The Project Gutenberg EBook of Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren
Geschichte, by Karl Ploetz and Max Hoffmann and Friedrich Khler

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Title: Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte

Author: Karl Ploetz
        Max Hoffmann
        Friedrich Khler

Release Date: November 8, 2013 [EBook #44136]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AUSZUG AUS DER ALTEN ***




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Anmerkungen zur Transkription

Fett gedruckter Text ist gekennzeichnet mit ~Tilde~, kursiver und
gesperrter mit +Plus+.

Alle Kreuzzeichen wurden durch "T" ersetzt.




 AUSZUG
 AUS DER
 ALTEN, MITTLEREN UND NEUEREN
 GESCHICHTE.

 VON
 DR. KARL PLOETZ (T),
 EHEM. PROFESSOR AM FRANZSISCHEN GYMNASIUM IN BERLIN.

 NEU BEARBEITET VON PROF. DR. MAX HOFFMANN (T)
 UND
 PROFESSOR DR. FRIEDRICH KHLER,

 SIEBZEHNTE AUFLAGE.

 LADENPREIS: GEBUNDEN 3 MARK.

 LEIPZIG 1912.
 VERLAG VON A.G. PLOETZ.

 Alle Rechte vorbehalten.
 Copyright 1912 by A.G. Ploetz, Leipzig.




Vorwort zur 16. Auflage.


Das vorliegende geschichtliche Handbuch, seit der neunten Auflage
von dem jetzigen Herausgeber bearbeitet, ist durch Umgestaltung und
Vermehrung des Inhalts bei den wiederholten Auflagen mehr und mehr
ein Werk des Herausgebers geworden, von ihm zu vertreten hinsichtlich
seiner Eigenheiten und Mngel. Doch ist die bersichtliche Anlage
und Einrichtung des Buches ein bleibendes Verdienst des Verfassers;
auf dem von ihm gelegten Grunde lie sich leicht weiterbauen.
Prof. Dr. +Ploetz+, 1848-1852 Oberlehrer am Katharineum zu Lbeck,
dann Prof. am Franzsischen Gymnasium in Berlin, weithin bekannt
durch seine Lehrbcher der franzsischen Sprache, hatte dieses
Buch als Leitfaden fr den Geschichtsunterricht an hheren Schulen
entworfen, ausgehend von dem Grundsatz, da nur das Tatschliche in
mglichst bersichtlicher Gruppierung vorzufhren sei, weil ein
Leitfaden, der zusammenhngende Erzhlung bietet, dem Vortrage des
Lehrers notwendigerweise Eintrag tut. Er hatte es aber auch fr den
Privatgebrauch bestimmt, um ein rasches Orientieren ber historische,
dem Gedchtnis augenblicklich nicht gegenwrtige Verhltnisse zu
ermglichen. Die spteren Auflagen haben diesen letzteren Zweck
mehr bercksichtigt und sind ber die dem Schulunterricht gesteckten
Grenzen hinausgegangen; doch ist dem Lehrer die Auswahl dessen, was
gelernt werden soll, leicht gemacht durch die Einrichtung des Druckes.
Strebsamen Schlern ist es vielleicht willkommen, manches hier zu
finden, was bei spteren Studien nher ins Auge gefat werden kann.

Fr die neueste Zeit seit 1866 ist den spteren Auflagen sehr
schtzbare Mitarbeit von militrischer Seite zugute gekommen; diese
Mitarbeit erstreckt sich bei der vorliegenden auch auf die deutschen
Kolonien, deren Entwickelung von so hoher Bedeutung fr Deutschlands
Weltstellung ist. Auch sonst ist hier und da gebessert, um die
Brauchbarkeit des Buches zu erhhen. Mge es auch ferner Nutzen stiften
als Fhrer durch ein weites, fast unermeliches Gebiet, dessen Kenntnis
doch unentbehrlich ist.

+Lbeck+, 9. Oktober 1909.

~Max Hoffmann.~




Vorwort zur 17. Auflage.


Als ich nach dem 1910 erfolgten Tode des langjhrigen Herausgebers
dieses Buches, des Herrn Professors Dr. +Hoffmann+ in +Lbeck+, von
dem Herrn Verleger den ehrenvollen Auftrag erhielt, die Besorgung
der neuen Auflage zu bernehmen, habe ich mich dieser dankenswerten
Aufgabe um so lieber und eifriger unterzogen, als ich bereits die
letzten Ausgaben mit regem Interesse verfolgt hatte. Bei meinen
nahen persnlichen Beziehungen zu dem verdienstvollen bisherigen
Herausgeber glaubte ich anfangs, aus Rcksichten der Piett fr die
17. Auflage noch von greren nderungen Abstand nehmen zu mssen.
Jedoch drngte sich mir je lnger, je mehr die Erkenntnis auf, da
die Geschichte Asiens, besonders Ostasiens, infolge der erheblich
lebhafter gewordenen Beziehungen zu Europa und Amerika notwendig eine
eingehendere Behandlung und Wrdigung verlange und zweitens, da der
Wunsch nach einer bersichtlicheren Einteilung und Gliederung des
neuesten Geschichtsstoffes nicht wohl unbercksichtigt gelassen werden
knne. Nach beiden Seiten hin bin ich bestrebt gewesen, entsprechende
nderungen durchzufhren. Was ich sonst im einzelnen im Auszug aus der
Geschichte wie im Anhang gekrzt, erweitert oder berichtigt habe,
wird der aufmerksame Leser leicht erkennen.

Mge das Buch in dieser neuen Fassung die gleiche wohlwollende Aufnahme
finden wie die frheren Auflagen! Mge es ihm gelingen, das Interesse
fr die Geschichte und insonderheit die Liebe zur Geschichte +unseres+
Volkes, die Erkenntnis und Wertschtzung der Grundlagen seiner Kultur
und das Verstndnis fr seine Gre und seine Ziele in immer weitere
Kreise zu tragen!

Herrn Professor +Fischer+ in Blaubeuren und Herrn +R.A. Ploetz+ in
Margate (England) sage ich auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen
Dank fr wertvolle Notizen zur deutschen und englischen Geschichte.

+Husum+, 18. Februar 1912.

~Friedrich Khler.~




 Inhalt

                                                                Seite
 Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte                          1
 Die Rassen in der Weltgeschichte                                   2


 ~I. Alte Geschichte.~


 A. Die gyptisch-semitischen Vlker.

  1. gypter                                                       3
  2. Babylonier und Assyrer                                        6
  3. Juden (Hebrer, Israeliten)                                  11
  4. Phniker und Karthager                                       13


 B. Die asiatischen Arier.

  1. Vlker Kleinasiens                                           15
  2. Inder                                                        16
  3. Iranier                                                      17


 C. Die Vlker Ostasiens                                           21


 D. Die Griechen.

  1. Mythische Zeit                                               23
  2. Staaten und Kolonien                                         27
  3. Perserkriege und Bltezeit Athens                            38
  4. Peloponnesischer Krieg                                       47
  5. Makedoniens Emporkommen                                      53
  6. Alexander der Groe                                          59
  7. Hellenistische Zeit                                          63
  8. Griechische Kunst und Wissenschaft                           69


 E. Die Rmer.

  1. Zeit der Knigsherrschaft                                    71
  2. Rom als Republik                                             75
  3. Unterwerfung Italiens                                        82
  4. Die Punischen Kriege                                         87
  5. Ausbreitung der rmischen Herrschaft                         94
  6. Brgerliche Unruhen                                         100
  7. Marius und Sulla                                            103
  8. Pompejus und Csar                                          107
  9. Untergang der Republik                                      118
  10. Kunst und Literatur bei den Rmern                         120
  11. Kaiserzeit bis zum Untergang des westrmischen Reiches     121


 ~II. Mittlere Geschichte.~


 A. Bis zum Vertrage von Verdun (375-843).

  1. Vlkerwanderung                                             139
  2. Frankenreich unter den Merowingern                          145
  3. Das ostrmische Reich                                       147
  4. Mohammed und das Kalifat                                    148
  5. Frankenreich unter den Karolingern                          150


 B. Bis zum Beginn der Kreuzzge (843-1096).

  1. Italien und Deutschland (Karolinger, schsische,
        frnkische Kaiser)                                        155
  2. Frankreich                                                  169
  3. England und der Norden                                      169
  4. Die Pyrenische Halbinsel                                   171
  5. Der Osten                                                   172


 C. Das Zeitalter der Kreuzzge (1096-1270).

  1. Kreuzzge                                                   173
  2. Deutschland und Italien (Hohenstaufen)                      179
  3. Frankreich                                                  191
  4. England                                                     192
  5. Die Pyrenische Halbinsel                                   194
  6. Der Osten                                                   194


 D. Bis zur Entdeckung Amerikas (1270-1492).

  1. Deutschland bis auf Maximilian I                            195
  2. Frankreich bis auf Karl VIII                                207
  3. Italien                                                     210
  4. England bis auf Heinrich VII                                211
  5. Die Pyrenische Halbinsel                                   214
  6. Der Norden und Osten                                        215


 ~III. Neuere Geschichte.~


 A. Bis zum Westflischen Frieden (1492-1648).

  1. Erfindungen, Entdeckungen und Kolonien                      221
  2. Die Reformation in Deutschland                              224
  3. Frankreich bis auf Ludwig XIV.                              234
  4. Italien                                                     239
  5. Die Pyrenische Halbinsel und die Niederlande               241
  6. England und Schottland                                      245
  7. Der Norden und Osten                                        249
  8. Deutschland, Dreiigjhriger Krieg                          251


 B. Bis zur franzsischen Revolution (1648-1789).

  1. Frankreich unter Ludwig XIV.                                261
  2. Deutschland unter Leopold I.                                265
  3. Der Norden und Osten                                        267
  4. England                                                     269
  5. Der spanische Erbfolgekrieg                                 272
  6. Der Nordische Krieg                                         274
  7. Deutschland, Friedrich der Groe                            278
  8. Der Norden und Osten                                        292
  9. Grobritannien und Nordamerika                              298
  10. Sdeuropa                                                  303
  11. Frankreich unter Ludwig XV. und XVI.                       305


 C. Bis zum Wiener Kongress (1789-1815).

  1. Die Revolution in Frankreich                                306
  2. Frankreichs Kriege gegen das Ausland                        313
  3. Machtentfaltung des ersten franzsischen Kaiserreiches      321
  4. Sturz des ersten franzsischen Kaiserreiches. Deutscher
        Befreiungskrieg                                           331
  5. Herstellung des europischen Staatensystems                 339


 D. Bis auf unsere Zeit.

  1. Neue Erfindungen                                            343
  2. Verfassungs- und Unabhngigkeitskmpfe                      345
  3. Die Zeit von 1830-1848                                      348
  4. Die Revolutionszeit 1848-1852                               354
  5. Kunst und Wissenschaft im 19. Jahrhundert                   363
  6. Machtentfaltung des zweiten franzsischen Kaiserreichs.
        Nationale Einigung Italiens                               365
  7. Deutschlands Einigung durch Preuen                         371
  8. Deutsch-franzsischer Krieg 1870-1871                       381
  9. Das Deutsche Reich seit 1871                                393
  10. sterreich-Ungarn                                          397
  11. Ruland                                                    399
  12. Die dritte franzsische Republik                           403
  13. England                                                    406
  14. Holland, Luxemburg, Belgien, Dnemark, Skandinavien,
        Schweiz                                                   410
  15. Italien                                                    411
  16. Die Pyrenische Halbinsel                                  413
  17. Die Balkanhalbinsel                                        414
  18. Amerika                                                    416
  19. Asien                                                      419
  20. Entwickelung der deutschen Kolonien                        423


 Anhang. I. Brandenburgisch-preuische Geschichte                 427
        II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches              434


 Namen- und Sachregister                                          439




~Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte.~


Bis ~375~ n. Chr. I. ~Alte Geschichte,~ von der Zeit der ersten
geschichtlichen Kunde bis zum Beginn der Vlkerwanderung.

~375-1492.~ II. ~Mittlere Geschichte,~ vom Beginn der Vlkerwanderung
bis zur Entdeckung Amerikas.

Seit ~1492.~ III. ~Neuere Geschichte,~ von der Entdeckung Amerikas bis
auf unsere Zeit.

Die ~alte~ Geschichte gliedert sich nach den hervortretenden Vlkern in
+fnf Abschnitte+. Diese Vlker sind:

1. ~Die gyptisch-semitischen Vlker.~ 2. ~Die asiatischen Arier.~ 3.
~Die Vlker Ostasiens.~ 4. ~Die Griechen.~ 5. ~Die Rmer.~

Die ~mittlere~ Geschichte teilt man nach den hervorragenden Ereignissen
in +vier Perioden+:

~375-843.~ 1. Vom Beginn der ~Vlkerwanderung~ bis zum ~Vertrag von
Verdun~.

~843-1096.~ 2. Vom ~Vertrag zu Verdun~ bis zum Beginn der ~Kreuzzge~.

~1096-1270.~ 3. Das Zeitalter der ~Kreuzzge~.

~1270-1492.~ 4. Vom Ende der ~Kreuzzge~ bis zur ~Entdeckung Amerikas~.

Die ~neuere~ Geschichte gliedert sich ebenfalls in +vier Perioden:+

~1492-1648.~ 1. Von der ~Entdeckung Amerikas~ bis zum ~Westflischen
Frieden~.

~1648-1789.~ 2. Vom ~Westflischen Frieden~ bis zum Beginn der
~franzsischen Revolution~.

~1789-1815.~ 3. Vom Beginn der ~franzsischen Revolution~ bis zum
~Wiener Kongre~.

Seit ~1815~. 4. Vom ~Wiener Kongre~ bis auf unsere Zeit.




~Die Rassen in der Weltgeschichte.~


Die Naturforschung bestimmt die Rassenunterschiede des
Menschengeschlechts nach krperlichen Merkmalen; anders mssen
sie von der geschichtlichen Forschung aufgefat werden. Reine
Rassen im Sinne der Naturforschung liegen fr den Zeitraum unserer
Weltgeschichte nirgends vor. Nur die Nachklnge der Rasseneinheiten,
die man fr vorgeschichtliche Zeiten voraussetzen darf, nmlich der
Durchschnitt der krperlichen und geistigen Eigentmlichkeiten, und als
Haupteinteilungsprinzip die Sprache, sind die Merkmale der Rasse im
Sinne des Historikers. In Betracht kommen dabei hauptschlich folgende
Rassen:

I. Die +sumerische+ Rasse, die Urbewohner von Babylonien.

II. Die +gyptisch-semitische+ (Semiten im weiteren Sinne), deren
Ursitz Arabien gewesen zu sein scheint.

III. Die +zagrische+ mit dem Hauptsitze um die Grenzgebirge zwischen
der heutigen Trkei und Persien (die herrschende Bevlkerung in Elam).

IV. Die +kleinasiatische+ (Hethiter), die mit der +indo-atlantischen+
verwandt zu sein scheint (Urarthier, Mitanier).

V. Die +arische+ (indo-europische): Iranier, Inder, Phryger, Griechen,
Italiker, Kelten, Germanen, Litu-Slaven. Diese Vlker sind die
Haupttrger der geschichtlichen Entwickelung.

VI. Von der +altaischen+ Rasse haben die Chinesen und Japaner im Osten
einen eigenen Kulturkreis gebildet, die Bulgaren, Magyaren und Trken
in Europa eine gewisse Bedeutung gewonnen.

Andere Rassen (Ainos, Dravidas, Malaien, Iberer, Basken, Amerikaner,
Neger) haben eine mehr passive Rolle gespielt als zurckweichende
Urbevlkerung.




~I. Alte Geschichte.~




~A. Die gyptisch-semitischen Vlker.~


 1. gypter.

~gypten~, das von Hhenzgen und Wsten eingeschlossene, oberhalb
des Delta nur wenige Stunden breite, etwa 1100 km lange Tal des
untern ~Nil~, der alljhrlich vom Juli an auf fast 4 Monate seine
Ufer berflutet und so das Land befruchtet. Zwei Landesteile:
~Unter-gypten~ mit der Hauptstadt +Memphis+ und dem Deltalande;
~Ober-gypten~ mit der Hauptstadt +Theben+ (Nu-Amn), Sdgrenze die
Stromschnellen bei +Syene+, jetzt Assuan. Beide bestanden ursprnglich
als selbstndige Staaten nebeneinander. Ackerbau, Handwerk und Kunst
erscheinen im vierten Jahrtausend v. Chr., wo die geschichtlichen
Nachrichten beginnen, schon hoch entwickelt.

~Staatswesen~: Erbliches Knigtum, die Knige gelten als Shne des
Sonnengottes +R+ selbst fr gttliche Wesen. Glnzende Hofhaltung,
viele Beamte, das Land in bestimmte Gaue geteilt. Bedeutender Einflu
der Priester, denen auch die Pflege der Wissenschaften (Sternkunde,
Heilkunde, Rechtskunde) obliegt. Frhzeitige Feststellung des
+Sonnenjahres+. Strenge Regelung des gesamten Lebens durch religise
Satzungen. Erbliche +Stnde+, nicht vllig gegeneinander abgeschlossene
Kasten.

~Religion~: Verehrung der persnlich gedachten Naturkrfte, verbunden
mit symbolischem Tierdienst. Die einzelnen Gaugtter schlieen sich
allmhlich zu Gtterkreisen zusammen. Oberster Gott der Sonnengott +R+
ihm sind die Obelisken geweiht. Neben ihm andere Gottheiten der Sonne,
des Mondes, des Nils usw. Besondere Verehrung des +Ptah+ in Memphis,
des +Amn+ in Theben, der +Neit+ in Sas. Der Kampf der dem Menschen
heilsamen und feindlichen Naturkrfte, wie er sich in dem alljhrlichen
Aufblhen, Absterben und Wiedererwachen der belebten Natur ausprgt,
wird dargestellt in dem Mythus von +Osiris+. Osiris, der Gott des
Lebens, wird von +Set (Typhon)+, dem Dmon der verzehrenden Gluthitze,
gettet, von seiner trauernden Gemahlin +Isis+ gesucht; endlich
berwindet +Hrus+, der Sohn beider, den Set. +Osiris+, wieder
belebt, herrscht in der Unterwelt ber die Seelen der Abgeschiedenen
(Totengericht).

Sorgfltige Bestattung der Toten, die fr die einmal wiederkehrenden
Seelen durch Einbalsamierung in Felsengrbern und Pyramiden erhalten
wurden (Mumien). Heilige Tiere: der Stier +Hapis+ in Memphis als Abbild
des Ptah verehrt; die Khe der Isis, die Katzen der Bast, die Sperber
dem Hrus geheiligt.

Die ~Hieroglyphenschrift~,[1] ursprnglich Bilderschrift, hat
Buchstaben-, Silben- und Wortzeichen; oft wird dem mit Buchstaben- und
Silbenzeichen geschriebenen Worte ein Bild zur Verdeutlichung angefgt.
Sie wurde hauptschlich zu Inschriften an den Wnden der Tempel und
Grabkammern benutzt; fr den gewhnlichen Gebrauch schrieb man auf
Papyrusblttern mit einer abgekrzten, der +hieratischen+ Schrift,
spter mit der noch mehr verkrzten +demotischen+ Schrift.

[vor Chr. Vor ~3000.~]

Das ~alte~ Reich,

begrndet von Knig ~Mena~ durch Vereinigung der beiden Landesteile.
Wechselnde Residenzen der Knige in der Gegend von +Memphis+ (oberhalb
Kairo). Ihre Grabdenkmler sind die ~Pyramiden~; ber 70 noch
erhalten. Die hchsten (bei dem Dorfe Gizeh) sind von den Knigen
der +4. Dynastie+[2] (um 2800) erbaut: +Snofru+, +Chufu+ (Cheops bei
Herodot),[3] +Chafr+, +Menkaur+. Unter der 6. Dynastie zerfllt
die Einheit des Reiches; mehrere Knige herrschen nebeneinander.
Herstellung der Einheit durch die von +Theben+ in Ober-gypten
ausgehende 11. Dynastie.

[Um 2100.]

Das ~mittlere~ Reich,

die klassische Zeit gyptens. Blte der Baukunst und der Literatur
(religise, medizinische, biographische Schriften; Mrchen, Fabeln
und Lieder). Handelsverkehr mit Syrien und dem Weihrauchlande Punt
(Sdarabien). Residenzen in der Landschaft +Fajjm+ oberhalb +Memphis+.

+Amenemht I+. (12. Dynastie) baut den Amntempel in Theben, seine
Nachfolger unterwerfen das Land Kusch (Nubien), +Wesertsen III.+
ist der in der griechischen Sage hervortretende Sesostris. +Amenemht
III.+ legt im Fajjm den +Moeris-See+ an, um die berschwemmungen des
Nils zu regeln, und erbaut dort einen groen Reichstempel, von den
Griechen Labyrinth genannt. Auch diese Dynastie hat Pyramiden gebaut;
Felsengrber von Priestern und hohen Beamten bei Beni-Hassan.

[Um 1800.]

Eroberung gyptens durch die ~Hykss~, Hirtenknige semitischer
Abkunft, die ber die Landenge von Suez eindrangen. Sie beherrschten
hauptschlich das untere Land, Ober-gypten wurde von einheimischen
Statthaltern verwaltet. Einer von diesen, +Ahmse+, Statthalter in
Theben, vertreibt endlich im 16. Jahrhundert die Hykss und herrscht
dann als Knig.

[Um 1530.]

Das ~neue~ Reich (Hauptstadt +Theben+)

erhebt sich bald zu bedeutender Macht und Gre. Knig ~Dhutmse I.~
(Thutmosis) aus der 18. Dynastie macht Nubien zur Provinz und dringt
in Syrien bis zum Euphrat vor. Seine Tochter +Hatschepsowet+ sendet
Schiffe aus nach dem Weihrauchlande Punt. ~Dhutmse III.~ macht
+Syrien+ und +Palstina+ zu Provinzen: hchste Machtflle gyptens.

Seine Nachfolger erhalten diesen Umfang des Reiches aufrecht.
~Amenhotep III.~ schmckt Theben mit glnzenden Bauten; Ruinen bei den
jetzigen Drfern +Karnak+, +Luksor+ und +Medinet-Abu+; bei letzterem
noch jetzt zwei sitzende Kolosse, Statuen des Amenhotep, deren eine von
den Griechen die +tnende Sule des Memnon+ genannt ward.

[Um 1400.]

~Amenhotep IV.~ fhrt einen Sonnen-Monotheismus ein; alle anderen
Gtter sollen dem +R+ weichen. Er grndet eine neue Residenz in
Mittel-gypten (Ruinen von El-Amarna), steht in freundschaftlichen
Beziehungen zu den Knigen von +Babel+ und +Assur+. Nach seinem Tode
Wiederherstellung der frheren Gtterverehrung, zumal des Amn von
Theben.

[Um 1300-1270.]

~Seti I.~ und sein Sohn ~Ramss II.~ (19. Dynastie) kmpfen mit den
+Hethitern+ (Cheta), die in Nordsyrien ein Reich gegrndet haben (S.
15). Ramss siegt in der Schlacht bei +Kadsch+ am Orontes, deren
epische Beschreibung (der Schreiber Pentaur) in Tempelinschriften
erhalten ist. Blte des Reichs unter seiner fernerhin friedlichen
Regierung; Residenz zu +Tanis+ im Deltalande, Tempelbauten zu Theben
und Abu-Simbel (in Nubien), Nilkanal bis zum Timsah-See.

[Um 1180.]

~Ramss III.~ (20. Dynastie) behauptet das Ansehen des Reichs durch
Kmpfe gegen die Seevlker, welche in Syrien eindringen, und gegen
die Libyer im Westen.

~Zeit des Verfalles~ unter den folgenden Herrschern, Syrien wird
unabhngig, in Nubien erhebt sich das Reich von +Napata+. Die
Priesterschaft des Amn von Theben wird allmchtig, und endlich stt
der Oberpriester +Herihr+ den letzten Ramss (XII.) vom Throne. Gegen
seine Nachfolger erhebt sich eine neue Dynastie (21.) in +Tanis+.
Kriegerisch tritt noch einmal Knig +Scheschonk I.+ auf (22. Dynastie),
der um 920 fr kurze Zeit +Jerusalem+ erobert. Dann Schwche der
Knigsmacht gegenber den Gaufrsten.

[Um 775.]

+Pianchi+, Knig von +Napata+, erobert gypten; doch wird es nach
einiger Zeit wieder selbstndig. Dauernde Eroberung 728 durch
+Schabaka+, Knig von Napata, der die 25. Dynastie begrndet. Sein
zweiter Nachfolger +Taharka+ tritt den Assyrern in Syrien entgegen.

[670.]

~Assurachiddin~, Knig von Assur, erobert gypten und ernennt 22
Statthalter, meist gyptische Gaufrsten; doch hat er, wie auch sein
Nachfolger Assurbanipal, gegen den von Napata zurckkehrenden +Taharka+
und dessen Nachfolger +Tantamn+ um den Besitz des Landes zu kmpfen.
Nach des letzteren Tode treten die gyptischen Statthalter wieder in
ihre Rechte.

[645.]

+Herstellung des Reiches.+ ~Psamtik~ von Sais, einer der Statthalter,
macht sich mit Hilfe karischer und ionischer Sldner unabhngig
von Assyrien (S. 10), residiert zu +Sais+ im Deltalande (26.
Dynastie), ffnet das Land dem Fremdenverkehr (Syrer, Karer, Ionier).
Unzufriedenheit im Stande der Krieger, ein Teil derselben wandert nach
Nubien aus. Sein Sohn

[610-594.]

~Neko~ (Necho) setzt den Bau des Kanals vom Timsah-See bis zum Roten
Meere fort, ohne ihn zu vollenden, lt durch phnikische Seeleute
Afrika umfahren, versucht Syrien wiederzuerobern, wird aber 605 von
den Babyloniern unter Nebukadnezar II. bei +Gargamisch+ am Euphrat
zurckgeschlagen. Sein Enkel +Wahabr+ (bei Herodot Apries) wird
entthront von

[570-526.]

~Ahmse~ (Amasis), dessen Regierung die letzte Glanzzeit gyptens
ist. Freundschaft mit den Griechen von +Kyrene+ und mit +Polykrates
von Samos+; den ionischen Griechen wird die Ansiedlung in +Naukratis+
gestattet. Tempelbauten in Sais und Memphis. Sein Sohn

[525.]

~Psamtik III.~ wird in der Schlacht bei ~Pelusium~ von ~Kambyses~
besiegt. ~gypten persische Provinz.~


 2. Babylonier und Assyrer.

Ebenso alt wie im Niltal ist die Kultur in der fruchtbaren Ebene am
Unterlauf des +Euphrat+ (Purat) und +Tigris+ (Diglat), welche spter
nach ihrer Hauptstadt ~Babylonien~ hie. Trger dieser bis ins fnfte
Jahrtausend vor Chr. nachweisbaren Kultur sind die nichtsemitischen
~Sumerer,~ doch sind zu der Zeit, wo die geschichtlichen Nachrichten
beginnen, schon +semitische Stmme+ eingedrungen, zumal in Nord
Babylonien, und haben sich die vorgefundene Kultur angeeignet.

Die Entwickelung von Gewerbttigkeit und Handel fhrt frhzeitig zur
Ausbildung eines genauen Gewichts- und Masystems, bei welchem die
Zahl 60 der Einteilung zugrunde liegt (Sexagesimal-System); an die
Beobachtung der Sterne knpft sich genaue Zeitrechnung, doch auch der
Aberglaube der Sterndeutung (Astrologie).

~Religion~: Von der Verehrung der leuchtenden Himmelskrper ausgehend
bildet sich eine vielgestaltige Gtterwelt. Oberster Gott +Ellit,+
spter +Bl+ genannt, Sohn des Himmelsgottes +Anu+; seine Gemahlin
+Belit+. Andere Gtter +Samas,+ der Sonnengott, +Sin,+ der Mondgott,
+Rammn,+ der Gott des Gewitters, +Marduk+, der Stadtgott von Babel,
+Nergal, Istar, Nabu+. Hohes Ansehen der Priester, die wie in gypten
zugleich Lehrer der Wissenschaft sind.

An der altbabylonischen Kultur nimmt teil das von zagrischen Vlkern
bewohnte Land ~Elam~ (Hauptstadt +Susa+ am Choaspes) und allmhlich
auch das weiter nrdlich am oberen Tigris gelegene Land ~Assur~
(Assyrien). berall ist die ~Keilschrift~ im Gebrauch, mit Griffeln auf
Tontafeln und Tonzylinder eingeritzt, spter in vereinfachter Form von
den Persern angenommen.[4]

[Um ~3000.~]

Stadtknigtmer im Lande der +Sumerer+ (Sdbabylonien), gesttzt auf
alte Kultsttten: Ur, Eridu, Larsa, Lagas (Sirpurla), Nipur mit dem auf
Terrassen hochgebauten Tempel des Ellit.

Im Norden Stadtknigtmer der +Semiten+: Akkad, Sippara, Borsippa,
Babel.

[Um 2800.]

Knig +Sargon+ von +Akkad+ (Nordbabylonien) grndet ein Reich, das sich
bis nach Syrien erstreckt.

[Um 2600.]

Im Sden erheben sich die Knige von Ur, dann die von Larsa; die
Herrscher dieser Dynastien bezeichnen sich auch als Knige von +Sumer
und Akkad+.

[Um 2300.]

Kudur-Mabuk, Knig von +Elam+ (Susiana), erobert Ur und Larsa.

[Um 2200.]

~Hammurabi~, Knig von Babel, befreit den Sden von dem Joch der
Elamiter und zwingt ihn fr immer unter die Herrschaft des Nordens;
begrndet damit das ~Babylonische Reich~. Die Hauptstadt, ein groes
ummauertes Viereck, vom Euphrat durchstrmt; auf der einen Seite des
Flusses die Knigsburg, auf der andern ein in 8 Stockwerken sich
erhebender Tempel des Bl. Sorgfltiger Ackerbau, Anlage von Kanlen.
Eine umfassende +Gesetzgebung+, bekannt geworden durch eine 1901 in
Susa gefundene Inschrift dieses Knigs, regelt das brgerliche Leben:
Landbau, Schiffahrt, Handel, Eherecht, Erbrecht.

[Um 1700.]

Herrschaft der vom Zagrosgebirge her eingedrungenen Kassu (Kosser)
ber Babel;[5] seit etwa 1250 wieder einheimische Knige.

[Um 1500.]

~Reich Assur am oberen Tigris.~ Alte Hauptstadt gleichen Namens;
sptere Residenzen der Knige sind +Ninua+ (Ninive)[6] und +Kalach+.
Ausbildung des Kriegswesens und geordnete Verwaltung; die Jahre werden
nach dem Wechsel der obersten Staatsbeamten (Limu) gezhlt.

[Um 1450.]

Knig +Assurubllit+ von Assur, befreundet mit +Burnaburjasch+ von
Babel, zerstrt das Nachbarreich der +Mitani+ am oberen Euphrat. Lange
Zeit bestehen die drei Reiche +Babel+, +Elam+, +Assur+ nebeneinander,
verbunden durch Handelsverkehr, aber auch fters in Feindschaft.
+Tiglatninib+ von Assur herrscht um 1280 eine Zeitlang auch ber Babel,
+Nabukudrossor I.+ (Nebukadnezar I.) von Babel ist um 1130 siegreich
gegen Elam, fhrt die geraubte Mardukstatue aus Susa zurck.

[Um 1100.]

+Tiglatpilsar I.+ von Assur schlgt einen Angriff der kleinasiatischen
+Muski+ (S. 15) zurck, dringt erobernd vor nach +Nairi+ (den Gebieten
nrdlich vom oberen Tigris) und nach +Nordsyrien+, wo das Reich der
Hethiter (S. 5) sich in kleinere Staaten aufgelst hat; er erreicht bei
Arwad (Aradus) in Phnizien das Mittelmeer. Die nchstfolgenden Knige
haben diesen Umfang der Herrschaft nicht behauptet; dann aber folgt die
Grndung der ~Assyrischen Gromacht~.

[885-860.]

+Assurnssirpal+ (III.) erobert die Lnder am oberen Euphrat und
Nordsyrien und dringt wieder bis zum Mittelmeer vor. Tyrus und Sidon
zahlen Tribut.

[860-825.]

+Salmansar II.+ wiederholt diese Zge, greift zwar +Damaskus+
mehrfach vergeblich an, hlt aber Tyros, Sidon und das Reich Israel
(Knig Jehu) tributpflichtig, ebenso im Osten die indogermanischen
+Madai+ (Meder) (S. 17); in +Babel+ greift er bei einem Thronstreit
mit Heeresmacht ein. Sein zweiter Nachfolger +Rman-nirari III.+ (um
800) erobert auch +Damaskus+ und fhrt reiche Beute davon. Unter ihm
reicht die assyrische Macht von Medien ber ganz Palstina bis nach
Edom. Dann folgt eine Zeit des Niedergangs; +Salmansar III.+ (um 780)
kmpft erfolglos gegen das in den nrdlichen Berglndern (Armenien)
entstandene Reich +Urarthu.+

[745-727.]

~Tiglatpilsar III.~ (Pulu), ein Usurpator, strzt den schwachen Knig
Assur-nirari und erhebt die assyrische Macht aufs neue. Er bekriegt
das westliche +Medien+, bricht die Macht der +Urarthier+, stellt die
Herrschaft ber +Syrien+ wieder her. Die Knige von Damaskus, Israel,
Tyros zahlen ihm Tribut. In +Babel+ besttigt er zuerst den Knig
+Nabunssir+[7] als aber nach dessen Tode Uknzr, Frst der Kaldi
(Chalder, im sdlichen Babylonien) sich des Thrones bemchtigt,
vertreibt er diesen und macht sich selbst unter dem Namen Pulu zum
Knig von Babylon, Sumer und Akkad. So wird er der Grnder des
assyrischen Weltreichs, indem er

[~729.~]

~Assur und Babel vereinigt~.

[722-705.]

~Sarrkn~ (Sargon), Begrnder einer neuen Dynastie, beendet die
von seinem Vorgnger Salmansar IV. begonnene Belagerung von
+Samaria+, fhrt die Einwohner nach Medien, schlgt einen Angriff
des gyptischen Knigs Schabaka (S. 6) bei +Raphia+ (unweit Gaza)
zurck, vernichtet durch Eroberung von +Gargamisch+ (Karchemisch)
den letzten Hethiterstaat in Syrien (S. 8). Dann unterwirft er das
westliche +Medien+, siegt ber den Knig Rusas von +Urarthu+, zwingt
Mita, den Knig der +Muski+ (Midas von Phrygien, S. 8), zur Huldigung.
Cypern tributpflichtig. Inzwischen hat sich in +Babel+ Mardukbaliddin,
Frst der Kaldi, von Elam her untersttzt, der Herrschaft bemchtigt;
Sarrkn besiegt ihn 710 und stellt die Vereinigung beider Reiche
wieder her. Elam bleibt selbstndig. Neue Residenz Dr-Sarrkn
(Chorsbd) nrdlich von Ninive. Sein Sohn

[705-681.]

~Sinachirib~ (Sanherib) behauptet Syrien gegen die gypter, belagert
aber Tyros und Jerusalem vergeblich (Knig Hiskia), zerstrt die Stadt
Babel nach abermaligem Aufstande der Einwohner.

[681-668.]

~Assurachiddin~ (Assarhaddon) stellt Babel wieder her, begnstigt
die Babylonier, unterwirft +gypten+ (S. 6, Memphis 670 erobert) und
mehrere +arabische+ Stmme. Sidon erobert und zerstrt, wird assyrische
Provinzialstadt. Unter diesem Knig hat das Reich seine grte
Ausdehnung. Aber schon unter seiner Regierung beginnen nomadische
Indogermanen, die +Skutscha+ und +Gimirai+ (Skythen und Kimmerier), das
Reich vom Norden her zu bedrohen.

[668-626.]

~Assurbanipal~ (Sardanapal) wird durch den Aufstand seines Bruders
+Samassumukn+, den Assurachiddin zum Knig von Babel eingesetzt
hatte, gentigt, gypten aufzugeben (vgl. S. 6), unterwirft jedoch
+Babel+ wieder und macht dem Reiche ~Elam~ ein Ende durch Eroberung der
Hauptstadt +Susa+. Seine durch Bauten verschnerte Residenzstadt ist
~Ninive~; dort ist in den umfangreichen Ruinen der grte Teil seiner
groartigen Bibliothek aufgefunden worden (Tafeln und Zylinder aus Ton
mit Keilschrift). Nach seinem Tode wird +Babel+ wieder selbstndig
und erhebt sich bald zu groer Macht, whrend das assyrische Reich
durch die verheerenden Kriegszge der +Skythen+, die bis nach Syrien
vordringen, geschwcht wird.

[~626-539.~]

~Das Neu-Babylonische (chaldische) Reich.~

[626-605.]

~Nabupalssor~, ein Chalderfrst, Knig von Babel, erkennt die
assyrische Oberhoheit nicht mehr an, verbndet sich mit dem Knig der
+Meder+ Kyaxares (S. 17).

[606.]

~Ende des assyrischen Reiches,~ die vier Residenzstdte, namentlich
+Ninive+, von den Medern unter Kyaxares zerstrt. Knig +Neko+ von
gypten, welcher Syrien zu erobern versucht (609 Schlacht bei Megiddo,
wo Knig Josia von Juda fllt), wird von +Nabukudrossor+, Nabupalssors
Sohn, zurckgeschlagen.

[605-561.]

~Nabukudrossor II.~ (Nebukadnezar) lt die vergrerte Stadt Babel
(Babylon) mit einer doppelten Mauer umziehen, legt die sogen.
schwebenden Grten der Semiramis (Terrassen) an, stellt den Tempel
des Bl und die das Land vor Versumpfung schtzenden Kanle wieder
her (Wasserbecken bei +Sippara+), sichert das Land im Norden durch
die vom Euphrat bis zum Tigris reichende medische Mauer. Amasis von
gypten, der sich mit griechischen Inselmchten verbndet hat, 605 bei
Karchemisch besiegt. Krieg gegen Juda. 586 Jerusalem zerstrt, die
Einwohner am Euphrat angesiedelt, 573 Tyros unterworfen.

Nach dem Tode des groen Knigs Verfall des Reiches durch Thronstreit.
Kurze Regierungen der drei Nachfolger aus Nebukadnezars Familie; dann
wird die chaldische Dynastie von den Priestern gestrzt, die einen
Babylonier +Nabund+ auf den Thron erheben. Dieser bemht sich um
Herstellung der Tempel und Einknfte der Priester, erliegt aber dem
Angriffe der +Perser+.

[539.]

~Babylon von Kyros erobert~; Babylonien wird zunchst ein Kronland der
Perserknige, dann nach einem Aufstand unter Xerxes persische Provinz.
Der Marduktempel von Xerxes zerstrt, bleibt seitdem in Trmmern.


 3. Juden (Hebrer, Israeliten).

~Syrien~, von semitischen Vlkern bewohnt, hat nach dem Verfalle der
Macht der +Hethiter+ (S. 8) keine zusammenfassende Staatsbildung
aufzuweisen; im 9. Jahrhundert wird es von den +Assyrern+ abhngig.
Doch behalten die Einwohner ihre alte Religion und Sprache; in
Nordsyrien herrscht die +aramische+ Sprache.

Geschichtlich bedeutsam durch seine +Religion+ ist das im Lande
~Kanaan~ (Palstina) wohnende jdische Volk, dessen ltere Geschichte
sagenhaft ist. Stammvter: +Abraham+, +Isaak+, +Jakob+; Auswanderung
nach gypten, Rckkehr unter +Mose+, Gesetzgebung am +Sinai+. Unter
+Josuas+ Fhrung werden die Vlker Kanaans besiegt; Verteilung des
Landes zu beiden Seiten des +Jordan+ unter die 12 Stmme; der Stamm
Levi zur Priesterschaft bestimmt. Verehrung des einigen unsichtbaren
Gottes +Jahveh+ (Jehovah); sein Heiligtum die tragbare Stiftshtte,
darin die Bundeslade, in welcher die Gesetztafeln aufbewahrt werden.
Das Gesetz Jahvehs beherrscht das ganze brgerliche Leben. (Theokratie.)

Weitere Kmpfe mit den Vlkern Kanaans unter Fhrung der ~Richter~:
Gideon, Jephtah, Simson, Samuel.

[Um 1000.]

Auf Verlangen des Volkes salbt Samuel den ~Saul~ (aus dem Stamme
Benjamin) zum +Knig+. Saul, siegreich gegen die Nachbarvlker,
entzweit sich bald mit dem Priestertume. Samuel salbt einen andern
Knig, +David+, aus dem Stamme Juda. Diesen ntigt Saul zur Flucht,
ttet sich aber selbst nach einem unglcklichen Kampfe gegen die
Philister.

[Um 980.]

~David~ treibt die Feinde zurck, entreit den Jebusitern +Jerusalem+,
wohin die Bundeslade gebracht wird, und macht diese Stadt zur
Hauptstadt.

[Um 950.]

~Salomo~ baut den Tempel zu Jerusalem; Freundschaft mit dem Knig
Hirm I. von Tyros, gemeinsame Seefahrten nach dem Lande +Ophir+
(Ostarabien?); glnzende Regierung. Nach seinem Tode

[Um 925.]

~Teilung~ des Reiches der Juden. Die Stmme Juda und Benjamin halten zu
+Rehabeam,+ dem Sohne Salomos, die andern zehn Stmme unter +Jerobeam+
bilden das Reich +Israel+ (Hauptstadt Sichem, spter seit Ahab Samaria).

Im Reiche ~Israel~ gelangt unter Knig +Ahab+ (um 870) durch den
Einflu seiner Gemahlin +Isebel+, Tochter +Itobaals I.+ von Tyros,
der phnikische Baal- und Astartedienst zu groer Verbreitung. Kampf
der ~Propheten~ (~Ela~, +Elisa+ u.a.) gegen das gtzendienerische
Knigtum. Ahab fllt im Kampf gegen Damaskus. Der Feldhauptmann
+Jehu+, von Elisa gesalbt, ttet Isebel, rottet das Geschlecht Ahabs
aus, macht sich zum Knig und verbietet den Baaldienst; er wird 842
dem +assyrischen+ Knige Salmansar II. tributpflichtig (S. 9).
Dann Bedrngnis durch die Knige von +Damaskus+, glcklichere Zeit
unter +Jerobeam II.+ Knig +Menachem+ wird 738 wiederum den Assyrern
untertan; Knig +Hosea+ wird, als er sich der assyrischen Herrschaft zu
entziehen sucht, 724 von Salmansar IV. geschlagen und gefangen. Nach 3
jhriger Belagerung wird

[~722.~]

+Samaria+ von +Sarrkin+ (S. 9) erobert, das ~Reich Israel zerstrt;~
ber 27000 Einwohner weggefhrt und in Assyrien und Medien angesiedelt.

Das Reich ~Juda~ wird noch unter +Rehabeams+ Regierung von den gyptern
unter +Scheschonk+ (S. 6) mit Krieg berzogen. Knig +Josaphat+ (um
870) vermhlt, um ein friedliches Verhltnis mit dem Reiche Israel
herzustellen, seinen Sohn mit +Athalja+, der Tochter Ahabs von
Israel und der Isebel. Athalja bemchtigt sich 843 in Jerusalem der
Herrschaft, ermordet, um Davids Stamm auszurotten, ihre eigenen Enkel
(nur +Joas+ wird wunderbar gerettet und im Tempel Jehovahs auferzogen)
und fhrt in Jerusalem den Baaldienst ein. Sie wird 837 von dem
Hohenpriester +Jojada+ gestrzt und gettet, der junge +Joas+ auf den
Thron gesetzt, der Baaldienst aufgehoben.

Knig +Hiskia+ (um 700), der Leitung des Propheten ~Jesaja~ folgend,
verbannt aufs neue die Abgtterei, verweigert den Assyrern den Tribut
und verbindet sich mit gypten. Die Assyrer unter +Sinachirib+ belagern
vergeblich Jerusalem, fhren aber viele Bewohner des offenen Landes in
die Gefangenschaft.

Unter +Josia+ (640-609) verheeren die +Skythen+ (s. S. 10) das Land.
Herstellung des Jehovahdienstes nach Auffindung des Gesetzbuches im
Tempel (621); der Prophet ~Jeremia~. Knig Josia fllt im Kampfe gegen
den gyptischen Knig +Neko+ (s. S. 10) bei +Megiddo+ 609. Das Reich
Juda wird den gyptern und nach der Schlacht bei +Gargamisch+ (S. 6)
den Babyloniern Untertan. Ein Versuch des letzten Knigs +Zedekia+,
die Unabhngigkeit wieder zu gewinnen, milingt trotz gyptischer Hilfe.

[v. Chr. 586.]

~Nabukudrossor~, Knig von Babylon, ~zerstrt Jerusalem~. Viele Juden
in die +babylonische Gefangenschaft+ gefhrt.

[539.]

~Kyros~ gestattet den Juden die Rckkehr nach Palstina und die
Wiederherstellung eines Staates Juda. Jerusalem und der Tempel wieder
aufgebaut. Herstellung des mosaischen Gesetzes durch +Esra+ 458,
Mauerbau unter +Nehemia+ 445. An der Spitze des kleinen Staates steht
unter persischer Oberhoheit der +Hohepriester+; Feindschaft gegen
+Samaria+, wo Vermischung mit anderen Vlkern eingetreten ist.


 4. Phniker und Karthager.

~Phnikien~, der schmale, hafenreiche Kstenstrich westlich vom Gebirge
Libanon, bewohnt von einem semitischen Volke, welches frhzeitig Stdte
grndete: +Arwad+ (Arados), +Gubal+ (Byblos), +Berut+ (Berytos),
+Sidon+, +Zor+ (Tyros). ~Sidon~ seit etwa 1500 v. Chr. die bedeutendste
Stadt.

Die +Religion+ der Phniker mit der babylonischen verwandt, durch
Ausschweifung und Grausamkeit entstellt. Hauptgtter +Baal+, +Astarte+
und +Moloch+, der Feuergott, welchem Menschenopfer dargebracht wurden.
In Tyros +Melkart+ besonders verehrt, in Gubal der Frhlingsgott
+Adonis+.

Die Phniker trugen als +Handelsvolk+ die in gypten und Babylonien
begrndete Kultur nach den Lndern des Westens. Ihre Hfen standen
durch Karawanenstraen (ber Damaskus und Thadmor) mit dem Euphratlande
in Verbindung. Mannigfache +Gewerbttigkeit+: Weberei, Purpurfrberei,
Glasbereitung, Bergbau, Bearbeitung der Metalle. Ausbildung der
(konsonantischen) Lautschrift, von der die europischen und neueren
asiatischen Alphabete abstammen.

Grndung zahlreicher ~Kolonieen~ auf Cypern, Rhodos, Kreta, Kythera,
auf Inseln des gischen Meeres, auf Sicilien, an der Nordkste von
+Afrika+ (Utica, Leptis), an der Sdkste von +Spanien+ (Gades).
Weitere Handelsfahrten teils nach der Westkste Afrikas, teils nach
Britannien und der deutschen Seekste, wo sie u.a. den Bernstein
fanden.

[Um 1100.]

~Tyros~ gelangt an Stelle von Sidon zum Vorrang unter den phnikischen
Seestdten.

[Um 950.]

Blte von +Tyros+ unter Knig ~Hirm I.~, dem Freunde Salomos (S. 11).
+Neu-Tyros+, auf einer Insel der Altstadt gegenber gelegen, wird
erweitert, befestigt und durch einen Damm mit dem Festlande verbunden.
Spter entstehen innere Zwistigkeiten; ein groer Teil der alten
Geschlechter verlt unter Fhrung der Knigstochter +Elissa+ die Stadt
Tyros und grndet

[v. Chr. Um 814.]

~Karthago~, punisch +Kartchadast+ (d. h. die neue Stadt), an der
Meeresbucht zwischen dem +Schnen+ und dem +Hermischen+ Vorgebirge,
nicht weit von dem heutigen +Tunis+ (Doppelhafen, Burg +Byrsa+). Die
Grnderin +Elissa+ wird spter als Gttin +Dido-Astarte+ (Beschtzerin
der Kolonisation) verehrt.

Verfassung Karthagos: Aristokratische Republik, die Herrschaft in der
Hand der reichen Grokaufleute und Gewerbetreibenden, an der Spitze
zwei jhrlich erwhlte +Suffeten+, d. h. Richter, auch Knige genannt,
ein engerer und ein weiterer Senat; die Brgerschaft hat das Wahlrecht
und wird bei wichtigen Entscheidungen befragt.

Allmhliches Sinken der Stdte des Mutterlandes; sie geraten unter die
Botmigkeit der +Assyrer+, dann der +Babylonier+; nur +Tyros+ erhlt
sich bis 573 frei. Whrenddessen breiten sich die +Griechen+, welche
schon frher (um 1000 v. Chr.) die Phniker aus dem gischen Meere
verdrngt hatten, an den Ksten und Inseln des westlichen Mittelmeeres
aus und bedrohen die phnikischen Niederlassungen mit Vernichtung.

[Um ~600~.]

Gegenber dieser Gefahr beginnt ~Karthago~ die Phniker des Westens
unter seiner Fhrung zu sammeln und grndet ein ~seemchtiges Reich~
in +Nordafrika+, +Westsicilien+ und +Sdspanien+. Grenzkriege mit
den Griechen von +Kyrene+; die Altre der Philnen (stlich von
Gro-Leptis) als Grenze festgestellt. Auch +Sardinien+ wird von den
Karthagern besetzt; aus +Korsika+ vertreiben sie, im Bunde mit den
Etruskern, die Griechen von Phoka (Seeschlacht bei Alalia 540).

[586-573.]

~Tyros~ hlt eine dreizehnjhrige Einschlieung (von der Landseite)
durch +Nabukudrossor+ aus, mu aber zuletzt die Oberherrschaft des
Knigs von Babylon anerkennen (S. 10).

[539.]

Nach Zerstrung des Babylonischen Reiches durch +Kyros+ werden die
Phniker den Persern Untertan, sie stellen fortan den Hauptteil der
+persischen Seemacht+. ~Sidon~ wird nunmehr wieder die erste Stadt
Phnikiens. +Tripolis+ als Bundesstadt gegrndet von Arados, Sidon und
Tyros.

[332.]

Nach der Eroberung von Tyros durch +Alexander d. Gr.+ wird Phnikien
und ganz Syrien, bald auch gypten und Babylonien ein Teil der groen
~griechisch-makedonischen~ Monarchie.

Fussnoten:

[1] Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang zuerst dem franzsischen
Gelehrten +Champollion+ 1822 mit Hilfe des 1799 von Napoleons I.
Soldaten bei +Rosette+ aufgefundenen Steines, der eine Inschrift aus
der Ptolemerzeit in gyptischer und griechischer Sprache enthlt.

[2] Einunddreiig +Dynastien+ gyptischer Knige, mit +Menes+
beginnend, bis auf Alexander d. Gr. verzeichnete um 280 v. Chr. der
Priester +Manetho+ zu Heliopolis (On) in einem griechisch geschriebenen
Werke ber gyptens alte Geschichte.

[3] +Herodot+, welcher um 450 v. Chr. gypten bereiste, nennt die
Knige Cheops, Chephren, Mykerinos. Seine Angaben ber die ltere
Geschichte gyptens sind sagenhaft; wertvoll ist seine Schilderung des
Landes und der Volkssitten.

[4] Die Entzifferung der Keilschrift begann +G. F. Grotefend+ 1802,
indem er in den Inschriften von Persepolis die persischen Knigsnamen
erkannte. Weitere Fortschritte namentlich durch +Rawlinson+, welcher
1846 die persische Inschrift von Bagistana (Behistun) (s. S. 20)
herausgab.

[5] Die fnfte Dynastie bei +Berossos+, der um 280 v. Chr. die Sagen
der babylonischen Urzeit (groe Flut) und die Knigsreihen in einem
griechisch geschriebenen Geschichtswerk verzeichnete.

[6] Die Ruinen von +Ninive+ bei Mssul (am Tigris) zuerst 1842 von dem
Franzosen Botta, 1845 von dem Englnder Layard erforscht, die Ruinen
von +Babylon+ 1853 von Oppert und Rawlinson. Deutsche Ausgrabungen
1886, dann seit 1901.

[7] Mit Nabunssirs Regierungsantritt 747 v. Chr. beginnt der in dem
astronomischen Werke des Alexandriners +Ptolemaios+ (um 150 nach Chr.)
erhaltene +astronomische Kanon+, ein Verzeichnis der Herrscher, die
ber Babylon regiert haben, bis Antonius Pius, mit genauer Angabe der
Regierungszeiten.




~B. Die asiatischen Arier.~


Ein neues Zeitalter beginnt mit dem Auftreten der ~Arier~
(Indoeuroper). Zuerst treten die +asiatischen+ Zweige dieser
Vlkergruppe hervor in Iran, Kleinasien, Armenien, Indien, dann die
+sdeuropischen+ (Griechen und Italiker), weiterhin die Kelten und
Germanen, zuletzt die Slaven und Letten.


 1. Vlker Kleinasiens.

Um 1500 v. Chr. erscheinen zuerst die den Phrygern verwandten +Muski+
und Stmme der iranischen +Saken+ (Skythen) in Kleinasien. Sie
verdrngen die +Hethiter+ (S. 5, 8, 9), von deren frherer gewaltiger
Herrschaft sich Denkmler westlich vom Halys in Syrien, Mesopotamien,
Kilikien, Kappadokien, auch am Sipylos finden. Das ~Phrygische Reich~,
dessen Knig Mita (Midas) 710 den Assyrern huldigt (S. 9), erliegt bald
darauf dem Ansturm der +Kimmerier+ (S. 10), die ebenso wie die +Saken+
oder +Skythen+ iranische Stmme sind, die nicht sehaft werden. Als
selbstndige sehafte Stmme erscheinen die Armenier, Kappadokier,
Lykier; an der Westkste bildet sich das ~Lydische Reich~ und gewinnt
dann weitere Ausdehnung.

[Um 670.]

Knig ~Gyges~, Begrnder der +Mermnaden+-Dynastie, huldigt dem
assyrischen Reiche, fllt im Kampf gegen die +Kimmerier+, welche die
Hauptstadt +Sardes+ bis auf die Burg erobern, dann aber zurckweichen.
Seine Nachfolger unterwerfen +Mysien+ und +Phrygien+, bekmpfen die
Griechenstdte. ~Alyattes~, der vierte Mermnade, gert in Krieg mit
Kyaxres von Medien.

[~585.~]

Unentschiedene Schlacht am Halys zwischen +Alyattes+ und +Kyaxres+
(Sonnenfinsternis, vorhergesagt von Thales von Milet). Der +Halys+ wird
als Grenze zwischen dem lydischen und dem medischen Reiche festgesetzt.
Des +Alyattes+ Tochter wird mit +Astyages+, dem Sohne des +Kyaxres+,
vermhlt. +Alyattes+ unterwirft +Bithynien+, +Paphlagonien+, +Karien+,
auch die meisten Griechenstdte, zerstrt +Smyrna+. Aufhufung groer
Schtze in der Knigsburg von Sardes.

[~554-541.~]

~Kroisos~, Sohn des Alyattes; er unterwirft nach der Einnahme von
+Ephesos+ alle griechischen Kstenstdte, mit Ausnahme von +Milet+, mit
dem er das von Alyattes erzwungene Bundesverhltnis erneuert. Reger
Verkehr mit dem europischen Griechenland.

Nach der Entthronung seines Schwagers +Astyages+ von Medien durch den
Perser +Kyros+ berzieht +Kroisos+ das persische Reich mit Krieg. Auf
den (zweideutigen) Rat des delphischen Orakels berschreitet er den
+Halys+. Unentschiedene Schlacht bei +Pteria+. Kroisos geht unschlssig
nach Sardes zurck. Kyros folgt ihm, siegt in einer zweiten Schlacht,
erobert Sardes und nimmt Kroisos gefangen.

[Um ~545.~]

~Untergang des lydischen Reichs,~ das mit dem persischen vereinigt wird.


 2. Die Inder.

Um 1500 v. Chr. Einwanderung +arischer+ Stmme in das Tiefland des
~Indus~; sie breiten sich allmhlich aus ber das +Ganges+land, ber
die Halbinsel +Dekhan+ und die Insel +Ceylon+ (Singhala), berall
eine dunkelfarbige Urbevlkerung (+Dravidas+) verdrngend. Grndung
zahlreicher Staaten.

Der alt-arische Gtterglaube, den die Eroberer mitbrachten, bilderlose
Verehrung der Naturmchte (der Himmelsgott +Diausch-Asura,+ der Gott
des allumfassenden Weltraumes +Vruna,+ der Feuergott +Agni+, der
Gewittergott +Indra+ u.a.), ward unter dem Einflu der Priester
allmhlich zu der mehr monotheistischen ~Brahma~-Religion umgebildet,
die das gesamte Denken und Leben in strenge Satzungen einfgte. Viele
Vorschriften der Reinigung, Lehre von der Seelenwanderung. Das Volk
wird in vier streng geschiedene Stnde (Kasten) geteilt: Priester
(+Brahmanen+), Krieger (+Kschatrija+), Ackerbauer und Gewerbetreibende
(+Vaija+), die unterworfenen Ureinwohner als Dienende (+udra+): am
niedrigsten stehen die als unrein verachteten +Paria+. Die Knige gehen
aus dem Kriegerstande hervor, sie whlen ihre Ratgeber und Beamten aus
den Brahmanen.

Reiche Entwickelung der Literatur; +Sanskrit+ die Schriftsprache, von
der Volkssprache unterschieden. +Vedas+ die heiligen Bcher (Hymnen,
Gebete, Sprche), Gesetzbuch des +Manu+. Die epischen Dichtungen
+Mahabhrata+ und +Ramjana+ schildern die Heldentaten der Kriegszeit,
doch hat ihr ursprnglicher Inhalt manche Umbildung in priesterlichem
Sinne erfahren. In Baukunst und Skulptur ist seit dem 6. Jahrhundert
+persischer+ Einflu erkennbar.

[Um 520.]

~Buddha,~ ein Knigssohn (seine Heimat an den Vorhhen des Himlaya),
tritt als Reformator auf, verwirft die strengen Satzungen und
Kastenunterschiede, lehrt sittliche Vervollkommnung durch Entsagung
und Mitleid, stellt als Ziel die Ruhe der Seele (Nirwana) auf. Er wird
spter selbst als Gott verehrt, sein Bild in den Tempeln aufgestellt.

[Um 450.]

Das Reich von ~Magadha~ im Gangeslande erhebt sich nach Unterwerfung
mehrerer Nachbarstaaten zu grerer Bedeutung: seine Knige nehmen den
Buddhismus an. Residenz +Pataliputra+ (Patna).

[317-291.]

+Tschandragupta+, ein Flchtling aus Magadha, vertreibt die Makedonier
aus dem +Indus+lande, macht sich zum Knig von Magadha und erweitert
das Reich fast ber die ganze vorderindische Halbinsel. Sein Enkel

[263-226.]

+Aoka+ durch milde und sorgsame Regierung berhmt. Bltezeit des
Buddhismus; die +Stupa+, Kuppelbauten zum Schutz der Reliquien Buddhas,
+Bhagavati+ die pyramidenfrmig aufsteigenden Tempel (Pagoden). Anlage
von Straen, Brunnen, Krankenhusern (auch fr Tiere). Inschriften
bezeugen seine Beziehungen zu den Herrschern der Diadochenreiche.

Im Reiche Magadha lebte im 6. Jahrhundert +nach+ Chr. der Dramendichter
Kalidsa (Sakuntala). Im 3. Jahrhundert gelangt die +Brahma+lehre
wieder zur Herrschaft; der Buddhismus breitet sich nach Hinterindien,
Tibet, China, Japan aus. Das Eindringen fremder Eroberer beginnt erst
in der Zeit des Islam.


 3. Die Iranier.

Das Hochland +Iran+ (Arin, Land der Arier) ist ein Land der
Gegenstze; zwischen schneebedeckten Gebirgen und glhenden Sandwsten
liegen oasenartig Strecken fruchtbarsten Bodens, die natrlichen
Mittelpunkte des Landes. Am strksten bewohnt sind die Gebirgslnder
am Rande des Hochlandes; im Westen +Medien+ und +Persien+, im Norden
+Hyrkanien+ und +Parthien+, im Osten +Baktrien+ und +Arachosien+; dort
hat sich in der Landschaft +Aria+ (Herat) auch der alte Gesamtname
erhalten.

Der alte Gtterglaube erfuhr auch hier eine priesterliche Umbildung
durch die Lehre des +Zarathuschtra+ (Zoroaster), der in unbekannter
Zeit unter einem Frsten +Vistspa+ lebte. Als Staatsreligion erscheint
diese Lehre erst unter Dareios I., um 520. ber die anderen Gtter
erhebt sich +Ahura-Mazda+ (Ormuzd), Beschtzer des Ackerbaues und
Verteidiger der Wahrheit; ihm stehen zur Seite die 6 guten Geister,
+Amescha-Spenta+. Sein Dienst fordert die Bekmpfung der verderblichen
Mchte, an deren Spitze +Angramanjusch+ (Ahriman) steht. Keine
Gtterbilder und Tempel; nur Feueraltre im Freien, namentlich auf
Bergen; das Feuer gilt als heiliges Symbol der Reinheit. Spter
(um 400 v. Chr.) finden auch Gtter der alten Volksreligion wieder
groe Verehrung, namentlich +Mithra+, der Gott des Sonnenlichts, und
+Anahita+, Gttin der Gewsser, denen man auch Bilder und Tempel
errichtet. Heiliges Buch +Avesta+, nur zum Teil erhalten in einer aus
der Sassanidenzeit (3. Jahrhundert nach Chr.) stammenden Bearbeitung.
Die Priester (Magier) zu einer erblichen Kaste vereinigt.

Die ~Meder~ im nordwestlichen Gebirgslande, seit 835 den +Assyrern+
Untertan (S. 9), doch oft sich emprend, befreien sich zur Zeit des
Einbruchs der +Skythen+ (S. 10). Schon um 670 wird +Kastarita+, ein
medischer Frst, von den Assyrern als gefrchteter Gegner genannt. Nach
Herodot ist +Deiokes+ (700 bis 647) als der Begrnder des medischen
Reiches anzusehen. Der Befreier Mediens von den unter +Partatua+
(Protothyas bei Herodot) infolge des babylonisch-assyrischen Krieges in
groen Scharen (S. 10) eingedrungenen +Skutscha+ (Skythen), die unter
Madyas, dem Sohn Partatuas, 28 Jahre ber Asien herrschten, war

[624-585.]

~Kyaxres~, vermutlich ein Nachkomme Kastaritas. Er ist wohl der
eigentliche +Grnder des Mederstaates+, schuf ein stehendes Heer, stand
im Bunde mit Babylonien (S. 10). Er zerstrt Ninive, kmpft mit den
Lydern (S. 15) und dehnt seine Herrschaft ber andere iranische Stmme
(Sagartier, Hyrkanier, Parther) aus. Sein Reich vom Halys im Westen
bis an die Grenze Elams (zu Babylon) im Sdosten. Residenz Hagmatna
(Agbatana). Sein Nachfolger ist

[584-550.]

~Astyages~ (babylonisch Ischtuvegu). Er macht einen Vorsto gegen das
neubabylonische Reich und belagert um 555 +Harrn+. Seine Erfolge
werden vereitelt durch den Aufstand der +Perser+, eines medischen
Vasallenstaates in Elam, unter +Kurusch II+.

[Um 630.]

Die ~Perser~ dringen aus ihrem Gebirgslande im Sdwesten Irans nach
+Elam+ vor und grnden hier unter dem Achmeniden +Tschischpisch+
(Tespes bei Herodot) das Knigreich +Antschan+. Hier herrschen die
Knige +Kurusch I.+ und +Kambudschija I.+, dann des letzteren Sohn

[~558-529.~]

~Kyros~ (+Kurusch II.+), welcher 550 seinen Lehnsherrn +Astyages+
strzt und die medische Hauptstadt +Hagmatna+ erobert. Er vereinigt
die persischen Stmme unter seiner Herrschaft und grndet das groe

[~559-330.~]

~Persische Reich,~

welches die Vlker Vorderasiens zu einer politischen Einheit
zusammenfat. Ihm gehorchen die frher den Medern unterworfenen
Vlker Irans, die Armenier und Kappadoker; er strzt das lydische
Reich (S. 16), und whrend seine Feldherren Mazares und Arpagos die
Griechenstdte an der kleinasiatischen Kste unterwerfen, erobert er
+Babylon+. Das babylonische Reich wird dem persischen angegliedert (S.
11), jedoch in Sitte und Religion nicht angetastet. Die phnikischen
Stdte und die Kilikier behalten ihre einheimischen Knige unter
persischer Oberhoheit, in den Griechenstdten werden persisch
gesinnte Frsten (Tyrannen) eingesetzt, den Juden wird die Rckkehr
nach Palstina gestattet. Hauptstadt zunchst wohl Susa, denn Kyros'
Stammland Antschan gehrte zu Elam.

Die +Meder+ sind in diesem Reiche zunchst den Persern gleichgestellt,
ebenso wie die Babylonier; auch aus ihnen nimmt der Knig seine
Beamten. Bei den +Persern+ herrschen einfache Sitten; als krftiges
Gebirgsvolk sind sie den in der Kultur vorgeschrittenen Nachbarvlkern
berlegen. Kyros fllt 529 im Kampfe gegen die Nomaden im Nordosten des
Reiches (+Massageten+, ihre Knigin Tomyris nach Herodot); sein Grabmal
zu +Pasargad+ ist erhalten. Sein Sohn und Nachfolger

[~529-522~.]

~Kambyses~ (+Kambudschija)+ ttet seinen jngeren Bruder (Smerdis)
+Baraija+, der sich an die Spitze eines Aufstandes der stlichen
Reichshlfte gestellt hat. (Kyros hatte sich nicht auf das Persertum
gesttzt, sondern auf die alten Kulturlnder; erst unter Dareios gewann
das Persertum die fhrende Stellung im Reich.) Er erobert +gypten+ (S.
6), zieht den Nil aufwrts gegen +Napata+, das sich unterwirft. Die
Griechen in +Kyrene+ erkennen ebenfalls die Oberherrschaft der Perser
an, aber eine beabsichtigte Unternehmung gegen +Karthago+ scheitert an
der Weigerung der Phniker, gegen ihre Pflanzstadt Schiffe zu stellen.
Inzwischen emprt sich in Medien der Magier (Priester) +Gaumta+, indem
er sich fr den getteten ~Bardija~ ausgibt. Kambyses stirbt auf der
Rckkehr aus gypten; der falsche Bardija wird nach kurzer Herrschaft
gestrzt von den sieben Stammfrsten der Perser, deren +erster+ Knig
wird, der Sohn des Achmeniden Vischtspa (Hystaspes),[8]

[521-485.]

~Dareios I.~ (+Darijavahusch+). Aufstnde im ganzen Reiche, zuerst in
Elam und Babylon, dann empren sich die Meder, Sagarter, Hyrkanier und
Parther unter angeblichen Nachkommen des +Kyaxres+, die Armenier, in
Persien selbst ein zweiter falscher +Bardija+. Die Niederwerfung aller
dieser Aufstnde (Babylon durch die List des Zopyrus erobert) berichtet
die dreisprachige Keilinschrift (persisch, elamitisch, babylonisch)
an der Felswand von +Bagistna+ (Behistun, sdwestlich von Agbatana am
oberen Choaspes).

Darauf Neuordnung des Reiches; es wird in 20 +Satrapien+ geteilt,
die bestimmte Steuern zu entrichten haben in Geld und Naturalien.
Nur die eigentlichen Perser sind steuerfrei, nicht mehr die frher
ihnen gleichgestellten Meder. Die Perser bilden den Kern des Heeres.
Die brigen Reichsvlker stellen Truppen oder Schiffe. Einheitliche
Reichswhrung, deren Einheit der Dareikos (Goldmnze von etwa 23 M.
Wert) bildet, der auch in Griechenland und Indien in Umlauf kommt.
300 Dareiken gleich einem babylonischen Silbertalent, 7030 M. unseres
Geldes. Groe Heerstraen angelegt, namentlich die Knigsstrae von
+Sardes+ nach +Susa+ mit Stationen fr die reitenden Boten des Knigs.
Palastbauten in +Susa+ und der neuen Hauptstadt +Persepolis+; auch
+Babylon+ und +Agbatana+ bleiben Residenzen des Groknigs.

Dareios erweitert das Reich durch Unterwerfung des +Indus+landes,
lt von der Indusmndung aus Arabien umfahren und den Nilkanal nach
dem Roten Meer (S. 6) vollenden. Karthago zahlt Tribut. Nach Westen
vordringend berschreitet er 514 mit Heeresmacht den +Bosporus+, dann
auch die untere Donau, dringt in das Skythenland ein, mu jedoch
umkehren (Histiaios, Tyrann von Milet, rettet die Donaubrcke gegen den
Rat des Atheners Miltiades) (S. 36); sein Feldherr Megabazos unterwirft
+Thrakien+ und +Makedonien+. Von den griechischen Inseln werden
+Lemnos+ und +Imbros+ Untertan, wie frher schon +Lesbos+, +Chios+,
+Samos+.

[500-494.]

~Aufstand der ionischen Griechen~,

angestiftet durch den mit einem Frstentum in Thrakien beschenkten,
dann aber bei Dareios verdchtigten und nach Susa berufenen Tyrannen
+Histiaios von Milet+ und dessen Schwiegersohn +Aristagoras+. Mit Hilfe
von +Athen+ und +Eretria+ wird +Sardes+ eingenommen, die Stadt geht in
Flammen auf. Aber bald werden die Ionier von dem persischen Landheere
geschlagen, von den Bundesgenossen aus Athen und Eretria verlassen, die
ionische Flotte wird bei der Insel +Lade+ (vor Milet, 494) besiegt.
Nach Unterwerfung der Ionier +Milet zerstrt+, die noch brigen
Einwohner an der Mndung des Tigris angesiedelt. Histiaios gekreuzigt.
492 folgt die Wiederunterwerfung von Thrakien und Makedonien (S. 38).

[490.]

Seezug der Perser, um die Unterwerfung der griechischen Inseln zu
vollenden; die Landung in Attika milingt. Weitere Unternehmungen gegen
Griechenland gehemmt durch einen Aufstand der +gypter+.

[485-465.]

~Xerxes I~. (Khsijrscha) unterwirft gypten, sein Zug gegen
Griechenland milingt; die Herrschaft ber Thrakien, Makedonien,
die Inseln, die kleinasiatischen Griechenstdte geht verloren.
Schwelgerisches Leben am Knigshofe; die alten einfachen Sitten der
Perser schwinden. Xerxes und sein ltester Sohn werden von Artaban, dem
Fhrer der Leibwache, in Susa ermordet. Es folgt der zweite Sohn

[465-424.]

~Artaxerxes I.~ (Artachschtra) mit dem Beinamen Langhand (Longimanus).
Zweiter Aufstand der gypter unter +Inaros+, von den Athenern
untersttzt, von +Megabyzos+, dem Satrapen von Syrien, unterdrckt (S.
44). Friede mit den Griechen nach 449; Emprung des Megabyzos durch
Verhandlungen beigelegt. Sein Sohn +Xerxes II.+ wird im zweiten Monat
seiner Regierung ermordet von seinem jngeren Bruder +Sogdianos+;
diesen strzt der Halbbruder

[424-405.]

~Dareios II.~ (Nothos), der dann mit Satrapenaufstnden zu kmpfen
hat. Dritter Aufstand der +gypter+, die ber 60 Jahre lang ihre
Unabhngigkeit behaupten.

[405-359.]

Artaxerxes II. (Mnemon) besiegt seinen jngeren Bruder +Kyros+, der
als Statthalter in Kleinasien sich emprt hat, 401 bei +Kunaxa+ unweit
Babylon, nimmt die Griechenstdte in Kleinasien wieder unter seine
Herrschaft (S. 55).

[359-338.]

~Artaxerxes III.~ (Ochos) unterwirft die Phniker, nach drei Kriegen
auch die gypter, herrscht als tatkrftiger Despot, wird endlich
von seinem Gnstling, dem gypter +Bagoas+, vergiftet. Dieser setzt
+Arses+, des Knigs jngsten Sohn, auf den Thron, beseitigt ihn aber
nach zwei Jahren und macht den Enkel eines Bruders von Artaxerxes II.,

[336-330.]

~Dareios III.~ (Kodomannos), zum Knig. Bagoas mu den Giftbecher
trinken. Dareios regiert wohlwollend, erliegt aber dem Angriff der
makedonischen Macht.

[330.]

~Vernichtung des Perserreiches~ durch ~Alexander d. Gr.~ Die
griechische Kultur kommt in Vorderasien zum Siege.

Fussnoten:

[8] Stammtafel der Achmeniden:

                  Tschischpisch.
               _____|      |__________
              |                       |
          Kurusch I.              Anjarmna.
              |                       |
        Kambudschija I.           Arschma.
              |                       |
          Kurusch II.             Vischtspa.
        _____|  |_____                |
       |              |               |
 Kambudschija II.  Bardija.     Darijavahusch.




~C. Die Vlker Ostasiens.~


Durch die weiten Hochflchen des inneren Asiens von den westlichen
Kulturvlkern getrennt entsteht frhzeitig in ~China~ ein bedeutendes
Reich, gegrndet auf den +Ackerbau+ in den fruchtbaren Flutlern
des Hoangho und Jantsekiang. Die sagenhafte berlieferung stellt an
den Anfang fnf groe Kaiser, die in der Zeit von 3300-2207 v. Chr.
regiert haben sollen. Als Grnder des Reiches gilt ~Fohi~, der seine
Untertanen den Gebrauch der Haustiere und die Schriftzeichen lehrte;
+Schinnung+ fhrte den Ackerbau ein, +Hoang-ti+ lehrte die Zeitrechnung
und ordnete die Verwaltung der Provinzen, seine Gemahlin begrndete die
Seidenweberei.

Zwei Dynastieen regieren von 2207-1122 v. Chr.; unter der zweiten wird
die Macht des Kaisers durch die groen Lehnstrger sehr beschrnkt.
+Wu-wang+, Begrnder der dritten Dynastie (1122-256). Diese erwirbt zu
dem ursprnglichen Reichsgebiet am unteren Hoangho auch die Lnder am
Jantsekiang, verliert aber alle Macht an die groen Feudalherren.

[551-478.]

In einer Zeit des Verfalls und innerer Wirren tritt ~Kong-fu-tse~
(Confucius) als religiser Reformator auf. Er sammelt Sittensprche
und Lieder der lteren Zeit in den fnf heiligen Bchern (King);
seine Lehre wird zu seinen Lebzeiten nicht beachtet, spter jedoch
unter der Dynastie Han zur Staatsreligion erhoben. Die Grundzge der
alten Religion (Verehrung des Himmels, der mchtigen Geister und der
Ahnen) hat er nicht verndert. Er will die Menschen glcklich machen
als Mitglieder der Familie und des Staates. Das Einzelindividuum hat
sich der Gewalt und Autoritt der lteren und Hheren unbedingt zu
unterwerfen.

[255-206.]

Der Kaiser +Schi-huang-ti+, Begrnder der vierten Dynastie, bricht die
Feudalherrschaft der Groen, stellt die Einheit des Reiches der Mitte
her, beginnt den Bau der +Groen Mauer+ (2500 km lang, mit Wachttrmen)
zur Abwehr der Einflle nrdlicher Mongolenvlker.

[206 vor Chr. bis 263 nach Chr.]

Die +Han+-Dynastie gibt dem Reiche seine grte Ausdehnung und
hchste Blte im Innern. Im Sden werden Tongking, Anam, Cochinchina
unterworfen, im Westen das Tarim-Gebiet, im Nordosten Korea.

[Seit 65 n. Chr.]

Eindringen des +Buddhismus+. Handelsverbindungen nach dem Westen; den
Rmern wird die Seide (vestis Serica) bekannt. Der rmische Kaiser
Marcus Aurelius soll 166 eine Gesandtschaft nach China geschickt haben.

[220-617.]

Zeit innerer Kriege; es bilden sich mehrere Reiche, die aber unter
+Wuti+, dem Stifter der Dynastie Tsin (263-420) und dem groen Kaiser
+Taitsung+ (627-659) aus der Dynastie +Tang+ (618-906) vorbergehend
wieder vereinigt werden. Spter China unter tatarischen und
mandschurischen Dynastien.

Die chinesische Kultur verbreitet sich namentlich nach ~Japan~, dessen
Geschichte um 600 v. Chr. mit der Grndung eines Reiches auf der Insel
+Kiusiu+ beginnt.




~D. Die Griechen.~


Einen groen Fortschritt in der weltgeschichtlichen Entwickelung hat
das hochbegabte Griechenvolk bewirkt. Gegenber der religisen und
politischen Gebundenheit der asiatischen Vlker zeigt es die +freie+
Entwickelung der menschlichen Krfte und hat in Staat, Kunst und
Wissenschaft eine noch jetzt in vieler Beziehung vorbildliche Hhe
erreicht. Die griechische Kultur, begnstigt durch ein wohlgelegenes,
reich gegliedertes Land, stand noch in Blte, als das +Christentum+ in
die Welt eintrat, und hat ihm die Wege gebahnt.


 1. Mythische Zeit.

Der Name +Griechen+ ist deutsche Umformung des von den Rmern
gebrauchten Namens +Graeci+.[9] Sie selbst nannten sich +Hellenen+;
als Ureinwohner ihres Landes bezeichneten sie die +Pelasger+. Alte
Heiligtmer des pelasgischen Zeus waren zu +Dodona+ in Epirus und auf
dem Berge +Lykaios+ in Arkadien. Der Name ~Hellenen~ erscheint bei
Homer noch nicht als Gesamtname des Volkes; die spter gewhnliche
Ansicht unterschied vier Hauptstmme des hellenischen Volkes: +oler+,
+Acher+, +Dorier+, +Ionier+.

Merkwrdige berreste aus der hellenischen Vorzeit sind seit 1870
durch die von +Schliemann+ und seinen Nachfolgern zuerst in +Troja+
(Hissarlik), dann in +Amykl+, +Myken+, +Orchomenos+, +Tiryns+
veranstalteten Ausgrabungen zu Tage gekommen. Man fand in den
Unterbauten weit ausgedehnter Knigspalste und in wohlerhaltenen
Grbern vielerlei Waffen, eine erstaunliche Menge Goldschmuck,
Wandmalereien, bemalte Tongefe und anderes. Schatzhaus des
Atreus, Lwentor in Myken. Weitere Grabungen auf den +Inseln+,
namentlich Cypern, Rhodos, Thera, Kreta, haben gezeigt, da eine
frhe altertmliche Kultur die Ksten und Inseln des gischen Meeres
umfate und unter orientalischem Einflu, hauptschlich infolge der
regen Handelsbeziehungen mit den Phnikern, sich hher entwickelte.
Die Zeit dieser +Mykenischen Kultur+, deren bedeutsamster Mittelpunkt
+Kreta+ war (Knig +Minos+), ist 1500 bis 12 v. Chr.; eine jngere
Zeit schildern die +Homerischen Gedichte+. Von alters her viele kleine
Staaten unter kriegerischen Knigen, aber kein grausamer Despotismus
wie bei den Assyrern; milde Behandlung der Sklaven.

~Religion~. Die den arischen Vlkern gemeinsame Verehrung der
Naturkrfte bildet sich bei den Griechen frhzeitig um zur Verehrung
+persnlich+ gedachter Gtter. Aus dem +Chaos+ sollen Himmel und
Erde (+Uranos+ und +Gaia+) entstanden sein, von diesen stammt das
Gttergeschlecht der +Titanen (Kronos, Rhea, Prometheus+ u.a.). Dieses
verdrngen die +olympischen Gtter+, an ihrer Spitze der Himmelsgott
+Zeus+, Sohn des Kronos und der Rhea, welcher die Herrschaft der
Welt mit seinen Brdern +Poseidon+ (Meer) und +Hades+ oder +Pluton+
(Unterwelt) teilt. Als +olympische Gtter+ werden besonders folgende
12 zusammengefat: +Zeus+, +Hera+, +Poseidon+, +Demeter+, +Hestia+,
+Hephaistos+, +Ares+, +Apollon+, +Artemis+, +Pallas Athene+,
+Aphrodite+, +Hermes+ (die letzten 7 gelten als Kinder des Zeus).
Andere Gottheiten: +Persephone+ (Tochter von Zeus und Demeter, Gemahlin
Plutons), +Eros+, der stndige Begleiter der Aphrodite, +Dionysos+ oder
+Bakchos+ (Sohn des Zeus und der thebanischen Knigstochter +Semele+),
in seinem Gefolge der Hirtengott +Pan+, die Satyrn und Nymphen;
+Asklepios+ (Sohn des Apollon), die 9 +Musen+ (Klio, Euterpe, Thalia,
Melpomene, Terpsichore, Erato, Polymnia, Urania, Kalliope, Tchter des
Zeus und der Mnemosyne), ferner +Eos+, +Iris+; die Meergottheiten
+Nereus+ (seine Tchter die Nereiden), +Amphitrite+, +Triton+,
+Proteus+, +Glaukos+.

Die Abhngigkeit des Menschengeschlechts von den Gttern gibt sich kund
in +Gebeten, Opfern, Festzgen+; durch +Orakel, Vorzeichen+ (Weissagung
aus dem Vogelflug und aus den Eingeweiden der Opfertiere) geben die
Gtter ihren Willen kund. Glaube an ein Fortleben nach dem Tode
(Elysion, Tartaros).

Reiche Entwickelung der +Gtter- und Heldensage+, ein Schatz fr die
griechische Poesie der folgenden Zeiten.

Die Erinnerung an die Tatsache, da Griechenland die Anfnge hherer
Kultur von den Vlkern des Ostens erhalten hat, spiegelt sich wieder in
den +Einwanderungssagen+:

~Danaos~, Grnder der Burg von +Argos+, soll aus +gypten+ gekommen
sein, seine 50 Tchter, die +Danaiden+, ermorden ihre Mnner, die
Shne des igyptos; nur Hypermnestra rettet den Lynkeus. Ihr Nachkomme
+Perseus+, Sohn des Zeus und der Danae, grndet nach der Rckkehr von
seinen Heldentaten (Medusa gettet, Andromeda befreit) die Burg von
+Myken+ als Herrschersitz. Aus seinem Geschlecht stammen +Eurystheus+
und +Herakles+.

~Pelops~, Sohn des Knigs +Tantalos+, soll aus +Lydien+ nach Elis
gekommen sein. Seine Shne +Atreus+ und +Thyestes+ bemchtigen sich,
nachdem Eurystheus im Kampfe gegen die Herakliden gefallen ist (s. S.
25), der Herrschaft in +Myken+. Atreus' Sohn +Agamemnon+ herrscht nach
ihm in Myken, der jngere Sohn +Menelaos+ in +Sparta+ als Erbe des
Knigs Tyndareos, dessen Tochter Helena ihm vermhlt ist.

~Kadmos~, Sohn des phnikischen Knigs Agenor von +Sidon+, grndet die
Burg von +Theben+ (Kadmea), wo seine Nachkommen herrschen; er soll den
Griechen die Buchstabenschrift gebracht haben.

In Attika gilt als uralter +einheimischer+ Knig ~Kekrops~, Grnder der
Burg von Athen; an ihn knpft sich die attische Knigsreihe, in welcher
+Erichthonios+, +Erechtheus+, +Jon+, +geus+, +Theseus+ hervortreten.
Unter geus soll Attika der Seeherrschaft des Knigs ~Minos~ von
+Kreta+ untertan geworden sein. Letzterem wird, wie dem Kadmos,
+phnikische+ Abstammung zugeschrieben; er gilt als Sohn des Zeus und
der +Europa+, Tochter des Knigs Agenor.

Nationalhelden der griechischen Sage sind +Herakles+ und +Theseus+.

~Herakles~ (+Hercules+), Sohn des Zeus und der +Alkmene+ aus Perseus'
Stamm, in +Theben+ geboren, wird seinem Vetter +Eurystheus+ in +Myken+
dienstbar,[10] zieht in Gemeinschaft mit +Telamon+ und +Peleus+,
den Shnen des Knigs +Aiakos+ von gina, gegen +Troja+ (Knig
Laomedon, Vater des Priamos), besiegt den Knig +Neleus+ in +Pylos+.
In +Kalydon+ heiratet er die Knigstochter +Dejaneira+, welche ihm
spter das mit dem Blut des Kentauren +Nessos+ getrnkte Gewand sendet;
er verbrennt sich selbst auf dem +ta+ und wird unter die Gtter
aufgenommen. Die ~Dorier~ haben ihn zu ihrem ~Stammheros~ gemacht;
ihre Knige nannten sich seine Nachkommen, von ihm leiten sie ihr
Recht auf den Besitz der Peloponnes ab. Seine Shne, die +Herakliden+,
sollen gegen die Verfolgungen des Eurystheus bei +Theseus+ in Athen
Schutz gefunden haben; sie versuchen vergebens die Rckkehr, erst den
Nachkommen gelingt sie (dorische Wanderung, S. 28).

~Theseus~; Sohn des Kekropiden +geus+, ist der Stammheros der
~Ionier~, insbesondere der ~Athener~. Er fhrt nach +Kreta+, ttet dort
den +Minotauros+ und rettet mit Hilfe der Knigstochter +Ariadne+ die
demselben zum Opfer bestimmten athenischen Jnglinge und Jungfrauen.
Bei der Rckfahrt bleibt Ariadne auf +Naxos+ zurck und wird Gemahlin
des Gottes Dionysos; Theseus vergit das schwarze Segel mit dem weien
zu vertauschen, geus strzt sich in das nach ihm benannte Meer.
Theseus wird +Knig von Athen+, vereinigt die Bewohner Attikas zu
+einem+ Staate. Er stirbt auf der Insel +Skyros+ im Kampf gegen den
Knig Lykomedes.

Als Grnder des attischen Staates soll er das Volk in drei +Stnde+
geschieden haben: +Eupatriden+ (Adel), +Geomoren+ (Bauern) und
+Demiurgen+ (Gewerbtreibende). Dagegen wird die Einrichtung der vier
alten +Phylen+ (d. i. Stmme): +Geleonten+, +Hopleten+, +Argadeis+,
+Aigikoreis+ (die Glnzenden, Wehrhaften, Feldarbeiter, Ziegenhirten),
deren jede wieder in drei Phratrien zerfiel, auf +Ion+, den mythischen
Stammvater des ionischen Stammes, zurckgefhrt.

Drei gemeinsame Unternehmungen in der heroischen Zeit sind durch Sagen
verherrlicht, die den Hauptstoff fr die griechische Poesie bilden.

1. Der ~Argonautenzug~. +Phrixos+, Sohn des Minyerknigs +Athamas+ von
+Orchomenos+, flchtet vor der Stiefmutter Ino mit seiner Schwester
+Helle+ auf dem Widder mit goldenem +Vlies+, den beide von ihrer Mutter
+Nephele+ erhalten haben. +Helle+ strzt auf der Flucht bei Abydos
ins Meer, welches nun +Hellespontos+, d. h. Meer der Helle, heit.
+Phrixos+ kommt nach ~Kolchis~ (am +Pontos Euxeinos+, Schwarzen Meere)
zum Knige +Aietes+. Der Widder wird geopfert, das goldene Vlies in
einem Haine des Gottes Ares von einem Drachen bewacht. -- +Iason+ aus
+Iolkos+, von seinem Oheim +Pelias+ aufgefordert, fhrt auf dem Schiffe
~Argo~ an der Spitze einer Heldenschar nach Kolchis, um das Vlies zu
holen; es wird mit Hilfe der Zauberin +Medeia+, Tochter des +Aietes+,
gewonnen. Rckkehr nach +Iolkos+; +Pelias+ auf Antrieb der +Medeia+
gettet. --

2. ~Krieg der Sieben gegen Theben~. +dipus+, Sohn des +Laos+, Knigs
von Theben aus Kadmos' Stamm (die Labdakiden) und der +Jokaste+, wird
infolge eines unheilverkndenden Orakels von den Eltern ausgesetzt, in
Korinth von +Polybos+ erzogen. Er ttet bei Delphi den Vater, ohne
ihn zu kennen, lst das Rtsel der +Sphinx+, wird Knig in Theben und
heiratet seine eigene Mutter. Als ihm der Greuel entdeckt wird, beraubt
er sich selbst des Augenlichts. Seine Tchter +Antigone+ und +Ismene+
geleiten ihn in die Verbannung. +Theseus+ gewhrt ihm Aufnahme; sein
Grab am Hgel +Kolonos+ bei Athen. In Theben Bruderzwist seiner Shne
Eteokles und Polyneikes.

Mit dem vertriebenen +Polyneikes+ ziehen gegen Theben: +Adrastos+
(Knig von Argos), +Tydeus+, +Amphiaraos+, +Kapaneus+, +Hippomedon+,
+Parthenopaios+. Die feindlichen Brder fallen im Zweikampf, auch die
andern Frsten alle bis auf +Adrastos+ kommen um. +Kreon+, der Oheim
der Brder, wird Knig von Theben, verurteilt +Antigone+ zum Tode, weil
sie den Polyneikes bestatten wollte.

Zehn Jahre spter Zug der +Epigonen+ (Shne der +Sieben+). Theben
wird eingenommen; +Thersandros+, des +Polyneikes+ Sohn, als Knig
eingesetzt.

3. ~Trojanischer Krieg~.[11] +Priamos+, Knig von +Troja+ oder +Ilios+;
seine Gemahlin +Hekabe (Hekuba)+. Von seinen Shnen treten in der Sage
hervor: +Hektor+ (Gem. +Andromache+) und +Paris+ (+Alexandros+). Dieser
entfhrt +Helena+, die Gemahlin des +Menelaos+ von +Sparta+. Um sie
zurckzuholen, vereinigen sich die edelsten Frsten aller griechischen
Gaue: des +Menelaos+ Bruder +Agamemnon+ von +Myken+, Anfhrer der
Griechen: +Nestor+ von +Pylos+; +Achilleus+, Knig der +Myrmidonen+ aus
+Phthia+ in Thessalien, Sohn des +Peleus+ und der Nerede +Thetis+;
sein Freund +Patroklos+; +Aias+ und +Teukros+, Shne Telamons aus
+Salamis+; der jngere +Aias+ des Oleus Sohn, Anfhrer der Lokrer;
+Diomedes+ von +Argos+, des +Tydeus+ Sohn; +Odysseus+ von +Ithaka+, des
+Lartes+ Sohn; +Idomeneus+ von Kreta, Enkel des Minos, u.a.

Bundesgenossen der Troer: Thraker, Poner, Paphlagonier, Myser,
Phryger, Lyder, Karer; die Lykier unter +Sarpedon+ und +Glaukos+;
spter die Amazonen unter ihrer Knigin +Penthesileia+, die thiopen
unter +Memnon+.

Abfahrt der Griechen vom botischen Hafen +Aulis+ (der Seher +Kalchas+;
Opferung der +Iphigeneia+, welche nach +Tauris+ entrckt wird).
Schiffslager an der troischen Kste, Beutezge in die Umgegend. Im
zehnten Jahre Streit zwischen +Agamemnon+ und +Achilleus+ wegen
der Sklavin +Briseis+, Achilleus zieht sich vom Kampfe zurck. Die
Troer dringen unter +Hektors+ Fhrung siegreich in das Schiffslager
ein, werden aber zurckgetrieben, als +Achilleus+, um den Tod des
+Patroklos+ zu rchen, wieder am Kampfe teilnimmt. Hektor von Achilleus
gettet, dieser durch einen Pfeil des +Paris+. Das hlzerne Pferd auf
+Odysseus'+ Rat gezimmert. Bei der Einnahme Trojas ttet +Neoptolemos+,
Achills Sohn, den greisen Priamos. +Aeneas+ entkommt, rettet seinen
Vater +Anchises+. Irrfahrten der heimkehrenden Helden (+Odysseus+).

+Agamemnon+ wird nach der Rckkehr von seiner Gemahlin +Klytmnestra+
und +Aigisthos+ gettet; sein Sohn +Orestes+ rcht ihn, wird von den
+Erinnyen+, den strafenden Gttinnen der Unterwelt, verfolgt, in Athen
auf dem Areopag freigesprochen, nachdem er seine Schwester Iphigeneia
aus Tauris zurckgefhrt hat. Er herrscht dann in +Myken+.


 2. Staaten und Kolonien.

Eine groe Umwandlung trat ein durch die +Wanderungen+ hellenischer
Stmme. Die aus Epirus in das nach ihnen benannte Land einwandernden
+Thessaler+ verdrngen die +Boter+ aus ihren Wohnsitzen in Arne;
diese nehmen nach Unterwerfung der Kadmeer und Minyer die fortan nach
ihnen benannte Landschaft +Botien+ in Besitz. Ebenso wandern die am
Pindos in Thessalien ansssigen +Dorier+ nach Sden; ein Teil von
ihnen bleibt in dem Berglande +Doris+ am ta, die anderen ziehen,
durch +toler+ verstrkt, bei +Naupaktos+ ber die Meerenge nach der
Peloponnes. Diese

[~1104~ (?)]

~dorische Wanderung~

hat die Grndung +dorischer Staaten+ zur Folge. Nach der Sage sind die
+Herakliden+ Temenos, Kresphontes, Aristodemos Anfhrer der Dorier;
Temenos wird Knig in +Argos+, Kresphontes in +Messenien+; die Shne
des Aristodemos, Eurysthenes und Prokles, herrschen gemeinsam in
+Sparta+. Oxylos, Anfhrer der toler, wird Knig in +Elis+. Ein Teil
der lteren achischen Bevlkerung zieht sich nach +Achaja+ zurck
und vertreibt die dort wohnenden Ionier, die sich nach Attika wenden,
in +Arkadien+ bleiben die alten Einwohner; dorisch dagegen werden,
+Korinth+, +Sikyon+, +Phlius+, +Epidauros+, +Megara+, +gina+, +Kreta+.

[1066 (?)]

~Kodros~, Knig von Athen, fllt, nach der Sage sich freiwillig
opfernd, im Kampf gegen die aus der Peloponnes nach Norden
vordringenden +Dorier+; Attika wird von ihnen nicht unterworfen.

[~1000-900~.]

~olische, ionische, dorische Kolonien~ an der Kste Kleinasiens und
auf den Inseln.

oler und Acher grnden +Mytilene+ und +Methymna+ auf der Insel
+Lesbos+; +Kyme+, +Smyrna+ u.a. Stdte auf dem kleinasiatischen
Festlande; Smyrna wird spter ionisch.

~Ionier~, nach der Sage meist von Athen ausgewandert unter Fhrung der
Shne des Kodros, besetzen die Inseln +Chios+ und +Samos+ und grnden
an der lydischen und karischen Kste 12 Stdte, namentlich +Milet+,
+Ephesos+, +Kolophon+, +Klazomen+, +Phoka+. Gemeinsames Heiligtum
(+Panionion+) der Tempel des Poseidon am Vorgebirge Mykale.

~Dorier~ besetzen die Inseln +Melos+, +Thera+, +Kos+ und +Rhodos+ und
grnden an der karischen Kste +Halikarnassos+ und +Knidos+. Auch Kreta
galt als dorisch.

Auf +Cypern+ sind Ansiedlungen von Peloponnesiern aus +vor+-dorischer
Zeit nachgewiesen; nach +Euba+ und den +Kykladen+ sind die Ionier
frher als nach Asien gekommen.

In Ionien entstanden in der Zeit von 900-800 v. Chr. die ~homerischen
Gesnge~ (Ilias, Odyssee, Hymnen). +Homeros+ nach der Sage ein blinder
Snger aus +Smyrna+ oder +Chios+; Sngerschule der +Homeriden+ auf
Chios. Wandernde +Rhapsoden+ sangen dem Volk und den Edlen von
den Taten der Gtter und Helden und erweiterten allmhlich die
berlieferten Sagenkreise. Die epische Dichtung wurde die Grundlage
hellenischer Bildung und Gesittung. Zu dem heroischen Epos trat
ergnzend hinzu das +Lehrgedicht+; +Hesiodos+ aus Askra in Botien um
700: Theogonie, Werke und Tage.

~Staatsverfassungen~. Das patriarchalische +Knigtum+ der heroischen
Zeit wird allmhlich verdrngt durch die Herrschaft der Edlen
(+Aristokratie+). Diese entartet oft zu einer drckenden Herrschaft
weniger (+Oligarchie+), gegen welche sich in manchen Staaten +Tyrannen+
als Fhrer der Gemeinde (Demos) erheben; in andern findet friedlicher
Ausgleich durch einen erwhlten Schiedsrichter (+Aisymnetes+) statt.
Tyrann heit der nicht auf gesetzliche Weise zur Herrschaft gelangte
Herrscher, ursprnglich ohne die Nebenvorstellung willkrlicher oder
grausamer Regierung. Auf die Tyrannis folgt meist eine gemigtere
Aristokratie oder +Demokratie+. In der Demokratie entscheidet die
Mehrzahl der +Brger+ ber die Staatsangelegenheiten; die +Fremden+ und
+Sklaven+ sind von politischen Rechten ausgeschlossen.

Der +spartanische Staat+ wurde das Vorbild der +Aristokratie+,
besonders fr die +dorischen+ Staaten, der +athenische Staat+ das
Vorbild der +Demokratie+, besonders fr die +ionischen+ Staaten.

~In dem dorischen Sparta~ bestand die Bevlkerung aus drei streng
geschiedenen Klassen: 1. +Spartiaten+, die dorischen Eroberer, welche
die fruchtbarsten Teile des lakonischen Landes, das Eurotastal
und die Niederungen bis zum Meere, besaen. 2. +Periken+ (d. h.
Herumwohnende), Nachkommen der +vertragsmig+ unterworfenen Acher.
Sie waren persnlich freie, aber zinspflichtige Eigentmer ohne
politische Rechte, wurden jedoch zum Kriegsdienst herangezogen. 3.
+Heloten+, Leibeigene des Staats. Sie waren auf die Landlose der
Spartiaten verteilt, bestellten deren cker und lieferten ihren Herren
einen bestimmten Teil des Ertrages ab. Im Kriege dienten sie als
Schildknappen und Leichtbewaffnete.

[~820.~ (?)]

~Lykurgische Verfassung und Gesetzgebung.~

~Lykurgos~, nach sagenhafter berlieferung aus kniglichem Geschlecht,
Vormund des jungen Knigs +Charilaos+, schlichtet die Streitigkeiten
und ordnet das Verhltnis der drei Klassen der Bevlkerung zu einander.
Seine Gesetze, auf die Autoritt des delphischen Orakels gegrndet
und nur mndlich in kurzen Aussprchen berliefert, gelten als die
Grundlage spartanischer Tchtigkeit.

An der Spitze des Staats bleiben zwei +erbliche Knige+ aus
heraklidischem Geschlecht, der eine ein +Agiade+ (von +Agis+, nach
der Sage Sohn des +Eurysthenes+), der andere ein +Eurypontide+ (von
+Eurypon+, Enkel des +Prokles+, s. S. 28). Sie bringen die Staatsopfer
dar, entscheiden Streitigkeiten des Familienrechts, fhren das Heer,
ernennen die Beamten, namentlich die 5 +Ephoren+ (d. h. Aufseher,
ursprnglich wohl fr die 5 Bezirke des Perikengebietes).

Der Rat der Alten (+Gerusia+), bestehend aus 28, mindestens 60 Jahre
alten, auf Lebenszeit gewhlten Geronten unter dem Vorsitz der beiden
Knige, hat: 1. die Vorberatung ber alles der Volksversammlung
Vorzulegende, 2. die Gerichtsbarkeit ber Kapitalverbrechen.

Die +Volksversammlung+, bestehend aus allen ber 30 Jahre alten
+Spartiaten+, beschliet endgltig ber Gesetze, Vertrge, Krieg und
Frieden, doch ohne Beratung und Abstimmung, nur durch Zuruf.

Die Spartiaten sollen unter sich +gleich+ sein in Besitz und
Kriegstchtigkeit. Jeder Spartiatenfamilie wird aus dem nach
Kriegsrecht von den Doriern gewonnenen Landbesitz ein unveruerliches
Erbgut +(Kleros+, d. h. Los) zugewiesen, dessen Bestellung den Heloten
obliegt. Man zhlte 4500, spter 9000 Landlose der Spartiaten, 30000
der Periken. Verbot der +Reisen+ und des +Fremdenverkehrs+ in Sparta;
+eisernes Geld+, nur der Staat darf Gold und Silber besitzen.

Gemeinschaftliche +Erziehung+ der +Knaben+ vom 7. Jahre an, auf
Abhrtung und kriegerische bung gerichtet, doch wurden auch die
homerischen Gesnge und Chorlieder lyrischer Dichter (Tyrtaios)
gelernt. Zusammenleben der +Mnner+; die Zeltgenossenschaften hatten
auch im Frieden ihre gemeinsamen Mahlzeiten (+Syssitien+).

Sehr hnliche Gesetze galten in ~Kreta~, wo zahlreiche selbstndige
dorische Stdte bestanden. Spter dort auch +schriftliche+ Gesetze;
eine 1884 gefundene Inschrift enthlt das Recht der Stadt +Gortyn+,
Bestimmungen ber Familienrecht, Erbrecht, Stellung der Sklaven u.a.

[~776.~]

~Erste Olympiade,~

Beginn einer gemeinsamen griechischen Zeitrechnung, die sich an
die alle 4 Jahre dem hchsten Gotte +Zeus+ zu Ehren in ~Olympia~
gefeierten Spiele knpfte. In +Elis+, am Flusse Alpheios, lag der
ummauerte heilige Bezirk, die +Altis+, mit Altar und Tempel des Zeus,
Sulenhallen und Schatzhusern, wo die Weihgeschenke aufgestellt
wurden.[12] Die Spiele fanden auerhalb der Altis statt im +Stadion+
(Springen, Laufen, Diskoswerfen, Speerwerfen, Ringen) und im
+Hippodrom+ (Wettfahren der Viergespanne). Den Siegern wurden Krnze
von lzweigen zuteil; Dichter verherrlichten sie im Liede. Unter dem
Schutze +Spartas+ gewannen die ~Olympischen Spiele~ groe Bedeutung
fr die Erhaltung des Nationalbewutseins unter dem politisch sehr
zersplitterten Griechenvolke.

hnliche Spiele, doch vermehrt durch musische Wettkmpfe der Snger
und Zitherspieler, wurden seit 586 bei ~Delphi~ dem +Apollon+ zu Ehren
gefeiert, in jedem dritten Olympiadenjahr (+Pythische+ Spiele). Das
~Orakel zu Delphi~, oft befragt bei wichtigen Unternehmungen, z.B.
Grndungen von Kolonien, Kriegszgen, stand unter dem Schutze der
delphischen +Amphiktyonie+ (Umwohnerschaft), zu welcher die Phokier,
Lokrer, Boter, Thessaler u.a. gehrten.

Dem Poseidon zu Ehren wurden auf dem +Isthmos+, dem Zeus zu Ehren zu
+Nemea+ in Argolis alle zwei Jahre Spiele gefeiert. Die Wettkmpfe
sthlten die Volkskraft und weckten den Sinn fr freie Entwickelung der
Persnlichkeit.

Die Hellenen, ihrer krperlichen und geistigen berlegenheit ber
die Barbaren sich bewut, breiten sich, +Stdte grndend+, weit ber
die Grenzen des Mutterlandes aus. Die Ansiedlungen an den Ksten des
gischen Meeres gengen nicht mehr, Milet allein sendet gegen 80
Kolonien aus.

[~750-550.~]

~Ionische, dorische, achische Kolonien~

an den pontischen Ksten und im westlichen Teile des Mittelmeers.

+Ionier+ von Milet grnden +Abydos+ und +Lampsakos+ am Hellespont,
+Kyzikos+ an der Propontis, +Sinope+ und +Trapezus+ an der Sdkste
des Schwarzen Meeres, +Olbia+, +Istros+, +Odessos+ an der Westecke,
+Pantikapaion+ und +Theodosia+ auf der Krim (Chersonesus Taurica),
+Tanais+ am Asowschen Meer (Palus Motis), +Phasis+ und +Dioskurias+ an
der Ostkste des Schwarzen Meeres. Zu +Naukratis+ in gypten gemeinsame
Kolonie der kleinasiatischen Griechen.

+Dorier+ von Megara grnden +Chalkedon+ und +Byzantion+ (659) am
Bosporus, +Herakleia+ an der Sdkste des Schwarzen Meeres, +Megara+
(Tochterstadt +Selinus+) auf Sicilien.

+Ionier+ von Chalkis auf Euba besiedeln die Chalkidike mit mehr als 30
Stdten, darunter +Olynthos+ (+Poteidaia+ korinthische Niederlassung),
grnden +Kyme+ (Cumae) in Campanien (Tochterstadt Neapolis), +Naxos+
auf Sicilien (Tochterstdte Leontini und Katana), +Zankle+ (spter
Messana) und gegenber auf dem Festlande +Rhegion+.

+Dorier+ von Korinth grnden 734 +Syrakus+, spter Kerkyra, Dorier
von Sparta 708 +Tarent+; Dorier von Rhodos +Gela+; und +Akragas+ auf
Sicilien; Dorier von Thera +Kyrene+ (um 630) und +Barka+ in Afrika.

+Acher+ grnden +Sybaris+, +Kroton+, +Metapontion+, Lokrer das
epizephyrische +Lokri+ in Unteritalien (Gro-Griechenland).

Am weitesten nach Westen gehen die +Ionier+ von +Phoka+; ihre
Kolonien sind +Massalia+ (600) an der gallischen Kste, +Mainake+ im
sdlichen Spanien, +Alalia+ auf Korsika. Als die Kste Kleinasiens
unter persische Herrschaft kam (s. S. 18), verlieen die Phoker ihre
Stadt und segelten zuerst nach Korsika; von dort vertrieben (S. 14),
grndeten sie +Elea+ in Unteritalien.

Infolge dieser Kolonisation griechische Kultur ber einen groen Teil
der Mittelmeerksten verbreitet. Lebhafter Seeverkehr und Eintausch
von Rohprodukten gegen die Erzeugnisse der griechischen Kunst und
Industrie. An die Stelle der Naturalwirtschaft tritt nach und nach die
Geldwirtschaft.


~Spartas Hegemonie in der Peloponnes.~

In lterer Zeit +Argos+ der bedeutendste Staat. Knig ~Pheidon~ von
Argos leitet die Festfeier zu Olympia (748, nach anderer Ansicht erst
668), ordnet Ma und Gewicht (dem babylonischen (S. 20) entsprechend,
Vermittler die Phniker), lt zuerst in gina Mnzen prgen. Bald
aber erhebt sich ~Sparta~ zu hherer Macht durch die Eroberung der
argivischen Landschaft Kynuria und Messeniens. Argos seitdem fr immer
mit Sparta verfeindet.

[Um 740.]

~Erster Messenischer Krieg.~ Tapfere Gegenwehr der Messenier unter
ihrem Knige +Aristodemos+, namentlich auf der Bergfeste +Ithome+.
Ein Teil ihres Landes wird von den Spartanern in Besitz genommen, das
brige zinspflichtig.

[708.]

Die aus Sparta infolge von Zwistigkeiten auswandernden +Parthenier+
grnden ~Tarent~. Seitdem Auswanderung in Sparta verboten. Um diese
Zeit Beschrnkung des spartanischen Knigtums durch die vergrerte
Macht der +Ephoren+, welche fortan jhrlich von der Spartiatengemeinde
erwhlt werden.

[Um 640.]

~Zweiter Messenischer Krieg.~ +Aristomenes+ Held der Messenier; 11
Jahre lang wird die Feste +Eira+ verteidigt. Der athenische (?) Snger
+Tyrtaios+ begeistert die Spartaner durch seine Marschlieder. Nach dem
Fall von Eira flchten viele Messenier nach Unteritalien (+Rhegion+);
die nicht auswandernden werden +Heloten+. Von Rhegion aus besetzen
spter (um 500) Nachkommen der Ausgewanderten die Stadt Zankle auf
Sicilien, die dann den Namen ~Messana~ erhlt.

[Um 600.]

Aufschwung ~Korinths~ unter dem Tyrannen ~Periander~, dem Sohne
des +Kypselos+, der um 650 die Adelsherrschaft der +Bakchiaden+
gestrzt hat. Entfaltung der Seemacht; Korinth wird erste Handelsstadt
Griechenlands. Zu der lteren korinthischen Kolonie auf +Kerkyra+
kommen unter Kypselos hinzu +Leukas+ und +Ambrakia+, unter Periander
+Epidamnos+ und +Apollonia+ an der illyrischen Kste, +Poteidaia+
auf der Halbinsel Chalkidike. Perianders Neffe +Psammetich+ wird 582
gestrzt, die Aristokratie hergestellt.

In ~Megara~ um 630 Tyrannis des ~Theagenes~, nach dessen Sturz
Parteikmpfe (der Dichter +Theognis+ um 540), endlich siegt die
Aristokratie.

In ~Sikyon~ um 600 Tyrannis des ~Kleisthenes~, welcher die Genossen
der delphischen Amphiktyonie zum ~ersten heiligen Kriege~ gegen die
phokischen Stdte +Krisa+ und +Kirrha+ (Hafenstadt) vereinigt. Beide
Stdte zerstrt, ihr Gebiet dem pythischen Apollon geweiht. Nach
Kleisthenes' Tode wird die Aristokratie hergestellt.

Auch in Milet, Ephesos u.a. Koloniestdten herrschen um dieselbe Zeit
vorbergehend Tyrannen, in +Mytilene+ auf Lesbos waltet um 600 der
weise +Pittakos+ als symnet. Vergl. S. 37.

[~Um 550.~]

~Sparta~ vereinigt die peloponnesischen Staaten (auer +Argos+ und
+Achaja+) zum ~peloponnesischen Bunde~ unter seiner Hegemonie. Die
Griechenstdte an der Westkste Kleinasiens stehen unter lydischer (S.
15), seit 545 unter persischer Herrschaft (S. 18). Auch die Inseln
+Cypern+, +Chios+, +Lesbos+ werden den Persern untertan; +Samos+ erst
522 nach dem Sturz des mchtigen Tyrannen +Polykrates+.


~Athens Emporkommen.~

Nach Kodros' Tode (S. 28) wird das Knigtum eingeschrnkt, aber nicht
beseitigt; Adelsherrschaft der +Eupatriden+ (S. 26). Den Knigen treten
erwhlte Beamte zur Seite; seit 683 werden +jhrlich neun Archonten+
erwhlt. Der erste, +Archon eponymos+, fhrt den Vorsitz und wacht
ber das Familien- und Erbrecht; der zweite, +Basileus+, bringt die
frher den Knigen obliegenden Opfer dar, htet das heilige Recht
und leitet den Areopag; der dritte, +Polemarchos+, ist Heerfhrer
und Gerichtsherr fr die Metken und Fremden, die andern sechs,
+Thesmotheten+ genannt, leiten die brgerliche Gerichtsbarkeit. Die
Oberaufsicht ber das gesetzliche Verhalten der Brger fhrt der
~Areopag~, der auf dem Areshgel vor der +Burg (Akropolis)+ sich
versammelnde Gerichtshof, aus frheren Archonten gebildet; er richtet
auch ber die schwersten Verbrechen, Mord und Brandstiftung.

[Um 632.]

~Aufstand Kylons~, der sich, untersttzt von seinem Schwiegervater
+Theagenes+ von Megara, an der Spitze des ber die Bedrckung der
Adligen (s. u.) emprten Volkes der Akropolis bemchtigt. Er wird
von dem Archon +Megakles+, aus dem Geschlecht der +Alkmoniden+,
vertrieben, seine an den Altren Schutz suchenden Anhnger werden
ermordet. Wegen dieses Frevels Verbannung der Alkmoniden. Der Priester
+Epimenides+ aus Phaistos auf Kreta berufen, um die Stadt durch
Shnopfer zu reinigen,

[Um 620.]

~Gesetzgebung Drakons.~ Die bestehenden belstnde nicht beseitigt. Die
Adelsherrschaft bleibt; geschriebene Gesetze, aber sehr hart; das Recht
von den adligen Richtern auch weiterhin nicht selten gebeugt; seit
Einfhrung der Geldwirtschaft Geld nur gegen hohe Zinsen ausgeliehen;
daher wachsende Unzufriedenheit der rmeren Brger, besonders ber das
strenge Schuldrecht. ~Solon~, aus Kodros' Geschlecht stammend, 594
zum ersten Archon erwhlt, erhlt Vollmacht, durch neue Anordnungen
Frieden zu stiften. Er war dadurch zu Ansehen gelangt, da er die
Wiedereroberung der von den Megarern besetzten Insel +Salamis+
bewirkte; auch hatte auf seinen Antrieb Athen am +heiligen Kriege+
teilgenommen, und das delphische Orakel war ihm deshalb gnstig gesinnt.

[~594.~]

~Gesetzgebung Solons.~ 1. +Entlastung+ der rmeren Brger
(+Seisachtheia+): die auf dem Grundbesitz haftenden Schulden werden
aufgehoben, alle Schuldsklaven in Freiheit gesetzt, Schuldknechtschaft
fr die Zukunft verboten Festsetzung eines Hchstmaes von Grundbesitz,
damit das attische Land nicht in den Besitz weniger Reicher komme,
Abzahlung anderer Schulden erleichtert durch Herabsetzung des
Mnzfues; 100 Drachmen neuen Geldes = 73 lteren; das +eubische+
Talent, der persischen Goldwhrung entsprechend tritt an die Stelle des
+ginetischen+ (S. 32).[13]

2. Bestimmung der brgerlichen Pflichten und Rechte nach dem +Ertrage
des Grundbesitzes+. Die Brger werden in vier Klassen geteilt:
1. +Pentakosiomedimnen+, deren Gter 500 Scheffel Getreide bezw.
Ma l und Wein oder mehr bringen; 2. +Ritter+, 300-500 Scheffel;
3. +Zeugiten+, d. h. die mit einem Gespann wirtschaften, 150-300
Scheffel; 4. +Theten+, die rmeren. Nach der Absicht des Gesetzgebers
sollten alle Brger Grundbesitz haben; bei steigender Bedeutung des
Geldbesitzes wurde der Ertrag des Getreides in Geld umgerechnet und
danach die Klasseneinteilung bestimmt.

Die Mitglieder der +drei ersten+ Klassen dienen im Kriege als
+Hopliten+ (schwerbewaffnete Fusoldaten), die der +zwei ersten+
Klassen auch als +Reiter+; fr die Ausrstung der Flotte bestand
schon eine Einteilung der Brger in 48 +Naukrarien+. Die +Theten+
sollen nur zur Verteidigung des Landes als Leichtbewaffnete oder
(seit Themistokles) zur Bemannung der Flotte aufgeboten werden. Eine
regelmige +Besteuerung+ der Vollbrger gab es nicht, die mter wurden
umsonst verwaltet, die Staatsausgaben durch den Ertrag der Bergwerke,
die Strafgelder, das +Kopfgeld der Metken+, d. h. der eingewanderten
Kaufleute und Handwerker, durch Markt- und Hafenzlle bestritten.
+Auerordentliche Steuern+ wurden in Zeiten der Not auf Volksbeschlu
nach den Vermgensklassen erhoben, die vierte war steuerfrei.

3. An der Spitze des Staates bleiben die ~neun Archonten~, jhrlich
erwhlt aus den Brgern der +ersten+ Vermgensklasse. Neu eingerichtet
wird der ~Rat der Vierhundert~, jhrlich erwhlt aus den ber 30
Jahre alten Brgern der +drei+ ersten Klassen. Die ~Volksversammlung~
(Ekklesia) besteht aus +allen+ ber 20 Jahre alten Brgern. Sie erwhlt
die +Beamten+ und entscheidet ber die durch +Vorbeschlu des Rates+ an
sie gebrachten Angelegenheiten. Zur Entscheidung wichtigerer Prozesse
werden Geschworenengerichte aus der +richtenden Brgerschaft+, der
~Heliaia~ (Gesamtzahl 6000) gebildet. Der ~Areopag~ behlt seine
Gerichtsbarkeit und Oberaufsicht ber das Privatleben der Brger sowie
ber das gesamte Staatsleben.

Diese Verfassung wird als ~Timokratie~ bezeichnet; erst spter
entstand durch Aufhebung der Klassenunterschiede volle +Demokratie+.
Ausgeschlossen von politischen Rechten blieben auch spter die
+Schutzverwandten+ (Metken), die vor Gericht eines Brgers als
Vertreter bedurften, und die sehr zahlreichen +Sklaven+, die jedoch
durch Gesetz und Sitte gegen Mihandlung geschtzt waren.

Solon gab auch ~Gesetze fr das brgerliche Leben~ (Familienrecht,
Strafrecht, Beschrnkung des Luxus, Schutz des Ackerbaues und der
lbaumzucht, Sorge fr die krperliche Ausbildung der Jnglinge in den
3 +Gymnasien+: Akademie, Lykeion, Kynosarges). Nach Vollendung der
Gesetzgebung verlie er Athen auf 10 Jahre und unternahm Reisen nach
gypten, Cypern, Kleinasien. Rechtfertigung seiner Manahmen in seinen
Elegieen.

~Neue Parteiungen~ in Athen. Den Grundbesitzern in der Ebene (Pedier)
treten gegenber die handeltreibenden Kstenbewohner (Paraler)
und die rmeren Gebirgsbewohner (Diakrier), letztere gefhrt von
+Peisistratos+, der trotz der Gegenbemhungen +Solons+ immer mehr
Anhang gewinnt und sich zuletzt der +Akropolis+ bemchtigt.

[~560-527~.]

~Peisistratos~, Tyrann von Athen.

Auswanderung von athenischen Adligen, zum Teil nach der thrakischen
Chersones, unter des +lteren Miltiades+ Fhrung. Solon T 559,
wahrscheinlich in Athen, nach anderen in Soloi auf +Cypern+
(Unterredung mit Kroisos in Sardes?).

+Peisistratos+ regiert in Athen innerhalb der Formen der solonischen
Verfassung, +die er nicht aufhebt+. Er versteht es, das Volk Archonten
whlen zu lassen, welche ihm genehm sind. Zweimal durch Bndnis der
Gegenparteien vertrieben, gewinnt er zuletzt eine dauernde Herrschaft.
Die durch Solon zurckgefhrten +Alkmaoniden+ (S. 34) gehen abermals
in die Verbannung, da ihr Fhrer +Megakles+ (an der Spitze der
Paraler) sich gegen Peisistratos nicht behaupten kann. Er erhht das
auswrtige Ansehen Athens: +Sigeion+ am Eingang in den Hellespont
athenische Kolonie, Schutzherrschaft ber +Delos+, Befreundung mit den
Tyrannen +Lygdamis+ von Naxos und +Polykrates+ von Samos. Er erweitert
und schmckt die Stadt Athen durch Bauten (der groe Zeustempel
bleibt unvollendet), baut eine Wasserleitung, ordnet die Feier der
+Panathenen+ und der +Dionysien+ (die Dithyramben des +Thespis+
Anfnge der Tragdie), zieht Dichter an seinen Hof, z.B. Simonides,
Anakreon, lt die homerischen Gesnge schriftlich aufzeichnen und
ordnen. Er vererbt die Herrschaft auf seinen Sohn

[527-510.]

~Hippias~. Dieser herrscht gemigt im Sinne des Vaters, bis sein
Bruder +Hipparchos+ von +Harmodios+ und +Aristogeiton+ aus Privatrache
am Panathenenfest ermordet wird (514). Hippias bt grausame
Vergeltung, wird von dem ausgewanderten Adel +(Kleisthenes+ an der
Spitze der +Alkmoniden+) in Verbindung mit einem spartanischen Heere
unter +Kleomenes+ vertrieben (510). Er begibt sich nach Sigeion und
sucht spter Hilfe beim Perserknige Dareios.

[~509~.]

~Gesetzgebung des Kleisthenes~ (Sohn des Megakles, Enkel des
Kleisthenes von Sikyon); die solonische Verfassung wird in
demokratischem Sinne weiter gebildet. Die 4 Vermgensklassen bleiben
bestehen, an Stelle der 4 alten Phylen (S. 26) treten ~zehn Phylen~
(Bezirke), deren Unterabteilungen die +Demen+ (Ortsgemeinden) sind.
Dadurch soll der Einflu des Adels gebrochen und das Wiederaufleben
der frheren Parteien verhindert werden. Jede Phyle whlt jhrlich 50
Mitglieder in den ~Rat~, dessen Zahl also von 400 auf 500 erhht wird.
Die 10 Abteilungen des Rats wechseln in der Geschftsleitung ab, so
da das Amtsjahr nach dem Wechsel der 50 Ratsvorsteher (Prytanen) in
10 Prytanieen zerfllt. Die Besetzung der meisten ~mter~ wird fortan
durch das +Los+ entschieden, nach Vorwahl durch die Phylen; durch
+Abstimmung+ erwhlt wurden die Archonten und die 10 Feldherrn. Fr
alle mter war eine Prfung in bezug auf das brgerliche Verhalten
vor dem Amtsantritt und Rechenschaft nach Ablauf des Amtsjahres
vorgeschrieben. Die ~Volksversammlung~ hat nach wie vor die
Entscheidung ber Gesetze, Bndnisse, Krieg und Frieden.

[508.]

Die Eupatriden unter Fhrung des Archon +Isagoras+ rufen abermals
die Spartaner zu Hilfe, um die Durchfhrung dieser Staatsordnung zu
hindern. +Kleisthenes+ flchtet, die Akropolis wird den Spartanern
berliefert. Aber ein Aufstand des athenischen Volks zwingt den Knig
Kleomenes zum Abzug. Die adligen Parteifhrer werden hingerichtet;
Kleisthenes zurckberufen.

[507.]

Ein Feldzug der Spartaner gegen Athen unter den Knigen +Kleomenes+ und
+Demaratos+ scheitert infolge des pltzlichen Abzugs der Korinther und
der Uneinigkeit der spartanischen Knige. Die mit Sparta verbndeten
+Boter+ und +Chalkidier von Euba+ werden von den Athenern geschlagen.
Diese erobern einen Teil von +Euba+, wo 4000 Bauerngter an rmere
attische Brger (Kleruchen) verteilt werden. So gewinnt Athen nach
Befestigung seiner inneren Verfassung auch Ansehen nach auen.

Damit nicht eine Tyrannis wiederkehre, ordnet Kleisthenes den
~Ostrakismos~ an: die Volksversammlung ist befugt, mittels +geheimer
Abstimmung+ durch Tonscherben (Ostraka) die Verbannung eines die
Freiheit gefhrdenden Brgers zu beschlieen; doch mssen 6000 Stimmen
abgegeben sein.

Auch in den ~westgriechischen Stdten~ herrschen zeitweise ~Tyrannen~:
+Phalaris+ in +Akragas+ (Agrigentum) um 570, +Anaxilas+ in +Rhegion+
494. Zu besonderem Ansehen gelangt +Syrakus+ unter der Herrschaft
+Gelons+ (seit 485), der mit Theron von Akragas befreundet ist. Die
unteritalischen Stdte behaupten sich gegen Angriffe der einheimischen
Vlkerschaften; die Brger von +Kroton+ zerstren 510 die reiche
Nachbarstadt +Sybaris+.

~Entwickelung der Kultur~. +Baukunst+ und +bildende Kunst+ besonders
zur Ausschmckung der Tempel gebt (dorische, spter ionische Sulen,
Weihgeschenke aus Erz, Marmor, Gold und Elfenbein). Erhalten sind
namentlich der Tempel von Pstum am Tyrrhenischen Meer und die
Skulpturen des Athenetempels zu +gina+ (aus der Zeit um 510, jetzt in
Mnchen).

Zu hoher Blte entfaltete sich die +Dichtkunst+; bei den +Ioniern+
namentlich die Elegie: +Kallinos+ von Ephesos um 670, +Mimnermos+ von
Kolophon um 600, +Tyrtaios+ und +Solon+ von Athen, auch +Theognis+ von
Megara (S. 33) dichtete in ionischem Dialekt;

bei den +Doriern+ der lyrische Chorgesang: +Terpander+ von Lesbos um
676 in Sparta, +Alkman+ von Sardes um 650 ebendaselbst, +Stesichoros+
von Himera um 600, +Arion+ von Lesbos, Freund des Periander, +Ibykos+
von Rhegion um 550;

bei den +olern+ der lyrische Einzelgesang: +Alkaios+ und +Sappho+
von Lesbos um 600; der Ionier +Anakreon+ von Teos um 540. Jambische
Spottgedichte des +Archilochos+ von Paros (um 650) und +Hipponax+
von Ephesos (um 540). Die Vollendung der lyrischen Dichtung in
mannigfaltigen Formen zeigt sich in +Simonides+ von Keos und +Pindaros+
von Theben, beide zur Zeit der Perserkriege.

Anfnge der +Philosophie+ (zunchst Naturforschung) und der Himmels-,
Erd- und Vlkerkunde bei den Ioniern: +Thales+ von Milet (s. S.
15). Herakleitos von Ephesos um 500: Alles ist in ewigem Wechsel.
+Pythagoras+ von Samos wandert um 530 nach Kroton aus (Bund der
Pythagoreer), +Xenophanes+ von Kolophon um dieselbe Zeit nach Elea in
Unteritalien (seine Schler Parmenides, Zeno). +Hekataios+ von Milet um
510.

In spterer berlieferung werden als die +sieben Weisen+ dieser
Zeit genannt: +Thales+ von Milet, +Bias+ von Priene, +Pittakos+ von
Mytilene, +Periander+ von Korinth, +Cheilon+ von Sparta, +Kleobulos+
von Lindos, +Solon+ von Athen.


 3. Perserkriege und Bltezeit Athens.

[~500-449~.]

~Perserkriege.~

[500-494.]

Aufstand der ionischen Griechen gegen die Perser (s. S. 20). Der von
+Athen+ und +Eretria+ ihnen geleistete Beistand ist die ~Veranlassung~
zu dem Versuch der Perser, auch das europische Griechenland zu
unterwerfen.

[~492~.]

Erster Zug der Perser unter ~Mardonios~.

Das Landheer unterwirft das Kstenland von +Thrakien+, die Flotte die
Insel +Thasos+. Knig Alexander von +Makedonien+ erkennt die persische
Hoheit an. Dann aber erleidet das Landheer groe Verluste im Kampf mit
den Thrakern, und ein groer Teil der Flotte wird am Vorgebirge ~Athos~
durch Sturm vernichtet; dies bestimmt den Mardonios zur Rckkehr.

An der thrakischen Kste werden feste Pltze angelegt als Sttzpunkt
fr sptere Feldzge; +Byzanz+, +Sestos+, +Abdera+ erhalten persische
Besatzungen.

[491.]

Persische Herolde, welche Erde und Wasser als Zeichen der Unterwerfung
verlangen, werden in Sparta und Athen gettet. Die +Kykladen+ und
+gina+ dagegen, auch manche Gemeinden des Festlandes versprechen dem
Perserknige Unterwerfung. Der spartanische Knig +Kleomenes+ zwingt
die gineten, den Athenern Geiseln zu stellen.

[~490~.]

Zweiter Zug der Perser unter ~Datis~ und ~Artaphernes~, dem jungen
Neffen des Dareios.

Eine groe Flotte (nach Herodot 600 Trieren) durchfhrt das gische
Meer, landet auf +Naxos+, dann auf +Euba+, wo die Stadt +Eretria+
zerstrt wird, dann an der Ostkste von +Attika+. Hippias (S. 36)
im Gefolge des Artaphernes. Das athenische Heer, 9000 Hopliten und
auerdem leichtbewaffnete Sklaven (eine tchtige Reiterei nur bei
den Thessalern), gefhrt vom Polemarchos und den 10 Feldherrn, unter
welchen +Aristides+ und der vor den Persern aus der Chersones (S. 36,
20) geflchtete (jngere) +Miltiades+, lagert mehrere Tage dem Feinde
gegenber in verschanzter Stellung. Durch 1000 +Plater+ verstrkt,
greift es, ohne die Ankunft der Spartaner abzuwarten, unter Fhrung des
~Miltiades~ an und siegt in der

[~490~. (Sept.)]

~Schlacht bei Marathon~.

Der Plan der Perser, Athen von der Seeseite zu berraschen, wird
durch schleunigen Rckmarsch des Heeres nach der Stadt vereitelt. Die
persische Flotte kehrt nach Kleinasien zurck. +Hippias+ stirbt auf
Lemnos.

[489.]

Unglcklicher Zug des Miltiades gegen +Paros+. Verwundet nach Athen
zurckgekehrt, wird er von +Xanthippos+ angeklagt und zur Erlegung
der Kosten des Unternehmens (50 Talente) verurteilt, welche sein Sohn
+Kimon+ nach dem Tode des Vaters zahlt.

~Parteikmpfe in Athen~; 487 Wahl der Archonten durch das +Los+
eingefhrt, 485 Xanthippos durch Ostrakismos verbannt, 483 der
bedchtige und am Althergebrachten hngende ~Aristides~. ~Themistokles~
erhlt dadurch freie Hand zur Durchfhrung seines Planes, Athen zur
ersten +Seemacht+ Griechenlands zu machen. Schon 493 hatte er als
Archon die Befestigung des Hafens +Piraieus+ durchgesetzt; jetzt
werden, zunchst um gegen gina Krieg zu fhren, auf seinen Antrag
die bisher zur Austeilung an die Brger bestimmten Einknfte aus den
Silberbergwerken von +Laurion+ dazu verwendet, die Flotte bis auf
200 Trieren zu bringen. Die bisherigen Naukrarien (S. 35) werden
aufgehoben und durch die Einrichtung der ~Trierarchie~ ersetzt. Der
Staat liefert die Schiffe; den wohlhabenderen Brgern liegt ihre
Ausrstung als +Staatsleistung+ (Liturgie) ob; dafr erhlt der
Trierarch die Anfhrung des von ihm ausgersteten Schiffes. Die Theten
zum Flottendienst herangezogen,

[480.]

Dritter Zug der Perser unter Knig ~Xerxes~.

Groe Rstungen, das Landheer sammelt sich schon 481 bei Kritalla in
Kappadokien, von dort fhrt Xerxes es nach +Sardes+. Zwei Schiffbrcken
ber den +Hellespont+ geschlagen, fr die Flotte Kanal bei +Akanthos+
gegraben, um das Vorgebirge Athos zu vermeiden. Im Frhjahr 480
Aufbruch von Sardes; Demaratos, der abgesetzte Knig von Sparta, und
Peisistratos, Sohn des Hippias, begleiten den Knig. Musterung des
Heeres bei Doriskos in +Thrakien+, nach Herodots bertreibender Angabe
1700000 Mann Fuvolk, 80000 Reiter und zahlreicher Tro; eine Flotte
von 1207 Trieren.

Nachdem die Griechen den Plan, den Pa von +Tempe+ zu verteidigen,
aufgegeben haben, durchzieht das persische Heer Thessalien, ohne
Widerstand zu finden. Die +Thessaler+ und die botischen Stdte, mit
Ausnahme von +Plat+ und +Thespi+, senden dem Knige Zeichen der
Unterwerfung. +Argos+, +Achaja+ und das +westliche Mittelgriechenland+
nehmen am Kampfe gegen ihn nicht teil.

[~480.~ (Juli.)]

~Schlacht bei Thermopyl.~

Der spartanische Knig ~Leonidas~ an der Spitze von etwa ~6000~
Schwerbewaffneten (Hopliten) (darunter 300 +Spartiaten+, 1000
lakedmonische +Periken+ und 700 +Thespier+) verteidigt 2 Tage lang
den Engpa, whrend 1000 Phokier den Fupfad ber den Kallidromos
bewachen. Die Perser, durch den Verrter Ephialtes auf diesen Pfad
gefhrt, vertreiben die Phokier und kommen dem griechischen Heere in
den Rcken. ~Leonidas~ befiehlt den Periken und den Bundesgenossen,
nach Hanse zu gehen und stirbt mit den noch brigen ~Spartiaten~ und
~Thespiern~, welche sich weigern, ihn zu verlassen, den Heldentod.
Bekannte Grabschrift des Simonides. (S. Schillers Spaziergang). Die
gezwungen (?) mit Leonidas fechtenden +Thebaner+ strecken die Waffen,
werden teils niedergemacht, teils auf des Knigs Befehl gebrandmarkt
nach Theben zurckgeschickt.

Zu gleicher Zeit unentschiedene ~Seegefechte bei Artemision~, einem
Vorgebirge und Tempel an der Nordspitze von Euba. Dreitgige Kmpfe;
Verluste der Perser namentlich durch den Untergang der um die Sdspitze
von Euba herum entsandten Schiffe. Auf die Kunde von der Einnahme des
Passes von Thermopyl zieht die hellenische Flotte sich zurck nach
der Bucht von Salamis. Das peloponnesische Landheer beginnt am Isthmos
den Bau einer Schutzmauer.

Xerxes durchzieht Mittelgriechenland. Die +Lokrer+ und +Dorier+
unterwerfen sich. Das Gebiet der +Phokier+ wird verwstet, die gegen
+Delphi+ geschickte Truppe soll durch Gewittersturm zurckgeschreckt
worden sein. +Botien+ wird als Freundesland behandelt, nur +Thespi+
und +Plat+ werden zerstrt.

Die Athener verlassen ihre Stadt, nur die Akropolis bleibt besetzt.
Die waffenfhigen Brger besteigen die Flotte, die hlzerne Mauer;
Greise, Frauen und Kinder werden mit der beweglichen Habe nach
+Salamis+, +gina+ und +Troizen+ gebracht. Den Verbannten wird die
Rckkehr gestattet. Die Akropolis wird von den Persern erstrmt;
~Zerstrung der Stadt Athen.~

[~480.~ (Ende Sept.)]

~Seeschlacht bei Salamis.~

Die vereinigte hellenische Flotte (378 Trieren, 7 Fnfzigruderer)
steht unter dem Oberbefehl des Spartaners ~Eurybiades~. Uneinigkeit im
Kriegsrat; der athenische Feldherr ~Themistokles~ bewirkt durch eine
geheime Botschaft an Xerxes, da die Griechen in der Meerenge zwischen
Salamis und Attika von der persischen Flotte eingeschlossen werden.
Xerxes schaut von dem Berge +galeos+ dem Kampfe zu. Glnzender Sieg
der Griechen. ~Aristides~, von gina herbeigeeilt, nimmt whrend des
Flottenkampfes die von den Persern besetzte kleine Insel Psyttaleia,
macht viele vornehme Gefangene.

Die persische Flotte sammelt sich in der Bucht von Phaleron, Xerxes
beschliet den ~Rckzug~. In Thessalien bleibt +Mardonios+ mit einem
groen Teil des Heeres zurck. Xerxes erreicht nach groen, durch
Seuchen und Mangel an Lebensmitteln verursachten Verlusten den
Hellespont, wo er die Flotte findet, die das Heer bersetzt, da die
Brcke vom Sturm zerstrt worden ist.

Die griechische Flotte, statt, wie Themistokles wollte, die persische
zu verfolgen, wendet sich gegen die Inseln, belagert +Andros+
vergeblich und lst sich beim Eintritt des Winters auf. Rckkehr der
Athener nach ihrer Stadt, deren Wiederaufbau sofort begonnen wird.

[~480.~]

~Schlacht bei Himera,~

Sieg der ~sicilischen Griechen~ unter +Gelon+ von Syrakus und +Theron+
von Akragas (S. 37) ber die mit Persien verbndeten +Karthager+. Diese
sollen den Frieden durch Zahlung von 2000 Talenten erkauft haben; sie
bleiben im Besitz ihrer sicilischen Stdte (Panormos, Soloeis, Motye).

[479.]

Nachdem ~Mardonios~ den Athenern durch Alexander von Makedonien (s. S.
38) vergebens einen Sonderfrieden angeboten hat, rckt er, verstrkt
durch +griechische Bundesgenossen+ (Thessaler, Boter, Lokrer, Phokier)
in Attika ein. Die Athener retten sich wieder nach +Salamis+. Was in
der Stadt aufgebaut worden, wird von den Persern von neuem zerstrt.
Endlich rckt die ganze peloponnesische Streitmacht (30000 Hopliten und
zahlreiche Leichtbewaffnete) ber den Isthmos vor, +Mardonios+ geht
zurck und nimmt eine vorteilhafte Stellung in Botien am +Asopos+
ein. Mehr als 10000 +Athener+, +Plater+ und +Thespier+ vereinigen
sich mit dem peloponnesischen Heere. Anfhrer der gesamten Streitmacht
(angeblich 110000 Mann, doch keine Reiterei) war ~Pausanas~ (Regent in
Sparta fr den unmndigen Sohn des Leonidas).

[~479.~ (Sept.)]

~Schlacht bei Plat.~

Nach lngerem Zaudern entschliet sich Pausanias zum Kampfe. Glnzender
Sieg, Mardonios fllt. Die Griechen erobern das persische Lager;
von der reichen Beute wird den Gttern der Zehnte geweiht.[14] Das
griechische Heer rckt vor +Theben+, die Hupter der persischen Partei
werden ausgeliefert und auf dem Isthmos hingerichtet.

Die hellenische Flotte unter dem Oberbefehl des Spartanerknigs
+Leotychidas+ (die athenischen Schiffe unter +Xanthippos+) erffnet
den ~Angriffskrieg gegen die Perser~, der mit Unterbrechungen bis 445
dauert. Der persische Flottenfhrer +Mardontes+, den kleinasiatischen
Griechen in seinem Heere mitrauend, wagt nicht, die ihm bei +Samos+
angebotene Seeschlacht anzunehmen. Er lt dieser Insel gegenber bei
dem Vorgebirge +Mykale+ die Schiffe aufs Land ziehen und verschanzt
sich. Die Griechen landen und siegen in der

[~479.~ (Ende Sept.)]

~Schlacht bei Mykale,~

nehmen das Lager und stecken die persischen Schiffe in Brand. Mehrere
Inselstdte (namentlich +Samos+, +Lesbos+ und +Chios+), dann die
Kstenstdte Kleinasiens, auch das hergestellte +Milet+ (S. 20), werden
als Bundesgenossen aufgenommen. Die Peloponnesier fahren nach Hause
zurck, die +Athener+ und +Ionier+ erobern +Sestos+ (S. 38).

Wiederaufbau der Stadt Athen; sie wird trotz des Einspruchs der
Peloponnesier mit einer starken Mauer von vergrertem Umfang (60
Stadien) umgeben. List des +Themistokles+, der als Gesandter nach
Sparta geht.

[478.]

Unter Anfhrung des Spartaners +Pausanias+ vertreibt die vereinigte
Flotte der Peloponnesier, Athener und Ionier persische Besatzungen von
der Insel ~Cypern~, fhrt dann nach ~Byzanz~ und befreit diese Stadt.
Hochmut des +Pausanias+ gegen die Bundesgenossen, er tritt mit dem
persischen Hofe in geheime Verbindung. Das gewinnende Auftreten der
Anfhrer der Athener, +Aristides+ und +Kimon+, hat nach Abberufung des
Pausanias durch die Ephoren zur Folge, da die Fhrung (+Hegemonie+)
zur See von Sparta auf Athen bergeht,

[477.]

~Grndung des attischen Seebundes.~

Die Insel- und Kstenstdte des gischen Meeres schlieen ein
dauerndes Bndnis mit Athen; die greren stellen Schiffe zum Kampf
gegen die Perser, die kleineren zahlen Geldbeitrge. Organisation des
Bundes durch Aristides. Bundeskasse im Apollotempel zu +Delos+.

+Themistokles+, bei den olympischen Spielen 476 von den versammelten
Hellenen geehrt, gert bei den Athenern allmhlich in Migunst, wird
470 durch den Ostrakismos verbannt und geht nach +Argos+. Dort wird er
der Teilnahme an den fortgesetzten hochverrterischen Umtrieben des
+Pausanias+ verdchtig. Dieser, von den Ephoren mit Verhaftung bedroht,
rettet sich in Sparta in den Tempel der Athene und stirbt durch Hunger
(468). Themistokles mu aus Argos fliehen, geht nach Kerkyra, dann nach
Epirus, endlich nach Susa zum Perserknig +Artaxerxes+ (s. S. 21),
dem er seine Dienste anbietet. Er erhlt eine frstliche Schenkung in
Kleinasien, stirbt (460) zu Magnesia (am Maiandros).

Fortsetzung des Angriffskriegs gegen die Perser unter Fhrung ~Kimons~,
des Sohnes des Miltiades (S. 39). Er erobert mit der Bundesflotte die
noch von den Persern besetzt gehaltenen Pltze an der thrakischen
Kste, namentlich +Eon+ an der Strymonmndung, besetzt die Insel
+Skyros+ (die Gebeine des Theseus von dort nach Athen gebracht),
unterwirft die vom Bunde abgefallene Insel +Naxos+, besiegt Flotte und
Landheer der Perser in der

[466.]

~Doppelschlacht am Eurymedon~

in Pamphylien. Darauf vertreibt er die Perser von der thrakischen
+Chersones+, stellt die athenische Kolonie daselbst wieder her und
unterwirft die abtrnnige Insel +Thasos+. -- Bauten in Athen; Stoa
Poikile am Markt mit Wandgemlden von Polygnotos, Befestigung der
Akropolis, Bau der +langen Mauern+ nach dem Peiraieus und nach Phaleron.

[464.]

Erdbeben in Sparta, Aufstand der unterdrckten ~Messenier~ und
~Heloten~. Die Spartaner bitten Athen um Hilfe; sie wird auf Kimons
Antrag gewhrt. Aber bald schicken die Spartaner aus Argwohn das
athenische Hilfsheer zurck. Dadurch beleidigt, treten die Athener in
ein Bndnis mit Argos. Mit Mhe unterdrcken die Spartaner 455 den
Aufstand (dritter Messenischer Krieg) (S. 44).

In Athen erhebt sich gegen Kimons Politik, die auf gutes Einvernehmen
mit Sparta, Fortsetzung des Kriegs gegen Persien und Migung der
Demokratie im Sinne Solons gerichtet ist, die +demokratische+ Partei,
geleitet von +Ephialtes+ und ~Perikles~, dem Sohne des Xanthippos (S.
39).

[461.]

Beschrnkung des +Areopags+; ein Gesetz des Ephialtes entzieht ihm
die altherkmmliche Oberaufsicht ber die brgerliche Ordnung und
die Staatsverwaltung und lt ihm nur die +richterliche+ Ttigkeit.
Zugleich Ausdehnung der Volksgerichtsbarkeit; auf +Perikles'+ Antrag
wird den +Heliasten+ (S. 35) ein +Richtersold+ aus der Staatskasse
gewhrt. +Kimon+ durch Ostrakismos +verbannt+.

Weitere Maregeln der durch den Areopag nicht mehr gehemmten
demokratischen Partei: Einfhrung des +Ratssoldes+ und des
+Schaugeldes+ (Theorikon) fr die Theaterauffhrungen an Festtagen;
das Archontat wird auch der +dritten+ Vermgensklasse zugnglich.
Einschtzung in die Vermgensklassen nicht mehr nach dem Grundbesitz,
sondern nach dem Gesamtvermgen.

[459.]

Fortsetzung des +Krieges gegen Persien+; eine athenische Flotte
fhrt nach +Cypern+ und leistet dann den aufstndischen +gyptern+
unter Inaros Hilfe (S. 21). Das Unternehmen endet 455 unglcklich;
die Athener, auf einer Nilinsel eingeschlossen, mssen sich ergeben.
Zwiespalt der Griechen untereinander kommt den Persern zustatten.

[459-445.]

~Kriege der Peloponnesier~ und ~Boter~ gegen ~Athen~.

Athen nimmt das benachbarte +Megara+ in seine Symmachie auf, befestigt
den Hafen. +Korinth+ und +gina+ dadurch bedroht, erklren den Krieg.
Seesieg der Athener bei der Insel Kekryphaleia. Nunmehr kommt ein
spartanisches Heer 457 den +Doriern+ in Mittelgriechenland (S. 28)
gegen einen Angriff der +Phokier+ zu Hilfe; die Athener verlegen ihm
den Rckweg, werden aber bei ~Tanagra~ in Botien von den Spartanern
besiegt. Die Spartaner kehren nach Hause zurck; die Athener dringen
abermals in Botien ein, siegen bei +Oinophyta+ ber die Thebaner und
gewinnen die andern botischen Stdte, die Phokier und die opuntischen
Lokrer zu Bundesgenossen. +gina+ mu sich nach langer Belagerung
unterwerfen (456), die Kriegsschiffe ausliefern und dem attischen
Seebunde beitreten.

[455.]

Die attische Flotte unter +Tolmides+ umfhrt die Peloponnes, verbrennt
die spartanische Schiffswerft bei Gytheion, landet an den Ksten
von tolien und Sikyon, siedelt die Messenier (S. 43), welchen die
Spartaner freien Abzug aus Ithome bewilligen, in +Naupaktos+ am
Eingang in den Korinthischen Meerbusen an.

[454.]

Verlegung der Bundeskasse von +Delos+ nach +Athen+. Die Bundesgenossen,
zu regelmigen Beitrgen verpflichtet (jhrlich 460 Talente) und der
Gerichtshoheit Athens unterworfen, werden tatschlich zu Untertanen.
Athen ist Hauptstadt eines ansehnlichen +Insel- und Kstenreiches+,
welches nach den erhaltenen Tributlisten in 5 Provinzen geteilt war:
Hellespont, Thrakien, Ionien, Karien, Inseln.

[453.]

Seezug des +Perikles+ von dem megarischen Hafen Pag aus, die +Acher+
schlieen sich dem athenischen Bunde an; ein Angriff auf niad (an
der akarnanischen Kste) milingt. Ausshnung zwischen +Perikles+ und
+Kimon+, welcher aus der Verbannung zurckberufen wird. Durch Kimons
Einflu kommt 451 ein +Waffenstillstand+ zwischen Athen und Sparta
zustande.

Neuer ~Seezug gegen die Perser~. Kimon fhrt mit 200 Schiffen nach
Cypern, sendet 60 davon nach gypten, stirbt aber whrend der
Belagerung von +Kition+ an einer Krankheit. Seine Truppen erringen in
der

[~449.~]

~Doppelschlacht bei Salamis~ auf Cypern einen glnzenden Sieg ber
die +persische+ (d. h. phnikisch-kilikische) Flotte und die am Lande
befindlichen feindlichen Truppen, kehren dann aber nach Hause zurck.
Alsbald erneut sich der Krieg in Mittel-Griechenland.

[447.]

~Schlacht bei Koroneia~; Sieg der von Athen abgefallenen Boter. Gleich
darauf Einfall eines spartanischen Heeres in Attika, um einen Aufstand
auf +Euba+ gegen Athen zu untersttzen. Perikles bewirkt durch
Bestechung des spartanischen Knigs Pleistoanax den Abzug des Heeres,
unterwirft darauf Euba, ist aber zum Frieden und zum Verzicht auf die
Landhegemonie bereit.

[~445.~]

~Dreiigjhriger Friede zwischen Athen und Sparta.~

Gegenseitige Anerkennung der +peloponnesischen+ und der +athenischen+
Bundesgenossenschaft.

Um diese Zeit (jedenfalls +nach Kimons Tode+) finden auch
Friedensverhandlungen zwischen Athen und ~Persien~ statt, eine
athenische Gesandtschaft unter +Kallias+ geht nach Susa. Doch wird kein
frmlicher Friede geschlossen, man begngt sich mit stillschweigender
Anerkennung des Besitzstandes. Die Athener geben Cypern auf und
schicken den aufstndischen gyptern keine weitere Hilfe. Spter
erzhlte man von einem ~Kimonischen Frieden~, in welchem der
Perserknig die Unabhngigkeit der kleinasiatischen Griechen anerkannt
und versprochen haben soll, kein Kriegsschiff mehr ins gische Meer zu
schicken.

~Folgen der Perserkriege~: 1. Die +politische Freiheit+ der Griechen in
Asien und Europa ist gesichert gegen die Machtansprche des persischen
Despotismus. 2. Die +griechische Kultur+ entfaltet sich zu ihrer
hchsten Blte in Gewerbttigkeit und Handel, Kunst und Wissenschaft,
besonders in +Athen+, whrend Sparta zurckbleibt.

[~444-429~]

Nachdem +Thukydides+ (Sohn des Melesias, nicht der gleichnamige
Geschichtschreiber), eine Zeitlang Fhrer der kimonischen Partei,
durch den Ostrakismos verbannt ist, beginnt die ~Bltezeit Athens~
unter der Verwaltung des ~Perikles~, welcher, obwohl niemals Archon,
den Staat durch seinen Einflu als Redner in der Volksversammlung und
in amtlicher Eigenschaft als +Strateg+, als +Finanzvorsteher+ und
+Vorsteher der ffentlichen Bauten+ leitet.

Unbestrittene Herrschaft Athens im Gebiet seines Seebundes; nur
+Samos+ versucht 441 einen Aufstand. Verstrkung der Kolonie auf der
thrakischen +Chersones+ (S. 36, 43), Flottenfahrt des Perikles nach
dem +Schwarzen Meere+ zur Untersttzung der dortigen Griechenstdte
Sinope, Amisos, Pantikapaion (letztere wichtig fr den Getreidehandel
nach Athen). Neue Kolonien +Thurii+ in Unter-Italien, an der Stelle
des zerstrten +Sybaris+ (443), und +Amphipolis+ am Strymon (437).
-- Vollendung der Befestigung Athens durch eine +dritte+ lange Mauer
(parallel mit der nach dem Peiraieus fhrenden, s. S. 43). Neubau der
+Hafenstadt+ Peiraieus, Tempel zu +Eleusis+, in Athen das +Odeion+
neben dem vergrerten +Dionysostheater+ am Sdabhang der Akropolis, in
der Nhe das noch gut erhaltene Theseion.

Prachtbauten auf der ~Akropolis~: Der +Parthenon+, von Iktinos und
Kallikrates erbaut, von dem Bildhauer ~Pheidias~ mit dem Standbild
der Gttin Athene aus Gold und Elfenbein, an den Auenseiten mit
Marmorskulpturen geschmckt;[15] die Karyatidenhalle des +Erechtheion+;
die +Propylen+, als Eingangstor von Mnesikles erbaut; daneben die
+Pinakothek+ mit Wandgemlden von +Polygnotos+. Tempel der Athena Nike.
Auf dem freien Platz vor den beiden Tempeln das groe eherne Standbild
der +Athene Promachos+ von ~Pheidias~, welcher auch nach +Olympia+
berufen wurde, um dort das Standbild des Zeus aus Gold und Elfenbein
aufzurichten.

Athen jetzt der Brennpunkt des wirtschaftlichen Lebens in Hellas.
Handel nach allen Pltzen des Mittelmeeres. Groindustrie durch Sklaven
betrieben. Bedeutende Ausfuhr von Erzeugnissen des Gewerbefleies,
Einfuhr von Getreide, Schiffsbauholz und Rohstoffen aller Art.

Blte der +dramatischen Dichtung+: Die drei Tragiker ~Aischylos~
(526-455, die Perser 472, die Oresteia 458, eine Trilogie), ~Sophokles~
(496-405, Antigone 441, dipus auf Kolonos), ~Euripides~ (480-406,
Medeia 431. Iphigeneia in Tauris 412). Etwas spter entfaltet sich die
+Komdie+; besonders bedeutend sind die +politischen+ Komdien des
~Aristophanes~ in der Zeit des Peloponnesischen Krieges (die Ritter
424, die Wolken 423, der Friede 421, die Vgel 414). Dramatische
Auffhrungen fanden statt an den +Dionysosfesten+ (kleine Dionysien
oder Lenen, groe Dionysien); die Ausstattung des Chores war eine den
reicheren Brgern obliegende +Liturgie+ (vgl. S. 39).

Geschichtschreibung: ~Herodot~ von Halikarna (484-424?), Teilnehmer an
der Koloniegrndung in Thurii; ~Thukydides~ von Athen (470-400?).

Philosophie: ~Anaxagoras~ von Klazomen, Lehrer des Perikles
(+Empedokles+ in Akragas. +Demokritos+ in Abdera, um 450). ~Protagoras~
von Abdera, neben +Gorgias+ von Leontini und +Prodikos+ von Keos der
berhmteste unter den +Sophisten+, welche als Lehrer der Weisheit und
der Redekunst auftraten. ~Sokrates~ von Athen (469-399), Gegner der
Sophisten. Ihrer subjektiven Richtung (der Mensch ist das Ma der
Dinge) stellt er das Streben nach objektivem, begriffsmigem Wissen
entgegen.


 4. Peloponnesischer Krieg. (431-404 v. Chr.)

Nach kurzer Friedenszeit erneuert sich die Feindschaft der auf
Athens politisches und wirtschaftliches bergewicht eiferschtigen
aristokratischen Peloponnesier gegen die attische Demokratie; es
beginnt ein fast dreiigjhriger, fr Griechenland verderblicher Krieg.

~Veranlassungen~: 1. Einmischung Athens in den Krieg, welcher
zwischen +Kerkyra+ und +Korinth+ wegen der Kolonie +Epidamnos+ (S.
33) entstanden war.[16] Die Athener erklren sich fr Kerkyra und
nehmen (zunchst mit 10 Schiffen) teil an der +Schlacht bei Sybota+
(432) zwischen den Korinthern und Kerkyrern, in der die Korinther
erst Sieger sind, sich aber nach dem Erscheinen weiterer 20 attischer
Trieren zurckziehen. 2. Die Bewohner von +Poteidaia+ (S. 33) fallen
vom athenischen Bunde ab (432), werden von Korinth untersttzt, aber
von den Athenern geschlagen und in ihrer Stadt belagert.

Die Korinther, untersttzt durch Beschwerden der +Megarer+, welche von
allen attischen Hfen und Mrkten ausgeschlossen worden waren, und der
gineten, klagen gegen die Athener in Sparta. Die Volksversammlung
der Spartiaten erklrt, da die Athener die Vertrge gebrochen haben,
worauf die +peloponnesische Tagsatzung+ Kriegsbereitschaft beschliet.

~Streitkrfte beider Parteien~: +Achaja+ und +Argos+ bleiben zunchst
neutral; mit den ~Peloponnesiern~ verbndet: die +Megarer+, +Boter+,
+opuntischen Lokrer+, +Phokier+. -- Selbstndige Bundesgenossen der
~Athener~: +Plat+, +Naupaktos+, +Kerkyra+, +Zakynthos+, +Chios+,
+Lesbos+, die +Thessaler+ und +Akarnanen+. Flotte von 300 Trieren,
Brgerheer von 29000 Hopliten, Staatsschatz von 6000 Talenten,
Jahrestribut aus dem Bundesgebiet 600 Talente.

Perikles behauptet sein Ansehen gegen alle Anfeindungen (Anklagen gegen
Pheidias, Anaxagoras, gegen seine Gemahlin Aspasia, endlich gegen ihn
selbst wegen der Verwaltung des Staatsschatzes). Sein Kriegsplan:
Verteidigung in der befestigten Stadt, Angriff mit der Flotte.

[431.]

~Der Archidamische Krieg. 431-421.~ Der Krieg beginnt mit einem
berfall von +Plat+ durch die Thebaner, welche zurckgeschlagen
werden. Darauf ~Einfall der Peloponnesier in Attika~ unter dem
Spartanerknig +Archidamos+. Verwstung des Landes. Die Landbewohner
flchten in die befestigte Stadt Athen oder lagern zwischen den langen
Mauern. Die athenische Flotte verheert die Ksten der Peloponnes und
nimmt +gina+ in Besitz; das Gebiet von +Megara+ von dem Landheer
verwstet.

[430.]

~Zweiter Einfall~ der Peloponnesier, in Athen bricht die ~Pest~ aus
(der Arzt +Hippokrates+ aus Kos). Perikles verheert mit der Flotte die
Kste von +Argolis+, wird im Rechenschaftsproze verurteilt, aber fr
das nchste Jahr wieder zum Feldherrn erwhlt.

[429.]

Die Athener nehmen +Poteidaia+ ein; ihre Flotte unter +Phormion+ ist
siegreich im korinthischen Meerbusen bei Naupaktos.

~Perikles stirbt an der Pest~. An die Spitze der demokratischen Partei
tritt +Kleon+, der Gerber, d. i. Besitzer einer durch Sklaven
betriebenen Lederwarenfabrik, an die Spitze der aristokratischen
+Nikias+.

[428.]

+Dritter Einfall+ der Peloponnesier, dann Abfall der Stadt +Mytilene+
auf Lesbos vom athenischen Seebunde (Methymna bleibt den Athenern
treu). Die Spartaner belagern +Plat+.

[427.]

Whrend des +vierten Einfalls+ der Peloponnesier in Attika wird
+Mytilene+ auf Lesbos von der athenischen Flotte zur bergabe
gezwungen. Die athenische Volksversammlung beschliet auf +Kleons+
Antrag, +alle Brger+ von Mytilene, am andern Tage jedoch, +nur die
Aristokraten+ hinrichten zu lassen. ber +tausend+ werden gettet, die
Mauern der Stadt geschleift, die cker der Insel, mit Ausnahme des
Gebiets von +Methymna+, an attische Brger verteilt.

Die Spartaner nehmen +Plat+ ein, die letzten 225 tapferen Verteidiger
der Stadt werden hingerichtet. -- Blutige Parteikmpfe in +Kerkyra+, wo
zuletzt mit Hilfe Athens die Demokraten Sieger bleiben.

[426.]

Glckliche Kmpfe der Athener unter +Demosthenes+ in +Akarnanien+ gegen
die von den Peloponnesiern untersttzten +Ambrakioten+.

[425.]

+Fnfter Einfall+ der Peloponnesier. +Demosthenes+, mit einer nach
Sicilien (S. 50) bestimmten Flotte aussegelnd, landet in Messenien
und besetzt die verfallene Burg von ~Pylos~. Die Peloponnesier
(+Brasidas+) besetzen die gegenberliegende Insel +Sphakteria+, werden
aber durch die athenische Flotte abgeschnitten. Der von spartanischen
Gesandten in Athen angebotene Friede auf +Kleons+ Antrag verworfen.
Kleon und Demosthenes erobern +Sphakteria+; 292 Hopliten, darunter
120 Spartiaten, werden nach Athen gebracht. Die Athener drohen diese
hinzurichten, wenn ein neuer Einfall in Attika geschehe.

[424.]

Die Insel +Kythera+ von den Athenern unter Nikias besetzt. Von Kythera
und von +Pylos+ aus beunruhigen sie fortwhrend das lakonische Gebiet.
Ihr Landheer bei +Delion+ in Botien von den Botern geschlagen
(Sokrates von Alkibiades gerettet).

~Brasidas~, der durch Botien und Thessalien nach +Makedonien+ und
+Thrakien+ gezogen ist, bringt die dortigen Kstenstdte zum Abfall
von Athen, nimmt auch +Amphipolis+ ein. Der athenische Feldherr
+Thukydides+ (der Geschichtschreiber), der mit einem Geschwader bei
Thasos lag und diesen Verlust nicht hatte verhindern knnen, wird
deshalb verbannt. Nach abermals vergeblichen Friedensverhandlungen
senden die Athener Kleon nach Thrakien. Er wird in der

[~422.~]

~Schlacht bei Amphipolis~

von Brasidas geschlagen und fllt auf der Flucht, Brasidas stirbt an
seinen Wunden.

[~421~.]

~Friede des Nikias~,

geschlossen auf 50 Jahre. Beide Teile geben die Gefangenen und die
Eroberungen heraus, doch wird diese Bestimmung nur unvollstndig
ausgefhrt. Schon nach +drei+ Jahren bricht der Krieg wieder aus,
da ~Alkibiades~ die Athener beredet, dem Bndnis beizutreten,
welches +Argos+ mit anderen peloponnesischen Staaten (Elis und
Mantineia) geschlossen hatte, um dem drckenden bergewicht Spartas
entgegenzutreten.

Die vereinigten +Argiver+ und +Athener+ werden in der

[~418~.]

~Schlacht bei Mantineia~

geschlagen. Die Spartaner stellen durch diesen Sieg ihre Herrschaft
ber die Peloponnes wieder her. In Athen bekmpfen sich die Parteien
des +Nikias+ und +Alkibiades+; durch Anwendung des Ostrakismos wird nur
der unruhige +Hyperbolos+ verbannt.

[416.]

Die Athener nehmen +Melos+ und tten +alle+ Brger der Insel.

[~415-413~.]

Unternehmung der Athener gegen ~Syrakus~.

Syrakus, nach dem Siege bei +Himera+ ber die Karthager (S. 41)
aufblhend unter der milden Herrschaft +Hierons+ (Bruder des +Gelon+)
seit 466 mit demokratischer Verfassung, steht an der Spitze der
sicilischen Griechenstdte.

[427.]

Hilfsgesuch der Stadt +Leontini+ (der Redner und Sophist +Gorgias+) bei
den Athenern gegen Syrakus; eine athenische Flotte wird nach +Rhegion+
gesandt, doch gelingt es den Athenern nicht, sich auf Sicilien
festzusetzen. Der Syrakusaner +Hermokrates+ vermittelt 424 Frieden
unter den sicilischen Stdten.

[416.]

Hilfsgesuch der Stadt +Egesta+ und der vertriebenen Leontiner gegen
Selinus und Syrakus, bei den Athenern von +Alkibiades+ befrwortet, von
+Nikias+ widerraten. Eine Flotte von 134 Trieren fhrt unter Anfhrung
von +Alkibiades+, +Nikias+ und +Lamachos+ nach Sicilien. Nachdem
+Naxos+ und +Katana+ besetzt sind, wird Alkibiades zurckgerufen,
abwesend angeklagt wegen Teilnahme an Religionsfreveln, die kurz
vor Abfahrt der Flotte begangen waren (Verstmmelung der Hermen.
Verspottung der eleusinischen Mysterien). Er flieht nach Argos, wird
abwesend zum Tode verurteilt, seine Gter werden eingezogen. Hierauf
begibt er sich, um Rache an Athen zu nehmen, nach Sparta.

[Sidenote:
414.]

Die Athener erfechten einen Sieg vor +Syrakus+ und beginnen mit
Erfolg die Belagerung der Stadt, wobei +Lamachos+ fllt. Die
Spartaner schicken auf Alkibiades' Antrieb ein kleines Geschwader
unter +Gylippos+ den Syrakusanern zu Hilfe. Die Athener werden
zurckgedrngt, leiden durch Krankheit und Mangel. Nikias der Lage
nicht gewachsen.

[413.]

Sie erhalten Verstrkung aus Athen (73 Trieren, 5000 Hopliten) unter
+Demosthenes+, werden aber bei einem nchtlichen Angriff auf die
Hhen von +Epipol+ besiegt. Der Abmarsch beschlossen, verzgert
durch aberglubische Bedenken des Nikias wegen einer Mondfinsternis
(27. August). Unglckliche +Seeschlacht+ in dem von den Feinden
gesperrten Hafen von Syrakus; das zu Lande abziehende Heer wird am
Flusse +Assinaros+ teils niedergemacht, teils gefangen. +Nikias+
und +Demosthenes+ in Syrakus hingerichtet, 7000 Gefangene in die
Steinbrche gesteckt, wo viele elend umkommen, oder als Sklaven
verkauft.

[413. (Mrz.)]

Auf Alkibiades' Rat halten die Spartaner, gereizt durch eine Landung
attischer Schiffe in Lakonien, den Flecken +Dekeleia+ in Attika
besetzt. Von dort aus machen sie (unter Knig +Agis+) oft wiederholte
Streifzge. Die dauernde Besetzung wirksamer als die frheren
vorbergehenden Einflle, Die letzten 9 Jahre des +Peloponnesischen
Krieges+ heien deshalb der

[413-404.]

~Dekelesche~ Krieg.

Bedrngnis der Athener, Flucht vieler Sklaven, Geldnot des Staates. Die
aristokratische Partei kommt wieder zu Ansehen. Einsetzung einer neuen
Behrde von 10 +Vorberatern+. Ordnung der Finanzen; die Tribute der
Bundesgenossen werden in Hafenzlle umgewandelt. Neue Rstungen.

Alkibiades bewirkt den Abfall von +Chios+, +Erythr+, +Klazomen+
und +Milet+ vom athenischen Bunde. Er bringt ein Bndnis zustande
zwischen den Spartanern, die sich bereit erklren, dem Perserknig
alle ihm ehemals untertnigen Griechenstdte wieder zu berlassen, und
dem persischen Satrapen +Tissaphernes+ in Sardes, der den Spartanern
Hilfsgelder zahlt.

[412.]

Eine neue athenische Flotte erscheint an der ionischen Kste; die
Peloponnesier werden im Landkampf bei +Milet+ geschlagen, aber die
Einnahme der Stadt wird durch das Erscheinen syrakusischer Schiffe
(unter Hermokrates) gehindert. Die athenische Flotte, wieder auf 104
Schiffe gebracht, ankert vor +Samos+. Alkibiades, von den Spartanern
angefeindet und beargwhnt, begibt sich zu Tissaphernes, auf den er
bald groen Einflu gewinnt. Zugleich knpft er Unterhandlungen mit den
Oligarchen (Gegnern der Demokratie) im athenischen Heere an.

[411. (Mrz.)]

~Verfassungsnderung in Athen~,

von der oligarchischen Partei +(Antiphon+, +Theramenes+) gewaltsam
durchgesetzt. Rat von 400 Mitgliedern eingesetzt, die Volksversammlung
auf 5000 Brger beschrnkt, alle Staatsbesoldungen, mit Ausnahme
des Soldes der im Heere dienenden Brger, werden abgeschafft.
Friedensverhandlungen mit Sparta. Aber das Heer bei Samos weigert
sich, die Verfassungsnderung anzuerkennen, erwhlt neue Feldherren
(+Thrasybulos+) und ~ruft Alkibiades zurck~. Dieser bernimmt den
Oberbefehl, weigert sich aber, die Flotte gegen die Oligarchen nach
Athen zu fhren, und verlangt, da sie vor dem Feinde bleibe. In Athen
wird auch ohne Eingreifen des Heeres die Oligarchie nach kurzer Dauer
gestrzt, der alte Rat der 500 wieder eingesetzt, bald auch der Zutritt
aller Brger zur Volksversammlung wieder hergestellt.

Die Spartaner brechen jede Verbindung mit Tissaphernes ab und schlieen
ein Bndnis mit +Pharnabazos+, dem Satrapen von Bithynien. Aber die
peloponnesische Flotte (unter +Mindaros+) wird von den Athenern in zwei

[411.]

Seegefechten bei ~Abydos~ geschlagen und schlielich unter
+Alkibiades'+ Oberbefehl vernichtet in der

[410.]

~Doppelschlacht bei Kyzikos~ (Mindaros T im Landkampf an der Kste).
Alkibiades sichert die athenische Herrschaft auf der thrakischen
+Chersones+, erobert +Chalkedon+, schliet Vertrag mit Pharnabazos,
erobert endlich auch die von dem Spartaner +Klearchos+ verteidigte, fr
die Getreidezufuhr aus den Pontuslndern wichtige Stadt +Byzanz+ (409).

[~408~.]

~Alkibiades kehrt nach Athen zurck.~

Seine Verurteilung wird widerrufen, die Athener ernennen ihn zum
unumschrnkten Feldherrn zu Wasser und zu Lande. Er schtzt mit seinem
Heere den langentbehrten Festzug nach Eleusis, fhrt dann an der Spitze
der athenischen Flotte wieder nach Kleinasien. Dort hatte unterdessen
der Spartaner +Lysander+ den Oberbefehl erhalten, und des persischen
Knigs Dareios II. jngerer Sohn +Kyros+, Freund der Spartaner, war
Satrap in Sardes geworden. Whrend Alkibiades sich an einer Belagerung
von +Phoka+ beteiligt, wird die von seinem Unterfeldherrn Antiochos
befehligte Flotte von +Lysander+ in dem

[407.]

~Seetreffen bei Notion~ im Golf von Ephesos geschlagen. Wegen dieses
unverschuldeten Unglcks wird Alkibiades von den Athenern des
Oberbefehls entsetzt. Er zieht sich nach der thrakischen Chersones
zurck.

Der neue spartanische Nauarch (Admiral) +Kallikratidas+ schliet die
athenische Flotte unter +Konon+ im Hafen von +Mytilene+ ein. Die
Athener rsten mit uerster Anstrengung eine neue Flotte aus; diese
schlgt die Peloponnesier in der groen

[~406~. (Sept.)]

~Seeschlacht bei den Arginusen~,

kleinen Inseln an der Kste Kleinasiens, sdstlich von Lesbos; von
120 peloponnesischen Schiffen entkommen nur 43. Aber die siegreichen
Feldherren werden in Athen angeklagt, weil sie die Schiffbrchigen
bei dem nach der Schlacht eingetretenen Sturm nicht gerettet und die
Leichen nicht bestattet haben; 6 von ihnen, die sich dem Gericht
stellen, werden zum Tode verurteilt. Vergeblicher Widerspruch des
+Sokrates+, der am zweiten Verhandlungstage Vorsteher der Prytanen
(S. 36) war, gegen das abgekrzte (summarische) Gerichtsverfahren.
~Lysander~, wiederum Anfhrer der spartanischen Flotte, vernichtet die
athenische Flotte in der

[405. (August.)]

~Schlacht bei Aigospotamoi~ (Ziegenflsse), Lampsakos am Hellespont
gegenber. Nur +Konon+ rettet sich mit wenigen Schiffen.
Niedermetzelung von 3000 gefangenen Athenern. Lysander vernichtet die
athenische Herrschaft ber die Ksten und Inseln, richtet berall
oligarchische Verfassungen ein, die durch spartanische Statthalter
(Harmosten) berwacht werden, erscheint dann mit seiner Flotte vor
dem Peiraieus, whrend die Landtruppen unter den beiden spartanischen
Knigen +Agis+ und +Pausanias+ Athen von der Landseite einschlieen.
Unterhandlungen durch +Theramenes+. Endlich bewirkt der Hunger die

[~404~. (Frhjahr.)]

~bergabe Athens, Ende des Krieges.~

Die Mauern des Peiraieus und die langen Mauern zwischen Stadt
und Hfen werden niedergerissen. Anerkennung der spartanischen
Hegemonie, Verzicht auf alle auswrtigen Besitzungen, Auslieferung der
Kriegsschiffe bis auf 12. Nach Annahme dieser Friedensbedingungen wird
unter +Lysanders+ Einflu die Neuordnung des Staates +dreiig Mnnern+
der oligarchischen Partei (Tyrannen) bertragen.

~Folgen des peloponnesischen Krieges~: 1. Fortdauernde Zersplitterung
der Griechen, Beginn ihres politischen Niedergangs, erfolgreiche
Einmischung Persiens. 2. +Sparta+ ist mit persischer Hilfe wiederum
im Besitze der +Hegemonie+, aber durch Auflsung der altspartanischen
Zucht entartet. 3. +Athen+, die Siegerin ber den Nationalfeind, ist
gedemtigt, hat jedoch noch Kraft zu neuer Erhebung und bleibt die
geistige Hauptstadt Griechenlands.


 5. Makedoniens Emporkommen.

Da Sparta seine Hegemonie gegen die Abneigung der anderen Staaten,
besonders gegen das aufstrebende +Theben+ nicht behaupten kann,
erheben sich neue Kriege unter den griechischen Staaten, bis sie der
Herrschaft +Makedoniens+ untertan werden, welches unter den Knigen
+Perdikkas II.+ (454-413) und +Archelaos+ (413-399) allmhlich
erstarkt war, dann unter Thronstreitigkeiten zu leiden hatte bis zum
Regierungsantritt +Philipps+ 359.

[~404-403.~]

Herrschaft der ~Dreiig~ in Athen.

Sie nehmen eine spartanische Besatzung in die Akropolis auf, verhngen
Verbannung und Hinrichtung ber miliebige Brger, die von Angebern
(Sykophanten) angeklagt sind. +Theramenes+, der als Mitglied der
+Dreiig+ zur Migung rt, wird auf Betreiben des leidenschaftlichen
+Kritias+ ebenfalls hingerichtet. Darauf sammelt ~Thrasybulos~ in
+Theben+ die aus Athen entflohenen Anhnger der Demokratie, besetzt
mit ihnen die Bergfeste +Phyle+ im Parnesgebirge, schlgt die Truppen
der Dreiig und bemchtigt sich der Hafenstadt Munychia (403); Kritias
fllt. An Stelle der 30 whlen die Brger in Athen 10 gemigtere
Oligarchen. Unter Vermittelung des Spartanerknigs +Pausanias+ kommt
ein Vergleich zwischen diesen und Thrasybulos zustande. Die vereinigten
Brger ziehen gegen +Eleusis+, wo die meisten der Dreiig gettet
werden, dann wird +Amnestie+ verkndigt.

[403.]

Herstellung der Demokratie; neue Aufzeichnung der Gesetze unter dem
Archon ~Eukleides.~ Bald werden auch die Besoldungen und Schaugelder
(S. 44) wieder eingefhrt, erstere sogar vermehrt durch den
+Volksversammlungssold+.

[401.]

Aufstand des von Sparta untersttzten ~Kyros~ (S. 21) gegen Knig
+Artaxerxes Mnemon+. Alkibiades, welcher schon im Jahre 404 den Knig
hatte warnen wollen, war auf der Reise zu ihm in Phrygien auf Betreiben
Lysanders gettet worden. 13000 griechische Sldner kmpfen fr Kyros
in der Schlacht bei ~Kunaxa~ (unweit Babylon); mhsamer Rckzug unter
Fhrung des Atheners ~Xenophon.~ Nicht ganz 10000 erreichen bei
Trapezus das Schwarze Meer, die meisten treten bei dem spartanischen
Feldherrn +Thibron+ (s. u.) in Dienst.

[399.]

~Sokrates~ in Athen zum Tode verurteilt und durch Gift hingerichtet.
Sein Schler ~Platon~ erhebt die Philosophie zur umfassenden
Wissenschaft.

[399-394.]

~Krieg der Spartaner gegen Persien,~ gehemmt durch Zwiespalt unter den
Griechen.

Der persische Satrap +Tissaphernes+ will die griechischen Stdte
Kleinasiens fr ihren Anschlu an die Sache des Kyros zchtigen. Die
Spartaner kommen den Stdten zu Hilfe, erst unter +Thibron+, dann
unter +Derkyllidas+, endlich unter dem Knig ~Agesilaos.~ Dieser
dringt 396 siegreich in Asien vor, schlgt am +Paktolos+ die Reiter
des Tissaphernes, der auf Befehl des Groknigs von seinem Nachfolger
+Tithraustes+ hingerichtet wird. Aber +Athen,+ +Theben,+ +Korinth,+
+Argos+ verbnden sich, durch persisches Geld untersttzt, gegen
Sparta, dessen Harmosten sich berall verhat gemacht hatten.

[395.]

Lysander fllt bei +Haliartos+ (in Botien) im Kampf gegen die Thebaner.

[394.]

Seeschlacht bei +Knidos+; die spartanische Flotte wird von der
persischen, von dem Athener Konon gefhrten Flotte besiegt. Vertreibung
der Harmosten aus den griechischen Stdten Kleinasiens. ~Agesilaos,~
aus Asien +zurckberufen+, zieht durch Thrakien, Makedonien und
Thessalien, schlgt die Verbndeten in der

[394.]

~Schlacht bei Koroneia~ (im westl. Botien)

und gelangt in die Peloponnes zurck. Konon stellt mit persischem
Gelde die ~2 langen Mauern~ zwischen Athen und dem Peiraieus wieder
her. Darauf Landkrieg in der Gegend von +Korinth+, das den Zugang zur
Peloponnes beherrscht; die athenischen Peltasten +Iphikrates+ bringen
den Spartanern schwere Verluste bei.

Der Spartaner +Antalkidas+ gewinnt die Gunst des persischen Satrapen
Tiribazos; Sparta sendet nochmals eine Flotte nach der asiatischen
Kste aus, die aber vor der athenischen unter +Thrasybulos+
zurckweicht. Endlich entscheidet der Perserknig; die griechischen
Staaten nehmen die von ihm gestellten Bedingungen an.

[~387.~]

~Friede des Antalkidas.~ Die Griechenstdte +Kleinasiens+, sowie die
Inselstadt +Klazomen+ und +Cypern+ werden den Persern ~preisgegeben.~
Die Athener behalten nur die Herrschaft ber +Lemnos,+ +Imbros+ und
+Skyros+, alle brigen Staaten und Inseln sollen selbstndig sein.
Messenien jedoch bleibt unter spartanischer Herrschaft. Gewaltttiges
Auftreten der Spartaner zur Durchfhrung dieser Bestimmungen.

[379-362.]

Krieg zwischen ~Theben~ und ~Sparta,~

veranlat durch die Besetzung der +Kadmeia+ (383). Ein spartanisches
Heer war gegen die Stadt +Olynthos+ gesandt, welche ihre Hegemonie
ber die kleineren Stdte der Halbinsel Chalkidike nicht aufgeben
wollte. +Phbidas+, mit einer zweiten Abteilung nachgesandt,
besetzt die Kadmeia, die Burg von Theben, im Einverstndnis mit der
aristokratischen Partei daselbst. Olynth wird 379 von den Spartanern
erobert.

[~379.~]

Thebanische Flchtlinge, die in +Athen+ Aufnahme gefunden haben,
befreien von dort aus unter Fhrung des ~Pelopidas~ ihre Vaterstadt
und ntigen, unter Mitwirkung des ~Epameinondas~, die Spartaner zum
Abzug aus der Kadmeia.

[~378.~]

Die spartanischen Knige +Kleombrotos+ und +Agesilaos+ ziehen
gegen Theben zu Felde, kmpfen aber ohne Erfolg. Der Versuch eines
spartanischen Unterfeldherrn, sich des Peiraieus zu bemchtigen,
veranlat die Athener zum +Bndnis mit Theben+. Darauf grnden sie
den ~zweiten athenischen Seebund~ (Chios, Lesbos, Rhodos, Byzanz,
Euba, Kerkyra, chalkidische Stdte, Kykladen; keine Kleruchieen
in bundesgenssischem Gebiet, geringere Geldbeitrge). Seesiege
des +Chabrias+ (bei Naxos) und +Timotheos+ (bei Leukas) ber die
peloponnesische Flotte. +Olynth+ wird wieder selbstndig. Sparta
und Athen als Vertreter ihrer Bundesgenossen schlieen 371 Frieden;
+Theben+ aber weigert sich, seine Hegemonie ber Botien aufzugeben,
soll von den Spartanern dazu gezwungen werden.

[~371.~]

~Schlacht bei Leuktra.~

Der spartanische Knig +Kleombrotos+ von ~Epameinondas~ besiegt.
Schiefe Schlachtordnung, +Pelopidas+ mit der heiligen Schar auf dem
linken Flgel bringt durch sein Vordringen den Kampf zur Entscheidung.

[~370.~]

~Angriff der Thebaner auf Sparta.~ Spartas Hegemonie wird durch den
Abfall der +Arkader+ und die von Epameinondas angeordnete ~Befreiung
der Messenier~ schwer erschttert. Grndung der Stdte +Megalopolis+
in Arkadien und +Messene+ am Fu der Berges Ithome. Die offene Stadt
+Sparta+ wird von +Agesilaos+ erfolgreich verteidigt; ein athenisches
Heer kommt den Spartanern zu Hilfe; Rckzug der Thebaner.

[369-367.]

Epameinondas zieht noch zweimal nach der +Peloponnes+, um den erlangten
Einflu zu sichern; Pelopidas bekmpft in +Thessalien+ den Tyrannen
Alexander von Phera und schlichtet einen Thronstreit in +Makedonien+,
wird auf dem Rckweg unweit Pher gefangen genommen, aber von
Epameinondas befreit.

[367.]

Gesandte der griechischen Staaten gehen nach +Susa+; Thebens Versuch,
einen Vertrag auf Grund der vom Perserknige gutgeheienen Vorschlge
zustande zu bringen, milingt.

[364.]

Pelopidas fllt im Kampfe gegen den Tyrannen von Pher bei
+Kynoskephal+; Epameinondas unternimmt mit einer neugebildeten Flotte
eine Fahrt bis +Byzanz+, um der athenischen Seemacht entgegenzutreten.
Unterdessen neue Streitigkeiten in der Peloponnes; Epameinondas
unternimmt einen +vierten+ Zug dorthin.

[~862.~]

~Schlacht bei Mantineia,~

Epameinondas fllt als Sieger im Kampfe gegen die Spartaner und ihre
Bundesgenossen (darunter 6000 Athener). Damit endet die kurze Zeit der
+thebanischen Hegemonie+ (371 bis 362).

Friedensvertrag unter den griechischen Staaten, doch treten die
Spartaner nicht bei, da sie die Unabhngigkeit Messeniens nicht
anerkennen wollen. +Agesilaos+ geht nach gypten zur Untersttzung der
Aufstndischen gegen die Perser (s. S. 21), deren Flotte der Athener
+Chabrias+ befehligt. Agesilaos stirbt auf der Rckfahrt (360).

[~359-336.~]

~Philipp, Knig von Makedonien,~

Sohn des Knigs Amyntas, war von Pelopidas als Geisel auf 3 Jahre
nach Theben gebracht worden und hatte dort griechische Bildung und
Kriegskunst kennen gelernt. Er wird, 23 Jahre alt, nach dem Tode seines
lteren Bruders Perdikkas, Knig von Makedonien. Tapfer und staatsklug
befestigt er seinen Thron in dem von Parteikmpfen zerrissenen Lande,
sichert die Grenzen gegen die unruhigen Nachbarvlker (+Poner+,
+Illyrier+) und richtet ein stehendes Heer ein (+Phalanx+). Hauptwaffe
die Sarissa, ein 5 m langer Speer. Dann beginnt er die Ausbreitung
seiner Herrschaft an der thrakischen Kste und greift in das
Bundesgebiet der Athener ein, die er durch schlaue Unterhandlungen
tuscht.

[357-356.]

Philipp erobert +Amphipolis+ (reiche Goldbergwerke in der Nhe),
+Pydna+, +Poteidaia+, schliet Bndnis mit +Olynth+. Athen unterdessen
bedrngt durch Abfall der Bundesgenossen. Chios, Kos, Rhodos, Byzanz
sagen sich vom Seebunde los. Nach kraftloser Kriegfhrung (+Chabrias+
T im Hafen von Chios) erkennt Athen 355 auf Antrag des +Eubulos+ ihre
Selbstndigkeit an. Der Seebund fortan unbedeutend. Eubulos Vertreter
der Friedenspolitik; die berschsse der Staatsverwaltung werden auf
seinen Antrag der Festgelderkasse (S. 54) berwiesen.

[~355-346.~]

(Zweiter) ~Heiliger Krieg~ gegen die Phokier,

die wegen Benutzung des dem delphischen Gotte geweihten Landes von
Kirrha (s. S. 33) von den Amphiktyonen zu einer hohen Geldstrafe
verurteilt waren. Die Thebaner bernehmen die Eintreibung dieser
Geldstrafe, die Phokier aber bemchtigen sich der Schtze des
delphischen Tempels, verstrken sich durch Sldner und verteidigen sich
lngere Zeit mit Erfolg.

[352.]

+Onomarchos+, Feldherr der Phokier, fllt in Thessalien im Kampfe gegen
~Philipp~, welcher von den mit Theben verbndeten Thessalern zu Hilfe
gerufen war. Ein +athenisches+ Heer hindert durch Besetzung des Passes
von +Thermopyl+ Philipp am Einmarsch in Mittel-Griechenland; die
Phokier behaupten sich noch weiter.

Philipp wendet sich wieder nach Thrakien und greift +Olynth+ an.
+Demosthenes+, seit 351 (erste Philippika) Fhrer des nationalen
Widerstandes gegen die drohende makedonische Macht, veranlat
Hilfssendungen der Athener nach Olynth.

[~348.~]

~Philipp erobert Olynth~

durch Verrat, zerstrt diese Stadt sowie eine groe Zahl kleinerer Orte
auf der Halbinsel Chalkidike und verkauft die Einwohner als Sklaven.

[346.]

Friede zwischen Philipp und den Athenern auf Antrag des +Philokrates+.
Demosthenes und schines Gesandte an Philipp. Dieser zieht, abermals
von den Thessalern und Thebanern zu Hilfe gerufen, nach +Phokis+ und
gewhrt dem phokischen Feldherrn Phalaikos und seinen Sldnern freien
Abzug.

[~346.~]

~Philipp unterwirft die Phokier,~

zerstrt ihre Stdte, wird an ihrer Stelle in den +Amphiktyonen+bund
aufgenommen. In Athen Unwille ber sein gewaltsames Vordringen;
Demosthenes' Rede vom Frieden.

[344.]

Philipp tritt an die Spitze des +thessalischen+ Bundes, untersttzt
+Argos, Messenien, Elis+ gegen Sparta. Demosthenes' zweite Philippika.

[343.]

Philipp bringt +Epirus+ und einen Teil von +Euba+ in Abhngigkeit.
schines, von Demosthenes wegen seines Verhaltens bei der Gesandtschaft
angeklagt, wird freigesprochen.

[342-341.]

Philipp dringt in Thrakien bis zum Pontos vor, grndet +Philippopolis+
am Hebros, untersttzt die Stadt +Kardia+ in ihrem Streit mit den
athenischen Kolonisten der thrakischen Chersones (S. 46). Die nationale
Partei in Athen (Demosthenes' dritte Philippika) bringt ein ~Bndnis
hellenischer Staaten~ (Megarer, Korinther, Euber, Acher, Akarnanen
u.a.) unter Athens Leitung gegen Philipp zustande.

[340.]

Philipp belagert vergeblich +Perinthos+ und +Byzanz+. Die Athener
erklren ihm den Krieg, schicken zwei Flotten mit Hilfstruppen (unter
+Chares+ und +Phokion+) nach Byzanz und erzwingen die Aufhebung der
Belagerung.

[339-338.]

(Dritter) ~Heiliger Krieg~ gegen Amphissa, nachdem die Amphiktyonen,
auf Veranstaltung des von Philipp bestochenen +schines+, die Lokrer
von Amphissa wegen Aneignung eines dem delphischen Gotte geheiligten
Ackers in Strafe genommen hatten. Philipp, von den Amphiktyonen
mit der Ausfhrung des Beschlusses beauftragt, besetzt die Stadt
+Elateia+, welche den Zugang zu Botien beherrscht. Groe Bestrzung
in Griechenland. Die Athener rsten Flotte und Landheer; Demosthenes
bringt ein ~Bndnis mit Theben~ zustande. Philipp +zerstrt Amphissa+
und besiegt die verbndeten Athener, Thebaner, Phokier, Korinther,
Acher in der

[~338.~ (Aug.)]

~Schlacht bei Chaironeia.~

Sein Sohn +Alexander+ entscheidet die Schlacht durch Vernichtung
der +heiligen Schar+ der Thebaner. Philipp straft die Thebaner hart
(Aufhebung der Hegemonie ber Botien, Rckkehr der Verbannten,
makedonische Besatzung in der Burg Kadmeia); den Athenern bewilligt
er einen gnstigen Frieden. Er rckt in die Peloponnes ein, nimmt den
Spartanern einen groen Teil ihres Gebietes und gibt es den Messeniern,
Argivern und Arkadern.

~Makedonische Hegemonie.~ Auf einer Nationalversammlung zu +Korinth+,
an der nur die Spartaner nicht teilnehmen, lt sich Philipp zum
unumschrnkten Heerfhrer der Griechen gegen die Perser whlen. Im
brigen behalten die griechischen Staaten ihre Selbstndigkeit; eine
Bundesversammlung (Synedrion) zu Korinth soll ihre Streitigkeiten
schlichten.


 6. Alexander der Groe.

Philipp, der bereits Truppen nach Asien gesandt hat, um den Krieg
gegen die Perser zu beginnen, wird 336 von +Pausanias+, einem seiner
Leibwchter, ermordet. Ihm folgt sein von ~Aristoteles~ gebildeter
zwanzigjhriger Sohn

[~336-323.~]

~Alexander der Groe.~

Er zieht mit Heeresmacht nach +Korinth+ (Diogenes) und lt sich die
Machtstellung seines Vaters bertragen, sichert dann die Nordgrenze
seines Reiches durch einen Zug gegen die +Triballer+, +Geten+ und
+Illyrier+, wobei er die Donau berschreitet. Auf die Nachricht
von einer Erhebung der Griechen erscheint er 335 zum zweitenmal in
Griechenland, schlgt die Thebaner, zerstrt +Theben+ mit Ausnahme der
Kadmeia, der Tempel und des Hauses des Dichters ~Pindar~ (522-422), und
lt die Einwohner als Sklaven verkaufen. Die +Athener+ unterwerfen
sich und erhalten Verzeihung. +Antipater+ bleibt als Reichsverweser in
Makedonien zurck.

[~334.~]

~Zug Alexanders gegen Persien.~

Alexander fhrt mit 30000 Fusoldaten und 5000 Reitern (Feldherren
Perdikkas, Kleitos, Parmenion, Hephaistion, Krateros, Ptolemaios,
Antigonos) bei +Abydos+ ber den Hellespont, schlgt die persischen
Satrapen und +Memnon+, den Fhrer der griechischen Sldner des Dareios,
in der

[~334.~ (Mai.)]

~Schlacht am Granikos,~

einem kleinen Flusse in +Troas+. Rettung Alexanders durch +Kleitos+.

Alexander zieht sdwrts, erklrt die griechischen Stdte und Inseln
fr frei von der persischen Herrschaft (S. 55), erobert +Milet+
und +Halikarnassos+. Weiterer Marsch durch Karien und Lykien, dann
nordwrts in das Innere; Aufenthalt zu +Gordion+ in Phrygien, wo
Verstrkungen seines Heeres eintreffen; er lst den gordischen Knoten
mit dem Schwert.

[333.]

Zug durch Kappadokien nach Kilikien, Erkrankung in +Tarsos+ (Bad im
Flusse Kydnos, der Arzt Philippos); durch die +syrischen Pforten+ nach
der Kstenstadt +Myriandros+ in Syrien. Unterdes ist Knig ~Dareios
III.~ (Kodomannos) mit einem groen Heere vom Euphrat herangezogen und
den Makedoniern in den Rcken gekommen. Auf die Kunde hiervon kehrt
Alexander um und erficht ber die Perser in der

[~333.~ (Nov.)]

~Schlacht bei Issos~

an der Kste von +Kilikien+ einen glnzenden Sieg. Dareios entkommt,
seine Mutter, Gemahlin und Kinder fallen in die Hnde des Siegers.

Um die persische Seemacht aufzulsen, erobert Alexander +Syrien+ und
+Phnikien+ (7monatige Belagerung der Inselstadt +Tyros+) dringt dann
in gypten ein, wird in +Memphis+ als Befreier begrt. Grndung der
Stadt ~Alexandreia~ in trefflich gewhlter Lage. Zug durch die libysche
Wste nach der Oase +Siwah+ zum Orakel des +Zeus Ammon+. Von gypten
zieht Alexander 331 zurck nach Tyros, dann durch Syrien zum +Euphrat+,
den er bei Thapsakos berschreitet, dann durch Mesopotamien. Jenseits
des +Tigris+ schlgt er mit 47000 Mann das vielfach berlegene Heer der
Perser in der

[~331.~ (Okt.)]

~Schlacht bei Gaugamela~ oder ~Arbela~

nicht weit von den Ruinen von +Ninive+. Whrend Dareios nach Medien
entflieht, wendet sich Alexander nach Sden, zieht, ohne Widerstand
zu finden, in +Babylon+ ein, nimmt darauf +Susa+, dringt durch die
persischen Psse, zieht als Sieger in +Persepolis+ und +Pasargad+ ein.
Verbrennung des Knigspalastes der Achmeniden in Persepolis,

[~330.~]

~Alexander zerstrt das Perserreich.~

Dareios flieht weiter nach Osten; Alexander zieht in +Agbatana+ ein,
gelangt dann durch die kaspischen Psse nach +Parthien+. Dareios wird
in der Nhe von Hekatompylos von dem Satrapen ~Bessos~ ermordet, der
nach Baktrien entweicht und den Knigstitel annimmt. Die Leiche des
Knigs auf Alexanders Befehl feierlich in Pasargad bestattet. In
+Hyrkanien+ unterwerfen sich dem Sieger die noch brigen griechischen
Sldner des Dareios. Alexander zieht weiter durch +Areia+ nach
+Drangiana+; hier wird in +Prophthasia+ die Verschwrung des ~Philotas~
entdeckt. Er wird vom Heere verurteilt und hingerichtet, sein Vater
~Parmenion~ wird auf Alexanders Befehl in +Agbatana+ gettet. Dann Zug
durch +Arachosien+ bis zum Fue des +Paropamisos+ (Hindukusch).

[329.]

Alexander berschreitet den Paropamisos und dringt in +Baktrien+
ein; Bessos wird ihm ausgeliefert und hingerichtet. Dann Zug durch
+Sogdiana+ bis zum +Jaxartes+ (Sir Darja), wo er an der Grenze
gegen die Skythen die Stadt +Alexandreia Eschate+ grndet. Durch
einen gefhrlichen Aufstand unter ~Spitamenes~ wird er lngere Zeit
in diesen Gegenden festgehalten. In +Marakanda+ (jetzt Samarkand)
ersticht er im Jhzorn den Kleitos 328. In +Baktra+ Vermhlung mit
~Roxane~, der Tochter eines baktrischen Frsten. Alexander beginnt
orientalische Kleidung und Lebensweise anzunehmen. Verurteilung seines
Jugendgefhrten ~Kallisthenes~, der dies mibilligte.

[~327-325.~]

~Zug Alexanders nach Indien.~

Mit seinem durch asiatische Truppen ansehnlich verstrkten Heere
gelangt Alexander unter harten Kmpfen mit den Bergvlkern zum +Indus+,
berschreitet den Strom und betritt das Fnfstromland (+Pendschab+).
Vereint mit dem indischen Frsten von +Taxila (Taxiles)+, der sich ihm
unterwirft, besiegt er in der

[~326.~]

~Schlacht am Hydaspes~

den +Poros+, der gefangen, gromtig behandelt und als Vasall wieder in
seine Herrschaft eingesetzt wird.

Grndung der Stdte +Nika+ und +Bukephala+. Alexander rckt nach
Osten bis zum +Hyphasis+ vor. Hier weigern sich die Makedonier weiter
zu marschieren; Alexander entschliet sich zur +Umkehr+, fhrt aber
seinen Vorsatz, den Ozean zu erreichen, durch. Bau einer groen Flotte,
auf der ein Teil des Heeres den +Hydaspes+ hinab in den +Akesines+
einfhrt, whrend der andere (mit 200 Elefanten) am Fluufer entlang
marschiert. Kampf mit den +Mallern+; Alexanders tollkhne Tapferkeit
und schwere Verwundung. Nach seiner Genesung setzt er Marsch und Fahrt
fort und gelangt zum Einflu der +vereinigten Pendschabstrme+ in den
+Indus+.

[325.]

Fahrt und Zug den +Indus+ hinunter. +Krateros+ tritt mit einem Teile
des Heeres auf dem nheren Wege nach Westen den Rckzug nach Persien
an, Alexander marschiert und fhrt mit dem andern Teile bis zum
Indus-Delta. Hier luft die Flotte unter +Nearchos+ in den Indischen
Ozean ein (+Ebbe und Flut+). Nearchos fhrt die Kste nach Westen
entlang in den Persischen Meerbusen, whrend Alexander mit dem Landheer
durch das wste +Gedrosien (Belutschistan)+ zieht. Nach beschwerlichem
Marsche kommt er in +Karmanien+ an, trifft mit +Krateros+ zusammen und
spter an der Kste mit +Nearchos+, der dann weiter fahren und die
Mndung des Euphrat und Tigris erkunden mu. Damit ist der Seeweg von
Babylon nach Indien erforscht.

[324. (Jan.)]

Rckkehr Alexanders nach Persien und Strafgericht ber habschtige und
grausame Statthalter, die den Knig und sein Heer fr verloren gehalten
hatten. Ankunft in +Susa+. Hier enthllt Alexander seinen groen Plan,
den ~Orient zu hellenisieren~, Sieger und Besiegte zu +einer+ Nation
zu verschmelzen und ein ~groes makedonisch-persisches Weltreich~ zu
grnden. Er vermhlt sich mit Stateira, der lteren Tochter des Knigs
Dareios III., sein Feldherr +Hephstion+ mit der jngeren; viele
Offiziere des Heeres und ber 10000 Soldaten nehmen asiatische Frauen.
Groe Plne zur Erffnung neuer Handelswege (Umfahrt Arabiens), zum Bau
von Verkehrsstraen fr die mehr als 70 in allen Provinzen des Reiches
gegrndeten +griechischen Stdte+. Alexander beansprucht als Nachfolger
des Groknigs gttliche Verehrung.

[324. (Juli.)]

Aufstand des makedonischen Heeres in +Opis+ am Tigris, durch Alexanders
Mut und Klugheit beschwichtigt. Entlassung der reich belohnten
Veteranen unter +Krateros+ nach Makedonien, whrend +Antipater+
von dort neue Truppen herbeifhren soll. -- Zug nach Agbatana,
wo Hephstion stirbt. Im Lager unweit +Babylon+ erscheinen vor
Alexander zahlreiche Gesandtschaften aus Griechenland, Italien und
Afrika (Karthago). Von Babylon aus wird eine Erforschung des Euphrat
unternommen.

[~323.~ (Juni.)]

~Tod Alexanders des Groen~

in dem zur Hauptstadt des neuen Weltreichs bestimmten Babylon.

In ~Griechenland~ erheben sich 330 die Spartaner unter ihrem Knige
Agis III., +Antipater+ besiegt sie in der blutigen Schlacht bei
+Megalopolis+. Gleich darauf in Athen Proze des +schines+ gegen
Ktesiphon, welcher 336 einen Ehrenkranz fr +Demosthenes+ beantragt
hatte. schines geht nach der glnzenden Verteidigungsrede des
Demosthenes in die Verbannung nach Rhodos. Neue Aufregung 324, als
Alexanders Schatzmeister +Harpalos+ nach Griechenland flchtet
und Alexander das Gebot verknden lt, ihn als Gott zu verehren
und die Verbannten wieder aufzunehmen. +Demosthenes+, flschlich
angeklagt wegen Veruntreuung der dem Harpalos abgenommenen Gelder,
wird nun verbannt, kehrt aber bald zurck und bewirkt, als die Kunde
von Alexanders Tode kommt, in Gemeinschaft mit +Leosthenes+ und
+Hypereides+ eine Erhebung der Griechen unter Athens Fhrung,

[~323-322.~]

~Lamischer Krieg.~

Die Hellenen kmpfen anfangs glcklich unter Leosthenes und schlieen
Antipater in +Lamia+ ein, doch wird er durch ein von Leonnatos
herangefhrtes Entsatzheer befreit. Auch +Krateros+ mit den Veteranen
Alexanders kommt ihm zu Hilfe; beide vereinigt siegen bei +Krannon+
in Thessalien (322). Das griechische Heer zerstreut sich, die Staaten
unterwerfen sich einzeln. Die Athener mssen eine makedonische
Besatzung in +Munychia+ aufnehmen und die demokratische Verfassung
beschrnken (+Phokion+ und +Demades+ an der Spitze des Staats), das
Brgerrecht wird an einen Census geknpft. +Demosthenes+ flchtig,
nimmt auf der Insel +Kalauria+ (an der Kste von Argolis) Gift (322).


 7. Hellenistische Zeit.

[323-301.]

~Kmpfe der Diadochen (Nachfolger Alexanders).~

Diese langen und verwickelten Kmpfe, die unmittelbar nach Alexanders
Tode ausbrechen, zerstren das kaum gegrndete makedonisch-persische
Weltreich, fhren aber das von Alexander begonnene Werk der
Hellenisierung des Orients, der Ausbreitung griechischer Kultur und
Sprache, in anderer Weise erfolgreich weiter.

~Perdikkas~ wird 323 zum Reichsverweser ernannt fr die
regierungsunfhigen Knige, Alexanders Halbbruder +Philipp
Arrhidaios+ (T 317) und seinen nachgeborenen Sohn von der Roxane,
+Alexander+ (T 311). Die Verwaltung +Makedoniens+ und seiner
Nebenlnder fhren ~Antipater~ und ~Krateros~. Auch die brigen
Feldherren erhalten Statthalterschaften, namentlich ~Ptolemaios~:
+gypten+; ~Antigonos~: +Gro-Phrygien, Pamphylien+ und +Lykien+;
~Eumenes~, Alexanders Geheimschreiber: +Paphlagonien+ und
+Kappadokien+, die er noch erobern soll; ~Leonnatos~ (T 322): das
+hellespontische Phrygien+; ~Lysimachos~: +Thrakien+. Der Plan des
Perdikkas, sich selbst zum Knige zu machen, bewirkt ein Bndnis der
meisten brigen Feldherren gegen ihn; er wird auf einem Zuge gegen
Ptolemaios von seinen eigenen Truppen gettet.

[321.]

~Antipater~ Reichsverweser, neue Verteilung der Statthalterschaften,
wobei namentlich ~Seleukos~ die Satrapie +Babylon+ erhlt. Krieg
zwischen Antigonos und Eumenes.

[319.]

~Polysperchon~ Reichsverweser, gelangt zu keinem Ansehen. In den
fortdauernden Kmpfen siegt ~Antigonos~ in Kleinasien ber Eumenes;
~Kassander~, Antipaters Sohn, gewinnt die Herrschaft in Makedonien,
lt Alexanders Mutter +Olympias+ tten und vermhlt sich mit
Alexanders Schwester +Thessalonike+, grndet ihr zu Ehren eine bald
aufblhende Handelsstadt (jetzt Saloniki).

Da Antigonos das ganze Reich unter seine Botmigkeit bringen will, so
entsteht ein.

[315-301.]

Krieg zwischen ~Antigonos~ und den brigen Statthaltern.

~Antigonos~ und sein Sohn ~Demetrios Poliorketes~ (der Stdtebelagerer)
nehmen 306 den ~Knigstitel~ an. Diesem Beispiele folgen +Ptolemaios+,
+Seleukos+, +Lysimachos+, +Kassander+.[17]

Demetrios belagert 304 vergeblich die feste Stadt +Rhodos+, sucht dann
sich in Griechenland festzusetzen.

[301.]

~Schlacht bei Ipsos~ (in Phrygien).

Antigonos fllt, sein Sohn +Demetrios+ entflieht und fhrt mehrere
Jahre lang ein abenteuerliches Freibeuterleben.

In Asien fr die nchste Zeit Friede; in Europa dauern die Kmpfe fort.
Nach +Kassanders+ Tode (297) bemchtigt sich +Demetrios+ der Herrschaft
in Makedonien, wird aber 287 vertrieben und stirbt als Gefangener in
der Gewalt des +Seleukos+ in Syrien. Sein Sohn ~Antigonos Gonatas~
behauptet sich nach wechselvollen Kmpfen im Besitz Makedoniens.

Aus dem Weltreich Alexanders d. Gr. sind +drei groe Monarchien+
entstanden (gypten, Syrien, Makedonien), in denen ~Griechisch~ die
Sprache des Hofes, der Regierung und der Gebildeten ist. Daneben
mehrere kleinere Monarchien, griechische Freistdte und im Osten
+halb+griechische Staaten (S. 65ff).


1. ~gypten~ unter den ~Ptolemern~.

[323-285.]

+Ptolemaios I. Lagi+ (d. h. Sohn des Lagos), auch +Soter+ genannt, weil
er den Rhodiern Hilfe brachte, sorgt fr gute Verwaltung, herrscht
auch ber +Cypern+, setzt in +Kyrene+ seinen Stiefsohn +Magas+ ein.

[285-247.]

+Ptolemaios II. Philadelphos+ grndet in der Hauptstadt +Alexandria+
das Museum und die Bibliothek, gewinnt im Kriege gegen das
Seleukidenreich +Phnikien+, +Clesyrien+ und die Sdkste
+Kleinasiens+.

[247-221.]

+Ptolemaios III. Euergetes+ (der Wohltter) behauptet noch den Umfang
des Reiches, frdert Wissenschaften und Knste. Mit Ptolemaios IV.
Philopator (221-205) beginnt der Verfall; unter Ptolemaios V. Epiphanes
(205-181) beginnt die Abhngigkeit von den Rmern, doch erst 30 v. Chr.
wird gypten rmische Provinz.


2. ~Syrien~ unter den ~Seleukiden~.

[321-281.]

+Seleukos I. Nikator+ herrscht weithin nach Osten bis zu den durch
Alexander festgesetzten Grenzen; nur das +Indus+land wird aufgegeben
(S. 16). Viele griechische Stdte gegrndet (Seleukeia am Tigris,
Edessa, Hekatompylos); Residenz Seleukeia neben +Antiochia+ am Orontes.
Durch den Sieg bei Ipsos gewinnt er einen groen Teil Kleinasiens,
erweitert dies Gebiet 281 durch den Sieg in der Koros-Ebene (im
hellespontischen Phrygien) ber +Lysimachos+, fllt aber bald darauf
durch Mrderhand.

[281-261.]

+Antiochos I. Soter+ schlgt die +Gallier+ zurck (s. S. 66), behauptet
noch den Umfang des Reiches. Unter +Antiochos II. Theos+ (261-248)
entstehen selbstndige Knigreiche in +Baktrien+ und +Parthien+.

[222-187.]

+Antiochos III. der Groe+ kmpft gegen gypten, gegen die Parther und
Baktrer, wird 190 von den Rmern gedemtigt, behlt aber immer noch ein
ansehnliches Reich.

[167-130.]

Befreiungskampf der ~Juden~ unter Fhrung der ~Makkaber~ (Mattathias
und seine Shne) gegen +Antiochos IV. Epiphanes+ und dessen Nachfolger.
Palstina wird ein unabhngiger Priesterstaat, seit 63 unter rmischem
Schutze.

[83.]

+Tigranes+, Knig von +Armenien+, macht dem durch das Vordringen der
Parther geschwchten Seleukidenreiche ein Ende.

[64.]

Syrien wird rmische Provinz.

Das Reich der ~Parther~, die unter den +Arsakiden+ (250 vor Chr.
bis 226 nach Chr.) alle Lnder zwischen Euphrat und Indus erobern,
bildet im Orient einen Damm erst gegen den Hellenismus, dann gegen die
Rmerherrschaft.


3. ~Die kleinasiatischen Lnder.~

a) ~Bithynien,~ das sich 298 von dem thrakischen Reich des Lysimachos
losri; Residenz +Nikomedeia+, gegrndet um 264 von Knig Nikomedes I.
Nikomedes III. setzt 74 die Rmer zu Erben ein.

b) Das ~pergamenische Reich~ unter den ~Attaliden~ mit der Hauptstadt
~Pergamon~ in Mysien,[18] nach Lysimachos' Tode 281 selbstndig,
aufblhend unter Knig +Attalos I.+ (T 197), der die Galater (s. u.)
zurckschlug und die Bibliothek grndete, und seinem Sohne +Eumenes
II.+ (T 159), dem treuen Bundesgenossen der Rmer. Attalos III. setzt
133 die Rmer zu Erben ein.

c) Die ~griechischen Seestdte,~ namentlich +Sinope+, +Herakleia+ am
Pontus, +Lampsakos+, +Smyrna+, +Ephesos+, +Rhodos+.

d) Der Bundesstaat der ~Galater,~ gegrndet von gallischen Heerhaufen,
welche 280 in Makedonien und Griechenland einbrachen, dann den
Hellespont berschritten und sich in +Phrygien+ niederlieen; drei
Stmme (Tolistobojer, Tektosagen, Trokmer) unter je 4 Tetrarchen;
Hauptstdte Ankyra (Angora) und Pessinus.

e) ~Kappadokien, Pontus, Armenien,~ drei Knigreiche unter
einheimischen Dynastien, welche ebenso wie die Galater nur zum Teil
griechische Kultur annahmen.


4. ~Makedonien~ unter den ~Antigoniden.~

+Antigonos Gonatas+ (277-239) beruhigt das durch die Thronkmpfe
und den Einfall der Gallier verwstete Land, gibt die Ansprche auf
Herrschaft ber +Griechenland+ nicht auf. Sein zweiter Nachfolger
+Antigonos Doson+ (229-220) befestigt diese Herrschaft aufs neue (s.
S. 68); +Philipp V.+ (220-179) mu 197 darauf verzichten. +Perseus+
(179-168) wird von den Rmern entthront; 146 wird Makedonien rmische
Provinz.


5. ~Die altgriechischen Lnder.~

In ~Italien~ (Grogriechenland) behaupten sich die Griechenstdte,
besonders +Tarent+, +Thurii+, +Metapont+, +Lokri+, fters vom
Mutterlande her untersttzt (338 Archidamos von Sparta, Sohn des
Agesilaos, 330 Alexander von Epirus, Bruder der Olympias), gegen
Angriffe der Lukaner und Bruttier; ebenso in ~Gallien~ +Massalia+
gegen die einheimischen Stmme. Spter treten sie unter rmische
Schutzherrschaft, Massalia erst 125 v. Chr.

~Syrakus~ behauptet nach Abwehr des athenischen Angriffs (S. 50) noch
lange eine bedeutende Stellung.

[406-367.]

+Dionysios I.+, +Tyrann+ nach glcklicher Abwehr der Karthager. Er
vereinigt die sicilischen Griechenstdte unter seiner oft grausamen
Herrschaft, unterwirft auch Rhegion und Kroton, bekmpft noch dreimal
die Karthager. Auf Veranlassung seines Schwagers +Dion+ verweilt der
athenische Philosoph +Platon+ eine Zeitlang an seinem Hofe. Ihm folgt
sein Sohn

[367-344.]

+Dionysios II.+, anfangs unter Leitung des Dion und Platon. Er wird 357
von Dion vertrieben, wendet sich nach Lokri, kehrt 346 zurck, wird 344
von dem korinthischen Feldherrn +Timoleon+ besiegt und nach Korinth
gesandt, wo er noch einige Jahre als Privatmann lebt.

[339.]

+Timoleon+, der Befreier Siciliens, schlgt die Karthager am Flusse
+Krimisos+.

[317-289.]

+Agathokles+, Tyrann von Syrakus, bekmpft die Karthager in Afrika,
erkennt aber schlielich ihre Herrschaft ber den Westen Siciliens an.

[278-276.]

+Pyrrhos+, Knig von Epirus, schtzt die sicilischen Stdte gegen
Angriffe der Karthager.

[270-215.]

+Hieron II.+, Knig von Syrakus, schliet mit den Rmern ein Bndnis.
Unter seiner milden Regierung blht die Stadt wieder auf.

[212.]

Syrakus von den Rmern erobert, wird zinspflichtige Provinzialstadt.

In ~Athen~ kommt whrend des Kampfes gegen Kassander (S. 64) die
demokratische Partei noch einmal zur Herrschaft; +Phokion+ wird 318 zum
Giftbecher verurteilt. Bald aber mu Athen sich der makedonischen Macht
wieder unterwerfen. +Demetrios von Phaleron+ regiert als Statthalter
Kassanders, wird 307 von +Demetrios Poliorketes+ vertrieben. Nach der
Schlacht bei Ipsos versucht Athen seine Freiheit wieder herzustellen,
wird aber 294 dem +Demetrios Poliorketes+ als Knig von Makedonien
untertan.

[266-263.]

Befreiungskrieg der Athener unter +Glaukon+ und +Chremonides+, doch
ohne Erfolg.

[229.]

Knig Antigonos Doson zieht, auf Verwendung des +Aratos+ (s. S. 68),
die makedonische Besatzung zurck. Athen ist fortan selbstndig,
aber ohne politische Macht, es bleibt jedoch Sitz der Bildung und
Gelehrsamkeit.

~Theben,~ von Kassander wieder hergestellt (vgl. S. 59), sendet 278
zusammen mit Athen, Phokis, Lokris und den tolern ein Heer zur
Verteidigung des +Thermopylenpasses+ gegen die durch Makedonien
vordringenden +Gallier+ (S. 66); diese erobern den Pa, kehren aber um
nach einer Niederlage bei Delphi. Thessalien, Euba, Korinth sind um
diese Zeit +makedonisch+. Die vollstndige Unterwerfung Griechenlands
unter die makedonische Herrschaft verhindert der um

[280.]

erweiterte ~tolische Bund~ und der zur selben Zeit erneuerte
~Achische Bund~.

Letzterer gelangt zu ansehnlicher Macht durch den von ~Aratos~
bewirkten Beitritt der Stdte +Sikyon+ und +Korinth+; aus Korinth wird
243 die makedonische Besatzung vertrieben. Bald schlieen sich Megara,
Megalopolis, Argos u.a. peloponnesische Stdte dem Achischen Bunde
an. +Verfassung+ des Bundes: An der Spitze ein jhrlich gewhlter
Feldherr (Strategos), ihm zur Seite ein Kanzler (Grammateus) und ein
Rat von 10 Demiurgen; in den Bundesversammlungen (zu gion) drfen alle
ber 30 Jahre alten Brger der verbndeten Stdte erscheinen, jede
Stadt hat +eine+ Stimme. hnlich ist die Verfassung des +tolischen
Bundes+, zu welchem auch Lokris, Phokis, Teile von Akarnanien und
Thessalien gehren.

In ~Sparta~, das unter der Herrschaft einer reichen Oligarchie entartet
ist, bt der junge Knig +Agis IV.+ den Versuch, die lykurgischen
Einrichtungen herzustellen, mit dem Leben (241). Besseren, aber nur
vorbergehenden Erfolg hat der gleiche Versuch des Knigs +Kleomenes
III.+, welcher die Ephoren berfallen und tten lt, 80 Oligarchen
verbannt und eine Verfassungsreform durchsetzt (226). Aber unheilvoll
ist die Feindschaft zwischen Sparta und dem +Achischen Bunde+. Aratos
ruft den makedonischen Knig +Antigonos Doson+ herbei und bergibt ihm
die Burg von Korinth. Die Spartaner werden in der

[~221.~]

~Schlacht bei Sellasia~

geschlagen; Kleomenes flieht, stirbt 220 in gypten. Antigonos
rckt in Sparta ein und stellt dort die Herrschaft der Oligarchen
wieder her. Die ~makedonische Oberhoheit~ wird durch Abschlu eines
makedonisch-hellenischen Bundes befestigt. Dagegen erhebt sich ein
neuer Krieg von Seiten des +tolischen+ Bundes, mit welchem die
Spartaner sich verbinden; die Peloponnes wird furchtbar verwstet
(220-217).

Nach kurzer Friedenszeit abermals Krieg (211-205) der mit +Rom+
verbndeten toler und Spartaner gegen +Philipp V.+ von Makedonien;
dieser behauptet die Herrschaft ber Thessalien, Euba, Phokis, Lokris,
Korinth. Im dritten Kriege (200-197) schliet sich auch der Achische
Bund den Feinden Philipps an.

[~197.~]

~Aufhebung der makedonischen Herrschaft ber Griechenland.~ Die +Rmer+
walten fortan als Schiedsrichter ber den griechischen Staaten.

[192.]

~Philopoimen,~ Feldherr des Achischen Bundes, bringt +Sparta+ zum
Anschlu an den Bund, nachdem der von ihm bekmpfte Tyrann +Nabis+
gefallen ist. Bald schlieen auch Elis und Messenien sich an; die
Freundschaft mit Rom wird aufrecht erhalten.

[189.]

Die +toler+ wegen feindlicher Erhebung gegen Rom bestraft.

[183.]

+Philopoimen+ von den abtrnnigen Messeniern gefangen und gettet; der
Achische Bund durch Streitigkeiten zerrttet.

[167.]

Tausend angesehene Acher werden zur Verantwortung nach Rom gefordert.

[146.]

Krieg des Achischen Bundes gegen +Rom+, veranlat durch Klagen der
Spartaner gegen den Bund. Der Bundesfeldherr +Kritolaos+ wird von Q.
Caecilius Metellus bei +Skarpheia+ am Malischen Meerbusen besiegt, sein
Nachfolger +Diaios+ von L. Mummius bei +Leukopetra+ auf dem Isthmos.

[~146.~]

~Korinth von den Rmern erobert und zerstrt.~

Die griechischen Staaten werden zum Teil tributpflichtig; sie behalten
ihre eigene Verfassung und Verwaltung, stehen aber fortan unter der
Aufsicht des rmischen Statthalters von Makedonien.

[27.]

Einrichtung der rmischen Provinz +Achaja+ (Peloponnes,
Mittel-Griechenland, Thessalien und Epirus).


 8. Griechische Kunst und Wissenschaft.

Das in Griechenland frhzeitig entwickelte Geistesleben (S. 28 f., 37
f.), welches in Athen zu Perikles' Zeit zu hoher Blte gelangte (S.
46), hat auch nachher noch mannigfaltige und bedeutende Erscheinungen
aufzuweisen.

In der bildenden Kunst sind berhmte Zeitgenossen des Pheidias +Myron+
von Eleuther in Botien (Diskobolos) und +Polykleitos+ von Argos (Hera
in Argos); Schler des Pheidias +Alkamenes+ und +Paionios+ (Skulpturen
in Olympia). Dann folgen +Skopas+ von Paros (Mausoleum zu Halikarna
350, Niobegruppe) und +Praxiteles+ von Athen (Hermes zu Olympia);
in Alexanders Zeit der Erzgieer +Lysippos+ von Sikyon. Nach den
Diadochenkmpfen die +pergamenische Kunstschule+ (Zeusaltar zu Pergamon,
der sterbende Fechter) und die +rhodische Kunstschule+ (Laokoongruppe,
farnesischer Stier).

Als Maler ragen hervor +Zeuxis+ von Herakleia, +Parrhasios+ von
+Ephesos+ (beide in Athen zu Sokrates' Zeit), +Apelles+ von Kos in
Alexanders Zeit.

In ~Athen~ entfaltete sich Philosophie, Geschichtschreibung und
Beredsamkeit zur hchsten Blte; +Platon+ von Athen (427-347) und
seine Nachfolger (Akademiker) lehrten in der +Akademie+, +Aristoteles+
von Stageira, Lehrer Alexanders des Groen (388-322), lehrte im
+Lykeion+; seine Schler die Peripatetiker. Um 300 grndete +Zenon+
von Kition in der +Stoa+ (Halle) die Schule der +Stoiker+, +Epikuros+
von Samos die Schule der +Epikureer+. Diese vier Philosophenschulen
erhalten sich bis weit in die rmische Kaiserzeit hinein.

Geschichtschreiber: +Xenophon+ von Athen, +Ephoros+ von Kyme,
+Theopompos+ von Chios (T um 320), +Timaios+ von Tauromenion (T um
250). Redner: +Antiphon+, +Lysias+, +Isokrates+ (T 338), +Demosthenes+
(T 322), +schines+, +Hypereides+, +Lykurgos+.

Dichter der neuern Komdie: +Philemon+ und +Menander+ um 300 zu Athen.

In ~Alexandria~ um 270 die Dichter +Kallimachos+ von Kyrene, +Theokrit+
von Syrakus, +Apollonios+, der spter in Rhodos lebte; der Mathematiker
+Eukleides+ um 300, der Geograph +Eratosthenes+ um 240, die Grammatiker
+Zenodotos+ um 280, +Aristarchos+ um 180 (Erklrung des Homer).

Fr die Aufnahme der griechischen Bildung bei den Rmern waren
besonders wirksam der Stoiker +Panaitios+ von Rhodos und der
Geschichtschreiber +Polybios+ von Megalopolis, beide mit dem jngeren
Scipio befreundet (um 146). Nachblte der griechischen Literatur und
Kunst in der rmischen Kaiserzeit.

Fussnoten:

[9] Diese Bezeichnung wahrscheinlich herzuleiten von dem Volk der
+Graer+ in Botien, das bei der Grndung der Kolonie Kyme (Cum) in
Campanien durch Auswanderer aus Chalkis auf Euba beteiligt gewesen zu
sein scheint.

[10] Die +12 Arbeiten+: Nemeischer +Lwe+, lernische +Hydra+,
erymanthischer +Eber+, kerynitische +Hirschkuh+, stymphalische +Vgel+,
Grtel der +Amazonenknigin+ Hippolyta, Stall des +Augias+, kretischer
+Stier+, Rosse des +Diomedes+, Rinder des +Geryones+, pfel der
+Hesperiden+, +Kerberos+.

[11] Nach der Berechnung des alexandrinischen Gelehrten +Eratosthenes+
ist die Zerstrung Trojas 1184 v. Chr. zu setzen.

[12] Die nhere Kenntnis dieses griechischen Nationalheiligtums
verdanken wir den Ausgrabungen, welche auf Veranstaltung des Deutschen
Reiches 1875-81 unter Leitung von +E. Curtius+ daselbst angestellt
worden sind.

[13] ~Attisches Mnzwesen~: Kleinste Silbermnze der +Obolos+ (13
Pf.); 6 Obolen = l +Drachme+; grere Silbermnze das +Tetradrachmon+.
Geprge: Pallaskopf, auf der Rckseite Eule und lzweig. Goldmnze der
+Stater+, entsprechend dem persischen +Dareikos+ = 20 Drachmen. Grere
Summen werden nach +Minen+ zu 100 Drachmen und +Talenten+ berechnet;
ein Talent = 6000 Drachmen = 4715 Mark unseres Geldes.

[14] Von dem nach Delphi geweihten goldnen Dreifu ist das eherne
Untergestell erhalten (1856 in Konstantinopel ausgegraben), drei sich
umeinander windende Schlangen, darauf die Inschrift, welche die Namen
der gegen die Perser verbndeten griechischen Staaten enthlt (Thukyd.
I, 132).

[15] Die erhaltenen Reste derselben seit 1816 (Lord Elgin) im
Britischen Museum zu +London+.

[16] Die Gemeinde von +Epidamnos+ (spterer Name +Dyrrhachium+),
bedrngt von den aus der Stadt vertriebenen, mit den illyrischen
Barbaren verbndeten Adligen, bittet die Mutterstadt +Kerkyra+
vergebens um Hilfe, erhlt aber Beistand von +Korinth+, der Mutterstadt
Kerkyras. Deswegen nehmen die Kerkyrer fr die aus Epidamnos
Vertriebenen Partei, besiegen die Korinther bei +Aktion+ (Actium, 434)
und nehmen Epidamnos ein. Korinth und Kerkyra bewerben sich beide um
athenische Hilfe.

[17] Seit dieser Zeit wurde es blich, nach persischer Sitte das
Bildnis des Knigs auf die +Mnzen+ zu prgen. Auf den Mnzen
Alexanders d. Gr. erscheinen noch nach dem lteren Brauch Gtterbilder
(Zeus, Athene, Herakles).

[18] Die Bedeutung der Stadt +Pergamon+ bis in die rmische Kaiserzeit
hinein ist durch die von +K. Humann+ 1870-1886 unternommenen
Ausgrabungen in helles Licht getreten. Der von Eumenes II. nach einem
abermaligen Siege ber die Galater errichtete +Zeusaltar+ war mit
Skulpturen geschmckt, welche den Kampf der hellenischen Gtter gegen
die Giganten darstellen (jetzt im Museum zu Berlin).




~E. Die Rmer.~


~Italia,~[19] ursprnglich Name des sdlichsten Teils der Halbinsel,
wird allmhlich Gesamtname. Ursprnglich von sehr verschiedenen
Vlkerschaften bewohnt, gelangt Italien durch die Machtausbreitung
der Stadt +Rom+ zu nationaler und politischer +Einheit+, ohne die
landschaftlichen Unterschiede zu verlieren.

Als lteste Einwohner erscheinen in Ober-Italien westlich die
+Ligurer+, stlich die +Veneter+, beides illyrische Stmme. Ihnen
verwandt sind in Unter-Italien die +Japyger+. Die Mitte der Halbinsel
bewohnen westlich die +Latiner+ und +Ausoner+ (Latium und Campanien),
stlich die +Umbrer+ und die +sabellischen Stmme,+ welche sich
erobernd ausbreiten: nach Latium dringen die +Aequer+ und +Volsker+
vor, in sdlicher Richtung die +Samniten+ und +Lucaner+, im Stammlande
bleiben die +Sabiner+.

Hhere Kultur entwickelt sich zuerst bei den ~Etruskern~ oder
~Tyrrhenern~ (etrusk. Rasenna), die in Etrurien und in der mittleren
Po-Ebene wohnen, unter phnikischem Einflu (s. S. 13). Sie grnden
+Stdte+ und stehen seit etwa 750 v. Chr. in lebhaftem Handelsverkehr
mit Karthagern und Griechen. In den Grbern (Gewlbebauten) bei
Tarquinii, Caere, Clusium, Bononia (jetzt Bologna) haben sich
bedeutende Reste ihrer Kultur erhalten: Wandmalereien, Goldschmuck,
Waffen, Tongefe. Sie dringen um 600 v. Chr. erobernd vor nach Latium
und Campanien, werden aber gehemmt durch die selbstndige Entwickelung
+Roms+ und verlieren seit 438 Campanien an die vordringenden
+Sabeller+. In die Po-Ebene dringen um diese Zeit +keltische+ Stmme
von Norden her ein; nach ihnen heit dieses Land fortan +Gallia
cisalpina+.

In ~Latium~ bestand in alter Zeit ein Bund von 30 Gemeinden mit
jhrlichem Bundesfest auf dem Albanerberge zu Ehren des hchsten Gottes
Juppiter; Vorort war +Alba longa+, auf halber Hhe des Berges gelegen.
+Rom+, als Grenzplatz gegen die Etrusker gegrndet, verstrkt durch
Aufnahme von Sabinern, erhebt sich zur herrschenden Stadt. An der
Spitze der Latiner unterwirft es die andern Vlker Italiens nach und
nach und wird dann Mittelpunkt eines Weltreiches. Die ltere Geschichte
Roms ist in der berlieferung sagenhaft ausgeschmckt.


 1. Zeit der Knigsherrschaft. (753-510.)

~Grndungssage~: Knig +Numitor+ von +Alba longa+, Nachkomme des mit
trojanischen Flchtlingen in +Latium+ gelandeten +Aeneas+, wird von
seinem Bruder +Amulius+ des Thrones beraubt, sein Sohn gettet, seine
Tochter +Rea Silvia+, damit das Geschlecht des Numitor aussterbe, unter
die vestalischen Jungfrauen aufgenommen. Die Zwillinge ~Romulus~ und
~Remus,~ Shne der Rea Silvia und des +Kriegsgottes Mars+, befiehlt
Amulius in den ber die Ufer getretenen +Tiber+ zu werfen. Die Kinder
werden gerettet, von einer Wlfin gesugt und von dem kniglichen
Hirten +Faustulus+ auferzogen. Zu Jnglingen herangewachsen, machen
Romulus und Remus an der Spitze anderer Hirten Jagd- und Beutezge.
Remus wird gefangen und vor Numitor gefhrt, dieser erkennt seine
Enkel. Sie tten den Amulius, setzen Numitor wieder als Knig ein und
grnden mit seiner Erlaubnis an der Stelle des Tiberufers, wo sie
einst ausgesetzt wurden, eine Stadt. Bei dem Streit darber, wer sie
nach seinem Namen nennen und beherrschen soll, wird +Remus+ gettet;
~Romulus,~ alleiniger Knig, grndet die Stadt ~Roma~ auf dem Hgel
+Palatinus+. Als Grndungstag galt seit Varro (1 Jahrh. vor Chr.) der
21. April (Fest der Hirtengttin +Pales+) des Jahres 753 v. Chr.

~Romulus,~ kriegerischer Knig, nimmt Flchtlinge aus anderen Stdten
auf (Asyl auf dem Mons Capitolinus), erwhlt einen +Senat+ von 100
Mitgliedern. Raub der Sabinerinnen beim Fest der Consualia; deshalb
Krieg mit den Nachbarstdten Caenina, Antemnae, Crustumerium (Romulus
gewinnt die ersten spolia opima) und mit den +Sabinern+, deren Knig
+Titus Tatius+ sich durch den Verrat der +Tarpeia+ des Burgfelsens
bemchtigt. Die Schlacht zwischen Rmern und Sabinern wird durch die
geraubten Sabinerinnen unterbrochen. Vereinigung der Rmer und Sabiner
zu +einem+ Staate unter gemeinschaftlicher Regierung des Romulus und
Tatius bis zu des letzteren Tode. Romulus fhrt Kriege gegen die
+Etruskerstdte Fidenae+ und +Veii+. Er wird whrend eines Gewitters zu
den Gttern entrckt und fortan als Gott +Quirinus+ verehrt.

~Numa Pompilius,~ aus +Cures+, nach +einjhrigem Interregnum+ von den
+Rmern+ aus den +Sabinern+ erwhlt. Friedlicher Knig, Ordner des
rmischen Gottesdienstes, nach dem Rat der Camene +Egeria+, seiner
Gemahlin. +Janustempel+, ein in Kriegszeiten geffnetes Tor zwischen
den beiden Ansiedelungen auf dem Palatinus und Quirinalis, am Fue der
gemeinschaftlichen Burg auf dem +Capitol+. Einsetzung der +Pontifices+,
+Augures+, +Flamines+, +Salii+, +Fetiales+, +virgines Vestales+.

~Tullus Hostilius,~ kriegerischer Knig. Krieg mit +Veii+ und
+Fidenae+, Verrat des Diktators von Alba, +Mettius Fuffetius+, der
von Pferden gevierteilt wird. +Alba longa+ zerstrt (Horatier und
Curiatier), die Bewohner siedeln nach Rom ber.

~Ancus Marcius,~ Enkel des Numa, zugleich friedlicher und kriegerischer
Knig (et Numae et Romuli memor). Er stellt die von seinem Vorgnger
vernachlssigten gottesdienstlichen Ordnungen wieder her und verpflanzt
die Einwohner kleiner latinischer Ortschaften nach Rom, gilt deshalb
als Begrnder der +Plebs+ (S. 74). Befestigung des Ianiculum, Bau der
Pfahlbrcke (+pons sublicius+) ber den Tiber. Grndung der Hafenstadt
+Ostia+.

~Tarquinius Priscus,~ aus der etruskischen Stadt +Tarquinii+ mit seiner
Gemahlin +Tanaquil+ nach Rom eingewandert (ihm wird +griechische+
Abstammung von dem +Bakchiaden+ Demaratus aus Korinth zugeschrieben),
wird Vormund der Shne des Ancus und zum rmischen Knige gewhlt. Er
beginnt den Bau des Juppitertempels auf dem Kapitol, der +Kloaken+
(Abzugsgrben fr die Niederungen zwischen den Hgeln der Stadt) der
Stadtmauer und des +Circus maximus+. Der Senat wird auf 300 Mitglieder
gebracht (+patres minorum gentium+). Verdoppelung der Zahl der
Ritter; der Augur +Attus Navius+ widersetzt sich der Bildung neuer
Rittercenturien. Kriege gegen +Sabiner+ und +Latiner+. Nach Ermordung
des Tarquinius durch die Shne des +Ancus+ wird durch die List der
+Tanaquil+ Knig

~Servius Tullius,~ Sohn der Sklavin +Ocrisia+ und eines Gottes, von
Tanaquil infolge eines Wunderzeichens kniglich erzogen, Schwiegersohn
des Tarquinius. Krieg gegen +Veii,+ Aufnahme Roms in den +latinischen
Bund+. Bau der +Ringmauer+ um die 7 Hgel der Stadt (Palatinus,
Capitolinus, Aventinus, Caelius, Esquilinus, Viminalis, Quirinalis),
Einrichtung des Census und der ~Centurieneinteilung~ (s. S. 74).
Servius Tullius wird ermordet von seinem Schwiegersohn

~Tarquinius Superbus,~ den die Sage als grausamen Despoten darstellt.
Er befragt den Senat nicht und zwingt das Volk zu Frondiensten beim
Bau des kapitolinischen Tempels; er unterwirft sich den latinischen
Bund, bemchtigt sich durch die List und den Verrat seines Sohnes
+Sextus+ der Stadt +Gabii.+ Er erwirbt die +sibyllinischen Bcher+,
sendet aber seine Shne auch zum delphischen Orakel, wohin sie ihr
Vetter +L. Iunius Brutus+ begleitet, der den Spruch des Orakels
am besten versteht. Whrend der Belagerung von +Ardea+ Frevel des
+Sextus+ Tarquinius gegen +Lucretia,+ die Gemahlin des +L. Tarquinius
Collatinus+. Diese ttet sich selbst; ~Brutus~ ruft vor ihrem Leichnam
das Volk in Rom zu den Waffen und wiegelt das Heer gegen den Knig auf,
der die Tore der Stadt verschlossen findet und in die Verbannung geht.

Die letzten drei Knige gehren einer +etruskischen+ Dynastie an; durch
ihre Vertreibung wird Rom wieder eine +latinische+ Stadt.

~Religion.~ Die altitalischen Gtter wurden nicht wie die griechischen
menschenhnlich gedacht, sondern als unsichtbare Gewalten; Tempel und
Gtterbilder wurden allmhlich eingefhrt unter griechischem Einflu,
zuerst bei den Etruskern. +Janus, Saturnus, Juppiter, Mars+ (Quirinus),
+Juno, Vesta, Ceres, Minerva+ sind italische Gottheiten, die spter
mit griechischen Gttern gleichgestellt wurden; ihre Verehrung wurde
von besonderen Priestern geleitet (drei +Flamines+: Dialis, Martialis,
Quirinalis: zwlf +Salii,+ Diener des Mars, Trger der heiligen
Schilde, ancilia; sechs +Vestalinnen+). Neben diesen Hauptgttern viele
andere, die als Beschtzer des Landbaues an bestimmten Festen und
heiligen Sttten verehrt wurden: +Pales, Consus, Ops, Faunus, Silvanus,
Terminus, Feronia, Flora, Pomona, Vertumnus+ u.a. Als Beschtzer des
Hauses und der Vorrte wurden die +Lares+ und +Penates+ angerufen.
Auch sittliche Begriffe wurden als Gtter gedacht und verehrt: Fides,
Pietas, Honor, Virtus, Fortuna, Concordia.

Den Willen der Gtter erforschten die +Augures+ aus Himmelszeichen
(Donner und Blitz), Vogelflug (Auspicien) und anderen Zeichen;
aus Etrurien kamen die +Haruspices+ hinzu, die namentlich aus den
Eingeweiden der Opfertiere weissagten. Besondere Priester hatten
die im kapitolinischen Tempel aufbewahrten +sibyllinischen Bcher+
aufzuschlagen. Die Aufsicht ber den gesamten Gtterdienst, auch ber
die von einzelnen Geschlechtern und Genossenschaften (z. B. den
fratres Arvales) dargebrachten Opfer hatten die +Pontifices+; ihnen lag
daher auch die Ordnung des +Kalenders+ ob. Vertrge mit fremden Vlkern
unter heiligen Gebruchen zu schlieen und zu lsen war die Aufgabe der
+Fetiales+.

~lteste Verfassung~: Das Brgerrecht umfat +commercium, conubium,
suffragium, honores+ (Berechtigung zu mtern). Die Hausvter (+patres+)
mit ihren nchsten Angehrigen (+patricii+) bilden die Brgergemeinde
(+populus+) und zugleich die Kriegerschaft (+Quintes+). Sie sind
eingeteilt in drei Stmme (+tribus+), die Ramnes, Tities und Luceres,
jeder Stamm in 10 +curiae+, jede Curie in 10 +gentes+ (Geschlechter).
Die vom Knige zu einer Mitteilung oder Befragung berufene
Brgergemeinde der ~Patrizier~ bildet die ~comitia curiata~. Der von
ihnen erwhlte ~Knig~ bt die Befehlsgewalt (+Imperium+) als oberster
Priester, Richter und Heerfhrer aus. Beratend steht ihm zur Seite der
~Senat~ (Rat der ltesten); er bestellt, wenn das Knigtum erledigt
ist, aus seiner Mitte den ~interrex~, alle 5 Tage wechselnd. Die
auerhalb der Geschlechter stehenden +Schutzverwandten+, welche einen
Beschtzer (patronus) haben mssen, heien diesem gegenber ~clientes~
(Hrige, von cluere). Ihre Nachkommen, vermehrt durch Einwohner der im
Kriege unterworfenen latinischen Nachbargemeinden, bilden allmhlich
eine Gemeinde der Nichtbrger (~plebs~ oder plebes, verwandt mit
pleo, plenus, die Menge). Sie sind ohne politische Rechte. Ihre erste
Ansiedelung auf dem Aventinus.

Die nderung dieser Verfassung beginnt mit der Heranziehung der
Plebejer zum +Kriegsdienst+ durch die dem ~Servius Tullius~
zugeschriebene Heeres- und Steuerverfassung. Er bildet 18
Reitercenturien und 80 Centurien schwerbewaffnete Fusoldaten;
Besitzma 20 Morgen Land, nach spterem Ansatz in Geld 100000 As.[20]
Zu dieser ersten Klasse der Brger treten vier weitere hinzu, 90
Centurien mit leichterer Bewaffnung, ohne Panzer, dem geringeren
Besitz entsprechend; 2 besondere Centurien bilden die Schmiede und
Zimmerleute (fabri), ebenso die Hornblser und Trompeter (cornicines
et tubicines); die Armen ohne Grundbesitz (proletarii) bilden als
Ersatzmannschaft +eine+ groe Centurie. Gesamtzahl 193 Centurien.

In der Volksversammlung (comitia centuriata) fortan Abstimmung der
Brger nach Centurien. Die Begterten haben also mit 98 Stimmen stets
das bergewicht ber die anderen 95 Centurien.

Das Fuvolk bildet 2 Legionen fr den Felddienst (centuriae iuniorum)
und 2 fr die Stadtverteidigung (centuriae seniorum). Behufs der
Aushebung und Entrichtung der Kriegssteuer (+tributum+) wird Stadt und
Gebiet in eine Anzahl von Quartieren (+tribus+) geteilt. Alle 4, spter
alle 5 Jahre findet eine neue Einschtzung (+census+) der Brger nach
dem Vermgen statt; sie schliet mit einem Reinigungsopfer (+lustrum+).
Die nicht in Tribus aufgenommenen Einwohner ohne Brgerrecht sind vom
Kriegdienst frei und zahlen ein Schutzgeld +(aerarii).+

Diese Kriegsverfassung, getragen von Sittenstrenge und brgerlicher
Zucht, machte die Rmer ihren Nachbarn berlegen.


 2. Rom als Republik.

[~510.~ (?)]

~Vertreibung der Tarquinier.~

An die Spitze des Staates treten 2 +consules+, auf +ein+ Jahr gewhlt;
die ersten waren ~L. Iunius Brutus~ und ~L. Tarquinius Collatinus.~
Der letztere, als Verwandter der vertriebenen Knigsfamilie beim Volke
unbeliebt, wird bald ersetzt durch ~P. Valerius Poplicola,~ den ersten
+consul suffectus,+ der sich durch die +lex Valeria de provocatione+
die Gunst des Volkes sicherte.

Die ~consules~ ben whrend ihres Amtsjahres die frher den Knigen
zustehende Gewalt aus: +imperium+ und +auspicia publica,+ d. h.
Befragung der Gtter von Staats wegen. Fr gewisse Opfer, welche frher
die Knige dargebracht hatten, wird ein Priester als +rex sacrificulus+
bestellt und dem +pontifex maximus+ untergeordnet. Jeder Konsul kann
die Manahmen des andern durch das ius intercedendi unwirksam machen.
Gehilfen der Konsuln fr Kriminalgerichtsbarkeit und Verwaltung des
Staatsschatzes (+aerarium+) sind die 2 +quaestores+. Die Konsuln
haben als uere Zeichen ihrer Amtsgewalt den Amtssessel (+sella
curulis+) und das Obergewand mit Purpurstreif (+toga praetexta+); ihnen
schreiten vorauf 12 +lictores,+ welche in Rutenbndeln (+fasces+) Beile
(+secures+) tragen, doch nicht im Stadtgebiet, weil in Friedenszeit die
obrigkeitliche Gewalt der Konsuln durch das +Berufungsrecht+ beschrnkt
ist. Nach der +lex Valeria de provocatione+[21] steht es dem zum
Tode oder zu krperlicher Zchtigung verurteilten Brger frei, die
Entscheidung der Volksversammlung, der ~comitia centuriata,~ anzurufen.

Hauptrechte dieser Volksversammlung sind die +Beamtenwahl,+ die
+Gesetzgebung+ und die +Entscheidung ber Krieg und Frieden.+ Bei der
Abstimmung haben die 6 alten, +vorwiegend+ patrizischen Rittercenturien
das Vorstimmrecht (centuriae +praerogativae+). Sind die Centurien der
+ersten+ Klasse (S. 74 f.) mit den Rittern einig, so werden die brigen
Klassen nicht befragt. Die +comitia curiata+ verlieren ihre frhere
Bedeutung, doch bleibt ihnen das Recht, die gewhlten Konsuln zu
besttigen (+lex curiata de imperio+).

Der ~Senat,~ frher nur aus Patriziern bestehend, wird durch
zugeschriebene +Plebejer+ (daher die Formel: +patres (et) conscripti+)
ergnzt, und zwar aus den +Rittern+, d. h. den Reichen. Der
Senatsbeschlu (+senatus consultum+) ist fr die Konsuln magebend, hat
aber nicht +Gesetzes+kraft. Zur Zeit besonderer Gefahr tritt an die
Spitze des Staates ein ~Dictator~, ohne Mitwirkung der Brgerschaft,
aber mit Beirat des Senats von einem der Konsuln +ernannt+ (dictatorem
+dicere+). Die Konsuln sind ihm untergeordnet; er ernennt seinen
Gehilfen, den +magister equitum+; beide drfen ihr Amt nicht lnger als
sechs Monate fhren.

[509.]

Verschwrung junger Patrizier zur Herstellung des Knigtums. Der Konsul
+L. Junius Brutus+ lt seine eigenen Shne als Teilnehmer an der
Verschwrung hinrichten. Darauf Krieg mit den +Etruskern+ von Veii und
Tarquinii; +Brutus+ fllt im Zweikampf mit +Aruns Tarquinius+ vor der
Schlacht am Walde +Arsia+. An seine Stelle wird zuerst +Sp. Lucretius,+
nach dessen Tode +M. Horatius+ gewhlt, welcher den in der Knigszeit
erbauten Tempel des Juppiter Capitolinus weiht.

[508.]

Unglcklicher Krieg der Rmer gegen den etruskischen Knig +Porsenna+
von +Clusium+; sie mssen den Frieden durch Gebietsabtretung und
Entwaffnung erkaufen. Rmische Sagen von +Horatius Cocles+, dem
tapferen Verteidiger der Tiberbrcke, von dem Heldenmute des +Mucius
Scaevola+ und der +Cloelia+. Die weiter in Latium vorrckenden Etrusker
werden vor +Aricia+ von den Latinern und ihren Bundesgenossen, den
Griechen aus +Cumae+ (unter +Aristodemos+), geschlagen und knnen
sich auf dem linken Tiberufer nicht behaupten. Rom erlangt bald seine
frhere Machtstellung wieder. Knig Tarquinius stirbt in Cumae.

Vielleicht in dieser Zeit schon Handelsvertrag zwischen Rom und
Karthago. Die Kstenstdte bis Terracina unter Roms Oberhoheit (S. 82).

[496.]

Sagenhafter Sieg der Rmer ber die Latiner und Tarquinius am See
+Regillus+ (bei +Tusculum+); der Dictator +Aulus Postumius+ siegt mit
Hilfe der +Dioskuren+ (Kastor und Pollux), denen alsbald ein Tempel in
Rom errichtet wird.

[~494.~]

~Auswanderung der Plebejer auf den Heiligen Berg~ (+secessio plebis in
Montem sacrum+).

Die Plebejer waren durch hufigen +Kriegsdienst,+ durch das strenge
+Schuldrecht,+ welches auch die Person des Schuldners in die Gewalt des
Glubigers gab, und durch Verweigerung eines Anteils am +Gemeindelande+
(ager publicus) in Not geraten. Sie wollen eine neue Stadt grnden,
werden aber durch Vermittelung des Patriziers +Menenius Agrippa+ zur
Rckkehr bewogen. Darauf Erla der drckendsten Schulden, Einsetzung
besonderer plebejischer Beamter: Die ~Volkstribunen~ +(tribuni plebis,+
anfangs 2, dann 5, endlich 10) sind +unverletzlich+ (sacro-sancti) und
haben das Recht des Schutzes (+ius auxilii+) fr jeden Plebejer gegen
Unbill eines Beamten. Daraus entwickelt sich ein Verbietungsrecht
+(Veto,+ ius intercedendi) gegen Senatsbeschlsse und Befehle der
Beamten; nur gegen das +imperium militare,+ also gegen den Dictator und
gegen die Konsuln auerhalb der Stadt gilt der tribunicische Einspruch
nicht. Ferner haben sie das Recht, Widerstrebende zu verhaften +(ius
prensionis)+ und das Recht, mit der von ihnen vertretenen Gemeinde
zu verhandeln (+ius agendi cum plebe+). Damit hngt die Einrichtung
der ~comitia tributa~ zusammen: Versammlungen der Plebejer nach den
Wohnbezirken (+tribus+). Man unterschied 4 +tribus urbanae,+ 17
+rusticae+; bei wachsendem Gebiet wurde die Zahl bis auf 35 erhht.
Jede Tribus hat in den Komitien +eine+ Stimme, innerhalb der Tribus
wird nach Kpfen (+viritim+) gestimmt.

Als Gehilfen stehen den Tribunen 2 ~Volksdilen~ (aediles plebis)
zur Seite; sie ben Polizeigerichtsbarkeit, namentlich ber den
Marktverkehr, und verwahren die schriftlich aufgezeichneten
Volksbeschlsse (+plebiscita+) im Tempel der Ceres am Abhang des
Aventin.

[493.]

Der Konsul +Spurius Cassius+ erneuert das Bndnis zwischen Rom und
den +latinischen Stdten+ auf Grund der Gleichberechtigung (+foedus
aequum+). Erst allmhlich gewinnt Rom die Hegemonie ber die Latiner
wieder. Fortwhrende Fehden mit +Etruskern, Sabinern, quern,
Volskern.+

Im Innern dauern die Kmpfe zwischen ~Patriziern~ und ~Plebejern~ fort;
letztere streben auch nach +politischer+ Gleichberechtigung. Einen
Versuch zur Beseitigung des Tribunats macht der Patrizier

[491.]

~Cn. Marcius Coriolanus,~ der whrend einer Hungersnot vorschlgt, den
Plebejern Getreide aus Staatsmitteln nur gegen Verzichtleistung auf
das Tribunat zu bewilligen. Von den Tribunen vor die ~comitia tributa~
gefordert, erscheint Coriolan nicht, wird abwesend verbannt, geht zu
den Volskern, fhrt sie gegen Rom, gibt aber auf das ernste Wort seiner
Mutter +Veturia+ und auf die Bitten seiner Gemahlin +Volumnia+ den
Kampf gegen die Vaterstadt auf.

[486.]

~Spurius Cassius,~ zum dritten Male Konsul, beantragt das erste
~Ackergesetz~ (+lex agraria+): Verteilung von Gemeindeland an
bedrftige Plebejer und +latinische Bundesgenossen+. Die Patrizier und
die reichen Plebejer vereinigen sich gegen ihn; er wird nach Ablauf
seines Amtsjahres verurteilt und hingerichtet.

[479.]

Das Geschlecht der ~Fabier~ (+gens Fabia+), aus welchem mehrere Jahre
nacheinander immer ein Konsul erwhlt war, zerfllt mit den anderen
patrizischen Geschlechtern; der Konsul +Kaeso Fabius+ befrwortet die
Ackerverteilung an die Plebejer. Auszug der Fabier mit ihren Klienten
(zusammen 306), um den Krieg gegen die +Etrusker+ zu fhren; sie werden
am Bache +Cremera+ berfallen und fast smtlich vernichtet.

[471.]

Die Plebejer erhalten durch den Gesetzvorschlag des Volkstribunen
+Volero Publilius+ das Recht, ihre Beamten fortan in den Tributkomitien
zu whlen (~lex Publilia~: +ut plebei magistratus tributis comitiis
fierent+).

[462.]

Antrag des Volkstribunen +C. Terentilius Arsa+ auf Ernennung einer
Kommission zur schriftlichen Aufzeichnung der Gesetze. Heftiger
Widerstand der Patrizier. ~L. Quinctius Cincinnatus,~ 458 zum
Dictator gewhlt, befreit ein von den +quern+ am Berge +Algidus+
eingeschlossenes rmisches Heer und zwingt die Feinde, unter dem Joch
durchzugehen.

[~451.~]

~Decemvirn zur Aufzeichnung der Gesetze.~

(+Decemviri consulari potestate legibus scribundis+), mit zeitweiliger
Aufhebung des Konsulats, des Tribunats und des Provocationsrechts. Die
Gesetze werden vom Volke angenommen, in zehn Erztafeln eingegraben
und auf dem Forum aufgestellt. Da noch ein Nachtrag ntig erscheint,
so werden 450 noch einmal Decemvirn (davon drei Plebejer) ernannt,
welche noch zwei Tafeln hinzufgen. Die in den ~Zwlftafelgesetzen~
enthaltenen Bestimmungen ber Familienrecht, Erbrecht, Schuldrecht usw.
sind bleibende Grundlagen des +rmischen Rechts+ geworden (Liv. III,
34: +fons omnis publici privatique iuris+).

[449.]

~Zweite secessio plebis,~

veranlat durch Gewalttaten der Decemvirn, die nach Vollendung
der Gesetzgebung ihr Amt nicht sogleich niederlegten. Ungerechter
Richterspruch des +Appius Claudius+ ber +Virginia+, die infolgedessen
von ihrem Vater auf dem Forum gettet wird. Neugewhlte Konsuln, L.
Valerius und M. Horatius, vermitteln den Ausgleich durch drei Gesetze
(+leges Valeriae Horatiae+): 1. Gleichstellung der Beschlsse der
Tributkomitien (+plebiscita+) mit denen der Centuriatkomitien +(ut
quod tributim plebs iussisset, populum teneret).+ 2. Herstellung
des Provocationsrechts. 3. Herstellung der Unverletzlichkeit des
Volkstribunen, welche auch auf die dilen und die Richter ber
Privatklagen (+decemviri litibus iudicandis+) ausgedehnt wird.

[445.]

Gesetz des Tribunen ~Canuleius~, welches die Ehen zwischen Patriziern
und Plebejern fr gltig erklrt +(lex Canuleia de conubio)+: die
Kinder folgen fortan dem Stande des Vaters (nicht mehr der pars
deterior). Dagegen wird der zweite Antrag der Tribunen, da auch
+Plebejer+ zu +Konsuln+ gewhlt werden drfen, abgelehnt. Es findet
ein Vergleich statt: an Stelle der Konsuln knnen einige der jhrlich
erwhlten Legionsanfhrer (in der Regel 6) mit konsularischer Gewalt
ausgestattet werden (~tribuni militum consulari potestate~): hierzu
sind auch Plebejer berechtigt.

[443.]

Einsetzung der ~Censur~, eines neuen ~patrizischen~ Amtes. Die
+zwei+ Censoren werden in den +Centuriatkomitien+ erwhlt, alle 4
oder 5 Jahre; doch wird ihre Amtsdauer auf 18 Monate beschrnkt, so
da das Amt in der Zwischenzeit ruht. Befugnisse der ~Censoren~: 1.
Abhaltung des +Census+; die Brger werden in die Klassen und Centurien
eingeordnet (+discriptio classium et centuriarum+), die Ritter
gemustert (+recognitio equitum+), die Senatsliste wird von ihnen
aufgestellt (+lectio senatus+): 2. Verwaltung des Staatseigentums; die
Abgaben vom Gemeindelande (+vectigalia+) und die Zlle (+portoria+)
werden verpachtet, die Ausfhrung von Bauten (Tempeln, Heerstraen
(via Appia des Ap. Claudius Caecus), Wasserleitungen) an Unternehmer
verdungen; 3. in Verbindung mit dem Census Aufsicht ber die Sitten
+(regimen morum+: senatu movere, equum adimere, tribu movere et
aerarium facere; +nota censoria).+ Durch diese letztere Befugnis
gelangt das Amt der Censur zu einer hohen moralischen und politischen
Bedeutung.

[~439.~]

+Spurius Maelius,+ ein reicher Plebejer, der whrend einer Teuerung
Getreide zu geringem Preise abgibt, wird beschuldigt, nach der
Knigsherrschaft zu streben, und von +C. Servilius Ahala,+ dem Magister
equitum des achtzigjhrigen Dictators +L. Quinctius Cincinnatus,+ auf
der Strae erschlagen.

[421.]

Die Zahl der ~Qustoren~, denen die Verwaltung der Staatskasse
(+aerarium+) obliegt, auf 4 vermehrt; die Plebejer erhalten Zutritt zu
diesem Amte.

[~396.~]

Ein erster groer Erfolg in den Nachbarfehden ist die Eroberung der
Etruskerstadt ~Veii~ durch den Dictator ~M. Furius Camillus.~ Er wird
aber wegen ungerechten Verfahrens bei Verteilung der Beute angeklagt
und geht in die Verbannung. Die Macht der Etrusker, durch den Einbruch
der Gallier (Kelten) und den Seesieg der Syrakusaner unter Hieron I.
(S. 50) bei Cumae schon 474 geschwcht, ist seitdem gebrochen.

~Einfall der Gallier~ (+Senonen+) ~in Latium,~

veranlat durch Teilnahme rmischer Gesandter an dem Kampfe der
Etrusker von +Clusium+ gegen dieselben.

[~388.~ (18. Juli.)]

~Schlacht an der Allia,~

einem Bache, der 15 km nrdlich von Rom in den Tiber fliet. Niederlage
und Flucht der Rmer auf das rechte Tiberufer, wodurch die Stadt
preisgegeben wird.

Das von den Einwohnern verlassene Rom (nur der +Mons Capitolinus+
bleibt besetzt) wird von den Galliern (unter +Brennus+) eingenommen,
geplndert und niedergebrannt. Vergeblich versuchen sie, das Kapitol
zu ersteigen, die Gnse der Juno; +M. Manlius Capitolinus.+ Nach
7monatiger Einschlieung des Burgfelsens wird der Abzug der Gallier
durch Gold erkauft. Nach der rmischen Sage verbietet der aus der
Verbannung zurckgerufene +Camillus+ als Dictator das Abwgen des
Goldes (Vae victis!) und vertreibt die Feinde. -- Rckkehr der
Bewohner. Der Plan, nach +Veii+ auszuwandern, wird von Camillus
vereitelt. Rascher, aber unregelmiger Aufbau der Stadt, die bald
wieder in ihrer alten gebietenden Machtstellung dasteht, nachdem
+Camillus+ die quer, Volsker, Etrusker besiegt hat.

~Ausgleich der Stnde, Entstehung der Nobilitt.~

Der Stndekampf beginnt aufs neue; die reicheren Plebejer streben nach
Gleichberechtigung und Zutritt zu den Staatsmtern, die rmeren nach
Erleichterung des Schuldrechts und Anteil am Gemeindeland.

[384.]

Der Patrizier ~M. Manlius Capitolinus,~ der mit seinem Vermgen
plebejische Schuldner lst, wird beschuldigt, nach der Knigswrde
zu streben, als Hochverrter verurteilt und vom Tarpejischen Felsen
herabgestrzt.

[~366.~]

~L. Sextius Lateranus, erster plebejischer Konsul,~ nach zehnjhrigem
Kampfe um die von ihm und +C. Licinius Stolo+ als Volkstribunen
beantragten Gesetze (+leges Liciniae Sextiae+), welche anordnen: 1.
Erleichterung der +Schuldner+ durch Abzug der gezahlten Zinsen vom
Kapital, dessen Rest dann binnen drei Jahren in gleichen Raten zu
zahlen ist; 2. Niemand soll mehr als 500 Morgen +Gemeindeland+ in
Besitz haben; 3. Aufhebung der tribuni militum consulari potestate;
einer der Konsuln soll unbedingt +Plebejer+ sein.

Als neues +patrizisches+ Amt wird die ~Prtur~ eingerichtet zur Leitung
der +Rechtspflege+, die bisher den Konsuln oblag. Der Prtor, von 6
Liktoren begleitet, ist auch Stellvertreter der Konsuln, wenn sie
von Rom abwesend sind. Spter auer dem praetor urbanus ein praetor
inter peregrinos (fr die Auslnder) eingesetzt. Ferner treten den
plebejischen dilen zwei ~kurulische dilen~ zur Seite; sie ben
gemeinsam mit ihnen die Markt- und Straenpolizei und veranstalten die
ffentlichen Festspiele, namentlich die +ludi Romani+ alljhrlich im
September (+cura annonae, cura urbis, cura ludorum+); in der Fhrung
dieses Amtes wechseln Patrizier und Plebejer Jahr um Jahr ab.

Nach und nach werden +alle mter den Plebejern zugnglich,+ die Censur
351, die Prtur 337. Auch zu den Priesterkollegien der +Pontifices+ und
+Augures+ erhalten die Plebejer Zutritt (300 +lex Ogulnia+).

Nach diesem Ausgleich entwickelt sich allmhlich ein neuer Gegensatz
zwischen dem +Amtsadel+ (~Optimates, Nobiles~), der die Patrizier
und reicheren Plebejer umfat, und dem +Brgerstande+ (~Plebs~ im
spteren Sinne). Doch kann sich der Amtsadel (+ius imaginum+) nicht
so schroff wie der bisher geltende Geburtsadel gegen den Brgerstand
abschlieen, sondern ergnzt sich fortwhrend durch Aufnahme neuer
Mitglieder (+homines novi+). Durch Volkswahl gelangt der Bewerber
(+candidatus+) zu den mtern, durch das Vertrauen der Censoren in den
Senat. Reihenfolge der mter: +Qustor, dil, Prtor, Konsul, Censor+.
ber das gesetzmige Alter s. S. 96.

Der ~Senat~ leitet namentlich die auswrtige Politik und die
Finanzverwaltung. Die oberste Entscheidung in der +Gesetzgebung+
und bei +Kriminalprozessen+ steht nach wie vor bei den ~Komitien~,
und zwar sowohl bei den +Centuriat+- wie bei den +Tribut+-Komitien,
welche +alle+ Brger, Patrizier und Plebejer, jedoch mit verschiedener
Abstimmungsordnung, umfassen. Hinsichtlich des +Wahlrechts+ bleibt
der Unterschied, da die +magistratus maiores+ (Konsuln, Prtoren,
Censoren) in den +Centuriat+-Komitien, die +magistratus minores+
(dilen und Qustoren) sowie die Volkstribunen in den +Tribut+-Komitien
gewhlt werden.

Die ~Volkstribunen~ erscheinen fortan nicht mehr in so scharfem
Gegensatz zum Senat wie whrend des Stndekampfes; sie nehmen an seinen
Sitzungen teil, berufen ihn auch bisweilen.

Der Not der +armen+ Plebejer, die auch nach den Licinischen Gesetzen
wiederkehrt, wird durch +Ackerverteilungen+ und Grndung von
+Brgerkolonien+ nach glcklich gefhrten Kriegen abgeholfen. Aufhebung
der Schuldknechtschaft durch das Gesetz des Konsuls +C. Poetelius+ 326.

Im Jahre 287 secessio plebis auf den Janiculus. Durch die lex Hortensia
werden die plebiscita (S. 77) der concilia plebis den populiscita der
Centuriat-Komitien gleichgestellt.

Umgestaltung der ~Heeresverfassung~, hauptschlich von +Camillus+
veranlat. Die Legion wird in 30 +Manipel+ zu je 2 +Centurien+
eingeteilt, ihre Aufstellung in drei Treffen (+hastati, principes,
triarii+) gegliedert. Die so zusammengesetzte Schlachtordnung
bertrifft die alte Phalanx bedeutend an Beweglichkeit. Die Bewaffnung
gleichmiger als nach der servianischen Ordnung. Die Stolanze
(+hasta+) wird bald auf das dritte Treffen (+triarii+) beschrnkt;
die beiden vorderen Treffen erhalten einen krzeren Wurfspeer
(+pilum+); gemeinsam fr alle Schwerbewaffneten sind Schwert, Schild,
Helm und Panzer. Die Legion zhlt in der Regel 4200 Mann, darunter
1200 Leichtbewaffnete (+velites+) ohne Panzer, mit leichtem Schild,
Lederhelm und leichten Wurfspeeren; dazu kommen 300 Reiter. Zwei
Legionen, begleitet von Truppen der Bundesgenossen, bilden gewhnlich
ein konsularisches Heer.

[367-349.]

Wiederholte Kmpfe mit den ~Galliern,~ welche sich in Ober-Italien
(+Gallia cisalpina+) bleibend niedergelassen haben und von dort
hufig Einflle in Mittel-Italien machen. Zweikmpfe des +T. Manlius
Torquatus+ und +M. Valerius Corvus+ mit gallischen Kriegern.

[348.]

Erster Handelsvertrag zwischen ~Rom~ und ~Karthago~,[22]

in welchem Rom als Vorort der mittelitalischen Westkste erscheint.


 3. Unterwerfung Italiens.

[~343-341.~]

~Erster Samnitenkrieg.~

~Veranlassung~: Die +Sidiciner+ in +Teanum+ und die +Campaner+ in
+Capua+, beide Nachkommen ausgewanderter samnitischer Volksstmme,
suchen Schutz bei den Rmern gegen ihre eigenen Stammgenossen, die
~Samniten des Gebirges~, welche in dem eigentlichen Samnium eine
Eidgenossenschaft bildeten und von dort aus in immer neuen Schwrmen
die ~Ebene~ (Campania) brandschatzten.

Nach rmischer berlieferung erfechten die Rmer drei Siege, doch wird
ein Vergleich geschlossen, welcher den Rmern +Capua+, den Samniten
+Teanum+ berliefert. Die Samniten werden zu diesem Vergleiche bestimmt
durch einen Krieg mit +Tarent+, die Rmer durch den

[~340-338.~]

~Krieg der Latiner~,

welche sich gegen Roms Hegemonie auflehnen und vollstndige
Gleichstellung mit den Rmern verlangen: +ein+ Konsul und der +halbe+
Senat sollen Latiner sein. Capua und die Volsker mit den Latinern
verbndet, die Samniten mit den Rmern.

Kampf in Campanien; der Konsul +T. Manlius Torquatus+ lt seinen
Sohn hinrichten, weil er dem Verbot zuwider sich in einen Zweikampf
eingelassen, und siegt, von den Samniten untersttzt, in einer Schlacht
unweit des ~Vesuv~; Opfertod des andern Konsuls +P. Decius Mus+.
Entscheidungsschlacht bei ~Trifanum~ unweit +Minturnae+, Sieg des
+Manlius+ ber die Latiner und Campaner.

~Auflsung des latinischen Bundes~. Den latinischen Stdten wird
gegenseitiges +Commercium+ und +Conubium+ untersagt, sie mssen
einzeln mit Rom Vertrge schlieen und Land abtreten (so +Tibur+ und
+Praeneste+); einige erhalten rmisches Brgerrecht (so +Lanuvium+ und
+Aricia+). Die Volskerstadt +Antium+ wird +rmische Kolonie+; mit den
Schnbeln der erbeuteten Schiffe dieser Stadt wird die Rednerbhne auf
dem Forum Romanum geziert (daher +rostra+ genannt). +Capua+ und andere
Stdte Campaniens erhalten rmisches Brgerrecht ohne Stimmrecht.

Bald jedoch wird den nunmehr abhngigen Latinern Anteil an den
rmischen Eroberungen gewhrt; +Cales+ und +Fregellae+ werden als
+latinische+ Kolonien eingerichtet.

[~326-304.~]

~Zweiter Samnitenkrieg.~

~Veranlassung~: bergriffe der Rmer am Liris, namentlich die
Einrichtung der Kolonie +Fregellae+; ferner die Besetzung der
Griechenstadt +Palaeapolis+ (neben +Neapolis+) durch Q. Publilius Philo
(den ersten +Prokonsul+).

Bndnis der Rmer mit den +Apulern+ und +Lukanern+; zum erstenmal
berschreiten rmische Heere den Apennin. Die Rmer sind zu Anfang des
Krieges im Vorteil. Aber

[~321.~]

~Niederlage in den Caudinischen Pssen.~ Die beiden Konsuln werden,
als sie der apulischen Stadt +Luceria+ von Campanien aus zu Hilfe
eilen wollen, von dem samnitischen Heerfhrer +Gavius Pontius+ in den
+furculae Caudinae+ eingeschlossen und zur Ergebung gentigt. Sie
beschwren einen Friedensvertrag; 600 rmische Ritter bleiben als
Geiseln zurck, das Heer darf unter dem Joch abziehen. Der rmische
Senat verweigert die Anerkennung dieses Vertrages und liefert die
Konsuln den Samniten aus, welche sie nicht annehmen.

Die Samniten erobern +Luceria+ und +Fregellae+. Durch uerste
Kraftanstrengung gewinnen die Rmer wieder die Oberhand. Im Jahre
319 soll der Konsul +L. Papirius Cursor+ Luceria wiedererobert, die
rmischen Geiseln befreit und die samnitische Besatzung unter das Joch
geschickt haben; 314 wird Luceria rmische Kolonie.

[~312.~]

Bau der ~Via Appia~, einer groen Heerstrae von Rom nach Capua durch
die pomptinischen Smpfe, begonnen von dem Censor +Appius Claudius
Caecus+. Derselbe legt auch die erste Wasserleitung (aqua Appia) in Rom
an.

[310.]

Sieg des Konsuls +Q. Fabius Maximus Rullianus+ ber die zu spt sich
erhebenden +Etrusker+ und +Marser+ am +Vadimonischen See+.

[309.]

Erstes Erscheinen einer +rmischen Kriegsflotte+ bei der Belagerung der
campanischen Stadt +Nuceria.+

[305.]

+Bovianum+, Hauptwaffenplatz der Samniten, eingenommen.

[304.]

Friede; die Samniten erlangen gleich ihren sabellischen Bundesgenossen
Freiheit innerhalb ihrer Stammesgrenzen; Erneuerung der +alten+
Vertrge zu +gleichem+ Recht (foedus aequum).

Zur Befestigung ihrer Herrschaft legen die Rmer wiederum mehrere
+Kolonien+ und neue +Heerstraen+ an, so +Narnia+ in Umbrien (sptere
+via Flaminia+) und +Alba Fucentia+ am +Lacus Fucinus+ (sptere +via
Valeria+).

[~298-290.~]

~Dritter Samnitenkrieg.~

Die Samniten schlieen mit den +Lukanern+ ein Bndnis, um einen
letzten Kampf fr Italiens Unabhngigkeit zu wagen. Neue Erhebung der
+Etrusker+ und +Umbrer+.

Der Konsul +L. Cornelius Scipio+[23] ntigt 298 die Lukaner, dem
Bndnis mit Samnium zu entsagen. Die Samniten stellen mit uerster
Kraftanstrengung drei Heere ins Feld, eins zur Verteidigung ihres
Gebiets, das zweite fr Campanien; das dritte fhrt ihr Feldherr
+Gellius Egnatius+ durch das +marsische+ und +umbrische+ Gebiet nach
+Etrurien+. Gallische Stmme schlieen sich dem +Bndnis der Italiker
gegen Rom+ an. Groe Rstungen in Rom. Die Konsuln +Q. Fabius Maximus
Rullianus+ und +P. Decius Mus+ rcken mit 60000 Mann nach Umbrien vor.

[~295.~]

~Entscheidungsschlacht bei Sentinum~, Todesweihe des jngeren +P.
Decius Mus+.

Die Umbrer unterwerfen sich, die Etrusker bitten um Frieden und
werden Rom Untertan; die Samniten kmpfen weiter, werden aber 293 bei
+Aquilonia+ besiegt. Endlich erneuert der Konsul +M'. Curius Dentatus+
das Bndnis mit ihnen; sie behalten ihr Gebiet, lassen aber fortan den
Rmern freie Hand, ihre Herrschaft im brigen Italien zu befestigen.

Abermals +Kolonien+ gegrndet: +Minturnae+ und +Sinuessa+ im Gebiet
der Aurunker (rmische Brgerkolonien), +Hatria+ in Picenum, +Venusia+
in Apulien (latinische Kolonien). Die +Sabiner+ mssen rmisches
Brgerrecht ohne Stimmrecht annehmen. Gegen die Gallier wird 283 die
Brgerkolonie +Sena Gallica+ in Umbrien eingerichtet. Der Schutz,
welchen Rom der von Lukanern und Bruttiern angegriffenen Griechenstadt
+Thurii+ gewhrt, fhrt herbei den

[~282-272.~]

~Krieg mit Tarent.~

~Veranlassung~: ltere Vertrge mit Tarent, der reichsten und
mchtigsten Griechenstadt in Unter-Italien, untersagten den Rmern,
mit Kriegsschiffen ber das +Lacinische Vorgebirge+ bei Kroton
hinauszufahren. Trotzdem erscheint eine nach der umbrischen Kste
bestimmte rmische +Kriegsflotte+ im Hafen von Tarent. Die Tarentiner
greifen sie an, nehmen fnf Schiffe, vertreiben die rmische Besatzung
aus +Thurii+. Rmische Gesandte, welche Genugtuung verlangen, werden in
Tarent beschimpft; darauf Kriegserklrung.

Die Tarentiner rufen den Knig ~Pyrrhos von Epirus~ zu Hilfe; dieser
schickt zuerst seinen Feldherrn +Milon+ mit 3000 Epiroten nach Tarent
(281), im folgenden Jahre landet er selbst mit einem aus +Epiroten,
Makedonen, Griechen+ bestehenden Sldnerheere von 25000 Mann und 20
Elefanten in Italien. Strenges militrisches Auftreten des Knigs in
Tarent; die Brger werden zum Kriegsdienst gezwungen.

[~280.~]

~Schlacht bei Herakleia~ (am Meerbusen von Tarent); die rmische
Manipularordnung erliegt dem Angriff der makedonischen Phalanx und der
Elefanten. Die Griechenstdte, die Bruttier, Lukaner und +Samniten+
schlieen sich Pyrrhos an. Er bietet den Rmern Frieden an; sein
Gesandter +Kineas+ wird abgewiesen (Rede des blinden Konsulars +Appius
Claudius+ im Senat). Pyrrhos rckt durch Campanien bis +Anagnia+ vor,
kehrt aber um, da die Bundesgenossen der Rmer diesen treu bleiben. +C.
Fabricius+ Gesandter an Pyrrhos wegen Auswechselung der Gefangenen.

[~279.~]

~Schlacht bei Asculum~ in Apulien;

Pyrrhos siegt wiederum, doch mit groen Verlusten. Er folgt einem
Hilferuf der von den +Karthagern+ bedrngten +Syrakusaner+ (S. 67),
lt nur eine Besatzung in Tarent zurck. Kriegsbndnis zwischen +Rom+
und +Karthago+, doch lehnen die Rmer die Landung einer karthagischen
Flotte in Italien ab und bekmpfen allein die Griechenstdte. Pyrrhos
kehrt 276 nach Tarent zurck. Als er den Samniten Hilfe bringen will,
wird er von +M'. Curius Dentatus+ in der

[~275.~]

~Schlacht bei Beneventum~

vllig geschlagen und kehrt nach Epirus zurck (T 272 in Argos). Erst
nach seinem Tode berliefert +Milon+ Stadt und Burg von Tarent den
Rmern unter der Bedingung freien Abzugs. Die Tarentiner mssen Waffen
und Schiffe ausliefern und die Mauern niederreien, behalten aber ihre
eigene Stadtverwaltung.

Nach Tarents Fall Unterwerfung der +Samniten, Lukaner+ und +Bruttier+.
Alle mssen Teile ihres Gebiets abtreten und +Kolonien+ aufnehmen
(Beneventum und Aesernia in Samnium). Im J. 270 Einnahme von +Rhegium+,
welches 10 Jahre in den Hnden aufstndischer campanischer Soldaten
gewesen war, die jetzt mit dem Tode bestraft werden. ~Italien~ (bis zum
Apennin) ~geeinigt unter rmischer Herrschaft~. Verlngerung der +Via
Appia+(S. 84) von +Capua+ ber +Venusia+ und +Tarent+ bis +Brundisium+.
In bezug auf das Verhltnis der unterworfenen Gemeinden zu Rom sind zu
unterscheiden:

1. ~Municipien~ (+municipia+), d. h. Gemeinden mit beschrnktem
rmischem Brgerrecht (+civitas sine suffragio et iure honorum+). Sie
haben also +commercium+ und +conubium+, rmische Rechtsprechung und
rmischen Kriegsdienst.

2. ~Kolonien~ (+coloniae+), d. h. rmische Festungen. Viele
unterworfene Orte mssen einen Teil ihrer Lndereien abtreten. Dieses
Land wird an +rmische Brger+ verteilt, die ihr volles Brgerrecht
behalten und fortan in der Kolonie die herrschende Gemeinde, gleichsam
die +Patrizier+, bilden, whrend die alten Einwohner zu +Insassen+
ohne politische Rechte herabsinken. Die Rechtspflege wird in den
+Municipien+ wie in den +Kolonien+ durch Prfekten (+praefecti iure
dicundo+) ausgebt, welche der +praetor urbanus+ (s. S. 81) ernennt.

3. ~Verbndete~ (+socii, civitates foederatae+), deren Verhltnis zu
Rom durch +Vertrge+ geordnet ist. Sie haben eigene Verwaltung und
Gerichtsbarkeit und sind vom Dienst in der Legion befreit, mssen
dagegen +Hilfstruppen+ oder +Schiffe+ stellen. Tribut wird nicht von
ihnen gefordert. Am meisten begnstigt sind die +Latiner+, sie knnen
unter gewissen Bedingungen rmisches Brgerrecht erwerben und werden
zusammen mit rmischen Brgern in +latinische Kolonien+ ausgesandt.


 4. Die Punischen Kriege.

[~264-241.~]

~Erster Punischer Krieg.~ Kampf um Sicilien.

(Die frhere Geschichte der +Karthager+ oder +Punier+ siehe S. 131, 41,
67.)

Karthago mit seiner +oligarchischen+ Verfassung, welche der
Brgergemeinde geringen Einflu gewhrt und die Untertanen durch
Tributforderung drckt, und mit seinen +Sldnerheeren+ ist trotz
seines Reichtums im Nachteil gegen Rom, wo gleichmigere Verteilung
der brgerlichen Rechte und allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienst
besteht.

~Veranlassung~: Die +Mamertiner+, d. h. +Marsmnner+, ehemalige
campanische Sldner des Agathokles (S. 67), hatten sich der Stadt
+Messana+ bemchtigt. Sie werden von Knig +Hiero II.+ von +Syrakus+
bekriegt. Ein Teil von ihnen ruft die +Karthager,+ ein anderer
die Rmer zu Hilfe. Der rmische Senat schwankt, die Brgerschaft
beschliet, den Mamertinern Hilfe zu gewhren. Eine rmische
Kriegsflotte, meist aus Schiffen der sditalischen Bundesgenossen
bestehend, setzt Truppen von Rhegium nach +Messana+ ber; die
karthagische Besatzung wird aus der Burg vertrieben.

[~264.~]

Die Karthager und +Hiero+ von Syrakus belagern die Rmer in Messana,
mssen aber zurckweichen. Hiero schliet sich bald den vordringenden
Rmern an. Nach Eroberung der Stadt +Agrigentum+ (Akragas, s. S. 32)
262 beschlieen die Rmer den Bau einer groen +Kriegsflotte+. Sie
bauen Schiffe mit fnf Ruderreihen (Penteren) nach dem Muster eines
gestrandeten karthagischen Kriegsschiffs.

[~260.~]

~Erster Seesieg der Rmer~ unter ~C. Duilius~ bei ~Mylae,~ westlich
von Messana, mit Hilfe der Enterbrcken. Zum Andenken an den Sieg die
+columna rostrata+ auf dem Forum errichtet.

[256.]

Nach einem zweiten Seesiege bei ~Eknomos~ an der Sdkste Siciliens
landen die Konsuln ~M. Atilius Regulus~ und +L. Manlius Volso+ an der
afrikanischen Kste. Die Karthager, durch Verwstung ihres Gebiets
erschreckt, bitten um Frieden; Regulus stellt zu hohe Forderungen,
wird 255 bei +Tunes+ geschlagen und gefangen.

Fortsetzung des Krieges in Sicilien; die Rmer erobern +Panormus+ und
behaupten es durch einen Sieg des Konsuls +L. Caecilius Metellus+
(251), der bei seinem Triumph in Rom ber 100 Elefanten auffhrt.

Friedensgesandtschaft der Karthager nach Rom. Nach der rmischen
Legende soll Regulus die Annahme des Friedens widerraten haben und
in Karthago unter Martern gettet worden sein. Die Rmer nehmen den
Seekrieg wieder auf, belagern aber vergeblich die starke karthagische
Seefestung ~Lilybaeum~. Der Konsul +P. Claudius Pulcher+ (die heiligen
Hhner) wird in der

[~249~.]

~Seeschlacht bei Drepana~

von den Karthagern geschlagen. Darauf in den nchsten Jahren nur
+Landkrieg+ auf der Westseite Siciliens. Der karthagische Feldherr
~Hamilkar~, genannt ~Barkas~ (d. h. der +Blitz+), verteidigt sich 6
Jahre mit Erfolg gegen die Rmer, erst auf dem Berge +Eirkte+ (Monte
Pellegrino bei +Palermo+), dann auf dem +Eryx+ bei Drepana, beunruhigt
auch durch Kaper die Ksten Italiens. Durch das Zusammentreten reicher
Brger in Rom wird endlich aus Privatmitteln eine neue Flotte gebaut.
Mit dieser erringt der Konsul ~C. Lutatius Catulus~ den entscheidenden

[~241~.]

~Seesieg bei den Agatischen Inseln~

(gegenber Lilybaeum) ber die karthagische Flotte unter Hanno.

~Friede~: 1. Die Karthager verzichten auf ganz ~Sicilien~. 2. Sie
zahlen 3200 Talente (16 Mill. Mark) Kriegsentschdigung in zehn
Jahren. -- Der grere, ~westliche Teil Siciliens~ wird die ~erste
rmische Provinz~ unter der Verwaltung eines Prtors; der kleinere
+sdstliche Teil+ bleibt unter der Hoheit des mit Rom verbndeten
+Knigs Hiero von Syrakus+.

[238.]

~Karthago~ in groer Gefahr durch den +Aufstand der Sldner+ und der
+libyschen Untertanen+, welcher endlich von +Hamilkar+ unterdrckt
wird. Die Rmer benutzen dies, um von den Karthagern die Abtretung
von ~Sardinien~ und Zahlung von 1200 Talenten zu erzwingen. Die Insel
wird mit dem frher +etruskischen+ ~Korsika~ zu +einer+ Provinz
vereinigt. Doch besetzen die Rmer nur die Ksten dieser Inseln; die
Gebirgsbewohner im Inneren werden gelegentlich bekriegt, um Sklaven zu
erbeuten.

[236.]

+Hamilkar+ beginnt Eroberungen in ~Spanien~, um neues Gebiet fr
Karthago zu gewinnen; sein Schwiegersohn +Hasdrubal+, Nachfolger im
Oberbefehl, grndet 227 +Neu-Karthago+ (Cartagena).

[229-228.]

Krieg der Rmer gegen die seeruberischen ~Illyrier~ von Skodra. Eine
rmische Flotte beschtzt die Griechenstdte Kerkyra, Apollonia,
Epidamnos; die Knigin Teuta mu Tribut zahlen und Gebiet abtreten.

[225-222.]

Die Rmer unterwerfen Nord-Italien, ~Gallia cisalpina~, gereizt
durch einen Einfall gallischer Stmme in +Etrurien+. Diese werden
bei +Telamon+ an der etruskischen Kste vernichtet. Der Konsul Cn.
Cornelius Scipio besiegt die Bojer und Cenomanen und erobert 222
+Mediolanum+ (Mailand), die Hauptstadt der Insubrer. Zur Sicherung des
neuen Gebietes werden die latinischen Kolonien Placentia, Cremona,
Mutina angelegt. Die schon frher gebaute Heerstrae nach +Spoletium+
wird weiter gefhrt ber den Apennin bis an das Adriatische Meer, dann
die Kste entlang bis +Ariminum+ (~Via Flaminia~). Weitere Maregeln
zur Befestigung ihrer Herrschaft im cisalpinischen Gallien unterbricht
der

[~218-201.~]

~Zweite Punische Krieg.~

~Ursachen~: Eifersucht der Rmer auf die durch Erwerbungen in Spanien
neu aufblhende Macht Karthagos; Bestreben des Hauses Barkas, an Rom
Rache zu nehmen.

~Veranlassung~: Die Eroberung der mit Rom verbndeten spanischen Stadt
+Saguntum+ (Murviedro, nrdlich von Valencia) durch ~Hannibal~, den
Sohn Hamilkars, 219. Eine rmische Gesandtschaft fordert in Karthago
Hannibals Auslieferung; diese wird verweigert, obgleich ein groer Teil
des karthagischen Senats der Machtstellung der Familie Barkas abgeneigt
ist. Darauf Kriegserklrung der Rmer.

Den rmischen Kriegsplan, mit dem Hauptheere von Sicilien aus
eine Landung in +Afrika+ zu machen, whrend ein zweites Heer die
karthagischen Truppen in +Spanien+ beschftigen soll, vereitelt

[218.]

~Hannibals khner Zug nach Italien~ auf dem Landwege. Er berschreitet
nach Zurcklassung gengender Truppen in Spanien unter seinem Bruder
Hasdrubal, die stlichen +Pyrenen+ mit 50000 Mann Fuvolk, 9000
Reitern, 37 Elefanten und durchzieht das sdliche Gallien. Der rmische
Konsul +P. Cornelius Scipio+, welcher auf der Fahrt nach Spanien in
Massilia angelegt hatte, kann Hannibals bergang ber den +Rhodanus+
(Rhne) nicht hindern, kehrt nach Italien zurck, sendet aber seinen
Bruder +Cn. Scipio+ mit dem Hauptteil des Heeres nach Spanien.
Hannibal zieht am Rhodanus aufwrts bis zum Nebenflu Isara (Isre),
dann stlich durch die Gebiete der +Allobroger+ und +Ceutronen+,
berschreitet kmpfend die +Alpen+ (Pa des +Mont Genvre+ oder des
+Kleinen St. Bernhard+) und gelangt nach unsglichen Mhen mit nur
26000 Mann und wenigen Elefanten nach Ober-Italien.

[~218.~ (Sept.)]

~Reitertreffen am Ticinus~, +linkem+ Nebenflu des Po. Scipio
verwundet, wird durch seinen 17jhrigen Sohn, den spteren
+Africanus+, gerettet. Verstrkt durch aufstndische Gallier (S 89),
schlgt Hannibal in der

[~218.~ (Dez.)]

~Schlacht an der Trebia~ (+rechtem+ Nebenflu des Po) den andern Konsul
+Tib. Sempronius Longus+, der, aus Sicilien zurckberufen, die beiden
vereinigten rmischen Heere befehligte.

Hannibal befrdert den nationalen Aufstand der cisalpinischen Gallier,
entlt alle gefangenen rmischen Bundesgenossen, berschreitet den
Apennin und vernichtet ein rmisches Heer von 30000 Mann unter dem
Konsul +C. Flaminius+ in der

[~217.~]

~Schlacht am Trasimenischen See~. Schrecken in Rom; man rstet sich
aber zur Verteidigung der Stadt. ~Q. Fabius Maximus~ zum +Dictator+
ernannt. Hannibal wendet sich nach Osten, um den Abfall der rmischen
Bundesgenossen allgemein zu machen, zieht durch +Picenum+ nach
+Apulien+. Fabius folgt ihm in gemessener Entfernung, eine Schlacht
vermeidend (daher +Cunctator+, der Zauderer, genannt). Als Hannibal,
wieder den Apennin berschreitend, nach Campanien vordringt, hindert
Fabius ihn nicht an der Plnderung der reichen Landschaft, verlegt ihm
aber den Rckweg bei +Casilinum+ am +Volturnus+. Hannibal gewinnt durch
eine List freie Bahn und kehrt nach +Apulien+ zurck.

Die rmische Brgerschaft, mit Fabius' Kriegfhrung unzufrieden, gibt
dem magister equitum +M. Minucius+, der bei +Gerunium+ glckliche
Gefechte gegen die Karthager besteht, als zweitem +Dictator+ einen
unabhngigen Oberbefehl ber die Hlfte des Heeres. Er greift
Hannibal an, wird geschlagen und nur durch +Fabius+ vor vollstndiger
Vernichtung gerettet.

Zu Konsuln des Jahres 216 werden der als Feldherr bewhrte ~L. Aemilius
Paullus~ von der Optimatenpartei und der unfhige ~C. Terentius Varro~
von der Volkspartei erwhlt, um mit einem Heere von 86000 Rmern und
Bundesgenossen Hannibal zu vernichten. Varro greift an dem Tage, wo er
den Oberbefehl hat, unvorsichtig an.

[~216.~]

~Schlacht bei Cannae~ (in Apulien, am +Aufidus+), furchtbare Niederlage
der Rmer; gegen 50000 werden gettet, darunter mehr als 80 Mnner
senatorischen Ranges und der Konsul +L. Aemilius Paullus+, die brigen
werden gefangen oder zersprengt. +Varro+ rettet sich mit einer kleinen
Schar nach Venusia und sammelt allmhlich einen Rest von 10000 Mann.

In demselben Jahre wird auch eine nach dem cisalpinischen Gallien
geschickte Legion vernichtet. Der ~Abfall von Capua~, die Lossagung
der Samniten, Lukaner, Bruttier und vieler unteritalischer Stdte vom
rmischen Bndnis ist die unmittelbare Folge der Schlacht bei +Cannae+.

Bewundernswrdige Haltung des rmischen Senats. Die Trauer um die
Gefallenen wird auf 30 Tage beschrnkt, Hannibals Gesandten, welche die
Lsung der Gefangenen anbieten, der Eintritt in die Stadt verboten;
mit Heranziehung aller irgend Waffenfhigen, selbst Sklaven, wird ein
neues Heer gebildet und zum Teil mit alten Beutestcken aus den Tempeln
bewaffnet. Der Prtor ~M. Claudius Marcellus~, schon im gallischen
Kriege erprobt, und der Dictator +M. Junius Pera+ verteidigen die
rmischen Stellungen bei +Neapolis+, +Cumae+ und +Nola+. Hannibal
bezieht Winterquartiere in +Capua+. Karthago schliet Bndnis mit
+Philipp V.+ von Makedonien und +Hieronymus+, dem Enkel und Nachfolger
des Knigs Hiero in Syrakus (S. 88).

[~215.~]

Wendung des Krieges zugunsten der Rmer. Hannibal, bei +Nola+ von
+Marcellus+ zurckgeschlagen, geht nach +Apulien+ und gibt den
Angriffskrieg auf. Aus Karthago erhlt er, mit Ausnahme einer Sendung
von 4000 Mann, keine Untersttzung. Die Rmer dagegen bringen ihre
Kriegsmacht bald auf 21 Legionen; ihre +Flotte+ beherrscht von
Lilybaeum aus das Meer und macht fters Landungen an der afrikanischen
Kste. Hannibals Hoffnung auf Zuzug aus Spanien wird vereitelt durch den

[~218-206.~]

~Krieg der Rmer gegen die Karthager in Spanien.~

Die Feldherrn +P.+ und +Cn. Cornelius Scipio+ besiegen +Hasdrubal+,
Hannibals Bruder, 216 am +Iberus+ (Ebro) und dringen bis in das Gebiet
des +Baetis+ (Guadalquivir) vor, wo sie sich unter wechselvollen
Kmpfen ~bis 211~ im ganzen siegreich behaupten. Zugleich bedrngen
sie durch ihren Bundesgenossen +Syphax+, Knig von Westnumidien, die
Karthager in Afrika. Das Bndnis mit Philipp von Makedonien bringt dem
Unternehmen Hannibals ebenfalls keine Hilfe.

[215-205.]

~Erster Makedonischer Krieg,~

von den Rmern mit geringen Streitkrften glcklich gefhrt. Der
unentschlossene Knig +Philipp+ wagt nicht, die versprochene Landung
in Italien auszufhren. Die Rmer bringen gegen ihn ein Bndnis
+griechischer+ Staaten zustande (die ~toler~ an der Spitze), dem sich
+illyrische+ und +thrakische+ Huptlinge, sowie Knig +Attalos+ von
Pergamon anschlieen.

[214-210.]

~Krieg in Sicilien (Belagerung von Syrakus),~

durch ~Marcellus~ zugunsten der Rmer entschieden. Nach Vernichtung
des karthagischen Entsatzheeres unter +Himilko+ durch Niederlagen und
Seuchen in den sumpfigen Niederungen des +Anapos+ wird trotz tapferer
Verteidigung (+Archimedes+)

[~212.~]

~Syrakus erobert und geplndert.~

In Italien nimmt Hannibal die Stadt ~Tarent~ ein, mit Ausnahme der
Burg, und kmpft glcklich in Lukanien.

[211.]

Unglck der Rmer in ~Spanien~. Beide Scipionen werden von den
Karthagern und ihrem Verbndeten +Massinissa+, Sohn des Knigs von
Ostnumidien (selbst Knig 208), geschlagen und gettet; ihre Truppen
weichen nach Norden ber den Ebro zurck.

Hannibal greift das rmische Belagerungsheer vor ~Capua~ an, wird
aber zurckgeschlagen. Um die Rmer zur Aufhebung der Belagerung zu
bewegen, rckt er gerade auf Rom los und schlgt am Anio ein Lager auf
(+Hannibal ad portas!+), geht aber nach Verwstung der Umgegend, da die
Rmer zur Verteidigung bereit sind, nach Unter-Italien zurck, ohne
seinen Zweck erreicht zu haben.

~Capua muss sich den Rmern ergeben~, welche ber die Stadt ein
furchtbares Strafgericht ergehen lassen (viele Brger als Sklaven
verkauft, 53 Senatoren enthauptet, die Selbststndigkeit der Gemeinde
vernichtet). Hannibals Angriff auf +Rhegium+ und auf die +Burg von
Tarent+ milingt; seine italischen Bundesgenossen beginnen ihn zu
verlassen.

[210.]

Der junge ~P. Cornelius Scipio~ (Sohn und Neffe der in Spanien
gefallenen Brder) wird als Prokonsul nach Spanien geschickt; er geht
209 ber den Ebro und erobert +Neukarthago+, whrend in Italien Q.
Fabius Maximus +Tarent+ wiedergewinnt.

[208.]

Marcellus fllt in einem Reitertreffen bei +Venusia+. Ausharren der
Rmer trotz der durch die Dauer des Krieges sich fhlbar machenden
Erschpfung der Krfte. Zwlf latinische Kolonien erklren sich auer
stande, fernerhin Geld und Mannschaften zu liefern, 18 andere dagegen
halten treu zu Rom.

In ~Spanien~ dringt Scipio siegreich bis zum Sden vor, kmpft aber bei
+Baecula+ ohne Entscheidung mit +Hasdrubal+ und kann ihn nicht hindern,
ber die (westlichen) Pyrenen zu gehen, um seinem Bruder Hannibal
Hilfe zuzufhren.

[~207.~]

Hasdrubal, in Ober-Italien angelangt, ruft die cisalpinischen Gallier
aufs neue zu den Waffen. Groe Rstungen in Rom (23 Legionen auf den
verschiedenen Kriegsschaupltzen), um die Gefahr abzuwehren. Gegen
Hasdrubal wird der Konsul +M. Livius Salinator+, gegen Hannibal der
Konsul +C. Claudius Nero+ gesendet. Dieser entschliet sich, whrend
Hannibal ihm gegenber in +Apulien+ lagert, zu einem Eilmarsch mit 7000
Mann auserlesener Truppen und vereinigt sich mit seinem Amtsgenossen.
Beide Konsuln siegen in der

[~207.~]

~Schlacht bei Sena Gallica~, nicht weit vom Flusse ~Metaurus~.
+Hasdrubal+ fllt. Auf die Nachricht von dieser Niederlage (die Rmer
werfen den karthagischen Vorposten den Kopf des +Hasdrubal+ zu) zieht
Hannibal nach dem Bruttierlande zurck.

[206.]

Die Karthager rumen +Gades+ (Cadix), ihre letzte Besitzung in Spanien.

[205.]

~Scipio~, zum Konsul erwhlt, bereitet in Sicilien einen Zug nach
Afrika vor. +Mago+, Hannibals jngster Bruder, landet mit den Trmmern
des spanischen Heeres der Karthager bei +Genua+ und ruft die Ligurer zu
den Waffen. Sofort werden drei rmische Heere gegen ihn aufgeboten.

[204.]

Scipios Landung in Afrika. Den Kern seines Heeres bilden die Reste des
einst bei Cannae besiegten Heeres (2 Legionen). Mit ihm vereinigt sich
Massinissa, der von den Karthagern und dem jetzt mit ihnen verbndeten
+Syphax+ (Gemahl der Karthagerin +Sophoniba+) aus seinem Reiche
vertrieben war.

[203.]

+Scipio+ schlgt die Karthager und Numider durch nchtlichen berfall
(das Lager in Brand gesteckt) und bedroht Karthago. +Syphax+ wird in
der Nhe seiner Hauptstadt +Cirta+ (Constantine) von einer rmischen
Heeresabteilung unter +C. Laelius+ und den numidischen Reitern unter
+Massinissa+ besiegt und gefangen. Friedensunterhandlungen ohne
Ergebnis. Die Karthager rufen +Hannibal+ und +Mago+ nach Afrika zurck;
Mago stirbt auf der berfahrt. Hannibal schifft sich in +Kroton+ ein,
nachdem er die italischen Soldaten, die ihm nicht folgen wollen, hat
niedermachen lassen, und landet bei Leptis. Nach einer fruchtlosen
persnlichen Unterhandlung zwischen Scipio und Hannibal kommt es zur

[~202.~]

~Entscheidungsschlacht bei Zama~,

in der das karthagische Heer geschlagen und vernichtet wird. Hannibal
flchtet nach +Hadrumetum+.

[~201.~]

Scipio gewhrt den Karthagern ~Frieden~ unter folgenden Bedingungen: 1.
Abtretung der spanischen Besitzungen und der Inseln des Mittelmeeres.
2. bergabe des numidischen Reiches an +Massinissa+. 3. Zahlung eines
+jhrlichen+ Tributs von 200 Talenten (etwa 1 Mill. Mark) +fnfzig+
Jahre lang. 4. Auslieferung und Verbrennung aller Kriegsschiffe bis
auf 10. 5. Verbot, ohne Erlaubnis der Rmer irgendwo Krieg zu fhren.
-- +P. Cornelius Scipio+, der den Beinamen ~Africanus~ erhlt, feiert
in Rom einen glnzenden Triumph (+Syphax+).

Die italischen Bundesgenossen Hannibals werden zu bedeutenden
Gebietsabtretungen verurteilt: in diesen Gebieten werden +Kolonien+
gegrndet (+Puteoli+, +Salernum+, +Croton+, +Vibo+); das Gebiet von
+Capua+ bleibt ager publicus. Nach einer nochmaligen Erhebung der
cisalpinischen Gallier und der Ligurer wird

[200-191.]

~Ober-Italien~ nach schwerem Kampfe ~wieder unterworfen~.
Wiederherstellung der Kolonien +Placentia+, +Cremona+, +Mutina+;
~Via Aemilia~ von Ariminum bis Placentia; Kolonie +Aquileia+ an der
Nordostgrenze.

~Folgen des zweiten Punischen Krieges~: 1. Durch den glcklichen
Ausgang des Kampfes, bei welchem der Bestand des rmischen Staats
gefhrdet war, ist die nationale Einigung und Unabhngigkeit Italiens
unter Roms Herrschaft sichergestellt. 2. Rom gewinnt aueritalische
+Provinzen+ und beschreitet, durch keinen ebenbrtigen Gegner mehr
gehindert, die Bahn zur +Weltherrschaft+.


 5. Ausbreitung der rmischen Herrschaft.

In ~Spanien~ werden 197 ~zwei Provinzen~ eingerichtet: +Hispania
citerior+ (Tarraconensis) und +Hispania ulterior+ (Baetica). Doch
bedarf es noch oft wiederholter Feldzge (195 der Konsul +M. Porcius
Cato+), um die rmische Herrschaft zu befestigen.

Durch Unterwerfung der griechischen Lnder des Ostens entsteht ein
mchtiges, zweisprachiges Reich, welches die +Mittelmeer+lnder zu
einer groen Einheit zusammenschliet.

[~200-197.~]

~Zweiter Makedonischer Krieg.~

~Veranlassung~: Makedonische Sldner hatten bei Zama gegen die Rmer
gekmpft. Auerdem bitten Knig +Attalos+ von +Pergamon+ und die Stdte
+Rhodos+ und +Athen+ die Rmer um Hilfe gegen Philipp, der im Bunde mit
Antiochos III. von Syrien gypten bekriegt und auch sie schwer bedrngt.

Zwei rmische Legionen unter +P. Sulpicius Galba+ landen in Illyrien
bei +Apollonia+. Die rmische Flotte schtzt den Peiraieus und
bedroht Euba. Philipp, vor Athen zurckgeschlagen, wird gezwungen,
Mittel-Griechenland zu verlassen. Erfolglose Kriegfhrung der Rmer
in +Illyrien+; die Flotte versucht vergebens eine Landung auf der
Halbinsel +Chalkidike+. Aber der Konsul ~T. Quinctius Flamininus~
(198) gewinnt, nach Umgehung der festen Stellung Philipps, Epirus,
besetzt dann Phokis und Botien und siegt endlich in der

[~197.~]

~Schlacht bei Kynoskephalae~ in Thessalien.

~Friede~: Philipp mu die Hegemonie ber Griechenland sowie berhaupt
alle Besitzungen auerhalb des eigentlichen Makedoniens aufgeben und
in 10 Jahren 1000 Talente zahlen; ferner darf er nur 5000 Soldaten und
5 Kriegsschiffe halten und nur mit rmischer Erlaubnis Krieg fhren.
-- Bei den Isthmischen Spielen lt +Flamininus+ den Senatsbeschlu
verknden, welcher die bisher Philipp untertnigen ~griechischen
Staaten fr frei~ erklrt. Die meisten treten in den Achischen Bund;
die Rmer beschrnken die Herrschaft des Tyrannen +Nabis+ von Sparta,
lassen sie aber als Gegengewicht gegen den Achischen Bund bestehen (s.
S. 69).

[195.]

Die oligarchische Partei in ~Karthago~, wo auf Hannibals Anregung eine
demokratische Reform der Verfassung stattgefunden hat, verdchtigt
diesen beim rmischen Senat, der seine Auslieferung verlangt. Hannibal
flchtet nach Tyrus, von da zum Knig Antiochos.

[~192-189.~]

~Krieg mit Antiochos III. von Syrien.~

Antiochos, herbeigerufen von den mit Roms Schutzherrschaft
unzufriedenen +tolern+, erffnet den Krieg mit einer Landung in
Thessalien. Von da geht er nach Euba. Die meisten Griechen, namentlich
der +Achische+ Bund, bleiben den Rmern treu, mit denen sich auch
+Philipp von Makedonien, Eumenes von Pergamon+ und +Rhodos+ verbinden.
Landung des Konsuls M'. Acilius Glabrio in Epirus und Marsch nach
Thessalien.

[191.]

~Schlacht bei Thermopylae.~ Der Konsular und Besieger der Spanier,
+M. Porcius Cato,+ welcher als Kriegstribun im rmischen Heere dient,
berrumpelt die toler auf dem Bergpfade des Ephialtes (S. 40), der
Konsul +Acilius+ nimmt den Hauptpa und zersprengt das Heer des
Antiochos, der mit wenigen Truppen nach +Chalkis+ entkommt und sich
dort nach +Ephesus+ einschifft.

[190.]

Eine +rhodische+ Flotte besiegt die von +Hannibal+ gefhrte Flotte des
Knigs an der Mndung des +Eurymedon+ (s. S. 43), die rmische Flotte
siegt am Vorgebirge +Myonnesos+ unweit Ephesus. Das rmische Landheer
unter +L. Cornelius Scipio,+ welchen sein Bruder +Scipio Africanus+ als
Legat begleitet, marschiert durch Makedonien und Thrakien, setzt ber
den Hellespont und schlgt den Antiochos bei ~Magnesia~ am Sipylos,
nicht weit von Smyrna.

[189.]

Friedensschlu: Antiochos tritt +Kleinasien+ bis zum Taurusgebirge ab,
zahlt in zwlf Jahren 15000 Talente (ber 70 Mill. Mark) Kriegskosten,
liefert seine Kriegsschiffe bis auf zehn aus. +Hannibal+ entflieht nach
Bithynien zum Knige Prusias, ttet sich dort 183 durch Gift.

In Rom glnzender Triumph des +L. Cornelius Scipio+, der den
Beinamen +Asiaticus+ annimmt. Der Senat beschliet, vor der Hand
keine unmittelbaren Besitzungen in Asien zu erwerben, verteilt die
abgetretenen Lnder an die Bundesgenossen, namentlich an +Eumenes+
von Pergamon und die +Rhodier+, und nimmt die griechischen Stdte
Asiens in Schutz gegen die +Galater+ (189 Zug des Konsuls +Cn.
Manlius Volso+ von Ephesus aus). In Griechenland werden die +toler+
besiegt und unterworfen, die brigen Staaten behalten vorlufig ihre
Selbstndigkeit. Die inneren Zwistigkeiten dauern unter den Griechen
fort, der rmische Senat wird als Schiedsrichter angerufen,

[186.]

Senatus consultum +de bacchanalibus+ gegen die Ausartung griechischer
Gtterdienste.

[184.]

~M. Porcius Cato~ (234-149) strenger Censor in Rom, bekmpft als
Vertreter altrmischer Sittenstrenge die zugleich mit der griechischen
Bildung sich ausbreitenden Laster der Nobilitt (+ambitio, avaritia,
luxuria+), erbaut nach griechischem Vorbilde die erste Sulenhalle am
Forum, Basilica Porcia. +P. Cornelius Scipio Africanus+, mit seinem
Bruder L. Scipio von zwei Volkstribunen angeklagt wegen willkrlicher
Verwendung der von Antiochos gezahlten Gelder, schlgt durch sein
Ansehen den Proze nieder, verlt dann Rom und stirbt 183 auf seinem
Landgute zu Liternum in Campanien.

[180.]

~Lex Villia annalis~, beantragt von dem Tribunen +L. Villius,+ zur
Beschrnkung der mtersucht (ambitio). Sie setzt ein bestimmtes Alter
fr die kurulischen mter fest: nach zehnjhrigem Kriegsdienst dilitt
im 37. Lebensjahre, Prtur im 40., Konsulat im 43. Von der Bewerbung
um die dilitt waren Unvermgende schon dadurch ausgeschlossen, da
die Kosten fr die +ffentlichen Spiele+ (ludi Romani, ludi plebei,
Megalesia, Cerealia, Floralia) grtenteils von den dilen selbst
getragen wurden.

[~171-168.~]

~Dritter Makedonischer Krieg.~

Philipps V. Sohn ~Perseus~ will Makedoniens Macht ber Griechenland
herstellen; Knig Eumenes von Pergamon verklagt ihn in Rom. Die
rmische Kriegfhrung in Thessalien anfangs erfolglos, so da unter den
Griechen sich Neigung zum Abfall zeigt; dann aber dringt ~L. Aemilius
Paullus~, Sohn des bei Cannae gefallenen Konsuls, nachdem er die
Mannszucht im Heere hergestellt hat, in Makedonien ein und gewinnt die
entscheidende

[~168.~]

~Schlacht bei Pydna.~

Perseus entflieht zu Schiff, ergibt sich dann auf der Insel Samothrake
den Rmern. Glnzender Triumph des Aemilius Paullus. Die nach Rom
gebrachte Beute ist so bedeutend, da fortan den Brgern das +Tributum+
(s. S. 75) erlassen werden kann.

~Makedonien~ wird noch nicht zur Provinz gemacht, sondern in 4 von
Rom abhngige Bezirke aufgelst, die untereinander weder +commercium+
noch +conubium+ haben; ebenso +Illyrien+ nach Besiegung des Knigs
+Genthios+, eines Bundesgenossen des Perseus, in 3 Bezirke. ber
+Epirus+ wird ein grausames Strafgericht verhngt (70 Stdte zerstrt,
die Einwohner als Sklaven verkauft); die +griechischen Staaten+ werden
in das Verhltnis der Untertnigkeit herabgedrckt. 1000 vornehme
Acher werden zur Untersuchung nach Rom gefhrt (unter ihnen der
Geschichtschreiber +Polybios+) und dann 16 Jahre in italischen Stdten
in Gewahrsam gehalten. Die alten Bundesgenossen der Rmer, Eumenes
von ~Pergamon~ und die ~Rhodier~, welche im Kriege eine vermittelnde
Stellung hatten einnehmen wollen, werden gedemtigt und den letzteren
ihre Besitzungen auf dem Festlande abgenommen. In einem zwischen
~Syrien~ und ~gypten~ ausgebrochenen Kriege schreitet der Senat zum
Schutze der Ptolemer ein. Der rmische Gesandte +C. Popillius Laenas+
(168) befiehlt dem Knig +Antiochus IV.+ von Syrien vor Alexandria in
herrischer Weise den Rckzug.

[~149-146.~]

~Dritter Punischer Krieg.~

~Veranlassung~: Streitigkeiten der Karthager mit Knig +Massinissa+,
der ihr Gebiet schmlert; sie bekmpfen ihn ohne rmische Erlaubnis.
Der Senat beschliet Krieg auf Betreiben des greisen +M. Porcius Cato+:
Ceterum censeo Carthaginem esse delendam (T 149).

Zwei konsularische Heere landen bei +Utica+; die Karthager unterwerfen
sich, liefern Schiffe und Waffen aus. Als aber gefordert wird, da sie
ihre Stadt verlassen und sich 2 Meilen vom Meere neu anbauen sollen,
entschlieen sie sich zu verzweifeltem Widerstande. Mit uerster
Anstrengung aller Bewohner Karthagos wird eine neue Kriegsrstung
zustande gebracht, Tag und Nacht werden Waffen geschmiedet, im
inneren Hafen wird eine neue Flotte gebaut. Ein Sturm der Rmer wird
zurckgeschlagen. Belagerung Karthagos.

[147.]

~P. Cornelius Scipio Aemilianus,~ Sohn des L. Aemilius Paullus, durch
Adoption Enkel des Scipio Africanus[24] erhlt den Oberbefehl. Er
schliet die Stadt von der Land- und Seeseite vollstndig ein.

[~146.~]

~Einnahme und Zerstrung Karthagos.~

Sechstgiger Straenkampf und 17tgiger Brand. Die berlebenden
Einwohner werden als Sklaven verkauft.

Das Land vom +Tusca+flu, gegenber der Insel +Galatha+, bis zur
kleinen Syrte wird unter dem Namen ~Africa~ rmische Provinz
(Hauptstadt +Utica+). Das brige Land kommt an das verbndete
Knigreich +Numidien+. Glnzender Triumph Scipios, der den Beinamen
+Africanus+ (minor) erhlt.

[146.]

~Makedonien wird rmische Provinz~

nach Besiegung des +Andriskos+, der sich fr einen Sohn des Perseus
ausgibt, durch +Q. Caecilius Metellus.+

[140.]

~Einnahme und Zerstrung von Korinth~

nach einem kurzen Kriege des Achischen Bundes gegen die Rmer. Der
Konsul +L. Mummius+ siegt bei +Leukopetra+, besetzt Korinth und
zerstrt es auf Befehl des Senats. Die Kunstschtze werden nach Rom
geschickt, smtliche Einwohner als Sklaven verkauft. Das Gebiet der
Stadt wird teils an +Sikyon+ gegeben, teils fr rmisches Gemeindeland
erklrt.

Die anderen griechischen Stdte werden im allgemeinen mit Milde
behandelt, doch sind sie dem in +Thessalonike+ residierenden
+Statthalter von Makedonien+ untergeordnet (s. S. 69).

Die ersten ~vier Provinzen~ (+Sicilia+, +Sardinia+ nebst +Corsica+,
+Hispania citerior+ und +ulterior+) wurden anfnglich von ~Prtoren~
verwaltet, so da es mit dem +Praetor urbanus+ und dem +Praetor inter
peregrinos+ (seit 241), welche stets in Rom blieben, ~6~ jhrlich
erwhlte Prtoren gab. Spter wird es blich, da alle Prtoren whrend
des Amtsjahres in Rom bleiben als Vorsitzende der aus Senatoren
gebildeten +Gerichtshfe+ (+quaestiones perpetuae+). Im +nchsten+
Jahre gehen dann die Prtoren als ~Proprtoren~, begleitet von
+Qustoren+ als Finanzbeamten, in die ihnen durch das Los zugefallenen
Provinzen; doch werden in solche Provinzen, wo noch Krieg zu fhren
ist, in der Regel die +Prokonsuln+ gesandt. Neben der Verwaltung steht
den Prokonsuln und Proprtoren die hchste Militr- und Justizgewalt zu.

[149.]

Einsetzung des Gerichtshofs ber Erpressungen (+de repetundis+) zur
Abstellung der aus den Provinzen kommenden Klagen.

Im Jahre 146 bestanden ~acht Provinzen~, auer den vier oben genannten
noch +Gallia cisalpina+, +Illyricum+, +Africa+, +Macedonia+. Die
Einrichtung einer Provinz wird in der Regel von dem erobernden
Feldherrn und einer Kommission von 10 Senatoren vorgenommen. Die
Provinzen sind im Gegensatz zu Italien +steuerpflichtige+ Gebiete.
Doch behalten einige Stdte auf Grund eines Vertrages (+civitates
foederatae+), andere auf Grund eines Senats- oder Volksbeschlusses
(+civitates liberae et immunes+) Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit
und Verwaltung durch selbstgewhlte Behrden (divide et impera!).[25]
Die Abgaben der Provinz [Grundsteuer (tributum); Pacht- und Weidegelder
von Staatslndereien (vectigal, scriptura); Hafenzlle (portoria)]
werden an ~Abgabenpchter (publicani)~ verpachtet, meist Gesellschaften
von rmischen Brgern aus dem Ritterstande (+ordo equester+, S. 102),
von denen viele auch als Bankiers (+negotiatores+) und Grokaufleute
(+mercatores+) in der Provinz Handelsgeschfte trieben. Dem Amtsadel
(+ordo senatorius+) waren Geld und Handelsgeschfte untersagt; er legte
sein Geld in Lndereien an, die durch Sklaven bearbeitet wurden.

In Italien bleibt der Gegensatz zwischen +rmischen Brgern+ und
+Bundesgenossen+; die Municipien (S. 86) erhalten nach und nach
rmisches Brgerrecht. Die Herrschaft der ~Nobilitt~ mit ihrem
regelmigen mterwechsel ist so befestigt, da Ernennung von
+Dictatoren+ lange Zeit nicht mehr vorkommt. Seit 153 v. Chr. treten
die Konsuln ihr Amt stets am 1. Januar an (frher am 1. Mrz). In
Zeiten der Gefahr bertrgt der Senat ihnen diktatorische Gewalt durch
den Beschlu: +Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat+.

Zunehmende Verweichlichung und Genusucht in Rom seit dem Ende des
zweiten Punischen Krieges. Beginn des Grokapitalismus und der
Latifundienwirtschaft. Vergebliche Bestrebungen von Mnnern wie M.
Porcius Cato Censorius (234-149).


 6. Brgerliche Unruhen.

[~153-133.~]

~Unterwerfung Spaniens.~

Wiederholte Einflle der freien +Lusitaner+ (in Portugal) in die
sdliche Provinz. Ihr Feldherr +Viriathus+, in mehreren Schlachten
siegreich, wird 139 durch Verrter aus seiner Umgebung ermordet. In der
nrdlichen Provinz ist die Stadt ~Numantia~ (unweit +Soria+ am oberen
+Duero+) Mittelpunkt des Widerstandes. Endlich erhlt den Oberbefehl
+P. Cornelius Scipio Aemilianus Africanus+ (minor), der die Mannszucht
im Heere wiederherstellt und nach 15monatiger Einschlieung die Stadt
aushungert. Verzweifelte Verteidigung.

[~133.~]

~bergabe und Zerstrung von Numantia.~

Scipios Beiname Numantinus. Seit dem Fall von Numantia ist ganz
Spanien, mit Ausnahme der nrdlichen Bergvlker, der rmischen
Herrschaft unterworfen.

[135-132.]

~Erster Sklavenkrieg.~

Aufstand der mihandelten Sklaven in Sicilien unter dem Syrer +Eunus+,
der sich Knig +Antiochos+ nennt, glcklich gegen mehrere rmische
Heere kmpft, endlich aber gefangen und mit einer groen Anzahl
Aufstndischer hingerichtet wird.

[~133-121.~]

~Gracchische Unruhen,~

hervorgerufen durch die auf gewaltsame Weise betriebenen politischen
und sozialen +Reformen+ der Brder +Tiberius+ und +Gaius Sempronius
Gracchus.+

Fortwhrende Vermehrung der groen, durch Sklaven bewirtschafteten
Gter (+Latifundia+). Billiges Getreide aus den Provinzen. Dadurch
schmilzt der freie Bauernstand zusammen; viele arme Brger ziehen
nach Rom, gelockt durch die Aussicht auf Getreidespenden und
Wahlbestechungen. Deshalb stellt

[~133.~]

~Tib. Sempronius Gracchus,~ durch seine Mutter +Cornelia+ Enkel des
Siegers von Zama, als Volkstribun den Antrag auf Erneuerung des in
Vergessenheit geratenen ~Licinischen Ackergesetzes~ (S. 81), doch
sollen auer den 500 Morgen fr zwei Shne noch je 250 vom Gemeindeland
von den Besitzern behalten und fr die auf dem zurckzugebenden Lande
ausgefhrten Bauten und Anlagen Entschdigungen gezahlt werden. Aus dem
dadurch frei gewordenen Gemeindeland sollen unveruerliche Bauerngter
von je 30 Morgen gebildet und zur Bewirtschaftung gegen einen migen
Erbzins an arme Brger verteilt werden. Nachdem Tib. Gracchus den
Volkstribunen +M. Octavius+, der dagegen beharrlich Einspruch erhebt,
durch Volksbeschlu widerrechtlich hat absetzen lassen, wird das
Gesetz vom Volke angenommen; mit seiner Ausfhrung werden beauftragt:
+Tib. Gracchus+, sein Schwiegervater +Appius Claudius+ und sein Bruder
+C. Gracchus+ (tresviri agris dandis assignandis).

[~133.~]

Tod des Knigs +Attalos III. von Pergamon+, der sein Reich (fortan
~rmische Provinz Asia~) und seine Schtze den Rmern hinterlt (S.
66).

Tib. Gracchus beantragt gegen das bestehende Herkommen, wonach der
+Senat+ ber auswrtige Angelegenheiten entscheidet, beim +Volke+, den
pergamenischen Schatz an die neuen Landbesitzer behufs Anschaffung des
ntigen Inventars zu verteilen.

Vorbereitung weiterer volkstmlicher Gesetze (Abkrzung der Dienstzeit,
Ausdehnung des Provokationsrechtes u.a.).

Tib. Gracchus will sich +entgegen dem bestehenden Gesetz+ fr das
folgende Jahr wieder zum Tribunen whlen lassen, wird aber mit 300
seiner Anhnger von den Optimaten unter Fhrung des P. Cornelius Scipio
Nasica auf dem Forum ~erschlagen~. Die Konsuln des folgenden Jahres
schreiten gegen die Volkspartei (+populares+) mit Hinrichtungen und
Verbannungen ein, die beschlossene Ackerverteilung aber kommt zur
Ausfhrung.

[131.]

Der Volkstribun +C. Papirius Carbo+ setzt, um den Einflu der Optimaten
auf die Tributkomitien zu brechen, schriftliche geheime Abstimmung in
denselben durch (lex tabellaria), welche fr die Wahlen schon seit 139
angeordnet war. Seinen weiteren Vorschlgen tritt ~P. Cornelius Scipio
Aemilianus~ (Gemahl der Sempronia, Schwester der Gracchen, S. 98),
entgegen; auch hemmt er die weitere Ttigkeit der tresviri agris dandis
assignandis, indem er bewirkt, da ihnen die richterliche Entscheidung
ber streitiges Land entzogen wird.

[129.]

Am Tage nach einer aufgeregten Verhandlung wird +Scipio+ in seinem
Hause tot (ermordet?) gefunden.

[125.]

Der Konsul +M. Fulvius Flaccus+, welcher im Sinne der gracchischen
Partei beantragt, den italischen Bundesgenossen rmisches Brgerrecht
zu gewhren, wird vom Senat der von gallischen Stmmen bedrngten
Stadt +Massilia+ (S. 66) zu Hilfe geschickt. Bald darauf werden, um
den Landweg von Italien nach Spanien zu sichern, rmische Kolonien in
+Aquae Sextiae+ und +Narbo+ gegrndet, zur Sicherung des Seeverkehrs
werden die +Balearischen Inseln+ besetzt.

[121.]

~Gallia Narbonensis rmische Provinz~ (Massilia +civitas foederata+).

[~123.~]

~Gaius Sempronius Gracchus~ erneuert als Volkstribun das +Ackergesetz+
seines Bruders und knpft daran eine Reihe von Gesetzen, welche die
Herrschaft der Optimaten zu strzen bestimmt sind. Er gewinnt die
Menge der rmeren Brger fr sich, indem er die persnliche Freiheit
sichert (+lex Sempronia de civibus Romanis+: ne de capite civium
Romanorum iniussu populi iudicaretur), den Kriegsdienst erleichtert
(+lex militaris+) und Getreideverkauf von Staats wegen an die Brger zu
billigem Preise anordnet (~lex frumentaria~). Fr 122 wird er auf Grund
eines Gesetzes, welches bei Mangel an Bewerbern um das Tribunat dem
Volke freie Wahl gestattet, wieder zum Tribunen gewhlt.

Durch die ~lex iudiciaria~ bertrgt C. Gracchus die Besetzung
der Geschworenengerichte (quaestiones perpetuae, S. 98) vom
~Senatorenstand~ (+ordo senatorius+) auf den ~Ritterstand~ (+ordo
equester+). Dieser umfate die reicheren Brger, welche als Besitzer
eines Vermgens von mindestens 400 000 sestertii (70 000 Mark) zum
Kriegsdienst zu Pferde eingeschtzt waren; die Senatoren aber waren
seit 129 gesetzlich verpflichtet, mit ihrem Eintritt in den Senat aus
den Rittercenturien auszuscheiden. Die einflureichen Mitglieder der
+Geldaristokratie+ (publicani und negotiatores, S. 99) saen also
fortan auch ber Senatoren zu Gericht.

Auch die Besetzung der +Statthalterschaften+ in den Provinzen wird
(durch die ~lex de provinciis~) der freien Verfgung des Senats
entzogen; die Provinz +Asia+ wird durch die Anordnung, da die
Verpachtung der Abgaben in Rom durch die Censoren geschehen soll,
der Habsucht der +publicani+ aus dem Ritterstande ausgeliefert. Um
die Ackerverteilung zu frdern, wird Aussendung von +Kolonien+ durch
Volksbeschlu angeordnet (~lex de coloniis deducendis~). Whrend
Gracchus von Rom abwesend ist, um die Grndung der Kolonie +Iunonia+
an der Stelle des zerstrten +Karthago+ zu leiten, tritt der Tribun
+M. Livius Drusus+ mit Gegenvorschlgen, besonders die Grndung von
Kolonien in Italien betreffend, auf und wird vom Senat untersttzt

Der Antrag des Gracchus, den Latinern volles Brgerrecht, den brigen
Italikern latinisches Recht zu bewilligen (+lex de civitate sociis
danda+), kommt bei dem vereinigten Widerstande der Optimaten und eines
groen Teiles der Brgerschaft nicht zur Annahme. Gracchus wird fr das
Jahr 121 nicht wieder zum Tribunen erwhlt.

[121.]

Brgerkampf in der Stadt, veranlat durch einen von einem Anhnger des
Gracchus verbten Mord. Die Volkspartei besetzt den +Aventin+, der
Senat erteilt dem Konsul +L. Opimius+ durch das +Senatus consultum
ultimum+ (S. 99) Vollmacht zu Gewaltmaregeln. Der Aventin wird von
Bewaffneten erstrmt, ~C. Gracchus~ und ~M. Fulvius~ werden ~auf der
Flucht erschlagen~. Gegen 3000 Anhnger des Gracchus werden bei der
folgenden Untersuchung verhaftet und gettet.

Herstellung der Senatsherrschaft; die Kolonien (auer +Narbo+) kommen
nicht zur Ausfhrung. Das verteilte Gemeindeland wird 111 durch
Volksbeschlu in zinsfreies Eigentum umgewandelt, kann also von
reicheren Brgern wieder angekauft werden.


 7. Marius und Sulla.

Die Behauptung des zu ansehnlicher Ausdehnung gelangten rmischen
Reiches macht immer wieder Kriege notwendig, deren Fhrung durch die
inneren Parteikmpfe beeinflut wird.

[~111-105.~]

~Jugurthinischer Krieg.~ Jugurtha, Enkel Massinissas, hatte seine
Vettern und Miterben Adherbal und Hiempsal aus dem Besitz +Numidiens+
vertrieben und gettet. Der Krieg gegen ihn wird anfangs von
bestochenen Anfhrern nachlssig gefhrt; ein Sieg des Caecilius
Metellus (Numidicus) am Flusse +Muthul+ ist nicht entscheidend. +C.
Marius+, Unterfeldherr des Q. Caecilius Metellus, aus niederem Stande,
Sohn eines Bauern aus der Gegend von Arpinum, 107 zum Konsul erwhlt,
ntigt Jugurtha, zum Knige Bocchus von +Mauretanien+ zu fliehen. Von
diesem erlangt der optimatische Qustor +L. Cornelius Sulla+ durch
geschickte Unterhandlungen die Auslieferung des Feindes. Jugurtha wird
in Rom im Triumph aufgefhrt, dann im Gefngnis (Tullianum) gettet.
+Numidien+ wird zwischen +Bocchus+ und Jugurthas Halbbruder +Gauda+,
dem letzten noch lebenden Enkel Massinissas, geteilt.

[~113-101.~]

~Krieg gegen die Cimbern und Teutonen.~

Der +germanische+ Stamm der +Cimbern+, von Norden her aus der
+Chersonesus Cimbrica+ (Schleswig und Jtland) auswandernd, dringt
in die Alpengegenden ein, schlgt 113 bei +Noreja+ (in Krnten) den
Konsul +Cn. Papirius Carbo+, wendet sich darauf nach Westen dem Rhein
zu, berschreitet diesen Strom und schlgt 109 in Gallien den Konsul
+M. Junius Silanus+. Groe Niederlage zweier rmischer Heere 105 bei
~Arausio~ (Orange) an der Rhone. Schrecken in Rom; die Volkspartei
setzt fr 104 die Erwhlung des ~Marius~ zum Konsul durch; er wird auch
in den folgenden Jahren wiedergewhlt und rstet sich, whrend die
Cimbern nach Spanien ziehen, in der Provinz +Gallia Narbonensis+ zur
Abwehr.

Die Cimbern, nach Gallien zurckgekehrt, vereinigen sich mit dem
gleichfalls germanischen Volke der ~Teutonen~ und mit +helvetischen+
(keltischen) Stmmen, namentlich den Tigurinern. Einbruch in Italien
beschlossen; die Cimbern und Tiguriner ziehen nach Krnten, um von
Norden her die Alpen zu berschreiten; die Teutonen mit den Ambronen,
der Kernschar der Cimbern, ziehen durch die rmische Provinz an
Marius' Lager vorber, um die Psse der Westalpen zu erreichen.

[102.]

~Schlacht bei Aquae Sextiae~ (Aix in der Provence, s. S. 101); Marius
vernichtet in gewaltigem Kampfe die Teutonen und Ambronen. Dann zieht
er ber die Alpen dem optimatischen Konsul +Q. Lutatius Catulus+ zu
Hilfe, der vor den Cimbern in die Gegend am oberen Po zurckgewichen
war.

[~101.~]

~Schlacht bei Vercellae~ (nrdlich am oberen Po), Sieg der beiden
Konsuln; das Hauptverdienst gebhrt Marius.

Man erwartet von ihm, da er die Herrschaft der Optimaten strze. Im
Jahre 100 zum sechsten Male Konsul, tritt er in Verbindung mit den
Fhrern der Volkspartei, dem Prtor +C. Servilius Glaucia+ und dem
Volkstribunen +L. Saturninus+, entzweit sich aber bald mit ihnen und
unterdrckt schlielich, der Aufforderung des Senats Folge leistend,
die von ihnen erregten Unruhen mit Waffengewalt, geht dann auf einige
Zeit nach der Provinz Asia.

[91.]

Zur Vershnung der Parteien beantragt der Volkstribun ~M. Livius
Drusus~: 1. Rckgabe der Geschworenengerichte (S. 102) an den Senat,
der aber durch 300 Mitglieder des Ritterstandes vermehrt werden soll;
2. Ackerverteilung und ein neues Getreidegesetz. Heftige Errterungen
darber im Senat. Als er dann den Italikern die Erteilung des
Brgerrechts in Aussicht stellt, gilt er wie C. Gracchus als Aufrhrer
und wird durch Meuchelmord beseitigt. Die Italiker aber erheben sich
nun zum Kriege gegen Rom.

[~91-88.~]

~Marsischer oder Bundesgenossenkrieg.~

+Corfinium+ im Gebirgslande, stlich vom Fucinus-See, wird zur
Hauptstadt des neuen Staates bestimmt; dort soll ein Senat von 500
Mitgliedern aus allen italischen Stmmen tagen; zwei Konsuln treten an
die Spitze. Aber die Latiner, Etrusker und Umbrer halten zu Rom; es
kommt nicht zu groen Entscheidungskmpfen, da der Antrag des Konsuls
+L. Julius Caesar+, den treu gebliebenen Bundesgenossen das Brgerrecht
zu verleihen, bald dahin erweitert wird, da es allen Abgefallenen,
die sich binnen 60 Tagen melden, gewhrt werden soll (+lex Plautia
Papiria+, von zwei Volkstribunen des Jahres 89 vorgeschlagen). Damit
wird die Bevlkerung Italiens zur Teilnahme an der Weltherrschaft
Roms zugelassen. Die nach Annahme dieser Antrge noch Widerstrebenden
werden von +Sulla+ und anderen Feldherrn nach und nach besiegt. Ein
auswrtiger Feind erhebt sich, und durch neuen inneren Hader kommt der
rmische Staat in die grte Gefahr.

[~88-84.~]

~Erster Mithradatischer Krieg.~

Gleichzeitig ~Brgerkrieg~ zwischen Optimaten und Volkspartei.

+Mithradates VI.+, Knig von +Pontus+ (S. 66), hatte seine Herrschaft
bis nach Kolchis und dem Kimmerischen Bosporus (Krim) ausgedehnt, den
Knig von Bithynien vertrieben und war dann in der rmischen Provinz
+Asia+ als Befreier aufgetreten. Auf seinen in Ephesus erlassenen
Befehl werden alle in der Provinz sich aufhaltenden Italiker ermordet.

In Rom beantragt der Volkstribun +P. Sulpicius+ Verteilung der
Neubrger in alle 35 Tribus und bertragung des Oberbefehls gegen
Mithradates an Marius. ~Sulla~, als Konsul des Jahres 88 entschlossen,
sich den Oberbefehl nicht entreien zu lassen, fhrt seine 6 Legionen
von Nola aus ~gegen Rom~ und erstrmt die Stadt. Sulpicius auf der
Flucht gettet, Marius entkommt ber Minturnae nach +Afrika+. Sulla
stellt die alte, um 241 abgeschaffte Stimmordnung der Servianischen
Verfassung fr die Centuriatkomitien wieder her und bestimmt, da
fortan in der Brgerschaft ber keinen Antrag ohne Vorbeschlu des
Senats abgestimmt werden darf.

[87.]

Nachdem Sulla zur Kriegfhrung gegen Mithradates abgereist ist,
beruft der aus der Volkspartei erwhlte Konsul L. Cornelius +Cinna+
den flchtigen Marius zurck und beginnt mit ihm eine revolutionre
Schreckensherrschaft in Rom. Viele Optimaten werden gettet, ihr
Vermgen eingezogen. Marius, zum siebenten Male Konsul 86, stirbt zu
Anfang des Jahres; Cinna fhrt seine Willkrherrschaft weiter, wird 84
in Ancona gettet, als er die Flotte gegen Sulla fhren will.

Mithradates' Feldherr +Archelaos+ hat inzwischen einen groen Teil
Griechenlands zum Abfall von der rmischen Herrschaft gebracht. Sulla
schlgt ihn in Botien, nimmt 86 nach lngerer Belagerung +Athen+ ein,
schlgt Mithradates' Truppen nochmals bei +Chaironeia+ und 85 bei
+Orchomenos+, geht dann nach Asien hinber.

[84.]

Friede mit Mithradates zu +Dardanos+ in Troas; er mu die besetzten
Gebiete (die Provinz +Asia+, die Knigreiche +Bithynien+ und
+Paphlagonien+) rumen, alle Kriegsschiffe ausliefern und 3000 Talente
zahlen. Darauf wendet sich Sulla gegen das Heer der Volkspartei,
welches 86 nach Asien gekommen war, aber nichts ausgerichtet hatte;
die Soldaten fallen ihm zu, der Anfhrer C. Flavius Fimbria ttet sich
selbst.

[83.]

Sulla landet mit etwa 40000 Mann in +Brundisium+, sichert den
Bundesgenossen das volle Brgerrecht zu, schlgt in mehreren Treffen,
untersttzt von dem jungen +Cn. Pompeius,+ der ihm ein Heer von
Freiwilligen zufhrt, die Heere der Volkspartei.

[82.]

Sulla nimmt ~Rom~ ohne Widerstand ein, schlgt die +Samniten+,
welche noch immer das Brgerrecht verschmhen, in einer Schlacht
am ~Kollinischen Tor~, verhngt ber aufstndische Stdte ein
Strafgericht. In Rom verfgt er als ~Dictator~ blutige Verfolgung der
Marianischen Partei; es werden +Proskriptionslisten+ aufgestellt; die
Zahl der Gechteten steigt auf 4700. Ihre Gter werden eingezogen und
die Sklaven freigelassen, ihre Kinder von allen mtern ausgeschlossen.
Nach Beendigung des Brgerkrieges folgen Landanweisungen an die
Veteranen des Heeres; in die besiegten italischen Stdte (Faesulae,
Praeneste, Pompeii u.a.) werden ganze Kolonien geschickt. Seine
Unterfeldherrn besiegen die Marianer in Spanien, Sicilien und Afrika.
+Pompeius+, aus Afrika 81 zurckkehrend, zieht im Triumph in Rom ein
und wird von Sulla mit dem Beinamen +Magnus+ begrt.

~Gesetzgebung Sullas~ (+leges Corneliae+) zur Befestigung der
+Optimatenherrschaft+: 1. Der an Zahl sehr zusammengeschmolzene +Senat+
wird durch 300 von den Tributkomitien erwhlte Mitglieder ergnzt; fr
die Zukunft wird der Eintritt in den Senat gesetzlich an die Bekleidung
der +Qustur+ geknpft. Die Zahl der jhrlich von den Tributkomitien
zu erwhlenden +Qustoren+ wird auf 20 erhht. Das Amt der +Censur+
mit seiner Befugnis, alle fnf Jahre die Senatsliste neu aufzustellen,
hrt tatschlich auf. Die von C. Gracchus dem Ritterstande bertragenen
+Geschwornengerichte+ werden dem Senat zurckgegeben.

2. Die +Komitien+ behalten das Recht, Gesetze zu besttigen und
Beamte zu whlen; den Priesterkollegien (S. 81) wird das Recht der
Selbstergnzung zurckgegeben. Die im J. 88 versuchte Wiederherstellung
der Servianischen Stimmordnung wird aufgegeben.

3. Das Recht der +Volkstribunen+, Gesetzvorschlage an die Komitien zu
bringen, wird an die Genehmigung des Senats geknpft; Mibrauch ihres
Einspruchsrechts wird mit schweren Geldbuen bedroht; wer das Tribunat
bekleidet, ist +zur bernahme anderer mter unfhig.+

4. Die Zahl der +stehenden Gerichtshfe+ (+quaestiones perpetuae+, S.
98) wird +vermehrt+, daran schliet sich die Vermehrung der +Prtoren+
auf 8 und eine umfassende Kriminalgesetzgebung.

[81.]

Sulla lt Konsuln whlen, fhrt aber selbst als +Dictator+ die
Regierung weiter. Fr das Jahr 80 lt er sich selbst und seinen
Waffengenossen +Q. Metellus+ (Sohn des Numidicus, S. 103) zu Konsuln
erwhlen, und bahnt so den bergang zur verfassungsmigen Ordnung an.

[~79.~]

~Sulla legt freiwillig die Dictatur nieder~ und tritt ins Privatleben
zurck (T 78).


 8. Pompeius und Csar.

Die Sullanische Staatsordnung gewinnt keinen festen Bestand, da
der Senat auf die Dauer nicht imstande ist, den Ehrgeiz einzelner
Machthaber zu zgeln.

+Pompeius+ bekmpft 77-72 in Spanien den Marianer +Q. Sertorius+,
der sich dort eine unabhngige Herrschaft gegrndet hat, schlielich
aber durch Verschworene ermordet wird. Bei der Rckkehr 71 vernichtet
er flchtige Scharen aufstndischer +Sklaven+, die unter Fhrung des
Thrakers +Spartacus+ seit 73 Italien stark beunruhigt hatten, aber von
+M. Licinius Crassus+ bereits besiegt worden waren (2. +Sklavenkrieg+,
s. S. 100).

[70.]

Umsturz der Sullanischen Verfassung. Die Konsuln ~Pompeius~ und
~Crassus~ stellen die von Sulla beschrnkte +tribunicische Gewalt+
wieder her. Auf Antrag des Prtors +L. Aurelius Cotta+ werden die
+Gerichte+ fortan zu gleichen Teilen aus Senatoren, Rittern und Mnnern
des Brgerstandes gebildet. Auch werden wieder +Censoren+ erwhlt; bei
Aufstellung der Senatsliste werden 64 von Sulla ernannte Senatoren
ausgestoen. Der Volksgunst verdankt +Pompeius+ zweimalige bertragung
des Oberbefehls in den damals entstandenen Kriegen.

[~78-67.~]

~Krieg gegen die Seeruber.~ Seit Zerstrung Karthagos war die rmische
Kriegsflotte vernachlssigt. Erpressungen der Statthalter in Asien
trugen dazu bei, da das Unwesen des Seeraubes den Handelsverkehr auf
dem ganzen Mittelmeer gefhrdete. Die italischen Kstenstdte von ihnen
gebrandschatzt, eine rmische Flotte vor Ostia geschlagen. +Kreta+
und +Cilicien+ Hauptsitze der Seeruber. Nachdem im J. 103 ein Teil
Ciliciens zur Provinz gemacht war, besetzt der Prokonsul +P. Servilius
Vatia+ 78-75 auch die westlich angrenzenden Landschaften Pamphylien,
Pisidien, Isaurien und zerstrt viele Seeruberstdte, +Kreta+ wird
nach lngeren Kmpfen 67 zur Provinz gemacht (bald mit +Cyrenaica+
vereinigt). Da indes das Piratenunwesen noch fortdauert, so erhlt

[67.]

~Pompeius~ auf Antrag des Volkstribunen +A. Gabinius+ (+lex Gabinia+)
auf drei Jahre ~den unumschrnkten Oberbefehl~ ber das ganze
Mittelmeer und ber alle Ksten desselben bis 10 Meilen (75 km)
landeinwrts; alle Staatskassen, alle Hilfsmittel der Provinzen und der
Schutzstaaten werden ihm zur unbedingten Verfgung gestellt. Pompeius
subert mit 120000 Mann und 500 Schiffen in drei Monaten (durch 2
kurze Feldzge) erst das westliche, dann das stliche Mittelmeer,
nimmt viele Seeruber gefangen und siedelt sie meist landeinwrts an
(+Pompeiopolis+, bisher +Soloi+, in Cilicien).

[~74-64.~]

~Dritter Mithradatischer Krieg.~

Gegen den Knig von +Pontus+ hatte der Proprtor +L. Licinius Murena+
83-81 einen zweiten Krieg gefhrt, um ihn zu vlliger Ausfhrung
des Friedens zu Dardanos zu zwingen. Nach Sullas Tode erhebt sich
+Mithradates+ von neuem, verbndet mit seinem Schwiegersohn +Tigranes+
von Armenien, der dem Reiche Syrien (S. 65) ein Ende macht. Mithradates
besetzt +Bithynien+, das Knig Nikomedes den Rmern vermacht hatte (S.
66), wird aber von dem Prokonsul +L. Licinius Lucullus+ 72 bei +Kabira+
geschlagen und aus seinem Reiche vertrieben. Lucullus siegt 69 auch
ber Tigranes bei +Tigranokerta+ und besetzt die Landschaft Kommagene
am oberen Euphrat, wird aber 68 bei dem Zuge durch die armenischen
Berge gegen die Hauptstadt +Artaxata+ durch Meuterei seiner Soldaten
zur Umkehr gentigt. Alle Erfolge gehen verloren; Mithradates kehrt in
sein Reich zurck. Lucullus vom Senat zurckgerufen.

[66.]

~Pompeius~ erhlt den Oberbefehl in Asien auf Antrag des Tribunen
+C. Manilius+ (Ciceros Rede +de imperio Cn. Pompei+ oder +pro lege
Manilia+). Er schliet ein Bndnis mit den +Parthern+, besiegt
Mithradates in einer nchtlichen Schlacht am Flusse +Lykos+, verfolgt
ihn bis zum +Phasis+ und wendet sich dann nach Armenien. Bei +Artaxata+
unterwirft sich Tigranes; er bleibt Knig von Armenien, mu aber auf
alle Eroberungen verzichten und 6000 Talente Kriegskosten zahlen.

[65.]

Pompeius kmpft mit den kriegerischen Bergvlkern im +Kaukasus+, gibt
aber die weitere Verfolgung des nach der Taurischen Chersones (Krim)
geflchteten Mithradates auf und zieht nach Pontus, von da nach Syrien.

[~64-63.~]

~Einrichtung des asiatischen Rmerstaates durch Pompeius.~

Neue Provinzen: 1. ~Pontus~, bestehend aus Bithynien, der Kste
von Paphlagonien und dem westlichen Teil des frheren Reiches des
Mithradates. 2. ~Syria~, zunchst nur das Kstenland, vom Meerbusen
von Issus bis +Damaskus+, spter bedeutend erweitert. Neugeordnet wird
die schon bestehende Provinz ~Cilicia~ (mit Pamphylien und Isaurien,
S. 107). Die asiatischen Provinzen sind vielfach durchbrochen und
umgeben von unabhngigen +Stadtgebieten+, sowie von frstlichen und
priesterlichen (Pessinus, Komana) +Herrschaften+ unter rmischer
Oberhoheit. Von den Vasallenknigen sind die bedeutendsten der Knig
von +Kappadokien+ und der Knig +Deiotarus+ von Galatien (S. 66). In
Palstina setzt Pompeius nach Einnahme Jerusalems und des Tempels den
von seinem Bruder Aristobulos vertriebenen Makkaber +Hyrkanos+ als
Hohenpriester und dem rmischen Volke tributpflichtigen Herrscher ein.

[63.]

Auf die Nachricht, da +Mithradates+ sich in +Pantikapaion+ infolge
des Aufstandes seines Sohnes +Pharnaces+ den Tod gegeben, zieht
Pompeius wieder nach Pontus; er besttigt den Pharnaces im Besitz des
bosporanischen Reiches.

[61.]

Pompeius, nach Italien zurckgekehrt, entlt in Brundisium sein Heer
und kommt als Privatmann nach Rom. Einige Monate spter zweitgiger
prachtvoller Triumph.

[~66-63.~]

~Catilinarische Verschwrung.~

Bund der +Volkspartei+ mit den Anhngern des verschuldeten Patriziers
~L. Sergius Catilina~, welche durch gewaltsamen Umsturz des Staates und
Schuldentilgung +(tabulae novae+) Besitz und Macht zu erlangen hoffen.

Die erste Verschwrung im J. 66, nach welcher die Konsuln des J. 65
ermordet, darauf +Crassus+ (S. 107) zum Dictator, +C. Julius Csar+[26]
zum magister equitum erhoben werden sollen, kommt wegen Unschlssigkeit
einiger Teilnehmer und sonstiger Hindernisse nicht zur Ausfhrung. Fr
das Jahr ~63~ soll die Erwhlung des +Catilina+ und des +C. Antonius+
zu Konsuln durchgesetzt werden, aber nur der letztere wird gewhlt;
sein Amtsgenosse wird der als Redner und Anwalt beliebte, bisher keiner
Partei vollstndig angehrige ~M. Tullius Cicero~.[27] Dieser sichert
dem verschuldeten Antonius durch eigene Verzichtleistung im voraus die
eintrgliche Statthalterschaft +Makedonien+ zu und macht ihn dadurch
den Verschworenen abwendig.

Cicero verhindert whrend seines Konsulates mehrere Antrge der
Volkspartei, namentlich ein weitgehendes Ackergesetz, berwacht die
Anschlge der Verschwrung und vereitelt den Versuch Catilinas, bei
der Konsulwahl fr 62 die Mitbewerber und ihn selbst, den die Wahl
leitenden Konsul, zu ermorden. Der Senat, von der Bildung eines
aufstndischen Heeres unter G. Manlius in +Etrurien+ unterrichtet,
erteilt den Konsuln Vollmacht zur Rettung des Staates (S. 99).
Catilinas Plan, Cicero in seinem Hause ermorden zu lassen, wird
ebenfalls verraten und milingt. ~Cicero enthllt die Verschwrung~ in
der Senatssitzung am 8. Nov. 63 (erste Catilinarische Rede); Catilina
verlt darauf die Stadt und geht zu dem Heere nach Etrurien. Seine
Mitverschworenen, der Prtor +Lentulus+, +Cethegus+, +Gabinius+ u.a.,
lassen sich mit den Gesandten der Allobreger (in der provincia
Narbonensis) in Verhandlungen ein; diese werden bei der Abreise von Rom
angehalten; auf Grund der bei ihnen gefundenen schriftlichen Beweise
wird am 5. Dez. im Senat ber die Verschworenen Gericht gehalten. Der
Senat beschliet trotz +Csars+ Gegenrede, durch +Cicero+ (vierte
Catilinarische Rede) und +M. Porcius Cato+ (Urenkel des M. Porcius Cato
Censorius) bestimmt, die fnf Verhafteten hinrichten zu lassen; das
Urteil wird am Abend des 5. Dez. im Tullinanum vollzogen. Cicero vom
Volke als +pater patriae+ begrt.

Mit der Kriegfhrung gegen das Catilinarische Heer wird der Konsul +C.
Antonius+ beauftragt. Dessen Legat +M. Petreius+ schlgt den Catilina
bei ~Pistoria~ (~62~). Catilina und 3000 seiner Anhnger fallen.

[61.]

~Csar~ gewinnt seinen ersten Kriegsruhm als Proprtor in der Provinz
+Hispania ulterior+, verzichtet aber nach seiner Rckkehr (60) auf den
Triumph, um als Bewerber um das Konsulat auftreten zu knnen.

Die Weigerung des Senats, die von ~Pompeius~ beantragte Ackerverteilung
an seine Veteranen zu bewilligen und seine in Asien getroffenen
Anordnungen zu besttigen, fhrt einen vollstndigen Bruch zwischen
Pompeius und den Optimaten herbei. Die drei mchtigsten Mnner Roms
verbinden sich zu gegenseitiger Untersttzung:

[~60~.]

~Das erste Triumvirat~, +Pompeius+, +Csar+ und +Crassus+.

[~59~.]

~Csar Konsul~, bringt die von Pompeius gewnschten Antrge an die
Komitien: sie werden trotz des Widerstandes, den der andere Konsul +M.
Calpurnius Bibulus+ leistet, vom Volke angenommen. Die Freundschaft
zwischen ~Csar~ und ~Pompeius~ wird durch Vermhlung des lezteren mit
Csars Tochter +Julia+ befestigt.

Auf Antrag des Tribunen P. Vatinius erhlt Csar durch Volksbeschlu
die Statthalterschaft von +Gallia cisalpina+ und +Illyricum auf 5
Jahre+; auf Pompeius' Antrag fgt der bestrzte Senat noch ~Gallia
Narbonensis~ (S. 101) hinzu. Die Ausfhrung des Ackergesetzes wird
einer Kommission bertragen, an deren Spitze +Pompeius+ und +Crassus+
stehen. Ehe Csar in seine Provinzen abgeht, wird

[58.]

~Catos~ und ~Ciceros~ Entfernung aus Rom auf Csars Betreiben
durchgesetzt von dem durch Adoption aus einem Patrizier zum Plebejer
gemachten Volkstribunen ~P. Clodius~, Nachkommen des App. Claudius
Caecus. Cato wird durch Volksbeschlu beauftragt, die den Rmern
durch Testament des Knigs von gypten zugewiesene Insel +Cypern+ zu
bernehmen. +Cicero+ wird +gechtet+, weil er rmische Brger ohne
gerichtliches Urteil habe hinrichten lassen; er geht nach Thessalonike
in Makedonien.

[~58-51.~]

~Eroberung Galliens durch Csar.~

Gallien bewohnt von +keltischen+ Stmmen, die sich zu Gauverbnden
vereinigt haben (im N. die +Belger+, im S. die +Aquitaner+, in der
Mitte die +duer+, +Arverner+, +Sequaner+ mit ihren Genossen). Zur
Ausgleichung der Streitigkeiten jhrliche Landtage im Gebiet der
+Carnuten+ unter Leitung der Priester (+Druiden+). Die Arverner und
Sequaner aber haben im Streit mit den duern +germanische+ Stmme,
+Sueben+ unter dem Knig +Ariovist+, herbeigerufen und ihnen Land
abtreten mssen. Csar schtzt, indem er zunchst fr die Sicherheit
der rmischen Provinz sorgt, die Gallier in ihren Wohnsitzen.

[58.]

Csar siegt ber die in Gallien einbrechenden ~Helvetier~ bei
+Bibracte+ (unweit Autun), dann ber den Germanenfrsten ~Ariovist~
nordstlich von +Vesontio+ (Besanon), in der Gegend von +Mlhausen+ im
Elsa.

[57.]

Unterwerfung der meisten +belgischen+ Volksstmme nach einem schwer
errungenen Siege ber die +Nervier+ am Flusse +Sabis+ (Sambre). Im
Sden vergeblicher Versuch, durch Besetzung von +Octodurus+ (Martigny
in Wallis) den Alpenbergang ber den Pa des +Groen St. Bernhard+ zu
sichern.

[56.]

Unterwerfung der Seestaaten, namentlich der +Veneter+, in +Aremorica+
(Bretagne und Normandie) durch schwere Kmpfe Csars zu Lande und zur
See. Im Sden unterwirft der Legat +P. Crassus+, Sohn des Triumvirs,
die +Aquitaner+.

[55.]

Csar treibt die germanischen Stmme der +Usipeter+ und +Tenkterer+
ber den Rhein zurck. bergang ber den Strom auf einer Pfahlbrcke
(in der Gegend von Neuwied). Rckkehr nach 18tgigem Verweilen auf dem
rechten Ufer.

Erste berfahrt nach +Britannien+ mit 2 Legionen, Landung nordstlich
von +Dover+, doch baldige Rckkehr. Csars Legaten unterwerfen die
nrdlichsten gallischen Kstenvlker, die +Moriner+ und +Menapier+.

[54.]

Zweite berfahrt nach +Britannien+ mit 5 Legionen. Der duer
+Dumnorix+, der die Mitfahrt verweigert, wird gettet. Csar landet,
dringt in das Innere vor, berschreitet die Themse, kmpft glcklich
gegen die britischen Kelten unter +Cassivellaunus+. Unterdessen Angriff
auf sein Schiffslager; er kehrt zurck, nachdem Cassivellaunus sich
unterworfen und Geiseln gestellt hat.

Im Winter Aufstand mehrerer gallischer Vlkerschaften, veranlat von
dem Treverer +Indutiomarus+. Die +Eburonen+ unter Ambiorix vernichten
15 rmische Kohorten (unter +Sabinus+ und +Cotta+) bei Aduatuca und
bestrmen mit den Nerviern das Winterlager des Legaten +Q. Tullius
Cicero+ (Bruder des Redners), der tapfer standhlt und von Csar
befreit wird. Indutiomarus fllt bei einem Angriff auf das Winterlager
des +T. Labienus+.

[53.]

Labienus unterwirft die Treverer, Csar berschreitet zum zweiten Male
den +Rhein+, um die Sueben abzuwehren. Nach der Rckkehr Strafgericht
ber die Eburonen.

[52.]

Allgemeiner Aufstand der Gallier unter dem Arverner ~Vercingetorix~.
Csar erobert +Cenabum+ (Orlans) und +Avaricum+ (Bourges), entsendet
den Legaten T. Labienus zur Besetzung von +Lutetia Parisiorum+ (Paris),
belagert aber vergeblich +Gergovia+ (in der Nhe von Clermont in der
Auvergne). Aufstand der bisher ihm treu ergebenen +duer+. Csar
vereinigt sich wieder mit Labienus, schliet Vercingetorix in +Alesia+
(Alise Sainte-Reine nordwestlich von Dijon) ein. Harter Kampf gegen
ein groes, aus allen Teilen Galliens zusammengebrachtes Entsatzheer,
welches zurckgeschlagen wird. Vercingetorix mu sich ergeben (6 Jahre
spter in Rom hingerichtet). Bestrafung der Aufstndischen.

[51.]

Vollendung der Unterwerfung des transalpinischen Galliens, welches
Csar mit 10 ber das ganze Land verteilten Legionen im Gehorsam erhlt.

~Ergebnisse und weltgeschichtliche Bedeutung der achtjhrigen Kmpfe
Csars:~ 1. Das rmische Reich wird durch die Unterwerfung des groen
+Kelten+landes erweitert und gegen Angriffe der nordischen Vlker
gesichert. 2. Die Ausbreitung des rmischen Handels (Massilia) und
der griechisch-rmischen Kultur ber West- und Mitteleuropa wird
durch Erschlieung +Galliens, Britanniens+ und +Germaniens+ wesentlich
gefrdert. 3. Csar gewinnt ein ihm ergebenes, kriegsgebtes Heer, um
die notwendig gewordene Umgestaltung der rmischen Republik in eine
Monarchie durchzufhren.

Whrend diese groartigen Erfolge Csars den alten Kriegsruhm des
Pompeius in Schatten stellen, bemht sich dieser vergebens, in Rom die
von +P. Clodius+ erregten Unruhen der Volkspartei zu unterdrcken. Doch
wird im J. 57 die Zurckberufung Ciceros durchgesetzt, und die beiden
Tribunen +T. Annius Milo+ und +P. Sestius+ treten mit bewaffneten
Anhngern den Scharen des in Csars Diensten stehenden Clodius entgegen.

[~56.~]

~Erneuerung des Triumvirats zu Lucca~ (in Etrurien). Csar, Pompeius
und Crassus vereinigen sich dort mit ihren Anhngern (ber 200
Senatoren). Infolge der getroffenen Verabredungen werden fr das J.
55 mit Anwendung von Gewalt als Konsuln durchgesetzt ~Pompeius~ und
~Crassus~. Durch Volksbeschlu erhlt dann auf 5 Jahre Pompeius die
Statthalterschaft +beider Spanien+, Crassus die von +Syrien+, whrend
Csars Oberbefehl in +Gallien+ auf +weitere 5 Jahre verlngert+ wird.
Die Optimaten mssen sich diesen Beschlssen fgen.

[53.]

~Crassus~ unternimmt einen Kriegszug gegen die +Parther+ (S. 65), wird
aber bei ~Carrhae~ in Mesopotamien von ihnen geschlagen und bald darauf
bei einer Verhandlung gettet. Sein Heer nahezu aufgerieben, rmische
Feldzeichen von den Parthern erbeutet (S. 123).

Pompeius bleibt in Rom, erbaut dort das erste steinerne Theater,
veranstaltet glnzende Spiele, lt seine spanischen Provinzen durch
Legaten verwalten.

[52.]

+Clodius gettet+ bei einem Zusammensto mit der Bande des +Milo+ auf
der Via Appia. Aufstand in Rom bei der Leichenfeier fr Clodius, die
+Curia Hostilia+ in Brand gesteckt. ~Pompeius~, zum alleinigen Konsul
erwhlt (+consul sine collega+), stellt die Ruhe wieder her. Auf Grund
der von ihm beantragten Gesetze +de ambitu+ und +de vi+ wird Milo
trotz Ciceros Verteidigungsrede verurteilt und geht in die Verbannung.
+Cicero+ als Prokonsul Statthalter von Cilicien (51-50) und damit
wieder aus Rom entfernt.

Pompeius, seit dem Tode der Julia (54) dem Csar entfremdet,
heiratet die Tochter des Optimaten +Q. Metellus Scipio+, der fr die
letzten 5 Monate des Jahres 52 sein Mitkonsul wird. Er lt sich die
Statthalterschaft in Spanien auf 5 Jahre erneuern.

Verhandlungen im Senat (51-50) ber die durch widersprechende
Bestimmungen unlsbar verwickelte Frage, ob Csar seine
Statthalterschaft am 1. +Mrz+ 49 oder erst +Ende+ 49 niederzulegen
habe. Csars Gegner bestehen, um ihn zu strzen, auf dem frheren
Termin, wollen auch einen Volksbeschlu, der ihm gestattete, sich
abwesend um das Konsulat (fr das Jahr 48) zu bewerben, nicht
anerkennen. Csar fgt sich dem Verlangen, da er zwei Legionen
(darunter eine frher von Pompeius entliehene) zum Partherkrieg
abgebe, lt aber durch den ihm gleich Clodius ergebenen Volkstribunen
+C. Scribonius Curio+ die Forderung stellen, da er und Pompeius
gleichzeitig am 1. Mrz 49 den Oberbefehl niederlegen sollen.

[vor Chr ~49-46.~]

~Brgerkrieg zwischen Csar und den Optimaten.~

[49. (1. Jan.)]

Der Senat erklrt nach Abweisung wiederholter Vermittelungsvorschlge
Csar fr einen Reichsfeind (+hostis+), wenn er nicht innerhalb einer
bestimmten kurzen Frist seine Provinzen an die ernannten Nachfolger
bergebe und sein Heer entlasse. Ein zweiter Senatsbeschlu (7.
Jan.) gibt den Konsuln und Prokonsuln Vollmacht zu auerordentlichen
Maregeln (S. 99). Die Csar ergebenen Volkstribunen fliehen zu ihm
nach +Ravenna+.

Csar geht mit +einer+ Legion ber den Bach ~Rubico~, die Grenzscheide
zwischen seiner Provinz und Italien, und beginnt damit den Brgerkrieg.

Groe Bestrzung in Rom. Pompeius, dessen Rstungen erst begonnen
haben, entweicht mit den Konsuln und einem Teile des Senats (darunter
Cicero) nach +Capua+, dann nach +Brundisium+ (Staatskasse in Rom
zurckgelassen). Csar zieht durch Umbrien und Picenum, zwingt, durch 2
nachgekommene und 3 neugebildete Legionen verstrkt, den +L. Domitius+
in +Corfinium+ zur bergabe und rckt vor +Brundisium+. Pompeius
entkommt mit der Flotte nach +Dyrrhachium+. Csar ordnet den Bau neuer
Schiffe an und wendet sich zunchst nach +Rom+; dort beschwichtigt
er die Besorgnis vor Wiederkehr der Greuel des ersten Brgerkrieges.
Gromtiges Verfahren gegen seine Feinde.

[Sidenote:49.]

Csar geht auf dem Landwege nach Spanien zur Bekmpfung der Legaten des
Pompeius: ein Teil seines Heeres belagert +Massilia+. Die Legaten +L.
Afranius+ und +M. Petreius+ werden bei +Ilerda+, nrdlich vom Ebro, zur
bergabe gezwungen, ihr Heer wird aufgelst.

+M. Terentius Varro+, der in +Hispania ulterior+ den Oberbefehl fhrt,
zieht sich nach +Gades+ zurck und ergibt sich ohne Kampf, da die
meisten Stdte der Provinz sich fr Csar erklren. Als dieser nach
Italien zurckmarschiert, unterwirft sich ihm die ausgehungerte und
mit Erstrmung bedrohte Stadt +Massilia+. Whrend dieser Zeit hat sein
Legat +C. Scribonius Curio+ Sicilien unterworfen. Derselbe setzt
nach Afrika ber, siegt erst bei +Utica+, wird aber von +Iuba+, Knig
von Numidien, der sich fr Pompeius erklrt hatte, am +Bagradasflu+
geschlagen und fllt.

Csar wird (abwesend) in Rom von dem Prtor +M. Aemilius Lepidus+
zum +Dictator+ ernannt, legt aber die Dictatur nach 11 Tagen nieder,
nachdem er fr das Jahr

[~48.~]

zum Konsul erwhlt ist (zusammen mit +P. Servilius Isauricus+), whrend
der nach dem Osten geflchtete Teil des Senats (in +Thessalonike+) dem
Pompeius und allen Beamten des letzten Jahres die Amtsgewalt verlngert.

Landung Csars an der Kste von Epirus; er rckt nach +Illyrien+ vor
und nimmt die Stdte Oricum und Apollonia ein. Sein Legat +M. Antonius+
kann erst nach einigen Monaten mit dem anderen Teil des Heeres folgen,
da die pompejanische Flotte das Meer beherrscht. Csar schliet das
Heer des Pompeius bei ~Dyrrhachium~ ein, aber seine Verschanzungen
werden durchbrochen. ~Csar, geschlagen~ und zum Rckzug gezwungen,
geht nach +Thessalien+, wohin ihm Pompeius folgt. +Cato+ und +Cicero+
bleiben in Dyrrhachium zurck. In der thessalischen Ebene kommt es zur

[~48.~ (9. Aug.)]

~Schlacht bei Pharsalus.~

Csar schlgt mit etwa 22000 Mann das mehr als doppelt so starke Heer
des Pompeius und zersprengt es vollstndig. 20000 Pompejaner strecken
die Waffen, Pompeius flieht nach der Kste, geht zu Schiff ber
+Lesbos+ nach +gypten+. Dort wird er bei der Landung auf Befehl des
Ministers des jungen Knigs Ptolemus XII. ermordet. Csar landet mit
4000 Mann in Alexandria.

In Rom wird dem Sieger Csar die ~Dictatur~ auf unbestimmte Zeit (wie
frher Sulla, S. 106), das ~Konsulat~ auf 5 Jahre, die ~tribunicische
Gewalt~ auf Lebenszeit bertragen. Er nimmt das Konsulat erst
wieder fr das Jahr 46 an und sendet den +M. Antonius+ als seinen
Stellvertreter (magister equitum) nach Rom.

[~48-47.~]

~Alexandrinischer Krieg.~

Aufstand der Einwohner von Alexandria, untersttzt durch das seit
Zurckfhrung des Knigs +Ptolemus Auletes+ (55) dort befindliche
rmische Besatzungsheer. Csar, in der Knigsburg belagert, gert in
die grte Gefahr, aus der ihn nur seine Verwegenheit rettet. Er lt
die gyptische Flotte in Brand stecken, wobei ein Teil der Stadt in
Feuer aufgeht, auch die berhmte alexandrinische Bibliothek (s. S.
65). Er verlt die Stadt, nachdem er sich den Besitz der den Hafen
beherrschenden Leuchtturminsel Pharos gesichert hat, und schlgt mit
Hilfe eines aus Asien herbeigekommenen Entsatzheeres das gyptische
Heer am Nil. Der junge Knig +Ptolemus+ ertrinkt auf der Flucht.
Die Regierung wird, +unter rmischer Oberhoheit+, seiner Schwester
+Kleopatra+ und ihrem jngsten Bruder bergeben, in Alexandria bleibt
eine rmische Besatzung. Csar geht nach Kleinasien und beendet in
einem +fnftgigen+ Feldzug (+veni, vidi, vici+) den

[~47.~]

~Krieg gegen Pharnaces~,

Sohn des Mithradates (s. S. 109), welcher +Pontus+, +Klein-Armenien+
und +Kappadokien+ besetzt hatte. Csar besiegt ihn bei +Zela+ und
zwingt ihn zur Rckkehr in sein bosporanisches Reich, wo er bald
umkommt. Ordnung der asiatischen Verhltnisse. +Deiotarus+ (S. 109),
der bei Pharsalus gegen Csar gefochten hatte, verliert den grten
Teil seiner Herrschaft.

Rckkehr Csars nach Rom. +Cicero+, von ihm begnadigt und ehrenvoll
behandelt, zieht sich auf sein Tusculanum zurck, bleibt aber sein
Gegner. Nach Beschwichtigung eines Aufstandes der in Campanien
stehenden Legionen unternimmt Csar den

[~46.~]

~Krieg in Afrika~

gegen die Pompejaner (+Cn.+ und +Sextus Pompeius+, +Q. Metellus
Scipio+, +Cato+, +Labienus+, +Petreius+, Knig +Iuba+). Er landet bei
Hadrumetum, gert in Gefahr, da der grte Teil der Truppen infolge
eines Sturmes erst spter eintrifft, fhrt dann den Krieg mit Vorsicht
gegen die an Zahl berlegenen Feinde, siegt endlich in der blutigen
~Schlacht bei Thapsus~. +Cato+ ttet sich in +Utica+, um den Untergang
der Republik nicht zu berleben, daher Uticensis genannt. Labienus
und Sextus Pompeius entkommen nach Spanien. -- Ein Teil +Numidiens+
wird von Csar mit der Provinz Afrika vereinigt, der andere an Knig
+Bocchus+ von Ost-Mauretanien gegeben.

Rckkehr Csars nach Rom, wo er ~vier~ Triumphe feiert (+Gallien+,
+gypten+, +Pharnaces+, +Afrika+). Bewirtung des Volkes an 22000
Tischen, prchtige Festspiele, Geld- und Getreidespenden. Csars
+Dictatur+ wird zunchst auf 10 Jahre, spter auf Lebenszeit (dictator
perpetuus) verlngert. Er beginnt die ~Neuordnung des zerrtteten
Staatswesens~: Census der Brgerschaft; Beschrnkung der Zahl derer,
welche regelmig Getreidespenden empfangen, auf 150000; Bestimmungen
ber die Verfassung der Brgerstdte (lex Iulia municipalis);
Herstellung des Senats; Ackerverteilung an die Veteranen. ~Verbesserung
des Kalenders~ mit Hilfe des alexandrinischen Astronomen +Sosigenes+.
Das Jahr 46 wird durch Einschaltung um 67 Tage verlngert; an Stelle
des bisher blichen Mondjahres mit Schaltmonaten tritt das Sonnenjahr
von 365 Tagen (alle 4 Jahre ein Schaltjahr).

Nochmals erheben sich in ~Spanien~ die Shne des Pompeius und Csars
frherer Legat Labienus; Csar siegt nach hartnckigem Widerstande in
der

[~45.~]

~Schlacht bei Munda~ (in der sdlichen Provinz, zwischen Corduba und
Gades), setzt dann in Rom als ~Dictator~ und ~Imperator~ (letzterer
Titel frher nur zeitweise von siegreichen Feldherren bis zum Tage
des Triumphes gefhrt) sein groartiges Reformwerk fort. Die alten
Formen der republikanischen Verfassung behlt er bei, in der Tat aber
waltet Csar als Alleinherrscher. Als +Pontifex maximus+ hat er die
Oberaufsicht ber das Religionswesen, als Inhaber der +tribunicia
potestas+ das Vorschlagsrecht bei der Gesetzgebung und das Ansehen
eines unverletzlichen Vertreters und Beschtzers des Volkes. Den
+Komitien+ bleibt die Besttigung der Gesetze als ein nur formelles
Recht; ihr Wahlrecht wird durch das Vorschlagsrecht des Dictators
sehr beschrnkt. Der +Senat+, auf 900 Mitglieder vermehrt, wird
wieder, wie zur Knigszeit, zu einem nur beratenden Reichsrat. Die
oberste +Gerichtsgewalt+ steht, ebenfalls wie in der Knigszeit, dem
Alleinherrscher zu (Prozesse des +Ligarius+ und +Deiotarus+, bei
welchen Cicero als Anwalt auftritt).

Groartige Bauten in Rom (Basilica Iulia an der Sdseite des Forums;
die Nordseite wird erweitert durch das Forum Iulium mit dem Tempel
der Venus Genetrix). Grndung einer ffentlichen Bibliothek. Neue
Provinzialordnung zum Schutz der Provinzen gegen die Willkr der
Statthalter; Grndung von Kolonien in den Provinzen, +Karthago+ und
+Korinth+ hergestellt. Luxusgesetze, Kriminalgesetzgebung.

Durch weitgehende Ehrenbeschlsse (Bildsulen von ihm in allen Tempeln,
seine Statue neben denen der sieben Knige, Mnzen mit seinem Bildnis
(S. 74, Anm.), Feier seines Geburtstages am 12. des Monats Quinctilis,
der nun +Iulius+ genannt wurde, alle fnf Jahre Spiele ihm zu Ehren
u.a.) wird Csars Alleinherrschaft beim Volke unbeliebt. Das von +M.
Antonius+ am Lupercalienfeste (15 Februar 44) ihm ffentlich angebotene
Knigsdiadem weist er zurck. Whrend der Vorbereitungen zu einem
Rachekrieg gegen die +Parther+ (S. 113), welcher die Ostgrenze des
Reichs sichern soll, bildet sich unter den Senatoren eine Verschwrung
(+C. Cassius Longinus+, +M. Iunius Brutus+, +C. Trebonius+, +Decimus
Brutus+, +L. Tillius Cimber+, +P. Servilius Casca+ u.a.).

[~44.~ (15. Mrz.)]

~Ermordung Csars in der Senats-Sitzung~,

die an jenem Tage zufllig in der an das Theater des Pompeius
anstoenden +Curia Pompeia+ gehalten wurde. Csar fllt, von 23 Stichen
durchbohrt, an der Bildsule des Pompeius nieder.


 9. Untergang der Republik.

Fr kurze Zeit bernimmt der Senat wieder die Staatsleitung. Er verfgt
zugleich die Aufrechterhaltung der Gesetze Csars und Straflosigkeit
(Amnestie) fr dessen Mrder. Allein das Volk der Hauptstadt, aufgeregt
durch die +Leichenrede des Consuls M. Antonius+, verbt Gewalttaten
gegen die Verschworenen. Die Hupter der Verschwrung verlassen Rom,
um in die ihnen (noch von Csar selbst) angewiesenen Provinzen zu
gehen: ~M. Brutus~ nach +Makedonien+, ~Cassius~ nach +Syrien+, ~Decimus
Brutus~ nach +Gallia cisalpina+.

In Rom mat sich ~M. Antonius~ (Konsul mit +P. Cornelius Dolabella+) im
Besitz der testamentarischen Bestimmungen Csars, unter dem Vorwande,
den letzten Willen des Dictators auszufhren, eine unumschrnkte
Gewalt an, ndert die Verteilung der Provinzen, lt sich namentlich
die Provinz +Gallia cisalpina+ durch Volksbeschlu zuerteilen.
Dagegen tritt der 19jhr. ~C. Octavius~ (geb. 63), der Groneffe und
Adoptivsohn Csars, daher fortan ~C. Julius Csar Octavianus~ genannt,
in Verbindung mit dem Senat. Bei den Soldaten beliebt, sammelt er
zahlreiche Veteranen Csars um sich und bestimmt 2 Legionen des
Antonius, sich unter seinen Befehl zu stellen. Durch die einander
entgegengesetzten Bestrebungen der Machthaber wird das rmische Reich
in +neue Brgerkriege+ gestrzt.

[44-43.]

Gegen Antonius, der den Decimus Brutus in +Mutina+ belagert und ihm
seine Provinz entreien will, werden auf Betreiben +Ciceros+ (die
+Philippischen+ Reden) die beiden Konsuln Hirtius und Pansa ausgesandt,
mit ihnen der junge ~Octavian~ als Proprtor (+Mutinensischer Krieg+).
Beide Konsuln fallen; Dec. Brutus verfolgt den besiegten Antonius
nach Gallia transalpina. Octavian aber fhrt das ganze Heer nach Rom,
erzwingt vom Senat seine Erwhlung zum Konsul, Widerruf der Amnestie
fr die Verschworenen und ihre Verurteilung. Hierauf zieht er zum
Schein gegen +Antonius+, mit dem er schon geheime Unterhandlungen
angeknpft hatte. Auf einer Zusammenkunft bei +Bononia+ wird das

[~43.~ (Nov.)]

~zweite Triumvirat~

geschlossen zwischen ~Antonius~, ~Octavian~ und ~M. milius Lepidus~
(Statthalter in Gallia Narbonensis). Die drei Machthaber (+tresviri
reipublicae constituendae+) lassen ihre angemate Gewalt von den
Komitien auf 5 Jahre besttigen und beginnen ihre Herrschaft mit
grausamen ~Proskriptionen~: 130 Senatoren und 2000 Mnner vom
Ritterstande werden gechtet und grtenteils gettet (u.a. +Cicero+
und sein Bruder +Quintus+, S. 112), ihr Vermgen eingezogen. Darauf

[~43-42.~]

~Krieg gegen die republikanische Partei.~

+Antonius+ und +Octavianus+ ziehen gegen +M. Brutus+ und +C. Cassius+,
welche in Makedonien und Syrien eine bedeutende Kriegsmacht gesammelt
hatten. In der (+ersten+)

[~42.~]

~Schlacht bei Philippi~

in Thrakien besiegt +Antonius+, welcher den rechten Flgel befehligt,
den linken Flgel des republikanischen Heeres unter ~Cassius~, whrend
+Octavian+ vor den Truppen des ~Brutus~ zurckweichen mu. Auf die
falsche Nachricht von einer Niederlage des Brutus lt sich ~Cassius~
durch einen Sklaven tten. ~Brutus~, 20 Tage spter in einer +zweiten
Schlacht+ von +Antonius+ geschlagen, ttet sich selbst.

~Antonius~ brandschatzt die Provinzen +Asien+ und +Syrien+ und
folgt dann der Knigin ~Kleopatra~ (S. 116), die er nach +Tarsus+
vorgefordert hatte, nach +gypten+. Whrenddessen nimmt ~Octavian~ in
Italien die den Veteranen versprochenen Ackerverteilungen vor; +L.
Antonius+, Bruder des Triumvir, der ihm dabei entgegentritt, wird in
+Perusia+ belagert und mu sich ergeben. +M. Antonius+ landet mit einem
Heere bei Brundisium; es kommt in Brundisium zu einem Vergleich, nach
welchem die Verwaltung des Reiches so geteilt wird, da

[40.]

~Octavian~ den +Westen+, ~Antonius~ den +Osten+ (Grenzlinie geht
durch Illyrien), ~Lepidus~ +Afrika+ erhlt. +Sextus Pompeius+, der
sich von Sicilien aus eine Seeherrschaft ber die italischen Inseln
gegrndet hatte (sein Bruder Cn. bei Munda T), wird (36) von +M.
Vipsanius Agrippa+, dem Unterfeldherrn Octavians, bei +Mylae+ besiegt.
+Lepidus+, der nun auf Sicilien Anspruch erhebt, verliert nach einem
kurzen Feldzuge auch Afrika an Octavian, ihm bleibt nur die Wrde eines
Pontifex maximus.

+Octavian+ sorgt fr friedliche Verwaltung Italiens, bekmpft aber
auch, um Norditalien zu sichern, die Dalmatier und Pannonier, erobert
35 die Stadt Siscia an der Save.

+Antonius+, mit Octavians Schwester +Octavia+ vermhlt, unternimmt 38
und 37 wenig erfolgreiche Zge gegen die +Parther+, schwelgt dann in
gypten am Hofe der +Kleopatra+, zieht 34 gegen +Armenien+ und fhrt
den Knig Artavasdes als Gefangenen in Alexandria im Triumph auf,
verschenkt endlich rmische Provinzen an seine Kinder mit der Kleopatra
und schickt der Octavia den Scheidebrief. Octavian lt in Rom durch
Volksbeschlu dem Antonius den Oberbefehl entziehen und an Kleopatra
den Krieg erklren.

[~31-30.~]

~Krieg zwischen Octavian und Antonius.~

Whrend Antonius und Kleopatra lange in +Ephesos, Samos, Athen+ und
+Patrae+ (in Achaja) verweilen, vollendet Octavian seine Rstungen
und setzt das Landheer nach Epirus ber; seine 250 Schiffe starke, von
+Agrippa+ gefhrte Flotte besiegt die an Zahl der Schiffe berlegene
Flotte des Antonius und der Kleopatra in der

[~31.~ (2. Sept.)]

~Seeschlacht bei Actium.~

Kleopatra flieht mit ihren Schiffen, ehe die Schlacht entschieden ist;
Antonius folgt ihr. Sein Landheer ergibt sich nach 7 Tagen dem Octavian
ohne Kampf.

[30.]

Octavian geht nach Asien, wo er sein 4. Konsulat antritt, kehrt zur
Beschwichtigung einer Meuterei der Veteranen auf kurze Zeit nach
Italien zurck, begabt sich dann wieder zu seinem Heere und fhrt es
durch +Syrien+ nach +gypten+. Antonius, von seinen Truppen verlassen,
ttet sich auf die falsche Nachricht vom Tode der Kleopatra. Diese
ttet sich bald darauf durch Gift, als sie sieht, da Octavian sie nur
schont, um sie in Rom im Triumph aufzufhren. Octavian macht ~gypten
zur rmischen Provinz,~ ordnet dann die Verhltnisse in Vorderasien und
kehrt 29 im Monat Sextilis (nachher ihm zu Ehren +Augustus+ genannt)
nach Rom zurck. Dreitgiger Triumph, der Janustempel geschlossen (vgl.
S. 72).

~Alleinherrschaft Octavians,~ in der von ~Csar~ begrndeten Weise,
jedoch so, da die +Dictatur+ ersetzt wird durch das von ihm
anfangs stndig bekleidete +Konsulat+, dann durch das +allgemeine
prokonsularische Imperium+. Das rmische Reich, nach Beendigung der
Brgerkriege im Frieden aufblhend, schtzt noch mehrere Jahrhunderte
lang unter der Herrschaft der Kaiser die Kulturvlker des Altertums
gegen die Angriffe der Barbaren.


 10. Kunst und Literatur bei den Rmern.

Die Anfnge nationaler Baukunst und Dichtung bei Etruskern und Latinern
entwickeln sich erst durch die Bekanntschaft mit griechischer Kultur
zu hherer Blte. Griechischer Baustil erscheint in den Tempeln und
Sulenhallen, mit welchen Rom sich schmckte, als es zur Grostadt
heranwuchs. Griechische Statuen wurden nach Eroberung griechischer
Stdte (Tarent 272, Syrakus 212, Korinth 146) zahlreich nach Rom
gebracht; seit 146 arbeiteten viele griechische Knstler in Rom. Drei
griechische Philosophen (+Karneades, Diogenes, Kritolaos+) 156 als
athenische Gesandte in Rom.

Anfnge der rmischen Literatur: Gottesdienstliche Lieder der
+Salii+ (S. 73) und +Fratres arvales+, religise und geschichtliche
Aufzeichnungen der Priester (libri pontificum, fasti consulares
und triumphales), Erklrungen der Zwlf-Tafelgesetze (S. 78 f).
Volkstmliche Bhnendarstellungen werden zuerst 364 erwhnt als
Bestandteil der Festspiele (ludi scaenici). Griechische Tragdien und
Komdien in lateinischer Bearbeitung brachte +Livius Andronicus+, ein
Grieche aus Tarent, seit 240 in Rom zur Auffhrung, nach ihm +Cn.
Naevius+ aus Campanien, der auch nationale Stoffe dramatisch darstellte
(+fabulae praetextae+) und den ersten Punischen Krieg in einem Epos (in
saturnischen Versen) besang; ferner +Q. Ennius+ aus Rudi in Calabrien
(T 169), der ebenfalls in einem Epos in Hexametern (+Annales+) die
Geschichte Roms bis auf seine Zeit darstellte, befreundet mit Scipio
Africanus maior. Erhalten sind die Bearbeitungen griechischer Komdien
von +T. Maccius Plautus+ (T 184) und +P. Terentius+ (T 159).

Die ltesten rmischen Geschichtschreiber (Annalisten) schrieben
griechisch. Als erster Schriftsteller in lateinischer Prosa ist +M.
Porcius Cato+ (T 149, +Origines+, +de re rustica+, Reden) zu nennen.
Besonders gepflegt wurde die Rechtsgelehrsamkeit (Sex. Aelius Catus,
Konsul 198, +Q. Mucius Scaevola augur+, Konsul 117, Lehrer Ciceros)
und die Beredsamkeit (+C. Gracchus+ T 121, +L. Licinius Crassus+ T 91,
+M. Antonius+ T 87, +Q. Hortensius+ T 50). Die nationalen Altertmer
erforschte +M. Terentius Varro+ (116-27, de lingua Latina, antiquitates
rerum humanarum et divinarum). Als Geschichtschreiber ragen hervor +C.
Iulius Csar+ (T 44) und +C. Sallustius Crispus+ (T 34). Den Reichtum
und die Schnheit der lateinischen Sprache entfaltet besonders +M.
Tullius Cicero+ (T 43) als Redner und philosophischer Schriftsteller
(Tusculanae disputationes, de officiis u.a.). Als Dichter sind in
Ciceros Zeit zu nennen +T. Lucretius Carus+ (T 55), Verfasser eines
philosophischen Lehrgedichts +de rerum natura+, und der Lyriker +C.
Valerius Catullus+ (T 54).


 11. Kaiserzeit bis zum Untergang des westrmischen Reiches.

(Von ~31 vor~ Chr. bis ~476 nach~ Chr.)

[vor nach Chr. ~31-68.~]

~Das Julisch-claudische Herrscherhaus.~

[~31-14.~]

~Csar Octavianus Augustus.~

Der Beiname +Augustus+ (der +Erlauchte+, +Erhabene+), den ihm (27 vor
Chr.) der Senat erteilte, ist auf seine Nachfolger bergegangen und
ebenso wie +Princeps+, +Csar+, +Imperator+, zum Titel der rmischen
Herrscher geworden.[28]

Augustus beschrnkt den Senat auf 600 Mitglieder und knpft die
Senatorwrde an einen hohen Census (1 Million Sest. = etwa 180000 M.).
Das +Konsulat+ bleibt bestehen, wird anfangs von Augustus stndig,
spter von ihm und seinen Nachfolgern noch bisweilen bekleidet, gilt
aber nur als Ehrenamt und wird in seiner Dauer verkrzt, zuletzt
in der Regel auf 2 Monate. Auch die andern republikanischen mter
bleiben, doch mit beschrnktem Geschftskreis; die +Censur+ wird von
den Kaisern bernommen, wie sie schon Csar unter dem Titel Praefectus
morum ausgebt hatte. Dem Senat bleibt ein gewisser Anteil an der
Herrschergewalt.

Die kaiserliche Herrschaft beruht auf dem Heerbefehl, der
tribunicischen Gewalt und der obersten Gerichtsgewalt. Seit dem Tode
des Lepidus (13) war Augustus auch Pontifex maximus. Einflureiche
kaiserliche Beamte sind der +Praefectus urbi+ (Polizeiprsident) und
die beiden +Praefecti praetorio+ (Befehlshaber der aus 9 Kohorten
bestehenden kaiserlichen Garde). Einteilung Roms in 14, Italiens in
11 +regiones+. Einrichtung einer +Reichspost (cursus publicus)+ fr
die von Staats wegen reisenden Beamten. Schutz der Provinzen gegen
die bergriffe der Beamten. Frsorge fr die Armen. Ansiedelung
unbemittelter Brger in Kolonien.

[27.]

Neue +Einteilung der Provinzen+ in senatorische, d. h. vllig
beruhigte, welche ohne Kriegsheer von Prokonsuln und Proprtoren
verwaltet werden knnen und vom Senat verliehen werden (+Africa, Asia,
Achaja, Illyricum, Macedonia, Sicilia, Creta+ und +Cyrenaica, Bithynia,
Sardinia, Hispania Baetica+), und in +kaiserliche+, die Augustus durch
Legaten an der Spitze von Legionen verwalten lt und daher selber
verteilt: +(Hispania Tarraconensis, Lusitania+, die vier gallischen:
+Narbonensis, Lugdunensis, Aquitania+ und +Belgica+ mit +Germania
superior et inferior, Syria, Cilicta, Cyprus, Aegyptus+). In dieser
Teilung ist spter mehreres gendert worden. Alle nach 27 vor Chr.
begrndeten Provinzen fielen dem Kaiser zu. Zwei Staatskassen, das vom
Senat verwaltete +aerarium+ (Einnahmen aus den senatorischen Provinzen)
und +fiscus+ (Einnahmen aus den kaiserlichen Gtern und Provinzen).
Das Heer auf 25 Legionen (etwa 250000 Mann) gebracht. Dazu eine starke
Flotte in Misenum und Ravenna.

~Bltezeit der rmischen Literatur.~ +C. Cilnius Maecenas+ (T 8 vor
Chr.), Freund des Augustus, Gnner und Beschtzer der Dichter: +P.
Vergilius Maro+ (70-19 vor Chr.). +Q. Horatius Flaccus+ (65-8 vor
Chr.). Die Elegiker +Albius Tibullus, S. Propertius+ und +P. Ovidius
Naso+ (9 nach Chr. nach +Tomi+ am Pontus Euxinus (Constanza i. d.
Dobrudscha) verbannt, T 17). Der Geschichtschreiber +T. Livius+ (59
vor Chr. bis 17 nach Chr.) gibt dem rmischen Volke eine ausfhrliche
Gesamtdarstellung seiner Geschichte. Der Architekt +Vitruvius+, die
Juristen +M. Antistius Labeo+ und +C. Ateius Capito+.

 ~Familie des Augustus.~

 ~C. Julius Csar Octavianus Augustus,~ geb. 63 v. Chr., T14 n. Chr.
 Gemahlinnen: 1. Claudia.   2. Scribonia.        3. Livia, Mutter des
                                |                Tiberius u. Drusus,
                                |                Shne v. Tiberius
                                |                 Claudius Nero.
                       ~Iulia,~ T14 n. Chr.
 Gem.: 1. Marcellus,   2. M. Vipsanius Agrippa.    3. Tiberius.
 Sohn d. Octavia.      T12 v. Chr.
 T23 v. Chr.                    |
                                |
 ______________________________________________________________________
 Gaius Csar.  Lucius Csar. Agrippina.   Julia.       Agrippa Postumus.
 T4 n. Chr.    T2 n. Chr.    T33 n. Chr.  T28 n. Chr.  T14 n. Chr.

In der ersten Hlfte der Regierung des Augustus ist sein Schwiegersohn
+Agrippa+ seine Hauptsttze. Census in allen Provinzen, Vermessung
des Reiches durch Agrippa, Bauten in Rom: Forum Augusti, Thermae
Agrippae mit dem +Pantheon+, Tempel des Apollo, des Mars und der Venus.
Wiederherstellung der verfallenen Heiligtmer und Wiederbelebung der
alten Religiositt. Agrippas Shne +Gaius Csar+ und +Lucius Csar+
werden 17 vor Chr. von Augustus adoptiert. Ihre Mutter +Iulia+ heiratet
in dritter Ehe den Stiefsohn des Augustus, +Tiberius+, wird aber
schlielich wegen ihrer Sittenlosigkeit verbannt. Nach dem Tode seiner
beiden ltesten Enkel adoptiert Augustus den +Tiberius+ und bezeichnet
ihn als Nachfolger.

[27-25.]

Augustus ordnet persnlich die Verhltnisse der +gallischen+ und
+spanischen+ Provinzen. Unterwerfung der Cantabrer und Asturer.
+Lugdunum+ (Lyon) Hauptstadt in Gallien, +Tarraco+ und +Corduba+
Hauptstdte in Spanien.

[22-19.]

Augustus ordnet persnlich die Verhltnisse des rmischen +Asiens+. Der
Partherknig +Phraates+ gibt auf die Nachricht von seiner Ankunft in
Syrien die bei der Niederlage des Crassus (S. 113) erbeuteten rmischen
Feldzeichen zurck. Durch +Tiberius+ wird +Tigranes+ in sein Reich
Armenien wieder eingesetzt.

Nach Rom zurckgekehrt erlt Augustus Gesetze zur Bekmpfung des Luxus
und der Ehelosigkeit (+lex Iulia sumptuaria, lex Iulia de maritandis
ordinibus+).

[15.]

+Tiberius+ und +Drusus+, die Stiefshne des Kaisers, unterwerfen
die Alpenvlker und das Gebiet zwischen den Alpen und der Donau;
Einrichtung der Provinzen ~Raetia~ (Hauptort +Augusta Vindelicorum+,
jetzt Augsburg) und ~Noricum~ (Krnten und Steiermark). Schon einige
Jahre frher war von Makedonien aus das untere Donaugebiet ~Msien~
unterworfen worden.

[12-9.]

+Tiberius+ unterwirft ~Pannonien~ (das sdwestliche Ungarn). Damit ist
die +Donaugrenze+ des Reiches festgestellt; sie wird ebenso wie die
+Rheingrenze+ durch Standlager der Legionen, aus denen spter Stdte
geworden sind, beschtzt. Standlager am Rhein: Moguntiacum (Mainz),
Civitas Ubiorum (spter Colonia Agrippinensis, Kln), Castra vetera
(Xanten), Standlager an der Donau: Regina castra (Regensburg), Batava
castra (Passau), spter auch Vindobona (Wien) und Juvavum (Salzburg).

[12-9.]

+Drusus+ unternimmt vom Rhein aus vier Feldzge in das +innere
Germanien,+ das erstemal zur See, vom lacus Flevo (Zuyder-See) in
die +Ems+mndung hinein, dann zu Lande die +Lippe+ aufwrts (Castell
+Aliso+ bei Haltern), dann von Mainz aus gegen die Chatten, zuletzt von
Mainz bis zur Elbe. Er stirbt auf dem Rckmarsch infolge eines Sturzes
mit dem Pferde.

[8-7.]

+Tiberius+, sein Nachfolger im Oberbefehl, bringt einen Teil der
germanischen Vlkerschaften auf dem rechten Rheinufer zur Anerkennung
der rmischen Oberhoheit. Er zieht sich dann (6) nach +Rhodus+ zurck
und kommt erst 7 Jahre spter nach Verbannung seiner Gemahlin Julia
wieder nach Rom.

~Christus geboren~ vier oder sechs Jahre vor dem Beginn unserer
Zeitrechnung.[29]

Das Christentum, langsam sich ausbreitend im rmischen Reiche,
entfaltet nach dem Untergange desselben seine weltbezwingende Macht.

[nach Chr. 4-5.]

+Tiberius+, in den letzten Jahren der Regierung des Augustus schon
beinahe Mitregent, durchzieht von neuem das nrdliche Germanien,
besiegt die +Langobarden+ an der unteren Elbe. Rmische Statthalter
verwalten das Gebiet zwischen Rhein und Elbe. Der unter Tiberius'
Anfhrung schon begonnene Angriff auf das +suebische+ Reich des
+Marbod+ (in Bhmen) wird unterbrochen (6-9) durch einen gefhrlichen
Aufstand der illyrischen und pannonischen Vlkerschaften.

[~9.~]

Drei rmische Legionen unter ~P. Quinctilius Varus~ werden im
~Teutoburger Walde~ von dem Cheruskerfrsten ~Arminius~ vernichtet.
Germanien bis zum Rhein befreit, +Tiberius+ aber sichert die
Rheingrenze.

[14.]

Augustus stirbt in +Nola+ im 76. Lebensjahre. Eine von ihm selbst
verfate bersicht seiner Taten (+Res gestae divi Augusti+) ist
in einer Tempelinschrift zu Ancyra (Angora) in Galatien erhalten
(+monumentum Ancyranum+).

[14-37.]

~Tiberius~ (vollstndig: +Tiberius Claudius Nero+), des Augustus
Stief- und Adoptivsohn, geb. 42, tchtiger Herrscher, jedoch hart
und argwhnisch. Das Recht der Beamtenwahlen und die Besttigung
der Gesetze wird von den +Komitien+ auf den +Senat+ bertragen. Die
an republikanischen Erinnerungen festhaltende Aristokratie wird in
strenger Abhngigkeit gehalten, besonders durch Anklagen +de maiestate+
(die auch schon zur Zeit der Republik vorkamen) bei der kleinsten
Beleidigung des Frsten; Belohnung der Angeber (+delatores+). Gute
Verwaltung in den Provinzen.

[14-16.]

Drei Feldzge des Neffen des +Tiberius, Drusus Csar Germanicus+, (von
Kln aus) ber den Rhein gegen die Germanen, der zweite und dritte mit
einer Flottenfahrt in die Emsmndung verbunden. Beim zweiten wird die
Sttte der Niederlage des Varus berhrt; beim dritten Sieg der Rmer
auf dem +Campus Idisiaviso+ jenseits der +Weser+ ber Arminius, aber
keine Unterwerfung des Landes. Die Flotte bei der Rckkehr durch Sturm
zerstreut.

[17.]

Germanicus, von Tiberius abgerufen und nach dem Orient gesandt, setzt
in Armenien einen Knig ein, macht +Kappadokien+ zur rmischen Provinz,
gert in Syrien mit dem Statthalter L. Calpurnius Piso in Streit. Sein
Tod im 34. Lebensjahr (19 in Antiochia an Gift?) in Rom sehr beklagt.

In Deutschland Krieg zwischen +Armin+ und +Marbod+, letzterer aus
seinem Reiche vertrieben, findet bei den Rmern Aufnahme (T zu
Ravenna). Armin wird von seinen eigenen Verwandten, die ihn des
Strebens nach der Knigsherrschaft beschuldigen, 37 Jahre alt, gettet
(21).

[23.]

+L. Aelius Seianus+, Befehlshaber der +Prtorianer+ (S. 122), erhebt
sich zum bermchtigen Gnstling des alternden Kaisers, der 27 seinen
Aufenthalt dauernd auf der Insel +Capreae+ (Capri) nimmt. Sejan
vergiftet +Drusus+, den einzigen Sohn des Kaisers, und bewirkt die
Verbannung der +Agrippina+, Witwe des Germanicus.

[31.]

Sturz Sejans; nach ihm werden viele Senatoren als Teilnehmer an seiner
Verschwrung hingerichtet. +Macro+, nunmehr Praefectus praetorio,
bleibt von der Willkr des mitrauischen Kaisers abhngig.

[~37-68.~]

~Das Claudische Herrscherhaus,~ durch Adoption mit dem Julischen
verbunden:

 +Tiberius+ Claudius Nero.      Nero Claudius +Drusus+.
    T37 n. Chr.                         T9 v. Chr.
       |                     _____________|_________
       |                    |                       |
 Drusus T23   +Drusus Germanicus.+    Tib. +Claudius+ Nero.
 n. Chr.          T19 n. Chr.                 T54.
                  Gem. Agrippina.               |
         ___________|________                   |
        |                    |              Octavia, Britanniens.
   Agrippina d. j.,       +Caligula+.
        |                   T41.
        |
   L. Domitius (+Nero+)
    T68.

[~37-41.~]

~Caligula~ (+Gaius Csar Germanicus+),

der jngste Sohn des Germanicus, von den Soldaten als Knabe +Caligula+
(Stiefelchen) benannt, zeigt sich bald als grausamer (+oderint,
dum metuant!+), jeder Schranke spottender Despot. Schwelgerei,
Selbstvergtterung, unntze Feldzge nach der Rheingrenze und der
gallischen Kste. Nach seiner Ermordung durch die Prtorianer wird von
diesen zum Imperator ausgerufen sein Oheim

[~41-54.~]

~Claudius~ (+Tiberius Claudius Nero Germanicus+),

jngerer Bruder des Germanicus, ein wohlmeinender, aber schwacher
Frst, beherrscht von Gnstlingen und von seinen Gemahlinnen: 1. der
sittenlosen +Messalina+ und, nachdem er diese (48) hat tten lassen, 2.
der herrschschtigen +Agrippina+, Tochter des Germanicus.

[43.]

Beginn der Eroberung +Britanniens+ unter dem Oberbefehl des +A.
Plautius+ (dessen Legat +T. Flavius Vespasianus+); der sdliche Teil
wird rmische Provinz.

Unter Claudius' Regierung werden auerdem folgende Provinzen
eingerichtet: in Afrika +Mauretania+, im Orient +Lycia+ und +Thracia+.
+Iudaea+, von 40 vor Chr. bis 6 nach Chr. und dann wieder 41-44 nach
Chr. abhngiges Knigreich, wird wieder zur Provinz +Syrien+ gezogen.

+Agrippina+ berredet den Claudius, den +L. Domitius+, ihren Sohn aus
frherer Ehe, zu adoptieren (bei der Adoption erhlt er den Namen
+Nero+) und zum Thronfolger zu ernennen an Stelle seines eigenen Sohnes
+Britannicus+ (von der +Messalina+), dessen Schwester +Octavia+ zur
Gemahlin Neros bestimmt wird. Als Neros Adoption den Kaiser gereut,
vergiftet ihn Agrippina.

[~54-68.~]

~Nero~ (+Nero Claudius Csar Drusus Germanicus+),

von den Prtorianern zum Imperator ausgerufen, in den ersten Jahren
geleitet von dem Praefectus praetorio +Afranius Burrus+ und seinem
Lehrer +L. Annaeus Seneca+.

Er vergiftet (55) seinen Stiefbruder +Britannicus+, mit dessen Erhebung
zum Imperator ihm Agrippina gedroht hatte, lt (59) seine Mutter
+Agrippina+ selbst tten, verstt seine Gemahlin +Octavia+, die
er spter ebenfalls tten lt, und heiratet +Poppaea Sabina+, die
Gemahlin Othos. Ausschweifungen und Grausamkeiten; er tritt ffentlich
im Wettkampf als Wagenlenker, Schauspieler und Snger auf. Kriechende
Unterwrfigkeit des Senats,

[61.]

Aufstand in Britannien, von +Suetonius Paulinus+ unterdrckt.

[58-63.]

Krieg gegen die Parther und Armenier. Nach Einnahme und Zerstrung von
+Artaxata+ bringt +Domitius Corbulo+ in Armenien den Knig +Tiridates+
zur Anerkennung der rmischen Oberhoheit.

[~64.~]

Eine sechstgige und bald darauf eine nochmalige dreitgige
+Feuersbrunst+ (nach unbegrndetem Gercht auf Neros Befehl angelegt)
zerstrt einen groen Teil der Stadt Rom. Nero beschuldigt die +Juden+
und die +Christengemeinde+ Roms der Brandstiftung und verhngt grausame
Strafen ber sie (+erste Christenverfolgung+). Groartige Neubauten in
Rom, breitere Straen. Der Kaiserpalast wird vom Palatin bis ber den
Esquilin ausgedehnt (+domus aurea+).

[65.]

Verschwrung des +C. Calpurnius Piso+ entdeckt, viele Hinrichtungen;
+Seneca+ gentigt, sich selbst zu tten.

[68.]

Aufstand in Gallien (+C. Julius Vindex+) und im diesseitigen Spanien,
dessen Statthalter, der 73jhrige +Sulpicius Galba+, zum Imperator
ausgerufen wird. Nero, erst krzlich von einer groen Kunstreise nach
Griechenland zurckgekehrt, flieht und ttet sich auf dem Landgute
eines seiner Freigelassenen in der Nhe von Rom.

Das Reich wird nach dieser verderblichen Regierung abermals durch
+Brgerkriege+ zerrttet:

[~68-69.~ Juni-Jan.]

~Galba~ (+Servius Sulpicius Galba+),

der sich bald durch unzeitige Strenge und Sparsamkeit verhat macht.
Die Prtorianer ermorden ihn und erheben an seiner Stelle

[~69.~ Jan.-Apr.]

~Otho~ (+Marcus Salvius Otho+),

einen ehemaligen Gnstling Neros. Schon vorher war von den Legionen am
Rhein zum Imperator ausgerufen

[~69.~ Apr.-Dez.]

~Vitellius~ (+Aulus Vitellius+),

der, nachdem seine Legaten den Otho bei +Bedriacum+ (stlich von
+Cremona+) besiegt haben und dieser sich selbst gettet hat, in
Rom einrckt und die Stadt zum Schauplatze seiner Prasserei und
Verschwendung macht. Er wird bei einem Straenkampf in Rom umgebracht.

[~69-96.~]

~Die drei Flavier~:

[~69-79.~]

~Vespasianus~ (+Titus Flavius Vespasianus+),

besonders auf Betreiben des Statthalters von Syrien, +Licinius
Mucianus+, zum Imperator ausgerufen, whrend er in Palstina seit
66 gegen die aufstndischen Juden Krieg fhrt. Er bergibt seinem
Sohne +Titus+ den Oberbefehl und kommt nach lngerem Aufenthalt in
+Alexandria+ nach Rom, wo inzwischen Vitellius durch das siegreiche
Eindringen der Donauarmee (+Antonius Primus+) beseitigt ist. --
Wiederherstellung der Mannszucht im Heere, der Ordnung in den Finanzen.
Der Kaiser gibt das Beispiel strengerer und einfacher Sitte, sorgt fr
ffentlichen Unterricht von Staats wegen (Grammatik und Rhetorik).

[~69-71.~]

~Aufstand der Bataver unter Claudius Civilis,~

einem ihrer Huptlinge aus frstlichem Geschlecht. Die Aufstndischen
geben anfangs vor, nicht gegen das rmische Reich, sondern +gegen
Vitellius+ und +fr Vespasianus+ zu kmpfen. Dadurch gelingt es
ihnen, einen Teil der rmischen Soldaten fr sich zu gewinnen.
+Civilis+ schlgt die Rmer wiederholt und dringt, durch beutelustige
rechtsrheinische Germanen untersttzt, weit in Gallien vor. Ein
groer Teil der gallischen Vlkerschaften fllt ihm zu; es tritt
der Plan hervor, ein unabhngiges +gallisches Reich+ zu grnden.
Nachdem aber die Herrschaft Vespasians in Rom befestigt ist, macht
+Petilius Cerialis,+ begnstigt durch die unter den verbndeten Vlkern
ausgebrochenen Zwistigkeiten, dem Aufstand ein Ende und unterwirft ganz
Gallien wieder der rmischen Herrschaft.

[~70.~ (Septbr.)]

~Titus erobert und zerstrt Jerusalem~ nach langer, hartnckiger
Verteidigung. Schreckliches Strafgericht ber die zum Osterfest dort
zusammengekommenen Juden. Triumphbogen in Rom errichtet im Anschlu an
andere Bauten Vespasians (Templum Pacis; +Amphitheatrum Flavium,+ auch
+Colosseum+ genannt).

[78.]

+Gn. Iulius Agricola,+ Schwiegervater des Geschichtschreibers
+Tacitus+, wird Statthalter in Britannien. Dem Vespasian folgt sein Sohn

[~79-81.~]

~Titus~ (+Titus Flavius Vespasianus+),

der die ihm entgegengebrachten Befrchtungen durch milde und sorgsame
Regierung glnzend widerlegt (+amor et deliciae generis humani+).

[79.]

Ausbruch des Vesuvs. +Herculaneum+ durch Lava, +Pompeii+ durch Asche
und Schlamm verschttet (Ausgrabungen seit 1719 und 1748). Tod des
lteren +Plinius,+ Anfhrers der rmischen Flotte in Misenum. -- Dem
Titus folgt sein ihm unhnlicher Bruder

[~81-96.~]

~Domitianus~ (+Titus Flavius Domitianus+),

der mit der Zeit immer mehr zum habschtigen und grausamen Despoten
wird.

[84.]

Feldzug gegen die Chatten. Im Anschlu daran wird der groartige
Grenzwall (+limes+) zwischen dem mittleren Rhein und der oberen Donau
(von Rheinbrohl bis Kehlheim) begonnen. Eins der dazu gehrenden
Kastelle ist in der +Saalburg+ wieder erstanden. Das dahinter liegende
Land als Zehntland (+agri decumates+) mit der Provinz +Germania
superior+ (Hauptstadt Moguntiacum, Mainz) verbunden.

[81-84.]

Glckliche Feldzge des ~Agricola~ in Britannien, die rmische
Herrschaft bis nach Schottland hinein ausgedehnt.

[86-90.]

Erfolgloser Krieg gegen die Dacier; Domitian soll vom Knige
+Decebalus+ den Frieden erkauft haben.

[96.]

Domitian durch eine Palastverschwrung ermordet.

[~96-192.~]

~Nerva und seine Adoptivfamilie~:

[~96-98.~]

~Nerva~ (+Marcus Cocceius Nerva+),

ein 64 jhriger Senator, durch die Mrder Domitians und den Senat auf
den Thron erhoben, stellt die Majesttsprozesse ab, ruft die Verbannten
zurck, vermindert die Abgaben, legt den Grund zur Einrichtung der
+Alimentatio+, d. h. Staatsuntersttzung zur Erziehung der Kinder, in
Italien. Er adoptiert und ernennt zu seinem Mitregenten und Nachfolger

[~98-117.~]

~Trajan~ (+Marcus Ulpius Traianus+),

Statthalter der Provinz +Germania superior+, geboren 53 in der
rmischeu Kolonie +Italica+ in Spanien, den ersten Nicht-Italiker auf
dem Throne der Csaren. Trefflicher Regent und Feldherr. Groartige
Bauten in Rom (+Forum Traiani+); Straen und Hfen in den Provinzen,
der Hauptteil des germanischen Grenzwalls gebaut.

[101-107.]

Unterwerfung des Landes ~Dacien~ (Rumnien und Siebenbrgen). Die
rmischen Legionen dringen aus Msien und Pannonien (Kolonie +Sirmium+
an der Save) ber die Donau vor, erstrmen Sarmizegethusa, die
Hauptstadt des +Decebalus+; eine steinerne Brcke wird (unterhalb
Orsova) ber die Donau gebaut. Decebalus unterwirft sich (102), doch
wird 105 neuer Krieg ntig; 107 wird das Land rmische +Provinz+.
Ansiedlung zahlreicher Kolonisten, von denen die heutigen +Rumnen+
abstammen. Darstellung des Krieges auf den Reliefs der Trajanssule in
Rom.

[105.]

Einrichtung der rmischen Provinz ~Arabia~ durch den Statthalter
von +Syrien+, A. Cornelius Palma, (das Land stlich und sdlich von
Damaskus und Juda, bis zum Roten Meere; Hauptstadt +Petra+).

[114-116.]

Krieg Trajans gegen die ~Parther~.

Der Neffe des Partherknigs +Chosros+ wird aus Armenien vertrieben.
+Armenia+, +Mesopotamia+, +Assyria+ rmische Provinzen. Trajan erobert
+Seleucia+ und +Ktesiphon+ am Tigris, fhrt zu Schiff den Tigris
hinunter bis zum Persischen Meerbusen, setzt bei den Parthern einen
Vasallenknig ein, stirbt auf der Rckkehr in +Cilicien.+

[~117-138.~]

~Hadrian~ (+Publius Aelius Hadrianus+),

von seinem Verwandten Trajan adoptiert. Friedliebend, auf sorgsame
Verwaltung des Reiches bedacht, gelehrt und kunstliebend. Er gibt die
neuen Provinzen +Armenia+, +Mesopotamia+ und +Assyria+ wieder auf,
so da der Euphrat die stliche Grenze des Reiches bildet, stellt in
+Msien+ und +Dacien+ die Ruhe wieder her, regiert in Rom in gutem
Einverstndnis mit dem Senat.

+Rundreisen+ durch die Provinzen des Reiches (121-126, 129-134),
um berall die Wohlfahrt zu frdern; sein Gnstling und Begleiter
Antinous; lngerer Aufenthalt in +Athen+, wo er einen neuen Stadtteil
anlegt und den Zeustempel (S. 36) vollendet. In Rom erbaut er den
Doppeltempel der Venus und Roma; sein groes Grabmal Mausoleum
Hadriani, jetzt die Engelsburg. Seine Villa bei +Tibur+ (Tivoli) mit
prchtigen Gartenanlagen. In Britannien +Grenzwall+ gegen die Picten
und Scoten (von Newcastle bis zum Solwaybusen).

Sammlung der Edikte frherer Prtoren (+Edictum perpetuum+) durch den
Rechtsgelehrten +Salvius Iulianus+; daran knpft sich die weitere
Ausbildung der Rechtsgelehrsamkeit, welche fr den inneren Bestand des
groen Reiches von der hchsten Bedeutung war.

[132-135.]

Aufstand der ~Juden~ wegen Anlegung der Kolonie +Aelia Capitolina+
an der Stelle des zerstrten Jerusalem. Ihr Anfhrer Bar-Kochba.
Verzweifelter Kampf; Niederlage und +Zerstreuung+ der Juden. Eine
+christliche+ Gemeinde sammelt sich bald wieder an der heiligen Sttte;
der Name +Jerusalem+ wird spter wieder hergestellt.

[~138-161.~]

~Antoninus Pius~ (+Titus Aurelius Antoninus Pius+),

von Hadrian adoptiert. Friedliche, segensreiche Regierung, jedoch die
Grenzen des Reiches krftig gegen die Angriffe der Barbaren geschtzt.
Zweiter Grenzwall in Britannien (vom Forth zum Clyde). Gem der von
Hadrian festgesetzten Erbfolgeordnung folgt ihm sein Neffe

[~161-180.~]

~Marcus Aurelius Antoninus~, weiser und ttiger Regent, hochgebildet
(Schler des Redners +Cornelius Fronto+), stoischer Philosoph, bis 169
gemeinschaftlich mit seinem Adoptivbruder, dem ausschweifenden ~Lucius
Verus~.

[162-165.]

Krieg gegen die ~Parther~, unter Oberleitung des +L. Verus+, der sich
aber bald in Antiochia dem Wohlleben hingibt, whrend seine Legaten den
Krieg glcklich fhren. Ein +Teil+ Mesopotamiens wird wieder rmische
Provinz (S. 130).

[166-180.]

Krieg mit den ~Markomannen~ und ~Quaden~ (in Bhmen).

Marcus Aurelius kmpft mit wechselndem Glck gegen die immer von
neuem andringenden Barbaren. Whrend eines kurzen Friedens mit ihnen
Besiegung des aufstndischen +Avidius Cassius+ in Syrien, 175. Triumph
in Rom 176; der Senat errichtet dem Kaiser eine Reiterstatue, die noch
heute das Kapitol schmckt. Ehe es dem Kaiser gelingt, die Grenze
des Reiches an der Donau vllig zu sichern, stirbt er in +Vindobona+
(Wien). Ihm folgt sein entarteter Sohn

[180-192.]

~Commodus~,

der mit den Germanen Frieden schliet und sich in Rom, die Regierung
meist den Praefectis praetorio (S. 122) berlassend, Ausschweifungen
und seinem immer mehr hervortretenden Hange zu Grausamkeiten hingibt.
Er wird endlich von seiner Umgebung ermordet.


~Silbernes Zeitalter der rmischen Literatur.~

Philosophische Schriften und Briefe des Stoikers +L. Annaeus Seneca+
(T 65); sein Neffe +M. Annaeus Lucanus+ verfat ein Epos Pharsalia.
Epigramme des +Martialis+, Satiren des +Persius+ und +Iuvenalis+. M.
Fabius +Quintilianus+ Lehrer der Rhetorik, Verfasser der Institutio
oratoria. Ein Werk umfassender Gelehrsamkeit ist die Naturalis historia
des +C. Plinius Secundus+ (T 79). Briefsammlung seines Neffen, des
+jngeren Plinius+, welcher mit dem Geschichtschreiber +Cornelius
Tacitus+ (T 117), dem hervorragendsten Schriftsteller dieser Zeit,
befreundet war; Tacitus' Germania 98, Plinius Statthalter in Bithynien
111. -- Kaiserbiographien des +C. Suetonius+.


~Nachblte der griechischen Literatur.~

Unter Augustus der Geograph +Strabo+ aus Amaseia in Pontus, der
Altertumsforscher +Dionysios von Halikarna+, beide in Rom. Unter
Trajan und Hadrian der Philosoph und Geschichtschreiber +Plutarchos+
von Chaironeia, der Perieget +Pausanias+. Um 150 der Geograph
+Ptolemaios+ zu Alexandria, um 180 der Satiriker +Lukianos+ von
Samosata, um 220 der Geschichtschreiber +Cassius Dio+.


~Ausbreitung des Christentums.~

Wirksamkeit der +Apostel+ im ersten Jahrhundert. +Paulus+ predigt in
Antiochia (42), in Athen und Korinth (53), in Ephesos (55), wird 61
nach +Rom+ gefhrt, erleidet dort gleichwie +Petrus+ den Mrtyrertod.
Verfolgungen im zweiten und dritten Jahrhundert knnen die zahlreichen
christlichen Gemeinden nicht ausrotten; das Beispiel der +Mrtyrer+
(+Ignatius+ Bischof von Antiochia 115, +Polykarpos+ Bischof von Smyrna
167 und viele andere) wirkt erhebend. Christliche Schriftsteller:
+Clemens+, Bischof von Rom (um 90), +Clemens+ in Alexandria (200),
+Tertullianus+ in Karthago (200), +Origenes+ in Alexandria (230),
+Cyprianus+ in Karthago (230), +Lactantius+ in Nicomedia (300),
+Eusebios+, Bischof von Csarea (330), +Augustinus+, Bischof von Hippo
Regius (354-430), s. S. 141.

[~193-284~.]

~Zeit der Soldatenkaiser.~

Der Mangel einer festen Erbfolge strzt das rmische Reich oftmals in
Verwirrung; dennoch behauptet es sich noch lange gegen die andringenden
Barbaren. Nach den kurzen Regierungen der von den Prtorianern
erhobenen Kaiser +Pertinax+ und +Didius Iulianus+ folgt der von den
illyrischen Legionen zum Kaiser ausgerufene Statthalter von Pannonien

[~193-211.~]

~Septimius Severus~,

welcher vom Senat anerkannt wird und sich gegen die anderen
Prtendenten (+Pescennius Niger+ im Orient, +Clodius Albinus+ in
Britannien und Gallien) behauptet. Umwandlung der bisher aus Italikern
bestehenden +Prtorianer+ in eine aus allen Provinzlegionen sich
ergnzende Truppe. Verbesserung der Rechtspflege (die Juristen
+Papinianus, Ulpianus, Paulus+). Erfolgreicher Krieg gegen die
+Parther+, ihre Hauptstadt +Ktesiphon+ 197 zerstrt; die Provinz
+Mesopotamien+ wiederhergestellt. (Hauptstdte Edessa und Nisibis).
Zug nach Britannien 208; der Grenzwall Hadrians wiederhergestellt.
+Septimius+ stirbt in +Eburacum+ (York). Sein Sohn

[211-217.]

~Caracalla~ (+M. Aurelius Antoninus+)

ermordet seinen Bruder und Mitregenten ~Geta~ mit Tausenden seiner
Anhnger, darunter +Papinianus+. Durch die +Constitutio Antoniniana+
212 Erteilung des rmischen Brgerrechts an alle freien Provinzialen.
Aber auch von der Grausamkeit und Habsucht des Kaisers werden die
Provinzen in weitem Umfange betroffen (das Blutbad in +Alexandria+ 215).

Caracalla bekmpft 213 die +Alamannen+ jenseits des Grenzwalls, 214
die +Goten+ an der unteren Donau, greift 216 die Parther an, wird
in Mesopotamien auf Anstiften des Praefectus praetorio ~Macrinus~
ermordet. Dieser, vom Heere zum Nachfolger erwhlt, erkauft von
den Parthern den Frieden. Die Soldaten rufen zum Imperator aus den
14jhrigen +Varius Avitus Bassianus+, genannt

[218-222.]

~Elagabalus~, Sonnenpriester zu Emesa in Syrien, der fr einen Sohn
Caracallas ausgegeben wird. Macrinus, bei Antiochia besiegt, wird in
Kleinasien verhaftet und hingerichtet. Elagabalus berlt sich in
Rom den schndlichsten Ausschweifungen; die Regierung fhrt seine
Gromutter +Julia Maesa+, Schwester der Mutter Caracallas. Er wird von
den Prtorianern ermordet; ihm folgt sein Vetter

[~222-235.~]

~Alexander Severus~,

von den besten Absichten beseelt, aber schwankend und nicht energisch,
geleitet von seiner Mutter +Julia Mamaea+, Tochter der Julia Maesa,
und von den Rechtsgelehrten +Domitius Ulpianus+ und +Julius Paulus+.
Seine Maregeln zur Herstellung der Mannszucht im Heere veranlassen
Emprungen; bei einer derselben wird +Ulpianus+, der Befehlshaber der
Prtorianer, ermordet.

[~226.~]

Infolge der Auflsung des +Partherreiches+ unter den Arsakiden (S. 65)
und Stiftung des ~Neupersischen Reichs~ (Dynastie der +Sassaniden+)
erwchst dem rmischen Reiche ein neuer gefhrlicher Feind im Orient,
doch wird im Kriege (231-33) die Reichsgrenze vorerst noch behauptet,
Nach Ermordung des Alexander Severus am Rhein erheben die Soldaten auf
den Thron ihren Feldherrn

[235-238.]

~Maximinus Thrax~,

einen Thraker von auerordentlicher Gre und Strke. Siegreicher
Zug ber den Rhein, dann nach der untern Donau. Unterdessen wird in
Afrika zum Imperator ausgerufen der 80jhrige Senator +Gordianus I.+,
der seinen Sohn +Gordianus II.+ zum Mitregenten ernennt, bald aber
sich selbst ttet, nachdem der Sohn in Afrika kmpfend gefallen.
+Maximinus+, vom Senat fr abgesetzt erklrt, wird bei der Belagerung
von +Aquileia+ von den Soldaten gettet. -- Die Prtorianer erheben
Gordians I. Enkel, ~Gordianus III.~, auf den Thron. Dieser wird nach
glcklicher Beendigung eines Krieges gegen die Neuperser 244 ermordet
auf Veranlassung des Praefectus praetorio ~Philippus Arabs~, eines
Mannes von semitischer Abkunft, welcher 248 das +tausendjhrige
Bestehen+ des rmischen Reiches feiert, 249 von den msischen Legionen
unter ihrem Feldherrn ~Decius~ besiegt und gettet wird. Unter diesem
Kaiser

[~250.~]

Allgemeine ~Christenverfolgung~, nachdem man lngere Zeit die Christen
hatte gewhren lassen. Decius schlgt die +Goten+, welche +Thrakien+
plndern, verliert aber Sieg und Leben, als er sie nach der Donau hin
verfolgt (251). Die Legionen erwhlen den Feldherrn ~Gallus~, unter
dessen ebenfalls kurzer Regierung die Pest in mehreren Provinzen
des Reiches wtet. Er wird 253 ermordet von dem gegen die +Goten+
siegreichen ~Aemilianus~, dieser nach kaum 4 Monaten von

[253-260.]

~Valerianus~,

der seinen Sohn ~Gallienus~ zum Mitregenten annimmt. Beide kmpfen
gegen die fortwhrend erneuten Einflle germanischer Heerhaufen,
namentlich der +Franken+ in Gallien und Spanien, der +Alamannen+ in
Ober-Italien (bei Mailand besiegt), der +Goten+ in die Balkan-Halbinsel
und Kleinasien. Unglcklicher Feldzug des +Valerianus+ gegen
die Perser; er wird bei +Edessa+ geschlagen, gefangen und (als
70jhriger Greis) bis zu seinem Tode von dem Knig Sapores als Sklave
umhergeschleppt. Gegen ihn und seinen Sohn

[260-268.]

~Gallienus~

tritt eine groe Anzahl von Gegenkaisern auf, whrend die Barbaren ihre
Einflle in das rmische Gebiet fortsetzen. Lngere Zeit behaupten
sich +Postumus+ in Gallien und +Odaenathus+ (aus Palmyra) in Syrien.
Letzterer wird von Gallienus als Mitregent fr den Orient anerkannt;
nach seiner Ermordung (267) herrscht seine Gemahlin +Zenobia+ in
Palmyra. Gallienus wird vor Mediolanum, wo er den Prtendenten
+Aureolus+ belagert, von Verschwrern ermordet. Diese erheben auf den
Thron

[268-270.]

~Claudius II.~,

einen erfahrenen Feldherrn, der nach Hinrichtung des Aureolus die
+Alamannen+ am Gardasee, +die Goten+ bei Naissus in Msien (an der
Morawa) besiegt. Ihm folgt

[~270-275~.]

~Aurelianus~, der Hersteller des Reiches (+Restitutor orbis+). Er
schliet mit den Goten Frieden, indem er die Provinz +Dacien+ aufgibt.
Die Donau von jetzt ab Reichsgrenze; der grte Teil der rmischen
Kolonisten wird nach +Msien+ zurckversetzt. Aurelian vertreibt
die abermals in Italien eingedrungenen Alamannen und Markomannen
und beginnt zum Schutze Roms vor den Barbaren den Bau einer neuen
+Stadtmauer+, welche die erweiterte +Kaiserstadt+ umfat. Er unterwirft
+Syrien+, belagert und zerstrt +Palmyra+ (273), nimmt Zenobia gefangen
und erobert +gypten+ wieder. Nachdem er so den Orient unterworfen,
wendet er sich gegen +Tetricus+ in Gallien, der, bei Chlons besiegt,
sich ergibt. Nach kurzem Aufenthalt in Rom reist er wieder in die
stlichen Provinzen, wird aber unweit Byzanz von Verschwrern ermordet.
Auf Ansuchen des Heeres ernennt der Senat in Rom zum Augustus den
75jhrigen Senator

[275-276.]

~Tacitus~,

der die +Alanen+ und +Goten+, welche in Kleinasien eingefallen waren,
schlgt, aber bald von den Soldaten ermordet wird.

[276-282.]

~Probus~

schlgt am Rhein die +Franken+ und +Alamannen+, an der Donau die
+Burgunder+, +Vandalen+ und +Goten+ zurck, stellt den Grenzwall
(+limes+) zwischen Rhein und Donau wieder her, frdert den Weinbau
in Gallien, am Rhein und an der Mosel, sichert auch Syrien und
Mesopotamien gegen die Perser. Starke Ansiedelung von Barbaren in den
Grenzgebieten des Reiches. Als er in Pannonien die Soldaten zu Kanal-
und Wegebauten ntigt, wird er bei Sirmium von ihnen erschlagen,

[282-284.]

~Carus~

besiegt an der unteren Donau die +Sarmaten+ und dringt, whrend der
germanische Grenzwall mit den +agri decumates+ an die +Alamannen+
verloren geht, erfolgreich gegen die +Perser+ vor, stirbt aber bald
nach der Einnahme von +Ktesiphon+ (vom Blitze erschlagen?). Das
heimkehrende Heer whlt in Chalkedon zum Kaiser den Feldherrn

[~284-305.~]

~Diocletianus~,

welcher dem rmischen Reiche eine neue Verfassung gibt auf Grund
der ~unbeschrnkten Monarchie~. Der Senat verliert allen Einflu
auf die Regierung, +Rom+ nicht mehr Wohnsitz des Kaisers. Strenges
Hofceremoniell nach orientalischer Art. Der Kaiser trgt das Diadem,
lt sich mit Dominus anreden. Neuordnung der Verwaltung, die Provinzen
verkleinert und an Zahl vermehrt (101 Provinzen, in 12 +Dicesen+
geordnet; auch Italien in Provinzen geteilt). Steigender Abgabendruck.
Zum +Mitregenten+ (mit dem Titel Augustus) ernennt Diocletian, indem
er sich auer der allgemeinen Oberleitung die Regierung des Ostens
vorbehlt (Residenz +Nicomedia+ in Bithynien), seinen Waffengefhrten
~Maximianus~ (Residenz +Mediolanum+, Mailand).

[293.]

~Diocletian~ ernennt zwei Csaren: 1. ~Constantius Chlorus~, der seine
Gemahlin +Helena+, eine Christin, verstoen und die Stieftochter
Maximians heiraten mu; er erhlt die Verwaltung von +Gallien,
Britannien+ und +Spanien+ (Residenzen +Augusta Treverorum+ (Trier)
und +Eburacum+ (York)), whrend +Maximianus+ die Verwaltung von
+Italien+ und +Afrika+ behlt; 2. ~Galerius~, welcher Diocletians
Schwiegersohn wird und die Verwaltung von +Illyricum+ (mit Makedonien
und Griechenland, Residenz +Sirmium+ a. d. Save) bernimmt.

Die vier Regenten sorgen im Einverstndnis miteinander fr die
Verwaltung und den Grenzschutz, Diocletian selbst namentlich in
gypten, Galerius am Euphrat gegen die +Perser+. Der Tigris als
Grenzflu festgesetzt. +Edictum de pretiis+ 301 zur Abstellung des
Wuchers. Glnzende Bauten in +Trier+.

[~303.~]

Allgemeine ~Christenverfolgung~, durch Constantius in seinen Provinzen
gemildert.

[305.]

+Diocletian+ (T 313 in Salona in Dalmatien) und +Maximian+ danken
ab, ~Constantius~ und ~Galerius~ werden Augusti; letzterer setzt
die Christenverfolgung fort. Die beiden nach seinem Vorschlag von
Diocletian ernannten Csaren kommen nicht zu Ansehen; in den westlichen
Provinzen bernimmt 306 ~Constantinus~, Sohn des Constantius und der
Helena, nach dem Tode des Vaters die Regierung, in Rom erheben die
Prtorianer ~Maxentius~, den Sohn Maximians.

[312.]

Nach Galerius' Tode Krieg zwischen Maxentius und +Konstantin+; dieser
dringt in Italien ein und siegt bei +Turin+ und bei +Saxa rubra+ unweit
Rom +(hoc signo vince!+); Maxentius ertrinkt auf der Flucht im Tiber.
Konstantin erkennt ~Licinius~ an, welchen Galerius zum Mitregenten des
Ostens ernannt hatte, und erlt 313 in Mailand ein ~Edikt zum Schutze
der Christen~. Nach einiger Zeit entsteht Krieg zwischen den beiden
Herrschern; Licinius, 323 in zwei Schlachten, bei Adrianopel und bei
Chalkedon, besiegt, ergibt sich und wird 325 hingerichtet.

[~328-337.~]

~Konstantin der Groe Alleinherrscher.~

Das ~Christentum~ wird vom ~Staate anerkannt~ und dem Heidentum
gegenber begnstigt.

[~325.~]

Erste ~allgemeine Kirchenversammlung~ (kumenisches Konzil), unter
Vorsitz des Kaisers zu ~Nicaea~ in Bithynien. Der +Arianismus+, d. h.
die Lehre des +Arius+, ehemaligen Presbyters in +Alexandria+, von der
Gott dem Vater nur +hnlichen+ Natur Christi wird verworfen; die Lehre
des +Athanasius+ (spteren Bischofs von Alexandria) von der Gott dem
Vater +gleichen+ Natur Christi wird durch das +Symbolum Nicaenum+ zum
Dogma der Kirche erhoben.

[330.]

Konstantin erwhlt +Byzantium+ unter dem Namen ~Constantinopolis~
zur Hauptstadt. Die Reichsverwaltung wird auf den von +Diocletian+
geschaffenen Grundlagen abschlieend geordnet; Einteilung in 4
Prfekturen (+Oriens, Illyricum, Italia, Galliae+), mit 14 Dicesen und
~117~ Provinzen. Strenge Rangordnung der Beamten, 7 Minister bekleiden
die obersten Hofmter, Staatsrat (+consistorium principis+), Trennung
der Zivil- und Militrgewalt. Neue Abgabenordnung. Abschaffung der
Prtorianer. Verminderung der Truppenzahl der Legionen, dafr Erhhung
der Anzahl der Legionen auf 175. Den Oberbefehl fhren 2 Kronfeldherren
(magistri militum), 5 magistri der Reiterei und des Fuvolkes, unter
ihnen stehen die Comites und Duces (Grafen und Herzoge).

Konstantin empfngt kurz vor seinem Tode die Taufe und teilt die
Verwaltung des Reiches unter seine drei Shne als +Augusti+ und zwei
Neffen als +Csaren+. Nachdem er in Nikomedia gestorben ist, werden
die beiden Csaren gettet. Die drei Augusti geraten bald in Streit:
+Constantinus II.+ wird 340 bei Aquileia erschlagen, als er gegen
+Constans+, der in Italien herrscht, zu Felde zieht. ~Constantius II.~
schtzt den Osten gegen die Perser, vereinigt nach Constans' Tode
350 das ganze Reich. Sein Vetter +Julianus+ besiegt als Statthalter
Galliens 357 die Alamannen bei +Argentoratum+ (Straburg) und bekmpft
erfolgreich die Franken; die Soldaten rufen ihn 361 zum Kaiser aus.
Constantius stirbt auf dem Zuge gegen ihn.

[361-363.]

~Iulianus~, genannt +Apostata+, weil er als Anhnger der heidnischen
Philosophie (Schule der Cyniker) das Christentum verlt und eine
Wiederherstellung des heidnischen Gtterdienstes in gereinigter Form
versucht. Er mu bald einen Krieg gegen die +Perser+ beginnen, besiegt
sie bei +Ktesiphon+, stirbt aber auf dem Rckzuge an einer Wunde. Die
Soldaten erheben zum Kaiser den +Christen+ ~Iovianus~, der mit den
Persern Frieden schliet, aber schon 364 stirbt.

[364-375.]

~Valentinianus~, in +Nicaea+ erwhlt, ebenfalls Christ, teilt
abermals das Reich, ernennt seinen Bruder ~Valens~, einen Arianer,
zum Mitregenten fr den Osten; beide um gute Verwaltung des Reiches
bemht. Herabsetzung der Steuern. Edikt gegen die Schenkungen an den
Klerus und die Kirche. Religise Duldung auch gegen die Heiden gebt.
Die Regierung des Westens bernimmt 375 Valentinians Sohn ~Gratianus~,
schon vorher Mitregent.

[375.]

~Beginn der Vlkerwanderung~ (s. S. 140). Nachdem Valens bei
+Adrianopel+ (378) gegen die Westgoten gefallen ist, erhebt Gratianus
den Spanier

[379-395.]

~Theodosius~ zum Mitregenten und bergibt ihm die Verwaltung des
Ostens. Theodosius schreitet mit wachsender Entschiedenheit gegen das
Heidentum ein. Gratian fllt 383 im Kampfe gegen den in Britannien
von den Soldaten erhobenen ~Maximus~; Theodosius erkennt diesen als
Herrscher des Westens an, doch soll Italien dem Bruder Gratians,
+Valentinian II.+, verbleiben. Als Maximus dennoch in Italien
eindringt, wird er 388 von den Truppen des Theodosius in Aquileia
gettet. Gute Reichsverwaltung, glnzende Bauten in Konstantinopel.
381 Konzil zu Konstantinopel. Die athanasianische Lehre als allein
berechtigt anerkannt.

[390.]

Aufstand in Thessalonike, von Theodosius grausam bestraft; 7000
Menschen im Cirkus gettet. Deshalb schliet der Bischof ~Ambrosius~
von ~Mailand~ den Kaiser von der christlichen Kommunion aus, bis er (8
Monate spter) ffentlich Bue getan hat.

[392.]

Allgemeines +Verbot der heidnischen Opfer+, die sich auf dem Lande
lnger halten als in den Stdten; die Heiden werden in dieser Zeit
+pagani+ genannt. Letzte Feier der Spiele zu +Olympia+ (s. S. 30).

[394.]

Theodosius siegt bei Aquileia ber den Franken +Arbogast+, der
Valentinian II. gestrzt und gettet und einen Schattenkaiser ernannt
hat. Das rmische Reich nochmals vereinigt.

[~395.~]

~Bleibende Reichsteilung~ nach Theodosius' Tode. Sein lterer Sohn

~Arcadius~ erhlt das ~ostrmische Reich~ (395-1453), auch
~byzantinisches~ oder ~griechisches~ Kaisertum genannt; Hauptstadt:
+Byzanz+ oder +Konstantinopel+.

~Honorius~, der jngere Sohn, erhlt das ~westrmische Reich~
(395-476); Hauptstadt +Rom+, seit 402 +Ravenna+ kaiserliche Residenz.
Die Grenze bildet etwa die Verlngerung der Linie Budapest-Draumndung.

Beide Reiche werden durch das Eindringen germanischer Vlker gefhrdet;
der grte Ansturm wendet sich gegen das westrmische.

[395-423.]

~Honorius~, anfangs unter Vormundschaft des Vandalen +Stilicho+,
unfhig, das Reich zu schtzen.

[425-455.]

~Valentinian III.~, lange unter Vormundschaft seiner Mutter +Placidia+,
sieht sich auf den unsicheren Besitz Italiens beschrnkt. Auf ihn
folgen in schnellem Wechsel ohnmchtige Kaiser, die teils von dem
+Sueben+ ~Ricimer~ (T 472), dem Anfhrer der germanischen Soldtruppen,
teils vom ostrmischen Kaiser ernannt werden. Zuletzt wird

[476.]

~Romulus Augustus~, der Sohn eines Feldherrn +Orestes+ aus Pannonien,
von den Truppen seines Vaters auf den Thron erhoben, jedoch von
~Odovakar~, dem Anfhrer der germanischen Truppen, abgesetzt. Odovakar
beherrscht Italien, dem Namen nach unter Oberhoheit des ostrmischen
Kaisers +Zeno+, der ihm den Titel eines +Patricius+ verleiht und die
Verwaltung der Dicese Italien bertrgt.

Fussnoten:

[19] Der Name herzuleiten von vitulus = Rinderland, vgl. Botien.

[20] ~Rmisches Mnzwesen~: Anfnglich schweres Kupfergeld, 1 As = 1
Pfund Kupfer; seit 268 v. Chr. Silbergeld: Sestertius = 2 As, Denarius
= 10 As; seit 217 v. Chr. Goldmnzen zu 20-100 Sestertien. Nach fterem
Sinken des Mnzfues war seit 217 v. Chr. der Wert des Sestertius
17 Pf., des Denarius 70 Pf. unseres Geldes, also 100000 As = 7000
Mark. Geprge der ltesten Kupfermnzen: Vorderteil eines Schiffes
und Januskopf; Geprge der spteren Mnzen: Kopf der Gttin Roma,
Victoria auf dem Zweigespann. Mit Csar beginnt die Sitte, den Kopf des
Herrschers auf die Mnzen zu prgen, nach griechischem Vorbilde, s. S.
64.

[21] Cic. de rep. 2, 31, 54: +ne quis magistratus civem Romanum
adversus provocationem necaret neve verberaret.+

[22] +Polybios+ setzt diesen Vertrag schon in das erste Jahr der
Republik (509), doch hat die auf +Livius+ beruhende Angabe mehr
Wahrscheinlichkeit.

[23] Die Inschrift seines noch erhaltenen Sarkophags lautet (in
saturnischem Versma): +Cornlis Lucius Scipio Barbtus || Gnaivd
patre progntus frtis vir sapinsque || quois frma virtutei
parisuma+ (parissima) +fit || consl censor aidilis quei fuit apd vos
|| Taursi Cisana Smni cpit || subigit omn Loucnam psidsque
abdocit+.

[24] Stammtafel:

                 P. Cornelius Scipio, T211.
                          |
       ___________________________________
       |                                 |
 P. Cornelius Scipio Africanus    L. Cornelius Scipio
 (maior), T183.                    Asiaticus.
       |
    ____________________________________
    |                                  |
 P. Cornelius Scipio,              Cornelia
 Augur 180.                        Gem. Tib. Sempronius Gracchus,
 Adoptivsohn:                      Consul 177 und 163.
 P. Cornelius Scipio                   |
 Aemilianus Africanus (minor)  ____________________
 Numantinus T129.              |                  |
 Gem. Sempronia.               Tib. Sempronius    C. Sempronius
                               Gracchus T133.    Gracchus T121.

[25] +Civitates foederatae+ waren Messana, Tauromenium, Tarraco, Gades,
Athen, Sparta, in Italien Neapolis, Rhegium, Heraclea u.a., +civitates
liberae et immunes+ waren Panormus, Segesta, Dyrrhachium, Thessalonike,
Amphipolis, Utica, Hadrumetum. Das Gebiet der zerstrten Stdte, wie
Karthago und Korinth, war +ager publicus+.

[26] ~C. Julius Csar~, geb. 102 v. Chr., 82 als Schwiegersohn
Cinnas von Sulla gechtet, dann begnadigt, tut Kriegsdienste bei der
Belagerung der aufstndischen Stadt +Mytilene+ und in +Cilicien+ unter
P. Servilius, tritt nach Sullas Tode in +Rom+ als Redner vor Gericht
auf, reist 76 nach +Rhodus+, um den Rhetor Molo zu hren (unterwegs
von Seerubern gefangen, die er spter hinrichten lt), 68 Qustor in
Spanien, 65 dil, 63 Pontifex maximus, nachdem das Recht der Komitien,
die Priesterkollegien zu whlen (S. 106), wiederhergestellt war.

[27] ~M. Tullius Cicero~, geb. 106 auf einem Gut bei +Arpinum+, tut
89 Kriegsdienste im marsischen Kriege, hrt dann in Rom griechische
Philosophen, tritt 80 als Anwalt des S. +Roscius+ zuerst in einer causa
publica vor Gericht auf, reist 79-77 nach Athen und Rhodus, 75 Qustor
in Sicilien, 70 Anklger des +C. Verres+, 69 dil, 66 Praetor urbanus.

[28] Als Erbe Csars nannte sich der erste Alleinherrscher +Imperator
Caesar Augustus divi Iuli filius+.

[29] Der Abt Dionysius in Rom (532), dessen Berechnung durch das
Ansehen der Ppste magebend wurde, hat die Regierung des Knigs
+Herodes+ (40-4 v. Chr.) unrichtig angesetzt. Herodes starb im Jahre
750 Roms: Christi Geburt ist frher.




~II. Mittlere Geschichte~




~A. Vom Beginn der Vlkerwanderung bis zum Vertrage von Verdun.
375-843.~


 1. Vlkerwanderung.

In den Kulturkreis des Altertums dringen die ~Germanen~ mit frischer
Volkskraft ein, zunchst vieles zerstrend. Bald aber grnden sie neue
Staaten, in welche die antike Kultur aufgenommen wird. Der Schauplatz
der Geschichte erweitert sich ber ganz Europa; es scheiden sich
+romanische+ und +germanische+ Staaten; im Osten treten die +Slaven+
hinzu.

~Sitze germanischer Volksstmme um 375 nach Chr.~

+Ostgoten+ im sdlichen Ruland, +Westgoten+ in Dacien (+stl.+ Ungarn,
Rumnien), +Vandalen+ in Pannonien (+sdwestl.+ Ungarn), +Sueben+ in
Mhren, Bhmen und Bayern, +Burgunder+ am Neckar und Main, +Alamannen+
am Oberrhein, +ripuarische Franken+ zu beiden Seiten des Niederrheins
(bei Kln), +salische Franken+ in Belgien und an den Rheinmndungen,
+Sachsen+ von der Elbe bis fast an den Rhein, +Thringer+ in
Mitteldeutschland, +Langobarden+ an der untern Elbe, +Friesen+ an der
Nordseekste.

~Religion und Staatswesen der Germanen~:

Verehrung der Gtter auf Bergen oder in heiligen Hainen; keine Tempel
und Gtterbilder. +Wodan+ der Himmelsgott, +Donar+ der Donnergott,
+Ziu+ der Kriegsgott. Glaube an ein Fortleben der Helden nach dem Tode
in +Walhalla+.

Keine Stdte; die Volksstmme teilen sich nach der Lage der
vereinzelten Wohnsttten in +Gaue+. Unvollkommener Ackerbau, meist den
+Hrigen+ (Unfreien) berlassen. Jagd und Krieg die Hauptbeschftigung
der +Freien+.

Die +Versammlung der Freien+ entscheidet ber Krieg und Frieden
und schwere Rechtsflle; sie whlt Gauvorsteher (Richter) und fr
den Kriegsfall Herzge, meist aus den +Edlen+, die aber keinen
geschlossenen Stand mit besonderen Vorrechten bilden. Kampflustige
Freie schlieen sich als +Gefolge+, zur Treue verpflichtet, an
hervorragende Edle an.

Grere Kriege fhren zur Ausbildung des +Knigtums+, welches whrend
der Vlkerwanderung bei den meisten germanischen Vlkern durchdringt.
Grenzkriege mit den Rmern am Rhein und an der Donau; germanische
Heerscharen oft in rmischem Solde. Die +Goten+, welche um 180 von der
Weichsel nach der unteren Donau vordringen, sind bis 270 gefhrliche
Feinde des rmischen Reiches; dann meist friedliches Verhltnis. Eine
Schar christlicher (arianischer) +Westgoten+ unter dem Bischof ~Ulfila~
wird 348 in +Msien+ angesiedelt; Ulfilas +Bibelbersetzung+ das erste
Schriftwerk in gotischer Sprache; er stirbt 381 in Konstantinopel.

[~375.~]

~Anfang der Vlkerwanderung.~

Die ~Hunnen~, ein +mongolisches, nomadisches Reitervolk+, unterwerfen,
nachdem sie etwa 372 die Wolga berschritten und die nichtgermanischen
+Alanen+ besiegt haben, das ~Ostgotenreich~ (am Dnjepr, Knig
Ermanarich aus dem Geschlechte der Amaler) und strzen sich dann auf
die ~Westgoten~. Der heidnische Teil der Westgoten unter +Athanarich+
zieht sich nach Siebenbrgen und in die Karpathen zurck, der
christliche unter +Fritigern+ und +Alaviv+ erhlt von Kaiser +Valens+
Sitze in Msien und Thrakien zugesichert. Streitigkeiten mit den
rmischen Beamten nach dem bergang ber die Donau fhren zum Kampf,
die Goten dringen verwstend vor.

[378.]

~Schlacht bei Adrianopel.~ +Valens+ besiegt und gettet.

Sein Nachfolger +Theodosius+ schliet Frieden mit den Westgoten, welche
gegen Sold und Wohnsitze in Msien und Thrakien als +foederati+ die
Grenze des rmischen Reiches schtzen sollen. Das ~Reich der Hunnen~
breitet sich in den Lndern +nrdlich der Donau+ aus.

[395.]

~Alarich~, Knig der Westgoten, verwstet, da nach Theodosius' Tode
+Arcadius+ den Sold nicht zahlt, Makedonien, Illyrien und Griechenland
und dringt bis in die Peloponnes vor. ~Stilicho~, Feldherr des
westrmischen Reiches, kommt dem ostrmischen zu Hilfe, schliet die
Westgoten am Gebirge Pholo in +Arkadien+ ein, lt sie aber entkommen.
Alarich zieht nach Illyrien, wird vom Kaiser Arcadius zum +Dux+ von
Illyricum orientale ernannt. Das Vordringen der germanischen Vlker
richtet sich nun gegen das +west+rmische Reich.

[401.]

Alarichs erster ~Einfall in Italien~, Stilicho tritt ihm entgegen.
Schlacht bei +Pollentia+ (402); Alarich kehrt nach Illyrien zurck.

[405.]

Germanische Heerhaufen, namentlich +Ostgoten+ unter +Radagais+, fallen
in Italien ein, werden aber von Stilicho mit Hilfe der rheinischen
Legionen bei +Fsul+ besiegt und durch Kampf und Hunger aufgerieben.
Die Rheingrenze seitdem verloren.

[406.]

Heerhaufen von ~Vandalen~, ~Sueben~ und ~Alanen~ ziehen aus den
Donaulndern unter hartem Kampf mit den Franken ber den Rhein und
brechen dann 409 in ~Spanien~ ein. Die Vandalen besetzen den sdlichen
Teil (Andalusien = Vandalicia), die Alanen den Sdwesten (Lusitanien),
die Sueben den Nordwesten (Gallaecia).

Um dieselbe Zeit breiten sich die ~salischen Franken~ im nrdlichen
Gallien aus; die ~Burgunder~ setzen sich am mittleren Rhein fest,
+Worms+ ihre Hauptstadt.

[408.]

Stilicho gestrzt und auf Befehl des Kaisers Honorius ermordet.
~Alarichs~ zweiter Einfall in Italien, er belagert Rom, zieht aber
gegen Lsegeld ab. Da der kaiserliche Hof zu Ravenna sich weigert,
den Goten Landbesitz in Noricum zu gewhren, rckt +Alarich+ zum
zweiten Male vor Rom (409) und erzwingt vom Senate die Ernennung des
Stadtprfekten +Attalus+ zum Gegenkaiser. +Alarich+ belagert +Honorius+
vergeblich in +Ravenna+, entzweit sich mit Attalus, setzt ihn ab und
rckt zum dritten Male vor Rom.

[410.]

Einnahme und Plnderung ~Roms~ durch Alarich. Er zieht darauf nach
Unteritalien, um nach Sicilien und von da nach Afrika berzusetzen,
stirbt aber unterwegs (im +Busento+ bei Cosenza begraben).

[410-415.]

~Athaulf~, Alarichs Schwager, fhrt die Westgoten nach Gallien,
vermutlich infolge eines bereinkommens mit dem Kaiser Honorius zur
Bekmpfung der dort eingedrungenen Germanen. Er vermhlt sich in Narbo
414 mit +Placidia+, Schwester des Honorius, wird aber bald darauf
von dem kaiserlichen Feldherrn +Constantius+ angegriffen, zieht nach
+Spanien+, erobert +Barcelona+, wird dort ermordet. Sein Bruder

[415-419.]

~Wallia~ schliet wiederum Vertrag mit Honorius, sendet Placidia zurck
und kmpft fr die Rmer gegen Vandalen, Alanen und Sueben. Ihm wird
das sdliche +Gallien+ unter rmischer Hoheit abgetreten.

[~415-711.~]

~Westgotenreich~ in Sdgallien und Spanien, bald von Rom unabhngig.
Hauptstadt +Tolosa+ (Toulouse), spter +Toledo+.

[429.]

Knig +Genserich+ fhrt die +Vandalen+ aus Spanien nach Afrika hinber,
herbeigerufen von dem abtrnnigen rmischen Statthalter +Bonifatius+,
der nachher vergeblich die Eingedrungenen bekmpft. +Augustinus+,
Bischof von Hippo Regius, T 430 whrend der Belagerung dieser Stadt
durch die Vandalen. +Karthago+, die Hauptstadt der rmischen Provinz,
wird erst 439 von ihnen erobert.

[~429-534.~]

~Vandalenreich~ in Afrika.

Die Vandalen (Arianer) grnden eine Seemacht und beginnen die Ksten
und Inseln des Mittelmeeres zu plndern. Ihre frheren Wohnsitze in
+Spanien+ werden von den Westgoten in Besitz genommen.

[443.]

Die ~Burgunder~, unter ihrem Knig +Gundahar+, von dem rmischen
Feldherrn +Atius+ mit Hilfe hunnischer Sldner besiegt, erhalten
Wohnsitze an der oberen Rhone und Sane. Die ~Alamannen~ breiten sich
(an Stelle der Burgunder) ber die frhere rmische Provinz +Germania
superior+ (Elsa) und die Schweizer Ebene aus.

[~449.~]

+Britannien+ besetzt von ~Sachsen~, ~Angeln~ und ~Jten~, die von den
Briten gegen die ruberischen Stmme der nrdlichen Gebirge (+Picten+
und +Scoten+) zu Hilfe gerufen werden. Sie setzen (nach der Sage unter
den Fhrern +Hengist+ und +Horsa+) nach Britannien ber und grnden
dort 7 Staaten: +Kent+, +Sussex+, +Wessex+, +Essex+, +Ostangeln+,
+Mercia+, +Northumbria+. Die christlichen +Briten+ werden teils nach
der Westseite der Insel (+Wales+, Sagen von Knig Artus) gedrngt,
teils siedeln sie nach der Kstenlandschaft +Aremorica+ (Bretagne) in
Gallien ber.

[~451.~]

~Attila~ (+Etzel+), Knig der ~Hunnen~, bricht verheerend in Gallien
ein; in seinem Gefolge auch die Heerscharen der ihm unterworfenen
+germanischen+ Vlker, +Ostgoten+, (Attila gotisch = Vterchen)
+Gepiden+, +Heruler+, +Rugier+ u.a. Er belagert vergeblich +Orlans+
(Civitas Aureliani).

[451.]

~Schlacht~ auf den ~Katalaunischen Feldern~ (nach +Catalaunum+, d.
i. +Chlons-sur-Marne+, das Schlachtfeld selbst nher bei +Troyes+).
Attila von dem rmischen Heer unter ~Atius~ und den +Westgoten+ (mit
Hilfstruppen der +Burgunder+, +Franken+ u.a.) in gewaltigem Kampfe
besiegt, geht ber den Rhein zurck.

[452.]

~Attila~ zieht nach ~Italien~, zerstrt +Aquileia+, dessen Bewohner in
die Lagunen flchten (Entstehung der Stadt +Venedig+). Er verwstet die
Po-Ebene, +bedroht Rom+, kehrt aber um auf Bitten einer Gesandtschaft,
an deren Spitze der rmische Papst Leo I. steht.

[453.]

Attila stirbt in Pannonien; nach seinem Tode ~Zerfall des
Hunnenreiches~. Die bisher den Hunnen unterworfenen germanischen
Vlker werden frei; die +Gepiden+ begrnden ein Reich in Dacien, die
+Ostgoten+ in Pannonien.

Vordringen ~slavischer Vlker~ in die von den Germanen verlassenen
Gebiete bis zur +Elbe+.

[455.]

Rom nach Ermordung Valentinians III. 14 Tage lang von den ~Vandalen~
geplndert, welche Eudoxia, die Witwe Valentinians, herbeigerufen haben
soll. Die Vandalen beherrschen die Nordkste Afrikas bis Kyrene und
die Inseln des westlichen Mittelmeeres.

[~476.~]

~Odovakar~, Anfhrer von Herulern und anderen Germanen in rmischem
Solde, wird nach Absetzung des letzten westrmischen Kaisers Herrscher
in Italien (vgl. S. 138).


Grndung des ~Frankenreiches~ in Gallien.

[486.]

Der Merowinger ~Chlodwig~ (Chlodovech), Knig der +salischen Franken+
(481-511), besiegt bei ~Soissons~ den rmischen Statthalter +Syagrius+
und vernichtet dadurch den letzten Rest des westrmischen Reiches.

[~496.~]

Chlodwig besiegt die ~Alamannen~ im Elsa (+nicht+ bei Zlpich,
wo frher ein Kampf zwischen Alamannen und ripuarischen Franken
stattgefunden hatte). Chlodwig gelobt in der Schlacht, +Christ+ zu
werden, nimmt mit seinem Volke die +katholische+ Lehre an, wird in
+Reims+ vom Bischof Remigius getauft.

[500.]

Chlodwig besiegt die ~Burgunder~ bei +Dijon+, doch behauptet Knig
Gundobad seine Herrschaft. Durch List und Gewalt macht Chlodwig sich
zum Alleinherrscher +aller+ Franken, s. unten und S. 145 ff.

[~493-553.~]

~Ostgotenreich~ in Italien.

~Theoderich der Groe~, christlicher Knig der Ostgoten, fhrt nach
bereinkunft mit dem ostrmischen Kaiser +Zeno+, der ihm den Rang
eines Patricius (S. 138) und Konsuls verlieh, sein Volk aus Pannonien
nach Italien, siegt ber Odovakar am Isonzo 489, belagert ihn in
+Ravenna+, lt ihn 493 nach Einnahme der festen Stadt hinrichten. Er
sorgt in Italien fr Erhaltung der rmischen Kultur und friedliches
Zusammenleben von Rmern und Goten. Seine Regierung fr Italien eine
Zeit des Glckes und Wohlstandes. Sein Minister +Cassiodorius+ schreibt
die Geschichte der Goten und verkndet Gesetze in lateinischer Sprache.
Doch bleibt der Zwiespalt zwischen beiden Nationen, da die Goten
+Arianer+ sind. Bothius und Symmachus 525 hingerichtet wegen geheimer
Verbindungen mit dem ostrmischen Kaiser.

Theoderich schliet Frieden mit den +Vandalen+, welche ihre Raubzge
gegen Italien aufgeben, nimmt die +Alamannen+ und +Westgoten+ gegen die
wachsende Macht des Frankenreiches in Schutz, waltet als Friedenshort
und Vlkerhirt unter seinen germanischen (arianischen) Stammverwandten.

[507.]

Chlodwig besiegt die ~Westgoten~ bei +Voullon+ oder +Voull+ (unweit
Poitiers) und besetzt ihr Land bis zur Garonne: in +Arles+ behaupten
sie sich mit Hilfe der Ostgoten. Theoderich vereinigt die Provence
mit seinem Reiche und bernimmt die vormundschaftliche Regierung
fr seinen Enkel +Amalarich+, den Sohn des bei Voullon gefallenen
Westgotenknigs Alarich II.

[526.]

Theoderich T zu +Ravenna+; sein Grabmal dort erhalten. In den deutschen
Heldenliedern erscheint er als +Dietrich von Bern+ (Verona).

Das +Westgotenreich+ behauptet sich in +Spanien+ (Hauptstadt +Toledo+)
bis 711. Gegen das +Vandalen+reich und das +Ostgoten+reich erhebt sich
die wieder erstarkte Macht des ~ostrmischen Kaisertums~.

[534.]

~Belisar~, Feldherr des ostrmischen Kaisers Justinian (S. 147),
zerstrt das ~Vandalenreich~ in Afrika.

Verfall des Vandalenreichs seit Genserichs Tode (477). Den letzten
Knig +Gelimer+ nimmt Belisar gefangen.

[535-553.]

Vernichtungskrieg +Justinians+ gegen das ~Ostgotenreich.~

~Veranlassung~: +Amalaswintha+, Tochter Theoderichs d. Gr., 526-534
Regentin fr ihren unmndigen Sohn Athalarich, wird nach dessen Tode
ermordet von +Theodahad+, den sie zum Mitregenten angenommen hat.
Kaiser Justinian tritt als ihr Rcher auf.

[535-540.]

~Belisar~ erobert zuerst Sicilien, dann Neapel, bekmpft +Vitigis+, den
die Ostgoten an Stelle Theodahads zum Knig erwhlt haben, erobert Rom
und fhrt Vitigis als Gefangenen nach Konstantinopel. Whrend er dann
im Osten des Reichs die +Perser+ bekmpft, erobern die Ostgoten unter
Knig +Totila+ den grten Teil Italiens wieder.

[544-549.]

Belisar, aufs neue nach Italien gesandt, kmpft mit wechselndem Erfolge
gegen Totila. Nach Belisars zweiter Abberufung wird Rom von Totila
wieder erobert.

[552.]

~Narses~, Belisars Nachfolger, siegt mit germanischen Hilfstruppen
ber Totila bei +Tagin+ (in Umbrien, nicht weit von Sentinum); Totila
fllt. +Teja+, der letzte Ostgotenknig, fllt im Verzweiflungskampfe
am +Mons lactarius+ (in der Nhe des Vesuv); die Reste seines Heeres
erhalten freien Abzug.

[553.]

Scharen von +Franken+ und +Alamannen+, welche ber die Alpen in Italien
eindringen, werden von +Narses+ zurckgeschlagen, die letzten am
+Volturnus+ vernichtet. Italien wird Provinz des ostrmischen Reiches
(+Exarchat+). Narses erster Exarch, sein Sitz in Ravenna.

[~568-774.~]

~Langobardenreich~ in Italien.

~Alboin~, Knig der seit etwa 500 in Pannonien ansssigen
+Langobarden+, zerstrt mit Hilfe der +Avaren+, eines den Hunnen
verwandten, asiatischen Volkes, welches bis zur Donau vorgedrungen
ist, das Reich der +Gepiden+ (566) und fhrt bald darauf (568) sein
Volk nach +Italien+, vielleicht von Narses, der am byzantinischen Hof
in Ungnade gefallen war, herbeigerufen. +Pavia+ (Ticinum), erst nach
dreijhriger Belagerung erobert, wird Hauptstadt seines Reiches. Unter
seinen Nachfolgern werden langobardische Herzogtmer in +Friaul+,
+Spoleto+, +Benevent+ gegrndet. Unter ostrmischer Herrschaft bleiben
nur +Venedig+, +Ravenna+, +Neapel+, und +Kalabrien+.

Die Bischfe von ~Rom~ wissen ihrem Gebiete, dem ~Patrimonium Petri~,
die Unabhngigkeit zu sichern (spter Berufung auf eine +Schenkung
Konstantins+ in den um die Mitte des 9. Jahrh. entstandenen,
geflschten pseudo-isidorischen Dekretalen).

[589.]

+Authari+ (Sohn +Klephs+), der 3. Knig des Langobardenreiches,
vermhlt mit Theodelinde, Tochter des +Bayern+herzogs Garibald,
durch deren Einflu der bertritt der Langobarden vom +Arianismus+
zur +katholischen Lehre+ bewirkt wird. Gleichzeitig vollzieht sich
dieselbe Umwandlung im spanischen ~Westgotenreich~, welches 585 durch
Unterwerfung des +Suebenreiches+ erweitert ist.

[590-604.]

~Gregor I.~ (der Groe), Bischof von Rom, befestigt das Ansehen des
~Papsttums~. (Ppa, d. h. Vater, frher der Name jedes christlichen
Bischofs, bald dem Nachfolger +Petri+ ausschlielich beigelegt.) --
Sendung von Glaubensboten zu den Angelsachsen nach +England+ (597), der
Abt +Augustinus+ begrndet das Erzbistum +Canterbury+. -- Ausbreitung
der ~Klster~; Mnchsregel des h. +Benedikt+ von Nursia, der 529
das Mutterkloster des Benediktiner-Ordens auf dem Monte Cassino in
Kampanien grndete. Nach dem Untergang des westrmischen Reiches ist
die +rmische Kirche+ von grter Bedeutung fr die Erhaltung und
Fortbildung der aus dem Altertum berlieferten +Kultur+.


 2. Frankenreich unter den Merowingern.

(Vgl. S. 143.)

[511.]

Nach Chlodwigs Tode +erste+ Teilung (doch nicht vllige
Gebietstrennung) des Frankenreiches. Seine vier Shne herrschen
gemeinsam, aber mit gesondertem Hofhalt zu +Metz+, +Orlans+, +Paris+,
+Soissons+.

[531-532.]

Das Reich der ~Thringer~ wird von Theoderich, dem ltesten der Brder,
durch den Sieg bei +Scheidungen+, das der ~Burgunder~ von den jngeren
Shnen Chlodwigs: +Chlodomer+, +Childebert+, +Chlotar+, erobert.

Der +nrdliche+ Teil Thringens (bis zur +Unstrut+) fllt an die
+Sachsen+ als Bundesgenossen der Franken in dem Kriege; in das
+Main+gebiet, welches ebenfalls zum alten Thringerreich gehrte,
ziehen frnkische Ansiedler ein (Ost+franken+).

Nach dem Untergang des ostgotischen Reiches Erwerbung der +Provence+
(536); auch die +Bayern+ (entstanden aus Vereinigung der Markomannen
und Quaden (S. 131) mit anderen Volks-Stmmen) schlieen sich dem
Frankenreiche an; sie behalten aber ihr heimisches Herzogsgeschlecht,
die Agilolfinger.

[558-561.]

Das Frankenreich wieder vereinigt unter ~Chlotar I.~, Chlodwigs
jngstem Sohn, der seine Brder berlebt. Nach seinem Tode +zweite+
Teilung, zuerst in vier, dann in drei Reichsteile: Austrasien,
Neustrien, Burgund. Es folgt eine Zeit der Zerrttung; +Brunhild+,
eine westgotische Knigstochter, veranlat ihren Gemahl +Sigibert+ von
Austrasien zum Kriege gegen seinen Bruder +Chilperich+ von Neustrien,
der ihre Schwester verstoen und sich mit +Fredegunde+ vermhlt hat.
Chilperich ermordet 584, darauf Kampf der Adelsparteien.

[613-628.]

Zweite Wiedervereinigung des ganzen Frankenreiches durch ~Chlotar II.~
von Neustrien, Sohn der Fredegunde. Brunhild gefangen, gemartert und zu
Tode geschleift.

~Verfassung des Frankenreiches~: Das Land ist in +Gaue+ (+pagi+)
eingeteilt, deren Vorsteher die vom Knig ernannten +Grafen+
(+comites+) sind; die Gaue zerfallen in +Hundertschaften+ (+centenae+).
Jede Hundertschaft hat ihre Gerichtssttte, +Malberg+ genannt, wo unter
Leitung ihres Vorstehers (centenarius) oder des Grafen die Freien
zum Gerichtstag (+Ding+) erscheinen. Das Volksrecht aufgezeichnet
als +lex Salica+ (schon unter Chlodwig) und +lex Ripuaria+; das
Deutsche war Volkssprache, aber nicht Schriftsprache. Altgermanisches
Gerichtsverfahren: Eideshelfer, Zweikampf, Gottesurteile durch
siedendes Wasser oder glhendes Eisen. Totschlag kann durch Wergeld
geshnt werden. Oberstes Gericht das Hofgericht des Knigs.

Stnde des Volkes: Freie, Halbfreie oder Hrige (+liti+) und
Unfreie (+Leibeigene+). Die Mitglieder des kniglichen Gefolges
(+antrustiones+) haben das dreifache +Wergeld+ der Freien. Freie, die
sich in den Schutz eines Mchtigeren oder des Knigs begeben, sind
dessen +Vasallen+. Sie empfangen von ihm Grundbesitz zum Niebrauch;
daraus entwickelt sich in der karolingischen Zeit das +Lehnswesen+
(+beneficium+ oder +feudum+, das Lehngut, im Gegensatz zum Eigengut,
+allodium+).

Die aus rmischer Zeit vorhandenen +Stdte+ behalten eine gewisse
Bedeutung als Bischofsitze; die Einwohner sind aber meistens Halbfreie
oder Unfreie. Die zahlreichen +Kirchengter+ erhalten allmhlich
Befreiung von der Gerichtsbarkeit der Grafen (+Immunitt+); ein von dem
Bischof oder Abt erwhlter Schutzherr (+advocatus+, +Vogt+) bt dann
die Gerichtsbarkeit.

Zum Kriegsdienst sind alle Freien verpflichtet (+Heerbann+); die
Vasallen ziehen unter Fhrung ihres Beschtzers (+senior+) zu Felde,
die brigen unter Fhrung des Grafen. In Reichsteilen, die frher
selbstndig waren (Aquitanien, Bretagne, Bayern, Thringen), hat
der +Herzog+ (+dux+) den Oberbefehl ber den Heerbann mehrerer
Grafschaften. Bei der jhrlichen Heeresmusterung (+Mrzfeld+, spter
+Maifeld+) versammelt der Knig die Groen zu Beratungen (+placita+)
und verkndet mit ihrer Zustimmung +Gesetze+.

Die wichtigsten Hofmter sind: Seneschall, Marschall (comes stabuli),
Kmmerer, Mundschenk, Kanzler, Pfalzgraf (+comes palatii+ oder
+palatinus+). Der +Majordomus+, ursprnglich Vorsteher der kniglichen
Hofhaltung, gewinnt allmhlich die grte Macht als Stellvertreter des
bald hier, bald dort residierenden Knigs.

Unter +Chlotar II.+ hat jeder der drei groen Reichsteile einen eigenen
+Majordomus+; unter seinem Sohne +Dagobert+ kommt ~Pippin~ (der ltere)
zu besonderem Ansehen in Austrasien. Dessen Enkel ~Pippin~ (der
Mittlere) macht sich durch den

[687.]

Sieg bei +Testri+ (unweit St. Quentin) ber den Majordomus von
Neustrien zum +Majordomus des ganzen Frankenreiches.+

Sein Sohn ~Karl Martel~ gilt, obgleich er noch nicht den Knigstitel
annahm, als Begrnder der Dynastie, welche das entartete Haus der
Merowinger verdrngte.


 3. Das ostrmische Reich.

Nach Attilas Tode (S. 142) Aufhren der Bedrngnis durch die +Hunnen+.
Das wieder erstarkende Reich bewahrt unter despotischen, aber oft
von ihrer Umgebung abhngigen Herrschern noch Jahrhunderte lang die
griechische Kultur.

[~527-565~]

~Justinian I.~ lt durch seinen Minister +Tribonianus+ aus den
Gesetzen frherer Kaiser und den Schriften frherer Rechtsgelehrter ein
umfassendes Gesetzbuch, ~Corpus iuris civilis~, zusammenstellen. Teile
desselben: 1. +Institutiones+, 2. +Pandectae+ oder +Digesta+, 3. +Codex
Justinianeus+, 4. +Novellae+ spter hinzugefgt.

[~532.~]

~Nika-Aufstand~ in Konstantinopel, veranlat durch die Parteien der
Rennbahn, die sich mit dem Schlachtruf +Nika+ gegen die Regierung
erheben, aber bald unter sich uneinig werden. Die +Blauen+, von
+Belisars+ Truppen untersttzt, siegen ber die +Grnen+. Ein groer
Teil der Stadt durch Brand zerstrt, dann schner wiederhergestellt.
Groartige Prachtbauten, z.B. 25 neue Kirchen, darunter die
+Sophienkirche+.

Kriege gegen die +Germanen+ (s.S. 144); Afrika und Italien fr die
ostrmische Herrschaft wiedergewonnen. Im Osten Bedrngnis durch die
~Perser~, welche in Syrien eindringen. Blte des Sassanidenreiches (S.
133) unter Knig +Kosru I.+, die altpersische +Masda+religion (S. 17)
herrscht dort in neuer Kraft. Die Donaugrenze wird mit Mhe geschtzt
gegen Einflle der +Bulgaren+ und +slavischen+ Stmme; zu deren
Bekmpfung wird das mongolische Volk der +Avaren+ gewonnen, welches
seine Wohnsitze in den Steppen an der Donau und Thei nimmt, wo frher
die Hunnen hausten.

Unter den folgenden Kaisern Verfall des Reiches. Italien geht
grtenteils verloren (S. 145); +Bulgaren+ und +Serben+ siedeln sich
sdlich der Donau an, doch unter Oberhoheit des Reiches.

[627.]

~Heraklios II.~ besiegt die +Perser+ bei den Ruinen von +Ninive,+
verliert aber bald darauf Syrien und gypten durch das erobernde
Vordringen der Araber. Der brige Bestand des Reiches ist gesichert.

[668-675.]

Unter Kaiser +Konstantin IV.+ Abwehr der wiederholten Angriffe der
Araber auf +Konstantinopel+ (das griechische Feuer).

[726.]

+Leo III.+ verbietet nach abermaliger Abwehr der Araber den
+Bilderdienst.+ Dadurch werden langdauernde kirchliche Streitigkeiten
veranlat; die Parteien der Bilderdiener und Bilderstrmer
bekmpfen einander, bis die Kaiserin +Irene+ 787 den Bilderdienst
wiederherstellt. Nach ihrem Tode erneuter Streit: +Leo V.,+ siegreich
gegen die Bulgaren, verbietet 815 den Bilderdienst, wird 820 von
Verschwrern ermordet; endlich entscheidet 842 die Kaiserin +Theodora+
zu Gunsten des Bilderdienstes.


 4. Mohammed und das Kalifat.

Die ~Araber~, lange Zeit durch die Natur ihres Landes vom Vlkerverkehr
ferngehalten, erheben sich unter der Einwirkung einer neuen +Religion+
aus der Stammverfassung zur Grndung einer Reichsmacht. Diese tritt in
Kampf gegen das christliche Europa.

~Mohammed,~ geb. 571 zu Mekka, aus dem Stamme Kuresch, lernt auf
Handelsreisen nach Syrien die jdische und die christliche Religion
kennen, zieht sich fters in die Einsamkeit zurck, tritt dann
unter seinem Stamme als Prophet auf. Hauptsatz seiner Lehre, des
~Islm~: Es ist nur ein Gott (Allah), und Mohammed sein Prophet. Die
Glubigen (+Moslemin+) sind zu Gebeten, Fasten, Almosen, Wallfahrten
verpflichtet; Gerechtigkeit die Haupttugend. Vielweiberei gestattet.
Glaube an Vorherbestimmung (Fatalismus), sinnliche Vorstellungen vom
Fortleben im Paradiese.

[622.]

Mohammeds Flucht (~Hedschra~) von +Mekka+ nach +Medina+ Anfang einer
neuen Zeitrechnung bei den Vlkern, die den Islam annehmen.

[630.]

Mohammeds Rckkehr; er reinigt die +Kaba+, das alte Heiligtum in
Mekka, von Gtzenbildern. Bald ganz Arabien ihm untertan. Er stirbt
632, sein Grab in Medina. Seine Nachfolger die ~Kalifen~:

[632-634.]

~Abu Bekr~, Schwiegervater des Propheten. Entstehung des 114 Suren
umfassenden ~Koran~, der spter ergnzt wird durch Aufzeichnung
mndlich berlieferter Aussprche des Propheten (die +Sunna+). Spaltung
der Glubigen in +Sunniten+, welche diese anerkennen, und +Schiiten+,
welche sie verwerfen und ~Ali~, den Schwiegersohn Mohammeds, als dessen
einzig rechtmigen Nachfolger betrachten. (Die Perser z. B. sind
Schiiten, die Trken Sunniten.)

[634-644.]

~Omar~, Begrnder der arabischen Herrschaft im Orient: 1. Zerstrung
des +Neupersischen Reiches+ der Sassaniden; der Feldherr Saad zieht 636
als Sieger in Ktesiphon ein.

2. Dem +ostrmischen+ Reiche entreit Omar +Syrien+ und +Palstina+
(Damaskus 635, Jerusalem 637); sein Feldherr Amru erobert +gypten+
(Alexandria 641). Grndung der Stdte +Kairo+ und +Basra+ (am Schatt
el Arab). Die erobernden Araber nehmen vieles von der persischen und
griechischen Kultur an, machen aber ihre Religion und Sprache zur
herrschenden.

Innere Kriege unter den beiden folgenden Kalifen; +Othman+ wird 656 in
einem Aufstande zu Medina ermordet, +Ali+, Mohammeds Schwiegersohn, 661
durch Verschwrer.

[~661-750.~]

~Die Omaijaden.~

+Muawija+, Urenkel des Omaija, eines Verwandten Mohammeds, grndet
eine +sunnitische+ Dynastie, verlegt die Residenz von Medina nach
~Damaskus~. Seine Feldherrn belagern Konstantinopel vergeblich; in
Kleinasien beginnen langdauernde Kmpfe, da das byzantinische Reich
starken Widerstand leistet. +Nordafrika+ wird von den Arabern gewonnen;
697 zerstren sie Karthago.

[711.]

Der Feldherr +Tarik+ setzt nach +Spanien+ ber, herbeigerufen von
Graf Julian, dem Statthalter von Ceuta, gegen den Westgotenknig
Roderich. Er landet bei dem nach ihm benannten Berge Dschebel al-Tarik
(Gibraltar) und vernichtet durch die siebentgige Schlacht am Guadalete
und Saladoflu bei ~Xeres de la Frontera~ das +Westgotenreich+. Nur ein
kleines christliches Knigreich +Asturien+ behauptet sich im Norden der
Halbinsel.

[717.]

Konstantinopel wiederum vergeblich belagert; dagegen wird das
Indusland, Baktrien, Sogdiana dem Islam unterworfen. Im Innern
hufige Kmpfe mit den Anhngern Alis; Entfaltung der Knste und
Wissenschaften, namentlich unter +Welid I.+ (705-715), welcher die
prachtvolle Moschee zu Damaskus baut.

[750.]

Merwan II. wird in der blutigen Schlacht am +Zab+ (Nebenflu des
Tigris) besiegt von +Abul Abbas+, der das Geschlecht der Omaijaden
ausrottet; nur +Abdurrahman+ entkommt nach +Spanien+ und grndet dort
ein selbstndiges Kalifat in Cordova. Hier wie in Granada (Alhambra)
groartige Baudenkmler aus jener Zeit erhalten.

[~750-1258.~]

~Die Abbassiden.~

Neue Residenz ~Bagdad~; glnzende Regierung +Harun al Raschids+
786-809, von den Dichtern gepriesen. Blte des Handels, der Architektur
und der Wissenschaften (Philosophie, Mathematik, Geographie,
Naturforschung, Medizin) unter seinem Sohne +Mamun+ 813-833. Bagdad,
Damaskus, Mekka, Kairo Mittelpunkte der arabischen Kultur. Die
Nachfolger haben mit Aufstnden zu kmpfen.


 5. Frankenreich unter den Karolingern.

~Karl Martel~ (der Hammer, Majordomus 714-741) unterwirft die
unbotmigen Groen des Reiches, bekmpft die +Friesen+ und +Sachsen+,
sichert das Frankenreich gegen die vordringenden +Araber+ durch die
siebentgige

[732.]

Schlacht ~zwischen Tours und Poitiers.~

Er regiert seit 737 ohne Knig, seine beiden Shne +Karlmann+ und
+Pippin+ setzen 743 wieder einen Knig (Childerich III.) ein. Karlmann
tritt 747 von der Regierung zurck.

[~751-768.~]

~Pippin, Knig der Franken,~

nachdem Childerich III. unter Zustimmung des Papstes Zacharias durch
die zu +Soissons+ versammelten frnkischen Groen abgesetzt und in ein
Kloster geschickt ist. Pippin wird auf den Schild erhoben, dann von den
Bischfen gesalbt. 753 Kriegszug gegen die +Sachsen+.

[754.]

Papst Stephan II., der als Schutzflehender erscheint, wiederholt zu
St. Denys (bei Paris) die Salbung an Pippin und seinen Shnen. Pippin
zieht darauf nach +Italien+ und drngt den Langobardenknig +Aistulf+
zurck, welcher +Rom+ seinem Reiche einverleiben will. Pippin besttigt
den Papst in dem Besitz des Ducats von Rom (Kirchenstaat, S. 145)
und erweitert ihn durch Schenkung des +Exarchats Ravenna+ und der
+Pentapolis+ (Gebiet von +Ancona+ und +Rimini+). Er beansprucht fr
sich und erhlt vom Papst den Titel +Patricius+ von Rom (S. 138, 143).

[719-754.]

~Bonifatius~, der Apostel der Deutschen.

Im inneren Deutschland hatten in der Merowingerzeit ~irische~ und
~frnkische~ Missionare, gesttzt auf die aus rmischer Zeit her
bestehenden Bistmer in Basel, Konstanz, Straburg, Augsburg, Mainz,
Trier, Kln, an mehreren Orten Kirchen und Klster gegrndet: +Columba+
und +Gallus+ um 610 bei den Alamannen am Bodensee (Kloster St. Gallen),
+Pirmin+ (Kloster Reichenau), +Emmeram+ in Regensburg, +Kilian+ in
Wrzburg, +Rupert+ in Salzburg u.a.

~Bonifatius~ (sein ursprnglicher Name +Winfried+), ein ~Angelsachse~
aus Wessex, erhlt 719 in Rom von Papst Gregor II. den Auftrag, in den
noch heidnischen Gegenden Deutschlands das Christentum zu verkndigen.
Er predigt zuerst in Gemeinschaft mit seinem Landsmann +Wilibrord+,
dem Bischof von Utrecht, in +Friesland+, wendet sich dann nach
Ostfranken, Thringen, Hessen, Bayern. Bei Geismar in Hessen fllt
er die Wodanseiche. Seit 722 Bischof, 732 Erzbischof ohne bestimmten
Bischofsitz, bringt er alle neu gegrndeten Bistmer (Salzburg,
Regensburg, Freising, Passau, Wrzburg, Eichsttt, Erfurt, letzteres
bald zu Mainz gezogen) und Klster (Fritzlar, Fulda, Ohrdruf) in
strenge Abhngigkeit vom rmischen Stuhle. Auch im westlichen Teile
des Frankenreichs ordnet er die verfallenen kirchlichen Einrichtungen
wieder. Er wird 748 ~Erzbischof von Mainz~, 755 bei einer letzten
Missionsreise von den heidnischen Friesen bei Dokkum erschlagen;
begraben in +Fulda+.

[~768-814.~]

~Karl der Groe~,

anfangs gemeinschaftlich mit seinem Bruder +Karlmann+ regierend,
nach dessen Tode 771 Alleinherrscher. Karlmanns Shne fliehen zu
+Desiderius+, dem Knig der Langobarden, dessen Tochter Desiderata
Karl geheiratet, dann verstoen hatte. Zur Sicherung der Reichsgrenze
beginnt Karl die langwierigen ~Sachsenkriege~; durch die Unterwerfung
der noch heidnischen +Sachsen+ (geteilt in Westfalen, Engern,
Ostfalen, Nordalbinger) wird die Einigung der deutschen Volksstmme im
Frankenreiche vollendet.

[772.]

~Erster Sachsenkrieg.~ Maifeld zu +Worms+, von da aus Zug gegen
die +Engern+. Eroberung der +Eresburg+ (Stadtberge an der Diemel),
Zerstrung der +Irminsul+, eines heiligen Denkmals.

[773-774.]

Zug nach +Italien+; ~Zerstrung des Langobardenreiches~.

Da Papst Hadrian I. sich weigert, Karlmanns Shne zu Knigen der
Franken zu krnen, besetzt Desiderius die +Pentapolis+ und bedroht
Rom. Karl als +Patricius+ von Rom kommt dem Papst zu Hilfe. Einnahme
von +Pavia+ nach langwieriger Belagerung; Desiderius in ein Kloster
gebracht. Karl krnt sich mit der eisernen Krone der Langobarden
und wird Knig von +Italien+ (Langobardenreich, also Nord- und
Mittel-Italien; Sd-Italien bleibt teils im Besitz der Byzantiner,
teils selbstndig unter dem Herzog von Benevent). Karl besttigt dem
Papst die Schenkung seines Vaters.

[775-777.]

Fortsetzung des ~Sachsenkrieges~: 775 Zug von Dren aus nach
+Westfalen+, Eroberung der +Sigiburg+ (Hohensyburg am Einflu der Lenne
in die Ruhr). 776 von Worms aus Wiederherstellung der von den Sachsen
zerstrten +Eresburg+ und Zug bis zur Lippe, 777 Maifeld in +Paderborn+.

[778.]

Zug nach +Spanien+, veranlat durch ein Hilfsgesuch des Emirs von
Saragossa gegen den Kalifen von Cordova. Pamplona erobert, Saragossa
belagert. Beim Rckzuge berfallen die Basken im Tal +Roncesvalles+ die
Nachhut des Heeres. Tod des in der Sage gefeierten Helden +Roland+.
Infolgedessen die spanischen Eroberungen verloren.

Inzwischen neue Erhebung der ~Sachsen~ unter +Widukind+. Karl siegt
779 bei +Bocholt+ an der Aa (nrdlich von Wesel), zieht 780 von der
Eresburg aus nach Lippspringe und von da bis zur Elbe. Die Sachsen
unterwerfen sich, Einfhrung des Christentums.

[781.]

Zug nach +Italien+, Zusammenkunft mit dem Papste in Rom.

[782.]

Abermals Aufstand der ~Sachsen~ unter +Widukind+. Sie vernichten ein
frnkisches Heer, welches mit ihnen zusammen die wendischen +Sorben+
bekmpfen soll, am Berge +Sntel+. Deshalb Strafgericht zu +Verden+
an der Aller, 4500 Sachsen gettet. 783 infolge dieser Bluttat neuer,
furchtbarer Aufstand. Karl siegt erst bei +Detmold+, dann an der
+Hase+, dringt bis zur +Elbe+ verwstend vor. 785 unterwirft sich
Widukind und wird Christ.

Einfhrung der frnkischen +Grafschafts+verfassung in Sachsen. Anfnge
des stdtischen Lebens knpfen sich an die nach und nach gegrndeten
+Bischofsitze+: Bremen, Mnster, Paderborn, spter Osnabrck, Verden,
Minden; unter Ludwig dem Frommen Hildesheim und Halberstadt.

[787.]

Zug nach +Italien+; Herzog Arichis von Benevent unterwirft sich.

[788.]

Aufhebung des Herzogtums +Bayern+ nach zweimaliger Auflehnung des
Herzogs +Tassilo+; dieser wird in ein Kloster geschickt.

[789.]

Krieg gegen die ~Slaven~ (Wenden); Karl zieht von Kln aus durch
Sachsen, berschreitet die Elbe, besiegt den Stamm der Wilzen, dringt
bis zur +Peene+ vor.

[791.]

Krieg gegen die ~Avaren~ (S. 148), welche Tassilo untersttzt hatten;
Zug von Regensburg aus bis zur Raab.

[794.]

Karl und sein gleichnamiger ltester Sohn unterdrcken einen neuen
Aufstand der ~Sachsen~, mit zwei getrennten Heeren eindringend. Fernere
Zge 795-799, viele Sachsen hinweggefhrt und in frnkischem Gebiet
angesiedelt.

[795.]

Karls Sohn Ludwig bekmpft die Mauren, grndet bis 811 die +spanische+
Mark (Barcelona 801 erobert).

[796.]

Karls Sohn Pippin erstrmt den Knigsring (Hauptlager) der +Avaren+
zwischen Donau und Thei. Das Land zwischen +Enns+ und +Raab+ wird als
Avarische Mark mit deutschen Ansiedlern besetzt, +Salzburg+ 798 zum
Erzbistum erhoben, ebenso um dieselbe Zeit +Kln.+

[~800.~ 25. Dezbr.]

~Karl erneuert das westrmische Kaisertum.~

Papst Leo III., von Verwandten seines Vorgngers Hadrian bei einem
Aufstande mihandelt und verjagt, sucht Schutz bei Karl im Lager
zu Paderborn (799). Karl lt ihn mit bewaffnetem Geleit nach Rom
zurckfhren, begibt sich zunchst nach +Aachen+, dann nach der
+Nordseekste+, um eine Flotte und befestigte Kstenpltze einzurichten
zur Abwehr der seeruberischen +Normannen+, zieht dann nach Italien
und wird am Weihnachtsfest 800 in der Peterskirche zu +Rom+ vom Papste
als rmischer Kaiser gekrnt. Gesandte des Kalifen +Harun al Raschid+
begren ihn 801 in Ivrea, Gesandte des ostrmischen Reiches 802 in
Aachen.

[804.]

Letzter Feldzug gegen die ~Sachsen~; Karl zieht von Aachen aus nach
Lippspringe, hlt dort das Maifeld ab, dringt dann bis zur unteren Elbe
(bei Harburg) vor.

[806.]

Karl der Jngere besiegt den slavischen Stamm der ~Sorben~ (zwischen
Elbe und Saale); Grenzfesten werden bei Magdeburg und Halle angelegt.
+Sorbische Mark+ gegrndet.

[808.]

Karl der Jngere bekmpft jenseits der Elbe die ~Dnen~; ihr Knig
+Gtrik+ befestigt das +Danewerk+ (westlich von Schleswig) zum Schutz
seiner Grenze, wird 810, als der Kaiser selbst gegen ihn zieht, von
seinen Untertanen ermordet. 811 Friede mit seinem Nachfolger Hemming an
der +Eider+. Bei diesen Expeditionen werden +Hamburg+ und +Itzehoe+ und
nrdlich von der Eider die +Dnische Mark+ angelegt.

[811.]

Maifeld zu +Aachen+; dann besichtigt der Kaiser die in +Boulogne+ zur
Abwehr der ~Normannen~ gerstete Flotte.

[813.]

Nach dem Tode der beiden lteren Shne Karl und Pippin krnt Karl
zu +Aachen+ seinen jngsten Sohn +Ludwig+ als Nachfolger. Er stirbt
daselbst, 72 Jahre alt, am 28. Januar 814. Sein Grab in dem von ihm
dort erbauten Mnster.

Grenzen des Frankenreiches: Ebro -- Raab, Eider -- Garigliano.
Grenzmarken: die spanische und bretonische (S. 142) im Westen,
die avarische und sorbische im Osten, die schsische und dnische
im Norden. Whrend seiner ganzen Regierung sorgt Karl d. Gr. fr
+Gesetzgebung+ und +Verwaltung+. Aufzeichnung der noch ungeschriebenen
Volksrechte (lex Saxonum); die in den verschiedenen Reichsteilen
geltenden lteren Volksrechte der Franken, Westgoten, Burgunder,
Alamannen, Bayern, Langobarden werden ergnzt durch die +Capitularia+,
die bei den Versammlungen der geistlichen und weltlichen Groen
(+Placita, Conventus generales+) verkndet werden. Aufsicht ber die
von den Bischfen, Gaugrafen und Markgrafen (marchiones) gefhrte
Verwaltung durch die +Knigsboten+ (missi regis, missi dominici);
die Herzogswrde ist abgeschafft. Bei wachsender Ausbildung des
+Lehnswesens+ ruht doch die Hauptkraft des Heeres noch auf dem
+Heerbann+ der +Freien+; die rmeren Freien werden geschtzt gegen die
Versuche der Groen, sie gewaltsam zu abhngigen Lehnstrgern zu machen.

Zur Frderung der Bildung im Frankenreiche werden auslndische
Geistliche berufen, besonders der Angelsachse +Alcuin,+ Abt von
Tours. +Hofschule+ zur Ausbildung tchtiger Beamten; zahlreiche
+Klosterschulen+ (Fulda, St. Gallen). Paul, Warnefrieds Sohn (+Paulus
Diaconus+) Geschichtschreiber der Langobarden; der Franke +Einhard+,
Verfasser der +Vita Caroli imperatoris+. Karl d. Gr. selbst bemht sich
um die Grammatik der deutschen Sprache, gibt den Monaten und den Winden
deutsche Namen, lt die alten Heldenlieder sammeln. Sorge fr den
Landbau (Capitulare de villis). Anlage eines Kanals von der Donau zum
Main, 793 in Regensburg angeordnet, aber nicht vollendet. Residenzen
des Herrschers die +Pfalzen+ (palatia) zu Aachen, Ingelheim, Worms,
Nimwegen, Heristal, Diedenhofen, Attigny u.a.

[~814-840.~]

~Ludwig der Fromme.~ Die Reichsverwaltung wird zunchst in der von
Karl d. Gr. begrndeten Weise weitergefhrt, doch wird der Einflu der
Geistlichen berwiegend. Ludwig lt sich 816 in +Reims+ nochmals vom
+Papste+ Stephan IV. krnen; sein ltester Sohn +Lothar+, schon 817 zum
Mitregenten ernannt, bernimmt die Verwaltung +Italiens+ und wird 823
in Rom zum +Kaiser+ gekrnt.

[826.]

Taufe des Dnenknigs Harald zu +Mainz+; der Mnch +Ansgar+ von Corvey
predigt das Christentum in Dnemark, dann auch in Schweden.

[830.]

Emprung der drei lteren Shne, Lothar, Pippin und Ludwig, als der
Kaiser die frher beschlossene Reichsteilung abndert zu Gunsten
des jngsten Sohnes Karl (aus zweiter Ehe mit Judith, die aus dem
alamannischen Geschlecht der +Welfen+ stammte). Eine Reichsversammlung
zu +Nimwegen+ setzt den Kaiser wieder in volle Macht ein.

[831.]

Grndung des Erzbistums +Hamburg+; Ansgar erster Erzbischof.

[833.]

Zweite Emprung der Shne. Der Kaiser, auf dem +Lgenfelde+ bei Colmar
im Elsa von seinem Heere verlassen, wird gefangen und von Lothar zu
ffentlicher Kirchenbue in +Soissons+ gentigt, bald aber von Ludwig
und Pippin befreit und wieder auf den Thron gesetzt.

[838.]

Pippin T, Ludwig erhebt sich gegen den Vater, der jetzt an Lothar eine
Sttze findet.

[840.]

Ludwig der Fromme T auf einer Rheininsel bei Ingelheim; der Zwist der
Shne dauert fort.

[841.]

Schlacht bei +Fontenay+ (unweit Auxerre an der Yonne); Ludwig und Karl
siegen ber Lothar.

Sie befestigen ihr Bndnis 842 durch die Eide zu +Straburg,+ in
welchen die Scheidung der deutschen und franzsischen Sprache im
Frankenreiche deutlich hervortritt.

[~843.~]

~Vertrag zu Verdun~, Teilung des Reiches.

Kaiser ~Lothar~ erhlt +Italien+ und +Mittelfranken+, begrenzt stlich
vom Rhein, westlich von Rhone, Sane, Maas und Schelde, mit den
Hauptstdten +Rom+ und +Aachen+;

~Ludwig der Deutsche~ erhlt +Ostfranken+, das rechtsrheinische Land,
dazu auf dem linken Rheinufer die Gaue von Mainz, Worms, Speier
(propter vini copiam).

~Karl der Kahle~ erhlt +Westfranken+ (Neustrien, Aquitanien, Burgund).

In Ludwigs Reich berwiegt die +germanische+, in Karls Reich die
+romanische+ Bevlkerung. So entwickeln sich fortan +Deutschland+ und
+Frankreich+ als nationale Staaten. Die Ostfranken nennen ihre Sprache
im Gegensatz zu der rmischen Sprache der gelehrten Geistlichkeit
die +deutsche+, d. h. die volkstmliche; allmhlich werden die
deutschredenden Stmme als +Deutsche+ vereinigt.




~B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzge. 843-1096.~


 1. Italien und Deutschland.

[~843-875.~]

~Karolinger[30] in Italien.~

+Lothar+ regiert bis 855, nach ihm sein ltester Sohn +Ludwig II.+
als Kaiser bis 875; er herrscht ber Italien; von den beiden jngeren
Shnen erhlt Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zur Rhone
und Sane (Lothari regnum, +Lothringen+), Karl den sdlichen Teil.
Die nordafrikanischen ~Araber~ (Sarazenen), seit 827 im Besitze
+Siciliens+, beunruhigen durch Seezge die Ksten Italiens. Rom
gesichert durch die aurelianische Mauer (S. 134); Papst +Leo IV.+ lt
auch den Stadtteil auf dem rechten Tiberufer (Peterskirche und Vatikan)
ummauern.

Papst +Nikolaus I.+ (858-867), gesttzt auf die +pseudo-isidorischen
Dekretalen+ (S. 145) (Bischof Isidor von Sevilla, um 600, hatte zuerst
ppstliche Entscheidungen gesammelt), bringt die ppstliche Macht
gegenber den Bischfen und den karolingischen Herrschern zu hohem
Ansehen, kann aber die durch dogmatische Streitigkeiten veranlate
Loslsung der +griechisch-katholischen Kirche+ von der Oberhoheit Roms
nicht verhindern. Der Patriarch +Photius+ in Konstantinopel tritt 863
dem ppstlichen Bann entgegen; vllige Trennung der beiden Kirchen erst
1054.

Die Slavenapostel +Methodius+ und +Cyrillus+, 863 aus Thessalonich
nach +Mhren+ berufen, erkennen Roms Oberhoheit an; von Mhren aus
verbreitet sich das Christentum um 900 nach +Bhmen+ und +Polen+.

[875.]

+Karl der Kahle+ von Frankreich gewinnt in Rom die Kaiserkrone, T 877
+(Karl II.).+

[~843-911.~]

~Karolinger in Deutschland.~

[~843-876.~]

~Ludwig der Deutsche~ fhrt Grenzkriege gegen die +Slaven+ (Abodriten
in Mecklenburg, Sorben, Czechen), setzt in Mhren den Herzog Rastislav
ein.

[845.]

+Hamburg+ zerstrt von den +Normannen+, die schon mehrmals die
friesische Kste heimgesucht hatten; das Erzbistum wird nach +Bremen+
verlegt. Die ferneren Raubzge der Normannen richten sich gegen das
westfrnkische Reich.

[870.]

~Vertrag zu Mersen~ (an der Maas) mit Karl dem Kahlen; nach dem
Tode der beiden jngeren Shne Lothars I. wird deren Erbe zwischen
Deutschland und Frankreich geteilt. Der germanische Teil (Friesland,
Lothringen, Elsa) kommt an Deutschland, der romanische (Flandern,
Brabant, Verdun, Burgund, Provence) an Frankreich.

[874.]

Swatopluk, Frst von Mhren, zur Huldigung gentigt.

[~876-887.~]

~Karl der Dicke~ regiert zuerst gemeinsam mit seinen lteren Brdern
Karlmann und Ludwig. Letzterer weist durch den Sieg bei +Andernach+
am Rhein 876 Karls des Kahlen Ansprche auf Lothringen zurck. Karl
zieht 879 und 881 nach Italien, erlangt 881 in Rom die Kaiserkrone
(+Karl III.+) wird 884 auch in Westfranken zum Knig gewhlt. So
vereinigt er noch einmal ~Karls des Groen Monarchie~ mit Ausnahme von
+Niederburgund+ (Rhnegebiet), wo 879 Boso von Vienne, Schwiegersohn
Kaiser Ludwigs II., zum Knig erwhlt war (Hauptstadt +Arles+, daher
der Name Arelatisches Reich). Aber er verliert bald sein Ansehen,
weil er den +Paris+ belagernden +Normannen+ ein Lsegeld von 7000
Pfund Silber bewilligt und Burgund verpfndet; er wird von den zu
+Tribur+ (sdstlich von Mainz auf dem rechten Rheinufer) versammelten
Frsten des ostfrnkischen Reiches abgesetzt und stirbt bald
darauf. +Hochburgund+ (Westschweiz und Franche-Comt) wird 888 ein
selbstndiges Reich unter dem Welfen Rudolf.

[~887-899.~]

~Arnulf von Krnten,~ Sohn Karlmanns, schlgt die Normannen bei +Lwen+
an der +Dyle+ 891 und kmpft im Bunde mit dem finnischen Reitervolke
der ~Magyaren~ (Ungarn), das vom Ural her in die frheren Wohnsitze
der Avaren eingedrungen ist, gegen +Swatopluk+ von +Mhren+, dessen
slavisches Reich nach seinem Tode (894) zerfllt. Arnulf zieht zweimal
nach Italien, wird 896 in Rom zum Kaiser gekrnt, stirbt aber, ehe er
sein Reich befestigen kann. Ihm folgt sein sechsjhriger Sohn

[~899-911.~]

~Ludwig das Kind~ unter Leitung des Erzbischofs +Hatto+ von Mainz.
Furchtbare Verheerung Deutschlands durch die Raubzge der +Magyaren+;
wiederholt durchziehen sie Bayern (907 Herzog Luitpold, Stammvater der
+Wittelsbacher+ samt seinem Heer vernichtet), Thringen und Sachsen.
Zugleich innere Fehden: Graf Adalbert von +Babenberg+ kmpft gegen die
in Franken und Hessen begterten +Konradiner+; er wird besiegt und vor
seiner Burg hingerichtet.

In verschiedenen Reichsteilen erhebt sich wieder das durch Karl
den Groen beseitigte +Stammesherzogtum+; es bilden sich die
Stammherzogtmer ~Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen~.
Nach Ludwigs Tode lehnt der greise +Otto der Erlauchte+, Herzog von
Sachsen, die Knigskrone ab und lenkt die Wahl der Groen auf den mit
den Karolingern nahe verwandten Konradiner

[~911-918.~]

~Konrad I. von Franken~. Einflle der Dnen, Slaven und Magyaren.
Konrad kmpft vergeblich um die Anerkennung der Knigsgewalt,
namentlich gegen +Heinrich+, Ottos des Erlauchten Sohn, seit 912 Herzog
von Sachsen. +Lothringen+ wendet sich dem westfrnkischen Reiche zu,
+Elsa+ bleibt mit Schwaben verbunden.

In ~Italien~, welches von Raubzgen der Magyaren und der Araber
heimgesucht wird, hat nach Arnulfs Tode +Berengar von Friaul+ ein
Knigtum begrndet, er erlangt 915 auch die Kaiserwrde. Gegen ihn
tritt 922 +Rudolf II.+ von Hochburgund auf, gegen diesen +Hugo+ von
Niederburgund. Rudolf II. schliet 933 Vertrag mit Hugo, der zum Knig
von Italien gekrnt, auf Niederburgund verzichtet; vereinigtes ~Reich
Burgund~ (Hauptstadt Arles) 933-1033. Dagegen gewinnt das italische
Knigtum keinen festen Bestand; Hugo wird 945 von +Berengar von Ivrea+
vertrieben; Hugos Sohn Lothar, mit Rudolfs II. Tochter +Adelheid+
(deren zweiter Gemahl Otto der Groe) vermhlt, sucht nach dem Tode
seines Schwiegervaters vergebens dessen Reich wiederzugewinnen, T 950.
Das +Papsttum+ ist in dieser Zeit in tiefem Verfall, abhngig von
streitenden rmischen Adelsparteien.

[~919-1024.~]

~Schsische Knige und Kaiser.~

            Heinrich I. T936.
 ________________|_________________________________________
 Thankmar   ~Otto I.~ T973  Heinrich,               Brun,
  T938.        |            Herzog v. Bayern T955.  Erzb. v.
 ______________|_________  ________|___________     Kln.
   Lindolf  ~Otto II.~ T983.   Heinrich d. Znker,
    T957       |                Herzog v. Bayern T995.
             __|__                   __|__
     ~Otto III.~          ~Heinrich II.~ T1024.
      T1002.

Auf Wunsch des sterbenden Konrad und auf Betreiben +Eberhards+, seines
Bruders, wird zu +Fritzlar+ an der +Eder+ von den +Franken+ und
+Sachsen+ erwhlt

[~919-936.~]

~Heinrich I., der Begrnder des Deutschen Reiches.~

Er ntigt durch Kriegszge die Herzge Burkhard von +Schwaben+ und
Arnulf von +Bayern+ zur Anerkennung seiner Oberhoheit, schliet 924
mit den +Magyaren+ (Ungarn) einen 9jhrigen Waffenstillstand, welcher
gegen Tribut +Sachsen+ und +Thringen+ sicher stellt, bringt 925 durch
einen Kriegszug ber den Rhein +Lothringen+ wieder zum Reiche; Herzog
+Giselbert+ wird sein Schwiegersohn.

In +Sachsen+ sorgt er fr Befestigung lterer Ortschaften (Merseburg,
Goslar) und Anlage neuer Burgen (Quedlinburg); die Sachsen gewhnen
sich allmhlich an +stdtisches+ Leben und an +Reiter+dienst im Kriege.

[928.]

Glckliche Kmpfe gegen die +Wenden+; Brennabor, Stadt der Heveller, im
Winter erobert; im Lande der Daleminzier die Feste +Meien+ gegrndet.

[929.]

Zug nach +Prag+, Herzog Wenzel von +Bhmen+ zur Huldigung gentigt.
Whrenddessen Aufstand der nrdlichen Wenden; sie werden von den
schsischen Grafen Bernhard und Thietmar bei +Lenzen+ (unweit Dmitz an
der Elbe) geschlagen.

[932.]

Unterwerfung der Wenden in der +Lausitz+.

[933.]

~Sieg~ Heinrichs ber die ~Ungarn~ an der Unstrut (bei Riade); Sachsen
fortan vor ihnen gesichert.

[934.]

Zug gegen die +Dnen+ unter Knig Gorm; Wiederherstellung der Grenzmark
zwischen Eider und Schlei, spter Mark +Schleswig+ genannt.

[936.]

Heinrich T zu +Memleben+ an der Unstrut, begraben in dem von
ihm gegrndeten Mnster zu Quedlinburg. Ihm folgt sein mit der
angelschsischen Knigstochter +Editha+ vermhlter Sohn

[~936-973.~]

~Otto I., der Grosse.~ Krnung in +Aachen+ durch den Erzbischof
von Mainz; die Herzge verwalten dabei die Hofmter: Giselbert von
Lothringen +Kmmerer+, Eberhard von Franken +Truchse+, Hermann von
Schwaben +Mundschenk+, Arnulf von Bayern +Marschall+. Otto, erst 24
Jahre alt, sucht die Selbstndigkeit der Herzge zu beschrnken.

[937.]

Einfall der Ungarn in +Franken+; von Otto zurckgeschlagen ziehen sie
nach Westen, verheeren groe Strecken von Frankreich und Burgund,
dringen auch in Italien ein.

[938.]

Aufstand des zu einer Strafe verurteilten Frankenherzogs +Eberhard+
in Gemeinschaft mit Ottos Halbbruder +Thankmar+, der in der Eresburg
gettet wird. Eberhard unterwirft sich und erhlt Verzeihung; Otto
schlgt einen Einfall der Ungarn in +Sachsen+ zurck und zieht dann
nach Bayern gegen die Shne des Herzogs Arnulf (T 937), die ihm
Huldigung verweigern; er setzt Arnulfs Bruder Berthold als Herzog,
einen der Shne als +Pfalzgrafen+ in Bayern ein zur Ausbung der
hchsten Gerichtsbarkeit und Aufsicht ber die kniglichen Besitzungen
und Einknfte im Lande.

[939.]

Abermaliger Aufstand +Eberhards+ in Gemeinschaft mit Ottos jngerem
Bruder +Heinrich+ und dessen Schwager Herzog +Giselbert+ von
Lothringen. Eberhard fllt im Kampfe bei +Andernach+, Giselbert
ertrinkt auf der Flucht im Rhein; Heinrich entkommt nach Frankreich,
kehrt aber bald zurck und erhlt Verzeihung.

[940.]

Knig Ludwig IV. von ~Frankreich~, mit Giselberts Witwe vermhlt,
versucht +Lothringen+ an sich zu reien. Otto dringt mit Heeresmacht
in Frankreich ein bis zur Seine, sichert Lothringen dem deutschen
Reiche. Er gibt dieses Herzogtum 944 an +Konrad den Roten+ (Ahnherrn
des frnkisch-salischen Knigshauses), der sein Schwiegersohn wird.
Zum Herzog von Bayern ernennt er nach Bertholds Tode 947 seinen Bruder
+Heinrich+, zum Herzog von Schwaben 950 seinen Sohn +Liudolf+; Franken
und Sachsen behlt er selbst.

+Hermann Billung+, Markgraf gegen die nrdlichen Wenden und Dnen,
erhlt spter die Herzogsgewalt in Sachsen. Die Mark an der mittleren
Elbe verwaltet Markgraf +Gero+, unter dessen Schutze im Wendenlande die
Bistmer +Havelberg+ und +Brandenburg+ gegrndet werden.

[946.]

Zweiter Zug Ottos nach +Frankreich+ bis Rouen, diesmal zur
Untersttzung Knig +Ludwigs IV.+, besonders gegen +Hugo+, den Herzog
von Francien (beide seine Schwger).

Die bedeutende Machtstellung, welche Otto errungen hat, legt es dem
tatkrftigen Herrscher nahe, nun auch in die zerrtteten Verhltnisse
~Italiens~ einzugreifen.

[951.]

Erster Zug nach +Italien+ (ber den Brennerpa) gegen Berengar von
Ivrea (S. 158). Otto befreit und heiratet (in zweiter Ehe) die
burgundische Knigstochter ~Adelheid~ (s. S. 158). Er empfngt in
+Pavia+ die Huldigung der italischen Groen, Berengar unterwirft sich
ihm als Vasall.

[953.]

+Liudolf+ von Schwaben und sein Schwager +Konrad+ von Lothringen
empren sich gegen den Knig und verbinden

[954.]

sich mit den +Ungarn+, die durch Bayern und Franken bis nach Lothringen
streifen. Sie werden nach hartem Kampfe besiegt und verlieren ihre
Herzogtmer, sind fortan dem Knige getreu.

[~955.~ 10. Aug.]

~Sieg Ottos ber die Ungarn auf dem Lechfelde bei Augsburg.~ Konrad,
fr den Knig kmpfend, fllt in der Schlacht. Die bayrische
+Ostmark+ (aus der spter das Herzogtum +sterreich+ hervorgeht) wird
wiederhergestellt. Das Herzogtum +Bayern+ geht nach dem Tode Heinrichs
955 auf dessen Sohn ber (Heinrich der Znker), in +Schwaben+ regiert
Heinrichs Schwiegersohn Burkhard; +Lothringen +verwaltet Ottos jngster
Bruder, Erzbischof Brun von Kln. Ottos Sohn Wilhelm ist Erzbischof
von +Mainz+. So suchte Otto das Reich zu festigen, indem er die
Herzogtmer seinen Verwandten gab. Zur Beaufsichtigung und Beschrnkung
der herzoglichen Gewalt setzte er berall Pfalzgrafen ein, die das
Knigsgut verwalteten.

[Okt.]

Zug Ottos gegen die +Wenden+, Sieg an der +Recknitz+ (in Mecklenburg)
im Verein mit Markgraf Gero.

[957.]

+Liudolf zieht+ im Auftrage des Vaters nach Italien gegen +Berengar+,
besiegt ihn, stirbt aber vor der Rckkehr.

[961-965.]

Zweiter Zug Ottos nach Italien, da Papst Johann XII. um Hilfe gegen
Berengar bittet.

[~962.~ 2. Febr.]

~Kaiserkrnung Ottos I. in Rom.~ Whrend Kaiser Otto in der Lombardei
gegen Berengar kmpft, versucht Papst Johann XII. sich der kaiserlichen
Schutzherrschaft zu entziehen. Otto kehrt mit Heeresmacht nach Rom
zurck (Nov. 963); der Papst entflieht und wird abgesetzt. Otto
zieht wieder nach Oberitalien; Berengar unterwirft sich und wird als
Gefangener nach Bayern gesandt, stirbt 966 in Bamberg. Inzwischen wird
der von Otto eingesetzte Papst Leo VIII. aus Rom vertrieben; Otto zieht
zum dritten Mal dorthin und sendet den Gegenpapst Benedikt V. als
Gefangenen nach Hamburg.

[965.]

Rckkehr des Kaisers nach Deutschland. Frstentag in +Ingelheim+; dann
in +Kln+ Zusammenkunft mit seiner Schwester Gerberga, der Knigin
von Frankreich, und ihrem Sohne, Knig Lothar. Er begibt sich nach
+Sachsen+ und teilt nach dem Tode Geros dessen Gebiet in sechs Marken,
die spter in drei zusammengezogen werden: +Nordmark+ (Altmark) an der
mittleren Elbe, +Ostmark+ (Lausitz) weiter sdlich die Mark +Meien+.
Der Tod des Erzbischofs Brun veranlat den Kaiser 966 zu einem
abermaligen Zuge nach +Kln+; er ordnet die Verhltnisse in Lothringen
und hlt dann einen Reichstag zu +Worms+.

[966-972.]

Dritter Zug nach Italien (ber Chur und den Septimerpa). Ottos Sohn,
Otto II. (geb. 955), schon 961 als deutscher Knig gekrnt, empfngt
in Rom die Kaiserkrone. Die Huldigung der Herzge von Capua und
Benevent (s. S. 152) gibt Anla zu Feldzgen nach +Apulien+ gegen die
ostrmische Herrschaft. 968 Synode zu Ravenna; dort wird die Grndung
des Erzbistums +Magdeburg+ und der Bistmer Merseburg, Zeitz, Meien
beschlossen. Der Kaiser residiert lngere Zeit in +Pavia+, schickt
nach abermaligen Kmpfen in Apulien Gesandte nach Konstantinopel; 972
wird in +Rom+ die Vermhlung seines Sohnes Otto mit der ostrmischen
Prinzessin +Theophano+ gefeiert. Apulien und Calabrien, Neapel und
Salerno bleiben unter ostrmischer, Capua und Benevent unter deutscher
Herrschaft.

[972.]

Rckkehr nach Deutschland; Synode in Ingelheim, Frstentag in
Frankfurt. Im Mrz 973 ist der Kaiser in Magdeburg, dann in Quedlinburg
und Merseburg; er stirbt am 7. Mai 973 in Memleben, wird im Dom zu
Magdeburg neben seiner ersten Gemahlin Editha bestattet.

~Verfassung des deutschen Reiches~: +Wahlknigtum+; die Knigsmacht
beruht auf bedeutenden Reichsgtern in allen Teilen des Reiches,
besonders in Franken und Sachsen, zu deren Verwaltung der Knig
+Pfalzgrafen+ ernennt. Keine feste Residenz; der Knig ordnet berall
die wichtigen Angelegenheiten persnlich. Oberste Beamte sind die
+Herzge+, dem Knige ebenso zur Lehnstreue verpflichtet wie die
ihnen untergeordneten Grafen und kleineren Vasallen. Da diese jedoch
starke partikularistische Gelste zeigen, so sucht der Kaiser die
Reichseinheit spter auf die Kirche zu grnden. Er sttzt sich auf die
nur von ihm ernannten +Erzbischfe+ und +Bischfe+, welche bedeutende
Reichslehen empfangen und nun einen neuen geistlichen Beamtenstand
bilden, dessen Lehen nicht erblich sind. Diese vom Knige eingesetzten
geistlichen Frsten erweisen sich als bessere Sttzen des Reiches,
als die nach Erblichkeit der Lehen strebenden weltlichen Frsten. Die
Zahl der unabhngigen +Freien+ ist vermindert; der Heerbann tritt
allmhlich zurck gegen das +Lehnsaufgebot+. Die Stdte sind noch
unbedeutend. Das +Kaisertum+ gibt den deutschen Knigen als obersten
Herrschern ber das rmische Reich deutscher Nation Anspruch auf
Oberhoheit ber die benachbarten Lnder und Schutzherrschaft ber die
Kirche.

[~973-983.~]

~Otto II.~ erhlt die von seinem Vater begrndete Kaisermacht
aufrecht. 974 Zug gegen +Dnemark+ bis zum Danewerk, 976 Absetzung des
aufstndischen Herzogs Heinrich des Znkers von +Bayern+. Bayern wird
verkleinert durch Abtrennung des Herzogtums +Krnten+ mit der Mark
Verona, sowie durch Errichtung einer Mark im +Nordgau+, nrdlich von
Regensburg. Die frher schon errichtete Mark +sterreich +erhlt der
Babenberger (s.S. 157) Luitpold. Herzog Boleslav von +Bhmen+ huldigt
978 zu Magdeburg.

[978.]

Knig Lothar von Frankreich berfllt den Kaiser in +Aachen+, versucht
Lothringen zu erobern, verzichtet aber darauf, nachdem Otto mit
Heeresmacht bis +Paris+ vorgedrungen ist.

[980-983]

Krieg in Italien. Der Kaiser dringt von Rom aus nach Unter-Italien
vor, siegt 982 ber die Griechen und Sarazenen am Kap Colonne, sdlich
von Cotrone (Kroton), mu aber nach einer vernichtenden Niederlage
bei +Squillace+ an der +Kste von Calabrien+ umkehren. Reichstag zu
+Verona+. Ottos dreijhriger Sohn zum Knig gewhlt.

[983.]

Aufstand der +Dnen+ und +Wenden+; Hamburg und die Bistmer Havelberg,
Brandenburg, Zeitz zerstrt. Otto II. stirbt in Rom 28 Jahre alt, wird
in der Peterskirche begraben.

[~983-1002.~]

~Otto III.,~ beim Tode des Vaters 3 Jahre alt. Heinrichs des
Znkers Anspruch auf die Vormundschaft, ja sogar auf die Krone,
wird zurckgewiesen, doch erhlt er Bayern zurck. Ottos Mutter,
die Griechin +Theophano+, herrscht in Deutschland, seine Gromutter
+Adelheid+ in Italien. Wachsende Selbstndigkeit der Groen des
Reiches, doch wird der Reichsfriede erhalten. Nach Theophanos Tode
(991) fhren Adelheid und der Erzbischof +Willigis+ von Mainz die
Regierung, bis der junge Frst 995 sie selbst bernimmt.

[996.]

Otto III. wird in Rom durch den von ihm eingesetzten deutschen Papst
+Gregor V.+ gekrnt, befreundet sich mit +Adalbert von Prag+ und
Erzbischof +Gerbert+ von Reims, der bald nach Deutschland kommt und in
Magdeburg Ottos Lehrer wird.

[997.]

Adalbert von den heidnischen +Preuen+ erschlagen.

[998-999.]

Ottos zweiter Zug nach Rom, Gerbert als Papst eingesetzt (Silvester
II.); Ottos Plan, als Kaiser in +Rom+ seinen Wohnsitz zu nehmen und von
hier aus die Christenheit als einen theokratischen Universalstaat zu
beherrschen.

[1000.]

Ottos III. Wallfahrt zum Grabe des heiligen Adalbert in +Gnesen+, wo er
in Gemeinschaft mit Herzog Boleslav von Polen ein Erzbistum errichtet:
dann nach +Aachen+ zum Grabe Karls d. Gr. Von da reist er nach Rom.

[1001.]

Papst Silvester II. verleiht dem +Ungarn+frsten +Stephan dem
Heiligen+, der sein Volk zum Christentum bekehrt, die Knigskrone
(Stephanskrone). Otto III., durch Aufstand +aus Rom vertrieben+,
begibt sich mit dem Papste nach Ravenna, versucht vergebens Rom
wiederzuerobern.

[1002.]

Otto T in Paterno (am Fue des Sorakte), in Aachen bestattet. Silvester
kehrt nach Rom zurck.

[~1002-1024.~]

~Heinrich II.~ (der Heilige), Herzog von Bayern, Sohn Heinrichs des
Znkers und der Schwester Knig Rudolfs III. von Burgund, zu Mainz zum
Knig erwhlt und gekrnt, im Gegensatz zu Otto III. eine nchterne,
praktische Herrschernatur. Er stellt das erschtterte Ansehen der
Kaisergewalt wieder her und behauptet das +deutsch-italische+ Reich.

[1004.]

Erster Zug nach Italien gegen +Arduin+ von Ivrea. Heinrich unterwirft
Ober-Italien und wird in Pavia zum Knig von Italien gekrnt.

[1004-1018.]

Kriege gegen +Boleslav Chrobry (der Khne)+ von ~Polen~, der Bhmen
aufgeben mu, aber die Lausitz behlt. Die +Wenden+ im Havellande
bleiben unabhngig.

[1007.]

Grndung des Bistums +Bamberg+. Frderung der von dem franzsischen
Kloster +Cluny+ ausgehenden, auf strengste mnchische Zucht und eine
Erneuerung und Vertiefung des religisen Lebens gerichteten Reform
des Mnchtums. Die Bischfe dienen, wie unter Otto I., der geordneten
Reichsverwaltung.

[1014.]

Zweiter Zug nach Italien, Heinrich in Rom zum +Kaiser+ gekrnt. Arduin
gibt den Widerstand auf (T 1015).

[1016-1018.]

Kmpfe und Verhandlungen Heinrichs, um sein Erbrecht auf +Burgund+ zur
Anerkennung zu bringen.

[1022.]

Dritter Zug nach Italien. Heinrich unterwirft +Benevent, Capua,
Salerno+, wird beim Kampfe gegen die Griechen in Apulien von den nach
einem Zuge nach Jerusalem dort unlngst eingewanderten +Normannen+
untersttzt.

[1023.]

Frstentag zu +Aachen+, dann Zusammenkunft mit Knig Robert von
+Frankreich+ zu Ivois am Chiers (Nebenflu der Maas, sdstlich von
Sedan).

[1024.]

Tod des Kaisers in der Pfalz zu +Grona+ (bei Gttingen). Sein Grab im
Dom zu Bamberg.

 ~1024-1125 Frnkische oder salische Kaiser.~

                   Otto der Grosse T973
                             |
 Konrad der Rote T955.   Luitgard.
 |______________________________|
                        |
                      ~Konrad II.~ T1039.
                      Gem. Gisela.
                        |
                      ~Heinrich III.~ T1056.
                      Gem. Agnes von Poitou.
                        |
                      ~Heinrich IV.~ T1106.
 _______________________|___________________________
 Konrad       ~Heinrich V.~ T1125. Agnes, Gem.
 T1101.                            Friedrich von Bren,
                                   Herzog von Schwaben.

Knigswahl durch die Frsten +aller+ Stmme auf der Rheinebene zwischen
Mainz und Worms (bei Kamba). Die Wahl richtet sich auf die beiden
+Konrade+, Brudershne, Urenkel Konrads des Roten (S. 159); nach kurzem
Schwanken wird der ltere erwhlt.

[~1024-1039.~]

~Konrad II.~ unternimmt nach der Krnung zu Mainz einen Umritt durch
das Reich (Aachen, Nimwegen, Dortmund, Hildesheim, Goslar, Magdeburg,
Augsburg, Konstanz, Basel, Straburg, Worms), hlt dann einen
Frstentag in Tribur.

[1026.]

Zug nach +Italien+, Krnung zum lombardischen Knig, Kaiserkrnung
zu Rom 1027 in Gegenwart +Knuds des Groen,+ Knigs von England und
Dnemark, und +Rudolfs III.+ von Burgund. In Apulien huldigen ihm die
Frsten von Benevent, Capua, Salerno. Rckkehr ber Ravenna und Verona.
Unterdessen Frstenerhebung in Deutschland. In Ulm unterwirft sich
ihm sein Stiefsohn +Ernst, Herzog von Schwaben,+ welcher Ansprche
auf Burgund erhoben hatte, weil seine Mutter Gisela eine Nichte des
kinderlosen Knigs Rudolf III. war. Er kommt in Haft nach der Burg
Giebichenstein bei Halle, wird nach einiger Zeit begnadigt, dann aber
gechtet, weil er sich weigert, seinen Freund Werner von Kiburg zu
bekmpfen; beide fallen 1030 in einem Gefecht im Schwarzwald.

[1030.]

Einfall der +Polen+ unter Herzog Miesco; sie verwsten das Land
zwischen Elbe und Saale, werden von dem Grafen Dietrich von Wettin
vertrieben. Der Kaiser unternimmt zunchst einen Zug nach +Ungarn+, um
die bayrischen Marken gegen Einfalle zu sichern, zieht dann 1031 nach
+Polen.+ Miesco mu die Lausitz zurckgeben, huldigt dem Kaiser 1033 zu
Merseburg.

[1033]

~Burgund mit dem deutschen Reiche vereinigt.~ Konrad gewinnt das
+arelatische+ Knigreich (S. 158) nach dem Tode Rudolfs III. durch drei
Feldzge gegen den Grafen +Odo+ von Champagne, Neffen Rudolfs III,
nach Abschlu eines Bndnisses mit Knig Heinrich I. von Frankreich. In
+Zrich+ und +Genf+ huldigen ihm die burgundischen Groen.

[Sidenote:1035]

Konrad verlobt zu Bamberg seinen Sohn +Heinrich+, Herzog von Bayern
(spter auch von Schwaben) mit der Tochter Knuds von +Dnemark+ und
berlt diesem die Mark +Schleswig+; die Eider wieder Reichsgrenze.

[1037-1038.]

Zweiter Zug nach Italien. Die +Erblichkeit+ der kleineren +Lehen+ wird
fr Italien durch Gesetz festgestellt. Der Normanne +Rainulf+ wird mit
der Grafschaft +Aversa+ in Campanien belehnt.

[1039.]

Konrad T in Utrecht, begraben in dem von ihm gegrndeten Dom zu
+Speier+. Er war einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters,
reich an Erfolgen. Gegen die groen Vasallen suchte er ein Gegengewicht
in den Inhabern der kleinen Lehen, fr deren Erblichkeit er eintrat.
Von den neu ernannten Kirchenfrsten verlangte er eine Abgabe. Ihm
folgt sein schon als Knabe in Aachen zum Knig gekrnter Sohn

[~1039-1056.~]

~Heinrich III.~ Hohe Machtstellung des Kaisertums. Knig Heinrich
ist beim Beginn seiner Regierung Herzog von +Bayern, Schwaben+ und
+Franken+, setzt aber spter in Bayern und Schwaben wieder andere
Herzge ein. In +Sachsen+ ist die Kaiserpfalz zu +Goslar+ oft sein
Wohnsitz.

[1041.]

Unterwerfung des Herzogs Bretislav von ~Bhmen.~

[1042.]

Zug nach +Burgund+, Herstellung des Landfriedens daselbst im Anschlu
an die in Frankreich verkndete +Treuga Dei+ (s. S. 169).

[1042-1044.]

In ~Ungarn~ wird Knig Peter, von Heinrich durch drei Feldzge wieder
eingesetzt, ein Vasall des Reiches. Vergrerung der bayrischen
Ostmark bis zur +Leitha+. Die Lehnshoheit ber Ungarn wird nicht lange
behauptet.

[1046.]

Zug nach +Italien+. Heinrich lt durch die Synode zu +Sutri+ drei
gleichzeitige, der Simonie (Verkauf geistlicher mter) schuldige Ppste
absetzen, ernennt einen Deutschen (Clemens II.), der ihn zum Kaiser
krnt, und weiterhin noch +drei+ deutsche Ppste, belehnt +Drogo+, Sohn
des Normannen +Tankred von Hauteville,+ mit ~Apulien.~

[1048.]

+Oberlothringen+ wird nach Absetzung des Herzogs Gottfried an
den elsssischen Grafen +Gerhard,+ Stammvater des lothringischen
Herzogshauses, gegeben.

[1055.]

Zweiter Zug nach Italien; die Markgrfin +Beatrix von Tuscien+, mit
welcher sich Gottfried vermhlt hat, um in Italien neue Macht zu
gewinnen, mu dem Kaiser nach Deutschland folgen. Unterdrckung einer
Frstenverschwrung; Gottfried unterwirft sich dem Kaiser.

[1056.]

Sieg der Wenden ber ein schsisches Heer bei +Pritzlava+ an der
Havelmndung. Heinrich, erst 39 Jahre alt, auf der Burg +Bodfeld+ im
Harz. Ihm folgt sein 6jhriger, bereits 1054 zu Aachen gekrnter Sohn.

[~1056-1106.~]

~Heinrich IV.~ Seine Mutter +Agnes+ von Poitou, Reichsverweserin, gibt
Schwaben an ihren Schwiegersohn +Rudolf von Rheinfelden+, Krnten an
+Berthold von Zhringen+, Bayern an den schsischen Grafen +Otto von
Nordheim.+ Die Macht der Frsten erhebt sich bald gegen das Kaisertum.

[1062.]

Entfhrung des jungen Knigs von +Kaiserswert+ nach +Kln+ durch
Erzbischof +Anno+ von Kln, der die Erziehung des Knigs bernimmt,
aber bald seinen Einflu mit Erzbischof +Adalbert+ von Bremen teilen
mu. Knig Heinrich, 1065 mndig erklrt, entfernt auf Verlangen der
Frsten Adalbert aus seiner Umgebung, richtet alsbald seinen Unwillen
gegen die schsischen Groen.

[1070.]

+Otto von Nordheim,+ eines Mordanschlags auf den Knig angeklagt,
verliert das Herzogtum Bayern; es kommt an seinen Schwiegersohn +Welf+,
den Sohn des Markgrafen Azzo von Este und der letzten Welfin, der nach
dem Aussterben des Mannsstammes eine neue Linie des +Welfenhauses+ (S.
154) begrndet. +Magnus+, Sohn des Sachsenherzogs Ordulf, wird als
Bundesgenosse Ottos in Haft gehalten.

[1073.]

+Aufstand der Sachsen+ gegen die von Heinrich in ihrem Lande angelegten
+Burgen+; Flucht Heinrichs von der +Harzburg+, demtigender Friede zu
Gerstungen, Zerstrung der Harzburg. Heinrich findet Hilfe bei den
Brgern von +Worms+ und mehreren Frsten, besiegt die Sachsen an der
+Unstrut+ 1075. Bald aber gert er in Streit mit

[1073-1085.]

~Papst Gregor VII.~ (Hildebrand), aus einer Bauernfamilie in
Toskana stammend, aufgewachsen in Rom unter dem Einflu der von dem
franzsischen Kloster +Cluny+ (westlich der Sane, unweit Mcon)
ausgehenden streng kirchlichen Richtung. Er hatte als Archidiakonus und
Kanzler unter +fnf+ Ppsten die weltlichen Geschfte des rmischen
Stuhles geleitet. Unter seinem Einflu erlie 1059 Nikolaus II. das
Dekret ber die Papstwahl durch die +Kardinle+.

Gregors Ziel ist die von allen Cluniazensern angestrebte ~Erhebung
der Kirche ber die Staaten~, des ~Papsttums~ ber das ~Kaisertum.~
Er gebietet strenge Durchfhrung des +Clibats+ (Ehelosigkeit) der
Geistlichen, verbietet die von Heinrich ebenso wie von Konrad II.
gebte +Simonie+ (Geldzahlung fr den Empfang eines geistlichen Amtes.
Apostelgesch. 8, 18) und die +Laieninvestitur+ (kein Bischof oder Abt
soll die Belehnung mit +Ring+ und +Stab+ aus Laienhand empfangen).

[1076.]

Heinrich lt den Papst durch eine Synode deutscher Bischfe in +Worms+
fr abgesetzt erklren; darauf spricht Gregor gegen ihn den +Bann+ aus.
Ein Frstentag zu +Tribur+ erklrt den Knig fr abgesetzt, wenn er
nicht binnen Jahresfrist sich vom Banne lse.

[1077. Januar.]

~Heinrich bt~ vor dem Papst ~in Canossa~, einem Schlosse bei Reggio
nell' Emilia, der Markgrfin ~Mathilde~ von Tuscien, Tochter der
Beatrix, gehrig (S. 165). Der Papst lst ihn vom Banne unter der
Bedingung, da er in seinem Streit mit den Frsten die Entscheidung des
Papstes anerkenne. Heinrich bleibt in Oberitalien, verhindert die Reise
des Papstes nach Deutschland. Die Frsten whlen +Rudolf von Schwaben+
zum deutschen Knig.

[1077-1080.]

Krieg in Deutschland zwischen Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf,
letzterer wird in der Schlacht an der +Elster+ 1080 tdlich verwundet;
sein Herzogtum +Schwaben+ hat +Friedrich von Hohenstaufen+, Heinrichs
Schwiegersohn, bereits 1079 erhalten.

[1081.]

Heinrich, zum +zweiten Mal+ gebannt, zieht nach Italien, erobert Rom
1084, wird durch den von ihm erhobenen Gegenpapst Clemens III. zum
Kaiser gekrnt. Gregor in der Engelsburg belagert, durch die ihm treu
ergebenen Normannen unter +Robert Guiscard+ befreit, stirbt 1085 in
Salerno. Seine letzten Worte +Dilexi iustitiam et odi iniquitatem,
propterea morior in exilio+.

Deutschland durch Brgerkrieg zerrttet. Kaiser Heinrich erobert 1084
Augsburg, zieht dann nach Metz, lt 1085 durch eine Synode zu +Mainz+
den Gottesfrieden fr das ganze Reich verknden. In +Sachsen+ bekmpft
er den Gegenknig +Hermann von Salm+, welcher 1088 abdankt; die Sachsen
unterwerfen sich nach Anerkennung ihrer alten Rechte.

[1090-1097.]

Heinrich kmpft in Italien gegen die Markgrfin +Mathilde+ und Papst
Urban II. Abfall seines Sohnes Konrad (T 1101). In Deutschland ist
Herzog +Welf+ von Bayern Fhrer der ppstlichen Partei. Der Kaiser
verweilt fast machtlos in Italien, whrend Urban II. als Gebieter der
ganzen Christenheit auftritt und das groe Unternehmen des ersten
Kreuzzuges (S. 173) ins Werk setzt. Nach Ausshnung mit Herzog +Welf+
kehrt der Kaiser nach Deutschland zurck, stellt den Landfrieden zum
Schutze der Brger und Bauern wieder her und besetzt die Bistmer nach
seinem Ermessen. Aber die Bischfe fast immer auf der Seite seiner
Gegner.

[1104.]

Emprung seines zweiten Sohnes Heinrich, der ihn in der Burg
+Bckelheim+ (an der Nahe) gefangen setzt und zur Verlesung eines
Sndenbekenntnisses und Abdankung zwingt (Frstentag zu +Ingelheim+).
Der Kaiser entflieht nach +Lttich+, wo er 1106 stirbt, whrend das
deutsche Brgertum fr ihn zum Kriege rstet; die Leiche erst 1111 vom
Bann gelst und im Dom zu +Speier+ beigesetzt.

[~1106-1125.~]

~Heinrich V.~, durch die ppstliche Partei zum Thron gelangt, aber
entschlossen, sein Herrscherrecht zu behaupten. Nachdem er die
Grenzlnder des Reiches im Westen und Osten (Lothringen und Bhmen)
durch Feldzge gesichert hat, zieht er nach Rom, nimmt den Papst
Paschalis II. gefangen, erzwingt die Kaiserkrnung und das Recht der
+Investitur+ (1111). Sobald aber der Kaiser Italien verlassen hat,
erklrt ein zu Rom im Lateran versammeltes Konzil den Vertrag fr
erzwungen und nichtig; ein zweites Konzil zu +Vienne+ spricht den Bann
ber Heinrich aus.

Neuer Aufstand der +Sachsen+ unter ihrem Herzog +Lothar+ von
Supplinburg, der die Billunger (S. 159) beerbt hatte; die Erzbischfe
von Mainz und Kln u.a. Frsten schlieen sich an. Sieg der Sachsen
am +Welfesholze+ bei Mansfeld 1115. +Friedrich+ und +Konrad+ von
+Staufen+ verteidigen die Sache des Kaisers, whrend dieser zum zweiten
Mal nach Italien zieht, dort die der Kirche vererbten Mathildischen
Gter in Besitz nimmt und einen Gegenpapst aufstellt (1118). Der
~Investiturstreit~ wird nach langen Verhandlungen mit dem Papste
+Calixtus II.+ beendigt durch das

[~1122.~]

~Wormser Konkordat~: Kirchliche Wahl der Bischfe und bte fr
Deutschland in Gegenwart des Kaisers oder seiner Abgesandten,
+kaiserliche+ Belehnung +vor+ der Weihe, aber +nicht+ mit Ring und
Stab, sondern mit dem +Scepter+; fr Italien und Burgund die gleiche
Belehnung erst +nach+ erfolgter Wahl und Weihe. Die geistlichen Frsten
bleiben Lehnstrger des Reiches; sie erscheinen auch fernerhin vielfach
als treue Sttzen der kaiserlichen Macht.

Die +Verbindung Deutschlands mit Italien+, trotz der vielfachen Kmpfe
segensreich fr beide Lnder, aber in Italien mehr und mehr als
Fremdherrschaft empfunden, dauert fort. Handel und Gewerbe entfalten
sich in den aufblhenden Stdten, z. B. Worms, Kln, Augsburg u.a. m.
(S. 190). Kunst und Wissenschaft, von der Kirche gefrdert, tragen in
Deutschland noch rmisches Geprge, entwickeln sich aber selbstndig.
+Romanischer Baustil+: Dome zu Mainz und Speier, Kaiserpfalz zu Goslar.
Der kunstsinnige Bischof Bernward von Hildesheim (T 1022). Dichtung und
Geschichtschreibung in lateinischer Sprache: das Waltharilied, Roswitha
von Gandersheim, Widukind von Corvey, Lambert von Hersfeld u.a. Die
Volkssprache wird erst allmhlich zur Schriftsprache.


 2. Frankreich.

[~843-987.~]

~Karolinger~ in Frankreich.

+Karl der Kahle+ behauptet sich mit Mhe gegen die aufstndischen
Groen, erlangt 875 in Italien den Kaisertitel, T 877. Sein Enkel
+Ludwig III.+ besiegt 881 die +Normannen+ bei Saulcourt (Ludwigslied
in deutscher Sprache). +Karl der Dicke+ machtlos gegen sie; nach
seiner Absetzung (S. 157) wird Graf +Odo+ von Paris, der sich bei
der Verteidigung von Paris gegen die Normannen tapfer gezeigt hat,
zum Knig erwhlt, T 898. Eine Gegenpartei erwhlt 893 +Karl den
Einfltigen+, Bruder Ludwigs III., der nach Odos Tode allgemein
anerkannt wird. Durch ihn erhalten normannische Scharen, die bereit
sind, das Christentum anzunehmen, 912 feste Wohnsitze in dem oft von
ihnen heimgesuchten Kstenlande. +Rolf+, getauft +Robert+, erster
Herzog der +Normandie+, herrscht als Vasall des franzsischen Knigs
auch ber die +Bretagne+.

Hufige Emprungen gegen das schwache Knigtum; Karls Sohn +Ludwig IV.+
(d'Outre-mer genannt, weil er nach England geflchtet war) wird von
Herzog +Hugo von Francien+, dem Neffen Odos, bedrngt, von Otto I. von
Deutschland untersttzt (S. 159). Letzte Karolinger: +Lothar+ (T 986).
+Ludwig V.+ (Fainant) T 987.

[~987-1328.~]

~Capetinger.~

~Hugo Capet~, Sohn Hugos von Francien, von den Groen erwhlt, dann
in +Reims+ gekrnt, bringt das Knigtum wieder zu Ansehen. Er hat
den Vasallen gegenber noch keine bedeutende Macht, hlt aber die
Lehnshoheit fest. Seine Nachfolger +Robert+, +Heinrich I.+, +Philipp
I.+, (T 1108) wissen die Erblichkeit des Knigtums zu wahren. Heinrich
I. gibt das +Herzogtum Burgund+ (Hauptstadt Dijon, zu unterscheiden
von dem mit Deutschland vereinigten Knigreich Burgund, S. 164) seinem
jngeren Bruder Robert als Lehen. Zur Sicherung des Landfriedens
verkndet der Klerus (zuerst 1040 in Aquitanien) die ~Treuga Dei~, den
Gottesfrieden, einen von der Kirche gebotenen Stillstand aller Fehden
whrend der kirchlichen Festzeiten und der zweiten Hlfte jeder Woche
(von Mittwoch Abend bis Montag frh).


 3. England und der Norden.

[~827-1066.~]

England unter ~schsischen Knigen.~

[827.]

+Egbert+ von +Wessex+ vereinigt die sieben Reiche (S. 142) als erster
Knig von ~England~. Einflle und Ansiedlungen der heidnischen
+Normannen+ (+Dnen+). Sein Enkel

[871-901.]

~Alfred der Groe~ bekmpft glcklich die Dnen und stellt die alte
+Grafschafts+verfassung wieder her; das Grafschaftsgericht unter
Leitung des vom Knig ernannten +Ealdorman+, dessen Stellvertreter der
+shirgerefa+ (sherif). Blte des Reiches noch unter seinem Sohne und
seinem Enkel, dann Verfall und neue Bedrngnis durch die Dnen.

[1002.]

~Ermordung der Dnen~ auf englischem Boden an +einem+ Tage (dnische
Vesper), auf Befehl Knig +Ethelreds II.+ Infolge davon neue Rachezge
der Dnen nach England und endlich

[1016-1042.]

~dnische Herrschaft~ ber England unter ~Knud dem Grossen~ (S. 164),
der als Sieger Milde bt und in Dnemark das Christentum zum Siege
bringt (T 1035), und unter seinen Shnen +Harald I.+ und +Hardiknud+.

[1042-1066.]

Das Regiment der angelschsischen Knige wiederhergestellt. ~Eduard
der Bekenner~, Sohn +Ethelreds+, aus der Normandie zurckgekehrt,
begnstigt die Normannen an seinem Hofe, die aber von seinem
Schwiegervater +Godwin+ vertrieben werden. Sein Feldherr Siward besiegt
+Macbeth+, der sich in +Schottland+ nach der Ermordung des Knigs
+Duncan+ des Thrones bemchtigt hat (1054). Duncans Sohn Malcolm nimmt
Schottland von Eduard zu Lehen. Nach Eduards Tode wird +Harald II.+,
Godwins Sohn, zum Knig ausgerufen, verliert aber Thron und Leben in der

[1066.]

~Schlacht bei Hastings~ (spr. Hestings) gegen ~Wilhelm den Eroberer~,
Herzog von der ~Normandie~, der sich in Westminster zum Knig von
England krnen lt. Knig Malcolm von Schottland schliet mit ihm
Vertrag.

+Dnemark+, +Norwegen+, +Schweden+ bestehen seit Anfang des 11.
Jahrhunderts als christliche Knigreiche (Olaf der Heilige in Norwegen
T 1030) nebeneinander, noch oft von wildem Streit erfllt. Am meisten
kommt +Dnemark+ empor unter dem Neffen Knuds d. Gr. +Svend Estridson+
(T 1076) und dessen Shnen.

~Fernere Staatengrndungen der Normannen~:

1. Schwedische +Warger+ fahren ber die Ostsee; ihr Frst +Rurik+
grndet 862 durch Vereinigung slavischer Stmme das ~russische Reich~
(Hauptstadt +Nowgorod+, dann +Kiew+). Ruland entwickelt sich unter
den +Ruriks+ (862-1598) als +slavischer+ Staat im Anschlu an das
ostrmische Reich. Grofrst +Wladimir+ der Groe, vermhlt mit der
Tochter eines ostrmischen Kaisers, fhrt 988 das Christentum nach
griechischer Lehre ein.

2. Norwegische +Wikinger+ kommen um 860 nach Island, 983 nach Grnland
(Erich der Rote), um 1000 nach der Kste Nordamerikas (Vinland).
Diese Niederlassungen von den Eskimos zerstrt. Bestand hat dagegen
der Freistaat auf der Insel ~Island~. Hier werden um 1100, als das
Christentum bereits eingefhrt ist, die nordischen Gtter- und
Heldensagen in der poetischen oder Lieder-+Edda+ aufgezeichnet (ergnzt
durch die jngere prosaische Edda von dem Islnder Snorri Sturluson um
1230). Island wird 1262 mit Norwegen vereinigt.

3. Der Normannenstaat in ~Unteritalien~, um 1020 von christlichen
Normannen aus der Normandie gegrndet (vgl. S. 163), nimmt italienische
und arabische Kultur an. Bald treten sie in enge Beziehungen zum Papst.
Von Robert Guiskard (S. 167) wird das ganze unteritalische Festland,
von seinem Bruder Roger Sicilien den Sarazenen entrissen. Herzog
+Roger+ wird 1130 vom Papste in Palermo als +Knig von Neapel+ und
+Sicilien+ gekrnt.


 4. Die Pyrenische Halbinsel.

[~955-1031.~]

~Kalifat von Cordova~, gegrndet von dem Omaijaden +Abdurrahman+ (s. S.
150). Glnzendste Zeit im 10. Jahrh. (Abdurrahman III, Hakem II., der
Feldherr +Almansur+). Das volkreiche +Cordova+ Sitz der Wissenschaften
und Knste.

[1031.]

Auflsung des Kalifats von Cordova in eine Menge kleiner Herrschaften.
Die +Morabethen+ aus Mauretanien zu Hilfe gerufen, stellen sich mit
Erfolg dem Andrngen der Christen entgegen (1086 Schlacht bei +Salaka+
unweit Badajoz) und reien dann die Herrschaft des mohammedanischen
Spaniens an sich.

~Christliche Reiche~: +Asturien+, seit Alfons III. (T 910) bis zum
Duero reichend, nach der neuen Residenz auch Knigreich Leon genannt,
mit dem Grenzgebiet +Kastilien+, das seinen Namen von den gegen die
Araber errichteten Kastellen hat. ~Navarra~, ursprnglich frnkische
Grafschaft, seit 905 Knigreich, erweitert durch Eroberung der
Landschaft +Aragon+ am oberen Ebro. ~Barcelona~, ebenfalls frnkische
Grafschaft (S. 152), seit etwa 900 unabhngig unter einer erblichen
Dynastie.

[1035.]

+Sancho III.+, der Groe, Knig von +Navarra+, auch ber +Kastilien+
herrschend, teilt sein Reich unter seine Shne. Der zweite, welcher
Kastilien erhlt, gewinnt bald auch Leon hinzu; der dritte erhlt
Aragon als Knigreich. Daher fortan die drei Knigreiche ~Navarra~,
~Kastilien~, ~Aragon~, daneben die Markgrafschaft ~Barcelona~
(Katalonien).

Knig +Alfons VI.+ von +Kastilien+, Enkel Sanchos d. Gr., erobert 1085
+Toledo+; der kastilische Ritter +Rodrigo Diaz+, von den Arabern ~Cid~,
d. h. Herr, genannt, erobert 1094 +Valencia+, doch fllt es nach seinem
Tode wieder in die Hnde der Araber.


 5. Der Osten.

[~867-1057.~]

Das ~ostrmische Reich~ unter der ~makedonischen Dynastie.~

+Basilius I.+ (867-886), durch Ermordung seines Vorgngers Michael
III. auf den Thron gelangt, regiert kraftvoll, wehrt die Araber in
Kleinasien und zur See ab, mildert den Steuerdruck, verbessert die
Rechtspflege. Seine beiden Nachfolger +Leo VI.+ und +Konstantin VII.
Porphyrogennetos+ Beschtzer der Wissenschaften. +Nikphoros II.+
(963-969) kmpft glcklich gegen Araber und +Bulgaren+; +Basilius II.+
(976-1025) unterwirft die Bulgaren in blutigen Kmpfen.

[1043.]

Die ~Serben~, ein im 7. Jahrhundert eingewandertes slavisches Volk,
machen sich unabhngig von Ostrom; Knigreich +Serbien+ bis 1458.

[~1057-1204.~]

Haus der ~Komnenen~.

+Alexius I.+ (1081-1118) tritt dem von der Donau her vordringenden
trkischen Stamme der +Petschenegen+ erfolgreich entgegen. Den
+Seldschuken+ (s. u.) kann Kleinasien nicht wieder entrissen werden.

Das ~Kalifat von Bagdad~ gert seit 861 durch Emporkommen von
Teilfrsten in Verfall. Die +Abbassiden+ werden von den Anfhrern ihrer
trkischen Leibwache abhngig.

[935.]

Die aus Persien stammenden +Bujiden+ reien die Wrde des +Emir
al Omra+ (Frst der Frsten) an sich; der Kalif bleibt nur noch
geistliches Oberhaupt

[969.]

+gypten+ sondert sich ab als eigenes Kalifat unter den +Fatimiden+
(Schiiten, vergl. S. 149). Kairo glnzende Hauptstadt, Syrien bald
hinzuerobert.

[998-1030.]

Sultan +Mahmud+, Herrscher des +Gasnaviden+reichs, gewinnt die frher
von den +Samaniden+ (unter Oberhoheit der Kalifen) beherrschten Gebiete
um Buchara und Samarkand, dringt erobernd nach +Indien+ vor. An seinem
Hofe zu Gasna (in Afghanistan) der persische Dichter +Firdusi+ und der
arabische Philosoph +Ibn Sina+ (Avicenna), Erklrer des Aristoteles.

[1058.]

+Togrulbeg+, Sultan der +seldschukischen+, aus der Bucharei stammenden
+Trken+, befreit den Kalifen von der bermacht der Bujiden. Er
vererbt die Wrde des Emir al Omra auf seinen Neffen +Alp Arslan+ und
dessen Sohn +Malekschah+; dieser stellt die Einheit des Kalifenreiches
wieder her, entreit den Fatimiden Syrien, den Gasnaviden Buchara und
Samarkand, residiert zu Ispahan.

[1092.]

Nach Malekschahs Tode +Teilung der Seldschukenherrschaft+; besondere
Sultanate in Iran, Karman (stliches Persien), Aleppo, Damaskus,
Iconium. Trotzdem wird der Bestand des Kalifats durch die nun folgenden
Angriffe der Christen nicht wesentlich erschttert.

+Bagdad+ bleibt glnzender Herrschersitz bis zum Eindringen der
Mongolen (S. 195).




~C. Das Zeitalter der Kreuzzge. (1096-1270).~


 1. Die Kreuzzge.

~Veranlassung~: Die Wallfahrten der Christen nach dem +heiligen Grabe+
(die Kirche ber demselben erbaut von +Helena+, der Mutter Konstantins
d. Gr.) werden gestrt, seitdem die +Fatimiden+, und mehr noch seitdem
die +Seldschuken+ ber Palstina herrschen. Mihandlungen der Pilger,
Hilferufe des bedrngten byzantinischen Reiches; das neu erstarkte
Papsttum schenkt ihnen Gehr und ruft mit Benutzung der asketisch
angeregten und zugleich kriegerischen Stimmung im Abendlande eine
groartige Vlkerbewegung hervor.

[1095.]

Papst +Urban II.+ ruft auf den Kirchenversammlungen zu +Piacenza+
und zu +Clermont+ in der Auvergne die Glubigen zum Kreuzzug auf;
allgemeine Begeisterung. (+Gott will es!+). Der Eremit +Peter von
Amiens+ predigt in Frankreich mit groem Erfolge das Kreuz. Die von
ihm und dem Ritter +Walter Senzaveir+ (Habenichts) gefhrten Scharen
gelangen unter groen Verlusten nach Kleinasien und werden dort im
Kampfe aufgerieben, andere gehen schon in Ungarn und Bulgarien zugrunde.

[~1096-1099.~]

~Erster Kreuzzug.~ Knigreich Jerusalem. Anfhrende Frsten: +Gottfried
von Bouillon+, Herzog von Nieder-Lothringen; seine Brder +Balduin+
und +Eustachius+; +Robert+, Herzog der Normandie, Sohn Wilhelms des
Eroberers; +Robert+ von Flandern; +Stephan+ von Blois; +Raimund+,
Graf von Toulouse; +Hugo von Vermandois+, Bruder Philipps I., Knigs
von Frankreich; +Bomund+ von Tarent, Sohn Robert Guiscards; sein
Neffe +Tankred+. Sie fhren ber 200000 Krieger, meist Franzosen und
Normannen, nach dem Orient. Der Bischof +Adhemar von Puy+, der in
Clermont zuerst sich das Kreuz anheftete, nimmt als ppstlicher Legat
am Zuge Teil (T 1098).

Die Frsten ziehen auf verschiedenen Wegen (Gottfried von Bouillon die
Donau abwrts, Raimund von Toulouse durch Oberitalien und Dalmatien,
die Nordfranzosen und Normannen von Apulien aus zur See) nach
Konstantinopel; sie leisten mit Ausnahme Raimunds dem Kaiser +Alexius
Komnenus+ den Lehnseid fr die zu erobernden Lnder und werden auf
griechischen Schiffen bergesetzt.

[1097.]

+Nica,+ von den Kreuzfahrern belagert, ergibt sich dem griechischen
Kaiser. Sieg der Kreuzfahrer bei +Dorylum+ ber den Sultan von
+Iconium. Balduin+ trennt sich vom Hauptheere, zieht ber den Euphrat
und erwirbt sich die Herrschaft in +Edessa.+

[1097-1098. Okt. Juni.]

Das Hauptheer belagert lange vergeblich Antiochia am Orontes, endlich
verrt ein armenischer Renegat die Stadt an +Boemund+ von Tarent.

[1098.]

+Kerboga,+ Emir von Mosul, rckt mit einem ungeheuren Heere heran
und belagert in Antiochia die durch Krankheit und Mangel erschpften
Kreuzfahrer. Siegreicher Ausfall der Christen (die heilige Lanze!), das
Heer der Seldschuken wird in die Flucht geschlagen und zerstreut. Lange
Rast und Streitigkeiten der Kreuzfahrer in Antiochia.

[~1099.~]

Zug an der Kste entlang nach Jerusalem. Am 7. Juni erblicken die
Kreuzfahrer (nur noch 21500 kampffhige Krieger) die heilige Stadt,
welche im J. 1098 den Seldschuken durch die +Fatimiden+ wieder
entrissen worden war. Nach fnfwchiger Belagerung.

[15. Juli.]

~Erstrmung Jerusalems.~ Furchtbares Blutbad, Wallfahrt nach der Kirche
des heiligen Grabes.

Das +christliche Knigreich Jerusalem+ wird als Lehnsstaat nach
franzsischem Vorbild eingerichtet; kleinere Lehnsstaaten: das
Frstentum +Antiochia,+ die Grafschaften +Edessa+ und +Tripolis.+
Sammlung der Gesetze in den +Assises du royaume de Jrusalem.+ Zwei
Patriarchen, in +Jerusalem+ und in +Antiochia.+

Gottfried von Bouillon, +Beschtzer des heiligen Grabes.+ Er besiegt
den Sultan von gypten bei +Askalon+ 1099; T 1100. Sein Bruder +Balduin
I.+ nimmt den +Knigs+titel an. Akkon, Tripolis, Beirut, Sidon mit
Hilfe der Pisaner und Genuesen erobert, etwas spter +Tyrus+ mit Hilfe
der Venetianer.

Auf Balduin I. (T 1118) folgen +Balduin II.+ (T 1131), +Fulco+
von Anjou (T 1143), unter dem das Knigreich Jerusalem die grte
Ausdehnung gewinnt, +Balduin III.+ (T 1162), +Amalrich+ (T 1173),
+Balduin IV.+ (T 1184), +Balduin V.+ (unmndig, T 1186), +Guido+ von
Lusignan (T 1195) s. S. 175.

[~1147-1149.~]

~Zweiter Kreuzzug.~ Ohne Erfolg. ~Veranlassung~: Eroberung +Edessas+
durch +Imadeddin Zenki,+ Emir von Mosul (1144), und nochmals durch
dessen Sohn +Nureddin+ (1146). Abt +Bernhard+ von Clairvaux predigt das
Kreuz.

+Konrad III.+ von Deutschland und +Ludwig VII.+ von Frankreich brechen,
jener von +Regensburg,+ dieser etwas spter von Metz aus, nach
Palstina auf. Sie ziehen nacheinander durch Ungarn nach Kleinasien.
Das +deutsche+ Heer dringt bis Dorylum vor, erleidet aber durch Mangel
und Kmpfe mit dem Sultan von Iconium schwere Verluste. Die nach Nica
Entkommenen kehren zum Teil heim; mit den brigen schliet sich Konrad
dem Zuge des +franzsischen+ Heeres +an der Kste entlang+ an, kehrt
aber zur Herstellung seiner Gesundheit nochmals nach Konstantinopel
zurck. +Ludwig+ fhrt mit dem franzsischen Adel zu Schiffe nach
Antiochia. Das brige Heer setzt den Weg zu Lande fort, wobei es durch
Hunger und feindliche Angriffe vollends aufgerieben wird. +Konrad+
kommt 1148 zur See nach dem Heiligen Lande und macht zusammen mit den
Franzosen einen vergeblichen Angriff auf +Damaskus+.

[~1189-1192.~]

~Dritter Kreuzzug.~ Eroberung von Akkon.

~Veranlassung: Saladin~, Sohn des Kurden Ejub, Grnder der Dynastie der
+Ejubiden+ in gypten, erobert Nureddins Reich, schlgt die Christen
in der blutigen Schlacht bei +Hittin+ (Tiberias) am See Genezareth,
~erobert Jerusalem~ 1187. Die christlichen Einwohner gromtig
behandelt, Knig Guido von Lusignan und viele Ritter geraten in
Gefangenschaft.

~Kaiser Friedrich I.~, der als Jngling am zweiten Kreuzzug
teilgenommen hatte, tritt als Greis im Frhjahr 1189 den Zug von
Regensburg aus an, zieht durch Ungarn, erzwingt den Durchzug durch das
griechische Kaiserreich, bleibt den Winter in Adrianopel, setzt 1190
nach Kleinasien ber, erobert Iconium und zieht nach Cilicien; dort
ertrinkt er (10. Juni) im +Kalykadnus+ (Saleph). Sein Sohn, Herzog
+Friedrich+ von Schwaben, fhrt einen Teil der Pilger (viele kehren um)
ber Tarsus, Antiochia und Tyrus nach +Akkon+. Er stirbt 1191 whrend
der Belagerung dieser Stadt, welche der frei gewordene Knig +Guido+
leitet.

~Richard Lwenherz~, Knig von England, und ~Philipp II.~ +Augustus+,
Knig von Frankreich, fahren zur See, Richard von Marseille, Philipp
von Genua aus nach dem Heiligen Lande (1190); Beteiligung von +Genua+,
+Pisa+ und +Venedig+. Nach lngerem Aufenthalt in Sicilien kommen die
beiden Knige vor +Akkon+ an, welches Lusignan schon fast zwei Jahre
belagerte. Die Stadt wird nun schnell zur bergabe gezwungen (Juli
1191).

Philipp, mit Richard entzweit, kehrt nach Frankreich zurck.
Heldentaten und Grausamkeiten Richards, der zweimal vor Jerusalem
umkehren mu. Waffenstillstand mit Saladin (1192): der Kstenstrich
von +Joppe bis Akkon+ wird an die Christen abgetreten, der Besuch der
heiligen Orte gestattet. +Cypern+ wird von Richard, der es 1191 erobert
hatte, an Guido von Lusignan zu Lehen gegeben, der seine Wrde als
Knig von Jerusalem an +Heinrich von Champagne+ berlt.

Richard leidet auf der Rckkehr Schiffbruch bei Aquileja, wird trotz
seiner Verkleidung bei Wien erkannt, von Herzog +Leopold VI. von
sterreich+, den er vor Akkon tdlich beleidigt hatte, festgenommen und
an Kaiser +Heinrich VI.+ ausgeliefert. Dieser hlt ihn in der Feste
+Trifels+ (westlich von Landau in der Pfalz) gefangen und gibt ihn
erst nach 13 Monaten gegen ein Lsegeld von 100000 Mark Silbers und
Lehnshuldigung frei.

[~1202-1204~.]

~Vierter Kreuzzug~.

Lateinisches Kaisertum 1204-1261.

Auf Anregung des Papstes +Innocenz III.+ (1198-1216) (Kreuzpredigt des
+Fulco+ von Neuilly) unternehmen mchtige franzsische Barone zusammen
mit dem Grafen +Balduin+ von Flandern und dem Markgrafen +Bonifacius+
von Montferrat einen Kreuzzug, der ursprnglich gegen gypten gerichtet
war. Die Kreuzfahrer bernehmen fr die Venetianer (Doge +Heinrich
Dandolo+), zum Teil als Preis der berfahrt, die Eroberung von +Zara+
in Dalmatien.

Auf Bitten des byzantinischen Prinzen +Alexius+ fr seinen Vater, den
entthronten Kaiser +Isaak Angelus+, fahren die Kreuzfahrer auf der
venetianischen Flotte nach ~Konstantinopel~, nehmen die Stadt ein
und setzen Alexius und seinen Vater auf den Thron (1203). Aber die
Erfllung der eingegangenen Bedingungen (Vereinigung der griechischen
Kirche mit der rmischen, Zahlung bedeutender Geldsummen) scheitert an
dem Widerstande der Bevlkerung. Streitigkeiten, bei denen die Stadt in
Brand gert. Zweite Einnahme der Stadt; Plnderung, wobei viele Werke
der alten Kunst zugrunde gehen (1204).

Errichtung des ~Lateinischen Kaisertums~ (+Balduin+ Kaiser). Viele
Kstenstriche und Inseln kommen an die +Venetianer+; Korfu, Zante,
Kandia, ein groer Teil von Morea (Peloponnes). Gewaltiges Aufblhen
des venetianischen Handels. Der Markgraf von Montferrat wird Knig von
+Thessalonich+, franzsische Herzge in +Athen+, +Theben+, +Achaja+;
Villehardouin, der Geschichtschreiber des Kreuzzuges, Marschall des
Reiches.

Ein +griechisches+ Kaisertum behauptet sich in +Nica+, ein zweites
in +Trapezunt+ am Schwarzen Meere. Von Nica aus macht +Michael
Palologus+ 1261, von +Genua+ untersttzt, dem Lateinischen Kaisertum
ein Ende. Er erkennt 1274 die Suprematie des Papstes an. Aber der
griechische Klerus und das Volk gegen die Ansprche der Ppste. Schon
1280 wurde diese Union wieder gelst (S. 218).

[1212.]

+Kinderkreuzzug+. Tausende von Knaben und Mdchen aus Frankreich und
Deutschland ziehen nach Marseille und Genua; viele kommen unterwegs um,
manche werden zur Rckkehr gentigt, andere in Alexandria als Sklaven
verkauft.

[1217.]

Kreuzzug des Knigs +Andreas II.+ von Ungarn; er versucht von Akkon aus
vorzudringen, doch ohne Erfolg.

Neue Pilgerscharen, die sich in +Akkon+ sammeln, unternehmen einen
Angriff auf gypten, erobern +Damiette+ 1219, mssen es aber 1221
wieder rumen.

[~1228-1229.~]

~Fnfter Kreuzzug.~ Jerusalem auf kurze Zeit wiedergewonnen.

~Friedrich II.~, rmischer Kaiser, wegen verzgerter Erfllung seines
Versprechens, einen Kreuzzug zu unternehmen, im ppstlichen Banne,
fhrt zur See nach Akkon, erhlt von dem gyptischen Sultan +Elkmil+
durch Vertrag +Jerusalem+ (wo er sich krnt[31]) und +Nazareth+, sowie
die Landstriche von da bis zur Kste, nebst +Sidon+.

[1244.]

+Jerusalem+ durch die Chowaresmier (S. 195) im Dienste des Sultans von
gypten erobert und den Christen auf immer verloren.

[~1248-1254.~]

~Sechster Kreuzzug.~ Ohne Erfolg.

Ludwig IX., der Heilige, Knig von Frankreich, fhrt zur See nach
+Cypern+ und verweilt dort den Winter. Um die Sarazenenherrschaft
in ihrem Hauptsitze ~gypten~ zu vernichten, fhrt er im Frhjahr
1249 nach +Damiette+ und nimmt die Stadt ein. Auf dem Zuge nach
+Kairo+ wird Ludwig geschlagen, von Damiette abgeschnitten und mit
dem ganzen franzsischen Heere gefangen (April 1250). Die Ausfhrung
des Friedensvertrages, wonach der Knig gegen Rumung von Damiette
und bedeutendes Lsegeld frei kommen soll, gefhrdet vorbergehend
der Sturz der Ejubiden (S. 175) durch die +Mamelucken+. Ludwig fhrt
nach Palstina, befestigt whrend eines fast vierjhrigen Aufenthalts
+Akkon+ und andere Kstenstdte, kehrt 1254 nach Frankreich zurck.

[1268.]

+Antiochia+ von dem Sultan Bibars von gypten erobert.

[~1270.~]

~Siebenter Kreuzzug.~ Ohne Erfolg.

Ludwig IX. fhrt zur See nach +Tunis+, wo ihn und einen groen Teil des
Heeres Krankheit hinwegrafft.

[1291.]

+Akkon+ wird von den Mamelucken erstrmt, die letzten Besitzungen in
Palstina (+Tyrus+, +Beirut+, +Sidon+) werden von den Christen gerumt.

~Folgen der Kreuzzge~: 1. Erhhtes Ansehen der Kirche und des
+Papsttums+. 2. Ausbildung des +Rittertums+, welches sowohl fr den
Staat wie fr das gesellschaftliche Leben hohe Bedeutung erlangt. 3.
Aufschwung des Seehandels und Entwickelung der +Stdte+, zunchst in
Italien (Venedig und Genua). 4. Fortschreiten der geistigen Bildung
durch die im Orient gewonnenen neuen Anschauungen und Kenntnisse
(besonders der Philosophie des Aristoteles, Geographie und Naturkunde).

Sttzen der kirchlichen Macht, zugleich Frderer des Ackerbaues,
der Knste und Wissenschaften sind die neugebildeten ~Mnchsorden~:
+Cistercienser+ 1098 (Citeaux unweit Dijon), +Prmonstratenser+
1120 (Prmontr bei Laon), die Bettelorden der +Dominikaner+ 1216,
+Franziskaner+ 1223 (Franz von Assisi in Umbrien) und +Augustiner+
1244. Ausbildung der ~Scholastik~ (Philosophie im Dienste der Kirche)
durch die beiden Dominikaner +Albertus Magnus+ (Albert von Bollstdt
in Schwaben, lehrte in Paris und Kln, T 1280) und +Thomas von Aquino+
(lehrte in Paris, Kln, Rom, Neapel, T 1274).

Die krftigsten Vorkmpfer der christlichen Staaten im Orient waren


~Die geistlichen Ritterorden.~

1. ~Tempelherren~ oder ~Templer~ (so genannt nach ihrem nahe der Stelle
des salomonischen +Tempels+ gelegenen Ordenshause in Jerusalem),
hervorgegangen aus einem 1118 geschlossenen Bunde 8 franzsischer
Ritter (+Hugo de Payens+). Zu den drei Mnchsgelbden (Armut,
Keuschheit, Gehorsam) wird die Verpflichtung zum Kampfe gegen die
Unglubigen hinzugefgt. +Weier+ Mantel, +rotes+ Kreuz. Der Orden wird
1291 nach Cypern verlegt, 1312 auf dem Konzil zu +Vienne+ durch Papst
Clemens V. aufgehoben.

2. ~Johanniter~, entstanden aus der Brderschaft des Hospitals des
heiligen Johannes in Jerusalem, welches Kaufleute aus +Amalfi+ um
1048 gestiftet hatten. Die Brderschaft wird erweitert nach dem
ersten Kreuzzuge, dann nach dem Vorbild der Templer zum Ritterorden
umgestaltet (+Raimund Dupuis+). +Schwarzer+ Mantel, +weies+ Kreuz. Der
Orden wird verlegt nach Cypern 1291, nach Rhodus 1310, nach Malta 1526,
wo er bis 1798 seinen Sitz hat (daher Malteser genannt).

3. ~Deutscher Orden~, aus einer bei der Belagerung von ~Akkon~ 1190
gestifteten Brderschaft fr Krankenpflege[32] zum ritterlichen Orden
umgewandelt 1198. +Weier+ Mantel, +schwarzes+ Kreuz. Ordenssitz in
+Akkon+. Unter dem Hochmeister +Hermann von Salza+ wird 1226 der
Orden von dem polnischen Herzog +Konrad von Masovien+ zur Bekmpfung
der heidnischen ~Preussen~ eingeladen, von Kaiser +Friedrich II.+
dazu bevollmchtigt und im Besitz des Landes Kulm sowie der knftigen
Eroberungen besttigt. +Hermann Balk+, erster +Landmeister+ in
Preuen, welches durch blutige Kmpfe 1230-1283 unterworfen wird. Im
Jahre 1291 wird der Sitz des Hochmeisters nach +Venedig+, 1309 nach
+Marienburg+, 1457 nach +Knigsberg+ verlegt. 1525 wird das Ordensland
weltliches Herzogtum. Die katholisch bleibenden Ritter behaupten sich
im Besitz der deutschen Gter; Sitz ihres Hochmeisters zu +Mergentheim+
in Franken. Der Orden wird 1809 aufgehoben.

In allen drei Orden: +Ritter+, +Priester+, +dienende Brder+.


 2. Deutschland und Italien.

[~1125-1137.~]

~Lothar von Sachsen~, gewhlt auf Betreiben der Erzbischfe von Mainz
und Kln, (er lt seine Wahl vom Papst besttigen) im Gegensatz zu den
Neffen Heinrichs V., +Friedrich+ und +Konrad+ von Staufen. Er bekmpft
sie mit Hilfe seines Schwiegersohnes +Heinrichs des Stolzen+, Herzogs
von Bayern, aus dem +Welfen+hause (S. 166). Konrad lt sich in Italien
zum Knig krnen, wird aber bald von seinen Anhngern verlassen;
Friedrich verteidigt sein Herzogtum +Schwaben+; beide unterwerfen sich
erst 1135.

[Sidenote 1130.]

Lothar entscheidet bei einer zwiespltigen Papstwahl fr +Innocenz
II.+, zieht dann 1131 nach +Dnemark+ und benutzt einen Thronstreit
daselbst, um den Knig Magnus zum Vasallen des Reiches zu machen; dann
1132 Zug nach +Italien+.

[1133.]

Lothar, in Rom von Innocenz II. zum Kaiser gekrnt, nimmt die Allodien
der Markgrfin +Mathilde von Tuscien+ (T 1115) vom Papste zu Lehen,
kehrt nach Deutschland zurck, ohne den Gegenpapst +Anaklet+, der sich
auf die +Normannen+ sttzt (S. 171), aus Rom vertrieben zu haben.

[1136-1137.]

Zweiter Zug nach +Italien+. Lothar vertreibt den Normannenfrsten
+Roger II.+ auf kurze Zeit vom italischen Festlande, stirbt auf dem
Rckwege in Bayern, nachdem er +Heinrich dem Stolzen+ die Mathildischen
Gter und das Herzogtum Sachsen bertragen hat.

Unter Lothars Regierung erfolgreicher Wiederbeginn der ~deutschen
Kolonisation~ im Norden und Osten des Reiches. Drei Frstenhuser,
welche dafr viel geleistet haben, verdanken ihm ihre Einsetzung:
die +Schauenburger+ in ~Holstein~, die +Wettiner+ in ~Meissen~, die
+Askanier+ in ~Brandenburg~ (Albrecht der Br 1134, Markgraf der
Nordmark, (Altmark)). Bei den wendischen Pommern predigt Bischof +Otto
von Bamberg+ 1124 und 1127 das Christentum.

[~1138-1254.~]

~Haus der Hohenstaufen~ (Staufer), nach der Burg +Staufen+ in Schwaben
benannt.

[~1188-1152.~]

~Konrad III.~, von der dem schsischen Hause feindlichen Partei ohne
Beteiligung der +Sachsen+ und +Bayern+ gewhlt.

Kampf der ~Welfen~ gegen die ~Staufer~ (letztere auch +Waiblinger+
genannt nach der Burg Waiblingen in Schwaben). In Italien heien die
Parteinamen +Guelfen+ und +Ghibellinen+.

Knig Konrad spricht ber +Heinrich den Stolzen+ die Acht aus und
verleiht das Herzogtum Sachsen an +Albrecht den Bren+, Bayern an
+Leopold IV.+, Markgrafen von sterreich. Whrend des Kampfes stirbt
Heinrich der Stolze 1139. Die schsischen Groen halten zu seinem
10jhrigen Sohne Heinrich; in Bayern und Schwaben kmpft sein Bruder
Welf VI. fr seinen Neffen.

[1140.]

+Schlacht bei Weinsberg+ (unweit Heilbronn), Sieg Konrads ber Welf
VI., die Stadt mu sich ergeben. (Die treuen Weiber von Weinsberg).

Nach dem Tode Leopolds von sterreich kommt Bayern an seinen Bruder
+Heinrich Jasomirgott+,[33] welcher +Gertrud+, Heinrichs des Stolzen
Witwe, heiratet (1142). Des letzteren Sohn +Heinrich der Lwe+ erhlt
Sachsen zurck. Albrecht der Br entsagt seinen Ansprchen auf das
Herzogtum Sachsen, erhlt seine anhaltischen Besitzungen zurck,
regiert in der Nordmark und (seit Pribislavs Tode 1150) im Havellande
als +Markgraf von Brandenburg+ (S. Anhang).

[1147.]

Whrend Konrad III. den zweiten Kreuzzug nach Palstina unternimmt,
herrscht in Italien groe Verwirrung. Der Mnch +Arnold von Brescia+
im Kampf mit dem Papst. In Rom eine Republik gegrndet, der Papst
vertrieben. In Norddeutschland ~Wendenkreuzzug~: Heinrich der
Lwe gegen den Obotritenfrsten +Niklot+, dessen Shne spter das
Christentum annehmen; Albrecht der Br und Konrad von Wettin gegen
den Pommernfrsten +Ratibor+, der 1149 sich zum Christentum bekennt.
Seitdem deutsche Einwanderung in +Mecklenburg+ und +Pommern+, welche
deutsche Reichslnder werden.

Konrad III. empfiehlt zum Nachfolger seinen Neffen +Friedrich von
Schwaben+, der von den Frsten einstimmig in +Frankfurt+ gewhlt, dann
in +Aachen+ gekrnt wird. Im Gegensatz zu Lothar und Konrad III. zeigt
er dem Papst seine Wahl nur an.

[~1152-1190.~]

~Friedrich I., Barbarossa~, durch Tapferkeit und Gerechtigkeit
hervorragend. Reichstag zu Merseburg 1152, Entscheidung des dnischen
Thronstreits: +Svend+ wird Knig von Dnemark als Vasall des Reiches.

 ~Welfen.~

 Welf IV.,
 Hz. v. Bayern, T1101.
      |
 Heinrich d. Schwarze,
 Hz. v. Bayern, T1126.
 Gem. Wulfhild, T. des Magnus Billung.
  _____________|_______________________
      |                     |     |
 Heinrich der Stolze,  Welf VI.  Judith, Gem. v. Friedrich Hz.
 Hz. v. Bayern u.      T1191.                   v. Schwaben,
 Sachsen, T1139.                                T1147.
 Gem. Gertrud, T.
 Lothars v. Sachsen.
      |
 ~Heinrich~ der Lwe
 Herzog v. Sachsen u. Bayern, T1195.
  ____|__________________
    |                    |
 ~Otto IV.,~          Wilhelm
  T1218.                 |
 1. Gem. Beatrix         |
 2. Maria            Otto das Kind,
 v. Brabant          erster Hz. v.
                     Braunschweig-Lneburg.


 ~Hohenstaufen (Staufer).~

 Friedrich, Herzog von Schwaben, T1105.
 Gem. Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV.
  _____________|_________________
 |                               |
 Friedrich Hz.          ~Konrad III.,~
 v. Schwaben, T1147.    T1152.
      |
 ~Friedrich I.,~ Barbarossa
    T1190.
   ___|___________________________________
    |                        |            |
 ~Heinrich VI.,~       Friedrich        ~Philipp~
 T1197.                Hz. v. Schwaben  von Schwaben
 Gem. Konstanze.       T1191.           T1208.
    |                          ___________|________
 ~Friedrich II.,~          Beatrix,         Beatrix,
 T1250.                    Gem. Otto IV.    Gem. Ferdinand III.
    |                                       von Kastilien.
  __|______________________________________________      |____
 |              |               |           |      |          |
 Heinrich, ~Konrad IV.,~ Margarete, T1270, Enzio,  Manfred, Alfons X.
 T1242.   T1254.            Gem. Albrecht      T1272. T1266.  von
                |              von Thringen.          |  Kastilien.
                |             __|__________            |
             Konradin        Friedrich.  Diezmann.  Constantia,
             T1268.                                 Gem. Peter III. von
                                                    Aragon.

Friedrichs Hauptbestreben ist, das Ansehen des ~Kaisertums~
wiederherzustellen. Daher Streit mit den zu mchtigen Republiken
gewordenen ~lombardischen Stdten~. Sechs Zge nach ~Italien~, bei
welchen das deutsche +Rittertum+ seine Kraft entfaltet.

[1154-1155.]

+Erster Zug.+ Friedrich zerstrt einige kleine Orte, die sich ihm
widersetzen, und wird in Rom von Hadrian IV. zum Kaiser gekrnt.
Tapferer Kampf +Heinrichs des Lwen+ gegen die aufstndischen Rmer.
+Arnold von Brescia+ (Schler des Scholastikers +Ablard+), der gegen
die weltliche Herrschaft der Geistlichen und den Gterbesitz der Kirche
aufgetreten war, wird verurteilt und verbrannt.

Auf dem Rckwege von Rom erstrmt +Otto von Wittelsbach+ den Engpa im
Etschtale bei +Verona+.

[1156.]

Heinrich der Lwe erhlt auch Bayern zurck. +sterreich+ bleibt im
Besitze der +Babenberger+ (S. 162) als ein auch in weiblicher Linie
erbliches +Herzogtum+.

Gegenber der welfischen Machtstellung in Sachsen und Bayern sttzt
die kaiserliche Macht sich auf die Stammgter in +Schwaben+ und
auf die von den Saliern ererbten Gter in +Franken+, auerdem auf
bedeutende +Reichsgter+ in anderen Landschaften, besonders in der
Rheingegend. Das goldene Mainz Mittelpunkt des Handels und Verkehrs.
Die Verwaltung dieser Gter werden +Ministerialen+ bertragen, d. h.
den Gehlfen (ministri) der Ritter und freien Herren, die ursprnglich
unfrei gewesen waren, dann aber infolge ihrer gehobenen Stellung sich
mehr und mehr von ihren hrigen Standesgenossen abhoben und schlielich
den freien Rittern gleich geachtet wurden. ~Kaiserliche Pfalzen~ zu
Hagenau (im Elsa), Trifels und Kaiserslautern (in der Rheinpfalz),
Ingelheim, Gelnhausen, Aachen, Dortmund, Goslar, Tilleda (am
Kyffhuser), Nrnberg u.a. Die +Pfalzgrafschaft am Rhein+ bertrgt
Friedrich 1156 seinem Halbbruder Konrad, der die Burg +Heidelberg+
grndet.

[1156]

vermhlt Friedrich sich mit +Beatrix+, der Erbin von Hochburgund.

[1157.]

Zug Friedrichs ber die Oder nach +Polen+. Herzog Boleslav IV.
unterwirft sich, rumt um 1163 seinen Neffen besondere Frstentmer in
~Schlesien~ ein; seitdem deutsche Einwanderung in dieses Land.

[Sept.]

Reichstag zu +Wrzburg+; es erscheinen Gesandtschaften aus dem
byzantinischen Reich, aus England, Dnemark, Ungarn, Italien,
~Burgund~. Auf dem Reichstage zu +Besanon+ (Okt.) huldigen die
burgundischen Groen. Der Kanzler des Kaisers, Graf +Rainald von
Dassel+, tritt gegen den Kardinal +Roland von Siena+ auf, welcher auf
Grund eines ppstlichen Schreibens die Kaiserkrone fr ein ppstliches
Lehen (+beneficium+) erklrt.

[1158.]

Frstentag zu +Regensburg+; Herzog Wladislav von ~Bhmen~ erhlt von
Friedrich die +Knigskrone+.

[1158-1162.]

+Zweiter Zug+ nach ~Italien~. Die lombardischen Stdte, auch
Mailand, unterwerfen sich. Reichstag auf den +Ronkalischen Feldern+
(bei Piacenza), die kaiserlichen Hoheitsrechte ber die Stdte in
Oberitalien auf Grund des +rmischen Rechts+ festgestellt. Die
Mailnder empren sich von neuem. Streit des Kaisers mit dem Papste
ber die kaiserlichen Rechte in Rom. Krieg gegen Mailand, das sich nach
lngerer Belagerung ergeben mu. Auf Befehl des Kaisers wird

[1162.]

~Mailand zerstrt~ durch die Einwohner der Nachbarstdte.

[1159-1177.]

Kirchenspaltung. Papst ~Alexander III.~ (Roland von Siena) von der
Mehrzahl der Kardinale gewhlt, Viktor IV. von der kaiserlich gesinnten
Minderheit. Friedrich entscheidet auf dem Konzil zu Pavia (+Rainald+,
Erzbischof von Kln) fr Viktor. Alexander III., im Bunde mit den
lombardischen Stdten, spricht ber den Kaiser den +Bann+ aus, sieht
sich aber gentigt, nach Frankreich zu entweichen.

[1163.]

+Dritter Zug+. Der Kaiser ohne Heer. Er besttigt die Anordnungen
seines Kanzlers +Rainald+. Bald neue Unruhen in Italien, Alexander III.
kehrt nach Rom zurck.

[1166-1168.]

+Vierter Zug+. Paschalis III., Viktors Nachfolger, wird von Friedrich
nach Rom gefhrt; Alexander entflieht nach Benevent, findet Schutz im
Normannenreich (S. 171). Unterdessen stellen die Lombarden +Mailand+
wieder her, erbauen +Alessandria+ (dem Papste zu Ehren benannt) und
besetzen die Alpenpsse. Der Kaiser, dessen Heer durch eine in Rom
ausgebrochene +Seuche+ fast aufgerieben war, entkommt nur mit Mhe nach
Deutschland.

Fehde zwischen +Heinrich dem Lwen+, der seine Herzogsgewalt ber
Mecklenburg und Pommern ausgedehnt hat, und den ihm feindlichen Frsten
(den Erzbischfen von Magdeburg und Bremen, Albrecht dem Bren, Otto
von Meien, Ludwig dem Eisernen von Thringen u.a.). Der Kaiser
schlichtet den Streit zu Gunsten Heinrichs des Lwen, bringt aber
durch Vertrag mit dem kinderlosen Welf VI. die +welfischen Stammgter+
in Schwaben (Altorf und Ravensburg) an sich, um seine Hausmacht zu
vermehren. Heinrich der Lwe unternimmt eine Wallfahrt nach Jerusalem
(1172).

[1174-1178.]

+Fnfter Zug+ Friedrichs nach Italien. Er belagert vergeblich das
feste +Alessandria+. Heinrich der Lwe verweigert auf den Anruf
des Kaisers die Heeresfolge (Zusammenkunft in +Partenkirchen+ oder
+Chiavenna+). Der Kaiser greift die Lombarden an, wird aber in der

[1176.]

~Schlacht bei Legnano~ besiegt. Unterhandlungen und Waffenstillstand
mit Alexander III. und den lombardischen Stdten.

[1177.]

Ausshnung zwischen Kaiser und Papst in +Venedig+. Alexander III. wird
durch Erzbischof Christian von Mainz im Auftrage des Kaisers nach Rom
zurckgefhrt. Friedrich ordnet die Verhltnisse Italiens, empfngt
1178 in +Arles+ die burgundische Krone, kehrt dann nach Deutschland
zurck, um seinen Vetter +Heinrich den Lwen+ zu demtigen.

[~1180.~]

~Heinrich der Lwe gechtet~ und seiner Lehen verlustig erklrt,
nachdem er auf viermalige Vorladung nicht erschienen ist. Friedrich
zieht mit Heeresmacht gegen ihn, dringt 1181 durch Sachsen bis +Lbeck+
vor und nimmt diese Stadt ein, darauf unterwirft sich Heinrich der Lwe
zu +Erfurt+. Er behlt seinen Allodialbesitz von mtterlicher Seite,
Braunschweig und Lneburg, mu aber auf drei Jahre in die Verbannung
gehen, begibt sich nach +England+ zu seinem Schwiegervater Knig
Heinrich II.

~Teilung des Herzogtums Sachsen~. +Westfalen+ kommt grtenteils an
das Erzbistum Kln; die Grafen von +Holstein, Schwerin, Oldenburg,
Teklenburg+ u.a. werden reichsunmittelbar; ebenso die Stadt +Lbeck+,
whrend +Hamburg+ den Grafen von Holstein, +Bremen+ seinem Erzbischof
noch Untertan bleibt.[34]

Das +stliche Sachsen+ (Wittenberg und Lauenburg) mit der Herzogswrde
erhlt +Bernhard von Askanien,+ Sohn Albrechts des Bren; ~Bayern~
(ohne +Steiermark+, welches selbstndiges Herzogtum wird, bald aber an
sterreich kommt) erhlt +Otto von Wittelsbach+ (T 1183).

[1183.]

Friede mit den lombardischen Stdten zu +Konstanz+. Die meisten
beanspruchten Rechte (namentlich freie Wahl der Stadtobrigkeit,
Consules) werden ihnen gegen Anerkennung der Oberhoheit des deutschen
Reiches zugestanden.

[1184.]

Glnzendes Reichsfest in der Rheinebene bei +Mainz+; der Kaiser erteilt
seinen beiden ltesten Shnen den Ritterschlag. ~Einheit und Macht des
deutschen Reiches berall anerkannt.~

[1184-1186.]

+Sechster+ (friedlicher) Zug nach Italien. Der Kaiser vermhlt in
+Mailand+ seinen schon lngst zum deutschen Knig gewhlten 21jhrigen
Sohn ~Heinrich~ mit ~Konstanze,~ der Erbin des +Normannenreiches+ in
Unteritalien.

[1189-1190.]

+Friedrichs Kreuzzug+ und +Tod+ (s. S. 175). Sein Sohn Heinrich
Reichsverweser. +Heinrich der Lwe,+ der bei des Kaisers Aufbruch
abermals auf 3 Jahre das Reich hatte verlassen mssen, kehrt
eigenmchtig aus England zurck. Da im Nov. 1189 Knig Wilhelm II. von
Sicilien gestorben ist, so beeilt sich Knig Heinrich, mit Heinrich dem
Lwen einen Vertrag zu schlieen. Mittlerweile kommt die Nachricht von
Kaiser Friedrichs Tode nach Deutschland.

[~1190-1197.~]

~Heinrich VI.,~ ein staatskluger, hochgebildeter Frst, aber streng und
rcksichtslos.

[1191.]

+Erster Zug+ nach +Italien.+ Heinrich empfngt die Kaiserkrone in
Rom und zieht nach Neapel, um das Erbe seiner Gemahlin Konstanze dem
Normannen +Tankred+ +von Lecce+ zu entreien. Vergebliche Belagerung
von Neapel. Krankheiten in seinem Heere zwingen den Kaiser zur Rckkehr
nach Deutschland. Dort

[1192-1194.]

neuer Krieg mit Heinrich dem Lwen, der den Vertrag nicht gehalten hat.
Den Krieg beendet ein Vergleich, welcher erleichtert wird durch die
Freigebung von Heinrichs des Lwen Schwager, +Richard Lwenherz+ von
England (s. S. 176). Heinrich der Lwe stirbt 1195 zu Braunschweig.

[1194.]

+Zweiter Zug+ nach +Italien+; das Knigreich beider Sicilien
unterworfen, Krnung zu +Palermo+. ~Kaiserliche Herrschaft ber ganz
Italien,~ deutsche Statthalter in Tuscien, Ancona, Spoleto.

[1196.]

Reichstag zu +Wrzburg+. Der Plan Heinrichs, Deutschland (vereinigt
mit dem Knigreich beider Sicilien) zum +Erbreich+ zu machen, wogegen
ebenso alle Lehen, auch in weiblicher Linie, erblich werden sollen,
scheitert an dem Widerstande der geistlichen und weltlichen Frsten.

[1197.]

+Dritter Zug+ Heinrichs nach +Italien+. Er unterdrckt eine
Verschwrung mit grausamer Hrte. Inmitten groartiger Plne (Eroberung
des ostrmischen Reiches, Grndung einer Weltherrschaft, Kreuzzug)
stirbt er, erst 32 Jahre alt, pltzlich in Messina. Sein Sohn
Friedrich, noch nicht 3 Jahre alt, schon vor seiner Taufe von den
deutschen Frsten zum Nachfolger seines Vaters ernannt.

In Deutschland Doppelwahl;

[~1198-1208.~]

~Philipp von Schwaben~ (jngster Sohn Friedrich Barbarossas).

[~1198-1215.~]

~Otto IV. von Braunschweig~ (Sohn Heinrichs des Lwen).

[1198-1215.]

Thronkrieg zwischen +Staufern+ und +Welfen+.[35]

Otto IV. von Papst ~Innocenz III.~ anerkannt, von seinem durch den
Papst gebannten Gegenknig Philipp besiegt und fast auf Braunschweig
beschrnkt.

[1208.]

Philipp wird +zu Bamberg+ ermordet von dem bayrischen Pfalzgrafen
+Otto von Wittelsbach+ (Privatrache). Darauf wird ~Otto IV.~, der
sich mit Philipps junger Tochter verlobt, allgemein anerkannt und von
Papst Innocenz III. in Rom 1209 zum Kaiser gekrnt, nachdem er dem
ppstlichen Stuhle die Mathildischen Gter (S. 179) berlassen und
andere Zugestndnisse gemacht hat. Bald aber gert er in Streit mit dem
Papste, welcher im Verein mit der staufischen Partei in Deutschland
gegen ihn 1212 als Knig aufstellt seinen Mndel ~Friedrich~, Sohn
Heinrichs VI. Friedrich verspricht, Sicilien, das die Kurie als ein
ppstliches Lehen ansah, nie mit dem Reich zu vereinigen.

[1214.]

Otto IV., als Bundesgenosse Englands von Philipp II. Augustus von
Frankreich bei +Bouvines+ (unweit +Lille+) besiegt (S. 193), zieht sich
in seine Erblande zurck (T 1218 auf der Harzburg).

Hohes Ansehen des ~Papsttums~ unter ~Innocenz III.~ (1198 bis 1216),
der als Statthalter Christi auf Erden auch zwischen Frankreich
und England (S. 193), in Aragon und Portugal, Ungarn und den
skandinavischen Reichen als Schiedsrichter auftritt. Herstellung des
+Kirchenstaats+, Krieg gegen die Ketzer in Sdfrankreich (S. 191),
Einsetzung der +Inquisition+ auf dem Laterankonzil zu Rom 1215.

Blte der ritterlichen ~Dichtkunst~ in Deutschland: Heinrich von
Veldeke, Hartmann von Aue; +Wolfram von Eschenbach+ und +Walther von
der Vogelweide+ am Hofe des Landgrafen Hermann von Thringen (T 1217)
auf der Wartburg. Schriftliche Aufzeichnung des +Nibelungenliedes+.

[~1212(15)-1250.~]

~Friedrich II., zugleich Knig beider Sicilien~, der geistig
bedeutendste Frst des Mittelalters, leidenschaftlich, mehr Italiener
als Deutscher (in Sicilien geboren, von seiner italienischen Mutter
erzogen), entschiedener Gegner der geistlichen Herrschaft.

Er wird von einem Teile der Frsten 1212 in Frankfurt zum Knig
gewhlt, verleiht 1214 die +Pfalzgrafschaft am Rhein+ (S. 182) dem
Herzog Ludwig I. von Bayern, dem Sohne Ottos von Wittelsbach, und
besttigt dem Knig Waldemar II. von +Dnemark+ den Besitz der Lnder
jenseits der +Elbe+ und +Elde+ (Holstein und Mecklenburg), welche
dieser whrend des deutschen Thronstreits an sich gerissen hatte.

[~1215~.]

Friedrich II. allgemein anerkannt und zu +Aachen+ gekrnt. Er gelobt
einen Kreuzzug und verlt Deutschland 1220, nachdem er die Wahl seines
jungen Sohnes +Heinrich+ zum rmischen Knig erreicht hat.

[1220.]

Kaiserkrnung Friedrichs II. in +Rom+ nach erneutem Versprechen eines
Kreuzzugs; darauf ordnet er die Verhltnisse des sicilischen Reiches.
In Deutschland Erzbischof +Engelbert von Kln+ Reichsverweser (T 1225),
dann Knig Heinrich.

[1223.]

+Waldemar II. von Dnemark+ wird von dem Grafen Heinrich von Schwerin
gefangen genommen und nach Deutschland gefhrt. +Hermann von Salza+,
Hochmeister des Deutschen Ordens, vermittelt im Auftrage des Kaisers
seine Freilassung, die erst 1225 gegen hohes Lsegeld und Verzicht auf
die deutschen Gebiete erfolgt.

[1226.]

Der Kaiser bevollmchtigt den Deutschen Orden zur Eroberung +Preuens+
(S. 178). Reichstag zu +Cremona+, Streitigkeiten mit den lombardischen
Stdten.

[1227.]

Das in Apulien versammelte Kreuzheer lst sich auf wegen Ausbruchs der
Pest. Ludwig, Landgraf von Thringen, Gemahl der heiligen Elisabeth,
stirbt. Papst Gregor IX. (1227-41) spricht den Bann ber den Kaiser aus.

[1227.]

~Schlacht bei Bornhved~ in Holstein. Waldemar II., der Sieger, besiegt
von den Grafen von Holstein und Schwerin, Herzog Albert von Sachsen,
dem Erzbischof von Bremen und den Brgern von Lbeck und Hamburg. Das
Land bis zur Eider fr Deutschland gerettet.

[1228-1229.]

~Kreuzzug~ Friedrichs II. (S. 177). Nach der Rckkehr vertreibt er
die in sein italisches Reich eingedrungenen ppstlichen Truppen
(Schlsselsoldaten genannt).

[1230.]

Friede mit dem Papste zu ~San Germano~, Aufhebung des Bannes.
Gesetzgebung Friedrichs II. fr das unteritalische Reich (Constitutio
Monarchiae Siculae); geordnete Verwaltung und Rechtspflege; auf den
Landtagen erscheinen neben dem Adel Vertreter der Stdte; direkte
und indirekte Steuern eingefhrt; Beamtentum, Sldnerheer und Flotte
geschaffen; staatliche Universitt in Neapel gegrndet.

[1231.]

In Deutschland wird die ~Landeshoheit~ der geistlichen und weltlichen
~Frsten~ ber ihre Gebiete befestigt durch die von Friedrich II.
genehmigten Beschlsse des Reichstags zu +Worms+.

[1233.]

Der Dominikaner +Konrad von Marburg+, Beichtvater der Landgrfin
Elisabeth von Thringen (1207-1231), welcher in Deutschland als
Ketzerrichter auftrat, wird erschlagen; aber ein Kreuzheer besiegt und
vernichtet 1234 die der Ketzerei beschuldigten +Stedinger+ Bauern in
Oldenburg.

[1235.]

Friedrich II. kommt wegen Emprung seines Sohnes Heinrich nach
Deutschland, schickt ihn als Gefangenen nach Italien (T 1242), erlt
auf dem +Reichstag zu Mainz+ ein ~Landfriedensgesetz~ (+erste+
Verffentlichung eines Reichsgesetzes auch in +deutscher+ Sprache)
und verleiht dem Welfen +Otto+, Neffen Ottos IV., das Herzogtum
+Braunschweig-Lneburg+.

[Sidenote 1236.]

Siegreicher Kampf Friedrichs gegen die +lombardischen Stdte+, in
welchen die Partei der ~Guelfen~ herrscht. Sein Verbndeter der
grausame +Ezzelino da Romano+, Markgraf von Verona, an der Spitze
der ~Ghibellinen~. Der Kaiser zieht noch einmal nach Deutschland, um
Herzog Friedrich den Streitbaren von +sterreich+ wegen Emprung zu
strafen und die Wahl seines zweiten Sohnes Konrad zum rmischen Knig
durchzusetzen.

[1237.]

Glnzender Sieg Friedrichs ber die Lombarden bei ~Cortenuova~. Seine
zu weit gehenden Forderungen vereiteln jedoch die vllige Unterwerfung
der Lombardei. Sein Sohn Enzio mit der Erbin von Sardinien vermhlt,
ber das die Kurie die Lehnshoheit beanspruchte. Papst Gregor IX.
beschuldigt ihn der Ketzerei und bannt ihn 1239 abermals. Er dringt
1240 vor bis in die Nhe Roms, wendet sich dann nach Ancona und
belagert Faenza.

[1241.]

Seesieg seines Sohnes +Enzio+ bei +Elba+ ber die genuesische Flotte,
viele zum Konzil nach Rom fahrende Geistliche gefangen. Gregor IX. T.
Sein Nachfolger Innocenz IV. verhandelt mit dem Kaiser, entflieht aber
1244 nach Genua und weiter nach Lyon. (Bedrohung Deutschlands durch die
Mongolen, s. S. 195).

[~1245.~]

~Absetzung des Kaisers~ durch Beschlu des +Konzils zu Lyon+. Innocenz
IV. erneuert den Bann gegen ihn und fordert die deutschen Frsten zu
einer Neuwahl auf. Die Bettelmnche (Franziskaner und Dominikaner)
predigen das Kreuz gegen ihn.

[1246-1247.]

~Heinrich Raspe~, Landgraf von Thringen, Schwager der heiligen
Elisabeth, der sie mit ihren Kindern von der Wartburg vertrieb, als
Gegenknig anfangs siegreich gegen Konrad, Friedrichs Sohn, dann
aber bei Ulm zurckgeschlagen, stirbt 1247 auf der Wartburg. Mit ihm
erlischt das landgrfliche Haus von Thringen, dessen +stlicher+ Teil
mit der Markgrafschaft +Meien+ vereinigt wird; aus dem +westlichen+
geht die Landgrafschaft +Hessen+ hervor.

[1247-1256.]

~Wilhelm von Holland~, zweiter Gegenknig, der jedoch kein Ansehen in
Deutschland erlangt.

~Friedrich~ kmpft 1248 in Italien anfangs glcklich, wird aber vor
Parma zurckgeschlagen. Sein Sohn +Enzio+ gert 1249 beim Kampfe gegen
Bologna in Gefangenschaft (T nach 23jhriger Haft im Kerker). Der
Kanzler +Petrus von Vinea+ wird wegen geheimer Verhandlungen mit dem
Papste als Verrter geblendet, T 1249.

[1250.]

Friedrich stirbt zu Fiorentino (in Apulien) in den Armen seines Sohnes
Manfred. Ihm folgt in Deutschland sein Sohn

[~1250-1254.~]

~Konrad IV.~ (Gegenknig Wilhelm von Holland), der aber schon 1251 nach
Italien zieht, um gemeinsam mit Manfred um das unteritalische Erbreich
zu kmpfen. Er erobert 1253 Neapel, stirbt aber im folgenden Jahre am
Fieber.

[1256.]

Wilhelm von Holland fllt im Kampfe gegen die Friesen.

[~1256-1273.~]

~Interregnum in Deutschland.~

Graf +Richard von Cornwallis+, Bruder Heinrichs III. von England,
Schwager Kaiser Friedrichs II., von einem Teil der Frsten erwhlt, in
Aachen gekrnt, kommt nur am Rhein zur Anerkennung (T 1272). +Alfons X.
von Kastilien+, Enkel des Hohenstaufen Philipp von Schwaben, von andern
Frsten gewhlt, kommt nie nach Deutschland.

~Verfall des deutschen Reiches.~ Die Reichsgter (S. 182) werden teils
von den Frsten in Besitz genommen, teils reichsfreier Besitz von
Rittern, Stdten und Klstern. Fehden und Raubrittertum namentlich
am Rhein und in Schwaben. 1254 Stiftung des +rheinischen Bundes+
(ausgehend von den Stdten Mainz und Worms; die Erzbischfe von Mainz,
Trier, Kln, mehrere Bischfe, Grafen und Stdte schlieen sich an) zur
Wahrung des Landfriedens und Beseitigung ungerechter Zlle.

~Befestigung der Landeshoheit~ in den greren frstlichen Gebieten:
die +Wittelsbacher+ in Bayern und der Rheinpfalz (Residenz Heidelberg,
S. 186), die +Welfen+ in Braunschweig-Lneburg (S. 188), die +Askanier+
in Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg, Anhalt und Brandenburg
(S. 180, 184), die +Wettiner+ in Meien und Thringen (S. 188). In den
stlichen Landschaften Fortschreiten der deutschen +Kolonisation+ (S.
179).

Bei dem Mangel geordneter Rechtsprechung von Reichs wegen gewinnt das
von dem schsischen Schffen +Eike von Repgow+ um 1230 aufgezeichnete
Rechtsbuch, der +Sachsenspiegel+, bald groe Verbreitung; in hnlicher
Weise wird das in Oberdeutschland geltende Land- und Lehnsrecht um 1276
im +Schwabenspiegel+ aufgezeichnet. In Westfalen entwickeln sich aus
den alten Grafschaftsgerichten die +Femgerichte+; der Erzbischof von
Kln Oberstuhlherr, Freischffen im ganzen Reiche.

Allmhliches ~Aufblhen der Stdte~: sie streben, zum Teil auf frhere
kaiserliche Privilegien gesttzt, nach +Selbstregierung+ durch den von
den Brgern erwhlten +Rat+. Worms und Kln treten schon unter Heinrich
IV. und V. hervor. Die Brger von +Kln+ behaupten ihre Rechte im
Streit gegen den Erzbischof 1258-1271 und in der Schlacht bei Worringen
1288, die Brger von +Straburg+ siegen ber den Bischof 1262 bei
Hausbergen. Diese und andere +bischfliche+ Stdte (Worms, Speier,
Augsburg, Regensburg) werden gleich den frher von +kniglichen+
Beamten (Burggrafen oder Vgten) regierten Stdten (Frankfurt, Aachen,
Dortmund, Lbeck, Goslar, Nrnberg, Ulm u.a.) allmhlich zu ~freien
Reichsstdten~. Andere bleiben unter bischflicher oder +frstlicher+
Hoheit (Mainz, Magdeburg, Wrzburg, Mnchen, Braunschweig, Stralsund
u.a.), erlangen aber doch bedeutende Rechte zur Sicherung ihres
Handels und Gewerbefleies.

~Aufblhen der Baukunst.~ Den romanischen Rundbogenstil (Dome zu Mainz,
Worms, Speier und Bamberg; Wartburg) verdrngt allmhlich der zuerst
von den Arabern angewandte sog. gotische Spitzbogenstil: Dom zu +Kln+
1248 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden an Stelle eines lteren Doms
gegrndet; Erwin von Steinbach beginnt 1277 die Westfront des Mnsters
zu +Straburg.+

[~1266-1268.~]

~Untergang des staufischen Herrscherhauses in Italien.~

~Manfred~ verteidigt das Knigreich beider Sicilien zuerst als
Reichsverweser fr Konradin, den in Deutschland zurckgebliebenen Sohn
Konrads IV., seit 1258 als Knig. Er fllt 1266 in der +Schlacht bei
Benevent+ im Kampfe gegen +Karl von Anjou+, Bruder Ludwigs IX. von
Frankreich, welchem der Papst das Knigreich zu Lehen gegeben hat.

~Konradin~ geht 1267 mit +Friedrich von Baden+ (als Sohn der
babenbergischen Erbtochter von sterreich auch Friedrich +von
sterreich+ genannt) nach Italien. Er wird 1268 bei ~Tagliacozzo~ (nahe
dem +Logo di Celano+, Fuciner-See) geschlagen und auf Befehl Karls von
Anjou in Neapel hingerichtet.

Die Grausamkeit des Knigs erregt Unruhen in Sicilien.

[~1282.~ 30. Mrz.]

~Sicilianische Vesper,~ so genannt, weil der Aufstand am Ostermontag
gegen Abend ausbrach. Ermordung aller Franzosen in +Palermo+, dann in
ganz Sicilien, angestiftet von dem Ghibellinen Johann von +Procida+.
Knig Pedro III. von +Aragon+, Schwiegersohn Manfreds, vereinigt
Sicilien mit seinem Reiche; Karl von Anjou behlt das Knigreich
Neapel.


 3. Frankreich.

Allmhliches Erstarken des Knigtums. Die Macht der ~Capetinger~ ist
noch auf ihr Herzogtum +Francien+ (Isle de France und Orlanais)
beschrnkt, doch halten sie die Lehnshoheit ber die groen Vasallen
fest.

+Philipp I.+ (1060-1108) mit Gregor VII. in Streit wegen der
Hoheitsrechte ber die Bischfe, whrend des ersten Kreuzzuges im Bann
wegen Verstoung seiner Gemahlin, vererbt doch die kniglichen Rechte
auf seinen Sohn +Ludwig VI.+ (1108-1137). Dieser bringt mit Hilfe des
staatsklugen Abtes +Suger+ von St.-Denis die knigliche Gerichtsbarkeit
ber die Vasallen zu Ansehen und frdert die Stdte. Veredlung des
+Rittertums+ durch die Kreuzzge; Aufblhen der ritterlichen Dichtkunst
(+Troubadours+ in der Provence, Trouvres in Nordfrankreich). +Ludwig
VII.+ (1137-1180) unternimmt den zweiten Kreuzzug (S. 174f.), lt sich
von seiner Gemahlin +Eleonore+ von Aquitanien scheiden; diese heiratet
Heinrich II. Plantagenet, Knig von England, der dadurch +Poitou+,
+Guyenne+ und +Gascogne+ u.a.m. erhlt.

[~1180-1223.~]

~Philipp II.~ Augustus. Dritter Kreuzzug mit Richard Lwenherz (S.
175f.). Siegreiche Kriege gegen England nach der Rckkehr (S. 193);
Mehrung der Knigsmacht.

[1209-1229.]

~Albigenserkriege~ in Sdfrankreich, veranlat durch die Predigten der
Cistercienser und Dominikaner (S. 178) gegen die kirchlichen Sekten
der +Katharer+ (in Deutschland +Ketzer+ genannt) und +Waldenser+
(Petrus Waldus zu Lyon 1173). Graf Raimund VI. von +Toulouse+ nimmt
sich der Bedrngten an, welche grausam verfolgt werden (Einwohnerschaft
des erstrmten Bziers, 20000 Seelen, umgebracht), mu vor Simon von
Montfort zurckweichen, gewinnt aber schlielich seine Besitzungen
wieder. Philipp II., Augustus, vermeidet die Einmischung in den Krieg;
sein Sohn +Ludwig VIII.+ (1223-1226) folgt dem Hilferuf Amalrichs
von Montfort gegen Raimund VII., stirbt aber vor Beendigung des
Kriegszuges. Die ppstliche Inquisition vollendet die gewaltsame
Bekehrung der Albigenser.

[~1226-1270.~]

~Ludwig IX., der Heilige,~ anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter
Blanka von Kastilien. Raimund VII. unterwirft sich 1229; die Grafschaft
+Toulouse+ mit der Krone vereinigt, ebenso andere Provinzen durch
Vertrag oder Erbanfall. Friedliche Regierung, Verbot der Fehden,
Frsorge fr die Rechtspflege; Gottesurteile abgeschafft; die
Gerichtsbarkeit der groen Vasallen beschrnkt durch die Oberaufsicht
der kniglichen Gerichte (Parlamente). Aufblhen der Universitt
+Paris+. Ludwigs Kaplan Robert von Sorbon grndet die +Sorbonne+,
berhmt als Hauptsitz der theologischen Studien. Sechster und siebenter
Kreuzzug (S. 177).


 4. England.

[~1066-1154.~]

~Normannische Knige.~

[~1066-1087.~]

~Wilhelm I.~, der Eroberer, Sohn Roberts II, des Teufels, vollendet
in blutigen Kmpfen die Unterwerfung der Angelsachsen und richtet
den normannischen Lehnsstaat ein, aber mit Beibehaltung der
angelschsischen Grafschaftseinteilung und Gerichtsverfassung.
Aufzeichnung der Rechtsverhltnisse und Abgaben der Grundbesitzer im
+Domesdaybook+ (von domus dei): Ritterlehen, Kirchengter, stdtischer
Besitz, freie Bauerngter, Hfe der Unfreien. Zwei Volksstmme und
zwei Sprachen, die +schsische+ und die +franzsische,+ bestehen noch
lange Zeit in England nebeneinander; Knig und Adel sind franzsische
Normannen.

Wilhelms I. ltester Sohn Robert erbt die +Normandie+; in England
folgen die jngeren Shne, zuerst +Wilhelm II.+, dann +Heinrich I.+,
welcher 1106 auch die Normandie in Besitz nimmt. Ihm folgt sein
Schwestersohn +Stephan von Blois+, gegen welchen Heinrichs Tochter
Mathilde, vermhlt mit dem Grafen Gottfried von Anjou, Erbansprche
erhebt. Langwierige Kmpfe; endlich wird Mathildens Sohn Heinrich von
Anjou als Thronfolger anerkannt.

[~1154-1399.~]

~Haus Anjou-Plantagenet.~[36]

[~1154-1189.~]

~Heinrich II.~ besitzt groe franzsische Lehen: 1. +Normandie+ und
+Bretagne+ als Erbe der normannischen Knige, 2. +Anjou+, +Maine+,
+Touraine+ von seinem Vater, 3. durch Heirat mit +Eleonore+ (1152, s.
S. 191) +Poitou+, +Guyenne+ und +Gascogne+, also im ganzen mehr als
halb Frankreich.

[1164.]

Reform der Rechtspflege durch die Beschlsse von +Clarendon+,
namentlich werden die Vorrechte der Geistlichen beschrnkt. Deswegen
Streit mit dem Erzbischof +Thomas Becket+ von Canterbury, welcher von
Anhngern des Knigs 1170 ermordet wird.

[1171.]

Kriegszug nach +Irland+, die Frsten der Insel unterwerfen sich der
englischen Lehnshoheit. Durch einen Aufstand wird ein Teil wieder
selbstndig.

[1174.]

Heinrichs Bue am Grabe des auf sein Anstiften ermordeten
Erzbischofs; seine aufstndischen Shne mssen sich unterwerfen. Die
Gerichtsbarkeit ber die Geistlichen wird durch Vertrge mit Papst
Alexander III. geregelt.

[~1189-1199.~]

~Richard Lwenherz~, in ritterlichen Kmpfen hervorragend, aber ohne
Migung. Kreuzzug, Gefangenschaft in Deutschland (S. 176), dann Kriege
mit Philipp II. Augustus von Frankreich. Richards Bruder

[~1199-1216.~]

~Johann~ (ohne Land) lt seinen Neffen +Arthur von der Bretagne+, der
ihm den Thron streitig macht, ermorden, wird deshalb als franzsischer
Vasall (S. 192) von Philipp II. vor den franzsischen Lehnsgerichtshof
geladen, verliert 1204 die Normandie, bald auch die brigen
franzsischen Lehen bis auf Guyenne an die Krone Frankreich. -- Streit
mit Papst Innocenz III. ber die Wahl eines Erzbischofs von Canterbury
(1205). England mit dem Interdikt, Johann mit dem Bann belegt. Der
Knig unterwirft sich dem Papst und leistet ihm den Lehnseid (1213).
Whrend er dann von La Rochelle aus die verlorenen Gebiete in
Frankreich zurckzuerobern versucht, werden seine Verbndeten, der Graf
von Flandern und Otto IV. von Deutschland, bei +Bouvines+ geschlagen
(1214 s. S. 186). Aufstand der groen Vasallen; sie erzwingen auf der
Wiese Runnymede bei +Windsor+ die Bewilligung der

[1215.]

~Magna charta libertatum~, +Grundlage der englischen Verfassung+: Freie
Wahl der Bischfe und bte durch die Geistlichen; Erblichkeit der
Lehen; Steuern anstatt der Lehnsdienste (Schildgeld) und Hilfsgelder
sollen nur mit Zustimmung der Prlaten und Barone erhoben werden; jeder
Freie soll nur von seinesgleichen nach Landesrecht gerichtet werden;
die Stdte sollen ihre Privilegien behalten und die Kaufleute freien
Verkehr haben.

[~1216-1272.~]

~Heinrich III.~, anfangs unter Vormundschaft des Grafen Wilhelm von
+Pembroke+. Ein franzsisches Heer, das in England gelandet war, wird
zum Abzug gentigt. Vertrag mit Frankreich 1259; Guyenne als englischer
Besitz anerkannt.

ftere Streitigkeiten mit den zum +Parlament+ versammelten Baronen;
das Land bedrckt durch die Geldforderungen ppstlicher Legaten, um
Heinrichs jngstem Sohn Edmund die Herrschaft ber Neapel und Sicilien
zu verschaffen. +Simon von Montfort,+ Graf von +Leicester+ (spr.
Lester), nimmt 1264 den Knig gefangen, beruft 1265 auch Vertreter der
Grafschaften (zwei Ritter aus jeder Grafschaft) und der Stdte zum
Parlament, wird aber bei +Evesham+ von dem Kronprinzen Eduard besiegt.
Der Knig befreit; darauf erneute Besttigung der +Magna charta.+ In
dieser Zeit allmhliche Vermischung und Ausgleichung der Angelsachsen
und Normannen.


 5. Die Pyrenische Halbinsel.

Fortdauernde Kmpfe zwischen Christen und Mohammedanern. Knig Alfons
VI. von ~Kastilien~ bertrgt dem Grafen +Heinrich von Burgund+ 1095
die Grafschaft ~Portugal~ (zwischen Minho und Duero) als Lehen.
Heinrichs Sohn Alfons macht sich von der Lehnspflicht frei und
nennt sich 1140 ~Knig von Portugal~. Deutsche Kreuzfahrer aus den
Rheinlanden, welche zur See nach Palstina ziehen, helfen 1147 zur
Eroberung +von Lissabon.+

[1118.]

Knig Alfons I. von ~Aragon~ vertreibt die Araber aus +Saragossa+.
Durch die Vermhlung seiner Nichte mit dem Markgrafen von Barcelona
werden 1137 die Lnder Aragon und Katalonien vereinigt.

[1157.]

~Kastilien~ geschwcht durch Abtrennung von Leon. Dem erneuten
Anstrmen der Araber treten die drei bald darauf gegrndeten
~Ritterorden~ von +Alcntara+ (am Tajo), +Calatrava+ (am Guadiana),
+San Jago di Compostella+ (in Galicien) erfolgreich entgegen.

[1212.]

Groer Sieg der vereinigten Knige und Ritter bei ~Tolosa~ (in der
Sierra Morena).

[1230.]

+Ferdinand III.+ vereinigt Leon wieder mit Kastilien, erobert 1236
+Cordova+, 1248 +Sevilla+. Sein Sohn +Alfons X.+, der Weise (S. 189)
erweitert sein Reich auf Kosten der Mauren. Selbst Philosoph und
Astronom (seine Verbesserung der Ptolemischen Planetentafeln), ist er
ein eifriger Frderer der Wissenschaften; Universitt Salamanca. Alfons
1282 abgesetzt, T 1284 als Flchtling bei den Mauren in Sevilla.

[1238.]

Jakob I. von Aragon erobert +Valencia+, bald darauf vertreibt Alfons
III. von Portugal die Araber aus +Algarbe+. Nur in Andalusien behauptet
sich das arabische Knigreich ~Granada~ bis 1492.


 6. Der Osten.

Das ~ostrmische Reich~ ist unter den letzten Komnenen (S. 172) durch
Thronstreitigkeiten geschwcht; die +Bulgaren+ machen sich 1186
unabhngig. Das 1204 von den Kreuzfahrern errichtete +Lateinische
Kaisertum+ (S. 176) gewinnt keinen festen Bestand; griechische Sprache
und Sitte behauptet sich. Unter dem Hause der ~Palologen~ seit 1261
bleibt das Reich von dem Ansturm der Mongolen verschont, wird aber bald
danach von den Trken bedrngt.

[1206.]

Die ~Mongolen~ erheben am Amur den Stammfrsten +Temudschin+ zu ihrem
Oberhaupt, ~Tschingis Chan~ T 1226. Er beginnt groe Eroberungszge,
unterwirft Nord-China und vernichtet nach Westen zu das Reich der
+Chowaresmier,+ welche seit 1150 die meisten seldschuckischen Sultanate
und das frhere Gasnavidenreich (S. 172) erobert hatten. Sein Sohn
+Oktai+ macht +Karakorum+ zum Herrschersitz. Sein Enkel +Kublai
Chan+ (1260-1294) begrndet in China die mongolische Dynastie +Jan+
(1280-1367), sucht auch Japan zu erobern (S. 220). An Kublais Hofe in
Peking der venezianische Reisende +Marco Polo+ (S. 221).

[1237.]

Temudschins Enkel +Batu+ dringt vom +Chanat Kiptschak+ (Reich der
Goldenen Horde) aus erobernd in Ruland ein. Moskau und Kiew verbrannt,
dann Zug durch Polen und Angriff auf +Schlesien+. Ein deutsches
Ritterheer unter +Heinrich dem Frommen,+ Herzog von Liegnitz, tritt den
Mongolen entgegen.

[1241.]

~Schlacht bei Wahlstatt~ (Liegnitz). Die Mongolen, obwohl Sieger,
ziehen nach Sdosten ab durch Ungarn, nehmen ihre Wohnsitze im +Chanat
Kiptschak+; Hauptstadt Sarai (Gouv. Astrachan). +Ruland+ bleibt ihnen
Untertan bis 1480.

[~1258.~]

~Vernichtung des Kalifats~ durch die asiatischen Mongolen, welche
+Bagdad+ zerstren. Ihrem Vordringen nach Syrien treten die
+Mamelucken+ (S. 177) entgegen. Das groe Reich der Mongolen, welche
grtenteils den Islam annehmen, lst sich in einzelne Chanate auf;
China wird 1368 durch +Taitsu+, einen buddhistischen Priester, von der
Mongolenherrschaft befreit. Mit ihm beginnt die Dynastie der +Ming+
(1368-1644).

Fussnoten:

[30] Stammtafel:

               ~Karl der Grosse T814~
 Karl T811    Pippin T810 ~Ludwig der Fromme T840~
 ________________________________|____________________________
 ~Lothar I.~ T855 Ludwig der Deutsche T876    ~Karl d.~       |
      |                                   |   ~Kahle~ T877    |
 _____|_________________________    ______|______________  ___|_____
 ~Ludwig II.~ Lothar II. Karl  Karlmann  Ludwig ~Karl~     Franzsische
 T875.        v. Lothr.   v.d.  T880.  T882     ~d. Dicke~ Karolinger,
              T869.   Provence  |               T888.      erloschen
                              Arnulf                       987.
                               T899.
                                |
                         Ludwig das Kind T911.

[31] Friedrichs Nachfolger in der Kaiserwrde fhren seitdem den Titel:
Knig von Jerusalem (seit 1806 die Kaiser von sterreich).

[32] Ein deutsches Hospital hatte in Jerusalem seit etwa 1110
bestanden, war aber 1187 mit zu Grunde gegangen.

[33] So genannt von der Beteuerung, die er stets im Mund fhrte.

[34] +Lbeck+, zunchst +kaiserliche+ Stadt, erhielt das Privilegium
als +freie Reichsstadt+ 1226; +Hamburg+ und +Bremen+, seit 1473
bisweilen zu Reichstagen berufen, erhielten die ausdrckliche
Anerkennung als freie Reichsstdte erst 1510 bezw. 1646.

[35] Vgl. die Lieder Walthers v. d. Vogelweide.

[36] So genannt von dem +Ginsterzweig+ (planta genista), welchen
+Gottfried+ von Anjou, Vater Heinrichs II., als Helmzier zu tragen
pflegte.




D. Vom Ende der Kreuzzge bis zur Entdeckung Amerikas. (1270-1492.)


 1. Deutschland.

[~1273-1347.~]

~Knige und Kaiser aus verschiedenen Husern.~

[~1273-1291.~]

~Rudolf I., Graf von Habsburg~, reich begtert im Aargau und am
Vierwaldstttersee, Landgraf im Elsa, wird in +Frankfurt+ von den
sieben angesehensten Reichsfrsten zum rmischen Knig gewhlt,
besonders auf Betreiben seines Verwandten, des Burggrafen Friedrich
III. von Nrnberg (aus dem Hause +Hohenzollern+). Krnung zu +Aachen,+
erster Reichstag 1274 zu +Nrnberg+; Beschlu, das Reichsgut
zurckzufordern. Doch kommt dieser Beschlu nur in geringem Mae zur
Ausfhrung; der Knig sieht sich auf Vergrerung seiner +Hausmacht+
angewiesen.

[1276.]

Krieg gegen ~Ottokar~, Knig von Bhmen, welcher nach dem Aussterben
der Babenberger (1246) +sterreich+ in Besitz genommen, von den Ungarn
+Steiermark+ wieder erobert, +Krnten+ und +Krain+ durch Erbschaft
erworben hatte. Ottokar wird gechtet, unterwirft sich, erneuert aber
bald den Krieg.

[~1278.~]

~Sieg Rudolfs auf dem Marchfelde~ (bei Drnkrut), Ottokar fllt.
Vergleich mit dem Vormunde seines Sohnes +Wenzel+. Dieser behlt
+Bhmen+, spter bekommt er auch +Mhren+ zurck. Bildung der
~habsburgischen Hausmacht~: +sterreich+, +Steiermark+ und +Krain+
kommen als Reichslehen an die Shne Rudolfs, +Krnten+ an Graf
+Meinhard+ von Tirol, seinen Schwager.

[1281.]

Rudolf verkndet +Landfriedens+ordnungen in Bayern, Franken und am
Rhein. In Schwaben leisten Graf Eberhard von +Wrttemberg+ und Markgraf
Rudolf von +Baden+ (Stammburg +Zhringen+ bei Freiburg im Breisgau)
der Absicht des Knigs, das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen,
erfolgreich Widerstand.

[1289.]

Feldzug nach +Burgund+; die Freigrafschaft (+Franche-Comt+, Hauptstadt
Besanon) fr das deutsche Reich wiedergewonnen. Die Provence und
Avignon bleiben im Besitz Karls von Anjou (S. 190).

[1290.]

Rudolf residiert zu +Erfurt+, schlichtet Streitigkeiten in Thringen,
lt 29 Raubritter enthaupten und 66 Burgen brechen.

[1291.]

Rudolf T zu +Speier+. Zum Nachfolger wird nicht sein Sohn Albrecht
gewhlt, sondern auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz, Gerhard v.
Eppstein, ein mit diesem verwandter, minder mchtiger Graf,

[~1292-1298.~]

~Adolf von Nassau~. Dieser will den Streit zwischen Landgraf +Albrecht+
dem Entarteten von Thringen und seinen Shnen +Friedrich+ und
+Diezmann+ (S. 181) benutzen, um die Mark +Meien+ als erledigtes
Reichslehen einzuziehen, wird aber, ehe er dies durchfhren kann, durch
eine von Erzbischof Gerhard v. Eppstein berufene Frstenversammlung
+abgesetzt+ und fllt in der Schlacht bei +Gllheim+ (am Donnersberge)
im Kampfe gegen den nun zum Throne berufenen

[~1298-1308.~]

~Albrecht I. von sterreich,~ Sohn Rudolfs I. Papst Bonifacius VIII.
verweigert ihm die Anerkennung; Albrecht schliet ein Bndnis mit
Knig Philipp IV. von Frankreich und demtigt die vier +rheinischen
Kurfrsten+ (Mainz, Trier, Kln, Pfalz), indem er 1301 zu Gunsten der
Stdte die willkrlichen Rheinzlle aufhebt.

[1303.]

Ausshnung mit dem Papste, dessen Recht auf Besttigung der deutschen
Knigswahl Albrecht anerkennt. Gleich darauf ~Sturz der ppstlichen
Macht~ (S. 207), doch unternimmt Albrecht keinen Zug nach Italien,
sondern versucht +Bhmen+ fr seine +Hausmacht+ zu gewinnen. Das von
ihm nach Meien entsandte Heer wird 1307 von Friedrich und Diezmann bei
+Lucka+ unweit Altenburg geschlagen.

[1308.]

Albrecht wird von seinem Neffen +Johann+ (Parricida), dem er sein Erbe
vorenthielt, zwischen Aar und Reu, nahe bei der +Habsburg+ ermordet.
Die Knigswahl lenkt der Erzbischof von Trier auf seinen Bruder:

[~1308-1313.~]

Heinrich VII., Graf von ~Luxemburg~. Dieser stellt die Rheinzlle zu
Gunsten der Frsten wieder her. Den Shnen Albrechts besttigt er den
Besitz ihrer Lehen, erkennt aber 1309 die ~Schweizer Waldsttte~ als
~reichsunmittelbar~ an.


~Entstehung der Schweizer Eidgenossenschaft.~

Schon in der ersten Hlfte des 13. Jahrhunderts treten die Waldorte dem
Bestreben der Grafen von Habsburg, die mit der Grafschaft verbundene
Vogtei zu einer vollstndigen Landeshoheit ber sie auszubilden,
entgegen. Knig Heinrich (S. 187) erteilt 1231 einen Freibrief fr
+Uri+, Kaiser Friedrich II. 1240 fr +Schwyz+. Knig Rudolf erkennt
den Freibrief fr Uri an, ernennt in Schwyz nur einheimische Amtleute.
Gleich nach seinem Tode, am 1. August 1291, schlieen die drei Waldorte
+Uri+, +Schwyz+, +Unterwalden+ zur Erhaltung ihrer Freiheit einen
+ewigen Bund,+ fgen sich aber zunchst noch der Herrschaft Knig
Albrechts.

Die von der Volksdichtung ausgeschmckte Erzhlung, welche die Tatsache
des +allmhlichen+ Erringens der +Reichsunmittelbarkeit+ der Waldsttte
auf ein kurzes Zeitma zusammendrngt, erscheint erst nach und nach
sich ausbildend in Chroniken des 15. Jahrhunderts und steht vielfach
in Widerspruch mit den Urkunden. Weder der +Schwur auf dem Rtli+
(1307, Werner Stauffacher, Walter Frst, Arnold vom Melchtal), noch die
Vertreibung der Vgte am 1. Januar 1308 ist historisch verbrgt. Ein
Landvogt +Geler+ hat weder in Uri noch in Knacht regiert. Die Sage
vom Apfelschu findet sich auch in Norwegen, Island, Dnemark, am Rhein
und in England; sie ist eine allgemein germanische Sage. Das lteste
Lied von +Tell+ stammt aus der Zeit der burgundischen Kriege (1477);
die uns gelufige Tradition gibt erst der Chronist +Tschudi+ (um 1550).

[~1310.~]

Heinrichs VII. Sohn +Johann+ wird Knig von ~Bhmen~, gewhlt durch
die bhmischen Stnde entgegen den Ansprchen der Habsburger (der
Mannesstamm der +Prschemysliden+ in Bhmen war 1306 ausgestorben,
Johann heiratet den letzten weiblichen Spro); dadurch erhalten
die Luxemburger eine +Hausmacht+. Seitdem Gegensatz zwischen den
Habsburgern und Luxemburgern.

[1310-1313.]

Heinrichs VII. Rmerzug. Er wird von den +Ghibellinen+ (+Dante+, 1302
aus Florenz verbannt) herbeigerufen, schlichtet die Parteikmpfe in
Mailand (die +Visconti+ hier seit 1277), unterwirft Brescia, wird
in Genua und Pisa freudig aufgenommen, in +Rom+ zum Kaiser gekrnt,
belagert aber vergeblich die guelfisch gesinnte Stadt +Florenz+ und
stirbt auf dem Zuge gegen Neapel.

In dieser Zeit bringt Knig Philipp IV. von Frankreich die
+Freigrafschaft Burgund+ (S. 196) durch Heirat an sich und zwingt den
Erzbischof von +Lyon+ zur Huldigung.

[~1314-1347.~}]

~Ludwig der Bayer~ (Haus Wittelsbach).

[~1314-1330.~}]

~Friedrich von sterreich~, Sohn Albrechts. Doppelwahl durch Parteiung
der Frsten; beide Knige sind Enkel Rudolfs von Habsburg. Friedrichs
Macht wird geschwcht durch den

[1315.]

Sieg der Schweizer Eidgenossen am Berge ~Morgarten~ ber +Leopold
von sterreich+, Friedrichs Bruder. Darauf besttigt der von der
luxemburgischen Partei gewhlte Herzog Ludwig von Oberbayern, der kurz
vorher (1313) die sterreicher bei Gammelsdorf a. d. Isar besiegt
hatte, den Waldsttten ihre Reichsunmittelbarkeit.

[1322.]

Schlacht bei ~Ampfing~ oder ~Mhldorf~. Friedrich von sterreich
geschlagen (Sage von Schweppermann) und als Gefangener nach der Burg
+Trausnitz+ gefhrt.

[1324.]

Papst +Johann XXII.+, in Avignon (s. S. 207) unter franzsischem
Einflu, mischt sich in den Thronstreit und spricht den Bann ber
+Ludwig+ aus, doch bleibt derselbe unwirksam, da durch die sittliche
Entartung des ppstlichen Hofes in Avignon das Ansehen des Papsttums
berhaupt gesunken ist.

Ludwig gibt die durch Aussterben der Askanier 1320 erledigte Mark
+Brandenburg+ (S. 179) seinem Sohne +Ludwig+, mit dem er spter
+Margarete Maultasch+, Erbin von Tirol und Krnten, vermhlt, nachdem
diese ihre Ehe mit einem Sohne Johanns von Bhmen getrennt hat. Krnten
kommt, ehe die Vermhlung stattfindet, an die Herzge von +sterreich+
(1335). Tirol wird von Margarete Maultasch nach dem Tode ihres zweiten
Gemahls Ludwig doch dem Hause Habsburg vermacht (S. 200).

[1325.]

Friedrich wird gegen Verzichtleistung auf den Thron in Freiheit
gesetzt, stellt sich wieder als Gefangener, wird von Ludwig als
Mitknig anerkannt, stirbt 1330.

[1327-1330.]

Ludwigs Rmerzug. Er wird in Rom zum Kaiser gekrnt, stellt einen
Gegenpapst auf, kann aber die kaiserlichen Herrschaftsrechte nur wenig
zur Geltungbringen, In Deutschland Streitigkeiten mit den Frsten.
Frankreich und dem Papste gegenber einigen sich endlich die Kurfrsten
zur Untersttzung Ludwigs:

[~1338.~]

Der ~Kurverein zu Rense~ (am Rhein, oberhalb Koblenz) erklrt jeden
rechtmig gewhlten deutschen Knig auch ohne ppstliche Krnung fr
den rechtmigen ~rmischen Kaiser.~

Ludwigs eigenmchtiges Verfahren zur Vergrerung seiner Hausmacht
(Brandenburg, Tirol, Holland) fhrt im Verein mit ppstlichen und
franzsischen Umtrieben 1346 zur Wahl eines Gegenknigs: +Karl+ a.
d. Hause Luxemburg, Sohn des bei +Crecy+ im Kampfe fr Frankreich
gefallenen Knigs Johann von Bhmen (S. 208). Kaiser Ludwig T 1347 (auf
der Brenjagd bei Mnchen), +Karl+ wird allgemein anerkannt.

[~1347-1437.~]

~Luxemburgische Kaiser.~

[~1347-1378.~]

~Karl IV.,~ ein staatskluger Frst, gelehrt und kunstsinnig. Die
bayrische Partei stellt 1349 den Grafen +Gnther von Schwarzburg+ als
Gegenknig auf; doch stirbt dieser schon nach wenigen Monaten. In
+Brandenburg+ tritt, von Karl begnstigt, der +falsche Waldemar+ gegen
die bayrischen Markgrafen auf. (S. Anhang.) 1350 Ausshnung mit den
Wittelsbachern.

[1349-50.]

~Pest~ (schwarzer Tod) in Deutschland und in fast ganz Europa.
Erbitterte Verfolgungen der durch Verleihen von Geld gegen Zinsen reich
gewordenen Juden. Sie sollten die Brunnen vergiftet haben. Umzge der
Geiler (Flagellanten).

Karls Hauptsorge ist auf sein Erbland ~Bhmen~ gerichtet. Er zieht
deutsche Ansiedler heran, baut in +Prag+ den Dom und die Burg
Hradschin, stiftet daselbst 1348 nach dem Muster von Paris (S. 192)
eine ~Universitt~ mit vier Fakultten, die erste in Deutschland. Durch
Vertrge mit den schlesischen Frsten (S. 182) vollendet er die schon
von seinem Vater angebahnte Vereinigung +Schlesiens+ mit Bhmen; auch
die +Lausitz+ kommt zu Bhmen.

[1353.]

Zutritt +Berns+ zur Eidgenossenschaft, welche nun, immer noch zum
deutschen Reich gehrig, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zrich,
Glarus, Zug und Bern (die sogenannten 8 +alten+ Orte) umfat.

[1354-1355.]

Erster Zug Karls IV. nach Italien. Whrend der Abwesenheit der Ppste
in Avignon hatte +Cola di Rienzi+ sich zum Volkstribunen gemacht und
die altrmische Republik wieder aufgerichtet (S. 211). Karl empfngt
die Huldigung der lombardischen Stdte, verweilt aber in Rom nur einen
Tag, um die Kaiserkrone zu empfangen.

[~1356.~]

~Goldene Bulle~,[37] +Reichsgrundgesetz+, beschlossen auf zwei
Reichstagen zu +Nrnberg+ und +Metz+. Die Kaiserwahl wird endgltig
den 7 Kurfrsten bertragen, welche sie schon seit lngerer Zeit
tatschlich ausbten;[38] +drei geistliche+: 1. Erzbischof von ~Mainz~
(Erzkanzler fr Deutschland), 2. Erzbischof von ~Trier~ (Erzkanzler
fr Burgund), 3. Erzbischof von ~Kln~ (Erzkanzler fr Italien); +vier
weltliche+: 4. Knig von ~Bhmen~ (Erzschenk), 5. ~Pfalz~graf bei Rhein
(Erztruchse), 6. Herzog von ~Sachsen~-Wittenberg (Erzmarschall), 7.
Markgraf von ~Brandenburg~ (Erzkmmerer).

Die Kurfrstentmer, welche im Mannesstamme auf den Erstgeborenen
forterben und gewisse Regalien erhalten (Privilegium +de non
appellando,+ Mnzrecht, Bergwerks- und Salzhoheit, Judenzoll u.a.
m.), sollen unteilbar sein. Bestimmungen ber den +Landfrieden+; den
Stdten wird die Bildung besonderer Stdtebndnisse und die Aufnahme
von Pfahlbrgern (die in der Stadt nicht ansssig sind) untersagt.

[1363.]

sterreich erwirbt +Tirol+ durch Vertrag mit Margarete Maultasch.

[1365.]

Karl IV. reist nach +Avignon+, um den Papst zur Rckkehr nach Rom zu
bewegen, und lt sich in +Arles+ krnen, um die Oberhoheit ber die
tatschlich an Frankreich gekommenen burgundischen Gebiete festzuhalten
(S. 196, 198).

[1368.]

Zweiter Rmerzug. Karl IV. fhrt Papst Urban V. nach Rom, aber bald
nach seinem Abzuge kehrt der Papst nach Avignon zurck.

[1373.]

Durch den Vertrag zu +Frstenwalde+ berlt +Otto der Finne+ (Faule),
der letzte bayrische Markgraf von Brandenburg, die Mark gegen ein
Jahrgehalt an Karl IV.


~Stdtebnde.~

Die ~Hanse.~ Verbindungen deutscher Kaufleute im Auslande, namentlich
zu +Wisby+ auf der Insel Gotland und in +London+ schon im 12.
Jahrhundert, haben Handelsbndnisse ihrer Heimatstdte zur Folge. 1241
Bndnis zwischen +Lbeck+ und +Hamburg+. Um 1294 tritt ~Lbeck~ an die
Spitze eines Bundes von Seestdten an der Nord- und Ostseekste (von
+Bremen+ bis +Reval+), denen sich zahlreiche norddeutsche Binnenstdte
(Kln, Osnabrck, Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Thorn, Breslau u.a.)
anschlieen, spter auch die niederlndischen Seestdte (Kampen,
Deventer u.a.) Zweck des Bundes: Sicherung der Straen zu Wasser und
zu Lande, Erwerbung und Erhaltung von Handelsprivilegien im Auslande.
+Hansetage+ meist zu +Lbeck+ gehalten. Auswrtige Niederlassungen
(Kontore) zu +Brgge+, +London+, +Bergen+, +Nowgorod.+ In Wisby,
Stockholm, Kopenhagen, Malm, Riga zahlreiche deutsche Kaufleute
ansssig. Jhrlicher Markt zur Zeit des Heringsfangs an der Kste von
+Schonen+. Einteilung des Bundes in 3 Drittel, im 16. Jahrhundert in 4
Quartiere mit den Vororten Lbeck, Kln, Braunschweig, Danzig.

[1361-1362.]

Krieg gegen Waldemar IV., Knig von Dnemark, welcher +Wisby+
eingenommen und geplndert hatte. Die Kriegsflotte der Hanse hat
anfangs Erfolge, wird aber vor +Helsingborg+ geschlagen. Ihr Fhrer,
der Lbecker Brgermeister Johann +Wittenborg+, wird deshalb angeklagt
und in Lbeck hingerichtet.

[1367-1370.]

Zweiter Krieg; Waldemar IV. flchtet aus seinem Reiche. Kopenhagen,
Helsingr u.a. Stdte erobert. Im Frieden zu +Stralsund+ 1370 wird die
Kste von Schonen auf 15 Jahre an die Hanse abgetreten; auch verspricht
der dnische Reichsrat, den Nachfolger Waldemars nur mit Zustimmung der
Stdte zu erwhlen. Bis ins 16. Jahrhundert behauptet der Hansebund
die Handelsherrschaft ber Skandinavien, Ruland, England. Da er
sich aber nicht an einen starken Staat anlehnte, so zerfiel er, als
die nordischen Staaten mehr und mehr erstarkten. Die im Binnenlande
gelegenen deutschen Stdte wurden durch ihre Landesfrsten teilweise
zum Austritt aus der Hanse gezwungen, wie z. B. Berlin durch Kurfrst
Friedrich II.

Im Innern zeigt sich in den ~Hansestdten,~ in welchen der Grohandel
die Gewerbttigkeit bertrifft, das Festhalten an der aristokratischen
Regierung des sich selbst ergnzenden +Rats+, whrend in den
~sddeutschen Stdten~ die nach +Znften+ geordneten Handwerker
bedeutenden Anteil an der meist jhrlichen Neuwahl des Rats erhalten.
+Zunftkmpfe+ in Ulm 1292, Speier 1327, Straburg 1332, Regensburg
1334, Augsburg 1368; in Nrnberg behaupten die Patrizier 1349 das
bergewicht, ebenso in Kln 1370, doch siegen dort die Znfte 1396.

Nicht von gleicher Dauer wie der Hansebund waren die ~sddeutschen
Stdtebndnisse~, welche die Selbstndigkeit der Stdte gegen die
+Frsten+ und die +Reichsritter+ sichern sollten: der 1254 geschlossene
~rheinische Bund~ (S. 189) fters von seiten der Stdte erneuert; der
~schwbische Stdtebund~, zuerst 1331, dann wiederum 1376 geschlossen,
namentlich gegen den Grafen von Wrttemberg +Eberhard den Greiner+ (d.
h. Znker), auch der Rauschebart genannt.

~Adelsbndnisse~ in Schwaben, Franken und am Rhein gegen Frsten
und Stdte gerichtet (der +Lwenbund+, der +St. Georgsbund+, die
+Schlegler+).

[~1377-1389.~]

~Sddeutscher Stdtekrieg.~

[1377.]

Sieg der schwbischen Stdte (Vorort +Ulm+) bei +Reutlingen+ ber
Eberhards Sohn Ulrich. Der schwbische Stdtebund vom Kaiser anerkannt.

[1378.]

Tod Karls IV., nachdem er seine Lnder unter seine drei Shne so
geteilt hat, da +Wenzel+ Bhmen und Schlesien (spter fllt ihm auch
Luxemburg zu), +Sigismund+ die Mark Brandenburg, +Johann+ die Lausitz
erhlt. In +Mhren+ herrschen 2 Neffen Karls, +Jobst+ und +Prokop+ als
Markgrafen. Zum deutschen Knig war schon gewhlt worden

[~1378-1400.~]

~Wenzel~, Karls IV. ltester Sohn.

[1381.]

Der +schwbische+ Stdtebund vereinigt sich mit den +rheinischen+
und schliet bald auch ein Bndnis mit einem Teil der Schweizer
Eidgenossenschaft.

[1384.]

Wenzel bringt einen Landfrieden auf vier Jahre zustande (Frstentag
zu +Heidelberg+), doch beginnen die Fehden, sobald er nach Bhmen
zurckgekehrt ist, aufs neue. Herzog +Leopold III.+ von +sterreich+
bekriegt im Bunde mit dem sddeutschen Adel die Eidgenossen. Das
Ritterheer wird in der

[~1386.~]

~Schlacht bei Sempach~ (+Arnold Winkelried?+) gnzlich geschlagen,
ebenso 1388 in der Schlacht bei +Nfels+. Die Herzge von sterreich
verzichten auf die Unterwerfung der Schweiz.

[1388.]

Erneuerung des Stdtekrieges. Eberhard der Greiner siegt ber die
schwbischen Stdte bei +Dffingen+ (wo sein einziger Sohn +Ulrich+
fllt), Pfalzgraf +Ruprecht+ ber die rheinischen bei +Worms+.

[1389.]

Landfriede zu +Eger+, von Knig Wenzel verkndet. Die Stdte behalten
ihre Reichsfreiheit, mssen aber auf Sonderbndnisse verzichten.

[1400.]

Wenzel, in Bhmen durch Hrte (der Generalvikar des Erzbischofs von
Prag, Johann von Nepomuk, Beichtvater der Gemahlin Wenzels, in die
Moldau gestrzt) und Trgheit verhat, aus Anla innerer Zerwrfnisse
wiederholt gefangen gesetzt, wird von den am Knigsstuhl bei Rense
versammelten rheinischen Kurfrsten der deutschen Knigswrde entsetzt.
Er stirbt 1419 als Knig von Bhmen.

[~1400-1410.~]

~Ruprecht von der Pfalz~ vermag selbst bei seiner Partei kaum das
knigliche Ansehen zur Geltung zu bringen.

[1401.]

Unglcklicher Zug Ruprechts nach Italien. Das deutsche Heer wird bei
+Brescia+ geschlagen von +Johann Galeazzo Visconti,+ den Knig Wenzel
zum erblichen Herzog von Mailand ernannt hatte (1395) (S. 198).

[1409.]

Infolge der hussitischen Streitigkeiten (s. S. 204) in Prag und einer
Vernderung der Universittsstatuten zu Gunsten der czechischen Nation
verlassen die deutschen Professoren und Studenten die Universitt Prag
und gehen meist nach +Leipzig+, wo +Friedrich der Streitbare+ von
Meien (S. 204) eine Universitt stiftet.

[1409.]

~Konzil zu Pisa,~ berufen zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit
(seit 1378 +zwei+ Ppste, einer in +Rom+, einer in +Avignon+). Der vom
Konzil erwhlte Papst Alexander V. vermag die beiden anderen nicht zur
Abdankung zu ntigen.

[~1410-1437.~]

~Sigismund,~ Wenzels Bruder, Markgraf von +Brandenburg+ und Knig von
+Ungarn+ (als Gemahl der Tochter Knig Ludwigs des Groen, S. 217),
gewhlt besonders auf Betreiben des Burggrafen +Friedrich VI. von
Nrnberg,+ doch nur durch drei Kurstimmen, whrend die anderen fr
+Jobst von Mhren+ abgegeben werden und +Wenzel+ als dritter noch
Ansprche auf die Krone erhebt. Jobst T 1411; darauf zweite Wahl
einstimmig fr Sigismund. Dieser zieht nach Italien und einigt sich
mit Papst +Johann XXIII.+, Alexanders V. Nachfolger, ber die Berufung
eines allgemeinen Konzils nach einer +deutschen+ Stadt.

[~1414-1418.~]

~Kirchenversammlung zu Konstanz,~ zahlreich besucht von Frsten und
Prlaten, hat eine dreifache Aufgabe zu lsen: 1. Beseitigung der
Kirchenspaltung (+causa unionis+), 2. Verbesserung der kirchlichen
Zustnde +(causa reformationis),+ 3. Abstellung der Ketzerei +(causa
fidei).+

Von der Reformpartei wird die Abstimmung nach +Nationen+ (deutsche,
franz., engl., italien., je eine +Kuriatstimme+) durchgesetzt. Papst
Johann XXIII., der persnlich erschienen war, wird zu ffentlicher
Abdankung bewogen, entflieht dann aber mit Hilfe des Herzogs Friedrich
von sterreich. Dieser, in die Acht erklrt, mu sich unterwerfen.
Das Konzil spricht auf Antrag +Gersons+, des Kanzlers der Pariser
Universitt, den Grundsatz aus, +da das Konzil ber dem Papste stehe+;
Johann XXIII. wird abgesetzt, Gregor XII. in Rom verzichtet freiwillig.

Inzwischen ist der Tscheche +Johann Hus,+ Professor in Prag, Anhnger
der Lehren des Englnders +Wycliffe+ (S. 312, Verwerfung des Ablasses,
der Ohrenbeichte, der Transsubstantiation), seit 1412 im Bann, im
Vertrauen auf das von Sigismund ihm gewhrte sichere Geleit in Konstanz
erschienen; er wird als Ketzer verurteilt.

[~1415.~ 6. Juli.]

~Hus verbrannt,~ 1416 sein Freund +Hieronymus+ von Prag. Sigismund
reist nach Spanien, um Benedikt XIII., der sich von Avignon nach der
Burg Peniscola (unweit Valencia) zurckgezogen hat, zur Abdankung
zu bewegen. Dies milingt, aber die spanische Geistlichkeit sagt
sich von Benedikt los. Sigismund reist ber Paris nach England, um
zwischen Frankreich und England Frieden zu vermitteln (S. 209),
doch ohne Erfolg. Nach seiner Rckkehr 1417 Beratung ber die
+Kirchenverbesserung+ (Beschrnkung der ppstlichen Willkr in der
Verleihung kirchlicher mter, Aufhebung drckender Abgaben, Besserung
des Lebens der Geistlichen).

Dem Verlangen der Reformpartei, da diese Verbesserung +vor+ der
Wahl eines neuen Papstes zum Abschlu komme, treten die Anhnger des
Papsttums in den romanischen Nationen, verstrkt durch die Spanier
als +fnfte+ Nation, entgegen. Der neugewhlte Papst +Martin V.+
(Kardinal Colonna, S. 211) bringt +drei Konkordate+, mit den Deutschen,
Englndern und Romanen, zum Abschlu, die aber nicht zur Abstellung der
Mibruche fhren.

[~1415.~]

Sigismund bertrgt in +Konstanz+ dem Burggrafen +Friedrich VI. von
Nrnberg+, als Belohnung fr wichtige, ihm und dem Reiche geleistete
Dienste die ~Mark Brandenburg~ mit der Kur- und Erzkmmererwrde
(Belehnung 1417).

[1423.]

Sigismund belehnt +Friedrich den Streitbaren+, Markgrafen von +Meien+,
aus dem Hause +Wettin+ (s. S. 179, 203) mit dem Kurfrstentum
~Sachsen-Wittenberg~, nach dem Aussterben der dort regierenden Askanier
(S. 189). In Sachsen-Lauenburg regieren Askanier noch bis 1689, dann
kommt das Land an Hannover.

[~1419-1436.~]

~Hussitenkrieg.~ Entrstung der Bhmen ber Hus' Hinrichtung. Seine
Anhnger, +Hussiten+, auch +Utraquisten+ genannt (weil sie das
Abendmahl +sub utraque specie+, Brot und Wein, auch fr die Laien
verlangen), wollen die Ausbung ihrer vom Konzil verworfenen Lehre
mit Gewalt durchsetzen. Knig Wenzel sucht zu vermitteln; nach seinem
Tode 1419 Aufstand in Prag. +Ziska+, Anfhrer der Hussiten. Sigismund,
Erbe der bhmischen Krone, wird zwar in Prag gekrnt, mu aber das
Land bald verlassen. Die 1421 in Bhmen eindringenden Reichstruppen
werden zurckgeschlagen, Sigismunds Heer wird 1422 bei +Deutsch-Brod+
vernichtet. Verheerende Zge der Hussiten in die umliegenden
Lnder (sterreich, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Lausitz,
Brandenburg); ftere Niederlagen der gegen sie aufgebotenen Reichsheere.

[~1431-1449.~]

~Konzil zu Basel~, zur Wiederherstellung des Friedens und zur
Durchfhrung der kirchlichen Reformen berufen. Durch Gesandte des
Konzils wird ein Vergleich mit den gemigten Hussiten (Kalixtinern,
Utraquisten) geschlossen: +Prager Kompaktaten+ 1433; die +Taboriten+,
(Tabor, Stadt in Bhmen), welche den Vergleich nicht annehmen, werden
bei +Bhmisch-Brod+ 1434 besiegt, Sigismund zieht 1436 in Prag ein.

Whrend dieser Bedrngnis des deutschen Reiches im Osten erhebt sich
im Westen die Macht der franzsischen Herzge von ~Burgund,~ welche
ansehnliche deutsche Reichslehen an sich bringen. Philipp der Khne (S.
208) verschafft seinem zweiten Sohne die Nachfolge in +Brabant+ und
+Limburg+; sein Enkel Philipp der Gute erbt diese Lnder und auerdem
1428 die Grafschaften +Holland+, +Seeland+, +Hennegau+, bald auch
+Luxemburg+. Auch das Herzogtum ~Lothringen~ kommt nach dem Aussterben
des Mannesstammes (S. 165) 1431 an eine +franzsische+ Dynastie, da die
Erbin sich mit +Ren von Anjou+, Graf von Provence, Titularknig von
Neapel (S. 211) vermhlt.

Im Innern des deutschen Reiches Verwirrung, Fehden und Selbsthilfe. Bei
der herrschenden Rechtsunsicherheit erlangen die +Femgerichte+ (S. 190)
fr einige Zeit groe Bedeutung.

[~1438-1740.~]

~Kaiser aus dem Hause Habsburg.~

[~1438-1439.~]

~Albrecht II.~, der tatkrftige Schwiegersohn Sigismunds, dem er auch
in +Bhmen+ und +Ungarn+ folgt, stirbt nach der Rckkehr von einem
Trkenzuge.

[~1440-1493.~]

~Friedrich III.~ von Steiermark, (Vetter Albrechts), der letzte in Rom
(1452) gekrnte deutsche Kaiser. Ein durchaus unfhiger Herrscher, lt
er sich durch seinen Ratgeber +Aeneas Silvius Piccolomini+ (spter
Papst +Pius II.+) bewegen, in dem Streit zwischen dem ~Baseler Konzil~
und Papst Eugen IV. auf die Seite des Papstes zu treten. Die von dem
Konzil beschlossenen kirchlichen Reformen werden durch das +Wiener
Konkordat+ 1448 vereitelt; das Konzil lst sich auf 1449.

Brgerkrieg in der +Schweiz+ 1440-1450; Zrich mit sterreich
verbndet. Auf Kaiser Friedrichs Bitte schickt Karl VII. von Frankreich
den Dauphin (als Knig Ludwig XI.) mit den zgellosen Scharen der
+Armagnacs+ gegen +Basel+. Heldentod von 1600 Eidgenossen bei ~St.
Jakob~ 1444. Die Armagnacs plndern darauf im Elsa, bis der Kurfrst
von der Pfalz sie vertreibt. Friede der Schweizer mit Frankreich. Das
Haus Habsburg verliert seine letzten Besitzungen in der Schweiz; es
behlt seine Besitzungen im Elsa und in Schwaben (Vorder-sterreich).

~Fehden im deutschen Reiche~, denen der Kaiser unttig zusieht. In
+Sachsen+ Bruderkrieg zwischen Kurfrst Friedrich dem Sanftmtigen und
seinem Bruder Wilhelm (1446-50); im Anschlu daran der +Prinzenraub+:
Ritter Kunz von Kaufungen entfhrt 1455 die beiden Shne Friedrichs
aus dem Schlo zu Altenburg, wird aber von Khlern im Walde gefangen.
Der Erzbischof von Kln fhrt Krieg gegen die Stadt +Soest+ (Soester
Fehde 1444-1449), Kurfrst +Albrecht Achilles+ von Brandenburg gegen
+Nrnberg+ (1449-1453), Pfalzgraf +Friedrich der Siegreiche+ gegen den
Erzbischof von +Mainz+, den Grafen von Wrttemberg und den Markgrafen
von Baden (Pflzer Fehde 1462). Zur Herstellung des Friedens in
Deutschland ist der +schwbische Bund+ frderlich, 1488 auf Betreiben
des Kaisers von Frsten, Rittern und Stdten geschlossen.

[Um ~1450.~]

~Johann Gutenberg~ (in Mainz) erfindet die Buchdruckerkunst. (+Johann
Fust, Peter Schffer.+)

In ~Bhmen~ Parteikmpfe whrend der Unmndigkeit des jungen Knigs
+Ladislaus Postumus+ (Sohn Albrechts II.), fr den Friedrich III. die
Vormundschaft fhrt. +Georg Podiebrad+ wird 1452 zum Reichsverweser,
1458 nach Ladislaus' Tode zum Knig gewhlt, aber als Utraquist
angefeindet (T 1471). +Matthias Corvinus+ wird Knig von Ungarn (S.
218), besetzt die Nebenlnder Mhren, Schlesien, Lausitz; schliet 1478
Frieden mit Georgs Nachfolger +Wladislav+ (Sohn Kasimirs IV. von Polen).

[1474-1475.]

+Karl der Khne+ von ~Burgund~, durch Verpfndung im Besitz der
habsburgischen Teile des +Elsa+, dringt in das Erzbistum +Kln+ ein,
um den abgesetzten Erzbischof zurckzufhren, belagert +Neu+, wird
aber durch das Anrcken eines Reichsheeres unter Friedrich III. und
durch den Angriff der Schweizer auf Hricourt zum Abzug bewogen.

[1476.]

Karl der Khne strzt sich, nachdem er sich +Lothringens+ bemchtigt
und den Herzog Renatus vertrieben hat, auf die Schweizer, wird bei
+Granson+ und bei +Murten+ geschlagen.

[1477.]

Karl der Khne fllt im Kampfe gegen den zurckgekehrten Herzog
von Lothringen vor +Nancy+; seine Tochter Maria vermhlt sich mit
Friedrichs III. Sohn, Erzherzog +Maximilian+. Dieser gewinnt dadurch
die ~Niederlande~ und die ~Freigrafschaft Burgund~ (S. 198) fr die
+habsburgische Hausmacht,+ verteidigt diese Erwerbung im Kriege gegen
Ludwig XI. von Frankreich, der die burgundischen Stdte in der Picardie
und das +Herzogtum Burgund+ als erledigte Mannslehen einzieht.

[1490.]

Friedrich III., von +Matthias Corvinus+ aus Wien vertrieben (1485),
wird nach dessen Tode (T 1490) von seinem Sohn +Maximilian+
zurckgefhrt.

[1491.]

+Wladislav IV.+ von Bhmen, nach Corvinus' Tode auch Knig von
+Ungarn+, sichert im Frieden zu +Preburg+ dem Hause Habsburg die
Nachfolge zu.

    Albrecht II. T1439.
    Gem. Elisabeth, Tochter Sigismunds.
    _______________|__________________
        |                             |
    Elisabeth,                     Ladislaus Postumus,
    Gem. Kasimir IV. von Polen.    T1457.
                       |
                 Wladislav,
 1471 Knig v. Bhmen, 1490 Knig v. Ungarn.
             __________|__________________
            |                              |
    Ludwig II. T1526.                    Anna,
 Gem. Maria v. sterreich.               Gem. Ferdinand I.


 2. Frankreich.

[~1270-1285.~]

~Philipp III.~, +der Khne+ (+le Hardi+), vermhlt seinen

[~1285-1314.~]

Sohn ~Philipp IV.~, +den Schnen+ (+le Bel+), mit +Johanna+, Erbin
von Navarra. Kampf mit Papst +Bonifacius VIII.+, der dem Knig die
Besteuerung der franzsischen Geistlichkeit untersagt. Der Papst wird
1313 in Anagni von Verschwrern gefangen genommen, doch von seinen
Anhngern befreit, stirbt bald darauf.

[1309.]

Papst +Clemens V.+, vorher Bischof von Bordeaux, verlegt die ppstliche
Residenz nach ~Avignon~ (an der Rhone); das Papsttum von Frankreich
abhngig (Babylonische Gefangenschaft (1309-1377)).

[1312.]

Aufhebung des +Tempelherrn+ordens durch Clemens V., auf Antrieb des
nach den Schtzen und Gtern des Ordens lsternen Knigs. In Paris
werden 54 Ritter verurteilt und verbrannt, zuletzt auch der Gromeister
+Jakob+ von +Molay+ (1314). Erwerbung burgundischer Gebiete (s. S.
198). Auf +Philipp IV.+ folgen hintereinander seine drei Shne Ludwig
X., Philipp V., Karl IV., dann nach dem +salischen Gesetz+, welches die
Frauen von der Thronfolge ausschliet[39] (Beschlu der Reichsstnde
von 1317), das

[~1328-1498.~]

~Haus Valois~ (Nebenlinie der Capetinger).

[~1328-1350.~]

~Philipp VI.,~ Sohn Karls von Valois, eines Bruders Philipps IV. Gegen
ihn erhebt Ansprche auf den franzsischen Thron ~Eduard III.~ von
England, als Sohn einer Tochter Philipps IV., daher

[~1339-1453.~]

mehr als ~hundertjhriger Krieg~ zwischen Frankreich und England.

[1340.]

Seesieg der Englnder bei ~Sluys~, dem Hafenort von Brgge. Die
flandrischen Stdte, geleitet von +Jakob von Artevelde+, mit ihnen
verbndet.

[1346.]

Sieg der Englnder bei ~Crcy~ in der Picardie, Anwendung von
+Geschtzen+; Tod des blinden Knigs +Johann von Bhmen+ (S. 199).
+Calais+ erobert 1347

[~1350-1364.~]

~Johann II., der Gute.~

[1356.]

Sieg des +Schwarzen Prinzen+ (Sohn Eduards III.) bei +Maupertuis+
unweit +Poitiers+. Johann 4 Jahre lang in England Gefangener.
Whrenddessen in Frankreich Verwirrung und furchtbare innere Kmpfe, da
der junge Dauphin[40]

als Statthalter nicht durchzugreifen vermag.

[1357-1358.]

Aufstand in Paris, geleitet von +Etienne Marcel+, dem Vorsteher der
Innungen (+prvt des marchands+), der mit +Karl dem Bsen+, Knig von
Navarra, in Verbindung tritt.

[1358.]

Bauernkrieg mit furchtbaren Greueltaten, +Jacquerie+ genannt nach dem
Anfhrer +Guillaume Caillet+, mit dem Beinamen +Jacques Bonhomme+,
welcher dann zum Spottnamen des franzsischen niederen Volks wurde. Der
Adel schart sich um den Dauphin; nach Unterwerfung der Bauern wird auch
der Aufstand in Paris blutig unterdrckt.

[1360.]

+Friede+ mit England zu +Bretigny+ (bei +Chartres+): Eduard III.
verzichtet auf die franzsische Krone und erhlt +Poitou+, +Guyenne+
und +Gascogne+ als unabhngigen Besitz ohne Lehnspflicht (S. 192).

[1363.]

Johann gibt das Herzogtum +Burgund+ seinem jngeren Sohn +Philipp dem
Khnen+ (burgundische Nebenlinie der Valois). Dieser legt durch seine
Heirat mit der Erbtochter des Grafen von +Flandern+ den Grund zur
Herrschaft des burgundischen Hauses in den Niederlanden (S. 205).

[~1364-1380.~]

~Karl V., der Weise~. Beruhigung der inneren Verhltnisse, dann
Erneuerung des Krieges; die meisten frheren (S. 192) englischen
Besitzungen in Frankreich werden wiedergewonnen.

Ritter +Bertrand du Guesclin+, seit 1370 Conntable von Frankreich,
siegreich gegen die Englnder.

[~1380-1422.~]

~Karl VI.~, verfllt in Wahnsinn, seine Oheime, die Herzoge von Orlans
und Burgund, Reichsverweser, 2 Parteien: +Burgund+ und +Orlans+
(Armagnacs) (S. 205).

[1407.]

Der Herzog von Orlans wird auf Befehl des Herzogs +Johann+ von
Burgund ermordet. Die dadurch veranlaten Parteikmpfe erleichtern das
abermalige Vordringen der Englnder.

[1415.]

Sieg +Heinrichs V.+, Knigs von England, bei ~Azincourt~ (unweit
Crcy), darauf Eroberung der Normandie.

[1419.]

Johann von Burgund auf der Brcke von Montereau durch die Begleiter des
Dauphin Karl (+Duchtel+) ermordet. Johanns Sohn +Philipp+ schliet
deshalb mit Beistimmung der Knigin +Isabeau+ mit den Englndern den
Vertrag von +Troyes+; Heinrich V. heiratet +Katharina+, Tochter Karls
VI., und wird als Regent und Nachfolger auf dem Thron Frankreichs
anerkannt, T 1422.

Unter +Johann+ und seinem Sohne +Philipp dem Guten+ erreicht das
burgundische Herzogshaus den Gipfel seiner Macht. Blte des Handels,
der Gewerbe und der Knste in den flandrischen Stdten, besonders in
+Brgge+ und +Gent+ (die Maler Hubert und Johann van Eyck um 1420).
Philipp bemchtigt sich der Erbschaft der Grfin Jakoba von +Holland+
(S. 205).

[~1422-1461.~]

~Karl VII.~, zunchst nur sdlich von der Loire anerkannt, im Norden
der minderjhrige +Heinrich VI.+, Knig von England, geb. 1421.

[1429.]

~Johanna d'Arc~ (geb. 1412 in Domremy an der Maas), genannt die
~Jungfrau von Orlans~, weil sie dieser Stadt Entsatz bringt.
Die Englnder und Burgunder zurckgetrieben, Karl VII. in Reims
gekrnt. +Johanna+ 1430 bei Compigne von den Burgundern gefangen,
den Englndern ausgeliefert, 1431 in Rouen von einem geistlichen
Gerichtshof als Zauberin und Ketzerin verurteilt und verbrannt. Das
ungerechte Urteil wird spter (1456) auf Befehl des Papstes widerrufen.
Ihre Seligsprechung durch Papst Leo XIII. 1894.

[1435.]

Friede zu +Arras+ zwischen Karl VII. und Philipp von Burgund. Die
Englnder verlieren schlielich +alle+ franzsischen Besitzungen auer
+Calais+ (S. 236), ihr Feldherr +Talbot+ T 1453 in dem Treffen bei
+Castillon+. Errichtung der Ordonnanz-Kompanien, Anfang der stehenden
Heere.

[~1461-1483.~]

~Ludwig XI.~ bricht durch Klugheit und Treulosigkeit die Macht der
groen Vasallen, welche gegen ihn die +Ligue du bien public+ schlieen
(Herzge von Burgund, Bretagne, Orlans, Anjou, Nemours, Bourbon,
Grafen von Charollais u.a.) und legt den Grund zur +unumschrnkten+
Monarchie. Nach dem Tode Karls des Khnen (1477, s. S. 206) zieht er
das Herzogtum +Burgund+ als erledigtes Lehen ein, whrend die andern
Besitzungen des Herzogs an Deutschland kommen; nach dem Tode Rens
von Anjou (1480) werden +Anjou+, +Maine+ und die +Provence+ mit den
Kronlndern vereinigt.

[~1483-1498.~]

~Karl VIII.~ gewinnt die +Bretagne+ durch Vermhlung mit der Tochter
des letzten Herzogs (S. 235), zieht 1494 nach Italien, um die Ansprche
des Hauses Anjou auf das Knigreich +Neapel+ geltend zu machen (S.
190). Er erobert das Knigreich, wird aber durch ein Bndnis zwischen
dem Papste, dem Kaiser, dem Herzog von Mailand, Venedig und Spanien zum
Rckzuge gentigt.


 3. Italien.

Entwickelung selbstndiger Staaten seit dem Sinken der deutschen
Kaisermacht (1250).

~Mailand~, seit Kaiser Heinrich VII. (1310) unter den +Visconti+ als
kaiserlichen Statthaltern, seit 1395 als +Herzgen+ (S. 203). Nach
dem Aussterben der Visconti bemchtigt sich der von den Mailndern in
Sold genommene Condottiere +Franz Sforza+ der Herrschaft und wird 1450
Herzog von Mailand.

Die Grafen von ~Savoyen~, deren Ahnherr Graf Humbert Weihand 1032
mit Burgund unter die Herrschaft der deutschen Knige kam, seit etwa
1050 durch Heirat auch im Besitz von Piemont, erhalten 1416 von Kaiser
Sigismund die +Herzogs+wrde. Die Markgrafen von +Este+ (S. 166) werden
1452 von Friedrich III. zu Herzgen von ~Modena~ und +Reggio+ erhoben;
Papst Paul II. belehnt sie 1471 mit dem Herzogtum +Ferrara+.

~Venedig~, seit 697 durch Vereinigung der Inselgemeinden +ein+
Staat unter einem +Dogen+ (dux), seit etwa 1000 Beherrscherin des
Adriatischen Meeres, wchst whrend der Kreuzzge an Macht und Ansehen
(s. S. 176, 178). Nach Beendigung der Seekriege mit +Genua+ (1381)
ist Venedig Herrin des Mittelmeeres und des Levantehandels. Sein
Festlandsgebiet erstreckt sich ber Padua und Verona bis Brescia; seine
Seemacht sttzt sich auf den Besitz von Dalmatien, Kandia und Korfu.
~Verfassung~ streng aristokratisch. 1172 Einsetzung des +groen+ Rates
(450 bis 500 Mitglieder), dann des +kleinen+ Rates (Signoria), der die
Macht des Dogen noch mehr beschrnkt. 1298 +Schlieung+ des +groen
Rates+, die Namen der ratsfhigen Familien (Nobili) werden in dem
+Goldenen Buch+ verzeichnet. Zur Unterdrckung von Verschwrungen 1310
der +Rat der Zehn+ eingerichtet; Hinrichtung des Dogen +Marino Falieri+
1355. Seit 1539 ernennt der Rat der Zehn die drei +Staatsinquisitoren+,
deren strenge Herrschaft aber erst 1583 beginnt.

~Genua~, seit Herstellung des griechischen Kaisertums (1261) im Orient
mchtig, nach dem Siege ber Pisa (1284) auch im Besitz der Inseln
Sardinien, Korsika, Elba, dann aber durch die Kriege mit Venedig und
innere Unruhen geschwcht, seit 1396 bald von Frankreich, bald von
Mailand abhngig.

~Florenz~, seit 1282 mit demokratischer Verfassung (die +Priori delle
arti+ bilden die +Signoria+), fters durch Parteikmpfe erschttert,
gewinnt allmhlich die Herrschaft ber die Landschaft +Toskana+; Pisa
erst 1429 unterworfen. Seit 1400 gelangt das Geschlecht der ~Medici~
zu hohem Ansehen und frstlicher Stellung. +Johann von Medici+, reicher
Bankier, Begrnder der Macht des Hauses. Sein Sohn +Cosimo+, der +Vater
des Vaterlandes+, (T 1464), Beschtzer der Knste (Brunelleschi,
Ghiberti, Donatello u.a.), Begrnder der platonischen Akademie und der
mediceischen Bibliothek. Unter dessen Enkel +Lorenzo+ (il Magnifico, T
1492) die glnzendste Zeit fr Florenz.

Entfaltung der ~italienischen Literatur~ durch die drei florentinischen
Dichter +Dante+ Alighieri (T 1321), +Petrarca+ (T 1374), +Boccaccio+
(T 1375). Von Petrarca besonders angeregt entwickelt sich das erneute
Studium der Wissenschaft und Poesie des Altertums (+Humanismus+),
gefrdert durch griechische Gelehrte, die nach der Eroberung
Konstantinopels (S. 218) aus dem byzantinischen Reiche vor den Trken
geflohen waren. Hand in Hand damit geht der Aufschwung der ~bildenden
Kunst~ (+Renaissance+) zuerst in Florenz, dann in Rom (Peterskirche).

Der ~Kirchenstaat~, in der Langobardenzeit begrndet, durch die von
Karl d. Gr. besttigte Schenkung Pippins (s. S. 150) und andere
Erwerbungen erweitert, seit Innocenz III. vom deutschen Reiche vllig
unabhngig. Zerrttung durch Adelskmpfe (die Orsini und Colonna),
whrend die Ppste in +Avignon+ residieren (1309-1376). +Cola di
Rienzi+ tritt 1347 als Volkstribun auf, wird vertrieben, kehrt 1354 als
ppstlicher Senator zurck, wird aber durch Volksaufstand gettet (S.
199). Herstellung der Einheit der Kirche durch das Konzil zu Konstanz
(S. 203f.), des Kirchenstaats erst durch Papst +Nikolaus V.+ (1447 bis
1455), der als Freund der Wissenschaften die vatikanische Bibliothek
begrndet.

In ~Neapel~ Haus +Anjou+ bis 1435. ~Sicilien~ 1282-1295 mit +Aragon+
verbunden (S. 190), dann unter einer Nebenlinie des aragonischen
Hauses, seit 1409 wieder bei Aragon, dessen Knig +Alfons V.+ 1435-1442
auch Neapel erobert. Glnzende Hofhaltung, Pflege des Humanismus
(+Laurentius Valla+). Nach Alfons' Tode (1458) kommt +Neapel+ ohne
Sicilien an seinen natrlichen Sohn Ferdinand I. und dessen Nachkommen;
in Sicilien aragonische Dynastie bis 1504. Von 1504-1713 Neapel und
Sicilien bei Spanien (S. 235).


 4. England.

[~1272-1307.~]

~Eduard I.~, Sohn Heinrichs III. (S. 193), unterwirft +Wales+
vollstndig (Prinz von Wales, Titel seines ltesten Sohnes und fortan
jedes Thronerben), mischt sich als Lehnsherr in die schottischen
Thronstreitigkeiten, beruft Vertreter der Grafschaften und Stdte zum
Parlament; Anfang des Unterhauses.

[~1307-1327.~]

~Eduard II.~, von den Schotten geschlagen, mu Robert Bruce als
schottischen Knig anerkennen. Er wird auf Anstiften der Knigin und
ihres Gnstlings +Mortimer+ vom Parlament abgesetzt und spter auf
grausame Weise ermordet. Ihm folgt der tatkrftige

[~1327-1377.~]

~Eduard III.~ Knig +David Bruce+ von Schottland als Gefangener in
London, gegen Lsegeld freigelassen. Seit 1371 Haus +Stuart+ in
Schottland; Robert II., 1371-1390, Tochtersohn von Robert Bruce,
nicht mehr lehnsabhngig von England. -- Trennung des englischen
Parlaments in +Oberhaus+ und +Unterhaus+. Steuerbewilligungsrecht und
Petitionsrecht des Unterhauses. Ausbildung des +Selfgovernment+ in den
Grafschaften (das Friedensrichteramt). Krieg mit Frankreich s. S. 207.
Geoffrey +Chaucer+, Begrnder der englischen Literatur, T 1400.

[~1377-1399.~]

~Richard II.~, Enkel Eduards III. Die Bestrebungen des Reformators
+Wycliffe+ (Prof. in Oxford, 1382 abgesetzt, vgl. S. 203) werden
vereitelt durch den gefhrlichen Aufstand der Bauern unter +Wat Tyler+
1381. Richard zur Abdankung gentigt von seinem Vetter +Heinrich von
Lancaster+, T im Gefngnis.

[1399-1461.]

~Haus Lancaster~ (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).

[~1399-1413.~]

~Heinrich IV.~, Enkel Eduards III. Kmpfe gegen Emprungen des hohen
Adels (Heinrich Percy); der Knig behauptet sich im Bunde mit der
Kirche. Grausame Verfolgung der Anhnger Wycliffes.

[~1413-1422.~]

~Heinrich V.~, als Prinz der Genosse wster Gesellen, als Knig
energisch und tapfer. Aufstand der +Lollharden+ (Anhnger Wycliffes)
unterdrckt. Krieg in Frankreich s. S. 209.

[~1422-1461.~]

~Heinrich VI.~, beim Regierungsantritt unmndig, spter von
Gnstlingen geleitet, kann den bermut des Adels nicht im Zaum halten.
Unglcklicher Ausgang des Krieges in Frankreich. Sein Vetter +Richard
von York+, zweimal wegen Krankheit des Knigs zum Protektor des Reiches
erwhlt, erhebt zuerst 1452 offen Anspruch auf die Krone. Gegen ihn
die Knigin +Margarete+ (aus dem Hause +Anjou+) und der Herzog von
+Somerset+ (T 1454).

[1459-1485.]

~Brgerkrieg in England~; Parteien der +Roten Rose+ (Lancaster) und
der +Weien Rose+ (York). Richard von York bei Wakefield besiegt und
gettet 1460. Dennoch behauptet sich seine Partei im Felde und ruft
1461 in London seinen Sohn +Eduard+ zum Knig aus.

 Die Familien ~Lancaster~, ~York~ und ~Tudor~.

             Eduard III. T1377.
   _____________________|__________________________________...
  |                    |                      |            |
 Eduard,              Lionel          Johann von Gent,    Edmund,
 (der Schwarze Prinz) Hz. v. Clarence Hz. ~v. Lancaster~, Hz. ~v. York~,
 T1376.               T1368.          T1399.              T1402.
  |                    |            ____|__________
 ~Richard II.~,        |           |               |
 abgesetzt 1399,       |      ~Heinrich IV.~ John Bedford.
 T1400.                |        T1413              |
                       |           |               |
                       |           |               |
                       |    ~Heinrich V.~  John Bedford.
                       |    T1422 Gem. Kath.       |
                       |     v. Frankreich         |
                       |           |               |
                     Seine      ~Heinrich VI.~    ~Margarete.~
                     Urenkelin  -- 1461,          Gem. Edm. ~Tudor~
                     Anna       ermordet          (Sohn v. Owen Tudor
                     Mortimer,   1471.            u. Kath. v.
                     Gem. v.        |             Frankreich,
                     Richard v. Eduard,           Witwe
                     Cambridge  Prinz v. Wales,   Heinrichs V.).
                                ermordet 1471.           |
                                                         |
                                                 ~Heinrich VII.~ T1509.
                                                 Tudor.
                                       ___________|________
                                      |                    |
                             ~Heinrich VIII.~      Margarete,
                             T1547.      Gem. Jakob IV. Stuart
                              |              v. Schottland.
                           ___|______________________
                          |               |          |
                   ~Maria~ die      ~Elisabeth~ ~Eduard VI.~
                   Katholische T1558.   T1603.     T1553.


           ... Edmund,
               Hz. ~v. York~,
               1402.
        ________|_______
       |                |
     Eduard,          Richard,
     Hz. v. York      Gr. v. Cambridge.
                  Gem. Anna Mortimer.
                        |
         _________________________
        Richard, Hz. v. York, 1460
         ________|________
        |                 |
  ~Eduard IV.~      ~Richard III.~
  1483      (Hz. v. Gloucester)
   |              1485
  |_______________________________________
 |                       |                |
 Elisabeth,          ~Eduard V.~  Richard.
 Gem. Heinr. Tudor.  ermord.           ermord.
                     1483              1483

[1461-1485.]

~Haus York~ (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).

[~1461-1483.~]

~Eduard IV.~ sichert seine Herrschaft durch die Siege bei +Towton+ 1461
und +Hexham+ 1464, nimmt Heinrich VI. gefangen, doch wird er 1470 von
+Margarete+ und Graf +Warwick+ (dem Knigsmacher), der frher das
meiste zu seiner Erhebung beigetragen hatte, vertrieben und Heinrich
VI. wieder auf den Thron gesetzt. Eduard IV. kehrt bald zurck, besiegt
das Haus Lancaster bei +Barnet+ (Warwick T) und +Tewkesbury+ 1471 und
rottet es fast aus; nur +Heinrich Tudor+ entkommt. Knig Heinrich VI.
im Tower ermordet 1471.

[~1483.~]

~Eduard V.~, Sohn Eduards IV., mit seinem jungen Bruder +Richard+ im
Tower erstickt auf Befehl seines Oheims, des grausamen +Richard von
Gloucester+ (spr. Gloster), welcher den Thron besteigt als

[~1483-1485.~]

~Richard III.~ Er wird bei +Bosworth+ 1485 besiegt von einem Sprling
des Hauses Lancaster, ~Heinrich Tudor~, Grafen von Richmond, welcher
durch seine Heirat mit +Elisabeth von York+, Tochter Eduards IV.,
die Ansprche beider Huser vereinigt. Nach Beendigung der blutigen
Adelskriege erstarkt das +Knigtum+ unter dem Hause +Tudor+ (1485-1603).


 5. Die Pyrenische Halbinsel.

Den vier christlichen Knigreichen steht noch immer das durch Ackerbau
und Kunstflei blhende arabische (maurische) Knigreich +Granada+
gegenber (S. 194).

~Navarra~, 1285-1329 mit Frankreich vereinigt (s. S. 207), 1425-1431
mit Aragon, bleibt ein unbedeutendes Grenzland.

Knig Pedro III. von ~Aragon~ (S. 190) untersttzt die Sicilianische
Vesper, gewhrt 1283, um die Kriegskosten zu bestreiten, den
Reichsstnden (Cortes) groe Rechte durch das Privilegium von
Saragossa. Pedro IV. erhht 1348 die Macht des Knigtums und erobert
die Balearen, bewilligt aber die Einsetzung eines Oberrichters
(Justicia), der Streitigkeiten zwischen Knig und Reichsstnden zu
entscheiden hat.

Alfons XI. von ~Kastilien~ besiegt 1340 die Araber, bringt aber
den Krieg nicht zu Ende. Zwiespalt unter seinen Shnen +Pedro dem
Grausamen+ und +Heinrich von Trastamara+; letzterer findet bei
Aragon Hilfe und vertreibt mit franzsischen Sldnern den Gegner.
Pedro wird 1367 durch einen Kriegszug des Schwarzen Prinzen (S.
208) zurckgefhrt, aber nach Erneuerung des Kampfes 1369 besiegt
und gettet. Heinrich herrscht darauf bis 1379 in Freundschaft mit
Frankreich. Sein Sohn +Johann I.+ versucht vergebens 1385 ~Portugal~
zu erobern. Unter +Johann II.+ tritt der Conntable +Alvaro de Luna+
der groen Macht des Adels entgegen, wird aber 1453 gestrzt. Johanns
Tochter +Isabella+ vermhlt sich 1469 mit +Ferdinand+, dem Thronfolger
von +Aragon+, wird 1474 Knigin von Kastilien.

[1479-1516.]

Ferdinand II., der Katholische, von Aragon. Vereinigung der beiden
Reiche +Kastilien+ und +Aragon+, doch regiert Isabella in Kastilien
selbstndig. Die Gromeisterwrde der drei Ritterorden (S. 194) wird
mit der Krone vereinigt, die Willkr des Adels durch Erneuerung des
Friedensbundes der Stdte (+Hermandad+) eingeschrnkt. Mit ppstlicher
Genehmigung Erneuerung der ~Inquisition~ (S. 186) zur Verfolgung der
Ketzer, besonders gegen die Moriscos (Nachkommen der Mauren, span.
Moros) und Juden gerichtet. Der Dominikaner +Torquemada+ 1483 zum
Groinquisitor ernannt; Tausende zum Feuertode verurteilt (Autos da f).

[1492.]

Eroberung von ~Granada~; der letzte Knig Abdallah (Boabdil) zieht sich
nach Afrika zurck.

~Portugal~ im Aufblhen unter der unecht burgundischen Dynastie
seit 1385. Unter Knig Johann I. wird +Ceuta+ erobert 1415; sein
Sohn +Heinrich der Seefahrer+ frdert die Entdeckungsfahrten lngs
der afrikanischen Kste. 1455 wird +Cap Verde+ erreicht, 1482 die
Kongomndung: an dieser Fahrt nahm der um die Nautik und Geographie
(sein Globus in Nrnberg) sehr verdiente Nrnberger Kaufmann Martin
Behaim teil, Freund des Columbus und Magelhes, (T 1506 in Lissabon).
1487 umfhrt ~Bartolomeo Diaz~ das +Cabo tormentoso+, von Knig Johann
II. +Cabo de bo esperanza+ (Kap der guten Hoffnung) genannt.


 6. Der Norden und Osten.

~Dnemark~, seit +Knud+ dem Groen (S. 170) ein christliches Reich,
entfaltet seine Seemacht unter +Waldemar I.+, der 1168 Rgen erobert,
und Waldemar II., dem Sieger, der 1219 Estland gewinnt, auch bis 1227
ber Holstein und den angrenzenden Teil von Mecklenburg herrscht (S.
187). Dann folgen schwchere Knige; erst +Waldemar IV.+ beseitigt
die innere Zerrttung. Er berlt 1346 Estland dem Deutschen Orden,
gewinnt 1360 von Schweden die Landschaft Schonen zurck, mu dann vor
der Seemacht der deutschen Hanse weichen (S. 201).

+Margareta+, Tochter Waldemars IV., Gemahlin Hakons VI. von Norwegen,
regiert seit 1375 in Dnemark fr ihren unmndigen Sohn Olaf (T 1387),
nach Hakons Tode 1380 auch in ~Norwegen~, wird 1388 von einem Teil des
schwedischen Adels zur Regentin ~Schwedens~ erwhlt. Sie besiegt ihren
Gegner Albrecht von Mecklenburg (seit 1364 Knig von Schweden), dessen
Anhnger sich mit Hilfe der seeruberischen +Vitalienbrder+ noch
einige Jahre in Stockholm behaupten, bis die deutsche +Hanse+ dagegen
einschreitet.

[1397.]

~Kalmarische Union~. Die Stnde der drei Reiche beschlieen zu +Kalmar+
die Vereinigung unter einem gemeinsamen Wahlknigtum. +Margareta+
regiert mit hohem Ansehen, T 1412.

[1409-1435.]

Krieg um ~Schleswig~. Dieses Herzogtum, schon seit 1326 nach der sogen.
Waldemarschen Konstitution, nach der es nie wieder mit Reich und Krone
von Dnemark vereinigt werden sollte, grtenteils im erblichen Besitz
der deutschen Grafen von +Holstein+ (aus dem Hause Schauenburg, S.
179), 1386 von Margareta dem Grafen Gerhard VI. zu Lehen gegeben,
wird von seinen Shnen mit Hilfe der Hanse behauptet gegen Margaretas
Nachfolger +Erich VII+.

[1460.]

Knig +Christian I.+ von Dnemark (aus dem Hause der Grafen von
Oldenburg, Schwestersohn Adolfs VIII. von Holstein) wird von
den Stnden von +Schleswig-Holstein+ nach dem Aussterben des
Schauenburgischen Hauses zum Herzog erwhlt, nachdem er die
Waldemarsche Konstitution beschworen hat. Personal-Union mit Dnemark
bis 1863.

Als Unionsknig kann Christian I. die Herrschaft ber +Schweden+ gegen
den dort erwhlten Reichsvorsteher +Sten Sture+ nicht behaupten, doch
wird unter seinem Nachfolger +Johann+ die Union der drei Reiche wieder
hergestellt.

[1500.]

Schlacht bei +Hemmingstedt+; die +Dithmarschen+, wie die Stedinger (S.
188), eine Art Bauernrepublik unter dem Schutze des Stiftes Bremen,
behaupten ihre Freiheit gegen das dnisch-holsteinische Adelsheer.

~Ruland,~ nach dem Tode Wladimirs des Groen (S. 170) in mehrere
Frstentmer geteilt unter Oberhoheit des Grofrsten von +Kiew+,
kommt 1237 unter die Herrschaft der +Mongolen+ (S. 195). Der Chan der
Goldenen Horde ernennt den Grofrsten und die Teilfrsten, empfngt
von ihnen Tribut. Um 1330 wird Moskau Residenz des Grofrsten, als
Kiew von den +Litauern+ erobert worden ist.

[~1480.~]

~Iwan III., der Groe~, Zar von Groruland, Begrnder der
einheitlichen Monarchie, macht der Mongolenherrschaft ein Ende, nachdem
er 1478 die mit der deutschen Hanse verbndete Republik +Nowgorod+
unterworfen hat.

~Polen,~ seit etwa 840 unter Frsten aus dem Hause der Piasten,
christlich seit 965, oft in Kampf mit dem deutschen Reiche, mit den
heidnischen Preuen (spter dem Deutschen Orden) und mit Ruland. An
Stelle der Teilfrstentmer begrndet +Wladislaw Lokietek+ 1320 ein
einheitliches +Knigtum+, Residenz +Krakau+.

[1333-1370.]

~Kasimir der Groe~, trefflicher Regent, sorgt fr den Bauernstand,
grndet Stdte, zieht deutsche Ansiedler herbei. Ihm folgt sein
Schwestersohn +Ludwig der Groe+ (s. unten) von Ungarn (T 1382); dessen
Tochter Hedwig vermhlt sich 1386 mit dem bisher noch heidnischen
Grofrsten +Jagello von Litauen+. Seitdem Polen und Litauen vereinigt
unter den Jagellonen 1386-1572. Ludwigs zweite Tochter Maria, Erbin von
Ungarn, mit dem deutschen Knig Sigismund vermhlt (S. 203).

~Preuen~ wird 1230-1283 in langem Kampfe von dem ~Deutschen Orden~
(s. S. 178f.) erobert; durch den Anschlu des in Livland vom Bischof
von Riga gegrndeten +Schwertbrder+ordens (1237) erweitert sich das
Ordensgebiet ber Kurland, Livland, Estland hin. +Knigsberg+ 1255
gegrndet; seit 1309 die ~Marienburg~ Sitz des Hochmeisters. Blte des
Ordens unter +Winrich von Kniprode+ (1351-1382), dann allmhlicher
Verfall. Verhngnisvoll fr den Orden wurde die Vereinigung Litauens
mit Polen 1386.

[~1410.~]

~Schlacht bei Tannenberg,~ Sieg der ~Polen~ ber den Orden. +Heinrich
von Plauen+ verteidigt die Marienburg, schliet als Hochmeister den
noch gnstigen +ersten+ Frieden zu Thorn, wird aber 1413 von den
Ordensrittern abgesetzt. Unzufriedenheit des Landadels und der Stdte
mit der Ordensherrschaft, sie treten in Verbindung mit +Polen+. Neuer
Krieg 1454, Knig Kasimir II. erobert 1457 die Marienburg und behauptet
sie in heftigem Kampfe 1460; der Hochmeister zieht sich nach Knigsberg
zurck.

[~1466.~]

~Zweiter Friede zu Thorn~: Westpreuen mit Ermeland an Polen
abgetreten, +Ostpreuen+ bleibt dem Orden als +polnisches Lehen+.

In ~Livland~ behauptet ein Teil des Ordens unter dem Landmeister Wolter
von +Plettenberg+ (1494-1535) seine Unabhngigkeit gegen Ruland.

~Ungarn~ gegen Ende des 9. Jahrhunderts von den ~Magyaren~ (S.
158, 160) in Besitz genommen, bis 1301 unter dem Regentenhause der
+Arpaden+. Einfhrung des Christentums durch Herzog +Geisa+ und seinen
Sohn +Stephan den Heiligen+, ersten +Knig+ von Ungarn (S. 163).
Einwanderung zahlreicher Deutscher, namentlich in +Siebenbrgen+
unter Knig Geisa II. um 1150. Bildung einer mchtigen Aristokratie
(+Magnaten+). Die +Goldene Bulle+, dem Knige +Andreas II.+ 1222 nach
seiner Rckkehr von einem Kreuzzuge (S. 177) abgentigt, bildet die
Grundlage der Privilegien des ungarischen Adels.

Nach dem Erlschen der Arpaden regiert in Ungarn das Haus ~Anjou~
(1308-1382), Bltezeit unter ~Ludwig dem Groen~ (1342-1382, s. oben),
der 1370 auch den polnischen Thron besteigt.

Unter Knig +Sigismund+, Ludwigs d. Gr. Schwiegersohn aus dem Hause
Luxemburg (1387-1437), beginnender Verfall des Reiches. Albrecht von
sterreich 1438-1439, dann 1440 +Wladislaw III.+ von Polen gewhlt, der
bei +Varna+ 1444 gegen die Trken fllt, darauf Albrechts unmndiger
Sohn +Ladislaus Postumus+ (vgl. S. 206). Der Reichsverweser +Johann
Hunyadi+ besiegt die Trken bei Belgrad 1456; sein Sohn ~Matthias
Corvinus~ wird zum Knig erwhlt. Nach dessen glnzender Regierung
(1458-1490) wird Ungarn unter +Wladislaw+, dem Sohn Kasimirs IV. von
Polen, mit Bhmen vereinigt und dem Erzherzog Maximilian (S. 206) die
Nachfolge zugesichert.

Reich der ~Osmanischen Trken~, um 1300 durch +Osman I.+ in Kleinasien
begrndet. Sein Sohn +Urchan+ erobert 1330 +Nica+, bildet aus
dem Knabenzins unterworfener christlicher Vlker das Fuvolk der
+Janitscharen+, unternimmt Landungen an der europischen Kste. +Murad
I.+ macht Adrianopel 1365 zu seiner Residenz, unterwirft Bulgarien (S.
194).

[1389.]

Sieg Murads ber die +Serben+ auf dem Amselfelde bei +Kossova+; Serbien
wird tributpflichtig (S. 172).

[1396.]

Sieg Bajazets I. bei +Nikopoli+ an der Donau ber ein groes Kreuzheer
ungarischer, deutscher und franzsischer Ritter unter Fhrung Knig
Sigismunds. Seitdem Schrecken des trkischen Namens im christlichen
Abendlande.

Die weitere Entfaltung der osmanischen Macht wird vorbergehend gehemmt
durch eine neue Erhebung der ~Mongolen~ in Asien unter +Timur Lenk+,
welcher in gewaltigem Siegeszuge Persien (bei Ispahan 70000 Kpfe
erschlagener Feinde zusammengeschichtet), das Indusland, Syrien,
Kleinasien unterwirft. Bagdad zerstrt. Hauptstadt seines Reiches
+Samarkand+.

[1402.]

Schlacht bei +Angora+ in Kleinasien; Bajazet besiegt und gefangen.

Nach Timurs Tode (1405) zerfllt sein Reich; die Osmanen stellen ihre
Herrschaft in Kleinasien und der griechischen Halbinsel wieder her.
Erste Belagerung von Konstantinopel 1422.

Die Donaugrenze wird von den ~Ungarn~ heldenmtig verteidigt. ftere
Verhandlungen der ostrmischen Kaiser mit den Ppsten ber Herstellung
der kirchlichen Einheit (S. 176); die Beschlsse des (in Ferrara 1438
erffneten) +Unionskonzils+ zu +Florenz+ 1439 werden in Konstantinopel
von der Geistlichkeit und dem Volke nicht angenommen. Papst Eugen
IV. lt das Kreuz predigen gegen die Trken, aber die Schlacht bei
Varna (s. oben) lhmt den Kriegseifer. Sultan Mohammed II. macht dem
ostrmischen Reiche ein Ende durch die

[~1453.~]

~Eroberung Konstantinopels.~

[~29. Mai.~]

Tapfere Verteidigung durch den letzten Kaiser +Konstantin XII.+ und den
Genuesen +Giustiniani+. Griechische Gelehrte flchten nach Italien (s.
S. 211).

+Athen+ wird 1456 von den Trken besetzt, die Halbinsel +Morea+ 1460
verwstet. In +Albanien+ leistet Georg Castriota (Skanderbeg) tapferen
Widerstand, T 1467. +Bosnien+ und die +Walachei+ werden 1462-1464
unterworfen, bald auch Albanien. Belgrad (S. 218) bleibt noch bis 1521
(s. unten) ungarische Grenzfeste.

[1463-1479.]

Seekrieg der +Venetianer+ gegen die Trken; sie behalten Kandia, Korfu
und mehrere Pltze in Morea, verpflichten sich aber zur Tributzahlung,
um ihren Handel zu behalten.

[1480.]

Rhodus von den +Johannitern+ rhmlich verteidigt. Sultan Bajazet II.
berlt 1489 den Venetianern die Insel +Cypern+ (Katharina Cornaro,
Gemahlin des letzten Frsten aus dem Hause Lusignan, s. S. 175),
vertreibt sie aber 1500 aus Morea. Kriegszug nach der +Moldau+ 1497.

Sultan Selim I. unterwirft 1515-1517 Mesopotamien, Syrien und gypten.
Die Ausbreitung der Trkenherrschaft versperrt die alten Handelswege
nach Indien.

Die von den +Trken+ dem christlichen Europa drohende Gefahr steigert
sich unter Sultan Soliman II., der 1521 +Belgrad+ erobert (vgl. S. 230).

In ~Persien~ erst 1505 die Mongolenherrschaft beseitigt und eine
einheimische Dynastie wieder eingesetzt. Begrndung des neupersischen
Reiches. 1582-1627 regiert der Schah Abbas der Groe. Residenz Ispahan.

In ~Indien~ begrndet Baber, ein Nachkomme Timurs, 1525 das Reich des
Gromogul; Hauptstadt Delhi. Blte dieses Reiches unter Dschelaleddin
Mohammed (Akbar) 1556-1605.

In ~China~ unter der Ming-Dynastie (1368-1644) wird die bis 1911
noch geltende Regierungsform ausgebildet. Der Kaiser, der Sohn des
Himmels, besitzt unumschrnkte Gewalt ber alle Untertanen, ist
geistliches Oberhaupt, hchster Richter und Anfhrer im Kriege.
Er geniet abgttische Verehrung (Kotau). Strenges Zeremoniell.
Gelbe Kleidung ueres Zeichen seiner Wrde. Der Nachfolger von ihm
aus seinen Shnen gewhlt, falls diese fehlen, aus den nchsten
Verwandten. Dem Kaiser stehen Minister zur Seite, auf deren Anregung
und Verantwortung er die Gesetze erlt. In Wirklichkeit jedoch ist
die Regierung des Reiches der Mitte in eine Willkrherrschaft der
Provinzvorstnde (Vizeknige) ausgeartet.

~Japan~, wohin um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Chr. von China
aus (ber Korea) der Buddhismus und zugleich chinesische Civilisation
gekommen, wird aus einem Geschlechterstaat in einen Beamtenstaat nach
chinesischem Muster umgewandelt. Der +Mikado+ wird unumschrnkter
Herrscher des Reiches. Hauptstadt Kioto. Der Grokanzler (Daijo
Daijin) und die Minister fhren die Regierung des Landes, die Provinzen
von Statthaltern verwaltet. Alle Beamten mit erblichem Landbesitz
ausgestattet. Einzelne Familien sichern sich den erblichen Besitz der
wichtigsten mter. So bildet sich ein Hausmeiertum aus. Der Mikado von
den Ministern, die Provinzialstatthalter von den Grogrundbesitzern in
den Provinzen, d. h. von den Ministern allmhlich bei Seite geschoben.
Militr- und Zivilgewalt getrennt. Der Oberfeldherr des aus den Hrigen
der mchtigsten Geschlechter hervorgegangenen Soldatenstandes, der
+Shogun+, bringt schlielich auch das Amt des Grokanzlers in seinen
Besitz. Nach langen erbitterten Kmpfen fllt das Shogunat, d. h. der
Inbegriff aller Regierungsgewalt, der Familie der Minamoto zu. Der
Kaiser in Kioto in strenger Abhngigkeit gehalten, bleibt nur im Besitz
gewisser Ehrenrechte. Residenz der Shogune in Kamakura.

[1275.]

Vergebliche Expedition des Mongolenfrsten Kublai-Chans zur
Unterwerfung Japans. Eine zweite Flotte gleichfalls zurckgeschlagen,
durch einen Taifun vllig vernichtet (S. 195). Gegen Ende des 15.
Jahrhunderts werden die Militrgouverneure in den Provinzen (Shugo)
nach Beseitigung der Statthalter unabhngige Territorialherren
(Daimyo).

Fussnoten:

[37] so genannt nach den goldenen Siegelkapseln.

[38] Streitig war das Kurrecht zwischen den beiden schsischen und
den beiden nach dem Tode Ludwigs des Strengen 1294 entstandenen
wittelsbachischen Linien. Dasselbe ward nun Sachsen-+Wittenberg+ und
+Pfalz+ zuerkannt, Sachsen-+Lauenburg+ und +Bayern+ aber abgesprochen
(S. 189).

[39] +De terra vero salica in mulierem nulla portio transit, sed hoc
virilis sexus acquirit+ (bezieht sich eigentlich auf +Allodial+besitz
und weder auf Lehen noch auf die Thronfolge).

[40] Titel des Thronfolgers seit 1349, da der letzte Graf von +Vienne+
sein Gebiet (le Dauphin) dem franzsischen Knigshause bertrug.




~III. Neuere Geschichte.~




~A. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westflischen Frieden.
(1492-1648.)~


 1. Erfindungen, Entdeckungen u. Kolonien.

Drei noch dem +Mittelalter+ angehrige ~Erfindungen~, die mit dem
Beginn der neueren Zeit zu allgemeinerer Anwendung kommen, sind
auf die Umgestaltung der Welt von groem Einflu gewesen. 1. Der
~Kompa~ (um 1310 durch +Flavio Gioja+ von Amalfi erfunden?), frdert
Sicherheit der Schiffahrt und ermglicht die Entdeckungsfahrten.
2. Das ~Schiepulver~, wahrscheinlich aus Asien (China, Indien,
Arabien) nach Europa gekommen, nach einer unhaltbaren berlieferung
erfunden durch den Mnch +Berthold Schwarz+ zu Freiburg im Breisgau
(1354?), jedenfalls um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa zuerst
angewendet. Durch diese Erfindung eine allmhliche Umgestaltung des
+Kriegswesens+ und der Untergang des +Rittertums+ herbeigefhrt (S.
226). 3. Die ~Buchdruckerkunst~ (S. 206), allgemeiner verbreitet,
seitdem sich nach der Eroberung von Mainz (1462 in der Pflzer Fehde,
s. S 206) die Gehilfen +Fusts+ in verschiedene Lnder zerstreut hatten,
das wichtigste Mittel zur Verbreitung geistiger Bildung, Frderung des
Humanismus und der +Reformation+.

[~1492.~]

~Entdeckung Amerikas~ durch ~Columbus~.

~Cristoforo Columbo~ (er selbst nannte und schrieb sich, seit er
Spanier geworden, stets ~Cristobal Colon~), aus +Genua+, seit seiner
frhesten Jugend Seefahrer, will einen westlichen Seeweg nach +Indien+
und namentlich nach der Wunderinsel +Zipangu+ (Japan) suchen, welche
der Venetianer +Marco Polo+ (Reisen von 1271-1295, S. 206) in dem
Buche +Mirabilia mundi+ beschrieben hatte. Vom Knige von Portugal
abgewiesen, tritt Colon 1486 in den Dienst der Knigin Isabella
von +Kastilien+ (S. 214). Erst nach der Einnahme Granadas werden
notdrftige Mittel fr das groe Unternehmen beschafft. Vertrag mit
+Colon+, dem der Adel, die erbliche Wrde eines Admirals und Vizeknigs
und 1/10 der Einknfte der neuen Lnder zugestanden werden. Er
unternimmt 4 Reisen.

~Erste Reise~ 1492. Abfahrt von Palos mit 3 kleinen Schiffen am 3.
Aug. 1492, von den Kanarischen Inseln am 6. September. Am 12. Oktober
Landung auf +Guanahani+ (San Salvador), einer von den Bahama-Inseln.
Entdeckung von +Cuba+ und +Hati+; erste Kolonie Espaola auf Hati
gegrndet.

~Zweite Reise~ 1493-1496 von Cadiz aus. Entdeckung der Kleinen
+Antillen+ und der Insel +Jamaika+; Niederwerfung des Aufstandes in
Espaola.

~Dritte Reise~ 1498-1500. +Trinidad+ und das Festland von
Sdamerika[41] (die Mndung des +Orinoko+) entdeckt; dann Fahrt
nach Espaola. Colon, als Auslnder, auch durch Hrte und nicht
abzuleugnende Habsucht verhat, wird bei Hofe angeklagt. +Bobadilla+,
mit Vollmacht als Oberrichter nach der Kolonie gesendet, schickt ihn in
Ketten nach Spanien. Dort wird Colon sofort in Freiheit gesetzt und mit
Auszeichnung behandelt, behlt auch die +Admirals+wrde, wird aber als
+Statthalter+ durch +Ovando+ ersetzt.

~Vierte Reise~ 1502-1504. Kste von Honduras entdeckt, Schiffbruch,
trauriger Aufenthalt bei den Wilden auf Jamaika, endlich Rckkehr von
Hati aus.

Columbus stirbt in Valladolid 1506, ohne zu wissen, da er einen +neuen
Erdteil+ entdeckt hat; er hielt jene Lnder fr Teile Asiens (Indien).
Sein Sohn +Diego Colon+, 1509 Admiral und Vizeknig von Espaola (T
1526). Die Admiralswrde vererbt sich auf seinen Enkel und Urenkel.

Der gelehrte Florentiner ~Amerigo Vespucci~ gibt nach mehreren Fahrten
mit den Portugiesen nach Sdamerika (die Kste von Venezuela durch den
Spanier +Hojeda+ entdeckt) Karten und Beschreibungen der neu entdeckten
Lnder heraus. +Nach+ ihm, nicht durch ihn erhlt der neue Erdteil den
Namen ~Amerika~.

[~1498.~]

~Seeweg nach Ostindien~ von ~Vasco da Gama~ entdeckt. Die Portugiesen
behalten die schon seit lngerer Zeit von ihnen verfolgte Richtung der
Entdeckungsfahrten (S. 215) bei; +Vasco da Gama+ landet um Weihnachten
1497 an der +Costa Natal+, dann in +Melinde+; von da gelangt er unter
Fhrung eines arabischen Lotsen nach +Calicut+ an der Kste +Malabar+.

[~1500.~]

~Brasilien~ entdeckt von ~Cabral~, dessen Schiffe bei der zweiten Fahrt
nach Indien in die westliche Meeresstrmung geraten; er landet dann in
Calicut und Cotschin.

[1505-1515.]

Begrndung portugiesischer Kolonien in Asien durch die Vizeknige
+Almeida+ und +Albuquerque+. Hauptort +Goa+, andere Ansiedlungen in
Diu, Malakka, Ceylon, Macao (der Dichter +Camons+ 1555).

[1513.]

Der Spanier +Balboa+ dringt vom Meerbusen von +Darien+ aus zum +Stillen
Ozean+ vor.

[1515.]

Der Spanier +Diaz de Solis+ erreicht die +La Plata+-Mndung.

[~1519-1522.~]

~Erste Erdumsegelung~ unter ~Ferdinand Magalhes~ (spr. Magalings),
einem in spanische Dienste getretenen Portugiesen. Durchfahrt nach dem
Stillen Ozean durch die +Magalhes+strae. Er selbst wird 1521 auf
einer der Philippineninseln erschlagen (S. 215).

[1519-1521.]

Eroberung von ~Mexiko~ durch ~Hernan Cortez~. Dieser segelt mit 600
spanischen Soldaten von Cuba nach dem Hafenort Veracruz, wo er seine
Schiffe versenkt. Dann marschiert er mit den Tlaskalanern verbndet auf
+Mexiko+, die Residenz des Knigs der Azteken, +Montezuma+, der ihn
in die Stadt einlt. Er nimmt den Knig in seinem Palast gefangen.
Infolgedessen Aufstand der Mexikaner, Tod Montezumas. Die Spanier
verlassen die Stadt, nchtlicher Kampf auf einem der Dmme des Sees,
furchtbare Verluste (+Noche triste+). Sieg der Spanier. Von Tlaskala,
wohin er sich zurckgezogen, kehrt Cortez bald mit Verstrkungen
vor die Hauptstadt zurck. Einnahme von Mexiko nach hartnckigem
Belagerungskampf 1521. Der Knig +Guatmotzin+ hingerichtet. Cortez
anfangs unumschrnkter Statthalter von +Neuspanien+, dann auf die
militrische Oberleitung beschrnkt, entdeckt +Kalifornien+ 1535,
stirbt in Spanien 1547.

[1532.]

Eroberung von ~Peru~ durch ~Pizarro~.

Die Conquistadoren (Eroberer) finden in dem silberreichen Peru,
wie in Mexiko, eine schon lange bestehende einheimische Kultur vor.
Adelsherrschaft bei den +Inkas+, die sich Shne der Sonne nannten.
Sonnentempel in der Hauptstadt +Cuzko+, reich mit Gold geschmckt.
Pizarro nimmt den Knig +Atahualpa+ vor seinem Heere gefangen und
lt ihn, nachdem er ein ungeheueres Lsegeld von ihm erpret hat,
hinrichten. Grndung von +Lima+ 1535, Fehden zwischen den spanischen
Anfhrern. Pizarros Nebenbuhler +Almagro+, aus +Chile+ zurckgekehrt,
wird 1538 von ihm besiegt und hingerichtet, er selbst von dessen
Freunden 1541 in einem Aufstande erschlagen. Die Krone bernimmt die
Verwaltung des Landes 1548.

Drei spanische Vizeknigreiche: +Mexiko+, +Peru+, +Neu-Granada+, spter
ein viertes fr das +La Plata+-Gebiet; fr die westindischen Inseln das
Generalkapitanat +Cuba+.

~China~ und ~Japan~ werden den Portugiesen im 16. Jahrh. gleichfalls
geffnet (+Ningpo+, +Macao+), spter auch den Spaniern und
Niederlndern (+Formosa+). Der Handelsverkehr mit Europa von den
+Daimyo+ in Japan (S. 220) sehr begnstigt. Das +Christentum+ (schon
Papst Clemens V. hatte 1307 ein Erzbistum in Peking und 1313 ein Bistum
in Zeitun eingerichtet) (S. 195), findet in China (Jesuiten Franz
Xaver, Ruggieri) und ebenso in Japan schnell Verbreitung.


~Folgen der Entdeckungen.~

1. Die Ausbreitung des Christentums und der europischen Kultur
ber die ganze Erde ist ermglicht. 2. Aufschwung von Handel und
Gewerbe durch die Verwertung der berseeischen Erzeugnisse, Sinken
des Geldwertes durch die Ausbeutung der Gold- und Silberbergwerke
in Sdamerika. 3. Bereicherung der Wissenschaften, besonders der
Geographie und Naturkunde. 4. Im europischen Staatensystem kommen die
+Seemchte+ durch den Besitz von +Kolonien+ zu besonderer Geltung.
Spanien und Portugal treten jedoch am Ende des 16. Jahrh. zurck gegen
die Niederlande und England. 5. Auswanderung aus den bervlkerten
Teilen Europas nach Amerika.


 2. Die Reformation in Deutschland.

[~1493-1519.~]

~Maximilian I.~ zieht nicht mehr zur Krnung nach Rom, nennt sich
+erwhlter rmischer Kaiser+.

[1495.]

Reform der Reichsverfassung durch die Beschlsse des Reichstags zu
+Worms+: ~Ewiger Landfriede~, Reichssteuer (gelangt nicht zu bleibender
Einfhrung), ~Reichskammergericht~ (erst in +Frankfurt+, dann in
+Speier+, seit 1693 in +Wetzlar+). Besserung der Rechtsprechung durch
Annahme des +rmischen Rechts+ (S. 147), welches seit Friedrich I. (S.
183) noch immer als kaiserliches Recht galt.

Auf den +Reichstagen+ werden, nachdem die Berufung der Reichsstdte
(seit 1487) blich geworden ist, die kaiserlichen Vorschlge in 3
+Kollegien+ beraten: Kurfrsten, Frsten (geistliche und weltliche),
Reichsstdte. Der Kaiser verkndet die Beschlsse im +Reichsabschied+.

[1512.]

Reichstag zu +Kln+, Einteilung des deutschen Reiches in 10
~Landfriedenskreise~:

1. der +sterreichische+, 2. +bayrische+, 3. +schwbische+, 4.
+frnkische+ (Maingebiet, Burggrafschaft Nrnberg), 5. +oberrheinische+
(Lothringen, Hessen u.a.), 6. +kurrheinische+ (Mainz, Trier, Kln,
Pfalz), 7. +burgundische+ (Niederlande), 8. +westflische+, 9.
+niederschsische+ (Braunschweig, Lneburg, Lauenburg, Holstein,
Mecklenburg u.a.), 10. +oberschsische+ (Sachsen, Brandenburg, Pommern
u.a.).

+Bhmen+ (mit seinen Nebenlndern Mhren, Schlesien, Lausitz) und
die +Schweiz+ bleiben auerhalb der Kreisverfassung; das Ordensland
+Preuen+ steht unter +polnischer+ Oberhoheit (S. 217).

Wenig erfolgreiche Teilnahme Maximilians an den +italienischen+ Kriegen
(S. 285, 239); +Mailand+ kommt an Frankreich, die +Schweiz+ wird
tatschlich unabhngig vom deutschen Reiche, da den Eidgenossen (seit
1501 dreizehn Orte, auerdem die zugewandten Orte) Freiheit von
Reichssteuern und vom Reichskammergericht zugestanden wird (S. 260).

~Bildung der habsburgischen Hausmacht.~ Durch Vertrge und Heiraten
gewinnt Maximilian seinem Hause die Herrschaft ber +Spanien+ mit
seinen Nebenlndern, sowie ber +Bhmen+ und +Ungarn+.

 ~Maximilian I.~, ~Maria~  ~Ferdinand~, ~Isabella~,
 Kaiser,          v. Burgund,   K. v. Aragon,     K. v. Kastilien,
 T1519.           T1482.       T1516.           T1504
 |__________________|          |__________________|
          |                               |
  ~Philipp der Schne~,          ~Johanna die Wahnsinnige~,
  Erzhz. v. sterr., T1506.          K. v. Aragon u. Kast., T1555.
  |_____________________________________________|
                                     |
  ~Karl V.~ (I.), T1558,            ~Ferdinand I.~, T1564,
  Gem. Isabella v. Portugal         Gem. Anna von Ungarn.
              |                              |
  ~Philipp II.~, K. v. Spanien.     ~Maximilian II.~, Kaiser,
  T1598.                                T1576.

Maximilians Sohn, Erzherzog +Philipp+, heiratet +Johanna+, die Erbin
der spanischen Monarchie (Aragon, Kastilien, Neapel [s. S. 235] und die
amerikanischen Kolonien), nimmt 1504 den Titel Knig von Kastilien an,
stirbt aber, ehe sein Anspruch mit dem Recht Knig Ferdinands auf die
Regentschaft ber Kastilien ausgeglichen ist (S. 241).

Philipps ltester Sohn +Karl+, 1516 Knig des vereinigten ~Spaniens~,
erbt 1519 von Maximilian die ~habsburgischen Erblande~ (sterreich,
Steiermark, Krnten, Krain, Vordersterreich am Oberrhein, Tirol) und
die ~Niederlande~, bertrgt die ersteren 1521 bezw. 1522 an seinen
Bruder +Ferdinand+. Dieser heiratet +Anna+, Schwester Ludwigs II., des
letzten Knigs von +Bhmen+ und +Ungarn+ (dessen Gemahlin +Maria+ ist
Ferdinands Schwester) und erwirbt 1526 die Herrschaft ber ~Bhmen~ und
~Ungarn~ (S. 207, 230).

Die ~Umbildung des Rechts~ unter dem beherrschenden Einflu des
rmischen (S. 224) bewirkt in Deutschland allmhlich eine Strkung
der frstlichen Gewalt. Das rmische Recht, das der jetzt allgemein
durchgefhrten Geld Wirtschaft mehr entspricht als das der frheren
Naturalwirtschaft angepate deutsche Recht, mit den Landesherren
unumschrnkte Gewalt zu (S. 183), schliet das Volk und den Adel von
der Teilnahme an der Rechtsprechung und Verwaltung aus und bertrgt
diese den rmisch gebildeten Juristen. So bildet sich im Laufe der Zeit
berall ~der frstliche Absolutismus~ aus, wie ihn in Italien Friedrich
II. begrndete (S. 187). In Deutschland werden die Frsten nach und
nach absolute Territorialherren, deren Selbstndigkeit die Kaiser nicht
zu bezwingen vermgen. Unter dem Einflu des rmischen Rechts wird
auch die Erstgeburtserbfolge und die Aufhebung der Landesteilungen
allmhlich durchgefhrt, z. B. fr Brandenburg in der Constitutio
Achillea von 1473, fr Bayern 1506 usw.

An die Stelle des alten ritterlichen Lehnsaufgebots tritt das
~Sldnerheer~ (+Landsknechte+), das weniger durch den Fahneneid als
durch die Soldzahlung an die Frsten gekettet (vgl. S. 229), die
sicherste Sttze des Absolutismus wird. Der Unterhalt dieser stehenden
Heere durch Steuern aufgebracht, deren Bewilligung den Landstnden
(Vertretung der Geistlichkeit, der Vasallen und Stdte) vorbehalten
bleibt.

Das ~Rittertum~ verliert den militrischen Vorrang seit der Einfhrung
der Feuerwaffen an die Landsknechte und die brgerliche Artillerie.
Die Burgen gewhren keinen sicheren Schutz mehr. Infolge der
veralteten Art der Bewirtschaftung (Dreifelderwirtschaft) ist der
Ackerbau unrentabel geworden, zumal im Verhltnis zu den stdtischen
Erwerbszweigen. Hierdurch und durch die fortgesetzten Erbteilungen der
Adelsgter verschlechtert sich auch die materielle Lage der Ritter.
Daher Erhhung der Leistungen und Abgaben der ~Bauern~, die infolge
der Bevlkerungszunahme auch vielfach die Hufen teilen mssen, da sie
von jedem gewerblichen Betrieb der Brger ausgeschlossen sind. In den
~Stdten~ blhen Handel und Gewerbe. Ansammlung groer Kapitalien
in den Hnden der patrizischen Geschlechter, z. B. der +Welser+
und +Fugger+ in Augsburg (S. 234). Blte der Kunst und Literatur.
Pflege des Meistergesanges (+Hans Sachs+ in Nrnberg). In den Stdten
geordnete Verwaltung, Sorge fr Unterricht, Arme und Kranke, whrend
der frstliche Staat fr die Volkswohlfahrt wenig leistet, weil es ihm
an Beamten fehlt.

~Aufblhen der Wissenschaften und Knste in Deutschland~, angeregt
durch den von Italien aus sich verbreitenden +Humanismus+ (S. 211).
Deutsche Humanisten: +Johann v. Dalberg+, 1483 Kanzler der Universitt
Heidelberg und Bischof von Worms, +Konrad Celtis+, 1497 Prof. in Wien,
+Wilibald Pirkheimer+, Ratsherr in Nrnberg, +Konrad Peutinger+ in
Augsburg, +Johann Reuchlin+, Prof. in Tbingen, 1482 mit Graf Eberhard
in Italien, 1502 Richter des schwbischen Bundes (S. 206), gert 1510
mit den Dominikanern von Kln in Streit ber die Religionsbcher der
Juden: viele Humanisten nehmen an dem Streit teil, namentlich der
Ritter +Ulrich von Hutten+, als Mitverfasser der +Epistolae obscurorum
virorum+ 1516. +Erasmus von Rotterdam+, bekannt durch seine satirische
Schrift +Laus stultitiae+, gibt 1516 das griechische Neue Testament
heraus.

Nikolaus +Kopernikus+ (geb. zu Thorn 1473, Domherr zu Frauenburg am
Frischen Haff, T 1543), angeregt durch die Schriften des Astronomen
+Johannes Mller+ von Knigsberg in Franken (+Regiomontanus+, 1471 in
Nrnberg, T 1476), begrndet die richtige Lehre vom Sonnensystem, Seine
Nachfolger Joh. +Kepler+ aus Wrttemberg (T 1630) und +Galilei+ aus
Pisa (T 1642).

Blte der bildenden Knste namentlich in +Nrnberg+: der Holzschnitzer
+Veit Sto+ (T 1533), der Bildhauer +Adam Kraft+ (T 1507), der
Erzgieer +Peter Vischer+ (T 1529), der Maler +Albrecht Drer+ (geb.
1471, T 1528); in Augsburg die Maler +Hans Holbein,+ Vater und Sohn, T
1524 im Elsa, bezw. 1543 in London.

Auch die ~Baukunst~ strebte die Wiedergeburt der griechisch-rmischen
Bauweise im Anschlu an die erhaltenen Baudenkmler an
(~Renaissancestil~) (S. 211). In Deutschland vermischte sich der antike
Stil vielfach mit nationalen, der Gotik entlehnten Elementen, z.B.
Trmchen und Erkern. (+Heidelberger Schlo+.)

[~1517.~]

Beginn der ~Reformation~ durch ~Luther.~

~Martin Luther,~ geb. 10. Nov. 1483 in Eisleben, Sohn eines Bergmanns,
studiert seit 1501 in +Erfurt+, geht 1505 ins Augustinerkloster
daselbst, wird 1508 Professor an der Universitt +Wittenberg+, 1511 in
Angelegenheiten seines Ordens nach Rom geschickt. Da der Dominikaner
+Johann Tetzel+ im Auftrage des Erzbischofs Albrecht von Mainz Abla
verkaufend umherzieht, schlgt Luther am 31. Oktober 1517 seine
95 Stze (Thesen) gegen den Mibrauch des Ablasses an die Tr der
Schlokirche zu Wittenberg.

[1518.]

In der +Schweiz+ Beginn der Reformation durch Ulrich ~Zwingli~ in
Zrich, veranlat durch den Ablakrmer Bernardin +Samson+.

+Luther+, vor den Kardinal Thomas de Vio aus Gata (+Cajetanus+) nach
Augsburg gefordert, weigert sich zu widerrufen, appelliert an den
Papst.[42] Vermittelung durch den ppstlichen Kmmerer +v. Miltitz+
(Gesprch zu +Altenburg+). Luther geschtzt von Kurfrst +Friedrich dem
Weisen+ von Sachsen (+Ernestinische+ Linie des Hauses Wettin), whrend
Herzog Georg (+Albertinische+ Linie) ihm abgeneigt bleibt.[43] Philipp
+Melanchthon+ (Schwarzerd), ein Verwandter Reuchlins, geb. 1497 zu
Bretten in Baden, seit 1518 als Professor in Wittenberg, Luthers
Mitarbeiter (T 1560).

[1519.]

+Disputation zu Leipzig+; Joh. +Eck+, Prof. zu Ingolstadt, gegen
+Karlstadt+ (Andreas Bodenstein aus Karlstadt) und +Luther+. Letzterer
bekennt, da Papst und Konzilien nicht unfehlbar seien, und da sich in
Hussens Lehre viel Wahres finde. Das war der Bruch mit Rom. Eck reist
darauf nach Rom und erwirkt eine ppstliche Verdammungsbulle gegen 41
Artikel aus Luthers Schriften.

[1520.]

Luther verffentlicht 3 reformatorische Schriften: 1. An den
christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes
Besserung, 2. Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, 3.
Von der Freiheit eines Christenmenschen, verbrennt die ppstlichen
Dekretalen und die Bannbulle vor dem Elstertore zu Wittenberg.

[~1519-1556.~]

~Karl V.~, Enkel Maximilians, abwesend gewhlt von den in Frankfurt
versammelten Kurfrsten, 1520 in Aachen gekrnt. +Friedrich der Weise+
hatte die Kaiserkrone wegen hohen Alters abgelehnt.

[~1521.~ 18. April]

~Reichstag zu Worms.~ Luther verteidigt seine Lehre vor dem Kaiser,
der ihm das freie Geleit hlt. Doch wird er in die Reichsacht
erklrt und auf Befehl +Friedrichs des Weisen+ aus Vorsicht auf die
+Wartburg+ gebracht. Das +Wormser Edikt+ verbietet alle Neuerungen.
-- Luther beginnt die ~Bibelbersetzung~ (vollendet 1534). Er kehrt
auf die Nachricht von +Karlstadts+ Unordnungen nach Wittenberg zurck
(Frhjahr 1522) und predigt gegen die +Bilderstrmer+, richtet dann
den Gottesdienst mit deutscher Predigt und Abendmahl unter beiderlei
Gestalt in Kursachsen ein. Die Ausbreitung der Reformation in
Deutschland wird dadurch gefrdert, da Karl V. bald nach Spanien
zurckkehrt und dann durch Kriege mit Franz I. von Frankreich in
Anspruch genommen ist.

[1522-1523.]

Reichstag zu Nrnberg. Die Durchfhrung des Wormser Edikts fr
unmglich erklrt. Die Berufung eines Konzils verlangt.

[~1522-1523.~]

~Ritterkrieg~ im Rheinlande. +Franz von Sickingen+ an der Spitze eines
Ritterbundes gegen die geistlichen Frstentmer, belagert vergeblich
+Trier+, wird in seiner Burg +Landstuhl+ (bei Kaiserslautern)
eingeschlossen und fllt. Sein Freund +Ulrich von Hutten+ stirbt als
Flchtling auf der Insel Ufnau im Zrchersee.

[~1524-1525.~]

~Bauernkrieg~ in Schwaben und Franken, begleitet von furchtbaren
Greueln. Die 12 +Artikel+ der Bauern fordern Wahl der Pfarrer durch
die Gemeinde, Beschrnkung der Abgabe des Zehnten auf den Kornzehnt,
Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Jagd und des Fischfanges
u.a. Luther ermahnt anfangs zum Frieden, schreibt dann heftig wider
die mrdischen und raubischen Bauern. Die Aufstndischen werden
geschlagen (namentlich bei Knigshofen a. d. Tauber) und blutig
bestraft. -- Die +Wiedertufer+ in Thringen mit den Bauern verbndet;
sie werden bei Frankenhausen geschlagen, ihr Fhrer +Thomas Mnzer+ mit
25 anderen Anfhrern in Mhlhausen in Thringen hingerichtet.

[1525.]

Kurfrst Friedrich der Weise T. Ihm folgt sein Bruder Johann der
Bestndige (1525-1532). Reformation in +Preuen+. Hochmeister +Albrecht
von Brandenburg+ wird +Herzog+ in Preuen unter polnischer Lehnshoheit.

Luthers Vermhlung mit Katharina von Bora. Kirchenvisitation in
Sachsen, Sorge fr die Schulen, Katechismus 1529.

[~1521-1526.~]

~Erster Krieg~ Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Karl erhebt
Ansprche auf +Mailand+ und das +Herzogtum+ Burgund (S. 206), Franz
auf das spanische Navarra und auf Neapel (S. 235). Die Franzosen
werden aus Mailand vertrieben, welches +Franz Sforza+ (S. 210) 1522
erhlt. Der franzsische +Conntable Karl von Bourbon+ geht zu Karl
V. ber. Miglckter Einfall der Franzosen in Italien (1523-1524, auf
dem Rckzuge fllt +Bayard+, S. 235), darauf Einfall der Kaiserlichen
in das sdliche Frankreich. Franz I. geht ber den Mont Cenis, nimmt
Mailand wieder.

[1525.]

~Schlacht bei Pavia~, Sieg der Spanier unter +Pescara+ und der
deutschen Landsknechte unter +Georg von Frundsberg+; Franz I. gefangen.

[1526.]

Friede zu ~Madrid~. Franz entsagt allen Ansprchen auf Mailand und
Neapel, sowie der Lehnshoheit ber Flandern und Artois, willigt in die
Herausgabe des Herzogtums Burgund, stellt seine Shne als Geiseln.
Gleichzeitig zeichnet er einen feierlichen Protest gegen den Frieden
auf, lt sich dann vom Papst von seinem Eide lsen und erklrt die
in Madrid beschworenen Bedingungen als erzwungen fr nichtig. Papst
Clemens schliet (Mai 1526) mit Frankreich, Venedig, Florenz und
Mailand die +Heilige Liga+ von +Cognac+ gegen Karl V.

[~1526.~]

~Erster Reichstag zu Speier.~ Die Evangelischen, an der Spitze Kurfrst
Johann der Bestndige von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen,
erwirken einen der Ausbreitung der neuen Lehre gnstigen Reichsabschied.

[~1527-1529.~]

~Zweiter Krieg~ zwischen Karl V. und Franz I. Das kaiserliche (nicht
bezahlte und aufrhrerische) Heer unter dem Conntable von Bourbon
nimmt Rom mit Sturm, Bourbon fllt, der Papst wird in der Engelsburg
belagert (1527), doch erfolgt bald die Ausshnung mit dem Hofe zu
Madrid. Vergeblicher Einfall der Franzosen in Neapel.

[1529.]

Damenfriede zu ~Cambrai~. +Margarete von+ sterreich, Tante Karls,
und +Luise von Savoyen+, Mutter des Knigs von Frankreich. Letzterer
zahlt 2 Millionen Kronen und entsagt den Ansprchen auf Italien. Karl
verspricht seine Ansprche auf Burgund +fr jetzt+ nicht geltend zu
machen und entlt die franzsischen Prinzen.

[1529.]

~Zweiter Reichstag zu Speier~, wo Ferdinand (S. 225) und die
katholische Partei infolge der siegreichen Machtstellung des Kaisers
energischer auftreten. Der Reichstagsbeschlu von 1526 wird aufgehoben.
Strenge Durchfhrung des +Wormser Edikts+ in den evangelischen
Territorien beschlossen. Hiergegen protestieren die evangelischen
Stnde (daher Protestanten genannt). Darauf +Religionsgesprch zu
Marburg+ zwischen Luther und Zwingli. Einigung ber 14 Artikel, doch
nicht ber die Lehre vom Abendmahl.

[~1526-1532.~]

~Krieg mit den Trken.~ Sultan +Soliman II.+, welcher 1522 die
Johanniter (S. 219) aus Rhodus vertrieben hat, fllt in Ungarn ein;
Knig Ludwig II. von Ungarn und Bhmen T in der +Schlacht bei Mohacz+
(1526). Eine Partei des ungarischen Adels whlt +Ferdinand+, Karls
Bruder, die andere +Johann Zapolya+ von Siebenbrgen, zu dessen Schutze
Soliman abermals erscheint, jedoch +Wien+ vergeblich belagert (1529).

[1530.]

Karl V. in +Bologna+ gekrnt; letzte Krnung eines deutschen Kaisers
durch den Papst.

Glnzender ~Reichstag zu Augsburg~ unter persnlichem Vorsitz des
Kaisers. berreichung der von +Melanchthon+ verfaten ~Augsburgischen
Konfession~ (Confessio Augustana). Der Reichsabschied gebietet die
Aufhebung aller Neuerungen. Deshalb

[Dez.]

~Schmalkaldischer Bund~ der meisten protestantischen Frsten und
Reichsstdte.

[1531.]

Treffen bei +Kappel+; die Zricher von den katholischen Waldkantonen
geschlagen, Zwingli T, doch behauptet sich seine Lehre.

Karl V. lt seinen Bruder +Ferdinand+ in Kln zum rmischen Knig
whlen und in Aachen krnen. Der Kurfrst von Sachsen protestiert
im Namen der Evangelischen dagegen. Infolge der von neuem drohenden
Trkengefahr kommt zustande der

[~1532.~]

~Religionsfriede zu Nrnberg.~ Den Protestanten wird bis zu einem
allgemeinen Konzil freie Religionsbung zugestanden.

Soliman II. fllt verheerend in Ungarn ein. Heldenmtige Verteidigung
von +Gns+. Ein groes Reichsheer sammelt sich bei Wien, Soliman geht
zurck. Karl V. reist wieder nach Spanien.

[1534-1535.]

Unruhen der ~Wiedertufer~ in ~Mnster~ (Jan Matthys aus Harlem, dann
+Johann Bockelson+ aus Leyden, Knig von Zion).

[1534.]

Landgraf Philipp von Hessen fhrt den 1519 vom schwbischen Bunde
vertriebenen (lutherischen) Herzog Ulrich von ~Wrttemberg~ in sein
Herzogtum zurck, mit welchem der Kaiser seinen Bruder +Ferdinand+
belehnt hatte. Dieser verzichtet im Frieden zu Kadan auf den ferneren
Besitz Wrttembergs, wird dafr von den Evangelischen als rmischer
Knig anerkannt. Landgraf Philipp leistet darauf dem Bischof von
+Mnster+ Hilfe zur Unterwerfung der Stadt; Johann von Leyden nebst
anderen Anfhrern grausam hingerichtet.

Wrttemberg, Pommern, Anhalt und mehrere Reichsstdte treten dem
Schmalkaldischen Bunde bei (1536).

[1535.]

Karls V. Zug gegen +Tunis+ (Seeruber +Chaireddin Barbarossa+). Tunis
erobert und alle Christensklaven befreit.

[~1536-1538.~]

~Dritter Krieg~ zwischen Karl V. und Franz I., letzterer erneuert seine
Ansprche auf +Mailand+ nach dem Tode des Herzogs Franz Sforza. Er
verbndet sich mit +Soliman II.+, der Ungarn bedrngt und durch seine
Flotte die Kste Italiens plndern lt.

[1538.]

+Waffenstillstand zu Nizza+ auf Grund des Besitzstandes. Darauf reist
Karl V., um einen Aufruhr in seiner Geburtsstadt +Gent+ zu bekmpfen,
durch Frankreich, wo er von Franz I. ausgezeichnet empfangen wird.

Einfhrung der Reformation im +Herzogtum+ Sachsen (Herzog Georg T
1539), im Kurfrstentum Brandenburg (1539), im Herzogtum Mecklenburg
(1540).

[1540.]

Der ~Jesuiten-~Orden, von dem Spanier +Ignatius von Loyola+ 1534
gestiftet zur Ausbreitung der katholischen Lehre, wird von Papst Paul
III. besttigt.

[~1541.~]

~Reformation in Genf~ durch ~Johann Calvin.~ Jean +Cauvin+ aus Noyon
in der Picardie, geb. 1509, tritt 1532 in Paris als Reformator auf,
findet Schutz bei Margarete von Navarra, Schwester Franz' I. (S.
236). Aus Frankreich 1534 vertrieben, lebt Calvin abwechselnd in
Basel, Genf, Straburg, von 1541 bis zu seinem Tode 1564 in +Genf+.
Die Anhnger Zwinglis schlieen sich ihm allmhlich an. Calvinische
+Kirchenverfassung+: Die Gemeinde von den erwhlten Geistlichen
und +ltesten+ (Presbyterium) regiert, mehrere Gemeinden durch die
+Synode+; strenge Kirchenzucht. Der Arzt Servet 1553 als Irrlehrer (De
trinitatis erroribus) verbrannt.

[1541.]

Verlngerung des Religionsfriedens auf dem Reichstag zu +Regensburg+ in
Gegenwart Karls V.

Soliman II. setzt in +Ofen+ einen trkischen Pascha ein. Karls V.
unglcklicher Zug nach +Algier+.

[1542.]

Vertreibung des Herzogs +Heinrich+ von Braunschweig-Wolfenbttel durch
den Schmalkaldischen Bund.

[~1542-1544.~]

~Vierter Krieg~ Karls V. gegen Franz I., der wiederum mit Soliman II.
verbndet ist. Der Kaiser unterwirft den Herzog von +Cleve+, der sich
an Frankreich angeschlossen hat, und dringt bis +Soissons+ vor.

[1544.]

Friede zu ~Crespy~ (spr. +Crpi+): Der Herzog von Orlans, zweiter Sohn
des franzsischen Knigs, soll eine kaiserliche Prinzessin heiraten und
Mailand erhalten. Da er aber schon 1545 stirbt, so bleibt +Mailand+ dem
Kaiser, der es seinem Sohne +Philipp+ zu Lehen gibt.

[1545.]

+Hermann von Wied+, Erzbischof von +Kln+, welcher +Melanchthon+ zu
sich berufen hatte, um in seinem Erzstift die Reformation einzufhren,
wird vom Kaiser verwarnt und sucht Hilfe beim Schmalkaldischen Bunde.

[~1545-1563.~]

~Kirchenversammlung zu Trient~ (Tridentum) in Tirol, von den
Protestanten nicht beschickt, vom Papste zweimal vertagt. Kirchliche
Reformen, zugleich genauere Feststellung der katholischen Lehre.

[1546.]

18. Febr. Tod Luthers in Eisleben.

[~1546-1547.~]

~Schmalkaldischer Krieg.~ Karl V. will die reichsstndische
Selbstndigkeit in Deutschland brechen und zugleich im Bunde mit
dem Papste, der ihm Geld und Truppen sendet, die kirchliche Einheit
wiederherstellen. Die Hupter des Schmalkaldischen Bundes, +Johann
Friedrich+, Kurfrst von Sachsen, und Landgraf +Philipp+ von Hessen
werden in die Acht erklrt. Herzog +Moritz+ von Sachsen, Philipps
Schwiegersohn, schliet sich der Sache des Kaisers an.

[1546.]

Unentschlossene Kriegfhrung der Verbndeten an der +Donau+. Johann
Friedrich wird durch einen Einfall des Herzogs Moritz in sein Land
zur Rckkehr veranlat. Die sddeutschen Protestanten (Ulm, Augsburg,
Straburg, Herzog Ulrich von Wrttemberg u.a.) unterwerfen sich,
Hermann von Wied wird aus Kln vertrieben. Karl V. zieht mit seinem aus
Spaniern (Herzog +Alba+) und Italienern gebildeten Heere nach Sachsen,
geht ber die Elbe, schlgt in der

[~1547.~ 24. April.]

~Schlacht bei Mhlberg~ (auf der Lochauer Heide, bei Torgau) den
Kurfrsten von Sachsen, nimmt ihn gefangen und zieht als Sieger
in +Wittenberg+ ein. Vergleich unter Vermittelung Joachims II.
von Brandenburg. Die Kurwrde und die Kurlnder kommen an die
+Albertinische+ Linie des Hauses Wettin (Herzog Moritz); die
Ernestinische Linie behlt nur die thringischen Gebiete (+Weimar+,
+Jena+, +Eisenach+, +Gotha+ u.a., S. 227). +Philipp von Hessen+
unterwirft sich in +Halle+ und wird, obgleich sich Moritz und Joachim
II. fr seine Freiheit verbrgt hatten, gefangen gehalten.

[1548.]

Auf dem +Reichstag+ zu +Augsburg+ dekretiert der Kaiser, da das
Tridentiner Konzil vom Papste nach Bologna verlegt ist, das ~Interim,~
welches den Protestanten aufgezwungen werden soll. Einstweilen wird
ihnen die Priesterehe und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt
zugestanden. Sonst soll Lehre und Kirchenverfassung im wesentlichen
katholisch bleiben. Die Stadt +Magdeburg+, als Mittelpunkt des
Widerstandes in die Reichsacht erklrt, wird vom Kurfrsten ~Moritz von
Sachsen~ 1550-51 belagert, unterwirft sich ihm, ohne Glaubenszwang zu
erleiden. Moritz, erbittert ber die Behandlung seines Schwiegervaters
und besorgt fr seine Stellung und die Libertt aller deutschen
Frsten, rstet heimlich gegen den Kaiser und ntigt ihn, nach Abschlu
eines Bndnisses mit +Heinrich II.+ von Frankreich, zur

[~1552.~]

Flucht aus +Innsbruck+. Das in +Trient+ wieder versammelte Konzil
vertagt sich und tritt erst 1562 wieder zusammen. In Passau tritt ein
Frstentag zusammen. Knig +Ferdinand+ vermittelt den

~Passauer Vertrag~: Das Interim abgeschafft. Freilassung Philipps
von Hessen, der Religionsfriede soll auf dem nchsten +Reichstage+
festgestellt werden. Auch Kurfrst Johann Friedrich wird freigelassen.

[1552.]

~Karl V.~ zieht mit Heeresmacht gegen ~Heinrich II.~ von Frankreich,
welcher als Moritz' Verbndeter die ~lothringischen Bistmer~ +Metz+,
+Toul+ und +Verdun+ besetzt hat. Vergebliche Belagerung von +Metz+,
welches Franz von Guise mit Erfolg verteidigt. Frankreich bleibt im
Besitz der drei Bistmer, whrend das +Herzogtum+ Lothringen nach wie
vor beim deutschen Reiche bleibt.

[1553.]

Moritz siegt bei +Sievershausen+ (unweit Hannover) ber seinen
bisherigen Verbndeten +Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach+
(der den Passauer Vertrag nicht anerkennen will), wird aber tdlich
verwundet.

Karl V. zieht sich verstimmt nach den Niederlanden zurck, berlt die
Herstellung des Friedens in Deutschland seinem Bruder Ferdinand.

[~1555.~]

~Augsburger Religionsfriede~. Die +Landesherren+ und +freien Stdte+,
welche sich zur +Augsburgischen Konfession+ bekennen, erhalten
Religionsfreiheit und das Recht, in ihren Gebieten die Konfession ihrer
Untertanen zu bestimmen: cuius regio, eius religio. Den andersglubigen
Untertanen soll das Recht auszuwandern gewahrt bleiben. Zu Gunsten
der katholischen Kirche ~geistlicher Vorbehalt~ (+Reservatum
ecclesiasticum+), da geistliche Reichsstnde, welche protestantisch
werden, Amt, Gebiet und Einknfte verlieren sollen (S. 232). Die
Evangelischen fgen sich dieser Bestimmung gegen eine +Deklaration+,
da evangelische Untertanen geistlicher Reichsstnde bei ihrer
Religion gelassen werden sollen. Die Reformierten sind von dem Frieden
ausgeschlossen.


~Wirkungen der Reformation.~

Die von Deutschland ausgehende religise Bewegung fhrt in den meisten
europischen Lndern 1. zur +Abschaffung kirchlicher Mibruche+
und Vertiefung des religisen Lebens, 2. zu erhhter Pflege der von
den Fesseln der Kirche befreiten +Wissenschaften+, Verbesserung des
Schulwesens, Verbreitung geistiger Bildung, 3. zur Strkung der Gewalt
der Territorialfrsten und durch den Gegensatz der Konfessionen zu
+politischen Kmpfen+, in denen das europische +Staatensystem+ sich
ausbildet.

~Luthers Lehre~ verbreitet sich nach Dnemark, Schweden, Norwegen und
den Ostseeprovinzen, +Calvins+ Lehre (die ~reformierte Kirche~) nach
Frankreich, den Niederlanden, Schottland; in Deutschland findet sie
namentlich im Kurfrstentum Pfalz (Heidelberger Katechismus 1563), in
Hessen und Bremen Eingang.

Hebung des Wohlstandes in Deutschland, namentlich in den oberdeutschen
+Reichsstdten+; die Kaufmannshuser Fugger und Welser in +Augsburg+.
Aufblhen der +deutschen Literatur+: Hans Sachs (T 1576) in +Nrnberg+,
Joh. Fischart in +Straburg+ (T 1591); das protestantische Kirchenlied.
Die Maler Lukas Kranach, Vater und Sohn, in +Wittenberg+, spter in
Weimar (T 1553 bezw. 1586).

[~1550.~]

~Abdankung Karls V.~ in Brssel. Die Krone ~Spanien~ (mit den
Kolonien), dazu +Neapel+, +Mailand+, Freigrafschaft +Burgund+ und die
Niederlande kommen an seinen Sohn +Philipp+, die Kaiserwrde an seinen
Bruder +Ferdinand I.+ (s. S. 225). Karl lebt in der Nhe des Klosters
S. Just (in Estremadura, nrdlich vom Tajo) als Privatmann (nicht
Mnch), stirbt 1558.


 3. Frankreich.

[~1498-1589.~]

Huser ~Orlans~ und ~Angoulme~.

Nebenlinien des Hauses Valois (s. S. 208), deren Zusammenhang mit der
Hauptlinie die folgende Stammtafel darstellt.

 ~Karl V.~ (dritter K. aus dem Hause +Valois+) T1380.
 ___________________|_______________________
 ~Karl VI.~ T1422.     Ludwig, Hz. v. Orlans.
             |               Gem. Valentine Visconti.
             |               ______|__________________
 ~Karl VII.~ T1461.    Karl, Hz.      Johann, Graf
             |         v. Orlans.    v. Angoulme.
             |            |                 |
 ~Ludwig XI.~ T1483.  ~Ludwig XII.~       Karl, Graf v. Angoulme.
              |       T1515. Gem. Anna v. Gem. Louise v. Savoyen.
              |       d. Bretagne, Witwe    |
              |       Karls VIII.           |
              |          |                  |
 ~Karl VIII.~ T1498.  Claudia.       ~Franz I.~ T1547.
 Gem. Anna v. d. Bretagne. |________________|
                                         |
                            ~Heinrich II.~ T1559.
                            Gem. Katharina v. Medici.
  _______________________________|_______________________________
 |                    |      |           |             |         |
 ~Franz II.~   Elisabeth, ~Karl IX.~ ~Heinrich III.~ Franz,   Margarete,
 T1560. Gem.   Gem.       T1574.     (Hz. v. Anjou)  Hz. v.   Gem.
 Maria Stuart. Philipp II.           K. v. Polen.    Alenon. Heinrich IV.
              K. v. Spanien.        T1589.

Die franzsische Monarchie, nach Zeiten schwerer Erschtterung wieder
erstarkt, beginnt schon unter +Karl VIII.+ (S. 209) eine gegen
+Italien+ gerichtete Eroberungspolitik, doch ohne dauernden Erfolg.

[1498-1515.]

~Ludwig XII.~ heiratet Anna von der +Bretagne+, Karls VIII. Witwe,
um dieses Herzogtum bei der Krone zu erhalten, macht Ansprche auf
~Mailand~ als Enkel von +Valentine Visconti+, verjagt den Herzog
+Ludovico Moro+ (aus dem Hause +Sforza+, s. S. 211), der, als er nach
Mailand zurckkehrt, gefangen wird (1500).

[1501.]

+Ludwig XII.+ erobert im Bunde mit +Ferdinand dem Katholischen+,
Knig von Aragon, das Knigreich ~Neapel~. Spanier und Franzosen bald
uneinig, die letzteren von dem spanischen Feldherrn +Gonsalvo de
Cordova+ am +Garigliano+ geschlagen (1504). Ludwig XII. verzichtet auf
Neapel, behauptet aber die Schutzherrschaft ber +Genua+. Neapel und
Sicilien bis 1713 in spanischem Besitz. Gonsalvo erster Vizeknig.

[1508.]

Teilnahme Ludwigs an der +Liga zu Cambrai+ gegen Venedig, aber Papst
Julius II., Ferdinand der Katholische und Venedig verbinden sich 1511
zur +Heiligen Liga+, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. Diese
fhren den Krieg unter +Gaston de Foix+, Neffen Ludwigs XII., anfangs
glcklich, nehmen 1512 +Brescia+ mit Sturm (~Bayard~, der Ritter ohne
Furcht und Tadel, S. 229), schlagen mit Hilfe von 5000 deutschen
Landsknechten das spanisch-ppstliche Heer bei +Ravenna+, werden aber
1513 von den Schweizern bei +Novara+ geschlagen und rumen Italien.

[~1515-1547.~]

~Franz I.~

[1515.]

Er erobert +Mailand+ wieder durch den glnzenden Sieg ber die
Schweizer bei ~Marignano~.

[1520.]

Zusammenkunft mit Heinrich VIII. von England (+Camp du drap d'or+) in
der Nhe von Calais.

Kriege mit +Karl V.+ (s. S. 229-232): +Mailand+ verloren. Knste
und Wissenschaften werden gefrdert durch den Verkehr mit Italien.
Schlobauten: der +Louvre+ in Paris.

Erhhung der kniglichen Macht durch ein Konkordat mit dem Papste
(1516), welches die Wahl der Bischfe und bte im wesentlichen dem
Knig berlt; dagegen Wiedereinfhrung der +Annaten+ (Gebhren fr
die Besttigung durch den Papst in der Hhe eines Jahreseinkommens) und
Verzichtleistung auf den Grundsatz des Konstanzer und Baseler Konzils,
da ein allgemeines Konzil +ber+ dem Papste stehe (s. S. 203).
Verfolgung der Protestanten und grausame Hinrichtungen.

[~1547-1559.~]

~Heinrich II.~ Wachsende Macht der ~Guisen~, eines Nebenzweiges
des Hauses Lothringen, (+Franz+, Herzog von Guise, und +Karl+, der
Kardinal von Lothringen). Verfolgung der Protestanten in Frankreich,
aber Untersttzung der +deutschen+ Protestanten. 1552 +Metz+, +Toul+,
+Verdun+ gewonnen, Krieg mit Karl V. (s. S 233).

[1556-1559.]

Krieg mit +Philipp II.+ von Spanien. Die Franzosen von den Spaniern
(mit Hilfe der Englnder) bei +St. Quentin+ 1557 und durch den Grafen
+Egmont+ bei +Gravelingen+ 1558 geschlagen. +Franz von Guise+ nimmt
+Calais+, die letzte Besitzung der Englnder in Frankreich (S. 209).

[1559.]

Im Frieden zu +Cateau Cambrsis+ geben die Franzosen alle Eroberungen,
auer +Calais+, heraus. Philipp II. heiratet Elisabeth, lteste Tochter
Heinrichs II. Auf Heinrich II., der an einer Turnierwunde stirbt,
folgen hintereinander seine drei schwachen Shne.

[~1559-1560.~]

~Franz II.~, erster Gemahl der +Maria Stuart+ von Schottland, einer
Nichte der Guisen. Verfolgung der Protestanten, grausame Hinrichtungen
(+Chambres ardentes+). Des Knigs Mutter ~Katharina von Medici~ mit den
Guisen verbndet, whrend die Prinzen aus dem Hause +Bourbon+, Anton,
Knig von Navarra,[44] und Ludwig von Cond, sich der Protestanten
annehmen.

[~1560-1574.~]

~Karl IX.~, 10 Jahre alt, ebenfalls unter der Leitung seiner Mutter
+Katharina von Medici+,

[1562-1598.]

~Hugenottenkriege.[45]~

Die Verletzung eines den Reformierten gewhrten Toleranzedikts durch
+Franz von Guise+ (Blutbad zu +Vassy+ in der Champagne 1562) und
grausame Verfolgungen in mehreren Stdten veranlassen eine bewaffnete
Erhebung der Reformierten unter Fhrung des Prinzen von +Cond+ und
des Admirals +Coligny+. Sie erkmpfen in +drei Kriegen+ (bis 1570) das
Zugestndnis bedingter Religionsfreiheit, welches durch Einrumung
von 4 Sicherheitspltzen (namentlich der Hafenstadt +La Rochelle+)
gewhrleistet wird.

[~1572.~ 23.-24. Aug.]

~Die Bartholomusnacht~ oder ~Pariser Bluthochzeit.~ Bei Gelegenheit
der Vermhlung +Heinrichs von Bourbon+ und +Navarra+, der nach Conds
Tode an die Spitze der Hugenotten getreten war, mit der Schwester des
Knigs Karl IX., Margarete von Valois, zuerst ein Mordanschlag auf
+Coligny+ gemacht, dann Ermordung aller in Paris anwesenden Hugenotten,
geleitet von +Heinrich von Guise+ und der Knigin-Mutter +Katharina
von Medici+. Heinrich von Navarra rettet sein Leben durch bertritt
zur katholischen Kirche. In der Hauptstadt werden ber 2000, in ganz
Frankreich gegen 20000 Hugenotten ermordet. Diese Bluttat entzndet
den +vierten+ Krieg (1572-1573). La Rochelle, von Herzog +Heinrich von
Anjou+, Bruder des Knigs Karl IX., belagert, verteidigt sich tapfer
(Graf Montgomery). Die Wahl des Herzogs von Anjou zum Knig von Polen
bewirkt einen Vergleich.

Karl IX. stirbt 1574. Sein Bruder, der aus Polen entweicht, wird Knig
von Frankreich als

[~1574-1589.~]

~Heinrich III.~ Der +fnfte+ Krieg, whrend dessen Heinrich von Navarra
wieder zum reformierten Glauben bertritt, wird 1576 unter Bedingungen
beendigt, die fr die Hugenotten gnstiger sind als die frheren
Friedensschlsse. Daher Unzufriedenheit der strengen Katholiken; die
~Heilige Ligue~ beabsichtigt im Bunde mit +Philipp II.+ Vernichtung der
reformierten Partei und Erhebung der Guisen auf den Thron. Der Knig
erklrt sich aus Furcht vor der Ligue zum Haupt derselben und verbietet
den reformierten Gottesdienst in ganz Frankreich.

Daher nochmals +drei Kriege+, der letzte (1585-1589) genannt ~Krieg der
drei Heinriche~ (+Heinrich III.+ von Valois, +Heinrich+ von Navarra,
+Heinrich+ von Guise). In Paris bildet sich die ~Ligue der Sechzehn~,
welche die Absetzung des schwachen Knigs bezweckt. Volksaufstand,
Tag der Barrikaden 12. Mai 1588. Heinrich III. entflieht nach +Blois+,
wohin er die Reichsstnde (tats-gnraux) zusammenruft. Da er bei
diesen keinen Beistand gegen die Ligue findet, lt er den Herzog
+Heinrich von Guise+ und dessen Bruder, den +Kardinal Ludwig+,
ermorden. Aufstand der Katholiken, an dessen Spitze sich der Bruder der
Ermordeten, Herzog +Karl von Mayenne+, stellt. Heinrich III. flieht zu
Heinrich von Navarra in das Lager der Hugenotten, wird vor Paris, in
St. Cloud, von dem Mnch +Jakob Clment+ ermordet (1589).

[~1589-1792.~]

~Haus Bourbon~ (stammt ab von einem jngeren Sohne Ludwigs IX., des
Heiligen).

[~1589-1610.~]

~Heinrich IV.~ Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung.
Heinrich IV. siegt ber Karl von Mayenne bei ~Ivry~ 1590, belagert
aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma
(s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals
seinen bertritt zur katholischen Kirche erklrt hat, ffnet ihm Paris
die Tore (1594). Darauf Aufhebung des ppstlichen Bannes, Friede mit
Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das

[~1598.~]

~Edikt von Nantes~, welches den Reformierten gleiche +brgerliche+
Rechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollstndig freie
Religionsbung. Es gestattet den reformierten Kultus den +Edelleuten+
mit selbstndiger Gerichtsbarkeit (+seigneurs hauts justiciers+) und
den +Brgern+ in einer +bestimmten+ Anzahl von Stdten und Flecken,
untersagt ihn aber in allen bischflichen und erzbischflichen Stdten,
am Hofe des Knigs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die
Hauptstadt. Die Reformierten werden zu ffentlichen mtern zugelassen
und behalten ihre Sicherheitspltze. Das Edikt wird erst nach
langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. hchsten Gerichtshfen)
registriert.

Heinrichs IV. Minister, der Herzog von ~Sully~, trifft Maregeln
zur Wiederherstellung des zerrtteten Wohlstandes und der Finanzen.
Frderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien in
+Kanada+ (Quebec 1608). Der Knig beabsichtigt, als Verbndeter der
protestantischen +Union+ in den Jlich-Cleveschen Erbstreit (S. 252)
einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker Franz +Ravaillac+ in Paris
ermordet. Sein Sohn

[~1610-1643.~]

~Ludwig XIII.~, 9 Jahre alt. Regentschaft seiner Mutter +Maria von
Medici+. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschfte tritt
der Italiener +Concini+ (Marchal +d'Ancre+), nach dessen Ermordung
1617 der Herzog von +Luynes+, endlich der groe Staatsmann ~Kardinal
Richelieu~ (Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof
von Luon, 1616 Staatssekretr, 1622 Kardinal, T 1642). Von 1624-1642
verwaltet ~Richelieu~ eigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov,
1630, +journe des dupes+) glaubt Maria von Medici ihn gestrzt zu
haben, doch beherrscht er von da an den Knig sicherer als je.

Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas
und die Begrndung der Allgewalt des Knigs. Er bricht die Macht des
Adels, macht die Krone unabhngig von den +Reichsstnden+, die nicht
mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme
von +La Rochelle+ 1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete
politische Partei, sondern eine +geduldete Sekte+ sind. Unruhen,
erregt von +Gaston von Orlans+, Bruder des Knigs, enden mit dem
vollstndigen Siege Richelieus; die Knigin-Mutter wird verbannt,
Gaston entflieht nach +Lothringen+, versucht vergebens gewaltsame
Rckkehr mit Hilfe des Herzogs von +Montmorency+, des Statthalters von
Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.

[1633.]

Das Herzogtum +Lothringen+ (vgl. S. 206, 233) von franzsischen Truppen
besetzt (bis 1659). Der Dreiigjhrige Krieg bietet Gelegenheit,
Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhhen.

+Richelieu+ legt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich
verdankt ihm die Segnungen einer geordneten +Verwaltung+ und das
Aufblhen seiner klassischen +Literatur+. Stiftung der franzsischen
Akademie 1635, der magebenden Behrde in Sachen der Sprache und des
Stils; +Corneilles+ Cid 1636.


 4. Italien.

Das Herzogtum ~Mailand~ ist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland von
+Spanien+, dem Namen nach deutsches Reichslehen. In ~Mantua~ herrscht
seit 1328 das Haus +Gonzaga+; nach dessen Aussterben der Mantuanische
Erbfolgekrieg 1628-1631. +Richelieu+ zieht persnlich gegen die
Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprche der franzsischen
Nebenlinie +Nevers+ auf das Herzogtum durch.

Glnzender Hof der Herzge von ~Ferrara~ (S. 210). Nach dem Tode
Alfons' II. 1597 wird Ferrara als ppstliches Lehen mit dem
Kirchenstaate vereinigt; ~Modena~ und Reggio verbleiben einer
Nebenlinie des Hauses +Este+.

~Parma~ und Piacenza frher zu Mailand gehrig, 1512 vom Papst Julius
II. fr den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein
selbstndiges Herzogtum im Besitz des Hauses +Farnese+ bis 1731.

~Venedig~ ist 1508 gefhrdet durch die Liga von +Cambrai+ (Papst Julius
II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand der Katholische);
doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Whrend der
folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbndet. Gegenber dem
Vordringen der +Trken+ schliet es sich an Spanien an, mu aber trotz
des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242)
1573 den Trken +Cypern+ abtreten; es behlt von seinem Inselbesitz nur
+Kandia+ und die +Ionischen Inseln.+

~Genua~ macht sich 1529 unter dem Dogen +Andrea Doria+, welcher
der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der franzsischen
Schutzherrschaft (S. 235). Verschwrung des+Fiesco+ 1547. +Giannettino
Doria+, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria mu flchten.
Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als
Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rckkehr des Dogen, Wiederherstellung der
Verfassung.

Die Herzge von ~Savoyen~, welche auch +Piemont+ besitzen (S. 210),
sind unter den einheimischen Frsten von Nord-Italien die mchtigsten.
Doch verlieren sie 1536 das +Waadtland+ an Bern und geraten whrend der
Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrngnis. Nach dem
Frieden von Cateau-Cambrsis (1559, S. 236) wird +Emanuel Philibert+ in
sein Herzogtum zurckgefhrt.

In ~Florenz~ wird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit
dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen
Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei
der Dominikaner +Savonarola+. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung
zur Sittenstrenge, verfllt aber dem ppstlichen Bann und wird 1498
hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512
die +Medici+ wiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik
auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531 +Alessandro+ von
Medici als erblichen Herzog ein. Dessen Nachfolger +Cosimo+ vereinigt
die Republik +Siena+ mit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius
V. zum ~Groherzog von Toskana~ erhoben (besttigt von Kaiser Rudolf
II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in Florenz +Galileo
Galilei+, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, das
+Kopernikanische Sonnensystem+ abzuschwren (T 1642 in Arcetri bei
Florenz).

Die ~Ppste~ dieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu
vergrern und ihr geistliches Ansehen zu erhhen.

[1492-1502.]

+Alexander VI.+ aus dem Hause +Borgia+, durch Ausschweifungen
berchtigt; sein Sohn +Cesar Borgia+ herrscht grausam in der Romagna.

[1503-1513.]

+Julius II.+, kriegerisch und kunstliebend, beginnt den Neubau der
Peterskirche, beruft dazu den Baumeister Bramante, den Bildhauer
Michelangelo (an Julius' II. Grab Statue des Moses) und den Maler
Raffael nach Rom.

[1513-1521.]

+Leo X.,+ Sohn Lorenzos von Medici (S. 211), kunstliebend und gelehrt.

[1521-1523.]

+Hadrian VI.,+ aus Utrecht, frher Lehrer Karls V., auf Abstellung
kirchlicher Mibruche bedacht.

[1523-1534.]

+Clemens VII.,+ Neffe Lorenzos von Medici, klug, aber nicht tatkrftig.

[1555-1559.]

+Paul IV.,+ streng kirchlich, hat 1542 als Kardinal unter Paul III. die
Herstellung der +Inquisition+ (S. 186) und die Einrichtung des Index
librorum prohibitorum bewirkt.

[1572-1585.]

+Gregor XIII.+ ordnet 1582 den +verbesserten Kalender+ an (Ausfall
des Schaltjahres am Ende des Jahrhunderts, mit Ausnahme jedes vierten
Jahrhunderts).

[1575-1590.]

+Sixtus V.+ unterdrckt das Rubertum im Kirchenstaat; Vollendung der
Peterskirche.

~Neapel~ ist von 1504-1713 ein Nebenland Spaniens (s. S. 235). Der
Aufstand des Fischers +Tommaso Aniello,+ genannt +Masaniello+ (1647),
wird schnell unterdrckt.

~Bltezeit der italienischen Kunst und Literatur.~

Maler: +Leonardo da Vinci+ (T 1519), +Raffael Santi+ (T 1520), +Antonio
Allegri,+ genannt +Correggio+ (T 1534), +Michelangelo Buonarotti+ (T
1564), zugleich Bildhauer und Architekt, +Tizian+ (T 1576), +Paul
Veronese+ (T 1588). Musiker: +Palestrina+ (T 1594). Dichter: +Ariosto+
(T 1533), +Torquato Tasso+ (T 1595). Unter den Prosaschriftstellern
ragt hervor der Politiker +Macchiavelli+ (T 1527 in Florenz: Il
Principe, Buch vom Frsten).


 5. Pyrenische Halbinsel und Niederlande,

[~1479-1516.~]

~Ferdinand der Katholische,~ Knig von +Aragon,+ bernimmt 1504
nach dem Tode seiner Gemahlin +Isabella+ (S. 215) die Regierung in
+Kastilien+ fr seine abwesende Tochter +Johanna+, Gemahlin des
Erzherzogs Philipp von sterreich (S. 225). Philipp und Johanna
kommen 1506 nach Kastilien; Ferdinand tritt in einem Vertrage die
Regentschaft an Philipp ab, aber bald darauf stirbt dieser pltzlich
1506. Johanna, schon frher schwermtig, verfllt in Wahnsinn, lebt
im Schlosse +Tordesillas+ in Haft bis zu ihrem Tode (1555). Ferdinand
bernimmt wieder die Regentschaft, erweitert 1512 das Reich Aragon
durch Eroberung des kleinen Knigreichs +Navarra+; nur der nrdlich von
den Pyrenen gelegene Teil desselben bleibt dem franzsischen Grafen
+Jean d'Albret+ (S. 236). Befestigung der Monarchie in dem nunmehr
vereinigten ~Knigreich Spanien~ mit Hilfe des staatsklugen Kardinals
+Ximenez+.

[~1516-1556.~]

~Karl I.~ (als deutscher Kaiser +Karl V.,+ s. S. 228) begrndet nach
Niederwerfung eines Aufstandes in Kastilien (1521) die unbeschrnkte
Knigsgewalt in +Spanien+; die Cortes fortan ohne Bedeutung. Durch
Erwerbung groer Gebiete in +Amerika+ (S. 223) gelangt Spanien zu hoher
Machtstellung.

[~1556-1598.~]

~Philipp II.~, viermal vermhlt, mit: 1. +Maria+ von Portugal (Mutter
des Don Carlos), 2. +Maria der Katholischen+ von England (S. 246),
3. +Elisabeth+ von Valois (S. 236), 4. +Anna+, Tochter Maximilians
II. Unter seinem starren Despotismus erschpfen sich die Krfte des
spanischen Reiches.

Krieg mit Frankreich (S. 236). Blutige Verfolgung der Moriskos und der
Protestanten in Spanien; die Schrecken der Inquisition (S. 215) dauern
fort. Zwist zwischen dem Knig und seinem Erben +Don Carlos+; dieser
wird verhaftet und stirbt im Gefngnis 1568. ber die +Trken+, welche
1565 vergeblich die dem Johanniterorden (S. 178) gehrige Insel +Malta+
angreifen (tapfere Verteidigung durch den Gromeister +La Valette+),
erficht +Don Juan d' Austria+, Karls I. (V.) natrlicher Sohn, den
groen

[~1571.~]

~Seesieg bei Lepanto~ (Naupaktos, S. 44). In demselben Jahre werden die
+Philippinen+-Inseln in Besitz genommen (1898 an die Union abgetreten).

[~1568-1648.~]

~Freiheitskrieg der Niederlande.~

~Veranlassung~: Die seit Karls V. Abdankung an Spanien gekommenen
niederlndischen Provinzen (S. 225) waren seit alter Zeit im Besitz
bedeutender Privilegien; die +Stnde+ (+Staaten+, +tats+) hatten
Steuern und Truppen zu bewilligen. Aber Druck der spanischen
Besatzungen, Strafedikte gegen die Ketzer, die geplante Grndung
neuer Bistmer, Furcht vor Einfhrung der spanischen Inquisition
bewirken unter der Statthalterin +Margarete von Parma+ (1559-1567),
der Halbschwester des Knigs Philipp II. (ihr Ratgeber Bischof
+Granvella+), heftige Erregung. Bund des Adels (Kompromi zu +Breda+)
zur Verteidigung der Privilegien. Im Staatsrat sind Graf +Egmont+,
Statthalter von Flandern, und Wilhelm von +Nassau-Oranien[46]+,
Statthalter von Holland und Seeland, um Erhaltung des Friedens bemht.

[1566.]

berreichung einer Bittschrift an die Statthalterin in +Brssel+ durch
300 Vertreter des niederen Adels (~Geusen~, Bettler, ihr Parteiname,
entstanden durch den verchtlichen Ausruf des Grafen von Barlaimont:
+Ce n'est qu'un tas de gueux+). Volksunruhen, veranlat durch
calvinische Prediger; Bildersturm und Plnderung der Kirchen. Egmont
und Wilhelm von Oranien treten diesen Unordnungen entgegen.

Obwohl die Ruhe schlielich wiederhergestellt war, wird

[1567.]

Herzog ~Alba~ mit einem spanischen Heere ber +Genua, Savoyen, Burgund+
nach den Niederlanden gesandt. Wilhelm von Oranien entflieht nach
Nassau. Tausende von Niederlndern verlassen ihr Vaterland. Alba
bernimmt die Regierung; der von ihm in Brssel eingesetzte Gerichtshof
arbeitet entsetzlich, vom Volk als Blutrat bezeichnet.

[1568.]

Hinrichtung der Grafen +Egmont+ und +Hoorn+.

~Wilhelm von Oranien~ macht mit Flchtlingen und deutschen Sldnern,
die er in Nassau um sich gesammelt hat, einen Einfall in die
Niederlande, wird aber von Alba zurckgeschlagen.

Die willkrlichen, von Alba auferlegten Steuern (der 10te Pfennig
von jeder verkauften Ware, der 100ste vom Vermgen) erregen einen
neuen Aufstand. Einnahme von +Briel+ (an der Maasmndung) durch die
Wassergeusen 1572. Schnelle Ausbreitung des Aufstandes, besonders in
den nrdlichen Provinzen, wo Wilhelm von Oranien nach seiner Rckkehr
aus Deutschland an die Spitze tritt. Herzog Alba wird auf seinen
eigenen Antrag 1573 zurckberufen.

Sein Nachfolger +Luis de Requesens+ siegt zwar 1574 auf der Mooker
Heide, wo zwei Brder des Prinzen von Oranien fallen, belagert
aber +Leyden+ vergeblich (Durchstechung der Deiche, Grndung der
Universitt) und kann des Aufstandes nicht Herr werden (T 1576).
Plnderungen der Stdte Antwerpen, Mastricht, Gent u.a. durch die
kniglichen Truppen fhren die

[~1576.~]

~Pazifikation von Gent~ herbei, einen Vertrag +aller+ Provinzen,
durch welchen sie sich, ungeachtet der religisen und nationalen
Unterschiede, vereinigen, um die spanischen Soldaten aus dem Lande zu
treiben.

Der neue Statthalter +Don Juan d'Austria+, Philipps II. Halbbruder,
wird von den meisten Provinzen nicht anerkannt, doch entsteht unter
ihnen bald Uneinigkeit. Ihm folgt +Alexander Farnese von Parma+,
Margaretes Sohn (1578-1592), ein staatskluger Frst und trefflicher
Feldherr. Dieser unterwirft unter dem Versprechen der Herstellung ihrer
alten politischen Freiheiten die +sdlichen+, katholischen Provinzen
(Belgien). Die sieben +nrdlichen+, berwiegend calvinischen (Holland,
Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Groningen, Friesland) schlieen

[~1579.~]

die ~Utrechter Union~, sagen sich 1581 gnzlich von Spanien los und
bertragen die Leitung +Wilhelm von Oranien+. Nach dessen Ermordung
zu +Delft+ 1584 durch den Fanatiker Balthasar Gerard tritt sein Sohn,
der 17jhrige ~Moritz von Oranien~, an die Spitze. Kriegsglck
Alexanders von Parma, Einnahme von +Antwerpen+ 1585. Die den Hollndern
geleistete englische Hilfe (+Leicester+ Statthalter) bestimmt Philipp
zur Ausrstung der ~Armada~, welche, angefhrt vom Herzog Medina
Sidonia, furchtbaren Strmen und der Tapferkeit der Englnder erliegt
(1588). Seitdem Niedergang der spanischen Seeherrschaft. Moritz erobert
Breda 1590, dann Nimwegen und Groningen, die Spanier erobern 1604 nach
dreijhriger Belagerung Ostende. Endlich wird unter Knig

[~1598-1621.~]

~Philipp III.~

[1609.]

ein zwlfjhriger ~Waffenstillstand~ geschlossen. Unter dem schwachen,
von Gnstlingen beherrschten Knige sinkt Spaniens Macht und Wohlstand
weiter, namentlich auch infolge der Austreibung von 500000 Moriskos.
Nach Ablauf des Waffenstillstandes mit den Niederlndern wird der Kampf
wieder aufgenommen, bis unter Knig

[~1621-1665.~]

~Philipp IV.~ die ~Republik der Niederlande~ im Westflischen Frieden
1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhngigkeit von seiten
Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.

In dem aufblhenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen;
der +oranischen+ Partei steht die +Generalstaaten+-Partei gegenber,
den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemigten (Arminianer).
Die Synode zu +Dordrecht+ verurteilt 1619 den verdienten Staatsmann
+Olden Barneveld+, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum
Tode; +Hugo Grotius+, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich
(sein Buch +de iure belli ac pacis+ Grundlage des Vlkerrechts, 1635
schwedischer Gesandter in Paris, T 1645). Die Statthalterwrde wird
1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.

     Wilhelm I. von Nassau-Oranien,
                 T1584.
    _______________|_____________
   |                             |
 Moritz,                Friedrich Heinrich,
 T1625.                      T1647.
                     ____________|___________
                    |                        |
                Wilhelm II.,       Luise Henriette, T1667.
                  T1650.           Gem. Friedrich Wilhelm
                    |                   v. Brandenburg.
                    |                        |
                Wilhelm III.,           Friedrich I.
                  T1702.               von Preuen.

~Aufschwung der niederlndischen Seemacht~: Ostindische Kompagnie 1602
gegrndet, +Neu-Amsterdam+ (New York, S. 270) 1612, +Batavia+ auf Java
1619, +Kapstadt+ 1651, +Ceylon+ besetzt 1656, 1634-54 auch +Brasilien+.
+Tasman+ umfhrt Australien (Neu-Holland) 1642.

Blte der Wissenschaften auf der Universitt +Leyden+ (gegr. 1575). Der
Philosoph +Baruch Spinoza+ geb. zu Amsterdam 1632, T 1677.

Blte der Malerei (+Rembrandt+ T 1669, +Ruysdael+ T 1682, +Hobbema+ T
1709), der Dichtkunst (+Vondel+ T 1679) und Musik (Roland de Lattre
[Orlandus Lassus] T 1594 in Mnchen).

In den spanischen Niederlanden die Maler +Rubens+, geb. in Siegen 1577,
T in Antwerpen 1640; +van Dyk+ T 1641; +Teniers+ der ltere T 1649,
+Teniers+ der Jngere T 1690; +Snyders+ T 1657.

Auch in ~Spanien~ Blte der Literatur (+Cervantes+ T 1616, +Lope de
Vega+ T 1635, +Calderon+ T 1681) und Malerei +(Velasquez+ T 1660,
+Murillo+ T 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbflei,
Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.

~Portugal~ im Besitz ansehnlicher Kolonien, blhend unter +Emanuel
dem Groen+ (1495-1521). Sein Urenkel +Sebastian+ fllt 1578 in der
unglcklichen Schlacht bei +Alkassar+ in Marokko. Philipp II. von
Spanien erhebt Erbansprche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt
1580 das Land in Besitz. Als ~spanische Provinz (1580-1640)~ verliert
Portugal einen groen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln,
Ceylon) an die Niederlnder. 1640 Erhebung gegen die spanische
Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das Haus ~Braganza~
(Knig Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.


 6. England und Schottland.

[~1485-1603.~]

~Haus Tudor~ (s. s. 213).

[1485-1509.]

~Heinrich VII.~ erhht das Ansehen der Krone, indem er dem Adel
verbietet, bewaffnetes Gefolge zu halten (Gerichtshof der +Sternkammer+
gegen Aufruhrversuche) und die Finanzen ordnet. Er versucht ganz Irland
zu unterwerfen (S. 192). Seine Tochter +Margarete+ vermhlt mit +Jakob
IV.+, Knig von Schottland (aus dem Hause +Stuart+, s. S. 212).

[~1509-1547.~]

~Heinrich VIII.~, grausam und tyrannisch. Er ist sechsmal vermhlt,
nmlich mit: 1. +Katharina von Aragon+, Schwester der wahnsinnigen
Johanna (S. 225), Witwe seines Bruders +Arthur+, Mutter von +Maria
der Katholischen+ (geschieden). 2. +Anna Boleyn+, Mutter der
+Elisabeth+ (hingerichtet). 3. +Johanna Seymour+ (T nach der Geburt
ihres Sohnes +Eduard VI.+). 4. +Anna von Cleve+ (geschieden). 5.
+Katharina Howard+ (hingerichtet). 6. +Katharina Parr+ (berlebt den
Knig). Die verweigerte Scheidung von der ersten Gemahlin (Kardinal
+Wolsey+, gestrzt 1529) wird fr den anfangs streng katholischen Knig
(+Defensor fidei+) Grund zur Trennung der +englischen Kirche+ vom
Papsttum (1531). Der Knig kirchliches Oberhaupt. Blutige Verfolgung
aller den +Suprematseid+ Verweigernden (der Kanzler Thomas More T
1535); Einziehung vieler Klster, aber Beibehaltung katholischer Lehren
(die 6 Artikel).

~Stammtafel der Familien Tudor und Stuart~ (S. 213):

     ~Heinrich VII.~ T1509.
   ____________|_____________________________________
  |                             |                    |
  ~Heinrich VIII.~       Margarete,           Maria,
  T1547.                     Gem. Jakob IV.       Gem. Hz.
     |                        v. Schottland.       v. Suffolk
 ~Maria d. Katholische~     |                    |
  T1558.                     ~Jakob V.~         |
 ~Elisabeth~ T1603.     v. Schottland        Franziska,
 ~Eduard VI.~ T1553.    T1542.              Gem. Henry Gray.
                              Gem. Maria                   |
                              v. Guise.                Johanna Gray
                                  |                    T1554.
                          ~Maria (Stuart)~ T1587.
                          Gem. Darnley.
                                  |
                          ~Jakob VI.~ v. Schottland T1625.

[~1547-1553.~]

~Eduard Vl.~, 10 Jahre alt. Die Regierung geleitet von dem Protektor
Herzog von +Somerset+, dann von Graf +Warwick+, Herzog von
+Northumberland+. Nun erst finden die +Lehren+ der Reformation in
England Eingang. Grndung der episkopalen Hochkirche (High Church).
+Book of common prayer+ und Glaubensbekenntnis in 42 Artikeln, verfat
von Thomas +Cranmer+, Erzbischof von Canterbury.

[~1553-1558.~]

~Maria die Katholische~, die Blutige. +Northumberlands+ Versuch,
+Johanna Gray+, die Gemahlin seines Sohnes, auf den Thron zu setzen,
milingt; alle drei werden hingerichtet. Maria vermhlt sich mit
Philipp II. von Spanien, dem aber keine Regierungsrechte zugestanden
werden. Wiederherstellung der katholischen Religion. Grausame
Verfolgung der Protestanten, Erzbischof +Cranmer+ und viele andere
verbrannt. +Calais+ an Frankreich verloren (s. S. 236).

[~1558-1603.~]

~Elisabeth.~ Wiederherstellung der ~anglikanischen Kirche~
(Episkopalkirche), protestantische Lehre mit Beibehaltung der
katholischen Hierarchie und teilweise des Kultus. Glaubensbekenntnis
die ~39 Artikel~. Zahlreiche +Dissenters+ (Presbyterianer, Puritaner).
Handel und Schiffahrt entwickeln sich, besonders seit der Vernichtung
der Armada. Entdeckungsreisen (+Franz Drake+, zweite Erdumsegelung 1577
bis 1580, S. 223). Ansiedelungen in Nordamerika, +Walther Raleigh+
grndet die Kolonie +Virginia+ 1584. Ostindische Kompagnie 1600. Die
Kaufleute der deutschen Hanse werden 1598 aus ihrem Hause in London,
dem +Stalhof+, vertrieben, erhalten es jedoch spter noch einmal
zurck. -- Unter Elisabeths Regierung lebt der groe dramatische
Dichter ~William Shakespeare~ (1564 bis 1616 und der Philosoph Franz
Bacon von Verulam, 1561 bis 1626).

[1587. 8. Febr.]

~Hinrichtung~ der Knigin ~Maria Stuart~.

+Maria Stuart+, Tochter +Jakobs V.+ von Schottland und der +Maria von
Guise+ (S. 236), Urenkelin Heinrichs VII. von England, geb. 1542,
zuerst vermhlt mit +Franz II.+ von Frankreich (T 1560), nimmt nach
dem Tode der Knigin +Maria der Katholischen+ den Titel +Knigin
von England+ an. Nach dem Tode ihres Gemahls Franz bernimmt sie
die Regierung in ~Schottland~ (1561). Streit mit den schottischen
Calvinisten. (+John Knox+, in Genf mit +Calvin+ befreundet, T 1572).
Maria heiratet ihren Vetter +Heinrich Darnley+, der ihren Gnstling
+Riccio+ ermorden lt (1566) und dann unter Mitwissenschaft der
Knigin von +Bothwell+ ermordet wird (1567). Maria heiratet gleich
darauf in dritter Ehe den Mrder +Bothwell+. Aufstand der Schotten,
Maria gefangen, ihr und Darnleys einjhriger Sohn +Jakob+ als Knig
anerkannt. Maria entflieht nach England (1568). Hier wird sie bis
1587 gefangen gehalten und zuletzt in Fotheringhay wegen Teilnahme an
Verschwrungen gegen das Leben Elisabeths hingerichtet.

[1588.]

Krieg mit Spanien, Vernichtung der spanischen ~Armada~ (130 groe
Schiffe) durch Seegefechte im +Kanal+ und durch Strme an den Ksten
von Schottland und Irland (S. 244). Eine englische Flotte (unter
Graf +Essex+ und Admiral +Howard+) erobert 1596 +Cadiz+ und kehrt
mit reicher Beute zurck. Graf +Essex+, Gnstling der Knigin, wird
darauf nach +Irland+ gesandt, um den Aufstand dort zu dmpfen, kehrt
eigenmchtig zurck, wird wegen Emprung hingerichtet (1601). Die von
Spanien untersttzten katholischen Iren 1601 besiegt. Irland damit
endgltig unterworfen (S. 245, 192). Nach Elisabeths Tode folgt in
England als Erbe des Hauses Tudor das in Schottland (S. 212) seit 1371
regierende

[~1603-1649 (1714).~]

~Haus Stuart.~ Personal-Union zwischen England und Schottland.

[~1603-1625.~]

~Jakob I.~ (als Knig von Schottland Jakob VI.), Sohn der Maria
Stuart, in Schottland +calvinisch+ erzogen, bekennt sich dann zur
+anglikanischen+ Kirche. Das Fehlschlagen der Hoffnungen, welche die
Katholiken auf ihn als Sohn der Maria Stuart gesetzt hatten, bewirkt
die sogenannte ~Pulververschwrung~ (1605). Doch wird der Plan, Knig
und Parlament in die Luft zu sprengen, noch rechtzeitig vereitelt.
Streitigkeiten mit dem Parlament wegen der schlechten Finanzwirtschaft
des Knigs und der geplanten Vermhlung des Thronfolgers mit einer
spanischen Infantin.

[~1625-1649.~]

~Karl I.~, Gemahl der katholischen +Henriette+ von Frankreich, strebt
nach unumschrnkter Gewalt des Knigtums. Geldverlegenheiten ntigen
ihn zur Erhhung des Tonnen- und Pfundgeldes, einer Steuer fr ein-
und ausgefhrte Waren, und dann nach vergeblicher Auflsung von zwei
Parlamenten zur Bewilligung der +Bitte um Recht+ (~Petition of Right~
1628) gegen willkrliche Besteuerung und Verhaftung englischer Brger.
Karls Gnstling, der Herzog von +Buckingham+, wird ermordet, als er in
Portsmouth den Befehl ber die zum Entsatz von +La Rochelle+ (s. S.
239) bestimmte Flotte bernehmen will.

Nach Auflsung des dritten Parlaments (1629) regiert Karl 11 Jahre
lang willkrlich ohne Parlament. Seine Ratgeber Lord ~Strafford~,
frher Mitglied der Oppositionspartei im Unterhause, und Erzbischof
~Laud~. Willkrliche Erhebung des Schiffsgeldes, einer Geldabfindung
der Seestdte fr die Stellung von Schiffen zum Kstenschutz; +John
Hampden+ verweigert die Zahlung dieser Abgabe, wird gerichtlich dazu
verurteilt. Dieser Proze ruft groe Aufregung hervor. Auswanderung
bedrckter +Puritaner+ (John Milton ihr Dichter T 1674) nach den
amerikanischen Kolonien, +Boston+ gegrndet 1630.

[1637.]

Der unkluge Versuch, die Liturgie und Verfassung der englischen
Episkopalkirche in Schottland einzufhren, bewirkt offenen Aufruhr
und einen frmlichen ~Bund der Schotten~ (+Covenant+) zum Schutze der
religisen und politischen Rechte und Freiheiten ihres Landes. Um Geld
zum Kriege gegen die Schotten zu erlangen, beruft der Knig (April
1640) ein Parlament. Dieses bewilligt nichts, sondern erneuert die
alten Beschwerden. Ein kleines, durch freiwillige Spenden und Darlehen
der kniglich Gesinnten aufgebrachtes Heer marschiert gegen die
Schotten, wird aber zurckgeschlagen.

[1640. Nov.]

Karl beruft von neuem ein Parlament. Dieses, das sogenannte ~Lange
Parlament~, wird bald mchtiger als der Knig. Der Minister
+Strafford+, vom Unterhause vor dem Oberhause angeklagt, wird trotz
seiner glnzenden Verteidigung verurteilt und hingerichtet. Erzbischof
+Laud+ verhaftet und spter ebenfalls hingerichtet. Ein Aufstand
der katholischen +Irlnder+ vermehrt den Unwillen des englischen
Volkes. Der Versuch des Knigs, 5 Hupter der Opposition persnlich
im Parlament zu verhaften, bringt den Aufruhr in London zum Ausbruch
(1642). Parteinamen der +Kavaliere+ (Royalisten) und der +Rundkpfe+
(Republikaner). Karl verlt London und geht nach York.

[1642-1649.]

~Brgerkrieg in England~; den Truppen des Knigs tritt ein
+Parlamentsheer+ entgegen. Der Knig, anfangs siegreich, beruft das
Parlament nach +Oxford+ (1644), wo sich 83 Lords und 165 Mitglieder
des Unterhauses einfinden. Dagegen Vereinigung der +Schotten+ mit dem
englischen +Parlamentsheere+. Die Kniglichen werden bei +Marstonmoor+
(der Reiterfhrer +Cromwell+) und 1645 bei +Naseby+ geschlagen. Karl,
in Oxford belagert, flieht zu den Schotten, die ihn an das englische
Parlament ausliefern (Januar 1647).

Whrend des Brgerkrieges wird die +Episkopalkirche+ in England
+aufgehoben+; gegen die +Presbyterianer+ aber, die zum Vergleich mit
dem Knige geneigt sind, erhebt sich die Partei der ~Independenten~,
an ihrer Spitze ~Oliver Cromwell~. Sie erlangen das bergewicht im
Heere und bemchtigen sich auch des gefangenen Knigs. Cromwell schlgt
die jetzt +zu Gunsten Karls+ in England einfallenden +Schotten+ bei
+Preston+ und verjagt seine presbyterianischen Gegner aus dem Parlament
(1648). Das nunmehrige +Rumpfparlament+ (+Rump-Parliament+) setzt den
Knig ab und lt ihn durch einen Gerichtshof verurteilen.

[~1049.~]

30. Jan. ~Karl I.~ zu Whitehall in London ~hingerichtet~.

Abschaffung des Oberhauses. England wird ~Republik~, geleitet von dem
Parlament und einem Staatsrat von 42 Mitgliedern.


 7. Der Norden und Osten.

~Christian II.~ von ~Dnemark~ (1513-23) versucht Schweden zu
unterwerfen (vgl. S. 216), aber das ~Stockholmer Blutbad~ (1520) fhrt
die vollstndige Auflsung der +skandinavischen Union+ herbei. Aufstand
der Talbewohner (+Dalkarlar+) unter ~Gustav Wasa~ (geb. 1496, als
Geisel nach Dnemark gefhrt 1518, flchtet 1519 nach Lbeck, kehrt
1520 insgeheim zurck). Er wird 1521 zum Reichsverweser, 1523 zum Knig
erwhlt, nimmt +Stockholm+ ein mit Hilfe der hansischen, von Lbeck und
Danzig gestellten Kriegsflotte.

[~1523-1654.~]

Haus ~Wasa in Schweden~. Unter +Gustav I.+ Wasa (1523-1560) Einfhrung
der Reformation. Der Thron erblich; die Handelsprivilegien der
deutschen Hanse werden bald beschrnkt, schlielich aufgehoben (S. 201,
246).

[1561.]

Auflsung des deutschen Ordensstaates in Kurland, ~Livland~ und Estland
(S. 217). Der grte Teil seines Gebiets kommt an +Polen+, Estland an
+Schweden+; der letzte Landmeister Gotthard Kettler wird als Herzog von
+Kurland+ polnischer Vasall.

Gustav Wasas ltester, geisteskranker Sohn +Erich XIV+. wird 1568
entthront von seinem Bruder +Johann III.+ Dessen Sohn +Sigismund+
katholisch und seit 1587 Knig von Polen, wird in Schweden 1598
verdrngt von seinem Oheim +Karl IX.+, dem jngsten Sohne Gustavs I.
Dieser ordnet die zerrttete Verwaltung des Landes und behauptet gegen
Polen den Besitz Estlands. Sein Sohn

[~1611-1632.~]

~Gustav II. Adolf~ gewinnt im Kriege mit Ruland +Karelien+ und
+Ingermanland+ (1617), im Kriege mit Polen (S. 256), +Livland+ (1621),
schliet 1629 unter Richelieus Vermittelung mit Polen Waffenstillstand,
um den Krieg in Deutschland (S. 256) zu beginnen. Ihm folgt, zuerst
unter Vormundschaft des Reichsrats, seine Tochter

[~1632-1654.~]

~Christine,~ gelehrt, aber ohne Lust fr die Regierungsgeschfte.
Sie dankt 1654 ab zu Gunsten ihres Vetters +Karl Gustav+ von
Pfalz-Zweibrcken (Sohn einer Schwester Gustav Adolfs), wird dann
katholisch, stirbt in Rom 1689.

~Dnemark~ und ~Norwegen~ bleiben bis 1815 vereinigt. Schon unter
Christian II., Schwager Kaiser Karls V., dringt die Reformation
in Dnemark ein. Christian von seinem Oheim, dem Herzog von
Schleswig-Holstein, verdrngt, der als +Friedrich I.+ (1523-1533)
mit Hlfe Lbecks den dnischen Thron besteigt und die Reformation
begnstigt.

[1534-1536.]

Die +Grafenfehde+: Jrgen Wullenwever, protestantischer Brgermeister
von +Lbeck+, untersttzt den Grafen Christoph von Oldenburg
gegen Friedrichs I. Sohn +Christian III.+ Dieser aber behauptet
die Herrschaft in Dnemark (1534-1559) und fhrt die Reformation
vollstndig durch. Wullenwever vom Erzbischof von Bremen verhaftet,
an den Herzog von Braunschweig ausgeliefert, 1537 in Wolfenbttel
hingerichtet.

[1559-1588.]

+Friedrich II.+ beginnt seine Regierung mit der Unterwerfung der
+Dithmarschen+ (S. 216), fhrt

[1563-1570]

im Bunde mit Lbeck Krieg gegen +Schweden+, beschrnkt die Privilegien
der Hansa.

[1588-1648.]

+Christian IV.,+ nimmt am 30jhrigen Kriege teil (s. S. 255). Im
Frieden zu +Brmsebro+ 1645 werden von ihm an Schweden die Provinzen
Jmtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und sel abgetreten, auch
wird den schwedischen Schiffen Freiheit vom +Sundzoll+ zugestanden.

~Polen~ gewinnt unter den ~Jagellonen (1386-1572)~ seine grte
Ausdehnung (Ostsee, Karpathen, Schwarzes Meer), doch schon in dieser
Zeit entwickelt sich durch die +Privilegien des zahlreichen Adels+ der
Keim des Verfalls. Seit 1572 ist Polen ~Wahlreich~. Einfhrung des
+liberum veto+ auf den Reichstagen. Wahlknige: +Heinrich von Anjou+
(s. S. 237), +Stephan Bathory+ von Siebenbrgen, dann (1587-1668) 3
Knige aus dem Hause +Wasa: Sigismund III.+ T 1632, +Wladislaw IV.+ T
1648, +Johann Kasimir+ (dankt ab 1668).

~Ruland~ unter ~Iwan IV.,~ +dem Schrecklichen+ (1533 bis 1584)
vergrert durch Eroberung der Reiche +Kasan+ und +Astrachan+; der
Kosakenhetman Jermak beginnt 1581 die Eroberung +Sibiriens+. Nach dem
Aussterben des Hauses ~Rurik~ mit Iwans IV. Sohn +Feodor I.+ 1598
(Feodors jngerer Bruder Demetrius war von Boris Godunow [Zar von
1598-1605] umgebracht worden) mehrjhriger Thronstreit; 1605-1606
regiert der von Polen untersttzte +falsche Demetrius+, dem dann
noch zwei andere folgen. Ein Reichstag zu Moskau erhebt 1613 Michael
~Romanow~ auf den Thron, dessen Haus bis 1762 regiert.

Das Reich der ~osmanischen Trken~ erreicht seine hchste Blte unter
~Soliman II.~ (1520-1566), dem Zeitgenossen Kaiser Karls V. (vgl. S.
230-232). Er stirbt in Ungarn bei der Belagerung der von +Zriny+ tapfer
verteidigten Feste +Szigeth+ (1566). Unter seinen Nachfolgern beginnt
der Verfall, namentlich infolge der Unbotmigkeit der +Janitscharen+.

In China kommt die Dynastie der +Mandschu+ oder +Tsing+ zur Regierung
(1644 bis jetzt noch). Im 17. Jahrh. der grte Teil der Dsungarei,
ganz Turkestan und Tibet erobert. Auch den Russen, Franzosen und
Englndern (Kanton) Handelsverkehr gestattet (S. 223f.).

~Japan~ wird nach Abschaffung des Shogunats (1573-1603) dem Mikado nach
und nach wieder Untertan. Ende des mehr als 500jhrigen Brgerkrieges.
Begnstigung des Christentums. Unglcklicher Eroberungskrieg gegen
~Korea~ 1598.

[1603.]

Das Shogunat wird vom Mikado der Familie Tokugawa erblich
bertragen. Ihre Residenz Tokio. Seitdem 250jhriger Friede und hohe
Kulturentwickelung. Seiden- und Baumwollenindustrie, Aufschwung der
Porzellanfabrikation. Unter den Tokugawa (1603-1867) Abschlieung
Japans gegen das Ausland. Fernhaltung der Fremden. 1614 die fremden
Priester fr Landesfeinde erklrt und Ausrottung des Christentums
befohlen; grausame Verfolgungen. Erst seit dem Niedergang der
Tokugawa-Herrschaft Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika
angeknpft und von 1854 an einzelne Hfen geffnet.


 8. Deutschland, Dreiigjhriger Krieg.

[~1556-1564.~]

~Ferdinand I.~, seit 1526 Knig von +Bhmen+ und +Ungarn+; doch mu er
die grere Hlfte Ungarns den Trken berlassen. Unter ihm und seinem
Nachfolger Friedenszeit in Deutschland, aber die +Ostseeprovinzen+ (S.
249) und die +Niederlande+ (S. 242ff.) gehen dem Deutschtum verloren.
Whrend die Protestanten sich durch theologische Streitigkeiten
entzweien (Ha der strengen Lutheraner an der 1548 erffneten
Universitt Jena gegen den Kryptocalvinismus Melanchthons), befestigt
sich der Katholizismus durch das eifrige Wirken der +Jesuiten+ (S.
231) und das Tridentinum (S. 232). Beginn der +Gegen+reformation in
sterreich, Bayern und den geistlichen Frstentmern.

[~1564-1576.~]

~Maximilian II.,~ mild und den Protestanten zugetan, denen er in seinen
Erblanden freie Religionsbung gestattet. Doch wird Herzog +Johann
Friedrich+ von Sachsen-Gotha, der im Bunde mit dem gewaltttigen
Reichsritter +v. Grumbach+ die Lnder seines Vaters (S. 232 f.)
wiederzugewinnen trachtet, 1566 gechtet und bis an seinen Tod (1595)
in sterreich gefangen gehalten (Grumbachsche Hndel).

[~1576-1612.~]

~Rudolf II.,~ von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfhig zu
regieren. Die Astronomen +Tycho de Brahe+ (aus Schonen, T 1601) und
+Kepler+ (S. 227) an seinem Hofe in Prag.

Im Reiche nehmen Streitigkeiten berhand. Sonderung der Lutheraner von
den Reformierten durch die +Konkordienformel, +1580 zuerst in Sachsen
verkndet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen.
Auf den Reichstagen Streit ber den geistlichen Vorbehalt (S. 234).
Der Kurfrst von +Kln+ Gebhard Truchse von Waldburg 1583 vertrieben,
weil er zum Protestantismus bertritt. In +Straburg+ 1592 zwiespltige
Bischofswahl; der von den Protestanten gewhlte Administrator mu 1604
zurcktreten. Die Reichsstadt +Donauwrth+, vom Kaiser in die Acht
erklrt, weil das Volk eine katholische Prozession gestrt hatte, wird
von +Maximilian von Bayern,+ der die Acht vollstreckt (1607), besetzt
und mit Bayern vereinigt. Deshalb

[1608.]

Grndung der protestantischen ~Union~; Oberhaupt der reformierte
Kurfrst Friedrich IV. von der Pfalz;

[1609.]

Katholische ~Liga,~ Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide
Frsten sind +Wittelsbacher+ (S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union
fern.

[~1609-1014.~]

~Jlich-Clevescher Erbfolgestreit.~ Johann Sigismund von +Brandenburg+
und Wolfgang Wilhelm von +Pfalz-Neuburg+ nehmen das Land als das Erbe
ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm
gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser
gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschtzt. Spter entzweien sie
sich, Wolfgang Wilhelm wird +katholisch+ und ruft die Hilfe der +Liga+
und +Spaniens+ an. Johann Sigismund tritt zur +reformierten+ Lehre ber
und findet Rckhalt an +Holland+ und Heinrich IV. von Frankreich (T
1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.

Vertrag zu +Xanten+ 1614: +Cleve, Mark+ und +Ravensberg+ kommen an
Brandenburg, +Jlich+ und +Berg+ an Pfalz-Neuburg. Spanische und
hollndische Besatzungen bleiben noch lngere Zeit, erst 1666 wird der
Vertrag vollstndig ausgefhrt.

Kaiser Rudolf, von seinem Bruder +Matthias+ gezwungen, ihm Ungarn,
Mhren und sterreich zu berlassen, gibt den Bhmen, um sie fr sich
zu gewinnen, den

[1609.]

~Majesttsbrief~. Dieser gestattet +allen Bewohnern+ Bhmens den
Anschlu an die utraquistische, auf entschieden protestantischem
Standpunkt stehende +Bhmische Konfession+ von 1575 und erlaubt den 3
Stnden der +Herren+, +Ritter+ und +kniglichen Stdte+ den Bau von
Kirchen. Der zugleich abgeschlossene, vom Kaiser anerkannte stndische
+Vergleich+ gibt diese Erlaubnis auch den +Untertanen+ auf den
+kniglichen Gtern+.

[1611.]

Rudolf verliert auch die Herrschaft ber Bhmen, stirbt 1612 machtlos
in Prag.

[~1612-1619.~]

~Matthias~ verschafft, da er kinderlos ist und seine Brder Verzicht
leisten, seinem streng katholischen, von den Jesuiten erzogenen Vetter
~Ferdinand~, Herzog von Steiermark, Krnten und Krain, die Nachfolge
auch in Bhmen und Ungarn, trotz des Widerwillens der protestantischen
Stnde.

[~1618-1648.~]

~Der Dreiigjhrige Krieg.~

Versuch des Hauses +Habsburg+, im Bunde mit der katholischen Kirche die
Machtstellung des Kaisertums zu erhhen. In den drei ersten Abschnitten
des Krieges berwiegt die +religise+ Parteiung; aus dem Aufstand in
Bhmen entwickelt sich ein groer Kampf des katholischen Europa gegen
das protestantische. Zuletzt fhren Schweden und Frankreich im Kampf
gegen das Haus Habsburg +Eroberungs+kriege +auf deutschem Boden+.


~1. Bhmisch-pflzischer Krieg 1618-1623.~

~Veranlassung~: Schlieung der utraquistischen Kirche in Braunau
im Gebiet des dortigen Abts und Niederreiung der Kirche in
Klostergrab im Sprengel des +Erzbischofs von Prag+, also in Gebieten
+geistlicher+ Stnde, welche nach Auffassung der Protestanten kraft
der bhmischen Landesverfassung als +knigliche Gter+ zu betrachten
waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetzten
+Defensoren+ und der protestantischen Stnde.

[~1618.~ 23. Mai.]

~Aufstand in Prag~; an der Spitze steht Graf +Matthias von Thurn+.
Die Statthalter +Martinitz+ und +Slawata+ und der Geheimschreiber
+Fabricius+ werden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg
hinausgestrzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufstndischen
bertragen die Regierung Bhmens an 30 +Direktoren+. Aus Italien kommt
Graf +Ernst von Mansfeld+ zu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus
Schlesien zieht Markgraf Johann Georg von +Jgerndorf+ herbei.

[1619.]

Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegen +Wien+. Die
sterreichischen, meist protestantischen Stnde stellen drohende
Forderungen an +Ferdinand+, der durch die Ankunft einiger Truppen aus
der gefhrlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungnstige
Wendung des Krieges in Bhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich
nach +Frankfurt+, wird dort von den drei geistlichen Kurfrsten und den
Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewhlt.

[~1619-1637.~]

~Ferdinand II.~ Unterdessen sprechen die Bhmen seine Absetzung als
Knig von Bhmen aus und whlen den jungen ~Friedrich V.~, Kurfrsten
von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschen +Calvinisten+,
Schwiegersohn Jakobs I., Knigs von England.

Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mit +Bethlen Gabor+, Frsten von
Siebenbrgen, vereinigt (Nov. 1619). Klte, Mangel und der Einfall
eines kaiserlichen Parteigngers in Ungarn bewirken den Rckzug.

Ferdinand verbndet sich mit seinem Jugendfreunde ~Maximilian~,
Herzog von ~Bayern~, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die
sterreichischen Stnde unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinola bricht
in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen Kurfrsten +Johann Georg+
von Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft.
Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (+Tilly+) nach
Bhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen Feldherrn +Buquoi+. Beide
siegen in der

[~1620.~ 8. Nov.]

~Schlacht~ auf dem ~Weien Berge~ bei ~Prag~ ber Friedrichs V.,
vom Frsten +Christian von Anhalt+ gefhrte Truppen. Friedrich,
der Winterknig, entflieht nach Holland, wird vom Kaiser trotz
kurfrstlichen Protestes gechtet, ebenso Christian von Anhalt und
der Markgraf von Jgerndorf. Strenges Walten der Sieger in +Bhmen+;
die Hupter des Aufstandes hingerichtet, viele Gter eingezogen, der
Protestantismus ausgerottet. Gewaltsame +Gegenreformation+ auch in
sterreich und (weniger hart) in Schlesien.

Die protestantische +Union+ lst sich auf, als die Kriegsgefahr nher
rckt. Das Kurfrstentum ~Pfalz~ wird in Vollstreckung der Reichsacht
von Maximilians Feldherrn ~Tilly~ mit Hilfe spanischer Truppen unter
+Spinola+ erobert. Heidelberg erstrmt, die Bibliothek (Palatina) nach
Rom gebracht. Tilly, 1622 bei +Wiesloch+ von Mansfeld geschlagen, siegt
bald darauf bei +Wimpfen+ ber den Markgrafen von Baden-Durlach, bei
+Hchst+ ber Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums
Halberstadt.

[1623.]

Tilly dringt nach +Westfalen+ vor, siegt bei +Stadtlohn+ abermals
ber Christian, bleibt mit seinen Truppen im niederschsischen
Kreise zum Schutz der geistlichen Gebiete. Herzog Maximilian erhlt
auf dem Frstentag zu Regensburg die pflzische +Kurwrde+ und die
+Oberpfalz+, Sachsen die +Lausitz+ (zunchst als Pfand).


~2. Dnisch-niederschsischer Krieg 1625-1629.~

~Christian IV.~, Knig von Dnemark (S. 250) und Herzog von Holstein,
als Oberster des niederschsischen Kreises (S. 224) an der Spitze
der Protestanten, von +Holland+ und +England+ zur Wiedereinsetzung
Friedrichs V. angetrieben, aber unzureichend untersttzt.

Albrecht von ~Wallenstein~ (eig. +Waldstein+) geb. 1583 in Bhmen, aus
utraquistischer Familie, aber katholisch erzogen, 1619 Oberst, 1623
Frst, 1625 Herzog von +Friedland+, wird kaiserlicher Obergeneral ber
ein von ihm selbst errichtetes, durch ein Raubsystem zu erhaltendes
Sldnerheer.

[~1626.~]

+Wallenstein+ schlgt +Mansfeld+ bei der ~Dessauer Brcke~, verfolgt
ihn durch Schlesien und Mhren nach Ungarn, wo sich Mansfeld mit
+Bethlen Gabor+ vereinigt, aber von diesem keine Hilfe erhlt. Mansfeld
stirbt in Bosnien. (Imperatorem decet stantem mori!)

[1626. Aug.]

Tilly schlgt Christian IV. bei ~Lutter am Barenberge~ in Braunschweig.
Tilly und Wallenstein erobern +Holstein+ (1627), Wallenstein allein
+Schleswig+ und +Jtland+. Er besetzt +Mecklenburg+, wird vom Kaiser
1628 mit diesem Herzogtum belehnt und zum General des Baltischen und
Ozeanischen Meeres ernannt. Er zwingt den Herzog von +Pommern+ zur
Unterwerfung, erhlt aber von den Hansestdten keine Schiffe und
belagert vergebens ~Stralsund~ (1628), dessen Brger sich mit dnischer
und schwedischer Hilfe zehn Wochen lang tapfer verteidigen. Sein
Unterfeldherr +Arnim+ zieht darauf mit 15000 Mann nach Westpreuen, um
die Polen gegen Gustav Adolf (S. 250) zu untersttzen.

[~1629.~]

~Friede zu Lbeck~ zwischen dem Kaiser und Christian IV. Dieser erhlt
seine Lnder zurck, entsagt aber jeglicher Teilnahme an den deutschen
Streitigkeiten. Ferdinand II. erlt das

~Restitutionsedikt~: 1. Auf Grund des +geistlichen Vorbehaltes+ (S.
234) sollen die seit dem Passauer Vertrage 1552 von protestantischen
Frsten in Besitz genommenen geistlichen Gter herausgegeben werden.
Dies betrifft 2 Erzbistmer: +Magdeburg+ und +Bremen+; 12 Bistmer:
+Minden+, +Verden+, +Halberstadt+, +Lbeck+, +Ratzeburg+, +Meien+,
+Merseburg+, +Naumburg+ (diese drei werden jedoch dem +Kurfrsten von
Sachsen+ ausnahmsweise belassen), +Brandenburg+, +Havelberg+, +Lebus+
und +Kammin+, auerdem viele Klster und Stifter. 2. +Nur+ die Bekenner
der +Augsburgischen+ Konfession sollen freie Religionsbung haben,
alle anderen Sekten -- also auch die Reformierten -- sollen aufhren.
-- Anfang rcksichtsloser Ausfhrung des Resitutionsedikts durch die
Truppen der Liga und Wallensteins.

[~1630.~]

~Kurfrstentag zu Regensburg.~

Die katholischen Kurfrsten, gesttzt auf die lauten Klagen aller
Reichsstnde ber die von Wallensteins Truppen verbten Grausamkeiten
und Erpressungen, erlangen vom Kaiser Ferdinand II. die +Absetzung
Wallensteins+.


~3. Schwedischer Krieg 1630-1635.~

[~1630.~ Juni]

~Gustav II. Adolf~, Knig von Schweden, landet auf der Insel Usedom.

+Zwecke und Grnde seiner Einmischung+: Schutz der unterdrckten
Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzge von Mecklenburg, seiner
Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser
verbndete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor
der Begrndung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.

Damalige +Machtstellung+ Schwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland,
Estland, Livland (S. 249 f.), gehrten zu Gustav Adolfs Reiche,
Kurland stand unter schwedischem Einflu. Es lag fr einen ehrgeizigen
Monarchen nahe, an die Erwerbung von +Preuen+ und +Pommern+ zu denken,
welche das Baltische Meer vllig unter den beherrschenden Einflu
Schwedens gebracht htte.

Nach der Eroberung der Inseln +Usedom+, +Wollin+ und +Rgen+ besetzt
Gustav Adolf +Stettin+, schliet ein Bndnis mit Herzog Bogislaw XIV.,
vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit
Frankreich (+Richelieu+). Er rckt an der Oder vor, wo ihm Tilly
entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder
zurck, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat Tilly +Magdeburg+
zu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem Schwager
+Georg Wilhelm+, Kurfrsten von +Brandenburg+, der Bedenken trgt, vom
Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die Festung +Spandau+ eingerumt.
Weitere Unterhandlungen mit Kurfrst Johann Georg von +Sachsen+, der
neutral zu bleiben versucht. Whrenddessen

[~1631.~]

(10./20. Mai.) Eroberung ~Magdeburgs~ durch Tilly. Der Sturm geleitet
von +Pappenheim+. Furchtbares Blutbad und Plnderung durch die
zgellosen Soldaten Tillys. Durch eine pltzlich an verschiedenen
Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme
des Domes in Asche gelegt (+nicht+ auf Tillys Befehl).

Tilly will den Kurfrsten von Sachsen zum Anschlu an den Kaiser
zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.

[~1631.~ 7. / 17.Sept.]

~Schlacht bei Leipzig~ oder ~Breitenfeld~. Zuerst werden die Sachsen
von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glnzender Sieg Gustav Adolfs.

Die Sachsen unter +Arnim+, dem frheren Unterfeldherrn Wallensteins,
rcken in +Bhmen+ ein und nehmen +Prag+. Gustav Adolf zieht durch
+Thringen+ und +Franken+ nach dem Rhein (ber Erfurt, Wrzburg, Hanau,
Frankfurt). Die Pfalz erobert. ~Mainz~ besetzt, hier Winterquartiere.

+Wallenstein+, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschrnkten
Oberbefehl ber alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer
und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Bhmen. Gustav Adolf zieht
nach +Nrnberg+ und siegt ber Tilly bei +Rain+ am Lech (5./15. April).
Tilly, tdlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.

Gustav Adolf nimmt +Augsburg+ ein, belagert vergeblich Maximilian in
Ingolstadt, zwingt ~Mnchen~ zur bergabe. Wallenstein von Maximilian
zu Hilfe gerufen.

[~1632.~ Juli-Sept.]

~Festes Lager bei Nrnberg.~ Gustav Adolf und Wallenstein lagern
einander 7 Wochen gegenber. Ein Angriff der Schweden auf Wallensteins
Verschanzungen wird blutig zurckgeschlagen. Darauf rckt Gustav
Adolf gegen die Donau, Wallenstein nach Sachsen. Auf den Hilferuf des
Kurfrsten kommt Gustav Adolf in Eilmrschen herbei, vereinigt sich
mit +Bernhard von Weimar+ und greift, als er hrt, da Wallenstein von
Leipzig aus Pappenheim nach Nordwesten abgesandt hat, die Kaiserlichen
(etwa 18000 gegen 20000 Schweden) an.

[6./16. Nov.]

~Schlacht bei Ltzen.~ ~Gustav Adolf fllt.~ +Pappenheim+, der,
schnell zurckgerufen, von 3 Uhr ab mit seinen Reitern an der Schlacht
teilgenommen hatte, war kurz vor dem Knig tdlich verwundet worden.
Der Sieg der Schweden wird durch Bernhard von Weimar vollendet.

+Bernhard+, +Gustav Horn+ und +Banr+ erhalten den Befehl ber die
schwedischen Heere. Die politische Leitung bernimmt der schwedische
Reichskanzler ~Axel Oxenstierna~; er schliet den +Heilbronner Bund+:
Schweden an der Spitze der 4 oberdeutschen Reichskreise (Baden,
Wrttemberg, Hessen-Kassel, die sddeutschen Reichsstdte).

[~1633.~]

Zug +Bernhards' von Weimar+ nach Franken. Er lt sich von dem
schwedischen Kanzler mit den Bistmern Wrzburg und Bamberg als
+Herzogtum+ ~Franken~ belehnen und besetzt die Oberpfalz.

Wallenstein rckt aus Bhmen nach +Schlesien+ vor, nimmt bei +Steinau+
an der Oder ein schwedisches Korps gefangen, kehrt dann aber nach
Bhmen zurck und weigert sich, dem Kurfrsten Maximilian von Bayern
abermals zu Hilfe zu kommen, obgleich +Regensburg+ (14. Nov.) von
Bernhard von Weimar besetzt ist. Spannung zwischen +Wallenstein+
und dem kaiserlichen Hofe. Die ihm feindliche ligistisch-spanische
Partei will ihn vom Oberbefehl entfernen. Wallenstein fhrt geheime
Unterhandlungen mit den Sachsen, Schweden und Franzosen. Er
beabsichtigt, sich durch sein Heer (Revers der Obersten in +Pilsen+)
eine +unabhngige Stellung+ zu verschaffen, den Kaiser von der
Herrschaft der spanischen Partei zu befreien und den Reichsfrieden
herzustellen.

Der Wiener Hof macht ihm die Hauptfhrer der Truppen (Gallas,
Piccolomini, Aldringen, Maradas, Colloredo) abwendig; Ilow, Terzka,
Kinsky bleiben Wallenstein treu. Ein kaiserliches Patent vom 18.
Februar 1634 erklrt Wallenstein fr abgesetzt, weil er eine
Konspiration anzuspinnen sich angemat, Uns und Unser hochlbliches
Haus von unserem Erbknigreich, Land und Leuten zu vertreiben.
Wallenstein verlt Pilsen und zieht nach +Eger+, wohin auch Bernhard
von Weimar und Arnim kommen sollen.

[~1634.~ 25. Febr.]

~Wallenstein ermordet zu Eger~ auf Veranstaltung des irischen Obersten
+Butler+, der mit Gallas und Piccolomini im Einverstndnis war. Der
Kaiser hat den Mord nicht befohlen, aber die Mrder mit Ehren und
Reichtmern belohnt.

[6./16. Sept.]

Schlacht bei ~Nrdlingen~, Sieg der mit einem spanischen Hilfskorps
vereinigten Kaiserlichen (unter +Ferdinand+, des Kaisers Sohn, und
+Gallas+) und Bayern (+Johann von Werth+) ber die Schweden unter Horn
und Bernhard von Weimar. Die sddeutschen Protestanten suchen Hilfe bei
Frankreich.

[~1635.~]

~Friede zu Prag~, zwischen dem Kaiser und dem Kurfrsten von Sachsen:
1. Der Kurfrst von Sachsen erhlt die +Lausitz+ erblich, das Erzbistum
Magdeburg fr seinen zweiten Sohn +August+ auf Lebenszeit. 2. Die
+geistlichen Gter+ (s. S. 255) sollen den protestantischen Besitzern
auf 40 Jahre verbleiben. 3. Gemeinsame Bekmpfung der Schweden und
ihrer Bundesgenossen. -- +Brandenburg+ und andere protestantische
Reichsstnde treten diesem Frieden bei; einige aber bleiben dem Bndnis
mit Schweden treu.


~4. Schwedisch-franzsischer Krieg 1635-1648.~

Frankreich, durch +Richelieus+ Politik mit Schweden eng verbndet (S.
256), erklrt dem Kaiser, bald auch dem Knig von Spanien den Krieg.
Subsidienvertrag mit +Bernhard von Weimar+, welcher sich, da er infolge
der Schlacht bei Nrdlingen sein Herzogtum Franken verloren hat, im
+Elsa+ einen neuen Staat zu erobern sucht. Einnahme von +Breisach+
1638. Nach seinem Tode 1639 bemchtigt sich Frankreich seines Heeres
und seiner Eroberungen.

[~1636.~]

Sieg der Schweden (nachdem sie fast bis an die Ostsee
zurckgedrngt gewesen waren) unter Banr bei ~Wittstock~ ber das
kaiserlich-schsische Heer.

[1637.]

Kaiser Ferdinand II. T. Sein Sohn

[~1037-1657.~]

~Ferdinand III.~, zum Frieden geneigt. Das +pommersche+ Herzoghaus
erlischt (1637).

[1640.]

Georg Wilhelm T. ~Friedrich Wilhelm~, Kurfrst von Brandenburg (der
~Groe Kurfrst~, 1640-1688. S. auch Anhang):

[1641.]

Friedensverhandlungen in +Hamburg+, ein Kongre verabredet.

[~1642.~]

~Zweite~ Schlacht bei ~Leipzig~ (Breitenfeld), Banrs Nachfolger
~Torstenson~ siegt ber die Kaiserlichen unter Erzherzog +Leopold
Wilhelm+ und +Piccolomini+, dringt darauf durch Bhmen nach Mhren
vor. Die feindliche Haltung des auf Schwedens Erfolge eiferschtigen
Dnenknigs Christian IV. (S. 255) veranlat ihn zur Umkehr.

[1643. Sept.]

Torstenson zieht in Eilmrschen durch Schlesien, Sachsen, Braunschweig
nach dem Norden, erobert Holstein und Schleswig, rckt in Jtland ein.

Unterdessen dringen die Franzosen in Schwaben vor, werden aber bei
+Tuttlingen+ von einem sterreichisch-bayrischen Heere (unter +Mercy+
und +Johann von Werth+) geschlagen.

[1644.]

Die Gesandten der Krieg fhrenden Staaten versammeln sich in +Mnster+
und +Osnabrck+; langwierige Vorverhandlungen. Der Marschall ~Turenne~
und der 23jhrige Herzog von +Enghien+, spter Prinz ~Cond~, erhalten
den Oberbefehl ber die franzsischen Truppen. Sie zwingen die Bayern
zum Rckzug und erobern einen groen Teil der Rheinlande (Worms, Mainz,
Bingen u.a. Stdte).

[~1645.~ Jan.]

Ein den Dnen zu Hilfe gesandtes kaiserliches Heer unter +Gallas+ wird
von +Torstenson+ aus Holstein zurckgetrieben und bei Magdeburg fast
vernichtet. Glnzender Sieg +Torstensons+ ber die Kaiserlichen

[Mrz.]

bei ~Jankau~ (in Bhmen), worauf er, mit dem siebenbrgischen Frsten
+Rakoczy+ verbndet, Mhren erobert und bis nahe vor Wien rckt.

+Turenne+, von +Mercy+ und +Johann von Werth+ bei +Mergentheim+ (in
Franken) geschlagen, siegt mit Cond vereinigt bei +Allerheim+ (unweit
Nrdlingen).

Friede zwischen +Schweden+ und +Dnemark+ zu +Brmsebro+ (s. S. 250).

Nach dem Milingen der Belagerung von Brnn geht +Torstenson+ nach
Bhmen zurck und legt wegen Krankheit den Oberbefehl nieder, welchen
+Wrangel+ erhlt.

[1646.]

Schweden und Franzosen rcken in +Bayern+ ein, zwingen den Kurfrsten
Maximilian (1647), einen Waffenstillstand zu schlieen.

[1648.]

Zweiter Einfall der Schweden und Franzosen in +Bayern+, nachdem
Maximilian den Waffenstillstand gekndigt hat; furchtbare Verheerung
des Landes. Der schwedische General +Knigsmark+ nimmt die
+Kleinseite+ von +Prag+ auf dem linken Moldauufer ein.

[~1648.~]

~Westflischer Friede.~ Unterhandlungen von 1645 bis 1648 zu +Mnster+
mit den Franzosen, zu +Osnabrck+ mit den Schweden. Der kaiserliche
Gesandte Graf +Trautmannsdorf+.


+A. Entschdigungen.+

1. ~Schweden~ erhlt als ~Reichslehen~: +Vorpommern+ mit Stettin,
Rgen, Usedom und Wollin, die bisher mecklenburgische Stadt +Wismar+
und die Bistmer +Bremen+ (~nicht~ die Stadt) und +Verden+ (spr.
+Ferden+) als weltliche Herzogtmer, dazu 5 Millionen Taler.

2. ~Frankreich~ erhlt den Besitz der schon 1552 (s. S. 233) gewonnenen
lothringischen Bistmer +Metz, Toul+ und +Verdun+ besttigt; der
Streit mit dem seit 1634 vertriebenen +Herzog+ +von+ ~Lothringen~
bleibt unerledigt (bis 1659, vgl. S. 262). Im ~Elsa~ erhlt es die
sterreichische +Landgrafschaft+ (S. 195), den +Sundgau+ und die
+Landvogtei+ ber 10 Reichsstdte; diese Stdte selbst verbleiben dem
Reiche, ebenso Stadt und Bistum +Straburg+. Auf dem rechten Rheinufer
erhlt Frankreich die Stadt +Breisach+ und das Besatzungsrecht von
+Philippsburg+.

3. ~Bayern~ bleibt im Besitz der +Oberpfalz+, ~Sachsen~ im Besitz
der +Lausitz+; ~Brandenburg~ erhlt +Hinterpommern+ mit dem
Bistum +Kammin+, die Bistmer +Halberstadt+ und +Minden+ und die
Anwartschaft auf das Erzbistum +Magdeburg+ (erworben 1680, S. 258).
+Hessen-Kassel+ erhlt die Abtei Hersfeld und einen Teil der Grafschaft
Schauenburg, +Mecklenburg+ die Bistmer Schwerin und Ratzeburg,
+Braunschweig-Lneburg+ ein Anrecht auf das Bistum Osnabrck, wo bis
1803 abwechselnd ein katholischer und ein evangelischer Bischof regiert.


+B. Weltliche Reichsangelegenheiten.+

1. Allgemeine Amnestie und Wiedereinsetzung in den Stand von 1618,
doch bleibt die +bayrische+ Linie des Hauses Wittelsbach im Besitz
der Kurwrde; fr die +pflzische+ wird eine neue, +achte+ Kurwrde
errichtet. 2. Den Reichsstnden wird im Verhltnis zum Kaiser die
+Landeshoheit (Superioritas territorialis)+ zuerkannt, namentlich das
Recht, Bndnisse unter sich und mit Auswrtigen, auer gegen Kaiser und
Reich, zu schlieen. 3. Die Republik der ~Niederlande~ (S. 244) und die
~Schweiz~ (S. 225) werden als ~unabhngig vom Reiche~ anerkannt.

+C. Geistliche Angelegenheiten.+

1. Der +Augsburger+ Religionsfriede wird besttigt und auf die
+Reformierten+ ausgedehnt. 2. In betreff der geistlichen Gter und der
Religionsbung wird der 1. Januar ~1624 (Annus normalis)~ als magebend
festgesetzt.

Frankreich und Schweden ~garantieren~ den Frieden. Ihre Truppen
verlassen erst 1650 nach Abzahlung der Kriegsentschdigungen das
deutsche Gebiet.


~Folgen des Dreiigjhrigen Krieges.~

1. Deutschland ist verwstet und kommt nur langsam wieder empor. Das
+Deutsche Reich+ ist nach auen ohnmchtig, im Innern geschwcht durch
die Selbstndigkeit der vielen kleinen Staaten. Sinken der Stdte, der
Hansebund ist aufgelst.[47]

2. Die Religionsfreiheit ist fr Deutschland und dadurch auch fr das
brige Europa gesichert. 3. +Frankreich+ und +Schweden+ gelangen zu
besonderem Ansehen im europischen Staatensystem.

Der ~brandenburgisch-preuische~ Staat beginnt sich zu entfalten. Er
bernimmt fortan in Deutschland den Schutz der vom Kurfrsten von
Sachsen preisgegebenen protestantischen Sache.

Fussnoten:

[41] Das Festland von +Nord-Amerika+ hatten schon um 1000 die Normannen
(S. 170), dann wieder 1497 John und Sebastian ~Cabot~, gebrtig aus
der Nhe von +Genua+, bez. aus +Venedig+, seit etwa 1490 in +Bristol+
ansssig, entdeckt.

[42] +De Papa male informato ad Papam melius informandum.+

[43]

 Friedrich der Sanftmtige. (S. 205, 204.)
 _______________|____________________________
 Ernst.                                Albert.
 _____|________________________________ __|__________________
 Friedrich der Weise    Johann T1532.   Georg   Heinrich T1541
 T1525.                      |          T1539.           |
                      Johann Friedrich              Moritz T1553.
                            T1554.

[44]

      ~Jean d'Albret~, K. von Navarra T 1516.
                     |
         ~Henri d'Albret~, K. von Navarra,
 Gem. ~Margarete~, Schwester Franz' I. von Frankreich.
                     |
       ~Jeanne d'Albret~, Erbin von Navarra,
          Gem. Anton von ~Bourbon~.
                     |
   ~Heinrich IV.~, K. v. Frankreich T 1610.
        Gem. ~Margarete von Valois~.

[45] +Hugenotten+ (+Huguenots+) soll ein Spottname sein, abgeleitet
von +Knig Hugo+, einem Gespenst, das nach dem Volksglauben nchtlich
die Straen von +Tours+ durchzog; danach die Protestanten von ihren
nchtlichen Zusammenknften +Huguenots+ genannt. Nach andern ist der
Name verdorben aus +Eidgenossen+.

[46] Geb. 1533 zu Dillenburg in Nassau, besa durch Erbschaft das
souverne Frstentum +Orange+ an der Rhone.




~B. Vom Westflischen Frieden bis zur franzsischen Revolution.
(1648-1789.)~


 1. Frankreich.

[~1643-1715.~]

~Ludwig XIV.~, beim Tode seines Vaters Ludwig XIII. (S. 238) 5 Jahre
alt, zunchst unter Vormundschaft seiner Mutter +Anna+, Tochter
Philipps III. von Spanien; die Regierung leitet der Kardinal ~Mazarin~.

[1648-1653.]

Unruhen der ~Fronde~, veranlat durch den Widerstand des Pariser
Parlaments gegen Mazarins Verordnungen. Eine unzufriedene Adelspartei
schliet sich dem Widerstand an; Prinz +Cond+, anfangs fr die
Regierung kmpfend, entzweit sich ebenfalls mit Mazarin; dieser geht
1651 fr kurze Zeit in die Verbannung. 1652 Kampf zwischen Cond und
+Turenne+, der die kniglichen Truppen befehligt, im +Faubourg St.
Antoine+; Cond dringt in die Stadt Paris ein, wird aber bald beim
Volke unbeliebt. Der Hof kehrt nach Paris zurck, Cond entweicht nach
Spanien. +Mazarin+ befestigt das Ansehen der Monarchie.

[1648.]

Frankreichs Erwerbungen im Westflischen Frieden s. S. 260.

Der 1635 ausgebrochene +Krieg mit Spanien+ (Sieg Conds bei Rocroy
1643) wird beendet durch den

[~1659.~]

~Pyrenischen Frieden~:[48] 1. Frankreich erhlt die Grafschaft
+Roussillon+ (im NO. der Pyrenen) und mehrere Pltze in +Artois+ und
+Flandern+. 2. Der +Herzog von Lothringen+, Spaniens Verbndeter, wird
in sein Herzogtum wieder eingefhrt, mu jedoch den Franzosen eine
Heerstrae von Metz nach dem Elsa zugestehen. 3. Prinz +Cond+ kehrt
zurck; Ludwig XIV. heiratet +Maria Theresia+, lteste Tochter Philipps
IV. von Spanien, welche jedoch ihren Erbansprchen entsagt.

[~1661.~]

~Tod Mazarins~. ~Ludwigs Selbstregierung~ (1661 bis 1715), ohne
Reichsstnde (+tats gnraux+), ohne Beachtung der Einsprche des
Pariser Parlaments, nach persnlicher Willkr (+L'tat c'est moi+).
+Colbert+ Finanzminister, Frderung der Gewerbttigkeit und des Handels
durch das +Merkantilsystem+ (Schutzzlle zur Abwehr auslndischer
Erzeugnisse, Verbesserung der Wege, Kanalbauten). +Kolonien+ auf den
Kleinen Antillen, in Canada, Cayenne, Louisiana, Pondichery. Groe
Handels- und Kriegsflotte. +Louvois+ Kriegsminister; starkes stehendes
Heer. +Vauban+ genialer Festungsbaumeister.

Um Frankreichs Ansehen vor dem brigen Europa zur Geltung zu bringen,
unternimmt Ludwig XIV. eine Reihe von +Eroberungskriegen+ gegen die
Nachbarstaaten.

[~1667-1668.~]

~Raubkrieg gegen Spanien~ (Devolutionskrieg). Nach dem Tode Philipps
IV. (1665) erhebt Ludwig XIV., gesttzt auf das in einigen belgischen
Provinzen geltende +Devolutionsrecht+, wonach die Tchter erster Ehe
ein den Shnen zweiter Ehe vorangehendes Erbrecht haben, Ansprche auf
die spanischen Niederlande. +Turenne+ erobert einen Teil von Flandern
und Hennegau, +Cond+ besetzt die nicht verteidigte Freigrafschaft
Burgund (Franche-Comt). Die von dem hollndischen Ratspensionr
+Jan de Witt+ zustande gebrachte ~Tripelallianz~ (England, Holland,
Schweden) fhrt den Frieden zu +Aachen+ herbei: Frankreich erhlt eine
Anzahl von Grenzstdten, darunter +Lille+, welches von Vauban zu einer
starken Festung umgeschaffen wird, gleichwie das 1662 von England (S.
270) erworbene +Dnkirchen+.

[~1672-1678.~]

~Raubkrieg gegen Holland.~ Ludwig XIV. schliet Bndnisse und
Subsidienvertrge mit +England+ (S. 270), +Schweden+ und mehreren
deutschen Reichsfrsten (besonders den geistlichen Frsten von +Kln+
und +Mnster+), vertreibt den Herzog Karl IV. von +Lothringen+ 1670.
Verbndeter der niederlndischen Republik ist Kurfrst +Friedrich
Wilhelm+ von +Brandenburg+ (s. S. 244).

Schnelle Eroberung eines groen Teiles der Niederlande (+Turenne+,
+Cond+, der Knig an der Spitze von ber 100000 Mann). Die Brder +de
Witt+, Fhrer der aristokratisch-republikanischen Partei, in einem
Aufstande vom Volke gettet; +Wilhelm III. von Oranien+ an die Spitze
der Republik gestellt. Die ffnung der Schleusen rettet die Provinz
Holland und die Stadt Amsterdam.

Kurfrst Friedrich Wilhelm schliet mit Kaiser +Leopold+ (S. 265) ein
Bndnis gegen Frankreich, wird aber von dem kaiserlichen Feldherrn
+Montecuccoli+ in seinen Truppenbewegungen gehemmt. +Turenne+, in
Westfalen vordringend, ntigt ihn 1673 zu einem Frieden, den Ludwig
XIV. in +Vossem+ (unweit Lwen) besttigt: Der Kurfrst erhlt das von
den Franzosen besetzte Land +Cleve+ (S. 252) zurck mit Ausnahme der
Festungen Wesel und Rees.

Auch +Spanien+ nimmt an dem Kriege teil. 1674 erfolgt die
Kriegserklrung des +Deutschen Reiches+ an Frankreich. Ludwig XIV.
besetzt die Franche-Comt; Cond kmpft gegen den Prinzen von Oranien
in der unentschiedenen Schlacht bei +Seneffe+ (sdlich von Brssel),
Turenne gegen den kaiserlichen General Bournonville bei +Enzheim+
im Elsa. Kurfrst Friedrich Wilhelm erscheint mit 20000 Mann im
Elsa, kann sich aber mit Bournonville nicht einigen ber gemeinsames
Vordringen; beide werden von +Turenne+ zum Rckzug ber den Rhein
gentigt. Friedrich Wilhelm, durch den Einfall der mit Ludwig XIV.
verbndeten Schweden in sein Land zurckgerufen, besiegt die Schweden
in der

[~1675~ (18./28. Juni).]

~Schlacht bei Fehrbellin~ (Derfflinger). In demselben Jahre (Juli)
fllt +Turenne+ bei +Sasbach+ in Baden. Die Franzosen gehen ber den
Rhein zurck, dringen aber bald wieder vor. Friedrich Wilhelm erobert
bis 1679 Stettin und ganz Schwedisch-Pommern nebst Rgen, treibt die
Schweden auch aus Preuen bis nach Livland zurck.

[~1678-1679.~]

~Friede zu Nimwegen~: 1. Die +Republik der Niederlande+ erhlt
ihr ganzes Gebiet zurck gegen das Versprechen der Neutralitt.
2. +Spanien+ tritt an Frankreich die +Franche-Comt+ und abermals
Grenzpltze seines niederlndischen Gebiets ab (u.a. +Valenciennes+
und +Cambrai+). 3. Der Kaiser tritt Freiburg an Frankreich ab,
welches das Besatzungsrecht von +Philippsburg+ (S. 260) aufgibt.
4. +Lothringen+ wird dem Herzog Karl V. unter sehr beschrnkenden
Bedingungen zurckgegeben; da er diese nicht annimmt, bleibt es von den
Franzosen besetzt. Den vom Kaiser und Reich preisgegebenen Kurfrsten
von Brandenburg zwingt Ludwig XIV. zu dem

[~1679.~]

~Frieden zu Saint Germain en Laye~, in welchem dieser den Schweden
fast alle seine Eroberungen in Pommern (Stettin, Stralsund, Rgen)
herausgeben mu. Bald darauf +Bndnis+ des gegen den Kaiser erbitterten
Kurfrsten[49]

mit Frankreich, bis 1685.

Infolge der Schwche des Deutschen Reiches steigt der bermut Ludwigs
XIV. so weit, da er 1680 ~Reunionskammern~ in +Metz+, +Breisach+,
+Besanon+, +Tournay+ einsetzt. Diese franzsischen Gerichtshfe
untersuchen und entscheiden, was jemals zu den in den letzten vier
Friedensschlssen an Frankreich abgetretenen Lndern und Pltzen gehrt
hat. Der Knig vollstreckt mit seinen Truppen die Reunionsbeschlsse,
indem er zu der Gewalttat mitten im Frieden den Hohn einer Rechtsform
fgt.

[~1681.~ 30. Sept.]

~Die Franzosen besetzen Straburg~ im Einverstndnis mit dem
+Bischof Franz Egon von Frstenberg+. Einfall in die spanischen
Niederlande 1683. Besetzung von +Luxemburg+ und +Trier+ 1684. Diesen
Rechtsverletzungen tritt das Deutsche Reich nur mit leeren Protesten
entgegen; schlielich wird 1684 zu +Regensburg+ ein +zwanzigjhriger+
~Waffenstillstand~ mit Ludwig XIV. abgeschlossen, wonach er alle bis
zum 1. August 1681 besetzten Gebiete, dazu auch Straburg behlt.

[1684.]

Eine franzsische Flotte bombardiert +Genua+, um es fr seine
Verbindung mit Spanien zu strafen.

[~1685.~]

~Aufhebung des Edikts von Nantes~ (s. S. 238). Die Ausbung des
+reformierten+ Bekenntnisses in Frankreich wird untersagt, die
Erziehung der Kinder in der katholischen Religion befohlen, die
Auswanderung verboten. ber 50000 Familien entkommen indes nach
Holland, England, Brandenburg. Die +Protestanten im Elsa+ behalten die
ihnen zugesicherte Religionsfreiheit.

[~1688-1697.~]

~Raubkrieg gegen Deutschland~ (Pflzischer Krieg). Nach dem Tode des
Kurfrsten Karl von der +Pfalz+ (1685), dessen Schwester Elisabeth
Charlotte (Liselotte) mit dem Herzog Philipp von Orlans, Bruder
Ludwigs XIV., vermhlt war, erhebt Frankreich gegenber der Linie
Pfalz-Neuburg Ansprche auf einen groen Teil des Landes. Im Erzbistum
+Kln+ will Ludwig XIV. die Wahl des Straburger Bischofs Wilhelm von
Frstenberg gegen den Prinzen Clemens von Bayern durchsetzen. Bndnis
zu +Augsburg+ 1686 gegen Frankreich zwischen dem +Kaiser+, +Spanien+,
+Schweden+ und den bedeutendsten +Reichsfrsten+, nach der in England
1688 erfolgten Thronvernderung (S. 271) zu der +Groen Allianz+
erweitert, der +England+, +Holland+ und +Savoyen+ beitreten.

Die franzsischen Heere rcken in die Rheinlande ein (Sept. 1688).
~Furchtbare Verheerung der Pfalz~ durch ~Mlac~ auf Befehl von Louvois
(Mrz-Juni 1689); die Stdte +Heidelberg+, +Mannheim+, +Speier+,
+Worms+ und Hunderte von kleineren Orten verbrannt. Das deutsche
Reichsheer erobert +Mainz+ und +Bonn+, kann aber am Oberrhein die
Franzosen nicht vertreiben; der Markgraf +Ludwig von Baden+ erobert
Heidelberg wieder, hlt sich dann aber meist allzu vorsichtig hinter
seiner festen Verteidigungsstellung bei Heilbronn.

In den Niederlanden siegt der Marschall +von Luxembourg+ bei
+Fleurus+ 1690, +Steenkerken+ 1692, +Neerwinden+ 1693, doch behauptet
+Wilhelm III.+ durch zhe Ausdauer das Feld. Eine franzsische
Landung in +Irland+ zu Gunsten des vertriebenen +Jakob II.+ hat nur
vorbergehenden Erfolg (s. S. 272).

[1692.]

Seesieg der verbndeten +englischen+ und +hollndischen+ Flotte ber
die franzsische bei ~La Hougue~ (Ostseite der Halbinsel Cotentin).

[~1697.~]

~Friede zu Ryswyk~ (spr. +Reisweik+, Dorf beim Haag): 1. Frankreich
behlt die +im Elsa+ besetzten Gebiete, gibt aber +Freiburg+ zurck
(S. 263); die pflzische Erbschaftssache wird einem Schiedsgericht
bergeben. 2. Der Herzog von +Lothringen+ wird vollstndig wieder
eingesetzt (S. 263). 3. Spanien erhlt +Luxemburg+ zurck, tritt aber
einige Grenzgebiete seiner Niederlande ab. 4. +Wilhelm III.+ wird als
Knig von England anerkannt.

Blte der ~franzsischen Literatur~ im Zeitalter Ludwigs XIV.
+Corneille+ (T 1684), +Racine+ (T 1699), +Molire+ (T 1673), +La
Fontaine+ (T 1695), +Boileau+ (T 1711), +Bossuet+ (T 1704), +Flchier+
(T 1710), +Fnelon+ (T 1715).

Ludwigs Hofleben in +Versailles+, +Marly+, +Trianon+ das Vorbild
der europischen Hfe. Bauten, Luxus, Maitressen (+La Vallire+,
+Montespan+, +Fontange+). Nach dem Tode seiner Gemahlin +Maria
Theresia+ von Spanien (T 1683) vermhlt sich Ludwig insgeheim mit
+Franoise d' Aubign+, Witwe des Dichters +Scarron+, die er zur
Marquise von +Maintenon+ erhebt. Seitdem Frmmelei am Hofe. Die
Finanzen geraten nach Colberts Tode (1683) in Unordnung, zunehmende
Willkrherrschaft im Innern. Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs.


 2. Deutschland.

[~1658-1705.~]

~Leopold I.~ (Sohn Ferdinands III.), mehr auf die Mehrung der
habsburgischen Hausmacht bedacht, als auf die Wiederaufrichtung des
geschwchten Deutschen Reiches. Unter den Reichsfrsten ragt ~Friedrich
Wilhelm~, der ~Groe Kurfrst~ von ~Brandenburg~ (1640-1688) hervor
als Verteidiger der Selbstndigkeit Deutschlands, whrend andere,
namentlich die drei geistlichen Kurfrsten zu gegenseitigem Schutze mit
Frankreich 1658 den +Rheinbund+ schlieen (aufgelst 1667).

Seit 1663 +dauernder+ ~Reichstag zu Regensburg~, von den Gesandten der
8 Kurfrsten, der 33 geistlichen, der 61 weltlichen Frsten (dazu 2
Kurien der Prlaten, 4 Kurien der Reichsgrafen) und der 51 Reichsstdte
gebildet. Fr Religionssachen getrennte Beratung, Corpus +Catholicorum+
und Corpus +Evangelicorum+. Neben dem Reichskammergericht in Wetzlar
(S. 224) gilt auch der +Reichshofrat+ zu +Wien+ als oberstes Gericht.
Kriegswesen und Finanzen in schlechtem Zustande, weil alles von der
Bewilligung der so zahlreichen Reichsstnde abhngt. Doch kmpfen die
Reichstruppen tapfer mit in den von sterreich mit Nachdruck gefhrten
~Trkenkriegen~.

[1664.]

Sieg des kaiserlichen Feldherrn +Montecuccoli+ ber die Trken bei +St.
Gotthard+ an der +Raab+. Darauf Friedensschlu; die grere Hlfte von
Ungarn bleibt unter trkischer Hoheit (vgl. S. 232). Eine Verschwrung
ungarischer Magnaten gegen die habsburgische Herrschaft wird 1670
entdeckt und bestraft; Aufstand unter Fhrung des Grafen +Tkly+ 1678;
dieser ruft die Trken zu Hilfe.

[~1683.~]

~Belagerung Wiens durch die Trken.~ Heldenmtige Verteidigung,
geleitet durch +Rdiger von Starhemberg+. Glcklicher Entsatz durch
die +Schlacht am Kahlen Berge+; Sieg des vereinigten deutschen und
polnischen Heeres unter +Karl V. von Lothringen+ und dem Polenknig
+Johann Sobieski+. 1684 Beitritt +Venedigs+ zum Kriegsbndnis gegen die
Trkei.

[1686.]

+Ofen+ erobert von kaiserlichen und brandenburgischen Truppen. Sieg
Karls von Lothringen bei +Mohacz+.

[1687.]

Der Reichstag zu Preburg bertrgt dem sterreichischen Mannesstamm
die erbliche Thronfolge in Ungarn.

[1691.]

Sieg des Markgrafen +Ludwig von Baden+ bei +Slankamen+ unweit
Peterwardein, des Prinzen +Eugen von Savoyen+ bei +Zenta+ an der Thei
1697.

[~1699.~]

~Friede zu Karlowitz~: +Ungarn+ und +Siebenbrgen+ kommen an
sterreich, trkisch bleibt nur das Gebiet von +Temesvar+. Morea kommt
an Venedig, Asow an Ruland.

~Standeserhhungen deutscher Frsten~ am Ende des 17. und am Anfang des
18. Jahrhunderts:

[1692.]

1. Herzog +Ernst August+ von Braunschweig-Lneburg (Haus der +Welfen+,
s. S. 184) erhlt als Kurfrst von ~Hannover~ die +neunte+ Kurwrde.

[1697.]

2. +Friedrich August I.+, Kurfrst von +Sachsen+, wird nach dem Tode
Johann Sobieskis zum ~Knig von Polen~ erwhlt als +August II.+ (+der
Starke+).

3. Kurfrst +Friedrich III. von Brandenburg+ (1688 bis 1713), Sohn des
Groen Kurfrsten, nimmt

[~1701.~ 18. Jan.]

mit Zustimmung des Kaisers (S. 272) den Titel ~Knig in Preuen
(Friedrich I.)~ an und krnt sich in +Knigsberg+.

Wiederherstellung des ~Geisteslebens in Deutschland~ nach der
Zerrttung des Dreiigjhrigen Krieges:

+Paul Gerhard+ (T 1676), +Ph. J. Spener+ (T 1705), +A.H. Franke+
(grndet 1698 das Waisenhaus in Halle). Der Philosoph, Mathematiker
und Geschichtsforscher +G.W. Leibniz+ (geb. 1646 zu Leipzig, 1676
in Hannover, 1700 in Berlin, T 1716 in Hannover). +Chr. Thomasius+
in Halle (T 1728) hlt zuerst deutsche Vorlesungen, bekmpft die
Hexenprozesse und die Anwendung der Folter.


 3. Der Norden und Osten.

~Schweden~, durch den Besitz bedeutender Nebenlnder (S. 256, 260) fast
rund um die Ostsee ausgedehnt, ist seit dem Dreiigjhrigen Kriege die
erste Macht des Nordens.

[1654-1718.]

Haus Pfalz-Zweibrcken (s. S. 250).

[~1655-1660.~]

~Schwedisch-Polnischer Krieg.~

~Karl X. Gustav~ (1654-1660) beginnt Krieg mit Polen, weil +Johann
Kasimir+ (aus der +katholischen+ Linie des Hauses +Wasa+) ihn ebenso
wenig anerkennen will, wie frher Sigismund III. Gustav Adolf (S. 250).
Er dringt von Pommern her in Polen ein, nimmt Warschau und Krakau;
Johann Kasimir flchtet nach Schlesien. Kurfrst +Friedrich Wilhelm+
von Brandenburg sieht sich gentigt, im Vertrage zu +Knigsberg+ 1656
sein Herzogtum Preuen von +Schweden+, wie bisher von +Polen+ (S. 229),
zu Lehen zu nehmen; dazu erhlt er das Bistum +Ermeland+. In Polen
Aufstand gegen die Schweden. +Karl Gustav+ und +Friedrich Wilhelm+
gewinnen die dreitgige

[~1656~ (Juli).]

~Schlacht bei Warschau~ gegen die Polen.

Um sich die weitere Hilfe des Kurfrsten von Brandenburg zu sichern,
gesteht +Karl Gustav+ diesem in dem Vertrage zu +Labiau+ die
+Souvernitt+ (lehnsfreie Herrschaft) ber Ostpreuen und Ermeland
zu. Allein es erklren sich gegen Schweden: +Ruland+, +Dnemark+,
der +Kaiser Leopold I.+ und bald auch der +Kurfrst von Brandenburg+,
dem Polen im Vertrage zu +Wehlau+ 1657 ebenfalls die Souvernitt
ber Ostpreuen (ohne Ermeland) zusichert. Die Schweden werden bald
aus Polen zurckgedrngt, nur Polnisch-Preuen bleibt von ihnen
besetzt. Karl Gustav greift ~Dnemark~ an und erzwingt durch schnelles
Vordringen (bergang ber die gefrorenen +Belte+, Januar 1658) den

[~1658.~]

~Frieden zu Roeskild~: Dnemark tritt den sdlichen Teil der
skandinavischen Halbinsel (+Schonen+, +Halland+, +Blekingen+), das
Stift +Dronthjem+ und die Insel +Bornholm+ an Schweden ab.

Noch in demselben Jahre zweiter Angriff Karl Gustavs, aber die
belagerte Hauptstadt +Kopenhagen+ verteidigt sich tapfer. Eine
hollndische Flotte (die Hollnder Handelsrivalen der Schweden)
kommt zu Hilfe; kaiserliche, polnische und brandenburgische Truppen
vertreiben die Schweden aus Holstein und Schleswig. Die Brandenburger
besetzen unter Fhrung des Kurfrsten die Insel +Alsen+. Karl X. hebt
die Belagerung von Kopenhagen auf, stirbt bald darauf zu Gotenburg. Ihm
folgt sein minderjhriger Sohn Karl XI. (1660-1697).

[~1660.~]

~Friede zu Oliva~ (Kloster bei Danzig).

Johann Kasimir entsagt allen Ansprchen auf den schwedischen Thron,
sowie auf +Livland+ und +Estland+; der Herzog von +Kurland+ wird als
polnischer Vasall wieder eingesetzt. Die ~Souvernitt Preuens~ wird
von +Schweden+ und +Polen+ besttigt.

Gleich darauf ~Friede zu Kopenhagen~ mit Dnemark; der Roeskilder
Frieden besttigt, aber Dronthjem und Bornholm an Dnemark
zurckgegeben.

In ~Dnemark~ wird gleich nach dem Frieden von dem der Adelsherrschaft
berdrssigen +dritten+ Stande (Brger) und der +Geistlichkeit+ dem
Knige Friedrich III. (1648-1670) eine ganz unumschrnkte Gewalt
bertragen. Im Anschlu daran erklrt das +Knigsgesetz+ 1665 Dnemark
fr ein Erbreich in mnnlicher und weiblicher Linie; es gilt aber nicht
fr die Herzogtmer Schleswig-Holstein, welche auch ihren eigenen
Landtag behalten. Das Herzogtum +Oldenburg+ 1667 nach dem Aussterben
der dort regierenden Linie (S. 216) mit Dnemark vereinigt.

Auch in ~Schweden~ bertragen die Stnde, der bermigen Gewalt des
Reichsrats mde, 1682 dem grojhrig gewordenen Knige Karl XI. eine
fast unumschrnkte Gewalt.

In ~Polen~ dagegen ist seit der Einfhrung der Wahlmonarchie 1572
(S. 250) die knigliche Macht zum Schatten herabgesunken, der Staat
ist tatschlich eine +Adelsrepublik+. Der aus dem +Senat+ (Bischfe,
Woiwoden, Kastellane) und den gewhlten +Landboten+ (Abgeordnete des
Adels) bestehende Reichstag bt alle Gewalt aus. Das +liberum veto+,
d. h. das Recht +jedes+ einzelnen Mitgliedes, einen Reichstagsbeschlu
durch seinen Einspruch ungltig zu machen, fhrt zu Bestechung,
Gewalttat und schlielich fast zur Anarchie; nur selten kommt ein
Beschlu zustande.

Nach +Johann Kasimirs+, des letzten der 3 katholischen Wasas Abdankung
blutige Thronstreitigkeiten; dann regiert +Johann Sobieski+ 1674-1696,
der den kriegerischen Adel durch Feldzge gegen die Trken (vgl. S.
266) an sich fesselt. Ihm folgt +August II.+ von Sachsen 1697-1733;
Friede mit den Trken zu +Karlowitz+.

~Ruland~ unter dem Hause ~Romanow~ (1613-1762) wachsend an Macht und
Ansehen. +Michael Romanow+ (1613 bis 1645) kmpft zwar unglcklich
gegen Polen, ordnet aber die innere Verwaltung. Sein Sohn +Alexei+
(1645-1676) gewinnt die Lnder am Dnjepr (Smolensk und Kiew) von Polen
zurck, unterwirft Sibirien bis zum uersten Osten und das Amurland
(S. 250) und fngt an, europische Kultur in Ruland zu verbreiten.
Nach dem Tode seines ltesten Sohnes +Feodor+ (1682) werden von den
+Strelitzen+, der adligen Leibwache des Zaren, dessen beide Brder
+Iwan+ und ~Peter~ unter Vormundschaft ihrer lteren Schwester
+Sophia+ zu Zaren ausgerufen. Peter in +Preobraschensk+ (bei Moskau)
mit militrischen bungen beschftigt; aus seinen Spielgefhrten
(Poteschnie) wird spter die Garde des Heeres gebildet. Sophia, die ihn
vom Thron ausschlieen will, wird 1689 in ein Kloster geschickt.

[~1689-1725.~]

~Peter der Groe~, regiert als Alleinherrscher, da der geistesschwache
Bruder Iwan bis zu seinem Tode (1696) ohne jede Macht bleibt. Er ist
der Grnder des russischen Staates.

Peter beginnt seine Reformen mit Hilfe des Schotten +Gordon+ und des
Genfers +Lefort+. +Asow+ erobert 1696 (S. 266). Grausame Bestrafung
eines Aufruhrs der +Strelitzen+. Darauf +Reise+ des Zaren durch
Deutschland ber Knigsberg und Berlin nach Holland, wo er in
+Zaandam+ als Schiffszimmermann arbeitet, dann nach England. Anwerbung
auslndischer Handwerker, Knstler, Offiziere. Fortsetzung der Reise
ber Dresden nach Wien; im Begriff nach Venedig abzureisen, wird der
Zar durch die Nachricht von einem abermaligen Aufruhr der Strelitzen
zurckgerufen. Blutiges Strafgericht; das ganze Korps wird aufgelst,
das Heer nach europischer Weise gebildet.

Nach Leforts Tode 1699 +Menschikow+ Gnstling und Minister des Zaren,
bemht um weitere Einfhrung der westeuropischen Kultur in Ruland,
doch auch habschtig und bestechlich. Peters Entschlu zu dem Kriege
gegen Schweden (S. 274) wird entscheidend fr Rulands weiteren
Aufschwung.


 4. England.

[~1649-1660.~]

~England Republik~ (+Commonwealth+).

~Cromwell~ (s. S. 249) unterwirft nach blutigem Kampfe die ber die
Hinrichtung des zum Katholizismus hinneigenden Knigs Karl erbitterten
Iren, dann durch die Siege bei +Dunbar+ (1650) und bei +Worcester+
(spr. u+_[breve]_uster, 1651) das aufstndische Schottland (S. 249),
von wo er des hingerichteten Knigs Sohn, +Karl II.+, vertreibt. In
England lst Cromwell das Rumpf-Parlament und das von ihm selbst
berufene, aus eifrigen Independenten bestehende +Barebone+-Parlament
auf. Durch das Heer wird

[1653-1658.]

~Cromwell Lord-Protektor~ der drei Reiche (England, Schottland,
Irland). Seine Regierung hlt die Ordnung im Innern aufrecht und macht
England zur ersten protestantischen Macht in Europa.

[1651.]

~Navigationsakte~, welche den Fremden auf ihren eigenen Schiffen
nur die Einfuhr eigener Erzeugnisse erlaubt und namentlich den
+hollndischen+ Zwischenhandel schwer trifft, da die Erzeugnisse der
englischen Kolonien nur auf englischen Schiffen nach England gebracht
werden drfen. Daher Krieg mit +Holland+ (1652-1654), aus welchem die
Englnder als Sieger hervorgehen. England seitdem die erste Seemacht;
Holland tritt mehr zurck (S. 244). Im Kriege mit +Spanien+ (1655-1658)
Eroberung +Jamaikas+ und Einnahme von +Dnkirchen+.

Nach +Oliver Cromwells+ Tode folgt ihm als Protektor sein ihm
unhnlicher Sohn +Richard Cromwell+, der schon nach 8 Monaten abdankt.
Zwistigkeiten unter den Befehlshabern des Heeres fhren zur

[~1660.~]

~Herstellung des Knigtums.~ General +Monk+ versammelt ein neues
Parlament (Oberhaus und Unterhaus, S. 249), welches auf den Thron ruft
Karls I. Sohn, den gewissenlosen, verschwenderischen und ausschweifenden

[~1660-1685.~]

~Karl II.~ Herstellung der Episkopalkirche; von der +Amnestie+
werden diejenigen ausgenommen, welche Karl I. zum Tode verurteilt
hatten. Cromwells Leiche an den Galgen gehngt. 1662 +Dnkirchen+ an
Frankreich verkauft; 1664-1667 abermaliger +Seekrieg mit Holland+; 1664
New-York (1612 von den Hollndern als Neu-Amsterdam gegrndet) von den
Englndern besetzt. 1666 Pest und groe Feuersbrunst in London. 1667
dringt Admiral Ruyter (1607-1676) in die Themse ein.

Der Minister +Clarendon+ 1667 verbannt; das +Cabal+-Ministerium
(~C~lifford, ~A~rlington, ~B~uckingham, ~A~shley, ~L~auderdale)
bewegt den Knig, fr franzsische Jahrgelder aufs neue +Krieg gegen
Holland+ (1672-74, s. S. 262) zu fhren und zu Gunsten der Katholiken
die +Indulgenzerklrung+ zu erlassen. Allgemeine Entrstung; das
Parlament setzt 1673 die ~Testakte~ durch, welche jeden Englnder,
der ein Amt bekleiden will, zur Anerkennung der Oberhoheit des Knigs
ber die englische Kirche und zu einer Erklrung gegen die katholische
Abendmahlslehre zwingt. Der katholische Bruder des Knigs, +Jakob,
Herzog von York+, legt sein Amt als Groadmiral nieder. 1674 das
Cabal-Ministerium gestrzt, Friede mit Holland.

Neue Streitigkeiten mit dem Parlament, in welchem sich das Verlangen
erhebt, den +Herzog von York+ als Papisten von der Thronfolge
auszuschlieen. Unter dem Ministerium +Shaftesbury+ wird 1679 die
~Habeascorpusakte~ (Schutz gegen willkrliche Verhaftung) durchgesetzt.

Entstehung der Parteinamen ~Whigs~ (Liberale) und ~Tories~
(Konservative), ursprnglich Spottnamen, der erstere ein +schottischer+
fr Anhnger des Covenants (S. 248), der zweite ein +irischer+ fr
Anhnger des +Papismus+.

Die +Ausschlieungsbill+ wird im Unterhause von den Whigs durchgesetzt,
im Oberhause verworfen. Die Entdeckung einer Verschwrung gegen den
Knig hat strenge Maregeln gegen die Whigs zur Folge; Lord +Will.
Russell+ und +Algernon Sidney+ hingerichtet, der Herzog von +Monmouth+
(natrlicher Sohn des Knigs) flchtet nach Holland. Karl II. stirbt
1685, nachdem er auf dem Totenbette Katholik geworden ist.

[~1685-1688.~]

~Jakob II.,~ Bruder Karls II., bei der berlieferten Politik seines
Hauses verharrend, sucht die +unumschrnkte+ Knigsgewalt und den
Katholizismus in England wieder herzustellen. +Monmouth+ landet in
England, wird bei +Sedgemoor+ geschlagen, gefangen und hingerichtet
(1685). Blutige Assisen (Gerichtssitzungen), geleitet von dem grausamen
und habschtigen Oberrichter +Jeffreys+.

Anstellung von Katholiken unter Erlassung des durch die Testakte
verlangten Eides. Dann Aufhebung der Testakte; Religionsfreiheit
verkndet. Sieben anglikanische Bischfe weigern sich, die
Indulgenzerklrung zu verkndigen. Proze und Freisprechung der
Bischfe. Durch die Geburt eines katholischen +Prinzen von Wales+ (von
Jakobs +zweiter+ Gemahlin Maria d'Este, Prinzessin von Modena) wird die
Aussicht auf protestantische Thronfolge vereitelt; die beiden Tchter
Jakobs aus erster Ehe, +Maria+ und +Anna+, waren protestantisch.
+Whigs+ und +Tories+ wenden sich an +Wilhelm von Oranien,+ Gemahl der
+Maria,+ und durch seine Mutter Enkel Karls I. (vgl. die Stammtafel S.
299).

[1688. 5. Nov.]

Landung Wilhelms, der von Friedrich III. von Brandenburg und andern
norddeutschen Frsten untersttzt wird, in +Torbay+; das Heer und die
ganze Nation fallen ihm zu, Jakob entflieht nach Frankreich.

[~1689-1702.~]

~Wilhelm III.~ (und ~Maria~ bis 1694), durch Parlamentsakte auf
den Thron erhoben. Personalunion zwischen England und Holland. Die
Regierung fhrt Wilhelm III. allein. Das ~Gesetz der Rechte~ (+Bill of
rights+ 1689) sichert die verfassungsmigen Freiheiten der Nation.

Aufstand der katholischen Iren fr Jakob, der daselbst landet und fast
ein Jahr herrscht. Wilhelm schlgt ihn 1690 am +Boyneflu+. Teilnahme
am Kriege gegen Ludwig XIV., s. S. 264; Englands Seemacht gesichert.
1701 Ordnung der Thronfolge: die katholischen Stuarts ausgeschlossen,
erbberechtigt ist das protestantische Haus +Hannover+ (S. 299).

Aufschwung der Literatur und Wissenschaft: Die Dichter +Milton+ (T
1674) und +Dryden+ (T 1700); der Theosoph +Bunyan+ (T 1688); die
Philosophen +Hobbes+ (T 1679) und +Locke+ (T 1704), der Naturforscher
+Newton+ (T 1722).


[~1701-1714.~]

 5. Der spanische Erbfolgekrieg.

 ~Philipp III.,~ Knig von Spanien, T1621.
 _________|_________________________________________
 ~Anna,~       ~Philipp IV.,~ T1665. ~Maria Anna,~
 Gem. Ludwig XIII.        |          Gem. Ferdinand III.
       |            ______|_____________            |
 ~Ludwig XIV.~ Maria      ~Karl II.,~ Marg.    ~Leopold I.,~
         |     Theresia.  T1700.      Theresia. T1705.
         |___________|                  |_________|
                |                             |
                |                             |
 ~Ludwig, Dauphin~, T1711.           ~Maria Antonie,~
                |                    Gem. Max Emanuel v. Bayern.
                |                             |
 ~Philipp von Anjou,~                ~Joseph Ferdinand,~
 als K. v. Spanien ~Philipp V.,~     T1699,
 T1746.                              Kurprinz v. Bayern.

Kaiser Leopold I. hatte auer seiner Tochter Maria Antonie zwei +Shne+
aus dritter Ehe, +Joseph I.+ (Kaiser 1705-1711) und +Karl VI.+ (Kaiser
1711-1740). Er nimmt als Vertreter der deutschen Linie des Hauses
Habsburg das spanische Erbe fr den zweiten Sohn in Anspruch. Ludwig
XIV. dagegen fordert es fr seinen zweiten Enkel +Philipp von Anjou.+
Wilhelm III. an der Spitze der +Seemchte+ (England und Holland)
schliet mit Ludwig XIV. 1698 einen +Teilungsvertrag+: Haupterbe
soll der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern sein, Frankreich und
sterreich die Nebenlnder erhalten. Dagegen setzt Karl II. den
Kurprinzen durch Testament zum Erben der +gesamten+ Monarchie ein.
Nach dessen pltzlichem Tode 1699 neue Unterhandlungen; endlich
unterzeichnet Karl II. ein Testament, welches +Philipp von Anjou+ zum
Erben einsetzt. ~Groe Allianz~ der +Seemchte+ (1701) mit Kaiser
+Leopold+, zunchst um dem Hause sterreich die spanischen Besitzungen
in den +Niederlanden+ und in +Italien+ zu verschaffen. Auf Frankreichs
Seite stehen die Herzge von +Savoyen+ und +Mantua+, die Kurfrsten von
+Bayern+ und +Kln+ (zwei Brder); die brigen deutschen Reichsstnde
und +Preuen+ (Friedrich III. von Brandenburg durch den Krontraktat
die Annahme der Knigswrde gestattet) sind mit dem Kaiser verbndet.
+Portugal+ tritt der groen Allianz bei, endlich auch +Savoyen+ (1703).

Vier Kriegsschaupltze: +Spanien+, +Italien+, +Niederlande+,
+Deutschland+.

Philipp von Anjou wird in Spanien als Knig ~Philipp V.~ anerkannt.
Seine Hauptsttze ist +Kastilien+.

[1701.]

Prinz ~Eugen von Savoyen~ (1663-1736) als Feldherr Kaiser Leopolds
erffnet den Krieg siegreich in Oberitalien, wird aber 1702 vom Herzog
von Vendme in seinem Vordringen gehemmt.

[1703.]

Die Bayern fallen als Verbndete Frankreichs in +Tirol+ ein, werden
aber zurckgetrieben. Der englische Feldherr ~Marlborough~ dringt in
den Niederlanden vor.

[1704.]

Erzherzog Karl landet in Portugal, die Englnder erobern ~Gibraltar~.
Prinz +Eugen+ und +Marlborough+ vereinigen sich an der Donau und siegen
(unweit Donauwrth) ber die Franzosen und Bayern in der

[~1704.~]

~Schlacht bei Hchstdt und Blindheim~. Bayern von den kaiserlichen
Truppen besetzt.

[1706.]

Erzherzog Karl gewinnt auf kurze Zeit +Madrid+; Marlborough siegt bei
~Ramillies~ (nrdlich von Namur), Prinz Eugen bei ~Turin~ mit Hilfe der
+Preuen+ unter +Leopold von Dessau+. Die Franzosen werden aus Italien
verdrngt, +Mantua+ (s. S. 239) von sterreich in Besitz genommen, dann
auch +Neapel+ (S. 241).

[~1708.~]

Sieg Marlboroughs und Prinz Eugens bei ~Oudenarde~; +Lille+ belagert
und genommen. Strenger Winter in Frankreich.

+Friedensverhandlungen+. Die Verbndeten fordern Herausgabe
der spanischen Monarchie an Erzherzog Karl von sterreich, der
niederlndischen Grenzfestungen an die Hollnder, fr das Deutsche
Reich Wiederherstellung des im +Westflischen Frieden+ festgesetzten
Besitzstandes. Dies alles wird +von Ludwig XIV. bewilligt+. Aber die
Forderung, da er seinen Enkel Philipp mit +franzsischen Waffen+ aus
Spanien vertreiben soll, bewirkt den Abbruch der Verhandlungen.

Fortgang des Krieges. Die Franzosen aufs neue gedemtigt durch den

[~1709.~]

Sieg Prinz Eugens und Marlboroughs bei ~Malplaquet~. Neue
Friedensantrge Ludwigs, der sogar Hilfsgelder gegen seinen Enkel
zahlen will, whrend die Verbndeten verlangen, da er ihn durch seine
+Heere+ vertreiben soll.

Der Fall des +Whigministeriums+ in England (1710) und der Tod
Kaiser ~Josephs I.~ (1711) ndern alle Verhltnisse zu Gunsten
Ludwigs XIV. Marlborough abberufen; Erzherzog Karl verlt Spanien,
um die sterreichischen Erblande zu bernehmen. England beginnt
Friedensverhandlungen (S. 299).

[1712.]

Kongre zu Utrecht. Der franzsische Feldherr Villars siegt bei
+Denain+ (an der Schelde) ber einen Teil von Prinz Eugens Heer.

[~1713.~]

~Friede zu Utrecht~ (ohne Beteiligung Kaiser Karls VI.):

1. ~Philipp V.~, Enkel Ludwigs XIV., wird als Knig von +Spanien+
anerkannt. Die meisten +Nebenlnder+ (Niederlande, Mailand, Neapel,
Sardinien) sollen ~Karl VI.~ zufallen, Sicilien als Knigreich dem
Herzog von +Savoyen+.

2. ~England~ erhlt von Frankreich +Neufundland+, +Neuschottland+
(Akadien) und die +Hudsonsbailnder+, von Spanien +Gibraltar+ und
+Menorka+. Anerkennung der protestantischen Thronfolge versprochen (S.
284).

3. ~Holland~ erhlt das Besatzungsrecht in einigen Grenzfestungen der
bisher spanischen Niederlande, +Lille+ wird an Frankreich zurckgegeben.

4. ~Preuen~ erlangt Anerkennung des Knigstitels und des Besitzes von
+Neuchtel+ und Valengin (aus der oranischen Erbschaft nach Wilhelms
III. Tode 1702, vgl. die Stammtafel S. 244), dazu +Obergeldern+ (an der
Maas). Es berlt an Frankreich seine Ansprche auf das Frstentum
+Oranien+ oder +Orange+ (an der Rhone, S. 242 Anm.).

Karl VI. verweigert seine Zustimmung, der Krieg wird am Rhein
weitergefhrt. Villars erobert Landau und Freiburg. Darauf

[~1714.~]

~Friede zu Rastatt und Baden~ (im Aargau, Schweiz). Karl VI. nimmt die
ihm bestimmten Lnder an. sterreich gewinnt damit nach der Erwerbung
Ungarns unter Leopold I. (S. 266) unter dessen Sohn Karl VI. auch noch
die Niederlande und die Herrschaft in Italien. Fr das +Deutsche Reich+
wird nur der Friede von Ryswyk besttigt; +Landau+ bleibt franzsisch.
Die in die Reichsacht erklrten Kurfrsten von +Bayern+ und +Kln+
werden in ihre Wrden und Lnder wieder eingesetzt.


[~1700-1721.~]

 6. Der Nordische Krieg.

~Peter der Groe~ (S. 269) will Ruland zur +Seemacht+ erheben und
Schwedens Herrschaft ber die Ostsee (S. 256) brechen. Er schliet
unter Vermittelung des livlndischen Edelmanns +Patkul+ ein Bndnis
mit +August dem Starken+ (S. 266), welcher Livland wieder fr Polen
beansprucht (S. 249, 268). Friedrich IV. von +Dnemark+ schliet
sich an, um das Haus Holstein-Gottorp (jngere Linie des dnischen
Knigshauses) aus dem Mitbesitz von Schleswig-Holstein zu verdrngen.

~Karl XII., Knig von Schweden~ (geb. 1682, reg. 1697 bis 1718), Enkel
Karls X. Gustav von Pfalz-Zweibrcken (S. 250), nimmt sich des Herzogs
von Holstein-Gottorp, seines Schwagers, an, landet 1700 auf Seeland,
bedroht Kopenhagen und erzwingt den ~Frieden zu Travendal~ (in Holstein
a. d. Trave); Dnemark gibt den Angriff auf. Dann wendet er sich gegen
Peter d. Gr. und besiegt mit 8000 Schweden 40000 Russen bei ~Narwa~ (in
Ingermanland). +Schsische+ Truppen haben inzwischen +Riga+ belagert.
Karl XII. dringt 1701 in +Polen+ ein und verlangt Absetzung Augusts
II., zieht 1702 in Warschau ein, siegt bei +Klissow+ und 1703 bei
+Pultusk+ ber schsische und polnische Truppen.

[1704.]

+Stanislaus Lesczinski+ vom polnischen Reichstag zum Knig gewhlt.

Whrenddessen legt +Peter+ den Grund zu der neuen Hauptstadt ~St.
Petersburg~ 1703 und erobert +Narwa+ 1704.

Fortgang des Krieges in Polen und Litauen, Siege Karls XII. bei
+Punitz+ 1704 und seines Generals +Rehnskjld+ bei Fraustadt 1706. Karl
dringt durch Schlesien in Sachsen ein und erzwingt den

[~1706.~]

~Frieden zu Altranstdt~ (bei Leipzig): 1. August II. entsagt der
polnischen Krone und erkennt +Stanislaus Lesczinski+ als Knig von
Polen an. 2. Er gibt das Bndnis mit dem Zaren auf und liefert dessen
Bevollmchtigten +Patkul+ aus (welchen Karl grausam hinrichten
lt). 3. +Sachsen+ sorgt den Winter ber fr Unterhalt und Sold des
schwedischen Heeres.

Karl bricht dann gegen den russischen Zaren auf (Sept. 1707),
der die Zeit zur Festsetzung an der Ostsee und zur Bildung eines
kriegstchtigen Heeres trefflich benutzt hatte. Der Weg nach Moskau
versperrt durch Verwstung des Landes. Durch den von Ruland
abgefallenen Kosakenhetman +Mazeppa+ lt sich Karl verleiten, ber
den Dnjepr (1708) nach der +Ukraine+ zu gehen. Vergebliche Belagerung
+Pultawas+; Peter eilt zum Entsatz herbei und schlgt mit berlegener
Streitmacht die durch Mrsche und Mangel ermatteten Schweden in der

[1709 (8. Juli).]

~Schlacht bei Pultawa,~ welche Schwedens bermacht mit einem Schlage
vernichtet. Das schwedische Heer vllig aufgelst und grtenteils
gefangen. Karl flchtet zu den Trken.

[1709-1714.]

Karl XII. +in der Trkei+ (Lager bei +Bender+), sucht die Pforte zum
Kriege gegen Ruland zu bewegen. Dies gelingt endlich 1711. Peter,
verbndet mit dem +Frsten der Moldau,+ geht ber den Dnjestr, wird am
+Pruth+ eingeschlossen, erkauft von den Trken durch Bestechung des
Growesirs (auf Rat seiner Gemahlin +Katharina+) den

[~1711.~]

~Frieden am Pruth~: 1. +Asow+ an die Pforte zurckgegeben (S. 266) 2.
Dem Knige von Schweden freie Rckkehr in seine Staaten zugesichert.

Karl XII., ber diesen Frieden entrstet, verweigert starrsinnig die
Abreise, wird 1713 von den Trken in seinem Lager bei +Bender+ gefangen
genommen und nach +Demotika+ (bei Adrianopel) gebracht. Whrenddessen
nutzen seine Feinde die Zeit aus. August II. vertreibt den Knig
Stanislaus aus Polen; die Dnen suchen (allerdings vergeblich) die
sdlichen Provinzen Schwedens zu erobern. +Peter der Groe+ nimmt
+Livland, Estland, Ingermanland, Karelien, Finnland+ vollstndig in
Besitz.

Im +Haager Konzert+ (1710) war, um den Krieg von Deutschlands Grenzen
fern zu halten, die Neutralitt aller +deutsch-schwedischen+ Provinzen,
sowie +Schleswigs+ und +Jtlands+ festgesetzt worden. Da aber Karl
XII. gegen diesen Vertrag von der Trkei aus protestiert, so nehmen
die Dnen dem Herzog von Holstein-Gottorp +Schleswig+ weg und erobern
die seit 1648 (S. 260) schwedischen Herzogtmer +Bremen+ und +Verden+
(1712), welche dann gegen eine Geldzahlung dem Kurfrsten von Hannover
berlassen werden.

[1712. Dez.]

Der schwedische General +Stenbock+ besiegt die Dnen bei +Gadebusch+
(in Mecklenburg), rckt dann nach Holstein vor, verbrennt +Altona+,
wird aber (Febr. 1713) von Dnen und Russen bei +Tnning+ a. d. Eider
gefangen.

[1713.]

Knig +Friedrich Wilhelm I.+ von ~Preuen~ (S. 279) schliet sich
den Feinden Schwedens an und besetzt +Stettin+ nach Abschlu eines
Vertrages mit dem russischen General Menschikow, wonach Stettin und
Vorpommern gegen Zahlung von 400000 Talern vorlufig von Preuen
beschlagnahmt (sequestriert) werden.

[1714.]

Karl XII. kehrt endlich in seine Staaten zurck. Abenteuerlicher Ritt
durch Ungarn und Deutschland ber Wien, Nrnberg, Braunschweig nach
+Stralsund+.

[1715.]

Belagerung von +Stralsund+ durch preuische, dnische und schsische
Truppen. Der preuische Feldmarschall Frst Leopold von Dessau erobert
die Insel +Rgen+.

Karl XII. gibt Stralsund auf und kehrt nach Schweden zurck.

[~1716-1717.~]

Peters d. Gr. +zweite Reise+ (vgl. S. 269) nach Deutschland, Dnemark,
Holland, Frankreich.

Karl XII. unterhandelt mit Peter d. Gr. durch den Freiherrn +von
Grz+, der trotz des Hasses der schwedischen Groen auch an die Spitze
der inneren Verwaltung Schwedens gestellt wird. Vor Abschlu der
Verhandlungen, die ihm Aussicht auf russische Hilfe geben, beginnt Karl
einen neuen Krieg gegen +Dnemark+, indem er in +Norwegen+ einfllt,
wird aber bei der

[~1718.~]

Belagerung von +Frederikshall+ durch eine Kugel gettet. Ende des
Hauses Pfalz-Zweibrcken (seit 1654) in Schweden.

Der schwedische Reichsrat, schon lange mit Karls Regierung unzufrieden,
beruft nicht den Sohn seiner lteren Schwester, Karl Friedrich von
+Holstein-Gottorp+ (S. 293), zur Regierung, sondern die jngere
Schwester Ulrike Eleonore und deren Gemahl, Prinz +Friedrich+ von
+Hessen-Kassel+ (1720-1751).

+Grz+ wird verurteilt und hingerichtet (1719). Das Knigtum wird
gnzlich abhngig von dem Reichsrat, dessen nchste Sorge auf
Herstellung des Friedens gerichtet ist.

Den Nordischen Krieg beenden die Friedensschlsse zu ~Stockholm
1719~ mit +Hannover+, welches +Bremen+ und +Verden+ behlt und an
Schweden 1 Mill. Taler zahlt; ~1720~ mit +Preuen,+ welches +Stettin+,
+Vorpommern bis an die Peene+, die Inseln +Usedom+ und +Wollin+ erhlt
und 3 Mill. Taler zahlt; zu ~Friedrichsburg~ auf Seeland ~1720~ mit
+Dnemark+, welches alle Eroberungen zurckgibt. Dafr zahlt Schweden
600000 Taler, entsagt der Zollfreiheit im Sunde (s. S. 250) und gibt
den Herzog von Holstein-Gottorp preis, dem Dnemark seinen Anteil an
+Schleswig+ nimmt. Mit +Polen+ bleibt es bei dem 1719 geschlossenen
Waffenstillstand. +August der Starke+ als Knig anerkannt. Stanislaus
Lescynski fhrt den Knigstitel weiter und erhlt 1 Mill. Taler (S.
279).

[~1721.~]

Friede zu ~Nystadt~ zwischen +Schweden+ und +Ruland+: 1. Schweden
tritt an Ruland ab: +Livland,+ +Estland,+ +Ingermanland,+ +Karelien+
und die dazu gehrigen Inseln (+sel,+ +Dag+ u.a.). 2. Ruland gibt
+Finnland+ zurck und zahlt 2 Mill. Taler.

Schweden, seiner frheren Machtstellung beraubt, behlt doch noch
deutsche Gebiete: +Wismar+, welches erst 1803 durch Verpfndung (1903
endgltig) an Mecklenburg kommt, und +Vorpommern+ nrdlich der Peene
mit +Rgen+ (1815 an Preuen). Karl Friedrich von Holstein-Gottorp geht
nach Ruland, vermhlt sich mit +Anna+, Tochter Peters d. Gr. Sein Sohn
ist der Zar Peter III., 1728 in Kiel geboren, Stammvater des russischen
Kaiserhauses (S. 293).

~Ruland~ hat sich an Schwedens Stelle zur ~europischen Gromacht~
erhoben und nach langem Ringen die Ostsee erreicht. Peters d. Gr.
innere Regierung ist auf Frderung von Handel und Gewerbe, Bergwesen
und Forstkultur, Volksbildung, Ordnung der Verwaltung gerichtet.
Dem Erbadel setzt er einen +Amtsadel+ zur Seite; 14 Rangstufen der
Offiziere und Beamten (Tschin), die oberen adlig. Oberste Behrde
der +Senat+, 1711 an Stelle des frheren Rats der Bojaren errichtet;
zur Leitung der Kirche der +Heilige Synod+ 1721 errichtet, dessen
Mitglieder der Zar ernennt. Die Zahl der Klster eingeschrnkt. Mnche
und Nonnen zu ntzlicher Ttigkeit angehalten.

Peters d. Gr. letzte Kriegstat ist eine Heerfahrt gegen +Persien+
und die Eroberung von +Derbent+ (am Kaspischen Meere) 1722; doch
wird dieser Kstenstrich 1732 an Persien zurckgegeben. Die
Kstenlandschaften am Schwarzen Meere sind noch ganz im Besitz der
+Trken+; den Grenzschutz leistet das Reitervolk der +Kosaken+ in der
Ukraine.


 7. Deutschland.

Das +Deutsche Reich+ vermag in den europischen Kriegen das Eindringen
fremder Truppen nicht abzuwehren, ist aber selbst nicht Gegenstand des
Angriffs. Die letzten habsburgischen Kaiser (S. 272) sind nur auf ihre
Hausmacht bedacht; Ausbildung der +sterreichischen Monarchie+.

[~1711-1740.~]

Kaiser ~Karl VI.~ erwirbt 1714 die spanischen Nebenlnder (S. 274).
Im Bunde mit Venedig 1715-1718 glcklicher +Trkenkrieg+. Prinz Eugen
siegt 1716 bei +Peterwardein+, 1717 bei +Belgrad+. Der Besitz dieser
Stadt und eines Teils von Serbien samt der Kleinen Walachei und dem
Banat von Temesvar im Frieden zu +Passarowitz+ 1718 besttigt. Venedig
behlt Korfu und die eroberten Pltze in Dalmatien und Albanien,
verliert Morea (S. 304).

[1720.]

Ein Versuch Philipps V. von +Spanien+, die verlorenen Nebenlnder
(S. 274) wiederzugewinnen, wird durch die 1718 geschlossene
+Quadrupelallianz+ (England, Frankreich, sterreich, Holland)
vereitelt. Der Herzog von Savoyen mu +Sicilien+ (S. 274) an
+sterreich+ berlassen, erhlt dafr +Sardinien+ und nimmt den Titel
+Knig von Sardinien+ an.

Kaiser Karl VI., ohne mnnliche Nachkommen, setzt eine Erbfolgeordnung
fest unter dem Titel ~Pragmatische Sanktion~, welche 1. die
Unteilbarkeit der zur sterreichischen Monarchie gehrigen Lnder
anordnet, 2. dieselben in Ermangelung mnnlicher Nachkommen auf Karls
Tchter (die lteste ~Maria Theresia~) und deren Nachkommen nach dem
Erstgeburtsrecht vererbt, 3. im Fall des Aussterbens dieser Linie die
Tchter +Josephs I.+ (vermhlt mit Friedrich August II. von Sachsen (in
Polen August III.) und Kurfrst Karl Albert von Bayern, S. 282) und
deren Nachkommen zu Erben einsetzt.

[1725.]

Bndnis zwischen +sterreich+ und +Spanien+ zum Schutz der
Pragmatischen Sanktion; Gegenbndnis (zu Herrenhausen bei Hannover)
zwischen +England+, +Frankreich+ und +Preuen+. Doch tritt Preuen
bald wieder auf die Seite Karls VI., der 1728 in dem Berliner Vertrag
verspricht, nach dem Aussterben des Pfalz-Neuburger Hauses Preuen zum
Besitz des Herzogtums Berg (S. 252) zu verhelfen. (In einem geheimen
Vertrage versprach Karl VI. 1739 die Erbnachfolge in Jlich und Berg
der Linie Pfalz-Sulzbach, aus der auch Karl Theodor 1743 das Erbe
antrat.) Auch England erkennt 1731 die Pragmatische Sanktion an.

[~1733-1735.~]

~Polnischer Thronfolgekrieg.~

Von Frankreich geleitet, whlt nach dem Tode Augusts II. von Sachsen
1733 die Mehrheit des polnischen Adels den Knig ~Stanislaus
Lesczinski~, welcher Schwiegervater +Ludwigs XV.+ geworden war, zum
zweiten Male (S. 277). +Ruland+ und +sterreich+ lassen von einer
Minderheit den Kurfrsten von Sachsen (Augusts II. Sohn) als ~August
III.~ whlen und halten die Wahl in Polen mit ihren Truppen aufrecht.
Dagegen treten +Frankreich+, +Spanien+ und +Sardinien+ fr Stanislaus
mit den Waffen ein.

Hauptschauplatz des Krieges +Italien+, wo +Mailand+, +Neapel+ und
+Sicilien+ erobert werden, die sterreicher also alles bis auf +Mantua+
verlieren. Am +Oberrhein+ kmpft der alte +Prinz Eugen+ (T 1736) ohne
Glck, nur Herzog +Franz Stephan+ von Lothringen, der sptere Gemahl
Maria Theresias, hlt die Ehre der kaiserlichen Waffen aufrecht.
+Lothringen+ von den Franzosen besetzt. Friedensprliminarien 1735 und
nach weiteren Unterhandlungen

[~1738.~]

~Friede zu Wien~: 1. +Stanislaus Lesczinski+ verzichtet zum zweiten
Mal auf den polnischen Thron, erhlt als Entschdigung die Herzogtmer
~Lothringen~ und ~Bar~, welche ~nach seinem Tode Frankreich zufallen~
(Stanislaus T 1766). 2. Der Herzog von Lothringen +Franz Stephan+,
Gemahl der Maria Theresia, wird durch das Groherzogtum ~Toskana~
entschdigt, wo 1737 das Haus +Medici+ (S. 240) ausgestorben war. 3.
sterreich berlt ~Neapel~ und ~Sicilien~ als eine +Sekundogenitur+
(so da dieses Knigreich nicht mit der Krone Spanien vereinigt werden
darf) an die spanische Linie des Hauses +Bourbon+; es erhlt dafr
+Parma+ und +Piacenza+ (nach dem Aussterben der +Farnese+ (S. 239) 1731
durch Erbschaft an Spanien gekommen). 4. Frankreich garantiert die
Pragmatische Sanktion.

[1736-1739.]

Unglcklicher ~Trkenkrieg~ sterreichs (im Bunde mit Ruland, s. S.
295); ~Friede zu Belgrad~: +Orsowa+, +Belgrad+, +Serbien+ und die
Kleine +Walachei+ den Trken zurckgegeben (S. 278). Temesvar bleibt
bei sterreich.

[~1713-1740.~]

~Friedrich Wilhelm I., Knig von Preuen~, Sohn Friedrichs I. (S. 267)
erschliet durch gute Verwaltung und soldatische Zucht die natrlichen
Hilfsquellen des Landes und hebt dessen Ertragsfhigkeit (s. +Anhang+).
Bei nur 2 Mill. Einwohnern hinterlt er ein vorzgliches Heer von
83000 Mann (+Frst Leopold von Anhalt-Dessau+) und einen Staatsschatz
von 10 Mill. Talern. +Seine Regierung bereitet die knftige Gre
Preuens vor.+

[~1740-1786.~]

~Friedrich II., der Groe,~[50]

vereint die strenge Staatsordnung mit vielseitigen Kulturbestrebungen
(S. Anhang): Der Knig ist der erste Diener seines Staates (Schrift
+Anti-Macchiavell+). Kluge Frsorge fr sein Land und Heer, hohe
Feldherrnbegabung und politisches Talent wirken zusammen zu groen
Erfolgen.

[~1740.~ Okt.]

Mit dem Tode ~Karls VI. erlischt der Mannesstamm~ des Hauses
~Habsburg~. (Stammtafel S. 282). Die deutsche +Kaiser+wrde bleibt
erledigt bis 1742.

[~1740-1780.~]

~Maria Theresia~, Knigin von Bhmen und Ungarn, Erzherzogin von
sterreich, geb. 1717, vermhlt 1736 mit +Franz Stephan+ aus dem Hause
~Lothringen~, seit 1738 Groherzog von Toskana (Mitregent).

[~1740-1748.~]

~sterreichischer Erbfolgekrieg.~ Auf das habsburgische Erbe erhebt
Anspruch Kurfrst +Karl Albert von Bayern+, der die Pragmatische
Sanktion nicht anerkannt hatte, als Nachkomme einer Tochter Kaiser
Ferdinands I. auf Grund eines Testaments von 1547. Er wird untersttzt
von +Frankreich+, welches auch Philipp V. von Spanien und Friedrich
August II. von Sachsen (Gemahl der ltesten Tochter Josephs I., S. 278,
282) veranlat, Ansprche zu erheben.

Friedrich II. von Preuen erbietet sich, gegen Anerkennung seiner
Ansprche auf Teile Schlesiens +fr+ sterreich zu kmpfen; durch
die Zurckweisung seines Anerbietens entsteht noch vor Erffnung der
Feindseligkeiten durch die brigen Prtendenten der

[~1740-1742.~]

~Erste Schlesische Krieg.~

+Preuische Ansprche+ auf Teile Schlesiens: 1. Das Frstentum
+Jgerndorf+ war 1523 von der Ansbacher Linie des Hauses Hohenzollern
erworben, spter (1596) mit Brandenburg vereinigt, aber Frst +Johann
Georg+ wurde 1621 als Anhnger +Friedrichs V.+ von der Pfalz von
Kaiser Ferdinand II. in die Acht erklrt und vertrieben (S. 253 f.).
2. Mit dem Herzog von +Liegnitz+, +Brieg+ und +Wohlau+ hatte Kurfrst
+Joachim II.+ ~1537~ eine Erbverbrderung geschlossen, der jedoch
Ferdinand I. als Knig von Bhmen und Oberlehnsherr widersprochen
hatte. Nach dem Aussterben des herzoglichen Hauses der Piasten 1675
setzte sich sterreich in den Besitz ihrer Lnder. 1686 entsagte
Kurfrst +Friedrich Wilhelm+ den schlesischen Herzogtmern gegen
Abtretung des +Schwiebuser+ Kreises und Erteilung einer Anwartschaft
auf +Ostfriesland+. Der Schwiebuser Kreis ward aber sterreich in einem
+geheimen Vertrag mit dem Kurprinzen+ wieder zugesichert und von diesem
(als Kurfrst Friedrich III.) 1695 wieder zurckgegeben.

[1740. (Dez.)]

Friedrich besetzt einen groen Teil Schlesiens.

[~1741.~]

Einzug Friedrichs in +Breslau+ (3. Jan.), Erstrmung der Festung
+Glogau+ (9. Mrz, Erbprinz Leopold von Dessau). Sieg bei ~Mollwitz~
(10. April, Feldmarschall +Schwerin+) ber ein sterreichisches Heer
unter Neipperg, welches aber ungehindert aus Schlesien abzieht. Bndnis
mit +Frankreich+ (5. Juni).

+Franzosen+ und +Bayern+ rcken in sterreich ein und besetzen
+Linz+ (15. Sept.); Maria Theresia ruft in +Preburg+ die Hilfe des
ungarischen Adels an und lt durch Neipperg zu +Klein-Schnellendorf+
einen Waffenstillstand mit Preuen schlieen (9. Okt.), indem sie
Niederschlesien aufgibt. Die Franzosen, Bayern und Sachsen erobern
+Prag+ (16. Nov.); Karl Albert lt sich als Knig von Bhmen huldigen,
wird bald darauf in Frankfurt als

[~1742-1745.~]

~Karl VII.~ zum deutschen Kaiser gewhlt.

[~1742.~]

Die sterreicher rcken in +Bayern+, die Preuen in +Mhren+ ein.
Friedrichs Sieg bei ~Chotusitz und Czaslau~ (17. Mai) fhrt zu dem

~Frieden zu Breslau~: sterreich tritt an Preuen +Ober-+ und
+Niederschlesien+ und die +Grafschaft Glatz+ ab, es behlt nur die
Frstentmer +Teschen+, +Troppau+ und (zum Teil) +Jgerndorf+.

sterreich fhrt nun den Krieg gegen Frankreich und Bayern mit mehr
Glck; die Franzosen rumen +Prag+ (Dez. 1742), Karl VII. mu aus
Mnchen entfliehen (Juni 1743). Ein neues franzsisches Heer wird
von Knig Georg II. von England (1727-1760), der als Bundesgenosse
sterreichs die sog. +Pragmatische Armee+ (Englnder, Hannoveraner,
Hessen) heranfhrt, besiegt in der

[~1743.~]

~Schlacht bei Dettingen~ (am Main unweit Aschaffenburg). Kaiser Karl
VII. lebt als Flchtling in Frankfurt.

       Deutsche Linie des Hauses Habsburg.

           Ferdinand I. (1556-1564).
   __________________|________________________________________
 Maximilian II. (1564-1576). Ferdinand v. Tirol. Karl von Steiermark.
 __________________|____________________________       |
 Rudolf II.   Matthias     Maximilian.  Albrecht,   Ferdinand II.
 (1576-1612). (1612-1619).              Statth.     (1619-1637).
                                        d. span.       |
                                        Niederlande, Ferdinand III.
                                        1595-1621.   (1637-1657).
                                                       |
                                                    Leopold I.
                                                    (1658-1705).
 ___________________________________________________|___________________
 Maria Antonie,         Joseph I. (1705-1711).      Karl VI. (1711-1740).
 Gem. Max Em.                  |                         |
 v. Bayern.                    |                         |
       |                _______|________                 |
 Joseph Ferdinand,  Maria Josepha,    Maria Amalia,     Maria Theresia
 Kurpr. v. Bayern   Gem. August III.  Gem. Karl Albert  (1740-1780).
 (T1699).          v. Sachsen-Polen, v. Bayern
                                       (Kais. Karl VII.).


             Haus Lothringen.

 Franz I., Grohzg. v. Toskana 1738, deutscher Kaiser 1745-1765.
 Gem. Maria Theresia, Tochter Karls VI, des letzten Habsburgers.
 _______________________|_______________________
 Joseph II.,     Leopold II.,               Ferdinand,
 1765-1790.      Grohzg. v. Toskana        Gem. d. Erbin v.
                 seit 1765, deutscher       Modena.
                 Kaiser 1790-1792.            _______________________
 __________________|_____________________________________________    |
 Franz II (I.),   Ferdinand, Karl,   Joseph, Johann, Rainer, Ludwig, |
 deutscher Kaiser Grhzg. v.  T1847. T1847. Reichs- T1853. T1864. Franz IV.,
 1792-1806,       Toskana,    |              verweser                Herzog v.
 Kaiser v.        T1824.   Albrecht,        1848-1849,              Modena.
 sterreich         |       T1895.          T1859.                   |
 1804-1835.       Leopold II., Grhzg. v. Toskana.           Franz V. Ferdinand,
 _______|_________________________________   |               1859 vertrieben,
 Marie Luise,     Ferdinand I., Franz Karl  Ferdinand IV.,   T1875.
 Gem.  1835-1848, T1875.       Gem. Sophie letzter Grhz.
 Napoleons I.,                  v. Bayern.  v. Toskana.
 Hzgn. v. Parma,                     |      T1908.
 T1847.                              |
                                     |
 ____________________________________|_________________________
 Franz Joseph I., Ferdinand       Karl Ludwig, T1896.       Ludwig.
 Gem. Elisabeth   Maximilian,     ___|______________________________
 v. Bayern,       Ks. v. Mexiko,  Franz Ferdinand,  Otto, T1906.  Ferdinand.
 T1898.          T1867.         (Thronfolger).      |
 ____|___________________         Gem. Sophie, _____|__________
 Gisela,  Rudolf, Valerie,        Hzgn. v.     Karl Franz   Maximilian
 Gem.     T1889.  Gem. Franz      Hohenberg.   Joseph,      Eugen Ludwig.
 Leopold          Salvator,                    prsumpt
 von Bayern.      Neffe Ferdinands IV.         Thronerbe.
                                               Gem. Zita v.
                                               Bourbon-Parma.

         Haus Hohenzollern.

 ~Friedrich Wilhelm der Groe Kurfrst~ (1640-1688)
 Gem. Luise Henriette von Oranien T1667.
 ~Friedrich III. (I.)~ 1688 (1701)-1713.
 ~Friedrich Wilhelm I.,~ 1713-1740.
  ___________|_____________________________
 |               |                |        |
 Friedrich II., August Wilhelm, Heinrich, Ferdinand,
 d. Groe,      T1758.          T1802.    T1813.
 1740-1786.      |                        ____|_______
                 |                         |         |
          ~Friedrich Wilhelm II.~, Louis Ferdinand,  August,
          1786-1797.                    T1806.       T1843.
  _________________|_____________________________________________________
 |                                |       |           |           |      |
 ~Friedrich Wilhelm III.,~ Ludwig, Wilhelmine, Auguste,   Heinrich, Wilhelm,
 1797-1840.                T1796.  Knigin d.  Kurfrstin T1846.   T1851.
 Gem. Luise v. Mecklenburg,        Niederl.    v. Hessen,          |
  T1810.                           T1837.      T1841. _____________|__
           |                                         |    |           |
           |                                  Adalbert, Waldemar, Maria,
           |                                  T1873.    T1849.    T1889.
           |                                                     Gem. Max. II.,
           |                                                     K. v. Bayern.
  _________|______________________________________________________...
 |               |                  |               |
 ~Friedrich~    ~Wilhelm I.,~    Charlotte,        Karl.
 ~Wilhelm IV.,~ 1861-1888,       T1860,            T1883.
 1840-1861.     1871 ~deutsch.~  Gem. Nikolaus I., Gem. Maria
 Gem. Elisabeth ~Kaiser,~        Ks. v. Russland.  v. S.-Weimar.
 v. Bayern.     Gem. Augusta                             |
                v. Sachs.-Weimar,                        |
                T1890.                                   |
    _______________|_____                      Friedrich Karl,
      |                  |                     T1885.
 ~Friedrich III.,~  Luise,         ___________|_______
 T1888,             Gem. Grhz.    |                   |
 als Kronprinz      v. Baden,  Luise Margarete,  Friedr. Leopold,
 Friedrich Wilhelm. T1907.     Gem. Artur.       Gem. Luise Sophie
 Gem. Viktoria,                     Hz. v. Connaught. v. Holst-Augustenb.
 Princess Royal
 v. England,
 T1901.
  _______________________________________________________________________
 ~Wilhelm II.,~        Charlotte,    Heinrich,  Viktoria,  Sophie,   Margarete,
 seit 1888.            Gem. Erbprinz Gem. Irene Gem. Prinz Gem.      Gem. Prinz
 Gem. Auguste Viktoria v. Meiningen. v. Hessen, Adolf v.   Kronprinz Karl v.
 v. Holstein-                _________|         Schbg.     v.        Hessen.
 Augustenburg.        ______|_______            -Lippe.   Griechenland.
     |               |              |
     |         ~Waldemar.~  Sigismund.
  ___|___________________________________________________________________
 |                 |            |          |             |       |       |
 Wilhelm,        Eitel        Adalbert. August Wilhelm. Oskar. Joachim. Viktoria
 Gem. Cecilie    Friedrich,             Gem. Alexandra                   Luise.
 V. Mecklenburg. Gem. Sophie            v. Schl.-Holstein.
       |         Charlotte
       |         v. Oldenburg.
  _____|___________________________________________
 |               |                  |              |
 Wilhelm.   Louis Ferdinand.   Hubertus Karl.   Friedrich


 ~Friedrich Wilhelm III.,~
 1797-1840.
 Gem. Luise v. Mecklenburg,
 T1810.
 ...__|_________________________________________
         |                |                     |
     Alexandrine,       Luise,              Albrecht,
     T1892.             T1870.              T1872.
     Gem. Grh. Paul     Gem. Friedrich,     Gem. Marianne,
     Friedr.v.Meckl.    Prz. d. Niederl.    Przin. d. Niederl.
                                                |
                                            Albrecht,
                                            Regent v. Braunschw.
                                            T1906.
                                                |
                                            Friedr. Heinr.
                                            Joachim Albrecht.
                                            Friedrich Wilhelm.
                                            Gem. Agathe
                                            v. Ratibor
                                            u. Corvey.

Diese Erfolge sterreichs und dessen Vertrge mit +Sardinien+ und
+Sachsen+ gegen Preuen machen den Knig Friedrich fr seine neue
Erwerbung besorgt. Er schliet abermals ein Bndnis mit +Frankreich+
und +Karl VII.+ und beginnt, nachdem er (1744) +Ostfriesland+ nach dem
Aussterben des Frstenhauses der Cirksena mit seinem Staate vereinigt
hat (S. 281), den

[~1744-1745.~]

~Zweiten Schlesischen Krieg.~

Mit 80 000 Mann kaiserlicher Hilfstruppen rckt der Knig durch
Sachsen in Bhmen ein, erobert +Prag+, wird aber bald darauf infolge
des Rckzuges der Franzosen, die ihn ohne Beistand lassen, nach
Schlesien zurckgedrngt (1744).

[~1745.~]

Nach Karls VII. Tode in Mnchen entsagt sein Sohn +Max Joseph+
(1745-1777) im ~Frieden zu Fen~ allen Erbansprchen auf sterreich
und verspricht dem Gemahl der Maria Theresia, +Franz Stephan+, seine
Stimme bei der Kaiserwahl.

Die Franzosen unter dem Marschall +Moritz von Sachsen+, einem Sohne
Augusts II. und der Grfin Aurora Knigsmark, dringen nach dem Siege
bei +Fontenoy+ in die +sterreichischen Niederlande+ ein und erobern
Brssel.

[~1745.~]

Friedrichs Siege bei ~Hohenfriedeberg~ (in Schlesien, 4. Juni, ber
Herzog Karl von Lothringen, Bruder Franz Stephans) und bei ~Soor~ (im
nordstl. Bhmen, 30. Sept.) beweisen aufs neue die berlegenheit
der preuischen Waffen. Nach einem dritten Siege, den der alte
Feldmarschall +Leopold von Dessau+ (T 1747) bei ~Kesselsdorf~ (unweit
Dresden, 15. Dez.) ber die Sachsen davontrgt, folgt der

~Friede zu Dresden~: Besttigung des Besitzes von +Schlesien+;
Friedrich erkennt den Gemahl Maria Theresias als Kaiser an.

[~1745-1765.~]

~Franz I.~ deutscher Kaiser ~(Haus Lothringen- Toskana~ 1745-1806).

+Beendigung des sterreichischen Erbfolgekriegs+: Nachdem die besten
englischen Truppen nach England gegen den von Frankreich untersttzten
Prtendenten +Karl Eduard+ (S. 299) abberufen sind, vollendet der
Marschall Moritz von Sachsen durch den Sieg bei ~Raucoux~ 1746 die
Eroberung der sterreichischen Niederlande. Maria Theresia schliet
ein Bndnis mit Elisabeth von +Ruland+ (S. 295), die 1748 Truppen
nach Deutschland sendet. Frankreichs Verluste in dem gleichzeitigen
+Seekriege+ mit England (S. 299f.) dmpfen die Kriegslust der Franzosen.

[~1748.~]

~Friede zu Aachen~: 1. sterreich tritt +Parma+ und +Piacenza+ an
den spanischen Infanten +Don Philipp+ ab (zweite Sekundogenitur
der +spanischen+ Bourbons in Italien, S. 279). 2. Gewhrleistung
+Schlesiens+ fr +Preuen+, der +Pragmatischen Sanktion+ fr
+sterreich+, der +britischen Thronfolge+ fr das Haus +Hannover+ (S.
272).

Vernderung des europischen Staatensystems durch den Eintritt Preuens
in die Reihe der Hauptmchte. ~Friedrichs d. Gr. Friedensregierung~
(s. +Anhang+) wird ein Vorbild fr andere Staaten. -- In +Sanssouci+
(1745-1747 erbaut) lebt 1750-1763 +Voltaire+; auch die Gelehrten
Maupertuis, d'Argens, La Mettrie und Algarotti werden herangezogen.

In ~sterreich~ durch Maria Theresia Abstellung vieler Mistnde,
Hebung der Finanzen, Bildung eines tchtigen Heeres (Daun). Sparsame
Hofhaltung. Sorge fr Handel, Industrie und Ackerbau. Erleichterung der
Leibeigenschaft. Grndung der Volksschule. Abschaffung der Folter.

In ~Dresden~ glnzende Hofhaltung Augusts des Starken (T 1733) und
Augusts III. (T 1763). Italienische Oper, Grndung der Gemlde-Gallerie
1746. Minister Graf +Brhl+ (T 1763).

Aufblhen der ~deutschen Literatur~: Albrecht von +Haller+ in Bern,
dann in Gttingen (Universitt gegr. 1737; T 1777 in Bern). Fr. von
+Hagedorn+ in Hamburg (T 1754), +Gottsched+ (T 1766) und +Gellert+
(T 1769) in Leipzig; +Gleim+ in Halberstadt (T 1803), +Ramler+ (T
1798) und Ewald von +Kleist+ in Berlin (T 1759 in Frankfurt a.
O.). +Klopstock+ geb. 1724 zu Quedlinburg (1748 der Messias), 1751
in Kopenhagen (T 1803 in Hamburg). +Lessing+ geb. 1729 zu Kamenz
(Oberlausitz), 1751 in Berlin (T 1781 in Braunschweig).

[~1756-1763.~]

~Siebenjhriger (Dritter Schlesischer) Krieg.~

Maria Theresia, seit 1746 mit +Ruland+ verbndet, sucht auch
Frankreich zu gewinnen. Frst +Kaunitz+ (1740-1753 sterreichischer
Gesandter in Paris, dann Reichskanzler in Wien) bewirkt eine
Ausshnung der Jahrhunderte lang feindseligen (S. 206) Kabinette
von Wien und Versailles; die +Marquise von Pompadour+ begnstigt
das Bndnis. +England+, 1750 dem sterreichisch-russischen Bndnis
angeschlossen, tritt 1755 mit Ruland in besonderen Bund, aber erneute
Feindseligkeiten Frankreichs wegen der Besitzungen in Nordamerika
veranlassen Georg II., im Jan. 1756 den Vertrag von +Westminster+ mit
+Preuen+ abzuschlieen. Beide Mchte garantieren sich ihren Besitz.
Fr den Fall eines Krieges verspricht England Hilfsgelder. Darauf
Bndnis zwischen +Frankreich+ (Ludwig XV. 1715-1774) und +sterreich+
(Mai 1756).

Friedrich d. Gr., von den Plnen seiner Feinde unterrichtet,
entschliet sich ihnen zuvorkommen und erffnet den Krieg, ehe die
Rstungen der Gegner beendet sind.

[~1756.~]

(29. Aug.) Einfall +Friedrichs+ in Sachsen mit 67000 Mann. Dresden
besetzt, das schsische Heer bei +Pirna+ eingeschlossen. Friedrich
zieht mit 24000 Mann den +sterreichern+ entgegen und gewinnt den

[1. Okt.]

~Sieg bei Lobositz~ (in Bhmen).

[16. Okt.]

17000 Sachsen ergeben sich als Kriegsgefangene und werden zum Dienst im
preuischen Heere gezwungen. Kurfrst Friedrich August II. verlt die
Festung Knigstein und entflieht nach Warschau (S. 279).

[~1757.~]

Erklrung des +Reichskrieges+ an Preuen; doch bleiben Hannover,
Hessen, Braunschweig, Sachsen-Gotha mit Preuen verbunden. +sterreich+
und +Ruland+ (Elisabeth, Tochter Peters d. Gr. 1741-1762) schlieen
einen. Angriffs- und Teilungsvertrag gegen Preuen (Febr.), ebenso
+sterreich+ und +Frankreich+ (Mai). Knig Adolf Friedrich von
+Schweden+ (1751-1771, S. 294) tritt gegen das Versprechen, Pommern
zu bekommen, dem Bunde gegen seinen Schwager Friedrich bei; seine
Teilnahme am Kriege ist jedoch unbedeutend. Bndnis zwischen +Preuen+
und +England+; letzteres verpflichtet sich 1758 zur Zahlung von
Hilfsgeldern (4 Millionen Taler jhrlich).

[April.]

Die Preuen rcken in vier Heeresabteilungen (ber Trautenau,
Reichenberg, Nollendorf, Komotau, zusammen 117000 Mann) in Bhmen ein.

[6. Mai.]

~Sieg Friedrichs bei Prag~ ber die sterreicher (Herzog Karl von
Lothringen und Browne). ~Schwerin T.~

Friedrich belagert +Prag+, greift mit einem Teil seines Heeres den zum
Einsatz anrckenden +Daun+ an, erleidet aber eine bedeutende

[18. Juni.]

~Niederlage bei Kolin.~ Prag und ganz Bhmen aufgegeben, Rckzug nach
der Lausitz. Die Franzosen dringen bis zur Weser vor.

[26. Juli.]

~Schlacht bei Hastenbeck~, Sieg der +Franzosen+ ber Friedrichs
Verbndete (unter dem +Herzog von Cumberland+, zweitem Sohne Knig
Georgs II.).

Die Russen (+Apraxin+) greifen in Ostpreuen den Feldmarschall Lehwaldt
mit berlegener Macht an und siegen (30. Aug.) bei ~Grojgersdorf~,
gehen aber wegen Verpflegungssorgen und Krankheit der Kaiserin
Elisabeth nach der preuisch-polnischen Grenze zurck.

Friedrich lt die grere Hlfte seines Heeres (unter dem Herzog von
+Braunschweig-Bevern+ und General +v. Winterfeld+) in der Lausitz
zurck und zieht mit 25000 Mann nach Thringen. Winterfeld T im Gefecht
bei +Moys+ (unweit Grlitz, 7. Sept.).

[8. Sept.]

Vertrag zu ~Kloster Zeven~ (Herzog von +Cumberland+ und +Richelieu+),
wonach die Franzosen +Hannover+ besetzen. Ein +zweites+ franzsisches
Heer unter +Soubise+ vereinigt sich mit dem +Reichsheere+, um Sachsen
zu befreien. Friedrich zieht diesen Feinden entgegen; General +v.
Seydlitz+ mit der Vorhut vertreibt sie (19. Sept.) aus +Gotha+.

[5. Nov.]

~Sieg Friedrichs bei Robach~ (westlich von der Saale, unweit
Merseburg) mit 22000 Mann (die Reiterei unter ~Seydlitz~) ber
+Soubise+ und das +Reichsheer+ (64000 Mann).

Der Vertrag von Zeven wird von der englischen Regierung verworfen.
Herzog ~Ferdinand von Braunschweig~ erhlt den Oberbefehl gegen die
Franzosen. Friedrich zieht in Eilmrschen nach Schlesien, wo die
+sterreicher+ den Herzog von +Braunschweig-Bevern+ in der

[22. Nov.]

+Schlacht bei Breslau+ geschlagen und gefangen hatten.

[5. Dez.]

~Sieg Friedrichs bei Leuthen~ mit 32000 Mann ber 80000 +sterreicher+
(Karl von Lothringen und Daun). +Breslau+ wiedergewonnen.

[~1758.~]

Friedrich erobert Schweidnitz, dringt in +Mhren+ ein, belagert
+Olmtz+ vergeblich, mu sich, da Daun heranrckt, nach Schlesien
zurckziehen. Im Osten Vorrcken der Russen (+Fermor+), die sich mit
den sterreichern zu vereinigen suchen. Im Westen treibt +Ferdinand von
Braunschweig+ die Franzosen ber den Rhein zurck, schlgt sie in der

[23. Juni.]

~Schlacht bei Krefeld~ und verteidigt sich dann, durch englische
Truppen (8500 Mann) verstrkt, in +Westfalen+ gegen zwei franzsische
Heere.

Die Russen dringen nach Eroberung Ostpreuens bis zur Oder vor und
belagern +Kstrin+. Friedrich lt einen Heeresteil in Sachsen unter
seinem Bruder, dem Prinzen +Heinrich+, zurck, einen andern in
Schlesien unter dem Feldmarschall +Keith+ und zieht gegen die Russen.

[25. Aug.]

~Sieg Friedrichs~ (+Seydlitz+) ~bei Zorndorf~ (unweit Kstrin) ber die
Russen (42000 Mann unter +Fermor+ gegen 36000 Preuen).

Die sterreicher rcken nach der Lausitz vor; der Knig kommt seinem
Bruder Heinrich zu Hilfe.

[14. Okt.]

~Niederlage Friedrichs bei Hochkirch~ (unweit Bautzen) durch ~Daun.~
Dennoch behauptet er Sachsen und Schlesien und entsetzt +Neie+.

[~1759.~]

Herzog +Ferdinand von Braunschweig+, von den Franzosen unter dem Herzog
von Broglie bei +Bergen+ (unweit Frankfurt am Main) zurckgeschlagen
(13. April), behauptet, das Wesergebiet durch seinen

[1. Aug.]

~Sieg bei Minden.~ Erneutes Vorrcken der Russen (+Soltykow+), sie
schlagen den General +v. Wedell+, dem der Knig die Vollmacht eines
Dictators gegeben hatte, bei ~Kay~ unweit Zllichau (23. Juli).
Friedrich kann ihre Vereinigung mit den +sterreichern+ unter +Laudon+
nicht hindern. Schwere

[12. Aug.]

~Niederlage Friedrichs bei Kunersdorf~ (bei Frankfurt a. d. Oder)
durch die +sterreicher+ und die im Anfange bereits geschlagenen
+Russen+. Aber +Daun+ mit dem zweiten sterreichischen Heere bleibt in
der Lausitz stehen, wird von Prinz +Heinrich+ am Vorrcken gehindert.
Friedrichs Lager bei +Frstenwalde+. Er folgt den in der Richtung auf
+Glogau+ abziehenden Russen und wendet sich dann nach Sachsen.

[4. Sept.]

+Dresden+ von sterreichern und Reichstruppen eingenommen. Der
General Schmettau erhlt freien Abzug. Friedrich versucht die Stadt
wiederzugewinnen; aber das von ihm nach ~Maxen~ (unweit Pirna)
entsandte Korps des General +Finck+ (12000 Mann) wird von Daun
eingeschlossen

[20. Nov.]

und gefangen. Friedrich behauptet seine Winterquartiere in der Gegend
zwischen Freiberg und Meien.

[~1760.~]

+Fouqu+ von +Laudon+ in der

[23. Juni.]

~Schlacht bei Landshut~ geschlagen und mit 8000 Mann gefangen. Nach
vergeblicher Belagerung +Dresdens+ zieht der Knig nach Schlesien, wo
+Breslau+ vom General +v. Tauenzien+ tapfer verteidigt wird.

[15. Aug.]

~Sieg Friedrichs bei Liegnitz~ ber die +sterreicher+ unter +Laudon+.
Er hindert die Vereinigung der Russen mit den sterreichern.

[Sept.]

+Kolberg+ behauptet sich gegen die belagernden Russen, wird entsetzt
durch den raschen Zug des Generals von Werner.

[Okt.]

Besetzung +Berlins+ durch Russen (+Tottleben+) und sterreicher. Beim
Heranrcken des Knigs ziehen sich die Feinde zurck. Darauf blutiger

[3. Nov.]

~Sieg Friedrichs bei Torgau~ ber die +sterreicher+ unter +Daun+.
General +v. Zieten+ entscheidet den Sieg durch Erstrmung der Sptitzer
Hhen.

[~1761.~]

Friedrich im Lager bei ~Bunzelwitz~ (bei Schweidnitz) den vereinigten
+sterreichern+ (Laudon) und +Russen+ (Buturlin) gegenber, die
nichts Entscheidendes gegen ihn wagen. Trennung der verbndeten
Heere. +Schweidnitz+ wird von den sterreichern, +Kolberg+ von den
Russen genommen. Friedrich im Lager bei +Strehlen+, um Breslau zu
decken. In Sachsen behauptet sich Prinz Heinrich, an der Weser Herzog
Ferdinand von Braunschweig. Bedrngte Lage Friedrichs, der infolge
der Thronbesteigung +Georgs III.+ (1760-1820) auch die englischen
Hilfsgelder verliert. Der

[~1762.~ 5. Jan.]

~Tod der Kaiserin Elisabeth~ von Ruland bringt eine gnstige Wendung.
Ihr Nachfolger +Peter III.+ (S. 277, 293), ein Verehrer Friedrichs,
schliet mit Preuen Frieden, bald darauf ein +Bndnis+, doch wird
dieses durch seine Entthronung und Ermordung (Juli) wieder aufgehoben.
Seine Nachfolgerin +Katharina II.+ ruft ihre Truppen von Friedrichs
Heer ab, doch tragen die Russen unter Czernitschew noch durch ihre
unttige Gegenwart zu dem

[21. Juli.]

~Sieg Friedrichs bei Burkersdorf~ ber die +sterreicher+ bei.
Schweidnitz wiedergewonnen. Nachdem Herzog Ferdinand die Franzosen
bei +Wilhelmsthal+ unweit Kassel (24. Juni), Prinz Heinrich die
sterreicher und Reichstruppen bei ~Freiberg~ (29. Okt.) besiegt hat
und General v. Kleist bis +Nrnberg+ vorgedrungen ist (29. Nov.), tritt
Waffenruhe ein. Da England und Frankreich miteinander Frieden schlieen
und die franzsischen Truppen Deutschland rumen, ist auch Maria
Theresia zum Frieden geneigt.

[~1763.~ 15. Febr.]

~Friede zu Hubertusburg~ (Jagdschlo unweit Grimma): Friedrich d. Gr.
behlt Schlesien, rumt den noch besetzten Teil Sachsens, verspricht
seine Kurstimme fr die Wahl des Erzherzogs +Joseph+ zum rmischen
Knig.

~Preuen~ hat im Siebenjhrigen Kriege den Kampf um sein Dasein
ruhmvoll bestanden und Deutschland gegen die Angriffe des Auslandes
verteidigt. Das gesunkene deutsche Nationalgefhl richtet sich wieder
an Friedrichs Heldentum auf.

Durch die Eroberung von Schlesien, die Erwerbung Westpreuens bei der
ersten polnischen Teilung (S. 296), -- Friedrich nennt sich seitdem
Knig +von+ Preuen -- und die Aufrechterhaltung des deutschen
Reichssystems gegen die Bestrebungen Kaiser Josephs II. (S. 290f.)
wird Preuen eine +europische Gromacht+. Alle Welt bewunderte das
Resultat, aber das preuische Staatswesen besa bereits nicht mehr die
Zuneigung der Zeitgenossen. -- Friedrichs Frsorge fr sein Land, s.
Anhang.

[~1765-1790.~]

~Joseph II., deutscher Kaiser~, fr die sterreichischen Lnder bis
~1780~ nur +Mitregent+ seiner Mutter +Maria Theresia+ und wie sein
Vater ohne bedeutenden Einflu auf die innere Regierung.

[1767.]

Versuch einer Reform des Reichskammergerichts zu +Wetzlar+.

[1769.]

Zusammenkunft mit Friedrich II. in +Neie+, der 1770 ein Gegenbesuch in
+Mhrisch-Neustadt+ folgt.

[~1778-1779.~]

~Bayrischer Erbfolgekrieg.~ Veranlassung: Aussterben der bayrischen
Kurlinie mit +Max Joseph+ (1777). +Karl Theodor+, 1743-1799 (S. 279),
Kurfrst von der Pfalz und Herzog von Jlich und Berg, als Haupt der
lteren Linie des Hauses +Wittelsbach+ (vgl. S. 186) rechtmiger Erbe
der bayrischen Lnder, lt sich von Kaiser Joseph II. bewegen, alte
Ansprche sterreichs auf +Niederbayern+ und auf Teile der +Oberpfalz+
anzuerkennen.

Vertrag zu Wien (1778, Januar). Besetzung von Niederbayern durch
sterreichische Truppen. +Karl Theodor+ war kinderlos; mit seinem
Erben, dem Herzog Karl von +Pfalz-Zweibrcken+, tritt Friedrich
der Groe in Verbindung und ermutigt ihn zum Widerstande gegen die
sterreichischen Ansprche.

Friedrich rckt mit Truppen in +Bhmen+ ein; es kommt zu keiner
Schlacht.

[~1779.~]

~Friede zu Teschen~: sterreich behlt von Bayern nur das +Innviertel+
und willigt in die knftige (1791 erfolgte) Vereinigung der
Markgrafschaften +Ansbach+ und +Baireuth+ mit der +preuischen
Monarchie+. Bayern und +Pfalz+ (mit Jlich und Berg, s. S. 252, 279)
bleiben vereinigt.

[~1780-1790.~]

~Joseph II.~ in sterreich. Auf die durch manche Verbesserungen der
Verwaltung fr sterreich segensreiche Regierung Maria Theresias
(S. 285) folgt das strmische Vorgehen Josephs. Von dem Ideal eines
starken Einheitsstaates erfllt, strebt er danach, die Macht der
bevorrechtigten Stnde (Geistlichkeit und Adel) zu brechen, alle
provinzielle Selbstndigkeit zu beseitigen und +Einheit+ der Verwaltung
(Zentralisation) herzustellen. Die deutsche Sprache auch in Ungarn als
Amtssprache eingefhrt.

[1781.]

+Toleranzedikt+ zu Gunsten der nicht katholischen Untertanen. ber
700 +Klster+ aufgehoben, fr die noch verbleibenden (mehr als
1300) Staatsaufsicht vorgeschrieben. Beschrnkung des Verkehrs
der Geistlichkeit mit Rom; der Besuch des jesuitischen Collegium
germanicum in Rom verboten (Jesuitenorden 1773 durch Papst Clemens XIV.
aufgehoben); landesherrliches +Placet+ fr die ppstlichen Erlasse
eingefhrt. Vergebliche Reise des Papstes Pius VI. nach Wien 1782, um
diese Neuerungen abzuwenden.

+Aufhebung der Leibeigenschaft+, doch bleiben noch manche
Dienstverpflichtungen der Bauern bestehen. Reform des Gerichtswesens.

[~1785.~]

Kaiser Josephs Plan eines Lndertausches, wonach +Karl Theodor+ ganz
+Bayern+ an sterreich abtreten und dafr die +sterreichischen
Niederlande+ (Belgien) auer +Luxemburg+ und +Namur+ als ~Knigreich
Burgund~ erhalten soll. Frankreich verhlt sich gleichgltig, Ruland
sucht durch Zureden und Drohungen den bayrischen Thronerben, den Herzog
Karl von +Pfalz-Zweibrcken+, zur Einwilligung zu bewegen. Dieser
wendet sich um Hilfe an +Friedrich den Groen+, welcher noch ein Jahr
vor seinem Tode (T 1786, 17. Aug.), den

[~1785.~]

~deutschen Frstenbund~ zwischen +Preuen+, +Sachsen+, +Hannover+
zustande bringt, dem dann viele kleinere Staaten beitreten nach dem
Vorgang des einstigen Schmalkaldischen (S. 230ff.).

Damit die deutsche Reichsverfassung und die Dynastien gegen die Plne
des Kaisers sicher gestellt. Ebenso Widerstand gegen Josephs Reformen
in den sterreichischen Niederlanden und in Ungarn. Die Aufhebung der
Verfassung von Brabant bewirkt einen Aufstand der belgischen Provinzen
(1789). Joseph, aus dem gemeinschaftlich mit Ruland unternommenen
Trkenkriege (S. 297) krank zurckgekehrt, stirbt kinderlos Febr. 1790,
nachdem er fast alle Neuerungen wieder aufgehoben hatte.

[~1786-1797.~]

~Friedrich Wilhelm II., Knig von Preuen~, Neffe Friedrichs d. Gr.,
nicht von gleicher Ttigkeit und Entschlossenheit wie seine beiden
Vorgnger. Die Finanzen des Staates kommen in Unordnung, das Heerwesen
verfllt (s. Anhang).

[1791.]

Ansbach und Bayreuth durch Erbanfall gewonnen.

[~1790-1792.~]

~Leopold II. Kaiser~, Josephs Bruder und Nachfolger, seit 1765
Groherzog von Toskana. Er unterdrckt den Aufstand in Belgien, indem
er zugleich die alten Verfassungen und Privilegien wiederherstellt.
Manche Reformen Josephs noch von Leopold II. beseitigt, doch bleibt
das Toleranzedikt und die Aufhebung der Leibeigenschaft. Durch die
Konferenzen in +Reichenbach+ 1790 wird ein Krieg mit +Preuen+
abgewendet, welches mit den +Trken+ und mit +Polen+ Bndnisse
geschlossen hatte (Minister +v. Hertzberg+), um Ruland und sterreich
entgegenzuwirken (S. 297). Der Frstenbund gesprengt. Preuen wieder im
Schlepptau der sterreichischen Politik.


~Entfaltung d. deutschen Literatur u. Wissenschaft.~

+Winkelmann+ 1717-1768, Geschichte der Kunst des Altertums 1764.
+Lessings+ Laokoon 1766, Hamburgische Dramaturgie 1767, Nathan 1779;
+Goethes+ Gtz v. Berlichingen 1773, Iphigenie 1787, Hermann und
Dorothea 1797; +Schillers+ Ruber 1781, Don Carlos 1787, Glocke und
Wallenstein 1799. +Kant+ 1724-1804 in Knigsberg i. Pr.; Kritik der
reinen Vernunft 1781; F. A. +Wolf+ 1759-1824, Prolegomena ad Homerum
1792.

~Klopstock~ s. S. 285. ~Lessing~ 1729 in Kamenz geb., 1760 in Breslau,
1767 in Hamburg, 1770 in Wolfenbttel, T 1781. ~Wieland~ 1772-1813
(geb. 1733), ~Goethe~ 1775, ~Herder~ 1776 bis 1803 (geb. 1744) in
~Weimar~ am Hofe des Herzogs +Karl August+. ~Goethe~ geb. 1749 in
Frankfurt a. M., T 1832 in Weimar. ~Schiller~ geb. 1759 in Marbach,
1782 Flucht aus Stuttgart, 1785 in Dresden, 1789 in Jena, 1799 in
Weimar, T 1805.

Zu nationaler und allgemeiner Bedeutung gelangt auch die ~deutsche
Musik~: +Seb. Bach+ in Leipzig (T 1750, Matthuspassion 1729), +Hndel+
(geb. in Halle a. Saale, T in London 1759, Messias 1741), +Gluck+ (T in
Wien 1787), +Haydn+ (T in Wien 1809, die Schpfung 1797), +Mozart+ (T
in Wien 1791).

Auch an dem Aufschwung der ~Naturwissenschaften~ nimmt Deutschland
teil. +Linn+ 1741 in Upsala, +Jussieu+ und +Buffon+ in Paris. +Euler+
1741 in Berlin, 1766 in Petersburg, +Blumenbach+ 1780 in Gttingen;
+Herschel+, 1781 Entdeckung des Planeten Uranus in Greenwich. +Celsius+
1730 in Upsala, +Raumur+ in Paris. +Galvani+ 1780 in Bologna, +Volta+
in Pavia. +Lavoisier+ 1794 in Paris hingerichtet. Franzsische
Gradmessung zur Bestimmung des Erdumfangs 1792-1808.


 8. Der Norden und Osten.

~Dnemark~ (mit ~Norwegen~), seit Beendigung des Nordischen Krieges
im vollstndigen Besitz +Schleswigs+ (S. 277), erfreut sich unter
+Friedrich IV.+, +Christian VI.+, +Friedrich V.+, +Christian VII.+,
(Graf +Bernstorff+ Minister 1751-1770) eines langen inneren und ueren
Friedens. Unter dem schwachen +Christian VII.+ beginnt 1770 der
Minister ~Struensee~ (geb. in Halle, Arzt in Altona, Reisebegleiter
des Knigs, Erzieher des Kronprinzen, Gnstling der Knigin +Karoline
Mathilde+) bereilte Reformen nach dem Vorbild Friedrichs II. und
Josephs II. Er wird 1772 durch eine Verschwrung der Adelsaristokratie
(Knigin-Mutter +Juliane Marie+) gestrzt und mit seinem Freunde
+Brandt+ enthauptet.

Der jngere +Bernstorff+ (Neffe des vorigen), Minister 1773 bis
1780 und wiederum 1784-1797, beendigt den Streit mit dem Hause
Holstein-Gottorp 1773 durch einen Vertrag mit der in +Ruland+
regierenden lteren Linie desselben: Abtretung des Stammlandes
+Oldenburg+ (S. 268) an die jngere Linie, welche im Besitz des Bistums
+Lbeck+ (S. 255, Hauptort Eutin) war; dafr ganz +Holstein+ mit
Dnemark vereinigt.

~Schweden~ im Innern zerrttet und geschwcht durch die Zwistigkeiten
der den Reichstag beherrschenden Adelsparteien (+Hte+ fr Frankreich,
+Mtzen+ fr Ruland). Die knigliche Gewalt unbedeutend unter
+Friedrich+ von Hessen-Kassel (1720 bis 1751, S. 277). Unglcklicher
~Krieg gegen Ruland~ 1741 bis 1743, beendigt durch den Frieden
zu ~bo~: 1. Abtretung des sdlichen Finnland, der +Kymmene+-Flu
wird Grenze zwischen Schweden und Ruland, dadurch gesicherte Lage
Petersburgs. 2. Prinz +Adolf Friedrich+ von Holstein-Gottorp (S.
293), Verwandter des russischen Kaiserhauses, wird zum Thronfolger in
Schweden bestimmt.

 ~Das dnische Knigshaus und das Haus Holstein-Gottorp.~

 Christian I., K. v. Dnemark, T 1481.
  _________________|___________
 |                             |
 Johann, K. v.     Friedrich I., K. v. Dnemark, T 1533.
 Dnemark, T 1513.       |
      |            ______|____________
      |           |                   |
 Christian II.,   Christian III., Adolf, Hz. zu Gottorp.
 K. v. Dnemark,  K. v. Dnemark,     |
 abgesetzt 1523.  T 1559.             |
      ___________|__       Sein Urenkel
     |              |      Christian Albrecht,
 Friedrich II.,  Johann,   Stifter der Universitt Kiel 1665.
 K. v. Dnemark. Hg. zu       _____|________________
 |               Sonderburg.  Friedrich IV.,    Christian August,
 Knigliche Linie        |    Hz. zu. Gottorp.  Bischof v. Lbeck.
 bis Friedrich VII.,  ___|_          |           |
 T 1863   ___________|     |         |    _______|____________________
          |                |         |   |          |                 |
     Augustenburger Glcksburger     | Adolf Friedr., Friedr. Aug., Georg
     Linie.         Linie.    _______| K. v.         Bischof        Ludwig.
                             |         Schweden.     v. Lbeck,
                     Karl Friedrich,   Gem. Luise    1773 Hz.
                     Gem. Anna, d.     Ulrike        v. Oldenburg.
                     lt. Tochter      v. Preuen.
                     Peters d. Gr.
                                             |                      |
                     Peter III., T 1762,     |                      |
                     Zar von Ruland.    Schwedische             Peter,
                     Gem. Katharina II.  Linie bis 1818.     Begrnder der
                     v. Anhalt Zerbst, T 1796.               Oldenburger
                          |                                  Linie.
                     Russische Linie.

[~1751-1818.~]

~Haus Holstein-Gottorp~ in Schweden.

Unter Adolf Friedrich (1751-1771) unrhmliche Teilnahme am
Siebenjhrigen Kriege. Sein Sohn ~Gustav III.~ (1771-1792) strzt durch
einen unblutigen Staatsstreich 1772 die Macht des Adels; die +Stnde+
(Adel, Geistlichkeit, Brger, Bauern) beraten fortan nur ber die vom
Knig gemachten Vorschlge und haben das Recht des Einspruchs gegen
einen Angriffskrieg.

[1788-1790.]

~Krieg gegen Ruland~, um die Ostseeprovinzen wiederzugewinnen. Nach
dem unentschiedenen Seetreffen bei der Insel +Hogland+ rckt Gustav
III. in den an Ruland 1743 abgetretenen Teil Finnlands ein; die
Offiziere verweigern ihm den Gehorsam. Er findet Untersttzung in
Stockholm und Dalarne; die Stnde bewilligen ihm (+gegen+ den Adel)
das Recht des +Angriffskrieges+. Trotz glnzender Waffentaten Gustavs
(Seesieg bei Svenskasund 1790) Friede zu +Werel+ ohne Vorteil fr
Schweden.

[1792.]

+Gustav III.+ von +Ankarstrm+, einem ehemaligen Offizier, ermordet;
Regentschaft eingesetzt fr seinen minderjhrigen Sohn Gustav IV.

~Ruland~ und ~Polen~.

          Alexei, T1676.
  ____________|_________________________________
 |                    |                |        |
 ~Feodor III.~, ~Iwan V.~, Sophia. ~Peter der Groe~,
 T1682.              T1696.                  T1725. Gem.
           _________|____                    ~Katharina I.~,
          |              |                   T1727.
    Katharina,       ~Anna~,    ________|________________
    Herzogin v.      T1740.       Alexei,        Anna,     ~Elisabeth~,
    Meckl.-Schwerin.              T1718.         Gem. Karl T1762.
       |                           |             Friedr. v.
    Anna,                      ~Peter II.~, Holstein-Gottorp.
    Herzogin v. Braunschweig.  T1730.              |
       |                                      ~Peter III.~,
    ~Iwan VI.~ bis 1741, T 1764.          T1762. Gem.
                                                 ~Katharina II.~,
                                                 T 1796.

Auf +Peter den Groen+, dessen zur altrussischen Partei neigender Sohn
+Alexei+, vom Vater zum Tode verurteilt, im Gefngnis gestorben war
(1718), folgt kraft eines von Peter 1722 erlassenen Gesetzes, welches
den jedesmaligen Herrscher zur Ernennung seines Nachfolgers ermchtigte
(spter durch Paul I. wieder aufgehoben), seine Gemahlin

[~1725-1727.~]

~Katharina I.~, geleitet von Frst ~Menschikow~, (S. 269), der durch
seine Herrschsucht sich den Ha der altrussischen Partei zuzieht.

[~1727-1730.~]

~Peter II.~, 12 Jahre alt, Enkel Peters d. Gr. Menschikow durch die
Familie +Dolgoruki+ gestrzt und nach Sibirien verbannt, wo er 1729
stirbt. Die Residenz nach Moskau zurckverlegt.

[~1730-1740.~]

~Anna Iwanowna~, Nichte Peters d. Gr., von +Mnnich, Ostermann+ und
ihrem Gnstling +Biron+ (eigentlich +Bhren+) geleitet. Rckkehr
des Hofes nach St. Petersburg; Biron herrscht bald unumschrnkt und
unterdrckt die +Dolgoruki+; 1737 wird er auf Wunsch der Kaiserin
von August III., Knig von Polen (1733-1763), zum +Herzog von
Kurland+ ernannt. Rulands Einflu in Polen wird durch den polnischen
Thronfolgekrieg (s. S. 279f.) begrndet. In dem mit sterreich
gemeinschaftlich (s. S. 279) gefhrten +Trkenkrieg+ wird trotz der
Siege des Feldmarschalls +Mnnich+ nur +Asow+ wieder gewonnen (S. 275).
Auf die Kaiserin Anna folgt ihr Groneffe, der unmndige

[~1740-1741.~]

~Iwan VI.~, dessen Mutter +Anna von Braunschweig+ nach dem durch
+Mnnich+ bewirkten Sturz Birons kurze Zeit die Regierung fhrt (Biron
nach Sibirien). Durch einen Soldatenaufstand erlangt den Thron

[~1741-1762.~]

~Elisabeth~, die jngste Tochter Peters des Groen. +Iwan+ wird
gefangen. +Mnnich+ und +Ostermann+ werden nach Sibirien geschickt,
+Biron+ kommt zurck. Launenhafte Regierung unter dem Einflu der
Gnstlinge; der preuenfreundliche +L'Estocq+, dem die Kaiserin
hauptschlich den Thron verdankt, wird 1748 durch +Bestuschew+, den
Freund sterreichs, gestrzt, Bestuschew fllt 1758 in Ungnade.
Rulands Teilnahme am Siebenjhrigen Kriege s. S. 285-289.
Nach Elisabeths Verfgung gelangt ihr Neffe Peter, Herzog von
Holstein-Gottorp, zum Thron.

Seit ~1762. Haus Holstein-Gottorp~ in Ruland.

               Peter III., T1762,
               Gem. Katharina II., T1796.
                            |
                     Paul I., T1801.
  ______________________|__________________
 Alexander I.,    Konstantin,    Nikolaus I.
    T1825.          T1831.        T1855.
                                 Gem. Charlotte v. Preuen,
                                  T1860.
  _________________________________|_________________
 Alexander II.,    Konstantin,   Nikolaus,  Michael,
 T1881.            T1892.        T1891.     T1909.
 Gem. Maximiliane v. Hessen.
  ______|________________________________________________
 Alexander III.,    Wladimir,   Alexei,   Sergius,  Paul.
 T1894.             T1909. |    T1908.    T1905.       |
 Gem. Dagmar v. Dnemark,  |_______________________    |
         |                Kyrill.   Boris.   Andreas.  Demetrius
    _____|__________________________________
    Nikolaus II.,        Georg,    Michael.
    1894-x               T1899
   Gem. Alix v. Hessen.
         |
       Alexei.

[1762.]

~Peter III.~ beginnt unvorsichtig ins Werk gesetzte Neuerungen, wird
nach 6 Monaten entthront und gefangen gesetzt von seiner Gemahlin
(Prinzessin von Anhalt-Zerbst), der energischen und sittenlosen

[~1762-1796.~]

~Katharina II.~ Die Brder Gregor und Alexei +Orlow+, Gnstlinge
Katharinas, lassen den Kaiser erdrosseln; +Iwan VI.+ wird im Gefngnis
zu Schlsselburg gettet. +Mnnich+, unter Peter III. zurckgekehrt,
bleibt in Ansehen (T 1767).

Katharina, zugleich auf innere Reformen und auf Erhhung der
Machtstellung Rulands bedacht, wendet sich bald gegen +Polen+. Sie
fordert und erhlt von Knig August III. +Kurland+ zurck fr +Biron+,
der das Herzogtum unter russischem Einflu verwaltet und auf seinen
Sohn vererbt.

Nach dem Tode +Augusts III.+ 1763 setzt Katharina in Verbindung mit
Friedrich II. die Wahl ihres Schtzlings

[~1764-1795.~]

~Stanislaus Poniatowski~ (T 1798) zum Knig von Polen durch. Auf
Rulands und Preuens Betreiben erhalten die +Dissidenten+ (Anhnger
der +griechischen+ Kirche und +Protestanten+) gleiche Rechte mit den
Katholiken. Der russenfreundliche Teil des Adels schliet 1767 die
+Konfderation von Radom+, der auch der Knig beitritt. Dagegen 1768
Bund des national gesinnten Teils des Adels, die +Konfderation von
Bar+ zum Schutze der Religion und Freiheit Polens. Miglckter
Versuch derselben, den Knig zu entfhren. In dem Brgerkriege wird
der Knig durch ein russisches Heer gegen die Konfderation von Bar
untersttzt. Die Trken erklren als Verbndete dieser Konfderation
den Russen den Krieg (1768-1774). Rulands Erfolge in demselben
erregen +Preuens+ und +sterreichs+ Eifersucht. Um eine gleichmige
Machtvergrerung der drei Mchte herbeizufhren, erfolgt die

[~1772.~]

~erste Teilung Polens~: 1. ~Ruland~ erhlt das Land jenseits der
Dna und des Dnjepr (110000 qkm). 2. ~sterreich~: Ostgalizien und
Lodomirien (70000 qkm); (die Zips schon 1770 besetzt). 3. ~Preuen~:
+Westpreuen+ mit Ausnahme von Danzig und Thorn, das Bistum +Ermeland+
und den +Netzedistrikt+ (35000 qkm), vgl. Anhang. Der polnische
Reichstag gibt widerstrebend 1773 seine Zustimmung.

[~1768-1774.~]

~Krieg gegen die Trken.~ Die trkische Flotte wird von der russischen
(unter Alexei +Orlow+) in der Bucht von +Tschesme+ (der Insel Chios
gegenber) 1770 geschlagen und verbrannt. Whrend des Krieges Aufstand
des Kosaken +Pugatschew+, der sich fr Peter III. ausgibt. +Romanzows+
Erfolge, der die Walachei erobert und den trkischen Grovezier bei
+Schumla+ einschliet, bewirken den ~Frieden von Kutschuck Kainardsche:~

1. +Ruland+ erhlt +Kinburn+ an der Dnjeprmndung, +Jenikale+ und
+Kertsch+ in der Krim, freie Handelsschiffahrt auf allen trkischen
Meeren. 2. Die +Tataren+ in der +Krim+ und am +Kuban+ werden fr
unabhngig erklrt. 3. Rckgabe der russischen Eroberungen in
der Moldau und Walachei an ihre Frsten, welche Ruland +fortan in
Konstantinopel der Pforte gegenber vertritt.+

Reformen in der Verwaltung Rulands: Neue Einteilung der Gouvernements,
Stdteordnung, Milderung der Leibeigenschaft, Verwaltung der
Kirchengter durch eine kaiserliche Behrde. An die Stelle des Gregor
+Orlow+ tritt +Potemkin+ als mchtiger Gnstling der Kaiserin.

[~1780.~]

~Bewaffnete Seeneutralitt~, zur Sicherung des Handelsverkehrs whrend
des nordamerikanischen Krieges (s. S. 300f.). Von Ruland angeregt,
treten ihr nach und nach bei: +Dnemark+, +Schweden+, +Preuen+,
+sterreich+, +Portugal+; Spanien und Frankreich erkennen sie an. Dem
Beitritt +Hollands+ kommt England durch eine Kriegserklrung zuvor.

Forderungen der bewaffneten Neutralitt: 1. Freie Schiffahrt neutraler
Schiffe von Hafen zu Hafen und an den Ksten Krieg fhrender Mchte; 2.
Feindliches Eigentum ist frei in neutralen Schiffen mit Ausnahme der
+Kriegszufuhr+; 3. Genaue Bestimmung, was ein +blockierter+ Hafen ist;
eine Hafensperre, die nicht durch mehrere Kriegsschiffe in der Nhe des
betreffenden Hafens aufrecht erhalten wird, ist ungltig.

[1783.]

Die +Krim+ wird russische Provinz (Gouvernement Taurien); die
christlichen Frsten von +Georgien+ und +Mingrelien+ (sdlich vom
Kaukasus) treten unter russischen Schutz.

[~1787-1792.~]

~Zweiter Trkenkrieg.~ Bndnis mit sterreich, Zusammenkunft Katharinas
und Josephs II. in der neugegrndeten Stadt +Cherson+ am Dnjepr
(1787). +Potemkin+ erstrmt +Oczakow+ 1788, +Suworow+ erstrmt Ismail
(am Donaudelta) 1790. Die sterreicher kmpfen anfangs unglcklich,
doch erobert General +Laudon+ 1789 Belgrad. sterreich schliet 1791
den ~Frieden von Sistowa~ mit den Trken und erhlt wenig mehr als
Alt-Orsowa (an der Donau, Pa des Eisernen Tores). Ruland erhlt
1792 im ~Frieden zu Jassy~ das Kstenland am Schwarzen Meere bis
zum +Dnjestr+. An dieser Kste wird 1793 die schnell aufblhende
Handelsstadt ~Odessa~ gegrndet.

[~1793.~]

~Zweite Teilung Polens~. Die Polen hatten den Trkenkrieg Rulands
und sterreichs und die anscheinend gnstige Stimmung Preuens zu
benutzen gesucht, um ihrer Abhngigkeit von den Nachbarstaaten und den
anarchischen inneren Zustnden ein Ende zu machen. Bndnis mit Preuen
1790 (s. S. 291).

Die neue ~Verfassung von 1791~ verwandelt 1. das +Wahlreich+ in ein
+Erbreich+, erklrt den Kurfrsten von +Sachsen+ zum Nachfolger des
Knigs Stanislaus Poniatowski und den Thron fr erblich im +schsischen
Hause+, bertrgt 2. dem Knige und einem Staatsrate die +ausbende+,
einem Reichsrate in zwei Kammern die +gesetzgebende+ Gewalt +unter
Aufhebung des liberum veto+, macht 3. dem Brger- und Bauernstande
+einige+ Zugestndnisse, ermglicht namentlich den Eintritt in den
Adelsstand, dessen Privilegien im brigen +besttigt werden.+

Gegen diese Verfassung tritt unter dem Schutze Rulands die
+Konfderation von Targowitz+ auf. Vordringen eines russischen Heeres
in Polen 1791. Tapferer, aber vergeblicher Widerstand unter Frst
+Poniatowski+, dem Neffen des Knigs, und +Kosciuszko+; beide werden
bei +Dubienka+ 1792 geschlagen. Der Knig tritt der Konfderation
von Targowitz bei, die neue Verfassung wird aufgehoben. +Preuen+
verstndigt sich mit Ruland und sendet ebenfalls Truppen nach Polen.
Auf dem Reichstage zu +Grodno+ wird die Einwilligung der Nation zu den
neuen Abtretungen erzwungen:

~Ruland~ nimmt den noch brigen Teil +Litauens+, +Wolhynien+ und
+Podolien+ (236000 qkm), Preuen nimmt +Danzig+ und +Thorn+, +Posen+
und +Kalisch+ (Sdpreuen) (55000 qkm). Auerdem erzwingt Ruland einen
+Unionsvertrag+, durch welchen es 1. freien Einmarsch seiner Truppen in
Polen, 2. die Leitung aller knftigen Kriege, 3. das Besttigungsrecht
aller Vertrge Polens mit auswrtigen Mchten erhlt.

[1794.]

Aufstand in Polen, ~Kosciuszko~ an der Spitze. Die Russen unter
+Igelstrm+ in Warschau teils niedergemetzelt, teils zur Stadt
hinausgeschlagen. Preuische und russische Truppen siegen ber
Kosciuszko bei +Sczekozyn+; die Preuen unter Friedrich Wilhelm II.
nehmen +Krakau+, belagern Warschau vergeblich. +Suworow+ siegt bei
+Brzesc+ und bei +Macziejovice+, wo Kosciuszko gefangen wird (1797
entlassen); erstrmt dann +Praga+, die Vorstadt von Warschau.

[~1795.~]

~Dritte und letzte Teilung Polens.~ ~Preuen~ nimmt +Masovien+
mit +Warschau+, das Land zwischen +Weichsel+, +Bug+ und
+Niemen+ (+Neu-Ostpreuen+), einen Teil des Gebiets von Krakau
(+Neu-Schlesien+); ~sterreich~ +Westgalizien+ und +Krakau+; ~Ruland~
alles brige, auch das Herzogtum +Kurland+. Durch die drei Teilungen
erhalten die Mchte etwa folgenden Zuwachs:

 +Ruland+     465000 qkm  (8500 [square] Meil.) mit  6   Mill. Einw.
 +sterreich+  115000  "   (2100 [square]  "   )  "   4     "     "
 +Preuen+     145000  "   (2700 [square]  "   )  "   2    "     "


 9. Grobritannien und Nordamerika.

Auf +Wilhelm III.+ (s. S. 271), welcher kinderlos stirbt folgt seine
Schwgerin

[~1702-1714.~]

~Anna~, zweite Tochter Jakobs II., unter welcher lange Zeit die
Partei der +Whigs+ die Regierung leitet. +John Churchill+, Herzog
von +Marlborough+, siegreich als Feldherr (S. 273), seine Gemahlin
beherrscht den Hof.

[~1707.~]

Vereinigung Englands und Schottlands (+Grobritannien+) durch +ein+
Parlament an Stelle der bisherigen Personal-Union. Schottland nimmt an
dem Aufschwung Englands teil.

[1710.]

Das Whigministerium durch ein Toryministerium (Lord +Bolingbroke+)
ersetzt, dann Friede mit Frankreich nach dem spanischen Erbfolgekrieg.
Vergebliche Bemhungen der Tories und der Knigin, ihrem Stiefbruder,
dem Prtendenten +Jakob Eduard+, genannt +Jakob III.+, die Thronfolge
zu verschaffen. Nach dem Gesetze von 1701 (S. 272) folgt das
+protestantische+ Haus ~Hannover~.

[~1714-1901.~]

~Haus Hannover~ (s. S. 352).

 Jakob I. (~Stuart~), T1625.
  _________|______________
 |                        |
 ~Elisabeth~,        ~Karl I.~,
 Gem. Friedrichs V.   T1649.
 von der Pfalz.         __|________________________________
     |                 |                    |              |
 ~Sophia~,        ~Karl II.~,       ~Maria~,           ~Jakob II.~,
 Gem. Ernst Augusts T1685           Gem. Wilhelms II. vertrieben 1688,
 von Hannover.                       von Oranien.      T1701.
  ___|_________________                      |______      |
 |                     |                            |     |
 ~Georg I.~,   ~Sophie Charlotte~, T1705,           |     |
 T1727.            Gem. Friedrichs I. v. Preuen.   |     |
  ___|_________________                             |     |
 |                     |                            |     |
 ~Georg II.~,  ~Sophie Dorothea~, T1757,            |     |
 T1760.        Gem. Friedrich Wilhelms I.           |     |
               von Preuen. ________________________|     |
                           |         _____________________|______
 Friedrich    ~Wilhelm III.~, verm. ~Maria~, ~Anna~, Jakob Eduard,
 Ludwig,    T1702.            m.    T1694.   T1714.  Prtendent,
 Prinz von                                   Gem. Georgs  T1766.
 Wales,                                      v. Dnemark.    |
 1751.                                                  _____|__
                                                        |       |
 ~Georg III.~,                                 Karl Eduard,  Heinrich,
 T1820.                                        Prtendent,   T1807.
                                               T1788.

Unter ~Georg I.~ (1714-1727) Herrschaft der Whigs, ebenso unter ~Georg
II.~ (1727-1760). Der Minister +Walpole+ (bis 1742) sorgt fr Erhaltung
des Friedens und Frderung des Handels. 1739 Seekrieg gegen +Spanien+,
1744-1747 gegen +Frankreich+.

Der von Frankreich untersttzte Versuch des Prtendenten +Karl Eduard+,
die Ansprche des Hauses +Stuart+ nochmals zur Geltung zu bringen,
hat anfangs Erfolg in +Schottland+, wo die kriegerischen Hochlnder
sich erheben, wird aber durch den Sieg des Herzogs von Cumberland bei
+Culloden+ 1746 vereitelt (S. 284).

[1755-1763.]

~Krieg gegen Frankreich~, durch Grenzstreitigkeiten in Nord-Amerika
entstanden, zu Lande in Amerika und Deutschland, zur See in allen
Weltteilen gefhrt. Ministerium des ~lteren Pitt~ 1757-1761, Bndnis
mit +Preuen+ (s. S. 286). Die Englnder sind fast berall im Vorteil
gegen die Franzosen.

[1759.]

Landsieg des englischen Generals +Wolfe+ bei +Quebec+, +Kanada+
erobert. Seesiege bei +Lagos+ in Portugal und +Quibron+.

[~1760-1820.~]

~Georg III.~, Enkel Georgs II., zum Frieden geneigt. Frankreich
verbndet sich mit +Spanien+ (Bourbonischer Familienpakt 1761);
+Pitt+ tritt aus dem Ministerium, weil nicht sofort Krieg an Spanien
erklrt wird. Sein Nachfolger +Bute+ sucht den Frieden herbeizufhren,
sieht sich aber doch zur Kriegserklrung gegen Spanien gentigt. Die
englische Flotte erobert 1762 Martinique, Havanna, Manila; Spaniens
Seemacht fast vernichtet.

[1763.]

~Friede zu Paris~: 1. ~Frankreich~ tritt +Louisiana+ stlich vom
Mississippi (seit 1682 franzsische Kolonie), +Kanada+ und die Insel
+Cap Breton+, sowie seine afrikanischen Besitzungen am +Senegal+
an England ab, erhlt seinen Besitz in Ostindien (Pondichery und
Chandarnagar) zurck. 2. ~Spanien~ erhlt Cuba und die Philippinen
zurck, tritt +Florida+ an England ab, erhlt von Frankreich Louisiana
westlich vom Mississippi.

[1757-1784.]

~Eroberung Ostindiens.~ Die ostindische Kompagnie (S. 246) hatte
1639 +Madras+, 1664 +Bombay+ erworben, um 1700 +Kalkutta+ angelegt.
~Robert Clive~ siegt 1757 bei +Plassey+ ber den mit Frankreich
verbndeten Nabob von +Bengalen+ und erobert dieses reiche Land. Der
Gromogul in Delhi (S. 219) behlt nur den Schein der Herrschaft; die
indischen Frsten mssen hohen Tribut zahlen. Clive 1765 abermals nach
Indien gesandt, unterdrckt Aufstnde und erweitert das englische
Gebiet. ~Warren Hastings~, seit 1773 General-Gouverneur, besiegt die
+Mahratten+ und den Sultan +Hyder Ali+ von +Mysore+ 1781, unterwirft
dadurch den grten Teil von Dekhan.

[1784.]

+East-India-Bill+ des ~jngeren Pitt~ (Minister 1783 bis 1801); die
Kompagnie wird in militrischen und politischen Angelegenheiten einer
kniglichen Aufsichtsbehrde untergeordnet, behlt aber die Verwaltung
der ausgedehnten Gebiete in eigner Hand (bis 1858).

[1799.]

Hyder Alis Sohn +Tippu Sahib+, der sich nochmals gegen die englische
Herrschaft erhoben hat, fllt bei der Erstrmung seiner Hauptstadt
+Seringapatam+.

Durch diese Erfolge ist England zur vorherrschenden ~See- und
Kolonialmacht~ geworden. Zugleich bedeutende Entwickelung der
Industrie, +Birmingham+ und +Manchester+ entwickeln sich als
Fabrikstdte, +London+ und +Liverpool+ als Haupthandelspltze. Einen
Verlust erleidet England durch den Abfall seiner nordamerikanischen
Kolonien.

[~1775-1783.~]

~Nordamerikanischer Freiheitskrieg~

Das englische Parlament, in welchem die Kolonien nicht vertreten
sind, beschliet 1765 die Einfhrung einer Stempel-Abgabe, 1760 eine
Steuer auf Tee, Glas, Papier und Farben. Die Kolonien widersetzen
sich einer Besteuerung ohne ihre Zustimmung; im Hafen von +Boston+
wird 1773 eine Teeladung ins Meer geworfen. Die englische Regierung
verhngt Hafensperre ber Boston und verndert die Verfassung der
Kolonie +Massachusetts+; ein Kongre von Abgeordneten der Kolonien in
~Philadelphia~ 1774 beschliet das Aufhren des Handelsverkehrs mit dem
Mutterlande.

1775 erstes Gefecht bei +Lexington+. Die Englnder, in +Boston+
belagert, rumen diese Stadt im Frhjahr 1776, werden durch 12000 von
ihrem Landesherrn verkaufte Hessen und andere deutsche Mietstruppen
verstrkt, besetzen +Long-Island+ und die Stadt +New-York+. ~George
Washington~ (geb. 1732 in Virginien, T 1799, am Ende des franzsischen
Krieges +Oberst+) erhlt den Oberbefehl und bildet ein Heer.

[~1776.~ 4. Juli.]

~Unabhngigkeits-Erklrung der 13 Vereinigten Staaten.~

+Washington+, von franzsischen Freiwilligen (Marquis +v. Lafayette+)
begleitet, kmpft zunchst mit wechselndem Erfolge. Der frher
preuische Major +v. Steuben+ untersttzt ihn bei der kriegsmigen
Ausbildung der Truppen.

[1777.]

General +Gates+ nimmt ein englisches Korps von 6000 Mann bei +Saratoga+
(am Hudson) gefangen.

[~1778.~]

~Bndnis Frankreichs~ mit den amerikanischen Freistaaten, abgeschlossen
durch ~Benjamin Franklin~ (geb. 1706 in Boston, Buchdrucker,
Schriftsteller, Erfinder des Blitzableiters, General-Postmeister der
Kolonien, seit 1776 Gesandter in Versailles). Bald tritt +Spanien+ dem
Bndnis bei; andererseits erklrt England den Krieg an +Holland+ (S.
297).

[1779-1782.]

+Gibraltar+ von Franzosen und Spaniern vergeblich belagert, von
+Elliot+ tapfer verteidigt; dagegen nehmen die Spanier 1782 die Insel
+Menorka+ (S. 274).

Seesiege des englischen Admirals +Rodney+ bei +S. Vincent+ 1780 und
+Dominika+ 1782. Unentschiedene Seeschlacht zwischen Englndern und
Hollndern an der +Doggerbank+ in der Nordsee 1781.

[1781.]

Entscheidung des Landkrieges zu Gunsten der Amerikaner; Washington und
Lafayette nehmen ein englisches Korps von 7200 Mann bei +Yorktown+ (in
Virginien) gefangen.

[~1783.~]

~Friede zu Versailles~: 1. Anerkennung der Unabhngigkeit der 13
Vereinigten Staaten. Das +Western Territory+ erhalten die Amerikaner,
die Schiffahrt auf dem Mississippi bleibt gemeinschaftlich. 2.
+England+ tritt an Frankreich in Westindien ab: +Tabago+; in Afrika:
das Gebiet des +Senegal+;

3. +Spanien+ bleibt im Besitz von +Menorka+ und +Florida+ (S. 300),
verzichtet auf Gibraltar (S. 274).

[1789-1797.]

~George Washington~, erster Prsident der ~Vereinigten Staaten~
(+United States+ of America).

Verfassung des Bundesstaates: ber Krieg und Frieden, Heer und Flotte,
Vertrge mit fremden Staaten, Mnze, Ma und Gewicht, Zlle und Steuern
beschliet der +Kongre+, bestehend aus Senat und Reprsentantenhaus.
Die Einzelstaaten verwalten nur ihre inneren Angelegenheiten. Der
Prsident, auf 4 Jahre durch Wahlmnner aus allen Staaten erwhlt,
ernennt die Beamten und leitet die Regierung nach den Beschlssen des
Kongresses. Gegen dieselben steht ihm ein aufschiebendes +Veto+ zu, bis
der Kongre mit Zweidrittelmajoritt entscheidet.

Aufblhen des neuen Staatswesens durch Einwanderung. Vordringen
der Ansiedler nach Westen, +Cincinnati+ 1791 gegrndet, die
Bundeshauptstadt +Washington+ 1793. Auf dem Kapitol hlt der Kongre
seine Sitzungen, das Weie Haus die Amtswohnung des Prsidenten.

[1812-1815.]

~Krieg mit England~ (S. 331). Die Amerikaner dringen in +Kanada+ ein.
Die Englnder treiben sie zurck, besetzen +Washington+ und zerstren
das Kapitol, werden aber nach einer Landung bei +New-Orleans+ besiegt
(Jan. 1815). Unterdessen bereits (Dez. 1814) Friede zu +Gent+. Die
Eroberungen gegenseitig zurckgegeben.

Die 13 Staaten vermehren sich bis 1821 auf 26; +Louisiana+, von Spanien
1800 an Frankreich zurckgegeben, wird 1803 von den Vereinigten Staaten
durch Kauf erworben, ebenso +Florida+ 1819, +Texas+ und +Kalifornien+
1848 durch Krieg gegen Mexiko. +Alaska+ 1867 durch Kauf von Ruland,
+Portorico+ und die +Philippinen+ 1898 durch Krieg gegen Spanien, 1900
+Sandwichinseln+ annektiert. Jetzt 47 Staaten, 3 Territorien und 1
Bundesdistrikt.

Neuen Machtzuwachs fr England bringt die Erschlieung der seit
1600 durch Portugiesen, Spanier (Torres) und Hollnder (Tasman)
entschleierten +australischen Inselwelt+ durch die Entdeckungsreisen
von ~James Cook~ 1768-1779. Er wird bei der dritten Reise auf +Hawaii+,
der grten der +Sandwich+inseln, von den Eingeborenen 1779 erschlagen.
Andere bisher unbekannte Gebiete werden erschlossen durch die Reisen
des Schotten +Bruce+ (Abessinien) und +Mungo Park+ (Nigerstrom).

[1788.]

+Sydney+ erste englische Kolonie in Australien. ~Weitere Entfaltung
der englischen Literatur und Wissenschaft~: Shaftesbury, Pope, Swift,
Prior, Defoe, Addison, Steele, (Tatler, Spectator erste moralische
Wochenschriften), Sterne, Fielding, Goldsmith, Richardson, Gray, Sam.
Johnson (Macphersons +Ossian+ 1760). Der Naturforscher Robert +Boyle+
(T 1691 in London), der Philologe Rich. +Bentley+ in Oxford und
Cambridge (T 1742), der Philosoph und Geschichtschreiber David +Hume+
in Edinburg (T 1776), der Geschichtschreiber +Gibbon+ (T 1794); Adam
+Smith+, Prof. in Glasgow, begrndet 1776 die Volkswirtschaftslehre.
Aufschwung der englischen Malerei: +Hogarth+ (T 1764), +Joshua
Reynolds+ (T 1792), +Gainsborough+ (T 1788).


 10. Sdeuropa.

~Portugal~, unter den ersten Knigen aus dem Hause +Braganza+ (S. 245)
wieder zu einiger Macht gelangt, seit dem Besitz +Brasiliens+ 1500
(S. 222) als Kolonialmacht nicht unbedeutend, gert durch einen 1703
geschlossenen Handelsvertrag in Abhngigkeit von +England+. Groe Macht
der Geistlichkeit unter Johann V. (1706-1750); wohlttige Reformen
unter Joseph I. (1750-1777) durch den Minister Carvalho, Marquis von
~Pombal~.

[1755. 1. Nov.]

+Lissabon+ durch +Erdbeben+ grtenteils zerstrt, Pombal sorgt fr die
Wiederherstellung.

[1759.]

Vertreibung der +Jesuiten+ infolge eines Mordversuchs gegen den Knig.

[1762-1763.]

Im Bunde mit England Krieg gegen Spanien. Pombal beruft den Grafen
+Wilhelm von Schaumburg-Lippe+ nach Portugal. Dieser organisiert Heer
und Flotte. Im +Frieden von Paris+ 1763 gibt Spanien die eroberten
Pltze zurck.

Unter der Knigin Maria, der Tochter Josephs I. (1777 bis 1792),
Wiederherstellung der geistlichen Macht, Pombal vor Gericht gestellt,
aber begnadigt, T 1782.

~Spanien~, seit 1701 unter Knigen aus dem Hause +Bourbon+ (S. 274), in
der auswrtigen Politik mit Frankreich verbndet, gelangt nicht wieder
zu seiner frheren Machtstellung. Unter Karl III. (1759-1788) Reformen
des Ministers +Aranda+, welcher 1767 die Jesuiten vertreibt.

~Sardinien~, Knigreich seit 1720 (S. 278), tritt unter Karl Emanuel
I. (1730-1773) im Polnischen Thronfolgekrieg kriegerisch gegen, im
sterreichischen Erbfolgekrieg fr sterreich auf, erwirbt 1748 durch
den Frieden zu Aachen (S. 284), einen Teil des Herzogtums Mailand.

Die Republik ~Genua~ hat fortdauernd ihre Unabhngigkeit gegen mchtige
Nachbarn (+Savoyen+, +Frankreich+, +sterreich+) zu verteidigen. Die
Bewohner der seit Ende des 11. Jahrh. von den Pisanern und Genuesen
umstrittenen Insel ~Korsika,~ seit 1300 unter genuesischer Herrschaft,
empren sich 1729. Nach wechselvollem Kampfe, wobei ein deutscher
Abenteurer, +Baron Neuhof+ aus Westfalen, kurze Zeit als +Knig Theodor
I.+ von Korsika auftritt (1736), ruft Genua Frankreichs Hilfe an; die
Insel wird 1739 unterworfen. Doch bald neue Kmpfe, seit 1755 +Pasquale
Paoli+ an der Spitze. Genua tritt 1768 die Insel an +Frankreich+ ab;
Paoli flieht 1769 nach England, versucht 1790-1796 nochmals Korsika zu
befreien, T in England 1807.

~Venedig~ kann die frhere Blte nicht wieder erreichen, doch werden
noch ruhmvolle Kriege gegen die ~Trken~ gefhrt:

[1645-1669.]

Krieg um ~Kandia~ (Kreta); die Trken mehrmals von der venetianischen
Flotte besiegt; trotz tapferer Verteidigung, welche +Morosini+ leitet,
endet der Krieg mit dem Verlust der Insel fr Venedig.

[1685-1699.]

Krieg um ~Morea~ (Peloponnes). Venedig mit Kaiser Leopold I. und Polen
verbndet (S. 266). +Morosini+, verstrkt durch deutsche Mietstruppen
unter Graf +Knigsmark+, vertreibt die Trken aus Morea, erobert
1687 +Athen+, bei dessen Belagerung der Mittelbau des Parthenon (S.
46) durch eine venetianische Bombe zerstrt wird. Darauf zum Dogen
erwhlt, kehrt er 1693 auf den Kriegsschauplatz zurck, stirbt aber
1694 in Nauplia. Im Frieden zu +Karlowitz+ (S. 266) bleibt Morea den
Venetianern, welche die Halbinsel durch griechische Kolonisten neu
bevlkern und bessere Verwaltung einfhren.

[1715.]

Die Trken erobern Morea fr immer (vgl. S. 278); nach dem Frieden
von +Passarowitz+ 1718 bleibt Venedig immer noch im Besitz eines
ansehnlichen Festlandsgebietes (Verona, Brescia, Bergamo, Udine,
Istrien, Dalmatien) und der Ionischen Inseln.

~Toskana~, nach dem Aussterben des Hauses Medici 1737 sterreichische
Sekundogenitur (S. 279), erfreut sich des Wohlstandes unter dem
Groherzog +Leopold+ (1765-1790), dem zweiten Sohne Maria Theresias und
nachmaligen Kaiser Leopold II. Diesem folgt sein zweiter Sohn Ferdinand
III. (1790 bis 1824).

~Parma~ mit Piacenza und Guastalla seit 1748 spanische Sekundogenitur
(S. 284); ~Modena~ im Besitz des Hauses +Este+ (S. 210); am Hofe des
Herzogs Franz III. lebt der Geschichtsforscher +Muratori+ (T 1750).

Der ~Kirchenstaat~ behauptet sein ansehnliches Gebiet (das alte Latium,
Umbrien, die Marken, Ancona, Rimini, Ravenna, Bologna, Ferrara) in
gutem Einvernehmen mit sterreich und Spanien.

[1773.]

+Papst Clemens XIV.+, dem Andringen katholischer Staaten nachgebend,
hebt den +Jesuiten-Orden+ auf, nachdem der Ordensgeneral +Ricci+ jede
Reform abgelehnt hat (+sint, ut sunt, aut non sint+).

Neapel mit ~Sicilien~ unter Knigen aus dem Hause ~Bourbon~ (1735-1799,
dann wieder 1815-1860). +Karl IV.+, bis 1759 (als +Karl III.+, Knig
von Spanien, S. 303), verbessert die Verwaltung mit Hilfe des Ministers
+Tanucci+, der auch unter Karls Sohn +Ferdinand IV.+ (1759-1825) bis
1777 im Amte bleibt; 1767 Vertreibung der Jesuiten. Nach Tanuccis Sturz
fhrt die Knigin +Caroline Marie+, Tochter der +Maria Theresia+,
die Regierung. Ihr Minister +Arcton+. 1799 mu der Knig vor den
eindringenden Franzosen nach Sicilien entweichen (S. 317).


 11. Frankreich.

[~1715-1774.~]

~Ludwig XV.~, Urenkel Ludwigs XIV., dessen Sohn und Enkel vor ihm
gestorben waren (S. 349). Whrend der Minderjhrigkeit fhrt der Herzog
+Philipp von Orlans+, Sohn der +Elisabeth Charlotte von der Pfalz+
(T 1721), die Regentschaft; dieser gibt durch seine Ausschweifungen
dem Volke ein bles Beispiel (T 1723). Miglckter Versuch des
Schotten +John Law+, durch Grndung einer Bank (1718) und Ausgabe von
Papiergeld die zerrtteten Finanzen in Ordnung zu bringen. Gemigte
Staatsverwaltung des Kardinals +Fleury+ 1726-1743, dann Herrschaft
der Buhlerinnen (Marquise von +Pompadour+ 1745-1764, Grfin +Dubarry+
1769-1774).

Lothringen erworben 1738 (S. 279); erfolglose Teilnahme am
sterreichischen Erbfolgekrieg und am Siebenjhrigen Krieg,
unglcklicher Krieg mit England (S. 299f.). Verlust der Kolonien in
Nordamerika (S. 300). Vertreibung der Jesuiten 1761 durch den Minister
+Choiseul+. Opposition des hchsten Gerichtshofs, des Parlaments zu
Paris; Aufhebung der Parlamente 1771. Beim Tode des Knigs 4000 Mill.
Livres Staatsschulden; der Staat heillos zerrttet.

[~1774-1792.~]

~Ludwig XVI.~, dessen redlicher Wille bei dem Mangel an Tatkraft
den herannahenden Sturm der Revolution nicht mehr durch schwache
Reformversuche zu beschwichtigen vermag. Wiederherstellung der
Parlamente 1774. Ludwig XVI., Enkel seines Vorgngers, persnlich
ehrbar und sittenrein. Seine Gemahlin +Marie Antoinette+, Tochter
+Maria Theresias+ von sterreich, anfangs beim Volke nicht unbeliebt,
wird bald Gegenstand der gehssigsten Verleumdungen, namentlich infolge
des anstigen Halsbandprozesses (Kardinal +Rohan+, Grfin +Lamotte+).
Frankreichs Teilnahme am +Nordamerikanischen Freiheitskriege+ (S. 301)
verschrft den alten Gegensatz gegen England.

Die franzsische ~Literatur~ im 18. (+philosophischen+) Jahrhundert
ist ein getreues Abbild der Sitten des franzsischen Hofes und Volkes:
+Lesage+ (T 1747), +Montesquieu+ (T 1755), +Voltaire+ (1694-1778),
+Rousseau+ (1712-1778), +B. de St-Pierre+ (T 1814), +A. Bertin+ (T
1790), +Beaumarchais+ (T 1799). Als +Maler+ verdienen Erwhnung:
+Watteau+ (Hauptmeister des Rokoko, T 1721), +Boucher+ (T 1770),
+Fragonard+ (T 1806).

Fussnoten:

[47] Doch bleiben die drei Seestdte +Lbeck+, +Hamburg+, +Bremen+
durch ein 1630 geschlossenes Bndnis als +Hansestdte+ vereinigt.

[48] Geschlossen auf einer Insel in dem Grenzflu +Bidassoa+, der in
den westlichen Pyrenen entspringt.

[49] Er lie eine Denkmnze prgen mit der Umschrift: Exoriare aliquis
nostris ex ossibus ultor.

[50] Geb. 24. Januar 1712. Strenge Erziehung; Vorliebe des Prinzen fr
franzsische Literatur und Musik, Abneigung gegen militrische bungen,
Jagden, Tabakskollegium; der Vater hlt ihn daher fr untchtig.
Nachdem der Plan einer Vermhlung Friedrichs mit einer Tochter
Georgs II. von England (S. 299) gescheitert ist, +Fluchtversuch+
1730 unweit Mannheim, whrend einer Reise mit dem Knig. Verhr in
+Wesel+, Kriegsgericht; der Kronprinz kommt als Gefangener nach
+Kstrin+ (+Katte+ hingerichtet), arbeitet dort in der Kriegs- und
Domnenkammer. 1732 Ausshnung; der Prinz erhlt die Fhrung eines in
+Neu-Ruppin+ stehenden Regiments, heiratet 1733 Elisabeth Christine
von Braunschweig-Bevern, lebt dann mit seinen Freunden im Schlo
+Rheinsberg+ unweit Ruppin. Briefwechsel mit +Voltaire+.




C. Vom Beginn der franzsischen Revolution bis zum Wiener Kongress.
(1789-1815.)


 1. Die Revolution in Frankreich.

~Ursachen~: 1. Der auf Vernichtung oder Umbildung des Bestehenden
gerichtete Geist des 18. Jahrhunderts. Angriffe franzsischer
Schriftsteller auf Staat und Kirche. +Montesquieu+ (Esprit des lois
1748) und +Rousseau+ (Contrat social 1762) bekmpfen das unbeschrnkte
Knigtum und stellen neue Staatslehren auf. +Voltaire+ (Henriade 1723,
Proze des Jean Calas 1762) bekmpft die religise Unduldsamkeit und
das Christentum berhaupt; die +Enzyklopdie+, ein philosophisches
Wrterbuch, 1751-1780 herausgegeben von +Diderot+ und +d'Alembert+,
verbreitet die Lehren der Aufklrung und Freigeisterei.

2. Die groen Mibruche im franzsischen Staatswesen, verschuldet
durch die willkrliche und entartete Regierung, whrend in allen
brigen europischen Staaten Verbesserungen durchgefhrt werden. Seit
1614 die altherkmmlichen +Reichsstnde+ (tats-gnraux) nicht mehr
einberufen (s. S. 238). Verfgung ber die Freiheit der Untertanen
durch willkrliche Verhaftsbefehle (lettres de cachet, +Bastille+),
ber ihr Vermgen durch willkrliche Besteuerung. Gegen den Anspruch
des Pariser Parlaments, die Eintragung der Steueredikte verweigern
zu knnen, wendet der Hof +knigliche Thronsitzungen+ (+lits de
justice+) und Verweisung der Parlamentsmitglieder an. +Kuflichkeit+
der Offizierstellen im Heere, der Sitze in den Parlamenten, der hheren
mter, aber meist nur fr den +Adel+. Die +bevorrechtigten Stnde+
(+Adel+ und +Geistlichkeit+) sind bei den direkten Abgaben sehr
begnstigt, obgleich keineswegs ganz frei von denselben; die Bauern
durch Frondienste gedrckt, die Entwickelung von Handel und Gewerbe
durch Zunftzwang gehemmt.

~Veranlassung~: Die ungeheure +Staatsschuld+. Entstanden durch
die Kriege Ludwigs XIV., seine kostspieligen Bauten und seine
verschwenderische Hofhaltung, wchst der jhrliche Fehlbetrag durch die
Verschwendung Ludwigs XV. und die Kosten des nordamerikanischen Krieges
unter Ludwig XVI. bis fast auf die Hlfte der jhrlichen Einnahme.

+Turgots+ Maregeln zur Verbesserung der Verwaltung (Aufhebung der
Binnenzlle, Abschaffung der Wegefronden und der Znfte) werden mit
seiner Entlassung 1776 aufgegeben. +Necker+ (bis 1781) sucht durch
Anleihen und Sparsamkeit zu helfen, +Calonne+ (1783-1787) wirtschaftet
sorgloser und beruft zuletzt eine +Notabelnversammlung+, die keine
durchgreifenden Beschlsse zu fassen wagt. +Necker+, 1788 wieder
berufen, veranlat die

[~1789.~ 5. Mai.]

~Berufung der Reichsstnde nach Versailles~, mit einer +doppelten
Vertretung+ des Brgerstandes (+tiers tat+): Geistlichkeit 300, Adel
300, Brger 600. Streit ber die Art der Beratung und Abstimmung, ob
nach +Stnden+ oder nach +Kpfen+. Bei der Prfung der Vollmachten
verlangen Geistlichkeit und Adel eine getrennte, der Brgerstand eine
gemeinschaftliche Prfung. Auf ~Sieys'~ Vorschlag erklren sich die
Abgeordneten des Brgerstandes als ~Nationalversammlung~ (Assemble
nationale) und laden die beiden anderen Stnde zum Beitritt ein.

[20. Juni.]

~Eid im Ballspielhaus~ (Jeu de paume). Die Abgeordneten des dritten
Standes schwren, sich nicht zu trennen, bis sie dem Lande eine
Verfassung gegeben.

[23. Juni.]

Fruchtlose knigliche Sitzung. Der Befehl des Knigs, da die drei
Stnde +getrennt+ beraten sollen, wird nicht ausgefhrt infolge des
von ~Mirabeau~[51] erhobenen Widerspruchs. Der Knig gibt nach;
Geistlichkeit und Adel vereinigen sich mit dem dritten Stand. Die
Versammlung beginnt eine neue +Verfassung+ fr Frankreich zu beraten,
wird deshalb bezeichnet als

[~1789-1791.~]

~Verfassunggebende Versammlung~ (Assemble constituante).

Gerchte von einer beabsichtigten Auflsung der Nationalversammlung und
die Entlassung +Neckers+ (11. Juli) veranlassen Unruhen in Paris.

[~1789.~ 14. Juli.]

~Einnahme und Zerstrung der Bastille.~ Necker zurckberufen,
+Lafayette+ Befehlshaber der neuerrichteten Brgerwehr
(+Nationalgarde+).

Unruhen in den +Provinzen+, Schlsser und Klster verwstet. Viele
Adlige verlassen Frankreich. Karl Philipp, Graf von +Artois+, zweiter
Bruder des Knigs, an der Spitze der +Emigranten+, seit 1791 in
+Koblenz+ am Hofe des Kurfrsten von Trier.

[~1789.~ 4. Aug.]

Freiwillige Verzichtleistung (Vicomte de +Noailles+) der Abgeordneten
des Adels auf alle Feudalrechte, der Geistlichkeit auf den Zehnten.
Abschaffung des Feudalstaates. Gleichheit der Besteuerung und gleiche
Zulassung aller Brger zu allen ffentlichen mtern wird festgesetzt.
ffentliche Werksttten eingerichtet.

[27. Aug.]

Erklrung der +Menschenrechte+ (Freiheit, Eigentum, Sicherheit,
Widerstand gegen Unterdrckung) auf +Lafayettes+ Antrag.

[5. Okt.]

Aufstand in ~Paris~, hervorgerufen durch Brotmangel und Gerchte von
einer beabsichtigten Reaktion. Zug der durch Agenten des Herzogs
+Philipp+ von +Orlans+ aufgeregten Volksmenge zum Knig nach
+Versailles+. Die knigliche Familie, von +Lafayette+ durch die
Nationalgarde gerettet, mu nach ~Paris~ bersiedeln, ebenso die
Nationalversammlung; 200 Mitglieder scheiden aus. Der Pariser Pbel
beherrscht seitdem die Versammlung.

Die von der Assemble constituante ausgearbeitete ~Verfassung~
bertrgt die gesetzgebende Gewalt der Nationalversammlung und gesteht
dem Knig nur ein aufschiebendes Veto zu. Er darf die Versammlung,
die Inhaberin der Souvernitt, nicht auflsen, ja nicht einmal
mit Gesetzesvorschlgen an sie herantreten, geschweige denn ihre
Beschlsse rundweg ablehnen. Er ist vielmehr nur der Vollstrecker
dieser Beschlsse. Da aber den nach Aufhebung der alten Provinzen neu
geschaffenen 83 Departements nahezu volle Selbstverwaltung und auch
das Recht der Beamtenwahlen verliehen wurde, so war Frankreich in 83
fast souverne Republiken aufgelst, in denen es knigliche Beamte, d.
h. Vollstrecker des kniglichen Willens nicht mehr gab. Der Knig also
tatschlich machtlos.

Die Ausbung des +Aktivbrgerrechts+ an die Entrichtung einer direkten
Steuer, ein Alter von 25 Jahren und einjhrigen Wohnsitz in der
Gemeinde geknpft. Die aus den Urwahlversammlungen hervorgehenden
+Wahlmnner+ whlen die Volksvertreter fr eine Legislatur von
2 Jahren, desgleichen die Behrden der Departements und ihrer
Distrikte; die Gemeindebeamten und die Richter werden ebenfalls
von den +Aktivbrgern+ gewhlt. Aufhebung der Parlamente; neue
Gerichtsverfassung mit +Geschworenengerichten+. Abschaffung des
+Adels+, der Titel und Wappen, sowie der Beschrnkung der Presse.

Um der Finanznot abzuhelfen, erklrt man die geistlichen Gter fr
Nationaleigentum und gibt Papiergeld aus (~Assignaten~, Anweisungen
auf den Wert der Nationalgter). Der Staat bernimmt den Unterhalt der
Geistlichen.

Auch die Geistlichen werden fortan von den Aktivbrgern gewhlt
(+Constitution civile du clerg+), jedes Departement bildet ein Bistum.
Nur 1/3 der Geistlichkeit unterwirft sich der neuen Verfassung durch den
geforderten Eid, daher fortan kirchlicher Zwiespalt.

Die Aufregung wird vorbergehend beschwichtigt durch das
+Verbrderungsfest+ (Fderationsfest, 14. Juli 1790), zu welchem
Tausende aus den Provinzen nach Paris kommen. Lafayette schwrt im
Namen smtlicher Nationalgarden der Nation, dem Gesetz, dem Knig treu
zu sein. Der Knig gelobt die von der Nationalversammlung beschlossene
und von ihm angenommene Verfassung anzuwenden.

Mit diesem Gang der Dinge sind die demokratischen ~Klubs~ nicht
zufrieden. Ihr Ziel ist die vllige Beseitigung der Monarchie und die
Grndung einer Republik. Der zahlreichste und einflureichste ist der
nach seinem Versammlungsort, einem aufgehobenen Jakobinerkloster,
genannte Klub der ~Jakobiner~ (+Robespierre+); zu den in einem
Franziskanerkloster Sitzung haltenden ~Cordeliers~ gehren +Danton+,
+Marat+, +Camille Desmoulins+, +Hbert+; ihnen gegenber die
gemigten, am Knigtum festhaltenden ~Feuillants~ (+Lafayette+,
+Bailly+).

Verbindung des Hofes mit +Mirabeau+, der, nachdem die konstitutionelle
Monarchie begrndet ist, die Revolution hemmen und den Umsturz des
Thrones verhindern will. +Necker+ tritt aus dem Ministerium (Sept.
1790), da er die Finanzen nicht in Ordnung zu bringen vermag.

[1791 (April).]

Mirabeau T. ~Flucht des Knigs~ (20. Juni). Er wird mit seiner Familie
in +Varennes+ (unweit Verdun) angehalten, nach Paris zurckgebracht,
suspendiert und eine Zeitlang in den Tuilerien streng bewacht, dann
wieder eingesetzt, nachdem er am 14. Sept. den Eid auf die revidierte
Verfassung geleistet hat. Die Nationalversammlung lst sich auf,
nachdem sie auf +Robespierres+ Antrag beschlossen hat, da keins ihrer
Mitglieder fr die folgende Versammlung whlbar sei.

[~1791-1792.~ Okt. Sept.]

~Gesetzgebende Versammlung~ (Assemble lgislative).

745 neue Abgeordnete. Parteien: die +rechte+ Seite (Feuillants)
wird tglich schwcher. Die +linke+, herrschende Seite zerfllt in
1. gemigte Republikaner (~Ebene~, la plaine), darunter die Gruppe
der ~Girondisten~, so genannt wegen hervorragender Mitglieder aus
+Bordeaux+, dem Departement der +Gironde+: +Vergniaud+, +Brissot+
u.a., meist Anhnger der Fderativ-Republik, 2. ~Bergpartei~ (la
montagne, les montagnards), Radikale, Anhnger der +einen+, unteilbaren
Republik (une et indivisible).

Der Knig wird unbeliebt, da er gegen die Beschlsse ber Bestrafung
der den Eid verweigernden +Priester+ und ber Ntigung der +Emigranten+
zur Rckkehr von seinem +Veto+ Gebrauch macht und auf Hilfe von
+sterreich+ hofft.

[~1792.~ April.]

Ein girondistisches Ministerium (+Roland+, +Dumouriez+) ntigt den
Knig, ~sterreich den Krieg zu erklren~. Vermehrte Aufregung, da
der Krieg (S. 313ff.) bei dem zerrtteten Zustande des franzsischen
Heerwesens anfangs ungnstig verluft.

[10. Aug.]

Aufruhr in Paris, ~Erstrmung der Tuilerien~. Der Knig flchtet sich
in den Sitzungssaal der Gesetzgebenden Versammlung, sendet an die treue
Schweizer-Garde den Befehl, das Feuern einzustellen. Die abziehenden
Schweizer vom Volk ermordet. Der Knig wird wieder suspendiert und als
Gefangener in den +Temple+ (frheres Ordenshaus der Tempelherren, S.
207) gebracht.

Berufung eines Nationalkonvents zur Feststellung einer ~neuen
Verfassung~.

[Sept.]

Ermordung von etwa 3000 Verdchtigen in den Gefngnissen von Paris,
auf Anstiften des Gemeinderates (la Commune) und des Justizministers
+Danton+. Die dadurch eingeschchterte Bevlkerung whlt nur Radikale
in den Convent.

[~1792-1795.~]

~Nationalkonvent (Convention nationale).~

[Sept. Okt.]

Parteien: +Girondisten+ und +Bergpartei+.

[~1792.~ 21. Sept.]

~Abschaffung des Knigtums, Frankreich wird fr eine Republik erklrt.~

[Dez.]

Ludwig XVI. vor dem Konvent +angeklagt+ wegen Verrats an der Freiheit
der Nation. Meisterhafte Verteidigungsrede von +de Sze+; Robespierre
dringt auf Verurteilung des Knigs, Vergniaud fordert vergebens
Entscheidung durch Volksabstimmung.

[~1793.~ Jan.]

Die Mehrheit des Konvents erklrt den Knig fr schuldig; bei der
Abstimmung ber die Strafe stimmen 361, unter ihnen der Herzog Philipp
von Orlans (galit) unbedingt fr den Tod, 360 fr Gefngnis,
Verbannung oder Aufschub der Todesstrafe.

[21. Jan.]

~Ludwig XVI. hingerichtet.~ Die Guillotine stand unweit der Tuilerien
auf dem Revolutionsplatze, der spter +Place de la Concorde+ genannt
und mit dem Obelisken von +Luxor+ geziert wurde.

[Mrz.]

Royalistischer Aufstand in der ~Vende~ sdlich von der Loiremndung.
Der im Temple gefangen gehaltene Dauphin wird als Knig ~Ludwig XVII.~
ausgerufen. Heftige Kmpfe bis zu Ende des Jahres, endlich siegen die
Republikaner (12. Dez. bei Le Mans) und ben blutige Rache.

Im Konvent bekmpfen sich +Girondisten+ und +Bergpartei+, letztere
erlangt das bergewicht. Die Regierung fhrt in diktatorischer
Weise der aus 9 Mitgliedern bestehende ~Wohlfahrtsausschu~ (Comit
du salut public); an der Spitze +Danton+, spter +Robespierre+.
Das Revolutionstribunal (+Fouquier-Tinville+) eingesetzt als
auerordentlicher Gerichtshof zur Verurteilung der Verdchtigen.
Zwangskurs fr die Assignaten, Maximum des Kornpreises beschlossen.

[~1793.~ 2. Juni.]

Ein von dem Pariser Gemeinderat geleiteter Pbelaufstand erzwingt vom
Konvent die Verhaftung von 32 Girondisten.

Die vom Konvent beschlossene +zweite+, vllig demokratische Verfassung
geht an die Urwhlerversammlungen zur Besttigung, kommt aber nie zur
Ausfhrung.

[13. Juli.]

+Marat+ von +Charlotte Corday+, einer Anhngerin der +Girondisten+,
ermordet.

[~1793-1794.~]

~Schreckensherrschaft~ in Frankreich.

~Robespierre~ an der Spitze. +Revolutionsausschsse+ im ganzen
Lande. Kommissare des Wohlfahrtsausschusses wten in den groen
Provinzialstdten (+Tallien+ in Bordeaux, +Lebon+ in Arras, +Carrier+
in Nantes, +Chalier+ in Lyon). In Toulon Erhebung der Brger gegen den
Konvent, Aufnahme einer englisch-spanischen Flotte in die vom Konvent
gechtete Stadt.

[1793. Okt.]

Hinrichtung der Knigin ~Marie Antoinette~ und der verhafteten
+Girondisten+. Schndung der Knigsgrber in St. Denis. Einfhrung
des republikanischen +Kalenders+ (Beginn des Jahres und der neuen
Zeitrechnung mit dem 22. Sept. 1792; Monate: Vendmiaire, Brumaire,
Frimaire; Nivose, Pluviose, Ventose; Germinal, Floral, Prairial;
Messidor, Thermidor, Fructidor). ~Lyon~ von einer Revolutionsarmee
erobert und zum Teil zerstrt (Commune affranchie).

[Nov.]

Philipp Egalit, der Herzog von Orlans, Bailly u.a. hingerichtet.
Abschaffung des christlichen Gottesdienstes, Einrichtung des Kultus der
Vernunft.

[Dez.]

Eroberung der von englischen, spanischen, sardinischen,
neapolitanischen Truppen verteidigten Seefestung ~Toulon~,
hauptschlich durch die geschickten Anordnungen des
Artillerie-Hauptmanns ~Napolon Bonaparte~.[52]

Greueltaten der Republikaner in der Vende.

[~1794.~]

+Robespierre+ strzt seine beiden Gegenparteien, den
ultrarevolutionren +Gemeinderat+ und die gemigten +Dantonisten+.
Nach einem milungenen Aufstandsversuch werden zuerst die
Ultrarevolutionren (+Chaumette+, +Hbert+, +Cloots+ u.a.), dann die
Gemigten und Verderbten (~Danton~, +Camille Desmoulins+ u.a.)
aufs Blutgerst geschickt. Robespierre macht dem Vernunftkultus ein
Ende und lt durch den Konvent das Dasein eines +hchsten Wesens+
(tre suprme) anerkennen, dessen Fest im Tuileriengarten er als
Oberpriester leitet. Eine Verschwrung unter den Mitgliedern des an
Zahl bereits sehr verringerten Konvents fhrt

[~1794.~]

27. Juli (9. Thermidor) den ~Sturz Robespierres~ herbei. Im Konvent von
+Tallien+ angeklagt und verhaftet, von den Truppen der +Commune+ (S.
310) befreit, wird er im Stadthause nach kurzem Kampfe berwltigt und
am folgenden Tage mit 21 seiner Anhnger hingerichtet; am 29. Juli noch
71 hingerichtet, fast die ganze Commune.

[~1794-1795.~]

Der ~Nationalkonvent~ unter der Herrschaft der ~Gemigteren~.

ffnung der Gefngnisse; gegen den Pbel und die Jakobiner tritt
die Jugend der wohlhabenden Stnde (+Jeunesse dore+) auf, der
Jakobinerklub wird geschlossen, die noch lebenden Girondisten werden in
den Konvent zurckberufen. Zwei Pbelaufstnde in Paris (1. April und
20. Mai 1795) zu Gunsten der Jakobiner werden von der Nationalgarde und
herbeigerufenen Linientruppen unterdrckt.

[~1795.~ 8. Juni.]

Tod des schndlich mihandelten 10jhrigen Dauphins (Ludwig XVII.) im
+Temple+.

[Aug.]

Verkndigung einer ~neuen (dritten) Verfassung~: Die ausbende Gewalt
wird einem +Direktorium+ von fnf Personen, die gesetzgebende dem +Rate
der Alten+ (250) und dem +Rate der Fnfhundert+ bertragen, doch sollen
fr diesmal 2/3 der Mitglieder beider Rte aus den Konventsmitgliedern
gewhlt werden. Gegen diese Wahlbeschrnkung erheben sich die von
den Royalisten bearbeiteten Pariser +Sektionen+ (Stadtviertel) zum
Aufstande. Auf +Barras'+ Antrag wird General ~Bonaparte~ an die Spitze
der Truppen des Konvents gestellt.

[5. Okt.]

Blutiger +Sieg in den Straen von Paris+. Darauf Vollziehung der
Wahlen, der Konvent lst sich auf.

[~1795-1799.~]

~Direktorialregierung in Frankreich.~

Vergebliche Versuche, die zerrttete Staatsordnung wieder herzustellen.
Den entwerteten Assignaten immer neue hinzugefgt. Unerhrtes
Raubsystem in den besetzten oder eroberten Lndern angeordnet, um Geld
und Kunstschtze aller Art nach Paris zu bringen. Unterdrckung der
Royalisten und der kommunistischen Verschwrung des +Gracchus Babeuf+
(1796).


~Wirkungen der franzsischen Revolution~:

l. Frankreich ist nach dem Sturz des unbeschrnkten Knigtums und nach
schweren inneren Kmpfen zu einer freieren, aber noch wenig befestigten
Verfassung gelangt. 2. Frankreichs +Eroberungslust+, genhrt durch
die Notstnde im Innern, gefhrdet den Bestand des europischen
Staatensystems. 3. In den brigen europischen Staaten (mit Ausnahme
Englands) macht sich das Streben nach Einfhrung +freier Verfassungen+
geltend, doch lehren die zunchst folgenden Kriegszeiten auch den Wert
einer starken Monarchie erkennen.


 2. Frankreichs Kriege gegen das Ausland.

[~1792-1797.~]

~Erster Koalitionskrieg.~

~Veranlassung~: Zusammenkunft des Kaisers +Leopold II.+ und des Knigs
+Friedrich Wilhelm II.+ von Preuen zu ~Pillnitz~ bei Dresden (Aug.
1791); auch Vertreter der +Emigranten+ (S. 307) erscheinen dort.
Eine gebieterische +Erklrung+ gegen Frankreich wird beschlossen und
verffentlicht. Leopold II. ist noch um Erhaltung des Friedens bemht,
schliet aber (Febr. 1792) mit Preuen ein Verteidigungsbndnis. Sein
Sohn und Nachfolger

[~1792-1806.~]

~Franz II.~ (als Kaiser von sterreich +Franz I.+ bis 1835) empfngt
von +Frankreich+ die Kriegserklrung (S. 310). Der erste Angriff der
Franzosen auf das sterreichische +Belgien+ milingt. +Lafayette+ fhrt
seine Absicht, mit Truppen der Nordarmee dem bedrngten Knig Ludwig
XVI. zu Hilfe zu kommen, nicht aus, wird auf der Flucht (19. Aug.) von
den sterreichern ergriffen und als Gefangener nach Olmtz gebracht
(1797 entlassen).

[~1792.~ 25. Juli.]

Drohendes Manifest des Herzogs +Karl Wilhelm Ferdinand von
Braunschweig+, welcher mit 80000 Mann Preuen und sterreichern von
Koblenz aus langsam in Frankreich einrckt. Die Festungen Longwy und
Verdun genommen.

[20. Sept.]

Treffen bei +Valmy+; der Herzog von Braunschweig bricht den Kampf ab.
Rckzug durch die Champagne.

Im Sden +Savoyen+ und +Nizza+ von den Franzosen besetzt, da der Knig
von Sardinien sich dem Bndnis gegen Frankreich angeschlossen hat.

[Okt.]

Der franzsische General +Custine+ dringt +ber den Rhein+ vor, erobert
Speier, Worms, Mainz und Frankfurt. Nur Frankfurt wird von preuischen
und hessischen Truppen bald wieder gewonnen.

[Nov.]

Der franzsische General +Dumouriez+ besiegt die sterreicher bei
+Jemappes+ und erobert +Belgien+.

[~1793.~]

Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. treten +England+, +Holland+,
+Spanien+, +Neapel+, das +Deutsche Reich+ dem Bndnis gegen Frankreich
bei.

[Mrz.]

+Dumouriez+, von den sterreichern (unter dem Prinzen Friedrich Josias
von Koburg) bei +Neerwinden+ geschlagen, flchtet mit dem Herzog
von Chartres (Ludwig Philipp, Sohn des Herzogs von Orlans) in das
sterreichische Lager, spter nach England.

[Juli.]

Die sterreicher erobern die Festungen Cond und Valenciennes.
+Custine+, welcher nach Dumouriez' Flucht in Belgien befehligt, deshalb
abgesetzt und bald darauf in Paris hingerichtet.

Die Preuen erobern nach lngerer Belagerung +Mainz+. Der franzsische
General +Beauharnais+ bringt zu spt Hilfe, wird abgesetzt und
hingerichtet.

[Aug.]

Der Konvent verfgt die Aushebung aller Waffenfhigen vom 18.-25.
Lebensjahre (leve en masse). Energie des Wohlfahrtsausschusses;
~Carnot~ stellt 600000 Mann unter Waffen.

Erfolgreiche Wendung des Krieges fr die Franzosen; die Nordarmee
(General +Jourdan+) siegt bei +Hondschoote+ (unweit Dnkirchen) ber
die Englnder, Hannoveraner und Hessen, bei +Wattignies+ (an der
Sambre) ber die sterreicher; die Moselarmee (General +Hoche+) erobert
die von General +Wurmser+ besetzten +Weienburger Linien+ im Elsa
wieder.

[~1794.~]

Jourdan siegt bei +Fleurus+ ber den Prinzen von Koburg und erobert
+Belgien+.

Die Preuen, zweimal siegreich bei +Kaiserslautern+ in der Rheinpfalz
(Mai und Sept., +Blchers+ Reiterangriffe), gehen dann doch ber den
Rhein zurck; die Franzosen besetzen die Reichsstdte +Aachen+ und
+Kln+.

[~1795.~ Jan.]

Der franzsische General +Pichegru+ erobert Holland. Flucht des
Erbstatthalters +Wilhelm V.+ (aus dem Hause Nassau-Diez, welches
1748 dem Hause Nassau-Oranien in der Statthalterwrde gefolgt war)
nach England, Begrndung der ~Batavischen Republik~ (1795-1806). Die
Englnder besetzen die hollndischen Kolonien +Kapland+ und +Ceylon+.

[April.]

~Friede zu Basel~ zwischen +Frankreich+ und +Preuen+. +ffentliche
Bedingungen+: 1. Frankreich bleibt bis zum endgltigen Frieden mit dem
Deutschen Reich im Besitz des +preuischen+ Gebiets am linken Rheinufer
(halb Cleve, Mrs, Obergeldern). 2. Eine Demarkationslinie (vom Main
bis nach Schlesien) setzt die Neutralitt, des nrdlichen Deutschlands
fest. +Geheime Bedingung+: Fr den Fall, da beim allgemeinen Frieden
das linksrheinische Deutschland an Frankreich abgetreten wird, erhlt
Preuen eine Entschdigung aus rechtsrheinischem Gebiet zugesichert.

Auch +Spanien+ schliet mit Frankreich Frieden zu +Basel+, indem es
seinen Anteil an der Insel San Domingo abtritt; der Minister +Godoy+
erhlt den Titel Friedensfrst. Die Verwaltung Spaniens unter Karl IV.
(1788-1808) zerrttet, die Seemacht durch die Englnder fast vernichtet.

[~1795.~]

England (Minister William Pitt der Jngere) verspricht den
sterreichern Subsidiengelder. Wurmser und +Clerfait+ halten die
Rheinlinie gegen Jourdan und Pichegru.

[~1796.~]

Erzherzog ~Karl von sterreich~, Bruder des Kaisers Franz, besiegt
den franzsischen General Jourdan bei +Amberg+ (in der bayrischen
Oberpfalz) und +Wrzburg+, wendet sich dann gegen Moreau, der sich
durch den Schwarzwald zurckzieht. Zur selben Zeit

~Napoleon Bonapartes glnzender Feldzug in Italien.~ Er besiegt wenige
Wochen nach seiner Vermhlung mit +Josephine+, Witwe des Generals
+Beauharnais+ (S. 314), von Nizza aus vordringend, die sterreicher
bei +Millesimo+, die Sardinier bei +Mondovi+ und zwingt den Knig
+Viktor Amadeus+ von Sardinien zum +Frieden+; Abtretung von +Savoyen+
und +Nizza+ an Frankreich. Nach Erstrmung der Addabrcke bei +Lodi+
(10. Mai) zieht er in +Mailand+ ein und erobert die ganze +Lombardei+
bis auf +Mantua+. Die Herzge von +Parma+ und +Modena+, der +Papst+
und +Neapel+ erkaufen Waffenstillstand und Frieden durch Geld und
Kunstschtze. Papst Pius VI. tritt im Frieden zu +Tolentino+ (Febr.
1797) Avignon und Venaissin, die Romagna und Ancona, Bologna und
Ferrara ab.

[~1796-1797.~ Juli-Febr.]

~Belagerung von Mantua.~ Die sterreicher versuchen, die Festung
(General Wurmser) zu entsetzen, werden aber in mehreren Schlachten,
namentlich bei ~Arcole~ (Nov. 1796) und ~Rivoli~ (Jan. 1797) besiegt.

[~1797.~ Mrz]

Nach dem Falle Mantuas dringt +Bonaparte+ ber die Ostalpen vor gegen
Wien, whrend +Hoche+ und +Moreau+ wieder ber den Rhein gehen.

Die Bewohner des +venetianischen+ Gebiets erheben sich gegen die
Franzosen, in +Tirol+ und +Bhmen+ wird die Bevlkerung unter die
Waffen gerufen. +Bonaparte+, in Gefahr abgeschnitten zu werden, knpft
Unterhandlungen an; Friedensprliminarien zu ~Leoben~ (an der Mur).

[Mai.]

Bonaparte kehrt nach Oberitalien zurck und erklrt der Republik
~Venedig~ den Krieg, besetzt Stadt und Gebiet ohne bedeutenden
Widerstand.

In Oberitalien wird die ~Cisalpinische Republik~ (Mailand, Modena,
Ferrara, Bologna, Romagna) eingerichtet; die Republik +Genua+ wird
umgewandelt in die ~Ligurische Republik~; beide von Frankreich abhngig.

[~1797.~ Sept.]

Staatsstreich in Paris, die Royalisten aus dem Rat der Alten und dem
Rat der Fnfhundert ausgestoen, zwei Mitglieder des Direktoriums
(+Carnot+ und +Barthlemy+) zur Deportation verurteilt. Die Republik
wird dadurch auf Betreiben des von Bonaparte nach Paris abgesandten
Generals +Augereau+ befestigt.

[Okt.]

~Friede zu Campo Formio~ (bei Udine) zwischen Frankreich und
sterreich. +ffentliche Bedingungen+: 1. sterreich tritt die
+Lombardei+ und die +Niederlande+ (Belgien und Luxemburg, S. 274)
ab, erhlt +Venedig+ und dessen Gebiet, S. 304 (Venetien, Istrien,
Dalmatien, aber nicht die Ionischen Inseln). 2. Zur Herstellung des
Reichsfriedens und Festsetzung der Entschdigungen tritt ein Kongre
zu +Rastatt+ zusammen. +Geheime Bedingung+: sterreich willigt in die
Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich; die beeintrchtigten
Frsten sollen +in Deutschland entschdigt werden+.

[~1797-1840.~]

~Friedrich Wilhelm III., Knig von Preuen~ (s. Anhang).

[1797-1799. Dez. April.]

~Kongre zu Rastatt~, keine Einigung erzielt.

[~1798.~ Febr.]

Die Franzosen besetzen und brandschatzen +Rom+. Errichtung der
~Rmischen Republik~. Papst +Pius VI.+ wird als Gefangener nach Valence
(an der Rhone) gefhrt, wo er im folgenden Jahre stirbt.

Agitationen in der Schweiz (Waadtland) gegen die Regierung in Bern.
Eindringen der Franzosen.

[April.]

Der Bund der Eidgenossen wird in die ~Helvetische Republik~ (19
gleichberechtigte Kantone, S. 225) umgewandelt; der Bundesschatz (16
Mill. Francs) ausgeliefert; +Genf+ an Frankreich abgetreten.

[~1798-1799.~]

~Bonapartes Zug nach gypten~, vorbereitet unter der Maske einer
Unternehmung gegen England, dessen Seeherrschaft zu brechen am ersten
im Mittellndischen Meere gelingen konnte.

Auslaufen der Flotte aus +Toulon+ (Mai 1798), mit 35000 Mann
unter ~Bonaparte~, +Berthier+, +Klber+, +Desaix+. Die bisher dem
Johanniterorden (S. 242) gehrige Insel +Malta+ wird fr Frankreich in
Besitz genommen. Landung in gypten, Einnahme von +Alexandria+. Sieg
ber die +Mamelucken+ in der Schlacht bei den ~Pyramiden~ (21. Juli),
darauf die Hauptstadt +Kairo+ besetzt. Desaix dringt nach Obergypten
vor. Franzsische Gelehrte (+Denon+, Generaldirektor der Museen, unter
ihm die Vendmesule errichtet) beginnen die Altertmer gyptens zu
erforschen (S. 4, Anm. 1).

[~1798.~ 1. Aug.]

~Seeschlacht bei Abukir~ (+Nelson+). Die franzsische Flotte von den
Englndern fast vernichtet, dem Landheere die Verbindung mit Frankreich
abgeschnitten. Kriegserklrung der Trkei an Frankreich.

Bonaparte unterdrckt einen Aufstand in +Kairo+ und zieht darauf nach
+Syrien+, erstrmt +Jaffa+, kann aber das mit Hilfe von Englndern
verteidigte +St. Jean d'Acre+ (+Akkon+) nicht nehmen. Pest im
franzsischen Heere, Rckzug nach gypten; Landung und Niederlage der
Trken bei ~Abukir~ 1799.

[~1799-1802.~]

~Zweiter Koalitionskrieg.~

Der englische Minister +William Pitt+ (S. 300) gewinnt +sterreich+,
+Ruland+, +Neapel+, +Portugal+, +die Trkei+ zum Bndnis gegen
Frankreich. Kaiser ~Paul von Russland~ (1796 bis 1801) wird 1798
zum Gromeister des Malteserordens erwhlt; eine russisch-trkische
Flotte vertreibt die Franzosen von den Ionischen Inseln. Preuen unter
Friedrich Wilhelm III. bleibt neutral.

Erffnung des Krieges Ende 1798 durch einen Einfall der Neapolitaner
unter dem sterreichischen General +Mack+ in die Rmische Republik.
Der Einfall wird zurckgeschlagen, der Knig Ferdinand IV. von Neapel
(S. 305) flieht nach Palermo, sein festlndisches Gebiet wird von den
Franzosen besetzt und in die

[~1799.~ Jan.]

~Parthenopeische Republik~ verwandelt. Auch der Groherzog Ferdinand
III. von +Toskana+ wird verjagt. Der Knig Karl Emanuel IV. von
+Sardinien+ entflieht aus Turin nach der Insel Sardinien, seine
festlndischen Besitzungen werden in franzsische Verwaltung genommen
und 1802 in Frankreich einverleibt.

[Mrz.]

+Jourdan+, von Erzherzog +Karl+ bei +Ostrach+ und bei +Stockach+
(nrdlich vom Bodensee) geschlagen, geht ber den Rhein zurck.

[April.]

Auflsung des Kongresses zu Rastatt. Zwei von den abreisenden
franzsischen Gesandten werden von sterreichischen Husaren ermordet.

[Juni.]

+Massna+ bei ~Zrich~ von Erzherzog +Karl+ geschlagen, behauptet aber
seine Stellung am Vierwaldsttter See. Inzwischen ist ein russisches
Heer unter ~Suworow~ (geb. 1729) in Italien erschienen und hat sich mit
den sterreichern (unter +Melas+) vereinigt. Die Siege bei ~Cassano~
und an der ~Trebbia~ bewirken die Auflsung der Cisalpinischen,
Rmischen und Parthenopeischen Republik. In Neapel grausames
Blutvergieen nach der mit Untersttzung +Nelsons+ erfolgten Rckkehr
Ferdinands IV.

Ein neues franzsisches Heer unter Joubert wird bei ~Novi~ (15.
Aug.) ebenfalls geschlagen; dann mu Suworow auf Betreiben des
sterreichischen Ministers +Thugut+ Italien rumen und ber die Alpen
ziehen (berhmter Marsch ber den St. Gotthardpa), um sich mit dem
zweiten russischen Heere unter +Korsakow+ in der Schweiz zu vereinigen.
Aber dieses Heer war, da Erzherzog +Karl+ sich nach dem Rhein gewandt
hatte, vor Suworows Ankunft von Massna in der +zweiten+ Schlacht bei
~Zrich~ (25. 26. Sept.) geschlagen. Suworow gelangt nach weiteren
erstaunlich beschwerlichen Mrschen und Kmpfen im Okt. in das
Rheintal, fhrt dann voll Erbitterung gegen sterreich sein Heer nach
Ruland zurck (T 1800).

[~1799.~ Okt.]

Ein +englisch-russisches+ Heer unter dem Herzog von +York+ (Sohn
Georgs III.), welches in Holland gelandet war, wird von den Franzosen
zurckgedrngt und durch die Kapitulation bei +Alkmar+ zum Abzug
gentigt.

+Bonaparte+ eilt, nachdem er den Befehl in gypten an +Klber+
(ermordet 1800) bertragen hat, mit wenigen Begleitern nach
Frankreich zurck, um das Migeschick der franzsischen Waffen wieder
gutzumachen. Er strzt im Einverstndnis mit den Direktoren +Sieys+
und +Roger-Ducos+ und seinem Bruder +Lucian Bonaparte+, Prsidenten des
Rates der Fnfhundert,

[9. Nov.]

durch den ~Staatsstreich des 18. Brumaire~ das Direktorium und treibt
am folgenden Tage den Rat der Fnfhundert auseinander.

[~1799-1804.~]

~Konsularregierung~,

~Napolon Bonaparte~ an der Spitze des Staates als ~erster Konsul~ +auf
10 Jahre+; neben ihm zwei von ihm ernannte Konsuln mit nur beratender
Stimme.

Die ~neue (vierte) Verfassung~, von +Sieys+ entworfen, aber von
Napoleon bedeutend verndert, durch Abstimmung von der ganzen Nation
angenommen, lt den +Schein einer Republik+ bestehen, schafft aber in
Wirklichkeit eine +Militrmonarchie+. Ein +Senat+ (80 reich besoldete
und wenig beschftigte Senatoren) ernennt aus den von den Departements
eingesandten Namenlisten die +Mitglieder der gesetzgebenden Gewalt+,
die obersten Beamten und Richter. Gesetzgebende Gewalt +ohne+
Vorschlagsrecht: a) +Tribunat+ (100), verhandelt ber die Vorschlge
der Regierung, ohne abzustimmen; b) +Gesetzgebender Krper+ (300),
hat diese Vorschlge +ohne Debatte+ anzunehmen oder abzulehnen. Die
+ausbende Gewalt+ hat der +erste Konsul+, dem ein Staatsrat zur Seite
steht. ~Talleyrand~ (frher Bischof von Autun, dann im Dienst der
Revolution) Minister des Auswrtigen (bis 1807).

Die Verwaltung wird neu geordnet und wieder zentralisiert (S. 308):
strenge Abhngigkeit der +Prfekten+ in den Departements und ihrer
Unterbeamten von der Regierung in Paris. Ordnung der Finanzen
hergestellt; Verbesserung der Rechtspflege, Ausarbeitung eines neuen
Gesetzbuches (+Code Napolon+ 1804).

Die Friedensantrge des ersten Konsuls werden zurckgewiesen, nur
Kaiser +Paul+ von Ruland wendet sich von der Koalition ab. Er erneuert
die bewaffnete Seeneutralitt (S. 297). Denselben Zweck verfolgt die
+Nordische Konvention+ zwischen Ruland, Schweden, Dnemark, Preuen
(1800), gegen England gerichtet.

[~1800.~]

+Napoleon+ fhrt sein Heer (32000 Mann) ber den +Groen St. Bernhard+
(Umgehung des Forts +Bard+), schlgt die sterreicher unter +Melas+
bei ~Marengo~ (14. Juni, Gen. Desaix T, als er Napoleon im kritischen
Augenblick noch zu Hilfe kommt) und stellt die Cisalpinische Republik
wieder her.

In Deutschland dringt General +Moreau+ unter siegreichen Gefechten
bis +Mnchen+ vor, schlgt (3. Dez.) die sterreicher nochmals bei
~Hohenlinden~ (stlich von Mnchen), schliet dann Waffenstillstand zu
+Steyer+.

[~1801.~]

~Friede zu Lunville~: 1. +Kaiser und Reich+ willigen in die ~Abtretung
des linken Rheinufers an Frankreich~; die Frsten, welche Gebiet
verlieren, sollen +in Deutschland entschdigt+ werden. 2. Anerkennung
der Batavischen, Cisalpinischen, Ligurischen, Helvetischen Republik.
-- Deutschland verliert durch diesen Frieden mit Einschlu des
belgischen Gebietes (vgl. S. 225, 316) 63000 qkm. (1150 [square] Meil.) mit
beinahe 3 Mill. Einwohnern. Die schmachvollen Unterhandlungen ber die
Entschdigungen ziehen sich ~2 Jahre~ hin.

+Toskana+ endlich wird zu Gunsten des in +Parma+ regierenden
spanisch-bourbonischen Herzogs Ludwig I. (S. 284) in ein von Frankreich
abhngiges +Knigreich Etrurien+ verwandelt. Ferdinand III. von Toskana
erhlt dafr das vergrerte Erzbistum Salzburg und die Kurwrde.
Ebenso tauscht Herzog +Herkules III.+ von +Modena+ (S. 341) gegen sein
Land den Breisgau und die Ortenau ein.

[~1801-1825.~]

~Alexander I., Kaiser von Russland~, nach Ermordung seines Vaters Paul
I. durch Verschworene. Ausshnung Rulands mit +England+, Auflsung der
Nordischen Konvention.

[~1801.~]

~Die Franzosen rumen gypten~; das Heer wird auf englischen Schiffen
nach Frankreich zurckgebracht.

~Konkordat~ zwischen dem neuen (S. 316) Papst +Pius VII.+ und der
franzsischen Republik. Der Papst erkennt die Einziehung der
Kirchengter an, willigt ein, da die Erzbischfe und Bischfe von
der franzsischen Regierung ernannt werden, und behlt sich nur die
Besttigung vor, begngt sich mit dem Besitz des +verkleinerten+
Kirchenstaats (S. 315).

[~1802.~ Mrz.]

~Friede zu Amiens~ zwischen Frankreich und England (nach Rcktritt des
Ministers +Pitt+):

1. Herausgabe aller von England gemachten Eroberungen an Frankreich
und seine Verbndeten mit Ausnahme von +Trinidad+, welches Spanien,
und +Ceylon+ (S. 314), welches die Batavische Republik abtritt. 2.
+Malta+ (von den Englndern 1800 erobert) soll dem Johanniterorden
zurckgegeben werden. Infolge dieses Friedens ebenfalls +Friede+
zwischen +Frankreich+ und der +Pforte+.

Stiftung des +Ordens der Ehrenlegion+; monarchisches Auftreten
+Napoleons+. Er lt sich zum Prsidenten der +Italienischen+ (bisher
Cisalpinischen) Republik whlen und bernimmt auf Grund einer
Volksabstimmung in Frankreich (3 Millionen Stimmen) das

[~1802.~ Aug.]

~Konsulat auf Lebenszeit~. +Elba+ und +Piemont+ werden mit Frankreich
vereinigt. Die +Helvetische Republik+ erhlt durch die +Mediationsakte+
eine neue Verfassung (1803).

Fr die inneren Verhltnisse ~Deutschlands~ wird der Friede zu
Lunville nach einem von +Frankreich+ und +Ruland+ festgesetzten
Entschdigungsplan zur Ausfhrung gebracht durch den

[~1803.~ Febr.]

~Reichsdeputations-Hauptschlu~ zu Regensburg. Von +geistlichen+
Stnden bleiben nur: 1. der bisherige Kurfrst von Mainz, von jetzt
ab +Kurerzkanzler+ und Frst Primas (v. Dalberg), mit einem Gebiet,
gebildet aus berresten des Erzstifts Mainz auf dem +rechten+
Rheinufer, dem Bistum +Regensburg+ und den Stdten +Regensburg+,
+Aschaffenburg+ und +Wetzlar+; 2. der +Johanniter+- und der
+Deutschordensmeister+. Von den 52 freien +Reichsstdten+ bestehen
nur ~6~ fort, die 3 Hansestdte +Lbeck+, +Hamburg+, +Bremen+,
ferner +Frankfurt+, +Augsburg+, +Nrnberg+. Alle brigen geistlichen
Gebiete und Reichsstdte werden zu Entschdigungen verwendet.
Die Kurfrstentmer +Trier+ und +Kln+ gehen ein. +Vier neue
Kurfrstentmer+: Hessen-Kassel, Baden, Wrttemberg, Salzburg.

+~Hauptschlichste Entschdigungen~+: 1. Groherzog von ~Toskana~:
+Salzburg+ und +Berchtesgaden+. 2. Herzog von ~Modena~: +Breisgau+
(wofr sterreich die Stifter +Trient+ u. +Brixen+ erhlt). 3.
~Bayern~: Bistmer +Wrzburg+, +Bamberg+, +Freising+, +Augsburg+,
Abteien und Reichsstdte in Franken und dem stlichen Schwaben. 4.
~Baden~ erhlt den rechtsrheinischen Teil der +Pfalz+ (Heidelberg,
Mannheim) und der Bistmer Straburg, Speier, Basel, Konstanz.
5. ~Wrttemberg~: mehrere Klster und Reichsstdte, besonders
+Reutlingen+, +Elingen+, +Heilbronn.+ 6. ~Preuen~: die Bistmer
+Mnster,+ +Paderborn,+ +Hildesheim,+ das mainzische +Thringen+
(Eichsfeld und Erfurt), mehrere Abteien, besonders +Quedlinburg+, und
die Reichsstdte +Mhlhausen,+ +Nordhausen,+ +Goslar.+ 7. ~Oldenburg~:
Bistum +Lbeck.+ 8. ~Hannover~: Bistum +Osnabrck+. 9. ~Wilhelm~ von
~Oranien,~ Sohn des Erbstatthalters von Holland: Stifter +Fulda+
und +Corvey.+ Im allgemeinen +gewinnen+ die entschdigten Frsten
bedeutend an Gebiet und Untertanen, z.B. erhlt Preuen 13000 qkm (240
[square] Meilen), fr 2600 qkm (48 [square] Meilen); die bergroe Zahl
der deutschen Kleinstaaten wird vermindert.


 3. Machtentfaltung des ersten franzsischen Kaiserreiches.

[1803.]

Neuer Bruch zwischen +Frankreich+ und +England+. England gibt Malta
nicht heraus, fordert die Entfernung franzsischer Truppen aus der
Batavischen Republik und der Schweiz, auch Herausgabe von Piemont.
Aufenthalt der bourbonischen Prinzen in London. Die Franzosen ~besetzen
Hannover;~ das Lager bei +Boulogne+ bedroht England mit einer Landung.
William +Pitt+ wiederum leitender Minister in England (T 1806).

[1804.]

Verschwrung gegen das Leben des ersten Konsuls entdeckt. +Pichegru+
erdrosselt im Gefngnis gefunden, +George Cadoudal+ hingerichtet,
+Moreau+ verbannt, geht nach Amerika. Der +Herzog von Enghien+
(bourbonischer Prinz von der Nebenlinie Cond) wird als an der
Verschwrung beteiligt aus Ettenheim in Baden mit Gewalt entfhrt und
auf Napoleons Befehl in Vincennes (bei Paris) erschossen. Tribunat
und Senat beschlieen die Umwandlung der Republik Frankreich in ein
erbliches +Kaiserreich+; der Beschlu wird durch +Volksabstimmung+ (mit
ber 3 Mill. Stimmen) genehmigt.

[1804. 2. Dez.]

+Napoleon+ krnt sich und seine Gemahlin +Josephine Beauharnais+ in der
Kirche +Notre-Dame+ zu Paris, nachdem Papst Pius VII. die Ceremonie der
Salbung vollzogen hat.

[~1804-1814(15).~]

~Napoleon I., Kaiser der Franzosen.~ Einrichtung eines glnzenden
Hofstaates. Growrdentrger, 18 Marchaux de l'Empire. Neuer Adel.
+Senat+ und +gesetzgebender Krper+ bleiben, aber ohne selbstndige
Befugnisse, das Tribunat wird 1807 aufgehoben.

[1805.]

+Napoleon+, ~Knig von Italien.~ Sein Stiefsohn +Eugen+ +Beauharnais,
Vizeknig+ von Italien. Die +Ligurische Republik+ wird in Frankreich
einverleibt.

 ~Die Familie Bonaparte.~

    Carlo Bonaparte, T1785, Gem. Maria Ltitia Ramolino, Tzu Rom 1836.
  ____________________________|________________________________...
 |                       |                |             |
 ~Joseph,~     ~Napolon I.~  Lucian,        Elise,
 K. v. Neapel 1806, 1804-1814,          F. v. Canino,  Frstin von
 K. v. Span. 1808,  T1821.              T1840.         Piombino,
 Tals Gr. v.        Gem.                 |             T1820.
 Sur-villiers      1. Josephine          |
 1844.             Beauharnais,       Karl Lucian,
                   T1814.             F. v. Canino.
                   2. Marie Luise v.
                   sterreich, T1847.
                   (Hzgin. v. Parma.)
   ______________|______________________________
  |                              |              |
 Stiefkinder:                Adoptiert:    Eigenes Kind:
 a) Eugen,    b) Hortense,   c) Stephanie, Napoleon (II.),
 Vizek. v.    Gem. v. Ludw., Grohzgin.    Knig v. Rom,
 Italien      K. v. Holland, v. Baden,     Tals Hz.
 (Gem. Przn.  T1837.         T1860.        v. Reichstadt
 v. Bayern),                               1832.
 Tals Hz. v.
 Leuchtenberg
 1824.
  |_____________________________________________________________________
 |              |               |           |                |          |
 Josephine   Eugenie         August,      Amalie          Theodelinde  Max,
 (Gem. Oskar (Gem. Frst von Hz. v.       (Gem. Pedro I., (Gem. Gr. v. Hz. v.
 I., Knig   Hohenzollern-   Leuchtenberg Kaiser         Wrttemberg) Leuchtenberg,
 von         Hechingen),     (Gem. d.     v.             T1857.       T1852.
 Schweden)   T1847.          Kgin. v.     Brasilien),
 T1876.                      Portugal).   T1873.
                             T1835.


     Carlo Bonaparte, T1785, Gem. Maria Ltitia Ramolino, Tzu Rom 1836.
 ...____________________________|_________________
          |        |              |               |
 ~Ludwig,~       Pauline,      Karoline,      Jrme,
 K. v. Holland   (Gem. Frst   (Gem. Joachim  K. v. Westf.
 (Gem. Hortense, v. Borghese), Murat, K. von  (Gem. Przn.
 Stieftochter    T1825.        Nepal),        v. Wrttemb.),
 Napoleons I.).                T1839.         T1860.
 T1846.                                         |
    |                                           |
  __|____________                          Jrme Napolon, T1891,
 |               |                    Gem. Clotilde v. Italien, T1911.
 Ludwig,     Karl Ludwig                _____________|_____________
 Grohzg. v. (seit dem                 |             |             |
 Berg u.     Tode seines          Napoleon Victor,  Louis.   Maria Ltitia,
 Cleve,      Bruders gen.         Gem. Clementine            Gem. Amadena,
 T1831.      ~Louis Napolon~)    v. Belgien.                Hz. v. Aosta,
             als Kaiser                                      T1890 (Knig v.
             ~Napolon III.~, Gem. Eugenie Montijo,          Spanien
             1852-1870. T1873.     Grfin v. Teba.           1870-1873).
                  |____________________|
                        |
                   Napoleon (Prince-Imprial),
                   T1879.

Napoleons Plne zur Vernichtung Englands (die Flotte in +Brest+ soll
die Landung des Heeres in England decken, die Geschwader in +Toulon+
und +Rochefort+ die englische Flotte nach Westindien locken) werden
vereitelt durch +Nelsons+ energische Maregeln und durch den

[~1805.~]

~Dritten Koalitionskrieg.~

+England, Ruland, sterreich+ und +Schweden+ (+Gustav IV+., 1792-1809)
einigen sich zur Herstellung des europischen Gleichgewichts. +Spanien+
mit Frankreich verbndet.

Das Lager bei +Boulogne+ wird aufgehoben. Die franzsischen Heere
rcken unter +Davout, Soult, Lannes, Ney+ nach dem Rhein zu gegen
sterreich, +Napoleon+ vereingt seine Truppen (200000 Mann) an der
oberen Donau. +Bernadotte+, von Hannover kommend, marschiert durch das
neutrale ansbachische Gebiet Preuens. ~Bayern, Wrttemberg, Baden~
verstrken Napoleons Heer. Nach mehreren unglcklichen Treffen wird der
sterreichische General

[~1805.~ Okt.]

~Mack~ in ~Ulm~ mit 25000 Mann zur Ergebung gentigt und kriegsgefangen.

Der Seekrieg (seit 1803) von England glnzend beendet durch

[21. Okt.]

~Nelsons Seesieg bei Trafalgar~ unweit Cadiz ber die franzsische und
spanische Flotte, welche auf Napoleons bestimmten Befehl aus Cadiz
ausgelaufen war. +Nelson+ T (England expects every man to do his
duty).

Die Franzosen marschieren auf ~Wien~, das Napoleons Schwager +Murat+
ohne Widerstand einnimmt. Erzherzog +Karl,+ der in Italien mit
+Massna+ gekmpft hat, zieht sich ber die Ostalpen zurck; ein
russisches Heer unter +Kutusow+, ein zweites unter +Kaiser Alexander+
rckt heran.

[3. Nov.]

Bndnis Alexanders mit Friedrich Wilhelm III. zu +Potsdam+ (am Sarge
Friedrichs d. Gr.).

[2. Dez.]

~Drei-Kaiser-Schlacht bei Austerlitz~ (in Mhren). +Napoleon+ siegt
ber die vereinigten +Russen+ und +sterreicher+, ehe Erzherzog Karl
angekommen ist. Waffenstillstand mit sterreich, Rckzug der Russen.

[15. Dez.]

Vertrag +Preuens+, das soeben noch bereit war, der Koalition
beizutreten, mit +Napoleon+ zu +Schnbrunn+ (Gesandter Graf Haugwitz).
Preuen tritt an Frankreich den rechtsrheinischen Rest von +Cleve+
(+Wesel+) und +Neuchtel,+ an Bayern, das +Berg+ an Frankreich
berlt, +Ansbach+ ab, erhlt dafr (das den Englndern erst
abzuringende) +Hannover,+ schliet mit Frankreich ein Schutz- und
Trutzbndnis.

[26. Dez.]

~Friede zu Preburg~: 1. sterreich tritt +Venedig+ nebst Gebiet (S.
316) an das Knigreich +Italien+ ab, als dessen Knig es ~Napoleon~
anerkennt. 2. sterreich tritt an ~Bayern~ ab: +Tirol,+ +Vorarlberg,+
+Burgau,+ +Lindau,+ ferner die Bistmer +Brixen, Trient, Eichstdt,
Passau+; auerdem erhlt Bayern die freie Stadt +Augsburg+. 3. Von
sterreich erhalten ~Wrttemberg~ und ~Baden~ die noch brigen
vordersterreichischen Besitzungen in Oberschwaben, den Breisgau, die
Stadt +Konstanz+ u.a., dazu kommen die Gebiete des Deutschen Ordens
und der Johanniter (Malteser) in Sddeutschland (Mergentheim, s. S.
179). 4. Bayern und Wrttemberg werden als ~Knigreiche~ anerkannt. 5.
sterreich erhlt als Entschdigung: +Salzburg, Berchtesgaden+ und die
Gter des +Deutschen Ordens+; der Kurfrst von +Salzburg+ bekommt von
Bayern +Wrzburg+ als Entschdigung. ~Ruland~ bleibt im Kriegsstande,
ebenso England und Schweden.

[~1805.~ Dez.]

Das Haus Bourbon in +Neapel+ (S. 305) wird durch eine Verfgung
Napoleons aus Schnbrunn (+La dynastie de Naples a cess de rgner+)
entthront. Von Paris aus verfgt er weiter ber die unterworfenen
Lnder.

[~1806.~]

~Joseph~, Napoleons lterer Bruder, wird Knig von Neapel. Der Hof von
Neapel zieht sich nach +Palermo+ zurck. Sicilien ist fr Napoleon
unerreichbar, da die Englnder das Meer beherrschen.

~Joachim Murat,~ Schwager Napoleons, wird Groherzog von +Berg+ (bisher
zu Bayern gehrig, S. 289, 323). Marschall ~Berthier~ wird Frst von
+Neuchtel+. ~Louis~ Bonaparte, Napoleons dritter Bruder, Gemahl seiner
Stieftochter +Hortense Beauharnais,+ wird Knig von ~Holland~ (frhere
Batavische Republik). Seine Schwestern +Elise+ und +Pauline+ erhalten
die Frstentmer +Piombino+ (mit +Lucca+ und +Carrara+) und +Guastalla+.

[Juli.]

~Errichtung des Rheinbundes~ (s. S. 266).

Napoleon ~Protektor.~ Der bisherige Kurerzkanzler des Reiches +Frst
Primas+ des Rheinbundes, die Knige vor +Bayern+ und +Wrttemberg+,
Groherzge von +Baden, Hessen Darmstadt+ und +Berg+, Herzog von
+Nassau+ u.a. treten bei. Die andern regierenden deutschen Frsten
schlieen sich nach und nach an mit Ausnahme derer von +sterreich,
Preuen, Braunschweig+ und +Kurhessen+.

Viele bis jetzt reichsunmittelbare Frsten (Frstenberg, ttingen,
Hohenlohe, Thurn und Taxis, Leiningen, Solms, Sayn-Wittgenstein
u.a.), Grafen (Castell, Erbach, Stolberg, Metternich u.a.) und
Ritter (Reichsfreiherr vom +Stein+) werden als +Mediatisierte+ den
Rheinbundfrsten untertan; die bisherige Reichsstadt +Nrnberg+ kommt
an Bayern, +Frankfurt+ an den Frsten Primas +Dalberg+ (+Groherzog von
Frankfurt+). Der Rheinbund hat dem franzsischen Kaiserreich 63000 Mann
Truppen zu stellen.

Kaiser +Franz+, der schon 1804 den Titel ~Kaiser von sterreich~
angenommen hatte, legt (6. Aug.) die deutsche Kaiserwrde nieder. ~Ende
des alten Deutschen Reiches~.

[~1806-1807.~]

~Krieg Frankreichs gegen Preuen und Ruland.~

+Grnde der preuischen Kriegserklrung+: Errichtung des Rheinbundes,
Wegnahme von +Essen+ und +Werden+ durch den Groh. von Berg; Anerbieten
Napoleons an England, Preuen das ihm soeben aufgedrngte Land
+Hannover+ wieder abzunehmen, whrend er Preuen zur Bildung eines
+norddeutschen Bundes+ auffordert (den betreffenden Frsten aber
heimlich abrt).

Gefahrvolle Lage Preuens beim Ausbruch des Krieges. Das Heerwesen
veraltet (Kanton- und Werbesystem), die Leitung unentschlossen. Keine
Bundesgenossen auer +Kursachsen, Weimar+ (Herzog +Karl August+),
+Oldenburg, Mecklenburg+ und dem fernen +Ruland+; dazu Entzweiung mit
England wegen Hannover.

[~1806.~ Sept.]

Zusammenziehung des preuischen Heeres in Thringen unter Anfhrung des
+Herzogs von Braunschweig+ (S. 313).

[10. Okt.]

Die Vorhut der Preuen bei ~Saalfeld~ geschlagen, Prinz +Louis
Ferdinand+, Neffe Friedrichs des Groen (geb. 1772), fllt. Das
Hauptheer wird in der

[14. Okt.]

~Doppelschlacht bei Jena und Auerstdt~ vollstndig besiegt. Bei +Jena+
kmpft Napoleon selbst gegen den Heeresteil des Frsten Hohenlohe,
bei +Auerstdt+ Marschall Davout gegen den Herzog von Braunschweig
und Knig Friedrich Wilhelm III. Rckzug des geschlagenen Heeres
ber Magdeburg; die Festung +Erfurt+ ergibt sich am 16. Oktober. Die
Reservearmee unter Prinz Eugen von Wrttemberg wird am 17. Oktober
bei +Halle+ von Bernadotte geschlagen. +Spandau+ ergibt sich am 25.
Oktober, am 27. zieht Napoleon in ~Berlin~ ein. Friedrich Wilhelm III.
flchtet mit der kniglichen Familie ber Kstrin und Graudenz nach
Knigsberg.

Hohenlohe kapituliert mit 10000 Mann bei +Prenzlau+ (28. Okt.).
+Blcher+[53] schlgt sich mit 18000 Mann durch bis +Lbeck+, wird
dort von franzsischer bermacht besiegt (6. Nov.) und ergibt sich
mit dem Rest seiner Truppen (9400 Mann) bei +Ratekau+ (7. Nov.). Sehr
bald ergeben sich die Festungen +Stettin+, +Kstrin+, +Magdeburg+,
+Hameln+; dagegen ~Kolberg~ (+Gneisenau+, +Schill+, +Nettelbeck+) und
~Graudenz~ (+Courbire+) halten sich tapfer bis zum Frieden.

Ganz Norddeutschland von den Franzosen besetzt. Der bei Auerstdt
schwer verwundete Herzog von Braunschweig stirbt als Flchtling (10.
Nov.) zu Ottensen bei Hamburg.

[21. Nov.]

Von Berlin aus verfgt Napoleon die ~Kontinentalsperre~ gegen England.
Einmarsch der Franzosen, Bayern und Wrttemberger in +Schlesien+, wo
nur die Festungen +Kosel+ und +Glatz+ sich behaupten.

[Dez.]

Napoleon schliet in +Posen+ Frieden und Bndnis mit dem Kurfrsten
+Friedrich August III.+ von ~Sachsen~, welcher als Knig dem Rheinbunde
beitritt. Inzwischen sind zwei +russische Heere+ herangekommen; blutige
Gefechte bei +Pultusk+ zwischen Russen und Franzosen. Letztere beziehen
Winterquartiere an der Weichsel (Napoleon 2. Jan. in Warschau), dringen
dann nach Ostpreuen vor.

[~1807.~ 7. u. 8. Febr.]

~Schlacht bei Preuisch-Eylau.~ Der mrderische Kampf bleibt
unentschieden, doch schlagen die Preuen (unter +L'Estocq+ und
+Scharnhorst+) den rechten Flgel der Franzosen zurck. Abermals
Winterquartiere. Knig +Friedrich Wilhelm III.+ geht mit seiner
Gemahlin +Luise+, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz (geb. 1776) und
seinen Kindern nach +Memel+

[26. Mai.]

~Danzig~ nach tapferer Verteidigung (Gen. +v. Kalkreuth+) von den
Franzosen genommen. Nach mehreren unentschiedenen Treffen siegt
Napoleon in der

[14. Juni.]

~Schlacht bei Friedland~ ber die +Russen+. +Knigsberg+ und das Land
bis zum +Niemen+ von Napoleon besetzt. Waffenstillstand. Zusammenkunft
+Napoleons+, +Alexanders+ und +Friedrich Wilhelms III.+ auf dem
+Niemen+. Vergeblicher Versuch der Knigin Luise, Napoleon zu milden
Friedensbedingungen zu bewegen.

[7. u. 9. Juli.]

~Friede zu Tilsit. A. Ruland~ erkennt 1. das Herzogtum +Warschau+
(gebildet aus bisher preuischen Gebieten, S. 298) unter dem
Knige von Sachsen an. +Danzig+ wird freie Stadt, ein Teil von
+Neu-Ostpreuen+ (+Bialystock+) an Ruland abgetreten. 2. Ruland
erkennt +Joseph Bonaparte+ als Knig von Neapel, +Louis Bonaparte+
als Knig von Holland, +Jrme Bonaparte+ als Knig des neu zu
bildenden Knigreichs +Westfalen+, ferner den Rheinbund an. 3. Es
nimmt Napoleons Vermittelung zum Frieden mit den Trken an (1806
russische Kriegserklrung an die Trkei wegen Verletzung des Friedens
von +Jassy+, S. 297), +Napoleon+ dagegen die Vermittelung +Alexanders+
zum Frieden mit England. In einem +geheimen+ Artikel verpflichtet
sich Alexander, falls England den Frieden nicht annimmt, zu einem
Bndnis mit Frankreich gegen England ~B. Preuen~ tritt ab: a) zur
freien Verfgung Napoleons +alle Lnder zwischen Rhein und Elbe,+
b) an +Sachsen+ den Kottbuser Kreis, c) zur Bildung des Herzogtums
+Warschau+ alle nach 1772 von Polen gewonnenen Lnder, auch +Danzig+
und Gebiet. 2. Es erkennt die drei Brder Napoleons als Knige an. 3.
Alle preuischen Hfen sind bis zum Frieden mit England dem britischen
Handel verschlossen. -- ber die Rckgabe und Rumung der preuischen
Provinzen und Festungen bestimmt der +Vertrag zu Knigsberg+ (12.
Juli), da erst alle rckstndigen Kriegsentschdigungen von Preuen
abgetragen werden mssen.

Die Entschdigungen, nach preuischer Rechnung noch 19 Millionen
Franks, nach franzsischer 154, werden 1808 durch den +Vertrag zu
Paris+ auf 140 Millionen festgesetzt; auch wird bestimmt, da Preuen
nur ein Heer von 42 000 Mann halten drfe. Starke franzsische
Besatzungen bleiben in den Oderfestungen +Stettin, Kstrin, Glogau+;
das brige Land wird Ende 1808 gerumt. Bis dahin mu der von 5570 auf
2877 [square] Meilen verminderte preuische Staat 150000 Franzosen ernhren.

[1807. Aug.]

Grndung des ~Knigreichs Westfalen~ (Hauptstadt +Kassel+) durch
eine Verfgung Napoleons, der sich die Hlfte der Domnen vorbehlt.
+Hannover+ bleibt von den Franzosen besetzt, ebenso die Stdte +Danzig+
und +Erfurt+.

~Schweden~ unter +Gustav IV.+ (1792-1809) verharrt in Feindschaft gegen
Frankreich. +Stralsund+ und +Rgen+ werden von franzsischen Truppen
besetzt (1807, Aug.), +Finnland+ von russischen.

Gewalttat der Englnder gegen ~Dnemark~, das aufgefordert war, ein
Bndnis zu schlieen und seine Flotte den Englndern in Gewahrsam zu
geben. Eine englische Flotte beschiet (1807, Sept.) +Kopenhagen+ und
fhrt die dnische Flotte weg. Die Insel +Helgoland+ wird englische
Seestation. Bndnis +Dnemarks+ mit Frankreich; +Ruland+ erklrt den
Krieg an England.

~Portugal~, welches, mit England verbndet, dem Kontinentalsystem
nicht beitreten will, wird von einem franzsischen Heere unter +Junot+
besetzt (1807, Nov.). Die knigliche Familie flieht nach Brasilien.

In ~Spanien~ rcken unter dem Vorwande, die Ksten gegen die Englnder
zu schtzen, 80000 Franzosen ein. Knig +Karl IV.+ dankt infolge eines
gegen seinen Gnstling +Godoy+ (S. 315) ausgebrochenen Aufstandes zu
Gunsten seines Sohnes +Ferdinand VII.+ ab (1808, Mrz). Vater und Sohn
geraten in Streit, werden von Napoleon nach +Bayonne+ gelockt und
gezwungen, dem Throne zu entsagen (Mai). Napoleon ernennt seinen Bruder
~Joseph~ zum Knig von Spanien; an Josephs Stelle wird Murat Knig von
Neapel. +Etrurien+ (S. 319) mit Frankreich vereinigt.

Allgemeiner ~Aufstand der Spanier~; der franzsische General Dupont
wird bei +Baylen+ (in der Sierra Morena) mit 20000 Mann gefangen
(1808, Juli). Die Englnder unter +Wellesley+ (geb. 1769, anfangs in
hollndischen Diensten, dann 1796-1805 Offizier in Ostindien, T 1852)
landen in Portugal und zwingen Junot bei +Cintra+ zur Ergebung (Aug.);
er wird mit 21000 Mann auf englischen Schiffen nach Frankreich gebracht.

[~1808-1814.~]

~Krieg Napoleons in Spanien und Portugal.~

Napoleon, seit dem ~Frstentag zu Erfurt~ (1808, Okt.), wo ihm 4
+Knige+ und 34 +Frsten+ und Prinzen aus Deutschland ihre Huldigungen
darbringen, enger mit +Kaiser Alexander+ verbndet, eilt selbst mit
150000 Mann nach Spanien, rckt bis +Madrid+ vor, vertreibt (mit
+Soult+) die Englnder aus Spanien, kehrt dann nach Paris zurck
(1809, Jan.). Fortdauernder Volkskrieg (Guerilla) der Spanier, von den
Englndern untersttzt. Die Festung +Saragossa+ wird nach heldenmtiger
Verteidigung (General +Palafox+) im Februar 1809 von den Franzosen
erobert. General +Wellesley+ ntigt den Marschall Soult zum Abzug aus
+Oporto+, wird nach dem Siege ber +Joseph+ bei +Talavera+ (1809, Juli)
zum ~Lord Wellington~ erhoben und leitet die fernere Kriegfhrung in
Spanien mit Ausdauer und Umsicht (S. 331, 337 ff.).

[~1807-1811.~]

~Neubau des preuischen Staates.~

Knig Friedrich Wilhelm III. beruft den Freiherrn ~vom Stein~[54] als
leitenden Minister nach Knigsberg. +Aufhebung der Erbuntertnigkeit+
1807 (9. Okt.), +Stdteordnung+ 1808 (19. Nov.). Vereinfachung der
Ministerien und Verwaltungbehrden. Auf Verlangen Napoleons Stein
entlassen Nov. 1808; dann durch ein Dekret Napoleons aus Madrid
gechtet flieht er nach sterreich. Sein Nachfolger ~v. Hardenberg~[55]
ordnet die Steuern, fhrt +Gewerbefreiheit+ ein. Gleichzeitig
+Neuordnung des Heeres+ auf Grund der ~allgemeinen Wehrpflicht~ (1814
gesetzlich eingefhrt) durch ~Scharnhorst~.[56] Seine Mitarbeiter +v.
Gneisenau+, +v. Grolmann+, +v. Boyen+, +v. Clausewitz+ u.a.

In +Berlin+ hlt +Fichte+, whrend noch franzsische Besatzung dort
liegt, seine Reden an die deutsche Nation. Friedrich Wilhelm III.
kehrt Ende 1809 von Knigsberg nach Berlin zurck. ~1810~, am ~19.
Juli~, Tod der edlen Knigin +Luise+ in Hohenzieritz. Errichtung der
+Berliner Universitt+ (W. v. Humboldt, Fichte, Niebuhr, Savigny,
Schleiermacher). 1811 erffnet +F. L. Jahn+ den ersten +Turnplatz+ in
der Hasenheide bei Berlin.

Die Befreiung Deutschlands und Europas von dem franzsischen Joche
wird vorbereitet. (+E. M. Arndts+ Schrift: Geist der Zeit, die
Lieder +Th. Krners+, +Fr. Rckerts+ [Geharnischte Sonette], +M. v.
Schenkendorfs+.) Vergebens versucht sterreich (leitender Minister seit
1805 Graf +Stadion+) allein diese Befreiung, als Napoleon durch den
Kampf in Spanien gehemmt zu sein scheint.

[~1809.~]

~Krieg gegen sterreich.~

Erzherzog +Karl+, als Befehlshaber des nach +Bayern+, Erzherzog
+Johann+ an der Spitze des nach +Italien+ vorrckenden sterreichischen
Heeres, fordern die deutschen Vlker auf zur Teilnahme an dem Kampfe
gegen die franzsische Herrschaft. Nur +Tirol+ erhebt sich (+Andreas
Hofer+, +Speckbacher+, +Haspinger+).

Napoleon greift, namentlich mit ~deutschen~ Truppen, den Erzherzog
+Karl+ in Bayern an, drngt ihn nach

[April.]

fnftgigen Gefechten bei +Abensberg+, +Landshut+, +Eckmhl+ und
+Regensburg+ ber die Donau nach

[13. Mai.]

Bhmen und besetzt ~Wien~ zum zweitenmal. Sein Versuch, von der Insel
+Lobau+ aus das linke Donauufer zu besetzen, wird vereitelt durch die
blutige

[21. u. 22. Mai]

~Schlacht bei Aspern und Eling~. Napoleon zum erstenmal +geschlagen+
von Erzherzog +Karl+. Er mu ber die Donau zurckweichen (+Massna+),
behauptet aber Wien und vereinigt sich mit dem Vizeknig +Eugen+,
welcher den Erzherzog +Johann+ aus Ober-Italien nach Ungarn verfolgt
und bei +Raab+ besiegt hatte. Mit 180000 Mann geht Napoleon wieder ber
die Donau, schlgt den Erzherzog +Karl+ in der mrderischen

[5. u. 6. Juli.]

~Schlacht bei Wagram~ und verfolgt ihn nach Mhren. Waffenstillstand
zu +Znaim+. An die Stelle des Grafen +Stadion+ tritt +Metternich+ als
leitender Minister sterreichs.

[~14. Okt.~]

~Friede zu Wien (Schnbrunn)~: sterreich tritt ein Gebiet von 110000
qkm (2000 [square] Meilen) ab: +Salzburg+ und das +Innviertel+ an +Bayern+,
+Westgalizien+ an das Herzogtum Warschau, einen Teil +Ostgaliziens+ an
Ruland, die +Lnder jenseits der Sau+ nebst +Istrien+ und +Dalmatien+
an Napoleon, der daraus einen neuen +Staat der illyrischen Provinzen+
bildet.

Die +Tiroler+, welche dreimal die Feinde aus +Innsbruck+ vertrieben
hatten (Kmpfe am Berge Isel), kmpfen tapfer weiter, unterliegen aber
der bermacht (Nov.). ~Hofer~ wird verraten und (1810, Febr.) von
den Franzosen ~in Mantua erschossen~. Tirol bleibt unter bayrischer
Herrschaft; +Sd-Tirol+ kommt an das +Knigreich Italien+.

[~1809.~ 28. April.]

Khner Zug des preuischen Majors ~v. Schill~, der mit seinem
Husarenregiment von +Berlin+ auszieht und die Deutschen zum
Freiheitskampf aufruft. Oberst +Drnberg+ will Jrmes Regierung in
Kassel strzen. Die Nachrichten von Napoleons ersten Siegen vereiteln
diese Unternehmung. Drnberg rettet sich nach Bhmen. Schill kmpft
bei +Dodendorf+ (unweit Magdeburg) gegen westflische Truppen, zieht
weiter nach +Dmitz+ (an der unteren Elbe), fllt tapfer kmpfend
in +Stralsund+ (31. Mai). 11 seiner Offiziere werden in +Wesel+
kriegsrechtlich erschossen, die gefangenen Soldaten auf Napoleons
Befehl zur Zwangsarbeit verurteilt und nach Frankreich geschleppt.

Rachezug +des Herzogs+ ~Friedrich Wilhelm von Braunschweig~ gegen
die Ruber seines Landes. Er sammelt eine Freischar in Schlesien
und Bhmen, zieht durch Sachsen, erstrmt Halberstadt, zieht in
Braunschweig ein (31. Juli), mu aber alsbald vor der feindlichen
bermacht weichen, kmpft tapfer bei +Oelper+, erreicht die +Weser+ bei
Elsfleth (unterhalb Bremen), fhrt seine schwarze Schar zu Schiffe
nach England. Der Herzog und die meisten seiner Getreuen treten dann in
die englisch-deutsche Legion, welche in Spanien kmpft.

[Mrz.]

Knig +Gustav IV.+ von ~Schweden~, erbitterter Feind der Revolution
und Napoleons, seit 1808 in unglcklichem Kriege mit +Ruland+, wird
durch einen Militraufstand zur Abdankung gezwungen. Sein Oheim +Karl
XIII.+ bernimmt die Regierung, schliet Frieden mit Ruland, indem
er +Finnland+ abtritt (S. 277, 327), adoptiert 1810 den franzsischen
Marschall +Bernadotte+ als Thronfolger.

[Mai.]

~Der Kirchenstaat mit Frankreich vereinigt~ durch Dekret Napoleons
von Schnbrunn, weil Papst Pius VII. (S. 319f.) die Forderung, seine
Hfen den Englndern zu verschlieen, standhaft ablehnt. Er spricht
den Bann aus, wird verhaftet und nach Grenoble, von da nach +Savona+
(bei Genua) gefhrt. Dort lebt er als Gefangener, whrend Napoleon
ein Konzil der Bischfe seines Reichs nach Paris beruft (1811). In
+Fontainebleau+ unterzeichnet Pius (1813, Jan.) ein +Konkordat,+
widerruft es aber bald und wird nach +Savona+ zurckgebracht, wo er bis
zu Napoleons Sturz 1814 verbleibt.

[~1810.~ April]

~Napoleon,~ von +Josephine Beauharnais+ (T 1814) geschieden, heiratet
+Marie Luise,+ die Tochter des Kaisers +Franz I.+ von sterreich.

[Juli.]

Abdankung und Flucht des Knigs +Louis Bonaparte+ von Holland, der sein
Land nicht durch die Kontinentalsperre zugrunde richten will. +Holland+
dem franzsischen Kaiserreich +einverleibt+, ebenso bald darauf der
Kanton +Wallis+.

[Dez.]

Das nrdliche +Hannover, Oldenburg,+ die +Hansestdte+ dem
franzsischen Kaiserreich +einverleibt+ zur strengeren Durchfhrung der
Kontinentalsperre.

In ~Spanien~ dringen die Marschlle Soult, Viktor, Mortier nach
+Andalusien+ vor; vergebliche Belagerung von +Cadiz+, wo die
spanischen Cortes (Landstnde) zusammentreten und eine +neue
Verfassung+ beschlieen (vollendet 1812). +Wellington+ zieht sich auf
die befestigten Hhen von +Torres Vedras+ zwischen dem Tejo und der
portugiesischen Kste zurck, von wo er 1811 gegen +Massna+ siegreich
vordringt.

[~1811.~ Mrz.]

Geburt eines Sohnes Napoleons, dem der Titel ~Knig von Rom~ verliehen
wird (T 1832).

Napoleon I. auf dem Gipfel seiner Macht.

Im Seekriege mit England hat Frankreich (und Holland) nur Verluste.
Die Englnder erobern 1806 das +Kapland+, 1809 +Cayenne, Martinique,
Senegal, San Domingo,+ 1810 +Guadeloupe, Isle Bourbon, Isle de France+,
1811 +Java+.

Die Vereinigten Staaten, am Handel mit Frankreich durch die englische
Flotte gehindert, beginnen 1812 Krieg gegen England, werden aber 1814
durch Besetzung der Hauptstadt Washington zum Frieden gentigt (S. 302).


 4. Sturz des ersten franzsischen Kaiserreichs.

[~1812.~]

~Krieg Frankreichs gegen Ruland.~

Die Weigerung Rulands, das +Kontinentalsystem,+ welches Napoleon
selbst durch kufliche +Lizenzen+ umging, streng durchzufhren,
erregt den Unwillen des Gewalthabers. Die Vergrerung des Herzogtums
+Warschau+ durch Westgalizien (S. 330) erfllt den Kaiser Alexander
mit Besorgnis vor einer Wiederherstellung Polens; die Absetzung des
Herzogs von +Oldenburg+, seines nahen Verwandten, (S. 293) wird von
ihm als schwere Beleidigung empfunden.

Bndnis Napoleons mit +Preuen+, welches 20000 Mann, und mit
+sterreich+, welches 30000 Mann zu dem russischen Zuge stellen mu.
Schweden (+Bernadotte+) benutzt die Gelegenheit, um sich von der
franzsischen Abhngigkeit zu befreien und durch ein Bndnis mit
Ruland sich +Norwegen+ als Ersatz fr Finnland zu sichern. +England+
und die +Trkei+ schlieen Frieden mit Ruland; die Trkei tritt im
Frieden von +Bukarest+ das Land zwischen Dnjestr und +Pruth+ an Ruland
ab.

[~1812.~ Mai.]

Napoleon wird in +Dresden+ von Kaiser Franz I., Knig Friedrich Wilhelm
III. und den Rheinbundfrsten begrt, reist von da ber Posen und
Thorn nach +Knigsberg+ zu seiner Armee, deren Durchzug Preuen schwer
belastet. +Berlin+ hat wiederum franzsische Besatzung.

Die +groe Armee+ (ber 600000 Mann) vereinigt Franzosen, Deutsche,
Italiener, Schweizer, Niederlnder, Polen. Beim Vormarsch bilden die
+sterreicher+ unter +Schwarzenberg+, zusammen mit Franzosen und
Sachsen unter +Reynier+, den +rechten+ Flgel, welcher nach Wolhynien
vorrckt; die +Preuen+ unter +York+ gehren dem +linken+ Flgel an,
welcher unter +Macdonalds+ Oberbefehl nach Livland zieht, um Riga
zu belagern. Das +Hauptheer+ berschreitet Ende Juni den Niemen;
Napoleon verweilt 18 Tage in +Wilna+; die Hoffnung der +Polen+ auf
Wiederherstellung ihres Staates verwirklicht sich nicht.

Die +Russen+ (260000 Mann in 3 Heeren) weichen kmpfend zurck.
Ihre Hauptmacht unter +Barclay de Tolly+ kmpft am 17. August bei
~Smolensk~; die brennende Stadt wird den Franzosen (18. Aug.)
berlassen. Unter +Kutusows+ Oberbefehl

[7. Sept.]

~Schlacht bei Borodin~ an der Moskwa: beide Teile erleiden ungeheuere
Verluste. Rckzug der Russen in guter Ordnung bis hinter +Moskau+. Das
franzsische Hauptheer, auf 100000 Mann zusammengeschmolzen, besetzt
die von den Einwohnern verlassene Stadt. Napoleon im +Kreml+.

[15.-20. Sept.]

~Brand von Moskau~ (der Gouverneur +Rostopschin+). Plnderung der Stadt
unter Schutt und Trmmern; der Kreml wird gegen das Feuer geschtzt.
Kaiser +Alexander+ lehnt auf +Steins+ Rat Friedensantrge Napoleons ab.
Nach +fnfwchigem+ Aufenthalt in Moskau

[19. Okt.]

~Rckzug aus Ruland~, von ~Napoleon~ erst nach Sdwesten, dann in der
Richtung auf +Smolensk+ angetreten, beunruhigt durch das russische
Hauptheer unter +Kutusow+ und zahllose Kosakenschwrme.

[6. Nov.]

~Eintreten der Klte.~ Furchtbares Elend durch Hunger und Frost.
Fortwhrende Gefechte, namentlich bei +Krasnoi+ (Ney) und +Borissow+
(Oudinot).

[~1812.~ 26.-28. Nov.]

Schrecklicher ~bergang ber die Beresina~.

Brckenbau bei Studienka; +Ney+ und +Oudinot+ wehren am 28. die
andringenden Russen auf dem rechten Ufer ab, +Viktor+ auf dem linken,
doch fallen Tausende von Nachzglern den Russen in die Hnde. Von da ab
vllige Auflsung des Heeres bei erneuter Klte; Napoleon verlt das
Heer (5. Dez.) und eilt nach +Paris+. +Murat+, dann +Eugen Beauharnais+
leiten den Rckzug.

[30. Dez.]

~York~ schliet zu ~Tauroggen~ (nahe der preuischen Grenze) einen
Neutralittsvertrag mit dem russischen General +Diebitsch+.

Schwarzenberg fhrt sein Heer fast ohne Verluste nach Galizien zurck
(Febr. 1813).

[~1813 und 1814.~]

~Der deutsche Befreiungskrieg.~

[~1813.~ 3. Febr.]

Knig ~Friedrich Wilhelm III.~ erlt in +Breslau+ einen Aufruf zur
Bildung freiwilliger Jger-Abteilungen. Begeisterte Erhebung in
Preuen. Mnner und Jnglinge jedes Standes eilen zu den Waffen.

[7. Febr.]

Der ostpreuische Landtag zu +Knigsberg+ beschliet Ausrstung von
30000 Mann Linie und Landwehr.

[28. Febr.]

Bndnis zu ~Kalisch~ zwischen +Ruland+ und +Preuen+. Das
russisch-preuische Hauptheer sammelt sich in +Schlesien+.

Die Franzosen rumen +Berlin+ und +Hamburg+. Die Herzge von
+Mecklenburg+ sagen sich vom Rheinbund los. +Tettenborn+ mit den
Kosaken zieht als Befreier in Hamburg ein (18. Mrz).

[17. Mrz.]

~Aufrufe Friedrich Wilhelms III.~ ~An mein Volk~ und ~An mein
Kriegsheer~; Verordnung zur Errichtung der Landwehr und des
Landsturmes. ~Eisernes Kreuz~ gestiftet.

[27. Mrz.]

+Dresden+ wird nach Abzug des Marschall +Davout+ durch +Russen+ und
+Preuen+ unter +Wittgenstein+ und +Blcher+ besetzt. Flucht des Knigs
von Sachsen.

[2. April.]

Gefecht bei +Lneburg+ (+Johanna Stegen+). Der franzsische General
+Morand+ mit 2000 Mann von Russen und Preuen gefangen. Die Erhebung in
+Bremen+ wird von General +Vandamme+ unterdrckt.

[5. April.]

Gefecht bei +Mckern+ (stlich von Magdeburg). +Eugen Beauharnais+,
(S. 329) von Preuen (unter York, Blow und Borstell) und Russen
geschlagen, zieht sich auf das linke Elbufer zurck. Franzsische
Besatzungen behaupten sich in Magdeburg, Stettin, Kstrin, Glogau,
Danzig, Modlin, Zamosc.

Napoleon fhrt ein neugebildetes Heer (120000 Mann) ber den Rhein,
zieht die Truppen der Rheinbundfrsten an sich, berschreitet den
Thringer Wald, wird beim Vorrcken nach Sachsen von den Russen und
Preuen (85000 Mann) angegriffen.

[~1813.~ 2. Mai.]

~Schlacht bei Gro-Grschen oder Ltzen.~ Der Sieg bleibt trotz
grerer Verluste den Franzosen. Die Verbndeten ziehen sich ber
+Dresden+ nach der +Lausitz+ zurck. +Scharnhorst+, in der Schlacht
verwundet, stirbt in +Prag+ (28. Juni).

Napoleon zieht in +Dresden+ ein, fhrt den aus Prag zurckgekehrten
Knig von Sachsen dorthin zurck.

[18. Mai.]

+Schwedische+ Truppen unter Fhrung des +Kronprinzen+ (Bernadotte)
landen in Pommern.

[20. u. 21. Mai.]

~Schlacht bei Bautzen.~ Napoleon erzwingt den bergang ber die Spree
und siegt mit groen Verlusten. Die Verbndeten ziehen sich nach
~Schlesien~ zurck. Blchers Reitergefecht bei +Haynau+ (26. Mai).

[30. Mai.]

+Hamburg+ nach Abzug der Russen von +Davout+ besetzt und furchtbar
gebrandschatzt.

[4. Juni.]

~Waffenstillstand~ zu +Poischwitz+ (bei Striegau) auf sechs Wochen,
verlngert bis zum 10. August. Beide Teile erschpft, erwarten
Verstrkung und bewerben sich um +sterreichs+ Bundesgenossenschaft.

[14. u. 15. Juni.]

Subsidienvertrge +Englands+ mit +Preuen+ und +Ruland+ zu
+Reichenbach+.

[17. Juni.]

Franzosen und Rheinbundtruppen berfallen die Reiterei der +Ltzowschen
Freischar+ bei +Kitzen+ (unweit Ltzen).

Verhandlungen zu ~Prag~. sterreich bernimmt die Vermittelung;
Napoleon geht auf +Metternichs+ Bedingungen (Auflsung des Herzogtums
Warschau, Rckgabe der illyrischen Provinzen an sterreich, Rumung der
preuischen Festungen, der Hansestdte und Oldenburgs) nicht ein.

[12. Aug.]

~sterreich erklrt den Krieg an Frankreich.~ Die Verbndeten, durch
englische Hilfsgelder untersttzt, stellen ~drei Heere~ auf:

1. Das ~Bhmische~ oder ~Hauptheer~ unter Frst ~Schwarzenberg~: 123000
sterreicher, 75000 Russen unter +Wittgenstein+, 49000 Preuen unter
+Kleist+. Beim Heere befinden sich die drei verbndeten Monarchen
~Alexander~, ~Franz~, ~Friedrich Wilhelm~.

2. Das ~Schlesische Heer~ unter ~Blcher~: 38000 Preuen unter +York+,
61000 Russen unter +Sacken+ und +Langeron+; +Gneisenau+ Chef des
Generalstabes.

3. Das Nordheer unter dem Kronprinzen +Karl Johann+ von Schweden
(~Bernadotte~): 75000 Preuen unter +Blow+ und +Tauenzien+, 30000
Russen unter +Winzingerode+, 20000 Schweden, 27000 Mann gemischte
Truppen (russisch-deutsche Legion, Kosaken, Hannoveraner,
Mecklenburger, Hanseatische Legion, Ltzowsche Freischar) unter
+Wallmoden+.

~Im ganzen~ 485000 gegen 440000 Franzosen und Rheinbundtruppen.

~Napoleon~ beginnt die Feindseligkeiten mit einem Angriff auf
+Blcher+, der hinter die Katzbach zurckgeht. Indessen rckt
+Schwarzenberg+ aus Bhmen gegen Dresden vor. +Napoleon+ eilt dorthin
und lt +Macdonald+ gegen +Blcher zurck+. Ehe es auf diesen beiden
Punkten zur Schlacht kommt, wird +Oudinot+, dessen Angriff auf Berlin
durch +Davout+ von Hamburg aus untersttzt werden sollte, in der

[~1813.~ 23. Aug.]

~Schlacht bei Grobeeren~ von +Blow+ geschlagen, whrend der Kronprinz
von Schweden unttig zusieht, +Berlin+ wird durch diesen Sieg vor
Einnahme und Plnderung gerettet.

Davout kehrt nach einigen Gefechten gegen die Truppen des Generals
+Wallmoden+ (+Th. Krner+ T 26. Aug. bei +Gadebusch+) nach Hamburg
zurck. Ein von Magdeburg gegen Berlin heranziehendes Korps von 9000
Mann wird bei +Hagelberg+ 27. August von der kurmrkischen Landwehr
vernichtet.

[26. Aug.]

~Schlacht an der Katzbach~. Macdonald, der mit 80000 Mann in Schlesien
vorrckt, wird von den Preuen und Russen unter +Blcher+ (spter zum
Frsten von +Wahlstatt+ ernannt) entscheidend geschlagen.

Indessen miglckt der Angriff der +Bhmischen Armee+ auf +Dresden+.
+Napoleon+ erkmpft in der

[26. u. 27. Aug.]

~Schlacht bei Dresden~ nochmals einen groen Sieg auf deutschem Boden.
Doch wird General +Vandamme+, welcher der Bhmischen Armee den Rckzug
abschneiden will, in der

[29. u. 30. Aug.]

~Schlacht bei Kulm und Nollendorf~, nicht weit von Teplitz, von Russen
und sterreichern geschlagen und durch das rechtzeitige Erscheinen
der Preuen in seinem Rcken (General +v. Kleist+) mit 10000 Mann zur
Ergebung gentigt.

[6. Sept.]

~Schlacht bei Dennewitz~ (unweit Jterbog).

Marschall Ney, welcher mit 70000 Mann Berlin besetzen soll, von +Blow+
und +Tauenzien+ geschlagen.

~Napoleon~ zieht nach +Bautzen+ gegen Blcher, der ihm ausweicht,
dann gegen die Bhmische Armee, die ihm bei +Nollendorf+ (17. Sept.)
erfolgreich Widerstand leistet, dann nochmals gegen Blcher (Gefecht
bei +Bischofswerda+). ~Blcher~ gibt dem Feldzug die entscheidende
Wendung durch seinen bergang ber die ~Elbe~.

[~1813.~ 3. Okt.]

Tapferer Kampf des Yorkschen Korps bei ~Wartenburg~ gegenber der
Einmndung der Schwarzen Elster. Auch die unter Bernadottes Fhrung
zgernde Nordarmee berschreitet nun die Elbe.

[8. Okt.]

+Vertrag zu Ried+ zwischen +sterreich+ und +Bayern+, welches sich vom
Rheinbunde lossagt und dem Bndnis gegen Napoleon beitritt. Dafr wird
dem Knig +Max Joseph+ von Bayern (1799-1825) die Erhaltung seines
durch Napoleon vergrerten Gebietes zugesichert.

Als die 3 Hauptheere der Verbndeten eine Vereinigung im Rcken
Napoleons versuchen, verlt dieser +Dresden+, zieht nach +Dben+
(an der Mulde) gegen +Blcher+, der ihm ausweicht, versammelt dann
seine Truppen bei +Leipzig+ gegen die inzwischen durch die Elbpsse
gedrungene Bhmische Armee. Reitergefecht bei +Libertwolkwitz+ (14.
Okt.).

[~16. 18. 19. Okt.~]

~Vlkerschlacht bei Leipzig.~

Am 16. Okt. unentschiedener Kampf Napoleons gegen die Bhmische Armee
(Schwarzenberg) bei ~Wachau~ (sdl. von Leipzig); Sieg +Blchers+ bei
~Mckern~ (nrdl. von Leipzig) ber Marmont.

Am 17. Stillstand des Kampfes; Napoleon schickt Friedensantrge
an Kaiser +Franz+, die jedoch wegen ihrer Unzulnglichkeit keine
Bercksichtigung finden. Gegen Abend Vereinigung der +vier+ Heere
der Verbndeten: die Nordarmee und die russische Reservearmee (unter
Bennigsen) schlieen den Kreis nrdlich, stlich und sdlich von
Leipzig (die Strae im Westen nach Lindenau nicht besetzt); 255000
gegen 160000 Mann.

Am 18. ~allgemeiner Angriff~ und nach neunstndigem Kampfe
~vollstndiger Sieg~ der Verbndeten. Kampf um +Probstheida+ sdlich,
+Schnfeld+ an der Parthe und +Paunsdorf+ stlich von Leipzig; bei
Paunsdorf gehen die meisten +Sachsen+ und +Wrttemberger+ zu den
Verbndeten ber.

Am 19. Erstrmung von +Leipzig+ und Gefangennehmung des Knigs von
Sachsen. Nach Verlust von mehr als 60000 Mann tritt das geschlagene
Heer Napoleons den Rckzug an. Voreilige Zerstrung der Elsterbrcke.
Viele Fliehende, unter ihnen der tapfere Frst +Poniatowski+, Neffe des
letzten polnischen Knigs, finden ihren Tod in der Elster.

Auf dem Rckzuge Kampf Napoleons an der +Unstrut+ gegen +Yorks+ Vorhut;
Sieg bei ~Hanau~ (30. und 31. Okt.) ber ein sterreichisch-bayrisches
Heer unter +Wrede+.

Unmittelbare Folgen der Schlacht bei Leipzig: Flucht des Knigs
+Jrme+ aus Kassel, Ende des Knigreichs +Westfalen+, der
Groherzogtmer +Frankfurt+ und +Berg+. Wiederherstellung der
alten Regierungen in +Hessen-Kassel+, +Braunschweig+, +Hannover+,
+Oldenburg+. Die Zentralverwaltung fr die in Deutschland eroberten
Lnder, unter dem Freiherrn +vom Stein+, sorgt in Sachsen, Frankfurt
und Berg fr die weiteren Rstungen.

[~1813. Nov.~]

Napoleon geht bei +Mainz+ ber den +Rhein+ zurck. ~Wrttemberg~,
~Hessen-Darmstadt~, ~Baden~ und die noch brigen Glieder des
Rheinbundes schlieen sich den Verbndeten an. Allmhlich werden
die von den Franzosen besetzten Festungen befreit: +Dresden+ (11.
Nov.), +Stettin+ (21. Nov.), +Lbeck+ (5. Dez.), +Zamosc+, +Modlin+,
+Torgau+ (26. Dez.), +Danzig+ (30. Dez.), +Wittenberg+ (12. Jan. 1814),
+Kstrin+ (7. Mrz).

In +Glogau+, +Magdeburg+, ~Hamburg~ (+Davout+), +Erfurt+, +Wrzburg+,
+Wesel+, +Mainz+ halten sich die franzsischen Besatzungen bis zum
Frieden.

Aufstand in ~Holland~ (Nov.), die franzsischen Behrden verjagt. Ein
Teil der +Nordarmee+ unter +Blow+ rckt in Holland ein, whrend der
+Kronprinz von Schweden in Holstein+ einfllt und in einem kurzen
Winterfeldzug ~Dnemark~ zum Verzicht auf +Norwegen+ zwingt (Friede zu
+Kiel+, Jan. 1814).

Aus ~Spanien~ werden die Franzosen, nachdem sie schon 1812 den Sden
des Landes und vorbergehend auch Madrid hatten aufgeben mssen,
whrend des Jahres ~1813~ fast ganz verdrngt. Entscheidender Sieg
+Wellingtons+ bei +Vittoria+ (21. Juni).

In Deutschland erfolgt, da Napoleon auf ein von Metternich gemachtes
Anerbieten, welches ihm die +Alpen-+ und +Rheingrenze+ verspricht,
nicht ernstlich eingeht, am

[1. Dez.]

der Beschlu, den Krieg energisch weiterzufhren und den Rhein zu
berschreiten. Das Hauptheer unter +Schwarzenberg+ geht Ende Dez. bei
+Basel+ ber den Rhein, um die Hochebene von +Langres+ zu erreichen,
das Schlesische Heer unter Blcher in der Neujahrsnacht 1814 bei
+Mannheim+, +Kaub+ und +Koblenz+.

[~1814.~]

~Feldzug in Frankreich.~

[29. Jan.]

Um die Vereinigung der verbndeten Heere zu verhindern, greift
+Napoleon+ bei ~Brienne~ +Blcher+ an, der sich zurckziehen mu, sich
aber dann mit Teilen des Hauptheeres (Kronprinz von Wrttemberg, Wrede)
vereinigt und den Kaiser in der

[1. Febr.]

~Schlacht bei La Rothire~ schlgt und ber die +Aube+ zurckdrngt.
Darauf wieder Trennung; das Hauptheer soll an der +Seine+, das
Schlesische an der +Marne+ entlang nach Paris vorrcken. Napoleon lt
40000 Mann gegen Schwarzenberg zurck, wirft sich mit 30000 auf die
getrennten Teile des +Schlesischen+ Heeres, schlgt

[10.-14. Febr.]

sie in +vier+ Treffen bei +Champaubert+, ~Montmirail~,
+Chteau-Thierry+ und +Vauchamps+ und zwingt +Blcher+ zum Rckzug ber
+Etoges+. Dann wendet

[~1814.~ 17. u. 18. Febr.]

er sich gegen die vorgeschobenen Teile des Hauptheeres und schlgt
sie bei +Nangis+ und ~Montereau~; Schwarzenberg ordnet den Rckzug
nach +Troyes+ an. Beide Heere der Verbndeten vereinigen sich wieder
auf kurze Zeit an der +Aube+. Mittlerweile waren Bevollmchtigte der
Verbndeten mit dem Gesandten Napoleons, +Caulaincourt+, zu einem

[5. Febr. bis 19. Mrz.]

~Kongre in Chtillon~ (an der Seine) zusammengetreten, auf dem man
Napoleon den Besitz +Frankreichs+ mit den Grenzen von 1792 zugestanden
htte; allein die Verhandlungen werden infolge seines bermtigen und
zweideutigen Benehmens abgebrochen.

Die beiden Heere trennen sich wieder. Das Hauptheer unter
+Schwarzenberg+ siegt in der

[27. Febr.]

~Schlacht bei Bar-sur-Aube~ ber +Oudinot+ und +Macdonald+, rckt aber
dann nur langsam vor.

Blcher dringt vor bis in die Nhe von +Meaux+ (an der Marne),
wendet sich dann nordwrts und vereinigt sich bei +Soissons+ mit dem
+Nordheer+ unter +Blow+ und +Winzingerode+, welches inzwischen Holland
und Belgien befreit hat. Die vereinigten Heere besiegen Napoleon in der

[9. u. 10. Mrz]

~Schlacht bei Laon~, doch ohne ihn vernichten zu knnen. Er zieht mit
30000 Mann gegen das +Hauptheer+, welches ihn in der

[20. u. 21. Mrz.]

~Schlacht bei Arcis-sur-Aube~ besiegt. Unterdes von der +spanischen+
Seite her gleichfalls siegreiches Vordringen +Wellingtons+ gegen
+Soult+. Besetzung von +Bordeaux+ (12. Mrz), wo die knigliche Fahne
der Bourbons zuerst aufgepflanzt wird.

+Napoleon+ fat den verwegenen Plan, sich den Verbndeten in den
Rcken, nach +Lothringen+, zu werfen, die Besatzungen der Festungen an
sich zu ziehen und die gesamte Bevlkerung zu den Waffen zu rufen. Die
Verbndeten senden ihm 8000 Reiter nach, die brigen Truppen, 170000
Mann, ziehen gegen +Paris+. Die Marschlle Marmont und Mortier werden
bei ~La Fre Champenoise~ (25. Mrz) zurckgeschlagen und ziehen sich
nach Paris zurck. Die Regentin +Marie Luise+ entflieht nach +Blois+.

[30. Mrz.]

~Schlacht bei Paris~, auf der Ostseite (Pantin, Vincennes), zuletzt
Erstrmung des Berges +Montmartre+ auf der Nordseite.

[31. Mrz.]

~Einzug der Verbndeten in Paris~, wo der Senat auf Veranstaltung
+Talleyrands+ den Kaiser und seine Familie des Thrones fr verlustig
erklrt. +Napoleon+ war, seiner Hauptstadt zu Hilfe eilend, wenige
Stunden zu spt gekommen. Da ihm zu einem verzweifelten Sturme
auf Paris die Marschlle den Gehorsam verweigern, entsagt er in
+Fontainebleau+ der Krone (6. und 11. April). Er erhlt von den
Verbndeten die Insel +Elba+ als Frstentum mit 2 Millionen Franks
Einknften aus Frankreich; 800 seiner alten Soldaten drfen ihn
begleiten. Seine Gemahlin erhlt das Herzogtum +Parma+; beide behalten
den kaiserlichen Titel.

[~1814.~ 10. April.]

~Wellington~ besiegt +Soult+ in der ~Schlacht bei Toulouse~.

[4. Mai.]

Ankunft +Napoleons+ auf +Elba+. Rckkehr der ~Bourbons~ nach
Frankreich. Ludwigs XVI. Bruder, der sich als Knig

[~1814-1824.~]

~Ludwig XVIII.~ nennt, erteilt dem Lande eine der englischen
nachgebildete, gemigte +Verfassung+ (Charte octroye: +Pairskammer+
und +Deputiertenkammer+) und schliet mit den Verbndeten den

[~1814.~ 30. Mai.]

~Ersten Frieden zu Paris~: 1. ~Frankreich~ nimmt im allgemeinen seine
Grenzen von 1792 wieder an (gegen 1790 Vermehrung um 8200 qkm [150 [square]
Meilen]: +Avignon+ und +Venaissin+, +Teile+ von Savoyen, Elsa und
Belgien). 2. +England+ gibt die franzsischen Kolonien zurck mit
Ausnahme von +Tabago+, +St. Lucie+ und +Isle de France+, behlt ferner
+Malta+ (S. 320f) und die frher hollndischen Kolonien +Kapland+ (S.
331) und +Ceylon+. 3. Die ~Verbndeten~ +verzichten auf alle Summen+,
welche sie als Entschdigung fr franzsische Erpressungen zu fordern
haben (!).

Nach dem Pariser Frieden kehrt Papst +Pius VII.+ nach +Rom+, der Knig
von Sardinien +Viktor Emanuel+ nach +Turin+, der Knig von Spanien
+Ferdinand VII.+ nach +Madrid+ zurck. In +Spanien+ beginnt, nachdem
der Knig die sehr freisinnige Verfassung der +Cortes+ vom Jahre 1812
verworfen hat, sofort ein grausamer Kampf der unumschrnkten Gewalt
gegen die liberale Partei. -- Pius VII. stellt den +Jesuitenorden+ (s.
S. 304) wieder her.

Besuch Kaiser +Alexanders+ und Knig +Friedrich Wilhelms III.+ in
+London+ (Juni 1814), begleitet von ihren siegreichen Feldherren
(+Blcher+); begeisterter Empfang von seiten der englischen Nation.


 5. Wiederherstellung des europischen Staatensystems.

[~1814-1815.~ Sept. Juni.]

~Wiener Kongre~,

unter persnlicher Teilnahme der Kaiser von +sterreich+ und +Ruland+,
der Knige von +Preuen+, +Dnemark+, +Bayern+ und +Wrttemberg+ und
vieler deutscher Frsten. Vertreten sind alle Staaten Europas, mit
Ausnahme der Trkei. Die geschftliche Leitung der Verhandlungen hat
der sterreichische Staatskanzler Frst +Metternich+; fr Frankreich
wei +Talleyrand+ als Gesandter Ludwigs XVIII. groen Einflu zu
gewinnen. Streit entsteht namentlich ber die knftige Gestaltung
+Sachsens+ und +Polens+, doch ist der Ausgleich schon gefunden, ehe die
Nachricht von Napoleons Entweichen aus Elba anlangt.


~Hauptbestimmungen der Wiener Kongreakte (8. Juni 1815):~

1. ~sterreich~ erhlt seine alten Gebiete zurck: +Tirol, Vorarlberg,
Krnten, Krain, Triest, Galizien, Mailand,+ dazu das 1797 erworbene
+venetianische Gebiet+ und das 1805 erworbene Erzbistum +Salzburg+,
tritt aber den +Breisgau+ und seine oberschwbischen Besitzungen an
Baden und Wrttemberg, +Belgien+ an Holland ab.

2. ~Preuen~ erhlt zurck: einen Teil des Herzogtums Warschau (Provinz
+Posen+) und +Danzig+, die alten Besitzungen in Westfalen und am
Rhein, auch +Neuchtel+. Zur Entschdigung fr nicht zurckerhaltene
frhere Besitzungen (+Ansbach+ und +Baireuth+ an Bayern, +Ostfriesland,
Goslar, Hildesheim+ an Hannover, +polnische+ Gebiete an Ruland) werden
die +Rheinprovinz+ und +Westfalen+ auer anderem besonders durch die
Herzogtmer +Jlich+ und +Berg+, die Kurlande +Kln+ und +Trier+
vergrert, ferner +Schwedisch-Pommern+ mit Rgen und die Hlfte des
Knigreichs +Sachsen+ hinzugefgt.

3. ~Bayern~ wird durch +Ansbach+ und +Baireuth, Aschaffenburg,
Wrzburg+ und die +linksrheinische Pfalz+ vergrert; die
rechtsrheinische mit +Heidelberg+ und +Mannheim+ bleibt bei +Baden+ (S.
320).

4. Ein ~Knigreich der Niederlande~ wird gebildet aus der frheren
+Republik+ der Niederlande (+Holland+) und dem frher sterreichischen
+Belgien+. Knig +Wilhelm I.+, Sohn des letzten Erbstatthalters von
Holland (S. 314, 321), erhlt zum Ersatz fr seine nassauischen
Stammlande auch das +Groherzogtum Luxemburg.+

5. Die deutsche +Kaiserwrde+ nicht wiederhergestellt. Der ~Deutsche
Bund~ tritt an die Stelle des frheren +Deutschen Reiches,+ gebildet
von 35 souvernen Frsten und 4 freien Stdten. Grundgesetz
die +Bundesakte+ vom 8. Juni 1815, ergnzt durch die +Wiener
Schluakte+ 1820. Oberste Behrde der ~Bundestag zu Frankfurt a.
M.~, eine Versammlung von Gesandten der Bundesstaaten unter Vorsitz
des sterreichischen Gesandten. Bundesheer aus Kontingenten der
Einzelstaaten; Bundesfestungen: Mainz, Luxemburg, Landau, Ulm,
Rastatt. +sterreich+ und +Preuen+ gehren nicht mit ihrem ganzen
Gebiet zum Bunde, ersteres nicht mit seinen polnischen, ungarischen
und italienischen Gebieten, letzteres nicht mit Preuen und Posen.
+Bayern+, +Wrttemberg+, +Sachsen+ (letzteres verkleinert) bleiben
+Knigreiche+; dazu kommt das frhere Kurfrstentum +Hannover+
(vergrert) ebenfalls als Knigreich, in Personal-Union mit England
(seit 1714, vgl. S. 299). Der Knig von England ist als Knig von
Hannover, der Knig von +Dnemark+ als Herzog von Holstein und
Lauenburg, der Knig der +Niederlande+ als Groherzog von Luxemburg am
Deutschen Bunde beteiligt.

6. ~Ruland~ erhlt den grten Teil des Herzogtums +Warschau+
als ~Knigreich Polen~. +Krakau+ wird Freistaat unter dem Schutze
+Rulands+, +sterreichs+ und +Preuens+.

7. ~England~ behlt +Malta+, +Helgoland+, die ihm frher zugesicherten
+Kolonien+ (S. 339) und die Schutzherrschaft ber die Republik der 7
+Ionischen Inseln+ (S. 316). Auf Englands Antrag gemeinsame Erklrung
der Gromchte gegen den +Sklavenhandel+.

8. ~Schweden~ wird, gem dem Kieler Frieden (S. 337), mit +Norwegen+
durch Personal-Union vereinigt; ~Dnemark~ wird entschdigt durch
Schwedisch-Pommern mit Rgen, wofr es das von Hannover an Preuen
abgetretene +Lauenburg+ eintauscht (bis 1689 deutsches Herzogtum,
vgl. S. 189, 204, dann mit Hannover vereinigt, 1803 von den Franzosen
besetzt).

9. Die 19 Kantone der Schweiz (S. 316) werden durch +Genf+, +Wallis+
und +Neuchtel+ (zugleich +Kanton+ und +Frstentum+ im Besitz der Krone
+Preuen+, S. 274) auf 22 vermehrt, die Bundesverfassung neu geordnet.

10. ~Wiederherstellung~ der alten Dynastien in +Spanien+, +Portugal+,
+Sardinien+ (das durch +Genua+ vergrert wird) und +Toskana+. +Modena+
wird gleich Toskana sterreichisches Nebenfrstentum, da die Erbtochter
des letzten Herzogs aus dem Hause +Este+ (Herkules III., S. 304) sich
mit dem Erzherzog Ferdinand vermhlt hat (S. 282). +Parma+, +Piacenza+
und +Guastalla+ (S. 304) kommen an Napoleons Gemahlin, die Erzherzogin
+Marie Luise+, sollen aber nach ihrem Tode (T 1847 als Witwe des Grafen
+v. Neipperg+) an die in +Lucca+ herrschenden Bourbonen zurckfallen.
Auch der +Kirchenstaat+ wiederhergestellt, dagegen wird in +Neapel+
Murat (S. 327) als Knig anerkannt.

Nachrichten von der Mistimmung in Frankreich gegen die Regierung
der Bourbons und von den beim Wiener Kongre besonders wegen der
polnisch-schsischen Frage ausgebrochenen Streitigkeiten ermutigen
Napoleon zur Rckkehr nach Frankreich.

[~1815.~ 1. Mrz.]

~Landung Napoleons bei Cannes~ mit 7 Schiffen. Schneller Marsch auf
+Paris+. Alle gegen ihn gesandten Truppen, auch +Ney+ mit seinem Korps,
gehen zu ihm ber. Ludwig XVIII. entflieht nach Gent.

[~1815.~ 20. Mrz.]

Einzug Napoleons in +Paris+ (+les cent jours+). Die auf dem Wiener
Kongre vertretenen Staaten erlassen eine gemeinschaftliche
+Achtserklrung+ gegen ihn und schlieen ein neues Kriegsbndnis.

[Mai.]

Napoleon macht der liberalen Partei in Frankreich einige Zugestndnisse
durch die in einer groen Volks- und Heeresversammlung bei Paris
(+Maifeld+) verkndete +Zusatzakte+ zur Verfassung des Kaiserreichs,
in +Belgien+ wird ein +preuisches+ Heer unter ~Blcher~ und ein
+englisch-deutsches+ unter ~Wellington~ gegen ihn zusammengezogen.

+Murat+, der sich wieder fr Napoleon erklrt, wird von den
sterreichern bei +Tolentino+ (3. Mai) geschlagen und entflieht
nach Frankreich. Ferdinand IV. (aus dem Hause +Bourbon+) kehrt von
+Sicilien+ (S. 304, 324) nach Neapel zurck, nennt sich als Knig
beider Sicilien fortan +Ferdinand I.+ (T 1825).

[16. Juni.]

~Schlacht bei Ligny.~ Napoleon, in Belgien vorrckend, schlgt
die Preuen trotz tapferer Gegenwehr. +Blcher+ in Lebensgefahr,
von seinem Adjutanten +Nostiz+ gerettet. +Gneisenau+ befiehlt den
Rckzug nach +Wavre+. An demselben Tage wird Marschall +Ney+ von
+Wellington+, dessen Truppen erst nach und nach auf dem Kampfplatz
erscheinen, bei ~Quatre-Bras~ zurckgeschlagen. (Herzog Friedrich
Wilhelm von Braunschweig T.) Napoleon sendet 32000 Mann unter Grouchy
zur Verfolgung des preuischen Heeres ab in der Richtung auf Namur und
wendet sich mit ber 72000 Mann gegen Wellington.

[18. Juni.]

~Schlacht bei Belle-Alliance (Waterloo).~ Am Nachmittag ist Wellingtons
Heer (24000 Englnder, 13000 Niederlnder, 30000 Hannoveraner,
Braunschweiger, Nassauer) an mehreren Punkten bereits zum Weichen
gebracht, als ~Blcher~ mit den +Preuen+ (ber 40000) anlangt und den
Sieg nach mehrstndigem, erbittertem Kampfe zu Gunsten der Verbndeten
entscheidet. Vollstndige Niederlage der Franzosen, ihr von +Gneisenau+
verfolgtes Heer wird gnzlich zersprengt. Zur selben Zeit kmpft
+Grouchy+, auf dessen Hilfe Napoleon gerechnet hatte, fruchtlos gegen
ein preuisches Korps bei +Wavre+. Napoleon eilt nach +Paris+, wo er zu
Gunsten seines +Sohnes+ abdankt; dieser ist gentigt, in sterreich zu
bleiben (T 1832 als Herzog von Reichstadt).

[7. Juli.]

~Zweite Einnahme von Paris.~ Einzug +Blchers+ und +Wellingtons+, bald
darauf Rckkehr +Ludwigs XVIII.+, Ankunft der beiden Kaiser und des
Knigs von Preuen.

Unterdes flchtet +Napoleon+ nach +Rochefort+, wo er sich nach
vergeblichen Versuchen, nach Amerika zu entkommen, dem britischen
Admiral +Hotham+ ausliefert, der ihn an Bord des +Bellrophon+ nach
England bringt. Von dort wird er, nach gemeinschaftlichem Beschlu der
verbndeten Mchte, als Kriegsgefangener nach +St. Helena+ gebracht (T
5. Mai 1821. Seine Leiche seit 1840 im Invalidendom zu Paris, S. 353).

[~1815.~ 26. Sept.]

Auf Kaiser Alexanders Wunsch Stiftung der ~Heiligen Allianz~ zur
Erhaltung des Friedens in Europa, zunchst zwischen +Ruland+,
+sterreich+ und +Preuen+; bald schlieen sich die brigen
europischen Staaten an, mit Ausnahme Englands, der Trkei und des
Kirchenstaates.

[Okt.]

+Murat+, der in Kalabrien gelandet ist, um das Knigreich +Neapel+
wiederzuerobern, wird gefangen und kriegsrechtlich erschossen.

[~20. Nov.~]

~Zweiter Friede zu Paris~: 1. ~Frankreich~ tritt die Festungen
+Philippeville+ und +Marienburg+ an das Knigreich der Niederlande,
+Saarlouis+ und +Saarbrcken+ an Preuen, +Landau+ an Bayern, den im
ersten Pariser Frieden belassenen Teil von +Savoyen+ an das Knigreich
Sardinien ab. 2. Die Nord- und Ostgrenze Frankreichs +mit+ 17
+Festungen+ bleibt (auf hchstens 5 Jahre) von 150000 Mann verbndeter
Truppen auf Kosten Frankreichs besetzt. 3. ~Frankreich~ bezahlt 700
Millionen Franks Kriegskosten. Auerdem werden die nach der ersten
Einnahme von +Paris+ dort +belassenen+, von den Franzosen weggefhrten
Kunstschtze zurckgenommen.

Dem Verlangen deutscher Patrioten, auch des preuischen Staatskanzlers
+v. Hardenberg+, Frankreich wenigstens einen Teil der alten Vorlande
des Deutschen Reichs, +Lothringen+ und +Elsa+, namentlich +Straburg+,
wieder abzunehmen und es dadurch seiner +Angriffsstellung+ gegen
Deutschland zu berauben, wird auch diesmal nicht entsprochen.

Fussnoten:

[51] +Riquetti+, Graf von +Mirabeau+, geb. 1749, T 1791, von seltenem
Talent, aber sittenlos, verschuldet, mit seiner Familie zerfallen,
gewhlt in der Provence als Abgeordneter des dritten Standes.

[52] ~Napolon Bonaparte~ geb. 15. Aug. 1769 in Ajaccio auf
+Korsika+ (S. 303f.), 1779 auf der Kriegsschule zu Brienne, dann in
Paris, 1785 Leutnant in Valence, 1789-92 meist auf Korsika, wo damals
Aufstand gegen die franzsische Herrschaft war, 1793 Hauptmann, dann
in Paris mit den Jakobinern in Beziehung, vor Toulon zum Oberst, nach
der Einnahme zum Brigadegeneral der Artillerie befrdert, 1794 in
Robespierres Sturz verwickelt und verhaftet, aber wieder freigelassen,
1795 wegen Insubordination aus den Listen der Armee gestrichen.
~Seine militrische Begabung erhob ihn zum Beherrscher Europas.~

[53] Gebhard Leberecht ~v. Blcher~, geb. 1742 zu Rostock, tritt
1758 bei den schwedischen Husaren in Vorpommern ein, 1760 bei den
preuischen Husaren, kmpft mit bei Freiberg 1762, nimmt 1773 als
Rittmeister seinen Abschied, tritt 1787 als Major wieder ein,
fhrt 1794 als General sein Regiment bei Kaiserslautern; 1802-1806
kommandierender General in Mnster, Okt. 1813 Feldmarschall, T 1819.

[54] Karl Freiherr vom ~Stein~, geb. 1757 zu Nassau, seit 1780 im
preuischen Staatsdienst, 1796 Oberprsident der westflischen Kammer
in Minden, 1804 Finanzminister, Januar 1807 vom Knig in Ungnaden
entlassen, nach dem Tilsiter Frieden zurckberufen. Minister bis 1808,
1812 von Kaiser Alexander nach Petersburg berufen, 1813-14 einflureich
im Hauptquartier der Verbndeten und auf dem Wiener Kongre, T 1831 zu
Kappenberg in Westfalen.

[55] Karl August ~v. Hardenberg~, geb. 1750 zu Essenroda im
Hannoverschen, seit 1792 im preuischen Staatsdienst, 1804-06 Minister
des Auswrtigen, 1810 Staatskanzler, 1814 in den Frstenstand erhoben,
T 1822.

[56] Gerhard David ~Scharnhorst~, geb. 1755 zu Bordenau
im Hannoverschen, seit 1802 preuischer Offizier, 1806
Generalquartiermeister beim Herzog von Braunschweig, in Lbeck
gefangen, doch bald ausgewechselt, T 28. Juni 1813 in Prag.




~D. Vom Wiener Kongress bis auf unsere Zeit.~


 1. Neue Erfindungen.

Aufschwung der Gewerbettigkeit und des Verkehrs, auch politische
Annherung der Nationen durch praktische Anwendung der
Naturwissenschaften:

1. Die ersten Versuche, den ~Dampf~ als bewegende Kraft zu verwenden,
reichen ins 17. Jahrhundert zurck. Die Franzosen schreiben die
Erfindung dem Physiker +Denis Papin+ aus Blois (um 1690), die Englnder
dem Marquis +von Worcester+ (1663) und dem Kapitn +Savery+ (1698)
zu. Benutzung einer Dampfmaschine beim Bergbau durch +Newcomen+ 1706
in Devonshire. Hauptverbesserer der +Dampfmaschine+, durch dessen
Erfindungen es erst mglich wurde, dieselbe in den verschiedensten
Gewerben zu verwenden, war ~James Watt~ (1769 in +Birmingham+, T 1819).

2. Versuche mit +Dampfschiffen+ wurden (nach Papins Vorgang 1707) 1774
und 1775 auf der +Seine+, 1786 durch Symington in +Edinburg+ gemacht.
Den ersten regelmigen Dampfschiffsverkehr richtete der Amerikaner
~Fulton 1807~ auf dem Hudsonflusse ein, 1818 ging das erste Dampfschiff
von +New-York+ nach +Liverpool+. Dampfschiffahrt auf dem Rhein seit
1825. Hamburg-Amerika-Linie 1847, Norddeutscher Lloyd in +Bremen+ 1857
gegrndet.

3. Gewaltige Entwickelung des Landverkehrs durch die ~Eisenbahnen~.
Holzbahnen mit Eisenschienen seit 1767 in englischen Bergwerken
gebruchlich. Erfinder der +Lokomotive+ George ~Stephenson 1814~
(in Newcastle am Tyne). Erste grere Eisenbahnlinie fr den
Personenverkehr +Liverpool-Manchester+ 1830, in Deutschland
+Nrnberg-Frth+ 1835, +Leipzig-Dresden+ 1837, +Berlin-Potsdam+ 1838,
+Berlin-Hamburg+ 1845.

4. Den +elektrischen Telegraphen+ erfand 1809 +Smmering+ in Mnchen;
den Elektromagnetismus benutzten 1833 +Gau+ und +Weber+ in Gttingen
zuerst fr Fernverstndigung; die ersten fr Verkehrszwecke brauchbaren
Apparate baute 1837 +Wheatstone+ in London. Den Schreibtelegraphen
erfand +Morse+ in New-York 1837. Erstes unterseeisches Kabel 1851 von
+Dover+ nach +Calais+; erste ozeanische Verbindung 1866 von der Insel
+Valencia+ (an der Westkste von Irland) nach +Neufundland+.

5. ~Erweiterte Anwendung der elektrischen Kraft~: +Fernsprecher+
(Telephon), erfunden 1861 von Philipp Reis in Friedrichsdorf bei
Homburg. +Elektrische Beleuchtung+ (1879 Edison in New-York) neben
der seit 1814 (zuerst in London, 1826 in Berlin) blich gewordenen
Gasbeleuchtung. +Elektrische Eisenbahn+ (1879 Werner Siemens in
Berlin). +Drahtlose Telegraphie+: Elektrische Wellen im Luftraum,
hergestellt und beobachtet 1887 von +H. Hertz+ in Karlsruhe, zu
telegraphischen Zwecken seit 1897 benutzt von +Marconi+ u.a.

6. Die ~Motorwagen~ (Automobile), seit 1895 in Frankreich beliebt,
dann auch in andern Lndern immer mehr eingefhrt, frdern schnellen
Verkehr, ohne an Schienenwege gebunden zu sein.

7. ~Motor-Luftschiffahrt~, seit 1907 erfolgreich betrieben von Graf
+Zeppelin+ (Friedrichshafen am Bodensee), Major +v. Parseval+ (Berlin),
Major +Gro+ (Berlin, Militr-Luftschiff). Auch andere Staaten benutzen
das lenkbare Luftschiff zu Kriegszwecken, ebenso wie in neuester Zeit
auch die ~Flugmaschine~ (Aeroplan). Die Gebrder +Wright+ in Amerika
u.a..


 2. Verfassungs- und Unabhngigkeitskmpfe.

[1817.]

Dreihundertjhrige Jubelfeier der +Reformation+. Begrndung der
~Evangelischen Union~ durch Knig Friedrich Wilhelm III. von Preuen.
Das von deutschen Studenten am 18. Okt. veranstaltete +Wartburgfest+
erregt Befrchtungen wegen demagogischer Umtriebe gegen die deutsche
+Bundesverfassung+ und die Souvernitt der Bundesfrsten.

[1818.]

Kongre zu ~Aachen.~ Die Gromchte beschlieen, die Besatzungstruppen
aus Frankreich zurckzuziehen.

Verfassungen (mit Volksvertretung in zwei Kammern, vgl. S. 339) werden
1818 in +Sachsen-Weimar+, +Bayern+ und +Baden+, 1819 in +Wrttemberg+,
1820 in +Hessen-Darmstadt+ eingefhrt; in +Preuen+ 1823 nur
Provinzialstnde.

[1819.]

Der russische Staatsrat +Kotzebue+, der regelmige Berichte ber die
nationalen Bestrebungen in Deutschland an seine Regierung sandte, von
dem Studenten +Sand+ aus politischen Grnden in Mannheim ermordet.
+Ministerkongre+ in ~Karlsbad~. Auf Antrag des sterreichischen
Ministers ~Metternich~ wird Zensur fr Bcher und Zeitungen, Verbot
des Turnens, Beaufsichtigung der Universitten, Verbot der 1815
in Jena gestifteten +deutschen Burschenschaft+ beschlossen und
vom Bundestag in +Frankfurt+ genehmigt. Die Bundesversammlung in
Frankfurt wird fr die oberste Gesetzgebung in Deutschland erklrt.
Zentral-Untersuchungskommission in +Mainz+ eingesetzt, um die
Bundesbeschlsse gegen widerstrebende Bevlkerungen und Regierungen
durchzusetzen.

[1820.]

+Wiener Schluakte+ (s. S. 340) gegen die landstndischen Verfassungen
gerichtet, zur Sicherung der Souvernitt der deutschen Bundesfrsten.

In +Spanien+ Erhebung der Liberalen fr die aufgehobene Verfassung von
1812, welche wiederhergestellt wird (S. 339).

[1820.]

[1821.]

Kongre zu ~Troppau~}

Kongre zu ~Laibach~} wegen der aufstndischen Bewegungen in +Neapel+
und +Piemont+, wo die Verfassung und alle franzsischen Einrichtungen
nach der Rckkehr der Herrscher wieder aufgehoben worden waren,
+sterreichische+ Truppen rcken in Neapel und in das Knigreich
Sardinien ein zur Wiederherstellung des unumschrnkten Knigtums.
+Viktor Emanuel+ von Sardinien dankt ab zu Gunsten seines Bruders +Karl
Felix+.

[1822.]

Kongre zu ~Verona~ wegen der spanischen und griechischen Unruhen (S.
346f.).

[1823.]

Franzsische Truppen (95000 Mann) rcken in +Spanien+ ein, dringen
unter dem Neffen Ludwigs XVIII., Herzog von +Angoulme+, bis Cadiz
vor (31. Aug., der +Trocadero+ erstrmt, eine befestigte Landzunge in
der Bai von Cadiz) und befreien den dort gefangen gehaltenen Knig
+Ferdinand VII.+ Absolutismus wiederhergestellt. Grausame Reaktion,
zahlreiche Hinrichtungen.

[~1810-1825.~]

~Befreiungskrieg der spanischen Kolonien in Amerika.~

Der Beginn des Kampfes gehemmt durch das +Erdbeben von Caracas+ 1812;
1813 zieht ~Bolivar~ als Befreier in Caracas ein, mu dann vor den
Spaniern nach Neu-Granada entweichen, wird 1819 zum Prsidenten der
Bundesrepublik +Colombia+ erwhlt, befreit 1822 +Quito+, 1823-1824
+Peru+. +Chile+ erklrt sich 1816, +Argentina+ 1817 unabhngig, spter
auch +Paraguay+ und +Uruguay+. In +Mexiko+ tritt 1821 +Iturbide+ als
Kaiser Augustin I. auf, 1823 wird das Land Bundesrepublik, ebenso die
5 Staaten von +Mittel-Amerika+. England (Lord +Canning+ leitender
Minister +Georgs IV.+) erkennt zuerst die neuen Freistaaten an und
schliet mit ihnen Handelsvertrge. Die Vereinigten Staaten von Amerika
(Prsident +Monroe+) erlassen 1823 die Erklrung, keine Einmischung
Europas in die politische Gestaltung Amerikas dulden zu wollen
(+Monroe-Doktrin+). Colombia teilt sich 1830 (Bolivar T) in die drei
Republiken +Neu-Granada+ (1861 wieder Colombia genannt), +Venezuela+,
+Ecuador+.

Brasilien, bisher portugiesische Kolonie, wird 1822 unabhngiges
Kaisertum unter +Dom Pedro I.+, dem Sohne Johanns VI., letzterer kehrt
nach Portugal zurck (vgl. S. 327). Sein jngerer Sohn +Dom Miguel+
erregt Unruhen in ~Portugal~, um die Cortes zu beseitigen, herrscht
nach dem Tode des Vaters (1826) gewaltttig und grausam, wird 1834 von
+Dom Pedro I.+ vertrieben. Dieser berlt die Regierung Brasiliens
seinem Sohne Pedro II., in Portugal setzt er seine Tochter +Maria da
Gloria+ ein, deren Gemahl Ferdinand von Sachsen-Koburg wird (S. 352).
Verfassung vom Jahre 1826, abgendert 1838.

[~1821-1829.~]

~Griechischer Befreiungskrieg~, vorbereitet durch die +Hetrie+ einen
1814 von griechischen Kaufleuten in Odessa gestifteten Geheimbund zur
Befreiung der Griechen von der trkischen Herrschaft. Frst Alexander
+Ypsilanti+ (russischer General und Adjutant Kaiser Alexanders I.)
an der Spitze eines Griechenaufstandes in der Moldau und Walachei
(Mrz-Juni 1821), wird geschlagen, rettet sich nach sterreich, wird 6
Jahre in Munkacz und Theresienstadt gefangen gehalten, T in Wien 1828.

[1821. April.]

Aufstand in Morea (+Mainoten+) und auf den Inseln. Wten der Trken
gegen die Griechen in Konstantinopel. Der Patriarch +Gregorios+
aufgeknpft.

[1822.]

Blutbad auf der Insel +Chios+, die Trken ermorden ber 20000 Griechen.
+Kanaris+ verbrennt einen Teil der trkischen Flotte an der Kste von
Chios. Der tapfere Widerstand der Griechen (Miaulis aus Hydra. Marcus
Bozzaris u.a.) erregt berall Teilnahme. Freiwillige (Philhellenen)
eilen aus Deutschland, Italien, Frankreich herbei; der englische
Dichter Lord +Byron+ landet mit zwei Schiffen bei der bedrohten Festung
+Missolunghi+ (1824); der Genfer Bankier +Eynard+ organisiert die
Hilfsvereine. +Wilhelm Mllers+ Griechenlieder.

[1825.]

Mehemed Ali, Pascha von gypten, sendet dem Sultan Mahmud II. seinen
Sohn +Ibrahim+ zu Hilfe, welcher in +Morea+ grausam wtet. Aussicht auf
russische Hilfe fr die Griechen erst nach dem Tode des kinderlosen
Alexander I. (1. Dez.). Ihm folgt sein Bruder als

[~1825-1855.~]

~Nikolaus I., Kaiser von Ruland~, nach Verzichtleistung des lteren
Bruders +Konstantin+ (S. 295).

[1826.]

Die Trken erobern die heldenmtig verteidigte Festung +Missolunghi+.

[~1827.~]

+England+, +Ruland+ und +Frankreich+ schlieen auf Betreiben des
englischen Ministers +George Canning+ ein Bndnis zum Schutze der
Griechen.

[Juni.]

Aufstand der +Janitscharen+ in Konstantinopel; sie werden auf Befehl
des Sultans teils gettet, teils nach Asien abgefhrt.

[20. Okt.]

~Schlacht bei Navarin.~

Die trkische Flotte wird von der englischen, franzsischen und
russischen zerstrt (untoward event). Franzsische Truppen landen in
Morea, Ibrahim zum Abzug gentigt.

Russische Truppen besetzen 1828 die Donaufrstentmer, General
+Diebitsch+ berschreitet 1829 den Balkan und besetzt Adrianopel,
whrend in Asien General +Paskjewitsch+ Kars und Erzerum erobert.

Im ~Frieden zu Adrianopel~ 1829 erhlt Ruland die Inseln vor der
Donaumndung, in Asien das Gebiet von Achalzik sdlich vom Kaukasus.
Den Donaufrstentmern +Serbien+, +Moldau+, +Walachei+ wird das Recht,
christliche Statthalter (Hospodare) unter trkischer Oberhoheit zu
whlen, besttigt. Die Trkei erkennt im voraus die Beschlsse der
+Londoner Konferenz+ an, welche 1830 die ~Unabhngigkeit Griechenlands~
aussprechen.

Graf +Capodistrias+ (1814-22 russischer Minister) fhrt vorlufig als
Prsident die Verwaltung; er wird 1831 in +Nauplia+, dem Sitz der
Regierung, ermordet. Darauf erheben die Schutzmchte (England, Ruland,
Frankreich) zum Knig von Griechenland den Sohn Knig Ludwigs I. von
Bayern, ~Otto I.~, welcher 1832-1862 regiert, dann durch einen Aufstand
vertrieben wird (T 1867). ~Athen~ erhebt sich als Residenzstadt zu
neuer Bedeutung.

~Ruland~ beginnt, nachdem 1795 +Derbent+ (S. 278) abermals besetzt,
1801 +Georgien+ (S. 297) zur Provinz gemacht, 1813 die Sdwestkste des
Kaspischen Meeres mit +Baku+, 1827 +Eriwan+ den Persern entrissen ist,
langwierige Kmpfe zur Unterwerfung der +Kaukasus+vlker.

[1829.]

In ~England,~ wo 1820-1830 +Georg IV.+ regiert, unter dem Ministerium
des Herzogs von +Wellington+ nach Aufhebung der Testakte (S. 270)
+Emanzipation der Katholiken+, d. h. Zulassung derselben zum Parlament
und zu Staatsmtern. Nach lebhaften Verhandlungen folgt 1832 unter
Knig +Wilhelm IV.+ (1830-1837) die ~Parlamentsreform~; 56 kleine Orte
verlieren das Wahlrecht, eine Anzahl von Grafschaften und greren
Stdten whlt dafr fortan mehr Vertreter ins Unterhaus.


 3. Die Zeit von 1830-1848.

Abermals geht von ~Frankreich~ eine Erschtterung der europischen
Verhltnisse aus, die jedoch leichter berwunden wird als die frhere.
~Knig Karl X.~ (1824-1830, Bruder Ludwigs XVI. und XVIII., frher
Graf von Artois, s. S. 307) regiert wie sein Bruder, der Talleyrand
entlassen, den Marschall Ney zum Tode und alle Mitglieder der Familie
Bonaparte nebst den Knigsmrdern zur Verbannung verurteilt hatte,
und erregt durch sein Streben nach Herstellung des unbeschrnkten
Knigtums wachsende Mistimmung, die auch durch einen Erfolg der
auswrtigen Politik, die Eroberung des Seeruberstaates ~Algier~ (Juni
und Juli 1830) nicht vermindert wird.

[~1830.~]

~Pariser Julirevolution.~ Durch das ultraroyalistische Ministerium
+Polignac+ wird der Knig am 25. Juli 1830 zur Unterzeichnung
von 5 Ordonnanzen (Verfgungen) bewogen, welche 1. die letzten
oppositionellen Kammerwahlen fr ungltig erklren, 2. das +Wahlgesetz+
zu einem Privilegium der reichsten Grundbesitzer machen (262
Abgeordnete statt der frheren 430) und 3. die +Prefreiheit+ aufheben.
Diese Verletzung der Verfassung erregt einen Aufstand in Paris. Nach
dreitgigem Straenkampf (27.-29. Juli) ziehen die Truppen sich zurck.
Karl X. dankt ab zu Gunsten seines Enkels, des 1820 geborenen Herzogs
Heinrich von Bordeaux, +Graf von Chambord+, dessen Vater, der Herzog
von Berry, 1820 (Febr.) ermordet worden war; aber durch Beschlu der
Pairs und Deputierten wird auf den Thron erhoben der Sohn Philipp
Egalits, +Herzog Ludwig Philipp von Orlans+ aus der jngeren Linie
des Hauses Bourbon (s. S. 349) als

[~1830-1848.~]

~Ludwig Philipp I.,~ Knig der Franzosen.

[1830.]

~Belgischer Aufstand.~ Das vom Wiener Kongre geschaffene Knigreich
der +Niederlande+ hat keinen Bestand; die Belgier, durch Sprache,
Konfession und Beschftigung verschieden, fhlen sich unter der
hollndischen Regierung zurckgesetzt und hoffen auf Frankreichs
Hilfe.

  ~Huser Bourbon lterer und jngerer Linie (Orlans).~

  ~Heinrich IV.~, erster Knig aus dem Hause Bourbon, T1610.
                       |
           ~Ludwig XIII.,~ T1643.
                       |___________________...
                       |
          ~Ludwig XIV.~, T1715.
                       |
            Ludwig, Dauphin, T1711.
       ________________|_________________
      |                                  |
 Ludwig, Hz. v. Bourgogne,    Philipp V., K. v. Spanien,
    T1712.                    Stammvater der Bourbons
      |                    in Spanien, Neapel u. Parma, T1746.
      |
 ~Ludwig XV.~, T1774.
      |
 Ludwig, Dauphin, T1765.
      ______|__________________________
     |                  |              |
 ~Ludwig XVI.~, ~Ludwig XVIII.~, ~Karl X.~,
 T1793.         T1824.                T1836.
     |                                 |
 Ludwig (XVII.),                 Karl Ferdinand,
 T1795.                          Hz. v. Berry,
                                 T1820.
                                       |
                                 Heinrich V.,
                                 Graf v. Chambord,
                                 T1883.


  ~Heinrich IV.~, erster Knig aus dem Hause Bourbon, T1610.
                      |
          ~Ludwig XIII.,~ T1643.
                 ...__|______________________
                                            |
                  Philipp, Hz. v. Orlans, T1701.
                  Gem. Elisabeth Charlotte v. d. Pfalz, T1721.
                                            |
                          Philipp, Regent, T1723.
                                            |
                                      Ludwig, T1752.
                                            |
                                 Ludwig Philipp, T1785.
                                            |
                             L. Philipp (galit), T1793.
                                            |
                                 ~Ludwig Philipp~,
                                 K. d. Franzosen, T1850.
  _____________________________________________________________
 |                   |           |        |         |          |
 Ferdinand,      Ludwig,   Klementine,  Franz,     Heinrich, Anton,
 Hz. v. Orlans, Hz. v.    Gem. August  Hz. v.     Hz. v.    Hz. v.
 T1842.          Nemours,  v. Koburg,   Joinville, Aumale,   Montpensier.
   |            T1896.     T1907.       T1900.     T1897.    T1890.
   |              |______________                  |__            |
 __|__________________         __|___________         |           |
 Ludw. Philipp,     Robert,    Gaston,    Ferdinand, Peter,     Anton,
 Graf v. Paris,     Hz. v.    Graf v. Eu. Hz. v.     Hz. v.     Infant v.
 T1894.             Chartres.             Alenon.   Penthivre Spanien.
   |                __|___________                                |
   |                Johann,       |                      _________|__________
   |                Hz. v. Guise. 1. Pedro,  Emanuel,  Alfons. Louis Ferdinand.
   |                              2. Ludwig, Hz. v.
 __|__________________________    3. Anton.  Vendme.
 Ludw. Philipp,  Ferdinand,    3 Kinder.
 Hz. v. Orlans. Hz. v. Montpensier.         Karl Philipp.

[25. Aug.]

Aufstand in +Brssel+, bald auch im ganzen Lande. Prinz +Friedrich+,
der zweite Sohn Knig Wilhelms I., wird gezwungen, mit den
hollndischen Truppen Brssel zu verlassen; General +Chass+ behauptet
die Citadelle von +Antwerpen+, indem er die Stadt beschieen lt. 18.
Nov. +Unabhngigkeitserklrung+ des belgischen Nationalkongresses.
Provisorische Regierung.

Die +Londoner+ Konferenz der Gromchte (Lord +Palmerston+ englischer
Minister) bewirkt Einstellung der Feindseligkeiten und erkennt den
neuen Staat an (Jan. 1831), der sich eine freisinnige monarchische
Verfassung gibt. Nachdem +Ludwig Philipp+ die auf seinen zweiten Sohn
gefallene Knigswahl abgelehnt hat, wird zum +Knig der Belgier+ gewhlt

[1831-1865.]

~Leopold I.~ von Sachsen-Koburg (S. 352), der sich mit einer Tochter
Ludwig Philipps vermhlt. Fortgang des Kampfes mit Holland bis 1833.
Einmarsch eines franzsischen Heeres. Belagerung und Einnahme der
Citadelle von +Antwerpen+. Friede 1839.

In ~Deutschland~ wird 1830 Herzog Karl von +Braunschweig+ vertrieben (T
1873 in Genf); sein Bruder Wilhelm bernimmt nach einem Beschlu des
Bundestages die Regierung. Unruhen in +Sachsen+ und +Kurhessen+; in
beiden Lndern wird 1831 eine neue Verfassung verkndet, in +Hannover+
1833.

[~1830-1831.~]

~Polnischer Aufstand.~ Erhebung in Warschau (1830, 29. Nov.). Ein
Mordversuch gegen den Grofrsten +Konstantin+, Bruder des Kaisers
Nikolaus (S. 347), milingt. Provisorische Regierung mit Frst +Adam
Czartoryski+ an der Spitze. Kaiser Nikolaus durch den Reichstag
abgesetzt (1831, Jan.). Ein russisches Heer von 118000 Mann unter
General +Diebitsch+ dringt in Polen ein; blutige ~Gefechte bei Grochow~
(19.-25. Febr. 1831), wo die Polen der russischen bermacht lange
Widerstand leisten, sich aber doch zuletzt auf Praga zurckziehen
mssen. Der Aufstand verbreitet sich ber Litauen und Podolien.
Diebitsch siegt in der Schlacht bei ~Ostrolenka~ (26. Mai), stirbt
aber bald darauf an der Cholera. Uneinigkeit der Polen, Bluttat der
demokratischen Partei in Warschau. Dadurch wird dem neuen russischen
Oberfeldherrn +Paskjewitsch+ das Vordringen erleichtert, er erobert
Warschau (Sept. 1831). Bald wird der Aufstand im ganzen Lande
unterdrckt. Polen verliert die von Kaiser Alexander I. 1815 verliehene
Verfassung und wird fortan als russische Provinz mit Strenge regiert.

[1831.]

Aufstnde in +Modena+, +Parma+ und der +Romagna+, mit sterreichischer
Hilfe unterdrckt.

[1833-1840.]

In ~Spanien~ Brgerkrieg nach dem Tode Ferdinands VII. Durch
+Espartero+ siegt nach blutigem Kampfe die +Verfassungs+partei
(Christinos) fr die unmndige Knigin +Isabella II.+ (1833-1868) und
deren Mutter +Marie Christine+ (von Neapel) ber die Karlisten, d. h.
die Anhnger des Prinzen Don +Carlos+ (Bruder Ferdinands VII.), welcher
1839 zur Flucht nach Frankreich gentigt wird (T 1855 in Triest).
Verkndigung einer Verfassung.

[1837.]

+Espartero+ Regent (1841-1843), dann sein persnlicher Feind +Narvaez+;
dieser ruft die von Espartero vertriebene Knigin Marie Christine
zurck und verstrkt durch die abgenderte Verfassung (1845) die
knigliche Gewalt.

[1833.]

Aufstandsversuch in +Frankfurt a. M.+ gegen den deutschen Bundestag.
Hierdurch und durch das im Jahre vorher von der demokratischen Partei
in Rheinbayern veranstaltete +Hambacher Fest+ werden wiederum (S. 345)
die Einsetzung politischer Untersuchungskommissionen, Verhaftungen und
Verurteilungen herbeigefhrt.

[1833.]

Grndung des ~deutschen Zollvereins,~ angeregt durch das +preuische
Zollgesetz+ von 1818, welches alle Zollgrenzen im Innern des Landes
aufhob und alle Zollstellen an die Grenzen verlegte. Besondere Vereine
der kleineren Staaten, namentlich der 1828 gegrndete mitteldeutsche
Handelsverein haben keinen Bestand. Nach und nach werden Vertrge mit
Preuen abgeschlossen.

+sterreich+, wo 1835-1848 ~Kaiser Ferdinand I.~ regiert, bleibt
ausgeschlossen. Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Mecklenburg-Strelitz
und Schaumburg-Lippe bilden 1834 den +Steuerverein+ und treten dem
deutschen Zollverein erst 1851 bei. Der Zollanschlu der Hansestdte
Bremen und Hamburg erfolgt erst 1888.

[~1837.~]

Nach dem Tode Wilhelms IV., Knigs von England (1830-1837),
folgt in +Hannover+ nach dem salischen Gesetze (s. S. 207) sein
Bruder +Ernst August+ (1837-1851), welcher die 1833 fr Hannover
verkndigte Verfassung aufhebt, weil sie ohne seine, des damaligen
Thronerben, Zustimmung zustande gekommen sei. Absetzung der 7 dagegen
protestierenden Gttinger Professoren (+Jakob+ und +Wilhelm Grimm+,
+Dahlmann+, +Gervinus+, +Ewald+, +Albrecht+ und +Weber+). Abgenderte
Verfassung 1840.

[1837 u. 1838.]

Streit der preuischen Regierung mit den Erzbischfen von +Kln+ und
+Gnesen-Posen+, besonders wegen der konfessionellen Erziehung der
Kinder aus gemischten Ehen.

   ~Georg III.,~
   K. v. England u. Hannover,
   T1820.
  _____|______________________________________________
 |                      |              |              |
 ~Georg IV.,~ ~Wilhelm IV.,        ~ Eduard~,    ~Ernst August,~
 K. v. E. u. H.,   K. v. E. u. H., Hz. v. Kent,  K. v. Hannover,
 T1830.            T1837.              T1820.        T1851.
   |                                    |              |
   |                          ~Viktoria,~       ~Georg V.,~
   |                          K. v. England,    K. v.
   |                          T1901,            Hannover,
 Charlotte,                   Gem. Albert       T1878.
 T1817,                       v. Koburg,            |
 Gem. Leopold I.              T1861.            Ernst August,
 v. Koburg,                                     Hz. v.
 T1865.                                         Cumberland.
                                               _____|______
                                     Georg Wilhelm.     Ernst August.

                                               Albert,
                                               T1861,
                                               Gem.
                                               Viktoria
                                               v. Engl.,
                                               T1901.
  _______________________________________________|________
 Viktoria,    ~Eduard VII.,~ ~Alfred,~  Arthur,     Leopold
 T1901,       T1910.         Hz. v.     Hz. v.      Hz. v. Albany,
 Gem.         K. v. England, Koburg,    Connaught.  T1884.
 Friedr. III. Gem. Alexandra T1900.                   |
 v. Preuen.  v. Dnemark.                        ~Karl Eduard,~
                 |                                Hz. v. Koburg.
           ~Georg V.,~                                |
           Gem. Mary v. Teck.                    Johann Leopold.
  _______________|___________________________________
 Eduard, Prinz v. Wales; Albert, Heinrich, Georg, Johann.


       ~Franz,~
       Hz. v. Koburg,
       T1806.
  _______|___________________________________________________
 |                       |                           |
 ~Ernst I.~            Ferdinand                   ~Leopold I.,
 Hz. v. Koburg,        Gem. Frstin v. Kohary,     K. d. Belgier,
 T1844.                T1851.                      T1865.
  __|_______________      __|_________________      __|______________
 |                  |    |          |         |    |                 |
 ~Ernst II.,~ Albert,   ~Ferdinand II.,~ August,    ~Leopold II.,~ Philipp,
              T1861,    T1885, G.        Gem.       K. d. Belgier, G. v.
              Gem.      Maria da         Klementine T1909.         Flandern,
              Viktoria  Gloria, K.       v.                        T1905.
              v. Engl., v. Portugal      Orlans,
              T1901.    T1853.           T1907.
       ___________________|__              |
      |                      |      _______|________
    ~Pedro V.,~ ~Ludwig I.,~       |                |
    K. v.       K. v.            Philipp,  ~Ferdinand,~
    Portugal,   Portugal,        Prinz v.  1887 Frst,
    T1861.      T1889.           Koburg.   1908 K. v.
                    |                      Bulgarien.
               ~Karl I.,~                      |
               K. v. Portugal              1. Boris,
               T1908.                      Prinz v.
                  |                        Tirnowa.
                  |                        2. Kyrill.
             ~Manuel II.,~
             K. v. Portugal,
             vertrieben 1910.            ~Albert I.,~
                                         K. d. Belgier.
                                     _________|________
                                    |                  |
                                  Leopold.           Karl.

[~1840-1861.~]

~Friedrich Wilhelm IV., Knig von Preuen,~ bei seinem
Regierungsantritt mit groen Erwartungen begrt. Amnestie fr
politische Vergehen, Freilassung der verhafteten Erzbischfe von Kln
und Gnesen-Posen. 1847 Berufung des +ersten vereinigten Landtags+ nach
Berlin (s. Anhang).

[~1837-1901.~]

~Viktoria, Knigin von England,~ Nichte +Wilhelms IV.+, 1840 vermhlt
mit +Albert+ von Sachsen-Koburg (prince-consort, T 1861). Vgl. die
Stammtafel S. 352. In Irland vergebliche Bestrebungen fr den Widerruf
(+repeal+) der seit 1801 bestehenden parlamentarischen Vereinigung mit
England (+O'Connell,+ T 1847). In England Bewegung fr den Freihandel
(Richard +Cobden+ in Manchester); die Abschaffung der beschrnkenden
Korngesetze wird 1846 erreicht.

Krieg gegen +Afghanistan+ 1839-1842; durch zwei Kriege gegen die
+Sikhs+ (1845-1849) wird das Pendschab-Gebiet unterworfen. Krieg gegen
+China+ 1810 wegen Verbots der Opiumeinfuhr aus Indien (+Opiumkrieg+);
1842 werden fnf chinesische Hfen den Europern geffnet, der
Opiumhandel gestattet, die Insel +Hongkong+ an England abgetreten.
In +Hinterindien+ erwirbt England durch Kriege gegen das Reich
+Birma+ 1826 die Kste von Arakan und die Landschaft Assam, 1853 das
Mndungsgebiet des Irawadi (Pegu), 1886 ganz Birma (s.  13).

In ~Frankreich~ versucht whrend der Regierung Ludwig Philipps der
Neffe Napoleons I., ~Louis Napoleon,~[57] 1836 in +Straburg+ und
1840 in +Boulogne+ einen Aufstand. Er wird das erstemal auf einem
franzsischen Kriegsschiff nach Amerika geschickt, das zweitemal zu
lebenslnglicher Haft verurteilt, entkommt aber 1846 aus der Festung
Ham.

[~1840.~]

Beginn der +Befestigung von Paris+ unter dem Ministerium +Thiers+ aus
Anla einer Kriegsgefahr, welche dadurch entstanden war, da Frankreich
sich des aufstndischen +Mehemed Ali+ von gypten (s. S. 347) gegen den
Sultan annahm. Frankreichs Kriegsdrohung gegen Deutschland erregt das
Nationalgefhl gewaltig. Nik. +Beckers+ Rheinlied, +Schneckenburgers+
Wacht am Rhein. Bndnis der 4 anderen Gromchte; Frankreich gibt
nach, an Stelle von Thiers tritt +Guizot+ (Okt. 1840). Mehemed Ali,
dessen Sohn Ibrahim die Trken 1839 bei +Nisib+ in Syrien besiegt
hatte, mu auf Verlangen Englands (Lord +Palmerston+) Syrien rumen und
behlt nur die +erbliche+ Herrschaft ber +gypten+ unter Oberhoheit
der Pforte.

[~1840.~ 15. Dez.]

Die berreste Napoleons I., durch den Prinzen von Joinville, dritten
Sohn Ludwig Philipps, von St. Helena nach Paris gebracht, werden dort
im Dom der Invaliden feierlich beigesetzt.

Langwierige Kriege in ~Algier~ (S. 348) zur Eroberung des inneren
Landes (Marschall +Bugeaud+, General aus Napoleons Schule).
+Abd-el-Kader+, Anfhrer der Araber und Kabylen, wird 1847 gefangen,
1852 nach Kleinasien entlassen.

[1846.]

Der Freistaat ~Krakau~ wird wegen erneuter polnischer Aufstandsversuche
durch Beschlu der Schutzmchte (S. 341) dem Kaiserreich +sterreich+
einverleibt.

[~1847.~]

~Sonderbundskrieg in der Schweiz.~ Sieben katholische Kantone sagen
sich von der Eidgenossenschaft los, werden aber von den Bundestruppen
unter General Dufour besiegt. Darauf (1848) Umgestaltung des
+Staatenbundes+ (S. 341) souverner Kantone zu einem +Bundesstaat+
(Fderativrepublik von 25 Staaten, vgl. S. 302). An die Stelle
der bisherigen Tagsatzung, in der abwechselnd Zrich, Bern und
Luzern Vorort gewesen war, tritt die ~Bundesversammlung~ in ~Bern~,
bestehend aus 1. +Stnderat+ (44 Vertreter der einzelnen Kantone),
2. +Nationalrat+ (Vertreter der ganzen Schweizer Bevlkerung, nach
Magabe der Volkszahl gewhlt). Die vollziehende Gewalt bt der von
der Bundesversammlung gewhlte ~Bundesrat~ (7 Mitglieder, auf 3 Jahre
gewhlt). Bundesgericht, einheitliches +Militr-, Post-+und +Mnzwesen+
(s.  14).


 4. Die Revolutionszeit 1848-1852.

In Frankreich fhrt die Unzufriedenheit mit der Politik des
Ministeriums +Guizot+ und den noch bestehenden Beschrnkungen des
+Wahlrechts+ zur

[~1848.~ 22.-24. Febr.]

~Pariser Februarrevolution.~ Straenkampf gegen die Truppen; Barrikaden
erbaut. Die Nationalgarde bleibt unttig, die Truppen geben den
Kampf bald auf. +Ludwig Philipp+ flieht nach England (T 1850). Seine
Thronentsagung zu Gunsten seines Enkels, des +Grafen von Paris+ (S.
349), wird nicht beachtet, sondern die Republik proklamiert. Die
Deputiertenkammer whlt eine provisorische Regierung. +Lamartine+
als Mitglied derselben hindert Verwstung und Plnderung. Eine
+Nationalversammlung+ wird nach Paris berufen, um die Verfassung der
Republik festzustellen. Die Forderungen der Sozialisten (+Louis Blanc+)
fhren zur Einrichtung von +Nationalwerksttten+ in Paris, in denen
jedem franzsischen Brger vom Staate Arbeit und Lohn geboten werden
soll. Diese erweisen sich jedoch bald als kostspielig und zwecklos.

[~1848.~ 23.-26. Juni.]

Blutiger Straenkampf in Paris nach Schlieung der Nationalwerksttten.
General +Cavaignac+ erhlt durch Beschlu der Nationalversammlung
diktatorische Gewalt und wirft den Aufstand der Arbeiter nieder (gegen
10000 gettet, viele deportiert).

[10. Dez.]

Prinz ~Louis Napoleon~ (S. 353) wird infolge der Furcht aller
Besitzenden vor dem Sozialismus und unter dem Einflu der Geistlichkeit
durch +Volksabstimmung+ (Plebiscit) mit fast 6 Millionen Stimmen zum
+Prsidenten+ der franzsischen Republik erwhlt. Seine Regierung
findet Beifall, doch weigert sich die Nationalversammlung, die
Verfassung abzundern, welche die Wiederwahl desselben Prsidenten erst
nach 4 Jahren gestattet.

[~1851.~ 2. Dez.]

~Staatsstreich Louis Napoleons.~ Er lt die angesehensten Mitglieder
der Nationalversammlung verhaften, erklrt diese fr aufgelst,
fordert wiederum +Volksabstimmung+, lt Aufstandsversuche in Paris
am 3. und 4. Dez. blutig niederwerfen. Er wird mit mehr als 7
Mill. Stimmen zum +Prsidenten auf 10 Jahre+ erwhlt. Am 14. Jan.
1852 verkndet er eine neue, der des ersten Kaiserreiches hnliche
Verfassung (Senat, gesetzgebender Krper, s. S. 318). Feierliche
Friedensversicherungen gegenber den europischen Staaten, besonders
durch eine Rede in Bordeaux (+L'Empire c'est la paix+). Auf Grund
eines Senatsbeschlusses und einer +dritten Volksabstimmung+ besteigt er
als

[~1852.~ 2. Dez.]

~Napoleon III., Kaiser der Franzosen~ (1852-1870) den Thron und wird
bald von allen Mchten anerkannt.

[~1848.~ Frhjahr.]

~Revolutionre Bewegungen in Deutschland und sterreich.~ Eine badische
Volksversammlung bei +Mannheim+ (27. Febr.) fordert Prefreiheit,
Schwurgerichte, Vereinsrecht, Volksbewaffnung, deutsches Parlament.
hnliche Versammlungen finden in Wrttemberg, Hessen-Darmstadt, Nassau
u.a. Staaten statt. Die Regierungen zeigen sich nachgiebig; der
+Bundestag in Frankfurt+ hebt die Zensur fr Druckschriften auf.

[13.-15. Mrz.]

Aufstand in Wien. Metternich, seit 1809 leitender Minister sterreichs,
wird vertrieben. +Brgerwehr+ und +Studenten+ herrschen in der Stadt.

[18. Mrz.]

Straenkampf in Berlin, obwohl der Knig +Friedrich Wilhelm IV.+ schon
aus freien Stcken eine Verfassung und Prefreiheit versprochen hatte.
Die +unbesiegten,+ aber ermatteten Truppen verlassen auf Befehl des
Knigs am 19. ihre Stellungen und marschieren aus der Stadt. Bildung
einer Brgerwehr. Berufung einer +preuischen Nationalversammlung+ nach
Berlin. Prinz +Wilhelm+ geht auf Befehl seines Bruders nach England.

[~1848.~ 20. Mrz.]

Infolge wiederholter Unruhen in ~Mnchen~ dankt Knig +Ludwig I.+ (T
1868) zu Gunsten seines Sohnes +Maximilian II.+ (1848-1864) ab.

[15. Mai.]

+Zweiter+ Aufstand in ~Wien~, welcher die Einberufung eines
+sterreichischen Reichstags+ erzwingt. Kaiser Ferdinand I. verlt
Wien und geht nach +Innsbruck+.

[Juni.]

~Slavenkongre~ in Prag, von den ~Tschechen~ (+Palacki+)
ausgeschrieben, um die Bestrebungen der slavischen Vlker sterreichs
+gegen das Deutschtum+ zu vereinigen. Im Anschlu daran tschechische
Erhebung in ~Prag~, besiegt durch Frst +Windischgrtz+.

[31. Okt.]

Einnahme des aufstndischen ~Wien~ durch kaiserliche Truppen
(+Windischgrtz,+ +Jellachich+ Ban von Kroatien). +Robert Blum+,
Mitglied des Frankfurter Parlaments, und viele andere werden
erschossen. Der Reichstag wird nach +Kremsier+ verlegt. Frst Felix
+Schwarzenberg+ bernimmt das Ministerium.

[9. Nov.]

Die preuische Nationalversammlung in ~Berlin~ wird auf Befehl des
Knigs (Ministerium +Brandenburg-Manteuffel+) vertagt und zum 27. Nov.
nach +Brandenburg+ berufen.

[10. Nov.]

General +Wrangel+ rckt, ohne Widerstand zu finden, in +Berlin+ ein.
Erklrung des Belagerungszustandes, Entwaffnung der Brgerwehr. -- Da
die Nationalversammlung in Brandenburg nicht in beschlufhiger Zahl
zusammenkommt, befiehlt der Knig

[5. Dez.]

+Auflsung+ der Nationalversammlung und Verkndigung einer preuischen
+Verfassung+, welche nach Beratung durch die neu zu whlenden Kammern
in Gltigkeit treten soll.

[~1848-1849.~]

~Aufstand in Oberitalien gegen sterreich~.

Beginn der Erhebung in +Mailand+ (18. Mrz 1848) die sterreichischen
Truppen ziehen sich nach der Festung +Verona+ zurck. Knig +Karl
Albert+ von +Sardinien+ (1831-1849), welcher Italien befreien will,
wird bei ~Custozza~ (25. Juli) von dem Feldmarschall ~Radetzki~
vollstndig geschlagen. +Mailand+ von den sterreichern wieder
eingenommen.

Waffenstillstand bis 20. Mrz 1849, darauf erzwingt +Radetzki+ durch
die Siege bei +Mortara+ (21. Mrz) und ~Novara~ (23. Mrz) den
Frieden. +Karl Albert+ dankt zu Gunsten seines Sohnes +Viktor Emanuel+
(1849-1878) ab. Einnahme von +Brescia+ nach furchtbarem Straenkampf;
Grausamkeit des Generals +Haynau+ gegen die Gefangenen.

In ~Venedig~ nach Abzug der sterreichischen Besatzung (1848, Mrz)
erst +provisorische+ Regierung im Namen des +Knigs von Sardinien+,
dann nach der Niederlage des italienischen Heeres +Republik+
(Prsident +Manin+). Belagerung und Einnahme Venedigs durch die
sterreicher (August 1849). Das ganze lombardo-venetianische Knigreich
ist der Herrschaft sterreichs wieder unterworfen.

[~1848-1849.~]

~Aufstand der Ungarn gegen sterreich.~ Die Ungarn (Magyaren) verlangen
und erhalten ein eigenes Ministerium (1848, April). Graf +Batthyany+
Ministerprsident, ~Kossuth~ (spr. +Kschut+) Finanzminister. Reichstag
in Pest unter Vorsitz des Erzherzogs +Stephan+ als +Palatin+. Der
+Widerstand+ der +slavischen+ Bevlkerung und der +Nebenlnder+
der Krone Ungarn (+Kroatien, Siebenbrgen+) gegen die magyarischen
Ansprche, ihre Forderung politischer Gleichberechtigung werden vom
Wiener Hofe untersttzt. +Jellachich+, zum +Ban von Kroatien+ ernannt,
fllt mit Heeresmacht in Ungarn ein; Erzherzog +Stephan+ legt sein Amt
nieder. Graf +Lamberg, kaiserlicher Statthalter+ von Ungarn, wird in
Pest ermordet (Sept.); der Kaiser verfgt die Auflsung des Reichstages.

Nach Abdankung +Ferdinands I.+ (2. Dez. 1848) besteigt den Thron sein
Neffe (S. 282)

[~Seit 1848.~]

~Franz Joseph I.~, Kaiser von sterreich. Der ungarische Reichstag
erkennt den Thronwechsel nicht an. Frst +Windischgrtz+ rckt mit
einem sterreichischen Heere in Ungarn ein. +Kossuth+ zieht sich mit
den magyarischen Behrden nach +Debreczin+ zurck, Windischgrtz
besetzt Pest (1849, Jan.), besiegt ein ungarisches, von dem polnischen
General +Dembinski+ gefhrtes Heer bei +Kapolna+ (Febr.). In
Siebenbrgen ist der polnische General +Bern+, welchem Kossuth ein
Kommando bergeben hatte, siegreich gegen sterreichische Truppen und
die von diesen zu Hilfe gerufenen +Russen+. Der ungarische General
+Grgey+ berschreitet mit 50000 Mann die Thei, entsetzt die belagerte
Festung +Komorn+. Windischgrtz von der Regierung in Wien abberufen,
Pest gerumt; in +Ofen+ bleibt eine sterreichische Besatzung. Infolge
der Verkndigung einer

[~1849.~ 4. Mrz.]

~Gesamtverfassung fr sterreich~, welche die alte ungarische
Verfassung aufhebt, spricht auf Kossuths Antrag der Reichstag die
Absetzung des Hauses +Habsburg-Lothringen+ aus. +Kossuth+ wird als
Gouverneur zum Haupt der magyarischen Regierung ernannt. +Grgey+
erstrmt +Ofen+ (21. Mai); Kossuth und der Reichstag halten einen
pomphaften Einzug in Pest. Unterdes wird bei einer Zusammenkunft der
+Kaiser+ von +sterreich+ und +Ruland+ in +Warschau+ die ~russische
Intervention~ verabredet und ein gemeinsamer Kriegsplan fr die
Unterwerfung Ungarns festgestellt.

Ein russisches Heer von 80000 Mann unter +Paskjewitsch+ berschreitet
die Karpathen (Juni), ein zweites rckt von der Walachei aus vor, von
Westen her die sterreicher unter +Haynau+. Die magyarische Regierung
zieht sich nach +Szegedin+ zurck. +Kossuth+ legt bald darauf die
Regierungsgewalt nieder, die Diktatur wird +Grgey+ bertragen. Dieser
entschliet

[~1849.~ 13. Aug.]

sich zur ~Kapitulation von Vilagos~ und streckt mit 25000 Mann vor dem
russischen General +Rdiger+ die Waffen. Die meisten andern ungarischen
Fhrer ergeben sich auf Gnade und Ungnade; nur +Klapka+, der Komorn
verteidigt, erhlt eine ehrenvolle Kapitulation. +Kossuth, Bem,
Dembinski+ retten sich auf trkisches Gebiet. Haynau verhngt ber die
gefangenen Hupter des Aufstandes ein furchtbares Strafgericht. Graf
Batthyany nebst vielen anderen hingerichtet, ihre Gter eingezogen.
Aufhebung der ungarischen Verfassung, Siebenbrgen und Kroatien werden
von Ungarn getrennt.

Die +Gesamtverfassung fr sterreich,+ welche nie wirklich ins Leben
getreten war, wird am 31. Dez. 1851 fr aufgehoben erklrt.

[~1848-1850.~]

~Versuche, Deutschland zu einigen.~

[~1848.~ 31. Mrz.]

Mit Zustimmung des Bundestages tritt in +Frankfurt am Main+
ein aus Mitgliedern deutscher Stndeversammlungen gebildetes
~Vorparlament~ zusammen und beschliet die Berufung einer +deutschen
Nationalversammlung+ zur Feststellung der deutschen Reichsverfassung.

[April.]

Eine republikanische Erhebung in +Baden+ (Hecker, Struve, Herwegh) wird
durch deutsche Bundestruppen schnell unterdrckt.

[18. Mai.]

~Deutsche Nationalversammlung (Parlament)~ in Frankfurt am Main
(Paulskirche). Auf des Prsidenten +Heinrich von Gagern+ Vorschlag
wird ~Erzherzog Johann~ von sterreich zum ~Reichsverweser~
erwhlt; der Bundestag lst sich auf. Erzherzog Johann ernennt ein
Reichsministerium; doch zeigt sich bald, da die neu geschaffene
+Zentralgewalt+ weder den +Einzelstaaten+ noch dem +Auslande+ gegenber
wirkliche Macht hat.

[18. Sept.]

Volksaufstand in Frankfurt, veranlat durch die Annahme des
Waffenstillstandes mit Dnemark (s. S. 362). Zwei Mitglieder der
Nationalversammlung, Frst +Lichnowski+ und General +v. Auerswald,+ von
Volkshaufen ermordet.

[~1849.~ Mrz.]

Vollendung der ~deutschen Reichsverfassung~ nach lebhaften
Parteikmpfen in der Nationalversammlung (+Grodeutsche+,
welche sterreich an der Spitze Deutschlands erhalten wollen, und
+Kleindeutsche+, welche Ausschlu sterreichs und engeren Bund
unter Preuens Fhrung anstreben). An der Spitze des Reichs soll ein
erblicher +Kaiser+ stehen, neben ihm ein Reichstag, bestehend aus
+Staatenhaus+ (zur Hlfte von den Regierungen, zur Hlfte von den
Volksvertretungen der Einzelstaaten zu ernennen) und +Volkshaus+ (aus
allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehend). Kaiserwahl am 28. Mrz.

[~1849.~ 3. April.]

Knig +Friedrich Wilhelm IV.+ von Preuen erklrt die ihm angetragene
Wrde eines ~Kaisers der Deutschen~ nur mit Zustimmung +aller+
deutschen Regierungen annehmen zu knnen. Endgltige Ablehnung am 28.
April, nachdem inzwischen 28 kleinere Staaten zugestimmt haben.

[Mai.]

Aufstand in ~Dresden,~ um die Einfhrung der Reichsverfassung zu
erzwingen, mit preuischer Hilfe niedergeworfen.

In ~Baden~ und der bayrischen ~Pfalz~ republikanischer Aufstand
unter Beteiligung des Heeres. Preuische und deutsche Bundestruppen
rcken ein unter dem Oberbefehl des Prinzen +Wilhelm+ von Preuen.
Die Aufstndischen in mehreren Treffen besiegt, die Festung +Rastatt+
(22. Juli) zur bergabe gezwungen. Abberufung und Austritt einer
groen Zahl Abgeordneter aus der Frankfurter Nationalversammlung. Das
+Rumpfparlament+, welches seinen Sitz in +Stuttgart+ nimmt, wird (18.
Juni) von der wrttembergischen Regierung aufgelst.

[Dez.]

Erzherzog +Johann+ legt die Wrde des Reichsverwesers nieder.

Die Frsten von +Hohenzollern+ (Hechingen und Sigmaringen) legen die
Regierung nieder; ihre Gebiete werden mit +Preuen+ vereinigt.

[~1850.~ 6. Febr.]

In Preuen wird die revidierte Verfassung von dem Knige und den
Kammern feierlich beschworen. Die gesetzgebende Gewalt wird fortan
gemeinschaftlich durch den Knig und die beiden Huser des +Landtags+
ausgebt. Der Knig ist unverantwortlich und wird von verantwortlichen
Ministern beraten. Jeder Regierungsakt des Knigs mu von einem
Minister gegengezeichnet sein. An Stelle der ersten Kammer tritt
1854 das +Herrenhaus+, bestehend aus Mitgliedern, welche der Knig
erblich oder auf Lebenszeit ernennt. Das +Abgeordnetenhaus+ geht aus
ffentlichen, indirekten Dreiklassenwahlen (Wahlmnner) hervor. Jetzt
433 Mitglieder. Die Legislaturperioden frher dreijhrig, seit 1888
fnfjhrig. Die Abgeordneten erhalten Tagegelder und Reisekosten.

Preuens Versuch, eine ~deutsche Union~ mit Ausschlu sterreichs zu
schaffen (General +v. Radowitz+), gesttzt auf den am 26. Mai 1849
mit Sachsen und Hannover geschlossenen +Dreiknigsbund,+ gefrdert
durch eine Versammlung von Mitgliedern der frheren erbkaiserlichen
Partei des Frankfurter Parlaments zu +Gotha+ (Juni 1849) und durch den
Beitritt der meisten kleineren Staaten, fhrt zu dem

[~1850.~ 20. Mrz.]

~Erfurter Parlament~, welches die Beratung ber die Verfassung der
deutschen Union schnell zu Ende fhrt. Darauf

[Mai.]

~Frstenkongre zu Berlin~, aber keine Einigung, zumal da Sachsen und
Hannover sich schon vorher von dem Dreiknigsbund losgesagt und auf
sterreichs Betreiben mit Bayern und Wrttemberg den Vierknigsbund
geschlossen haben.

Den preuischen Unionsbestrebungen tritt sterreich nach der
Niederwerfung des ungarischen Aufstandes (S. 357f.) entschlossener
entgegen durch Berufung einer Konferenz der ihm anhngenden Staaten
nach Frankfurt (10. Mai) und Einladung zur

[1. Sept.]

~Wiedererffnung des Frankfurter Bundestages.~

Verfassungskampf im +Kurfrstentum Hessen+; Kurfrst +Friedrich
Wilhelm+ sucht durch seinen Minister +Hassenpflug+ die Verfassung
von 1831 zu beseitigen. Wiederholte Auflsung der Stndeversammlung;
Kriegszustand ber das Land verhngt (7. Sept.). Widerstand der
Behrden und Gerichte. Der Kurfrst verlt das Land und erhlt die
Hilfe des von sterreich wiederhergestellten, von Preuen und seinen
Bundesgenossen nicht beschickten Bundestages zugesagt.

Bruch zwischen +sterreich und Preuen+, das die Intervention des
Bundestages in Hessen nicht dulden will. Kaiser Franz Joseph hat
in +Bregenz+ eine Zusammenkunft mit den Knigen von Bayern und
Wrttemberg, darauf in +Warschau+ (28. Okt.) mit Kaiser Nikolaus
von Ruland, der den preuischen Gesandten Graf Brandenburg zum
Nachgeben ermahnt. Bundesexekution gegen +Hessen+ durch bayrische und
sterreichische Truppen wird in Frankfurt beschlossen. Auch preuische
Truppen rcken in Hessen ein, ziehen sich aber nach einem Zusammensto
der Vorposten bei +Bronnzell+ (8. Nov.) zurck. Friedrich Wilhelm IV.
entlt den Minister v. Radowitz und gibt die Unionsbestrebungen auf.

[29. Nov.]

~Vertrag zu Olmtz~ (+Manteuffel+ und +Schwarzenberg+). Preuen fgt
sich allen Forderungen sterreichs. +Schleswig-Holstein+ wird den Dnen
berlassen, in +Hessen+ die unumschrnkte Herrschaft des Kurfrsten
wiederhergestellt. Preuen verzichtet auf seine Plne hinsichtlich
der Neugestaltung Deutschlands; fr die deutsche Verfassung werden
Konferenzen in +Dresden+ anberaumt, welche die

[~1851.~]

~Wiederherstellung des deutschen Bundes~ beschlieen. sterreich
hat in den deutschen Verhltnissen ebenso wie in seinen inneren
Kmpfen gegen die nationalen Aufstnde gesiegt. Doch hlt Preuen den
+Zollverein+ (S. 351) aufrecht, welchem nun auch Hannover und Oldenburg
beitreten, und begrndet allmhlich eine +preuische Kriegsflotte+,
indem es mehrere von den 1852 im Auftrage des Bundestages versteigerten
Schiffen bernimmt, welche die deutsche Nationalversammlung 1849 als
+deutsche Flotte+ gegen Dnemark zusammengebracht hatte (S. 361). Ein
Gebiet an der +Jahdemndung+ wird 1853 durch Vertrag mit Oldenburg
erworben zur Anlage des Kriegshafens +Wilhelmshaven+, an der Nordsee.

[~1848-1850.~]

~Schleswig-Holsteins Erhebung gegen Dnemark.~

~Veranlassung~: Offener Brief des Knigs Christian VIII.
(1839-1848) vom 8. Juli 1846, welcher den Fortbestand der Union
der +Herzogtmer+ mit +Dnemark+ trotz des in den beiden Staaten
verschiedenen Erbfolgerechts (s. S. 268) verfgt. Ein Aufstand in
Kopenhagen (30. Mrz 1848) zwingt seinen Nachfolger Friedrich VII.,
die ~Einverleibung Schleswigs~ in Dnemark auszusprechen. Nach der
bis dahin nie bezweifelten Thronfolge muten die Herzogtmer nach dem
Aussterben des Kniglichen Mannesstammes an den Herzog +Christian+ von
Sonderburg-Augustenburg fallen. Daher Aufstand in den Herzogtmern und
Bildung einer +provisorischen Landesregierung+.

[~1848.~ April.]

Preuische und andere deutsche Bundestruppen kommen den
Schleswig-Holsteinern, welche sich eine Armee neu bilden mssen, zu
Hilfe. General +v. Wrangel+ vertreibt die Dnen aus dem +Danewerk+
bei +Schleswig+ (23. April) und dringt bis nach Jtland vor.
Aber die Verluste des Ostseehandels durch die dnische Blockade
und englisch-russischer Einflu bewirken den Abschlu eines
Waffenstillstandes zu ~Malm~. Eine +gemeinschaftliche Regierung+
wird fr die Herzogtmer eingesetzt. Unzufriedenheit mit diesem
Waffenstillstand in ganz Deutschland; die Nationalversammlung zu
Frankfurt genehmigt ihn nach heftigen Verhandlungen.

[~1849.~ Mrz.]

Einsetzung einer +Statthalterschaft+ fr Schleswig-Holstein durch die
deutsche Zentralgewalt.

Bei +Eckernfrde+ wird das Linienschiff +Christian VIII.+ in Brand
geschossen und die Fregatte +Gefion+ genommen (5. April). Erstrmung
der Dppeler Hhen durch bayrische und schsische Truppen (13. April).
Das schleswig-holsteinische Heer, gefhrt von dem preuischen General
+v. Bonin+, besiegt die Dnen bei +Kolding+ (23. April). Doch wiederum
wird die Weiterfhrung des Krieges durch die Drohungen Englands und
Rulands gelhmt. Die neu gegrndete +deutsche Flotte+ liefert den
Dnen ein Seetreffen bei +Helgoland+ (5. Juni), ist aber dann gentigt,
unttig in der Wesermndung zu bleiben. Das schleswig-holsteinische
Heer belagert die Festung +Fridericia+, erleidet aber durch einen
glcklichen Ausfall der Dnen bedeutende Verluste.

[~1849.~ Juli.]

Waffenstillstand zwischen +Preuen+ und +Dnemark+; Schleswig soll
im Norden von schwedischen, im Sden von preuischen Truppen besetzt
und von einer dnisch-preuischen Kommission verwaltet werden. Die
schleswig-holsteinische Armee geht ber die Eider zurck; Holstein
bleibt noch unter der Statthalterschaft. Nach Abschlu des Friedens
zwischen Preuen und Dnemark (Juli 1850) werden alle preuischen
Offiziere aus der schleswig-holsteinischen Armee abberufen.

[~1850.~]

Die von Deutschland verlassenen Schleswig-Holsteiner kmpfen allein
weiter. Der ehemalige preuische General +v. Willisen+ bernimmt
den Oberbefehl ber ihr Heer. Er wird bei ~Idstedt~ (24. und 25.
Juli) geschlagen, Schleswig von den Dnen besetzt. In dem Gefecht
bei +Missunde+ (12. Sept.) werden die Schleswig-Holsteiner ebenfalls
besiegt, auch beim Sturm auf +Friedrichstadt+ (4. Okt.) mit Verlust
zurckgeschlagen.

Der inzwischen wiederhergestellte ~deutsche Bund~ erzwingt unter dem
Einflu sterreichs die Einstellung der Feindseligkeiten. Holstein wird
mit preuischer Zustimmung von sterreichischen Truppen besetzt (Jan.
1851) und den Dnen gegen das Versprechen die Rechte der Herzogtmer
zu wahren berlassen (Febr. 1852).

[~1852.~ 8. Mai.]

~Londoner Vertrag~ (Protokoll), unterzeichnet von den fnf
+Gromchten+, +Schweden+ und +Dnemark+. Um den Bestand des dnischen
Gesamtstaates zu wahren, wird eine neue Thronfolgeordnung fr das
Knigreich +Dnemark+ und die +Herzogtmer+ festgestellt. Prinz
+Christian von Sonderburg-Glcksburg+, Gemahl der Prinzessin +Luise+
von +Hessen-Kassel+, einer Schwestertochter Christians VIII. von
Dnemark, wird zum Erben des kinderlosen Knigs Friedrich VII. fr
die gesamte Monarchie bestimmt. Der Herzog Christian von Augustenburg
verspricht, der neuen Erbfolgeordnung in Dnemark nicht entgegentreten
zu wollen, bertrgt 1863 seine Erbansprche auf seinen Sohn
+Friedrich+ (Vater der Kaiserin +Auguste Viktoria+).

Die deutsche Nationalitt in den Herzogtmern wird von den Dnen fortan
schwer bedrckt.


~Einwirkung der Revolution von 1848 auf die brigen europischen
Staaten.~

Knig Karl Albert von +Sardinien+ verleiht seinem Staat im Februar 1848
eine Verfassung, ebenso der Groherzog Leopold II. von +Toskana+ und
Papst Pius IX. (1846-1878) dem +Kirchenstaat+. Sicilien erklrt seinen
Abfall vom Knigreich +Neapel+, obgleich Knig Ferdinand II. daselbst
schon im Januar 1848 eine Verfassung verkndigt hat. Nach dem Siege
der Schweizertruppen im Straenkampf zu Neapel (Mai) wird Sicilien mit
groer Hrte unterworfen (5tgige Beschieung der Stadt +Messina+ im
Sept.), darauf die Verfassung des Knigreichs wieder aufgehoben. --
Papst Pius IX., in dem manche vorbergehend den Schpfer der Einheit
Italiens gesehen hatten, flieht im Nov. 1848, als in Rom sein Minister
Rossi ermordet worden war, nach Gata. +Rmische Republik+ errichtet
(Mazzini), welcher sich auch Toskana nach Vertreibung des Groherzogs
anschliet. Aber +sterreichische+ Truppen besetzen Toskana und die
zum Kirchenstaat gehrige Romagna, +franzsische+ Truppen stellen in
Rom die weltliche Herrschaft des Papstes wieder her. ~Franzsische
Besatzung in Rom.~

+Spanien+ und +Portugal+ werden von den Erschtterungen des Jahres
1848 wenig berhrt. In Spanien neue Parteikmpfe nach dem Sturz
des Ministers Narvaez (S. 351) 1851, der 1856 zurckkehrt und noch
fters die Leitung des Ministeriums bernimmt (T 1868, sein Gegner
+O'Donnell+). In Portugal Revision der Verfassung 1852; auf die Knigin
Maria (S. 346) folgt 1853 ihr Sohn +Pedro V.+, fr welchen bis 1855
sein Vater +Ferdinand+ die Regierung fhrt (S. 352).

Das Knigreich der +Niederlande+ erhlt im November 1848, +Dnemark+
1849 eine reprsentative Verfassung. In +Schweden+ bleibt die
+stndische+ Verfassung (Adel, Geistlichkeit, Brger, Bauern) vom Jahre
1809, in +Norwegen+ die reprsentative von 1814. Zweikammersystem in
Schweden 1866 eingefhrt durch Knig Karl XV. (1859-1872), Enkel von
Karl XIV. Johann (Bernadotte).

In +England+ wird der Versuch der Chartisten, durch eine Massenpetition
das allgemeine Wahlrecht einzufhren, durch die entschlossene Haltung
der Londoner Bevlkerung (10. April 1848) vereitelt.


 5. Kunst und Wissenschaft im 19. Jahrhundert.

Neues Aufblhen der +bildenden Knste+ durch Vereinigung der Knstler
aus verschiedenen Nationen in +Rom+, besonders Carstens aus Schleswig
(1792-1798 T), Thorwaldsen aus Kopenhagen (1797, T 1844), der Italiener
Canova (T 1822), die deutschen Maler Overbeck (T 1869), Cornelius (T
1867) und Schnorr von Carolsfeld (T 1841).

Nachblte der Malerei in +Frankreich+ whrend des ersten Kaiserreichs:
David (T 1825), Horace Vernet, Delaroche, Prudhon, Grard, Isabey, Mme.
Lebrun; in Belgien Wappers, L. Gallait, Alma Tadema (lebt in England).

Franzsische Maler nach dem ersten Kaisertum: Delacroix, Scheffer,
Jugres; der Bildhauer Carpeaux. Maler der neuesten Zeit: Millet,
Cabanel (T 1889), Meissonier (T 1891), Baudry (T 1886). In der
+Schweiz+: Calame (T 1864).

Kunstttigkeit in +Mnchen+ unter Knig Ludwig I. (reg. 1825-1848):
Cornelius, Kaulbach, v. Schwind, Schwanthaler, v. Klenze. Neuere
Mnchener Malerschule: Piloty, Makart (T in Wien 1884), Piglhein,
Defregger, Lenbach (T 1904).

In +Berlin+ unter Friedrich Wilhelm III: Schinkel, Gottfr. Schadow,
Rauch; unter Friedrich Wilhelm IV.: Cornelius, Kaulbach, Stler; unter
Wilhelm I. und Wilhelm II. Ad. Menzel, Reinhold Begas, Anton v. Werner.

In +Dresden+: Gottfried Semper (T 1879), Rietschel (T 1861).

Malerakademie in +Dsseldorf+: W. Schadow, Bendemann, K. F. Lessing,
Achenbach, Camphausen.

Die deutschen +Stilisten+: Bcklin (T 1901), Thoma, Klinger.

+Musik+: Vollendung der klassischen +deutschen Musik+ (S. 292) durch
Beethoven (T in Wien 1827). Ausbildung der +Oper+ durch K. M. v. Weber
(T 1826), Spohr, Cherubini, Spontini, Rossini, Meyerbeer, Auber,
Berlioz, Gounod, Bizet, Richard Wagner (T 1883), Verdi (T 1901). F.
Mendelssohns +Oratorium+ Paulus 1836, Elias 1846; Franz Schubert (T
1828), Robert Schumann (T 1856), Joh. Brahms (T 1897).

+Dichter+ des Befreiungskrieges: E. M. Arndt (T 1860), Th. Krner (T
1813), v. Schenkendorf. -- +Romantische Schule+: A. W. Schlegel, L.
Tieck, Heinr. v. Kleist, Ad. v. Chamisso. -- Platen, Heine, Rckert,
Uhland, Geibel, Scheffel, G. Freytag (T 1895), Grillparzer, Hebbel, E.
v. Wildenbruch (T 1909).

+Franzsische+ Literatur: Mme. de Stal (T 1817), Chateaubriand,
Courier, Lamartine, Branger, Scribe, Victor Hugo, Delavigne, Musset,
George Sand, A. Dumas, Augier. +Englische+ Literatur: Byron (s. S.
347), Keats, Shelley, Wordsworth, Walter Scott (T 1832), Thomas Moore,
Tennyson, Swinburne, Bulwer, Dickens, Thackeray, Meredith, Stevenson,
Kipling.

+Norwegische+ Dichter: Ibsen (T 1906), Bjrnson (T 1910).

+Russische+ Dichter: Alex. Puschkin (T 1837), Turgenjew (T 1883), Graf
Leo Tolstoi (T 1910). (Der Maler Wereschtschagin.)

+Geschichtschreibung+: In Deutschland Quellensammlung der +Monumenta
Germaniae+, 1819 vom Freiherrn v. Stein begrndet; Niebuhr (T 1831),
Schlosser, Dahlmann, Ranke (T 1886), v. Sybel, v. Treitschke (T 1896),
Mommsen (T 1903). In Frankreich: Barante, Guizot, Mignet, Aug. Thierry,
Thiers, Tocqueville, Taine. In England: Grote, Buckle, Carlyle,
Macaulay.

+Altertumsforschung+ und +Sprachwissenschaft+: Franz Bopp, Wilh. v.
Humboldt (T 1835), Gottfr. Hermann, Aug. Bckh, E. Curtius, Th. Mommsen
(T 1903); H. Schliemann. -- +Deutsches Altertum+: Jakob und Wilhelm
Grimm, K. Mllenhoff.

Preuisches Archologisches Institut in +Rom+ 1829 begrndet, 1871 vom
Deutschen Reiche bernommen. Deutsches Archologisches Institut in
+Athen+ seit 1874 (vgl. S. 30).

+Philosophie+: Fichte (T 1814 in Berlin), Schelling, Hegel (T 1831 in
Berlin), Herbart, Schopenhauer, J. S. Mill, Lotze, Wundt.

Protestantische +Theologie+: Schleiermacher (T 1834 in Berlin),
Neander, David Strau (1835 Leben Jesu), Tholuck (T 1877 in Halle),
Beyschlag (T 1901 in Halle), Harnack.

+Naturforschung+: Laplace (T 1827), Ampre, Arago, Cuvier (T 1832);
Berzelius, Nobel (T 1896); Whler, J. v. Liebig, Bunsen, Pasteur,
Curie (Radium); Alex. v. Humboldt (T 1859 in Berlin). Darwin (T
1882), Wallace, Virchow, Robert Koch (T 1910); Volta, Faraday, Mayer,
Helmholtz, Rntgen, Edison.

+Astronomie+: Gau, Bessel, Herschel, Leverrier, Schiaparelli.

+Erdkunde+: Karl Ritter (T 1859 in Berlin); die Entdeckungsreisenden
Livingstone (T 1863), Burton, Baker, Stanley (T 1904), Barth, Rohlfs,
Schweinfurth, Nachtigal (T 1885), Emin Pascha (Schnitzer), Wimann (T
1905). Die Nordpolfahrer Ro (T 1856), Parry, Franklin: Nordenskjld
(Umsegelung Asiens), Nansen, Peary; die Sdpolfahrer Borchgrevink und
Shackleton; der Erforscher Zentralasiens Sven Hedin.


 6. Machtentfaltung des zweiten franzsischen Kaiserreiches.

~Napoleon III.~, 1853 vermhlt mit der spanischen Grfin +Eugenie
von Montijo+ und Teba (1856 Geburt des Thronfolgers Louis, T 1879),
beschliet, den Plnen +Rulands+ in der Trkei entgegenzutreten (s.
S. 296). Kaiser +Nikolaus I.+, stolz auf seine Erfolge in Ungarn (S.
357f.) und gegenber Preuen (S. 360), sendet den Frsten +Menschikow+
nach Konstantinopel und fordert die Schutzherrschaft ber alle
griechischen Christen im trkischen Reiche; dagegen einigen sich
+Frankreich+ und +England+ zur Untersttzung des Sultans.

[~1853.~ Juni]

Eine franzsisch-englische Beobachtungsflotte wird am Eingang der
Dardanellen, spter im Bosporus aufgestellt.

[Juli.]

80000 Russen gehen ber den Pruth und besetzen die Donaufrstentmer.

[Sept.]

Zusammenkunft des Kaisers Nikolaus mit dem Kaiser von +sterreich+ in
Olmtz, dann mit dem Knig von +Preuen+ in Berlin, doch erreicht er
nicht das gewnschte Bndnis, sondern nur Versicherung der Neutralitt
unter bestimmten Voraussetzungen.

[Okt.]

Die Pforte erklrt den Krieg an Ruland. +Omer Pascha+ geht bei Widdin
ber die Donau und behauptet sich gegen die Russen bei +Oltenitza+ (4.
Nov.). Die russische Flotte berfllt und vernichtet ein trkisches
Geschwader bei +Sinope+ (30. Nov.). Auf die Weigerung des Kaisers,
die Donaufrstentmer zu rumen, folgt, nachdem in England ein
Whigministerium (~Palmerston~) ans Ruder gekommen ist, ein Bndnis der
Westmchte (Frankreich und England) mit der Trkei (1854, Mrz).

[~1854-1856.~]

~Krieg der Westmchte gegen Ruland (Krimkrieg).~

Der russische Feldherr +Paskjewitsch+ berschreitet die Donau,
belagert aber vergeblich +Silistria+. Frankreich und England schicken
Truppen nach der Trkei, welche bei +Gallipoli+ und +Varna+ landen.
+sterreich+, mit Preuen verbndet, verlangt, da die Russen die
Donaufrstentmer rumen; Kaiser Nikolaus befiehlt die Rumung aus
strategischen Grnden (1854, Juli). Eine zweite franzsisch-englische
Flotte erscheint in der Ostsee, vermag jedoch nichts gegen die Festung
+Kronstadt+ auszurichten und nimmt nur die kleine Festung +Bomarsund+,
auf einer der Alands-Inseln.

[~1854.~ 14. Sept.]

Landung der Franzosen und Englnder (zusammen 55000 Mann unter
Marschall St. Arnaud und Lord Raglan) an der Kste der ~Halbinsel
Krim~; auch 6000 Trken nehmen an dem Feldzuge teil.

[20. Sept.]

~Schlacht an der Alma~, Sieg ber die Russen.

[~1854-1855.~ Okt. Sept.]

~Belagerung von Sebastopol~, welches die Russen unter +Menschikow+
mit neuen Befestigungen (unter +Totlebens+ Leitung) umgeben, whrend
der Hafen durch Versenkung von Kriegsschiffen gesperrt wird. Nachdem
+Menschikow+ Verstrkung erhalten hat, greift er die Verbndeten von
neuem an, wird aber nach blutigem Kampfe in der

[~1854.~ 5. Nov.]

~Schlacht bei Inkerman~ zurckgeschlagen. Langsamer Fortgang der
Belagerungsarbeiten whrend des Winters. +sterreich+ tritt trotz der
frheren Dienste Rulands in Ungarn und gegen Preuen (Dez. 1854) dem
Bunde der Westmchte bei und stellt ansehnliche Streitkrfte an der
russischen Grenze auf, ohne jedoch wirklich den Krieg zu beginnen.
Seitdem +Spannung zwischen Ruland+ und +sterreich+. Preuen verharrt
(trotz Olmtz) in seiner neutralen Stellung, gewinnt damit ein
Anrecht auf Rulands Dank. Knig +Viktor Emanuel II. von Sardinien+
schliet ein Bndnis mit den Westmchten und schickt 15000 Mann unter
+Lamarmora+ nach der Krim. Die Belagerungsarmee wird bis zu 174000 Mann
verstrkt (28000 Trken).

[1855, 2. Mrz.]

Tod +Nikolaus' I.+, Kaisers von Ruland. Sein Sohn

[~1855-1881.~]

~Alexander II.~ lt die Verteidigung Sebastopols durch Frst
+Gortschakow+ weiterfhren. Groe Verluste der Belagerer durch
Krankheit, Entbehrungen und tgliche Kmpfe. Endlich nach dreitgiger
starker Beschieung

[~1855.~ 8. Sept.]

~Erstrmung des Malakowturms~ durch die Franzosen (unter +Plissier+),
des ~Redan~ durch die Englnder, die aber von den Russen wieder
hinausgeschlagen werden.

[11. Sept.]

Die Russen ziehen sich mittels einer Schiffbrcke in den nrdlichen
Teil der Festung zurck. Besetzung der Stadt +Sebastopol+ durch die
Verbndeten.

In Asien Einnahme der Festung +Kars+ durch die

[28. Nov.]

Russen.

[~1856.~ 30. Mrz.]

~Friede zu Paris~: 1. +Ruland+ tritt die +Donaumndungen+ mit
einem kleinen, am linken Ufer der untern Donau gelegenen Teil von
+Bessarabien+ ab. 2. Es entsagt der besonderen Schutzherrschaft
ber die Christen in der Trkei (deren Gleichstellung mit der
mohammedanischen Bevlkerung von der Pforte zugesichert wird)
und ber die Donaufrstentmer (deren Verhltnis spter geregelt
werden soll). 3. Es gibt +Kars+ zurck und verspricht, am Schwarzen
Meere keine Waffenpltze anzulegen und dort nicht mehr Schiffe als
die Pforte zu halten. 4. Die Westmchte geben +Sebastopol+ nach
Zerstrung der Hafenbauten und Befestigungen an Ruland zurck. -- Die
Moldau und Walachei werden 1859 vereinigt als Frstentum +Rumnien+
unter Oberhoheit des trkischen Sultans. Seit 1866 Frst +Karl von
Hohenzollern+ (1881 Knig).

Das ~zweite franzsische Kaiserreich~ gelangt durch diesen Krieg zu
hohem Ansehen in Europa. Zugleich Sorge Napoleons fr die innere
Verwaltung. Glnzende Bauten in +Paris+, 1855 Weltausstellung daselbst
(nach dem Vorbilde der Weltausstellung in London 1851).

[1856-1857.]

Zerwrfnis zwischen dem Knige von +Preuen+ und der +Schweiz+
infolge einer Erhebung der kniglich gesinnten Partei in +Neuchtel+
(Neuenburg) gegen die daselbst 1848 eingerichtete republikanische
Verfassung (S. 274, 354). Unter franzsischer Vermittelung wird durch
+Freilassung der Gefangenen+ seitens der Schweiz und +Verzichtleistung
auf Neuchtel+ durch den Knig von Preuen der Streit beigelegt.

[~1857.~ Okt.]

Wegen schwerer Erkrankung Knig +Friedrich Wilhelms IV.+ bernimmt sein
Bruder ~Wilhelm~, Prinz von Preuen, die Stellvertretung, ein Jahr
darauf die +Regentschaft+.

~Dnemark~ verzichtet auf Verlangen der am Ostseehandel beteiligten
Staaten auf die fernere Erhebung des +Sundzolls+ (S. 250) gegen eine
Entschdigung von 30 Mill. dn. Talern.

[~1857-1858.~]

~Aufstand in Ostindien~, erst nach furchtbarem Blutvergieen von
den Englndern unterdrckt. Die einheimischen Truppen (+Sepoys+),
gefhrt von dem Gromogul +Mohammed Bahadur Schah+, verteidigen sich
hartnckig in der alten Residenzstadt +Delhi+, belagern die Englnder
in +Lucknow+. Delhi wird erstrmt, Lucknow entsetzt. Nach Herstellung
der Ruhe wird die Ostindische Kompagnie (S. 300) aufgelst und die
Verwaltung der englischen Krone bertragen; seitdem steht ein Vizeknig
an der Spitze des Landes. 1876 nimmt die Knigin +Viktoria+ den Titel
+Kaiserin von Indien+ an.

[~1857-1860.~]

~Englisch-franzsischer Krieg gegen China.~

+Veranlassung+: Verletzungen des englisch-chinesischen Handelsvertrages
von 1842 seitens der Chinesen fhren im Oktober 1856 zu
Feindseligkeiten zwischen den Englndern und den chinesischen Behrden
von +Kanton+. Die franzsische Regierung, welche ebenfalls eine
nderung ihrer Handelsvertrge mit China wnscht, schliet sich den
englischen Forderungen an.

[1857.]

Dez. +Kanton+ durch die Verbndeten besetzt.

[1858. Juni.]

Vertrag von +Tientsin+, welcher dem europischen Handel und den
Missionen Zutritt in das Innere von China gewhrt und stehende
Gesandtschaften in der Hauptstadt +Peking+ gestattet.

Da die Ratifikation dieses Vertrages von den Chinesen unter nichtigen
Vorwnden hinausgeschoben wird, whrend die Forts von +Taku+ am Peiho
befestigt werden, landen franzsische und bald auch englische Truppen
und dringen (Sept. 1860) gegen +Peking+ vor. Schlacht bei +Palikao+;
der kaiserliche Sommerpalast vor Peking geplndert und verbrannt.
Darauf Friede von +Peking+ geschlossen; der Vertrag von Tientsin wird
erneuert, China zahlt an England 60 Mill. Franks, an Frankreich 30
Mill. als Entschdigung fr die Kriegskosten. Fr die auswrtigen
Angelegenheiten wird eine besondere Behrde (Tsunglijamen) eingesetzt
und dieser auch das von den Europern geleitete Seezollamt unterstellt.

~Japan~ ffnet sich dem Verkehr mit anderen Staaten williger als China.
Handelsvertrge mit den Vereinigten Staaten und mit England 1854,
mit Ruland 1855, mit +Preuen+ 1861 (ostasiatische Expedition unter
Fhrung des Grafen +Eulenburg+ 1859-62, der auch mit China und Siam
Handelsvertrge schliet). Seit Anfang 1867 Mikado +Mutsuhito+ (geb.
1852). Widerstand der Groen (Daimios) gegen die Zulassung der Fremden
(S. 220, 251), 1868 unterdrckt. Schon 1867 Abdankung des Shoguns (S.
251) und Wiederherstellung der Macht des Kaisers (S. 220); Berufung
einer Volksvertretung 1869. Der Mikado verlegt seine Residenz von Kioto
nach Tokio. Beginn der neuen ra fr Japan. Regelmige Parlamente
seit 1890. Viele Einrichtungen europischer Kultur eingefhrt; erste
Eisenbahn 1872. Das Heerwesen zuerst nach franzsischem, dann nach
preuischem Muster eingerichtet.

~Frankreich~ nimmt 1862 das Mndungsgebiet des +Mekong+ in
+Hinterindien+ in Besitz (+Cochinchina+). Napoleon III., bemht, die
Kolonialmacht seines Reiches zu entwickeln, ordnet 1865 persnlich die
Verhltnisse der Kolonie +Algier+ (S. 348, 354); General Mac-Mahon
1864-1870 Gouverneur daselbst.

~Ruland~ erwirbt 1860 von China das +Amur+gebiet, unterwirft 1859
die +Kaukasus+vlker, nimmt 1865-68 +Turkestan+ (Stdte Taschkent
und Samarkand) in Besitz, verkauft +Alaska+ 1867 fr 7 Mill. Dollar
an die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Innern ~Aufhebung der
Leibeigenschaft~ 1861 durch weise Maregeln Kaiser Alexanders II.
begonnen.

~Polen~ verliert nach Niederwerfung des Aufstandes von 1863 (S. 372)
seine letzten Freiheiten. Seitdem russische Sprache und Gesetze
eingefhrt (S. 350).


~Die nationale Einigung Italiens.~

+Napoleon III.+ untersttzt das Knigreich +Sardinien+ zu erneutem
Angriff auf die Herrschaft +sterreichs+ in Oberitalien (s. S. 356).
(+Orsinis+ Attentat und Testament.) Graf +Cavour+, Minister des
Knigs Viktor Emanuel II., verfolgt zugleich den Plan, den trostlosen
Zustnden in den andern italienischen Staaten ein Ende zu machen und
Italien politisch zu einigen.

[~1859.~]

~Krieg Frankreichs und Sardiniens gegen sterreich.~ Napoleon III.
bernimmt selbst den Oberbefehl ber die franzsischen Truppen, zieht
nach dem Siege bei ~Magenta~ (4. Juni, Gen. +Mac-Mahon+) zusammen mit
Viktor Emanuel in Mailand ein.

[24. Juni.]

~Schlacht bei Solferino~ (sdlich vom Gardasee), 111000 Franzosen und
50000 Sardinier gegen 140000 sterreicher unter Kaiser Franz Joseph.
Die feste Stellung der sterreicher wird erstrmt; sie ziehen sich in
das +Festungsviereck+ (Mantua, Peschiera, Verona, Legnago) zurck. Der
Prinzregent von Preuen zur Hilfeleistung bereit, verlangt aber fr
sich den Oberbefehl ber die +gesamte deutsche Streitmacht+ und vllige
Selbstndigkeit. sterreich dagegen fordert von ihm Unterordnung
unter die Befehle des Bundestages. Zusammenkunft der beiden Kaiser in
Villafranca, dann Waffenstillstand von +Villafranca+ (Juli) und (10.
Nov.) ~Friede zu Zrich~: 1. sterreich tritt die +Lombardei+ (mit
Ausnahme von +Mantua+ und +Peschiera+) an +Napoleon II.+ ab, der sie
an +Sardinien+ gibt. 2. Italien soll einen +Staatenbund+ bilden unter
dem Ehrenvorsitz des Papstes. 3. Die whrend des Krieges vertriebenen
Herrscher von +Toskana+ und +Modena+ sollen wieder eingesetzt, die
aufstndischen +Legationen+ (Bologna usw.) dem Papst zurckgegeben
werden, aber ohne fremde Intervention.

Trotz dieser Bestimmungen des Zricher Friedens werden durch
Volksabstimmung

[~1860.~]

+Toskana+, +Parma+ (wo der Herzog gleichfalls hatte fliehen mssen),
+Modena+ und die ppstlichen +Legationen+ mit der Monarchie Viktor
Emanuels vereinigt, wogegen dieser +Savoyen+ und +Nizza+ an Frankreich
abtreten mu.

Landung ~Garibaldis~ in +Sicilien+ (11. Mai) mit 1000 Freiwilligen,
deren Zahl sich schnell vermehrt. Palermo und Messina ohne groen
Widerstand eingenommen. Er setzt nach dem Festlande ber (20. Aug.);
Knig Franz II. verlt seine Hauptstadt +Neapel+ und zieht sich mit
40000 Mann hinter den +Volturno+ zurck. Unterdes waren +sardinische+
Truppen in Umbrien und die Marken eingerckt. Der in ppstliche Dienste
getretene franzsische General +Lamoricire+ wird in dem

[18. Sept.]

~Treffen bei Castelfidardo~ von +Cialdini+ geschlagen.

Der Kirchenstaat mit Ausnahme des Gebietes um Rom (+Patrimonium Petri+)
wird von Viktor Emanuel besetzt, der alsdann in das neapolitanische
Gebiet einrckt und sich mit Garibaldi vereinigt. Knig +Franz II.+
zieht sich mit seinen Truppen nach ~Gata~ zurck. Belagerung dieser
Festung; sie ergibt sich Febr. 1861.

[~1861.~ 17. Mrz.]

~Viktor Emanuel II. Knig von Italien.~ Mit Ausnahme von +Venetien+ und
dem Gebiet um +Rom+ (Patrimonium Petri) ist die ganze Halbinsel unter
+einem+ Scepter vereinigt. Die meisten der vertriebenen Frsten wenden
sich nach sterreich. Tod +Cavours+ 6. Juni 1861.

[1862.]

Neuer Freischarenzug +Garibaldis+, um gegen den Willen der Regierung
Rom zu befreien. Er wird am +Aspromonte+, der Sdspitze Italiens,
verwundet und gefangen, zieht sich dann nach der Insel +Caprera+ (bei
Sardinien) zurck.

[~1864.~ 15. Sept.]

Vertrag zwischen +Frankreich+ und +Italien+: die Dauer der
franzsischen Besetzung Roms (s. S. 363) auf noch 2 Jahre festgesetzt,
zur Hauptstadt Italiens wird ~Florenz~ bestimmt; die italienische
Regierung bernimmt den Schutz des Patrimonium Petri gegen jeden
fremden Einfall.

[~1861-1867.~]

~Krieg in Mexiko.~ Der 1861 in den Vereinigten Staaten von Amerika
ausgebrochene Brgerkrieg (s. u.  18) veranlat +Napoleon III.+ zu
einem weitausschauenden Unternehmen. Frankreich verbndet sich mit
+England+ und +Spanien+, um die Republik +Mexiko+ (Prsident +Juarez+)
zur Erfllung vertragsmiger Verpflichtungen gegen Kaufleute dieser
Lnder zu zwingen. Nach Besetzung der Hafenstadt +Veracruz+ kommt ein
Vertrag zustande; die franzsischen Truppen aber dringen weiter vor.
England und Spanien nehmen an dem nun beginnenden Kriege nicht teil.

[1863.]

Die Franzosen erobern +Puebla+, dann auch die Hauptstadt +Mexiko+; eine
dorthin berufene Nationalversammlung whlt den Erzherzog ~Maximilian~,
Bruder des Kaisers von sterreich (S. 282), zum ~Kaiser von Mexiko~.
Dieser erscheint 1864, kmpft gegen die republikanischen Truppen,
untersttzt von den Franzosen unter +Bazaine+, kann aber des Landes
nicht Herr werden. Die +Vereinigten Staaten+, wo mittlerweile der Krieg
zu Ungunsten der Sdstaaten entschieden ist, schreiten zu Gunsten der
Republik ein, nach dem von +Monroe+ (S. 346) ausgesprochenen Grundsatz.

[1867.]

Abzug der Franzosen aus Mexiko. Kaiser Maximilian setzt allein den
Kampf fort, wird nach tapferer Gegenwehr in +Queretaro+ eingeschlossen,
durch Verrat gefangen, auf Juarez' Befehl vor ein Kriegsgericht
gestellt und erschossen. +Juarez+, 1871 als Prsident wiedergewhlt,
hat mit Parteikmpfen zu ringen, T 1872. Geordnete Zustnde stellt der
Prsident Porfirio +Diaz+ (1877-1911) her (s. u.  18).

Napoleons III. Ansehen in Frankreich durch das Fehlschlagen der
Expedition nach Mexiko schwer erschttert; er versucht es durch
+Einmischung in die deutschen Verhltnisse+ wiederherzustellen.


 7. Deutschlands Einigung durch Preuen.

[~1861.~ 26. Febr.]

In ~sterreich~ wird eine neue ~Gesamtstaatsverfassung~ verkndigt
(engerer Reichsrat fr die deutsch-slavischen Lnder, weiterer
Reichsrat durch Hinzutritt der ungarischen Abgeordneten fr die
gemeinsamen Angelegenheiten). Widerstand gegen diese Verfassung
besonders von seiten der +Ungarn+, welche die Wiederherstellung ihrer
besonderen Verfassung mit eigenem Ministerium und die politische
Wiedervereinigung der seit 1849 abgetrennten Lnder Siebenbrgen,
Kroatien, Slawonien und der Militrgrenze mit dem Knigreich Ungarn
verlangen (S. 357 f.)

[2. Jan.]

In ~Preuen~ nach dem Tode Friedrich Wilhelms IV. Knig ~Wilhelm
I.~;[58] Krnung in +Knigsberg+ 18. Okt. Bald darauf bricht
infolge der von der Regierung auf Veranlassung des Knigs
durchgefhrten +Verstrkung des Heeres+ (Kriegsminister +v. Roon+) ein
~Verfassungsstreit~ aus.

[~1862.~]

Auflsung des Abgeordnetenhauses. Die oppositionelle Mehrheit kehrt
infolge der Neuwahlen verstrkt zurck.

[23. Sept.]

Ministerprsident ~v. Bismarck.~[59] Die Verstrkung des Heeres wird
aufrecht erhalten; das +Staatshaushaltsgesetz+ kommt in diesem und den
nchsten Jahren nicht zustande.

Der Kurfrst von +Hessen+ (S. 360) wird gentigt, die vom deutschen
Bundestage nunmehr gebilligte Verfassung von 1831 anzuerkennen.

[~1863.~]

+Aufstand in Polen.+ Intervention der drei Mchte England, Frankreich,
sterreich zu Gunsten der Polen ohne Erfolg. Preuen schliet einen
Vertrag mit Ruland und sperrt seine Grenzen fr die Aufstndischen
aufs strengste ab. Damit erwirbt es sich ein weiteres Anrecht auf
Rulands Dank (S. 366).

[Aug.]

~Frstentag zu Frankfurt am Main~ unter Vorsitz des Kaisers +Franz
Joseph,+ zur Beratung einer +Reform des Deutschen Bundes+ (Direktorium
von 5 Frsten und Bundesrat unter sterreichs Vorsitz, Parlament aus
Abgesandten der Landtage der Einzelstaaten). Die Beratungen bleiben
erfolglos, da +Preuen+ die Beteiligung ablehnt.

Durch die wiederholte Verletzung des Londoner Protokolls, besonders
aber durch das dnische Patent vom 30. Mrz 1863 und die in Kopenhagen
von den +Eiderdnen+ durchgesetzte gemeinsame +Verfassung+ fr
Dnemark und Schleswig, welche +Schleswig+ mit ~Dnemark~ vereinigt,
also von Holstein trennt und die Rechte der holsteinischen Stnde (S.
362) auf ein geringes Ma herabdrckt, wird die seit 1852
gegenber den bergriffen der Dnen oft bewhrte Geduld des deutschen
+Bundestages+ erschpft; er beschliet (1. Okt. 1863) ~Bundesexekution~
gegen Dnemark.

[~1863.~ 15. Nov.]

Tod Friedrichs VII.; nach dem Londoner Protokoll (S. 362) folgt
+Christian IX.+ (T 1906). Dieser besttigt die Gesamtstaatsverfassung.
Groe Aufregung in Deutschland; man fordert vollstndige +Trennung+
Schleswig-Holsteins von Dnemark und sofortige Besetzung des ganzen
Landes durch deutsche Bundestruppen. Aber auf Antrag +sterreichs+ und
+Preuens+, welche sich durch das Londoner Protokoll gebunden erklren,
bringt der Bundestag nur seinen frheren Beschlu zur Ausfhrung und
lt 12000 +Hannoveraner+ und +Sachsen+ in die zum Bunde gehrigen
Herzogtmer +Holstein+ und +Lauenburg+ einrcken. In Holstein wird
+Friedrich VIII.+ von Augustenburg (S. 362) als Herzog ausgerufen.

[~1864.~]

~Krieg gegen Dnemark.~

+sterreich+ und +Preuen+ verlangen (Jan. 1864) die Aufhebung
der neuen dnischen Verfassung, weil sie den 1852 bernommenen
Verpflichtungen widerspreche. Da Dnemark sich weigert, rcken 37000
Preuen und 23000 sterreicher unter dem Oberbefehl des preu.
Feldmarschalls +v. Wrangel+ in Schleswig ein. Holstein bleibt von den
Bundestruppen besetzt. Die sterreicher rcken auf das +Danewerk+
los; die Preuen gehen nach einem vergeblichen Versuch bei +Missunde+
bei +Arnis+ ber die +Schlei+. Darauf Rckzug der dnischen Truppen
(35000 Mann) aus dem Danewerk; der grte Teil zieht nach +Dppel+.
General +v. Moltke+[60] trifft beim Oberkommando der Verbndeten ein.
Die sterreicher unter +Gablenz+ dringen nach siegreichem Kampfe bei
+versee+ (6. Febr.) vereint mit einem Teil der Preuen in +Jtland+
ein; die preuischen Hauptkrfte bernehmen die Belagerung der Dppeler
Schanzen.

[~18. Apr.~]

~Die Preuen erstrmen die Dppeler Schanzen~ (118 Geschtze erobert).
Die Dnen ziehen sich nach Alsen, Fnen und Nordjtland zurck, rumen
auch die Festung Fridericia.

[12. Mai bis 25. Juni.]

~Waffenruhe~, Verhandlungen zu ~London~. Da man sich weder ber eine
+Personal-Union+ der Herzogtmer mit der Krone Dnemark, noch ber eine
+Teilung Schleswigs+ nach den Nationalitten einigen kann (Dnemark
hofft vergeblich auf Hilfe von England und Ruland), so sagt Preuen
sich von dem durch Dnemark so oft gebrochenen Londoner Protokoll
los, und der Krieg beginnt von neuem. -- Die +Preuen+ unter General
+Herwarth von Bittenfeld+ bewerkstelligen bei Nacht auf Khnen den

[~1864. 29. Juni.~]

~bergang nach der Insel Alsen~, schlagen die Dnen auf allen Punkten
und treiben sie nach Fnen hinber. Auch Nordjtland wird von den
Verbndeten besetzt.

Zur See hatten am 17. Mrz drei preuische Schiffe bei +Jasmund+ (an
der Ostseite von Rgen), am 9. Mai zwei sterreichische und drei
preuische Schiffe bei +Helgoland+ gegen die Dnen gekmpft; vom 13.
bis 17. Juli gelang mit Hilfe der Kanonenboote die Besetzung der Inseln
+Sylt+ und +Fhr+.

[20. Juli.]

Waffenstillstand, Verhandlungen in Wien.

[22. Aug.]

~Genfer Konvention~ zum Schutz der Verwundeten und Kranken im Kriege,
von den meisten europischen Staaten unterzeichnet (das Rote Kreuz).

[30. Okt.]

~Friede zu Wien~: Knig Christian IX. von Dnemark tritt die
Herzogtmer Schleswig, Holstein und Lauenburg an +sterreich+ und
+Preuen ab+.

Die Bundestruppen verlassen Holstein; sterreich und Preuen setzen fr
die Herzogtmer eine +gemeinschaftliche Regierung+ ein. Mistimmung
darber in den Herzogtmern und vielfach in Deutschland; man wnscht
ein +selbstndiges Schleswig-Holstein+. sterreich begnstigt die
Einsetzung des Prinzen Friedrich von Augustenburg; der preuische
Minister +v. Bismarck+ verlangt (Febr. 1865) fr den Fall, da zu den
in Deutschland vorhandenen Kleinstaaten ein neuer hinzutreten soll:
1. Da dessen gesamte Streitkrfte ein Teil der preuischen Armee und
Flotte werden, 2. Seine Eisenbahnen, sein Post- und Telegraphenwesen
unter preuische Leitung kommen, 3. Eintritt der Herzogtmer in den
Zollverein und Abtretung einiger militrisch wichtiger Orte, namentlich
Friedrichsort an der Kieler Frde und Sonderburg.

Um Streitigkeiten zwischen den Regierungskommissaren der beiden
Gromchte fernerhin zu vermeiden, schlieen sterreich und Preuen den

[~1865.~ 14. Aug.]

~Vertrag zu Gastein~: 1. Beide Mchte behalten die gemeinschaftliche
Oberhoheit ber +beide+ Herzogtmer; +sterreich+ bernimmt +vorlufig+
die Verwaltung in Holstein, +Preuen+ in Schleswig. +Rendsburg+ soll
Bundesfestung, +Kiel+ Bundeshafen werden; die Benutzung dieses Hafens
bleibt gemeinschaftlich, doch erhlt +Preuen+ dort den Oberbefehl;
auch werden ihm zwei Militrstraen, Telegraphen- und Postlinien durch
Holstein zugesichert. 3. sterreich tritt das Herzogtum +Lauenburg+
(S. 341) an Preuen ab gegen Zahlung von 2 Millionen dnischer
Taler. Bald zeigt sich, da diese Einigung keinen Bestand haben kann.
sterreich, entschlossen, eine wesentliche Machtvergrerung Preuens
nicht zuzugeben, verstndigt sich mit den +deutschen Mittelstaaten+;
Preuen, welches eine kriegerische Entscheidung der deutschen Frage
als unvermeidlich ansieht, tritt mit +Italien+ in Unterhandlung. Es
beginnt ein +Krieg,+ der durch das energische Vorgehen der preuischen
Heeresmacht schnell zu Ende gefhrt wird.


~1866. Der deutsche Krieg.~

Verbndete ~Preuens~: Die +kleineren norddeutschen+ Staaten und
+Italien+ (s. S. 379).

Verbndete ~sterreichs~: +Bayern, Wrttemberg, Sachsen, Hannover,
Baden, beide Hessen.+

~Ursache~: Das Verlangen der deutschen Nation nach grerer Einheit.
Eine Neugestaltung Deutschlands mit starker Bundesgewalt gegenber den
Einzelstaaten war unmglich, solange sich im Deutschen Bunde +zwei+
Gromchte gegenberstanden, von welchen die eine grtenteils +nicht
deutsche+ Bevlkerung und +nicht deutsche+ Interessen hatte.

~Veranlassung~: Der Streit ber die Zukunft der Herzogtmer Schleswig
und Holstein.

[~1866.~ 9. April.]

Preuen stellt bei dem +Bundestage+ in Frankfurt den
Antrag auf +Reform der Verfassung des Deutschen Bundes+ unter Mitwirkung
eines aus allgemeinem Wahlrecht hervorgehenden +Parlaments.+

Die von +Frankreich, England+ und +Ruland+ (24. Mai) angebotene
Vermittelung wird vereitelt durch die Forderung sterreichs, da auf
der etwaigen +Friedenskonferenz+ von keiner +Gebietsvernderung+ die
Rede sein solle.

sterreich stellt (1. Juni) die Entscheidung der
schleswig-holsteinischen Erbfolgefrage dem +Deutschen Bunde+ anheim
und lt durch den Gouverneur +v. Gablenz+ die holsteinische
Stndeversammlung einberufen. Preuen erklrt dies fr einen Bruch des
Gasteiner Vertrages; Gen. +v. Manteuffel,+ Gouverneur von Schleswig,
rckt mit Truppen in Holstein ein. Gablenz mit den sterreichischen
Truppen zieht sich unter Protest zurck.

[10. Juni.]

Preuen legt den deutschen Regierungen den Entwurf einer
neuen +bundesstaatlichen+ Verfassung unter preuischer Leitung mit
Ausschlu sterreichs vor. Der Bundestag zu Frankfurt beschliet auf
sterreichs Antrag

[14. Juni.]

~Mobilmachung~ der gesamten ~Bundesarmee~ mit Ausnahme der
drei preuischen Bundesarmeekorps. Austritt Preuens und ~Auflsung~
des ~Deutschen Bundes~.

[~1866.~ 15. Juni.]

Aufforderung +Preuens+ an +Sachsen, Hannover+ und +Kurhessen+, von dem
Bundesbeschlu zurckzutreten, ihre Truppen auf Friedensfu zu setzen
und sich dem vorgeschlagenen neuen Bunde unter preuischer Leitung
anzuschlieen. Diese Aufforderung wird abgelehnt.


~A. stlicher (Haupt-) Kriegsschauplatz.~


~Preuen gegen sterreicher und Sachsen.~

~Preuen~: +Erste Armee+ (~Prinz Friedrich Karl~) i. d. +Lausitz,+
93000 M. +Elbarmee+ (General +Herwarth v. Bittenfeld+) i. d. Provinz
+Sachsen+, 46000 M. +Erstes Reserve-Korps+ (General +v. d. Mlbe+) bei
+Berlin+, 24000 M. +Zweite Armee+ (~Kronprinz Friedrich Wilhelm~) in
+Schlesien+, 115000 M.

~sterreich~: +Nordarmee+ (~Feldzeugmeister v. Benedek~) in +Bhmen+
und +Mhren+, 240000 M.

+Schsische Armee (Kronprinz Albert)+ 24000 M.

[16. Juni.]

Einmarsch der preuischen Elbarmee in Sachsen. Knig Johann begleitet
seine Truppen nach +Bhmen+; nur die Festung +Knigstein+ bleibt von
schsischen Truppen besetzt.

[19. Juni.]

Die Elbarmee besetzt +Dresden+; bei ihrem weiteren Vormarsch bleibt die
1. Division des +Korps v. d. Mlbe+ als Besatzung in Sachsen.

[23. Juni.]

Die preuische Elb- und die erste Armee berschreiten die
+sterreichische Grenze ohne Gefecht,+ die zweite Armee folgt am 26.
Juni; gemeinsames Ziel +Gitschin+.

Erstes Zusammentreffen an der +Iser+: Siegreiche Gefechte der
Preuen am 26. Juni bei +Podol+ (Teile der +ersten Armee+) und bei
+Hhnerwasser+ (Teile der +Elbarmee+); dann gewinnen beide Armeen
Anschlu und sind bei +Mnchengrtz+ (28. Juni) und +Gitschin+ (29.
Juni) siegreich.

Das zur preuischen +zweiten Armee+ gehrige Korps v. Bonin wird am
27. Juni von den sterreichern bei +Trautenau+ geschlagen, aber die
preuische Garde dringt siegreich vor bei +Soor+ (28. Juni) und besetzt
+Kniginhof+ (29. Juni). Vereinigung mit dem Korps des Generals von
Steinmetz, welcher drei sterreichische Korps bei +Nachod+ (27. Juni),
+Skalitz+ (28. Juni), +Schweinschdel+ (29. Juni) zurckgeschlagen hat.

~Knig Wilhelm I.~ trifft am 1. Juli in Gitschin ein und bernimmt den
~Oberbefehl~ ber ~alle preuischen Heere~; Chef des Generalstabes
~General v. Moltke.~ Es wird beschlossen, mit vereinten Krften die
sterreicher anzugreifen, welche hinter dem Flchen +Bistritz+ auf den
Hhen von +Chlum+, im Rcken gedeckt durch die Festung +Kniggrtz,+
ihre Aufstellung genommen hatten (206000 Mann mit ber 500 Geschtzen).

[~1866.~ 3. Juli.]

~Schlacht bei Kniggrtz.~ Harter Kampf der ersten preuischen
Armee bei +Sadowa+ und +Benatek+ gegen die sterreicher; groe
Verluste erleidet die Division des Generals v. Fransecky im Walde
von +Masloved+. Auf dem rechten Flgel kmpft die ~Elbarmee~ bei
+Nechanitz+ gegen Sachsen und sterreicher. Am Nachmittag kommt die
zweite (schlesische) Armee unter dem +Kronprinzen+ nach anstrengendem
Marsche von links her den sterreichern in die Flanke; das Gardekorps
erstrmt die Hhe von +Chlum+. Rckzug der sterreicher nach
+Kniggrtz+, die Preuen erbeuten 5 Fahnen, 161 Geschtze, machen
20000 Gefangene. Weiterer Rckzug nach +Olmtz+.

Kaiser +Franz Joseph+ ruft Frankreichs Vermittelung an und tritt
+Venetien+ an Napoleon III. ab; der von Frankreich begehrte
Waffenstillstand wird jedoch von +Preuen+ und von +Italien+
zurckgewiesen. Ein groer Teil der sterreichischen Sdarmee wird aus
Italien zum Schutze der bedrohten Hauptstadt +Wien+ herangezogen. Die
Preuen besetzen ~Prag~ (8. Juli) und ~Brnn~ (12. Juli); die erste
Armee rckt von Brnn aus rasch gegen +Wien+ vor, whrend die zweite
nach dem Treffen bei +Tobitschau+ (15. Juli, General v. Bonin) durch
Besetzung von +Prerau+ die Eisenbahnverbindung zwischen Olmtz und Wien
abschneidet.

Benedek fhrt seine Truppen ber die +Kleinen Karpathen+, um Wien auf
dem Umwege durch das Waagtal zu erreichen. Das preuische Hauptquartier
wird am 18. Juli nach +Nikolsburg+ (sdlich der Taya) verlegt. Das
Treffen bei ~Blumenau~ (unweit +Preburg+) am 22. Juli (General +v.
Fransecky+) entscheidet sich bereits zu Gunsten der Preuen, als es um
12 Uhr abgebrochen werden mu infolge der mittlerweile abgeschlossenen
+fnftgigen Waffenruhe+. Darauf

[~26. Juli.~]

~Waffenstillstand zu Nikolsburg~, nachdem ohne Frankreichs Mitwirkung,
aber mit Rcksicht auf seine Forderungen, die +Friedensprliminarien+
unterzeichnet worden sind.


~B. Westlicher Kriegsschauplatz.~


~a) Preuen gegen Hannover und Kurhessen.~

~Preuische Westarmee~: General ~Vogel v. Falckenstein~; sie ist
zunchst noch getrennt: Division Goeben bei +Minden+, Division
Manteuffel in +Holstein+, Division Beyer bei +Wetzlar+, zusammen 48000
M.

+Hannoveraner+ 21000 M., +Kurhessen+ 8000 M.

[~1866.~ 16.-18. Juni.]

Die preuische Westarmee besetzt +Hannover+ und +Kurhessen+.

Abmarsch der +hannoverschen+ Truppen ber +Gttingen+ nach
+Heiligenstadt+ zur Vereinigung mit den sddeutschen Bundeskorps,
die aber nicht erreicht wird. Knig +Georg V.+ begleitet sein Heer.
Die +Kurhessen+ gewinnen durch schleunigen Abmarsch Anschlu an
die Sddeutschen, finden im Laufe des Feldzuges als Besatzung von
+Mainz+ Verwendung. +Kurfrst Friedrich Wilhelm+ von Hessen kommt als
Gefangener nach +Stettin+.

[~1866. 27. Juni.~]

Gefecht bei ~Langensalza~ zwischen 20500 +Hannoveranern+ und 8500
+Preuen+ und +Koburg-Gothaern+ (Gen. +v. Flies+). Die Preuen mssen
sich nach 7stndigem, hartem Kampfe zurckziehen; aber durch schnelles
Herbeiziehen von Verstrkungen (Generale +v. Manteuffel+ und +v.
Beyer+) wird der Zweck erreicht, der hannoverschen Armee den Weg zu
ihren sddeutschen Verbndeten zu verlegen.

[29. Juni.]

~Kapitulation von Laugensalza~. Das Heer wird aufgelst und entwaffnet
(mit Ausnahme der Offiziere); Knig +Georg V.+ begibt sich nach
sterreich.


~b) Preuen gegen die Sddeutschen.~

~Die preuische Mainarmee,~ bisher Westarmee (S. 377) 45000 M. Bei
dem spter eintreffenden Korps des Groherzogs +Friedrich Franz+ von
Mecklenburg-Schwerin die Truppen von Mecklenburg, Sachsen-Altenburg und
Braunschweig.

Nach Langensalza erhlt die +Mainarmee+ den Auftrag, ber Fulda auf
Schweinfurt zu marschieren, um die Vereinigung der beiden sddeutschen
Korps zu verhindern und zunchst die Bayern zu schlagen.

~Fr sterreich~: Das VII. Bundes-Armeekorps (+Bayern+-Versammlung
bei Schweinfurt) 40000 M. und das VIII. Bundes-Armeekorps
(Wrttemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau und eine sterreichische
Brigade-Versammlung bei +Frankfurt a. M.+) 46000 M. Oberbefehl: Prinz
+Karl von Bayern.+

Die +Mainarmee+ besiegt die +Bayern+ bei ~Dermbach~ (4. Juli) und an
der Frnkischen Saale (Kissingen 10. Juli), die +Hessen+ bei ~Laufach~
(13. Juli) und das +VIII+. Korps bei ~Aschaffenburg~ (14. Juli).
Dadurch werden die Verbndeten (dauernd getrennt) auf das +linke
Mainufer+ gedrngt; am 16. Juli besetzt General +v. Falckenstein+
Frankfurt, von wo sich der Bundestag nach +Augsburg+ geflchtet hat.

Fortsetzung des Feldzuges unter dem Oberbefehl des Gen. ~v.
Manteuffel~. Gefechte bei +Tauberbischofsheim+ gegen die Wrttemberger
und bei +Werbach+ gegen die Badener (24. Juli), bei +Robrunn+ gegen
die Bayern (26. Juli). Die Bayern behaupten noch die Citadelle von
+Wrzburg+, aber das von Leipzig her vorrckende Reservekorps des
Groherzogs von Mecklenburg (25000 M.) besetzt ~Nrnberg~ (31. Juli).
Waffenstillstand am 2. August.


~C. Krieg zwischen sterreich und Italien.~

Italien zum Bndnis mit Preuen veranlat durch die gnstige
Gelegenheit, +Venetien+ zu gewinnen.

Die sterreichische Sdarmee (138000 Mann) unter Erzherzog +Albrecht+
sammelt sich bei Verona. Von den Italienern (210000 Mann) rckt ein
Korps von Bologna her gegen den Po vor, der grte Teil berschreitet
unter Fhrung des Knigs +Viktor Emanuel+ den Mincio, wird aber am
24. Juni bei ~Custozza~ geschlagen. Neues Vorgehen der Italiener,
nachdem ein groer Teil der sterreichischen Truppen zum Schutze Wiens
abberufen ist. Die italienische Flotte wird am 20. Juli bei der Insel
~Lissa~ von der sterreichischen (Admiral +Tegethof+) geschlagen.
Waffenstillstand am 25. Juli.

[~1866.~ 23. Aug.]

~Friede zu Prag~ zwischen +Preuen+ und +sterreich+: 1. Der Kaiser
von sterreich erkennt die +Auflsung des Deutschen Bundes+ an, gibt
seine Zustimmung zu einer ~Neugestaltung Deutschlands ohne sterreich~,
erkennt im voraus die in Norddeutschland von +Preuen+ vorzunehmenden
Gebietsvernderungen an, bedingt aber dem Knigreich Sachsen
unvernderten Bestand (als Glied des neuen Norddeutschen Bundes) aus.
2. +sterreich+ bertrgt seine Rechte auf +Schleswig-Holstein+ an
+Preuen+, nur soll der nrdliche Teil Schleswigs mit Dnemark wieder
vereinigt werden, wenn die Bevlkerung den Wunsch dazu durch freie
Abstimmung zu erkennen gibt (aufgehoben 1878). 3. +sterreich+ zahlt
20 Millionen Taler Kriegskosten. 4. +Preuen+ bedingt die bergabe
+Venetiens+ an Italien aus.

~Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau~ und die freie Stadt
~Frankfurt~ werden mit der preuischen Monarchie vereinigt. Die
sddeutschen Staaten und Sachsen mssen einzeln Frieden schlieen und
Kriegskosten zahlen. -- Von den beabsichtigten Gebietsabtretungen der
Sdstaaten wird in der Hauptsache Abstand genommen (nur Bayern und
Hessen mssen Grenzstriche abtreten, jenes +Orb+ und +Gersfeld+, dieses
die eben geerbte Landgrafschaft +Hessen-Homburg+), weil Napoleon III.
Deutschland gegenber das Verlangen nach einer +Grenzberichtigung+
zeigt (s. S. 377).

Zwischen ~Preuen~ und den ~Sdstaaten~ werden Schutz- und
Trutzbndnisse geschlossen: Gegenseitige Garantie des Gebiets, die
sddeutschen Staaten stellen fr den Fall eines Krieges ihre gesamten
Streitkrfte unter den Oberbefehl des Knigs von Preuen. Das
Verlangen Napoleons III. (Abtretung der bayrischen Rheinpfalz und des
linksrheinischen Hessen mit +Mainz+) wird zurckgewiesen.

[3. Okt.]

~Friede zu Wien~ zwischen +sterreich+ und +Italien.+ Venetien wird mit
dem Knigreich Italien vereinigt.

[~1866.~ 3. Sept.]

Beilegung des +Verfassungsstreits+ in Preuen (S. 372) durch ein vom
Landtage angenommenes +Indemnittsgesetz+ wegen der seit 1862 ohne
Staatshaushaltsgesetz gefhrten Verwaltung.

Der ~Norddeutsche Bund~, gebildet von +Preuen+, den im Kriege mit
ihm verbndet gewesenen Staaten, dem Knigreich +Sachsen+ und der
nrdlichen Hlfte des Groherzogtums +Hessen.+ Erster ~Reichstag~
des Norddeutschen Bundes 1867 in ~Berlin~; die Verfassung wird
vereinbart. Bundesleitung bei der Krone ~Preuen~, welche den Bund
vlkerrechtlich vertritt, in seinem Namen Krieg erklrt, Frieden
und Bndnisse schliet, Gesandte beglaubigt. Die Vertretung der
Regierungen bildet der ~Bundesrat~, in dem Preuen 17, die brigen 21
Bundesglieder zusammen 26 Stimmen haben. Reichstag aus +allgemeinen+
und +direkten+ Wahlen. Einheitliches Heer unter dem Oberbefehl des
Knigs von Preuen (allgemeine Wehrpflicht), einheitliche Zoll-, Post-
und Telegraphenverwaltung. Graf +Bismarck+ ~Bundeskanzler~.

[~1868.~]

Deutsches +Zollparlament+. Abgeordnete aus den sddeutschen Staaten
erscheinen im norddeutschen Reichstag, um die durch Vertrag zwischen
den Regierungen 1867 angebahnte Wiederherstellung des +Zollvereins+ (S.
361) durchzufhren.

Die preuische Flotte (S. 361) wird zur +norddeutschen Kriegsflotte+;
Kriegshfen werden in +Kiel+ und +Wilhelmshaven+ angelegt. Bestand
der Flotte 1870: 3 Panzerfregatten, 2 Panzerfahrzeuge, 9 Korvetten, 2
Avisos, 22 Kanonenboote.

[~1867.~]

Streit ber Luxemburg. Napoleon III. unterhandelt, um fr Frankreich
doch eine Vergrerung zu gewinnen (S. 379), mit dem Knig der
Niederlande ber +Abtretung des Groherzogtums Luxemburg an Frankreich+
gegen eine Geldentschdigung und verlangt, da die frher zum Deutschen
Bunde (S. 341), nicht aber zu dem neuen Norddeutschen Bunde gehrende
Festung Luxemburg von der +preuischen Besatzung+ gerumt werde.

Ausgleich durch Beschlu einer Konferenz der Gromchte zu London
(+Italien+ als sechste Gromacht anerkannt): 1. Die Neutralitt des
Groherzogtums wird von den Gromchten +gemeinsam+ gewhrleistet;
2. Die preuische Besatzung rumt die Stadt +Luxemburg+, deren
Festungswerke geschleift werden.

~Ende des Kirchenstaates~. +Italienische+ Freischaren machen mit
stillschweigender Gutheiung ihrer Regierung 1867 (Sept.) einen Angriff
auf das ppstliche Gebiet. Napoleon III. erklrt den frheren Vertrag
(S. 370) fr gebrochen und schickt dem Papste Hilfe. Die Freischaren
werden bei +Mentana+ geschlagen; ihr Fhrer +Garibaldi+ wird nach
kurzer Haft wiederum nach +Caprera+ entlassen. ~Rom~ erhlt von neuem
eine ~franzsische Besatzung~ (S. 363, 370).

[~1869.~ 8. Dez.]

Erffnung des ~Vatikanischen Konzils~ in Rom, durch welches das
Ansehen des Papsttums nach der Einschrnkung seiner weltlichen
Herrschaft gesichert und erhht werden soll. Verkndung des
+Unfehlbarkeits-Dogmas+ am 18. Juli 1870. Am 20. Sept. 1870 wird Rom
von den italienischen Truppen besetzt, da die franzsische Besatzung
zurckgezogen ist (s. S. 385). ~Aufhebung des Kirchenstaates.~ +Rom
wird Hauptstadt des geeinigten Italiens.+


 8. Deutsch-franzsischer Krieg 1870-1871.

~Ursache~: Die Meinung der Franzosen, da ihrer Nation auf dem
europischen Festlande eine herrschende Machtstellung zukomme. Letztere
hatte die Schwche der Nachbarstaaten, vor allem Deutschlands zur
Voraussetzung. Die Begrndung des italienischen Einheitsstaates und
die Entstehung eines mchtigen deutschen Bundesreiches erschien den
Franzosen wie eine Schmlerung ihres Ruhmes.

~Veranlassungen~: 1. Die inneren Verlegenheiten der Regierung Napoleons
III., welcher, fr seinen Thron frchtend, dem gesetzgebenden Krper
(S. 355) erweiterte Rechte zgernd zugesteht; 2. Die Ablehnung der seit
1866 wiederholt verlangten Ausgleichungen fr die Vergrerung Preuens
an Land und Macht (S. 379, 380). Der von Napoleon durch Benedetti
1867 schriftlich in Berlin eingereichte Vertragsentwurf, nach welchem
Napoleon Luxemburg und Belgien besetzen und dafr Preuen die Aufnahme
der sddeutschen Staaten in den Norddeutschen Bund gestatten wollte,
war von Bismarck dilatorisch behandelt worden.

~Vorwand~: Die bertragung der spanischen Krone an den Prinzen +von
Hohenzollern+ (s. u.  16), die in Paris als eine +preuische+,
Frankreich gefhrdende Intrige dargestellt wird.

Das durch den franzsischen Botschafter +Benedetti+ in Ems (9. Juli)
an Knig Wilhelm I. gestellte Verlangen, dem Prinzen von Hohenzollern
die Annahme der spanischen Krone zu verbieten, wird zurckgewiesen.
Nach dem freiwilligen Rcktritt des Prinzen verlangt die franzsische
Regierung eine Erklrung des Knigs, da er die Bewerbung des Prinzen
um die spanische Krone in Zukunft niemals wieder zulassen werde.
Knig Wilhelm weist den franzsischen Botschafter ab (13. Juli);
Graf Bismarck lt die Nachricht davon gebende Emser Depesche
in verkrzter Form alsbald durch die Zeitungen verbreiten. Darauf
Kriegserklrung Frankreichs (19. Juli). Die +sddeutschen Staaten+
schlieen sich unverzglich auf Grund der bestehenden Bndnisse (S.
379) der Kriegsrstung des Norddeutschen Bundes an.


A. Krieg gegen die kaiserliche Armee.


~Deutsche Streitkrfte, Oberbefehl Knig Wilhelm I.~

+Chef des Generalstabes+: General ~v. Moltke.~

Am 31. Juli stehen bereit:

I. Armee (General ~v. Steinmetz~) +sdlich+ von +Trier+, 60000 M.

II. Armee (Prinz ~Friedrich Karl~) +sdlich+ von +Mainz+, 194000 M.
einschl. Reserve.

III. Armee (hierbei zwei Bayr. Korps, sowie Wrttemb. und Badische
Div.; ~Kronprinz von Preuen~) +zwischen Landau+ und +Speier+, 130000 M.

Drei Armeekorps (100000 M.) werden Anfang August zur Verstrkung
herangezogen.

Zur +Kstenverteidigung+: General-Gouverneur +Vogel v. Falckenstein+,
17. Division und Landwehr.

Zusammen (einschl. aller Besatzungs- und Ersatztruppen) nahezu eine
Million Mann.

~Feldzugsplan~: Eroberung von Paris, auf dem Wege dahin Abdrngen des
Feindes von dem reichen Sden in das engere Hinterland des nrdlichen
Frankreichs. +Angreifen+ unter Zusammenhalten der Krfte, wo sich der
Feind stellt.

~Franzsische Streitkrfte~: 300000 M., vorlufig als Rheinarmee unter
Oberbefehl des Marschalls +Bazaine+. Davon stehen:

Marschall ~Mac-Mahon~ bei +Straburg+ mit 100000 M.,

Marschall ~Bazaine~ bei +Metz+ mit 150000 M.,

Reserven bei +Nancy+ und +im Lager von Chlons-sur-Marne+,

zusammen 50000 M. Auerdem knnen noch 115 Bataillone ins Feld rcken,
sobald die +Nationalgarde+ sie im Innern des Landes ersetzt.

Auch der franzsische Feldzugsplan geht auf +berraschenden Angriff+
aus, wird aber zu langsam ausgefhrt.

Eine +franzsische Flotte+ erscheint in der +Ostsee+, bald darauf
eine zweite in der +Nordsee+; es kommt aber zu keiner Landung. Die
+norddeutsche Flotte+ bewacht die Flumndungen; 17. Aug. Gefecht
der +Grille+, von 3 Kanonenbooten untersttzt, bei +Rgen+ gegen 8
franzsische Schiffe. Im Sept. ziehen beide franzsische Flotten sich
zurck. 9. Nov. Kampf des Kanonenboots +Meteor+ bei +Havanna+ gegen ein
greres franzsisches Schiff, das zum Rckzug in den Hafen gentigt
wird. Im Januar 1871 nimmt die Korvette +Augusta+ in der +Gironde+
franzsische Transportschiffe weg, mu dann aber in einem spanischen
Hafen Schutz suchen.

+Bismarck+ erreicht (29. Juli) durch eine aktenmige Enthllung
der Anerbietungen Napoleons auf Kosten Sddeutschlands, Luxemburgs
und Belgiens, da England, Dnemark, sterreich und Italien neutral
bleiben. Ruland tritt diplomatisch fr Preuen in Wien ein.

[~1870.~ 2. Aug.]

Die Franzosen, von +Metz+ her vorrckend, besetzen durch ein Armeekorps
in Gegenwart des Kaisers Napoleon die nur von 1500 Mann preuischer
Truppen verteidigte Stadt ~Saarbrcken~

[4. Aug.]

Treffen bei ~Weienburg~. Die Vorhut der ~III. Armee~ (Preuen und
Bayern) erstrmt Weienburg und den stark befestigten +Geisberg+.

~Mac-Mahon~ vereinigt seine Truppen und erwartet den Feind in starker
Stellung, erleidet aber in der

[6. Aug.]

~Schlacht bei Wrth~ durch das Heer des Kronprinzen ~Friedrich Wilhelm~
eine vollstndige Niederlage. +Mac-Mahon+ zieht sich auf das befestigte
Lager bei +Chlons+ zurck.

Daselbst trifft bald auch Kaiser +Napoleon III.+ ein und bertrgt
~Mac-Mahon~ den Oberbefehl ber die neugebildete Armee.

[6. Aug.]

~Schlacht bei Spichern~ (+Saarbrcken+). Teile der I. und II. Armee
(Gen. v. Kameke, v. Alvensleben, v. Goeben) erstrmen die stark
verschanzten Spicherer Hhen.

Der Kronprinz mit der ~III. Armee~ rckt, nach Absendung eines Korps
unter General v. Werder zur Belagerung von +Straburg+, durch die
unverteidigten Psse des +Wasgen-Waldes+ nach +Nancy+. Die ~I. Armee~
marschiert auf +Metz+, die ~II. Armee~ auf +Pont  Mousson+ mit der
Absicht, das franzsische Heer in und bei Metz von Paris abzuschneiden.

Um dem zuvorzukommen, beschliet ~Bazaine~ den Rckzug ber +Verdun+
nach +Chlons-sur-Marne+, zur Vereinigung mit +Mac-Mahon+ und neu
herangezogenen Truppen. +Napoleon III.+ eilt voraus nach Chlons.
+Bazaine+ nimmt, als ihn unweit Metz die Vorhut der I. Armee angreift,
den Kampf auf dem +rechten+ Moselufer an. Durch die

[14. Aug.]

+Schlacht bei Colombey-Nouilly+ wird deutscherseits der Zweck erreicht,
den Abzug des Gegners auf Verdun zu verzgern. Der Abmarsch wird
gnzlich vereitelt durch die

[~16. Aug.~]

~Schlacht bei Vionville -- Mars la Tour~, in welcher Prinz +Friedrich
Karl+ mit Teilen der II. Armee (die Brandenburger unter Gen. v.
Alvensleben) die weit berlegenen feindlichen Streitkrfte bei Metz
festhlt. Verlust 16000 Mann, ebensoviel auf franzsischer Seite.

Nachdem die brigen Truppen der I. und II. Armee herangekommen sind,
werden die Franzosen in ihren +befestigten Stellungen+ westlich von
Metz von neuem angegriffen.

[~1870 18. Aug.~]

~Schlacht bei Gravelotte-Saint Privat.~ 180000 Deutsche unter dem
Oberbefehl +Knig Wilhelms+ gegen mindestens ebensoviel Franzosen.
Mrderischer Kampf auf dem linken Flgel; die preuische Garde, von
den Sachsen untersttzt, erstrmt die Hhen von +St. Privat+. Verlust
der Deutschen 20000, der Franzosen 13000. Bazaines Armee wird in die
Festung +Metz+ gedrngt und daselbst eingeschlossen.

Prinz +Friedrich Karl+ leitet die ~Belagerung von Metz,~ whrend die
III. Armee (Kronprinz) von Nancy her gegen +Chlons+ vorrckt. Mit ihr
wirkt zusammen eine von der II. Armee (die vor Metz bleibt) abgetrennte
IV. +(Maas-) Armee+ unter ~Kronprinz Albert von Sachsen.~

+Mac-Mahon+ verlt, von Napoleon III. begleitet, Chlons und versucht
auf dem Umwege ber Reims +Metz+ zu erreichen, um sich mit Bazaine zu
vereinigen. Dies Unternehmen wird deutscherseits rechtzeitig entdeckt;
die III. und IV. Armee schwenken deshalb vom Vormarsch gegen Paris
rechts ab; die +IV. Armee+ erreicht die Franzosen an der +Maas+, greift
an und verhindert durch die siegreiche

[30. Aug.]

~Schlacht bei Beaumont~ den geplanten Entsatzversuch von Metz, drngt
auch die Mac-Mahonsche Armee in eine uerst ungnstige Lage.

+Bazaine+ versucht die Einschlieung von Metz zu durchbrechen, wird
aber durch die

[31. Aug. u. 1. Sept.]

~Schlacht bei Noisseville~ zurckgetrieben.

Gleichzeitig wird Mac-Mahon von der III. und IV. deutschen Armee bei
+Sedan+ an der Maas eingeschlossen (ber 200000 Deutsche gegen 124000
Franzosen).

[~1. Sept.~]

~Schlacht bei Sedan.~ Heftiger Kampf der Bayern bei +Bazeilles+, der
Sachsen bei +Daigny+, der Preuen bei +Givonne+, +Illy+ und +Floing+.
Die Franzosen werden in die Stadt hineingedrngt. Nach Beginn der
Beschieung wird in der Stadt die weie Fahne aufgezogen. ~Napoleon
III.~ gibt sich gefangen, verlt die Stadt am 2. Sept. frh.
Zusammentreffen mit Graf Bismarck bei +Donchery+, wo whrend der Nacht
ber die Bedingungen der bergabe verhandelt war (+Moltke,+ +Bismarck,+
+Wimpffen,+ Mac-Mahon war verwundet).

[~2. Sept.~]

~bergabe von Sedan,~ 39 Generale, ber 2300 Offiziere, 83000 Mann
(auerdem schon whrend der Schlacht ber 20000 M.) kriegsgefangen, 419
Feld- und 139 Festungsgeschtze erbeutet.

3090 Mann erreichen die belgische Grenze und werden dort entwaffnet;
das Korps Vinoy entkommt von Mzires nach Paris.

Zusammenkunft zwischen Kaiser ~Napoleon III.~ und ~Knig Wilhelm I.~ in
dem Schlosse +Bellevue+ bei +Donchery+; Napoleon als Kriegsgefangener
nach +Wilhelmshhe+ (bei Kassel) gebracht.

[~1870. 4. Sept.~]

~Frankreich Republik~ (+Dritte Republik+). Provisorische Regierung
der nationalen Verteidigung: +Trochu+ Prsident und Gouverneur von
Paris, +Favre+ Auswrtiges, +Gambetta+ Inneres. Fr den Krieg bis aufs
uerste wird die ganze Nation zu den Waffen gerufen, die Flotten
werden aus der Nordsee und Ostsee zurckgezogen. Die Kaiserin Eugenie
flieht mit ihrem Sohn nach England.

Alle deutschen Truppen, welche bei Sedan gekmpft haben, marschieren
gegen Paris und erreichen bis 19. Sept. die Einschlieung (S. 387ff.).


~B. Krieg gegen die republikanischen Heere.~

In zahlreichen Festungen Frankreichs stehen noch kaiserliche Truppen,
die sich aber den Geboten der Republik fgen. Nach dem Sturz des
Kaisertums zunchst Friedensverhandlungen in +Ferires+ zwischen
Bismarck und Favre. Sie bleiben erfolglos, da Frankreich jede
Gebietsabtretung verweigert. +Thiers+ bereist die europischen Hfe,
findet aber keine Untersttzung (S. 382f.). Besonders aus England
erhlt Frankreich starke Zufuhr an Waffen und Munition.

Das Korps des +Groherzogs von Mecklenburg+ (s. S. 378), bisher zum
Schutz der deutschen Kste ttig, sichert die +Eisenbahnverbindung+
nach Deutschland durch Einnahme der Festungen +Toul+ und +Soissons+.
Demselben Zwecke dient die nach und nach folgende Einnahme der
Festungen Schlettstadt, Verdun (8. Nov.), Diedenhofen, Montmdy,
Mzires u.a. Schwieriger Schutz der Etappenstraen gegen berflle
franzsischer +Franctireurs+. Das besetzte franzsische Gebiet wird in
4 General-Gouvernements eingeteilt.

[27. Sept.]

~bergabe von Straburg~ nach lngerer Belagerung (bei der
die wertvolle Bibliothek zerstrt wurde) durch preuische und
badische Truppen unter Gen. +v. Werder.+ Besatzung von 17000 Mann
kriegsgefangen. Die preuische Garde-Landwehr zieht gegen Paris; mit
der badischen Division und einigen preuischen Regimentern marschiert
Gen. +v. Werder+ durch den Wasgau nach Sdwesten (Epinal -- Vesoul --
Dijon, S. 387ff.).

~Gambetta~, welcher Paris im Luftballon verlassen hat, bernimmt (9.
Okt.) die Diktatur in ~Tours.~ Seinem Organisationstalent gelingt es,
im Laufe der nchsten vier Monate etwa 800000 M. ins Feld zu stellen:
aus Resten der alten Armee, Zuzgen aus Algier, Marinetruppen und
durch Massenaufgebot. Es entstehen vier neue Heere; die +Loire-Armee+
bei Orlans, die +Westarmee+ bei Rouen, die +Nordarmee+ bei Lille,
die +Ostarmee+ bei Besanon. ~Eroberung oder Rettung von Paris bleibt
Hauptziel des Krieges.~

[~1870. 27. Okt.~]

~bergabe von Metz~ (belagert seit 19. August). Nach mehreren
vergeblichen Ausfllen ergibt sich +Bazaine+, durch Hunger gezwungen,
mit seiner groen Armee; 6000 Offiziere, 187000 Mann kriegsgefangen,
622 Feld-, 876 Festungsgeschtze erbeutet.

~Prinz Friedrich Karl~ mit der II. Armee marschiert gegen die
franzsische +Loire-Armee+, General ~v. Manteuffel~ mit einer neu
eingeteilten I. Armee gegen die +franzsische Nordarmee+ (S. 387).

+a) Der Feldzug an der Loire und gegen Le Mans.+

[Okt.]

Die ~Loire-Armee~ (etwa 30000 M. stark und noch nicht kriegsbereit)
ergreift in den ersten Oktobertagen von ~Orlans~ aus die Offensive auf
~Paris.~ Gegen sie marschiert sdlich von Paris General ~v. d. Tann~
mit dem I. bayrischen Korps und der 22. Division, drngt die Franzosen
nach empfindlicher Niederlage bei +Artenay+ (10. Okt.) zurck +und
besetzt Orlans+ (11. Okt.).

[Nov.]

Zweite Offensive der auf 200000 Mann verstrkten +Loire-Armee+, welche
den General v. d. Tann bei +Coulmiers+ (9. Nov.) zum Rckzug auf
Artenay und zur +Rumung von Orlans+ ntigt, v. d. Tann gewinnt (nicht
verfolgt) Anschlu an den +Groherzog von Mecklenburg+, tritt in den
Verband der diesem unterstellten ~Armee-Abteilung~ (50000 M.), welche
die Einschlieung von Paris gegen Westen und Sden sichern soll. Sie
drngt zunchst ein von Westen her anrckendes franzsisches Korps in
beschwerlichem Kleinkriege gegen Freischaren nach +Le Mans+ zurck.

Inzwischen hat die +Loire-Armee+ sich befestigte Stellungen nrdlich
von Orlans geschaffen; von deutscher Seite aber rckt Prinz ~Friedrich
Karl~ heran, und der ~Groherzog von Mecklenburg~ kommt von Westen her
zu gemeinsamem Angriff. Das erneute Vorrcken der Loire-Armee wird
durch die

[28. Nov.]

+Schlacht bei Beaune la Rolande+ (II. Armee) und die

[2. Dez.]

+Schlacht bei Loigny-Poupry+ (Groherzog von Mecklenburg) rechtzeitig
vereitelt.

Nach weiteren harten Kmpfen der beiden deutschen Heere wird ~Orlans~
+von ihnen besetzt+.

Von der Loire-Armee entweicht ein Teil nach Sden, wo +General
Bourbaki+ neue Streitkrfte organisiert (vgl. S. 388), der andere wird
durch General +Chanzy+ nach +Westen+ zurckgefhrt und auch durch
Verstrkungen neu gefestigt. Chanzy versucht, ber +Vendme+ auf Paris
zu ziehen; dies vereitelt die deutsche Armee-Abteilung durch schwere
Kmpfe

[7.-10. Dez.]

bei +Beaugency-Cravant+. Chanzy geht hinter die Loir auf +Le Mans+
zurck. Deutsche Erkundungsgefechte: Das Detachement +Boltenstern+ bei
+Montoire+ (27. Dez.). Die Regierung von Tours wird nach +Bordeaux+
verlegt. (Gambetta in Bourges.)

[~1871.~ Jan.]

Die Armee-Abteilung wird aufgelst und findet teils bei der II. Armee,
teils bei Orlans und Paris Verwendung. ~Prinz Friedrich Karl~,
unaufhaltsam vorrckend trotz der Winterklte, vernichtet die Armee des
General +Chanzy+ (150000 M.) in der

[~10.-12. Jan.~]

~Schlacht vor Le Mans~ (20000 Gefangene). Die deutsche II. Armee
bleibt bei Le Mans und an der Loire, das Korps des Groherzogs von
Mecklenburg-Schwerin marschiert nach Rouen.


+b) Der Feldzug im Norden und Nordwesten Frankreichs.+

Um die Einschlieung von +Paris+ gegen Truppenansammlungen im Norden
Frankreichs zu sichern, rckt die I. Armee, drei preuische Korps unter
General ~v. Manteuffel~, von Metz aus in nordwestlicher Richtung vor
(S. 386). Sie schlgt die aus Marinetruppen und Mobilgarden gebildete
franzsische +Nord+armee in der

[~1870.~ 27. Nov.]

~Schlacht bei Amiens~, nimmt diese Stadt ein und besetzt dann ~Rouen~
(5. Dez.); die dort auftretende franzsische +West+armee (S. 385)
weicht ernsten Kmpfen aus. Die +Nordarmee+, von General +Faidherbe+
wieder gesammelt und verstrkt, rckt wieder gegen +Amiens+ vor.

[23. u. 24. Dez.]

~Schlacht an der Hallue~ (Nebenflu der Somme). Die Franzosen ziehen
sich unter Mangel und Klte auf +Arras+ zurck. Die Deutschen belagern
darauf die Festung +Pronne+; Faidherbes Versuch, diese zu entsetzen,
wird vereitelt durch die Schlacht bei ~Bapaume~ (3. Jan. 1871);
Pronne ergibt sich 9. Jan. Die bei Rouen verbliebenen Ostpreuen (I.
A.-K.) zerstreuen eine Ansammlung der Westarmee durch das Gefecht bei
+Robert-le-Diable+ (4. Jan.).

Am 8. Jan. hat fr den zum sdstlichen Kriegsschauplatz abberufenen
Gen. v. Manteuffel Gen. ~v. Goeben~ den Oberbefehl bernommen.
Der Plan der Franzosen, ber +St. Quentin und Reims auf Paris+ zu
marschieren, wird rechtzeitig erkannt; sie werden durch das Gefecht bei
+Tertry-Poeuilly+ (18. Jan.) aufgehalten.

[~1871. 19. Jan.~]

~Schlacht von St. Quentin~, in welcher General v. Goeben die Nordarmee
entscheidend schlgt. Die +Nordfestungen+ verhindern ausgiebige
Verfolgung.


+c) Der Feldzug im Osten Frankreichs.+

[~1870~ (Okt.).]

General ~v. Werder~ wendet sich nach der Einnahme von Straburg (S.
385) gegen die Franctireurs in den +Vogesen+ und die franzsische
~Ostarmee~ in +Ober-Elsa und Burgund+, insbesondere um den Heeren vor
Paris und Metz die Verbindung nach Deutschland zu sichern. Die Ostarmee
will den Abstieg aus den Vogesen bei +St. Di+ verwehren, wird aber auf
Besanon zurckgedrngt. Die badischen Truppen besetzen ~Dijon~ (31.
Okt.); die aus dem Elsa nachrckende Landwehr-Division v. Tresckow
schliet die Festung ~Belfort~ ein (8. Nov.).

Die Franzosen verstrken sich durch Heranziehung der vor Orlans (S.
386) geschlagenen und bei Bourges wieder gesammelten Loire-Truppen;
den Oberbefehl bernimmt Gen. ~Bourbaki~. Gen. v. Werder tritt den von
Sden her anrckenden Feinden bei +Nuits+ entgegen (18. Dez.), rumt
dann aber freiwillig +Dijon+, um die Belagerung von Belfort zu decken,
und vereinigt sein Korps in starker Stellung bei +Vesoul+ (30. Dez.).
Bourbaki, von Gambetta getrieben, aber durch mangelnde Ausrstung der
Truppen gehemmt, beginnt seinen Vormarsch. Dijon wird von den unter
+Garibaldis+ (S. 370, 381) Befehl stehenden Freischaren besetzt.

[~1871.~ 9. Jan.]

Treffen bei +Villersexel+, anfangs glcklich fr die Franzosen, aber
bei Abbruch des Nachtgefechts ist die Stadt in deutscher Hand.

General v. Werder durchkreuzt die Absicht Bourbakis, ihn von Belfort
abzudrngen, durch Abmarsch hinter die +Lisaine+ (Nebenflu des Doubs)
und schiebt sich in einer Stellung Hricourt-Montbliard zwischen die
franzsische Ostarmee und Belfort.

[~15.-17. Jan.~]

~Schlacht an der Lisaine.~ In dreitgigem Kampfe bei strenger Klte
gelingt es den Franzosen (140000 M.) nicht, die deutschen Linien
(43000 M., Badener und preuische Landwehr) zu durchbrechen; in voller
Auflsung strmt die Ostarmee auf Besanon zurck.

Zu derselben Zeit erreichen die zur Untersttzung gesandten deutschen
Truppen (II. und VII. A.-K.) unter General ~v. Manteuffel~ die Gegend
westlich +Vesoul+. Auf die Nachricht von Werders Sieg wendet sich
Manteuffel sofort sdlich nach Besanon; Werder schliet sich diesem
Vormarsch an. Weitestes Vordringen einer deutschen ~Sdarmee~.

Hierdurch ist fr Bourbaki der Rckzug nach Westen oder Sden
abgeschnitten; nach seiner Absetzung fhrt General +Clinchant+
die Ostarmee auf Pontarlier, in der Hoffnung, lngs der Grenze zu
entkommen. Durch den +Jura+ drngen aber die Deutschen krftig nach,
und unter letzten Gefechten bei +La Cluse+ und +Pontarlier+ tritt die
Ostarmee (80000 Mann) auf ~Schweizer Gebiet~ (1.-3. Febr.) ber und
gert damit in Kriegsgefangenschaft. Nur Teile der Division Cremer
entkommen nach Sdfrankreich.

Beim Vormarsch auf Belfort (Vesoul) hatte General v. Manteuffel die
Brigade +v. Kettler+ gegen ~Dijon~ geschickt. Das dort stehende Korps
+Garibaldi+ (20000 M.) beschrnkt sich darauf, die Angriffe dieser 5
Bataillone am 21. und 23. Januar abzuwehren (Verlust der +einzigen+
deutschen Fahne -- aufgefunden unter Leichen). Als Verstrkung fr
General v. Kettler anrckt, ziehen sich Garibaldis Scharen mit
Benutzung der Eisenbahn nach +Lyon+ zurck.

[~1871.~ 16. Febr.]

~bergabe von Belfort.~ Selbst whrend der Schlacht an der Lisaine
waren die Angriffsarbeiten nicht unterbrochen worden. Den tapferen
Verteidigern (Oberst +Denfert+) wird freier Abzug gewhrt.


+d) Belagerung von Paris.+

Starke Befestigungen: Ringmauer von 34 km Umfang mit Umwallung,
davor ein Grtel von Forts, namentlich auf der Ost- und Sdseite; im
Westen der stark befestigte +Mont Valrien+, im Norden der befestigte
Vorort +St. Denis+, im Osten der steile +Mont Avron+, der Schlssel
von Paris. Besatzung 72000 M. Linien- und Marinetruppen, 115000 M.
Mobilgarden aus der Provinz, ber 130000 M. Nationalgarde.

Einschlieung durch die III. und IV. deutsche Armee (S. 385) in
einem Grtel von 82 km Umfang, anfangs nur 130000 M., bald auf
240000 M. verstrkt. Hauptquartier Knig Wilhelms in +Versailles+.
Alle Entsatzversuche der franzsischen Loire- und Nordarmee werden
vereitelt, ebenso die zahlreichen Ausflle der Belagerten.

[~1870.~ 21. Okt.]

Ausfallgefecht bei +La Malmaison+ (im Westen), General Ducrot wird
zurckgeschlagen.

[30. Okt.]

Erstrmung von +Le Bourget+ (im Nordosten) durch die preuische Garde.
Dies Dorf lag unter den Geschtzen von 5 Forts und war am 28. Okt.
(deutscherseits schwach besetzt) von den Franzosen genommen. Fernere
Gefechte bei Le Bourget am 21. Dez. und 13. Jan.

Der ernstlichste Versuch zur Befreiung beginnt am 30. Nov. General
Ducrot geht mit 40000 M. auf das linke Marne-Ufer und erobert,
untersttzt durch Scheinangriffe anderer Abteilungen im Norden (Epinay)
und Sdosten (Mont Mesly), die stlich gelegenen Drfer +Brie+ und
+Champigny+.

[2. u. 3. Dez.]

~Schlacht b. Champigny-Yilliers.~ Ducrots Truppen, die auf den Anmarsch
der Loire-Armee gehofft hatten (S. 386), werden in heftigem Kampfe
zurckgeworfen (Wrttemberger und Sachsen unter dem preuischen General
+v. Fransecky+).

Nachdem sich die Erwartung, Paris durch Hunger zu bezwingen, als falsch
erwiesen hat, beginnt am

[~1870.~ 27. Dez.]

~die Beschieung von Paris,~ zunchst gegen die +Ostfront+ aus
verschanzter Stellung, dem +Mont Avron+ gegenber, der von den
Franzosen bald gerumt wird, sodann seit Anfang Januar auch gegen
+die Sdfront, die Nordforts und St. Denis+. Infolge des Eingreifens
der schweren Artillerie gestaltet sich die Lage der Deutschen
erheblich gnstiger, weil die Verteidiger die Stellungen im Vor- und
Zwischengelnde rumen mssen.

[~1871.~ 18. Jan.]

Erneuerung der ~deutschen Kaiserwrde~ im Spiegelsaal des Schlosses
zu ~Versailles~, nachdem die sddeutschen Staaten sich zu dauernder
Vereinigung mit dem Norddeutschen Bunde bereit erklrt haben und Knig
Ludwig II. von Bayern, der Aufforderung +Bismarcks+ entsprechend, im
Namen der Frsten und freien Stdte Deutschlands dem Knig +Wilhelm I.
von Preuen+ die Kaiserwrde angetragen hat.


~Wilhelm I. Deutscher Kaiser 1871-1888.~

[19. Jan.]

~Schlacht am Mont Valrien~ (im Westen). Letzter groer Ausfall, bei
dem auch die bisher geschonten Nationalgarden Verwendung finden. Die
Franzosen nehmen +St. Cloud+, aber ihr Angriff (90000 M. unter General
+Trochu+) scheitert, bevor er die Hauptstellung der Deutschen erreicht.
Die tapferen Verteidiger von St. Cloud, beim Rckzug vergessen, ergeben
sich am nchsten Tage.

Da jede Hoffnung auf Entsatz geschwunden ist und die Not der
Bevlkerung von Paris bedenklich steigt, wird durch Unterhandlungen
zwischen +Favre+ und +Bismarck+ die

[~28. Jan.~]

~bergabe von Paris~ zum Abschlu gebracht. Bedingungen: 1. bergabe
smtlicher Forts mit dem Kriegsmaterial an die deutschen Truppen,
Entwaffnung der Ringmauer. 2. Alle franzsischen +Soldaten+ in Paris
gelten als Kriegsgefangene und werden entwaffnet, mit Ausnahme
von 12000 Mann, welche mit der Nationalgarde die Ordnung aufrecht
erhalten; fr die Verproviantierung sorgen die franzsischen Behrden.
3. Die Stadt Paris zahlt 200 Millionen Francs Kriegssteuer. 4.
Waffenstillstand auf allen Kriegsschaupltzen, mit Ausnahme der
Departements +Doubs, Jura+ und +Cte d'or+, auf +drei+ Wochen, um die
Wahlen zu einer franzsischen +Nationalversammlung+ zu ermglichen,
welche in +Bordeaux+ zusammentreten und ber Krieg und Frieden
entscheiden soll.

~Gambettas~ Widerstand gegen diese bereinkunft wird bald gebrochen;
er legt sein Amt als Mitglied der Regierung nieder (6. Febr.).
~Thiers,~ von der Nationalversammlung in +Bordeaux+ an die Spitze der
franzsischen Regierung gestellt, fhrt die Unterhandlungen mit Graf
~Bismarck.~

[~1871.~ 26. Febr.]

~Friedensprliminarien zu Versailles~: 1. Frankreich tritt
an Deutschland ab: das ~Elsa~ auer +Belfort+, ferner
~Deutsch-Lothringen~ mit +Metz+ und +Diedenhofen+ (+Thionville+),
zusammen 14500 qkm mit 1 Mill. Einwohnern; 2. Frankreich zahlt in drei
Jahren +5 Milliarden+ Francs Kriegsentschdigung; zur Sicherstellung
der Zahlung bleiben die stlichen Dpartements besetzt.

[~1. Mrz.~]

~Einzug~ von 30000 Mann deutscher Truppen ~in Paris~ und Besetzung
eines Teils der groen Stadt. Nachdem die Friedensbedingungen noch an
demselben Tage von der franzsischen Nationalversammlung angenommen
worden sind, wird am 2. Mrz Paris von den Deutschen gerumt. Kaiser
~Wilhelm~ verlt das Hauptquartier +Versailles+ am 7. Mrz und kehrt
nach +Berlin+ zurck.

Die Friedensbedingungen werden besttigt und im einzelnen nher
bestimmt (Austausch eines franzsischen Bezirks bei +Belfort+ gegen
einen deutschen in +Lothringen+) in dem

[~10. Mai.~]

~Frieden zu Frankfurt a. M.~ Die drei groen Ergebnisse des blutigen
Krieges sind: 1. Das Aufhren der +vorherrschenden+ Machtstellung
Frankreichs. 2. Deutschland gewinnt eine sichere Westgrenze. 3. Die
seit langen Jahren erstrebte ~Einigung Deutschlands~ ist verwirklicht.

[14. April.]

Der nach ~Berlin~ berufene Reichstag genehmigt fast einstimmig
folgende ~Reichsverfassung~: 1. An der Spitze des Reiches steht als
~Deutscher Kaiser~ der +Knig von Preuen+; die Kaiserwrde ist mit
der Krone Preuens fortan +erblich+ verbunden. Der Kaiser vertritt das
Reich vlkerrechtlich, erklrt Krieg und Frieden (mit Zustimmung des
Bundesrats), schliet Bndnisse und Vertrge, fhrt den Oberbefehl
ber die gesamte deutsche Land- und Seemacht. 2. Die Vertretung
der 25 Staaten bildet der ~Bundesrat~ (im ganzen 58, seit 1911 61
Stimmen: +Preuen+ 17, +Bayern+ 6, +Sachsen+ und +Wrttemberg+ je 4,
+Baden+, +Hessen+ und +Elsa-Lothringen+ je 3, +Mecklenburg-Schwerin+
und +Braunschweig+ je 2, die brigen je 1); den Vorsitz fhrt der
~Reichskanzler~ (der erste: ~Frst Bismarck~). 3. Die Vertretung der
Bevlkerung bildet der zum 21. Mrz 1871 zum erstenmal nach Berlin
berufene deutsche ~Reichstag~, bestehend aus 382 (seit Hinzutreten
der Elsa-Lothringischen 397) Abgeordneten, die aus allgemeinen und
direkten geheimen Wahlen hervorgehen. Einheitliches Heerwesen mit
+allgemeiner Wehrpflicht+: Im stehenden Heere 7 Jahre; hiervon aktiv
bei Kavallerie und reitender Feldartillerie 3 Jahre, sonst seit
1893 2 Jahre; die brige Zeit in der Reserve. Landwehrpflicht (I.
und II. Aufgebot) bis zum vollendeten 39. und Landsturmpflicht bis
zum vollendeten 45. Lebensjahre. Das Reich bildet +ein+ Zollgebiet
(S. 351). Gemeinsames Post- und Telegraphenwesen, gleichmige
Verwaltung der Eisenbahnen. Einheitliches Dezimal-, Mnz-, Ma- und
Gewichtssystem; Einheit des Rechts. Bayern und Wrttemberg haben sich
Sonderrechte, namentlich in der Heeres- und Postverwaltung, vorbehalten.

Das Gebiet des neuen ~Deutschen Reiches~ umfat 544000 qkm; 1871:
41 Millionen, 1910: rund 65 Millionen (Preuen 40 Mill.) Einwohner.
Das ~Reichsland Elsa-Lothringen~ wird seit 1879 von einem
+Statthalter+ des Kaisers regiert (Gen. +v. Manteuffel+ bis 1885, Frst
+Hohenlohe-Schillingsfrst+ bis 1894, Frst +Hohenlohe-Langenburg+ bis
1907, seitdem Graf +v. Wedel+). Anfangs im Bundesrat nicht vertreten,
erhlt es 1911 als 26. selbstndiger Bundesstaat 3 Stimmen eingerumt
(S. 397).

Ihre ~Einknfte~ erhalten die Einzelstaaten hauptschlich aus direkten
Steuern und aus der Verwaltung der Eisenbahnen, das +Reich+ aus den
Zllen und indirekten Steuern, sowie aus Beitrgen der Einzelstaaten,
soweit erforderlich (Matrikularbeitrge). Das Reich bestreitet die
Ausgaben fr Heer und Kriegsflotte. Grundlagen der Reichseinheit sind
das deutsche +Handelsgesetzbuch+, schon 1861-65 in den meisten Staaten
des Deutschen Bundes eingefhrt, das deutsche +Strafgesetzbuch+ von
1870, die Gesetze des Norddeutschen Bundes ber Freizgigkeit 1867, die
Gewerbeordnung 1869, das Brgerliche Gesetzbuch (B.G.B.) 1900 u.a. (s.
S. 394 ff.).

[~1871.~ Mrz-Mai.]

~Herrschaft der sozialistischen Kommune in Paris.~ Nach der
Kapitulation hatten sich die als Nationalgarde bewaffneten Arbeiter
vieler Kanonen bemchtigt und die nordstlichen Teile der Stadt
(namentlich +Montmartre+ und +Belleville+) fast in Festungen
verwandelt. Der Versuch der Linientruppen, ihnen die Kanonen wieder
abzunehmen, fhrt zu einem Aufstand; die Linientruppen rumen die
Stadt und die Forts der Sdseite. Der von den Aufstndischen erwhlte
+Gemeinderat+ (la +Commune+) verfgt Erpressungen und Gewaltmaregeln.
Schreckensherrschaft der Sozialisten unter Mitwirkung eines Ausschusses
der +Internationale+ (s. S. 394). Plnderung der Kirchen, Verhaftung
des Erzbischofs +Darboy+ und anderer Geiseln; fast alle werden
schlielich ermordet. Ein Angriff auf die zum Schutze der jetzt in
+Versailles+ tagenden franzsischen Nationalversammlung vereinigten
Truppen milingt, hauptschlich infolge des Geschtzfeuers vom Mont
Valrien.

[6. April.]

~Zweite Belagerung von Paris~, unter Leitung +Mac-Mahons+, von Sden
und Westen her, whrend die +deutschen+ Truppen unter Beobachtung
strenger Neutralitt die nrdlichen und stlichen Forts besetzt
halten. Fort +Issy+ genommen (9. Mai). Endlich dringen die Versailler
Truppen in die Stadt ein; verzweifelter Barrikadenkampf (21.-28.
Mai). Die Hauptgebude der Stadt (+Tuilerien+, +Finanzministerium+,
+Polizeiprfektur+, +Stadthaus+ u.a.) werden von den Aufstndischen
in Brand gesteckt, die Vendmesule (S. 317) zerstrt. Blutige
Niederwerfung des Aufstandes; gegen 17 000 gettet, 50 000 gefangen;
viele spter zur Verbannung nach Neu-Kaledonien verurteilt.

[~1873.~ Sept.]

Die deutschen Truppen verlassen nach beschleunigter Abzahlung der
Kriegsentschdigung das franzsische Gebiet.


 9. Das Deutsche Reich seit 1871.

Das Deutsche Reich, als Bundesstaat geeinigt, bewhrt sich als
Hort des Friedens in Europa. Durch die mchtige Entwickelung der
~Gewerbettigkeit~ und des ~berseeischen Handels~, sowie die Erwerbung
von ~Kolonien~ (seit 1884, s.  20) nimmt es den ihm gebhrenden Platz
unter den +Weltmchten+ ein. Der Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens
vermehrt die Klassengegenstze und gibt Anla zu einer ~sozialen
Gesetzgebung~ (S. 395), die in anderen Lndern Nachahmung findet.

Bedeutsame Einwirkungen ergeben sich aus Streitigkeiten mit der
katholischen Kirche und durch das Anwachsen der +Sozialdemokratie+,
welche mit Hilfe des allgemeinen Wahlrechts den Staat und die
Eigentumsverhltnisse umgestalten will (Lassalles Allgemeiner deutscher
Arbeiterverein 1863, Internationale Arbeitervereinigung 1864 in London
von K. Marx begrndet, Gothaer Programm 1875).

[1872.]

Das Dogma von der ppstlichen Unfehlbarkeit (S. 381) veranlat in
Deutschland, der Schweiz und sterreich die Bildung +alt+katholischer
Gemeinden, die sich von der rmisch-katholischen Kirche lossagen.
Ausweisung des +Jesuiten+-Ordens aus dem Deutschen Reiche; in Preuen
Schulaufsichtsgesetz.

[1873-1875.]

Kirchengesetze in Preuen (Kultusminister Falk), welchen die
katholische Geistlichkeit Widerstand leistet. Die Bischfe werden
nach und nach abgesetzt; erledigte Pfarrmter knnen nicht wieder
besetzt werden. Papst Pius IX. geht auf Verhandlungen nicht ein; sein
Nachfolger Leo XIII. (1878-1903) zeigt sich nachgiebiger, gesteht die
Anzeigepflicht bei Besetzung der Bistmer und Pfarrmter zu. Frst
+Bismarck+ bewirkt 1880 Milderung der Kirchengesetze, 1886 und 1887
weitere Zugestndnisse, doch bleibt das Aufsichtsrecht des Staates ber
kirchliche Angelegenheiten.

[1872.]

+Dreikaiserbund+, von den drei Kaisern Wilhelm I., Franz Joseph und
Alexander II. bei einer Zusammenkunft in Berlin geschlossen zur
Aufrechterhaltung des Friedens. Dies Bndnis lste sich infolge des
russisch-trkischen Krieges und des Berliner Kongresses (s. S. 401).

[1872-1875.]

Verwaltungsreform in Preuen; +Kreisordnung+ und +Provinzialordnung+.
Die Kreise und Provinzen erhalten in mancher Hinsicht Selbstverwaltung;
den Regierungsbehrden treten Kreistag und Kreisausschu,
Provinziallandtag und Provinzialausschu zur Seite. Landgemeindeordnung
s. S. 396.

[1873.]

Synodal-Ordnung fr die evangelische Kirche in Preuen; 1874 Einfhrung
der brgerlichen Eheschlieung und der Standesregister in Preuen, 1875
im ganzen Deutschen Reiche, 1876 General-Synodalordnung.

[1874.]

+Reichs-Militrgesetz+; die Friedensprsenzstrke festgesetzt auf
401659 Mann, eingeteilt in 18 Armeekorps (14 preuische, 2 bayrische,
l schsisches, l wrttembergisches). In der Folgezeit wird die Zahl
mehrmals erhht, entsprechend der Zunahme der Bevlkerung; sie betrgt
1911 ber 600000 Mann, eingeteilt in 23 Armeekorps (17, 3, 2, 1).

[~1874.~ Okt.]

~Begrndung des Weltpostvereins.~ Auf Anregung der +deutschen+
Reichspostverwaltung (Staatssekretr +v. Stephan+) einigen sich die
europischen und die meisten auereuropischen Staaten auf einem
+Kongre zu Bern+ ber gemeinsame, dem Verkehr gnstige Grundstze der
Postverwaltung.

[~1878.~]

Gesetz gegen die Ausschreitungen der +Sozialdemokratie+, veranlat
durch zwei Mordversuche auf Kaiser Wilhelm I. der bei dem zweiten
schwer verwundet wird. Verbot sozialdemokratischer Vereine und
Zeitungen; Ausweisung der Parteifhrer und ihrer Agenten aus den
greren Stdten. Das Gesetz, zunchst fr 2 Jahre erlassen, dann
verlngert, wird 1890 aufgehoben.

[~1879.~]

Neuer +Zolltarif+ des Deutschen Reiches, vom Frsten +Bismarck+
veranlat, um durch Erschwerung der Einfuhr auslndischer Erzeugnisse
die einheimische Produktion zu schtzen und die Einknfte des Reiches
zu erhhen (Schutzzollpolitik). +Hamburg+ und +Bremen+, bisher
Freihfen, werden 1881 und 1885 zum Eintritt in die Zollgemeinschaft
des Reiches (zum Okt. 1888), mit Vorbehalt eines beschrnkten
Freihafengebietes, veranlat. Seit dem Ende der 70er Jahre
+Verstaatlichung der Eisenbahnen+ in Preuen nach und nach durchgefhrt
(Minister Maybach). Spter Betriebsgemeinschaft der preuischen und
hessischen Bahnen eingerichtet.

[1. Okt.]

Die neuen +Justizgesetze+ fr das ganze Deutsche Reich
(Gerichts-Verfassung, Zivil-Proze, Strafproze) treten in Kraft.
Oberstes +Reichsgericht+ in Leipzig. Brgerliches Gesetzbuch (S. 396).

[~1879.~ 7. Okt.]

Infolge der Spannung zwischen Deutschland und Ruland nach dem Berliner
Kongre (S. 401 f.) ~Schutzbndnis zwischen dem Deutschen Reich und
sterreich~ nach einem Besuch des Frsten +Bismarck+ in Wien (Graf
+Andrassy+). ~Italien~, durch Erffnung der Gotthardbahn 1882 mit den
nrdlichen Lndern besser verbunden, schliet sich 1883 an; ~Dreibund~
zur Erhaltung des europischen Friedens.

1884 Zusammenkunft der 3 Kaiser: +Wilhelms I.+, +Franz Josephs+ und
+Alexanders III.+ in +Skierniewice+ in Polen; Neutralittsvertrag mit
+Ruland+ (nach Bismarcks Rcktritt 1890 nicht wieder erneuert).

[~1881.~ 19. Nov.]

Kaiserliche Botschaft an den Reichstag, betreffend die Gesetzgebung
zur ~Frderung des Wohles der Arbeiter~. Darauf 1883 Gesetz ber
Krankenversicherung, 1884-87 Gesetze ber Unfallversicherung. (1908
waren 13 Mill. Reichsangehrige gegen Krankheit, 24 Mill. gegen Unfall
versichert, S. 396).

[~1884.~]

~Grndung deutscher Kolonien~ in Sdwestafrika, Togo, Kamerun, 1885 in
Ostafrika und auf den australischen Inseln (s. S. 423 ff.).

[1884-85.]

~Kongo-Konferenz~ in Berlin unter dem Vorsitz des Frsten +Bismarck+
(s. S. 410).

Nach dem Tode des unvermhlten Herzogs +Wilhelm+ (T 1884) ist 1885-1896
Prinz +Albrecht+ von Preuen Regent des Herzogtums +Braunschweig+, da
der erbberechtigte Herzog Ernst August von Cumberland, Sohn Georgs
V. (S. 378), seine Ansprche auf Hannover nicht aufgeben will. Sein
Nachfolger 1907 Herzog +Johann Albrecht+ von Mecklenburg.

[1886.]

+Ansiedlungsgesetz+ fr die Provinzen Posen und Westpreuen zur
Strkung des Deutschtums, erneuert und ergnzt 1898, 1902, zuletzt 1908
mit Einfhrung eines beschrnkten staatlichen Enteignungsrechts. Bis
Ende 1907 wurden fr ber 300 Mill. Mark 335383 ha angekauft und darauf
15751 Ansiedlerstellen angelegt.

[1888.]

+Landwehr- und Landsturmgesetz+ veranlat durch die in Frankreich
(Kriegsminister Boulanger) und Ruland stattfindenden Kriegsrstungen.
Frst +Bismarcks+ Rede im Reichstag 6. Februar: Wir Deutschen frchten
Gott, sonst nichts auf der Welt. Der Friede bleibt erhalten.

[~1888.~ 9. Mrz.]

~Tod Kaiser Wilhelms des Groen.~ Sein Sohn, krank in San Remo, kommt
nach Charlottenburg und bernimmt die Regierung.

[15. Juni.]

~Friedrich III., Deutscher Kaiser, Knig von Preuen T.~


~Kaiser Wilhelm II. 1888-x.~

+Fortsetzung+ der Reichsgesetzgebung zum Wohle der Arbeiter:
1889 Gesetz ber Invaliditts- und Altersversicherung, 1891
Arbeiterschutzgesetz (Sonntagsruhe, Arbeitszeit der Frauen und Kinder
beschrnkt).

[1890. Mrz.]

Europische Arbeiterschutz-Konferenz zu +Berlin+: Beratung ber
allgemeine Maregeln zur Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes.

[20. Mrz.]

+Frst Bismarck+ scheidet aus seinen mtern als Reichskanzler und
preuischer Ministerprsident. Sein Nachfolger General +v. Caprivi+
bis Okt. 1894, dann Frst +Hohenlohe+ (vorher Statthalter des
Reichslandes); Okt. 1900 Graf +Blow+ (seit 1905 Frst).

[1890.]

Grenzregulierung in +Ostafrika+ zwischen Deutschland und +England+.
+Helgoland+ kommt an Preuen (Kreis Sder-Dithmarschen, s. S. 407).
1894 Abgrenzung des Hinterlandes von Kamerun durch Vertrge mit
+Frankreich+ und +England+. Das deutsche Gebiet erreicht von Sden her
den +Schari+ und den +Tsadsee+.

[1891.]

+Handelsvertrge+ mit sterreich, Italien, Belgien, bald auch mit
anderen Staaten; Herabsetzung der Zlle, wodurch eine schwierige Lage
fr die deutsche Landwirtschaft entsteht. In Preuen Fortsetzung der
Verwaltungsreform: Landgemeinde-Ordnung (Minister Herrfurth); Reform
der Steuern (Finanzminister Miquel).

[~1895.~]

Vollendung des +Nord-Ostseekanals+ (von Brunsbttel an der Elbe nach
Holtenau bei Kiel 97 km) nach achtjhriger Bauzeit (Baukosten 156
Mill. Mark). Es folgt 1899 der Dortmund-Ems-Kanal und der Ausbau
des Hafens von Emden, 1900 der Elb-Trave-Kanal. Der preuische
Landtag genehmigt auer anderem 1905 den Bau eines Kanals vom Rhein
(bei Duisburg) zur Weser bis nach Hannover (Mittellandkanal) und
eines Groschiffahrtsweges von Berlin nach Stettin. Von Bayern und
Elsa-Lothringen Kanalisierung des Main und der Mosel angeregt.
Verbesserungen der Wasserstraen im Oberlauf des Rheins, der Elbe
und Oder von den anliegenden Staaten erwogen. -- Fr die seit 1907
ausgefhrte +Erweiterung+ und +Vertiefung+ des +Kaiser-Wilhelms-Kanals+
sind 223 Mill. Mark bewilligt.

[~1898.~]

Pachtvertrag mit +China+ ber +Kiautschou+ auf 99 Jahre (s. S. 420,
426).

[30. Juli.]

+Frst Bismarck+ T in Friedrichsruh.

Das Deutsche Reich erwirbt von +Spanien+ die +Karolinen+, +Marianen+
und +Palau-Inseln+, (S. 413).

[1900. 1. Jan.]

Das +Brgerliche Gesetzbuch+ tritt fr das Deutsche Reich in Kraft.

[~1900.~ Mrz.]

Erwerbung von +Deutsch-Samoa+ (s. S. 407, 426). +Deutschland+,
+England+, +Frankreich+, +Ruland+, +Italien+, +Amerika+, +Japan+
treffen Abmachungen ber die +Politik der offenen Tr+ in +China+.

+Flottengesetz+ zum Schutze des deutschen Welthandels (die
Transportfhigkeit der deutschen Handelsflotte hat sich von 1876-1909
versiebenfacht). Bis 1917 soll die Kriegsflotte auf 38 Linienschiffe,
14 groe, 38 kleine Kreuzer gebracht werden; dazu die Wacht- und
Schulschiffe und die seit 1880 ansehnlich vermehrten Kanonen- und
Torpedoboote.

[1902.]

Neuer +Zolltarif+ als Grundlage fr fernere Handelsvertrge.

[1906.]

Erhhung der Reichssteuern und beschleunigte Vermehrung der
Kriegsflotte beschlossen.

[1908-1909.]

+Reichsfinanzreform+. An die Stelle des Frsten Blow tritt 1909 (Juli)
Reichskanzler +v. Bethmann Hollweg+.

[1910.]

Besuch des Kaisers Nikolaus II. in Potsdam.

Verstndigung mit +Ruland+. Keine der beiden Mchte will sich einer
Staatenvereinigung anschlieen, die ihre Spitze gegen die andere
richtet.

[1911. Mrz.]

Verfassungs- und Wahlgesetz fr +Elsa-Lothringen+. Die Staatsgewalt
bt der Kaiser durch einen von ihm ernannten Statthalter aus (s. S.
392). Zwei-Kammersystem eingefhrt. Die 41 Mitglieder der ersten Kammer
werden von dem Kaiser auf Vorschlag des Bundesrats ernannt; die zweite
Kammer (60) geht aus allgemeinen direkten Wahlen (an einem Sonntag) mit
geheimer Abstimmung hervor.

[Aug.]

+Vertrag mit Ruland+ ber die Abgrenzung der Interessen der beiden
Mchte in +Persien+. Deutschland verfolgt nur Handelsziele: Eisenbahn-,
Wegebau-, Schiffahrts-, Telegraphenkonzessionen (s. S. 416, 419).

[Nov.]

Abkommen mit +Frankreich+ ber +Marokko+ und +quatorialafrika+ (s. S.
405).

[Dez.]

Schiffahrtsabgabengesetz. Privatbeamten-Versicherungsgesetz.

[1912. 1. Jan.]

Die Reichsversicherungsordnung vom 19. Juli 1911 tritt in Kraft.


 10. sterreich-Ungarn.

[1867.]

Nach dem unglcklichen Kriege mit Preuen und Italien von 1866
(S. 375 ff.) gelingt es dem Reichskanzler Graf +Beust+ (1853-1866
Ministerprsident in Sachsen), den Verfassungsstreit in +sterreich+
(S. 357 f., 371) durch den ~Ausgleich mit Ungarn~ auf der Grundlage
des +Dualismus+ beizulegen. +Ungarn+, mit +Siebenbrgen+ und +Kroatien+
wieder vereinigt (S. 371), erhlt einen besonderen +Reichstag+ (in
+Pest+) und ein eigenes Ministerium. Die ungarische Verfassung wird
wiederhergestellt. Kaiser +Franz Joseph+ am 8. Juni in Pest als +Knig
von Ungarn+ gekrnt. Die +cisleithanischen+ Lnder (nebst +Galizien+)
im +Reichsrat+ (in +Wien+) vertreten. Zur Beschlufassung ber die
gemeinsamen Angelegenheiten (Heerwesen, Finanzen, auswrtige Politik)
treten jhrliche Abgesandte (Delegationen) aus beiden Reichstagen
zusammen. Von den gemeinsamen Ausgaben, soweit sie nicht aus dem Ertrag
der Zlle bestritten werden, trgt sterreich zunchst 70%, Ungarn 30%.
Ministerprsident in sterreich Graf Beust (bis 1871), in Ungarn Graf
+Andrassy+ (bis 1879).

Der Doppelstaat wird in seiner inneren Entwickelung vielfach gehemmt
durch die widerstrebenden Interessen und durch Nationalha der
Tschechen, Polen und Magyaren gegen die Deutschen. Bemhungen der
Tschechen um die Selbstndigkeit der bhmischen (Wenzels-) Krone
und die Wiederherstellung des sog. Bhmischen Staatsrechts. 1874
Kirchengesetze an Stelle des Konkordats von 1855.

[1878.]

Besetzung der bis dahin trkischen Provinzen +Bosnien+ und
+Herzegowina+ (S. 401) zum Teil nach blutigem Widerstande.

[1879.]

Das Sandschak +Novipazar+ auf Grund eines Abkommens mit der Trkei
besetzt.

[1879.]

Bndnis mit dem Deutschen Reich, 1883 auch mit Italien (S. 395).

[1880.]

+Taaffes+ Sprachenverordnung fr Bhmen zu Ungunsten des deutschen
Elements. Die Universitt +Prag+ 1882 in eine deutsche und tschechische
Hochschule geteilt.

[1890.]

Bhmischer Ausgleich. -- 1883 magyarisches Schulgesetz in Ungarn. 1887
Kranken- und Unfallversicherung in sterreich. 1891 Krankenversicherung
in Ungarn.

[1888.]

Das Wehrgesetz von 1879 durch ein neues ersetzt. Steigerung der
Rekrutenzahl. 1892 Erhhung der Friedensprsenz. 1893 Ergnzung zum
Landwehrgesetz von 1883. Neue Rekrutenvorlage 1909 bewilligt.

[1889 (30. Jan.).]

Tod des Kronprinzen +Rudolf+ (geb. 1858).

[1897.]

+Badenis+ Sprachenverordnungen fr Bhmen und Mhren. Obstruktion der
Deutschen im Reichsrat bei der Herstellung des Ausgleichs mit Ungarn.

[1898 (10. Sept.).]

Die Kaiserin +Elisabeth+ in Genf ermordet.

[1899.]

Aufhebung der Sprachenverordnungen fr Bhmen und Mhren.

[1901.]

Wasserstraenvorlage zur Verbindung der Donau mit der Elbe und Oder
genehmigt.

[1906.]

Bewilligung eines eigenen Zolltarifs fr Ungarn. Damit sind nach
heftigen parlamentarischen Kmpfen in beiden Reichshlften die Magyaren
der angestrebten Auflsung der Gemeinschaft mit sterreich einen
Schritt nher gekommen.

[1907.]

Reform des Wahlgesetzes fr die cisleithanischen Lnder.

[~1908.~ Okt.]

Aufnahme +Bosniens+ und der +Herzegowina+ in den Staatsverband der
sterreichischen Monarchie. Zunchst bilden die beiden Provinzen
(51110 qkm) ein Verwaltungsgebiet fr sich. 1910 besondere Verfassung
fr Bosnien und Herzegowina erlassen. Das Sandschak +Novipazar+ den
Trken als Entschdigung zurckgegeben. Kriegsdrohungen in +Serbien+
und +Montenegro+ wegen Vernichtung der gro-serbischen Hoffnungen. Im
Febr. 1909 Anerkennung der Annexion durch die Pforte gegen Zahlung von
2 Mill. trkischen Pfund (60 Mill. Frs.) fr die ehemals trkischen
Staatsgter. Infolge der energischen Untersttzung der sterreichischen
Politik durch das Deutsche Reich lassen die Mchte in Belgrad erklren,
da Serbien auf die Hilfe von Ruland, Frankreich und England nicht zu
rechnen habe. Daraufhin stellt Serbien die Rstungen ein (Mrz 1909);
Kronprinz Georg verzichtet zu Gunsten seines Bruders Alexander.

[1911.]

Stapellauf des ersten sterreichisch-ungarischen Dreadnought: Viribus
unitis.


 11. Ruland.

In Ruland unter Kaiser Alexander II. manche Reformen der Verwaltung
(vgl. S. 369); die auswrtige Politik bleibt auf die Balkanhalbinsel,
wo das trkische Reich immer schwcher wird, und auf Asien gerichtet.

[~1877-1878.~]

~Russisch-trkischer Krieg.~

~Veranlassung~: Die Frsten +Nikita+ von +Montenegro+ und +Milan+ von
+Serbien+ beginnen 1876 Krieg gegen die Trkei zur Untersttzung eines
in der +Herzegowina+ gegen die trkischen Grausamkeiten ausgebrochenen
Aufstandes. Eine Erhebung der +Bulgaren+ wird von den Trken blutig
unterdrckt, die +Serben+ werden an der Morawa zurckgeschlagen. Die
Gromchte, namentlich +Ruland+ und +England+, verhandeln mit der
Trkei ber Reformen der Regierung und Sicherung der christlichen
Untertanen. Da die Verhandlungen erfolglos bleiben, erklrt +Ruland+
den Krieg.

Nach Abschlu eines Vertrages mit +Rumnien+ (Frst +Karl+ von
Hohenzollern-Sigmaringen, s. S. 367) geht ein russisches Korps bei
+Galacz+ ber die Donau und besetzt die Dobrudscha; das Hauptheer, bei
welchem Kaiser +Alexander II.+ sich befindet, erzwingt den

[1877. 27. Juni.]

~bergang ber die Donau bei Sistowa~. Whrend ein fliegendes Korps
unter General +Gurko+ schnell auf einem unbesetzten Nebenpa den Balkan
berschreitet und durch einen Angriff von Sden her (17.-19. Juli)
die trkische Besatzung von dem wichtigen ~Schipka-Pa~ vertreibt,
macht der eine Hauptteil des Heeres unter dem +Grofrsten-Thronfolger
Alexander+ Front nach Osten und verhindert in monatelangen, schweren
Kmpfen an den Flssen +Jantra+ und +Lom+ den von dorther zu
befrchtenden Durchbruch eines trkischen Heeres.

Der andere Teil des russischen Heeres nimmt +Nikopoli+ (15. Juli),
wird aber vor ~Plewna~ (sdwestlich von Nikopoli), wo +Osman Pascha+
trkische Streitkrfte gesammelt hat und starke Befestigungen anlegt,
blutig zurckgewiesen (20. und 30. Juli) und mu Verstrkungen abwarten.

Whrenddessen bestrmt +Suleiman Pascha+ von Sden her mit berlegener
Macht, aber vergeblich (Hauptkmpfe am 23. Aug. und 17. Sept.) den
~Schipka-Pa~. Er erhlt dann den Oberbefehl ber die trkische
Ost-Armee am +Lom+, kann aber Plewna nicht entsetzen.

Eintreffen der Truppen +Rumniens+ und russischer Verstrkungen vor
+Plewna+. Nach dem Milingen eines neuen Gewaltangriffs (7.-12. Sept.)
wird zur regelmigen Belagerung (Gen. +Totleben+) geschritten und

[~10. Dez.~]

~Plewna genommen~ durch General +Skobeleff+. +Osman Pascha+ mu sich
nach einem vergeblichen Durchbruchsversuch mit 44000 Mann ergeben.
Rckkehr der +Rumnen+ in ihr Land, des Kaisers +Alexander II.+ nach
Petersburg. ~Serbien~ erklrt von neuem den Krieg an die Pforte.

Die russischen Heere rcken vom Balkan aus vor bis nahe an
Konstantinopel.

Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz werden die Russen zuerst von
+Muchtar Pascha+ mehrfach geschlagen, dringen dann aber nach Erstrmung
von +Kars+ (18. Nov.) siegreich bis +Erzerum+ vor.

Die Trkei ruft die Vermittelung Englands an, sieht sich aber durch die
Bedrohung von Konstantinopel gentigt, sich mit Ruland zu verstndigen.

[~1878~. 3. Mrz.]

~Friede zu San Stefano~ (unweit Konstantinopel): 1. +Montenegro+ und
+Serbien+, beide durch trkisches Gebiet erheblich vergrert, werden
als unabhngig anerkannt, ebenso +Rumnien+. 2. +Bulgarien+, bis zum
gischen Meere vergrert, bleibt der Pforte tributpflichtig, erhlt
aber einen christlichen Frsten und eigene Verwaltung; ein russischer
Kommissar mit 50000 Mann bleibt auf 2 Jahre im Lande. 3. Die Pforte
fhrt in dem ihr verbleibenden geringen Rest ihrer europischen
Besitzungen (159000 qkm) gewisse Reformen ein. 4. Sie zahlt an Ruland
300 Millionen Rubel und tritt in +Asien+ bedeutende Teile +Armeniens+,
in +Europa+ die +Dobrudscha+ ab; letztere wird von Ruland als Ersatz
fr den von ihm 1856 abgetretenen und jetzt zurckzunehmenden Teil von
+Bessarabien+ (s. S. 367) an +Rumnien+ gegeben.

Widerspruch ~Englands~ gegen diese Bedingungen; auch +sterreich+ will
Rulands bermacht auf der Balkanhalbinsel nicht zugeben. Die Trkei
ruft den Schutz Englands an und gibt die Insel +Cypern+ in englische
Verwaltung.

Nachdem unter Deutschlands Vermittelung, um einen neuen Krieg zu
verhten, Ruland und England sich ber die wichtigsten Streitpunkte
vorlufig verstndigt haben, tritt unter dem Vorsitz des ~Frsten
Bismarck~ zusammen der

[~1878.~ 13. Juni bis 13. Juli.]


~Berliner Kongre.~

+Hauptschlichste Bestimmungen+: 1. ~Montenegro, Serbien~ und
~Rumnien~ werden unabhngig, doch werden die an beide erstere Staaten
zu machenden Abtretungen beschrnkt, das von Rumnien fr Bessarabien
einzutauschende Gebiet etwas vergrert. 2. Das ~Frstentum Bulgarien~
wird auf das Land +zwischen Donau und Balkan,+ jedoch einschlielich
+Sofia+ und Gebiet, beschrnkt. 3. Der sdliche Teil Bulgariens,
jedoch nach Westen und Sden erheblich enger begrenzt, bleibt als
Provinz ~Ostrumelien~ unter der Botmigkeit des Sultans, erhlt
aber eigene Verwaltung unter einem +christlichen Generalgouverneur.+
4. Die russischen Truppen sollen Ostrumelien und Bulgarien
innerhalb 9 +Monaten+, Rumnien innerhalb eines Jahres rumen. 5.
~sterreich~ bernimmt die Besetzung und Verwaltung +Bosniens+ und
der +Herzegowina+. 6. Der Trkei wird die Abtretung eines Teils von
+Epirus+ und +Thessalien+ an ~Griechenland~ empfohlen. 7. ~Ruland~
begngt sich in Asien mit +Batum+ (als Freihafen), +Kars, Adaghan+
und einigen angrenzenden Gebieten. 8. In der Trkei und allen von
ihr losgelsten Staaten soll +politische Gleichberechtigung aller
Konfessionen+ herrschen. 9. Der 1841 zwischen den 5 Gromchten und der
Pforte abgeschlossene Vertrag (vgl. S. 353), wonach kein Kriegsschiff
in die Dardanellen einlaufen darf (besttigt im Pariser Frieden von
1856, S. 367), wird erneuert. Die Schlieung der Dardanellen fr fremde
Kriegsschiffe wird der Pforte zur Pflicht gemacht.

[1872 - 1876]

hatte Ruland bereits seine asiatische Provinz ~Turkestan~ (Taschkent
und Samarkand, S. 369) durch Unterwerfung des Chans von +Khiwa+, des
Emirs von +Bochara+ und des Chans von +Kokand+ (Ferghana) erweitert,
1875 durch Vertrag mit Japan sich den Besitz der Insel +Sachalin+
gesichert.

Nach dem Berliner Kongre zeigt Ruland (Minister Frst Gortschakow)
feindselige Haltung gegen Deutschland, welches deshalb das bisherige
engere Verhltnis zu Ruland (S. 393f.) lst und sich mit sterreich
verbndet (S. 395). Kaiser Alexander II., im Begriff, eine
Volksvertretung zu berufen, wird 1881 durch Verschwrer (Nihilisten)
ermordet.

[1881-1894.]

~Alexander III.~ (Gem. Dagmar -- Maria Feodorowna -- von Dnemark)
ordnet strenge Maregeln an gegen das Deutschtum in den Ostseeprovinzen
(Russifizierung der Universitt +Dorpat+), schliet trotz des
Neutralittsvertrages mit Deutschland Freundschaft mit Frankreich
(S. 395, 404). 1893 Zollkrieg gegen Deutschland, der aber 1894 durch
Handelsvertrag beigelegt wird.

[1885.]

Vertrag mit England ber die Nordgrenze von +Afghanistan+, nachdem
Ruland 1884 das Gebiet von +Merw+ besetzt hat. 1887 nimmt Ruland
noch +Pendschdeh+. Bau der Transkaspischen Eisenbahn, 1888 bis
Samarkand vollendet. Ruland nimmt dann 1892-1895 den grten Teil des
+Pamir+hochlandes in Besitz, baut die Sibirische Eisenbahn, 1901 bis
Wladiwostock vollendet.

~Nikolaus II.~ (Gem. Alix -- Alexandra Feodorowna -- von Hessen), seit
Nov. 1894, stellt bessere Beziehungen zu Deutschland her.

[1899.]

+Kongre im Haag+; auf Rulands Wunsch wird ein Schiedsgericht fr
internationale Streitigkeiten eingesetzt.

[1904-1905.]

Nach dem unglcklichen Verlauf des Krieges gegen +Japan+ (s. S.
422f.) bedrohliche Unruhen im russischen Reiche: Attentate auf
Mitglieder der Zarenfamilie (Grofrst +Sergius+, Oheim des Zaren, T
1905) und andere einflureiche Persnlichkeiten, Judenverfolgungen,
Plnderungen. Der Zar verkndet (19. Aug. 1905) die Berufung einer
+Duma+ (Reichsversammlung). In +Livland+ Aufstand der Letten gegen die
deutschen Gutsbesitzer.

[1906.]

~Verfassung~ eingefhrt (Reichsrat und Duma). Die erste Duma wird
nach strmischen Verhandlungen aufgelst, ebenso 1907 die zweite.
Reformdekrete der Regierung (Minister +Stolypin+, 1911 ermordet),
namentlich zur Besserung der Lage des Bauernstandes; strenge Maregeln
gegen Polen und Livland. Die dritte Duma 1908 bewilligt eine bedeutende
Anleihe.

[1910-1911.]

Abkommen mit Deutschland ber +Persien+ (S. 397).

[1911.]

Neues Abkommen mit +Japan+ ber die +Mandschurei+ (vgl. S. 422f.).

Verstndigung (Entente) mit +Japan+ und endgltiger Ausgleich aller
durch den Krieg von 1904-1905 bedingten Ansprche ohne Hilfe
eines Schiedsgerichts. -- Ruland, das mit England noch 1907 die
Unantastbarkeit und Unabhngigkeit +Persiens+ verkndet, aber bereits
1909 ein gemeinsames Einschreiten gegen die Regierung des Schah und
eine Teilung des Landes in eine russische (Norden) und englische
(Sden) Interessenzone vereinbart hat, greift 1911 in die persischen
Wirren ein (s. S. 419).

Abschlu einer Militrkonvention mit +Bulgarien+.

[1912.]

Ruland erkennt die Unabhngigkeit der +Mongolei+ (s. S. 422) an und
gesteht der Regierung in China nur die Aufsicht zu ber die auswrtigen
Beziehungen des Landes.


 12. Die dritte franzsische Republik.

~Frankreich~ Republik seit 1871; ein Versuch, den Grafen Chambord
(S. 349) als Knig einzusetzen, scheitert an dessen Weigerung,
bestimmte Versprechungen zu geben und die Tricolore anzunehmen (1873,
Okt.) Gesetz ber allgemeine Wehrpflicht 1872. Organisationsgesetz
1873. Frankreich in 18 Regionen eingeteilt, denen je ein Armeekorps
entspricht; das 19. in Algier. (1897 Einteilung in 19 Regionen; daher
20. Armeekorps eingerichtet.)

[1873-1879.]

Prsident +Mac-Mahon+, Nachfolger von Thiers. Marschall +Bazaine+,
vom Kriegsgericht wegen der bergabe von Metz zum Tode verurteilt,
vom Prsidenten zu zwanzigjhriger Haft begnadigt, entkommt 1874
nach Spanien, stirbt dort 1888. Feststellung der +Verfassung+ 1875:
Prsident auf 7 Jahre, Senat, Deputiertenkammer. -- +Napoleon III.+
stirbt im Januar 1873 zu Chislehurst in England; sein Sohn fllt
1879 im Kriege der Englnder gegen die Zulukaffern, als Freiwilliger
kmpfend.

[1879-1887.]

Prsident +Grvy+, 1885 wiedergewhlt. Unterrichtsgesetz 1880 zur
Beschrnkung des Einflusses der Geistlichkeit; Ausweisung der Jesuiten,
doch nicht streng durchgefhrt. +Gambetta+ Nov. 1881 Ministerprsident,
tritt aber nach zwei Monaten zurck, da die von ihm vorgeschlagene
nderung des Wahlgesetzes (Listenwahl statt Einzelwahl) abgelehnt
wird. Starke Heeresrstung, doch wird der Rachekrieg gegen Deutschland
vertagt; der Kriegsminister +Boulanger+ tritt zurck (Mai 1887),
Frankreich wendet sich einer ~weitgreifenden Kolonialpolitik~ zu. Grvy
dankt 1. Dez. 1887 ab.

[1883.]

+Brazza+ legt die Station +Brazzaville+ am +Stanley Pool+ an und stellt
eine Verbindung der Kste mit dem +Kongo+ her. Auf der Kongo-Konferenz
1885 setzt Frankreich die Ausdehnung der bisherigen Kolonie +Gabun+ bis
zum rechten Ufer des +Kongo+ durch. Von hier -- +Franzsisch-Kongo+
-- aus dringen die Franzosen bis zum +Tsadsee+ vor und gewinnen durch
Vertrag mit dem Deutschen Reich 1894 das Hinterland von Kamerun bis
ber den +Schari+ hinaus (quatorial-Afrika, S. 396). 1908 die Grenze
zwischen Franzsisch-Kongo, Kamerun und dem Kongostaat endgltig
festgelegt.

[1881.]

~Frankreich~ nimmt ~Tunis~ in Besitz, ohne die Proteste der Trkei und
die Verstimmung Italiens zu beachten.

[1883.]

Das Reich ~Anam~ in Hinterindien (vgl. S. 369) tritt die Provinz
+Tonking+ an Frankreich ab und wird bald darauf franzsischer
Schutzstaat. Frankreich behauptet diese Erwerbung im Kriege gegen China
(1884-1885).

[1885.]

Die Insel ~Madagaskar~ kommt unter franzsische Schutzherrschaft; die
Regierung der Knigin der malaiischen +Hova+, +Ranavalo Manjaka III.+,
in +Tananarivo+ 1896 aufgehoben.

[1887-1894.]

Prsident +Carnot+; Wehrgesetz, Freundschaft mit Ruland. Carnot
wird von einem Italiener ermordet, sein Nachfolger +Prier+ dankt
Jan. 1895 ab, dann folgt +Faure+, 1899-1906 +Loubet+, beide bemht,
die Freundschaft mit Ruland zu erhalten. 1897 Unfallversicherung,
1901 Vereinsgesetz zur Beschrnkung der geistlichen Orden und
Kongregationen. 1903 Unterrichtsgesetz, Einrichtung weltlicher
Volksschulen an Stelle der von Geistlichen geleiteten. 1905 Gesetz ber
Trennung von Kirche und Staat; deshalb Streit mit der katholischen
Kirche. Der Kirchenbesitz wird den Gemeinden berwiesen. Gesetz ber
Altersuntersttzung und Sonntagsruhe. Seit 1906 Prsident +Fallires+.
1907 und 1911 Winzerunruhen. Die Beziehungen Frankreichs zu England
gestalten sich immer enger; das Bndnis mit Ruland bleibt erhalten.

[1890.]

Frankreichs Herrschaft im Gebiet des mittleren +Niger+ (Sudan), der
westlichen und mittleren +Sahara+ von England anerkannt (S. 407) und
1904 erweitert (s. S. 405).

[1891.]

~Tahiti~, schon frher franzsischer Schutzstaat, wird nach dem Tode
des englisch-protestantischen Knigs Pomare V. franzsisches Gebiet.

[1892.]

+Behanzin+, Knig von +Dahomey+, (Ober-Guinea) besiegt. Sein Reich wird
franzsische Kolonie.

[1893.]

In Hinterindien weiter vordringend nimmt Frankreich einen groen
Teil des Reiches ~Siam~ in Besitz. 1904 der +Menam+ als Grenze der
franzsischen und englischen Einflusphre festgesetzt. 1907 wieder 3
Provinzen an der Grenze von Kambodscha an Frankreich abgetreten.

[1898.]

Frankreich versucht vom Kongo aus vordringend +Faschoda+ am oberen
Nil zu besetzen (General +Marchand+), wird aber durch Kriegsdrohung
Englands und Einmarsch des Gen. +Kitchener+ gentigt, dies aufzugeben.

[1905.]

Nach +Abschlu eines Vertrages mit England+ (8. April 1904), der alle
kolonialen Differenzen aus dem Wege rumt (Frankreich erkennt Englands
Herrschaft in gypten an, England rumt den Franzosen die Vorherrschaft
in +Marokko+ ein u.a. m.), sucht Frankreich die Schutzherrschaft ber
das Reich ~Marokko~ zu erwerben. Widerspruch ~Deutschlands~; Reise
Kaiser Wilhelms II. nach +Tanger+. Eine Konferenz der am Handel mit
Marokko beteiligten Staaten in +Algeciras+ (bei Gibraltar) beschliet
(Febr. 1906) Reformen fr Marokko unter gemeinsamer Aufsicht der in
Tanger wohnenden Gesandten. Frankreich erhlt eine bevorzugte Stellung
in Marokko.

Ein stlicher, an Tunis angrenzender Teil des Reiches Marokko bleibt
von den Franzosen besetzt; 1907 besetzen sie auch die Hafenstadt
+Casablanca+ und das benachbarte Schauja-Gebiet. Sultan Muley Hafid,
seit 1908 von den europischen Staaten anerkannt, sucht sich ihren
Forderungen zu entziehen. 1909 Krieg +Spaniens+ gegen die +Rifkabylen+.
Schwere Kmpfe um +Melilla+ (s. S. 413). Die Huptlinge unterwerfen
sich. Gleichzeitig der Thronprtendent +Bu Hamara+ im Kampfe gegen
Muley Hafid. Ersterer besiegt und gefangen. Die Konsuln der Mchte
schreiten ein gegen Muley Hafids Grausamkeiten.

[1911.]

Neue Unruhen in Marokko. Der Sultan, von feindlichen Stmmen in +Fez+
eingeschlossen, ruft +Frankreichs+ Hilfe an. Darauf franzsische
Expedition nach Fez, angeblich zum Schutz der bedrohten Europer.
Der Sultan gert ganz in die Gewalt der Franzosen. Diese treten
ziemlich unbeschrnkt im Lande auf. (Juli) Entsendung eines deutschen
Kriegsschiffes nach +Agadir+ zur Verteidigung bedrohter deutscher
Interessen. Nach schwierigen Unterhandlungen, wobei Frankreich von
dem verbndeten England geleitet und untersttzt wird, 4. Nov.
~Marokkoabkommen zwischen Deutschland und Frankreich~: +Deutschland
verzichtet auf jeden Landerwerb im Scherifenreich+ (+Sus+-Provinz),
nachdem seine handelspolitischen und wirtschaftlichen Interessen nach
Mglichkeit sicher gestellt sind. +Frankreich bernimmt das Protektorat
in Marokko+, tritt von ~quatorial-Afrika~ ein Gebiet von etwa
300000qkm im Sden und Osten von +Kamerun+ mit Zugang zum +Kongo+ und
+Ubangi+ an das Deutsche Reich ab. Das Dreieck zwischen +Logone+ und
+Schari+ (12000 qkm) von Deutschland an Frankreich berlassen.

Frankreich erwirbt einen erheblichen Teil der Negerrepublik +Liberia+.
stlich von Tunis besetzt es die Oase +Djanet+ (zu Tripolis gehrig).


 13. England.

~England~ 1837-1901 unter der ~Knigin Viktoria~ (S. 353) ist
hauptschlich bestrebt, sein ungeheures ~Kolonialreich~ zu erhalten und
zu erweitern.

[1867.]

Krieg gegen Negus +Theodor von Abessinien+. Magdala von Sir Robert
+Napiers+ mit indischen Truppen erstrmt; Theodor T. Abessinien wird
von den Englndern gerumt.

[~1869.~]

~Der Suez-Kanal~ erffnet, 160 km lang; nach zehnjhriger Bauzeit
vollendet unter Leitung des Franzosen Ferdinand +de Lesseps+ (frher
franz. Konsul in Kairo). Abkrzung des Seewegs nach Indien, Ostasien,
Australien. Jhrlich benutzen den Kanal jetzt gegen 4000 Schiffe.

[1876.]

Die Knigin Viktoria nimmt auch den Titel ~Kaiserin von Indien~ an.
Seitdem nach jedem Thronwechsel besondere Krnungsfeierlichkeiten in
+Delhi+ (S. 219).

[1877-1881.]

Krieg in ~Afghanistan,~ um die dem Emir 1869 auferlegte
Schutzherrschaft zu erhalten General +Roberts+ besetzt 1879 die
Hauptstadt Kabul und dringt bis Kandahar vor (s. S. 419f.).

[~1877.~]

Erweiterung des Besitzes in ~Sdafrika.~ Die +Transvaalrepublik+,
begrndet 1848 von hollndischen Buren, die aus der +Kapkolonie+[61]
auswanderten, wird dem englischen Kolonialgebiet einverleibt; bald
wird auch ein groer Teil des Kaffernlandes englischer Schutzstaat.
Unabhngig bleibt der 1854 von England anerkannte +Oranje-Freistaat+.

[1878.]

England nimmt +Cypern+ in Verwaltung (S. 401).

[1879.]

Krieg gegen die +Zulukaffern+ (Cetewayo). Prinz Louis Napoleon T (S.
403).

[~1881.~]

Erhebung der ~Buren~ gegen die englische Herrschaft und Sieg bei
+Majubahill+. Die Transvaalrepublik (Sdafrikanische Republik) wieder
hergestellt, doch behlt England in dem 1884 geschlossenen Vertrage
sich die Genehmigung der Vertrge dieses Staates mit anderen Staaten
vor.

[1882.]

Besetzung von ~gypten~, veranlat durch einen Militraufstand in
Alexandrien unter +Arabi Pascha+ gegen den Khedive +Tewfik+ und durch
die Ermordung vieler Europer; Arabi bei +Tel-el-Kebir+ von +Wolseley+
besiegt und gefangen. Dem Namen nach bleibt die Regierung des dem
trkischen Sultan tributpflichtigen Vizeknigs (Khedive); tatschlich
wird ~gypten ein englischer Schutzstaat.~ Neuordnung der Verwaltung
und des Heeres (+Baring+ und +Kitchener+); Nilstauwerk bei +Assuan+.

[1883-1885.]

Aufstand des gyptischen Sudan gegen die Englnder unter Fhrung
des ~Mahdi~, eines mohammedanischen Propheten. Vernichtung eines
gyptischen Heeres von 11000 Mann (+Hicks Pascha+) bei +El Obed+. Der
englische General +Gordon+ versucht +Khartum+ zu behaupten, wird bei
der Eroberung der lange belagerten Stadt von den Truppen des Mahdi
gettet (Jan. 1885). Fruchtlose Nilexpedition der Englnder; sie
behalten im Sudan nur den Hafen +Suakin+, verteidigen aber gypten mit
Erfolg gegen wiederholte Angriffe der Mahdisten (1885-1898). In der
+quatorprovinz (Wadelai)+ hlt sich der deutsche Afrikaforscher +Emin
Pascha+ (Dr. Schnitzer) als Statthalter des Khedive, bis er 1889 von
+Stanley+ nach der Kste (Bagamoyo) gefhrt wird. 1893 wird Emin bei
einem Versuch, bis zum Kongo vorzudringen, ermordet.

[1884.]

Britisch ~Neu-Guinea~ wird unter englischen Schutz gestellt.

[1886.]

England erweitert sein indisches Reich durch vllige Unterwerfung von
~Birma~ in Hinterindien (S. 353).

[~1889.~]

Vertrag mit Deutschland und den Vereinigten Staaten ber die
~Samoa~-Inseln.

[~1890.~]

Vertrag mit Deutschland ber ~Ostafrika.~ Das Wituland, Uganda und
Sansibar englisch; das deutsche Gebiet zwischen Kilimandscharo und
Rovumaflu reicht im Innern bis zu den groen Seen.

Vertrag mit Frankreich ber ~Westafrika~: England herrscht im Gebiet
des unteren Niger (+Nigeria+) bis zum Tsadsee. Abgrenzung der
englischen und franzsischen Gebiete gegen das Deutsche Hinterland von
~Kamerun~ durch Vertrge mit dem Deutschen Reiche 1893 und 1894.

[1890-1893.]

England erweitert sein Gebiet in ~Sdafrika~ durch Unterwerfung des
+Betschuana+- und +Matabele-+Landes. +Cecil Rhodes+, Leiter der
Britischen Sdafrika-Gesellschaft, seit 1890 Minister der Kapkolonie,
verfolgt noch weitergreifende Plne, findet aber Widerstand bei den
+Buren+-Republiken (S. 408). Transvaal wehrt einen Einfall englischer
Streifscharen (800 Mann) unter +Jameson+ bei +Krgersdorp+ ab (1. Jan.
1896). Jameson gefangen, an England ausgeliefert, zu lngerer Haft
verurteilt, aber bald begnadigt.

[1897.]

Die Englnder besetzen +Tirah+, ein afghanisches Grenzgebiet.

[1898.]

England gewinnt die Herrschaft ber den ~gyptischen Sudan~ zurck;
General Kitchener siegt bei +Omdurman+ und erobert +Khartum+.

[1899.]

Abermaliger Vertrag ber die ~Samoa~-Inseln; sie werden geteilt
zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. England verzichtet
auf einen Anteil, erhlt dafr bedeutenden Gebietszuwachs im
Hinterlande von Togo, auerdem die +Tonga+inseln und die Inseln
+Choiseul+ und +lsabel+ (Salomoninseln).

[1899-1902.]

~Krieg Englands gegen die Buren in Sdafrika.~

uerer Anla: Zurcksetzung der Auslnder in Transvaal. Die Buren
in Transvaal (Prsident +Krger+) schlieen ein Bndnis mit dem
Oranje-Freistaat (Prsident +Steijn+) und erklren den Englndern den
Krieg. Sie dringen in das englische Gebiet +Natal+ ein und fhren den
Krieg anfangs erfolgreich. Einschlieung einer englischen Division
in +Ladysmith+; die Entsatzversuche des Gen. +Buller+ werden (Dez.)
bei +Colenso+ und (Jan. 1900) am +Spion-Kop+ abgeschlagen. Ebenso
werden englische Truppen, die in den westlichen Teil von Transvaal
eingedrungen sind, in +Kimberley+ und +Mafeking+ eingeschlossen.

[1900.]

Umschwung zu Gunsten der Englnder, nachdem Lord +Roberts+ den
Oberbefehl bernommen hat; ihr Heer wird bald auf 100000 Mann
gebracht, gegen etwa 45000 Buren. Doch erschwert die weite Ausdehnung
des Kriegsschauplatzes die Erfolge. Im Febr. wird +Kimberley+
entsetzt, Gen. +Cronje+ mit 4000 Buren am Modderflu gefangen. Auch
+Ladysmith+ wird von Gen. Buller entsetzt. Roberts mit der Hauptmacht
besetzt +Blomfontein+, Hauptstadt des Oranje Freistaats, dann weiter
+Johannesburg, Pretoria+, Hauptstadt von Transvaal, Middelburg,
Lydenburg. Im Rcken des englischen Heeres beginnen die Burenfhrer +de
Wet+ und +Olivier+ einen erfolgreichen Kleinkrieg; in der Kapkolonie
erheben sich die +Afrikander+ zu Gunsten der Buren. Prsident +Krger+
reist nach Europa, um Hilfe zu suchen, wird in Frankreich und den
Niederlanden begeistert aufgenommen, erlangt aber keine Einmischung in
den Krieg. (T 1904 in der Schweiz.)

[1901-1902.]

Fortdauer des Kleinkrieges. Die Englnder unter +Kitchener+ (ber
200000 Mann) versuchen vergeblich die von +Botha, de Wet+ u.a.
gefhrten Streifscharen der Buren einzuschlieen, fhren aber
viele Gefangene, namentlich Frauen und Kinder, hinweg in die durch
Stacheldraht eingehegten Konzentrationslager. Andere werden nach
Ceylon, Indien, St. Helena gebracht. Untersttzung mit Geldmitteln und
Kriegsbedarf aus den Niederlanden, Frankreich und Deutschland reicht
nicht aus, um den Buren zum Siege zu verhelfen. Friedensschlu 31.
Mai 1902: die Burenstaaten sind aufgehoben: die Buren mssen in die
Einverleibung ihrer beiden Staaten in das britische Sdafrika willigen;
jedoch wird ihnen baldige Selbstverwaltung versprochen (S. 409). Sie
erhalten als englische Untertanen zur Herstellung zerstrter Wohnorte
eine Beihilfe von 3 Mill. Pfund Sterling (60 Mill. Mark).

[1900.]

Die englischen Kolonien in ~Australien~ (S. 302) werden durch eine
Bundesverfassung zu +einem+ Staat (Commonwealth) vereinigt.

Unter der langen Regierung der Knigin Viktoria wechseln konservative
und liberale Ministerien miteinander. 1843 irische Waffenbill
(verbietet Einfhrung von Waffen nach Irland). 1845 Steuer- und
Zollreform. 1869 Aufhebung der irischen Staatskirche. 1881 irische
Landbill, vom Minister +Gladstone+ beantragt, um die Mistnde und
Unruhen in Irland zu bessern. 1885 Parlamentsreform (vgl. S. 348),
nachdem schon 1867 das Wahlrecht erweitert war; Bildung gleichmiger
Wahlkreise, das Wahlrecht bleibt an den Nachweis einer eigenen, wenn
auch gemieteten Wohnung geknpft (Minimalmietzins 10 Pfund Sterling).
Der 1886 mit groer Mehrheit verworfene Antrag Gladstones, fr Irland
ein eigenes Parlament einzurichten (+Home-rule-bill+) wird 1893 vom
Unterhaus angenommen, vom Oberhaus und dann von den Whlern verworfen.
1897 Haftpflichtgesetz zum Schutze der Arbeiter.

[~1901-1910.~ Jan. Mai.]

~Knig Eduard VII.~ (S. 352). Der Minister +Chamberlain+ betreibt
einen engeren Anschlu der Kolonien an das Mutterland (Zollbund und
Beitrge zur Unterhaltung der Kriegsflotte), tritt aber 1903 zurck.
Neue irische Landbill 1903; die Pchter knnen mit Beihilfe des Staates
Landeigentmer werden. Die Einsetzung eines Verwaltungsrats fr Irland,
1907 vom Unterhause beschlossen, wird nicht vollzogen, da die Iren
Widerspruch erheben und ein eigenes Parlament fordern. 1908 Gesetz ber
Altersuntersttzung. 1909-1910 sozialpolitische Gesetzgebung. +Lord
Roberts'+ Antrag auf Einfhrung der allgemeinen Wehrpflicht 1909 vom
Oberhaus abgelehnt.

[1904.]

Englisch-franzsischer Vertrag ber gypten und Marokko (s. S. 405).
Die Neutralitt des Suezkanals durch England garantiert.

[1904.]

Englische Expedition von Indien aus nach ~Tibet.~ +Lhassa+, Residenz
des +Dalai-Lama+, des Oberhauptes der Buddhisten, erreicht. Ergebnis:
Tibet darf ohne Englands Zustimmung kein Gebiet an eine fremde
Macht abtreten und keine Erlaubnis zur Anlage von Eisenbahnen,
Telegraphenlinien und Bergwerken geben.

[1909.]

Englisch-russisches Abkommen ber +Persien+ (s. S. 403). Das englische
Parlament genehmigt eine Bundesverfassung fr die ~Sdafrikanische
Union~ mit Einschlu der frheren Burenstaaten, welche die 1902
versprochene Selbstregierung 1906 erhielten. +Botha+ Premier-Minister.

+Siam+ tritt die Staaten +Kelantan, Trengganu+ und +Kedah+ (auf
Malakka) an England ab.

[1910-x.]

~Knig Georg V.~

[1911.]

Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. Infolgedessen Revision des
englisch-japanischen Bndnisses (s. S. 423).

Japan nhert sich Ruland wieder (s. S. 402).

Durch die radikale Parlamentsbill (+Vetobill+) des Ministers +Asquith+
wird das Oberhaus fast aller seiner Rechte beraubt; es behlt nur ein
aufschiebendes Veto.

Whrend des Krnungsdurbar in Indien (Delhi) wird der alte
Herrschersitz ~Delhi~ (S. 219, 300, 368) von Knig Georg V. an Stelle
von +Kalkutta+ zur ~Hauptstadt Indiens~ erhoben.

Englisch-gyptische Truppen besetzen den Hafen und das Gebiet von
+Solum+ im Osten der +Cyrenaica+ (Tripolis).


 14. Holland, Luxemburg, Belgien, Dnemark, Skandinavien, Schweiz.

Das Knigreich der ~Niederlande~ unter +Wilhelm III.+ 1849 bis 1890
(vgl. S. 340 u. 363). 1873-1879 Krieg gegen den Sultan von +Atschin+
auf Sumatra. Der Widerstand der Atschinesen erst 1895 gebrochen.
1887 Verfassungsrevision. Nach dieser folgt dem Knig seine Tochter
+Wilhelmina+, bis 1898 unter Vormundschaft der Mutter +Emma+ von
Waldeck, seit 1901 mit dem Prinzen Heinrich von Mecklenburg-Schwerin
vermhlt. 1911 Gesetz ber Alters- und Invalidenversicherung.

Das Groherzogtum ~Luxemburg~ (S. 380), seit 1842 im deutschen
Zollverein, kommt 1890 durch mnnliche Erbfolge an +Adolf+, den
frheren Herzog von +Nassau+ (S. 379). Ihm folgt 1905 sein Sohn
+Wilhelm+, der letzte mnnliche erbberechtigte Oranier. Regentin die
Groherzogin +Maria Anna+ von Braganza. Thronerbin: Prinzessin +Marie+
(kath.).

~Belgien~ unter +Leopold II.+ (1865-1909, s. S. 350) in friedlicher
Entwickelung als Industriestaat, doch nicht ohne Parteikmpfe (Liberale
und Klerikale) und Arbeiterunruhen.

[Sidenote:

 1884-1885.
 Nov. Febr.]

~Konferenz zu Berlin~ unter Vorsitz des Frsten +Bismarck+ ber das
durch +Stanleys+ Reise 1876 bis 1877 erschlossene ~Kongo~-Gebiet. Ein
neutraler +Kongostaat+ wird gegrndet unter der Oberhoheit Leopolds
II., Knigs der Belgier.

[1908.]

Der ~Kongostaat~ wird Kolonialgebiet des Knigreichs ~Belgien.~

[1909-x.]

Knig +Albert I.+ Neffe Leopolds II. (S. 352). Gemahlin +Elisabeth+,
Herzogin in Bayern.

[1910.]

Weltausstellung in +Brssel+, zum Teil durch Feuer zerstrt.

In ~Dnemark~ unter +Christian IX.+ (1863-1906) lange Zeit Zwiespalt
zwischen Regierung und Volksvertretung, besonders wegen der Befestigung
von Kopenhagen, 1901 beigelegt durch Nachgeben des Knigs. Kopenhagen
befestigt. Herstellung freundlicher Beziehungen zu Deutschland seit dem
Tode der Knigin +Luise+ 1898 (S. 362). Knig +Friedrich VIII.+ seit
1906, vermhlt mit +Luise+ von Schweden. Befestigung der Verbindung
mit den auswrtigen Besitzungen. 1904 neue Verfassung fr +Island+.
Reise des Knigs +Friedrich VIII.+ nach +Island+. Eifrige Pflege der
Handels- und Verkehrsbeziehungen. 1903 Dampffhre fr Eisenbahnzge
zwischen +Warnemnde+ und +Gjedser+ erffnet. (Direkte Dampferlinie
+Kopenhagen-Bangkok+.) Entsendung des Prinzen Waldemar zur Krnung des
Knigs von +Siam+ 1911.

~Schweden,~ 1872-1907 unter +Oskar II.+, Bruder Karls XV. (S. 363),
kann die seit 1814 bestehende Personalunion mit Norwegen nicht
behaupten. Norwegen sagt sich 1905 los. Prinz Karl von Dnemark, Sohn
Friedrichs VIII., Groneffe Oskars II., nennt sich als Knig von
Norwegen +Hakon VII.+ (s. S. 215). Seine Gemahlin +Maud+, Tochter
Eduards VII. von England. In +Schweden+ seit 1907 +Gustav V.+, Gemahlin
+Viktoria+ von Baden. 1909 Dampffhre zwischen +Trelleborg+ und
+Sanitz+ (Rgen) erffnet.

In der ~Schweiz~ 1874 nderung der Bundesverfassung; fr neue Gesetze
wird der Bundesversammlung (S. 354) die Entscheidung entzogen und
+Volksabstimmung+ (Referendum) vorgeschrieben, wenn 8 Kantone
oder 30000 Brger sie verlangen. Ein Gesetz ber Kranken- und
Unfallversicherung wird 1900 durch Volksabstimmung verworfen, 1912
angenommen.

1905 Internationale Arbeiterschutz-Konferenz in Bern. Durchstich des
+Simplon+ 1906 vollendet, neue Eisenbahnverbindung mit Italien, fr
Frankreich erwnscht seit der Erffnung der St. Gotthardbahn 1882.
Bundesprsident ist seit 1903 Dr. +Deucher+.


 15. Italien.

~Italien,~ seit 1861 einheitliches Knigreich unter ~Viktor Emanuel
II.~ (S. 370, 379, 381).

Dem ~Papste~ ist durch das Garantiegesetz von 1870 der Besitz
der Peterskirche, des Vatikan- und des Lateranpalastes, dazu ein
Jahreseinkommen von ber 3 Mill. Francs gesichert; aber der Anspruch
auf Herstellung des Kirchenstaats wird von ppstlicher Seite nicht
aufgegeben. Aufhebung vieler Klster, doch bleiben die Ordensgenerale
und die geistlichen Seminare in Rom unter dem Schutz des Papstes.

Unter Knig ~Humbert~ (1878-1900) schliet der Minister +Robilant+
1887 den +Dreibund+ (S. 395), den der Ministerprsident +Crispi+, mit
Bismarck persnlich befreundet, aufrecht erhlt. Sorge fr Besserung
der Finanzen, Ausbau der Eisenbahnen, Anbau der rmischen Campagna,
Ausgrabungen und Neubauten in Rom. Der Knig wird 1900 (Juli) von einem
Anarchisten in Monza ermordet.

[1885.]

~Italien~ nimmt den Hafen +Massaua+ am Roten Meer in Besitz.
Erweiterung des Gebiets im Kriege gegen den +Negus+ Negesti +Johannes+
von Abessinien 1887-1889 zur +Colonia Eritrea+. Neue Kmpfe mit dem
Negus +Menelik+ (reg. 1889-1910 in Addis Abeba, seitdem sein Enkel
+Lidj Jeassu+ [geb. 1896], zunchst unter Vormundschaft). 1896
Niederlage der Italiener bei +Adua+, nur Massaua mit dem Kstengebiet
(118000 qkm.) wird behauptet.

[1887.]

Italien erwirbt das +Somali+gebiet.

[1900-x.]

~Viktor Emanuel III.~ (Gem. +Elena+ von Montenegro). Der Dreibund wird
trotz aller Vorliebe der Italiener fr die Franzosen aufrechterhalten.
(1909 Begegnung des Knigs mit Zar Nikolaus II. in +Racconigi+.)

[1906]

Verderblicher Ausbruch des Vesuv.

[1907, 28. u. 29. Dez.]

Messina und Reggio durch Erdbeben zerstrt.

[1903.]

Papst Leo XIII. T (S. 393). Ihm folgt ~Pius X.,~ der sich 1907 in einer
Allocution und einer Encyclica gegen den +Reformkatholizismus+ und die
sog. +Modernisten+ wendet.

[1911-1912.]

~Krieg Italiens gegen die Trkei~: Italien, schon lange auf Ausbreitung
seiner Macht in +Nordafrika+ bedacht (S. 404), erhlt 1901 von
Frankreich (und bald darauf auch von England) die Anerkennung seiner
Anwartschaft auf +Tripolis+. Zunchst nur wirtschaftliche Durchdringung
des Landes geplant. Infolge des deutsch-franzsischen Abkommens ber
Marokko 1911 will Italien seine Entschdigung in Tripolis suchen.
Die Stadt Tripolis nach kurzem Bombardement besetzt (Okt.), ebenso
+Benghasi, Derna+ und andere Hafenpltze. Im Nov. die unwiderrufliche
Besitzergreifung von Tripolis und Cyrenaica verfgt und den Mchten
angezeigt. Das Deutsche Reich bernimmt den Schutz der Italiener in der
Trkei und der trkischen Untertanen in Italien. Einspruch von Ruland,
Frankreich und England gegen eine Blockade der Dardanellen (S. 401).
Untersttzung der Trken durch die Araber und die islamitische Welt.
Die Eroberung des tapfer verteidigten Hinterlandes (Oasen Ain Zara,
Tadjura, Birtobras, Gargaresch) geht nur langsam vorwrts. Im +Roten
Meer+ werden Jan. 1912 sieben trkische Kanonenboote durch italienische
Torpedobootzerstrer vernichtet. Der Krieg dauert noch fort.


 16. Die Pyrenische Halbinsel.

~Spanien~: 1868 (Sept.) ~Aufstand~; +Knigin Isabella II.+ (S. 351,
363) vertrieben, flchtet nach Frankreich. Die nach Madrid einberufenen
+Cortes+ beschlieen, trotz des Widerstandes der republikanischen
Partei, eine neue konstitutionell-+monarchische+ Verfassung; Marschall
+Serrano+ einstweilen Regent. Nach mehrfachen Verhandlungen mit
auswrtigen Frsten nimmt Prinz +Leopold+ von Hohenzollern-Sigmaringen
1870 die spanische Krone an. Nach seinem Rcktritt wird whrend des
deutsch-franzsischen Krieges der +Herzog von Aosta+, +zweiter+ Sohn
des Knigs +Viktor Emanuel II.+ von Italien, von den Cortes zum Knig
gewhlt und besteigt als ~Amadeo I.~ 1870 (s. a. S. 381) den spanischen
Thron. Jedoch fortdauernde Parteikmpfe veranlassen Amadeo schon 1873
zur Abdankung. Dann Brgerkrieg; gegen die in Madrid eingesetzte
republikanische Regierung kmpfen die Anhnger des +Don Carlos+ (Enkel
des S. 351 erwhnten). Herstellung der Monarchie 1875; Knig ~Alfons
XII.~, Sohn der 1868 vertriebenen Knigin Isabella bringt dem Lande
Frieden, untersttzt von dem Minister +Canovas+. Don Carlos entflieht
nach Frankreich. Alfons XII. stirbt 1885; fr seinen Sohn ~Alfons
XIII.~ regiert bis 1902 die Mutter Marie Christine von sterreich,
untersttzt von dem Minister +Sagasta+.

[1898.]

+Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika+ (S. 418).

[1899.]

An Deutschland werden gegen eine Geldentschdigung berlassen: die
+Marianen+, +Karolinen+ (schon 1885 von Deutschland besetzt, aber
durch Schiedsspruch des Papstes Leo XIII. den Spaniern zuerkannt) und
+Palau-Inseln+ (S. 396). Spanien behlt von seinem alten Kolonialbesitz
nur noch die Kanarischen Inseln, Span. Guinea (Rio Muni, Fernando
Po, Corisco), die Kste von Rio de Oro und die 5 +Presidios+ (Ceuta,
Velez de la Gomera, Alhucemas, Melilla, Chafarinas) an der +Kste von
Marokko+.

[1903 u. 1904.]

Sozialistische Aufstnde, namentlich in +Barcelona+; doch bleibt die
Monarchie erhalten.

[1906.]

Vermhlung des Knigs mit Viktoria +Eugenie+ (Ena) von Battenberg
(Nichte Eduards VII. von England). Bombenattentat am Hochzeitstage des
Knigpaares.

[1909.]

Tod des Prtendenten Don Carlos.

[1909-1910.]

~Krieg gegen die Rifkabylen in Marokko~, die ein 300 km langes, 100
km breites Gebiet vom Kap Tres Forcas, unweit Melilla, bis an die
Strae von Gibraltar beherrschen. Blutige Kmpfe um +Melilla+. Infolge
der Truppensendungen nach Afrika schwere Ruhestrungen in Barcelona
und ganz Katalonien. Der Freiheitsapostel +Ferrer+ trotz vieler
Protestkundgebungen hingerichtet.

[1910.]

Erneuerte Kmpfe um ~Melilla~. 1911 (Jan.) Reise des Knigs Alfons
XIII. nach Marokko. Endlich (Nov.) Friedensvertrag mit den Kabylen.

Unterdessen und besonders infolge des deutsch-franzsischen
Marokkoabkommens (S. 405) auch manche Reibereien zwischen Spaniern
und Franzosen in Marokko. Die Verhandlungen mit Frankreich ber die
Abgrenzung der spanischen Besitzungen und Rechte in Marokko sind zur
Stunde noch nicht abgeschlossen.

~Portugal~ (S. 363) gelangt nach frheren Brgerkriegen zu ruhigeren
Zustnden unter den Knigen aus dem Hause +Koburg+, seit 1853
(S. 352). Doch erhebt sich 1907 eine starke Bewegung gegen den
Ministerprsidenten Franco; am 1. Febr. 1908 wird Knig +Karl I.+, mit
ihm der Kronprinz Ludwig Philipp von Verschwrern erschossen. Sein
zweiter Sohn und Nachfolger +Manuel II.+ wird 1910 (Okt.) durch eine
Revolution vertrieben, lebt in England. Portugal als ~Republik~ von
den Mchten anerkannt. Trennung von Kirche und Staat durchgefhrt.
Bewegungen zu Gunsten der Monarchie mehrfach unterdrckt. Prsident:
+Manuel d'Arriaga+ (seit 1911).


 17. Die Balkanhalbinsel.

~Rumnien~ (S. 367, 399ff.) nimmt auf fast allen Gebieten einen
erfreulichen Aufschwung. Eifrige Sorge des Frsten Karl fr Heer und
Landesbefestigungen, Finanzen und Unabhngigkeit des Landes, Handel und
Ackerbau, Volksbildung und Gesetzlichkeit. 1881 erklren die Kammern
Rumnien als +Knigreich+. ~Knig Karl I.~ erhlt gute Beziehungen zum
Dreibund, schliet eine Militrkonvention mit sterreich.

In ~Serbien~ nimmt Frst +Milan+ (Obrenowitsch) 1882 den +Knigstitel+
an, dankt aber 1889 ab zu Gunsten seines 12jhrigen Sohnes +Alexander+.
Dieser erklrt sich bereits 1893 fr mndig, wird 1903 samt seiner
Gemahlin +Draga+ durch eine Verschwrung ermordet. Milan, von seiner
Gemahlin +Natalie+ geschieden, T 1901 in Wien. Seit 1903 ~Peter I.~
(Karageorgiewitsch) ~Knig~ von ~Serbien~ (s. S. 399).

In ~Montenegro~ seit 1860 Frst ~Nikita~ (Nikolaus). Bei der Feier
seines Regierungsjubilums 1910 nimmt er ebenfalls den +Knigstitel+ an.

In ~Bulgarien~ wird 1879 Prinz +Alexander+ von Battenberg (Hessen),
ein Neffe des russischen Kaisers Alexander II. von der Sobranje
(Deputiertenkammer) zum Frsten erwhlt.

[1885.]

Erhebung der +Bulgaren+ gegen die Trken; +Ostrumelien+ (S. 401)
vereinigt sich mit dem Frstentum +Bulgarien+, gegen Rulands Willen.
+Serbien+ (Knig Milan) beginnt Krieg gegen Bulgarien. Frst Alexander
besiegt die Serben bei +Slivnitza und Pirot+ (Nov. 1885), schliet
aber auf Verlangen sterreichs Frieden. Er wird 1886 von der russischen
Partei vertrieben, doch bleibt Ostrumelien mit Bulgarien vereinigt.
Sein Nachfolger ~Ferdinand I.~ von Koburg-Kohary (S. 352) sttzt sich
zunchst auf sterreich, wird 1896 auch von Ruland anerkannt. Seine
Diplomatie und das Ansehen seines Heeres setzen ihn in den Stand, 1908
die +Erhebung+ ~Bulgariens~ (mit Ostrumelien) zu einem von der Trkei
vllig unabhngigen ~Knigreich~ ohne Schwertstreich durchzusetzen.
Seitdem entschiedene Anlehnung an Ruland.

~Griechenland~, seit 1863 unter ~Knig Georg I.~ (v. Dnemark), 1864
durch Abtretung der +Ionischen Inseln+ von seiten Englands (s. S. 341)
vergrert, erhlt 1881, da die Gromchte ihr Verlangen an die Trkei
(S. 401) erneuern, Thessalien und einen kleinen Teil von Epirus.

[1897.]

+Krieg Griechenlands gegen die Trkei+, veranlat durch einen Aufstand
auf der Insel +Kreta+ gegen die trkische Herrschaft. Die Griechen
werden in Thessalien und Epirus geschlagen, mssen Frieden schlieen
und Kriegskosten zahlen. Kreta erhlt auf Verlangen der europischen
Gromchte selbstndige Verwaltung unter trkischer Oberhoheit;
Prinz Georg von Griechenland Gouverneur bis 1906. Die Nichtbenutzung
der Gelegenheit, die Insel Kreta in dem Augenblick anzugliedern, wo
sterreich und Bulgarien 1908 Bosnien und Ostrumelien einverleibten,
ruft in Griechenland lebhafte Erregung hervor, besonders im Heere.
Mehrere Prinzen scheiden 1909 aus Armee und Flotte aus und erhalten
mehrjhrigen Auslandsurlaub. Auf Kreta (August 1909) berall die
griechische Flagge gehit. Die trkische Oberhoheit bleibt jedoch
erhalten.

Das ~trkische Reich~, seit 1878 (russisch-trkischer Krieg, s. S.
399ff.) in seinem europischen Bestande sehr eingeschrnkt (S. 401),
hat immer wieder mit Emprungen seiner christlichen Untertanen zu
kmpfen.

[1895.]

Blutige Verfolgung der +Armenier+ und der +syrischen Christen+;
England, Frankreich und Ruland gebieten Einhalt.

[1903.]

Aufstand in ~Macedonien~, von den +Bulgaren+ untersttzt; sterreich
und Ruland ntigen die trkische Regierung zu Reformen, die aber nur
halb zur Ausfhrung kommen. Der Kriegszustand dauert fort.

[1908.]

Fr die ~Trkei~ erzwingt ein Militraufstand (Jungtrken) vom Sultan
+Abdul Hamid+ (1876-1909) die Gewhrung einer +Verfassung+ (Senat und
Deputiertenkammer), die schon 1876 verkndet, aber nach kurzer Zeit
wieder aufgehoben worden war. Bosnien (S. 398 f.), Ostrumelien (s.
oben) verloren; Novipazar wieder gewonnen (S. 398, 399).

[1909.]

Sultan Abdul Hamid ebenso wie 1876 sein lterer Bruder Sultan +Murad
V.+ abgesetzt. Seitdem Sultan ~Mohammed V.~

[1911.]

Die trkische Regierung beschrnkt die Weiterfhrung der von
Konstaninopel ausgehenden +Anatolischen Eisenbahn+ (~Bagdadbahn~;
ihre Erbauung 1893 durch +Georg von Siemens+ fr die deutsche Arbeit
[Deutsche Bank] gesichert, zunchst bis Kaisarie gestattet, 1902 einem
deutsch-franzsischen Syndikat bertragen) auf die Strecke +El Halif+
(zwischen Harran und Mosul) bis +Bagdad+. Spter soll +Kuweit+ am
Persischen Meerbusen Endpunkt sein. Zweigbahn nach +Alexandrette+,
Anschlu an die +Hedschas+bahn von +Damaskus+ nach +Medina-Mekka+ und
die russisch-persischen Bahnen ber Teheran nach Bagdad gesichert (S.
397).

[1911-1912.]

+Italienisch-trkischer Krieg+ (s. S. 412).


 18. Amerika.

Die ~Vereinigten Staaten~ von Amerika, deren Gebiet seit 1848 bis
zum Stillen Ozean reicht (S. 301 f.), an Volkszahl schnell wachsend
durch Einwanderung aus Europa (1860: 31 Mill. Einwohner), aufblhend
durch Handel und grostdtische Industrie, geraten in schwere Gefahr
durch Zwiespalt zwischen den Nordstaaten und den Sklaven haltenden
Sdstaaten. Die Wahl +Abraham Lincolns+ zum Prsidenten der Union von
seiten der Nichtsklavenstaaten fhrt zum

[~1861-1865.~]

~Brgerkrieg~. Die 11 Sdstaaten erklren ihren Austritt (secession)
aus der Union und schlieen einen +Sonderbund+. +Jefferson Davis+
Prsident. Sie erklren die Fortdauer der Negersklaverei wegen des
Plantagenbaues (Zucker, Reis, Tabak, Baumwolle) fr notwendig.
Hauptschauplatz des Krieges der zu den Sdstaaten gehrige Staat
+Virginia+ und das angrenzende +Maryland+. Die Sonderbundstruppen
bedrohen 1861 nach dem Siege bei +Bull-Run+ und 1862 nach der
siebentgigen Schlacht bei +Richmond+ die Bundeshauptstadt Washington,
werden jedoch wieder zurckgedrngt. Die Unionstruppen erobern 1862
+New-Orleans+, 1863 +Vicksburg+ am Mississippi.

[1863. 1. Jan.]

Eine Proklamation Lincolns erklrt alle Sklaven der Sdstaaten
fr frei. Der Sdstaatengeneral +Lee+ siegt bei +Fredericksburg+
(Virginia), berschreitet den Grenzflu Potomac, wird aber bei
+Gettysburg+ in Pennsylvanien zurckgeschlagen.

[1864.]

Der Nordstaatengeneral +Grant+ kmpft gegen Lee in der +Wilderness+
und bei +Spotsylvania+, belagert ihn dann in der starken Stellung
zwischen den Festungen +Richmond+ und +Petersburg+. Ein zweites Heer
der Nordstaaten unter +Sherman+ siegt bei +Atlanta+ im Staate Georgia,
dringt bis zur Kste vor nach Savannah, zieht im Frhjahr 1865 gegen
Petersburg heran.

[1865. April.]

General Lee rumt Richmond und Petersburg, kapituliert mit 26000 Mann,
bald darauf ergeben sich auch die brigen Truppen der Sdstaaten.
Die Union bleibt erhalten, doch fgen die Sdstaaten sich nicht
bedingungslos.

Prsident +Lincoln+, der umsichtige Leiter der Union, wird von einem
Anhnger der Sdstaaten ermordet (14. April); sein Nachfolger +Johnson+
zeigt sich nachgiebiger in der Sklavenfrage und gert deshalb in
Konflikt mit dem Kongre, welcher die Aufhebung der Sklaverei im
ganzen Unionsgebiet als Gesetz verkndet und den Negern Brgerrecht
und Stimmrecht verleiht. Daraus ergeben sich belstnde, die zur Folge
haben, da unter dem Prsidenten +Grant+ (1869-1877) die Sdstaaten in
mancher Hinsicht noch unter der Diktatur des Kongresses bleiben.

Ausshnung erst unter Prsident +Hayes+ (1877-1881), der auch die bei
groer Steigerung des Handelsreichtums eingerissene Bestechlichkeit und
mterjagd bekmpft, untersttzt von dem Deutschen +Karl Schurz+ als
Minister des Innern. Sein Nachfolger +Garfield+, der diese Bestrebungen
weiterfhrt, wird nach wenigen Monaten ermordet (1881).

[1867.]

Erwerbung des russischen Amerika (Alaska) fr 7200000 Dollar.

[1869.]

Erffnung der ersten +Pacificbahn+ (Omaha bis San Francisco).
Schnellere Verbindung zwischen den Ksten des Atlantischen und des
Groen Ozeans.

Auf die Streitigkeiten der +mittel-+ und +sdamerikanischen Republiken+
wirkt die Union oft vermittelnd ein, so 1869 bei dem Frieden zwischen
Spanien und dem erfreulich aufstrebenden ~Chile~, das 1879-1884 Bolivia
und Peru niederwirft, aber 1891 in einen gefhrlichen Brgerkrieg
hineingerissen wird. In ~Brasilien~ wird 1889 eine Fderativrepublik
von 20 Staaten (Vereinigte Staaten von Brasilien) eingerichtet (1888
die Sklaverei pltzlich abgeschafft); Kaiser Pedro II. (S. 346) zieht
sich nach Portugal zurck. Seit 1910 Prsident +Hermes da Fonseca+.
Gegenber den europischen Staaten nimmt die Union fters eine
feindliche Haltung an; s. Frankreich S. 371. Streit mit +England+ ber
Schadenersatz, weil whrend des Brgerkrieges Kaperschiffe fr die
Sdstaaten in England ausgerstet waren; ein Schiedsgericht zu Genf
entscheidet 1872, da England ber 3 Mill. Pfund Sterling zu zahlen
habe.

In der Union stark anwachsende Bevlkerung; 1890: 63 Mill., 1910:
88 Mill. Einwohner. Viele Eisenbahnen gebaut, um das weite Gebiet
aufzuschlieen (vgl. S. 421). Die Mac Kinley-Bill 1890 erhht den
Zolltarif der Vereinigten Staaten, um die europische Einfuhr zu
beschrnken; 1891 Gesetz gegen die Einwanderung unbemittelter Personen.

[1896-1901.]

Prsident +Mac Kinley+; die Union beginnt auswrtige Besitzungen zu
erwerben, zuerst 1897 die +Sandwich-Inseln+ annektiert (seit 1900
Territorium).

[1898.]

~Krieg gegen Spanien~ zur Untersttzung der schon 1895 auf +Cuba+ und
den seit 1569 spanischen +Philippinen+ (S. 223, 242) ausgebrochenen
Aufstnde. Die spanische Flotte wird in zwei Seetreffen, bei +Cavite+
(Insel Luzon) und +Santiago+ (Insel Cuba) vernichtet. Im Frieden zu
+Paris+ tritt Spanien Puerto Rico und die Philippinen gegen eine
Geldentschdigung an die Union ab. +Cuba wird eine Republik+, mu
aber der Union gewisse Aufsichtsrechte und mehrere Flottenstationen
einrumen (Insel Guam s. S. 426).

[1899.]

Bei der Teilung der +Samoa+-Inseln (S. 407) nimmt die Union +Tutuila+
mit dem Hafen Pago-Pago und die Manuagruppe (203 qkm).

[1901-1909.]

Prsident +Roosevelt+, Nachfolger des ermordeten Mac Kinley. Das
Deutsche Reich tritt in engere Beziehungen zur Union. Als Deutschland,
England und Italien wegen Handelsstrungen mit der Republik +Venezuela+
(Prsident +Castro+) in Streit geraten und ihre Kste durch
Kriegsschiffe blockieren, Vermittlung durch den Vertrag zu +Washington+
(Juli 1903); Venezuela mu bedeutende Entschdigung zahlen.

[1903.]

Vertrag der Union mit +Colombia+ (S. 346) ber Gebietsabtretung zum
Ausbau des 1881 von franzsischen Kapitalisten (Panamagesellschaft,
1889 aufgelst) begonnenen +Panama+-Kanals. Da in Colombia sich
Widerspruch erhebt, bildet sich eine besondere Republik +Panama+ unter
dem Schutze der Vereinigten Staaten. Der Kanal (Schleusenkanal) soll
am 1. Jan. 1915 erffnet werden, wie der Suezkanal neutral und allen
Vlkern unter den gleichen Bedingungen geffnet sein.

[1906.]

+San Franzisko+ durch Erdbeben grtenteils zerstrt, doch bald
wiederhergestellt.

[1907.]

Verschrftes Gesetz ber die Einwanderung.

[Seit 1909.]

Prsident +Taft+, vorher Kriegsminister und Gouverneur der Philippinen,
hlt das gute Einvernehmen mit dem Deutschen Reiche aufrecht.

[1910-1911.]

Aufstand in ~Mexiko~. Verschwrung gegen den Prsidenten +Porfirio
Diaz+ (S. 371). Die Vereinigten Staaten ziehen Truppen an der Grenze
zusammen. Porfirio Diaz dankt 1911 ab. +Madero+, der Hauptfhrer der
Aufstndischen, wird zu seinem Nachfolger gewhlt, Ende des Aufstandes.
1912 neue Unruhen.

[1911.]

Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. ~Japan~ (Spannung seit der
Besetzung der Sandwich-Inseln und der Philippinen, durch den Bau
des Panamakanals noch gesteigert) knpft wieder freundschaftliche
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten an.


 19. Asien.

In ~Persien~ (S. 219), das auf eine fast 2500 Jahre alte Kultur
zurckblickt, hat das autokratische Regiment die Entwickelung und die
Wohlfahrt des Volkes sehr beeintrchtigt. Von persischen Gebieten sind
jedoch bisher nur +Georgien+, +Transkaukasien+ und ein Teil +Armeniens+
an Ruland verloren gegangen (S. 297, 348).

[~1906.~]

Verfassung eingefhrt. Doch gert der Schah +Mohammed Ali+ bald in
Streit mit dem Parlament (+Medschlis+) und lst es auf. Daher Aufstand
im Lande.

[~1909.~]

+England+ und +Ruland+ als die Nachbarn fordern vom Schah
Wiederberufung des Medschlis, Gewhrung einer Verfassung und Reform
der Verwaltung als Bedingung fr die Zulassung einer Anleihe. Diese
Einmischung abgelehnt. Einmarsch russischer Truppen in +Tbris+;
englische besetzen +Abuscher+ am Persischen Golf. Straenkmpfe in
+Teheran+. Mohammed Ali abgesetzt, begibt sich nach Ruland. Der
Titel Schah abgeschafft. Seitdem +Sultan Ahmed Mirsa+ (geb. 1897).
Regent Ali Reza Chan. Verfassung wiederhergestellt. Schwierigkeit
fr das Parlament, das Reichsbudget im Gleichgewicht zu halten.
Anleihe in Ruland und England genehmigt gegen Verpfndung persischer
Zolleinknfte. England und Ruland grenzen ihre Interessensphren
ab (S. 403, vgl. Deutsch-russisches Abkommen ber Persien, S.
397). Berufung belgischer Beamten fr Zoll- und Postverwaltung,
amerikanischer Beirte fr die Ordnung der Finanzen. Der Amerikaner
+Morgan Shuster+ Generalschatzmeister. Protest der Jungperser gegen die
russisch-englischen Plne.

[~1910.~]

Tod des Regenten. Sein Nachfolger +Nasr el Mulk+. Landung englischer
Truppen am Persischen Golf.

[~1911.~]

Rckkehr des Exschahs Mohammed Ali. Im Norden Persiens wechselvolle
Kmpfe zwischen seinen Anhngern und den Regierungstruppen. Russisches
Ultimatum; u.a. Morgan Shusters Entlassung gefordert. Landung und
Vormarsch russischer Truppen von +Rescht+ aus. Alle russischen
Forderungen erfllt. Nordpersien gert immer mehr in Abhngigkeit von
Ruland. Die Wirren dauern fort.

Der Emir von ~Afghanistan~ (S. 353) beherrscht trotz des Verlustes
weiter Gebiete an Ruland (S. 402) und England (S. 406 f.) noch ein
Land von 624000 qkm. -- 1893 Vertrag zwischen dem Emir +Abdurrhaman+
und der englischen Regierung, die ihm eine jhrliche Rente von etwa 3
Mill. Mark bewilligt.

[1907.]

Englisch-russischer Vertrag mit dem Emir +Habib Ullah+ (seit 1901) ber
die Aufrechterhaltung des gegenwrtigen Besitz- und Rechtsstandes in
Afghanistan.

Das Knigreich ~Siam~ in Hinterindien ist trotz der Begehrlichkeit
seiner Nachbarn, England (S. 409) und Frankreich (S. 404), immer noch
grer als das Deutsche Reich (600000 qkm, 6 Mill. Einwohner). Knig
~Maha Chulalongkorn~ (1868 bis 1910) war ein groer Freund Europas
und seiner Sitten (sein Besuch bei Bismarck in Friedrichsruh 1897),
schuf eine moderne Armee und Flotte, Eisenbahnen und Dampferlinien,
richtete Steuer-, Post- und Mnzwesen nach europischem Muster ein und
suchte seine Unabhngigkeit durch Vertrge mit England und Frankreich
sicher zu stellen. Handelsvertrge zwischen Siam und Europa seit Mitte
des vorigen Jahrhunderts (S. 368, 411). Seit 1910 ~Maha Wajirawudh~
Herrscher im Reiche des weien Elefanten.

~China~, seit 1842 dem europischen Handel geffnet (S. 353), bald
auch mit den Vereinigten Staaten in Handelsbeziehungen, nimmt nicht
wie +Japan+ (S. 369) an den Fortschritten europischer Kultur teil; im
Volke Ha gegen die Fremden verbreitet. Verlust des Amurgebietes (S.
369).

[1894-1895.]

~Krieg Japans gegen China~ wegen der Schutzherrschaft ber +Korea+
(S. 251). Korea wird unabhngig, Japan gewinnt die Insel +Formosa+
(Taiwan). Die im Frieden zu +Schimonoseki+ durch +Li-hung-tschang+
zugestandene Abtretung der Halbinsel +Liau-tung+ mit dem Hafen +Port
Arthur+ wird durch Ruland, Deutschland und Frankreich rckgngig
gemacht.

[1897. Nov.]

Deutschland besetzt das Hafengebiet +Kiau-tschou+; ein Pachtvertrag mit
China auf 99 Jahre wird 1898 geschlossen.

[1898.]

Ruland besetzt den Hafen +Port Arthur+ an der Einfahrt zum Meerbusen
von Petschili, England den gegenberliegenden Hafen +Wei-hai-wei+.

[1900.]

~Aufstand in China gegen die Christen und Auslnder~ (vergl. S. 251),
geleitet von weitverzweigten Geheimbnden (Boxer). Zweideutige Haltung
der chinesischen Regierung; da sie weder Ordnung noch Genugtuung
schafft, vereinigen sich hierzu Deutschland, England, Ruland,
Frankreich, sterreich, Italien, Japan und die Vereinigten Staaten.
Kriegsschiffe der Verbndeten erscheinen vor der Mndung des Peiho und
entsenden eine Schutzwache fr die Gesandten nach +Peking+.

Da die Unruhen fortdauern, zieht der englische Admiral +Seymour+ mit
2000 Mann gegen Peking, mu aber, da die Eisenbahn zerstrt ist und
starke Scharen ihm entgegentreten, umkehren. Beim Marsch auf Tientsin
stete Gefechte, in schwierigster Lage the Germans to the front.
Inzwischen in Peking der +deutsche Gesandte+ v. Ketteler ermordet (20.
Juni).

[17. Juni.]

Erstrmung der +Taku-Forts+ (S. 368), um eine Landung zu ermglichen
(das deutsche Kanonenboot +Iltis+). +Tientsin+ nach schweren Kmpfen
erobert; +Peking+ erreicht (14. Aug.), die Gesandten befreit. Der
Kaiser und die Kaiserinwitwe fliehen nach Sianfu.

[20. Sept.]

Erstrmung der +Peitang-Forts+ nahe der Kste, Besetzung des Hafens
Schan-hai-kwan, fr die Russen Tor zur Mandschurei.

[27. Sept.]

Der deutsche Feldmarschall ~Graf Waldersee~ bernimmt den Oberbefehl
ber die verbndeten Truppen (zuletzt 64000 Mann, darunter 19000
Deutsche). Die Amerikaner zurckgerufen; die Russen wenden sich
hauptschlich nach der +Mandschurei+, um dort den Bau der Eisenbahn zu
schtzen.

Whrend des Winters Kriegszge von Peking und Tientsin aus.
+Paoting-fu+, Hauptstation der Boxer, 19. Okt. besetzt; Erstrmung der
Bergfeste +Tse-kin-kwa+ 29. Okt. Russen und Englnder geraten in Streit
ber den Besitz der Eisenbahn Tientsin-Peking; Waldersee erreicht die
Fertigstellung der Bahn bis Mitte Dezember.

[1901. Mrz.]

Vorrcken der Deutschen bis zur +Groen Mauer+. 23. April Sieg bei
+Huolu+.

[Mai.]

Nach Besetzung eines groen Teils der Provinz Petschili und Flucht
ihrer Truppen hinter die Groe Mauer bewilligt die chinesische
Regierung alle Forderungen: Bestrafung der Urheber des Aufruhrs,
Befestigung der Gesandtschaftsgebude in Peking, Schutzwachen der
verbndeten Mchte daselbst, Schutz der Eisenbahn von Peking bis
zur Kste durch befestigte Pltze mit Garnisonen, Schleifung der
Kstenforts, Zahlung von 450 Mill. Taels (1350 Mill. Mark) in 39
Jahren aus den Ertrgen der Seezlle, deren Verwaltung von Beamten der
verbndeten Mchte geleitet wird (S. 368).

Nach dem Abzug der verbndeten Truppen bleiben grere Besatzungen,
namentlich in Tientsin und Schanghai. Prinz +Tschun+, Bruder des
Kaisers von China, berreicht (Sept.) dem Deutschen Kaiser in Potsdam
ein Entschuldigungsschreiben wegen Ermordung des Gesandten; diesem in
Peking ein Denkmal errichtet.

Die Erschlieung Chinas in den folgenden Jahren durch, eine Reihe von
Eisenbahnbauten (auch amerikanisches Kapital beteiligt) gefrdert. 1906
schon 6300 engl. Meilen in Betrieb. Lebhafter Dampfschiffsverkehr auf
den groen Strmen.

[1905.]

Die +Mandschurei+ an China zurckgegeben (S. 423). Offene Tr
daselbst allen Mchten garantiert.

[1909.]

Streitigkeiten mit +Ruland+ und +Japan+ ber die Abgrenzung der Rechte
in der Mandschurei geregelt. Der +Tumen+flu als Grenze zwischen
der Mandschurei und Korea festgesetzt. 1911 Pest in der Mandschurei
(Charbin).

Das Eindringen der europischen Kultur und der Vergleich mit Japan
erwecken in weiten Kreisen den Wunsch nach zeitgemen Reformen. Manche
Vizeknige Anhnger dieser Reformpartei, z. B. +Juanschikai+. Er
wird 1909 abgesetzt, weil er die Gleichstellung der Mandschu mit den
Chinesen und die Beseitigung ihrer Renten gefordert hatte. 1910 die
Abschaffung der Sklaverei von der Regierung verfgt. Vorbereitungen fr
die Berufung eines Parlaments getroffen. Kaiserlicher Erla ber die
Bildung eines verantwortlichen Ministeriums.

[1911.]

In den sdlichen Provinzen (+Kanton+) bricht eine Revolution aus.
Beseitigung der Mandschudynastie gefordert. +Hankau+ erobert
(Eingreifen deutscher Marinetruppen zu Gunsten der Regierung), ebenso
+Nanking+. Dr. +Sunyatsen+ Leiter der Revolutionre. Juanschikai erhlt
Vollmacht zu allen ihm geeignet erscheinenden Maregeln. Kaiserlicher
Erla verheit Einfhrung einer Verfassung und Amnestie. Juanschikai
Ministerprsident. Der Prinzregent Tsaifeng (Kaiser +Pu Yi+ geb. 1906)
leistet den Eid auf die Verfassung. Waffenstillstand. In +Schanghai+
Versammlung der Abgeordneten der 14 sdlichen Provinzen. Sunyatsen
vorlufig zum Prsidenten der +Vereinigten Staaten von China+
gewhlt. +Abfall der Mongolei+ (S. 403). Juanschikai sucht eine
konstitutionelle Monarchie unter den Mandschu zu erhalten. Als die
Aufstndischen Truppen gegen die nrdlichen Provinzen senden, erfolgt
die

[1912. Febr.]

~Abdankung der Mandschudynastie~ (S. 251). ~China Republik~.
+Juanschikai Prsident+.

~Japan~ seit seinem Siege ber China (S. 420) die herrschende Macht in
Ostasien. Korea gert immer mehr unter japanischen Einflu.

[~1904-1905.~]

~Krieg zwischen Ruland und Japan~ wegen der beiderseitigen Ansprche
auf +Korea+ und die +Mandschurei+. +Japan seit 1902 mit England
verbndet+, doch greift England in den Krieg nicht ein. Die japanische
Flotte blockiert +Port Arthur+ und +Wladiwostok+; japanische
Landtruppen besetzen einen Teil von Korea, dringen nach der Mandschurei
vor, siegen 1. Mai 1904 am +Jalu+flu. Eine zweite Armee landet auf der
Halbinsel Liau-tung und schliet Port Arthur von der Landseite ein. Die
russische Flotte versucht die Blockade zu brechen, wird 10. August mit
groem Verlust zur Rckkehr gentigt. Verstrkungen des Landheeres
kommen auf der Sibirischen Eisenbahn nur langsam heran.

[1904. 24.-31. Aug.]

Schlacht bei +Liau-jang+ in der Mandschurei. Die Japaner (160000 Mann
unter Marschall +Ojama+) drngen die Russen (Gen. +Kuropatkin+) in
hartnckigen Kmpfen zurck.

[15.-18. Okt.]

Schlacht am Flusse +Schaho+; Kuropatkins Angriffe milingen.

[1905. 2. Jan.]

+Port Arthur+, von Gen. +Stssel+ verteidigt, kapituliert (Gen.
+Nogi+); ber 40000 Mann kriegsgefangen.

[24. Febr. bis 10. Mrz.]

Schlacht bei +Mukden+; die Russen mssen nach starken Verlusten (90000
Mann) weichen, behaupten sich aber noch in der Mandschurei.

[1905. 27.-28. Mai.]

Seeschlacht bei +Tschuschima+ (Insel in der Strae von Korea). Die
russische Ostsee-Flotte (16 groe Schiffe, 4 kleine Kreuzer) von
Admiral +Togo+ annhernd vernichtet.

[Juli.]

Die Japaner besetzen den sdlichen Teil der Insel +Sachalin+.

[~1905.~ 5. Sept.]

~Friede zu Portsmouth~ (amerikanische Kstenstadt unweit Boston)
unter Vermittlung des Prsidenten +Roosevelt+. Japan erhlt
die Schutzherrschaft ber Korea, Port Arthur mit umliegendem
Gebiet, Sachalin bis zum 50. Breitengrad. Ruland zahlt keine
Kriegsentschdigung, behlt Wladiwostok und sein Amur-Gebiet. Die
Mandschurei soll an +China+ zurckgegeben werden, doch behalten Japan
und Ruland ihre dort angelegten Eisenbahnen (s. S. 422).

In den folgenden Jahren macht Japan, dessen Heer berall Bewunderung
erweckt hat, weitere Fortschritte auf dem Wege finanzieller Erstarkung
und politischer Vorherrschaft auf +Korea+. 1909 Koreanische
Gerichtshoheit, 1910 Polizeigewalt auf Japan bertragen. Frst +Ito+,
frher Generalresident in Korea, 1909 von einem Koreaner ermordet. 1910
die Annexion Koreas durchgefhrt; Kaiser +Ytschak+ dankt ab.

[1911.]

Bndnis zwischen Ruland und Japan (S. 402 f.). Infolgedessen Revision
des englisch-japanischen Bndnisses von 1902 (S. 422). Anknpfung
freundschaftlicher Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika
(S. 419).


 20. Entwickelung der deutschen Kolonien.

+Grndung+ s. S. 395. +Zweck+: Gewinnung von Rohprodukten;
Absatzgebiete fr den heimischen Handel und Besiedelung. Das Reich
stellte auf Nachsuchen die kaufmnnischen Niederlassungen unter
seinen Schutz, zur Sicherung gegen fremde Herrschaft (+Deutsche
Schutzgebiete+). Die Kolonisation begann an den Ksten und dehnte
sich allmhlich in das Innere aus; hierfr von grtem Einflu
die Erschlieung durch +Eisenbahnen+ und die +Wasserversorgung+.
Sicherung durch Schutzvertrge mit den einheimischen Huptlingen mit
Handelsvorteilen, namentlich fr europische Waren. Verwaltung durch
+Gouverneure+ mit Bezirksmtern und Stationen; militrische Sicherung
durch die +Schutztruppen+.

+Erweiterung der Kolonien+ (S. 396, 397, 405). Der deutsche
Kolonialbesitz ist jetzt ber fnfmal grer als das Heimatsgebiet,
hat aber kaum ein Viertel der Einwohnerzahl. Am +Handelsergebnis+ der
Kolonien (Einfuhr und Ausfuhr) +war Deutschland 1910 mit 66,3 v. H.
beteiligt+. Regelmige +Seeverbindung+ durch Hamburg-Amerika- und
Woermann-Linie nach der afrikanischen Westkste, Norddeutschen Lloyd
(Bremen) und Reichspostdampfer nach Ostafrika, Australien und Ostasien.
+Telegraphische Verbindung+ fehlt noch nach den Besitzungen in der
Sdsee; deutsche +Seekabelverbindung+ schreitet krftig fort, ist aber
nur nach Ostasien von fremden Leitungen unabhngig; besonders nach
Ostafrika sind englische Kabel beteiligt. +Funkenstationen+ in allen
afrikanischen Kolonien und in Kiautschou.

+Deutsche Kolonialgesellschaft+ in Berlin (Herzog Johann Albrecht von
Mecklenburg), Kolonialinstitut in Hamburg und mehrere Kolonialschulen.

1. ~Sdwestafrika~ (835100 qkm). Missionsstationen bestanden seit 1860
im Damara- und Namaqualande; das Kstengebiet Angra Pequena wurde 1883
von dem Bremer Kaufmann Lderitz erworben; 1884 Erweiterung durch
Vertrge mit den einheimischen Huptlingen; 1893 der Hafen Swakopmund
angelegt.

[1894.]

Gouverneur +Leutwein+ geht mit der verstrkten Schutztruppe gegen
unzuverlssige Huptlinge vor. Nach den Gefechten bei +Naukluft+
verbndet sich Hendrik +Witboi+ mit den Deutschen und leistet Hilfe bei
ferneren Kmpfen, so noch 1903 gegen die Bondelzwarts-Hottentotten.

[~1904-1906.~]

Allgemeiner +Aufstand+ gegen die auf weites Gebiet verteilte
Schutztruppe. Die Hereros zerstren die Eisenbahn Swakopmund-Windhuk
und ermorden viele Ansiedler. Mhsame Kriegfhrung in dem wasserarmen,
vielfach gebirgigen Lande. Die Schutztruppe verteidigt Omaruru und
andere Stationen, wird untersttzt durch ein Landungskorps vom Kreuzer
Habicht, dann durch das Seebataillon; bald erscheint eine kriegsstarke
Division, gebildet aus Freiwilligen des ganzen deutschen Heeres.

[1904. 11. u. 12. Aug.]

Sieg des Generals v. Trotha am +Waterberge+; er drngt die Hereros
nach Osten in die Kalahariwste, wo viele umkommen. Darauf allmhliche
Unterwerfung des nrdlichen Landesteils, aber im Sden erhebt sich nun
+Witboi+ gegen die Deutschen.

[1905.]

Hartnckige Kmpfe um die Wasserstelle bei Gro-Nabas, dann in den
Karasbergen und am Groen Fischflu; Witboi T. Der deutsche Reichstag
bewilligt den Bau der Eisenbahn Lderitzbucht-Kubub (100km).

[1906.]

Kmpfe am Oranjeflu; Oberstlt. v. Estorff drngt die Hottentotten nach
Osten. Ihr Fhrer +Morenga+ flchtet auf englisches Gebiet, versucht
1907 nochmals in das inzwischen unterworfene Land einzudringen, wird in
einem Gefecht mit englischen Truppen gettet. Der Reichstag bewilligt 5
Mill. Mark fr die Verluste der Ansiedler.

+Gesamtbevlkerung+ 1911: rund 14000 Weie und 72000 Farbige, also
nur 0,1 Einwohner auf l qkm. Jede Selbstndigkeit der Huptlinge
hat aufgehrt. +Regierungssitz+: Windhuk. +Wassererschlieung+
schreitet fort. +Eisenbahnen+: 1909 km im Betrieb, 217 km im Bau.
+Ausfuhr+ vornehmlich: +Diamanten+ und Kupfererze, ferner Blei, Hute,
Strauenfedern und Vieh. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr fr ber 34
Mill. Mark. Einfuhr fr rund 44 Mill. Mark.

2. ~Ostafrika~ (995000 qkm). Verkehr nach Sansibar seit etwa 1860;
+Landerwerbungen+ 1884 im Auftrage der Gesellschaft fr deutsche
Kolonisation durch K. Peters, Jhlke, Graf Pfeil, 1885 vom Sultan von
Sansibar anerkannt nach dem Erscheinen deutscher Kriegsschiffe.

[1888-1890.]

Aufstand der Eingeborenen, veranlat durch arabische Sklavenhndler
(Buschiri), niedergeworfen durch Kriegszge des Reichskommissars Major
+Wimann+ unter Mitwirkung von Kriegsschiffen.

[1889.]

+K. Peters+ dringt nach +Uganda+ vor (Nordufer des Victoria-Nyanza) und
schliet dort Vertrge; die Ostafrikanische Handelsgesellschaft erwirbt
das +Witu+land (nrdlich von Sansibar); beide Gebiete werden 1890 an
England berlassen (S. 407).

[1905-1906.]

Aufstnde im Sden durch die Schutztruppe niedergeschlagen.

+Gesamtbevlkerung+ 1911: 4230 Weie und etwa 10 Mill. Farbige. Gute
Hfen, hierunter der Regierungssitz +Daressalam+ und +Tanga+, welche
Ausgangspunkte der beiden Bahnlinien sind (1199 km im Betrieb, die
Zentralbahn wird von +Tabora+ nach dem +Tanganjika-See+ weitergefhrt).
Die Siedelungen am +Viktoria-See+ sind noch auf Karawanenstraen und
die englische Ugandabahn angewiesen. Die Sultane westlich des Sees
stehen unter Kaiserlichen Residenten.

+Wirtschaftlich+ magebend sind Ackerbau und Viehzucht. Der Hauptertrag
wird im Lande verzehrt. Zur +Ausfuhr+ kommen vornehmlich: +Kautschuk+,
Hanf, Hute, Kopra. +Handelsergebnis+ 1910: Einfuhr fr fast 38 Mill.
Mark, Ausfuhr fr 20 Mill. Mark.

3. ~Kamerun~, bisher 495600 qkm mit rund 1450 Weien und ber 2 Mill.
Farbigen, also 5,4 Einw. auf 1 qkm. Regierungssitz +Buea+, Hafen
+Duala+. Eisenbahnen 160 km im Betrieb, 360 km im Bau. Zur +Ausfuhr+
kommen vornehmlich: +Kautschuk+, Palmkerne, Kakao, Palml, Elfenbein.
+Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr fr rund 20 Mill. Mark, Einfuhr fr
rund 25 Mill. Mark.

[~1911.~]

+Nordmakas+ Aufstand (Major Dominik T). Erweiterung usw. durch das
+Marokkoabkommen+ (s. S. 405).

4. ~Togo~, 87200 qkm mit rund 360 Weien und 1 Mill. Farbigen.
Regierungssitz und Haupthafen +Lome+, von wo drei Bahnen ausgehen (im
Ganzen 323 km im Betrieb). Vornehmliche +Ausfuhr+: Palmkerne, Palml,
Kautschuk, Baumwolle. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr fr rund 7 Mill.
Mark, Einfuhr fr rund 11 Mill. Mark.

5. ~Neu-Guinea~, Regierungssitz Rabaul (Neupommern). a) +Altes
Schutzgebiet+, erworben 1884/85: +Kaiser Wilhelmsland und
Bismarck-Archipel+: zusammen 240000 qkm mit rund 750 Weien und 530000
Farbigen. +Friedrich Wilhelmshafen+, keine Eisenbahnen. Vornehmliche
+Ausfuhr+: Kopra, Paradiesvgel, Perlmutter, Kakao. +Handelsergebnis+
1910: Ausfuhr fr fast 3 Mill. Mark, Einfuhr fr fast 4 Mill. Mark; b)
+Inselgebiet+ seit 1898 erworben: +Ost- und Westkarolinen+, +Palau+,
+Marianen+, +Marschall-Inseln+, zusammen 2476 qkm mit rund 1000 Weien
und 65000 Farbigen (Insel Guam gehrt zur Union).

[~1910-1911.~ Dez. Febr.]

Aufstand auf Ponape und +Dschokadsch+ (Ostkarolinen) niedergeworfen
durch Landungstruppen von 4 deutschen Kriegsschiffen. Vornehmliche
+Ausfuhr+: Phosphat, Kopra, Trepang. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr
fr rund 10 Mill. Mark, Einfuhr fr rund 2 Mill. Mark.

6. ~Samoa-Inseln~ (2572 qkm) mit 491 Weien und 40000 Farbigen (1911).
Schon 1879 erwarb das Deutsche Reich hier eine Marinestation, um den
von Hamburger Kaufleuten begrndeten Handel zu schtzen. 1889 Vertrag
mit England und Nordamerika, um den Parteikmpfen der einheimischen
Knige ein Ende zu machen; 1899 Aufhebung des Knigtums. Deutschland
erwirbt die vier westlichen Inseln (S. 407). Hafenstadt +Apia+ auf
der Insel Upolu. Fruchtbares Land; +Ausfuhr+ von Kopra und Kakao.
+Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr und Einfuhr fr +je+ rund 3 Mill.
Mark. Das Christentum schon seit 1830 eingefhrt durch englische
Missionare.

7. ~Kiautschou~ (550 qkm), 1898 +auf 99 Jahre gepachtet+, jetzt
1680 Weie (ohne Truppen) und 162000 Eingeborene. Hafenstadt
+Tsingtau+, gute Handels- und Flottenstation, Ausgangspunkt
der nordost-chinesischen Eisenbahnen. Im Hinterlande reiche
Steinkohlenlager.

Fussnoten:

[57] Geb. 1808 zu Paris, Sohn des Knigs von Holland Louis Napoleon und
der Hortense Beauharnais, folgte 1815 seiner Mutter in die Verbannung
und besuchte 8 Jahre das Gymnasium zu Augsburg (S. 365).

[58] ~Wilhelm,~ Prinz von Preuen, geb. 22 Mrz 1797 in Berlin,
1806-9 mit den Eltern in Knigsberg und Memel, dann wieder in Berlin,
1813 in Breslau, erwirbt 1814 das Eiserne Kreuz in der Schlacht bei
Bar-sur-Aube; nach dem Friedensschlu unablssig um die Ausbildung
der preuischen Truppen bemht, 1825 kommandierender General des 3.
Armeekorps, 1829 vermhlt mit +Augusta+ von Sachsen-Weimar, bernimmt
1838 das Gardekorps, reist im Mrz 1848 nach England, leitet 1849 den
Feldzug in Baden, lebt dann in Koblenz als Gouverneur von Rheinland und
Westfalen, 1858 Prinz-Regent.

[59] ~Otto v. Bismarck,~ geb. 1. April 1815 in Schnhausen bei Stendal,
1847 und 1848 Mitglied des Vereinigten Landtags, 1849 und 1850 der
zweiten Kammer, 1851 Gesandter beim deutschen Bundestag in Frankfurt,
1859 Gesandter in St. Petersburg, Mai 1862 in Paris.

[60] ~Helmut v. Moltke~, geb. 1800 zu Parchim, anfangs in dnischen
Diensten, dann Hauptmann im preuischen Generalstab, 1835-39 in der
Trkei mit geographischen Forschungen und Besserung des trkischen
Heerwesens beschftigt, 1845-46 in Rom als Adjutant des Prinzen
Heinrich von Preuen, 1857 an die Spitze des Generalstabs gestellt.

[61] Die +Kapkolonie+ wurde 1601 angelegt und 1795 von den Englndern
besetzt (S. 314), dann nach dem Frieden von Amiens zurckgegeben (S.
320) und 1806 von neuem erobert (S. 331).




~Anhang.~


I. Brandenburgisch-preuische Geschichte.

[Um 780.]

Grenzmarken des deutschen Reiches an der +Elbe+ und +Saale+ zum
Schutz gegen die Wenden gegrndet von ~Karl d. Gr.~ Befestigung und
Erweiterung derselben durch die Feldzge +Heinrichs I.+ (928).

[937-965.]

Markgraf ~Gero~, von Knig ~Otto I.~ eingesetzt, unterwirft das
Wendenland bis zur Oder. Bistmer +Havelberg+ und +Brandenburg+. Nach
Geros Tode Teilung des Gebiets der Mark: Nordmark, Ostmark, Meien.

[~983.~]

Aufstand der Wenden, die +Nordmark+ auf das +linke Elbufer+ beschrnkt,
Residenz der Markgrafen zu +Salzwedel+.

[~1134-1320.~]

~Askanische (anhaltische) Markgrafen.~

[1134-1170.]

~Albrecht der Br~, von Kaiser +Lothar+ mit der +Nordmark+ (+Altmark+)
belehnt, erobert die +Priegnitz+ auf dem rechten Elbufer, erwirbt das
+Havelland+ durch Vertrag mit dem christlichen Wendenfrsten Pribislav,
der ihn zum Erben einsetzt, und nennt sich Markgraf von ~Brandenburg~
(S. 179). Wiederherstellung der beiden Bistmer, deutsche Ansiedler
namentlich aus den Niederlanden herbeigezogen.

[1220-1267.]

~Johann I.~ und ~Otto III.~, als Brder gemeinsam regierend, erweitern
die +Mittelmark+ durch das Gebiet zu beiden Seiten der unteren Spree
(Barnim und Teltow) und gewinnen die +Uckermark+ und +Neumark+ hinzu;
Otto III. erwirbt die +Oberlausitz+ durch Vermhlung mit der Schwester
Ottokars von Bhmen. Viele Stdte gegrndet: Spandau, +Berlin+ um 1240,
Frankfurt a. O., Landsberg u.a.

[1166-1309.]

~Otto IV.~ (mit dem Pfeil) fhrt Krieg mit dem Erzbistum +Magdeburg+,
bis er die Erwhlung seines jngeren Bruders Erich zum Erzbischof
durchsetzt, erwirbt die +Niederlausitz+.

[1309-1319.]

Markgraf ~Waldemar der Groe~ kmpft rhmlich gegen die Nachbarfrsten
(Pommern, Mecklenburg, Meien), nimmt die Hansestadt +Stralsund+ in
Schutz gegen Dnemark und den Frsten von Rgen.

[1320-1324.]

Interregnum in der Mark nach dem Erlschen des +askanischen+ Hauses.
Als Verwandte erheben die Herzge von Sachsen-Wittenberg (S. 184) und
die Frsten von Anhalt Ansprche, aber Kaiser +Ludwig der Bayer+ zieht
das Land als erledigtes Lehen ein (S. 198). Die Lausitz kommt wieder an
Bhmen.

[~1314-1373.~]

~Bayrische Markgrafen.~

+Ludwig I.+, Sohn des Kaisers Ludwig des Bayern; gegen ihn 1348-50 der
+falsche Waldemar+ (S. 199).

+Ludwig II.+ (der Rmer) wird 1356 Kurfrst. +Otto+ (der Faule) tritt
1373 das Land an Kaiser Karl IV. ab.

[~1373-1415.~]

~Luxemburgische Markgrafen.~

+Karl IV.+ vereinigt die Mark mit seinem Knigreich +Bhmen+,
ordnet die Verwaltung durch Anlegung des +Landbuchs+. Residenz
Tangermnde. Sein Sohn +Sigismund+ (1378) wird Knig von Ungarn
(1387) und verpfndet die Mark an +Jobst von Mhren+, die Neumark
an den +Deutschen Ritterorden+. Zerrttung des Landes durch die
Willkrherrschaft des Adels.

[1411-1414.]

+Friedrich VI.+, Burggraf von Nrnberg, aus dem Hause +Hohenzollern+,
als Statthalter von Sigismund eingesetzt, bricht die Macht des
mrkischen Raubadels (Dietrich +v. Quitzow+ auf Burg +Friesack+).

[~1415-1701.~]

~Kurfrsten aus dem Hause Hohenzollern.~

Die schwbischen Grafen von Zollern (Ahnherr: Burchard von Zolorin, T
1061) seit 1192 Burggrafen von +Nrnberg+. 1227 Teilung in zwei Linien:
die +schwbische+ behlt die Stammgter Hechingen und Sigmaringen, die
+frnkische+ erweitert ihren Besitz zu den Frstentmern +Ansbach+ und
+Baireuth+.

[~1415-1440.~]

~Friedrich I.~, von Kaiser Sigismund als Kurfrst eingesetzt, belehnt
zu Konstanz 1417 (S. 204), erkmpft von Pommern die +Uckermark+, von
Mecklenburg die +Priegnitz+ zurck, wendet sich dann wieder seinen
frnkischen Frstentmern zu und bekmpft als Reichsfeldherr die
Hussiten. Sein Sohn +Johann+ Statthalter in der Mark, kann sie gegen
die Hussiten nicht schtzen. Ihm folgt in Brandenburg der zweite Sohn

[~1440-1470.~]

~Friedrich II.~ (der Eiserne). Er unterwirft die Stdte, namentlich
+Berlin-Klln+, grndet das Schlo zu Klln an der Spree, kauft 1455
die +Neumark+ vom Deutschen Orden zurck, erwirbt 1462 von Bhmen einen
Teil der Niederlausitz (+Kottbus+ und +Peitz+).

[~1470-1486.~]

~Albrecht~ (Achilles). 1473 ~Hausordnung~ (+Disposito Achillea+). Die
+Mark+ soll ungeteilt an den ltesten Sohn fallen, in den +frnkischen+
Frstentmern +nur+ 2 Regenten. Die schlesischen Herzge (vgl. S. 182)
treten 1482 +Krossen+ und +Zllichau+ an Brandenburg ab. Streit mit
Herzog Bogislav X. von +Pommern+ wegen der Lehnshoheit ber Pommern.

[~1486-1499.~]

~Johann~ (Cicero). Die frnkischen Frstentmer kommen an seine
jngeren Brder. +Zossen+ 1490 durch Vertrag mit dem Knig von Bhmen
erworben. Sorge fr die Landesverwaltung im Einverstndnis mit den
+Landstnden+ (Vertreter des Adels und der Stdte).

[~1499-1535.~]

~Joachim I.~ Rubereien des Adels streng bestraft; +Universitt+ in
+Frankfurt a. O.+ gestiftet 1506. Judenverfolgung 1510. +Kammergericht
in Berlin+. Vertrag zu +Grimnitz+ 1529: Die Herzge von +Pommern+
erkennen das Erbfolgerecht Brandenburgs an; dieses verzichtet auf die
Lehnshoheit. +Joachim I.+ eifriger Gegner der Reformation. Sein Bruder
+Albrecht+, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, sendet +Tetzel+ aus (s.
S. 227).

[~1535-1571.~]

~Joachim II.~ In der +Neumark+ sein Bruder Markgraf +Johann+ von
Kstrin.

[1537.]

Erbverbrderung mit dem Herzog von +Liegnitz+, +Brieg+ und +Wohlau+;
diesem werden Krossen, Kottbus, Peitz und Zossen zugesagt fr den Fall,
da das kurfrstliche Haus aussterbe (vgl. S. 281).

[1539.]

~Einfhrung der Reformation.~ Vom Knig von Polen erlangt Joachim die
Mitbelehnung ber +Preuen+. Seine beiden jngeren Shne nacheinander
evangelische Erzbischfe in +Magdeburg+. (S. auch S. 233.)

[~1190.~]

Der ~Deutsche Ritterorden~ gestiftet bei der Belagerung von Akkon (s.
S. 178f.).

[1230-1283.]

Unterwerfung des Landes ~Preuen~ (s. S. 217).

[1525.]

Umwandlung des Ordensstaates in ein ~weltliches Herzogtum~ unter
polnischer Oberlehnshoheit; Einfhrung der Reformation. Erster
Herzog der bisherige Hochmeister ~Albrecht von Brandenburg~ (aus der
Ansbachischen Linie).

[~1571-1598.~]

~Johann Georg~ vereint als Kurfrst von Brandenburg wieder die ganze
Mark. 1578 die Mitbelehnung ber +Preuen+ erneuert (s. o.). Sein Enkel
+Johann Sigismund+ vermhlt sich mit +Anna+, der ltesten Tochter des
Herzogs Albrecht Friedrich von +Preuen+, durch ihre Mutter Nichte und
Erbin des Herzogs Johann Wilhelm von +Jlich+ (S. 252).

[~1598-1608.~]

~Joachim Friedrich~, seit 1566 Administrator des Erzbistums
+Magdeburg+; diese Wrde geht 1598 auf seinen Sohn +Christian Wilhelm+
ber. ~Geraischer Vergleich~ (1599) mit dem kinderlosen Markgrafen
+Georg Friedrich+ aus der frnkischen Linie: Die +Mark+ verbleibt
ungeteilt der kurfrstlichen Linie, die Stiefbrder des Kurfrsten
erhalten +Ansbach+ und +Baireuth+, sein zweiter Sohn das schlesische
Frstentum +Jgerndorf+ (1523 von der frnkischen Linie erworben).

[1604.]

Der +Geheime Rat+ als oberste Regierungsbehrde eingesetzt. Seit 1605
regiert der Kurfrst mit Zustimmung des Knigs von Polen in +Preuen+
als +Administrator+ fr den geisteskranken Herzog +Albrecht Friedrich+.

[~1608-1619.~]

~Johann Sigismund.~ Nach dem Tode des Herzogs +Johann Wilhelm
von Jlich+ ~Erbfolgestreit~ (1609) zwischen +Pfalz-Neuburg+ und
+Brandenburg+. +Johann Sigismund+ tritt 1613 zur +reformierten+ Kirche
ber.

[1614.]

Vertrag zu ~Xanten~ wegen der +jlichschen Erbschaft+: +Cleve+, +Mark+
und +Ravensberg+ an Brandenburg, die ersten Erwerbungen im +Westen+
Deutschlands (s. S. 252).

[1618.]

+Johann Sigismund+ nach +Albrecht Friedrichs+ Tode ~Herzog von Preuen~.

[~1619-1640.~]

~Georg Wilhelm~, geleitet von dem kaiserlich gesinnten Grafen +Adam v.
Schwarzenberg+. Furchtbare Zerrttung des Landes im Dreiigjhrigen
Kriege. +Jgerndorf+ von Kaiser Ferdinand II. eingezogen (S. 280 f.).
+Gustav Adolf+ mit der Schwester des Kurfrsten vermhlt, zwingt ihn
zum Bndnis 1631 (S. 256). Brandenburg tritt dem +Prager Frieden+ bei
1635 (S. 258).

[1637.]

Erlschen des +pommerschen+ Herzogshauses. Brandenburg kann trotz
kaiserlicher Hilfe sein Erbrecht auf Pommern gegen die Schweden nicht
durchsetzen.

[~1640-1688.~]

~Friedrich Wilhelm der Groe Kurfrst~ erhebt den
+brandenburgisch-preuischen Staat+ zu einer europischen Macht,
begrndet durch Einschrnkung der Rechte der Landstnde die
+unbeschrnkte Monarchie+ (s. auch S. 265).

Als Kurprinz hatte er in den Niederlanden (1634-1638)
Staatsverwaltung und Kriegskunst gelernt. Er schtzt sein Land durch
Waffenstillstandsvertrge mit den Schweden, sorgt fr den Ackerbau,
begrndet ein +stehendes Heer+ (miles perpetuus). Seine Gemahlin +Luise
Henriette+ von Oranien (s. S. 244).

[~1648.~]

Erwerbungen im ~Westflischen Frieden~: +Hinterpommern+, +Halberstadt+,
+Minden+, +Magdeburg+ (s. S. 260). Magdeburg zunchst noch im
Besitz des Administrators August von Sachsen, wird 1666 besetzt
(der Brgermeister +Otto von Guericke+). +Postverbindung+ zwischen
den getrennten Landesteilen eingerichtet, ohne Rcksicht auf das
Reichspostprivilegium der Frsten von Thurn und Taxis. Ordnung der
+Steuern+, Accise fr die Stdte eingefhrt. Universitt +Duisburg+
1655 gegrndet (1818 aufgehoben), Bibliothek im Schlosse zu +Berlin+.
+Friedrich-Wilhelms-Kanal+ zwischen Oder und Spree 1662-1668 erbaut.

[~1656.~]

Sieg bei ~Warschau~ ber die +Polen+, im Bunde mit Schweden (s. S.
267).

[1657.]

Erwerbung von +Lauenburg+ und +Btow+ in Hinterpommern durch den
Vertrag zu +Wehlau+.

[~1660.~]

Friede zu ~Oliva~; das ~Herzogtum Preuen souvern,~ d. h. frei von
polnischer Lehnshoheit (S. 268). Der Widerstand der preuischen Stnde
(Hieronymus Roth, v. Kalkstein) wird durch strenge Maregeln gebrochen.

[1672.]

Teilnahme am Reichskrieg gegen +Frankreich+, 1674 Feldzug im +Elsa+
(s. S. 263).

[~1675.~]

Sieg bei ~Fehrbellin~ ber die +Schweden+ (Prinz Friedrich von Homburg,
Feldmarschall Derfflinger, der Stallmeister Froben). Der Kurfrst
vertreibt die Schweden aus +Pommern+, erobert 1677 Stettin, 1678 Rgen
und Stralsund, vergilt einen Einfall der Schweden von Livland her durch
einen Kriegszug ber das +Frische+ und +Kurische Haff+ (Jan. 1679), mu
aber fast alle Eroberungen im

[1679.]

Frieden zu +St. Germain en Laye+ (S. 263 f.) an Schweden zurckgeben
und schliet noch 1679 ein +Bndnis+ mit +Frankreich+.

[1683.]

Grndung einer +Kolonie+ an der Goldkste von +Guinea+ (Fort
Grofriedrichsburg), nachdem eine Kriegsflotte mit Hilfe des
Hollnders Raule eingerichtet war. Kriegshafen +Pillau+; Afrikanische
Handelsgesellschaft in +Emden+.

[1685.]

Bruch mit Frankreich. Aufnahme franzsischer Protestanten, namentlich
in Berlin.

[1686.]

Vertrag mit +Kaiser Leopold I.+ ber Schlesien (S. 281).

[~1688-1713.~]

~Friedrich III.,~ als Knig ~Friedrich I.~ Das Testament des Groen
Kurfrsten, das den Shnen aus zweiter Ehe Lnderbesitz erteilt, wird
aufgehoben, da es der von Albrecht Achilles gegebenen Hausordnung und
dem Geraischen Vergleich widerspricht.

[1688.]

Brandenburgische Truppen untersttzen +Wilhelms III.+ von Oranien Zug
nach England (S. 271).

Universitt +Halle+ gestiftet 1694; ebenda grndet +Aug. Herm.
Francke+ das Waisenhaus. Der +Schwiebuser+ Kreis 1695 an den Kaiser
zurckgegeben (S. 281). Der Minister +Danckelmann,+ gestrzt 1697.
+Charlottenburg+ fr des Kurfrsten Gemahlin, die geistvolle +Sophie
Charlotte+ von Hannover, angelegt. Ausbau des Schlosses zu Berlin
(+Schlter+). Akademie der Knste 1696 gegrndet, Akademie der
Wissenschaften 1700 auf Veranlassung des Philosophen +Leibnitz+.

[Sidenote:~1701. 18. Januar~]

~Preuen wird Knigreich~ (s. S. 267). Krnung zu +Knigsberg+,
Stiftung des +Schwarzen Adlerordens+. Anteil am Spanischen
Erbfolgekriege (s. S. 272 f.). Streit um die +oranische Erbschaft+
nach dem Tode Wilhelms III. (1702). Preuen erlangt 1702 +Mrs+
und +Lingen+, +Neuchtel+ und +Valengin+. Durch Kauf erworben das
Schutzrecht ber die Abtei +Quedlinburg+, Grafschaft +Tecklenburg+ in
Westfalen.

[~1713-1740.~]

~Friedrich Wilhelm I.~ Strenge Sparsamkeit; der glnzende Hofhalt
des Vaters sogleich aufgelst. Neuordnung der Steuern; auch den
Rittergtern wird 1717 eine Abgabe (statt des Lehnsdienstes zum
Kriege) auferlegt. Oberste Finanzbehrde das +General-Direktorium+
1723; unter ihm die Kriegs- und Domnenkammern. Sorge fr den
+Landbau+, besonders in +Ostpreuen+; hier 1732 die aus dem Erzbistum
+Salzburg+ vertriebenen Protestanten angesiedelt. Schutz der Bauern
gegen Willkr der Gutsherrn und der kniglichen Beamten. Sorge fr
die +Volksschulen+, 1717 der Grundsatz der allgemeinen +Schulpflicht+
verkndet. Betrchtliche Vermehrung des +stehenden Heeres+;
Kanton-Einteilung des Landes 1733 zum Zwecke der Aushebung; daneben die
Anwerbung beibehalten. Die Riesengarde in Potsdam. Frst Leopold von
Anhalt-Dessau (s. auch S. 280).

Teilnahme am Nordischen Kriege (S. 276 f.). Stettin und Vorpommern bis
zur Peene erworben 1720; die afrikanische Kolonie 1717 (berlassen
1721) an die Hollnder verkauft.

[~1740-1786.~]

~Friedrich II., der Groe~ (S. 280-291), erwirbt +Schlesien+ 1742,
+Ostfriesland+ 1744, +Westpreuen+ 1772 und erhebt seinen Staat zu
einer europischen Gromacht. Friedrichs eifrige +Frsorge fr sein
Land,+ um die Wunden der Kriege zu heilen: Verteilung der Vorrte
aus den Magazinen, Steuererla fr einzelne Provinzen; Grndung der
Landschaftsbanken, der Bank und der Seehandlung in Berlin. 1766
+strenges Steuersystem+ (Regie meist mit franzsischen Beamten); viele
Verbrauchsgegenstnde besteuert, besonders Kaffee und Tabak.

Sorge fr die +Rechtspflege+: die Folter 1740 abgeschafft, neue
Gerichtsordnung 1747 (codex Fridericianus, der Justizminister v.
Cocceji). Allgemeines preuisches Landrecht (v. Carmer, Suarez)
erst 1794 vollendet. Sorge fr den +Landbau+: das Oderbruch urbar
gemacht 1746-53, das Netzebruch 1773-80. Sorge fr +Fabriken+ in
den Stdten (1751 Berliner Porzellanmanufaktur), Frderung des
Verkehrs durch +Kanle+: Plauescher, Finow- und Bromberger Kanal.
General-+Landschul+-Reglement 1763. Erla ber das Unterrichtswesen
1779. Bauwerke in Berlin (Opernhaus, Dom, Bibliothek) und Potsdam
(Sanssouci, Neues Palais). Unermdliche Ttigkeit des Knigs fr
+Verwaltung+ und +Heer+ (150000 Mann stark); jhrliche Reisen in die
Provinzen.

[~1786-1797.~]

~Friedrich Wilhelm II.~ (S. 291, 297f., 313f.) erwirbt +Ansbach+ und
+Baireuth+ 1791, +Posen+ 1793, Sdpreuen mit +Warschau+ 1795.

Hertzberg 1791 entlassen. Die drckende Regie aufgehoben. ppigkeit am
Hofe, sorglosere Verwaltung, doch wird der Verkehr durch Anlage von
+Kunststraen+ (Chausseen) gefrdert, das Schulwesen durch Einsetzung
eines Ober-Schulkollegiums. +Religionsedikt+ des Ministers Wollner
1788. Brandenburger Tor 1789-1793 erbaut.

[~1797-1840.~]

~Friedrich Wilhelm III.~ (S. 316 ff.) erwirbt +Mnster+, +Paderborn+,
+Hildesheim+ u.a. 1803 (S. 321), tritt Ansbach ab 1805 (S. 323), alles
Land links der Elbe und die polnischen Gebiete 1807 (S. 327), erwirbt
halb +Sachsen+, Schwedisch-+Pommern+, einen groen Teil +Westfalens+
und der +Rheinprovinz+ 1815 (S. 340).

Aufhebung des Religionsedikts 1797. ~Groe Reformen von 1807-1811~ s.
S. 328, 329: Die Aufhebung der Erbuntertnigkeit und Feststellung des
buerlichen Grundbesitzes befreien den +Bauernstand+; die Aufhebung
des Zunftzwanges, Gewhnung an Selbstverwaltung (Stdteordnung)
und Einfhrung der Gewerbefreiheit frdern den +Brgerstand+; die
Einfhrung der allgemeinen Wehrpflicht kommt der sittlichen Erziehung
des ganzen Volkes zugute. Einziehung der geistlichen Gter. Einteilung
des Staates in 8 Provinzen und 25 Regierungsbezirke 1815. Vereinigung
der lutherischen und reformierten Kirche zu einer +evangelischen+
Landeskirche (+Union+) 1817. Zollgesetz 1818. Neuordnung der Steuern
und des Staatsschuldenwesens 1820. Einrichtung der Provinzial-Landtage
1823. +Deutscher Zollverein+ 1833. Gesetz ber die Anlage von
+Eisenbahnen+ 1838. -- Universitten zu Berlin 1810, Breslau 1811, Bonn
1818; Entwickelung der Gymnasien unter dem Minister v. Altenstein seit
1817; Museum zu Berlin 1830.

[~1840-1861.~]

~Friedrich Wilhelm IV.~ (S. 353ff.) erwirbt +Hohenzollern+ 1849 (S.
359), das +Jahdegebiet+ 1853 (S. 361), verzichtet auf Neuchtel 1857
(S. 367).

Gesetz ber die Armenpflege 1842, Gewerbe-Ordnung 1845, Vereinigter
Landtag 1847 (S. 353). Neue Gerichtsordnung (Geschworenengerichte)
1849. ~Verfassung~ des preuischen Staats 1850 (S. 359). Evangelischer
Ober-Kirchenrat 1850. Grndung einer +preuischen Kriegsflotte+ 1853.
Sorge fr Kunst und Wissenschaft; das Neue Museum in Berlin 1855.

[~1861-1888.~]

~Wilhelm I., der Groe~, 1857-1861 Prinz-Regent (S. 367), erwirbt 1866
+Schleswig-Holstein+, +Hannover+, +Kurhessen+, +Nassau+, +Frankfurt+
(S. 371-380), wird 1871 ~Deutscher Kaiser~ (S. 381-393).

Neugestaltung des Heerwesens 1860-1862 (S. 372). Umbildung der
preuischen Flotte zu einer +deutschen+ Kriegsflotte seit 1867 (S.
380). Kirchengesetze 1873-1875 (S 393). Verwaltungsreform in den (seit
1. Jan. 1878) 12 Provinzen 1872 bis 1875 (S. 394). Ansiedlungsgesetz
fr Posen und Westpreuen (S. 395). Vollendung des Klner Doms 1880;
Denkmal auf dem Niederwald 1883. Begrndung deutscher Kolonien (S. 395).

[~1888.~]

~Friedrich III.~ (Mrz bis Juni) als Kronprinz siegreicher Feldherr (S.
375ff., 382ff.).

[Seit ~1888.~]

~Wilhelm II.~ (S. 396-397). Vermehrung der deutschen Kolonien. Ausbau
der Wasserstraen in Preuen (S. 396). Fortfhrung der Gesetzgebung
zum Wohle der Arbeiter, Fortsetzung der Verwaltungsreform (S. 396)
und der Ansiedlungsttigkeit (S. 395). Frderung des Schulwesens,
besonders der technischen Hochschulen. Universitt in +Mnster+
1902, Akademie in +Posen+ 1903. Technische Hochschulen in +Danzig+
1904, +Breslau+ 1909. Denkmler in der Siegesallee zu +Berlin+;
Neubau des Doms daselbst 1905 vollendet. Bau einer Pfalz in +Posen+
(1910 vollendet). Erweiterungsbauten der Kniglichen Museen,
Neubau der Kniglichen Bibliothek in +Berlin+. 1910 Grndung der
+Kaiser-Wilhelms-Gesellschaft+ in +Berlin+ zur +Frderung der
Wissenschaften+.


II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches.

~Bayern,~ altes Stammherzogtum, seit 1180 unter Herzgen aus dem Hause
+Wittelsbach+ (S. 184). Herzog Ludwig I. wird 1214 durch Erwerbung der
+Rheinpfalz+ auch +Pfalzgraf bei Rhein+ (S. 186, 189). Kaiser +Ludwig
der Bayer+. Bayerische Markgrafen in Brandenburg (S. 198-200). Seit dem
Hausvertrag von Pavia 1329 +Bayern+ und +Pfalz+ getrennt. Bayern 1392
unter drei Linien geteilt, 1503 wieder vereinigt: weitere Teilungen
durch das Primogeniturgesetz 1506 verboten (S. 226).

Herzog +Maximilian I.+, Oberhaupt der katholischen Liga im
Dreiigjhrigen Kriege (S. 252 ff.), wird 1623 +Kurfrst+ und erwirbt
die Oberpfalz (S. 254f.). +Maximilian II. Emanuel+ tapfer in den
Trkenkriegen 1683-1688, Statthalter der spanischen Niederlande 1691,
aus Bayern vertrieben 1704, wiedereingesetzt 1714, T 1726. Sein Sohn
+Karl Albert+ 1742-1745 deutscher Kaiser (S. 280ff.). +Maximilian
III. Joseph+ (1745-1777) sorgt fr gute Verwaltung, stiftet 1758 die
Akademie der Wissenschaften in Mnchen; mit ihm stirbt die bisher in
Bayern regierende Linie aus. +Karl Theodor+ (1777-1799) vereinigt Pfalz
und Bayern (S. 289 ff.), verliert 1797 das linksrheinische Gebiet (S.
316 u. 319).

Maximilian IV. Joseph (1799-1825), seit 1806 +Knig Maximilian I.+,
erwirbt 1803 und 1805 groe Gebiete hinzu (S. 320, 324, vgl. S. 340)
und tritt 1806 dem Rheinbunde bei (S. 324), erwirbt 1806 Ansbach,
1809 Baireuth, schliet sich vor der Schlacht bei Leipzig dem Bunde
gegen Frankreich an (S. 336), erhlt 1815 die linksrheinische Pfalz
zurck (S. 340). Verfassung des Knigreichs 1818. +Ludwig I.+ (1825
bis 1848) frdert Kunst und Wissenschaft: Pinakothek und Glyptothek
in Mnchen, Walhalla bei Regensburg. Universitt Ingolstadt 1826 nach
Mnchen verlegt. +Maximilian II.+ (1848 bis 1864): Nationalmuseum in
Mnchen, Historische Kommission bei der Akademie der Wissenschaften.
+Ludwig II.+ (1864 bis 1886): Schlobauten in den bayrischen Alpen,
Bhnenfestspielhaus in Baireuth. Fr den geisteskranken Knig +Otto+
(seit 1886) regiert sein Oheim Prinz +Luitpold+, Bruder Maximilians II.

~Sachsen~, hervorgegangen aus der Markgrafschaft +Meien+ (S. 161),
einem Vorlande des alten Stammherzogtums Sachsen. Seit 1089 regiert
in Meien das Haus +Wettin+ (S. 179 u. 189). Heinrich der Erlauchte
erwirbt 1247 die Landgrafschaft +Thringen+, Friedrich der Streitbare
(1381-1428) 1423 das +Kurfrstentum Sachsen Wittenberg+ (S. 204),
einen Teil des alten Stammherzogtums (S. 184). Er grndet 1409 die
Universitt +Leipzig+ (S. 203). Kurfrst +Friedrich der Sanftmtige+
(1428 bis 1464, S. 205, 227). Unter seinem Sohn Kurfrst +Ernst+
(1464-1486) Teilung 1485: die +Ernestinische Linie+ (S. 227) erhlt
Sachsen-Wittenberg mit der daran haftenden Kurwrde und Thringen, die
+Albertinische Linie+ Meien. Die Kurfrsten +Friedrich der Weise+
(1486-1525), +Johann der Bestndige+ (1525-1532) und +Johann Friedrich
der Gromtige+ (1532 bis 1547), Luthers Beschtzer (S. 227 ff.).
Umwandlung 1547, Sachsen-Wittenberg mit der Kurwrde kommt an die
+Albertinische+ Linie, S. 232f. (Kurfrst +Moritz+, Grnder der drei
Frstenschulen zu Meien, Grimma und Pforta).

Kurfrst +Friedrich August I.+ wird 1697 Knig von +Polen+ (August
II., S. 266), ebenso 1733 sein Sohn +Friedrich August II.+ (August
III., S. 279). Kunstpflege in Dresden (S. 285). Friedrich August
III. (1763-1827) sorgt fr bessere Verwaltung, tritt im Dez. 1806
als +Knig Friedrich August I.+ dem Rheinbunde bei (S. 326), erhlt
1807 das Herzogtum Warschau, wird 1813 nach der Schlacht bei Leipzig
als Gefangener nach Preuen gefhrt, 1815 in die Regierung seines
verkleinerten Landes wieder eingesetzt. Verfassung 1831 unter Knig
+Anton+ (1827 bis 1836); ihm folgen +Friedrich August II.+ (1836-1854),
+Johann+ (1854-1873), +Albert+, 1870-71 als Kronprinz ruhmreicher
Feldherr (1873-1902), +Georg+ (1902-1904), +Friedrich August III.+ seit
1904.

~Wrttemberg,~ ursprnglich Grafschaft im alten Stammherzogtum
+Schwaben+, das sich whrend des Interregnums auflst. +Eberhard der
Erlauchte+ (1265-1325) und sein Nachfolger vergrern das Gebiet,
+Eberhard der Greiner+ (1344 bis 1392) kmpft gegen Ritter und
Reichsstdte, +Eberhard im Barte+ stiftet 1477 die Universitt
Tbingen und wird 1495 +Herzog.+ +Ulrich+ 1519 vom schwbischen Bunde
vertrieben, 1534 durch Philipp von Hessen wieder eingesetzt, fhrt
die Reformation ein; sein Sohn +Christoph+ (1550-1568) sorgt fr
Kirche und Schule. Verwstung im Dreiigjhrigen Kriege; Miregierung
unter +Eberhard Ludwig+ (1677-1733) und +Karl Alexander+ (1733-1737);
Wendung zum Besseren unter dem allerdings despotischen +Karl Eugen+
(1737-1793), der 1770 die Karlsschule grndet. Prinz +Eugen+ von
Wrttemberg (1788 bis 1857) trat frh in russische Kriegsdienste,
erprobter Heerfhrer in den Befreiungskriegen. Herzog +Friedrich+
(1797-1816) wird 1803 Kurfrst (S. 320), 1806 +Knig+ (S. 324); seine
Nachfolger +Wilhelm I.+ (1816-1864), +Karl I.+ (1864-1891), +Wilhelm
II.+ seit 1891.

~Baden~, Markgrafschaft im alten Herzogtum Schwaben. Die Grafen von
+Zhringen+ nannten sich seit 1112 Markgrafen von Baden. Teilung 1535
in die beiden Linien Baden-Baden und Baden-Durlach. +Ludwig Wilhelm+
von Baden-Baden (reg. 1677-1707) zeichnet sich als Feldherr in den
Trkenkriegen aus, leistet 1693 und 1702-1704 den Franzosen rhmlich
Widerstand (S. 265 f.). +Karl Friedrich+ von Baden-Durlach (1738 bis
1811) erbt nach dem Aussterben der andern Linie 1771 deren Besitz,
sorgt fr gute Verwaltung, erhlt 1803 den rechtsrheinischen Teil
des frheren Kurfrstentums +Pfalz+ (Heidelberg und Mannheim, S.
320, vgl. S. 340), wird 1806 +Groherzog+ (S. 324). Seine Nachfolger
+Karl+ (1811-1818), +Ludwig+ (1818 bis 1830), +Leopold+ (1830-1852),
+Friedrich I.+ (1852-1907), ein hervorragender Herrscher und
Mitbegrnder des Deutschen Reiches. Seit 1907 +Friedrich II.+

~Hessen~, ein Teil des alten Herzogtums Franken, kam 1130 an die
Landgrafen von Thringen und bildete nach deren Aussterben 1247 eine
eigene +Landgrafschaft+; erster Landgraf +Heinrich v. Brabant+,
Residenz Kassel. Seine Nachkommen vergrern das Gebiet. +Philipp der
Gromtige+ (1509-1567) Beschtzer der Reformation; von seinen Shnen
stammen die beiden Linien Hessen-+Kassel+ und Hessen-+Darmstadt+;
ein Zweig der letzteren regierte 1622-1866 in Hessen-+Homburg+. Die
Landgrafschaft Hessen-Kassel, 1803 zum Kurfrstentum erhoben, wird
1866 mit Preuen vereinigt, ebenso Hessen-Homburg. Landgraf Ludwig X.
von Hessen-Darmstadt wird 1806 Groherzog (Ludwig I.), erhlt 1815 ein
ansehnliches linksrheinisches Gebiet. Groherzog +Ludwig III.+ tritt
1866 einen Grenzstrich an Preuen ab, schliet sich dem Norddeutschen
Bunde an. Seine Nachfolger +Ludwig IV.+ (1877-1892), +Ernst Ludwig+
seit 1892.

~Mecklenburg~. Die Nachkommen des Wendenfrsten +Niklot+ (S. 180)
teilen sich 1229 in mehrere Linien; durch Aussterben der jngeren
Linien wird im 15. Jahrhundert das Land wieder vereinigt. +Albrecht
II.+ wird 1348 +Herzog+, erwirbt 1359 die Grafschaft +Schwerin+. Sein
Sohn Albrecht III. 1364-1389 Knig von +Schweden+ (S. 215). Stiftung
der Universitt +Rostock+ 1419, Einfhrung der Reformation 1523-1540.
Teilung in die Linien Schwerin und Gstrow 1621. +Wallenstein+ Herzog
1628-1630. Teilung in die Linien +Schwerin+ und +Strelitz+ 1701. Beide
Landesteile werden 1815 vom Wiener Kongre als +Groherzogtmer+
anerkannt. Groherzog +Friedrich Franz II.+ von Mecklenburg-Schwerin
Feldherr im Kriege 1870/71. Seit 1897 +Friedrich Franz IV.+ in
Schwerin; in Strelitz seit 1904 +Adolf Friedrich.+

~Oldenburg~, Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen, vergrert durch
Kmpfe mit den +Friesen+, 1667-1773 mit +Dnemark+ vereinigt, 1773
Herzogtum (s. S. 292), 1810-1813 franzsisch, 1815 Groherzogtum. Seit
1900 +Friedrich August.+

~Die schsischen Herzogtmer~, entstanden aus dem Erbe, das 1547 der
+Ernestinischen+ Linie des Hauses +Wettin+ verblieb. Herzog +Bernhard+
von +Sachsen-Weimar+ (1604-1639) einer der berhmtesten Helden des
Dreiigjhrigen Krieges (S. 257f.) +Weimar+ seit 1815 Groherzogtum;
Groherzog +Karl August+ 1775-1828, +Karl Alexander+ 1853-1901. Seitdem
+Wilhelm Ernst+. In Sachsen-Altenburg seit 1908 +Ernst II.+; in
Sachsen-Koburg-Gotha seit 1900 +Karl Eduard+ in Sachsen-Meiningen seit
1866 +Georg II.+

~Herzogtum Braunschweig~, ein Teil des Gebietes, das 1235 dem
+Welfenhause+ verblieb (S. 184, 188). Teilungen der Linien Braunschweig
und Lneburg 1267, 1409, 1635. Das Lneburger Gebiet 1692 zum
Kurfrstentum +Hannover+ erhoben, 1866 mit Preuen vereinigt. Aus
der Braunschweiger Linie sind eine Reihe von berhmten Heerfhrern
hervorgegangen: Herzog +Christian+ (1599-1626) khner Heerfhrer im
Dreiigjhrigen Kriege (S. 254f.), Herzog +Ferdinand+ (1721-1792)
preuischer Generalfeldmarschall unter +Friedrich dem Groen+ (S.
287ff.), Herzog +Karl Wilhelm Ferdinand+ (1735-1806), Neffe des
vorigen, Oberbefehlshaber des preuischen Heeres 1792-1794 (S. 313f.)
und 1806 (S. 325f.), Herzog +Friedrich Wilhelm+ (1771-1815), Sohn
des letzteren, bekannter Held der Freiheitskriege (S. 330, 342). Mit
dessen Sohn. Herzog +Wilhelm+ (1806 bis 1884), starb die Linie aus.
Regentschaft s. S. 395.

~Herzogtum Anhalt~, entstanden aus Grenzmarken des alten Herzogtums
Sachsen. +Otto der Reiche+, Graf von Aschersleben und Ballenstedt,
T 1123, sein Sohn +Albrecht der Br+ (S. 179f.). Von dessen lterem
Sohne Otto stammen die Brandenburgischen Askanier (bis 1320), von
dem jngeren Sohne Bernhard die Herzge von Sachsen-Wittenberg und
Sachsen-Lauenburg (ausgestorben 1422 und 1689) und das frstliche Haus
+Anhalt+, welches sich in mehrere Linien teilt. Hauptteilung 1603:
Dessau, Bernburg, Zerbst, Cthen. Die Linie Zerbst stirbt 1793 aus,
Cthen 1847, Bernburg 1863. Herzogtmer seit 1806 und 1807; zu +einem+
Herzogtum vereinigt 1863. Frst +Christian+ (1568-1630) s. S. 254.
Frst +Leopold+ (1693-1747) preuischer Feldherr (S. 273, 284), Leopold
+Friedrich Franz+ (1751-1817), Begrnder des Philanthropins in Dessau
1774, des Parks zu Wrlitz 1796. Seit 1904 Friedrich II.

~Frstentmer Schwarzburg,~ hervorgegangen aus der alten Landgrafschaft
Thringen. Teilung der Grafschaft Schwarzburg 1599 in die Gebiete
+Sondershausen+ und +Rudolstadt,+ Erhebung der Grafen in den
Frstenstand 1697 und 1709. Seit 1909 beide Lnder durch Personalunion
vereinigt. Frst +Gnther+ von Schw.-Rudolstadt seit 1890.

~Frstentmer Reu,~ entstanden aus dem einst zu Thringen gehrigen
Besitz der Reichsvgte von Plauen, Weida und Gera. Teilung 1564,
Hauptlinien +Greiz+ und +Gera+. Erhebung in den Frstenstand 1778 u.
1790. In Greiz (. L.) Frst +Heinrich XXIV.+ seit 1902, in Gera (j.
L.) Frst +Heinrich XIV.+ seit 1867; Regent fr beide Staaten Erbprinz
+Heinrich XXVII.+ (j. L.)

~Frstentmer Lippe,~ Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen. Teilung
1603, Linien +Detmold+ und +Bckeburg+; die letztere erbt 1640 die
Grafschaft +Schaumburg+. Graf +Wilhelm+ von Schaumburg-Lippe (T 1777)
Erbauer der Festung +Wilhelmstein+ im Steinhuder Meer und Grnder einer
berhmten Kriegsschule (s. S. 303). Erhebung in den Frstenstand 1720
und 1807. In Lippe Frst +Leopold IV.+ aus der +Biesterfelder+ Linie
seit 1904; in Schaumburg-Lippe Frst +Adolf+ seit 1911.

~Frstentum Waldeck,~ Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen. 1712
Frstentum. Graf +Georg Friedrich v. Waldeck+ (T 1692), Staatsmann
und Feldherr im Dienste des Groen Kurfrsten von Brandenburg. Durch
Vertrag von 1868 ist die Verwaltung des Landes an Preuen bertragen.
Seit 1893 Frst +Friedrich+.

~Die drei Hansestdte~ (S. 200 f.), seit 1630 nach dem Aufhren des
Hansebundes besonders verbndet, 1815 als Freie Stdte Mitglieder des
Deutschen Bundes (vgl. S. 320).

~Elsa-Lothringen.~ +Elsa+ ein Teil des alten Herzogtums Schwaben;
+Straburg+ 1205 freie Reichsstadt. Die sterreichischen Besitzungen
im Elsa kommen 1648 an Frankreich, Straburg 1681, die letzten noch
deutschen Teile des Elsa 1792. Das ganze Elsa ~1870~ wieder gewonnen.
+Lothringen+ altes Herzogtum des deutschen Reiches, seit 1431 unter
einer franzsischen Dynastie (S. 205); +Metz+ seit dem 13. Jahrhundert
freie Reichsstadt, 1552 von den Franzosen besetzt. Ganz Lothringen
1766 franzsisch (S. 279), der stliche Teil ~1870~ wieder gewonnen.
Betreffs der Regierung des Landes s. S. 392, 397.




Namen- und Sachregister


 B. = Bndnis.
 Bl. = Belagerung.
 Br. = Brandenburg.
 D. = Deutschland.
 Dn. = Dnemark,
 E. = England.
 Erzb.= Erzbischof, Erzbistum.
 f. = folgende Seite.
 F. = Friede.
 Fr. = Frankreich.
 Gr. = Groe.
 Grh. = Groherzog, Groherzogtum.
 H. = Haus.
 Hz. = Herzog, Herzogtum.
 K. = Knig, Knigin.
 Kapit. = Kapitulation.
 Kf.= Kurfrst, Kurfrstentum.
 Kgr. = Knigreich.
 Ko. = Kongre, Konferenz.
 Konz. = Konzil.
 Kr. = Krieg.
 Ks. = Kaiser, Kaiserin.
 . = sterreich.
 P. = Papst.
 Pr. = Preuen.
 R. = Ruland.
 Rchst. = Reichstag.
 S. = Schlacht.
 Schw. = Schweden.
 Sp. = Spanien.
 St. = Stammtafel.
 V. = Vertrag.
 W. = Waffenstillstand.

 ~A.~

 Aachen 153-155. 159. 162 f. 180. 187. 189 f. 195. 228. 230;
   F. 262;
   F. 284. 314. 345, Ko.
 Abbassiden 150. 172.
 Abd-el-Kader 354.
 Abdurrahman 150. 171. 420.
 Abessinien 302. 406. 412.
 bo F. 292.
 Abu-Bekr 149.
 Abukir S. 317.
 Abuscher 419.
 Abydos 31. 52, S. 59.
 Acher 23. 28. 31 f. 45. 58 f. 97.
 Achischer Bund 68. 95-97. 98.
 Achaja 28. 33. 40. 48;
   rm. Prov. 98. 122, 176, Hz.
 Achmeniden 19.
 Ackergesetze 78. 81 f. 100 f. 110 f.
 Actium S. 47. 120.
 Adalbert v. Bremen 166.
 -- v. Prag 162.
 Adelheid Ks. 158. 160. 162.
 Adolf v. Nassau 196.
 -- Fr. K. v. Schw. 292
 -- v. Lippe 438.
 Adrianopel 175. 218;
   F. 347, S. 136 f. 140.
 Aedilen 77. 81. 96.
 Aegat. Inseln S. 88.
 Aegina 25. 28. 37-41. 44. 48.
 Aigospotamoi S. 53.
 Aegypten 3-6. 9 f. 11. 19-21. 24. 31. 44 f. 57. 60. 63. 94. 97.
       115 f. 119;
   rm. Prov. 120. 122. 134;
   im Mittelalter 149. 172. 175. 178;
   in der Neuzeit 219. 316. 319. 353, 405-409.
 Aemilius Paulus 90. 96.
 Aeneas 27. 71.
 -- Silvius 205.
 Aeoler 23. 28. 38.
 Aequer 70. 77 f. 80.
 Aeschines 58. 62. 70.
 Aeschylos 47.
 Atius 142.
 Aetoler 28. 68. 91, 95 f.
 Afghanistan 172. 353. 406. 407. 419 f.
 Africa, rm. Prov. 98. 105. 116. 119. 122. 133. 135. 142.
 Agadir 405.
 Agamemnon 27.
 Agathokles 67. 87.
 Agbatana 18 f. 61. 62.
 Agesilaos 56 f.
 Agis 29. 51. 53. 62. 68.
 Agricola 128 f.
 Agrigent, Akragas 32. 37. 47. 87.
 Agrippa 77. 119. 123.
 Agrippina 123. 125 f.
 Akkon 175. 177 f. 314.
 Akropolis 33. 36. 41. 43. 46. 54.
 Alalia S. 14. 32.
 Alamannen 132-135. 137. 139. 143. 150.
 Alanen 134. 140 f.
 Alarich 140 f. 144.
 Alaska 302. 417.
 Alba Hz. 232. 243.
 -- Longa 71 f.
 Albert K. v. Sachsen 384. 435.
 Albert v. Koburg 353.
 -- K. v. Belgien 410.
 Albertus Magnus 178.
 Albigenser 191.
 Alboin 144.
 Albrecht I. K. v. D. 196 f.
 -- II. 205. 218.
 -- Achilles 206. 428.
 -- d. Br 179 f. 415. 427.
 -- Erzh. 379.
 -- Hz. v. Meckl. 215. 437.
 -- Hz. V. Pr. 228. 429.
 -- Prinz v. Pr. 395. 437.
 Albuquerque 222.
 Alcuin 154.
 Alesia Bl. 112.
 Alessandria 183.
 Alexander K. v. Mak. 38. 41.
 -- d. Gr. 14. 21. 58-62.
 -- III. P. 183. 193.
 -- VI. 240.
 -- I. Ks. v. R. 319. 323. 326. 328. 331 f. 334. 339. 343. 347.
 -- II. 366. 369. 399 ff.
 -- III. 400. 402.
 -- v. Bulgarien 414 f.
 -- v. Parma 238. 243.
 -- v. Pher 56.
 -- v. Serbien 399. 414.
 -- Severus Ks. 133.
 Alexandria 60. 65. 97. 115 f. 128. 131. 136. 149. 177. 316. 406.
 Alexei 269. 294.
 Alexius Ks. 172.
 Alfons K. v. Kastilien 171. 189. 194. 214.
 -- K. v. Neapel 211.
 -- K. v. Sp. 413 ff.
 Alfred d. Gr. 170.
 Algeciras 405.
 Algier 232. 348. 354. 369.
 Ali 149.
 Aliso 124.
 Alkassar S. 245.
 Alkibiades 50-52. 54.
 Alkmoniden 34. 36.
 Alkmar Kapit. 318.
 Allia 8. 80.
 Alsen 268. 373 f.
 Altenburg 197. 206. 227;
   Hz. 378. 437.
 Altmark 161. 427.
 Altranstdt F. 275.
 Amberg S. 315;
 Ambrosius 137.
 Amerigo Vespucci 222.
 Amiens F. 320, S, 387.
 Ampfing S. 198.
 Amphiktyonien 31. 33. 57-59.
 Amphipolis 46. 57. 99;
   S. 49.
 Amphissa 59.
 Amsterdam 244. 263.
 Anakreon 38.
 Anaxagoras 47.
 Ancus Marcius 72.
 Andernach S. 156. 159.
 Andreas K. v. Ung. 177. 217.
 Angelsachsen 142. 145. 151. 154. 159. 169. 192.
 Anglikan. Kirche 246. 249. 270.
 Angora S. 218.
 Anhalt Hz. 180. 231. 437.
 Anjou 190. 209.
 -- H. in E. 192;
   in Neapel 190. 205. 211;
   in Ungarn 217.
 Anna Boleyn 245.
 -- v. Bretagne 235.
 -- K. v. E. 298.
 -- Ks. v. R. 294.
 Ansbach 290. 323. 340. 428. 429. 432. 434.
 Ansgar 154.
 Antalkidas F. 55.
 Antigonos 60. 63 f. 66
   bis 68.
 Antiochia 65. 125. 130
   bis 132. 174. 177.
 Antiochos 65. 95. 97. 100.
 Antipater 59. 62-64.
 Anton v. Navarra 236.
 -- K. v. Sachsen 435.
 Antoninus Pius Ks. 9. 130.
 Antonius C. 110.
 -- M. 115-120.
 Antwerpen 243. 350.
 Apelles 69.
 Apia 426
 Appius Claudius 79. 84. 86. 101.
 Apulien 85. 90 f. 93. 161. 163. 165. 173. 189.
 Aquae Sextiae 101;
   S. 104.
 Aquileja 94. 133. 137. 142. 176;
   S. 138.
 Aquitanien 111 f. 122. 146. 155. 170.
 Araber 148-150. 156. 171. 215.
 Arabia rm. Prov. 129.
 Arabi Pascha 406.
 Aragon 171. 190. 194. 214 f.
 Aranda 303.
 Aratos 68.
 Arausio S. 103.
 Arbela S. 60.
 Arbogast 138.
 Arcadius Ks. 138. 149.
 Archelaos 54. 105.
 Archidamos 48. 66.
 Archilochos 38.
 Archimedes 92.
 Archonten 33-36. 39. 44.
 Arcis-sur-Aube S. 338.
 Arcole S. 315.
 Arelat. Kgr. 158. 164.
 Areopag 33. 35. 44.
 Arginusen S. 53.
 Argonauten 26.
 Argos 24. 26. 28. 32 f. 43. 50. 55. 58. 69. 86.
 Arianismus 136. 142 f.
 Arier 15-17. 24.
 Arion 38.
 Ariovist 111.
 Aristagoras 20.
 Aristarchos 70.
 Aristides 39. 41 f. 43.
 Aristodemos 28. 32. 76
 Aristogeiton 36.
 Aristomenes 32.
 Aristophanes 47.
 Aristoteles 59. 70. 172.
 Arkadien 23. 28. 56. 59. 140.
 Arles 143. 184. 200.
 Armada 244. 247.
 Armagnacs 205. 208.
 Armenien 9. 15. 65. 108. 116. 119. 123. 125. 127;
   rm. Prov. 129;
   in der Neuzeit 401. 415.
 Armin 124 f.
 Arminianer 244.
 Arnold v. Brescia 182.
 Arnulf Ks. 157.
 -- Hz. v. Bayern 159.
 Arpaden 217.
 Arras 387, F. 209.
 Arsakiden 65.
 Artaphernes 39.
 Artaxata 108. 127.
 Artaxerxes I. 21. 43.
 -- II. 21. 54.
 -- III. 21.
 Artemision S. 40.
 Artevelde 207.
 Artois 229. 262. 307.
 Aschaffenburg S. 378.
 Asculum S. 86.
 Asia rm. Prov. 101. 104 f. 119. 122 f.
 Askalon S. 174.
 Askanier 179. 184. 189. 198. 204. 427 f. 437 f.
 Asow 269. 275. 295.
 Aspern S. 329.
 Assignaten 308. 311. 312.
 Assyrien 7-10. 12. 18. 129.
 Asturien 123. 149. 171.
 Athaulf 141.
 Athen 25 f. 28. 33-59. 62 f. 67. 69 f. 85. 99. 105. 110. 119. 130.
       176. 219. 304. 347.
 Athos 38.
 Atschin 410.
 Attila 142.
 Augsburg 123. 150. 164. 167. 190. 227. 233. 257. 320. 324. 378;
   B. 264;
   F. 233. 260;
   Rchst. 230;
   S. 160.
 August II. K. v. Polen 266. 274-276. 285. 424.
 -- III. 279. 285. 295 f. 435.
 Augustinus 132. 141. 145.
 Augustus Ks. 121-125.
 Aurelianus Ks. 134.
 Austerlitz S. 323.
 Australien 244. 302. 406. 409.
 Austrasien 146 f.
 Avaren 144. 148. 153. 158.
 Aversa 165.
 Avesta 17.
 Avignon 196. 199 f. 203. 207. 211. 315. 339.
 Azincourt S. 209.


 ~B.~

 Babenberger 157. 162. 180. 196.
 Babylon 7-11. 18-20. 60. 62. 64.
 Baden F. 274.
 -- Markgr. 190. 196. 254;
   Kf. 320. 323.
 -- Grh. 324. 345. 359. 375. 378. 436.
 Badeni 398.
 Bagdad 150. 172. 196.
 Bagdadbahn 416.
 Bajazet 218.
 Bakchiaden 33. 72.
 Baktrien 17. 61. 65. 149.
 Balboa 223.
 Balduin 174. 176.
 Bamberg 160. 163. 179. 257. 320.
 Banr 257.
 Bar, Konfd. 296.
 Barcelona 141. 152. 171. 194. 413.
 Barnet S. 214.
 Barneveld 244.
 Bar-sur-Aube S. 338. 371.
 Bartholomusnacht 237.
 Basel 151. 164. 231. 234. 339;
   F. 314;
   Konz. 204. 236.
 Bastille 307.
 Bataver 128.
 Batav. Rep. 314. 320. 324.
 Bauernkrieg deutscher 228;
   engl. 212;
   frz. 208.
 Bautzen S. 334.
 Bayard 229. 235.
 Bayern Hz. 146. 152. 158. 160. 162 f. 165. 167. 179 bis 182. 184.
       186. 189. 252. 254. 434.
 -- Kf. 255. 257-259. 272 bis 274. 280 f. 289 f. 320. 434.
 Bayern Kgr. 323 f. 336. 340 f. 345. 356. 364. 375. 378 f. 382. 390.
       392. 428. 434 f.
 Baylen Kapit. 328.
 Bayrische Markgr. in Br. 178-200. 428.
 Bazaine 371. 382-384. 403.
 Beaugency S. 386.
 Beauharnais 314. 321. 331.
 Beaumont S. 384.
 Beaune la Rolande S. 386.
 Behanzin 404.
 Belfort 388 f. 391.
 Belgien 243. 290. 313. 319. 340-342;
   Kgr. 350. 396. 410.
 Belgrad 218. 219. 278. 297;
   F. 279.
 Belisar 144.
 Belle-Alliance S. 342.
 Benedek 376 f.
 Benedikt 145.
 -- P. 160. 203.
 Benevent S. 86. 190.
 -- Hz. 145. 151 f. 161. 163.
 Berengar 157. 160.
 Beresina 333.
 Berg Hz. 252. 289. 324. 336.
 Bergen 201, S. 287.
 Berlin 200. 267. 285. 288. 325. 329. 332 f. 335. 343. 355 f. 364.
       376. 380. 391. 424. 427. 429. 430 ff.
   Ko. 360. 394. 396. 410.
 Bern 144. 199. 341. 354;
   Ko. 394. 411.
 Bernadotte 323. 330. 332. 334. 337. 363.
 Bernhard v. Askan. 184.
 -- v. Clairvaux 174.
 -- v. Weimar 257 f.
 Bernstorff 292.
 Bernward 168.
 Besanon 111. 182. 196. 264. 388.
 Bethlen Gabor 254 f.
 Bilderstreit 148.
 Bill of rights 271.
 Biron 294 f.
 Bismarck 372. 374. 381. 390. 391. 393-396. 401. 410. 412.
 Bithynien 15. 52. 66. 96. 105. 108. 131. 135.
 Blcher 314. 325. 333 bis 338. 339. 342.
 Bocchus 103. 116.
 Bocholt S. 152.
 Bomund 173 f.
 Bhmen 139. 156. 158. 162 f. 165;
   Kgr. 183. 196. 197-200. 202-206. 225;
   str. 225. 251-254. 257 f. 284. 286. 334 f. 376. 398.
 Boleslav 163. 182.
 Bolivar 346.
 Bologna 71. 118. 189. 230. 304. 315. 370.
 Bonaparte 311. 315-317;
   St. 322.
 Bonifacius 176.
 -- VIII. P. 196. 207.
 Bonifatius 141. 151.
 Bordeaux 207. 309. 311. 338. 355. 387. 390.
 Borgia 240.
 Bornhved S. 187.
 Borodino S. 332.
 Bosnien 219. 255. 398 f. 401.
 Bosporus 20. 31. 105. 109.
 Boston 248. 301.
 Bosworth S. 214.
 Bothwell 247.
 Bourbaki 388 f.
 Bourbon Conn. 229 f.
 -- H. in Fr. 236. 278 f. 305. 309 f. 339;
   St. 349.
 -- in Neapel 279. 305. 324. 342.
 -- in Sp. 274. 303. 339. 351. 413.
 -- Familienpakt 300.
 Bouvines S. 186. 193.
 Bovianum S. 84.
 Boyne S. 272.
 Braganza H. 245. 303.
 Brandenburg 159. 162. 179. 255. 356.
 -- Mark 180. 199. 206. 427 ff.
 -- Kf. 200. 224. 231. 252. 256. 258. 260. 262 f. 265 bis 267.
       427-436.
 Brasidas 49.
 Brasilien 223. 244. 303. 327. 346. 417.
 Braunschweig 186. 190. 200.
 -- Hz. 184. 188. 224. 232. 260. 286. 324. 336. 350. 391. 395. 437.
 Brazza, Brazzaville 403.
 Breisach 258. 260. 264.
 Breitenfeld S. 256. 259.
 Bremen 152. 200. 233. 261. 320. 333. 344. 394.
 -- Erzb. 156. 166. 183. 187. 255;
   Hz. 260. 276 f.
 Brennus 80.
 Brescia 182. 198. 210. 304. 356;
   S. 202. 235.
 Breslau 200. 333. 433. 434;
   F. 281;
   S. 287.
 Bretigny F. 208.
 Brienne 311, S. 337.
 Britannicus 126.
 Britannien 13. 112. 126. 128 f. 132. 135. 142.
 Brmsebro F. 250. 259.
 Brgge 201. 209.
 Brun Erzb. 160 f.
 Brundisium 86. 105. 109. 114.
   V. 119.
 Brunhild 146.
 Brssel 233. 242. 350.
 Brutus Dec. 118.
 -- L. 73. 75 f.
 -- M. 118 f.
 Buchdr.-Kunst 206. 221.
 Buckingham 248.
 Buddhismus 16 f. 22. 219.
 Bu Hamara 405.
 Bulgarien 148. 172. 194. 400-403. 414 f.
 Blow Gen. 333. 334-338.
 -- Kanzler 396 f.
 Bundesg.-Kr. 57. 104.
 Buren 406 ff.
 Brgerkrieg, amerik. 416 f.
 -- engl. 212. 248 f.
 -- frz. 208 f. 237. 306 bis 312. 354 f. 392 f.
 -- rm. 103. 105 f. 114 bis 117. 118-120. 127.
 Brgerkrieg in der Schweiz 205. 354.
 Burgund 145. 155, Hz. 169. 206. 208. 229.
 -- Kgr. 158. 164 f. 168. 182. 184. 196. 200. 290.
 -- Freigrafschaft 196. 198. 206. 234. 262 f.
 Burgunder 139. 141-143.
 Burkersdorf S. 289.
 Byron 347. 364.
 Byzanz 31. 38. 42. 52. 56. 136.


 ~C.~

 Cabal Min. 270.
 Cabral 222.
 Cadiz 13. 93. 222. 247. 331. 346.
 Caecilius Met. 69. 88. 98. 103. 106.
 Caesar C. Jul. 109-117. 121.
 -- C. u. L. 123.
 -- L. 105.
 Calais 208. 236. 246. 344.
 Calderon 245.
 Caligula Ks. 126.
 Calixtus II. P. 168.
 Calvin 230. 234. 247.
 Cambrai 263, B. 235. 239;
   F. 230.
 Camillus 80. 82.
 Camons 223.
 Campanien 70 f. 83. 90. 165.
 Campo Formio F. 316.
 Cannae S. 90.
 Canning 346 f.
 Canossa 167.
 Canovas 413.
 Canterbury 145. 192. 246.
 Canuleius 79.
 Capetinger 169. 191.
 Capodistrias 347.
 Capua 83. 86. 90 ff. 94. 114. 161. 163.
 Caracalla Ks. 132.
 Caracas 346.
 Carnot 314, 410.
 Carrhae S. 113.
 Carus Ks. 135.
 Cassano S. 317.
 Cassius C. 118 f.
 -- Sp. 77 f.
 -- Dio 131.
 Cateau-Cambr. F. 236.
 Catilina 109 f.
 Cato 95 f. 97. 121.
 -- d. jung. 110 f. 116.
 Catullus 121.
 Catulus 88. 104.
 Cavaignac 355.
 Cavour 369 f.
 Censoren 79. 81. 96. 106 f. 122.
 Census 63. 75. 116. 123.
 Centurien 74 f.
 Cervantes 245.
 Cetewayo 406.
 Ceuta 413.
 Ceylon 16. 223. 245. 314. 320. 341. 408.
 Chabrias 56 f.
 Chaironeia S. 59. 105.
 Chalkedon 31. 52. 135 f.
 Chalkidike 31. 55. 57. 94.
 Chlons 382 f., S. 134. 142.
 Chatillon Ko. 338.
 Chersones, taur. 31. 108.
 -- thrak. 36. 46. 52. 58.
 Childerich 150.
 China 21 f. 194 f. 219. 223. 251. 353. 368. 420-422.
 Chios 20. 28. 33. 51. 56 f. 70. 296. 347.
 Chlodwig 143 f.
 Chowaresmier 177. 195.
 Chremonides 67.
 Christentum 23. 124. 131 f. 136. 145. 151. 156. 163. 171. 173.
       224. 306. 312. 415. 426.
 Christenverfolgung 127. 131. 133. 135.
 Christian v. Anhalt 254.
 -- v. Braunschw. 254.
 -- T. K. v. Dn. 216.
 -- II. u. III. 249 f.
 -- IV. 250. 255.
 -- VI u. VII. 292.
 -- VIII. 361.
 -- IX. 373 f. 411.
 Christine K. v. Schw. 250.
 Chulalongkorn 420.
 Cicero 109 f. 113-118. 121.
 Cid 171.
 Cimbern 103.
 Cincinnatus 78. 80.
 Cinna 105.
 Cintra Kapit. 328.
 Cirta 93.
 Cisalpin. Rep. 316 f. 319 f.
 Civilis 128.
 Claudius Ks. 126. 134.
 -- Nero 93. 123. 125.
 -- Pulcher 88.
 Clemens V. P. 207.
 -- VII. 229 f. 241.
 -- XIV. 304.
 Clermont 112. 173.
 Cleve 232. 252. 263. 323. 430.
 Clive 300.
 Clodius 111. 113.
 Cluny 163. 166.
 Cobden 353.
 Colbert 262. 265.
 Clibat 166.
 Coligny 237.
 Collatinus 73. 75.
 Colombey S. 383.
 Colombia 346. 418.
 Colonne S. 162.
 Colosseum 128.
 Columbus 221 f.
 Comitia cent. 76. 79. 81 f. 105. 117. 125.
 -- cur. 74. 76.
 -- trib. 77. 79. 81 f. 101. 106.
 Commodus Ks. 131.
 Commune v. Paris 310. 392.
 Concini 238.
 Cond 237. 259. 261-263.
 Constantius Ks. 136.
 Constituante 307.
 Cook 302.
 Corday, Charl. 311.
 Cordova 152. 171. 194.
 Corfinium 104. 114.
 Coriolan 78.
 Corneille 239. 265.
 Cornelia 98. 100.
 Corpus iuris 147.
 Cortenuova S. 188.
 Cortez 223 f.
 Coulmiers S. 386.
 Covenant 248.
 Cranmer 246.
 Crassus 107. 109. 111 bis 113. 121. 123.
 Crcy S. 208.
 Cremera S. 78.
 Cremona 89. 94. 127. 187.
 Crespy F. 232.
 Crispi 412.
 Cromwell 248 f. 269 f.
 Cuba 222 f. 300. 418.
 Culloden S. 299.
 Curius Dentatus 85 f.
 Custine 313 f.
 Custozza S. 356. 379.
 Cypern 13. 23. 28. 33. 35. 42. 44 f. 55. 65. 111. 122. 177 f.
       219. 401. 406.
 Czaslau S. 281.


 ~D.~

 Dacien 129. 134. 139. 142.
 Dagobert 147.
 Dahomey 404.
 Dalai Lama 409.
 Damaskus 9. 12. 108. 129. 149 f. 173. 175.
 Damenfriede 230.
 Damiette 177.
 Dampfschiffahrt 344. 424.
 Dandolo 176.
 Dnemark 162. 165. 170. 179 f. 182. 187. 201. 215 f. 234. 249 f. 255.
       268. 274. 276 f. 292. 327. 337. 361 f. 373 f. 411.
 Dnen 153. 158. 162. 169 f.
 Danewerk 153. 162. 373.
 Dante 198. 211.
 Danton 309-312.
 Danzig 201. 249. 296. 326 f. 333. 337. 340.
 Dardanellen 401.
 Dardanos F. 105.
 Dareios I. 19. 38.
 -- II. 21.
 -- III. 21. 60 f.
 Dauphin 208.
 Davout 323. 325. 333 bis 335. 337.
 Decebalus 129.
 Decemvirn 78 f.
 Decius Ks. 133.
 -- Mus 83. 85.
 Deiotarus 109. 116. 117.
 Dekeleia 51.
 Dekretalen 156. 228.
 Delhi 219. 300. 368. 410.
 Delion S. 49.
 Delos 36. 43. 45.
 Delphi 15. 31. 34. 41. 57. 67. 73.
 Demaratos 37. 40.
 Demetrios v. Phal. 67.
 -- Poliork. 64. 67.
 -- in Rul. 251.
 Demosthenes 49. 51.
 -- Redner 58. 62 f. 70.
 Denain S. 274.
 Dennewitz S. 335.
 Desiderius 151.
 Dessauer Brcke S. 255.
 Detmold S. 152.
 Dettingen S. 281.
 Deutsch-Brod S. 204.
 Deutsche Flotte 361. 380. 397. 433.
 -- Literatur 140. 144. 154. 168. 186. 234. 285. 291. 329. 364.
 Deutscher Bund 340. 345. 351. 355. 359 f. 372 f. 375.
 -- Krieg 375-379.
 -- Orden 178 f. 217. 320. 429.
 Deutsches Reich 155 bis 168. 179-190. 195-206. 224. 234. 251-261.
       263 bis 267. 274. 278-285. 289-292. 313. 319-321. 324 f.
       358. 390-397. 423 ff.;
   Verfassung 161. 189. 200. 224 f. 260. 266. 320. 391 f. 397.
 Deutsch-frz. Kr. 381 bis 393.
 Devolutionskr. 262.
 Diadochen 63 f.
 Diaz 215. 371.
 Dictatur 76. 90. 99. 106 f. 115.
 Diebitsch 333. 347. 350.
 Dijon 169;
   S. 143. 388 f.
 Diocletian Ks. 135.
 Dionysios I. u. II. 67.
 Direktorium in Fr. 312. 316. 318.
 Dithmarschen 216. 250.
 Dffingen S. 202.
 Doge 176. 210. 240. 304.
 Doggerbank S. 301.
 Domesdaybook 192.
 Dominika S. 301.
 Dominikaner 178. 188. 191. 227.
 Domitian Ks. 128 f.
 Donaufrstentmer 219. 296. 346 f. 365-367. 399 ff.
 Donauwrth 252.
 Don Carlos 242. 351. 413.
 Doria 240.
 Dorische Wanderung 28.
 Dorylum S. 174.
 Drake 246.
 Drakon 34.
 Dreibund 395. 411.
 Dreiigj. F. 45.
 -- Kr. 251-261.
 Dreiig in Athen 53 f.
 Drepana S. 88.
 Dresden 284 f. 288. 333 bis 335. 359. 376;
   F. 284;
   S. 335.
 Drusus 102. 104. 123-126.
 Duchatel 209.
 Duilius 87.
 Dumouriez 314.
 Dnkirchen 262. 270.
 Dppel S. 361. 373.
 Drer 227.
 Dyle S. 157.
 Dyrrhachium 47. 99. 114;
   S. 115.


 ~E.~

 Eberhard v. Franken 158 f.
 -- v. Wrtt. 196. 201 f. 226. 435.
 Eckmhl S. 329.
 Edda 171.
 Edessa 65. 132. 134. 174.
 Eduard d. Bek. 170.
 Eduard I.-III. K. v. E. 207. 211 f.
 -- IV. u. V. 212-214.
 -- VI. 246.
 -- VII. 409.
 -- d. schw. Pr. 208. 214.
 Egbert v. Wessex 169.
 Eger 258;
   F. 202.
 Egmont 236. 242 f.
 Eidgenossen 197-199. 224. 237.
 Einhard 154.
 Eisenbahnen 344. 369. 391 f. 394. 397. 411 f. 416 f. 421. 425 f.
 Eknomos S. 87.
 Elagabalus Ks. 132.
 Elam 7-10. 18.
 Elba 188. 210. 320. 339.
 Eleonore v. Poitou 192.
 Eleusis 46. 52.
 Elisabeth K. v. E. 246 f.
 -- Ks. v. R. 284. 288. 295.
 -- Charl. 264. 305.
 Elsa 142 f. 156. 182. 205 f. 258;
   an Fr. 260. 262. 264. 343;
   wieder deutsch 392. 397. 438.
 Elster S. 167.
 Emanuel K. v. Port. 245.
 Emigranten 307. 313.
 Emin Pascha 407.
 Emir al Omra 172.
 Engelsburg 130. 167. 230.
 Enghien 259. 321.
 England 169 f. 175. 184. 192 f. 201. 204. 207-209. 211-214. 245.
       249. 254. 256. 262. 264. 269-274. 281. 284-288. 298-303.
       314-321. 323. 327 f. 330 f. 334. 339. 341 f. 346-348. 353.
       361-371. 375. 396 f. 399 ff. 405. 406-411. 412. 414. 415.
       417. 419 ff. 422 f.
 Engl. Lit. 212. 272. 302 f. 364.
 Ennius 121.
 Entdeckungen 221-224 302. 365.
 Enzio 188 f.
 Epameinondas 56 f.
 Ephesos 15. 28. 37. 66. 95. 105. 131.
 Ephialtes 40. 44.
 Ephoren 29. 43. 68.
 Epigonen 26.
 Epikur 70.
 Epimenides 34.
 Epirus 27. 43. 66 f. 85 f. 95. 97. 115. 120. 401.
 Erasmus 226.
 Eratosthenes 27. 70.
 Erbfolgekrieg, bayr. 289 f.
 -- sterr. 280 f. 284.
 -- span. 272-274.
 Eresburg 152. 159.
 Eretria 20. 39.
 Erfindungen 221. 343 f.
 Erfurt 151. 184. 196. 227. 321. 325. 327. 337;
   Ko. 328;
   Parl. 360.
 Ernestiner 227. 233. 435.
 Ernst August 266. 351. 395.
 -- v. Schwaben 164.
 Erwin v. Steinbach 190.
 Erzmter 147. 159. 200.
 Espartero 351.
 Essex 142. 247.
 Este H. 166. 210. 239. 304.
 Estland 215. 217. 249. 276 f.
 Etrurien 71. 88. 110.
   Kgr. 319. 327.
 Etrusker 71. 73. 76-78. 80. 84. 104. 120.
 Eugen v. Savoyen 266. 273. 278 f.
 -- v. Wrttemberg 436.
 Eukleides 54. 70.
 Eumenes 63. 66. 97.
 Eupatriden 26. 33. 37.
 Euripides 47.
 Eurymedon S. 43. 95.
 Exarchat 144. 145.
 Eylau S. 326.
 Ezzelino 188.


 ~F.~

 Fabier 78.
 Fabius Cunct. 90. 92.
 -- Rullianus 84 f.
 Fabricius 86.
 Faschoda 404.
 Fatimiden 172 f.
 Fehrbellin S. 263. 431.
 Femgerichte 190. 205.
 Ferdinand I. Ks. 225. 230 f. 252.
 -- II. 253-258.
 -- III. 259.
 -- I. Ks. v. . 351. 356. 357.
 -- d. Kathol. 214 f. 239 f. 241.
 -- IV. K. v. Neapel 305. 317.
 -- VII. K. v. Sp. 327. 339.
 -- v. Braunschw. 287 bis 289.
 -- v. Bulgarien 415.
 Ferrara 210. 239. 304.

 Fiesco 240.
 Fimbria 105.
 Finnland 256. 276 f. 294. 330.
 Firdusi 172.
 Flamininus 95.
 Flaminius 90.
 Flandern 156. 173. 193. 207-209. 229. 242. 262.
 Fleurus S. 265. 314.
 Fleury 305.
 Florenz 198. 210 f. 240. 370;
   Konz. 218.
 Florida 300. 302.
 Fontenoy S. 155. 284.
 Franken 134. 139. 142. 144.
 -- Hz. 157. 159 f. 165. 183. 257 f.
 Frankenhausen S. 229.
 Frankenreich 143. 145 bis 147. 150-156.
 Frankfurt a. M. 180. 186. 190. 195. 224. 254. 257. 281. 313. 324;
   Bundestag 340. 345. 351. 355. 360. 372. 375. 378;
   Parl. 358;
   Ko. 372;
   F. 391.
 Frnkische Ks. 157. 164 bis 168.
 Franklin 300.
 Frankreich 155. 159. 162 f. 169. 173. 177. 191. 205. 207-209.
       229 f. 232 f. 234-239. 255 f. 258 bis 265. 272-274. 278-280.
       284-289. 297. 301. 305 bis 343. 347-349. 353 bis 355. 365-371.
       379 bis 393. 397. 402-405. 420;
   Kaiserreich 321. 355;
   Rep. 310. 385-405.
 Franz I. Ks. 284.
 -- II. 313. 325. 334. 336.
 -- I. K. v. Fr. 229. 232. 235 f.
 -- II. 236.
 -- II. K. v. Neapel 370.
 -- Joseph Ks. v. . 357. 369. 372. 377. 398 f.
 -- v. Guise 233. 236 f.
 -- Sforza 210.
 Franz. Lit. 239. 265. 305 f. 363 f.
 Freiberg S. 289.
 Freiburg 196. 221. 263 f.
 Freiheitskrieg, deutscher 333-339.
 -- griech. 346 f.
 -- niederl. 242 f.
 -- amerik. 300-302.
 Friedland 255;
   S. 326.
 Friedrich I. Ks. 175. 180-185.
   II. 177. 186-189.
 Friedrich III. 205 f.
 -- v. Baden 190.
 -- Grh. v. Baden 436.
 -- v. Meien 196 f. 204.
 -- v. Nrnb. 195. 203 f. 428.
 -- v. st. 188. 190. 198. 203.
 -- v. d. Pfalz 206. 254.
 -- v. Staufen 167. 179.
 -- d. Weise 227 f.
 -- I. Kf. v. Br. 204. 428.
 -- II. 428.
 -- I. K. v. Pr. 267. 272 bis 276. 431 f.
 -- II. d. Gr. 280-290. 432.
 -- III. 395. 434.
 -- I u. II. K. v. Dn. 250.
 -- III. 268.
 -- IV. 274. 292.
 -- VII. 361 f.
 -- VIII. 411.
 -- K. v. Schw. 277. 292.
 -- Aug. K. v. Sachsen 326. 333. 336. 435.
 -- Franz Grh. v. Meckl. 378. 385 ff. 437.
 -- Karl 376. 382-387.
 Friedr. Wilh. d. Gr. Kf. 244. 259. 262 f. 265 bis 267 f. 430 f.
 -- -- I. K. v. Pr. 276. 279. 431 f.
 -- -- II. 291. 313. 421. 432 f.
 -- -- III. 316. 323-328. 332-339. 342. 343. 364. 433.
 -- -- IV. 353. 355 f. 359 f. 364. 367. 371. 433.
 -- -- Kronprinz 376 ff. 382 ff. 434.
 -- -- v. Braunschweig 330. 342. 437.
 Friesland 139. 151. 156.
 Fronde 261.
 Frundsberg 229.
 Fulda 151. 154.
 Frstenbund 291.
 Frstenwalde 288;
   V. 200.
 Fen F. 284.


 ~G.~

 Gadebusch S. 276. 335.
 Gades 13. 93. 114.
 Gata 227. 370.
 Galater 66. 96. 109.
 Galba Ks. 127.
 Galerius Ks. 135.
 Galilei 227. 240.
 Galizien 296. 298. 330. 340.
 Gallas 258.
 Gallia cisalpina 71. 82. 89. 94, 99. 118.
 Gallier 80. 82. 89 f. 111 bis 113. 123. 128.
 Gambetta 385 f. 388. 390. 403.
 Garibaldi 370. 381. 388 f.
 Garigliano 153;
   S. 235.
 Gasnaviden 172. 195.
 Gastein V. 374.
 Gelon 37. 41. 50.
 Genf 165. 231. 247. 316. 341. 417;
   V. 374.
 Genserich 141.
 Gent 209. 231. 341;
   V. 243.
 Genua 93. 175 f. 198. 210. 221. 240. 264. 303 316. 321. 341.
 Georg I. K. v. E. 299.
 -- II. 281. 299.
 -- III. 300.
 -- IV. 346.
 -- V. 410.
 -- V. K. v. Hann. 378.
 -- Podiebrad 206.
 -- Wilh. v. Br. 256. 430.
 -- I. v. Gr. 415.
 Gepiden 142. 145.
 Geraischer Vergl. 429.
 Gerbert 162.
 Gergovia Bl. 112.
 Germanen 13. 103 f. 111 f. 124 f. 134 f. 139-147.
 Germanicus 125.
 Gero 159 f. 427.
 Gerson 204.
 Geusen 242.
 Ghibellinen 180. 188. 198.
 Gibraltar 149. 273 f.;
   Bl. 301.
 Girondisten 309-312.
 Giselbert 158 f.
 Gitschin S 376.
 Gjedser 411.
 Gladstone 409.
 Gneisenau 326. 334. 342.
 Godoy 315. 327.
 Goethe 291.
 Goldene Bulle 200. 217.
 Gllheim S. 196.
 Gonsalvo 235.
 Gordianus Ks. 133.
 Gordon 269. 407.
 Gorgias 50.
 Grz 276 f.
 Goslar 158. 164. 165. 168. 182. 190. 321. 340.
 Goten 132 f. 139-144.
 Gotha 233. 252. 285 f. 360.
 Gottesfriede 165. 167. 169.
 Gottfried v. Anjou 192.
 -- v. Bouillon 173 f.
 -- v. Lothringen 165.
 Gttingen 163. 285. 344. 351.
 Gracchen 100. 103.
 Granada 194. 214 f. 221.
 Granikos S. 60.
 Granson S. 206.
 Granvella 242.
 Gratianus Ks. 137.
 Gravelingen S. 236.
 Gravelotte S. 384.
 Gregor I. P. 145.
 -- V. 162.
 -- VII. 166 f.
 -- IX. 187 f.
 -- XIII. 241.
 Griechenland 15. 20. 23. 28. 31. 47. 59. 66. 95. 97. 99. 105 f.
       127. 136. 148. 218;
   Kgr. 346. 415.
 Griech. Kirche 156. 170. 176. 218.
 -- Kunst u. Lit. 28. 37. 46. 69 f. 131. 147. 218.
 Grochow S. 350.
 Grobeeren S. 335.
 Gro-Grschen S. 334.
 Grojgersdorf S. 286.
 Gromogul 219. 300.
 Grotius 244.
 Grumbach 252.
 Guam 418. 426.
 Guelfen 181. 189. 198.
 Guesclin 208.
 Guisen 236-238.
 Guizot 353. 364.
 Gnther v. Schwarzb. 199
 Gustav Wasa 249.
 -- II. Adolf 249. 256 bis 258. 430.
 -- III. 294.
 -- IV. 327.
 -- V. 411.
 Gutenberg 206.
 Gyges 15.
 Gylippos 50.


 ~H.~

 Haag V. 276;
   Ko. 402.
 Habeasc.-Akte 271.
 Habsburg H. 195 f. 205 bis 207. 253. 272;
   St. 225. 282. 357.
 Hadrian Ks. 130.
 -- IV. P. 182.
 -- VI. 241.
 Hakon VI. K. v. Norw. 215.
 -- VII. 411.
 Haliartos S. 55.
 Halle 153. 164. 233. 267. 325. 365.
 Hallue S. 387.
 Hamburg 154. 156. 160. 184. 187. 200. 259. 320. 333 f. 344. 394.
       424. 426.
 Hamilkar 88 f.
 Hampden 248.
 Hamurrabi 8.
 Hanau S. 336.
 Hannibal 89-94. 96.
 Hannover Kf. 266. 276. 286. 291. 321-325. 331. 336;
   Kgr. 341. 351. 359 f. 379. 375. 377-379.
 Hanse 200. 215 f. 246. 249. 261.
 Hansestdte 200. 255. 320. 331. 351. 394. 438.
 Harald K. v. E. 170.
 Hardenberg 328. 343.
 Harun al R. 150. 153.
 Harzburg 166. 186.
 Hasdrubal 88. 91. 93.
 Hase S. 152.
 Hastenbeck S. 286.
 Hastings S. 170.
 Hatto v. Mainz 157.
 Hausmeier, s. Major domus.
 Haynau 356. 358.
 Hedschra 148.
 Heidelberg 182. 189. 202. 226. 234. 265. 320. 436.
 Heilbronn 180. 265. 321;
   B. 257.
 Heilige Allianz 343.
 H. Berg 77.
 -- Krieg 33. 57.
 H. Liga 235 f. 237.
 Heinrich I. K. v. D. 158.
 -- II. Ks. 163.
 -- III.-V. 165-168.
 -- VI. 185.
 -- VII. 197.
 -- I.-III. K. v. E. 192 f.
 -- IV.-VI. 212.
 -- VII. 245.
 -- VIII. 236. 245.
 -- I. K. v. Fr. 169.
 -- II. 233. 236.
 -- III. u. IV. 237 f.
 -- Hz. v. Bayern 159. 162.
 -- v. Braunschw. 232.
 -- d. Fromme 195.
 -- v. Guise 237.
 -- Jasomirgott 180.
 -- d. Lwe 182-185.
 -- v. Plauen 217.
 -- Prinz v. Pr. 288 f.
 -- Raspe 188.
 -- d. Seefahrer 215.
 -- d. Stolze 179.
 -- v. Trastamara 214.
 -- d. Znker 160. 162.
 Helena 24. 27. 135 f. 173.
 Helgoland 327. 361. 374. 396.
 Heliaia 35. 44.
 Heloten 29. 32.
 Helvetier 103. 111.
 Helvet. Rep. 316. 319 f.
 Hemmingstedt S. 216.
 Herakleia 31. 66;
   S. 85.
 Herakliden 25. 28.
 Heraklios Ks. 148.
 Hermandad 215.
 Hermann Balk 179.
 -- Billung 159.
 -- v. Salm 167.
 -- v. Salza 178. 187.
 -- v. Thringen 186.
 -- v. Wied 232 f.
 Herodes 124.
 Herodot 4. 6. 18. 39. 47.
 Herrenhausen V. 278.
 Hessen 151. 157. 188. 224. 229. 231. 257. 260. 281. 286.
       301. 313. 436.
 -- Grh. 324. 337. 355. 375. 379. 391. 436.
 -- Kf. 320. 324. 327. 336. 350. 360. 375. 377. 379. 436.
 Hiero 50. 67. 87. 91.
 Hildesheim 152.168. 321. 340.
 Himera S. 41.
 Hippias 36. 39.
 Hippokrates 48.
 Histiaios 20.
 Hochkirch S. 287.
 Hchst S. 254.
 Hchstdt S. 273.
 Hofer 329 f.
 Hohenfriedeberg S. 284.
 Hohenlinden S. 319.
 Hohenlohe 325 f. 392. 396.
 Hohenstaufen 167 f. 179 bis 190;
   St. 181.
 Hohenzollern 195. 359. 428-434;
   St. 283.
 Holbein 227.
 Holland 189. 199. 205. 209. 242 f. 262. 268. 270. 272. 274.
       301. 314;
   Kgr. 324. 331. 410.
 Holstein 179. 184. 187. 216. 224. 255. 276. 341. 361. 373-375.
 -- Gottorp H. 274. 277. 294. 295;
   St. 293.
 Homer 28.
 Honorius Ks. 138. 141.
 Horatius 76. 79. 122.
 Hubertusb. F. 289.
 Hugenotten 237-239.
 Hugo Capet 169.
 -- v. Francien 160. 169.
 Humanisten 211. 226.
 Humboldt 329. 365.
 Hunnen 140. 142 f.
 Hunyadi 218.
 Hus, Hussiten 204 f. 428.
 Hutten 226. 228.
 Hydaspes S. 61.
 Hyder Ali 300.
 Hypereides 63. 70.


 ~I.~

 Iconium 173. 174.
 Idisiaviso S. 125.
 Idstedt S. 362.
 Ilerda Kapit. 114.
 Illyrien 33. 57. 89. 94. 97. 330;
   rm. Prov. 99. 111. 115. 122. 132. 135. 140.
 Inaros 21. 44.
 Independenten 249. 270.
 Index 241.
 Indien 15-17. 61. 65. 172. 219. 222. 300. 353. 368. 406. 410.
 Ingelheim 155. 161. 168. 182.
 Innocenz II. P. 79.
 -- III. 176. 186.
 -- IV. 188.
 Inquisition 186. 215. 241.
 Interim 233.
 Interregnum 72. 74. 189. 426.
 Invest.-Streit 166-168.
 Ionier 6. 20. 23. 25. 31 f. 37. 42.
 Ionische Inseln 240. 304. 316 f. 341.
 Iphikrates 55.
 Ipsos S. 64. 67.
 Iran 15. 17. 172.
 Irene Ks. 148.
 Irland 192. 247 f. 270. 272. 353. 409.
 Isaak Ang. Ks. 176.
 Isabeau K. 209.
 Isabella v. Kast. K. 214 f. 221. 241.
 -- K. v. Sp. 351. 413.
 Isagoras 37.
 Islam 148. 195.
 Island 171.
 Issos S. 60.
 Italien 32. 62. 66. 70. 84. 86. 89. 94. 98. 103. 119. 122. 134-138;
   im M.-Alter 140. 142-145. 152 f. 155 f. 160-168. 171. 179.
       182-190. 198 f. 210 f.;
   in der Neuzeit 235. 239 f. 273 f. 279. 284. 303 f. 315. 317.
       341. 345. 356. 362. 369.
 -- Kgr. 157. 321. 370. 379. 411.
 Italien, Kunst u. Lit. 211. 241
 Iuba 115-117.
 Ivry S. 233
 Iwan III. Ks. 216
 -- IV. 250
 -- VI. 295 f.


 ~J.~

 Jacquerie 208.
 Jagellonen 217. 250.
 Jgerndorf 253 f. 280 f. 429.
 Jakob I. K. v. E. 247.
 -- II. 271.
 -- d. Prt. 299 f.
 Jakoba 209.
 Jakobiner 309. 312.
 Jan de Witt 262 f.
 Janitscharen 218. 251. 347.
 Jankau S. 259.
 Japan 22. 219. 223. 251. 368. 410. 420-423.
 Jassy F. 297.
 Jemappes S. 314.
 Jena 233. 345;
   S. 325.
 Jrome Bonap. 326. 336.
 Jerusalem 6. 11 f. 109. 130. 149.
 -- Kgr. 174 f. 177.
 Jesaja 12.
 Jesuiten 231. 251 f. 303. 304. 339. 393. 403.
 Joachim I. Kf. 429.
 -- II. 232. 281. 429.
 -- Friedrich 429.
 Jobst v. Mhren 203. 428.
 Johann K. v. Bhmen 197 f. 208.
 -- II. K. v. Fr. 208.
 -- Hz. v. Burgund 208 f.
 -- ohne Land 193.
 -- Kasimir K. v. Polen 250. 267.
 -- Sobieski K. 266. 268.
 -- XII. P. 160.
 -- XXII. 198.
 -- XXIII. 203.
 -- Erzh. 329. 358 f.
 -- Kf. v. Br. 429.
 -- v. Leyden 231.
 -- Parricida 197.
 -- Albrecht Hz. v. Meckl. 395. 424. 437.
 -- Friedrich Kf. 232. 252.
 -- Georg Kf. 254. 256.
 -- -- v. Jgerndorf 253 f.
 -- -- Kf. v. Br. 429.
 -- Sigismund Kf. 252, 430.
 -- v. Werth 258 f.
 -- Zapolya 230.
 Johanna Grey 246.
 -- K. v. Sp. 225. 241.
 Johanniter 178. 219. 230. 242. 316. 320.
 Joseph I. Ks. 272.
 -- II. 289 f.
 -- K. v. Sp. 324. 327.
 Jourdan 314 f. 317.
 Juan d'Austria 212. 243.
 Juanschikai 422.
 Juarez 371.
 Juden 11 f. 19. 65. 130. 215.
 Jugurtha 103.
 Julia 110. 123 f.
 Julianus Ks. 137.
 Jlich 252. 290. 430.
 Juli-Rev. 348.
 Julius II. P. 240.
 Jungfrau v. Orl. 209.
 Justinian Ks. 144. 147.


 ~K.~

 Kabira S. 108.
 Kairo 149. 172. 177. 316.
 Kaiserslautern 182;
   S. 314.
 Kalabrien 121. 145. 162. 343.
 Kalender 74. 116. 241. 311.
 Kalifat 148 f. 171 f. 195.
 Kalifornien 223. 302.
 Kalisch 298;
   B. 333.
 Kalixtiner 205.
 Kalmar. Union 216.
 Kanada 238. 300.
 Kandia 176. 210. 219. 240. 304.
 Kant 291.
 Kapitol 72. 80. 131.
 Kapland 215. 244. 314. 331. 339. 406. 407.
 Karl d. Dicke Ks. 156. 169.
 -- d. Einf. K. 169.
 -- d. Groe Ks. 151-154.
 -- d. Kahle Ks. 156 f. 169.
 -- Martel 147. 150.
 -- IV. Ks., 199-203. 428.
 -- V. 228-234.
 -- VI. 272-274. 278. 280.
 -- VII. 281. 434.
 -- I. K. v. E. 247 f.
 -- II. 270.
 -- V. u. VI. K. v. Fr. 208.
 -- VII. 209.
 -- VIII. 209. 235.
 -- IX. 236.
 -- X, 348.
 -- IX. K. v. Schw. 249.
 -- X. u. XI. 267 f.
 -- XII. 274 f.
 -- XIII. 330.
 -- XIV. u. XV. 363.
 -- I. K. v. Sp. 241.
 -- II. 272.
 -- III. 303.
 -- IV. 315. 327.
 -- Albert K.  v. Sard. 356. 362.
 -- v. Anjou 190. 196.
 -- Aug. v. Weimar 291. 325. 437.
 -- d. Bse 208.
 -- v. Bourbon 229 f.
 -- Eduard 299 f.
 -- Erzh. 315. 317. 323. 329.
 -- d. Khne 206. 209.
 -- v. Lothr. 266. 284. 286.
 -- v. Rumnien 399. 414.
 -- Theodor v. d. Pfalz 289 f.
 -- Wilh. Ferd. v. Br. 313. 325. 437.
 Karlowitz F. 266. 304.
 Karlsbad Ko. 345.
 Krnten 103. 123. 157.
   Hz. 162. 166. 196;
   str. 198. 225. 253.
 Karolinger 150-158. 169;
   St. 155.
 Karthago 14 f. 19. 41. 67. 82. 87-89. 91. 93 f. 98. 102.
       117. 141. 149.
 Kasimir K. v. Polen 216.
 Kassander 64 f. 67.
 Kastilien 171. 194. 215 f. 221. 273.
 Katalaun. F., S. 142.
 Katharina v. Aragon 245.
 -- v. Medici 236 f.
 Katharina I. Ks. v. R. 274. 294.
 -- II., 295 f.
 Katzbach S. 335.
 Kaukasus 108. 297. 348. 369.
 Kaunitz 285.
 Keilschrift 7. 19.
 Kelantan 409.
 Kelten 15. 71. 111. 113.
 Kepler 227. 252.
 Kerkyra 31. 43. 47 f. 56.
 Kesselsdorf S. 284.
 Kiel 292. 371. 377. 394;
   F. 337. 341.
 Kiew 170. 195. 216.
 Kimon 39. 43-45.
 Kinderkreuzzug 176.
 Kirchenstaat 145. 150. 151. 186. 211. 240. 304. 315. 320. 330.
       341. 362 f. 370. 381. 411.
 Kleisthenes 33. 36 f.
 Kleomenes 37-39. 68.
 Kleon 48 f.
 Kleopatra 116. 119 f.
 Klissow S. 275.
 Klopstock 285.
 Klster 145. 150. 151. 154. 163. 245. 290. 309. 321. 400.
 Knidos 28;
   S. 55.
 Knox 247.
 Knud d. Gr. 165. 170.
 Koalitionskr. 313. 317. 323.
 Koblenz 199. 307. 313. 337. 372.
 Koburg H. 350. 401. 414. 415;
   St. 352. 437.
 -- Prinz 314.
 Kodros 28. 33.
 Kolberg Bl. 288. 326.
 Kolin S. 286.
 Kln, 124 f. 150. 152. 161. 179. 190. 200. 201. 230. 314;
   Rchst. 224.
   Erzb. 153. 160 f. 166. 183. 184. 189 f. 351;
   Kf. 200. 206. 232. 252. 272. 274. 320.
 Kolonien, griech. 13. 27 f. 31. 46. 62.
 -- rm. 82-87. 89. 92 ff. 102. 117.
 -- span. 222-224. 300. 301 f. 346. 413.
 -- holl. 244. 314. 320. 331. 339.
 -- engl. 246. 270. 274. 300 ff. 339. 353. 368. 406-410.
 -- frz. 238. 262. 300. 331. 348. 354. 369. 403-405.
 -- portug. 222 f. 346.
 -- deutsche 395 ff. 423 ff.
 -- belg. 410.
 -- ital. 412.
 Komnenen H. 172. 194.
 Kong-fu-tse (Confucius) 22.
 Kongostaat 395. 410.
 Kniggrtz S. 377.
 Knigsberg 179. 217. 267. 325 f. 332 f. 431;
   V. 267. 327.
 Knigsgesetz 268.
 Knigsmark 260. 304.
 Konkordat, frz. 236. 319. 331.
 -- str. 398.
 -- Wiener 205.
 -- Wormser 168.
 Konkordienformel 252.
 Konon 52 f. 55.
 Konrad I. K. v. D. 157 f.
 -- II. Ks. 164 f.
 -- III. 174 f. 180.
 Konrad IV. 189.
 -- v. Hochstaden 190.
 -- v. Marburg 188.
 -- v. Masovien 178.
 -- d. Rote 159 f.
 -- v. Staufen 168. 179.
 -- v. Wettin 180.
 Konradin 190.
 Konstantin d. Gr. 136 f. 145.
 Konstantinopel 42. 136. 144. 147-149. 156. 173. 176. 218. 296.
       347. 365. 400.
 Konstanz 150. 164, F. 184;
 Konz. 203 f.
 Konstanze 185.
 Konsulat 75. 78 f. 81. 99. 122;
   in Fr. 318.
 Kontinentalsperre 326. 331.
 Konvent 310-312.
 Kopenhagen 201. 268. 275. 285. 327. 361. 411.
 Kopernikus 227.
 Koran 149.
 Korea 251. 420. 422 ff.
 Korfu 176. 210. 220, s. Ion. Inseln.
 Korinth 26. 28. 31 f. 44. 47 f. 55. 59. 68 f. 72. 98. 117.
 Krner 335. 364.
 Koroneia S. 45. 55.
 Korsika 14. 32. 88. 210. 303. 311.
 Kosciuszko 298.
 Kossuth 357 f.
 Krakau 216. 267. 298. 341. 354.
 Krannon S. 63.
 Krateros 60. 62 f.
 Krefeld S. 287.
 Kreta 13. 23. 25. 28. 30. 107. 122. 415, vgl. Kandia.
 Kreuzzge 173-179.
 Krim 31. 105. 108. 296.
 Krimkrieg 366 f.
 Krimisos S. 67.
 Kritias 54.
 Kroisos 15 f.
 Kroton 32. 37. 94. 162.
 Kulm S. 335.
 Kunaxa S. 21. 54.
 Kunersdorf S. 288.
 Kurfrsten 196. 200. 224. 254. 256. 260. 266. 320.
 Kurland 217. 249. 256. 268. 295 f. 298.
 Kutschuck Kain. F. 296.
 Kutusow 323-332.
 Kylon 33 f.
 Kyme 31. 76.
 Kynoskephal S. 56. 95.
 Kypselos 32.
 Kyrene 6. 14. 19. 31. 65. 107. 122. 143.
 Kyros 11. 13. 15 f. 18 f.
 -- d. jng. 21. 52. 54.
 Kythera 13. 49.
 Kyzikos 31, S. 52.


 ~L.~

 Labiau V. 267.
 Labienus 112. 116.
 Lade S. 20.
 Ladislaus 206. 218.
 Laelius 93.
 Lafayette 301. 307. 313.
 Lagos S. 300.
 La Hougue S. 265.
 Laibach Ko. 345.
 Lamartine 354. 364.
 Lamischer Kr. 63.
 Lancaster H. 212-214.
 Landau 274. 340. 343.
 Landfriede 165. 167. 188. 196. 200. 206. 224.
 Landshut S. 288.
 Langensalza S. 378.
 Langobarden 124. 139. 144 f. 151.
 Laon S. 338.
 La Rochelle 193. 237. 239. 248.
 La Rothire S. 337.
 Lat. Kaisert. 176. 194.
 Latiner 70 f. 77. 83. 87. 92. 102. 104.
 Land 248.
 Laudon 288. 297.
 Lauenburg 184. 189. 200. 204. 224. 341. 373 f. 431.
 Lausitz 158. 161. 163 f. 199. 202. 224. 254. 258. 286 f. 334.
       376. 427.
 La Valette 242.
 Law 305.
 Lechfeld S. 160.
 Leicester 193. 244.
 Leipzig 203. 228. 285. 394;
 S. 256. 259. 336.
 Le Mans S. 310. 387.
 Lenzen S. 158.
 Leo I. P. 142.
 -- III. 153.
 -- IV. 156.
 -- VIII. 160.
 -- X. 241.
 -- XIII. 393.
 Leoben F. 315.
 Leon Kgr. 171. 194.
 Leonidas 40.
 Leopold I. Ks. 263. 265.
 -- II. 291. 313.
 -- L K. d. Belgier 350.
 -- II. 410.
 Leopold v. Dessau 273. 280. 284. 432. 438.
 -- v. st. 176. 198. 202.
 Lepanto S. 240. 242.
 Lepidus 115. 118 f.
 Lesbos 20. 28. 33. 38. 42. 48. 115.
 Lessing 285. 291.
 Leuktra S. 56.
 Leuthen S. 287.
 Lexington S. 301.
 Leyden 231. 244.
 Licinische Ges. 81. 100.
 Licinius Ks. 136.
 Lidj Jeassu 412.
 Liegnitz Hz. 195. 281. 429;
   S. 288.
 Liga 235. 252. 254.
 Ligue 209. 237.
 Ligurer 70. 93 f.
 Ligurische Rep. 316. 321.
 Limes 129. 134 f.
 Lisaine S. 388.
 Lissa S. 379.
 Lissabon 194. 215. 303.
 Litauen 217. 275. 298.
 Livius 82. 122 f.
 -- Drusus 102. 104.
 Livland 217. 249. 268. 274. 276 f. 402.
 Lobositz S. 286.
 Lokrer 27. 32. 40. 44. 48. 59. 66 f.
 Lollharden 212.
 Lombardei 151. 188. 315 f. 356 f. 369.
 Lombard. Stdte 182 f. 188. 199.
 London 200. 212. 246. 248. 270. 300. 321. 339. 363;
   Ko. 347. 350. 373. 380;
   V. 362.
 Lothar Ks. 155 f.
 -- v. Sachsen 168. 179.
 Lothringen Hz. 157 bis 162. 165. 168. 173. 205 f. 224. 233;
   an Frankreich 239;
   wieder deutsch 260. 262-265;
   an Frankreich 279. 343;
   wieder deutsch 391. 438.
 -- H. 284, St. 282.
 Louis Bonap. 324. 331.
 -- Nap. 322. 353-355.
 Louisiana 262. 300. 302.
 Lwen S. 157.
 Lbeck 184. 187. 190. 200 f. 249 f. 320. 325. 337, F. 255.
 -- Bistum 255. 292. 321.
 Lucaner 70. 83 f. 92.
 Lucian 131.
 Lucian Bonap. 318. 322.
 Lucka S. 197.
 Lucretia 73.
 Lucullus 108.
 Ludov. Moro 235.
 Ludwig d. Bayer 198 f. 428.
 -- d. Deutsche 156.
 -- d. Fromme 154 f.
 -- d. Kind 157.
 -- I. K. v. Bayern 347. 356. 364. 435.
 -- II. 390. 435.
 -- III. K. v. Fr. 169.
 -- IV. u. V. 169.
 -- VI. 191.
 -- VII. 174 f. 191.
 -- VIII. 191.
 -- IX. 177. 191.
 -- X. 207.
 -- XI. 209.
 -- XII. 235.
 -- XIII. 238 f.
 -- XIV. 261-265. 272 bis 274.
 -- XV. 279. 305.
 -- XVI 305-310.
 -- (XVII.) 310. 312.
 -- XVIII. 339.
 -- d. Gr. K. v. Ung. 217.
 -- v. Baden 265.
 -- Philipp K. v. Fr. 314. 348. 353 f.
 Lgenfeld S. 154.
 Luise K. v. Pr. 326. 329.
 -- v. Savoyen 230.
 Lunville F. 319.
 Lusignan 174 f. 219.
 Luther 227-230. 232;
 Lutter a. B., S. 255.
 Ltzen S. 257. 334.
 Ltzower 334 f.
 Luxemburg 197. 202. 205. 264 f. 290;
   Grh. 340. 380. 410.
 -- Marschall 265.
 Luynes 238.
 Lydien 15 f. 24. 33.
 Lykurgos 29.
 Lyon 123. 198. 311. 389;
   Konz. 188.
 Lysander 52. 54.
 Lysimachos 63-66.


 ~M.~

 Macbeth 170.
 Macchiavelli 241.
 Macdonald 332. 335.
 Mack 317. 323.
 Mac-Mahon 369. 382 bis 384. 392. 403.
 Madagaskar 404.
 Madrid 273. 328. 337. 413;
   F. 229.
 Maecenas 122.
 Magalhes 223.
 Magdeburg 153. 161 f. 183. 190. 255 f. 258 f. 325. 337. 427. 429 f.
 Magenta S. 369.
 Mag. equitum 76. 80. 90. 115.
 Magna Charta 193.
 Magnesia 43;
   S. 95.
 Magyaren 157 f. 357. 398.
 Mahdi 407.
 Mhren 139. 156 f. 196. 202. 224. 259. 281. 287. 323. 376. 398.
 Maifeld 147. 151. 342.
 Mailand 89. 134 f. 137. 183-185. 198. 315. 356. 369.
 -- Hz. 203. 210. 225. 229. 231 f. 234 f. 239. 274. 303. 340.
 Mainz 124. 129. 163 f. 167 f. 184. 190. 257. 265. 337. 340. 378;
   Bl. 314;
   Rchst. 188.
 -- Erzb. 151. 160. 190. 196. 206. 227;
   Kf. 200. 206. 224. 320.
 Majesttsbrief 253.
 Majordomus 147. 150.
 Makedonien 20. 38. 49. 53. 56-59. 63 f. 66-68. 91;
   rm. Prov. 98. 110. 118. 122. 123. 135;
   in der Neuzeit 415.
 Makedon. Kr. 91. 94 f. 96 f.
 -- Ks. 172.
 Makkaber 65. 109.
 Malakka 223. 409.
 Malm 201;
   W. 361.
 Malplaquet S. 273.
 Malta 178. 242.
 Mamelucken 177. 195.
 Mamertiner 87.
 Mandschudynastie 251. 422.
 Manfred 189 f.
 Manlius Cap. 80.
 -- Torquatus 82 f.
 Mansfeld 253-255.
 Manteuffel Min. 360.
 -- Gen. 375. 378. 386-389. 392
 Mantineia S. 50. 57.
 Mantua 239. 272 f. 279. 330. 369;
   Bl. 315.
 Manuel K. v. Port. 414.
 Marathon S. 39.
 Marbod 124 f.
 Marburg 188. 230.
 M. Aurelius Ks. 130 f.
 Marcellus 91 f.
 Marchfeld S. 196.
 Marco Polo 195. 221.
 Mardonios 38. 41 f.
 Marengo S. 319.
 Margarete v. Anjou 212. 214.
 -- v. Dn. 215 f.
 -- Maultasch 198.
 -- v. Navarra 231.
 -- v. Parma 242.
 -- v. Valois 237.
 Maria v. Burgund 206. 225.
 -- d. Kathol. 245 f.
 -- v. Medici 238.
 -- Stuart 235. 246 f.
 -- v. Ungarn 225.
 -- Theresia v. st. 278 bis 282. 284 f. 289 f.
 -- -- v. Sp. 262. 265.
 Marie Ant. 305. 311.
 -- Louise v. . 331. 338.
 Marienburg 179. 217.
 Marignano S. 235.
 Marius 103-105.
 Markomannen 131. 146.
 Marlborough 273. 298.
 Marokko 245. 405. 409. 413 f.
 Marschall v. Sachsen 284.
 Marsischer Kr. 104.
 Mars-la-Tour S. 383.
 Martin V. P. 204.
 Masaniello 241.
 Massna 317. 329.
 Massilia 32. 66. 89. 101. 114.
 Massinissa 92 f. 97.
 Mathilde v. Tuse. 167. 179.
 Mathild. Gter 168. 179. 186.
 Matthias Ks. 253.
 -- Corvinus 206. 218.
 Maupertuis S. 208.
 Mauretanien 103. 116. 126. 171.
 Mausoleum 69.
 Maxen Kapit. 288.
 Maxentius Ks. 136.
 Maximilian I. Ks. 206. 224 f. 228. 239.
 -- II. 252.
 -- Hz. v. Bayern 252. 254. 257.
 -- K. v. Bayern 324. 435.
 -- Ks. v. Mexiko 371.
 Max Joseph Kf. v. Bayern 284. 289.
 Mayenne 238.
 Mazarin 261 f.
 Mazeppa 275.

 Mecklenburg 180. 183. 187. 224. 231. 255. 260. 276. 333;
   Grh. 351. 378. 391. 436 f.
 Meder 9 f. 15. 17-20.
 Medici 211. 240 f. 279.
 Megakles 34. 36.
 Megalopolis 56. 68.
 Megara 28. 31. 33. 44. 48. 68.
 Mehemed Ali 347. 353.
 Meien 158. 161. 179. 188 f. 196 f. 255. 435.
 Mlac 265.
 Melanchthon 227. 230. 232.
 Melilla 405. 413 f.
 Menelik 412.
 Menorka 274. 301.
 Menschikow 269. 276. 294. 365 f.
 Merowinger 143. 145 bis 147.
 Merseburg 158. 161. 180. 255.
 Mersen V. 156.
 Missolunghi 347.
 Mesopotamien 6. 60. 113;
   rm. Prov. 129-132. 135.
 Messalina 126.
 Messana 31. 87. 99.
 Messenien 28. 56. 58. 69.
 Messen. Kr. 32. 43.
 Messina 363. 412.
 Metaurus S. 93.
 Metternich 329. 334. 340. 345. 355.
 Metz 145. 167. 175. 200;
   an Frankreich 233. 236. 260. 264. 380 f. 384;
   wieder deutsch 386. 391. 438.
 Mexiko 223. 302. 346. 370 f. 418.
 Michelangelo 241.
 Milan 399. 414.
 Milet 15. 20. 28. 31. 38. 42. 51. 60.
 Milo 85. 113.
 Miltiades 36. 39.
 Ming-Dynastie 219.
 Minden 152. 255. 260. 430;
   S. 287.
 Mirabeau 307. 309.
 Mithradates 105. 108 f.
 Mckern S. 333. 336.
 Modena 118. 210. 239. 271. 315. 341. 370.
 Mohacz S. 230. 266.
 Mohammed 148 f. 416.
 Moldau 219. 275. 296. 346. 367.
 Mollwitz S. 281.
 Moltke 373. 376. 382. 384.
 Mnchsorden 145. 178. 411.
 Mongolen 22. 140. 148. 194 f. 216.
 Monk 270.
 Monmouth 271.
 Monroe 346. 371.
 Montecuccoli 263. 266.
 Montenegro 399 f. 414.
 Montereau 209;
   S. 338.
 Montesquieu 305.
 Montmartre S. 338.
 Montmirail S. 337.
 Montmorency 239.
 Morea 176. 219. 304. 347.
 Moreau 315. 319. 321.
 Morenga 425.
 Morgarten S. 198.
 Moritz v. Or. 244.
 -- v. Sachsen 232 f. 435.
 Morosini 304.
 Msien 123. 134. 140.
 Moskau 195. 216. 251. 269. 275. 294. 332.
 Mucius Scaevola 76.
 Mhlberg S. 232.
 Mhldorf S. 198.
 Muley Hafid 405.
 Mummius 98.
 Mnchen 190. 257. 284. 319. 356. 364. 434 f.
 Mnchengrtz S. 376.
 Munda S. 117.
 Municipien 86. 116.
 Mnnich 294 f.
 Mnster 152. 231. 262. 321. 434;
   F. 260.
 Mnzwes., griech. 32. 34. 64.
 -- rm. 74.
 Murat 323 f. 327. 341. 343.
 Murten S. 206.
 Mutina 89. 94;
   S. 118.
 Mutsuhito 368.
 Mykale S. 42.
 Myken 23-25. 27.
 Mylae S. 87.
 Mytilene 28. 33. 48 f. 52. 109.


 ~N.~

 Nabis 69. 95.
 Nabukudrossor 8. 10. 13.
 Nachod S. 376.
 Naevius 121.
 Nfels S. 202.
 Nantes, Edikt 238. 264.
 Napoleon I. 311 f. 315 f. 318-343.
 -- III. 353. 355. 365-371. 377. 380-384. 403.
 Narses 144 f.
 Narvaez 351. 363.
 Narwa S. 275.
 Nassau 196. 242. 324. 378 f. 410.
 Naukrarien 35. 39.
 Naukratis 6. 31.
 Naupaktos 28. 44. 48.
 Navarin S. 347.
 Navarra 171. 207. 211. 229. 231. 236-238.
 Navig.-Akte 270.
 Neapel 31. 83. 145. 185. 189.
 -- Kgr. 185. 187. 211. 225. 235. 241. 273 f. 279. 305. 315. 317.
       324. 327. 341. 343. 345. 363. 370.
 Necker 307. 309.
 Neerwinden S. 265. 314.
 Nelson 317. 323.
 Nero Ks. 126 f.
 Nerva Ks. 129.
 Neuchtel 274. 323 f. 340 f. 367. 432 f.
 Neupers. Reich 133. 135. 137. 144. 149.
 Neustrien 146 f. 155.
 Newton 272.
 New-York 270. 301. 344.
 Nica 137. 174. 176. 218;
   Konz. 136.
 Niederlande 206. 225. 251.
 -- span. 242-244. 262. 265.
 -- sterr. 225. 274. 284. 290.
 -- Rep. 242-244. 260. 263. 314.
 -- Kgr. 340. 349. 363. 410.
 Niger 302. 404. 407.
 Nika in Konst. 147.
 Nikias 48. 50.
 Nikita 399. 414.
 Nikolaus I. P. 156.
 -- II. 166.
 -- V. 211.
 -- I. Ks. v. R. 347. 357. 360. 365 f.
 -- II. 402.
 Nikolsburg W. 377.
 Nikomedes 66.
 Nikomedia 66. 135 f.
 Nikopoli S. 218.
 Nimwegen 154. 164;
   F. 263.
 Ninive 8-10;
   S. 60.
 Nisib S. 353.
 Nizza 313. 315. 370;
   W. 231.
 Nobilitt 81. 96. 99.
 Nogi 423.
 Noisseville S. 384.
 Nola 105. 125;
   S. 91.

 Nordamer. Kr. 300 bis 302. 331. 416 f.
 Norddeutscher Bund 325. 380. 382. 390.
 Nordische Konv. 319 f.
 Nord. Krieg 274-277.
 Nrdlingen S. 258.
 Nordmark 161. 180. 427.
 Normannen 153. 156 f. 170 f. 173. 192.
 Norm. K. in E. 192.
 Norwegen 170. 215 f. 234. 250. 276. 332. 337. 341. 364. 411.
 Notion S. 52.
 Novara S. 235. 356.
 Novi S. 318.
 Nowgorod 170. 201. 216.
 Numantia 100.
 Numidien 91-93. 98. 103. 116.
 Nrnberg 182. 190. 201. 206. 226. 234. 257. 289. 320. 324. 378;
   F. 230;
   Rchst. 196.
 -- Burggrafen 196. 203. 224. 428.
 Nystadt F. 277.


 ~O.~

 Octavian 118-125.
 Odessa 297. 346.
 Odo v. Paris 169.
 Odovakar 138. 143.
 Ofen 232. 266. 357.
 Oinophyta S. 44.
 Oldenburg 216, Hz. 268. 292. 321. 331. 336, Grh. 351. 361. 437.
 Oliva F. 268. 431.
 Olmtz 287. 313. 377;
   V. 360.
 Olympia 30. 43. 46. 69. 138.
 Olympias 64. 66.
 Olynth 31. 55. 57 f.
 Omar 149.
 Omaijaden 149 f.
 Onomarchos 57.
 Optimaten 81. 90. 101 f. 105 f. 110. 114.
 Orchomenos 23. 26, S. 105.
 Orlans 112. 142. 145;
   S. 386.
 -- Hz. 208 f. 239. 264. 305. 310. 314. 348, St. 349.
 Orlow 295-297.
 Osmanen 218, s. Trken.
 Osnabrck 152. 200. 321;
   F. 260.
 Ostende Bl. 244.
 sterreich Hz. 162. 180. 182. 196. 198. 202. 225.
 -- Kaisert. 272. 278-281. 284-291. 295-298. 313
   bis 320. 323-325. 329
   bis 332. 334-343. 345. 351. 354-358. 360. 362 f. 365 f. 369-379.
       395 bis 399. 401 f. 413-415. 420.
 Ostfriesland 281. 284. 340. 432.
 Ostgoten 140-144.
 Ostindien 222. 300. 368.
 Ostind. Komp. 244. 246. 300. 368.
 Ostmark 161. 165. 427.
 Ostrach S. 317.
 Ostrakismos 37. 39. 43 f. 50.
 Ostrolenka S. 350.
 Ostrm. Reich 138. 140. 144. 147 f. 153. 172 f. 176. 194. 218.
 Ostseeprov. 217. 234. 251. 256. 276 f. 294. 401.
 Otho Ks. 127.
 Otto I. Ks. 159-161.
 -- II. 162.
 -- III. 162 f.
 -- IV. 186.
 -- K. v. Griechenland 347.
 -- v. Bamberg 179.
 -- v. Nordheim 166.
 -- v. Wittelsbach 182. 184.
 -- -- Pfalzgr. 186.
 Ottokar 196.
 Oudenarde S. 273.
 Ovidius 122.
 Oxenstierna 257.
 Oxford 212. 248. 303.


 ~P.~

 Palologen 176. 194.
 Palstina 5. 11. 13. 19. 65. 109. 128. 173-175. 177.
 Palermo 185. 190. 317. 324. 370.
 Palmerston 350. 353. 366.
 Palmyra 134.
 Panamakanal 418.
 Pannonien 124. 135. 139. 142-144.
 Panormus 41, S. 88.
 Pantheon 123.
 Paoli 304.
 Papirius Garbo 101. 103.
 -- Cursor 84.
 Papsttum 145. 156. 158. 160. 166. 173. 177. 186. 196. 207. 211.
       227 f. 231. 236. 245. 315. 330 f. 339. 362 f. 370 f. 411 f.
 Paris 112. 145. 150. 157. 162. 169. 192. 199. 203. 208. 236-238.
       261. 306
   bis 312. 319. 321. 324. 348. 353 f. 385;
   F. 300. 339. 343. 367. 418;
   S. 338;
   Bl. 157. 389 f. 392 f.
 Parlament in E. 193. 211 f. 247 f. 348. 353. 409 f.
 -- deutsches 358 f.
 -- in Fr. 238. 261 f. 305. 308.
 Parma 189. 239. 279. 284. 304. 319. 339. 341. 370.
 Parmenion 60 f.
 Parthenier 32.
 Parthenon 46. 304.
 Parth. Rep. 317.
 Parther 17. 65. 113 f. 117. 119. 123. 130. 132 f.
 Paschalis II. P. 168.
 Paskjewitsch 347. 350. 366.
 Passarowitz F. 278.
 Passau 124, V. 233.
 Patkul 274 f.
 Patrizier 74. 76-79. 81. 109.
 Paul IV. P. 241.
 -- Ks. v. R. 317. 319.
 Paulus 131.
 Pausanias 42 f. 53. 59. 131.
 Pavia 145. 151. 160. 183.
   S. 229.
 Pedro K. v. Aragon 190. 214.
 -- Ks. v. Bras. 346. 417.
 Peisistratos 35 f.
 Peking 195. 368. 420 f.
 Pelopidas 56.
 Peloponnes 25. 28. 32 f. 40. 59. 69. 140. 304.
 Pelop. Kr. 44. 47-53.
 Pelusium S. 6.
 Perdikkas 54. 60. 63.
 Pergamon 66. 69. 94 bis 97. 101.
 Periander 32. 38.
 Perikles 44-48.
 Periken 29. 40.
 Perserkr. 38-46.
 Perseus 24. 66. 96 f.
 Persien 17-21. 33. 51
   bis 55. 60-62. 133 bis 135. 137. 144. 172. 218 f. 278. 348.
       402 f. 409. 419.
 Peru 223. 346. 417.
 Pest 357. 398.
 Peter v. Amiens 173.
 -- d. Gr. 269. 271-278. 294.
 -- II. 294.
 -- III. 288. 295.
 -- K. v. Ung. 165.
 -- v. Vinea 189.
 Petersburg 275. 292. 295. 400.
 Pet. of rights 247.
 Petrarca 211.
 Petreius 110. 111.
 Pfalzen in D. 154. 161. 165. 182.
 Pfalz Kf. 182. 186. 189. 200. 206. 224. 234. 252. 254 f. 260.
       264 f. 289. 320. 434 ff.
 Pfalz-Zweibrcken H. 250. 267. 290.
 Pflzischer Kr. 253. 264.
 Pharnabazos 52.
 Pharnaces 109. 116.
 Pharsalus S. 115.
 Pheidon 32.
 Phidias 46.
 Philipp II. v. Mak. 57
   bis 59.
 -- V. 66. 68. 91. 94-96.
 -- v. Schwaben 186.
 -- I. K. v. Fr. 169. 191.
 -- II. 175. 191.
 -- III.-VI. 207.
 -- II. K. v. Sp. 235. 242
   bis 244.
 -- III. u. IV. 244.
 -- v. 272-274.
 -- Hz. v. Burg. 205. 208 f.
 -- v. Hessen 229. 231
   bis 233. 436.
 -- v. Orl. 305. 308. 310.
 -- v. st. 225. 241.
 Philippi S. 119.
 Philippinen 223. 242. 300, 418.
 Phil. Arabs Ks. 133.
 Philokrates F. 58.
 Philopoimen 69.
 Philotas 61.
 Phbidas 55.
 Phoka 14. 28. 32.
 Phokier 31. 44. 48.
 Phokion 63. 67.
 Phniker 13 f. 19. 21. 45. 60.
 Phrygien 15. 54. 60. 63. 65 f.
 Phylen 26. 36.
 Piasten 216.
 Piccolomini 205. 258.
 Pillnitz B. 313.
 Pindar 38. 59.
 Pippin 147. 150. 153 bis 155. 211.
 Pirna Kapit. 285.
 Pisa 171 f. 198. 210.
   Konz. 203.
 Pitt 299 f.
 -- d. j. 300. 320 f.
 Pittakos 38.
 Pius II. P. 205.
 -- VI. 290. 316.
 -- VII. 319. 321. 330 f. 339.
 -- IX. 362. 393.
 -- X. 412.
 Pizarro 223.
 Placidia 138. 141.
 Plantagenet H. 192 f. 211 f.
 Plat 39 f. 48, S. 42.
 Platon 54. 67. 69;
 Plautus 121.
 Plebejer 74. 76-82. 111.
 Plewna Bl. 400.
 Plinius 128. 131.
 Plutarch 131.
 Poitiers S. 150.
 Polen 156. 163 f. 182. 195. 350. 369. 397, Kgr. 216 f. 249 f.
       267-269. 274 bis 277. 294-298. 332. 311. 402. 429 ff.
 Pollentia S. 140.
 Polybios 70. 82. 97.
 Polykrates 6. 36.
 Pombal 303.
 Pommern 179 f. 224. 231. 255. 259 f. 264. 276 f. 286. 327.
       340. 428-433.
 Pompadour 285. 305.
 Pompeji 106. 128.
 Pompejus Cn. 106-108. 110. 113-115.
 -- S. 116. 119.
 Poniatowski 296. 298. 336.
 Pontifices 72. 81. 120.
 Pontus Kgr. 66. 105,
   rm. Prov. 108. 116.
 Porsenna 76.
 Portugal 194. 215. 222. 245. 273. 303. 327. 331. 346. 363. 414.
 Posen 298. 226. 340. 395. 432. 434.
 Poteidaia 33. 48. 57.
 Potemkin 297.
 Prag 158. 162. 199. 203 bis 205. 252 f. 284. 334. 377. 398;
   F. 258. 379. 430;
   Ko. 334. 356, S. 254. 286.
 Pragm. Sanktion 278. 281. 284.
 Prtoren 81. 98. 107.
 Prtorianer 122. 126. 132. 137.
 Praxiteles 69.
 Presbyterianer 246. 249.
 Preburg 266. 281. 377;
   F. 206. 323.
 Preuen 162. 178. 217. 225.
   Hz. 229. 267. 429 f.
 -- Kgr. 267. 276 f. 279 bis 281. 284-291. 296-299. 313 f. 317.
       321. 323-343. 351. 353. 355 f. 359-367. 371-397. 429-434.
 Probus Ks. 134.
 Proskriptionen 106. 118.
 Protestanten 230. 233. 236. 246. 251. 264.
 Provence 143. 156. 191. 196. 209. 307.
 Pruth F. 275.
 Prytanen 36. 52.
 Psametik 6. 33.
 Ptolemer 64. 115 f.
 Ptolemaios 9. 131.
 Pultawa S. 275.
 Pultusk S. 275. 326.
 Pulververschw. 247.
 Panische Kr. 87-94. 97 f.
 Puritaner 246 f.
 Pydna 57, S. 97.
 Pylos 25. 27. 49.
 Pyramiden 4, S. 316.
 Pyrenen 89. 92, F. 262.
 Pyrrhos 85 f.
 Pythagoras 38.


 ~Q.~

 Qustoren 75. 80 f. 106.
 Quatre-Bras S. 342.
 Quebec 238, S. 300.
 Quedlinburg 158. 285. 321. 432.
 Quibron S. 300.
 Quintilian 131.


 ~R.~

 Raab 152 f., S. 329.
 Radagais 140.
 Radetzki 356.
 Raffael 240.
 Raimund v. T. 173. 191.
 Rainald v. Dassel 182 f.
 Ramillies S. 273.
 Rastatt 340. 359, F. 274;
   Ko. 316 f.
 Raucoux S. 284.
 Ravenna 114. 125. 141. 143-145. 151. 163, S. 235.
 Recknitz S. 160.
 Reformation 227-234. 246. 249 f. 429. 436.
 Ref. Kirche 234. 237 f. 260. 430. 433.
 Regensburg 124. 151 f. 154. 174 f. 190. 201. 257. 320. 329. 435;
   W. 204;
   Rchst. 232. 266. 320.
 Regillus S. 77.
 Regulus 87.
 Reichenbach V. 291, 334.
 Reichsdep. H. 320.
 Reichsgericht 394.
 Reichskammergericht 224. 266. 289.
 Reichsstdte 190. 201 f. 224. 266. 320.
 Reims 143. 154. 169. 209, 384. 387.
 Rembrandt 245.
 Renaissance 211.
 Ren v. Anjou 205. 209.
 Rense 202, V. 199.
 Requesens 243.
 Restitutionsedikt 255.
 Reuchlin 226.
 Reunionen 264.
 Reutlingen S. 202.
 Revol., engl. 248 f. 269 f.
 -- frz. 306-313. 348. 354;
 Rheinischer B. 189. 201 f;
 Rheinbund 266. 324. 333. 337
 Rhodus 13. 23. 28. 56 f. 64. 66. 96 f. 109. 124. 178. 219. 230.
 Richard v. Cornw. 189.
 -- Lwenherz 175 f. 193.
 -- II. 212.
 -- III. 214.
 Richelieu 238 f. 256. 258.
 Richmond S. 416 f.
 Ricimer 138.
 Ried V. 336.
 Rienzi 211.
 Rifkabylen 405. 413.
 Riga 217. 275. 332.
 Ritter, athen. 34, rm. 74. 84. 102. 104.
 Ritterorden 178. 194. 215. 217. 320. 429.
 Rittertum 177. 182. 186. 191. 221. 228.
 Robert Guisc. 168.
 -- v. d. Norm. 169. 173.
 Robespierre 309-312.
 Rocroy S. 261.
 Roeskild F. 268.
 Roger 171. 179.
 Roland 152.
 Rom 70-86. 90 f. 94. 96. 100-103. 105 f. 110. 115. 117 f. 120-124.
       127 bis 130. 132. 134-136, im
   Mittelalter 141. 144 f. 150. 153. 155. 160-164. 167. 179. 182 f.
       185. 188. 198 f. 205. 211, in der
   Neuzeit 227. 229. 240 f. 316. 331. 339. 363. 370. 381. 411.
 Romanow H. 251. 269.
 Rmische K. 71-74.
 -- Ks. 121-138.
 Rm. Gerichtswesen 74 f. 107. 117.
 -- Heerwesen 74. 82. 122. 124. 132.
 -- Lit. 121. 122. 131.
 -- Prov. 88. 94. 99. 102. 108. 122. 126. 135. 136.
 -- Recht 78 f. 130. 147. 225.
 -- Rep. 75. 81. 100. 106. 118. 125. 316 f. 363.
 Rosen, Kr. der 212.
 Robach S. 287.
 Rousseau 306.
 Rubens 245.
 Rudolf v. Burg. 157. 164 f.
 -- v. Hahsb. 195 f.
 -- II. Ks. 252 f.
 -- v. Schwaben 166. 167.
 Rgen 215. 263. 276 f. 327. 340. 374. 382.
 Rumnien 129. 139. 367. 399-401. 414.
 Ruprecht v. d. Pfalz 202.
 Rurik H. 170. 216. 250.
 Ruland 170. 195. 216. 250 f. 269. 274-278. 292. 294-298.
       317-320. 323
   bis 325. 331-343. 347 f. 350 f. 357. 361. 365 bis 367.
       375. 399-403. 414
   bis 416. 419-423.
 Ryswijk F. 265. 274.


 ~S.~

 Saarbrcken 383.
 Sabiner 71 f. 77. 85.
 Sachsen 139. 142. 150 bis 153.
 -- Hz. 158-161. 165 bis 168. 180 f. 182-184. 187. 189.
       227. 231. 435. 437.
 -- Kf. 200. 204. 224. 227 f. 232. 250 f. 254-258. 266. 275.
       284-289. 291. 325. 435.
 -- Kgr. 326. 333 f. 336. 340. 350. 360. 376. 379. 391. 435.
 Sachsenspiegel 189.
 Schsische Ks. 158-163.
 -- K. in E. 169 f.
 Sagunt Bl. 89.
 Saladin 175.
 Salamis 34, S. 41. 45.
 Salische Franken 139. 143.
 -- Ks. 164-168.
 Salisches Gesetz 146. 207.
 Salzburg 151. 153. 320. 324. 340. 432.
 Samarkand 172. 218. 369. 401.
 Samniten 70. 82-86. 91. 106.
 Samoa-Inseln 397. 407. 418. 426.
 Samos 20. 28. 33. 36 f. 51.
 Sancho d. Gr. 171.
 S. Germano F. 187.
 St. Gotthard S. 266.
 St. Jakob S. 205.
 S. Stefano F. 400.
 S. Vincent S. 301.
 St. Germain F. 263.
 St. Privat S. 384.
 St. Quentin S. 236. 387.
 Sansibar 407. 425.
 Saragossa 194. 214, Bl. 152. 328.
 Saratoga Kapit. 301.
 Sardes 15. 20. 38. 40. 52.
 Sardinien 14. 88. 122. 210. 274.
 -- Kgr. 277. 313. 315. 317. 339. 345. 356. 362. 366. 369.
 Sasbach S. 263.
 Sassaniden 17. 133. 147.
 Saturninus 104.
 Savonarola 240.
 Savoyen 210. 240. 253. 272. 274. 278. 313. 339. 343. 370.
 Scharnhorst 326.329.334.
 Schiepulver 221.
 Schill 326. 330.
 Schiller 291.
 Schipka-Pa 400.
 Schlesien 182. 199. 202. 224. 255. 257. 280. 284
   bis 289. 325. 334. 376. 432.
 Schlesische Kr. 280. 284. 285.
 Schleswig 158. 165. 255. 276 f. 292, 373.
 -- -Holstein 217. 250. 268. 360 f. 372-374. 379. 433
 Schmalkald. B. 230.
 -- Kr. 232.
 Scholastik 178.
 Schnbrunn 324, V. 323.
 Schonen 201. 215. 268.
 Schottland 142.170. 212 f. 245. 247-249. 270. 299 f.
 Schwaben Hz. 158-160. 164 f. 167. 180. 183. 186. 189. 196. 435.
 Schwab. Bund 206. 226. 231.
 Schwarzenberg, brdb.
   Min. 430.
 Schwarzenberg, str.
   Gen. 332. 334. 337-338.
 -- str. Min. 360.
 Schwarzer Tod 199.
 Schweden 154. 170. 215. 234. 249 f. 256-261. 263. 267 f. 274-277.
       286. 323. 327. 332. 334. 337. 341. 363. 411. 431.
 Schweiz 142. 195. 197. 199. 202. 205. 225. 227. 260. 316 f. 320.
       341. 354. 367. 388. 411.
 Schwerin, Gen. 281. 286.
 Schwiebus 281. 431.
 Scipio 84. 89-91, St. 97.
 -- Afr. 90. 92-94. 96 f. 121.
 -- Aemil. 98. 100 f.
 Sebastian K. v. Port. 245.
 Secessio pl. 77. 79.
 Sedan S. 384.
 Seeneutralitt 297. 319.
 Seeruber Kr. 107 f.
 Seisachtheia 34.
 Seldschuken 173. 174.
 Seleukiden 65.
 Sellasia S. 68.
 Sempach S. 202.
 Sena Gallica 85. S. 93.
 Senat 72. 76. 81. 86 f. 91. 96 f. 101-107. 110 f. 113 f. 117 f.
       122. 125. 130. 135.
 -- frz. 318. 321. 338. 355. 403.
 Seneca 127. 131.
 Seneffe S. 263.
 Sentinum S. 85.
 Septim. Sev. Ks. 132.
 Serbien 148. 172. 218. 347. 399-401. 414.
 Sertorius 107.
 Serv. Tullius 72 f.
 Sebastopol Bl. 366 f.
 Seydlitz 287 f.
 Sforza H. 210. 229. 235.
 Shakespeare 246.
 Siam 368. 404. 409. 420.
 Sibirien 250. 295 f. 402.
 Sicilien 13 f. 31. 41. 50. 67 f. 87;
   rm. Prov. 88. 92. 98. 115. 119. 122;
   im Mittelalter 144. 156. 175;
   in der Neuzeit 305. 324. 363. 370.
 -- Kgr. 171. 186. 190. 211. 274. 279. 342.
 Sickingen 228.
 Siebenbrgen 129. 217. 230. 250. 254. 266. 357.
 Siebenj. Kr. 285-289.
 Sieben Weise 38.
 Sievershausen S. 233.
 Sigismund Ks. 203 f. 217 f. 428.
 -- K. v. Polen 250 f.
 Silvester II. P. 163.
 Simon v. Montfort 191. 193.
 Simonie 166.
 Sirmium 129. 135 f.
 Sixtus V. P. 241.
 Sklavenkr. 100. 107.
 Skopas 69.
 Skythen 10. 15. 18. 20. 61.
 Slaven 15. 139. 142. 152. 156. 170.
 Sluys S. 207.
 Soissons 145. 150. 154. 232. 385, S. 143.
 Sokrates 47. 53. 54.
 Solferino S. 369.
 Soliman 219. 230-232. 251.
 Solon 34 f.
 Soor S. 284. 370.
 Sophisten 47. 50.
 Sophokles 47.
 Sophoniba 93.
 Sorbonne 192.
 Sozialdemokr. 393.
 Spanien 13. 32. 88. 91 bis 93;
   rm. Prov. 94. 98 f. 106. 110. 113. 114. 117. 122 f. 127.
       129. 134. 135;
   im Mittelalter 141 f. 144. 150. 152. 171. 194.
 -- Kgr. 214. 221. 225. 234. 241-245. 254. 261 f. 270. 278.
       299. 303. 314. 315. 327 f. 331. 337. 341. 346. 351.
       363. 413 f.
 Span. Erbf.-Kr. 272-274.
 Sparta 24. 27-33. 37 bis 45. 47-50. 68. 95.
 Spartacus 107.
 Speier 165. 168. 190. 196. 201. 224. 382, Rchst. 229 f.
 Spichern S. 383.
 Spinoza 244.
 Stdtebnde, griech. 28. 33. 43. 45.
 -- deutsche 200-202.
 Stadtlohn S. 254.
 Stanislaus Lesc. 275 f. 279 f.
 -- Poniat. 296. 297.
 Stanley 407.
 Stedinger 188.
 Steiermark 123. 184. 196. 225. 253.
 Stein 328. 337. 364.
 Sten Sture 216.
 Stephan II. P. 150.
 -- Bathory 250.
 Stephan v. Blois 192.
 -- d. Heilige 163. 217.
 Stettin 256. 260. 264. 276 f. 325. 327. 337. 396. 431 f.
 Stilicho 138. 140 f.
 Stockholm 202. 215. 249. 294, F. 277.
 Stssel 423.
 Stoiker 70. 131.
 Strafford 248.
 Stralsund 190. 264. 327. 330. 431, Bl. 255. 276;
   F. 201.
 Straburg 150. 155. 190, 201. 231 f. 252. 260;
   an Frankr. 264. 343. 353;
   wied. deutsch 385. 438.
 Strelitzen 269.
 Struensee 292.
 Stuart H. 212. 245. 246 f. 270. 299.
 Sdamer. Rep. 346. 417.
 Sueben 111. 124. 138 f. 141. 145.
 Suez-Kanal 406. 409.
 Suger 191.
 Sulla 103-107.
 Sully 238.
 Sulpicius 105.
 Sundzoll 250. 277. 368.
 Susa 7 f. 10. 19 f. 45. 56. 60.
 Sutri 165.
 Suworow 297. 317 f.
 Syagrius 143.
 Sybaris 32. 37. 46.
 Sybota S. 47.
 Sykophanten 54.
 Syphax 91. 93.
 Syrakus 31. 37. 50. 67 f. 86 f. 92. 120.
 Syrien 5. 8-10. 65. 95. 97;
   rm. Prov. 108. 113. 118 f. 122 f. 125. 129. 132 f.;
   im Mittelalter 149. 172. 219;
   in der Neuzeit 317. 353.
 Syrischer Kr. 95.
 Szigeth 250.


 ~T.~

 Taboriten 205.
 Tacitus 128. 131 f., Ks. 134.
 Tagliacozzo S. 190.
 Talavera S. 328.
 Talbot 209.
 Talleyrand 318. 338. 340.
 Tanagra S. 44.
 Tankred 165. 173.
 -- v. Lecce 185.
 Tannenberg S. 217.
 Tarent 31. 66. 85 f. 92.
 Targowitz 298.
 Tarquinius 72 f. 75 f.
 Tassilo 152.
 Tasso 241.
 Tauroggen V. 333.
 Telegraph 344.
 Teil 197.
 Tempelherren 178. 207.
 Terentius 121.
 -- Varro 90. 114. 121.
 Teschen 281, F. 290.
 Testakte 270 f. 348.
 Testri S. 147.
 Teutob. Wald S. 124.
 Teutonen 103 f.
 Thales 15. 38.
 Thapsus S. 116.
 Theagenes 33.
 Theben 3-5. 25. 26. 38. 40. 42. 48. 53-59. 67.
 Themistokles 39-43.
 Theoderich d. Gr. 143.
 Theodosius Ks. 137. 140.
 Theophano 162 f.
 Theramenes 51. 53.
 Thermopyl 58, S. 40. 67. 95.
 Theron 37. 41.
 Theseus 25 f.
 Thessalien 27. 31. 40. 48. 55. 56. 68 f. 95. 115. 401.
 Thessalonike 64. 98. 115. 137.
 Thiers 353. 364. 385 f. 390.
 Thomas v. Aquino 178.
 -- Becket 192.
 Thomasius 267.
 Thorn 200. 227, F. 217.
 Thrakien 20. 38. 45. 49. 52. 55. 57. 63. 95;
   rm. Prov. 126. 140.
 Thrasybulos 52. 54.
 Thukydides 46 f. 49.
 Thurii 46. 66. 85.
 Thringen 139. 145. 151. 158. 188. 233. 257. 286. 321.
       325. 435. 436. 438.
 Thurn 253.
 Tiberius Ks. 123-126.
 Tibet 409.
 Ticinus S. 90.
 Tigranes 65. 108. 123.
 Tilly 254-257.
 Tilsit F. 326.
 Timoleon 67.
 Timur 218 f.
 Tirol 196. 198. 200. 225. 273. 315. 329. 340.
 Tissaphernes 51. 54.
 Titus Ks. 128 f.
 Tizian 241.
 Togo 408. 423. 426.
 Tkly 266.
 Tolentino F. 315.
 Tolosa 141. S. 194.
 Tonking 404.
 Torgau 337, S. 232. 288.
 Tories 271. 299.
 Torstenson 259.
 Toskana (Tuscien) 166. 179. 210. 240. 279. 304. 317.
       319. 341. 362. 370.
 Totila 144 f.
 Toulouse 141. 173. 191;
   S. 339.
 Tours 154. 385, S. 150.
 Trafalgar S. 323.
 Trajan Ks. 129 f.
 Transvaal 406. 407 f.
 Trapezunt 31. 176.
 Trasim. See S. 90.
 Trautenau S. 376.
 Travendal F. 275.
 Trebia S. 90. 317.
 Trelleborg 411.
 Treuga Dei 169;
 Tribunat 77-79. 101 f. 104-106. 117.
 -- in Fr. 318. 321.
 Tribur 157. 164.
 Tribus 75. 77.
 Trident. Konz. 232 f.
 Trier 135. 150. 382, Erzb. 189. 196, Kf. 200. 224. 228. 264. 320.
 Trierarchie 39.
 Trifanum S. 83.
 Trifels 176. 182.
 Triumvirat 111. 118.
 Troja 23. 27.
 Troppau 281, Ko. 345.
 Troubadours 191.
 Tschesme S. 296.
 Tschingis Khan 194.
 Tudor H. 214. 245, St. 246.
 Tunis 88. 177. 231. 404.
 Turenne 259. 261-263.
 Turgot 307.
 Turin 317. 339, S. 136. 273.
 Trken, Trkei 172. 219 f. 230. 232. 240. 251. 275. 317.
       320. 347. 365-367. 400. 415 f.
 Trkenkr., sterr. 230. 251. 266. 278. 297.
 -- russ. 275. 295. 296. 332. 347. 365. 399 f.
 -- venetian. 219. 240. 304.
 Tyrannis 29. 32 f. 36-37. 67.
 Tyrtaios 32. 37.
 Tyrus 9-11. 13 f. 60. 95. 174. 177.


 ~U.~

 Uganda 407. 425.
 Ulfila 140.
 Ulm 164. 188. 190. 201 f. 232. 340, Kapit. 323.
 Ulpianus 133.
 Ulrich v. Wrt. 202. 231.
 Ungarn 157-160, Kgr. 163-165. 173. 175. 195. 203. 205. 217.
       225. 230 f. 253. 255. 266. 291. 329. 357 f. 397 f.
 Union, deutsche 359.
 -- ev. 345. 433.
 -- prot. 252. 254.
 Unstrut S. 158. 166.
 Urban II. P. 167. 173.
 Utica 13. 98. 116.
 Utraquisten 204 f.
 Utrecht 165. 243, F. 274.


 ~V.~

 Vadimon. See S. 84.
 Valens Ks. 137. 140.
 Valentinian Ks. 137 f.
 Valerius Corvus 82.
 -- Poplicola 75.
 Valmy S. 313.
 Valois H. 207.
 Vandalen 139. 141-144.
 Varna 366, S. 218 f.
 Varus 124.
 Vasallen 146. 161. 169. 191.
 Vasco de Gama 222.
 Vatikan. Konz. 381.
 Veii 72. 80.
 Vende 310.
 Venedig 142. 175-176. 179 f. 184. 210. 219. 235. 239. 266.
       304. 315 f. 323. 340. 356. 379.
 Vercellae S. 104.
 Vercingetorix 112 f.
 Verden 152 f. 255. 260. 277 f.
 Verdun 156. 233. 236. 260. 313. 383. 385, V. 155.
 Verein. Staaten 301 f. 331. 346. 370. 407 f. 416 bis 419.
       420 f. 426.
 Vergilius 122.
 Virginia 79.
 Verona 144. 162. 182. 304. 369, Ko. 345.
 Versailles 265. 285. 307. 389-392, F. 301.
 Vesontio S. 111.
 Vespasian Ks. 128.
 Vesuv 128. 412, S. 83. 144.
 Via Aemilia 94.
 -- Appia 84. 86. 113.
 Vienne 208, Konz. 168. 178.
 Viktor Eman. 339. 356. 366. 369 f. 379. 411 f.
 Viktoria K. v. E. 353. 406
   bis 409.
 Vilagos Kapit. 358.
 Villars 274.
 Vionville S. 383.
 Viriathus 100.
 Visconti H. 203. 210.
 Vitalienbrder 215.
 Vitellius Ks. 127.
 Vittoria S. 337.
 Vlkerw. 137. 140-145.
 Volsker 70. 77 f. 80.
 Voltaire 285. 306.
 Vorbehalt, geistl. 234, 252. 255.
 Vossem F. 263.
 Voullon S. 143.


 ~W.~

 Wachau S. 336.
 Wagram S. 329.
 Wahlstatt S. 195. 335.
 Wajirawudh 420.
 Walachei 219. 278 f. 296. 346. 366 f.
 Waldemar II. K. v. Dn. 187. 215.
 -- IV. 201. 215.
 -- v. Br. 199. 427.
 Waldenser 191.
 Waldersee 421.
 Waldsttte 197.
 Wales 142.
 Wallia 141.
 Wallenstein 255-258. 437.
 Walpole 299.
 Walther v. d. V. 186.
 Warschau 275. 298. 350. 360, S. 267. 430.
 -- Hz. 327. 330 f. 341.
 Wartburg 186. 188. 190. 228. 345.
 Wartenburg S. 336.
 Warwick 214, 246.
 Wasa H. 249 f. 267.
 Washington 301 f. 321. 416, V. 418.
 Waterloo S. 342.
 Wat Tyler 212.
 Watt 344.
 Wehlau V. 267. 431.
 Weimar 233. 257. 291. 325. 437.
 Weinsberg S. 180.
 Weienburg S. 314. 383.
 Weier Berg S. 254;
 Welfen 154. 157. 166. 179-180. 182 f. 189. 266. 437, St. 181.
 Welfesholz S. 168.
 Wellington 328. 331. 337. 339. 342. 348.
 Wenden 152. 158. 160. 162. 180.
 Wenzel Ks. 202.
 Werder 383. 385. 387 f.
 Westfalen 151. 184. 189. 224. 254. 287. 340. 433;
   Kgr. 326 f. 336.
 Westfl. F. 260. 273.
 Westgoten 139-142. 143 f. 149.
 Westrm. Reich 138. 141. 143.
 Wettin H. 164. 179 f. 189. 204. 227. 233. 435. 437;
   St. 227.
 Wetzlar 224. 289. 320.
 Whigs 271. 273. 298.
 Widukind 152. 168.
 Wiedertufer 229. 231.
 Wien 124. 131. 196. 205. 253. 259. 266. 292. 323. 329. 355 f.;
   Bl. 230. 266;
   F. 279. 330. 374. 379 f.;
   Ko. 340, V. 290.
 Wikinger 156. 170 f.
 Wilhelm I. K. v. E. 170. 192.
 -- II. 192.
 -- III. 263. 265. 271 f.
 -- IV. 348. 351.
 -- v. Holland 189.
 -- v. Oranien 243 f.
 -- K. d. Niederl. 340. 410.
 -- I. K. v. Pr. 355. 359. 367. 371. 376. 381. 384.
   Deutscher Ks. 390 bis 395. 433 f.
 -- II. 396. 434.
 -- v. Schaumburg 303. 438.
 Willigis 168.
 Wimpfen S. 254.
 Winfried 151.
 Winkelried 202.
 Winrich v. Kniprode 217.
 Wisby 200 f.
 Wismar 260. 277.
 Wimann 425.
 Witboi 424 f.
 Wittelsbach H. 184. 186. 189. 252. 260. 289 f. 434 f.
 Wittenberg 227 f. 232 f. 337
 Wittstock S. 258.
 Witu 407. 425.
 Wladimir 170. 216.
 Wladislav 183. 206. 216. 218. 250.
 Worringen S. 190.
 Worms 151. 154 f. 164. 166. 190. 259. 265;
   Konk. 168;
   Rchst. 161. 187. 224. 228;
   S. 202.
 Wrth S. 383.
 Wrangel 259. 356. 361.
 Wrede 336 f.
 Wullenwever 250.
 Wrttemberg 196. 201 f. 206. 231 f. 321;
   Kgr. 323 f. 337. 341. 360. 375. 378. 382. 391. 435 f.
 Wrzburg 151. 190. 257. 324. 378;
   Rchst. 182. 185.
 Wycliffe 203. 212.


 ~X.~

 Xanten 124, V. 252. 430.
 Xanthippos 39. 42 f.
 Xenophon 54. 70.
 Xeres de la Fr. S. 149.
 Xerxes 20. 40 f.
 Ximenez 241.


 ~Y.~

 York Gen. 332 f. 334 bis 336.
 -- H. 212-214.
 Hz. 212. 271. 318.
 Yorktown Kapit. 301.
 Ypsilanti 346.


 ~Z.~

 Zhringen H. 166. 196. 436.
 Zama S. 93.
 Zapolya 230.
 Zela S. 116.
 Zeno Ks. 138. 143.
 Zenobia 134.
 Zenta S. 266.
 Zeven V. 286.
 Ziska 205.
 Zollverein 351. 361. 380.
 Zorndorf S. 287.
 Zriny 251.
 Zlpich S. 143.
 Znfte 201. 208. 210. 306.
 Zrich 165. 199. 205. 227. 230,
   F. 369,
   S. 317.
 Zwingli 227. 230.
 Zwlf Tafeln 78. 120.




Anmerkungen zur Transkription


Die folgenden gedruckten Berichtigungen sind in den Text eingeflossen:

~Berichtigungen:~

 Seite 16, Zeile 16 von oben lies: +Agni+.

    "  17,   "    4  "    "    "   Makedonier.

    "  17,   "   18  "    "    "   Hinterindien.

    "  33,   "   18  "    "    "   +Mytilene+.

    "  36,   "    7  "    "    "   Soloi.

    "  53,   "   13  "    "    "   ~Aigospotamoi.~

    " 173,   "   10  "  unten  "   +Bomund+.

    " 283. Der jngste Sohn des Kronprinzenpaares heit Friedrich.

Die folgenden angenommenen Fehler wurden ebenfalls korrigiert:

S. 19 "su stellen" gendert zu "zu stellen"

S. 44 "Boter" gendert zu "Boter"

S. 59 "Im folgt" gendert zu "Ihm folgt"

S. 81 "s. S. 96)." gendert zu "s. S. 96."

S. 100 "Mutter-+Cornelia+" gendert zu "Mutter +Cornelia+"

S. 118 "Pausa" gendert zu "Pansa"

S. 121 "+Origenes+" gendert zu "+Origines+"

S. 123 "Serviltus" gendert zu "Servilius"

S. 123 "ermordert" gendert zu "ermordet"

S. 135 "(York)" gendert zu "(York))"

S. 141 "Haupstadt" gendert zu "Hauptstadt"

S. 147 "Sohn Sohn ~Karl Martel~" gendert zu "Sein Sohn ~Karl Martel~"

S. 179 "(Altmark)." gendert zu "(Altmark))."

S. 196, 315 "Osterreich" gendert zu "sterreich"

S. 199 "auf der Brenjagd" gendert zu "(auf der Brenjagd"

S. 207 "(1309-1377)" gendert zu "(1309-1377))"

S. 219 "Skanderbeg)" gendert zu "(Skanderbeg)"

S. 220 "Hausmeiertum" gendert zu "Hausmeistertum"

S. 224 "eingerichtet" gendert zu "eingerichtet)"

S. 235 "Heinrich IV" gendert zu "Heinrich IV."

S. 244 "wiederhergellt" gendert zu "wiederhergestellt"

S. 247 "rigths" gendert zu "Right"

S. 270 "Reiche England," gendert zu "Reiche (England,"

S. 299 "s. S. 286)" gendert zu "(s. S. 286)"

S. 302 "Johnsen" gendert zu "Johnson"

S. 311 "in Lyon" gendert zu "in Lyon)"

S. 319 "Agypten" gendert zu "gypten"

S. 323 "Erzherog" gendert zu "Erzherzog"

S. 324 "vom +Stein+" gendert zu "vom +Stein+)"

S. 331 "die Absetung" gendert zu "die Absetzung"

S. 392 "+v. Wedel+" gendert zu "+v. Wedel+)"

S. 406 "+Kapkolonie+[60]) auswanderten" gendert zu "+Kapkolonie+[60]
auswanderten"

S. 430 "perpetuns" gendert zu "perpetuus"

S. 437 "+Ernst II+" gendert zu "+Ernst II.+"

S. 439 "Abbasiden" gendert zu "Abbassiden"

S. 439 "Fr.. K. v. Schw." gendert zu "Fr. K. v. Schw."

S. 440 "Alkuin" gendert zu "Alcuin" und in alphabetischer Reihenfolge
geordnet

S. 440 "Amphiktionen" gendert zu "Amphiktyonien"

S. 440 "Aristarch" gendert zu "Aristarchos"

S. 442 "Cisalpin Rep." gendert zu "Cisalpin. Rep."

S. 442 "Corpus juris" gendert zu "Corpus iuris"

S. 443 "Dejotarus 66. 109." gendert zu "Deiotarus 109. 116. 117."

S. 443 "Deutschbrod" gendert zu "Deutsch-Brod"

S. 443 "Dionys" gendert zu "Dionysios"

S. 443 "Doggersbank" gendert zu "Doggerbank"

S. 445 "Grogrschen" gendert zu "Gro-Grschen"

S. 446 "Hermann Balke" gendert zu "Hermann Balk"

S. 446 "Histios" gendert zu "Histiaios"

S. 446 "Hchstedt" gendert zu "Hchstdt"

S. 447 "Juba" gendert zu "Iuba" und in alphabetischer Reihenfolge
geordnet

S. 447 "Kongfutse" gendert zu "Kong-fu-tse"

S. 448 "Kosciusko" gendert zu "Kosciusko"

S. 449 "Lneville" gendert zu "Lunville"

S. 449 "Lykurg" gendert zu "Lykurgos"

S. 449 "Malaka" gendert zu "Malakka"

S. 450 "Mesolongi" gendert zu "Missolunghi"

S. 450 "Mingdynastie" gendert zu "Ming-Dynastie"

S. 450 "Minorka" gendert zu "Menorka" und in alphabetischer
Reihenfolge geordnet

S. 450 "Mohacs" gendert zu "Mohacz"

S. 450 "Myl" gendert zu "Mylae"

S. 451 "Oenophyta" gendert zu "Oinophyta" und in alphabetischer
Reihenfolge geordnet

S. 451 "Paskiewitsch" gendert zu "Paskjewitsch"

S. 452 "Petrejus" gendert zu "Petreius"

S. 452 "Philopmen" gendert zu "Philopoimen"

S. 452 "Psammetik" gendert zu "Psametik"

S. 455 "Veji" gendert zu "Veii"

S. 455 "Vercell" gendert zu "Vercellae"

S. 455 "Verginia" gendert zu "Virginia"

S. 455 "Via Aemilla" gendert zu "Via Aemilia"


Seitenfllende Familienstammbume wurden neben den von ihnen
illustrierten Text bewegt und stimmen eventuell nicht mit den
originalen Seitenzahlen berein.

Die Scans von S. 171, 173, 265, 282, 283 und 355 waren zum Teil
unleserlich, und wurden unter Bezugnahme auf die Ausgabe von 1910
korrigiert. Die Worte "fast 6" auf p. 355 sind Vermutungen.

Das erste Datum auf jeder Seite des Abschnitts "Alten Geschichte"
enthlt "vor Chr." oder "nach Chr."; alle auer die erste Anmerkung
wurden entfernt.

Diakritische Zeichen werden hufig nur benutzt wenn das Wort in fett
oder kursiv hervorgehoben wird und werden regelmig im Register
weggelassen. Registereintrge wurden ansonsten gendert, um dem
Text zu entsprechen. Interpunktion im Register wurde ohne Kommentar
regularisiert. Andere Unregelmssigkeiten in der Rechtschreibung und
Silbentrennung wurden beibehalten.






End of the Project Gutenberg EBook of Auszug aus der Alten, Mittleren und
Neueren Geschichte, by Karl Ploetz and Max Hoffmann and Friedrich Khler

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AUSZUG AUS DER ALTEN ***

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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
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opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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