anderen zu sterben, nur im Wechsel ruhe sozusagen das Gleichma.

  [7] Fr Hessen findet sich die Zahl im Staatsarchiv zu Marburg.
  Im Jahre 1689 wurden 2566 Juden gezhlt. Eine Feststellung fr
  Deutschland ist m. E. noch nicht getroffen.

  [8] Die gesetzestreuen Kreise zhlen nach Schtzungen, die (u.
  a. geben die Anmeldungen zum Bezug von rituellen Lebensmitteln
  einen Anhaltspunkt) etwa 1/5 der deutschen Juden, wobei man als
  gesetzestreu alle die bezeichnen kann, die den Sabbath heiligen und
  die Speisegesetze beobachten. Wer die als gesetzestreu anerkennen
  wollte, die die Sexualvorschriften befolgen, wrde in Deutschland
  wenige finden, die sich an das Gesetz halten. Denn so peinlich
  stellenweise die Sabbathheiligung durchgefhrt wird, so lax stehen
  dieselben Kreise den sexuellen Forderungen gegenber. Die Zahl der
  orthodoxen Juden nimmt brigens bestndig trotz des stlichen Zuzuges
  ab. Ein Blick in die Verschiebung des Wohnaufenthaltes bezeugt diese
  Tatsache insofern, als die drfischen und kleinstdtischen Juden zum
  kleinsten Teil neolog, die Grostdte in der Hauptsache freisinnig
  sind. Darber kann uns nicht hinwegtuschen, da die Orthodoxie der
  Stdte neuerdings besser organisiert ist und das sie infolge des
  starken Zuzuges an Zahl gewonnen hat. Wir knnen annehmen, da 1870
  noch die Hlfte der deutschen Juden als gesetzestreu anzusprechen
  war, whrend die im letzten Krieg ermittelten Zahlen von 25% rituell
  lebenden Juden noch Teile bergen, die nur zu Hause die jdische Kche
  beachten, im brigen aber nicht mehr als Anhnger der Orthodoxie
  anzusprechen sind.

  [9] Noch im Jahre 1462 erlie Markgraf Albrecht von Brandenburg
  die Erklrung: ... denn so ein yeder Romische Konig oder Kayser
  gekrnet wird, mag er den Juden allenthalben im Rich alle jr gt
  nemen, dazu jr leben und sie tten bis auf ein anzal, der lutzel
  (klein) sein soll, zu einer Gedechtnis zu enthalten ... zitiert
  nach der Schrift von Dr. $Ludwig Davidsohn$ Beitrge zur Sozial-
  und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation
  (Verlag L. Lamm Berlin 1920).

  [10] 1832: 874, 1849: 1022, 1867: 2103.

  [11] Wenn Segall trotz allem die Einwanderung als eine vorbergehende
  Erscheinung abtut, die das Bild der Entwicklung der deutschen Juden
  nicht aufs wesentlichste mitbestimmt, dann gehrt diese Annahme zu
  den willkrlich getroffenen Konstruktionen, die zur Verdunkelung des
  Tatbestandes dienen sollen.

  Segall schrieb diese Behauptung im Jahre 1911 in seiner Abfertigung
  meiner Arbeit, als ihn jede grostdtische Synagogengemeinde an der
  Hand der Steuern, der Eheschlieungen, der Todesflle belehren htte
  knnen, (was er brigens von jedem Kinde in der Grenadierstrae auch
  so erfahren haben wrde). Wissenschaftlich htte er sich an Hand
  der Zhlkarten der Stadt Berlin der Tatsachen berfhren knnen.
  Leichtfertig, wie Segall mit seinen wissenschaftlichen Behauptungen
  auftritt, fiel es ihm garnicht ein, irgendwelche Unterlagen fr seine
  Thesen zu suchen.

  [12] 1840: sogar 70%.

  [13] 1840: sogar 58%.

  [14] Nach Heinrich Lwe waren 1817 2/3 der preuischen Juden
  polnischer Abkunft, woraus die Bedeutung der Ostmark fr die
  preuischen Juden klar hervorgeht.

  [15] In der Februarnummer 1920 der Neuen jdischen Monatshefte habe
  ich in einem Aufsatz Die Nemesis des deutschen Antisemitismus
  weiteres Material zur Ostmarkenpolitik niedergelegt.

  [16] Rckgang erst seit 1905.

  [17]

    1885:  65611 = 4,45 %
    1895:  94391 = 4,48 %
    1900: 130487 = 4,3  %
    1910: 142289 = 4,05 %

  [18] Die Zunahme von Gro Berlin war

    1880/90 = 19000
    1891/00 = 26000
    1901/10 = 35000

  [19] Eine hnliche Umschichtung nimmt in jeder gemischten Bevlkerung
  der geistig regsamere Teil vor. In Amerika und im Orient werden
  die schwerflligeren und stumpferen Nationalitten lnger in den
  schlechter entlohnten Arbeitsformen festgehalten, whrend die
  agileren und sensibleren das grostdtische, kommerzielle und
  akademische Element stellen, (z. B. im Orient: Griechen, Juden,
  Armenier, Trken, in Amerika: Juden, Deutsche, Englnder, Iren,
  Italiener, Polen, Neger). Selbst in Deutschland zeigen sich hnliche
  Differenzierungen zwischen der katholischen und evangelischen
  Bevlkerung, diese dringt in katholische Gegenden ein und besetzt die
  lohnenderen Berufsarten. Der ewige Jammer darber, da die Katholiken
  in Deutschland so wenig an der Spitze der Nation stehen, hatte neben
  der sicher unberechtigten Zurcksetzung auch seine Ursache in der
  tatschlich geringeren Zahl von Akademikern, Groindustriellen und
  Grokaufleuten, wobei den Katholiken, die in den alten Kulturgebieten
  Deutschlands am Rhein und in Sddeutschland wohnen, alle
  Wirtschaftsvorteile und alle geistigen Vorbedingungen gegeben waren.

  [20] Von mir ergnzt.

  [21] Ueber die Zahl der Austritte siehe in dem betr. Kapitel.

  [22] Die schnfrbenden Statistiker belieben diese Ziffer zu
  unterschtzen.

  [23] Ohne die Kriegsverluste bei gedachter gnstiger
  Friedenssterblichkeit.

  [24] Darunter 129 Militrpersonen.

  [25] Nur die ber 14jhrigen. Die Taufe der Kinder ist damit nicht
  erfat.

  [26] Die Bevlkerungsabnahme der Juden Wiens war somit vor dem
  Weltkrieg jhrlich ber 500, da die Austrittsziffer nur die amtlich
  registrierten ausscheidenden ber 14 Jahre alten Personen erfat.

  [27] Es handelt sich um Berlin allein, Gro Berlin wrde noch
  beweiskrftigere Zahlen liefern. Fr den Westen liegt kein Material
  vor.

  [28] Der eine Sohn war der Bassist Lindeck, der andere, allerdings
  nicht getauft aber wohl Dissident, der bekannte Mnchener
  Hofkapellmeister und Wagnerdirigent.

  [29] Emin Pascha, der als Jude geboren, spter getauft wurde, trat
  zum Mohammedanismus ber und wurde schlielich wieder Christ.
  Familien in denen die Kinder z. T. katholisch z. T. evangelisch
  getauft waren, sind keine Seltenheit.

  [30] Von den in Preuen ermittelten Mischehen befindlichen 3643
  Kinder waren 792 im jd. Glauben erzogen. Also 22%, eine Ziffer, die
  fast in allen Auszhlungen wiederkehrt, wonach jedes 4.-5. Kind aus
  Mischehen in der mosaischen Religion erzogen wird.

  [31] Das XIX. Jahrhundert erfllte der Kampf um die politischen
  Rechte des Individuums und die nationale Selbststndigkeit
  der Vlker. Dem neuen Zeitabschnitt scheinen grosse soziale
  Auseinandersetzungen vorbehalten zu sein. Ob es gelingt, das einzelne
  Individuum vom Druck der Wirtschaftsverhltnisse frei zu machen, kann
  nur die Zukunft lehren. Vorerst hngen die Juden wie keine zweite
  Klasse von allen Vibrationen des Wirtschaftsmarktes ab und reagieren
  wie ein feines Metall auf alle Stsse des konomischen Lebens.

  Im Mittelalter waren die Juden die Trger des Geldhandels, in der
  neuen Zeit sind sie die Trger des Kapitalismus, Begriffe, die man
  nicht ohne weiteres gleichsetzen darf. Es wre lohnend auf alle diese
  Probleme einzugehen.

  [32] Hierher gehren auch die sich mehrenden Flle anormalen
  Sexualempfindens oder minderer Potenz.

  [33] Denn es bleibt eine Tatsache, da die Ostjuden sehr rasch die
  Sitten und Gewohnheiten der Westjuden annehmen, weil sie in denselben
  Kulturkreis unter denselben Voraussetzungen und Bedingungen eintreten.

  [34] Jenseits der deutschen Grenze vollzieht sich in umgekehrtem
  Mastab der Neuaufbau eines jdischen Palstina und lst so das Wort
  des Profeten $Jesaias$ ein: Und wenn auch nur ein zehntel bliebe:
  -- wie eine Eiche oder eine Terebinthe, wenn sie das Laub abgeworfen
  doch den Schein behlt: so wird auch der heilige Stamm Bestand haben,
  und Amos beschliet diese Profetie in dem letzten seiner Bcher:

  Alle Snder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da
  sagen: Es wird das Unglck nicht so nahe sein, noch uns begegnen. Zur
  selben Zeit will ich die zerfallene Htte Davids wieder aufrichten
  und ihre Lcken verzunen, und was abgebrochen ist wieder aufrichten
  und will sie bauen wie sie vorzeiten gewesen ist.

  Denn ich will das Verhngnis meines Volkes Israel wenden, da sie
  sollen die wsten Stdte bauen und bewohnen, Wein, zu pflanzen und
  Wein davon trinken, Grten machen und Frchte daraus essen.

  Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, da sie nicht mehr aus ihrem
  Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der
  Herr, dein Gott.

  Und in dem Sinne kann das Wort des Propheten Jeremias gelten:

          $Es bleibt Hoffnung fr Deine Zukunft$!


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  | anscheinend auf die Funote auf der vorhergehenden Seite und     |
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  | Katholiken von 5950 auf 595000 und bei Evang. von 4,9 % auf      |
  | 49,0 %.                                                          |
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  | S. 9   "festumrissenem" in "festumrissenen" gendert.            |
  | S. 14  "Neomalthusionismus" in "Neomalthusianismus" gendert.    |
  | S. 15  "R. Elasar, b. Asarja" in "R. Elasar b. Asarja" gendert. |
  | S. 16  "Famile" in "Familie" gendert.                           |
  | S. 17  "Work" in "Werk" gendert.                                |
  | S. 18  "vorteihafteste" in "vorteilhafteste" gendert.           |
  | S. 18  "Andre" in "Andree" gendert.                            |
  | S. 26  Anfhrungszeichen entfernt.                               |
  | S. 42  "Sabbatheiligung" in "Sabbathheiligung" gendert.         |
  | S. 44  Anfhrungszeichen ergnzt (Funote).                      |
  | S. 52  ")" eingefgt.                                            |
  | S. 53  "11,9%" in "11,9 0/00" gendert.                          |
  | S. 53  "13,6%" in "13,6 0/00" gendert.                          |
  | S. 56  Anfhrungszeichen ergnzt.                                |
  | S. 72  "deuschen" in "deutschen" gendert.                       |
  | S. 77  "enstammen" in "entstammen" gendert.                     |
  | S. 78  "lken" in "lcken" gendert.                             |
  | S. 85  "blutsverwandschaftlichen" in "blutsverwandtschaftlichen" |
  |        gendert.                                                 |
  | S. 90  "jahrlang" in "jahrelang" gendert.                       |
  | S. 96  "treibt" in "treiben" gendert.                           |
  | S. 97  "Neumaltusianismus" in "Neomalthusianismus" gendert.     |
  | S. 102 Anfhrungszeichen ergnzt.                                |
  | S. 105 "wiederspiegelt" in "widerspiegelt" gendert.             |
  | S. 105 "fundamenter" in "fundamentaler" gendert.                |
  | S. 108 "bei der allgemein" in "bei der allgemeinen" gendert.    |
  | S. 108 ")" ergnzt.                                              |
  | S. 108 "Kinder" und "Erwachsene" in der Tabelle vertauscht.      |
  | S. 116 ")" ergnzt.                                              |
  | S. 120 ")" ergnzt.                                              |
  | S. 123 "einem Komponenten" in "einer Komponente" gendert.       |
  | S. 125 "beu" in "ber" gendert.                                |
  | S. 129 "Sanhedrion -- bekannt" in "Sanhedrion bekannt --"        |
  |        gendert.                                                 |
  | S. 133 "Durchschnittssjude" in "Durchschnittsjude" gendert.     |
  | S. 134 "bei den Errterung" in "bei der Errterung" gendert.    |
  | S. 136 "Hoffmannsthal" in "Hofmannsthal" gendert.               |
  | S. 137 "stossen" in "stoen" gendert.                           |
  | S. 148 Anfhrungszeichen ergnzt.                                |
  | S. 149 "alljhrlich" in "alljhrlich" gendert.                   |
  | S. 149 "Vorgnge" in "Vorgnge" gendert.                         |
  | S. 149 "betrchtliche" in "betrchtliche" gendert.               |
  | S. 149 "Kulturschdigungen" in "Kulturschdigungen" gendert.     |
  | S. 149 "wren" in "wren" gendert.                               |
  | S. 150 "ethischen" in "ethnischen" gendert.                     |
  | S. 151 Anfhrungszeichen ergnzt.                                |
  | S. 151 "Wiederschein" in "Widerschein" gendert.                 |
  | S. 158 Anfhrungszeichen ergnzt.                                |
  | S. 160 "ungekehrtem" in "umgekehrtem" gendert (Funote 34).     |
  |                                                                  |
  | Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen  |
  | blich waren:                                                    |
  |                                                                  |
  | 50jhrigen -- 50-jhrigen                                        |
  | ausser -- auer                                                  |
  | ussere -- uere                                                |
  | Descendenz -- Deszendenz                                         |
  | dreissig -- dreiig                                              |
  | Elementes -- Elements                                            |
  | Friedenschlu -- Friedensschluss                                 |
  | Geburtenberschu-Berechnungen -- Geburtenberschuberechnung    |
  | gefasst -- gefat                                                |
  | gross -- gro                                                    |
  | Gro-Berlin -- Gross-Berlin                                      |
  | Preussen -- Preuen                                              |
  | proportional -- proportionell                                    |
  | schliesst -- schliet                                            |
  | selbstndig -- selbststndig                                     |
  | Zufluss -- Zuflu                                                |
  |                                                                  |
  | Anmerkungen zu nicht vorgenommenen Korrekturen:                  |
  |                                                                  |
  | S.  61 Verstdtichung wurde nicht gendert.                      |
  | S. 122 Konkruluz ist vermutlich ein Setzfehler. Es knnte        |
  |        Kongruenz gemeint sein, wurde aber unverndert belassen.  |
  | S. 130 Die Summe der angegebenen Mischehen Preuens bestrgt     |
  |        12484 statt der angegebenen 12384, das wurde unverndert  |
  |        belassen.                                                 |
  | S. 149 Die idiomatische Schreibweise "Karrikatur" wurde nicht    |
  |        gendert.                                                 |
  | "Profezeiungen" / "profezeihen" (in Zitataten) wurde nicht       |
  | gendert. "garnicht" wurde nicht gendert.                       |
  +------------------------------------------------------------------+








End of the Project Gutenberg EBook of Der Untergang der Deutschen Juden, by 
Felix A. Theilhaber

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

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