The Project Gutenberg EBook of Singapore, Malacca, Java., by Fedor Jagor

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Title: Singapore, Malacca, Java.
       Reiseskizzen von F. Jagor.

Author: Fedor Jagor

Release Date: December 10, 2013 [EBook #44405]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SINGAPORE, MALACCA, JAVA. ***




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                           SINGAPORE MALACCA
                                 JAVA.

                             ~REISESKIZZEN~

                                  VON

                               F. JAGOR.

                 MIT VIERUNDZWANZIG FEDERZEICHNUNGEN.

                             [Illustration]

                              BERLIN 1866.

                       VERLAG VON JULIUS SPRINGER.

                            MONBIJOU-PLATZ 3




Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.




VORWORT.


Die Absicht des Verfassers ist, in den vorliegenden Reiseskizzen,
welche achtzehn Monate einer fast fnfjhrigen Reise umfassen, kurze
Schilderungen der hervorragendsten Gegenstnde zu geben; die rein
persnlichen Erlebnisse und rein wissenschaftlichen Einzelnheiten sind
daher in der Regel fortgelassen worden, whrend Dinge, die fr einen
grsseren Leserkreis von Interesse schienen, etwas ausfhrlicher
behandelt worden sind. -- Die Angaben ber den Kaffee- und Reisbau in
Java sind zum grossen Theil aus zwei von der Maatschappij tot nut van
't algemeen herausgegebenen Schriften "de Koffij" und "de Rijst"
entnommen, viele Angaben ber die Cinchonen aus: Travels in Peru and
India von Markham, der die Pflanzen nach Indien bersiedelte. Ferner
sind benutzt worden: Journal of the Indian Archipelago, Crawfurd
Dictionary, Singapore Free Press, Singapore Straits Times, Royle
fibrous plants of India, Porter Tropical agriculturist, Nassau-Lees
Tea Cultivation in India, Tijdschrift voor Nederlandsch Indie,
Tijdschrift voor taal-, land- en volkenkunde, Junghuhn's Java.

Die Bilder sind nach Originalzeichnungen und Photographien des
Verfassers ausgefhrt, zum Theil von ihm befreundeten bedeutenden
Knstlern, die ihm mit der liebenswrdigsten, uneigenntzigsten
Bereitwilligkeit entgegengekommen sind; die Bilder zu S. 35, 36, 50, 54,
101 nach Photographien, die zu 129, 138, 215, 218, 226 nach
Camera-lucida-Aufnahmen, so dass sie fast die Genauigkeit von
Photographien haben. Die Schiffe zu S. 7 und 50 sind Dumont d'Urville's
Atlas entnommen, die Vgel S. 198 und die Fledermaus 216 nach
ausgestopften Exemplaren gezeichnet.

       *       *       *       *       *

Die malayischen Namen sind nach der deutschen Aussprache geschrieben;
_s_ muss aber = _ss_ gesprochen werden.

1 Seemeile, 60 auf den Grad, = 1/4 deutsche Meile. 1 Mile (engl.) = 2/9
deutsche Meilen.

Bei Singapore und Malacca sind englische, bei Java folgende Maasse
gebraucht: Pariser Fuss = 0,325 M. = 1,035' rh., Paal = 1/5 preuss.
Meile = 4800' rh., Bau = 71 ares = 500 Quadratruthen.

In Singapore und Malacca wird der Pikul (= 100 Katti), wie in
China, = 133-1/3 lb. engl. a. d. p. = 120,96 Zoll lb., in Java = 125
lb. = 136 lb. engl. = 123,4 Zoll lb. gerechnet. 1 Ton = 20 Cwts. =
2240 lb. engl. = 2032 Zoll lb.. 1 Dollar = 42,4 Sgr., 1 Rupie = 20 Sgr.

[Illustration]

In der Unterschrift zur Zeichnung S. 210 lese man Bandjar-negara statt
Wonosobo.




Inhalt.


  Singapore.

  ~Erstes Kapitel.~ Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord.
  -- Gefrbte See. -- Ankunft in Singapore                            3.

  ~Zweites Kapitel.~ Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. --
  Nipa-Palme. -- Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest          9.

  ~Drittes Kapitel.~ Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung.
  -- Europer. -- Frchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener              17.

  ~Viertes Kapitel.~ Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. --
  Reis. -- Chinesen. -- Malayen. -- Malayische Sprache               33.

  ~Fnftes Kapitel.~ Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. --
  Pfeffer. -- Gambir. -- Sago                                        54.

  ~Sechstes Kapitel.~ Opium                                          70.

  ~Siebentes Kapitel.~ Grndung und schnelles Aufblhen
  Singapores. -- Rhiow. -- Seeruberei. -- Malayische Kronik. --
  Uebersicht der Verkehrsverhltnisse, sonst und jetzt. --
  Ausbreitung der Chinesen. -- Dampfschiffe                          81.


  Malacca.

  Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca.
  -- Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. --
  Neuer Pungulu in Allor-gadja. -- Rckkehr zu den Mintras. --
  Eheprchen. -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. --
  Der Dato von Lingi. -- Zustnde in den kleinen Malayenstaaten.
  -- Zinn. -- Leben im Walde. -- Zweckmssige Kleidung. --
  Insektenpulver. -- Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von
  Malacca. -- Tapioka. -- Djaggeri                                   99.


  Java.

  ~Erstes Kapitel.~ Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten.
  -- Gunong Salak. -- Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. --
  Erdnsse. -- Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans
  und Gasthuser. -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. --
  Junghuhn                                                          127.

  ~Zweites Kapitel.~ Reise nach Trogon. -- Strassen. --
  Waringibume. -- Bogenschiessen. -- Religion der Javanen. --
  Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch Wasser. -- Solfataren. --
  Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga bodas. -- Kaffeebau.
  -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische Kche. --
  Tnzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik                        142.

  ~Drittes Kapitel.~ Reise nach dem Malabar. --
  Cinchonenpflanzungen daselbst. -- Cinchonenbau in Java und
  Vorderindien. -- Tischchen deck' dich. -- Bambus. -- Grtnerei.
  -- Pangerango                                                     167.

  ~Viertes Kapitel.~ Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. --
  Tiger. -- Kawali. -- Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch
  des Gelungung. -- Bffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. --
  Universalmittel. -- Pfahldorf. -- Zimmet. Loro-Kidul. -- Essbare
  Vogelnester und aberglubische Gebruche beim Einsammeln
  derselben. -- Kampf zwischen Tiger und Bffel. -- Tigerstechen.
  -- Reise nach dem Slamat. -- Rhinozerosse                         182.

  ~Fnftes Kapitel.~ Hochebene von Deng. Vulkane. Solfataren.
  Tempel. -- Vogelscheuchen. -- Tempel Perot. -- Affengemeinde.
  -- Bad. - Fliegende Hunde. -- Borobudor. Pavon. Mundut. --
  Sultan von Jokjokarta und seine Familie. -- Salzgewinnung. --
  Karang-tritis. -- Getuschter Gastfreund. -- Landpchter. --
  Indigofabriken. -- Begrbnissplatz Imogiri. -- Tempel bei
  Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der Kaiser und sein
  Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. -- Der alte
  Blcher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest in
  Surakarta                                                         209.

  ~Sechstes Kapitel.~ Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule.
  Waisenhaus. -- Surabaya. Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang.
  -- Ardjuno. Legende. -- Semeru. -- Lamongan. Gewitter. --
  Rckkehr nach Batavia                                             234.




Singapore.




Erstes Kapitel.

    Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord. -- Gefrbte See. --
    Ankunft in Singapore.


Im Juni 1857 verliess ich Hamburg und landete nach 105 Tagen in
Singapore. Fr unser Schiff, das selbst bei dem besten Winde selten mehr
als sechs Seemeilen in der Stunde machte, war es eine sehr schnelle
Reise, die ohne die besondere Gunst des Wetters und den rastlosen Eifer
des Kapitns nicht mglich gewesen wre. Klipperschiffe fahren oft mit
mehr als doppelter Geschwindigkeit und dennoch pflegen sie den Weg kaum
in krzerer Zeit zurckzulegen, da sie bei Windstillen, deren fnf Zonen
zu passiren sind, leicht wieder einbssen, was sie bei gutem Winde
gewonnen haben. So kam es auf hoher See mehrere Male vor, dass bessere
Segler uns berholten, und dennoch fand sich bei Vergleichung unserer
Daten, dass sie Europa vor uns verlassen hatten, also lnger unterwegs
waren, als wir.

Ausgenommen zwei kleine wste Felsen, Martin Vas und Trinidad, die in
20-1/2 sdlicher Breite vor der Kste von Brasilien liegen, sahen wir
auf der ganzen Reise kein Land; zwar htten wir den 12,172 Fuss hohen
Pik von Teneriffa erblicken mssen, da wir nur 30 Seemeilen davon
vorberfuhren, der Nebel verhllte ihn aber.[1]

Als wir Ende Juli bei Tagesanbruch mit dem leisesten Luftzug an jenen
Felsen vorbertrieben, waren vom Mast aus dreizehn Schiffe in Sicht,
deren Wege sich hier kreuzten. Mit Hlfe der Marryat'schen
Flaggensignale entstand bald eine lebhafte Unterhaltung; jeder fragt und
versteht die Antwort in seiner eigenen Sprache, unbekmmert um das Idiom
seines Korrespondenten, man tauscht die Namen aus, erkundigt sich,
woher, wohin, und schliesst nach einigen Spezialfragen gewhnlich mit
einem freundlichen Gruss. Ein schnes Schiff, nach seiner Reisedauer
gefragt, erwiderte aber barsch: das geht Niemand etwas an;
wahrscheinlich war es lange unterwegs und rgerte sich darber.[2]

Maury hat so anschaulich geschildert, wie das scheinbar pfadlose Meer in
Wirklichkeit von grossen Handelsstrassen durchschnitten wird, auf
welchen sich alle Schiffe bewegen, wie die Karawanen in der Wste, und
hier befanden wir uns offenbar an einem Kreuzpunkt: Schiffe, die um das
Kap Horn, andere, die um das Kap der guten Hoffnung gekommen waren, und
solche, die von Europa kamen und nach den stlichen oder westlichen
Gestaden des stillen Meeres wollten, begegneten sich hier. Bei gutem
Winde eilen die Schiffe schnell an einander vorber; eine so zahlreiche
Versammlung ist nur bei Windstillen auf solchen Hauptstrassen mglich.

Wir befanden uns zwischen der sdlichen Grenze des SO.-Passats und der
nrdlichen des westlichen Gegenstromes. Am Nachmittag begannen wir
allmlig den Einfluss des letzteren zu fhlen und schon am folgenden
Tage empfanden wir seine volle Wirksamkeit. Diese westlichen Winde sind
viel krftiger und konstanter, als der SO.-Passat, sie brachten uns
schnell um's Kap; wir fuhren aber 5 sdlich daran vorbei, sowohl um die
Agulhas-Strmung zu vermeiden, die, aus dem indischen Ozean kommend,
sich dicht um's Kap herum drngt und dann im sdatlantischen Ozean
fcherfrmig ausbreitet (sie wird von den heimkehrenden Schiffen
benutzt), als auch, um den Weg abzukrzen, indem wir nicht einem
Parallel-, sondern einem grssten Kreise folgten. Auf der Mercators
Projection scheint unser Kurs ein Umweg zu sein, auf dem Globus ergiebt
sich der Vortheil sogleich.

So lange wir uns in diesen Breiten befanden, waren, da der August unserm
Februar entspricht, Sturmvgel, Sturzwellen, Schnee und kaltes Wetter
unsere bestndigen Begleiter, freilich hatten wir auch immer frische
Brisen, die sich zuweilen bis zum Sturm steigerten. Das Schiff war aber
schon seit Wochen darauf vorbereitet; alles, was nicht fortgestaut
werden konnte, war festgemacht, alle nicht ganz zuverlssigen Segel und
Taue durch neue ersetzt und, da gegen die Tchtigkeit des Schiffes wie
des Kapitns kein Zweifel bestand, so war es ein grosses Vergngen,
pfeilschnell durch die hohen Wellen getrieben zu werden.[3]

Als wir uns schon wieder in wrmeren Breiten im indischen Ozean
befanden, brach Nachts Feuer aus. Es schlief Alles, ausgenommen der
Steuermann und vielleicht die wachthabenden Matrosen, die sich auf dem
Vorderdeck aufhielten. Durch einen Zufall wurde die Gefahr bemerkt, als
schon der ganze Salon mit dichtem Rauch erfllt war. Die Wand einer
Kajte brannte in hellen Flammen, und wenig fehlte, so wre der daneben
liegende Raum, in welchem Theer, Firniss und andere Brennstoffe
aufbewahrt wurden, von der Flamme ergriffen worden und jede Rettung
unmglich gewesen. Wir hatten 1000 Centner Pulver an Bord, die der
Rheder bis zum Tage vor der Abfahrt klug verschwiegen hatte. Das Feuer
wurde schnell gelscht. Wie so hufig bei wirklich grosser Gefahr,
verlor Niemand den Kopf; eine gewisse Aufregung war nur an dem
Schiffsjungen zu bemerken, der als Urheber des Brandes eine Tracht
Prgel erhielt.

Am 20. September mussten wir nach der Schiffsrechnung ganz nahe bei der
Sunda-Strasse sein. 52 Tage waren vergangen, seitdem wir jene Felsen
gesehen, deren astronomisch bestimmte Lage uns zum letzten male
Gelegenheit gegeben hatte, den Gang unseres Chronometers zu prfen.[4]
Es war ein sehr trber Tag, alle Augen suchten den Horizont ab, um
zuerst Land zu entdecken. Endlich schien an einer Stelle der Nebel etwas
dichter zu werden; es war keine Wolke, die Form zeichnete sich immer
bestimmter, mehr und mehr Einzelheiten traten hervor, wie bei dem
Entwickeln einer Photographie, und bald lag Javahoofd deutlich vor uns
in der Gegend, wo es liegen sollte. Das Tageslicht reichte noch aus, um
uns den Felsen, die Brandung und die ppige Vegetation der Sdostspitze
Java's deutlich erkennen zu lassen; da es aber nicht rathsam schien, uns
Nachts in die enge Sunda-Strasse zu wagen, so wurde beigedreht, um den
Tag abzuwarten. Javahoofd bildet den stlichen Pfeiler des einen
Hauptthores zur indischen Inselwelt. Es ist im Besitz der Hollnder. Als
das zweite Hauptthor muss man die Strasse von Malacca betrachten, durch
welche der ganze Handel zwischen China und Indien geht. Es ist durch die
Niederlassungen von Pulo-Pinang, Malacca und Singapore in den Hnden
der Englnder; das sdliche Ufer, die Kste von Sumatra, gehrt zwar den
Hollndern, doch ist es fr die Schifffahrt nicht geeignet, so dass die
Englnder in ungestrtem Besitze dieser Strasse sind.

[Illustration]

Von hier an war die Fahrt hchst angenehm; wie ein grosses bewegliches
Panorama zogen lange Kstenstriche von Java, Sumatra, Banca und viele
kleine Inseln, bis an den Meeresspiegel dicht bewaldet, an uns vorber.
Gleich an der Eingangspforte ragte der Vulkan Krokotan aus dem Meere
hervor, stark rauchend, whrend der dahinter liegende Vulkan Pulo-Besi
nur seinen Umriss durch den Nebelschleier erkennen liess. An Anjer, wo
die Sundanesen den Schiffen gewhnlich das erste Willkommen in der
Tropenwelt darbringen, kamen wir leider Nachts vorber, so dass wir von
den kstlichen Frchten und anderen Erfrischungen nichts erhielten. Das
Meer wurde immer belebter, in ganzen Geschwadern erschienen die
sonderbarsten kleinen Schiffe, zwischen deren hohen Mattensegeln fast
nackte Eingeborne wie Katzen herumkletterten. Die letzten Sturmvgel
hatten uns in 26 sdl. Br. verlassen, jetzt schwebten Tropikvgel hoch
ber uns hin, mehrere kleine bunte Snger kamen an Bord, um auszuruhen,
und die Matrosen litten nicht, dass die Schiffsjungen das Gastrecht
gegen sie verletzten. Auch einen Schmetterling trug uns der Wind zu und
einige glnzende Kfer.

In diesem von Inseln eingeschlossenen Meere regte sich nur ein sanfter
Luftzug, wir brauchten eine Woche bis Singapore, obgleich die Entfernung
von Javahead wenig ber 500 Seemeilen betrgt. Doch war dies immerhin
noch kein ungnstiges Verhltniss. Ein Klipper, der einige Monate nach
uns in Singapore eintraf, hatte die Reise von Australien bis zu jenem
Kap in ungewhnlich kurzer Zeit zurckgelegt, und brauchte von dort
sechs Wochen, um den Hafen zu erreichen. Die Segelschiffe sind hier so
hufigen Windstillen ausgesetzt, dass man die wahrscheinliche Reisedauer
nach Europa gehender Schiffe gewhnlich erst von dem Tage an rechnet, wo
sie die Sunda-Strasse passirt haben. In Anjer werden alle aus- und
einfahrenden Schiffe verzeichnet und in besonderen Listen bekannt
gemacht; die Betheiligten suchen mit Ungeduld den Namen ihres Schiffes
darin, weil erst ausserhalb der Sunda-Strasse auf bestndige Winde zu
rechnen ist.

Am 21. September war das Meer mit einer Substanz bedeckt, die vom Schiff
aus tuschend wie Sgesphne aussah (wahrscheinlich Cook's sea
saw-dust); sie war nicht gleichmssig ber die Oberflche vertheilt,
sondern in parallele Streifen geordnet, die 1 bis 10 Fuss breit waren
und in sehr verschiedenen Zwischenrumen einander folgten. Zuweilen
fuhren wir stundenlang durch Bnder, die nur wenige Fuss von einander
getrennt waren, dann kamen Zwischenrume von 10 bis 20 Minuten vor, die
bei unserer langsamen Fahrt Entfernungen von 1/2 bis 1-1/2 Seemeilen
entsprachen. Selbst vom Mast aus gesehen, reichten die Streifen bis an
den Horizont. Fast drei Tage lang fuhren wir durch diese Substanz, am
Nachmittag des dritten Tages wurde das Meer bewegter, die Streifen
vermischten sich, die ganze Oberflche nahm eine gleichmssige
schmutzige Frbung an, am nchsten Morgen war die Erscheinung
verschwunden. Unter dem Mikroskop erschienen die einzelnen Partikelchen
als zierlich verflochtene Fden; jeder Faden bestand aus einer Reihe von
Zellen, deren Scheidewnde in der Mitte des Fadens flach, nach beiden
Enden hin gewlbter wurden und an den Enden selbst halbkugelfrmig
waren; jede dieser Zellen war noch durch eine gerade Querwand getheilt,
lngs der Mittellinie lagen Chlorophyllkgelchen. Bei dem Filtriren des
Wassers, in welchem die Substanz schwebte, rthete sich das Filtrum, wie
von Jod, die Frbung verschwand bald wieder. Es ist die von Professor
Ehrenberg im rothen Meer entdeckte, spter von vielen Reisenden
beobachtete Pflanze Trichodesmium erythraeum. Wo sie vorkommt, findet
sie sich immer in ungeheurer Menge beisammen. Vielleicht entstehen diese
Pflanzen in geschtzten Buchten, die durch Treibholz oder hnliche
Hindernisse zeitweise geschlossene Becken bilden, und wuchern darin so
lange fort, bis durch einen Zufall der schtzende Damm zerbrochen wird.
Dann wrde der ussere Rand der Einwirkung der Wellen blossgelegt
werden, die bei so ruhiger See vielleicht gerade die rechte Kraft
besssen, um je einen schmalen Streifen vom Rande zu lsen und
fortzuschwemmen. Da dies nur bei Ebbe stattfinden knnte, indem die
Fluth die Substanz zurckdrngen wrde, so entsprechen vielleicht die
grossen Zwischenrume, die wir zuweilen unter den Streifen wahrnahmen,
den Fluthzeiten.

Am Sonntag, nachdem wir zuerst das Land erblickt, kam ein leichter
Sampan auf uns zu und brachte einen malayischen Lootsen an Bord, der uns
durch die Rhiow-Strasse fhrte; es war ein ruhiger, intelligenter
Mensch, doch verstand er, mit Ausnahme der Schiffs-Ausdrcke, fast kein
Wort englisch. Mit Sonnenuntergang liessen wir auf der Rhede von
Singapore den Anker fallen. Natrlich gingen wir noch an's Land,
obgleich es schon Nacht war, es war entzckend wieder festen Boden unter
den Fssen zu haben, den wrzigen Duft der Bume einzuathmen, unter
Palmen zu wandeln. Einen eigenthmlichen Reiz, mit einem Anklang von
Bangigkeit, hatte es auch, die Eingeborenen vorbergleiten zu sehen, die
in der Dunkelheit so wild aussahen. Alles war so fremdartig, nicht
~eine~ europische Kleidung war zu sehen, bevor wir das Gasthaus
erreichten, wo wir den Abend mit Champagner, Chesterkse und englischen
Zeitungen beschlossen.




Zweites Kapitel.

    Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. -- Nipa-Palme. --
    Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest.


Als wir am andern Morgen an Bord erwachten, war das Schiff von einem
Kranz von Booten umgeben, die Geschfte mit uns machen wollten. Am
willkommensten war uns eine grosse Mannichfaltigkeit tropischer Frchte,
von denen ich nur Ananas, Cocos und Bananen kannte. Es kamen Schneider,
Schuhmacher, Wscher, Klempner, Hndler mit Getrnken, Fleisch,
Geflgel, Glaswaaren, Steingut, Kuriositten; ein wahrer schwimmender
Markt, als htte die Stadt eine Probe geschickt von Allem, was sie zu
leisten vermag, und unser Steuermann, der nach einer Fahrt von mehr als
100 Tagen noch nicht Lust hatte, an's Land zu gehen, konnte sich hier
wenigstens einen allgemeinen Ueberblick verschaffen. Die meisten Leute
sprachen ein paar Worte englisch, alle waren von einem ungeheuren
Schachergeist besessen, am eifrigsten, lautesten und zudringlichsten
gebahrten sich die Chinesen, wie sie auch die zahlreichsten waren.

Um uns auf der Rhede lag eine grosse Anzahl stattlicher europischer
und amerikanischer Schiffe, und hinter ihnen eine solche Musterkarte
der allersonderbarsten Fahrzeuge und Flaggen, wie sie vielleicht kein
anderer Hafen der Welt aufzuweisen haben mchte. Doch waren keine
chinesischen Junken darunter, diese fangen erst im December an, ihre
Heimath zu verlassen, wenn der NO.-Monsun in Kraft ist, und kommen
frhestens gegen Neujahr hier an.[5] Sind sie einmal hier, so richten
sie sich ganz huslich ein, da sie vor dem Monat Juni, wenn der
SW.-Monsun bestndig ist, selten zurckkehren. Obgleich ihre Zahl mit
jedem Jahre abnimmt und von europischen Schiffen ersetzt wird, sah
ich doch einige Monate spter ihrer viele hier liegen. Die Gestalt der
Junken ist aus chinesischen Bildern allgemein bekannt. Interessant ist
aber das Treiben an Bord und rings umher. Das Schiff wird gleich nach
Ankunft abgetakelt und in ein schwimmendes Waaren-Magazin verwandelt,
oder vielmehr in einen Bazar; denn die Ladung ist nicht einem
Superkargo anvertraut, sondern jeder handeltreibende Passagier (und
jeder Chinese treibt Handel) hat sein Geld in denjenigen Waaren
angelegt, die ihm den meisten Gewinn versprechen, und feilscht mit
seinen Kunden auf eigene Hand. Lange rothe Papierstreifen, mit grossen
Buchstaben bemalt, vertreten die Handelsschilder, Proben der
verkuflichen Waaren werden an den Seiten der Junke ausgehngt. Durch
eben so viele Kufer und Verkufer wird auch die Rckfracht beschafft,
und da die nie mssigen Chinesen, wenn sie sonst nichts zu thun haben,
die bsen Geister durch Gong-Musik und Knall-Feuerwerk vertreiben, so
herrscht immer um die Junken ein wster Lrm. Jetzt wimmelte der Hafen
von "Prauen" aller Art, die sich aber nun bald in Bewegung setzen, um
nach den stlich gelegenen Inseln und Ksten zurckzukehren. Diese
Fahrzeuge sind nur klein, aber sehr malerisch, manche reich mit
Schnitzwerk verziert, bunt bemalt und vergoldet. Die Mattensegel und
groben Stricke aus Rotang (spanisch Rohr) oder Palmenfasern, die
hlzernen Anker und die Bewaffnung vermehren das eigenthmliche
Ansehen. Die Kabel und Taue dieser Prauen bestehen zuweilen aus
dnngespaltenem, zusammengedrehtem Stuhlrohr, hufiger aus der
schwarzen Faser, die bei der Gomutipalme (Arenga saccharifera) den
Ursprung der Blattstiele am Stamm bekleidet (daher sie bei den
Spaniern Cabo negro heisst), oder aus Coir, der Faser, welche den Kern
der Cocosnuss umgiebt, derselben, die jetzt so viel zu Fussdecken
verarbeitet wird. Beide letztere sind zwar weniger stark, als
Hanfstricke, aber leichter und elastischer. Vor Erfindung der
Ankerketten hatten viele Schiffe in den indischen Gewssern
dergleichen Kabel, und hielten vor Anker Strme aus, bei denen
strkere, aber weniger elastische Hanfkabel zerrissen. Zu
Passagierbooten benutzt man die weitberhmten Sampans, leichte,
bequeme, schnelle Khne mit einem Sonnendach fr den Passagier. Sie
sollen nicht europischen Booten nachgebildet sein, sondern diesen zum
Theil als Muster gedient haben. Obgleich die Mannschaft aus vier
Ruderern und einem Steuermann besteht, sind sie sehr billig. Eine
Fahrt in solchem Boot, namentlich in der Gegend, wo die Schiffe der
Eingeborenen am dichtesten liegen, gehrt zu den angenehmsten
Ausflgen und liefert eine Unzahl interessanter Genrebilder. Noch
billiger, sicherer, freilich auch viel langsamer, fhrt man auf dem
Schuhboot der Chinesen; es ist fast so breit als lang, und wenn ein
schneller Raubfisch das Modell zum Sampan geliefert hat, so ist das
Schuhboot wohl der Schildkrte nachgebildet. Vorn hat es einen
Schnabel, wie andere Boote auch, an seinem abgestutzten Hintertheil
aber zwei kurze Schwnze, vorn ist natrlich auch auf jeder Seite ein
grosses, in die Tiefe schauendes Auge angebracht, sie fehlen keinem
chinesischen Fahrzeuge ("no got eye, how can see?"). Gegen das Land
hin nimmt das Gewimmel der kleinen Boote und Leichter immer mehr zu,
und an der Mndung des kurzen Flusses ist ein Gedrnge und Gesumme,
wie am Eingang eines Bienenkorbes.

[Illustration]

Wie bedeutend der Schiffsverkehr in Singapore, und wie sehr die deutsche
Rhederei daran betheiligt ist, zeigt folgender Auszug aus der Singapore
Free Press vom 6. Mai 1865: "Abgesehen von inlndischen (d. h. nicht
europischen und amerikanischen) Schiffen, liegen jetzt 154 grssere
Schiffe mit Raaen (square rigged vessels) im Hafen, wovon 3 britische
und 2 Kolonial-Kriegsdampfer, 2 englische, 2 amerikanische
Handelsdampfer, 2 hollndische Postdampfer, 78 englische Kauffahrer, 19
hamburger, 9 bremer, 8 franzsische, 5 dnische, 5 preussische, 4
amerikanische, 4 hollndische, 3 oldenburger, 2 hannoveraner, 2
schwedische, 2 siamesische, 1 norwegisches, 1 belgisches. Von den
Kauffahrern verhalten sich die unter deutscher Flagge (38) zu den
englischen wie 1 zu 2 und zu denen aller brigen Nationen wie 2 zu 1
(dies wrde stimmen, wenn die unter dnischer Flagge fahrenden Schiffe,
wie es frher meist der Fall war, holsteiner wren). Vor acht Jahren
lagen um dieselbe Zeit nur 60 Kauffahrer im Hafen; das Verhltniss der
deutschen zu den englischen Schiffen war damals wie 1 zu 11, und das der
deutschen zu denen aller brigen Nationen, wie 1 zu 8. So weit haben es
Freihandel und deutscher Unternehmungsgeist gebracht. Wir wrden uns
durchaus nicht wundern, wenn in wenigen Jahren das Verhltniss noch mehr
zu ihren Gunsten wre."

Vom Hafen aus gesehen zeigt die Insel Singapore einen langgestreckten,
stellenweis steilen Kstensaum, ber den sich einige sanfte Hgelwellen
erheben. Von der Stadt ist nur ein Theil sichtbar, in der Nhe derselben
liegen viele einzelne Husergruppen, weiterhin ist Alles mit dichtem
Wald bedeckt, der einen zusammenhngenden einfrmigen immergrnen
Teppich bildet, nur in der Nhe des Strandes mit einigen Landhusern
geschmckt. Der Anblick ist lieblich, aber nicht besonders schn, da es
an Kontrasten und hervorragenden Gegenstnden fehlt. Die schne grosse
Kirche, die knftig die Hauptzierde der Stadt sein wird, ist noch im Bau
begriffen. Die Insel liegt bekanntlich unmittelbar vor der sdlichen
Spitze der malayischen Halbinsel, des sdlichsten Punktes von Asien, und
ist nur durch eine Meerenge getrennt, die im Allgemeinen eine Meile, an
einer Stelle aber nur 2000 Fuss breit ist. Frher ging der ganze Handel
nach China durch diese schmale Gasse, jetzt fahren die Schiffe um die
Sdseite der Insel unmittelbar an der Stadt Singapore vorbei. Die Insel
besteht, wie das gegenberliegende Festland selbst, aus Granit und
lteren geschichteten Gesteinen, letztere nehmen den grssten Theil des
Flchenraumes ein, es ist noch nie ein Fossil darin gefunden worden;
auch fehlen alle Anhaltspunkte, um ihr relatives Alter genauer bestimmen
zu knnen. Uebrigens haben sie ganz den Habitus unserer ltesten
Gesteine und gehren auch wohl den ltesten Gebilden an; es sind
Sandsteine, Thone, Letten; an vielen Stellen tritt ein sehr
eisenhaltiger Thoneisenstein auf, meist in Nestern, seltener in Bnken;
bis jetzt wird er ausschliesslich zum Strassenbau benutzt, obgleich er
sich wegen seiner geringen Festigkeit wenig dazu eignet. Der Granit, der
einen viel kleineren Flchenraum einnimmt, tritt nie an die Kste, er
bildet den Centralkern der Insel; aus ihm besteht auch der hchste Punkt
derselben, Bukit-tima. Der Boden ist nicht fruchtbar, in den Niederungen
hufig versumpft; die dem Meere nher gelegenen Smpfe sind brakisch, in
ihnen wuchert die stammlose Nipa-Palme und ein Dickicht von Mangelbumen
(Rhizophoren), das an flachen Stellen weit in's Meer hinein reicht und
die ganze Insel, ausser wo die Ufer steil sind, mit einem Sumpfgrtel
umgiebt. Aus den Wurzeln der Nipa-Palme (Nipa fruticans) wird in Borneo
Salz gewonnen; die Blthe liefert in den Philippinen und in Siam Zucker
und Branntwein, wie viele andere Palmen, und nach demselben spter zu
beschreibenden Verfahren. In Singapore werden nur die Bltter zum Behuf
der Dachdeckung zu "Atap" verarbeitet und die ganz jungen, noch gelben
unentfalteten zur Herstellung von Cigaretten, indem man Tabak darin
einrollt. Die Ataps sind eine wesentliche Vervollkommnung ihres
Prototyps, des lngs des Blattstiels gespaltenen Palmenwedels. Man
erhlt sie, indem man die Seitenbltter im Drittel ihrer Lnge, von der
Basis an gerechnet, umknickt, sie auf einen mehrere Fuss langen Stock
dachziegelfrmig aneinander reiht und durch einen Rotang-Splitt in
dieser Lage befestigt. Die einzelnen Ataps werden beim Dachdecken wie
Dachschiefer bereinander gelegt. Ein solches Dach ist sehr leicht,
vllig regendicht, nur muss es hufiger ausgebessert werden, als ein
Ziegeldach.

Die Mangelsmpfe (mangrove swamps) werden durch die merkwrdige Ordnung
der Rhizophoraceen gebildet, die in tropischen Meeren alle flachen
Ksten umsumen. Es sind fast die einzigen Bume, die im Meere wachsen
und auf Kosten desselben das Land vergrssern, indem sie immer weiter
darin vordringen und mit dem dichten Faserwerk ihrer Wurzeln das durch
die atmosphrischen Wasser in das Meer geschwemmte Erdreich
zurckhalten, so dass man oft nicht weiss, ob man schon am Lande oder
noch im Meere ist. Bei keiner Pflanze tritt die Fortpflanzungsfhigkeit
so schlagend vor die Augen, als bei dieser, wo die Frchte, noch an den
Zweigen der Mutterpflanze hngend, sich schon in junge Bume verwandeln
mit langer spindelfrmiger Wurzel. Beim Abfallen bleiben sie senkrecht
im Sumpf stecken und wachsen sogleich weiter, oben Bltter, unten
Wurzeln entwickelnd, whrend die an den niedrigeren Zweigen hngenden,
ohne sich abzulsen, den Sumpf erreichen und darin fortwachsen. So
sendet der Wald immer einen Grtel junger Pflanzen vor sich her, indem
er weiter in's Meer rckt. Sind die Bumchen etwas grsser geworden, so
entspringen am Umfange des Stammes Luftwurzeln, die in einem Bogen den
Sumpf erreichen. Diese Wurzeln senden seitlich wieder Wurzeln aus, und
schliesslich steht der Stamm, der 30 bis 40 Fuss hoch wird, auf einem
domartigen Geflecht von Luftwurzeln, das bei Ebbe entblsst, bei Fluth
gewhnlich bis an den Stamm bedeckt ist, dann hat man einen Wald im
Meer. Auch von den Aesten senken sich Luftwurzeln herab, die, wenn sie
den Boden erreichen, darin weiter wachsen als Sttzen der Aeste, aber zu
selbststndigen Bumen werden, wenn die Verbindung mit der Mutterpflanze
aufgehoben wird. Das Holz wird hauptschlich zur Feuerung benutzt, die
Rinde zum Gerben (sie enthlt mehr Tannin als die Eichenrinde), auch
zum Frben dient sie den Eingebornen. Die Rizophorenwlder sind ein
Lieblingsaufenthalt fr Krokodile, Krabben, Einsiedlerkrebse und viele
Gastropoden; auch Austern sitzen an den Stmmen; mit der Behendigkeit
einer Eidechse kriecht und hpft mittelst der Brustflossen ein
sonderbarer Fisch auf dem Schlamme umher (Periophthalmus sp. div.).
Dergleichen Smpfe sind ein sicherer Zufluchtsort fr Seeruber,
und gewhnlich wegen ihres dichten, fr die Sonnenstrahlen
undurchdringlichen Laubdaches eine Quelle bser Miasmen. In Singapore
aber, wo sie nur einen schmalen Grtel bilden, werden sie durch die
bestndig mit einander wechselnden Land- und Seebrisen hinreichend
gelftet.

Wie gefhrlich dergleichen Sumpfwaldungen zuweilen sind, zeigt folgende
Notiz aus meinem Tagebuch: "14. Juni 1858. Als wir uns bei der dicht vor
der NW.-Kste von Borneo (5 04' N' 115 12' O.-Gr.) liegenden Insel
Moarro befinden, kommt ein Boot auf uns zu und meldet, dass das vor uns
vor Anker liegende Schiff, die englische Barke Anna Maclean, in Noth
sei. Unser Kapitn begiebt sich an Bord, bald darauf nehmen wir das
Schiff in's Schlepptau und bugsiren es in den Hafen von Labuan. Das
Schiff hatte, um Kohlen zu laden, auf Moarro, der Mndung eines Flusses
gegenber, angelegt, der viele Meilen weit durch die Sumpfwlder
fliesst, aus denen hier die Kste von Borneo besteht. Der Nachts wehende
Landwind hatte ihm die giftigen Miasmen wie aus der Mndung eines
Trichters zugefhrt; in wenigen (2?) Tagen war die ganze Mannschaft
theils erkrankt, theils gestorben. Der Kapitn, der Steuermann, 3
Matrosen waren todt, nur ein Mann war noch dienstfhig."

Unser Lootse, der uns gestern durch die Rhiow-Strasse gebracht, fhrte
uns heut durch das Gewirr der Gassen von Singapore nach dem Handelshaus,
dem unser Schiff konsignirt war. Man hatte uns frhestens 14 Tage spter
erwartet, ich fand die liebenswrdigste Aufnahme.

Zunchst wollte ich eine Fahrt durch die Stadt machen, und nahm deshalb
einen Palankin, so heissen die hiesigen Miethswagen; es sind lnglich
viereckige, vierrdrige Kasten, mit Vorder- und Rcksitz, ringsum von
Jalousien umgeben und mit einem kleinen Pony bespannt, beispiellos
billig (1 Dollar pro Tag) und sehr zweckmssig, bis auf den Anstrich,
der weiss statt schwarz sein sollte. Der Kutscher war ein Kling (Telinga
von der Kste Koromandel), fast schwarz, mit einem grossen Turban und
einem Lendentuch, sonst unbekleidet, doch sah er nicht unanstndig aus,
da die dunkle Farbe den Eindruck des Nackten fast aufhebt. Mitten auf
der Stirn trug er einen Fleck von rothem Ocker, so gross wie eine
Oblate. Alle Hindus haben dergleichen Abzeichen von verschiedener Form
an der Stirn, und bezeichnen dadurch die religise Sekte, der sie
angehren.

Ich liess mir die Tour, die ich machen wollte, ins Malayische
bersetzen, lernte die Worte nach dem Klang auswendig, und hatte die
Genugthuung, sogleich vom Kutscher verstanden zu werden, was er durch
einen Salam (Anlegen der Hnde an die Stirn und Verneigung) ausdrckte.
Er ergriff das Pferd am Zgel und lief in kurzem Trabe mit ihm davon.
Einige Male setzte er sich whrend der Fahrt auf das vorn angebrachte
Brett und versuchte, das Pferdchen von dort aus zu lenken. Dies gelingt
aber selten auf die Dauer, da die meisten hiesigen Ponies zu eigenwillig
sind, dann muss der arme Bursche wieder absteigen und nebenher laufen.
So kamen wir bald vor die Stadt, die Landstrasse wurde immer einsamer.
Ich liess halten und stellte den Kutscher zur Rede, er vertheidigte sich
sehr fliessend, doch konnten wir gegenseitig kein Wort verstehen.
Endlich kehrte er aber um und fhrte den Wagen an die Stelle zurck, wo
ich eingestiegen war. Hier brachte ein vorbergehender Kling, der
Englisch verstand, Alles in Ordnung. Es ergab sich, dass der Kutscher
fast ebenso fremd war, als ich, kein Wort Malayisch verstand und nur auf
meine Ortskenntniss gerechnet hatte. Ich habe dies so ausfhrlich
erzhlt, weil ganz hnliche Auftritte tglich vorkommen und sie so
bezeichnend fr die Art der Eingebornen sind, die auf die Frage, ob sie
Dies oder Jenes wissen oder knnen, immer Ja antworten, wenn sie
glauben, dass solche Kenntniss oder Fhigkeit ihnen Vortheil bringen
werde; sehen sie aber mehr Mhe als Lohn voraus, so machen sie es
natrlich umgekehrt.

Nachmittags begegnete mir eine grosse Kling-Prozession, der ich folgte.
Den Zug erffnete eine Musikbande, dann kamen einige Paare, die lange
Stecken trugen, mit denen sie gegenseitig Schein-Angriffe machten und
parirten; sie besassen grosse Gewandtheit und Sicherheit. Ihnen folgte
paarweis ein Zug von Hindus, deren nur um die Hften verhllter, sonst
nackter Krper mit gelbem Turmerikpulver[6] eingerieben war. Die Meisten
trugen Hals- und Armbnder aus aufgefdelten kleinen weissen Blthen.
Einige dieser Leute hatten sich einen etwa fusslangen Spiess durch
Lippen und Zunge, einen zweiten Spiess durch Backen und Zunge gestossen.
Andere hatten sich auf jeder Seite des Krpers in der Gegend der Hften
zwei zwei Zoll lange Einschnitte gemacht, und durch die so entstandenen
Oesen lange Stricke gesteckt, die von davor- und dahintergehenden
Mnnern bestndig hin- und hergezogen wurden. Unmittelbar auf sie
folgten die Gtter, deren Gunst durch diese Verstmmelungen erlangt
werden sollte, theils auf Schultern getragen, theils auf Ochsenkarren
gezogen. Es waren schne Gruppen darunter: vor den reich drapirten
Nischen, in welchen sich die Bilder der Gottheiten, von Gold und Silber
glitzernd, befanden, standen je zwei junge Hindu-Mdchen in sehr
glnzender Kleidung von Gold- und Silberbrokat, die auffallend an die
Festkleider der Mutter Gottes in katholischen Kirchen erinnerte. Sie
trugen langgestielte Wedel von weissen Federn, die sie feierlich hin-
und herbewegten. Spter berzeugte ich mich, dass es keine wirklichen
Mdchen waren, sondern Knaben, die ihre Rollen so tuschend spielten.
Auf einem freien Platz vor der Stadt machte der Zug Halt. Es waren viele
Zuschauer anwesend, vorwiegend Klings, Chinesen, Malayen, fast kein
Europer. Die Meisten kauerten, hockten, sassen auf dem Boden, nur die
hintersten Reihen standen. Jeder hatte gewiss die ihm behaglichste
Stellung eingenommen, die aber zum Theil der Art war, dass sie bei uns
kaum ein Turner auf die Dauer ausgehalten htte. Diese Leute, die von
Jugend auf nie einen Stuhl oder Tisch benutzen, weder enge Kleider, noch
Schuhe tragen, wissen aus ihren unteren Gliedmassen viel mehr Nutzen zu
ziehen, als wir. Die Beine mssen hufig als Arme aushelfen, wobei die
Fsse die Stelle der Hnde vertreten; so heben sie Sachen vom Boden auf,
ohne sich zu bcken, halten das eine Ende eines Gegenstandes mit den
Fssen fest, whrend sie das andere Ende mit den Hnden bearbeiten.
Besonders verstehen sie sich durch die grosse Gelenkigkeit ihrer Beine
eine Auswahl bequemer Stellungen zu verschaffen und die Last des
Oberkrpers so geschickt zu balanciren, dass sie nicht ermden knnen.
Selbst wenn man ihnen einen Stuhl anbietet, ziehen sie die Beine in die
Hhe und richten sich auf dem Sitz ein, als ob sie am Boden sssen.
Diese beneidenswerthe Fertigkeit ist aber leider nur in der ersten
Jugend zu erlernen, in Kinderstuben, wo es keine Sthle giebt, und nur,
wenn die Ausbildung der Fsse nicht durch Schuhe gehemmt wird.

Mitten auf dem Platz war ein grosses Feuer angezndet. Als es
ausgebrannt war, lag die Gluth fast fusshoch und hatte gegen 20 Fuss
Umfang. Die freiwilligen Mrtyrer wurden bis an den Rand gefhrt,
sprangen hinein, gingen langsam hindurch und taumelten in einen mit
Wasser gefllten Graben am jenseitigen Rande. Ihre Freunde liefen
herbei, ermunterten, untersttzten sie und fhrten sie nach einer kurzen
Erholungspause einzeln in einen grossen Kreis, den die Zuschauer offen
gelassen hatten. Hier wurden sie mit einer gewaltigen Peitsche
gegeisselt, bis sie vor Schmerz hinstrzten, worauf sie von ihren
Freunden mit triumphirendem Gemurmel durch die Reihen getragen wurden.
Es war ein ekelhaftes Schauspiel, das diese Leute von schnster
kaukasischer Rasse hier vor den Malayen und Mongolen auffhrten.

[Illustration]

Ueber die Bedeutung des Festes konnte ich in Singapore nichts
Zuverlssiges erfahren, spter aber fand ich in den Blaubchern der
Prsidentschaft Madras, dass auch dort das Naruppuh-terunaul oder
Feuerfest immer noch besteht, die Theilnahme sich jedoch, ebenso wie
hier, auf die untersten Volksklassen beschrnkt und berall im Abnehmen
begriffen ist. Es ist keine von der Hindu-Religion vorgeschriebene
Feierlichkeit. Nach einigen Berichten hat sie insofern eine religise
Bedeutung, als sie mit der Verehrung der Gottheit Durmarasawney der
Tamil, oder Veerbudrasawney der Telegu, in Beziehung steht, deren Zorn
dadurch abgewendet werden soll; nach den meisten Berichten aber hat die
Religion gar nichts damit zu schaffen, es ist nur ein alter Brauch, dem
die niederen Klassen aus roher Schaulust zugethan sind, whrend die
Gebildeteren fern bleiben. An manchen Orten sind es dieselben
Individuen, die alljhrlich die Feuerprobe bestehen und dafr bezahlt
werden, wie andere Gaukler. Hufig aber sind es beschrnkte Menschen aus
den niedrigsten Kasten und Parias, die sich zur Erfllung eines Gelbdes
die Peinigung auferlegen. Es sollen fast nie ble Folgen eintreten,
namentlich keine Todesflle (zwei in den Berichten erwhnte waren
jedenfalls nur mittelbar durch die Feuerprobe veranlasst), und
wahrscheinlich ist ein grosser Theil des Eindrucks der guten Auffhrung
zuzuschreiben. Die indische Regierung beschloss in Folge jener Berichte,
das Fest nicht amtlich zu verbieten, da sie ihr Ziel sicherer zu
erreichen glaubte, indem sie ihren Beamten empfahl, fr das allmhlige
Aufhren unter der Hand nach Krften zu wirken.




Drittes Kapitel.

    Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung. -- Europer. --
    Frchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener.


Der preussische Konsul, dem ich whrend meines Aufenthalts in Singapore
sehr viel verdankte und der mir auch noch spter, so weit der Einfluss
seiner Empfehlungen reichte, mit der freundschaftlichsten,
angelegentlichsten Frsorge den Weg ebnete, hatte mir auf seinem
Landhause eine Wohnung einrichten lassen, die ich wenige Tage nach
meiner Ankunft bezog. Es war wohl die schnste Besitzung auf der Insel,
jetzt dient sie dem Guvernr zum Aufenthalt. Fast alle grossen Kaufleute
haben ein Haus vor der Stadt, gewhnlich auf dem Gipfel eines Hgels, wo
die Seebrise alle Rume durchweht und abkhlt. Die hiesigen Landhuser
sind die angenehmsten und zweckmssigsten, die ich in heissen Lndern
kennen gelernt habe, fast alle nach demselben Typus gebaut. Der leitende
Gedanke dabei ist, die bewohnten Rume allseitig von Luft umkreisen und
durchdringen zu lassen und sie gegen die Sonnengluth zu schtzen. Das
Haus ruht auf steinernen Pfeilern, gegen 15 Fuss hoch, der Raum zwischen
den Pfeilern ist meist offen, nur wo es an Platz gebricht, werden
einzelne Rume zwischen den Pfeilern durch leichte Holzwnde oder Gitter
abgetheilt. Der obere Stock, die eigentliche Wohnung, ist rings von
einer breiten Gallerie, Veranda, umgeben, die vom Dach weit genug
berragt wird, um gegen den Regen geschtzt zu sein. An der usseren
Seite der offenen Veranda sind dunkelgrne Rouleaux aus feingespaltenem
Bambus angebracht, ein chinesisches Substitut fr Jalousien; sie lassen
die Luft durch, schliessen aber das blendende Licht aus. Durch
rechtzeitiges Aufziehen und Herablassen derselben wird die Veranda und
die von ihr umgebene Wohnung stets angenehm khl erhalten. Die Zimmer
haben nur Jalousien statt Glasfenster und massiver Thren und ffnen
sich alle nach der Veranda. So ist der ganze bewohnte Kern des Hauses
ringsum von einer isolirenden Luftschicht umgeben. Von jedem
Schlafzimmer fhrt eine kleine Treppe in ein zur ebenen Erde
befindliches Badezimmer. Kche, Stallung, Remise, sowie die Wohnungen
der Dienerschaft befinden sich in kleinen Nebenhusern, durch einen
bedeckten Gang mit dem Haupthause verbunden, wodurch aller widerwrtiger
Geruch und Lrm ferngehalten wird. Im Speisesaal und in den
Gesellschaftszimmern fehlt nie die Punka, ein grosser Fcher, bestehend
aus einem mit Zeug bespannten Rahmen, der von der Decke herabhngt und
durch ein Loch in der Wand mittelst einer Schnur von Aussen in Bewegung
gesetzt wird.[7] Rings um das Haus des Konsuls war ein Garten, der eine
Auswahl der schnsten Pflanzen des Archipels und neben anderen
auslndischen Zierpflanzen auch europische Rosen enthielt, denen man
aber ansah, dass sie hier nicht heimisch sind. Der frhere Besitzer, der
auch als Botaniker bekannte Arzt Oxley, hatte durch eifriges Sammeln und
Tauschen den schnen Garten geschaffen. Da stand die Amherstia nobilis,
das einzige grssere Exemplar auf der ganzen Insel, neben der Poinciana
regia und dem Prachtstrauch Duranta Plumieri, umgeben von Ixoren in
allen Farben und ebenso mannigfaltigen Hibiscusarten, darunter die Rose
der Chinesen, von den Bedienten Schuhblume genannt, weil sie die
lackirten Schuhe ihrer Herren damit putzen, Bauhinien, Passifloren und
unter dem dichten, von sonderbar verschlungenen Luftwurzeln gesttzten
Schattendach eines Ficus die herrlichsten Orchideen und epiphytischen
Farne. Fast Alles war in Blthe, wie denn die meisten Pflanzen hier das
ganze Jahr hindurch gleichzeitig Blthe und Frucht tragen.

Da Singapore nur 1 17' nrdlich vom Aequator liegt, so herrscht dort
ein ewiger Sommer. Der Unterschied zwischen dem lngsten und krzesten
Tag betrgt nur 7-1/2 Minuten; praktisch genommen sind also alle Tage
des Jahres durchaus gleich lang. Der Temperaturunterschied zwischen dem
Mittel des kltesten und des wrmsten Monats betrgt weniger als einen
halben Grad, die mittlere Jahreswrme 22-1/2 R. Die ussersten
Thermometerstnde sind 17 und 26 R. Die Morgen sind angenehm khl,
aber die Sonne steigt schnell so hoch, dass alles mit blendendem Lichte
und sengender Gluth bergossen sein wrde, wenn nicht Wolken, hufige
Regenschauer und regelmssig wechselnde Land- und Seebrisen Licht und
Hitze milderten. Es regnet an 180 Tagen etwa 90 Zoll; im Winter etwas
mehr als im Sommer, doch vergeht selten eine Woche ohne Regen; trockene
und Regenzeit, die weiter nach den Wendekreisen hin fast ebenso
deutlich, wenn auch nicht so schroff gesonderte Jahreszeiten bilden, wie
unsere Sommer und Winter, fehlen hier in der unmittelbaren Nhe des
Aequators. Der erste Januar ist vom ersten Juli nicht zu unterscheiden.
Bei einer so betrchtlichen Regenmenge in so hoher Temperatur ist die
Feuchtigkeit der Luft immer sehr gross. Es ist sehr schwer, Eisengerthe
gegen Rost zu schtzen. Das Leder verschimmelt, Papier verstockt, der
Phosphor luft von den Zndhlzern ab.

Der Garten ging allmlig in eine Muskatnuss-Pflanzung ber, die den Rest
des "Oxley-Hgels" einnahm. Das ganze Grundstck, sowie die Fahrwege
in demselben, sind von Hecken aus Zwergbambusen umschlossen, so
gesundheitstrotzend und immergrn, wie keine andere Hecke der Welt. Die
Hauptstiele sind hchstens fingerdick; die Seitenschsse wie starker
Draht und ebenso steif, starren nach allen Richtungen hin so
gleichmssig dicht, dass die immer sorgfltig unter der Scheere
gehaltenen Hecken wie riesige Brsten aussehen. Wer die vielen schnen,
anscheinend so gesunden Muskatbumchen betrachtete, die mit Bevorzugung
vor jeder anderen Kulturpflanze die Huser aller Europer umgaben,
konnte nicht ahnen, dass diese mit so vieler Mhe und grossen Kosten
angesiedelten Fremdlinge bereits den Keim des Todes in sich trugen. Der
Muskatnussbaum (Myristica moschata) ist so oft und gut beschrieben
worden, dass ich nur Einiges erwhnen mchte, was sich besonders auf
seine Kultur in Singapore bezieht. Heimisch ist er nur auf den Molukken
und den umliegenden Inseln. Sein Produkt, die Muskatnuss und die Macis,
sind, seitdem die Europer zuerst in jene Meere kamen, Gegenstnde des
strengsten Monopols gewesen. Die Banda-Inseln, auf welche die Hollnder
der leichteren Kontrolle wegen den Anbau beschrnkten, obwohl ihnen dies
nie ganz gelang, lieferten Jahrhunderte hindurch allein dies Gewrz.
Nachdem die ursprngliche Bevlkerung der Inseln, die sich dem Zwange
nicht fgen wollte, ausgerottet worden, wurde der Anbau durch Sklaven,
jetzt durch Strflinge, betrieben, unter der Leitung von Europern, die
zwar die Pflanzungen eigenthmlich besitzen, das Produkt aber nur an die
Regierung zu einem festgesetzten Preise verkaufen drfen (Perkeniers).
1798, als die Englnder die Molukken inne hatten, bersiedelten sie die
Pflanze nach Sumatra, von wo sie 1819 durch Raffles nach Singapore
gebracht wurde. Ihr Anbau kam hier schnell in Mode, fast alle Landhuser
wurden mit dergleichen Pflanzungen umgeben. Der Baum, der in seiner
Heimath 70 Fuss hoch werden soll (ich fand spter in Camarines auf Luzon
einen fast 100 Fuss hohen, sehr mchtigen, wilden Muskatnussbaum, dessen
Frchte nicht grsser als kleine Kirschen, aber ganz ohne Aroma waren),
bleibt hier strauchartig und bersteigt selten 20 Fuss. Sein Habitus
hlt die Mitte zwischen einem Lorbeer und einer Orange. Der einzelne
Baum ist sehr schn, eine Pflanzung aber hat ein zu einfrmiges Ansehen.
Die Frucht gleicht einer Aprikose, doch luft das Ende, an welchem der
Stiel sitzt, spitz zu, wie bei einer Birne. Ist die Frucht reif, so
springt sie auf. Dann sieht man im Innern hinter einem intensiv
karminrothen Netzwerk, der sogenannten Muskatblthe oder Macis des
Handels, die glnzend schwarze Hlle der Nuss. Die Nuss selbst ist
schwer herauszuschlen. Erst durch sehr langes Trocknen ber schwach
glimmendem Feuer schrumpft sie allmlig so weit zusammen, dass die
Hlle, welche die ursprngliche Grsse behlt, durch vorsichtiges
Klopfen zersprengt und abgelst werden kann. Die Muskatblthe wird an
der Sonne getrocknet und gepresst und erhlt dadurch ihre gelbe Farbe.
Es dauert 9 bis 10 Jahre, bevor die aus Samen gezogenen Bume Frchte
tragen. Ein grosser Uebelstand ist, dass die mnnlichen und weiblichen
Blthen auf verschiedenen Bumen sitzen, so dass spter ein Theil der
unfruchtbaren mnnlichen Bume umgehauen und durch neue weibliche
ersetzt werden muss. Gewhnlich lsst man auf 10 weibliche Bume einen
mnnlichen stehen. Whrend die Pflanze in Banda ohne alle Pflege
wuchert, fordert sie hier unausgesetzt die grsste Sorgfalt. Der
Uebelstand, dass sie erst nach so langen Jahren den vollen Ertrag giebt,
tritt um so mehr hervor, wenn man bercksichtigt, dass der hier bliche
Zinsfuss 12% betrgt. Trotzdem erlangte der Anbau dieses Gewrzes doch
schnell eine grosse Ausdehnung. Einerseits ist sowohl der Boden als das
Klima von Singapore fr die Erzeugung der meisten andern
Kolonial-Produkte nicht geeignet. Zucker, Kaffee, Baumwolle, Cacao,
Arrow-root zu ziehen ist versucht worden, jedoch ohne rechten Erfolg.
Andererseits konnten die Muskatgrten bequem vom Besitzer bersehen
werden, da sie keine grosse Ausdehnung haben und unmittelbar sein Haus
umgeben. Auch der Umstand, dass die Pflanze in anderen tropischen
Lndern, wo man ihren Anbau versucht hatte, nicht hinreichend gedieh, um
ihr Produkt zum Handelsartikel zu machen, war nicht bersehen worden;
man hoffte dem indischen Archipel das Monopol zu bewahren. Die
Erwartungen der Pflanzer sind aber gnzlich zu Schanden geworden. Schon
bei meiner letzten Anwesenheit, 1859, begannen viele Bume zu krnkeln
und trotz aller Bemhungen der Grtner abzusterben. In fast allen Stufen
seiner Entwickelung wurde der Baum von verschiedenen Insekten
angegriffen. Das Uebel verbreitete sich so schnell, dass jetzt, 1864,
fast alle Pflanzungen sowohl in Pinang, als in Singapore vllig zerstrt
sind. Der Verlust an Kapital wurde schon 1862 auf mehr als 500,000
Dollars angeschlagen. Durch das Aussterben der Muskatbume haben alle
lndlichen Grundstcke eine bedeutende Entwerthung und die
Hypothekenglubiger entsprechende Verluste erlitten. Nach einer
Privatmittheilung hatte beispielsweise ein reicher Chinese 4000 Dollars
auf eine Pflanzung geliehen, die nach dem Absterben der Bume nicht fr
300 zu verkaufen war. Wre aber das Unglck auch nicht eingetreten, so
wrden doch die hochgespannten Erwartungen der Pflanzer nicht in
Erfllung gegangen sein, da der Verbrauch und mithin auch der Preis
aller Gewrze, mit Ausnahme des Pfeffers, fortwhrend abnimmt.[8]

Von der Veranda des schnen Landhauses bersah man einen grossen Theil
der Insel. Zunchst um den Fuss des Hgels und im Thal zwischen den
nchsten Anhhen liegen in hbschen Gruppen die kleinen Huschen der
Eingebornen, unter Bambusbschen und Obstbumen, von Arecapalmen
berragt, die auf langem, zierlich dnnem Schaft eine Bltterkrone
tragen, so leicht, wie ein Federbusch. Es ist die eleganteste aller
ostasiatischen Palmen, Hooker vergleicht sie mit einem vom Himmel
geschossenen Pfeil; die Eingebornen pflanzen sie aber nicht ihrer
Schnheit wegen, sondern weil sie die Arecansse liefert, die sie mit
dem Betelpfeffer kauen. Die besseren dieser Huser sind aus Brettern
erbaut, viele aber nur aus Bambus, Matten, Palmenblttern und allerlei
Nothbehelf; sie stehen auf Fssen von Palmenstmmen, einige Fuss hoch
ber der Erde. Der Fussboden besteht aus gespaltenen Bambusen oder
Nibongpalmen (Caryota urens), die neben einander liegen, ohne sich zu
berhren, so dass Luftzug von unten durchdringt. Das Ganze berragt wie
ein Sonnenschirm ein hohes Dach aus Palmenblttern, das auf den
Seitenwnden nicht fest aufliegt, sondern dem Luftzug eine Oeffnung
freilsst. Solche Huschen sind recht khl.

Nach Sden sieht man die Strasse, die zur Stadt fhrt, aber bald hinter
einem Hgel verschwindet, der auch den grssten Theil der Stadt
verbirgt; im Hintergrund erscheint das Meer mit seinem Inselgrtel. Nach
dem Innern zu erheben sich eine Menge kleiner Hgel; jeder der nher
gelegenen trgt auf dem Gipfel ein schnes gerumiges Landhaus, neben
welchem hufig einzelne Bume emporragen, deren sprliche Bltterkrone
in gar keinem Verhltniss zu dem enormen Stamm zu stehen scheint. Es
sind die letzten Ueberreste des Urwaldes, der vor Kurzem noch Alles
bedeckte, sie wurden ihrer Grsse wegen als Erinnerungssulen geschont,
knnen sich aber nicht in die neuen Verhltnisse schicken; ihr Stamm, an
die Feuchtigkeit und den Schatten des dichten Waldes gewhnt, kann die
freie Luft und Sonne nicht ertragen und vertrocknet schnell. Weiterhin
werden die Landhuser immer seltener, dichter Wald berzieht
gleichmssig die ganze Landschaft, deren Einfrmigkeit nur durch sanfte
Hgelwellen unterbrochen wird. Ziemlich in der Mitte der Insel hebt sich
Bukit-tima deutlich ber die kleineren Anhhen hervor, und in usserster
Ferne erblickt man bei heiterem Wetter hinter immer zarter abgetnten
Hgelreihen den Gunong-Pula, der dem jenseitigen Festlande angehrt.

Zur vlligen Behaglichkeit fehlte mir noch ein Diener; denn obgleich
mein Gastfreund deren ber ein Dutzend hielt und den grssten Theil des
Tages nicht zu Haus war, konnte ich doch nur sehr schwer
Dienstleistungen von seinen Leuten erlangen, da es die hiesigen Diener
fr eine ungerechte Zumuthung halten, einem Anderen, als ihrem Herrn
behlflich zu sein. So ist es auch bei Tisch. Ist man eingeladen, so
bringt man seinen Diener mit, weil man sonst Gefahr luft, nichts zu
essen zu bekommen. Hinter dem Stuhl eines jeden Gastes steht dessen
Bedienter, gewhnlich ein Chinese mit langem Zopf, oder ein Kling mit
grossem Turban. Jeder von diesen sorgt ausschliesslich fr seinen Herrn
und sucht ihm die besten Stcke zu verschaffen. Oft sieht man sie sich
darum balgen, wobei sie aber immer ihr wrdevolles Wesen bewahren, wie
es sich in Gegenwart grosser Herren, fr welche hier alle Europer
gelten, ziemt. Einem Freunde ihres Herrn erweisen sie auch wohl mitunter
eine kleine Gunst, verlangt aber ein Fremder etwas von ihnen, so stehen
sie wie versteinert und in ihrem feierlich-respektvollen Gesicht malt
sich die tiefste Entrstung ber die ungebhrliche Zumuthung.

Alle Europer, die auf dem Lande wohnen, bringen die Geschftsstunden
von 9 bis 4 Uhr in der Stadt zu. Whrend dieser Zeit steht ihr Haus
gewhnlich ganz leer, selbst die Bedienten sind dann meist nicht
anwesend oder schlafen so fest, dass sie ebenso gut abwesend sein
knnten. Das Haus steht offen, keine Thr ist verschlossen, man kann
frei durch alle Rume gehen, die zum Theil mit werthvollen Gegenstnden
ausgestattet sind. Aber sonderbarer Weise wird nichts gestohlen.
Obgleich unter den Eingebornen Diebsthle, auch Rubereien, hufig
vorkommen, so war doch kein Fall bekannt, dass je das Haus eines
Europers beraubt worden wre. Die Eingebornen haben eine gewisse Scheu,
solches Grundstck zu betreten, die sich aus der Furcht vor den Hunden
nicht gengend erklren lsst; denn Hunde giebt es nicht berall, auch
wrden sie entschlossenen Dieben kein Hinderniss sein. Es scheint daher
fast, wenigstens schmeicheln sich die Europer damit, dass ein gewisser
Nimbus das Haus beschtze.[9]

Die Europer, deren Zahl sehr gering ist und zum grossen Theil aus
wohlhabenden Kaufleuten und hoch besoldeten Beamten besteht, geniessen
in mancher Hinsicht eine bevorzugtere Stellung, als der hohe Adel in
Europa. Sie sind durch Reichthum, Bildung, Intelligenz,
Unternehmungsgeist und Ehrenhaftigkeit den anderen hier vertretenen
Nationen sehr berlegen. Ausserdem bilden Farbe und ussere Haltung eine
natrliche unbersteigliche Schranke fr alle ehrgeizigen Asiaten, deren
einige ebenfalls grosse Reichthmer ansammeln. Auch der Luxus, in dem
sie leben, die Freigebigkeit, mit der sie bezahlen, sind Mittel, bei den
Asiaten Achtung zu erlangen. Einer der angenehmsten Vorzge, die aus
diesem Verhltniss entspringen, ist das unbegrenzte Vertrauen, das alle
Europer geniessen. Keiner von ihnen trgt Geld bei sich, und kann
dennoch in jedem Laden kaufen, was er will. Ich hatte einmal in Johore,
auf dem asiatischen Kontinent, jenseits der kleinen Meerenge, eine
Anzahl Jungen benutzt, um Thiere und Pflanzen zu sammeln. Da ich kein
Geld hatte, erhielt jeder fr das, was er ablieferte, ein Stckchen
Papier, auf das ich mit Bleistift die Anzahl Cents schrieb, die er dafr
empfangen sollte. Als ich Abends abfuhr, rechnete ich die einzelnen
Zettel zusammen und gab dem ltesten Jungen einen Schein fr die ganze
Summe, zahlbar in Singapore. Keiner hatte das geringste Misstrauen, sie
schienen alle so befriedigt, als htte ich sie baar bezahlt, obgleich
wir einander vllig fremd waren. Als ich Singapore verliess, fuhr mich
mein Kutscher an den Platz der Einschiffung und setzte meinen letzten
Koffer ins Boot. Ich schuldete ihm mehrere Monate Fuhrlohn, schrieb mit
Bleistift einige ihm unverstndliche Worte auf einen Zettel, den er bei
meinem Banquier abgeben sollte, er machte seinen Salam und wnschte mir
eine glckliche Reise. Sogar die Hunde, die in dergleichen Dingen immer
eine richtige Witterung haben, erkennen die bevorzugte Stellung an.
Sobald ein ganz fremder Europer zum ersten Male das Grundstck eines
andern betritt, kommen sie ihm bis an die Hecke entgegengelaufen und
geleiten ihn freundlich bellend und wedelnd ins Haus. Wenn erst die
europische Bevlkerung mehr zunimmt, Unbemittelte oder gar
Industrieritter hierher kommen, wird dieser Zustand natrlich aufhren.

Die Lebensweise der reicheren Europer ist usserst angenehm und mit
Ausnahme der zu kopisen Mahlzeiten sehr zweckmssig. Die Billigkeit der
Landhuser, der Dienerschaft und der Pferde erlaubt ihnen mit
verhltnissmssig geringen Kosten einen frstlichen Haushalt zu fhren.
Sie stehen gewhnlich vor Tagesanbruch auf, nehmen ein Bad und machen
einen grossen Spaziergang. Nach einem einfachen Frhstck, um 9, fahren
sie zur Stadt, arbeiten bis um 4 in ihren meist sehr luftigen Kontoren
und kehren nach Haus zurck. Bei der Ankunft bietet der erste Diener
seinem Herrn ein Glas Sherry an und berichtet, ob etwas vorgefallen,
dann folgt Bad, Ausfahrt in eleganter offener Equipage, gegen 7 Uhr
Diner, nach Tisch wird gelesen, geplaudert, Billard gespielt. Man geht
frh zu Bett, wenn keine Gste da sind; sonst dauern die Gesellschaften
gewhnlich bis 11 Uhr. Mit Sonnenuntergang wird das ganze Haus
verschwenderisch beleuchtet, wenn auch kein Besuch da ist.

Frauen sind auch in der europischen Gesellschaft wenig zahlreich. Sie
leben meist auf so kostspielige Weise, dass nur wenige Mnner reich
genug sind, Frauen in dem zum herrschenden Ton gewordenen Luxus zu
erhalten. Auch vertragen dieselben meistens das Klima weniger gut als
Mnner; sie werden bald apathisch, krnkeln und sind genthigt, zur
Wiedererlangung ihrer Gesundheit nach Europa zurckzukehren. Tritt
dieser Fall nicht ein, so zwingt sie bald die Sorge fr die Erziehung
der heranwachsenden Kinder zur Heimreise, whrend der Mann, wenn er noch
kein hinreichendes Vermgen erworben, zurckbleibt.

Wie aber fast jedes Uebel auch seine gute Seite hat, so ist der Verkehr
unter den Mnnern innerhalb derselben gesellschaftlichen oder eigentlich
finanziellen Schichten, denn in solche ist die hiesige Gesellschaft
streng gesondert, um so bequemer und herzlicher; whrend in fast allen
kleinen Kolonien, wo es Frauen und gar arme Beamten- und reiche
Kaufmannsfrauen giebt, das Leben durch die Eiferschteleien der sonst so
liebenswrdigen Wesen sehr verbittert wird. Auch sind Frauen als
Hterinnen des Anstandes und der Sitte in englischen Kolonien
entbehrlicher, als in jeder andern. Der starre Schematismus der
englischen Erziehung hlt fr das ganze Leben vor. Whrend kontinentale
Europer in fernen Lndern gern jeden lstigen Zwang so bald als mglich
ablegen, sich vernachlssigen, "ihre Kaste verlieren", bleiben die
Englnder berall Englnder -- Insulaner -- Fremde. Daher ist auch ihr
Einfluss auf die Sitten der Eingebornen ein sehr geringer. Eben so
gering sind auch die Leistungen ihrer wohl besoldeten, fein gebildeten
Missionre im Vergleich zur Mehrzahl der katholischen, die, ungestrt
durch wissenschaftliche Bildung, gesellschaftliche Stellung, huslichen
Wohlstand und Familienbande, in besonderen Seminaren mit militrischer
Disziplin zum Bekehren erzogen, in ein viel nheres und daher
einflussreicheres Verhltniss zu ihren Tuflingen treten.

Die hiesigen englischen (aber nicht die deutschen) Huser sind meist nur
Agenturen grsserer Firmen, deren Hauptsitz in England oder Kalkutta
ist, und die noch an mehreren andern Pltzen in China und am Archipel
ihre Kontore haben. Daher finden unter dem Personal hufige Versetzungen
statt. Als ich nach 6 Monat langer Abwesenheit Singapore wiedersah, traf
ich die Hlfte meiner Freunde nicht mehr an; sie waren nach allen
Richtungen zerstoben und durch neue Ankmmlinge ersetzt.

Unter den Europern herrscht grosse Gastfreundschaft. Fast tglich
ist man eingeladen. Als ich mich zum ersten Male in einer solchen
Gesellschaft befand, machten die geographischen Spezialkenntnisse der
Anwesenden einen grossen Eindruck auf mich. Mein Nachbar rechts war
10 Jahre auf den Philippinen gewesen, der zur Linken hatte so eben
einen grossen Theil Borneo's durchreist; der gegenber hatte fast
alle grsseren Inseln des Archipels besucht, auch Neu-Guinea und die
Nordkste Australiens. Ein anderer (Col., jetzt General Mac Leod) war
zu Fuss durch Birma bis an die Grenze von China gegangen, durch
Lnder, die ausser ihm noch kein Europer betreten hatte. Wie
erweiterte sich aber erst der geographische Horizont, als die Damen
die Kartoffelfrage behandelten! "Sind dies javanische oder
chinesische Kartoffeln?" -- "Neuseelndische." -- "Ich ziehe die
kalifornischen vor." -- Die eine bezog ihren Bedarf aus Holland, die
andere aus Neuholland. -- Europische Gemse und Frchte gedeihen
hier nicht. Von den hier gebauten Gemsen sagen fast nur Bohnen und
mehrere Gurkenarten unserem Geschmack zu. Dagegen liefern die
hiesigen Grten in grosser Flle die besten Frchte der heissen Zone.
Am hufigsten ist die Banane oder Pisang (Musa paradisiaca), in sehr
vielen Varietten, bei weitem die verbreitetste und ntzlichste aller
tropischen Frchte. Ihr Geschmack hlt die Mitte zwischen Birne und
gekochter Kartoffel; sie dient als Obst und Gemse, und wird selbst
von Europern reichlich gegessen, die sonst die meisten Frchte,
sogar die kstliche Ananas, aus Gesundheitsrcksichten ngstlich
vermeiden, was, so weit meine Erfahrung reicht, ein Vorurtheil ist.
Keine Frucht ist leichter zu kultiviren; sobald die Fruchttraube
abgenommen, wird der Stamm umgehauen, um fr die aus der Wurzel
aufgeschossenen jngeren Triebe Platz zu machen; so geht es fort und
fort. -- Die Ananas, malayisch Nanas (Ananas sativa), von Singapore
bertreffen an Wohlgeschmack alle in Java, Siam oder auf den
Philippinen gebauten, und werden selbst von den in europischen
Treibhusern gezogenen an Duft nicht bertroffen. An Sssigkeit und
Saftflle bleiben diese aber hinter der Singapore-Ananas zurck. Sie
ist so billig, dass man sie in Verbindung mit feinem Sand benutzt, um
das Verdeck der Schiffe zu scheuern. Man isst gewhnlich nur die
untere, sssere Hlfte und wirft die obere fort. -- Von Vielen wird
der Mangustan (Garcinia mangostana) fr die Knigin aller Frchte
erklrt. Sein Vorkommen ist auf ein sehr kleines Gebiet beschrnkt;
weder in Ost- noch Westindien gelang es bisher, ihn zu ziehen. (Es
gilt als einen der grssten Triumphe der Kunstgrtnerei, dass der
Herzog v. Devonshire einige Mangusten zur Reife gebracht hat.) -- Nur
in gewissen Jahreszeiten hufig sind die Mangos (Mangifera indica),
die, wenn sie nicht sehr gut sind, wie Aprikosen mit Terpentin, oft
aber auch wie Terpentin mit Aprikosen schmecken. Dies ist eine der
wenigen tropischen Frchte, von denen es viele durch Kultur
entstandene Varietten giebt.

Die grsste aller Baumfrchte ist wohl die Nangka, Jackfruit (Artocarpus
integrifolia), von denen eine einzige ber einen halben Centner schwer
wird. Obgleich sie sehr angenehm wrzig schmeckt, wird sie von Europern
fast nie gegessen. Sie ist eine nahe Verwandte der Frucht des Brodbaums
(A. incisa), die hier nicht geschtzt und nur von den Eingebornen als
Gemse genossen wird. Hufiger erscheint die Papaya auf der Tafel, die
Frucht des Melonenbaumes (Carica papaya), die weder die Grsse, noch den
Geschmack einer sehr mittelmssigen Melone erreicht. In der inneren
Hhlung liegen eine grosse Menge dunkelgrner Kerne; sie sehen aus wie
Kapern, riechen wie Kresse und schmecken gar nicht. Der Saft der
unreifen Frucht enthlt aber Fibrin, das ausser bei Pilzen noch bei
keiner Pflanze nachgewiesen wurde. Dieser Saft, ja die blosse
Ausdnstung der Bltter, mehr noch die Berhrung hat die hchst
auffallende Eigenschaft, die Muskelfaser zu zersetzen, das zheste
Fleisch zart zu machen.[10]

Sehr schn modellirt und gefrbt, wie aus Wachs gebildet, sind die
Jambusen (Eugenia spec. div.), deren einige wie Rosen duften. Sie
erfrischen, ohne den Geschmack zu befriedigen, da ihr loses, schwammiges
Zellengewebe nur schwach suerliches Wasser enthlt.

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht
die verdiente Verbreitung gefunden haben.

Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut
fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine
ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist hufig und kommt ihm im
Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hlle haftet aber durch unzhlige
Fserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.

Apfelsinen sind in zahlreichen Varietten vorhanden, in allen Grssen,
vom kleinen Kumqwat, nicht grsser als eine Walderdbeere, bis zur
Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar
einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng
begrenzten Lokalitten ihr volles Aroma. Am besten gerth sie in Batavia
und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber wrziger, als alle
andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr hollndisch, kommt aber
wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Englnder nennen sie
gewhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitn, der sie von Batavia nach
Westindien bersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc.
in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong
(Java) in 2300' Meereshhe ungeniessbare Frchte, nicht grsser, als
gewhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in
seinem Garten 200 lb. Blthen (!) gepflckt habe und dass er von 1000
lb. Blthen 1 lb. Neroli bester Qualitt erhielt (Chemical News. Sept.
29. 65).

Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum),
deren den Holzbirnen und Aepfeln hnlich aussehende Frchte die Stelle
unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden
fast nur eingemacht gegessen.

Eine der merkwrdigsten Frchte von allen ist der Durian (Durio
zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschrnkt,
wie der Mangustan und wchst auf hohen Bumen, hufiger im Walde, als
kultivirt, hat ziemlich die Grsse und Gestalt der Ananas, aber die
pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und
spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der
Lnge nach bis zum Stiel auf und enthllt eine weiche, weisslich gelbe,
creme-artige Substanz, welche die Zwischenrume zwischen den nussgrossen
Samenkernen ausfllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und
riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist
anfnglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der
ursprngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche
Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar fr das Stck, whrend
Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer.
-- Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der
Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar fr neue
Ankmmlinge, aber lnger Ansssige, denen sie das Obst der geliebten
Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen
Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.

Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen
Europern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hbsche Sitte, die
sich darauf grndet, ist der Toast: "Auf die fernen Freunde", der zum
Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

Viele hiesige Frchte, wenn auch in Grten gewachsen, sind kaum als
veredelt zu betrachten und unterscheiden sich wenig oder gar nicht von
ihren Stammeltern im Walde. Aber auch diejenigen, die man nicht wild,
sondern nur um die Wohnungen der Menschen antrifft, haben sich nur wenig
von dem ursprnglichen Typus entfernt, da fast keine Varietten
vorhanden sind (ebenso ist es mit den Zierblumen). Doch ist wohl nicht
zu zweifeln, dass sich aus den vorhandenen Obstarten eine eben so
grosse Menge hochedler Sorten erzielen liesse, als man in Europa aus
fast ungeniessbaren ursprnglichen Arten gezogen hat. Fr's Erste ist
aber keine Aussicht auf dergleichen Versuche vorhanden. Die hiesigen
Europer wenden ihre ganze Energie und Intelligenz dem Handel zu und
kehren, sobald sie knnen, nach Europa zurck. Die wenigen, die hier
bleiben, haben meist ihre Strebsamkeit verloren, sie nehmen immer mehr
von der Gleichgltigkeit der Eingebornen an. Von ihnen sind Versuche,
die so viel Zeit, Kenntniss und Mhe verlangen, kaum zu erwarten.

Ausser Obst, etwas Gemse und Geflgel, vielen Fischen und Krebsen
liefert die Insel keine Nahrungsmittel. Es wird aber Alles in Menge
eingefhrt, ja oft sind manche Artikel hier billiger, als am
Produktionsort. Hhnerfleisch und Reis isst man tglich wenigstens zwei
Mal. Hammelfleisch ist sehr theuer und gilt fr einen grossen
Leckerbissen. Die besten Hammel kommen aus Bengalen, darauf folgen die
vom Peiho, weniger geschtzt sind die von Shanghai und Australien. Puter
kommen aus Java und kosten 5 bis 6 Dollars das Stck. In Singapore
knnen sie nicht gezogen werden, auch die eingefhrten sterben bald.

Von europischen Speisen sind namentlich die national-englischen in
Blechbchsen immer vorhanden, sie sind meist aus englischer Fabrik,
daher weder sehr wohlschmeckend, noch mannigfaltig. In anderen Kolonien
lsst man sich dergleichen Sachen lieber aus Frankreich kommen und steht
sich besser dabei. Die gewhnlichen Getrnke sind englisches Bier,
Bordeaux-, Rheinwein. Geeisten Champagner trinkt man so hufig, dass die
chinesischen Bedienten das Wort ihrer Aussprache akkommodirt haben,
indem sie aus Cham-paign sim-kin machen.

Von der Wichtigkeit der Erfindung, Nahrungsmittel in
hermetisch-verschlossenen Bchsen aufzubewahren, bekommt man erst auf
Seereisen und mehr noch in den Kolonien, besonders in den abgelegenen
Stationen, eine richtige Vorstellung.[11] Wenn aber die Zubereitung
nicht sehr schmackhaft ist, so stellt sich nach fortgesetztem Gebrauch
allmlig ein solcher Ekel ein, dass selbst die Matrosen Salzfleisch
vorziehen. Dies tritt namentlich bei englischen Prparaten bald ein, bei
franzsischen habe ich es nie empfunden. Hoffentlich ist der Zeitpunkt
nicht mehr fern wo man wenigstens die fr die Passagiere bestimmten
Nahrungsmittel whrend der ganzen Reisedauer nur durch Klte frisch
erhalten wird. Wenn die Eismaschinen erst den nthigen Grad von
Vollkommenheit erreicht haben, drfte es wohl an der Zeit sein, sie mit
einem System von Rhren zu verbinden, die, mit einer schwer erstarrenden
Flssigkeit gefllt, einen angemessenen Raum hinreichend kalt erhalten,
um alle darin niedergelegten Nahrungsmittel vllig frisch zu bewahren.
Man sollte glauben, dass die Kosten der Einrichtung und des Betriebes,
besonders auf Dampfschiffen, wo ein kleiner Bruchtheil der vorhandenen
Kraft zu diesem Zweck abgezweigt werden knnte, betrchtlich geringer
sein wrden, als die des jetzt eingefhrten Gebrauchs, lebende Thiere
sammt Futter und Wrter mitzunehmen. Abgesehen aber vom Kostenpunkt
wrden die Annehmlichkeiten fr die Reisenden sehr gross sein. Der
Zahlmeister knnte auf jeder Station diejenigen Artikel in Flle
einkaufen, die gerade dort am vorzglichsten sind; statt des Fleisches
von Thieren, die durch die Seereise gelitten haben, knnte man den
Reisenden mit wahrscheinlich geringeren Kosten stets das beste, gleich
in geeigneten Stcken eingekaufte Fleisch vorsetzen. Fhrte man ein
solches Rhrensystem durch die von den Passagieren bewohnten
Schiffsrume, wie man Huser durch warmes Wasser heizt, so knnte die in
niederen Breiten, besonders an Bord berfllter Dampfschiffe, so
unertrgliche Hitze auf ein Minimum herabgedrckt werden. Namentlich
aber fr die Fahrt auf dem rothen Meere, die whrend einiger Monate so
verrufen ist, dass die Gesellschaften whrend dieser Zeit genthigt
sind, ihre Preise herabzusetzen, wrde eine solche Einrichtung von
grossem Werthe sein.

Nachdem ich in dem schnen Landhause einige Wochen zugebracht, die unter
der Masse neuer Eindrcke und Bekanntschaften sehr angenehm verflogen,
entschloss ich mich, die wahrhaft frstliche Gastfreundschaft unseres
Konsuls nicht lnger in Anspruch zu nehmen, bezog eine kleine Wohnung in
der Stadt und wollte anfangen, recht fleissig zu sammeln und zugleich
Individuen der verschiedenen Rassen, welche die vllige Freiheit des
Verkehrs hier zusammenfhrt, zu photographiren. In Europa hatte ich viel
von der Vortrefflichkeit und Billigkeit der indischen Diener gehrt und
meine Ansprche, sowie meine Ausrstung danach zugeschnitten. Einen
Diener wollte ich zum Sammeln und Prpariren von Thieren, einen zweiten
auf Pflanzen, einen dritten auf photographische Handleistungen
abrichten. Auch konnte ich, wenigstens im Anfang, Diener genug bekommen,
sie fanden aber keinen Geschmack an meinen Liebhabereien und verliessen
mich gewhnlich wieder nach einigen Tagen. Durch Vermittelung eines
geflligen Freundes wurde mir ein kleines, niedliches Bretterhaus, 100
Schritt vom Meer, das der Regierung gehrte und zur Zeit unbenutzt
stand, zur Verfgung gestellt. Ich liess mich mit meinem Gepck darin
nieder und verlebte hier einige sehr angenehme Monate. Die
Liebenswrdigkeit und Herzlichkeit, die ich ohne Ausnahme von allen
Europern erfuhr, wird mir immer eine der liebsten Erinnerungen bleiben.
Einmal zeigte mir Jemand ein Glas voll Schlangen und Eidechsen in
Spiritus, ohne sie mir anzubieten, und ich erinnere mich noch, dass ich
von einem so unerwarteten Verfahren ganz betroffen war. Ich wsste die
Geflligkeiten, die mir ununterbrochen von allen Seiten erwiesen wurden,
nicht schlagender anzudeuten, als durch dies Gestndniss. Der Tag
verging unter den mannigfachsten Beschftigungen, die Abende brachte ich
gewhnlich auf dem Landhaus irgend eines Freundes zu. Freilich fehlte es
auch nicht an allerlei kleinen Miseren, welche aber gegen die Freuden
des damaligen Lebens sehr zurcktraten. Eine dauernde Unbequemlichkeit
war die Schwierigkeit, einen guten Diener zu finden. Als ich in meinem
Huschen die grossen Kisten geffnet hatte und der Bediente den Inhalt
erblickte, schttelte er bedenklich den Turban und sprach halb englisch,
halb malayisch: "Viel, viel Sachen, Herr, nehmt einen andern Diener, zu
viel Mhe!" und ging ab. Ich wagte nicht auszugehen, da das Haus nicht
verschliessbar war. Bald kam ein Platzregen, der durch das schadhafte
Dach drang und die ausgepackten Sachen durchnsste. Nach einigen Tagen
erbarmte sich meiner eine Dame und verschaffte mir ein wahres Muster von
Bedienten, der Alles allein zu machen versprach. Auch stattete sie mich
noch mit allerlei Gegenstnden der Bequemlichkeit aus, um mir den
Aufenthalt in meiner neuen Wohnung angenehm zu machen. Als ich spt
Abends nach Hause kam, fand ich aber dasselbe offen, der Diener war
nicht da, weil er, wie er mir am andern Tage sagte, noch keine
Schlafmatte hatte. Um eine zu suchen, verbrachte er den grssten Theil
des zweiten Tages ohne Erfolg. Am dritten Tage kam er spt und brachte
noch einen Landsmann mit, der ihm helfen sollte; dieser schien ein
Literat zu sein, er las den ganzen Tag, deklamirte und schrieb;
verlangte ich etwas von ihm, so seufzte er und sprach: "much, much
trouble." Nachmittags fand ich ihn in meiner Geldtasche whlend und
entliess ihn. Den andern behielt ich noch 6 Tage, davon war er 2 Tage
krank, einmal musste er vor Gericht, ein andermal hatte er dringende
Geschfte in Familienangelegenheiten. Nachdem ich in kurzer Zeit einige
Malayen und mehrere Klings gehabt, bekam ich einen berhmten, kleinen
Chinesen. Leider verstand er nicht malayisch und ich nicht chinesisch.
Er verstand berhaupt nichts, da er noch nicht gedient hatte, besass
aber grossen Eifer. Meine Schuhe putzte er nicht nur von aussen, sondern
auch von innen, und als ich ihm auftrug, meinen schwarzen Frack zu
reinigen, um darin bei einem amtlichen Diner des Guvernrs zu
erscheinen, wusch er ihn mit Seife und Wasser. Dadurch wurde der kleine
Bursche so berhmt. Seine angenehmste Eigenschaft aber war, dass er
immer lief, wenn ich "lakas" rief. Dies hatte fr mich einen solchen
Reiz, nachdem ich mich so lange mit den faulen, mrrischen Klings
beholfen hatte, dass ich den armen Jungen fast nur in diesem schnellen
Tempo benutzte. Aber nach 6 Wochen war er's mde. Als auch er mich
verlassen hatte, blieb ich lngere Zeit ohne alle Bedienung. Mein Haus
war eigentlich nur dem Scheine nach verschlossen, obgleich ich oft den
ganzen Tag und einen Theil der Nacht abwesend war. Auf meinem Balkon
hingen mehrere Thermometer ganz frei, mir ist aber nie etwas gestohlen
worden. Und doch stand das Haus auf einem Grundstck, das nur zum Theil
durch eine Hecke eingefasst war und an einer wenig frequenten, Abends
nicht beleuchteten Strasse lag. Den Grund weiss ich mir nicht zu
erklren.

Wenn aber auch ein hiesiger Diener den Anforderungen, die man in Europa
an einen solchen stellt, nicht entspricht, so kann man sich doch sehr
gute Bedienung verschaffen, wenn man fr verschiedene Dienstleistungen
im Hause verschiedene Diener annimmt, was bei ihren bescheidenen
Ansprchen nicht sehr theuer ist. Auch verlangt die Gerechtigkeit, zu
erwhnen, dass ich schliesslich einen vorzglichen Diener bekam, treu,
anstellig, fleissig, bescheiden; zu meinem grossen Bedauern zog er sich
spter in den Wldern von Malacca ein Junglefieber zu, wodurch ich
gezwungen wurde, ihn in Singapore unter der Pflege eines Arztes
zurckzulassen.




Viertes Kapitel.

    Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. -- Reis. -- Chinesen. --
    Malayen. -- Malayische Sprache.


Die Stadt bildet ein Kreis-Segment, dessen Sehne, der Strand, von NO.
nach SW. streicht, whrend der nach NW. gerichtete Bogen im N. von
einem Kanal, in seinem weiteren Verlauf durch eine Reihe von Anhhen
begrenzt wird. Gegen 20 dieser, im Durchschnitt 100 Fuss hohen Hgel
treten unmittelbar an den Rand der Stadt und schon beginnen die
Huser, sich an den Abhngen in die Hhe zu ziehen. Jeder Gipfel
gewhrt einige hbsche Bilder, die alle aus denselben, aber immer
anders gruppirten Elementen bestehen. Die schnste Rundsicht hat man
vom Government-hill, jetzt Fort Canning, das mitten in der Stadt
liegt. Hart an seinem Fuss fliesst der kleine Fluss, der die Stadt in
zwei Theile sondert. Die nrdliche, rumlich grssere Abtheilung
enthlt die meisten ffentlichen Gebude, viele Wohnhuser reicher
Kaufleute und Beamten, die noch unvollendete Kirche und die
Esplanade, einen schnen grossen Rasenplatz dicht am Meere, auf
welchem jeden Abend ein kleiner Korso und Cricket, das nationale
Ballspiel der Englnder, mehrere Male in der Woche auch Militrmusik
stattfindet. Auf der Sdseite ist das Geschftsleben konzentrirt.
Diese vertritt die "City", jene das "Westend"; letzteres liegt aber
stlich. Dicht an seiner Mndung hat der Fluss nach Sden zu ein
quadratisches Stck Land von etwa 1000 Fuss Lnge und Breite
angeschwemmt; Raffles, der Grnder der Stadt, hat die Trmmer eines
Hgels, der frher an der Mndung stand, darauf geschttet. Es hngt
nur auf einer Seite mit dem Lande zusammen, zwei andre Seiten werden
vom Meere, die vierte vom Fluss gebildet. In diesem Viereck befinden
sich alle grsseren Geschftshuser und Speicher der Europer sowohl,
als der Asiaten. Auf den dem Meere zugekehrten Seiten ragen
Landungsdmme ins Wasser, an welchen die Gter fr die verschiedenen
Firmen unmittelbar in die daran stossenden Speicher gebracht werden.
In der Mitte des Vierecks liegt der Commercial square, der
Centralpunkt des Verkehrs fr die Europer, und vertritt fast die
Stelle einer Brse. Noch lebhafter aber ist das Gewimmel auf und an
dem kleinen Flusse: an seinen beiden Ufern liegt eine fast
ununterbrochene Reihe von Leichtern und andern kleinen Booten, welche
Waaren aus- und einladen, die von stmmigen chinesischen Kulis oder
durch Ochsenkarren weiter geschafft werden. In der Mitte bewegen sich
vom frhesten Morgen bis spt Abends dichte Zge ein- und
ausfahrender Lastboote aller Grssen.

[Illustration:

  MALAYIN (SINGAPORE)  CHINESIN (FU-TSCHAU)  CHINESE (OPIUMRAUCHER)
    BATTA (SUMATRA)      MALAYE (JOHORE)         BATTA (FRAU)
]

Die Rhede ist umschlossen von dichtbewaldeten Inseln, ber die sich die
Kronen zahlreicher Palmen erheben. Gewhnlich ist das Meer so ruhig, wie
ein Binnensee und bedeckt mit Schiffen aller Lnder, zwischen denen
unzhlige kleine Boote hin- und herfahren. Eine ganze Kette solcher
kleinen Eilande und Felsen liegt im Sden der Hauptinsel und setzt in
SO-Richtung den Umriss der Kste wie in einer punktirten Linie fort.
Die sdlichste derselben, St. John, musste frher von allen grsseren
Fahrzeugen umschifft werden, bis man unmittelbar an der Sdkste von
Singapore selbst eine Durchfahrt entdeckte, tief genug fr die grssten
Schiffe. Sie wird im Sden von der Insel Blakang-mati begrenzt, welche
fleissige Bugis in ein Ananasfeld verwandelt haben, und bildet den
sogenannten neuen Hafen, New harbour, in dem jetzt die grssten
Dampfschiffe anlegen und ihre Kohlendepots haben. Es sind daselbst Docks
und Landungsbrcken errichtet, so dass die Schiffe unmittelbar am Lande
anlegen und lschen knnen, whrend in Singapore Alles durch Leichter
gelandet werden muss. New harbour hat aber so wenig Raum, dass er kaum
fr die Bedrfnisse der Dampfschifffahrt ausreicht.[12]

Das bunte Treiben in den Strassen entspricht dem, was die Schiffe auf
der Rhede vermuthen liessen. Die Stadt ist der Sammelplatz aller Vlker
des fernen Ostens. Weitaus berwiegend an Zahl und Bedeutung sind die
Chinesen. Dann folgen der Menge nach die Vlker malayischer Rasse,
Bewohner des Archipels: Bugis, Javanen, Sundanesen, echte Malayen und
endlich die Klings, wie hier allgemein smmtliche Bewohner
Vorder-Indiens ohne Unterschied genannt werden, obgleich das Wort, eine
Korruption von Telinga, ursprnglich nur die Eingebornen der Ostkste
der vorderindischen Halbinsel bezeichnet. Diese drei Vlkerschaften
bilden die Hauptmasse; mehr vereinzelt erscheinen zwischen ihnen Araber,
Perser, Parsis, Armenier, Siamesen, Birmanen, Anamiten, Tagalen und
Juden in alttestamentarischer Tracht.

In allen Hauptstrassen der Stadt sind die Huser im Erdgeschoss mit
fortlaufenden Bogengngen versehen, unter welchen man zwar Schutz gegen
die Sonne findet, aber nicht gegen die Zudringlichkeit der kleinen
Handelsleute, die hier als Geldwechsler, ffentliche Schreiber und
Krmer ihr Wesen treiben. Bei letzteren findet man oft das sonderbarste
Gemisch von Waaren, namentlich bei den Klings: neben europischen Eisen-
und Kurzwaaren sieht man die verschiedensten Produkte des Archipels,
indische Medikamente, Hlsenfrchte und mitten unter den
Nahrungsmitteln grosse Stcke Arsenik in offenen Schalen, das
namentlich nach Madras zum Einbalsamiren der Leichen, auch nach anderen
Hfen zum Prpariren der Hute geht. Eine andere in die Augen fallende
Waare, die man aber nur an den Thren der Grosshndler trifft, sind
Kanonen von jedem Kaliber, fr die immer ein guter Markt ist, da sich
hier sowohl die Seeruber zum Angriff, als die friedlichen Kauffahrer
zur Vertheidigung ausrsten.

Besonders auffallend im hiesigen Strassenleben ist die fast gnzliche
Abwesenheit der Frauen. Chinesen und Klings, die mit der Absicht kommen,
nachdem sie ein kleines Vermgen erworben, in ihr Vaterland
zurckzukehren, bringen keine Frauen mit, und ein grosser Theil der
Bevlkerung ist fluktuirend, kommt mit dem einen Monsun und kehrt mit
dem andern in die Heimath zurck, die Familie bleibt daheim. Von den
wenigen Frauen, die hier ansssig sind, werden die meisten, der Sitte
des Orients gemss, im Hause gehalten. Nach den statistischen Berichten
ist das Verhltniss der Frauen zu den Mnnern ohnehin nur wie 1: 8, aber
auf der Strasse fehlen erstere fast ganz. Nie geht eine Frau neben ihrem
Mann, oder gar von ihm gefhrt, es knnte die Wrde des Mannes
beeintrchtigen, ihn lcherlich machen. Die malayischen Familien gehen
gewhnlich Einer hinter dem Andern, zuerst die Kinder, dann die Mutter,
dann der Vater und die Erwachsenen. Auch Mnner gehen immer nur hinter
einander, der Vornehmste voran, die andern folgen genau nach ihrem
Range. Sie haben diese Gewohnheit wohl in der Heimath angenommen, wo nur
schmale Pfade durch den Wald fhren, und befolgen sie hier auch auf den
breitesten Strassen. Derselbe Gebrauch ist unter den Indiern in Amerika
allgemein: daher der englische Ausdruck: Indian file. Manche knnen es
auch nicht unterlassen, wenn sie an Hecken vorbeigehen, einige Zweige
einzuknicken, wie sie es im Walde gewhnt sind, zu thun, um den Rckweg
zu finden.

[Illustration:

   TELINGA. (BAYADERE.)       TELINGA.               JAVANE.
  BUGIS. (CELEBES.) MANN.    BALINESIN.      BUGIS. (CELEBES.) FRAU.
]

Den buntesten, interessantesten Anblick gewhrt die Stadt wohl Abends
zwischen 8 und 10 Uhr. Die Strassen, in welchen die Geschftshuser der
europischen Kaufleute liegen, sind dann de und finster, aber in den
anderen Stadttheilen, besonders im Viertel der Chinesen, herrscht die
grsste Lebendigkeit. Hier sind alle Lden offen und mit grossen, bunten
Papierlaternen, die zugleich als Firmaschilder dienen, beleuchtet,[13]
alle Werksttten in voller Thtigkeit. Lngs der Huser haben sich ganze
Reihen kleiner Geschftsleute, Hausirer, besonders aber viele Garkche
mit ihren tragbaren Gestellen eingefunden, welche an dem einen Ende
eines Bambus die Kche, am andern smmtliches Geschirr tragen.
Dazwischen wogt eine dichte Menschenmenge, die hier ihre Abendmahlzeit
kauft und meist gleich an Ort und Stelle verzehrt.

Die Chinesen bedienen sich zum Essen der bekannten kleinen Stbchen;
alle andern hiesigen Asiaten essen mit den Fingern, zuweilen auf sehr
unappetitliche Weise. Noch unappetitlicher ist die Art, wie die Gste
ihrem Wirth nach beendigter Mahlzeit ausdrcken, dass sie vllig satt
sind. Die Mehrzahl der hiesigen Bevlkerung lebt fast nur von Reis.
Viele geniessen kaum etwas anderes.[14] Fleisch und sonstige Zuspeisen
werden von den Aermeren nur in so geringer Menge dazu genossen, als bei
uns Pickles oder andre Reizmittel. Darauf sind auch die Garkche
eingerichtet; fr ein paar Pfennige kann sich dort Jeder die kleinsten
Portionen seiner Lieblingsgerichte kaufen, die zuweilen auf rmischen
Wagen, nicht grsser als eine Goldwage, abgewogen werden. Es sieht
drollig aus, wenn eine Anzahl chinesischer Kulis ihre Mahlzeit
einnehmen. Sie hocken um einen Eimer voll Reis, um welchen im Kreise
herum eine Anzahl pikanter Zuspeisen in kleinen Tassen stehen. Jeder
fllt sich eine gerumige Schale mit dem Nationalgericht, fasst seine
beiden Essstbchen, die so dick wie Bleistifte und anderthalb mal so
lang sind, indem er sie mit Daumen und Mittelfinger gegen den
Zeigefinger presst, und schaufelt sich mit den beiden Enden, den Athem
dabei einziehend, eine grosse Anzahl Reiskrner zu, die einzeln, aber in
enggeschlossener Reihe, in den weit geffneten Mund fliegen, um auf
einmal verschlungen zu werden; ab und zu holt er sich mit seinen
Stbchen, indem er sie wie eine Zange gebraucht, ein Stck Fleisch oder
Fisch aus einer der Tassen, beisst ein wenig davon ab, legt den Rest in
seine Schale und schaufelt von neuem weiter. Es ist auffallend, wie die
hiesige chinesische Bevlkerung gesund und krftig bleiben kann bei
einer Kost, die fast nur aus Strkemehl besteht und an Stickstoffgehalt
selbst von der Kartoffel bertroffen wird, wenn man von dieser den 3/4
des Gewichts betragenden Wassergehalt ausser Rechnung lsst; die
chinesischen Lasttrger, wenigstens die im Dienst der Europer, essen
allerdings nicht unbedeutende Mengen Schweinefleisch.

Die Chinesen sind als sehr geschickte Kche bekannt; auch haben sie ein
grsseres Feld, als die unsrigen, da sie viele Dinge verwenden, die dem
Europer als unrein gelten. Die von Max Mller (Science of language S.
346) nach Farrar erzhlte Geschichte, welche ihm Veranlassung giebt,
eine der Annahmen ber den Ursprung der Sprache als die Bau-Bautheorie
im Gegensatz zur Puh-Puhtheorie zu kennzeichnen, ist noch heute in China
unter den Europern gang und gbe. Ein Englnder nmlich, dem man eine
Schssel vorgesetzt hatte, die ihm verdchtig schien und der wissen
wollte, ob es Ente sei, fragte: Quack-Quack? und erhielt die klare,
offene Antwort: Bau-Bau! Einige ihrer Leckerbissen sind fr uns geradezu
Ekel erregend, z. B. faule oder angebrtete Eier, deren Schale etwas
geffnet wird, damit der Kufer sehe, dass er nicht etwa getuscht
werden und statt des begehrten ein frisches Ei erhalten solle.[15] Diese
Liebhaberei scheint aber doch nicht allgemein zu sein. Sie haben auch
ein Verfahren, Eier sehr lange frisch zu erhalten. Hier ist das Rezept:
2 Maas Asche, 1 Maas Salz mit Wasser zu einem Brei gemischt, mit dem die
aufzubewahrenden frischen Eier bedeckt werden.

Das chinesische Element tritt namentlich in einigen Theilen der Stadt so
sehr in den Vordergrund, dass man sich in China whnen knnte. Alle
Handwerke, besonders solche, die Geschick und Ausdauer verlangen, werden
fast nur von Chinesen betrieben. Sie mgen wohl das fleissigste Volk auf
Erden sein, vom frhen Morgen bis spt in die Nacht sieht man sie
arbeiten. Mit Ausnahme des Neujahrsfestes giebt es fr sie keinen
Feiertag. Neben dem grossen Fleiss bilden auch Sparsamkeit und
Gengsamkeit sehr hervorragende Zge in ihrem Charakter. Ihr
Handwerkszeug, ihre Kleidung und ihre Nahrung sind von der einfachsten
Art, auch sind sie in fast allen ihren Genssen sehr mssig; ihre
Tabakspfeife hat kaum die Grsse eines Fingerhuts, von einer Cigarre
rauchen sie gewhnlich nur einige Zge hinter einander und heben den
Rest auf. Sie trinken fast nur dnnen Thee, der sehr billig ist, immer
ohne Milch und Zucker aus ganz kleinen Tsschen. Die reichsten Chinesen
gehen kaum besser gekleidet, als die armen; eine kurze, weite Hose, eine
baumwollene Jacke, und bei den Wohlhabenden Schuhe ohne Strmpfe, bilden
nebst Zopf und Fcher den ganzen Anzug.

Ein grosser Theil des Handels und der Schifffahrt ist in ihren Hnden,
nur an dem direkten Handel nach Europa und Amerika bleiben sie bis jetzt
unbetheiligt.[16] Alles aber, was an Produkten des Archipels nach
Europa kommt, geht erst durch Vermittelung der Chinesen an die
europischen Exportre ber, ebenso wie die meisten europischen Waaren
erst durch ihre Hnde zu den Eingebornen gelangen. Noch ehe ein
einheimisches Schiff Anker geworfen hat, ist schon ein Chinese an Bord,
der mit dem Patron Bekanntschaft macht, ihn whrend der ganzen Dauer
seines Aufenthalts nicht aus den Augen verliert, ihm Geld vorschiesst,
seine Schwchen erlauscht und ausbeutet und schliesslich Eigenthmer der
Ladung wird. Ich versuchte einige Male Muscheln oder Kuriositten an
Bord neu angekommener Prauen zu kaufen, es gelang aber nie, da Alles
immer schon von Chinesen belegt war. Wollte ich aber von diesen einen
Gegenstand erwerben, so boten sie ihn entweder umsonst als Probe und
fragten, wie viel Pikul sie mir davon liefern sollten, oder verlangten
einen enormen Preis dafr, in der Meinung, dass der Gegenstand fr mich
einen ganz besonderen Werth haben msste.

Die Handwerke werden alle, wie schon erwhnt, in offenen Lden oder auf
der Gasse selbst betrieben, so dass man im Schlendern durch die Strassen
bequem zusehen kann. Am auffallendsten ist dabei der geringe Raum, der
dem Chinesen gengt, und die einfachen Werkzeuge, deren er sich bedient.
Unglaubliche Sparsamkeit an Zeit, Raum und Stoff, wie sie sich nur unter
einer so berdichten Bevlkerung, wie China sie besitzt, ausbilden
konnte, tritt Einem auf immer neue Weise vor Augen. In einem schmalen
Laden werden hufig zwei verschiedene Handwerke betrieben, auf der einen
Seite arbeitet ein Schneider mit einem Dutzend Gesellen, auf der andern
ein Schuster, jeder Einzelne nimmt kaum mehr Raum ein, als der Stuhl,
auf dem er hockt. Einzelne Handwerke weichen in ihren Manipulationen von
den unsrigen ab: die Zinngiesser giessen ihre Zinn- und Blei-Legirungen
auf dickes Bambuspapier, worauf es sich gleichmssig flach ausbreitet,
und benutzen die so erhaltenen dnnen Kuchen statt der gewalzten Tafeln,
die man bei uns anwendet. Noch viel dnnere Tafeln erhalten sie nach
Lockhart, indem der hockende Arbeiter mit geschickter Handbewegung je
einen Lffel voll geschmolzenen Metalls zwischen zwei auf dem Boden
liegende mit dergleichen Papier bezogene Steine schleudert, wobei er den
obersten Stein auf einen Augenblick mit den Fersen lftet und gleich
wieder fallen lsst. Ein kleiner tragbarer Thonofen bringt zugleich die
Legirung in Fluss und erhitzt die Lthkolben. Die Drehbank besteht aus
einem rohen Gestell, in welchem horizontal eine um ihre Axe drehbare
Walze liegt. Um diese ist eine Schnur geschlungen, deren Enden an zwei
unten angebrachten Tretbrettern befestigt sind, durch welche die Walze,
wie bei uns das Rad eines Scheerenschleifers, in Bewegung gesetzt wird.
Ein Schwungrad ist nicht vorhanden. An dem, dem Arbeiter zugekehrten
Ende der Walze, das mit Harz berzogen ist, wird der zu drehende
Gegenstand, nachdem er vorher erwrmt worden, festgeklebt.

Manche Handwerke, die von Hausirern auf offener Strasse getrieben
werden, sind den Chinesen eigenthmlich. So werden zerbrochene Glser
auf folgende Weise geflickt: Nachdem die Scherben aneinandergefgt sind,
bohrt man zu beiden Seiten des Sprunges paarweis feine Lcher, dann wird
ein feiner weicher Draht von der konvexen Seite durch ein Lcherpaar
gesteckt, an der anderen Seite fest angezogen und so abgeschnitten, dass
nur zwei kurze Enden hervorragen. Diese werden mit einem Hmmerchen
platt geschlagen, so dass dadurch zwei Nieten entstehen. Manche alte
Lampenglocken sind wohl mit 20 solcher kleinen Anker zusammengeflickt.
Man kann daraus auf den hohen Werth des Glases im Innern Chinas
schliessen. In Singapore verschwindet dieser Industriezweig immer mehr,
da hier das Glas fast so billig als in Europa ist.

Die interessanteste Strassen-Industrie ist das Flicken eiserner Pfannen;
diese Pfannen sind von sehr sprdem, dnnem Gusseisen und springen
leicht. Der chinesische Pfannenschmied schlgt erst zu beiden Seiten des
Sprunges einen dnnen Streifen Eisens ab, um die Oeffnung zu erweitern
und frischen Bruch zu erhalten, dann zndet er einen kleinen tragbaren
Kohlenofen aus feuerfestem Thon, 10 Zoll hoch, 6 Zoll Durchmesser, an,
stellt einen Schmelztiegel hinein, der einige Stckchen Eisen enthlt,
und blst an. Das Geblse ist das Miniaturmodell eines Cylindergeblses;
jedoch noch einfacher in seiner Einrichtung, indem der Windbehlter
nicht zwei, sondern nur ein Ventil hat. Auch steht es nicht aufrecht,
sondern wird bei dem Gebrauche auf den Boden gelegt. In einem fusslangem
Bambusrohr von etwa 1-1/2 Zoll innerem Durchmesser bewegt sich als
Kolben eine am Rande mit Baumwollenwatte umgebene, an einem Stbchen
befestigte Scheibe. In jeder Endflche des Bambuscylinders ist eine sich
nach innen ffnende Klappe zum Eintritt der Luft angebracht. Whrend
durch die Bewegung des Kolbens die eine Klappe Luft einlsst, schliesst
sich die andere und umgekehrt. Die zusammengepresste Luft strmt
abwechselnd durch eins von zwei in der Wand des Bambus nahe den
Endflchen befindlichen Lchern in den Windkasten, einen hlzernen Trog
von vierseitigem Querschnitt, der mit seiner offenen Seite an dem
Bambusrohre luftdicht befestigt ist. Aus diesem Behlter entweicht die
Luft durch ein in der Mitte der dem Cylinder gegenberliegenden Seite
befindliches Loch. An diesem nun ist ein trichterfrmiges Blechrohr
befestigt, dessen Spitze in eine unter der Feuerung befindliche Oeffnung
gesteckt wird. Damit aber der Luftstrom ununterbrochen sei, was zum
Schmelzen des Eisens durchaus erforderlich ist, hngt in der Mitte des
Windkastens an der Bambuswand der Austrittsffnung gerade gegenber eine
zungenfrmige, in den Trichter hineinragende Klappe, welche, durch den
komprimirten Luftstrom abwechselnd nach rechts oder links gestossen,
diesem den Ausgang ffnet und zugleich die Verbindung mit dem Raume
schliesst, in welchem die Luft verdnnt ist. Ist das Eisen in Fluss, so
schpft der Arbeiter ein wenig davon auf einen mit Thon beschmierten,
mit Kohlenpulver bestubten Lappen und drckt damit das Metall von unten
in die Spalte, indem er gleichzeitig mit der Basis eines walzenfrmigen
Stckes Holzkohle auf die oben herausquellende Masse drckt, welche sich
fest anlegt, einen Theil der Spalte ausfllt und oben und unten eine
dnne Ausbreitung bildet. Bei grsseren Sprngen wird dann dasselbe
Verfahren so lange wiederholt und werden so viele eiserne Flicken
aneinander gereiht, bis der ganze Riss ausgefllt ist.

Die chinesischen Einwanderer kommen fast ausschliesslich aus den beiden
sdlichen Ksten-Provinzen Quang-tong und Fuh-kien und bestehen
grsstentheils aus dem elendesten Proletariat, auch sollen sich die
dortigen Behrden der Auswanderer-Schiffe bedienen, um ihre Krppel und
Taugenichtse loszuwerden. Die Schiffe setzen sich whrend des NO.-Monsun
in Bewegung und treffen in Singapore frhestens um Neujahr ein. Bei der
Ankunft schuldet der Einwanderer fast immer die Ueberfahrt und
vermiethet sich auf ein Jahr ohne Lohn gegen Bekstigung und eine kleine
Gelduntersttzung an einen schon ansssigen Chinesen. Dieser bezahlt
dafr die Ueberfahrt, deren Betrag mit dem Bedrfniss nach
Arbeitskrften steigt oder fllt. Ein solcher Einwanderer heisst Sinkay,
der freie Arbeiter dagegen Kuli. Nicht alle, die hier ankommen, bleiben
in Singapore, mehrere tausend landen hier jhrlich auf ihrer Durchreise
nach anderen Lndern des Archipels. Die meisten kommen mit der Absicht,
nachdem sie ein kleines Kapital erbrigt, in ihre Heimath
zurckzukehren. Es scheint aber, dass dies nur der Minderzahl gelingt.
Sehr Viele ergeben sich dem Opiumgenuss und Spiel und gehen daran zu
Grunde. Einige bleiben auch im Archipel und verheirathen sich mit
eingebornen Frauen. Es giebt Familien hier, die schon seit Generationen
in europischen Kolonien leben, grosses Ansehen und bedeutende
Reichthmer besitzen und im Verkehr mit den Europern viele gute
Eigenschaften von diesen angenommen haben. Die Zahl der jhrlich hier
ankommenden Chinesen betrgt jetzt schon weit ber 10,000. Es ist aber
wahrscheinlich, dass die Auswanderung aus dem bervlkerten China sehr
zunehmen wird, da immer mehr die knstlichen Schranken fallen, welche
ihr einerseits von den chinesischen Behrden, andererseits von den
europischen Kolonial-Regierungen entgegengestellt sind. Auch war von
China aus das Auswandern der Frauen streng verboten, wodurch die
Mehrzahl der Mnner bewogen wurde, wieder in ihre Heimath
zurckzukehren. In neuester Zeit gehen aber viele Frauen sowohl nach
Kalifornien als nach dem Archipel, und wenn sie auch nicht zu den
respektabelsten gehren, so ist es doch immerhin ein Anfang. Die inneren
Unruhen in ihrem Vaterlande veranlassen seit Kurzem auch viele im
Archipel als Handwerker oder Kaufleute etablirte Chinesen, ihre Familien
nachkommen zu lassen. Noch zahlreicher sind die Einwanderungen
unabhngiger Frauen, die hier ein grosses Feld fr ihre Thtigkeit
finden. Viele von ihnen werden auf Kosten der geheimen Gesellschaften
hergebracht, die den Einfluss derselben auf die Mnner fr ihre Zwecke
ausbeuten (im November 1863 kamen 72 in einem Schiffe an).

In den hollndischen und spanischen Kolonien legt man den Chinesen
allerlei Hindernisse in den Weg, indem man ihre Anwesenheit nur an
einzelnen Lokalitten gestattet, ihre Thtigkeit auf gewisse Gewerbe
beschrnkt, sie hohen Steuern und einer lstigen Polizeiaufsicht
unterwirft: alles in der ausgesprochenen Absicht, die Eingebornen gegen
die Habsucht, Schlauheit, Gewissenlosigkeit der Chinesen zu schtzen.
Trotz aller gesetzlichen Beschrnkungen hat aber die Einwanderung der
Chinesen stetig zugenommen; in den Philippinen soll sie eine
betrchtliche Einnahmequelle derjenigen Beamten sein, von deren Ermessen
die Erlaubniss zum Verbleib im Lande abhngig ist. Jetzt scheinen beide
Regierungen zu einer freisinnigeren Politik bergehen zu wollen und es
ist daher zu erwarten, dass sich bald ein stets wachsender Strom von
Arbeitskrften aus China ber die Inseln ergiessen und die grossen
Hlfsquellen erschliessen wird, die jetzt in den spanischen Kolonien
fast ganz schlummern und in den hollndischen nur sehr unvollkommen
ausgebeutet werden. Fr das chinesische Proletariat wird der Archipel
daher wohl bald eine noch grssere Bedeutung erhalten, als Amerika fr
das europische. Die Lnder der einheimischen Frsten kommen immer mehr
und mehr unter den Einfluss der europischen Regierungen, wodurch die
Sicherheit fr Person und Eigenthum zunimmt, deren Mangel bisher auch
ein grosses Hinderniss fr die Ausbreitung der Chinesen war. Bis jetzt
werden noch viele im Gebiet malayischer Frsten liegende Zinngruben von
Malacca aus betrieben.

In den englischen Niederlassungen der Meerenge ist die Einwanderung
der Chinesen immer begnstigt worden. Sie geniessen dort Ansehen und
Freiheit und Sicherheit gegen Erpressungen, wie wohl in keinem anderen
Lande der Welt. Dass aus dieser unbeschrnkten Freiheit der Kolonie
ernste Gefahren erwachsen knnten, ist kaum zu befrchten, da in einem
solchen Falle sich Alles gegen die Chinesen verbinden wrde.
Bedeutende Strungen haben sie freilich schon oft veranlasst; sie
bilden einen Staat im Staate; fast Alle gehren geheimen
Gesellschaften an, gegen deren Thtigkeit die Regierung nichts vermag.
In Bezug auf diese Gesellschaften sagt der Guvernr in seinem
amtlichen Berichte 1858-59: "Ein anderes grosses Hinderniss bei
Entdeckung schwerer Verbrechen sind die chinesischen Hoeys, oder
geheimen Gesellschaften.... Es ist kein Zweifel, dass diese
Gesellschaften sich dazu hergeben, den Gang der Gerechtigkeit zu
hemmen. Man nimmt allgemein an, dass sie den Ehrgeiz haben, alle
Kriminalflle unter ihren Landsleuten vor ihr eigenes Tribunal zu
ziehen. In Civilsachen wird ihre Schlichtung von Streitigkeiten eher
gnstig als anders aufgenommen, und nach ihrer Auffassung sind ihre
Ansprche, Kriminalflle zu entscheiden, ebenso wohl begrndet. Dass
dergleichen Tribunale bestehen, unterliegt keinem Zweifel, und es ist
zu befrchten; dass, um dieselben aufrecht zu erhalten und zu
verhindern, dass man sich an unsere Gerichtshfe wende, sowie auch, um
die Wirksamkeit der letzteren zu lhmen, die Chinesen kein Bedenken
tragen, zu den gewaltsamsten Maassregeln zu greifen. Mord und
Menschenraub sollen hufig vorkommen, um lstige Zeugen zu beseitigen,
vielleicht aber ist einige Uebertreibung in der angeblichen Hufigkeit
dieser Verbrechen." Schliesslich zweifelt der Guvernr an der
Mglichkeit, diese Gesellschaften auf dem Wege des Gesetzes
auszurotten und glaubt, dass alle Verordnungen dagegen nur den Zweck
haben wrden, die Gesellschaften noch vorsichtiger zu machen und ihren
Widerstand zu verstrken.

Ich fhre aus den Artikeln der einen geheimen Gesellschaft zur Probe
zwei Paragraphen an (das Original-Dokument wurde von der Polizei in
Beschlag genommen und befindet sich gegenwrtig in der Berliner
Bibliothek): " 4. Vom Augenblick des Eintritts in die Brderschaft
Hung mssen alle Brder bei jeder Gelegenheit, wo die Brderschaft
sich gegen die Regierung erhebt, und die Soldaten ihr Widerstand
entgegensetzen, nach ihren ussersten Krften Hlfe leisten; sie
mssen sich bemhen, alle Gefangenen, die gemacht wurden, zu befreien,
und drfen nichts thun, was ihrer Flucht hinderlich sein knnte. Mgen
Alle, die anders handeln, binnen eines Monats sterben, vom Blitz
getroffen, und ihre Gliedmaassen zerstreut werden.

 5. Vom Augenblick des Eintritts in die Brderschaft Hung darf Keiner
gegen Bestechung Emissre der Regierung fhren, um andere Brder
gefangen zu nehmen. Sollten Habschtige oder lasterhaft Gesinnte also
handeln, so mgen sie umkommen innerhalb eines Monats unter 10,000
Schwertern. Werden sie aber entdeckt, so sollen sie sicherlich von den
Brdern erschlagen werden."

Ausser diesen Hoeys, die von China bergesiedelt und zum Theil sehr alt
sind, werden auch fortwhrend geheime Gesellschaften zu besonderen
Zwecken, namentlich zur Erhhung der Lhne, gebildet. Ist einmal ein
Europer von einer solchen Gesellschaft in die Acht erklrt, so kann er
keinen chinesischen Bedienten bekommen, kein Handwerker arbeitet mehr
fr ihn. Zwischen den verschiedenen Gesellschaften bestehen alte Fehden,
die schon hufig zu blutigen Strassenkmpfen Veranlassung gaben,
namentlich im Jahre 1854; aber auch in der allerneuesten Zeit scheinen
dergleichen wieder in grsserem Massstabe stattgefunden zu haben, wie
aus einem interessanten Artikel der Overland Straits Times vom 21.
November 1863 hervorgeht: "Die unaufhrlichen Unruhen und Fehden der
Chinesen, die oft in Strassenkmpfe ausarten, haben ihren Ursprung in
dem gegenseitigen Hass der verschiedenen geheimen Gesellschaften, mehr
noch in dem Hass der verschiedenen Faktionen oder Clans, in welche die
Chinesen gespalten sind. Es scheint, dass die Chinesen weniger
Individualitt besitzen, als irgend ein anderes Volk; sich, wie schwache
Thiere, erst in Heerden wohl fhlen, und von jeher das Bedrfniss
fhlten, sich auf diese Weise zu schaaren. In China aber bewegt sich
jede Heerde auf ihrem eigenen Gebiet, whrend hier Mitglieder der
verschiedensten Verbindungen nur ein gemeinschaftliches Gebiet haben und
daher hufig in Kollision kommen. In den hollndischen Kolonien ist in
jedem District, wo ber 100 Chinesen wohnen, einer der Angesehensten
von Amtswegen als Hauptmann angestellt, der mit anderen unter ihm
Stehenden, auch amtlich ernannten Gehlfen die chinesische Bevlkerung
in Ordnung zu halten hat und bis zu einem gewissen Grade fr sie
verantwortlich ist."

In neuester Zeit hat man sich in Singapore damit geholfen, die
vornehmsten Chinesen nach englischer Sitte zu Spezial-Konstablern zu
machen, eine Massregel, die den besten Erfolg gehabt hat. Man
beabsichtigt, knftig bei Unruhen die angesehensten Chinesen, welche
gewhnlich die hchsten Aemter in den Gesellschaften bekleiden, nicht
eher als Konstabler zu entlassen, bis die Unruhen vllig gedmpft sind.

Bisher blieben diese Kmpfe lediglich auf die Chinesen selbst
beschrnkt, natrlich nicht ohne grosse Strungen der ffentlichen
Ruhe. Erwgt man brigens, dass die hiesige chinesische Bevlkerung
nur aus den untersten Klassen und zum Theil aus dem Auswurf der
sdlichen Kstenprovinzen Chinas hervorgegangen ist, dass ihnen die
Frauen, und also die Mittel zur Begrndung einer Familie, gnzlich
fehlen, dass auch nicht die Spur einer Polizeikontrolle besteht, so
kann man sich nur wundern, dass so selten ernstliche Unruhen
vorkommen. Der Grund liegt gewiss in der Leichtigkeit des Erwerbes und
in dem "Selfgovernment", das sich unter so freien Institutionen, an
deren Erhaltung Alle ein gleiches Interesse haben, nothwendig
entwickeln muss.

Einige Chinesen haben sich grosse Reichthmer erworben und gehren zu
den geachtetsten Brgern der Stadt; manche haben bedeutende Summen zu
ffentlichen Zwecken geschenkt. Einer der hervorragendsten unter ihnen
ist Tan-kim-tsching. Sein Haus in der Stadt ist ein so schnes Beispiel
chinesischer Bauart, dass eine kurze Beschreibung von Interesse sein
drfte. Durch eine kunstvolle Thr in durchbrochener Arbeit tritt man in
die Vorhalle. An der rechten, wie an der linken Wand derselben steht
eine ununterbrochene Reihe geschnitzter Sthle und Tische, je zwei
Sthle und ein kleiner Tisch aus demselben Holz. Die Tische sind hher
und schmler als die Sthle, haben aber dieselbe Tiefe, so dass die
ganze Reihe wie aus einem Guss erscheint. Durch diese Anordnung hat
jeder Gast zur Rechten oder Linken die Hlfte eines Tischchens zur
Verfgung, um den Arm aufzulegen oder seine Theetasse abzusetzen. Die
Einrichtung ist so hbsch und zweckmssig, dass sie Nachahmung verdient.
Da hier zu Lande ein harter, khler Sitz angenehmer ist als ein warmes
Polster, so sind die Bden der Sthle gewhnlich aus Holz oder
spanischem Rohr gefertigt. In diesem Hause aber bestehen sie aus
eigenthmlichen Steinplatten, einer Art Kalkstein, vom Ansehen des
Florentiner Ruinenmarmors,[17] dem aber die Kunst nachgeholfen, indem
sie durch gewisse Beizen an passenden Stellen Infiltrationen erzeugt
hat. Bei einigen Platten ist die von der Natur gelieferte Zeichnung sehr
geschickt benutzt und durch Hinzufgung einiger Striche und Drucke ein
ganz nettes Bildchen zu Stande gebracht worden, whrend man bei andern
Platten im Nachhelfen zu weit gegangen, so dass sich sogleich die Hand
des Menschen verrth. Diese Platten sollen aus Ynan und Szechuen
kommen, die Kunst, sie zu fertigen, ist aber jetzt verloren gegangen; so
erfuhr ich wenigstens spter in Kanton auf vielfache Nachfrage.
Vielleicht steht ihre Wiedergeburt in Europa durch Anwendung der
Kuhlmannschen Entdeckungen bevor. Die Hinterwand der Vorhalle besteht
aus reich geschnitzter, durchbrochener Holzarbeit mit Perlmutter
eingelegt; sie wird durch zwei bis zur Decke reichende Pforten in drei
Theile getheilt. Dahinter befindet sich ein Zimmer in demselben Stil,
aber reicher dekorirt und mblirt: statt der Hinterwand ist nur eine
Reihe zierlicher Sulen, durch welche man in den mit Fliesen belegten
Hof tritt. Zu beiden Seiten desselben bildet ein vorspringendes Dach
einen gegen den Regen geschtzten Gang. Am gegenberliegenden Ende des
Hofes befindet sich die Wohnung der Frauen, Fremden nicht zugnglich. In
den vier Ecken des Hofes sind Regengossen aus gebranntem Thon
angebracht, grosse Bambusen in Form und Farbe tuschend darstellend. An
ihrem unteren Ende lehnen sich schn modellirte Nelumbium-Bltter und
Blthen aus demselben Material gegen die Wnde, und wurzeln scheinbar in
den grossen Kbeln, die das Regenwasser aufnehmen. Aus gebranntem Thon
bilden die Chinesen auch sehr schne Reliefs, die sie mit den reichsten
Farben verzieren. Die Figuren sind zwar fr unsern Geschmack zu barok,
aber ihre Nachbildungen von Pflanzen, Vgeln u. s. w. sind meisterhaft,
naturgetreu und mit vollendeter Technik ausgefhrt. Sie werden zur
Verzierung der Wnde, Thren, Dcher und Giebel verwendet; auch der Hof,
dessen Wnde einfach grau gestrichen und mit einer rothen Borte
eingefasst waren, enthielt eine Anzahl solcher Reliefs; ein ganzer Fries
davon lief unter dem Dach entlang.

Fr Dekorationen und Kostme zeigen die Chinesen viel Geschmack, ihre
Theatergewnder sind prachtvoll. Eine der schnsten Prozessionen, die
mir je vorgekommen, sah ich in Singapore bei Gelegenheit einer
Feierlichkeit, in welcher gewisse Gtzenbilder aus einem Tempel in der
Stadt wieder nach einem Tempel vor der Stadt, ihrem gewhnlichen
Aufenthalte, zurckgebracht wurden. Den Glanzpunkt bildeten die Kinder
reicher Eltern in Gewndern alter mythischer Helden, zum Theil zu
Pferde, von vielen Dienern begleitet. Noch reicher und origineller waren
einzelne Gruppen auf niedrigen Rollwagen, welche letztere aber durch die
Dekoration so geschickt verhllt waren, dass man einen grossen,
knstlichen Felsen vor sich zu haben glaubte. Auf dem Felsen wuchsen
prachtvolle, phantastische Blumen, und in dem Kelche oder auf dem
ussersten Zweige sass, wie eine Elfe, ein ganz kleines, reich und
sonderbar gekleidetes Mdchen, mit einem Fcher oder einer Blume in der
Hand. Andere Felsen trugen Strucher oder Rohr, ber welchen ein Reiher
oder grosser Raubvogel schwebte, und auf dem Vogel ritt oder stand ein
ganz junger Knabe. Auf alten chinesischen Vasen sieht man wohl
dergleichen Figuren, die uns wegen ihrer Abenteuerlichkeit fr eine
Verirrung der Phantasie des Malers gelten. Hier sah man alle diese
Bilder leibhaftig vor sich. Dass Drachen und Ungeheuer aller Art nicht
fehlten, versteht sich von selbst. Jede dieser Hauptgruppen war von
einem langen Zug von Kulis begleitet, die von den Reichen zu diesem
Zweck gemiethet und in schne Livreen gesteckt werden. In den Hnden
trugen sie Fahnen, Laternen, Sonnenschirme, meist von schwerer Seide,
mit reicher Stickerei, und an den Fssen Schuhe und Strmpfe, was einen
besonders feierlichen Eindruck machte, da sie sonst immer barfuss, oder
wenigstens ohne Strmpfe, gehen. Abends ging ich mit einem Freunde durch
das Chinesen-Viertel, das aber nicht illuminirt war, wie wir erwartet
hatten. In einem grossen Speicher, gedrngt voll von Zuschauern, wurde
ein Schattenspiel aufgefhrt. Der Puppenspieler sang mit nselnder
Fistelstimme hinter dem aufgespannten Laken, auf welchem sich der
Schatten einer Chinesin lebhaft bewegte. Das Publikum bildete den Chor.
Die Bhne stellte ein Zimmer mit einem grossen Bett dar. Ein Anwesender
erklrte uns das Stck: Der alte Ehemann der Dame ist verreist, ihr
junger Freund, den sie von ganzem Herzen liebt, ist ins Haus
gedrungen.... Wir warteten das Ende des Stcks nicht ab, obgleich unser
Dolmetscher uns versicherte, das Beste kme noch.

Ein anderes Mal sah ich eine chinesische Leichenfeier. Vor dem Hause des
Verstorbenen stand ein gedeckter Tisch, auf welchem verzierte Gerichte
aufgestellt waren, daneben erklang rauschende Musik. Nachdem der Sarg
auf Bcke gestellt worden, fhrte man die Kinder des Verstorbenen
heraus, einen Knaben und zwei Mdchen. Sie waren in Sackleinen
gekleidet, ganz verhllt; der Zopf war aufgelst, zwischen dem losen
Haar hingen Baststreifen herunter. Nachdem die Mdchen eine Zeit lang am
Sarge geweint, gingen sie in das Haus zurck. Der Knabe legte sich mit
untergezogenen Beinen flach auf den Boden, wie ein Schwimmender, und
blieb so, mit dem Gesicht die Erde berhrend, whrend der ganzen Dauer
der Feierlichkeit liegen. Ein Mann trat nun an den Tisch und opferte,
unter verstrkten Gongschlgen, dem Geist des Todten, indem er dabei
abwechselnd kniete und sich mit weit ausgestreckten Armen erhob. Der
Sarg war inzwischen mit einem bunten, seidenen Tuch bedeckt und mit
Blumen bestreut worden. Zum Schluss wurde den Gttern zu Ehren eine
grosse Menge Goldpapier verbrannt. Aber die verschmitzten Chinesen
machen sich kein Gewissen daraus, selbst ihre Gtter zu betrgen; nur
das erste Pckchen, dessen Bltter mit Ostentation einzeln ins Feuer
geworfen wurden, bestand durchweg aus Goldpapier; bei den brigen
Pckchen, die ungeffnet verbrannt wurden, war nur das oberste Blttchen
vergoldet, das Uebrige gemeines Packpapier. Der Sarg wurde dann von
Kulis auf die Schultern genommen und nach dem Kirchhof getragen. Die
Musik schritt voran, neben dem Sarge gingen die Hausgenossen, es folgte
ein grosser Haufe gemeinen Volks. Die Chinesen halten sehr viel auf ihre
Grber und legen dieselben oft schon bei Lebzeiten an, zuweilen mit
grossen Kosten. Der katholische Provikar erzhlte mir, dass ein Chinese,
der zur Zeit, wo das Hasardspiel noch erlaubt war, als Spielpchter viel
Geld erworben, sich bei Lebzeiten einen kostbaren Sarg verfertigen und
ganz mit Dollars ausfttern liess. Als vorsichtiger Mann hinterliess er
eine Stiftung zur Besoldung von vier Grabwchtern, aber bald nach seiner
Beerdigung kam eine Schaar Kulis, vertrieb die Wchter, warf den
Leichnam aus dem Sarge und theilte sich in die Beute. Die
Todtenverehrung ist fr Viele die einzige religise Uebung; sie hngt
unmittelbar mit der grossen Ehrfurcht zusammen, welche die Kinder ihren
Eltern erweisen.

Das Familienleben, soweit man es zu sehen bekommt, d. h. das Verhltniss
zwischen Vater und Kindern, bildet einen der angenehmsten Zge im
Charakter dieses so selbstschtigen Volkes.

       *       *       *       *       *

Die Malayen, obwohl sie hier zu Hause sind, nehmen nur eine
untergeordnete Stellung ein. Unter den Armeniern, Persern, Arabern,
Juden und Vorderindiern sind viele grosse Kaufleute von betrchtlichem
Reichthum; die Malayen bleiben arm, sie haben weder Geschick zu
Gewerben noch zum Handel, und stehen hier an Fleiss, Ausdauer und
Umsicht den brigen Asiaten nach. Ihnen haften mehr die ritterlichen
Tugenden und Untugenden an. Im Verhltniss zu den Andern sind sie stolz,
zurckhaltend, verschlossen, gleichgltig, ernst, fast traurig, bei
guter Behandlung aber anhnglicher, zuverlssiger, gegen Beleidigungen
empfindlicher. Im Verkehr unter einander sind sie sehr rcksichtsvoll,
sie gebrauchen keine Schimpfwrter; "orang tjelaki, Unglcklicher!"
vertritt deren Stelle. Sie lgen auch weniger als die Anderen. Whrend
die Handlungen des Chinesen nur durch Eigennutz, niemals durch Ehrgefhl
bestimmt zu werden scheinen, ist bei dem Malayen mit Geld oft nichts
auszurichten. Liegt er nach genossener Mahlzeit auf seiner Matte
hingestreckt, so ist es schwer, ihn durch Geldanerbietungen zum
Aufstehen zu bewegen.

Die Farbe der Malayen ist gelbbraun, bei den Vornehmen heller, bei
denen, die viel im Freien sind, dunkler. Ihr Kopfhaar ist schwarz,
schlicht, drhtig; sonst sind sie fast unbehaart. Sie sind klein,
wohlgebaut, haben zierliche Hnde; ihr Gesicht ist breit, flach; die
kleine Nase hat breite Flgel, der Mund ist gross, die Lippen sind nicht
aufgeworfen, ragen aber fast so weit vor, als die Nase.

Die Malayen sind berwiegend eine seefahrende Nation; ein Theil
derselben, die Orang-laut, Seemenschen, auch Seezigeuner genannt, leben
auf Khnen vom Einsammeln von Agar-agar, Trepang (essbare Holothurien),
Muscheln und Schildkrten, vom Fischfang, Tauschhandel und Raub; auch
die Angesessenen schlagen ihre Wohnsitze am liebsten an oder in
Flussmndungen auf. Zwei Vorstdte Singapores, Kampong-Malacca und
Rochor, jene von Malayen, diese von Bugis bewohnt, knnen als Beispiele
dienen. Die Huser stehen auf Pfhlen im Wasser oder am sumpfigen Ufer,
der Fussboden besteht aus Latten von Bambus oder Nibong (Caryota urens)
mit Zwischenrumen, durch welche aller Unrath entfernt wird. Die Wnde
sind aus gespaltenen Bambusen, Matten oder Palmenblttern, die Dcher
aus Atap. Vor den Husern luft ein Steg hin, schwankend, elastisch,
voll Lcken. Bei Ebbe steht das ganze Dorf im Schlamm, die Kinder waten
darin herum, suchen Muscheln, Krabben und Wrmer als Kder fr die
Angeln und holen aus den Reusen die Fische, die bei der zurcktretenden
Fluth hineingeriethen. Whrend der Fluth steht Alles unter Wasser, dann
fahren kleine Khne hin und her, einige kaum gross genug, um einen
kleinen Jungen zu tragen, der ganz nackt in der Spitze hockt und sich
mit den Hnden fortpltschert, so dass er fast wie eine Seejungfer
aussieht. Alt und Jung angelt dann unter dem Sonnendach, vor der
Hausthr liegend.

[Illustration: ROCHOR SINGAPORE]

Die in Singapore ansssigen Malayen sind grsstentheils Bootsleute,
Fischer, Sammler von Muscheln, Korallen, Agar-agar und Waldprodukten.
Sie decken die Huser mit Atap, flechten Krbe und Matten und verrichten
viele untergeordnete Geschfte, auch als Grtner werden sie von
Europern den hiesigen Klings und Chinesen vorgezogen. Als Diener sind
sie fauler und weniger anstellig, aber treuer und bescheidener als jene.

Das wesentliche Kleidungsstck fr beide Geschlechter ist der Sarong,
ein baumwollenes Tuch von der Grsse eines Plaid, aber etwas breiter,
dessen beide krzere Rnder bereinandergelegt und zusammengenht
werden, so dass eine Art Unterrock entsteht, der vorn in Falten
zusammengenommen und mittelst eines Knotens, seltener durch einen
Grtel, um die Hften befestigt wird. Die Mnner tragen oft unter dem
Sarong, der dann hher aufgeschrzt ist, eine bis zur Wade reichende
Hose, fast immer ein Kopftuch und zuweilen eine Jacke. Die Frauen ziehen
ber den bis an die Knchel reichenden Sarong einen Kattunrock, der,
vorn offen, nur durch ein Paar Knpfe zusammengehalten wird und bis ans
Knie reicht. Im Hause und auf dem Felde tragen beide Geschlechter nur
den Sarong; Nachts hllen sie sich darin ein zum Schlafen; sie baden
sogar darin; nach dem Bade wird er gegen einen reinen vertauscht und
gewaschen; so legt selbst derjenige, der nur zwei Sarongs besitzt,
tglich frische Wsche an.

In Singapore ist das Tragen von Waffen verboten, sonst aber sieht man
nie einen Malayen ohne Kris oder Waldmesser; die Waffe gehrt zum Anzuge
und ist bei der Unsicherheit der Person in den Malayenlndern wohl kaum
zu entbehren. Die Frauen gehen meist im blossen Kopf, sie haben ppiges,
schwarzes Haar, schn von Ansehen, aber hsslich anzufhlen, da es
drhtig ist und dick wie Pferdehaar. Die kleinen Kinder gehen meist ganz
nackt, doch tragen kleine Mdchen zuweilen ein silbernes Feigenblatt,
wie unsere Statuen. Zum Putz gehren bei den Frauen gestickte
Pantoffeln, goldene Haarnadeln, Ringe; zu dem der Mnner Sandalen. Auf
lngeren Wegen legen auch die Lasttrger Sandalen von Bffelleder an,
sonst geht gewhnlich Alles barfuss.

Einen der widerwrtigsten Eindrcke habe ich von einem Besuch bei dem
Sultan von Johore behalten. Er ist der Sohn des Tuanko-Long, der
Singapore an die Englnder abgetreten. Sein Palast, von seinem Vater
aufgefhrt, ist ein grosses, steinernes Haus, von aussen ganz
stattlich, aber unbewohnt und in raschem Verfall begriffen. Der von
einer steinernen Mauer umgebene Hof ist wst und schmutzig; auf einer
Seite desselben befand sich ein langes, niedriges, hlzernes Gebude mit
weit vorspringendem Dach aus Palmenblttern, das dem Sultan und seinem
Hofstaat zur Wohnung dient. Nachdem ich ein Empfehlungsschreiben des
Guvernrs vorgezeigt, wurde ich vor einen verschlossenen Fensterladen
gefhrt, vor dem eine hlzerne Bank stand, auf der ich Platz nahm. Es
dauerte einige Zeit, bis der Laden geffnet wurde; nun erblickte ich den
Sultan, einen noch jungen, sehr fetten Mann. Auf dem Kopf trug er eine
schmutzige Mtze, um den Unterleib ein Tuch, sonst war er vllig nackt.
Er schien eben aus dem Schlaf zu erwachen und lag auf einer Matte. Auf
drei Seiten seines Stalles hingen schmutzige Kattun-Gardinen, um ihn
kauerten einige gruliche, alte Weiber. Er brauchte fast eine
Viertelstunde, um die wenigen Zeilen des Briefes zu lesen. Dann stierte
er mich mit idiotischem Lcheln an, ghnte und rollte sich auf ein
Kissen. Essen, Schlafen und Opiumrauchen sollen seine einzigen
Beschftigungen sein. Der ganze Auftritt erinnerte an die
Schaustellungen von fetten Schweinen oder Riesinnen auf Jahrmrkten. In
Folge der gnzlichen Unfhigkeit des Sultans bertrugen die Englnder
willkrlich die Souvernitt von Johor auf den Tumongong, einen sehr
fhigen Malayen, der durch den Rath von Europern geleitet, eine
geordnete Verwaltung dort eingefhrt hat und bedeutende Einknfte
bezieht.

Die allgemeine Verkehrssprache hier sowohl, als in allen Kstenstdten
des Archipels, ist die malayische, die sich zu dem Zweck sehr eignet
durch leichte Aussprache, einfache Satzbildung, grosse Wortarmuth und
Unvernderlichkeit der Wrter. Die Sprache ist wohlklingender als alle
europischen Sprachen, italienisch nicht ausgenommen, die Satzbildung
erinnert an die Sprache der Kinder; es giebt weder Deklinationen, noch
Konjugationen, die Wrter erfahren gar keine Beugung durch Vernderung
ihres Stammes oder durch Affixe. Whrend in unsern Sprachen die
Partikeln meist zu einsilbigen Wrtern oder zu blossen Buchstaben
eingeschrumpft sind, an denen die ursprngliche Bedeutung lngst nicht
mehr erkennbar ist, werden im Malayischen fast immer noch die Stmme
unverkrzt als Formwrter gebraucht. Max Mller (Science of lang. 279)
vergleicht den Unterschied zwischen den arischen Sprachen, welchen fast
alle in Europa gesprochenen angehren, und den turanischen, zu denen das
Malayische gezhlt werden muss, mit dem zwischen einer guten und einer
schlechten Mosaik. Die arischen Wrter scheinen aus einem Guss, die
turanischen zeigen deutlich die Stellen, wo sie zusammengesetzt sind. Er
hebt hervor, weshalb die turanischen Sprachen auf dieser Stufe der
Entwickelung stehen geblieben: sie werden nmlich fast nur von Nomaden
gesprochen, die keine Literatur besitzen, wenig Verkehr mit einander
treiben, und so war es durchaus nothwendig, dass die Stammwrter ihr
deutliches Geprge behielten und nicht durch phonetische Korruption
unkenntlich wurden.

Oft kommt im Malayischen dasselbe Wort unverndert als Hauptwort,
Zeitwort oder Formwort vor, aber auch da, wo die Sprache fr das
Wurzelwort eine Vor- oder Nachsilbe verlangt, entzieht sich das hiesige
Publikum dieser geringen Mhe und braucht den Stamm meist unverndert in
den verschiedenen Redetheilen, wie es im Chinesischen geschieht. Diese
Neuerung muss wohl der berwiegend chinesischen Bevlkerung
zugeschrieben werden. Unter solchen Umstnden sind geschlossene
Konstruktionen und schwierige Perioden gar nicht mglich. Man zerlegt,
was man zu sagen hat, in ganz kurze Stze und darf sich hufige
Wiederholungen nicht verdriessen lassen. Whrend in unseren Sprachen
nicht nur fr jeden spezifischen Begriff, sondern auch fr die
Schattirungen desselben besondere Wrter vorhanden sind, hat die
malayische Sprache oft fr eine ganze Gattung von Begriffen nur ein
Wort. So gering der malayische Wortschatz an und fr sich aber auch ist,
so kursirt doch nur ein Bruchtheil desselben als Verkehrsmnze in
Singapore. Und wie wenig besitzen die Meisten selbst von dieser! Es ist
wunderbar, wie geringe sprachliche Mittel den Bedrfnissen eines so
grossartigen Handels gengen. Einige Beispiele fr das Gesagte drften
nicht ohne Interesse sein.

_Suda_: schon oder, _abis_: fertig, vollendet, drckt das Prteritum,
_nanti_: warten, oder _mau_: wollen, das Futurum aus, _di_ bezeichnet
das Passivum, z.B. _makan_: essen, _di makan_: gefressen werden; _tuwan
suda makan_: der Herr hat gegessen, _tuwan nanti makan_: der Herr wird
essen; _suda_: geschehen! antwortet der Bediente, wenn man ihm etwas
befiehlt; _suda!_ schreit auch der kleine Junge, wenn er Schlge
bekommt, und wnscht, dass die Gegenwart zur Vergangenheit werde; _makan
nassi_: Reis essen, berhaupt zu Mittag essen; _api makan ruma_: das
Feuer verzehrt das Haus; _angin makan layer_: der Wind blht die Segel;
_piso makan kayu_: das Messer schneidet Holz; _saratu makan lima_: 100
frisst 5, d. h. 5% Zinsen; so frisst das Lschpapier Dinte, der Bediente
Lohn, der Kummer das Herz, und schliesslich _orang-puti makan angin_:
weisse Mnner fressen Wind, d. h. gehen spazieren (den Malayen war
dieser Gebrauch so neu, dass sie erst einen Ausdruck dafr erfinden
mussten).

Unter den aus zwei Wrtern zusammengesetzten Begriffen kommen einige
hbsche Verbindungen vor: _mata_: Auge, _ayer_: Wasser, _mata-ayer_:
Brunnen, _ayer-mata_: Thrne, _mata-hari_: Sonne (das Auge des Tages),
_hidop_: leben, _mata-hari-hidop_: Osten, Sonnenaufgang; _mati_: todt,
_mata-hari-mati_: Westen, Sonnenuntergang, auch _mata-hari-djato_: das
Auge des Tages gefallen, versunken; _djalan_: gehen, Weg, Reise;
_mata-djalan_: Vortrab, Spher; _mata-kaki_: der Fussknchel;
_mata-mata_ (Augen, Augen): der Spion, der Aufseher, der Polizist;
_besi_: Eisen, _brani_: tapfer, unternehmend, _besi-brani_: der Magnet;
_anak_: Kind, _anak-kontji_: Schlosseskind, Schlssel; _anak-ayer_:
Bach, _anak-dayong_ (Ruder-Kind): der Ruderer; _anak-prau_: Schiffer;
_anak-duit_ (duit kommt vom hollndischen deut und heisst Geld): Kind des
Geldes, Rente; _anak-songej_ (Fluss-Kind): Flussarm und viele Andere.
So sagt man Kuhkind fr Kalb, Mannkind fr Knabe, Fraukind fr Mdchen,
Schweinekind fr Ferkel, und im Kirchenstyl _anak-kambing-wolanda_:
Kind einer hollndischen Ziege fr Lamm Gottes; _bunga_: Blthe,
_duit_: Geld, _tana_: Erde, und daraus _bunga-duit_: Zinsen,
_bunga-tana_: Landrente; _obad_: Medizin, _bedil_: Flinte,
_obad-bedil_: Schiesspulver; _isi_: Inhalt, _isi-negri_: die
Bevlkerung einer Stadt, _isi-prut_ (Bauch): die Eingeweide;
_bedil trada_ (nicht) _isi_: die Flinte ist nicht geladen.




Fnftes Kapitel.

    Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. -- Pfeffer. -- Gambir. --
    Sago.


Da von der Stadt aus nach mehreren Richtungen Fahrwege ausgehen, Wagen
in Flle vorhanden, und schnelle Sampans fr Spazierfahrten immer bereit
stehen, kann man zu jeder Zeit angenehme Excursionen machen. Sehr
interessant und fr den Sammler ergiebig ist eine Fahrt nach Pulo brani,
einer kleinen bei New harbour, N-O. von Blakang-mati belegenen Insel, wo
ein bei niedriger Ebbe fast trockenes Korallenriff eine reiche Ernte von
Korallen, Seeigeln, Ophiuren, Muscheln und Krebsen liefert. Unter jedem
Block, den man aufhebt, ist Leben. In jedem Tmpel haben Actinien und
verwandte Polypen ihre blumengleichen Tentakel entfaltet; in den
grsseren Becken schwimmen Schwrme kleiner einen oder ein paar Zoll
langer Fische, die in so prchtigen, intensiven, metallisch glnzenden
Farben prangen, dass man sie die Kolibris des Meeres nennen knnte. Ich
hatte oft mit einem Freunde versucht, die behenden Thierchen zu fangen,
immer vergeblich, bis wir uns endlich entschlossen, es mit Toba zu
versuchen. -- Toba oder Tuba (Dalbergia sp. div.) ist ein im Jungle
hufiger kletternder Strauch mit rothen Schmetterlingsblthen. Wir
hatten fr unsern Versuch auf dem Riff einen ziemlich kreisrunden Raum
von etwa 100 Fuss Durchmesser gewhlt, der durch Zurcktreten des
Wassers bei der Ebbe ein fast abgeschlossenes Becken, etwa 1/2 Fuss
tief, bildete. Wurzel und Holz der Toba wurde zwischen Steinen zerklopft
und an verschiedenen Stellen ins Wasser geworfen. Nach wenigen Minuten
schwammen die Fische betubt an der Oberflche und liessen sich mit der
Hand greifen; nach 1/4 Stunde krochen Aale und andre in Lchern
verborgene Thiere hervor, nach 1/2 Stunde lagen fast alle todt auf dem
Rcken. Die Wirkung des Gifts erstreckte sich weit ber unser
Wasserbecken hinaus. Ringsum waren Malayen beschftigt, die betubten
Fische mit der Hand zu greifen.

[Illustration: BEI NEW HARBOUR. SINGAPORE.]

Blakang-mati ist von Fiebern heimgesucht. Dr. Little schreibt sie, wohl
ohne gengenden Grund, der Nhe der Korallenbank zu. Eine Bugisfamilie,
die wir besuchten, schien sehr daran zu leiden. In ihrem praktischen,
aus Erfahrungen hervorgegangenen Aberglauben meinen sie, dass ein bser
Geist, der in den hohen Bumen wohnt, sie hervorbringe. Daher wollten
sie diese Bume, die ihre Htten umgeben und feucht und ungesund machen,
umhauen.

Eine andere hbsche Excursion war nach dem 519' hohen sogenannten
Zinnberg (bukit-tima), dem hchsten Punkt der Insel. Man kann bis an
seinen Fuss im Wagen fahren, und wenn der Pony Lust htte, bis auf den
Gipfel, auf welchem einige hohe Damar-Bume stehen, aus deren Stamm das
geschtzte Harz reichlich ausquillt. Nach Versicherung eines
franzsischen Missionrs sind an seinem Fuss Spuren von Zinn und auch
von Gold gefunden worden, aber in zu geringer Menge, um zur Ausbeutung
anzuregen.

Eine kleine Abtheilung Strflinge war hier beschftigt, Tigerfallen
anzulegen und die Strasse von der seitlich eindringenden Vegetation zu
subern, ein Geschft, das oftmals wiederholt werden muss, da der Wald
sonst bald den ihm abgenommenen Boden wieder besetzt. Von der
Dichtigkeit und Undurchdringlichkeit einer solchen Waldung geben die
unsrigen keine Vorstellung. Zwischen den Hochstmmen, die sich meist
astlos bis an das 60-80' hohe Laubdach erheben, zieht sich nach allen
Richtungen ein so dichtes Gewirr von Unterholz, Schling- und
Kletterpflanzen, dass es unmglich ist, ohne Waldmesser einzudringen.
Das grsste Hinderniss bilden die Calamusarten, Palmen, deren lange,
dnne Stmme dicht mit Stacheln besetzt sind. Die Bltter, und
namentlich deren peitschenfrmig verlngerte Mittelrippe, tragen an der
unteren Seite scharfe Widerhaken, vermittelst welcher sie sich berall
festhngen, wo sie Halt finden, und so dem Stamm, der viel zu dnn und
elastisch ist, um sich selbst zu tragen, die nthige Sttze verschaffen.
Einige Arten sollen ber 1000 Fuss lang werden, nach Rumphius sogar bis
1800 Fuss;[18] sie ziehen sich wie Stricke nach allen Richtungen quer
durch den Wald; auch werden sie ja, nachdem die Bltter und Stacheln
entfernt sind, als Taue, und gespalten als Stricke, benutzt. Zu diesen
kletternden Palmen gehrt auch unser spanisches Rohr oder Stuhlrohr
(Rotang der Malayen), es ist auf allen Inseln des Archipels sehr hufig
und fr manche ein wichtiger Ausfuhrartikel.

Aber auch wo eine kleine Lichtung oder ein schmaler Pfad erlaubt htte,
den Weg zu verlassen und tiefer in den Wald zu dringen, wurde ich durch
die Strflinge daran verhindert, weil berall an solchen Stellen
Tigerfallen angelegt sind, tiefe Gruben mit Reisig und Erde so geschickt
bedeckt, dass sie selbst den vorsichtigen Tiger zuweilen tuschen. (Am
Tage vor meinem ersten Besuch waren in einer solchen Grube zwei Tiger
lebend gefangen worden.) In den Boden derselben sind hufig spitze
Pfhle eingerammt. Daher sind die Excursionen in diesem Walde, wenn man
vom Wege abweicht, sowohl durch die Tiger selbst, als auch durch die
Fallen in hohem Grade gefhrlich. Meine Begleiter schienen allerdings
nur die letzte Gefahr im Auge zu haben. An einen Ueberfall von Tigern
dachten sie gar nicht, obgleich an mehreren Stellen frische Spuren zu
sehen waren.

Die Tiger spielen in Singapore eine grosse Rolle. Nach dem Urtheil der
ltesten Residenten und der am besten darber unterrichteten Beamten
werden auf dieser kleinen Insel, die nur ein Drittel grsser ist als die
Insel Wight, jhrlich 350-400 Menschen von Tigern zerrissen,[19] und
dennoch frchtet sich Niemand vor ihnen, die Chinesen auf den
Gambirpflanzungen ausgenommen, die ausschliesslich als Opfer fallen. Ich
werde spter darauf zurckkommen. Alle Versuche, das Thier auszurotten,
werden wohl fruchtlos bleiben, so lange nicht die ganze Insel von
Strassen durchschnitten und gleichmssiger bewohnt ist. Fr jedes
gefangene oder getdtete Thier zahlt die Regierung 50 Dollars,[20]
ebensoviel fgt ein Verein von Privaten hinzu, der die Insel gern von
dieser Geissel befreien mchte. Aber trotz der hohen Prmie, und
obgleich ein Theil der Strflinge zum Anlegen von Fallen verwendet wird,
scheint die Zahl der Tiger doch eher zu- als abzunehmen. Es unterliegt
keinem Zweifel, dass sie ber die Meerenge schwimmen,[21] angelockt
durch die bequeme, reichliche Beute. Denn whrend der ersten Jahre,
nachdem die Englnder die Insel in Besitz genommen, befand sich kein
Tiger auf derselben. In einem kleinen Aufsatz des damaligen Guvernrs
John Crawfurd ber den Ackerbau von Singapore, 1824, heisst es: "der
Tiger und Elephant, die fr den Ackerbau in Sumatra und auf der
malayischen Halbinsel so verderblich sind, kommen in Singapore nicht
vor."

Es ist interessant, die wirklich vorhandene Gefahr mit der gnzlichen
Verachtung derselben zu vergleichen, wie sie hier ganz allgemein
verbreitet ist. Was fr eine wilde Flucht wrde in Europa unter den
Spaziergngern stattfinden, wenn pltzlich in einem zoologischen Garten
die Tiger aus ihren Kfigen ausbrchen, wie Wenige wrden sich wohl in
den Garten wagen, bevor die Thiere wieder eingefangen! Hier fahren aber
die Damen mit ihren Kindern ohne allen Schutz und ohne alle Furcht in
kleinen, offenen Ponywagen noch vor Tagesanbruch und nach der Dmmerung
spazieren, whrend zu beiden Seiten der dichte Wald, in dem notorisch
Tiger vorhanden sind, hart an die Strasse tritt. So fest ist die
Ueberzeugung von der Feigheit und Menschenfurcht dieser Thiere
eingewurzelt! Frisch angekommene Fremde sind die einzigen, die, wenn sie
von ihrer ersten Excursion heimkehren, mitunter "nicht ganz sicher sind,
aber kaum zweifeln, dass sie im Dickicht ein Paar grosse Augen sahen,
wahrscheinlich von einem Tiger," sie werden aber regelmssig dafr
ausgelacht, weil Jedermann berzeugt ist, dass es nur ein Phantasiebild
war.

Mehr als die Tiger frchtet man die Termiten, _rajap_ oder _ani-ani_,
auch _semut puti_, weisse Ameisen genannt, obgleich sie den Menschen
unmittelbar hchstens dann etwas belstigen, wenn die zur Paarungszeit
geflgelten Mnnchen und Weibchen in dichten Schaaren, Wasserhosen
vergleichbar, aus der Erde emporsteigen, in die Zimmer fliegen, nach
kurzem Herumflattern ihre Flgel verlieren und sammt diesen zu Boden
fallen. Sie kommen in solcher Menge und erscheinen gegen einen dunklen
Hintergrund so weiss, dass ihre Schwrme an die grossflockigen
Schneewetter warmer Wintertage erinnern. Nach dem Verlust ihrer Flgel
laufen sie zwar nicht unbehende, jedoch nicht schnell genug, um sich
ihren zahlreichen Feinden zu entziehen, denn Menschen (Eingeborene) und
Thiere betrachten sie als grossen Leckerbissen. Wahrscheinlich geht nach
diesem kurzen Ausflug der ganze Schwarm mit Ausnahme einiger
befruchteten Weibchen zu Grunde, die als Stammmtter einer neuen Kolonie
erzogen werden. Die Mnnchen kommen wohl alle um, da sie sich nicht
selbst erhalten knnen und fr ihre Erhaltung durch die andern kein
Grund vorhanden ist; denn ein einmal befruchtetes Weibchen legt viele
Millionen Eier[22] (Berlepsch schtzt die Anzahl Eier, die eine
Bienenknigin legen kann, auf 1-1/2 Millionen und Dr. Gerstaecker
schliesst aus der Vergleichung der Ovarien, dass ein Termitenweibchen
wenigstens 2 bis 3 mal so viel Eier legen knne). Sehr viel zahlreicher,
als die erwhnten, sind die geschlechtslosen Termiten, die Arbeiter, die
nie Flgel erhalten, sondern ihr ganzes Leben in einer Art von
Larvenzustand verbleiben. Sie wissen sich so geschickt vor dem Menschen
zu verbergen, dass sie ihm fast nie zu Gesicht kommen, wenn sie auch in
seiner unmittelbaren Nhe beschftigt sind, ihm Haus und Habe zu
zerstren. In unterirdischen Gngen nhern sie sich den Husern, fhren
dann aus an einandergereihten Erdkgelchen einen bedeckten Gang in die
Hhe, der schnell verhrtet, da ihr Speichel wie Mrtel wirkt. Von
diesem aus schreiten sie ungesehen in ununterbrochenen Zgen zum
Angriff. Die fast fingerdicken Gnge sind leicht zu erkennen und zu
beseitigen, werden aber gewhnlich sehr geschickt an den dunkelsten
Stellen des Hauses, in verborgenen Winkeln angelegt. Die Termiten
vernichten alles Holzwerk, Teak und Kampferholz ausgenommen; eine Kiste
von weichem Holz, von der Art, in welcher Flaschenweine Dutzendweis nach
den Kolonien gesandt werden, kann in einer Nacht gnzlich zerstrt
werden, wenn sie im Freien unmittelbar auf dem feuchten Boden steht.
Metall greifen sie nicht an; in frheren Zeiten, wo man in entfernten
Kolonien nicht immer ber gewissenhafte Beamte verfgen konnte, sollen
sie zwar oft das in den Regierungskassen vorhandene Geld ohne Rckstand
verzehrt haben. In den Husern zerstren sie alle Mbel und Vorrthe,
doch gehen sie nicht in Baumwolle und frchten sich vor Reishlsen,
deren scharfe Spitzen ihren weichen, nackten Krper wohl empfindlich
verletzen wrden. In allen Speichern werden deshalb fusshoch Reishlsen
auf den Boden ausgeschttet, bevor man Kaufmannsgter darauf lagert, die
Pfosten aller Betten, Schrnke und schweren Mbel stehen in
gusseisernen, mit Wasser oder Oel gefllten flachen Schalen, zugleich
zum Schutz gegen Ameisen, die zwar nicht das Holz, aber die Vorrthe
fressen.

In dem Landhause eines Freundes hatten die Termiten einige mit Oelfarbe
gestrichene hlzerne Pfeiler, die das Gebude trugen, fast aufgezehrt,
jedoch ohne die ussere Farbenschicht zu verletzen, so dass von dem
angerichteten Schaden nichts bemerkt wurde, bis jemand, der mit seinem
Stock gegen einen Pfeiler stossen wollte, diesen durchstiess. Durch die
grosse Gefahr veranlasst, wandte man sich an einen Malayen, dessen
Gewerbe das Aufsuchen und Vertreiben der Termiten war. Nach lngerem,
sorgfltigem Suchen bezeichnete er eine Stelle im feuchten Rasen, etwa
30 Schritt vom Hause entfernt als diejenige, unter welcher man das Nest
finden wrde. Fr uns war nur eine kleine, kaum merkliche Erhhung, auf
welcher bei genauer Untersuchung einige kleine Larven erkannt wurden,
wahrnehmbar; denn ungleich den meisten Arten, deren Baue oft mehrere
Fuss hoch ber die Erde ragen, baut die fragliche Art, die Hagen als T.
gilvus beschrieben hat, unterirdisch, anscheinend ohne irgend welche
Anzeichen an der Erdoberflche, die auf das Vorhandensein des Nestes
schliessen lassen. Der Boden, ein sandiger Lehm, wurde in einigen Zollen
unter der Oberflche fester und zeigte Spuren von Struktur; in etwa 1
Fuss Tiefe stiessen wir auf sehr unregelmssige, wabenartige, festere
Erdmassen, bestehend aus vielfach gewundenen, einen Zoll hohen, eine
Linie dicken Wnden von oolithartigem Gefge. Die einige Linien weiten
Zwischenrume, labyrinthische Gnge, sassen dicht voll kleiner,
geschlechtsloser Termiten (Arbeiter). Die nach oben ziemlich lockeren
Zwischenwnde wurden nach unten zu fester. Unterhalb der eben
beschriebenen Erdmassen mit aufrechten Wnden, die aber in ihrem
unregelmssigen Aussehen mehr an Maeandrinen (Korallen) als an Waben
erinnerten, lagen dnne, festere, flach gewlbte Erdkrusten von
hnlicher oolithischer Struktur, lose neben und ber einander, oft an
den Rndern einander berragend, anscheinend konzentrisch um einen Kern
geordnet, durch mehrere Linien hohe fast horizontal verlaufende
Zwischenrume getrennt, die ebenfalls voll Termiten steckten. Sie waren
radial von engen, runden Quergngen durchbohrt, deren Mndungen von den
sogenannten Soldaten mit dem von Reisenden oft geschilderten Heldenmuthe
vertheidigt werden. Die Soldaten, die bei allen Termiten vorkommen, sind
geschlechtslos, arbeiten nicht; ihnen liegt der Schutz des Staates gegen
ussere Feinde und nach den Berichten mancher Reisenden auch die Polizei
ob, indem sie die Arbeiter zur Arbeit antreiben. Sie tragen am Kopfe
ausserordentlich starke, scharfe, zangenartige Kiefern, schnellen,
sobald ihnen die Hand unvorsichtig nahe gebracht wird, voll Wuth aus
ihrer Hhle und knnen, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, mit einem
Biss die gefaltete Cutis am Gelenk des gebogenen Zeigefingers
durchschneiden, so dass die Wunde blutet. Der Kern des ganzen Baues
bestand aus der Wohnkammer der Knigin und hatte die Form eines Stckes
Toilettenseife ohne Ecken, jedoch mit dem Unterschiede, dass sie bei
etwa gleicher Dicke fast doppelt so lang und breit war. Sie bestand aus
einer sehr festen Lehmmasse ohne wahrnehmbares Gefge, von einem
kleinen, trichterfrmigen Loche durchbohrt, dem einzigen Zugang. Als ich
die Kammer aufschnitt, zeigte sich im Innern ein hohler Raum, der, weil
die Wnde gleich dick waren, der usseren Form genau entsprach. Er
enthielt die Knigin, ein garstiges, fingerdickes, fast zwei Zoll
langes, walzenfrmiges Thier, das den inneren Raum zum grossen Theil
ausfllte und von einer Anzahl kleiner Termiten umgeben war,
wahrscheinlich ihrer Dienerschaft, denn sie ist unbeholfen bis zur
Hlflosigkeit, eine wurstartig aufgeschwollene Masse, voll Eierstcke.
Der Name einer Knigin ist ihr in Folge eines nicht stichhaltigen
Vergleiches mit der Bienenknigin gegeben worden, denn sie ist eher eine
Gefangene, als eine Gebieterin. Ihre Zelle kann sie nie verlassen, sie
ist vllig wehrlos, so dass sie sich keine Nebenbuhlerin abwehren kann;
oft trifft man daher in ein und demselben Bau mehrere Kniginnen in
verschiedenen Entwickelungsstufen an. Unter dem Bau der Knigin war die
Erde sehr lose; verschiedene Gnge fhrten von dort aus nach mehreren
kleinen Nestern, die keine Knigin, wenigstens keinen Knigsbau
besassen, sondern nur aus den oben erwhnten wabenartigen Massen
bestanden; es waren wohl neu angelegte, bisher nur vom Mutterstaat aus
bevlkerte Kolonien. In der Absicht, sie hrter zu machen, wurden einige
Stcke des Baues der Sonne ausgesetzt. Die Gnge waren dicht mit
Termiten, Arbeitern und Soldaten, angefllt. Bald stellten sich einige
kleine, schwarze Ameisen ein, rekognoszirten, kehrten um, und nach nicht
ganz 10 Minuten erschienen lange Zge derselben Art, die im Verlauf
einiger Stunden smmtliche Termiten, obgleich sie doppelt so gross waren
als die Ameisen, aus ihren Schlupfwinkeln holten und davon schleppten.
Es war erstaunlich, zu sehen, wie diese kleinen Thierchen die ungleich
grsseren packten und sie davon trugen. Selbst die Soldaten wurden auf
diese Weise fortgeschleppt, wobei allerdings einige der Kleinen das
Leben liessen, denn wenn sie einem Soldaten unvorsichtig nahten, schnitt
er sie mit seiner scharfen Zange mitten durch; whrend sie noch zuckte,
kam ein andres Thierchen desselben Stammes und rettete den Leichnam.

Smeathman, dem man die erste ausfhrliche Schilderung der Termiten
verdankt, giebt an, dass eine alte Knigin die Grsse von 20,000 bis
30,000 Arbeiterinnen erreichen knne! was aber eine Uebertreibung zu
sein scheint. Bei Wgungen an Spiritusexemplaren, die ich mit Dr.
Gerstaecker vornahm, ergab sich fr eine Termitenknigin von T.
bellicosus (der Spezies, auf die sich Smeathman's Mittheilungen
beziehen), dem grssten Exemplare der Berliner Sammlung, 16,135 Gramm,
fr ein junges, befruchtetes, aber nicht weiter entwickeltes Weibchen
0,490, also 1/33 des obigen Gewichts (ein Arbeiter von dieser Species
war nicht vorhanden). Die Termitenknigin T. gilvus (Hagen) von
Singapore wog 5,200 Gramm, ein junges, befruchtetes Weibchen (das aber
exenterirt war) 0,068 Gr., ein Arbeiter 0,005 Gr., also etwas weniger
als das Tausendfache der verhltnissmssig grossen Knigin.

Die Termiten sind in mehreren Gattungen und vielen Arten ber alle
wrmeren Erdtheile verbreitet, aber nicht berall gleich zahlreich oder
schdlich. In Rochefort sind sie seit 1797 amtlich bekannt und richten
dort fortdauernd grosse Zerstrungen an. Wahrscheinlich durch Hlzer von
San Domingo eingeschleppt, verbreiteten sie sich allmlig ber viele
Stdte und Ortschaften der Charente infrieure, so dass sie dort zu
einer sehr ernsten Plage geworden sind und den Wohlstand des ganzen
Departements bedrohen, indem sie Gebude, Dcher, Korn und Mehlvorrthe,
Bibliotheken, Pflanzungen u. s. w. zerstren; alle vorgeschlagenen
Schutzmittel erwiesen sich bisher erfolglos.

Eines Tages besuchte ich eine Pfeffer- und Gambir- Pflanzung, die ganz
in der Nhe von Bukit-tima lag. Ich stieg bei einem franzsischen
Missionr ab, der mich berallhin begleitete und mir das Chinesische der
Pflanzer verdolmetschte. Es war ein Mann, wie ich deren spter noch
fter unter den katholischen Missionren getroffen habe, der Allem
entsagt hatte, um sich seinem selbstgewhlten Berufe zu opfern. Ein
kleines Vermgen, das ihm durch Erbschaft zugefallen, hatte er dazu
verwendet, eine Kirche zu bauen, fr sich selbst behielt er nichts
zurck und lebte, obgleich krnklich und alt, in grosser Drftigkeit von
dem elenden Gehalt, das fr alle diese wrdigen Mnner ohne Unterschied
monatlich 10 Dollars betrgt. Ich besah die Pflanzung und die Fabrik in
allen Einzelnheiten, doch waren die Angaben der Chinesen so ungenau, zum
Theil durch die Schuld des Dolmetschers, der die einfachsten technischen
Fragen nicht richtig zu verstehen schien, so widersprechend, dass ich
zur Ergnzung des selbst Gesehenen vorziehe, das Uebrige einigen
gediegenen Aufstzen zu entlehnen.

Der Pfeffer wird hier immer zusammen mit dem Gambir gebaut. Die
ausgekochten Bltter der letzteren Pflanze dienen zur Dngung der
ersteren. Auf je 10 Acres Gambir rechnet man gewhnlich einen Acre
Pfeffer. Der Pfeffer wchst sehr leicht und scheint nur sehr geringe
Pflege zu erfordern. Mit besonderer Sorgfalt wird er jedenfalls nicht
behandelt. Nicht einmal schattengebende Bume, die man in anderen
Lndern fr das Gedeihen der Pfefferrebe nothwendig erachtet, werden ihm
gewhrt. Die Hauptsorge ist die Vertilgung des Unkrauts und die
Entfernung der seitlichen Auslufer. Er wchst, der grellsten Sonne
ausgesetzt, an Pfhlen aus gespaltenen Waldbumen, die er, wie Epheu
kletternd, mit seinen dunkelgrnen herzfrmigen Blttern dicht
bekleidet. Aus dem Laube hngen in grosser Flle die langen schmalen
Trauben hervor, mit grnen Beeren, die bei vlliger Reife scharlachroth
werden. Der Anblick der Pflanzen ist sehr schn. Die Vermehrung der
Reben geschieht durch Stecklinge, nach 4 bis 5 Jahren giebt sie schon
einen geringen Ertrag, der bis zum 7ten oder 8ten Jahr zunimmt. Wenige
Jahre, nachdem er sein Maximum erreicht, vermindert sich der Ertrag fast
ebenso allmlig, als er zunahm, so dass in einer wohlgeordneten
Pflanzung alle Jahre eine Anzahl junger Pflanzen gezogen werden mssen,
die der Reihe nach an die Stelle der abgestorbenen treten. Die Rebe
trgt gleichzeitig Blthen und Frchte. Vier Monate nach Entfaltung der
ersteren sind die Beeren zum Pflcken reif, sie sind dann grn mit einem
Stich ins Rothe und werden in flachen Krben aus Bambussplinten ber
Rauchfeuer getrocknet, wobei sie schwarz werden und einschrumpfen. Das
Aroma wird grsstentheils durch Lokalitt und Boden bedingt, wie beim
Wein. Uebrigens aber geben die schwersten, vollsten, am wenigsten
runzligen Krner das beste Gewrz. Lsst man die Beeren vllig reif
werden, so lst sich die ussere scharlachrothe Hlle durch Mazeration
in Wasser ab; der zurckbleibende Kern bildet den weissen Pfeffer des
Handels, der theurer als der schwarze ist, weil bei dieser
Zubereitungsart immer eine grosse Menge durch Abfallen der vllig reifen
Beeren verloren geht. Von allen Gewrzen ist Pfeffer das verbreitetste
und wohl das einzige, dessen Verbrauch auch jetzt noch immer zunimmt,
whrend alle brigen immer mehr aus der Mode kommen. Zur Zeit der
Entdeckung des Seewegs nach Indien und lange nachher, bevor Zucker,
Kaffee, Thee, Indigo und die Produkte der indischen Wlder in Europa
bekannt waren, bildete Pfeffer den Hauptartikel des indischen Handels
und war Gegenstand der heftigsten Kmpfe zwischen den seefahrenden
Vlkern, sowie der drckendsten Monopole, die mit der herzlosesten
Zwangsarbeit fr die Eingebornen gepaart gingen. Nach Crawfurd war der
Preis des Pfeffers zu Plinius Zeiten 1 Thlr. 5 Sgr. das Pfund und blieb
so bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Durch das Monopol der Portugiesen
stieg er auf 1 Thlr. 10 Sgr.; als die Hollnder die Portugiesen
verdrngt hatten, etwa 100 Jahre spter, trieben sie den Preis auf das
Doppelte. Durch Konkurrenz der Englnder und Franzosen fiel der Preis
wieder und schwankte Jahrhunderte lang zwischen 16 und 10 Sgr. Erst in
diesem Jahrhundert fielen die Monopole, wodurch der Pfeffer auf seinen
Preis von 2-1/2 bis 3 Sgr. kam. Jetzt liefert die Westkste von Sumatra
den meisten Pfeffer. Crawfurd schtzt den Gesammtertrag des indischen
Archipels, mit Inbegriff der geringen Menge, welche Malabar, das
Vaterland des Pfeffers, jetzt noch produzirt, auf 40 Millionen Pfund.
Ausser Hinter-Indien erzeugen auch noch Guyana, Liberia, die Antillen
dies Gewrz. Die Gesammtproduktion drfte gegenwrtig 50 Millionen Pfund
wohl nicht bersteigen.

Pfeffer und Gambir, die Haupt-Erzeugnisse des Landbaus in Singapore, das
ausserdem nur noch Kokosnsse, Frchte und Gemse fr den eigenen Bedarf
produzirt, werden ausschliesslich durch Chinesen gewonnen. Es ist ein
mhsames, bei den gegenwrtigen Preisen der Erzeugnisse nicht sehr
lohnendes Geschft voll Entbehrungen und wegen der vielen Tiger voll
Gefahr. Gewhnlich sind es neuangekommene Einwanderer, die ihre
Ueberfahrt nicht zahlen knnen, welche von ihren reicheren Landsleuten
zu dieser Kultur verwendet werden. Nach dem Kontrakt mssen sie ein Jahr
fr ihren Glubiger arbeiten, whrend welcher Zeit sie nur krgliche
Bekstigung und noch krglicheren Lohn erhalten. Dennoch wissen sie
bald, hufig schon im ersten Jahre, etwas zu sparen und so viel Kredit
zu erwerben, dass sie ein kleines Geschft anfangen oder als
selbststndige Arbeiter sich vortheilhaft verdingen knnen. Oft auch
thun sich mehrere zusammen und bewirthschaften gemeinschaftlich eine
Pflanzung. Nachdem eine passende Stelle im Walde gelichtet, wird das
Unterholz verbrannt, die gefllten Bume bleiben liegen, da sie spter
als Brennholz benutzt werden, ausser der Asche davon erhlt der Boden
keinen Dnger. Man set den Gambir (Uncaria Gambir) in Beeten, hlt die
Smlinge schattig und pflanzt aus, wenn sie 5 bis 6 Zoll hoch sind in 5
bis 6 Zoll Abstand. Hat die Pflanze eine gewisse Hhe erreicht, so wird
sie abwrts gebogen, so dass sie seitlich fortwchst. Dadurch wird die
Holzbildung gehemmt, die Blattbildung vermehrt, das Pflcken
erleichtert[23]. Nach 13 bis 14 Monaten sammelt man die ersten Bltter,
6 Monate spter giebt die Pflanze den vollen Ertrag. Aber schon nach
wenigen Jahren (ca. 15) ist der Boden so erschpft, dass die Pflanzung
aufgegeben und eine neue an einer andren Stelle errichtet werden muss.
Auf der verlassenen Sttte wuchert das so schwer zu vertilgende
Lalanggras (Saccharum imperatum), das mhsamer auszurotten ist, als
Urwald. Die Regierung fngt endlich an, durch eine bessere
Waldwirthschaft diesem Uebelstande und dem Treiben der chinesischen
Squatters ein Ende zu machen, indem sie dieselben zwingt, das Land zu
kaufen, das sie bepflanzen wollen; ein sicheres Mittel, um es in
Kulturland, statt in Graswildnisse zu verwandeln.

Das Pflcken der Bltter dauert das ganze Jahr ber, jeder Strauch kommt
jhrlich 3 bis 4 mal an die Reihe. Die Morgens gesammelten Bltter
werden am Nachmittag versotten, die Nachmittags gesammelten am folgenden
Morgen; ein Absud erfordert 5 bis 6 Stunden. Die Fabrikation ist sehr
einfach. Ein grosser Schuppen aus Stangen und Palmenblttern, mit
einigen Bnken aus gespaltenem Bambus versehen, die als Tisch und Betten
dienen, ist zugleich Wohnung und Fabrik. Der Kessel besteht aus einer
eingemauerten, flachen Pfanne aus Gusseisen, von etwa 3 Fuss
Durchmesser, auf welcher ein hohler Cylinder von Baumrinde steht, die in
~einem~ Stck von einem entsprechend grossen Baum abgelst worden. Die
Fugen und die ganze Aussenseite sind mit Thon verschmiert, um sie gegen
das Feuer zu schtzen. Man giesst etwas Wasser in die Pfanne, schttet
die Bltter ein und wirft sie, nachdem sie etwa eine Stunde gesotten,
auf eine gerumige, ebenfalls aus einem Stck Baumrinde bestehende,
schrge Rinne, deren unteres Ende in den Kessel hineinragt. Der Arbeiter
knetet diese Bltter, damit das ihnen anhaftende Wasser in den Kessel
zurcklaufe. Der zur Konsistenz von dnnem Syrup eingedampfte Absud wird
in Eimer geschpft. Ist er khl genug, so beginnt eine eigenthmliche
Hantirung. Bekanntlich enthlt der Gambir ausser der in kaltem Wasser
lslichen Catechugerbsure auch in kaltem Wasser unlsliches Catechin;
anstatt nun einfach umzurhren, damit die Flssigkeit berall
gleichmssig erstarre, klemmt der Arbeiter in jeden Eimer in schrger
Richtung einen Stock aus weichem Holz. Er stellt zwei solcher Eimer vor
sich hin und fhrt mit jeder Hand an einem der Stcke auf und ab. Die
Flssigkeit verdickt sich zunchst am Stock, und da sie dort immer
abgestreift, die Masse berdies in bestndiger Bewegung erhalten wird,
erstarrt sie gleichmssig, was nach Behauptung der Arbeiter durch
Umrhren nicht zu erreichen sein soll. Gewiss ist hier wieder ein
Stckchen Aberglauben im Spiel. Die hinreichend verdickte Masse wird in
flache, viereckige Kasten gefllt, und wenn sie erhrtet ist, wie Seife
in Stcke geschnitten und im Schatten getrocknet. Die gekochten Bltter
werden noch einmal ausgesotten und schliesslich in dem Wasser
ausgewaschen, das zum Kochen der Bltter verwendet wird.

Eine Pflanzung von 5 Arbeitern enthlt im Mittel 70-80,000 Struche und
liefert tglich 40-50 Katti (1 Katti = 1-1/3 lb. Engl.) Gambir. Die
Arbeiter behaupten, nur das Holz eines gewissen Baumes besitze die
Eigenschaft, den Absud im Eimer erstarren zu machen und zeigten mir ihn
spter, es war Artocarpus incisa. Nachher sagte man mir aber, dass jedes
weiche Holz sich dazu eigne, doch nehme man gewhnlich einen Zweig des
eben genannten.

Gambir, besser unter dem Namen Terra japonica in Europa bekannt, wird
von den Malayen mit dem Betel gekaut, zu welchem Zweck er zuweilen noch
besonders raffinirt und in kleine, zierliche Kuchen geformt wird. Er
enthlt 50-60% Gerbstoff und wird in steigender Menge nach Europa fr
die Schnellgerbereien und Frbereien exportirt. Die sehr bestndige,
schne Holzfarbe der franzsischen Tapeten verdankt man dem Gambir. Die
Produktion wchst so schnell, als die Nachfrage, denn der Preis steigt
nicht. In Singapore nehmen die Pflanzungen ab, doch mgen wohl noch nahe
an 1000 auf der Insel vorhanden sein. Da es aber jetzt den Chinesen
nicht mehr gestattet wird, ohne alle Abgaben den Boden in Besitz zu
nehmen und den Wald zu zerstren, so ziehen sie sich mehr nach Johor.
Die Hauptproduktion ist aber auf den Inseln Bintang, Batam und Linga,
die unter hollndischer Botmssigkeit stehen.

In Europa scheint einige Verwirrung in Bezug auf die Namen Gambir, Terra
japonica, Cutch, Catechu, Cachou zu herrschen. Abgesehen von den unter
dem Namen Cachou in Apotheken kuflichen Bonbons, die nur aus Lakritzen
und Salmiak bestehen, und mit Catechu (Cachou der Franzosen) nichts als
den Namen gemein haben, versteht man unter Gambir oder Terra japonica
gewhnlich das Prparat von der Nauclea Gambir. Das eigentliche Catechu
(Cutch) dagegen wird von einer Mimose, Acacia Catechu (Willd.), und zwar
aus dem Herzen des Stammes und den Schoten, durch Auskochen und
Eindicken des Absuds gewonnen. Man erhlt es namentlich aus Birma
(Pegu), Malabar und dem nrdlichen Bengalen. Beide Substanzen sind
brigens sowohl chemisch, als in Bezug auf ihre technische Verwendung
fast identisch. Das aus Arecanssen bereitete Catechu scheint ganz vom
Markt verschwunden zu sein.

Die Chinesen auf diesen Plantagen sind es, die so hufig von Tigern
umgebracht werden. Wann der Kuli fast nackt im dichten Gebsch hockt,
um die Bltter zu pflcken, so beschleicht ihn der Tiger von hinten
und tdtet ihn gewhnlich mit einem Biss in den Nacken. Finden die
Kameraden den Leichnam, so verscharren sie ihn so schnell als mglich,
denn wenn die Polizei es erfhrt, so zwingt sie die Leute, die
vielleicht schon stark verweste Leiche zur Stadt zu tragen, damit sie
vom Todtenbeschauer besichtigt werde, ohne ihnen dafr irgend eine
Entschdigung zu gewhren. Erwgt man, wie ungern die Chinesen einen
Schritt umsonst thun, wie hchst beschwerlich und ekelhaft der ihnen
aufgezwungene Dienst ist, und dass sie berdies schon aus der Heimath
eine heilige Scheu vor der Polizei mitbringen und jeden Kontakt mit
derselben vermeiden, bercksichtigt man ferner, dass weder ein
Passwesen, noch irgend eine Kontrolle ber die sich hier aufhaltenden
Personen besteht, dass namentlich die Pflanzer in ihren entlegenen
Schlupfwinkeln im Walde fast nie aufgesucht werden, so darf man sich
nicht wundern, wenn nur eine sehr geringe Zahl dieser Todesflle den
Behrden zu Ohren kommt. Dennoch werden im Jahr durchschnittlich 75
Flle gemeldet, und auf der Annahme, dass die wirkliche Zahl der Opfer
wenigstens das Fnffache betrage, beruht die Angabe, dass jhrlich
300-400 Personen von Tigern umgebracht werden. Ich habe mich an den
sichersten Quellen hufig ber diesen Gegenstand erkundigt und kann
nur wiederholen, dass die bestunterrichteten Beamten diese Zahl eher
fr zu gering, als zu gross halten. Zum Beweise, dass es auch in der
neuesten Zeit nicht besser geworden, fge ich einen Auszug aus den
Straits Times, Overland Journal, 21. Nov. 1863, bei: "Singapore. Die
Todesflle durch Tiger sind wieder im Zunehmen. In den letzten 14
Tagen sind 7 Flle bei der Polizei angemeldet und die verstmmelten
Leichen aufgefunden worden, die keinen Zweifel ber die Ursache des
Todes liessen. Alle, die auf diese Weise ihren Tod gefunden, waren
Arbeiter auf Gambirpflanzungen.... Es ist bemerkenswerth, dass bei
diesen Leichen immer nur ein kleiner Theil des Krpers verzehrt ist,
es fehlt nur ein Bein, ein Arm, hufig nur der Kopf.".. Der Redaktr
schliesst mit der Betrachtung: "Es ist ein Jammer, dass die Thiere
nicht ein Opfer ganz verzehren, bevor sie ein anderes angreifen, es
wrde ein grosses Ersparniss an Menschenleben sein."

Ausser den angefhrten landwirthschaftlichen Produkten verdient noch
ein Industrieerzeugniss besondere Erwhnung: der Sago, welcher in
betrchtlicher Menge (jhrlich fr 60-70,000 Dollars) von Singapore
ausgefhrt wird. Der rohe Sago kommt von Sumatra und Borneo, wird in
Singapore durch Schlmmen gereinigt und dann als Sagomehl,
grsstentheils aber, nachdem er vorher geperlt worden, als Perlsago
ausgefhrt. Um es zu perlen, wird das noch etwas feuchte Mehl ein wenig
geknetet, in einem durch einen Kreuzstock weit offen gehaltenen flachen
Sack in rotirende Bewegung gesetzt, wobei sich kleine Klmpchen bilden,
die, nachdem sie durch ein grobes und ein feines Sieb gegangen, gleiche
Grsse haben. Sie werden in einer schrg eingemauerten, flachen, mit Oel
bestrichenen, eisernen Pfanne ber gelindem Feuer mit einem hlzernen
Spaten vorsichtig umgerhrt, wobei durch die an der Oberflche
eintretende Kleisterbildung die Kugeln eine gewisse Festigkeit bekommen,
aber auch zusammenbacken; um sie zu trennen, werden sie noch einmal
gesiebt und dann abermals gedrrt, bis sie die gehrige Hrte erlangt
haben.

Deutsche Hausfrauen pflegen die Perlform fr das Kennzeichen des Sago zu
halten und unter Sago Perlen von beliebigem Strkemehl zu verstehen. Der
eigentliche Sago ist aber das Produkt der Sagopalmen (Sagus laevis und
S. genuina), die besonders im Osten des Archipels sehr verbreitet sind;
sie liefern fast allein den Sago des Handels. Die Eingebornen gewinnen
ihn aber, besonders bei missrathener Reisernte, noch aus mehreren andern
Palmen- und Cycasarten fr ihren eignen Bedarf. In Singapore kommt die
Sagopalme nur vereinzelt vor und wird nicht ausgebeutet. Die Art, den
rohen Sago zu gewinnen, habe ich nicht gesehen, sie ist von J. R. Logan
im Journal of the Ind. Arch. III. 288 ausfhrlich beschrieben.

Die Sagopalmen sind von sehr grossem Interesse, weil keine Pflanze,
selbst nicht die Banane und Kokospalme, bei so geringer Mhe eine solche
Menge Nahrungsstoff liefert. Die Produktion kann bei der
ausserordentlichen Flle des Materials unbegrenzt gesteigert werden.
Wegen der jetzt gebruchlichen, unvollkommenen Methoden der Bereitung
und besonders, weil der Sago nicht gleich an Ort und Stelle fr die
Ausfuhr raffinirt wird, ist sein Preis zu hoch.[24] Nach Logan sollte
ein Pikul nicht mehr als 1/4 Dollar (11 Sgr.) kosten.

Ueber den ausserordentlichen Ertrag der Sagopalme geben folgende,
Logan's Aufsatz entnommene Angaben eine Vorstellung. In den stlichen
Inseln des Archipels, in Neu-Guinea, in Borneo und Sumatra ist die
Sagopalme am hufigsten und bildet in sumpfigen Niederungen grosse
Wlder. Dort ist Sago das Hauptnahrungsmittel. Eine Ertrag gebende
Pflanzung ist gar nicht mehr auszurotten, denn unhnlich andern Palmen
pflanzt sich die Sagopalme nicht nur durch Samen fort, sie treibt auch
Schsse aus der Wurzel, wie die Banane, und liefert so eine
ununterbrochene Ernte. Sie blht terminal und stirbt, wenn die Frchte
reif sind, allmlig ab. Will man aber den Sago gewinnen, so wird der
Baum kurz vor der Blthezeit umgehauen; der Stamm ist dann ein Cylinder
von 20 Zoll Durchmesser und 15-20 Fuss Lnge; die Rinde bildet nur eine
dnne Schale, das ganze Innere ist mit Mark erfllt, das aus Cellulose
und Strkemehl besteht. Man rechnet, dass ein Baum durchschnittlich 700
lb. Strkemehl (Sago) liefert. Nach Logan's Berechnung geben 3 Bume
mehr Nahrungsstoff als 1 Acre Weizen und 6 Bume mehr als 1 Acre
Kartoffeln. Ein Acre mit Sagobumen bepflanzt, giebt, wenn er auf
einmal umgehauen wird, 5220 Bushel (= 3452 Scheffel Preuss.) oder so
viel, wie 163 Acres Weizen; und je nachdem man 7 oder 15 Jahre als
den Zeitraum annimmt, den der Baum zu seiner Entwicklung nthig hat
(darber sind die Angaben schwankend), kommt ein Acre Sago in seinem
jhrlichen Ertrag 10 oder 23 Acres Weizen gleich. (Da 163 Acres =
258,35 Morgen, so nimmt Logan etwas mehr als 13-1/3 Scheffel Weizen pro
Morgen an.)

In Berlin kostet durchschnittlich der Zentner "Kartoffel-Sago", d. h.
geperlte Kartoffel- oder Weizen-Strke, 10-11 Thlr., Palmen-Sago 16-17
Thlr., Tapioka-Sago, d. h. geperltes Manihot-Mehl, 22-23 Thlr. In
Singapore kostet 1 Ztr. Palmen-Sago durchschnittlich 2 Dollars als Mehl,
3 Ds. in Perlform; Tapioka-Mehl 3 Ds., Perlen 4 Ds. Die Fracht
bersteigt selten 1 Dollar per Zentner. Der grosse Unterschied im Preise
ist die Prmie der Zwischenhndler; sie zeigt, wie unvollkommen, unsere
Verkehrsverhltnisse noch sind.




Sechstes Kapitel.

    Opium.


Die hervorragendste Leidenschaft der Hinterindier, namentlich der
Chinesen, scheint die Spielsucht. In Canton spielt der hungrige Kuli mit
dem Garkoch um das Essen; gewinnt er, so speist er gratis, im andern
Fall verliert er den Einsatz und speist gar nicht. Das Spielen ist aber
hier sowohl als in Pinang und Malacca streng verboten, und wird deshalb
heimlich getrieben. Es ist ein ffentliches Geheimniss, dass die
niederen Polizeibeamten, alle selbst Asiaten, im Sold der
Spielunternehmer stehen und nicht nur die Spielhuser nicht verrathen,
sondern sie gewhnlich bei Zeiten warnen, wenn einmal von Seiten der
hheren Beamten ein Ueberfall gegen ein verdchtiges Haus ausgefhrt
werden soll. Im Anfang des Bestehens der Kolonie waren auch Spielhuser
gestattet, die Konzession dazu wurde, wie zum Opium- und
Branntwein-Handel dem Meistbietenden verpachtet und bildete eine der
bedeutendsten Einnahmen. Der einflussreichere Theil der europischen
Bevlkerung fand aber hierin etwas Unsittliches; so ist denn jetzt das
Spiel seit einer Reihe von Jahren verboten, obgleich jedermann weiss,
dass die polizeilichen Mittel zur wirklichen Unterdrckung desselben
nicht vorhanden sind. In neuester Zeit wird daher die Ansicht immer
allgemeiner, dass es unter den bestehenden Verhltnissen angemessener
wre, wieder ffentliche Spielhuser einzurichten und sie zu einer
Steuerquelle zu benutzen, wie die Hollnder und Spanier thun. -- In
diesem Sinne hat sich auch die Grand-Jury in ihrem letzten Bericht ber
den Zustand der Kolonie (1865) ausgesprochen. Jedenfalls scheint es eine
grosse Inkonsequenz, das Spiel aus moralischem Zartgefhl zu verbieten
und das ~Opium~rauchen zu gestatten, das noch schlimmer ist, als
Hasardspiel, da es, einmal zur Leidenschaft geworden, den Menschen nicht
nur eben so sicher, wie jenes, moralisch und finanziell, sondern auch
physisch zu Grunde richtet. Die Ursache der Inkonsequenz liegt wohl in
dem grossen Gewinn, den die britische Regierung aus der Bereitung des
Opiums, die Kolonial-Regierung aus der Accise und die Kaufleute aus dem
Vertrieb ziehen, an dem sich brigens nicht nur Englnder, sondern Leute
von allen Nationen mit gleichem Eifer und mit derselben Unbefangenheit
betheiligen, wie am Handel mit Tabak oder Spirituosen.

Opium ist bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft des Gartenmohns
(Papaver somniferum) und wird besonders in der Trkei und in Indien
gewonnen. Das trkische Opium wird in Europa und Java, das indische in
China und Hinterindien genossen. In Britisch-Indien ist die
Opiumerzeugung Monopol der Regierung, in den Malwa- und andern Staaten
unter einheimischen Frsten steht sie jedem frei; das Fabrikat zahlt
aber in Bombay einen Transitzoll von 400 Rupien per Kiste. Das Opium von
Behar, im Handel als Patna bekannt, und das von Benares, beide unter der
strengen Aufsicht englischer Beamten dargestellt, sind besser als
Malwa-Opium. Letzteres geht fast ausschliesslich nach Nord-China.[25]

Zum Rauchen ist das Opium, wie es aus Indien kommt, noch nicht geeignet;
es wird erst durch ein umstndliches Verfahren, das 18 Stunden Zeit in
Anspruch nimmt, im Wesentlichen aber nur im Ausziehen der in Wasser
lslichen Bestandtheile und Eindicken des Auszugs besteht, in die von
den Rauchern beliebte Substanz ~Tschandu~ verwandelt, die wie Melasse
aussieht, aber noch konsistenter ist.[26]

Das Recht, das Tschandu zu bereiten, ist in Singapore Monopol der
Regierung, die es dem Meistbietenden verpachtet. Diese Pacht bildet ihre
~Haupt-Einnahme~; der Pchter ist immer ein Chinese, keinem Andern wrde
es mglich sein, unter der hiesigen Bevlkerung eine gewinnbringende
Kontrolle auszuben. Der Pchter, der gewhnlich sehr reich wird,
verkauft das Tschandu an die Opiumkrmer, von denen es die Raucher in
einzelnen Dosen entnehmen. Die Wiederverkufer erhalten gar keinen, oder
nur sehr geringen Rabatt, der hchstens fr solche, die entfernt wohnen,
bis auf 8% steigt. Die Konsumenten kaufen ihr Tschandu bei dem Pchter
nicht billiger, als bei dem Kleinhndler; der Gewinn des letzteren
besteht lediglich in den Abfllen. Das Tschandu hinterlsst nmlich beim
Rauchen einen Rckstand, bestehend aus Kohle, brenzlichen Oelen, einigen
Salzen und etwas unverbranntem Opium. Dieser Rckstand heisst Tinko und
betrgt fast die Hlfte des ursprnglichen Tschandu. Er wird an die
rmere Klasse zum halben Preis verkauft; man raucht oder verschluckt
ihn. Im ersterem Falle lsst er wieder einen Rckstand, Samsching, der
von noch Aermeren gekauft und verschluckt wird, da er nicht mehr
brennt. Aus dem Verkauf der Rckstnde bestreitet der Opiumkrmer die
Miethe seines Lokals und den Unterhalt seiner Familie.

Wohlhabende rauchen ihr Opium zu Haus, Aermere bei den Krmern, die zu
dem Zweck einen besonderen Raum verfgbar halten, in welchem mehrere
Bambuspritschen angebracht sind. Diese engen, heissen, von Opiumrauch
erfllten Rume werden als eine der Sehenswrdigkeiten Singapores
gewhnlich von Fremden besucht. Daher sind die "Gruel dieser Hllen,
der frchterliche Qualm und die Entsetzen erregenden Gestalten der
Unglcklichen, die dem Laster frhnen", schon oft mit sehr lebhaften
Farben beschrieben worden. Ich habe diese Orte mehrere Male besucht,
fand aber den Qualm nie so unertrglich, als den Tabaksqualm mancher
deutschen Bierstuben, auch gelang es mir ebenso wenig, die schrecklichen
Folgen des Lasters gleich auf den Gesichtern der Raucher zu lesen, als
die Folgen der Trunksucht auf den Gesichtern von Stammgsten, oder die
des Spielens auf denen, die in Baden den Roulettetisch umgeben. Der
Raucher liegt auf einer Pritsche ausgestreckt, nimmt mit einer langen
Nadel eine kleine Menge Tschandu, zndet sie an, wozu einige
Geschicklichkeit gehrt, da die Masse schwer brennt, und bringt sie auf
die feine Oeffnung eines birnfrmig gestalteten Pfeifenkopfs, zieht den
Rauch mit einem oder einigen langen Athemzgen ein, behlt ihn einige
Zeit bei sich und blst ihn aus.

Nach Crawfurd wird an keinem Ort der Welt im Verhltniss zur Kopfzahl so
viel Opium konsumirt als in Singapore. Den Grund dafr sieht er in den
hohen Lhnen und in der berwiegend chinesischen Bevlkerung. Nach ihm
soll sich der Opiumverbrauch in Singapore zu dem in China und in Java
verhalten wie 33 zu 14 zu 4. C. giebt aber die Quellen dieser Zahlen
nicht an. Ich habe vergeblich versucht, ihre Richtigkeit zu prfen, da
die in den mir zugnglichen Schriftstellern und Reports enthaltenen
einander so widersprechen, dass sie nicht in Einklang zu bringen sind.
Es wre aber eine sehr interessante Arbeit fr Jemand, dem ausreichendes
Material zur Verfgung steht, eine auf zuverlssige Zahlen begrndete,
vergleichende Uebersicht der schnellen Zunahme des Opiumverbrauchs nicht
nur in Asien, sondern auch in Europa und Amerika aufzustellen; besonders
fr ~England~ scheint Gefahr im Anzuge.

Ob die Regierung von Singapore die Macht bessse, das Opiumlaster jetzt
noch zu unterdrcken, ist eine andre Frage; ist es doch selbst in den
europischen Polizeistaaten nicht gelungen, die Ueberhandnahme des
Tabakrauchens zu verhindern; um wie viel schwieriger wre es in einem
Freihafen wie Singapore, wo alle Mittel zum Zwange fehlen, dem mit viel
grsserer Leidenschaftlichkeit getriebenen Opiumrauchen ein Ende zu
machen. Geradezu unmglich wre es vielleicht nicht, wenn der ernste
Wille vorhanden wre und das Bestehen der Kolonie davon abhinge; gelingt
es doch dem Opiumpchter, dem Schmuggeln der Droge vorzubeugen.

Wie wenig brigens an eine solche Maasregel gedacht wird, geht aus
folgenden Auszgen aus dem Chinese Commercial Guide, Hongkong 1863,
hervor: danach betrug die jhrliche Opiumeinfuhr in China whrend der
letzten 10 Jahre 70,000 Kisten. Das reichte fr den Bedarf nicht aus und
befrderte die Produktion in China, wo gegenwrtig 20,000 bis 30,000
Kisten durch einheimische Pflanzer erzeugt werden. Die Nettoeinnahme in
Indien betrgt ungefhr 4,000,000  jhrlich, das Produkt kostet der
Regierung etwa 400 Rupies (40 ) per Kiste. Der Opiumbau soll dort sehr
ausgedehnt und der Preis herabgesetzt werden, um das chinesische Opium
vom Markt zu verdrngen, was, wie man glaubt, stattfinden wird, wenn das
indische zu 450 Ds. per Kiste geliefert werden kann, whrend sein
Durchschnittspreis in den letzten 4 Jahren 800 Ds. betrug. Die
Gesammtausfuhr aus Indien von 1798-1855 betrug 1,197,041 Kisten und
stieg von 4000 Kisten im ersten Jahre auf 78,454 im letzten Jahre, die
indische Regierung zog daraus einen Gesammtgewinn von 67,000,000  und
darber. 180,000 Kisten davon wurden in den malayischen Lndern
verbraucht.... In China wird das Opium in Schan-si, Schen-si,
Kwei-tschau, Yun-nan und Sze-tschuen gebaut. Sein Preis schwankt
zwischen 25 und 30 tael per 8-1/2 lb. Englisch.[27] Auch in der Mongolei
und in Nord- China, sowie in Fuh-kien und Hn-nan wird der Mohn gebaut.
Der Werth des gegenwrtig in China eingefhrten Opiums ist dem Werth der
Ausfuhr von Thee und Seide fast gleich. Als eine Errungenschaft des
letzten Krieges ist der Opiumhandel jetzt gesetzlich erlaubt. Der
Gebrauch der Droge hat sich ber das ganze Reich verbreitet und seine
Billigkeit fr Raucher, die fern von der Kste wohnen, wird den
Verbrauch wohl bedeutend steigern, sowie auch die damit verbundenen
Uebel ... Die Geschichte der Anstrengungen, welche die Beherrscher
dieses heidnischen Volks gemacht haben, um die Einfhrung des Opiums
abzuwehren, weil sie fhlten, dass es fr die Einknfte, die
Sittlichkeit und den Gewerbfleiss ihres Volkes schdlich war, und das
gnzliche Misslingen dieser Anstrengungen bildet eines der lehrreichsten
Kapitel in den chinesischen Annalen ...

Es ist zugleich die Geschichte der Anstrengungen des christlichen Volks
der Briten, um den "umnachteten Heiden" trotz allem Widerstande, durch
Schmuggel, Bestechung der Mandarine und offenbare Gewalt, ja sogar durch
zwei Kriege das Gift aufzuzwingen. Man sieht daraus, was es mit der
civilisatorischen Mission auf sich hat, wenn sie mit dem Eigennutz
kollidirt.

Dies hat unter der Ostindischen Kompanie stattgefunden. Jetzt aber steht
Indien und seine Opiumproduktion unmittelbar unter der englischen Krone,
die nun fr eigene Rechnung Opium produzirt und verkauft, und auf jede
mgliche Weise das lukrative Gewerbe auszudehnen bemht ist. Nach der
Times vom Mai 1865 ist der jngste Ausfall im indischen Budget
hauptschlich der ber alle Maassen gesteigerten Opiumproduktion in
Indien zuzuschreiben (man hatte aus bergrossem Eifer weite Strecken
Landes, die dafr nicht geeignet waren, mit Mohn bebaut, auch fehlte es
an gebten Hnden fr die so sehr vermehrte Produktion).[28] Lockhart
druckt im "Medical Missionary in China" einen im Verein mit Rev.
Medhurst fr ein Blaubuch geschriebenen Aufsatz ber das Opium in China
ab, der viele interessante Thatsachen enthlt; besonders geht daraus die
schnelle Ausbreitung des Lasters ber das ganze chinesische Reich
hervor, "es hat als ein Bchlein begonnen und wre jetzt eben so schwer
zurckzudrngen, als die Meeresfluth."

Als Mittel der Abhlfe schlgt Lockhart der englischen Regierung vor,
den Opiumbau in ihrem Gebiet und den Transit durch ihr Gebiet ganz zu
untersagen; die englische Regierung zieht aber aus dieser Quelle
4,000,000  (nach Lockhart sogar 5,000,000 )! Ausserdem empfiehlt er
das Gebet der Missionre, Ermahnungen an die Chinesen und hnliche
Mittel, auch fordert er die Opiumhndler in China auf, der Quelle ihrer
Reichthmer aus Rcksicht fr ihre Nebenmenschen zu entsagen. Von allen
diesen Mitteln scheint das dritte noch das wirksamste, doch ist auch von
ihm nicht viel zu erwarten, denn die unglubigen, genussschtigen,
eingebildeten, die Fremden verachtenden, auf ihre alte Kultur stolzen
Chinesen sind der schlechteste Rohstoff fr christliche Missionre. In
gleichem Maasse, wie die Nachfrage, wird auch die Opiumproduktion
zunehmen. Es wird wohl schwerlich ein anderes Mittel zur Beschrnkung
des Missbrauchs erfunden werden, als das, welches sich in allen
hnlichen Fllen bewhrt hat: allgemeine Zunahme des Wohlstandes und der
Bildung und der in gleichem Maasse steigenden Selbstachtung und
Selbstbeherrschung.

Nach dem Urtheil mancher Aerzte und anderer am Opiumhandel nicht
Betheiligter soll mssiger Opiumgenuss nicht schdlicher sein als
mssiger Genuss von Spirituosen. Fr diese Ansicht scheinen allerdings
die Tchtigkeit und Krperkraft der chinesischen Bevlkerung von
Singapore zu sprechen, von der nach Dr. Little jeder Dritte ein
Opiumraucher sein soll. Manche geben sogar dem Genuss des Opiums den
Vorzug vor dem der Spirituosen. Jedenfalls ist der Opiumraucher fr
seine Umgebung weniger lstig, da er sich whrend seines Rausches am
liebsten gegen die ganze Aussenwelt abschliesst, whrend sich der Sufer
aufdrngt und Hndel sucht. Man sieht in den Lndern, wo Opium geraucht
wird, nicht die durch Vllerei veranlassten hsslichen Auftritte, ausser
in der Nhe der von europischen, namentlich englischen Matrosen
besuchten Branntwein-Kneipen. Mssig genossen, befhigt es zum Ertragen
von Strapazen und Entbehrungen, denen der Mensch sonst erliegen msste,
worber Johnston's Chemistry of comm. life sehr schlagende Beispiele
enthlt. Die grosse Gefahr liegt in dem zauberhaften Reiz, den das Opium
auf seine Verehrer ausbt, in der unwiderstehlichen Gewalt, die es ber
ihre Willenskraft erlangt, in der Nothwendigkeit, die Dosis allmlig zu
steigern, um gleiche Empfindungen hervorzurufen. Daher ist es besonders
fr reiche Wstlinge verderblich, die weder durch den hohen Preis der
Droge noch durch ernste Beschftigungen verhindert werden, dies immer
bereite Mittel zum Sinnenrausch anzuwenden.

Die in vielen rztlichen und andern Bchern beschriebenen
physiologischen Wirkungen des unmssigen Genusses auf Geist und Krper
sind vielleicht noch abschreckender als die der Trunksucht.[29]
Abgesehen von den spezifisch verschiedenen physiologischen Folgen
nehmen unmssige Opiumraucher ein hnliches Ende, wie Sufer. Sie
verlieren ihre gesellschaftliche Stellung, bringen sich und ihre Familie
in die tiefste Noth und sterben elend auf der Gasse. Darin stimmen Alle
berein, dass es sehr viel leichter ist, sich den Trunk abzugewhnen,
als das Opium, wenn es einmal zur Leidenschaft geworden ist; Viele
halten es fr unmglich. Auch geschieht es nie ohne grosse Qualen des
Krpers und Geistes, und nur unter grosser Gefahr fr die Gesundheit.
Lockhart erzhlt aber, dass im Hospital von Shanghai Tausende von
Opiumrauchern behandelt wurden, von denen viele den Gebrauch aufgaben.

Ueber die oben angedeutete schnelle Zunahme des Opiumkonsums in
~England~ haben die dortigen Zeitungen schon oft berichtet, doch scheint
man in Deutschland von dem Umfang des Uebels keine Vorstellung zu haben.
Johnston sagt: "Der Opiumverbrauch in Grossbritannien ist, mit China
oder Indien verglichen, freilich unbedeutend, die Zunahme aber sehr
betrchtlich. Die eingefhrte Menge betrug 1839, 41,000 lb.;
1852, 114,000 lb.: nach 15 Jahren fast das Dreifache!"

Johnston giebt leider ebensowenig wie Crawfurd die Quellen seiner Zahlen
an, und scheint zwischen Einfuhr und Verbrauch keinen Unterschied zu
machen, was bei steuerbaren Waaren richtig ist, da solche nur, nachdem
sie fr den Verbrauch im Lande versteuert worden, in den Importlisten
aufgefhrt werden, whrend die unversteuerten, fr den Transit
bestimmten, bei der Wiederausfuhr unter "Transshipment" stehen. Bei
steuerfreien Gegenstnden, wie Opium, trifft aber diese Annahme gewiss
nicht immer zu, da es keinen erheblichen Unterschied in den Unkosten
machen kann, ob man eine so theure, wenig voluminse, steuerfreie Droge
vom eignen Lager oder von den Docks aus verschifft.

In dem Annual Statement of Trade and Navigation of the United Kingdom
1864 finden sich ber Opium folgende Angaben:

             Import.     Export.    Transshipment.

  1859       141,168 lb.   79,059 lb.   90,794 lb.
  1860       210,867 "   98,072 "   91,922 "
  1861       284,005 "  290,120 "   53,580 "
  1862       221,381 "  146,337 "   57,820 "
  1863       254,314 "  110,101 "  104,756 "

Der mittlere Preis ist 1  per lb..[30]

Nimmt man an, dass die Einfuhr nach Abzug der Ausfuhr den Verbrauch in
England darstellt, so erhielte man als das 5jhrige Mittel 1859/63:
77609,2 lb.. Es ist aber sehr fraglich, ob diese Annahme zutrifft, da
1861 284,005 ein- und 290,120 lb. ausgefhrt, also 6115 lb. mehr aus-
als eingefhrt sind, whrend England doch kein Opium produzirt und viel
konsumirt. Bei einem Verbrauch von 77609,2 lb. zu 7000 Gran und einer
Bevlkerung von 30,000,000 kmen 18,11 Gran jhrlich auf den Kopf.
Legt man Johnston's Zahl 114,000 lb. fr 1852 zu Grunde, so erhlt man
26,6 Gran per Kopf und Jahr. (Es muss aber auch bercksichtigt werden,
dass ein betrchtlicher Theil des in England verbrauchten Opiums zur
Darstellung des Morphins auch fr das Ausland verwendet wird.)

Nach Crawfurd ist der Verbrauch in Singapore per Kopf und Jahr 330 Gran,
in China 140 Gran, in Java 40 Gran. Da aber bei der in China und
Hinterindien blichen Art, das Opium im Wege des Rauchens zu geniessen,
die Hlfte seines Nutzeffekts verloren geht, so muss man diese Mengen
halbiren, um sie mit dem Konsum in England zu vergleichen. Man erhlt
dann 165, 70 und 20 Gran gegen 18, resp. 26,6 Gran in England. Nach der
Angabe des Commercial Guide, dass China jetzt 100,000 Kisten per Jahr
verbrauche, erhielte man, die Kiste zu 70 Katti Tschandu (rauchbaren
Extrakt) = 93-1/3 lb. engl. gerechnet, 163-1/3 Gran per Kopf und Jahr
bei einer Bevlkerung von 400 Millionen, d. h. fr China so viel, als
Crawfurd fr Singapore annimmt!

Johnston sagt, dass trotz der grossen Zunahme des Opiumverbrauchs in
England durchaus die statistischen Daten fehlen, auf welchen man die
Annahme begrnden knnte, dass der Opiumgenuss schon jetzt unter der
Bevlkerung Grossbritanniens ein Nationallaster geworden sei oder bald
werden wrde. Nach ihm soll die lndliche Bevlkerung noch frei davon
sein.

Eine England eigenthmliche Form des Opiummissbrauchs, dessen
ausgedehnte Verbreitung nach J. auf unbestreitbarem Zeugniss beruht, ist
aber die folgende: Die Mtter in den Fabrikstdten geben ihre Kinder an
Pflegemtter und diese beruhigen die Kinder und bringen sie in Schlaf
durch Opium. Rev. Clay gab an, dass allein in Preston 1843, 1600
Familien die Gewohnheit hatten, Godfrey's Cordial oder eine andre ebenso
schdliche Komposition zu gebrauchen, und dass in einem der
Begrbnissklubs jener Stadt 64% der Mitglieder vor dem fnften Jahre
starben.

Seitdem scheint sich aber das Uebel auch in der lndlichen Bevlkerung
eingebrgert zu haben, wie nachfolgende wrtlich bersetzte Stellen aus
dem 6^{th.} Report of the Medical Officers to the Privy Council 1863 pg.
81 zeigen:

    "Es kann, sagt Dr. Hunter, kein Zweifel an der Wahrheit der
    entsetzlichen Thatsache sein, die fast jeder Arzt in den
    Marschlndern angiebt, dass daselbst keine Tagelhnerwohnung zu
    finden sei, in welcher man nicht die Opiatflasche she, und kein
    Kind, das nicht davon auf eine oder andre Weise erhielte. In
    andern Gegenden, wo Frauen ausser dem Hause arbeiten, wie in den
    Fabrikstdten, wird es den Kindern von den Pflegemttern
    eingegeben, und man braucht sich nicht zu wundern, dasselbe
    Verfahren hier in Anwendung zu finden; aber andre Umstnde treten
    hinzu, die es zu einer allgemeinen Gewohnheit machen, dieses
    System des Dokterns in einer Ausdehnung zu betreiben, wie man es
    nur in dem fraglichen Distrikt kennt.

    Die schmerzhaften Rheumatismen und Neuralgien, die in den Mooren
    immer noch hufig sind (d. h. unter lteren Leuten, aber
    wahrscheinlich ohne allen Verdacht, dass kleine Kinder daran
    leiden), behandelt man allgemein durch reichlichen Gebrauch von
    Opium, und die ganze Bevlkerung ist mit dieser Droge durchaus
    vertraut geworden. Die Drogengrosshndler berichten, dass sie
    ungeheure Mengen nach diesen Gegenden senden, und die Drogenkrmer
    verkaufen oft bis zu 200 lb. im Jahr[31]. Sie wird in Pillen und
    Penny-Stangen verkauft und ein Laden mit guter Kundschaft versieht
    wohl an einem Samstag Abend 300-400 Kunden mit diesem Artikel. Die
    Drogisten meinen, dass ihre grssten Konsumenten nicht die
    Bewohner der Drfer oder kleinen Stdte seien, in welchen sich ihr
    Laden befand, sondern vielmehr die Bewohner kleiner Weiler oder
    einzeln gelegener Bauernhfe in den Mooren.

    Opium wird oft unter irgend einem rothwlschen Namen verlangt, und
    die damit verbundene Vorstellung ist die einer verbotenen Lust.
    Die Menge, die ein Opiumesser zu sich nehmen kann, ist oft
    angefhrt worden (etwa eine halbe Unze tglich ist nicht
    ungewhnlich), sie findet ihre Grenze eher im Preise, als in der
    Strke der Droge. Ein Mann in Sd-Lincolnshire beklagte sich, dass
    seine Frau 100  fr Opium ausgegeben habe, seit seiner
    Verheirathung. Man sieht mitunter auf dem Felde einen Mann im
    Schlaf, auf seine Hacke gelehnt, -- er fhrt auf, wenn man ihm
    nahe kommt, und arbeitet eine Zeit lang rstig weiter. Ein Mann,
    der ein schweres Stck Arbeit vorhat, nimmt seine Pille als eine
    Vorbereitung, und Viele trinken ihr Bier nie, ohne ein Stck Opium
    hineinzuwerfen. Um dem volksthmlichen Geschmack zu entsprechen,
    aber zur hchsten Unbehaglichkeit fr Fremde, werden dem Bier
    narkotische Mittel von den Brauern oder Wiederverkufern
    zugesetzt. Vor einem halben Jahrhundert wurde der Bau des
    Gartenmohns fr den Londoner Drogenmarkt in diesem leichten Boden
    betrieben. Damals nahm der Landmann Mohntrank mit aufs Feld, und
    jetzt bildet der Mohnkopf, obgleich der Anbau des Artikels fr den
    Handel fast aufgegeben ist, den Hauptbestandtheil der Kruterthees
    und Hausmittel der Umgegend. Bei solcher Vertrautheit mit der
    Droge ist es kein Wunder, dass ein Jeder bereit ist, sie
    anzuwenden, um ein schreiendes Kind zu beruhigen, obgleich es dann
    sicher wieder schreit, sobald es erwacht. Opiumesser sollen immer
    Proselytenmacher sein und einem Kinde wohl Opium hinter dem Rcken
    der Mutter oder Amme geben. Die beliebteste Form fr Kinder ist
    Godfrey's Cordial, eine Mischung von Opium, Syrup und einer
    Infusion von Sassafras. Es ist dickflssig und wird hufig in
    einer Theetasse geholt. Wenn die Mutter auf Feldarbeit geht und
    ihr Kind einer Wrterin bergiebt, so hlt sie es fr das Beste,
    ihre eigene Flasche Godfrey zurckzulassen, denn die Praeparate in
    den verschiedenen Lden sind verschieden, und es giebt keinen
    kleinen Dorfladen, der berhaupt etwas verkauft, welcher nicht
    auch seinen eigenen Godfrey verkaufte. Den Absatz der Opiate in
    diesen kleinen Lden zu steigern, ist das eifrige Bestreben
    einiger unternehmender Grosshndler. Bei den Drogisten gelten sie
    fr den "Haupt-Artikel" und der Gewinn daran ist gering, wenn er
    im rohen Zustande verkauft wird. Nicht selten ist es vorgekommen,
    dass eine Pflegeamme ihren eigenen Godfrey statt desjenigen ihrer
    Clientin gereicht, und ber die Wirkung erschrocken, den Wundarzt
    herbeigerufen hat, der ein halbes Dutzend kleiner Kinder im Zimmer
    umherliegend antrifft, einige schnarchend, andere schielend, alle
    bleich mit hohlen Augen, und vergiftet."

Auch unter den wohlhabenden Klassen soll der Gebrauch immer mehr
zunehmen, namentlich bei nervsen Frauen und geistig thtigen Mnnern in
Form von Medizin. Nach Angabe der Aerzte und Missionre nehmen auch in
China die Meisten das Opium zuerst als schmerzstillendes, angenehm
erregendes Mittel und gewhnen sich allmlig so an den Genuss, dass sie
ihm nicht mehr entsagen knnen. De Quincey's angeblich gegen das
Opiumlaster geschriebene Buch hat auch gewiss schon manchen Proselyten
unter mssigen Reichen gemacht.

Bei solchen Verhltnissen wird man unwillkrlich an eine geistreiche
Aeusserung Huc's erinnert (Chine I, 32). Nachdem er darauf aufmerksam
gemacht, wie die Englnder durch Konterbande, Bestechung der Beamten und
offene Gewalt trotz allem Widerstande der Regierung, das Opium in China
verbreitet haben, fhrt er an, dass es jetzt schon im Lande selbst
gebaut wird. In seiner allerdings sehr lebhaften Phantasie sieht er die
Zeit kommen, wo die Chinesen das Opium am billigsten produziren, dann
werden die englischen Schiffe, da der Verbrauch in England so schnell
zunimmt, ihren Bedarf aus China holen. Er schliesst mit der Bemerkung:
Beim Anblick dieser Schiffe, welche den giftigen Stoff aus dem
himmlischen Reich heimtragen, um England zu vergiften, wre es erlaubt,
auszurufen: "Laissez passer la justice de Dieu!"

Nach der Tydschrift voor Staathuiskunde en Statistiek 1863 pg. 339 war
der Opiumverbrauch in Java 1854 48,660, 1855 61,602, 1856 70,787, 1857
84,629, 1858 91,300, 1859 99,807, 1860 105,537 Katti, in 6 Jahren mehr
als das Doppelte!

Die hollndische Regierung ist ernstlich bemht, den Opium-Konsum in
Java zu vermindern, hat aber auch noch kein wirksames Mittel ersinnen
knnen. Obgleich die Anzahl Opiumlden verringert wurde, stieg der
Verbrauch. Zu der so schnellen Steigerung in den letzten Jahren haben
Duymaer van Twist's wohlgemeinte, aber verfehlte Maasregeln beigetragen,
welche den Verbrauch zu beschrnken beabsichtigten. Nach Bleeker betrug
die Bevlkerung von Java und Madura 1860: 12,718,717 Seelen, darnach
wrde der Opiumverbrauch per Kopf 77,4 Gran fr das Jahr 1860 betragen,
so dass Crawfurd's Annahme, die sich auf eine wenigstens 6 Jahr frhere
Zeit bezieht, wohl eher zu hoch als zu tief gegriffen ist.

Als die gewhnliche tgliche Dosis eines Opiumrauchers in China giebt
Lockhart 1 Drachme an (Little nimmt fr Singapore etwa halb so viel an),
woraus sich bei einer Einfuhr von 67,000 Kisten die Zahl der Raucher in
ganz China auf wenig ber 2 Millionen berechnet (nach meiner Rechnung
fast doppelt so viel, da eine Kiste 70 Katti = 93-1/2 lb. x 226 Drachmen
rauchbaren Extrakts enthlt); manche verbrauchen bis 10 Drachmen per
Tag, dies sind aber nur die Reichen.

Ueber die Dosen, die ein Opiumesser in Europa zu sich nimmt, fhrt
Husemann, Toxicologie pg. 595, hchst auffallende Thatsachen an:

    "Eine der merkwrdigsten, dem Opium wohl mehr als irgend einem
    andern Narkotikum eigenthmliche Eigenschaft ist die
    ausserordentlich verschiedene Wirkung, die es in verschiedenen
    Lndern, auf verschiedene Rassen, auf verschiedene Individuen, in
    verschiedenen Lebensaltern, unter verschiedenen Idiosynkrasien
    hervorbringt. Auf Kinder ist die Wirkung ausserordentlich intensiv
    und inkonstant. Abgesehen von 2 vielleicht nicht ganz sicheren
    Fllen, wo 1/90 und 1/20 Gran tdtlich wirkten, sind viele Flle
    bekannt, wo Kinder bis zu 5 Jahren durch 1/6 bis 1/2 Gran getdtet
    wurden.... Die Quantitten, an welche sich Erwachsene gewhnen
    knnen, sind wahrhaft erschreckend. Mir ist eine Dame bekannt,
    welche 1/2 Unze Opiumtinktur pro Dose nahm; Bcker erzhlt von
    einem Arzt, der tglich 30 Gran Opium in Substanz verzehrte. Die
    Confessions of an Opiumeater zeigen am besten, wie weit es ein
    Europer bringen kann. Christison erzhlt von einem alten Weibe,
    das 40 Jahre lang tglich 1/2 Unze Laudanum nahm; aber dies ist
    nichts gegen den Verfasser der Confessions, der es bis zu 8000
    Tropfen des "dread agent of unimaginable pleasure" brachte.[32]
    Nach Zeviani verzehrte ein Frauenzimmer in 33 Jahren 2 Zentner
    Opium, nach Krger Hansen ein Kranker in 1 Jahr 4700 Gran.
    Christison erzhlt sogar von einer Steigerung der Gabe bis zu 17
    Unzen Laudanum!"

    Als Flle sonderbarer Idiosynkrasien bei Erwachsenen sind in
    demselben Werk angefhrt: 3 Tage anhaltende Intoxication durch 1/2
    Gran Opium; Sopor nach 1/3-1/2 Gran Opium; Vergiftung durch 1 Gran
    Opium per Clysma.




Siebentes Kapitel.

    Grndung und schnelles Aufblhen Singapores. -- Rhiow. --
    Seeruberei. -- Malayische Kronik. -- Uebersicht der
    Verkehrsverhltnisse, sonst und jetzt. -- Ausbreitung der Chinesen.
    -- Dampfschiffe.


Singapore ist sehr neuer Entstehung. Als die Hollnder nach dem Frieden
von 1815 ihre ostindischen Besitzungen zurckerhielten, die ihnen die
Englnder whrend der franzsischen Kriege abgenommen hatten, breiteten
sie mit Eifer ihren Einfluss immer weiter ber jene Meere aus durch
Besitznahme neuer Territorien und durch Vertrge mit einheimischen
Frsten, die ihnen grosse Vorrechte vor anderen Nationen einrumten. In
England sowohl als in Britisch-Indien wurde damals die grosse
Wichtigkeit des indischen Archipels fr den Handel wenig gewrdigt, und
es mchte vielleicht den Hollndern gelungen sein, ihre Nebenbuhler
zeitweis aus diesen Gewssern ganz zu verdrngen, wenn jene nicht in Sir
Stamford Raffles einen unberwindlichen Gegner gefunden htten. Dieser
hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Monopol der Hollnder in
jenen Meeren zum Vortheil seiner Landsleute zu brechen. Mit eben so viel
Khnheit als Geschick und Beharrlichkeit schuf er durch die Grndung von
Singapore einen Sttzpunkt fr den britischen Handel in demselben
Augenblick, als die Englnder durch die traktatmssige Rckgabe Malaccas
an die Hollnder den letzten Quadratfuss Landes in jenen Gegenden
verloren. Der Plan sowohl, als die Ausfhrung und die sptere
Vertheidigung seiner Schpfung gegen die heftigsten Angriffe sind fast
ausschliesslich sein Werk. Es wrde zu weit fhren, hier alle
Hindernisse aufzuzhlen, die er zu bekmpfen hatte. Am heftigsten war
natrlich der Widerstand von Seiten der Hollnder, die sich in ihren
vertragsmssigen Rechten gekrnkt hielten. Aber auch bei seinen
Landsleuten fand Raffles nur geringe Untersttzung, von mehreren Seiten
grossen Widerstand. Besonders von Pinang aus, das in Singapore einen
gefhrlichen Nebenbuhler erkannte, wurden ihm viele Schwierigkeiten
bereitet. In England, wo die schwache Regierung der ostindischen
Kompanie nichts gegen die Beschwerden des hollndischen Gesandten
vermochte, und die Wichtigkeit der neuen Kolonie nicht gewrdigt wurde,
kam es so weit, dass Lord Bathurst im offenen Parlament Raffles
desavouirte. Auch von den Direktoren der Kompanie erhielt er einen
Verweis. Nur bei den Kaufleuten fand er einige Untersttzung.

Schon 1818 hatte Raffles dem damaligen General-Guvernr von
Britisch-Indien einen Plan vorgelegt, um mitten im Archipel, am Ostende
der Malaccastrasse, als Gegengewicht gegen den hollndischen Einfluss
ein Emporium zu grnden, und als im Januar 1819 Malacca aufgegeben
wurde, zauderte Raffles nicht lnger mit der Ausfhrung. Ohne vorher auf
Instruktionen aus England zu warten, zum Theil auf eigene
Verantwortlichkeit, da er Gefahr im Verzuge sah, verschaffte er sich
bereits am 6. Februar 1819 ein Stck Land am sdlichen Rande der Insel
und begann sofort die Grndung einer Stadt. Erst am 2. August 1824
schloss Crawfurd einen neuen Vertrag, wodurch den Englndern die ganze
Insel und Alles, was in einem 10 Miles breiten Grtel darum liegt, mit
Ausnahme des entsprechenden Streifens auf der Halbinsel Johor,
berlassen wurde. Es befinden sich in diesem Grtel 75 kleine Inseln,
deren Flcheninhalt zusammen 17 [Quadrat]Miles betrgt. Singapore hat
206 [Quadrat]Miles (ungefhr 10 deutsche Quadratmeilen), die ganze
Besitzung also 223 [Quadrat]M.

Ich erwhne nicht die diplomatischen Verhandlungen mit den einheimischen
Huptlingen, deren Dispositionsfhigkeit die Hollnder bestritten, noch
die Konflikte mit den letzteren, da sie zu verwickelter Art und von zu
lokalem Interesse sind, fhre aber am Schluss dieses Abschnitts einige
Stellen aus einer von Raffles' malayischem Schreiber verfassten Kronik
an, welche auch als ein Beispiel der Auffassungsweise eines sehr fhigen
Eingebornen von Interesse sind.

Damals war Singapore eine von dichtem Urwald bedeckte Insel, ein
Zufluchtsort der gefrchtetsten Seeruber. Etwa 700 Jahre frher war von
Palmbang aus eine Stadt Singa-pura (Lwenstadt) auf der Insel gegrndet
worden, die aber spter von den Siamesen (?) zerstrt wurde. Seit
Jahrhunderten war Alles wieder mit dichtem Walde bedeckt. Erst 1811
hatte sich der Tumongong von Johor, Vater des S. 52 erwhnten, selbst
einer der verrufensten Seeruberfrsten, am Sdrande der Insel mit einem
Gefolge von etwa 150 Mann niedergelassen.

Eine der grssten Schwierigkeiten fr Raffles war die Beschaffung eines
~Besitzers~ der Insel, von welchem diese rechtsgltig an die Englnder
abgetreten werden konnte. Unter den verschiedenen Prtendenten, die nach
dem Tode des letzten Sultans von Johor um die Erbschaft stritten, whlte
Raffles den Tuanko-Long, dessen Anrechte durchaus nicht ohne Zweifel
waren, und selbst diesen musste er den Hollndern mit grosser
Heimlichkeit und List aus Rhiow entfhren. Die Hollnder hielten darauf
den Bruder Tuanko-Long's als Gegenkandidaten aufrecht, und Jahre lang
bekmpften sich die beiden Seemchte hinter diesen vorgeschobenen
Puppen. Erst 1824 wurde die Besitznahme von Singapore ausdrcklich durch
die Hollnder anerkannt. Aber unter allen diesen Strmen hatte sich der
gelegte Keim so schnell und krftig entwickelt, dass Raffles bei seinem
letzten Besuch, 1823, die Freude hatte, in der erst 4 Jahre alten
Kolonie eine Bevlkerung von 10,000 Seelen und einen Handel von 2
Millionen Pfund Sterling vorzufinden![33] Der Grund des schnellen
Aufblhens liegt einerseits in den freien Institutionen, die immer dort
geherrscht haben, andererseits in der gnstigen Lage am ussersten Ende
der malayischen Halbinsel. Da Vorder- Indien und China viel weiter
nrdlich endigen, whrend die Halbinsel sich fast bis an den Aequator
erstreckt, das Meer dort berdies frei von Gefahren und Strmen ist, so
drngt sich die ganze Schifffahrt zwischen Indien und China unmittelbar
an Singapore vorbei, so dass die Rhede dieser Stadt einen Theil der
grossen Handelsstrasse selbst ausmacht.

Die vllige Freiheit von allen Abgaben und aller Kontrolle, den
drckenden Monopolen gegenber, die bis dahin immer alle in jenen Meeren
herrschende europische Nationen zur Ausschliessung fremder Flaggen
aufrecht erhalten hatten, andererseits die Sicherheit der Person und des
Eigenthums gegenber der Rechtlosigkeit und Lebensgefahr in den Staaten
der einheimischen Frsten, machten Singapore bald zum Stapelplatz der
Produkte des ganzen Archipels sowohl, als zu dem der europischen,
namentlich englischen Waaren, die von hier aus ihre Weiterverbreitung
nach allen Inseln und nahe gelegenen Kstenlndern fanden. Der
Schifffahrt zwischen Indien und China bot Singapore auch grosse
Bequemlichkeiten als eine gerade in der Mitte gelegene Station. Dazu
kommen noch sehr gnstige klimatische Verhltnisse, eine fr die Lage
milde Temperatur, und trotz des Rhizophorensaumes, der den grssten
Theil der Insel umgiebt, sehr gesunde Luft. Den Chinesen entgingen die
Vortheile nicht, welche ihnen die englische Niederlassung darbot. Sie
strmten massenweis herbei, die Regierung begnstigte ihren Zuzug, da
sie als fleissige Arbeiter unter den trgen Vlkern Hinterindiens
willkommen waren.

1826/28 erklrten die Hollnder das nahe gelegene Rhiow, auf der Insel
Bintang,[34] zum Freihafen, in der Hoffnung, dadurch einen Theil des
Handels von Singapore abzuziehen und ihm einen Nebenbuhler zu schaffen.
Die Maasregel erwies sich aber als eine verfehlte, denn schon war
Singapore der Mittelpunkt eines grossen Weltverkehrs geworden: es besass
reiche Handelshuser, Agenturen, Banken, Versicherungsgesellschaften und
grosse Waarenmagazine; -- Rhiow hatte nicht Einen Vorzug vor Singapore.
Selbst in der Lage, worin es ihm noch am meisten nahe kommt, steht es
ihm nach, da die zwischen Indien und China fahrenden Schiffe, um Rhiow
zu erreichen, einen Umweg machen mssen, whrend sie an Singapore
vorberfahren, ohne einen Strich aus ihrem Kurs zu weichen. Auf Rhiow
besteht ~kein~ grosses Handelshaus; mehrere, die sich daselbst
aufthaten, wurden mit grossem Verlust wieder aufgelst. Es ist fraglich,
ob sich die Hollnder nicht geschadet haben, indem sie Rhiow zum
Freihafen erklrten, jedenfalls hat aber Singapore dadurch gewonnen, da
der Schmuggelhandel, der von dieser Stadt nach den niederlndischen
Besitzungen getrieben wird, dort eine bequeme Station findet.

Ausser Raffles hat Singapore seine schnelle Entwicklung lediglich sich
selbst zu danken. Man kann sich nicht der Betrachtung entziehen, wie in
diesen sonst nur den Monopolen und der Willkr verfallenen Lndern die
Einfhrung gesunder, freihndlerischer Grundstze die glnzendsten
Erfolge herbeigefhrt hat: In diesem Hafen giebt es weder Einfuhr-, noch
Ausfuhrzlle, Schiffe aller Nationen sind frei von jeder Abgabe. Jeder
kommt und geht, woher und wohin es ihm beliebt.

Anfnglich stand Singapore unter der Regierung von Bencoolen (Sumatra),
dessen Guvernr Raffles war. 1826, als die Englnder gegen ihre
Besitzungen in Sumatra Malacca von den Hollndern eintauschten, kam es
mit dieser Kolonie zusammen unter Pinang. 1830 erhielten Singapore,
Malacca und Pinang unter dem Namen "The Straits Settlements" einen
gemeinschaftlichen der Regierung von Bengalen untergeordneten Guvernr;
die Lokalverwaltung in jeder Kolonie fhrt ein Resident-Councillor.
Bisher hat aber die Bengalische Regierung auf die Entwicklung
Singapores eher hemmend, als frdernd gewirkt. Der Guvernr der
Kolonien in der Meerenge hat sehr wenig Macht und muss sich oft selbst
in reinen Lokalsachen nach Kalkutta wenden, wo die dringendsten
Verbesserungsvorschlge hufig unbeachtet liegen bleiben. Wenn einige
von dort ausgegangene Verordnungen, die fr Singapore die schlimmsten
Folgen gehabt haben wrden (Einfhrung von Tonnengeldern,
Einfuhrzllen, einer neuen Geldwhrung u. a.), nicht zur Ausfhrung
kamen, so ist dies nur der Wachsamkeit und Energie seiner europischen
Bevlkerung zuzuschreiben, die gegen dergleichen Beschlsse lebhaft
opponirte und sich direkt an das englische Parlament wendete, von dem
sie rckgngig gemacht wurden. Nicht mit Unrecht warf man der Regierung
von Kalkutta vor, dass Singapore fr sie kein anderes Interesse habe,
als das einer Station zur Deportation von Strflingen. Seine grosse
Wichtigkeit fr den Handel scheint dort nie volle Wrdigung gefunden zu
haben. Allem Anscheine nach wird aber binnen Kurzem die Verwaltung
dieser blhenden Besitzungen von der indischen Regierung unabhngig
gemacht und unmittelbar unter das Kolonialministerium gestellt werden.

Einer der grssten Uebelstnde, die aus der Machtlosigkeit der Regierung
von Singapore hervorgehen, ist ihre Unfhigkeit die Seeruberei zu
unterdrcken, die eher zu- als abzunehmen scheint. Wegen der
Unsicherheit der dortigen Meere sind alle Schiffe bewaffnet, und wenn
die Gelegenheit gnstig ist, so greift das strkere das schwchere an;
nur ein sehr geringer Theil der Rubereien wird bekannt. -- In seinem
Bericht von 1859 klagt der Guvernr, dass die Seeruberei im
verflossenen Jahre sehr zugenommen habe, sowohl in Form von eigens
ausgersteten Unternehmungen in grossem Massstab, als von Strassenraub
auf offenem Meere, hufig von Mord begleitet; erstere in Junken, die in
Singapore armirt werden.

Die Spanier und Hollnder haben bisher mehr zur Vernichtung des
Seeraubes im Archipel gethan als die Englnder. Am meisten hat aber wohl
im Verhltniss zu seinen Mitteln ein englischer Privatmann, Sir James
Brooke, der Rajah von Sarawak, geleistet. Wenn sich nicht alle vier
Seemchte, die jetzt in jenen Meeren Kolonien haben, zu
gemeinschaftlichen Massregeln auf lngere Zeit vereinigen, wird es wohl
nicht gelingen, die Seeruberei auszurotten, denn viele unbewohnte
Ksten und kleine Inseln gewhren Zufluchtssttten, welche hufig mit
Kokos- und Sago-Palmen versehen, und von einem schtzenden Wall von
Rhizophoren-Wldern oder Korallenriffen umgrtet sind, die Trepang,
Muscheln, Schildkrten und Fische liefern, und nur durch schmale, den
Seerubern allein bekannte, nur fr ihre kleinen Boote zugngliche
Kanle unterbrochen sind. Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern
bemannten Boote sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer
ihnen folgen knnen, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne
an ihrer Rauchsule, so dass die nur wenige Fuss ber das Wasser
ragenden, und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren "Pankos"
gewhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen. Auch wechseln die Ruber
wohl Nachts ihren Aufenthalt, wenn Gefahr in der Nhe ist.

Sehr gegen den Willen der Bevlkerung hat die britisch-indische
Regierung seit dem letzten chinesischen Kriege in Singapore grosse
Befestigungen anlegen lassen, und unterhlt jetzt daselbst eine
kostspielige Garnison. Singapore fhlte sich hinreichend sicher in
seinen freien Institutionen. Als neutrales Gebiet und Jedem offenes Asyl
hat es einen zu grossen Werth fr alle Vlker Hinterindiens, als dass
ernstliche Unruhen zu befrchten wren. Der Plan, die Stadt zu
befestigen, entstand whrend der indischen Revolution in Kalkutta; man
wollte den Europern im Fall einer Emprung der Chinesen dadurch den
nthigen Schutz gewhren. Jene finden aber ihre Sicherheit in der
Verschiedenheit der Elemente, aus welchen die dortige Bevlkerung
besteht, in dem damit verbundenen Rassenhass und viel mehr noch in dem
Interesse, das Alle gemeinschaftlich an der Aufrechthaltung der nthigen
Ruhe und Ordnung haben. Ueberdies frchtet man, dass im Fall eines
Krieges mit einer europischen Seemacht Singapore grade jetzt wegen
seiner Befestigungen der Beschiessung und Zerstrung durch feindliche
Schiffe ausgesetzt sein wrde.

       *       *       *       *       *

In der oben (S. 82) erwhnten Kronik (Journ. Ind. Arch. 1854, S. 585)
heisst es:

    .... Zu jener Zeit wagte kein Sterblicher durch die Strasse von
    Singapore zu fahren, selbst Djins (Genien) und Teufel frchteten
    sich, denn dies war der Ort, den die Seeruber benutzten, um dort zu
    schlafen und nach einem glcklichen Angriff auf die Prauen oder
    Boote eines Schiffes ihre Beute zu theilen. Dort brachten sie auch
    ihre Gefangenen um, und sie selbst bekmpften und tdteten sich
    gegenseitig bei ihren Streitigkeiten um Theilung der Beute....

    Was die Seemenschen, Oranglaut, betrifft, welche in Prauen leben, so
    sind sie wie wilde Thiere; wenn sie irgend Jemandem begegnen, so
    rudern sie gewhnlich an's Land; wenn sie aber nicht Gelegenheit
    haben, auf diese Weise zu entkommen, so springen sie ber Bord und
    tauchen wie Fische. Eine halbe Stunde vielleicht bleiben sie unter
    Wasser, worauf sie 100 oder 200 Faden entfernt wieder erscheinen.
    Mnner, Weiber und selbst Kinder sind in dieser Beziehung gleich. Es
    ist unmglich, ihre Bestrzung zu schildern, wenn sie civilisirte
    Menschen erblicken. Ihre Gesichter sehen aus, als wren sie einem
    Tiger begegnet. Mr. Farquhar bemhte sich, sie durch Geschenke von
    Reis, Geld und Kleidern zu ermuthigen, so dass sie bald zutraulich
    wurden; aber einige derer, die keine solche Gelegenheit hatten,
    waren dermaassen von Furcht befangen, dass ihnen unwohl wurde, und
    ein Bursche ertrank Teluk-ayer gegenber ...

    Jeden Morgen pflegte Mr. Farquhar (Raffles' Agent) herumzugehen, um
    das Land zu untersuchen, aber es war mit hohem Walde bedeckt,
    ausgenommen die Mitte der Ebene, wo nur Karmuntink- und
    Sikadudu-Bsche mit einigen Kaladbumen standen, die Seekste war
    bedeckt mit Ambong und Malpari und Aeste davon lagen umhergestreut,
    auf der andern Seite des Flusses stand Mangrove und Seraju mit
    umherliegenden Aesten. Es war nicht ein Fleck guten Landes
    vorhanden, ausser einem Stck, 10 Faden breit, das Uebrige war eine
    Sumpfflche, ausgenommen die Hgel....

    Lngs des ganzen Strandes lagen Hunderte menschlicher Schdel,
    einige alt, andre frisch, deren Haar noch daran sass, einige mit
    noch scharfen Zhnen und andre ohne Zhne, kurz in verschiedenen
    Stufen der Verwesung. Die Seemenschen wurden gefragt, wessen Schdel
    dies seien. Sie antworteten: "Dies sind die Kpfe von Menschen, die
    von den Seerubern erschlagen worden sind. Wo immer diese Leute
    Prauen oder Schiffe angreifen, so kommen sie nach Singapore, um die
    Beute zu theilen. Hier zanken sie sich und tdten einander bei
    Vertheilung des Raubes. Einige ihrer Gefangenen binden sie am Rande
    des Strandes fest und versuchen ihre Waffen an denselben." ...

Ueber die Unterredung mit Tuanko-Long, der heimlich aus Rhiow geholt
worden war, heisst es in der Kronik:

    "Mr. Raffles benahm sich mit grosser Hflichkeit und Hochachtung
    gegen Tuanko-Long. Ersterer begann das Gesprch mit einem Gesicht
    von Lcheln umkrnzt, sehr liebreich und seinen Kopf neigend, kurz,
    sein Benehmen war sss, wie ein Meer von Honig. Wre eines Menschen
    Herz von Stein gewesen, so htte es schmelzen mssen beim Hren der
    sanften, sssen Worte des Mr. Raffles. Seine Stimme war wie
    entzckende Musik und darauf berechnet, Angst und Misstrauen aus den
    innersten Gedanken zu verscheuchen. Wie die tobende See, die gegen
    ein Korallenriff anprallt, sich legt, wie auf den herumschweifenden
    Wind in dunkler, strmischer Nacht stilles, heiteres Wetter mit
    milden, duftigen Lften folgt, im goldenen Licht eines vollen
    Mondes, so war die Wirkung der Aufrichtigkeit und Offenheit Mr.
    Raffles' auf Tuanko-Long. Freude verdrngte pltzlich den Kummer und
    sein Antlitz bergoss sich mit Huld. Sobald Mr. Raffles diese
    Vernderung wahrnahm, stand er auf, ergriff Tuanko-Long bei der
    Hand, fhrte ihn in eine Privat-Kajte, wo sie bei verschlossenen
    Thren zusammen sprachen, so dass Niemand den Gegenstand ihres
    Gesprches kennt. Nachdem sie also einige Zeit eingeschlossen
    gewesen, erschienen sie wieder, beide mit lchelndem Antlitz und
    einander die Hnde gebend."

Darauf landete Raffles mit Tuanko-Long, der immer noch grosse Angst
hatte, dass man ihn als Gefangenen nach Kalkutta bringen wolle. Tuanko
musste seine kostbarsten Kleider anlegen, worauf ihn Raffles im Namen
des General-Guvernrs von Indien zum Knig von Singapore proklamirte,
mit dem Titel "Sultan Mohamed Schah von Singapore und den dazu
gehrenden Buchten, Flssen und Provinzen."

Sobald Tuanko-Long Sultan von Singapore geworden war, trat er es an die
Englische Kompanie ab; er erhielt dafr einen Monatsgehalt von 416-1/4
Dollars, der Tumongong die Hlfte. Spter wurden die Gehalte bezglich
auf 1000 und 700 Dollars erhht.

       *       *       *       *       *

Wie glnzend auch die von Raffles fr seine Schpfung gehegten
Erwartungen sich erfllten, so scheint doch Alles anzudeuten, dass in
den nchsten Jahrzehnten der Verkehr in jenen Meeren sich noch in viel
schnellerem Maasse entwickeln wird als bisher. Und in demselben Maasse
wird auch die Bedeutung von Singapore als Zentralpunkt der dortigen
Schifffahrt zunehmen. Es scheint bestimmt, im fernen Osten ein zweites
Cowes werden zu sollen.[35]

Beim Anblick der bunten, ungewhnlichen Flaggen, die auf der Rhede von
Singapore neben einander wehen, wird man unwillkrlich angeregt zur
Betrachtung der grossen Vernderungen, die in den Lndern des fernen
Ostens in neuester Zeit stattgefunden haben. In Europa erregen sie,
ausgenommen bei den am Seehandel Betheiligten, durchaus nicht die
Aufmerksamkeit, welche ihre der Erschliessung eines neuen Welttheils
gleichkommende Bedeutung verdient. Ein schneller Ueberblick derselben
wird daher gewiss von Interesse sein:

Bei der Grndung Singapores bestand in Vorder-Indien noch das
Privilegium der ostindischen Kompanie, der Handel mit China war ein
Monopol derselben und fand nur unter grossen Beschrnkungen der
chinesischen Regierung statt. Japan,[36] Cochinchina, Anam, Siam, Birma
waren gnzlich, die hollndischen und spanischen Kolonien, ebenso wie
die englischen mehr oder weniger gegen fremde Flaggen verschlossen, und
in den nicht unter europischer Oberhoheit stehenden Malayenlndern
wurde mehr Seeraub als Handel getrieben.

Gegenwrtig ist Vorderindien frei von allen Privilegien und Monopolen
(mit Ausnahme des Opiummonopols) und macht Riesenfortschritte. Nach
Unterdrckung des furchtbaren Militraufstandes hatten die Englnder zu
whlen zwischen dem alten brutalen Mittel, ihre Herrschaft durch
ruinse Militrgewalt aufrecht zu erhalten, und dem khneren,
staatswissenschaftlichen, durch Entwicklung der natrlichen
Hlfsquellen, milde Verwaltung, Schutz des Eigenthums, die Bevlkerung
an sich zu fesseln. Sie whlten das letztere, und der Erfolg ist ein
beispielloser in der Kolonialgeschichte! Eine nach dem Kriege
aufgenommene Anleihe von 100 Millionen wurde hauptschlich auf
grossartige Eisenbahnbauten, Kanalisation, Strassenbau und hnliche
produktive Anlagen verwendet; grosse Gebiete unfruchtbaren
Steppenlandes wurden durch Bewsserung in reichen Kulturboden
verwandelt. In den letzten Jahren vor der Revolution hatte die
Ostindische Kompanie trotz allen Monopolen und drckenden Steuern ein
jhrliches Defizit von 14,000,000  (fast 100 Millionen Thaler); die
schweren Steuern wurden ermssigt und geben seitdem einen viel
grsseren Ertrag, so dass schon 1863 das indische Budget, nachdem 6
Millionen auf Tilgung der Staatsschuld und 31 Millionen auf ffentliche
Bauten (namentlich Strassen) verwendet worden, einen ~Ueberschuss~
ergab!

Nur durch die schnelle Anlage von Verkehrsmitteln war es Indien mglich,
so grossen Vortheil aus der Baumwollenkrisis zu ziehen. Die Indier
fhlen sich jetzt mit Stolz als britische Unterthanen und haben alle
Ursache dazu, da Alle, Weisse und Indier, vor dem Gesetz gleich sind.

Birma, das vor 40 Jahren ein Seegestade von 1200 Miles, von Bengalen bis
Junk-Ceylon besass, hat durch zwei Kriege (1825 und 1852) seine
smmtlichen Kstenprovinzen an die Englnder verloren und ist jetzt ein
ohnmchtiger Binnenstaat. Seitdem haben sich aber Akyab, Bassein und
namentlich Rangun unter liberaler englischer Verwaltung zu wichtigen
Handelspltzen erhoben, durch welche die grosse Reisproduktion des
Irawaddideltas erst ihren normalen Werth im Welthandel findet. Durch
einen 1865 abgeschlossenen Vertrag ist auch der Irawaddi den Europern
geffnet worden, der wohl bald eine der wichtigsten Wasserstrassen der
Welt werden wird, weil er die sdwestlichen Provinzen Chinas direkt mit
dem Meere verbindet. Der aufgeklrte Knig von Siam, durch das Schicksal
Birma's gewarnt, schloss rechtzeitig (1856 und spter) mit den
europischen Mchten Vertrge, die denselben das bisher verschlossene
Land erffneten.

In Cochinchina sind die Franzosen auf ihre Weise bemht, eine Kolonie zu
grnden; sie haben Festungen und Kasernen erbaut und machen durch ihre
Militrmacht ihren Einfluss auf Cambodia und Anam geltend. Ob sie neben
dem Ruhm fr die Idee des Christenthums und der Civilisation gekmpft zu
haben, auch materielle Vortheile erzielen werden, muss die Zukunft
lehren.[37] Jedenfalls wird die Bedeutung Saigons schnell zunehmen, da
es ein usserst fruchtbares Hinterland mit dichter, arbeitsamer
Bevlkerung hat, die bisher allen Rechtsschutzes entbehrte. Auch hier
ist bis jetzt Reis fast der einzige Ausfuhrartikel.

In China sind seit dem Vertrag von Tien-tsin 13 Hfen geffnet (die auf
Hainan und Formosa einbegriffen) und der Verkehr wchst mit reissender
Schnelligkeit.[38] Englische, amerikanische und deutsche Rhederei haben
die Junken fast ganz vom Kstenhandel verdrngt, und tief ins Innere des
Reichs, den Yantsekiang hinauf, dringt amerikanische und englische
Dampfschifffahrt. Spanische, franzsische und hollndische Schiffe,
durch schtzende Tarife in ihren eignen Kolonien verwhnt, scheinen die
freie Konkurrenz nicht ertragen zu knnen, und sind bis jetzt
verhltnissmssig wenig betheiligt. Russland hat an der Mndung des Amur
eine Kolonie errichtet. Alle Versuche Japans, trotz der eingegangenen
Vertrge wieder in seine alte Abgeschlossenheit zurckzukehren, erzielen
das Gegentheil dessen, was sie bezwecken, da jede Vertragsverletzung
neue Zugestndnisse fr die Fremden zur Folge hat. Nur Korea ist noch
ebenso verschlossen wie immer, aber der Unternehmungsgeist der Kaufleute
in Japan, Niutschwang und Nikolajewsk wird dies gewiss nicht viel lnger
dulden. Die Spanier haben in den Philippinen ihre Tarife ermssigt und
neben Manila, dem einzigen Hafen, in welchem bisher der Verkehr mit dem
Auslande gestattet war, vier neue Hfen erffnet: Sual auf Luzon, Yloylo
auf Panay, Cebu auf der gleichnamigen Insel, und Zamboanga auf Mindanao,
Durch die Grndung von Sarawak hat sich auf der N-W.-Kste von Borneo
mit ihrem Antimon- und Kohlenreichthum und ihren Sagowldern ein
betrchtlicher Handel entwickelt und wenn auch Labuan seinen
ursprnglichen Zweck, die Seeruber der Nord- und Westkste in Zaum zu
halten, schlecht erfllt, so wird es durch seine reichen Kohlenlager,
die erst jetzt im Grossen ausgebeutet werden, und fr 2  per ton nach
Singapore und Hongkong geliefert werden knnen, sehr zur Vermehrung der
Dampfschifffahrt beitragen.[39] In Niederlndisch-Indien scheint dem
frher so gepriesenen "Kultur-System", einem genial ausgedachten mit
Konsequenz durchgefhrten System von Regierungsmonopolen im grssten
Maasstabe trotz der bedeutenden Ueberschsse, die es jhrlich dem
Mutterlande lieferte, keine lange Dauer mehr bevorzustehen, da es jetzt
ausgemacht ist, dass die Ueberschsse nur durch die seit Jahren immer
steigenden Kaffeepreise erzielt werden. Fallen die Kaffeepreise, so
fllt das Kultursystem, durch welches bis jetzt europischer
Unternehmungsgeist von dem ausserordentlich reichen Felde, das ihm
Niederlndisch-Indien darbietet, fast gnzlich ausgeschlossen war.
Australiens Bedeutung wchst mit der nur den Goldlndern eigenen
Schnelligkeit, Queensland hat fast die Nordkste erreicht, eine neue
Kolonie wird westlich vom Golf von Carpentaria errichtet; besttigt es
sich, dass das Klima dort weniger ungnstig ist als an andern Punkten
dieser Kste, so wird sie gewiss schnell Bedeutung erlangen.

Erwgt man, dass China mit einer Bevlkerung von mehr als 400
Millionen, Japan mit 50 Millionen, Cochinchina, Anam, Siam, Birma mit
wenigstens 25 Millionen hermetisch verschlossen waren und erst jetzt in
den allgemeinen Weltverkehr hineingezogen worden sind, so lsst sich
wohl voraussehen, dass in jenen Meeren Handel und Schifffahrt einen
Aufschwung nehmen mssen, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist.
Kein Wunder, wenn die Seemchte bemht sind, sich dort neue Sttzpunkte
zu schaffen, um sich einen Antheil an der reichen Ausbeute zu sichern.

Die neue auf gesunden Freihandelsprinzipien gegrndete Kolonialpolitik
hat in jenen Meeren beispiellos glnzende Erfolge erzielt. Statt nach
dem Kriege grosse Gebietsabtretungen zu verlangen, die nur durch
kostspielige Militrverwaltung zu behaupten gewesen wren, begngte man
sich in China, Japan, Siam mit dem Raum zur Errichtung von Kontoren und
Speichern, die den Regierungen nichts kosten als die Besoldung der
Konsulate. Unter solchen Verhltnissen ist Shanghai, an der Mndung des
Yantsekiang, erst 1844 den Europern geffnet, in 20 Jahren der grsste
Handelsplatz von ganz Asien geworden, -- nur London, Liverpool und
Neu-York bertreffen es noch an Tonnenzahl.

So schlagenden Beispielen gegenber kann sich die eiferschtige Monopol-
und Exklusionspolitik, wo sie noch als ein Vermchtniss aus frherer
Zeit besteht, nicht mehr lange halten. Freisinnigere, humanere
Anschauungen kommen immer mehr zur Geltung, und ihnen gehrt die Zukunft
um so sicherer, als nicht Wohlwollen, sondern Eigennutz zu ihrer Annahme
zwingt. Die gegenseitige Eifersucht tritt nur noch da zu Tage, wo es
sich um Grndung neuer Kolonien handelt. Denn obgleich diese in den
ersten Jahren immer grosse Kosten verursachen und gewhnlich, wenn sie
herangewachsen sind, nicht gern die Bevormundung des Mutterstaats
ertragen, so ist ihre Grndung fr diesen dennoch ein grosser Gewinn:
die eingeborne Bevlkerung wird von Anfang an an die Produkte des
Mutterlandes gewhnt; die Schifffahrt des letzteren, seine Industrie,
sein Handel nehmen einen grossen Aufschwung. Die Ansiedler lernen die
Hlfsmittel des Landes, die Produkte, den Geschmack der Eingebornen
kennen und leiten den Handel in eine Bahn, aus welcher fremde Nationen
gewhnlich nur einen geringen Theil abzulenken vermgen.[40]

Die Erwartungen fr die Zukunft gestalten sich aber noch viel
glnzender, wenn man einen zweiten Faktor in Betracht zieht: ein grosser
Theil der Bevlkerung der neu erschlossenen Lnder war unter dem Druck
unbeschrnkter Willkrherrschaft besitzlos. In China hatten Vorurtheil
und die gegen die Auswanderung errichteten Schranken die Arbeitskrfte
der ungeheuren Volksmenge so aufgestaut, dass sie wie in einem
abgeschlossenen See stagnirten und einen so geringen Werth hatten, dass
der angestrengteste Fleiss, verbunden mit der grssten Sparsamkeit und
Gengsamkeit kaum ausreichende Mittel fr das blosse Leben gewhrten.
Wie sehr aber werden Verkehr und Handel zunehmen, wenn diese latenten
Arbeitskrfte durch Auswanderung auf den gnstigsten Boden versetzt,
untersttzt, von europischem Kapital, das immer mehr seine Scheu vor
fernen Unternehmungen verliert, sich dem Anbau von Kolonialprodukten
widmen; dann werden Millionen von Proletariern zu Konsumenten werden.

Alles scheint darauf hinzuweisen, dass die Ausbreitung der Chinesen
wenigstens ber die heissen Lnder der Erde, wo Europer nicht mit ihnen
konkurriren knnen, in den nchsten Jahrzehnten sehr zunehmen wird.
Ueber die indo-chinesische Halbinsel und den indischen Archipel sind sie
schon jetzt zahlreich verbreitet; langsam aber stetig dringen sie in
die Philippinen und in Niederlndisch-Indien ein; die Nordkste von
Australien bietet ihnen ein neues fruchtbares Feld, das ihnen nicht, wie
in Sdaustralien durch europische Kolonisten streitig gemacht werden
drfte. Die Zuckerproduktion von Bourbon ist hauptschlich in Hnden von
Chinesen, die meist von Bombay aus dahin gingen, in Tahiti bauen sie
jetzt Kaffee und Baumwolle. In Westindien haben chinesische Kulis schon
auf vielen Inseln die Negersklaven ersetzt; vielleicht ist ihnen auch in
den Sdstaaten der Union diese wichtige Rolle vorbehalten.

Wie schnell aus einem armen Proletariat ein arbeitsames, wohlhabendes
Volk werden kann, zeigt die neueste Geschichte Vorderindiens auf
glnzende Weise. Von den grossen Reichthmern, welche die
Baumwollenkultur whrend des amerikanischen Krieges nach Indien gebracht
hat, ist oft in den Zeitungen die Rede gewesen (1861: Werth der
Baumwolle: 900,000 ; 1862, obgleich das Quantum kaum grsser war:
1,500,000 ; 1863: 4,300,000  Times, 15. Februar 1864.) Weniger drfte
in Deutschland von den glnzenden Ergebnissen der Theekultur bekannt
geworden sein; sie sind so berraschend, dass ich wenigstens ganz kurz
einige Daten anfhren mchte:

    Nach einem Bericht von Sir Robt. Montgomery (Times, 16. Februar
    1865) bedecken auf den westl. Vorbergen des Himalaya, wo vor 4
    Jahren nicht eine Privatpflanzung bestand, die Theegrten bereits 15
    Quadratmiles, und dehnen sich immer weiter aus. Zwischen den
    Eingebornen und den Englndern besteht jetzt das beste Einvernehmen.
    Erstere, vor wenigen Jahren so arm, dass sie kaum Kleider hatten, um
    ihre Blsse zu bedecken, zhlen jetzt ihre Rupien nach Hunderten.
    Sie sind aus eigenem Antrieb um Errichtung von Schulen eingekommen,
    wo sie englisch lernen knnen, und wollen die Hlfte der Kosten
    tragen. Allein im Kangsathal bauen 47 Drfer Thee. Immer mehr
    verbreitet sich der Theebau auf den Bergen, der Tabaksbau in den
    Ebenen, in kleinen von den Eingebornen angelegten Grten und bringt
    allgemeinen Wohlstand unter die Bevlkerung. Diese Distrikte, die
    frher der Regierung bedeutende Unkosten machten, gewhren ihr jetzt
    grosse Einknfte. Sehr viel bedeutender ist aber die Entwicklung der
    Theekultur im stlichen Himalaya und in Assam (wo die Pflanze
    einheimisch ist).

    Nassau Lees sagt in seinem aus amtlichen Quellen hervorgangenen
    Buch: "Tea Cultivation, Cotton and other agricultural experiments in
    India": Im Jahre 1862 vertheilte die Regierung gratis 89 Tons (=
    199,360 lb. Engl.) Theesamen und 2,400,000 Smlinge, und doch deckte
    diese ungeheure Menge nicht entfernt die Nachfrage.... Er fgt die
    Bemerkung hinzu, die in der englischen Verwaltung jetzt als
    Grundsatz gilt: Sobald der Privatunternehmungsgeist einmal
    ordentlich von irgend einem Felde kaufmnnischer Spekulation Besitz
    ergriffen, hat die Regierung nichts mehr dort zu schaffen. Das
    System der Aufmunterung ist sehr gut fr den Anfang -- es kann aber
    zu weit getrieben werden. Wrden z. B. durch das Versprechen
    kostenfreier Lieferung von Theesamen und -Smlingen zu viele
    Personen pltzlich zu Theeunternehmungen veranlasst, so knnten sehr
    ernste Verwickelungen auf dem Arbeitsmarkt im westlichen Indien
    stattfinden.

Es tauchen oft Plne auf zur Kolonisation tropischer Lnder durch
Europer. Fr Bemittelte, die Pflanzungen mit Eingebornen
bewirthschaften und Produkte fr den europischen Markt bauen wollen,
giebt es in Ostasien noch ein grosses, hchst ergiebiges Feld, um bei
materiellem Wohlleben ein Vermgen, im glcklichen Falle sogar
Reichthmer zu erwerben. Ganz besonders lockende Aussichten erffnet
ihnen die Kaffee- und Theekultur, die in ziemlicher Meereshhe betrieben
wird, ihnen also auch in klimatischer Beziehung zusagt. Fr Auswanderer
im gewhnlichen Sinne aber ist dort nichts zu machen. Den Ackerbau
versagt ihnen schon das Klima und als Handwerker oder Kleinhndler
knnen sie unmglich gegen die Chinesen aufkommen, die an Fleiss,
Mssigkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, unermdlicher Ausdauer und
rcksichtslosem Streben nach Gewinn die Europer so sehr bertreffen.
Fast alle Eigenschaften, die die Juden auszeichnen, besitzen die
Chinesen in noch hherem Maasse; auch darin sind sie ihnen hnlich, dass
sie sich ber alle Lnder verbreiten, sich unter allen Regierungen wohl
fhlen, immer zu einander halten und sich berall durch Reichthum eine
hervorragende Stellung zu erringen wissen. Wie die Juden keinen Staat,
so knnen die Chinesen keine Kolonien grnden.

Vor 25 Jahren ging der einzige Weg nach Indien um das Kap der guten
Hoffnung. Um dieselbe Zeit, wo die erste transatlantische Linie versucht
wurde (1838), miethete eine Gesellschaft von Privatleuten einige
Dampfboote, um einen regelmssigen Dienst zwischen England, Lissabon und
Gibraltar einzurichten. Sie verlor 500  an jeder Reise, erhielt 1840,
als ihre Verluste bereits 30,000  betrugen, Korporationsrechte und den
Postdienst nach Indien und jenseits. Dies ist der Ursprung der mchtigen
Gesellschaft, deren Schiffe jetzt die Post fr die iberische Halbinsel,
das Mittelmeer, Indien, China, Japan, Australien besorgen. Sie erhalten
dafr jhrlich ungefhr 500,000  Subvention von der englischen
Regierung.[41] Die sehr hohe Subvention hielt bis vor Kurzem alle
Konkurrenz ab, so dass die Kompanie thatschlich ein Monopol besass,
dessen Uebelstnde dem Publikum sehr fhlbar waren. Erst vor wenigen
Jahren erffnete die franzsische Gesellschaft der Messageries
impriales eine Konkurrenzlinie, wodurch die bisher so hohen Preise der
Peninsular- und Oriental-Company um etwa 20% fielen. Auch sind die
Schiffe seitdem nicht mehr so berfllt und die Behandlung der
Passagiere ist rcksichtsvoller. Allem Anschein nach wird sich die neue
Linie neben der alten halten knnen, da die Berichte ber ihren Betrieb
sehr gnstig lauten. Nach dem Economist, 10. Juni 1865, hat im letzten
Jahr ihr Verkehr in China und Indien an Gtern um 26-1/2%, an
Passagieren 18%, an Kontanten 62% zugenommen.

Jetzt gehen regelmssige Dampferlinien von Singapore direkt nach
Malacca, Penang, Siam, Cochinchina, China, Borneo, Batavia, Ceylon,
engl. Birma, Vorderindien, dem rothen Meer und durch Anschluss nach
Europa, sowie nach den Mascarenen, Niederlndisch-Indien, Australien,
Japan. Eine neue Linie zwischen China, Japan, Sandwichsinseln und
Californien ist soeben von der Regierung der Vereinigten Staaten
genehmigt und mit einem bedeutenden jhrlichen Zuschuss ausgestattet
worden. Fr Australien besteht bis jetzt nur eine Verbindung zwischen
seinen sdlichen Kolonien und Ceylon, die fr Singapore keine Bedeutung
hat. Aber wohl bald wird eine Linie durch die Torresstrasse im Anschluss
an die niederlndisch-indische, nthig werden.

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[1] Annhernd ist ein Gegenstand so viele Seemeilen ber dem
Horizonte sichtbar, als die Quadratwurzel seiner Hhe in englischen
Fuss betrgt. (Raper's Navig. pg. 374.)

[2] Der als Romanschriftsteller bekannte Kapitn Marryat ist der
Erfinder dieser Telegraphie, die trotz ihrer Mngel so grosse
Dienste leistet, dass bald nach ihrem Bekanntwerden die franzsische
Regierung eine Verordnung erlassen hat, kraft welcher die
Versicherung aller nicht mit diesem Verkehrsmittel versehenen
Schiffe fr ungltig erklrt wird. Jetzt drfte wohl kaum noch ein
europisches Schiff ohne Marryat's Signal-System anzutreffen sein.

Der Apparat besteht aus 15 Flaggen: 10 fr die Zahlen bis 9, 5
Indexflaggen; und dem Signalbuch. Dieses zerfllt in 6 Abtheilungen
und enthlt 1. Liste der englischen Kriegsschiffe; 2. Liste der
brigen Kriegsschiffe; 3. Liste der Kauffartheischiffe aller
Nationen; 4. Leuchtthrme, Hfen, Vorgebirge, Klippen u. s. w.;
5. Auswahl von gebruchlichen Stzen und Gesprchen; 6. Wrterbuch.
Fnf Abtheilungen werden durch die betreffenden fnf Indexflaggen,
die sechste durch das Fehlen einer solchen bezeichnet. Der Inhalt
jeder Abtheilung ist alphabetisch geordnet; jeder einzelne Posten
hat eine Zahl, deren Reihenfolge jener alphabetischen Anordnung
entspricht. Zahlen, in denen eine Ziffer doppelt vorkommt, werden in
diesen Reihen bersprungen, weil man sonst 20 statt 10 Zahlenflaggen
haben msste; doch hat man Mittel fr besondere Flle jede Zahl
auszudrcken.

In den ersten 4 Abtheilungen bleibt die alphabetische Reihenfolge in
allen Sprachen dieselbe; aber nicht in Abtheilung 5 und 6. Daher
sind bei Uebertragung in fremde Sprachen in diesen beiden
Abtheilungen die Stze einmal dem englischen Signalbuch entsprechend
numerisch, und einmal alphabetisch nach der fremden Sprache
geordnet; will man sprechen, so benutzt man diese, empfngt man eine
Antwort, so benutzt man jene Anordnung. Am interessantesten und
wichtigsten ist Abtheilung 5. Sie enthlt Kompass-Richtungen,
Signale, deren sich Lootsen und Lloyd's-Agenten bedienen, um
Schiffen, die in Noth sind, Befehle zu geben, Gesprche zum
allgemeinen Gebrauch, desgl. fr Schiffe, die sich auf See begegnen,
Convoi- und Eskort-Signale u. s. w. Dies ist wohl das Wesentliche
dieser Universalsprache.

[3] Einige Male bei sehr hoher See versuchte ich mit dem Kapitn die
Hhe der Wellen zu schtzen. Wir wussten, dass sie immer hher
erscheinen als sie sind und nahmen darauf Rcksicht; dennoch
glaubten wir einmal ihre Hhe nicht unter 22 bis 24' annehmen zu
drfen. Als wir aber nachmassen, so weit dies berhaupt mglich ist,
fanden wir nur 18'. Die Art, die Hhe zu bestimmen, ist in Raper's
Navig. 5th. edit. pag. 179 angegeben, wo auch mehrere von berhmten
Seefahrern gemessene Wellenhhen angefhrt sind; die grsste ist die
von Sir Jas. C. Ross im Nordatlantischen Ozean beobachtete von 36
Fuss.

[4] Die Geschwindigkeit des Schiffes wird durch das Log bestimmt,
die Richtung durch den Kompass. Aus dem Abgangsort, der Richtung und
der Geschwindigkeit ergiebt sich unter Bercksichtigung
verschiedener Korrektionen der Ort des Schiffs. Das Log besteht aus
einem beschwerten Brettchen an einer Leine mit Knoten. Es wird
gewhnlich alle 2 Stunden ausgeworfen und bleibt auf dem Wasser
liegen, whrend die Leine durch die Fortbewegung des Schiffes von
einer Haspel abrollt. Sobald der Nullpunkt der Leine, ein bunter
Lappen, das Wasser berhrt, wird eine kleine Sanduhr umgedreht; ist
sie abgelaufen, so zieht man die Logleine ein und zhlt die
abgelaufenen Knoten. Die Lnge zwischen 2 Knoten verhlt sich zur
Lnge einer Meile, wie die Zeit, in welcher die Sanduhr abluft zu
einer Stunde. Setzt man die Seemeile = 6080', und die Sanduhr = 30
Sek., so hat man: Lnge eines Knoten: 6080 = 30:3600 = 50-2/3' und
so viel Meilen in der Stunde, als Knoten in 30 Sekunden. Obige
Methode, den Ort eines Schiffes zu bestimmen, heisst Gissung (Dead
Reckoning), sie ist aus vielen Grnden sehr unvollkommen, weshalb
zur Berichtigung auch astronomische Ortsbestimmungen gemacht werden
mssen. Zu dem Zwecke wird die geographische Breite jeden Mittag
durch eine sehr leichte Beobachtung der Sonnenhhe und einfache
Rechnung gefunden. Lngenbestimmungen aber sind besonders zur See so
schwierig und unsicher, dass sie von Handelsschiffen fast nie
angestellt werden; diese schliessen auf die Lnge aus der Differenz
zwischen der Zeit des Chronometers und der Ortszeit, die auf jedem
ordentlichen Schiff einmal tglich durch Beobachtung gefunden wird;
so dass also die annhernde Richtigkeit der Lnge ganz von der
Zuverlssigkeit des Chronometers abhngt. Kriegsschiffe, die immer
mehrere gute Chronometer mitfhren und Mittel zu genaueren
Beobachtungen haben, pflegen unaufgefordert Lnge und Breite auf
eine Tafel zu schreiben und sie vorber segelnden Schiffen
entgegenzuhalten, damit diese ihre eigene Rechnung prfen und
berichtigen knnen.

[5] Der Sdwest-Monsun fngt hier gewhnlich Mitte oder Ende April
an und dauert bis Mitte Oktober. Am bestndigsten ist er im Juni,
Juli, August. Der Nordost-Monsun beginnt im nrdlichen Theil der
Chinasee Ende September oder Anfang Oktober, aber im sdlichen Theil
dieser See wird er selten vor November bestndig. Den grssten Theil
des Oktobers herrschen leichte wechselnde Winde. Am krftigsten und
anhaltendsten ist er im Dezember und Januar.

[6] Vielleicht auch nur mit gelbem Ocker. Gelb ist die festliche,
die Gallafarbe in ganz Ost-Asien. Javanische Brautleute reiben sich
den Krper mit gelbem Turmerikpulver ein, die Leibgarde des
Javanischen Kaisers aus Billigkeitsrcksichten mit gelbem Ocker. In
China darf ausser der kaiserlichen Familie kein Mensch in seiner
Wohnung oder in seiner Kleidung Gelb gebrauchen oder auf gelbes
Papier schreiben. Die kleinen Prinzessinnen von Siam wurden, bevor
sie sich von mir photographiren liessen, mit Turmerik eingerieben,
das ebenso wie der Reispuder der Pariserinnen, den Teint verschnert
und die Haut erfrischt. Es ist auch ein guter Schutz gegen
Hitzpickel. Die Hauptverwendung findet der Turmerik (Curcuma sp.
div.) in der Kche zu Kurries; in Europa dient er bekanntlich in der
Frberei zur Herstellung einer ebenso schnen, als flchtigen Farbe
und zur Bereitung von Reagenzpapier.

[7] Die Punka findet man nur in den englischen Kolonien, wo sie als
sehr zutrglich fr die Gesundheit gilt. Die Hollnder auf Java
frchten den angenehmen Luftzug und behaupten, nur John Bull's
dicker Schdel knne ihn vertragen. Dagegen sitzen die Hollnder,
Mnner wie Frauen, unbedeckten Hauptes im Freien und geniessen die
khle Abendluft, die in Singapore so gefrchtet wird, dass man
selbst nicht gern mit blossem Kopf auf den Balkon hinaustritt. So
hat jedes Land seinen Aberglauben.

[8] Der englische General-Konsul in Rotterdam sagt in seinem
Bericht ber den Handel von Niederlndisch-Indien von 1861 in Bezug
auf die Gewrze Muskat und Nelken: "Die jhrliche Auktion der
Handels-Gesellschaft ergab niedrigere Preise, als je erhrt waren.
Dies Ergebniss war ein neuer Beweis, dass das jhrlich produzirte
Quantum in gar keinem Verhltniss steht zur stetig abnehmenden
Nachfrage ... Whrend der letzten 10 Jahre sind die Preise stetig
gefallen."

[9] Kohl fhrt etwas ganz Aehnliches aus Ungarn an: "Der sehr reiche
Palast des Frsten S. in Zinkendorf wird nie verschlossen, trotz des
bedeutenden Silberschatzes. Wie dies mit der sonst so allgemeinen
Unsicherheit und den dagegen angewandten Vorsichtsmaasregeln zu
vereinigen sei, weiss ich nicht."

[10] Diese interessante Pflanze ist ber ganz Indien so verbreitet,
dass ihre Abstammung aus Amerika erst in neuerer Zeit festgestellt
worden ist. Ueber ihre oben angefhrten auffallenden Eigenschaften
finden sich interessante Thatsachen in: Browne's Nat. hist. of
Jamaica p. 360, der zuerst darauf aufmerksam gemacht zu haben
scheint; Heber's useful plants of India 113, der Wight's
Illustrations of ind. bot. II 36 und Dr. Holder in Memoirs of the
Wernerian soc. III citirt; Hooker's bot. Mag. 2898. -- Humboldt hat
im Thale von Aragua besttigende Untersuchungen angestellt;
sonderbarer Weise ist aber gerade in Venezuela, wie mir Prof.
Karsten mittheilt, von den erwhnten Eigenschaften der Pflanze
nichts bekannt, whrend in Barbados und Jamaica nach obigen Angaben
ebenso wie in Singapore diese Eigenschaften so allgemein gekannt
sind, dass sie hufig fr wirthschaftliche Zwecke benutzt werden.

Die von Vauquelin analysirten Proben (Hooker's bot. Mag.) stammten
aus Ile de France, die eine war zum Behuf des Transports nach Europa
durch Abdampfen eingetrocknet, die andere mit einer gleichen Menge
Rum vermischt worden. "Die Aehnlichkeit des Papaya-Safts mit
thierischen Substanzen ist so gross, dass man einen Betrug vermuthen
mchte." Vauq.

Physiologen, welche die auffallenden Wirkungen auf die Muskelfaser
nher untersuchen wollen, wrden wohl am besten thun, sich gengende
Mengen des frischen Saftes in hermetisch verschlossenen Flaschen
oder Bchsen, nach Appert's Methode konservirt, kommen zu lassen;
die beste Bezugsquelle drften die westindischen Inseln sein, wo man
in der Kunst des Konservirens durch das geschftsmssig betriebene
Einmachen der Ananas wohl gebt, und die Pflanze allgemein
verbreitet ist. -- Diese befindet sich brigens auch in allen
botanischen Grten, aber gewhnlich nur in verkmmerten Exemplaren.

[11] Besonders aber in neu entdeckten Goldlndern, wo unzubereitete
Nahrungsmittel, weil sie voluminser sind, durch die sehr hohen
Transportkosten, die oft 1 Dollar per lb. betragen, viel theurer
werden als fertig bereitete, und wo es berdies an Hnden und
Einrichtungen zur Zubereitung mangelt. Wenn die Goldgrber keine
andre Spuren zurckliessen, so knnte man ihre Stationen an den
umherliegenden leeren Blechbchsen erkennen.

[12] In New harbour sind immer grosse Niederlagen von englischer,
australischer und Borneo-Kohle. Die Kohlen von Australien und Borneo
knnen bei den jetzigen Heizeinrichtungen nur mit englischer
gemischt, verbrannt werden. Die Preise sind gegenwrtig (1864):
englische 8 bis 9 Dollars, Borneo 5 bis 6, australische 4 bis 5
Dollars per Ton von 20 Ctr. engl, oder ungefhr 2000 Zollpfund. --
In Berlin kostet die Last = 18 Tonnen = 72 Scheffel = ca. 6000 Pfd.
15 bis 20 Thaler, also ca. 5 bis 7 Thaler per engl. Ton.

[13] Diese Laternen bestehen aus einem mit sehr feinem festem
Papiere berzogenen, melonenfrmigen Gerst von sehr feinen
Bambussplitten. Das Papier ist mit durchsichtiger Gallerte getrnkt,
einem Absud der Alge Agar-agar (Plocaria tenax und P. candida), die
auf allen felsigen Ksten des Archipels wchst und in grosser Menge
von den klugen Chinesen importirt wird, whrend sie in Europa so gut
wie unbekannt ist. Sie vertritt in mancher Hinsicht die Stelle der
Hausenblase und des Dextrins, giebt ein schmackhaftes Gelee und
vorzgliche Appretur fr Seidenzeuge und kostet in Singapore selten
mehr als 1 Dollar per Pikul. -- Schon 1859 importirte Shanghai
allein 150000 Pikul. Die im atlantischen Ozean sehr hufige
verwandte Gattung Chondros liefert das offizinelle Karagen.

[14] Der Reis, Oriza, vom arabischen eruz, ist das
Hauptnahrungsmittel aller zivilisirten Vlker Ostasiens. Die weniger
vorgeschrittenen mssen sich mit einer leichter zu erlangenden, wenn
auch noch stickstoffrmeren Kost (Sago u. s. w.) begngen. Man hat
berechnet, dass der Reis das Hauptnahrungsmittel der Hlfte des
Menschengeschlechtes sei. In Asien ist er seit den ltesten Zeiten
bekannt; die Araber brachten ihn nach Spanien und Italien, wo er
noch jetzt mit Erfolg gebaut wird. In Amerika wurde er erst Ende des
17ten oder Anfangs des 18ten Jahrhunderts zufllig eingefhrt, fand
aber in den sdlichen Staaten der Union Klima und Boden so gnstig,
dass der Reis von Carolina bald fr den besten von allen Sorten
galt. Die dort bliche Art des Reisbaues weicht von der indischen
besonders darin ab, dass man die Felder abwechselnd trocken und
berschwemmt hlt. Die dadurch erzeugten Miasmen sind so
lebensgefhrlich, dass die zur Arbeit in den Reisfeldern verwendeten
Sklaven sehr schnell erlagen und durch frische ersetzt werden
mussten. Singapore baut gar keinen Reis, da es aber im Mittelpunkt
der Reis erzeugenden und Reis verzehrenden Lnder liegt, so ist es
ein Stapelplatz fr diesen wichtigen Handelsartikel geworden, der
hier hufig billiger als in den Produktionslndern ist.

Dass von einer so lange kultivirten, so weit verbreiteten
Nutzpflanze viele Abarten entstanden sein mssen, lsst sich
erwarten. In einer ffentlichen Sammlung in Manila waren 60
angeblich verschiedene, in den Philippinen gebaute, Abarten
ausgestellt; fast ebensoviel rechnet man in Java. Nach Porter lassen
sich aber alle auf 4 Arten zurckfhren, die vielleicht selbst nur
Varietten einer Art sind: O. sativa und praecox, beide Sumpfreis;
letzterer reift 2 Monate frher als ersterer, 4 Monate nach dem
Umpflanzen, steht ihm aber an Gte und Ertrag nach. O. montana,
Bergreis, der trocken wchst, oft in betrchtlicher Meereshhe und
in hheren Breiten, und viel mehr Klte vertragen kann als der
Sumpfreis, weshalb man mehrere mal versucht hat, ihn in England
einzufhren, bisher aber ohne Erfolg, da er zwar reichlich Bltter,
aber keine Krner giebt; Porter fhrt zwar einen einzelnen Fall an,
wo man bei Windsor reife Aehren erhielt. Endlich O. glutinosa,
Kleber-Reis, der nass und trocken wchst, aber wenig gebaut zu
werden scheint. Er wird namentlich zu verschiedenen Gebcken (kweh)
verwendet.

[15] St. John, Far East II 254 meint, dass die Eingebornen von Bruni
durchaus keinen Geruchssinn haben, weil sie faules Fleisch, faule
Eier und faule Fische essen. Die Bewohner von Luzon haben aber einen
so sehr ausgebildeten Geruchssinn, dass sie z. B. in einer grsseren
Gesellschaft durch das Beriechen der Taschentcher die Eigenthmer
derselben zu erkennen vermgen und dennoch essen sie gern faules
Fleisch u. s. w.; wahrscheinlich, weil es ihnen gut schmeckt, so wie
viele Europer stinkenden Kse und stinkendes Wild essen. Der
Begriff des Gestanks ist relativ: bei einem feinen Diner in
Singapore wurde mir die Butter ganz besonders angepriesen, "weil sie
einen sehr starken Fassgeschmack hatte."

[16] Auch dies hat sich bereits gendert, wenigstens in China. Aus
dem Bericht des britischen Konsuls Robertson, Canton 1864, ergiebt
sich, dass nicht nur die Kstenschifffahrt und der Einfuhrhandel
immer mehr in die Hnde der Chinesen bergehen, sondern dass auch
der Ausfuhrhandel dieselbe Bahn einschlgt. Bereits haben
chinesische Firmen aus Fu-tschau und andern Orten bedeutende
Theesendungen direkt nach England gemacht, und sogar im vorigen Jahr
(1863), whrend alle andren Firmen auf den europischen Mrkten
bedeutende Verluste erlitten, Gewinne erzielt, weil sie mit viel
grsserem Vortheil einkaufen und verkaufen knnen, ihr Geschft mit
geringeren Unkosten betreiben, mit mssigerem Gewinn vorlieb nehmen,
und fr eigene Rechnung statt fr Rechnung ihrer Kommittenten
handeln. "Wenn sie sich auf dieser neuen Bahn erst sicher fhlen,
und Bankkredite erhalten, so wird es fr Europer hoffnungslos sein,
gegen sie zu konkurriren."

[17] So nennt man einen harten Kalkmergel mit Eiseninfiltrationen,
die auf der helleren Grundmasse allerlei Figuren von Burgen, Ruinen
u. s. w. darstellen.

[18] Rumph, Kruydboek V. 97: "gewhnlich 60-100 Faden lang, ja in
einigen Lndern hat man 200-300 Faden lange gemessen" (1 Faden =
6').

[19] Die Overl. Free Press, 8. Jan. 1864, giebt nach dem Java
Courant eine Uebersicht der in Java und den brigen hollndischen
Besitzungen im Archipel durch andre als natrliche Ursachen
vorgekommenen Todesflle. Die Gesammtzahl der durch Tiger Getdteten
wird darin fr Java auf 148 angegeben. Die Richtigkeit der Zahlen
vorausgesetzt, wre dies unter Bercksichtigung der beiderseitigen
Bevlkerungen nur 1/300 so viel als in Singapore. Wren diese
Unglcksflle in Java verhltnissmssig so hufig wie in Singapore,
so mssten jhrlich dort 44,000 Menschen den Tigern zur Beute
fallen. -- Die Tabelle enthlt auch noch andre interessante Data:

                        Java und        Andere
  Ursache des Todes.     Madura.     Besitzungen.    Total.

  Blitz                      356            10        366
  Ertrinken                  948           173       1121
  Sturz von Bumen etc.      431            73        504
  Tiger                      148           151        299
  Rhinozeros                   4            --          4
  Krokodile                   49           125        174
  Bffel                       6            --          6
  Schlangen                   43             3         46
  Selbstmord                 127            38        165
  Andre Unflle              393           136        529
                            2505           709       3214.

"Nach einer Angabe der Posener Provinzialbltter wurden im
Regierungsbezirk Posen vom 1. Sept. 1815 bis Ende Februar 1816, 41
Wlfe erlegt, und noch im Jahre 1819 im Kreise Wongrowitz 16 Kinder
und 3 Erwachsene von Wlfen gefressen." (Freytag, neue Bilder aus
dem Leben des deutschen Volkes 1862, pg. 402.)

Die Einwohnerzahl im Kreise Wongrowitz betrug 1818 nach
Ortschaftsverzeichnissen des statistischen Bureaus: 26290; fr 1819
kann sie schon wegen der geringen damaligen Volksbewegung nicht sehr
davon verschieden gewesen sein. Nimmt man an, dass in Singapore
tglich ein Mensch von Tigern gefressen wird, so giebt dies 180 fr
6 Monat auf eine Bevlkerung von 100,000 oder 47,7 auf eine
Volksmenge gleich der im Kreise Wongrowitz, selbst wenn man diese
auf 26,500 schtzt; so dass in letzterem noch 1819 mehr als 2/5 so
viel Menschen von Wlfen gefressen wurden, als gegenwrtig in
Singapore von Tigern.

[20] In neuester Zeit angeblich sogar 100 Ds.

[21] Der Beweis ist jetzt geliefert worden; denn nach Cameron (Our
tropical possessions pg. 96) fand man eines Morgens in Netzen, die
in der Meerenge lngs der Kste von Singapore aufgestellt waren,
eine Tigerin verstrickt und fast ertrunken. Von Singapore konnte sie
nicht hergekommen sein, da ganze Reihen dem Lande nher
aufgestellter Netze unversehrt waren.

[22] Doch ist dieser Punkt noch nicht gengend aufgeklrt. Smeathman
und andre nach ihm erzhlen von einem Knig in der Kammer der
Knigin.

[23] Das Manch'sche System, das durch Hooibrenk in den letzten
Jahren in Europa so grosses Aufsehen gemacht, war also bei den
chinesischen Gambirpflanzern schon lange in Anwendung.

[24] Die Borneo-Kompanie hat neuerdings Sagofabriken unter Leitung
eines europischen Ingenieurs in Borneo angelegt, wo das Fabrikat an
Ort und Stelle zur Ausfuhr nach Europa fertig gemacht wird.

[25] Die Art der Gewinnung ist in Johnston's vortrefflichem Buch
"Chemistry of common life" nach Dr. Eatwell ausfhrlich beschrieben
und mit Abbildungen versehen, ohne Abbildungen auch in v. Bibra:
"Die narkotischen Genussmittel." ...

[26] Das Verfahren ist ausfhrlich beschrieben von Dr. Little,
Journ. Ind. Arch. II, eine Uebersetzung davon giebt v. Bibra.

[27] 762,5 bis 915 Ds. per Kiste von 140 Katti; 6-1/2 bis 8 Thlr.
per Zollpfund.

[28] Im Budget Estimate 1864/65 war die Einnahme fr Opium auf
8,200,000 , die Ausgabe auf 2,254,161  veranschlagt; man hatte
also bei diesem Geschft einen Reingewinn von 5,945,839  (ber 40
Millionen Thaler) erwartet. Der wirkliche Gewinn war: 1861/62
4,909,804 , 1862/63 6,199,198 , 1863/64 4,525,506 .

[29] "Die Mglichkeit einer chronischen Opiumvergiftung ist eine
ber allem Zweifel erhabene Thatsache. Hammer bezeichnet die
Liebhaber des Opiums als wankend und schwankend, blass, abgezehrt,
mit gestrecktem Halse, entscharrten Leichnamen hnlich ...
Oppenheim: Die Thtigkeit der Verdauungsorgane liegt ganz darnieder,
die Stuhlentleerung anfangs ungemein trge, oft in Intervallen von
8-14 Tagen erfolgend; spter macht sie der Diarrhoe und Dysenterie
Platz. Die krperlichen und geistigen Krfte und Fhigkeiten gehen
einem raschen Verfall entgegen. Schwindel, Kopfschmerz, Neuralgien,
Zittern der Gliedmaassen, Schlaflosigkeit, manchmal eine Art
Delirium tremens, Bldsinn, allgemeine Paralyse, Impotenz, auch
Blasen- und Nierenleiden stellen sich ein, und einem allmlig sich
entwickelnden Leiden der Lunge und des Herzens erliegen die
Opiumesser frher oder spter." (Husemann, Toxicologie S. 609.)

[30] Dieselben Listen ergeben folgende interessante Thatsachen. Das
Opium kommt fast ausschliesslich aus der Trkei, aus Britisch-Indien
nichts. Das meiste geht nach den Vereinigten Staaten und Holland.
Von 110,101 lb., die 1863 exportirt wurden, gingen 40,641 nach den
Vereinigten Staaten, 28,869 lb. nach Holland, das Transit-Opium,
104,756 lb., nahmen diese beiden Lnder ausschliesslich, Vereinigte
Staaten 93,316 und Holland 11,440 lb.. (Das nach Holland verschiffte
Opium geht nach Java.)

[31] Dr. Thudichum giebt folgenden interessanten Aufschluss ber die
in einer Landstadt von Lincolnshire jhrlich verkaufte Menge Opium:
"Sieben Drogisten in der Stadt Spalding verkaufen 27 Stein 3-1/2
Pfund Opium (= 436 Zollpfund) zum Theil in der Form von Laudanum.
Die Stadt nebst dem von den Drogisten versehenen Gebiet hat 21,000
Einwohner. Dies ergiebt einen Opiumverbrauch von 127 Gran per Kopf
und Jahr. Eine geringe Menge des Opiums wird fr die Schafe whrend
des Lmmerns verwendet. Rechnet man 27 Gran von je 127 Gran zur
Deckung dieses Bedarfs, was wahrscheinlich eine bertriebene Annahme
ist, so ergiebt sich das erschreckende Verhltniss, dass der
Opiumverbrauch im Gebiet von Spalding ungefhr 100 Gran jhrlich fr
jedes Individuum der Bevlkerung betrgt. Opium wird von den
Erwachsenen gegessen und den Kindern eingegeben. Die Sterblichkeit
der Kinder betrgt in diesem Distrikt 21,845, whrend sie in ganz
England 17,731 von 100,000 Lebenden betrug. Die Bevlkerung war in
den letzten 10 Jahren im Abnehmen. Obige Menge Opium enthlt nicht
die von Aerzten verwendete Menge. Die Daten ber die in Spalding
verkauften Quantitten Opium sind von Dr. Morris aus Spalding
gesammelt und mir mitgetheilt worden."

[32] An einer andern Stelle behauptet de Quincey sogar, 12,000
Tropfen tglich genommen zu haben. Das wre mehr als ein und ein
Zehntel Zollpfund! -- Nach dem Formulaire d. P. rechnet man das
Gewicht von 20 Tropfen Laudanum, 75 bis 110 cgr., nimmt man als
Mittel 92,5 cgr., so erhlt man 555 Gramm!

[33] Das letzte Straits' Blaubuch weist fr das Jahr 1864/65
abermals eine bedeutende Zunahme des Handels von Singapore nach,
dessen Werth jetzt auf 13,000,000  veranschlagt werden kann. Die
Einfuhr ist auf 66,182,177 Rupien (= 44,121,450 Thaler), die Ausfuhr
auf 66,339,578 Rupien (= 44,226,385 Thaler) geschtzt worden, ein
Fortschritt gegen 1863/64 von 2,712,123 Rup. bei der Einfuhr, und
von 12,363,140 bei der Ausfuhr. Die Anzahl der in Singapore
eingelaufenen grossen Schiffe (square rigged vessels) betrug
1864/65: 1697 von 780,794 Tonnengehalt, 250 Schiffe und 152,226
Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der von Singapore 1864/65
ausgelaufenen grossen Schiffe betrug 1629 von 576,527 Tonnengehalt,
116 Schiffe und 16,453 Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der die
Hfen von Singapore, Pinang und Malacca besuchenden britischen
Schiffe hat kaum zugenommen gegen das vorige Jahr; aber die Zahl der
unter Hamburger und Bremer Flagge fahrenden hat sich mehr als
verdoppelt ... "Es ist bemerkenswerth, dass ein Achtel der
angekommenen und ein Neuntel der ausgelaufenen Schiffe unter
deutschen Flaggen fuhren." (Wenn die in den Listen enthaltenen
Zahlen richtig abgedruckt sind, so berechnet sich die Anzahl der
eingelaufenen deutschen Schiffe fast auf 1/6 der Gesammtzahl,
nmlich 271 von 1697, und wenn man 17 streichische Schiffe nicht
mitrechnet, auf 1/63/4 ... Ebenso berechnet sich die Zahl der
ausgelaufenen auf 1/71/2, und wenn man 10 streichische nicht
mitrechnet, auf 1/8 der Gesammtzahl, nmlich 216 resp. 206 von
1629 ... Unter britischer Flagge liefen 860 ein, 873 aus.)

[34] Eine schmale Meerenge trennt Rhiow vom eigentlichen Bintang.

[35] Bekanntlich erfahren viele der nach monatelanger Reise in
Europa anlangenden Schiffe erst in der engen Strasse zwischen
England und der Insel Wight ihre schliessliche Bestimmung. Ohne dass
sie ihre Fahrt zu unterbrechen oder ein Boot an's Land zu senden
brauchten, theilt ihnen der Agent ihres Rheders gewhnlich von
~Cowes~ aus durch Flaggensignale mit, nach welchem Hafen sie steuern
sollen, um ihre Ladung auf den vortheilhaftesten Markt zu bringen.
Daher kehren die meisten Schiffe aus Ost-Asien mit der Bestimmung
"Cowes for orders" heim.

[36] Nur 2 hollndische Schiffe durften jhrlich zwischen Decima und
Batavia verkehren.

[37] Es ist auffallend, wie wenig Franzosen bis jetzt als grosse
Kaufleute in Ostasien vorhanden sind. -- In Singapore befindet sich
nur ein einziges franzsisches Haus von einiger Bedeutung.
Englnder, Amerikaner und Deutsche sind es, die an der Spitze aller
grossen Handelshuser stehen. In Saigon ist der Handel hauptschlich
in Hnden der Chinesen. Die grssten ~europischen~ Handelshuser
daselbst sind deutsche.

[38] 1864 betrug die Zahl der in den 13 Hfen ein- und ausgelaufenen
nicht chinesischen Schiffe 17,976 von 6,635,505 Tons. Davon gehren
2,862,234 Tons der englischen, 2,609,390 Tons der amerikanischen und
380,135 Tons der hamburger Rhederei, der Rest vertheilt sich auf 20
verschiedene Nationen. Der Einfuhrhandel von Shanghai allein stieg
(nach dem Bericht des englischen Ministers in Peking) von 41,000,000
taels in 1860, dem Jahr vor Erffnung des Yantsekiang und der
nrdlichen Hfen, auf 81,000,000 taels in 1863 (1 tael ist etwa 2
Thlr.).

[39] Nach dem Prospekt wrde die neue Gesellschaft im Stande sein,
die Kohle fr 25 sl. nach Singapore zu liefern, so dass ihr bei 40
sl. ein hinreichender Gewinn verbliebe.

[40] Die Wichtigkeit, den Geschmack der Eingebornen zu
bercksichtigen, wird vielleicht in keinem Lande mehr verkannt, als
in Deutschland. Hufig kommen in den ostasiatischen Handelspltzen
grosse Kisten mit Fabrikaten an, die durchaus werthlos sind, weil
auf den Geschmack der Konsumenten, auf das Format, das Gewicht und
die Art der Verpackung gar keine Rcksicht genommen ist, wenn auch
die Waare an und fr sich vielleicht die Konkurrenz aushielte. Es
ist ein sonderbarer Dnkel solcher Fabrikanten, zu glauben, dass die
Kufer sich in ihre Launen fgen sollen, und zeugt von gnzlicher
Unkenntniss der bestehenden Verhltnisse. Ueberall, wo es Frauen
giebt, sind wechselnde Moden -- selbst im Innern von Afrika. Alle
Vlker, die fr andere fabriziren wollen, mssen auf das
Sorgfltigste den Geschmack derselben studiren. Die Englnder haben
dies lngst eingesehen und geben sich grosse Mhe, dennoch wird es
ihnen schwer, im Innern von China gegen die Konkurrenz der
amerikanischen Fabriken aufzukommen, denen es gelungen zu sein
scheint, die nationale Geschmacksrichtung mit solchem Glck zu
treffen, dass sie in grberen Baumwollenwaaren den dortigen Markt
beherrschen.

Die Schweizer, die keinen direkten Seehandel treiben knnen, haben
es nur ihrem fleissigen Studium und grossen Takte zuzuschreiben,
wenn sie ebenbrtig mit den grssten Fabrikstaaten konkurriren. In
den Philippinen sind manche Artikel ausschliesslich in ihrer Hand.
Ein befreundetes Schweizerhaus in Manila hielt eine Anzahl
geschickter Mestizen als Musterzeichner, die der wechselnden Mode
immer auf der Spur waren und liess nach ihren Zeichnungen in der
Schweiz, in China und in Italien die Baumwollen- oder Seidenstoffe
anfertigen, die dann auch immer bei den koketten Mestizinnen den
grssten Anklang fanden. Den Languti, das in Siam gebruchliche
Lendentuch, nachzuahmen, ist noch Keinem gelungen. Schweizer,
schottische und englische Huser haben schon Tausende darauf
verwendet -- bisher vergeblich; die gelieferten Stoffe sind
vielleicht besser oder billiger als die einheimischen, entsprechen
aber noch nicht genau dem Geschmack.

[41] Nach dem Geschftsbericht vom 5. Decbr. 1865 besass sie 63
Schiffe von 92,353 tons und 18,270 Pferdekraft, die im letzten Jahre
einen Weg von etwa 1,500,000 Seemeilen zurckgelegt hatten (fast in
jeder Woche 1-1/2 mal so viel als der Erdumfang betrgt).




Malacca.

    Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca. --
    Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. -- Neuer
    Pungulu in Allor-gadja. -- Rckkehr zu den Mintras. -- Eheprchen.
    -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. -- Der Dato von
    Lingi. -- Zustnde in den kleinen Malayenstaaten. -- Zinn. -- Leben
    im Walde. -- Zweckmssige Kleidung. -- Insektenpulver. --
    Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von Malacca. -- Tapioka. --
    Djaggeri.


Mitte April, an einem Nachmittag, bestieg ich den ~Hooghly~, ein altes,
ausrangirtes Dampfboot, welches die ganze Kriegsmarine der "Straits
Settlements" ausmachte. In seltenen Fllen wurde es gegen Seeruber
benutzt, hauptschlich aber diente es dazu, die Beamten der Regierung
und die Post zwischen Malacca, Pulo-Pinang und Singapore, welche
zusammen die Niederlassung der Meerenge (the Straits Settlements)
bilden, zu befrdern. Seine Geschwindigkeit berstieg nicht die einer
chinesischen Junke; auch Reinlichkeit und Ordnung liessen manches zu
wnschen brig und waren ein fortwhrender Stoff zu Klagen von Seiten
der Passagiere, die aber nicht bercksichtigt wurden, da der Kapitn ein
naher Verwandter des Guvernrs war, und Reisende nur aus Geflligkeit
mitgenommen wurden gegen eine im Verhltniss zu den sonst in diesen
Meeren blichen Dampfschiffspreisen allerdings sehr unbedeutende
Vergtigung, Trotz mancher kleinen Mngel war die Fahrt hchst angenehm
in herrlicher, tropischer Nacht auf spiegelglattem Meere. Am andern Tage
um 2 Uhr ankerten wir auf der Rhede von Malacca in 2 Seemeilen
Entfernung vom Lande. Wir hatten 22 Stunden gebraucht, um einen Weg von
120 Seemeilen zurckzulegen.

Malacca hat eine sehr hbsche Seefront. Dicht hinter einer Reihe von
Europern bewohnter steinerner, etwas einfrmiger Huser, deren dem
Strand zugewendete Seite mit einer Bogenreihe versehen ist, erhebt sich
ein lnglicher, 100 Fuss hoher Hgel, auf dessen Gipfel die malerischen
Ruinen der von Albuquerque gebauten Kirche Madre de Dios und der Klster
S. Paul und Hermanos de leche stehen. Zur Rechten schliesst sich an die
steinernen Huser ein Palmenwldchen, unter dessen Schatten sich eine
ganze Reihe Wohnungen von Portugiesen[42] und Asiaten behaglich
ausdehnt; hinter ihnen ragt tiefblau der Berg Ophir (Gunong Ledang), der
hchste Punkt des sdlichen Festlandes (4320') hervor. Zur Linken, am
westlichen Abhang des Hgels, der hier nochmals zu einer kleinen Anhhe
anschwillt, steht das "Stadthuys", ein stattliches Gebude aus
hollndischer Zeit, theilweise von einem Angsana-Hain (Pterocarpus
Indicus) verdeckt, der sich parkartig bis zu den Ruinen auf der Kuppe
hinzieht. Die Sdfront des Gebudes ist ebenfalls der See zugekehrt,
seine Westseite begrenzt der kleine Fluss, an dessen jenseitigem Ufer
die eigentliche Stadt liegt, aus der sich die Thrme einiger Moscheen
erheben. Das kleine Flsschen von Malacca und die Meeresstrmungen haben
die Rhede so verschlmmt, dass grosse Schiffe 2 Miles vom Lande ankern
mssen. An den kleinen Inseln, wo 1511 Albuquerque's Flotte in 5-6 Faden
Tiefe lag, knnen jetzt nur Kstenfahrer anlegen, und nur zwei derselben
sahen wir hier vor Anker. Welch auffallender Unterschied gegen
Singapore! Und doch war vor ca. 300 Jahren Malacca der wichtigste
Handelsplatz in diesen Meeren, Hauptstadt eines mchtigen Knigreichs
und auch noch zu Zeiten des hollndischen Monopols ein bedeutender
Stapelplatz.

Nach langem Warten kamen einige Boote, kaum genug, um die wenigen
Passagiere zu bergen. Wie einsam und still erschien die Stadt nach dem
Schacherlrm von Singapore! Die wenigen Europer und ihre Abkmmlinge,
die hier wohnen, sind meist Beamte oder Grundbesitzer von hollndischer
Abkunft, ich fand bei ihnen eine fast noch liebenswrdigere Aufnahme,
als in Singapore und lernte einige vortreffliche Menschen kennen. Selbst
unter den Frauen schien keine Eiferschtelei zu herrschen, keine
Ostentation, kein herausfordernder Luxus. In der Abendkhle schlenderte
man am Strande, oder genoss, auf einem Vorsprung der Kste sitzend, die
Seebrise, und wenn die jungen Mdchen Pfnderspiele vorschlugen, so
betheiligten sich alle Anwesenden in harmloser Freude daran. Es giebt
hier kein Gasthaus; ich erhielt vom Resident-Councillor eine Wohnung in
dem grossen Stadthause angewiesen, das alle Regierungs-Kanzleien
enthlt, aber immer noch reichlich Raum hat, um Fremde zu beherbergen.
Eine eiserne Brcke fhrt ber den Fluss, wohl an der Stelle der alten
Brcke, die vor 3-1/2 Jahrhunderten eine so wichtige Rolle gespielt.
Nachdem nmlich der erste Angriff der Portugiesen auf die Stadt
zurckgeschlagen worden war, bemchtigte sich Albuquerque der Brcke,
hielt sie 9 Tage lang besetzt und schnitt dadurch den Einwohnern alle
Zufuhr ab. Am folgenden Tage musste sich die Stadt nach tapferer
Gegenwehr ergeben. -- Die beiliegende Ansicht von Malacca ist von der
Brcke aufgenommen. Zur Rechten sieht man unter schattigen Bumen die
Westfront des Stadthauses; links, am rechten Ufer des Flsschens, liegt
die von Asiaten (Chinesen, Malayen, Klings) bewohnte Stadt.

[Illustration: MALACCA.]

Die hiesigen Chinesen stehen in besonders gutem Ruf. Der Wohlstand, den
sie hier in voller Sicherheit gegen Erpressungen geniessen, hat die bei
diesem Volk sonst so schroff hervortretende Selbstsucht sehr gemildert.
Sie sind sehr gastfrei und geben hufig bedeutende Summen fr
gemeinntzige Zwecke her.

Wie sich in der Stadt die Wohnhuser der Chinesen vor allen andern
geltend machen, so hat auch die dieser Nation eigenthmliche grosse
Verehrung der Todten, die sich in der Kostbarkeit und sorgfltigen
Erhaltung der Grber ausspricht, der umliegenden Landschaft ihr Geprge
aufgedrckt. Whrend in Singapore die reichen Kaufleute alle hbschen
Punkte um die Stadt ausgesucht haben, um ihre Wohnhuser dort
aufzubauen, sind hier die schnsten Anhhen in der Umgegend mit
chinesischen Grbern bedeckt, deren einige mit grossen Kosten aufgefhrt
sind. Malacca ist ein Lieblingsaufenthalt fr die Chinesen. Von hier
stammen die meisten von denen, die in Singapore eine hervorragende
Stellung einnehmen, und hierher ziehen sie sich gerne zurck, um ihr
dort erworbenes Vermgen in behaglicher Ruhe zu geniessen. Viele dieser
Familien sind schon seit Generationen hier ansssig, sie heirathen nur
unter einander, so dass das malayische Blut der Stammmutter bei jeder
neuen Verbindung immer mehr gegen das chinesische zurcktritt. Wegen
ihrer langen Ansssigkeit unter Europern und der daraus folgenden
Bekanntschaft mit dem Wesen derselben, sowie durch Reichthum und
grssere Bildung haben sie vor denjenigen ihrer Landsleute, welche die
Masse der Bevlkerung von Singapore ausmachen, Vieles voraus.

Einige Tage nach meiner Ankunft fuhr ich auf bequemer Strasse nach
Rumbia, einer mitten im Walde gelegenen Mission, 12 Miles NN-W. von
Malacca. Nachdem man die unmittelbare Umgebung der Stadt verlassen, in
der allerlei kleine Moscheen, Kapellen, Hindutempel und andre
"Josshuser" von Grten umgeben, malerisch durch einander liegen,[43]
fhrt der Weg auf einem Damm unter einer Allee weissblhender Melaleuca
(M. minor) quer ber einen weiten grnen Teppich von Reisfeldern, der
mit einzelnen Gruppen von Fruchtbumen, Cocos- und Arecapalmen
geschmckt ist, unter deren Schatten ein paar malayische Htten liegen.
Hin und wieder kommt man noch an einer Moschee oder einem grsseren
Gehft vorbei, welche letztere immer Chinesen gehren und oft
betrchtlichen Wohlstand verrathen. Die Melaleucas haben landschaftlich
grosse Aehnlichkeit mit unsern Birken durch den allgemeinen Habitus und
besonders durch die Silberweisse des Stammes. Wie bei diesen lsen sich
die usseren Lagen der Korkschicht in dnnen, weissen Blttchen ab, bei
einigen Arten erreicht diese Schicht fast Zolldicke und besteht aus so
feinen Blttchen, dass sie zum Kalfatern der Schiffe verwendet wird. Von
der weissen Farbe des Stammes (kaju: Holz, puti: weiss) hat der Baum
seinen inlndischen Namen; auch das Kajeput-Oel, das aus den
getrockneten Blttern einer in den Molukken vorkommenden verwandten Art
(M. leucodendron) gewonnen wird, ist danach benannt. Nach einigen Meilen
erreicht man den Wald, der sehr anmuthig, schattig und zugnglicher ist
als der Jungle bei Singapore. In Tsching, auf halbem Wege, wurde das
Pferd gewechselt; um 9 Uhr Vormittags, 2 Stunden nach der Abfahrt von
Malacca, war ich in Rumbia, wo mir der freundliche Missionr schon von
ferne entgegenkam, sobald er nur den Wagen erblickte. Er nahm mich sehr
gastlich auf, und da er ausser einigen kleinen "Waldmenschen" keine
Bedienung hatte, so ging er selbst ans Werk, mich und mein Gepck
mglichst bequem unterzubringen. Nach einem Schwimmbade in einem von ihm
selbst gegrabenen Teich wurde gefrhstckt, und alsbald fllte sich das
Zimmer mit neugierigen ~Mintras~, deren zutrauliche, gutmthige,
bescheidene Art den angenehmsten Eindruck machte. Hr. Bory war wiederum
ein denkwrdiges Beispiel jener katholischen Missionre, wie man sie
zuweilen auf abgelegenen Stationen findet. Er stammte aus Paris und
hatte sich hier vor mehreren Jahren (1848) niedergelassen, ganz allein
und ohne alle Untersttzung zur Bekehrung der ~Mintras~ und ~Jakuns~,
die zu den wilden Stmmen gehren, welche die Sdspitze der malayischen
Halbinsel bewohnen. Sie werden gewhnlich mit dem gemeinschaftlichen
Namen orang-utan (Waldmenschen),[44] orang-bukit (Bergmenschen) oder
orang binua (Menschen des Binnenlandes), belegt und waren bis 1847, wo
J. R. Logan's trefflicher Aufsatz ber dieselben erschien, fast
unbekannt und Gegenstand vieler Fabeln. Dass sie auf Bumen wohnen und
Schuppen besssen, wie Fische, hat sich allerdings besttigt. Die Jakuns
bauen noch jetzt ihre Htten gern auf Bumen, 20-30' ber dem Boden, und
mit den Schuppen hat es insofern seine Richtigkeit, als sehr viele mit
Ichthyosis behaftet sind. Ich sah diese Hautkrankheit an mehreren
Jakuns; die meisten aber, und fast alle Mintras waren so reinlich, wie
Malayen, d. h. reinlicher als die Mehrzahl der Europer.

Herr Bory theilte mir mit, dass er, als er vor zehn Jahren von Malacca
aus hierher gekommen war, mit einigen dieser Leute Bekanntschaft machte,
und sie bald durch seine Leutseligkeit gewann. Er erzhlte ihnen
Geschichten aus der heiligen Schrift; der Kreis aufmerksamer Zuhrer
wuchs mit jedem Besuch und auch die gegenseitige Zuneigung; endlich
erbot er sich bei ihnen zu bleiben, um sie zu unterrichten und zu
Christen zu bekehren. Sein Vorschlag wurde mit Freude angenommen; nur
Ein Punkt machte grosse Schwierigkeiten. Einige Mnner hatten nmlich
gehrt, dass die Christen nur Eine Frau heirathen und nur durch den Tod
von ihr geschieden werden knnten. Diese Forderung schien ihnen doch gar
zu hart, aber Herr Bory blieb standhaft, und nach vieler Ueberredung
wurde sie mit angenommen. Nun lichtete man ein Pltzchen im Walde, baute
ein Bretterhaus zur Wohnung fr den Missionr, ein anderes grsseres zur
Kirche, auch eine Schule; die Mittel wurden durch Almosen von Seiten der
Christen aus Malacca und Singapore aufgebracht, denn ausser 10 Dollars
monatlich erhalten diese Mnner keine Untersttzung, freiwillige Almosen
ausgenommen. Die Jakuns knnen natrlich nichts geben. Herr Bory ging
selbstthtig mit seinen Pfleglingen ans Werk; er beschrnkt sich
berhaupt nicht darauf, blosse Scheinchristen aus ihnen zu machen,
sondern sucht sie allmlig zum Betrieb des Landbaus und ntzlicher
Knste anzuleiten, freilich noch mit geringem Erfolg; doch sind schon
einige kleine Grten entstanden, mehrere Cocos- und Obstbume
angepflanzt, einige Mintras besitzen sogar schon Bffel oder Schweine;
doch ist ihr Haupterwerb immer noch das Einsammeln der Produkte des
Waldes: Rotang, Harze, Guttapercha u. s. w. gegen die sie ihren geringen
Bedarf an Erzeugnissen eines vorgeschritteneren Gewerbfleisses
eintauschen. Herr Bory ist immer von einer Anzahl Mintras umringt,
erzieht sie wie ein Vater seine Kinder und geniesst ihr vollstes
Vertrauen, so dass sie ihn in allen Angelegenheiten erst um Rath fragen.

Wir machten eine Excursion in den Wald, von vielen Mintras begleitet,
die eifrig sammeln halfen, die Gesellschaft war bermunter, da die
Sorgfalt, mit der manche fr sie so werthlose Gegenstnde etikettirt und
verpackt wurden, immer neuen Stoff zum Lachen gab.

Nachmittags kam eine Anzahl Jakuns in die Mission und brachte ganze Arme
voll Zweige, die ich einlegen sollte. Diejenigen, deren Exemplare
brauchbar waren, zeigten darber grosse Freude. So vergingen zwei Tage
auf die angenehmste Weise unter diesen gutmthigen Menschen. Am Sonntag
versammelte sich die ganze Gemeinde, Jakuns und Mintras mit Frauen und
Kindern, um die Messe zu hren. Ihr Gesang klang recht angenehm, sie
sollen berhaupt viel Sinn fr Musik haben. Alle waren sehr sauber nach
malayischer Art gekleidet, nur etwas drftiger. Ich hatte einen
photographischen Apparat mitgebracht und nahm ihre Portraits auf, die
aber leider spter verloren gingen. Das ganze Vlkchen machte den
Eindruck, als fhlte es sich recht glcklich in seiner Abgeschiedenheit
unter dem Schutz des braven Missionrs.

Frher wurden sie von den piratischen Malayen, die zu ihnen kamen, aufs
rgste betrogen, beraubt und misshandelt; sie hatten kaum einen andern
Schutz als ihren bsen Ruf als Zauberer und Giftmischer, um ihre
aberglubischen Bedrcker einigermaassen in Schranken zu halten.

Besonders erreichten diese Bedrckungen einen sehr hohen Grad, als die
Anwendung der Guttapercha zur Isolirung der elektrischen Drhte unter
Wasser und unter der Erde eine immer strkere Nachfrage nach dieser
Substanz veranlasste.[45]

Einer Einladung folgend fuhr ich nach Allor-gadja in Naning, etwa 9
Miles NNW. von Rumbia, wo am nchsten Tage die feierliche Besttigung
des neuen Pungulu durch den Resident-Councillor stattfinden sollte.
Naning ist ein kleines Gebiet, das landeinwrts an Malacca grenzt und
immer schmaler werdend sich bis zum Berg Ophir erstreckt. Bis zum Jahr
1842, wo es mit Malacca auf gleichen Fuss gestellt wurde, stand es zu
diesem immer in schwankenden Unterthnigkeits-Verhltnissen; statt des
Zehnten zahlte es nur einen Tribut, und der Pungulu schaltete in dem
Gebiet wie ein unumschrnkter Frst nicht nur ber die Habe, sondern
auch ber das Leben der Einwohner. Im Jahre 1829 beschlossen die
Englnder diesen Zustnden ein Ende zu machen. Es kostete aber zwei
Feldzge, viele Menschenleben und die Summe von 100,000  um die gegen
die beabsichtigten Neuerungen ausgebrochene Emprung zu unterdrcken,
obgleich die Zahl der erwachsenen Mnner in Naning zur Zeit des Krieges
1500 nicht berstieg, so dass die Unkosten etwa 450 Thaler per Kopf
betrugen. Der Feldzug endete schliesslich dadurch, dass einer der
fhigsten Emprer zu den Englndern bertrat. Der aufrhrerische Pungulu
kapitulirte darauf und starb spter in Malacca als Pensionr der
indischen Regierung.

Auf einem angenehmen breiten Waldweg, der dem Kriege seine Entstehung
verdankt, gelangte ich Abends nach Allor-gadja, wo die nicht
unharmonische Musik und Todtenklage der Malayen einen grossen Theil der
Nacht hindurch zu hren war. Wenige hundert Schritt vom
Regierungs-Bungalow liegen die Grabhgel dreier im Kriege gegen Naning
gefallenen englischen Offiziere, ein wenig weiter erhebt sich noch eine
Schanze aus Lehmwllen, in der sich jetzt eine friedliche Polizeistation
niedergelassen hat. Am folgenden Morgen machten wir einen Spaziergang
nach dem etwa 3 Meilen entfernten Ayer (Wasser)- panas (heiss), einer
ziemlich reichlichen Kohlensure haltigen und einen schwachen Geruch von
Schwefelwasserstoff verbreitenden Quelle. Ihre Temperatur fand ich 9 Uhr
Vormittag 137 F. = 46,6 R. In der Nhe steht ein verfallendes Badehaus.
Die Eingeborenen benutzen das Wasser hufig als Heilmittel. Auf dem
ganzen Wege herrschte berall der rothe Thoneisenstein von Singapore bis
kurz vor der Quelle, die in angeschwemmtem Boden aufbricht, in welchem
sich viele Quarzkrner bis zu Nussgrsse vorfinden. Es ist dieselbe
Formation, in der hauptschlich die Zinn- und Goldwschen betrieben
werden. Nach dem Frhstck ging die Feierlichkeit ohne besonderes
Schaugeprnge schnell vorber. Der Resident-Councillor kehrte nach
Malacca zurck; ich fuhr wieder zu meinen Freunden nach Rumbia, deren
liebenswrdiges, harmloses Wesen gegen die finstere Gemessenheit der
Malayen angenehm abstach. Unterwegs sah ich neben einer kleinen Moschee
im Walde eine Pauke von 20 Fuss Lnge und mehr als 2-1/2 Fuss
Durchmesser. Es war ein ausgehhlter Baumstamm, an einem Ende offen, am
andern mit einer Bffelhaut bespannt. Es sollen derartige Pauken von
noch grsseren Dimensionen vorkommen. Ihr Zweck ist, die weit zerstreut
lebenden Glubigen zum Gebet zu rufen. Noch spt Abends kamen die Jakuns
zur Mission und brachten mehrere Thiere, die sie fr mich gesammelt
hatten.

Am folgenden Morgen berraschte ich im Walde ein junges Eheprchen in
seinem Honigmond. Ihr Haus bestand in einem Sonnendach aus lose
zusammengefgten Palmenblttern. In einem kleinen Tpfchen kochte ihre
Mahlzeit, und whrend die Frau die Kche besorgte, sang ihr der Mann ein
Liedchen und begleitete sich auf einem Saiteninstrument, das aus einem
fusslangen Bambusrohr bestand, an welchem der Lnge nach 3 oder 4 Enden
des kletternden Stammes einer Orchidee aufgespannt und statt der Stege
kleine Wachsklmpchen unter den Saiten angebracht waren. Der glckliche
Ehemann besass auch eine Flte und Pfeife aus Bambus und musizirte, als
die erste Schchternheit vorber war, auf beiden mit grossem
Wohlgefallen ganz angenehm, nur etwas zu anhaltend. Beim Abschied drang
er mir zwei feiste Ratten auf, die er fr seine eigene Tafel gemstet
hatte. Die Jakuns sind nicht whlerisch in ihren Nahrungsmitteln,
Schlangen und Ratten sind willkommene Leckerbissen. Der franzsische
Missionr Lefvre erzhlt: Eine ihrer geschtztesten Speisen ist ein
Honigwaben, nicht wann die Zellen mit Honig gefllt, sondern wann die
jungen Bienen schon ausgebildet, ein Paar Tage bevor sie flgge sind;
der Waben wird dann in ein Bananenblatt gewickelt, etwas gebraten, und
das Ganze mit grossem Appetit verzehrt.

Ausser dem Waldmesser, das sie immer bei sich tragen, und das ihnen alle
Werkzeuge ersetzt, haben die Orang-bukit kaum irgend welche
Gerthschaften. Zur Jagd bedienen sie sich hauptschlich der Blasrhre,
aus welchen sie vergiftete Pfeile schiessen. Kleinere Thiere sterben
nach einer Minute. Das Blasrohr "Sumpitan" besteht aus zwei in einander
geschobenen Bambusen, 7 Fuss lang, 3/4 Zoll Durchmesser. Die innere
Oeffnung hat etwa einen halben Zoll Durchmesser; die Pfeile sind 7 Zoll
lang und bestehen aus den Seitennerven eines Palmenwedels; an ihrem
unteren Ende ist ein 3/4 Zoll langer Kegel aus weichem Holz befestigt,
dessen Basis den hohlen Raum des Blaserohrs beinahe ausfllt. Die sehr
scharfe Spitze ist einen halben Zoll tief in Gift getaucht und ringsum
eingeschnitten, damit sie abbreche und in der Wunde stecken bleibe.
Jeder einzelne Pfeil steckt in einem Rohrfutteral, und eine Anzahl
dieser ist durch Baststreifen eines Artocarpus so aneinander geknpft,
dass sie sich zu einem Bndel aufrollen wie ein Latten-Rouleau und in
einer Bambuskapsel, die als Kcher dient, aufbewahrt werden knnen.
Genau ebenso verfertigen die Indianer in Guiana ihre Pfeile und bewahren
sie ebenso auf, mit dem einzigen Unterschied, dass die einzelnen Pfeile
nicht in besonderen Kapseln stecken, sondern unmittelbar mit einander
verknpft und zusammengerollt werden -- ein auffallender Umstand, da
beide Vlker wohl nie in Verkehr gestanden haben. Die Jakuns haben den
Ruf, gebte Sumpitanblser zu sein. Um ihre Geschicklichkeit zu prfen,
liess ich einen der gebtesten nach einem etwa 100 Schritt entfernten
Pisangstamm zielen; er traf ihn nachdem er zweimal vorbei geschossen;
eine 30 Schritt entfernte, 1-1/2 Zoll Durchmesser haltende Oranie zu
treffen, erklrte er fr zu schwierig; auf 15 Schritt traf er sie. Bei
dem Schiessen wird der Pfeil von unten in das Blasrohr gesteckt, der
Kegel mit einer zunderartigen Substanz umwickelt, damit seitlich keine
Luft entweiche, und das Blasrohr mit beiden Hnden fest gegen den Mund
gepresst. Die Luft wird mit solcher Gewalt ausgestossen, dass man einen
pfeifenden Ton hrt.

Auf Veranlassung des Herrn Bory wurde das Pfeilgift in meiner Gegenwart
bereitet. Man schlug 3 Pflcke in die Erde, setzte eine eiserne halb mit
Wasser gefllte Pfanne darauf, zndete Feuer darunter an, that die
feingeschabte Rinde folgender Pflanzen hinein: akar-ipo (Giftwurzel)
oder lada-ipo (Giftpfeffer) eine starke Handvoll; ipo-batang
(Baumstammgift) und Sabalei je eine kleine Prise. Nach einer Minute
wurde die Rinde im Wasser mittelst der Hand stark ausgepresst und
fortgeworfen. Nachdem der Extract 4 Minuten gekocht hatte, wurde er mit
grosser Vorsicht abgegossen, wobei ein auf den Rand der Pfanne gelegter
kleiner Ballen geschabter Bambusfasern als Filtrum diente, um die noch
in der Flssigkeit schwimmenden Rindenstckchen zurckzuhalten. Nachdem
die Pfanne sorgfltig mit Sand ausgescheuert, wurde der Absud -- etwa
1/2 Liter -- in dieselbe zurck gegossen. Man setzte, als er zu kochen
begann, einen Theelffel voll Saft des Ipo-batang hinzu. Dieser geringen
Menge wegen hatte man einen grossen Baum gefllt, aus dessen Querschnitt
der Saft langsam ausschwitzte. Nach Zusatz dieser Substanz entstand in
der bisher klaren Flssigkeit ein Coagulum, das zu Boden sank. Zwei
Minuten spter goss man abermals die klare Flssigkeit ab, in die man
vorher ein Stckchen durch Realgar verunreinigten Arseniks von der
Grsse eines Stecknadelknopfes geworfen hatte. -- Eine so geringe Menge
kann wohl keine Wirkung haben; auch gilt der Zusatz nach der Aussage des
Giftkochers nicht fr wesentlich und unterbleibt, wenn kein Arsenik
vorhanden ist, ohne der Wirksamkeit des Pfeilgiftes zu schaden. --
Nachdem der Bodensatz beseitigt und die Pfanne abermals sehr sorgfltig
mit Sand ausgescheuert worden war, goss man wieder das Filtrat in
dieselbe zurck und dampfte es bis zur Syrupdicke ein. Das fertige Gift
wird entweder gleich auf die Pfeile gebracht, oder in kleinen Bambusen
verwahrt und soll viele Jahre lang seine Wirksamkeit behalten. -- Frher
wurden bei dem Giftkochen allerlei Zauberformeln angewendet, die Herrn
Bory's Einfluss beseitigt hat. Von den verwendeten Pflanzen konnte ich
keine blhende Exemplare erhalten und auch die eingelegten blthenlosen
Zweige gingen spter verloren, so dass eine Bestimmung nicht mglich
war. Ausser dem in meiner Gegenwart bereiteten kaufte ich noch mehrere
Kapseln voll lteren Pfeilgiftes und Kcher voll vergifteter Pfeile.
Spter im physiologischen Laboratorium zu Berlin damit angestellte
Versuche ergaben sehr verschiedene Resultate. Das in meiner Gegenwart
bereitete Gift wirkte herzlhmend wie Anthiar, eben so wirkte der Saft
des Ipo-batang, den ich selbst vom Stamm eingesammelt hatte. Die
gekauften Gifte aber wirkten ausserdem noch tetanisirend wie Strychnin.
Wahrscheinlich ist der Ipo-batang-Baum = Anthiaris toxicaria oder eine
verwandte Art, und akar-ipo eine Strychnosart (letzteres ist um so
wahrscheinlicher, da akar nicht nur Wurzel sondern auch Rebe bedeutet).
Durch das Vorwiegen der einen oder andern Substanz mag wohl die
vorherrschende Wirkung auf Herz oder Nerven bedingt werden. Die von
Prof. du Bois-Reymond und Dr. Rosenthal angestellten Versuche, welche
brigens auch die verhltnissmssige Immunitt der Hhner besttigen,
sind ausfhrlich beschrieben in den Monatsberichten der Berliner
Akademie 1859. 3. 319 und in Reichert und du Bois-Reymond's Archiv 1865
S. 601.

In allen Jgerknsten sind die Waldmenschen wohlerfahren, sie wissen dem
Wild auch viele Fallen zu stellen; eine recht sinnreiche von
komplizirtem Bau beschreibt J. R. Logan. Mir zeigten sie an vielen
Stellen im Dickicht verborgen eine sehr einfache anscheinend von grosser
Wirksamkeit. Ein junger elastischer Baum war mit der Spitze zur Ende
gebogen. Bei der leichtesten Berhrung eines Schnppers schnellte er
wieder in die Hhe und durchbohrte mit der an seiner Spitze in einem
fast rechten Winkel befestigten Bambuslanze das Thier, das sich der
Falle unvorsichtig genhert hatte. Einem Aufsatz, den Herr Bory 1861 in
die Tydschr. voor indische Taal, Land en Volkenkunde einrcken liess,
entnehme ich noch einige ergnzende Daten:

Die Gesammtzahl aller Wilden auf der malayischen Halbinsel drfte nach
H. B.'s Meinung nicht ber 8-10,000 betragen; die der Mintras nicht ber
2000. -- Sie halten sich fr die Ureinwohner, betrachten die Malayen als
Eindringlinge und glauben von 2 weissen Affen abzustammen, aus deren
Nachkommen diejenigen, die in der Ebene blieben, allmlig Menschen
wurden, whrend die, welche die Berge nicht verliessen, Affen
blieben.[46] Jeder lebt fr sich, als wre er allein in der Welt. Sie
sind gleichgltig, faul, lieben die Ruhe ber alles, haben wenig
Energie. Nur auf der Jagd zeigen sie Muth und Ausdauer. Allein, ohne
andre Waffen als Blasrohr, Lanze und Kris, bringen sie Tage und Nchte
im Walde zu. Sie sind friedliebend, streiten selten hartnckig; der
geringste Zwist hat Auswanderung zur Folge. Sie hngen wenig am Boden,
verndern leicht ihren Wohnsitz, oft mehr aus Laune als aus Ueberlegung.
Der erste Eindruck, den die Mintras auf den Fremden machen, ist ein so
gnstiger, dass man geneigt ist, sie fr Menschen im Zustand der
Unschuld zu halten. (Herr Bory, der anfnglich auch diese Ansicht
theilte, denkt nach genauerer Bekanntschaft anders ber sie).

Die Mintras, wie die andern wilden Stmme der Halbinsel haben ihre
eigene Sprache; sie hat wenig Klarheit und Bestimmtheit. Die
Mintra-Christen verlangten daher, dass ihnen der Religionsunterricht in
malayischer Sprache ertheilt wrde. Alle Wilden sprechen malayisch, das
ihnen auch als Verkehrssprache mit benachbarten Stmmen nthig ist.

Einige Tage nach meiner Rckkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit,
in Gesellschaft eines Bergmanns aus Cornwallis, der im Auftrag einer
englischen Gesellschaft die Ergiebigkeit der hiesigen Zinnlagersttten
untersuchen sollte, einen Ausflug nach dem oberen Lingiflusse zu
machen, von wo wir nach dem berhmten Zinndistrikt, Songei-Udjong,
wollten. Bis zur Mndung des Lingi konnten wir das Kanonenboot der
Regierung benutzen. Wir verliessen Malacca Nachmittags um 5 Uhr und
fuhren in geringer Entfernung von der Kste, die eine ununterbrochene
Reihe lieblicher Landschaften entfaltete: im Vordergrund eine bebaute
Ebene, auf welcher sich Hgel und weiter hinten tief blaue Berge in
scharfen Umrissen erhoben. Der Sonnenuntergang war ausserordentlich
prchtig und nahm ber 150 des Horizontes ein. Wir brachten die warme
Nacht 23,2 R. auf dem Verdeck zu, um 3 Uhr trat Regen ein und zwang
uns, in der kleinen, heissen Kajte Schutz zu suchen. Wir waren der
Mndung des Lingi nahe, mussten aber noch 3 Stunden lang kreuzen,
bevor wir landen konnten, da wir Wind und Strmung gegen uns hatten.
Dieser Fluss bildet die Grenze Malaccas gegen den kleinen Malayenstaat
~Salangore~. An seiner Mndung, auf der linken (englischen) Seite,
liegt ein kleines, aus wenigen Htten bestehendes malayisches Kampong
und daneben die Umfangsmauer eines whrend des Krieges mit Naning
gegrndeten Forts. Das Kanonenboot setzte seine Fahrt fort, wir
blieben und hatten bis 11 Uhr mit habschtigen, mrrischen Leuten zu
feilschen, bevor wir zur Fahrt Fluss aufwrts um hohen Preis ein Boot
erlangten. Die breiten Mndungen dieser Flsse sind namentlich in der
Mittagssonnengluth nicht angenehm zu befahren. Die Fluthwelle reicht
viele Meilen weit hinauf, und soweit sie das Seewasser trgt, zieht
sich zu beiden Seiten ein einfrmiger Rhizophorensaum hin; erst nach
stundenlanger Fahrt flussaufwrts erscheinen einige stammlose
Nipapalmen, die allmlig hufiger werden, sobald der Salzgehalt des
Wassers hinreichend abnimmt, dann treten Pandanusarten auf, welchen
sich bald blhende Strucher und enorme Waldbume anschliessen, deren
einige bis auf 100 Fuss Hhe fast astlos, und glatt wie Sulen
emporragend, nur am Boden mit grossen Strebepfeilern versehen sind,
whrend andere vielfach verstelt, durch Luftwurzeln gesttzt und nach
allen Richtungen mit Lianen, Kletterfarnen und Orchideen behangen, ein
unauflsliches Gewirre bilden. Gegen Abend wurde der Fluss immer
enger, die Windungen hufiger, endlich bogen wir in einen kleinen
Bach, unter dessen dichtem, tiefhngendem Laubdach wir ein kleines
Kampong erreichten. Am Ufer stand ein Schuppen, der als Niederlage fr
das aus der Umgegend kommende Zinn dient, welches von hier aus nach
Malacca verschifft wird. Der "Dato" (Huptling) wohnt eine Mile
landeinwrts; wir begaben uns zu ihm, um den Empfehlungsbrief des
Guvernrs abzugeben. Zu unserer Ueberraschung fhrte statt eines engen
Waldpfades ein Fahrweg nach seiner Wohnung; den Dato hatten bei einem
Besuche in Singapore die dort gebruchlichen Wagen so entzckt, dass
er einen gekauft, und um ihn benutzen zu knnen, mitten in seinem
Walde ein Stck Strasse von einer Mile Lnge gebaut hatte, auf der er
tglich spazieren fuhr. Er wohnte in einem sauberen steinernen Hause,
in dem mehrere europische Mbel und Luxusgegenstnde aufgestellt
waren. Unsere beabsichtigte Reise nach Songei-Udjong schien ihm nicht
angenehm zu sein; er machte allerlei Einwendungen dagegen, schilderte
sehr beredt die Gefahren und Strapazen, die uns bevorstnden,
bedauerte uns in seiner Wohnung kein Quartier geben zu knnen, und
entschuldigte sich, dass die Nahrungsmittel sehr knapp seien. Zum
Glck waren wir in dieser Beziehung gut versehen. Er bat uns ihm zwei
oder drei Zwieback zu verkaufen, und als wir ihm ein Dutzend geschenkt
hatten, fragte er nach dem Preise des Bieres; wir schenkten ihm zwei
Flaschen. Nun wnschte er auch den Preis des Weines zu erfahren; wir
schenkten ihm eine Flasche und zogen uns nach dem Landungsplatz
zurck, wo wir in einer Ecke des Zinnsschuppens die Nacht zubrachten.
Der Dato hatte versprochen, uns am andern Morgen um 6 Uhr Leute zu
schicken, die uns als Trger und Fhrer begleiten sollten; er schlief
aber bis 12, und keiner seiner Leute wagte mit uns zu gehen. Wir
beschrnkten daher unsere Excursionen auf die nchste Umgebung. Als
wir um 2 Uhr in brennender Sonne wieder zurckkehrten, war unser
Gastfreund bereits wieder schlafen gegangen; erst gegen fnf stand er
auf und begleitete uns auf einer Jagdpartie. Er war heut noch
zudringlicher als gestern und weigerte sich schliesslich geradezu uns
Trger nach Udjong zu geben. Seine Beweggrnde waren uns nicht recht
klar. Da aber die Haupteinnahme-Quelle dieser kleinen Raubritter in
der gesetzlosen Ausbeutung der ihr Gebiet betretenden Zinngrber
besteht, so mag er wohl triftige Grnde gehabt haben um uns einen
nheren Einblick in sein Treiben zu wehren. Mein Gefhrte hatte
Aussicht die Reise nach Songei-Udjong spter mit besserem Erfolg zu
machen; so beschlossen wir denn am nchsten Morgen umzukehren, um
nicht lnger mit dem unverschmten Burschen und seiner zudringlichen
Umgebung zu thun zu haben. Doch war es beinahe Mittag, als wir am
folgenden Tage nach vielen Plackereien und Prellereien die Rckreise
antreten konnten.

Das Boot, das wir nach langem Zgern endlich erhielten, hatte kaum Raum
fr unser Gepck, so dass wir auf demselben hocken mussten; es fllte
sich durch ein Leck und durch strmenden Regen schneller als es
ausgeschpft werden konnte. Wir kehrten daher wieder um, setzten eines
der grossen am Strande liegenden Boote in Stand und fuhren darin bequem
flussabwrts. Eine Anzahl fauler Kerle, die unter dem Schuppen standen,
sahen uns mssig und mrrisch zu, doch wagten sie nicht uns zu hindern.
Bald nach Sonnenuntergang landeten wir in einer kleinen Polizeistation
auf englischem Gebiet nahe der Mndung. Der Dato von Lingi ist nur ein
kleiner Huptling, dessen Einknfte im Handel und in Erpressungen
bestehen, dennoch nahm er, obgleich unmittelbarer Nachbar der Englnder,
keine Notiz von dem ebenso hflichen als angelegentlichen
Empfehlungsbrief des Guvernrs; so geringen Einfluss haben die Englnder
auf diese kleinen Staaten, in denen Mord- und Raubanflle sehr hufig
sind, ein Uebelstand, der in der Kolonie lebhaft gefhlt wird und ein
Hauptgrund, weshalb sie eine selbststndigere Regierung zu haben
wnscht. Grade whrend meiner Anwesenheit machte ein kleiner
Bugishuptling aus Singapore, der angeblich fr den Sultan von Johor
focht, die Umgebung des Berges Ophir unsicher und that sogar ruberische
Einflle auf englisches Gebiet, gegen die, wenigstens zur Zeit, nicht
eingeschritten wurde.[47]

Mein Gefhrte setzte am nchsten Tage die Reise bis Ponchor fort, einer
zwischen Lingi und Malacca an der Kste gelegenen Husergruppe, ich
blieb in der Polizeistation zurck, und verbrachte eine sehr unruhige
Nacht. Denn wir befanden uns in dem Monat, in welchem die Muhamedaner,
nachdem sie von Morgens 6 bis Abends 6 gefastet, sich Nachts durch
Schmausen, Musiziren und allerlei Lrm entschdigen. Am andern Morgen
begab ich mich auch nach Ponchor, in einem kleinen Boot der Kste
folgend, deren Schnheit mich aber bald einlud, den Weg zu Fuss
fortzusetzen. Man geht bequem auf ebenem Granitsand, aus welchem grosse
oft dicht mit blhenden Orchideen bekleidete Granitblcke hervorragen.
Meinen Freund traf ich in einem gerumigen verlassenen Schuppen, mit
freier Aussicht auf das Meer neben einer klaren Felsenquelle recht
behaglich eingerichtet. Wir durchstreiften die liebliche Gegend mit der
Vogelflinte, badeten Abends in der Brandung, assen ohne aufgedrungene
malayische Gesellschaft, und fischten Nachts bei Fackelschein.

Am folgenden Morgen besichtigten wir eine in der Nhe gelegene
Zinngrube. Zinn kommt im gediegenen Zustande in der Natur nicht vor.[48]
Alles Zinn wird aus Zinnerz oder Zinnstein, einem reinen, nur durch
mechanische Beimengungen verunreinigten Zinnoxyd gewonnen. Es tritt in
schmalen Gngen, sogenannten Stockwerken, im Granit oder andern
Eruptivgesteinen auf, die es so unregelmssig durchsetzt, dass man
hufig dadurch veranlasst wird, Tagebau darauf zu treiben; oder es kommt
in grossen regelmssig abzubauenden Gngen vor. Alles Zinn von
Cornwallis wird gegenwrtig aus solchen Gngen gewonnen; die frher
daselbst betriebenen Stockwerke sind erschpft und liefern nichts oder
fast nichts mehr. Durch Pochen und Waschen wird das viel schwerere Erz
(sp. Gew. = 6,8 bis 7) leicht vom Ganggestein getrennt, aber nicht von
dem es gewhnlich begleitenden Wolfram und den Arsenik- und andern
Kiesen, die ungefhr gleich schwer sind; diese entfernt man durch
Rsten, wobei sie sich zersetzen, und abermaliges Waschen.[49] Der ganze
eben beschriebene Prozess vollzieht sich in der Natur spontan, indem
durch die Einwirkung der Atmosphaerilien das Gebirge verwittert, die
Kiese sich zersetzen, lsliche Verbindungen eingehen, und sammt dem
verwitterten Gestein durch Regen und Bche in die Tiefe gefhrt werden.
Wenn sich aus dem zur Ruhe gekommenen Wasser die darin schwebenden
Stoffe absetzen, bildet das Erz wegen seiner Schwere die tiefste
Schicht, auf welcher sich die Verwitterungsprodukte des Muttergesteins,
Kaolin, Quarzsand, Grus und Trmmer ablagern. Im Verlauf langer
Zeitrume bilden sich auf diese Weise Lager von grosser Mchtigkeit. Man
nennt diese erzfhrenden Ablagerungen in Deutschland Seifen, in Cornwall
Streamworks, in beiden Lndern hat aber ihre Ausbeutung jetzt gnzlich
aufgehrt, da sie erschpft sind. Alles Zinn von Hinterindien (Malacca,
Junk-Ceylon, Banca, Siam u. s. w.) wird aus Seifen gewonnen, die
ursprngliche Lagersttte ist noch gar nicht bekannt. Das Zinn von Banca
und Malacca ist fast absolut rein, und berhaupt ist Seifenzinn immer
reiner als das aus Gangerzen gewonnene.

Nach Crawfurd (Dictionary) ist das Malayische Zinngebiet ohne allen
Vergleich das ausgedehnteste und reichste der Welt und erstreckt sich
von Tavoy 14 N. bis Billiton 3 S. d. h. ber 17 Breiten- und 10
Lngengrade. Der grsste Theil des Gebiets ist noch mit Urwald bedeckt,
so dass man erwarten darf das Erz noch an vielen Stellen zu finden. Der
Vorrath scheint sehr gross, der Ertrag steht im Verhltniss zu den
aufgewendeten Mitteln an Kapital und Arbeitskrften. Die Gruben von
Banca werden seit 1710 betrieben, die erste Grube bei Malacca wurde 1793
erffnet, aber erst seit 1840 findet daselbst die Ausbeutung mit
grsserem Nachdruck durch Chinesen statt. Auch in den benachbarten
Malayenstaaten, namentlich in denen der Ostkste, Kalantan und Tringano,
so wie in Siam nimmt die Zinnproduktion sehr zu, recht bedeutend ist sie
auf Junk-Ceylon.[50]

Um das Erz aus dem Seifengebirge zu gewinnen, wiederholt und vollendet
der Mensch was die Natur im Grossen gethan hat; er schlmmt und wscht
die erzfhrenden Schuttmassen, bis nur das reine Erz zurckbleibt.

Die Grube vor uns wurde von 34 Chinesen bearbeitet, gehrte also zu
den kleinsten. In manchen Gruben sind mehrere Hundert Arbeiter
beschftigt. Da das ganze, gewhnlich 12' bis 18' mchtige Deckgebirge
abgetragen werden muss, um auf die Erzschicht zu kommen, so ist es
nicht lohnend, mit geringen Arbeitskrften die Ausbeutung zu
betreiben. Unter einer 2' dicken Schicht Ackerkrume lag eine etwa
doppelt so dicke Schicht grauen Sandes, darunter folgte eine weisse 4
bis 5 Fuss mchtige aus reinem Kaolin mit Quarzkrnern und
Glimmerblttchen bestehende Schicht, "Kong" genannt; dann eine
sechszllige gelber Erde, die das Zinnerz enthlt. Die Unterlage
bestand wieder aus demselben weissen Kong, wie die Decke. Ein
ehemaliger Bach hatte sich in dem lockeren Boden in N. S. Richtung
sein Bett bis auf die zinnfhrende Schicht ausgewaschen und es dann
wieder zum Theil mit Thon angefllt, fast reinem Kaolin, durch
verkohlte Pflanzenreste schwarz gefrbt. Die Nordwand der Grube zeigte
die beschriebenen Verhltnisse in einem Profil von einer Deutlichkeit,
wie man sie sonst gewhnlich nur in den schematischen Figuren
geognostischer Monographien findet; die grellen Farben trugen dazu
nicht wenig bei.

Man hatte zuerst den schwarzen Thon, der das alte Bett des Bachs
ausfllte, bis auf die Erzschicht fortgerumt, dann die stliche
Uferwand; jetzt war man beschftigt die westliche Wand abzurumen, indem
man sie auf die Ostseite hinbertrug. Zum Fortschaffen der Erde bediente
man sich kleiner Tragkrbe, als Leitern dienten schrg liegende
Baumstmme mit eingehauenen Stufen. Das auf dem Boden der Grube sich
ansammelnde Wasser wurde durch eine Schaufelkunst gehoben, die aus einer
Reihe flacher an einer Kette ohne Ende befestigter Bretter bestand,
welche sich in einer schrgen Rinne aufwrts bewegten und das Wasser vor
sich herfegten. Der Apparat hatte grosse Aehnlichkeit mit einer
Baggermaschine und wurde durch ein am oberen Ende angebrachtes Wasserrad
getrieben, an dessen Welle aber auch noch Tretbretter befindlich waren,
um es bei Wassermangel durch Menschenkraft in Bewegung zu setzen. In
auffallender Weise war bei der Anlage die gehrige Ausnutzung der
vorhandenen Wasserkrfte und Niveauverhltnisse bersehen worden, so
dass nach der Schtzung meines erfahrenen Begleiters wohl 5' Fall
verloren gingen. Auch war der Kasten, in welchen das Wasser des
oberschlchtigen Rades sowohl, als das aus der Grube heraufgefrderte
sich ergoss, so ungeschickt gemacht, dass immer ein sehr betrchtlicher
Wasserstand darinblieb, wodurch abermals ein erheblicher Kraftverlust
entstand. Gewhnlich haben doch reisbauende Vlker grosses Geschick in
allen Wasserbauten und hier war doppelte Veranlassung, es anzuwenden, da
das Treten des Rades nicht nur sehr anstrengend, sondern auch, falls
nicht Alle gleichzeitig aufhren, wegen des Rckschlags sehr gefhrlich
ist und Beinbrche veranlassen kann. Das erzfhrende Gestein wird auf
einen Haufen zusammengetragen und erst dann geschlmmt und geschmolzen,
wenn die ganze Grube leer ist.

Wir durften die Grube nur barfuss, ohne Hut und Sonnenschirm betreten.
Es finden noch mehrere andere aberglubische Beschrnkungen statt, auch
zahlreiche Opfer an Vieh, Geflgel, Goldpapier, Kerzen und Schwrmern,
um die Berggeister gnstig zu stimmen.

Die Besitzer der grsseren Zinngruben wohnen meist in Malacca; die
Arbeiter stehen zu diesen in demselben Verhltniss, wie die
Gambirpflanzer in Singapore zu ihrem Patron. Ein Theil dient um die
vorgeschossene Passage von China zu tilgen (Sinkay), andere um festen
Lohn, 4 bis 5 Ds. per Monat und Kost. Alle haben aber einen, wenn auch
noch so kleinen Antheil am Ertrag. Die Zinngewinnung nimmt mit jedem
Jahre zu. Einige Gruben sind so ergiebig, dass sie nach Blundell den
Eindruck machen, als wrden harte Thaler aus einer grossen Vertiefung
ausgeschaufelt. Solche Erfolge veranlassten eine grosse Ausbreitung
dieses Bergbaues. Nach Blundell, der als ehemaliger Guvernr genau
unterrichtet ist, deckt aber die Hlfte der Unternehmungen kaum die
Kosten; eine Hlfte giebt mssigen Gewinn und nur 4 oder 5 sind
Haupttreffer in dieser Lotterie; denn eine solche ist nach seiner
Ansicht dieser Erwerbszweig in seinem gegenwrtigen Betrieb. Der Reiz
des Spiels hat aber die Aufschliessung vieler neuen Gruben zur Folge
gehabt. Die Erlaubniss zum Bergbau giebt die Regierung gratis, sie
erhebt aber ein Zehntel des gewonnenen Zinns als Abgabe, und verpachtet
diese Steuer, wie das Opium und Branntweinmonopol dem Meistbietenden.
Zur Verhinderung des Schmuggelns wird solches Zinn, von welchem die
Abgabe entrichtet ist, gestempelt, und steigt dadurch um 8 bis 9% an
Werth, da ungestempeltes Zinn in England hheren Eingangszoll zahlt.

Nach dem unangenehmen Eindruck, den die Malayen von Lingi auf uns
gemacht, waren mir einige Ausflge im Gebiet von Malacca doppelt
angenehm, weil ich dabei dies Volk von einer ganz andern, sehr
vortheilhaften Seite kennen lernte. Ich wohnte in kleinen Htten, mitten
im Walde, bei armen Leuten, die mir den besten Platz im Hause und die
besten Matten einrumten, sehr bescheiden, gefllig und hflich waren,
doch immer ohne jene Zeichen hndischer Unterwrfigkeit, mit denen viele
andere Asiaten so freigebig sind, wenn sie dadurch eine Gunst zu
erlangen hoffen. Es scheint, dass zwischen den alten Ansiedlern
hollndischer Abkunft und den auf ihrem Gebiet wohnenden Malayen ein auf
gegenseitiges Zutrauen gegrndeter freundschaftlicher Verkehr
stattfindet, jedenfalls bestand ein solcher zwischen meinem Freunde W.
B. und seinen Insassen. Die einfachen Sitten und die Biederkeit dieser
Ackerbau treibenden Malayen waren mir um so wohlthuender, je weniger ich
diese Eigenschaften erwartet hatte. In Lingi, dessen Bewohner von mehr
oder weniger gesetzlichem Handel, Erpressungen und gelegentlichen
Rubereien leben, traten ihre gehssigsten Eigenschaften hervor, aber
auch in Singapore werden die besseren Zge ihres Wesens von dem
Golddurst, der dort Alle ergreift, in den Hintergrund gedrngt.

Die Ausflge um Malacca sind sehr angenehm und fr den Sammler lohnend.
Zwischen dem ~Lingi~- und ~Kassang~fluss, die das Gebiet begrenzen,
ergiessen sich ausser mehreren Bchen der ~Malacca~- und der
~Dujong~fluss (nach letzterem ist die Seekuh Halicore Dugong benannt,
wobei aber irrthmlich das _j_ in ein _g_ verwandelt worden). Beide
Flsse sind fr Khne auf mehrere Miles weit zugnglich. Ihre Ufer
wimmeln von Krokodilen, in den Bumen klettern Vgel, Schlangen,
Eichhrnchen und Affen umher, und man ist sicher, mit reichlicher Beute
zurckzukehren, wenn man mit einer Vogelflinte versehen, auf einem aus
einem einzigen Baumstamme gezimmerten Kahne in die Tiefen des Waldes
eindringt. Ich habe nie so viele Baumschlangen gesehen, als am
Malaccafluss. In einer halben Stunde htte ich ein Dutzend schiessen
knnen. Sie lagen meist aufgerollt auf das Wasser berragenden Zweigen,
von welchen sie sich herabfallen liessen und behende weiter schwammen,
wenn sie Gefahr im Anzuge glaubten. Das Zigeunerleben im Walde, so nahe
einer Hafenstadt, in der man sich immer wieder mit Vorrthen, sogar mit
Luxusgegenstnden versehen kann, in Begleitung eines gelehrigen,
bescheidenen Dieners, unter geflligen, sanften Eingebornen war so
angenehm, dass ich es jedem Touristen aufs angelegentlichste empfehlen
mchte. Wir durchstreiften den Wald nach allen Richtungen, im Boot oder
zu Fuss, und kehrten oft erst spt Abends beim Schein der Dammarfackeln
nach unserm Lagerplatz zurck, um das Gesammelte zu prpariren.

Der Grund, warum tropische Lnder, die jetzt so leicht zu erreichen
sind, so selten besucht werden, liegt, wie ich glaube, besonders in der
Furcht vor dem Klima, den Giftschlangen und dem Ungeziefer. Die
ungesundesten Gegenden sind aber immer den in der Nhe Wohnenden
bekannt, und knnen gewhnlich von dem, der nur zum Vergngen reist,
vermieden werden. Uebrigens ist eine gewisse Mssigkeit in allen
Genssen, ohne strenge Enthaltung, bei gehriger Bewegung und angenehmer
Beschftigung ein anerkanntes Mittel, Krankheiten fern zu halten; gegen
die gefrchtetsten, Fieber und Dysenterie, pflegen Chinin und
Opiumtinktur, zeitig angewandt, zu helfen. Das Leben in den Hafenpltzen
ist den Europern freilich weniger zutrglich. Sie arbeiten dort lange
und oft angestrengt in Kontoren, halten reichliche Mahlzeiten, geniessen
stark gewrzte, den Durst reizende Speisen und geben sich wohl noch
andern Excessen hin. Auch die europische Kleidung, die schon bei uns
weder schn noch besonders zweckmssig ist, wird hier zu einer wahren
Plage und der Gesundheit nachtheilig. Im Walde kleidet man sich, wie man
will. Nach mehreren Versuchen nahm ich spter einen Anzug an, den ich
als besonders zweckmssig empfehlen kann: Hose und lange Jacke von
blauem Kattun (weiss wrde alle Thiere verscheuchen), Schuhe aus
Segeltuch und einen chinesischen Hut in Form eines Helms. Die Jacke
vertritt zugleich die Stelle des Hemdes, ist ungefttert, enthlt aber
mehrere Taschen. Strmpfe sind sehr unbequem, barfuss gehen schwer zu
lernen, Segeltuchschuhe sind am zweckmssigsten. Reitet man durch einen
Fluss, so zieht man sie aus und hat dann gleich wieder trockene Fsse.
So lange man geht, schaden nasse Fsse nicht. Kommt man Abends ins
Quartier, so wechselt man den ganzen, gewhnlich von Schweiss oder Regen
durchnssten Anzug, und wscht alles, mit Ausnahme des Hutes; am andern
Tag ist alles wieder trocken. In einer so dnnen Hlle, die so leicht
gewechselt und gewaschen wird, belstigt die Hitze fast gar nicht. Es
verschwinden zugleich fast alle Terrainschwierigkeiten; denn es ist
ziemlich gleichgltig, ob man auf dem Trocknen, im Sumpf oder im Wasser
geht. Der Hut, der wegen seiner Zweckmssigkeit eine besondere
Beschreibung verdient, besteht aus dem Mark eines Baumes, angeblich
Aeschynemone aspera, so pors, leicht, die Wrme schlecht leitend, wie
Holundermark. Er ist von grsserem Umfang als der Kopf, man trgt ihn
vermittelst eines zollbreiten, geflochtenen Ringes, der innerhalb des
Hutes an seinem unteren Rande angebracht, und nur an drei oder vier
Stellen so mit ihm verbunden ist, dass die Luft ringsum zwischen Hut und
Kopf zirkuliren kann. An der hinteren Seite hngt eine kurze Gardine, um
den Nacken gegen die Sonne zu schtzen. Der Ueberzug besteht aus hellem
Seidenbast, der des breiten unteren Randes aus blauem oder grnem Stoff,
um die Augen zu schtzen.

Die grosse Furcht vor Schlangen und reissenden Thieren ist ganz
ungerechtfertigt. Alle Thiere frchten sich vor dem Menschen; auch sind
die meisten Schlangen giftlos, und alle ziehen sich gewhnlich bei
Zeiten zurck, wenn sie Menschen kommen hren. Wie schwer sie
anzutreffen sind, erfhrt man am besten, wenn man ihnen eifrig
nachstellt. Wir suchten immer nach ihnen; ich zahlte fr das Stck 6
pence oder 1 shilling und dennoch habe ich in vier Jahren kaum einige
hundert zusammengebracht. Ist erst die Furcht vor ihnen verschwunden,
die wohl jeder, der viele Reisebeschreibungen gelesen hat, empfindet,
wenn er zum ersten mal den tropischen Wald betritt, so sind sie leicht
zu fangen: mit einem Schlag tdtet man sie, auch ist es nicht schwer,
sie lebend zu fangen, wenn man sie mit einem Stock gegen den Boden
drckt, und sie dann unmittelbar hinter dem Kopf fest anpackt. Die
Diener, die mit mir waren, hatten anfnglich immer die grsste Furcht
vor allen, auch den ganz harmlosen Schlangen; besonders gefrchtet war
die Zunge, die fr sehr giftig gilt. Hatten sie aber erst einmal
gelernt, wo die Giftzhne sitzen, und sich berzeugt, dass das Thier
sonst wehrlos ist, so trat an die Stelle der frheren Furcht eine solche
Dummdreistigkeit, dass ich oft Unglck befrchtete. Tritt man
unversehens auf eine im Kraut verborgene Schlange, so beisst sie wohl
aus Nothwehr, das ist aber auch fast die einzige Gefahr, der man von
ihnen ausgesetzt ist, und diese Gefahr ist namentlich fr Europer
gering, die gewhnlich mehrere Personen im Gefolge haben, deren Lrmen
die Thiere frh genug warnt.

Von Insekten wird man in Indien viel weniger geplagt als im Sden
Europas. Flhe giebt es nicht, die Luse der Eingebornen suchen den
Europer nicht heim; dies ist besonders sehr auffallend in den
Philippinen, wo die Eingebornen sehr viel reinlicher als die Spanier
sind. Jene baden sich tglich und pflegen ihr schnes Haar, whrend
diese in beidem nachlssiger sind, doch haben die Tagalen, namentlich
die Frauen, fast immer Ungeziefer im Haar, die Spanier wohl nie.

Gegen alle lstigen Insekten aber und namentlich auch gegen die
gefrchteten Moskitos schtzt vollkommen das Insektenpulver, wie es auch
von Sammlungen die Ameisen fernhlt. Eine Tinktur aus 1 Theil
Insektenpulver (Pyrethrum roseum), 2 Theilen Alkohol, 2 Theilen Wasser
schtzt, selbst noch zehnfach mit Wasser verdnnt, alle Krpertheile,
die damit benetzt werden, absolut gegen jeden Angriff. Auf den wegen der
Moskitos so sehr verrufenen Flssen von Siam schlief ich oft ohne
Moskitonetz ganz nackt in meinem Boot, ohne im Geringsten belstigt zu
werden; das Summen, welches sonst jeden Schlaf verscheucht, weil es die
Nhe des zum Angriff bereiten Feindes verrth, wird zu einer harmlosen
Musik, die einen im Bewusstsein der Sicherheit um so leichter
einschlfert. So schtzt Benetzung des Bartes und der Hnde den Jger
auf der Wasserjagd gegen Mcken, selbst bei der starken Transpiration im
dortigen Klima wenigstens 12 Stunden. Besonders interessant ist auch die
Wirkung auf die in tropischen Lndern so sehr zahlreichen Ameisen. Vor
den Fenstern meiner Wohnung in Albay, auf Luzon, lief ein 6 Zoll breites
Brett ringsum das ganze Haus. Auf demselben bewegten sich zwei dicht
gedrngte Zge einer schwarzen Ameise in entgegengesetzter Richtung
ununterbrochen dicht neben einander hin, so dass die Oberflche
gleichmssig schwarz erschien. Ein handbreiter Streifen dnn gestreuten
Pulvers oder verdnnter Tinktur gengte, um sie alle zu vertreiben.
Zuerst stauten sich die Zge am Rande des Streifens, dann berschritten
ihn die Vordersten, von den Nachfolgenden gedrngt; aber schon wenige
Zoll weiter zeigten sich die Merkmale der Vergiftung; sie taumelten,
setzten sich auf die Hinterbeine, bewegten ngstlich die Vorderbeine und
starben nach einer oder zwei Minuten. Bald darauf verliessen alle das
Haus.

Auch die in den Philippinen so verbreitete Krtze wird durch Waschen mit
der konzentrirten Tinktur schnell beseitigt; -- das Jucken hrt
augenblicklich auf. Die fast magische Wirkung des fr Menschen ganz
unschdlichen Mittels scheint noch vllig unaufgeklrt. Es ist gleich
wirksam als Pulver, als Tinktur und als Ruchermittel. Ein befreundeter
Chemiker sagt mir, dass es ihm trotz der grssten Sorgfalt nicht
gelungen sei, ein Alkaloid oder sonst eine eigenthmliche Substanz darin
zu finden, der man die Wirkung zuschreiben knnte.

Bei meiner Rckkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit, einen grossen
Leichenzug zu sehen, von dem man schon lange viel gesprochen hatte. Die
Mutter eines der reichsten Chinesen war vor einigen Monaten gestorben,
und heute wurde ihr einbalsamirter Krper in die Familiengruft gebracht.
Fast die ganze Stadt betheiligte sich daran. Der Resident-Councillor und
alle Magistratspersonen folgten dem Zuge, der indessen hinter den
hochgespannten Erwartungen zurckblieb. Er bestand aus einer langen
Reihe Chinesen in weissen und blauen Trauerkleidern; einige ritten auf
Pferden, die auch mit weissen oder blauen Zeugen behangen waren. Sieben
geschlachtete Schweine und sieben Ziegen, je von 4 Kulis getragen,
folgten, um draussen verspeist zu werden. Viel feierlicher als die
Schweine sahen die Ziegenbcke aus, die bis auf die schwarze Mhne und
den schwarzen Bart ganz kahl gebrht waren. Lrmende Musik ging dem
Sarge voraus, der in einem gerumigen Zelt von usserst kostbar
gesticktem Seidenzeug enthalten war, ihm folgte eine grosse Masse Volk,
meist Chinesen, und zuletzt die nhern Verwandten in Sackleinen und die
Nachbarinnen im blauen Hauskleide, ein weisses Tuch ber die Schulter
geworfen.

Zgernd und ungern verliess ich Malacca, um einen Dampfer von Singapore
nach Borneo zu benutzen; es wurde mir schwer, mich von den lieben
Freunden zu trennen, die ich hier zurckliess und wohl nicht wiedersehen
werde.

       *       *       *       *       *

Malacca, die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets, liegt 2 14' N, 112
O v. Gr., das Klima ist trotz der Nhe des Aequators und der geringen
Meereshhe gesund und angenehm. Der Thermometer schwankt zwischen 17 und
24 R., der Barometer zwischen 29 8' und 30 3' Engl. Wie Singapore
liegt auch Malacca ausserhalb der Monsuns, daher die Sicherheit seiner
Rhede.

Die Stadt soll im zwlften Jahrhundert gegrndet worden sein durch einen
Frsten von Singapore, den wahrscheinlich die Siamesen vertrieben
hatten. Sie erhob sich schnell zu grosser Bedeutung, und war bei Ankunft
der Portugiesen 1509, der reichste Handelsplatz in jenen Meeren, viel
besucht von Schiffen aus China, Japan, den Philippinen, den Inseln des
Archipels, Vorderindien und Arabien. Namentlich hatte sie zu jener Zeit
grosse Wichtigkeit als Stapelplatz der damals in Europa so geschtzten
Gewrze. Die Stadt soll ber 150,000 Einwohner gehabt haben. Die
Portugiesen machten bald nach ihrem Erscheinen diesen Zustnden ein
Ende, indem sie alle Schiffe, deren sie habhaft werden konnten,
kaperten, und Schifffahrt und Handel verscheuchten. Im Jahre 1511
eroberte Albuquerque die Stadt, plnderte, verbrannte sie und tdtete
nach der eigenen Angabe der Portugiesen den grssten Theil der
Einwohner, auch Frauen und Kinder. Die Portugiesen behielten Malacca 130
Jahre lang und machten sich unglaublicher Grausamkeiten und
Treulosigkeiten schuldig. An die Stelle des frher so blhenden Handels
trat ein drckendes Monopol. Im Jahre 1641 fielen nach mehreren
vergeblichen Versuchen Stadt und Gebiet den Hollndern in die Hnde,
denen es 1795 die Englnder abnahmen, aber 1818 zurckgaben. 1825 kam
Malacca abermals an die Englnder, in Folge des bereits frher erwhnten
1824 in London geschlossenen Vertrages, durch welchen die
Streitigkeiten, die aus der Nebenbuhlerschaft der Englnder und
Hollnder in jenen Meeren entstanden waren, zeitweis ausgeglichen
wurden. England tauschte Sumatra gegen Malacca aus; die Hollnder
erkannten Singapore definitiv den Englndern zu, und beide Mchte
verstndigten sich dahin, dass die Strasse von Singapore die Grenze
ihres beiderseitigen Wirkungskreises bilden solle. Dieser Vertrag ist
aber noch fortwhrend eine Quelle von Streitigkeiten. Nach der
hollndischen Auslegung sind die Englnder von allen Inseln des
Archipels sdlich von der Strasse von Singapore ausgeschlossen, nach
der englischen Deutung nur von den unmittelbar sdlich von Singapore
etwa bis Banca gelegenen Inseln.[51]

In Bezug auf die Handelspolitik machten es die Hollnder nicht besser
als ihre Vorgnger. Nicht nur der Anbau von Kolonialprodukten, sogar der
des Reises, obgleich er fast das einzige Nahrungsmittel der Bevlkerung
bildet, war zu Gunsten der Produktion Javas und der Molukken verboten,
Grund und Boden fast werthlos, Entvlkerung und Verarmung die
natrlichen Folgen so brutaler Gesetze; dennoch behielt die Stadt
Malacca immer noch einen ziemlichen Handel, als einziger Stapelplatz fr
die Produkte der umliegenden malayischen Staaten. Durch das Anlegen
einer englischen Kolonie auf Pulo-pinang 1786, namentlich aber durch die
Grndung des soviel gnstiger gelegenen Freihafens Singapore am Ende der
stlichen Meerenge hat sich auch dieser Handel von Malacca gnzlich fort
nach jenen beiden Punkten, besonders nach dem letzteren gezogen.

Auch der Ackerbau obgleich jetzt von allen barbarischen Fesseln
befreit, macht doch nur sehr geringe Fortschritt und beschrnkt sich
fast auf den Reisbau. Das Land ist zwar ziemlich reichlich bewssert,
wo dies der Fall ist, nicht unfruchtbar und wenn die einheimischen
Arbeitskrfte nicht ausreichen, so bietet das nahe Singapore deren in
Flle, so wie es auch ein bequemer Markt fr die gewonnenen Produkte
ist. Aber bis zur Einfhrung der neuen Landakte 1863, wurden Kapital
und Unternehmungsgeist von Malacca ferngehalten, weil die Regierung den
Kufern von Lndereien keine endgltigen Besitztitel geben konnte. In
neuester Zeit hat die Bereitung des Tapioka (Strkemehl der Jatropa
Manihot) in Mehl und Perlform solchen Aufschwung genommen, dass sie
bereits mit Ausnahme des Zinns den Hauptausfuhr-Artikel der Kolonie
bildet. Dieser Erwerbszweig ist ganz in den Hnden der Chinesen, wie
die Bereitung des Sagos in Singapore. Der Preis des Tapioka ist 3 Doll.
fr Mehl, 4 Doll. fr Perlen per Pikul, whrend Sago durchschnittlich 2
Doll. als Mehl, 3 Doll. in Perlen kostet. Auch mit Zuckerbau sind
einige Versuche gemacht worden, jedoch nur im Kleinen.

Von den Inlndern wird Palmenzucker (djaggeri) aus Cocospalmen zum
Verbrauch in Malacca und in Singapore gewonnen; fr weiteren Export ist
er nicht geeignet, da sich bei der rohen Bereitungsart der grsste Theil
des ursprnglichen Rohrzuckers in Traubenzucker verwandelt. Der bekannte
hollndische Chemiker de Vrij hat gefunden, dass der Saft der in Java so
verbreiteten Arengpalmen, wenn bei seinem Einsammeln die gehrige
Vorsicht angewendet wird, um der so schnell eintretenden Ghrung
vorzubeugen, keinen andern als reinen Rohrzucker enthlt, der durch
einfaches Abdampfen krystallisirt erhalten werden kann. Sehr
wahrscheinlich verhlt sich der Saft der Cocos-, Nipa- (s. S. 12),
Palmyra- (Borassus flabelliformis) und anderer Palmen ebenso. Zur
Gewinnung des Djaggeri wird die Blthenscheide der Palme, bevor sie
aufbricht, zusammengebunden und ihre Spitze abgeschnitten, der
ausquellende Saft in Bambusen aufgefangen und in flachen, eisernen
Pfannen eingesotten. Ein- oder zweimal tglich wechselt man die Bambusen
und schneidet zugleich eine feine Scheibe des Blthenkolbens ab, da sich
durch das Verdicken des Saftes an der Luft die Kanle verstopfen (ein
Baum liefert jhrlich 12-20 lb. Zucker). Man trinkt den Palmensaft auch
frisch oder gegohren und bereitet Essig und Branntwein (Arak) daraus.
Dieser Arak schmeckt in Folge des mangelhaften Destillationsverfahrens
sehr schlecht und ist nicht zu verwechseln mit dem in Europa beliebten
Batavia-Arak, dessen Darstellung in Raffles' History of Java beschrieben
wird. Hufiger als der Saft werden die Frchte der Cocospalme
ausgebeutet, ihre Hauptverwendung ist zu Oel. -- Man versichert in
Malacca allgemein, dass eine im vollen Ertrag stehende Pflanzung das
Anlagekapital jhrlich mit 100% verzinst; danach begreift man nicht,
warum nicht viel mehr Cocospalmen gepflanzt werden, wenn sie auch vor
dem 4ten oder 5ten Jahr kaum Frchte tragen und erst im 9ten oder 10ten
Jahre vollen Ertrag geben. Schliesslich verdient Erwhnung, dass man
sich in Malacca zum Pflcken der Nsse besonders abgerichteter Affen
bedient, denen man vermittelst einer Leine, deren eines Ende an ihrem
Halsband befestigt ist, signalisirt, ob die von ihnen berhrte Nuss
abgerissen werden soll oder nicht. Ich habe dies aber nicht selbst
gesehen.

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[42] Die Portugiesen in Hinterindien und China sind grsstentheils
so verkommen, dass sie Europern oder ihren Abkmmlingen nicht
gleich geachtet werden. Auch haben sie sich in allen Stufen mit
allerlei fremdem Blut vermischt, so dass Menschen von reinem Weiss
durch alle Farbentne von gelb und braun bis zum dunkelsten Schwarz
unter der allgemeinen Bezeichnung "Pottugih" zusammengefasst werden.

[43] Joss ist aus dem portugiesischen Dios in das eigenthmliche
Pigeon-Englisch der Chinesen bergegangen. Daher Josshouse =
Tempel, Josspaper = Goldpapier, Josssticks = Rucherstcke, wie sie
vor den Altren verbrannt oder zum Anznden der Cigarren verwendet
werden. Aus "tschin-tschin", guten Tag, Gruss, und Joss wird
tschin-tschin-joss = beten. Ich hatte in Macao einen Steinmetz
gedungen, der mir ein unter einen Granitblock gefallenes Instrument
wiederverschaffen sollte. Am nchsten Morgen sollte er sich mit
mehreren Gehlfen, mit Stricken, Hebebumen u. s. w. einstellen. Er
kam pnktlich, aber allein, zndete seine Josssticks an, verbrannte
Josspapier, kniete nieder und verneigte sich; ich hielt ihn fr
toll, aber der Bediente erklrte mir: "oh no! dat very cleber ole
man, he makee chin-chin-devil-joss." Leider half es nichts.

[44] Der in Europa Orang-utan genannte grosse Affe aus Borneo und
Sumatra wird von den Malayen nie also, sondern Mias genannt.

[45] Die ersten Proben Guttapercha wurden 1843 von Singapore nach
London durch Dr. D'Almeida gesandt, doch wird die Ehre der
Einfhrung gewhnlich Dr. Montgomery zugeschrieben, der dafr eine
Prmie erhielt, obgleich seine Sendung spter eintraf. Bei
gewhnlicher Temperatur lederartig zhe, bei 56 R. knetbar, in
Wasser, Alkohol, Suren, Alkalien u. s. w. unlslich, fand sie
schnell grosse Verwendung, namentlich in der Telegraphie, da sie von
allen bekannten Krpern das grsste Isolationsvermgen besitzt.
Leider verndert sie sich, der Luft ausgesetzt, in einen sehr
sprden Krper, der rissig wird, Wasser durchlsst und dann nicht
mehr isolirt. In Singapore war die Substanz unter dem Namen
gitta-taban bekannt, und diente zur Anfertigung von Peitschen,
Eimern und allerlei Hausrath; durch Versehen erhielt sie in Europa
den Namen Gutta-percha (pertja), womit man in Singapore ursprnglich
ein hnliches, aber schlechteres Produkt bezeichnete. Die Tabanbume
(Isonandra gutta) waren bei der pltzlich gesteigerten Nachfrage
nach dem Stoff in den Wldern von Singapore schnell ausgerottet, da
man den ganzen Baum fllen muss, um den Saft zu erhalten. Nach
Singapore wurden die Wlder der Malayischen Halbinsel und der
benachbarten Inseln Sumatra und Borneo in Angriff genommen. Die
Vernichtung der Guttabume muss sehr betrchtlich sein, da ein
grosser Baum hchstens 10-15 lb. des Saftes liefert; dennoch ist nur
vorbergehender Mangel, nicht gnzliche Ausrottung derselben zu
frchten, da nach v. Gaffron, Resident in Borneo, (Natuurk. Tydsch.
XVI. 224) der Baum, den es nicht lohnt, vor dem 30sten Jahre zu
fllen, schon vom 15ten Jahre an leicht keimenden Samen trgt. Auch
in Borneo sind die Versuche, den Saft durch Anbohren zu gewinnen,
misslungen; er verdickt sich in diesem Fall so schnell, dass man
fast nichts erhlt, klopft man die Rinde, so bekommt man etwas mehr
(etwa 1 Katti), aber der Baum geht dann eben so sicher zu Grunde als
wre er gefllt worden. Die in mehreren technologischen Bchern
enthaltene Angabe, dass gegenwrtig durch Einschreiten der
"Guttapercha-Kompanie" die Gutta durch blosses Anzapfen gewonnen
werde, beruht wohl auf einem Irrthum. Selbst wenn der Ertrag der
angezapften Bume nicht ganz so ungnstig wre, wrde es schwerlich
gelingen, die sorglosen Eingebornen zur Schonung der im Walde
zerstreuten Bume aus Rcksicht fr die Zukunft zu bewegen. In
Singapore ist brigens eine solche Kompanie nicht vorhanden, und die
Londoner Guttapercha-Kompanie beschftigt sich nur mit Beschaffung
und Verarbeitung des Rohstoffes. Nach v. Gaffron gewinnt man 5
verschiedene Sorten, die in den Handel kommen, und 3 schlechtere
Sorten, mit denen jene verflscht werden. Der Preis der Guttapercha
war anfnglich in Singapore 8 Ds. per Pikul, ihr gegenwrtiger in
London berechnet sich nach dem Mittel der Jahre 1859/63 auf 8,73 .
Dass aber der Preis im Verhltniss zur Abnahme der Bume weiter
steigen sollte, ist nicht zu erwarten, da der Stoff nicht den
ursprnglich gehegten Erwartungen entspricht. Ein gefhrlicher
Nebenbuhler ist ihm in Goodyear's Ebonit, oder gehrtetem Kautschuk
erwachsen; dieser hat ihn bereits aus vielen Verwendungen verdrngt,
und wird ihn, wenn seine Dauerbarkeit sich bewhrt, wohl auch als
Isolator bei den unterirdischen und unterseeischen Leitungen
(oberirdische bedrfen keiner Isolation, da trockene Luft schlecht
leitet) ersetzen. Whrend die Einfuhr roher Guttapercha in England
nach dem Durchschnitt der Jahre 1859/63 nicht ganz 20,000 Ztr.
betrug, werden allein in Amerika jhrlich 5,000,000 lb. Kautschuk zur
Darstellung von Ebonit verbraucht (Rother's Telegraphie), so dass
die fertige Masse durch den Zusatz von Schwefel und Magnesia auf
wenigstens 80,000 Ztr. veranschlagt werden muss.

[46] Hier knnten Professor Huxley's Anhnger ausrufen: Was kein
Verstand des Verstndigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich
Gemth.

[47] Herr Blundell, Guvernr von Singapore, frher
Resident-Councillor in Malacca, sagt ber diese Zustnde:.. "Es
leidet keinen Zweifel, dass die winzigen, unmittelbar angrenzenden
Staaten alle zusammen in einem traurigen Zustande von Anarchie und
Unordnung sind, ohne feste Regierung, und weder Sicherheit des
Eigenthums noch der Person gewhren.... Die Huptlinge, gleichviel
unter welchem Titel, sind raubgierig, bereit, sich jeder Partei zu
verdingen die ihren Namen kaufen, und ihren Einfluss benutzen
will.... Wir haben selbst in unserer Weisheit durch Prangen mit
Uneigenntzigkeit sehr zu diesem Ergebniss beigetragen..... Die
Hollnder hatten, wenigstens in den letzten Jahren ihrer Herrschaft
diese Lnder fest im Zaum, und wenn sie auch nicht viel
zivilisirten, so hielten sie wenigsten Ruhe unter ihnen, und zogen
nicht unbedeutende Summen aus dem Zinnmonopol. Wir aber haben aus
einer nicht erklrten Ursache ein genau entgegengesetztes System
angenommen; nicht nur haben wir jeder Einmischung irgend einer Art
entsagt, sondern wir haben ihnen auch, mit der ausgesprochenen
Absicht unsere Uneigenntzigkeit darzuthun, und ohne dass ein
Anspruch oder ein Verlangen danach gestellt worden wre, einige der
reichsten Erzgebiete, die frher zu Malacca gehrten, berlassen, wo
mehrere hundert Menschen ntzlich beschftigt waren die dort
vorhandenen reichen Zinn- und Goldadern auszubeuten und wo jetzt die
wenigen diesen Arbeiten Obliegenden in immerwhrender Gefahr
schweben von irgend einem winzigen Huptling geplndert und ermordet
zu werden, der es sich in den Kopf setzt, dies Mittel zu ergreifen
um sich etwas Geld zu verschaffen..... Diese Gebiete sind auf bestem
Wege, Sammelpltze fr Ruber u. s. w. zu werden, die uns
schliesslich zwingen werden, zum Schutz unserer eigenen Bevlkerung
das Land zu besetzen, was wir gerade durch unsere Uneigenntzigkeit
zu vermeiden wnschten."

[48] Als Seltenheit soll es zwar bei den Goldwschen in Miask und
auch in Guyana gefunden worden sein. Von Schwefelverbindungen ist
nur der Zinnkies, ein sehr seltenes Mineral von St. Austle in
Cornwall bekannt.

[49] Zur gnzlichen Entfernung des Wolframs kennt man noch kein
bewhrtes Mittel.

[50] Die Zinneinfuhr in Singapore, die den grssten Theil des auf
der Halbinsel gewonnenen Zinns umfasst, betrug 1865: 56098 Pikul =
3340 Tons (darunter ca. 6000 Pikul von Kalantan und Tringano).
Cameron giebt den Werth der Zinnausfuhr von Malacca 1863 auf 388357
 an, was bei dem damals sehr hohen Durchschnittspreis von 27
Dollars per Pikul (der gewhnliche Preis ist 22 Dollars) 3806 Tons
giebt; man kann also wohl 3500 Tons als Durchschnitt annehmen. Die
Zinnausfuhr von Pinang nach Europa und Amerika (meist Junk-Ceylon
Zinn) war fr 1859-64: 40188 Pikul per Jahr = 2392 Tons. Banca
produzirte 1859-64 durchschnittlich: 169374 Blcke und Billiton
13139, zusammen 182514 Bl. = 6114 Tons. So erhlt man als die Summe
des in die drei Hauptniederlagen eingelieferten Zinns jhrlich 12006
Tons, wozu noch der Ertrag von Siam und das direkt von den
Zinnlndern nach China und Japan verschiffte zu rechnen ist, eine
bedeutende Menge, worber aber genauere Angaben fehlen. Man ersieht
daraus, dass schon gegenwrtig das malayische Indien das meiste Zinn
produzirt; denn die Produktion von Cornwallis und Devon betrgt etwa
10,000 Tons. -- Vom Zollverein erzeugt nur Sachsen ca. 100 Tons,
auch in Oestreich wird etwas gewonnen. Nach Tschudi soll Bolivia das
reichste Zinnland der Welt, das Erz aber nicht zu verwerthen sein,
da es nur durch monatelangen Lamatransport aus den Bergen
herabgeschafft werden kann.

[51] Folgendes ist der streitige Artikel des Vertrages: "Art. 12.
Seine Niederl. Majestt nimmt die Einwendungen zurck, welche gegen
die Besitznahme des Insel Singapore durch die Unterthanen Seiner
Britischen Majestt gemacht worden sind. Seine Britische Majestt
verpflichtet sich indessen, dass keine Britische Niederlassung auf
den Carimon-Inseln oder auf den Inseln Batam, Bintang, Lingin oder
auf irgend einer der andern Inseln sdlich von der Strasse von
Singapore gegrndet, noch ein Vertrag von einer britischen Autoritt
mit den Huptlingen dieser Inseln geschlossen werden soll.




Java.




Erstes Kapitel.

    Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten. -- Gunong Salak. --
    Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. -- Erdnsse. --
    Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans und Gasthuser.
    -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. -- Junghuhn.


Anfangs Juli 1858 fuhr ich auf dem kleinen Postdampfer Palmbang, der
den fr die hollndischen Besitzungen bestimmten Theil der Ueberlandpost
abgeholt hatte, von Singapore nach ~Batavia~. Das Schiffchen war
musterhaft gehalten, aber trotz hollndischer Reinlichkeit und
franzsischer Kche nicht sehr angenehm, da man sich wegen der Kleinheit
desselben nirgends der durch die Feuerung sehr erhhten Temperatur
entziehen konnte. Uebrigens war die Fahrt zwischen unzhligen schn
belaubten Inseln sehr anziehend. Wir hielten einen Augenblick vor Rhiow
auf der Insel Bintang und vor Muntok auf Banka (das die Englnder Lord
Minto zu Ehren gern Minto nennen), um Post und Passagiere auszutauschen
und erreichten nach 60 Stunden unser Ziel, dessen Entfernung von
Singapore etwas mehr als 500 Seemeilen betrgt. Die Rhede von Batavia
erschien einsam nach der von Singapore. Ein kleiner Privatdampfer kam
uns entgegen und brachte einige Kaufleute, welche die Ankunft ihrer
Briefe nicht erwarten konnten. Wir landeten am Zollhaus; die
Untersuchung des Passagiergepcks war nur formell und wurde mit der
grssten Hflichkeit vollzogen. In hbschen, zweispnnigen Wagen fuhren
wir sogleich nach Weltevreden in das Hotel des Indes, dessen glnzend
erleuchtete Veranden und Grten an die Conversationshuser eleganter
Badeorte erinnerten.

Im eigentlichen Batavia wohnt fast kein Europer mehr. Die alte, frher
als ungesund so berchtigte Stadt enthlt aber noch die zum
Geschftsbetrieb nthigen Gebude, ffentliche sowohl als private.
Morgens fllt sie sich mit Beamten, Geschftsleuten, Schiffern, abends
steht sie leer, -- so sagen wenigstens die Europer, welche die
Eingebornen, die dann allein die Strassen beleben, nicht rechnen.
Ehemals, als Batavia von Mauern und stehenden Gewssern umgeben und die
nach hollndischem Muster gebauten, schlecht gelfteten Huser dicht
bewohnt waren, soll die Sterblichkeit, durch allerlei Excesse, besonders
im Trinken, vermehrt, furchtbar gewesen sein. Jetzt sind die Mauern
niedergerissen, die Grben zum Theil zugeschttet, und die Bewohner
haben sich in die sdlich von der alten Stadt belegenen Drfer
Weltevreden, Molenvliet, Rijswijk zurckgezogen; die ehemaligen
Kolonisten, die zum grossen Theil aus Glcksjgern bestanden, sind durch
Mnner aus den besten Elementen des hollndischen Volks ersetzt worden;
an Stelle der frheren rohen Gensse sind Mssigkeit und die
verfeinerten Vergngungen einer gebildeten Gesellschaft getreten; daher
hat sich der Gesundheitszustand ausserordentlich gebessert. Weltevreden
ist berraschend hbsch, besonders Abends, wenn es in vollem Putz steht;
dann sind die immer sauber gehaltenen, meist von blhenden Hecken
eingefassten Wege reichlich besprengt und mit eleganten Equipagen
bedeckt, unzhlige Lichter in matten Glaskugeln glnzen in allen
Richtungen durch das Laub. Frher war das ganze Gebiet von einem Walde
eingenommen, jetzt ist es ein schner, grosser Park, von breiten
Strassen und Kanlen durchschnitten. Unter den Husern sind manche
Prachtgebude, aber auch die kleinsten schimmern durch die Bume und
Strucher der Vorgrten so zierlich und anspruchsvoll, als wollten sie
fr kleine Palste gelten. Jedes hat einen reich erleuchteten Portikus,
der Abends gewhnlich durch Damen in voller Toilette geschmckt ist.
Auch die Herren sieht man um diese Zeit nur im Gesellschaftsanzug,
schwarzem Tuchfrack, Glahandschuhen und schwarzer Tuchhose; die
leichte, bequeme, weisse Kleidung, mit der man in Singapore in jeder
Gesellschaft erscheint, ist hier verbannt; Hte sieht man selten, selbst
Reiter tragen gewhnlich keine Kopfbedeckung.

[Illustration: POSTSTATION. JAVA.]

Nach kurzem Aufenthalt fuhr ich mit einem Freunde aus Singapore in
vierspnniger Extrapost nach Buitenzorg. Das Reisen auf diese Weise ist
zwar kostspielig, doch billig im Verhltniss zu dem aufgebotenen
Apparat, wenigstens vier tchtigen, kleinen Pferden, einem Kutscher und
zwei Lufern. Die Pferde laufen immer Galopp, alle fnf bis sechs Paal
hlt der Wagen unter einem grossen Schuppen, der die ganze Breite der
Strasse berdacht. Geschftige Kulis begiessen die Achsen mit Wasser, um
sie zu khlen. Sobald umgespannt ist, laufen die "~Loopers~" so lange
neben den Pferden her, bis diese durch Schreien und Peitschenhiebe in
das gehrige Tempo gebracht sind und springen dann auf ein hinten am
Wagen fr sie angebrachtes Brett, von wo aus sie durch Knallen und
Schreien die Pferde weiter antreiben, bis irgend eine kleine Unordnung,
die bei den eigensinnigen Pferden selten lange ausbleibt, sie wieder
zwingt, nebenher zu laufen. In vier Stunden legten wir die Strecke von
etwa 40 Paal zurck. Die Poststrasse ist vortrefflich; neben ihr luft
ein desto schlechterer, in der nassen Jahreszeit unergrndlicher, bei
trockenem Wetter im hchsten Grade holpriger Weg, auf welchem die
Frachtgter in Bffelkarren, von denen uns lange Zge begegneten,
transportirt werden.[52] Weltevreden nebst den brigen von Europern
bewohnten Drfern dehnt sich fast bis zur ersten Poststation aus, nur
werden die Huser immer lndlicher, die Grten grsser, und gehen
allmlig in Pflanzungen ber. Hinter der zweiten Station sahen wir die
ersten Reisfelder. Das Land erscheint ganz flach, denn obgleich
Buitenzorg 850 Fuss hher liegt als Batavia, so ist die Erhebung eine so
allmlige, dass man nichts davon merkt. Erst wenn man jenem Orte nher
kommt, wird die Landschaft welliger, im Hintergrunde erscheinen die
hohen Kegelberge Salak und Pangerango, die von Batavia aus in dieser
Jahreszeit wegen der trben Luft selten sichtbar sind.

[Illustration: SALAK VON BATU-TULIS. JAVA.]

Buitenzorg, malayisch Bogor, liegt grade sdlich von Batavia und ist die
gewhnliche Residenz des General-Guvernrs. Sein glnzender Palast ist
von einem schnen Park umgeben, an welchen sich der, allen Botanikern
wenigstens dem Rufe nach, so wohlbekannte Garten anschliesst. Er nimmt
die schmalste Stelle eines flachen Rckens ein, dessen Ostseite steil
gegen das Flsschen Tjiliwung abfllt, whrend die Westseite in sanften
Wellen in ein reich bebautes, von dem Tjidani in vielen Windungen
durchflossenes Thal bergeht. Im Sden, jenseits des Wassers, begrenzen
den Horizont rechts der Salak, links der Pangerango in schnen Linien,
wie sie nur Vulkanen eigen sind.[53] Mehr noch als durch seine schne
Lage, zeichnet sich der Garten durch seine Pflanzenschtze aus, unter
denen wohl jetzt schon alle bemerkenswertheren Nutz- und Zierpflanzen
des Archipels vertreten sind. Besonders reich ist die Sammlung der
ersteren. Fast alle von der hollndischen Regierung in ihre Kolonie neu
eingefhrten Kulturpflanzen haben hier ihre erste Station gemacht, und
mancher Baum, dessen zahlreich verbreitete Nachkommenschaft jetzt
wichtige Produkte liefert, steht hier noch als Stammvater seines
Geschlechts und kulturgeschichtliches Denkmal.

Von besonderem Interesse, als etwas Neues, war damals eine
Vanillepflanzung (Vanilla planifolia), die mehrere lange Spaliere
bekleidete und eine bedeutende Ernte versprach. Die Vanille war zwar
schon lange in Java eingefhrt, trug aber keine Frchte, weil das Insekt
fehlte, das in Amerika die Befruchtung vollzieht. Herr Teysmann, der
"Hortulanus", war der erste, der die knstliche Befruchtung bei dieser
Kultur anwandte, und durch reichlichen Ertrag belohnt wurde. Bei weitem
die grsste Sehenswrdigkeit war aber eine blhende Rafflesia Arnoldii,
eine der ersten, die in Java geblht haben, da die Einfhrung aus
Sumatra erst vor Kurzem geglckt war. Diese merkwrdige Pflanze, eines
der grssten Wunder der Pflanzenwelt, besteht nur aus einer prchtigen
Blume von 3 - 3-1/2 Fuss Durchmesser und schmarotzt ohne Stiel und
Bltter pilzartig auf dem Stamm oder der Wurzel einer grossen Liane
(Cissus scariosa oder serrulata). Das Verdienst, sie aus Sumatra
eingefhrt zu haben, gebhrt ebenfalls Herrn Teysmann, aber der Ruhm,
sie in Europa zur Entfaltung zu bringen, was bei den heut vorhandenen
Mitteln und bei ernstem Willen wohl sicher gelingen msste, ist noch zu
erlangen.

Whrend meines hiesigen Aufenthalts brachte eine Stafette von Junghuhn
auf Lembang ein kleines in feuchte Baumwolle verpacktes Pflnzchen, das
trotz der nchtlichen Stunde sogleich dem General-Guvernr bergeben
wurde und grosse Freude erregte. Es war der erste auf Java selbst
gepflckte Same einer Cinchona, der ~gekeimt~ hatte.

Erst in den fieberreichen tropischen Lndern lernt man den Segen des
Chinins gehrig wrdigen. Der Verbrauch dieses kstlichen Heilmittels
wrde noch viel grsser sein, wenn der hohe Preis es nicht Vielen
unerreichbar machte. In den sdamerikanischen Wldern haben zwar nicht
die Chinarinden im Allgemeinen, wohl aber die chininreichen
Calisaya-Rinden in Besorgniss erregender Weise abgenommen[54]. Die
hollndische Regierung hatte daher lange beabsichtigt diese Bume in
ihre Kolonien einzufhren, aber erst 1852 gelang dies dem
General-Guvernr Herrn Pahud zur Zeit als er Kolonialminister war. Die
durch Herrn Hasskarl aus Peru geholten Samen wurden theils in Java,
theils in verschiedenen botanischen Grten in Holland ausgeset, von
ersteren gingen unverhltnissmssig wenige auf; aber auch als die
Smlinge von Holland in Java eintrafen, schien der Erfolg des
Unternehmens nicht gesichert; es wurde bezweifelt, ob man Bumen, die
eine so beschrnkte lokale Verbreitung haben, dass sie nie ausserhalb
ihrer eigenthmlichen Bezirke angetroffen werden, in Java das zu ihrem
Gedeihen erforderliche klimatische Medium verschaffen knnte. Die ersten
Versuche waren nicht ermuthigend, die meisten Pflanzen gingen aus; als
endlich einige blhten, fielen die Blthen fast alle ab, ohne Samen
anzusetzen, und als man schliesslich reife Samen erhielt, wurde ihre
Keimfhigkeit bezweifelt. Durch die Ankunft des jungen Pflnzchens, dem
am folgenden Tage im Buitenzorger Garten ein Ehrenplatz angewiesen
wurde, schien die Akklimatisation dieser wichtigen Pflanzen, von denen
spter noch ausfhrlicher die Rede ist, gesichert.

Von Seiten des General-Guvernrs fand ich eine beraus entgegenkommende
Aufnahme; auch hatte ich das Glck seine liebenswrdige Familie kennen
zu lernen. Durch die Gte meiner Freunde in der Berliner Akademie
musste ich ihm wohl sehr angelegentlich empfohlen sein; denn er bot mir
sogar den kostenfreien Gebrauch der Regierungspostpferde an, eine
Gunst, die sonst nur hohen, in Angelegenheiten der Regierung reisenden
Beamten zu Theil wird. Alle meine Einwendungen gegen eine so
ausserordentliche Begnstigung und meine Versicherung, dass ich nur zu
meiner Belehrung und zu meinem Vergngen reise, wurden den amtlichen
Empfehlungsdokumenten gegenber fr Aeusserungen der Bescheidenheit
aufgenommen. Als ich am folgenden Abend aus dem Palast nach Hause kam,
fand ich nicht nur den Befehl, mir auf meiner Reise durch Java die
Regierungspostpferde unentgeltlich zur Verfgung zu stellen, sondern
auch einen Empfehlungsbrief an alle Beamte in Java und den andern
hollndischen Besitzungen. Wie sehr ich auch von einem so unverdienten
Wohlwollen berrascht war, so ahnte ich doch nicht, dass das
Empfehlungsschreiben des General-Guvernrs ein Talisman war, der den
glcklichen Besitzer fr die Dauer seines Aufenthalts in Java in eine
Art von Prinzen verwandelt, wie es sonst nur im Mhrchen geschieht.

Einige Tage spter trat ich auf einem bescheidenen Pony meine Reise an,
da ich mich nicht fr berechtigt hielt, wie ein hoher Beamter zu reisen.
Ein junger Mann, der Land und Leute genau zu kennen behauptete, schloss
sich mir an, er war sehr zuvorkommend, hatte, whrend ich in Buitenzorg
Ausflge machte, meine Sachen gepackt und expedirt und begleitete mich
auf der ersten Tagereise. Unterwegs sprach er mehreremal den Wunsch aus,
dass ich ein gutes Wort fr ihn bei den "Herren Residenten" einlegen
mchte, da ihm dies von grossem Nutzen sein knnte. Dies war die erste
Wirkung meines Talisman, ich war pltzlich in einen grossen Herrn
verwandelt, um dessen Gunst man sich bewarb. Das Ziel meiner Reise war
Lembang, wo Junghuhn, der Verfasser des vortrefflichen Werkes ber Java,
seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte.

Von Batavia bis Bogor fhrt die Strasse fast genau nach Sd bis an den
Fuss des ~Gunong Salak~, der sich zu 6760' erhebt, dann luft sie an
seinem Nordostrand entlang bis Gadok, wo ein Sanatarium unter Leitung
eines deutschen Arztes, des auch in Europa wohlbekannten Ornithologen
Dr. Bernstein besteht.[55] Bis Gadok hat man den Salak immer zur
Rechten, der ganze untere Theil seines Abhanges ist durch Menschenhand
in breite Terrassen gegliedert, die sich wie eine Riesentreppe bis zu
2000 Fuss Hhe hinaufziehen; es sind die ~Sawas~, Reisfelder mit
erhhten Rndern, in denen das Gebirgswasser, bevor es die Tiefe
erreicht, gezwungen wird einen ausserordentlich vergrsserten
Flchenraum zu bewssern und dadurch fr den Reisbau nutzbar zu machen.
Der Salak erscheint von hier wie eine enorme Pyramide auf einem Unterbau
von Sawas. Von der oberen Grenze der Reisfelder bis zum Gipfel ist alles
mit dichtem Wald bedeckt. Die terrassenfrmigen Sawas (sawa darat)
scheinen den Berglandschaften Java's eigenthmlich zu sein; in der
grossen nrdlichen Alluvialebene und auf den zentralen Tafellndern wird
der Reis in flachen mit kleinen Dmmen umgebenen Feldern (sawa dalam)
gebaut, wie in vielen andern Reislndern; sie unterscheiden sich, aus
der Ferne gesehen, vielleicht nur durch das lebhaftere Grn von unseren
Kornfeldern. In Java werden aber auch die Abhnge der Berge zum Reisbau
benutzt, indem man sie bis zu grosser Hhe mit knstlichen Teichen
umgiebt, die wie die Bnke eines Amphitheaters hinter einander
aufsteigen. Sie folgen den Konturen der Berge und bringen dadurch etwas
Architektur in die Landschaft, ein Element das sonst in tropischen
Bildern fast immer fehlt, wo das Wirken des Menschen so winzig und das
der Natur so gewaltig ist. Der Boden eines jeden dieser Teiche ist
vllig eben und an der Aussenseite von einem etwa fusshohen Damm
eingefasst, der an mehreren Stellen kleine Einschnitte hat, durch welche
das Wasser in unzhligen in der Sonne glitzernden Streifen aus den
hheren Becken in die tieferen fliesst, wodurch zugleich das Stagniren
verhindert wird. Die Art den Boden dieser Becken zu ebnen ist sehr
zweckentsprechend: die nach dem Berg zu schrg ansteigende Erde wird mit
spitzen Stcken aufgelockert, dann lsst man den Teich bis an den Rand
voll Wasser strmen, die lockere Erde wird zu Schlamm, der sich allmlig
absetzt und einen vllig ebenen Boden bildet. Das Berieselungswasser
wird entweder unmittelbar von hher liegenden Rinnsalen, oder von
seitlich oft ziemlich fern gelegenen Bchen durch knstliche Kanle
(Solokan) auf die Sawas geleitet. Das Wasser fhrt alljhrlich neues
fruchtbares Erdreich aus dem Gebirge zu, eine andere Dngung erhalten
die Sawas nicht, von denen manche Jahrhunderte lang in ununterbrochener
Reihenfolge Ernten liefern sollen.

In der Broschre Het Rijst[56] ist ein Reisbau-Kalender angefhrt, nach
welchem der Javane das Jahr in zwlf sehr ungleiche, den verschiedenen
Phasen des Reisbaus entsprechende Zeitrume theilt. Danach findet das
Verpflanzen der bereits fusshohen, 40-50 Tage alten, in besonderen
Beeten gezogenen Smlinge im Mrz, die Erndte im Juli statt. Da aber in
Java die Jahreszeiten nur in Bezug auf die Regenmenge wesentlich von
einander abweichen, so sind knstlich bewsserte Sawas von der
Jahreszeit fast unabhngig. Daher finden an verschiedenen Orten fast
alle auf den Reisbau bezglichen Verrichtungen gleichzeitig
nebeneinander statt; namentlich empfngt der Reisende den Eindruck, als
wren die einzelnen Verrichtungen an keine bestimmte Jahreszeit
gebunden, da er bald auf grne, bald auf gelbe Reisfelder blickt, heute
pflanzen, morgen ernten sieht. Sawas haben deshalb einen vielfach (nach
Crawfurd 5 bis 10fach) hheren Werth als Land, das nicht zu bewssern
ist. Ausser in Sawas wird in Java auch Reis (Bergreis) in Gagas und
Tegals gebaut. Gagas sind neue Lichtungen, in denen die Bume nur
theilweis gefllt und verbrannt sind. Man stsst an den geeigneten
Stellen mittelst eines spitzen Stockes Lcher in den Boden, in welche
man je einige Reiskrner wirft und erhlt so ohne alle weitere
Vorarbeiten nach 4 bis 5 Monaten eine mssige Ernte. Durch weiteres
Aufrumen und Verbrennen der Baumstmme und Urbarmachen des Bodens
verwandelt man die Gaga in ein Tegal oder Tipar auf dem regelmssig
Bergreis gebaut wird, oder in eine Sawa falls die Stelle fortdauernd
bewssert werden kann. Gagas sind daher der Anfang aller Reiskultur. Die
roheren Vlker des Archipels haben es kaum bis zu den Gagas gebracht.
Von allen Inseln des Archipels hat in Java der Reisbau die hchste Stufe
der Vollkommenheit erreicht. Noch jetzt erzeugen nur die fruchtbarsten,
zivilisirtesten Inseln -- Java, Bali, Lombok und einige der Philippinen
-- mehr Reis, als sie verzehren. Auf den Molukken fehlt der Reisbau
ganz; in Borneo, Celebes, Sumatra und manchen der Philippinen ist er
noch usserst unvollkommen und in demselben Verhltniss stehen auch die
Bewohner auf einer tieferen Kulturstufe. Einige bauen Bergreis, doch
selten in ausreichender Menge und ersetzen den Ausfall durch bequemer zu
erlangende aber noch stickstoffrmere Nahrungsmittel, besonders
Knollengewchse und Frchte und Mark von Palmen.

Bei der Reis-Ernte, die auf trockenem Felde stattfindet, da das Wasser
schon Wochen vorher abgelassen worden, wird jeder Halm einzeln
geschnitten; es wre ein Frevel eine so kstliche Gabe Gottes weniger
rcksichtsvoll zu behandeln. (Eine hnliche aberglubische Verehrung hat
sich in Deutschland in Bezug auf "das liebe Brod" erhalten, whrend es
nicht gerade fr sndlich gilt bessere und theurere Nahrungsmittel zu
vergeuden.) Der grsste Theil des Halms bleibt auf dem Felde stehen, man
lsst nur einen kurzen Stiel an der Aehre. Bei einer so zeitraubenden
Art zu ernten ist es nthig, die ganze Bevlkerung des Dorfs, alt und
jung aufzubieten. Der Schnitterlohn ist hoch, er betrgt 1/5 bis 1/10
der Ernte. So empfngt jeder einen Antheil auch wer kein Feld besitzt.

Trotz seiner grossen Fruchtbarkeit erzeugt Java nach dem Verfasser von
"Het Rijst" nicht hinreichend Reis, um seine Bevlkerung angemessen zu
ernhren. Ein grosser Theil, fast 1/10 geht durch die fehlerhafte Art
des Enthlsens mittelst Stampfens in Holzmrsern verloren, wobei sehr
viel Krner zerbrochen, die Bruchstcke zermalmt und beim Waschen
fortgefhrt werden. Die Hauptursachen des Uebels findet er aber in dem
gemeinschaftlichen Grundbesitz der Dorfbewohner, im "Kultursystem" und
in dem Ausschliessen der europischen Privatindustrie: drei grosse
Uebelstnde, und als solche von allen liberalen Beamten anerkannt, aber
schwer zu beseitigen, da mit ihnen das ganze jetzt herrschende System
fallen wrde. Da noch oft vom "Kulturssytem" die Rede sein wird, so
drfte gleich hier eine kurze Beschreibung desselben am Platz sein.

Nach einer kleinen Schrift des ehemaligen General-Guvernrs Duymaer van
Twist, betitelt "Artikel 56" war die Grundlage des vom General van den
Bosch eingefhrten Kultursystems: Ein Dorf, welches den fnften Theil
seiner Reisfelder zum Bau von Produkten fr den europischen Markt
hergab, die nicht mehr Arbeit erforderten als der Reisbau, sollte von
der Grundsteuer befreit sein. Der durch Taxe festzustellende Mehrwerth
des Produkts ber die schuldige Grundsteuer sollte einem solchen Dorf zu
gut kommen; die Missernten sollten fr Rechnung der Regierung sein, in
sofern sie nicht durch Mangel an Eifer und Fleiss seitens der Javanen
veranlasst waren. Die Bestellung von einem Fnftel des Bodens mit
Gewchsen fr den europischen Markt befreite den Javanen von der
schuldigen Grundsteuer und der Bauer war seinen Verpflichtungen
nachgekommen, wenn er das Gewchs bis zur Reife gebracht hatte; die
Arbeit in der Fabrik sollte so viel als mglich durch freie Arbeiter
verrichtet werden, v. d. Bosch betrachtete sein System nur als ein
Mittel, um die nach dem belgischen Krieg (1830) grosse Finanznoth seines
Vaterlandes zu lindern, indem er den Anbau von Kolonialprodukten in Java
durch knstliche Mittel ausserordentlich schnell ausbreitete, viel
schneller als er sich spontan unter vlliger Freiheit, besonders zu
einer Zeit entwickelt haben wrde, wo der Unternehmungsgeist viel
geringer war als gegenwrtig. Aus seinen Schriften geht hervor, dass er
seine geniale Schpfung nur als eine Uebergangsstufe zur Privatindustrie
mit freier Arbeit betrachtete; und die Absicht hatte allmlig die einmal
eingerichteten Pflanzungen an Privatleute zu verpachten; -- und auch
dies sollte nur ein Uebergang zum individuellen Grundbesitz und zur
Kolonisation durch Europer sein. Wre das System genau nach den obigen
Grundstzen durchgefhrt worden, so htte die inlndische Bevlkerung
wohl zufrieden sein knnen, denn sie war gewhnt der an die Stelle der
einheimischen Frsten getretenen, und daher fr die Besitzerin des
Bodens geltenden Regierung 1/5 ihrer Ernte und 1/5 ihrer Zeit als Abgabe
fr den Niessbrauch des Bodens zu zahlen. Das ursprngliche System wurde
aber allmlig so verndert, dass jetzt noch, nach Duymaer van Twist,
die Regierung einfach den Inlndern den Boden fortnimmt den sie zur
Erzielung von Produkten fr den europischen Markt bedarf, und die
ansssige Bevlkerung zwingt, gegen einen von ihr festgesetzten
Lohn denselben nach ihren Anordnung zu bebauen. Bei einigen
Kulturgegenstnden die grssere Sorgfalt in der Bereitung erfordern,
nimmt sie die Vermittelung europischer Privatleute zu Hlfe, denen sie
zum Theil Kapital zinsfrei vorschiesst, Frohnarbeiter stellt u. s. w.

Eine natrliche Folge des Kultursystems war, dass alle Privatindustrie
wegen der Konkurrenz, die sie dem Regierungsmonopol gemacht haben
wrde, in der Regel nicht gestattet war, und wo sie ausnahmsweise
gestattet wurde, meist nur unter Beschrnkungen aller Art und
eiferschtiger Kontrolle der Regierungsbeamten, die mit grosser
diskretionrer Gewalt bekleidet, nicht gern unabhngige Europer neben
sich duldeten. -- Ein so grossartiges und konsequent durchgefhrtes
Monopolsystem hat wohl noch nie und nirgends bestanden; um so glnzender
ist der Triumph der Freihandelsprinzipien, wenn auch seine praktischen
Folgen bisher noch gering waren; denn es hat sich die Thatsache ergeben,
dass das System, "das einst bestimmt schien, ganz Java in ein grosses
Kulturland zu verwandeln, in dem die ganze Bevlkerung fr Rechnung der
Regierung gewinnbringende Produkte fr den europischen baute (D. v.
T.)", auf die Erzeugung der meisten derselben nicht mehr Anwendung
findet, weil es nicht lohnend war, dieselben mit Frohnarbeit auf von der
Bevlkerung urbar gemachtem Boden selbst unter Aufsicht ebenso fhiger
und eifriger als rechtlicher Beamten zu bauen; whrend gleichzeitig
Privatleute, in so weit ihnen berhaupt der Landbau gestattet war, auf
gepachtetem Boden mit nach dem Marktpreis bezahlter Arbeit in denselben
Zweigen des Ackerbaues, welche sich die Regierung aufzugeben veranlasst
sah, glnzende Ergebnisse erzielten. Die Zuckerfabrikanten, die in Folge
ihrer Kontrakte Anspruch auf sehr billige Zwangsarbeit hatten,
verzichteten in manchen Fllen darauf, weil sie freie Arbeit billiger
fanden. Ja die Regierung selbst fand es zuweilen vortheilhaft, diesen
Weg einzuschlagen: bei den Wasserbauten in Surabaya kosteten die
Erdarbeiten 1 fl. 50 d. per Kubikmeter, bei Zwangsarbeit zu 20 d.
Tagelohn, und als man freiwillige Arbeiter zu 30 d. Tagelohn annahm,
0,60 d.; 2 freiwillige Arbeiter leisteten also so viel als 7,5
Zwangsarbeiter (Tijdsch. v. Nederl. Indie 1858, II. 294). Gegenwrtig
liegt den hollndischen Kammern ein Gesetzentwurf vor, wonach alle
Regierungskulturen, mit Ausnahme jedoch des Kaffeebaues, aufgegeben
werden sollen. --

[Illustration: WARONGS. JAVA.]

Hinter Gadok wird die Gegend immer schner: einzelne Gruppen
Fruchtbume, von Palmen berragt, erheben sich aus den Reisfeldern und
verbergen unter ihrem Laubdach die Desas (Drfchen), deren aus Bambus
zierlich geflochtene Htten zwischen einem Wohnhaus und einem Korbe die
Mitte halten. Jetzt hatten wir das Gedehgebirge, dessen hchster Gipfel
9326' erreicht, gerade vor uns. Es begann zu regnen, wir suchten Schutz
in einem ~Warong~; so heissen die Garkchen unter Bambusschuppen, welche
man auf allen Landstrassen Javas findet. Die in ihnen feilgebotenen
Speisen sind schmackhaft, mannichfaltig und unglaublich billig. Die
Zeche mancher Gste betrgt nicht ber 1 bis 2 Deuten, deren 160 erst
einen Gulden ausmachen. Arecansse, Betelpfeffer und Tabak fehlen nie im
Warong. An Speisen findet man namentlich Reis in den verschiedensten
Zubereitungen, getrocknete Fische und Ding-ding d. h. Fleisch von Hirsch
oder Bffel, das entfettet, in usserst dnne Scheiben quer gegen die
Muskelfaser geschnitten, mit Salz und Pfeffer bestreut, an der Sonne
getrocknet und wie Zwieback gegessen wird; ferner Sambals, sehr pikante,
stark gepfefferte Salate. Ausser Thee und Palmensyrup sind zur
Erfrischung hufig Kokosnsse, Bananen, Oranien u. s. w. vorhanden.
Ein eigenthmliches Gericht bestand aus 1/2 Zoll dicken Kuchen von
Erdnssen, katjang-tana, (Arachis hypogaea), auf denen ein zollhoher
oranienrother Schimmel wuchs. Die Erdnsse werden zur Grsse von Gries
zermahlen und die daraus gebackenen Kuchen wie die Roquefortkse so
lange in dunkeln, feuchten Rumen aufbewahrt, bis sich der Schimmel
gebildet hat, der ihnen erst den so geschtzten Geschmack giebt.[57]

Um die Warongs entfaltet sich fast immer ein buntes Volksleben. Da
erholen sich die mden Lasttrger unter dem Schatten eines breiten
Waringibaumes und tauschen mit den Nachbarn Neuigkeiten aus. Eine
besonders willkommene Staffage nach dem langen Aufenthalt in Singapore
waren die vielen Frauen. Sie tragen ihre kleinen nackten Kinder
rittlings auf der linken Hfte, untersttzt durch ein ber die
entgegengesetzte Schulter geschlungenes Tuch, Slendang; bei lngeren
Mrschen hllen sie dieselben in ein Stck Zeug, das sie tornisterartig
auf den Rcken binden, so dass nur Kopf, Arm und Beine herausragen, wie
die Glieder einer Schildkrte aus ihrer Schale; naht ein Fremder, so
zieht das Kleine auch gleich sein Kpfchen unter das Tuch zurck. Die
rmeren Weiber tragen hier gewhnlich kein anderes Kleidungsstck als
einen einfachen Sarong, der entweder unmittelbar ber oder unter der
Brust zusammengebunden wird und von da herabhngt. -- Starke Brste
werden hier nicht geschtzt. Im Gegensatz zur europischen Kleidung ist
die malayische mehr auf das Beseitigen als das Hervorheben derselben
berechnet.

[Illustration: PANGERANGO VOM MEGAMENDONG. JAVA.]

Hinter Levimalam gelangt man an den Fuss des Megamendong, der die Grenze
zwischen der Residentschaft Buitenzorg und den Preanger Landen bildet.
Die Strasse berschreitet ihn mit Verschmhung fast aller Zickzacklinien
auf einem Pass von 4620 Fuss. Daher ist dies Joch fr Lastwagen nicht
bersteigbar; leichte Postchaisen gebrauchen einen Vorspann von 6
Bffeln; der Gter-Transport geschieht durch Lasttrger, und wird
dadurch so vertheuert, dass er sich auf unentbehrliche Gegenstnde
beschrnken muss. Nur auf grossem Umwege und nicht zu allen Jahreszeiten
knnen die reichen Erzeugnisse des Ackerbaues aus den Preanger Landen
Batavia erreichen. Auf schwierigen Gebirgswegen werden sie in
Bffelkarren nach Tjikao, an die Grenze der grossen nrdlichen Ebene,
geschafft, und setzen von dort auf dem durch Aufnahme mehrerer Bche fr
Prauen schiffbar gewordenen Tjitarum in einem grossen Bogen und vielen
Windungen die Reise bis ins Meer, und dann zur See nach Batavia fort.
Da die Transportmittel so unvollkommen und der Boden in den Preanger
Regentschaften sehr fruchtbar ist, so sind dort alle Lebensbedrfnisse
sehr billig; der Pikul Reis kostet selten mehr als 1-1/2 bis 2 fl.; es
herrscht keine sichtbare Noth, aber auch kein Wohlstand, und grosse
Einfachheit der Sitten.[58] Ein schmaler khler Waldweg fhrt nach
einem nahe gelegenen kleinen See, Telaga-warna, einem alten
Kraterbecken. Die steilen Wnde sind mit dichtem Wald bekleidet,
zwischen den Hochstmmen viele Baumfarne, wilde Musen und Scitamineen.
Die alten Bume sind mit kletternden Farnen, Moosen und blhenden
Orchideen bedeckt. Das Wasser ist spiegelglatt, nicht ein Laut ertnt,
um das Gefhl der Waldeinsamkeit zu stren. Die Strasse steigt an der
Sdostseite des Jochs hinab: tiefe Schluchten erlauben hufig einen
Einblick in die Struktur des Berges. Es wurde dunkel, bevor wir
~Tjipanas~ erreichten, nach einer heissen Quelle benannt, die hier in
3390 Fuss Hhe am nrdlichen Abhang des ~Pangerango~ oder Gedeh-Gebirges
hervorbricht. Hier steht ein einfaches Landhaus mit einem grossen Garten
fr den General-Guvernr, der zwar nur selten Zeit hat, die Besitzung zu
besuchen; der Garten liefert ihm aber in dieser Meereshhe unter Leitung
eines europischen Grtners eine solche Flle der feinsten europischen
Gemse fr die Tafel, dass immer noch sehr viel fr etwa Durchreisende
brig bleibt, die das Glck haben, in der Wohnung des Grtners Aufnahme
zu finden. Heute gelang es nicht. Wir ritten nach dem einen Paal weiter
entfernten Padjit, wo ein ~Pasanggrahan~ steht, d. h. ein gerumiges
Haus mit Nebengebuden zur Aufnahme der im Dienste der Regierung
reisenden Beamten. In allen grsseren Orten giebt es Gasthuser, in
denen nicht mehr als 5 Gulden fr den Tag und die Person gefordert
werden darf. An solchen Orten, wo die Frequenz der Reisenden zu gering
ist, um die Kosten zu decken, macht die Regierung die nthigen
Zuschsse; an weniger besuchten Orten, besonders in den
Kaffeedistrikten, sind fr die kontrolirenden Beamten Pasanggrahans
angelegt. Hier traf ich einen mir schon dem Namen nach bekannten
deutschen Arzt, der mir fr den folgenden Tag einen Platz in seinem
Wagen zur Reise nach Tjandjur und Bandong anbot, was dankbar angenommen
wurde.

Am folgenden Morgen fuhr ich mit meinem neuen Bekannten, welcher
"Officier van Gezondheid" fr die Preanger Regentschaften war, vor
Tagesanbruch in offenem Wagen vierspnnig und von drei Vorreitern
begleitet weiter. In Folge des Gerusches, das ein ber den Wagen als
Sonnendach ausgespanntes Zinkblech verursachte, wurden die Pferde so
unlenksam, dass wir, um Zeit zu gewinnen zwei davon ausspannten und
zurcksandten. Das Mittel hatte den gewnschten Erfolg. Tjandjur war
bald erreicht, wir stiegen im Bungalow des Doktors ab. Whrend des
Frhstcks vertrieben uns zwei zahme Hirsche und zwei Affen die Zeit.
Einer der letzteren, ein behender Hylobat, war usserst drollig und
unerschpflich in Neckereien gegen einen Lotong (Semnopithecus maurus),
dem er an Gewandheit sehr berlegen war.

Tjandjur ist die Hauptstadt der Preanger Regentschaften, welche die
grsste Provinz Java's bilden und an interessanten geologischen,
namentlich vulkanischen Erscheinungen, malerischer Schnheit und
schnellem Wechsel zwischen hochkultivirten Lndereien und wilden
Gebirgs- und Waldlandschaften von keiner Provinz bertroffen werden. Das
ausserordentlich sanfte, liebenswrdige, einfache, biedere Wesen der
Bewohner verleiht ihr noch einen ganz besonderen Reiz. Das Verbot des
Opiums in dieser Provinz und die Ausschliessung der Chinesen -- nur
einige sind in den Hauptorten unter der unmittelbaren Aufsicht der
europischen Beamten zugelassen -- tragen gewiss wesentlich dazu bei die
Sitteneinfachheit aufrecht zu erhalten. Die Provinz fiel den Hollndern
nicht durch Eroberung, sondern durch Vertrge mit den einheimischen
Frsten zu. Als eine Folge davon haben die von ihnen abstammenden
Regenten eine etwas unabhngigere Stellung als die in den andern
Provinzen, und da sie meistens auch grosse Einknfte beziehen, so
fhren sie einen glnzenden Hofstaat, der viele interessante
Eigenthmlichkeiten darbietet. Die Bewohner dieser Provinz und des
ganzen westlichen Theils von Java sind Sundanesen und haben ihre eigene
Sprache. Im stlichen Java wird javanisch gesprochen, an den Ksten
malayisch, welches aber auch im Innern so verbreitet ist, dass der
Reisende damit ausreicht. Wir machten dem Residenten und brigen Beamten
unsern Besuch. Nachmittags sollte die Umgegend besichtigt werden, was
aber wegen heftigen Regens auf den folgenden Tag verschoben wurde.

15. Juli. Morgens 4 Uhr erschien zur Spazierfahrt ein vom Regenten
gesandter schner vierspnniger Wagen mit zwei Livrebedienten vor
unserer Thr. Nachmittags machten wir, von mehreren hollndischen
Beamten begleitet, einen Ritt durch Stadt und Umgegend. Die Huser der
Europer sind von Stein, einstckig, gerumig, meist mit einer
Sulenhalle versehen, das Erdgeschoss ist nur wenige Fuss ber dem Boden
erhaben, schne Grten umgeben sie. In den von den Eingebornen bewohnten
Stadttheilen herrscht nicht nur grosse Sauberkeit, auch Zierlichkeit
macht sich berall bemerkbar. Die Wnde der Huschen aus gespaltenen,
plattgedrckten, theils weissen, theils schwarz gefrbten Bambusen sind
nach hbschen Mustern geflochten. Ein gut im Stande gehaltener
Bambuszaun oder eine Hecke von blhenden Struchern fasst jedes Gehft
ein.

Die Eingebornen, Mnner und Weiber, kauern ehrerbietig nieder, nehmen
den Hut ab und verhllen ihr Gesicht, sobald der Zug naht. Als wir
vorgestern von Buitenzorg heraufritten, wichen uns die schwerbeladenen
Kulis aus, verliessen den schmalen glattgetretenen Pfad und gingen auf
dem kleinen vulkanischen Gerlle, womit die Strasse beschttet ist bis
sie an uns vorber waren. Wenn einige es nicht gleich von selbst thaten,
so verfehlte mein Reisegefhrte nicht, ihnen gebieterisch "~pinggir~"
(auf die Seite) entgegenzurufen. Auch schwer beladene Wagen wichen uns
aus.

16. Juli, 5 Uhr frh von Tjandjur abgefahren. Die Strasse nach Bandong
ist sehr bergig; wo es steil bergauf geht, werden drei Gespann Bffel
vorgelegt. Ueber den Tjitarum setzten wir in einer Fhre; der
diesseitige Bergabhang war so steil, dass die Pferde ausgespannt werden
mussten, der Wagen rollte durch seine eigene Schwere abwrts. Vier und
vierzig Menschen, die uns hier erwartet hatten, hemmten ihn vermittels
eines langen aus Bffelfell geflochtenen Strickes. Es ging sehr laut
dabei zu; den meisten Lrm machten natrlich die kleinen Jungen, die
unaufhrlich kommandirten. Um 10 Uhr Vormittags erreichten wir Bandong,
wo ich in dem gastlichen Hause des Assistent-Residenten die
liebenswrdigste Aufnahme fand. Nachmittags wurde ein geognostisch
interessanter und landschaftlich schner Wasserfall besucht.

Bandong liegt im westlichen Theile der grossen nach ihm benannten, rings
von vulkanischen Gebirgen eingeschlossenen 2100-2200 Fuss hohen Ebene,
einem der schnsten Gebiete dieser schnen Insel. Der fruchtbare
vulkanische Tuff, aus dem der Boden besteht, von den umgebenden
Waldbergen reichlich mit Wasser versehen, welches der Fleiss der
Bewohner in unzhlige Rinnen verbreitet hat, liefert jhrlich zwei
Reisernten. Hier herrscht ein ewiger Frhling. Am nchsten Morgen ritt
ich zu Junghuhn hinauf, der 1400' hher in Lembang am Fuss des
Tankubang-prau noch khler, aber auch feuchter wohnte. Ein Brief von
Humboldt verschaffte mir sogleich die herzlichste Aufnahme in dieser
sonst nur Wenigen zugnglichen Einsiedelei.[59] Die Thtigkeit des
berhmten Naturforschers war jetzt fast ausschliesslich auf die
Vermehrung und Akklimatisation der Cinchonapflanzen gerichtet.
Hier erneuerte ich auch die Bekanntschaft mit Dr. de Vrij, der als
Regierungschemiker sein Laboratorium in Bandong hatte und namentlich mit
der Bestimmung der Alkaloide der neu eingefhrten Cinchonen und mit der
Untersuchung und Ermittelung der den Kulturpflanzen gnstigsten
Bodenarten beauftragt war.




Zweites Kapitel.

    Reise nach Trogon. -- Strassen. -- Waringibume. -- Bogenschiessen.
    -- Religion der Javanen. -- Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch
    Wasser. -- Solfataren. -- Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga
    bodas. -- Kaffeebau. -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische
    Kche. -- Tnzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik.


Da der gefllige Arzt, der seit Padjet seinen Wagen mit mir getheilt,
grade eine Dienstreise nach Garut vor hatte und mir anbot ihn zu
begleiten, so arbeitete Junghuhn fr mich einen Reiseplan aus, der sich
mglichst an jene Reise anschloss und mir Gelegenheit gab, einige
interessante geognostische Excursionen zu machen. Nachmittags kehrten
wir nach Bandong zurck.

Unterwegs gingen vor uns einige Frauen mit Sonnenschirmen. Als der uns
begleitende Amtsdiener sie gewahrte, rief er "payong!" (Schirm), worauf
sie alsbald die Schirme zumachten und in voller Sonne an der Seite des
Weges niederkauerten, indem sie ihr Gesicht abwandten. Die Frauen
begngen sich nmlich nicht, wie die Mnner mit dem Niederkauern,
sondern wenden als einen gesteigerten Ausdruck der Unterwrfigkeit den
Europern den Rcken zu. Die kleinen Jungen machen es wie ihre Mtter
und nehmen aus Ehrerbietung eine Stellung an, die, da sie keine Hosen
tragen in Europa eher fr den Ausdruck des Gegentheils gelten wrde.

Abends war in Bandong "Receptie", wobei mir, wie spter noch oft bei
hnlichen Gelegenheiten, das elegante Franzsisch auffiel, welches in
den gebildeten Kreisen sehr allgemein zu sein scheint. Deutsch verstehen
auch die Meisten, englisch nur sehr Wenige. Auch sind die Englnder
wenig beliebt, das Volk nennt sie eine "Natie (spr. nazie) van
Zeeroovers", doch scheint trotzdem eine grosse gegenseitige Hochachtung
zu bestehen, wie sie sich wohl bei so langer zher Nebenbuhlerschaft
entwickeln musste.

18. Juli. Der Blitz hat die Brcke ber den Tjigaro zerstrt; eine
Depesche meldet, dass sie vor eilf nicht hergestellt sein kann; so
fahren wir denn erst um 9 Uhr ab. Unsere Reise geht nach Trogon ber die
ganze Ebene von Bandong. Links treten die sie nrdlich einfassenden
Berge dicht an die Strasse, rechts breitet sich die grne Flche aus,
ein ungeheures Reisfeld. In dem Pasanggrahan einer jeden Distriktsstadt
stehen Erfrischungen fr uns bereit: Thee, Wein, Obst und Gebck. Der
Bedana (Distriktshuptling) macht die Honneurs des Hauses, darf aber
nicht das Zimmer betreten ohne besondere Einladung der Reisenden und
darf sich nur setzen, wenn ihm ein Stuhl angeboten wird; sein Gefolge
kauert am Boden.

Durch das ganze Land fhren schne fahrbare Strassen, deren erste Anlage
man dem Marschal Daendels verdankt, der 1808-11, als Holland eine
franzsische Provinz war, hier schaltete. Sein Gedchtniss wird noch
lange in Java fortleben wegen der Energie, Willkr und Grausamkeit, die
ihn auszeichneten. Die Javanen nennen ihn tuwan- (Herr) besar- (gross)
guntur (Donner).[60] Die Flsse werden theils auf Fhren, theils auf
Brcken berschritten. Letztere sind auf belebten Strassen aus Holz und
berdacht, gewhnlich aber aus Bambus und, wenn auch nicht sehr
dauerhaft, doch schnell wiederherzustellen. Reist ein hoher Beamter in
wenig besuchten Gegenden, so sind oft Tage vorher hunderte von Menschen
thtig, um Wege durch den Wald zu bahnen und Brcken zu schlagen. Ausser
der Art wie ein Knig zu reisen kann man nur noch zu Fuss oder zu Pferde
fortkommen. Eilwagen und Omnibus sind mit Ausnahme einiger ganz kurzen
Strecken nicht vorhanden.

Mittags erreichten wir Trogon, am SO. Abhang des noch thtigen Vulkanes
~Guntur~. Wir stiegen bei dem Kontrolr ab, dessen Haus am Alun-alun
liegt, einem grossen viereckigen schn gehaltenen Rasenplatz, wie ihn
jeder grssere Ort in Java besitzt. Gewhnlich stehen auf demselben
einige Waringibume (Ficus benjamina und F. indica), unter deren weitem
Schattendach oft ein Trupp Reiter Platz hat. Diese herrlichen Bume
knnen mit ihrem dichten Laubdach einen ausserordentlich grossen Raum
berspannen. Von den horizontalen Aesten gehen Luftwurzeln aus, die wenn
sie den Boden erreichen, darin Wurzel schlagen und dann die Funktion
selbststndiger Stmme verrichten, obgleich sie immer noch mit der
Mutterpflanze zusammenhngen (vergl. S. 13 Rhizophoren); oft
verschlingen und verstricken sich viele solcher Luftwurzeln in der Nhe
ihres Ursprungs, whrend sie noch dnn sind und wachsen dann zu einer
einzigen sonderbar gewundenen Sule zusammen; auf dieselbe Weise bilden
sich zwischen den Sulen Bgen, die um so flacher sind, je entfernter
von einander die zu einer solchen Sule verwachsenen Luftwurzeln
entsprangen. So entstehen herrliche natrliche Tempel mit Sulengngen,
grossen und kleinen Hallen, von einer gewhnlich sehr regelmssig
geformten flachen Laubkuppel berwlbt. Es ist kein Wunder, wenn die
Phantasie der Menschen sie berall zu Wohnungen berirdischer Wesen
erkor. Der grsste Waringibaum auf Java soll sich in Bantam befinden;
noch viel grssere kommen in Indien vor, wo sie hufig von den Brahmanen
als Tempel benutzt werden; berall werden sie in hohen Ehren
gehalten.[61] Forbes, Oriental Memoirs I 25 erzhlt von einer solchen
Feige (F. microcarpa?) an den Ufern des Nerbudda: ... "Hohe Fluthen
haben zu verschiedenen Zeiten einen betrchtlichen Theil dieses
ausserordentlichen Baumes fortgerissen, aber das was noch steht hat, um
die Hauptstmme gemessen, fast 2000 Fuss Umfang. Die berhngenden
Zweige, die noch nicht Wurzel geschlagen haben, bedecken einen viel
grsseren Raum, darunter wachsen Anonen und andre Fruchtbume. Es sind
an 350 grssere und ber 3000 kleinere Stmme vorhanden; ein jeder
sendet fortwhrend Aeste und herabhngende Wurzeln aus, um neue Stmme
zu bilden.... Der Huptling von Putnah pflegte unter diesem Baum mit
grosser Pracht zu lagern; er hatte einen Empfangssaal, Speisesaal,
Gesellschaftssaal, Schlafzimmer, Bder, Kche und alle brigen
Rumlichkeiten, jede in einem besonderen Zelte; dennoch bedeckte dieser
herrliche Baum das Ganze zusammen mit den Wagen, Pferden, Kamelen,
Wchtern und Dienern; whrend seine weitreichenden Aeste schattige
Stellen boten fr die Zelte seiner Freunde mit ihren Dienern und ihrem
Vieh; und es ist bekannt, dass der Baum bei dem Marsche eines Heeres
7000 Mann Obdach gewhrt hat."

Am Alun-alun liegen fast immer die Moschee und die Huser der ersten
inlndischen Beamten. Auf einer Seite steht der Bobantjong, eine um
mehrere Stufen erhhte Plattform, unter einem von Sulen getragenen
Ziegeldache. Auf dieser Tribne pflegen die Regenten den Festen und
Volksversammlungen beizuwohnen, die in Folge des javanischen
Gemeinwesens periodisch auf diesen Pltzen stattfinden. Heute war die
Tribne von einem Musikcorps eingenommen. Von Zeit zu Zeit wechselte die
wohlklingende, obgleich etwas einfrmige Gamelangmusik mit einem
Sngercorps ab, das auf der andern Seite des Platzes im Schatten eines
Waringibaumes lagerte. In einiger Entfernung vor unserm Hause sassen
einige Huptlinge behaglich auf dem Rasen, umgeben von ihren Dienern und
schossen mit Pfeil und Bogen nach einem sechzig Schritt entfernten Ziel.
Die Bogen sind kaum 3-1/2 Fuss lang und werden horizontal gehalten.
Viele schiessen gleichzeitig, so dass immer eine Menge Pfeile in der
Luft schweben, nur wenige trafen die Scheibe. Sind alle Pfeile
verschossen, so laufen kleine Jungen herbei und bringen ihren Herren die
an der verschiedenen Farbe der Federn kenntlichen Geschosse zurck.
Frauen waren bei dem Feste nicht anwesend.

Gegen Abend besuchten wir eine drei Paal entfernte, in einer Schlucht
des Guntur gelegene warme Quelle. Sie ist rings von hohen ppig
bewachsenen Felsen umgeben; ein Riesenbaum beschattet sie so wie zwei
sehr zierliche Bambus-Tempel, in denen ein Paar fromme Eingeborne ihre
Andacht verrichteten. Die Javanen sind sehr oberflchliche Muhamedaner,
etwa so wie die Indianer der spanischen Kolonien Christen sind. Der
Islam hat bei ihnen keine tiefen Wurzeln geschlagen, neben ihm aber sind
grossartige Naturerscheinungen, die einen tiefen Eindruck auf ihr Gemth
machen, Vulkane, warme Quellen, auch Waringibume, Gegenstnde
religiser Verehrung. Sie glauben sie von Geistern bewohnt und bringen
ihnen Opfer. Mit wirklicher Innigkeit verehren sie auch Alterthmer aus
der Hinduzeit, besonders solche, deren Kunstwerth die Leistungen der
heutigen Javanen so unendlich bertrifft, dass sie von ihnen fr die
Werke hherer Wesen gehalten werden. Von den strengen Muhamedanern
unterscheiden sie sich besonders sehr vortheilhaft durch vllige
Duldsamkeit; die Frauen gehen unverschleiert und verkehren mit den
Fremden so frei wie in Europa.

19. Juli. Um 5 Uhr frh ritt ich von Trogon an der gestern besuchten
heissen Quelle vorbei, dann durch ein Bambuswldchen und noch eine kurze
Strecke den Abhang des Guntur hinauf. Der eigentliche Kegel, ein grosser
Schutthaufen, kann nur zu Fuss erklommen werden. Der Doktor und der
Kontrolr begleiteten mich eine Strecke weit. Eine Schaar Reiter hatte
sich angeschlossen und eine noch grssere Menge von Begleitern zu Fuss.
Jeder wollte etwas tragen; Einer hatte die Karte, Andere die Hmmer
genommen; brauchte man etwas, so war nichts zur Hand. Das sind die
Unbequemlichkeiten der Vornehmen.

Mit nur wenigen Begleitern erreichte ich um 9-1/2 Uhr den Gipfel, dessen
flach gewlbte Decke aus Sand und Rapilli besteht, und von einem grossen
Krater durchbohrt ist. Sehr auffallend trat hier die von Junghuhn so
deutlich hervorgehobene Erscheinung der mit dem Kraterrande
konzentrischen Risse hervor. Die dem Rande nchsten bildeten bereits
eine tiefe senkrechte Kluft, das durch sie abgetrennte Stck Bergwand
war nahe daran in den Abgrund zu strzen. Durch solche Einstrze wird
der Krater regelmssig erweitert. Seine Wnde sind oben senkrecht,
weiter unten durch die hinab strzenden Schuttmassen trichterfrmig. In
dem ganzen weiten Kessel ist nicht ein Dike[62] wahrzunehmen, und aus
der Abwesenheit derselben, die andere Vulkane wie ein Gerst durchsetzen
und ihnen Festigkeit geben, erklrt sich die hier so prgnant
hervortretende Erscheinung des regelmssigen Einstrzens der Wnde. Aus
allen Spalten, die mit der Entfernung vom Rande immer schmler werden,
drangen heisse Wasserdmpfe mit Chlorwasserstoff hervor; ich schtzte
ihre Temperatur auf 40 R. Der Abhang hat 22 bis 24 Neigung; das
Hinabsteigen ging schnell und bequem: wir kamen auf einen Streifen losen
Gerlles, auf dem man stehend durch seine eigene Schwere hinabrutschte,
indem man allmlig tiefer darin einsank; man hatte sich dann nur wieder
oben aufzustellen, um auf dieselbe Weise ohne alle Bemhung eine grosse
Strecke weiter befrdert zu werden.

Nachmittags fuhr ich mit dem Doktor nach ~Garut~, der Residenz des
Regenten, und da dieser in Folge eines Missverstndnisses nicht anwesend
war, Abends nach Trogon zurck. Unterwegs sahen wir eine sinnreiche
Verwendung der Wasserkraft, um einen Erdhgel nach einer mehrere tausend
Fuss entfernten Stelle zu schaffen. Man hatte einen in der Nhe
vorbeifliessenden Bach gegen den Hgel gelenkt, so dass er denselben
untersplte: Bffel traten die berhngende Erde in das Wasser, welches
sie weiter fhrte bis zu der Stelle, wo eine kleine Mulde damit
ausgefllt werden sollte. Dort war ein grosses Gitter von Bambus und
Reisig angebracht, welches die Erde wie in einem Sieb zurckhielt, das
Wasser durchliess.

20. Juli. Von Trogon ritten wir ber Pasir-kiamis, wo in der Nhe des
Pasanggrahans eine heisse Schwefelquelle hervorbricht, in sdwestlicher
Richtung durch herrlichen Hochwald auf einem neugebahnten Pfade nach
Kawa-manuk, einer Solfatara in trachytischem Gebirge mitten im ppigsten
dichten Walde. Sie soll erst 1772 bei dem Ausbruch des Papandayan
entstanden sein. Der ganze Boden ist im Umkreis von ein paar tausend
Fuss Durchmesser durch Wasser und heisse Dmpfe unterwhlt. Stsst man
ein Loch durch das zersetzte Gestein, so brechen beide mit Gewalt
hervor. Man muss durch vorsichtiges Tasten die Stellen aufsuchen, die
noch aus hartem Gestein bestehen; denn wer durch die dnne Kruste
brche, wrde in dem heissen Schlamm seinen Tod finden. Ich sah vier
grssere Becken von 20 bis 30 Fuss Durchmesser, in welchen der dnne,
dunkelgraue Schlamm hoch aufbrodelte; zuweilen spritzte er zwei Fuss
hoch. In andern Tmpeln war das Wasser bereits verdampft und hatte eine
feingeschlmmte Thonmasse zurckgelassen. An unzhligen Stellen brachen
Wasser und Wasserdmpfe hervor. Das Wasser enthielt viel
Schwefelwasserstoff. Ausser Schwefel, der sich ziemlich reichlich in
kleinen Krystallen gebildet hatte, fanden sich nur noch Gyps und Alaun
in geringer Menge. Der Trachyt kommt in allen Stufen der Zersetzung bis
zum reinen Kaolin vor. Mitten zwischen den kochenden Schlammsprudeln und
giftigen Gasen grnten und blhten noch einige Strucher, darunter
einige schne rothe Rhododendren, whrend enorme Bume von Laub und
Rinde entkleidet, verdorrt und gebleicht am Boden lagen und ihre Aeste
emporstreckten. Den grellsten Kontrast mit dieser Scene der Verwstung
bildete der ppige Wald, der sie dicht umgab.[63]

Als wir in den Pasanggrahan von Pasir-kiamis zurckkehrten, fanden wir
ein vortreffliches Mittagessen fr uns aufgetragen, eine Aufmerksamkeit
des Regenten von Garut, die um so berraschender war, als das Haus tief
im Walde liegt. Von hier ritten wir sdstlich bis ~Tjisirupan~, auf
neuen Bambusbrcken viele Bche berschreitend, die in weststlicher
Richtung aus dem vulkanischen Waldgebirge in den Tjimanuk eilen, welcher
das herrliche Thal von Trogon und Garut bewssert. Der letzte Theil des
Weges fhrt ber das untere Ende der Schuttmassen, die sich in einem
grossen Bogen bis zum Krater des Papandayan verfolgen lassen. Dieser
Vulkan hat in historischer Zeit nur einen, aber einen furchtbaren
Ausbruch gehabt. Im Juli 1772 wurde pltzlich ein grosser Theil des
bisher kegelfrmigen Berges zertrmmert und ungeheure Steinmassen, der
Neigung des Bodens folgend, schoben sich bis in das Thal von Garut,
vierzig Drfer verwstend, und fast 3000 Menschen begrabend.

In Tjisirupan standen muthige Bergpferde bereit, die uns nach
~Tjikatjang~ brachten, einer 3770 Fuss hoch, in fast gleicher Entfernung
vom Gunong Papandayan und Tjikorai, am sdlichen Abhang des sie
verbindenden Sattels gelegenen Theepflanzung, wo uns der Vorsteher, ein
junger Hollnder, auf das zuvorkommendste aufnahm. Von dem Betriebe
derselben sahen wir nur wenig, da wir am andern Morgen in Begleitung
unseres freundlichen Wirthes den Papandayan besuchten. Der Theestrauch
war ganz niedrig und kugelig gehalten, so dass die Pflanzung aus einiger
Entfernung wie ein grosses Kohlfeld aussah. Tjikatjang ist eine der
grssten Theeplantagen auf Java und beschftigt gegen 1000 freie
Arbeiter, deren Fleiss der Vorsteher sehr lobte.

Die Theekultur ist, ebenso wie die Erzeugung der meisten andern Produkte
fr den europischen Markt, von der hollndischen Regierung in Java
eingefhrt worden, und zwar erst seit 1835. Sie bildete einen Zweig des
"Kultur-Systems" und der Thee gehrte zu der Klasse von Erzeugnissen,
bei welchen, weil seine Herstellung bedeutende Sorgfalt erfordert, die
Vermittelung intelligenter Europer fr nthig erachtet wurde. Die
Regierung, die zwar auch selbst Thee baute, wies geeigneten Personen das
nthige Land an, stellte ihnen die erforderlichen Frohnarbeiter zur
Verfgung, schoss ihnen Kapital zinsfrei vor, verpflichtete dagegen die
Kontrahenten, ihr die Hlfte der Ernte zu einem bestimmten Preis zu
liefern, whrend ihnen ber die andre Hlfte freie Verfgung zustand.
Die ersten Versuche fielen sehr ungnstig aus, der Thee war von
schlechter Beschaffenheit, die Regierung hatte grosse Verluste; die
Unternehmer richteten sich meist zu Grunde. 1849 wurden neue Vertrge
abgeschlossen; die Kontrahenten bernahmen es, den Thee ohne
Zwangsarbeiter oder sonstige Hlfe der Regierung zu bauen, wogegen diese
sich verpflichtete, das Fabrikat zu einem etwas hheren Preise
abzunehmen. Sie glaubte wohl, dass ohne Zwangsarbeit wenig geliefert
werden wrde, es fand aber das Gegentheil statt; die Kontrahenten, die
inzwischen den Betrieb genau kennen gelernt hatten, wussten die
Bedingungen gut auszuntzen und machten glnzende Geschfte, so dass
eine Theepflanzung zu den gewinnbringendsten Unternehmungen auf Java
gehrte. Wie gross der Gewinn gewesen sein muss, lsst sich unter anderm
daraus schliessen, dass der Vorsteher der Theepflanzung Tji-katjang,
unser Gastfreund, als einige Jahre spter, nach dem Tode des Besitzers,
der Kontrakt meistbietend versteigert wurde, 600,000 Gulden bot, und
dennoch berboten wurde, obgleich der Vertrag nur noch 3 Jahre gltig
war. Zur Zeit, als die Kontrakte umgendert wurden (1849?), erhielt man
319 lb. Thee per Bau (1 Bau = 500 [Quadrat]Ruthen) zum Bruttowerth von
0,572 Gulden per lb., 1854 dagegen 548 lb. zum Werth von 0,821 Gulden
d. h. 80% mehr Produkt von 40% hherem Werth.[64] Die Regierung hatte
von dem grossen Fortschritt freilich keinen Vortheil, denn da der
Preis, den sie dem Fabrikanten in Java zahlte, hher war, als der
Marktpreis in Europa, trotz der hinzugekommenen Spesen, so wurde ihr
das ganze Fabrikat abgeliefert, und ihr Verlust war um so grsser, je
besser die Ernte ausfiel. Die vor Kurzem erloschenen Vertrge sind
daher nicht wieder erneuert worden.[65]

Der anfnglich sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserung der
Kultur und Fabrikation sehr gehoben, sein Hauptmarkt ist Holland und
Ostfriesland, er ist herber und strker als Chinathee und steht in
dieser Beziehung dem Assamthee nher, ohne ihm jedoch an Wohlgeschmack
gleichzukommen. Nach dem Urtheil Sachverstndiger wird er wohl im Stande
sein, nach Aufhren der Kontrakte seinen Platz auf dem Markt zu
behaupten und wahrscheinlich an Gte gewinnen, da das Publikum nur nach
dem wirklichen Werth, nicht nach einem mehr oder weniger genau
umschriebenen Schema zahlt.

Obgleich ich von der Bereitung des Thees nur einzelne Hantirungen mit
ansah, so mchte ich dennoch eine kurze Beschreibung des ganzen
Verfahrens geben, da es wohl nur wenig bekannt und das Produkt von so
grosser Wichtigkeit ist. Ich folge dabei einem ausfhrlichen Aufsatze in
der Natuurkundg. Tydsch, VII. 296.

Bei der Theefabrikation sind nur wenige Chinesen beschftigt, in manchen
Fabriken gar keine, in den meisten zwei bis drei Individuen, die aber
dann nur in der Fabrik, nicht in der Pflanzung, thtig sind. Etwa 35
Tage nach dem Beschneiden der Struche, frher oder spter, je nach dem
Klima, beginnt das Pflcken der Bltter, von denen sich 6-7 an den
jungen Trieben befinden. Die Pflcker der Spitzen kneifen die Spitze des
Zweiges, die Blattknospe sammt dem ussersten kaum hervorgetretenen
Blttchen ab; ihnen folgen die Pflcker der "Feinbltter", die den
grnen Zweig unter dem dritten Blatt abkneifen, also das zweite und
dritte Blatt sammt Blattstiel sammeln; dann folgen die Pflcker der
Mittelbltter, die unter dem fnften Blatt abkneifen, mithin das vierte
und fnfte Blatt sammt Blattstiel nehmen; ist das sechste und siebente
Blatt zart genug, um verwendet zu werden, so werden sie dergestalt
abgerissen, dass ein kleines Stckchen davon am Zweig sitzen bleibt;
dies geschieht, um die in den Achseln sitzenden Knospen zu schonen, aus
denen sich Zweige fr die nchste Ernte entwickeln sollen. Die eben
beschriebene Art des Pflckens gilt nur fr schwarzen Thee. Zum grnen
Thee wird die Blattspitze wie zum schwarzen Thee abgekniffen, die
brigen Bltter aber werden ohne Blattstiel abgenommen, wie oben bei dem
sechsten Blatt; der grne Thee enthlt also keine Blattstiele.[66]

Zur Bereitung des schwarzen Thees werden die eben gepflckten Bltter in
ziemlich dnnen Schichten der Sonne ausgesetzt; sehr gnstig ist es,
wenn dabei ein leiser Wind weht. Die Bltter werden mehrere Male
umgewendet und durch einander geschttet. Nach hchstens 30 Minuten, je
nach dem Wetter und der Temperatur, sind die Bltter ganz weich und
brunlich von Farbe, sie werden dann unter Dach gebracht; sumt man
damit, so frben sie sich rthlich, ein Zeichen, dass sie an Gte
verloren haben. In dem von einem Bambusgitter umgebenen Schuppen werden
die Bltter in Haufen aufgeschttet, es tritt Erhitzung und Ghrung ein;
sobald diese einen gewissen Grad erreicht haben, gewhnlich nach 1/2-3/4
Stunden, werden die Bltter ausgebreitet und dann von neuem gehufelt,
dies wird vier- bis sechsmal wiederholt; sie mssen dann eine
gleichmssige brunliche Farbe haben; an Stelle des frheren Grasgeruchs
zeigt sich schon Theegeruch.

In kleinen Mengen bringt man nun die Bltter in eingemauerte eiserne
Pfannen, die so erhitzt werden, dass nur durch Gewohnheit abgehrtete
Arbeiter im Stande sind, sie fortwhrend mit der Hand darin umzurhren,
um das Versengen zu verhindern. Die durch Entwickelung von Wasserdampf
allmlig ganz feucht und weich gewordenen Bltter werden dann auf einen
Tisch geworfen und geknetet: man nimmt deren so viel, als man mit beiden
Hnden fassen kann, und rollt sie zu einer Kugel zusammen, die aber
mehrere male wieder aus einander gerttelt wird, damit die Bltter sich
nicht zu fest zusammenballen. Nach diesem ersten Kneten bleiben sie 1/2
Stunde in dnnen Lagen ausgebreitet liegen, worauf sie abermals in der
Pfanne erwrmt und wiederum geknetet werden. Diesmal werden sie aber
nicht wieder auseinander geschttet, sondern zu Kugeln zusammengeballt,
die sich mit zwei Hnden bequem umfassen lassen, und in Krben ber
Kohlenfeuer getrocknet. Der Grasgeruch ist nun vllig durch das
eigentliche Theearoma ersetzt worden; der schwarze Thee ist fertig bis
auf das Sortiren, Sieben, Trocknen, Verpacken u. s. w.

Zur Bereitung des grnen Thees werden die frisch gepflckten Bltter
unmittelbar und so schnell als mglich in die angeheizten Pfannen
gebracht. Man lsst die Arbeiter nicht zu viel auf einmal pflcken, weil
die Bltter sonst leicht eine brunliche Frbung annehmen. Nachdem sie
2-3 Minuten in der Pfanne umgerhrt worden, wobei sie knistern und
knattern, werden sie schnell, damit sie nicht anbrennen, auf den Tisch
gebracht und geknetet; da sie nicht vorher an der Luft getrocknet waren,
so werden sie dabei so nass, dass die Feuchtigkeit abluft. Die Menge
der Bltter, die man auf einmal kneten, aber nicht auf einmal mit den
Hnden umfassen kann, wird gedrittheilt, um sie auszupressen; aus jedem
Drittheil formt man eine Kugel, die so fest ausgedrckt wird, dass der
grne Saft in einem Strahl herausspritzt. Manche splen auch diese
Kugeln in kaltem Wasser ab und pressen sie nochmals aus, um die
adstringirenden Eigenschaften zu mildern. Im Uebrigen weicht die
Bereitung des grnen Thees nur noch darin von der des schwarzen ab, dass
man jenen statt zweimal, fnfmal in die heisse Pfanne bringt und nach
jedemmal von neuem knetet, aber nicht mehr auspresst; er wird also viel
langsamer trocken, als der schwarze; andern Falls wrde er seine
frische, grne Farbe verlieren. Nach dem vierten Erhitzen in der Pfanne
enthlt er nur noch wenig Feuchtigkeit und hat eine etwas schwrzliche
Farbe; die schne blulich grne Farbe nimmt er bei der fnften
Erhitzung in einer nicht horizontal, sondern schrg eingemauerten Pfanne
an, wobei er 1/2 Stunde lang krftig und schnell umgerhrt wird. Er ist
dann vllig trocken. Die Spitzen der Zweige, welche auch bei dem grnen
Thee die feinste Sorte geben, werden strker ausgepresst als die andern
Bltter, gewhnlich auch mehrere male in reinem Wasser abgesplt. Sie
werden auch, wenn sie zart und klebrig genug sind, zwischen Daum und
Zeigefinger zusammengerollt, und geben dann den "Gunpowderthee". Das
Adstringirende, das den frischen Blttern zum Theil entzogen werden
muss, um sie geniessbar zu machen, wird also bei der Bereitung des
schwarzen Thees durch Ghrung, bei der des grnen Thees durch Auspressen
und Auswaschen entfernt.

Am nchsten Morgen ritten wir den sanften Abhang des gestern erwhnten
Schuttberges hinauf bis in den Krater des Papandayan. An einer Stelle,
die die Inlnder Luput nennen, konnten wir eine grosse Strecke weit eine
natrliche Treppe benutzen. Es fliesst an dieser Stelle ber die
Schuttmassen ein inkrustirender sehr eisenhaltiger Bach. Die von dem
angrenzenden Wald herabfallenden Bltter und Zweige werden von dem
Wasser eine kurze Strecke weiter bewegt, wobei sie wegen der vielen
Hindernisse immer eine Richtung quer gegen den Strom annehmen; so
entsteht eine Reihenfolge kleiner Dmme, die von dem darber
hinfliessenden Wasser durch eine Sinterkruste zu einer Treppe verbunden
werden. Schon ehe man die grosse Kraterkluft erreicht, brechen an vielen
Stellen heisse Quellen hervor, die chemische Thtigkeit nimmt immer mehr
zu und oben befindet man sich in einer Solfatara von wahrhaft riesigen
Dimensionen, eingefasst von mehrere hundert Fuss hohen senkrechten
Wnden weissgebleichten Gesteines, das in deutliche Bnke gesondert ist.
Der Boden der ungeheuren Kraterschlucht ist berall mit sublimirtem
Schwefel berzogen. An vielen Stellen sind grosse Massen desselben in
kleinen Krystallen angehuft, an andern Stellen sind sie zu braungelben
Krusten zusammengeschmolzen, die zuweilen einen Fuss Dicke erreichen.
Auch die grossen Trachytblcke, die jetzt frei auf dem Boden liegen,
sind mehr oder weniger zersetzt, auf allen Kluftflchen mit kleinen
Schwefelkrystallen bekleidet und lassen vermuthen, dass sie frher
relativ tiefer lagen, und dass ein grosser Theil der zu feinem Schlamm
zersetzten Kratersohle durch den Regen fortgeschwemmt worden ist.

Ein grosser Schuttwall zieht sich im Hintergrund quer von einer Seite
zur andern; man glaubt am Ende der Kraterschlucht zu stehen; hat man
aber den oberen Rand des Walles erstiegen, so sieht man jenseits alle
bereits angefhrten Erscheinungen sich in noch grsserem Maasstabe
wiederholen. Im Hintergrunde erblickt man wieder einen Schuttwall, der
diesen Theil der Kluft begrenzt und hinter diesem wieder andere, und in
jedem hher liegenden Felde der ungeheuren Solfatara nimmt die chemische
Thtigkeit zu. Gegen das Ende der Kluft sah ich eine Erscheinung, die
mir noch in keiner Solfatara vorgekommen war. Der Boden war mehrere
hundert Fuss im Quadrat mit maulwurfartigen Hgeln bedeckt, die durch
gewlbte Rippen zu einem ziemlich regelmssigen Netz mit einander
verbunden waren. Beim Aufschlagen einer solchen Rippe fand sich die etwa
1/2 Zoll dicke Decke mit Schwefelkrystallen dicht bekleidet.
Wahrscheinlich war die Kruste der Kratersohle an vielen Stellen durch
die Gewalt komprimirter Dmpfe sternfrmig zerborsten, so dass eine Art
von Netz entstand; wenn sich dann eine Schlammmasse darber ausbreitete,
und durch Verdampfen allmlig plastisch wurde, so knnen die aus den
Spalten heraufdringenden Wasser- und Schwefelwasserstoff-Dmpfe wohl im
Stande gewesen sein dergleichen hohle Rippen zu bilden und sie mit
Schwefelkrystallen auszufttern. An manchen Stellen brach der
Wasserdampf mit solcher Gewalt aus dem Boden hervor, dass nussgrosse
Steine im Dampfstrahle auf- und abtanzten. Kochende Schlammpftzen wie
in der Kawa-manuk waren in Menge vorhanden und der Boden in ihrer Nhe
ebenso gefhrlich zu betreten. Nach Junghuhn liegt der oberste Theil der
Kraterkluft 6600' hoch und wird im Halbkreis von 700-800' hohen Wnden
berragt. Vor dem grossen Ausbruch, durch welchen die Schlucht entstand,
bildete der Berg einen geschlossenen flachen Kegel.

Wir ritten nach Tjisirupan zurck, wo wir uns von unserm Begleiter
verabschiedeten und fuhren ber Trogon nach Garut, berall von
Gamelangmusik begrsst. Der Regent war schon nach Wanaradja
vorausgegangen, wo er uns nach dem ursprnglichen Reiseplan erwartete.
Da der Doktor aber heute noch in Garut zu thun hatte, so blieben wir die
Nacht im Pasanggrahan. Whrend wir in der Veranda Thee tranken, tanzten
vor uns auf dem Alun-alun einige Rongengs. Der Tanz war nicht ungrazis,
aber der begleitende Gesang zu gellend. Eine grosse Schaar inlndischer
Zuschauer hatte sich eingefunden; sie sahen mit lebhaftem Interesse zu;
zuweilen nahmen auch Einige an dem Tanze Theil, wofr sie einige Deuten
an die Tnzerin zu entrichten hatten. Als wir zu Bette gingen, liess der
Bedana Tanz und Musik pltzlich aufhren, und Alles musste nach Hause
gehen.[67]

22. Juli. Wir fuhren auf der linken Seite des Tjimanuk durch das reiche
Thal von Trogon-Garut nach Wanaradja, wo uns der inlndische Frst mit
einem Frhstck im Pasanggrahan erwartete. Dies war das niedlichste
Drfchen, das ich bisher gesehen. Es besteht ganz aus Bambus, die
einzelnen Huschen sind nach den zierlichsten Mustern aus schwarzen und
weissen Bambusstreifen geflochten; die Scheunen, Einzunungen und
Aussenhuschen so klein und so gefllig, dass das Ganze fast wie
hbsches Spielzeug aussieht. Nach dem Frhstck ritten wir auf schnen
muthigen Pferden des Regenten, die viel arabisches Blut enthielten,
nach dem auf dem Kamm der stlichen Thalwand gelegenen "Weissen See"
(telaga bodas.) Auf bequemer Strasse, die abwechselnd durch Wald- und
Kaffeegrten fhrte, erreichten wir das westliche Ufer des fast
kreisrunden Wasserbeckens. Das perlweisse Wasser sticht eigenthmlich
gegen den ppigen Wald ab, der es umsumt. Die Farbe erhlt es von dem
darin suspendirten feinen Thonschlamm, den die Thtigkeit der
Solfataren am Seeboden und am jenseitigen Ufer durch Zersetzung des
Gesteins ihm zufhrt. Auf einer mit einem Sonnendach versehenen, bereit
stehenden Fhre gelangten wir an das jenseitige Ufer. An vielen Stellen
des Sees brodelte das Wasser auf und verrieth durch den
Schwefelwasserstoffgeruch die vulkanische Thtigkeit auf seinem Boden.
Ich bergehe hier die vulkanischen Phnomene, die im Wesentlichen eine,
obgleich viel schwchere, Wiederholung der in der Kawa-manuk und am
Papandayan beschriebenen sind und fr die meisten der Leser kein
Interesse haben. Noch schner als der Ritt, der uns in den Wald
hineingefhrt hatte, war der Rckweg, der bei jeder Wendung eine andere
Aussicht ber das vom Guntur, Papandayan und Tjikorai begrenzte Thal
des Tjimanuk gewhrt. Es ist ungemein fruchtbar und reich bebaut. Auf
den Reisfeldern heben sich zahlreiche Haine von Fruchtbumen, die je
ein Drfchen verbergen, dunkelgrn ab. Viele Paal weit ritten wir durch
Kaffeegrten, welche in dieser Meereshhe (2000 bis 4000') besonders
gedeihen. Diese Hhenzone ist auf Java fr den Europer ein ungemein
reizvoller Aufenthalt, das Klima ein ewiger Frhling. Der Wald zeigt
sich hier in seiner ganzen tropischen Pracht, mehr noch als in der
tieferen Zone. Zwar treten die Palmen schon merklich zurck; von den
kultivirten ist nur noch die Arengpalme (Saguerus saccharifer Bl.)
hufig, aber die Calamusarten kommen hier erst recht zur Entfaltung
und durchziehen zugleich mit riesigen Lianen, deren einige schenkeldick
werden, nach allen Richtungen den Wald, die hchsten Stmme umwickelnd,
oder wie grosse Taue von Baum zu Baum gespannt. Zierliche kleine Areca-
und Pinangapalmen, oft mit schn gefrbtem Stamm und glnzend rother
Fruchttraube und Baumfarne, die bis 40' Hhe erreichen, treten hier
zuerst auf und verleihen dem Walde einen neuen Reiz. In dieser Zone
wachsen auch die Rasamala (Altingia liquidambar), Riesenbume, deren
Hhe nach Junghuhn's, an gefllten, unter den hchsten ausgewhlten,
Individuen angestellten Messungen bis 180' erreicht, whrend ihre
durchschnittliche Hhe 150' betrgt. Der Waldboden ist mit einem
Teppich von Lycopodien, Farnen und Krutern bedeckt, auf welchem sich
wilde Musen, Scitamineen, Alsophilen und Ardisien erheben. Wohl keine
Zone reizt den Sammeleifer des Grtners in hherem Maasse; die Aeste
sitzen voll Orchideen, epiphytischer Farne und Schmarotzer; hier findet
sich Alles, was den Treibhusern schon einzeln zum hchsten Schmuck
gereicht, in grsster Flle beisammen.

Wo der Wald zur Anlegung von Kaffeepflanzungen gelichtet, ist es nicht
minder schn. Breite, mit dichtem Grase bewachsene Strassen fhren
durch dieselben und sind zu beiden Seiten mit Hecken blthenreicher
Strucher eingefasst. Heute ritten wir wohl eine deutsche Meile weit
durch eine solche Pflanzung, deren Saum zu beiden Seiten des Weges aus
ppig blhenden Rosenhecken bestand. Die Kaffeestrucher tragen zwar
das ganze Jahr hindurch Blthen und Frchte, die eigentliche Blthezeit
fllt aber in den Herbst. Jetzt sassen Knospen in den Blattachseln, in
kleinen Bscheln zusammen, so dass die schlanken, herabhngenden, mit
glnzend dunkelgrnen, gegenstndigen Blttern dicht besetzten Zweige,
wenn sie blhen, lngs der Mittellinie mit einem weissen Streifen
wohlriechender Blmchen besetzt sein mssen. Ueber den Kaffeestruchern
schwebt in 30-40 Fuss Hhe ein leichtes, durchsichtiges Laubdach von
Erythrinen, die mit den jungen Kaffeestruchern zugleich gepflanzt
werden, um ihnen Schatten zu geben, aber viel schneller wachsen. So hat
man zur Blthezeit ein von scharlachrothen Blumen durchwirktes Laubdach
ber einem weissen Blthenwald. Wenige Tage nach der Blthe setzt die
Frucht an, in sechs Monaten ist sie reif, sie gleicht dann einer
dunkelrothen Kirsche, ist aber etwas lnglicher. Innerhalb der
ssslichen, fleischigen Hlle sitzen 2 Kaffeebohnen,[68] jede von einer
dnnen, zhen, pergamentartigen Haut fest umschlossen, mit den flachen
Seiten gegen einander; es sind die Samen, die lngliche Vertiefung in
der Mitte der flachen Seite enthlt den Keim. Nach der Ernte werden
zuerst die eingesammelten Beeren auf flachen Hrden an der Sonne
getrocknet. Um sie gegen Regen und den nchtlichen Thau zu schtzen,
mssen sie unter Dach gebracht werden; oft geht den Bauern bei lange
anhaltendem Regenwetter die ganze Ernte verloren, da Bohnen, die durch
Nsse schwarz oder unansehnlich geworden, im Packhaus nicht angenommen
werden. Ist nach 5-6 Wochen die Hlle trocken, so wird sie durch
Stampfen in mit Bffelfell ausgeftterten Gruben oder in hlzernen
Mrsern abgelst. Durch abermaliges Stampfen werden die aufs neue
getrockneten Bohnen von der Pergamenthaut befreit, eine Arbeit, die
viel Vorsicht verlangt, da zerstossene Bohnen einen grossen Theil ihres
Werthes verlieren.

Zur Anlage einer Kaffeepflanzung wird zuerst der Wald gelichtet; da
der Kaffeestrauch aber Schatten liebt, so lsst man zuweilen eine
gengende Anzahl Bume stehen und pflanzt zwischen den grossen auf dem
Boden liegenden Stmmen, die zu schwer fr den Transport, dem
Vermodern preisgegeben werden. Das Erzeugniss dieser etwas rohen
Kulturmethode, die mit dem Reisbau in Gagas (S. 133) verglichen werden
kann, ist in Java als Waldkaffee bekannt. Gewhnlich aber wird der
ganze Wald gefllt; die Stmme werden fortgeschafft oder verbrannt,
die Wurzeln ausgegraben, eine schwere Arbeit, die viele Hnde und die
Anwendung des Bffels erfordert. Steiniger Untergrund muss vermieden
werden, weil die Pfahlwurzeln sonst nicht in die Tiefe dringen knnen,
und schon ganze Pflanzungen aus dieser Ursache zu Grunde gegangen
sind. In den gesuberten Boden pflanzt man in 8-12 Fuss Abstand die in
besonderen Saatbeeten erzogenen oder aus abgefallenen Frchten
entsprossenen 12-15 Zoll hohen Smlinge. Die besten Pflanzen sollen
aus dem vom Musang (Paradoxurus musanga) ausgeworfenen Samen
spriessen.[69] In der Regel, namentlich in weniger als 2500' hoch
gelegenen Pflanzungen, werden die gefllten Waldbume durch besondere
Schatten gebende Bume, gewhnlich Dadap (Erythrina sp. div.),
ersetzt, die so gepflanzt werden, dass jeder Kaffeestrauch zwischen
4 Schattenbumen steht, daher der Name Dadapkaffee zum Unterschied
von Waldkaffee. Die Pflanzungen mssen besonders in den beiden
ersten Jahren sorgfltig gejtet, die Bume von schdlichen
Schmarotzerpflanzen und Thieren gesubert werden. Auch Erdarbeiten
sind nthig, um das Fortschwemmen des fruchtbaren Bodens durch die
heftigen tropischen Regen an den Bergabhngen zu verhindern.
Kunstgemsses Beschneiden der Zweige, worauf in Westindien so viel
Sorgfalt verwendet wird, weil es den Ertrag sehr vermehrt, findet in
Java bei den Regierungspflanzungen nicht statt. Im dritten Jahre trgt
der Baum die ersten Frchte, im vierten giebt er eine volle Ernte,
nach 12-14 Jahren ist der Ertrag so gering, dass er die Mhe des
Pflckens nicht mehr lohnt; der Boden ist erschpft, die Pflanzung
wird verlassen und "abgeschrieben". Um den Ausfall zu decken, mssen
daher die Beamten Sorge tragen, fortwhrend neue Pflanzungen
anzulegen; ein Zuwachs derselben hat aber in den letzten 20 Jahren
nicht stattgefunden.[70] Frher wurden die abgeschriebenen
Kaffeegrten der inlndischen Bevlkerung berlassen, die Regierung
frchtete aber, dass es mit der Zeit an passenden Lndereien mangeln
wrde, und lsst jetzt die verlassenen Pflanzungen brachliegen, damit
sie sich wieder erholen, d. h. damit durch allmlige Verwitterung des
Bodens wieder zur Erzeugung von Kaffeebohnen erforderliche Salze in
hinreichender Menge lslich werden. Man nimmt dazu im gnstigsten
Falle 10 Jahre an, so dass nach dem jetzt bestehenden System ein
wenigstens 10 mal so grosser Flchenraum, als wirklich in Produktion
ist, zur Verfgung gehalten werden muss. Fr Privatpflanzer, die nicht
unumschrnkt ber Arbeitskrfte und Grund und Boden verfgen knnen,
ist ein solcher fortwhrender Wechsel unausfhrbar. Sie dngen daher
den Boden, wie in vielen andern Kolonien, und ernten durchschnittlich
von alten und jungen Bumen zusammen je 1 lb., whrend die Regierung
trotz des Wechselns nur 1/2 lb. erhlt.[71] Der mittlere Ertrag steht
aber in Java weit unter demjenigen anderer Kaffeelnder, wo man 2, ja
3 und 4 lb. trockener, gereinigter Bohnen von jedem Baum erntet. Um so
auffallender erscheint es, dass gerade in Java der Kaffeebaum so
ausserordentlich vermehrt worden ist, dass auf dieser Insel, wenn man
die abgeschriebenen mitrechnet, vielleicht mehr Kaffeebume vorhanden
sind, als in allen brigen Kaffeelndern zusammen.

Nchst dem Reis, der das Hauptnahrungsmittel der Bevlkerung ausmacht,
hat keine andre Pflanze fr Java eine so grosse Wichtigkeit, als der
Kaffeestrauch, dessen Kultur mit den dortigen Zustnden in inniger
Wechselbeziehung steht. Java war eine der ersten Kolonien, in welche die
in Mittel-Afrika einheimische, obgleich Coffea arabica genannte Pflanze
eingefhrt wurde (1696); von Java verbreitete sich der Kaffeestrauch
ber Amsterdam (1706) nach Surinam (1719), Westindien (1722), und von
dort nach Bourbon.[72] -- 1795 lieferte Java 18,600,000 lb. Kaffee und
der Gewinn an diesem Artikel war schon damals die Haupteinnahme der alten
Kompanie. Als Marschal Daendels Guvernr war (1808-11), dehnte er, um
die Einknfte der Kolonie schnell zu vermehren, den Kaffeebau mit der
ihm eigenen Energie aus, und pflanzte 45,700,000 Strucher, wodurch er
ihre Gesammtzahl auf 72,669,860 brachte. Der gehoffte finanzielle Erfolg
trat aber nicht ein: 1811 eroberten die Englnder Java, dessen durch die
Kontinentalsperre vom europischen Festland ausgeschlossener Kaffee
fast werthlos wurde, so dass viele Pflanzungen wieder eingingen.
Raffles, der englische Guvernr und derselbe der spter Singapore
grndete, hob die Zwangsarbeit und die gezwungenen Lieferungen auf und
setzte eine Grundsteuer an die Stelle, was er vielleicht nicht gethan
haben wrde, wenn die gezwungenen Kaffeelieferungen eine bedeutende
Einnahmequelle fr die Regierung gewesen wren. Als 1816 die Hollnder
zurckkehrten, "verpachteten" sie die vorhandenen Kaffeegrten an die
Dorfgemeinden gegen eine Abgabe, die 36-53-1/3 % vom mittleren Ertrag
der Pflanzung gleichkam; ber den Rest durfte der Bauer frei verfgen,
und konnte ihn auch fr einen feststehenden Preis der Regierung
berlassen. Da letztere aber auf diese Weise nicht genug Kaffee erhielt,
so verbot sie spter allen Europern, Kaffee zu kaufen, und liess es
geschehen, dass ihre Beamten, um die Produktion zu vermehren, allerlei
Zwangsmassregeln anwendeten, so dass allmlig von der freien Arbeit und
freien Verfgung nichts brig blieb als der Name. -- 1832 wurde das
Kultursystem eingefhrt, wodurch die Kaffeeproduktion schnell vermehrt
und gnzlich in die Hnde der Regierung gebracht wurde. Jede Familie
eines Bergdorfes musste binnen 4 Jahren 600 Kaffeebume pflanzen und
unterhalten und 2/5 der Ernte an die Regierung als Grundsteuer, 3/5 "zum
Marktpreis" liefern. Da es gewiss sehr schwierig ist, bei gezwungenen
Lieferungen einen Marktpreis zu ermitteln, so machte die Regierung im
Februar 1833 bekannt, dass sie selbst den Marktpreis jhrlich bestimmen
wrde. Der von ihr festgesetzte Preis wurde bis 1844 beibehalten, 1845
ermssigt und 1858 in eine "Belohnung" verwandelt, die nach dem
Beschluss der hollndischen Kammern (Gesetz vom 2. Sept. 1854, Art. 56)
"dem bei den Regierungskulturen beschftigten Eingebornen bei gleicher
Arbeit wenigstens gleichen Gewinn, als bei freier Kultur, gewhren
sollte." In Folge dieser offenbar im Interesse der inlndischen
Bevlkerung erlassenen Bestimmung und trotz des hheren Werthes des
Kaffee erhielt der Bauer nun 9,20 Gulden per Pikul, d. h. 0,80 Gulden
weniger als 1833 und 0,87 Gulden mehr als seit 1844. Der mittlere
Marktpreis betrug damals in Java 28,73 Gulden per Pikul, so dass dem
Bauer bei freiem Verfgungsrecht nach Abzug von 2/5 Grundsteuer noch
immer 17,23 Gulden geblieben wren, wovon er indessen den Transport bis
zum Hafen zu zahlen gehabt htte. Dafr muss die inlndische
Bevlkerung die Kaffeepflanzungen nach Anweisung der Regierungsbeamten,
die gewhnlich keine praktische landwirthschaftliche Kenntnisse
besitzen, oft sehr fern von ihren Drfern anlegen und unterhalten. Sie
mssen sich auf eigene Kosten verpflegen, ihr Haus und Feld steht
whrend der Zeit verlassen. Das Risiko, ob die schwere Arbeit nach 4
Jahren durch volle Ernten lohnen wird, ist nicht fr Rechnung der
Regierung, welche die Befehle ertheilt, sondern fr Rechnung der
Bevlkerung, welche sie ausfhrt. -- Kein Kaffee, keine Bezahlung; die
Arbeit war dann vergeblich; der Regierung entgeht nur der Gewinn, den
sie am Kaffee gemacht haben wrde. Es werden jhrlich Hunderttausende
von Bumen gepflanzt, die nie Frchte tragen und der Bevlkerung nicht
den geringsten Lohn einbringen. Kein Wunder, wenn der Eifer bei diesen
Arbeiten nicht gross ist.

Es leidet wohl keinen Zweifel, dass die Zwangsarbeit, der im Verhltniss
zur Mhe ungengende Lohn, die Hauptursache des geringen Ertrages der
Regierungspflanzungen ist, besonders bei der Unmglichkeit einer
ausreichenden Beaufsichtigung. Die Zahl der europischen Kontrolre ist
so gering, dass sie trotz dem besten Willen und Eifer nicht den zehnten
Theil der ihnen anvertrauten Pflanzungen gehrig verwalten knnen. Ihre
Zahl betrgt etwa 200; jeder einzelne hat daher, abgesehen von den
vielen andern ihm obliegenden Geschften, die Aufsicht zu fhren ber
1-1/2 Million Kaffeebume und ber die zuweilen gleichzeitige Arbeit von
mehr als 2000 Menschen, in Pflanzungen, die oft meilenweit von einander
entfernt liegen. Trotz aller Mngel, die diesem von der Regierung selbst
betriebenen Gewerbzweig anhaften, liefert derselbe jhrlich so
bedeutende Ueberschsse, dass man sich nicht wundern darf, wenn das
tiefgreifende, die Grundlage der Verwaltung ausmachende System nicht
ohne Weiteres zu Gunsten liberalerer Theorien aufgegeben wird. Es ist
freilich berechnet worden, dass diese Ueberschsse nur einen scheinbaren
Gewinn darstellen, und dass die Regierung durch Verpachtung und Verkauf
ihrer Pflanzungen an Privatleute, selbst wenn der Ertrag derselben
dadurch nicht vermehrt wrde, an Steuern und Ersparnissen viel grsseren
Vortheil ziehen wrde, als gegenwrtig, besonders wenn auch das Monopol
der Handelsmaatschappij aufgehoben wrde. Wenn die gewhnliche Annahme,
dass die Pflanzungen in Hnden von Privatleuten den doppelten Ertrag,
d. h. 1 lb. per Baum liefern wrden, wirklich in Erfllung ginge, so
wre der Gewinn einer solchen Maassregel in die Augen springend; denn
die 2/5, welche die Regierung als Steuer erhebt, wren = 4/5 des
Quantums, das sie jetzt erhlt, und der Gewinn an dem fehlenden
Fnftel wrde vielfach aufgewogen durch die Ersparung der gesammten
Kulturkosten und durch die Pacht der vorhandenen Pflanzungen oder die
Zinsen des Verkaufskapitals. Bevor aber nicht in andern Kaffeelndern
die Produktion hinreichend gestiegen sein wird, um die Preise
herabzudrcken und der Regierung Verlust statt Gewinn zu bereiten, ist
eine durchgreifende Aenderung des Systems wohl nicht zu erwarten.

Nach Tisch berraschte uns der gefllige Regent von Garut mit einem
Wayang (javanisches Schattenspiel, das die Stelle des Theaters
vertritt). Gespielt wurde in einem um wenige Stufen erhhten, an einer
Seite offenen Bretterhause. Auf einem darin aufgespannten grossen
weissen Tuche erscheinen die Schatten der dramatischen Figuren, die
usserst zierlich aus Leder ausgeschnitten, und obgleich dem Zuschauer
nur als Schatten sichtbar, reich bemalt und vergoldet sind. Die Gelenke
sind beweglich. Das Stck fing vor Sonnenuntergang an und dauerte bis
Sonnenaufgang, also ziemlich genau zwlf Stunden. Ein und derselbe Mann
spricht die ganze Nacht hindurch den Dialog, wobei er nur zuweilen durch
Gesang und Musik unterbrochen wird. Allein durch Genuss von Opium soll
es ihm mglich sein, diese grosse Anstrengung auszuhalten. Das
Schauspiel ist der javanischen Mythe entlehnt. Der Dialog wurde
javanisch rezitirt, obgleich die Zuhrer Sundanesen waren. Da wir den
Text nicht verstanden, so zogen wir uns bald zurck. Mehrere hundert
Zuhrer hatten sich eingefunden und folgten der Auffhrung in regster
Spannung; trotz gelegentlicher Regenschauer hielten fast alle, auf dem
Boden vor der Bhne kauernd, bis zum Ende aus; in dem gerumigen Hause
standen nur drei Sthle fr den Regenten und seine beiden Gste.

Als wir uns am folgenden Morgen von dem gastfreien Frsten trennten, lud
er uns zu einer jener berhmten Hirschjagden ein, die gegen Ende der
trockenen Jahreszeit, nachdem die grossen mit Alang-alang-Gras
(Saccharum Koenigii Retz.) bedeckten Flchen abgebrannt worden, in den
Preanger Regentschaften stattfinden. Das Alang-alang erreicht eine Hhe
von 3-5 Fuss. Grosse Strecken Landes sind namentlich im Sden der
Preanger Regentschaften von solchen Graswsten bedeckt, die an die
Stelle ausgerodeter Wlder treten, sobald die Kultur in den Lichtungen
wieder aufhrt. Es sind undurchdringliche Gebiete, die zahlreichen
Hirschen, Wildschweinen und Tigern zum Aufenthalte dienen. Gegen Ende
der trockenen Jahreszeit pflegt man die Graswsten zu verbrennen; dann
finden auf dem nun zugnglichen Boden jene berhmten Hirschjagden statt,
denen ich leider nicht beigewohnt habe, die aber der Beschreibung nach
so interessant sind, dass sie wohl Erwhnung verdienen. Die inlndischen
Frsten begeben sich mit zahlreichem Gefolge auf das Jagdgebiet und
verfolgen den Hirsch auf sehr edlen, zu dem Zweck besonders
abgerichteten Pferden, welche wegen ihrer Flchtigkeit "Kuda-burong"
(Vogelpferde) genannt werden; sie sind ungesattelt; der Reiter trgt
ausser Hut und Jagdmesser nur eine kurze Hose, die so ausgeschnitten
ist, dass er nackt auf dem nackten Pferde sitzt. Sobald ein Hirsch
sichtbar wird, verfolgt ihn das Pferd mit dem Eifer eines Jagdhundes und
sucht, wenn es ihn erreicht, dicht an seine Seite zu springen, worauf
der Reiter mit einem Hiebe des Jagdmessers, der die Rippen
durchschneidet, das Thier erlegt. In Batavia sah ich spter eine solche
Jagd auf einem grossen Oelbilde von dem talentvollen inlndischen
Knstler Raden Saleh dargestellt, der seine Kunst auf Kosten der
hollndischen Regierung bei den besten Meistern in Europa erlernt und
nebenbei Eugne Sue das Modell zum Prinzen Djalma geliefert hat. Unser
Regent rhmte sich, auf solche Weise bereits 127 Hirsche erlegt zu
haben.

Bei dieser Gelegenheit hrte ich auch zum erstenmal eine Geschichte,
die mir spter noch fter von sehr glaubwrdigen Mnnern wiederholt
wurde. Ein General-Guvernr fragte bei seiner Durchreise Herrn L. B.,
einen reichen Pflanzer und grossen Tigerjger in Salatiga, wieviel
Tiger er schon getdtet habe? Antwort: 144. Als sich der Guvernr bei
seiner Rckkehr nach einigen Tagen die Zahl schriftlich erbat, gab L.
B. 148 an. "Nun wundere ich mich nicht mehr ber die grosse Summe",
antwortete der Guvernr; "neulich waren es nur 144, und heut sind es
148." "Allerdings," antwortete Herr L. B., "denn gestern habe ich
vier Tiger erlegt."

23. Juli. Von Wanaradja setzten wir in nrdlicher Richtung die Reise
durch das Manukthal fort bis Tjihorrai, wo das Gebiet von Sumedang
beginnt, das gleichfalls zu den Preanger Regentschaften gehrt. Junghuhn
hatte dem Assistent-Residenten unsern Reiseplan mitgetheilt und fr uns
seine Untersttzung erbeten, wie dies bei reisenden Regierungsbeamten
blich ist, bevor sie eine neue Provinz betreten. Danach waren alle
Anordnungen getroffen mit einem Aufwand von Ehrenbezeugungen, von dem
man sich in Europa keine Vorstellung macht. An der Grenze erwartete uns
ein Trupp von dreissig uniformirten Reitern mit Fahnen. Sobald wir die
fr uns bereit gehaltenen Pferde bestiegen hatten, setzte sich der Zug
in Bewegung. Es war ein schner Anblick, als die bunt kostmirten Reiter
auf den schmalen Zickzackpfaden der Bergabhnge hinter Felsen und
Baumgruppen abwechselnd erschienen und verschwanden. An mehreren Stellen
waren neue Brcken ber die Bche geworfen. Der Weg fhrte stlich in
das Gebirge hinein. Als wir Malembong erreichten, empfing uns ausser der
Gamelangmusik, an die wir nun schon gewhnt waren, auch noch ein
Sngerchor. Whrend der Abendmahlzeit entfalteten vor unserer Veranda
ein Paar tanzende Rongengs ihre Reize beim Scheine des Mondes und
einiger Dammarfackeln, von einem zahlreichen Zuschauerkreise umgeben,
whrend im Hintergrunde mehrere hohe vulkanische Gipfel in die klare
Luft emporragten. Die Tnzerinnen singen beim Tanzen javanische,
gewhnlich improvisirte Strophen. Zuweilen kommt im Gesang etwas
ergreifend Wildes vor, das auch fr europische Ohren Reiz hat.

24. Juli. Von Malembong nrdlich nach Pawenng. Hier hlt der Wagen
still. Ein Trupp Reiter wartet auf uns, um uns ins Gebirge zu begleiten,
worauf wir im Wagen den Weg nach Sumedang, der Hauptstadt des Distrikts,
fortsetzen. Auf allen Stationen steht fr uns der Tisch gedeckt, das
Mittagessen fertig. Wir entscheiden uns endlich fr Derma-radja, wo
wilder Pfau, appetitliche malayische Karis und mannigfaltige Sambals uns
anlockten.[73] Der Bedana, der hier die Honneurs machte, ein hbscher
junger Mann, war der Sohn und muthmassliche Nachfolger des Frsten von
Garut. Seine Hflichkeit war zwar eben so gross, als die der brigen
Bedanas, doch sprach sich dabei gleichzeitig unverkennbar eine gewisse
Vornehmheit aus. In Sumedang schickte der Regent seinen Wagen mit einer
Einladung zu einem malayischen Ballet, die mit Vergngen angenommen
wurde, da seine Bedajas (Privattnzerinnen) die berhmtesten im ganzen
westlichen Java sind. Der Frst, ein mit 36 Kindern gesegneter
Familienvater, von denen zehn oder zwlf der Jngsten in reichen,
goldgestickten Kostmen anwesend waren, empfing uns in seinem Palast an
dem Ende eines langen Saales; er war usserst liebenswrdig gegen seine
Gste, und entwickelte dabei eine gewisse Frivolitt, wie ich sie selbst
bei einem ~javanischen~ Muhamedaner nicht vermuthet htte. Es fanden
sich noch mehrere Europer ein, und als die Gste vollzhlig waren, gab
er das Zeichen zum Anfange.

Vier Tnzerinnen mit goldenem, helmartigem Kopfputz, oranienrother Jacke
ohne Aermel und einem blau und weiss gestreiften Sarong, der bis zum
Boden reicht, traten in zwei Paaren am andern Ende des Saales ein. Sie
hatten Lanzen in den Hnden und gingen mit niedergeschlagenen Augen
feierlich um den ganzen Saal. Bei jedem Schritt machten sie Halt und
verneigten sich nach der einen und andern Seite. Sobald dieser Umgang
vorber, schlug die Musik eine muntere Weise an, der ein lebhafterer
Abschnitt des Tanzes folgte. Der dritte Abschnitt stellte eine
Herausforderung dar. Die Tnzerinnen trugen dabei Pfauenwedel, mit denen
sie einander verchtlich berhrten. Darauf folgte der Kampf, wobei Kris,
Pfeil und Bogen angewendet wurden; er schloss damit, dass zwei
Tnzerinnen, als die Besiegten, niedersanken. Der letzte Akt schien
Trauer und Reue ber das Vorgefallene auszudrcken. Leider konnte keiner
der Anwesenden die Bedeutung des Tanzes genauer erklren. Jeder
Abschnitt hatte seine besondere Musik, die zuweilen sehr ergreifend und
hinreissend war, einige male fiel auch ein Sngerchor ein.[74] Der ganze
Tanz war ungemein feierlich und ist gewiss religisen Ursprungs. Alle
Bewegungen waren grazis und ausdrucksvoll, aber gemessen; der Ausdruck
des Gesichts blieb immer schwermthig und sehr ehrerbietig, drckte aber
eben so wenig die wirkliche Stimmung der muthwilligen Mdchen aus, als
das stereotype Lcheln unserer Ballettnzerinnen nach anstrengenden
Sprngen dies thut. Die nackten Fsse waren sehr schn geformt, klein
und so wohl gepflegt, wie die Hnde eleganter Damen. Zwei Mdchen hatten
recht hbsche Gesichter, alle waren wohl gewachsen. Wahrscheinlich
stammen diese Bedajas noch aus der Hinduzeit, auch erinnert der Kopfputz
sehr an die Wayangfiguren.

Bei dem Assistent-Residenten sah ich eine Sammlung auf Java gefundener
Alterthmer: Bronzen von zum Theil vorzglicher Arbeit, die einen hohen
Zustand der Kunst verriethen (die aber vielleicht von ausserhalb
eingefhrt waren), und eine Sammlung von Waffen, Gerthschaften und
Schmucksachen aus Kiesel, welche, wie ich erfahren habe, jetzt nach
Leyden gekommen sind, und als Proben eines unserer Steinzeit parallelen
Zeitalters auf Java von hohem Interesse fr Archologen sein drften.




Drittes Kapitel.

    Reise nach dem Malabar. -- Cinchonenpflanzungen daselbst. --
    Cinchonenbau in Java und Vorderindien. -- Tischchen deck dich. --
    Bambus. -- Grtnerei. -- Pangerango.


In Sumedang trennte ich mich von meinem bisherigen so geflligen
Reisegefhrten, kehrte nach Bandong zurck und schloss mich Herrn de
Vrij an, der eine Dienstreise nach Gedong-banteng, einer mitten im
Urwalde auf dem Malabar (nach Junghuhn: Malawar) angelegten
Chinapflanzung machte, die er aus Geflligkeit bis zu meiner Ankunft
verschoben hatte. Die Ebene von Bandong wird im Sden zum grossen Theile
von den Vorbergen des Malabar begrenzt, der sich von einer sehr breiten,
fast quadratischen Basis in sanfter Neigung ber 7000 Fuss erhebt. Im
Osten scheidet ihn das enge, gewundene Thal des Tjitarum von dem
Gebirgszug, auf dessen stlichem Abhang die frher besuchte Kawa-manuk
liegt, und dessen sdliches Ende der Papandayan und sein grosser
Trmmerberg bildet. Der an der sdstlichen Ecke des Malabar im tiefsten
Urwald entsprungene Tjitarum wchst durch Aufnahme vieler Bergwsser so
schnell, dass wir vor der nordwestlichen Ecke desselben Berges auf einer
Fhre bersetzen mussten. Im Galopp ging es dem Berge zu. Ein kleiner
Schaden am Wagen war unterwegs schnell ausgebessert; Bambusen stehen
berall zur Hand, sie lieferten Schienen und Hebebume; ein
gelbblhender Hibiscusbaum, den man auch gewhnlich an der Strasse
findet, gab seinen zhen Bast zu Stricken. Der Javane trgt auf Reisen
stets sein Haumesser an der Seite; es ist in seinen Hnden ein
Universalinstrument, vermittelst dessen er den Bambus allen seinen
Bedrfnissen anzupassen weiss. Den letzten Theil des Weges legten wir zu
Pferde zurck. Zuerst durch Kaffeegrten, dann durch Urwald reitend,
erreichten wir Tjinruan, wo in 4820' Hhe eine Chinapflanzung angelegt
ist, deren nhere Besichtigung auf morgen verschoben wurde, da wir noch
vor Sonnenuntergang den Gipfel des Berges erreichen wollten. Die
Eingebornen nennen ihn Puntjak tuwan besar: "Gipfel des grossen Herrn",
weil ihn der General-Guvernr im Jahre vorher gelegentlich eines Besuchs
der Chinapflanzungen erstiegen hatte. Dies ist auch der Grund, warum ein
bequemer Reitweg mitten durch den Urwald bis auf die Spitze fhrt, deren
Hhe nach einer oben aufgestellten Tafel 7200 Fuss betrgt und einen
grossartigen Rundblick gewhrt: aus dichten, zum Theil nie betretenen
Wldern, deren dunkles Grn im Norden durch die Kulturebene von Bandong
unterbrochen wird, steigt ein ganzer Kranz von Vulkanen empor.
Gunong-guntur und -papandayan sind mit Dampfsulen geschmckt; eine
andere, die sdwestlich aus dunklem Walde hervorbricht, bezeichnet die
Solfatara des Gunong-wayang; in grsserer Ferne erblickt man die Vulkane
Tjikorai, Gelungung, Gedeh, Tjerimai und Slamat. Mit einbrechender
Dunkelheit kehrten wir nach Gedong-banteng zurck, wo ein gemthliches
Haus mitten im Walde fr die Inspektoren der Chinapflanzungen steht. Wir
brachten einen hchst angenehmen Abend inmitten der grossartigen
Einsamkeit zu, die erst spt durch vier alte Rongengs gestrt wurde,
welche der Distrikthuptling aus besonderer Aufmerksamkeit gegen seine
fremden Gste von weither herbeigeschafft hatte.

Am folgenden Tage besichtigten wir die Cinchonapflanzungen, die in
verschiedenen Hhen auf dem Malabar angelegt sind, sowie die
Gewchshuser, in denen lange Reihen von Tpfen mit Stecklingen und noch
viel grssere Mengen von Bambusgefssen mit je einem Samen zum Keimen
aufgestellt waren. Ueberall war musterhafte Ordnung, Sorgfalt, ohne
Rcksicht auf Kosten, und das ernste Streben sichtbar, alle Hindernisse
zu berwinden, die sich bisher der Akklimatisation dieser werthvollen
Bume entgegengestellt hatten. Das Ergebniss hat aber den aufgewendeten
Mitteln nicht entsprochen. Die Ursache wird mit Recht der Kulturmethode
zugeschrieben, doch liegt sie noch weit mehr im "Kultursystem", durch
welches der Fehler, auf den man bei einem ersten Versuch gefasst sein
musste, so ausserordentlich vergrssert wurde. Die Englnder, die
mehrere Jahre spter Cinchonen von Sdamerika nach Indien brachten in
der Absicht, den Anbau derselben Privatleuten zu berlassen, hatten
einen beraus glnzenden Erfolg, der in diesem Maasse freilich nur durch
Zusammentreffen nicht vorherzusehender Umstnde herbeigefhrt werden
konnte. Ihre Aussichten waren aber gleich von vornherein viel gnstiger:
denn im Fall des Misslingens htte es sich nur um einen verfehlten
Versuch im Kleinen gehandelt, und fr das Gelingen desselben war die
Wahrscheinlichkeit weit grsser als in Java; denn unter den vielen, ber
die verschiedensten Lokalitten vertheilten intelligenten Privatleuten,
denen man im Falle eines ersten Misslingens die Pflanzen zu weiteren
Versuchen berlassen haben wrde, wre es doch wohl dem Einen oder dem
Andern geglckt, eine passende Kulturmethode zu finden -- (genau so ist
es mit dem Theebau in Indien gegangen, der zuerst fehlschlug und jetzt
so glnzende Resultate giebt) -- und ebenso war die fortschreitende
Verbesserung der Methoden durch die Strebsamkeit vieler an der Kultur
Betheiligten gesichert. Die fast gleichzeitige Einfhrung der
interessanten Pflanzen in beide Lnder, und die Verschiedenheit der
Ergebnisse, in Folge der verschiedenen befolgten Systeme sind
selbstredend. Als im December 1854 die ersten Cinchonen aus Holland in
Java eintrafen,[75] wurden sie von den Herren Hasskarl und Teysmann in
einer Lichtung auf dem Gedeh in 4400' Hhe gepflanzt. Die Wahl des Orts
war, wie sptere Erfahrung lehrte, eine sehr unglckliche. Die grosse
Trockenheit und grelle Sonne in so geringer Meereshhe und der
felsharte, nur von einer dnnen Erdschicht bedeckte Untergrund wirkten
so verderblich, dass nach 18 Monaten nur noch 300 krnkelnde Pflanzen
brig waren. Im Dezember 1855 brachte Junghuhn 139 im botanischen Garten
von Leyden gezogene junge Pflanzen nach Java und bergab sie Herrn
Hasskarl; sechs Monate spter waren 76 davon todt. Im Juni 1856 nahm Hr.
Hasskarl wegen Krankheit seinen Abschied; Junghuhn erhielt selbst die
Leitung, zugleich kam Dr. de Vrij als Chemiker nach Java und wurde mit
bei der Chinakultur angestellt.[76] Nun begann ein neues System; Geld
wurde nicht geschont, und es wurde befohlen, dass die Kultur bis zum
vlligen Gelingen unter der Leitung wissenschaftlicher Mnner bleiben,
dann aber in den gewhnlichen Betrieb der Provinzialregierungen
bergehen sollte. 1857 blhten einige C. Calisaya und C. Pahudiana, 1858
trugen sie Samen. Die Samen von C. Calisaya, einer anerkannt
vorzglichen Art, reiften aber nicht in so geringer Meereshhe, whrend
C. Pahudiana reichlich Samen lieferte und auch viel ppiger wuchs als
jene. Diese Umstnde verleiteten Junghuhn, dem es darum zu thun war,
schnell eine grosse Menge Pflanzen zu erhalten, letztere fast
ausschliesslich zu kultiviren und die guten Arten zu vernachlssigen,
obgleich die C. Pahudiana jedenfalls von zweifelhaftem Werth war.
Hasskarl hatte sie als C. ovata bestimmt, Junghuhn, der den Fehler
entdeckte, nannte sie C. lacumaefolia, nach einer eingebildeten
Aehnlichkeit mit dieser Spezies von Pavon; erst Howard, der berhmte
Monograph der Cinchonen, erkannte sie als eine neue, unbeschriebene Art
und nannte sie dem General-Guvernr zu Ehren C. Pahudiana. Das
Hauptversehen in Java war die ungeheure Vermehrung dieser Art, die von
Markham durchaus werthlos genannt wird: auch wollte kein Hndler ihre
1862 auf die Londoner Ausstellung gesandte Rinde kaufen. De Vrij's
Urtheil ist nicht ganz so ungnstig.[77]

Folgendes war Junghuhn's Kulturmethode: Blumentpfe, aus
Bambusinternodien bestehend, wurden mit fein gesiebter Erde gefllt und
im Innern des Waldes in Beete von aufgeschtteter Erde eingesetzt, die
an den Abhngen der Gebirge terrassenfrmig angelegt waren. Ein Dach von
trockenem Grase, von Stangen getragen, hoch genug, um Seitenlicht
einzulassen, schtzte die Tpfe gegen herabfallende Regentropfen. Diese
Saatbeete waren von 200-500 Fuss Lnge und zogen sich in parallelen
Reihen, wie Stufen eines Amphitheaters, zwischen den Bumen hin. Jeder
Topf enthielt nur einen Samen. Die Erde wurde immer feucht gehalten,
indem sie zweimal tglich durch Ausdrcken eines Schwammes angewssert
wurde. Die Tpfe blieben in den Saatbeeten stehen, bis die Pflanzen etwa
einen halben Fuss hoch waren, was ungefhr 8 Monate erforderte, und
wurden whrend dieser Zeit alle 5 oder 8 Tage gewendet, um das
Krummwachsen der Pflanzen zu verhten.

Zum Zweck des Anpflanzens wurden einige schne, gerade Hauptwege lngs
der Bergkmme durch den Wald geschlagen und in Entfernungen von 25 Fuss
durch Querpfade verbunden. An den Seiten dieser Fusswege waren tiefe
Grben gezogen und mit gesuberter Erde gefllt, so dass etwas erhabene
Bnke mit Rinnen zur Ableitung des Regenwassers entstanden. Die jungen
Pflanzen wurden in die lose Erde dieser Bnke gesetzt, worauf 4 starke
Pfhle in den Boden getrieben und 4 oder 5 Fuss ber der Spitze der
Pflanze fest verbunden wurden. Dies sollte sie ein paar Jahre lang gegen
herabfallende Zweige, tropfendes Wasser und wilde Thiere schtzen. Auf
diese Weise hatte man Tausende von Fusswegen durch die Wlder geschlagen
und mit Cinchonabumen bepflanzt.

Junghuhn hatte den entgegengesetzten Fehler von Hasskarl begangen; man
weiss jetzt, dass sein Verfahren, die Pflanzen in den dichten Schatten
der Wlder zu setzen, ganz falsch war, da sie Luft und Licht bedrfen,
um reichlich Alkaloide zu bilden. Ebenso ist es jetzt ausgemacht, dass
die Behandlung der Samen der Grund war, warum so wenige keimten. Der
Versuch, die Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, gab in Java sehr
ungnstige Resultate, weil die Stecklinge viel zu gross waren. Wre man
in Java auf die spter von Mac Jvor in Ootacamund mit grossem Erfolg
angewandte Methode verfallen, zur Vermehrung sehr kleine Ableger und
Knospen zu benutzen, so knnte man dort jetzt Millionen von Calisayas
statt werthloser Pahudianas besitzen.

Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass
man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen
948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgeset. Whrend die Hollnder
nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454
Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in
Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen,
ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore
gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der
beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden
Samen sehr trocken, pflanzte die Smlinge in grosser Meereshhe und
vermied namentlich den tiefen Schatten der Wlder.

An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen,
bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, whrend sie im Schatten
von Waldbumen dnn und schwach in die Hhe schiessen und wenig Chinin
entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle
Cinchonaarten den hchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie
in der grssten Meereshhe wachsen, in der sie berhaupt noch gedeihen.
Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr
verkrppelter Wuchs durch die grosse Meereshhe des Standorts veranlasst
ist. Die Englnder haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als
Strucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jhrlich geerntet
werden kann. Die hollndische Methode, im Schatten hoher Waldbume zu
pflanzen, weil die Bume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden,
ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde
benutzt werden kann und sie immer sehr dnn und arm bleibt. Aber selbst
wenn sie dann reich an Alkaloiden wre, so wrde der Nutzen der
Einfhrung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Mglichkeit
einer reichen Ernte nach 30 Jahren wrde in gar keinem Verhltniss
stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann
mchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40
Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!

Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom
6. Juni 1863: "Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der
Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden
Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen
gezogenen Pflanzen[79] an ffentliche Gesellschaften abzulassen, die
sich gebildet haben, um sie fr den Handel anzubauen". Herr Howard
erklrt, dass alle von kleinmthigen Botanikern gehegten Befrchtungen,
als wrden in Ostindien knstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben
Alkaloide enthalten, wie die in Sdamerika natrlich gewachsenen, ohne
Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn
Markham's Bemhungen sind also mit vollem Erfolg gekrnt worden.

Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf
Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie,
da er grsseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. -- Herr de Vrij,
der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 grndlich
untersuchte, theilt ber Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes
mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat
alte Smlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er
sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige
5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen
Regierung geschenkt hatte, kam krnkelnd im April 1862 in Ootacamund an,
sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge
Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich
in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. -- Derselbe hat Herrn de Vrij
brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein
werde, zwischen 3000 und 5000 lb. Chinarinde als Ertrag der
Neddiwultum-Pflanzung zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000
Pflanzen ausgepflanzt wurden. Nach dem englischen System, die Pflanzen
als Strucher auszubeuten, verzinst sich das Anlagekapital nach
hchstens 4 Jahren und giebt dann zunehmenden Ertrag, so dass bereits
viele Privatleute veranlasst worden sind, diese Kultur fr eigene
Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861 wurde die weitere Vermehrung
der C. Pahudiana auf Java durch Regierungsbeschluss untersagt.
Nach einem Bericht des jetzigen Vorstehers der Chinakultur (Tijd.
v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwrtig unter den Pahudianas grosse
Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber nicht Lust zu haben, den
Ausfall zu ersetzen; dagegen schlgt man Oeffnungen in die Wlder,
um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und ist bestrebt, diese zu
vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr gering.

Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. Mrz 1866) sind von Ceylon
reife Cinchonensamen ber Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap
der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und
Queensland werden die Calisayas schon mit vollstndigem Erfolg
kultivirt. Den Hollndern gebhrt zwar das Verdienst, die Cinchonen
zuerst auf die stliche Halbkugel bersiedelt zu haben (ein frherer
Versuch der Franzosen, sie in Algier einzufhren, war misslungen), die
Englnder haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem
Gegenstande des Landbaus gemacht und sie ber fast alle Lnder
verbreitet, in denen sie gedeihen knnen.

Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus sdlich unternahmen, war durch
ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir
fanden daher die Waldwege in ihrem gewhnlichen Zustande. Acht Stunden
lang kletterten wir ber schlpfrige Thonrcken und erreichten
Pamorotan, das zur Frhstckstation bestimmt war, erst so spt
Nachmittags, dass die Weiterreise fr heut aufgegeben werden musste.
Hier stand ein gerumiger, aber ganz verdeter Pasanggrahan, da
dergleichen Gebude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter
die Station besucht, fr ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht
angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet
hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas fr unsere
Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des
Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen
Waldbumen umher. Diese Gegend ist sehr sprlich bevlkert. Dichter Wald
fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblcken dahinrauscht. Es
herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer pltzlich mit
verbundenen Augen dahin versetzt wrde, knnte sich in der Nhe einer
grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Gerusch der
Insekten. Besonders unangenehm und alles bertnend war ein schriller
Laut, der tuschend wie das Gerusch einer Schleifmhle klang. Andere
Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Rder in
schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollstndigte
die Illusion. Nie wieder habe ich hnlichen Lrm in einem Walde gehrt.

Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden
wir Alles wie durch Zauber verndert. Das vorher so stille Gehft war
jetzt voll Leben und Thtigkeit, und noch immer kamen neue Zge von
Kulis und trugen allerlei Gegenstnde der Bequemlichkeit herbei. In den
Schuppen waren die Pferde der Huptlinge untergebracht; auf dem Hofe
brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine
grosse Anzahl Arbeiter waren beschftigt, frisch gefllte Bambusen
vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Mbel, Haus- und Kchengerth zu
verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnsthle waren bereits vollendet, und
eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus
Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem
Durchmesser, die einen Zoll hoch ber einem Knoten abgeschnitten waren,
whrend das entgegengesetzte lngere Ende in drei Theile gespalten,
auseinandergespreizt, durch Querstbe verbunden und mit einem Stein
beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschftigt, das Dach
auszubessern. In dem lnglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum,
der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte
Vorhnge zwei kleine Gemcher abgetrennt worden; in jedem stand bereits
ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit
weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun
vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr
mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie
das "Tischchen deck' dich" im Mhrchen.

Je lnger man in diesen Lndern verweilt, um so mehr wchst das
Erstaunen ber die unzhligen ntzlichen Verwendungen einiger Pflanzen,
unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebhrt.
Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine
Mbel; in einer Bambusrhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht
verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er
nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes
Gemse geben, darin zu kochen.

Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerst des Hauses
aus Bambus; die Wnde aus plattgedrckten geflochtenen Halmen; die
Dcher werden zwar gewhnlich mit Palmenblttern oder Gras gedeckt, aber
auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit
Wasser gefllte, von der Dachfirste paarweise herabhngende gerumige
Internodien bilden einen stets bereiten Lschapparat. Schuppen, Stlle,
Scheunen, fast smmtliches Ackergerth, sowie der Zaun um das Gehft,
bestehen aus Bambus.

In einem unter dem Dach horizontal aufgehngten, an einem Ende mit einem
Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die
dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie spter beschrieben werden
soll, bei dem Frben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem
ganzen Drfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun,
der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhhten Bnken, auf
welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hngt in
mehreren Exemplaren ein eigenthmliches Instrument zum Fangen der Diebe
und Bsewichte; es besteht aus zwei armdicken Bndeln dnner
Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelfrmig an einer Stange
befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.

In vielen malayischen Lndern, wo der Fluss die einzige Strasse durch
den dichten Wald bildet, erheben sich am Ufer und namentlich an den
schlammigen Mndungen Gruppen von Htten auf Pfhlen (vergl. die Ansicht
von Rochor). Wie bei den alten Pfahlbauten sind sie hufig durch eine
gemeinschaftliche Gallerie verbunden. Wenn nicht zu den Pfhlen
Palmenstmme (gewhnlich Caryota urens) verwendet sind, so besteht Alles
aus Bambus. Nirgends springt einem die Bequemlichkeit des Lebens der
Tropenbewohner mehr in die Augen, als in dergleichen Ansiedelungen.
(vergl. S. 50 unten.)

Fast die ganze mehrere hunderttausend Seelen betragende Bevlkerung der
Hauptstadt von Siam lebt in Husern, die auf Bambusflssen schwimmen,
und in meilenlangen Reihen zu beiden Seiten des Flusses und der Kanle
am Ufer festgemacht sind. Gefllt Einem seine Nachbarschaft nicht, so
schwimmt er mit der Ebbe oder Fluth stromab- oder aufwrts.

Fr alle Arten von Gestellen, Gersten, Gittern, Rahmen ist der Bambus
unbertrefflich; ausser der gewhnlichen Leiter erhlt man eine etwas
weniger bequeme, aber viel tragbarere durch blosses Einhauen von Lchern
in den Halm. Er liefert ebensowohl die zierlichen Kfige fr kleine
Singvgel oder Prachtkfer, als auch die grossen, in denen bei
Festlichkeiten Tiger und Bffel kmpfen. Soll in Hongkong ein grosses
steinernes Haus gebaut werden, so fhrt man erst ein den usseren
Umrissen hnliches grsseres Gebude aus Bambus auf, und deckt es mit
Bambus- oder Palmenblttern, unter deren schtzendem Dache dann die
Arbeit, unbehindert durch Regen oder Sonnengluth, um so schneller
fortschreitet. Steinerne Theater sind, wie ich glaube, in ganz China
nicht vorhanden; selbst das Theater in Canton, das eine grosse
Zuschauermenge fasst, bestand nur aus Bambus.

Allerlei Hausrath, Sthle, Tische, Webesthle, Betten sind von Bambus;
das lange krause Geschabsel dient zum Polstern; khlere und elastischere
Kissen erhlt man, indem man eine feine Bambus- oder Rotangmatte ber
zwei in ihren Mittelpunkten an den Enden eines Stabes befestigte
Scheiben straff spannt. Nicht nur die Htte der Armen ist mit Bambus
mblirt, auch in der Wohnung des Reichen findet man ihn in Form bequemer
Schlummersthle und in allerlei zierlichen Gerthschaften wieder. Vor
der Veranda hngen Rollvorhnge aus feingespaltenen, durch Seidenfden
an einandergeknpften Stbchen, die zwar die Luft durchlassen, aber,
namentlich wenn sie dunkelgrn gefrbt sind, das Licht angenehm dmpfen.
Dort findet man auch die zierlichsten Krbchen und knstlich geschnitzte
Becher. Die lackirten Bambusdosen von Birma sind berhmt und in
Palmbang berzieht man Krbe aus dnnen Bambussphnen mit einem Lack,
der so elastisch ist, dass man sie vllig umstlpen kann, ohne dass
Sprnge entstehen.

Ein Span von keilfrmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der
kieselreichen usseren Schicht gebildet wird, giebt ein sehr scharfes
Messer; bei den feinen Pia-Webereien benutzt man nie ein anderes. Auch
zu chirurgischen Operationen wird es verwendet. Dieselbe ussere Schicht
liefert aber nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen sehr
wirksamen Wetzstein, um eiserne Messer zu schrfen.

In China wird das meiste Papier aus Bambus erzeugt, auch das in Europa
fr Kunstdrucke so geschtzte. Bei den Pinseln, die in China die
Schreibfedern vertreten, bestehen die Schfte aus Bambus; grbere Pinsel
macht man sich leicht, indem man das eine Ende eines Bambussplints so
lange mit dem Hammer klopft, bis sich die einzelnen Lngsfasern
trennen.[81]

Fr die Jagd und den Krieg liefert der Bambus Blasrhre, aus denen
vergiftete Pfeile geschossen werden, Pfeilschfte und Pfeilspitzen,
Lanzen, Palissaden, spanische Reiter, auch Fusslanzen (6'' bis 2' lange,
zugeschrfte Bambusspiesse, die so in den Boden gesteckt werden, dass
nur die Spitzen hervorragen, welche mit Spreu oder lockerer Erde
bedeckt, dem barfssigen Feinde gefhrliche Wunden beibringen). Der
Dornenbambus, eine bis 40' hohe, sehr dickbuschige, vielverzweigte,
berall mit scharfen Stacheln bewehrte Art, bildet einen
undurchdringlichen Wall, gegen den selbst Artillerie kaum etwas vermag,
so dass die Hollnder, durch ihre Erfahrungen im Kriege gegen die Padrys
auf Sumatra belehrt, ihn jetzt immer um ihre eigenen Festungen pflanzen.

[Illustration: BAMBUSBRCKE. JAVA.]

Dem Fischer liefert der Bambus unbertreffliche Flsse, Masten,
Segelstangen, Spreitzen fr Mattensegel, Reusen, Fangkrbe, Speere zum
Spiessen grosser Fische und "Ausleger", um sein schmales Boot gegen
Umschlagen zu schtzen. Zu diesem Zwecke whlt man etwas bogenfrmige
Halme, die dem Boot parallel, die konvexe Seite nach unten, in
Entfernung einiger Ellen vermittelst zweier Querstangen befestigt
werden. Je nach der Strke des Windes taucht das Rohr auf der Leeseite
mehr oder weniger tief ein und sttzt das Fahrzeug. Die Verwendung des
Bambus zu Brcken geht am besten aus den Zeichnungen hervor,[82]
ausserdem aber baut man auch solche, die flossartig im Wasser liegen. In
Bambusen, deren Enden in einander gefgt sind, leitet man das Wasser
grosse Strecken weit ber Berg und Thal.

Eine kletternde, sehr zhe, dnne Art liefert gespalten, allerlei feines
Flechtwerk, auch Stricke, sogar Scke. Ja selbst Jacken machen die
Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke
eines Rabenkiels in halbzoll lange Stcke schneiden, wie Schmelzperlen
auf Fden ziehen und zu quadratischen Maschen verknpfen. Chinesische
Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Krper, um ihr
weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schtzen. Aus
Bambusblttern bestehen die Regenmntel der Armen und die groben
Regenschirme der Hker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland
bekannten Stcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen
und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen,
und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.

Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu
bewegen, Tragkrbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nthige liefert,
um Krbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in krzester Zeit zu flechten. Zur
Bewahrung kleiner oder flssiger Gegenstnde dienen unmittelbar die
Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse fr Flssigkeiten und
Krner bestehen daraus.

In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente fr ein ganzes Orchester.
Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flten und Pfeifen, Wie die
Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwhnt. Auch die
abscheuliche chinesische Fidel "hii-eng" besteht aus Bambus. (In ein
3-4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut
trommelartig bespanntes Rohr, welches den Krper der Geige bildet, ist
seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem
Ende die Wirbel fr zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der
Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong,
bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Lnge, die an einem
Gestell hngen und durch Aneinanderstossen in tnende Schwingungen
versetzt werden. Logan erwhnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning
sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: "Denn was knnte
khner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch
aus dem Walde 30-40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Lcher
in ein musikalisches Instrument zu verwandeln."

Fr religise Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen,
Kapellen und Kreuze. (Fr die Erziehung ist der Rotang beliebter und
wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: fr jeden Indier, der geboren
wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden
aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren fr den
Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die
eigenthmlichen Wurfhlzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das
Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer
Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die
Hlzer so lange, bis sie endlich eine gnstige Antwort erhalten.

Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei
den Wilden blichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht
trockenen Halm von 2-3' der Lnge nach in der Mitte, schabt aus den
inneren Wandungen die silberglnzende weiche Haut und das weiche Holz so
fein als mglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen,
die auf den Boden gelegt und mit der einen Hlfte des Halms bedeckt
wird, so dass sie oben gegen die Wlbung drckt. Von der andern Hlfte
spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches
lattenfrmiges Stck zurckbleibt, dessen eine Seite zugeschrft wird.
Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder
durch Pflcke festgehalten wird, gerade ber der Stelle, wo das feine
Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmlig den Druck und die
Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die
Lngsfasern, die Wrme wchst bei der starken Reibung sehr schnell, und
in dem Augenblick, wo das Gewlbe durchschnitten ist, entzndet sich das
verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden
Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmlig zu einem
Flmmchen genhrt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt
jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.

Endlich mchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwhnen, die
frher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen
ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen
Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird
erzhlt, dass man, nachdem die lngeren Halme entfernt worden, den
Verbrecher horizontal ber den Stumpfen aufspannte, um ihn von den
jungen Trieben durchwachsen zu lassen.

Manche Bambusarten haben sehr dicke Wnde im Verhltniss zu ihrem
Durchmesser, andere sehr dnne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des
Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dnnwandige Bambusen von 70' Lnge und
26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an),
die bis zur Spitze mit Wasser gefllt waren. Diesem Wasser wird eine
besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines
krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider
nicht auffinden konnte. Noch grssere Heilkraft schreibt man den
Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem
Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse
Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er
wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als
Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitten gehen nach
Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.

Von der Schnheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhhe
freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei
Windstille nach allen Seiten gleichmssig zur Erde neigen, wie die
Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkmmerten
Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhuser unmglich einen
Begriff machen. Sie bertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an
landschaftlicher Schnheit. Es wre ein wrdiger Versuch fr einen
reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu
schmcken. Ein gemauertes, durch Rhren heizbares Becken, mit einem im
Sommer abzunehmenden Glashause wrde gengen; vielleicht wren selbst
einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Frstin Butera bei
Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schne Art.)
Rings um die Mittelgruppe knnte man niedrigere Arten mit goldgelben und
gelb und grn gestreiften Halmen setzen, deren es usserst zierliche
giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und
wenigen Millimetern, die Hhe erreicht 70-80', abgesehen von den
kletternden, welche viel lnger werden; die Farbe umfasst sehr
verschiedene Tne von grn und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte
und schwarze; und es trifft sich glcklich, dass gerade die schnste
aller Bambusarten im nrdlichen China in einem Klima wchst, das von dem
Sd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt
gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Sd-Frankreich,
Italien und hnlichen Gegenden im Freien gedeihen mchte. Er sagt von
ihr (Residence among the Chinese pg. 189): "Die Mau-tschok ist die
schnste Bambuse der Welt -- 60-80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos
bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und
gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeintrchtigt." Wie
alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen
ihre volle Hhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man
zu sagen pflegt. Fortune, der hufige Messungen in den chinesischen
Bambuswldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2 - 2-1/2' in
24 Stunden wchst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause
ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouch berichtet, dass eine im
freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende
Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss.
Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie tglich gemessen und wuchs 10' in
38 Tagen, also durchschnittlich 3-1/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen
Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.

Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergngen, Hrn. de Vrij
nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwhnte
erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Hhe von Hasskarl und Teysmann
angelegt worden war. Bei dem Grtner in Tjipanas, das an demselben
Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und
angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen
Frhlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann
sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Krper zu
erfrischen. Daher wrde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher
besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge,
lstige Passwesen fr sie ein Hinderniss wren.[83]

Die Grtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas
beschrnkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss hher den Berg
hinan, wodurch es mglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus
klteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere
feine europische Gemse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus
Blechbchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der
Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grsster Flle vorhanden und wurden nach
andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europische Fruchtbume
sind zwar auch hher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr
Blthen und Frchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den
Bumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am
schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche,
die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so ppig, dass
weiter oben grosse Flchen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehft
in etwa 4000' Hhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das
hollndische "Aardbei" aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen
vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem
Malabar, wie Markham irrthmlich angiebt. Schne, bequeme Reitwege
fhren nach verschiedenen Richtungen, -- auch bis zum Gipfel des ganzen
Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewhnlich aber wohl Pangerango
genannt, auf welchem jetzt ein gerumiges, heizbares Bretterhaus steht,
wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und
knnen unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230'
hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen knnen. Gruppen
riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die kstliche Vanda
suaveolens findet sich nirgends in grsserer Flle) folgen auf einander,
und hher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder
gelben Blthenbschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewhnlich
epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak berschreitet man auf einer
Brcke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fllt. Bald
darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder
Verwstung, vorber: auf einem weiten Raum wchst keine Pflanze, enorme
Felsblcke und Schutt bedecken die Oberflche, dazwischen liegen grosse
zertrmmerte Baumstmme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur
von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelst und dass das
Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man
einen ausgezeichnet schnen und weiten Umblick, dessen interessantesten
Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenfrmigen
Gesteinsbnken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer
liegt.




Viertes Kapitel.

    Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. -- Tiger. -- Kawali. --
    Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch des Gelungung. --
    Bffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. -- Universalmittel. --
    Pfahldorf. -- Zimmet. -- Loro-kidul. -- Essbare Vogelnester und
    aberglubische Gebruche beim Einsammeln derselben. -- Kampf
    zwischen Tiger und Bffel. -- Tigerstechen. -- Reise nach dem
    Slamat. -- Rhinozerosse.


Ich kann nicht lugnen, dass die bisherige Art zu reisen mir
ausserordentlich gefallen hatte, und als mir im Verkehr mit den
liebenswrdigen Mnnern, deren Gesellschaft ich genoss, jeden Tag die
Aussicht auf neue Wunder erffnet wurde, die das Innere der Insel bergen
sollte, wurde mein Entschluss, mich auf einen Ponyritt durch die
Preanger Lande zu beschrnken, allmlig wankend. Ich liess mich ohne
grosse Schwierigkeiten bereden, die reichen Mittel zu benutzen, die mir
der General-Guvernr mit so glnzender Liberalitt zur Verfgung
gestellt hatte. Junghuhn, der mir namentlich sehr zuredete, arbeitete
fr mich einen Reiseplan aus, der alle Gegenstnde einschloss, die mir
von besonderem Interesse waren. Die Punkte der bemerkenswerthesten
geologischen Erscheinungen bildeten darin die Hauptmomente und waren
durch solche, welche ethnologische Eigenthmlichkeiten, malerische
Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische
Vegetationsbilder, interessantes Volksleben darboten, zu einer Kette
verknpft, die von Lembang ausgehend, sich durch den sdlichen,
gebirgigen Theil der Insel zog und dann durch das flache, nrdliche
Gestadeland zurcklief. Alle hervorragenden Erscheinungen, die Junghuhn
whrend seiner 20jhrigen, oft unter grossen Entbehrungen und Strapazen
ausgefhrten Wanderungen kennen gelernt, sollte ich nun, mit allen
Bequemlichkeiten versehen, an mir vorbergleiten lassen. Jedem Tag hatte
er ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante der
betreffenden Strecke verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die
entsprechende Stelle in seinem Handbuch und Anfhrung der Seitenzahl. Ja
sogar Erholungsstationen an schnen Kraterseen oder in hoch gelegenen
Pasanggrahans waren hinter den anstrengenderen Exkursionen
eingeschaltet. Rechne ich dazu noch die selbst fr Indien fast
unglaubliche Gastfreundschaft und Liebenswrdigkeit, die mir ohne
Ausnahme whrend der ganzen Reise zu Theil wurde, so glaube ich wohl
annehmen zu drfen, dass noch Niemand diese schne Insel unter
angenehmeren Verhltnissen durchstreift hat. Mit jedem Tage wuchs meine
aufrichtige Verehrung fr Junghuhn. Wer nicht an Ort und Stelle, sein
Buch in der Hand, das Geschriebene geprft, wird sich keine Vorstellung
machen knnen von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit
der die Verhltnisse aufgefasst sind. Als er die Materialien zu diesem
Werk sammelte, fand er nur geringe Untersttzung. Mit hoher,
wissenschaftlicher Befhigung, seltenem Fleiss und eiserner Ausdauer
ausgerstet, gab ihm seine leidenschaftliche Liebe zur Natur die Kraft,
Schwierigkeiten zu berwinden, die fr die meisten unbersteiglich
gewesen wren. Mein eigenes Urtheil ber ihn kann wohl nicht
unparteiisch sein, darum habe ich in Obigem nur die allgemeine Ansicht
ber seine Leistungen wiederholt.

Zum Abschied machte ich mit Junghuhn noch eine Exkursion auf den
Tankubang-prau, den berhmten von zwei grossen Kratern durchbohrten
Vulkan, an dessen Fuss Lembang liegt. Nach einigen Stunden erreichten
wir unsere Htte, die an der Stelle aufgeschlagen war, wo die beide
Krater trennende Wand im Sden die gemeinschaftliche Ringmauer trifft.
Von hier htten wir einen Einblick in beide Schlnde haben mssen; aber
dichte Nebel verbargen jede Aussicht und liessen nur einige in unserer
Nhe stehende vermodernde Thibaudienstmme mit knorrigen phantastisch
ausgereckten Aesten erkennen. Aus dem Boden des Kraters, in mehr als
1000' Tiefe, hrte man das Sausen der aus den Spalten hervordringenden
Wasserdmpfe. Der links im Westen gelegene Kessel heisst Kawa-upas
(Gifthhle), der im Osten gelegene Kawa-ratu. Der Boden des letzteren
liegt viel tiefer als der der Kawa-upas und war frher einmal von einer
grossen Menge kleiner Seen bedeckt, daher sein Name "ratu" = tausend
(Seen?). Bis auf einige kleine Schlammpftzen ist er jetzt trocken und
flach, mit einer erhrteten feinen Thonschlammkruste bedeckt, die ber
ihren Ursprung durch Absetzen aus stehendem Wasser keinen Zweifel lsst.
An vielen Stellen hat der hervorbrechende Wasserdampf kleine
Schlammkegel von anderthalb Fuss Hhe gebildet, aus welchen er zischend,
wie aus einer Dampfmaschine, in einem weissen Strahle hervorbricht.
Ueberall, wo man mit dem Stock durch die dnne Kruste stsst, brechen
Dmpfe mit Gewalt hervor. An einem Wasserriss der Nordwand sieht man
eine interessante Erscheinung: die aus grobem Schutt gebildete Wand
enthlt in unregelmssigen Zwischenrumen, horizontal ber einander
gelagerte, aus feinen Schichten bestehende Thonkrusten, genau von
derselben Beschaffenheit wie die, welche jetzt den Boden des Kraters
bedecken. Sie zeigen die frheren Hhen des Seebodens an und auch sein
periodisches Verschwinden und Entstehen. Der gegenwrtige Kraterboden
war von dieser Stelle nicht sichtbar, mochte aber wohl 200' tiefer
liegen. Auf dem Grunde des westlichen Kessels, Kawa-upas, der ber die
Zwischenwand leicht zu erreichen ist, hatte sich in der Sdostecke,
gerade am Fuss des steilen Zwischenrckens, ein kleiner von oben nicht
sichtbarer See gebildet, der bei Junghuhn's letztem Besuch nicht
vorhanden war. Seine Lnge betrug 135', die Breite etwa 50', er
untersplte den Fuss der Gebirgswand; aus der dicht mit grossen
Schwefelzapfen ausgekleideten Hhle am jenseitigen Ufer brach mit
starker Entwickelung von Schwefelwasserstoff, hoch aufsprudelnd, das von
Thonschlamm und Schwefelblumen gelbgrau gefrbte Wasser hervor. Das
Metallikpapier meines Notizbuchs und das Silbergeld in meiner Tasche
brunte sich schnell. Im westlichen Theil dieses Kraters liegt ein
zweiter von oben sichtbarer grsserer See, dessen blaugraues, stilles
Wasser durch den Kontrast mit jenem ganz lieblich erscheint. Kaum hatte
ich die Htte auf dem Gipfel wieder erreicht, als es heftig zu regnen
begann. Junghuhn hatte unterdessen von dort aus einige photographische
Bilder beider Krater aufgenommen. --

Inzwischen war aus Batavia eine grosse Karosse mit Klapptritt und Wappen
fr mich angekommen, sehr geeignet zum Visitefahren fr eine alte
Generalin, aber nicht fr meine Zwecke. Ich kaufte daher einen leichten
Reisewagen und verabschiedete mich nach mehreren kleineren Exkursionen
von Lembang, wo ich einige mir unvergessliche Tage zugebracht hatte, um
am folgenden Morgen selbststndig meine Reise nach Osten anzutreten.

[Illustration: BEDAJAS VON BANDONG. JAVA.]

Abends liess der Regent von Bandong seine Bedajas vor uns tanzen und
zeigte uns seine kostbaren Waffen. Die goldene Scheide des einen Kris
war ganz mit Diamanten besetzt; aber ausser dem sichtbaren besassen
manche Klingen einen noch hheren verborgenen Werth durch die ihnen vom
Aberglauben beigelegten Eigenschaften; es giebt Klingen, die ihren
Besitzer unverwundbar und unberwindlich machen, andere sind hoch
geschtzt, weil sie vor Alters irgend eine berhmte That vollbracht
haben. Der obere Theil der Scheiden bestand bei fast allen aus dem
kostbaren Holze, das sich beim Absterben eines in Bantam wachsenden
Baumes, ~Tankollo~,[84] im Innern des vermodernden Stammes, auf dieselbe
Weise, wie das duftende Agalloche, bildet; es war gelb mit braunen oder
schwarzen Flecken, sogenannten Flammen, deren Gestalt und Farbe seinen
Werth bedingen. Fr ein kaum handgrosses Stck, welches die Mndung
einer Krisscheide bildete, hatte der Vater des Regenten 200 Gulden
bezahlt. Einfacher, aber wegen ihrer Leistungen von dem aufgeklrten
Frsten allen andern vorgezogen, waren zwei Jagdmesser, von der Art, wie
sie bei den bereits erwhnten Hirschjagden gebraucht werden. Diese
Klingen, welche die Rippen eines Hirsches wie dnnes Holz
durchschneiden, kommen aus dem Lande Ssalingri, dessen Eingeborne
ausserordentlich geschickt in Bearbeitung des Eisens sind. Ich fragte
den Regenten, in welchem Winkel des Archipels das Land lge? "Oh weit,
weit!" antwortete er, indem er mir das Messer reichte, das den Stempel
"Solingen" trug.

Am folgenden Tage reiste ich ab, zunchst nach dem Vulkan Tampomas. Fast
alle Tage hatten wir jetzt heftigen, lange anhaltenden Regen, obwohl wir
uns eigentlich mitten in dem trockenen Monsun befanden. Vom Tampomas
ging es nach Malembong, von bewaffneten Reitern begleitet, da es hier
viele Tiger giebt. An einer Kaffeeplantage kam uns ein Zug von 600 Kulis
entgegen, deren jeder zwei Krbe voll Kaffee trug, zusammen 75 Pfund
wiegend; die Enden der Traghlzer waren mit kleinen Fhnchen geschmckt,
manche auch mit hlzernen Glocken, deren Klang auf den schmalen
Bergpfaden an den Kuhreigen erinnerte. Nach Besichtigung einiger von
Junghuhn beschriebenen Kalksprudel und einer kleinen Kieselquelle
beschlossen wir den heissen Tag mit einem herrlichen Ritt ber die mit
kurzem Gras bewachsenen Hgel, die sich hier im Westen des Tjitandui
ausbreiten. Auf muntern Bergpferden ging es im Galopp, von einer Schaar
Reiter mit Lanzen begleitet, bergauf, bergab. Unterwegs sprang ein
junger Tiger auf, und eilte lange vor uns dahin, bevor er einen Busch
fand, um sich zu verbergen. Bei Putjaran durchfurtheten wir im Angesicht
des Sawalberges den Tjitandui, in welchem die zahlreichen, nach allen
Himmelsrichtungen auseinander fliessenden Bche dieses Berges
schliesslich ein gemeinsames Bett finden, so dass das hier bei seinem
ersten Zusammentreffen mit dem Sawal noch so unbedeutende Flsschen,
bald nachdem es die SO-Ecke desselben Berges verlassen, schon schiffbar
wird. Wir ritten um die NW-Ecke, dann stlich bis zum schnen See
Pandjalu, der sehr fischreich und frei von Krokodilen ist, so dass man
nach Herzenslust darin schwimmen kann; in seiner Mitte liegt eine kleine
wie ein Garten gehaltene Insel.

Am folgenden Morgen schickte der Regent von Galu einen Wagen nebst
seinem "Pati," einem alten wrdigen Herrn, der nur meinetwegen das
Ungemach der Reise ertragen musste. Der Opziener (Aufseher) von Pari kam
zu Pferde an, stellte sich zur Verfgung und gab mir viele Auskunft ber
die Kaffeepflanzungen, die wir zusammen besichtigten. Neun Paal von hier
liegt Kawali, ein wegen seiner Alterthmer bei den Inlndern in grossem
Ansehen stehender Ort. Das Dorf enthlt einen kleinen Tempel, zu dessen
sehr engem Eingange ein paar Stufen fhrten; das Innere war mit Matten
und Teppichen geschmckt, zwei Priester hockten darin und holten die
Gegenstnde zu unserer Besichtigung einzeln hervor. Bei jedem Stck
machten sie einen tiefen Salam; mit derselben Ehrerbietung wurden die
Reliquien zurckgelegt, nachdem sie vorher in viele Tcher eingewickelt
worden. Es waren alte Hellebarden, Glocken, Ruchergefsse, Becher mit
erhabenen Figuren, den Thierkreis darstellend, und allerlei zerbrochenes
Germpel. Auch in Pandjalu werden dergleichen Alterthmer aufbewahrt.
Nicht weit vom Dorfe, in einem sorgfltig gepflegten Hain, liegen einige
Steine mit alten Inschriften (batu-tulis), die eben so wie die Reliquien
schon kopirt und beschrieben sind; und etwas weiter, im Walde, sprudelt
eine heilige Quelle, die dem Orte den Namen giebt.

Der Pati lud mich ein, Abends an einem Feste Theil zu nehmen, das
mehrere Tage dauern sollte, und liess mich beim schnsten Mondschein mit
seinem grossen Schirm abholen. Die Sonnenschirme zeigen in den
malayischen Lndern den Rang des Besitzers an, wie in Europa die
Epauletten den Rang der Offiziere. In Java werden 27 verschiedene
Rangstufen durch die Schirme bezeichnet, deren Farben durch den
General-Guvernr im Rath ebenso genau festgestellt sind, wie die
Uniformen in Europa. Die vornehmsten sind weiss mit goldenen Rndern,
dann folgt dem Range nach grn, blau, braun, in verschiedenen
Anordnungen. Nur bei den ersten 6 Stufen sind die Rnder von Gold, bei
den brigen gelb. Auch in Siam spielt der Schirm eine grosse Rolle: der
Sonnenschirm von vielen Stockwerken ber einander ist ein Attribut des
Knigs und figurirt auf dem grossen Staatssiegel zu beiden Seiten der
pyramidalen Krone. -- Das Fest fand in einem grossen Bambusschuppen
statt, der durch bunte Behnge, Laub und Blumen geschmckt war. Vier das
Dach tragende Sulenreihen bildeten fnf Abtheilungen, in deren
mittlerer eine lange, mit Blumen verzierte Tafel stand. Auch hier zeigte
sich wieder viel Geschmack in der Dekoration. Die aus dicken Bambusen
bestehenden Sulen waren mit buntem Zeug bekleidet, mit Sockel und
Kapitl aus Blttern und Blumen versehen, durch Bgen aus gespaltenen
jungen Palmwedeln verbunden, deren noch gelbe Seitenbltter wie Franzen
herabhingen. Der Zwischenraum bis zum Dach bestand aus leichtem
Gitterwerk, in welchem einzelne Blumen angebracht waren. An einem Ende
des Saals erhob sich ein um mehrere Stufen erhhter, mit Matten belegter
Raum, seine Hinterwand war mit einem Teppich behangen, davor stand
vielleicht alles, was sich im Distrikt an kostbaren europischen Mbeln
befand: eine altmodische Kommode, ein Glasschrank und ein paar verzierte
Spiegel; zu jeder Seite erhoben sich zwei grosse, mit rothem Stoff
bedeckte Paradebetten, an deren Kopfende eine solche Menge verzierter
Kissen aufgethrmt waren, dass sie bis zur Decke reichten. Als wir uns
zu Tische gesetzt hatten, begannen dreizehn Rongengs zu tanzen, --
soviel hatte ich noch nie beisammen gesehen. Hier hrte ich auch zum
erstenmal das Anklong (S. 178), dessen Klang so angenehm ist. Es wurde
bis spt geschmaust, und dies war der beste Theil des Festes. Die armen
Kinder, denen zu Ehren es gegeben wird, kommen weniger gut dabei fort;
denn nachdem sie am nchsten Tage im Fluss gebadet sind, werden am
dritten Tage den kleinen Mdchen die Zhne abgefeilt, am vierten Tag
findet die Beschneidung der Knaben statt. Das Feilen der Zhne und
Beschneiden geschieht auf den Paradebetten. Lange weisse Zhne knnen
die Malayen nicht leiden, sie vergleichen sie mit denen des Tigers.

Am folgenden Tage verliess ich den See von Pandjalu und fuhr im Wagen
des Regenten am stlichen Ufer des Tjitandui bis Indehiang, wo ich mich
von dem wrdigen Pati verabschiedete, auf das westliche Ufer berging,
Abends einen Pasanggrahan erreichte und am folgenden Morgen den
Gelungung erstieg. Man reitet fnf Paal, steigt zwei Paal zu Fuss und
befindet sich am obersten Ende der grossen Schuttmasse, die sich im
Oktober 1822 in die frher hier vorhandene reiche Ebene wlzte.
Ein tiefes kesselfrmiges Thal trennt diesen Punkt von der
gegenberliegenden Bergwand, die sich fast senkrecht, wenigstens in sehr
steilem Winkel in WNW. erhebt. Mehrere Sturzbche an derselben
erschienen in dieser Ferne, wie dnne Fden. Das tiefe Kesselthal ist
jetzt schon wieder dicht bewachsen, namentlich machten sich hunderte
von Baumfarnen geltend. Dieser schne ruhige, mit einigen Wasserbecken
geschmckte Grund ist der Krater des Gelungung, der 1822 die furchtbare
Verwstung anrichtete.

Ich kann mir nicht versagen, Junghuhns Schilderung des Ausbruchs hier
folgen zu lassen (Hasskarl's Uebersetzung Bd. II, S. 111.), die zugleich
ein eben so schnes als treues Bild des javanischen Lebens giebt.

"In den Gegenden sdostwrts von demjenigen Theile der Bergkette,
welche unter dem Namen G.-Gelungung bekannt ist, zwischen den beiden
Flssen Tji-Wulan und Tji-Tandui, die beide, der erstere fast in
sdlicher, der andere mehr in sdstlicher Richtung, der Sdkste
zustrmen, lag ein reich bebautes und bevlkertes Land, das, eigentlich
eine Fortsetzung des Berggehnges, jedoch so sanft nach den niedrigen
neptunischen Hgelreihen des Sdgebirges zu fllt, dass es fglich eine
~Flche~ genannt werden kann. -- Es waren die fruchtbaren Ebenen und
Berggehnge der Provinz Tasikmalaja, Indehiang und Singaparna. -- Sie
waren weit und breit mit Reisfeldern bedeckt und mit Hunderten von
Drfchen, die sich mit den Gruppen ihrer Kokospalmen zerstreut zwischen
den Feldern erhoben. Sie waren in allen Richtungen von Wegen
durchschnitten, bis zum Fusse der Bergkette hin und noch weit an den
Berggehngen hinauf, wo man zwischen blhenden Kaffeegrten wandelte.
--

Ueber die reichbegabten Fluren dieses ewig grnen Landes ergoss am 8.
Oktober 1822 die Mittagssonne ihren durch kein Wlkchen, durch keine
Nebel geschwchten Strahl. Das ganze Land schien verstummt, die
animalische Schpfung lag in tiefer Ruhe, im schattigsten Dickicht sass
die Vgelschaar verborgen, und kaum ein Insektchen zirpte noch; die
Pflanzenwelt hatte alle ihre Blthen aufgethan und dampfte ihre
ungerochenen Aromata empor in die Luft, welche, von aufsteigenden
Strmen bewegt, am Horizonte wellenfrmig zitterte. Kein Blatt regte
sich, und kaum rauschte zuweilen der hchste Wedel einer Palme; wenn
dann und wann ein leises Lftchen von der Kste her sich erhob.

Auch die Menschenwelt ruhte. Die Arbeiter hatten ihre Felder verlassen,
deren knstliche Wasserspiegel unter dem Sonnenstrahle dampften. Sorglos
lagen sie auf den Bali-balis ihrer kleinen Htten ausgestreckt. In den
Vorhallen (Pendopo's) der Huptlinge verstummten allmlig die Schlge
des Gamelan, unter deren sanftem, melodischem Getn die javaschen
Grossen gewohnt sind, einzuschlummern; auch der Gesang der Tanzmdchen
(Ronggengs) wurde bald nicht mehr vernommen, und nur das sanfte Girren
der Turteltauben, die in zahlreichen Kfigen vor den lndlichen
Wohnungen hngen, war mit dem Rufe eines Priesters, der von seiner
baumumgrnten Moschee herab die Herrlichkeiten Allah's und seines
Propheten verkndigte, oder mit dem Knarren einer verspteten Pedati,
deren scheibenfrmige Rder sich langsam auf der staubigen Strasse
umwlzten, gezogen von trgen Karbauen, deren Fhrer lngst
eingeschlummert war, vielleicht das einzige Gerusch, das in den weiten
Drfern Tasikmalaja und Singaparna erscholl. Das ganze Land lag in
tiefer Ruhe und Frieden. Die Bevlkerung hielt ihren Mittagsschlaf,
nicht ahnend, nicht trumend, dass einige Augenblicke spter aus dem
Innern des G.-Gelungung "dumpf und bang" ihr -- ~Grabgesang~ ertnen
wrde. Er aber ertnte. -- Es war 1 Uhr. -- Durch pltzliche Erdstsse
aus dem Schlafe geweckt, entflohen die Bewohner ihren Htten. Ein
donnerndes, brllendes Getse traf ihr Ohr und Entsetzen bemchtigte
sich ihrer, als sie ihre Blicke zum G.-Gelungung wandten und eine
schwarze Rauchsule von ungeheurem Umfange emporschiessen, sich mit
Blitzesschnelle ausbreiten, den ganzen Himmel berziehen und im Nu den
noch eben hellsten Sonnenschein in die finsterste Nacht verwandeln
sahen. -- Jetzt flohen sie bestrzt durch einander, nicht wissend,
wohin, und ungewiss ihres nchsten Looses. Noch einige Sekunden spter
und ein Paar Tausend von ihnen waren begraben. Sie wurden theils bedeckt
von Schlamm, der vom Krater ausgeschleudert, in ungeheuren Massen aus
der Luft herabfiel, theils kamen sie in den Fluthen von heissem Wasser
um, das mit Schlamm und Steintrmmern vermengt, dem Krater in ungeheurer
Menge entquoll, das (als drohe eine zweite Sndfluth) zehn Minuten weit
im Umkreise Alles berstrmte, alle Drfer, Felder und Wlder
vernichtete und in einen dampfenden Pfuhl von blulich-grauer Farbe
verwandelte, der mit Cadavern von Menschen und Thieren, mit
Husertrmmern und zerbrochenen Baumstmmen berset war. Wild brachen
durch diese Schlamm- und Trmmermassen die Bche Tji-Kunir und Tji-Wulan
hindurch; sie waren zu tobenden Fluthen angeschwollen, die Alles auf
ihrer Bahn zerstrten, alle Brcken wegsplten und weite
Ueberschwemmungen verursachten, in denen noch eine grosse Menge armer
Flchtlinge, die sich schon gerettet glaubten, ihr Leben verloren; --
mit Menschen- und Thierleichen aller Art bedeckt, wlzten sie dann ihr
schlammiges, kochend heisses Wasser der Sdkste zu, deren Bewohner, vor
diesem Anblicke entsetzt, die Flucht zu den nchsten Hgeln ergriffen.
In das Brausen der Bche, in das Brllen des Kraters, in das Krachen
zersplitterter Wlder, in das Knacken fortgewlzter Felsenmassen, die an
einander stiessen, und in das verzweiflungsvolle Jammergeschrei der
Tausende von Menschen, die hlflos ihren Tod vor Augen sahen, -- drhnte
laut von oben der Donner herab, und Blitze fuhren unaufhrlich nach
allen Richtungen aus dem dichten Gewlk, das sich weit und breit ber
dem Gebirge durch die schnelle Verdichtung der Dmpfe gebildet hatte.

Erst nach drei Stunden, nmlich um 4 Uhr Nachmittags, liess die
Heftigkeit des Ausbruchs nach, die sich fortwhrend auf eine doppelte
Weise offenbart hatte, nmlich durch das Hervorquellen von Schlammmassen
aus dem Krater und das Herabstrmen derselben und durch das
Emporschleudern in hhere Luftschichten von Schlamm, Asche und
Steinmassen, die dann als ein Alles verwstender Regen wieder
niederfielen und auch die entfernteren Pflanzungen und Wlder, die in
etwas grsserer Entfernung lagen und dadurch auch noch verschont
geblieben waren, zerstrten. Um 5 Uhr aber war Alles vorbei. --

Zahlreiche Drfer mit allen ihren Bewohnern, die sich drei Stunden zuvor
noch im Kreise der Ihrigen sorglos der Ruhe berliessen, oder ihre
Kinder wiegten, lagen nun begraben unter vulkanischem Schlamm und
Steintrmmern, so dass man keine Spur mehr von den Drfern sah, und das
Terrain sdstlich vom Berge um 40-50' hoch durch die Auswurfmassen
erhht war. Wie erschpft von ihren Anstrengungen (gegen 5 Uhr), versank
nun die Natur in Ruhe; es wurde todtstill, und der Himmel heiter, und
der Abendstrahl derselben Sonne, die des Mittags ber alle Pracht der
tropischen Vegetation, ber Glck und Luxus geschienen hatte, -- jetzt
schien sie, fast spottend, ber einen Schauplatz von Verwstung, aus dem
alles Grn verschwunden war, ber meilenlange, schwrzlich-graue Felder
von Schlamm und Lava, gleichsam ber Schlachtfelder, welche beset waren
mit zerknickten Baumstmmen und Cadavern von Menschen und Thieren, die
theils verstmmelt und verbrannt aus dem Schlamm hervorragten, theils in
den tobenden Fluthen des Tji-Wulan und Tji-Tandui dem Meere zutrieben."

Das Wasser, das von den steilen Wnden des Kraters aus der Schlucht
herabfllt, fliesst in zwei tiefen Rinnen zu beiden Seiten des die
letztere ausfllenden Schuttrckens und vereinigt sich am Ende desselben
zu einem wasserreichen Bach, Tjikunir, der in vielen Windungen durch die
Ebene fliesst und einige Meilen weiter in den Tjiwulan mndet. Der
Schuttberg ist ebenfalls reich bewachsen, namentlich mit vielen
Baumfarnen und blhenden Struchern; wo er aber sein Ende in der Ebene
erreicht, hrt diese Vegetation pltzlich auf; nichts als Glagarohr
bedeckt die Flche und die unzhligen kleinen Hgel, die sich aus
derselben erheben, deren durch den Ausbruch veranlasste Entstehung noch
nicht gengend erklrt ist und verschiedene Hypothesen hervorgerufen
hat. Die vulkanische Thtigkeit am Gelungung ist jetzt auf einige
Solfataren und Fumarolen beschrnkt, in denen Gyps, Schwefel, Faseralaun
und Eisenchlorid gebildet wird. Auch eine Kalksinterquelle ist
vorhanden.

Wo die Glagawildniss an die fruchtbare Ebene grenzt, erwartete mich der
Bedana von Singaparna. Ich brachte die Nacht bei ihm zu, besichtigte am
folgenden Tage, durch strmenden Regen sehr behindert, das interessante
Hgelterrain und erreichte die Fahrstrasse wieder bei Tasikmalaja. Von
hier luft der Tjitandui nach Osten, am Sdrande des grossen Sawalberges
hin, mehrere Gewsser aufnehmend, bei Bandjar fhrt ihm der Tjimundur,
der alle vom Ostabhang desselben Berges abfliessenden Bche, gegen 20,
aufnimmt, so grossen Wasserreichthum zu, dass er fr flache Boote schon
von hier aus den grssten Theil des Jahres schiffbar ist. Wenige Paal
weiter, bei Sindang-adji, nimmt er eine sdstliche Richtung an und
schleicht in trgen Windungen durch ein niedriges Sumpfland (Rawa) bis
Kaliputjang, wo er durch die Kalkberge, die hier den Sdrand Javas
einfassen und nur von einer sehr schmalen Meerenge unterbrochen in der
Insel Nusa-kumbangan fortsetzen, zu einer mehr stlichen Richtung
gezwungen wird. Etwas weiter erreicht er den kleinen, seichten Meerbusen
Segoro-anakan, "die Kindersee", ein hssliches, seichtes, heisses, von
Mangelsmpfen eingefasstes Wasserbecken, durch die quer davor liegende
Insel Nusa-kumbangan fast ein Binnensee. Von Tasikmalaja folgt die
Strasse dem sdlichen Ufer des Tjitandui bis Bandjar. Die Gegend ist
flachhglich, weniger bebaut und bewohnt, als die bisher besuchten
reichen Distrikte; es fehlen die Sawas, weil kein Berieselungswasser von
hher gelegenen Bergen vorhanden ist. Von Bandjar, wo die Landstrasse
ihr Ende erreicht, muss die Reise zu Wasser oder zu Pferde fortgesetzt
werden; daher fanden wir hier eine grosse Menge von Bffelkarren, welche
die Produkte der Preanger Regentschaften an die Regierungspackhuser
abgeliefert hatten, von wo aus sie in eigens dazu erbauten, sehr flach
gehenden, eisernen Frachtschiffen stromabwrts an Bantengmati vorbei,
ber die fast zugeschlmmte "Kindersee", welche Java von der Insel
Nusa-kumbangan trennt, nach Tjelatjap verschifft werden, wo jhrlich
gegen 50 grosse europische Schiffe einlaufen, um diese Produkte nach
Europa zu bringen. Bandjar hat als Stapelplatz fr den sdlichen Theil
der Preanger Lande dieselbe Bedeutung, wie Tjikao (S. 138) fr den
nrdlichen. Was oben ber die mangelhaften Verkehrsmittel der Provinz
im Allgemeinen gesagt worden, gilt in erhhtem Grade fr deren sdlichen
Theil, der nicht, wie der nrdliche, durch eine Kulturebene, sondern
durch eine Felsenmauer begrenzt wird, welcher kein Schiff zu nahen wagt.

Die Bffelkarren (pedati) nehmen eine hervorragende Stelle in der
Staffage javanischer Landschaften ein. Es sind viereckige Krbe mit
einem Dach, wie die Wohnhuser der Inlnder, nur viel kleiner und
zierlicher. An der vom Dach berragten vorderen Giebelseite ist eine Art
Vestibulum, in welchem der Fuhrmann sitzt, man knnte fast sagen, --
wohnt, so huslich richtet er sich bei langen Reisen ein. Oft hockt
seine Frau neben ihm, sein Regenhut, Kochtopf und sonstige kleine
Bedrfnisse hngen unter dem Dach, an den Seitenwnden. Oben am Giebel
ist immer ein Fhnchen oder eine geschnitzte Verzierung angebracht,
hufig ein Pfauenkopf; dann ist die hintere Giebelspitze mit einem
wirklichen Pfauenschwanz geschmckt. Die an der Achse festsitzenden
Rder sind Holzscheiben und bestehen gewhnlich aus den
strebepfeilerartigen schmalen Vorsprngen, die den am hchsten
aufstrebenden Waldbumen als Sttze dienen. Man begegnet Zgen von mehr
als 100 Wagen hinter einander, die unter unaufhrlichem, einfrmigem
Quieken langsam fortrollen und die Fuhrleute in angenehmen Schlaf
lullen. Die Bffel bewegen sich nur langsam vorwrts und mssen hufig
gebadet werden. Deshalb whlt man zu Lagerpltzen gern Stellen, an denen
sich die Thiere im Wasser oder noch lieber im Schlamm erholen knnen,
whrend die Menschen an zahlreichen kleinen Feuern ihren Reis kochen.

[Illustration: BFFELKARREN. JAVA.]

Von Bandjar wurde mein Wagen ber die Kindersee nach Tjelatjap gesandt,
whrend ich die Reise zu Pferde auf schattigen Waldwegen am Rande des
niedrigen Hhenzuges fortsetzte, der die einfrmige Rawa in SW.
einfasst. Der Ritt durch diese wenig besuchten Wlder war
ausserordentlich angenehm. Einen bemerkenswerthen Kontrast mit der
allgemeinen Ueppigkeit bildeten einige allein stehende 50' hohe dicke
Sulen, von denen einzelne grosse vergilbte Fcher herabhingen, whrend
sich ber ihnen ein Riesen-Kandelaber erhob, auf dessen sparrigen,
horizontal ausgereckten Armen zuweilen ein grosser Nashornvogel sass,
der die daran sitzenden reifen Frchte verzehrte. Es waren die an der
Sdkste so hufigen Fcherpalmen (Corypha gebanga), die nur einmal
Frchte tragen und dann, wie wahrscheinlich alle terminal blhende
Palmen, absterben. Die Menge der wilden Pfauen verkndete die Nhe von
Tigern; eine Gemeinschaft, deren Ursache noch nicht gengend
festgestellt ist. Auch Rhinozerosse und wilde Stiere (banteng) sind
hier hufig. Auf weiten Strecken fanden wir die Strasse mit
Teakbumen (spr. Tiek), Tectona grandis L., bepflanzt. Sie wachsen
Anfangs schnell, spter aber sehr langsam und sind erst nach 60 oder 80
Jahren fr den Schiffbau zu gebrauchen, in welcher Verwendung sie alle
bekannten Hlzer bertreffen. Das Holz schadet dem Eisen nicht, wirft
sich nicht, ist kieselreich und ausserordentlich dauerhaft; Termiten
greifen es nicht an und es kann grn verwendet werden. Whrend
Telegraphenstangen in Preussen im gnstigsten Falle 5 Jahre halten, sind
Teakstangen selbst in Indien unverwstlich. Der ausgewachsene Baum ist
einer der mchtigsten Waldbume. Im Westen von Java ist das Teak selten,
in Mittel- und Ost-Java bildet es grosse Wlder und leidet keine andern
Bume neben sich, die ihm gern den Platz berlassen, da ihm der
schlechteste Boden gefllt.[85] Auch Gummibume sind hier angepflanzt
worden, um spter ausgebeutet zu werden. So ist die hollndische
Regierung unablssig bemht, durch den Anbau neuer Kulturpflanzen den
Werth ihrer Kolonie zu erhhen.

[Illustration: HUSERGRUPPE IN EINEM GEBIRGSDRFCHEN. JAVA.]

Die Nacht brachte ich in einem ganz kleinen selten besuchten Drfchen in
der Nhe des Gunong-gamping, bei armen sehr geflligen Leuten zu. Einen
Theil desselben stellt die beiliegende Zeichnung dar; das grssere Haus
links im Vorgrund ist eine Reisscheune (lombong), sie steht auf vier
Steinen zum Schutz gegen heimliche Angriffe der Termiten, frei und hoch
genug ber dem Boden, um der Luft den Durchzug durch die aus Bambus
geflochtenen Wnde zu gestatten; diese laufen spitz nach unten zu,
wodurch der Regen unschdlich gemacht und das Hinaufklettern der Ratten
und Muse sehr erschwert wird. Am folgenden Morgen besuchte ich mehrere
geognostisch-interessante Punkte, den prchtigen Wasserfall Tjipipisan,
und gelangte Abends nach Kaliputjang, wo der Tjitandui auf den die Rawa
in SW. begrenzenden Hhenzug stsst. Von hier fhrt man im Kahn nach
Bantengmati, einem kleinen, auf der NW.-Spitze der Insel Nusa-kumbangan
gelegenen Fort, dessen Kommandant, ein alter, lange in Indien dienender
Soldat, mich sehr freundlich aufnahm. Unter den wenigen Soldaten, aus
denen die Garnison bestand, waren auch mehrere Neger, die sich
anfnglich hufig krank meldeten, wodurch der Dienst sehr litt. Zum
Glck besass der alte Herr ein Universalmittel, das nie versagte. Jeder
Patient musste, bevor er nur berhaupt die nheren Umstnde seiner
Krankheit vortragen durfte, ein Weinglas voll Ricinusl unter den Augen
seines Vorgesetzten austrinken. Die Leute strubten sich oft gewaltig,
genasen aber immer nach der ersten Dosis, wenigstens verlangten sie nie
eine zweite.

Nach dem langen Aufenthalt im Hochlande fand ich es hier erschlaffend
heiss; Moskitos waren so zahlreich, dass um alle Huser Rauchfeuer
brannten. Ich folgte dem Nordrand der Insel, deren westliches Ende aus
Kalkklippen besteht, an denen bis zu betrchtlicher Hhe die Einwirkung
des Meeres sichtbar ist, obgleich es jetzt nur noch ihren Fuss besplt.
In diesen Kalkfelsen sind viele kleine Tropfsteinhhlen, in denen aber
trotz allen Suchens keine Knochen aufzufinden waren. Da, wo die
Kalkfelsen aufhren, die Kste flach wird, treten Mangelsmpfe auf, die,
wenige felsige Stellen des Sdrandes ausgenommen, das ganze brige
Gestade der Kindersee mit einem breiten Grtel einfassen und die Rawa
von Jahr zu Jahr vergrssern. Bevor wir bei Manundjaja, einer rmlichen,
kleinen Husergruppe im sumpfigen Walde, das Land betraten, besuchten
wir Paniteng, eines der merkwrdigen Drfer, deren sich mehrere mitten
aus dem seichten Meere erheben. Es war nur im Kahn zu erreichen und
ruhte ganz auf Pfhlen. Die Htten bildeten ein Viereck und waren nach
Aussen durch eine Gallerie, nach Innen durch einen Hof von Bambuslatten
verbunden, wodurch in diesem Venedig eine Art Markusplatz entstand, auf
welchem Fische getrocknet wurden. Es war ein rmliches, schmutziges
Drfchen, aber interessant als ein Beispiel moderner Pfahlbauten.

Nach vielen vergeblichen Bemhungen von Manundjaja aus Karang-andjar zu
erreichen, wo die Rafflesia Padma auf den Wurzeln eines Cissus in
solcher Menge wchst, dass Junghuhn "keinen Schritt thun konnte, ohne
eine zu zertreten", schifften wir uns nach Tjelatjap ein.
Nusa-kumbangan tritt mit der stlichen Hlfte seines Nordrandes so hart
an das Festland, dass der Meeresarm, durch welchen die Kindersee mit
dem indischen Meer in Verbindung steht, kaum die Breite eines
mittelmssigen Flusses hat. Die stliche Spitze biegt sich hornartig
nach Norden und schtzt dadurch den am jenseitigen Ufer gelegenen
Hafen von Tjelatjap. Von hier bis zur Mndung des Kali-Seraju gen
Osten, bildet die Kste einen nach NW. gerichteten Bogen, und streicht
dann als flaches Gestadeland in fast gerader Richtung, die Provinzen
Banjumas und Bagelen im Sden begrenzend, bis Karang-tritis, im Gebiet
des Sultans von Jokjokarta. Dort hrt der Strand pltzlich auf;
schroffe Felsenwnde, die im Allgemeinen dasselbe Streichen
beibehalten, aber sehr zerrissen und vielfach ausgezackt sind, fassen
nun den Sdrand der Insel bis zur stlichsten Spitze ein, nur einmal
durch eine sumpfige Ebene unterbrochen. Auf der ganzen Strecke giebt es
keinen Hafen mehr, kaum einen Zufluchtsort fr Fischer. Die
Schifffahrtsbcher beschreiben die Sdkste von Java als
"eisenumgrtet" (ironbound); kein Schiff wagt ihr zu nahen.

Zwischen Tjelatjap und Karang-tritis erhebt sich aus dem Flachland, etwa
im Drittel der Erstreckung, ein ins Meer hineinragender Felsenberg
Karang-bollong, der in seiner, dem Meere zugekehrten steilen Wand die
berhmten Hhlen enthlt, welche die essbaren Vogelnester liefern. Ihnen
galt mein erster Besuch.

Eine sehr gute Strasse luft dem Strande parallel nach dem isolirt
liegenden Gebirg. Vom Meer trennt sie nur ein wenige tausend Fuss
breiter Saum von dichtem grnem Rasen, auf dem Bffel weiden, oder im
Schatten von Bambusbschen wiederkuen. Links von der Strasse,
landeinwrts, liegen wenige Drfer, von kleinen Feldern umgeben; der
grsste Theil des Flchenraumes wird aber von Morsten eingenommen, in
deren Pftzen und Grben weisse, unbedeutende Nymphaeen und
kleinblttrige Limnanthemum blhen. Auch hier waren Teakbume
angepflanzt. Im Pasanggrahan von Adiredjo traf ich drei Landsleute von
der topographischen Abtheilung, die mit Aufnahme der Provinz Banjumas
beschftigt war. Die Aufnahmen fanden im Maassstabe von 1:10,000 statt.
Die Triangulationen waren ber ganz Java beendigt, das Ausfllen geschah
ohne Messtisch, mit Schmalkalderscher Bussole. Ich kam an mehreren
Zimmetpflanzungen vorber und fand auch Baumwolle in kleinen Feldern
angebaut, die aber nicht recht gedeihen will, angeblich wegen der
grossen Feuchtigkeit. In Gumpangpasir sah ich das Zimmet fr den Handel
bereiten. Die Pflanze (Cinnamomum zeilanicum) wird als Strauch
kultivirt. Man schneidet die Triebe, wenn sie etwa die Grsse eines
gewhnlichen Spazierstocks haben; jeder Baum wird jhrlich acht- bis
neunmal geschnitten und liefert je 2 oder 3, im Jahre also ungefhr 2
Dutzend Stcke. Nachdem sie gleich auf der Pflanzung von Laub und
Seitenzweigen entblsst sind, werden sie bndelweis in einen Schuppen
gebracht, wo ein Arbeiter die Rinde der ganzen Lnge nach aufschlitzt
und vom Stock lst. Er sitzt dabei auf dem Boden, hlt das eine Ende des
Stocks mit der Hand, das andere mit den Zehen fest; eine Frau schabt mit
einem sichelfrmigen, an beiden Enden mit Handgriffen versehenen Messer
die Korkschicht von der abgelsten Rinde. Die zurckbleibende
Bastschicht, welche den Zimmet des Handels giebt, wird dann in mehreren
Lagen ber einander zu 3 Fuss langen Streifen an einander gelegt, die
sich beim Trocknen von beiden Rndern aus nach der Mittellinie hin
zusammenrollen. In der Sonne werden sie vollstndig getrocknet.
Zweihundert solcher Rollen bilden ein Bndel.

Der Zimmetbau ist 1825 durch die Kolonial-Regierung in Java eingefhrt
und spter als ein Zweig des Kultursystems in grsserer Ausdehnung
betrieben worden, hat aber statt des erwarteten Gewinns immer nur
Verlust ergeben, so dass man demnchst wohl die Pflanzungen an
Privatunternehmer verpachten wird. Die Qualitt ist durch sorgfltige
Kultur sehr gehoben worden, ohne jedoch der des Zimmets von Ceylon
gleichzukommen. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahre betrug die
Ausfuhr im Mittel etwa 200,000 lb., beinahe ein Drittel so viel als von
der "Zimmetinsel" Ceylon. Wie der Verbrauch fast aller andern Gewrze
nimmt auch der des Zimmets eher ab als zu. Die knstliche
Vertheuerung[86] dieses ursprnglich auf Ceylon und Malabar beschrnkten
Gewrzes durch das erst 1833 aufgehobene Monopol hat viel zur
Verbreitung der Cassiarinde (Cassia lignea) als Surrogat
beigetragen.[87]

Ueber den breiten, aber kurzen Kali-adiredjo fhrt eine Bambusbrcke,
die, auf Bambusflssen ruhend, mit der Ebbe und Fluth fllt und steigt.
Zu beiden Seiten derselben standen lange Reihen eigenthmlicher
Fischapparate: kleine Huschen auf 15' hohen Gestellen, jedes mit einem
grossen Senknetz versehen, das vermittelst einer rohen Welle und eines
Rotangstricks aufgeholt werden kann. Gegen 5 Uhr erreichte ich Djetis,
wo ein schlechter Pasanggrahan in hbscher Umgebung am westlichen Ufer
des gleichnamigen Flusses liegt, der hier in das indische Meer fllt. Am
jenseitigen Ufer erheben sich die hohen Felskuppen von Karang-bollong.

Am folgenden Morgen fuhr ich ber den Fluss, der die westliche Grenze
von Ambal des sdlichen Theils der Provinz Bagelen bildet; ich traf den
Assistent-Residenten und setzte in seiner angenehmen Gesellschaft den
Weg ber den Felsrcken fort, der hier die flache, fast geradlinige
Kste pltzlich unterbrechend, mehrere Paal weit ins Meer ragt. Nach
wenigen Stunden erreichten wir am jenseitigen Fuss des Berges den Ort
Karang-bollong, welcher die Beamtenwohnungen und das Magazin fr die
Vogelnester enthlt. In der Mitte des letzteren erhob sich ein reich
geschmcktes, der Geisterknigin Loro-kidul, Schutzpatronin der
Nestersammler, geweihtes Bett, vor welchem Frchte, Blumenstrusse,
Ruchergefsse standen; eine verzierte Kiste enthielt ihre Garderobe,
die von Zeit zu Zeit auf Kosten der Regierung erneuert wird. Loro-kidul
hat eine eigene Kammerjungfer, die zur Zeit der Lese die Gttin befragt,
ob die Nester gepflckt werden drfen oder nicht. Die Antwort lautet
gewhnlich bejahend, zuweilen aber auch verneinend; dann wird nach
einigen Tagen wieder angefragt, und immer noch hat Loro-kidul zur
gnstigen Zeit die Erlaubniss ertheilt, vielleicht aus Furcht, durch
Eigensinn ihre Kammerjungfer zu verlieren. Die Nester werden dreimal
jhrlich eingesammelt. Es war jetzt gerade die Zeit, wo mit der zweiten
Lese begonnen werden sollte. Die Leute waren beschftigt, Bambus- und
Rotangleitern in Stand zu setzen, um vom oberen Rande der Felsenmauer
aus in die Hhlen zu steigen. Vom Meere her sind sie nicht zu erreichen.
Fr die grosse Hhle Gua-gedeh sollten die Vorbereitungen den nchsten
Tag fertig sein; so hatte ich denn Gelegenheit, eine dieser berhmten
Hhlen zu besuchen, wozu ein Fremder wohl nicht leicht Erlaubniss
erhlt. Die Beamten, denen der Besuch freisteht, haben ihrerseits wenig
Lust, sich dem beschwerlichen und als halsbrecherisch geschilderten Gang
auszusetzen, da sie nicht die Neugier eines Reisenden besitzen.

Auf dem Gipfel des Bergrckens, der die Thalmulde, in welcher das
Packhaus liegt, vom Meer trennt, stehen drei kleine Flaggenstcke, von
denen, wenn die See ruhig ist, so dass man gefahrlos den Eingang der
Hhle erreichen kann, weisse, im andern Falle schwarze Flaggen wehen.
Loro-kidul war liebenswrdig, 3 weisse Fhnchen winkten von der Hhe.

Hat man den gegen 1000' hohen Bergrcken erstiegen, so geniesst man eine
herrliche Aussicht. Jenseits der jhen Felsen, die wie grosse
Strebepfeiler die senkrechte Bergwand an der Seeseite sttzen, breitet
sich das indische Meer, im Osten die Ebene von Bagelen, im Westen die
von Banjumas aus. Ein bequemer Pfad fhrt zur Meereskste hinab, bis zu
einer Stelle, wo derselbe pltzlich an einer senkrechten Wand aufhrt.
Von hier steigt man auf einer Leiter hinab, deren Seiten aus Rotang,
deren Sprossen aber aus Bambus bestehen, und von der nur das oberste um
einen Baum geschlungene Ende sichtbar ist, der brige 90' lange Theil
der Leiter hngt frei in der Luft vor der Wand, die an dieser Stelle
nach Innen einspringt. Der Sicherheit wegen muss man barfuss gehen. Von
der untersten Sprosse tritt man auf einen kaum 1-1/2' breiten
Felsenvorsprung, in dessen Spalten einige Pflcke eingekeilt und noch
ausserdem durch kleine Stricke an den Unebenheiten des Gesteins
befestigt sind. An diesen Pflcken sind die beiden Enden eines
dreifachen Rotang fest gemacht, der von hier in die Tiefe hinabhngt,
und dessen unten entstehende Biegung (sogenannte doppelte Bucht) eine
27' lange Bambusleiter trgt, deren oberes Ende auch noch an den
Pflcken des Felsenvorsprunges mit kleinen Stricken festgebunden ist.
Der ganze Apparat flsst dem Neuling wenig Zutrauen ein. Auf dem kleinen
Vorsprunge muss man sich umdrehen, um die Bambusleiter, die man nicht
sieht, mit den Fssen zu erreichen und weiter in die Tiefe zu steigen.
Auf der untersten Sprosse angelangt, befindet man sich etwa 10' ber dem
Meeresspiegel. Um diese Sprosse und die die Leiter tragende
Rotangschleife ist das Ende eines mehrere 100' langen Rotangs
geschlungen, das in die Hhle fhrt, wo es an den Unebenheiten der Decke
vermittelst Arengstricken befestigt ist. Man geht auf diesem Rotang und
hlt sich mit den Hnden an einem zweiten, einige Fuss darber
angebrachten. Es waren nur erst diese beiden Rotangs festgemacht; spter
zieht man deren mehrere nach allen Richtungen. Die Nester sitzen in
Reihen an den Felswnden, werden mit der Hand gesammelt, und wenn sie
nicht erreichbar sind, mit einer Stange, deren Ende eine Schaufel mit
Netzbeutel trgt. Das Geschft ist wohl nicht so gefhrlich, als es
aussieht, denn seit 1830, wo der Besitz der Hhle an die Hollnder
berging, soll nur ein Mann dabei verunglckt sein. Frher pflckte man
die Nester je einen Monat frher, wenn noch die jungen Vgel darin
lagen, die herausgeworfen und vernichtet wurden; jetzt sammelt man sie
erst, nachdem die Jungen flgge geworden sind und sichert sich dadurch
einen bestndigen Ertrag. Dagegen sind die um so viel lteren Nester
nicht durchgngig von so guter Beschaffenheit. Diese Hhlen, deren 19 im
Gebirge von Karang-bollong liegen, gingen erst nach Unterdrckung des
Aufstandes von Dipo-negoro (1830) in den Besitz der hollndischen
Regierung ber, welche alle seit den ltesten Zeiten bei dem Sammeln
blichen aberglubischen Gebruche, an denen die Eingebornen so fest
hngen, beibehalten hat. Sie geben einen interessanten Einblick in die
Sitten der Javanen, weshalb ich eine kurze Beschreibung derselben theils
nach Mittheilungen, die ich an Ort und Stelle erhielt, theils nach einer
Abhandlung eines frheren Assistent-Residenten von Ambal hier beifge.
--[88]

[Illustration: HHLE (GUA) GEDEH.]

Das Sammeln der Vogelnester findet dreimal im Jahre statt, die erste
Ernte, Unduan-kesongo, Ende April, die zweite, Tellor, Ende August, die
dritte, Kapat, im Dezember; der Gesammtertrag beluft sich auf 44-45
Pikul. Vor dem Beginn der Lese erhalten die Huptlinge der verschiedenen
Klippen Geld zur Beschaffung von 9 Bffeln, 2 Ziegenbcken, Rotangs,
Bambus, Fackeln, Opium und Weihrauch, dann werden aus der zugnglichsten
Hhle Nogasari bei recht stiller See einige Probenester geholt. Sind die
Vgel hinreichend entwickelt, so findet das Opferfest mit Wayang
(Schattenspiel) und Toppeng (Maskenspiel) statt. Nach dem Adat[89]
beginnt das Fest an einem Donnerstag Abend. Freitag frh werden die
Bffel geschlachtet und Stckchen Fleisch an dem Bollong und den
Wachthusern geopfert, an der Klippe Madjingklak aber wird ein Geisbock
geopfert und geruchert; diese Festlichkeiten heissen ~Ngadiran~.
Nachmittags ist Wayangspiel im Bollong. Nach Beendigung desselben bringt
die bereits erwhnte Kammerjungfer das Bett der Loro-kidul (das
"Teufelsbett") in Ordnung, der Spiegel am Kopfende desselben wird dann
mit seidenen Kleidern behngt. Ausser dieser Frau, Tukang-gedong, darf
es Niemand berhren. Nachdem das Bett festlich geschmckt und Lampen
angezndet sind, tritt die Frau mit grossen Ehrenbezeugungen vor
dasselbe und spricht auf hochjavanisch: "Auf Befehl meines Herrn (des
Aufsehers) bringe ich Euch hier zu essen", worauf sie sich gleich selbst
die Antwort giebt: "Ya, Mak tukang-gedong: sage dem Vater, meinem Herrn,
dass ich ihm fr das mir gesandte Essen meinen Dank bezeuge." Dann fragt
Tukang-gedong, ob Njai Kidul erlaubt, dass Nester gepflckt werden, und
ob es ohne Unglcksfall geschehen werde, worauf gewhnlich "ja"
geantwortet wird. Whrend der ganzen Nacht spielt der Toppeng in der
Nhe des Packhauses bis zum folgenden Morgen. Samstag frh bringen die
Huptlinge mit ihren Leuten die bereits verfertigten Leitern nach den
verschiedenen Klippen und treffen weitere Vorbereitungen. Den ganzen Tag
ber ist Toppeng, Abends Gamelang und Tanz, wobei die Tnzerinnen zu
Ehren Loro-kiduls das Gesicht nach dem Packhause wenden. Inzwischen wird
das Essen aufgetragen. Alles setzt sich im Kreise: Schreiber, Bedana,
Mantris, die Huptlinge der Klippen und ihre Leute; der Schreiber fhrt
den Vorsitz und bringt Toaste auf einen guten Erfolg aus. Jeder
Anwesende erhlt eine Gabe Opium; der Tanz whrt bis Mitternacht, womit
das Fest sein Ende erreicht. Sonntags gehen die Huptlinge wieder nach
ihren Klippen, verlngern, wenn die See ruhig ist, die Leitern bis an
die Hhlen und holen einige Probenester herauf; sind diese hinreichend
ausgebildet, so werden die Leitern an den Gestellen befestigt, was
gewhnlich 5-6 Tage erfordert. Ist Alles bereit, so whlt man, um zu
beginnen, einen Tag, der fr besonders glcklich gilt. Die Zahl der
Sammler betrgt zuweilen am ersten Tage 80-90, verringert sich aber
schnell mit der Abnahme der Nester. Beim Abliefern ins Packhaus findet
wieder ein kleines Festmahl mit rothem und weissem Reis statt. Die Lese
dauert 3 Wochen bis 2 Monate, dies hngt vom Zustand der See, aber auch
von aberglubischen Rcksichten ab. Die Lese im August oder Anfangs
September ist gewhnlich die ergiebigste. Die Zugnglichkeit der Hhlen
ist sehr verschieden; ebenso verschieden ist auch ihr Ertrag: whrend
die Hhle Muliran nur 1-3 Nester lieferte, gab die grosse Hhle Nogosari
im Jahre 1857 3229 lb.; der Gesammtertrag aller Hhlen in den
verschiedenen Jahren bleibt aber bis auf ganz kleine Schwankungen
derselbe, weshalb der amtlichen Bchern entnommene Ertrag von 1857 als
Norm hier angefhrt werden mag. Die Nester werden sortirt in ganze,
zerbrochene und Grus. Fr den Markt hat dies aber keine Bedeutung, da
die ganzen Nester mit den Bruchstcken vermengt, nach dem Gewicht
verkauft werden. Man sortirt aber auch nach drei Qualitten: 1) weisse,
2) weniger weisse, 3) braune und schwarze. Totalertrag smmtlicher
Hhlen 1857: ganze Nester: 196,583 Stck, zerbrochene: 109,528, Grus:
1106 lb., Totalertrag in Pfunden: 5354. Im Durchschnitt werden die
Nester auf den ffentlichen Auktionen in Batavia 1. Qual. mit 6200 fl.,
die 2. mit 5000, die 3. mit 2800 fl. per Pikul von 125 lb. bezahlt.
Ueber den Stoff, aus dem die Nester bestehen, herrschten bis vor
Kurzem sehr abweichende Vorstellungen. Erst Dr. Bernstein beschrieb
nach wiederholten sorgfltigen Beobachtungen ihre Entstehung, sowie er
auch der Gattung Collocalia Gr., die Bonaparte wieder zu den Schwalben
gestellt hatte, in Folge genauer anatomischer Untersuchungen ihre
richtige Stellung im System in der Familie der Cypseliden anwies und
dadurch Gray's frhere Klassifikation, ohne sie zu kennen, besttigte.

Nach Bernstein[90] kennt man von der Gattung Collocalia bis jetzt
nur 4 Arten: C. esculenta Lath., G. nidifica Lath., beide auf Java
einheimisch, C. troglodytes Gr. & Mitch., den Molukken und Philippinen
und C. francica, allein der Insel Mauritius angehrend. Die Nester von
C. esculenta, seit Jahrhunderten bekannt und oft beschrieben, haben im
Allgemeinen die Form einer der Lnge nach geviertelten Eischale, die mit
einer Seite am Felsen klebt, welcher die Rckwand des Nestes bildet. Von
beiden Enden gehen flgelartige Ausbreitungen aus, die mit ihrer flachen
Basis am Gestein festsitzend, die Hauptsttze des Nestes bilden, das aus
einer sehr dnnen, durchscheinenden, weissen oder brunlichen Masse
besteht, die am meisten Aehnlichkeit mit Hausenblase hat und wellige
Querstreifen zeigt. C. nidifica, die auf Java wohl noch hufiger ist,
als die andre Art, wohnt in weniger unzugnglichen Hhlen und baut ihre
Nester, die den andern sehr hnlich sehen, zum grossen Theil aus
Pflanzenbestandtheilen, welche durch die leimartige Substanz an einander
geklebt werden, whrend die Nester von C. esculenta ausschliesslich aus
dieser Substanz bestehen. Einige hielten diesen Stoff fr den
verhrteten Saft eines Baumes, Calambone,[91] andere fr Seetang, vom
Vogel verzehrt und wieder ausgespieen; doch hat man in seinem Magen nie
Spuren von Pflanzenstoff, sondern nur Insekten gefunden. Einen Kropf, in
dem die Metamorphose vor sich gehen knnte, besitzt der Vogel nicht.
Bernstein fand aber an ihm ungewhnlich entwickelte Speicheldrsen,
besonders glandulae sublinguales, die zur Zeit des Nestbaues
ausserordentlich anschwellen, dann wieder kleiner werden und spter die
gewhnliche Grsse dieses Organs bei verwandten Vgeln nicht
bertreffen. Sie sondern einen dicken, zhen Schleim ab, der sich in
grosser Menge an der Oeffnung der Ausfhrungsgnge dieser Drsen, vorn
unter der Zunge, anhuft. Die Masse hat, oberflchlich betrachtet,
grosse Aehnlichkeit mit einer sehr dicken Lsung von Gummi Arabicum,
trocknet schnell an der Luft und stimmt auch, unter dem Mikroskop
betrachtet, vollstndig mit der Substanz der Nester berein. Bernstein
beobachtete mehreremale diese Vgel beim Nestbau. Sie fliegen wiederholt
an die gewhlte Stelle und drcken mit der Zungenspitze einen Tropfen
des Speichels gegen die Felswand. Dies wiederholen sie zehn- bis
zwanzigmal, ohne sich mehr als eine Elle weit vom Platz zu entfernen,
sie mssen also das Material, das sich schnell wiedererzeugt, in
grsserer oder geringerer Menge bei sich fhren. So entsteht als
Grundlage des Nestes eine hufeisenfrmige Erhhung, der Vogel klammert
sich daran und vergrssert, indem er mit dem Schnabel hin- und herfhrt
und den Schleim am Rande aufsetzt, das Nest, wodurch auch die oben
erwhnten Streifen entstehen. Alle diese Angaben beruhen nicht auf
Vermuthungen, sondern sind die Ergebnisse von Dr. Bernstein's
wiederholten, mit grosser Umsicht angestellten Beobachtungen.

Von Karang-bollong kehrte ich nach Tjelatjap zurck. Schon in Adiredjo
sah ich grosse Vorbereitungen fr den auf den folgenden Tag
festgesetzten Empfang des neuen Residenten von Banjumas treffen. Es
erhoben sich ganze Reihen von Ehrenpforten aus Bambus, und gegen Abend
fanden sich die hollndischen und inlndischen Beamten mit ihrem
zahlreichen Gefolge ein, um dem Residenten von hier aus das Geleit zu
geben. Die Strasse nach Tjelatjap war mit Zgen von Lanzentrgern
bedeckt, die zu einem Rompok (Tigerstechen) entboten waren. Am folgenden
Morgen hatten sich die vornehmsten Beamten mit dem Residenten im Pendopo
des Regenten zur Erledigung der amtlichen Geschfte versammelt. Neben
dem Residenten in einfacher Uniform sass der Tumongong (Regent) in
vollem Schmuck, den Sarong in knstliche Falten gelegt, 2 Krise an der
Seite, eine fast fusshohe cylindrische Mtze auf dem Kopf; daneben auf
dem Boden kauernd, dem Range nach geordnet, die hheren inlndischen
Beamten; vor der Halle im Freien hockten mit ihrem Gefolge die Bedanas
und Aeltesten der verschiedenen Dorfschaften, um die Vertheilung der
ihre Gemeinden treffenden Steuern und Lasten mit den Regierungsbeamten
zu vereinbaren, wie es alljhrlich geschieht. Nachdem die Geschfte
abgemacht, hielt der Resident dem Tumongong eine kurze Ansprache, worauf
dieser vor die Versammlung trat und sie anredete. Darauf begaben sich
der Resident nebst dem Regenten, von fast allen in Tjelatjap anwesenden
Europern gefolgt, nach einem Pavillon, um einen Kampf zwischen
Knigstiger und Bffel mit anzusehen. Ein wohl 20' hoher cylindrischer
Bambuskfig enthielt einen bekrnzten Bffel; auf ein gegebenes Zeichen
wurde eine kleine Thr geffnet, die zu einem daran stossenden,
kleineren, den Tiger enthaltenden Kfig fhrte. Alles wartete mit
Spannung, der Tiger erschien aber nicht. Erst nachdem er ziemlich lange
durch brennende Fackeln gepeinigt worden, schlpfte er aus dem kleinen
in den grossen Kfig, zeigte aber durchaus keine Kampflust. Er lief
einigemal ngstlich im Kreise herum, bis ihm der Bffel, der ihn
anscheinend mit dem Gleichmuth eines Unbetheiligten betrachtet hatte,
einen Stoss gab, worauf der Tiger vor Angst an den Stben in die Hhe
kletterte. Durch kochendes Wasser, Absud von Pfeffer und Lanzenstiche
wurde er von dort vertrieben. Beide Thiere wurden unaufhrlich von den
oben auf dem Kfig stehenden Leuten gereizt, bis der Tiger endlich einen
Sprung that und sich fest in das rechte Ohr des Bffels einbiss, indem
er seine Tatze zugleich in den Nacken seines Gegners tief einschlug. Der
Bffel versuchte vergeblich, ihn abzuschtteln, heulte vor Schmerz und
schleifte den Tiger mehrmals auf dem Boden rings herum. Endlich liess
dieser los und erhielt ein paar so krftige Stsse, dass er wie todt
liegen blieb. Der Bffel beroch ihn; als aber der Tiger den Versuch
machte, nach ihm zu schnappen, erhielt er einen solchen Stoss, dass er
wieder alle Viere von sich streckte. Das Publikum war zwar noch lange
nicht befriedigt und wendete Pfeffer- und Stinkbrhen, Lanzenstiche und
brennende Fackeln an, um die erschpften Thiere noch einmal an einander
zu bringen; aber vergeblich; die kleine Thr wurde endlich wieder
geffnet, der Tiger durch Feuer zum Aufstehen genthigt, schlpfte
behend in seinen Kfig zurck.

[Illustration: FEST IN TJILATJAP. JAVA.]

Nachmittags um 5 Uhr fand auf dem Alun-alun, vor dem Hause des Regenten,
ein ~Rompok~ statt. Der grosse viereckige Platz war mit mehreren Reihen
von Lanzentrgern umgeben, es mochten ihrer wohl ber 2000 sein. In der
Mitte des Vierecks standen zwei kleine, mit Stroh berschttete Kfige
und ein dritter, hherer, in Form eines Daches. Die beiden ersten Kfige
enthalten je einen Tiger. Ein dichter Kranz von Zuschauern umgiebt die
Lanzentrger. Auf ein gegebenes Zeichen wird ein Kfig in Brand
gesteckt, der Tiger will aber durchaus nicht erscheinen. Es ist dieselbe
arme Bestie, die schon heut morgen vom Bffel so bel zugerichtet wurde;
schon frchtet man, dass er verbrannt oder erstickt sei, als er endlich
mit dem Hintertheil zuerst zum Vorschein kommt. Kaum aber hat er sich
umgesehen, so luft er in den brennenden Kfig zurck, und es dauert
abermals geraume Zeit, bis er zum zweitenmal heraustritt. Ohne sich vom
Platz zu rhren, mustert er genau das Terrain und spht ngstlich nach
einem Schlupfwinkel. Da er keinen Schritt thut, setzt sich das mit
Bewaffneten angefllte dachfrmige Gestell in Bewegung, aus dessen
Oeffnungen ihre langen Lanzen hervorragen. Sie zwingen endlich das
Thier, sich zu bewegen. Da der Tiger fast immer gegen die Richtung des
Windes luft, so war die Windseite am strksten bemannt worden. Diesmal
aber wich er mit richtigem Takt von seiner Gewohnheit ab, strzte sich
pltzlich auf eine schwach bemannte Stelle in der Nhe unseres
Pavillons, und machte einen verzweifelten Versuch, durchzubrechen. Kaum
aber hatte er die Stelle erreicht, als er von zwanzig Lanzen durchbohrt
zu Boden sank. Man steckte den zweiten Kfig in Brand. Das muthige Thier
springt mit einem Satz heraus, stutzt, mustert seine Feinde, setzt sich
in Lauf und versucht an der Windseite einen Durchbruch, dort
zurckgedrngt, wiederholt er einige Schritte weiter denselben Versuch,
wird aber sogleich durchbohrt, indem alle Nahestehenden, unfhig, ihre
Leidenschaft zu zgeln, ihm ihre Lanzen in den Leib stossen. Der Regent
bot mir die Tiger an, da aber die Felle zerfetzt waren, und ich deren
bereits fnf besass, so begngte ich mich damit, die Eingeweidewrmer
meiner Sammlung einzuverleiben und liess mir einige Tigerkoteletten
braten, die gegen Erwarten gut, fast wie Rindfleisch schmeckten, was die
brigen Gste nicht glauben wollten, die vor dem Fleisch einen gewissen
Ekel empfanden. Der Resident besttigte aber mein Urtheil. Er hatte
frher in Banjuwangi, wo Rindfleisch nur selten vorkam, den Rcken eines
jungen Tigers in Form von Rinderbraten bereiten und einige in der
Provinz ansssige Pflanzer zum Diner einladen lassen. Das Fleisch
schmeckte ihnen vorzglich, und sie entdeckten den Verrath erst, als sie
den Rest des Thieres in der Speisekammer hngen sahen.

Nachdem ich meine naturwissenschaftlichen und ethnographischen
Sammlungen, die auf der Reise so angewachsen waren, dass sie fast den
ganzen Platz im Wagen und einen auf dem Verdeck eingerichteten Raum
einnahmen, wohl verpackt dem Assistent-Residenten bergeben, der sie
pnktlich, wie er versprochen hatte, mit dem ersten Schiffe an unsere
Museen absandte, verliess ich Tjelatjap und begab mich nach Banjumas,
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, wo ich einige Tage im Hause des
Residenten zubrachte. Neben der sehr gerumigen "Residenz" lag ein
zweites Haus mit breiter Veranda, eine ganze Reihe Fremdenzimmer
enthaltend, in welchen die fnf oder sechs gleichzeitig anwesenden Gste
so unabhngig und behaglich, wie in einem guten Hotel wohnten.

In Adjibarang, einem SW. vom Slamat gelegenen Dorfe, traf ich eine
Abtheilung Topographen (Mestizen) unter Leitung eines hollndischen
Hauptmanns, und war erstaunt ber ihre Leistungen. Die in aequidistanten
Horizontalen aufgenommenen Messtischbltter eines reich bewsserten,
verwickelten Hgelterrains konnten sowohl in Bezug auf Genauigkeit als
auf schne klare, reliefartige Darstellung den besten europischen an
die Seite gestellt werden. Der Maasstab war 1: 10,000. Seit 1848 besteht
in Gombong eine Schule fr Europer und Mischlinge, zur Heranbildung von
Unteroffizieren; die besseren Schler werden zu Topographen ausgebildet.
Ganz in der Nhe von Adjibarang ist ~Batubala~, eine wenige Fuss breite,
ber hundert Fuss lange, tiefe Spalte, nahe dem Rande einer gegen 200'
hohen, senkrechten Lavawand, in welche frher die Sultane von Jokjokarta
ihnen unbequeme Personen ohne alle Form von Prozess mit auf den Rcken
gebundenen Hnden werfen und elend verschmachten liessen. Von Adjibarang
bis Purwolingo, um den SO.-Fuss des Slamat herum, breitet sich zu beiden
Seiten reiches Kulturland aus, ungemein ergiebig durch fruchtbaren
Boden, reichliche Bewsserung und den Fleiss einer dichten Bevlkerung.
Whrend aber in den meisten Lndern die fruchtbarsten Auen sehr
einfrmig sind, und nur mittelbar durch die Betrachtungen ber ihren
Nutzen erfreuen, gehren die Sawas in diesen malerischen
Berglandschaften zu den schnsten Bildern, die man sehen kann. Jeder
Hgel ist fast bis zum Gipfel von Terrassen umgeben, die seinen Umrissen
folgen und diesen Denkmlern menschlichen Fleisses die Gestalt
gegliederter Baudenkmler geben, whrend tausend kleine Kaskaden die
starre Form beleben.

In Purwolingo erwartete mich der Assistent-Resident. Wir legten die
erste Strecke im Wagen zurck, ritten dann bis Bobotsri und am
folgenden Tage nach Priatin. Nicht weit von der Strasse bricht die
Quelle des Kali-arus mit solcher Wasserflle aus horizontalen Lavabnken
hervor, dass ein schnell fliessender, 5' breiter Bach daraus entsteht.
Aus einigen Lchern sprudelte das Wasser 1/2 Fuss hoch.

Etwas weiter, in der Nhe des Dorfes Seraju, liegt der malerischste
Wasserfall, den ich je gesehen (Tjipotut): vom Rande der dicht
bewachsenen Hinterwand fllt ein reichlicher Bach in ein erstes, fast
kreisrundes, flaches Becken, in dessen mittlerem Theil das Wasser einen
Teich bildet, worin mehrere Frauen badeten, whrend andere auf dem
ringfrmigen Rande im Schatten schlanker Bambusen mit ihnen scherzten.
Aus einer Rinne strzte das Wasser in ein zweites Becken und von da in
einen tiefen, runden Kessel, dessen finstere mit Farnen bekleideten
Tuffwnde einen schnen Gegensatz zu den oberen sonnigen Becken
bildeten. Als ich vom Wasserfall zurckkehrte, sah ich meinen Begleiter
beschftigt, Anstalten gegen den Regen zu treffen, der uns bevorstand,
d. h. er wickelte seine Uhr und Brieftasche geschickt in ein
Bananenblatt, so dass das Wasser davon, wie von einem Dache ablaufen
musste. Kaum waren die Vorbereitungen vollendet, als ein heftiger Regen
eintrat, der ununterbrochen bis Priatin anhielt, das wir nach einigen
Stunden erreichten. Herr B. war wieder ein Beispiel fr die Richtigkeit
der Behauptung, die ich in Indien so oft von Aerzten und alten
Praktikern hrte, dass nmlich ein sonst gesunder Krper sich am besten
akklimatisirt, wenn er kein Wetter und keine Strapazen scheut. Obgleich
mein Gefhrte schon 28 Jahre in ostindischen Diensten stand, und
namentlich als Kontrolr grosse Beschwerden erduldet hatte, war er noch
so rstig, dass er in seiner dnnen Kattunjacke den in 3-4000' Hhe doch
ziemlich kalten Regen anscheinend ohne alle Belstigung ertrug. Der
Abend in Priatin war sehr schn. Die Kulis lagerten sich um ein
gewaltiges Wachtfeuer und erfreuten sich am Gamelang und Tanz der
Ronggengs, der bis spt in die Nacht dauerte.

Am folgenden Morgen, nachdem ich mich von meinem freundlichen Begleiter,
der nach Purwolingo zurckkehrte, verabschiedet hatte, bestieg ich den
Slamat, auf dessen stlichem Abhang Priatin in 4000' Hhe liegt. Einen
Paal weiter stehen die letzten von einigen Kaffeebauern zeitweis
bewohnten Htten. Das Steigen wre viel beschwerlicher gewesen, htten
wir nicht bald Rhinozerospfade getroffen, die in bequemen Windungen bis
an den Schuttkegel fhren, aus dem die Spitze des Berges besteht. Diese
Thiere mssen hier sehr hufig sein, wir trafen vielfach ihre Spuren. Im
ganzen Westen von Java kommen sie vor; der Slamat bildet aber die
stlichste Grenze ihres Verbreitungsbezirks. Das Nashorn ist so scheu,
dass man es fast nie zu Gesicht bekommt; doch werden einzelne Flle
angefhrt, wo es, wahrscheinlich in der Brunstzeit, Menschen angegriffen
hat. Die plumpen Thiere ersteigen die hchsten Berge, wo sie ihr
Lieblingsgras in Menge finden, und sind unbertrefflich im Anlegen von
Strassen: indem sie immer derselben Spur folgen, schleifen sie mit ihrem
tief herabhngenden, faltigen Lederpanzer und dem daran haftenden Sande
allmlig tiefe Rinnen mit vllig glatten Wnden selbst in das hrteste
Gestein. Nicht minder wunderbar erscheint der ausgezeichnete
topographische Takt, mit welchem alle Terrainschwierigkeiten umgangen,
steile Stellen durch Zickzacklinien berwunden werden; das Wunder
erklrt sich aus der Unbeholfenheit des Thieres, dem schwierige Stellen
unzugnglich sind. -- Das Fell des Rhinozeros dient zu verschiedenen
Zwecken; als Schild lsst es keine Musketenkugel durch; die Chinesen
gebrauchen es in der Medizin. Das Horn gilt in Java als ein sicheres
Mittel gegen Schlangengift, nicht nur bei den Eingebornen, auch viele
gebildete Europer sind von seiner Wirksamkeit so fest berzeugt, dass
sie auf Reisen gewhnlich eine dnne Scheibe davon bei sich tragen, in
der Meinung, dass durch Auflegen der porsen Masse auf die Wunde das
Gift unfehlbar ausgezogen wird. Eine Dame, die auf diese Weise einen von
einer Schlange Gebissenen "geheilt", hatte sogar die Hornscheibe vorher
in Essig gelegt, um sie noch wirksamer zu machen!

Nachdem wir die Waldgrenze berschritten und die Region betreten hatten,
in welcher nur einzelne Bume aus einige Fuss hohem Grase hervorragten,
genossen wir einen prchtigen Anblick. Hinter den Vorbergen des Slamat
sah man das nrdliche Flachland und hinter diesem die Java-See sich
ausbreiten, im Westen berragte der Tjerimai die kleineren Berge, im
Osten thrmte sich ein hoher Vulkan hinter dem andern auf, dahinter die
9-10,000' hohen Sindoro, Sumbing, Merapi, Merbabu; im Sden lag die
reiche Provinz Banjumas und der indische Ozean. Die beiden Meere sind
von hier fast gleichweit entfernt. Mehrere tausend Fuss unter uns
schwebte in einer horizontalen Ebene die Wolkenschicht, unzhlige Cumuli
bildend, und warf auf den Erdboden scharf begrenzte Schatten, die durch
die Zwischenrume deutlich zu erkennen waren. Der schne Anblick dauerte
nicht lange, die Cumuli verschwammen zu einer dichten, jede Aussicht
verhllenden Nebeldecke, noch ehe wir den oberen Rand der Grasregion
erreicht hatten, die scharf, wie abgeschnitten, an den Schutthaufen
grenzt, auf dem man die letzten paar tausend Fuss zum Kraterrande
emporsteigt. Als ich mit 2-3 Begleitern oben ankam, stellte sich ein
feiner, kalter Regen ein, der uns in unserer sehr dnnen Kleidung vor
Klte zittern machte. Allmlig kamen einige Leute mit Gepck, es wurde
ein Wachtfeuer angezndet; gegen Abend glich der Berggipfel einem
grossen Lagerplatz. Herr B. hatte in liebenswrdigster Zuvorkommenheit
20 Kulis zu meiner Begleitung bestimmt, und dieselben mit allerlei
Gerthen der Bequemlichkeit ausgerstet, um diese Exkursion zu einer
wahren Vergngungsreise fr mich zu machen. Als ich aber gegen Abend die
Menschen an den verschiedenen Feuern zhlte, waren ihrer ber 80, von
denen die grosse Mehrzahl doch nur zu ihrem Vergngen sich betheiligt
haben konnte, da nicht anzunehmen ist, dass jeder Kuli noch drei
Unter-Kulis habe.

Aus drei Matten und ein paar Bambusen war schnell eine kleine Zelle fr
mich erbaut, deren eine Seite die Felswand bildete. Allmlig fllte sie
sich mit allerlei Luxusgegenstnden: ein Trger brachte eine
Lampenglocke, andre ein Waschbecken, Teller, Theetassen. Ein trockener
Rock und etwas zu essen wre mir lieber gewesen; die Aussichten fr die
Nacht waren etwas ungemthlich, als zu meiner Freude noch spt Abends
der Koch erschien, der schon auf einem Halt unterwegs das Essen
zubereitet hatte. Mit ihm zugleich kam eine mit Baumwolle gestopfte
Matratze, worin ich eine unerwartet angenehme Nacht zubrachte, indem ich
ihr oberes Ende aufschnitt und bis an den Hals hineinkroch.

Bei ihrem Aufgang warf die Sonne den langen Schatten des Slamatkegels
auf die ber der Ebene schwebende Wolkenschicht, aber bald wurde es
vllig trbe und die Aussicht beschrnkte sich auf die nchsten Punkte.
Am nrdlichen Abhang erblickt man einige kleine Seitenkrater, wie man
deren so viele am Aetna wahrnimmt. Gegen Mittag verliessen wir den
Gipfel. Am unteren Rande des Schuttkegels begegneten wir noch mehreren
Kulis mit Gegenstnden, die uns gestern Abend sehr angenehm gewesen
wren. Sie hatten die Nacht im weichen Grase gelagert und kehrten nun
mit uns um. Als wir kaum die Rhinozerospfade betreten hatten, begann es
so heftig zu regnen, dass diese schmalen, Laufgrben hnlichen Wege sich
in Bche verwandelten. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir wieder in Priatin.

Bei der Rckkehr nach Banjumas hatte ich das Vergngen, unsern
Landsmann, den Oberst v. S., kennen zu lernen, der als Chef des
Geniewesens auf einer Inspektionsreise begriffen war und mir bis zu dem
Augenblick, wo ich Java verliess, unzhlige Geflligkeiten erzeigte.
Mein Bedienter war von den Strapazen der letzten Reise krank geworden;
der Resident von Banjumas nthigte mir, als ich nach einigen Tagen
abreiste, einen der zuverlssigsten und intelligentesten seiner eigenen
Diener auf, der mich whrend meines ganzen ferneren Aufenthalts in Java
begleitete und berhufte mich berdies mit Aufmerksamkeiten, deren ich
zum Theil erst nach meiner Abreise inne wurde.

Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit nochmals der grossen
Gastfreundschaft in Java und der Art ihrer Ausbung zu gedenken, denn
sie bildet einen der hervorragendsten Zge im dortigen Reiseleben, der
in der Erinnerung um so deutlicher hervortritt, je mehr sich die andern
Eindrcke verwischen. -- Bei den Vlkern lateinischer Abstammung wird
Einem im ersten Auflodern der Geflligkeit so viel mehr versprochen, als
gehalten werden kann, dass Alles nothwendig auf eine hfliche Formel
hinauslaufen muss, die aber gerade, weil sie nichts kostet, so allgemein
ist, dass der oberflchliche Verkehr mit ihnen dadurch eine angenehme
Frbung erhlt. Die Englnder, die das, was sie versprechen, auch
wirklich zu halten meinen, zaudern vorsichtig mit ihrem Entgegenkommen
und stossen expansive Auslnder durch ihre kalte Gemessenheit ab. In
Java wird die Formel der Spanier: "Sie sind in Ihrem Hause, dies Haus
ist das Ihrige", zur Wahrheit, ohne je ausgesprochen zu werden; wie
berhaupt die unzhligen, dem Fremden erwiesenen Dienste, aus Furcht,
dass er sie ablehnen knnte, nie vorher angeboten werden. Dass der
Bediente nach den kleinen Gewohnheiten, den Lieblingsgerichten, den
Speisestunden seines Herrn ausgefragt, und dass danach die Hausordnung
abgendert wird, ist durchaus nichts seltenes; aber nicht nur auf die
Dauer des Besuchs beschrnkt sich die liebenswrdige Frsorge;
mehreremale, wenn ich auf einem Berggipfel oder in einem abgelegenen
Pasanggrahan das tgliche Huhn mit Reis essen wollte, fand ich den Tisch
mit allerlei Leckerbissen besetzt, welche die Frau des Hauses, in dem
ich zuletzt eingekehrt war, dem Diener heimlich zugesteckt hatte.




Fnftes Kapitel.

    Hochebene von Deng. Vulkane. Solfataren. Tempel. -- Vogelscheuchen.
    -- Tempel Perot. -- Affengemeinde. -- Bad. -- Fliegende Hunde. --
    Borobudor. Pavon. Mundut. -- Sultan von Jokjokarta und seine
    Familie. -- Salzgewinnung. -- Karang-tritis. -- Getuschter
    Gastfreund. Landpchter. -- Indigofabriken. -- Begrbnissplatz
    Imogiri. -- Tempel bei Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der
    Kaiser und sein Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. --
    Der alte Blcher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest
    in Surakarta.


Von Banjumas fhrt eine schne Strasse im Serajuthal auf der linken
(sdl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr
hbsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schnen
vulkanischen Profilen, berragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden
Brdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang
erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den
Seiten der steilsten Hgel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara
mit gutem Trinkwasser versorgt, berschreitet in doppelter Bogenreihe
den Fluss und sieht fast wie ein Rmerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem
Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde ber
Karang-kobar und Batur nach dem berhmten Plateau von Deng fort. Gleich
bei Bandjar-negara fhrt eine malerische Bambusbrcke ber den
Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.)
von intensiv violetter Farbe feil bieten.

Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl
jede andre in Java bertrifft: zwischen Hgeln, die ganz mit Sawas
bedeckt sind, erheben sich khne Felsen; einer derselben, der
Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch
schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thrmen sich durch tiefe
Schluchten zerrissene Gebirge immer hher auf bis zum Slamat, dessen
10,630' hoher Gipfel alles berragt. Hinter Karang-kobar wird die
Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung
um so deutlicher. Fr Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak,
Weizen und Gemse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig
in dieser Hhe, deshalb fhren hlzerne Brcken ber die Bche. Von den
Husern sind die besseren aus Holz, die rmeren aus Glaga, dem mehrfach
erwhnten Rohr, die Wnde bestehen aus den Halmen, die Dcher aus den
Blttern.

Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Deng, Javas
phlegrische Felder. Der Weg fhrt zuerst durch braune Tuffschluchten,
ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von
der Hauptstrasse liegt ~Kawa-dringu~, eine Vertiefung in einem
Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblcken
besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt
den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm
stellenweise 4 Fuss in die Hhe geworfen wird. In geringer Entfernung,
NzO., liegt ~Telaga-dringu~, ein Wasserbecken im Boden eines alten
Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wnden. Das Wasser ist
nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche
Abhang ist mit Gras, der stliche mit Gestruch und Bumen bewachsen,
die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See
hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.

[Illustration: BRCKE AUS BAMBUS U. ROTANG. WONOSOBO, JAVA.]

~Sumor-djalatunda~, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von
Deng nicht angegeben, liegt ca. 1-1/2 Paal in gerader Linie stlich von
Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse
Batur-Deng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt
und hier am usseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon
alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist vllig klar, kalt und geruchlos.
Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast
senkrechten, ppig bewaldeten Wnden eingefasst ist. Der See, der den
Boden einnimmt, ist oval, seine grsste Lnge in der Richtung von N.
nach S. betrgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrn. Das ganze Becken
erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies
letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand,
whrend hier das Seebecken unzugnglich ist. Die Wnde sind 130-150'
hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die
usseren Abhnge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich
sie entblsst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige
Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.

Vierhundert Schritt stlich ist das ~Todtenthal~. Im Boden eines Kraters
mit sanft geneigten Wnden, die mit Gras und Bumen bewachsen oder mit
Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der
Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der
schnste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist
die Stelle, wo frher die Mofette (siehe S. 147, Anmerkung) am
heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und
einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausstrmung des Gases hinreichen
wrde, die Thiere zu betuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung.
Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der
Fremden ersonnenen Kunststckchen in der Hundegrotte; hier war es
indessen eine uneigenntzige Aufmerksamkeit des Huptlings. Die
Ausstrmungen scheinen fast ganz aufgehrt zu haben, nur periodisch
bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden
gebleichten Skeletten, smmtlich kleinen Thieren angehrend, schliessen
liess. Der schnste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach
den Schilderungen des lteren Darwin so grausigen Ortes.

~Telaga-leri.~ Von ppigem Wald umschlossen, mit schn bewachsenen
Inseln geschmckt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrn
schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken
aufwirbeln. Durch die ringsum thtigen, das Gestein zersetzenden
Solfataren sind unzhlige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der
Mittelpunkt der vulkanischen Thtigkeit liegt gegenwrtig am Ostufer,
aus dessen Sprudeln und Pftzen mehrere siedend heisse Bche abfliessen,
so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen
darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwstung steht ein Schuppen,
zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun
effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am
Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer,
kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche
Plateau von Deng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal.
Indem wir ber seine Flche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten)
gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von
uns, zur Rechten, 4 kleine 20-25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein
fnfter, kleinerer, etwas seitwrts.[93]

Auf der Sdseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hgels
der mit schner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm
eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft:
kleine trkisblau und smaragdgrn glnzende Seen in blendend weissem
Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales
von Deng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken
weit auf Lavafliesen gehen, berall liegen Trmmer behauener Steine
umher. Auf den Abhngen stehen noch mehrere kleine mit Gestruch
bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestrzt und bilden nur noch
Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener
Flle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem
religisen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer
mchtigen Priesterkaste begnstigt und die Grndung zahlreicher Tempel
veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwrdige Inschrift,
von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit
sie zugeschrieben werden muss. -- Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus
und seinen Monumenten vertrauter Forscher wrde gewiss hier sowohl als
weiter stlich in Java ein reiches Feld fr seine Thtigkeit finden.

Die ganze Nacht hindurch wthete ein heftiger Sturm aus Ost, der einen
Theil des Pasanggrahans abdeckte; er hielt den ganzen Tag ber an und
legte sich erst gegen Abend. Der Wind war kalt und unbequem in dieser
Hhe (ber 6000') und noch unangenehmer auf den Bergen, die sich aus dem
Plateau erheben und wie dieses baumlos sind. Die aus der heissen Ebene
mit heraufgekommenen Leute froren den ganzen Tag trotz der reichlichen
Bewegung; die hier oben Ansssigen aber ertrugen die Klte sehr gut, und
vllig nackte kleine Jungen kauerten mssig vor den Husern in
anscheinender Behaglichkeit. Wir verliessen das Kesselthal von Deng im
Sden und ritten an dem schnen Tempel Werkodoro und dem tiefblauen See
Telaga-warna vorbei, der etwas nach Schwefelwasserstoff roch. Bevor wir
den Vulkan Pakuodjo erreichten, sahen wir rechts von der Strasse einen
hohen Felspfeiler, Gunong-batu, von wo aus man eine schne Uebersicht
des Pakuodjo hat, der aus einem geschlossenen Krater und einer grossen
Schlucht besteht. Der Sturm war jetzt so heftig, dass wir den Gipfel
nicht besteigen konnten. Der Boden des Kraters ist ganz flach, mit einer
hohen Erdschicht ausgefllt, auf dem das herrliche rothe Rhododendron
Javanicum in ziemlicher Menge unter andern Struchern wchst. Eine
niedrige Zwischenwand fhrt in die daneben liegende Schlucht. Diese
streicht von S. nach N. mit steilem Fall; in der Mittellinie derselben
zieht sich ein grosser gewlbter Schuttberg herab und strzt sich im N.
ber den flachen Rand. Er sieht von ferne tuschend wie ein erstarrter
Lavastrom aus, ist aber nur das Ergebniss der hher oben an den
Bergwnden thtigen Solfataren, die das Gestein zersetzen und in grossen
Blcken oder als Schuttmassen hinabstrzen; so entsteht ein langer,
schmaler Rcken von Bergtrmmern, der durch die Wirkung des
herabrieselnden Wassers auf der stark geneigten Sohle allmlig weiter
geschoben wird. Der Boden des daneben liegenden Kraters ist viel hher
und wird durch das an seinen Wnden zersetzte Gestein immer mehr
aufgehht, da sein Rand vllig geschlossen ist. (Mittags im Schatten
12,8R.)

Von hier besuchten wir die am Fuss des Berges Pangonan gelegene
Solfatara Tjondro di muka, wo im Jahre 1834 ein Kontrolr in den
heissen Schlamm einsank und, obgleich schnell herausgezogen, an den
Brandwunden starb. Die Stelle ist durch einen Stock bezeichnet, der von
Zeit zu Zeit erneuert wird; die Eingebornen nennen auch wohl die ganze
Solfatara "tuwan Kontrolr punja tjelaka" (das Unglck des Herrn
Kontrolr). Sie nimmt den Grund eines alten Kraters ein, dessen Wnde
fast zerstrt sind und dessen Boden mit grnem Rasen bedeckt ist, mit
Ausnahme derjenigen Stellen, wo die Fumarolen thtig sind. Am Abhange
des Berges Pangonan, dicht bei Tjondro di muka, ist eine hnliche
Solfatara, aus welcher ein grosser Schlammstrom herabgeflossen ist, der
jetzt im verhrteten Zustande auf den ersten Anblick wie ein Lavastrom
aussieht. Auch zeigt er an den Stellen, wo der Abhang steiler ist, die
eigenthmliche strickfrmige Textur schnellgeflossener Laven. Verfolgt
man den Strom nach oben, so findet man auf einem flachen Absatz des
Bergabhanges neben mehreren noch kochenden Schlammseen ein entleertes
Becken mit zerborstener Wand als Ursprung des erwhnten Schlammstromes.
Der Berg Pangonan enthlt zwei Krater; in den sdstlichen kann man
hineinreiten, sein Boden ist sehr versumpft, weshalb ein gleichnamiges
Dorf, das frher darin stand, verlassen wurde. Auf den flachen
Terrassen, die den Kessel fast in seinem ganzen Umfange umgeben, wurde
Mais, Tabak und Kohl gebaut, der Boden war mit Binsen und grobem Gras,
die Pftzen mit Brunnenkresse bedeckt. Von zehn kleinen Tempelchen,
welche Junghuhn's Karte auf dem usseren Abhang angiebt, fand ich nur
noch drei aufrecht, und den Schutthaufen eines vierten. Sie sind im
Grundriss quadratisch, jede Seite von 2,25 Meter Breite und 5,34 M.
Hhe, die Eingnge 0,85 M. breit, 1,83 M. hoch. Ringsum ist der Boden
mit behauenen Steinen und zertrmmerten Skulpturen bedeckt. Der Boden
des Nebenkraters wird fast ganz von einem See ausgefllt,
Telaga-werdoto der Junghuhn'schen Karte, die Eingebornen nannten ihn
aber Merredada. Vom Zwischenrcken bersah man die Topographie des
Berges mit einem Blick. Der Abhang des Pangonan fasst die W.-Seite des
Plateaus von Deng ein und grenzt im N. an die Strasse Batur-Deng;
jenseit derselben und des Baches Dolog, im N., erhebt sich ein anderer
erloschener Vulkan, der Pager-kendeng. Am SW.-Abhange dieses Berges
liegt das frher beschriebene Telaga-leri; ein bequemer Reitweg fhrt
ber die Kratermauer auf den Boden des Pager-kendeng-Kraters, in
welchem sich einige Menschen in elenden Htten aus Farnstmmen und
Glaga angesiedelt hatten. Sie leben vom Anbau und der Bereitung des
Ricinusls und Tabaks. Die Tabakbereitung ist sehr einfach. Die grnen
Bltter werden zusammengerollt, viele Rollen ber einander zwischen
zwei senkrecht neben einander befestigte Bretter gelegt, fest gedrckt
und nach und nach vorgeschoben, wobei der die Bretter berragende
Theil mit einem scharfen Messer abgeschnitten wird, wie beim
Hckselschneiden. Die Streifen sind nicht dicker als ein Zwirnfaden.
Man trocknet sie zuerst an der Sonne, spter ber Feuer. Eine weitere
Behandlung erfhrt der Tabak nicht; er wird hauptschlich zum Kauen
verwendet, fr sich allein oder mit Betel vermischt, auch macht man
Cigaretten daraus, indem man ihn in junge Seitenbltter der Nipapalme
wickelt. Am Nordostabhang liegt die Solfatara Panduh oder Sepanduh, die
wir erst bei vlliger Dunkelheit erreichten. Die schwierigsten Stellen
der Strasse nach Deng wurden beim Schein der Fackeln zurckgelegt, die
schnell improvisirt waren, indem die Kulis im Vortrab ohne Weiteres
grosse Bndel Glaga aus den Umzunungen rissen und anzndeten.

[Illustration: TEMPEL PEROT. JAVA.]

Leider konnte ich in Deng nicht lnger verbleiben, da meine Ankunft in
Wonosobo bereits angemeldet war. Wir ritten in SSO.-Richtung zuerst
durch tief eingeschnittene Tuffwnde nach Badak-banteng, kamen Abends
nach Telaga-mendjer, einem den Eifeler Maaren ganz hnlichen
Wasserbecken in weissem Tuff, und am folgenden Tage nach Wonosobo. Auf
einem Maisfelde sah ich ein eigenthmliches System von Vogelscheuchen:
senkrecht gegen die Richtung eines schnellen Baches waren lange Reihen
schlanker Bambushalme in den Boden gesteckt, von deren bergebogenen
Spitzen lange in der Sonne stark glnzende Pisangblattstreifen
herabhingen. Die Spitzen der Bambusen jeder Reihe waren durch eine
straffe Schnur verbunden, die aber, wo sie den Bach berschritt, sich
bis in das Wasser hinabsenkte und ein dnnes Brett trug, das von dem
Wasser hin- und hergeschleudert wurde, und die ganze Reihe
Vogelscheuchen in Bewegung setzte.

Von Wonosobo aus bestieg ich den wegen seiner schnen regelmssigen
Kegelform ausgezeichneten Gunong-sindoro. Am Nordost-Abhang
hinabsteigend, erreichte ich spt Abends Adiredjo, wo ich bei dem Bedana
nach langem Zgern nicht sehr freundliche Aufnahme fand, da mein Besuch
nicht amtlich angemeldet war.

Ganz in der Nhe liegen zwei kleine zierliche Tempel, Perot und
Prengapus. Den Tempel Perot hat ein Feigenbaum zu seinem Postament
erwhlt und mit einem Netz von Luftwurzeln umstrickt; er erhebt sich
darauf als eine dicke cylindrische Sule, die erst in 100' Hhe eine
mchtige Bltterkrone trgt. Da er bisher nie abgebildet worden, so
nahm ich eine sehr genaue Zeichnung davon auf. Am Nachmittag besuchte
ich die Quelle des Progo, der die Provinz Kadu, "den Garten von Java",
bewssert und am Fuss von Borobudor vorbei, in den indischen Ozean
fliesst. Die schne Quelle, die klar und sehr wasserreich aus einer mit
Farnen dicht bewachsenen Lavahhle hervorbricht, geniesst bei den
Javanen hohe Verehrung. Kaum waren wir angekommen, als von den
umliegenden Bumen eine Anzahl Affen (Semnopithecus maurus) herabstieg
und zutraulich dreist uns umringte. Wir ftterten sie mit Mais. Diese
Kolonie halbzahmer Affen existirt nach der spter noch mehrfach
besttigten Aussage des mich begleitenden Huptlings schon seit alter
Zeit und berschreitet nie die Zahl 15; heute waren ihrer zwar
eigentlich 16, da eine garstige alte Aeffin ein Junges trug, das unter
dem Bauch der Mutter hing und den Kopf ngstlich hervorstreckte. Ist
das Junge aber herangewachsen, so wird es gezwungen, die Kolonie zu
verlassen, wenn es nicht ein anderes schwcheres Individuum zum
Austritt zwingen kann; es werden nie mehr als 15 geduldet, so
wenigstens erzhlte man mir allgemein. Die Nacht brachte ich bei einem
vornehmen Javanen, dem Regenten von Temangung, zu, und begleitete ihn
am andern Tage zu einem cht javanischen Bade. Wir ritten 1-1/2 Paal
weit nach einem krystallhellen Quell inmitten eines Haines. Den Boden
des gerumigen Beckens, in welchem Gold- und Silberfischchen
umherschwammen, bedeckte glnzend weisser Sand. Die Aeste eines daneben
stehenden Baumes hingen ganz voll Kalongs, whrend Schaaren derselben,
durch einige Schsse aus dem Tagesschlaf geweckt, in der Luft
schwirrten. Diese Kalongs, auch fliegende Hunde oder Fchse genannt,
Pteropus edulis, sind grosse obstfressende,[94] ber den ganzen
Archipel verbreitete Fledermuse. Bei Tage hngen sie oft zu vielen
Hunderten in einem grossen Baum mit der Kralle des Daumens reihenfrmig
an den Aesten, den Kopf nach unten, in ihre Flgel, die 4-5 Fuss
Spannweite erreichen, wie in einen Mantel fest eingehllt, so dass sie
aus der Ferne wie riesige Birnen erscheinen. Werden sie nicht gestrt,
so setzen sie sich erst Abends in Bewegung und richten wegen ihrer
grossen Menge betrchtlichen Schaden an, wenn sie statt ber die
Frchte des Waldes ber die Obstgrten des Dorfes herfallen. Dr. Oxley
erzhlt (Journ. Ind. Arch. 1849), dass, als er in der Strasse von
Malacca vor Anker lag, ein Schwarm dieser Thiere mehrere Stunden
brauchte, um ber ihn fortzuziehen, und Logan sah sie zu Millionen in
den Mangrove-Smpfen am Nordrand der Insel Singapore hngen. Es ist
kaum mglich durch Netze das Obst gegen ihre Verheerungen zu schtzen,
denn bekanntlich ist bei den Fledermusen der Gehr-, Geruch- und
namentlich der Fhlsinn auf eine fr uns so wunderbare Weise
entwickelt, dass sie im Stande sind gewissermaassen in die Ferne zu
fhlen, und bei vlliger Dunkelheit im schnellsten Fluge jedem
Hinderniss mit der grssten Sicherheit auszuweichen. Spallanzani und
mehrere Andre nach ihm, berzeugten sich davon, indem sie geblendete
Fledermuse in hellen Rumen, in welchen nach allen Richtungen Drhte
und Fden gezogen waren, hin- und herfliegen liessen. Man nimmt an,
dass, abgesehen von den besonderen Apparaten, mit welchen die Nasen und
Ohren vieler Gattungen zur Verschrfung des Geruch- und Gehrsinns
versehen sind, die dnne, nackte, nervenreiche Flughaut dazu dient, den
Thieren die feinsten Unterschiede in der Temperatur, der Dichtigkeit,
dem Druck, der Bewegung, den Schwingungen der Luft wahrnehmbar zu
machen, und ihnen dadurch die Nhe fester Krper zu verrathen. -- In
Java wird der P. edulis, wie mir versichert wurde, selbst von den
Eingebornen nicht gegessen, in den Philippinen scheinen ihn die
~Europer~ zu verschmhen, obgleich sein Fleisch sehr wohlschmeckend
ist, hnlich dem Rebhuhn.

In wenigen Stunden erreicht man Magelang, Hauptstadt der Provinz Kadu.
Der Garten des Residenten hat eine sehr schne Lage und enthlt eine
Anzahl in der Umgebung gefundener Skulpturen, darunter einen mit
kunstvollen Basreliefs bedeckten Stein in Form eines Sarkophags.

[Illustration: KALONGS. (FLIEGENDE HUNDE.) JAVA.]

Von Magelang aus besuchte ich das 10-12 Paal gen Sden am Progofluss
gelegene ~Borobudor~, von allen Monumenten Javas das grsste, schnste,
am besten erhaltene, weit berhmt nicht nur durch die Beschreibungen von
Raffles, Crawfurd und anderen, sondern auch durch die darauf gegrndeten
Arbeiten von W. v. Humboldt und Burnouf. Aus der Ferne macht es keinen
bedeutenden Eindruck; es erscheint als eine flache, breite Pyramide mit
etwas verschwommenen Umrissen und fesselt das Auge nicht durch gefllige
Gliederung der Masse. Sobald man aber nher herankommt und die grosse
Flle schner Skulpturen gewahrt, fr welche das Gebude gewissermassen
nur den Trger bildet, begreift man wohl den Enthusiasmus, mit dem fast
Alle, die Borobudor gesehen, davon sprechen. Folgendes ist im
Wesentlichen der Plan des Gebudes: auf einem Hgel, dessen Seiten
terrassirt sind, und der somit ein Postament fr dasselbe bildet,
erheben sich stufenfrmig ber einander 6 Terrassen, die mit Ausnahme
der obersten und untersten an ihrem usseren Rande von einer Mauer
umgeben sind, so dass 4 ringsum laufende oben offene Gallerien von 2
Meter Breite entstehen, deren innere Wnde doppelt so hoch als die
usseren sind. Der Grundriss der Terrassen ist, wenn man die in der
Mitte jeder Front nach Aussen rechtwinklig vorspringenden Ausladungen
nicht bercksichtigt, quadratisch. Auf der oberen Plattform erheben sich
3 kreisrunde Terrassen ber einander von je 1,68 Meter Hhe, welche 34 +
24 + 14 zusammen 72 durchbrochene glockenfrmige kleine Tempel tragen,
in denen je ein Buddha sitzt. Auf der obersten Stufe erhebt sich eine
Kuppel von 20' Hhe, 50' Durchmesser. Ausser derselben enthlt der ganze
Bau keinen hohlen Raum, und dieser jetzt zum Theil eingefallene, frher
geschlossene Raum war leer. In der Mitte jeder Front ist ein Thor, durch
welches eine Treppe bis zur Kuppel fhrt. Das ganze Gebude besteht aus
knstlich in einander gefgten Trachytquadern. Die grsste Breite des
Monuments liegt wegen der bereits erwhnten Vorsprnge in den
Mittellinien und betrgt nach Wilsen's Messungen 114 Meter, die
Gesammthhe mit Einschluss des Kegels, der frher auf der Kuppel stand,
30 Meter. Crawfurd giebt etwas grssere Dimensionen an, aber Wilsen's
Maasse drften wohl die richtigen sein.[95] Nach ihm enthlt die ussere
unterste Wand 480 Reliefs. Die schnsten Skulpturen befinden sich an der
inneren Wand der ersten Gallerie; sie ist horizontal in zwei Theile
getheilt und ganz bedeckt mit Reliefs von 2,70 Meter Breite, 0,90 M.
Hhe. Aber alle senkrechten Wnde sind mit Reliefs, Arabesken und
Girlanden bekleidet. Wilsen giebt die Zahl der grossen Basreliefs auf
2000, die Gesammtzahl der Figuren berhaupt in den 5 Gallerien auf
20,000 an. Smmtliche Mauern der Gallerien tragen reich verzierte
Nischen, in denen berlebensgrosse Buddhas thronen. Die Zahl der
Buddha-Figuren in den Nischen betrgt nach W. 500. Weit mehr als ber
den Reichthum der Skulpturen erstaunt man ber die mannigfaltigen,
sinnigen Kompositionen und die bis in die kleinsten Einzelnheiten
sorgfltige Ausfhrung. Die beiliegende Zeichnung giebt eines der Bilder
der ersten Gallerie wieder, das ich aufs Gerathewohl, und weil es etwas
im Schatten lag, zu einer Skizze whlte. Diese Reliefs bewahren einen
Schatz von Erinnerungen aus dem Leben der damaligen Zeit auf; eine
Inschrift oder Jahreszahl enthlt das Monument aber nicht. Crawfurd
sagt, dass man aus einem rthselhaften Vers die Jahreszahl 1344 als die
Zeit der Vollendung des Baues herausgedeutet habe, die ihm nicht
unwahrscheinlich vorkommt. Andere, darunter Raffles und van Hoevell,
halten das Monument fr viel lter. Nach der allgemeinsten Ansicht wurde
der Bau von buddhistischen Knstlern aus Vorderindien unter Mithlfe der
Eingebornen errichtet. Die Javanen selbst haben wohl nie eine so hohe
Kunststufe erreicht. Wie die Buddhisten nach Java gekommen, ist nicht
gengend festgestellt; Friederich glaubt, Bekehrungseifer sei die
Veranlassung gewesen; vielleicht kamen sie auch als Flchtlinge nach den
Glaubenskmpfen mit den Brahmanen, die mit der Vertreibung der
Buddhisten aus Indien endigten (gegen 1000 n. Chr.). Das Monument ist
noch sehr wohl erhalten und kann allem Anschein nach, wenn nicht Krieg
oder Erdbeben es zerstren, noch viele Jahrhunderte bestehen. Im Kriege
gegen Dipo-negoro (1825-30) hat es etwas gelitten, da es, wie das
Grabmal der Caecilia Metella bei Rom, als fester Punkt benutzt wurde,
wozu es sich wegen seiner Lage sowohl als wegen seiner Gliederung und
Grsse sehr eignete. Sein gefhrlichster Feind ist vielleicht ein
kleines Lichen, das sich langsam, aber unaufhaltsam weiter verbreitet
und schon manches schne Bild unkenntlich gemacht hat.

[Illustration: RELIEF VON BOROBUDOR. JAVA.]

In geringer Entfernung von Borobudor liegt ein kleiner Tempel, Pavon
oder Dapor genannt, auf dessen Seite ein riesiger Feigenbaum
emporgeschossen ist, ohne dem Monument sehr zu schaden. Nach Wilsen
betrgt seine Hhe ungefhr 15 M., die Breite 10 M. Auf dem Rckweg nach
Magelang in etwa 2 Paal Entfernung von Borobudor gelangt man an den
Tempel ~Mundut~, der frher vom vulkanischen Sand des Merapi
verschttet, erst 1834 durch den damaligen Residenten der Provinz wieder
ausgegraben wurde. An seiner Aussenseite ist er mit schnen Figuren,
Friesen und Arabesken bedeckt, welche letztere mich an die besten Sachen
erinnerten, die ich in Italien gesehen. Herr Wilsen soll auch von diesem
Tempel, dem allgemein dasselbe Alter und derselbe Kultus wie Borobudor
zugeschrieben wird, die genauesten Zeichnungen angefertigt haben. Das
Innere, dessen Decke aus einander berragenden Quadern gebildet wird, so
dass eine hohle Pyramide entsteht, enthielt drei kolossale Figuren; den
Boden bedeckte eine tiefe, fast betubenden Moschusgeruch verbreitende
Schicht von Fledermausmist.

Um einer Verabredung zu gengen, musste ich leider noch an demselben
Abend nach Magelang zurckeilen, wo ich den Oberst v. S. traf, mit dem
ich am folgenden Tage nach Jokjokarta reiste, der Hauptstadt des
Sultans, eines der unabhngigen Frsten auf Java. Seine Unabhngigkeit
ist freilich nur eine beschrnkte, da er von der hollndischen
Regierung, die einen Residenten an seinem Hofe hlt, einen Gehalt
empfngt. Das Waterkastell von Jokjokarta gilt fr eine grosse
Sehenswrdigkeit. Es ist der fast zerfallene Badeplatz eines frheren
Sultans, in hollndisch-chinesischem Zopfstil mit javanischen
Schnrkeln. Abends hatte ich Gelegenheit, mit dem Residenten und
Obersten dem Sultan einen Besuch zu machen. Wir fuhren in den von einer
hohen Mauer umgebenen "Kraton", der den Palast und die zum Theil sehr
rmlichen Huser des Hofstaates enthlt, und mit seinen Hfen und Grten
die Grsse einer kleinen Stadt hat, und gelangten durch zwei grosse von
Waringibumen beschattete Vorhfe in den inneren Hof. Am Thor
prsentirte die Wache, zerlumpte Kerle mit schwarzen cylindrischen
Mtzen. Der Sultan erwartete uns, auf einem europischen Sopha sitzend,
in einer offenen Halle. An den Wnden standen Sthle, ein Teppich lag
auf dem Boden. Die Mbel waren von der Art, wie man sie in Gasthusern
zweiter Klasse in Europa findet. Der Frst trug ein kattunenes Kopftuch,
aus dessen Falten, seitlich vom Scheitel, ein kleiner Blumenstrauss
hervorragte. Eine mit einem hohen hollndischen Orden geschmckte Jacke,
Sarong und europische Pantoffeln vollendeten den Anzug.
Gesichtsausdruck und Haltung des Sultans waren wrdig und verbindlich;
der Resident nahm zur Linken, der Oberst zur Rechten Platz. Die
Unterhaltung wurde kaum hrbar leise gefhrt, so will es der Hofton. Auf
eine Andeutung des Residenten, dass ich gern etwas von den Gebruchen
des Hofes sehen mchte, war der Frst so artig, uns zu seiner Familie zu
fhren. Wir gingen ber den Hof nach einem grossen Pendopo, dessen sehr
hohes Dach von vielen niedrigen Holzsulen getragen wird, zwischen denen
Lampen und Vogelkfige von der Decke herabhingen. Auf einer Estrade
lagen grosse seidene, mit frischen Blumen bestreute Kissen, auf denen
wir Platz nahmen. Bald erschien die Gemahlin (ratu = Knigin) und drei
Prinzessinnen, die den sonderbaren Titel tuwan = Herr fhren. Jene
setzte sich auf ein Kissen neben den Sultan, die Herren Prinzessinnen
nahmen mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden, dem Sultan gegenber,
Platz. Eine Reihe alter Weiber mit nacktem Oberkrper und einem ber die
Brust gebundenen Tuche hockten in ehrerbietiger Entfernung. Nach einer
kurzen Unterhaltung fhrten wir die Frstinnen, die nur mit einem
Sarong und einer dnnen Kattunjacke bekleidet und mit einigen Diamanten
geschmckt waren, in die Empfangshalle zurck, indem wir ihnen den Arm
gaben. Der Resident hatte die Ehre, die alte Frstin zu fhren, mir,
ohne offiziellen Rang, fiel die jngste Prinzessin zu, ein hbsches
fnfzehnjhriges Mdchen mit grossen Augen, lebhaft und kokett und, was
ich ihr besonders hoch anrechnete, mit ganz weissen Zhnen, da sie, die
einzige in der ganzen Familie, nicht Betel kaute. In diesen vornehmen
Familien ist wahrscheinlich viel arabisches Blut; sie haben nicht die
kleinen Nasen mit breiten Flgeln der gemeinen Malayen. Nach kurzer
Unterhaltung verliessen wir den Kraton in derselben Weise, wie wir
gekommen waren. -- Abends in einer Gesellschaft beim Residenten
erschienen mehrere Pangerans (javanische Prinzen), die Obersten-Rang
hatten und hollndische Uniform trugen. Ihr langes Haar war in ein
Bndel gesammelt und mit einem Kopftuch bedeckt. Einer derselben hatte
einen kleinen, garstigen Zwerg als Pagen bei sich, dem er seine
Militrmtze bergab; dieser setzte sie verkehrt auf den Kopf und
spazierte damit unter den Gsten umher.

Am folgenden Morgen fuhr ich mit einem Tumongong durch die heisse Ebene
bis Imogiri, von wo wir nach der Sdkste ritten, an der sich eine
niedrige Dnenreihe hinzieht. Die heisse vom schwarzen vulkanischen Sand
des Merapi bedeckte Flche wird von mehreren parallelen Bchen
durchstrmt, die sich in den Kali-opak ergiessen, welcher dicht am Fuss
des die Ebene in Osten begrenzenden Kalkgebirges fliesst, und mit ihm
zusammen bei Karang-tritis das Meer erreicht. Wir sahen eine Falle, um
Wildschweine, deren es hier viele giebt, zu fangen: zwei mehrere hundert
Fuss lange, mit Reisig verkleidete Bambusgitter bildeten einen sehr
stumpfen Winkel und fhrten durch eine Oeffnung in einen langen Gang,
von dessen Decke einige starke Thren wie Klappventile schrg von vorn
nach hinten hingen. Am flachen Strande waren viele Menschen beschftigt,
aus dem Meerwasser Salz zu gewinnen. So weit man nach Westen sehen
konnte, war die Kste mit ihnen wie bestreut, im Osten setzten die in
hohen, sonderbaren Formen ins Meer ragenden Felsen von Karang-tritis den
Arbeiten eine Grenze. Das Verfahren war sehr umstndlich: anstatt das
Seewasser in einem System von Grben, sogenannten Salzgrten, verdunsten
zu lassen, wurde es mit Eimern, die je aus einem Blatt der Fcherpalme,
Corypha gebanga, bestanden,[96] geschpft und auf den aus schwarzem
Sande bestehenden heissen Strand geschttet, wo es verdampft. Ist die
obere Erdschicht hinreichend mit Salz gesttigt, so wird sie
oberflchlich aufgenommen, auf ein in Tischhhe aufgestelltes Bambussieb
gebracht und durch Aufgsse von Seewasser unter fortwhrendem Kneten
ausgelaugt. Man lsst die abgelaufene Sole in einem Trog in der Sonne
verdampfen und konzentrirt sie im nchsten Dorf durch Sieden in irdenen
Tpfen. Das Salz ist sehr zerfliesslich, da es nicht einmal vom
Chlormagnesium gereinigt wird. Zu jedem Gestell gehrten zwei bis drei
Leute: einer trgt Wasser, der andere knetet, der dritte ruht aus, um
den Wassertrger abzulsen. Bei Sonnenschein machen 2 Mann in 5 Tagen 80
Katti Salz nach Angabe des Tumongong. Die Salzgewinnung ist in den
Frstenlndern eine Privatindustrie, im brigen Java Regierungsmonopol.

In der Klippe Karang-tritis ist eine Tropfsteinhhle, deren hohe
senkrechte, dem Meere zugekehrte Wand dicht mit grauen und gelben
Flechten berzogen ist. Das von oben herabsickernde kalkhaltige Wasser
durchdringt diese wie einen Schwamm und inkrustirt sie mit Kalk; die
feuchte zu Stein gewordene Kruste giebt einer neuen Vegetation von
Flechten eine willkommene Unterlage, und so erhlt die Felswand einen
eigenthmlichen reich gefrbten Ueberzug, halb Stein, halb Pflanze.

Jenseits Karang-tritis ragen viele einzelne Kalkfelsen aus dem Meere
hervor, die durch die Wirkung der Brandung so phantastische Gestalten
erhalten haben, dass sie auch wohl bei aufgeklrteren Leuten als den
Javanen, Veranlassung zu Aberglauben geworden wren. Hier ist es, wo
nach Hagemann (Tijd. v. L. T. en V. 1853) die Geisterknigin Loro-kidul,
deren Gebiet sich lngs der ganzen Sdkste vom Semeru bis nach
Nusa-kumbangan erstreckt und deren prchtiger Palast im Grunde des
Meeres ist, sich ihren Vertrauten in Trumen offenbart.

Gegen Mittag kam eine stattliche Reiterschaar, Herren vom inlndischen
Adel mit ihrem Gefolge, zum Besuch und fhrten uns nach einem
Pasanggrahan, der hbsch mblirt war, weil er oft von den einheimischen
Frsten benutzt wird, die hier das wegen der sehr starken Brandung
geschtzte Seebad benutzen. Wir hatten ein vorzgliches malayisches
Diner, bei welchem auch Bffelfell vorkam, welches wie Biskuit gegessen
wird und sehr angenehm schmeckt. Das Fell wird zu dem Zweck in sehr
feine Stcke geschnitten, in heissem Wasser eingeweicht und in Fett
gebacken, wobei es zu einer sehr porsen, sprden Masse aufschwillt.

Als wir gegen Abend, von der starken Sonnengluth sehr ermdet, nach
Imogiri zurckritten, kamen wir an einer Indigofabrik vorbei. Schon
lange, ehe wir sie erreichten, sah ich den Besitzer, einen stattlichen
jungen Mann in leichtem Pflanzerkostm sein Haus verlassen und durch die
Felder grade auf uns zueilen. Als er uns erreicht hatte, fasste er
zuerst der Sicherheit wegen mein Pferd am Zgel, dann grsste er sehr
freundlich und lud uns ein, die Nacht in seinem Hause zuzubringen, indem
er zugleich das Pferd dahinfhrte mit dem zufriedenen Lcheln eines
Mannes, der einen guten Fang gethan hat. Ein Freund aus Jokjokarta hatte
ihm durch einen Boten gemeldet, dass wir hier vorbeikommen wrden, und
er hatte uns aufgelauert. An Loskommen war nicht zu denken, auch hatte
ich keine Lust dazu; doch machte ich absichtlich einige Einwendungen,
die indessen alle triumphirend beseitigt wurden. Mein Gastfreund, sehr
gebildet und, wie ich spter hrte, aus sehr guter hollndischer
Familie, lebte hier ganz isolirt auf der vor Kurzem von ihm gegrndeten
Fabrik, fern von allem Umgang mit Europern. Er hatte gewiss eine
angenehme Unterhaltung fr den Abend gehofft, und alles aufgeboten um
seinen Gast zu ehren, leider war ich so entsetzlich mde, dass ich ber
Tisch einschlief und so schnell als mglich ins Bett schlich.

In den Frstenlndern, wo die hollndische Regierung keine Produkte
baut, da der Grund und Boden dem Frsten gehrt, ist es Europern
gestattet Lndereien zu pachten und auszubeuten: jedoch ist ihre Zahl
eine beschrnkte, die Erlaubniss hngt vom Ermessen der
Kolonial-Regierung ab. Nach dem Reglement fr 1857 betrug sie 68 fr
Jokjo, 207 fr Surakarta. Der Pchter tritt der Bevlkerung gegenber in
die dem Landesfrsten nach dem Adat zustehenden Rechte. 2/5 des Bodens
darf er mit Produkten fr den europischen Markt bebauen, jede Familie
leistet ihm 104 Tage Frohndienst, dafr zahlt er die Grundsteuer fr die
ganzen 5/5 des Bodens. Der Ertrag der brigen 3/5 so wie die Verfgung
ber die nach Abzug von 104 Tagen verbleibenden 261 Tage gehrt der
Bevlkerung ohne weitere Abzge oder Lasten.

Nach den Grundstzen des Kultursystems sollten die Bauern in den
Regierungslndern besser gestellt sein als in den Frstenlndern; in
Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, da ihre Arbeitskraft (vergl.
Kaffeekultur) bei der mangelhaften Leitung durch Beamte zum grossen
Theil verschwendet wird.

Vor allen hat sich in Jokjokarta als besonders gewinnbringend, schnell
rentirend und wenig Anlagekapital erfordernd, die Indigokultur
entfaltet, whrend sie in den unmittelbar unter hollndischer
Botmssigkeit stehenden Provinzen, wo sie einen Theil des Kultursystems
bildet, so schlechte Resultate giebt, dass sich die Regierung veranlasst
sah die Ursachen der so verschiedenen Ergebnisse von einem fhigen
Beamten untersuchen zu lassen. Aus den Auszgen des amtlichen Berichts
(Tydsch N. I. 1860) ergeben sich ganz hnliche Thatsachen wie bei der
Kaffee- und Theekultur (vergl. oben), die wohl allmlig die Regierung
zwingen werden aus Eigeninteresse den Ackerbau der Privatindustrie zu
berlassen. Schon jetzt hat sich die Regierung genthigt gesehen den
Indigobau immer mehr einzuschrnken.

  1840 produzirte sie auf 40844 Bau 2032097 Amstrd lb.
  1858     "       "  auf 18314 Bau  614784    "   lb.

Wie bei der Kaffeekultur bestimmt die Regierung die Lokalitt auf
welcher die Eingebornen Indigo bauen mssen, das Risiko ist fr Rechnung
der letzteren; erst fr das fertige Produkt erhalten sie einen Preis,
der im Verhltniss zur gelieferten Arbeit so gering ist, dass der
Kolonialminister v. Rochussen es sich den Kammern gegenber zum
Verdienste anrechnete, den Indigobau als zu drckend fr die Bevlkerung
und zu unvortheilhaft fr den Staat, sehr eingeschrnkt zu haben. Es ist
hchst interessant und erfreulich, dass whrend derselben Zeit, wo die
Zwangskultur so traurige Ergebnisse lieferte, der Indigobau in Jokjo auf
gepachtetem Grund und Boden, durch freie Arbeit unter unmittelbarer
Leitung von Unternehmern die fr eigene Rechnung arbeiteten, die
glnzendsten Resultate ergab.[97] Auch hierbei stellte sich wieder die
so oft bestrittene Thatsache heraus, dass der Javane bei angemessenem
Lohn gern arbeitet, und dass der Pchter ber so viele Hnde verfgen
kann als er braucht. Die Regierung schreibt ihren schlechten Erfolg dem
Umstand zu, dass die Pflanze den Boden aussaugt (wie bei dem Kaffeebau),
die Privatunternehmer finden aber jeden Boden geeignet, behandeln ihn je
nach seiner Beschaffenheit, melioriren und dngen ihn entsprechend.

Am folgenden Morgen begleitete mich mein lieber Gastfreund nach
Imogiri, dem nahegelegenen Begrbnissplatz der frstlichen Familien von
Jokjokarta und Surakarta. Auf angeblich 360 unbequem hohen
Backsteinstufen steigt man in gerader Richtung den steilen Abhang eines
Hgels hinan, dessen von mehreren Umfangsmauern umschlossene Kuppe die
schmucklosen Grabsteine einer Anzahl bis auf ein oder zwei Ausnahmen
unbedeutender Personen aus frstlichem Geblt enthlt -- theils im
Freien, theils in hlzernen Schuppen. In etwa 3/4 der Hhe sendet die
Treppe rechtwinklig zwei Seitenarme aus, und wiederholt dies, nachdem
sie unter dichtem Laubdach ein kleines knstliches Wasserbecken
berschritten, in kurzen Zwischenrumen. Diese Seitengnge werden durch
mehrere der Haupttreppe parallel laufende Gnge geschnitten, die den
Unebenheiten des Terrains entsprechend, bald flach, bald durch Reihen
von Stufen unterbrochen, verlaufen, und eine Anzahl viereckiger Rume
von verschiedener Grsse, in verschiedenen Niveaus umschliessen, in
denen Zierstrucher und viele Gewrzbume und Oranien mit Sorgfalt
kultivirt werden.[98] Das schon 100 Jahr alte Mauerwerk ist an vielen
Stellen zerfallen; dicht belaubte Feigenbume haben sich darauf
angesiedelt. So entstehen eine Menge allerliebster Pltzchen. Man kann
sich kaum eine passendere Lokalitt fr eine Picknickpartie wnschen.

Nach einem herzlichen Abschied von dem Residenten, der mich mit
Liebenswrdigkeit und Gte berhufte, setzte ich Nachmittags meine
Reise nach Surakarta, der Hauptstadt des Kaisers oder Susuhanan fort.

Bei Kalasan, der zweiten Poststation, steht unweit der Strasse zur
Rechten ein schner Tempel, ~Tjandi-kali-bening~. Es ist der erste, und
wohl auch der schnste einer grsseren Anzahl, die bis jenseits der
nchsten Station Prambanan zu beiden Seiten der Strasse zerstreut oder
in Gruppen beisammen liegen. Sein Grundriss ist ein aus fnf gleichen
Quadraten bestehendes Kreuz mit je einem ein Viertel so grossen Quadrat
in den vier Winkeln; er ist gegen 70' hoch, schlank, schn gegliedert
durch Pfeiler, Gesimse, Thren und Nischen, zwischen denen sich in
harmonischer Anordnung breite Bnder von Arabesken hinziehen. Das obere
Gesims wird von einer Reihe von Figuren in Hochrelief getragen. In
einigen Nischen sitzen noch Gtterbilder auf ihrem Lotussessel. Die der
Strasse zugekehrte Seite ist sehr zerfallen, ihr gegenber liegt die
Hauptfront mit einer hohen Eingangspforte. Das sehr zerstrte Innere
enthlt einen grossen Raum, an welchen vier kleinere stossen. Sie sind,
wie die Tempel von Mundut und Deng, durch treppenartig vorspringende
Steine berdacht. Um die schne Ruine war ein so dichter Pisanggarten
angelegt, dass es unmglich war, sie zu zeichnen. Hoffentlich wird man
bald von allen den herrlichen Monumenten gelungene Photographien
besitzen.

Etwa 2000 Schritt weiter auf der andern Seite der Strasse, liegt der
Tempel Tjandi-sari, welcher mehr kubisch als der vorige, gegen 50' hoch,
reich ornamentirt, mit Nischen und hohen Reliefs, an unsere schnsten
Renaissancebauten erinnert. Weniger elegant in seiner ganzen Anlage, als
Kali-bening, ist er noch reicher als jener mit Skulpturen bedeckt, die
ebenso sinnig entworfen, als kunstvoll ausgefhrt sind. Man wird in
Europa erstaunen, wenn man von den Java'schen Kunstdenkmlern aus der
Zeit des Brahmakultus genaue Photographien in gengendem Maasstab
besitzen wird; da man sich bis jetzt nicht von der Vorstellung lossagen
mag, dass die Kunstwerke in jenen Lndern wohl den Beweis einer sehr
gewandten Technik und grossen Fleisses, aber nicht reicher
knstlerischer Phantasie zu liefern vermgen.

Bei der nchsten Station liegen die Ruinen von zehn oder zwlf Tempeln,
Tjandi-prambanan oder Tjandi-loro-djongrang. Es sind nur noch hohe
Trmmerhaufen quadratischer Prismen aus grauer Lava; bei manchen ist
kaum noch die ursprngliche Form zu erkennen. Das Ganze bildet eine
grosse Ruine, die man am besten von der Mitte bersieht. Von einigen
Tempeln fielen bei ihrem Einsturz die Steine einander zu und bildeten
so Verbindungsrcken, die zum Theil mit hohen Bumen bewachsen sind.
Der Maler sowohl als der Alterthumsforscher findet hier viel schnen
Stoff. Ueberall ragt, wenn man etwas genauer zusieht, ein Stck
Skulptur hervor, weit umher liegen die Quadern ber die Ebene
zerstreut; wahrscheinlich hat ein Ausbruch des nahen Merapi den
Einsturz bewirkt. -- Etwa einen Paal weiter liegt ~Tjandi-lombok~, neun
kleinere Tempel einfach von Form, wenig verziert, ziemlich wohl
erhalten, und nordwestlich davon, in etwa gleicher Entfernung, und
ebensoweit von Tj.-loro-djongrang als von Tj.-lombok, die Ruinen von
Tj.-sewu, (die tausend Tempel), eine wahre Stadt von Ruinen. Von keinem
Punkt kann man das Ganze auf einmal bersehen, die Skizze giebt nur den
Anblick von einem willkrlich gewhlten Punkt aus. Wie gern wre ich
hier lnger geblieben! und welche reiche Erndte steht auf Java dem
Alterthumsforscher und Kunstkenner bevor, der durch grndliche Studien
vorbereitet, die in so grosser Flle vorhandenen Herrlichkeiten zum
Gegenstand seiner Forschungen machen kann.

[Illustration: TJANDI SEWU. JAVA.]

Eine herrliche Tamarinden-Allee fhrt auf die Hauptstadt des Susuhanan,
"das erhabene Surakarta", oder Solo. Hier giebt es kein Gasthaus, eben
so wenig wie in Jokjo; ich fand aber die zuvorkommendste Aufnahme bei
einem schon viele Jahre hier ansssigen deutschen Arzt. Bei ihm traf ich
Oberst v. S. und bedauerte sehr, mich mit der Reise so bereilt zu
haben, da die Vorstellung bei dem "Kaiser" erst morgen stattfinden
sollte. Der Kraton ist wie in Jokjokarta von einer Mauer umschlossen und
enthlt eine eben so zahlreiche Bevlkerung von Abhngigen des
Susuhanan. Sie wohnen in langen Reihen rmlicher Htten; schmutzige
Weiber und Kinder laufen in Menge umher. Im Vorhof des Palasts kauerten
einige Gruppen seiner Leibwache, ihr Oberkrper war nackt bis an den
Ledergrtel, der den knstlich gefalteten Sarong festhielt. Das
wohlgekmmte Haar hing lose ber den Nacken; statt des Kopftuchs trugen
sie einen schmalen Kranz aus buntem Kattun, an welchem hinten zwei
grosse Flgel befestigt waren, vielleicht um die Schnelligkeit der
kaiserlichen Boten anzudeuten. Zerlumpte Soldaten prsentirten in
theatralischer Stellung Fahnen, Piken und sehr kurze Gewehre. Vor dem
Pendopo, der Empfangshalle, stand ein Musikcorps, das Fanfaren blies.
Der Kaiser, ein noch gut aussehender Greis von 72 Jahren, fast in
demselben Kostm wie der Sultan von Jokjokarta, nur mit mehr Diamanten
geschmckt, erhob sich aus seinem Lehnstuhl und ging dem Residenten bis
an die Stufen der Halle entgegen. Um ihn kauerten Gruppen von alten
Weibern, Zwergen, Verwachsenen, Albinos, alle mit nacktem Oberkrper,
das ist Hoftracht. Je zwei oder drei hatten eine grosse messingene
Speichelurne zwischen sich. Hinter dem Kaiser sass ein recht hbsches
Mdchen, das eifrig mit ihrem Betel beschftigt war, sie nahm ihn
mehreremale aus dem Munde, ballte mit ihren zierlichen Hndchen die
Masse zu einer Kugel von der Grsse einer Pflaume zusammen, tupfte den
am Umfang ihrer Lippen haftenden Speichel damit auf und schob alles
anmuthig lchelnd in den Mund zurck.

Die Gewohnheit des Betelkauens ist bekanntlich ber alle Malayenlnder,
Hinterindien, einen grossen Theil von Vorderindien und China verbreitet,
frbt Lippen, Zahnfleisch, Speichel blutroth, die Zhne schwarz, was im
Lande fr schn gilt. Die Chinesinnen und Mestizinnen der Philippinen,
die andere Begriffe von Schnheit haben, wissen aber ihre Zhne durch
hufiges Putzen mit der faserigen Hlle der Betelnuss weiss zu erhalten.
Der Betel besteht aus dem mit etwas kaustischem Kalk bestrichenen sehr
aromatischen Blatt des Betelpfeffers (Piper Betel oder Chavica Betel),
einer zu dem Zweck in grosser Menge gebauten Schlingpflanze, und einem
Stck des gerbestoffreichen Kernes der Arecapalme; hufig wird auch noch
Gambir und Tabak dazu genommen. Der Anblick ist anfnglich wegen des
reichlichen Speiens sehr hsslich; hat man sich einmal daran gewhnt, so
mchte man wnschen, dass die Sitte auch in Europa bestnde, da
Betelkauer nie schlecht riechenden Athem haben, whrend das Uebel bei
uns namentlich unter lteren Leuten so hufig ist. Das Betelkauen wird
wohl noch leidenschaftlicher getrieben als Tabakrauchen; seine
spezifische Wirkung auf den Organismus scheint bis jetzt vllig
unbekannt zu sein. Sir Emerson Tennent's Angabe (Ceylon I. pg. 112),
dass keine rztliche Verordnung besser als der Betel im Stande wre die
fast stickstofflose Nahrung der Eingebornen heilsam zu ergnzen, da er
zugleich antacid, tonisch und karminativ wirken soll, entbehrt nach dem
Urtheil mir befreundeter Physiologen jeder Begrndung; der Betelgenuss
muss aber entweder eine ntzliche oder eine angenehme Wirkung auf den
Organismus haben, sonst knnte unmglich der Gebrauch so allgemein
sein.[99]

Nach einem kurzem Besuch verliessen wir den Kraton mit denselben
Zeremonien, wie bei der Ankunft und besuchten den unabhngigen Frsten
Mangko-negoro, einen hbschen Mann in rstigem Alter. Das Zeremoniell
war hier viel einfacher als bei dem Kaiser, als Ordonnanz hatte er ein
einziges, aber schnes junges Mdchen. Ich durchsuchte mit meinem
geflligen Gastfreund fast alle Leihhuser der Stadt in der Hoffnung
unter den verfallenen Pfndern einige schne Waffen und andere
Kuriositten kaufen zu knnen, fand aber nur wenig; noch unbefriedigter
war ich von den Kauflden (tokos); es war fast nichts zu haben, und das
Wenige schlecht und theuer. Ein Bogen geringen Zeichenpapiers, der in
Deutschland einen Silbergroschen kostet, gilt im Innern von Java einen
Gulden, ein Bleistift schlechtester Qualitt, -- gute sind nicht zu
haben, -- einen Gulden, ein Bogen Packpapier grosses Format, 1/2 Gulden
und so im Verhltniss. Hier lernte ich einen prchtigen alten Oberst
kennen, "der alte Blcher" genannt, der, die Kriegsjahre doppelt
gerechnet, 92 Jahre und fast in allen Welttheilen gedient hatte. Er
wollte mir einen sehr werthvollen Kris fr unser Museum schenken, da der
Werth aber nur in der Zauberkraft liegt, die ihm der inlndische
Aberglaube beilegt, -- wer ihn trgt, soll unverwundbar sein -- und sich
fr den alten Herrn, der die ganze Geschichte des Zauberkris' auswendig
weiss, ruhmvolle Kriegserinnerungen an den Besitz desselben knpfen, so
wre es sehr unrecht gewesen, zu Gunsten der unglubigen Berliner die
scheinlose Waffe von ihm anzunehmen.

Wir besuchten noch einen javanischen Prinzen, den Pangeran Mangko-bumi,
einen sehr lebhaften, thtigen alten Herrn, der in seinem Kraton alle
mglichen Gegenstnde fabrizirt, Flinten, Bchsen, Geschirre, selbst
vollstndige Gallawagen. Seine verstorbene Frau, eine Tochter oder
Schwester des vorigen Kaisers, liebte ihn so sehr und besass so viel
Selbstverlugnung, dass sie immer die schnsten jungen Mdchen ins Haus
nahm, um sie fr ihn zu erziehen, ein Gebrauch der nach ihrem Tode
fortgesetzt wurde, so dass der alte Herr immer von einer Anzahl blhend
junger Frauen umgeben ist. Er war sehr liebenswrdig und lud mich ein,
einer Tanzstunde beizuwohnen, die er einer ausgewhlten Zahl seiner
weiblichen Familienglieder ertheilte. Sechs Paare junger Mdchen,
darunter die schne Prinzess Trinel (Bachstelze), sassen hintereinander
mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden. Nach einigen Gamelangklngen
erhoben sie sich langsam zu einem Tanz, der sehr anmuthig und
schwungvoller als der der Bedajas war, und sowohl durch seine Wendungen,
als durch das Kostm: dnne, enganliegende Kleider, entblsste
Schultern, flatternde Schrpen und nackte Fsse, an die Tnzerinnen auf
antiken Wandgemlden erinnerte.

Vor Sonnenuntergang hatte ich noch das Vergngen den Kaiser mit seinem
ganzen Hofstaat eine Spazierfahrt machen zu sehen. Es war ein hbscher,
etwas wilder, hchst pittoresker Zug: voran der Kaiser mit einigen
kleinen Kindern in einem grossen offenen Wagen, dem eine lange Reihe
anderer von allerlei verschollenen europischen Moden folgte; in den
vordersten sassen Frauen und einige sehr schne Kinder, die folgenden
enthielten die mnnlichen Hofbeamten und Verwandten des Kaisers. Jeden
Wagen umgab ein bunter Trupp Reiter mit blossen Beinen, flatternden
Sarongs, und enganliegenden Jacken. Der Zug bewegte sich in schnellem
Trab.

Surakarta ist der Hauptsitz einer eigenthmlichen Kunst farbige Muster
auf Kattun zu bertragen (Batek). Die Stellen des Zeuges, die beim
Eintauchen in die Farbe weiss bleiben sollen, werden auf beiden Seiten
durch einen Wachsberzug geschtzt. Zu dem Ende fllt die Zeichnerin
ber Kohlenfeuer flssig gehaltenes Wachs in ein kleines Gefss aus
dnnstem Kupferblech und folgt mit der Spitze der wie ein Giftzahn
geformten feinen Ausflussrhre den Umrissen eines unter dem
durchscheinenden Zeuge liegenden Musters; vermittelst eines hnlichen
Instruments mit weiterer Oeffnung werden die Zwischenrume ausgefllt,
dieselbe Arbeit wird auf der andern Seite des Zeuges wiederholt, so dass
sich die Figuren genau decken. Ist das Zeug durch Eintauchen gefrbt, so
wird das Wachs ausgesotten. Soll noch eine Farbe aufgetragen werden, so
wird das ganze umstndliche Verfahren wiederholt. Nach Eintauchung in
die zweite Farbe und Entfernung des Wachses erhlt man ausser weiss,
drei Farben: zwei reine, und eine aus diesen gemischte. Das Auftragen
mancher Muster auf einen Sarong, der kaum die Grsse eines schottischen
Plaids bersteigt, erfordert 40 bis 50 Tage anhaltender Arbeit. Das
Batekmachen wird zwar auch von Lohnarbeiterinnen (monatl. fr 2 fl. und
Reis) ausgebt, die geschicktesten Zeichnerinnen sind aber vornehme
Frauen und diese Kunst bildet einen Theil ihrer Erziehung. Jedes Muster
hat seinen besonderen Namen, manches darf nur in gewissen vornehmen
Familien getragen werden und inlndische Uebertreter verfallen,
wenigstens in den Frstenlndern, einer Strafe; Mnner und Frauen haben
ihre besonderen Bateks. Das Muster, welches den Umschlag dieses Buches
bildet, Batek-udan-iris, das zweitvornehmste in der Familie des
Susuhanan, ist von einer Tochter des Prinzen Mangko-bumi gezeichnet, die
fr eine der geschicktesten Knstlerinnen gilt.

Von Solo (Surakarta) aus besuchte ich den in gerader Richtung etwa 25
Paal stlich von hier gelegenen Gunong-lawu, der auf dem Gebiete des
Pangeran Mangko-negoro liegt. Mit javanischer Zuvorkommenheit hatte mir
dieser zu meiner Reise seinen Postzug und die Begleitung seines eigenen
Schwagers zur Verfgung gestellt. Wir berschritten den Solofluss auf
einer Fhre und setzten die Fahrt auf guter ebener Strasse bis
Karang-pandan fort. Nachdem die jungen muthwilligen Pferde allerlei
kleineren Unfug getrieben, machte das Vorderste, auf welchem ein
Postillon ritt, kehrt, die anderen folgten der Anregung, der ganze Zug
wickelte sich zu einem Knuel zusammen, das nur sehr schwer und nicht
ohne Schaden fr das Geschirr zu entwirren war.[100] In Karang pandan
besass der Frst ein gerumiges Landhaus auf dem Gipfel eines Hgels,
mit herrlicher Aussicht auf die reich bebaute Ebene, und die immer
malerischen Sawaterrassen; im Osten begrenzte das Bild der Gunong-lawu,
im Westen der Merbabu und Merapi.

Mein Begleiter wnschte sehr, hier Halt zu machen, um von der bereits
gehabten Strapaze auszuruhen. Seine Ueberredungsknste bestanden weniger
in Worten als in Thaten und waren eines malayischen Kavaliers wrdig:
nach einem verschwenderischen Frhstck, bei dem sich die malayische
Kochkunst in vollem Glanze gezeigt, erschienen, als ich mich eben auf
mein Zimmer zurckgezogen hatte, zwei junge Mdchen auf Befehl ihres
Herrn, um mich durch ihre Knste zum Bleiben zu bewegen; aber das
drhtige Haar und das bersanfte Lcheln des durch Feilen fast zahnlosen
Mundes vernichtete die Wirkung der einladenden Worte. Ich ritt nach
Pablingan, wo mehrere warme und kalte Mineralquellen hervorbrechen,
darunter ein angenehmer Sauerbrunnen, Ayer-wolanda, hollndisches Wasser
genannt, weil das ber Holland eingefhrte Selterwasser in Java unter
diesem Namen bekannt ist. Als ich nach Karang-pandan zurckkam, hatte
sich mein vornehmer Begleiter hinreichend erholt, um nach dem am Fuss
des Lawu gelegenen Suku zu reiten, das wir gegen Sonnenuntergang
erreichten. Der Pasanggrahan stand mitten unter den interessanten von
Raffles abgebildeten und beschriebenen Tempelresten.

Am folgenden Morgen brachen wir auf, nachdem jeder vergeblich alle
Ueberredungskunst aufgeboten hatte, um den andern von der Besteigung des
Berges abzuhalten. Bis Tumba, einem kaum 2000 Schritt entfernten Dorf,
konnte man reiten und der arme "Raden Rio" verschmhte selbst diese
kleine Erleichterung nicht. Von dort aber ging es nur zu Fuss weiter.
Kaum waren wir einige hundert Schritt gestiegen, als sich mein
Begleiter, anscheinend ganz erschpft, zu Boden warf, um etwas
auszuruhen; ich verabschiedete mich daher von ihm bis zum folgenden
Tage. Wir waren mit zahlreichem Gefolge aufgebrochen, nach einigen
Stunden Steigens waren nur noch mein Diener und zwei Kulis bei mir, mit
denen ich bald nach ein Uhr den Gipfel erreichte. An einer geschtzten
Stelle waren drei Htten aus Grasmatten, eine fr den Raden, eine fr
mich, eine fr die Huptlinge aufgeschlagen. Als eben die Dunkelheit
einbrach, kam zu meiner grssten Ueberraschung Raden Rio an, ausser sich
vor Ermdung und rief mir zu: Um Gottes Willen, Herr, was suchen Sie
hier oben! liess sich in eine wollene Decke wickeln und warf sich auf
sein Lager. Der arme Teufel that mir sehr leid; es war mir gar nicht
eingefallen, dass er den Berg besteigen wrde, da ich seine am frhen
Morgen zur Schau gestellte Ermdung fr eine List gehalten hatte, um
unter einem anstndigen Vorwand zurckbleiben zu knnen; aber der
Gehorsam gegen Befehle von Hherstehenden ist in Java so absolut, dass
er nicht gewagt hatte, unten zu bleiben, obgleich es sein eigener
Schwager war, der ihm den Auftrag ertheilt hatte, mich zu begleiten. Er
brachte einen Tross von 70 bis 80 Mann mit, von denen ein Theil Gepck
und Proviant trugen, whrend die anderen beschftigt gewesen waren,
ihren Herrn mit Tragesesseln, Stricken, Hebebumen auf den Gipfel zu
schaffen. Sein vortrefflicher Koch war auch mitgekommen und bald stand
ein schmackhaftes malayisches Diner auf einer Matte ausgebreitet.

Von einem so absoluten Gehorsam gegen Befehle Hherer, wie er in Java
besteht, hat man in Europa gar keinen Begriff. Raffles sagt an einer
Stelle (History of Java): Ebenso wie in einem ungebildeten Volk wenig
Theilung der Arbeit besteht, so auch keine Theilung der Macht im
Despotismus; der Despot ist Besitzer, alles andere ist Besitz, dieselbe
Vereinigung richterlicher, finanzieller, und exekutiver Gewalt, die im
Souvern ruht, geht an die Guvernre der Provinzen, und von diesen
stufenweise auf die unteren Beamten ber, so dass jeder Huptling,
welches auch sein Rang sei, fast unumschrnkte Gewalt hat ber die
welche unter ihm stehen.

Den knstlich geebneten hchsten Punkt des Berges (10066'), den man auf
rohen Stufen ersteigt, fand Junghuhn (1838) von einer viereckigen 3'
hohen Mauer umgeben und innerhalb derselben ein hlzernes Haus, das
wohlriechende Blumen und angebrannte Kohlen enthielt. Von dem Huschen
stand nur noch das Gerst aufrecht, die Umfangsmauern waren unversehrt,
einige hundert Fuss weiter unten, in der Hhe unseres Lagerplatzes,
stand aber jetzt ein wohl erhaltenes Haus, das gleichfalls mit Blumen
geschmckt und von einer Umfangsmauer umgeben war.

Der Morgen war wieder ganz trbe, wir kehrten nach Suku zurck, wo Raden
Rio erst gegen Abend ankam, und ritten sogleich nach Karang-pandan, um
am andern Morgen mit Tagesanbruch nach Solo zurckkehren zu knnen. Auf
der reichen Kulturlandschaft erhoben sich viele steinerne gerumige
Huser, Etablissements grosser Landpchter, die auf ihren Feldern
Produkte fr den europischen Markt, besonders Zucker und Indigo bauen.

Am 20. Oktober wurde in Solo das javanische Neujahrsfest Grebek
gefeiert. Schon frh Morgens waren alle Strassen, die zur Hauptstadt
fhrten, mit Zgen inlndischer Huptlinge bedeckt, die sich in ihrem
besten Schmuck, von zahlreichen Dienern begleitet, zum Fest begaben. Um
10 Uhr versammelten sich alle Europer in der grossen Halle des
Residenzgebudes. Gegen 11 Uhr erschienen zwei Abgesandte des Kaisers,
um den Residenten nach Hofetikette, mit kaum hrbarer Stimme zum Besuch
im Kraton einzuladen. Eine halbe Stunde spter fuhr der Resident,
gefolgt von den Europern und mehreren Pangerans in europischer
Uniform, nach dem Kraton. Auf dem Alun-alun war ein grosser
Menschenhaufen versammelt. Durch eine Menge kleiner inlndischer Beamten
und die kaiserlichen Leibwachen hindurch gelangten wir an die grosse
Empfangshalle: der Kaiser ging dem Residenten bis an die Stufen
entgegen; und sobald sich beide niedergesetzt, nahmen die Europer und
Pangerans auf Sthlen zur Seite Platz. Dies war die Anordnung:

                                   R S
                            9       1       10
                              2 3 4 5 6 7 8

R Resident, S Susuhanan (Kaiser), 1 Speicheldosentrgerin (eine Alte),
2-8 sieben junge Mdchen mit nackten Schultern, ein goldenes Band um den
Hals, Blumen und eine Feder im Haar, die Reichsinsignien haltend und
zwar: 2 das Schwert, 3 die Pfeile, 4 den Bogen, 5 den Sonnenschirm, 6
den Schild, 7 den Sbel, 8 den Fcher. -- 9 und 10 Zwerge, alte Weiber,
Verwachsene, Albinos. Nach kurzem Verweilen begaben sich Kaiser und
Resident, unter einem vergoldeten Sonnenschirm einherschreitend, von den
Gsten gefolgt, nach der grossen Halle des Vorhofs, in welcher bereits
die brigen kaiserlichen Gste versammelt waren. Jetzt war, nachdem alle
Platz genommen, die Gruppirung folgende:

             S R
  +---+ +-+ +---+ +-+ +---+
  |   | | | |   | | | |   |
    B    E    V    E    B

S Susuhanan, R Resident, V Verwandte und vornehmste Beamte in Reihen
geordnet, B Beamte und Huptlinge, alle nach ihrem Range in Reihen
geordnet, E Europer auf Sthlen. Alle Inlnder mit alleiniger Ausnahme
des Kaisers und der Pangerans kauerten am Boden. Der Kaiser trug eine
cylindrische Mtze aus weissem Glanzleinen, im Uebrigen das schon
beschriebene Kostm. Auch die vornehmen Beamten (V) hatten cylindrische
Mtzen und Jacken, meist von dunkler Farbe. In den Reihen B waren alle
bis zum Grtel nackt; das Haar war nicht zusammengebunden, sondern
einmal gedreht ber den Kopf gelegt und mit einem Kamme befestigt. Rings
um die offene Halle standen die kaiserlichen Leibwachen in bunten
Kostmen und theatralischer Haltung, die gut zum Ganzen passte. Zwei
vornehme Boten drngten sich kriechend in der Mittellinie durch die
hohen Wrdentrger (V), machten in grosser Entfernung vor dem regungslos
sitzenden Kaiser Halt, und berichteten, als sie nach langer Pause einen
Wink empfangen, dass die dem Volk bestimmten Geschenke bereitstnden;
dies geschah aber mit so leiser Stimme, dass der Schall wohl kaum bis
zum Kaiser dringen konnte. Nach abermaligem langem ehrerbietigem Harren,
erhielten sie einen zweiten Wink, und zogen sich rckwrts kriechend
zurck. Nun wurden die kaiserlichen Geschenke, denen ein Musikcorps
voranging, vorbergetragen; sie bestanden aus allerlei Esswaren und
Nschereien auf kolossalen verzierten Krben, jeder von 12 Kulis
getragen: bald hrte man aus dem Jauchzen des Volks auf dem Alun-alun,
dass es sich in Besitz gesetzt hatte. Inzwischen waren an die Gste
Verzeichnisse der zu trinkenden Toaste vertheilt worden: 1. das neue
Jahr, 2. der General Guvernr, 3. der Kaiser, 4. der Resident, 5. der
Pangeran Adipati-anom (Kronprinz), 6. die kaiserliche Familie, 7. die
Blthe und Wohlfahrt der Insel Java. Zu jedem Toast erhielt man ein
kleines Glas Madeira oder wenn man es vorzog, Thee von gleicher Farbe,
eine anzuerkennende Vergnstigung, da das Glas jedesmal ausgeleert
werden muss. Die Leibwache war in Schlachtordnung aufmarschirt und
begleitete jeden Toast mit einer Gewehrsalve. Schliesslich geleiteten
die Europer den Kaiser in den inneren Kraton zurck, und gingen nach
Hause. Das Schauspiel war nicht ohne Interesse und erinnerte
unwillkrlich an die grossen Kirchenfeste in Rom, sowohl durch die aus
einer vergangenen Zeit geretteten malerischen aber fadenscheinigen
Kostme, als durch die fast zur Anbetung gesteigerten Formeln der
Ehrerbietung gegen zwei dem Grabe nahen Greise, die bezeichnend die
Hauptrollen spielten; hier wie in Sankt Peter hatten die unglubigen
Fremden, fr welche das Ganze nur ein buntes Schauspiel ist, die
Ehrenpltze, whrend das glubige Volk draussen steht.




Sechstes Kapitel.

    Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule. Waisenhaus. -- Surabaya.
    Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang. -- Ardjuno. Legende. --
    Semeru. -- Lamongan. Gewitter. -- Rckkehr nach Batavia.


Von Solo reiste ich ber Bojolali und Salatiga, wo ein Regiment
Kavallerie liegt, nach Ambarawa, traf daselbst wieder den Oberst, den
seine Dienstgeschfte dort einige Tage aufhielten, und hatte dadurch
Gelegenheit die bedeutende, erst vor wenigen Jahren begonnene, aber
beinahe vollendete Festung zu sehen. Sie soll sehr zweckmssig angelegt
sein; jedenfalls liegt sie sehr schn. Wir gingen bis zur Dunkelheit auf
den langen Reihen flacher Dcher spazieren und erfreuten uns an der
herrlichen Aussicht auf die den weiten Thalkessel rings umschliessenden
Berge. Der Merapi, Merbabu, Lawu, Sumbing, Sindoro, traten in der
durchsichtigen feuchten Abendluft so klar hervor, dass man alle
Schluchten dieser schnen Kegelberge deutlich erkennen konnte. Der
Ungaru liegt in unmittelbarer Nhe und begrenzt den Kessel von Ambarawa
im Norden durch seine flachen Vorberge. Auf diesen sieht man eine Menge
weiss getnchter Stein-Huser durch die Bume schimmern, ein im Innern
Javas seltener Anblick. Gegen Osten lehnt sich die Festung an die Rawa,
einen grossen Sumpf, dem sie ihre Strke verdankt. Die Festungsgrben
sind an der inneren Seite mit dornigen Bambusen bepflanzt, die eine
undurchdringliche Hecke bilden. Ambarawa soll der Hauptwaffenplatz fr
Niederlndisch-Ostindien werden. Es laufen von hier drei Hauptstrassen
auseinander; die eine nrdlich nach dem grossen Handelsplatz Samarang,
eine SW. ber Kadu nach den westlichen, die dritte SO. ber Surakarta
nach den stlichen Provinzen. Die frheren Bewohner des Thales sind auf
loyale Weise expropriirt worden, und haben ihre Desas auf den
umliegenden Hgeln erbaut. Rings um Ambarawa sieht man nichts als
Soldaten und Leute, die von ihnen leben. Zu den Erdarbeiten, die der
Festungsbau nthig machte, ist das bereits frher erwhnte
Schwemmverfahren in sehr ausgedehntem Maasse angewendet worden (pg.
146). Die Javanen sind Meister im Wasserbau. Auch wissen sie nach
blossem Augenmaas geringe Niveauunterschiede zwischen entfernten Punkten
richtig aufzufassen, die ein Europer nur mit Hlfe von Instrumenten zu
ermitteln vermag.

Am folgenden Morgen besichtigten wir die noch unvollendeten Gebude zu
einem "Militrkampement" von 12000 Mann. Die Kasernen einiger
Regimenter waren bereits fertig und bewohnt. Sie sind sehr gerumig,
reinlich, luftig. An beiden Seiten laufen der ganzen Lnge nach breite
Veranden hin. In den Schlafslen fielen mir die fast quadratischen
Betten auf; der Soldat schlft hier nicht allein, jeder hat eine
Soldatin; ich sah diesen interessanten Truppentheil aber nur aus der
Ferne, da sie um 7 Uhr frh, wo die Offiziere Musterung halten, die
Schlafsle verlassen haben mssen; sie ziehen sich dann in ein
abgesondertes Kampong zurck. Die Inlnderinnen, die mit den Soldaten
wie treue Ehefrauen leben, werden von den Offizieren nicht als ein
strendes Element, sondern als ein ntzliches Komplement betrachtet.
Auf dem Marsch sollen sie wichtige Dienste leisten, ohne besondere
Mhe oder Kosten zu verursachen, da sie von der reichlichen Ration des
Soldaten leben. Sie putzen diesem, wenn er vom Marsch ermdet im
Bivuak ankommt, Waffen und Zeug, besorgen seine Wsche, kochen das
Essen und erhalten ihn bei guter Laune, da sie selbst immer
unverdrossen sind. Der afrikanische Reisende Galton macht in seinem
"Art of travel" die Reisenden ebenfalls auf den grossen Nutzen
aufmerksam, den eine Expedition aus der Begleitung inlndischer Weiber
zieht, und giebt dieselben Grnde an.

Trotz der Rawa und der vielen Grben soll die Lage von Ambarawa nicht
ungesund sein; wahrscheinlich wegen der starken Ventilation, die sich in
einzelnen Fllen aber bis zu gefhrlichen Wirbelwinden steigert. "Da wo
in niedrigen Zwischenrumen zwischen hohen Bergen z. B. auf dem Gunung
Djambu, ber welchen der Weg von Ambarawa nach Kadu fhrt, die beiden
entgegengesetzten Luftstrme (Land- und Seewind), die von N. und S.
kommen, einander in der Mitte der Insel begegnen, da entstehen zuweilen,
aber selten Wirbelwinde, hchst gefhrliche Strme, wodurch Bume und
Huser vom Boden gehoben, eine Zeitlang in der Luft herumbewegt und auf
weite Abstnde mit fortgerissen werden." (Jungh. I. 164.) Der Oberst
erzhlte mir von einem solchen Sturm, den er hier erlebt hatte. Sein
Haus wurde vllig zertrmmert, Cocospalmen unter der Bltterkrone
abgedreht, Bume entwurzelt und nebst Steinen durch die Luft gefhrt.
Gerade als dieser Sturm ausbrach, lagen smmtliche eben erst vollendete
Plne zur Festung, behufs einer nochmaligen Durchsicht auf einem grossen
Tische nebeneinander ausgebreitet; der Wind ergriff sie und vernichtete
fast alle, so dass die Arbeit noch einmal begonnen werden musste.

Schon lange bevor man Samarang erblickt, verkndet der immer lebhafter
werdende Verkehr die Nhe der grossen Handelsstadt. Beladene
Bffelkarren, Lasttrger und Saumthiere beleben die Strasse; die Warongs
werden immer zahlreicher. Pltzlich sieht man von einer Anhhe hinter
einer wohlbebauten Ebene die grosse Stadt mit dichtgedrngten Husern,
und im Hintergrunde das Meer und die belebte Rhede. Ein dunkelgrner
Saum von Cocospalmen zieht sich am Gestade hin und lsst nur
stellenweise einen weissen Sandstreifen dahinter erkennen. Im
Vordergrund liegen mehrere mit Waringis bestandene Hgel, die sich
reiche Chinesen mit vielem Geschmack, und wahrscheinlich auch mit vielem
Geld zu Begrbnisspltzen erkoren haben. Die Aussicht verschwindet bald
wieder; aber der Verkehr wird immer reger. In einer prchtigen
Tamarinden-Allee legt man die letzte Station zurck.[101] Beim
Schlendern durch die Stadt fielen mir Gruppen von Frauenzimmern auf, die
inmitten der belebten Strassen niedergekauert, im Kartenspiel vertieft
waren.

Am folgenden Morgen hatte der Resident die Gte mich an der Besichtigung
mehrerer ffentlichen Anstalten Theil nehmen zu lassen. Wir sahen zuerst
das Hospital der Gefangenen, es stand fast leer. Darauf besuchten wir
einige Schulen, in denen Kinder von Europern und diesen gleichgestellte
Mischlinge Elementarunterricht empfingen. Sie wurden in meiner Gegenwart
im Rechnen und in der Geographie examinirt -- man hatte uns die Wahl der
Unterrichtsgegenstnde berlassen -- es ging recht gut. Ueberraschend
waren die Leistungen einiger Schler in der Geographie. Ein 16 jhriger
Knabe zeichnete in einem Zug ein gutes Bild von Asien auf die Tafel und
fgte beilufig Europa hinzu. Auf Verlangen trug ein anderer den Lauf
der Hauptstrme ein und gab die Lage der grssten Stdte richtig an. Ein
Dritter zeichnete die Grenzen der grossen Reiche. Hierauf besichtigten
wir das protestantische Waisenhaus, das 64 Knaben, 128 Mdchen enthielt.
Jene bleiben bis zum 18., diese bis zum 23. Jahr in der Anstalt, wenn
sie nicht frher versorgt werden. Viele Knaben gehen in die
Militrschule von Gombong ber (vgl. S. 205), andere werden bei
Privatleuten und als Subalternbeamte untergebracht. Nur wenige Kinder
sind von europischer Abkunft; die meisten sind Mischlinge, besonders
Soldatenkinder, und nicht Waisen im eigentlichen Sinne. Die Verwaltung
der Anstalt scheint musterhaft. Ueberall herrschte untadelhafte Ordnung
und Reinlichkeit, ausser in den Kammern der ganz neu eingetretenen, die
gewhnlich so jung sind, dass sie noch der inlndischen Mutter bedrfen.
Man sollte kaum glauben, dass die netten jungen Mdchen, die in der
grossen khlen Veranda weibliche Handarbeiten machten, aus so
schmutzigen kleinen Wilden hervorgegangen waren. Die Mdchen verlassen
die Anstalt hufig als Brute; denn sie stehen in solchem Ruf der
Sittlichkeit und Wirthschaftlichkeit, dass namentlich Unteroffiziere und
Subalternbeamte sich gern aus ihnen eine Ehefrau whlen. So gross ist
das Zutrauen zum Vorstand, dass mancher Brutigam, der es eilig hat,
oder die Reise nach Samarang nicht machen kann, sich wegen der Wahl
einer seinen Bedrfnissen und Neigungen entsprechenden Frau
vertrauensvoll an diesen wendet, und in fast allen Fllen soll das
Ergebniss das Zutrauen des Heirathskandidaten gerechtfertigt haben. Auch
jetzt waren zwei Brute in der Anstalt, die uns ihre kleine durch Fleiss
und Sparsamkeit erworbene Ausstattung zeigten. Den Knaben sowohl als den
Mdchen werden, sobald sie arbeiten knnen, ihre Leistungen bezahlt. Die
Knaben arbeiten in Werksttten ausser dem Hause, die Mdchen machen
Handarbeiten. Das erworbene Geld wird den Zglingen aufbewahrt, bis sie
die Anstalt verlassen. Jede der beiden Brute hatte auf diese Weise ein
Kapitlchen von 150 Gulden erspart. Die meisten Mdchen waren nicht
hbsch von Gesicht, die malayische Rasse scheint sich schlecht mit der
Europischen zu vermischen (bessere Resultate giebt die Mischung von
Chinesen und Malayen). Wir besahen die Schlafsle, die sehr luftig und
reinlich sind; jedes Mdchen hat eine eiserne Bettstelle und darber an
der Wand ein Schrnkchen, deren einige geffnet wurden; sie enthielten
wohl geordnete, blendend weisse Wsche, und allerlei kleine
Habseligkeiten. Zum Schluss erfreute uns die gesammte mnnliche und
weibliche Jugend mit einem grossen Vokal-Konzert, ich fand es sehr
hbsch, aber Oberst von S., der sich darauf zu verstehen scheint, sagte
mir spter, es htte ihm fast die Ohren zerrissen.

Das katholische Waisenhaus, das wir darauf besuchten, war im Vergleich
zu jenem schlecht gehalten, die Anzahl der Zglinge etwa ebenso gross.
Nachmittags durchstreifte ich die Stadt mit einem geflligen Landsmann,
der mir aber wenig Auskunft geben konnte. Eine der Sehenswrdigkeiten
Samarangs, Haus und Garten des "Major" der Chinesen entging uns, da der
Hausherr, der als Opiumpchter ein Vermgen von 5 Millionen Gulden
erworben hatte, nicht anwesend war. Wir begegneten einem Brautzug von
Arabern. Ueber dem mit Blumenschnren behangenen Brutigam wurde ein
grosser Sonnenschirm getragen. Alle waren reich in Seidengewnder
gekleidet, den Zug schloss eine Musikbande. -- In Samarang druckt man
Batekmuster vermittelst kupferner Formen auf die Zeuge, das brige
Verfahren gleicht dem (S. 229) beschriebenen. Auch werden hier
golddurchwirkte seidene Sarongs gewebt, die hoch im Preise stehen.

Von Samarang fuhr ich in einem alten schlecht gehaltenen Dampfboot,
"Koningin der Nederlande" nach Surabaya. Die langsame Fahrt dauert 24
bis 28 Stunden und kostet 100 Gulden. Auf dem Vorderdecke sah es
ziemlich bunt aus; es enthielt Malayen, Klings, Araber und Mischlinge.
Angetrunkene Soldaten sangen Abends ein wildes lautes Lied; dicht neben,
fast zwischen ihnen, verrichteten zwei Araber ihre Andacht mit vielen
Prosternationen so ungestrt als wren sie allein. Das Boot war so voll,
dass keine Kabine mehr zu haben war. Die beiden einzigen Sophas, die auf
dem Verdeck standen, wurden mir wiederholt von den glcklichen Besitzern
dringend und anscheinend aufrichtig angeboten; soweit geht hier die
Hflichkeit gegen Fremde.

[Illustration: AM KALI-MAS. SURABAYA.]

~Surabaya~. -- In einem Sampan fuhr ich den langen Kalimas hinauf, an
vielen malerischen sonderbaren Kstenfahrern vorbei. Am rechten Ufer
liegt eine Reihe von Offizierswohnungen, dann folgte ein Kampong, in dem
viele auffallend geschminkte Mdchen am Ufer spazieren gingen oder
badeten. Am folgenden Morgen besichtigte ich eine Fabrik, die namentlich
Maschinen fr Zuckerfabriken liefert. Der Besitzer, ein geborner
Aachener, beschftigt nur inlndische Arbeiter, ist sehr mit ihnen
zufrieden, und mag von Europern nichts wissen, obwohl er zugiebt, dass
ein solcher in Europa unter Umstnden viermal so viel zu leisten vermag
als ein Javane. In Java aber wollen alle Europer die grossen Herren
spielen und sind daher nicht gut zu brauchen. Herr B. beschftigt gegen
500 Arbeiter und hat sie alle selbst aus gewhnlichen Kulis
herangebildet. In vier Jahren wird aus einem solchen ein guter Former,
oder Schmied; in sechs Jahren ein Modellmacher. Die Lhne betragen fr
Knaben 30 bis 40 Cents, Erwachsene verdienen 40 bis 120 c. (120 c = 1
fl. holl.), die Mandore (Aufseher) erhalten 240 c. per Tag. Die
Arbeitszeit dauert von 6 bis 12 Uhr und von 1/2-1 bis 1/2-5. Fast jeden
Morgen fehlen einige Arbeiter bei dem Appell. Sie werden dann aus ihrer
Wohnung geholt und kommen auch ohne Widerrede; holt man sie aber nicht,
so bleiben sie ruhig zu Hause liegen. Strafe erhalten sie fr diese
kleinen Anwandlungen von Arbeitsscheu niemals. Alle Arbeiter empfangen
Vorschsse, sonst wrden Unregelmssigkeiten im Dienst wohl viel
hufiger sein. Kleine Diebsthle von Ngeln, Schrauben u. s. w. kommen
zuweilen vor. Wird ein Dieb ertappt, so erhlt er eine Ehrenstrafe; mit
einer Art von Halsband, an dem die gestohlenen Sachen hngen, und einem
Zettel am Kopf, welcher seinen Namen und sein Vergehen anzeigt, wird der
Dieb an die Thr den Vorbergehenden zur Schau gestellt. Diese Strafe
soll ausserordentlich wirksam sein, wie bei dem starken Ehrgefhl der
Javanen nicht anders zu erwarten ist. -- Von hier besuchten wir ein
Hospital, das keinen gnstigen Eindruck machte; es fehlte an Raum,
Ventilation und Khlung. Dysenterie, Fieber, Typhus sind die
Hauptkrankheiten.

Da wegen der vorgerckten Jahreszeit keine Zeit zu verlieren war, so
fuhr ich am folgenden Tage im Omnibus nach Pasuruan durch das Deltaland
des Kali-Brantes, welcher sich bei Modjo-kerto in zwei Arme theilt,
deren einer unter dem Namen Kalimas bei Surabaya mndet, whrend der
andere, wasserreichere, in stlicher Richtung weiterfliesst. Zwischen
diesen beiden Armen und der Kste, die von Surabaya bis zur Mndung des
Brantes fast genau dem Meridian folgt, liegt ein durch viele natrliche
und knstliche Kanle reich bewssertes, sehr fruchtbares Schwemmland,
ein fast gleichseitiges Dreieck von etwa 6 Meilen Seite. Die Chaussee
luft der Kste ungefhr parallel und ist die schnste von allen, die
ich bisher hier oder in Europa gesehen, breit, fest, eben, gut
unterhalten, von hohen, alten Tamarinden beschattet. Unter diesen liegen
zahlreiche Wachthuser von Stein, zu beiden Seiten der Strasse Reis-,
Indigo-, Zuckerfelder. Ausgedehnte Fabriken mit Dampfschornsteinen
deuten auf die grosse Entwickelung der Zuckerindustrie, die hier ihren
Hauptsitz hat und Fleiss und Wohlstand unter der Bevlkerung verbreitet.

Nach kurzem Aufenthalt in Pasuruan ritt ich sdlich nach Malang, in
einem sanften Bogen zwischen den im Westen gelegenen Vulkanen Ardjuno
und Kawi und den im Osten liegenden Tengger und Semeru, jener durch die
ungewhnliche Grsse seines Kraters (der Sandsee), dieser als der
hchste Berg Javas (11,480') ausgezeichnet.

In Malang waren Resident und Regent wegen einer Inspektionsreise
abwesend; ich traf aber einen ebenso herzlichen als wissenschaftlich
gebildeten deutschen Arzt, der hier ein grosses Hospital gegrndet, das,
hnlich wie Gadok im westlichen Java, ein Sanatarium fr die Bewohner
des stlichen werden soll. Ausser der gesunden, khlen Lage machen
herrliche Umgebungen, vortreffliche Strassen und viele in der
Nachbarschaft vorhandene Kunstdenkmler den Aufenthalt zu einem der
angenehmsten in Java.

Da die Reise, die ich nach dem Semeru vorhatte, vor Rckkehr des
Regenten nicht unternommen werden konnte, gab mir Dr. G. seinen
Verbandmeister, einen ehemaligen Barbier aus Leipzig mit, der mich nach
den schnen Tempelruinen von Tumbang und Pakis begleitete. Am nchsten
Tage ritt ich nach Singosari, wo einige malerische Tempelruinen und auf
einem Rasenplatz aufgestellte Skulpturen, die ihre Erhaltung ihrer
Schwere verdanken,[102] an die Hauptstadt eines ehemals mchtigen
Reiches erinnern. Singosari soll schon im 3ten Jahrhundert erwhnt, im
13ten seine hchste Blthe erreicht, die erste Grndung der Tempel im
Jahre 656 stattgefunden haben. (Hagemann Schetsen omtrent Malang). Am
folgenden Morgen stieg ich auf den Ardjuno, gegen 1 Uhr erreichten wir
die sdstliche Kuppe, die nach Junghuhn Widodaren, nach Versicherung
des Regenten von Malang aber Indrogeni heisst; die zweite, in NW.
gelegene Kuppe, die hchste des ganzen Berges, auf der auch das
trigonometrische Signal steht, heisst Pedodarn, und besteht aus
grossen, ber einander gehuften Trachytblcken. In einer natrlichen
Hhle, gross genug, um zwei oder drei Menschen als Schlafplatz zu
dienen, lag wahrscheinlich seit vielen Monaten vllig trockenes Heu, das
fr die geringe Feuchtigkeit zeugte, welche hier, oberhalb der
Monsunwinde herrscht. Auf diesem Gipfel standen, wie auf dem des Lawu,
einige jener merkwrdigen aus Steinquadern aufgefhrten Baue, an die
sich eine Legende knpft, die mir der in der altjavanischen Literatur
wohl belesene Regent von Malang bei meiner Rckkehr erzhlte.

Vor langer, langer Zeit lebten fnf Brder, Pendwo, Knigsshne von
gewaltiger Krperkraft. Um noch strker zu werden, zogen sie sich auf
den Gipfel des Ardjuno zurck und bauten sich auf der Kuppe Indrogeni
fnf Huser, in welchen sie als Einsiedler lebten. Sie beteten tglich
um Vermehrung ihrer Krperkraft, und da sie Allah so viel nher waren,
drang ihr Gebet um so deutlicher zu ihm. Zu derselben Zeit lag auf dem
Sdabhang des Semerugipfels eine grosse von Geistern bewohnte Stadt, die
einem mchtigen Knig gehorchte. Der Geisterknig hatte viele Tchter
von ausserordentlicher Schnheit. Um eine derselben bewarb sich der
mchtige Radjah von Melusina; sein Gesuch wurde aber mit Hohn
zurckgewiesen. Da wandte er sich um Hlfe an einen der fnf starken
Brder auf dem Ardjuno. Dieser begab sich nach der Geisterstadt, kmpfte
lange mit dem stolzen Knig, ward aber endlich berwunden und zog sich
nun auf den hchsten Gipfel (Pedodaren) des Ardjuno zurck, wo er noch
inbrnstiger betete, als zuvor. Bald fhlte er sich auch so gestrkt,
dass er zu neuem Kampf gegen den Geisterknig aufbrach. Noch ehe er die
Geisterstadt erreichte, kamen ihm die schnen Prinzessinnen (Widodari =
Genien), die sich in den starken Helden verliebt hatten, bis zu einer
Bergkuppe am Sdabhang des Semeru entgegen, der in Folge davon noch bis
auf den heutigen Tag Widodaren heisst. Diesmal erschlug der Held den
Geisterknig, welcher Usu hiess, gab seinem Freunde, dem Radjah von
Melusina, die schne Prinzessin, und heirathete alle ihre Schwestern.

Ein Versuch, Javas hchsten Vulkan, den Semeru zu ersteigen, scheiterte
an der Zaghaftigkeit und Bswilligkeit des Bedana von Madjang-tenga. Ich
kam aber bis zur Kuppe von Widodaren, und hatte somit Gelegenheit, eine
der eigenthmlichsten, wildesten und grossartigsten Landschaften zu
sehen, die Java enthlt. Von Malang luft die Strasse SO., fast
rechtwinklig fnf wasserreiche Bche durchschneidend, die vom Westabhang
des Berges Semeru her in den dicht am Ostabhang des Berges Kawi
hinfliessenden Kali-Brantes fallen. Dieser umfliesst die Vulkanengruppe
des Kawi, Kelut und Ardjuno in einem Bogen und mndet nicht weit von
seiner Quelle an der Grenze von Surabaya und Pasuruan. Sdlich von
Malang kamen wir durch einen ganzen Wald von merkwrdigen, dem Waringi
verwandten Feigenbumen. Zwischen Madjang-tenga und Widodaren am
Sdwest-Abhang des Semeru, ist alles mit dichtem, feuchtem Wald bedeckt,
in welchem riesige Bambusen auftreten und bald vorherrschend werden. Ich
mass einige von 26 Zoll Umfang, es sollen noch dickere vorkommen; ihre
Hhe betrgt 60-70', sie haben sehr dnne Wnde und sind bis zur Spitze
mit Wasser gefllt, das krystallhell hervorsprudelt, wenn man die Halme
anschneidet. Die Kulis kochten ihren Reis in diesem Wasser und zogen es
dem der Bche vor. Die hohen, dnnen, mit Wasser gefllten Halme brechen
leicht ab und bilden auf dem Boden ein viele Fuss hohes Durcheinander
von mehr oder weniger morschen Rhren, auf denen man zuweilen wie auf
einem Gerst geht, hufig aber auch einbricht und dann tief in den
morschen Boden einsinkt. Die Feuchtigkeit war sehr gross, selbst
Nachmittags wehte jeder Luftzug einen Thauregen von den Blttern. Ein
prachtvolles Stck Landschaft entfaltete sich am Bach Mandjing. Man
berschreitet ihn kurz vor der Stelle, wo die flache Lavabank, auf der
er bisher geflossen, pltzlich abbricht. Da der damals wasserarme Bach
nur einige flache Rinnen in der Bank ausfllte, so konnte man trockenen
Fusses auf festem Gestein bis an den Rand des Abgrundes treten. Steht
man in der Richtung des Wasserlaufes, so erhebt sich vor Einem eine
betrchtlich hhere Tuffwand, in welche der Bach eine mehrere hundert
Fuss tiefe Kluft mit senkrechten Wnden ausgewaschen hatte, so schmal,
dass die hohen Bambusen, die auf den beiden oberen Rndern wachsen, sich
darber kreuzen. Auf der Kuppe Widodaren, wo wir bernachteten, war es
so feucht, dass wir nur mit grosser Mhe Feuer anznden konnten. Der
innerste Kern des trockensten Holzes, das zu finden war, wurde in dnne
Stbchen, so fein wie Zahnstocher, geschnitten, ein anderer Theil wurde
fein geschabt und in den Hnden zu Pulver zerrieben; nachdem erst
dieses, dann die Stbchen in Brand gebracht, wurden immer grssere
Stckchen angelegt, bis zuletzt ein munteres Feuer entstand. Der Bedana
traf erst eine Stunde spter im Bivuak ein und fuhr fort, seine Zweifel
gegen die Mglichkeit der Besteigung des Semeru auszusprechen. Gegen
Abend hrten wir deutlich starke Schlge, wahrscheinlich Ausbrche des
Kraters, konnten aber wegen des dichten Nebels nichts sehen. Frh um 3
donnerte der Semeru abermals. Es war eine klare, sternhelle Nacht, der
Gipfel deutlich sichtbar, ein Feuerschein aber nicht wahrzunehmen. Um
6-1/2 Uhr frh waren wir endlich marschfertig, der Bedana stellte sich
so mde, dass er schon nach 200 Schritten zusammensank und sich erst
nach langem Zureden wieder ermannte. Nachdem wir auf Banteng- (wilde
Bffel) Wegen eine Strecke weiter gestiegen, gelangten wir an eine
Stelle, wo der Bedana das Weitergehen hartnckig verweigerte. Quer vor
uns lag eine tiefe Schlucht, deren beide Seitenwnde aber durch einen
Zwischenrcken aus Rapilli verbunden waren, es war derselbe Rcken, auf
welchem Junghuhn frher die Schlucht berschritten, die einzige
schwierige Stelle auf dem ganzen Wege. Er mag damals vielleicht etwas
leichter zugnglich gewesen sein; denn jetzt erhoben sich auf dem
scharfen Grat einzelne Pfeiler aus Rapillimasse, zu lose und zu steil,
um darber fortklettern zu knnen, aber leicht zu beseitigen. Der Bedana
hielt es fr zu gefhrlich, den Rcken zu betreten, und verweigerte auch
den Leuten die Erlaubniss. Ich bot meine ganze Beredsamkeit auf, rumte
mit einem langen Bambus die ersten beiden Pfeiler so weit ab, dass man
hinber konnte; aber mein Beispiel war eben so unwirksam, als meine
Bitten, keiner verliess den Rand der Schlucht. Nachdem ich so eine
Stunde gearbeitet hatte, whrend der Bedana und seine Leute, Betel
kauend, ruhig zusahen, berlegte ich, was zu thun sei. In einer Stunde
htten die Leute das Hinderniss beseitigen knnen, in 4-5 Stunden htten
wir dann den Gipfel erreicht. Wre der Bedana nicht dabei gewesen, so
wren mir die Leute gewiss gefolgt, wie schon so hufig auf schwierigen
Stellen; sein Befehl hielt sie zurck. Ich musste mich zur Umkehr
entschliessen. Ohne ein Wort zu sprechen, kehrten wir nach Madjang-tenga
zurck, das wir an demselben Abend erreichten. Whrend ich gestern in
gespannter Erwartung und frhlichster Stimmung nur fr die Pracht des
Waldes Augen hatte, sah ich heut, niedergeschlagen durch das verfehlte
Unternehmen, nur die Hindernisse, die die ppige Vegetation dem
Reisenden in den Weg legt, und roch berall nur den Moder der faulenden
Pflanzen. Die Einfrmigkeit der Heimreise wurde nur durch die Ausbrche
des Semeru unterbrochen. Ein erster lauter Knall erfolgte um 11, dem
andre um 12, 12-1/4, 1, 2 Uhr folgten. Von 4 Uhr an donnerte es fast
eine Stunde lang mit ganz kurzen Unterbrechungen, jeder Ausbruch dauerte
etwas weniger als eine Minute, die Pausen waren gewhnlich nicht viel
lnger. Welch prachtvolles Schauspiel mssten wir auf der Gipfelplatte
gehabt haben!

Auf dem Wege nach Malang begegnete uns ein eigenthmliches Brautpaar,
der Brutigam ber 20, die Braut kaum 9 Jahre alt. Beide sassen mit
Blumen geschmckt, gelb bemalt, in einem offenen Wagen neben einander;
die Braut sah schchtern und gelangweilt, der Brutigam sehr albern aus.
Ueber sie hielt man einen grossen Sonnenschirm. Ein Zug geputzter Leute
mit Gamelang-Musik folgte dem Wagen. Ich erfuhr, dass sich hufig
erwachsene Mnner Kinder antrauen lassen, die dann bis zu ihrer
Mannbarkeit bei den Eltern bleiben. Einen Paal stlich von der Strasse,
die von Malang nach Pasuruan fhrt, liegt der Wasserfall Kali-Baong, ein
von Reisenden oft besuchter schner Punkt. Vor etwa 8 Tagen besichtigte
ihn ein Englnder, den ich in Malang kennen lernte, mit seiner Frau. Als
sie wieder nach ihrem Wagen zurckgingen, sprang ihnen pltzlich ein
grosser Tiger in den Weg, glotzte sie an und lief weiter, ohne sie
anzugreifen.

Ohne mich in Pasuruan aufzuhalten, reiste ich nach der etwa 20 Paal
weiter stlich an der Kste gelegenen Hafenstadt Probolingo, um von dort
aus noch das Tengger-Gebirge und den Lamongan zu besuchen. Das
Kstenland behlt denselben Charakter, wie zwischen Surabaya und
Pasuruan, die Zuckerfelder bedecken einen sehr grossen Raum; die
Einfrmigkeit der flachen Reisfelder wird angenehm unterbrochen durch
einzelne Fcherpalmen und sehr zierliche Wchterhuschen auf hohen
Gestellen, die mitten aus den Feldern hervorragen. Hufig gehen von
ihnen nach allen Richtungen lange Stricke aus, an denen Bambusklappern
hngen. Ein kleiner Junge setzt sie in Bewegung und vermehrt den Lrm
nach Krften, um die Vgel zu verscheuchen. Von Probolingo fhrt eine
fahrbare Strasse bis Paras-goang an der Sdkste; die Entfernung betrgt
in gerader Linie 45 Paal (9 deutsche Meilen), das ist die schmalste
Stelle der ganzen Insel. Westlich von der Strasse erheben sich das
Tengger- und Semeru-Gebirge, stlich der fast immer thtige Lamongan.
Nur in der Mitte wird die sonst ebene Strasse von einer kleinen Erhebung
unterbrochen; sdlich davon breitet sich eine weite Flche aus, die
weiter nach Osten versumpft und an der sdlichen Kste durch eine
niedrige Dnenwand eingefasst wird. In der Mitte dieser Ebene bei
Lemadjang fand ich einen pensionirten deutschen Arzt, der damit umging,
fr eine Gesellschaft europischer Kapitalisten eine Cocospflanzung von
100,000 Bumen anzulegen. Er erwartete den Landvermesser, der ihm das
von der Regierung bereits bewilligte Pachtland berweisen sollte, um
dann gleich an die Arbeit gehen zu knnen. Die Plne schienen wohl
erwogen. Zwischen den Cocos, die vor dem 9ten Jahr kaum einen
nennenswerthen Ertrag geben, sollten Cacao, die schon nach 4 Jahren, und
Erdnsse gezogen werden, die gleich im ersten Jahre eine Ernte gewhren.
Die Erwartung, dass eine solche Pflanzung, wenn sie erst einmal in
vollem Betriebe ist, jhrlich einen Nutzen von 1 Dollar per Baum, also
100,000 Ds. abwerfen werde, so bertrieben sie auch denen scheinen mag,
die nur mit den Ertrgen europischer Kulturen bekannt sind, stimmten
genau mit den Notizen berein, die ich in Malacca darber gesammelt
hatte; nur rechnet man hier die Kosten der Anlage auf einen D. per Baum,
in Malacca auf einen halben, so dass hier jemand, nachdem er 8-9 Jahre
gewartet, jhrlich 100%, dort 200% Zinsen von seinem Kapital pflcken
wrde.

Das grosse Geschick der Javanen in der Beurtheilung geringer
Hhenunterschiede habe ich bereits frher gerhmt; dass sie mit grosser
Genauigkeit nach dem Stand der Sonne die Zeit zu bestimmen vermgen, ist
kein Wunder; im stlichen Java aber fand ich die Leute so ausgezeichnet
orientirt, dass sie selbst im Hause statt der Ausdrcke rechts, links,
vorn, hinten u. s. w. gewhnlich die Himmelsrichtungen gebrauchten, z.
B, gieb mir die nordwestliche Schssel, stelle Dich sdl., komm nach
Osten u. s. w.

Nach einem mehrtgigen Aufenthalt im Tengger-Gebirge, dessen rein
geognostische Ergebnisse hier nicht am Platz sind, besuchte ich noch den
Lamongan. In angenehmer Gesellschaft verlebte ich den Abend am stillen
Ufer des waldumsumten von Tigern umschlichenen Klakasees und brach am
folgenden Morgen mit dem Adjudanten des Obersten v. S. auf, um den so
selten ruhenden Lamongan zu ersteigen, dessen Gipfel sich in unserm See
spiegelte. Man zweifelte sehr an der Ausfhrbarkeit unseres
Unternehmens. Junghuhn hatte bei seinen verschiedenen Besuchen nicht
einmal den Versuch machen knnen, da der Vulkan dann immer in voller
Thtigkeit war. Wir ritten zuerst SW. um den Rand des Sees herum, durch
Kaffeegrten, dann Ost, geradeaus durch dichten Wald, in welchem nur
zwei Stellen zur Anlage neuer Desas frisch gelichtet waren. Nach
zweistndigem Ritt erreichten wir mit der Grenze des Waldes ein ebenes
Lavafeld von etwa 9 Neigung, durch tiefe Sprnge vertikal zerklftet
und mit einem dichten Teppich von schnen Flechten bekleidet, auf dem
wir bequem an den Fuss des Auswurfskegels gelangten. Er bestand an
dieser, der Sdseite, aus ziemlich festem Sand, der stellenweis mit
Auswrflingen berschttet war, die der Regen vom oberen Gehnge
herabgesplt hatte. Das Aufsteigen auf diesem Boden war usserst
beschwerlich, weshalb denn auch unsere Kulis nach ostjavascher Sitte
allmlig zurckblieben und einer nach dem andern hinter grossen Steinen
untertauchten. Alles Zureden, Schelten, Drohen brachte sie nicht wieder
zum Vorschein, so dass wir schliesslich mit unsichtbaren Zuhrern
sprachen. Mit ihnen verschwanden auch unsere Instrumente, darunter ein
Barometer. Nach einigen Stunden mhsamen Kletterns erreichten wir im
obersten Drittel des Kegels eine feste Lavabank, ohne Schlackendecke,
welche letztere wohl lngst durch Regen und Wind in die Tiefe gestrzt
worden. Das Vorkommen einer solchen festen Bank an einem Abhang von mehr
als 30 Neigung war gewiss interessant! Sie gewhrte uns ein ziemlich
sicheres Auftreten und reichte fast bis an den Gipfel. Nur die letzten
40' etwa bestanden aus gelbem Sand. Aus allen Spalten der Kuppe, bis auf
100' abwrts, drangen sehr heisse Wasserdmpfe; schweflige und salzsaure
waren durch den Geruch nicht wahrzunehmen. Links von uns, im W. zog sich
in NO.-SW.-Richtung eine gegen 100' breite, flache, muldenfrmige,
bolusrothe Rinne auf 2/3 des Kegels hinab, an ihrem oberen Ende war die
Dampfentwickelung besonders stark. Die Spitze des Kegels war schon seit
einer Stunde in dichten Nebel gehllt, der ganze Krater mit kondensirten
Dmpfen erfllt; ich sah nichts als das Segment des Randes, auf welchem
ich stand. Nur einmal schimmerten zwei Felsenpfeiler durch den dicken
Nebel, deren Entfernung und Richtung auf eine grosse Dimension und
senkrechte Wnde des Kraters schliessen liessen. Nachdem wir vergeblich
eine kurze Zeit auf etwas Aussicht gewartet, verkndete ein
Donnerschlag, von einigen grossen Regentropfen begleitet, den Anfang
eines Gewitters. Wir entschlossen uns zum Rckzug und verliessen ohne
Ergebniss den mhsam erklommenen Gipfel. Der Regen wurde zu einem wahren
Sturzbad; vorsichtig rutschten wir die nun glatte Lavabank hinab, wobei
uns beiden die Stcke entfielen, die in gerader Richtung in die Tiefe
glitten. Der Sand, durch den Regen in einen schweren, schwarzen Brei
verwandelt, floss in breiten, flachen Massen trge abwrts. Die Steine,
durch das Wasser wie belebt, strzten mit reissender Schnelle die neu
entstandenen Rinnen entlang, wie Sturzbche, deren grsseres Volumen aus
Steinen bestand. In einer solchen, die ich wegen ihrer stufenfrmigen
Sohle zum Hinabsteigen gewhlt hatte, wurde ich mehrere Klafter weit
aufrecht stehend fortgerissen, ehe ich mich auf das Ufer retten konnte.
Die elektrischen Entladungen waren sehr stark; ein Schlag, der den Berg
traf, warf meinen Begleiter und mich gleichzeitig zu Boden, was aber
wohl hauptschlich unserer unsicheren Basis zuzuschreiben war. Wir
hatten nun etwa die Hlfte des Abhangs zurckgelegt und folgten einer
flachen Rinne. Die durch den Regen und Wind vom oberen Gehnge gelsten
Steine hatten hier schon solche Fallkraft erlangt, dass sie in mehr als
haushohen Bgen den Berg hinabsprangen. Von beiden Seiten gelangten sie
in unsere Mulde und bildeten ein wahres Kreuzfeuer. Zeitweis flogen sie
so dicht, dass wir darauf gefasst sein mussten, zerschmettert zu werden.
Einige wenige hatten reichlich 1' Durchmesser, die meisten waren kaum
5-6'' gross. Aber selbst den grossen vorstzlich auszuweichen, war nicht
mglich, da sie bei jedesmaligem Aufschlagen ihre Richtung nderten. Wir
waren hier hlflos dem blinden Zufall preisgegeben, retteten uns aber
endlich auf den hher gelegenen Rand, wo wir nur selten in Gefahr kamen.
Den Umstnden nach befanden wir uns wohl, mein Begleiter hatte einige
schmerzhafte Quetschungen erhalten, die ihm das Athmen sehr erschwerten,
ich war mit einer starken Kontusion und einem Loch im Bein
davongekommen. Indem wir hier einige Augenblicke ausruhten, musste ich
mir gestehen, kaum jemals ein prachtvolleres, grossartigeres
Naturschauspiel in grsserer Nhe beobachtet zu haben; der peitschende
Regen trat neben den brigen Erscheinungen ganz in den Hintergrund. Als
wir den Fuss des Kegels erreichten, hrte der Regen auf. Mein Begleiter
hatte sich auf der ganzen Tour sehr wacker gehalten, wie es sich fr
einen jungen Krieger ziemt, erklrte aber zum Schluss, dass er sich das
Studium der Geologie ganz anders vorgestellt habe und keine besondere
Neigung dafr empfinde. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir den
Pasanggrahan, gleichzeitig mit dem Oberst, der in einem Nachen von einer
Jagdpartie zurckkehrte und uns unglubig auslachte, als wir
behaupteten, den Gipfel des Berges erstiegen zu haben.

Beinwunden heilen in heissen Lndern ausserordentlich schwer, der Arzt
in Probolingo sagte zwar, ich habe gutes "Geneesvleesch", unterwegs
verschlimmerte sich aber die Wunde wieder und heilte erst, nachdem ich
eine Woche in vlliger Ruhe unter der Pflege eines vortrefflichen
deutschen Arztes in Plantungan zugebracht hatte. Ueberdies trat auch
jetzt die Regenzeit mit solcher Entschiedenheit ein, und mein Aufenthalt
in Java hatte so sehr die ursprnglich dafr bestimmte Zeit
berschritten, dass ich theils im Dampfboot, theils zu Lande der flachen
nrdlichen Kste folgend, nach Batavia zurckeilte. Besonders bedauerte
ich, von Surabaya und seiner Umgebung bei meiner ersten Anwesenheit so
wenig gesehen zu haben, da die interessanten Exkursionen nach den vielen
Regierungs- und Privatetablissements dieser in hohem Grade
gewerbthtigen Stadt nun unterbleiben mussten. Surabaya hat bei weitem
den besten Hafen von Java; hier mndet auch der bedeutendste Fluss der
Insel und die Regierung hat dort grosse Schiffswerften und
Maschinenbauanstalten, in denen unter Leitung weniger europischer
Offiziere alle Arbeiten von Inlndern ausgefhrt werden.

Es war Anfang Dezember geworden, alle Tage hatten wir starke Regen; bei
Tagal, einer kleinen Hafenstadt zwischen Cheribon und Samarang, war der
Fluss so angeschwollen, dass er kaum in seinem Bett Platz hatte. Zu
beiden Seiten der durch 1 - 1-1/2 Fuss hohe Dmme geschtzten
Landstrasse waren die flachen Reisfelder (nicht knstlich bewsserte
Sawas) in Seen verwandelt, aus denen einzelne Huser wie Schiffe
hervorragten. Der Eintritt der Regenzeit hatte grosse Thtigkeit
hervorgerufen, berall wateten hoch aufgeschrzte Frauen im Sumpf und
pflanzten Reis, Mnner betheiligen sich nicht an dieser Arbeit. --
Korrespondenz, Verpacken und Versenden von Sammlungen, nahmen die
wenigen Tage bis zum Abgange des Dampfers nach Singapore fast gnzlich
in Anspruch, so dass ich von Batavia und seinen interessanten Museen nur
wenig sah.

Eine Geschichte von Java, so kurz, wie die am Schluss von Singapore und
Malacca gegebenen, wrde wenig mehr enthalten, als sich in jeder
grsseren Geographie findet; eine ausfhrlichere liegt nicht im Plan des
Buchs. So schliesse ich denn die flchtigen Skizzen dieses
Reiseabschnitts mit dem Wunsch, dass der Spruch: "Wer Vieles bringt,
wird Manchem etwas bringen", sich auch hier bewhren mge.

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[52] Es scheint eine grosse Hrte, den armen Frachtfuhrleuten die
schne Strasse zu verbieten; doch ist es nicht wohl zu ndern, da
ihre aus massiven Holzscheiben bestehenden, ursprnglich runden,
durch Abnutzung aber bald vieleckig gewordenen Rder die beste
Strasse in kurzer Zeit zu Grunde richten wrden. Karren mit
ordentlichen Rdern ist die Benutzung der Poststrasse gestattet.

[53] Die Zeichnung ist von Batu-tulis, etwas sdlich von Buitenzorg,
aufgenommen.

[54] Trotz aller Befrchtungen steht gegenwrtig der Preis des
Chinins sehr niedrig und ist seit dem Krimkrieg fortwhrend
gefallen. -- Auch hat man nach einer Mittheilung, die Prof. Karsten
erhielt, jetzt bei Loxa Cinchonapflanzungen angelegt, deren Rinde
man alle 6 Jahre zu verwerthen erwartet.

[55] Am 19. April 1865 ist er, erst 36 Jahre alt, in Balanta, an der
Ostkste von Celebes, den Strapazen und Wirkungen des Klimas
erlegen, die er als Leiter einer mehrjhrigen, mit grossem Erfolg
ausgefhrten Entdeckungsreise in Neu-Guinea und Gilolo erduldet
hatte.

[56] Herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung
gemeinntziger Kenntnisse in Amsterdam.

[57] Die Arachis ist ein unscheinbares, auf dem Boden kriechendes,
krautartiges Gewchs mit langgestielten Schmetterlingsblthen. Die
Blthen ber dem Boden bleiben unfruchtbar, gewhnlich senkt sich
aber die Schote in die Erde und reift dort 2 bis 3 Kerne von
Haselnussgrsse. Daher der Name Grundnuss. Die Pflanze gedeiht in
allen tropischen und subtropischen Lndern und wird auch im
sdlichen Europa, besonders in Spanien, gebaut, wo ihre Frchte,
gerstet, als Mandeln gegessen werden. Der Anbau dieser Pflanze
nimmt seit einigen Jahrzehnten ausserordentlich zu, veranlasst
durch die Nachfrage in Europa. Fast der ganze Export aller
Produktionslnder geht nach Sdfrankreich, hauptschlich nach
Marseille, von wo aus das daraus gewonnene Oel unter dem Namen
Olivenl ber die ganze Welt verbreitet wird. Die Fabrikation hat
dort solche Vollkommenheit erreicht, dass selbst Kenner kaum im
Stande sind, einen Unterschied zwischen dem Olivenl und dem
Katjang-Oel zu finden. Letzteres vertritt daher das Oliven- und
Mandell in allen seinen Anwendungen.

Bereits am 12. Juni 1852 sagte Dumas in der Socit d'Encouragement:
"Olivenl ist gegenwrtig auf einen ausserordentlich hohen Preis
gestiegen, nicht nur im sdlichen Frankreich, sondern auch an den
Ksten von Italien, wo die Olivenbume ganz verschwunden sind. Das
Oel der Arachis, deren Name fast noch ganz unbekannt, ist ohne
Zweifel eins der wichtigsten Produkte. Vor 8 oder 10 Jahren kam ein
Marseiller Haus auf den glcklichen Einfall, 4 oder 5 lb. Katjang-Oel
nach Frankreich zu bringen, und seitdem hat die Einfuhr so
zugenommen, dass sie jetzt eine Hhe von 70 Millionen Kilogr.
erreicht. Dieser grosse Verbrauch lsst sich leicht begreifen, wenn
man in Betracht zieht, dass das Katjang-Oel fast alle Eigenschaften
des Olivenls besitzt." Im Journal des Dbats vom 12. Oct. 1863
heisst es: Vor 20 Jahren war die Arachis von Senegambien nicht
einmal in unsern Zolllisten aufgefhrt; heut werden in Frankreich
allein 500,000 Kilogr. eingefhrt. Der Anbau hat so zugenommen, dass
er den Sklavenhandel auf jener Kste verdrngt hat." Als Surrogat
fr die geringen Speisele, an die man in Berlin gewhnt ist, wird
aber nicht sowohl Arachis-, als das viel billigere Sesamum-Oel,
welches in noch viel grsserer Menge, namentlich von Kurratschi
eingefhrt wird, verwendet.

[58] Bei Gelegenheit der Vorarbeiten fr die Eisenbahn hat man einen
viel niedrigeren Pass gefunden, ber welchen jetzt eine neue Strasse
mit Umgehung des Megamendong angelegt wird. Sie ist bereits bis auf
die Brcken vollendet (1865).

[59] Auch er ist bereits am 24. April 1864 in Lembang gestorben;
doch hat er sich ein bleibendes Denkmal errichtet durch sein von
Hasskarl auch ins Deutsche bersetzte Werk: Java, seine Gestalt,
Pflanzendecke und innerer Bau.

[60] Daendels hatte einen Regenten abgesetzt, weil er eine Strasse
zu steil ber ein Bergjoch gefhrt hatte; -- aus Furcht vor einem
hnlichen Schicksal baute ein andrer Frst die Strasse im Zickzack
durch die Ebene.

[61] Man muss sie aber nicht, wie hufig geschieht, mit einem andern
Feigenbaum, F. religiosa, dem heiligen Baum der Buddhisten
verwechseln, der im Ganzen viel Aehnlichkeit mit unserer
Silberpappel hat und keine Seitenstmme bildet. Seine an ihrer sehr
lang ausgezogenen schwanzartigen Spitze kennbaren herzfrmigen
Bltter bestehen aus einem so dichten Netzwerk fester dnner Fasern,
dass nach Entfernung der Blattsubstanz durch Mazeration und Bleichen
ein filigranartiges Skelett zurckbleibt, welches gefirnisst und
miniaturartig bemalt, jetzt hufig als Kuriositt von China
mitgebracht wird.

[62] Dike (spr.: Deik) nennt man die im flssigen Zustand in die
Spalten der Kegelberge eingedrungene, nach dem Erkalten fest
gewordene Lava.

[63] Wie schon bei Gelegenheit der Zinnablagerungen angedeutet,
werden mit der Zeit durch Einwirkung von Wasser und Luft die
hrtesten Gesteine zersetzt. Die Hauptgemengtheile der meisten
krystallinischen Gebirgsarten (nicht-krystallinische sind schon
Zersetzungsprodukte) bestehen aus Doppelverbindungen von
Thonerde-Silikaten und Alkali- (oder Kalk-) Silikaten. Erstere sind
als Thon (in reinem Zustand Kaolin) wohl bekannt. Zur Versinnlichung
der letzteren kann das knstlich dargestellte, in der Technik jetzt
vielfach angewendete Wasserglas (kieselsaures Kali oder Natron)
dienen. Erstere sind unlslich und bleiben bei dem Verwittern des
Gesteins brig, whrend die lslichen Alkali- und Kalk-Silikate
theils als solche, theils nach Einwirkung von Kohlensure als
kohlensaure Salze durch die Gewsser fortgeschafft werden.

Was durch Luft und Wasser bei gewhnlicher Temperatur sehr langsam,
wenn auch ununterbrochen, stattfindet, wird viel schneller bewirkt
durch heisses Wasser, heisse Dmpfe und Gase, wie sie aus hier nicht
nher zu errternden Ursachen namentlich hufig in Vulkanen und
ihrer Nachbarschaft auftreten. Ausstrmungen von heissen Gasen und
Dmpfen nennt man Fumarolen, Ausstrmungen von Kohlensure Mofetten;
da dieses Gas 1-1/2 mal so schwer ist als atmosphrische Luft, so
breitet es sich am Boden aus und bildet zuweilen, an Stellen, die
gegen den Luftzug geschtzt sind, so hohe Schichten, dass Thiere,
die hineingerathen, darin ersticken. Solfataren heissen die Punkte,
in deren Dampfausstrmungen die schwefelhaltigen Gase vorwiegen:
Schwefelwasserstoff, durch dessen Zersetzung der die Wnde
bekleidende Schwefel gebildet wird, und schweflige Sure, die sich
beide durch Zutritt feuchter Luft in Schwefelsure verwandeln,
endlich Schwefel in Dampfform. Whrend Wasser und Luft in der Art
auf die Gesteine einwirken, dass unlsliche Thonerde-Silikate brig
bleiben, vermgen die in den Solfataren sich fortwhrend bildenden
starken Suren des Schwefels die Doppel-Silikate vollstndig zu
zersetzen. So entsteht aus alkalihaltigen Doppel-Silikaten Alaun
(schwefelsaure Thonerde verbunden mit schwefelsaurem Alkali), aus
kalkhaltigen Doppelsilikaten Gyps (schwefelsaurer Kalk). Alaun und
Gyps bleiben mit dem halb zersetzten Gestein und dem stets neben
ihnen gebildeten Thone gemengt, oder werden vom Wasser gelst und an
Nebenpunkten wieder abgesetzt. Es wrde zu weit fhren, die Vorgnge
in den Solfataren nher in Betracht zu ziehen; daher mgen auch die
Wirkungen der hufig auftretenden Salzsure hier unbercksichtigt
bleiben. Zum oberflchlichen Verstndniss der beschriebenen
Erscheinungen in Kawa-manuk wird das Gesagte gengen. Wesentlich
dieselben Erscheinungen wiederholen sich, wenn auch in sehr
verschiedener Intensitt, in allen Solfataren; ich werde daher
spter nicht wieder darauf zurckkommen.

[64] Zum Verstndniss dieser Werthsteigerung bei feststehenden
Preisen muss erwhnt werden, dass der Thee in 8 Sorten, 4 schwarzen,
4 grnen, von verschiedenem Werth, abgeliefert wurde, und dass die
Fabriken gelernt hatten, die theuren Sorten in grsserer Menge zu
produziren.

[65] Der Unterschied zwischen den Ergebnissen der Theekultur durch
freie Arbeiter unter Unternehmern, die fr eigene Rechnung
wirthschafteten und den Resultaten, welche die Regierung durch
Zwangsarbeit unter Aufsicht von Beamten erlangte, sind so schlagend
und volkswirthschaftlich so interessant, dass ich einen kleinen
Auszug aus Dr. W. Bosch, Vrije en gedwongen Arbeid, Tydschr. v. Ned.
Ind. 1858 II 297 anfhre, in welchem folgende, amtlichen Berichten
entnommene Thatsachen gegenbergestellt sind:

  667 Arbeiter (freiwillige) produziren 1855 auf 560 Bau:
  344,849 lb. Thee,
    also 1-1/5 Arbeiter per Bau,
    517 lb. per Arbeiter,
    615 lb. per Bau.

  Der Arbeitslohn ist unbekannt. Angenommen, sie htten das ganze
  Jahr hindurch 360 Tage,  20 Deuten, gearbeitet, dann htte die
  Bebauung gekostet 72 fl. per Bau d. h. 80% mehr als die
  Regierung dafr zahlte; und gleichwohl kosten die 615 lb. Thee,
  die dafr erhalten werden, nicht mehr als 12 cents pro lb., d. h.
  nur 40 % von dem, was die Regierung dafr bezahlte; und dennoch
  hat der Arbeiter bei dem Privatmann 3mal so viel per Tag
  verdient, als der Arbeiter in Bagelen, selbst wenn dieser nicht
  mehr als 100 Tage per Jahr zu arbeiten htte.

  4,375 Arbeiter (gezwungene) produziren 1855 auf 660 Bau:
  87,312 lb. Thee,
    6-1/2 Arbeiter per Bau,
    22 lb. per Arbeiter,
    132-1/2 lb. per Bau.

  6 Arbeiter per Bau angenommen, die zusammen 40 fl. 72 c.
  erhalten, giebt 6,79 fl. per Arbeiter. Angenommen, dass Jeder
  nicht mehr als 100 Tage gearbeitet htte, so wrde der Tagelohn
  6-3/4 cents betragen, und das lb. Thee auf 30 cents zu stehen
  kommen.

Aus diesen amtlichen Angaben geht hervor, dass freie Arbeit 25mal
produktiver war als Zwangsarbeit, dass der Boden 5mal so viel trug,
dass das Produkt der Privatleute noch nicht die Hlfte kostete,
whrend ihre Arbeiter 3mal so viel verdienten.

[66] Nicht sowohl die Variett des Theestrauches, als vielmehr
Boden, Lage und Klima bedingen die Qualitt (hnlich wie beim
Wein). In China giebt es Gegenden, wo nur grner Thee fabrizirt
wird, nicht, weil man aus den Struchern keinen schwarzen Thee
machen kann, sondern weil der dort gewonnene grne Thee besser
ausfllt, als der schwarze. In Java finden solche Unterschiede
noch nicht statt; man bereitet grnen und schwarzen Thee auf
derselben Plantage.

[67] Die Rongengs sind ffentliche Tnzerinnen, sie fehlen bei
keinem grsseren Feste; ihr Tanz versetzt die Eingebornen oft in
Entzcken und reisst zuweilen selbst die Vornehmsten hin, sich
daran zu betheiligen. Ihre Kunst besteht mehr im Biegen und
Wenden der Glieder als in graziser Fortbewegung. -- "Die
Rongeng gehrt dem Staat, der Oeffentlichkeit. Ueber eine Frau,
die sich als Rongeng einschreiben lsst, verliert der Ehemann
sein Recht, sowie auch ihre Eltern." (Brumund, Indiana.) Sie
sind vllig frei bis auf die polizeiliche und rztliche
Kontrolle.

[68] Eigentlich Kerne.

[69] Der Musang ist ein kleines Raubthier, das nur die reifsten
Frchte nascht und nur ihre fleischige Hlle verdaut. Die nur
aus Kaffeebohnen bestehenden, vom Musang ausgeworfenen, vom
Regen abgewaschenen Hufchen werden besonders gesammelt und von
den Packhausmeistern fr begnstigte Kunden aufgehoben, da sie
den wohlschmeckendsten Kaffee geben. -- Der Musang befindet sich
fast in jedem zoologischen Garten.

[70] Trotz der sehr vermehrten Bevlkerung nimmt die Zahl der
Bume ab. 1851 zhlte man: 231,693,843 und 1861: 223,301,000
fruchttragende Bume. In dem viel kleineren, besonders aber an
Arbeitskrften so viel rmeren Ceylon hat sich die Kaffeeproduktion,
die 1850 kaum 1/4 derjenigen von Java betrug, so gehoben, dass sie
1862 schon mehr als 2/3 derselben gleichkam. Den meisten Kaffee
liefert gegenwrtig Brasilien, das allein so viel erzeugt, als alle
brige Kaffeelnder zusammen ... 1858/59: Brasilien 346, Java 135,
Ceylon 70, alle brigen Kaffeelnder zusammen 155 Millionen
Zollpfund, im Ganzen also 696 Millionen Zollpfund.

[71] In den Regierungspflanzungen betrug 1854/57 die Zahl der
Kaffeebume durchschnittlich: 295,276,073, wovon 221,295,764
fruchttragende; die Ernte 962,876 Pikul oder etwas ber 1/2 lb.
per Baum. -- 1828, vor Einfhrung des Kultursystems, erntete man
416,000 Pikul von etwa 50,000,000 Bumen, d. h. ber 1 lb. per
Baum, im gnstigsten Jahre nach Einfhrung des Systems (1855)
1,264,000 Pikul von 300,000,000 Bumen, d. h. etwas ber 1/2 lb.
per Baum, so dass sich die Zahl der Bume seit 1832 zwar
versechsfacht, der Gesammtertrag aber nur verdreifacht hatte.
Seit 1840 ist die Kaffeeproduktion auf Java, einige besonders
gnstige Jahre ausgenommen, stationr geblieben. Das auf Zwang
beruhende knstliche System hatte also schon nach 8 Jahren seine
Kraft erschpft.

[72] In Arabien war der Kaffee als Getrnk wohl schon Ende des 15.
Jahrhunderts bekannt; 1556 wurde das erste Kaffeehaus in
Konstantinopel, 1652 in London, 1671 in Marseille, 1672 in Paris,
1683 in Wien errichtet. Wie man darauf gekommen sein mag, die
harten, unschmackhaften Samen zu rsten und ein Getrnk daraus zu
bereiten, ist durchaus unbekannt. Es ist hchst merkwrdig, dass das
Kaffen, das eigentlich Wirksame im Kaffee, chemisch identisch ist
mit Then und beliebig aus Kaffeebohnen oder Theeblttern
dargestellt werden kann, dass es ebenfalls im Paraguaythee oder Mate
enthalten ist, und dass die Pflanzen, die es liefern, ganz
verschiedenen natrlichen Familien angehren. Noch auffallender ist
es, dass gerade diese Pflanzen von halbzivilisirten, weit von
einander entfernt wohnenden Vlkern zum Getrnk erkoren wurden. Die
daraus bereiteten Aufgsse regen an, ohne zu berauschen, und haben
deshalb einen hchst wohlthtigen Umschwung in der Lebensweise der
zivilisirten Vlker hervorgebracht. Ihre schnelle, immer wachsende
Verbreitung ist ein erfreuliches Zeichen zunehmender Gesittung.
Nicht erfreulich, aber recht interessant ist auch "die plumpe
Selbsttuschung der Cichorientrinker, die aus Armuth und
Unwissenheit einen Absud geniessen, der vom Kaffee nichts weiter
hat, als die Farbe. Es drfte kaum zweifelhaft sein, dass mit der
Aufklrung des Publikums ber den wahren Werth des Kaffees die
Cichorienfabriken alsbald eingehen mssten." (Knapp's Technologie II
83.)

[73] Folgende Rezepte stammen aus sehr guten Quellen:

1. ~Allgemeines Kari-Pulver~, 2 verschiedene Sorten. Man mische
zum Pulver No. 1 die uneingeklammerten, zum Pulver No. 2 die
eingeklammerten Gewichtstheile folgender Gewrze: Koriander 48
(8), schwarzer Pfeffer 24 (8), Curcuma 19 (8), Kmmel 12 (2),
Capsicum 6 (1), Reismehl 4 (2), Cardamom 2 (1), Nelken 1 (0),
Ingwer 0 (4), Trigonella foenum graecum 0 (6).

2. ~Krebs-Sambal:~ Zu 2 Stck feingeschnittenen Zwiebeln und 2
Stck Knoblauch setze man 3 Theelffel Balatschong (siehe
unten), 1/2 Theelffel Curcumapulver, 1/2 Quart Krabben- oder
Krebsschwnze, lasse alles etwas braten, fge Tomaten oder
Tamarinden, Capsicum, 1/2 Tasse Kokosmilch (siehe unten) hinzu
und lasse es schmoren.

3. ~Bengal-Kari:~ Zu 3 grossen, feingeschnittenen, in Butter
gebratenen Zwiebeln setze man folgende in einem steinernen
Mrser sehr fein gestossene mit etwas Wasser angefeuchtete
Gewrze: 2 Nelken, 1 Capsicum, 2 Theelffel Koriander, 2 Prisen
Anis, 1 desgl. Kmmel, 2 Stck Knoblauch, 1/2 Theelffel Zimmet
und etwas Ingwer, 1 Theelffel Curcuma. Nachdem alles etwas
gebraten, setze man 1 lb. in kleine Stcke geschnittenes Fleisch
dazu (Rind, Kalb, Hammel, Wild, Geflgel oder Fisch), und eine
Tasse voll Kokosmilch oder guter Brhe und lasse es schmoren.

4. ~Madras-Kari:~ Man brate 2 kleine fein geschnittene Zwiebeln in 2
Unzen Butter, setze vom Karipulver No. 2 dazu und verfahre brigens
wie bei dem Bengal-Kari, man kann auch etwas Zitronensaft
hinzufgen.

5. ~Malayische Karis~ unterscheiden sich von den indischen
wesentlich nur durch einen viel bedeutenderen Zusatz von
Cocosmilch; sie sind daher gelblich statt braun, flssiger,
weniger gewrzt und werden Europern, die an starke Wrzen nicht
gewhnt sind, wohl besser schmecken. -- Zu allen Karis isst man
das 3- oder 4fache Volumen Reis, in Dampf gekocht.

6. ~Balatschong~ ist eine mehr oder weniger feste Paste, aus
gestossenen Krabben bereitet, die vorher etwas eingesalzen und
an der Sonne getrocknet worden; sie lsst sich sehr annhernd
durch ein Gemisch von Shrimp- und Anchovy-Sauce ersetzen.

7. ~Cocosmilch,~ nicht zu verwechseln mit der aromatischen,
angenehm ssslichen Flssigkeit, die den inneren Raum junger
Kokosnsse ausfllt, und Allen, die tropische Kstenlnder
bereist haben, in dankbarer Erinnerung bleibt, erhlt man, indem
man die mandelartige Substanz, mit welcher die holzige Schale
der reifen Nuss inwendig gefttert ist, fein raspelt, mit Wasser
vermengt und unter starkem Druck auspresst. Die erhaltene
Flssigkeit ist eine Emulsion, hnlich der Mandelmilch. Ist
Kokosmilch nicht zu haben, so lsst sie sich am besten durch
Thiermilch ersetzen.

[74] Der Gamelang, das javanische Orchester, ist in Raffles und
Crawfurd beschrieben und abgebildet. Die Instrumente bestehen
hauptschlich aus sehr wohlklingenden metallischen Becken und
metallischen und hlzernen Stben, die mit Ausnahme der grssten
Becken (Gongs), welche an Gestellen aufgehngt sind, auf
Resonanzbden oder auf straffen Stricken liegen, und wie Lauten
geschlagen werden. Pauke, Flten und eine Art Violine sind auch
dabei. Ueber die Musik der Javanen sagt Crawfurd: "Die Musik ist
wahrscheinlich die Kunst, in welcher die Javanen im Vergleich zu den
meisten asiatischen Vlkern den grssten Fortschritt gemacht haben.
Die javanischen Melodien sind wild, klagend und mehr als alle andre
asiatische Musik, vielleicht die der Perser nicht ausgenommen, dem
europischen Ohr wohlgefllig..... Der verstorbene Dr. Crotch, ein
sehr kompetenter Richter, gab mir, nachdem er die schne Sammlung
von Instrumenten, die Sir Stamford Raffles nach England gebracht,
besichtigt hatte, seine Meinung ber dieselben sowohl, als ber den
allgemeinen Charakter der javanischen Musik. Ueber die einfachen
Gongs sagte er, der Ton dieses Instrumentes sei zugleich mchtig und
sss, seine Intonation klar und vollkommen; und ber die
Perkussions-Instrumente im Allgemeinen bemerkte er, dass er erstaunt
und entzckt wre ber ihre sinnreiche Anfertigung, ihre Pracht,
Schnheit und vollendete Intonation. In Bezug auf den Charakter der
javanischen Musik im Allgemeinen machte er folgende Bemerkungen:
"Die Instrumente haben alle dieselbe Skala wie die, welche durch die
schwarzen Tasten des Pianos hervorgebracht wird, in welcher so viele
der schottischen und irischen, alle chinesischen und einige der
besten indischen und nordamerikanischen Melodien komponirt sind."

[75] Eine in Paris erworbene echte Calisaya war schon April 1852
in Batavia angekommen; sie starb, aber 2 Ableger derselben waren
1862 zu 20 Fuss hohen Bumen herangewachsen.

[76] Am 20. Juli 1856 waren vorhanden 99 C. Calisaya, 140 C.
Pahudiana, 7 C. lanceolata, 1 C. succirubra, 3 C. lancifolia, 1
C. pubescens. (de Vrij Cultivation of Quinine in Java and
British-India.)

[77] Seine Untersuchungen ergaben sehr gnstige Resultate
fr die Calisaya-Rinden, nur waren, wegen der fehlerhaften
Kulturmethode im tiefen Schatten, die Rinden viel dnner als die
sdamerikanischen. In der Pahudiana- Rinde fand er aber nur Spuren
von Arzneistoffen; erst 1861 entdeckte er in der Wurzelrinde einer
8jhrigen Pflanze eine grssere Menge (3%) und fand spter sowohl in
Java als in Britisch-Indien ~junge~ Wurzelrinde nimmer reicher an
Alkaloiden als Stammrinde. Nach einem Bericht der Tyd. N. I. Febr.
1866 scheint es, dass man jetzt in Java die jungen Wurzelrinden
ausbeuten will.

[78] Nach Professor Karsten's langjhrigen an Ort und Stelle
gemachten Erfahrungen verlangen die alkaloidreichen Arten einen
relativ kalten, nebelreichen und mit Sonnenblicken wechselnden
Standort.

[79] Mac Jvor zieht gar keine Smlinge mehr, ausser etwa von
neuen Arten -- er vermehrt nur noch durch Ableger und Knospen
(cuttings and buds). de Vrij.

[80] Herr de Vrij theilt mir mit, dass er im August 1865 in
einer Rinde von C. succirubra, aus den Neilgherries, 11% (!)
Alkaloide fand, wovon der grsste Theil aus Chinin bestand,
whrend die besten Perurinden selten mehr als 5% geben; und nach
Prof. Karsten fand Howard sogar in den Blttern der in Ostindien
gewachsenen C. rubra, Chinin in gengender Menge, um es
darzustellen.

[81] Andere endogene Pflanzen, besonders Pandaneen, liefern aber
auf diese Weise noch bessere Pinsel; in den Philippinen dienen
diese allgemein zum Tnchen der Wnde.

[82] Siehe auch: Brcke bei Wonosobo.

[83] Die Passvorschriften sind jetzt aufgehoben.

[84] Wahrscheinlich Kleinhoffia hospita, vergl. Hasskarl
Anteekeningen over het nut ... 835.

[85] Die grssten Teakwlder kommen in den gebirgigen Theilen von
Malabar, Birma und Siam vor, sie waren eine der Hauptursachen fr
die Besitznahme von Tenasserim durch die Englnder, und werden auch
wohl die Veranlassung zur allmligen Erschliessung der nrdlich von
Siam und Birma gelegenen Laoslnder werden. Die regelmssige
Beschaffung einer zureichenden Menge Teakholz fr die englische
Marine ist so wichtig geworden, dass wahrscheinlich demnchst die
Grndung eines Vice-Consulats in Chang-mai, der Hauptstadt von
Sd-Laos bevorsteht. -- "Malabar ausgenommen, liefert Java das beste
Teak, jenes wird fr Kiele, dieses fr Planken vorgezogen.
Teakschiffe sind durch gewhnliche Abnutzung fast unzerstrbar;
Beispiele, dass sie 80 und 100 Jahre gedauert haben, sind nicht
selten." (Mac Culloch 1859.)

[86] Selbst noch als Ceylon an die britische Krone berging,
verpflichtete sich die ostindische Kompanie, jhrlich 60,000 
fr 400,000 lb. Zimmet zu zahlen, und es wurde festgesetzt, dass
der etwaige Mehrertrag verbrannt werden sollte. (Capper Port and
trade of London 371.)

[87] Der Zimmet stammt aus Ceylon; er war schon im Alterthum
bekannt und hoch geschtzt, mehr wegen seines Wohlgeruchs, denn
als Gewrz. Man erhielt ihn ber Arabien. Erst durch Entdeckung
des Seewegs nach Indien wurde sein Vaterland den Portugiesen
bekannt. Von diesen ging der Zimmethandel an die Hollnder ber,
die ihn nach den damals herrschenden handelspolitischen
Ansichten zum Gegenstand des strengsten Monopols machten.
Regelmssige Pflanzungen wurden zuerst 1765 angelegt, bis dahin
benutzte man nur wilde Pflanzen. Als 1796 die Englnder Ceylon
nahmen, war Zimmet das Hauptprodukt der Insel. Sie setzten das
Monopol und das damit verbundene System der Zwangsarbeit mit
unglaublicher Strenge fort. -- Wenn in irgend einem Garten eine
Zimmetpflanze aufging, so durfte sie der Besitzer des Gartens
nicht als sein Eigenthum betrachten, eben so wenig durfte er sie
vertilgen, sondern er war gezwungen, sie fr die Regierung zu
pflegen und aufzuziehen; und nach dem alten hollndischen Gesetz
wurde dem, der einen Zimmetbaum fllte, die rechte Hand
abgehauen (Porter). Erst 1833 wurde der Zimmetbau und -Handel
auf Ceylon freigegeben, nahm aber nicht sehr zu, weil die
englische Regierung einen Ausfuhrzoll von 200-300% ad valorem
darauf legte. Nchst Ceylon liefert Cochinchina den meisten
Zimmet. Letzterer geht nach China, wo er dem von Ceylon
vorgezogen wird.

[88] Tijdschrift voor taal-land-en. volkenkunde. 1853, I, 304.

[89] ~Adat~ heisst: alter Brauch, alte Sitte, und hat fr den
Inlnder Gesetzeskraft.

[90] Over de zoogenoemde eetbare Vogelnesten. -- Beitrge zur
nheren Kenntniss der Gattung Collocalia Gr.

[91] Demselben, der das duftende Agallocheholz liefert, in Java
aber nicht vorkommt.

[92] Vergl. Zeichnung: die Bndel bestehen aus Bambusen, die
Seile aus Rotang.

[93] Der mich begleitende Javane erklrte sie folgendermassen:
der grsste, ruma radja (Haus des Knigs), die brigen: Huser
der Frauen und Verwandten, der fnfte, ruma dija punja jonge
(das Haus fr den Diener). Das hollndische Wort, das zur
Bezeichnung eines Dieners ins Malayische bergegangen, machte
sich sonderbar genug in dieser antiquarischen Erluterung.

[94] Nach einer neueren Beobachtung (Proc. Zool. Soc. 1863, pag.
439) fangen sie auch Fische. Dr. Schott beobachtete in Conleeveram,
wie die Kalongs ber den Teichen schwebten, die Fische mit den
Klauen packten und dann auf Tamarindenbume flogen, um sie zu
verzehren. Er hielt sie erst fr Vgel, schoss aber am andern Abend
mehrere im Akt des Fischens und wiederholte die Beobachtung
mehreremal.

[95] 1849 beauftragte der damalige General-Guvernr zwei
geschickte Zeichner, die Herren Wilsen und Schomberg, smmtliche
Reliefs und Statuen von Borobudor fr den Steindruck zu
zeichnen. Die Arbeit hat mehrere Jahre in Anspruch genommen und
soll sehr gut ausgefallen sein. -- Obgleich ich schon bei meiner
Anwesenheit in Java einige Probedrucke gesehen, scheint das
Werk, das mit erluterndem Text erscheinen soll, noch nicht
herausgegeben zu sein. Herr W. hat auch in der Tijds. v. T. L.
en V. einen Aufsatz ber Borobudor bekannt gemacht, dem obige
Maasse und noch einige der folgenden Angaben entnommen sind, nur
ist statt niederl. Ellen der gleichwerthige, bekanntere Ausdruck
Meter gesetzt.

[96] Um einen solchen Eimer zu machen, faltet man das grosse,
fcherfrmige Blatt wie einen aus Papier geknifften Fcher zusammen,
nht die sich berhrenden Rnder je zweier Blattspitzen, von da
an, wo sie sich theilen, zusammen, und biegt das Blatt ringfrmig,
die Rippen nach Aussen, so dass die Blattspitzen und der Ansatz
des Blattstiels ber einander greifen; diese werden fest
zusammengebunden und bilden die Handhabe des Eimers, der nur noch
wie das Verdeck eines Wagens oder der Ugly einer Englnderin
entfaltet zu werden braucht und die Form eines in der Richtung der
Axe durchgeschnittenen sehr flachen Krbis hat.

[97] Nach den neuesten Nachrichten (1865) ist diese blhende
Industrie in Jokjokarta fast gnzlich zu Grunde gegangen, indem
die Pflanzen durch Insekten zerstrt wurden.

[98] Dicht am Stamm vieler Bumchen war ein mit Wasser gefllter
porser Topf bis an den Rand in den Boden eingegraben; das
langsam durchsickernde Wasser erhlt die Wurzeln feucht, die ein
dickes Geflecht um den Topf bilden sollen. Vielleicht ist dies
Verfahren, das ich in Europa nie gesehen, in wasserarmen Grten
oder fr besondere Zwecke in der Grtnerei anwendbar.

[99] In Mexico kauen zwar Mnner und Weiber, letztere mit wahrer
Leidenschaft, ein Gummi, Cicle genannt, den verdickten Milchsaft
einer an der Westkste wild wachsenden Sapota (Zapote chico),
das in Speichel vllig unlslich, geschmack- und geruchlos ist.
Die Substanz hat grosse Aehnlichkeit mit Guttapercha, die man
von einer ebenfalls zu den Sapotaceen gehrenden Pflanze
(Isonandra) gewinnt und wird etwa bei derselben Temperatur
plastisch; man formt Blumen und allerlei Spielereien daraus; in
der Technik findet sie noch keine Verwendung, da ihr hoher
Preis, 1 Dollar per lb., es verhindert.

[100] Was ich fr Muthwillen gehalten, hatte vielleicht einen
andern Grund. Van Dooren erzhlt, dass ihn sein Kutscher bei
einer ganz hnlichen Gelegenheit mit den Worten beruhigte:
"Frchten Sie sich nicht, Herr, der Tiger will sich ein Pferd
holen."

[101] Gegenwrtig (1865) ist eine Eisenbahn zwischen Samarang und
Surakarta in vollem Bau; das Samarang zunchst gelegene Stck ist
bereits mit der Lokomotive befahren worden. Dieselbe Gesellschaft
baut eine andre Bahn zwischen Batavia und Buitenzorg. Mit diesen
beiden kurzen Strecken wird sich zunchst wohl der Verkehr begngen
mssen. Eine andre Gesellschaft, welche ber ganz Java ein
Eisenbahnnetz legen wollte, kam leider mit ihren Antrgen zu spt
und erhielt keine Konzession, weil eine solche die jener ersten
Gesellschaft gemachten Zugestndnisse verletzt haben wrde.

[102] Von 3 Schiffsladungen voll javanischer Kunstdenkmler, die
Prof. Reinwardt nach Holland sandte, versank eine im Schiff Ida
en Adelaide, eine zweite im Kriegsschiff Amsterdam, die dritte
im Schiff Evereus, welches verbrannte. (Brumund Indiana.)




Register.

_Berge unter Gunong, Tempel unter Tjandi zu suchen. J = Java, M =
Malacca, S = Singapore._


  Aberglaube, 55, 116, 134, 184, 198, 222, 229.

  Ackerbau M., 117, S. 21.

  Affen, 110, 124, 139, 216.

  Agar-agar, 36, 50.

  Alang-alang, 162.

  Albuquerque, 99, 100.

  Allor-gadja, 105.

  Alterthmer, 166, 186, 241.

  Alun-alun, 143.

  Ambarawa, 235.

  Ameisen, 61, 121.

  Anam, 89.

  Ananas, 27.

  Anjer, 7.

  Anonen, 28.

  Apfelsinen, 28.

  Araber, 239.

  Arachis, 137.

  Arak, 124.

  Arecapalme, 22, 228.

  Arenga saccharifera, 10, 124.

  Arsenik, 36, 108.

  Artocarpus, 27.

  Atap, 12

  Aufbewahrung von Nahrungsmitteln, 30.

  Ausbruch des Gelungung, 187.

  Ausbr. d. Papandayan, 148.

  Australien, 91.

  Auswanderer, chines. 95.

  Auswanderer, europische, nach trop Lndern, 94.


  Bad, 216.

  Balatschong, 165.

  Bambus, 167, 174, 242.
    Verwendungen des B., 174.
    Schnheit des B., 180.

  Bambusbrcke, 197, 210.

  Bambushecken, 19.

  Bandjar, 191.

  Bandjar-negara, 209.

  Banane, 26.

  Bandong, 29, 140, 141.

  Batavia, 127, 248.

  Batek, 229.

  Batubala, 205.

  Batur, 210.

  Bau-Bau, 38.

  Baumschlangen, 118.

  Baumwolle, 94.

  Bedajas, 165, 184.

  Begrbnisse Imogiri, 225.

  Bergmenschen, 103.

  Bergreis, 37, 133.

  Bernstein, Dr., 132, 199.

  Betelkauen, 227.

  Bewsserung, eigenthmliche, 225.

  Biene, stachellose, 175.

  Billigkeit in Singapore, 25.

  Birma, 89, 90, 92.

  Blasebalg, 41.

  Blasrohr, 107.

  Blechbchsen, 30.

  Blcher, 229.

  Bogenschiessen, 144.

  Borneo, 14, 91.

  Borobudor, 217, 219.

  Bosch, van den, 135.

  Botanischer Garten, 129.

  Brautzug, 239, 244.

  Bronzen, 166.

  Bffelkarren, 129, 138, 192.

  Bffel und Tiger, 203.

  Buitenzorg, 128, 129.

  Bukit-tima, 23, 55.

  Calamus, 56, 178.

  Carica papaya, 27.

  Ceylon, 158, 196.

  Chaussee, schne, 240.

  China, 90, 92.

  Chines. Auswanderer, 42, 95.

  Ch. Fehden, 45.

  Ch. geheime Gesellschaften, 44.

  Ch. Gengsamkeit, 39.

  Ch. Grber, 101, 237.

  Ch. Handwerke, 39.

  Ch. Hoeys, 44.

  Ch. Kaufleute, 39.

  Ch. Kochkunst, 38.

  Ch. Kostme, 47.

  Ch. Leichenfeier, 48, 121.

  Ch. Prozession, 47.

  Ch. Reisesser, 38.

  Ch. Schattenspiel, 48.

  Ch. Todtenverehrung, 101.

  Ch., Verbreitung der, 93.

  Ch. Wohnung, 45.

  Chronometer, 6.

  Cicle, 228.

  Cinchonen, 130, 141, 167, 169, 172, 173, 181.

  Citrus, 28.

  Cocos, 10, 126, 245.

  Cocosfaser, 10.

  Cocosmilch, 165.

  Cocosl, 126.

  Cochinchina, 89, 90, 92.

  Cooks sea-sawdust, 7.

  Corypha gebanga, 192, 221.

  "Cowes for Orders", 88.

  Curcuma, 15.


  Dachdecken, 12.

  Dadapkaffee, 157.

  Daendels, 143, 159.

  Dampfboot nach Surabaya, 239.

  Dampfschiffverkehr, 35, 95, 96.

  Dead reckoning, 6.

  Deutsche Rhederei, 11.

  Diener, 18, 28, 32.

  Deng, 210.

  Dike, 146.

  Ding-ding, 137.

  Djaggeri, 124.

  Drehbank C., 41.

  Durian, 29.

  Duymaer van Twist, 80, 134, 136.


  Eheprchen, 107.

  Ehrenstrafe, 240.

  Eier einsalzen, 39.

  Einwanderung von China, 42.

  Eisenbahnen J., 237.

  Eismaschinen, 31.

  Englnder, 25, 79, 89, 142, 209.

  Erdbeeren, 181.

  Erdnsse, 137, 245.

  Erdsturz, 181.

  Erdtransport durch Wasser, 146, 235.

  Erythrinen, 157.

  Essbare Vogelnester, 198.

  Essstbchen, 36.

  Eugenia, 28.

  Europer in Singapore, 23.

  Europ. Auswanderung nach tropischen Lndern, 94.

  Europ. Frauen, 25.

  Europ. Lebensweise der, 25.

  Europ., Stellung der, 24, 140, 142.


  Fahrt nach dem Lingi, 110.

  Fallen fr Thiere, 109, 221.

  Fehden der Chin., 45.

  Ferne Osten, sonst u. jetzt, 89.

  Fest in Pandjalu, 187.

  Festung Ambarawa, 235.

  Feuchtigkeit, 19, 243.

  Feuer an Bord, 5.

  Feuer-Fest, 16.

  Feuerzeug von Bambus, 179.

  Fibrin, 27.

  Ficus indica, 138, 143.

  Ficus religiosa, 144.

  Fieber, 14, 118.

  Fischfang mit Toba, 55.

  Flaggensprache, 4, 88.

  Fledermuse, 216.

  Fliegende Hunde, 216.

  Flussmndungen, 14, 50, 111.

  Franzosen in Saigon, 90.

  Frauen der Eingebornen, 36.

  Fr. in Java, 138.

  Fr. in Singapore, 25.

  Frchte S., 26.
    J., 181.

  Fumarole, 147.


  Gadok, 132, 136.

  Galton's Art of travel, 236.

  Gambir, 62, 65.

  Gamelang, 144, 166.

  Garkchen S., 36.
    J., 136.

  Garten von Buitenzorg, 129.

  G. des preuss. Konsuls, 18.

  G. am Gedeh, 181.

  Garut, 146.

  Gasthuser, 139.

  Gastfreundschaft, 26, 183, 209, 223.

  Gedong banteng, 167.

  Gefrbte See, 7.

  Geheime Gesellsch., 44.

  Gehorsam in Java, 232.

  Geisseln, 16.

  Geisterknigin, 197, 222.

  Gelb, 15.

  Gemse, 26, 181.

  General-Guvernr, 129, 131.

  Geogr. Spezialkenntnisse, 26.

  Geruchssinn, 39, 217.

  Geschichte von Malacca, 122.

  Geschmack d. Eingebornen, 92.

  Gewitter auf dem Lamongan, 247.

  Gewrzhandel-Abnahme, 22.

  Giftbereitung, 108.

  Gissung, 6.

  Glasflicker, Chin., 40.

  Goldgrber, 30.

  Gomutipalme, 10, 124.

  Grber der Chin., 101, 237.

  Grebek, 232.

  Grsster Kreis, Segeln, 5.

  Grundbesitz J., 134,
    M., 123.

  Grner Thee, 151.

  Guajava, 29.

  Gunong Ardjuno, 241.

  G. Gedeh, 136, 139.

  G. Gelungung, 187.

  G. Guntur, 143, 145.

  G. Lamongan, 247.

  G. Lawu, 230.

  Gunong Malabar, 167.

  G. Megamendong, 138.

  G. Pakuodjo, 213.

  G. Pangerango, 129, 139, 181.

  G. Pangonan, 213.

  G. Salak, 129.

  G. Slamat, 206, 207.

  G. Semeru, 240, 242.

  Guttapercha, 104.


  Huser der Eingebornen, 22, 136, 140, 155, 174.

  Hecken von Bambus, 19.

  Heirathen, 238, 244.

  Hibiscus, 19, 167.

  Hindufest, 15.

  Hirschjagden, 162.

  Hitzpickel, 15.

  Hochebene von Bandong, 141, 167.

  Hochebene von Deng, 212.

  Hocken, 16.

  Hoeys, 44.

  Hof von Surakarta, 227, 238.

  Hflichkeit gegen Fremde, 239.

  Hhlen mit essbaren Nestern, 198.

  Hollnder, 18, 20, 64, 80, 84, 86, 91, 113, 122.

  Honigwaben, 107.

  Hooker ber Cinchonen, 173.

  Hunde, 25.

  Hunde, fliegende, 216.

  Hut, chines., 119.


  Ichthyosis, 103.

  Imogiri, 225.

  Indian file, 36.

  Indigokultur, 224.

  Insektenpulver, 120.

  Irawaddi, 90.

  Islam, 145.


  Jackfrucht, 27.

  Jahreszeiten, 19.

  Jakuns, 103, 107.

  Jambusen, 28.

  Japan, 89, 91.

  Java, 125.

  Javahoofd, 6.

  J. Strassen, 129, 143, 240.

  J. Reisen, 128, 140, 142, 163.

  Javanen, gut orientirt, 246.

  J. Maschinenarbeiter, 239.

  J. Religion, 145.

  J. Schattenspiel, 162.

  J. Unterwrfigkeit, 140, 142.

  John Bull, 18.

  Johor, 24.

  Jokjokarta, 220.

  Junghuhn, 140, 169, 182.

  Junken, 7.


  Kabel, 10.

  Kadu, 215, 217.

  Klte zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln, 31.

  Kaffeepflanzung, Anblick, 155.

  Kaffee, Anlage, 157.

  Kaffee, Geschichte des, 159.

  Kaffeeproduktion, 158.

  Kaiser von Surakarta, 227, 238.

  Kajeputoel, 102.

  Kalibrantes, 240.

  Kalimas, 239.

  Kampf zwischen Tiger und Bffel, 203.

  Karang-bollong, 197.

  Karang-tritis, 222.

  Kari, 164.

  Kartoffelfrage, 26.

  Kaserne, 235.

  Kauern, 16.

  Kawa-manuk, 146.

  Kawa-dringu, 210.

  Kawali, 185.

  Kindersee, 192, 194.

  Kleiner Chinese, 33.

  Klima, tropisches, 118.

  Klima von Singapore, 19.

  Kling, 14, 35.

  Klingprozession, 15.

  Klipperschiffe, 3.

  Kochkunst, malayische, 164.

  Kohlen, 14, 35, 91.

  Kolonialpolitik, 92, 123.

  Kolonisation trop. Lnder, 94.

  Kompass, 6.

  Kong, 116.

  Konsul, preuss., 17.

  Konsularbericht ber Handel der Chinesen, 39.

  Korallenbank, 54.

  Korea, 91.

  Kostme der Chinesen, 47.

  Kostm zum Reisen, 119.

  Kraton, 220, 228.

  Kris, 51, 184, 229.

  Krokotan, 7.

  Kronik von Singapore, 87.

  Kultursystem, 91, 135, 148, 160, 196, 223.

  Kutscher, 14, 230.


  Labuan, 91, 14.

  Lamongan, 246.

  Landakte M., 123.

  Landhaus S., 18.

  Landpchter J., 223.

  Landung S., 8.

  Leben im Walde, 117.

  Legende, 241.

  Leichenfeier, Ch., 48, 121.

  Leihhuser, 228.

  Lei-tschi, 28.

  Lingifluss, 111.

  Log, 6.

  Loopers, 128.

  Loro-kidul, 197, 198, 222.


  Macis, 20.

  Mac Ivor, 171.

  Malacca, 99.

  M., Ausflge um, 116.

  M. Chinesen, 101.

  M. Einwohner, 101.

  M. Geschichte, 122.

  M. Rhede, 100.

  M.-Strasse, 6.

  Malang, 240.

  Malayen, 49, 117.

  Mal. Kochkunst, 164.

  Mal. Kronik, 87.

  Mal. Sprache, 52.

  Mal. Staaten, 112.

  Mangelsmpfe, 13, 111, 194.

  Mangko-bumi, 229.

  Mangko-negoro, 228.

  Mango, 27.

  Mangrove, 12, 111, 194.

  Mangustan, 27.

  Marryat's Signale, 3.

  Martin Vas, 3.

  Maschinenfabrik, 239.

  Melaleuca, 102.

  Melonenbaum, 27.

  Messageries impr., 95.

  Miasmen, 14.

  Mintras, 103, 107, 110.

  Mischlinge, 205, 238.

  Mission Rumbia, 101.

  Missionre, 26, 62, 103.

  Mofette, 147.

  Montgomery ber Thee, 94.

  Monsun, 9.

  Musang, 157.

  Musik, J., 166.

  Muskatnusspflanzung, 19.

  Muster, 92.

  Myristica moschata, 20.


  Nahrungsmittel, Aufbewahrung, 30.

  Naning, 106.

  Nangka, 27.

  Nephelium, 28.

  Nerbudda, 144.

  Neroli, 29.

  Neujahrsfest, 232.

  Nipapalme, 12, 111.

  Nusa-kumbangan, 191.


  Oel von Arachis, Sesam, Oliven, 137.

  Opium, 70.

  Opiumpacht, 71.

  Opiumpchter in Samarang, 239.

  Opiumrauchen, 72.

  Opium in Singapore, 72, 77.

  Opiumproduktion, 73.

  Opium, Gewinn daran, 74.

  Opium in England, 76.

  Opium in Java, 80.

  Orang-laut, 50, 87.

  Orang-utan, 103.

  Oranien, 28.

  Ortsbestimmung, 6.

  Ostind. Kompanie, 89, 196.


  Palankinfahrt, 14.

  Palmenzucker, 126.

  Pandjalu, Fest in, 187.

  Pangerango, 129, 139, 181.

  Papandayan, 148, 152.

  Papaya, 27.

  Papierlaternen, 36.

  Paradoxurus musanga, 157.

  Pasanggrahan, 139, 142, 174.

  Pasir-kiamis, 146.

  Passatwinde, 4.

  Pauke, grosse, 196.

  Perkeniers, 20.

  Pfahldorf, 50, 194.

  Pfannenschmied, 41.

  Pfauen, 192.

  Pfeffer, 62.

  Pfeilgift, 107.

  Philippinen, 90.

  Pik von Teneriffa, 3.

  Pisang, 26.

  Plocaria, 36.

  Ponchor, 113.

  Portugiesen, 100, 122.

  Postreisen, J., 128, 129.

  Prauen, 10.

  Preanger, 138, 140.

  Preuss. Konsul, 17.

  Priester, 186.

  Prinz Djalma, 163.

  Prinzess Bachstelze, 229.

  Prinzess. von Jokjo, 220.

  Prinzess von Siam, 15.

  Prozession, Ch., 47.

  Prozession, Klings, 15.

  Psidium, 29.

  P. u. O. Kompanie, 95.

  Pulo-besi, 7.

  Pulo-brani, 54.

  Pulo-Pinang, 6, 21.

  Pumpelmuse, 28.

  Pungulu von Naning, 105.

  Punka, 18.

  Puter, 30.


  Quak-quak, 38.


  Raden Rio, 231.

  Raffles, 20, 34, 81, 87, 88, 232.

  Rafflesia Arnoldii, 130.

  R. Padma, 194.

  Rangun, 90.

  Ratten, 107, 193.

  Rawa, 191, 236.

  Receptie, 142.

  Regenten, Preanger, 140.

  Regent von Bandong, 184.

  R. von Garut, 154, 162.

  R. von Malang, 241.

  R. von Sumedang, 165.

  Regenzeit, 19, 248.

  Reis, 37, 132.

  R. in Amerika, 37.

  Reisbau, 132, 133.

  Reisernte, 134.

  R., Geschichte des, 37.

  R., Hauptnahrungsmittel, 36.

  R. in Java, 132.

  Reisscheune, 193.

  Reisewagen, 184.

  Reiseplan von Junghuhn, 142, 182.

  Reisen in Java, 128, 129, 140, 142.

  Religion der Mintras, 110.

  R. der Javanen, 145.

  Rezepte, mal., 137, 164, 223.

  Rhederei, deutsche, 11.

  Rhinozeros, 206.

  Rhiow, 84, 127.

  Rhiow-Strasse, 108.

  Rhizophoren, 12, 111, 194.

  Ricinusl, 194, 214.

  Rochor, 50.

  Rom, Kirchenfeste, 234.

  Rompok, 203.

  Rongengs, 154, 168.

  Rosen, 19, 156.

  Rotang, 56, 178, 198, 210.

  Rothes Meer, 31.

  Rumbia, 101.


  Sago, 37, 68, 123.

  Salangore, 111.

  Salzgewinnung, 221.

  Samarang, 236.

  Sambal, 137, 164.

  Samsching, 71.

  Sapota, 228.

  Sarg mit Dollars gefttert, 49.

  Sawa, 132.

  Sawal, 185.

  Schattenspiel J., 162.

  Schattenspiel, S. 48.

  Schiffe der Eingebornen, 7, 9.

  Schiffsrechnung, 6.

  Schlangen, 118, 119.

  Schuhblume, 19.

  Schuhboot, 11.

  Schule f. Mischlinge, 205, 237.

  Schwarzer Thee, 150.

  Schweizer, 93.

  Seemenschen, 50, 87, 103.

  See Pandjalu, 186.

  Seeraub, 89.

  Seeruber, 13, 36, 86.

  Sektenabzeichen, 14.

  Selterwasser, 231.

  Semeru, 240, 242.

  Sesaml, 137.

  Siam, 89, 90, 92.

  Sichtbarkeit entfernter Gegenstnde, 4.

  Singapore, 9.

  S., Anblick, 11.

  S., Billigkeit des Lebens, 25.

  S., Europer, 29.

  S., Gastfreundschaft, 26.

  S., Gesellschaft, 26.

  S., Grndung von, 81.

  S., Lage und Boden, 12.

  S., Landung, 8.

  S., Rhede, 9, 34.

  S., Schiffsverkehr, 83.

  S., schnelles Aufblhen, 88.

  S., Strassen von, 12.

  S., Strassenkmpfe, 45.

  S., Strassenleben, 35.

  Singosari, 241.

  Sinkays, 42.

  Soldatinnen, 235.

  Solfatara, 147, 213.

  Solingen, 185.

  Sonnenschirm, 116, 142, 186.

  Sonst und jetzt im fernen Osten, 89.

  Spanier, 86.

  Span. Rohr, 56, 178, 198, 210.

  Spielsucht, 70.

  Steinplatten, verzierte, 46.

  Straits Settlements, 85, 99.

  Strassen, J., 143.

  Strme, 236.

  Sdkste J., 195, 221. 245.

  Sultan von Johore, 51.

  S. von Jokjo, 220.

  Sumedang Bedajas, 165.

  Sumpitan, 107.

  Sundastrasse, 6.

  Surabaya, 239, 248.

  Surakarta, 227, 238.

  Susuhanan, 227, 238.


  Tabakkauen, 227.

  Tabakbereitung, 214.

  Tabaschir, 175.

  Tanz, Bandong, 184.

  T. der Rongengs, 184.

  T. Sumedang, 165.

  T. Surakarta, 229.

  Tapioka, 69, 123.

  Teakholz, 193.

  Telaga bodas, 155.

  T. dringu, 210.

  T. leri, 211.

  T. mendjer, 215.

  T. werno, 139.

  Telinga, 14.

  Teneriffa, 3.

  Termiten, 58.

  Teufelsbett, 199.

  Thee, 148.

  T., grner, 151.

  Theekontrakte, 149.

  Theekultur, 148.

  Thee, schwarzer, 150.

  T., Vorderindien, 94.

  Theure Preise, 229.

  Tiger, 56, 64, 67, 163, 185, 192, 203, 230, 244.

  Tiger und Bffel, 203.

  Tigerfallen, 55.

  Tigerjger, 163.

  Tigerstechen, 203.

  Tinko, 71.

  Tischchen deck' dich, 174.

  Tischgesprche, 26.

  Tjandi Borobudor, 217.

  T. Kali-bening, 225.

  T. Lombok, 226.

  T. Loro djongran, 226.

  T. Mundut, 219.

  T. Pakis, 241.

  T. Pavon, 219.

  T. Perot, 215.

  T. Prambanan, 225.

  T. Sari, 226.

  T. Sewu, 226.

  T. Singosari, 241.

  T. Suku, 231.

  T. Tumbang, 241.

  T. Werkodoro, 212.

  Tjandjur, 139, 140.

  Tjelatjap, 195.

  Tjikao, 138.

  Tjipanas, 139, 181.

  Tjondro di Muka, 213.

  Toaste, 29, 233.

  Toba zum Fischen, 55.

  Tod durch Unglcksflle, 56.

  Todesstrafe, entsetzliche, 179.

  Todtenthal, 211.

  Todtenverehrung, 101.

  Topographen, 195, 205.

  Trichodesmium, 7.

  Trinidad, 3.

  Trogon, 144.

  Tropikvgel, 7.

  Tschandu, 71.

  Turmerik, 15.


  Ungeziefer, 120.

  Unglck des Herrn Kontrolr, 213.

  Unglcksflle, 56.

  Universalmittel, 194.


  Vanille, 130.

  Veranda, 18, 22.

  Verstmmelung, 16.

  Vertrag von, 1824 123.

  Vertrauen, 24.

  Vogelnester, essbare, 198.

  Vogelpferde, 162.

  Vogelscheuchen, 215, 245.

  Vokalkonzert, 238.

  Vorderindien, 89, 94, 168, 171, 172.

  Vrij, de, 28, 124, 141, 169, 172.


  Waffen, kostbare, 184.

  Waisenhaus, 237.

  Wald, Lrm im, 174.

  Waldkaffee, 157.

  Waldmenschen, 102, 103.

  Wanaradja, 154.

  Waringi, 138, 143.

  Warong, 136.

  Wasser zum Erdtransport,146, 235.

  Wasserfall Tjipotut, 206.

  Wayang, 48, 162.

  Wellenhhen, 5.

  Weltevreden, 127.

  Windstillen, 3, 7.

  Wirbelwind, 236.

  Wlfe, 57.

  Wonosobo, 210.


  Yams, 210.


  Zimmet, 195.

  Zinn, 114, 117.

  Zinngiesser, 40.

  Zwangsarbeit, 136, 149, 161.

  Zweckmssige Kleidung, 119.

  Zwergbambus, 19.


Buchdruckerei von Gustav Lange in Berlin, Friedrichsstrasse, 103.


  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen  |
  | blich waren:                                                    |
  |                                                                  |
  | anderen -- andren -- andern                                      |
  | aussen -- Aussen                                                 |
  | bremer -- Bremer                                                 |
  | cents -- Cents                                                   |
  | Cocos -- Kokos                                                   |
  | Daum -- Daumen                                                   |
  | December -- Dezember                                             |
  | District -- Distrikt                                             |
  | djaggeri -- Djaggeri                                             |
  | Doppelsilikate -- Doppel-Silikate                                |
  | eigene -- eigne                                                  |
  | Eingeborene -- Eingeborne                                        |
  | Entwickelung -- Entwicklung                                      |
  | Erndte -- Ernte                                                  |
  | Extract -- Extrakt                                               |
  | Feuerfest -- Feuer-Fest                                          |
  | Gamelan -- Gamelang                                              |
  | Gebirg -- Gebirge                                                |
  | Gedehgebirge -- Gedeh-Gebirge                                    |
  | Gerbstoff -- gerbestoffreichen                                   |
  | Gesteines -- Gesteins                                            |
  | gewissermassen -- gewissermaassen                                |
  | Gliedmassen -- Gliedmaassen                                      |
  | Gutta-percha -- Guttapercha                                      |
  | Guiana -- Guyana                                                 |
  | Haupt-Artikel -- Hauptartikel                                    |
  | Haupt-Einnahme -- Haupteinnahme                                  |
  | heut -- heute                                                    |
  | Hinter-Indien -- Hinterindien                                    |
  | ipo-batang -- Ipo-batang                                         |
  | javaschen -- javanischen                                         |
  | jenseit -- jenseits                                              |
  | Johor -- Johore                                                  |
  | Junghuhns -- Junghuhn's                                          |
  | Kajeput-Oel -- Kajeputoel                                        |
  | Kari-Pulver -- Karipulver                                        |
  | Kling-Prozession -- Klingprozession                              |
  | Kolonial-Produkte -- Kolonialprodukte                            |
  | Kultur-System -- Kultursystem                                    |
  | Ksten-Provinzen -- Kstenprovinzen                              |
  | Livree -- Livre                                                 |
  | Loro-Kidul -- Loro-kidul                                         |
  | Maasregel -- Maassregel                                          |
  | Maassstab -- Massstab                                            |
  | Mal -- mal                                                       |
  | mannichfaltig -- mannigfaltig                                    |
  | Muskatnuss-Pflanzung -- Muskatnusspflanzung                      |
  | Nipa-Palme -- Nipapalme                                          |
  | NN-W -- NNW                                                      |
  | Opium-Konsum -- Opiumkonsum                                      |
  | Orang-utan -- orang-utan                                         |
  | Ost-Asien -- Ostasien                                            |
  | paarweis -- paarweise                                            |
  | Padjet -- Padjit                                                 |
  | Pedodarn -- Pedodaren                                           |
  | Prinzessin -- Prinzess                                           |
  | Pulo-Besi -- Pulo-besi                                           |
  | Pulo-Pinang -- Pulo-pinang                                       |
  | Quack-Quack -- Quak-quak                                         |
  | Quell -- Quelle                                                  |
  | Radjah -- radja -- Rajah                                         |
  | Reis-Ernte -- Reisernte                                          |
  | Rupies -- Rupien                                                 |
  | Sago-Palmen -- Sagopalmen                                        |
  | schmler -- schmaler                                             |
  | stellenweis -- stellenweise                                      |
  | Struche -- Strucher                                            |
  | Sunda-Strasse -- Sundastrasse                                    |
  | Sze-tschuen -- Szechuen                                          |
  | theilweis -- theilweise                                          |
  | Vokal-Konzert -- Vokalkonzert                                    |
  | Vorder-Indien -- Vorderindien                                    |
  | Waaren-Magazin -- Waarenmagazin                                  |
  | Ynan -- Yun-nan                                                 |
  | zeitweis -- zeitweise                                            |
  |                                                                  |
  | Im Text wurden folgende eigentmliche Schreibweisen nicht        |
  | gendert, da es keine einheitliche Schreibweise gab:             |
  |                                                                  |
  | Adjudanten                                                       |
  | Bivuak                                                           |
  | Frohnarbeiter                                                    |
  | Gallawagen                                                       |
  | geborner                                                         |
  | Geisbock                                                         |
  | Gewandheit                                                       |
  | Kontrolr                                                        |
  | Marschal                                                         |
  | Palissaden                                                       |
  | Pumpelmuse                                                       |
  | Sphne                                                           |
  |                                                                  |
  | Im Text wurden folgende nderungen vorgenommen:                  |
  |                                                                  |
  | S. --- Seite "248" in "234" gendert (Inhalt).                   |
  | S. --- "Sinpapore" in "Singapore" gendert (Vorwort).            |
  | S.   3 "Strait's Times" in "Straits Times" gendert.             |
  | S.   3 "van't algemeen" in "van 't algemeen" gendert.           |
  | S.   4 "allmhlig" in "allmlig" gendert.                       |
  | S.   8 "blosgelegt" in "blossgelegt" gendert.                   |
  | S.   9 "euroipscher" in "europischer" gendert.                |
  | S.  12 "Stockz dachiegelfrmig" in "Stock dachziegelfrmig"      |
  | gendert.                                                        |
  | S.  14 "O-.Gr." in "O.-Gr." gendert.                            |
  | S.  14 "Jalusien" in "Jalousien" gendert.                       |
  | S.  16 "untern" in "unteren" gendert.                           |
  | S.  17 "allmhlige" in "allmlige" gendert.                     |
  | S.  18 "Jalusien" in "Jalousien" gendert.                       |
  | S.  21 "allmhlig" in "allmlig" gendert.                       |
  | S.  21 "ziehn" in "ziehen" gendert.                             |
  | S.  27 "jngern" in "jngeren" gendert.                         |
  | S.  27 "ziehn" in "ziehen" gendert.                             |
  | S.  28 "Hookers" in "Hooker's" gendert (Funote).               |
  | S.  35 "Newharbour" in "New harbour" gendert (Funote).         |
  | S.  38 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
  | S.  41 "Pfannenschmidt" in "Pfannenschmied" gendert.            |
  | S.  46 "hervorrragendsten" in "hervorragendsten" gendert.       |
  | S.  51 "Ansehn" in "Ansehen" gendert.                           |
  | S.  51 "gehn" in "gehen" gendert.                               |
  | S.  51 "Tuanko long" in "Tuanko-Long" gendert.                  |
  | S.  51 "seltner" in "seltener" gendert.                         |
  | S.  52 "Suvernitt" in "Souvernitt" gendert.                 |
  | S.  53 ":" hinter piso entfernt.                                 |
  | S.  54 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
  | S.  54 "Sonnenaufang" in "Sonnenaufgang" gendert.               |
  | S.  54 "Newharbour" in "New harbour" gendert.                   |
  | S.  54 "trocknes" in "trockenes" gendert.                       |
  | S.  56 "Ausfuhr-Artikel" in "Ausfuhrartikel" gendert.           |
  | S.  57 "Krokodille" in "Krokodile" gendert (Funote).           |
  | S.  57 Summe Todesflle in Java und Madura von 2565 in 2505 in   |
  |        der Funote gendert (mit dieser Anzahl sind Spalten-     |
  |        und Zeilensumme korrekt).                                 |
  | S.  57 Anzahl Selbstmorde in anderen Besitzungen von 28 auf 38   |
  |        in der Funote gendert (mit dieser Anzahl sind Spalten-  |
  |        und Zeilensumme korrekt).                                 |
  | S.  59 "Gerstcker" in "Gerstaecker" gendert.                   |
  | S.  59 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
  | S.  59 "ununterbrochnen" in "ununterbrochenen" gendert.         |
  | S.  60 "eigner" in "eigener" gendert.                           |
  | S.  61 "ussern" in "usseren" gendert.                         |
  | S.  61 "innern" in "inneren" gendert.                           |
  | S.  64 "neuaugekommene" in "neuangekommene" gendert.            |
  | S.  67 "best unterrichteten" in "bestunterrichteten" gendert.   |
  | S.  71 "brenzlichten" in "brenzlichen" gendert.                 |
  | S.  71 "heist" in "heisst" gendert.                             |
  | S.  72 "besondern" in "besonderen" gendert.                     |
  | S.  73 "Opinmpchter" in "Opiumpchter" gendert.                |
  | S.  75 "je der" in "jeder" gendert.                             |
  | S.  75 "Anfangs" in "anfangs" gendert (Funote).                |
  | S.  75 "Paralysie" in "Paralyse" gendert (Funote).             |
  | S.  76 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" gendert.           |
  | S.  76 "Lockhardt" in "Lockhart" gendert.                       |
  | S.  77 "Grossbritaniens" in "Grossbritanniens" gendert.         |
  | S.  78 "Nevralgien" in "Neuralgien" gendert.                    |
  | S.  78 "Landanum" in "Laudanum" gendert (Funote).              |
  | S.  81 "Entsehung" in "Entstehung" gendert.                     |
  | S.  82 "eigne" in "eigene" gendert.                             |
  | S.  83 ")" in Funote eingefgt.                                 |
  | S.  86 "versehn" in "versehen" gendert.                         |
  | S.  89 "grssern" in "grsseren" gendert.                       |
  | S.  92 "versursachen" in "verursachen" gendert.                 |
  | S.  94 "eignem" in "eigenem" gendert.                           |
  | S.  94 "Montgommery" in "Montgomery" gendert.                   |
  | S. 100 "herausfordender" in "herausfordernder" gendert.         |
  | S. 100 "do" in "so" gendert (Funote).                          |
  | S. 102 "ussern" in "usseren" gendert.                         |
  | S. 102 "grssern" in "grsseren" gendert.                       |
  | S. 102 "Molucken" in "Molukken" gendert.                        |
  | S. 104 "Montgommery" in "Montgomery" gendert.                   |
  | S. 104 "trockne" in "trockene" gendert.                         |
  | S. 106 "Moscheh" in "Moschee" gendert.                          |
  | S. 107 "Erde" in "Ende" gendert.                                |
  | S. 107 "untern" in "unteren" gendert.                           |
  | S. 108 "Bambuskapfel" in "Bambuskapsel" gendert.                |
  | S. 108 "besondern" in "besonderen" gendert.                     |
  | S. 108 "ein" bei "Ballen ein geschabter" entfernt.               |
  | S. 110 "obern" in "oberen" gendert.                             |
  | S. 111 "saubern" in "sauberen" gendert.                         |
  | S. 114 "glnzlich" in "gnzlich" gendert.                       |
  | S. 114 "seltnes" in "seltenes" gendert (Funote).               |
  | S. 116 "lockern" in "lockeren" gendert.                         |
  | S. 118 "auf's" in "aufs" gendert.                               |
  | S. 118 "bessern" in "besseren" gendert.                         |
  | S. 118 "letzterm" in "letzterem" gendert.                       |
  | S. 118 "Turisten" in "Touristen" gendert.                       |
  | S. 119 "hintern" in "hinteren" gendert.                         |
  | S. 119 "untern" in "unteren" gendert.                           |
  | S. 119 "trockne" in "trockene" gendert.                         |
  | S. 120 "frhern" in "frheren" gendert.                         |
  | S. 118 "letztern" in "letzteren" gendert.                       |
  | S. 124 "arak" in "Arak" gendert.                                |
  | S. 127 "Abends" in "abends" gendert.                            |
  | S. 128 "Moelenvliet" in "Molenvliet" gendert.                   |
  | S. 129 "trocknem" in "trockenem" gendert.                       |
  | S. 130 "Generalguvernr" in "General-Guvernr" gendert.         |
  | S. 130 "Mitheilung" in "Mittheilung" gendert (Funote).         |
  | S. 133 "Ggas" in "Gagas" gendert.                              |
  | S. 133 "Tegls" in "Tegals" gendert.                            |
  | S. 133 "Crawford" in "Crawfurd" gendert.                        |
  | S. 134 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
  | S. 134 "Bergreiss" in "Bergreis" gendert.                       |
  | S. 134 "trocknem" in "trockenem" gendert.                       |
  | S. 135 "Niesbrauch" in "Niessbrauch" gendert.                   |
  | S. 139 "Bungalo" in "Bungalow" gendert.                         |
  | S. 139 "letztern" in "letzteren" gendert.                       |
  | S. 139 "Mosen" in "Moosen" gendert.                             |
  | S. 140 "besondern" in "besonderen" gendert.                     |
  | S. 141 "Assistentresidenten" in "Assistent-Residenten" gendert. |
  | S. 142 "nazje" in "nazie" gendert.                              |
  | S. 143 "entstehn" in "entstehen" gendert.                       |
  | S. 143 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
  | S. 143 "gehn" in "gehen" gendert.                               |
  | S. 143 "Honeurs" in "Honneurs" gendert.                         |
  | S. 144 "gewahrt" in "gewhrt" gendert.                          |
  | S. 144 "Moscheh" in "Moschee" gendert.                          |
  | S. 145 "Vulcane" in "Vulkane" gendert.                          |
  | S. 146 "berhangende" in "berhngende" gendert.                |
  | S. 149 "Bageln" in "Bagelen" gendert.                          |
  | S. 151 "Blattsiel" in "Blattstiel" gendert.                     |
  | S. 151 "male" in "Male" gendert.                                |
  | S. 153 "grsserm" in "grsserem" gendert.                       |
  | S. 153 "obern" in "oberen" gendert.                             |
  | S. 155 "Kawah-manuk" in "Kawa-manuk" gendert.                   |
  | S. 155 "tiefern" in "tieferen" gendert.                         |
  | S. 157 doppeltes "zu" entfernt.                                  |
  | S. 159 doppeltes "in" entfernt (Funote).                        |
  | S. 159 "Mte" in "Mate" gendert (Funote).                      |
  | S. 159 "trockner" in "trockener" gendert.                       |
  | S. 163 "Smedang" in "Sumedang" gendert.                        |
  | S. 163 "Wana-radja" in "Wanaradja" gendert.                     |
  | S. 164 "Honeurs" in "Honneurs" gendert.                         |
  | S. 164 "Malmbong" in "Malembong" gendert.                      |
  | S. 165 "innern" in "inneren" gendert.                           |
  | S. 167 "besr" in "besar" gendert.                              |
  | S. 168 "papandayan" in "-papandayan" gendert.                   |
  | S. 168 "Gelungng" in "Gelungung" gendert.                      |
  | S. 168 "Slmat" in "Slamat" gendert.                            |
  | S. 171 "Ootocamund" in "Ootacamund" gendert.                    |
  | S. 172 " eingefgt.                                              |
  | S. 176 "ussern" in "usseren" gendert.                         |
  | S. 176 "Palembang" in "Palmbang" gendert.                      |
  | S. 177 "Bambusspliessen" in "Bambussplissen" gendert.           |
  | S. 178 "bestehn" in "bestehen" gendert.                         |
  | S. 178 "innern" in "inneren" gendert.                           |
  | S. 179 "verkmmetren" in "verkmmerten" gendert.                |
  | S. 179 "Semru" in "Semeru" gendert.                            |
  | S. 180 "Teysman" in "Teysmann" gendert.                         |
  | S. 183 "eignes" in "eigenes" gendert.                           |
  | S. 184 "nnd" in "und" gendert.                                  |
  | S. 185 "Tampoms" in "Tampomas" gendert.                        |
  | S. 185 "trocknen" in "trockenen" gendert.                       |
  | S. 186 "Ansehn" in "Ansehen" gendert.                           |
  | S. 186 "Krokodillen" in "Krokodilen" gendert.                   |
  | S. 187 "Glassschrank" in "Glasschrank" gendert.                 |
  | S. 188 "Aromata's" in "Aromata" gendert.                        |
  | S. 188 "Schpfrng" in "Schpfung" gendert.                      |
  | S. 188 "Tasikmalaju" in "Tasikmalaja" gendert.                  |
  | S. 189 "beedckt" in "bedeckt" gendert.                          |
  | S. 189 "Tasik-malaju" in "Tasikmalaja" gendert.                 |
  | S. 191 "Banteng-mati" in "Bantengmati" gendert.                 |
  | S. 189 "Tasik-malaju" in "Tasikmalaja" gendert.                 |
  | S. 189 "Tasik-malayu" in "Tasikmalaja" gendert.                 |
  | S. 191 "Kaliputjan" in "Kaliputjang" gendert.                   |
  | S. 193 "Regieruug" in "Regierung" gendert.                      |
  | S. 193 "unschdich" in "unschdlich" gendert.                   |
  | S. 194 "Muskitos" in "Moskitos" gendert.                        |
  | S. 195 "Jocjokarta" in "Jokjokarta" gendert.                    |
  | S. 197 "Bageln" in "Bagelen" gendert.                          |
  | S. 197 "letztern" in "letzteren" gendert.                       |
  | S. 197 "obern" in "oberen" gendert.                             |
  | S. 201 "Molucken" in "Molukken" gendert.                        |
  | S. 202 "Pendoppo" in "Pendopo" gendert.                         |
  | S. 205 "Adjibrang" in "Adjibarang" gendert.                    |
  | S. 205 "Terassen" in "Terrassen" gendert.                       |
  | S. 207 "obern" in "oberen" gendert.                             |
  | S. 208 "trockner" in "trockener" gendert.                       |
  | S. 208 "untern" in "unteren" gendert.                           |
  | S. 209 "Bandjar-negra" in "Bandjar-negara" gendert.            |
  | S. 209 "Serjuthal" in "Serajuthal" gendert.                    |
  | S. 210 "Samrang" in "Samarang" gendert.                        |
  | S. 211 "ussern" in "usseren" gendert.                         |
  | S. 211 "Telaga-werna" in "Telaga-warna" gendert.                |
  | S. 213 "Telaga-werno" in "Telaga-warna" gendert.                |
  | S. 217 "abgesehn" in "abgesehen" gendert.                       |
  | S. 218 "Basleriefs" in "Basreliefs" gendert.                    |
  | S. 219 "dssselbe" in "dasselbe" gendert.                        |
  | S. 220 "innern" in "inneren" gendert.                           |
  | S. 220 "Kratn" in "Kraton" gendert.                            |
  | S. 221 "Corypha Gebanga" in "Corypha gebanga" gendert.          |
  | S. 225 "Kalsan" in "Kalasan" gendert.                          |
  | S. 226 "Bramakultus" in "Brahmakultus" gendert.                 |
  | S. 227 "herliche" in "herrliche" gendert.                       |
  | S. 227 "Jocjokarta" in "Jokjokarta" gendert.                    |
  | S. 227 "Musikkorps" in "Musikcorps" gendert.                    |
  | S. 228 "Tennant's" in "Tennent's" gendert.                      |
  | S. 229 "entblste" in "entblsste" gendert.                     |
  | S. 230 "besondern" in "besonderen" gendert.                     |
  | S. 230 "grader" in "gerader" gendert.                           |
  | S. 232 "garnicht" in "gar nicht" gendert.                       |
  | S. 232 "Grebk" in "Grebek" gendert.                            |
  | S. 232 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
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  | S. 233 "dunckler" in "dunkler" gendert.                         |
  | S. 233 "goldnes" in "goldenes" gendert.                         |
  | S. 234 "hrt" in "hrte" gendert.                               |
  | S. 234 "Schule." in Abschnittsberschrift eingefgt.             |
  | S. 235 "ewhnte" in "erwhnte" gendert.                         |
  | S. 237 "Cocuspalmen" in "Cocospalmen" gendert.                  |
  | S. 238 "Samrang" in "Samarang" gendert.                        |
  | S. 238 "stehn" in "stehen" gendert.                             |
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  | S. 249 "Eismachinen" in "Eismaschinen" gendert.                 |
  | S. 250 "Gelungun" in "Gelungung" gendert.                       |
  | S. 250 "Geruchsinn" in "Geruchssinn" gendert.                   |
  | S. 251 "Montgommery" in "Montgomery" gendert.                   |
  | S. 252 "Kalibening" in "Kali-bening" gendert.                   |
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End of Project Gutenberg's Singapore, Malacca, Java., by Fedor Jagor

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SINGAPORE, MALACCA, JAVA. ***

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Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
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The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
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contact links and up to date contact information can be found at the
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     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
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