The Project Gutenberg EBook of Gauss, by Friedrich August Theodor Winnecke

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Gauss
       Ein Umriss seines Lebens und Wirkens

Author: Friedrich August Theodor Winnecke

Release Date: May 20, 2013 [EBook #42745]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GAUSS ***




Produced by Peter Becker, UB Braunschweig and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net





  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Kursiver Text ist als _kursiv_ markiert, gesperrter Text als     |
  | =gesperrt=.                                                      |
  |                                                                  |
  | Der Name Gau ist auch als GAUSS in Grossbuchstaben geschrieben. |
  |                                                                  |
  | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn sie mehrfach verwendet   |
  | wurden, oder beide Schreibweisen gebruchlich waren:             |
  |                                                                  |
  | hannoversche -- hannversche                                     |
  | Euklid -- euclidischen                                           |
  |                                                                  |
  | Im Text wurden folgende nderungen vorgenommen:                  |
  |                                                                  |
  | S.  5 "Verhltnie" in "Verhltnisse" gendert.                  |
  | S.  6 "Gedchtnie" in "Gedchtnisse" gendert.                  |
  | S.  6 "Zahlenverhltnien" in "Zahlenverhltnissen" gendert.    |
  | S. 14 "vergrssert" in "vergrert" gendert.                    |
  | S. 17 "Maasse" in "Maae" gendert.                              |
  | S. 19 "Anschlue" in "Anschlusse" gendert.                      |
  | S. 19 "Verhltnie" in "Verhltnisse" gendert.                  |
  | S. 26 "Beel" in "Bessel" gendert.                              |
  | S. 29 "elektromagnetichen" in "elektromagnetischen" gendert.    |
  | S. 29 "Gttigen" in "Gttingen" gendert.                        |
  +------------------------------------------------------------------+




[Illustration]




                                =GAUSS=.

                              =EIN UMRISS=
                                 SEINES
                           LEBENS UND WIRKENS

                                  VON

                        F. A. T. =WINNECKE=.

                              FESTSCHRIFT
                                  ZU
                   GAUSS' HUNDERTJHRIGEM GEBURTSTAGE

                                  AM

                            30. APRIL 1877,

                            =HERAUSGEGEBEN=
                               DURCH DEN

                       VEREIN FR NATURWISSENSCHAFT
                                  ZU
                              BRAUNSCHWEIG.

                       MIT EINEM BILDNISSE GAUSS'.

                              BRAUNSCHWEIG,
            DRUCK UND VERLAG VON FRIEDRICH VIEWEG UND SOHN,
                                =1877=.




  Die Herausgabe einer Uebersetzung in franzsischer und englischer
    Sprache, sowie in anderen modernen Sprachen wird vorbehalten.




Am 30. April 1777 erblickte zu Braunschweig in einem unscheinbaren Hause
auf dem Wendengraben CARL FRIEDRICH GAUSS das Licht der Welt. Eine
Gedenktafel an jenem Hause erinnert seit zwei Jahrzehnten den
Vorbergehenden daran. Wenige jedoch werden wissen, mit wie makellosem
Lichte der Stern leuchtete, welcher an jenem Tage am geistigen
Firmamente der Menschheit aufging, wie viele in tiefer Nacht verborgene
Schtze des Geistes durch seinen hellen Schein uns offenbar wurden, ja
wie wir alle -- nicht blo die Mnner der Wissenschaft -- noch tglich
den Einflu seiner belebenden Strahlen empfinden.

Die ueren Verhltnisse, unter denen =Gau= aufwuchs, waren keineswegs
gnstig fr die Entwickelung der hohen Begabung, welche der Knabe schon
in sehr zartem Lebensalter zeigte. Der Vater, =Gerhard Diederich Gau=,
geb. 1744, war ein Handwerker, der vielerlei Geschfte betrieb, und
zuletzt, bis an seinen 1808 erfolgten Tod, sich mit Grtnerei
beschftigte. Aus seiner ersten Ehe besa er einen 1768 geborenen Sohn
=Georg= (gestorben zu Braunschweig am 7. August 1854), als er sich im
Jahre 1776 mit =Dorothea Benze= (geb. 1742) verheirathete. =Carl
Friedrich Gau= war das einzige Kind dieser Ehe. =Dorothea Benze=
stammte aus dem fnf Meilen von Braunschweig gelegenen Dorfe Velpke,
woselbst ihr Vater, =Christoph=, Steinhauer war. Sie erreichte das hohe
Alter von 97 Jahren und verbrachte die letzten 22 Jahre ihres Lebens
unter treuer Pflege auf der Gttinger Sternwarte bei ihrem groen Sohne,
dem Stolze ihres Alters, der in inniger Liebe an ihr hing. Zwischen
Vater und Sohn scheint kein engeres Verhltni bestanden zu haben; der
Vater, ein vollkommen achtungswerther Mann, war in seiner Huslichkeit
herrisch, oft rauh und unfein. Hieraus ist jedoch niemals das leiseste
Miverhltni entstanden, da der Sohn, in Folge seiner hervorragenden
Begabung, schon frh vom Vater ganz unabhngig wurde.

Sehr interessant sind einzelne Zge aus der Kindheit von =Gau=, wie er
sie treu im Gedchtnisse behalten hatte und in spteren Lebensjahren im
engsten Freundeskreise gelegentlich mittheilte, in lebendiger
gemthlicher Erzhlungsweise, worin bei etwaiger Wiederholung nie die
geringste Abweichung vorkam. =Sartorius von Waltershausen= hat bald nach
dem Ableben des groen Mannes manches dahin Gehrige gesammelt und in
dankenswerther Weise =Gau= zum Gedchtni verffentlicht.

Mge es gestattet sein, ihm Einiges nach zu erzhlen. =Gau= erlernte
das Lesen ohne Unterricht, indem er den Einen und den Andern der
Hausbewohner um die Bedeutung der Buchstaben bat; er zeigte einen so
bewunderungswrdigen Sinn fr die Auffassung von Zahlenverhltnissen und
eine so unglaubliche Leichtigkeit und Sicherheit im Kopfrechnen, da er
dadurch sehr bald die Aufmerksamkeit seiner Eltern erregte. Er selbst
pflegte oft scherzweise zu sagen, er habe frher rechnen als sprechen
knnen. Bei Gelegenheit einer Wochenabrechnung, die sein Vater mit den
Gesellen und Tagelhnern abhielt, bemerkte der unbeachtet zuhrende,
kaum dreijhrige Knabe, da sein Vater sich verrechnet hatte und im
Begriffe stand, falsche Summen auszuzahlen, und rief: Vater, die
Rechnung ist falsch, es macht soviel. Zum Erstaunen aller Anwesenden
zeigte es sich bei sorgsamer Neuberechnung, da die von dem Kinde
angegebene Summe die richtige war.

Erst 1784, als =Gau= schon sein siebentes Lebensjahr zurckgelegt
hatte, wurde er zum Unterricht in die Catharinen-Volksschule geschickt.
Hier wurde er zwei Jahre lang durch =Bttner= im Lesen und Schreiben
unterrichtet, ohne sich merklich vor seinen Mitschlern auszuzeichnen.
Nach Verlauf von zwei Jahren kam er in die Rechenclasse und hier zog
=Gau= sehr bald die Aufmerksamkeit von =Bttner= auf sich. Es war
nmlich eingefhrt, da der Schler, welcher zuerst sein Rechenexempel
beendigt hatte, die Tafel in die Mitte eines groen Tisches legte; ber
diese legte der Zweite seine Tafel u. s. w. Der kleine =Gau= war kaum
in die Rechenclasse eingetreten, als =Bttner= eine Aufgabe dictirte,
welche in die Sprache der Algebra bersetzt nichts Anderes war, als die
Summation einer arithmetischen Reihe, fr deren Ausfhrung die
Arithmetik eine sehr einfache, rasch zum Ziel fhrende Weise lehrt.
=Bttner= hatte die Aufgabe kaum ausgesprochen, als =Gau= die Tafel mit
den im Braunschweiger Platt gesprochenen Worten auf den Tisch wirft:
Ligget se' (da liegt sie). Whrend die anderen Schler emsig weiter
rechnen, geht =Bttner= auf und ab, die Karwatsche in der Hand, und
wirft von Zeit zu Zeit einen mitleidigen Blick auf den kleinen =Gau=,
der so rasch seine Aufgabe beendigt hatte. Dieser sa dagegen ruhig,
schon eben so sehr von dem festen unerschtterlichen Bewutsein
durchdrungen, welches ihn bis zum Ende seiner Tage bei jeder vollendeten
Arbeit erfllte, da seine Aufgabe richtig gelst sei und da das
Resultat kein anderes sein knne. Am Ende der Stunde wurden darauf die
Rechentafeln umgekehrt; die von =Gau= mit einer einzigen Zahl lag oben;
sie gab die richtige Lsung, whrend viele der brigen falsch waren und
alsbald mit der Karwatsche rectificirt wurden. =Bttner= verschrieb
hierauf eigens aus Hamburg ein neues Rechenbuch, um damit den jungen
aufstrebenden Geist nach Krften zu untersttzen.

=Bttner's= Gehlfe war in jenen Jahren ein junger =Bartels=, ebenfalls
Braunschweiger von Geburt. Dieser, damals 18 Jahre alt, betrieb eifrig
mathematische Studien und zog den kleinen =Gau= zu sich heran; er
schaffte die nothwendigen Bcher herbei und machte =Gau=, nach
Bewltigung der elementaren Dinge, schon damals mit der Lehre von den
unendlichen Reihen bekannt und fhrte ihn in das Gebiet der Analysis
ein. Diese gemeinschaftlichen mathematischen Studien wurden fr Beider
Lebensrichtung bestimmend.

=Bartels= ging, nachdem er von 1788 an auf dem Collegium Carolinum
studirt hatte, als Lehrer der Mathematik nach Reichenau in Graubnden;
spter kam er als Professor der Mathematik an die Universitt in Kasan
und wurde schlielich nach Dorpat berufen, woselbst er im Jahre 1836
verstarb. Seine Tochter verheirathete sich mit dem berhmten Astronomen
=Struve=.

Auch =Gau= verlie im Jahre 1788 die Volksschule, um das Gymnasium zu
besuchen, womit sein Vater wenig einverstanden war. Da er schon vorher
mit Hlfe seiner lteren Freunde sich in den Anfngen der classischen
Sprachen ausgebildet hatte, so wurde er, seiner vorgerckten Kenntnisse
halber, gleich in die zweite Classe aufgenommen. Mit unglaublicher
Schnelligkeit bemchtigte er sich hier der alten Sprachen und wurde zwei
Jahre spter nach Prima versetzt.

Inzwischen waren, hauptschlich durch =Bartels=, hochstehende Personen
in Braunschweig, unter denen namentlich der Geheime-Etatsrath
=von Zimmermann= genannt zu werden verdient, auf die ungewhnliche
Befhigung des jungen =Gau= aufmerksam geworden; sie veranlaten, da
derselbe im Jahre 1791 dem Herzoge =Carl Wilhelm Ferdinand=
vorgestellt wurde. Der hohe Frst gewhrte, in Folge dieser
Vorstellung, die Mittel zur weitern Ausbildung des vielversprechenden
Jnglings.

Vom Herzoge untersttzt bezog =Gau= im Jahre 1792 das Collegium
Carolinum. Dort erlernte er die neueren Sprachen und vertiefte seine
Kenntnisse der alten. Es beschftigten ihn auch in jener Zeit
tiefgehende eigene mathematische Studien; denn schon wenige Jahre spter
war er im Besitze von mathematischen Wahrheiten, die, falls schon damals
verffentlicht, den jungen, noch nicht zwanzigjhrigen Mann sofort den
ersten Mnnern der Wissenschaft zur Seite gestellt haben wrden.

Als =Gau= im Herbst 1795 das Collegium Carolinum verlie, um die
Universitt Gttingen zu beziehen, war er sich jedoch noch keineswegs
klar darber geworden, ob er der Philologie oder der Mathematik sein
Leben widmen solle. Mit Interesse besuchte er die philologischen
Vortrge bei =Heyne=, whrend ihn die mathematischen Vorlesungen des
damals so berhmten =Kstner= wenig anzogen. =Kstner= hatte, uerte
=Gau= in seinen spteren Jahren, einen ganz eminenten Mutterwitz, aber,
sonderbar genug, er hatte ihn bei allen Gegenstnden =auerhalb= der
Mathematik; er hatte ihn sogar, wenn er ber Mathematik (im Allgemeinen)
sprach, aber er wurde oft ganz davon verlassen =innerhalb= der
Mathematik. Es lieen sich davon die lcherlichsten Beispiele anfhren.

Whrend also scheinbar sich =Gau= in Gttingen den classischen Studien
zuwandte, war er in Wirklichkeit mit den tiefsten mathematischen Studien
beschftigt, wie daraus hervorgeht, da er am 30. Mrz 1796 (nach seiner
handschriftlichen Notiz) entdeckte, da ein 17-Eck in einem Kreise
geometrisch construirbar sei. Seit =Euklid's= Zeiten kannte man die
geometrische Theilbarkeit des Kreises in drei und fnf Theile und die
daraus ohne Weiteres abzuleitenden Constructionen des 6-Ecks, 10-Ecks
u. s. w. Aber obgleich gerade mit diesem Theile der Mathematik sich ein
jeder Geometer beschftigt, so war es gewissermaaen ein Dogma geworden,
da auer den erwhnten Constructionen keine anderen geometrisch
ausgefhrt werden knnten. Was seit zwei Jahrtausenden dem Blicke der
grten Mathematiker entgangen war, der Scharfsinn des jungen, noch
nicht 19jhrigen =Gau= fand es heraus. Diese Entdeckung, welche er
selbst in seinem sptern Leben sehr hoch stellte, bestimmte ihn, sich
fortan gnzlich dem Studium der Mathematik zu widmen; sie ist jedoch nur
ein specieller Fall der wenige Jahre spter von ihm in seinem ersten
grern Werke, den unsterblichen Disquisitiones arithmeticae,
gegebenen Theorie der Kreistheilung.

Da bei der Erfllung des Gemthes mit so tiefsinnigen Forschungen
=Gau= dem gewhnlichen studentischen Treiben fern blieb, ist
selbstverstndlich; er scheint in jener Zeit nur einen sehr beschrnkten
Verkehr mit wenigen Freunden gehabt zu haben, unter denen zwei, ein
junger J. J. A. =Ide=, ebenfalls ein Braunschweiger, und W. =Bolyai= aus
Maros Vsrhely in Siebenbrgen, ebenfalls als Mathematiker bekannt
geworden sind. Ide (geb. 1775) wurde im Jahre 1803 als Professor der
Mathematik an die Universitt in Moskau berufen, woselbst er jedoch
schon 1806 verstarb. =Bolyai= war ebenfalls etwas lter als =Gau=, der
von ihm geuert haben soll, =Bolyai= sei der Einzige gewesen, der in
seine metaphysischen Ansichten ber Mathematik einzugehen verstanden
habe.

=Gau= beschftigte sich schon seit seinem 16. Jahre mit mathematischen
Untersuchungen tiefsinnigster Art, welche an die Erfolglosigkeit aller
Bemhungen anknpften, einen Beweis zu finden fr das eilfte Euclidische
Axiom: zwei Gerade, welche von einer dritten so geschnitten werden, da
die beiden inneren an einerlei Seite liegenden Winkel zusammen kleiner
als zwei Rechte sind, schneiden sich hinreichend verlngert an eben
dieser Seite, worauf sich die gewhnliche euclidische Geometrie
aufbaut, welche man bis in dieses Jahrhundert hinein fr die einzig
mgliche Form der Raumwissenschaft gehalten hat. Indem =Gau= die
Voraussetzung weiter verfolgte, da das euclidische Axiom =nicht= wahr
sei, erhielt er in consequenter Verfolgung dieser Voraussetzung eine
ebenfalls in sich ganz widerspruchsfreie Geometrie, welche er die nicht
euclidische nannte, deren Ergebnisse jedoch nur scheinbar als paradox
erscheinen, weil wir frhzeitig gewhnt werden, die Euclidische
Geometrie fr =streng wahr= zu halten. Leider sind jedoch nur
Andeutungen ber die hierauf bezglichen Untersuchungen erhalten.
Vielleicht finden wir Bruchstcke der Speculationen, wie sie =Bolyai=
und =Gau= in dieser Richtung whrend ihrer Universittszeit verfolgten,
in des Erstern Schriften, welche die Grundlagen zur Wissenschaft von der
absoluten Raumlehre (im Gegensatz zur euclidischen) enthalten, und die
erst in neuerer Zeit die verdiente Beachtung gefunden haben.

Eine andere wichtige Entdeckung datirt ebenfalls wahrscheinlich schon
vor seinem Studienaufenthalte in Gttingen. In einer seiner Schriften
giebt =Gau= an, da er seit dem Jahre 1795 an im Besitz der Methode der
kleinsten Quadrate gewesen sei, ein Princip zur consequenten Ableitung
der wahrscheinlichsten Resultate einer Beobachtungsreihe, dessen
Anwendung auf die Beobachtungswissenschaften von der allerhchsten
Bedeutung geworden ist. In einem Briefe an den Astronomen =Schumacher=
sagt =Gau=, da er diese Methode seit dem Jahre 1794 vielfach gebraucht
habe. Jedenfalls war er schon sehr frh in dem Besitze der unschtzbaren
Rechnungsweise, Gren, die zufllige Fehler involviren, auf eine
willkrfreie, consequente Art zu combiniren.

Auch der Beginn der arithmetischen Untersuchungen, welche den Inhalt
seines unsterblichen Werkes Disquisitiones arithmeticae bilden und
durch dessen Verffentlichung im Jahre 1801 er mit einem Schlage den
Rang neben den grten Mathematikern aller Zeiten einnahm, fllt schon
=vor= den Anfang seiner Studien in Gttingen, wie aus handschriftlichen
Notizen ber die Zeit der Entdeckung einzelner Stze hervorgeht, die
=Gau= seinem Handexemplare dieses Buches hinzugefgt hat. Diese Notizen
lehren, da die Entdeckung der geometrischen Construction des 17-Eck,
deren Zeitpunkt oben erwhnt wurde, offenbar Veranlassung geworden ist,
die liegen gebliebenen zahlentheoretischen Untersuchungen wieder
aufzunehmen. Diese Untersuchungen scheinen =Gau= in Gttingen
hauptschlich beschftigt zu haben; denn als er im Jahre 1798, nach
absolvirtem Triennium, nach Braunschweig zurckkehrte, legte er sogleich
Hand an die Herausgabe derselben, der sich aber zunchst noch allerlei
Schwierigkeiten entgegen stellten, welche spter jedoch alle vom Herzog
=Carl Wilhelm Ferdinand=, dem die Nachwelt fr seine hochherzige
Frderung des groen Mannes stets dankbar verpflichtet sein wird, aus
dem Wege gerumt wurden.

Bald nach der Rckkehr in seine Vaterstadt traf =Gau= die nthigen
Schritte, um behufs Herausgabe seines genannten Werkes die Bibliothek in
Helmstedt, damals noch Universittsstadt, benutzen zu knnen, und
siedelte im darauf folgenden Jahre fr eine Weile ganz dorthin ber.
J. F. =Pfaff=, ein namhafter Gelehrter, war damals Professor der
Mathematik in Helmstedt, und in seinem Hause bezog =Gau= ein Zimmer,
arbeitete aber so angestrengt und ununterbrochen, da er meistens nur
gegen Abend seinen Hausgenossen zu sehen bekam. Auf gemeinsamen
Spaziergngen in die Umgegend tauschten sie dann ihre Gedanken ber
mathematische Gegenstnde aus. Weit entfernt, als wre ihr
gegenseitiges Verhltni das von Lehrer und Schler gewesen, wie man
es wohl dargestellt findet, hat =Gau= spter selbst geuert, er
glaube bei diesen Unterhaltungen mehr gegeben als empfangen zu haben.

Im Jahre 1799 wurde =Gau= auf seine Inauguraldissertation:
_Demonstratio nova theorematis omnem functionem algebraicam rationalem
integram unius variabilis in factores reales primi vel secundi gradus
resolvi posse_ in absentia von der philosophischen Facultt zu
Helmstedt zum Doctor promovirt. Dieser erste =strenge= Beweis (alle bis
dahin von den Geometern gegebenen waren ungengend) des wichtigsten
Lehrsatzes in der Theorie der algebraischen Gleichungen wurde von =Gau=
schon im October 1797 =entdeckt=. Wie sehr dieser Fundamentalsatz =Gau=
am Herzen gelegen, ersieht man daraus, da er spter zu drei
verschiedenen Malen auf diesen Gegenstand zurckgekommen ist, indem er
in den Jahren 1815 und 1816 zwei neue Beweise dafr, jeden aus ganz
verschiedenen Principien, ableitete und bei Gelegenheit der Feier seiner
50jhrigen Doctorwrde seinen ersten Beweis vom Jahre 1799 in
vernderter Gestalt und mit erheblichen Zustzen versehen zum
Gegenstande einer Denkschrift machte.

In demselben Jahre finden wir =Gau= auch schon in Correspondenz mit dem
in jener Zeit weit berhmten Freiherrn v. =Zach=, dem Director der
Seeberger Sternwarte. Die ersten Mittheilungen an denselben sind leider
von =Zach= in den damals von ihm herausgegebenen geographischen
Ephemeriden nicht mitgetheilt; sie betrafen eine Anwendung der Methode
der kleinsten Quadrate auf einen in jener Zeitschrift abgedruckten
Auszug aus =Ulugh Begh's= Zeitgleichungstafel, die zu manchen ganz
curiosen Resultaten gefhrt hatte. Aus einer sptern, 1799 abgedruckten
Mittheilung geht hervor, da =Gau= seine Principien fr Ableitung des
wahrscheinlichsten Resultats aus Beobachtungen, zur Bestimmung der Figur
der Erde aus der damals von den Franzosen unternommenen Gradmessung
angewandt hatte.

Im folgenden Jahre theilte er =Zach= fr dessen neugegrndetes Journal:
Monatliche Correspondenz zur Befrderung der Erd- und Himmelskunde
einen interessanten Aufsatz ber die Berechnung des Osterfestes mit,
worin die cyklische Festrechnung auf rein analytische Vorschriften
zurckgefhrt wird, die auf den einfachsten Rechnungsoperationen
beruhen, so da man, unabhngig von allen Hlfstafeln, die oft nicht
zur Hand sind, und ohne Kenntni der Bedeutung der sonst dabei
gebruchlichen Kunstwrter, wie goldene Zahl, Epacte, Ostergrenze,
Sonnenzirkel und Sonntagsbuchstabe, sofort das Datum findet, auf
welches Ostern fllt. Da dieser Aufsatz sich zunchst nur auf die
Festrechnung im Julianischen und Gregorianischen Kalender bezog, so
vervollstndigte =Gau= zwei Jahre spter seine Vorschriften, indem er
die Regeln auch fr den jdischen Kalender mittheilte.

Im Jahre 1801 erschienen die Disquisitiones arithmeticae mit einer
Widmung an den Herzog =Carl Wilhelm Ferdinand=, in welcher =Gau=
dankbar darlegt, wie nur die groe Gte und Huld des weisen und
tiefblickenden Frsten ihm die Mglichkeit gewhrt habe, sich ganz der
Mathematik zu weihen.

Es ist schon frher gebhrend hervorgehoben, welche staunenswerthe
Leistung dieses erste grere Werk von =Gau= war, und wie es allein
gengen wrde, seinen Nachruhm fr alle Zeiten zu sichern. Die Tiefe der
mathematischen Entdeckungen von =Gau= fand ihre richtige Wrdigung nur
in einem kleinen Kreise von Denkern, der sich jedoch, Dank sei es dem
von ihm gegebenen Anstoe, von Jahr zu Jahr vergrert hat. Dem grern
Publicum sollte er bald durch andere und nicht minder bemerkenswerthe
Leistungen bekannt werden.

Am 1. Januar 1801 entdeckte =Piazzi= in Palermo einen Stern achter
Gre, der seinen Ort unter den Gestirnen betrchtlich vernderte und
von ihm fr einen neuen Kometen gehalten wurde. =Piazzi= gab von
seiner Entdeckung erst spt und unvollstndig Kunde, und der damalige
langsame Postenlauf, noch dazu gestrt durch die kriegerischen Zeiten,
bewirkte, da die Nachricht von der Entdeckung erst in die Hnde der
brigen Astronomen kam, als schon die Gegend am Himmel, in welcher
sich der bewegliche Stern aufhielt, so nahe zur Sonne gerckt war, da
ein Aufsuchen desselben unmglich wurde. Glcklicherweise war jedoch
=Piazzi= im Besitz eines der vortrefflichsten Meinstrumente der
damaligen Zeit und hatte das Gestirn damit so lange verfolgt, bis
Mitte Februar etwa, als es sich im Meridian beobachten lie,
unbegreiflicherweise aber versumt, dasselbe auer dem Meridiane
aufzusuchen, was noch mehrere Monate lang mglich gewesen wre. Als
die =Piazzi='schen Beobachtungen bekannt wurden, zeigte es sich bald,
da eine Parabel in keiner Weise ihnen gengte, sondern da das
Gestirn in einer Bahn sich bewegt hatte, deren Gestalt von der
Kreisform nicht sehr abweichend war. Die von verschiedenen Astronomen
ausgefhrte Berechnung einer Kreisbahn zeigte, da von =Piazzi= ein
Planet entdeckt sei, der seine Bahn zwischen Mars und Jupiter
durchluft. Aber eine Kreisbahn lie in den =Piazzi='schen
Beobachtungen sehr merkliche Fehler brig, so da man hieraus sofort
den Schlu htte ziehen mssen, es sei erforderlich, aus den
vorhandenen Beobachtungen die elliptische Bahn des Planeten zu
berechnen. Man begngte sich aber, die =Piazzi='schen Beobachtungen
als ungenau anzusehen, und schickte sich an, den Planeten bei seinem
Wiedererscheinen am Morgenhimmel mittelst einer auf die Kreiselemente
gegrndeten Vorausberechnung aufzusuchen.

Wie sich spter herausstellte, gaben diese Elemente den Ort des Planeten
am Himmel so fehlerhaft an, da wenigstens der Wiederentdecker
desselben, =Olbers=, versichert, er wrde den Planeten schwerlich
gefunden haben, da er seine Nachforschungen bei alleiniger
Zugrundelegung der Kreiselemente keinenfalls so weit ausgedehnt htte,
um die Gegend mit einzuschlieen, in welcher sich der Planet wirklich
aufhielt. Hierbei mu man wohl im Auge behalten, wie schwierig das
Herausfinden eines so kleinen Planeten aus der groen Menge anderer
Sterne, von denen er sich durch sein Aussehen nicht im geringsten
unterscheidet, fr die damalige Zeit war, die noch nicht die genauen
Himmelskarten der Neuzeit besa.

Auch =Gau= hatte Kunde von dem merkwrdigen Wandelsterne erhalten.

Er war im Besitz von erheblichen Zustzen zu den damals bekannten
Theorien der Bewegung der Himmelskrper um die Sonne nach den
=Kepler='schen Gesetzen und wandte seine Theoreme auf die Erforschung
der wahren Bahn des =Piazzi='schen Gestirnes an. Mit der uns schon
bekannten Arbeitskraft berechnete er verschiedene Bahnen fr den neuen
Planeten und ruhte nicht eher, bis er eine Ellipse gefunden hatte,
welche die Beobachtungen von =Piazzi=, die sich im Gegensatz mit der
gewhnlichen Annahme als vorzglich genau erwiesen, so gut wie mglich
darstellte.

Diese Ellipse gab zur Zeit, als =Olbers= das =Piazzi='sche Gestirn
wieder auffand, den Ort desselben am Himmel eilf Grad verschieden von
den Kreiselementen.

Es wrde zu weit fhren, wenn hier nher auseinandergesetzt wrde,
welche Anerkennung von Seiten der Fachmnner =Gau= in Folge dieser
vorzglichen Leistungen zu Theil wurde. Sowie er vor Jahresfrist durch
Herausgabe der _Disquisitiones arithmeticae_ einen Platz unter den
grten Mathematikern sich erobert hatte, so stellte er jetzt sich
ebenbrtig neben die bedeutendsten Astronomen aller Zeiten; denn nicht
allein das numerische Rechnen oder die theoretischen Entwicklungen,
welche er diesen Rechnungen zu Grunde legte, sondern vorzglich die
eminente Urtheilskraft, in wie weit aus den =Piazzi='schen Beobachtungen
zuverlssige Resultate gezogen werden knnten, erregt das Staunen jedes
Sachkenners. Fast um dieselbe Zeit, als die Ceres wieder entdeckt wurde,
erklrte noch der hochverdiente franzsische Astronom =Lalande=, da er
an keinen Planeten glaube! --

Der klar hervortretende feine praktisch-astronomische Tact mu um so
mehr unsere volle Bewunderung erregen, als sich keine Andeutung findet,
da =Gau= vor dem Jahre 1802 sich beobachtend mit der Astronomie
beschftigt hat, deren praktische Seite ihm gleichfalls so Vieles
verdankt. Als die Ceres wieder gefunden war und bald darauf die Pallas
von =Olbers= entdeckt wurde, deren Bahn er wie frher die der Ceres
allmlig immer schrfer und schrfer berechnete, finden wir nicht, da
=Gau= Ortsbestimmungen derselben gemacht htte. Ceres und Pallas hat er
im Sommer 1802 mit 300facher Vergrerung betrachtet, ohne irgend einen
Unterschied ihres Aussehens von Fixsternen bemerken zu knnen. Diese
Beobachtung ist wahrscheinlich in Bremen mit den Instrumenten des
vortrefflichen =Olbers= gemacht, bei dem =Gau= im Juni 1802 von
Braunschweig aus zum Besuch war und dessen Beispiel ihm zeigte, mit wie
kleinen Hlfsmitteln das Talent Groes leistet. So finden wir denn auch
bald darauf =Gau= in der praktischen Astronomie thtig. Am 8. November
1802 beobachtete er den Vorbergang des Mercur vor der Sonne mit einem
zweifigen Achromaten von =Baumann=. Nach der Entdeckung der Juno im
Jahre 1804 betheiligte er sich eifrig an den Ortsbestimmungen des
Planeten, wozu er anfangs einen schlechten und besonders schlecht
montirten Achromaten benutzte, bald aber ein sehr gutes Spiegelteleskop
von =Short= anwenden konnte.

In Folge des gewaltigen Respectes vor dem genialen Dr. =Gau= in
Braunschweig berlieen die Astronomen ihm die Bestimmung und Ausfeilung
der Bahnen der kleinen Planeten so gut wie vllig, und die folgenden
Jahre erfllen in groem Maae die Berechnungen der Elemente und deren
Vergleichung mit den Beobachtungen fr die vier in den ersten Jahren
dieses Jahrhunderts entdeckten Planeten; die Ableitung ihrer Strungen,
die eingehendste Durcharbeitung aller sich auf die Bahnbestimmung von
Himmelskrpern beziehenden Methoden, sowie die Umformung seiner
ursprnglichen Ideen, in das bewunderungswrdige Kunstwerk, welches
spter als Theoria motus corporum coelestium verffentlicht ist.
Daneben erfate er enthusiastisch die praktische Sternkunde, behindert
allerdings durch den Mangel geeigneter Instrumente.

Schon 1802 machte die russische Regierung den Versuch, =Gau= als
Astronom und Director der Sternwarte an die Akademie in St. Petersburg
zu ziehen. Hierdurch wurde der umsichtige =Olbers= veranlat, das
Gttinger Universittscuratorium darauf aufmerksam zu machen, wie
wichtig es fr den Ruhm der Georgia Augusta sein wrde, einen Mann zu
besitzen, den schon damals ganz Europa bewunderte. =Gau= habe fr eine
mathematische Lehrstelle eine entschiedene Abneigung: sein
Lieblingswunsch sei, Astronom bei irgend einer Sternwarte zu werden, um
seine ganze Zeit zwischen Beobachtungen und seinen tiefsinnigen
Untersuchungen zur Erweiterung der Wissenschaft theilen zu knnen. Da
die hannoversche Regierung im Anfange des Jahrhunderts beabsichtigte,
fr die Universitt Gttingen eine neue Sternwarte zu errichten, so
htte man erwarten sollen, da in Folge dieser dringenden Empfehlung
eines so allgemein hochgeschtzten und vllig unparteiischen Mannes wie
=Olbers= die Berufung von =Gau= nach Gttingen erfolgt sei. Aber,
obgleich die Verhandlungen mit Petersburg sich zerschlugen, so wurde
doch =Gau= zunchst nicht nach Gttingen berufen, sondern im Jahre 1805
=Harding= und erst im Jahre 1807 =Gau=. Die Grnde hierfr sind bislang
nicht durchsichtig; denn da die nahen Beziehungen von =Gau= zum Herzog
von Braunschweig =allein= eine Berufung verhindert htten, die dem
wohlwollenden Frsten, als im Interesse von seinem Schtzlinge liegend,
nur lieb sein konnte, ist wohl kaum anzunehmen, wie man daraus gefolgert
hat, da der Ruf nach Gttingen erfolgte, als der Herzog gestorben war.

Inzwischen hatte =Gau= sich am 9. October 1805 mit Johanne =Osthof= aus
Braunschweig vermhlt, mit welcher er vier Jahre in glcklichster Ehe
verlebte und durch sie mit drei Kindern beschenkt wurde, deren erstes,
ein Sohn, noch in Braunschweig geboren wurde, das zweite, eine Tochter
(spter die Gattin des berhmten =Ewald=), schon in Gttingen bald nach
seiner Uebersiedelung.

=Gau= trat seine Professur an der Georgia Augusta, der er auf die Dauer
eines halben Jahrhunderts als weitleuchtende Zierde angehren sollte --
trotz vieler spterer Versuche, ihn fr andere und glnzendere
Lebensstellungen in Berlin, Wien, Paris und Petersburg zu gewinnen --,
in einer Zeit an, wo die Hand des fremden Eroberers schwer auf
Deutschland lastete. Bevor er noch den geringsten Gehalt als Director
der Sternwarte bezogen hatte, wurde von dem Frankenkaiser eine ungeheure
Contribution ausgeschrieben, von welcher =Gau= einen Betrag von 2000
Francs zu entrichten hatte. Obgleich dieser die drckende Abgabe kaum
erschwingen konnte, so schickte er doch seinem Freunde =Olbers=, der ihm
die Summe bersandte mit einem bedauernden Briefe, da Gelehrte solchen
schmligen Brandschatzungen unterworfen seien, dieselbe sofort zurck.
Ebenso wenig nahm er die Vermittelung von =Laplace= an, der ihm
anzeigte, die Contribution sei in Paris schon eingezahlt. Die hier
hervortretende edle Uneigenntzigkeit der Gesinnung sollte jedoch sofort
ihren Lohn finden. Von Frankfurt wurden ihm anonym 1000 Gulden als
Geschenk zugeschickt, und erst eine sptere Zeit hat offenbart, da der
Frst Primas der edle Geber war.

Der begonnene Bau der neuen Sternwarte ruhte selbstverstndlich in so
schwerer Zeit und =Gau= sah sich auf die Benutzung der veralteten
Instrumente aus dem ehemaligen Festungsthurme, wo die Sternwarte zu
=Tobias Mayer's= Zeiten eingerichtet war, beschrnkt. Seine erste
Gttinger Schrift behandelt in genialer Weise ein Problem mit einem
fehlerhaften Hhenmesser, die Fehler desselben, die Polhhe des
Beobachtungsortes und die Zeit zu bestimmen, offenbar in engem
Anschlusse an die damaligen instrumentalen Verhltnisse der Sternwarte.

Im Jahre 1809 erschien die von den Astronomen so sehnlich erwartete
Theoria motus, worin =Gau=, unter Zugrundelegung der =Kepler='schen
Gesetze, seine Methoden lehrte, ohne Voraussetzung ber die
Beschaffenheit der Bahn, unbekannte Bahnen aus nahe liegenden
Beobachtungen zu bestimmen. Erst 40 Jahre spter sind diese Methoden
Gemeingut geworden, als die sich hufenden Entdeckungen von kleinen
Planeten die Astronomen =zwangen=, sich ihrer zu bemchtigen. Bis dahin
waren es nur Wenige, die tiefer eindrangen in den kstlichen Schatz
geometrischer Wahrheiten, die darin enthalten sind. Fr dieses auf alle
Zeiten fundamentale Werk erhielt =Gau= im Jahre 1810 den
=Lalande='schen Preis des Pariser Instituts, sowie eine Denkmnze von
der Royal Society in London und andere Auszeichnungen.

Die westphlische Regierung, welche sich nachgerade hinlnglich
consolidirt zu haben glaubte, setzte im Jahre 1810 eine Summe von 200000
Franken zur Vollendung des Baues der Sternwarte aus, wodurch =Gau= in
der trben Zeit nach dem Verluste seiner Frau Zerstreuung zu Theil
wurde, da er als Astronom die vom Klosterbaumeister =Mller= entworfenen
Plne durchzuarbeiten hatte. Die Vereinsamung von =Gau= sollte jedoch
nicht lange whren; am 4. August 1810 verheirathete er sich mit der
zweiten Tochter des Hofrath =Waldeck=, einer genauen Freundin seiner
verstorbenen Frau, von der er berzeugt war, da sie ihm und seinen
Kindern die verewigte Gattin und Mutter vollkommen ersetzen wrde, und
so erstand die zerstrte Huslichkeit wieder in glcklicher Gestaltung.

In diese Zeit fallen die groartigsten Erfolge seiner directen
Lehrthtigkeit. Schon im Jahre 1808 war =Schumacher=, in gereifteren
Jahren nach schon vollendeten juristischen Studien, nach Gttingen
gekommen, um dort sich in der Mathematik und Astronomie auszubilden;
1810 kamen =Gerling=, =Nicolai=, =Mbius=, =Encke=, welche alle als
namhafte Gelehrte in verdientem Ansehen stehen. Die Lehrthtigkeit war
jedoch, wie schon aus dem oben angefhrten Bruchstcke eines Briefes von
=Olbers= hervorgeht, von jeher eine Last fr =Gau=; er widmete sich ihr
in den ersten Jahrzehnten seines Gttinger Aufenthaltes in der Form, wie
sie an deutschen Universitten gebruchlich ist, mehr, als spter;
allerdings immer ungern und mit der oft wiederholten Klage, da ihm
dadurch sehr viel Zeit geraubt wrde, da die Vorbereitungen ihm so
lstig und uerst zeitraubend seien. Wenn man bedenkt, was Mnner wie
=Encke=, =Gerling=, =Mbius=, =Nicolai= und Andere aus =Gau='schen
Vorlesungen mit ins Leben hinbergenommen haben (denn man ist versucht,
ihre Hauptleistungen, dem Keime nach, auf Gttinger Anregungen
zurckzufhren), so begreift sich das wohl. In seinen spteren Jahren
war =Gau= nur schwer dazu zu bewegen, ein Colleg zu lesen; jedoch war
er, unter Beobachtung aller Formen, stets dem strebenden Studirenden
zugnglich. Der Schreiber dieser Zeilen gedenkt nicht selten mit
dankbarer Erinnerung mancher halben Stunde aus den Jahren 1853 und 1854,
die der groe Mann in anregender und wesentlich frdernder Belehrung dem
Anfnger widmete, welchem er gestattet hatte, mit Fragen bei dem
Selbststudium der Theoria motus ihn zu behelligen, ein Thema, auf das
glcklicherweise diese Erlaubni nicht beschrnkt blieb. --

=Gau= hatte nunmehr die stille sorgenfreie Mue gefunden, nach welcher
er sich so lange gesehnt. Als etwas wahrhaft Beneidenswerthes hat er im
hohen Alter, nach des groen Astronomen =Bessel='s Tode, mit dem ihn
eine mehr als vierzigjhrige Freundschaft verband, hervorgehoben, da
dieser in seinen jungen Jahren Gelegenheit gefunden habe, groartige
Verhltnisse der wirklichen Welt genau kennen zu lernen und dadurch die
innere Ueberzeugung mit sich getragen, durch diese Kenntnisse sich jeden
Augenblick eine solche Stellung in der brgerlichen Gesellschaft
schaffen zu knnen, in der er sich selbst erhielte. Er selbst habe, bis
zu einem vorgerckten Alter, nichts in sich selbst besessen, was, wie
die Welt sei, einen sichern Schutz auch nur gegen den Hungertod htte
geben knnen, als das Schulmeistern, was ihm stets zuwider gewesen sei.

Die jhrlichen Bearbeitungen der Vorausberechnung der kleinen Planeten
und die Verbesserung ihrer Bahnen bertrug =Gau= von jetzt ab stets dem
einen oder dem andern seiner talentvolleren Schler. Er selbst
beschftigte sich in dieser Richtung hauptschlich damit, fr die
Berechnung der Strungen dieser Himmelskrper Methoden aufzustellen,
sowie fr die Ermittelung der wahrscheinlichsten Elemente ihrer Bahnen,
worber er im Jahre 1811 und 1818 der Societt der Wissenschaften in
Gttingen classische Denkschriften vorlegte.

Um dieselbe Zeit beschftigte sich =Gau= mit dioptrischen Studien,
nicht allein theoretisch, sondern mit directer Beziehung zur Praxis, wie
er denn, in ihm eigenthmlicher Form, an =Repsold= im Jahre 1810 die
Krmmungsradien fr ein Fernrohrobjectiv von 8 Fu Brennweite und 5 Zoll
Oeffnung mittheilte. Diese Studien nahm er im Jahre 1817 wieder auf und
zeigte damals die theoretische Mglichkeit eines wesentlichen
Fortschrittes in der Construction der Fernrhre, die aber unbeachtet
blieb, bis =Steinheil= nach fast einem halben Jahrhundert die Formeln
von =Gau= praktisch anwandte und ganz vorzgliche Resultate erzielte.
Im Jahre 1843 legte er der Gttinger Societt seine dioptrischen
Studien vor, wodurch er einem Felde, das durch die Arbeiten von Mnnern
wie =Cotes=, =Euler=, =Lagrange= und =Mbius= fast erschpft erscheinen
konnte, eine neue Ernte abgewann.

Im Jahre 1814 wurde die neue Sternwarte bis auf den innern Ausbau
fertig; jedoch wurden die dazu gehrigen Wohngebude fr die Astronomen
erst im Jahre 1815 begonnen. Von den Instrumenten der alten Sternwarte
erhielt der durch =Tobias Mayer's= Arbeiten so berhmt gewordene
Mauerquadrant einen Platz auf dem neuen Observatorium, sowie auch das
10-fige =Herschel='sche Teleskop noch auf lange Jahre hinaus fr
Beobachtungen auer dem Meridiane benutzt wurde. Die brigen, von
Lilienthal nach Gttingen gekommenen Instrumente wurden kaum benutzt,
hchstens, um Besuchern den gestirnten Himmel damit zu zeigen. An Stelle
des einen von zwei im ursprnglichen Plane projectirten
Passageninstrumenten wurde, auf Betreiben von =Schumacher= ein
Meridiankreis von =Repsold= angekauft, der jedoch erst im Jahre 1818
geliefert wurde; denn =Repsold= wollte ihn, bevor er in =solche= Hnde
kam, mit einer neuen Theilung versehen.

Im Frhjahr 1816 begab sich =Gau= im Auftrage der Regierung nach
Mnchen, wo damals die groen Knstler =Reichenbach= und =Fraunhofer=
erfolgreich mit den englischen Mechanikern und Optikern zu rivalisiren
begonnen hatten, um dort mit ihnen die Construction zweier groer
Meridianinstrumente zu vereinbaren, sowie verschiedene kleinere
Instrumente zu bestellen. Bei dieser Gelegenheit besuchte =Gau= mit
=Reichenbach= zusammen die schnen Gegenden des Salzkammergutes. Schon
im Sommer 1814 hatte brigens die Gttinger Sternwarte eine herrliche
Acquisition in einem =Reichenbach-Fraunhofer='schen Heliometer gemacht,
zu dem freilich das Stativ erst spter nachkam, ein Instrument, welches
60 Jahre spter, am 8. December 1874, zur Beobachtung des Vorberganges
der Venus vor der Sonnenscheibe auf der Aucklandinsel gedient hat. Im
Herbste 1816 konnte endlich die Directorwohnung der Sternwarte bezogen
werden und im Frhjahre 1817 traf eins der bestellten kleineren
Instrumente aus Mnchen ein, mit dem =Gau= sofort, obgleich der Ausbau
der Sternwarte noch keineswegs vollendet war, die Beobachtungen begann.
Bei der Bestellung dieses Instrumentes hatte =Gau= wahrscheinlich schon
die Fortsetzung der von =Schumacher= geplanten dnischen Gradmessung von
Skagen bis Lauenburg durch das Hannversche im Auge gehabt.

Als =Schumacher= im Jahre 1817 seine Messungen, aufs Groartigste
untersttzt vom Knige von Dnemark, begonnen hatte, benutzte =Gau=
die Durchreise des Ministers =von Arnswald= im August 1817 durch
Gttingen, um demselben die Zweckmigkeit der Fortsetzung dieser
Arbeiten durch das Hannver'sche darzulegen und reichte dann im Herbste
desselben Jahres eine ausfhrliche Denkschrift ein, in welcher er
schriftlich seine mndlichen Auseinandersetzungen wiederholte. Es
erfolgte aber darauf lange kein Bescheid, da die Kunst des
Sollicitirens diejenige sei, wozu er -- freilich zu seinem groen
Nachtheil -- am wenigsten Talent habe noch passe. Nachdem =Schumacher=
-- dem obige Kunst gelufiger war -- sich ins Mittel gelegt, so wurde
zunchst von der Regierung =Gau= der Auftrag ertheilt, im Herbst 1818
die zur Verbindung der hannverschen Triangulirung mit der dnischen
nothwendigen Winkelmessungen in Lneburg vorzunehmen. Das war der
Anfang der langwierigen Triangulirungsgeschfte, mit denen =Gau= bis
ber das Jahr 1848 hinaus viel, ja viel zu viel zu thun hatte. Mag man
auch den Gewinn der Verlngerung des dnischen Bogens um zwei
Meridiangrade nach Sden sehr hoch stellen, so war das eine Arbeit, die
auch Krfte secundren Ranges sehr gut htten ausfhren knnen. Man mu
nur in dem Briefwechsel zwischen =Gau= und =Schumacher= lesen, wie
sehr Ersterer viele Jahre Sommer fr Sommer durch Winkelmessungen
absorbirt war, um es lebhaft zu beklagen, da ein solcher Geist durch
derartige Arbeiten, die von Vielen zu machen waren, gestrt wurde, sich
in Mue mit Dingen zu beschftigen, die nur =Er= uns lehren konnte.
Dazu kommt noch, da =Gau= fast alle die erforderlichen ungeheuern
Rechnungen selbst gemacht hat, vielleicht in ein Viertel oder ein
Zehntel der Zeit, die andere gebraucht htten. Aber =seine= Zeit war
auch kostbarer als die Zeit von vier oder zehn Rechnern, die
schlielich genau dasselbe Resultat erlangt haben wrden. Allerdings
hat auch die Wissenschaft, in Anla dieser Gradmessungsarbeiten, =Viel=
gewonnen. Dahin gehren die feinsinnigen Untersuchungen ber die
allgemeine Abbildung einer gegebenen Flche, auf einer andern so, da
die Abbildung dem abgebildeten in den kleinsten Theilen hnlich wird.
Es sind ferner auf die Gradmessungsarbeiten zurckzufhren die
Disquisitiones circa superficies curvas (1827) und die beiden
Abhandlungen ber hhere Geodsie (1843 und 1846).

Ein groer Uebelstand bei den Gradmessungsarbeiten war es bislang
gewesen, da man die Endpunkte der groen Dreiecke, in denen man die
Winkel zu messen hatte, mit den gewhnlich angewandten Mitteln entweder
gar nicht oder nicht mit gengender Sicherheit hatte sehen knnen.
Man hatte daher zu dem Auskunftsmittel gegriffen, hell brennende mit
Reverberen versehene Lampen auf den Dreieckspunkten aufzustellen und
die Messungen bei Nacht auszufhren. Abgesehen von der groen
Unbequemlichkeit und Mhseligkeit wurde dadurch die Arbeit des Geodten
zu einer gefahrvollen, da nicht selten die Signale auf hohen einsam
gelegenen Bergen errichtet sind, die dem Beobachter keinerlei Schutz
darbieten. Um so willkommener war eine Erfindung von =Gau=, welche es
ermglichte, alle, selbst die grten Dreiecke bei Tage zu messen: das
Heliotrop. Diese in ihrer Einfachheit so sinnreiche Erfindung gestattet
das Sonnenlicht, welches ein kleiner ber dem Dreieckspunkte
aufgestellter Spiegel zurckwirft, genau auf den andern Dreieckspunkt
zu senden, so da der dort befindliche Beobachter in der gewnschten
Richtung scheinbar einen knstlichen, hellglnzenden Stern erblickt, der
sich scharf mit dem Winkelinstrumente einstellen lt. Von dieser seiner
Lieblingserfindung hat =Gau= fter sehr bestimmt hervorgehoben, da er
zu derselben nicht durch einen reinen Zufall, sondern durch reifes
Nachdenken gelangt sei. Es sei wahr, da er auf dem Michaelis-Thurm in
Lneburg eine Fensterscheibe eines Hamburger Thurmes habe blitzen sehen,
ein Zufall, welcher die praktische Ausfhrbarkeit seines Vorhabens noch
bekrftigt habe, aber schon lngst vorher sei die ganze Erfindung im
Geiste fertig gewesen.

=Gau= hielt es fr mglich, mit Hlfe von Heliotropen eine
telegraphische Correspondenz zwischen Mond und Erde zu errichten und
hatte in Bezug auf diese Frage sogar die Gre der erforderlichen
Spiegel berechnet, woraus sich ergab, da eine solche Correspondenz
eventuel ohne groe Kosten sich wrde einrichten lassen. Das wre eine
Entdeckung, pflegte er zu sagen, noch grer als die von Amerika, wenn
wir uns mit unseren Mondnachbarn in Verbindung setzen knnten -- hielt
es jedoch nicht eben fr wahrscheinlich, da der Mond eine mit hherer
Intelligenz ausgestattete Bevlkerung besitze. Sonst hielt er geistiges
Leben auf der Sonne und auf den Planeten fr sehr wahrscheinlich, wobei
er hervorzuheben pflegte, wie die an der Oberflche der verschiedenen
Himmelskrper wirkende und in ihrer Wirkung zu berechnende Schwerkraft
fr diese Frage vom grten Einflu sei, woraus er z. B. folgerte, da
auf der Sonne nur sehr =kleine= Wesen, verglichen mit uns, existiren
knnen, bei einer dort mehr als 28fach greren Schwerkraft, als auf der
Erde.

Um die Zeit, als die Gradmessungsarbeiten ernstlich an =Gau=
herantraten, trafen im Jahre 1819 die Schnen Meridianinstrumente von
Mnchen ein, deren Aufstellung auf der Sternwarte und deren eingehender
Untersuchung sich =Gau= zunchst widmete. Obgleich dieselben auch,
wenigstens in den ersten Jahren, zu =hufigen= Beobachtungen gedient
haben, so ist doch wenig von ihren Leistungen in der astronomischen Welt
bekannt geworden. Es scheint auch, als wenn es =Gau= nicht fr
angemessen hielt, mit den damals staunenswerthen Leistungen von =Bessel=
in Concurrenz zu treten; auch drfte vielleicht die schon oben aus einem
Briefe von =Olbers= angezogene Aeuerung, da =Gau= die praktische
Astronomie enthusiastisch liebte, in sofern doch zu modificiren sein,
als =Gau= nicht der unwiderstehliche Drang inne wohnte, sich mit den
Gestirnen zu beschftigen, wie man ihn bei dem wahren beobachtenden
Astronomen findet. Es soll damit nicht der leiseste Tadel gegen den Mann
ausgesprochen werden, dessen praktische Leistungen im Gebiete der
Astronomie ebenfalls weit hervorragen ber die Leistungen des
Durchschnittsastronomen der Praxis, sondern es soll nur die Thatsache
constatirt werden, da das Gttinger Institut als =Sternwarte= nicht das
geleistet hat, was man von einem mit so prachtvollen Instrumenten
ausgestatteten Institute erwarten mute. Ein helles Licht auf die hier
obwaltenden Verhltnisse wirft eine Aeuerung von =Gau= ber die
Erklrung eines optischen Phnomens, das auftritt, wenn man die in einem
Quecksilberhorizonte reflectirten Bilder von Sternen beobachtet. Die
Auffindung dieser Erklrung stellte er hher, als einen ganzen Jahrgang
von Beobachtungen, deren Nutzen er jedoch keineswegs verkenne. In der
That kann man bedauern, da durch die praktische Thtigkeit von =Gau=,
gar hufig die Mue gestrt ist, deren er nach seinen wiederholten
Aeuerungen fr seine schpferische Thtigkeit auf speculativem Gebiete
stets in vollem Maae bedurfte.

Wie sehr man in den damaligen Regierungskreisen vor 40 Jahren verkannte,
=was= man an =Gau= in Gttingen besa, geht daraus hervor, da ihn das
Ministerium des Innern mit Auftrgen von abschreckender Weitlufigkeit
behelligte, die sich auf die Revision des gesammten Aichungswesens des
Knigreiches bezogen. Es ist zu bedauern, da =Gau= diese Auftrge
nicht einfach als seiner unwrdig ablehnte; seine der Welt unschtzbare
Zeit ist in Folge dessen zum Theil durch Arbeiten absorbirt, deren
Bedeutung schon jetzt, selbst fr das praktische Leben, ganz geschwunden
sind, wenngleich die Geistesfunken, welche von ihm im Contact mit den
frher bei solchen Gelegenheiten befolgten Methoden sprhten, noch lange
dieses Gebiet mit ihrem Lichte erhellen werden.

Es ist nicht Zweck dieser kurzen Schrift, alle die groen Gedanken zu
verfolgen, welche =Gau= whrend seiner fast 50jhrigen Thtigkeit in
vielen der Societt der Wissenschaften berreichten Denkschriften
niedergelegt hat, oder auch nur die Titel dieser Denkschriften
aufzuzhlen; noch weniger kann dem verborgenen Aufblitzen seines Genius
nachgegangen werden, wozu unter andern der Briefwechsel, den er mit
=Schumacher= gefhrt, so vielen Anla darbietet. Es sei nur gestattet,
noch ein groes Arbeitsfeld zu erwhnen, auf welchem das Eingreifen von
=Gau= von fundamentaler Bedeutung geworden ist.

Schon im Sommer 1831 hatte =Gau= angefangen sich in ein ihm bis dahin
ganz fremdes wissenschaftliches Gebiet, die Krystalllehre,
hineinzuarbeiten. Es machte ihm Mhe, sich in der Sache zu orientiren,
da die Bcher, welche er dabei zum Fhrer genommen, dieselbe mehr
verwirrten als aufhellten. =Gau= ersann eine neue Methode zur
Krystallbezeichnung, im Wesentlichen dieselbe, welche spter von
=Miller= in Cambridge bekannt gemacht ist und construirte eine
Vorrichtung, mit deren Hlfe am 12zlligen =Reichenbach='schen
Theodoliten die Winkel der Krystalle so genau, wie mglich, gemessen
werden konnten. Von allen diesen Untersuchungen: Beobachtungen,
Rechnungen und Zeichnungen, ist nie das Geringste zur ffentlichen
Kenntni gelangt; denn schon im Herbste desselben Jahres trat bei
=Gau=, in Folge der Berufung des damals noch jugendlichen, spter
so berhmten Physikers =Weber= an die Gttinger Universitt, die
Bearbeitung rein physikalischer Fragen in den Vordergrund.
Es entwickelte sich bald zwischen dem mehr als 50jhrigen
hochberhmten Mathematiker und dem noch nicht dreiigjhrigen Physiker
eine innige, nie getrbte Freundschaft, der die Wissenschaft
denkwrdige Arbeiten verdankt.

Der Stahl schlgt an den Stein, so bezeichnete =Gau= spter ihr
persnliches Zusammenwirken in der Mitte der dreiiger Jahre, das zum
unendlichen Schaden fr die Menschheit im Jahre 1837 zerrissen wurde,
weil der Knig von Hannover Mnner von Ueberzeugungstreue, die auch
wagten dieselbe zu uern, nicht als Professoren in Gttingen dulden
wollte. =Weber= war einer von den Gttinger =Sieben=, die in Folge des
Verfassungsbruchs des Knigs und ihres dagegen erlassenen Protestes aus
Hannover verbannt wurden. Mit ihm verlieen =Albrecht=, =Dahlmann=,
=Ewald=, =Gervinus= und die beiden =Grimm= die Georgia Augusta.

Das Gebiet der Elektricitt und des Magnetismus wurde zunchst nach
allen Richtungen durchforscht. =Gau= gab in Folge hiervon die erste
richtige Theorie des Erdmagnetismus, wodurch er in den Stand gesetzt
wurde, durch =eine mathematische Formel= das gesammte vorhandene
Beobachtungsmaterial darzustellen, also die Declination und Inclination
der Magnetnadel, sowie die Intensitt an jedem Punkte der Erde
anzugeben. Die Wichtigkeit, durch Beobachtungen zu jeder Zeit diese
Constanten zu bestimmen, fhrte =Gau= auf die Erfindung von ganz neuen
Beobachtungsmethoden und Instrumenten, mit denen man diese Gren und
ihre Aenderungen in kurzer Zeit mit einer nie geahnten Schrfe bestimmen
konnte. Die galvanischen Versuche fhrten endlich zur Entdeckung des
elektromagnetischen Telegraphen, der zum ersten Male in groen
Dimensionen im Winter 1833 bis 1834 in Gttingen praktisch ausgefhrt
wurde, indem von der Sternwarte zum Johannisthurme und von da zum
physikalischen Cabinette eine Drahtleitung von mehreren Tausend Metern
Lnge gezogen wurde. Diese Drahtleitung diente zu den interessantesten
Versuchen; so wurden sehr bald Worte und ganze Stze hin und her
telegraphirt und auch die spter so wichtig gewordene Anwendung fr
telegraphische Lngenbestimmungen wurde implicite gemacht, da die
Pendeluhr des physikalischen Cabinets durch galvanische Signale von der
Sternwarte aus gestellt wurde, es also nur einer unabhngigen
Zeitbestimmung dort bedurft htte, um die astronomische Lngendifferenz
zu ermitteln.

In einem Briefe an =Schumacher= bedauert =Gau= die engen Verhltnisse,
in denen er lebt, da sich an seine theoretischen Eroberungen im Gebiete
des Elektromagnetismus, auf die er mehr Werth legte, als auf die im
Gebiete des reinen Magnetismus, glnzende praktische Anwendungen knpfen
lieen. Knnte man, so schreibt er 1835, Tausende von Thalern
verwenden, so glaube ich, da z. B. die elektromagnetische Telegraphie
zu einer Vollkommenheit und zu einem Maastabe gebracht werden knnte,
vor der die Phantasie fast erschrickt. Der Kaiser von Ruland knnte
seine Befehle ohne Zwischenstation in derselben Minute von Petersburg
nach Odessa, ja vielleicht nach Kiachta geben, wenn nur der Kupferdraht
von gehriger (im Voraus =scharf= zu bestimmender) Strke =gesichert=
hingefhrt und an beiden Endpunkten mchtige Apparate und gut eingebte
Personen wren. Ich halte es nicht fr unmglich, eine Maschinerie
anzugeben, wodurch eine Depesche fast so mechanisch abgespielt wrde,
wie ein Glockenspiel ein Musikstck abspielt, das einmal auf eine Walze
gesetzt ist. Aber bis eine solche Maschinerie allmlig zur
Vollkommenheit gebracht wrde, mten natrlich erst viele kostspielige
Versuche gemacht werden, die freilich z. B. fr das Knigreich Hannover
keinen Zweck haben. Um eine solche Kette in einem Schlage bis zu den
Antipoden zu haben, wre fr 100 Millionen Thaler Kupferdraht vollkommen
zureichend, fr eine halb so groe Distanz nur ein Viertel so viel, und
so im Verhltnisse des Quadrats der Strecke.

Von groem Interesse ist es auch, zu ersehen, da diejenigen Methoden,
welche =Gau= schon damals bei seinen Gttinger Versuchen anwandte,
dieselben sind, auf die man jetzt bei der transatlantischen Telegraphie
wieder zurckzukommen scheint.

Die Zeit, in welcher =Gau= begann, sich physikalischen Problemen mit
groer Energie zuzuwenden, fllt zusammen mit einer Zeit schweren
huslichen Leides. Seine Frau hatte schon lange an einem Magenbel
gekrnkelt. Nachdem eine Katastrophe, in Folge welcher man glaubte
Hoffnung schpfen zu knnen, und die in der That eine wesentliche
Besserung in dem Zustande der Leidenden herbeifhrte, so da sie sich
besser befand, als seit Jahren, eingetreten war, zeigte sich leider bald
wieder das alte Uebel, nur in noch traurigerer Gestalt, und im September
1831 starb nach unbeschreiblichen Leiden die arme Dulderin. =Gau= wurde
durch diesen Verlust aufs Tiefste erschttert und sehnte sich, ebenfalls
von einem Schauplatze abtreten zu knnen, wo die Freuden flchtig und
nichtig, die Leiden, Fehlschlagungen und schmerzlichen Tuschungen die
Grundfarbe sind. Viele Monate spter litt er noch an fortwhrender
Schlaflosigkeit bei Nacht und Abspannung am Tage, und konnte nicht
absehen, wann er sich wieder zu frischem Lebensmuthe wrde aufrichten
knnen. Wir greifen wohl kaum fehl, wenn wir annehmen, da hier
ebenfalls ein Motiv sich zeigt, da =Gau= veranlate, neue, ihm bis
dahin fremde und in sich hoch interessante Gebiete mit Anstrengung aller
Geisteskraft zu betreten.

Die philologischen Neigungen, welche =Gau= in seiner Jugend sogar der
Mathematik abwendig zu machen drohten, traten in dem letzten Jahrzehnte
seines Lebens wieder mit grerer Lebendigkeit hervor. Versuchsweise
hatte er sich ums Jahr 1840 mit Sanskrit beschftigt, das ihn aber wenig
befriedigte; spter erlernte er, um seinen Geist frisch und fr neue
Eindrcke empfnglicher zu erhalten, die russische Sprache, bekanntlich
fr denjenigen, der nur germanische und romanische Sprachen kennt, eine
sehr schwierige Aufgabe. Ohne fremde Hlfe brachte er es darin binnen
wenigen Jahren zu einer sehr groen Fertigkeit, so da er von da an mit
Vorliebe sich mit der russischen Literatur beschftigte, whrend ihm
frher vorzugsweise von auslndischer Literatur die Lectre von
=Walter Scott's= Werken angezogen hatte. Unter unseren deutschen
Dichtern stellte er =Richter= ohne Frage in die erste Reihe; dagegen
befriedigte ihn =Gthe's= Schreib- und Denkweise weniger: er sei ihm
an Gedanken zu arm und seine lyrische Poesie, deren Werth und
vollendete Form er nicht verkannte, schlug er nicht sehr hoch an.
Noch weniger sagte ihm =Schiller= zu, dessen philosophische Ansichten
ihm mitunter vollstndig zuwider waren. So nannte er Die Resignation
ein gotteslsterliches, durchaus moralisch verderbtes Gedicht und
hatte in seiner Ausgabe mit Fracturschrift und Ausrufungszeichen das
Wort Mephistopheles an den Rand geschrieben.

Alle philosophischen Ideen hielt =Gau= nur fr subjectiv und trennte
sie, da sie strenger Begrndung entbehrten, durchaus von der
eigentlichen Wissenschaft.

Anerkennend hebt =Sartorius von Waltershausen= die religise Duldsamkeit
von =Gau= hervor, die er auf jeden aus der Tiefe des menschlichen
Herzens entsprungenen Glauben bertrug, die aber durchaus nicht mit
religisem Indifferentismus zu verwechseln war. Im Gegentheil nahm er an
der religisen Entwickelung des menschlichen Geschlechts, vornehmlich
aber an der unsers Jahrhunderts, den allerinnigsten Antheil. In
Rcksicht auf die mannigfaltigen Glaubensverschiedenheiten, die hufig
nicht mit seiner Anschauungsweise bereinstimmen konnten, hob er immer
hervor, da man nicht berechtigt sei, den Glauben anderer, in dem sie
Trost in irdischen Leiden und eine sichere Zuflucht in den Tagen des
Unglcks erblickten, in irgend einer Weise zu stren. Das Streben nach
Wahrheit und das Gefhl fr Gerechtigkeit bildeten die Grundlage von
=Gau'= religiser Betrachtungsweise. Das geistige Leben im ganzen
Weltall erfate er als ein groes, von ewiger Wahrheit durchdrungenes
Rechtsverhltni, und aus dieser Quelle schpfte er vornehmlich die
Zuversicht, das unerschtterliche Vertrauen, da mit dem Tode unsere
Laufbahn nicht geschlossen ist.

Die unerschtterliche Idee von einer persnlichen Fortdauer nach dem
Tode, der feste Glaube an einen letzten Ordner der Dinge, an einen
ewigen, gerechten, allweisen, allmchtigen Gott, bildete das Fundament
seines religisen Lebens. Es giebt, uerte er eines Tages, in dieser
Welt einen Genu des Verstandes, der in der Wissenschaft sich
befriedigt, und einen Genu des Herzens, der hauptschlich darin
besteht, da die Menschen einander die Mhsale, die Beschwerden des
Lebens gegenseitig erleichtern. Ist das aber die Aufgabe des hchsten
Wesens, auf gesonderten Kugeln Geschpfe zu erschaffen und sie, um ihnen
solchen Genu zu bereiten, 80 oder 90 Jahre existiren zu lassen? -- so
wre das ein erbrmlicher Plan. Ob die Seele 80 Jahre lebt oder
80 Millionen Jahre, wenn sie ein Mal untergehen soll, so ist dieser
Zeitraum doch nur eine Galgenfrist. Endlich wrde es vorbei sein
mssen. Man wird daher zu der Ansicht gedrngt, fr die ohne eine
strenge wissenschaftliche Begrndung so vieles Andere spricht, da
neben dieser materiellen Welt noch eine zweite rein geistige
Weltordnung existirt, mit eben so viel Mannigfaltigkeiten, als die in
der wir leben -- ihrer sollen wir theilhaftig werden. --

Die letzten Jahrzehnte seines Lebens verlebte =Gau= in stiller, ruhiger
Beschaulichkeit; seit mehr als zwanzig Jahren hatte er keine Nacht
auerhalb Gttingens zugebracht. Vormittags erschien er regelmig im
literarischen Museum, woselbst er eine groe Anzahl von Zeitungen
durchsah, in denen ihn, auer den politischen Nachrichten, auch noch
insbesondere die Brsennachrichten ansprachen, welche er aufmerksam im
Interesse seiner statistischen Speculationen verfolgte. Ein Glck ist
es, da Niemand die eminente finanzielle Begabung zeitig genug ahnte,
die =Gau= besa, und von der er z. B. einen so hervorragenden Beweis
bei der Reorganisation der Professorenwittwencasse in Gttingen gegeben
hat! Es wrden dadurch noch grere Beeintrchtigungen seiner Mue
entstanden sein, als die, welche wir oben beklagten. Die meisten
ehemaligen Studirenden der Georgia Augusta aus dem zweiten Viertel
dieses Jahrhunderts werden sich lebhaft das edle Antlitz des groen
Mannes ins Gedchtni zurckrufen knnen; denn auf den meisten von ihnen
wird sein leuchtendes blaues Auge fragend geruht haben, wenn sie
zufllig ein Blatt lasen, nach dem =Gau= Verlangen trug, und das sich
dann Jeder beeilte dem groen Manne darzureichen.

Auszeichnungen aller Art wurden =Gau= vielfach zu Theil -- zeichnete
doch Jeder schlielich nur sich selbst aus, wenn er einen solchen Mann
ehrte -- und vorzglich in groer Zahl am 16. Juli 1849, als der
ehrwrdige Greis sein 50jhriges Doctorjubilum feierte. An diesem Tage
erhielt er auch das Ehrenbrgerrecht der Stdte Braunschweig und
Gttingen.

Schon im Jahre 1846 findet sich in einem Briefe an seinen Freund
=Schumacher= das Verlangen ausgesprochen, seinen Abschied zu nehmen, um
die letzten Jahre seines Lebens in freiester Selbstbestimmung, fern von
der Last aller Berufsgeschfte, verleben zu knnen. Nach seinem Jubilum
schien er berhaupt die Absicht zu haben, zu ruhen, und klagte, da
seine Arbeitszeit im Vergleich mit frheren Jahren merklich krzer
werde. Seine innigsten Freunde waren allmlig aus dem Leben geschieden:
=Olbers= 1840, =Bessel= 1846. Im Jahre 1851 starb =Schumacher=, und
=Gau= vereinsamte mehr und mehr. In den beiden folgenden Wintern litt
er viel an Schlaflosigkeit und andere Beschwerden des Alters traten auf,
so da er endlich, trotz seines geringen Vertrauens in die medicinischen
Wissenschaften, sich im Januar 1854 veranlat sah, rztlichen Rath zu
suchen. Leider zeigte es sich, da das Uebel, an welchem =Gau= litt,
ein Herzfehler war und da man auf eine Wiederherstellung kaum hoffen
durfte. Die Anwendung zweckmiger Mittel besserte das Befinden, so da
der Sommer leidlich verlief. Im December 1854 zeigten sich jedoch sehr
bedenkliche Symptome; nach mehrfachem Hin- und Herschwanken der
Krankheit entschlief =Gau= am 23. Februar 1855. Am Morgen des
26. Februar begleitete ein langer Zug von Leidtragenden den groen
Todten von der Rotunde der Sternwarte zu seiner letzten Ruhesttte.

Das Bildni des gewaltigen Mannes ist am schnsten der Nachwelt erhalten
durch die Denkmnzen, welche der Knig von Hannover im Jahre 1856 auf
ihn prgen lie mit der Widmung:

                    =Mathematicorum Principi.=

Hiernach ist das diesen Zeilen vorangestellte Bild entworfen.





End of Project Gutenberg's Gauss, by Friedrich August Theodor Winnecke

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GAUSS ***

***** This file should be named 42745-8.txt or 42745-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/4/2/7/4/42745/

Produced by Peter Becker, UB Braunschweig and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License available with this file or online at
  www.gutenberg.org/license.


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

