The Project Gutenberg EBook of Beobachtungen ber das Gefhl des Schnen
und Erhabenen, by Immanuel Kant

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Beobachtungen ber das Gefhl des Schnen und Erhabenen

Author: Immanuel Kant

Release Date: October 27, 2012 [EBook #41197]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BEOBACHTUNGEN UBER DAS GEFUHL ***




Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net






  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen.

    Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
    Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
  ]




  Beobachtungen
  ber das Gefhl des Schnen
  und Erhabenen

  von
  Immanuel Kant


  11. bis 15. Tausend

  Im Insel-Verlag zu Leipzig




Erster Abschnitt

Von den unterschiedenen Gegenstnden des Gefhls vom Erhabenen und
Schnen


Die verschiedenen Empfindungen des Vergngens oder des Verdrusses
beruhen nicht so sehr auf der Beschaffenheit der ueren Dinge, die
sie erregen, als auf dem jedem Menschen eigenen Gefhle, dadurch mit
Lust oder Unlust gerhrt zu werden. Daher kommen die Freuden einiger
Menschen, woran andre einen Ekel haben, die verliebte Leidenschaft, die
fters jedermann ein Rtsel ist, oder auch der lebhafte Widerwille,
den der eine woran empfindet, was dem andern vllig gleichgltig
ist. Das Feld der Beobachtungen dieser Besonderheiten der menschlichen
Natur erstreckt sich sehr weit und verbirgt annoch einen reichen Vorrat
zu Entdeckungen, die ebenso anmutig als lehrreich sind. Ich werfe fr
jetzt meinen Blick nur auf einige Stellen, die sich in diesem Bezirke
besonders auszunehmen scheinen, und auch auf diese mehr das Auge eines
Beobachters als des Philosophen.

Weil ein Mensch sich nur insofern glcklich findet, als er eine
Neigung befriedigt, so ist das Gefhl, welches ihn fhig macht,
groe Vergngen zu genieen, ohne dazu ausnehmende Talente zu
bedrfen, gewi nicht eine Kleinigkeit. Wohlbeleibte Personen, deren
geistreichster Autor ihr Koch ist und deren Werke von feinem Geschmack
sich in ihrem Keller befinden, werden bei gemeinen Zoten und einem
plumpen Scherz in ebenso lebhafte Freude geraten, als diejenige ist,
worauf Personen in edeler Empfindung so stolz tun. Ein bequemer Mann,
der die Vorlesung der Bcher liebt, weil es sich sehr wohl dabei
einschlafen lt, der Kaufmann, dem alle Vergngen lppisch
scheinen, dasjenige ausgenommen, was ein kluger Mann geniet, wenn
er seinen Handlungsvorteil berschlgt, derjenige, der das andre
Geschlecht nur insofern liebt, als er es zu den geniebaren Sachen
zhlt, der Liebhaber der Jagd, er mag nun Fliegen jagen, wie Domitian,
oder wilde Tiere, wie A.., alle diese haben ein Gefhl,
welches sie fhig macht, Vergngen nach ihrer Art zu genieen,
ohne da sie andere beneiden drfen oder auch von andern sich einen
Begriff machen knnen; allein ich wende fr jetzt darauf keine
Aufmerksamkeit. Es gibt noch ein Gefhl von feinerer Art, welches
entweder darum so genannt wird, weil man es lnger ohne Sttigung und
Erschpfung genieen kann, oder weil es sozusagen eine Reizbarkeit
der Seele voraussetzt, die diese zugleich zu tugendhaften Regungen
geschickt macht, oder weil es Talente und Verstandesvorzge anzeigt,
da im Gegenteil jene bei vlliger Gedankenlosigkeit stattfinden
knnen. Dieses Gefhl ist es, wovon ich eine Seite betrachten
will. Doch schliee ich hievon die Neigung aus, welche auf hohe
Verstandeseinsichten geheftet ist, und den Reiz, dessen ein _Kepler_
fhig war, wenn er, wie _Bayle_ berichtet, eine seiner Erfindungen
nicht um ein Frstentum wrde verkauft haben. Diese Empfindung ist
gar zu fein, als da sie in gegenwrtigen Entwurf gehren sollte,
welcher nur das sinnliche Gefhl berhren wird, dessen auch gemeinere
Seelen fhig sind.

Das feinere Gefhl, was wir nun erwgen wollen, ist vornehmlich
zwiefacher Art: das Gefhl des _Erhabenen_ und des _Schnen_. Die
Rhrung von beiden ist angenehm, aber auf sehr verschiedene
Weise. Der Anblick eines Gebirges, dessen beschneite Gipfel sich
ber Wolken erheben, die Beschreibung eines rasenden Sturms oder die
Schilderung des hllischen Reichs von _Milton_ erregen Wohlgefallen,
aber mit Grausen; dagegen die Aussicht auf blumenreiche Wiesen,
Tler mit schlngelnden Bchen, bedeckt von weidenden Herden,
die Beschreibung des Elysium oder _Homers_ Schilderung von dem
Grtel der Venus veranlassen auch eine angenehme Empfindung, die
aber frhlich und lchlend ist. Damit jener Eindruck auf uns in
gehriger Strke geschehen knne, so mssen wir ein _Gefhl_
des _Erhabenen_ und, um die letztere recht zu genieen, ein _Gefhl_
fr das _Schne_ haben. Hohe Eichen und einsame Schatten im heiligen
Haine sind _erhaben_, Blumenbetten, niedrige Hecken und in Figuren
geschnittene Bume sind schn. Die Nacht ist _erhaben_, der Tag ist
_schn_. Gemtsarten, die ein Gefhl fr das Erhabene besitzen,
werden durch die ruhige Stille eines Sommerabendes, wenn das zitternde
Licht der Sterne durch die braunen Schatten der Nacht hindurchbricht
und der einsame Mond im Gesichtskreise steht, allmhlich in hohe
Empfindungen gezogen, von Freundschaft, von Verachtung der Welt,
von Ewigkeit. Der glnzende Tag flt geschftigen Eifer und
ein Gefhl von Lustigkeit ein. Das Erhabene _rhrt_, das Schne
_reizt_. Die Miene des Menschen, der im vollen Gefhl des Erhabenen
sich befindet, ist ernsthaft, bisweilen starr und erstaunt. Dagegen
kndigt sich die lebhafte Empfindung des Schnen durch glnzende
Heiterkeit in den Augen, durch Zge des Lchelns und oft durch laute
Lustigkeit an. Das Erhabene ist wiederum verschiedener Art. Das Gefhl
desselben ist bisweilen mit einigem Grausen oder auch Schwermut, in
einigen Fllen blo mit ruhiger Bewunderung und in noch andern mit
einer ber einen erhabenen Plan verbreiteten Schnheit begleitet. Das
erstere will ich das _Schreckhaft-Erhabene_, das zweite das _Edle_ und
das dritte das _Prchtige_ nennen. Tiefe Einsamkeit ist erhaben, aber
auf eine schreckhafte Art.(1) Daher groe, weitgestreckte Einden,
wie die ungeheure Wste Schamo in der Tartarei, jederzeit Anla
gegeben haben, frchterliche Schatten, Kobolde und Gespensterlarven
dahin zu versetzen.

Das Erhabene mu jederzeit gro, das Schne kann auch klein
sein. Das Erhabene mu einfltig, das Schne kann geputzt und
geziert sein. Eine groe Hhe ist ebensowohl erhaben als eine groe
Tiefe; allein diese ist mit der Empfindung des Schauderns begleitet,
jene mit der Bewunderung; daher diese Empfindung schreckhaft erhaben
und jene edel sein kann. Der Anblick einer gyptischen Pyramide
rhrt, wie _Hasselquist_ berichtet, weit mehr, als man sich aus
aller Beschreibung es vorstellen kann, aber ihr Bau ist einfltig und
edel. Die Peterskirche in Rom ist prchtig. Weil auf diesen Entwurf,
der gro und einfltig ist, Schnheit, z.E. Gold, mosaische
Arbeit usw. usw. so verbreitet ist, da die Empfindung des Erhabenen
doch am meisten hindurch wirkt, so heit der Gegenstand prchtig. Ein
Arsenal mu edel und einfltig, ein Residenzschlo prchtig und ein
Lustpalast schn und geziert sein.

  (1) Ich will nur ein Beispiel von dem edlen Grausen geben,
  welches die Beschreibung einer gnzlichen Einsamkeit einflen
  kann, und ziehe um deswillen einige Stellen aus _Carazans_ Traum
  im Brem. Magazin, BandIV, Seite539 aus. Dieser karge Reiche
  hatte nach dem Mae, als seine Reichtmer zunahmen, sein Herz dem
  Mitleiden und der Liebe gegen jeden andern verschlossen. Indessen,
  so wie die Menschenliebe in ihm erkaltete, nahm die Emsigkeit seiner
  Gebete und der Religionshandlungen zu. Nach diesem Gestndnisse
  fhrt er also fort zu reden. An einem Abende, da ich bei meiner
  Lampe meine Rechnungen zog und den Handlungsvorteil berschlug,
  berwltigte mich der Schlaf. In diesem Zustande sah ich den Engel
  des Todes wie einen Wirbelwind ber mich kommen, er schlug mich,
  ehe ich den schrecklichen Streich abbitten konnte. Ich erstarrte,
  als ich gewahr ward, da mein Los fr die Ewigkeit geworfen sei
  und da zu allem Guten, das ich verbt, nichts konnte hinzugetan,
  und von allem Bsen, das ich getan, nichts konnte hinweggenommen
  werden. Ich ward vor den Thron dessen, der in dem dritten Himmel
  wohnt, gefhrt. Der Glanz, der vor mir flammte, redete mich also
  an: Carazan, dein Gottesdienst ist verworfen. Du hast dein Herz
  der Menschenliebe verschlossen und deine Schtze mit einer eisernen
  Hand gehalten. Du hast nur fr dich selbst gelebt, und darum sollst
  du auch knftig in Ewigkeit allein und von aller Gemeinschaft mit
  der ganzen Schpfung ausgestoen leben. In diesem Augenblicke
  ward ich durch eine unsichtbare Gewalt fortgerissen und durch
  das glnzende Gebude der Schpfung getrieben. Ich lie bald
  unzhlige Welten hinter mir. Als ich mich dem uersten Ende
  der Natur nherte, merkte ich, da die Schatten des grenzenlosen
  Leeren sich in die Tiefe vor mich herabsenkten. Ein frchterliches
  Reich von ewiger Stille, Einsamkeit und Finsternis. Unaussprechliches
  Grausen berfiel mich bei diesem Anblick. Ich verlor allgemach die
  letzten Sterne aus dem Gesichte, und endlich erlosch der letzte
  glimmernde Schein des Lichts in der uersten Finsternis. Die
  Todesngste der Verzweiflung nahmen mit jedem Augenblicke zu,
  so wie jeder Augenblick meine Entfernung von der letzten bewohnten
  Welt vermehrte. Ich bedachte mit unleidlicher Herzensangst, da,
  wenn zehntausendmal tausend Jahre mich jenseit den Grenzen alles
  Erschaffenen wrden weitergebracht haben, ich doch noch immerhin in
  den unermelichen Abgrund der Finsternis vorwrts schauen wrde
  ohne Hlfe oder Hoffnung einiger Rckkehr. ---- In dieser
  Betubung streckte ich meine Hnde mit solcher Heftigkeit nach
  Gegenstnden der Wirklichkeit aus, da ich darber erwachte. Und
  nun bin ich belehrt worden, Menschen hochzuschtzen; denn auch der
  Geringste von denjenigen, die ich im Stolze meines Glcks von meiner
  Tre gewiesen hatte, wrde in jener erschrecklichen Einde von mir
  allen Schtzen von Golconda weit sein vorgezogen worden.----

Eine lange Dauer ist erhaben. Ist sie von vergangener Zeit, so ist sie
edel; wird sie in einer unabsehlichen Zukunft vorausgesehen, so hat sie
etwas vom Schreckhaften an sich. Ein Gebude aus dem entferntesten
Altertum ist ehrwrdig. _Hallers_ Beschreibung von der knftigen
Ewigkeit stt ein sanftes Grausen und von der vergangenen starre
Bewunderung ein.




Zweiter Abschnitt

Von den Eigenschaften des Erhabenen und Schnen am Menschen berhaupt


Verstand ist erhaben, Witz ist schn. Khnheit ist erhaben und gro,
List ist klein, aber schn. Die Behutsamkeit, sagte _Cromwell_,
ist eine Brgermeistertugend. Wahrhaftigkeit und Redlichkeit ist
einfltig und edel, Scherz und gefllige Schmeichelei ist fein
und schn. Artigkeit ist die Schnheit der Tugend. Uneigenntziger
Diensteifer ist edel, Geschliffenheit (Politesse) und Hflichkeit sind
schn. Erhabene Eigenschaften flen Hochachtung, schne aber Liebe
ein. Leute, deren Gefhl vornehmlich auf das Schne geht, suchen ihre
redlichen, bestndigen und ernsthaften Freunde nur in der Not auf; den
scherzhaften, artigen und hflichen Gesellschafter aber erwhlen sie
sich zum Umgange. Man schtzt manchen viel zu hoch, als da man ihn
lieben knnte. Er flt Bewunderung ein, aber er ist zu weit ber
uns, als da wir mit der Vertraulichkeit der Liebe uns ihm zu nhern
getrauten.

Diejenige, welche beiderlei Gefhl in sich vereinbaren, werden
finden: da die Rhrung von dem Erhabenen mchtiger ist wie die
vom Schnen, nur da sie ohne Abwechselung oder Begleitung der
letzteren ermdet und nicht so lange genossen werden kann.(2) Die
hohen Empfindungen, zu denen die Unterredung in einer Gesellschaft von
guter Wahl sich bisweilen erhebt, mssen sich dazwischen in heiteren
Scherz auflsen, und die lachenden Freuden sollen mit der gerhrten,
ernsthaften Miene den schnen Kontrast machen, welcher beide Arten
von Empfindung ungezwungen abwechseln lt. _Freundschaft_ hat
hauptschlich den Zug des Erhabenen, _Geschlechterliebe_ aber des
Schnen an sich. Doch geben Zrtlichkeit und tiefe Hochachtung der
letzteren eine gewisse Wrde und Erhabenheit, dagegen gaukelhafter
Scherz und Vertraulichkeit das Kolorit des Schnen in dieser
Empfindung erhhen. Das _Trauerspiel_ unterscheidet sich meiner
Meinung nach vom _Lustspiele_ vornehmlich darin: da in dem ersteren
das Gefhl frs _Erhabene_, im zweiten fr das _Schne_ gerhrt
wird. In dem ersteren zeigen sich gromtige Aufopferung fr
fremdes Wohl, khne Entschlossenheit in Gefahren und geprfte
Treue. Die Liebe ist daselbst schwermtig, zrtlich und voll
Hochachtung; das Unglck anderer bewegt in dem Busen des Zuschauers
teilnehmende Empfindungen und lt sein gromtig Herz fr fremde
Not klopfen. Er wird sanft gerhrt und fhlt die Wrde seiner
eigenen Natur. Dagegen stellt das Lustspiel feine Rnke, wunderliche
Verwirrungen und Witzige, die sich herauszuziehen wissen, Narren, die
sich betrgen lassen, Spe und lcherliche Charaktere vor. Die
Liebe ist hier nicht so grmisch, sie ist lustig und vertraulich. Doch
kann so wie in andern Fllen, also auch in diesen das Edle mit dem
Schnen in gewissem Grade vereinbart werden.

  (2) Die Empfindungen des Erhabenen spannen die Krfte der Seele
  strker an und ermden daher eher. Man wird ein Schfergedicht
  lnger in einer Folge lesen knnen als Miltons Verlorenes Paradies
  und den de la Bruyere lnger wie den Young. Es scheint mir sogar
  ein Fehler des letzteren als eines moralischen Dichters zu sein, da
  er gar zu einfrmig im erhabenen Tone anhlt; denn die Strke des
  Eindrucks kann nur durch Abstechungen mit sanfteren Stellen erneuert
  werden. Bei dem Schnen ermdet nichts mehr als mhsame Kunst,
  die sich dabei verrt. Die Bemhung zu reizen wird peinlich und mit
  Beschwerlichkeit empfunden.

Selbst die Laster und moralischen Gebrechen fhren fters gleichwohl
einige Zge des Erhabenen oder Schnen bei sich; wenigstens so
wie sie unserem sinnlichen Gefhl erscheinen, ohne durch Vernunft
geprft zu sein. Der Zorn eines Furchtbaren ist erhaben, wie
Achilles' Zorn in der Iliade. berhaupt ist der Held des _Homers
schrecklich erhaben_, des _Virgils_ seiner dagegen _edel_. Offenbare
dreiste Rache nach groer Beleidigung hat etwas Groes an sich,
und so unerlaubt sie auch sein mag, so rhrt sie in der Erzhlung
gleichwohl mit Grausen und Wohlgefallen. Als Schach Nadir zur Nachtzeit
von einigen Verschwornen in seinem Zelte berfallen ward, so rief
er, wie Hanway erzhlt, nachdem er schon einige Wunden bekommen
und sich voll Verzweiflung wehrte: _Erbarmung! ich will euch allen
vergeben._ Einer unter ihnen antwortete, indem er den Sbel in die
Hhe hob: _Du hast keine Erbarmung bewiesen und verdienst auch
keine._ Entschlossene Verwegenheit an einem Schelmen ist hchst
gefhrlich, aber sie rhrt doch in der Erzhlung, und selbst wenn
er zu einem schndlichen Tode geschleppt wird, so veredelt er ihn
noch gewissermaen dadurch, da er ihm trotzig und mit Verachtung
entgegengeht. Von der andern Seite hat ein listig ausgedachter Entwurf,
wenn er gleich auf ein Bubenstck ausgeht, etwas an sich, was fein ist
und belacht wird. Buhlerische Neigung (Koketterie) im feinen Verstande,
nmlich eine Geflissenheit einzunehmen und zu reizen, an einer sonst
artigen Person ist vielleicht tadelhaft, aber doch schn und wird
gemeiniglich dem ehrbaren, ernsthaften Anstande vorgezogen.

Die Gestalt der Personen, die durch ihr ueres Ansehen gefallen,
schlgt bald in eine, bald in die andere Art des Gefhls ein. Eine
groe Statur erwirbt sich Ansehen und Achtung, eine kleine mehr
Vertraulichkeit. Selbst die brunliche Farbe und schwarze Augen
sind dem Erhabenen, blaue Augen und blonde Farbe dem Schnen nher
verwandt. Ein etwas greres Alter vereinbart sich mehr mit den
Eigenschaften des Erhabenen, Jugend aber mit denen des Schnen. So ist
es auch mit dem Unterschiede der Stnde bewandt, und in allen diesen
nur erwhnten Beziehungen mssen sogar die Kleidungen auf diesen
Unterschied des Gefhls eintreffen. Groe, ansehnliche Personen
mssen Einfalt, hchstens Pracht in ihrer Kleidung beobachten, kleine
knnen geputzt und geschmckt sein. Dem Alter geziemen dunklere
Farben und Einfrmigkeit im Anzuge, die Jugend schimmert durch hellere
und lebhaft abstechende Kleidungsstcke. Unter den Stnden mu bei
gleichem Vermgen und Range der Geistliche die grte Einfalt, der
Staatsmann die meiste Pracht zeigen. Der Cicisbeo kann sich ausputzen,
wie es ihm beliebt.

Auch in uerlichen Glcksumstnden ist etwas, das wenigstens nach
dem Wahne der Menschen in diese Empfindungen einschlgt. Geburt und
Titel finden die Menschen gemeiniglich zur Achtung geneigt. Reichtum
auch ohne Verdienste wird selbst von Uneigenntzigen geehrt,
vermutlich weil sich mit seiner Vorstellung Entwrfe von groen
Handlungen vereinbaren, die dadurch knnten ausgefhrt werden. Diese
Achtung trifft gelegentlich auch manchen reichen Schurken, der solche
Handlungen niemals ausben wird und von dem edlen Gefhl keinen
Begriff hat, welches Reichtmer einzig und allein schtzbar machen
kann. Was das bel der Armut vergrert, ist die Geringschtzung,
welche auch nicht durch Verdienste gnzlich kann berwogen
werden, wenigstens nicht vor gemeinen Augen, wo nicht Rang und Titel
dieses plumpe Gefhl tuschen und einigermaen zu dessen Vorteil
hintergehen.

In der menschlichen Natur finden sich niemals rhmliche Eigenschaften,
ohne da zugleich Abartungen derselben durch unendliche
Schattierungen bis zur uersten Unvollkommenheit bergehen
sollten. Die Eigenschaft des _Schrecklich-Erhabenen_, wenn sie ganz
unnatrlich wird, ist _abenteuerlich_.(3) Unnatrliche Dinge,
insofern das Erhabene darin gemeint ist, ob es gleich wenig oder
gar nicht angetroffen wird, sind _Fratzen_. Wer das Abenteuerliche
liebt und glaubt, ist ein _Phantast_, die Neigung zu Fratzen macht den
_Grillenfnger_. Andererseits artet das Gefhl des Schnen aus, wenn
das Edle dabei gnzlich mangelt, und man nennt es _lppisch_. Eine
Mannsperson von dieser Eigenschaft, wenn sie jung ist, heit ein
_Laffe_; ist sie im mittleren Alter, so ist es ein _Geck_. Weil dem
hheren Alter das Erhabene am notwendigsten ist, so ist ein _alter
Geck_ das verchtlichste Geschpf in der Natur, so wie ein junger
Grillenfnger das widrigste und unleidlichste ist. Scherze und
Munterkeit schlagen in das Gefhl des Schnen ein. Gleichwohl kann
noch ziemlich viel Verstand hindurchscheinen, und insofern knnen
sie mehr oder weniger dem Erhabenen verwandt sein. Der, in dessen
Munterkeit diese Dazumischung unmerklich ist, _faselt_. Der bestndig
faselt, ist _albern_. Man merkt leicht, da auch kluge Leute bisweilen
faseln und da nicht wenig Geist dazu gehre, den Verstand eine
kurze Zeit von seinem Posten abzurufen, ohne da dabei etwas versehen
wird. Derjenige, dessen Reden oder Handlungen weder belustigen noch
rhren, ist _langweilig_. Der Langweilige, insofern er gleichwohl
beides zu tun geschftig ist, ist _abgeschmackt_. Der Abgeschmackte,
wenn er aufgeblasen ist, ist ein _Narr_.(4)

  (3) Insofern die Erhabenheit oder Schnheit das bekannte
  Mittelma berschreitet, so pflegt man sie _romantisch_ zu nennen.

  (4) Man bemerkt bald, da diese ehrwrdige Gesellschaft sich in
  zwei Logen teile, in die der Grillenfnger und die der Gecken. Ein
  gelehrter Grillenfnger wird bescheidentlich ein _Pedant_
  genannt. Wenn er die trotzige Weisheitsmiene annimmt, wie die _Dunse_
  alter und neuer Zeiten, so steht ihm die Kappe mit Schellen gut
  zum Gesichte. Die Klasse der Gecken wird mehr in der groen Welt
  angetroffen. Sie ist vielleicht noch besser als die erstere. Man hat
  an ihnen viel zu verdienen und viel zu lachen. In dieser Karikatur
  macht gleichwohl einer dem andern ein schief Maul und stt mit
  seinem leeren Kopf an den Kopf seines Bruders.

Ich will diesen wunderlichen Abri der menschlichen Schwachheiten
durch Beispiele etwas verstndlicher machen; denn der, welchem
_Hogarths_ Grabstichel fehlt, mu, was der Zeichnung am Ausdrucke
mangelt, durch Beschreibung ersetzen. Khne bernehmung der
Gefahren fr unsere, des Vaterlandes oder unserer Freunde
Rechte ist erhaben. Die Kreuzzge, die alte Ritterschaft waren
_abenteuerlich_: die Duelle, ein elender Rest der letztern aus einem
verkehrten Begriff des Ehrenrufs, sind _Fratzen_. Schwermtige
Entfernung von dem Gerusche der Welt aus einem rechtmigen
berdrusse ist _edel_. Der alten Eremiten einsiedlerische Andacht
war _abenteuerlich_. Klster und dergleichen Grber, um lebendige
Heilige einzusperren, sind _Fratzen_. Bezwingung seiner Leidenschaften
durch Grundstze ist _erhaben_. Kasteiungen, Gelbde und andere
Mnchstugenden mehr sind _Fratzen_. Heilige Knochen, heiliges Holz und
aller dergleichen Plunder, den heiligen Stuhlgang des groen Lama von
Tibet nicht ausgeschlossen, sind _Fratzen_. Von den Werken des Witzes
und des feinen Gefhls fallen die epischen Gedichte des Virgils und
Klopstocks ins _Edle_, Homers und Miltons ins _Abenteuerliche_. Die
Verwandelungen des Ovids sind _Fratzen_, die Feenmrchen des
franzsischen Aberwitzes sind die elendesten Fratzen, die jemals
ausgeheckt worden. Anakreontische Gedichte sind gemeiniglich sehr nahe
beim _Lppischen_.

Die Werke des Verstandes und der Scharfsinnigkeit, insofern ihre
Gegenstnde auch etwas fr das Gefhl enthalten, nehmen gleichfalls
einigen Anteil an den gedachten Verschiedenheiten. Die mathematische
Vorstellung von der unermelichen Gre des Weltbaues, die
Betrachtungen der Metaphysik von der Ewigkeit, der Vorsehung, der
Unsterblichkeit unserer Seele enthalten eine gewisse Erhabenheit
und Wrde. Hingegen wird die Weltweisheit auch durch viel leere
Spitzfindigkeiten entstellt, und der Anschein der Grndlichkeit
hindert nicht, da die vier syllogistischen Figuren nicht zu
Schulfratzen gezhlt zu werden verdienten.

In moralischen Eigenschaften ist wahre Tugend allein erhaben. Es gibt
gleichwohl gute sittliche Qualitten, die liebenswrdig und schn
sind und, insofern sie mit der Tugend harmonieren, auch als edel
angesehen werden, ob sie gleich eigentlich nicht zur tugendhaften
Gesinnung gezhlt werden knnen. Das Urteil hierber ist fein und
verwickelt. Man kann gewi die Gemtsverfassung nicht tugendhaft
nennen, die ein Quell solcher Handlungen ist, auf welche zwar auch
die Tugend hinauslaufen wrde, allein aus einem Grunde, der nur
zuflligerweise damit bereinstimmt, seiner Natur nach aber den
allgemeinen Regeln der Tugend auch fters widerstreiten kann. Eine
gewisse Weichmtigkeit, die leichtlich in ein warmes Gefhl des
_Mitleidens_ gesetzt wird, ist schn und liebenswrdig; denn es
zeigt eine gtige Teilnehmung an dem Schicksale anderer Menschen an,
worauf Grundstze der Tugend gleichfalls hinausfhren. Allein diese
gutartige Leidenschaft ist gleichwohl schwach und jederzeit blind. Denn
setzet, diese Empfindung bewege euch, mit eurem Aufwande einem
Notleidenden aufzuhelfen, allein ihr seid einem andern schuldig und
setzt euch dadurch auerstand, die strenge Pflicht der Gerechtigkeit
zu erfllen, so kann offenbar die Handlung aus keinem tugendhaften
Vorsatze entspringen, denn ein solcher knnte euch unmglich
anreizen, eine hhere Verbindlichkeit dieser blinden Bezauberung
aufzuopfern. Wenn dagegen die allgemeine Wohlgewogenheit gegen das
menschliche Geschlecht in euch zum Grundsatze geworden ist, welchem
ihr jederzeit eure Handlungen unterordnet, alsdann bleibt die Liebe
gegen den Notleidenden noch, allein sie ist jetzt aus einem hhern
Standpunkte in das wahre Verhltnis gegen eure gesamte Pflicht
versetzt worden. Die allgemeine Wohlgewogenheit ist ein Grund der
Teilnehmung an seinem bel, aber auch zugleich der Gerechtigkeit, nach
deren Vorschrift ihr jetzt diese Handlung unterlassen msset. Sobald
nun dieses Gefhl zu seiner gehrigen Allgemeinheit gestiegen ist,
so ist es erhaben, aber auch klter. Denn es ist nicht mglich,
da unser Busen fr jedes Menschen Anteil von Zrtlichkeit
aufschwelle und bei jeder fremden Not in Wehmut schwimme, sonst wrde
der Tugendhafte, unaufhrlich in mitleidigen Trnen wie Heraklit
schmelzend, bei aller dieser Gutherzigkeit gleichwohl nichts weiter als
ein weichmtiger Miggnger werden.(5)

  (5) Bei nherer Erwgung findet man, da, so liebenswrdig
  auch die mitleidige Eigenschaft sein mag, sie doch die Wrde der
  Tugend nicht an sich habe. Ein leidendes Kind, ein unglckliches
  und artiges Frauenzimmer wird unser Herz mit dieser Wehmut anfllen,
  indem wir zu gleicher Zeit die Nachricht von einer groen Schlacht
  mit Kaltsinn vernehmen, in welcher, wie leicht zu erachten, ein
  ansehnlicher Teil des menschlichen Geschlechts unter grausamen
  beln unverschuldet erliegen mu. Mancher Prinz, der sein Gesicht
  vor Wehmut fr eine einzige unglckliche Person wegwandte, gab
  gleichwohl aus einem fters eitlen Bewegungsgrunde zu gleicher
  Zeit den Befehl zum Kriege. Es ist hier gar keine Proportion in der
  Wirkung, wie kann man denn sagen, da die allgemeine Menschenliebe
  die Ursache sei?

Die zweite Art des gtigen Gefhls, welches zwar schn und
liebenswrdig, aber noch nicht die Grundlage einer wahren Tugend ist,
ist die _Geflligkeit_, eine Neigung, andern durch Freundlichkeit,
durch Einwilligung in ihr Verlangen und durch Gleichfrmigkeit
unseres Betragens mit ihren Gesinnungen angenehm zu werden. Dieser
Grund einer reizenden Geselligkeit ist schn und die Biegsamkeit
eines solchen Herzens gutartig. Allein sie ist so gar keine Tugend,
da, wo nicht hhere Grundstze ihr Schranken setzen und sie
schwchen, alle Laster daraus entspringen knnen. Denn nicht
zu gedenken, da diese Geflligkeit gegen die, mit welchen wir
umgehen, sehr oft eine Ungerechtigkeit gegen andre ist, die sich
auer diesem kleinen Zirkel befinden, so wird ein solcher Mann,
wenn man diesen Antrieb allein nimmt, alle Laster haben knnen, nicht
aus unmittelbarer Neigung, sondern weil er gerne zu gefallen lebt. Er
wird aus liebreicher Geflligkeit ein Lgner, ein Miggnger,
ein Sufer usw. usw. sein, denn er handelt nicht nach den Regeln, die
auf das Wohlverhalten berhaupt gehen, sondern nach einer Neigung, die
an sich schn, aber, indem sie ohne Haltung und ohne Grundstze ist,
lppisch wird.

Demnach kann wahre Tugend nur auf Grundstze gepfropft werden,
und je allgemeiner sie sind, desto erhabener und edler wird
sie. Diese Grundstze sind nicht spekulativische Regeln, sondern das
Bewutsein eines Gefhls, das in jedem menschlichen Busen lebt und
sich viel weiter als auf die besonderen Grnde des Mitleidens und
der Geflligkeit erstreckt. Ich glaube, ich fasse alles zusammen,
wenn ich sage, es sei das _Gefhl von der Schnheit und der Wrde
der menschlichen Natur_. Das erstere ist ein Grund der allgemeinen
Wohlgewogenheit, das zweite der allgemeinen Achtung, und wenn dieses
Gefhl die grte Vollkommenheit in irgendeinem menschlichen
Herzen htte, so wrde dieser Mensch sich zwar auch selbst lieben
und schtzen, aber nur insofern er einer von allen ist, auf die sein
ausgebreitetes und edles Gefhl sich ausdehnt. Nur indem man einer
so erweiterten Neigung seine besondere unterordnet, knnen unsere
gtigen Triebe proportioniert angewandt werden und den edlen Anstand
zuwege bringen, der die Schnheit der Tugend ist.

In Ansehung der Schwche der menschlichen Natur und der geringen
Macht, welche das allgemeine moralische Gefhl ber die mehrsten
Herzen ausben wrde, hat die Vorsehung dergleichen hlfeleistende
Triebe als Supplemente der Tugend in uns gelegt, die, indem sie
einige auch ohne Grundstze zu schnen Handlungen bewegen, zugleich
andern, die durch diese letzteren regiert werden, einen greren
Sto und einen strkern Antrieb dazu geben knnen. Mitleiden und
Geflligkeit sind Grnde von schnen Handlungen, die vielleicht
durch das bergewicht eines grberen Eigennutzes insgesamt wrden
erstickt werden, allein nicht unmittelbare Grnde der Tugend, wie
wir gesehen haben, obgleich, da sie durch die Verwandtschaft mit ihr
geadelt werden, sie auch ihren Namen erwerben. Ich kann sie daher
_adoptierte Tugenden_ nennen, diejenige aber, die auf Grundstzen
beruht, die _echte Tugend_. Jene sind schn und reizend, diese
allein ist erhaben und ehrwrdig. Man nennt ein Gemt, in welchem
die ersteren Empfindungen regieren, ein _gutes Herz_ und den Menschen
von solcher Art _gutherzig_; dagegen man mit Recht dem Tugendhaften
aus Grundstzen ein _edles Herz_ beilegt, ihn selber aber einen
_rechtschaffenen_ nennt. Diese adoptierten Tugenden haben gleichwohl
mit den wahren Tugenden groe hnlichkeit, indem sie das Gefhl
einer unmittelbaren Lust an gtigen und wohlwollenden Handlungen
enthalten. Der Gutherzige wird ohne weitere Absicht aus unmittelbarer
Geflligkeit friedsam und hflich mit euch umgehen und aufrichtiges
Beileid bei der Not eines andern empfinden.

Allein da diese moralische Sympathie gleichwohl noch nicht genug ist,
die trge menschliche Natur zu gemeinntzigen Handlungen anzutreiben,
so hat die Vorsehung in uns noch ein gewisses Gefhl gelegt, welches
fein ist und uns in Bewegung setzen oder auch dem grberen Eigennutze
und der gemeinen Wollust das Gleichgewicht leisten kann. Dieses ist
das _Gefhl fr Ehre_ und dessen Folge die _Scham_. Die Meinung,
die andere von unserm Werte haben mgen, und ihr Urteil von unsern
Handlungen ist ein Bewegungsgrund von groem Gewichte, der uns
manche Aufopferungen ablockt, und was ein guter Teil der Menschen
weder aus einer unmittelbar aufsteigenden Regung der Gutherzigkeit
noch aus Grundstzen wrde getan haben, geschieht oft genug blo
um des ueren Scheines willen aus einem Wahne, der sehr ntzlich,
obzwar an sich selbst sehr seicht ist, als wenn das Urteil anderer den
Wert von uns und unsern Handlungen bestimmte. Was aus diesem Antriebe
geschieht, ist nicht im mindesten tugendhaft, weswegen auch ein jeder,
der fr einen solchen gehalten werden will, den Bewegungsgrund der
Ehrbegierde wohlbedchtig verhehlt. Es ist auch diese Neigung nicht
einmal so nahe wie die Gutherzigkeit der echten Tugend verwandt, weil
sie nicht unmittelbar durch die Schnheit der Handlungen, sondern
durch den in fremde Augen fallenden Anstand derselben bewegt werden
kann. Ich kann demnach, da gleichwohl das Gefhl fr Ehre fein ist,
das Tugendhnliche, was dadurch veranlat wird, den _Tugendschimmer_
nennen.

Vergleichen wir die Gemtsarten der Menschen, insofern eine von diesen
drei Gattungen des Gefhls in ihnen herrscht und den moralischen
Charakter bestimmt, so finden wir, da eine jede derselben mit
einem der gewhnlichermaen eingeteilten Temperamente in nherer
Verwandtschaft stehe, doch so, da ber dieses ein grerer
Mangel des moralischen Gefhls dem phlegmatischen zum Anteil
werden wrde. Nicht als wenn das Hauptmerkmal in dem Charakter
dieser verschiedenen Gemtsarten auf die gedachten Zge ankme;
denn das grbere Gefhl, z.E. des Eigennutzes, der gemeinen
Wollust usw. usw., erwgen wir in dieser Abhandlung gar nicht,
und auf dergleichen Neigungen wird bei der gewhnlichen Einteilung
gleichwohl vorzglich gesehen; sondern weil die erwhnten feineren
moralischen Empfindungen sich leichter mit einem oder dem andern
dieser Temperamente vereinbaren lassen und wirklich meistenteils damit
vereinigt sind.

Ein innigliches Gefhl fr die Schnheit und Wrde der menschlichen
Natur, und eine Fassung und Strke des Gemts, hierauf als auf
einen allgemeinen Grund seine gesamten Handlungen zu beziehen,
ist ernsthaft und gesellt sich nicht wohl mit einer flatterhaften
Lustigkeit, noch mit dem Unbestand eines Leichtsinnigen. Es nhert
sich sogar der Schwermut, einer sanften und edlen Empfindung, insofern
sie sich auf dasjenige Grausen grndet, das eine eingeschrnkte
Seele fhlt, wenn sie, von einem groen Vorsatze voll, die
Gefahren sieht, die sie zu berstehen hat, und den schweren,
aber groen Sieg der Selbstberwindung vor Augen hat. Die echte
Tugend also aus Grundstzen hat etwas an sich, was am meisten mit
der _melancholischen_ Gemtsverfassung im gemilderten Verstande
zusammenzustimmen scheint.

Die Gutherzigkeit, eine Schnheit und feine Reizbarkeit des Herzens,
nach dem Anla, der sich vorfindet, in einzelnen Fllen mit Mitleiden
oder Wohlwollen gerhrt zu werden, ist dem Wechsel der Umstnde
sehr unterworfen, und indem die Bewegung der Seele nicht auf einem
allgemeinen Grundsatze beruht, so nimmt sie leichtlich vernderte
Gestalten an, nachdem die Gegenstnde eine oder die andere Seite
darbieten. Und da diese Neigung auf das Schne hinausluft, so
scheint sie sich mit derjenigen Gemtsart, die man _sanguinisch_
nennt, welche flatterhaft und den Belustigungen ergeben ist, am
natrlichsten zu vereinbaren. In diesem Temperamente werden wir die
beliebten Eigenschaften, die wir adoptierte Tugenden nannten, zu suchen
haben.

Das Gefhl fr die Ehre ist sonst schon gewhnlich als ein Merkmal
der _cholerischen_ Komplexion angenommen worden, und wir knnen
dadurch Anla nehmen, die moralischen Folgen dieses feinen Gefhls,
welche mehrenteils nur aufs Schimmern abgezielt sind, zu Schilderung
eines solchen Charakters aufzusuchen.

Niemals ist ein Mensch ohne alle Spuren der feineren Empfindung,
allein ein grerer Mangel derselben, der vergleichungsweise auch
Fhllosigkeit heit, kommt in den Charakter des _phlegmatischen_, den
man sonst auch sogar der grbern Triebfedern, als der Geldbegierde
usw. usw., beraubt, die wir aber zusamt andern, verschwisterten
Neigungen ihm allenfalls lassen knnen, weil sie gar nicht in diesen
Plan gehren.

Lat uns anjetzt die Empfindungen des Erhabenen und Schnen,
vornehmlich sofern sie moralisch sind, unter der angenommenen
Einteilung der Temperamente nher betrachten.

Der, dessen Gefhl ins _Melancholische_ einschlgt, wird nicht darum
so genannt, weil er, der Freuden des Lebens beraubt, sich in finsterer
Schwermut hrmt, sondern weil seine Empfindungen, wenn sie ber
einen gewissen Grad vergrert wrden oder durch einige Ursachen
eine falsche Richtung bekmen, auf dieselbe leichter als einen andern
Zustand auslaufen wrden. Er hat vorzglich ein _Gefhl fr das
Erhabene_. Selbst die Schnheit, fr welche er ebensowohl Empfindung
hat, mu ihn nicht allein reizen, sondern, indem sie ihm zugleich
Bewunderung einflt, rhren. Der Genu der Vergngen ist bei
ihm ernsthafter, aber um deswillen nicht geringer. Alle Rhrungen des
Erhabenen haben mehr Bezauberndes an sich als die gaukelnden Reize des
Schnen. Sein Wohlbefinden wird eher Zufriedenheit als Lustigkeit
sein. Er ist standhaft. Um deswillen ordnet er seine Empfindungen
unter Grundstze. Sie sind desto weniger dem Unbestande und der
Vernderung unterworfen, je allgemeiner dieser Grundsatz ist, welchem
sie untergeordnet werden, und je erweiterter also das hohe Gefhl ist,
welches die niederen unter sich befat. Alle besonderen Grnde der
Neigungen sind vielen Ausnahmen und nderungen unterworfen, wofern
sie nicht aus einem solchen oberen Grunde abgeleitet sind. Der muntere
und freundliche Alcest sagt: Ich liebe und schtze meine Frau,
denn sie ist schn, schmeichelhaft und klug. Wie aber, wenn sie
nun durch Krankheit entstellt, durch Alter mrrisch und, nachdem die
erste Bezauberung verschwunden, euch nicht klger scheinen wrde
wie jede andere? Wenn der Grund nicht mehr da ist, was kann aus der
Neigung werden? Nehmet dagegen den wohlwollenden und gesetzten Adrast,
welcher bei sich denkt: Ich werde dieser Person liebreich und mit
Achtung begegnen, denn sie ist meine Frau. Diese Gesinnung ist edel
und gromtig. Nunmehr mgen die zuflligen Reize sich ndern,
sie ist gleichwohl noch immer seine Frau. Der edle Grund bleibt und
ist nicht dem Unbestande uerer Dinge so sehr unterworfen. Von
solcher Beschaffenheit sind Grundstze in Vergleichung der Regungen,
die blo bei einzelnen Veranlassungen aufwallen, und so ist der Mann
von Grundstzen in Gegenhalt mit demjenigen, welchem gelegentlich
eine gutherzige und liebreiche Bewegung anwandelt. Wie aber, wenn
sogar die geheime Sprache seines Herzens also lautete: Ich mu
jenem Menschen da zu Hlfe kommen, denn er leidet; nicht da er
etwa mein Freund oder Gesellschafter wre oder da ich ihn fhig
hielte, dereinst Wohltat mit Dankbarkeit zu erwidern. Es ist jetzt
keine Zeit zu vernnfteln und sich bei Fragen aufzuhalten: er ist ein
Mensch, und was Menschen widerfhrt, das trifft auch mich. Alsdann
sttzt sich sein Verfahren auf den hchsten Grad des Wohlwollens
in der menschlichen Natur und ist uerst erhaben, sowohl seiner
Unvernderlichkeit nach, als um der Allgemeinheit seiner Anwendung
willen.

Ich fahre in meinen Anmerkungen fort. Der Mensch von melancholischer
Gemtsverfassung bekmmert sich wenig darum, was andere urteilen,
was sie fr gut oder fr wahr halten, er sttzt sich desfalls
blo auf seine eigene Einsicht. Weil die Bewegungsgrnde in
ihm die Natur der Grundstze annehmen, so ist er nicht leicht
auf andere Gedanken zu bringen; seine Standhaftigkeit artet auch
bisweilen in Eigensinn aus. Er sieht den Wechsel der Moden mit
Gleichgltigkeit und ihren Schimmer mit Verachtung an. Freundschaft
ist erhaben und daher fr sein Gefhl. Er kann vielleicht einen
vernderlichen Freund verlieren, allein dieser verliert ihn nicht
ebensobald. Selbst das Andenken der erloschenen Freundschaft ist
ihm noch ehrwrdig. Gesprchigkeit ist schn, gedankenvolle
Verschwiegenheit erhaben. Er ist ein guter Verwahrer seiner und anderer
Geheimnisse. Wahrhaftigkeit ist erhaben, und er hat Lgen oder
Verstellung. Er hat ein hohes Gefhl von der Wrde der menschlichen
Natur. Er schtzt sich selbst und hlt einen Menschen fr ein
Geschpf, das da Achtung verdient. Er erduldet keine verworfene
Untertnigkeit und atmet Freiheit in einem edlen Busen. Alle Ketten
von den vergoldeten an, die man am Hofe trgt, bis zu dem schweren
Eisen des Galeerensklaven sind ihm abscheulich. Er ist ein strenger
Richter seiner selbst und anderer, und nicht selten seiner sowohl als
der Welt berdrssig.

In der Ausartung dieses Charakters neigt sich die Ernsthaftigkeit
zur Schwermut, die Andacht zur Schwrmerei, der Freiheitseifer
zum Enthusiasmus. Beleidigung und Ungerechtigkeit znden in ihm
Rachbegierde an. Er ist alsdann sehr zu frchten. Er trotzt der
Gefahr und verachtet den Tod. Bei der Verkehrtheit seines Gefhls
und dem Mangel einer aufgeheiterten Vernunft verfllt er aufs
_Abenteuerliche_. Eingebungen, Erscheinungen, Anfechtungen. Ist
der Verstand noch schwcher, so gert er auf _Fratzen_. Bedeutende
Trume, Ahndungen und Wunderzeichen. Er ist in Gefahr, ein _Phantast_
oder ein _Grillenfnger_ zu werden.

Der von _sanguinischer_ Gemtsverfassung hat ein herrschendes
_Gefhl fr das Schne_. Seine Freuden sind daher lachend und
lebhaft. Wenn er nicht lustig ist, so ist er mivergngt und
kennt wenig die zufriedne Stille. Mannigfaltigkeit ist schn,
und er liebt die Vernderung. Er sucht die Freude in sich und um
sich, belustigt andere und ist ein guter Gesellschafter. Er hat viel
moralische Sympathie. Anderer Frhlichkeit macht ihn vergngt und
ihr Leid weichherzig. Sein sittliches Gefhl ist schn, allein ohne
Grundstze, und hngt jederzeit unmittelbar von dem gegenwrtigen
Eindrucke ab, den die Gegenstnde auf ihn machen. Er ist ein Freund
von allen Menschen oder, welches einerlei sagen will, eigentlich
niemals ein Freund, ob er zwar gutherzig und wohlwollend ist. Er
verstellt sich nicht. Er wird euch heute mit seiner Freundlichkeit
und guten Art unterhalten, morgen, wenn ihr krank oder im Unglcke
seid, wahres und ungeheucheltes Beileid empfinden, aber sich sachte
davonschleichen, bis sich die Umstnde gendert haben. Er mu
niemals Richter sein. Die Gesetze sind ihm gemeiniglich zu strenge, und
er lt sich durch Trnen bestechen. Er ist ein schlimmer Heiliger,
niemals recht gut und niemals recht bse. Er schweift fters aus
und ist lasterhaft, mehr aus Geflligkeit als aus Neigung. Er ist
freigebig und wohlttig, aber ein schlechter Zahler dessen, was er
schuldig ist, weil er wohl viel Empfindung fr Gte, aber wenig fr
Gerechtigkeit hat. Niemand hat eine so gute Meinung von seinem eigenen
Herzen als er. Wenn ihr ihn gleich nicht hochachtet, so werdet ihr
ihn doch lieben mssen. In dem greren Verfall seines Charakters
gert er ins _Lppische_, er ist tndelnd und kindisch. Wenn nicht
das Alter noch etwa die Lebhaftigkeit mindert oder mehr Verstand
herbeibringt, so ist er in Gefahr, ein alter _Geck_ zu werden.

Der, welchen man unter der _cholerischen_ Gemtsbeschaffenheit
meint, hat ein herrschendes Gefhl fr diejenige Art des Erhabenen,
welche man das _Prchtige_ nennen kann. Sie ist eigentlich nur der
Schimmer der Erhabenheit und eine stark abstechende Farbe, welche den
inneren Gehalt der Sache oder Person, der vielleicht nur schlecht und
gemein ist, verbirgt und durch den Schein tuscht und rhrt. So
wie ein Gebude durch eine bertnchung, welche gehauene Steine
vorstellt, einen ebenso edlen Eindruck macht, als wenn es wirklich
daraus bestnde, und geklebtem Gesimse und Pilastern die Meinung
von Festigkeit geben, ob sie gleich wenig Haltung haben und nichts
untersttzen: also glnzen auch tombakene Tugenden, Flittergold von
Weisheit und gemaltes Verdienst.

Der Cholerische betrachtet seinen eigenen Wert und den Wert seiner
Sachen und Handlungen aus dem Anstande oder dem Scheine, womit
er in die Augen fllt. In Ansehung der inneren Beschaffenheit
und der Bewegungsgrnde, die der Gegenstand selber enthlt,
ist er kalt, weder erwrmt durch wahres Wohlwollen, noch gerhrt
durch Achtung.(6) Sein Betragen ist knstlich. Er mu allerlei
Standpunkte zu nehmen wissen, um seinen Anstand aus der verschiedenen
Stellung der Zuschauer zu beurteilen; denn er frgt wenig darnach,
was er sei, sondern nur, was er scheine. Um deswillen mu er die
Wirkung auf den allgemeinen Geschmack und die mancherlei Eindrcke
wohl kennen, die sein Verhalten auer ihm haben wird. Da er in dieser
schlauen Aufmerksamkeit durchaus kalt Blut bedarf und nicht durch
Liebe, Mitleiden und Teilnehmung seines Herzens sich mu blenden
lassen, so wird er auch vielen Torheiten und Verdrielichkeiten
entgehen, in welche ein Sanguinischer gert, der durch seine
unmittelbare Empfindung bezaubert wird. Um deswillen scheint er
gemeiniglich verstndiger, als er wirklich ist. Sein Wohlwollen
ist Hflichkeit, seine Achtung Zeremonie, seine Liebe ausgesonnene
Schmeichelei. Er ist jederzeit voll von sich selbst, wenn er den
Anstand eines Liebhabers oder eines Freundes annimmt, und ist niemals
weder das eine noch das andere. Er sucht, durch Moden zu schimmern;
aber weil alles an ihm knstlich und gemacht ist, so ist er darin
steif und ungewandt. Er handelt weit mehr nach Grundstzen als der
Sanguinische, der blo durch gelegentliche Eindrcke bewegt wird;
aber diese sind nicht Grundstze der Tugend, sondern der Ehre, und
er hat kein Gefhl fr die Schnheit oder den Wert der Handlungen,
sondern fr das Urteil der Welt, das sie davon fllen mchte. Weil
sein Verfahren, insofern man nicht auf die Quelle sieht, daraus es
entspringt, brigens fast ebenso gemeinntzig als die Tugend selbst
ist, so erwirbt er vor gemeinen Augen eben die Hochschtzung als der
Tugendhafte, aber vor feineren Augen verbirgt er sich sorgfltig,
weil er wohl wei, da die Entdeckung der geheimen Triebfeder
der Ehrbegierde ihn um die Achtung bringen wrde. Er ist daher der
Verstellung sehr ergeben, in der Religion heuchlerisch, im Umgange ein
Schmeichler, in Staatsparteien wetterwendisch nach den Umstnden. Er
ist gerne ein Sklave der Groen, um dadurch ein Tyrann ber Geringere
zu werden. Die _Naivett_, diese edle oder schne Einfalt, welche
das Siegel der Natur und nicht der Kunst auf sich trgt, ist ihm
gnzlich fremde. Daher wenn sein Geschmack ausartet, so wird sein
Schimmer _schreiend_, d.i. auf eine widrige Art prahlend. Er gert
alsdann sowohl seinem Stil als dem Ausputze nach in den Gallimathias
(das bertriebene), eine Art Fratzen, die in Ansehung des Prchtigen
dasjenige ist, was das Abenteuerliche oder Grillenhafte in Ansehung
des Ernsthaft-Erhabenen. In Beleidigungen fllt er alsdann auf
Zweikmpfe oder Prozesse und in dem brgerlichen Verhltnisse auf
Ahnen, Vortritt und Titel. Solange er nur noch eitel ist, d.i. Ehre
sucht und bemht ist, in die Augen zu fallen, so kann er noch wohl
geduldet werden, allein wenn bei gnzlichem Mangel wirklicher Vorzge
und Talente er aufgeblasen wird, so ist er das, wofr er am mindesten
gerne mchte gehalten werden, nmlich ein _Narr_.

  (6) Er hlt sich auch sogar nur insofern fr glcklich, als er
  vermutet, da er dafr von andern gehalten wird.

Da in der _phlegmatischen_ Mischung keine Ingredienzien vom Erhabenen
oder Schnen in sonderlich merklichem Grade hineinzukommen pflegen,
so gehrt diese Gemtseigenschaft nicht in den Zusammenhang unserer
Erwgungen.

Von welcher Art auch diese feineren Empfindungen sein mgen,
von denen wir bis daher gehandelt haben, es mgen erhabene oder
schne sein, so haben sie doch das Schicksal gemein, da sie in dem
Urteil desjenigen, der kein darauf gestimmtes Gefhl hat, jederzeit
verkehrt und ungereimt scheinen. Ein Mensch von einer ruhigen und
eigenntzigen Emsigkeit hat sozureden gar nicht die Organen, um den
edlen Zug in einem Gedichte oder in einer Heldentugend zu empfinden,
er liest lieber einen Robinson als einen Grandison und hlt den
Cato fr einen eigensinnigen Narren. Ebenso scheint Personen von
etwas ernsthafter Gemtsart dasjenige lppisch, was andern reizend
ist, und die gaukelnde Naivett einer Schferhandlung ist ihnen
abgeschmackt und kindisch. Auch selbst wenn das Gemt nicht gnzlich
ohne ein einstimmiges feineres Gefhl ist, sind doch die Grade der
Reizbarkeit desselben sehr verschieden, und man sieht, da der eine
etwas edel und anstndig findet, was dem andern zwar gro, aber
abenteuerlich vorkommt. Die Gelegenheiten, die sich darbieten, bei
unmoralischen Dingen etwas von dem Gefhl des andern auszusphen,
knnen uns Anla geben, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch
auf seine Empfindung in Ansehung der hheren Gemtseigenschaften
und selbst derer des Herzens zu schlieen. Wer bei einer schnen
Musik Langeweile hat, gibt starke Vermutung, da die Schnheiten der
Schreibart und die feinen Bezauberungen der Liebe wenig Gewalt ber
ihn haben werden.

Es ist ein gewisser Geist der Kleinigkeiten (~esprit des bagatelles~),
welcher eine Art von feinem Gefhl anzeigt, welches aber gerade auf
das Gegenteil von dem Erhabenen abzielt. Ein Geschmack fr etwas,
weil es sehr _knstlich_ und mhsam ist, Verse, die sich vor-
und rckwrts lesen lassen, Rtsel, Uhren in Ringen, Flohketten
usw. usw. Ein Geschmack fr alles, was abgezirkelt und auf peinliche
Weise _ordentlich_, obzwar ohne Nutzen ist, z.E. Bcher, die fein
zierlich in langen Reihen im Bcherschranke stehen, und ein leerer
Kopf, der sie ansieht und sich erfreuet; Zimmer, die wie optische
Kasten geziert und beraus sauber gewaschen sind, zusamt einem
ungastfreien und mrrischen Wirte, der sie bewohnt. Ein Geschmack
an allem demjenigen, was _selten_ ist, so wenig wie es auch sonst
innern Wert haben mag. Epiktets Lampe, ein Handschuh von Knig
Karl dem Zwlften; in gewisser Art schlgt die Mnzensucht mit
hierauf ein. Solche Personen stehen sehr im Verdacht, da sie in den
Wissenschaften Grbler und Grillenfnger, in den Sitten aber fr
alles das, was auf freie Art schn oder edel ist, ohne Gefhl sein
werden.

Man tut einander zwar unrecht, wenn man denjenigen, der den Wert oder
die Schnheit dessen, was uns rhrt oder reizt, nicht einsieht,
damit abfertigt, da _er es nicht verstehe_. Es kommt hiebei nicht
so sehr darauf an, was der _Verstand_ einsehe, sondern was das
Gefhl empfinde. Gleichwohl haben die Fhigkeiten der Seele einen
so groen Zusammenhang, da man mehrenteils von der Erscheinung
der Empfindung auf die Talente der Einsicht schlieen kann. Denn es
wrden demjenigen, der viele Verstandesvorzge hat, diese Talente
vergeblich erteilt sein, wenn er nicht zugleich starke Empfindung fr
das wahrhaftig Edle oder Schne htte, welche die Triebfeder sein
mu, jene Gemtsgaben wohl und regelmig anzuwenden.(7)

  (7) Man sieht auch, da eine gewisse Feinigkeit des Gefhls
  einem Menschen zum Verdienste angerechnet wird. Da jemand
  in Fleisch oder Kuchen eine gute Mahlzeit tun kann, imgleichen
  da er unvergleichlich wohl schlft, das wird man ihm wohl
  als ein Zeichen eines guten Magens, aber nicht als ein Verdienst
  auslegen. Dagegen wer einen Teil seiner Mahlzeit dem Anhren einer
  Musik aufopfert oder bei einer Schilderei sich in eine angenehme
  Zerstreuung vertiefen kann, oder einige witzige Sachen, wenn es auch
  nur poetische Kleinigkeiten wren, gerne liest, hat doch fast in
  jedermanns Augen den Anstand eines feineren Menschen, von dem man
  eine vorteilhaftere und fr ihn rhmlichere Meinung hat.

Es ist einmal gebruchlich, nur dasjenige _ntzlich_ zu nennen,
was unserer grberen Empfindung ein Gnge leisten kann, was
uns berflu im Essen und Trinken, Aufwand in Kleidung und in
Hausgerte, imgleichen Verschwendung in Gastereien verschaffen kann,
ob ich gleich nicht sehe, warum nicht alles, was nur immer meinem
lebhaftesten Gefhl erwnscht ist, ebensowohl den ntzlichen
Dingen sollte beigezhlt werden. Allein alles gleichwohl auf diesen
Fu genommen, so ist derjenige, welchen der _Eigennutz_ beherrscht,
ein Mensch, mit welchem man ber den feineren Geschmack niemals
vernnfteln mu. Ein Huhn ist freilich in solchem Betracht besser
als ein Papagei, ein Kochtopf ntzlicher als ein Porzellngeschirr,
alle witzigen Kpfe in der Welt gelten nicht den Wert eines Bauren,
und die Bemhung, die Weite der Fixsterne zu entdecken, kann so lange
ausgesetzt bleiben, bis man bereingekommen sein wird, wie der Pflug
auf das vorteilhafteste knne gefhrt werden. Allein welche Torheit
ist es, sich in einen solchen Streit einzulassen, wo es unmglich
ist, sich einander auf einstimmige Empfindungen zu fhren, weil das
Gefhl gar nicht einstimmig ist! Gleichwohl wird doch ein Mensch von
der grbsten und gemeinsten Empfindung wahrnehmen knnen: da die
Reize und Annehmlichkeiten des Lebens, welche die entbehrlichsten zu
sein scheinen, unsere meiste Sorgfalt auf sich ziehen, und da wir
wenig Triebfedern zu so vielfltigen Bemhungen brig haben wrden,
wenn wir jene ausschlieen wollten. Imgleichen ist wohl niemand so
grob, da er nicht empfinde, da eine sittliche Handlung wenigstens
an einem andern um desto mehr rhre, je weiter sie vom Eigennutze ist
und je mehr jene edleren Antriebe in ihr hervorstechen.

Wenn ich die edele und schwache Seite der Menschen wechselsweise
bemerke, so verweise ich es mir selbst, da ich nicht denjenigen
Standpunkt zu nehmen vermag, von wo diese Abstechungen das groe
Gemlde der ganzen menschlichen Natur gleichwohl in einer rhrenden
Gestalt darstellen. Denn ich bescheide mich gerne: da, sofern es zu
dem Entwurfe der groen Natur gehrt, diese grotesken Stellungen
nicht anders als einen edelen Ausdruck geben knnen, ob man schon
viel zu kurzsichtig ist, sie in diesem Verhltnisse zu bersehen. Um
indessen doch einen schwachen Blick hierauf zu werfen: so glaube ich
folgendes anmerken zu knnen. Derjenigen unter den Menschen, die
nach _Grundstzen_ verfahren, sind nur sehr _wenige_, welches auch
beraus gut ist, da es so leicht geschehen kann, da man in diesen
Grundstzen irre und alsdann der Nachteil, der daraus erwchst,
sich um desto weiter erstreckt, je allgemeiner der Grundsatz und
je standhafter die Person ist, die ihn sich vorgesetzt hat. Derer,
so aus _gutherzigen Trieben_ handeln, sind weit _mehrere_, welches
uerst vortrefflich ist, ob es gleich einzeln nicht als ein
sonderliches Verdienst der Person kann angerechnet werden; denn diese
tugendhaften Instinkte fehlen wohl bisweilen, allein im Durchschnitte
leisten sie ebensowohl die groe Absicht der Natur, wie die brigen
Instinkte, die so regelmig die tierische Welt bewegen. Derer,
die ihr allerliebstes Selbst als den einzigen Beziehungspunkt ihrer
Bemhungen starr vor Augen haben und die um den _Eigennutz_ als um die
groe Achse alles zu drehen suchen, gibt es die _meisten_, worber
auch nichts Vorteilhafteres sein kann, denn diese sind die emsigsten,
ordentlichsten und behutsamsten; sie geben dem Ganzen Haltung und
Festigkeit, indem sie auch ohne ihre Absicht gemeinntzig werden,
die notwendigen Bedrfnisse herbeischaffen und die Grundlage liefern,
ber welche feinere Seelen Schnheit und Wohlgereimtheit verbreiten
knnen. Endlich ist die _Ehrliebe in aller_ Menschen Herzen, obzwar
in ungleichem Mae, verbreitet worden, welches dem Ganzen eine
bis zur Bewunderung reizende Schnheit geben mu. Denn wiewohl
die Ehrbegierde ein trichter Wahn ist, sofern er zur Regel wird,
der man die brigen Neigungen unterordnet, so ist sie doch als ein
begleitender Trieb uerst vortrefflich. Denn indem ein jeder auf
der groen Bhne seinen herrschenden Neigungen gem die Handlungen
verfolgt, so wird er zugleich durch einen geheimen Antrieb bewogen, in
Gedanken auer sich selbst einen Standpunkt zu nehmen, um den Anstand
zu beurteilen, den sein Betragen hat, wie es aussehe und dem Zuschauer
in die Augen falle. Dadurch vereinbaren sich die verschiedenen Gruppen
in ein Gemlde von prchtigem Ausdruck, wo mitten unter groer
Mannigfaltigkeit Einheit hervorleuchtet und das Ganze der moralischen
Natur Schnheit und Wrde an sich zeigt.




Dritter Abschnitt

Von dem Unterschiede des Erhabenen und Schnen in dem Gegenverhltnis
beider Geschlechter


Derjenige, so zuerst das Frauenzimmer unter dem Namen des _schnen
Geschlechts_ begriffen hat, kann vielleicht etwas Schmeichelhaftes
haben sagen wollen, aber er hat es besser getroffen, als er wohl
selbst geglaubt haben mag. Denn ohne in Erwgung zu ziehen, da
ihre Gestalt berhaupt feiner, ihre Zge zarter und sanfter,
ihre Miene im Ausdrucke der Freundlichkeit, des Scherzes und
der Leutseligkeit bedeutender und einnehmender ist als bei dem
mnnlichen Geschlecht, ohne auch dasjenige zu vergessen, was man
fr die geheime Zauberkraft abrechnen mu, wodurch sie unsere
Leidenschaft zum vorteilhaften Urteile fr sie geneigt machen,
so liegen vornehmlich in dem Gemtscharakter dieses Geschlechts
eigentmliche Zge, die es von dem unseren deutlich unterscheiden
und die darauf hauptschlich hinauslaufen, sie durch das Merkmal
des _Schnen_ kenntlich zu machen. Andererseits knnten wir auf die
Benennung des _edlen Geschlechts_ Anspruch machen, wenn es nicht auch
von einer edlen Gemtsart erfordert wrde, Ehrennamen abzulehnen
und sie lieber zu erteilen als zu empfangen. Hiedurch wird nun nicht
verstanden: da das Frauenzimmer edeler Eigenschaften ermangelte oder
das mnnliche Geschlecht der Schnheiten gnzlich entbehren mte,
vielmehr erwartet man, da ein jedes Geschlecht beide vereinbare, doch
so, da von einem Frauenzimmer alle anderen Vorzge sich nur dazu
vereinigen sollen, um den Charakter des _Schnen_ zu erhhen, welcher
der eigentliche Beziehungspunkt ist, und dagegen unter den mnnlichen
Eigenschaften das _Erhabene_ als das Kennzeichen seiner Art deutlich
hervorsteche. Hierauf mssen alle Urteile von diesen zwei Gattungen,
sowohl die rhmliche als die des Tadels, sich beziehen, alle Erziehung
und Unterweisung mu dieses vor Augen haben und alle Bemhung, die
sittliche Vollkommenheit des einen oder des andern zu befrdern, wo
man nicht den reizenden Unterschied unkenntlich machen will, den die
Natur zwischen zwei Menschengattungen hat treffen wollen. Denn es ist
hier nicht genug, sich vorzustellen, da man Menschen vor sich habe,
man mu zugleich nicht aus der Acht lassen, da diese Menschen nicht
von einerlei Art sind.

Das Frauenzimmer hat ein angebornes strkeres Gefhl fr alles,
was schn, zierlich und geschmckt ist. Schon in der Kindheit
sind sie gerne geputzt und gefallen sich, wenn sie geziert sind. Sie
sind reinlich und sehr zrtlich in Ansehung alles dessen, was Ekel
verursacht. Sie lieben den Scherz und knnen durch Kleinigkeiten, wenn
sie nur munter und lachend sind, unterhalten werden. Sie haben sehr
frh ein sittsames Wesen an sich, wissen sich einen feinen Anstand
zu geben und besitzen sich selbst; und dieses in einem Alter, wenn
unsere wohlerzogene mnnliche Jugend noch unbndig, tlpisch und
verlegen ist. Sie haben viel teilnehmende Empfindungen, Gutherzigkeit
und Mitleiden, ziehen das Schne dem Ntzlichen vor und werden den
berflu des Unterhalts gerne in Sparsamkeit verwandeln, um den
Aufwand auf das Schimmernde und den Putz zu untersttzen. Sie sind
von sehr zrtlicher Empfindung in Ansehung der mindesten Beleidigung,
und beraus fein, den geringsten Mangel der Aufmerksamkeit und Achtung
gegen sie zu bemerken. Kurz, sie enthalten in der menschlichen Natur
den Hauptgrund der Abstechung der schnen Eigenschaften mit den
edelen, und verfeinern selbst das mnnliche Geschlecht.

Man wird mir hoffentlich die Herzhlung der mnnlichen Eigenschaften,
insofern sie jenen parallel sind, schenken und sich befriedigen, beide
nur in der Gegeneinanderhaltung zu betrachten. Das schne Geschlecht
hat ebensowohl Verstand als das mnnliche, nur es ist ein _schner
Verstand_, der unsrige soll ein _tiefer Verstand_ sein, welches ein
Ausdruck ist, der einerlei mit dem Erhabenen bedeutet.

Zur Schnheit aller Handlungen gehrt vornehmlich, da sie
Leichtigkeit an sich zeigen und ohne peinliche Bemhung
scheinen vollzogen zu werden; dagegen Bestrebungen und berwundene
Schwierigkeiten Bewunderung erregen und zum Erhabenen gehren. Tiefes
Nachsinnen und eine lange fortgesetzte Betrachtung sind edel, aber
schwer, und schicken sich nicht wohl fr eine Person, bei der die
ungezwungenen Reize nichts anders als eine schne Natur zeigen
sollen. Mhsames Lernen oder peinliches Grbeln, wenn es gleich
ein Frauenzimmer darin hoch bringen sollte, vertilgen die Vorzge,
die ihrem Geschlechte eigentmlich sind, und knnen dieselbe wohl
um der Seltenheit willen zum Gegenstande einer kalten Bewunderung
machen, aber sie werden zugleich die Reize schwchen, wodurch sie ihre
groe Gewalt ber das andere Geschlecht ausben. Ein Frauenzimmer,
das den Kopf voll Griechisch hat, wie die Frau _Dacier_, oder ber
die Mechanik grndliche Streitigkeiten fhrt, wie die Marquisin von
_Chastelet_, mag nur immerhin noch einen Bart dazu haben; denn dieser
wrde vielleicht die Miene des Tiefsinns noch kenntlicher ausdrcken,
um welchen sie sich bewerben. Der schne Verstand whlt zu seinen
Gegenstnden alles, was mit dem feineren Gefhl nahe verwandt ist,
und berlt abstrakte Spekulationen oder Kenntnisse, die ntzlich,
aber trocken sind, dem emsigen, grndlichen und tiefen Verstande. Das
Frauenzimmer wird demnach keine Geometrie lernen; es wird vom Satze
des zureichenden Grundes oder den Monaden nur so viel wissen, als da
ntig ist, um das Salz in den Spottgedichten zu vernehmen, welche
die seichten Grbler unseres Geschlechts durchzogen haben. Die
Schnen knnen den Cartesius seine Wirbel immer drehen lassen,
ohne sich darum zu bekmmern, wenn auch der artige _Fontenelle_
ihnen unter den Wandelsternen Gesellschaft leisten wollte, und die
Anziehung ihrer Reize verliert nichts von ihrer Gewalt, wenn sie gleich
nichts von allem dem wissen, was _Algarotti_ zu ihrem Besten von den
Anziehungskrften der groben Materien nach dem Newton aufzuzeichnen
bemht gewesen. Sie werden in der Geschichte sich nicht den Kopf mit
Schlachten und in der Erdbeschreibung nicht mit Festungen anfllen;
denn es schickt sich fr sie ebensowenig, da sie nach Schiepulver,
als fr die Mannspersonen, da sie nach Bisam riechen sollen.

Es scheint eine boshafte List der Mannspersonen zu sein, da sie das
schne Geschlecht zu diesem verkehrten Geschmacke haben verleiten
wollen. Denn wohl bewut ihrer Schwche in Ansehung der natrlichen
Reize desselben, und da ein einziger schalkhafter Blick sie mehr
in Verwirrung setze als die schwerste Schulfrage, sehen sie sich,
sobald das Frauenzimmer in diesen Geschmack einschlgt, in einer
entschiedenen berlegenheit und sind in dem Vorteile, den sie
sonst schwerlich haben wrden, mit einer gromtigen Nachsicht
den Schwchen ihrer Eitelkeit aufzuhelfen. Der Inhalt der groen
Wissenschaft des Frauenzimmers ist vielmehr der Mensch und unter
den Menschen der Mann. Ihre Weltweisheit ist nicht Vernnfteln,
sondern Empfinden. Bei der Gelegenheit, die man ihnen geben will,
ihre schne Natur auszubilden, mu man dieses Verhltnis jederzeit
vor Augen haben. Man wird ihr gesamtes moralisches Gefhl und nicht
ihr Gedchtnis zu erweitern suchen, und zwar nicht durch allgemeine
Regeln, sondern durch einiges Urteil ber das Betragen, welches sie um
sich sehen. Die Beispiele, die man aus andern Zeiten entlehnt, um den
Einflu einzusehen, den das schne Geschlecht in die Weltgeschfte
gehabt hat, die mancherlei Verhltnisse, darin es in andern
Zeitaltern oder in fremden Landen gegen das mnnliche gestanden,
der Charakter beider, sofern er sich hiedurch erlutern lt,
und der vernderliche Geschmack der Vergngungen machen ihre ganze
Geschichte und Geographie aus. Es ist schn, da einem Frauenzimmer
der Anblick einer Karte, die entweder den ganzen Erdkreis oder die
vornehmsten Teile der Welt vorstellt, angenehm gemacht werde. Dieses
geschieht dadurch, da man sie nur in der Absicht vorlegt, um
die unterschiedlichen Charaktere der Vlker, die sie bewohnen, die
Verschiedenheiten ihres Geschmacks und sittlichen Gefhls, vornehmlich
in Ansehung der Wirkung, die diese auf die Geschlechterverhltnisse
haben, dabei zu schildern, mit einigen leichten Erluterungen aus der
Verschiedenheit der Himmelsstriche, ihrer Freiheit oder Sklaverei. Es
ist wenig daran gelegen, ob sie die besonderen Abteilungen dieser
Lnder, ihr Gewerbe, Macht und Beherrscher wissen oder nicht. Ebenso
werden sie von dem Weltgebude nichts mehr zu kennen ntig haben,
als ntig ist, den Anblick des Himmels an einem schnen Abende
ihnen rhrend zu machen, wenn sie einigermaen begriffen haben,
da noch mehr Welten und daselbst noch mehr schne Geschpfe
anzutreffen sind. Gefhl fr Schildereien von Ausdruck und fr die
Tonkunst, nicht insofern sie Kunst, sondern Empfindung uert, alles
dieses verfeinert oder erhebt den Geschmack dieses Geschlechts und
hat jederzeit einige Verknpfung mit sittlichen Regungen. Niemals
ein kalter und spekulativer Unterricht, jederzeit Empfindungen,
und zwar die so nahe wie mglich bei ihrem Geschlechtverhltnisse
bleiben. Diese Unterweisung ist darum so selten, weil sie Talente,
Erfahrenheit und ein Herz voll Gefhl erfordert, und jeder andern kann
das Frauenzimmer sehr wohl entbehren, wie es denn auch ohne diese sich
von selbst gemeiniglich sehr wohl ausbildet.

Die Tugend des Frauenzimmers ist eine _schne Tugend_.(8) Die
des mnnlichen Geschlechts soll eine _edele Tugend_ sein. Sie
werden das Bse vermeiden, nicht weil es unrecht, sondern weil es
hlich ist, und tugendhafte Handlungen bedeuten bei ihnen solche,
die sittlich schn sind. Nichts von Sollen, nichts von Mssen,
nichts von Schuldigkeit. Das Frauenzimmer ist aller Befehle und
alles mrrischen Zwanges unleidlich. Sie tun etwas nur darum,
weil es ihnen so beliebt, und die Kunst besteht darin, zu machen,
da ihnen nur dasjenige beliebe, was gut ist. Ich glaube schwerlich,
da das schne Geschlecht der Grundstze fhig sei, und ich hoffe
dadurch nicht zu beleidigen, denn diese sind auch uerst selten
beim mnnlichen. Dafr aber hat die Vorsehung in ihren Busen gtige
und wohlwollende Empfindungen, ein feines Gefhl fr Anstndigkeit
und eine gefllige Seele gegeben. Man fordere ja nicht Aufopferungen
und gromtigen Selbstzwang. Ein Mann mu es seiner Frauen niemals
sagen, wenn er einen Teil seines Vermgens um einen Freund in Gefahr
setzt. Warum will er ihre muntere Gesprchigkeit fesseln, dadurch,
da er ihr Gemt mit einem wichtigen Geheimnisse belstigt, dessen
Aufbewahrung ihm allein obliegt? Selbst viele von ihren Schwachheiten
sind sozureden _schne Fehler_. Beleidigung oder Unglck bewegen ihre
zarte Seele zur Wehmut. Der Mann mu niemals andre als gromtige
Trnen weinen. Die, so er in Schmerzen oder ber Glcksumstnde
vergiet, machen ihn verchtlich. Die _Eitelkeit_, die man dem
schnen Geschlechte so vielfltig vorrckt, wofern sie ja an
demselben ein Fehler ist, so ist sie nur ein schner Fehler. Denn zu
geschweigen, da die Mannspersonen, die dem Frauenzimmer so gerne
schmeicheln, bel daran sein wrden, wenn dieses nicht geneigt
wre, es wohl aufzunehmen, so beleben sie dadurch wirklich ihre
Reize. Diese Neigung ist ein Antrieb, Annehmlichkeiten und den guten
Anstand zu zeigen, ihren munteren Witz spielen zu lassen, imgleichen
durch die vernderlichen Erfindungen des Putzes zu schimmern und ihre
Schnheit zu erhhen. Hierin ist nun so gar nichts Beleidigendes fr
andere, sondern vielmehr, wenn es mit gutem Geschmacke gemacht wird,
so viel Artiges, da es sehr ungezogen ist, dagegen mit mrrischem
Tadel loszuziehen. Ein Frauenzimmer, das hierin gar zu flatterhaft
und gaukelnd ist, heit eine _Nrrin_; welcher Ausdruck gleichwohl
keine so harte Bedeutung hat als mit vernderter Endsilbe beim Manne,
sogar da, wenn man sich untereinander versteht, es wohl bisweilen
eine vertrauliche Schmeichelei anzeigen kann. Wenn die Eitelkeit
ein Fehler ist, der an einem Frauenzimmer sehr wohl Entschuldigung
verdient, so ist das _aufgeblasene Wesen_ an ihnen nicht allein, so
wie an Menschen berhaupt, tadelhaft, sondern verunstaltet gnzlich
ihren Geschlechtscharakter. Denn diese Eigenschaft ist beraus
dumm und hlich und dem einnehmenden bescheidenen Reize gnzlich
entgegengesetzt. Alsdann ist eine solche Person in einer schlpfrigen
Stellung. Sie wird sich gefallen lassen mssen, ohne alle Nachsicht
und scharf beurteilt zu werden; denn wer auf Hochachtung pocht, fordert
alles um sich zum Tadel auf. Eine jede Entdeckung, auch des mindesten
Fehlers, macht jedermann eine wahre Freude, und das Wort _Nrrin_
verliert hier seine gemilderte Bedeutung. Man mu Eitelkeit und
Aufgeblasenheit jederzeit unterscheiden. Die erstere sucht Beifall und
ehrt gewissermaen diejenige, um deren willen sie sich diese Bemhung
gibt, die zweite glaubt sich schon in dem vlligen Besitze desselben,
und indem sie keinen zu erwerben bestrebt, so gewinnt sie auch keinen.

  (8) Diese wurde oben, Seite19, in einem strengen Urteil
  adoptierte Tugend genannt; hier, da sie um des Geschlechtscharakters
  willen eine gnstige Rechtfertigung verdient, heit sie berhaupt
  eine schne Tugend.

Wenn einige Ingredienzien von Eitelkeit ein Frauenzimmer in den Augen
des mnnlichen Geschlechts gar nicht verunzieren, so dienen sie
doch, je sichtbarer sie sind, um desto mehr, das schne Geschlecht
untereinander zu veruneinigen. Sie beurteilen einander alsdann sehr
scharf, weil eine der anderen Reize zu verdunkeln scheint, und es sind
auch wirklich diejenigen, die noch starke Anmaungen auf Eroberung
machen, selten Freundinnen voneinander im wahren Verstande.

Dem Schnen ist nichts so sehr entgegengesetzt als der Ekel, so wie
nichts tiefer unter das Erhabene sinkt als das Lcherliche. Daher
kann einem Manne kein Schimpf empfindlicher sein, als da er ein
_Narr_, und einem Frauenzimmer, da sie _ekelhaft_ genannt werde. Der
englische Zuschauer hlt dafr: da einem Manne kein Vorwurf knne
gemacht werden, der krnkender sei, als wenn er fr einen Lgner,
und einem Frauenzimmer kein bitterer, als wenn sie fr unkeusch
gehalten wird. Ich will dieses, insofern es nach der Strenge der Moral
beurteilt wird, in seinem Werte lassen. Allein hier ist die Frage
nicht, was an sich selbst den grten Tadel verdiene, sondern was
wirklich am allerhrtesten empfunden werde. Und da frage ich einen
jeden Leser, ob, wenn er sich in Gedanken auf diesen Fall setzt,
er nicht meiner Meinung beistimmen msse. Die Jungfer Ninon Lenclos
machte nicht die mindesten Ansprche auf die Ehre der Keuschheit,
und gleichwohl wrde sie unerbittlich beleidigt worden sein, wenn
einer ihrer Liebhaber sich in seinem Urteile so weit sollte vergangen
haben; und man wei das grausame Schicksal des Monaldeschi um eines
beleidigenden Ausdrucks willen von solcher Art bei einer Frstin, die
eben keine Lukretia hat vorstellen wollen. Es ist unausstehlich, da
man nicht einmal sollte Bses tun knnen, wenn man gleich wollte,
weil auch die Unterlassung desselben alsdann jederzeit nur eine sehr
zweideutige Tugend ist.

Um von diesem Ekelhaften sich so weit als mglich zu entfernen,
gehrt die _Reinlichkeit_, die zwar einem jeden Menschen wohl ansteht,
bei dem schnen Geschlechte unter die Tugenden vom ersten Range
und kann schwerlich von demselben zu hoch getrieben werden, da sie
gleichwohl an einem Manne bisweilen zum bermae steigt und alsdann
lppisch wird.

Die _Schamhaftigkeit_ ist ein Geheimnis der Natur, sowohl einer Neigung
Schranken zu setzen, die sehr unbndig ist und, indem sie den Ruf der
Natur fr sich hat, sich immer mit guten, sittlichen Eigenschaften zu
vertragen scheint, wenn sie gleich ausschweift. Sie ist demnach als ein
Supplement der Grundstze hchst ntig; denn es gibt keinen Fall,
da die Neigung so leicht zum Sophisten wird, gefllige Grundstze
zu erklgeln, als hier. Sie dient aber auch zugleich, um einen
geheimnisvollen Vorhang selbst vor die geziemendsten und ntigsten
Zwecke der Natur zu ziehen, damit die gar zu gemeine Bekanntschaft mit
denselben nicht Ekel oder zum mindesten Gleichgltigkeit veranlasse
in Ansehung der Endabsichten eines Triebes, worauf die feinsten und
lebhaftesten Neigungen der menschlichen Natur gepfropft sind. Diese
Eigenschaft ist dem schnen Geschlecht vorzglich eigen und ihm sehr
anstndig. Es ist auch eine plumpe und verchtliche Ungezogenheit,
durch die Art pbelhafter Scherze, welche man _Zoten_ nennt, die
zrtliche Sittsamkeit desselben in Verlegenheit oder Unwillen zu
setzen. Weil indessen, man mag nun um das Geheimnis so weit herumgehen,
als man immer will, die Geschlechterneigung doch allen den brigen
Reizen endlich zum Grunde liegt, und ein Frauenzimmer immer als ein
Frauenzimmer der angenehme Gegenstand einer wohlgesitteten Unterhaltung
ist, so mchte daraus vielleicht zu erklren sein, warum sonst artige
Mannspersonen sich bisweilen die Freiheit nehmen, durch den kleinen
Mutwillen ihrer Scherze einige feine Anspielungen durchscheinen zu
lassen, welche machen, da man sie _lose_ oder _schalkhaft_ nennt,
und wo, indem sie weder durch aussphende Blicke beleidigen, noch
die Achtung zu verletzen gedenken, sie glauben berechtigt zu sein,
die Person, die es mit unwilliger oder sprder Miene aufnimmt, eine
_Ehrbarkeitspedantin_ zu nennen. Ich fhre dieses nur an, weil es
gemeiniglich als ein etwas khner Zug vom schnen Umgange angesehen
wird, auch in der Tat von jeher viel Witz darauf ist verschwendet
worden; was aber das Urteil nach moralischer Strenge anlangt, so
gehrt das nicht hieher, da ich in der Empfindung des Schnen nur die
Erscheinungen zu beobachten und zu erlutern habe.

Die edlen Eigenschaften dieses Geschlechts, welche jedoch, wie wir
schon angemerkt haben, niemals das Gefhl des Schnen unkenntlich
machen mssen, kndigen sich durch nichts deutlicher und sicherer
an als durch die _Bescheidenheit_ einer Art von edler Einfalt
und Naivett bei groen Vorzgen. Aus derselben leuchtet eine
ruhige Wohlgewogenheit und Achtung gegen andere hervor, zugleich mit
einem gewissen _edlen Zutrauen_ auf sich selbst und einer billigen
Selbstschtzung verbunden, welche bei einer erhabenen Gemtsart
jederzeit anzutreffen ist. Indem diese feine Mischung zugleich durch
Reize einnimmt und durch Achtung rhrt, so stellt sie alle brigen
schimmernden Eigenschaften wider den Mutwillen des Tadels und der
Spottsucht in Sicherheit. Personen von dieser Gemtsart haben auch
ein Herz zur Freundschaft, welches an einem Frauenzimmer niemals kann
hoch genug geschtzt werden, weil es so gar selten ist und zugleich so
beraus reizend sein mu.

Da unsere Absicht ist, ber Empfindungen zu urteilen, so kann es nicht
unangenehm sein, die Verschiedenheit des Eindrucks, den die Gestalt
und Gesichtszge des schnen Geschlechts auf das mnnliche machen,
womglich unter Begriffe zu bringen. Diese ganze Bezauberung ist
im Grunde ber den Geschlechtertrieb verbreitet. Die Natur verfolgt
ihre groe Absicht; und alle Feinigkeiten, die sich hinzugesellen,
sie mgen nun so weit davon abzustehen scheinen, wie sie wollen, sind
nur Verbrmungen und entlehnen ihren Reiz doch am Ende aus derselben
Quelle. Ein gesunder und _derber Geschmack_, der sich jederzeit sehr
nahe bei diesem Triebe hlt, wird durch die Reize des Anstandes,
der Gesichtszge, der Augen usw. usw. an einem Frauenzimmer wenig
angefochten, und indem er eigentlich nur aufs Geschlecht geht, so sieht
er mehrenteils die Delikatesse anderer als leere Tndelei an.

Wenn dieser Geschmack gleich nicht fein ist, so ist er deswegen doch
nicht zu verachten. Denn der grte Teil der Menschen befolgt
vermittelst desselben die groe Ordnung der Natur auf eine sehr
einfltige und sichere Art.(9) Dadurch werden die meisten
Ehen bewirkt, und zwar von dem emsigsten Teile des menschlichen
Geschlechts; und indem der Mann den Kopf nicht von bezaubernden
Mienen, schmachtenden Augen, edlem Anstande usw. usw. voll hat, auch
nichts von allem diesem versteht, so wird er desto aufmerksamer
auf haushlterische Tugenden, Sparsamkeit usw. usw. und auf
das Eingebrachte. Was den etwas feineren Geschmack anlangt, um
dessentwillen es ntig sein mchte, einen Unterschied unter den
uerlichen Reizen des Frauenzimmers zu machen, so ist derselbe
entweder auf das, was in der Gestalt und dem Ausdrucke des Gesichts
_moralisch_ ist, oder auf das _Unmoralische_ geheftet. Ein Frauenzimmer
wird in Ansehung der Annehmlichkeiten von der letzteren Art _hbsch_
genannt. Ein proportionierlicher Bau, regelmige Zge, Farben
von Auge und Gesicht, die zierlich abstechen, lauter Schnheiten,
die auch an einem Blumenstraue gefallen und einen kalten Beifall
erwerben. Das Gesicht selber sagt nichts, ob es gleich hbsch ist,
und redet nicht zum Herzen. Was den Ausdruck der Zge, der Augen
und der Mienen anlangt, der moralisch ist, so geht er entweder auf
das Gefhl des Erhabenen oder des Schnen. Ein Frauenzimmer,
an welchem die Annehmlichkeiten, die ihrem Geschlecht geziemen,
vornehmlich den moralischen Ausdruck des Erhabenen hervorstechen
lassen, heit _schn_ im eigentlichen Verstande, diejenige, deren
moralische Zeichnung, sofern sie in den Mienen oder Gesichtszgen
sich kennbar macht, die Eigenschaften des Schnen ankndigt,
ist _annehmlich_ und, wenn sie es in einem hheren Grade ist,
_reizend_. Die erstere lt unter einer Miene von Gelassenheit
und einem edlen Anstande den Schimmer eines schnen Verstandes aus
bescheidenen Blicken hervorspielen, und indem sich in ihrem Gesicht
ein zrtlich Gefhl und wohlwollend Herz abmalt, so bemchtigt
sie sich sowohl der Neigung als der Hochachtung eines mnnlichen
Herzens. Die zweite zeigt Munterkeit und Witz in lachenden Augen,
etwas feinen Mutwillen, das Schkerhafte der Scherze und schalkhafte
Sprdigkeit. Sie reizt, wenn die erstere rhrt, und das Gefhl
der Liebe, dessen sie fhig ist und welche sie anderen einflt,
ist flatterhaft, aber schn, dagegen die Empfindung der ersteren
zrtlich, mit Achtung verbunden und bestndig ist. Ich mag mich
nicht in gar zu ausfhrliche Zergliederungen von dieser Art einlassen;
denn in solchen Fllen scheint der Verfasser jederzeit seine eigene
Neigung zu malen. Indessen berhre ich noch: da der Geschmack, den
viele Damen an einer gesunden, aber blassen Farbe finden, sich hier
verstehen lasse. Denn diese begleitet gemeiniglich eine Gemtsart
von mehr innerem Gefhl und zrtlicher Empfindung, welches zur
Eigenschaft des Erhabenen gehrt, dagegen die rote und blhende Farbe
weniger von der ersteren, allein mehr von der frhlichen und muntern
Gemtsart ankndigt; es ist aber der Eitelkeit gemer, zu rhren
und zu fesseln, als zu reizen und anzulocken. Es knnen dagegen
Personen ohne alles moralische Gefhl und ohne einigen Ausdruck, der
auf Empfindungen deutete, sehr hbsch sein, allein sie werden weder
rhren noch reizen, es sei denn denjenigen _derben Geschmack_, von
dem wir Erwhnung getan haben, welcher sich bisweilen etwas verfeinert
und dann nach seiner Art auch whlt. Es ist schlimm, da dergleichen
schne Geschpfe leichtlich in den Fehler der _Aufgeblasenheit_
verfallen durch das Bewutsein der schnen Figur, die ihnen ihr
Spiegel zeigt, und aus einem Mangel feinerer Empfindungen; da sie dann
alles gegen sich kaltsinnig machen, den Schmeichler ausgenommen, der
auf Absichten ausgeht und Rnke schmiedet.

  (9) Wie alle Dinge in der Welt auch ihre schlimme Seite haben,
  so ist bei diesem Geschmacke nur zu bedauern, da er leichter wie
  ein anderer in Lderlichkeit ausartet. Denn weil das Feuer, das
  eine Person entzndet hat, eine jede andre wieder lschen kann,
  so sind nicht genug Schwierigkeiten da, die eine unbndige Neigung
  einschrnken knnten.

Man kann nach diesen Begriffen vielleicht etwas von der so
verschiedenen Wirkung verstehen, die die Gestalt ebendesselben
Frauenzimmers auf den Geschmack der Mnner tut. Dasjenige, was
in diesem Eindrucke sich zu nahe auf den Geschlechtertrieb bezieht
und mit dem besondern _wollstigen_ Wahne, darin sich eines jeden
Empfindung einkleidet, einstimmig sein mag, berhre ich nicht, weil es
auer dem Bezirke des feinern Geschmackes ist; und es kann vielleicht
richtig sein, was der Herr v. Buffon vermutet, da diejenige Gestalt,
die den ersten Eindruck macht, zu der Zeit, wenn dieser Trieb noch
neu ist und sich zu entwickeln anfngt, das Urbild bleibe, worauf
in der knftigen Zeit alle weiblichen Bildungen mehr oder weniger
einschlagen mssen, welche die phantastische Sehnsucht rege machen
knnen, dadurch eine ziemlich grobe Neigung unter den verschiedenen
Gegenstnden eines Geschlechts zu whlen gentigt wird. Was den
etwas feineren Geschmack anlangt, so behaupte ich, da diejenige
Art von Schnheit, welche wir die _hbsche Gestalt_ genannt haben,
von allen Mnnern ziemlich gleichfrmig beurteilt werde und da
darber die Meinungen nicht so verschieden seien, wie man wohl
gemeiniglich dafr hlt. Die _zirkassischen_ und _georgischen_
Mdchen sind von allen Europern, die durch ihre Lnder reisen,
jederzeit fr beraus hbsch gehalten worden. Die _Trken_,
die _Araber_, die _Perser_ mssen wohl mit diesem Geschmacke sehr
einstimmig sein, weil sie sehr begierig sind, ihre Vlkerschaft
durch so feines Blut zu verschnern, und man merkt auch an, da
der persischen Rasse dieses wirklich gelungen ist. Die Kaufleute von
_Indostan_ ermangeln gleichfalls nicht, von einem boshaften Handel mit
so schnen Geschpfen groen Vorteil zu ziehen, indem sie solche
den leckerhaften Reichen ihres Landes zufhren, und man sieht, da,
so sehr auch der Eigensinn des Geschmacks in diesen verschiedenen
Weltgegenden abweichend sein mag, dennoch dasjenige, was einmal in
einer derselben als vorzglich _hbsch_ erkannt wird, in allen
brigen auch dafr gehalten werde. Wo aber sich in das Urteil ber
die feine Gestalt dasjenige einmengt, was in den Zgen moralisch ist,
so ist der Geschmack bei verschiedenen Mannspersonen jederzeit sehr
verschieden, sowohl nachdem ihr sittliches Gefhl selbst unterschieden
ist, als auch nach der verschiedenen Bedeutung, die der Ausdruck des
Gesichts in eines jeden Wahne haben mag. Man findet, da diejenigen
Bildungen, die beim ersten Anblicke nicht sonderliche Wirkung tun,
weil sie nicht auf eine entschiedene Art hbsch sind, gemeiniglich,
sobald sie bei nherer Bekanntschaft zu gefallen anfangen, auch weit
mehr einnehmen und sich bestndig zu verschnern scheinen; dagegen
das hbsche Ansehen, was sich auf einmal ankndigt, in der Folge
mit grerem Kaltsinn wahrgenommen wird, welches vermutlich daher
kommt, da moralische Reize, wo sie sichtbar werden, mehr fesseln,
imgleichen weil sie sich nur bei Gelegenheit sittlicher Empfindungen in
Wirksamkeit setzen und sich gleichsam entdecken lassen, jede Entdeckung
eines neuen Reizes aber immer noch mehr derselben vermuten lt;
anstatt da alle Annehmlichkeiten, die sich gar nicht verhehlen,
nachdem sie gleich anfangs ihre ganze Wirkung ausgebt haben, in der
Folge nichts weiter tun knnen, als den verliebten Vorwitz abzukhlen
und ihn allmhlich zur Gleichgltigkeit zu bringen.

Unter diesen Beobachtungen bietet sich ganz natrlich folgende
Anmerkung dar. Das ganz einfltige und grobe Gefhl in den
Geschlechterneigungen fhrt zwar sehr grade zum groen Zwecke der
Natur, und indem es ihre Forderungen erfllt, ist es geschickt,
die Person selbst ohne Umschweife glcklich zu machen, allein um der
groen Allgemeinheit willen artet es leichtlich in Ausschweifung und
Lderlichkeit aus. An der anderen Seite dient ein sehr verfeinigter
Geschmack zwar dazu, einer ungestmen Neigung die Wildheit zu benehmen
und, indem er solche nur auf sehr wenig Gegenstnde einschrnkt, sie
sittsam und anstndig zu machen, allein sie verfehlt gemeiniglich die
groe Endabsicht der Natur, und da sie mehr fordert oder erwartet,
als diese gemeiniglich leistet, so pflegt sie die Person von so
delikater Empfindung sehr selten glcklich zu machen. Die erstere
Gemtsart wird ungeschlacht, weil sie auf alle von einem Geschlechte
geht, die zweite grblerisch, indem sie eigentlich auf keinen geht,
sondern nur mit einem Gegenstande beschftigt ist, den die verliebte
Neigung sich in Gedanken schafft und mit allen edlen und schnen
Eigenschaften ausziert, welche die Natur selten in einem Menschen
vereinigt und noch seltner demjenigen zufhrt, der sie schtzen kann
und der vielleicht eines solchen Besitzes wrdig sein wrde. Daher
entspringt der Aufschub und endlich die vllige Entsagung auf die
eheliche Verbindung, oder, welches vielleicht ebenso schlimm ist,
eine grmische Reue nach einer getroffenen Wahl, welche die groen
Erwartungen nicht erfllt, die man sich gemacht hatte; denn nicht
selten findet der sopische Hahn eine Perle, welchem ein gemeines
Gerstenkorn besser wrde geziemt haben.

Wir knnen hiebei berhaupt bemerken, da, so reizend auch die
Eindrcke des zrtlichen Gefhls sein mgen, man doch Ursache
habe in der Verfeinigung desselben behutsam zu sein, wofern wir uns
nicht durch bergroe Reizbarkeit nur viel Unmut und eine Quelle von
bel erklgeln wollen. Ich mchte edleren Seelen wohl vorschlagen,
das Gefhl in Ansehung der Eigenschaften, die ihnen selbst zukommen,
oder der Handlungen, die sie selber tun, so sehr zu verfeineren, als
sie knnen, dagegen in Ansehung dessen, was sie genieen oder von
andern erwarten, den Geschmack in seiner Einfalt zu erhalten: wenn
ich nur einshe, wie dieses zu leisten mglich sei. In dem Falle
aber, da es anginge, wrden sie andere glcklich machen und auch
selbst glcklich sein. Es ist niemals aus den Augen zu lassen: da,
in welcher Art es auch sei, man keine sehr hohen Ansprche auf die
Glckseligkeiten des Lebens und die Vollkommenheit der Menschen machen
msse; denn derjenige, welcher jederzeit nur etwas Mittelmiges
erwartet, hat den Vorteil, da der Erfolg selten seine Hoffnung
widerlegt, dagegen bisweilen ihn auch wohl unvermutete Vollkommenheiten
berraschen.

Allen diesen Reizen droht endlich das Alter, der groe Verwster der
Schnheit, und es mssen, wenn es nach der natrlichen Ordnung gehen
soll, allmhlich die erhabenen und edlen Eigenschaften die Stelle der
schnen einnehmen, um eine Person, sowie sie nachlt liebenswrdig
zu sein, immer einer greren Achtung wert zu machen. Meiner Meinung
nach sollte in der schnen Einfalt, die durch ein verfeinertes
Gefhl an allem, was reizend und edel ist, erhoben worden, die
ganze Vollkommenheit des schnen Geschlechts in der Blte der Jahre
bestehen. Allmhlich, sowie die Ansprche auf Reizungen nachlassen,
knnte das Lesen der Bcher und die Erweiterung der Einsicht
unvermerkt die erledigte Stelle der Grazien durch die Musen ersetzen,
und der Ehemann sollte der erste Lehrmeister sein. Gleichwohl, wenn
selbst die allem Frauenzimmer so schreckliche Epoche des Altwerdens
herankommt, so gehrt es doch auch alsdann noch immer zum schnen
Geschlecht, und es verunziert sich selbst, wenn es in einer Art
von Verzweiflung, diesen Charakter lnger zu erhalten, sich einer
mrrischen und grmischen Laune berlt.

Eine bejahrte Person, welche mit einem sittsamen und freundlichen
Wesen der Gesellschaft beiwohnt, auf eine muntere und vernnftige
Art gesprchig ist, die Vergngen der Jugend, darin sie selbst nicht
Anteil nimmt, mit Anstand begnstigt und, indem sie fr alles sorgt,
Zufriedenheit und Wohlgefallen an der Freude, die um sie vorgeht,
verrt, ist noch immer eine feinere Person als ein Mann in gleichem
Alter, und vielleicht noch liebenswrdiger als ein Mdchen, wiewohl
in einem anderen Verstande. Zwar mchte die platonische Liebe wohl
etwas zu mystisch sein, welche ein alter Philosoph vorgab, wenn er von
dem Gegenstande seiner Neigung sagte: Die Grazien residieren in ihren
Runzeln, und meine Seele scheint auf meinen Lippen zu schweben, wenn
ich ihren welken Mund ksse; allein dergleichen Ansprche mssen
alsdann auch aufgegeben werden. Ein alter Mann, der verliebt tut, ist
ein Geck, und die hnlichen Anmaungen des andern Geschlechts sind
alsdann ekelhaft. An der Natur liegt es niemals, wenn wir nicht mit
einem guten Anstande erscheinen, sondern daran, da man sie verkehren
will.

Damit ich meinen Text nicht aus den Augen verliere, so will ich noch
einige Betrachtungen ber den Einflu anstellen, den ein Geschlecht
aufs andere haben kann, dessen Gefhl zu verschneren oder zu
veredlen. Das Frauenzimmer hat ein vorzgliches Gefhl fr das
_Schne_, sofern es _ihnen selbst_ zukommt, aber fr das _Edle_,
insoweit es am _mnnlichen Geschlechte_ angetroffen wird. Der Mann
dagegen hat ein entschiedenes Gefhl fr das _Edle_, was zu _seinen_
Eigenschaften gehrt, fr das _Schne_ aber, insofern es an dem
_Frauenzimmer_ anzutreffen ist. Daraus mu folgen, da die Zwecke
der Natur darauf gehen, den Mann durch die Geschlechterneigung noch
mehr zu _veredlen_ und das Frauenzimmer durch ebendieselbe noch mehr
zu _verschnern_. Ein Frauenzimmer ist darber wenig verlegen,
da sie gewisse hohe Einsichten nicht besitzt, da sie furchtsam
und zu wichtigen Geschften nicht auferlegt ist usw. usw., sie ist
schn und nimmt ein, und das ist genug. Dagegen fordert sie alle diese
Eigenschaften am Manne, und die Erhabenheit ihrer Seele zeigt sich nur
darin, da sie diese edlen Eigenschaften zu schtzen wei, sofern
sie bei ihm anzutreffen sind. Wie wrde es sonst wohl mglich sein,
da so viel mnnliche Fratzengesichter, ob sie gleich Verdienste
besitzen mgen, so artige und feine Frauen bekommen knnten! Dagegen
ist der Mann viel delikater in Ansehung der schnen Reize des
Frauenzimmers. Er ist durch die feine Gestalt desselben, die muntere
Naivett und die reizende Freundlichkeit genugsam schadlos gehalten
wegen des Mangels von Bchergelehrsamkeit und wegen anderer Mngel,
die er durch seine eigenen Talente ersetzen mu. Eitelkeit und
Moden knnen wohl diesen natrlichen Trieben eine falsche Richtung
geben und aus mancher Mannsperson einen _sen Herren_, aus dem
Frauenzimmer aber eine _Pedantin_ oder _Amazone_ machen, allein die
Natur sucht doch jederzeit zu ihrer Ordnung zurckzufhren. Man kann
daraus urteilen, welche mchtigen Einflsse die Geschlechterneigung
vornehmlich auf das mnnliche Geschlecht haben knnte, um es
zu veredlen, wenn anstatt vieler trockenen Unterweisungen das
moralische Gefhl des Frauenzimmers zeitig entwickelt wrde, um
dasjenige gehrig zu empfinden, was zu der Wrde und zu den erhabenen
Eigenschaften des anderen Geschlechts gehrt, und dadurch vorbereitet
wrde, den lppischen Zieraffen mit Verachtung anzusehen und sich
keinen andern Eigenschaften als den Verdiensten zu ergeben. Es ist
auch gewi, da die Gewalt ihrer Reize dadurch berhaupt gewinnen
wrde; denn es zeigt sich, da die Bezauberung derselben mehrenteils
nur auf edlere Seelen wirke, die anderen sind nicht fein genug,
sie zu empfinden. Ebenso sagte der Dichter _Simonides_, als man ihm
riet, vor den _Thessaliern_ seine schnen Gesnge hren zu lassen:
Diese Kerle sind zu dumm dazu, als da sie von einem solchen Manne,
wie ich bin, knnten betrogen werden. Man hat es sonst schon als
eine Wirkung des Umganges mit dem schnen Geschlecht angesehen, da
die mnnlichen Sitten sanfter, ihr Betragen artiger und geschliffener
und ihr Anstand zierlicher geworden; allein dieses ist nur ein Vorteil
in der Nebensache.(10) Es liegt am meisten daran, da der Mann
als Mann vollkommner werde und die Frau als ein Weib, d.i. da
die Triebfedern der Geschlechterneigung dem Winke der Natur gem
wirken, den einen noch mehr zu veredlen und die Eigenschaften der
andren zu verschnern. Wenn alles aufs uerste kommt, so wird der
Mann, dreist auf seine Verdienste, sagen knnen: _Wenn ihr mich
gleich nicht liebt, so will ich euch zwingen, mich hochzuachten_,
und das Frauenzimmer, sicher der Macht ihrer Reize, wird antworten:
_Wenn ihr uns gleich nicht innerlich hochschtzet, so zwingen wir
euch doch, uns zu lieben_. In Ermangelung solcher Grundstze sieht
man Mnner Weiblichkeiten annehmen, um zu gefallen, und Frauenzimmer
bisweilen (wiewohl viel seltner) einen mnnlichen Anstand knstlen,
um Hochachtung einzuflen; was man aber wider den Dank der Natur
macht, das macht man jederzeit sehr schlecht.

  (10) Dieser Vorteil selbst wird gar sehr gemindert durch die
  Beobachtung, welche man gemacht haben will, da diejenigen
  Mannspersonen, welche zu frh und zu hufig in solchen
  Gesellschaften eingeflochten sind, denen das Frauenzimmer den Ton
  gibt, gemeiniglich etwas lppisch werden und im mnnlichen Umgange
  langweilig oder auch verchtlich sind, weil sie den Geschmack an
  einer Unterhaltung verloren haben, die zwar munter, aber doch auch
  von wirklichem Gehalt, zwar scherzhaft, aber auch durch ernsthafte
  Gesprche ntzlich sein mu.

In dem ehelichen Leben soll das vereinigte Paar gleichsam eine einzige
moralische Person ausmachen, welche durch den Verstand des Mannes und
den Geschmack der Frauen belebt und regiert wird. Denn nicht allein,
da man jenem mehr auf Erfahrung gegrndete Einsicht, diesem aber
mehr Freiheit und Richtigkeit in der Empfindung zutrauen kann, so ist
eine Gemtsart, je erhabener sie ist, auch um desto geneigter, die
grte Absicht der Bemhungen in der Zufriedenheit eines geliebten
Gegenstandes zu setzen, und andererseits je schner sie ist, desto
mehr sucht sie durch Geflligkeit diese Bemhung zu erwidern. Es ist
also in einem solchen Verhltnisse ein Vorzugsstreit lppisch und,
wo er sich ereignet, das sicherste Merkmal eines plumpen oder ungleich
gepaarten Geschmackes. Wenn es dahin kommt, da die Rede vom Rechte
des Befehlshabers ist, so ist die Sache schon uerst verderbt;
denn wo die ganze Verbindung eigentlich nur auf Neigung errichtet
ist, da ist sie schon halb zerrissen, sobald sich das Sollen anfngt
hren zu lassen. Die Anmaung des Frauenzimmers in diesem harten
Tone ist uerst hlich und des Mannes im hchsten Grade unedel
und verchtlich. Indessen bringt es die weise Ordnung der Dinge
so mit sich: da alle diese Feinigkeiten und Zrtlichkeiten der
Empfindung nur im Anfange ihre ganze Strke haben, in der Folge aber
durch Gemeinschaft und husliche Angelegenheiten allmhlich stumpfer
werden und dann in vertrauliche Liebe ausarten, wo endlich die groe
Kunst darin besteht, noch genugsame Reste von jenen zu erhalten, damit
Gleichgltigkeit und berdru nicht den ganzen Wert des Vergngens
aufheben, um dessentwillen es einzig und allein verlohnt hat, eine
solche Verbindung einzugehen.




Vierter Abschnitt

Von den Nationalcharaktern(11), insofern sie auf dem unterschiedlichen
Gefhl des Erhabenen und Schnen beruhen

  (11) Meine Absicht ist gar nicht, die Charaktere der Vlkerschaften
  ausfhrlich zu schildern, sondern ich entwerfe nur einige
  Zge, die das Gefhl des Erhabenen und Schnen an ihnen
  ausdrcken. Man kann leicht erachten, da an dergleichen
  Zeichnung nur eine leidliche Richtigkeit knne verlangt werden,
  da die Urbilder davon nur in dem groen Haufen derjenigen, die
  auf ein feineres Gefhl Anspruch machen, hervorstechen und da es
  keiner Nation an Gemtsarten fehle, welche die vortrefflichsten
  Eigenschaften von dieser Art vereinbaren. Um deswillen kann
  der Tadel, der gelegentlich auf ein Volk fallen mchte, keinen
  beleidigen, wie er denn von solcher Natur ist, da ein jeglicher
  ihn wie einen Ball auf seinen Nachbar schlagen kann. Ob diese
  Nationalunterschiede zufllig seien und von den Zeitluften und der
  Regierungsart abhngen, oder mit einer gewissen Notwendigkeit an das
  Klima gebunden seien, das untersuche ich hier nicht.


Unter den Vlkerschaften unseres Weltteils sind meiner Meinung nach
die _Italiener_ und _Franzosen_ diejenigen, welche im Gefhl des
_Schnen_, die _Deutschen_ aber, _Englnder_ und _Spanier_, die
durch das Gefhl des _Erhabenen_ sich unter allen brigen am meisten
ausnehmen. _Holland_ kann fr dasjenige Land gehalten werden, wo
dieser feinere Geschmack ziemlich unmerklich wird. Das Schne selbst
ist entweder bezaubernd und rhrend, oder lachend und reizend. Das
erstere hat etwas von dem Erhabenen an sich, und das Gemt in diesem
Gefhl ist tiefsinnig und entzckt, in dem Gefhl der zweiten Art
aber lchlend und frhlich. Den Italienern scheint die erstere, den
Franzosen die zweite Art des schnen Gefhls vorzglich angemessen
zu sein. In dem Nationalcharaktere, der den Ausdruck des Erhabenen
an sich hat, ist dieses entweder das von der schreckhaften Art, das
sich ein wenig zum Abenteuerlichen neigt, oder es ist ein Gefhl
fr das Edle, oder fr das Prchtige. Ich glaube Grnde zu haben,
das Gefhl der ersteren Art dem Spanier, der zweiten dem Englnder
und der dritten dem Deutschen beilegen zu knnen. Das Gefhl frs
Prchtige ist seiner Natur nach nicht original, so wie die brigen
Arten des Geschmacks, und obgleich ein Nachahmungsgeist mit jedem
andern Gefhl kann verbunden sein, so ist er doch dem fr das
Schimmernd-Erhabene mehr eigen, denn es ist dieses eigentlich ein
gemischtes Gefhl aus dem des Schnen und des Edlen, wo jedes,
fr sich betrachtet, klter ist, und daher das Gemt frei genug
ist, bei der Verknpfung desselben auf Beispiele zu merken, und auch
deren Antrieb vonnten hat. Der Deutsche wird demnach weniger Gefhl
in Ansehung des Schnen haben, als der Franzose, und weniger von
demjenigen, was auf das Erhabene geht, als der Englnder, aber in den
Fllen, wo beides verbunden erscheinen soll, wird es seinem Gefhl
mehr gem sein, wie er denn auch die Fehler glcklich vermeiden
wird, in die eine ausschweifende Strke einer jeden dieser Arten des
Gefhls allein geraten knnte.

Ich berhre nur flchtig die Knste und die Wissenschaften,
deren Wahl den Geschmack der Nationen besttigen kann, welchen wir
ihnen beigemessen haben. Das italienische Genie hat sich vornehmlich
in der Tonkunst, der Malerei, Bildhauerkunst und der Architektur
hervorgetan. Alle diese schnen Knste finden einen gleich feinen
Geschmack in Frankreich fr sich, obgleich die Schnheit derselben
hier weniger rhrend ist. Der Geschmack in Ansehung der dichterischen
oder rednerischen Vollkommenheit fllt in Frankreich mehr in
das Schne, in England mehr in das Erhabene. Die feinen Scherze,
das Lustspiel, die lachende Satire, das verliebte Tndeln und die
leicht und natrlich flieende Schreibart sind dort original. In
England dagegen Gedanken von tiefsinnigem Inhalt, das Trauerspiel, das
epische Gedicht und berhaupt schweres Gold von Witze, welches unter
franzsischem Hammer zu dnnen Blttchen von groer Oberflche
kann gedehnt werden. In Deutschland schimmert der Witz noch sehr
durch die Folie. Ehedem war er schreiend, durch Beispiele aber und
den Verstand der Nation ist er zwar reizender und edler geworden, aber
jenes mit weniger Naivett, dieses mit einem minder khnen Schwunge
als in den erwhnten Vlkerschaften. Der Geschmack der hollndischen
Nation an einer peinlichen Ordnung und einer Zierlichkeit, die in
Bekmmernis und Verlegenheit setzt, lt auch wenig Gefhl in
Ansehung der ungeknstelten und freien Bewegungen des Genies vermuten,
dessen Schnheit durch die ngstliche Verhtung der Fehler nur
wrde entstellt werden. Nichts kann allen Knsten und Wissenschaften
mehr entgegen sein als ein abenteuerlicher Geschmack, weil dieser die
Natur verdreht, welche das Urbild alles Schnen und Edlen ist. Daher
hat die spanische Nation auch wenig Gefhl fr die schnen Knste
und Wissenschaften an sich gezeigt.

Die Gemtscharaktere der Vlkerschaften sind am kenntlichsten bei
demjenigen, was an ihnen moralisch ist; um deswillen wollen wir noch
das verschiedene Gefhl derselben in Ansehung des Erhabenen und
Schnen aus diesem Gesichtspunkte in Erwgung ziehen.(12)

  (12) Es ist kaum ntig, da ich hier meine vorige Entschuldigung
  wiederhole. In jedem Volke enthlt der feinste Teil rhmliche
  Charaktere von aller Art, und wen ein oder anderer Tadel
  treffen sollte, der wird, wenn er fein genug ist, seinen Vorteil
  verstehen, der daraus ankommt, da er jeden andern seinem Schicksale
  berlt, sich selbst aber ausnimmt.

Der _Spanier_ ist ernsthaft, verschwiegen und wahrhaft. Es gibt wenig
redlichere Kaufleute in der Welt als die spanischen. Er hat eine stolze
Seele und mehr Gefhl fr groe als fr schne Handlungen. Da
in seiner Mischung wenig von dem gtigen und sanften Wohlwollen
anzutreffen ist, so ist er fters hart und auch wohl grausam. Das
_Autodaf_ erhlt sich nicht sowohl durch den Aberglauben, als
durch die abenteuerliche Neigung der Nation, welche durch einen
ehrwrdig-schrecklichen Aufzug gerhrt wird, worin es den mit
Teufelsgestalten bemalten _San Benito_ den Flammen, die eine wtende
Andacht entzndet hat, berliefern sieht. Man kann nicht sagen,
der Spanier sei hochmtiger oder verliebter als jemand aus einem
andern Volke, allein er ist beides auf eine abenteuerliche Art, die
seltsam und ungewhnlich ist. Den Pflug stehen lassen und mit einem
langen Degen und Mantel so lange auf dem Ackerfelde spazieren, bis
der vorberreisende Fremde vorbei ist, oder in einem Stiergefechte,
wo die Schnen des Landes einmal unverschleiert gesehen werden, seine
Beherrscherin durch einen besonderen Gru ankndigen und dann ihr zu
Ehren sich in einen gefhrlichen Kampf mit einem wilden Tiere wagen,
sind ungewhnliche und seltsame Handlungen, die von dem Natrlichen
weit abweichen.

Der _Italiener_ scheint ein gemischtes Gefhl zu haben von dem eines
Spaniers und dem eines Franzosen; mehr Gefhl fr das Schne als
der erstere und mehr fr das Erhabene als der letztere. Auf diese
Art knnen, wie ich meine, die brigen Zge seines moralischen
Charakters erklrt werden.

Der _Franzose_ hat ein herrschendes Gefhl fr das moralisch
Schne. Er ist artig, hflich und gefllig. Er wird sehr geschwinde
vertraulich, ist scherzhaft und frei im Umgange, und der Ausdruck ein
_Mann_ oder eine _Dame von gutem Tone_ hat nur eine verstndliche
Bedeutung fr den, der das artige Gefhl eines Franzosen erworben
hat. Selbst seine erhabenen Empfindungen, deren er nicht wenige hat,
sind dem Gefhle des Schnen untergeordnet und bekommen nur ihre
Strke durch die Zusammenstimmung mit dem letzteren. Er ist sehr
gerne witzig und wird einem Einfalle ohne Bedenken etwas von der
Wahrheit aufopfern. Dagegen, wo man nicht witzig sein kann(13),
zeigt er ebensowohl grndliche Einsicht als jemand aus irgendeinem
andern Volke, z.E. in der Mathematik und in den brigen trockenen
oder tiefsinnigen Knsten und Wissenschaften. Ein _Bonmot_ hat bei ihm
nicht den flchtigen Wert als anderwrts, es wird begierig verbreitet
und in Bchern aufbehalten, wie die wichtigste Begebenheit. Er
ist ein ruhiger Brger und rcht sich wegen der Bedrckungen der
Generalpchter durch Satiren, oder durch Parlaments-Remonstrationen,
welche, nachdem sie ihrer Absicht gem den Vtern des Volks
ein schnes patriotisches Ansehen gegeben haben, nichts weiter
tun, als da sie durch eine rhmliche Verweisung gekrnt und in
sinnreichen Lobgedichten besungen werden. Der Gegenstand, auf welchen
sich die Verdienste und Nationalfhigkeiten dieses Volks am meisten
beziehen, ist das Frauenzimmer.(14) Nicht, als wenn es hier mehr
als anderwrts geliebt oder geschtzt wrde, sondern weil es die
beste Veranlassung gibt, die beliebtesten Talente des Witzes, der
Artigkeit und der guten Manieren in ihrem Lichte zu zeigen; brigens
liebt eine eitele Person eines jeden Geschlechts jederzeit nur sich
selbst; die andere ist blo ihr Spielwerk. Da es den Franzosen an
edlen Eigenschaften gar nicht gebricht, nur da diese durch die
Empfindung des Schnen allein knnen belebt werden, so wrde das
schne Geschlecht hier einen mchtigern Einflu haben knnen, die
edelsten Handlungen des mnnlichen zu erwecken und rege zu machen,
als irgend sonst in der Welt, wenn man bedacht wre, diese Richtung
des Nationalgeistes ein wenig zu begnstigen. Es ist schade, da die
Lilien nicht spinnen.

  (13) In der Metaphysik, der Moral und den Lehren der Religion
  kann man bei den Schriften dieser Nation nicht behutsam genug
  sein. Es herrscht darin gemeiniglich viel schnes Blendwerk, welches
  in einer kalten Untersuchung die Probe nicht hlt. Der Franzose
  liebt das Khne in seinen Aussprchen; allein, um zur Wahrheit
  zu gelangen, mu man nicht khn, sondern behutsam sein. In der
  Geschichte hat er gerne Anekdoten, denen nichts weiter fehlt, als
  da zu wnschen ist, da sie nur wahr wren.

  (14) Das Frauenzimmer gibt in Frankreich allen Gesellschaften
  und allem Umgange den Ton. Nun ist wohl nicht zu leugnen, da die
  Gesellschaften ohne das schne Geschlecht ziemlich schmacklos und
  langweilig sind; allein wenn die Dame darin den schnen Ton angibt,
  so sollte der Mann seinerseits den edlen angeben. Widrigenfalls wird
  der Umgang ebensowohl langweilig, aber aus einem entgegengesetzten
  Grunde: weil nichts so sehr verekelt als lauter Sigkeit. Nach
  dem franzsischen Geschmacke heit es nicht: Ist der Herr zu
  Hause?, sondern: Ist Madame zu Hause? Madame ist vor der Toilette,
  Madame hat Vapeurs (eine Art schner Grillen); kurz, mit Madame
  und von Madame beschftigen sich alle Unterredungen und alle
  Lustbarkeiten. Indessen ist das Frauenzimmer dadurch gar nicht mehr
  geehrt. Ein Mensch, welcher tndelt, ist jederzeit ohne Gefhl
  sowohl der wahren Achtung als auch der zrtlichen Liebe. Ich
  mchte wohl, um wer wei wieviel, dasjenige nicht gesagt haben,
  was _Rousseau_ so verwegen behauptet: _da ein Frauenzimmer niemals
  etwas mehr als ein groes Kind werde_. Allein der scharfsichtige
  Schweizer schrieb dieses in Frankreich, und vermutlich empfand
  er es als ein so groer Verteidiger des schnen Geschlechts mit
  Entrstung, da man demselben nicht mit mehr wirklicher Achtung
  daselbst begegnet.

Der Fehler, woran dieser Nationalcharakter am nchsten grenzt,
ist das Lppische oder, mit einem hflicheren Ausdrucke das
Leichtsinnige. Wichtige Dinge werden als Spae behandelt, und
Kleinigkeiten dienen zur ernsthaftesten Beschftigung. Im Alter singt
der Franzose alsdann noch lustige Lieder und ist, soviel er kann, auch
galant gegen das Frauenzimmer. Bei diesen Anmerkungen habe ich groe
Gewhrsmnner aus ebenderselben Vlkerschaft auf meiner Seite und
ziehe mich hinter einen Montesquieu und d'Alembert, um wider jenen
besorglichen Unwillen sicher zu sein.

Der _Englnder_ ist im Anfange einer jeden Bekanntschaft kaltsinnig
und gegen einen Fremden gleichgltig. Er hat wenig Neigung zu kleinen
Geflligkeiten; dagegen wird er, sobald er ein Freund ist, zu groen
Dienstleistungen auferlegt. Er bemht sich wenig, im Umgange witzig zu
sein oder einen artigen Anstand zu zeigen, dagegen ist er verstndig
und gesetzt. Er ist ein schlechter Nachahmer, frgt nicht viel
darnach, was andere urteilen, und folgt lediglich seinem eigenen
Geschmacke. Er ist in Verhltnis auf das Frauenzimmer nicht von
franzsischer Artigkeit, aber bezeigt gegen dasselbe weit mehr Achtung
und treibt diese vielleicht zu weit, indem er im Ehestande seiner
Frauen gemeiniglich ein unumschrnktes Ansehen einrumt. Er ist
standhaft, bisweilen bis zur Hartnckigkeit, khn und entschlossen,
oft bis zur Vermessenheit, und handelt nach Grundstzen gemeiniglich
bis zum Eigensinne. Er wird leichtlich ein Sonderling, nicht aus
Eitelkeit, sondern weil er sich wenig um andre bekmmert und seinem
Geschmacke aus Geflligkeit oder Nachahmung nicht leichtlich Gewalt
tut; um deswillen wird er selten so sehr geliebt als der Franzose,
aber, wenn er gekannt ist, gemeiniglich mehr hochgeachtet.

Der _Deutsche_ hat ein gemischtes Gefhl aus dem eines Englnders und
dem eines Franzosen, scheint aber dem ersteren am nchsten zu kommen,
und die grere hnlichkeit mit dem letzteren ist nur geknstelt
und nachgeahmt. Er hat eine glckliche Mischung in dem Gefhle sowohl
des Erhabenen und des Schnen; und wenn er in dem ersteren es nicht
einem Englnder, im zweiten aber dem Franzosen nicht gleichtut, so
bertrifft er sie beide, insofern er sie verbindet. Er zeigt mehr
Geflligkeit im Umgange als der erstere, und wenn er gleich nicht
so viel angenehme Lebhaftigkeit und Witz in die Gesellschaft bringt,
als der Franzose, so uert er doch darin mehr Bescheidenheit und
Verstand. Er ist, sowie in aller Art des Geschmacks, also auch in
der Liebe ziemlich methodisch, und indem er das Schne mit dem Edlen
verbindet, so ist er in der Empfindung beider kalt genug, um seinen
Kopf mit den berlegungen des Anstandes, der Pracht und des Aufsehens
zu beschftigen. Daher sind Familie, Titel und Rang bei ihm sowohl
im brgerlichen Verhltnisse als in der Liebe Sachen von groer
Bedeutung. Er frgt weit mehr als die vorigen darnach, _was die Leute
von ihm urteilen mchten_, und wo etwas in seinem Charakter ist,
das den Wunsch einer Hauptverbesserung rege machen knnte, so ist
es diese Schwachheit, nach welcher er sich nicht erkhnt, original
zu sein, ob er gleich dazu alle Talente hat, und da er sich zu viel
mit der Meinung anderer einlt, welches den sittlichen Eigenschaften
alle Haltung nimmt, indem es sie wetterwendisch und falsch geknstelt
macht.

Der _Hollnder_ ist von einer ordentlichen und emsigen Gemtsart, und
indem er lediglich auf das Ntzliche sieht, so hat er wenig Gefhl
fr dasjenige, was im feineren Verstande schn oder erhaben ist. Ein
groer Mann bedeutet bei ihm ebensoviel als ein reicher Mann, unter
dem Freunde versteht er seinen Korrespondenten, und ein Besuch ist ihm
sehr langweilig, der ihm nichts einbringt. Er macht den Kontrast sowohl
gegen den Franzosen als den Englnder und ist gewissermaen ein sehr
phlegmatisierter Deutscher.

Wenn wir den Versuch dieser Gedanken in irgendeinem Falle anwenden,
um z.E. das Gefhl der Ehre zu erwgen, so zeigen sich folgende
Nationalunterschiede. Die Empfindung fr die Ehre ist am Franzosen
_Eitelkeit_, an dem Spanier _Hochmut_, an dem Englnder _Stolz_, an
dem Deutschen _Hoffart_ und an dem Hollnder _Aufgeblasenheit_. Diese
Ausdrcke scheinen beim ersten Anblicke einerlei zu bedeuten,
allein sie bemerken nach dem Reichtum unserer deutschen Sprache
sehr kenntliche Unterschiede. Die _Eitelkeit_ buhlt um Beifall,
ist flatterhaft und vernderlich, ihr ueres Betragen aber ist
_hflich_. Der _Hochmtige_ ist voll von flschlich eingebildeten
groen Vorzgen und bewirbt sich nicht viel um den Beifall
anderer, seine Auffhrung ist steif und _hochtrabend_. Der _Stolz_
ist eigentlich nur ein greres Bewutsein seines eigenen Wertes,
der fters sehr richtig sein kann (um deswillen er auch bisweilen ein
edler Stolz heit; niemals aber kann ich jemanden einen edlen Hochmut
beilegen, weil dieser jederzeit eine unrichtige und bertriebene
Selbstschtzung anzeigt), das Betragen des Stolzen gegen andere ist
_gleichgltig_ und kaltsinnig. Der _Hoffrtige_ ist ein Stolzer,
der zugleich eitel ist.(15) Der Beifall aber, den er bei andern
sucht, besteht in Ehrenbezeugungen. Daher schimmert er gerne durch
Titel, Ahnenregister und Geprnge. Der Deutsche ist vornehmlich von
dieser Schwachheit angesteckt. Die Wrter: Gndig, Hochgeneigt,
Hoch- und Wohlgeb. und dergleichen Bombast mehr, machen seine Sprache
steif und ungewandt und verhindern gar sehr die schne Einfalt,
welche andere Vlker ihrer Schreibart geben knnen. Das Betragen
eines Hoffrtigen in dem Umgange ist _Zeremonie_. Der _Aufgeblasene_
ist ein Hochmtiger, welcher deutliche Merkmale der Verachtung anderer
in seinem Betragen uert. In der Auffhrung ist er _grob_. Diese
elende Eigenschaft entfernt sich am weitesten vom feineren Geschmacke,
weil sie offenbar dumm ist; denn das ist gewi nicht das Mittel,
dem Gefhl fr Ehre ein Gnge zu leisten, da man durch offenbare
Verachtung alles um sich zum Hasse und zur beienden Sptterei
auffordert. In der Liebe haben der Deutsche und der Englnder
einen ziemlich guten Magen, etwas fein von Empfindung, mehr aber von
gesundem und _derbem Geschmacke_. Der Italiener ist in diesem Punkte
_grblerisch_, der Spanier _phantastisch_, der Franzose _vernascht_.

  (15) Es ist nicht ntig, da ein Hoffrtiger zugleich
  hochmtig sei, d.h. sich eine bertriebene, falsche Einbildung
  von seinen Vorzgen mache, sondern er kann vielleicht sich nicht
  hher schtzen, als er wert ist, er hat aber nur einen falschen
  Geschmack, diesen seinen Wert uerlich geltend zu machen.

Die Religion unseres Weltteils ist nicht die Sache eines eigenwilligen
Geschmacks, sondern von ehrwrdigerem Ursprunge. Daher knnen
auch nur die Ausschweifungen in derselben und das, was darin den
Menschen eigentmlich angehrt, Zeichen von den verschiedenen
Nationaleigenschaften abgeben. Ich bringe diese Ausschweifungen
unter folgende Hauptbegriffe: _Leichtglubigkeit_ (Credulitt),
_Aberglaube_ (Superstition), _Schwrmerei_ (Fanaticism)
und _Gleichgltigkeit_ (Indifferentism). _Leichtglubig_ ist
mehrenteils der unwissende Teil einer jeden Nation, ob er gleich kein
merkliches feineres Gefhl hat. Die berredung kommt lediglich auf
das Hrensagen und das scheinbare Ansehen an, ohne da einige Art
des feinern Gefhls dazu die Triebfeder enthielte. Die Beispiele
ganzer Vlker von dieser Art mu man im Norden suchen. Der
Leichtglubige, wenn er von abenteuerlichem Geschmack ist, wird
_aberglubisch_. Dieser Geschmack ist sogar an sich selbst ein
Grund, etwas leichter zu glauben(16), und von zwei Menschen,
deren der eine von diesem Gefhl angesteckt, der andere aber
von kalter und gemigter Gemtsart ist, wird der erstere,
wenn er gleich wirklich mehr Verstand hat, dennoch durch seine
herrschende Neigung eher verleitet werden, etwas Unnatrliches
zu glauben, als der andere, welchen nicht seine Einsicht, sondern
sein gemeines und phlegmatisches Gefhl vor dieser Ausschweifung
bewahrt. Der Aberglubische in der Religion stellt zwischen sich
und dem hchsten Gegenstande der Verehrung gerne gewisse mchtige
und erstaunliche Menschen, Riesen sozureden der Heiligkeit, denen
die Natur gehorcht und deren beschwrende Stimme die eisernen
Tore des Tartarus auf- oder zuschliet, die, indem sie mit ihrem
Haupte den Himmel berhren, ihren Fu noch auf der niederen Erde
stehen haben. Die Unterweisung der gesunden Vernunft wird demnach
in _Spanien_ groe Hindernisse zu berwinden haben, nicht darum,
weil sie die Unwissenheit daselbst zu vertreiben hat, sondern weil ein
seltsamer Geschmack ihr entgegensteht, welchem das Natrliche gemein
ist und der niemals glaubt, in einer erhabenen Empfindung zu sein,
wenn sein Gegenstand nicht abenteuerlich ist. Die _Schwrmerei_ ist
sozusagen eine andchtige Vermessenheit und wird durch einen gewissen
Stolz und ein gar zu groes Zutrauen zu sich selbst veranlat,
um den himmlischen Naturen nherzutreten und sich durch einen
erstaunlichen Flug ber die gewhnliche und vorgeschriebene Ordnung
zu erheben. Der Schwrmer redet nur von unmittelbarer Eingebung und
vom beschaulichen Leben, indessen da der Aberglubische vor den
Bildern groer wunderttiger Heiligen Gelbde tut und sein Zutrauen
auf die eingebildeten und unnachahmlichen Vorzge anderer Personen von
seiner eigenen Natur setzt. Selbst die Ausschweifungen fhren, wie wir
oben bemerkt haben, Zeichen des Nationalgefhls bei sich, und so ist
der Fanaticismus(17) wenigstens in den vorigen Zeiten am meisten
in Deutschland und England anzutreffen gewesen und ist gleichsam ein
unnatrlicher Auswuchs des edlen Gefhls, welches zu dem Charakter
dieser Vlker gehrt, und berhaupt bei weitem nicht so schdlich
als die aberglubische Neigung, wenn er gleich im Anfange ungestm
ist, weil die Erhitzung eines schwrmerischen Geistes allmhlich
verkhlt und seiner Natur nach endlich zur ordentlichen Migung
gelangen mu, anstatt da der Aberglaube sich in einer ruhigen und
leidenden Gemtsbeschaffenheit unvermerkt tiefer einwurzelt und dem
gefesselten Menschen das Zutrauen gnzlich benimmt, sich von einem
schdlichen Wahne jemals zu befreien. Endlich ist ein Eiteler und
Leichtsinniger jederzeit ohne strkeres Gefhl fr das Erhabene,
und seine Religion ist ohne Rhrung, mehrenteils nur eine Sache der
Mode, welche er mit aller Artigkeit begeht und kalt bleibt. Dieses
ist der praktische _Indifferentismus_, zu welchem der _franzsische_
Nationalgeist am meisten geneigt zu sein scheint, wovon bis zur
frevelhaften Sptterei nur ein Schritt ist, und der im Grunde, wenn
auf den inneren Wert gesehen wird, vor einer gnzlichen Absagung wenig
voraushat.

  (16) Man hat sonst bemerkt, da die Englnder als ein so
  kluges Volk gleichwohl leichtlich durch eine dreiste Ankndigung
  einer wunderlichen und ungereimten Sache knnen berckt werden,
  sie anfnglich zu glauben; wovon man viele Beispiele hat. Allein
  eine khne Gemtsart, vorbereitet durch verschiedene Erfahrungen,
  in welchen manche seltsamen Dinge gleichwohl wahr befunden worden,
  bricht geschwinde durch die kleinen Bedenklichkeiten, von denen ein
  schwacher und mitrauischer Kopf bald aufgehalten wird und so ohne
  sein Verdienst bisweilen vor dem Irrtum verwahrt wird.

  (17) Der Fanaticism mu vom _Enthusiasmus_ jederzeit unterschieden
  werden. Jener glaubt eine unmittelbare und auerordentliche
  Gemeinschaft mit einer hheren Natur zu fhlen, dieser
  bedeutet den Zustand des Gemts, da dasselbe durch irgendeinen
  Grundsatz ber den geziemenden Grad erhitzt worden, es
  sei nun durch die Maxime der patriotischen Tugend, oder der
  Freundschaft, oder der Religion, ohne da hiebei die Einbildung
  einer bernatrlichen Gemeinschaft etwas zu schaffen hat.

Gehen wir mit einem flchtigen Blicke noch die anderen Weltteile
durch, so treffen wir den _Araber_ als den edelsten Menschen im
Oriente an, doch von einem Gefhl, welches sehr in das Abenteuerliche
ausartet. Er ist gastfrei, gromtig und wahrhaft; allein seine
Erzhlung und Geschichte und berhaupt seine Empfindung ist jederzeit
mit etwas Wunderbarem durchflochten. Seine erhitzte Einbildungskraft
stellt ihm die Sachen in unnatrlichen und verzogenen Bildern dar, und
selbst die Ausbreitung seiner Religion war ein groes Abenteuer. Wenn
die Araber gleichsam die Spanier des Orients sind, so sind die
_Perser_ die Franzosen von Asien. Sie sind gute Dichter, hflich und
von ziemlich feinem Geschmacke. Sie sind nicht so strenge Befolger
des Islam und erlauben ihrer zur Lustigkeit aufgelegten Gemtsart
eine ziemlich milde Auslegung des Koran. Die _Japoneser_ knnten
gleichsam als die Englnder dieses Weltteils angesehen werden, aber
kaum in einer andern Eigenschaft als ihrer Standhaftigkeit, die bis zur
uersten Halsstarrigkeit ausartet, ihrer Tapferkeit und Verachtung
des Todes. brigens zeigen sie wenig Merkmale eines feineren Gefhls
an sich. Die _Indianer_ haben einen herrschenden Geschmack von
Fratzen von derjenigen Art, die ins Abenteuerliche einschlgt. Ihre
Religion besteht aus Fratzen. Gtzenbilder von ungeheurer Gestalt,
der unschtzbare Zahn des mchtigen Affen Hanuman, die unnatrlichen
Bungen der Fakirs (heidnischer Bettelmnche) usw. sind in diesem
Geschmacke. Die willkrliche Aufopferung der Weiber in ebendemselben
Scheiterhaufen, der die Leiche ihres Mannes verzehrt, ist ein
scheuliches Abenteuer. Welche lppische Fratzen enthalten nicht
die weitschichtigen und ausstudierten Komplimente der _Chineser_;
selbst ihre Gemlde sind fratzenhaft und stellen wunderliche
und unnatrliche Gestalten vor, dergleichen nirgend in der Welt
anzutreffen sind. Sie haben auch ehrwrdige Fratzen, darum, weil sie
von uraltem Gebrauch sind(18), und keine Vlkerschaft in der Welt
hat deren mehr als diese.

  (18) Man begeht noch in Peking die Zeremonie, bei einer Sonnen-
  oder Mondfinsternis durch groes Gerusch den Drachen zu verjagen,
  der diese Himmelskrper verschlingen will, und behlt einen elenden
  Gebrauch aus den ltesten Zeiten der Unwissenheit bei, ob man gleich
  jetzt besser belehrt ist.

Die _Negers_ von Afrika haben von der Natur kein Gefhl, welches
ber das Lppische stiege. Herr _Hume_ fordert jedermann auf, ein
einziges Beispiel anzufhren, da ein Neger Talente gewiesen habe, und
behauptet: da unter den Hunderttausenden von Schwarzen, die aus ihren
Lndern anderwrts verfhrt werden, obgleich deren sehr viele auch
in Freiheit gesetzt werden, dennoch nicht ein einziger jemals gefunden
worden, der entweder in Kunst oder Wissenschaft oder irgendeiner
andern rhmlichen Eigenschaft etwas Groes vorgestellt habe,
obgleich unter den Weien sich bestndig welche aus dem niedrigsten
Pbel emporschwingen und durch vorzgliche Gaben in der Welt ein
Ansehen erwerben. So wesentlich ist der Unterschied zwischen diesen
zwei Menschengeschlechtern, und er scheint ebenso gro in Ansehung
der Gemtsfhigkeiten als der Farbe nach zu sein. Die unter ihnen
weit ausgebreitete Religion der Fetische ist vielleicht eine Art von
Gtzendienst, welcher so tief ins Lppische sinkt, als es nur immer
von der menschlichen Natur mglich zu sein scheint. Eine Vogelfeder,
ein Kuhhorn, eine Muschel oder jede andere gemeine Sache, sobald sie
durch einige Worte eingeweiht worden, ist ein Gegenstand der Verehrung
und der Anrufung in Eidschwren. Die Schwarzen sind sehr eitel,
aber auf Negerart, und so plauderhaft, da sie mit Prgeln mssen
auseinandergejagt werden.

Unter allen _Wilden_ ist keine Vlkerschaft, welche einen so erhabenen
Gemtscharakter an sich zeigte, als die von _Nordamerika_. Sie haben
ein starkes Gefhl fr Ehre, und indem sie, um sie zu erjagen,
wilde Abenteuer Hunderte von Meilen weit aufsuchen, so sind sie noch
uerst aufmerksam, den mindesten Abbruch derselben zu verhten,
wenn ihr ebenso harter Feind, nachdem er sie ergriffen hat, durch
grausame Qualen feige Seufzer von ihnen zu erzwingen sucht. Der
kanadische Wilde ist brigens wahrhaft und redlich. Die Freundschaft,
die er errichtet, ist ebenso abenteuerlich und enthusiastisch,
als was jemals aus den ltesten und fabelhaften Zeiten davon
gemeldet worden. Er ist uerst stolz, empfindet den ganzen Wert
der Freiheit und erduldet selbst in der Erziehung keine Begegnung,
welche ihm eine niedrige Unterwerfung empfinden liee. _Lykurgus_ hat
wahrscheinlicherweise eben dergleichen Wilden Gesetze gegeben, und wenn
ein Gesetzgeber unter den sechs Nationen aufstnde, so wrde man eine
spartanische Republik sich in der neuen Welt erheben sehen; wie denn
die Unternehmung der Argonauten von den Kriegeszgen dieser Indianer
wenig unterschieden ist, und _Jason_ vor dem _Attakakullakulla_
nichts als die Ehre eines griechischen Namens voraushat. Alle diese
Wilden haben wenig Gefhl fr das Schne im moralischen Verstande,
und die gromtige Vergebung einer Beleidigung, die zugleich edel
und schn ist, ist als Tugend unter den Wilden vllig unbekannt,
sondern wird wie eine elende Feigheit verachtet. Tapferkeit ist das
grte Verdienst des Wilden, und Rache seine seste Wollust. Die
brigen Eingebornen dieses Weltteils zeigen wenig Spuren eines
Gemtscharakters, welcher zu feineren Empfindungen aufgelegt wre,
und eine auerordentliche Fhllosigkeit macht das Merkmal dieser
Menschengattungen aus.

Betrachten wir das Geschlechterverhltnis in diesen Weltteilen,
so finden wir, da der _Europer_ einzig und allein das Geheimnis
gefunden hat, den sinnlichen Reiz einer mchtigen Neigung mit so viel
Blumen zu schmcken und mit so viel Moralischem zu durchflechten,
da er die Annehmlichkeiten desselben nicht allein beraus erhht,
sondern auch sehr anstndig gemacht hat. Der Bewohner des _Orients_
ist in diesem Punkte von sehr falschem Geschmacke. Indem er keinen
Begriff hat von dem sittlich Schnen, das mit diesem Triebe kann
verbunden werden, so bt er auch sogar den Wert des sinnlichen
Vergngens ein, und sein Harem ist ihm eine bestndige Quelle
von Unruhe. Er gert auf allerlei verliebte Fratzen, worunter das
eingebildete Kleinod eins der vornehmsten ist, dessen er sich vor allem
zu versichern sucht, dessen ganzer Wert nur darin besteht, da man
es zerbricht, und von welchem man berhaupt in unserem Weltteil viel
hmischen Zweifel hegt und zu dessen Erhaltung er sich sehr unbilliger
und fters ekelhafter Mittel bedient. Daher ist die Frauensperson
daselbst jederzeit im Gefngnisse, sie mag nun ein Mdchen sein
oder einen barbarischen, untchtigen und jederzeit argwhnischen
Mann haben. In den Lndern der _Schwarzen_: was kann man da Besseres
erwarten, als was durchgngig daselbst angetroffen wird, nmlich
das weibliche Geschlecht in der tiefsten Sklaverei? Ein Verzagter
ist allemal ein strenger Herr ber den Schwcheren, sowie auch bei
uns derjenige Mann jederzeit ein Tyrann in der Kche ist, welcher
auer seinem Hause sich kaum erkhnt, jemanden unter die Augen zu
treten. Der Pater Labat meldet zwar, da ein Negerzimmermann, dem er
das hochmtige Verfahren gegen seine Weiber vorgeworfen, geantwortet
habe: Ihr Weien seid rechte Narren, denn zuerst rumet ihr euren
Weibern so viel ein, und hernach klagt ihr, wenn sie euch den Kopf toll
machen; es ist auch, als wenn hierin so etwas wre, was vielleicht
verdiente, in berlegung gezogen zu werden, allein kurzum, dieser Kerl
war vom Kopf bis auf die Fe ganz schwarz, ein deutlicher Beweis,
da das, was er sagte, dumm war. Unter allen Wilden sind keine,
bei denen das weibliche Geschlecht in grerem wirklichen Ansehen
stnde, als die von _Kanada_. Vielleicht bertreffen sie darin sogar
unseren gesitteten Weltteil. Nicht als wenn man den Frauen daselbst
demtige Aufwartungen machte; das sind nur Komplimente. Nein, sie
haben wirklich zu befehlen. Sie versammlen sich und beratschlagen
ber die wichtigsten Anordnungen der Nation, ber Krieg und
Frieden. Sie schicken darauf ihre Abgeordneten an den mnnlichen Rat,
und gemeiniglich ist ihre Stimme diejenige, welche entscheidet. Aber
sie erkaufen diesen Vorzug teuer genug. Sie haben alle huslichen
Angelegenheiten auf dem Halse und nehmen an allen Beschwerlichkeiten
der Mnner mit Anteil.

Wenn wir zuletzt noch einige Blicke auf die Geschichte werfen,
so sehen wir den Geschmack der Menschen wie einen Proteus stets
wandelbare Gestalten annehmen. Die alten Zeiten der Griechen und Rmer
zeigen deutliche Merkmale eines echten Gefhls fr das Schne
sowohl als das Erhabene in der Dichtkunst, der Bildhauerkunst,
der Architektur, der Gesetzgebung und selbst in den Sitten. Die
Regierung der rmischen Kaiser vernderte die edle sowohl als die
schne Einfalt in das Prchtige und dann in den falschen Schimmer,
wovon uns noch die berbleibsel ihrer Beredsamkeit, Dichtkunst und
selbst die Geschichte ihrer Bitten belehren knnen. Allmhlich
erlosch auch dieser Rest des feinern Geschmacks mit dem gnzlichen
Verfall des Staats. Die Barbaren, nachdem sie ihrerseits ihre Macht
befestigten, fhrten einen gewissen verkehrten Geschmack ein, den man
den gotischen nennt und der auf Fratzen auslief. Man sah nicht allein
Fratzen in der Baukunst, sondern auch in den Wissenschaften und den
brigen Gebruchen. Das verunartete Gefhl, da es einmal durch
falsche Kunst gefhrt ward, nahm eher eine jede andere natrliche
Gestalt als die alte Einfalt der Natur an, und war entweder beim
bertriebenen oder beim Lppischen. Der hchste Schwung, den das
menschliche Genie nahm, um zu dem Erhabenen aufzusteigen, bestand in
Abenteuern. Man sah geistliche und weltliche Abenteurer und oftmals
eine widrige und ungeheure Bastardart von beiden. Mnche mit dem
Mebuch in einer und der Kriegesfahne in der andern Hand, denen ganze
Heere betrogener Schlachtopfer folgten, um in andern Himmelsgegenden
und in einem heiligeren Boden ihre Gebeine verscharren zu lassen,
eingeweihte Krieger, durch feierliche Gelbde zur Gewaltttigkeit und
Missetaten geheiligt, in der Folge eine seltsame Art von heroischen
Phantasten, welche sich Ritter nannten und Abenteuer aufsuchten,
Turniere, Zweikmpfe und romantische Handlungen. Whrend dieser
Zeit ward die Religion zusamt den Wissenschaften und Sitten durch
elende Fratzen entstellt, und man bemerkt, da der Geschmack
nicht leichtlich auf einer Seite ausartet, ohne auch in allem
brigen, was zum feineren Gefhl gehrt, deutliche Zeichen
seiner Verderbnis darzulegen. Die Klostergelbde machten aus einem
groen Teil nutzbarer Menschen zahlreiche Gesellschaften emsiger
Miggnger, deren grblerische Lebensart sie geschickt machte,
tausend Schulfratzen auszuhecken, welche von da in grere Welt
ausgingen und ihre Art verbreiteten. Endlich, nachdem das menschliche
Genie von einer fast gnzlichen Zerstrung sich durch eine Art von
Palingenesie glcklich wiederum erhoben hat, so sehen wir in unsern
Tagen den richtigen Geschmack des Schnen und Edlen, sowohl in den
Knsten und Wissenschaften als in Ansehung des Sittlichen, aufblhen,
und es ist nichts mehr zu wnschen, als da der falsche Schimmer,
der so leichtlich tuscht, uns nicht unvermerkt von der edlen Einfalt
entferne, vornehmlich aber, da das noch unentdeckte Geheimnis der
Erziehung dem alten Wahne entrissen werde, um das sittliche Gefhl
frhzeitig in dem Busen eines jeden jungen Weltbrgers zu einer
ttigen Empfindung zu erhhen, damit nicht alle Feinigkeit blo
auf das flchtige und mige Vergngen hinauslaufe, dasjenige, was
auer uns vorgeht, mit mehr oder weniger Geschmacke zu beurteilen.

    1764.


Gedruckt in der Roberg'schen Buchdruckerei in Leipzig.





End of the Project Gutenberg EBook of Beobachtungen ber das Gefhl des
Schnen und Erhabenen, by Immanuel Kant

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BEOBACHTUNGEN UBER DAS GEFUHL ***

***** This file should be named 41197-8.txt or 41197-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/4/1/1/9/41197/

Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License available with this file or online at
  www.gutenberg.org/license.


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
