The Project Gutenberg eBook, Jugend, Liebe und Leben, by Emil Peters


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Title: Jugend, Liebe und Leben
       Krperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart


Author: Emil Peters



Release Date: December 5, 2013  [eBook #44368]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK JUGEND, LIEBE UND LEBEN***


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JUGEND, LIEBE UND LEBEN

Krperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart

von

EMIL PETERS







[Illustration: Dekoration]

Volkskraft-Verlag
~Konstanz am Bodensee~


      *      *      *      *      *      *


     Bcher von Emil Peters
     ~aus dem Volkskraft-Verlag in Konstanz am Bodensee:~


     #Strahlende Krfte.# Wege zu Glck und Erfolg durch Charakter-,
     Willens- und Menschenbildung. Mit Titelbild von Fidus. 10. Tausend.
     Geheftet M. 5.50. Gebunden M. 7.70. Geschenkband mit Goldschnitt
     M. 8.25. Porto bei direkter Zusendung 25 Pf.

     #Kranke Seelen.# Wege des Lebens fr die Einsamen und
     Unverstandenen, die Ruhelosen und Nervsen, die Unzufriedenen, die
     Unglcklichen, und Seelenleidenden. Mit Bildnis des Verfassers,
     Umschlagzeichnung und Innenbildern von Prof. Richard Pfeiffer.
     Geheftet M. 6.--. Gebunden M. 8.25. Porto bei direkter
     Zusendung 35 Pf.

     #Die das Glck suchen....# Brcken von der sichtbaren in die
     unsichtbare Welt und in die geheimen Lebensgesetze der Seele.
     Deckelzeichnung von E. Anslinger-Mnchen. Geheftet M. 5.50.
     Gebunden M. 7.50. Vornehmer Geschenkband mit Goldschnitt M. 8.50.
     Porto bei direkter Zusendung 25 Pf.

     #Unbekannte Gedankenkrfte.# Geistige Lebensgesetze und seelische
     Welten. Deckelzeichnung von E. Anslinger-Mnchen. Geheftet M. 2.75.
     Gebunden M. 4.40. Porto 15 Pf.

     #Kinderzeit.# Frhliche Erziehung. Ernstes und Heiteres aus
     natrlicher Erziehung. Mit 16 Bildern nach photographischen
     Aufnahmen von des Verfassers Kindern. Geheftet M. 5.--.
     Gebunden M. 7.50. Porto bei direkter Zusendung 25 Pf.

     #Schaffende Menschen!# Charakterbildung, Energie und Erfolg in
     Leben und Arbeit. Umschlagzeichnung von E. Anslinger-Mnchen.
     Geheftet M. 5.50. Gebunden M. 7.70. Porto 25 Pf.

     #Arbeit, Kraft und Erfolg.# Wege zur Steigerung der
     Leistungsfhigkeit in krperlichem und geistigem Schaffen.
     Deckelzeichnung von E. Anslinger-Mnchen. Geheftet M. 4.--.
     Gebunden M. 6.--. Porto bei direkter Zusendung 25 Pf.



     Die Bcher sind auch in jeder guten Buchhandlung zu haben.

     Ausfhrliche Verzeichnisse der Bcher von ~Emil Peters~ versendet der
     obenstehende Verlag oder besorgt jede Buchhandlung.



     ~Alle Rechte vorbehalten.~

     _Copyright 1920 by Volkskraft-Verlag Konstanz am Bodensee._

     Den Druck besorgte die Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan
     Geibel & Co. in Altenburg, S.-A.

     Diese Buch ist auch in hbschem Einband als Geschenkband beim
     Verlag oder in jeder Buchhandlung vorrtig.


      *      *      *      *      *      *


[Illustration: Dekoration]




Vorwort zur zweiten Auflage.


Dies Buch, das in seiner ersten Auflage Wenn ihr ins Leben tretet!
hie, erscheint in seiner zweiten Auflage unter neuem Titel und in
anderem Gewande. Es entspricht darin mehr den Vortrgen, die ich
allerorten hielt.

Der Gegenstand ist ernst und schwer in seiner Darstellung. Es gibt
Dinge, die so grenzenlos traurig und hlich sind, da die Feder oft
zgert, sie niederzuschreiben. Aber wer, wie ich, das Menschenleben zu
schneren, hheren und edleren Formen bringen will, der darf, wo er das
Licht zeichnet, auch die Schatten zu malen nicht vergessen. ~Jugend und
Liebe~--sie sind beide das Licht, das leuchtend und glckselig eine
Weile ber unserem Wege steht. Aber ~Irrtum und Schuld~ verschlingen die
unglckseligen Hnde und reien die Menschen in die Tiefen, wo in
Unglck und Krankheit, in Nacht und Chaos die Liebe erstickt.

Das Hliche ist hier wahrlich nicht um des Hlichen willen geschildert
worden. Nein, die Feder stockt dabei, und Scham durchzog den Sinn. Aber
mutig galt es die Aufgabe zu lsen und jungen Menschen, die klopfenden
Herzens vor dem Wundergarten der Liebe stehen, den rechten Weg zu
zeigen.

Wer das Dunkel geschaut, dessen Auge ist dankbar fr das Licht. So soll
dies Buch verstanden sein.

Nicht ein Aufklrungsbuch im landesblichen Sinne soll es sein. Es
soll nicht mit kaltem Verstande Dinge sagen, die zu wissen noch nicht
sittliche Kraft bedeuten. Weh uns, wenn Wissen und Verstand der Liebe
die Tiefen rauben, wenn wir nicht mehr errten und die Rtsel der Liebe
uns nicht mehr die Pulse stocken machen! Nicht dem Verstand und dem
kalten Wissen-- nein, der ~Seele~ wollte ich die Geheimnisse junger
Liebe ablauschen. Was nutzt Aufklrung, wo die seelenvolle
Menschlichkeit, die sittliche Persnlichkeit fehlt! Erzieherisch ging
ich zu Werke, von innen--nicht von auen her.

Worte und Begriffe sind dem Verstndnis junger Menschen angepat. Eltern
mgen das Buch schulentlassenen Jnglingen in die Hand geben. Es soll
ihnen Wegweiser sein. Und wenn die traurigen und schreckensvollen Dinge
dieses Buches auch mit Wehmut ihre Seele fllen und in den Freudenkelch
der Jugend bittere Tropfen fallen, so wird die Wahrheit doch denen nicht
den Zauber junger Liebe rauben, die frei von Schuld und Fehle mit
diesem Buche den glcklichen Weg des Reinen gehen.

~Neuenhagen~ (Ostbahn) bei Berlin.

                                                        #Emil Peters.#

[Illustration: Dekoration]




Erster Teil.

Die einsamen Triebverirrungen der Jugend.

Einleitung.


Wir wollen miteinander ber Dinge sprechen, ber die man
eigentlich--nicht spricht. Jedenfalls nicht allgemein und vor allem
nicht so, wie man ber andere Dinge spricht. Das ist das
Geschlechtliche.

Wie merkwrdig, da es etwas im Menschenleben gibt, von dem es scheint,
da es verborgen werden mte. Und doch ist es nicht weniger natrlich,
als alles andere, ja, natrlicher und selbstverstndlicher wohl. Aber
wer viel in der Irre ging, der findet nachher den rechten Weg nicht
mehr. So haben die Menschen in den geschlechtliche Dingen durch viel,
viel Irrtmer eine Wirrnis geschaffen, in der nun mancher nicht ein und
aus wei. Er mchte fragen, den oder jenen: Was ist's mit der
Geschlechtlichkeit? Mit all den aufsteigenden Empfindungen, die mich
qulen und freuen, die mir unruhige Stunden machen und bunte Bilder
vorgaukeln?

Aber wen soll er, ja, wen darf er fragen? Der Frage folgt Schweigen oder
verlegenes Lcheln. Das Leben hat den Erwachsenen die Antwort schwer
gemacht. Trbe Ereignisse und Reue verstellen der Wahrheit den Weg.

Aber wer in Gefahr war, sollte den Neuankommenden warnen. Wer
strauchelte, sollte verhten, da auch der andere strauchelt. Darum ist
es nicht gut, wenn du noch unbelehrt und ungewarnt bist.

Ich will niemandem einen Vorwurf machen, am allerwenigsten deinen Eltern
oder deinen Lehrern. Sie haben dich gefrdert, wie sie nur konnten. Aber
dies Geschlechtliche, siehst du, nimmt in allen Dingen des Lebens eine
Ausnahmestellung ein. Es schlummert in ihm--und darum auch in
dir--etwas Gefhrliches, das man durch Schweigen dmpfen mchte; denn
niemand kann sagen, ob Glck oder Unglck daraus entspringt.

Ich aber meine, im Dunkeln sei kein Weg zu finden. Licht soll auf alle
Lebenswege fallen. Darum will ich dir die Wahrheit sagen, will mit dir
ber ein paar Lebensfragen sprechen, damit dein Leben Halt und
Festigkeit und Richtung bekommt. Und insbesondere will ich dir alle
deine stummen Fragen beantworten, die scheu und geheimnisvoll-verlegen
dem Geschlechtlichen entsteigen und neugierig das Geschlechtliche
umflattern.


1.

Vom Sinn des Lebens.

Hast du schon einmal darber nachgedacht, welchen Sinn wohl das Leben
haben knne? Ja, hast du versucht, die Lebenserscheinungen denkend zu
einer Lebens-Anschauung, zu einem Lebensbild, zu vereinigen und dein
eigenes Denken und Tun mit diesem Lebensbild in Einklang zu bringen?

Ich glaube nicht. Denn das Elternhaus hat dich treusorgend bewahrt. Den
Tisch fandest du stets gedeckt, und manche Sorge ums Alltgliche und um
das, was die nchsten Tage bringen werden, haben die Eltern dir
ferngehalten und allein ihre Stunden damit ausgefllt, whrend du lachen
und scherzen oder schlafen konntest. Die Schule setzte dir fertiges
Wissen vor. Du nahmst, was andere gedacht, und warst des eigenen,
tieferen Denkens enthoben.

Nun aber trittst du ins Leben hinaus. Nun beginnt auch fr dich der
Kampf. Die Pflichten mehren sich, und der Tag ist nicht mehr fern, an
dem auch deine Schultern tragen sollen, was ein Mensch zu tragen vermag.
Und zeitweilig noch mehr. Da gilt es, Krfte zu sparen und stark zu
werden, um mutig und aufrecht den Lebensstrmen zu trotzen.

Es mag ein banges Zagen dich beschleichen, wenn du daran denkst, bald
ganz auf dich allein gestellt zu sein. Du zweifelst, ob deine Krfte
ausreichen werden. Aber sei getrost! Nicht als ein Fertiger tritt der
Mensch an seine Aufgaben heran, sondern die Pflicht steigert die Kraft.
Alles in der Natur und im Leben ist ein Werden, ein Wachsen. Alles Leben
ringt nach Vollendung und vollendet sich im Kampf. Der Starke
triumphiert im Kampf, bleibt Sieger. Den Schwachen zerbricht das Leben.

Wohlan! Sei ein Starker! Fasse Mut, und freue dich der wachsenden Kraft!
Kleine Widerstnde geben dir Mut, dich an groen zu messen, und ehe ein
paar Jahre ins Land gegangen, schaust du deinen Weg zurck und lachst
der Zaghaftigkeit, die dich heute beschleicht.

Und da haben wir schon einen Blick aufs Ganze. Da sehen wir schon
Richtung und Weg und Ziel, und langsam formt sich aus den Nebeln der
Unreife und Unklarheit ein Lebensbild.

Schau um dich in der Natur! Roh und formlos ist der Anfang. Gott aber
blies allem seinen lebendigen Odem ein. Was heit das? Das heit, da
in die brodelnden Urgewalten das Gesetz der Entwicklung hineingeworfen
wurde, da eine unendliche Harmonisierung den Lauf des Lebens begleitet,
da alles, was in die Bahn des Lebens geworfen wird, um seines Daseins
Kreise zu vollenden, dem Gttlichen sich entgegen entwickeln soll.

So gehrst du nicht dir selbst, du bist ein Teil des Weltgeschehens,
bist eine von den zahllosen Formen, in denen die Natur das Leben neu
erzeugt, und in dir schlummert der gttliche Funke, der dich zum
Menschen macht, der Funke, der durch dein Leben zur Flamme angeblasen
werden soll, die dich lutert. Dieser gttliche Funke ist dein Gewissen,
ist das Menschheitsgewissen, jener oberste Richter ber Gut und Bse,
der Ewigkeitsgesetze geschrieben hat und heute wie vor Tausenden von
Jahren herrscht.

Die Menschen leben um des Besten willen. Die Entwicklung geht den Weg
des Guten; denn das Gute ist die Entwicklung. Das Schlechte stirbt in
sich, weil es dem Gesetz der Entwicklung widerstrebt.

So siehst du, werden wir Menschen durch ein geheimnisvolles und
gewaltiges Gesetz gefhrt. Dies Gesetz, der sittliche Grundgedanke,
zeichnet der Entwicklung ihren Weg. Wer sich gegen dies Gesetz vergeht,
sei es, da er dem unkontrollierten Genu des Augenblicks huldigt, oder
im materiellen Vorteil das Gewissen schweigen heit, der versndigt sich
gegen die Majestt der Menschheit, und er fhlt den leisen Mahner in
seinem Innern, der ihm sagt. Das durftest du nicht tun.--

Diese Sauberkeit und Klarheit des Gewissens mut du dir erhalten, denn
damit hast du die ntige Festigkeit in dir, um jenen Hohlkpfen und
Wichten zu begegnen, die ihr Leben auf sich selbst, und damit auf
nichts, gestellt haben; denn sie sind nichts, und das Ich, das sie in
ihrer Phrase vom Sichausleben in den Vordergrund drngen, ist wie eine
taube Nu. Je weniger fest und stark das Leben im Innern ist, desto
ruheloser und schwankender wird es nach auen. Darum gerade verfallen
sie einem unruhevollen Geschlechtsgenu und ertrnken ihr Gewissen in
Lrm und Alkohol und vielen Phrasen von Individualitt und
Mnnlichkeit. Diese Worte aber sind nichts als Angst und sind ein
Versuch, den Starken, der wie ein stiller Vorwurf neben ihnen
herschreitet, aus dem Wege zu rumen, das heit, durch philosophische
Phrasen zu sich hinabzuzerren und fr ihre eigene Hohlheit
breitzuschlagen.

Wenn du diesen Menschen begegnest, so wehre dich gegen sie! Wenn sie dir
sagen. Der Mensch gehrt sich selbst, und niemand ist Richter ber
ihn, so antworte ihnen: Nein! das Leben ist ein Geschenk der Natur.
Niemand ist auf sich selbst gestellt, niemand gehrt sich selbst. Feine
Fden verbinden die Menschheit in Glck und Leid miteinander, und jede
schlechte Tat vermehrt das Leid und das Unglck, jede gute Tat aber ist
ein kleiner Schritt weiter auf dem Wege der Bereicherung und
Verschnerung des Lebens.


2.

Volkstum.

Tiefgreifende Besonderheiten haben von jeher die Menschheit in Rassen
und Vlker geschieden.

Du gehrst dem deutschen Volke an! Vergi das nicht! Und vergi nicht,
wenn du das Wort Deutsch sprichst, da es nicht eben blo ein Wort ist
wie tausend andere, sondern da es aus fernen Jahrtausenden zu uns
herbertnt mit ehernem Klang, einer Fanfare gleich, die schmetternd zum
Appell ruft.

Deutsch sein! Diesem Schlachtruf unterlagen die rmischen Legionen in
den finsteren germanischen Wldern. Fr diesen Begriff blutete
Deutschland aus immer wieder frischen Wunden. Unter diesem Zeichen
siegten wir und wurde unser Volk stark und gro. Deutsch sein! das ist
nicht ein bloes Wort, nein, das ist Blut und Mark und Saft von
besonderer Art. Die Form des Kopfes, Farbe und Glanz des Auges,
Empfindung, Denken und Tun: all das ist deutsch, ist anders als das der
anderen Vlker. Um dies Deutschsein haben Tausende auf rauchenden
Schlachtfeldern gelitten und gestritten, Tausende haben sich in der
Ferne in Sehnsucht nach der Heimat verzehrt, und Jubel und Jauchzen
erfllte ihre Brust, wenn sie an Rckkehr denken durften.

Deutsch sein! dafr haben wir vier Jahre lang dem Ansturm einer ganzen
Welt standgehalten, bis das Aufgeben dieses Deutschseins uns die Waffen
aus den Hnden schlug, uns wehrlos machte, da wir zusammen brachen.

Nun merke auf! Es gibt Menschen von fremder, heimatloser Art um dich und
charakterlose Schwtzer, die deinen Rassen- und Volksbegriff leugnen und
zerstren mchten. Sie setzen viel hohle Phrasen an die Stelle des
greifbaren Volkstums. La dir dies Rassen- und Volksbewutsein, diesen
vlkischen Stolz, nicht rauben! Schlage die Bltter der Weltgeschichte
um! Blatt fr Blatt erkennst du das gewaltige Ringen der Vlker um ihre
angestammte Art. Und du erkennst, da nur dann ein Volk stark nach auen
sein kann, wenn es zugleich stark nach innen ist, gesund und fest in
seinem Kern und sittenstark. Die sittliche Kraft in einem Volke war
stets auch seine politische Kraft. An der Sittenlosigkeit, in der
geschlechtlichen Ausschweifung, gingen die Vlker, die Staatengebilde
zugrunde. Kennst du das Beispiel Roms? Lerne es frchten! Weit du, da
die morsche, sinnliche rmische Kultur dem Ansturm Odoakers erlag, der
mit den heldenhaften und sittenstrengen Shnen der germanischen Wlder
heranrckte? Lerne dies deutsche Volk um seiner groen Vergangenheit und
seiner Tugenden willen lieben! Aber zugleich beobachte, da der
Sittenverfall auch bei uns sich ausbreitet, da zerstrende Mchte an
den alten, festen Grundlagen unserer Volksart ttig waren, und da wir
lngst im Innern morsch waren, ehe die bermacht der Feinde uns auf die
Knie zwang.

Nun aber wollen wir wieder hochkommen, wollen wieder die Schmach von uns
abwaschen, wollen unsere Kraft und unsere Ehre wiedergewinnen--und
dazu mu jeder Einzelne bei sich selber anfangen. ~Sittliche Reinheit!~
so heit der Wahlspruch.

Hier hast du ein zweites Lebensziel: Liebe dein Volk und lebe fr dich
so, wie du mchtest, da das Ganze sei: stark und gesund und rein. Was
ntzen all die schnen Worte von Vaterland und Volk und Ruhm und
Zukunft, wenn nicht jeder Einzelne sein Teil Verantwortung fr das Ganze
in sich trgt und danach lebt.

Dem politischen Ehrgeiz eines Volkes mu eine gesunde und sittliche
Lebenshaltung die treibenden Krfte geben. Darum ist es betrbend, zu
sehen, wie Staatsmnner und Politiker starke Worte machen und heftige,
erbitterte Parteikmpfe ausfechten, ohne doch der Notwendigkeit zu
gedenken, da all dies Mhen nur ein Tageserfolg ist, wenn er nicht aus
der klug gepflegten Volkskraft dauernd gespeist werden kann. Eine
zahlreiche, krperlich und sittlich starke Jugend ist der Lebensquell
des Volkes, und dies Bewutsein mu jeder junge Mensch in sich tragen.

Du siehst, auch hier gehrst du nicht dir selbst. Ein zweiter Wegzeiger
ist in deinem Leben. Er zeigt auf dein Volk. Ihm gehrst du mit deiner
ganzen Art, mit Leib und Seele, mit dem Wollen und Wnschen. Und darum
mu dein Leben sich so gestalten, da es deinem Volke nicht Schaden
bringt.


3.

Die Familie.

Von der Volkseinheit und -Eigenart trennt sich die Einheit und Eigenart
der Familie ab. Und hier erblht dem Baume deutscher Art die schnste
Blte: das deutsche Familienleben. Wie ist es besungen worden, und
wieviel schne Erinnerungen an das Elternhaus tragen wir mit uns in das
Leben hinein. Sorgende Liebe erfllt die Rume. Milde und Strenge paaren
sich, um die Buben und Mdchen zu bilden zu tchtigen Menschen, damit
sie einen Platz im Leben ausfllen knnen. Und jeder von ihnen tritt in
das Leben hinaus und wird und will wieder eine Familie grnden. Was er
zu Hause Gutes sah, pflegt er weiter und verbindet's mit Neuem. Wohl
ihm, wenn er nur Gutes sah, wenn recht viel gute Erinnerungen ihn
begleiten. Was die Eltern Gutes an ihren Kindern gewollt, das mssen die
Kinder zu erreichen trachten. Denn darin liegt ein Dank fr die
dahingegangenen Geschlechter und ein groes, starkes Versprechen an die
kommenden. Die Eltern denken Gutes von dir, die Brder und Schwestern
tun es auch. Wie kannst du darum Schlechtes tun und dann ein schlimmes
Geheimnis mit dir herumtragen, das zu verraten du kaum den Mut findest?
Die Familie ist der Hort der guten Sitten. Ehre die Sttte, der du
entstammst, und tue nichts, was nicht jeder wissen darf.

Zum dritten Mal stecke ich dir ein Lebensziel, zeige dir einen Mastab
und eine Grenze deines Tuns: deine Zugehrigkeit zur Familie. Zum
dritten Male sage ich dir, da du nicht dir selbst gehrst, sondern
gebunden bist im Denken und Tun an die Gesamtheit, an die Familie, an
das Volk, an die Menschen berhaupt. Dein Wohl ist das der anderen. Die
Kraft und die Ehre der Gesamtheit liegen fr dein Teil in deiner Hand.


4.

Das Ich und die Freiheit.

Du wirst mir entgegenhalten. Bin ich, ich selbst, denn gar nichts, da
ich nur aufgehen soll im Ganzen? Da ich immer nur an die anderen denken
soll?

Ja, du bist, und dein Ich soll stark und stolz dir zum Bewutsein
kommen. Nicht niederdrcken, schwach und zage machen soll dich deine
Zusammengehrigkeit zur Familie, zu Volk und Menschheit, nein, aufrecht
und freudig sollst du es empfinden; denn in dir verkrpert sich die
Familie, in deiner Art erkenne ich ihre Art, in dir lebt die Art des
ganzen Volkes, in dir glht der heilige Funke der Menschheit. Das Leben
drngt sich immer wieder, um neu zu erblhen, in eine enge Form, das ist
der persnliche Mensch, das Individuum. Der persnliche Mensch ist die
hchste Steigerung der Natur, ist der hchste Wille der Schpfung.

Dieser persnliche Mensch mu frei sein. Damit meine ich nicht jene rohe
Freiheit, die sich hinwegsetzt ber gesetzliche und gesellschaftliche
Schranken. Das ist Willkr und rohes Triebleben. Diese rcksichtslose
Freiheit, die da glaubt, alles tun zu drfen, was ihr in die Sinne
steigt, ist doch nur bemitleidenswerte Gebundenheit an die Tiernatur.
Ich meine vielmehr jene sittliche Freiheit, die mit einem geschlossenen
Willen sich der Gedankenlosigkeit der Menge entgegenstemmt. Die
Freiheit, in der im Gehorsam gegen selbstdiktierte sittliche Gesetze der
Mensch triumphiert. Diese berlegenheit ber die Gedankenlosigkeit, das
stumpfe Triebleben, die oberflchliche Genusucht anderer, ist
wahrhaftig Freiheit, eine Freiheit, die in wichtigen Lebensfragen nur
sich selbst befiehlt und gehorcht, keinem andern, am allerwenigsten der
Menge. Der Geist mu wach bleiben und mu mit heller, scharfer Kritik
ber die Regungen der Sinne wachen. Der Gedankenlose verliert sich an
die stumpfen und dumpfen Triebe der Menge. Er glaubt dann Freiheit
gefunden zu haben und verlor doch nur sein Ich, seine Persnlichkeit.
Du siehst also, da das Ich nur triumphiert, wenn es sich selbst
Gesetze gibt. Darum darfst du nicht aufgehen in der Menge, die dich
hinabzieht, sondern mut jenen Grten nacheifern, in denen unseres
Volkes Art sich am reinsten verkrperte. Die Menschen leben um des
Grten willen, sagt Carlyle. In ihnen glht der gttliche Funke des
Menschentums am strksten. Hast du Vorbilder, so gehst du mit deinem
Wollen auf in der Menschheit, im Volk, in der Familie. Du hast damit
starke und groe Ideale in dein Leben hineingestellt, und diese Ideale
werden dich erziehen. So, siehst du, ist das ausgeprgte Ich, ist der
persnliche Mensch, der hchste Wille zum Guten. Indem du stolz dein
Ich erhebst, beugst du dich unter das groe Entwicklungsgesetz der
Menschheit.


5.

Die Fortpflanzung.

Alles Leben hat nur eine Quelle: die Fortpflanzung. Und sie ist
umwoben und durchflochten von der Liebe, von jenem wunderbaren
Empfindungsgewoge, das unser Leben schn und glcklich macht; oder auch
hlich und traurig und unglcklich. Wie man's lebt.

Die Natur schuf zwei Geschlechter. Und an dem Gegensatz zwischen
mnnlicher und weiblicher Art erkennst du, wie unbeholfen und roh die
Auffassung derer ist, die das Geschlecht nur als etwas Krperliches
sehen, die beim Worte Geschlecht nur an Geschlechtsorgane denken.
Schon beim Spiel der Kinder unterscheidet sich der wilde Wagemut des
Knaben von der stilleren Art der Mdchen. Das ist wie ein Symbol frs
ganze Leben. Das Geschlechtliche wurzelt tief in der Seele, und du
darfst es nicht so ohnehin als das blo Sinnliche auffassen. Denn es ist
mit dem ganzen Krper, mit allen Sinnen, mit dem Denken und Fhlen innig
verwebt und verschmolzen. Der Mann denkt, fhlt, urteilt, handelt anders
als die Frau. Das eben ist der tiefgreifende Geschlechtsunterschied
zwischen beiden, der jedem eine andere Stellung in der Natur und in der
Welt und darum auch eine andere Gefhlswelt gibt.

In Mann und Weib verschmilzt das geheimnisvoll-ewige Sehnen der
Menschheit nach Vollendung. Denn jedes der beiden Geschlechter birgt
eine Hlfte menschlicher Eigenschaften in sich. Der Mann Kraft, Mut,
Wille, Entschlu, Edelmut, Ritterlichkeit; das Weib Milde, Sanftmut,
Mutterliebe, Gefhlstiefe; beide aber Treue, Schamhaftigkeit, Ehrgefhl.
Das eine Geschlecht sehnt sich nach dem andern, um zu gewinnen, was es
nicht hat, sich so zu ergnzen, zu vervollkommnen. Dieser tiefe
Lebenswille der Natur lebt in beiden, und der Fortpflanzung entsteigt
das Kind als eine hhere Entwicklungsstufe. Es ist auch wieder entweder
mnnlich oder weiblich, aber es trgt von beiden Eltern ein Teil in
sich. Ein gutes oder ein schlechtes, je nachdem, was das strkere war.

In der Geschlechtlichkeit, in der Zeugung, erhebt sich der Mensch zur
hchsten Bedeutung. Er selbst wird ein Schpfer, wird ein Neugestalter
des Lebens. Was Menschheit, Volk und Familie ihm gegeben haben: Leben,
Kraft, Gesundheit, Menschenwrde, das gibt er einem von ihm in Liebe
erzeugten Wesen wieder. Darin liegt ein Teil Unsterblichkeit.

Es gab eine Zeit, da erzhlte man dir vom Storch, der die kleinen Kinder
bringe und sie aus dem Brunnen oder einem groen Teich hole. Ja, ja, aus
dem groen Meer der Schpfung sind sie ja gekommen; aber es war nicht
jener Verlegenheitsstorch der Fabel, der sie brachte, sondern die Liebe,
die geschlechtliche Verbindung deiner Eltern, die den Werdekeim
entfachte. So wie die Natur fr alles in unserem Tun ein bestimmtes
Organ, ein Krperglied mit einem besonderen Zweck, schuf, wie sie uns
zum Gehen Beine und Fe, zum Greifen Arme und Hnde, zum Sehen die
Augen, zum Kauen die Zhne gab, so verlieh sie auch dem gewaltigen
Sehnen nach Liebe und Zeugung, das die Menschen in sich tragen,
bestimmte Organe, durch die der Wille der Natur und das Liebesgefhl der
Menschen einen krperlichen Ausdruck finden kann. Diese
Geschlechtsorgane sind bei Mann und Frau ganz verschieden. Sie liegen
teils auerhalb, teils innerhalb der Leibeshhle, teils sind es
Brutsttten, Werksttten fr die Erzeugung der Keimzellen, teils Wege,
diese Keimzellen zum Ausstoen und zur Vereinigung zu bringen. Beim
weiblichen Organismus liegen in der Leibeshhle die sogenannten Ovarien,
die Eierstcke, in denen whrend einer Fruchtbarkeitszeit von etwa 30
Jahren rund 400 Eichen (das ist allmonatlich eins) reifen und
ausgestoen werden. Beim Manne wird der Samen in den beiden Hoden
bereitet, aber nicht nur 400 Samenzellen, sondern viele Millionen. Die
Geschlechtserregung nun, die den erwachsenen Menschen von Zeit zu Zeit
ergreift, lt alle Empfindung in die Geschlechtsorgane strahlen. Alle
Wnsche schweigen. Alle Krfte von Krper und Seele beugen sich dem
groen Zeugungswillen der Natur und konzentrieren sich im Zeugungsakt.
Die Geschlechtsorgane vereinigen sich, und die mnnlichen Samenzellen
werden ausgestoen in die weiblichen Organe und suchen in groer Zahl
das weibliche Ei. Aber nur die strkste Samenzelle, die die grte Kraft
und Lebensenergie hat, erreicht--allen anderen voraus-- die Eizelle,
durchbohrt sie, und die Befruchtung ist geschehen. Jeder weiteren
Samenzelle ist dann der Eintritt verwehrt.

Hier sehen wir im kleinen und doch so gewaltig-groen Zeugungswunder,
da das Leben sich immer nur aus der verhltnismig grten Kraft
aufbaut, da darum der Strkste und Beste das grte Recht auf Leben und
Zeugung besitzt. Der Kampf der Samenzelle um die Eizelle ist wie eine
Darstellung des menschlichen Lebenskampfes.

Obwohl das alles so natrlich, so gro und schn ist, hat man dir die
Wahrheit nicht sagen wollen, ist alle Welt mit der Geschichte vom
Storch, mit Unsicherheit und Verlegenheit, um dich herumgegangen. Warum?
wirst du fragen.

Das hat zweierlei Grnde, einen guten und einen schlimmen. Der gute
liegt in der Sache selbst. Das Geschlechtsempfinden gehrt nicht dem
lauten Lrm des Alltags. Der feinfhlende Mensch wird das, was in
Schnheit und geheimnisvoller Spannung in seinem Innern aufkeimt, was
ihm das Herz zum Springen fllt, und was so viel Sehnsucht in ihm reifen
lt, er wird das alles nicht mit nchternem, lautem Wort in den Kreis
der alltglichen Dinge ziehen. Dies Geschlechtsempfinden, das soviel
ganz Persnliches, soviel unaussprechlich Feines und Zartes in sich
birgt, wird dem feinfhligen Menschen sein Allerheiligstes sein, das er
der Welt und der Neugierde anderer verbirgt. Darum ist das
Geheimnisvolle im Geschlechtsleben eben gerade das Menschliche, die
sthetische Verfeinerung eines im Anfang rohen und wilden Triebes. Diese
sthetisch-geheimnisvolle Umschleierung ist unlsbar mit unserem
Glcksbestand verbunden; denn das Geschlechtliche, das zugleich Urgewalt
und feinste Kulturblte ist, enthllt so sehr das innerst Persnliche
eines Menschen, da es sich nur schwer in Worte fassen lt. Zwischen
starken Empfindungen und ruhig-erklrenden Worten liegt immer ein
Widerstreit. Darum rang man nach Worten, um dir die Wahrheit ber das
Geschlechtliche zu sagen, und schlielich fand man die Worte nicht und
darum auch nicht den Mut.

Der andere und schlimmere Grund aber ist der, da der Geschlechtstrieb
in der Allgemeinheit des Volkes berstark und krankhaft geworden ist und
sich nun dem Leben und der Persnlichkeit als etwas Feindseliges
entgegenstellt. Man frchtet, ihn durch Belehrung zu wecken, und glaubt,
ihn durch Schweigen im Zaume zu halten. Das ist ein Irrtum.

Der groe und manchmal so hoffnungslose und traurige Kampf mit dem
krankhaft gesteigerten Geschlechtstrieb brachte die tiefe Zweiteilung
von Fleisch und Geist. Die Sinnlichkeit wurde Snde genannt. Und
sie ist doch nur Natur. Dieses feindselige Denken gegen die
Geschlechtlichkeit hat die Prderei geboren, die ngstlich darber
wacht, da auch nicht eine Silbe ber diese Dinge gesprochen werde, und
die doch wei, da viel Hliches geschieht.

Es ist nicht gut, etwas, was in der Natur liegt, fr unnatrlich und
sndig zu halten; denn damit geraten wir in Zweifel. Und wenn dieses
Etwas dann als ein starker Trieb in uns Menschen gro wird, das mit
unserem Wesen, unserem Charakter sich verbindet und zuzeiten uns ganz
allein auszufllen scheint, so ist es richtiger, einen festen, klaren
Blick dem Geschlechtlichen gegenber zu behalten, um es zu beherrschen
und zu bemeistern, nicht aber ngstlich, prde und verlegen zu sein, den
Trieb fr tierisch zu halten und dadurch von einem Konflikt in den
andern zu strzen. Schliee dich nicht dieser unwahren,
lebensfeindlichen Denkart an, sondern erkenne im Geschlechtstrieb die
Quelle alles Empfindungslebens, erkenne ihn als die Grundmauer des
Lebens und die treibende Kraft aller Entwicklung. Sage nicht, da er
tierisch und hlich und sndig sei, sondern da durch ihn der Mensch
erst wahrhaft Mensch wird, da durch ihn der gttliche Wille des
Schpfers in jeden einzelnen Menschen gelegt worden ist, und da gerade
im Liebesgefhl und im Liebesleben der Reichtum der Menschennatur sich
entfaltet, so wie im Bltensegen des Frhlings die Natur in ihrer
Schpferkraft jubelt.

Verstehe mich nicht falsch! Du sollst dem Geschlechtstrieb stark und
ehrlich und mutvoll gerade ins Auge sehen. Sollst ihn erkennen als das
Schpfungswunder der Natur und als die in dich selbst gelegte
Schpferkraft, mit der du dem Willen der Natur dienen sollst. Aber darum
darfst du nicht sagen: Dieser Trieb ist mein Recht! Habt ihr prde
jedes Wort von ihm vermieden, so ist er doch in mir emporgewachsen, und
nun lebt er in mir, und ich will und darf ihn bettigen.

Schau um dich in der Natur! Auch die jungen Bume treiben Blten, aber
sie tragen noch keine Frucht. In der Natur herrscht ruhige und langsame
Entwicklung; denn nur die Ruhe ist Kraft. Alles vorschnell Entwickelte
trgt schon den Verfall in sich. Wenn im Geschlechtlichen das Leben sich
aufbaut, dann mu auch gerade das Geschlechtliche den Zerfall bringen,
wenn es dem Mibrauch entgegentreibt.

~Das ist die groe Wunde am Leben der Vlker: der Geschlechtsmibrauch!~
Daran sind sie zugrunde gegangen, die Kulturvlker des Altertums, und
das ist es, was heute noch die Vlker zerstrt: die Vergeudung der
Geschlechtskraft!

~Denn Geschlechtskraft ist Lebenskraft!~ Wer das eine verschwendet, der
zerstrt das andere. Aus dem Geschlechtsmibrauch kam die Degeneration
in die Vlker. Die Geschlechtlichkeit, die der Kraft und dem Aufstieg
des Lebens dienen sollte, wurde dem Menschen zum Verhngnis, ja zum
Fluch. Die Snden der Vter wurden heimgesucht an den Kindern bis ins
dritte und vierte Glied.

Von allen Lebewesen ist der Mensch das einzige, dessen Geschlechtstrieb
unter die Herrschaft der Vernunft gestellt wurde. Indes:

    Er nennt's Vernunft und braucht's allein,
    Um tierischer als jedes Tier zu sein!

Gerade die ideale Verbindung des Krperlich-Sinnlichen mit der
Gesamtheit geistigen Lebens, eine Verbindung, die so viel Schnheit und
so viel Mglichkeiten kluger Beherrschung und sittlicher Gesetze in sich
birgt, ist verhngnisvoll geworden; denn das Geistige (Gedanke,
Empfindung, Vorstellung, Kunst) wird zum Einfallstor des Sinnlichen, und
bei gar zu vielen liegt die Vernunft in ewiger Fehde mit dem sinnlichen
Trieb.

Das ist es, was so viel schwles Schweigen erzeugt: Die lstern lockende
Geschlechtsempfindung im Innern, mit der man ringt, und das bse
Gewissen, die trbe Erinnerung an vieles, was nicht gut war.

Aber soll das weiter und immer so bleiben? Sollen wir ruhig
danebenstehen, wenn starke und mannhafte Geschlechter im
Geschlechtsirrtum ihre Kraft verlieren? Wenn wir sehen, da junge
Menschen durch krankhafte Erregungen zur Erschpfung getrieben werden?


6.

Die Verirrungen der Jugend.

Alle Welt kennt das groe und traurige Geheimnis, das junge Menschen mit
sich herumtragen, das drckende Geheimnis der Geschlechtsverirrung, der
Onanie. Nur ganz wenigen ist der Sinn frei davon geblieben, und diese
kennen nicht den bitteren Kampf, den der sittliche Wille mit dem Triebe
fhrt, der sich qulend und entnervend im Krper und in den Sinnen breit
gemacht hat. Immer wieder rafft man allen Willen zusammen, immer wieder
bumt sich der Stolz auf, und man sagt Ich will nicht, aber so oft ist
dieser Trieb der Strkere. Es ist wie ein Ringen um die Oberherrschaft.
Je schwcher das Nervensystem und je nachgiebiger und schlaffer das
Denken, desto mehr reit der sinnliche Trieb die Oberherrschaft an sich.

Ein offenes, freies Wort wrde den Kampf mildern, ein Freund, ein
Vertrauter, dem man von sich in diesen Dingen sprechen kann, wrde die
seelische Bedrcktheit verscheuchen und den Mut heben knnen. Aber alle
jungen Menschen sind ratlos, tragen ihr Geheimnis weiter mit sich herum
und--verfallen weiter in der Einsamkeit dem whlenden sinnlichen
Trieb.

Dies traurige Schauspiel mu vor allen Dingen der Einsamkeit und dem
Schweigen entrissen werden. Man mu darber sprechen, deutlich und
ernsthaft, damit der Vergeudung der Lebenssfte Hemmnisse in den Weg
gelegt werden, damit die geschwchten Krper wieder frischer und
gesunder, der Wille wieder zuversichtlicher, der Mut wieder froher und
das Auge wieder klarer wird. Es soll alles aus dem Leben heraus, worber
man sich schmen mu.

Die Onanie tritt oft schon in sehr frhem Alter auf. Desto gefhrlicher
ist sie. Dann handelt es sich aber um einen Organismus, der
wahrscheinlich erblich geschwcht ist, eine nervse Anlage hat.

Solch ein geschwchter Organismus ist ungemein empfnglich fr alles
Sinnliche. Worte, Bilder, die auf das Erotische Bezug haben, sind wie
ein Feuerfunken in einen Strohhaufen. Ja, wie mit einem schwlen Drang
wird aus allen Gesprchen, aus Bildern und Bchern das Geschlechtliche
hervorgesucht. Diese grblerisch-ungesunde Art raubt dem Betreffenden
viel frischen Sinn fr das Wirkliche, viel Arbeitskraft und
Lebensfreude. Immer lenkt das Geschlechtliche seinen Blick ab, und es
ist nicht jeder unter den jungen Menschen stark genug, sich frisch
loszureien von der schwchlich-lsternen Phantasiearbeit.

Gehirn und Zeugungsorgane scheinen sich da in einem schwchlichen und
verderblichen Reizabhngigkeitsverhltnis voneinander zu befinden. Und
oft ist es so, da die Betreffenden von sinnlichen Bildern geradezu
verfolgt werden, da sie harmlosen Worten eine sinnliche Bedeutung
geben, da sie ein angeschautes Bildwerk oder eine Plastik zu sinnlichen
Vorstellungen gebrauchen, da sich in die Lektre, in das Studium, in
das Anhren eines Vortrages oder namentlich der Musik ein bestimmtes
erotisches Bild einschiebt, von dem sie nur schwer wieder loskommen.
Gewisse angeborene Neigungen, die sich am Gesicht oft erkennen lassen,
spielen hier eine Rolle. Das ganze Leben scheint da in die fieberhafte
Geschlechtserregung hineingezogen zu werden, und die Gefahr der
Selbstbefleckung rckt immer nher.

Nicht lange dauert es, dann kommt es zu Berhrungen der
Geschlechtsteile, in denen diese Empfindungen sich konzentrieren. Durch
diese Berhrungen und Bewegungen kommt es zum krampfhaften,
konvulsivischen Hhepunkt geschlechtlicher Erregung, und zum ersten Male
findet beim Knaben ein Verlust von Samenflssigkeit, beim Mdchen eine
starke Absonderung gewisser Drsen statt.

Warum hat dir bisher niemand die Gefahr gezeigt? Warum antwortete man
deiner stummen Frage nicht und gab dir Anla, dich mit deinen Bekannten
oder mit anderen insgeheim ber diese Dinge zu besprechen? Und wie es so
oft vorkommt, kam's vielleicht da zur Verfhrung. ltere Schulkameraden
oder hlich denkende andere Menschen, Dienstboten, Arbeitsgenossen usw.
vergngen sich oft damit, in den jngeren den geschlechtlichen Sinn zu
wecken. Wenn's eine Strafe fr sie gbe, knnte sie nicht scharf genug
sein.

Gar zu viele wissen davon zu berichten, da in der Jugend die
Dienstboten fr sie die Lehrer dieser geheimen Fehler gewesen sind, und
sie fhlen es ganz genau, welch ein Ma von Kraft sie dabei eingebt
haben. Die besonderen Brutsttten dieser geheimen Verfehlungen aber sind
die Schulen. Und man sieht, wie das bel sich in den Klassen forterbt,
wie es von einem frivolen Schler, einer Schlerin, durch Verfhrung auf
die anderen bergehen kann. Ja, die jngeren denken sich nicht einmal
was dabei, wenn die lteren sie dazu verleiten, an versteckten Orten mit
den Geschlechtsorganen zu spielen, bis dann der geweckte Trieb sich
schwer wieder eindmmen lt und die Erregungen zur willkrlichen
Gewohnheit werden. Das trbe, schlaffe, verlegene Aussehen, der unreine
Teint vieler Kinder sollten Eltern und Lehrer darber belehren, wie
dieses bel der Selbstbefleckung gerade in den Schlerjahren und in den
Schulen ausgebreitet ist.

Hte dich, mit deinesgleichen oder berhaupt mit anderen ber das
Geschlechtliche zu sprechen, wenn du nicht weit, da sie dir
wohlwollen.

Und meide alle jene lsternen, schmutzigen Unterhaltungen, die sich nur
um das Geschlechtliche bewegen. In Schulen, Internaten, Seminaren sind
die Gesprche der Schler, wenn sie allein sind, oft von beschmender
und emprender Hlichkeit, und man kann es kaum fassen, wie das
Schamgefhl so weit erstickt werden konnte. Die Lsternheit verzerrt die
Mienen, und die Unsauberkeit des Denkens weicht oft nicht mehr von dem
Gesicht. Halte deine Phantasie rein von schmutzigen Vorstellungen, dein
Denken gesund! Weise die leichtsinnigen Zungen ernst und berlegen
zurck und stelle eine geistige Scheidewand zwischen dich und sie!
Beschftige dich auch nicht mit sinnlich erregender Lektre oder
lsternen Bildern, die oft geheimnisvoll unter den Schlern und
Schlerinnen verbreitet werden.

Wenn Eltern wten, in welch eine sinnlich schwle Atmosphre sich
Kinder verirren, sie wrden offenere Augen haben und die Gefahren
abzulenken suchen, ehe es zu spt ist.

Die Reue ber das Falsche und Schdliche, was man getan, lt die
Erinnerung daran wachbleiben.

Und es ist zu beobachten, da wohl alle jungen Menschen Scham empfinden.
Die frhliche Offenheit, mit der sie sonst alles Tun vollziehen, macht
vor ihren sinnlichen Fehlern halt; denn hier sagt schon ohne alle
uerliche Belehrung der natrliche Instinkt, da man Unrechtes tut, und
diese geheimnisvolle Triebverirrung sucht stets ein Versteck. Ja, das
Bewutsein des Unrechttuns ist so lebendig, da bei den jungen Menschen
oftmals das schlechte Gewissen sich in dem scheuen Blick kundgibt, der
nichts mehr hat von der reinen, unschuldigen Natrlichkeit eines
Kinderauges. Sie glauben sich beobachtet und in ihrem geheimen Treiben
erkannt und werden deshalb oft verwirrt und untauglich fr
gesellschaftlichen Umgang. Sie lieben es, allein zu sein, zu grbeln,
weil sie mit der Geschlechtskraft zugleich jene antreibenden Krfte
erschpfen, welche einen jungen Menschen in das Leben hinaustreiben und
seine sozialen Fhigkeiten entwickeln.

So ist aus der Erschpfung der in sozialer Hinsicht antreibend wirkenden
Geschlechtskraft durchaus jene geistige und gesellschaftliche Unfreiheit
zu erklren, die den richtigen Onanisten oft durch das ganze Leben
hindurch verfolgt. In gesunder Geschlechtskraft liegen die Wurzeln zu
sozialer Entwicklung. Der Verlust der Lebenssfte untergrbt die
Energie, und das drckende Bewutsein des geheimen geschlechtlichen
Unrechts prgt sich strend und hemmend der Persnlichkeit und dem
ganzen Auftreten der Betreffenden auf. Je fester aber diese einsame
Triebverirrung den jungen Menschen umklammert, desto schwerer wird es,
von der unsauberen Gewohnheit zu lassen.

Je hufiger ein menschlicher Trieb rein krperlich und losgelst von
seinen geistigen Beziehungen bettigt wird, desto mehr sinkt er ins
Krperliche hinab und verliert seine geistige Beherrschung.

Immer wieder triumphiert der dumpfe, schwle Geschlechtsdrang ber den
sittlichen Willen, und jede Niederlage schwcht den Glauben an die
eigene sittliche Kraft, zumal jeder einzelne Akt der Onanie die
allgemeine Kraft verringert und die nervs-geschlechtliche Erregbarkeit
vermehrt. Dann sieht es oft verworren und trostlos im Innern solcher
Menschen aus. Und mancher hat schon vor mir gestanden mit trnendem Auge
und zuckendem Munde, weil die Scham ber seine Schwche ihm namenlose
Qual verursachte.

Der Onanist trumt sich selbst in die Gewalt der sinnlichen Empfindung
hinein und treibt dadurch jedesmal wieder seinem Fehler entgegen. Und
doch wre es ratsamer, wenn er sich vorher jenen Zustand von Mattigkeit,
herabgesetzter Spannung, schwcherer Atmung und Herzttigkeit, Reue und
sittlichem Elend vorstellen wollte, der dem Samenverlust folgt. Dies
Bild wre wohl imstande, seine sinnliche Erregung zu verdrngen.


7.

Die Folgen der sinnlichen Fehler.

Man mu die Gefahr in ihrem ganzen Umfange kennen, wenn man ihr
berlegen begegnen will. Darum will ich dir vorerst einmal sagen,
welchen Schaden diese krankhafte Erregung mit dem Samenverlust bringt.
Ich will nicht bertreiben; denn deine einsamen Verirrungen haben dir
Sorge und Angst genug gemacht. Und ich warne dich vor jenen albernen und
dummen Bchern, die dir das Gespenst eines schrecklichen krperlichen
und geistigen Verfalls vor die Augen malen. Gerade die bertriebenen
Schreckbilder haben schon viel Schaden angerichtet. Ich will die
Wahrheit ber die Folgen nicht bertreiben; aber du sollst die Wahrheit
auch nicht frchten. Also hre!

Die einmalige Onanie ist von einer starken Erregung begleitet, die alles
Leben rascher in dir antreibt. Die Pulse fiebern, das Gesicht rtet
sich, der ganze Krper ist angespannt und wird von dieser einen
verzehrenden Empfindung beherrscht. Es gibt aber ein Gesetz in der Natur
und im Organismus, da jeder Kraftsteigerung ein Nachlassen der Kraft,
jeder Erregung eine Erschlaffung folgt. So auch hier. Und diese
Erschlaffung zeigt sich auch uerlich, je mehr die Onanie sich
wiederholt, in blassem Aussehen oder bei gutem Aussehen in merkwrdiger
Unreinheit der Gesichtsfarbe, in dunklen Ringen unter den Augen, in dem
Erscheinen von Pickeln auf der Stirn, in schwitzenden Hnden und oft in
gestrter Verdauung.

Es ist leicht einzusehen, da ein Schaden, dem jugendlichen Organismus
zugefgt und in die Wachstumsjahre fallend, weit nachteiliger sein mu,
als wenn er in reiferem Alter einen festen und krftigen Krper trifft.
Dies ist der Fall bei den sinnlichen Fehlern der Jugend, deren grte
Gefahr eben in der frhzeitigen, unbehinderten und hufigen Ausbung
liegt. Denn es gibt viele Knaben und Mdchen, die dem bel der
Selbstbefleckung lngere Zeit hindurch mehrmals am Tage verfallen.

Der Organismus zieht aber alle Reservekrfte heran, um dem Schaden zu
begegnen. Er berwindet ihn einmal, zweimal, zehnmal und noch fter. Der
starke Erregungsvorgang setzt sich aber schlielich im ganzen
Nervensystem fest. Denn das Nervensystem ist dasjenige Organ, das alle
diese Vorgnge vermittelt. Die Erregung wird also bleibend, wird zu
einer besonderen Eigentmlichkeit des ganzen Menschen. Eine Zeitlang ist
das Leben dann von besonders kraftvollem Ausdruck, krperlich und
geistig herrscht Hochspannung. Das ist in den zwanziger Lebensjahren,
und viele meinen da, die Onanie habe ihnen nichts geschadet, weil sie
womglich gut aussehen und keine Klage ber mangelhafte Gesundheit zu
fhren haben. Trotzdem sie vielleicht gerade noch in dieser Zeit
hufiger onanieren.

Aber gemach! Es ist immer oberflchlich, die Dinge nur so zu beurteilen,
wie sie im Augenblick erscheinen. Es gibt keinen festen Punkt in der
Natur und im Leben, alles ist ein Werden oder Vergehen. Nicht eine
Sekunde steht das Leben still.

Auch hier schreitet es weiter, aber nicht mehr aufwrts, sondern
abwrts. Es beginnt die Erschlaffung, der Kraftverlust.

Wie ist das zu erklren?

Kennst du ein elektrisches Element? Das ist ein Gef, das
verschiedenartige chemische Stoffe enthlt, durch die der elektrische
Strom erzeugt wird, den dann der metallische Draht an seinen
Verbrauchsort leitet. So ist es mit der Kraft im Krper, der
Lebenskraft. Sie entsteht und wird frei in der chemischen Umwandlung des
Krperstoffes. Wir knnen also sagen, Lebenskraft sei tierische
Gewebselektrizitt.

Speisest du mit den elektrischen Elementen etwa eine Klingelanlage oder
sonst einen elektrischen Betrieb, so bedeutet jeder Gebrauch eine
elektrische Entladung, also eine vorbergehende Erschpfung der
Elemente. Das Element, also die Brutsttte des Kraftstromes, sammelt in
der Ruhe wieder die notwendige Kraft. Wird es aber berstark, ohne
gengende Zwischenpausen, also mibruchlich benutzt, so erschpft sich
das Element vollkommen, wird also zerstrt, unbrauchbar.

Genau so ist es im Krper, der auch ein Element, eine allgemeine
Brutsttte fr Lebenskraft ist. Die in den Geweben erzeugte Elektrizitt
wird als Kraft durch das Nervensystem allen Teilen des Krpers
zugefhrt. Die Onanie bringt eine Steigerung der gesamten
Lebensttigkeit, eine schnellere Entwicklung, etwa so wie man Pflanzen
durch die schwle Treibhaushitze zu schnellerem Wachstum, aber auch zu
schnellerem Verblhen bringt. Infolgedessen wird zwar im Krper Kraft
verbraucht, aber auch rascher neu erzeugt, weil der junge, in der
aufsteigenden Entwicklung stehende Krper sich wie ein Akkumulator immer
wieder mit neu erzeugter Kraft ladet. Schlielich aber erschpft sich
die Brutsttte und erschpft sich das Krafthauptlager, als das wir das
zentrale Nervensystem--Rckenmark und Gehirn-- erkennen.

Die Geschlechtsorgane sind eine Sttte fr elektrische Entladungen. Und
sicher ist, da beim normalen Zeugungsvorgang zwischen Mann und Weib
eine Strombertragung stattfindet, die bei der Befruchtung und fr
dieselbe eine groe Rolle spielt. Mann und Weib sind Gegenpole, auch im
rein elektrischen Sinne aufgefat. Der Stromentladung folgt eine Ladung
von seiten des Gegenpols. Dem Kraftverlust folgt ein Zustrom an Kraft,
und dieser Vorgang fehlt bei der Onanie gnzlich. Sie ist nur und
ausschlielich Entladung, nur Kraftverlust. Und wenn auch der junge
Krper eine Zeitlang immer wieder den Ausgleich schafft, so vermag
doch--namentlich wenn die Onanie zu hufig ausgebt wird--der
Krperakkumulator sich nicht wieder gengend und vllig zu laden. Der
Kraftstrom wird immer geringer. Die Kraft schwindet, und die chronische,
also dauernde Schwche schleicht heran und breitet sich im ganzen
Organismus aus. Im Nervensystem zeigt sich dieser Zustand in der
Vernderung der Marksubstanz. Das Nervenmark verliert seine
Geschmeidigkeit und gleichmige Verteilung. Und weil es gewissermaen
den Strahlpunkt und den Kernstoff des Lebens bildet, so kann man wohl
verstehen, da das Leben selber, nun, wenn es seinen gar zu frhzeitigen
Hhepunkt berschritten hat, langsam zurckgeht.

Nun haben alle Ttigkeitsgruppen des Organismus im Gehirn und im
Rckenmark ihre ganz bestimmte Lagerung. Mit diesem Teile steht die
Atmung und die ganze Lungenttigkeit in Verbindung, mit jenem Teil das
Herz, mit einem dritten die Haut, und so fort.

Die Fortpflanzungsttigkeit hat zum groen Teil ihren Strahlpunkt im
mittleren (Kreuz-) Teil des Rckenmarks. An den Kreuzschmerzen nach
geschlechtlichen Ausschweifungen und bei Geschlechtskrankheiten ist das
sehr wohl zu erkennen. Der Grenzbezirk der Geschlechtlichkeit im
Rckenmark ist aber nur sehr schwer zu trennen von demjenigen der
Verdauungs- (Magen- und Darm-) Ttigkeit. Und diese Tatsache ist
einerseits sehr folgenschwer fr den Geschlechtsmibrauch, andrerseits
aber ein klarer Beweis fr die Richtigkeit der von ~Dr. Damm~
aufgestellten Behauptung, da der Geschlechtsmibrauch weit mehr als
alle anderen Schden als die Hauptursache der Degeneration, d.h. des
dauernden Kraftverlustes, anzusehen ist. Das gilt fr den einzelnen
Menschen genau so wie fr das ganze Volk.

In der Tat macht sich der Kraftverlust meist zuerst in Strungen der
Magen- und Darmttigkeit bemerkbar. Und die geschwchte
Verdauungsttigkeit ist so bezeichnend fr das Gesamtbild onanistischer
Folgen, da wir auer der nervsen Schwchung durch den krankhaften
Geschlechtsreiz auch eine auf gleicher Ursache beruhende Verminderung
der inneren Ausscheidung annehmen mssen. Denn das Nervensystem bringt
alle Teile des Organismus zueinander in rege Beziehung, und wenn die
krankhafte Geschlechtserregung sich eine Zeitlang dem ganzen Krper
mitgeteilt hat, dann tritt in allen Teilen eine gewisse Erschpfung ein.

Der Magen wird schwach und zeigt Reizbarkeit und eine Art von
Launenhaftigkeit, die sich in Merkwrdigkeiten des Appetits uert.
Zeitweilig schwindet der Appetit, zeitweilig aber auch tritt er heftiger
hervor, und man vermag zu beobachten, da mancher geschlechtlich
ausschweifende Mensch einen auffallend gesteigerten Appetit hat. Es
scheint dann, als wolle die Natur den Verlust wieder ersetzen. Aber da
durch eine Herabsetzung der inneren Absonderungen die aufbauende Kraft
vermindert ist, so kann die Nahrung nicht anschlagen. Trotz guter
Ernhrung findet sich dann ein Gefhl der Schwche, der Mattigkeit und
Erschpfung ein, was oft durch das ganze fernere Leben hindurchgeht und
oft allein vom Magen seinen Ausgang nimmt.

Auch Darmstrungen, meist Trgheit und Verstopfung, sind bezeichnende
Folgen geschlechtlichen Mibrauchs, und mancher Verdauungsneurastheniker
wird gestehen mssen, da in oder nach den Jahren der Onanie seine
Verdauungsbeschwerden und seine Mattigkeit begannen.

Darunter leidet natrlich bald die Ernhrung und der Neuaufbau des
Krpers, ebenso die Blutbildung und das gute Aussehen.

Die Herz- und Muskelkraft und das Muskelgewebe erleiden eine Einbue,
und die Freudigkeit an der Krperarbeit, an Gymnastik, Sport und Spiel
lt nach.

Es ist wohl zu verstehen, warum gerade ein Organ, wie das Herz, das an
allen Erregungen des Krpers und der Sinne direkten und unmittelbaren
Anteil nimmt, durch hufige und starke Geschlechtserregungen besonders
erschpft werden mu. In der Tat treten oft schon nach den zwanziger
Jahren nervse Herzbeschwerden auf, zunchst als beschleunigter, oft
ganz heftiger, bengstigender Herzschlag sich zeigend, whrend spter
eine gewisse Herzschwche sich einstellen kann.

Der verminderten Stoff- und Sfteumwandlung in den Geweben folgt auch
eine Verminderung der Wrmebildung, und leichtes und fteres Frsteln,
Gefhl von Unbehaglichkeit, tritt auf. Kalte Hnde und Fe, dazu beide
leicht schwitzend, stellen sich ein.

Die Hautttigkeit kann gleichfalls erschlaffen; denn sie steht in
regsten Wechselbeziehungen zu den Nervenzentren und vor allem zu der
Geschlechtsttigkeit. Ebenso wie sie durch Rtung, Blutflle, Schwitzen
usw. an den Geschlechtserregungen teilnimmt, wird sich die organische
Erschlaffung auch durch herabgesetzte Hautarbeit kennzeichnen. Es fehlt
der Haut die pralle, blutreiche Straffheit. Sie beteiligt sich nicht
mehr regsam genug am allgemeinen Stoffwechsel, verliert ihre Fhigkeit,
sich zusammenzuziehen und auszudehnen und dadurch der wechselnden
Witterung und pltzlichen Klteeinflssen sich anzupassen. Sie frstelt
leicht, es bilden sich krankhafte Schweie, und namentlich im Kreuzteil
des Rckens ist der Wechsel von hei und kalt und jenes angstvolle
Schwchegefhl oft eine stndige Erscheinung. Die Unreinlichkeiten der
Haut, Pickel, Ausschlge, die schon whrend der jugendlichen Onanie so
bezeichnend sind, kann man bei den geschlechtlich erschlafften Menschen
oft im ganzen Leben beobachten. Das Haar verliert seinen Glanz und seine
Triebkraft, und bald beginnt es grau zu werden oder auszufallen. Da wir
heute Kahlkpfe selbst unter den jungen Leuten sehen, ist kein
Ruhmeszeichen fr unser deutsches Volk. Denn wenn schon die Jugend
Erscheinungen des Alters trgt, dann hat das Volk den Weg abwrts
beschritten.

Der Haarausfall hngt ganz sicherlich auch mit der Verminderung der
ausdnstenden Ttigkeit der Haut zusammen, deren Gleichmigkeit eine
notwendige Bedingung der Gesundheit ist. Der durch die erschlafften
Gewebe bewirkte unvollkommene Stoffwechsel stellt eine Vergiftung des
Krpers durch chemische und gasfrmige Stoffe dar, die den Haarboden
zerstren. Ebenso bedeutet aber auch die krankhafte Schweibildung, die
in den Folgen des geschlechtlichen Mibrauches auftritt, eine nervse
und Gewebserschlaffung.

Da nun das Leben und die mancherlei Berufe groe Anforderungen an die
Nervenkraft stellen, denen der geschwchte Organismus nicht mehr gewachsen
ist, so sehen wir bald das Bild der Nervositt in all den trben Farben,
die uns jeder Tag und sozusagen jeder Mensch zeigt. Schlaflosigkeit,
Unruhe, Zerfahrenheit, Zerstreutheit, Gedchtnisschwche, Mangel an
Konzentration und Willenskraft, Melancholie und alle diese Feinde eines
gesunden, frischen Lebens stellen sich ein, die geistige Schwungkraft und
Arbeitsfreudigkeit der Jugendjahre schwinden. Die Denkkraft vermindert
sich, und der Kampf zwischen Wollen und Knnen endet oft in der bitteren
und verzweifelten Erkenntnis des Nichtmehrknnens.

Wie viele sind es schon, die mir diesen beklagenswerten Zustand erzhlt
haben, viele, die ganz genau wissen, wie geistig munter sie frher
waren, und welch ein geistiges Wrack sie nun geworden sind! Wie vielen
habe ich in dieser Lage schon Trost und Mut und Rat fr eine
Lebensfhrung geben knnen, die den Krper wieder krftigt[1].

Auch die Lungen und Bronchien leiden unter den erschpfenden Erregungen
und dem Samenverlust. Ist die Lunge von Haus aus schwach, so kann sie
ernstlich erkranken. Ein durch sinnliche Fehler erschpfter Organismus
ist ganz sicher ein besserer Angriffspunkt fr die Tuberkulose, fr
Lungenentzndung und fr ungnstige klimatische Einflsse als ein
vollsaftiger Organismus.

Die krankhaften Vernderungen des Seelenlebens, Gereiztheit,
Launenhaftigkeit, belnehmen, Einbildung, Trbseligkeit und dergleichen
machen den Menschen sich selbst und gegenseitig das Leben schwer.

Wenn wir dann diese Vernderung des Charakters und die Abschwchung des
Willens sorgfltig beobachtend verfolgen, so ist es durchaus einleuchtend,
da bei einem so untergrabenen krperlichen und sittlichen Fundament
gewisse angeborene krankhafte Neigungen, wie Unvertrglichkeit,
Gehssigkeit, Neid, Trgheit, ja selbst verbrecherische Triebe, eine
Steigerung erfahren knnen. Der Mensch und sein Leben sind nichts Fertiges
und Unvernderliches, sondern sind ein immerwhrendes Werden, ein Etwas,
das sich aus Anlage und ueren Einflssen werdend ergibt. Sind die
krperlichen Grundlagen erschttert und die sittlichen Hemmungen
geschwcht, so wird es einer krankhaften oder verbrecherischen Neigung
leichter gemacht, zu triumphieren. Das erscheint mir durchaus logisch und
besttigt sich auch durch die Erfahrung. berall hat die Onanie einer
schlechten Anlage Vorschub geleistet.

Und wenn dann dem groen Wollen und Wnschen im Leben sich Schwche und
Krankheit in den Weg stellen, wenn die frhzeitige Erschlaffung sich
krperlich und geistig bemerkbar macht und der Organismus, den Blick auf
das Lebensziel gerichtet, auf halbem Wege zusammenbricht, dann zieht oft
trostlose Verzweiflung ins Gemt. Reue und Selbstanklagen zermartern den
Sinn; denn es wurde ja vorzeitig im Leben die Kraft vergeudet, die all
dies groe Wollen zur Tat werden lassen sollte.

Die Reizempfnglichkeit des Krpers wird mehr und mehr auf
geschlechtliche Eindrcke eingestellt, und er beantwortet schlielich
mit geschlechtlicher Erregung auch solche Reize, die keinerlei
geschlechtlichen Charakter tragen und an einem gesunden Organismus
spurlos vorbergehen. Diese hufige Geschlechtserregung halten viele in
einem bedauerlichen Wahn fr Kraft. Sie ist aber meist das Gegenteil,
ist nervse Schwche.

Diese hufigen Erschtterungen von Rckenmark und Gehirn, an denen alle
Organe, Herz, Lungen, Magen, Leber, Haut usw. teilnehmen, knnen
schlielich jene uerste Schwchung des Nervensystems im Gefolge haben,
die wir als Neurasthenie kennen, und die mit ihren Erscheinungen endlich
auch in das geschlechtliche Leben hineinragt, weil sie die
geschlechtliche Kraft zu vermindern und mancherlei Strungen
hervorzurufen vermag.

Von diesen Strungen erwhne ich vor allem die Pollutionen, jene
nchtlichen Samenergsse, die als Zeichen der Lendenmarksschwche
hufiger auftreten. Sie werden ausgelst durch viele uere und innere
Reize, die an sich ganz unbedeutend sein knnen und beim Gesunden auch
tatschlich keinen Eindruck machen. Hier aber wird der Schlaf sehr durch
wollstige Trume gestrt, und Samenergsse vermehren die allgemeine
Mattigkeit und das Gefhl des krperlichen Elends.

Der durch die sinnlichen Verirrungen bewirkten krankhaften
Geschlechtserregung folgt fast mit Sicherheit im spteren Leben ein
frhzeitiges Sinken der Geschlechtskraft. Und dieser disharmonische,
unnatrliche Zustand, der das ganze Volk durchzieht, raubt den Menschen
viel Liebesglck und Daseinsfreude und den Ehen sehr viel, oft alles,
von der inneren Poesie.

Bei der ausgedehnten und sehr feinen Durchnervung des gesamten
Geschlechtssystems mu ja das Nervensystem unter geschlechtlichen
Fehlern am meisten leiden. Das macht sich in der oft so grenzenlos
matten und verzweifelten Stimmung bemerkbar, in ihrer raschen
Wandelbarkeit und Sprunghaftigkeit, sowie in einer Reizbarkeit oder
Abgestumpftheit der Sinne. Namentlich Augen und Ohren leiden. Denn
whrend einerseits Sehschwche, und zwar Kurzsichtigkeit, ganz
sicherlich in vielen Fllen auf heftige Onanie zurckzufhren ist,
finden wir andrerseits das Ohrensausen als ein ganz auerordentlich
verbreitetes Zeichen nervser Strungen. Auch der Geschmack leidet und
richtet sich darum oftmals auf ganz merkwrdige Dinge. Vor allem ist oft
das Sttigungsgefhl verloren, und dadurch kommt es zu berstarker
Nahrungsaufnahme.

Nicht jeden trifft's so schwer. Und wen die Vererbung mit groer Kraft
bedachte, der vermag noch Leistungsfhigkeit ins sptere Leben
hinberzuretten. Aber doch sollte niemand die Gefahr verkennen und mit
leichtem Sinn und scherzendem Wort ber diesen tiefinneren Zusammenhang
zwischen Geschlechtskraft und Lebensaufbau, zwischen Geschlechtsmibrauch
und Lebenszerfall hinweggehen.

Wer nicht direkt und unmittelbar den Schaden der Kraftvergeudung
versprt, der darf darum nicht sagen, es habe ihm gar nichts geschadet.
Denn in den Gesetzen des Nervenlebens liegt es, da die feindseligen
Reize zunchst eine Kraftsteigerung bringen, der aber frher oder spter
das Niedergehen der Kraft folgt. Der Krftige hat freilich mehr
Widerstand als der Schwchling, aber wohl jeder wird an einen Zeitpunkt
gelangen, wo mit einem Male seine Widerstandskraft gegen Arbeit, Unruhe,
Klima und Temperatur, schwerere Speisen, rger und dergleichen geringer
wird und er mehr oder weniger klar empfindet, wie eng das mit der
Kraftverschleuderung in den Jugendjahren zusammenhngt.

Das Geschlechtsproblem lst sich nicht allein in der Zeugung und
Fortpflanzung. Nach auen zwar lt die Geschlechterliebe in der Tiefe
der Leidenschaft ein neues Menschenleben entstehen. Aber ich wies schon
darauf hin, da in ihrer inneren Wirkung die Geschlechtlichkeit sowohl
den mnnlichen wie den weiblichen Charakter ausgestaltet. Werden die
Organe, in denen der Zeugungsstoff entsteht, also beim Manne die Hoden
(Samenbereiter), auf operativem Wege entfernt, wie es bei der Entmannung
in den morgenlndischen Vlkern und teilweise auch bei abendlndischen
geschah und geschieht, so sehen wir von derselben Stunde an eine vllig
andere Entwicklung des betreffenden Individuums. Es entsteht ein von
Grund aus anderer Charakter, der etwas Rckschrittliches,
Unentwickeltes, darstellt und teilweise unangenehme Zge aufweist.

Hier haben wir einen glnzenden Beweis fr die entscheidende Bedeutung
des Geschlechtlichen im Menschenleben. Und wir erkennen, da der
Geschlechtsmibrauch auch eine Art Entmannung ist; denn er ist Verlust
der Kraft auf andere Weise.

Die Wissenschaft hat den hochwichtigen Beweis erbracht, da der Krper
in seinem Innern auer den Keimzellen in den Keimdrsen noch durch
einige andere Drsen, die an der Entstehung des Geschlechtsempfindens
mitbeteiligt sind, einen chemischen Stoff erzeugt, der im ganzen Krper
anregend und belebend wirkt. Darum verstehen wir, warum die aufkeimende
Liebesempfindung des einen Menschen zum andern so wunderbar frdernd auf
ihn selber wirkt. Darum eben erkennen wir in dem Liebes- und
Geschlechtsempfinden die Quelle alles Empfindens, alles Denkens und
aller Kraft berhaupt. Es ist der geheimnisvolle Urquell all der
wunderbaren Spannung, die die Jugend vor dem Alter auszeichnet. Gerade
darum aber wirst du auch verstehen, warum diese jugendliche Spannung,
diese Kraft und Frische, dieser schnell erfassende Geist, dieser rasche
Entschlu, dieser feste Wille, dieser Reichtum des Empfindens, warum das
alles schwinden und der trbseligen Schwche Platz machen mu, wenn in
der hufigen Onanie die Zeugungskeime verschwendet werden und jenem
wunderbaren chemischen Lebensstoff der Weg zu seiner Wirksamkeit verlegt
wird.

Von allen Seiten trmen sich Grnde auf, aus denen du selbst den Schlu
ziehen kannst, da die geschlechtliche Reinheit, das Freisein von
geschlechtlicher Ausschweifung, die wichtigste Entwicklungsfrage deiner
Jugend ist.


8.

Die Hoffnung auf neue Kraft.

Glaube nicht, da ich in irgendeinem Punkte bertrieben habe, oder da
ich nur deshalb bertrieb, um dich von falschem Tun abzuschrecken. Und
wenn du schon ein Opfer krankhafter geschlechtlicher Erregungen wurdest,
so mchte ich nicht, da meine Worte in dir Verstrung, Angst und
Verzweiflung erregen. Das, was geschah, war nicht gut, war schdlich.
Gewi! Aber la es dich nicht niederdrcken! Trage nicht die Ketten
trber Erinnerungen mit dir herum, sondern schau auf die nchste
Zukunft. Wir Menschen irren viel. Und wenn's geschah, soll die
Erkenntnis niemanden niederdrcken, sondern Mut und Entschlu geben zu
einem kraftvolleren, gesunderen Leben. Der Wille zum Guten mu vorhanden
sein, der rasche, frische Wille. La dich das Bild der Folgen nicht
niederdrcken, aber la es dir den energischen Entschlu geben, von
heute ab den ruhigen, verstndigen Kampf gegen die einsame Verirrung
aufzunehmen.

Zhme deine Ungeduld und lasse nicht erneute Trostlosigkeit einziehen,
wenn die Schden der Verirrungen nicht gleich verschwinden. Es braucht
dazu oft viel Zeit und viel Geduld. Nicht jeder kehrt wieder zur
ursprnglichen Kraft zurck. Wenn's auch bei dir so ist, so wisse, da
dein Leben sich den krankhaft vernderten Verhltnissen in deinem
Organismus anpassen mu. Verringerte Kraft bedingt ein weniger
ergiebiges Leben. Dies alles, also die Grundlagen deiner zuknftigen
Lebensweise, lernst du kennen aus _Dr._ ~Alfred Damms~ Reizlehre, und du
kannst sie aufmerksam studieren in meinem Buche Der nervse Mensch.[2]

Lasse dich nicht tuschen durch die Anpreisung von Heilmitteln und von
Stoffen, die entweder nur vorbergehend als Reiz wirken und Gesundung
vorspiegeln oder aber einige Erscheinungen unterdrcken und dadurch zu
einem weniger sorgfltigen Leben Anla geben, whrend doch zugleich die
Schwche weiter und geheimnisvoller sich im Krper einnistet. Viele
solcher Mittel und Medikamente erhhen nur den Geschlechtstrieb. Aber es
folgt spter eine um so tiefere Erschlaffung. Die Gesundung und
Krftigung kann immer nur aus dem Organismus selbst kommen, aus seinem
verbesserten und vorsichtig berwachten Lebensbetrieb. Das ist ein zwar
langer und langsamer Weg, aber einer, der sicher zum Ziele fhrt.
Versuche nur niemals durch Reizmittel und starke Antriebe irgendwelcher
Art deine Schwche zu berwinden. Denn oft liegt gerade in dem Gefhl
der Schwche ein Bestreben des Krpers, Herr zu werden ber einen
krankhaften Vorgang, einen berreiz zu beseitigen, eine besondere
Anpassung oder Absonderung zu bewirken. Aus jenem obengenannten Buche
ber das Nervenleben wirst du erkennen, da der Organismus ein
einheitliches Getriebe ist, und da alle gnstigen oder ungnstigen
Einflsse nicht nur ein einzelnes Organ, sondern das ganze System
treffen. So kann also die Krftigung nur eine allgemeine organische,
langsame, aber umfassende sein.


9.

Die Krftigung nach jugendlichen Verirrungen. Die Bekmpfung krankhafter
Sinnlichkeit.

Was soll ich nun tun, um mich wieder zu krftigen? Und wie werde ich des
Triebes Herr, der mich qult und unruhig mir im Fleisch sitzt?--

Diese Frage liegt dir auf den Lippen, und ich hre sie von Tausenden
deiner Altersgenossen. Auch darber wollen wir sprechen.

Der Trieb kommt aus dem Fleische, aus dem chemisch-physikalischen
Getriebe des Krpers, und darum ist es wohl ein Gebot der Klugheit, ihm
zunchst mit den Waffen der krperlichen Pflege und der gesundheitlichen
Zucht beizukommen.

Das wird nicht von allen Seiten anerkannt, und es gibt Leute, die viele
Worte machen und dicke Bcher schreiben, und entweder an der Onanie und
den einsamen Leiden junger Menschen mit ein paar Worten vorbeigehen oder
aber das Krperliche dabei kaum beachten. Ich will diesen Leuten keinen
Vorwurf machen, so sehr der Ernst der Sache es rechtfertigen wrde. Aber
ich sage es, um dich ganz besonders auf die krperliche Entstehung des
Geschlechtstriebes und damit auf die krperlichen Heilungsmglichkeiten
der Onanie hinzuweisen.

Pflege deinen Krper! Halte dich gesund und frisch und straff! Ich sagte
dir schon, da ein geschwchtes und darum reizbares Nervensystem den
sinnlichen Anreizen, die von berall herkommen, und die man nicht alle
abwehren kann, keinen Widerstand entgegenzusetzen vermag. Es erliegt der
geschlechtlichen Erregung. Der gesunde Krper, der Mark und Saft hat,
bleibt eher im Gleichgewicht. Alles Gesunde ist in sich ruhig.

Was gehrt zur gesunden Lebensfhrung?

Nichts weiter, als die einfache Befolgung der Naturgesetze, die sich fr
den Menschen aus der vergleichenden Naturbeobachtung ergeben. Ein
gesunder Gebrauch der Krfte und Organe, damit sie in ruhiger,
gleichmiger Anstrengung erstarken.

Aus Atmung, Ernhrung, Muskelarbeit und Ausscheidung setzt sich das
krperliche Leben zusammen.

Atme planmig, tief und ergiebig. Besser, als du es bisher getan, und
grndlicher, als es die meisten Menschen tun. Atmung ist Leben. Die
Atmung ist die dynamische, das heit die Antriebskraft fr den ganzen
Organismus. Von hier aus gehen die feinen Schwingungen, die berall die
Organe zur Ttigkeit anregen. Der Atem ist Stoffwechsel. Denn wir
entnehmen der Luft den belebenden Sauerstoff, das Brennmaterial des
Lebens, und befreien im Ausatmen den Krper von der giftigen
Kohlensure. Die Kohlensure ist ein lhmendes Gift, das, wenn es
zurckgehalten wird, den Krper erschlafft, den Aufbau in den Geweben
hemmt, den Geist trge macht und durch all dies der Geschlechtserregung
die Tore ffnet. Tiefes Atmen, namentlich energisches Ausatmen, befreit
den Krper von der Kohlensure.

Darum atme grundstzlich dreimal jeden Tag etwa 10 bis 15 Minuten lang
tief und ergiebig ein und aus. Etwa morgens gleich nach dem Erwachen,
mittags vor dem Essen und abends vor dem Schlafengehen. Nimm dabei eine
aufrechte Haltung mit zurckgebogenen Schultern an, und wenn du glaubst,
gut ausgeatmet zu haben, dann versuche zum Schlusse noch--ohne neuen
Atem zu nehmen--den Buchstaben _e_ langsam singend herauszupressen,
solange du kannst, dann wird der letzte Rest verbrauchter Luft aus der
Lunge entfernt sein, und du kannst die wundersame Saugkraft deiner
Lungen wieder in einem nun um so tieferen Atemzug bewundern.

Du wirst mir fr diesen Rat dankbar sein, wenn du erkennst, welche
Wunder solch ein tiefes, planmiges und vor allen Dingen tgliches
Atmen an Krper und Geist zuwege bringt.

Die zweite--und sicherlich die wichtigste--Forderung liegt in der
Ernhrung.

Die Nahrung soll den Krper aufbauen, ihm seine Wohlgestalt und die
Kraft zur Arbeit geben.

Als die erzeugende Substanz der Kraft gilt das Eiwei. Und weil davon
das Fleisch besonders viel enthlt, so ist seit langem in der
Wissenschaft, und von da aus in den allgemeinen Anschauungen, der Satz
feststehend, da Fleisch = Kraft sei. Die praktische Folge davon ist,
da alle Welt gern und viel Fleisch it. Je mehr das Volk in seiner
Gesamtheit degeneriert, desto mehr sucht es durch Fleischnahrung seiner
sinkenden Kraft aufzuhelfen.

Das ist verstndlich, so gro auch wohl der Irrtum ist. Und die
Vegetarier, das sind die ohne Fleisch und nur von Pflanzenkost lebenden
Menschen, haben durch glnzende Siege bei sportlichen und gymnastischen
Veranstaltungen lngst jenen alten Satz der Medizin widerlegt. Unter den
Siegern bei solchen Veranstaltungen sind die meisten Vegetarier.

Jedes Nahrungsmittel hat seine ganz bestimmte chemische Zusammensetzung,
und jeder von diesen chemischen Stoffen hat eine besondere Wirkung auf
den Krper und damit auch auf den Geist. Sie knnen nun so wirken, da
sie die Blutbeschaffenheit beeinflussen, oder so, da sie direkt das
Nervensystem erregen, und schlielich so, da sie bei der Ausscheidung
ihrer Stoffwechselreste durch die Nieren ~reflektorisch~ erregen, d.h.
erst die Schleimhute der Harnwege und von diesen aus die
Geschlechtsnerven erregen. In jedem Falle kann ein erregender Einflu
auf die Geschlechtsempfindungen zustande kommen, und das knnen wir vom
Fleisch mit Bestimmtheit behaupten.

Es wre mit dem Fleisch nicht gar so schlimm, wenn man nicht zwei
belstnde nebeneinander sich ausbreiten she. Die Grenzlinie fr eine
normale, ausreichende Ernhrung hat sich lngst verschoben, und die
Menge dessen, was viele Menschen essen, geht weit ber das Ma des fr
sie Zutrglichen hinaus. Namentlich wird zu viel Fleisch gegessen.
Andererseits fehlt aber das fr eine solch starke Nahrungsmenge
notwendige Ma von Bewegung, zumal Fleischnahrung an und fr sich trge
macht. So kommt also eine schdliche Wechselwirkung zustande.

Die Pflanzenkost verlangt wegen ihres greren Darmballastes mehr
krperliches Bewegen; aber sie befhigt dazu auch in weit hherem Mae,
denn Pflanzenkost macht den Krper frischer und beweglicher, den Geist
und den Willen frischer und mobiler. Pflanzenkost hlt auch die
Darmttigkeit rege, whrend starke Fleischnahrung nach einiger Zeit
Darmtrgheit, also Verstopfung, im Gefolge hat. Dadurch entstehen
giftige Gase, die die Gewebe durchdringen und reizend und erregend auf
die Geschlechtsnerven einwirken. Das tut ja nun das Fleisch schon an und
fr sich, und zwar durch Stoffe, die ohnehin in ihm enthalten sind, und
durch andere Stoffe, die durch den Vorgang des Schlachtens oder
denjenigen des Jagens in dem getteten Tier erzeugt worden sind, und die
man schlechthin als Angststoffe bezeichnen kann. Das Vorhandensein und
die Wirkung dieser Angststoffe ist durchaus keine Phantasie, sondern
eine durch nichts hinwegzudisputierende Tatsache. Jedem geistigen
Vorgang geht ein bestimmter Stoffwechselvorgang parallel. Spritzt man
den Angstschwei eines gejagten Tieres einem anderen ins Blut, so kann
dasselbe sterben. Ja, das gengstete Tier kann ebenso wie der gengstete
Mensch am Herzschlag sterben. Das ist nur und ausschlielich die Wirkung
der freigewordenen giftigen Angststoffe.

Es ist verstndlich, da diese im Fleisch enthaltenen, durch das Tten
vermehrten Stoffe auch auf den Menschen ihre reizende und erregende
Wirkung entfalten. Dieser Reiz ist, weil widernatrlich, ein berreiz,
und er wirkt berall da am strksten, wo die Widerstandsfhigkeit am
geringsten ist. Wer zur Trgheit neigt, wird durch das Fleisch noch
trger, wer jhzornig ist, wird durch das Fleisch noch mehr gereizt, und
so wird durch das Fleisch auch die geschlechtliche Reizbarkeit
gesteigert und die Onanie gefrdert. Der Fleischgenu soll also auf das
geringstmgliche Ma herabgesetzt oder ganz ausgeschaltet werden.

Es ist recht interessant, da Kinder, die frhzeitig lebhaft nach
Fleisch verlangen, zu frhzeitigem geistigem und krperlichem Verfall
neigen, whrend andererseits Kinder, die sich dem Fleisch widersetzen,
eine krftigere, ruhigere, berhaupt normalere Entwicklung nehmen.

Besonderer Gunst erfreut sich ja das Wildbret (Hasen-, Rehbraten
u.dergl.). Und doch ist gerade von unserem Gegenstand aus vor dem
Fleisch des Wildes zu warnen. Denn abgesehen davon, da das Wild vor dem
Tode gehetzt wurde, lt man es meist vor der Zubereitung noch tage-, ja
wochenlang (drei Wochen!) abhngen, um einen bestimmten Geschmack zu
erzeugen, den man _haut got_ nennt. Dieser Geschmack ist aber nur die
Folge eines Zerfall- (Verwesungs-) Vorganges, der bestimmte
Zerfallsstoffe freiwerden lt, deren Geruch und Geschmack dem
unverdorbenen Menschen hchst widerlich sind, deren aufreizende Wirkung
auf den Organismus jedenfalls sehr stark ist und nicht in Frage gestellt
werden kann. Denn ausgesprochenermaen ist das ja der Zweck des
Wildbretgenusses.

Noch vorsichtiger sollen alle diejenigen, die unter geschlechtlichen
Anfechtungen leiden, mit dem Genu von Wurst sein. Abgesehen davon, da
sie ein recht teures und an Nhrwert dem Preise durchaus nicht
entsprechendes Nahrungsmittel ist, wird einigen und gerade den besseren
Sorten recht viel Gewrz (Pfeffer, Salz usw.) beigemengt, dessen Wirkung
auf die Geschlechtserregung durch alltgliche Beobachtung bewiesen wird.

Viel Aufhebens wird ja in der Ernhrung des Volkes von Fleischbrhe und
Fleischextrakt gemacht. Erstens herrscht darin die gedankenlose
berlieferung und zweitens die suggestive Macht der ungeheuren Reklame,
die fr knstliche Fleischextrakte gemacht wird. Es mu gesagt werden,
da der Gehalt an eigentlichen Nhrstoffen bei der Fleischbrhe nur
sehr, sehr gering ist, und man die anregende Wirkung nur jenen
Auszugsstoffen zuschreiben mu, ber deren reizende und erregende Rolle
wir schon sprachen. Wenn die Fleischbrhe hier und da im medizinischen
Sinne als Reizmittel Verwendung findet, so hat das seine Grnde. Als
Nahrung aber ist die Bouillon nicht das, was man von ihr hlt. Sie
gehrt mit zu jenen inneren Geschlechtsreizen, die um so gefhrlicher
werden, je weniger man sie in ihrem Wesen kennt, je hufiger und
gedankenloser man sie also verwendet. Wer ber seine Sinne wachen mu,
der darf sich nicht am guten Willen gengen lassen, sondern mu jene oft
handgreiflichen Triebkrfte seiner sinnlichen Erregbarkeit abstellen,
damit nicht der Geist den Kampf gegen das--Fleisch im doppelten
Sinne zu fhren hat.

Auch andere Nahrungsmittel gibt es, die in diesem Sinne keineswegs
unbedenklich sind. Ich nenne vor allem die Eier. Sie scheinen die
Samenerzeugung zu steigern, haben aber besonders eine Wirkung auf den
Blutdruck. Hoher Blutdruck drngt gewissermaen zur geschlechtlichen
Entspannung, durch die er herabgesetzt wird, weshalb alles, was ihn
steigert, vermieden werden sollte. Das chemische Medium dabei sind die
Alkaloide, die als Harnsure eine nach verschiedenen Richtungen hin
krankmachende Wirkung entfalten. Sie sind aber auch im Kaffee und im Tee
enthalten, weshalb diese Getrnke jedenfalls nicht gewohnheitsmig und
nicht in starkem Aufgu genossen werden sollten. Ein schwacher Tee ist
weitaus besser als der bliche Kaffee, der bei den meisten Menschen ganz
bedenklich die Magenarbeit strt, die Nerven erregt und bei jungen
Menschen recht geeignet ist, sinnliche Bilder in die Phantasie
hineinzuspiegeln.

Gewrze sind ber ein gewisses Ma hinaus zu verwerfen. Denn als
Fremdstoff ben sie eine reizende Wirkung auf die Geschlechtsnerven aus.
Werden die Nahrungsmittel, besonders die Salate und Gemse, richtig
zubereitet, so verlangen sie nicht einmal so viele Gewrze, aber gerade
weil man in der Ernhrung den Boden des Einfach-Notwendigen verlassen
und sich oft zur sogenannten Delikatesse, zur Feinschmeckerei, zur
Raffiniertheit verstiegen hat, hat man den Geschmack an einfachen und
natrlichen Nahrungsmitteln verloren und das Nervensystem in einen
bestndigen Aufruhr, in eine Schtigkeit versetzt, die heftig das
verlangt, an das es gewhnt wurde, wenn es auch falsch war. An diesem
Aufruhr ist das Geschlechtsempfinden beteiligt. Es wird aus der gesunden
Ruhe aufgescheucht, zu krankhafter Erregung getrieben, und es wre recht
gut und frderlich, wenn alle die jungen Menschen, die in heiem Ringen
um ihre sittliche Wrde immer wieder der geschlechtlichen Anfechtung
verfallen, ganz sorgfltig die Nahrung prfen wrden, damit die inneren
Geschlechtsreize unterbunden werden, bevor man den sittlichen Willen in
den Kampf schickt.

Man darf behaupten, da eine vegetarische Dit weit mehr den natrlichen
Lebensgesetzen des menschlichen Organismus angepat und darum nach jeder
Richtung hin geeignet ist, Unruhe und Krankheit aus dem Krper zu
beseitigen und normale, ruhige, gesunde Verhltnisse wiederherzustellen.
Dem menschlichen Geschlechtsleben ist der starke Fleischgenu
verderblich gewesen, und eine Rckkehr zu einfacher Pflanzennahrung wird
wieder gesunde Ruhe und ruhige Kraft bringen.

Kennst du so die gefhrliche Wirkung der mit der Nahrung eingefhrten
Reizstoffe, so mut du auch daran denken, da die Resterzeugnisse des
Verdauungs-, Assimilations- und Stoffwechselvorganges gerade wegen ihres
Zerfallscharakters auch nichts anderes als schdliche Reizstoffe sind.
Sie mssen den Krper sobald wie mglich verlassen. Nur dann, wenn es
geschieht, kann man von einem gesunden Stoffwechsel sprechen. Es
geschieht aber nicht immer, und die Zahl der Menschen ist Legion, die an
Darmtrgheit oder Verstopfung leiden.

ber die Ursachen dieses bels sprachen wir schon. Zu viel Fleischkost
und zu wenig Bewegung, also nervse und Muskelerschlaffung. Spter wird
die Darmerschlaffung eine Folge des geschlechtlichen Mibrauches in der
Jugend. Mit diesen Ursachen kennen wir zugleich auch die Mittel zur
Beseitigung. Notwendig ist diese; denn der gefllte Darm bt rein
mechanisch einen Druck aus, der sich in Geschlechtserregung auslst.
Grobes Brot (Schrot-, Graham-, Simons- oder Molkenbrot), Gemse, Salate
und reichlich Obst fhren in den meisten Fllen eine gute Darmttigkeit
herbei.

Auch die gefllte Blase steigert auf reflektorischem Wege den
Geschlechtsreiz, und namentlich junge Mnner haben am Morgen beim
Erwachen meist Gliederregungen, die mit dem Harndrang zusammenhngen.
Ist die Harnblase entleert, so ist meist auch die Erregung verschwunden.
Im Hinblick darauf sollten junge Mnner es vermeiden, am Abend viel zu
trinken. Das Trinken ist ja schon an sich sinnlos, aber fr die
Zurckdrngung der Sinnlichkeit besonders zu beachten.

Den alkoholischen Getrnken gegenber entschlieest du dich am besten zu
vollkommener Enthaltsamkeit. Bier, Wein, Schnaps, Likre und dergleichen
haben keinen Wert als Nahrungsmittel und werden darin von den
allereinfachsten Dingen wie Milch, Brot, Kse, Obst und Obstsften
bertroffen. Als Reizmittel aber sind sie dem Nervensystem verderblich,
dem Geschlechtstrieb gefhrlich, und darum ist es sinnlos, sie zu
trinken. Im Kampf mit dem Geschlechtstrieb mu man solche gefhrlichen
Gegner, wie den Alkohol, zu allererst verscheuchen.

Ich will an dieser Stelle einiges ber das Bett sagen; denn auf sein
Schuldkonto ist manches von den sinnlichen Verirrungen zu setzen. Mit
zunehmender Kultur wurden Unter- und Oberbett und auch die Kissen immer
weicher, schmiegsamer. Dadurch wird die Berhrung dieser Dinge mit dem
Krper inniger, und das ist angesichts der groen Empfindsamkeit der
ueren Nerven nicht unbedenklich. Es entsteht unter den Federbetten
eine Wrmestauung, und Wrme steigert berall das Empfinden. Wenn nun
aus gesteigerter Wrme und ueren Tastreizen sinnliche Trume
entstehen, so geschieht es leicht, da die Hnde die geschlechtlichen
Organe berhren und eine Geschlechtserregung unbewut im Schlafe oder
auch bewut herbeifhren. Mancher junge Mensch wacht pltzlich vom
Schlafe auf in einem Augenblicke, wo der onanistische Akt ganz oder
teilweise vollfhrt ist.

Diese Gefahr ist ganz besonders gro morgens kurz vor oder nach dem
Erwachen, wo die gefllte Harnblase eine Erregung verursacht und die
Bettwrme sinnliche Bilder entstehen lt. Am Morgen ist namentlich bei
nervsen oder sonstwie leidenden Menschen die allgemeine Kraft und
besonders die Willenskraft noch gering. Beide wachsen erst an den
Arbeitspflichten des Tages. In dem Trumen und Hindmmern im Bett nach
dem Erwachen liegt etwas riesig Gefhrliches, und es hat wohl schon
ungezhlte Tausende von jungen Menschen ihrem guten Vorsatz entfremdet.

Es gilt hier, wie in so vielen Gefahren des Lebens, der Satz.
_Principiis obsta_. Widerstehe dem Anfang! Wenn du erwachst, so erhebe
dich mit einem mannhaften Entschlu! Stehe frisch entschlossen auf,
kleide dich an, bewege dich und beginne zu arbeiten. Gib dich nicht eine
Sekunde dem sinnlichen Hindmmern hin. Es ist immer ein Ringen zwischen
Trieb und Wille. Je mehr du den sinnlichen Trieb trumend ansteigen
lssest, desto schwcher wird dein Wille, bis er schlielich ganz
unterliegt. Mache es dir vor allem zum ~eisernen Grundsatz~, die
Geschlechtsorgane nur dann zu berhren, wenn die Notdurft des Leibes es
verlangt, ~sonst unter keinen Umstnden~. Jenes Spielen, das die
angenehme leichte Erregung herbeifhrt, ist wie ein Zunder in einem
Explosionsstoff. Du willst nicht die Explosion, aber es glht und glht,
bis mit einem Male dein Wille und dein moralischer Widerstand
zusammenbrechen unter der angetriebenen Sinnlichkeit, und es--wieder
einmal geschehen ist. _Principiis obsta!_ Widerstehe dem Anfang!

Auch Krankheitserscheinungen mancherlei Art gibt es, die
geschlechtsreizend wirken. Von den schweren Leiden, wie
Lungenschwindsucht, mit ihrer oft verzehrend-fieberhaften Sinnlichkeit,
will ich nicht sprechen. Wohl aber von rtlichen Strungen in der
Geschlechtsgegend, die von einem mehr oder weniger heftigen Juckreiz
gefolgt sind. Entweder finden sich dann Darmparasiten, Eingeweidewrmer
mancherlei Art, oder es handelt sich um Hautmilben oder Hautleiden,
welch letztere von Blasen-, Kntchen- oder Borkenbildung gefolgt sind
und ein oft frchterliches Jucken und Kratzen veranlassen. Wohl immer
sind dies Folgen von Unsauberkeit, und der wohlmeinende Hygieniker hat
ernstlich darber Klage zu fhren, da die wohlttige und
gesundheitswichtige Gewohnheit des Badens noch nicht gengend weit im
Volke verbreitet ist. Auf ein einmaliges Bad in der Woche bildet man
sich schon mancherlei ein. Aber fr junge Menschen, die ber
geschlechtliche Anfechtungen klagen und sich von der Onanie befreien
oder freihalten wollen, gengt das keineswegs. Sie sollten die gar zu
warmen Bder meiden und allabendlich eine Waschung des gesamten
Unterleibes einschlielich der Oberschenkel und des unteren Rckens mit
khlem Wasser machen und knnten, wenn die sinnliche Erregung nur schwer
zu bndigen ist, diesem Wasser etwa ein Fnftel Kampferspiritus
beimengen; das khlt und beruhigt. Namentlich ist es dem jungen Manne
ratsam, den vorderen Teil des Gliedes, die Eichel, fter durch
Zurckziehen der Vorhaut freizulegen und khl abzuwaschen. Dadurch
entfernt man jenen Ausscheidungsstoff, der sich hier festsetzt und die
Geschlechtsnerven reizt.

Die kluge Gewohnheit des Badens wird an Wert und gesundheitlicher
Bedeutung noch bertroffen durch das Luftbad. Es schliet eine
natrliche Form des Lebens in sich und bringt viel Kraftsteigerung fr
das Nervensystem. Es gehen viele ins Luftbad, die krank sind und sich
von ihren Leiden befreien wollen. Aber klger ist es wohl, schon--ehe
man krank geworden-- einen Teil der Jugendjahre im Luftbade
zuzubringen, um im krftigenden Reiz der atmosphrischen Luft, im freien
Lauf und im frisch-frhlichen Spiel die sinnliche Lust einzudmmen und
umzuwandeln in Spannkraft des Krpers und des Geistes. Die sitzende
Lebensweise in den Schulen, Bureaus, Werksttten und Fabriken fhrt zu
einer Stockung des Blutes und der Sfte in den inneren Organen und zur
Erschlaffung der Muskeln und der ueren Haut; das hufige Luftbaden
schafft grndliche nderung darin und bringt, namentlich wenn es
grundstzlich auch im Winter im Freien genommen wird, mit der Abhrtung
zugleich auch einen frischen offenen Sinn, der es fr verderblich und
unmnnlich halten mu, sich schlaffen, sinnlichen Trumereien
hinzugeben.

Um im Luft- und Sonnenbade ganz richtig zu handeln, dir nicht zu
schaden, lies mein Buch Die Heilkraft des Luft- und Sonnenbades.
Rationelle Krperpflege durch Luft, Licht und Wasser[3]. Du findest
darin eine ganz eingehende Darstellung dieses vornehmsten
Gesundheitsmittels und genaue Anweisungen fr dein Verhalten.

Da, lieber Leser, sind wir berhaupt bei der Frage der Muskelarbeit
angelangt, und damit bei einer Frage von so groer Wichtigkeit, da wir
darber noch einiges sagen mssen.

Das Leben ist eine wunderbare Einheit, und tief im Innern des
Organismus, im Chemismus der Gewebe, werden in geheimnisvoller Weise die
Krfte frei, die das Leben zur Entfaltung bringen. Im ewigen Kampf ums
Dasein empfing jedes Lebewesen, empfing auch der Mensch seine ganz
bestimmte Form, seine krperliche und geistige Organisation. Der Kampf
ums Dasein zog die Krfte bald hierhin, bald dorthin und hat vor allen
Dingen in der Notwendigkeit der Krperarbeit und der krperlichen
Anstrengungen die Muskeln stark und leistungsfhig gemacht.

Mit einem Male wurde die Muskelarbeit zurckgedrngt. Durch die
Entfaltung der Technik, der Industrie, der Wissenschaften, wurden immer
mehr geistige Krfte verlangt, whrend die Krperkraft im Kampf ums
Dasein von Tag zu Tag mehr ihre Bedeutung verliert.

Namentlich der Jugend aber, die ihres raschen Wachstums und
Stoffwechsels wegen und ihrer ganzen Anlage nach zu krperlicher
Bewegung drngt und darauf angewiesen ist, wenn sie sich normal
entwickeln soll, ist das viele Stillsitzen gefhrlich geworden. Die frei
werdenden Krfte finden keine Verwendung, keinen Ausweg. Wrden sie in
Krperarbeit verwendet, so wrde sich der Krper dabei aufbauen, wrde
die gelsten Stoffe sich selber als dauernden Besitz anbauen, wrde
stark und krftig werden. So aber suchen sich die herrenlosen Krfte
einen Ausweg und werfen sich auf den Geschlechtssinn, den sie erregen
und steigern und zur Entladung drngen. So ist vielfach die Onanie eine
Entladung von Krften. Aber diese Krfte werden dem krperlichen und
geistigen Dauerbau entzogen, und statt da sie in ihrer stetigen
Verwertung den Organismus stark machen sollen, fhren sie nun ein
Anwachsen, eine Zchtung des Geschlechtstriebes herbei. So verstehen wir
es, da eine starke Geschlechtsbettigung eine verhehrende Wirkung auf
Krper und Geist hat.

Ja, gerade die in der Gegenwart so beliebt gewordene Methode der frhen
geistigen Erziehung der Kinder frdert ihre sinnliche Entwicklung
malos. Die Freude der Mutter ber die regen geistigen Interessen ihrer
Lieblinge ist verderbliche Naivitt; denn die geistige Regsamkeit ist
nervse Entwicklung. Diese unsinnige Erziehung: geistiger Drill bei
krperlicher Trgheit! Unaufhaltsam werden die Kinder der
Geschlechtserregung zugetrieben. Die Eltern sind blind, sehen nichts und
lassen zwischen ihren Kindern oder zwischen den Kindern und den
Dienstboten Dinge geschehen, ber die sie entsetzt sein wrden, wenn sie
nur ein einziges Mal Augen- oder Ohrenzeugen wren. Und dabei sind es
oft Vter und Mtter, die mit grtem Ernst, mit sittlichen und
religisen Mitteln ihre Kinder erziehen wollen und doch sie verderben.

Nichts ist notwendiger in unserer Zeit, als diesen Krftestrom wieder in
sein natrliches Bett zurckzulenken, die natrlichen Lebensbedingungen
wiederherzustellen, krperlich zu arbeiten. Oder, wo das nicht ausgiebig
mglich ist, Sport und Gymnastik zu betreiben. Der gesunde Instinkt der
Jugend hat das berall erkannt. Und berall in Deutschland begegnet man
jetzt den Wandervgeln, den Pfadfindertrupps, sieht man Tennisspiel,
Fu- und Faustball u.a., gibt es Turn- und Sportvereine, Sommer- und
Wintersport, Berg- und Wassersport. So ist es recht, und niemand sollte
sich davon ausschlieen. Ein junger Mensch, der immer zu Hause sitzt und
nicht da drauen seine Krfte bt, seine Lungen weitet, hat keine rechte
Jugend gekannt. Und da gerade die blassen Stillsitzer unter den
Onanisten so hufig zu finden sind, beweist die Gefahren der
krperlichen Unttigkeit. Die Wandervgel, die Pfadfinder sind an Zahl
gewachsen. Aber zehnmal, hundertmal so viel mten es sein. Ein
nationales Erwachen mte durch das Volk, mte vor allem durch die
Jugend gehen, da wir mehr von den Bchern und der blassen
Stubenhockerei und dem verdammten Kneipen-, Sauf- und Lumpenleben
loskommen. Das deutsche Volk wurde vor dem Kriege leider immer reicher
an Theoretikern, Maulhelden und Schlafmtzen und an jenen sthetischen,
saftlosen Dekadenten, die elegant und blasiert im Caf saen, ber Gott
und die Welt rsonnierten und berlegen philosophierten, aber selber im
Leben nirgendwo einen rechten Platz ausfllten, sondern nur die Scheu
vor der Arbeit allerorten grozogen. Diese schlaffen Kerle kriegen nur
Spannung, wenn das Erotische ihr Auge oder ihr Ohr trifft, wenn die
Weiber das Gesprchsthema bilden. Alles andere vermag ihre ausgelaugte
Intelligenz nicht mehr hervorzulocken.

La dir dies khl blasierte Gesicht nicht imponieren! Wer zuletzt lacht,
lacht am besten. La dir daran gelegen sein, einen krftigen, gesunden,
elastischen Krper zu gewinnen, den diese moderne Schlaffheit und
Moralfaulheit nicht berwinden kann. Sparst du die Geschlechtskraft, so
lenkst du sie um in alle Organe deines Krpers und baust dir aus dem
geheimnisvollen Lebensstoff ein Leben, das im Alter die Klugheit deiner
Jugend segnet.

Es ist wahrlich keine Schwarzseherei, wenn ich darauf hinweise, da auch
das Turnen in mancherlei Hinsicht Gefahren in sich trgt. Die
Geschlechtsorgane sind bei vielen, namentlich bei den nervs veranlagten
jungen Menschen leicht reizbar. Darum ist es geraten, zum Beispiel beim
Klettern an Stangen und Tauen Reibungen der sexuellen Organe zu
vermeiden. Wo eine Gefahr besteht, kann man nicht genug auf der Hut
sein. In den Schulen und beim Militr wird ja auch auf einen korrekten
Kletterschlu geachtet.

Vorzgliche Beachtung verdient neben den Wanderungen, die den Krper
strken und den Geist zugleich ablenken und ausfllen, das ~Schwimmen~.
Junge Menschen, deren sinnlicher Trieb sich in den Vordergrund drngt,
sollten fleiig das Schwimmen ben; denn es behebt die Blutflle in den
Unterleibsorganen, die oft die unmittelbare Ursache der geschlechtlichen
Erregungen ist. Auch werden die sinnlichen Vorstellungen und Trume, die
aus solchen Blutstauungen entstehen, durch das Schwimmbad energisch
beseitigt und durch den niederschlagenden Kltereiz stets auf einige
Zeit zurckgehalten. Ich empfehle aber rasches Auskleiden, energisches
Hineingehen ins Wasser und schnelles Wiederankleiden. Nichts aber ist
nach allen Seiten hin von so groem Werte wie das tchtige ~Luftbaden~.
Es vereinigt viele Faktoren der Gesundheitspflege und Nervensthlung in
sich und stellt die kraftvollste und unmittelbarste Verwirklichung jenes
Zurck zur Natur dar, das seit Rousseau immer lebendiger in die
allgemeinen Lebensanschauungen hineingetreten ist. Zeitweilig und
regelmig sich im Freien, in abgeschlossenen Luftbdern oder im
einsamen Wald, der Kleider zu entledigen und den nackten Krper bei
guter und schlechter Witterung der Luft auszusetzen, das ist eine
Klugheit und eine Wohltat zugleich. Ein Kraftzuwachs ist der Gewinn
dieser Klugheit. Und wenn das Luftbad mit tchtiger Bewegung, Laufen,
Springen, Turnen oder--wo es geht--mit Schwimmen verbunden wird,
dann verscheucht es sicherlich alle die wirren sinnlichen Phantasien,
unter denen der blasse Stubenhocker leidet. Der gewaltige Bewegungsdrang
der Jugend will und mu entladen werden, denn dieser Bewegungsdrang ist
ja eben Jugend, und in seiner Bettigung liegt das Geheimnis des
Wachstums, der Erstarkung. Wird alles Krperliche, Spiel, Sport,
Gymnastik, Schwimmen, Luftbad, Turnen, unterbunden, und zwingen
Elternhaus und Schule zur Stillsitzerei hinter den Bchern, dann stauen
sich die Jugendkrfte und entladen sich da, wo krankhafte Reizbarkeit
ihnen ein Tor ffnet, in der Geschlechtssphre. Wenn so die drngenden,
jugendaufbauenden, lebengestaltenden Krfte in der Onanie einen Ausweg
gefunden haben, dann verlangt der erschpfte Organismus nicht mehr nach
krperlicher Kraftentladung. Dem erschlafften Krper ist das Stillsitzen
ein Bedrfnis, eine Wohltat, und aus dem Onanisten entwickelt sich oft
in der Schule der blasse, folgsame Streber, der der Stolz des Lehrers
ist und den doch das Leben spter, wenn er nicht mehr so recht
vorwrtskommt, darber belehrt, da nicht allein geduldiges Sitzen,
sondern Entschlukraft, Mark und Saft dazu gehren, ein Ziel zu
erreichen. Dies sind aber Werte, die durch geschlechtliche Reinheit in
der Jugend gewonnen werden.

Besser noch und richtiger als alles, wovon ich oben sprach, besser als
Sport, ist die Arbeit, die rauhe krperliche Arbeit. Der Sport hat noch
kein Volk gro gemacht, sondern die Arbeit, die harte, rauhe
Notwendigkeit. Denn Sport verleitet berall zu Rekordleistungen, zu
bertreibungen, zu Fexerei und-- Schwindel. Der Sport lt hier und da
nichts mehr von seinem inneren Werte merken und ist zum Schaustck, zur
Unterhaltung, zum Nervenkitzel geworden. Das beweisen--die Wetten und
der Totalisator. Die Sucht nach wahnsinnigen Gipfelleistungen ist eine
Erscheinung der Neurasthenie eines ganzen Volkes. Schlaffe Nerven
antworten nur auf starke Reize.

Der Sport ist sicherlich die notwendige und wohlttige Reaktion gegen
Schul- und Schreibstuben- und Fabrikarbeit. Aber der Sportmatador hat
viel zu sehr die bewundernden Blicke auf sich gezogen und den Sinn
abgelenkt von der krperlichen Arbeit, die greifbare Werte schafft. Geh
aufs Land hinaus und sieh die Arbeit der Bauern. Sie bestellen den
Acker, und von den Erzeugnissen ihrer Arbeit, von Kartoffeln,
Kornfrucht, Grnzeug, Obst und Viehzucht nhrt sich das ganze Volk. Ist
das nicht wertvoller als sechs Tage lang wie ein Besessener im Kreis
herumzuradeln und klger noch, als bei diesem Unsinn zuzusehen?

Aber im Frhjahr und namentlich im Herbst ist auf dem Lande Leutenot.
Haben wir Deutschen nicht genug Hnde zum Arbeiten? Ei, jawohl! Aber sie
stecken in den Hosentaschen und sind--manikrt. Und whrend der Bauer
am Abend sorgend den drohenden Himmel betrachtet und vor Sonnenaufgang
aufsteht, um in harter Arbeit, mit Frau und Kindern und mit den wenigen
Krften, die er bekommen kann, den Reichtum seiner Fluren in den
Scheunen zu bergen, sitzen in der Stadt Tausende im Kaffeehaus, spielen
sie Tennis- und Fuball und tragen in sich den glckseligen Gedanken von
der Gesundheit des Sports.

Ja, gewi ist er gesund! Aber liee sich nicht ein weniges von all der
spielenden Kraft in Ernst, in Arbeit umwandeln? Sollen wir geschlagenen
Deutschen nicht eine ganz neue Zukunft bauen? Knnten nicht die jungen
Burschen, die Sportklubs, die Wandervgel und Pfadfinder, zum mindesten
in den Ferien, einmal zu den Bauern hinauswandern, um zu arbeiten? Mu
man immer spielen? Und vielleicht nur deshalb spielen, weil zu jedem
Sport auch gleich ein schickes Kostm erdacht wird? Ja, die
kostmlich-dekorative Marke verdrngt oft sehr aufdringlich die innere
Kraft der Sache. Die Arbeit auf dem Lande wre fr die jungen Burschen
aller Stnde nicht nur gesundheitlich frderlich, sondern auch ein
krftiger Faktor ihrer sozialen Erziehung.

Das deutsche Volk war vor dem Kriege auf jener Stufe der Degeneration
angelangt, wo in einem letzten Aufflackern der Krperkraft der Gedanke
an die Arbeit im Sport sthetisch kultiviert wurde. Alle Welt litt und
erkrankte an der krperlichen Unttigkeit und der geistigen und nervsen
berreizung. Alle Welt schaffte sich nicht Hunger und Verdauungskraft in
der Arbeit, sondern hatte die Mahlzeiten zu einer Haupt- und
Staatsaktion erhoben und litt am zu vielen Essen. Das Geschlechtliche
war das Ventil, aus dem die krankhafte Spannung entwich, und der
geschlechtliche Mibrauch folgte der krperlichen Unttigkeit und der
Unmigkeit des Essens und Trinkens auf dem Fue. Aber das ging an die
Nervenkraft, und alle Welt ging in die Sanatorien, um--die Zeit weiter
totzuschlagen. Das groe Heilmittel fr die Neurastheniker und die
anderen Leidenden, die Krperarbeit, wollte niemand versuchen. Hatte der
Arzt eine berzeugung, so mute er sie fr sich behalten, sonst kostete
sie ihn die Kundschaft. Nur wenigen gelang es, sich dem groen Humbug
mit Erfolg entgegenzustemmen. Nun hat der Krieg uns aus dem Hindmmern
aufgeschreckt, uns den Abgrund gezeigt, an dem wir hintaumelten. Nun
soll ernste, strenge, harte Arbeit uns einen ganz neuen Weg fhren.

Aus Arbeit und rauhen Notwendigkeiten entstieg die Kraft und erblhte
das Leben in tausend Schnheiten. Nun war die Kraft im Schwinden, und
ihre Wiedergeburt, die Regeneration, mu auch erst wieder durch die
rauhe Notwendigkeit der Arbeit, durch Einfachheit, durch Krpersthlung
und durch geschlechtliche Reinheit hindurchgehen.

Die Menschen haben sich an den Anblick der krperlichen und seelischen
Leiden und an das hufige und allgemeine Schmerzgefhl so sehr gewhnt,
da sie glauben, Schmerz und Krankheit lgen in der Natur der Dinge und
seien unvermeidliches und unabwendbares Schicksal. Darum ertragen viele
ihre Leiden in gedankenloser Ergebenheit oder fhren Klage ber ihr
persnliches Unglck. Die heftigen, impulsiven Naturen murren auch wohl
gegen das Schicksal. Die wenigsten nur sind es, die bei sich selbst
nach den Ursachen sphen und--durch Erkenntnis klug geworden--in
vorsichtigerer Lebensfhrung alle die allgemeinen bel vermeiden.

Von nichts aber drfen wir mehr berzeugt sein als davon, da bei
vernnftiger Lebensfhrung Krankheiten ganz auerhalb der Lebensgesetze
des menschlichen Organismus liegen. Haben wir nur ein klein wenig
natrlich denken gelernt, so mssen wir erkennen, da die Natur
Gesundheit und Glck gewollt hat, und die Irrtmer und Fehler des Lebens
dem Einzelmenschen schaden und von ihm aus die Gesamtheit angreifen.

Die Verletzung der Naturgesetze--im Geschlechtsleben mehr als
anderswo--verwirrt die Wege der Kraft, der Schnheit und des Glckes,
die den Menschen von der Natur gewiesen sind, und bringt Krankheit,
Schwche und Tod. Wir Menschen von heute aber haben etwas, was niemand
je vorher besa, die klare Erkenntnis von den wahren und eigentlichen
Ursachen des Verfalls. Wir sehen mit Entsetzen den Geschlechtsmibrauch
die Kraft der Menschen und der Vlker zerstren und sammeln alle Krfte,
um dieser zerstrenden Gewalt zu begegnen. Die klare Erkenntnis hat uns
Hoffnung, Mut und Wille gegeben, und das Leben, das vor uns liegt, steht
im Zeichen einer neuen Zeit, in der in einem gesunden Krper wieder eine
gesunde Seele lebt.

[Illustration: Dekoration]




Zweiter Teil.

Der junge Mann und das Weibliche.

Rtsel und Irrtmer der Liebe.

    Errtend folgt er ihren Spuren
    Und ist von ihrem Gru beglckt.
    Das Schnste sucht er auf den Fluren,
    Womit er seine Liebe schmckt.

                             Schiller.


Die alten Griechen hatten einen Gott, den sie Janus nannten, und den sie
sich mit zwei Kpfen dachten. Wollten wir Menschen die Liebe darstellen,
wahrlich, auch sie htte einen Januskopf; denn kein Empfinden gibt's im
Leben, das so sehr Glck und Leid, Jubel und Trnen, Freude und Trauer
umschliet, kein Empfinden, das mit so viel strmenden Hoffnungen begann
und mit so viel bitterer Resignation endete. Heie, groe
Jugendsehnsucht auf dem einen Gesicht und begrabene und beweinte Wnsche
auf dem andern, das ist der Januskopf der Liebe.

Aller Jammer, alles Elend, alle Krankheit entspringt dem Irrtum. In den
Geschlechtsirrtmern verlieren die Menschen ihre Kraft.


1.

Das Erwachen der Liebe.

Um das 15., 16. oder 17. Jahr herum geschieht es, da aus dem Knaben ein
junger Mann wird und der Krper alle jene bedeutsamen Vernderungen
erlebt, die vereint den Geschlechtscharakter bilden. Der Krper
entwickelt besondere Triebkraft im Wachstum, und dieses rasche, oft
schuweise Wachsen im Knochenbau, dem die Muskelflle nicht ganz zu
folgen vermag, gibt der Gestalt jene merkwrdige Eckigkeit und
Unbeholfenheit, die uns den jungen Mann in den Flegeljahren oft so
lcherlich ungeschickt erscheinen lassen. Auf der Oberlippe erscheint
der erste Bartflaum, die sexuellen Organe entwickeln sich strker; es
mehren sich die Schamhaare; die Stimme verliert den kindlichen Klang;
sie bricht und gewinnt jenen dunklen, oft rauhen Timbre, aus dem man
den Stimmbruch eine Zeitlang deutlich heraushrt.

Dieser ganzen ueren Entwicklung, die einen ausgeprgt geschlechtlichen
Charakter trgt, entspricht auch eine innere Entwicklung. Denn das
geistige Leben wird beeinflut und gespeist von jenen inneren
Absonderungen der Keimdrsen, die in dieser Zeit lebhafter zu arbeiten
begonnen haben. Das Geschlechtsgefhl ist nun nicht mehr blo allgemein
krperlich, sondern wird reicher an plastischen, geistigen
Vorstellungen. Denn in demselben Mae, in dem das eigentlich Mnnliche
sich in dem jungen Manne ausbildet und uerlich und innerlich ausprgt,
stellt sich sein ganzer mnnlicher Organismus auf das Weibliche in
seiner Umgebung ein. Mnnlichkeit und Weiblichkeit bilden eben im
kosmischen Geschehen jene gewaltige Polaritt, aus der das
weltenbewegende Wunder der Liebe entsteigt. Jeder Pol sucht seinen
Gegenpol, und alle die feinen und starken Ausstrahlungen der
Mnnlichkeit suchen und finden das Weibliche, das sie mit dem gleichen
Gesetz anziehen und sich zu verschmelzen trachten. So gewinnt das
Weibliche eine gewisse Herrschaft ber das Mnnliche, das
sich--gebndigt durch unklare sinnliche Wnsche--dieser Herrschaft
gern beugt, ja sich manche se Tyrannei eines jungen Mdchens
gefallen lt und aus Liebe und Ritterlichkeit zu jedem Dienst
und--jeder Torheit fhig ist.

Das sind etwa so die Tanzstundenjahre. Eine kleine Welt fr sich, deren
glckliches Hoffen nie wiederkehrt. Je strker und unklarer diese
mnnliche Sehnsucht ist, desto verlegener und ungeschickter kann der
sonst ganz ruhige und sichere junge Mann werden, wenn in der
Gesellschaft ein junges Mdchen all seinen strmend-sehnschtigen
Gefhlen ein naheliegendes Ziel gibt. Dann ist es mit der Ruhe vorbei.
Er mchte den allerbesten Eindruck machen, die Ritterlichkeit in Person
sein, glaubt sich von allen Anwesenden beobachtet und mchte sich doch
um alles in der Welt vor seiner Angebeteten keine gesellschaftliche
Ble geben. Das geringste Migeschick bringt ihn in unglaubliche
Verwirrung. Er steckt das Tischtuch als Serviette ins Knopfloch,
schttet der Dame die Suppe aufs Kleid, wirft einen Stuhl um und sucht
verzweifelt nach einem Gesprchsthema.

Das Liebesspiel hat begonnen, und alle die grotesken Verlegenheiten sind
nur die grenzenlose Verwirrung, die das Weibliche anrichtet in der Seele
des jungen Mannes, dessen erwachte Geschlechtlichkeit sich in dieser
neuen Welt noch nicht zurechtzufinden wei.

Und dann ergreift das Weibliche immer mehr Besitz vom Denken und Fhlen
des jungen Mannes. Es schrft auf der Strae und in der Gesellschaft
seine Augen fr Jugend und Schnheit, Grazie und Charme. Es dringt in
seine Trume ein, und whrend der gesunde, wohlerzogene junge Mann die
Schnheit dieser Jugendjahre nicht ihres idealen Gewandes entkleidet und
die Poesie der jungen Liebe nicht in der sexuellen Gier vernichtet,
kmpfen viele--und namentlich diejenigen, die den onanistischen
Geschlechtserregungen verfallen sind--mit sexuellen Vorstellungen. Und
whrend bei dem einen die ersten Regungen der Liebe zugleich seinen
mnnlichen Stolz und seine sittliche Selbstachtung wecken, und ihm die
Liebe zur Waffe gegen seine unreine Verirrung wird, gert der andere
noch tiefer in die Gewalt des krankhaften Triebes.

Hier findet der zgelnde Wille und die Klugheit einer gesunden
Lebensfhrung einen besonderen Boden, zumal es sich darum handelt, jene
nchtlichen automatischen Samenergsse, die sogenannten Pollutionen, in
ihren physiologischen Grenzen zu halten.

Mancher junge Mann wird verwirrt oder erschreckt, wenn er in der Nacht
oder am Morgen einen Samenverlust beobachtet, der von einer mehr oder
weniger starken Erregung, von mehr oder weniger lebhaften sinnlichen
Trumen begleitet war. Den Unwissenden und ngstlichen mag gesagt sein,
da die Pollutionen nichts Krankhaftes an sich haben, sondern eine
normale Entscheinung sind, wenn sie etwa alle 10-20 Tage sich hchstens
einmal einstellen. Darber hinaus und besonders dann, wenn der Pollution
am nchsten Tag schlaffes, schlechtes Befinden, blasses Aussehen,
Kopfschmerz, Kreuzschmerzen, Nervositt und dergleichen folgen, haben
wir es mit nervser Schwche zu tun, oder der Samenergu war durch einen
uerlichen oder innerlichen Reiz, jedenfalls aber durch einen Fehler in
der Lebensfhrung, herbeigefhrt worden. In solchen Fllen wirst du gut
tun, lieber Freund, alle die Ratschlge zu befolgen, die ich schon zur
Heilung der Onanie gegeben habe, und namentlich die Abendmahlzeit nicht
nach 6 Uhr einzunehmen und sie nur aus Brot und Frchten bestehen zu
lassen.

Wenn es mglich wre, die Menschen in ihrer Allgemeinheit wieder zu
einer gesunden und einfachen Lebensweise zurckzufhren, so mten
wahrscheinlich die Pollutionen entweder gnzlich schwinden oder auf ein
uerst geringes Ma zurckgehen. Aber diese Erscheinungen hngen wohl
mit der nervs gesteigerten Erregbarkeit des Lendenmarkes, mit
krperlicher Unttigkeit und mit einer falschen Ernhrung weit mehr
zusammen, als man auch nur ahnt. Wenn aber zum Beispiel eine
geschlechtliche Erscheinung mit der Ernhrung zusammenhngt und zugleich
mit dieser gendert werden kann, so ist es doch zum mindesten recht
schwer, zu sagen, sie sei so, wie sie ist, normal.

Keinesfalls aber lt sich aus solchen Erscheinungen die
Anschauung herleiten, da nun der Organismus reif sei fr die
Fortpflanzungsttigkeit, und da nun die Geschlechtsbettigung fr den
jungen Mann zu einem persnlichen Recht und zu einer gesundheitlichen
Forderung werde. Denn wenn auch--was jedenfalls bestreitbar ist--die
Pollutionen normale, physiologische Erscheinungen wren, so knnten sie
doch nur eine passiv-automatische bung und Wachstumssteigerung eines
Triebes darstellen, der seiner sozialen Beziehungen und Folgen wegen
nicht allein in der krperlichen Entladung begriffen werden kann.


2.

Die Sittlichkeitsfrage.

Hier haben wir mit einem Male einen Sprung mitten in die sogenannte
Sittlichkeitsfrage hinein getan. Denn der Begriff des Sittlichen hat
sich stillschweigend und in seiner ganzen Ausdehnung an das
Geschlechtliche angeschlossen.

Diese Sittlichkeitsfrage beschftigt sich im wesentlichen damit, ob es
einem jungen Manne erlaubt sein kann, vor der Ehe und in noch
jugendlichem Alter geschlechtliche Beziehungen zu unterhalten.

Diese Frage ist durchaus neueren Datums. Denn erstens waren die
sittlichen Anschauungen von frher strenger und straffer, zweitens hat
die Gesellschaft heute in allen Fragen, und somit auch in der
sexual-moralischen, die soziale und sittliche Kritik ber das
gedankenlose Sichgehenlassen gesetzt, und drittens ist gerade mit dem
Erwachen dieses kritischen Geistes jener eigenwillige Individualismus
grogezogen worden, der ber die Rechte der Persnlichkeit hinaus auch
die Ungebundenheit des Trieblebens mit Individualitt und anderen
Phrasen verteidigt, die sozialen Wurzelungen lockert und dieses ganze
philosophische Vorspiel nur beginnt, um endlich und insbesondere dem
vorehelichen Geschlechtsleben eine unbeschrnkte Freiheit zu
verschaffen.

Beilufig gesagt: nur dem mnnlichen, nicht dem weiblichen
Geschlechtsleben. Denn da das junge Mdchen vor der Ehe keusch zu leben
habe, ist eine so verbriefte, so tiefempfundene sittliche Forderung, da
ein Sturm sich erhob, als einige dem Lager der Frauenbewegung
entstammende Schriften auch diese Schranke zu durchbrechen suchten.
Nicht nur tiefe und bedeutsame biologische Grnde, sondern
schlechterdings der sexuelle Egoismus des Mannes verlangen es, da das
junge Mdchen vor der Ehe seine Jungfrulichkeit bewahre.

Der gleiche Sturm der Verwunderung und Entrstung erhob sich aber auch,
als vor nunmehr etwa 30 Jahren in der ffentlichkeit klipp und klar
gesagt wurde, da es auch fr den Mann die sittliche Forderung der
Enthaltsamkeit gebe.

Das traf die gedankenlosen Gehirne wie ein scharfer Sonnenstrahl, der
die Augen blendet. Bis dahin hatte der Mann dasselbe getan, was er noch
heute mit der gleichen aufreizenden Selbstverstndlichkeit tut: er hatte
jede sich bietende Gelegenheit zum Geschlechtsgenu bereitwilligst
benutzt.

Die Forderung der Enthaltsamkeit war durchaus nicht neu. Die christliche
Religion und auch andere Kulte hatten sie aufgestellt. Nur war die
Gedankenlosigkeit des Alltags allmhlich ber das unerschtterliche
Gefge ethischer Grundgedanken hinweggewuchert. Da fiel wie ein Funke
ins Pulverfa jene Erstauffhrung des Bjrnsonschen Dramas Der
Handschuh durch die Berliner Freie Bhne Ende des Jahres 1889. Die
Heldin dieses Dramas, Svava, erfhrt, da ihr Brutigam frher schon
Geschlechtsverkehr mit einem Mdchen hatte, und sagt sich von ihm los.
In der reichen literarischen Nachfolge, die diese Arbeit fand, finden
wir den gleichen Gedankengang namentlich in Vera. Eine fr viele.

Der starke und imponierende ~Bjrnson~ hatte also sich selbst zum
Wortfhrer einer geschlechtsmoralischen Forderung gemacht und sie
dadurch, da er sie auf der Bhne abhandelte, in den Brennpunkt des
allgemeinen Interesses gerckt. Die Presse griff denn auch
diesen--Handschuh wie ein Mann auf, die einen mit Hohnlachen und dem
zeternden Wortschwall einer angstvollen Verteidigung, die andern mit
wohlwollender Zustimmung.

Genug, der Stein war ins Rollen gekommen, und ~Bjrnson~ selbst sorgte
dafr, da die Sache zumindest in den skandinavischen Lndern nicht so
bald zum Stillstand kam. Man erinnert sich seiner eindrucksvollen,
faszinierenden Persnlichkeit, die berall den strengen
Sittlichkeitsgedanken, ~die monogamische Ehe~, in glnzender Rede gegen
jede geschlechtliche Lauheit, gegen jedes psychologisch oder
philosophisch umschleierte Triebleben verteidigte.

Zur selben Zeit begann die Wissenschaft, die bis dahin scheu und ngstlich
dieses Gebiet gemieden hatte, sich doch damit aus biologischen und
medizinischen Interessen zu beschftigen. Die Geschlechtswissenschaft
(Sexuologie) sprte den geheimnisvollen Gesetzen dieser menschlichen
Leidenschaft nach, um alle Zusammenhnge zu finden. Und mit einem Male
bersah man auch klarer als bisher die ungeheuren gesundheitlichen
Schden, die das gedankenlose vielweiberische (polygamische)
Geschlechtsleben des Mannes angerichtet hatte. Man erkannte den Einflu
alles Geschlechtlichen auf die Erziehung, das Denken berhaupt, auf alle
sozialen Beziehungen, auf die Vererbung, auf Lebensgestaltung und
Lebensglck, und es war wie ein jhes Erwachen, das den erschreckend neuen
Eindruck von der gewaltigen Bedeutung alles Geschlechtlichen in zahllosen
Schriften festhalten zu wollen schien.

Und was bis dahin nie und nirgendwo geschehen war: die Frauen hatten
aufgehorcht. Sie, die bis dahin in der allgemeinen Komdie der Prderei
die Statisterie gemacht hatten, gewannen nun mit einem Male das
Bewutsein, da es eine emprende Ungerechtigkeit ist, wenn der Mann vom
Weibe voreheliche Enthaltsamkeit verlangt, whrend er sich selbst doch
zu gleicher Zeit recht munter amsiert und der Frau als Dank fr ihre
sittliche Bewahrung eine--Geschlechtskrankheit als Morgengabe in die
Ehe bringt.

Was Wunder, da gerade die Frauen sich gegen diesen Zustand auflehnten
und mit groer Energie die sexuelle Frage der prden Umschleierung
entrissen.

Wir stehen ja noch heute vor der Tatsache, da junge Mnner, wenn sie
die Schule und das Elternhaus verlassen haben, oft ohne alle
Gewissensbisse von den sich bietenden Gelegenheiten zum
Geschlechtsverkehr Gebrauch machen, ohne der moralischen und sozialen
Gesetze zu gedenken, welche sich natrlicherweise gegen den
eigenwilligen geschlechtlichen Individualismus auftrmen. Denn die
Beurteilung eines Triebes, der ber den Einzelmenschen hinaus von
sozialen Folgen ist, erschpft sich keineswegs in den Wnschen und
Rechten des Individuums, sondern mu notwendigerweise eine soziale sein.
Die tiefsitzende Inkonsequenz beginnt aber schon mit der Forderung der
Keuschheit der jungen Mdchen, und die sozialen und mehr noch die
sittlichen Zwiespalte fallen zusammen mit der gesellschaftlichen und
seelischen Verwirrung, die ein Mann im Leben eines Weibes anrichtet,
wenn sie der Gegenstand seiner geschlechtlichen Wnsche geworden ist.


3.

Geschlechtsleben und Gesundheit.

Das jugendliche Geschlechtsleben mit den Forderungen der Gesundheit zu
entschuldigen, ist eine jener sophistischen Ungereimtheiten, die nur da
entstehen, wo die erotischen Wnsche das Gewissen zum Schweigen bringen
wollen.

Es gibt gegenwrtig wenige Fragen, in deren Beantwortung so heftige
Widersprche herrschen, wie diejenige des Nutzens oder Schadens der
vorehelichen Geschlechtsenthaltsamkeit. Aber selbst wenn die
Wissenschaft sich zugunsten der--Frivolitt entscheidet und Flle von
Schdigungen durch Enthaltsamkeit bei der Jugend aufzhlt, so mte sie
doch der degenerativen Entwicklung Rechnung tragen. Sie mte in
Rcksicht ziehen, da die Kultur weit von den physiologischen Gesetzen
der menschlichen Natur abgerckt ist, und da durch geschlechtlichen
Mibrauch, durch die Raffiniertheit und Grenzenlosigkeit der Ernhrung,
sowie durch krperliche Unttigkeit eine sexualnervse Reizbarkeit
gezchtet wurde, die das ordnende Urteil trbt. Was aber ein sinnlich
gesteigerter Organismus verlangt, das darf die Wissenschaft nicht als
allgemeines Geschlechtsrecht im ganzen Volke austeilen. Erkennt man, da
ein Trieb durch Mibrauch sich im Organismus in den Vordergrund drngte,
so mu man den Begriff des Natrlichen an diesem Trieb arg
beschneiden. Und selbst wenn man, ohne der mibruchlichen Steigerung
zu gedenken, den Trieb mit Recht natrlich nennt, so vermag man ihn
doch in keiner Weise zu trennen von den seelischen, sittlichen und
sozialen Krften, die das Wohl der menschlichen Gemeinschaft und ihre
Entwicklung bedingen. Wird der Geschlechtstrieb rein krperlich
gezchtet, so bringt er das Menschengeschlecht rckwrts, nicht
vorwrts.

Wenn ein Mensch it und dabei den Zweck des Essens vergit und zur
Egier gelangt; wenn er trinkt, nicht weil der Krper Flssigkeit
verlangt, sondern weil er der Leidenschaft des Trinkens verfallen ist,
so werden die geistigen Krfte in demselben Mae schwinden, in dem die
krperliche Sucht sich steigert. So bedeutet auch der unerlaubte
Geschlechtsverkehr der Jugend, eben weil er die sozialen und sittlichen
Krfte nicht auslst, eine Hemmung der geistigen und charakteriellen
Entwicklung.

Da die geschlechtlichen Erschtterungen und die Samenverluste einen
noch nicht ausgereiften Organismus in seiner Entwicklung hemmen, ist
eine ganz allgemeine Erfahrung. Es ist schon rein logisch und ohne jeden
wissenschaftlichen Beweis einzusehen, warum jene geheimnisvollen
Lebensstoffe, deren Entstehung im Krper zu einem solchen Reichtum und
berschwang des Gefhls fhrt, die das Urgeheimnis der polaren Spannung
zwischen Mann und Weib in sich bergen, und die in der Leidenschaft ihrer
Vereinigung das Wunder der Menschwerdung vollbringen, warum sie ohnedies
dem Organismus, solange er sich in der Entwicklung befindet, seine
Spannung geben; denn diese Stoffe, die immer wieder neues Leben auf die
Bahn des Werdens schleudern, sind nicht nur Ursubstanz des Lebens,
sondern zugleich auch seine feinste Blte. Sie behalten immer ihre
gestaltende Kraft. Und es liegt groe Klugheit darin, durch diese
gestaltende Kraft zunchst den eigenen Organismus auf den mglichen
Hhepunkt seiner Entwicklung zu bringen, ehe man im bloen
Geschlechtsgenu Rechte sucht, die erst der mit sich selbst fertige,
vollendete Organismus besitzt.

An den Erscheinungen der Geschlechtsreife (Pubertt) erkennen wir die
treibende und gestaltende Kraft jener Lebensstoffe. Ein Ausreifen nach
allen Richtungen ist es, das wir beim Erwachen der Liebesempfindung
staunend beobachten. Was spterhin das neue Leben formt, das verleiht
einige Jahre vorher der Stimme ihren tieferen Vollklang, das treibt den
Bart als eins der Zeichen der Mannheit, das gibt dem Charakter seine
Festigkeit und dem Geiste Stolz und Khnheit. Entfernen wir die
Keimdrsen (Kastration) so hrt alle diese Entwicklung ins Mnnliche mit
einem Male auf. Die treibenden Krfte sind unterbunden. Die Stimme
bleibt dnn, der Bart wchst nicht, der Charakter bleibt weichlich,
ngstlich, tatenlos oder verschlagen.

Es mag darber gestritten werden knnen, ob wir dem hufigen
Samenverlust allein die Schden, von denen die Rede war, zuschreiben
sollen. Keinesfalls drfen wir aber der gewaltigen allgemeinen
Erschtterung vergessen, die der Organismus in der Geschlechtserregung
erleidet. Kommt sie schon in der Jugend, noch ehe der Gesamtbau seine
ordentliche Kraft und Festigkeit erlangt hat, und wiederholt sie sich zu
oft, so verlieren die gar zu stark erregten Nerven, die in der Erregung
gar zu oft ausgedehnten Blutgefe, verliert das stark erregte Herz,
verlieren die oft krampfhaft angespannten Muskeln die Fhigkeit, wieder
zu vollkommener Ruhe, zur physiologischen Norm zurckzukehren. Alles
erschlafft, und diese Erschlaffung ist traurige Widerstandsunfhigkeit
und Empfindsamkeit. Und in demselben Mae, in dem die Kraft und die
Energie zu tchtiger Arbeit verloren gehen, bemchtigt sich des
Organismus jene lsterne Trumerei, die selbst am Tage alles
Geschlechtliche umkreist und gewissermaen mit angehaltenem Atem auf der
Lauer liegt, um alles Geschlechtliche gierig einzusaugen und selbst das
Harmlose im Gesprch, im Leben, in Bchern und Bildwerken, zum
Geschlechtlichen zu machen. Dann zehrt die Sinnlichkeit von der
krperlichen und geistigen Kraft, und es fehlt meist jenes notwendige
Ma krperlichen Ausarbeitens, um die gefhrlich wuchernde Sinnlichkeit
einzudmmen.

Es ist sehr oberflchlich, wenn ein junger Mann seinen
Geschlechtsverkehr mit seiner scheinbaren Reife, mit den nchtlichen
Pollutionen und mit dem Hinweis auf die Erwachsenen entschuldigt. Denn
erstens habe ich gezeigt, da die scheinbare Reife sehr wohl frhzeitige
Triebsteigerung sein kann, die als nervse Anlage sich genau so erblich
bertrgt wie irgendeine Krankheit. Da zweitens die Pollutionen eine
recht zweifelhafte Erscheinung sind, und da wir groe, starke und
gesunde Mnner mit wenig oder gar keinen Pollutionen, dagegen oft
schwchere, nervse, blasse Jnglinge mit hufigen Pollutionen
antreffen, sowie, da die Pollutionen durch Onanie hervorgelockt werden
knnen. Drittens, da die Jahre der Geschlechtsreife beileibe nicht die
Rechte geschlechtlicher Ttigkeit mit sich bringen, sondern durch die
Steigerung der Samenerzeugung und der inneren Absonderungen dem Krper
die geschmeidige, jugendliche Kraft und Biegsamkeit, dem Geist die
Frische und die Fhigkeit schnellen Erfassens und der Seele Tiefe und
Wrme verleihen sollen.

Es mag als Grundsatz gelten, vor vollendetem Lngenwachstum alle
sexuellen Krfte zu sparen.

Die Tierzchter haben reiche Erfahrungen in diesen Dingen gesammelt, und
keiner von ihnen wird ein nicht vllig ausgewachsenes Tier zur
Fortpflanzung zulassen. Jeder von ihnen wei, wie schwer dadurch das
Tier in seinem ferneren Wachstum aufgehalten und wie empfindlich man
schlielich die ganze Rasse schdigen wird. Es mag auch nicht unerwhnt
bleiben, da, wenn man kranken, schwchlichen, nervs erschlafften
Menschen Samenflssigkeit unter die Haut spritzt, sie eine bedeutende
Vermehrung ihrer krperlichen und geistigen Frische zeigen.

Die Athleten und die Sportsleute, die sich zu besonderen
Hchstleistungen vorbereiten, mssen Geschlechtsenthaltsamkeit
beobachten. Ja, diese ist ein ganz besonderes Erfordernis des
Trainings. Wir erkennen daran das Gesetz von der Umwandlung der Krfte
im Organismus, und es darf als sicher gelten, da die geschlechtliche
Selbstzucht nicht nur die krperlichen Krfte mehrt, sondern vor allem
auch Ausdauer und jenen uersten Willen weckt, der bei besonderen
Leistungen den Ausschlag gibt.

Sind aber nicht auch die Jahre der Jugend eine Art Training, eine
Vorbereitung fr tchtige Leistungen im Leben? Sollte die Jugend nicht
ebenfalls alle die Krfte sparen, deren Besitz die offenbare Quelle fr
krperliche und geistige Leistungsfhigkeit ist? Wenn die Eltern alle
Nahrungssorgen auf sich nehmen, nur damit die Krfte der Jugend sich
nicht zwischen Entwicklung und Daseinskampf zersplittern, hat dann die
Jugend ein Recht, diese Krfte trotzdem zu vergeuden, und zwar in der
Geschlechtslust?

Die Spannung, die durch Enthaltsamkeit erzeugt wird, ist Triebkraft und
hat sowohl hohen kulturlichen wie lebenssteigernden Wert. Nichts ist
sicherer, als da die Geschlechtsenthaltsamkeit der Jugend und die
Migkeit der Erwachsenen nicht nur fr den Einzelnen Sinn und
praktische Bedeutung haben, sondern vielmehr fr ein ganzes Volk von
einschneidendem kulturlichem Wert sind. Eine Nation, die ihr Gewicht in
die Wagschale der Geschehnisse werfen will, mu ihre geschlechtlichen
Krfte sparen. Das mgen wir Deutschen uns fr den mhsamen Aufstieg,
der die nchsten Jahrhunderte unserer Geschichte ausfllen wird, und fr
unsere ganze Zukunft merken.


4.

Die Geschlechtsehre.

Freilich wird ja ein junger Mann, wenn er ins Leben hinaustritt, in
einen argen Zwiespalt gebracht. Aus dem Knaben wird ein Mann, und
diese Mnnlichkeit ist im dickflssigen Strom einer geschmacklosen
berlieferung leider gar zu sehr aus geschlechtlicher Abenteuerei und
Renommisterei zusammengesetzt worden. Wer ein Mann sein will, glaubt,
etwas erlebt haben zu mssen und sieht mit berlegenheit und Spott auf
jngere Kameraden herab, die noch einen Rest des Schamgefhls aus den
Erziehungsjahren in sich tragen. Aber die freche Grosprecherei und der
Spott der lteren verwirrt den Jngeren. Zwar wei er ganz gut, wie der
anstndige Mensch zu handeln hat. Aber sein Wissen in diesen Dingen ist
Stckwerk, ist unklar, unbestimmt, seine Persnlichkeit ohne
Entschiedenheit, ohne Festigkeit. Diesen ewigen Verlockungen, den
spttelnden Angriffen, erliegt schlielich das gute Gewissen. Ja, der
dumpfe, nicht gezgelte Geschlechtstrieb setzt sich in einem Augenblicke
ber Dinge hinweg, die bei ruhiger Betrachtung hlich, abstoend und
emprend sind, ber Schmutz, Roheit und ernste Krankheitsgefahr.

Darin liegt die groe Niedertracht der Gesellschaft berhaupt, da
einer, der eine Dummheit macht, den anderen zu sich herabziehen will;
denn die vergesellschaftete Dummheit erstickt ihren eigenen Vorwurf. Der
Pluralis erscheint ihr als Entschuldigung, und so holt sich denn die
jugendliche Mnnlichkeit weiter ihr Rstzeug--bei der Dirne.

Wie ist es doch sonderbar, da ein junger Mann, kaum da er in das Leben
hinausgetreten ist--und oft schon vorher-- ein Geheimnis in sein Leben
hineintrgt, das ihn in einen inneren Widerspruch zu seiner gesamten
Erziehung bringt. Ein Geheimnis, dessen er sich--wrde es
offenbar--vor aller Welt schmen mte. Ja, er selbst schmte sich, und
scheu und angstvoll, da er um alles in der Welt nicht gesehen wrde,
umschlich er das geheimnisvolle Haus, das die eigenen Kameraden oder seine
lsterne Neugier ihm gezeigt, und verschwand darin in einem gnstigen
Augenblick. Wre nicht der Stolz in der sexuellen Spannung erstickt, so
mte sich die Wirklichkeit des bezahlten Geschlechtsgenusses dem
Bewutsein in ihrer ganzen Widerlichkeit aufdrngen. Ein Weib, das nicht
mehr Weib, sondern wahlloser Sinnlichkeitsgegenstand wahllos sich
einfindender Mnner ist, das oftmals die einfachsten Gesetze der
Reinlichkeit bersieht, fr eine Weile zu besitzen, kann einen Mann von
wahrer Mannhaftigkeit nicht locken. Was die jungen Mnner zu diesen
frhzeitigen geschlechtlichen Verbindungen treibt, ist ja auch bei aller
Sinnlichkeit tief im Innern die Sehnsucht nach Liebe und das urewige
Rtsel des Weibes. Aber diese zarten knospenden Empfindungen, die sich in
der Ehe, in der Familie, in echter, mannhafter Liebe ausreifen sollen,
werden von den jungen Mnnern in Schmutz und gemeine Niedertracht
geworfen. Daher die verkmmerte Empfindungswelt so vieler Menschen, die
ihre eigene Lebenspoesie zerstrt haben. Wnsche, Trume, Sehnsucht und
Vorstellungen drfen nicht in gar zu hlicher Wirklichkeit erstickt
werden, sonst ist das Ende seelische Erschlaffung, Pessimismus.

Die vorehelichen Geschlechtsbeziehungen haben eine so ungeheure
Ausdehnung gewonnen, da viele in ihnen eine Art von normaler Vorschule
der Ehe erblicken. Wie riesenweit ist aber der Abstand zwischen Bordell
und Familie, zwischen der Dirne und der Mutter, zwischen bezahltem
Geschlechtsgenu und der Liebe zweier Menschen, die miteinander in ihrer
Kinder Land einziehen! Kann dies Gemisch von Lsternheit,
geschlechtlichem Schmutz, alkoholischer Frechheit und sittlicher
Erniedrigung, das das Dirnenleben durchzieht--kann das die richtige
Vorbereitung sein fr die Ehe, in der das Glck der Gatten und das Wohl
der Kinder aus Kraft und Reinheit kommen sollen?

Man spricht viel und gern von dem Kampf, den die voreheliche
Geschlechtsentsagung mit sich bringt. Freilich ist es ja wohl am
bequemsten, diesen Kampf durch die erste beste Dirne zu beenden. Aber
ist es denn gut, ihn so rasch zu beenden? Ist nicht der Kampf die
treibende Kraft aller Entwicklung? Weckt er nicht alle verborgenen
Krfte? Wer die Flinte ins Korn wirft, ist sittlich ein Feigling. Dieser
kampflose, bezahlte, bequeme Geschlechtsgenu vor der Ehe, dessen sich
junge Mnner und auch junge Mdchen bemchtigen, schadet der Ehe,
schadet den Kindern; denn er nimmt dem Leben und dem Geschlechtsgefhl
die Hochspannung. Er befriedigt die Wnsche, ttet die Sehnsucht,
zerstrt Illusionen. Enthaltsamkeit ist biologische Spannung, deren
Fehlen man den Kindern vom Gesicht herunterlesen kann.

Wie bilden sich denn eigentlich Charaktere? In der Entsagung, im Kampf
mit sich selbst. Was ist denn berhaupt ein Charakter? Ein Mensch, der
seine tierische Triebwelt unter die Herrschaft seiner sittlichen
Erkenntnis gebracht hat und mit festem Willen seiner Erkenntnis folgt,
der durch Willenskraft und Folgerichtigkeit sich Selbstachtung und
Selbstvertrauen erwarb. Solche Charaktere, solche Persnlichkeiten
braucht ein Volk, braucht das Leben; denn sie haben Erfolg. Wie kann
aber ein Mensch Selbstvertrauen und Selbstachtung haben, der im Kern
seines Wesens, im Geschlechtsgefhl, wider seine bessere Erkenntnis
handelt, der in seinem Tun sich immer wieder durch den Geschlechtstrieb
vom Wege abreien lt?

Tausende sagen. Es ist unmglich, ihn zu bndigen! Aber wie viele
davon haben's denn ehrlich versucht? Sind nicht die meisten bei der
ersten Versuchung umgefallen? Sie haben die Geschlechtserregung kennen
gelernt, kennen sie durch die Onanie und manches andere, haben ihre
Phantasie mit Sinnlichkeit erfllt. Das Nervensystem birgt in sich ein
Gesetz der Periodizitt. Erregungen wiederholen sich periodisch. Das
macht den Kampf zunchst so schwer. Wie selbst den Magenkranken die
dumme Gewohnheit des dreimaligen tglichen Hungerns qult und seine
Heilung strt, so meldet sich im Hirn und Lendenmark das gewohnte
Geschlechtsgefhl, und dem Bewutsein wird der alberne und gefhrliche
Satz aufgedrckt Ich kann den Trieb nicht bndigen!--Wer freilich
den Kampf aufgibt, ehe er ihn begonnen hat, was wei der von seinen
Krften! Treibe deine Gefhle nur erst ein wenig zurck, siege erst
einmal, dann noch einmal, und es wchst das Vertrauen, und es wachsen
die Krfte. Die gesparte Geschlechtskraft speichert sich in dir auf als
Spannkraft der Nerven und Muskeln, als Mut und geistige Frische. Das
alles sind deine Waffen, die darum immer strker werden.

Wenn's sein kann, sprich dich mit den Eltern, mit dem Lehrer, mit einem
guten Freund von gesundem Denken und gutem Charakter darber aus! Sei
nicht wie jene, die im geheimen sndigen und die Nase rmpfen, wenn ein
Wort ber Geschlechtliches gesprochen wird. Das Geschlechtliche soll
weder im bsen noch im guten Sinne das Gesprchsthema sein; aber ein
offenes Wort an rechter Stelle hat oft befreiend gewirkt. Ein klares
Wort entreit oft junge Menschen der schwlen Phantasiearbeit. Betrachte
das Geschlechtliche als eine besondere Kraft, dich selbst ebenso, und
frage dich. Wer von uns beiden soll herrschen, ich oder du?

~Du mut herrschen, immer und allerwege!!!~

Schme dich nicht dieses Triebes, und sei niemals niedergeschlagen im
Kampf. Alles Leben entsteigt dem Liebeswollen. Aber die Zeugung ist
nicht die alleinige Lsung dieses Ewigkeitsrtsels. Eine allstndliche,
ununterbrochene Neuzeugung im Einzelorganismus ist es, die wir vor allem
diesem Triebe verdanken. Der geheimnisvolle Quell der inneren
Zeugungsorgane entsendet ununterbrochen Stoffe, die als Spannkrfte
wirken, in Krper und Geist. Darum aber darf diese Urquelle nicht
verschttet werden. Wir verstehen jetzt sehr wohl, warum der Lebenslauf
mit dem Geschlechtsleben in der Jugend zusammenhngt, warum die
Geschlechtssparsamkeit in der Jugend einen Gewinn fr das sptere Leben
ergibt. Nicht nur fr unser kleines, eigenes Leben--nein, die ganze
Menschheit trinkt ihre Verjngung aus diesem Quell, und ~jeder
Einzelmensch ist zum Sachwalter der Menschheitsgesundheit und
Menschheitswrde bestellt, weil er einen Teil der kosmischen Liebeskraft
in sich trgt~.

Der Augenblick, der Mann und Weib in der Liebeserschtterung vereinigt,
erzeugt ein neues Leben. Aber nicht dieser Augenblick entscheidet,
sondern alles, was Vater und Mutter in ihrem ganzen Leben waren und
taten. Davon hngen Kraft und Gesundheit des Kindes ab. Sollte das nicht
schon lange vor der Ehe dem Triebe Zgel anlegen, damit er nicht die
Kraft vergeudet, die dem Kinde darum fehlen wird?

Wer sein Kind anschaut und aus seinem Gesicht die Schwche liest, mu
der nicht niedergedrckt werden, wenn er sich selbst daran schuldig
wei? Wer an seinen Kindern hliche Zge, Lsternheit und Verirrungen
bemerkt, mu der nicht entsetzt sein, wenn er wei, da sie nur seine
eigene Jugend von neuem beginnen? Es vererbt sich nicht nur Kraft,
sondern auch Schwche, nicht nur Krperliches, sondern auch Geistiges,
nicht nur gutes Denken, reines Empfinden, sondern auch geschlechtlich
verirrtes Denken, Charakterlosigkeit und Ausschweifung. Nie kann ein
Mensch etwas anderes erzeugen, als was er selber ist. Ein Kind ist wie
Vater und Mutter, gut oder schlecht. Darum sei gut, handle gut, damit
dein Kind gut sei und gut handle! La alles Unsaubere aus deinem
Liebesempfinden heraus, damit dein Kind ein schnes, reines Empfinden
habe! Gehe nicht den traurigen Weg vom Gott zum Tier, sondern geh den
einzig menschenwrdigen Weg, auf dem Gott den Menschen zum Herrn ber
das Tierische eingesetzt und ihm eine Durchgeistigung und Beseelung
seiner Triebe geboten hat. Denn ein geistiger Grundsatz, ein gttliches
Gebot, herrscht in der Welt! Erkennst du das, so wird das
Geschlechtliche dir zur Lebensschnheit, und du wirst die Kraft sparen,
die erst ~deiner~ Reife dienen soll, ehe sie dir in der Ehe und in den
reinen Augen deiner Kinder unendliches Glck bringen wird.

Es gibt Grnde, die dir die Geschlechtsbeziehungen vor der Ehe
entschuldigen und beschnigen wollen. Und gewi ist, an sich gesehen,
nicht alles hlich, was nicht die Ehe sucht. Aber ob's fr diese
sptere Dauergemeinschaft gut ist, das ist der Frage innerster Kern. Und
wenn auch die Farbenspiele bestechender Grnde den eigenschtigen
Liebesgenu umstrahlen--macht uns die Selbsttuschung besser? Vor dem
unbestechlichen Schiedsamt des Menschenwohles sind die schimmernden
Entschuldigungsgrnde wie Seifenblasen.

Sthle die sittliche Kraft deiner Jugend in der Entsagung! Je weniger du
den Geschlechtstrieb aufkommen lssest, desto mehr verliert er das
krperlich Aufdringliche, ~desto mehr verschmilzt er mit deiner Seele,
deinem ganzen Menschen~. Mehr und mehr wirst du dann zu jenen Menschen
gehren, deren krperliche Liebe allein aus dem Wunderborn der Seele
quillt, und nicht zu denen, deren Seele schweigt, whrend zugleich ihr
Krper von Geschlechtserregung gepeitscht ist.

Und du wirst Achtung vor der Frau und vor allem Weiblichen haben. Die
Welt ist so, wie wir sie sehen. Siehst du sie gut, so ist sie gut.
Siehst du sie schlecht, so ist sie schlecht. Es ist eine traurige
Mannhaftigkeit, die sich ihrer Verachtung alles Weiblichen rhmt, weil
sie Siege errang, die nur bezahlte Willfhrigkeit waren. Wer nur die
Dirne kennt, kennt nicht das Weib, und sein Urteil ist Anmaung. Es ist
Zeit, da anstndige junge Menschen den Mut finden, die frechen
Zotenreier und bramarbasierenden Bordellhelden zum Schweigen zu
bringen.

Wenn ein Mann das Weib, das er liebt, anschaut, so drngen sich
dazwischen gar leicht seine frheren Erlebnisse. Dann werden sie
begehrlich wieder lebendig, und Augen, die im Stolz leuchten sollten,
werden zu Boden gerichtet, weil ein Geheimnis die schne Wirklichkeit
trbt. Wer nur zur Befriedigung seiner Sinnlichkeit den Spuren des
Weibes folgte, kann nur schwer die Sinnlichkeit aus seinem Fhlen,
seinen Blicken scheuchen. Und er kennt nicht den wunderbaren Einklang
zweier Seelen, die in ihrer Liebe unbewut den Willen zum Guten, die
groe, allumfassende Menschenliebe in sich tragen.

Welch eine Welt von Schnheit verschliet sich mancher Mensch, weil die
sinnliche Schwerflligkeit seines Krpers ihm den geistigen Flug
verwehrt! Manche Seele hat sich in diesen rohen Geschlechtsverbindungen
verblutet und nur einen gierigen Krper zurckgelassen, in dem alles
Zarte, Schne, alles Weiche und Feine, erstickt ist. Das ist seelische
Verarmung--das allerschlimmste Menschenlos. Es ist ein Leben, das
keine Sonne, keine Wrme mehr hat. Warum nur schtzen wir diese
wundervolle Spannung der Keuschheit nicht hher? Warum ist die
Jugendkeuschheit nur ein Ideal fr das Weib und nicht auch fr den Mann?
Warum warten junge Mnner denn geradezu darauf, diese Reinheit von sich
zu werfen, und warum mu die vielgerhmte Mnnlichkeit sich denn
zuerst auf den gegensozialen Wegen des Dirnentums bewegen?

Ist denn wirklich die Geschlechtsehre des Mannes eine andere als die
des Weibes? sagt ~Vera~ in Eine fr viele. Und weiter. Ist die
Notwendigkeit der geschlechtlichen Befriedigung in den jngsten Jahren
nicht ein wohlorganisierter Schwindel? Oder ein groes Irren der rzte?
Kann die Keuschheit je so furchtbare, leben- und glckzerstrende
Krankheiten nach sich ziehen wie die Unkeuschheit? Und weiter. Der
Mann verlangt von dem Mdchen seiner Wahl nicht Keuschheit allein,
sondern auch einen unbefleckten Ruf. Mit Recht! Und das Weib soll ihren
Gatten mit Straendirnen teilen? Sie soll die Schmerzen der Mutterschaft
tragen, mit dem furchtbaren Bewutsein, da der Vater ihrer Kinder in
gekauften Umarmungen seine Jugendkraft vergeudete------sich nicht
scheute vor dem Schmutz, vor ekelhaften Krankheiten, in gemeiner
tierischer Sinnlichkeit seine Reinheit fortwarf ... der Vater ihrer
Kinder-- sage ich.----

Dies Verabuch war trotz seiner Hrten wie eine Fanfare, die eine neue
Zeit und eine neue Menschheit ankndete. Die geschlechtssittlichen
Forderungen konnten seitdem nicht mehr unterdrckt werden. Wir werden an
ihrer Durchfhrung arbeiten mssen, um den Menschen durch ein reineres
Geschlechtsleben eine festere Grundlage des Glckes zu geben.

~Es wird eine Zeit kommen, in der das, was die Menschen heute belachen,
wie eine heie, groe Sehnsucht in ihnen lebt. Vielleicht erwchst diese
Sehnsucht gerade aus dem Geschlechtselend unserer Tage. Dies Irren, dies
Leiden und Dulden in Geschlechtsausschweifungen, die dem Manne
Unterhaltung, dem Weibe schandbare Versklavung sind, wird sicher einmal
als entsetzliche Last empfunden werden, wenn die Menschen ber den
stumpfen Materialismus hinaus die feinen, geistigen Gesetze erkennen
lernen. Dann erst werden die Menschen das Mrchenland der Liebe finden,
wenn kein hliches Erinnern mehr ihre Seele verwirrt.~

Das Leben ist darum nicht verloren, weil die Jugend nicht rein und voll
Schnheit war. Ja, mancher Charakter formte sich erst aus trben
Erinnerungen, aus Fehl und Schuld. Aber den meisten hat doch der
Dirnengeist die Jugend vergiftet; denn fr die Seelenweichheit der
Jugend ist das Geschlechtsabenteuer ein starker Eindruck, vielleicht in
seiner rohen Sinnlichkeit strker als das, was spter ein reines,
liebendes Weib gibt. Und von all den Roheiten der bezahlten Liebe wird
etwas ins Erinnern eingefgt und schiebt sich hlich in all die
blhende Schnheit, die die Liebe bringt.

Wie viele Frauen bereuen die Ehe, hassen und verachten den Mann, den sie
doch einmal ber alles geliebt haben. Aber er hat sie getuscht. Mit ein
wenig Charakterlosigkeit und geschlechtlichem Schmutz in seinem Vorleben
begann es. Das fra sich in ihm fest. Das durchwob sein Inneres so, da
ihm die Ehe zu rein, zu langweilig erscheint. Zunchst verschweigt er
sein Vorleben. Dann kann dies trbe Geheimnis nichts Gutes fr seine Ehe
sein. Oder er sagt's seiner jungen Frau. Dann werden ihre Gedanken
versuchen, sich in dieser ihr innerlich fremden Welt zurechtzufinden,
und unter Trnen, mit viel Weh im Herzen, entwickelt sich die Ehe
aus--einem Verzicht. Oder aber die Frau ist flach und oberflchlich,
dann lacht sie, und es ist ihr alles gleichgltig. Die Vera-Naturen aber
sind zahlreicher, als man glaubt, Frauen, in deren Innerem in solcher
Stunde eine Saite angeschlagen wird, deren Ton fr immer dem Ohr
verklingt. Sie, deren monogamischer Instinkt hchstes Feingefhl ist,
knnen nicht oder nur mit berwindung einem Manne folgen, der aus einer
ganz anderen, viel grberen Gefhlswelt kommt, und den die Hlichkeit
geschlechtlicher Ereignisse, ein anderes Weib, ein uneheliches Kind, von
ihnen trennt.

Zwar leben wir in einer Zeit sittlicher Neuordnung. Und ehe aus dem
Streit der Meinungen das feste Gefge der neuen, gerechteren Moral sich
bildet, wird groherziges Verzeihen, auch von seiten der Frau, dem Manne
den Weg ebnen von den wirren Geschlechtsirrtmern der Jugend zur
Reinheit der Ehe. Wie gro ist aber der Jammer der vielen Frauen, deren
Mnner das heilige Treuversprechen gebrochen haben, weil die
Dirnenerinnerungen wie Unkraut, wie eine bse Krankheit der Phantasie,
in ihnen fortwucherten, bis der ganze Schmutz der Untreue und der
sittlichen Verlumpung sich auf die Ehe wirft und sie zerstrt! Von
ungefhr kommen doch diese Eheskandale nicht. Die Untreue, dieses rein
krperliche, gemeine, geschlechtliche Vernderungsbedrfnis hat sich der
Mann angezchtet bei den wechselnden Dirnen und der treulosen
Zuflligkeit seiner Verhltnisse. Und wer festigt dem Weibe den
Begriff der Treue, wenn sie als Mdchen einmal in dieses, ein andermal
in jenes Mannes Hnden war? Die geschlechtliche Treulosigkeit vor der
Ehe baut dem Treubegriff der Ehe ein morsches Fundament.

Die moralisch-monogamischen Forderungen, die wie eine neue
Ordnung--aber aus uralten Entwicklungsgesetzen heraus-- von Frauen
erhoben worden sind, knnen nicht mehr verstummen. Denn Einehe
(Monogamie) ist das Gesetz des Weiblichen, ist der Unterbau der Ehe, die
sittliche Grundlage der Erziehung. Prof. ~Albert Heim~, Zrich sagt:
Der monogamische Instinkt ist von der Natur erzchtet. Bricht ihn die
Menschheit im ganzen und dauernd wieder, so bricht sie mit ihm
zusammen.

Je willenloser ein Mensch sich dem Geschlechtsempfinden hingibt, desto
mehr ist er Sklave seiner unsauberen Erinnerung geworden. Will er die
Erinnerung auslschen, so braucht's einen mannhaften Entschlu: Bis
hierher! Nun nicht mehr weiter!

Wer so ein neues Leben auf dem festen, frhlichen Willen zum Guten
beginnt, den wird das Schlechte, das er getan, nicht in alle Zukunft
hinein verfolgen. Es ist abgetan, und schn und rein leuchtet dir die
Zukunft.

    Der Mensch ist Wille!

Die Ehe ist ein Idealzustand und trgt in sich den Zweck und die
Mglichkeiten einer unendlichen Vervollkommnung der Menschheit. Die
Forderung der Treue, die wir fr die Ehe aufgestellt haben, entspricht
dem uns eingeborenen sittlichen Empfinden, und diese tiefinnerliche
Moral ist immer diejenige, welche dem Fortschritt der Rasse dient.

Wenn darum Stimmen laut wurden und namentlich gegen das unbedingt
folgerichtige Verabuch Schriften ber Schriften erschienen, die gerade
im Geschlechtsleben ~vor~ der Ehe eine Art von Luterung und Ausreifung
der Persnlichkeit sehen, so ist demgegenber auf das Wort des
positivistischen Philosophen ~Comte~ hinzuweisen, da man sich nicht
durch Unsauberkeiten auf ein Ideal vorbereiten kann. Unsauberkeiten sind
es aber; denn alles Hliche, das das menschliche Geschlechtsleben
erfat und berwuchert hat, kam aus der Verletzung der moralischen
Gesetze. Ja, sicherlich nicht nur fr das Geschlechtsleben, sondern fr
das ganze Menschenleben ist nichts von so furchtbaren Folgen gewesen als
diese geschlechtliche Unsittlichkeit, diese Treulosigkeit gegenber
sittlichen Gesetzen, die in der gttlichen Natur des Menschen liegen.

Mit jeder Verletzung der Moral schreiten wir rckwrts, durchqueren wir
das Weltgesetz der Entwicklung, das nach oben und nicht nach unten,
nicht rckwrts, fhrt. ~Mit jeder Verletzung der Moral greifen wir
strend in die Rechte und das Wohl anderer ein. Denn es gibt keine
persnliche Sittlichkeit, es gibt nur eine Sittlichkeit, die die
Gesamtheit frdert.~ Diese Sittlichkeit haben auch tiefstehende Vlker,
ja selbst Tiere haben sie; denn wir sehen die Tiere handeln nach
Gemeinschaftsgesetzen. Die Gemeinschaft der Lebewesen braucht die
Geschlechtskraft, und der blhende Empfindungsreichtum der Zeugung ist
das groe Wunder der Natur. Aber sie braucht diese Geschlechtskraft
natrlich und rein und nicht als einen gegen das soziale Wohl
gerichteten Eigennutz. Wer das nicht fhlt, hat darum nicht das Recht
fr sich. Und der Stolz junger Menschen mte sich aufbumen gegen die
schlaffe Massenauffassung des Alltags. In hochentwickelten
Einzelmenschen nur leben die Sittengesetze als gesunder Rasseninstinkt,
und wir andern werden ihnen nacheifern, wenn wir an ~Carlyles~ Wort
denken:

Die Menschen leben um des Besten willen!

Prof. ~A. Herzen~ sagt[4]: Die wirkliche sittliche Handlungsweise ist
diejenige, welche man als allgemeine Verhaltungsmaregel aufstellen
kann; und diese Regel wird sofort von jedem normalen kultivierten
Menschen angenommen werden, der nicht mit geistiger oder sittlicher,
angeborener oder erworbener Unzulnglichkeit oder mit Wahnsinn behaftet
ist.

Wenn nun, wie wir wissen, die Zeugungskraft und Liebesfhigkeit ein
Hauptstamm des Lebens ist, dessen verschiedene Abzweigungen wir
Menschen- und Nchstenliebe, Spannkraft, Begeisterungsfhigkeit, Mut,
Ritterlichkeit, knstlerische Kraft usw. nennen, mssen nicht alle diese
Krfte eine Verschlechterung erfahren, wenn die Liebeskraft mit unreinem
Denken genhrt wird?

Diese Besudelung des Liebeslebens ist schlimmer, als die meisten ahnen.
Und es ist darum wohl erklrlich, da heute mehr ber diese Dinge
gesprochen wird, als dem feinempfindenden Menschen lieb sein kann. Aber
wir mssen darber einmal zur Klarheit kommen, schon deshalb, weil das
Wort vom Sichausleben zur Phrase geworden ist und unsere Jugend
verderbliche Wege fhrt. Warum bewegt sich die Wirklichkeit dieses
Sichauslebens denn nur immer im Rahmen eines unsauberen
Geschlechtslebens und richtet sich nicht auf krperliche und geistige
Hchstentwicklung?

Wten die jungen Leute nur erst, wie sie ihr eigenes Glck schdigen,
weil die Dirne ihnen die Achtung vor dem Weibe und allem Weiblichen
nimmt! Der Glaube an die Mutter hat einmal unsere Jugend verschnt, und
diese schne Erinnerung folgt uns in das Leben. Was hat die Mutter alles
fr dich getan? Mit Schmerzen hat sie dich geboren, deinetwegen mute
sie auf so vieles verzichten, was dem Manne das Leben vielgestaltig
macht. Das Verhltnis von Mutter und Kind ist ein kleines Heiligtum, das
der Mann als Gatte und Vater schtzt.

~In jedem Weibe aber steckt die Mutter.~ Jedes Weib soll Reinheit dem
Manne darbringen, der sie zur Mutter macht. Willst du vorzeitig in dies
Heiligtum eingreifen? Willst du, der du als Mann Schtzer und
ritterlicher Hter des Weibes sein sollst, ihr Verderber, ihr Verfhrer
werden? Sei gut und voll Achtung zu jedem Weibe, achte und ehre die
Mutter in ihr!

Du wirst antworten, da nicht immer der Mann die Schuld trage, sondern
oft das Weib die Verfhrerin sei, und da die Prostituierte nicht
Achtung verdiene, sondern genommen werden msse, wie sie ist. Ich will
die Dirne nicht besser machen, als sie ist. Aber wie viele von denen,
die auf den Straen sich verkaufen, sind durch Verfhrung, Elend,
schlechte Erziehung in das Schandgewerbe hineingetrieben worden! Darfst
du die elende Lage, in die ein Mensch durch eigene oder fremde Schuld
hineingetrieben wurde, fr deine Gensse mibrauchen? Und wenn du die
Prostituierte gar nicht achten kannst, wenn sie dir verworfen erscheint
und du dich darum der Verantwortung berhoben glaubst, so bleibt es fr
dich entwrdigend, mit einem Menschen in Beziehung zu treten, den du
verachtest.

Aber mit der Verachtung sollten wir vorsichtig sein. Im Gewoge des
Lebens steigt einer nach oben, der andere sinkt unter. Gute erbliche
Anlagen erleichtern das Leben, schlechte erschweren es. Dem Weib, das
Dirne wurde, gab die Vererbung wohl schlimme Keime. Schlimme
Verhltnisse lieen das Schlechte aufblhen. Aber mache sie nicht
schlechter! Wenn du ihr Gewerbe benutzest, so bringst du sie--wie so
viele andere--noch tiefer in den Sumpf hinein. Warum wolltest du das
tun?


5.

Das Verhltnis.

Das Erwachen der Liebe bringt der Jugend Gefahren und Irrtmer. Je
strker ausgeprgt der sinnliche Trieb ist, desto lebhafter werden
Beziehungen zu weiblichen Wesen gesucht. Wie die Sonne alles in ihre
Farben taucht, so umspielt die Erotik Mann und Weib. Eine
freudig-festliche Stimmung, Lichterglanz, ein paar Musikakkorde, ein
erregter Tanz oder dergleichen, und schon ist der Liebesfunke zur Flamme
angefacht. Schon schiebt sich der Begriff ewig in das eben geknpfte
Band ein. Manchmal ist's ja ein Band frs Leben, hufig aber zerreit's
schon frh, und manchmal sieht der andere Morgen schon Ernchterung und
Reue.

Aus diesen losen, flchtigen Beziehungen hat sich das herausgeschlt,
was Tausende von Mnnern kennen, und was in unserer Gesellschaft ein
ffentliches Geheimnis ist, das Verhltnis. Ein im Grunde einfacher
Vorgang: eine geschlechtliche Beziehung zu einem Mdchen, das nicht
Dirne ist, sondern Brgerstochter, Verkuferin, Modistin, Schneiderin
oder hnliches, und das man eines Tages verlt, um eine andere zu
heiraten. Sie gibt sich ihm hin, weil seine bessere soziale Stellung
ihrer Eitelkeit schmeichelt, oder weil er die ihm geschenkte Gunst
bezahlt, oder auch, weil--sie ihn liebt und glaubt, von ihm geheiratet
zu werden.

Von seiner Seite ist's nicht Liebe, sondern die Gewohnheit des
Geschlechtsgenusses. Liebe nur, wenn die sozialen Abstnde die Ehe
unmglich machen. Manche Tragik entsprang dieser Wurzel; das sogenannte
Verhltnis aber ist meist fr den jungen Mann ein bequemer Weg des
Geschlechtsgenusses, der keine ernstliche Verantwortung mit sich bringt.
An sich selbst denkt er, und die Geschlechtserregung mag ihm ja auch
Liebe vortuschen, aber seine Absicht geht gegen ein dauerndes Band. Das
kann nicht Liebe sein. Und wenn die Stunde der Trennung kommt, gibt's
oft viel Weh im Herzen des jungen Mdchens, viel Jammer und Bitten und
Trnen, weil doch die Liebe des Weibes, das seinen Leib hingab, ein
Stck von ihrem Leben ist, whrend der junge Mann sich von seinen
Geschlechtserlebnissen oft mit rcksichtsloser Klte loslst.

Knnen diese Rohheiten Vorbereitung auf die Ehe sein? Zerstren sie
nicht die Gemtstiefe, die einer Ehe Inhalt und Schnheit gibt? Wird
nicht die Liebeskraft vergeudet, die ungebrochen einem einzigen Weibe
gehren soll?

Und was wird aus dem Mdchen, das verlassen ist? Findet sie einen
anderen Mann, der sie heiratet, so wird sie verschweigen mssen, was
sie erlebt. Was man verschweigen mu, kann nicht gut gewesen sein. Oft
aber geht sie aus einer Hand in die andere und endet als Dirne. Denk'
einmal, wenn es deine Schwester wre! Welch ein entsetzliches Geschick
fr dich und deine Familie! Und viele junge Leute hufen, nur weil sie
genieen wollen, solches Leid auf die anderen, die oft schwer daran zu
tragen haben.

Es liegt im Verhltnis eine Unehrlichkeit, die die sittliche
Persnlichkeit untergrbt. Du verlierst die Ehrfurcht vor dem Weibe,
weil du es nicht mit Achtung als Mensch, sondern mit Sinnlichkeit als
Geschlechtswesen genommen hast.

Es gibt gewissenlose Schrzenjger, deren dumme Frechheit jahrelange
Erfolge hat, weil selbst unter den Freunden und Kameraden niemand ihnen
sagt, da ihr Tun nicht Mannhaftigkeit, sondern Erbrmlichkeit ist. Wir
mten fr mehr Klarheit in unserem Urteil sorgen.

An geistig hochstehenden, wertvollen Frauen prallt der schale Witz
solcher Laffen ab; sie knnen sich hchstens ihrer Erfolge bei Dirnen
und charakterlosen Elementen rhmen, und auch da sind sie oft betrogene
Betrger, ausgenutzte Dummkpfe gewesen.

Das Verhltnis ndert seinen durch die Erregung der Sinnlichkeit immer
wieder beschnigten Charakter in demselben Augenblick, in welchem die
hier ebenso notwendigen wie hlichen Manahmen zur Verhtung der
Befruchtung milungen sind, und das werdende Kind als eine angstvolle
Tatsache da ist, das nun das wohlbehtete Geheimnis dieser
Geschlechtsbeziehungen der ffentlichkeit zu enthllen droht.--

Und dann?

Beim Manne tdliche Verlegenheit, Sorge fr Ruf, Stellung, Name,
Gedanken an Trennung, weil nun das Verhltnis lstig wird. Beim
Mdchen jagende Angst, Wunsch nach Schutz, Furcht vor dem Entdecktwerden
und dazu krperliche Leiden. Und dasselbe Kind, das zwei sich wahrhaft
liebende Menschen in der Ehe erst recht fest aneinanderkettet, trennt
meist zwei Menschen, die den bloen Geschlechtszweck ihres
Verhltnisses mit dem Worte--Liebe zu entschuldigen suchten.

Auf dem Lande und bei der Arbeiterschaft pflegt die unwillkommene
Liebesfrucht meist den Entschlu zur Ehe zu erzwingen. Man heiratet
sich, und das ist ehrlich. Damit bereitet man dem Kinde ein Nest, ein
Heim, und die junge Mutter ist geschtzt vor Sorgen und bsen
Lsterzungen.

Aber in der Stadt besteht fr alle besseren Schichten die bequeme
Einrichtung der Alimente. Die Vatersorgen und die anstndige Gesinnung
werden abgelst durch ein geringes monatliches Geldopfer. Gewi, der
Gesetzgeber konnte vielleicht nicht anders. Er kann nur einige
rechtliche Ordnung schaffen. Aber er hat uns zu viele Mglichkeiten
geschaffen, Gemtswerte durch Geldwerte abzulsen.

Es wre falsch, zu sagen, da der Leichtsinn des Verhltnisses die
Pflicht zur Ehe in sich trgt, wenn das Kind dem sinnlichen Idyll ein
jhes Ende bereitet. Denn dann knnte die Schwangerschaft eine Leimrute
sein, mit der ein raffiniertes Weib einen Gimpel fngt. Ich will nur die
Verwirrung beleuchten und die Rohheit zeigen, die oft mit dem
unehelichen Kind sich entwickeln. Manche himmelstrmende Liebe endet
durch die Abttung der Frucht vor dem Strafrichter.

Die Zahl der Totgeburten bersteigt bei den unehelichen Kindern berall
in Europa anderthalbmal diejenige bei den ehelichen. Manches eben
geborene Kind wird von der ratlosen, verzweifelten Mutter gettet oder
an Fremde abgegeben.

Das Hchste, Heiligste, was wir Menschen kennen, die Mutterschaft, wird
besudelt, entehrt, wird zum Verbrechen. Grenzenloser Jammer erstickt das
Gefhl des Mdchens, das Mutter wurde und verlassen wurde.

Rings um die groen Stdte wohnt in lndlichen Bezirken ein Kreis von
Menschen, die sich mit der Pflege unehelicher Kinder gegen einmalige
oder periodische Vergtung systematisch und beruflich beschftigen,
systematisch und beruflich aber auch unter dem Deckmantel der Pflege
die--Ttung besorgen. Manchmal wei das die Mutter nicht, manchmal
aber wei sie es.

Das Leid des unehelichen Kindes ist zu oft gesungen worden, als da ich
dazu Mollakkorde geben mte. Verbrechen und Unehelichkeit, Prostitution
und Unehelichkeit, das sind fast unlsbare Zusammenhnge. Der Unterbau
des Lebens und der Charakterbildung, die mit Liebe und Achtung
durchzogene Ehe, fehlt dem unehelichen Kinde. Gerade in den
Kinderjahren, den Jahren der Weichheit und Aufnahmefhigkeit, der
Lenkbarkeit, fehlen oft die festen Grundstze gesunder Erziehung,
herrschen oft Willkr, Vernachlssigung und der verderbliche Einflu der
Strae. Der Vater fehlt, die Familie fehlt. Dem Genu eines Augenblicks
entsteigt ein neues Menschenleben, das verfehlt und verdorben ist, weil
die Verantwortung fehlte.

Es ist oft, als sei im Geschlechtsleben das Rechtsgefhl vollkommen
geschwunden, das doch beispielsweise in den kleinsten Geschfts- und
Geldsachen so fein entwickelt ist. Wer ein Geldstck stiehlt, kann ins
Gefngnis kommen. Wer aber im Geschlechtsleichtsinn einem andern
Menschen Glck und Namen, Ehre und Leben stiehlt, der kann sich auch
ohne viel Geschick durch die Paragraphen hindurchwinden. Die
gesetzeberatenden und gesetzemachenden Mnner haben augenscheinlich zu
wenig an das Weib gedacht; denn die Rechtsprechung aller zivilisierten
Lnder lt dem Manne berall da Durchschlupfe, wo sich das Weib in den
Irrgngen der sexuellen Doppelmoral fngt. Ja, die napoleonischen
Gesetze Frankreichs zeigen eine offenbare Verachtung der Frau. Diese
Verwirrung in Geschlechtsfragen hat scheuliche Zustnde gezeitigt.
Irgendein junger Mensch ist der Verfhrer. Seine sexuellen Wnsche sind
lebendig geworden. Er lernt ein Mdchen kennen, und seine Sinnlichkeit
treibt ihm betrende Lgen auf die Lippen. Sie glaubt ihm und wird
verfhrt. In irgendeinem verschwiegenen Winkel kommt sie nieder. Alle
Welt zeigt mit Fingern auf sie: sie hat ein Kind. Warum nicht auch auf
ihn? Es ist doch auch ~sein~ Kind. Ein uneheliches Kind kann die Ursache
sein, da die Mutter in chtung, Verzweiflung und Tod getrieben wird,
da sie ein Leben lang bt fr eine Stunde voll glhender Worte. Der
Mann aber kann am nchsten Tage die gleiche Komdie wiederholen. Und
wenn dieser brutale Egoismus soundso oft mal in das Leben von soundso
vielen Frauen zerstrend eingegriffen hat, dann deckt leicht eine
glnzende Heirat den Schleier der gesellschaftlichen Stellung ber die
innere Erbrmlichkeit.

Wo bleibt hier das Rechtsbewutsein, die Grundlage jeder menschlichen
Gemeinschaft? Wie viele Mnner gibt es, Geschftsleute, Direktoren von
Theatern, Gesellschaften, Kaufhusern usw., die ihre soziale Macht und
die soziale Bedrngnis ihrer Angestellten dazu ausnutzen, die hbscheren
jungen Mdchen in ihre Hand zu bekommen, die aber bei der Heirat sich
doch nach einer Frau von gutem Ruf umsehen.

Welch ein beschmender Mangel an einfachem Rechtsgefhl! Mancher Mann,
der ein unschuldiges junges Mdchen zur Mutter gemacht hat, ist dadurch
wie ein wildes Tier in das Glck und den Frieden einer ganzen Familie
eingebrochen. Und doch geht uns die Phrase nicht aus den Ohren, die
Geschlechtsbeziehungen des Mannes seien weniger verhngnisvoll als
diejenigen des Weibes.

Wenn die Mdchen, die heiraten, immer wten, wie sehr die hlichen
Bilder der Vergangenheit ihres Geliebten den schnen Phrasen des
Augenblicks widersprechen, wenn sie wten, wieviel himmelschreiendes
Unrecht, begangen an anderen, durch die Ehe sanktioniert werden soll,
wenn sie wten, wie oft es vorkommt, da abseits von dieser Ehe ein
verlassenes, verhrmtes Weib in Not und mit Bitterkeit fr das Kind des
Geliebten sorgt, dann wrden Schatten durch glckliche Gesichter ziehen,
und in mancher Frau wrde wohl die Erkenntnis reifen, da fr das Glck
der Menschen und die Schnheit der Ehe die voreheliche Reinheit des
Mannes genau so wichtig ist, wie die Reinheit des Weibes. Immer ist die
Liebe die Lebensgestalterin. Sie gestaltet es gut oder schlecht. Darum
mu diese gestaltende Kraft rein gehalten werden.

An der alljhrlichen Zunahme der unehelichen Geburten erkennen wir die
ins Grenzenlose gewachsene geschlechtliche Gewissenlosigkeit der Jugend.
Der unehelichen Mutter hat das Kind die soziale Lage sehr erschwert. Um
so schutzbedrftiger sieht sie nach dem Manne; um so schmachvoller ist
es, wenn dieser sie verlt. Nur die Ehe kann dem mtterlichen Weibe und
dem Kinde ein sicherer Hort sein. Darum lockern diese leichtsinnigen
Geschlechtsverbindungen das ganze Gebude unseres sozialen Fhlens,
Denkens und Handelns. Geschlechtliche Ungebundenheit ruiniert ein Volk;
denn sie ist eine Roheit und eine Gefahr fr den Nachwuchs. Sie ist ein
ununterbrochener, geheimer und niedertrchtiger Kampf gegen die Einehe,
die als hchstes Sittenideal unserer in uns schlummernden Ethik
entstiegen ist. Alles, was die monogamische Ehe frdert und vorbereitet,
ist zugleich sittliche Ordnung, Festigkeit, Gesundheit, Kraft und
Menschenglck, alles, was sie strt, bringt Zerfall, Unglck,
Proletariat, Krankheit. Das ist ~das uralte und urewige Gefge der
Natur, da der Mann Hter und Schtzer von Weib und Kindern sein soll.~
Mag auch die Strmung der Zeiten die Frau emanzipieren, ihr soziale
Selbstndigkeit und Unabhngigkeit geben wollen, was vermag dies Eifern
vor dem gebietenden Wort der Natur! Das Weib ist Mutter! Das ist sein
Glck und sein Ruhm, aber auch die ewige Bedingtheit ihrer Lebensform,
ihre ewige und unabnderliche Abhngigkeit vom Mann.

Und wer aus der traurigen Nchternheit und grenzenlosen Banalitt vieler
Ehen eine Waffe zur Bekmpfung der ehelichen Gemeinschaft berhaupt sich
herrichtet und in der freien Liebe das Heil sieht, der sollte sich
fragen, ob denn die freie Liebe etwas ndert an den ehernen
Naturgesetzen, die die Ehe geformt haben, sollte sich fragen, ob denn
die Menschen, deren Seelen matt sind und die kraftlos zu einem
Liebesideal aufschauen, in einer ungebundenen Liebe die Verjngung
finden, die sie glcklicher machen kann. Das Leben bedarf so sehr dieser
ewigen Verschmelzungs- und Verjngungsprozesse durch Mann, Weib und
Kind, da sich die Forderung der vorehelichen Reinheit, das Ideal der
Treue und die Tatsache der monogamischen Ehe als biologische, soziale
und sittliche Grundforderungen herausgebildet haben.

Der Vergleich mit der geschlechtlichen Wahllosigkeit mancher Ur- und
Primitivvlker ist nicht stichhaltig. Sie haben ein auf tiefster Stufe
stehendes Geistesleben und kennen darum nicht die Liebe, knnen uns
nicht Mastab sein. Aber die Liebe ist durch die Jahrtausende
hindurchgeschritten und steigerte stndig ihre Seelenkraft, vertiefte
und verfeinerte sich, und ward so eine duftige Blte zartester
Seelenkultur. Jeder rohe krperliche Akt, dem die Seele mangelt, treibt
sie wieder zurck bis dahin, wo sie angefangen. In dem unbewuten
Stammeln der im Selbstvernichtungsrausch versinkenden Liebenden Nur
du, ewig du allein, liegt unbewut die allerstrkste Betonung der
Monogamie.


6.

Vor der Ehe.

Es kann nur ~einen~ Weg der Vorbereitung auf die glckliche Ehe geben,
das ist der der eigenen Reinheit und die bei aller unbewuten Erotik
geschlechtslose Beziehung zu Frauen. Wehe dem Manne, der im Weiblichen
nur das Geschlechtliche sehen kann, der fr dies ~eine~ seinen Sinn
steigerte und fr alles andere stumpf wurde. Ihm hat auch die Ehe nur
Geschlechtsinhalt. Er kennt nicht die hchsten Gensse, die in der
innigen Ergnzung der besonderen geistigen Persnlichkeit des Mannes mit
weiblicher Art, weiblichem Denken liegt. Meide den Umgang mit wertlosen
Frauen, aber suche und pflege mit der Freundschaft zu guten Menschen
besonders die geistigen Beziehungen zu edler Weiblichkeit. Deine
Mnnlichkeit, dein Auftreten, deine Lebensformen werden ausreifen, wenn
der Hauch gesunder Weiblichkeit dich umweht. Kannst du deine Interessen
mit einer Freundin austauschen, so bekommt deine Anschauung noch eine
andere, sich ergnzende Richtung.

Und siehst du in der Freundin eines Tages die Geliebte, denkst du sie
dir als Gefhrtin des Lebens, nun, so war's wohl ein guter Entschlu.
Aber prfe, ehe du dich bindest! Hast du dich entschlossen, so glaube
nur nicht, jetzt sexuelle Rechte zu haben! Gerade dies Poussieren,
diese hufigen Geschlechtserregungen in allen Winkeln und dunklen Ecken,
diese Liebkosungen sexueller Art sind so verderblich fr das
Nervensystem. So wenig Haltung bewahren oft junge Menschen, da sie
jedes Alleinsein zu unsauberem Denken und Tun mibrauchen, oft nur, weil
sie zu geistlos und zu sehr ohne inneren Wert sind, als da sie das
Alleinsein mit Schnerem ausfllen knnten. Wenn so schon der Jugend die
Poesie gestorben ist, sollte man den Schritt zur Ehe nicht mehr wagen;
denn die Ehe wird zum Ekel.

~Lerne bewundernd zu lieben, ohne zu begehren!~ Dann wird das, was du
liebst, dir lange, lange das Schne bleiben! Liebe ist Wunsch, ist
Sehnsucht, ist Spannkraft der Seele. Tte das alles nicht, indem du
vorschnell an dich reiest, was deiner Sehnsucht lebendiges Ziel sein
soll. Mag auch ein sinnliches Begehren dich zu dem Mdchen, das du
liebst, hinreien, falle ihm nicht zum Opfer. Ihr entschleiert das Bild
zu Sas! Solange die unerfllten sinnlichen Wnsche ~in~ dir leben,
beschwingen sie deine Liebe und treiben dir Worte der Poesie auf die
Lippen. Du siehst alles, alles schn und farbenprchtig, idealisierst
die Wirklichkeit, hast Jugend in dir; denn Jugend ist Wunsch und
poesievolle Spannung. Die befriedigte Liebe aber, wenn sie nur
krperliches Begehren war, wird arm an Worten, und es ist die tiefe
Tragik der Liebe, da sie in ihrem hchsten Begehren stirbt. Sie kann
sich selbst bekmpfen, in der eigenen Glut aufzehren, und es braucht
klare Augen und einen festen Willen, sie in Schranken zu halten.

Wieviel unglckliche Ehen entsteigen dieser geschlechtlichen
Voreiligkeit! Die Erregung raubt Besonnenheit und Urteil. Ein Kind ist
entstanden und treibt die zwei leichtsinnigen Menschen in die Ehe
hinein, den Mann oft gegen seinen Willen. Was freieste Entschlieung und
seelische Hochspannung zweier Menschen sein sollte, wird eine
Zwangsmanahme, die aus innerer Angst und aus Furcht vor dem Skandal
geschah. Gerade wenn der Wunsch nach dem Weibe die Sinne fllt, sollte
man mit Entschlssen zgern. Was wir gar zu heftig begehren, sehen wir
nur in seinen Vorzgen, nicht auch in seinen Schwchen und Mngeln. Und
manches Mdchen, das fr den Geliebten gttlich war, wird fr den
Gatten, wenn der Alltag der Ehe den Morgentau der Liebe abstreifte, mehr
als irdisch. Darum prfe dich lange und zhme immer deine Sinnlichkeit.
Denn durchbricht sie die Schranken, so entscheidet sie oft ber Dinge,
die noch gnzlich unentschieden sind, und knpft oft ein Band, das
besser ungeknpft bliebe.

So betrachtet, wird dir die Liebe zur beschwingenden Kraft. Aus dem
Gegenspiel von Erotik und ihrer Beherrschung erwchst dir die Achtung
vor dir selbst und vor der Weiblichkeit. Je grer diese doppelte
Achtung ist, desto weiter rckst du ab von der Prostitution und allem,
was aus ihr entspringt und mit ihr zusammenhngt.


7.

Schadet der Jugend die Enthaltsamkeit?

Es wird viel und gern davon gesprochen, da die geschlechtliche
Bettigung vor der Ehe eine Notwendigkeit sei, eine Forderung der
Gesundheit. Diese letztere solle Schaden nehmen in der Enthaltsamkeit.

Die einen stellen diese These auf und verteidigen sie mit
Hartnckigkeit, die anderen bestreiten sie energisch. Ich zgere keinen
Augenblick, zu sagen, da es viele Flle von Schden der Enthaltsamkeit
gibt, Schden, die sich bei der geistigen Arbeit, im Schlaf, im ganzen
geistigen und krperlichen Leben berhaupt zeigen. Es wre falsch und
widersprche der Wissenschaft und den alltglichen Vorkommnissen, einer
sittlichen Absicht zuliebe physiologische Erscheinungen rundweg leugnen
zu wollen. Das erzeugt Widersprche, die zu Waffen in der Hand der
Gegner werden.

Aber derartige Schden treten erst bei der Geschlechtsenthaltsamkeit der
Erwachsenen auf und haben fr die Jahre der Entwicklung, fr die Jugend,
nicht die mindeste Geltung. ~Fr die Jugend ist die Enthaltsamkeit nicht
nur nicht schdlich, sondern eine Grundbedingung vollkommener
Entwicklung.~

In der Tierzucht ist es ein ganz selbstverstndlicher Grundsatz, Tiere
niemals vor vollendeter Reife zur Geschlechtsbettigung zuzulassen, weil
man dadurch das Tier schwcht, seine Leistungsfhigkeit (z.B. bei
Rennpferden, Jagdhunden, Lasttieren) vermindert und schlielich die
ganze Rasse herabzchtet. Zwischen Fortpflanzungstrieb und Lebensdauer
besteht eben ein unlsbarer Zusammenhang. Ganze Vlker versinken in der
Widerstandslosigkeit gegen den Geschlechtsreiz. Den Indiern hat nichts
so sehr die Kraft genommen, als die frhen Heiraten, die schon von
Kindern geschlossen werden. Es kann niemals gut sein, wenn ein Trieb
sich so entwickelt, da er alles beherrscht. Eine Schwchung des Ganzen
mu die Folge sein.

~Noch nie, solange die Welt steht, hat die Keuschheit so ungeheuren und
entsetzlichen Schaden angerichtet, wie die Ausschweifung.~

Die Schden, von denen man spricht, sind aufgebauscht und werden zur
bequemen Entschuldigung fr den Geschlechtstrieb, den zu zgeln man
nicht die Kraft und den Willen hat. In diesem Punkte gibt es so viele
Tuschungen, als es Behauptungen gibt. Denn alle die Zustnde, die man
in den bequemen und gedankenlosen Begriff nervs zusammenfat, die
Unruhe, Schlaflosigkeit, Arbeitsunfhigkeit, allgemeine Schlaffheit,
Verdauungstrgheit, Mimut, Gemtsbedrcktheiten u.dergl., die fast
alle aus vllig unnatrlicher Lebensart sich ergeben, wenn die Freuden
der Tafel ber die Bedrfnisse des Lebens hinausgehen und der Krper
nicht genug Bewegung hat, diese Zustnde werden gern und vorschnell dem
Mangel an Geschlechtsgenu zugeschrieben, weil man so die Sinnlichkeit,
mit Grnden wohl versorgt, auf den glatten Boden eines vergngten Lebens
hinausschicken kann. Denn um ein Vergngen handelt sich's wohl bei all
den jungen Mnnern, die ihre leichtfertigen Liebesabenteuer mit der
Flagge der bedrohten Gesundheit verteidigen.

Die gesamte Art der Menschheit, zu leben, zu arbeiten, zu essen und zu
trinken, und demgem zu denken und zu fhlen, ist so grundfalsch, so
von den natrlichen Gesetzen abgewichen, auf Abwege geraten, da auch
unser Urteil ber den Geschlechtstrieb und seine uerungen notgedrungen
falsch sein mu. Wie kann man aus ungesunden Lebensformen physiologische
Gesetze folgern wollen?

Es ist wohl gut, auf einige uerungen von Mnnern hinzuweisen, die auf
Grund ihres wissenschaftlichen Urteils und ihrer Lebenserfahrungen
gehrt zu werden verdienen. Dabei will ich verzichten auf die Wiedergabe
des bekannten Schreibens der medizinischen Fakultt der Universitt
Christiania, erstens, weil es aus dem Jahre 1887 stammt, und vor allem,
weil mehrfach angezweifelt worden ist, ob in der Tat die ~ganze~
Fakultt es unterzeichnete. Tatsache aber bleibt, da die jngeren
norwegischen rzte in ihrem Fachblatt das erwhnte Urteil der Fakultt
zu ihrem eigenen gemacht haben.

Der bekannte Nerven- und Irrenarzt Prof. _Dr._ ~Aug. Forel~ sagt: Die
angebliche Nervositt resp. physische Erregbarkeit, Abspannung usw.,
welche die Keuschheit nach sich ziehen soll, wird als ein Hauptargument
zur Verteidigung der staatlichen Frsorge fr weiberbedrftige Mnner
herangezogen. Ich bin in meiner rztlichen Laufbahn von zahlreichen
jungen Neurasthenikern und Hypochondern konsultiert worden, welche
frher keusch waren, erst auf rztliche Anordnung hin Bordelle besuchten
und vielfach dort venerisch angesteckt, jedoch weder von Neurasthenie
noch von Hypochondrie kuriert wurden. Einen irgendwie nennenswerten
Erfolg von dieser Therapie habe ich selbst nie beobachtet.

Zweifellos dagegen ist es, da der ausposaunte angebliche Schutz gegen
Syphilis (von einem Schutze gegen gonorrhische Infektion wagt niemand
zu sprechen), verbunden mit den zahllosen Lockungsmitteln, welche die
in diesen Geschften pekunir interessierten Personen zur Vermehrung
ihrer Kundschaft anwenden, die Zahl der sich prostituierenden jungen
Mnner ungeheuer steigert; es bildet sich unter denselben allmhlich die
>Suggestion<, da die Keuschheit ein unmgliches Ding sei, da ein
keuscher Jngling kein >Mann< sei u.dergl. mehr.--Zwar liefert
berall die Landbevlkerung, ohne da wir an unsere Vorfahren zu
appellieren brauchten, den Beweis, da ohne regulierte Prostitution und
ohne Prostitutionshuser die Mnner existieren und gesund bleiben, sogar
viel gesnder werden knnen. Es beweisen ferner zahlreiche Einzelflle,
da die Keuschheit ohne Nachteil fr die Gesundheit bestehen kann ...
Doch wird dies meist ignoriert.

Die Prostitution ist kein Heilmittel gegen die Onanie. Beide bestehen
sehr oft nebeneinander...... Tatsache ist ..., da der Geschlechtsreiz
durch vermehrte Befriedigung sich steigert, zu einem immer hufigeren
Bedrfnis wird. Das erklrt die weitere Tatsache, da ... sehr viel
Exzedenten daneben noch onanieren oder nchtliche Pollutionen haben...

~Nie habe ich eine durch Keuschheit entstandene Psychose gesehen, wohl
aber zahllose solche, die die Folgen von Syphilis und Exzessen aller Art
waren~...

Wir mssen dabei bleiben, da fr den jungen Mann bis zu seiner
Verehelichung die Keuschheit nicht nur ethisch und sthetisch, sondern
auch der Prostitution gegenber hygienisch das Zutrglichste ist.

Auch der hervorragende Psychiater Prof. _Dr._ ~Eulenburg~ bezweifelt in
seiner _Neuropathia sexualis_, da schon irgend jemand bei sonst
vernnftiger Lebensweise durch geschlechtliche Abstinenz allein krank,
speziell neurasthenisch oder sexual-neurasthenisch geworden ist. Er
sagt weiter: Ich halte diese immer wiederkehrenden, phrasenreichen
Behauptungen fr vllig leeres und nichtssagendes Gerede, wobei es sich
nur um gedankenloses Miteinstimmen in den allgemeinen Chorus
oder--noch schlimmer--um ein bewutes Kniebeugen vor Vorurteilen
handelt... Jene im Laienpublikum auerordentlich beliebte und leider
auch von gewissen rzten laut oder stillschweigend gebilligte Meinung
von der unbedingten Schdlichkeit geschlechtlicher Abstinenz wirkt zumal
auf die heranwachsende Jugend in hohem Mae verderblich; sie treibt
diese dem illegitimen Geschlechtsverkehr, d.h. der Prostitution,
geradezu in die Arme...

Das Wort von den Schden durch Enthaltsamkeit ist am lautesten im Munde
derjenigen, die die Venus Anadyomene (sinnliche Liebe) kennen und ihr
nicht entsagen wollen. Sie wissen nicht, da das zur Periodizitt
neigende Rckenmark aus einem gewhnlichen Reiz ein gebieterisches Recht
macht. Findet man nicht im Essen, im Trinken, im Rauchen und in allen
Lebensgewohnheiten genau dasselbe? Man entziehe nur einmal einem starken
Esser oder Trinker sein gewohntes Quantum, und er wird -- obwohl die
Entsagung seinem Organismus hchst dienlich ist--Unbehaglichkeiten, ja
Qualen erleiden. So ergeht's dem Raucher, so dem Morphinisten. Ist darum
in ihren Wnschen, ihren Gefhlen, ihren Ansichten auch nur ein Schimmer
von Recht?

Wer das Geschlechtsgefhl hufiger kennen lernte, hat seinen Organismus
sozusagen darauf eingestellt. Wie Wellenlinien durchzieht's die
Nervenzentren, periodisch sie erregend. Dann bringt zunchst die
Enthaltsamkeit Beschwerden, wie allen, die unbeherrscht und triebhaft
leben. Aber nur zunchst. Bald stellt sich das Nervensystem mit dem
ganzen Organismus auf diese neue Marschroute ein, und die inneren
Absonderungen vermehren bald merkbar die Spannkraft des Krpers und des
Geistes. Ja, wer beobachten kann, findet bald heraus, da der die
Geschlechtskraft sparende Organismus mit einem geringeren Ma von Schlaf
und Nahrung auskommt, weil er trotz erhhter Leistungsfhigkeit
sparsamer wirtschaftet. Fr viele, viele Menschen ist der
Geschlechtsgenu ein jedesmaliger Kraftverlust, sie erschlaffen tagelang
nachher, und Menge und Wert ihrer Arbeit leidet. Sie brauchen Tage, um
durch Ruhe und Sorgfalt in der Ernhrung wieder auszugleichen, was sie
in einer Minute verloren haben. Trotzdem aber knnen sie nicht
loskommen von dem entnervenden Glauben an die Notwendigkeit
geschlechtlichen Lebens.

Freilich bedingt ein so besonders beherrschtes Leben auch vernderte
Lebensgewohnheiten. Wenn du an Kopfschmerzen leidest, an unruhigem
Herzen, an Schlaflosigkeit und wsten Trumen, oder durch Pollutionen
erschlafft wirst und in all diesen Dingen Grnde fr ein voreheliches
Geschlechtsleben siehst, dann handelst du wie ein Kind, das die eine
Dummheit durch die andere beseitigen will. Du sollst deine
Egewohnheiten ndern, den Alkohol meiden, das Rauchen einschrnken,
Gewrze und gewrzte Nahrung fortlassen und alles das beachten, was wir
schon beim Kapitel der Onanie miteinander besprochen haben. Und wenn der
Arzt in all den eben genannten Strungen die Zeichen eines zu hohen
Blutdruckes erkennt, so sollte er seinen Patienten nicht auf den
gefhrlichen Weg zur Dirne senden, sondern den Blutdruck durch den
gesnderen und klgeren Rat der fleischlosen Nahrung, der Vermeidung von
Kaffee und Tee und Alkohol herabsetzen. Kann diese gedankenlose
Suggestion der Dirnennotwendigkeit sich bei der rztlichen Autoritt ihr
Lebensrecht holen, dann ist es kein Wunder, wenn die Kpfe junger Mnner
erfllt sind von wilden, ungezgelten und schmutzigen sexuellen
Vorstellungen, die den erregten Krper zu nchtlichen Samenergssen und
damit zur Erschlaffung mit Rckenschmerzen, Verdauungsschwche und
Melancholie treiben! Ein straffes Halt der lsternen Phantasie gebieten,
Geist und Krper in ernste, energische Arbeit einspannen, das hlt den
Geist sauber und den Krper gesund!

In Klstern, wo die Frauen arbeiten, hat man selten Hysterie gefunden;
bei Prostituierten dagegen ist sie hufig.

Du wirst einsehen, da gerade die wunderbare Tatsache der ~inneren~
Drsenabsonderungen der Jugend die Pflicht der Keuschheit auferlegt.
Denn der Organismus, der diese Drsensekrete zu seiner Entwicklung
gebraucht, kann nicht zu seiner vollen Entwicklung kommen, wenn ihm
vorher das Wachstumsmaterial entzogen wird. Und wenn dem Krper die
Kraft genommen ist, wie sollte er Kraft seinen Nachkommen geben knnen?
Dem eigenen Leichtsinn folgt die Schwche der Nachkommen, und sie ist
ein drckender Vorwurf fr den, der noch ein Gewissen hat.

Es ist nicht geschickt, zur eigenen Entschuldigung auf die Mnner
hinzuweisen, die trotz ihrer sexuellen Ausschweifung geistig gro,
bedeutend und machtvoll waren. Denn erstens sind solche Mnner in der
Minderzahl, zweitens htten sie bei grerer Selbstzucht noch Greres
erreicht. Die Zahl der Groen aber, die ihr persnliches Leben unter die
ordnende Macht sittlicher und gesundheitlicher Gesetze gestellt haben,
ist wesentlich grer, und man braucht nur auf ~Immanuel Kant~, auf
~A.v. Humboldt~ hinzuweisen, um sexuelle Enthaltung und geistige Gre
eindrucksvoll nebeneinander zu sehen. Jedenfalls hat frhzeitiger
Geschlechtsverkehr noch keinen groen Mann gezeitigt. Dagegen fllt das
Auge berall auf Menschen, die durch vorzeitige Vergeudung der
Zeugungskrfte an Krper und Geist verarmt und verkmmert und zu jedem
geistigen Hochflug unfhig geworden sind.

Obermedizinalrat Prof. _Dr._ ~Gruber~ in Mnchen sagt: An eine
Schdlichkeit der Zurckhaltung des Samens im Krper ist nicht zu
denken. Er weist darauf hin, da die Samenflssigkeit, wenn sie als
Auszug aus Tierhoden unter die Menschenhaut gespritzt wird, die
Leistungsfhigkeit der Muskeln erhht und diese sich rascher erholen. Er
weist ferner auf die Enthaltung von Gelehrten und Knstlern hin und
sagt: Whrend der Zeit der Enthaltung wird sicherlich Samen aufgesaugt,
und seine Bestandteile gelangen ins Blut. Dies wirkt nicht schdlich,
sondern gnstig.--

Zweifellos gibt es Menschen von so heftiger geschlechtlicher Begierde,
da sie sich wie ein Wesenszug ihrer besonderen Persnlichkeit ausprgt
und oft ihrem Handeln eine bestimmte Note gibt. Sie knnen sich nicht
bezhmen, sondern werden von ihrer Begierde beherrscht. Solchen Menschen
erscheint der Gedanke an geschlechtliche Entsagung lcherlich, und sie
sind es auch, die, von ihrem eigenen Zustand ausgehend, ihren
jugendlichen Kameraden die Gefahren der Keuschheit anschaulich machen
wollen. Sie geben oft einer Unterhaltung den Ton, und die anderen
schmen sich, ihre Unschuld zu zeigen oder gar zu verteidigen. Wir
wollen nicht Phariser sein und Steine werfen auf diejenigen, deren
heftige, unstillbare Begierde die Selbstbeherrschung bersteigt. Aber
man soll in diesen Dingen das Herdenmige niederhalten, damit nicht der
eine zur gefhrlichen Antriebskraft fr die anderen wird, die zu spt
den gefhrlichen Weg, den Krankheitsjammer und das moralische Elend
erkennen, in das ihre durch ein paar verfhrende Worte angefachte
Sinnlichkeit sie hineingetrieben hat. Man kann, durch ein Irrlicht
geleitet, leicht in einen Sumpf geraten. Ob aber die Kraft zum
Herauskommen spter noch da ist, ist nicht vorherzusagen.

Prof. _Dr._ ~Albert Heim~ hat in einer kleinen Schrift, Das
Geschlechtsleben des Menschen vom Standpunkt der natrlichen
Entwicklungsgeschichte, vortrefflich nachgewiesen, da diese sexuelle
Planlosigkeit und Willkr, die wir in der zivilisierten Menschheit
finden, nicht einmal beim Tiere existiert, da fr das in Freiheit
lebende Tier durchaus keine Geschlechtsfreiheit besteht, da es vielmehr
in polygamischer oder monogamischer Ehe lebt. Er sagt:

Und indem allmhlich die zeitliche Beschrnkung der Geschlechtsliebe
auf Brunftzeiten verschwunden ist, die Zeit der Brutpflege und der
Erziehung der Nachkommen sich immer verlngert hat, wird die Familie
fester und dauernder und dadurch die ~lebenslngliche Einzelehe~ immer
~natrlich-notwendiger~. In geschichtlicher Zeit sehen wir in der
Menschheit selbst alle Stufen von Unregelmigkeit, polygamischer,
monogamischer Ehe sich fortschreitend entwickeln bis gegen die
Alleinherrschaft der lebenslnglichen Einzelehe in Praxis, in Sitte und
in Gesetz. Was die Natur schon am Tierreiche in verschiedenen Zweigen
aufsteigend entwickelt und mit verstrkter Notwendigkeit dem Menschen
als Erbe berbunden hat, das wird sie nicht zurcknehmen knnen. Es
gibt kein anderes Rckwrtsschreiten als dasjenige zum Untergang.

Die ~monogamische Lebensehe~ ist in ihrer Ausbildung ein allgemeines
Naturgesetz, und indem das Sittengesetz der Menschheit dieselbe fordert
und anstrebt, ist es eben nicht ein Stck zivilisatorischer Unnatur,
sondern ein ~Stck Natur~. ~Ein ungehemmtes Verfolgen seiner Triebe ist
kein Naturrecht. Die freie Natur gibt dies bei hheren Tieren nirgends
zu.~ Auch das Tier wrde bei Geschlechtsfreiheit rasch zugrunde gehen.
Der auereheliche Geschlechtsverkehr ist in der Natur gar nicht
vorgesehen; er ist nur eine unglckliche Abirrung der Zivilisation, ein
Irrtum! Je intensiver der Geschlechtstrieb, je beseligender seine
Befriedigung wird, desto bestimmtere und engere Schranken setzt ihm die
Natur, desto hher und heiliger aber auch gestaltet sie die
geschlechtliche Verbindung; sie wird zur Liebe, zur Ehe. Beim Menschen
gibt uns Liebe und Gegenliebe, nicht der Geschlechtstrieb, Recht aus
Geschlechtsgenu.

Das Gerede vieler Mnner von der Unnatur der Enthaltsamkeit und der
monogamischen Lebensehe ist also eitel Sbelgerassel und steht im
grellsten Widerspruche mit den Leitlinien der natrlichen Entwicklung.
Diesem Gerede zuliebe wird die Natur nicht umkehren, sondern wer ihren
Entwicklungsgedanken zuwider lebt, der wird an seinem Laster verderben!
Aus der Natur, aus ihren Gesetzen, kommen wir nimmer heraus!

[Illustration: Dekoration]




Dritter Teil.

Die Geschlechtskrankheiten.


Ja, wenn noch aus all dieser lstern-lockenden Welt der geschlechtlichen
Ungebundenheit Glck und Kraft und Schnheit kme! Wenn die Wege des
Genusses nicht zur Reue fhrten, die oft fassungslose Verzweiflung ist!
Denn das voreheliche Geschlechtsleben hat einen Januskopf. Auf der einen
Seite das lchelnde Antlitz des Augenblicksgenusses und auf der anderen
die grause Kehrseite der venerischen Krankheiten, allen voran Tripper
(Gonorrhe) und Syphilis. Weit du, welche Schrecken diese Krankheiten
fr den Einzelnen, welche Geiel sie fr das Volk sind? Ruinierte
Krfte, zerstrte Leben auf der ganzen Linie. Nur ein paar Zahlen sollen
den Umfang der venerischen Seuche zeigen:

Das Kultusministerium in Preuen versandte im Jahre 1900 Fragebogen, die
Geschlechtskrankheiten betreffend, an die rzte. Aus der Beantwortung
derselben ergab sich, da am 30. April des genannten Jahres 41000
Geschlechtskranke sich in rztlicher Behandlung befanden. Darunter waren
allein 11000 an frischer Syphilis Erkrankte. Berlin zhlte allein 11600,
darunter 3000 frisch Syphilitische. Es kamen somit in Preuen auf 10000
Einwohner = 28 Geschlechtskranke, in Berlin 142. Bercksichtigt man, da
ein Drittel aller rzte die Fragebogen unbeantwortet gelassen hatte, und
da zahllose Erkrankte ohne eine Ahnung von ihrem Leiden herumlaufen
oder aber leichtsinnigerweise nicht zum Arzt gehen, so kann man sehr
wohl fr Preuen eine Zahl von 100000 Geschlechtskranken am Tage
annehmen. Professor ~Brentano~ sprach 1903 in Mnchen auf dem Kongre
der Gesellschaft zur Bekmpfung der Geschlechtskrankheiten sogar von
170000.

Diese Krankheiten kosten dem Volke an Mindereinnahmen und Mehrausgaben
(fr Behandlung) viele Millionen.

Das Elend, das diese Zahlen in sich einschlieen, ist kaum zu schildern
und hat etwas Grauenhaftes, wenn man sieht, da ihm die Menschen mit
lchelndem Leichtsinn entgegeneilen. Denn fast alle Geschlechtskrankheiten
(90%) entstehen bei der Prostitution oder durch die flchtigen
Verhltnisse mit Kellnerinnen und dergl.

_Dr._ ~Iwan Bloch~-Berlin berichtet (Sexualleben), da in Berlin
alljhrlich ein Drittel aller Kellnerinnen als geschlechtskrank
aufgegriffen werden, da unter den Geschlechtskranken folgende Skala
besteht: 30% Kellnerinnen, 25% Studenten, 16% Kaufleute, 9% Arbeiter, 4%
Soldaten. Da die Studenten gleich hinter den Kellnerinnen stehen,
spricht fr ihren bodenlosen Leichtsinn. Der verstorbene Leipziger
Nervenarzt _Dr._ ~Mbius~ sagt (Vermischte Aufstze, 1898): Der, der
Erfahrung hat, mu zugeben, da wenigstens acht von zehn, die durch
Dirnen angesteckt worden sind, nicht durch Leidenschaft dazu gekommen
sind, sondern einfach durch Leichtsinn und bermut, Verfhrung und
Betrunkenheit. Ja, viele setzen sich kaltbltig der Gefahr aus, blo
weil man ihnen eingeredet hat, regelmiger Geschlechtsverkehr sei zur
Gesundheit ntig.

Wten die Leute ganz klar, wie gro die Gefahr ist, da sie bei jedem
Verkehr mit Dirnen die Gesundheit, ja das Leben auf das Spiel setzen, so
wrden gewi viele sich zurckhalten. Deshalb halte ich es fr eine
ernste Pflicht aller Wohlmeinenden und ganz besonders der rzte, so oft
und so nachdrcklich wie mglich die Wahrheit ber die venerischen
Krankheiten anszusprechen, ja den Menschen ins Ohr zu schreien. Jeder
bedenke, welche Verantwortung er auf sich ldt, wenn er diese Dinge
leichtsinnig behandelt. Sollten rzte lchelnd von >Kinderkrankheiten<
reden, oder wohl gar zum Besuche der Dirnen ermuntern, so darf man von
ihnen sagen, da sie >viel schlimmer als die Pest< wirken.

Weil Wissen berall die starke Waffe der Sittlichkeit ist, wollen wir
hier kurz die hufigsten und schrecklichsten Geschlechtskrankheiten
darstellen. Es sind dies 1. der Tripper (Gonorrhe), 2. der weiche
Schanker, 3. die Syphilis.

Der ~Tripper~ ist eine uralte Krankheit, die schon ~Moses~ zu ernsten
Maregeln veranlate. Das Mittelalter hat eine groe Ausdehnung des
Trippers erlebt, aber die groen Irrtmer ber diese Krankheit waren fr
die Kranken von sehr trben Folgen. Klarheit brachte erst die im Jahre
1879 gemachte Entdeckung von Prof. ~Neisser~-Breslau, da der Tripper
eine zunchst lokale Entzndung der Harnrhrenschleimhaut ist, die auf
bestimmten Mikroorganismen (Kleinwesen), den _~Gonoccoci Neisseri~_ oder
Tripperkokken, beruht.

Es gibt keine andere Ursache fr den Tripper oder die Gonorrhe als den
Geschlechtsverkehr. Was man sonst darber redet, ist falsch. Man kann
ohne weiteres sagen, da alle kuflichen Dirnen geschlechtskrank sind,
und da die sittenpolizeiliche Kontrolle (Reglementierung) nicht den
geringsten Schutz gegen die ungeheure Ansteckungsgefahr gewhrleistet.

Ein oder mehrere Tage nach der Ansteckung macht sich ein lstiges
Brennen und Jucken in der Harnrhre bemerkbar, das hufige
Gliederektionen mit erhhtem Schmerzgefhl bewirkt und besonders beim
Harnlassen sich steigert. Zugleich beginnt ein schleimiger Ausflu, der
in kurzer Zeit zu einem mehr oder weniger belriechenden grnlich-gelben
Eiter wird. Die Menge dieser eiterigen Absonderung hngt von der
Heftigkeit der Erkrankung und von der gesamten Krfte- und
Sftebeschaffenheit des Patienten ab. Die Harnrhrenmndung erscheint
gertet. Wird bei der Untersuchung der Harn in ein Glas gelassen, so
senkt sich der Eiter darin in dicker Schicht zu Boden, und man kann die
Gonokokken darin mit Sicherheit feststellen.

Die schmerzhaften Gliederregungen, der gestrte Schlaf, das
Angegriffensein des ganzen Nervenapparates, sind natrlich fr den
Patienten sehr angreifend. Der Verlust an Sften und Krften lt sich
wohl auch bei jedem heftigen Tripper an dem schlechten Aussehen des
Patienten erkennen.

Je nach Umstnden lt nach 3-4 Wochen die Heftigkeit des Ausflusses
nach. Der Eiter verliert seine Dickflssigkeit und gewinnt wieder das
Aussehen wie zu Beginn der Krankheit; er wird wsseriger und heller.

Es kommt vor, da ein leichter Tripper verhltnismig lange Zeit
besteht und hartnckig erscheint, da aber andrerseits hin und wieder
ein sehr heftig auftretender Tripper in kurzer Zeit verschwindet. Das
hngt ganz von Konstitution und Lebensweise und von der im Krper
wirkenden Heilkraft ab.

Meist hat der Tripper seinen Sitz zunchst in dem vorderen Teil der
Harnrhre. Durch unrichtiges Verhalten, vor allem durch unzweckmige
Behandlung, verbreitet er sich aber ber den hinteren Teil der
Harnrhre, und damit beginnt sein ernster Charakter, beginnen die
Gefahren des Blasenkatarrhs, der Nebenhoden- und Prostataentzndung usw.
Jetzt knnen Schden entstehen, die im ganzen Leben nicht wieder
gutzumachen sind, wenn nicht mit allem Ernst die Behandlung in die Wege
gefhrt wird.

Wird die zweckmige Behandlung versumt, so geht der frische (akute)
Tripper in das chronische Stadium ber. Damit gewinnt diese Krankheit
ihren wahrhaft heimtckischen Charakter. Man kann deshalb nicht ernst
genug raten, sofort nach dem Ausbruch der Krankheit einen Arzt
aufzusuchen. Warnen mu man vor allem vor der Selbstbehandlung, die
junge Mnner auf den Rat erfahrener Freunde beginnen, weil sie sich
schmen, zum Arzte zu gehen, oder weil sie Strungen in ihrem Berufe und
Entdeckungen seitens der Angehrigen frchten. Wer sich nicht schmte,
sich die Krankheit bei der Dirne oder einem sonstwie unerlaubten
Geschlechtsumgang zu holen, der sollte auch den Mut besitzen, sich durch
einen erfahrenen Arzt ausheilen zu lassen, um sich selbst und seine
sptere Familie vor schlimmen Folgen zu bewahren. Die Selbstbehandlung
ist ein Leichtsinn und eine Unklugheit, weil durch sie oft die
Krankheit erst ins chronische Stadium hineingetrieben wird. brigens
schtzt das rztliche Berufsgeheimnis den Patienten vor jedem bsen
Klatsch und vor gesellschaftlicher chtung. Das ist bei der herrschenden
besonderen Auffassung der Geschlechtskrankheiten doppelt wichtig.
Zwischen der medikamentsen Behandlungsweise und der naturgemen
entscheide ich mich unbedingt fr die letztere, die in der rztlichen
Praxis mehr und mehr an Anerkennung und Wrdigung gewinnt.

Ist der Tripper erst einmal chronisch geworden, so bietet er der
Behandlung weit grere Schwierigkeiten. Im allgemeinen kann man die
Erkrankung als chronisch ansehen, wenn sie einer zweckmigen Behandlung
nicht innerhalb drei Monaten weicht. Dann wird der Tripper zu einem
langwierigen, schleichenden Leiden, das monate- und jahrelang, ja durchs
ganze Leben hindurch bestehen und schlielich tdliche Erkrankungen
hervorrufen kann. Jedenfalls haben die neueren klinischen Erfahrungen
das Gesamtbild des Trippers ganz wesentlich gefahrvoller erscheinen
lassen, als man es frher glaubte. Subjektiv sind die Beschwerden
zunchst nicht sonderlich gro und bestehen im wesentlichen darin, da
morgens die Harnrhrenmndung verklebt ist und auf Druck einen
grau-weilichen Schleimtropfen absondert, in welchem die
bakteriologische Untersuchung manchmal Gonokokken, manchmal aber auch
nur Eiter nachzuweisen vermag. Das Urinieren ruft hufig, besonders nach
dem Genu scharfer Speisen, Schmerzen hervor.

Was aber dem chronischen Tripper erst seinen heimtckischen Charakter
gibt, das sind seine Folgeerscheinungen, von denen vorerst die
gefhrlichen Strukturen, das sind Verengerungen der Harnrhre durch
Bindegewebswucherungen, zu nennen sind. Dieselben sind oft ungeheuer
schmerzhaft, erschweren das Harnlassen und knnen zu schweren
Nervenstrungen fhren.

Zum zweiten ist zu nennen die sogenannte ~Prostatitis~; das ist eine
Entzndung der zwischen Harnrhre und Blase liegenden Vorsteherdrse,
die groe Schmerzen hervorruft und mit einem starken Eiterausbruch
endet. Auch diese Krankheit kann chronisch werden und ist dann
verhngnisvoll fr die Geschlechtsttigkeit, da sie sexuelle
Neurasthenie hervorrufen kann.

Bei Vernachlssigung, namentlich aber bei der leichtsinnigen
Selbstbehandlung und dem Gebrauch innerlicher, reizender Mittel,
schliet sich dem Tripper ein ~Blasenkatarrh~ an, ein im akuten Stadium
uerst schmerzhaftes Leiden, das mit fortwhrendem Harndrang verbunden
ist und sehr leicht chronisch werden kann. Dann kann es monate- und
jahrelang bestehen, ja whrend des ganzen Lebens eine Schwchung der
Blase und ihres Schliemuskels hinterlassen und so zu einem ganz
auerordentlich lstigen und hinderlichen Leiden werden. Ja, in der
chronisch erkrankten Blase bildet sich der entsetzlich schmerzhafte
Blasenstein, der die den Strukturen folgende Harnverhaltung unter
Umstnden zur Ursache schwerster Blutvergiftungen, Vereiterungen und
tdlicher Prozesse werden lassen kann.

Zu den schlimmsten Folgekrankheiten des Trippers gehrt die
~Nebenhodenentzndung~, bei der im Zeitraum von einem oder mehreren
Tagen einer der beiden Hoden anschwillt auf das Zwei- und Dreifache
seiner normalen Gre, sich hei und uerst schmerzhaft anfhlt und das
Gehen, sowie jede Bewegung unmglich macht. Wird die Behandlung dieses
Entzndungsprozesses nicht energisch, bei vlliger Bettruhe, in die Hand
genommen, so bleiben Verhrtungen zurck, die jahrelang oder auch
whrend des ganzen Lebens bestehen bleiben.

Vor allem aber besteht die Gefahr, da die Entzndung ~beide~ Hoden
ergreift und dann durch Zerstrung des Hodengewebes, das wir als die
Brutsttte der befruchtenden Samenzellen anzusehen haben, zur dauernden
Unfruchtbarkeit fhrt. Das geschieht tatschlich in 85% aller Flle von
doppelseitiger Hodenentzndung. Man stellt dann entweder ~Azoospermie~
fest, d.i. gnzliches Fehlen von Samenfden (Spermatozoen), oder aber
unbewegliche, also tote, zur Befruchtung unfhige Samenfden.

So kann der Leichtsinn des vor- und auerehelichen Geschlechtslebens
eine frchterliche Strafe finden, kann ein Augenblick der ungezgelten
Sinnlichkeit, der zum Haus der Dirne trieb oder eine jener zuflligen
und wahllosen Geschlechtsverbindungen bewirkte, mit dem Verlschen der
Zeugungsfhigkeit enden. Das Wort Vater verliert seinen Klang, und
alles, was es an Schnheit und Freude in sich einschliet, ist begraben,
ehe es ins Leben treten kann. Die edelste Kraft wird eingebt, und
diese Mglichkeit allein mte jeden Leichtsinn im Keim ersticken.

Aber mit diesen festumrissenen Folgekrankheiten erschpft sich der
Tripper nicht, und wir werden noch sehen, welch ein furchtbarer
Leichtsinn es ist, vom Tripper lchelnd als von einer Kinderkrankheit
zu reden, wie es unter jungen Leuten oft geschieht. Es besteht ja die
verhngnisvolle Anschauung, da man einmal ein kleines Tripperchen
gehabt haben msse, um gegen sptere Ansteckungen gefeit zu sein. Das
direkte Gegenteil ist richtig; denn wer einmal einen Tripper hatte,
neigt in auerordentlichem Mae zu weiteren Ansteckungen, weil die
Schleimhute ihre Widerstands- und Abwehrkraft eingebt haben.

Leider bleibt der Tripper nicht einmal auf die Entzndung der
Geschlechtsorgane beschrnkt; vielmehr wird durch den Blut- und
Sftestrom das Trippergift berall im Krper umhergetragen und kann an
allen Organen schwere Entzndungen hervorrufen. Seit man bei gewissen
Krankheitsformen den ~Neisserschen~ Gonokokkus gefunden hat, liegen die
Zusammenhnge klar zutage. Darber sagt Prof. Dr. ~Wy~-Zrich[5]:

     So ist vor allem der Tripperrheumatismus als eine sicher durch
     Transport von Gonokokken durch die Blutbahn von der erkrankten
     Schleimhaut der Harnrhre nach den sersen Huten der Gelenke
     bedingte Entzndung anzusehen; wir verstehen, da auch andere
     serse Hute erkranken knnen; wir wissen, da gewisse schwere
     Entzndungen der Herzklappen unter Umstnden mit all ihren weiteren
     Komplikationen: Nierenerkrankungen, Gehirnerkrankungen,
     Lungenerkrankungen usw., die Folge einer Gonorrhe sind; doch auch
     ohne Beteiligung des Herzens knnen akute eiterige Entzndungen im
     Gehirn und Rckenmark oder deren Huten durch den Gonokokkus sich
     ereignen und unrettbar den Tod herbeifhren. Gewisse Nasen- und
     Ohrenerkrankungen, Dickdarmerkrankungen, Speicheldrsen- und
     Knochenhautentzndungen sind durch ihn bedingt. Somit ist der
     Tripper fr den Mann oft als eine lebensgefhrliche Krankheit
     erkannt worden, und zwar zuweilen selbst dann noch, wo er rtlich
     keine Erscheinungen mehr oder nur noch ganz unbedeutende gemacht
     hat.--

Bliebe der Tripper auf sich selbst beschrnkt, so knnte man den
Gedanken hegen, da der Schuldige ben mu fr Unwissenheit, Fehl,
Leichtsinn und Gewissenlosigkeit. Zwar ist oft die Strafe zu hart; denn
nicht immer ist der Einzelne schuld an seinem Tun, wenn ihm ein
warnendes Wort von Eltern und Lehrern fehlte. Und wenn die alkoholische
Lustigkeit einer Tafelrunde bei der Dirne endete, so ben viele ihr
Leben lang den Augenblick des Leichtsinns, der ausreichte, eine
Geschlechtskrankheit zu bertragen. Mit Trnen in den Augen haben sie
oft vor mir gestanden, die jungen Mnner, die krperlich und seelisch an
der geheimen Hlichkeit ihrer venerischen Krankheit leiden. Gar zu hart
hatte sie's betroffen.

Was aber sollen wir sagen, wenn die Unschuldigen leiden mssen, ben
fr den Leichtsinn eines andern, ben ein Leben lang, ben ohne
Schuld, leiden, wo sie liebten oder wo die Liebe ihnen das Leben gab?
Denn der Tripper ist ansteckend, ist bertragbar auf die Frau, die
liebend und voll Vertrauen dem Manne in die Ehe folgt und von demselben
Manne, dem sie all ihre Jugend, ihre Frische dargeboten, den
Krankheitskeim empfngt, der sie von der gleichen Stunde ab zur
leidgequlten Frau macht.

Das Gefhrliche des weiblichen Trippers besteht darin, da er sich nicht
auf die Harnrhre beschrnkt, sondern alle ueren und inneren
Geschlechtsteile auf das heftigste erfassen kann. Das alles sind uerst
schmerzhafte, qulende, strende Leiden, die sehr verschiedenartige
Erscheinungen machen knnen, so da man frher oft eine andere Diagnose
stellte, wo heute eine Tripperansteckung zweifelsfrei feststeht.

Ja, von den sogenannten Frauenleiden beruhen drei Viertel wohl auf
nichts anderem, als auf venerischer Ansteckung durch den Mann. Denn der
Tripper geht tiefer in die inneren Organe hinein und befllt besonders
die Gebrmutter, am Hals derselben beginnend und allmhlich sie ganz
berziehend, so da in solchen Fllen die Unfruchtbarkeit der Frau eine
unausbleibliche Folge ist.

Wieviel Jammer und Trnen hngen mit dem Worte Unfruchtbarkeit zusammen!
Wieviel ungestillte Muttersehnsucht, wieviel bittere Entsagung schliet
es in sich ein! Ich habe Frauen gesehen, die weinten, wenn sie Kinder
sahen, sie herzten und kten, weil ihnen selbst dies grte Frauenglck
versagt geblieben war. Und wie oft regnet es Vorwrfe von seiten des
Mannes auf die arme Frau herab, deren Herz nach einem Kindchen jammert,
deren mtterliche Kraft aber im Keim erstickt wurde durch eine
Tripperinfektion. Entweder leidet der Mann an Azoospermie (Fehlen von
Samentierchen) infolge von tripperhafter Hodenentzndung, oder aber die
inneren Organe der Frau sind durch die Ansteckung angegriffen.

Die heimtckische chronische Form des Trippers bietet selbst beim
Schwinden der Symptome keine unbedingte Sicherheit fr den Glauben an
Heilung. Chronische Tripper knnen in furchtbarer Heftigkeit wieder akut
werden. Ja, es kommt vor, da ein chronisch tripperkranker Mann mit
einer Frau Umgang hat, diese aber gesund bleibt, und die abgelagerten
Gonokokken beim nchsten Mal rckwirkend beim Manne einen akuten Tripper
erzeugen.

Unwissenheit und Schamgefhl hindern das weibliche Geschlecht mehr noch
als das mnnliche, den Tripper gleich nach Ausbruch rztlich behandeln
zu lassen. Das ist der Grund, warum der Tripper bei der Frau so
verheerend wirkt. Denken wir nun daran, da der Tripper so ungeheuer
verbreitet ist, da nach den Angaben des amerikanischen Arztes
~Noegerath~ von 1000 Mnnern 800 einmal in ihrem Leben an Tripper
erkrankt gewesen sind, und da die meisten davon ihn nie wieder
verloren, so sehen wir mit einem Schlage, da es sich hier nicht um eine
Einzelkrankheit handelt, der man bisher mit lchelndem Spott
gegenbergestanden hat, sondern um eine furchtbare Seuche, die der
Kraft eines ganzen Volkes Wunden schlgt. Man lachte ber ~Noegerath~,
hielt ihn fr einen ideologischen Schwarzseher. Aber seine aus der
Praxis des Arztes gewonnenen unerbittlichen Zahlen vermochten doch
schlielich unter den deutschen rzten den Indifferentismus und den
Gleichmut zu beseitigen, womit man bisher diesen Dingen gegenberstand.
Man sah genauer hin, beobachtete schrfer, arbeitete gleichfalls
statistisch und--fand, da ~Noegerath~ recht hatte. Man erkannte mit
einem Male, da man mit der angeblichen Heilbarkeit des Trippers gar zu
optimistisch umgegangen war, da der Tripper geradezu ungeheuer hufig
chronisch wird und auch dann noch bestehen kann, wenn ihn selbst der
Arzt fr geheilt erklrt, da er dann noch ansteckend auf die Frau oder
auf den Mann wirkt. Man sah von da ab auch die Frauenleiden mit ganz
anderen Augen an und fand in weit grerem Umfange als bisher als
Ursache--den Tripper. Von den leichten Formen des Weiflusses an, der
sich oft schon ganz kurz nach der Hochzeit einstellt, bis zu den
schweren Entzndungen der Eileiter, Eierstcke, der Gebrmutter und
selbst des Bauchfells, berall fand man den Gonokokkus, und--manches
Rtsel war gelst.

Prof. _Dr._ ~Wy~-Zrich sagt darber[6]:

     Whrend der Geschlechtsapparat des Mannes nach dem Bauchfellraum
     hin abgeschlossen ist, kommunizieren die inneren Schleimhute der
     Geschlechtsorgane im weiblichen Organismus direkt mit dem
     Peritoneal- oder Bauchfellsack. Infolgedessen greift der
     Entzndungsproze, den der Tripper auf der Schleimhaut des
     Geschlechtsapparates der Frau erzeugt, leicht auch auf das
     Bauchfell ber. Sowohl fr sich, als auch in Verbindung mit anderen
     Mikroben (Bakterien) werden dadurch akute und chronische
     Entzndungs- und Eiterungsprozesse bedingt, welche die Frau schwer
     erkranken machen, und welche leider oft in krzerer oder erst nach
     lngerer Zeit den Tod herbeifhren, mindestens aber monate-, ja
     jahrelanges Kranksein und oft frs ganze Leben Leidendsein
     bedingen. Da diese Zustnde oft einsetzen im Anschlu an eine
     Geburt oder einen anderen physiologischen oder auch pathologischen
     Vorgang (Menstruation, Abortus, vorzeitige Geburt), so hat man
     frher, als man die Krankheitserreger noch nicht kannte, jene
     Vorgnge der tiologie beschuldigt, die wahre Ursache nicht
     erkannt. Erst seit der Gonokokkus in solchen Entzndungsprodukten
     mikroskopisch nachgewiesen werden konnte, ist man auf die richtige
     Fhrte gelangt und wei man, da viele frher auf eine bse
     Geburt zurckgefhrten tdlichen Erkrankungen oder heutzutage
     oftmals zu schweren Operationen oder in anderen Fllen auch
     wiederum zu langem Siechtum fhrenden Affektionen junger,
     blhender, bis zu ihrer Verheiratung absolut gesunder Frauen--auf
     einen nicht ausgeheilten oder geheilt erschienenen Tripper des
     Herrn Gemahls zurckzufhren sind.

So finden wir's in allen Gesellschaftsschichten. Wann wird es eines
Tages gelingen, diese frchterlichen Tatsachen in die Herzen der
mnnlichen Jugend einzugraben, damit sie ablt vom gewissenlosen
geschlechtlichen Leichtsinn! In die Ohren mten wir's ihr
hineinschreien, wieviel Jammer das sexuelle Amsement in die Welt
bringt. Als Prof. ~Bumm~ in Leipzig einst unter den Hrern seines
Kollegs Fragezettel bezglich eines etwaigen Trippers verteilte,
antworteten 36 von 53 Studenten mit Ja. Das waren 70%. Die brigen 30%
werden ihn leider frher oder spter auch noch bekommen haben.

Wie viele von diesen Trippern bleiben ungeheilt, werden chronisch und
richten in der Ehe krperliche und seelische Verwstung an! ~Noegerath~
hlt den Tripper berhaupt fr-- unheilbar!!! Das ist zum Teil die
Folge seines medikament-medizinischen Standpunktes, den wir nicht
teilen. Aber da berhaupt ein ernster Forscher und warmherziger
Menschenfreund wie ~Noegerath~ zu einer solch furchtbaren Auffassung
kommt, das ist's, was uns erschreckt.

Tatschlich trotzen viele Tripper jeder Behandlung. Der Patient ist eine
Zeitlang trostlos. Dann gewhnt er sich an den Krankheitszustand, hlt
ihn fr immer weniger ernst, heiratet und--steckt seine Frau an. Damit
beginnt dann fr die Frau und fr die Ehe die lange Leidenskette,
schwere Unterleibsleiden und unter Umstnden Unfruchtbarkeit.

Prof. ~Flesch~-Frankfurt a.M. sagt: In meiner rztlichen Ttigkeit
habe ich es nur zu oft erlebt, da unglckliche Frauen der rmeren
Klassen, wenn Hunger und Sorge wegen ihrer andauernden Arbeitslosigkeit
>wegen Unterleibsentzndung< eingezogen waren, da Frauen der
bemittelten Klassen, wenn Kinderlosigkeit die Ehe vergiftete, sich den
Tod herbeiwnschten, sich den schwersten Operationen unterzogen, und
ihre Mnner noch um Verzeihung baten, weil sie ihren Mann unglcklich
machten. Und der um Vergebung Angeflehte war fast immer, ohne es zu
ahnen, der Urheber des Unglcks.

Aber auch damit macht der Tripper nicht halt. Das Trippergift, das in
den Geburtswegen einer Frau abgelagert ist, kann whrend des
Geburtsaktes in die Augen des Kindes kommen. Dann entsteht eine
Bindehautentzndung, die das Augenlicht zerstrt. 60 von 100 Blinden
haben ihr namenloses Unglck aus dieser lebenttenden Quelle. Gibt es
Worte fr soviel Jammer? Tausende ben mit Blindheit den
Jugendleichtsinn ihrer Vter.

Und dieses gedankenlose Vorleben wird immer noch entschuldigt! Immer
noch finden sich Stimmen, die von Mnnlichkeit sprechen, wenn ein
junger Mann geheime Wege geht. Wren diese qualvollen Frauenleiden
nicht allesamt vorher Mnnerleiden, oder bliebe die Krankheit auf den
Mann beschrnkt, so knnte er sndigen, wenn er fr sich allein ben
will. Aber Unschuldige ben! Unschuldige zu Hunderttausenden! Hrt
ihr's, ihr jungen Mnner? Lat dies Leid der Unschuldigen nicht grer
werden! Das junge Mdchen, das still und in den Trumen der Jugend im
Elternhaus lebte, vergiftet ihr! Ihre Augen leuchten, wenn ihr
Liebesworte sprecht! Und ihr Herz wei nicht, was ein junger Mann im
Haus der Dirne sah und tat. Es liegt ein bses, aufreizendes Unrecht in
diesem Vorleben. Mit einer niedertrchtigen Disharmonie beginnt die Ehe:
~sie~ geschlechtlich unschuldig oder harmlos, ~er~ weiterfahren, sexuell
blasiert und--mit einem chronischen Tripper behaftet. Nach kurzer Ehe
sind die frohen Hoffnungen der Brautzeit zusammengefallen. Aus dem
frhlichen Mdchen wurde eine mde, kranke Frau, gereizt, bellaunig
oder todestraurig. Wir denken an das Wort ~Noegeraths~, der sagte: Es
ist so weit gekommen, da junge Damen sich frchten, in die Ehe zu
treten, weil sie wissen, da alle ihre Bekannten erkrankt und nicht
wieder gesund geworden sind.

Die zweite in dem Trio der Geschlechtskrankheiten ist

     ~der weiche Schanker~ (_Ulcus molle_).

Er ist ein meist an der Eichel oder der Vorhaut des Geschlechtsgliedes
durch Ansteckung beim Geschlechtsverkehr entstehendes Geschwr, das ein
bis fnf Tage nach der Ansteckung sich mit Jucken und Brennen bildet und
meist eine durch Unreinlichkeit oder sonstwie verletzte, eingerissene
Stelle der Schleimhaut zur Voraussetzung hat. Bei Sauberkeit und
unverletzter Schleimhaut findet das Schankergift keinen Eingang.

An der entzndlich gerteten Ansteckungsstelle bildet sich ein Blschen,
das nach seinem Zerfall einen Eiter absondert und einen wulstigen aber
weichen, ein wenig ausgezackten Rand bildet. (Das syphilitische
Erstgeschwr hat harte Rnder; daher harter Schanker genannt.)

Sehr hufig schwellen die Drsen in der Schenkelbeuge, die sogenannten
Leistendrsen, an (Bubonen), ja, es kann zu Vereiterungen derselben und
zum Durchbruch des Eiters nach auen kommen.

Ist auch der weiche Schanker nicht von so ernstem und gefhrlichem
Charakter wie der harte, so darf er doch nicht leichtsinnig aufgefat
werden, weil einerseits ble und hliche Folgeerscheinungen auftreten
knnen, wie namentlich der phagednische (d.i. der weiterfressende,
gewebszerstrende) Schanker, und andrerseits alle venerischen
Krankheiten so merkwrdig vielgestaltig auftreten, da selbst der
erfahrene Arzt nicht sicher vor Tuschungen bleibt.

Konstitution und zweckmiges Verhalten entscheiden darber, ob der
weiche Schanker harmlos bleibt und schnell ausheilt, oder ob er der
Ausheilung hartnckigen Widerstand entgegensetzt.

Unsere ganz besondere Aufmerksamkeit aber verlangt

     ~die Syphilis~ (_Lues venera_),

zumal ihr Charakterbild nach jeder Richtung hin in der Geschichte und in
der Gegenwart schwankt.

Die Erscheinung der Syphilis ist der sogenannte ~harte Schanker~ (_Ulcus
dure_), der in den weitaus meisten Fllen durch den geschlechtlichen
Verkehr mit einer syphilitischen Person entsteht, und zwar dadurch, da
das syphilitische Gift durch eine kleine Schrunde, einen kleinen Ri in
der Haut eintritt. Die Mglichkeit, da eine solche kleine
Hautverletzung besteht oder beim Geschlechtsumgang entsteht, ist
allerdings so gro, und die Ansteckungsfhigkeit der Syphilis so
ungeheuer, da der geschlechtlichen Verbindung mit einer syphilitisch
kranken Person fast stets eine Ansteckung folgt.

Das Ansteckungsfeld ist zumeist der uneheliche Geschlechtsverkehr. _Dr._
~Blaschko~-Berlin erzhlt, da einmal von 1129 Geschlechtskranken in
seiner Poliklinik (1009 Mnner und 120 Frauen) die Mnner ihre Syphilis
fast ausschlielich auerhalb der Ehe, die Frauen innerhalb der Ehe von
den Mnnern erworben hatten. Welch eine furchtbare Anklage bedeutet das
fr den Mann, welch ein entsetzliches Martyrium schliet das fr die
Frau ein! Der Jugendleichtsinn des Mannes, den Weib und Kind in der Ehe
ben mssen!

Die Verbreitung der Syphilis hat Zahlen angenommen, die Entsetzen
wecken.

Sie ist eine der furchtbarsten Volkskrankheiten geworden, die das
Interesse der rztlichen Wissenschaft und der behrdlichen Organe
unausgesetzt beschftigt. Unsummen gehen in Heilungskosten auf, und das
Ende dieses unseligen Zerstrungsprozesses in der Menschheit ist nicht
abzusehen.

In groen Stdten schleicht das Gespenst der Syphilis durch alle Straen.
Wo die Menschen dichter zusammenwohnen, steigert sich das Leben, vermehren
sich auch die Krankheiten. Und die Prostitution, die die Moral der Mnner
verschlingt, speit dafr die Geschlechtskrankheiten, Tripper und Syphilis,
auf die Menschheit aus.

Dieser Gifthauch trifft auch die Bewohner des Landes, dessen junge Shne
in den Stdten als Soldat dienen oder ein Handwerk, ein Geschft lernen
und ausben oder die Schulen, die Universitt besuchen und mit der
Kultur der Stadt auch die Syphilis in die Heimat bringt. Der vierjhrige
Feldzug hat die Zahlen der Geschlechtskrankheiten ins Frchterliche
gesteigert.

Die Syphilis beginnt mit einem kleinen Kntchen, das 2-4 Wochen nach
erfolgter Ansteckung auftritt (sogenannter Primraffekt) und bald zu
zerfallen beginnt. Dabei bildet sich ein tiefer fressender Untergrund
und ein etwas erhhter Randwulst. Beide sind hart, weshalb man hier vom
harten Schanker spricht. Auch Schwellungen der Leistendrsen stellen
sich ein.

Die Ansteckungsfhigkeit der Syphilis ist eine ganz auerordentliche.
Jedes Hautritzchen gengt, um das syphilitische Gift eindringen zu
lassen, und zwar nicht nur an den Geschlechtsteilen, sondern berall am
Krper. Es gibt demnach eine auergeschlechtliche Syphilis, die bei 4%
aller Syphilitiker vorliegt. Dieselbe wird ungemein leicht erworben,
beispielsweise durch Kssen, Hndedrcken, durch Benutzung von
Handtchern, Bettwsche, Kissen, Polstern usw., die vorher mit
syphilitischen Geschwren in Berhrung kamen.

Eine sekundenlange Berhrung gengt--und das Gift ist in den Krper
eingedrungen und spielt seine verderbliche Rolle. Wenn's Schuld war,
kann man von Shne sprechen. Was aber sagt ihr zu den Unglcklichen, die
ohne Schuld, ganz ohne Liebe und Geschlechtsumgang die Syphilis
erwarben? Die unwissend, schuldlos und wehrlos ein zerstrendes Gift
empfangen und es womglich monate- und jahrelang in sich tragen, ohne
den Charakter der Leiden zu ahnen, die sie nacheinander heimsuchen?

Ist das syphilitische Erstgeschwr ausgeheilt, so beginnt etwa nach 8-10
Wochen die sekundre Syphilis, meist als roter Fleckenausschlag, als
Kntchen (Papeln) oder eiterige Pusteln, die sich ber den ganzen Krper
verbreiten und namentlich in Hautfalten (Schenkelbeuge,
Geschlechtsgegend, zwischen den Fingern usw.) als nssende Wunden
auftreten knnen. Die Absonderungen dieser Ausschlge haben eine starke
Ansteckungsfhigkeit. Dazu gesellt sich ein Schorf auf der behaarten
Kopfhaut, der das Haar bschelweise zum Ausfallen bringen kann.

Dazu stellt sich Fieber ein, Mattigkeit, Abgeschlagenheit der Glieder,
rheumatismushnliche Schmerzen in den Gelenken und den Knochen (namentlich
in den langen Arm- und Schenkelknochen), am Tage Frostschauer und in der
Nacht Schweie, dazu schwere Gemtsverstimmungen.

In den Schleimhuten zeigen sich vielerlei Strungen, vom einfachsten
Katarrh angefangen bis zu den Papeln, die zu eiterigen Wucherungen
(sogenannten Kondylomen) werden knnen. Diese treten vor allem gern im
Rachen und im Munde auf und haben eine ungeheure Ansteckungsfhigkeit.
Nie ist beim Besuch einer Prostituierten der Besucher sicher, da nicht
irgendwo am Krper ein Kondylom ihm die tckische Krankheit bertrgt.

Hlicher und schlimmer noch sind die syphilitischen Geschwre, die noch
in dem sekundren Stadium auftreten und als schmerzhafte
Gewebszerstrungen berall im und am Krper auftreten knnen. So
namentlich an den Nasenflgeln und dem Nasensteg, in den Mundwinkeln, am
Zahnfleisch, an der Zunge, den Stimmbndern, dem Zpfchen usw. Wie viele
Redner, Snger, Schauspieler usw. haben schon durch diese fressenden
Geschwre ihre Stimme und damit ihre Existenz und ihre Lebensfreudigkeit
verloren! Wieviel Entstellungen des Gesichts, wieviel Sprachstrungen
haben allein diese Ursache! Wohl selten ahnt jemand, da der
leichtfertige Augenblicksgenu bei der Dirne oder das zufllige
Geschlechtserlebnis der Strae ein so grauenhaftes Ende nehmen kann.

Manchmal, wenn der Kranke sich schon ganz oder fast ganz geheilt glaubt,
bricht mit einem Male die Krankheit in voller Strke wieder aus. Der
ganze krperliche und seelische Jammer ist wieder da, und es ist wohl zu
verstehen, von welch grenzenloser, dumpfer Verzweiflung oft die
Unglcklichen befallen werden.

Glaubt man aber die sekundre Syphilis vllig geheilt, ja, versichert
sogar der Arzt, da sie vllig geheilt sei, so liegt auch darin nicht
eine Spur von Sicherheit; denn nach Jahren oder Jahrzehnten bricht die
Syphilis mit vllig verndertem Charakter wieder aus und wird dann in
der Tat furchtbar. Sie ist in ihr drittes (tertires) Stadium
eingetreten und nimmt insofern einen gnzlich anderen Weg, als die
sekundre Syphilis ausschlielich die Haut und die Schleimhute befllt,
whrend im tertiren Stadium vorwiegend die inneren Organe (Knochenhaut,
Muskeln, Darmsystem, Leber, Nieren, Lungen, Gehirn und das ganze
Nervensystem) erkranken.

Bei der tertiren Syphilis erscheinen runde oder ovale Papeln, die bald
geschwrig zerfallen und rotbraune Frbung gewinnen. Man nennt solch ein
Geschwr Gumma. Mehrere Gummata knnen zu einem einzigen Geschwr sich
vereinigen, das sich tief in das Gewebe hineinfrit.

Das ist gerade das Entsetzliche dieser Gummata, da sie die tieferen
Gewebsschichten und die inneren Organe angreifen und diese zu
geschwrigem Zerfall bringen.

So wird hufig die Nasenscheidewand durchgefressen, und die im Innern
abgefressenen Gewebsteile werden beim Ruspern oder Husten ausgestoen.
Von den vorkommenden Kehlkopfzerstrungen ist wohl ein reichliches Teil
auf tertire Syphilis zurckzufhren. Die schrecklichen und widerlichen
Verwstungen der Nase kann man ja hin und wieder auf der Strae
beobachten.

Die Knochen erfahren Auftreibungen und Verdickungen und werden
stellenweise ausgefressen, ausgehhlt, so da dauernde und auffallende
Vernderungen zurckbleiben. Ja, es kann beispielsweise der lange
Unterschenkelknochen so weit durchgefressen werden, da er bei
irgendeiner Gelegenheit bricht.

Besonders schmerzhaft und gefhrlich ist das Gumma, wenn es am
Schdelknochen sitzt. Dann frit es sich bis zu den Hirnhuten durch,
durchlchert also die Schdeldecke und kann das Leben zerstren.

Schwere Nieren-, Leber-, Lungen- und Herzerkrankungen treten bei der
tertiren Syphilis auf und knnen gleichfalls den Tod herbeifhren.

Ergreift die tertire Syphilis das zentrale Nervensystem, so ist der
Kranke unrettbar dem Tode verfallen. Das am Schdel sitzende Gumma frit
sich durch den Knochen hindurch oder treibt ihn auf; daraus erklren
sich die Vorboten jener frchterlichen Krankheit, der Gehirnerweichung,
die wohl in den meisten Fllen den Charakter der tertiren Syphilis
trgt. Diese Vorboten sind: dauernder Kopfschmerz, Schwindel,
Ohnmachtsanflle, Gedchtnisschwche, tiefe Gemtsverstimmung und die
lange Reihe jener merkwrdigen, unberlegten und sinnlosen Handlungen,
die oft bei einem frher klugen, geistvollen Menschen auftreten und den
Gehirnparalytiker verraten, ehe noch die schreckliche Krankheit zum
furchtbaren Ausbruch kommt. Da ein sonst sparsamer Mann auf einmal ein
unruhiger Verschwender wird, ein sittenstrenger Mann zum wsten,
ausschweifenden Erotiker, erklrt sich nur durch teilweisen und
fortschreitenden Verfall des Gehirns.

Bei der Rckenmarksschwindsucht ist ihr Zusammenhang mit der Syphilis
(oder mit ihrer Quecksilberbehandlung?) so offenbar, da man fast von
Ausnahmslosigkeit sprechen kann.

Die bei Tabes des oberen Rckenmarkes auftretenden Sehstrungen,
namentlich Augenlhmungen und Entzndungen der Iris, sind fast alle
syphilitischen Charakters.

Es gibt keinen Teil am und im Krper, der nicht von der Syphilis
ergriffen und zerstrt werden knnte. Zwar trifft die Krankheit nicht
jeden so schwer; aber sie ist heimtckisch und unberechenbar, und wenn
ein von dieser Krankheit befallener Krper nicht gengend Lebenskraft
hat, sich vernachlssigt und noch dazu ein ausschweifendes,
nervenzerstrendes Leben fhrt, so kann ihn die Krankheit bei lebendigem
Leibe zum Verfaulen bringen.

Die Syphilis ist erblich, das ist ihr grtes Schreckbild. Die
Nachkommen empfangen das Gift im Keim, und dieser angefaulte Keim
wird--wenn er nicht abstirbt--zu einer faulen Frucht. Dies ist das
Schrecklichste im Leben, der grauenvolle Leichtsinn, mit dem ein
syphilitisch Kranker das Gift auf Weib und Kinder bertrgt und Leben
erweckt, das morsch, faul und unglcklich ist. Wieviel jammervolle
Menschen laufen umher, denen die Syphilis des Vaters oder der Mutter die
Kraft nahm und die Flgel gebrochen hat! Das ist die fluchwrdigste Tat,
deren ein Mensch fhig ist.

Die erbliche bertragung der Syphilis geschieht durch syphilitische
Vergiftung der Keimzellen. Die Folgen sind Absterben der Frucht,
Frhgeburten und Fehlgeburten oder ganz elende, schwchliche und
erbrmliche Kinder.

Prof. ~Neumann~ machte im Archiv fr Kinderheilkunde folgende Angaben
ber die geradezu verheerenden Wirkungen der vererbten Syphilis: Es
gebaren 71 Mtter im sekundren Stadium der Syphilis insgesamt 99
Kinder, d.h. es standen so viele Flle zur Beobachtung. Dabei fanden
sich: 40 mal Abortus, 4 Frhgeburten, 3 Totgeburten, 24 Kinder, die
gleich nach der Geburt starben, 5 waren lebend, aber syphilitisch, und
nur 2 schienen gesund zu bleiben. ~Die Sterblichkeit war also 98
Prozent!!~

Dies groe Kindermorden bezeichnet berall den Weg der Syphilis. Zwar
mildert sich das Bild, wenn die syphilitische Ansteckung der Mutter
nicht vor der Befruchtung oder zugleich mit ihr, sondern spter
erfolgte. Zwar ist dann immer noch die Gefahr fr das Kind gro; aber es
bleibt wahrscheinlich am Leben. Ist aber einmal die Syphilis im Krper
einer Frau, so ergreift sie die Keimzellen, die im weiblichen Organismus
in den Eierstcken von Jugend auf fertig ausgebildet sind, und jedes
nachher geborene Kind wird geschdigt. Darin liegt die Furchtbarkeit der
Syphilis beim Weibe. Die Samenzellen des Mannes werden fortdauernd neu
gebildet, so da beim Ausheilen der Syphilis auch die Erblichkeit
erloschen ist. Das ist beim Weibe nicht der Fall, weil immer in den
fertigen und auf Befruchtung wartenden Eizellen Syphiliskeime
zurckgeblieben sein knnen. Eine einmal syphilitisch gewesene Frau
sollte darum nie wieder Kinder bekommen. Und gerade hier sieht man die
ganze Schrecklichkeit dieser Krankheit, erkennt man, wie sie alles
Mutterglck fr alle Zeit ersticken kann, und wie ein unschuldiges Weib
krank und unsagbar unglcklich werden kann, weil der Mann ihr in
schrecklichem Leichtsinn den Keim einer Krankheit bertrug, die er in
einer Stunde des bloen Vergngens erwarb.

Arme, arme, bejammernswerte Frauen, die nichts Bses taten und so schwer
leiden mssen! Wie kam so bitteres Unrecht in die Welt? Und wie ist es
auszudenken, da es Mnner gibt, gewissenlos und verbrecherisch genug,
wissend Leib und Seele einer Frau zu zerstren!

Ein syphilitisch erblich zerstrtes Kind ist das Grauenhafteste, was man
sich vorstellen kann. Ein jammervolles Leben, das schuldlos eine schwere
Brde trgt. Eine Haut, die unter Umstnden mit roten Flecken, Blasen,
nssenden Wunden und Eiterbeulen bedeckt ist, kranke, wuchernde
Schleimhute, chronische Nasen- und Ohrenkatarrhe mit eiternden,
stinkenden Ausscheidungen, dazu wohl auch Taubheit, Blindheit,
Knochenentzndungen und Knochenauftreibungen mit schrecklichen
Formnderungen und ein rascher Zerfall der Zhne. Gehirn und Rckenmark
sind meist bei solchen unglcklichen Kindern angegriffen, und es zeigen
sich schon frh teilweise oder vollstndige Lhmungen, Krmpfe,
Zuckungen, Epilepsie und vielerlei geistige Strungen, von einfachstem
Gedchtnisschwund und der Gemtsbedrckung angefangen bis zu
Wahnvorstellungen, fixen Ideen, furchtbaren Ausbrchen und vlliger
geistiger Zerrttung.

[Illustration: Dekoration]




Vierter Teil.

Der Kampf um Sittlichkeit und Gesundheit.


Das ist das Schreckbild der Geschlechtskrankheiten, und wer je offene
Augen hatte, der wird nichts fr bertreibung halten.

Du kennst nun die Gefahr. Und die Gefahr wird deinen starken Willen
wecken, und du beginnst den Kampf. Den Kampf? Gegen was? Gegen alles,
was dich bedroht; denn ohne Kampf geht es nicht ab. Wahrlich, es gibt
einen Kampf zwischen triebhaftem Leib und sieghaftem Willen. Mensch
sein, heit ein Kmpfer sein, und dieser Kampf ist der Menschheit
urewiges Erbstck.

Schmiede Waffen fr diesen Kampf! Und willst du die wirksamsten kennen,
so suche sie im Widerstreit der Krfte in deinem eigenen Krper und
Geist. Auf ~Arbeit~ sind alle deine Krfte eingestellt. Sinnliche
Verschwendung zehrt an deiner Arbeitskraft, macht dich schlaff,
unlustig, geistlos. Die Arbeit aber zhmt und bndigt deine sinnlichen
Triebe. Darum stelle dein Leben auf Arbeit ein! Stecke dir ein Ziel, und
setze an die Erreichung dieses Zieles alle deine Krfte. Dann wird die
Arbeit Inhalt und Halt deines Lebens, sie wird dir Sittlichkeit und
Grundlage der Persnlichkeit werden.

Vlker sind durch Arbeit gro geworden, sind mit ihrer Arbeit gewachsen,
und es war stets ein Zeichen des Niederganges, wenn ein Volk sich teilte
in Arbeitende und Miggnger. Denn unter diesen Miggngern, die nicht
einen einzigen Tag mit ernsten Pflichten erwachen, sondern sich treiben
lassen von ihren Stimmungen und Einfllen, fhrt die Sucht nach
Unterhaltung ber Sport und Spiel zu Liebesabenteuern und
Geschlechtserregungen. Und je weniger der Krper durch den strengen
Willen und die rauhe Notwendigkeit der Arbeit gebndigt ist, desto
weichlicher und haltloser wird der Charakter, desto ungebrdiger und
zgelloser die Phantasie, und eine wirre, unsaubere Sinnlichkeit erfllt
den Geist, dem durch Mangel an Arbeit die straffen Zgel genommen sind.

Sicherlich gibt es Menschen von ruhelosem Arbeitsdrang, Menschen, denen
die Arbeit zum Laster, zur Krankheit, zu einem neurasthenischen Zwang
wurde, die ruhelos arbeiten mssen, um die gejagten Nerven zu
befriedigen und um sich ber die entsetzliche Leere ihres Inneren
hinwegzutuschen. Solche Menschen sind uns nicht Vorbild. Sie sind die
eine Ausschreitung, der Miggnger die andere.

Wie wohltuend steht dazwischen der ruhig und kraftvoll Arbeitende! Das,
was er schafft, gibt ihm Ernst und Wrde, gibt ihm Stolz, und in dieser
Wrde, diesem Stolz liegt die groe Widerstandskraft gegen alles
Schlechte. Die Arbeit ist eine innere Spannung, die ber Migeschick
hinweghilft und eine stille Frhlichkeit um sich verbreitet. Wer sein
Geld durch Arbeit erwarb, wird es hher schtzen, wird sparsamer sein
als der Miggnger, der mit des Vaters ererbtem Gelde seine Stunden
totschlgt und aus berdru nach vielen Genssen nur noch den
Geschlechtsgenu kennt. Dann ist's mit der Arbeit vorbei, denn Arbeit
verlangt Kraft und innere Sthlung, und nichts zerstrt diese Kraft so
sicher, wie die Sinnlichkeit, wenn sie unbeherrscht und krankhaft in
Leib und Sinn whlt.

Niemand wird eine gesunde Sinnlichkeit abtten knnen. Und niemand soll
es tun. Aber sie soll als bewegende Kraft in der beherrschenden Kraft
des Willens liegen und nicht durch bestndigen Anreiz zu einer
triumphierenden und den Menschen versklavenden Macht werden. Ernste
Arbeit entzieht dich vielen solchen Anreizen, und ein festes Lebensziel
fesselt deinen Willen an diese Arbeit.

~Schopenhauer~ schrieb 1813 in sein Tagebuch: An den Tagen und Stunden,
wo der Trieb zur Wollust am strksten ist, ... gerade dann sind auch
die hchsten Krfte des Geistes, ja das bessere Bewutsein zur greren
Ttigkeit bereit, ob zwar in dem Augenblicke, wo das Bewutsein sich der
Begierde hingegeben hat und davon voll ist, latent; aber es bedarf nur
einer gewaltigen Anstrengung zur Umkehr der Richtung, und statt jener
qulenden, bedrftigen, verzweifelnden Begierde (dem Reich der Nacht)
fllt die Ttigkeit der hchsten Geisteskrfte das Bewutsein (das Reich
des Lichts). In besagten Zeiten ist wirklich das krftigste, ttigste
Leben berhaupt da, indem beide Pole mit der grten Energie wirken.
Dies zeigt sich bei ausgezeichnet geistreichen Menschen. In besagten
Stunden wird oft mehr gelebt als in Jahren der Stumpfheit.

Schiller hat diesen Gedanken in wundervolle Worte gekleidet:

      Leidenschaften sind schumende Pferde,
      Angespannt an den rollenden Wagen.
      Wenn sie entmeistert sich berschlagen,
      Zerren sie dich durch Staub und Erde.
      Aber lenkest du fest den Zgel,
      Wird ihre Kraft dir selbst zum Flgel,
      Und je rger sie reien und schlagen,
      Um so herrlicher rollt dein Wagen.

[Illustration: Dekoration]

Dein Leben gelte der Arbeit! In diesem Zeichen wirst du siegen.

Aber es gilt, auf der Hut zu sein, um alles zu vermeiden, was eine
Geschlechtserregung herbeifhren knnte. Je gesnder und normaler der
Organismus, desto gleichmiger sind seine Krfte in den Nervenzentren
verteilt. Der nervse, berhaupt der geschwchte Mensch hat meist eine
Schwche und leichte Erregbarkeit im Lendenteil des Rckenmarkes. Hier
ist der hauptschlichste Sitz des Geschlechtsgefhls. Alles, was stark
auf den Organismus einwirkt, trifft am meisten dies schwache und wegen
seiner Schwche leicht erregbare Fundament. Darum werden nicht nur rein
geschlechtliche Dinge hier gefhrlich, sondern auch ungnstige
Einwirkungen durch Essen und Trinken, beranstrengung, Trgheit, d.h.
Mangel an Arbeit, falsche Lektre, seelische Erregungen usw.

Natrlich ist der rein geschlechtliche Reiz der weitaus strkste,
weshalb denn fr diese oft vorhandene Schwche des Lendenmarkes nichts
unheilvoller und verhngnisschwerer wird als Onanie oder vorzeitiger
Geschlechtsumgang. Das Nervensystem neigt zur Periodizitt, und jede
bung steigert die Reizempfnglichkeit. Es ist deshalb nicht ohne
weiteres richtig, zu sagen, da die Bettigung den Trieb befriedigt.
Nein, durch die Geschlechtsbettigung wird oft erst ein Bedrfnis
geschaffen, was in gleicher Strke vorher nicht vorhanden war.

ber die rein krperlichen Ursachen der Geschlechtserregung haben wir
schon im ersten Teile gesprochen. Meide also das viele Stillsitzen, das
den Unterleibs- und Geschlechtsorganen eine stockende Blutberfllung
gibt und das Nervensystem in einen Zustand von Gereiztheit versetzt.
Gerade das in den Schulen, in allen Studienanstalten und in allen
Schreibstuben gebte dauernde Stillsitzen ist eine verbreitete Ursache
der Onanie und aller sinnlichen Erregung berhaupt.

Bei hoher geschlechtlicher Reizbarkeit sind auch gewissen Sportsbungen
sinnlichkeitsreizende Gefahren nicht abzusprechen. Das ist z.B. das
Klettern, das Reiten und das Radfahren. Die Bewegungen und Reibungen der
Geschlechtsorgane sind bei vielen erregbaren jungen Menschen nicht
unbedenklich. Der beste Kenner dieser Dinge in Deutschland, _Dr._
~Rohleder~ in Leipzig, behauptet, da infolge des Reitens die Onanie bei
der Kavallerie ungeheuer verbreitet sei.

Und noch eins ist zu erwhnen, das ist der Tanz. Er hat schon
entwicklungsgeschichtlich so viel geschlechtlich-symbolische Zge, da
man auch seine sexualerregende Wirkung wohl verstehen kann. Wenn du
durch ihn in dieser Richtung gefhrdet bist, so schrnke ihn ein. Ja,
bringe unter Umstnden deiner Gesundheit das Opfer, ihn ganz zu lassen.
Jedenfalls bringe nicht Tanz und Alkohol zusammen; denn das leicht
erregbare Nervensystem ist diesem doppelten Reiz nicht gewachsen.

Achte auf das Bett, wie ich schon frher sagte. La dein Lager khl und
hart sein und schlafe nicht lnger, als es dir dienlich ist. Vor allem
trume nicht im Bett in die Morgenstunden hinein.

Bade fleiig! Halte den Krper und namentlich die Geschlechtsorgane
sauber. Schwimme und turne, wandere, singe und sei frhlich!

An erster Stelle soll in der Pflege deines Krpers das Luftbad stehen.
Ich hab's genau beschrieben in einem anderen Buche: Die Heilkraft des
Luft- und Sonnenbades[7]. Nackt in der Luft sthlst du die Nerven. Nur
meide die starke Sonne und trges Herumliegen in der Sonne. Es
erschlafft den Krper und kann sinnlich erregen. Hat es dich erschlafft,
so nimm ein khles Flu- oder Brausebad. berhaupt sind khle Bder und
khle Waschungen zutrglich, wenn die Gefahr der sinnlichen Erregung
naht. Hast du morgens beim Erwachen Erektion, so stehe rasch auf, mache
eine khle Abwaschung und kleide dich rasch an. Aber bertreibe diese
Dinge niemals, weil sonst Schwchung eintritt, die doch wieder zu
sinnlicher Erregung fhrt. bertreibe auch nicht bei gymnastischen und
sportlichen Dingen, bei Wanderungen und ehrgeizigen Wettveranstaltungen.
Alles berma fhrt zur Disharmonie, und nur in der Harmonie aller
Krfte liegt die Mglichkeit zu ihrer Beherrschung.

Und sei einfach und mig in deiner Nahrung. Denke daran, da jedes
berma deine Geschlechtsbegierde steigert, und da namentlich Fleisch,
Fleischbrhe, Wurst, Eier und alter, scharfer Kse, sowie Gewrze, die
Sinnlichkeit erregen und den Kampf gegen diese namenlos erschweren. Wir
Menschen haben meist keinerlei Vorstellung davon, wie eng unser ganzes
geistiges und Gefhlsleben mit den Stoffen zusammenhngt, die wir als
Nahrung zu uns nehmen. Nichts zeigt unsere Erdgebundenheit mehr, als
diese unbestreitbare Abhngigkeit.

Namentlich das Abendessen sei einfach und mild. Du mut es frh
einnehmen, damit nicht die Arbeit der Verdauung deinen Schlaf strt und
eine Phantasiettigkeit weckt, die dir gefhrlich werden kann. Die
einfachsten Speisen sind die zutrglichsten. Ein gesunder Geist und ein
gesunder Krper neigen zur Einfachheit. Schwache Nerven erzeugen
Unmigkeit und die Sucht nach Pikantem.

Auch erregende Getrnke haben direkten und unzweifelhaften Einflu auf
Krper und Geist und namentlich auf die Geschlechtlichkeit. Und nichts
gibt es, das in dieser Hinsicht so verderblich, so furchtbar
niederreiend ist wie der Alkohol. Er ist ja innerhalb der menschlichen
Gesellschaft geradezu der Quell aller unerlaubten, unsauberen
Beziehungen, alles unehrlichen, schlechten Denkens und aller niedrigen,
gemeinen Handlungen geworden.

Der Alkohol ist des deutschen Volkes angestammtes Laster. Schon die
alten Deutschen verkauften im Trunk Haus und Hof, Weib, Ehre und
Freiheit. Das Trinken ist Gewohnheit, Gesellschaftskodex, eiserner
Bestand, historisches Gesellschaftsrecht geworden. Es herrscht berall
und drckt allem Handeln der Deutschen seinen besonderen Stempel auf.

Eine fluchwrdige Entwicklung, in der man nicht wei, was man mehr
verachten soll, die Schlaffheit derjenigen, die immer weiter trinken,
oder die Gewissenlosigkeit des Braukapitals, das an allen Straenecken
zum Trinken verleitet.

Nirgendwo aber spielt der Alkohol eine so verheerende Rolle, wie im
Nervensystem der Menschen und vor allem im Geschlechtsleben. Der Alkohol
ist, weil ein dem Krper durchaus fremder, nicht assimilierbarer Stoff,
ein berreiz, der nicht nur den Krper schwcht, sondern vor allem
hchst merkwrdige Wirkungen an Geist und Seele entfaltet. Er bewirkt
eine Erregung, die sich als gesteigerte Phantasie, als erhhter Mut, als
Fessellosigkeit des Denkens, als sexuelle und allgemeine
Unternehmungslust uert, in Wirklichkeit aber Schwche ist, denn der
klaffende Spalt zwischen gesteigertem Wollen und geschwchtem Knnen ist
eine wesentliche alkoholische Merkwrdigkeit.

Vor allem aber reit der Alkohol das nieder, was die Menschheit in
jahrtausendealter Kulturentwicklung aufgebaut hat und was das Ziel
aller Erziehung und aller Persnlichkeitsentwicklung ist, jene feinen
und klaren Unterscheidungen zwischen Gut und Bse und jene Hemmungen der
Einsicht, der Moral und des Willens, die sich gegen das Schlechte, das
Niedrige und Rohe aufrichten. Fllt das alles, so tritt der Mensch in
seiner ursprnglichen Roheit und Brutalitt wieder hervor, wie wir es ja
in der Alkoholwirkung tatschlich sehen.

Wo anders kann das deutlicher sich zeigen als in den geschlechtlichen
Dingen? Hier steigert der Alkohol die Begierde und wird zum Kuppler,
weil er das Verantwortlichkeitsgefhl ttet, die sittliche Wrde und
Selbstbeherrschung zurckdrngt und zu Geschlechtsverbindungen treibt,
die in solcher Art und solcher Hufigkeit bei nchternem Kopfe undenkbar
wren.

Der Alkohol verleitet tatschlich zu den leichtsinnigsten
Geschlechtsverbindungen und gefhrlichsten Abenteuern. Tausende von
jungen Mnnern erwerben ihre Geschlechtskrankheit, wenn sie angeheitert
zum Haus der Dirne gehen. Ja, die meisten haben wohl die Bekanntschaft
der Prostitution erst mit erleichternder Hilfe des Alkohols gemacht.
~Forel~ machte unter seinen geschlechtskranken Patienten eine Statistik
und fand, da 75% davon sich unter dem Einflu des Alkohols angesteckt
hatten.

Je hher der Alkoholgehalt eines Getrnkes, desto strker auch seine
Wirkung. Aber von den Getrnken mit geringem Alkoholgehalt, wie z. B.
Bier, werden oft solche Mengen getrunken, da trotzdem strkste
Wirkungen, Trunkenheit, leichtsinnige Geschlechtsverbindung, venerische
Ansteckung, geschlechtliche Verirrungen u.dergl. zustande kommen. Und
die Statistik lehrt, da die Zahl der unehelichen Geburten mit dem
Bierverbrauch in den einzelnen Stdten steigt und sinkt.

Von den Sittlichkeitsdelikten kommt ein sehr hoher Prozentsatz aus dem
Alkoholgenu. Und was diesen vielen und vielerlei Ausschreitungen,
Fehlern, Unbesonnenheiten und Vergehen an Unglck, Familienjammer und
sozialem Elend folgt, das ist kaum zu bersehen. Hier gibt's fr den
einsichtsvollen Menschen nur einen Weg, den der Enthaltsamkeit vom
Alkohol.

Wie Schreck fhrt's manchem durch die Glieder, wenn es heit, er soll
kein Bier mehr trinken. So fest sitzt es in seinen Lebensbegriffen, da
ihn der Verzicht ungeheuerlich anmutet. Und doch gibt's nicht den
kleinsten Vorteil, der im Alkohol wohnt, sondern nur Nachteil,
unbedingten, unbegrenzbaren Schaden. Was schdlich ist, geht wider die
menschliche Vernunft. Darum rumen wir etwas aus dem Weg, was die
Menschen in ihrer gesamten Entwicklung hindert, und verzichten auf den
Alkohol. In diesem Verzicht liegt Selbstachtung, Stolz, Wrde. Gute
Entschlsse machen den Menschen reifer, willenskrftiger, sittlich
freier. Und der Verzicht auf den Alkohol ist ein guter Entschlu!

[Illustration: Dekoration]

Meidest du den Alkohol, so meidest du von selbst jene hlichen Sttten,
wo der Alkohol bewut und planmig zur sinnlichen Anreizung gebraucht
wird, die Animierkneipen und alle anderen Kneipen mit Damenbedienung.
Es liegt etwas unsglich Hliches und Niedriges, etwas namenlos
Gemeines in diesen Kneipen, und es ist mir vllig unverstndlich, wie
ein junger Mann in der Dunstwolke dieser alkoholischen Geilheit auch nur
einen einzigen Atemzug tun kann.

Hier stehen wir auf der Grenze, wo die krperlichen Anreize der
Geschlechtlichkeit in die geistigen bergehen. Und so, wie du den Krper
freihalten mut von unsauberen Dingen, so gib auch dem Geist nur und
ausschlielich gute Nahrung. Leicht mag das nicht sein. Denn die
erotische Hochspannung der Kultur hat auch in die Literatur und in die
Kunst einen erotisch-neurasthenischen Ton hineingetragen. Die Betonung
des Sexuell-Sinnlichen kommt dem Interesse der Menge entgegen. Sexuelle
Dinge werden breit, mit zynischer Behaglichkeit oder mit geschickt und
elegant verborgener Lsternheit geschildert oder gemalt. Vor nichts
scheut man zurck, und die Schamlosigkeit macht sich breit unter dem
Deckmantel des Realismus.

Wir wollen ganz absehen von Kolportageromanen, die auf die niedrigsten
Instinkte spekulieren. Nein, auch fhige Schriftsteller, begabte
Bildhauer und Maler haben sich der Erotik verschrieben und prostituieren
ihre Kunst, um den billigen Beifall der Menge zu erhaschen.

Wieviel Unheil richten sie in jugendlichen Kpfen an! Unruhige sinnliche
Wnsche werden geweckt, sittliche Begriffe gestrzt; denn das, was ohne
Zweifel schlecht ist, wird durch diese erotische Literatur interessant
gemacht. Wieviel schlechte Handlungen entsteigen der durch schlechte
Lektre verwilderten Phantasie! Wie oft erfhrt der Richter, da ein
schlechtes Buch den Antrieb zu einer sittlichen oder strafrechtlichen
Entgleisung gab!

Die Zahl der scheulichen Witzbltter ist gro, und selbst Witzbltter,
denen manch ernstes Wort eine Bedeutung gab, haben sich dem erotischen
Zynismus mit Haut und Haaren verschrieben. Die Inseratenseiten wimmeln
von Anzeigen erotischer Literatur, von Anpreisungen von
Aktzeichnungen, die angeblich nur fr Kenner oder Knstler
bestimmt sind. Aller Schmutz kann in solchen Inseratteilen abgeladen
werden, und die vielen Anzeigen von Heiratsgesuchen, von Wohnungen mit
separatem Eingang und dergleichen sind nur eine schwungvolle geldliche
Ausntzung der allgemeinen Lsternheit.

Schmach und Schande ber eine Presse, die sich ihrer erzieherischen
Pflicht so wenig bewut ist!

Am meisten hast du dich zu schtzen vor jener Literatur, die angeblich
Aufklrung verbreiten will in geschlechtlichen Dingen und mit allerlei
unverfnglichen oder auch verfnglichen Titeln die Neugier der Jugend
erregt. Ich wei aus vielen Berichten, die mir zugegangen sind, wie
solche Bcher Schaden anrichten. Die Lsternheit und Sinnlichkeit des
Verfassers steigt zwischen den Zeilen auf und teilt sich dem
Leser--ihn erregend--mit, so da mancher mir schon berichtete, wie
sehr ihn gerade diese Aufklrungsliteratur zur Onanie und sinnlichen
Gesprchen verleitete.

Auch da, wo der Inhalt des Buches an sich richtig und gut ist, kann
diese Gefahr bestehen, denn hier macht der Ton die Musik, und ich stehe
keineswegs bei denjenigen, die da meinen, man msse aus Grnden der
Natrlichkeit den letzten zarten Schleier der Schamhaftigkeit von den
geschlechtlichen Dingen hinwegnehmen. Nicht das restlose Wissen, nicht
die absolute Entschleierung ist der beste Schutz, sondern die zarte,
poesievolle und doch kraftvoll-gesunde Auffassung vom Liebesleben, jene
innere, tiefe und wahrhaftige Schamhaftigkeit. Nicht im Verstand liegt
die Sittlichkeit, sondern in der Seele. Darum haben diejenigen die
hchsten sittlichen Krfte, die die strksten Glaubenskrfte haben.

Prostituiert ist auch die bildende Kunst. Vorbei ist die Hoheit der
griechischen Meister, die mit der Darstellung der Nacktheit hchste
Schamhaftigkeit und sittliche Wrde verbanden. Wir leugnen gar nicht die
sinnlichen Elemente des Kunstgenieens. Aber die Kunst soll unsere
Sinnlichkeit idealisieren, durch das krperlich Schne den Enthusiasmus
der Seele wecken, nicht aber die rohe Sinnlichkeit entflammen und den
aufstrebenden Geist in die Fesseln der qulenden Krperlichkeit bannen.
Eine gemeine Kunst verfhrt zu einsamen Triebverirrungen, zu Lsternheit
und Ausschweifung. Es ist nicht ratsam, in Kunstfragen den Staatsanwalt
und die Polizei zur obersten Instanz zu machen. Bessere Richter einer
gesunkenen, feilen und geilen Kunst sind guter Geschmack, anstndige
Gesinnung und Selbstachtung. Das Angebot wird durch die Nachfrage
hervorgelockt, und jeder vernnftige Mensch sollte es fr unter seiner
Wrde halten, ein Bildwerk zu betrachten oder gar zu kaufen, das die
Lsternheit herausfordert.

Der Stolz mte sich auch aufbumen gegen den Schmutz, der sich in
photographischen oder literarischen Pikanterien breit macht. Warum gehen
junge Mnner nicht diesen gemeinen Anreizen aus dem Wege? Warum
erschweren sie sich den Kampf und lassen sich immer mehr herabziehen?
Nicht die gewissenlosen Hndler sollte man anklagen, sondern die
charakterlosen Mnner, die den Schmutz begehren.

Das Denken in geschlechtlichen Dingen ist sehr wohl ein Mastab der
allgemeinen Kraft und Sittlichkeit eines Volkes berhaupt, und es ist
charakteristisch, wenn wir aus Frankreich hren, da dort die Vter
ihren beim Militr dienenden Shnen zur Unterhaltung pornographische
Photographien senden.

Was aber soll man dazu sagen, wenn sogar die dramatische Kunst, die den
strksten Einflu auf das Volk hat, ihre Verantwortlichkeit verliert und
im sexuellen Zynismus landet? Die Kunst geht nach Brot, und wenn der
Brotherr, das Publikum, einen verkommenen Geschmack hat und mit gierigem
Blick nach Lsternheiten Ausschau hlt, dann darf man sich nicht
wundern, wenn die Bhne franzsische Ehebruchsdramen und
zynisch-erotische Vaudevilles auffhrt. Da ist der Held der Bhne nicht
der stolze, edle Mensch, nicht Tell, Tasso oder Posa, sondern der seine
Frau betrgende Ehemann, der weichlich-erbrmliche Don Juan, der in
tausend ngsten vor dem Entdecktwerden und in tausend Nten von einer
jammervollen Situation in die andere gert, und der uns dann als von den
Frauen besonders begehrt dargestellt wird. Sieht man, wie vollbesetzt
diese Theater sind, und wie im Publikum die Mienen ohne alle
Selbstbeherrschung gierig-lstern werden, so kann man das Gefhl von
Scham und Emprung nicht unterdrcken ber ein Volk, das so seine groen
Mnner vergit, und ber Menschen, die so sehr alles Edle, Schne,
Menschliche von der Geilheit berwuchern lassen.

Schule deinen Geschmack und deinen ganzen inneren Menschen an echter,
edler Kunst und sei zu stolz, ein Spielball dieser lstern-geschftlichen
Spekulationskunst zu werden.

Halte dich auch fern von den auf niedriger Stufe stehenden
Variet-Theatern, wo der Humorist ein privilegierter Zotenreier ist und
die Tnzerinnen mit dem Mangel an Kleidung den noch greren Mangel an
Knnen verdecken, wo ein rauch- und bierdunstiges Lokal bis zum letzten
Platz mit Mnnern angefllt ist, und sogar Frauen sich nicht scheuen,
ihr eigenes Geschlecht auf der Bhne prostituiert zu sehen. Warum sind
die Variets, die Singspielhallen, die Konzertcafs mit
erotisch-winselnder Geigenmusik berfllt, und warum knnen sich ernste
Bhnen so schwer halten? Weil die Massen korrumpiert sind, und weil die
wachsende Degeneration die Sinnlichkeit triumphieren lt und zugleich
die Selbstkritik schweigen heit.

Diese bedrohlich angewachsene Sinnlichkeit wird von dem Kapital in
raffinierter Weise ausgeschlachtet. Ganze Industrien rechnen ja mit
dieser Sinnlichkeit. Aber wieviel Unheil richtet sie an! Wieviel
Nervenkraft und Menschenglck wird dabei zerstrt! Es ist nicht ehrlich,
Geld zu verdienen, wenn ein anderer dabei geschndet wird.

Aber niemand ist gentigt, sich diesen Schden hinzugeben. Setze an die
Stelle dieses wirren und wsten Treibens deinen Stolz, deine Wrde, dein
besseres Ich und eine ernste Arbeit mit festem Lebensziel, dann wird die
Gefahr deine Krfte sthlen. Die Arbeit ist die Grundlage deines Lebens,
und die Stunden, die nicht deinen Pflichten gehren, sondern dir selbst,
die sollst du ausfllen mit Schnem, mit guter Lektre. Unser deutsches
Schrifttum ist reich an guten Bchern. Du sollst die freien Stunden
benutzen, gute Kunst kennen zu lernen. In Museen und Galerien ist
Gelegenheit dazu. Und vor allem sollst du die Natur, deine Heimat,
kennen lernen und wandern, damit dein Krper stark und dein Geist
frhlich werde. ~Geh allem aus dem Wege, was dich herabzieht. Schaue nur
Schnes, denke nur Gutes, handle nur edel, dann wirst du den Sinn und
die Schnheit des Lebens in dir selbst finden, weil du in Harmonie mit
dem Weltprinzip bist.~

[Illustration: Dekoration]




Schluwort.


So bist du mir nun gefolgt, lieber junger Freund, und wir haben das
Gebiet durchwandert, das gleicherweise Glck und Unglck, Jubel und
Trnen, Schnheit und Grauen umschliet, in das fast alle Menschen mit
Kraft und Sehnsucht einziehen, und in dem wir sie weiterwandern sehen
mit Krankheit, Schwche, gebrochener Seele, verlorener Jugend und
beladen mit wirren und schwlen Geheimnissen.

So viel Jammer entsteigt der Unwissenheit!

War's da nicht recht, deine Augen sehend zu machen? Ich habe dir nicht
nur Hliches zeigen und dich vor Gefahren warnen wollen, nein, auch die
Schnheiten des Liebesgefhls habe ich in dir keimen lassen, weil ich
wei, da alle Lebensschnheit nur in der Natur steckt und die Natur
auch im Menschen wohnt. _Naturalia non sunt turpia!_

Nicht das ist die wahre Sittlichkeit, die einen Gegensatz zwischen
Mensch und Natur errichtet, die vom Menschen ein Abtten seiner Natur
verlangt und ihn in einen letzten Endes vergeblichen Kampf zwischen Tun
und Willen strzt. Nein, die wahre Sittlichkeit liegt im Erkennen der
erdgeborenen Natur des Menschen und in dem festen Willen, schrittweise
und allmhlich auf hhere Stufen zu gelangen. Weder haben diejenigen
recht, die leichtsinnig in den Tag hineinleben, die alles, so wie es
ist, fr gut halten und vom Baume des Lebens so viel Frchte
herabnehmen, wie sie erhaschen knnen, noch knnen wir denjenigen
folgen, die in dsterem Pessimismus alle Lebensschnheit nicht sehen
wollen und sich auf den Himmel vorzubereiten whnen, whrend doch
zugleich ihr Aszetismus ein gttliches Gebot in den Staub zieht.

Zwischen diesen zwei Irrenden steht der wahrhaft sittliche Mensch, der
sein Leben und seine Persnlichkeit reich und kraftvoll entfaltet, aber
nicht eingreift in die Rechte der anderen und nicht das Wohl der
Nachgeborenen untergrbt. Dem die tiefe Erkenntnis der biologischen
Zusammenhnge ein starkes Selbstverantwortlichkeitsgefhl aufzwingt, und
der seine Wnsche schweigen heit, wenn ihre Befriedigung die feinen
geheimnisvollen Fden verwirrt, die alle Menschen in Glck und Unglck
miteinander verbinden.

Da sehen wir die strengen Grenzen zwischen individueller und sozialer
Ethik. Die eine lebt sowohl im Aszetismus wie in der Vergngungssucht
der Masse, die sich in ihrem oberflchlichen Individualismus eine
Kollektivethik geschaffen hat. Beide aber maen sich an, selbst Richter
aller Dinge zu sein. Hoch ber beiden steht die soziale Ethik, die von
Einzelnen in das Volk getragen wird, von jenen Einzelnen, in denen die
schreiende sexuelle Not der Menschen ein Echo fand, und in denen das
Menschheitsgewissen, jene feine und sichere Unterscheidungskraft
zwischen Gut und Bse, lebte.

Diese soziale Ethik nimmt einem natrlichen Triebe alles, was ihn
hlich macht und die Menschennatur herabwrdigt, und sie gestaltet sein
uern so, wie es das Wohl der sozialen Gesamtheit verlangt.

Alle Ethik hat ihre Wurzeln im Geschlechtsleben. Denn das
Geschlechtsgefhl ist die eigentliche Urquelle aller menschlichen
Sympathiegefhle und aller sozialen Organisationen berhaupt. Ist daher
das Geschlechtsleben krank und verdorben, so mu der ganze Bau des
Menschendaseins erschttert werden.

Das Geschlechtsleben ist die hchste und strkste Entwicklungskraft der
Menschheit. Es hat der Religion Nahrung gegeben, hat Kultur, soziale
Gemeinschaft und Kunst entwickelt und dem Geist seine feinsten Blten
gegeben. Aber es ist auch die Kraft, die wie keine andere die Menschen
hinabstt in Schwche und Elend, in Verwilderung und Versumpfung, in
leiblichen und geistigen Tod. Das Geschlechtsgefhl ist dem
Menschengeschlecht Himmel und Hlle zugleich. Darin liegt sein tiefer,
eherner Ernst.

Aus dem Geschlechtsgefhl quillen Menschenwerte. Ein niedriges
Geschlechtsleben schafft Krankheit und niedriges, schlechtes Denken. Ein
reines Geschlechtsleben dient der Gesundheit, adelt den Menschen und
veredelt die Rasse. Diese Reinheit vereinigt Natrlichkeit mit feinstem
Schamgefhl, gesunde Kraft mit zartschner, idealistischer Auffassung.

Das ist's, wozu ich dich mit diesem Buche hinfhren wollte. Nicht die
Natrlichkeit in jenem stumpfen Sinne einer seelenlosen Nchternheit,
die das Geschlechtliche zu einer Alltagsgebrde stempelt. Die dem
Liebesgefhl seine Gefahren dadurch nehmen will, da man es in der
Nchternheit krperlicher Selbstverstndlichkeit erstickt. Nein,
diejenige Natrlichkeit will ich dich lehren, die zwar den krperlichen
Untergrund aller Dinge sieht, aber alle Krperkultur nur als
Ausgangspunkt einer kraftvollen Seelenkultur erkennt.

Dem Seelenkultus dienen wir! Der rohe Krperkult dient letzten Endes der
Form- und Zgellosigkeit, wenn der Seele feinste Strmungen nicht das
krperliche Tun durchwehen. Die Seele allein birgt die wahre Scham, des
Geschlechtsempfindens zarteste Blte.

So habe ich dir die Wege deines Tuns gewiesen. Unbeirrt und klaren Auges
kannst du in das Leben hinaustreten. Trenne dich von der Masse, von
denen, die ideallos geworden sind, folge dem Stern deines besseren Ich,
schreite mutig und siegreich durch alle Gefahren! Vermehre nicht das
Unglck und den Kummer der Menschen, sondern sei in deiner sittlichen
Kraft wie ein Licht, das ins Dunkle strahlt und auch anderen Menschen
das Leben verschnt.

~So trenne ich mich von diesem Buche und trenne mich von dir.~

~Lebe wohl!~

~Dein Leben sei rein und ehrlich und voll Glck! Und da es so sei, gehe
den einsamen Weg der Guten!~

~Lebe wohl!~

[Illustration: Dekoration]




Funoten:


[1] Man lese Arbeit, Kraft und Erfolg, Wege zur Steigerung der
Leistungsfhigkeit in krperlichem und geistigem Schaffen. Von Emil
Peters. Mk. 4.25. Zu beziehen durch den Volkskraft-Verlag, Konstanz am
Bodensee.

[2] Volkskraft-Verlag, Konstanz am Bodensee.

[3] Volkskraft-Verlag, Konstanz am Bodensee, geh. Mk. 2.75, geb. Mk.
4.50.

[4] Wissenschaft und Sittlichkeit, Berlin 1908.

[5] Die Gefahren des auerehelichen Geschlechtsverkehrs. 2 Aufl. Mnchen
1904. A. Mller.

[6] a. a. O., S. 6.

[7] Volkskraft-Verlag Konstanz am Bodensee, geh. Mk. 2.75, geb. Mk.
4.50. Porto 25 Pfg.




      *      *      *      *      *      *




Anmerkungen zur Transkription:

Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen;
lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.

Einige Ausdrcke wurden in beiden Schreibweisen bernommen:

  andererseits (Seiten 38 und 39) und andrerseits (Seiten 26, 31, 97
  und 106)

  gesunderen (Seite 34) und gesnderen (Seite 90)

  gesunder (Seite 19) und gesnder (Seiten 88 und 116)

Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:

  gendert wurde
           "Da ist die groe"
        in "Das ist die groe" (Seite 18)

  gendert wurde
           "Buche Der nervse Mensch."
        in "Buche Der nervse Mensch.[1]" (Seite 34)

  gendert wurde
           "den _~GonoccociNeisseri~_ oder"
        in "den _~Gonoccoci Neisseri~_ oder" (Seite 96)

  gendert wurde
           "fhrt zur Dishamonie, und"
        in "fhrt zur Disharmonie, und" (Seite 118)

  gendert wurde
           "Volkskraf-Verlag, Konstanz am Bodensee, geh. Mk. 2,75,
           geb. Mk. 4,50."
        in "Volkskraft-Verlag, Konstanz am Bodensee, geh. Mk. 2.75,
           geb. Mk. 4.50." (Funote 3)



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