The Project Gutenberg EBook of Psychologie und Logik, by Theodor Elsenhans

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Title: Psychologie und Logik
       zur Einfhrung in die Philosophie

Author: Theodor Elsenhans

Release Date: December 16, 2013 [EBook #44442]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PSYCHOLOGIE UND LOGIK ***




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    | S. 55 "Selbstberrschung" in "Selbstbeherrschung" gendert.   |
    | S. 110 "die einzelne Modi" in "die einzelnen Modi" gendert. |
    | S. 122 "demseben" in "demselben" gendert.                   |
    | S. 141 "184/95"  in "1894/95" gendert.                      |
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                             Sammlung Gschen


                          Psychologie und Logik
                             zur Einfhrung
                                 in die
                               Philosophie

          Fr Oberklassen hherer Schulen und zum Selbststudium

                            dargestellt von
                           Dr. Th. Elsenhans

                           Mit 13 Textfiguren

                      _Vierte, verbesserte Auflage_

                            Zweiter Abdruck

                               _Leipzig_
                   G. J. Gschen'sche Verlagshandlung
                                  1904


        _Alle Rechte, insbesondere das bersetzungsrecht, von
                  der Verlagshandlung vorbehalten._

                    Herros & Ziemsen, Wittenberg.




Inhaltsverzeichnis.


Einleitung.

                                                             Seite
   1. Aufgabe und Einteilung der Philosophie                    7
   2. berblick ber die Geschichte der Philosophie             9
   3. Die Bedeutung der Psychologie und der Logik              11


Psychologie.

   4. Empirische und rationale Psychologie                 14

  Abschnitt 1. Seele und Krper.

   5. Die verschiedenen Ansichten ber das Verhltnis von
        Seele und Krper                                        15
   6. Die Eigentmlichkeit der krperlichen und der geistigen
        Erscheinungen                                           17
   7. Das Nervensystem                                         19

  Abschnitt 2. Die einzelnen Elemente des Seelenlebens.

   8. Die sogenannten Seelenvermgen                         20

  1. Das Erkennen.

   9. Die Empfindung                                           21
   10. Vorstellung und Wahrnehmung                             24
   11. Der Verlauf der Vorstellungen                           25
   12. Die Aufmerksamkeit und das Gedchtnis                   30
   13. Die Arten der Vorstellung und das Denken                32
   14. Die Vorstellung eines zusammenhngenden Weltganzen      34

  2. Das Fhlen.

   15. Wesen und Arten des Gefhls                             39
   16. Die krperlichen Gefhle                                41
   17. Die geistigen Gefhle                                   42
   18. Unterschiede des Gefhls nach Strke und Dauer          44
   19. Der Verlauf und die Verbindung der Gefhle              44
   20. Das Lebensgefhl und die Stimmung                       46
   21. Die Temperamente                                        48
   22. Selbstgefhl und Mitgefhl                              49
   23. Die Bedeutung der Gefhle                               50

  3. Das Wollen.

   24. Die unwillkrlichen Bewegungen                          52
   25. Der Trieb und das eigentliche Wollen                    55
   26. Die Freiheit des Willens                                57
   27. Die Ausdrucksbewegungen                                 59
   28. bung, Gewohnheit, Charakter                            62

  Abschnitt 3. Die Abhngigkeit der einzelnen Elemente der
  Seele voneinander.

   29. Die Abhngigkeit der einzelnen Elemente
         voneinander                                            64


Logik.

   30. Die Aufgabe der Logik                                   67

  I. Teil: Elementarlehre.

  1. Die Begriffe.

   31. Der Begriff und seine Merkmale                          69
   32. Inhalt und Umfang des Begriffs                          71
   33. Klarheit und Deutlichkeit des Begriffs                  72
   34. Die Arten der Begriffe                                  72

  2. Die Urteile.

   35. Das Wesen des Urteils                                   74
   36. Die traditionelle Einteilung der Urteile                75
   37. Die zusammengesetzten Urteile                           79
   38. bersicht der Urteilsarten                              81

  3. Die Schlsse.

   39. Die Grundgesetze des Denkens                            85

  A. Der unmittelbare Schlu.

   40. Der Schlu aus einem Begriff                            88
   41. Die Konversion                                          90
   42. Die Kontraposition                                      92
   43. Die Umwandlung der Relation                             93
   44. Die Subalternation                                      93
   45. Die quipollenz                                         94
   46. Die Opposition                                          94
   47. Die modale Konsequenz                                   96
   48. Der Wert der unmittelbaren Schlsse                     96

  B. Der mittelbare Schlu.

   49. Wesen und Formen des mittelbaren Schlusses              98

   50. Allgemeine Gesetze ber die Erfordernisse der
         kategorischen Schlsse                                100
   51. Die erste Figur                                        103
   52. Die zweite Figur                                       105
   53. Die dritte Figur                                       107
   54. Die vierte Figur                                       108
   55. Die logische Form des Schlusatzes im Verhltnis zu
         den Prmissen                                         109
   56. Der wissenschaftliche Wert der Syllogismen             110
   57. Der hypothetische Schlu                               113
   58. Der disjunktive Schlu                                 115
   59. Die zusammengesetzten und die verkrzten Schlsse      117
   60. Fehlschlsse und Trugschlsse                          118
   61. Der Induktionsschlu                                   121
   62. Der Analogieschlu                                     122

  II. Teil: Methodenlehre.

   63. Die Aufgabe der Methodenlehre                          123

  1. Die Begriffsbestimmung.

   64. Wesen und Arten der Begriffsbestimmung                 124
   65. Fehler der Begriffsbestimmung                          125

  2. Die Einteilung.

   66. Das Wesen der Einteilung                               126
   67. Arten und Fehler der Einteilung                        127

  3. Der Beweis.

   68. Der Beweis und seine Arten                             129
   69. Auffindung und Fehler des Beweises                     130

  4. Der Fortschritt der Wissenschaft.

   70. Die verschiedenen Methoden                             131
   71. Das induktive Verfahren                                132
   72. Das deduktive Verfahren                                136
   73. Die Verbindung von Induktion und Deduktion und die
         Hypothese                                             137
   74. Das System                                             138

  Literatur                                                    140

  Namen- und Sachregister                                      143




Einleitung.


 1. Aufgabe und Einteilung der Philosophie.

_Die Philosophie ist die allgemeine Wissenschaft, welche den Zweck hat,
Sicherheit, Einheit und Zusammenhang im Gesamtgebiet unseres Wissens
herzustellen._ Auch die einzelnen Wissenschaften entspringen diesem
Bedrfnis, aber ihr Gebiet ist ein beschrnktes und sie gehen teils von
Voraussetzungen aus, die sie nicht nher prfen, teils gelangen sie zu
Resultaten, die nicht miteinander bereinstimmen. Die Philosophie prft
jene Voraussetzungen und sucht durch Verarbeitung der Resultate der
Einzelwissenschaften den Zusammenhang der gesamten Erfahrungswelt zu
erforschen.

Auf demselben Wege gelangt _der denkende Mensch_ zu philosophischer
Betrachtung. Er stt auf Widersprche in dem Wissensstoff, den er im
Glauben an fremde Autoritt angenommen oder selbstndig sich angeeignet
hat, und findet bei nherer Selbstbesinnung, da sein Wissen auf
unbewiesene Voraussetzungen sich sttzt und ungelste Widersprche in
sich schliet.

_Die Philosophie teilt sich_ nach den zwei groen Gebieten der
Erfahrungswelt: Natur und geistiges Leben, in eine _Philosophie der
Natur_ und in eine _Philosophie des Geistes_. Die letztere beschftigt
sich als _Psychologie_ mit dem allgemeinen Wesen des Geistes, wie es an
jedem einzelnen Menschen beobachtet werden kann, als _Philosophie der
Geschichte_ (im weitesten Sinn) mit dem menschlichen Geistesleben, wie
es als Resultat gemeinschaftlicher Ttigkeit der Menschen in
Gesellschaft und Geschichte sich entwickelt.

Unter den geistigen Erscheinungen treten aber einige besonders hervor,
deren Wichtigkeit fr Leben und Wissenschaft, wo sie zur _Aufstellung
von_ zu befolgenden _Regeln_ fhren, eine gesonderte Behandlung
empfiehlt. So wird das richtige Denken in der _Logik_, der sthetische
Geschmack in der _sthetik_, das sittliche Bewutsein in der _Ethik_,
das religise Bewutsein in der _Religionsphilosophie_ zu Gegenstnden
einer besonderen Wissenschaft gemacht. Diese psychologischen Tatsachen
treten in der Geschichte _als geistige Mchte_, als Hauptelemente der
menschlichen Kultur auf: Wissenschaft, Kunst, Sitte, Recht und Staat,
Religion; oder, sofern sie durch ein verwirklicht gedachtes Ziel wirken,
als _Ideale_: Wahrheit, Schnheit, Sittlichkeit, Vereinigung mit der
Gottheit. Doch erfllen Philosophie der Geschichte und Psychologie ihre
Aufgabe nur in bestndiger gegenseitiger Ergnzung, und beide
Standpunkte der Betrachtung mssen deshalb auch in jeder
Geisteswissenschaft zusammenwirken.

Aber der Zweck der Philosophie gestattet nicht, bei der Trennung der
Gebiete stehen zu bleiben, er schliet vielmehr die Aufgabe in sich,
auch Natur und Geist, auch jene verschiedenen Richtungen des
Geisteslebens nach ihren letzten Zusammenhngen untereinander zu
untersuchen und auf einen einheitlichen Grund zurckzufhren, die
Aufgabe der _Metaphysik_. Diese alle andern abschlieende Wissenschaft
beschftigt sich daher mit der Frage nach der Anwendung der Denkgesetze
auf die wirkliche Welt und deren Bedingungen und Grenzen
(Erkenntnistheorie), nach der Gltigkeit der Allgemeinbegriffe, die wir
der Betrachtung der Dinge zu Grunde legen: Sein, Vernderung, Raum und
Zeit, Ursache und Zweck, und endlich mit der Gottesidee, soweit sie
nicht bereits auf Grund der Erkenntnistheorie als fr das philosophische
Erkennen unerreichbar angesehen wird.


 2. berblick ber die Geschichte der Philosophie.

Die Geschichte der Philosophie ist eine Geschichte der Versuche, die  1
bezeichneten Aufgaben zu lsen.

Die erste selbstndige Philosophie findet sich bei den Griechen. Die
_ionischen Naturphilosophen_ (um 600 v. Chr.) fanden den einheitlichen
Urgrund der Dinge in einem Urstoff, z. B. _Thales_ im Wasser, die
_Pythagoreer_ in Ma und Zahl, die _Eleaten_ im reinen Sein im Gegensatz
zur scheinbaren Vielheit der Dinge, _Heraklit_ im endlos sich
verwandelnden Feuer, die _Atomisten_ in den gleichartigen, kleinsten,
unteilbaren Stoffteilchen mit ihrer verschiedenartigen Ordnung, Gestalt,
Lage und Bewegung. Erst fr _Anaxagoras_ war das Ganze der Welt das Werk
eines vernnftigen Wesens, des Geistes. Die bisher einfach
vorausgesetzte Erkennbarkeit der Welt wurde aber von den alles
bezweifelnden _Sophisten_ bestritten und mute von den groen
Philosophen der Folgezeit neu begrndet werden.

Mit diesen, mit Sokrates, Plato und Aristoteles erreichte die
griechische Philosophie ihren Hhepunkt. Sie machten den Menschen selbst
und sein Denken zum Gegenstand der Untersuchung. _Sokrates_ ([+] 399)
beschftigte sich mit der Bildung fester Begriffe, besonders des Wahren
und Guten. _Plato_ ([+] 347) gelangte auf diesem Wege zur Lehre von den
Ideen als den geistigen Urbildern der Dinge und erfate noch tiefer
Wesen und Aufgabe des Menschen. Sein groer Schler _Aristoteles_
([+] 322) wurde durch sorgfltige Untersuchung der Gesetze des Denkens
zum Begrnder der Logik als Wissenschaft und bertraf seinen Vorgnger
durch die Weite des Blicks, mit der er den ganzen Wissensstoff der
damaligen Zeit, besonders auch der Naturwissenschaft, in das Gebiet der
Philosophie hereinzog.

Die nachfolgenden Philosophen, die _Stoiker_ und _Epikureer_ verlegten
den Schwerpunkt in die Ethik und fanden als hchste Regel des Lebens die
Befriedigung des Weisen in seinem inneren Leben. Die _Skeptiker_
forderten den Verzicht auf alles Wissen und die _Neuplatoniker_ machten
einen letzten Versuch, in der Einigung mit der Gottheit die Wahrheit
unmittelbar anzuschauen.

Das Christentum entwickelte im Mittelalter unter dem Einflu des
Aristoteles eine eigene christliche Philosophie, die _Scholastik_, aber
erst durch die Reformation wurde freie Forschung mglich gemacht.

In der neueren Philosophie lassen sich zwei Hauptstrmungen verfolgen,
eine _empiristische_ und eine _rationalistische_. Die erste,
hauptschlich ein Erzeugnis der englischen Philosophie, beginnt mit dem
Englnder _Baco von Verulam_ ([+] 1626), der auf Naturforschung und
Erfahrung die Philosophie grndet, und wird fortgesetzt durch _Locke_,
_Hume_ und in neuester Zeit durch _John Stuart Mill_ ([+] 1873) und
_Herbert Spencer_. Die rationalistische Richtung wurde hauptschlich von
den deutschen Philosophen gepflegt. Sie beginnt mit _Descartes_
([+] 1650), der auf den gewissesten aller Stze: ich denke also bin ich
(%cogito ergo sum%) alle Wahrheit grndete, und wird fortgefhrt durch
_Spinoza und Leibniz_.

Ihren Hhepunkt erreichte die deutsche Philosophie in _Kant_
(1724-1804), der durch Untersuchung des Erkenntnisvermgens selbst und
seiner Grenzen (Kritik der reinen Vernunft 1781) eine neue Grundlage fr
die Philosophie schuf. _Fichte_ ging in diesen Bahnen weiter, whrend
_Schelling_ und _Hegel_ durch den Grundsatz der Einheit von Denken und
Sein einer unbegrenzten Spekulation Tr und Tor ffneten. Dagegen sah
_Herbart_ mit eigenartiger Wiederanknpfung an Kant die Aufgabe der
Philosophie in der begrifflichen Bearbeitung des Erfahrungsstoffes und
gewann besonders durch eine sorgfltige, auf Mathematik gegrndete
Psychologie eine groe Anhngerschaft. In der neuesten Zeit suchten
_Trendelenburg_ mit Rckgang auf Aristoteles und _Lotze_ (Mikrokosmus
1856-64) mit voller Bercksichtigung der Naturforschung den Idealismus
neu zu gestalten.

In den letzten Jahrzehnten fanden auerdem zwei philosophische
Richtungen groe Verbreitung, besonders in der Tagesliteratur: der
_Materialismus_, der auch das geistige Leben auf die Materie
zurckfhren will, vertreten durch Moleschott, Vogt, Bchner, und der
_Pessimismus_, begrndet durch _Schopenhauer_ ([+] 1860), in
selbstndiger Weise fortgebildet durch Ed. v. Hartmann.

Als Hauptstrmungen treten in der Gegenwart hervor der
_Neukantianismus_, der mit Abweisung aller Metaphysik das Hauptgewicht
auf die Ethik legt, und der _Positivismus_, der, von Frankreich und
England herbergekommen, nur das Tatschliche der Erfahrungswelt gelten
lassen will. Gegen die letztere Auffassung, soweit sie zu einer rein
naturwissenschaftlichen Deutung des Geisteslebens gefhrt hat, macht
sich jedoch eine _idealistische_ Gegenstrmung mehr und mehr geltend.


 3. Die Bedeutung der Psychologie und der Logik.

Neben einem berblick ber die Geschichte der Philosophie werden sich
zur Einfhrung in die Philosophie solche Zweige derselben besonders
eignen, welche teils der Ausgangspunkt und die Grundlage der andern
philosophischen Wissenschaften, teils eine Schule fr das
philosophische Denken bilden. Beides trifft bei Psychologie und Logik
zu.

Verschiedene Beobachtungen im tglichen Leben und manche Resultate der
Naturwissenschaft weisen uns darauf hin, da die einfache Betrachtung
der Auenwelt nicht der feste Punkt ist, von dem wir in der Philosophie
ausgehen drften. Trume, Sinnestuschungen, Hallucinationen beweisen,
da dem von uns Wahrgenommenen nicht notwendig ein Gegenstand
entsprechen mu. Erscheinungen wie die der Farbenblindheit zeigen, da
das Bild, das wir von den Gegenstnden haben, nicht allein von diesen
selbst, sondern zum mindesten auch von unserer Organisation abhngig
ist. Die Naturwissenschaft erklrt das, was wir als Licht, Schall, Wrme
wahrnehmen, fr eine Bewegung des thers, der Luft, der Molekle. So
erhebt sich der _Zweifel an der Sicherheit unserer ueren Wahrnehmung
berhaupt_. Um so sicherer aber bleibt dann _eine Tatsache_ stehen,
nmlich _das Bewutsein, da wir zweifeln_, oder _da wir jene Eindrcke
haben_, auch wenn es keine -- oder wenigstens keine unserer Vorstellung
entsprechende -- Auenwelt gibt. _Da_ wir etwas vorstellen, da wir
etwas fhlen oder wollen, und da wir als vorstellende, fhlende,
wollende Wesen wirklich existieren, das kartesianische: %cogito ergo sum%,
steht uns unumstlich fest. Die Wissenschaft, welche diese geistigen
Vorgnge zu ihrem Gegenstande hat und verarbeitet, die _Psychologie_,
wird daher einen sicheren Ausgangspunkt fr die andern Zweige der
Philosophie darbieten. Zugleich bildet sie eine geeignete _Vorschule des
philosophischen Denkens_, sofern dabei das abstrakte Denken durch die
Beobachtung des eigenen Seelenlebens bestndig untersttzt werden kann.
Endlich ergibt sich die Wichtigkeit dieser Wissenschaft auch daraus, da
die _wertvollsten Gegenstnde der philosophischen Betrachtung_ auf dem
Gebiete des geistigen Lebens liegen, das Gegenstand der Psychologie ist.
Sie ist daher eine wichtige Grundlage fr die Geisteswissenschaften
berhaupt: Philosophie der Geschichte, Logik, sthetik, Ethik,
Religionsphilosophie haben ihre Wurzel in der Psychologie und ihren
Abschlu in der Metaphysik.

Von anderer Seite her dient die _Logik_ zur Einfhrung in die
Philosophie. Schon die Tatsachen des Irrtums und des Streites zeigen die
Notwendigkeit, auch das Denken selbst auf seine Richtigkeit und
Brauchbarkeit hin zu untersuchen; dazu sieht sich aber die Philosophie
noch besonders gedrngt, weil sie nichts ungeprft annehmen darf und
deshalb auch das Denken und seine Gesetze, ihr _Werkzeug_ zur
Erforschung der Wahrheit _einer Prfung unterziehen mu_. Insofern
bildet die _Logik die Einleitung zu jeder Wissenschaft_. Die Logik ist
aber auch zur _formalen Schulung des philosophischen Denkens_ geeignet,
weil das Verstndnis der logischen Gesetze selbst eine scharfe Fassung
der Begriffe und einen sorgfltigen Vollzug der Denkoperationen
erfordert und dadurch das abstraktere Denken und das Verstndnis der
schwierigeren Zweige der Philosophie vorbereitet.

Doch ist leicht zu ersehen, da die Psychologie der Logik am besten
vorangeht, da die Vorgnge beim Denken selbst zunchst Gegenstand der
Psychologie sind.




Psychologie.


 4. Empirische und rationale Psychologie.

Man unterscheidet herkmmlich zwischen der _empirischen_ Psychologie,
welche die Ttigkeitsuerungen der menschlichen Seele mit ihren
Gesetzen darstellt, und der _rationalen_ Psychologie, welche das innere
Wesen der Seele zu ergrnden und jene Ttigkeitsuerungen daraus zu
erklren sucht.

Die letztere fllt in das Gebiet der _Metaphysik_, denn sie fragt nach
der Art der Existenz und der Vernderung der Seele, nach ihrem
Zusammenhang mit dem Krper, nach ihrem Verhltnis zur Zeit und zu
anderen Seelen.

Bei der Unsicherheit der Metaphysik ist es aber notwendig, _zunchst
rein empirisch_ auf Grund der Beobachtung die Tatsachen des Seelenlebens
und ihren gesetzmigen Zusammenhang zu erforschen und darzustellen. Nur
wenn die Psychologie auf diese Weise zuerst ihre nchste empirische
Aufgabe mit vorlufiger Abweisung aller metaphysischen Spekulation vom
festen Boden der inneren Erfahrung aus klar erfat und abgrenzt, kann
sie mit Aussicht auf Erfolg zu tieferer Erfassung ihrer Probleme
weiterschreiten und auch den Geisteswissenschaften fr ihre Ideale
Anknpfungspunkte darbieten. Durch diese scharfe Sonderung von Erfahrung
und Metaphysik unterscheidet sich gerade die _wissenschaftliche_
Behandlung von der _populren_ Auffassung, die beides vermischt und
z. B. die geistigen Vorgnge ohne weiteres metaphysisch als Ttigkeiten
und Zustnde eines _Dings_ nach Analogie der Krperwelt erklrt.

Fr unsere Zwecke gengt die empirische Psychologie.


Abschnitt I. Seele und Krper.


 5. Die verschiedenen Ansichten ber das Verhltnis von Seele und
Krper.

Die Erfahrung zeigt uns die Erscheinungen des Seelenlebens eng verknpft
mit _krperlichen Erscheinungen_. Die Psychologie wird deshalb hufig
die Hilfe derjenigen Wissenschaften in Anspruch nehmen mssen, die sich
mit dem menschlichen Krper beschftigen, der _Anatomie_, d. h. der
Lehre vom Bau des Pflanzen- und Tierorganismus, und der _Physiologie_,
d. h. der Lehre von den Lebensvorgngen im Pflanzen- und Tierkrper. Die
neuerdings viel verhandelte physiologische Psychologie zieht die
unmittelbaren Folgerungen aus dieser Wissenschaft fr das Verhltnis von
Seele und Krper.

Der _letzte Zusammenhang_ dieser beiden Erfahrungsgebiete lt sich aber
von uns _weder beobachten noch innerlich erfahren_. Indem wir einen Ton
hren, haben wir kein Bewutsein davon, welchen Weg er von der
Saitenschwingung bis zur Empfindung durchlaufen hat, und wir nehmen
keinen bestimmten Vorgang im Gehirn wahr, indem wir einen Entschlu
fassen; aber auch wenn wir den krperlichen Vorgang, der dem geistigen
entspricht, unmittelbar beobachten knnten, wten wir nicht, wie die
Nervenerregung durch die Schallwellen es macht, zur Tonempfindung zu
werden, oder wie der Entschlu es anfngt, die Glieder in Bewegung zu
setzen.

Es sind daher die verschiedensten Hypothesen ber dieses _Verhltnis von
Seele und Krper_ aufgestellt worden. Es sind hauptschlich _vier
Mglichkeiten_ denkbar: Entweder streicht man eines der Glieder, um
deren Zusammenhang es sich handelt, dann ergeben sich zwei mgliche
Ansichten: 1. die Seele ist nur eine Form oder ein Produkt des Krpers
(Materialismus), 2. der Krper ist nur eine Form oder ein Produkt eines
oder mehrerer seelischer Wesen (Spiritualismus, so Leibniz, Lotze); oder
man erkennt die Selbstndigkeit beider an, dann sind zwei weitere Flle
mglich: 3. Seele und Krper wirken aufeinander wie verschiedene Wesen
oder Substanzen (Wechselwirkungslehre, so Descartes, Herbart), 4. Seele
und Krper sind verschiedene uerungsformen eines und desselben Wesens,
stehen daher in keinerlei Verhltnis von Ursache und Wirkung
(Identittshypothese, so Spinoza, Fechner, der moderne psychophysische
Parallelismus).

Die empirische Psychologie kann diese Frage von ihrem Standpunkt aus
nicht beantworten, sondern nur das Material dazu darbieten, die
endgltige Beantwortung derselben ist von gewissen metaphysischen
Anschauungen abhngig. Die empirische Psychologie kann nur die
tatschliche Verschiedenheit von Krper und Seele feststellen und die
durch Gesetze bestimmten Beziehungen zwischen beiden Erfahrungsgebieten,
soweit sie beobachtet werden knnen, untersuchen. Die Lsung dieser
Aufgaben zieht sich durch das ganze Gebiet der Psychologie hindurch,
doch soll das Wesentliche ber jene Verschiedenheit ( 6) und ber diese
Beziehungen, die vor allem im Nervensystem stattfinden ( 7), im voraus
zusammengestellt werden.


 6. Die Eigentmlichkeit der krperlichen und der geistigen
Erscheinungen.

Die Hauptmerkmale, durch welche erfahrungsmig Krper und Seele sich
unterscheiden, sind folgende, zunchst fr die _Krperwelt_:

1. Die _krperlichen Erscheinungen_ treten in der Form des _Raumes_ auf,
whrend keinerlei Vorgnge in der Seele, nicht einmal unsere
Vorstellungen vom Raume selbst, rumlicher Natur sind: die Vorstellung
eines Dreiecks z. B. ist nicht selbst dreieckig.

2. Die Naturwissenschaft lt die Krperwelt bestimmt sein durch das
_Gesetz der Trgheit_: jeder Krper verharrt in seinem Zustand der Ruhe
oder Bewegung, solange er nicht durch einwirkende Krfte zur nderung
desselben gezwungen wird, und durch das Gesetz von der _Erhaltung der
Materie und Energie_: die Summe der Stoffteile bleibt unter aller
Vernderung ihrer Zusammensetzung, und die Summe der Energie unter allem
Wechsel von ruhender und ttiger Kraft dieselbe. Auch das organische
Leben und der menschliche Krper soll diesen Gesetzen unterworfen sein,
und das Leben also nicht auf eine unerklrliche Lebenskraft, sondern nur
auf eine auerordentlich verwickelte, noch nicht gengend erkannte
Wechselwirkung zwischen den verschiedenen, im menschlichen Krper
verbundenen Stoffen und Krften zurckgefhrt werden.

Fr die _geistige Welt_ konnte die Gltigkeit dieser Gesetze bis jetzt
nicht ebenso nachgewiesen werden, dagegen zeigt diese eigentmliche
Merkmale anderer Art:

1. Das Bewutsein der Seele ist bedingt durch _Vernderung_,
_Mannigfaltigkeit_ und _Gegensatz_. Bei gleichmig fortdauernder
Einwirkung eines einfachen Eindruckes nimmt das Bewutsein ab und es
tritt, wenn alle mannigfaltigen strenden Eindrcke ferngehalten werden,
Schlaf- oder Bewutlosigkeit ein. So wird der hypnotische Zustand durch
Konzentration der Aufmerksamkeit auf einen einzigen Punkt, z. B. fr das
Gesicht durch Anstarren eines glnzenden Gegenstandes, fr das Gehr
durch ein einfrmiges Gerusch erzeugt. hnlich verhlt sich der
religise Mystiker im Zustand der Ekstase, wenn er in die Gottheit als
absolute Einheit sich versenkt.

2. Diese mannigfaltigen Bewutseinselemente _tauchen_ aber _nicht in der
Seele isoliert auf_, um wieder zu verschwinden, sondern sie treten in
Wechselwirkung miteinander, so da neue Erscheinungen entstehen, und
werden in der _Einheit des Bewutseins_ zusammengefat. Dies ist aber
nur dadurch mglich, da die frheren Zustnde der Seele _festgehalten_
oder, wenn sie verschwunden sind, _wieder erzeugt_ werden knnen. Doch
ist damit allein die Einheit des Bewutseins noch nicht gegeben. Ein
solches Festhalten und Wiedererzeugen kommt auch in der unbewuten Natur
vor. Soll unter den zeitlich aufeinanderfolgenden Zustnden der Seele
ein innerer Zusammenhang bestehen, so mssen die frheren als solche
_wiedererkannt_ werden, um mit den folgenden in bewute Beziehung
gesetzt zu werden; daher ist die _Erinnerung_ die wichtigste Fhigkeit
der Seele. Sie macht es erst mglich, die geistigen Vorgnge, die ohne
sie eine Anzahl von isolierten, einander vollkommen gleichgltigen
Erscheinungen darstellen wrden, gleichzeitig zu machen und zu
verbinden.

Diese _innere Einheit des Bewutseins, verbunden mit freier
Wechselwirkung seiner Elemente_, ist eine _Hauptbedingung der geistigen
Gesundheit_. Lst dieser Zusammenhang sich auf oder bilden sich fixe
Ideen, welche die freie Wechselwirkung der Elemente hindern, so ist es
ein Zeichen der beginnenden oder vorhandenen _Geisteskrankheit_.

An dieser eigentmlichen Verbindung von Einheit und Mannigfaltigkeit im
Geistesleben scheitert auch der _Materialismus_ (s. S. 11). Whrend aus
zwei Bewegungen krperlicher Atome eine neue Bewegung entsteht, welche
die andere ablst, fhrt die Einheit des Bewutseins zu einer Verbindung
frherer Vorstellungen mit spteren, ohne da diese deshalb darin
aufgehen mssen. In der Einheit des Bewutseins sind vielmehr die
einzelnen Vorstellungen zugleich mit ihrer Verbindung untereinander und
mit deren Resultat gegenwrtig.


 7. Das Nervensystem.

Die psychologische und physiologische Beobachtung zeigt, da nicht alle
Bestandteile des Krpers in gleich enger Beziehung zur Seele stehen. In
unmittelbarer Beziehung zu ihr stehen nur die _Nerven_, die als weie
Fden den ganzen Organismus des Krpers durchziehen. Die unendlich
zahlreichen Nervenfasern vereinigen sich in Zentralorganen, und diese
stehen wieder mit dem _Gehirn_ als dem Hauptzentralorgan in Verbindung
(die Zahl der Nervenzellen des Grohirns wurde auf ungefhr eine
Milliarde berechnet), so da das Ganze ein _System_ bildet, durch das
allein jede Wechselbeziehung zwischen Krper und Seele vermittelt wird.
Die _sensiblen_ Nerven fhren die Eindrcke der Auenwelt und des
eigenen Leibes, der hier als ein Teil derselben anzusehen ist, dem
Gehirn zu, und die _motorischen_ dienen dazu, die Ausfhrung der
Bewegungen durch berleitung des Befehls dazu auf die ausfhrenden
Glieder zu vermitteln.

Die Versuche, die einzelnen Ttigkeiten der Seele an bestimmte
Punkte dieses Nervensystems, besonders des Gehirns zu knpfen
(_Lokalisationstheorie_), haben noch zu keinem feststehenden Resultat
gefhrt. Eine solche Lokalisation bestimmter Geistesttigkeiten bis
ins einzelne, wie sie Gall ([+] 1828) in seiner Phrenologie oder
Schdellehre aufgestellt hat, lie sich nicht durchfhren, da weder der
Schlu von der Ausbauchung des Schdels auf die strkere Vertretung der
darunter liegenden Gehirnpartieen noch die hierbei vorausgesetzte
populre Abgrenzung psychologischer Begriffe haltbar ist. Doch konnte
der Sitz der wichtigsten Zentralorgane der Sprache und Rede in der
dritten Stirnwindung der linken Hemisphre des Grohirns nachgewiesen
werden. Auch werden in der Regel die einzelnen Arten der
Sinnesempfindungen, besonders das Sehen und Hren, und die
Muskelbewegungen auf bestimmte Teile des Gehirns, auf ein Sehzentrum,
Hrzentrum, motorisches Zentrum bezogen. Dagegen ist ziemlich allgemein
anerkannt, da die hheren Funktionen des Gehirns, Gedanken, Gefhle,
Willensentschlsse, nicht an bestimmte Gegenden desselben gebunden sind.
(Nheres ber das Nervensystem, insbesondere die Sinnesorgane vgl.
Sammlung Gschen Nr. 18: Anthropologie, u. Nr. 98: Lipps, Grundri der
Psychophysik.)


Abschnitt II. Die einzelnen Elemente des Seelenlebens.


 8. Die sogenannten Seelenvermgen.

Die Erscheinungen des Seelenlebens werden gewhnlich durch Annahme von
_drei Seelenvermgen_ erklrt, eines Erkenntnis-, eines Gefhls- und
eines Begehrungsvermgens. Die darin liegende Dreiteilung der geistigen
Vorgnge wird fast allgemein angenommen. -- Die Versuche, das eine auf
die andern oder alle auf eines zurckzufhren (so Herbart auf das
Vorstellen), tauchen immer wieder auf, haben aber noch zu keinem
befriedigenden Ergebnis gefhrt. Aber es drfen dabei _zwei wichtige
Punkte_ nicht bersehen werden, teils was den Ausdruck Vermgen,
teils was die Dreiteilung betrifft:

1. Da mit der Annahme von drei Seelenvermgen die Vorgnge der Seele
nicht _erklrt_, sondern nur _klassifiziert_ sind; denn es ist noch
keine Erklrung einer Erscheinung, wenn man ohne nheren Nachweis in dem
Gegenstand, an dem sie vorkommt, eine Fhigkeit sie zu erzeugen annimmt.
Was wir empirisch beobachten knnen, sind jedenfalls nur die geistigen
Vorgnge selbst und die Verschiedenheit, nach der wir dieselben in
Klassen einteilen.

2. Diese drei Klassen von geistigen Vorgngen, das Erkennen, das Fhlen,
das Wollen kommen in der Seele _nicht getrennt vor_. Es gibt wohl kaum
einen Zustand der Seele, in dem nicht alle drei Arten sich zusammen
vorfinden. Wir drfen also nur von Seelenzustnden sprechen, in denen
das Erkennen oder das Fhlen oder das Wollen _vorwiegt_, und wenn wir im
folgenden diese einzelnen Elemente des Seelenlebens gesondert
betrachten, so mssen wir uns dabei immer bewut bleiben, da wir damit
in der Wissenschaft eine Trennung vollziehen, die es in Wirklichkeit
nicht gibt.


1. Das Erkennen.


 9. Die Empfindung.

Das einfachste Element des Erkennens, die einfachste Art, wie die Seele
zu einer Kenntnis der Auenwelt gelangt, ist die _Empfindung_. Sie ist
zu unterscheiden von den Gefhlen, den Zustnden der Lust und Unlust,
und schliet drei Hauptmomente in sich:

1. Den _ueren Sinnesreiz_. Wenn die Sinnesorgane in Ttigkeit treten
sollen, so mu eine Wirkung auf sie ausgehen von irgend einem
Gegenstand, der entweder unmittelbar den Krper berhrt oder durch
Bewegung eines dazwischen liegenden Stoffes auf den Krper einwirkt. Das
erste geschieht z. B. bei Tastempfindungen, das zweite beim Sehen, Hren
durch die Schwingungen des thers, der Luft.

2. _Die Erregung eines sensiblen Nerven_ im Krper, die durch den Reiz
veranlat wird und von den peripherischen Nervenenden bis in das Zentrum
des ganzen Nervensystems, in das Gehirn sich fortpflanzt. Wird der Nerv
durchschnitten, so kommt es nicht zur Empfindung.

3. Die _Empfindung in der Seele selbst_, das Sehen, Hren, Tasten,
Riechen, Schmecken.

Die Empfindungen selbst sind aber den Vorgngen 1. und 2., durch die sie
veranlat werden, _ganz ungleich_. Es lt sich nicht nachweisen, warum
auf Schwingungen der Luft gerade die Empfindung des Hrens folgt; wir
knnen nur feststellen, da es so ist. Auch die Abhngigkeit der
Empfindung vom ueren Reiz dem Strkegrade nach lie sich nur auf
Umwegen ermitteln. Auf Grund der Empfindung allein knnen wir nie mit
Bestimmtheit sagen, da etwa ein Licht a, dessen Leuchtkraft nach der
Kerzenstrke, also als uerer Reiz, 1 mal so gro als die von b
ist, 1 mal so hell sei als das Licht b. Man ging daher von der Frage
aus, um wie viel ein Reiz verstrkt werden mu, damit eine Zunahme der
Strke in der entsprechenden Empfindung _eben noch_ bemerkt werden kann.
Es zeigte sich, da _der Zuwachs des Reizes, welcher eine eben noch
merkliche nderung der Empfindung hervorbringt, zu der Reizgre, zu
welcher er hinzukommt, immer in demselben Verhltnis steht (Webersches
Gesetz)_, oder, mathematisch ausgedrckt: da die Strke des Reizes in
geometrischer Progression wachsen mu, damit die Empfindung in
arithmetischer Progression zunehme. Mu man also zu einem Gewicht von
3 kg 1 kg zulegen, damit eine Zunahme des Druckes eben noch merklich
werde, so ist bei 9 kg eine Vermehrung um 3 kg ntig, whrend nur 1 kg
mehr zu keiner Verstrkung der Druckempfindung fhren wrde. _Fr die
verschiedenen Sinne_ ist das Verhltnis der Reizstrke, das diese
sogenannte Methode der eben merklichen Unterschiede ergibt, ein
_verschiedenes_; doch lie es sich nur fr Reize von mittlerer Strke
bestimmen, am meisten bereinstimmend noch fr die Schallempfindungen:
nahezu == 3:4, fr die Lichtempfindungen wurde 100:101, fr Hebungen,
also Druckempfindungen, untersttzt durch das Muskelgefhl, 15:16
gefunden.

brigens gibt es auch _subjektive Empfindungen_, welche, obwohl nicht
durch die ihm entsprechenden Sinnesreize, sondern durch mechanische
Einwirkungen wie Schlag oder Druck oder innere Zustnde _des Krpers_
erzeugt, doch den jedem Sinnesnerven allein eigentmlichen Charakter
tragen (spezifische Sinnesenergie) und deshalb hufig in die
Auenwelt hinaus verlegt werden, z. B. das Klingen im Ohr, das
Leuchten vor den Augen, Frost und Hitze im Fieber. Diese Tatsache
fhrte auf die durch Johannes Mller (1826) begrndete Annahme einer
_spezifischen Sinnesenergie_, d. h. einer besonderen Fhigkeit jedes
einzelnen Sinnesnerven, auch auf Reize verschiedener Art nur gerade
die ihm eigentmlichen Empfindungen zu vermitteln.

Auch dauern die Empfindungen oft noch fort, nachdem die Reize schon
aufgehrt haben. Daher erzeugen besonders starke Lichtempfindungen sog.
_Nachbilder_.

Die Empfindungen sind entweder _einfache_, z. B. eine Farbe, ein Ton,
oder _zusammengesetzte_, z. B. ein Regenbogen, dessen verschiedene
Farben wir zugleich sehen, oder ein Musikinstrument, das wir zugleich
sehen und hren.


 10. Vorstellung und Wahrnehmung.

Die Empfindung geht dadurch, da sie mit dem veranlassenden Reiz
aufhrt, nicht fr das Bewutsein verloren. Sie kann vielmehr in der
Seele wiedererzeugt werden, als eine Art Erinnerungsbild, dem jedoch die
sinnliche Lebhaftigkeit des ersten Eindrucks fehlt, und heit dann
_Vorstellung_. Diese Wiedererzeugung findet besonders dann statt, wenn
die betreffende Empfindung selbst wiederkehrt. Wenn ich z. B. eine
bestimmte Person durch zusammengesetzte Empfindungen: Sehen der Gestalt
und ihrer Bewegung, Hren der Stimme u. s. w. kennen gelernt habe, so
kann ich auch ohne Wiederkehr dieser sinnlichen Eindrcke eine
Vorstellung von derselben haben; immer aber tritt dieses Erinnerungsbild
des frheren Empfindungskomplexes hervor, wenn ich dieselben
Empfindungen wieder habe, und die neuen Empfindungen werden dann als
dieselben wieder erkannt, d. h. es findet eine _Wahrnehmung_ statt.
Dieser Unterschied zwischen Empfindung und Wahrnehmung tritt in manchen
Erscheinungen deutlich hervor, wo die Fhigkeit zu empfinden noch
vorhanden, aber die wahrzunehmen verloren ist, z. B. bei der
_Wortblindheit_, wo die Empfindung, das Hren des gesprochenen, das
Sehen des geschriebenen Wortes noch da ist, aber das Verstndnis seiner
Bedeutung, d. h. die Fhigkeit zur Wiedererzeugung der dazu gehrigen
Vorstellung fehlt. Beim normalen Menschen wird der Sinneseindruck stets
zu dem brigen Bewutseinsinhalt in Beziehung gesetzt und so das in der
Empfindung sich darbietende Rohmaterial zur Wahrnehmung verarbeitet. Da
hiernach in der Regel die Empfindung sofort als Wahrnehmung auftritt,
sobald sie zum Bewutsein kommt, so werden beide Begriffe hufig als
gleichbedeutend gebraucht.

Die Verschmelzung der wiedererzeugten Vorstellung mit der neuen
Empfindung ist aber nicht eine bewute Arbeit des Wahrnehmenden, sondern
_geht unwillkrlich vor sich_. Die Vorstellung, die dabei mitwirkt,
kommt deshalb gar nicht als selbstndiges Element zum Bewutsein, sie
wird daher auch _gebundene Vorstellung_ genannt. _Freie
Vorstellungen_ sind dann diejenigen, die ohne Veranlassung durch die
Empfindung im Bewutsein auftauchen. Im philosophischen Sprachgebrauch
wird aber das Wort Vorstellung vielfach auch im _allgemeineren Sinne_
verwendet zur Bezeichnung jeden Inhalts des Bewutseins berhaupt, der
auf Gegenstnde der Auenwelt, ihre Eigenschaften oder Zustnde bezogen
wird. Es umfat dann sowohl die Wahrnehmungen als die Vorstellungen in
dem oben genannten Sinn und gewinnt seine Bedeutung besonders in dem
Satze der Erkenntnislehre: Die Welt ist meine Vorstellung. (Kant,
Schopenhauer.)


 11. Der Verlauf der Vorstellungen.

Durch die freien Vorstellungen, die von den Empfindungen sich losgelst
haben, bekommt das Bewutsein einen selbstndigen Inhalt. In diese
Vorstellungswelt treten aber immer wieder neue Empfindungen und damit
neue Vorstellungen ein. Es sind _zwei nebeneinander hergehende Reihen
von Vorgngen_, die sich um den Vorrang in der Seele streiten.

Auf einem Spaziergang z. B. tritt vielleicht anfangs die Wahrnehmung der
Umgebung mit ihren wechselnden Empfindungen in den Vordergrund. Da fhrt
die hnlichkeit der wahrgenommenen Gegend mit einem frheren Aufenthalt
zur Erinnerung an die Erlebnisse desselben, und hinter diesen Gedanken,
die sich selbstndig fortspinnen, treten die ueren Empfindungen immer
mehr zurck, so da der Spaziergnger, ganz in sich vertieft, kaum mehr
auf den Weg achtet, bis etwa eine auffallende Erscheinung wieder den
Strom der freien Vorstellungen unterbricht. Das Vorwiegen einer dieser
Reihen bezeichnet zugleich eine _Eigentmlichkeit unter den Menschen_.
Die einen neigen sich mehr dem Spiel der Empfindungen und der ueren
Wahrnehmungswelt zu, so diejenigen, die eine Anlage fr Musik oder
bildende Knste, oder fr Naturwissenschaft haben, andere geben sich
lieber dem Laufe der freien Vorstellungen, dem Leben in der Erinnerung,
oder den Wissenschaften des Geistes hin. Geht aber das Interesse des
Menschen ganz in einer dieser Reihen auf, so leidet das Geistesleben
unter krankhafter Einseitigkeit.

Der Verlauf der Vorstellungen schliet zwei Fragen in sich: Wie
_entstehen_ die Vorstellungen im Bewutsein? und: Wie _verschwinden_ sie
aus demselben? Sofern sie durch Empfindungen hervorgerufen werden, ist
die Frage schon beantwortet: mit dem Beginnen und Aufhren des ueren
Reizes. Doch findet ein solches Auftauchen und Verschwinden nicht blo
auf Veranlassung der Empfindungen, sondern auch im _Verlaufe der freien
Vorstellungen_ statt. Da jedoch hier nie eine unbedingt neue
Vorstellung auftritt, sondern hchstens die alten mit Hilfe der
Einbildungskraft eine neue Verbindung eingehen, so lautet die eine der
Fragen etwas anders: Wie geht es zu, da die einmal verschwundenen
Vorstellungen _wiederkehren_?

Da dies als Tatsache feststeht, so wird angenommen, da sie berhaupt
aus dem Umkreis der Seele nicht ganz verschwunden sind, sondern da sie,
wenn auch nicht im Bewutsein, so doch als _unbewute Zustnde_ noch
vorhanden waren. Wir haben auch sonst Anzeichen, die auf Vorgnge in der
Seele unter der Schwelle des Bewutseins (Herbart) hinweisen, so die
unmittelbare Wahrnehmung von Verhltnissen, die eigentlich eine Reihe
von Mittelgliedern voraussetzt, z. B. der Entfernung eines Gegenstandes
(s. S. 36), oder die Welt der Gefhle, deren Ursprung uns oft dunkel
ist. ber diese Vorgnge unter der Schwelle des Bewutseins knnen wir
aber nie etwas Bestimmtes aussagen, als das Negative, da sie eben
unterhalb des Bewutseins vor sich gehen; denn sie knnten nur
beobachtet werden, indem sie Gegenstnde des Bewutseins wrden.

In der Mitte zwischen Bewutem und Unbewutem steht der _Traumzustand_.
Seine Eigentmlichkeit besteht wohl hauptschlich in einer _Schwchung
des bewuten Willens_, der sonst den Verlauf der geistigen Vorgnge
beherrscht und zusammenhlt. Die Aufeinanderfolge der Vorstellungen wird
nur sehr unbestimmt durch das Gefhl geleitet und hat deshalb freies
Spiel. So fgen sich besonders an einzelne Reize, sinnliche Eindrcke
von der Auenwelt her oder Zustnde des eigenen Krpers, sofort
Vorstellungen, mit denen dieselben Gefhle im wachen Zustand verbunden
sind. Es wird z. B. schweres Atemholen als Alpdrcken, leichtes als
Flugbewegung, Stechen im Fu als Bi einer Schlange, ein gehrter Schu
durch die Geschichte eines Mordes gedeutet.

Beobachten wir nun die Vorstellungen, die im wachen Bewutsein
auftauchen, ohne durch einen ueren Reiz unmittelbar veranlat zu sein,
so zeigt sich, da die _eine Vorstellung immer durch eine andere
hervorgerufen wird_, mit der sie in irgend einer Weise verbunden ist.
Diese Vorstellungsverbindung nennt man _Assoziation_ der Vorstellungen
oder auch _Ideenassoziation_. Sie hat hauptschlich zweierlei Formen und
beruht:

1. Auf der _hnlichkeit_ der Vorstellungen. Die Vorstellung einer
Person, einer Landschaft ruft diejenige einer andern ihr hnlichen
hervor.

2. Auf deren _uerem Zusammenhang in Raum und Zeit_
(Berhrungsassoziation). Was wir hufig zusammen wahrgenommen haben, das
strebt auch in der Vorstellung sich zu verbinden: die Vorstellung eines
Bekannten ruft die Vorstellung seiner Wohnung hervor. Durch diese
Assoziation zusammenhngender Vorstellungen bekommen wir berhaupt erst
die Vorstellung von einem einzelnen Gegenstande. Zur Vorstellung eines
Apfels gelange ich nur dadurch, da ich hufig die dazu gehrigen
Empfindungen des Gesichts, des Geruchs, des Tastsinns und des Geschmacks
miteinander gehabt habe, und da infolgedessen die eine dieser
Vorstellungen, z. B. die des Gesichts, die andern dazu gehrigen immer
zugleich wiedererzeugt. Die zeitliche Assoziation, durch
Gleichzeitigkeit oder zeitliche Aufeinanderfolge vermittelt, findet
z. B. statt, wenn mit einem bestimmten Tag des Jahres die Vorstellung
eines Geburtsfestes sich verknpft hat, oder wenn das Anfangswort eines
auswendig gelernten Gedichtes die folgenden Wrter, der Anfang einer
bekannten Melodie die Vorstellung der folgenden Tne hervorruft. Je
hufiger diese Assoziationen zur Wiedererzeugung von Vorstellungen
dienen, desto leichter gehen sie von statten. Die _bung_ spielt hier
eine groe Rolle (s.  28).

Von dem _Verschwinden der Vorstellungen_ glauben nun die einen, es sei
das natrlichere und bedrfe keiner besonderen Erklrung, die andern
verlangen umgekehrt eine Erklrung des Verschwindens, da nach dem Gesetz
der Beharrung das Festhalten das selbstverstndliche sei. Will dieses
Gesetz in seiner allgemeineren Fassung sagen, da kein Zustand sich
verndert, ohne da ein Grund dazu da ist, so ergibt sich, da
allerdings das Verschwinden einer Vorstellung, das einmal tatschlich
vorliegt, erklrt werden mu. Diese Erklrung mu von der Voraussetzung
ausgehen, da wegen der sogenannten _Enge des Bewutseins_ immer nur
eine beschrnkte Zahl von Vorstellungen zugleich im Bewutsein sich
befinden kann, so da also die einen durch die andern verdrngt werden.
Worauf die Macht der Vorstellungen zur Verdrngung anderer oder ihre
_Strke_ beruht, das ergibt sich zum Teil aus den _Gesetzen ihrer
Wiedererzeugung_, zum Teil aus der _Bedeutung_, welche sie fr das
vorstellende Subjekt haben. Je gelufiger die Verbindung einer
Vorstellung mit andern ist, desto sicherer wird sie vor konkurrierenden
Vorstellungen den Vorzug erhalten, z. B. in der Regel das h der
alphabetischen Reihenfolge e f g h vor dem a der musikalischen Tonleiter
e f g a. Andrerseits wird die Vorstellung mit um so mehr Strke sich ins
Bewutsein drngen, je wichtiger der durch sie bezeichnete Gegenstand
fr uns selbst und je grer infolgedessen das auf _Gefhlen_ beruhende
_Interesse_ ist, das wir an ihm haben.


. 12. Die Aufmerksamkeit und das Gedchtnis.

Mit dem Festhalten und Wiedererzeugen der Vorstellungen hngen zwei
Fhigkeiten zusammen, die im Geistesleben eine groe Rolle spielen, die
_Aufmerksamkeit_, d. h. die Fhigkeit, Vorstellungen und
Vorstellungsreihen zu mglichst klarer und deutlicher Auffassung
festzuhalten, und das _Gedchtnis_, d. h. die Fhigkeit, verschwundene
Vorstellungen mit Bewutsein wiederzuerzeugen oder sich zu _erinnern_.

Man unterscheidet zwischen _unwillkrlicher_ und _willkrlicher_
Aufmerksamkeit. Die _unwillkrliche_ wird durch einen pltzlich an uns
herantretenden Reiz hervorgerufen, indem er uns veranlat, uns demselben
zuzuwenden, damit wir ihn mglichst deutlich wahrnehmen. So zieht z. B.
eine Lichterscheinung oder ein pltzliches Gerusch unsere
unwillkrliche Aufmerksamkeit auf sich. _Die willkrliche Aufmerksamkeit
entsteht durch das Interesse_ (s.  11), das die Willensttigkeit
veranlat, die geistige Kraft auf bestimmte Vorstellungen oder
Vorstellungsreihen hinzulenken. Da die Aufmerksamkeit darauf ausgeht,
gewisse Vorstellungen mit Verdrngung anderer festzuhalten, so ist sie
von der Strke derselben abhngig und kann erzeugt werden teils dadurch,
da das Interesse erregt wird, teils dadurch, da der Zusammenhang der
Vorstellungen streng festgehalten wird. Geschieht das letztere nicht, so
entsteht das Gegenteil, _die Zerstreutheit_.

Das _Gedchtnis_ beruht auf den _Gesetzen der Reproduktion_. Wir
knnen eine Vorstellung wiedererzeugen, uns auf sie _besinnen_,
indem wir der Vorstellungsreihe nachgehen, in welcher sie enthalten
ist, und so mit Hilfe der Assoziationen auf dieselbe stoen. Je
vielseitiger und deutlicher daher die Verbindung einer Vorstellung mit
andern ist, desto leichter knnen wir uns ihrer erinnern. Wir prgen
uns also etwas ein, indem wir es in den Zusammenhang mit andern
Vorstellungen hineinstellen und zwar entweder auf _mechanische Weise_
durch hufige Wiederholung aufeinanderfolgender Vorstellungen, die uns
durch bung gelufig wird, wobei wir im allgemeinen an _die Richtung
gebunden sind, in welcher die Assoziationen eingebt wurden_ (ein
auswendig gelerntes Gedicht, oder ein beliebiges Wort lt sich nur
schwer rckwrts sagen, einseitig gelernte Vokabeln sind nur in
derselben Richtung, z. B. franzsisch-deutsch, gelufig); oder auf
_logische_ Weise durch Aufnahme der Vorstellung in einen klaren
inneren Zusammenhang, den wir wegen seiner Angemessenheit an unsere
Denkgesetze leicht wiedererzeugen knnen, z. B. einen Satz der
euklidischen Geometrie.

Die Ttigkeit des Gedchtnisses wird erleichtert durch hufige _bung_
und durch das _Interesse_, das dem Verschwinden der Vorstellungen
entgegenwirkt. Mit dem Unterschied des Interesses hngt es auch
zusammen, da das Gedchtnis bei verschiedenen Personen an verschiedene
Gegenstnde gebunden sein kann, so da von einem Gedchtnis fr Worte,
Zahlen, Tne, Sachen, rter oder fr bestimmte Gebiete der
Wissenschaft die Rede ist. Auerdem aber kommen hierbei _angeborene
Eigentmlichkeiten_ des Gedchtnisses in Betracht, die sich besonders
als vorherrschende Empfnglichkeit fr bestimmte Sinneseindrcke, z. B.
fr blo gehrte, oder fr auerdem gesprochene, oder fr blo gelesene
Worte geltend machen. Man hat danach ein akustisches, motorisches und
visuelles Gedchtnis unterschieden.


 13. Die Arten der Vorstellung und das Denken.

Diejenige Vorstellung, die der einfachen Empfindung entspricht, z. B.
die einer Farbe, kann man _Einzelvorstellung_ nennen. Aus
Einzelvorstellungen setzt sich die Vorstellung von Gegenstnden,
Personen, Verhltnissen, Begebenheiten zusammen, also die Vorstellung
eines individuellen Ganzen oder die _Individualvorstellung_. Diese
Individualvorstellung schliet gewhnlich die Vorstellung eines _Dings_
in sich, das brig bleiben soll, auch wenn man die angeblich daran
haftenden Eigenschaften, d. h. Einzelvorstellungen, wegdenkt. Die
Richtigkeit dieser Vorstellung, deren Vorhandensein die Psychologie nur
feststellt, hat die Metaphysik zu untersuchen.

Der menschliche Geist, der vor allem nach Einheit strebt, begngt sich
jedoch nicht mit einer Menge von Individualvorstellungen, sondern er
sucht dieselben durch Bildung neuer Formen zusammenzufassen. Von einer
Reihe immer wiederkehrender hnlicher Vorstellungen bleibt in der Seele
ein _gemeinsames Bild von unbestimmtem Charakter_ zurck, das nur die
allen gemeinsamen Merkmale, die individuellen dagegen nicht enthlt: die
allgemeine oder _Gemeinvorstellung_. Wenn vom Menschen im allgemeinen
die Rede ist, schwebt uns dabei eine Gemeinvorstellung, ein ungefhres
Bild vor, das mit Vernachlssigung aller Unterschiede der Vlker und
Individuen nur das Allgemeine, allen Menschen Gemeinsame darstellt.

Diese unbestimmten und leicht verwischbaren Gemeinvorstellungen knnten
aber nicht auseinandergehalten und weiter ausgebildet werden, wenn sie
nicht an ein bestimmtes Zeichen gebunden werden knnten. Diesem
Bedrfnis kommt die _Sprache_ entgegen. Jedes _Wort ist ein Zeichen
fr eine Gemeinvorstellung_; nur wo die Unterscheidung der Individuen
einen besondern Wert hat, wie beim Menschen, da erhlt auch die
Individualvorstellung ein besonderes Wortzeichen, das dann nur fr _ein_
Individuum gilt. Solche Wortzeichen fr Individualvorstellungen sind die
_Eigennamen_. Sonst bezeichnet ein Wort, z. B. Tisch, nur die
Gemeinvorstellung, der kein bestimmter Gegenstand, kein bestimmter Tisch
entspricht, und kann nur etwa durch ein hinweisendes Frwort: dieser
Tisch auf einen bestimmten Gegenstand beschrnkt werden.

Infolge der Verbindung mit dem Wortzeichen kann die Gemeinvorstellung
genauer umgrenzt werden und in _die bestimmtere_ Form _des Begriffes
bergehen,_ die Verbindungen der Vorstellungen untereinander knnen als
_Urteile_, die sich in Stzen aussprechen lassen, mit grter
Genauigkeit vollzogen werden, und die Entstehung neuer Vorstellungen aus
der Verbindung anderer nimmt auf dieser hheren Stufe die Gestalt von
_Schlssen_ an. Diese ganze hhere Stufe ist die des eigentlichen
_Denkens_. Der Unterschied zwischen dem gewhnlichen Verlaufe der
Vorstellungen und dem eigentlichen Denken ist also nur der, da, was
dort unwillkrlich geschah, jetzt mit voller Klarheit und mit der
bestimmten _Absicht_ vollzogen wird, die Natur und die geistige Welt
oder ihren Zusammenhang zu _erkennen_, d. h. solche Vorstellungen und
Vorstellungsverbindungen herzustellen, die der Wirklichkeit entsprechen.
Dazu gehrt dann, da die beziehende Ttigkeit des Geistes mit Hilfe der
Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet sich richtet und nach
bestimmten Grundstzen verfhrt, die selbst wieder geprft werden. So
bildet das Denken den _Begriff_ durch Ausscheidung der ungleichartigen
und Zusammenfassung der gemeinsamen Merkmale, z. B. den Begriff
Parallelogramm durch Weglassung der wechselnden Merkmale:
Grenverhltnis der nichtparallelen Seiten und Gre der Winkel, und
Zusammenstellung der allen gemeinsamen: Viereck und Parallelitt der
Gegenseiten. Das _Urteil_ entsteht durch Verknpfung der Begriffe, z. B.
das Rechteck ist ein Parallelogramm; und der _Schlu_ ist die Ableitung
eines Urteils aus einem oder mehreren andern. Es wird z. B. aus den
beiden Urteilen: Dieses Viereck ist ein Parallelogramm und: Im
Parallelogramm halbieren sich die Diagonalen gegenseitig das dritte als
Schlufolgerung abgeleitet: In diesem Viereck halbieren sich die
Diagonalen gegenseitig. Eine genauere Untersuchung der Bedingungen,
unter denen bestimmte Begriffe, gltige Urteile und richtige Schlsse
zustande kommen, ist Aufgabe der Logik.

Die verschiedenen Aufgaben des Denkens werden auch, besonders seit
Kant, an verschiedene Vermgen verteilt. Dem _Verstand_ als dem
Vermgen der Begriffe wird die begriffliche Verarbeitung der
Erfahrung zugeschrieben im Gegensatz zur _Vernunft_, die als Vermgen
der Ideen auf die Erkenntnis des ber die Erfahrung Hinausgehenden,
des bersinnlichen gerichtet sei.


 14. Die Vorstellung eines zusammenhngenden Weltganzen.

Wir haben das Erkennen bis jetzt betrachtet, wie es von der einfachen
Empfindung aus zu Vorstellungen und Vorstellungsverbindungen und endlich
zum Denken fortschreitet. Damit ist aber der Stoff noch nicht erschpft,
den wir mit Hilfe der psychologischen Beobachtung in unserem Vorstellen
finden. Wir treffen da nicht blo einzelne Empfindungen, Vorstellungen,
Begriffe, Urteile, Schlsse an, sondern auch eine _zusammenhngende
Vorstellung der wirklichen Welt_, in welche unsere einzelnen
Vorstellungen sich einordnen. Es erhebt sich daher die Frage: Wie kommt
diese umfassende Vorstellung zustande? Da kommen zuerst die beiden
Hauptformen in Betracht, durch die wir den ganzen Stoff unserer
Erfahrung ordnen: der _Raum_ und die _Zeit_, und dann die Grundform,
durch die wir ihren inneren Zusammenhang denken: die _Kausalitt_.

Die geistige Welt fassen wir nur zeitlich auf, die krperliche Welt
zeitlich und rumlich. Eine Vorstellung von der _Zeit_ berhaupt haben
wir nur, indem wir wahrnehmen, da das, was frher war, nun nicht mehr
ist, also unter der Voraussetzung, da wir uns einer Vernderung von
irgend etwas bewut sind, und da wir frhere Zustnde wiedererkennen;
denn nur so knnen wir einen zeitlichen Abstand von ihnen uns
vorstellen. Je mehr wir also nur bei einem einzigen Gedanken oder Gefhl
verweilen, ohne eine Vernderung zu erleben, desto mehr schwindet die
Vorstellung von der Zeit. Eine gesonderte Vorstellung von der Zeit,
losgelst von dem, was in ihr geschieht, ist nur mit Hilfe der
rumlichen Anschauung, etwa unter dem Bilde einer geraden Linie mit
bestimmten Abschnitten mglich.

Wollen wir die _Zeitabschnitte_ ohne besondere Hilfsmittel blo mit
Hilfe des Wechsels unserer inneren Zustnde _schtzen_, so sind wir
dabei von zweierlei abhngig, von dem _Interesse_, das die einzelnen
Zustnde des zu schtzenden Zeitraums fr uns hatten, und von der
_Menge_ derselben. Der Gedanke, da die Zeit Flgel habe, tritt
besonders dann hervor, wenn wir einen Zustand oder ein Ereignis unseres
Lebens mit dem Interesse, das sich fr uns daran knpft, uns lebhaft
vergegenwrtigen, so da die dazwischenliegenden, weniger wichtigen
Vorgnge zurcktreten. Dagegen scheint uns die Zeit langsam verflossen
zu sein, wenn die Abschnitte, die wir ins Auge fassen, von einer groen
Anzahl wechselnder Ereignisse ohne hervorstechende Punkte ausgefllt
sind. Diese subjektive Schtzung der Zeit ist also eine unsichere und
wechselnde. Man hat daher einen _objektiven Mastab_ der Zeit
aufgestellt, indem man gleichmige Bewegungen in der Natur, Bewegungen
der Sonne, des Mondes, des Pendels dazu benutzt, deren Wiederholungen
gezhlt werden.

Da wir in der wirklichen Welt eine Vorstellung in der Form des Raumes
haben, whrend unsere Vorstellung selbst nicht rumlicher Natur ist, so
erhebt sich die Frage, wie wir zu dieser _Vorstellung eines Raumes_
gelangen? Fassen wir einen Gegenstand ins Auge, z. B. ein Gebude, so
enthlt diese Wahrnehmung verschiedene rumliche Elemente. Wir erhalten
eine Vorstellung von dessen Entfernung von uns und machen uns auerdem
ein Bild von seiner Lnge, Breite und Hhe, also von seinen drei
Dimensionen.

Um die _Entfernung_ zu messen, denken wir uns eine gerade Linie von dem
Gebude bis zu unserem Standort. Von der Entfernung selbst aber haben
wir keine bestimmte unmittelbare Empfindung, sie ist vielmehr das
Resultat einer Vergleichung zwischen der _wirklichen und scheinbaren
Gre_ des Gegenstandes, die infolge hufiger bung so schnell vor sich
geht, da sie uns als unmittelbare Wahrnehmung erscheint. Je kleiner das
Wahrgenommene im Verhltnis zu seiner wirklichen Gre ist, desto grer
schtzen wir seine Entfernung, und je mehr dasselbe sich der wirklichen
Gre nhert, desto geringer erscheint sie uns. Zum Zweck genauerer
Schtzung wird die wirkliche Gre nher zu bestimmen gesucht etwa durch
daneben stehende Menschen, deren ungefhre Gre genauer bekannt ist,
oder es wird, besonders da, wo die wirkliche Gre nicht bekannt ist und
nicht ermittelt werden kann, die der Entfernung entsprechende Gerade in
mehrere Teile zerlegt, deren Entfernung durch andere dazwischenliegende
Gegenstnde bestimmt werden kann. Daher ist die Entfernung auf dem Meer
oder auf einfrmiger Ebene sehr schwer zu schtzen. berhaupt lt sich
von den drei Elementen: wirkliche Gre, scheinbare Gre und
Entfernung, wenn zwei gegeben sind, immer das dritte bestimmen. Auerdem
dient zur Bestimmung der Entfernung auch die durch die Dicke und
Beschaffenheit der dazwischenliegenden Luftschicht bedingte grere oder
geringere Deutlichkeit der Umrisse.

Ein Mittel zu genauerer Bestimmung der Entfernung ohne Messung der die
Entfernung darstellenden Geraden ist die _Parallaxe_; d. h. die Gre
der scheinbaren Verschiebung, welche ein Gegenstand im Verhltnis zu
einem feststehenden Hintergrund erfhrt, wenn wir ihn von zwei
verschiedenen Punkten aus betrachten. Je weiter der Gegenstand entfernt
ist, desto kleiner erscheint die Verschiebung. So scheinen uns z. B. bei
einer Eisenbahnfahrt die nchsten Gegenstnde schneller vorbeizueilen,
als die weiter zurckstehenden. Zu genauer Ermittelung der Entfernung
durch die Parallaxe wird der Winkel gemessen, den die von dem Gegenstand
zu den beiden Beobachtungspunkten gezogenen Linien einschlieen. In
dieser Weise wird die Parallaxe besonders in der Astronomie vielfach
verwendet.

Wie gelangen wir nun aber zur Vorstellung von _drei Dimensionen_ eines
Krpers? Was wir zunchst sehen, ist nur eine Flche mit verschiedener
Schattierung. Die Wirklichkeit gleicht zunchst einem Gemlde, wo auch
drei Dimensionen durch zwei dargestellt sind; daher fat ein
Blindgeborener, dem eine Operation zum Sehen verholfen hat, einen Wrfel
als Quadrat, eine Kugel als Scheibe und eine Pyramide als Dreieck auf.
Die Vorstellung von einer _Ausdehnung nach der Richtung der Tiefe_
bekommen wir erst durch eine Verbindung der Gesichtsempfindungen mit den
Tast- und Bewegungsempfindungen. Indem wir uns um den Krper herum
bewegen, finden wir, da die Flchenwahrnehmung von einer bestimmten
Seite aus noch kein Gesamtbild gegeben hat, sondern da sich andere
Flchen an die zuerst gesehene anschlieen, und der Tastsinn, der den
verschiedenartigen von den Krpern geleisteten Widerstand anzeigt und
damit eine genauere Deutung ihrer Schattierungen ermglicht, ergnzt
dieses Bild zu einer deutlichen Gesamtvorstellung von Form und
Begrenzung der Krper.

Damit ist aber noch nicht erklrt, wie es berhaupt mglich ist, da
_die unrumliche Seele rumliche Bilder auffassen kann_; sie hat ja wohl
die Vorstellung eines rumlich ausgedehnten Hauses, aber diese
Vorstellung ist nicht selbst ausgedehnt. Darauf beruht die Theorie von
den _Lokalzeichen_, die _Lotze_ ([+] 1881) aufgestellt hat, d. h. die
Ansicht, da je nach der Stelle der Netzhaut des Auges oder der
Hautoberflche, die von dem ueren Reize getroffen wird, dieser selbst
noch einen besonderen qualitativen Nebeneindruck mit sich fhrt, den
dann die Seele rumlich deutet. So wrde derselbe Farbeneindruck R, je
nachdem er mit verschiedenen Lokalzeichen versehen ist, also als Ra, Rb,
Rc die Seele trifft, an verschiedene Orte des Raumes a, b oder c verlegt
werden. Jedenfalls aber mu in der Seele eine Fhigkeit angenommen
werden, diese Zeichen rumlich zu deuten und zu einer Gesamtvorstellung
des Raumes zu erweitern.

So sind uns die Formen des Raums und der Zeit dazu behilflich, ein
einheitliches Bild von der wirklichen Welt zu bekommen. Doch vollendet
sich diese Einheit erst dadurch, da wir die Erscheinungen nach einem
_inneren Zusammenhang_ als ein _System von Ursachen und Wirkungen_
auffassen. Wir nehmen an, da jede Erscheinung eine Ursache hat und da
die gleiche Ursache immer die gleiche Wirkung hervorbringt. Dieses
Kausalittsverhltnis nehmen wir aber nicht unmittelbar wahr; was wir
wahrnehmen, ist vielmehr nur, _da die Erscheinung b regelmig
eingetreten ist, wenn die Erscheinung a eintrat_. Da a die Ursache von
b ist, das ist eine Annahme, die wir selbst hinzubringen und die durch
die regelmige Aufeinanderfolge von a und b nur veranlat ist.
Inwieweit diese Annahme berechtigt ist, das hat die Metaphysik zu
untersuchen. Die Psychologie kann nur feststellen, da der erkennende
Geist die Eigentmlichkeit hat, den Zusammenhang der Erscheinungen nach
diesem Kausalittsgesetz zu deuten.


2. Das Fhlen.


 15. Wesen und Arten des Gefhls.

Die Gefhle sind _Zustnde von Lust und Unlust_; sie unterscheiden
sich dadurch von den _Empfindungen_ und _Vorstellungen_, die fr sich
allein uns _gleichgltig_ wren. Der Unterschied zwischen Gefhl und
Empfindung zeigt sich z. B. auch darin, da bei demselben ueren Reiz
die Tastempfindungen dem Schmerzgefhl vorangehen, so bei der
Berhrung eines heien Ofens. Auch entsteht das Gefhl langsamer als
die Vorstellung, der es entspricht. Wir knnen schneller von der
Vorstellung eines Glcks zu der eines Unglcks bergehen, als von dem
Gefhl eines Glckes zu dem eines Unglcks. Es ist daher anzunehmen,
da das Gefhl die zentralen Nervenorgane mehr in Anspruch nimmt, als
Empfindung und Vorstellung. In Wirklichkeit aber sind die Empfindungen
und Vorstellungen immer mit Gefhlen der Lust oder Unlust verknpft,
sie haben einen sogenannten Gefhlston, und darin besteht das
_Interesse_, das wir an ihnen nehmen, und der _Wert_ oder _Unwert_,
den wir ihnen beilegen.

Es gibt _unendlich viele verschiedene Arten der Lust und Unlust_. Die
Gefhle unterscheiden sich nicht blo quantitativ durch ein Mehr oder
Weniger von Lust und Unlust; es sind z. B. qualitativ ganz verschiedene
Gefhle der Lust, die sich fr uns an den Genu einer schmackhaften
Speise, an die Vollfhrung einer guten Tat und an die Betrachtung eines
schnen Gemldes knpfen. Man kann deshalb nicht, wie v. Hartmann will,
smtliche Lust- und Unlustgefhle der Menschen je zu einer Gesamtsumme
addieren, um durch die Vergleichung beider zu dem Schlu zu kommen, da
die Unlustsumme in der Welt grer sei als die Lustsumme, und da fr
die Menschheit deshalb Nichtsein besser sei als Sein. (Pessimismus.)

Die Eigentmlichkeit der Gefhle lt sich nur erleben, nicht nher
beschreiben; doch werden diejenigen einander hnlich sein, die sich an
hnliche Zustnde oder Vorgnge knpfen. So knnen wir die Gefhle nach
ihrer Herkunft einteilen in _krperliche Gefhle_, die von krperlichen
Zustnden, und _geistige Gefhle_, die von geistigen Zustnden
herrhren. Unter den letzteren lassen sich wieder die niederen geistigen
Gefhle, die auf unser _individuelles Wohl und Wehe_ sich beziehen --
Freude, Trauer, Stolz, Ehrgefhl, auch die geselligen Gefhle, Liebe und
Ha, solange sie nicht durch sittliche Anschauungen gelutert sind --
unterscheiden von den hheren geistigen Gefhlen, die an _allgemein
gltige geistige Gter der Menschheit_ sich knpfen: die
intellektuellen, sthetischen, sittlichen und religisen Gefhle.


 16. Die krperlichen Gefhle.

Die krperlichen Gefhle schlieen sich unmittelbar an die
_Empfindungen_ an und sind nach _Art_ und _Strke_ von ihnen abhngig.
Jede Empfindung hat ihren eigentmlichen Gefhlston, der dieselbe zu
einer angenehmen oder unangenehmen Empfindung macht. Dies gilt
jedoch nur fr mittlere Strkegrade der Empfindung. Lt man einen Ton
zu bergroer Strke anwachsen, nimmt die angenehme Wrme allzusehr zu,
wird das Spektrum direkt auf die Sonne eingestellt, so verbinden sich
mit dem ursprnglich angenehmen Eindruck Unlustgefhle. Andererseits
kann ein an sich unangenehmer Eindruck, z. B. ein bitterer oder sauerer
Geschmack, bei geringer Intensitt als angenehm empfunden werden.

Vergleicht man die einzelnen Empfindungsgebiete, so ist das krperliche
Gefhl um _so strker, je weniger Wert fr die Erkenntnis_ die Reize
haben, von denen es ausgeht. Die strksten krperlichen Unlustgefhle,
_die eigentlichen Schmerzen_, finden sich bei inneren Vorgngen im
Krper, wo eine Erkenntnis der veranlassenden Reize gar nicht oder nur
in geringem Mae stattfindet. _Geschmack und Geruch_ sind auch noch mit
deutlichen Gefhlen der Lust und Unlust verbunden, geben aber nur einen
unbestimmten Beitrag zur Erkenntnis der Gegenstnde, durch die sie
vermittelt sind. _Gesichts- und Gehrempfindungen_ aber, welche fr die
Erkenntnis der Auenwelt am wichtigsten sind, scheinen oft ganz ohne
begleitende Gefhle aufzutreten und lassen immer nur schwer eine
Bestimmung der besonderen mit ihnen verknpften Gefhle zu. Die Frage,
was sie bedeuten, steht beim Hren von Tnen und noch mehr beim Sehen
von Farben so im Vordergrund, da der Gefhlston nur bei besonderer
Aufmerksamkeit zum Bewutsein kommt. Dieses Verhltnis von
Erkenntniswert und Gefhlsstrke ist wichtig, weil so die fr das
Erkennen brauchbarste Sinneswahrnehmung den Strungen durch starke
Gefhle am wenigsten ausgesetzt ist.


 17. Die geistigen Gefhle.

Auch die geistigen Gefhle sind vielfach durch krperliche Zustnde,
durch bestimmte sinnliche Reize vermittelt; aber sie sind von diesen
selbst nicht unmittelbar abhngig, sondern von den Vorstellungen, die
dadurch hervorgerufen werden. Wir unterscheiden sehr deutlich zwischen
dem krperlichen Schmerz, den eine Verletzung unseres Krpers
verursacht, und dem geistigen Unlustgefhl, das durch ein beleidigendes
Wort hervorgerufen wird.

_Intellektuelle_ Gefhle entstehen aus dem inneren Verhltnis der
Vorstellungen. Wenn der Verlauf des geistigen Lebens zur Herstellung von
Einheit und Zusammenhang unter den Vorstellungen fhrt, so entstehen
Gefhle der Lust, z. B. bei einer Entdeckung, die den Zusammenhang einer
Erscheinungsgruppe enthllt. Andrerseits ist mit Zweifeln, Inkonsequenz,
Widerspruch auf dem Gebiete des Denkens Unlust verknpft. Die
_sthetischen_ Gefhle entstehen bei der Wahrnehmung des _Schnen_. Sie
sind vielleicht daraus zu erklren, da ein ursprngliches Bedrfnis des
menschlichen Geisteslebens, die Einheit in der Mannigfaltigkeit
(s. S. 18) durch die Harmonie der Form, in der beim Schnen irgend ein
Bruchstck der Welt und des Menschenlebens uns erscheint, in der
vollkommensten Weise befriedigt wird. Mit dem sthetischen Gefhl hngt
zusammen der _Geschmack_, d. h. die Empfnglichkeit fr sthetische
Eindrcke, verbunden mit der Fhigkeit, sie richtig zu beurteilen, das
Schne vom Hlichen zu unterscheiden, und die _Phantasie_, d. h. die
Fhigkeit, schne Formen hervorzubringen, im Unterschied von der
_Einbildungskraft_, dem Vermgen der Reproduktion und freien Kombination
schon vorhandener Vorstellungen berhaupt. Wir schreiben dem
Einbildungskraft zu, der imstande ist, von einer Landschaft, die ihm
geschildert wird, mit Hilfe seines eigenen Vorrats an Vorstellungen sich
ein anschauliches Bild zu machen, und Phantasie dem, dessen sthetisches
Gefhl sogleich dabei rege wird und so den Worten der Schilderung
folgend dem Landschaftsbild eine schne Form gibt, es gleichsam zum
Gemlde gestaltet. Die knstlerische Phantasie ist davon nur dem Grade
nach verschieden. Das _sittliche Gefhl_ ist an die Vorstellung gewisser
Handlungen geknpft; je nachdem es ein Gefhl der Lust oder Unlust ist,
werden die Handlungen als gute oder bse beurteilt. Aus den uerungen
des sittlichen Gefhls bilden sich mit Hilfe des Denkens Grundstze des
Handelns und die Gewohnheit, dieselben zu befolgen, d. h. der Charakter
(s. S. 63). Der Begriff des _Gewissens_ umfat ebenso die ersten
Regungen des sittlichen Gefhls (primres Gewissen), wie die durch das
Denken vermittelte sittliche Beurteilung (sekundres Gewissen). Das
_religise_ Gefhl ist mit der Vorstellung der Beziehung zu Gott oder zu
Gttern verbunden. Auf der hheren Stufe verbindet es sich stets mit dem
sittlichen Gefhl; die Mchte, von denen der Mensch sich abhngig fhlt,
werden zu Trgern sittlicher Ideale.


 18. Unterschiede des Gefhls nach Strke und Dauer.

Aus irgend einem Anla kann das Gefhl pltzlich so stark auftreten, da
es die berlegung des Verstandes vollstndig zurckdrngt und den Willen
beherrscht; dieser pltzliche Ausbruch des Gefhls ist der _Affekt_,
z. B. der Zorn. Wird dagegen ein starkes Gefhl lngere Zeit in einer
bestimmten Richtung festgehalten, so wird es zur _Leidenschaft_,
bestndig bereit, den Willen sich vllig zu unterwerfen. Zu
unterscheiden sind davon die _Gesinnungen_, z. B. Vaterlandsliebe,
Frmmigkeit. Hier hat sich ein bestimmtes Gefhl ein fr allemal mit
gewissen Vorstellungen verbunden, ohne aber deshalb von Schwankungen
frei zu sein. Sie unterscheiden sich aber von der Leidenschaft durch
grere Dauer und eine gewisse Gleichmigkeit, mit welcher sie ihren
Einflu auf den Willen geltend machen. Das Vermgen der Gesinnungen ist
das _Gemt_.


 19. Der Verlauf und die Verbindung der Gefhle.

Die Gefhle knpfen sich nicht selbstndig aneinander, sondern schlieen
sich in ihrem Verlaufe in der Regel an die Vorstellungen an, nur da die
Gefhle langsamer wechseln, und deshalb oft das einmal erzeugte Gefhl
auch ber eine Reihe neu auftauchender Vorstellungen hinaus fortdauert.
Auch die Erinnerung der Gefhle wird durch die entsprechende Vorstellung
vermittelt. Will ich etwa zum Verstndnis der Gefhle anderer Menschen
in einer bestimmten Lage meine eigenen aus frherer Zeit in derselben
Lage zurckrufen, so kann ich es nur durch lebhafte Vorstellung der
betreffenden Umstnde.

Doch zeigt die Aufeinanderfolge der Gefhle ein Gesetz, das auch fr den
Vorstellungsverlauf gilt, in viel strkerem Mae: das _Gesetz der
Beziehung_. Das Gefhl ist _etwas in hohem Grade Relatives_. Jedes
Gefhl ist davon abhngig, _was fr ein anderes vorangegangen ist_.
Dieselbe Wahrnehmung, dieselbe Situation kann daher zu verschiedenen
Zeiten in uns ganz verschiedene Gefhle hervorrufen. Das Gefhl der Lust
ist strker, wenn es auf den Schmerz folgt, als wenn es in einem Zustand
der Gleichgltigkeit entsteht; das Gefhl der Genesung ist mchtiger,
als das der Gesundheit. Treten die Gefhle im berma auf, so knnen sie
in ihr Gegenteil umschlagen. Das menschliche Nervensystem ertrgt nur
ein beschrnktes Ma von Lust und Schmerz.

_Wiederholt_ sich das Gefhl, so wird es gewhnlich _abgestumpft_. Der
hufige Genu derselben schmackhaften Speise kann sogar zum Ekel werden.
Der oft wiederkehrende Schmerz hat nicht dieselbe Strke, er erzeugt
Abhrtung. Doch gilt dies nur fr solche Gefhle, die keine Vertiefung
in einen geistigen Inhalt, sondern blo passive Hingabe an einen
Eindruck mit sich fhren, dagegen trgt bei den hheren Gefhlen die
wiederholte bung zur _Verstrkung_ bei. Das Anhren eines klassischen
Musikstcks kann bei jeder Wiederholung hheren Genu gewhren, indem
die Phantasie jedesmal leichter arbeitet und tiefer in den Gehalt des
Tonstcks eindringt.

Gleichzeitige Gefhle hnlicher Art _verschmelzen_ sich zu einem
_Totalgefhl_, in das sie als _Partialgefhle_ eingehen. Bei smtlichen
hheren geistigen Gefhlen finden solche Verschmelzungen statt. So setzt
sich z. B. die sthetische Gefhlswirkung eines historischen Gemldes
aus Partialgefhlen zusammen, die aus der Farbenharmonie, aus der
Sympathie mit den dargestellten Personen, aus der Vorstellung der
Bedeutung des geschichtlichen Ereignisses stammen.

Bei einer Verbindung entgegengesetzter Gefhle, welche eine gewisse
Selbstndigkeit bewahren, redet man dagegen von _gemischten
Gefhlen_. So entsteht das Gefhl der Wehmut aus einer Mischung von
Trauer ber das Verlorene und Freude in der Erinnerung daran.


 20. Das Lebensgefhl und die Stimmung.

Ein fr sich dastehendes Beispiel der Mischung der Gefhle ist das
sogenannte _Lebens_- oder _Gemeingefhl_. In jedem Augenblick
unsres Lebens zeigt sich unser krperliches Allgemeinbefinden durch ein
allgemeines Gefhl an, das aus den einzelnen an die sogenannten
Gemeinempfindungen (z. B. Hunger und Durst) geknpften Gefhlen
entsteht und sich auch dadurch von den einzelnen krperlichen Gefhlen
unterscheidet, da es sich nicht auf einen bestimmten Ort des Krpers
beziehen, nicht lokalisieren lt.

Der Beitrag, den die krperlichen Zustnde zu dem Lebensgefhl liefern,
setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Dazu gehren:

1. Eine groe Anzahl von Gefhlen, z. B. bei Sinnesempfindungen, die zu
_unbedeutend_ sind, um als besondere zum Bewutsein zu kommen.

2. Gefhle, die sich an _Zustnde einzelner Krperteile_ knpfen, aber
auch das Allgemeinbefinden beeinflussen, z. B. Zahnschmerz.

3. Gefhle, deren Veranlassungen wegen ihrer allseitigen Verteilung im
Krper und ihrer _allgemeinen Bedeutung_ fr den Fortgang des Lebens
gewhnlich berhaupt nicht lokalisiert werden. Diese Zustnde, z. B.
Beschaffenheit und Kreislauf des Blutes, beschwerlicher oder freier
Gang des Atemholens, normaler oder abnormer Verlauf des
Verdauungsprozesses sind daher auch die wichtigsten Faktoren fr das
Gemeingefhl. Das Lebensgefhl bildet einen Bestandteil der
_Stimmung_, die eine Art Gesamtdurchschnitt des augenblicklichen
Gefhlsstandes darstellt. Zu einer gehobenen Stimmung kann ebensowohl
die Erleichterung des Atmens durch gute Luft und das dadurch erhhte
Lebensgefhl als der Genu eines edlen Kunstwerks beitragen.

Noch weniger als die einzelnen Gefhle lassen die Lebensgefhle und die
Stimmungen eine Beschreibung zu. Es knnen nur einige allgemeine
Ausdrcke angefhrt werden, die sich im Sprachgebrauch dafr ausgebildet
haben. Man spricht von einer _reizbaren_, _apathischen_, _gehobenen_
Stimmung. In den Gegenstzen der _Kraft_ und der _Mattigkeit_, der
_Freiheit_ und der _Beklommenheit_, der _Hoffnung_ und der _Furcht_
bewegen sich Stimmung und Lebensgefhl.

Von besonderer Bedeutung sind die wechselnden Schattierungen des
Lebensgefhls und der Stimmung _fr die Erinnerung_, fr die
Festhaltung von Vorstellungen, durch die es in besonderer Weise
verndert wurde. Wir erinnern uns einer frheren Situation dann mit
auffallender Deutlichkeit, wenn eine besondere Frbung unserer Stimmung
damit verbunden war, und zwar dadurch, da wir uns in die damalige
Stimmung wieder hineinfhlen. Gelingt uns das letztere nicht mehr, so
sind meist auch die damit verbundenen Vorstellungen dem Gedchtnis
entschwunden, z. B. die Ereignisse vor einer schweren Krankheit wegen
des krankhaft vernderten Lebensgefhls. Umgekehrt sind wir geneigt,
ungleiche Situationen miteinander zu identifizieren, wenn sie in uns die
gleiche Stimmung erwecken, daher wohl auch die hufige Meinung, in
einer Situation, in der man zum erstenmal ist, frher schon einmal
gewesen zu sein.


 21. Die Temperamente.

Die _Temperamente_ sind eine Art angeborener Stimmung, vorwiegender
Empfnglichkeit fr bestimmte Gefhle und dadurch bedingter
Eigenschaften des Willens, durch welche die Art und Weise bestimmt wird,
wie Eindrcke der Auenwelt aufgenommen, verarbeitet und erwidert
werden. Die Vernderungen der Stimmung und des Lebensgefhles bewegen
sich bei jedem Individuum innerhalb bestimmter Grenzen, die von der
krperlichen und geistigen Anlage abhngen. Solcher Temperamente gibt es
eigentlich _so viele, als es Individuen gibt_. Doch wurden mit Recht
schon im Altertum von Galenus vier Hauptformen der Temperamente
herausgehoben, innerhalb deren sich die feineren Unterschiede bewegen:
das sanguinische, cholerische, phlegmatische und melancholische
Temperament. Kant unterschied mit Verdeutschung dieser Ausdrcke
zwischen _Temperamenten des Gefhls_: dem leichtbltigen (sanguinischen)
und schwerbltigen (melancholischen), und _Temperamenten der Ttigkeit_:
dem warmbltigen (cholerischen) und kaltbltigen (phlegmatischen).

Jedenfalls beziehen sich die Temperamente auf die Bewegung der geistigen
Vorgnge, sofern sie vom Gefhlsleben abhngig ist. Nach der
gewhnlichen Auffassung sind die Merkmale des _sanguinischen_
Temperaments: lebhafte Empfnglichkeit fr alles, aber ohne nachhaltige
Verarbeitung der empfangenen Eindrcke und ohne krftige Rckwirkung,
daher oft Mangel an Stetigkeit des Handelns und Bestndigkeit der
Gesinnungen; des _phlegmatischen_: geringere Erregbarkeit fr uere
Reize, Neigung zu geduldiger Ausdauer, aber auch zu gewohnheitsmigem
Beharren, und oft Erstarrung des geistigen Lebens; des _cholerischen_:
starke Erregbarkeit in einer bestimmten Richtung und groe Energie der
Rckwirkung, daher oft Konsequenz des Charakters; des _melancholischen_:
groe Empfnglichkeit fr Gefhle, besonders fr die hheren, aber
Neigung zum Verweilen in diesem Gefhlsleben ohne praktische Tatkraft
zur Verfolgung der damit verbundenen Ziele.

_Wundt_ leitet die Vierteilung aus zwei Gegenstzen in der Art der
Gemtsbewegungen ab: Strke und Schwche, Schnelligkeit und Langsamkeit,
und gibt darnach folgende Tafel der Temperamente:

                  _Starke:_      _Schwache:_

    _Schnelle_    cholerisch     sanguinisch
    _Langsame_    melancholisch  phlegmatisch.

Jedenfalls finden sich aber diese Temperamente selten rein ausgeprgt,
und es ist die Aufgabe eines normalen Geisteslebens, ihre Einseitigkeit
zu vermeiden.

Man knnte auch von Temperamenten der einzelnen Rassen, Vlker,
Familien, Geschlechter sprechen. Dagegen ist ein anderer Gegensatz in
jener Vierteilung nicht deutlich genug vertreten, der auch eine Art
angeborener Eigentmlichkeit des Gefhlslebens bezeichnet, der Gegensatz
zwischen _optimistischer_ und _pessimistischer_ Weltanschauung, zwischen
der vorwiegenden Empfnglichkeit fr Lust und der fr Unlust.


 22. Selbstgefhl und Mitgefhl.

Besondere Bedeutung hat das Gefhl fr das Selbstbewutsein. Wir
machen uns im Fortschritt unserer Erkenntnis ein Bild von uns selbst,
bei welchem zunchst der Krper im Vordergrund steht und spter auch
der Geist in unbestimmter Verbindung mit ihm zusammengedacht wird.
Mit Ich bezeichnen wir die _beharrliche Einheit_ aller wechselnden
Zustnde dieses Gesamtbildes; zugleich aber sprechen wir damit aus,
da wir alle diese inneren Vorgnge und die Bewegungen des Krpers,
die von ihnen abhngen, als _unsere eigenen_ erkennen. Der tiefste
Grund fr diese Unterscheidung unseres Ich von andern liegt im
_Selbstgefhl_. Die ganze Vorstellungswelt, die wir in der formalen
Einheit unseres Ich zusammenfassen und wahrnehmen, knnte uns auch
fremd sein, wenn wir nicht Lust und Unlust, die sich damit verbinden,
zweifellos und unmittelbar als Zustnde unseres eigenen Selbst im
Unterschied von andern erleben wrden. Erst allmhlich entwickelt sich
auf Grund dieses Selbstgefhls, das von der Erkenntnis unabhngig ist,
das _Selbstbewutsein_, indem das Ich lernt, sich denkend von seinen
Zustnden zu unterscheiden. Im _Mitgefhl_ erweitert sich dann wieder
dieses Ich zur inneren Teilnahme an dem, was andere fhlen.


 23. Die Bedeutung der Gefhle.

Es erhebt sich noch die Frage, welche Bedeutung die Gefhle fr das
menschliche Dasein berhaupt haben. Eine naheliegende, aber vielfach
auch sich besttigende Antwort auf diese Frage ist, da _Lust eine
Frderung_ und _Unlust eine Hemmung_ des krperlichen oder geistigen
Lebens bedeutet. Die Gre des Schmerzes steigt im allgemeinen mit der
Gre der Strung, die im Organismus stattfindet. Der Geschmack zeigt
als Lust- oder Unlustgefhl an, ob frdernde oder hemmende Stoffe dem
Krper zur Nahrung zugefhrt werden. Es gibt allerdings wohlschmeckende
Gifte, aber auch sie steigern zunchst die Lebensfunktion, indem sie mit
einem Teile ihrer Eigenschaften auf die Geschmacksnerven wirken; erst
bei ihrer weiteren Verbreitung im Krper treten die verderblichen
Eigenschaften hervor. Dasselbe gilt fr die _geistigen Gefhle_. Auch
ein schdlicher geistiger Genu zeigt richtig die Frderung des
geistigen Lebens an irgend einem Punkte an. Abzuwgen, inwieweit die
daraus folgende Hemmung die augenblickliche Frderung berwiegt, ist
nicht Sache des Gefhls, sondern des Denkens, zugleich die wichtigste
Aufgabe der Lebensklugheit.

Im ganzen aber fhrt diese Auffassung zu einem _Verstndnis der
umfassenden Bedeutung des Gefhls_, deren nhere Darlegung in Beziehung
auf den Zusammenhang der Welt brigens in die Metaphysik gehrt. Auf dem
Gefhl beruht alle Erhaltung und aller Fortschritt des Lebens. Die
theoretische Einsicht in das, was ntzlich und schdlich ist, reicht
nicht hin, die Menschen vor Selbstvernichtung zu bewahren. Keine noch so
vollendete Ausbildung des Verstandes knnte die Menschheit zum Erwerb
geistiger Gter bringen, wenn nicht ein Genu hherer Art damit
verbunden wre. In den meisten Fllen ist vielmehr jene Einsicht gar
nicht vorhanden. Der Mensch vermeidet z. B. den Genu belriechender
Speisen fr gewhnlich nicht wegen der Einsicht in ihre Schdlichkeit,
sondern wegen der starken Unlustgefhle, die schon der Gedanke daran ihm
verursacht. Wenn dem Mrder vor der Tat das Gewissen schlgt, so
geschieht es nicht, weil er die Gefahr solcher Grundstze fr die
Existenz der Gesellschaft sich berlegt hat, sondern er _fhlt
unmittelbar_ die Qual des Gewissens als ein mchtiges Unlustgefhl.

So wird also der Mensch durch die Lust, die er sucht, und die Unlust,
die er vermeidet, so geleitet, da die Erhaltung und Vervollkommnung des
einzelnen, wie des Menschengeschlechtes gesichert ist. Vom Standpunkte
der Religion aus gesehen wre das Gefhl das Hauptmittel in der Hand der
Vorsehung, die Entwickelung der Menschheit zu lenken. Gefhle wren es,
die eine Welt von Motiven fr die Geschichte bilden, und Gefhle edler
Art wrden jene Ideale der Menschheit (s.  1) ihrer Verwirklichung
entgegenfhren.


3. Das Wollen.


 24. Die unwillkrlichen Bewegungen.

Das Wollen ist wie das Fhlen ein _einfacher und ursprnglicher Akt des
Geisteslebens_, der sich nicht nher beschreiben, aber doch in seinen
uerungen verfolgen lt. Der eigentliche Willensakt veranlat immer
eine Vernderung entweder in der Auenwelt oder in der Innenwelt des
Wollenden. Das Mittel, eine Vernderung der ersteren Art zustande zu
bringen, ist die Bewegung des eigenen Krpers. An dieser nchstliegenden
Vernderung, die durch den Willen hervorgebracht wird, lassen sich daher
auch die verschiedenen Stufen des Willens am besten beobachten. Zum
eigentlichen Wollen gehrt die Vorstellung von einem Zweck, der erreicht
werden soll, und eine Wahl der Mittel, durch die er erreicht werden
soll. Dies ist aber erst das Resultat einer lngeren Entwickelung.

Der Mensch wrde nie zu Bewegungen gelangen, wenn er nicht zuerst
Bewegungen ausfhren wrde, die er _nicht gewollt_ hat. Schon die vom
Stoffwechsel ausgehenden Nervenerregungen mssen zu _unwillkrlichen
Bewegungen_ fhren; denn die angesammelte Spannkraft mu einen Ausweg in
Bewegungen finden. Beispiele dafr gehen auch noch neben dem bewuten
Wollen her, wenn beim Schmerz die Zhne zusammengebissen werden, oder
eine hochgradige Aufregung in lebhafter, aber zweckloser Bewegung sich
kundgibt. So gelangt das Kind, indem es seine eigenen automatischen
Bewegungen, z. B. die seiner Stimmorgane oder seiner Hnde, wahrnimmt,
allmhlich zu der Erfahrung, da sie von ihm selber beeinflut werden
knnen.

Dazu sind aber noch andere Erscheinungen behilflich. Solche
_unwillkrliche Bewegungen_ geschehen auch _auf Veranlassung eines
Reizes hin_. Wenn dem Auge ein Sto droht, so schlieen sich die
Augenlider; wenn ein fremder Krper in die Luftrhre gert, so tritt
Husten ein, ohne da eine besondere Willenskraft zu dieser Bewegung
ntig ist. Die sensiblen Nerven leiten die Nachricht von der
eingetretenen Gefahr bis zu den Zentralorganen, hier wirkt der Reiz aber
ohne Zutun der Seele sogleich auf die motorischen Nerven und fhrt so zu
jener Bewegung, welche der drohenden Gefahr zweckmig begegnet. Da
diese sogenannten _Reflexbewegungen_ ein von jeder Art der berlegung
unabhngiger Mechanismus sind, zeigt sich z. B. darin, da sie auch bei
Versuchen an Tieren ohne Gehirn gefunden werden. Ein enthaupteter Frosch
wischt den Tropfen Sure, den man auf seine Haut bringt, mit dem Fue
ab. Dagegen bleibt er ohne solche Veranlassung regungslos, da er zwar
noch die Fhigkeit zur Reflexbewegung, aber nicht die zu selbstndiger
Bewegung hat. Bei dem Menschen lt sich der Unterschied zwischen
Reflex- und willkrlicher Bewegung mit Hilfe der Untersuchungen ber die
sogenannte _physiologische Zeit_ nachweisen, d. h. die Zeit, welche
zwischen dem Auffassen und Erwidern eines Reizes, z. B. zwischen einer
Gesichtsempfindung und der Reaktion auf dieselbe verfliet und
durchschnittlich etwa 1/5 Sekunde betrgt. Es zeigt sich nmlich, da
diese Zeit kleiner ist bei der Reflexbewegung als bei der willkrlichen
Bewegung, da also zwischen der Zuleitung des Reizes durch die sensiblen
Nerven und der Weiterleitung des Befehls zur Bewegung durch die
motorischen eine bestimmte, sogenannte Willenszeit zur
Willensentscheidung verbraucht wird. Zwischen der Reizung durch den
elektrischen Strom und der darauf reagierenden Muskelzuckung verluft
weniger Zeit, als zwischen der Gesichtsempfindung, die den Beginn der
Bewegung eines Sekundenzeigers meldet, und dem Druck des Fingers, der
durch Schlieung des elektrischen Stroms den Zeiger wieder zum Stehen
bringt.

Die Reflexbewegungen knnen auch _gehemmt_ werden, indem die sensiblen
Nerven gleichzeitig von anderer Seite her Einwirkungen erfahren oder der
bewute Wille dazwischen tritt. Dies geschieht z. B., wenn bei groem
Schrecken durch die Nervenerregung die Reflexbewegung des Schluckens
oder durch die Willenskraft das Zusammenfahren verhindert wird. Die
Reflexbewegungen haben ihren Sitz hauptschlich im _Rckenmark_. Sie
werden vom groen Gehirn aus, dem Organ der selbstndigen Bewegung,
mit fortschreitender Bildung immer mehr eingeschrnkt. Die
_Selbstbeherrschung_ besteht zum groen Teil aus solchen
_Reflexhemmungen_.

Von den einfachen Reflexbewegungen unterscheiden sich die des
_Instinkts_ dadurch, da sie ein zusammengesetztes System von Mitteln
zur Erreichung eines entfernteren Zweckes darstellen. Aber auch sie
gehen ohne Kenntnis dieses Zweckes vor sich. Der Vogel hat keine
Vorstellung von dem Nest, das er bauen will, oder die Bienen von ihrer
Wachszelle, sondern sie werden von dunklen krperlichen Gefhlen dabei
geleitet, die als angeborene und sich vererbende Eigentmlichkeiten
ihrer Gattung angesehen werden mssen.

Hierher gehrt noch eine Reihe von Bewegungen, die auch ohne
eigentlichen Willensakt zustande kommen, aber nicht auf Grund einer
zweckmigen Einrichtung der Natur, sondern nur durch die _Vorstellung_
der Bewegung selbst: die _Nachahmungsbewegung_. Eine Bewegung, deren
Bild sich aufdrngt, wird oft unwillkrlich nachgeahmt. Die Ste eines
Fechters, die Leistungen eines Clowns werden von ungebildeten Zuschauern
unter Begleitung von leichten Bewegungen betrachtet, selbst die Lesung
einer lebhaften Schilderung kann zu schwacher Bewegung fhren, ohne da
der Wille mitwirkt. Noch hufiger, aber wenig in die Augen fallend zeigt
sich die Nachahmung in den kleinen Bewegungen, die zur Krperhaltung
gehren und die oft nachgeahmt werden, whrend die Aufmerksamkeit etwas
anderem zugewandt ist. Doch tritt dieselbe mit der zunehmenden Bildung
infolge der Gewohnheit der Selbstbeherrschung und der schnellen Ablsung
der Bewegungsvorstellungen durch andere mehr zurck.


 25. Der Trieb und das eigentliche Wollen.

Mit dem _Trieb_ kommen wir dem eigentlichen Wollen um einen Schritt
nher. Je weiter die Entwickelung des Geisteslebens fortschreitet, desto
enger wird die Verbindung zwischen seinen einzelnen Elementen. So
unterscheidet sich der Trieb vom Instinkt dadurch, da dabei eine mehr
oder weniger _klare Vorstellung_ dessen _mitwirkt_, was als Quelle der
Lust erstrebt wird. Wird der Trieb so stark, da er den Menschen ganz
erfllt und Denken und Wollen beherrscht, so geht er in die _Begierde_
ber. Es ist also ein zeitlicher Unterschied da zwischen dem
zuknftigen Gefhl der Lust, welche die Befriedigung des Triebes
gewhren wird, und den Bewegungen, die dadurch verursacht werden,
zwischen dem Zweck und den Mitteln zu seiner Erreichung. Der Instinkt
leitet nur durch die augenblicklichen Gefhle, welche die Bewegung
begleiten, der Trieb durch die _Vorstellung eines Zieles_, mit welchem
das Gefhl verbunden sein wird. So unterscheidet sich z. B. die
Kunstfertigkeit der Ameise und der Gestaltungstrieb des Knstlers. Das
Gefhl der Lust, das mit dem erreichten Zweck sich verbindet, ist also
der Grund zur Bewegung, der Beweggrund oder das _Motiv_.

Wird dieses Gefhl nicht sogleich zum Motiv, also auch nicht unmittelbar
zur Veranlassung einer Bewegung, so erscheint es als _Wunsch_. Treten
mehrere Objekte nebeneinander auf, so da das Objekt des einzelnen
Triebes nicht unmittelbar erreicht wird, so kommt das Denken nicht mehr
blo fr die Wahl der richtigen Mittel in Betracht, sondern es
entscheidet je nach dem Gefhlswert der Motive, besonders mit Hilfe der
Erinnerung, welches der Motive den Ausschlag geben, was als Zweck
gesetzt werden soll: das Subjekt fat den _Vorsatz_, ein bestimmtes Ziel
anzustreben. Der Vorsatz kann aus augenblicklicher Gemtsbewegung
entspringen, ohne da das ganze Innere des Menschen, sein eigentmlicher
Charakter, alle seine Gefhle und Vorstellungen mitgewirkt haben. Die
Entscheidung ist deshalb zunchst eine _oberflchliche_ und kann, wenn
sich jene Faktoren nachher geltend machen, wieder umgestoen werden:
der Weg zur Hlle ist mit guten Vorstzen gepflastert. Erfolgt aber
die Entscheidung zwischen den Motiven auf Grund einer allseitigen
berlegung, indem der Handelnde seine ganze Persnlichkeit dabei in die
Wagschale legt, so entsteht der _Entschlu_. Dieser ist die hchste Form
des Willens, der eigentliche Willensakt. Je mehr wir uns diesem nhern,
desto wichtiger mu jener Zeitunterschied zwischen dem Gedanken und der
Ausfhrung des Gedankens werden, den wir zuerst beim Trieb beobachtet
haben; denn je mehr andere Motive und die Erwgung ihres Wertes Zeit
haben, sich geltend zu machen, desto mehr wird die Entscheidung der
unmittelbaren Wirkung eines einzigen Motivs zu Gunsten der berlegung
entrckt. Der Unterschied zwischen diesen verschiedenen Formen des
Willens ist freilich ein flieender und der Sprachgebrauch hufig
ungenau, aber er ist wichtig fr die sittliche und fr die
strafrechtliche Beurteilung.

_Was fr ein geistiger Vorgang_ der Willensakt ist, wie es geschieht,
da dasselbe, was vorher nur ein Wunsch, nur eine Mglichkeit war, nun
auf einmal als etwas angesehen wird, was in einem wirklichen Handeln
herbeizufhren ist, lt sich nicht nher auseinandersetzen, sondern nur
erfahren. Auch haben wir kein Bewutsein davon, wie nun der Willensakt
in Bewegung bergeht, wie der Wille durch Vermittelung der motorischen
Nerven die Muskeln in Bewegung setzt. Nur einen _inneren Zustand_ nehmen
wir wahr, eine Vorstellung und ein Gefhl von der Bewegung, die gemacht
werden soll, und den eigentmlichen Vorgang, der den Befehl enthlt,
diese Bewegung ins Werk zu setzen. Das brige entzieht sich unserer
inneren Erfahrung; aber die gewollte Bewegung tritt mit Sicherheit ein,
sie ist also in gesetzmiger Weise mit dem inneren Zustand verknpft,
jedoch ohne da die Zwischenglieder uns zum Bewutsein kommen.


 26. Die Freiheit des Willens.

Da der Wille des Menschen in dem Augenblick, wo er einen Entschlu
fat, _frei_ sei, d. h. da er in demselben Augenblick auch einen andern
Entschlu fassen knnte, wird berall im praktischen Leben
vorausgesetzt. Diesem _Indeterminismus_, der auch wissenschaftlich
vertreten wurde, steht der _Determinismus_ gegenber, der die
Willensfreiheit in diesem Sinne leugnet. Die Psychologie kann diese
Frage fr sich allein nicht entscheiden, die Ethik hat zu untersuchen,
ob die Willensfreiheit eine Forderung des sittlichen Bewutseins ist,
die Metaphysik, ob sie im Zusammenhang der Welt denkbar ist. Ganz
auerhalb des Gebiets der Psychologie liegen Ansichten, wie die von der
Machtlosigkeit des menschlichen Willens (Fatalismus). Vom Standpunkt der
Psychologie ergibt sich als Fr und Wider etwa Folgendes:

1. Der _Determinismus_ erklrt, durch die Behauptung der Freiheit des
Willens sei das _Gesetz der Kausalitt_, da alles eine Ursache haben
msse, und damit der Zusammenhang des Bewutseinslebens _aufgehoben_.
Der Indeterminismus macht dagegen geltend, die ausnahmslose Gltigkeit
des naturwissenschaftlichen Kausalgesetzes sei fr die geistige Welt
weder erwiesen, noch willkrlich anzunehmen.

2. Der _Indeterminismus_ weist auf gewisse _psychologische Tatsachen_
hin: auf das Bewutsein der Freiheit und Verantwortlichkeit, auf das
Gefhl der Reue, die nur erklrbar seien unter der Voraussetzung, da
man wirklich in derselben Lage anders handeln knnte, als man gehandelt
hat. Der Determinismus erklrt diese Tatsachen daraus, da das handelnde
Individuum seine eigene Charaktereigentmlichkeit nicht in Rechnung
bringt und so die, von uerem Zwang allerdings unabhngige Wahl
zwischen den Motiven, die auf Grund derselben nur in einer einzigen
Richtung erfolgen kann, als absolut freie ansieht. In der Erinnerung an
eine bse Tat ergebe sich dann die Reue aus der Selbstverurteilung und
aus dem Wunsche, anders gehandelt zu haben.


 27. Die Ausdrucksbewegungen.

Es gibt Bewegungen, deren Eigentmlichkeit darin besteht, da sie einen
innern Zustand _ausdrcken_, da sie Zeichen eines bestimmten inneren
Zustandes sind. Sie sind keine besondere Art neben den unwillkrlichen
und willkrlichen Bewegungen, sondern immer eines von beiden, aber sie
verdienen eine besondere Beachtung, weil alle Entwickelung des geistigen
Lebens auf dem Verkehr der Menschen untereinander beruht, und dieser
Verkehr nur durch Ausdrucksbewegungen mglich ist. Soweit diese in
uerlich sichtbaren Krperbewegungen bestehen, werden sie auch
_Gebrden_ genannt.

Man kann _dreierlei Arten von Ausdrucksbewegungen_ unterscheiden, die
aber hufig zusammenwirken:

1. Bewegungen, die nur die starke _Erregung des Gefhls unmittelbar zum
Ausdruck bringen_. Sie wurden schon oben bei den Reflexbewegungen
erwhnt als ein Mittel, die groe innere Spannung nach auen zu leiten.
Hierher gehrt das Erblassen und Errten, Lhmung und Spannung der
Muskeln, das Lachen und Weinen. Das _Lachen_ ist der Ausdruck
krperlichen und geistigen Wohlbehagens, des letzteren besonders, sofern
es durch starke Gegenstze hervorgerufen wird, z. B. durch den Gegensatz
einer kurzen dicken und einer langen hageren Gestalt. hnlich beruht der
Witz auf der pltzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in
Nichts (Kant). Die Ursache dieser Vorgnge ist vielleicht die, da ein
Grundbedrfnis des Geistes, die Bewegung durch Gegenstze hindurch hier
besonders rein und vollkommen befriedigt wird. Das Lachen besteht in
einem stoweisen Ausatmen, das durch Einatmung unterbrochen ist. Das
_Weinen_ ist der Ausdruck geistigen oder krperlichen Schmerzes; sein
Hauptmerkmal ist die Aussonderung von Wasser durch die Trnendrsen.
Doch sind beide Erscheinungen auch von Bewegungen der Gesichtsmuskeln
begleitet, die nach Form 2 zu erklren sind.

2. Bewegungen, welche die Gefhle mit Hilfe der _Assoziation hnlicher
Empfindungen_ ausdrcken. So werden z. B. diejenigen Gefhle, welche
der Sprachgebrauch als bitter, herb, s bezeichnet, durch Bewegungen
des Mundes ausgedrckt, welche sonst mit den betreffenden
Geschmacksempfindungen verbunden sind.

3. Bewegungen, die zum _Ausdruck von Vorstellungen_ und dadurch oft auch
mittelbar zum Ausdruck von Gefhlen dienen. Auf einfache Weise geschieht
dies, wenn wir auf Personen und Dinge, von denen die Rede ist, mit der
Hand _hinweisen_. Hufiger mglich ist die _Nachbildung_ des
betreffenden Gegenstandes oder seiner Merkmale durch malende Gebrden.
So sucht der Erzhler seine Schilderung anschaulich zu machen. Dadurch
kann auch mittelbar ein Gefhl ausgedrckt werden, z. B. wenn durch das
Ballen der Faust die Vorstellung eines Angriffs hervorgerufen und
dadurch der Zorn gegen den Beleidiger ausgedrckt wird.

Die wichtigste Form der Ausdrucksbewegungen berhaupt ist aber die
_Sprache_, wo Vorstellungen durch Bewegungen des Sprachorgans, durch den
gesprochenen und gehrten Laut, ihren Ausdruck finden. Doch werden in
ihr auch die erste und zweite Form der Ausdrucksbewegungen verwendet.
Ursprnglich war die Sprache wohl eine unwillkrliche, von Gebrden
begleitete uerung des Sprachorgans, _die als eine Art Reflexbewegung
den Eindruck wiedergab, den die Gegenstnde machten_, und auf einer
unklaren Beziehung zwischen Laut und Bild beruhte. Die eigentliche
Schallnachahmung, auf die von den Vertretern der sogenannten
_onomatopotischen Theorie_ der Ursprung der Sprache zurckgefhrt wird,
wre nur ein unwesentlicher Teil der so entstandenen Laute. Die
erluternde Begleitung der Gebrden und das Bewutsein einer
Verwandtschaft zwischen Laut und Bild trat aber allmhlich zurck, das
Wort wurde bloes Zeichen und konnte auch fr Gemeinvorstellungen und
abstrakte Begriffe, denen kein bestimmter Gegenstand entsprach,
gebraucht werden. Von andrer Seite her geschah dies in der _Schrift_:
zuerst Nachbildung der Form der Gegenstnde in der Bilderschrift und
dann Verwandlung dieser Bilder in selbstndige Schriftzeichen. So wurde
die Sprache das unerschpfliche und unentbehrliche Mittel fr die
Unterscheidung und den Austausch der Gedanken und damit fr die
Ausbildung des Denkens berhaupt.

Die _Veranlassung_ der Ausdrucksbewegungen ist immer ein innerer
Zustand. Die _Schauspielkunst_ nimmt alle Ausdrucksbewegungen in ihren
Dienst und sucht dieselben allerdings knstlich, d. h. ohne da die
natrlichen ueren und inneren Anlsse dazu gegeben sind,
hervorzubringen; aber der Schauspieler kann eine der hchsten
Forderungen, die Lebenswahrheit, doch nur erreichen, indem er den
inneren Zustand selbst knstlich erzeugt, dem die Ausdrucksbewegungen
ungezwungen folgen. Hat er Sprache und Gebrden nur mechanisch erlernt,
so erscheint sein Spiel als ein Gemachtes, weil es eben nicht
Ausdruck eines Innern ist.


 28. bung, Gewohnheit, Charakter.

Es war schon mehrmals davon die Rede, von wie groer Wichtigkeit fr das
geistige Leben die _Wiederholung_ ist. Hat sie den Zweck, grere
Fertigkeit zu erreichen, so heit sie _bung_. Das Resultat der hufigen
Wiederholung ist die _Gewohnheit_. Werden Vorstellungsreihen, die durch
Assoziation verbunden sind, hufig wiederholt, so geht die
Wiedererzeugung jedesmal leichter vor sich, und die Zwischenglieder
kommen gar nicht mehr als selbstndige zum Bewutsein. Ein Beispiel
dafr ist die Wahrnehmung der _Entfernung_, die ursprnglich aus der
Wahrnehmung der scheinbaren Gre, deren Vergleichung mit der wirklichen
Gre und der Feststellung des Resultats besteht. Durch die bung werden
wir diese Berechnung so gewhnt, da wir mit berspringung der
Mittelglieder unmittelbar die Entfernung selbst wahrzunehmen glauben
(vgl. o. S. 36).

Dasselbe gilt auch von den Bewegungsvorstellungen und infolgedessen von
den Bewegungen selbst, die der Wille regiert. Die Leitung durch die
motorischen Nerven und die Ausfhrung der Bewegungen durch die Muskeln
geht mit jeder Wiederholung leichter und schneller vor sich. Eine solche
gewohnheitsmige Verbindung von Vorstellung und Bewegung stellt z. B.
die Sprache dar. _Vorstellung, Sprachlaut und Schriftzeichen_ sind fr
unser Bewutsein fast _zu einer_ Vorstellung _verschmolzen_, so da das
eine ohne weiteres das andere hervorruft. Indem wir _schreiben_, fgt
sich an die Vorstellungen, die wir hervorbringen, das Bild der
betreffenden Schriftzeichen und der dazu ntigen Bewegungen, und durch
Vermittlung der motorischen Nerven wird die entsprechende Muskelgruppe
in Bewegung gesetzt, um die Schriftzeichen zu Papier zu bringen; daneben
geht aber immer in engster Assoziation eine Vorstellung von dem Klange
her, den die gesprochenen Worte htten. Dieser komplizierte Vorgang ist
uns durch unzhlige Wiederholungen so gelufig geworden, da er uns als
ein einziger Akt erscheint. Ebenso sind andere komplizierte Bewegungen:
das Sprechen, das Klavierspielen, die Ttigkeit des Setzers, zu
erklren.

Je grer die bung ist, je leichter und schneller deshalb die Bewegung
erfolgt, _desto weniger bedarf es fr jede einzelne Bewegung einer
besonderen Willensanstrengung_, so da die Reihe der einmal angefangenen
Bewegungen scheinbar ganz ohne Zutun des Willens abluft. Ein Willensakt
scheint nur notwendig zu sein beim Anfang und Abschlu der Bewegung und
beim Eintreten von Hindernissen. Doch wird anzunehmen sein, da berall
der Wille noch mitwirkt, nur in viel schwcherem Grade. Die Bewegung des
Gehens scheint wohl, einmal angefangen, von selber sich fortzusetzen,
und doch mssen wir annehmen, da nicht blo beim Aufstehen oder
Aufhren der Wille mitwirkt, sondern auch zur fortwhrenden Spannung der
Muskeln zur Einhaltung einer bestimmten Richtung. So schwinden also auch
hier bei fortgesetzter bung die Zwischenglieder fr das Bewutsein.

Diese _Macht der Gewohnheit_, die den Aufwand an Willenskraft wesentlich
einschrnkt, beherrscht unser ganzes alltgliches Leben. Besonders aber
macht sie sich auch im eigentlichen Handeln geltend. Auf Grund seiner
eigentmlichen Anlage und Erziehung erwirbt sich der Mensch in der
Wechselwirkung mit andern eine gewohnheitsmige Form des Handelns,
einen _Charakter_. Das Zustandekommen bestimmter Grundstze auf
sittlichem Gebiete ist deshalb wertvoll, weil dadurch die einzelnen
Handlungen dem Einflu der Beweggrnde des Augenblicks entzogen sind.
Nur wo neue, ungewohnte Aufgaben gestellt werden und wo verschiedene
Grundstze in Widerstreit geraten, findet wieder eine allseitige
berlegung der verschiedenen Motive und der eigenen Grundstze, eine
besondere Entscheidung des freien Willens statt.


Abschnitt III. Die Abhngigkeit der einzelnen Elemente der Seele
voneinander.


 29. Die Abhngigkeit der einzelnen Elemente voneinander.

Die bisherige getrennte Behandlung der Seelenvermgen ist, wie schon
erwhnt, eine Abstraktion der Wissenschaft, die der Wirklichkeit nicht
entspricht. Es haben sich auch schon an verschiedenen Punkten
Beziehungen zwischen ihnen gezeigt: im folgenden wird sich noch genauer
ergeben, wie eng sie zusammengehren.

1. Das _Erkennen_ ist abhngig vom Fhlen und Wollen. Das _Gefhl_ ist
das Hauptmittel, Vorstellungen in der Erinnerung festzuhalten, denn es
verknpft sie durch das _Interesse_ mit dem Individuum. Nur der Wert,
den die Erkenntnis durch die Verbindung mit Lust- und Unlustgefhlen fr
uns hat, veranlat uns, mit Sorgfalt der Wahrheit nachzugehen, sonst
wrden wir uns gleichgltig dem Strome der Vorstellungen berlassen. Und
diese Konzentration auf bestimmte Vorstellungen und Vorstellungsreihen,
die allein zur Erkenntnis fhren kann, ist nur mglich mit Hilfe des
_Willens_, der die Aufmerksamkeit in der Richtung des Interesses lenkt.

2. Das _Gefhl_ kann sich nur entwickeln unter Mitwirkung von
Vorstellungen und Willensakten. Die Gefhle sind an sich zu unbestimmt,
um klar auseinandergehalten zu werden. Erst durch die Verknpfung mit
den _Vorstellungen_, denen sie ihre Entstehung verdanken, lassen sie
sich klar unterscheiden und gegeneinander abwgen. Ebenso ist eine
deutliche _Erinnerung von Gefhlen_ nur mglich durch Wiedererzeugung
der Vorstellungen, an welche sie sich geknpft haben. Und sollen _die
hheren Gefhle_, die intellektuellen, sthetischen, sittlichen,
religisen, vor Verirrungen bewahrt werden, so mu das Denken sich auf
sie richten und Grundstze der Beurteilung daraus gewinnen, die dann
wieder auf das Fhlen selber zurckwirken und es vor Ausschreitungen
bewahren. Es mu aber auch der _Wille_ zu Hilfe kommen. Durch einen
Willensakt kann zwar nicht unmittelbar die Entstehung eines Gefhls
verhindert oder ein vorhandenes unterdrckt werden, aber dies kann
mittelbar geschehen, indem die Bewegungen, in denen sich die
Gefhlserregung uert, gehemmt, oder die Vorstellungen, an denen es
sich nhrt, ihm entzogen werden. So kann der Zornige den Affekt unter
Umstnden unterdrcken, indem er den Zorn nicht zum Ausbruch kommen
lt, d. h. indem er Selbstbeherrschung bt. Tatenlose Trauer wird
unterbrochen, indem der Trauernde in eine andere Welt von Vorstellungen,
in eine neue Umgebung versetzt wird, in der ihn nichts mehr an den
Gegenstand seines Gefhls erinnert. Das ganze Gefhlsleben aber kann nur
dann ein gesundes bleiben, wenn es von dem Willen in Zucht genommen
wird, der ebenso ein Aufgehen im Gefhl auf Kosten der Tatkraft, wie
eine Vernachlssigung des Gefhls zu Gunsten des blo verstandesmigen
Strebens verhindert.

3. Der _Wille_ ist ohne Vorstellungen und Gefhle nicht denkbar. Er
bedarf eines Zieles, auf dessen Verwirklichung er gerichtet ist. Dieses
Ziel knnte dem Wollenden aber gleichgltig sein, wenn nicht die
Erreichung desselben durch Verknpfung mit _Lustgefhlen_ einen gewissen
Wert fr ihn htte. Ferner wre es nicht mglich, einen Zweck zu
erreichen, ohne eine _Erkenntnis_ der Mittel dazu, die vom Verstand
ausgehen mu. Soll endlich die Reihe der Willensakte nicht einen
planlosen Wechsel darstellen, sondern eine gewisse gleichmige
Folgerichtigkeit, so sind bestimmte Grundstze ntig, die vom Denken zur
Leitung des Willens aufgestellt werden.

So verschlingen sich die drei Arten geistiger Vorgnge in der
verschiedensten Weise. Und wie an _einem_ Individuum zu verschiedenen
Zeiten das eine Mal das Gefhl, das andre Mal der Gedanke oder der Wille
vorwiegt, so erhalten die _verschiedenen Individuen_ ein eigentmliches
Geprge, je nachdem das Denken, das Fhlen oder das Wollen bei ihnen
vorwiegt, so spricht man von _Verstandesmenschen_, _Gefhlsmenschen_ und
_Mnnern der Tat_. Die hchste Form ist aber immer das _ideale
Gleichgewicht_, die harmonische Ausbildung aller Seiten des menschlichen
Geistes.




Logik.


 30. Die Aufgabe der Logik.

Die Logik ist die _Wissenschaft von den Gesetzen des richtigen Denkens_.
Das Denken ist als Element des geistigen Lebens auch Gegenstand der
Psychologie, aber die Psychologie betrachtet es nur nach seiner
_tatschlichen Wirklichkeit_ und sucht es wie alle andern geistigen
Vorgnge nach seinen allgemeinen Gesetzen zu erklren; das richtige, wie
das unrichtige Denken findet gleichmige Bercksichtigung. Die Logik
hebt aus diesem Stoff der Psychologie dasjenige Denken heraus, das
geeignet ist, dem _Zwecke der Erkenntnis der Wahrheit zu dienen_. Die
Tatsachen des Irrtums und des Streites lehren, da das Denken in der
Verfolgung dieses Zweckes auf Abwege geraten kann; es fragt sich daher,
wie das richtige Denken beschaffen ist, das zum Ziele fhrt.

Wenn wir diese Frage beantworten sollen, mssen wir ein Mittel haben,
_das richtige Denken vom unrichtigen zu unterscheiden_. Das
nchstliegende wre, als richtiges Denken dasjenige zu bezeichnen,
dessen Resultate _mit der Wirklichkeit bereinstimmen_. Dem steht aber
der Einwand gegenber, der vom Standpunkte der Logik aus nicht widerlegt
werden kann, da die ganze wirkliche Welt nur in der Vorstellung
vorhanden ist (vgl.  3). Jedenfalls knnen wir einen Vergleich
zwischen dem Gedachten und der Wirklichkeit nur anstellen, indem wir
auch diese Wirklichkeit denkend erfassen; wir kommen also ber den Kreis
des Gedachten nicht hinaus, um es mit einer davon unabhngigen
Wirklichkeit vergleichen zu knnen. Ebensowenig knnen wir die
Richtigkeit des Denkens von der _Anerkennung der andern denkenden Wesen_
abhngig machen; die Allgemeingltigkeit des Gedachten ist teils nicht
vorhanden, teils zu unsicher, um als Mastab fr seine Richtigkeit
gelten zu knnen.

Und doch haben wir ein _unmittelbares Bewutsein davon_, was richtiges
Denken ist. Es ist einfache psychologische Tatsache, da wir das
richtige Denken von dem unrichtigen ohne weiteres unterscheiden; wir
finden in uns eine innere Ntigung, gerade so und nicht anders zu
denken, und wir nehmen an, da auch andere ebenso denken mssen. Die
Logik mu sich also darauf beschrnken, die Bedingungen darzustellen,
unter denen dieses _notwendige_ und _allgemeingltige Denken_ zustande
kommt. Damit ist ihre Aufgabe nach zwei Seiten abgegrenzt. Sie sieht ab
_von dem einzelnen Wissensstoff selbst_ und zeigt nur, wie man von
gegebenen Voraussetzungen aus, deren Wahrheit sie nicht zu prfen hat,
durch das Denken zu einer Erkenntnis gelangen kann, und sie
unterscheidet sich von der _Erkenntnistheorie_ dadurch, da sie das
Denken nicht daraufhin betrachtet, ob es zur Erkenntnis einer von ihm
unabhngigen Welt fhren kann, sondern fr sich allein nach seinen
eigenen Gesetzen.

Aus der geschilderten Aufgabe der Logik geht auch hervor, da die Logik
_nicht die Kunst des Denkens lehren kann_, so wenig als die Poetik die
Kunst des Dichtens lehrt. Aber es lt sich doch nicht behaupten, da
die Kunst des Denkens berhaupt unabhngig wre von der Kenntnis der
logischen Gesetze. Die Fhigkeit richtig zu denken ist dem Menschen
angeboren, aber es gilt auch hier, da es _besser ist, wenn er die
Grundstze seines Verfahrens kennt, als wenn er sie nicht kennt_. Denn
wie nur der eine Sprache ganz beherrscht, der auch ihre Grammatik kennt,
so versteht nur der die Gesetze des Denkens mit voller Sicherheit zu
handhaben, der sich ihrer auch bewut ist. Geradezu unentbehrlich ist
diese Kenntnis, wenn es sich darum handelt, Fehler nachzuweisen oder
besonders schwierige Fragen zu lsen, so besonders in der Philosophie
und berall, wo die Gewinnung eines Resultates von der Befolgung einer
klaren, sicheren Methode abhngig ist.

Die Logik beschftigt sich teils mit den _Elementen_ des Denkens, den
_Begriffen, Urteilen und Schlssen_, teils mit der Art, wie diese
Elemente in Beziehung zu einander gesetzt werden, um die _Wissenschaft
als ein zusammenhngendes Ganzes_ zu erzeugen. Die Form des
wissenschaftlichen Verfahrens heit Methode. So kann man die Logik
einteilen in eine _Elementarlehre_ und eine _Methodenlehre_.


I. Teil. Elementarlehre.


1. Die Begriffe.


 31. Der Begriff und seine Merkmale.

_Der Begriff ist die durch ein Wort reprsentierte Einheit aller in
einer Gemeinvorstellung gedachten wesentlichen Merkmale_ (s. o. 
13). Er entsteht durch Abstraktion von den ungleichartigen Merkmalen
und Reflexion auf die gleichartigen. Was im Begriff gedacht wird,
gilt als das Wesen der Gegenstnde, die unter ihn fallen, und so
nennt man diejenigen Merkmale, ohne welche der Begriff nicht gedacht
werden kann, _wesentliche_, und diejenigen, die auch fehlen knnen,
_auerwesentliche_ oder _zufllige_. So sind wesentliche Merkmale
des Begriffs Mensch: Vernunft, Sprache, aufrechter Gang;
auerwesentliche: Schnheit, Gelehrsamkeit, Bosheit. Es scheint wohl
gleichartige Merkmale zu geben, die nicht wesentlich sind, die in
keinem inneren Zusammenhang zum Wesen des betreffenden Gegenstandes
stehen. Dies ist aber nur auf einer unvollkommenen Stufe der
Erkenntnis mglich; der Fortschritt der Wissenschaft mu entweder
die Gleichartigkeit auf einen inneren Wesenszusammenhang
zurckfhren oder als eine nur scheinbare nachweisen. In der
Mathematik gibt es kein gleichartiges Merkmal, das nicht zugleich
wesentlich ist; z. B. der Begriff des gleichseitigen Dreiecks
schliet die Gleichheit der Winkel nicht unmittelbar in sich, kann
aber doch nicht ohne dieses Merkmal gedacht werden.

Die _wesentlichen_ Merkmale eines Begriffs werden auch eingeteilt in
_eigentmliche_ (%notae propriae%), welche denselben _ausschlielich_
eigen sind, und _gemeinsame_ (%n. communes%), welche auch andern Begriffen
zukommen, ferner in _ursprngliche_ und _abgeleitete_ Merkmale. Ein
ursprngliches Merkmal des Parallelogramms ist die Parallelitt der
Gegenseiten, von diesem abgeleitet: die Gleichheit derselben.

Die Reihe von Individualvorstellungen, aus welchen der Begriff gebildet
wird, mu nicht notwendig von verschiedenen Individuen herrhren,
sondern sie kann auch auf _dasselbe Individuum_ zu verschiedenen Zeiten
sich beziehen, und dann erhalten wir den _Individualbegriff_. So machen
wir uns besonders von menschlichen Individuen Individualbegriffen,
indem wir die verschiedenen Individualvorstellungen, die wir von ihnen
aus verschiedenen Zeiten haben, zu einem Begriff zusammenfassen.


 32. Inhalt und Umfang des Begriffs.

An jedem Begriff wird unterschieden: der _Inhalt_, d. h. die Gesamtheit
der darin gedachten Merkmale, und der _Umfang_, d. h. die Summe der
Gegenstnde oder Vorstellungen, die in sein Gebiet fallen. So bilden den
Inhalt des Begriffs Parallelogramm: die Merkmale Viereck und
Parallelitt der Gegenseiten, den Umfang desselben: die Quadrate,
Rechtecke, Rhomben und Rhomboide; den Inhalt des Begriffs Tier:
organisches Wesen, Empfindung, freie Bewegung, den Umfang: Sugetiere,
Vgel, Amphibien, Fische, Wrmer u. s. w.

Werden in den Begriff neben den wesentlichen noch zufllige Merkmale
aufgenommen, so wird der Umfang desselben zu klein, der Begriff ist _zu
eng_. Wenn nicht alle wesentlichen Merkmale aufgenommen werden, so wird
der Umfang zu gro, d. h. der Begriff ist _zu weit_. Der Begriff
Parallelogramm wird zu eng, wenn er das Merkmal gleichseitig erhlt,
denn aus seinem Gebiet werden dadurch das Rechteck und das Rhomboid
ausgeschlossen; er wird zu weit, wenn das wesentliche Merkmal:
Parallelitt der Gegenseiten weggelassen wird, denn dann fllt er mit
dem Begriff des Vierecks zusammen.

_Je grer der Inhalt eines Begriffes, desto kleiner der Umfang, und je
grer der Umfang, desto kleiner der Inhalt._ Begriffsumfang und
Begriffsinhalt stehen also ihrer Gre nach in umgekehrtem Verhltnis
zueinander. So ist der Umfang des Begriffs Geld grer als der Umfang
des Begriffs Silbergeld, denn er umfat auch das Kupfergeld, Goldgeld
und Papiergeld, dagegen sein Inhalt ist kleiner, nmlich um das Merkmal
Silber. Der Umfang eines Begriffs wird also durch Hinzufgung von
Merkmalen beschrnkt (Determination), durch Weglassung von Merkmalen
erweitert (Abstraktion).


 33. Klarheit und Deutlichkeit der Begriffe.

Von dem Grade der Einsicht in den Inhalt und Umfang des Begriffs hngt
die Klarheit und Deutlichkeit desselben ab. Ein Begriff ist _klar_, wenn
man das, was zu seinem Umfang gehrt, genau von dem unterscheiden kann,
was in den Umfang anderer Begriffe fllt, so da keine Verwechslung
mglich ist. So ist der Begriff Logik klar, wenn man ihn von
Psychologie, Erkenntnistheorie, Metaphysik genau unterscheiden kann. Ein
Begriff ist _deutlich_, wenn die Merkmale, die seinen Inhalt bilden, fr
sich klar sind. So hat derjenige einen deutlichen Begriff der Logik, der
von der Wissenschaft berhaupt und von den Gesetzen des Denkens eine
klare Vorstellung hat.


 34. Die Arten der Begriffe.

Nach dem Inhalt unterscheidet man _einfache_ und _zusammengesetzte_
Begriffe, je nachdem dieselben nur ein einziges oder mehrere Merkmale
enthalten. Einfache Begriffe sind: Etwas, Sein, Punkt, Raum;
zusammengesetzte: Lwe, Sechseck, Urteil.

Nach dem Verhltnis des Umfangs der Begriffe unterscheidet man
_untergeordnete_ (subordinierte), _bergeordnete_ (superordinierte) und
_nebengeordnete_ (koordinierte) Begriffe. Denjenigen Begriff, der
unmittelbar aus Individualvorstellungen entstanden ist, nennt man
_Artbegriff_, z. B. den Begriff Nachtigall; denjenigen, der selbst wieder
aus Artbegriffen entstanden ist und deshalb die Individualvorstellungen
nur mittelbar in sich befat, den _Gattungsbegriff_, z. B. Singvogel. Der
Gattungsbegriff heit auch der _hhere_ oder _weitere_ und der
Artbegriff der _niedere_ oder _engere_ Begriff. Aus Gattungsbegriffen
knnen wieder andere hhere Gattungsbegriffe gebildet werden, so fllt
der Begriff Singvogel unter die hheren Gattungsbegriffe: Vogel, Tier,
organisches Geschpf, Krper, von denen jeder wieder einen weiteren
Umfang hat, als der vorhergehende, so da ein Gattungsbegriff im
Verhltnis zum folgenden hheren immer wieder als Artbegriff betrachtet
werden knnte; doch wird diese Stufenleiter von Art- und
Gattungsbegriffen hufig durch besondere Ausdrcke bezeichnet, wo dann
auch Art und Gattung ihre ganz bestimmte Stelle haben. So konstruiert
besonders die Naturwissenschaft von oben nach unten folgendes Schema:
Reich, Kreis, Gruppe, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art,
Individuum.

Begriffe, die demselben nchsthheren Gattungsbegriff untergeordnet
sind, stehen im Verhltnis der _Beiordnung_ oder Koordination, z. B.
Frhling, Sommer, Herbst, Winter, innerhalb der Gattung Jahreszeiten. Da
die beigeordneten Begriffe sich ausschlieen, so stehen sie in einem
gewissen _Gegensatz_ und zwar im _kontradiktorischen_ Gegensatz
(Widerspruch), wenn es _nur zwei Begriffe sind_, die miteinander den
Umfang des hheren Begriffs ausfllen, so da der eine geradezu die
Verneinung des anderen ist, z. B. Mensch und Nichtmensch, zeitlich und
ewig, Bewegung und Ruhe, schuldig und unschuldig; im _kontrren_
Gegensatz (Widerstreit), wenn es _mehrere Begriffe_ sind, so da sie
sich zwar auch gegenseitig ausschlieen, aber mit anderen Begriffen
sich in den Umfang des hheren Begriffes teilen. Was sich nicht bewegt,
ruht; daraus aber, da es nicht Frhling ist, folgt nicht, da es Sommer
sein mu, es kann auch Herbst oder Winter sein, nur keines von beiden
zugleich.

Zwei Begriffe sind _identische_ oder _Wechselbegriffe_, wenn sie nach
Inhalt und Umfang sich decken, z. B. der Begriff eines gleichseitigen und
der eines gleichwinkligen Dreiecks, Aristoteles und der Begrnder der
Logik. Der Unterschied besteht dann nur im sprachlichen Ausdruck, der
nur je nach dem Zusammenhang eine der Seiten des Begriffes besonders
hervorhebt. Zwei Begriffe _kreuzen sich_, wenn sie nur einen Teil ihres
Umfanges gemeinsam haben, z. B. Neger und Sklaven; sie sind _einstimmig_,
wenn sie an demselben Gegenstand vorkommen knnen, z. B. rechtwinklig und
gleichseitig an dem Begriff Quadrat. _Disparate_ Begriffe nennt man
diejenigen, welche berhaupt nicht im Umfang eines beiden gemeinsamen
hheren Begriffs untergebracht werden knnen, z. B. Dreieck und
Tapferkeit.


2. Die Urteile.


 35. Das Wesen des Urteils.

_Das Urteil ist der Akt der Ineinssetzung oder Trennung zweier Begriffe,
der mit dem Bewutsein seiner Allgemeingltigkeit vollzogen wird._ Die
sprachliche Form des Urteils ist der _Aussagesatz_. In jedem Urteil wird
etwas von etwas ausgesagt. Das, wovon etwas ausgesagt wird, ist das
_Subjekt_ und das, was ausgesagt wird, das _Prdikat_. Die Ineinssetzung
beider wird durch die _Kopula_ vermittelt. Sprachlich wird die Kopula
ausgedrckt durch die Flexionsendung des Verbums. In dem Urteil: das
Eisen glht, ist Eisen der Subjektsbegriff, glhen der Prdikatsbegriff
und die Flexionsendung t das Mittel, die Beziehung zwischen Subjekt und
Prdikat darzustellen. Auch wo das Verbum _sein als Kopula_ verwendet
wird, sagt es nicht zugleich die Existenz des Subjekts aus
(Existentialurteil), sondern dient nur als Trger der Flexionsendung,
die das Subjekt mit dem Prdikat verknpfen soll, z. B. der Pegasus ist
geflgelt.


 36. Die traditionelle Einteilung der Urteile.

Die herkmmliche Einteilung der Urteile, die in ihren Grundzgen von
Kant aufgestellt wurde, ist die nach den 4 Gesichtspunkten, die bei
jedem Urteil in Betracht kommen sollen, nach der _Quantitt_,
_Qualitt_, _Relation_ und _Modalitt_.


1. Die Quantitt.

Nach der Quantitt unterscheidet man 1. _allgemeine_ Urteile, wo das
Prdikat von dem ganzen Umfang des Subjekts gilt: alle S sind P; alle
Menschen sind sterblich; 2. _besondere oder partikulre_ Urteile, wo das
Prdikat nur von einem Teil des Umfangs des Subjekts gilt: einige S sind
P; einige Knige waren Philosophen; und 3. _einzelne oder individuelle_
Urteile, wo das Prdikat von einem einzelnen Individuum gilt: S ist P;
Bismarck ist ein groer Mann.

Soll diese Einteilung festgehalten werden, so bedarf sie jedenfalls der
_Ergnzung_. Es wurde mit Recht angefhrt, das _individuelle_ Urteil
knne auch als allgemeines betrachtet werden, da auch bei ihm das
Prdikat vom ganzen Umfang des Subjekts gelte. Doch ist dieser Fall,
da das Prdikat, wenn auch vom ganzen Umfang des Subjekts, so doch nur
von einem Individuum gilt, eigenartig genug, um als solcher eine
besondere Art zu begrnden. Das _partikulre_ Urteil kann als
selbstndiges nur festgehalten werden, wenn es nher bestimmt wird, so
da es entweder lautet: _nur_ einige S sind P, oder: _mindestens_ einige
S sind P. Das ganz unbestimmte partikulre Urteil: einige Menschen sind
sterblich, ist wertlos; nur wenn es entweder das entsprechende allgemein
vorbereitet, z. B.: (mindestens) einige Fixsterne haben eigene Bewegung,
oder ein allgemeines verneint, z. B.: (nur) einige Planeten haben Monde,
hat es selbstndige Berechtigung. Beim _allgemeinen_ Urteil mu
unterschieden werden zwischen dem empirisch allgemeinen und dem
unbedingt allgemeinen. Beim _empirisch allgemeinen_ beruht die
Behauptung, da das Prdikat in allen Subjekten vorkommt, auf Erfahrung
und Zhlung, z. B. in dem Urteil: alle Geladenen sind gekommen, auf
einer Vergleichung der Zahl der Gekommenen mit der Zahl der Geladenen.
Beim _unbedingt allgemeinen_ Urteil wird das Prdikat auf Grund eines
Wesenszusammenhanges im voraus auch von denjenigen Subjekten ausgesagt,
an denen es noch nicht beobachtet wurde, z. B.: alle Rechtecke haben
gleiche Diagonalen.


2. Die Qualitt.

Nach der Qualitt werden die Urteile eingeteilt in 1. _bejahende_ oder
affirmative, wo Subjekt und Prdikat in eins gesetzt werden: S ist P; 2.
_verneinende_ oder negative, wo Subjekt und Prdikat getrennt werden; 3.
_unendliche_ oder limitierende, wo das Subjekt mit einem verneinten
Prdikat verknpft wird: S ist Nicht P.

Diese letztere Form kann jedoch nicht als eine besondere gelten, sie
fllt vielmehr mit dem verneinenden Urteil zusammen. _Unendlich_ werden
diese _Urteile_ genannt, weil z. B. in dem Urteil: dieser Mensch ist
nichtschuldig, dem Subjekt die unendliche Anzahl aller mglichen
Prdikate, mit Ausnahme des einen: schuldig, beigelegt wird. Dieses
unendliche Prdikat ist aber nicht vorstellbar und wird auch tatschlich
nie vorzustellen versucht. Man denkt sich unter dem Nichtschuldig nicht
alle mglichen Prdikate, z. B. blau, sechseckig, gasfrmig, vielmehr
ist auch hier die Absicht immer nur, das entsprechende bejahende Urteil
zu verneinen.

Aus der Kombination der Einteilungen nach Quantitt und Qualitt ergeben
sich _vier Arten von Urteilen_, die in der Logik durch die 4 Buchstaben
a e i o bezeichnet werden: 1. das allgemein bejahende: alle S sind P
(a); 2. das allgemein verneinende: kein S ist P (e); 3. das partikulr
bejahende: einige S sind P (i); 4. das partikulr verneinende: einige S
sind nicht P (o). Die Buchstaben sind den Wrtern %affirmo% (ich bejahe)
und %nego% (ich verneine) entnommen.


3. Die Relation.

Nach der Relation, d. h. nach der Art der Beziehung zwischen Subjekt und
Prdikat unterscheidet man 1. _kategorische_ Urteile, die eine einfache
Aussage enthalten: S ist P; 2. _hypothetische_ Urteile, die nur bedingt
etwas aussagen: wenn X ist, so ist S P; wenn das Glas gerieben wird, so
entwickelt sich Elektrizitt; 3. das _disjunktive_ Urteil, welches
aussagt, da dem Subjekt von mehreren sich ausschlieenden Prdikaten
jedenfalls eines zukomme: S ist entweder P oder Q oder R; Dreiecke sind
entweder spitzwinklig oder rechtwinklig oder stumpfwinklig; entweder
die Franzosen oder die Deutschen werden siegen.

Im _hypothetischen_ Urteil sind also an die Stelle des Subjekts und des
Prdikats zwei Stze getreten, die in das Verhltnis von _Grund und
Folge_ zueinander gesetzt werden. Es wird in dem obigen Beispiel weder
behauptet, da in einem bestimmten Augenblick das Glas gerieben wird,
noch da sich Elektrizitt entwickelt, sondern es sind zwei als
_Hypothesen_ aufgestellte Stze, von denen nur behauptet wird, da die
Gltigkeit des einen die notwendige Folge der Gltigkeit des anderen
sei. Die _Negation_ kann beim hypothetischen Urteil in vierfacher Weise
auftreten, je nachdem Vordersatz oder Nachsatz oder beide oder endlich
die notwendige Folge selbst verneint werden. Beispiele: 1. Wenn der
Himmel bewlkt ist, fllt kein Tau. 2. Wenn eine Linie nicht krumm ist,
so ist sie gerade. 3. Wenn ein Dreieck nicht gleichseitig ist, so ist es
auch nicht gleichwinklig. 4. Wenn ein Parallelogramm rechtwinklig ist,
so ist es darum nicht notwendig ein Quadrat.

Zum _disjunktiven_ Urteil gehrt eigentlich eine _Reihe mglicher
Stze_, die sich gegenseitig ausschlieen, und die zusammen den Umfang
des Subjekts- oder Prdikatsbegriffs erschpfen: S ist P, S ist Q, S ist
R, die also bei zwei Gliedern im _kontradiktorischen_, bei mehr Gliedern
im _kontrren_ Gegensatze stehen.


4. Die Modalitt.

Nach der Modalitt werden die Urteile eingeteilt in 1. _problematische_,
wo die Verknpfung oder Trennung von Subjekt und Prdikat nur als
Vermutung hingestellt wird: S kann P sein; 2. _assertorische_, deren
Gltigkeit schlechthin behauptet wird: S ist P; 3. _apodiktische_,
deren Gltigkeit als notwendig hingestellt wird: S mu P sein.

Das problematische Urteil leidet in dieser Form an einer gewissen
Zweideutigkeit. S kann P sein, drckt sowohl die _subjektive
Ungewiheit_ aus: der See ist vielleicht gefroren, die Erscheinung des
Lichtes beruht vielleicht auf therschwingungen, als auch die _objektive
Mglichkeit_: Wasser kann gefrieren. Das letztere Urteil enthlt nichts
Problematisches, denn es spricht dem Wasser mit Bestimmtheit eine
Eigenschaft zu, die unter _gewissen Bedingungen_ mit Sicherheit
eintritt. Dagegen ist das Urteil ber die Erklrung der Erscheinung des
Lichtes ein wirklich problematisches, fr das aber doch derjenige, der
es als Hypothese ausspricht, bei dem jeweiligen Stand der Wissenschaft
Allgemeingltigkeit beansprucht. Nur der _Unterschied zwischen
assertorischem und apodiktischem Urteil_ fllt dahin, da jedes Urteil,
also auch das assertorische, mit dem Bewutsein seiner Notwendigkeit
vollzogen wird.


 37. Die zusammengesetzten Urteile.

Im Anschlu an den grammatikalischen Unterschied zwischen einfachen und
zusammengesetzten Stzen wurde in der Logik zwischen _einfachen_
Urteilen, die nur aus Subjekt, Prdikat und Kopula bestehen, und
_zusammengesetzten_ Urteilen, die mehrere einfache in sich schlieen,
unterschieden.

Zu den zusammengesetzten Urteilen werden dann neben den schon genannten
hypothetischen und disjunktiven Urteilen folgende gerechnet:

1. Die _konjunktiven_ Urteile. Von demselben Subjekt werden mehrere
Prdikate bejaht oder verneint.

        { sowohl }   { als  }     { als  }
  S ist {        } P {      } P^1 {      } P^2.
        { weder  }   { noch }     { noch }

2. Die _kopulativen_ Urteile. Von mehreren Subjekten wird dasselbe
Prdikat bejaht oder verneint.

  Sowohl }     { als  }     { als  }
         } S^1 {      } S^2 {      } S^3 ist P.
  Weder  }     { noch }     { noch }

3. Die _divisiven_ Urteile. Dem Gattungsbegriff werden die seinen ganzen
Umfang erschpfenden Artbegriffe als Prdikate beigelegt. S ist teils P
teils P^1 teils P^2. Das divisive Urteil steht in naher _Beziehung zum
disjunktiven_. Viele disjunktive Urteile lassen sich auch divisiv
ausdrcken, z. B. das disjunktive Urteil: die Linien sind entweder
gerade oder krumm, lautet divisiv: die Linien sind teils gerade, teils
krumm. Doch scheiden sie sich schon bei genauerem sprachlichen Ausdruck
voneinander. Beim disjunktiven Urteil sind es einzelne Subjekte, von
denen die Disjunktion gilt, also genauer: _eine Linie_ ist entweder
gerade oder krumm; beim divisiven Urteil ist es der Subjektsbegriff nach
seinem ganzen Umfang, der in seine Teile zerlegt wird: _die_ Linien
(berhaupt) sind teils gerade, teils krumm. Andere disjunktive Urteile,
welche den Prdikatsbegriff in seine Unterschiede entwickeln, lassen
sich gar nicht in divisive verwandeln; z. B.: die Welt ist entweder von
Ewigkeit her oder geworden.

Die _hypothetischen_ und _disjunktiven_ Urteile werden jedoch nicht mit
dem gleichen Recht, wie die konjunktiven, kopulativen und disjunktiven,
zusammengesetzte Urteile genannt. Sie bestehen nicht aus selbstndigen
Urteilen, sondern nur aus _hypothetischen Stzen_, die fr sich allein
keine allgemeine Gltigkeit beanspruchen. Man sah deshalb mit Recht auch
bei der Annahme von zusammengesetzten Urteilen die hypothetischen als
einfache an und sprach von zusammengesetzten hypothetischen Urteilen,
wenn dieselben mehrere Vorderstze oder mehrere Nachstze oder beides
besitzen.

Nach einer anderen Richtung erheben sich Bedenken, wenn man das
konjunktive, kopulative oder divisive Urteil als ein _zusammengesetztes
Urteil_ bezeichnen will; denn es sind eigentlich _verschiedene
selbstndige_ Urteile, deren Beziehung nur durch die Partikeln einen
kurzen sprachlichen Ausdruck findet. Von einem zusammengesetzten Urteil
in diesem Sinn zu reden, wre also ungefhr dasselbe, wie wenn man eine
Strae ein zusammengesetztes Haus nennen wollte (Mill). Es mten dann
neben den genannten Urteilen noch die zusammengesetzten _Stze mit wenn,
obgleich, aber_ u. s. w. als zusammengesetzte Urteile aufgefhrt werden;
alle diese Satzverbindungen begrnden jedoch keine neuen Arten der
Urteilsfunktion selbst gegenber dem einfachen Urteil. Es empfiehlt sich
daher berhaupt nicht, von einem zusammengesetzten Urteil zu sprechen,
sondern nur von einer _Zusammensetzung von Urteilen_; denn die Urteile,
die so bezeichnet werden knnten, bestehen teils nicht aus wirklichen
Urteilen, wie die hypothetischen und disjunktiven, teils nur aus einer
sprachlichen Verbindung selbstndiger Urteile.

Es wird sich demnach die alte Kategorie der Relation aufrecht erhalten
lassen; denn neben der einfachen Ineinssetzung oder Trennung bildet das
_Verhltnis von Grund und Folge und das der Disjunktion eine
eigentmliche Art der Beziehung_ zwischen den an Stelle des Subjekts und
Prdikats tretenden Stzen.


 38. bersicht der Urteilsarten.

Die Betrachtung der Urteile nach Quantitt, Qualitt, Relation und
Modalitt hat ergeben, da die traditionelle Einteilung im einzelnen
verschiedene Mngel hat, da aber die damit aufgestellten
Einteilungsgrnde in der Hauptsache festgehalten werden knnen. Der
allgemeine _Akt des Urteilens selbst_ ist allerdings berall derselbe
(Sigwart), berall wird ein Subjekt mit einem Prdikat in eins gesetzt
oder von ihm getrennt und fr diesen Akt Allgemeingltigkeit in Anspruch
genommen, aber _die Urteile erleiden Modifikationen je nach der
Beschaffenheit der Subjekte, der Prdikate und der Kopula_. Die
verschiedenen Arten dieser Bestandteile des Urteils haben immer einen
wesentlichen Einflu auf das Urteil selbst, und so bietet sich als
einfachste _Einteilung die nach den Subjekts-, den Prdikats- und den
Beziehungsformen_ (so Wundt, von dem jedoch die Auffassung und
Ausfhrung der folgenden Einteilung abweicht); danach wrde sich
ungefhr folgende Einteilung der Urteile ergeben:


I. Nach den Subjektsformen.

1. In Beziehung auf die _Zeit der Gltigkeit_ der Urteile:

     a) _Erzhlende_ Urteile. Dem Subjektsbegriff liegt eine
     Individualvorstellung zu Grunde, die als solche einer bestimmten
     Zeit angehrt. Das Urteil selbst ist daher _nur fr einen
     bestimmten Zeitabschnitt gltig_, z. B.: diese Blume ist schn.

     b) _Erklrende_ Urteile. Dem Subjektsbegriff liegt eine
     Gemeinvorstellung zu Grunde, die als solche an keinen bestimmten
     Zeitabschnitt gebunden ist. Das Urteil selbst _bezieht sich_
     deshalb _auf keinen einzelnen Zeitpunkt_, z. B.: das Gold ist gelb.

2. In Beziehung auf den _Umfang ihrer Gltigkeit_ (Quantitt):

     a) _Urteile mit Impersonalien._ Das Subjekt ist ein unpersnliches
     Frwort. Das Urteil gibt nur der unmittelbaren sinnlichen
     Wahrnehmung als solcher Ausdruck, das Frwort ist nur der
     sprachliche Ersatz eines Subjektes, der als leere Form
     gewohnheitsmig hinzugefgt wird, z. B.: es blitzt, es regnet.
     Daher ist auch der _Umfang der Gltigkeit des Urteils unbestimmt_.

     b) _Individuelle Urteile._ Der Umfang der Gltigkeit des Urteils
     _beschrnkt sich auf den Individualbegriff_, der das Subjekt
     bildet, z. B.: Csar hat gesiegt.

     c) _Partikulre Urteile._ Das Subjekt steht in unbestimmter
     Mehrzahl. Das Urteil gilt zunchst nur _fr einen Teil des Umfangs
     des Subjektsbegriffs_:

      mindestens }
                 } einige S sind P.
         nur     }

     d) _Allgemeine Urteile._ Das Subjekt umfat alle Individuen, die
     unter einen bestimmten Begriff fallen, und zwar entweder auf Grund
     der Erfahrung (_empirisch allgemein_) oder auf Grund eines
     Wesenszusammenhangs (_unbedingt allgemein_) (s. S. 76). Bei dem
     letzteren wird die Allgemeinheit statt durch: alle, jeder, keiner,
     auch durch den einfachen Singular des Gattungsbegriffs ausgedrckt,
     z. B.: das Tier hat Empfindung.


II. Nach den Prdikatsformen.

Je nach den Vorstellungen, die dem Prdikatsbegriff zu Grunde liegen,
wechselt die Art der Anknpfung des Prdikats an das Subjekt, die bejaht
oder verneint wird. Es lassen sich _fnf Hauptarten von Vorstellungen_
unterscheiden, die auch von der Sprache durch verschiedene Wortformen
gekennzeichnet sind: die Vorstellungen von _Dingen_, von deren
_Ttigkeiten_ und _Eigenschaften_, von den _Modifikationen_ der
Ttigkeiten oder Eigenschaften und von den _Beziehungen_ zwischen den
Dingen. Diesen Vorstellungsarten entsprechen die Wortformen:
Substantiva, Verba, Adjektiva, Adverbia, Partikeln.

Danach ergeben sich _fnf Prdikatsformen_, welche die Urteilsfunktion
selbst modifizieren.

1. _Subsumtionsurteile._ Der Prdikatsbegriff ist ein Gattungsbegriff,
in dessen greren Umfang der Subjektsbegriff fllt, z. B.: dies ist
Eisen, der Walfisch ist ein Sugetier.

2. _Ttigkeitsurteile._ Der Prdikatsbegriff spricht dem Subjekt eine
Ttigkeit zu: die Erde bewegt sich.

3. _Eigenschaftsurteile._ Das Prdikat wird als Eigenschaft dem Subjekt
beigelegt: Schnee ist wei.

4. _Modifikationsurteile._ Die Ttigkeiten und Eigenschaften werden auf
einer hheren Stufe des Denkens _fr sich betrachtet_ und zu _abstrakten
Substantiven_ gemacht. Sie knnen dann selbst verschiedene
_Modifikationen als Prdikate_ erhalten, z. B.: dieses Rot ist schn;
die Bewegung der Brieftaube ist schnell.

5. _Beziehungsurteile._ Das Prdikat sagt eine Beziehung zwischen
verschiedenen Gegenstnden aus, z. B.: die Stadt liegt am Rhein. Hier
ist eine rumliche Beziehung zwischen der Stadt und dem Rhein
ausgesprochen.


III. Nach den Beziehungsformen.

Die Urteile unterscheiden sich durch die Art, wie das Prdikat auf das
Subjekt bezogen wird:

1. _Nach der Gltigkeit oder Ungltigkeit der Beziehung berhaupt_
(Qualitt):

     a) _Bejahende Urteile_: S ist P.

     b) _Verneinende Urteile_: S ist nicht P.

2. _Nach der Art der Beziehung_ (Relation):

     a) Kategorische: S ist P.

     b) Hypothetische: Wenn A gilt, so gilt B.

     c) Disjunktive: A ist entweder B oder C oder D.

3. _Nach der Art der Gltigkeit der Beziehung_ (Modalitt):

     a) Bedingt gltige Urteile: die Vermutung und die Hypothese: A ist
     vielleicht P.

     b) Unbedingt gltige Urteile: S ist P oder mu P sein.

Jedes Urteil lt sich nach diesen verschiedenen Gesichtspunkten
betrachten. So fallen z. B. die Urteile: alle Menschen sind sterblich,
nach I. unter 1. b), 2. d), nach II. unter 3., nach III. unter 1. a),
2. a), 3. b); Hannibal mute entweder siegen oder untergehen, nach I.
unter 1. a), 2. b), nach II. unter 2., nach III. unter 1. a), 2. c),
3. b); zuweilen, wenn der Blitz einschlgt, zndet er, nach I. unter
1. b), 2. c), nach II. unter 2., nach III. unter 1. a), 2. b), 3. b).


3. Die Schlsse.


 39. Die Grundgesetze des Denkens.

Bei dem Schluverfahren werden gewisse einfache Regeln befolgt, die zwar
Grundgesetze des Denkens berhaupt sind, die aber besonders beim
Schlieen hervortreten und deshalb am besten hier behandelt werden.

Es werden gewhnlich _vier Grundgesetze des Denkens_ gezhlt.

1. _Der Grundsatz der Identitt_ (%principium identitatis%) lautet in
seiner ursprnglichen Form: A ist A, _jeder Begriff, jedes Urteil ist
sich selbst gleich_; als dazu gehrig wurde auch der Grundsatz der
_Einstimmigkeit_ aufgestellt: A, welches B ist, ist B, von einem
Begriff kann jedes Merkmal, das er hat, ausgesagt werden.

2. Der _Grundsatz des Widerspruchs_ (%principium contradictionis%)
lautet nach Aristoteles: Es ist unmglich, da dasselbe demselben in
derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme.
_Kontradiktorisch einander entgegengesetzte Urteile: A ist B und A ist
nicht B, knnen nicht beide zugleich wahr sein._ Vielmehr folgt aus
der Wahrheit des einen die Falschheit des andern.

3. _Der Grundsatz des ausgeschlossen Dritten_ (%principium exclusi
tertii%) lautet: _Zwei kontradiktorisch einander entgegengesetzte
Urteile_: A ist B und A ist nicht B, _knnen nicht beide zugleich falsch
sein_, ein drittes Urteil ber dieselbe Beziehung zwischen A und B ist
ausgeschlossen. Aus der Falschheit des einen folgt also die Wahrheit des
andern.

4. Der _Grundsatz des zureichenden Grundes_ (%principium rationis
sufficientis%) lautet: _Jedes Urteil mu einen zureichenden Grund haben._
Die Art, wie dieses Verhltnis von Grund und Folge zum Fortschritt im
Denken bentzt wird, ist noch genauer formuliert in dem Grundgesetz des
logischen Zusammenhangs: _Mit dem Grund ist die Folge gesetzt und mit
der Folge der Grund aufgehoben._

Die wichtigsten dieser Stze sind der Grundsatz des Widerspruchs und der
des zureichenden Grundes. Der _Grundsatz der Identitt_ ist, fr sich
betrachtet, gnzlich _inhaltslos_; er kommt fr das Denken erst in
Betracht, wenn dem Satze: A ist A, der andere gegenbertritt: A ist
nicht A, wenn er also in den Satz des Widerspruchs bergeht. Eine
_psychologische Forderung_ ist allerdings im Satz der Identitt
eingeschlossen, nmlich _die Forderung, dieselbe Vorstellung, denselben
Begriff, dasselbe Urteil immer wieder in demselben Sinn zu fassen_; dies
ist aber eine Voraussetzung fr alles Denken, die nicht erst von der
Logik festzustellen ist. Der _Grundsatz des ausgeschlossenen Dritten_
beruht auf dem Satz des Widerspruchs in Verbindung mit dem Charakter der
Verneinung berhaupt und wird deshalb besser nicht als ein selbstndiger
Satz festgehalten. Die beiden Urteile: A ist B und A ist nicht B, knnen
nicht beide falsch sein; denn nehmen wir an, beide wren falsch, also zu
verneinen, so wrden sich die beiden Stze: A ist nicht B und A ist B,
nebeneinander als wahr ergeben, was durch das Gesetz des Widerspruchs
ausgeschlossen ist.

Von dem _logischen Grund_ der Wahrheit eines Urteils ist zu
unterscheiden der -- ebenfalls jedesmal vorhandene -- _psychologische
Grund_ seiner Gewiheit, die subjektiven Grnde, die den Urteilenden
veranlassen, das Urteil als wahr auszusprechen. Dem logischen Grund oder
_Erkenntnisgrund_ steht ferner gegenber der _Realgrund_ oder die
Ursache im Verhltnis zur Wirkung, die reale Kausalitt. Z. B. das
Sinken der Temperatur kann von uns als Grund bentzt werden, um eine
Folge, z. B. das Fallen der Quecksilbersule des Thermometers, daran zu
knpfen, und die Mehrzahl logischer Grnde beruht auf solcher realer
Kausalitt; aber es gibt auch viele Erkenntnisgrnde, welche nicht
zugleich Realgrnde sind, z. B. alle, welche den Ausgangspunkt fr
mathematische Folgerungen bilden.

So bleiben also als die beiden Grundgesetze des Denkens der _Satz des
Widerspruchs und der Satz des logischen Zusammenhangs von Grund und
Folge_ brig. Durch sie bewegt sich das fortschreitende Denken, indem
es durch Vermeidung des Widerspruchs Einheit, durch allseitige
Begrndung Zusammenhang herzustellen sucht (vgl. S. 7).


A. Der unmittelbare Schlu.


 40. Der Schlu aus einem Begriff.

_Der Schlu ist die Ableitung eines Urteils aus einem oder mehreren
anderen Urteilen_; die Ableitung eines Urteils aus einem andern heit
_unmittelbarer Schlu_, die Ableitung aus mehreren andern _mittelbarer
Schlu_.

Der unmittelbare Schlu wird gewhnlich durch Umformung eines Urteils
gewonnen, er soll aber auch auf analytischem Wege aus einem Begriff
abgeleitet werden knnen.

Dieser _Schlu aus einem Begriff_ berhrt sich nahe mit dem
Unterschied zwischen _analytischen_ und _synthetischen_ Urteilen. Der
vieldeutige Unterschied wird von Kant folgendermaen bestimmt: In
allen Urteilen, worinnen das Verhltnis eines Subjekts zum Prdikat
gedacht wird, ist dieses Verhltnis auf zweierlei Art mglich.
Entweder das Prdikat B gehrt zum Subjekt A als etwas, was in diesem
Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz auer
dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknpfung steht. Im
ersten Falle nenne ich das Urteil analytisch, in dem andern
synthetisch. Analytische Urteile (die bejahenden) sind also
diejenigen, in welchen die Verknpfung des Prdikats mit dem Subjekte
durch Identitt, diejenigen aber, in denen diese Verknpfung ohne
Identitt gedacht wird, sollen synthetische heien. Die ersteren
knnte man auch Erluterungs-, die andern Erweiterungsurteile heien,
weil jene durch das Prdikat nichts zum Begriff des Subjekts
hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe
zerfllen, die in selbigem schon (obgleich verworren) gedacht waren;
dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prdikat
hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine
Zergliederung desselben htte knnen herausgezogen werden. So ist
nach Kant das Urteil: alle Krper sind ausgedehnt, ein analytisches,
denn man drfe den Begriff eines Krpers nur zergliedern, um das
Prdikat darin anzutreffen; das Urteil: alle Krper sind schwer, ein
synthetisches, denn es sei etwas ganz anderes als das, was in dem
bloen Begriff eines Krpers berhaupt gedacht werde. Man knnte also
auf dem einfachen Wege der Analyse des Begriffs Krper das Urteil
gewinnen: alle Krper sind ausgedehnt.

Will man diese Begriffsbestimmung Kants festhalten, so mu sie nach zwei
Seiten berichtigt werden.

1. Kant setzt voraus, da es _Begriffe von allgemein anerkanntem Inhalt
mit gleicher Wortbezeichnung gebe_. In Wirklichkeit knnte dasselbe
Urteil: alle Krper sind schwer, fr den einen ein analytisches, fr den
andern ein synthetisches sein, je nachdem sie das Merkmal der Schwere
schon in ihren Begriff des Krpers aufgenommen oder noch nicht
aufgenommen htten. Es hngt also _von dem Bildungsstande des
Urteilenden und von der Stufe der Wissenschaft ab_, ob ein Urteil ein
analytisches oder ein synthetisches ist. Das analytische Urteil ist dann
nur unter der Voraussetzung richtig, da der Subjektsbegriff richtig
ist, oder mit andern Worten: da die Prdikate, die aus ihm abgeleitet
werden, ihm schon durch wirkliche Urteile zugesprochen wurden; daher ist
wohl auch die Ableitung eines Urteils aus einem Begriffe nicht als eine
besondere Art des Schlusses anzusehen.

2. Kant redet beim analytischen Urteil nur _von Begriffen_, es wird aber
zugegeben werden mssen, da es auch auf dem Gebiete der _Wahrnehmung_
ein analytisches Urteil gibt. Das Urteil: diese Rose ist gelb, gewinne
ich nur durch Analyse meiner unmittelbaren Anschauung der gelben Rose,
die ich vor mir habe. Nur fr denjenigen wre dieses Urteil ein
synthetisches, den ich durch meine Beschreibung der gelben Rose
veranlassen wrde, zu seinem Begriff der Rose das Merkmal gelb, das fr
ihn nicht unmittelbar darin enthalten war, hinzuzufgen.


 41. Die Konversion.

Die Ableitung eines Urteils aus einem andern erfolgt durch _Umformung
des gegebenen Urteils_. Es werden gewhnlich 7 Arten solcher Umformungen
aufgefhrt.

Die erste derselben ist die _Konversion_ (Umkehrung). Sie besteht darin,
da die Glieder des Urteils ihre Stellung wechseln; es wird z. B. im
kategorischen Urteil das Subjekt zum Prdikat und das Prdikat zum
Subjekt, im hypothetischen Urteil der Vordersatz zum Nachsatz und der
Nachsatz zum Vordersatz. Diese Umkehrung geschieht mit oder ohne
Vernderung der Quantitt; im ersten Fall heit sie _unreine_ (%conversio
per accidens%), im zweiten Fall _rein_ (%conversio simplex%).

Fr die einzelnen Formen der Kombination von Quantitt und Qualitt:
allgemein bejahende a, partikulr bejahende i, allgemein verneinende e
und partikulr verneinende o, ergibt sich folgendes:

1. _Aus a wird i_ (unreine Umkehrung). Z. B. der Satz: alle kongruenten
Dreiecke sind auch Dreiecke von gleichem Inhalt, lt nur eine unreine
Umkehrung zu: einige Dreiecke von gleichem Inhalt sind auch kongruent.
_Reine Umkehrung_ ist nur als Ausnahme in dem Fall mglich, wenn der
Umfang des Subjekts- und des Prdikatsbegriffes sich decken; z. B.: alle
gleichseitigen Dreiecke sind auch gleichwinklig. Das Verhltnis der
Begriffe lt sich am besten durch Kreise veranschaulichen. Es zeigt
sich, da der dem Subjektsbegriff S entsprechende Kreis entweder ganz in
den Umfang des Kreises P fllt, wie bei 1., oder da beide Kreise sich
decken, wie bei 2. Daraus ergibt sich, da jedenfalls einige S, unter
Umstnden alle in den Umfang des Kreises P fallen, so da bei 1. nur
unreine, bei 2. reine Umkehrung mglich ist.

[Illustration: a.1.]

2. _Aus_ i _wird_ i (reine Umkehrung). Einige Parallelogramme sind
regelmige Figuren, einige regelmige Figuren sind Parallelogramme. In
dem fr i natrlichen Falle 1. schneiden sich die Kreise, und der beiden
gemeinsame Raum versinnlicht die Mglichkeit der reinen Umkehrung. Der
Kreis P kann aber auch ganz in den Kreis S fallen, wie bei 2., dann ist
die Umkehrung unrein, z. B.: einige Parallelogramme sind Rechtecke, alle
Rechtecke sind Parallelogramme; oder S in sich schlieen, wie bei 3. und
4., wo sich wieder i ergibt.

[Illustration: i.1. 2. 3. 4.]

[Illustration: e.]

3. _Aus_ e _wird_ e (reine Umkehrung). Kein Schuldloser ist unglcklich,
kein Unglcklicher schuldlos. Die beiden Kreise S und P sind
vollstndig getrennt, kein S ist P und kein P S.

4. Aus o _folgt nichts_. Durch das Urteil: einige S sind nicht P, ist
das Verhltnis von S und P zu wenig bestimmt, als da etwas daraus
gefolgert werden knnte. Die Flle 1., 2. und 3. sind alle von o aus
mglich, es lt sich aber kein allen gemeinsames Urteil mit P als
Subjekt daraus ableiten.

[Illustration: o.1. 2. 3.]


 42. Die Kontraposition.

Bei der _Kontraposition_ wechseln die Glieder des Urteils ihre Stellung,
das kontradiktorische Gegenteil des Prdikats wird zum Subjekt und die
Qualitt des Urteils wird verndert.

1. _Aus_ a _wird_ e. Aus: jedes S ist P, folgt: alle NichtP sind nicht S
oder kein NichtP ist S; z. B.: jeder wirklich religise Mensch handelt
auch sittlich; wer nicht sittlich handelt, ist kein wirklich religiser
Mensch. Nach den Figuren  41 fr a ist klar, da, da S ganz in P liegt,
alles, was auerhalb des Kreises P liegt, also NichtP ist, auch
auerhalb des Kreises S liegen mu, also nicht S ist.

2. _Aus_ e _wird_ i. Wenn kein S P ist, so sind mindestens einige NichtP
S, vgl. die Fig.  41 e; denn da S ganz von P getrennt ist, so fllt es
jedenfalls in den Raum auerhalb P, d. h. von NichtP; z. B.: nichts
Gutes ist unschn, einiges nicht Unschne ist gut.

3. _Aus o wird i._ Wenn einige S nicht P sind, so sind mindestens einige
NichtP S. Nach den 3 Figuren  41 o mu jedenfalls ein Teil von S
auerhalb P liegen, also mit einigen NichtP zusammenfallen; z. B.:
einiges Lebende ist nicht beseelt, einiges Unbeseelte ist lebendig.

4. _Aus i folgt nichts._ Durch Kontraposition wrde sich ergeben: einige
NichtP sind nicht S, und dies wrde fr Figur  41. i. 1. 3. 4.
zutreffen, aber bei Fig. 2 ist die Mglichkeit denkbar, da S die
Gesamtheit alles Seienden umfat, dann wre es nicht richtig, da einige
NichtP nicht S sind, denn alle NichtP wren S.


 43. Die Umwandlung der Relation.

Eine dritte Art des unmittelbaren Schlusses beruht auf der _Vernderung
der Relation. Aus dem einfachen kategorischen_ Urteil: alle A sind B,
kann ein hypothetisches abgeleitet werden: wenn etwas A ist, so ist es
B, z. B.: jeder Feigling ist verchtlich; wenn einer ein Feigling ist,
so ist er verchtlich. Aus dem _disjunktiven_ Urteil knnen mehrere
hypothetische abgeleitet werden. Das disjunktive Urteil: A ist entweder
B oder C, schliet die beiden hypothetischen ein: wenn A nicht B ist, so
ist es C, und: wenn A nicht C ist, so ist es B, z. B.: die Menschen
stammen entweder von einem oder von mehreren Paaren ab. Ebenso lassen
sich zusammengehrige _hypothetische_ Urteile in _einem disjunktiven_
aussprechen.


 44. Die Subalternation.

Bei der Subalternation wird daraus, da ein Urteil von dem _ganzen
Umfang_ des Subjektsbegriffes gilt, geschlossen, da es auch _von einem
Teil_ desselben gilt. Dagegen folgt _aus der Verneinung des
partikulren auch die Verneinung des entsprechenden allgemeinen
Urteils_. Es folgt 1. aus der Wahrheit von a die von i, 2. aus der
Unwahrheit von i die von a.


 45. Die quipollenz.

Bei dem unmittelbaren Schlu durch quipollenz wird die Qualitt des
Urteils selbst und die des Prdikats verndert und nach dem Grundsatz:
%Duplex negatio affirmat%, ein mit dem ersten bereinstimmendes Urteil
hergestellt. Aus: alle S sind P, wird: kein S ist ein NichtP, z. B.:
jede Lge ist verwerflich; es gibt keine Lge, die nicht verwerflich
wre.


 46. Die Opposition.

Der unmittelbare Schlu durch Opposition besteht darin, da _aus der
Wahrheit eines Urteils die Unwahrheit seines Gegenteils_ gefolgert wird
_und umgekehrt_. Wie die Begriffe, so knnen auch die Urteile in einem
kontradiktorischen und in einem kontrren Gegensatz stehen. _Im
kontradiktorischen Gegensatz stehen zwei Urteile, von denen das eine
dasselbe bejaht, was das andere verneint_, also: das allgemein bejahende
und das partikulr verneinende, das allgemein verneinende und das
partikulr bejahende. Im _kontrren_ Gegensatz stehen diejenigen
Urteile, von denen zwar nur eines wahr sein kann, die aber weitere
Mglichkeiten brig lassen: das allgemein bejahende und das allgemein
verneinende; denn beide knnen falsch sein, und dann ist noch das
partikulr bejahende und das partikulr verneinende mglich, z. B.
falsch a und e, richtig i: einige Menschen erreichen ein Alter von
hundert Jahren. Daneben wird noch das _subkontrre_ Verhltnis
unterschieden, in welchem das partikulr bejahende und das partikulr
verneinende Urteil zueinander stehen, und das Verhltnis der
_Subalternation_ (vgl.  44) oder Unterordnung, das von solchen Urteilen
gilt, die das von dem ganzen Umfang des Subjektsbegriffes Ausgesagte
auch auf einen Teil desselben beziehen.

Diese Verhltnisse der Urteile lassen sich in folgendem Schema
veranschaulichen:

          A  --     Kontrrer Gegensatz     --   E

          |  \                                /  |
          |   \                              /   |

                K                          z
                 o                        t
                  n                      a
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                     a                e
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          n               o      r               n
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          n             k          G             n
          g            i            e            g
                      d              g
                     a                e
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                  n                      a
                 o                        t
                K                          z

          |   /                              \   |
          |  /                                \  |

          I  --     Subkontrrer Gegensatz   --  O

Der unmittelbare Schlu durch Opposition erfolgt demgem nach folgenden
Regeln:

1. Aus der Wahrheit eines Urteils folgt die Unwahrheit seines
kontradiktorischen Gegenteils.

2. Aus der Unwahrheit eines Urteils die Wahrheit seines
kontradiktorischen Gegenteils.

3. Aus der Wahrheit eines Urteils die Unwahrheit des kontrr
entgegengesetzten.

4. Aus der Unwahrheit eines Urteils die Wahrheit des entsprechenden
subkontrren.


 47. Die modale Konsequenz.

Die _modale Konsequenz_ besteht darin, da die sogenannte Modalitt der
Urteile verndert wird; dann folgt:

1. Aus der Gltigkeit des apodiktischen Urteils die des entsprechenden
assertorischen und des problematischen, und aus der Gltigkeit des
assertorischen die des problematischen Urteils. Z. B.: die Summe der
Winkel eines Dreiecks betrgt notwendig und deshalb immer auch
tatschlich zwei Rechte.

2. Aus der Ungltigkeit des problematischen Urteils die des
assertorischen und apodiktischen, und aus der des assertorischen die des
apodiktischen Urteils. Ist die Vermutung unrichtig, da A B ist, so ist
es auch tatschlich nicht so und mu nicht so sein.


 48. Der Wert der unmittelbaren Schlsse.

Die unmittelbaren Schlsse sind von _ungleichem Werte_. Von geringerer
Bedeutung sind die quipollenz, die Subalternation, die modale
Konsequenz und die Vernderung der Relation, teils weil sie
Selbstverstndliches aussagen, teils weil sie nur sprachliche
Umformungen darstellen. Doch knnen die letzteren, so z. B. durch
Umwandlung der Relation, dazu dienen, den Urteilen _diejenige
sprachliche Form zu geben_, die am meisten ihrem logischen Charakter
entspricht, und so berhaupt den Blick fr die sprachliche Einkleidung
der logischen Formen schrfen.

Wichtiger sind: die Opposition, die Konversion und die Kontraposition.
Die _Opposition_ fhrt zur scharfen Fassung des gegenseitigen
Verhltnisses der Urteile. Die _unreine Konversion_ des allgemein
bejahenden Urteils gibt Aufschlu darber: 1. da Subjekt und Prdikat
nicht notwendig zusammengehren, 2. da sie miteinander vereinbar sind.
Die _reine Konversion_ des allgemein verneinenden Urteils vermittelt die
wichtige Erkenntnis, da zwei Begriffe A und B einander gegenseitig
ausschlieen. Die _Kontraposition_ stellt die negative Seite der
Zusammengehrigkeit zweier Begriffe dar: wenn alle S P sind, so findet
sich berall, wo P sich nicht findet, auch S nicht.

Konversion und Kontraposition des kategorischen Urteils erleiden jedoch
dadurch eine _gewisse Einschrnkung_, da sie Urteile voraussetzen, in
denen das Prdikat auch wirklich Subjekt werden und als der hhere
Begriff gegenber dem Subjektsbegriff angesehen werden kann, wie in dem
Beispiel: alle kongruenten Dreiecke sind auch Dreiecke von gleichem
Inhalt. Dagegen lassen sich alle diese unmittelbaren Schlsse auch _vom
hypothetischen Urteil aus_ vollziehen, und hier gewinnen besonders die
genannten beiden Formen grere Bedeutung. Die unreine Konversion von a:
Wenn A gilt, so gilt B: zuweilen wenn B gilt, gilt A, drckt dann aus,
da aus der Wahrheit der Folge nicht einfach auf die Wahrheit des
Grundes geschlossen werden kann; _die reine Konversion_ von e: Wenn A
nicht gilt, so gilt B nicht, wenn B nicht gilt, so gilt A nicht: da,
wenn mit der Verneinung des Grundes die Verneinung der Folge verknpft
ist, auch das Umgekehrte wahr ist. Die _Kontraposition_ aber: Wenn A
gilt, so gilt B, wenn B nicht gilt, so gilt A nicht, wird zum Ausdruck
des Gesetzes der logischen Notwendigkeit, da mit der Folge der Grund
aufgehoben ist, z. B. das Urteil: Wenn einer durchs Herz geschossen
wird, so stirbt er, gestattet unmittelbar den Schlu aus der
Kontraposition: Wenn einer nicht stirbt, so wurde er nicht durchs Herz
geschossen, aber nicht den durch reine Konversion: Wenn einer stirbt, so
wurde er durchs Herz geschossen; denn die Folge, das Sterben, ist auch
noch an andere Grnde geknpft.


B. Der mittelbare Schlu.


 49. Wesen und Formen des mittelbaren Schlusses.

Der mittelbare Schlu ist entweder ein Schlu _vom Allgemeinen auf das
Besondere_ oder ein Schlu _vom Besonderen auf das Allgemeine_. Im
ersteren Fall heit er _Syllogismus_ im engeren Sinn, im zweiten
_Induktion_.

Der Syllogismus ist ein _einfacher_, wenn er aus zwei Urteilen, ein
_zusammengesetzter_, wenn er aus mehr als zwei Urteilen abgeleitet ist.
Die Urteile, aus denen das neue Urteil abgeleitet wird, heien
_Prmissen_ (%propositiones praemissae%), das abgeleitete Urteil
_Schlusatz_ (%conclusio%). Die Mglichkeit, den Schlusatz aus den
Prmissen abzuleiten, beruht darauf, da die Prmissen einen Begriff
gemeinsam haben, den sogenannten _Mittelbegriff_ (%terminus medius%), der
im Schlusatz nicht mehr vorkommt. Diejenige Prmisse, welche das
Subjekt des Schlusatzes, den _Unterbegriff_ (%terminus minor%), oder das
untergeordnete Satzglied, z. B. beim hypothetischen Urteil den
Vordersatz, enthlt, wird _Untersatz_ (%propositio minor%), diejenige,
welche das Prdikat des Schlusatzes, den _Oberbegriff_ (%terminus major%)
enthlt, _Obersatz_ (%propositio major%) genannt. Alle zusammen bilden die
_Elemente_ des Schlusses (%syllogismi elementa%).

Die Syllogismen werden je nach der Stellung des Mittelbegriffes in
verschiedene _Schlufiguren_ eingeteilt. Es sind _4 Flle der Stellung
des Mittelbegriffs_ mglich. Er ist entweder in beiden Prmissen
Prdikat, oder in beiden Subjekt, oder in der einen Prmisse Subjekt, in
der andern Prdikat; der letztere Fall lt wieder zwei Mglichkeiten
offen, da der Mittelbegriff entweder im Ober- oder im Untersatz Prdikat
und im andern Subjekt sein kann. Bezeichnet man den Subjektsbegriff mit
S, den Prdikatsbegriff mit P und den Mittelbegriff mit M, so lassen
sich die 4 Schlufiguren in folgendem Schema darstellen:

    1. M P    2. P M    3. M P    4. P M
       S M       S M       M S       M S
       ---       ---       ---       ---
       S P       S P       S P       S P

Die drei ersten Figuren wurden schon von Aristoteles aufgestellt, die
vierte von dem Arzt und Philosophen Galenus ([+] 200 n. Chr.); sie wird
daher die galenische genannt.

Innerhalb einer jeden Figur wrden sich nun durch Kombination von
Quantitt und Qualitt der Prmissen nach den Buchstaben a e i o 16
Formen denken lassen, die folgende Tafel darstellt, wobei der erste
Buchstabe auf den Obersatz, der zweite auf den Untersatz sich bezieht.

        a a   e a    i a    o a
        a e  (e e)  (i e)  (o e)
        a i   e i   (i i)  (o i)
        a o  (e o)  (i o)  (o o)

Im ganzen wrden sich also _64 Kombinationsformen der Prmissen oder
Modi_ denken lassen. Von diesen erweist sich aber eine grere Anzahl
als unbrauchbar, teils aus allgemeinen Grnden, die fr alle 4 Figuren
gleichmig gelten, teils weil sie den besonderen Gesetzen der einzelnen
Figuren widersprechen.


 50. Allgemeine Gesetze ber die Erfordernisse der kategorischen
Schlsse.

1. _Aus rein verneinenden Prmissen folgt nichts_ (%ex mere negativis
nihil sequitur%). Es sind drei Flle mglich.

a) _Beide Prmissen sind allgemein verneinend_: e e. Daraus folgt, da
sowohl S als P von dem Mittelbegriff M vollstndig getrennt sind; da
aber durch den Mittelbegriff das gegenseitige Verhltnis von S und P
bestimmt werden soll, so kann unter diesen Umstnden ber dieses
Verhltnis nichts erschlossen werden. Es ergibt sich eine Reihe von
Mglichkeiten, ber die nicht entschieden werden kann, wie die folgende
Veranschaulichung durch Kreise zeigt:

[Illustration: 1. 2. 3. 4. 5.]

b) _Die eine Prmisse ist allgemein, die andere partikulr verneinend_:
e o. ber das Verhltnis von S und P lt sich nichts aussagen, weil die
unbestimmte partikulr verneinende Prmisse neben andern Formen auch
die allgemein verneinende nicht ausschliet, so da die Unsicherheit von
a) nur vermehrt ist.

c) _Beide Prmissen sind partikulr verneinend_: o o. Da das bei b)
Gesagte hier noch mehr gilt, so ist die Unsicherheit eine noch grere.

Durch diese Regel werden 4 Formen beseitigt: ee, eo, oe, oo.

2. _Aus rein partikulren Prmissen folgt nichts_ (%ex mere
particularibus nihil sequitur%).

a) _Beide Prmissen sind partikulr bejahend_: i i. Das Verhltnis der
Begriffe S und P zu M ist zu unbestimmt, als da daraus ber das
Verhltnis von S und P etwas erschlossen werden knnte; vgl. die
folgenden Figuren, die alle i i entsprechen.

[Illustration: 1. 2. 3. 4. 5.]

b) _Eine_ Prmisse ist _partikulr bejahend_, die _andere partikulr
verneinend_: io, oi. Auf Grund der Voraussetzung ergibt sich eine Reihe
von Mglichkeiten, zwischen denen nicht entschieden werden kann; vgl.
die Fig.

[Illustration: 1. 2. 3. 4.]

c) _Beide Prmissen sind partikulr verneinend_: oo. Dieser Fall deckt
sich mit 1. c).

Es fallen also auer oo noch weg: ii, io, oi in jeder Form, also 12
weitere Modi.

3. Aus einem _partikulren Obersatz_ und _einem verneinenden Untersatz_
ergibt sich kein logisch gltiger Schlusatz.

a) Der Obersatz ist _partikulr bejahend_, der Untersatz _allgemein
verneinend_: i e: Einige M sind P. _Kein S ist M._ Aus den unter dieser
Voraussetzung mglichen Kreiskombinationen ergibt sich zwar der
Schlusatz: Einige P sind nicht S; aber wenn der Oberbegriff P als
Subjekt verwendet wird, so sind die Voraussetzungen verndert, der
Schlu ist dann aus einem partikulren Untersatz und einem verneinenden
Obersatz gewonnen worden. Sonst aber ergibt sich kein bestimmtes
Resultat, vgl. Fig.

[Illustration: 1. 2. 3.]

b) Der _Obersatz_ ist _partikulr bejahend_: oe und

c) der _Untersatz_ ist _partikulr verneinend_, sind schon durch 1. und
2. ausgeschlossen.

Durch diese Regel fllt ein neuer Modus weg: i e, so da von den 64 Modi
im ganzen 32 beseitigt wurden, die in der Tafel S. 99 durch Klammern
bezeichnet sind.

Auerdem wurden aber noch verschiedene Modi durch die besonderen Gesetze
der einzelnen Figuren ausgeschlossen. Der _Beweis_ fr die
brigbleibenden Modi wurde von Aristoteles und den Scholastikern durch
Zurckfhrung auf die Modi der ersten Figur gefhrt; deutlicher und
anschaulicher ist der Beweis durch Kreise.


 51. Die erste Figur.

Die erste Figur hat den _Mittelbegriff als Subjekt im Obersatz, als
Prdikat im Untersatz_. Aus ihren Modi sind noch diejenigen
auszuscheiden, 1. deren Obersatz partikulr und 2. deren Untersatz
verneinend ist. Es fallen also noch weg: ia, oa, ae, ao, und es bleiben
nur folgende 4 brig: aa, ea, ai, ei. Von den Scholastikern, zuerst von
Petrus Hispanus ([+] 1277 als Papst Johann XXI.), wurden den einzelnen
Modi Namen gegeben, deren drei Vokale nacheinander die logische Form des
Obersatzes, des Untersatzes und des Schlusatzes bezeichnen. Der erste
Modus der ersten Figur, dessen Prmissen samt dem Schlusatz allgemein
bejahenden Charakter haben, also aaa hie daher %Barbara%. Smtliche Modi
der 4 Figuren wurden in folgenden %Versus memoriales% zusammengefat:

    %Barbara, Celarent primae, Darii Ferioque.
    Cesare, Camestres, Festino, Baroco secundae.
    Tertia grande sonans recitat Darapti, Felapton,
    Disamis, Datisi, Bocardo, Ferison. Quartae
    Sunt Bamalip, Calemes, Dimatis, Fesapo, Fresison.%

1. Barbara

hat die Form

    M a P   Alle Menschen sind sterblich
    S a M   Alle Knige sind Menschen
    ------------------------------------
    S a P   Alle Knige sind sterblich.

[Illustrationen: 1. 2. 3. 4.]

Nach allen diesen 4 Figuren, die den Voraussetzungen dieses Modus
entsprechen, ergibt sich, da der Kreis S innerhalb des Kreises P liegen
oder mit demselben sich decken mu, weil er in den Kreis M fllt, der
selbst von P umschlossen wird oder mit demselben sich deckt.

2. Celarent

    M e P   Kein Mensch ist frei von Irrtum
    S a M   Alle Logiker sind Menschen
    -----   --------------------------------
    S e P   Kein Logiker ist frei von Irrtum.

[Illustrationen: 1. 2.]

Da M ganz von P getrennt ist, so mu auch S, das ganz in M liegt, von P
getrennt sein.

3. Darii

    M a P   Alle Figuren mit gleichen Seiten und Winkeln sind
            regelmige Figuren
    S i M   Einige Dreiecke haben gleiche Seiten und Winkel
    -----   --------------------------------------------------
    S i P   Einige Dreiecke sind regelmige Figuren.

[Illustrationen: 1. 2.]

Kreis M mu ganz in Kreis P liegen; wenn also einige S M sind, so mssen
mindestens diese einige S auch in P liegen.

4. Ferio

    M e P   Nichts Vergngliches hat unbedingten Wert
    S i M   Einige Gter sind vergnglich
    -----   ------------------------------------------
    S o P   Einige Gter haben keinen unbedingten Wert.

[Illustration: 1. 2. 3.]

Da M ganz auerhalb P liegt, so mssen mindestens diejenigen S, die M
sind, ebenfalls auerhalb P liegen.


 52. Die zweite Figur.

Bei der zweiten Figur ist der _Mittelbegriff in beiden Prmissen
Prdikat_. Die beiden Regeln fr diese Figur sind: 1. der Obersatz mu
allgemein und 2. eine der beiden Prmissen mu verneinend sein. Durch 1.
fallen noch ia und oa, durch 2. aa und ai aus, und es bleiben ebenfalls
4 brig: ea, ae, ei, ao.

1. Cesare

    P e M   Die Affekte beruhen nicht auf Vorsatz
    S a M   Die Tugenden beruhen auf Vorsatz
    -----   --------------------------------------
    S e P   Also sind die Tugenden nicht Affekte.

[Illustration: 1. 2.]

Da P ganz von M getrennt ist, so mu auch S, das in M liegt, ganz von P
getrennt sein.

2. Camestres

    P a M   Die Gesamtzahl der zu unserem Sonnensystem
              gehrenden Weltkrper mu die Bahn des
              Uranus vollstndig bestimmen
    S e M   Die bekannten Weltkrper unseres Sonnensystems
              aber bestimmen nicht die Bahn des Uranus
              vollstndig
    -----   ------------------------------------------------
    S e P   Folglich bilden die bekannten Weltkrper unseres
              Sonnensystems nicht die Gesamtzahl aller vorhandenen.

Dieser Schlu des Astronomen Leverrier fhrte zur Entdeckung des Neptun
durch Galle (1846).

Camestres hat hnlichkeit mit %Cesare%, nur S und P haben ihre Rollen
vertauscht. Der Beweis ist daher mit vernderten Zeichen derselbe.

3. Festino

    P e M   Keine wahre Kunst ist blo mechanische Ttigkeit
    S i M   Manche Virtuositt ist blo mechanische Ttigkeit
    -----   -------------------------------------------------
    S o P   Manche Virtuositt ist keine wahre Kunst.

Da M von P getrennt ist, so mssen auch diejenigen S, die in den Kreis M
fallen, von P getrennt sein.

4. Baroco

    P a M   Alle wirklich sittlichen Menschen haben auch die
              rechte Gesinnung
    S o M   Manche, die legal handeln, haben nicht die rechte
              Gesinnung
    -----   ---------------------------------------------------------
    S o P   Manche, die legal handeln, sind keine wirklich sittlichen
              Menschen.

Da P ganz in Kreis M fllt, so knnen diejenigen S, die nicht in Kreis M
fallen, auch nicht in Kreis P fallen.


 53. Die dritte Figur.

Bei der dritten Figur ist der _Mittelbegriff in beiden Prmissen
Subjekt_. Als Regel fr die dritte Figur gilt, da der Untersatz
bejahend sein mu. Es fallen also ae und ao weg, so da 6 Modi brig
bleiben.

1. Darapti

    M a P   Alle Wale sind Sugetiere
    M a S   Alle Wale sind Wassertiere
    -----   ----------------------------------------
    S i P   Also sind einige Wassertiere Sugetiere.

Der Beweis ergibt sich fr diesen und die noch folgenden Modi aus einer
Betrachtung der Kreisverhltnisse nach Analogie der vorangegangenen
Beweise.

2. Felapton

    M e P   Kein Mohammedaner ist ein Christ
    M a S   Alle Mohammedaner sind Monotheisten
    -----   ---------------------------------------
    S o P   Einige Monotheisten sind nicht Christen.

3. Disamis

    M i P   Einige Pronomina der franzsischen Sprache sind
              der Casusflexion fhig
    M a S   Alle franzsischen Pronomina sind Wrter der
              franzsischen Sprache
    -----   ------------------------------------------------
    S i P   Einige Wrter der franzsischen Sprache sind der
              Casusflexion fhig.

4. Datisi

    M a P   Alle strafrechtlich Verurteilten werden geschdigt
    M i S   Einige strafrechtlich Verurteilte sind unschuldig
    -----   ---------------------------------------------------
    S i P   Einige Unschuldige werden geschdigt.

5. Bocardo

    M o P   Einige Amphibien haben keine Fe
    M a S   Alle Amphibien sind Tiere
    -----   ----------------------------------
    S o P   Einige Tiere haben keine Fe.

6. Ferison

    M e P   Kein Mensch ist fehlerlos
    M i S   Einige Menschen sind bewundernswert
    -----   --------------------------------------------
    S o P   Einiges Bewundernswerte ist nicht fehlerlos.


 54. Die vierte Figur.

Der Mittelbegriff ist im Obersatz Prdikat, im Untersatz Subjekt. Als
Regeln fr die vierte Figur gelten: 1. Keine Prmisse darf partikulr
verneinend sein. 2. Ein allgemein bejahender Obersatz darf nicht mit
einem partikulr bejahenden Untersatz zusammentreffen. Es fallen also
noch weg: oa, ao und ai und es bleiben fnf Modi brig.

1. Bamalip

    P a M   Alle schlechten Wrmeleiter sind Mittel, die Wrme
            zu erhalten
    M a S   Alle wollenen Kleider sind schlechte Wrmeleiter
    -----   ---------------------------------------------------
    S i P   Einige von den Mitteln, Wrme zu erhalten, sind
            wollene Kleider.

Die Prmissen sind hier wie bei Calemes und Dimatis im Verhltnis zu
Barbara, Celarent und Darii nur umgestellt.

2. Calemes

    P a M   Alle Rhomboide sind Parallelogramme
    M e S   Kein Parallelogramm ist ein Trapez
    -----   ------------------------------------
    S e P   Kein Trapez ist ein Rhomboid.

3. Dimatis

    P i M   Einiges Angenehme ist verwerflich
    M a S   Alles Verwerfliche ist schdlich
    -----   ----------------------------------
    S i P   Einiges Schdliche ist angenehm.

4. Fesapo

    P e M   Kein bescheidener Mensch ist hochmtig
    M a S   Alle Hochmtigen sind beschrnkt
    -----   --------------------------------------------------
    S o P   Einige beschrnkte Menschen sind nicht bescheiden.

5. Fresison

    P e M   Kein demokratischer Staat hat erbliche Regenten
    M i S   Einige Staaten mit erblichen Regenten sind gut
            regiert
    -----   ----------------------------------------------------
    S o P   Einige gut regierte Staaten sind nicht demokratisch.


 55. Die logische Form des Schlusatzes im Verhltnis zu den Prmissen.

Fr die logische Form des Schlusatzes aller vier Figuren wurde die
Regel aufgestellt: _Der Schlu folgt dem schwcheren Teil_ (%conclusio
sequitur partem debiliorem%). Ist also eine der Prmissen partikulr oder
verneinend, so mu auch der Schlusatz partikulr oder verneinend sein.
Sind beide Prmissen allgemein, so kann der Schlusatz allgemein oder
partikulr sein.

Demgem ergeben sich fr die _erste Figur_ Schlustze von allen
Formen: a e i o, fr die _zweite_ nur negative: e o, fr die _dritte_
nur partikulre: i o, fr die _vierte_: partikulr bejahende, allgemein
verneinende und partikulr verneinende Schlustze: i e o.

Ebenso folgt in _Beziehung_ auf die _Modalitt_ der Schlusatz
derjenigen Prmisse, welche die _geringere Gewiheit hat_; er ist
apodiktisch, wenn beide Prmissen apodiktisch sind, assertorisch oder
problematisch, wenn eine der Prmissen assertorisch oder problematisch
ist.


 56. Der wissenschaftliche Wert der Syllogismen.

Der wissenschaftliche Wert der Syllogismen ist ein sehr verschiedener,
und es ist ein _Hauptmangel_ des traditionellen Systems, da es im _rein
formalen Interesse_ der vollstndigen Klassifikation _alle
gleichberechtigt nebeneinander_ stellt. Am wertvollsten ist die Form
%Barbara%; ihr folgt besonders die mathematische Beweisfhrung. Die
brauchbarsten sind berhaupt die allgemein bejahenden Schlustze. Die
allgemein verneinenden geben wenigstens ber die gegenseitige
Ausschlieung zweier Begriffe, die partikulren Schlustze ber deren
Vereinbarkeit oder nicht notwendige Zusammengehrigkeit Auskunft. Die
unnatrlichsten Formen finden sich in der spter hinzugefgten vierten
Figur.

_Die Voraussetzung der traditionellen Lehre_ ist ein schon vorhandenes
Begriffssystem, das mit der Wirklichkeit bereinstimmt, so da es sich
nur um eine ber- oder Unterordnung der Begriffe und um eine Subsumtion
des einzelnen unter die Begriffe handeln kann. Mit Rcksicht darauf
lassen sich die einzelnen Modi auf _zwei Hauptformen zurckfhren_. Wenn
das Urteil gilt: S ist P oder nicht P, so knnen offenbar auch die
einzelnen Merkmale, die P enthlt, von dem Subjekt S bejaht oder
verneint werden, nach dem Grundsatz: %_Nota notae est nota rei ipsius,
repugnans notae repugnat rei._% (Das Merkmal des Merkmals ist ein Merkmal
des Gegenstandes selbst; was dem Merkmal widerspricht, widerspricht auch
dem Gegenstand.) Ebenso kann das P von allem, was in den Umfang des
Subjektes S fllt, bejaht oder verneint werden, nach dem sogenannten
%_dictum de omni et nullo_%: Was von allen gilt, gilt auch von einigen und
einzelnen; was von keinem gilt, gilt auch nicht von einigen oder
einzelnen. Es ist natrlich, da die Schlsse, solange sie nur dazu
dienen, die _schon vorhandenen Begriffsverhltnisse immer wieder
auszulegen_, zum Fortschritt des Wissens nichts beitragen. Dies
geschieht erst, wenn sie sich in den Dienst der _Neubildung von
Begriffen_ stellen.

Es wurden daher _Versuche verschiedener Art_ gemacht, dem Syllogismus
eine fruchtbarere und einheitlichere Form zu geben. _Beneke_ schliet
sich noch nahe an die traditionelle Lehre an, indem er die Substitution
eines Begriffes fr einen andern als Prinzip des Syllogismus aufstellt.
_Lotze_ stellt das disjunktive Urteil in den Vordergrund, whrend
_Wundt_ vor dem Versuche warnt, irgend eine Schluform zur
_allgemeingltigen_ zu machen.

_Sigwart_ sieht in dem _gemischten hypothetischen Schlu_ (s. u.  57)
die allgemeinste Form alles Schlieens und fhrt dementsprechend alle
Schluformen auf den Satz der logischen Notwendigkeit zurck, da mit
dem Grunde die Folge gesetzt und mit der Folge der Grund aufgehoben sei.
So ergibt sich z. B. fr alle Modi der 1. und 2. Figur eine einzige
Formel:

Gemeinsamer Obersatz: Wenn etwas B ist, ist es A -- nicht X

  1. Figur: Untersatz C (alles, einiges, ein C) ist B
                      --------------------------------------------------
           Schlusatz C (alles, einiges, ein C) ist A -- nicht X

  2. Figur: Untersatz C (alles, einiges, ein C) ist nicht A -- ist X
                      --------------------------------------------------
          Schlusatz: C (alles, einiges, ein C) ist nicht B

Doch darf die Bedeutung des Syllogismus auch _nicht unterschtzt_
werden. Dies geschieht besonders auf Grund von zweierlei Einwnden gegen
seine Brauchbarkeit.

Es wurde darauf hingewiesen, in dem Schlusse: alle Menschen sind
sterblich, Sokrates ist ein Mensch, also ist Sokrates sterblich, msse
der Schlusatz im Obersatz schon vorausgesetzt werden: solange es noch
ungewi wre, ob Sokrates sterblich ist, knnte auch der allgemeine
Satz: alle Menschen sind sterblich, nicht ausgesprochen werden, der
Schlusatz setze also _das schon voraus, was er beweisen wolle_. Diesen
Einwand gab J. St. Mill zu und wich ihm aus, indem er den allgemeinen
Satz berhaupt fallen lie und an Stelle des Syllogismus den Schlu vom
Besonderen auf das Besondere setzte. Der Schlu auf die Sterblichkeit
des Sokrates wrde also nicht von dem Grundsatz der allgemeinen
Sterblichkeit ausgehen, sondern nur von der Beobachtung, da eine Anzahl
Menschen sterblich sind. Der Syllogismus selbst, mit seinem allgemeinen
Satz, dient nach Mill nur zur Sicherung des Verfahrens.

Vom Standpunkt der Psychologie aus ist allerdings nicht zu leugnen, da
_tatschlich das bewute Schlieen vielfach nur von Besonderem auf
Besonderes bergeht_, aber fr die logische Betrachtung ist es auer
Zweifel, da die Richtigkeit und Allgemeingltigkeit des Schlusses immer
von der richtigen Verwendung des allgemeinen Satzes abhngig ist. Jener
Widerspruch aber ist nur gltig, wenn von den tatschlichen Bedingungen
des menschlichen Denkens abgesehen wird. Wer _den allgemeinen Satz mit
seiner Anwendung auf alle einzelnen Flle bestndig gegenwrtig htte_,
der bedrfte keines Schlusses; wenn aber tatschlich einmal der
_Versuch_ sich einstellt, _dem allgemeinen Satz gegenber eine Ausnahme
gelten zu lassen_, wie z. B. gegen jenen allgemeinen Satz von der
Sterblichkeit in der Sage vom ewigen Juden, dann wird die Regel ins
Gedchtnis gerufen und auf den einzelnen Fall angewendet.

Damit hngt ein zweites Bedenken gegen die Brauchbarkeit des Syllogismus
zusammen: im wirklichen Leben werden die Schlsse _nie mit dieser
Umstndlichkeit vollzogen_, der Syllogismus knne also in keiner Weise
das richtige Denken untersttzen. Jedenfalls ist richtig, da wir uns
beim Denken selten der einzelnen Bestandteile des Schlusses nach der
Tafel der Syllogismen bewut sind. Nach den psychologischen Gesetzen der
bung und Gewhnung ist dies aber auch nicht zu erwarten. Vielmehr ist
im voraus anzunehmen, da auch bei diesen unzhligemal verwendeten
Formen _die Mittelglieder dem Bewutsein entfallen_ (vgl.  28), so da
ganze Reihen von Schlssen mit mechanischer Schnelligkeit vollzogen
werden. _Nur bei Fehlern und Schwierigkeiten_ wird Glied fr Glied
bercksichtigt; mancher Streit im tglichen Leben dreht sich um unklar
gedachte logische Gesetze. Die Wissenschaft geht diesen halbbewuten
Elementen nach und stellt sie heraus; und sie leistet damit auch dem
Denken einen wichtigen Dienst, denn nur auf Grund dieser Kenntnis kann
es seine Irrwege als solche erkennen und mit stetiger Sicherheit
fortschreiten.


 57. Der hypothetische Schlu.

Der hypothetische Schlu ist ein _Schlu, in welchem_ mindestens der
_Obersatz ein hypothetisches Urteil_ ist. Ein Schlu heit _rein_, wenn
die Prmissen gleiche Relation haben, im andern Fall _gemischt_. So
versteht man unter _gemischtem hypothetischen Schlu_ gewhnlich
denjenigen Schlu, dessen Obersatz ein hypothetisches, und dessen
Untersatz ein kategorisches Urteil ist, von der Form:

        Wenn A gilt,       so gilt X
             A gilt  oder  X gilt nicht
             ------------------------------------
        also gilt X        also gilt A nicht.

Der gemischte hypothetische Schlu ist also die einfache Anwendung des
Grundgesetzes, da mit dem Grund die Folge gesetzt (%modus ponens%), mit
der Folge der Grund aufgehoben ist (%modus tollens%).

      Z. B.: Wenn es geregnet hat, so ist es na.
             Nun hat es geregnet
             -------------------------
             Also ist es na,

aber nicht umgekehrt:

            nun ist es na
            ---------------------
            also hat es geregnet,

ebensowenig:

            nun hat es nicht geregnet
            --------------------------
            also ist es nicht na,

dagegen richtig:

            nun ist es nicht na
            ---------------------------
            also hat es nicht geregnet,

oder, bei verneinendem Nachsatz:

Wenn es einen Zufall gibt, so gibt es keine Vorsehung.

            Nun gibt es eine Vorsehung
            ---------------------------
            Also gibt es keinen Zufall,

oder, bei Verneinung der Bedingung und des Bedingten (%conditio sine qua
non%):

Wenn dieser Satz nicht richtig ist, so kann die ganze Beweisfhrung
nicht aufrecht erhalten werden.

    Nun ist dieser Satz nicht richtig.
    ----------------------------------------------------------
    Also kann die ganze Beweisfhrung nicht aufrecht erhalten werden.

Der _reine hypothetische Schlu_ hat zwei hypothetische Prmissen.
Daraus, da etwas Folge des Grundes ist, wird geschlossen, da es auch
Folge dessen sein mu, dessen Folge der Grund ist. Der _Schlusatz_ ist
dann also selbst _hypothetisch_, nach dem Schema:

            Wenn A gilt, so gilt M
            Wenn M gilt, so gilt X
            -----------------------------
            Also wenn A gilt, so gilt X.

Das Gesetz dieses reinen hypothetischen Schlusses lt sich auch kurz so
ausdrcken: _Die Folge der Folge ist auch Folge des Grundes_.

    Z. B.: Wenn sich die Temperatur erhht, so verlngern sich die
    Pendel der Uhren.

    Wenn die Pendel der Uhren sich verlngern, so werden die
    Schwingungen verlangsamt.

    Wenn die Schwingungen verlangsamt werden, so gehen die Uhren nach.
    --------------------------------------------------------------------
    Also: Wenn die Temperatur sich erhht, so gehen die Uhren nach.


 58. Der disjunktive Schlu.

Der disjunktive Schlu ist ein Schlu, _dessen Obersatz ein disjunktives
Urteil_ ist. Der Schlu beruht auf dem in der Disjunktion
ausgesprochenen Verhltnis der Glieder.

Es kann also

I. _von der Gltigkeit eines bestimmten Gliedes auf die Ungltigkeit der
brigen geschlossen werden_ (%modus ponendo tollens%):

    A ist entweder B oder C oder D
    A ist B
    ----------------
    Also ist A weder C noch D;

II. _auf die Gltigkeit eines Gliedes von der Ungltigkeit aller
brigen_ geschlossen werden (%modus tollendo ponens%):

    A ist entweder B oder C oder D
    A ist weder C noch D
    ----------------------------
    A ist B.

Z. B.: Dieses Dreieck ist entweder rechtwinklig oder spitzwinklig oder
stumpfwinklig.

    Nach I.  Nun ist es rechtwinklig
    --------------------------------------
             Also weder spitzwinklig noch stumpfwinklig.

    Nach II. Nun ist es weder spitzwinklig noch stumpfwinklig
             -----------------------------------------------
             Also ist es rechtwinklig.

Ist die Disjunktion eine _mehrgliedrige_, so ergibt sich fr den Fall I.
ein konjunktiv verneinendes Urteil, fr den Fall II. eine um ein Glied
verkleinerte Disjunktion. Bei einer _zweigliedrigen_ Disjunktion ergibt
sich im ersten Fall das einfach verneinende, im zweiten Fall das einfach
bejahende Urteil.

Eine besondere Art des disjunktiven Schlusses ist das _Dilemma_,
_Trilemma_, _Polylemma_ (%syllogismus cornutus%). Hier wird aus der
Verneinung aller Glieder der Disjunktion die Verneinung ihrer
gemeinschaftlichen Voraussetzung erschlossen.

    Wenn A gilt, so gilt entweder B oder C
    Nun gilt weder B noch C
    ----------------------------
    Also gilt auch A nicht;

oder kategorisch gefat:

    A ist entweder B oder C
    Nun ist S weder B noch C
    -----------------------------------
    Also ist S auch nicht A.

Ein Trilemma ist z. B. die folgende Beweisfhrung von Leibniz:

     Wre die wirklich existierende Welt nicht die beste unter allen
     mglichen Welten, so htte Gott die beste entweder nicht gekannt,
     oder nicht hervorbringen und erhalten knnen, oder nicht
     hervorbringen und erhalten wollen; nun aber ist (infolge der
     gttlichen Weisheit, Allmacht und Gte) weder das erste, noch das
     zweite, noch das dritte wahr,
     ------------------------------------------------------------------
     also ist die wirkliche Welt die beste unter allen mglichen Welten.


 59. Die zusammengesetzten und die verkrzten Schlsse.

Im _zusammengesetzten Schlu_ sind mehrere Schlsse durch gemeinsame
Glieder zu einem Ganzen vereinigt. Sind die einzelnen Schlsse so
angeordnet, da der Schlusatz des ersten Schlusses zu einer Prmisse
des zweiten, und der Schlusatz des zweiten zu einer Prmisse des
dritten wird, so entsteht die _Schlukette_ (%syllogismus concatenatus%).
Derjenige Schlu, in welchem der gemeinsame Satz Schlusatz ist, heit
der _Vorschlu_ (Prosyllogismus) im Verhltnis zum folgenden, dem
_Nachschlu_ (Episyllogismus). Bewegt sich die Schlukette in der
Richtung vom Vorschlu zum Nachschlu, so heit sie _episyllogistisch_
oder _progressiv_, im andern Fall _prosyllogistisch_ oder _regressiv_.

    Z. B. 1. Der Tugendhafte ist anspruchslos
             Der Anspruchslose ist zufrieden
             ---------------------------------
             Der Tugendhafte ist zufrieden.

          2. Der Tugendhafte ist zufrieden
             Der Zufriedene ist glcklich
             ------------------------------
             Der Tugendhafte ist glcklich.

    progressiv in der Richtung: 1. 2.
    regressiv in der Richtung: 2. 1.

Ein Schlu, der durch Weglassung einer der beiden Prmissen verkrzt
ist, heit ein _Enthymem_; z. B.: er mu gestraft werden, denn er hat
ein Verbrechen begangen.

Wird in einem einfachen Schlu zu einer der beiden Prmissen eine
Begrndung hinzugefgt, so entsteht das _Epicherem_.

Wenn in einer progressiven Schlukette alle Schlustze auer dem
letzten weggelassen werden, so entsteht eine einfachere Form, die
_Kettenschlu_ oder _Sorites_ genannt wird. Man unterscheidet nach dem
Verhltnis, in welchem die Begriffe aufeinander folgen, zwischen dem
_aristotelischen_ und dem _goklenischen Sorites_ (zuerst behandelt 1598
von dem Marburger Professor Goklenius). Bei dem _aristotelischen
Sorites_ fehlen diejenigen Schlustze, welche in dem folgenden
Syllogismus Unterstze werden, er schreitet also von den niederen
Begriffen zu den hheren fort und hat folgende Form:

    Untersatz   A ist B   der Tugendhafte ist anspruchslos
    Obersatz    B ist C   der Anspruchslose ist zufrieden
                -----------
    (Schlusatz A ist C)
    (Untersatz  A ist C)
    Obersatz    C ist D   der Zufriedene ist glcklich
                ------------------------------------------
    Schlusatz  A ist D   der Tugendhafte ist glcklich.

Bei dem _goklenischen Sorites_ fallen diejenigen Schlustze aus, welche
in dem folgenden Syllogismus Oberstze werden, es wird von den hheren
Begriffen zu den niederen weitergegangen, er hat also folgende Form:

    Obersatz     C ist D   der Zufriedene ist glcklich
    Untersatz    B ist C   der Anspruchslose ist zufrieden
                 -----------
    (Schlusatz  B ist D)
    (Obersatz    B ist D)
    Untersatz    A ist B   der Tugendhafte ist anspruchslos
                 -------------------------------------------
    Schlusatz   A ist D   der Tugendhafte ist glcklich.


 60. Fehlschlsse und Trugschlsse.

Ein unrichtiger Schlu wird _Fehlschlu_ (%paralogismus%) genannt, wenn er
auf Irrtum beruht, _Trugschlu_ (%sophisma%), wenn er aus der Absicht, zu
tuschen, hervorging.

Solche Schlufehler beruhen teils auf einer _Miachtung_ der _Gesetze
des Schlieens_, insbesondere der fr die Schlufiguren geltenden
Regeln, teils auf der _Mehrdeutigkeit eines Begriffs, besonders des
Mittelbegriffs_. Es sind dann statt der drei Begriffe vier, aus denen
der Schlu gezogen wird (%quaternio terminorum%).

Von den folgenden Beispielen enthlt 1. und 5. Fehler gegen die Gesetze
des Schlieens, 2. 3. 4. eine %quaternio terminorum%, 6. und 7. eine
sophistische Verwendung des Dilemmas.

    1. Der Kaukasier hat Menschenrechte
       Der Neger ist kein Kaukasier
       --------------------------------------
       Folglich hat er keine Menschenrechte.

    2. Herodes war ein Fuchs
       Alle Fchse haben vier Fe
       ------------------------------
       Also hatte Herodes vier Fe.

3. Tertullians Schlu:

Es widerspricht den Bedingungen menschlicher Existenz, dauernd mit den
Fen nach oben und mit dem Kopf nach unten zu leben.

       Die Antipoden mten dies
       ------------------------------
       Also gibt es keine Antipoden.

    4. Aller Anfang ist schwer
       Miggang ist aller Laster Anfang
       -----------------------------------
       Also ist Miggang schwer.

5. Der _Lgner_ der Alten. Epimenides der Kreter sagt: alle Kreter
sind Lgner; Epimenides ist aber selbst ein Kreter, also ist es nicht
wahr, da die Kreter Lgner sind, also sagt auch Epimenides die
Wahrheit, also sind alle Kreter Lgner &c. &c.

6. _Der Krokodilschlu_: Eine gypterin sah, wie ihr am Nil spielendes
Kind von einem Krokodil ergriffen wurde. Die Mutter bat das Tier, ihr
das Kind wiederzugeben. Das Krokodil antwortete: Ich will es dir
zurckgeben, wenn du errtst, was ich tun werde. Die Mutter tat den
Ausspruch: Du wirst mir mein Kind nicht wiedergeben. Beide
argumentierten darauf in folgenden Dilemmen gegeneinander: _Das Krokodil
sagt_: Du magst wahr oder falsch gesprochen haben, _so habe ich das Kind
nicht zurckgegeben_; denn ist deine Rede wahr, so erhltst du es nicht
wieder nach deinem eigenen Ausspruch, ist sie aber falsch, so gebe ich
es nicht zurck laut unsrer bereinkunft. _Die Mutter erwidert_: Ich mag
wahr oder falsch gesprochen haben, _so mut du mir mein Kind
wiedergeben_. Denn ist meine Rede wahr, so mut du es mir geben laut
unsrer bereinkunft; ist sie aber falsch, so ist das Gegenteil wahr: Du
wirst mir mein Kind zurckgeben.

7. _Das Sophisma des Euathlus._ Euathlus nahm beim Sophisten Protagoras
Unterricht in der Sophistik mit dem Vertrag, der Schler solle die
zweite Hlfte des Honorars erst dann bezahlen, wenn er seinen ersten
Proze gewonnen htte. Als nun nach vollendetem Unterricht Euathlus
keinen Proze annahm und auch seinen Lehrer nicht bezahlte, verklagte
ihn dieser und brachte folgendes Dilemma vor: Sowohl wenn du von den
Richtern zu meiner Bezahlung verurteilt, als wenn du nicht von ihnen
verurteilt werden wirst, mut du mich bezahlen. Werden sie dich zur
Zahlung verurteilen, so mut du zahlen kraft dieses Urteilsspruchs;
wirst du aber nicht verurteilt, so mut du unsrem Vertrage gem
bezahlen, denn du hast den ersten Proze gewonnen. Daraus antwortete
Euathlus, er sei auf keinen Fall zur Zahlung verpflichtet, denn dies
sei sein erster Proze; verliere er den, so brauche er gem dem
Vertrage nicht zu bezahlen, gewinne er ihn aber, so brauche er gem dem
Urteilsspruche der Richter nicht zu bezahlen. -- Die Richter sollen
durch diesen Streit so in Verlegenheit gesetzt worden sein, da sie ihre
Entscheidung auf unbestimmte Zeit vertagten.


 61. Der Induktionsschlu.

Die Induktion ist der _Schlu vom Besonderen aufs Allgemeine_; sie
gewinnt aus einzelnen Wahrnehmungsurteilen allgemeine Stze und hat
folgende Form:

        Sowohl M_1 als M_2 als M_3 ... ist P.
        Sowohl M_1 als M_2 als M_3 ... ist S.
        --------------------------------------
                   Jedes S ist P.

Der allgemeine Satz, zu welchem die Induktion fhrt, fat entweder
_lauter gleiche begrifflich nicht unterscheidbare_, nur in Raum und
Zeit getrennte _Flle_ zu einem _Spezialgesetz zusammen_, z. B. der
Satz, da Sauerstoff und Wasserstoff sich in bestimmtem
Gewichtsverhltnis zu Wasser verbinden; oder er vereinigt
_verschiedene Arten in einem Gattungsbegriff_, z. B. der Satz:
Alle Elementarstoffe verbinden sich chemisch in bestimmten
Gewichtsverhltnissen. Im ersteren Fall, bei der _Induktion von
Spezialgesetzen_ (Sigwart) wird geschlossen: Was in allen einzelnen
Fllen der gleichen Art gilt, gilt von der Art berhaupt. Im zweiten
Fall, bei der _generalisierenden Induktion_ wird geschlossen: Was
von allen Arten einer Gattung gilt, gilt auch von der Gattung selbst.

Die Induktion ist eine _vollstndige_, wenn M_1 M_2 M_3 im Untersatz den
ganzen Umfang des Begriffs S ausfllen. Z. B.:

    Sowohl Merkur, als Venus, als Erde, als Mars, als
    Jupiter, als Saturn haben Achsendrehung.

    Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn sind
    die alten Planeten.
    -------------------------------------------
    Also haben die alten Planeten Achsendrehung.

_Unvollstndig_ heit die Induktion, wenn durch Aufzhlung der M der
Umfang von S nicht erschpft wird. So wrde das letztgenannte Beispiel
eine unvollstndige Induktion darstellen, wenn statt auf die alten
Planeten auf die Planeten berhaupt geschlossen wrde.

Der Induktionsschlu hat _hnlichkeit mit dem Syllogismus der dritten
Figur_, es wre nur an die Stelle des Mittelbegriffs die Gesamtheit der
Einteilungsglieder getreten. Der Unterschied ist nur der, da der
Schlusatz _nicht partikulren, sondern allgemeinen Charakter_ hat, und
die Eigentmlichkeit der Induktion besteht gerade darin, da sie unter
der Voraussetzung einer gewissen Gesetzmigkeit und Notwendigkeit in
der Welt von einer Anzahl sorgfltig beobachteter einzelner Flle aus
einen allgemeinen Satz aufstellt, der auch auf andere noch nicht
beobachtete Flle zu schlieen erlaubt.

Von den _Fehlern_, die bei der Induktion vorkommen, ist naturgem der
hufigste die _falsche Verallgemeinerung_, besonders Verwechslung der
bloen zeitlichen Aufeinanderfolge mit dem urschlichen Verhltnis des
%post hoc% mit dem %propter hoc%.


 62. Der Analogieschlu.

In naher Beziehung zu dem Induktionsschlu steht der _Schlu der
Analogie, als Schlu vom Besonderen oder Einzelnen auf ein demselben
nebengeordnetes Besonderes oder Einzelnes_. Daraus, da zwei Arten oder
Individuen in einer Reihe von Merkmalen bereinstimmen, wird
geschlossen, da sie auch andere gemeinsam haben; er hat also folgende
Form:

    M ist P.  Z. B.: Die Erde ist Trgerin organischen
                   Lebens.

    M ist A.  Die Erde ist ein unsere Sonne umkreisender
                   Planet mit Achsendrehung, mit Atmosphre,
                   mit Wechsel der Jahreszeiten u. s. w.

    S ist A.  Der Mars ist ein unsere Sonne umkreisender
                   Planet mit Achsendrehung, mit Atmosphre,
                   mit Wechsel der Jahreszeiten u. s. w.
                   -----------------------------------------
    S ist P.  Also ist auch der Mars Trger organischen
                   Lebens.


II. Teil. Methodenlehre.


 63. Die Aufgabe der Methodenlehre.

Die Methodenlehre hat zu zeigen, wie die einzelnen Elemente des Denkens,
Begriffe, Urteile, Schlsse _zum Ganzen eines wissenschaftlichen Systems
verarbeitet werden_. Das Ziel der Wissenschaft berhaupt ist die
Erkenntnis der der Wahrnehmung zugnglichen Welt. Dazu gehrt zuerst ein
_Weltbild_ in den Formen von Raum und Zeit, das wir durch die Anschauung
zu gewinnen suchen. Dieses bildet den Stoff, den die Wissenschaft erst
gestaltet und der deshalb nicht in das Gebiet der Logik fllt. Weiter
enthlt das Ideal der Welterkenntnis ein _vollstndiges Begriffssystem_,
in welchem die Begriffe sowohl ihrem Inhalt nach durch _Erklrungen_
vollkommen verdeutlicht, als auch ihrem Umfang nach durch _Einteilungen_
klar gegeneinander abgegrenzt sind. Endlich aber bedarf es vollkommener
Urteile, welche unser Wissen ber den Zusammenhang der Welt aussprechen,
und einer erschpfenden Begrndung dieser Urteile durch ein sorgfltiges
_Beweisverfahren_. Da aber die Wissenschaft diesem Ideal der
Welterkenntnis sich immer nur annhern kann, so mu sie sich noch der
_Mittel ihres stetigen Fortschrittes_ bewut werden, der Methoden, durch
welche eine neue Erkenntnis zustande kommt.

So ergeben sich vier Hauptpunkte, welche die Methodenlehre zu behandeln
hat: die _Begriffsbestimmung_, _die Einteilung_, _der Beweis_ und der
_Fortschritt der Wissenschaft_.


1. Die Begriffsbestimmung.


 64. Wesen und Arten der Begriffsbestimmung.

_Die Begriffsbestimmung oder Definition ist ein Urteil, in welchem die
Bedeutung eines einen Begriff bezeichnenden Wortes angegeben wird_,
entweder durch _vollstndige_ Auffhrung der Merkmale eines Begriffs
oder durch Angabe der _nchsthheren Gattung_ (%genus proximum%) und _des
artbildenden Unterschieds_ (%differentia specifica%). Durch das erstere
wird der Begriff vollkommen deutlich gemacht, durch das letztere seine
Stellung im geordneten System der Begriffe angegeben.

Man unterscheidet gewhnlich zwischen _Worterklrungen_
(Nominaldefinitionen), z. B. Division heit Einteilung, und
_Sacherklrungen_ (Realdefinitionen), welche den Inhalt des Gedachten
darlegen. Fr die Logik gibt es aber nur Worterklrungen, die zugleich
Sacherklrungen sind. Jede Definition gibt an, welcher Begriff mit
einem bestimmten Wort zu verbinden ist. Die Nominaldefinition in dem
genannten Sinn fllt rein in das sprachliche Gebiet.

Die vollstndige Angabe der Merkmale eines Begriffs ist in den meisten
Fllen nicht mglich. Die _gebruchliche Art der Begriffsbestimmung_ ist
daher diejenige, welche den bergeordneten Gattungsbegriff und den
artbildenden Unterschied angibt, z. B.: Das Parallelogramm ist ein
Viereck mit parallelen Gegenseiten: Viereck ist der Gattungsbegriff, die
Parallelitt der Gegenseiten das Merkmal, welches das Parallelogramm von
anderen Arten des Vierecks unterscheidet.

Wird der Begriff im Anschlu an den bestehenden Sprachgebrauch bestimmt,
so heit die Definition _analytisch_. _Synthetisch_ ist sie, wenn mit
einem Wort ein neuer Begriff ohne oder nur in teilweiser bereinstimmung
mit dem Sprachgebrauch gebildet wird. Von einem Begriff, der _nur ein
Merkmal hat_, z. B. Sein, Etwas, kann eine eigentliche Definition nicht
gegeben werden.


 65. Fehler der Begriffsbestimmung.

Als Hauptfehler, die bei der Definition vorkommen, werden folgende
angefhrt:

1. Die Definition ist zu _weit_, wenn ihr wesentliche Merkmale fehlen,
z. B. das Quadrat ist ein gleichseitiges Parallelogramm. Sie ist zu
_eng_, wenn sie zu viel Merkmale aufnimmt, z. B. das Dreieck ist eine
geradlinige Figur mit drei gleichen Seiten.

2. Die Definition darf _keine berflssigen Merkmale_ aufnehmen, die in
anderen schon enthalten oder notwendig mit ihnen gegeben sind
(Abundanz); z. B. Parallele Linien sind solche Linien, die gleiche
Richtung und berall gleichen Abstand voneinander haben.

3. Die _Tautologie_ ist zu vermeiden. Der zu definierende Begriff darf
weder ausdrcklich noch versteckt in der Definition wiederkehren, z. B.
das Gedchtnis ist das Vermgen, des frher Bewutgewordenen wieder zu
gedenken.

4. Ein _Zirkel_ entsteht, wo ein Begriff durch einen zweiten, dritten,
vierten und der zweite oder dritte oder vierte wieder durch den ersten
erklrt wird, z. B. Gre ist das der Vermehrung und der Verminderung
Fhige; da Vermehrung Zunahme der Gre und Verminderung Abnahme der
Gre ist, so ist der Begriff der Gre in der Definition derselben
schon vorausgesetzt.

5. In der Definition drfen _keine bildlichen Ausdrcke_ gebraucht
werden, weil sie zu unbestimmt sind, und _negative Bestimmungen_ nur da,
wo die positiven nicht ausreichen, z. B. der Staat ist der Mensch im
groen; negativ und zu weit: der Kreis ist eine Figur, die keine Ecken
hat.

6. Die Definition _darf nicht mit der Aufzhlung der Arten des Begriffs
verwechselt werden_, denn diese enthalten ihn ja selbst, so da ein
Zirkel entstnde; z. B. Planeten sind Venus, Erde, Mars u. s. w.

Der Inhalt eines Begriffs kann auch durch _weniger strenge Formen_
angegeben werden, die von der Erklrung im logischen Sinn unterschieden
werden mssen; z. B. die Beschreibung, die Errterung, die Entwickelung,
die Erluterung.


2. Die Einteilung.


 66. Das Wesen der Einteilung.

_Die Einteilung ist die vollstndige Angabe der Teile des Umfangs eines
Begriffs._ Der Gattungsbegriff wird in die Artbegriffe zerlegt, die im
Verhltnis der _Disjunktion_ zueinander stehen. Die sprachliche Form der
Einteilung ist das _divisive_ Urteil: Die Vgel sind teils Luftvgel,
teils Erdvgel, teils Wasservgel.

Die _Voraussetzung_ einer solchen Differenzierung eines Gattungsbegriffs
in seine Artbegriffe ist, da er noch in einem oder mehreren seiner
Merkmale _unbestimmt sei_. Dasjenige Merkmal, in welchem die
Unterschiede hervortreten, auf welchem also die Einteilung beruht, heit
_Einteilungsgrund_ (%fundamentum sive principium divisionis%).

Die Einteilung geschieht entweder durch _innere Entwickelung schon
vorhandener Merkmale_ oder _Hinzunahme neuer_. _Im ersten Fall_ liegt
der Einteilungsgrund in dem gegebenen Begriffe selbst; so ist mit dem
Begriff der Linie das Merkmal der Richtung schon gegeben, die als
Bewegung vorgestellt wird und entweder, wie bei der geraden Linie,
gleichbleiben kann, oder wie bei der krummen, sich stetig ndert. _Im
zweiten Fall_ geschieht die Determination durch ein neues Merkmal, das
im ursprnglichen Begriff nur als unbestimmte Mglichkeit gegeben war.
So kann der Begriff der Flssigkeit nach Geschmacksunterschieden
eingeteilt werden, whrend das Merkmal des Geschmacks ihm gar nicht
notwendig zukommt. Daher kann auch das Fehlen eines Merkmals einen
Unterschied begrnden.


 67. Arten und Fehler der Einteilung.

Je nach der Zahl der Einteilungsglieder heit die Einteilung
_Dichotomie_, _Trichotomie_, _Tetrachotomie_, _Polytomie_. Oft verlieren
sich die Arten in eine unendliche Reihe, z. B. der Begriff des Vielecks
schliet in sich die Arten des Vierecks, des Fnfecks, des Sechsecks
u. s. w. Man unterscheidet auch zwischen _natrlicher_ Einteilung, die
sich auf alle wesentlichen Merkmale eines Begriffes sttzt, und
_knstlicher Einteilung_, bei welcher ein einzelnes Merkmal als
Einteilungsgrund bentzt wird, doch womglich so, da die Modifikationen
dieses Merkmals in urschlichem Zusammenhang mit den Modifikationen der
anderen Merkmale stehen. Im Gegensatz zur natrlichen Einteilung steht
z. B. Linns Einteilung des Pflanzenreiches nach der Zahl und Stellung
der Staubgefe in 24 Klassen.

Es macht ferner einen Unterschied, ob bei der Einteilung von dem
_logischen Umfang_ eines Begriffes oder von dem _empirischen Umfang_
desselben ausgegangen wird. Es mten z. B. bei der logischen Einteilung
der Menschen nach Farben smtliche Farben vertreten sein, auch blau oder
grn, whrend die empirische nur nach den tatschlich vorhandenen Farben
klassifiziert. Aber auch wenn der ganze empirische Umfang eines Begriffs
erschpft wird, ist damit noch keine Garantie fr logische
Vollstndigkeit gegeben.

Die hauptschlichen _Fehler_ der Einteilung sind folgende:

1. Die Einteilung ist zu _weit_, wenn sie zu viel, zu _eng_, wenn sie zu
wenig Einteilungsglieder enthlt. Zu weit ist z. B. die Einteilung der
Dreiecke in rechtwinklige, schiefwinklige und gleichwinklige.

2. Die Glieder der Einteilung mssen _einander ausschlieen_, drfen
sich nicht kreuzen, z. B. die Einteilung der Neigungen in Selbstliebe,
Neigung zu andern und gegenseitige Neigung.

3. Es drfen nicht verschiedene _Einteilungsgrnde vermischt werden_,
sonst wird die Einteilung _verworren_, z. B. die der Menschen in
Europer und Schwarze.


3. Der Beweis.


 68. Der Beweis und seine Arten.

In einem System der Wissenschaft mssen die Begriffe durch Erklrungen
und Einteilungen ihrem Inhalt und Umfang nach genau bestimmt sein. Diese
Begriffe kommen aber nur zustande durch Urteile, welche ihnen gewisse
Prdikate zu- oder absprechen, und diese Urteile selbst bedrfen der
Begrndung, um gltig zu sein. Dies geschieht, indem einzelne Schlsse
_zum Beweis verbunden werden_ und so jedes einzelne Urteil durch seinen
_Zusammenhang mit andern bereits feststehenden_ in das System der
Wissenschaft aufgenommen wird.

Der Beweis ist also die _syllogistische Ableitung eines Urteils aus
anderen Urteilen, die als gewi und notwendig erkannt sind_. Doch
bedrfen auch diese eigentlich wieder des Beweises und so fhrt genau
genommen jeder Beweis zu gewissen Stzen zurck, die einer Begrndung
weder fhig, noch bedrftig sind, zu den _Grundstzen_ oder _Axiomen_.
_Vom einzelnen Schlu unterscheidet sich der Beweis_ dadurch, da das zu
beweisende Urteil im voraus bekannt ist und die Veranlassung zum Beweis
bildet, und da auch auf die materiale Wahrheit der Prmissen Rcksicht
genommen wird. Auerdem stellt der Beweis gewhnlich eine ganze
Schlukette dar.

Der Beweis ist ein _direkter_, wenn er die Wahrheit eines Satzes einfach
durch kategorischen oder hypothetischen Schlu aus feststehenden
Prmissen ableitet, ein _indirekter_ oder _apagogischer_, wenn der zu
beweisende Satz aus einem disjunktiven Urteil durch Aufhebung der
brigen Disjunktionsglieder gewonnen wird. Ein direkter Beweis ist es
z. B., wenn daraus, da die Summe zweier Winkel eines Dreiecks gleich
einem Rechten ist, bewiesen wird, da der dritte Winkel ein Rechter sein
mu; ein indirekter Beweis wre es, wenn von der Disjunktion ausgegangen
wrde: Entweder ist er ein stumpfer oder ein spitzer oder ein rechter
Winkel, und aus der Ungltigkeit der beiden ersten Glieder die
Gltigkeit des letzten gefolgert wrde.

_Die Widerlegung_ (%refutatio%) ist _der Beweis der Unrichtigkeit eines
Satzes oder eines Beweises_. Die Unrichtigkeit eines Satzes folgt
daraus, da er selbst oder eine seiner Konsequenzen (%deductio ad
absurdum%) einem wahren Satze widerstreitet. Die Unrichtigkeit wird also
bewiesen durch den Beweis des kontradiktorischen Gegenteils. Die
_Widerlegung eines Beweises_ geschieht durch Entkrftung der
Beweisgrnde. Zur _grndlichen_ Widerlegung einer entgegenstehenden
Ansicht gehrt aber sowohl der Beweis der eigenen Ansicht, als die
Widerlegung des gegnerischen Beweises.


 69. Auffindung und Fehler des Beweises.

Es erhebt sich noch die Frage, _wie der Beweis gefunden wird_. Da der
Beweis durch Schlsse sich bewegt, so mu er das zu gewinnen suchen, was
die Schlsse mglich macht, einen _Mittelbegriff_. Wre der Satz zu
beweisen, da Tugend lehrbar ist, so mte ein Mittelbegriff gefunden
werden, der einerseits der Tugend als Prdikat zugesprochen werden und
andrerseits das Subjekt zu lehrbar bilden knnte. Ein solcher
Mittelbegriff ist Wissen, daraus ergibt sich der Schlu: Wissen ist
lehrbar, die Tugend ist Wissen, also ist die Tugend lehrbar. Doch wird
nur selten ein einziger Mittelbegriff gengen. In den meisten Fllen
mssen die Vermittlungen auf umstndlichere Weise gesucht werden.

Die _hauptschlichsten Beweisfehler_ sind, neben den schon genannten
Versten gegen die Regeln des Schlusses berhaupt, folgende:

1. Die unvollstndige Disjunktion beim indirekten Beweis.

2. Eine unrichtige Prmisse, durch welche die ganze folgende
Beweisfhrung in Frage gestellt wird (%proton pseudos%).

3. Das zu Beweisende darf nicht vorausgesetzt werden, so da etwa in
einer der Prmissen der Schlusatz schon enthalten wre (Zirkelbeweis).

4. Das, was aus den Prmissen erschlossen wird, darf nicht von dem zu
Beweisenden abweichen (%heterozetesis%), weder qualitativ (%metabasis eis
allo genos%), noch quantitativ, indem zu viel oder zu wenig bewiesen
wird.

Werden diese Fehler mit der Absicht zu tuschen gemacht, so spricht man
von _Erschleichung_ (%subreptio%).


4. Der Fortschritt der Wissenschaft.


 70. Die verschiedenen Methoden.

Durch Erklrungen und Einteilungen wird das Verhltnis der Begriffe
zueinander geordnet, durch den Beweis der logische Zusammenhang zwischen
den Urteilen hergestellt; damit ist gezeigt, _wie gegebene Elemente
wissenschaftlich verarbeitet werden_.

Die Wissenschaft begngt sich aber nicht mit dem Gewonnenen, sondern
_sie schreitet fort_; es erhebt sich also noch die Frage, welche
Methoden sie anwendet, um zu _neuen Erkenntnissen_ zu gelangen. Hier
sind folgende Wege mglich:

1. Man geht aus _vom einzelnen tatschlich Gegebenen_, das man
beobachten kann, und sucht _daraus allgemeine Stze_ zu gewinnen. Dies
ist das _induktive_ Verfahren.

2. Man geht aus _von den allgemeinen Stzen_, die man schon gewonnen
hat, und sucht durch logische Verarbeitung derselben neue _Aufschlsse
ber das Besondere und Einzelne_ zu gewinnen. Dies ist das _deduktive_
Verfahren.

3. Der eigentliche Fortschritt der Wissenschaft findet aber nur _in der
Verbindung beider Methoden_, der Induktion und Deduktion, statt, wie sie
besonders die _Hypothese darstellt_.

4. Die Art endlich, wie die _Wissenschaft als Ganzes_ fortschreitet, ist
bestimmt durch _das logische Ideal des Systems_.


 71. Das induktive Verfahren.

Die Induktion als einfacher Schlu wurde schon in der Elementarlehre
behandelt ( 61). Die _wichtigsten Leistungen der induktiven Methode_
sind folgende:

1. Die Induktion fhrt zur _Bildung realgltiger Begriffe_. Unsere
Begriffe sind zunchst nur _subjektive Gebilde_ und bedrfen der
fortwhrenden Verbesserung durch neue Wahrnehmungen. Wenn wir einen
Gegenstand wahrnehmen, der zwar unter einen von uns schon gebildeten
Begriff fllt, aber ein Merkmal zeigt, das wir in diesen Begriff noch
nicht aufgenommen haben, so tritt die Frage an uns heran, ob dieses
Merkmal mit dem Begriff _notwendig zusammengehrt oder nicht_. Wir
werden zu diesem Zweck darauf achten, ob sich an allen Gegenstnden,
die unter diesen Begriff fallen, das neue Merkmal findet, und je
hufiger dies der Fall ist, mit um so grerer Wahrscheinlichkeit werden
wir die Frage der Zusammengehrigkeit bejahen knnen. Auf diesem Wege
knnen unsere subjektiven Begriffe allmhlich zu Wesensbegriffen werden,
die der Wirklichkeit entsprechen. In der beschriebenen Weise wird z. B.
derjenige verfahren, der zum Begriff der Schlange das ihm neue Merkmal
der gespaltenen Zunge hinzufgen mu.

Nun zeigt aber die _Tatsache der Vernderung_, da die Notwendigkeit,
welche die Merkmale der Dinge zusammenhlt, doch keine unbedingte ist,
es mte denn _die Vernderung selbst nach notwendigen Gesetzen_ vor
sich gehen, und zwar entweder als eine Entwickelung aus dem Wesen der
Dinge selbst heraus, wie bei den organischen Wesen, oder _durch uere
Ursachen_ veranlat. Die logische Behandlung der letzteren ist eine
weitere Hauptaufgabe der Induktion.

2. Wir gewinnen durch Induktion _allgemeine Stze ber das Wirken von
Ursachen_. Besonders diese Seite der Induktion hat durch _J. St. Mill_
eine grundlegende Bearbeitung erfahren.

Es ist die _gewhnliche Vorstellung_, da wir das Wirken von Ursachen
ebenso wie irgend etwas anderes unmittelbar wahrnehmen. In Wirklichkeit
beobachten wir nur, da eine Vernderung auf eine andere folgt.
Explodiert eine Granate in dem Augenblick, in welchem jemand sie
berhrt, um sie wegzuwerfen, so ist die Wahrnehmung dieses Vorgangs ganz
dieselbe, ob die Berhrung die Ursache der Explosion, oder ob es nur ein
zuflliges Zusammentreffen war. Eine genauere Betrachtung zeigt, da wir
da ein kausales Verhltnis annehmen, _wo eine Vernderung regelmig auf
eine andere folgt_. Es gilt also der Satz: Die _Ursache_ ist das
_regelmige %Antecedens%_, die _Wirkung das regelmige %Consequens%_.
Wenn jene Explosion unter denselben Umstnden regelmig erfolgen wrde,
so wrden wir schlielich die Berhrung als Ursache annehmen. Damit aber
nicht auch die Nacht als Ursache des Tages angesehen werde, fgt Mill
hinzu, das Consequens msse dem %Antecedens% _unbedingt_, d. h. unabhngig
von irgend welchen andern bedingenden Umstnden, z. B. von dem Aufgang
der Sonne, folgen.

Um von dieser Grundlage aus auf wissenschaftlichem Wege sichere Gesetze
ber das Wirken von Ursachen zu gewinnen, stellt Mill _zwei
Hauptmethoden_ auf, die Methode der bereinstimmung und die Methode der
Differenz.

Die _Methode der bereinstimmung_ wird von ihm in folgendem Kanon
zusammengefat: Wenn zwei oder mehr Instanzen des zu erforschenden
Phnomens nur einen Umstand gemein haben, so ist der Umstand, in dem
allein alle Instanzen bereinstimmen, die Ursache (oder Wirkung) des
gegebenen Phnomens.

Bezeichnen wir das Antecedens mit groen und das entsprechende
Consequens mit kleinen Buchstaben, so ergibt sich folgendes Schema:

                              A B C  a b c
                              A D E  a d e
                              A F G  a f g

Da B C D E F G nicht jedesmal dabei sind, wenn a auf A folgt, so knnen
sie jedenfalls nicht die Ursachen sein, also mu es A sein. Die Wirkung
a sei z. B. Kristallisation. Wir vergleichen Flle, in denen Krper
kristallinisches Gefge annehmen, aber sonst in nichts bereinstimmen;
zeigt sich, da sie nur _ein_ Antecedens gemeinsam haben, nmlich:
Ablagerung eines festen Stoffes aus einem flssigen Zustand, so
schlieen wir, da das Festwerden einer Substanz aus einem flssigen
Zustand ein unabnderlich vorangehender Umstand seiner Kristallisation
ist.

Die _Methode der Differenz_ wird von Mill folgendermaen gefat:

Wenn eine Instanz, in der das zu erforschende Phnomen eintritt, und
eine Instanz, in der es nicht eintritt, jeden Umstand bis auf einen
gemein haben, indem dieser eine nur in der ersteren vorhanden ist: so
ist der Umstand, in dem die beiden Instanzen voneinander abweichen, die
Wirkung oder die Ursache oder ein unentbehrlicher Teil der Ursache des
Phnomens.

Hier werden also zwei Flle verglichen, die sich durch nichts anderes
unterscheiden, als dadurch, da in dem einen A und a gegenwrtig ist und
in dem andern fehlt, nach dem Schema:

                                B C   b c
                              A B C a b c

Wenn jemand durchs Herz geschossen wird, so wissen wir, da es der Schu
war, der ihn ttete, weil er unmittelbar vorher noch in der Vollkraft
des Lebens war und als neues %Antecedens% A nur die Wunde hinzukam. Die
Wirkung a, der Tod, die ebenfalls neu hinzukam, mu deshalb durch A
bewirkt sein.

Dieses Hinzutreten eines neuen Elements mit darauffolgender Wirkung kann
leicht auch knstlich zustande gebracht werden. Die Differenzmethode ist
daher vorzugsweise die Methode des _Experiments_.

Mill unterscheidet dann noch eine vereinigte bereinstimmungs- und
Unterschiedsmethode, eine Methode der Rckstnde und eine Methode der
Begleitvernderungen.

3. Die Induktion fhrt auch zu _blo empirischen Gesetzen_, die keinen
urschlichen Zusammenhang, sondern nur ein tatschliches Geschehen oder
regelmige Zusammenhnge verschiedener Vorgnge aussagen, z. B., da
ein frei fallender Krper Rume beschreibt, die den Quadraten der Zeit
proportional sind, oder da Ebbe und Flut in regelmigen
Zeitabschnitten wechseln. Es ist freilich die _Aufgabe der
Wissenschaft_, auch diese zunchst empirischen Gesetze auf kausale
Zusammenhnge zurckzufhren.

4. Durch die _generalisierende Induktion_ gelangt man _von spezielleren
Gesetzen zu allgemeineren_. Wenn A B C bereinstimmend das Prdikat P
haben, so wird geschlossen, da dies seinen Grund in gewissen
gemeinsamen Merkmalen E und F habe; aus diesen Merkmalen E und F wird
dann der hhere Gattungsbegriff gebildet und angenommen, da alle
Gegenstnde, die unter denselben fallen, das Prdikat P haben mssen. So
gelangt man z. B. zu dem allgemeinen Gesetz, da alle Krper, die
schwerer sind als Wasser, im Wasser untersinken. Dabei wird allerdings
eine ber die Erfahrung hinausgehende Voraussetzung gemacht, nmlich
die, da aus bereinstimmenden Grnden auch bereinstimmende Folgen
flieen.


 72. Das deduktive Verfahren.

_Die Deduktion steigt vom Allgemeinen zum Besonderen und Einzelnen
herab_: teils setzt sie die gewonnenen allgemeinen Begriffe und
Wahrheiten in Beziehung zueinander und gewinnt daraus _neue allgemeine
Erkenntnisse_, wie dies in ausgedehntem Mae die Mathematik tut; teils
leitet sie aus den erkannten allgemeinen Gesetzen die _einzelnen
tatschlichen Erscheinungen_ ab. Es ist daher hauptschlich die Aufgabe
der Deduktion, _die gegebene wirkliche Welt aus Gesetzen zu erklren_.
Dies geschieht durch einfache Syllogismen, welche den gegebenen Fall als
Folge eines oder mehrerer bekannter Gesetze darstellen. So erklrt sie
z. B. die Tatsache, da eine Flasche, in der Wasser gefriert,
zerspringt, aus dem Gesetz, da Wasser beim Gefrieren sich ausdehnt, und
aus dem andern, da das Glas wegen seiner Sprdigkeit sich nicht
ausdehnen kann. Auf demselben deduktiven Wege, durch Ableitung aus einer
Reihe von bereits feststehenden physikalischen Gesetzen wre z. B. die
mechanische Leistung einer Lokomotive zu erklren.


 73. Die Verbindung von Induktion und Deduktion und die Hypothese.

Aus einer Betrachtung der Induktion und der Deduktion folgt unmittelbar,
da _sie einander nicht entbehren knnen_. Die Deduktion geht aus von
allgemeinen Stzen und bedarf deshalb der Induktion, die allgemeine
Stze findet. Die Induktion fhrt nur zu einem hheren Grade von
Wahrscheinlichkeit und bedarf einer fortwhrenden Prfung ihrer
Resultate. Dies geschieht am besten dadurch, da man aus den allgemeinen
Stzen, die durch Induktion gewonnen sind, nun zur Probe fr ihre
Richtigkeit versucht, deduktiv das Einzelne daraus zu erklren.

Das Hauptmittel, diese Verbindung beider Methoden fr die Wissenschaft
fruchtbar zu machen, ist die _Hypothese_. Die Hypothese _ist die
vorlufige Annahme der Wahrheit eines Satzes zum Zweck ihrer Prfung an
den daraus abgeleiteten Folgen_. Jede einzelne Folgerung aus der
Hypothese, die formell richtig abgeleitet ist, aber mit den Tatsachen
oder anderen wahren Stzen in Widerspruch steht, beweist die
_Unwahrheit der Hypothese_. Jede Folge, die materiale Wahrheit hat,
fhrt aber nur zu _grerer Wahrscheinlichkeit_, die sich allerdings der
vollen Gewiheit nhern kann. Die Hypothese ist ferner um so
wahrscheinlicher, je einfacher sie ist und je weniger sie
_Hilfshypothesen_ braucht. Die Hypothese erlangt Gewiheit und wird zur
_Theorie_, wenn es gelingt, sie als das einzig mgliche Mittel zur
Erklrung aller in Betracht kommenden Tatsachen nachzuweisen oder sie
von bereits anerkannten Stzen abzuleiten.

Die _Entwickelung der Wissenschaft_ geht _immer durch Hypothesen
hindurch_. Dies zeigt z. B. die ganze Geschichte der Astronomie;
Hypothesen sind ferner die philologischen Konjekturen, die Versuche zur
Erklrung des Lichtes, die Entwicklungslehre Darwins, die Diagnose des
Arztes.


 74. Das System.

_Das System ist die Verbindung zusammengehriger Erkenntnisse zu einem
logisch geordneten Ganzen._ Die _Wissenschaft_ ist die Zusammenfassung
der in irgend einem Zeitpunkt erreichten gleichartigen Erkenntnisse in
der Form dieser Verbindung. Wre die Wissenschaft als System vollendet,
so mte einerseits eine _vollkommene Klassifikation_, anderseits eine
_vollkommene Deduktion_ erreicht sein. Die _Gesamtheit der Begriffe_
mte eine _Pyramide_ darstellen, deren Spitze der hchste Begriff,
deren Grundlage die untersten Arten bilden wrden, die selbst die
gesamte wirkliche Welt umfaten. Die Deduktion aber wrde alle _wahren
Urteile_ durch _ein System von Schlssen_, durch eine Kette von Beweisen
verbinden, die in ununterbrochener Reihenfolge zu den letzten
Prmissen, zu den Axiomen zurckfhren wrden.

Die Wissenschaften sind noch weit von diesem _logischen Ideal_ entfernt,
aber sie werden dasselbe _nicht entbehren knnen_, wenn sie nicht in
Einseitigkeit verfallen wollen, ob es nun als erreichbar gilt oder
nicht, ob es nur als regulatives Prinzip, oder als wirkliches Ziel
angesehen wird. Der Geist der Zeit, die Hegemonie der Naturwissenschaft
hat _die von unten aufbauende Methode in den Vordergrund gestellt_, und
mit Recht wenden sich die besten Krfte der genauen Erforschung der
Erfahrungswelt zu, aber die wissenschaftliche Arbeitsteilung droht das
Ganze der Wissenschaft und der Wissenschaften in lauter kleine und
kleinste Teile zu zersplittern: es ist die _Aufgabe der Philosophie_, das
Bewutsein wach zu erhalten, _da die Wissenschaft nur als Ganzes ihren
Zweck erfllt_, und da sie das nur kann, solange sie den Gedanken
festhlt, wenn auch nur als leitenden Grundsatz, da die
wissenschaftliche Arbeit _von unten_ und die _von oben her_ einmal
_zusammenkommen_ mssen.




Literatur.


A. Einleitung in die Philosophie:

_Klpe_, O., Einleitung in die Philosophie. 2. Aufl. 1898.

_Paulsen_, F., Einleitung in die Philosophie. 6. Aufl. 1900.

_Volkelt_, I., Vortrge zur Einfhrung in die Philosophie der Gegenwart.
1892.

_Windelband_, W., Prludien, Aufstze und Reden zur Einleitung in die
Philosophie. 2. Aufl. 1903.

_Wundt_, W., Einleitung in die Philosophie. 1901.


B. Geschichte der Philosophie.[A]


I. Geschichte der Philosophie berhaupt:

_Bergmann_, J., Geschichte der Philosophie. 2 Bnde. 1892/93.

_Erdmann_, J., Grundri der Geschichte der Philosophie. 2 Bde. 4. Aufl.
1895/96.

_Eucken_, R., Die Lebensanschauungen der groen Denker. 3. Aufl. 1899.

_Rehmke_, J., Grundri der Geschichte der Philosophie. 1896.

_berweg-Heinze_, Grundri der Geschichte der Philosophie. 4 Bde. 8.
Aufl. 1894-97.

_Windelband_, W., Geschichte der Philosophie. 2. Aufl. 1900.

  [A] Die Titel derjenigen Bcher von B bis D, welche neben dem
  beginnenden Studium der Originalwerke der klassischen Philosophen zur
  weiteren Einfhrung und zur Vorbereitung auf die groen systematischen
  Werke wegen ihrer greren Verstndlichkeit sich eignen, sind
  _gesperrt gedruckt_.


II. Alte Philosophie:

_Deussen_, Allgemeine Geschichte der Philosophie. Bd. I und II 1894/99
(Indische Philosophie).

_Gomperz_, Th., Griechische Denker. Geschichte der antiken Philosophie.
Bd. I und II. 1901.

_Zeller_, E., Die Philosophie der Griechen. 5 Bde. 3.-5. Aufl. 1879-92.

    "     "   _Grundri der Geschichte der griechischen Philosophie_.
5. Aufl. 1898.


III. Neuere Philosophie:

_Falckenberg_, R., _Geschichte der neueren Philosophie von Nikolaus von
Kues bis zur Gegenwart_. 3. Aufl. 1898.

_Fischer_, K., _Geschichte der neueren Philosophie_. 9 Bde. 4. Aufl.
1897-1901.

_Hffding_, G., Geschichte der neueren Philosophie. 1895/96.

_Windelband_, W., _Die Geschichte der neueren Philosophie_. 2 Bde. 2.
Aufl. 1899.


C. Psychologie:

_Ebbinghaus_, H., Grundzge der Psychologie. Bd. I. 1901.

_Hffding_, H., _Psychologie in Umrissen_. 3. deutsche Ausgabe. 1901.

_Hfler_, A., Psychologie. 1897.

_Jodl_, F., Lehrbuch der Psychologie. 2. Aufl. 1903.

_Klpe_, O., Grundri der Psychologie. 1893.

_Lipps_, Th., Grundtatsachen des Seelenlebens. 1883.

_Lotze_, H., _Grundzge der Psychologie_. 4. Aufl. 1889.

   "     "   Mikrokosmus. 3. Aufl. 1876 ff. Bd. II.

_Volkmann_, A. W., Lehrbuch der Psychologie. 2 Bde. 4. Aufl. 1894/95.

_Wundt_, W., _Vorlesungen ber die Menschen- und Tierseele_. 3. Aufl.
1897.

   "     "  Grundri der Psychologie. 4. Aufl. 1901.

   "     "  Grundzge der physiologischen Psychologie. 5. Aufl. 1902.
Bd. I und II.

   "     "  Vlkerpsychologie. 1900. Bd. I u. II (die Sprache).

_Ziehen_, Th., Leitfaden der physiologischen Psychologie. 5. Aufl. 1900.


D. Logik:

_Erdmann_, B., Logik. Bd. I. 1892.

_Lipps_, Th., _Grundzge der Logik._ 1893.

_Lotze_, H., Logik. 2. Aufl. 1880.

_Mill_, J. St., System der deduktiven und induktiven Logik. Deutsch von
Schiel. 3 Bde. 4. Aufl. 1877.

_Sigwart_, Ch., _Logik_. 2 Bde. 2. Aufl. 1889/93.

_berweg_, F., System der Logik und Geschichte der logischen Lehren. 5.
Aufl. 1882.

_Wundt_, W., Logik. 3 Bde. 2. Aufl. 1893/95.

       *       *       *       *       *

Weitere Werke des Verfassers vorliegender Psychologie und Logik:

_Elsenhans_, Th., Wesen und Entstehung des Gewissens. 1894.

      "       "   Selbstbeobachtung und Experiment in der Psychologie.
1897.

      "       "   Das Kant-Friesische Problem. 1902.




Namen- und Sachregister.


Affekt 44.

Alpdrcken 27.

Analogieschlu 122 f.

Anaxagoras 9.

quipollenz 94.

Aristoteles 9. 103.

Assoziation 28. 31. 66.

sthetik 8.

sthetische Gefhle 42 f.

Atomisten 9.

Aufmerksamkeit 30. 68.

Ausdrucksbewegungen 59.

Axiome 129.


Baco 10.

Begierde 55.

Begriff 33. 69 f.;
  Merkmale des B. 70;
  Arten der B. 72 ff.;
  Umfang des B. 71 f. 128.

Begriffsbestimmung 124 ff.

Beneke 111.

Bergmann 140.

Bewegungen 66;
  unwillkrliche B. 53 f.

Beweis 129 ff.


Charakter 63. 67.


Deduktion 136 ff.

Definition 124 ff.

Denken 33.

Descartes 10. 16.

Determination 127.

Determinismus 58.

Deussen 141.

Deutlichkeit 72.


Ebbinghaus 141.

Eigennamen 33.

Einheit des Bewutseins 18 f.

Einteilung 126 ff.

Eleaten 9.

Elsenhans 142.

Empfindung 21 ff.

Empirismus 10.

Enge des Bewutseins 29.

Entfernung 36 f. 62. 66.

Enthymem 117.

Entschlu 56.

Epicherem 117.

Epikureer 10.

Erdmann, B. 142.

 "   "   J. 140.

Erkennen 33. 64. 68.

Erkenntnistheorie 68.

Ethik 8.

Euathlus, Sophisma des E. 120.

Eucken 140.


Falckenberg 141.

Fehlschlsse 118 ff.

Fichte 10.

Fischer, K. 141.


Galenus 99.

Gall 20.

Gebrden 59.

Gedchtnis 30 f.

Gefhl 39 f. 64 f.;
  Verlauf der G. 44;
  Abstumpfung der G. 45;
  Verstrkung der G. 45.;
  gemischte G. 46;
  Bedeutung der G. 50 ff.

Gefhlston 40.

Gehen 63.

Geisteskrankheit 19.

Gemeinvorstellung 32.

Gemt 44.

Geruch 39.

Geschmack 39.

Gesinnung 44.

Gewohnheit 62 f.

Gomperz 141.

Grundgesetze des Denkens 85 ff.


Hegel 11.

Heinze 140.

Heraklit 9.

Herbart 11. 16. 27.

Hffding 141.

Hfler 141.

Hrzentrum 20.

Hume 10.

Hypothese 137 f.

Hypothetisches Urteil 77 ff. 85-93. 97.


Idealismus 11.

Ideenassoziation 28 f.

Indeterminismus 58.

Individualbegriff 32.

Individualvorstellung 32.

Induktion 98. 132 ff.

Induktionsschlu 121 f.

Instinkt 54.

Intellektuelle Gefhle 42.

Jodl 141.


Kant 10. 25.

Kausalitt 39.

Kettenschlu 118.

Klarheit 72.

Kontradiktorischer Gegensatz 73.

Kontraposition 92 f. 97.

Kontrrer Gegensatz 73 f.

Konversion 90 ff. 97.

Klpe 140. 141.


Lachen 59.

Lebensgefhl 46 f.

Leibniz 10. 16.

Leidenschaft 44.

Lipps, Th. 141. 142.

Locke 10.

Logik 8. 13. 66 ff.

Lokalisationstheorie 20.

Lokalzeichen 38.

Lotze 11. 16. 38. 111. 141. 142.


Materialismus 11. 16. 19.

Metaphysik 8.

Mill, J. St. 10. 112. 133 ff. 142.

Mitgefhl 49 f.

Mittelbegriff 98.

Modale Konsequenz 96.

Motiv 56.

Motorisches Zentrum 20.

Mller, Joh. 23.


Nachahmungsbewegung 55.

Nachbilder 24.

Nervensystem 19 f.

Neukantianismus 11.

Neuplatoniker 10.


Oberbegriff 98.

Opposition 94 ff.


Parallaxe 37.

Partialgefhle 45.

Paulsen 140.

Pessimismus 11. 40.

Petrus Hispanus 103.

Physiologische Psychologie 15.

Physiologische Zeit 53.

Plato 9.

Positivismus 11.

Prmissen 98.

Psychologie 12. 14 f.

Phytagoreer 9.


Rationalismus 10.

Raumvorstellung 36 f.

Reflexbewegungen 53.

Reflexhemmungen 54.

Rehmke 140.

Religion 8 f.

Religise Gefhle 43.

Reproduktion 30.


Schauspielkunst 61.

Schelling 11.

Schlu 33 f. 85 ff.

Schlufiguren 103 ff.

Schmerz 41.

Scholastiker 103.

Schopenhauer 11. 25.

Schrift 61.

Seelenvermgen 20 f.

Seele und Krper 16 f.

Sehzentrum 20.

Selbstgefhl 49 f.

Sigwart 111. 142.

Sinnesenergie, spezifische 23.

Sinnestuschungen 12.

Sittliche Gefhle 43.

Sokrates 9.

Sophisten 9.

Sorites 118.

Spencer 10.

Spinoza 10.

Spiritualismus 16.

Sprache 32 f. 60 f.

Stimmung 47.

Stoiker 10.

Subalternation 93 f.

Syllogismus 98 ff. 110 ff.

System 138 f.


Temperamente 48.

Thales 9.

Tiefenvorstellung 38.

Totalgefhle 45.

Trauer 69.

Traumzustand 27.

Trendelenburg 11.

Trieb 55 f.

Trugschlsse 118 ff.


berweg 140. 142.

bung 29. 31. 62.

Umwandlung der Relation 93.

Unbewute Zustnde 27.

Unterbegriff 98.

Urteil 33 f. 74 ff.;
  Einteilung der U. 75 ff.;
  analytische u. synthetische 88 ff.

Urteilsarten 81 ff.


Vernunft 34.

Verstand 34.

Volkelt 140.

Volkmann 141.

Vorsatz 56.

Vorstellung 24 f. 32.

Vorstellungsverlauf 25 ff.


Wahrnehmung 24 f.

Webersches Gesetz 23.

Widerlegung 130.

Wiederholung 66.

Wille 52 ff.; 65 f.

Willenszeit 54.

Windelband 140. 141.

Witz 59.

Wortblindheit 24.

Wundt 49. 111. 140. 142.

Wunsch 56.


Zeitvorstellung 35 f.

Zeller, E. 141.

Zerstreutheit 30.

Ziehen 142.

Zirkel 126.

Zorn 65.





End of Project Gutenberg's Psychologie und Logik, by Theodor Elsenhans

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PSYCHOLOGIE UND LOGIK ***

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