The Project Gutenberg EBook of Albrecht Drer's Kupferstiche, Radirungen,
Holzschnitte und Zeichnungen, by B. Hausmann

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Title: Albrecht Drer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen
       unter besonderer Bercksichtigung der dazu verwandten
       Papiere und deren Wasserzeichen

Author: B. Hausmann

Release Date: September 1, 2012 [EBook #40637]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Anmerkungen zur Transkription:

Fett gedruckter Text ist gekennzeichnet mit =ist gleich=, gesperrter mit
_Untenstrich_ und Fraktur mit ~Tilde~. Hochgestellter Text ist
gekennzeichnet mit einem Winkelzeichen, z.B. 23^{ster}.


[Illustration]




Albrecht Drer's

Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen,

unter besonderer Bercksichtigung der dazu verwandten Papiere und deren
Wasserzeichen

vom

Oberbaurath B. Hausmann.

[Illustration]

Mit einem Holzschnitt und acht Tafeln Abbildungen der Wasserzeichen.

Hannover.

Hahn'sche Hof-Buchhandlung.

1861.


Schrift und Druck von Fr. Culomann.




Inhaltsverzeichnis


    Vorwort.                                                           I
    Abschnitt I. Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Drer's.     1
    Abschnitt II. Die Holzschnitte Albrecht Drer's.                  43
    Abschnitt III. Die Handzeichnungen Albrecht Drer's.             101
    Abbildungen
    Funoten




Vorwort.


Bei dem Studio der Incunabeln und alten Drucke des fnfzehnten
Jahrhunderts ist -- namentlich in neuerer Zeit -- eine besondere
Aufmerksamkeit auf die dazu gebrauchten Papiersorten und deren
Fabrikzeichen (Wasserzeichen) gerichtet, ber welche die vortrefflichen
Werke von Sotheby[1] und anderen, sowie manche Aufstze im Serapeum, die
belehrendste Auskunft geben. Nicht gleiche Bercksichtigung hat inde
dieser Gegenstand bisher in Beziehung auf die Kupferstiche und
Holzschnitte der alten Meister gefunden, und doch bieten gerade bei
diesen die Papiere und deren Wasserzeichen die interessantesten
Aufschlsse dar, in Beziehung auf die fr jeden Kunstfreund, besonders
aber fr den Sammler, wichtige Frage ber die Prioritt der Abdrcke.

Bekanntlich haben sich manche Kupferplatten der alten Meister,
vorzglich aber viele ihrer Holzstcke, noch nach ihrem Tode, zum Theil
durch mehrere Jahrhunderte bis auf die Neuzeit erhalten, und sind in den
verschiedensten Zeitrumen abgedruckt.

Von entschiedenem Interesse mu es daher fr den Kunstliebhaber sein,
wenn er auch ohne die nicht immer mgliche Vergleichung mit anderen
Abdrcken, schon aus den Papieren des vorliegenden Blattes beurtheilen
kann, ob der Druck lter oder neuer ist.

Es kann freilich selbstredend, aus den Papieren allein, ein stets
zutreffender Schlu auf die Gte des Abdrucks nicht gezogen werden, denn
es kommen zuweilen, auf den ersten Papieren, in Folge hufigerer
Benutzung der Platte stumpf gewordene, bei dem Druck mirathene, oder
durch sptere Behandlung verdorbene Abdrcke vor; doch wird es dem
Sammler, welcher, die Papiere beachtend, Vergleiche anstellt, nicht
entgehen, wie in der Regel die Gte der Abdrcke zu gewissen
Papiersorten in genauer Beziehung steht.

Bei keinem der alten Meister ist aber das Studium der Papiere und deren
Wasserzeichen wichtiger und belohnender, als bei Albrecht Drer, da
seine zahlreichen, von Anfang an bewunderten und beliebten Arbeiten in
Abdrcken von der allerverschiedensten Gte vorhanden sind, welche in
sehr von einander entfernten Zeitabschnitten, sowohl whrend seines
Lebens, als nach seinem Tode genommen wurden, und diese Zeitabschnitte
sich, zum Theil mit Entschiedenheit, nach den zu den Abdrcken
gebrauchten Papiersorten bestimmen oder doch unterscheiden lassen.

Namentlich glaube ich: da bei den von Drer mit gedrucktem Text
herausgegebenen Holzschnittfolgen, die so lange streitige Frage wegen
der Prioritt der Abdrcke, mit oder ohne Text, sich durch die Papiere
und deren Merkmale mit Bestimmtheit lsen lsst.

Ich selbst, einer der ltesten Drer-Sammler, denn die ersten
Erwerbungen fr mein gegenwrtig sehr vollstndiges Werk geschahen schon
im September 1806 in Paris, bin erst seit etwa sechs Jahren auf die
Wichtigkeit des Studiums der Papiere aufmerksam geworden, habe aber
dasselbe seitdem mit regem Eifer verfolgt und fr diesen Zweck, auf
wiederholten Reisen, den grten Theil der ffentlichen Sammlungen
Drer'scher Werke, in und ausserhalb Deutschlands, sowie zahlreiche
Privat-Sammlungen sorgfltig durchgesehen, und gestrebt, durch
Zusammenstellung der gemachten Beobachtungen zu bestimmten Resultaten zu
gelangen.

Bei der Prfung der Privat-Sammlungen, bin ich von mehreren der eifrigen
und unterrichteten Besitzer derselben auf das wirksamste untersttzt,
und bei den Vorstnden der ffentlichen Sammlungen habe ich, fast ohne
alle Ausnahme, eine so bereitwillige Zuvorkommenheit gefunden, da ich
solches nicht dankbar genug erkennen kann.

Leider hat bei einem groen Theile der ffentlichen Sammlungen, das
Einkleben der Bltter in Bcher, oder das sorgfltige Befestigen
derselben auf die Untersatzbogen, an allen vier Ecken, meine Bemhungen,
die Wasserzeichen zu erkennen, sehr erschwert, hufig ganz unmglich
gemacht, und meine Erfolge sind daher, ungeachtet der ausserordentlich
groen Zahl von mir geprfter Abdrcke, durchaus nicht als _erschpfend_
zu betrachten.

Diese Ueberzeugung htte mich vielleicht abhalten sollen, mit den
Resultaten der von mir gemachten Bemerkungen jetzt schon vor die
Oeffentlichkeit zu treten; doch darf man im 78^{sten} Lebensjahre,
Nichts auf kommende Zeiten verschieben, und ich hoffe, da diese, wenn
auch mangelhafte Arbeit, jngere Krfte veranlassen wird, sie zu
vervollstndigen und den interessanten Gegenstand weiter zu verfolgen.

Bei Erwhnung der einzelnen Bltter unsers Meisters habe ich inde
geglaubt, mich nicht allein auf das Papier derselben beschrnken zu
drfen, da mein langjhriges Sammeln, und die Untersuchung einer so
groen Menge von Abdrcken, mir Gelegenheit gegeben hat, auch andere
bisher nicht beachtete Notizen zu nehmen, deren Mittheilung nicht ohne
Werth sein, namentlich auch zur Berichtigung mancher durch Heller und
seine Nachschreiber verbreiteten Irthmer beitragen drfte.

Ich habe dabei auch die interessanten Nachrichten des Vasari[2] ber die
Kupferstiche und Holzschnitte Drer's bercksichtigt, welche bisher in
unsern Werken ber dieselben fast gar keine Wrdigung gefunden haben.

In dem dritten Abschnitt sind von mir einige Nachweisungen ber die
groe Zahl der vorhandenen Zeichnungen und Skizzen unsers Meisters
hinzugefgt, da dieselben bis jetzt weder bekannt noch beachtet genug,
und doch so sehr geeignet sind, ber die Entwickelung und die
vielseitige Thtigkeit dieses groen Knstlers, die wichtigsten
Aufschlsse zu geben.

Auch bei diesen habe ich auf die gebrauchten Papiere und ihre
Kennzeichen besondere Aufmerksamkeit verwendet, da eine Beachtung
derselben es nicht selten dem Liebhaber erleichtern wird, die Originale
von den zahlreichen spteren oft sehr geschickten Nachahmungen zu
unterscheiden.

Um die Vergleichung zu erleichtern, habe ich von den wichtigsten
Wasserzeichen Durchzeichnungen nehmen lassen und sind solche auf den
angefgten Tafeln in der wirklichen Gre abgebildet. Ich mu inde
dabei bemerken, da mehr oder mindere Abweichungen in den Formen dieser
Fabrikzeichen nicht selten vorkommen. Von manchen Wasserzeichen ist es
mir nicht mglich gewesen, eine genaue Durchzeichnung zu erhalten, und
habe ich mich bei diesen daher, auf eine Angabe der Form derselben und
die Entfernung der Drathlinien des Papiers beschrnken mssen.

Bei allen vorkommenden Maen ist der altfranzsische Zoll mit der
Eintheilung in 12 Linien zur Anwendung gebracht.

    _Hannover_, den 15. Mai 1861.

        B. Hausmann.




Abschnitt I.

Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Drer's.


Einleitung.

Die Drer'schen Kupferstiche und Radirungen lassen sich nach Drei
Haupt-Perioden eintheilen, nmlich:

    1) Diejenigen, welche bis zu seiner Reise nach Venedig gearbeitet
    wurden, also bis gegen Ende des Jahres 1505.

    2) Diejenigen aus der Zeit nach der Italienischen Reise bis zu der
    Reise nach den Niederlanden, vom Jahre 1507 bis 1520, und

    3) Diejenigen, welche nach der Rckkunft aus den Niederlanden
    entstanden, vom Jahre 1521 bis 1527.

Wie sich im Allgemeinen eine Verschiedenheit der Behandlung in diesen
drei Perioden wahrnehmen lsst, so tritt auch eine Verschiedenheit der
in denselben zu den Abdrcken verwandten Papier-Sorten und ihrer
Wasserzeichen hervor, wohlverstanden _der_ Papier-Sorten, welche sich
bei den _frheren_ Abdrcken vorfinden, denn der Fall ist hufig: da
man von derselben Platte gute, zuweilen selbst schne, wenn gleich
spter genommene Abdrcke auf Papier-Sorten einer der folgenden Perioden
antrifft.

Die Haupt-Papier-Sorte der _Ersten Periode_ hat das Wasserzeichen des
Ochsenkopfes, doch kmmt auch Papier mit dem Wasserzeichen des
gothischen ~P~ vor.

Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes findet man, in groer
Verschiedenheit der Form und der Beiwerke, schon bei den ltesten
Bcher-Drucken, und auch Martin Schn bediente sich desselben
vorzugsweise zu seinen Kupferstichen.

Nach neueren Ermittelungen des Herrn Commissairs Gtermann in Ravensburg
war der Ochsenkopf das Fabrikzeichen des von der Familie Holbain und
deren Nachfolgern verfertigten Leinen-Papiers[3].

Das von Drer zu seinen Kupferstichen benutzte Papier, mit jenem
Wasserzeichen, wie solches auf den angefgten Tafeln unter Nr. 1
abgebildet ist, hat ber dem Ochsenkopf einen einfachen Drathstrich mit
einer 5-blttrigen Blume, unter demselben einen gleichen Strich, der mit
einer dreieckigen Spitze und zwei Queerstrichen darber endigt.

Die Masse dieses Papiers ist beraus weich und fein, es ist mit einem
sehr dichten Drathsieb geschpft und so dnn: da man das Wasserzeichen
zuweilen schon auf der Stirnseite sehen kann. Die durchlaufenden
Drathstriche sind nicht stark, oft schwer wahrzunehmen; ihre Entfernung
betrgt gewhnlich 13-3/4 bis 14-1/4 Pariser Linien, doch ist solche
auch etwas geringer bis 13-1/4, oder etwas grer bis 15 Linien.

Dieses Papier ist, seiner Feinheit wegen, sehr dem Einreien ausgesetzt,
sonst fr die Schnheit der Abdrcke besonders gnstig.

Bei einzelnen Stichen Drers -- jedoch nicht hufig -- kommt ein Papier
mit dem Ochsenkopfe vor, ber welchem sich auf doppelten Drathstrichen
ein Kreuz mit einer Blume darber befindet, Nr. 2. Dieses ist bedeutend
dicker als das vorher bezeichnete, pergamentartig, und die Drathstriche
sind kaum bemerkbar.

Das Papier mit dem gothischen ~P~, Nr. 3, ist ebenfalls strker als das
feine Ochsenkopf-Papier und zeigt im Gewebe eine weit weniger dichte
Schpfform, die Drathstriche sind oft nicht zu erkennen.

       *       *       *       *       *

In der _zweiten_ Periode findet man im Anfange, namentlich bei den
kleineren Blttern, noch hufig das Papier mit dem Ochsenkopf, auch
trifft man es, jedoch selten, bei einzelnen der greren Bltter aus
dieser Zeit. Bald aber, und besonders nach 1510, wird dieses durch das
Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone verdrngt, und verschwindet
ganz bei den greren Blttern mit dem Jahre 1513. An dieses Papier mit
der hohen Krone reihen sich, wiewohl nicht so hufig, Papiere mit den
Wasserzeichen des Reichsapfels, eines Ankers im Kreise, und zweier mit
Zinnen gekrnter Thrme, welche durch eine Mauer verbunden sind.

Das Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone (auch wohl Kaiser-Krone
genannt), Nr. 4, welches, zwar selten, doch namentlich bei alten
Zeichnungen schon in den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts vorkmmt,
und von unserm Meister in den zu der Verwendung geeigneten Sorten
besonders viel gebraucht ist, hat im Stirnreif der Krone fnf Perlen und
auf dem hohen verzierten Bgel ein Kreuz. Die Masse des Papiers ist
nicht so milchweiss wie bei demjenigen mit dem Ochsenkopf, sie fllt
etwas ins gelbliche und ist mit einer weniger dichten Drathform
geschpft. -- Das Papier ist griffiger und bei den erhaltenen Rndern
gegen die Platte vorstehend.

Die Drathstriche sind sichtbar, aber in ihrem Abstnde oft auf
demselben Bogen verschieden. Gewhnlich findet man sie 13-1/2 bis 14
Pariser Linien von einander entfernt, zuweilen nur 12-1/2 und 13,
dagegen auch 15-1/4 Linien, letzteres jedoch selten.

Das Papier mit dem Reichsapfel und einem fnfstrahligen Stern darber
als Wasserzeichen, Nr. 5, ist fest und hat 13-3/4, zuweilen auch 15
Linien entfernte Drathstriche.

Dasjenige mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels, mit einem Kreuz
darber, Nr. 6, ist besonders fest und in innerer Gte dem Kronen-Papier
hnlich, es unterscheidet sich inde von diesem dadurch, da der Abstand
der Drathstriche nur 11-1/2 Linien betrgt.

Das Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 7, ist nicht
sehr fein von Masse, aber kernigt; die Drathstriche sind 13-1/2 bis 14
Linien von einander entfernt.

Bei den Papieren, deren Wasserzeichen in zwei mit Zinnen versehenen
Thrmen besteht, welche ein durchbrochenes Stck Mauer, mit ein oder
zwei Spitzen darunter, verbindet, Nr. 8 und 9, findet man die Masse
fein, wenngleich nicht immer so rein, wie bei manchen der frheren
Sorten; die Entfernung der Drathstriche ist verschieden und betrgt 12,
13-1/4 auch 14 Linien.

       *       *       *       *       *

Das in der _dritten Periode_ fast ausschliesslich vorherrschende Papier
hat das Wasserzeichen eines kleinen Kruges mit einem Henkel.

In den allerletzten Lebensjahren Drers kmmt noch das Wasserzeichen
eines Wappens mit zwei Lilien und einer groen Krone darber, so wie das
ebenfalls mit einer Krone bedeckte Wappen von Nrnberg vor.

Das Papier mit dem Henkelkruge, Nr. 10 oder 10^a, ist von einer feinen
weien Masse, nicht sehr dick, doch in sich fest. Seine Drathstriche
haben eine Entfernung von 12-3/4 bis 13-1/4 Pariser Linien.

Bei den _ersten Abdrcken_ Drer'scher Bltter findet man dasselbe vor
dem Jahre 1520 nicht, dagegen kmmt es bei den spteren Abdrcken
mehrerer Platten aus frheren Perioden vor, welche, wenngleich weniger
krftig als frher, der auf den Druck verwandten Sorgfalt nach, von
unsrem Meister selbst veranstaltet zu sein scheinen, vielleicht um den
auf der Niederlndischen Reise abgesetzten Vorrath zu ergnzen. --
Vorzglich trifft man es aber bei solchen Platten, deren Abdrcke frher
weniger in den Handel gekommen und in dem Reise-Tagebuche unter denen
auf derselben verkauften nicht verzeichnet sind.

Allgemeine Verwendung scheint dieses Papier aber nach Drers Tode bei
dem Abziehen seiner Kupferplatten aus allen Perioden gefunden zu haben,
denn man findet dasselbe hufig bei Abdrcken, deren breite Papierrnder
erhalten sind, welche aber den frheren Abdrcken, namentlich denen auf
Ochsenkopf- oder Kronen-Papier an Wrme und Frische der Farbe
wesentlich nachstehen. So hatte unter anderen ein groer Theil, der
durch breite Papierrnder mehr, als durch die Schnheit des Drucks
ausgezeichneten Bltter der im Jahre 1853 in Leipzig verkauften
Ackermannschen Sammlung, Papier mit dem Wasserzeichen des Henkelkruges.

Das Wasserzeichen des mit einer Krone bedeckten Wappenschildes mit zwei
Lilien und einem gothischen ~b~ darunter, Nr. 11, ist auch in Hellers
Leben und Werke Albrecht Drers, 2. Theil, pag. 46, abgebildet. Die
Drathstriche haben eine Entfernung von 11 Linien.

Das Papier mit dem Wappen von Nrnberg und einer Krone darber, Nr. 12,
welches am frhesten auf einzelnen Bogen Drer'scher Manuscripte auf der
Nrnberger Stadt-Bibliothek vorkommt, hat eine Entfernung der
Drathstriche von 13-3/4 Linien.

Die Papiere mit dem vorbemerkten Wasserzeichen 1 bis 12 glaube ich,
meinen Wahrnehmungen nach, als diejenigen bezeichnen zu drfen, welche
Albrecht Drer _in der Regel_ zu den von ihm selbst gemachten oder
besorgten Abdrcken seiner Kupferstiche und Radirungen verwendet hat,
welches inde nicht ausschliesst: da einzelne andere Papiere, ohne oder
mit abweichenden Wasserzeichen von ihm -- jedoch nur in einzelnen Fllen
-- gebraucht sein mgen.

Von einer Anzahl anderer Wasserzeichen, welche man in Abdrcken
Drer'scher Platten antrifft, glaube ich dagegen bestimmt behaupten zu
knnen: da solche Papieren angehren, welche erst nach Drer's Tode,
theilweise erst in spteren Zeiten, zu seinen Kupferstichen und
Radirungen verwendet wurden.

Die vorzglichsten davon sind:

Der stehende Hund mit gestutzten Ohren, Nr. 13. Entfernung der
Drathstriche 13-1/4 Linien.

Zwei Thrme mit einem Mauerstck dazwischen, Nr. 14. Entfernung der
Drathstriche 11-1/2 Linien.

Das Wappen der Stadt Schrobenhausen in Ober-Bayern, Nr. 15. Abstand der
Drathstriche 13 bis 13-3/4 Linien.

Das, dem der Stadt Nrnberg hnelnde Wappen mit einem Mohrenkopfe
darunter, Nr. 16. Entfernung der Drathstriche 12-3/4 Linien.

Der doppelte Reichsadler mit einem Thurm, Nr. 17. Entfernung der
Drathstriche 12 Linien.

Das Wahrzeichen von Augsburg, der Kelch mit dem Tannzapfen
(Zirbel-Nuss), Nr. 18. Abstand der Drathstriche 16 Linien.

Auch auf diesen Papieren findet man ab und an einen guten Abdruck, doch
nur von einzelnen bis dahin weniger abgenutzten Platten. Einen Vergleich
mit frheren frischen Abdrcken halten sie inde nicht aus.

Die Bestimmung der Papier-Sorte des einzelnen Abdrucks bietet brigens
oft groe Schwierigkeiten dar, denn in der bei weitem greren Zahl der
in den Sammlungen vorhandenen Drer'schen Bltter ist das Wasserzeichen
nicht zu sehen.

Ungeachtet der eifrigst darauf verwendeten Sorgfalt ist es mir bis jetzt
bei 23 Drer'schen Blttern nicht gelungen, ein Wasserzeichen
aufzufinden, und in den vollstndigsten der mir zugnglich gewesenen
Sammlungen betrgt die Zahl der Abdrcke mit sichtbarem Wasserzeichen,
die kleine Passion ausgenommen, nicht ber Siebenunddreissig.

Wo aber das Wasserzeichen nicht sichtbar ist, entstehen groe
Ungewiheiten dadurch: da die sonstigen Kennzeichen des Papiers, die
Entfernung der Drathstriche und das innere Gewebe theils nicht gleich
sind, theils nicht immer wahrgenommen werden knnen.

Bei diesen alten Papieren kmmt es vor: da auf einzelnen Bogen die
Drathstriche um 1 bis 3 Linien im Abstande verschieden, auch durch die
strkere oder geringere Anfeuchtung behuf des Drucks verndert sind; das
Gewebe des Papiers aber ist durch das nur zu hufige Waschen und
Bleichen der Abdrcke, oder durch scharfes Pressen, oft bis zur
Unkenntlichkeit entstellt.

Da aber in den Abdrcken so hufig kein Wasserzeichen vorhanden ist,
erklrt sich daraus: da von manchen Platten zwei, von den meisten vier
auf einen Bogen gedruckt wurden. Drer selbst unterscheidet in seinem
Tagebuche der Niederlndischen Reise die Ganz Pgen, Halb Pgen und
Viertels Pgen. -- Von ersteren war ein ganzer Bogen zu einem Abdruck
erforderlich, und auf den groen Blttern findet man daher, besonders
wenn sie auf Ochsenkopf-Papier gedruckt sind, in der Regel das ganze
Wasserzeichen.

Bei den Halb Pgen konnte nur _ein_ Abdruck von zweien das
Wasserzeichen erhalten, bei den Viertels Pgen blieben aber jedesmal
zwei Abdrcke ohne Zeichen, und zwei erhielten nur einen Theil davon,
wobei das Meiste auf die Papierrnder von ansehnlicher Breite fiel und
mit diesen fast allgemein verloren gegangen ist.

Man sieht daher bei den kleineren Blttern, wenn sie keinen breiten
Papierrand haben, vom Ochsenkopf hchstens die obere Blume oder die
untere dreieckige Spitze, von der hohen Krone den Stirnreif oder das
Kreuz.

Das Kronen-Papier scheint dabei von doppelter Gre gewesen zu sein,
denn man trifft die groen Bltter, welche meist auf diesem Papier
gedruckt sind, nicht selten ohne Wasserzeichen, jedoch auf Papier,
welches den brigen Kennzeichen nach jenem ganz gleicht. Besonders ist
dieses bei den greren Blttern aus der Periode von 1513 bis 1520 der
Fall, wo das Ochsenkopf-Papier von kleinerem Format nicht mehr verwendet
wurde. Man knnte veranlat werden zu vermuthen: da Drer in dieser
Periode Papier-Sorten ohne Wasserzeichen gebraucht htte, wenn man nicht
bei den Holzschnitten sowohl, als bei den Handzeichnungen aus dieser
Zeit fast immer Wasserzeichen fnde.

Bei dem Papiere mit dem Henkelkruge kommt noch der Umstand hinzu: da
das sehr kleine Wasserzeichen sich nicht in der Mitte des Bogens,
sondern an der Seite befindet, und daher hufig mit dem Papierrande
verschwunden ist.

Da, wo ich auf den Abdrcken einzelner Bltter kein Wasserzeichen habe
wahrnehmen knnen, sind von mir die Entfernungen der Drathstriche, in
sofern sie sichtbar waren, angegeben, da solche immer einige
Anhaltspunkte gewhren.

Im Allgemeinen kann man bei Beurtheilung der Papier-Sorten als Regel
annehmen: da die ltesten die festesten, oder doch von besonders
sorgfltig gewhlter Masse sind. Ihre Drathstriche haben dabei eine
grere Entfernung von einander. Mit dem allmhlichen Geringerwerden der
Gte der Masse schwindet auch in der Regel der Abstand dieser
Drathstriche, welcher von 16 Linien und darber bis unter 11 Linien
herabsinkt.

Um nun auf die einzelnen Kupferstiche und Radirungen berzugehen, so
glaube ich, ohne die von Young Ottley[4] und Heller[5], auf eine meines
Erachtens nicht glckliche Weise, versuchte Bestimmung der Prioritt
jedes einzelnen Blattes unternehmen zu wollen, doch -- als der Ersten
Periode angehrend -- die folgenden 30 Bltter bezeichnen zu drfen, bei
deren Nummern ich, wie bei allen folgenden, diejenigen des Peintre
Graveur von Bratsch angenommen habe, welches Handbuch in Beziehung auf
Albrecht Drer noch immer das sicherste bleibt. Dieses sind: B. Nr. 1,
2, 28, 29, 30, 34, 42, 44, 55, 56, 63, 68, 69, 75, 76, 78, 80, 81, 82,
83, 85, 86, 88, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 101. --

Young Ottley nimmt bei seiner Ordnung der Drer'schen Bltter fr diesen
ersten Zeitabschnitt eine weit grere Zahl (46 Blatt) an, da er ohne
gengenden Grund alle diejenigen Stiche dahin rechnet, denen die
Jahreszahl fehlt.

Drer ist aber bei der Bezeichnung seiner Arbeiten in dieser Beziehung
durchaus nicht gleichmig verfahren.

Wenn auch die Kupferstiche, welche er nach der Rckkunft aus den
Niederlanden arbeitete, smmtlich mit der Jahreszahl versehen sind, so
geschah dieses vor der Reise dorthin keinesweges unbedingt; wie solches
sich bei mehreren Kupferstichen, besonders auch durch die Bezeichnung
zahlreicher Skizzen und Zeichnungen, nachweisen lt, welche
unverkennbar dieser zweiten Periode angehren. Auch der wiederholt
gemachte Versuch, durch die Form des Monogramms die Zeit der Anfertigung
bestimmen zu wollen, fhrt nur bei einigen der frhesten Bltter zu
einem gengenden Resultate.

Kein Meister ist wohl so verschieden wie Drer in der Zeichnung seiner
Monogramme gewesen, welche -- obwohl durch einen gewissen allgemeinen
Character, bei einiger Uebung sehr wohl von den hufigen Nachbildungen
derselben zu unterscheiden -- besonders bei seinen Zeichnungen hchst
abweichend von einander sind, und hufig in Beziehung zu der mehr oder
minderen Ausfhrung der Arbeit stehen.

Auch Heller hat in seinen ersten beiden Abtheilungen, welche den von mir
angenommenen Zeitraum begreifen, 7 Bltter mehr als ich aufgefhrt.
Ueber einige derselben kann die Ansicht zweifelhaft sein, doch werde ich
es bei den einzelnen Blttern versuchen, die Verweisung in die zweite
Periode zu rechtfertigen.

Zu dieser zweiten Periode zhle ich: B. Nr. 3 bis 18, 19 bis 26, 31 bis
33, 35 bis 41, 43, 48, 50, 53, 54, 57, 58 bis 62, 64 bis 67, 70 bis 74,
77, 79, 84, 87, 89, 90, 91, 98, 99, 100, 102.

Die dritte Periode enthlt nur die Kupferstiche B. 46, 47, 49, 51, 52,
103, 104, 105, 106 und 107.

       *       *       *       *       *

Das Jahr, in welchem Albrecht Drer zuerst in Kupfer gestochen hat, ist
bis jetzt nicht ermittelt; doch mu man annehmen: da er -- als
Goldschmiedslehrling, mit der Kunst in Metall zu graben, bekannt
geworden -- durch die vortrefflichen Kupferstiche der Meister des
fnfzehnten Jahrhunderts schon frh veranlat gewesen sein wird, sich
selbst in der Kupferstecher-Kunst zu versuchen.

Da er bereits im Jahre 1498 das groe Holzschnitt-Werk der Apokalypse
vollendet hatte, so ist es hchst wahrscheinlich, da einzelne
Kupferstiche von ihm noch vor dieser Zeit gearbeitet sein werden,
wenngleich ich auf den gewhnlich dafr angefhrten Beweis, die
Jahreszahl 1497 auf dem Kupferstich der Vier nackten Frauen, B. 75,
ein zu groes Gewicht nicht legen mchte; da die Bemerkungen des Herrn
Dr. Nagler ber dieses Blatt, im dritten Hefte seiner Monogrammisten,
pag. 168, Nr. 33, wohl beachtet zu werden verdienen.

Wenn der in dem Kniglichen Kupferstich-Cabinet in Dresden vorhandene
Abdruck der Bekehrung Pauli wirklich, wie der verstorbene Director
Frenzel es darzuthun unternommen hat[6], von einer Kupferplatte Albrecht
Drer's herrhrt, so mchte dieses allerdings wohl der erste Versuch
gewesen sein.

Obgleich einige Verwandtschaft dieser Bekehrung Pauli mit einzelnen
Figuren und Anordnungen der Apokalypse zugegeben werden mu, auch
hnliche Reutergestalten auf einer frheren Zeichnung Drer's vom Jahre
1489 in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen vorkommen, so lt doch
eine gewie widerwrtige, dem Drer sonst nicht eigene Rohheit dieses
Blattes und die Schwche der Landschaft, namentlich der Architectur in
derselben, gerechten Zweifeln Raum.

Besonders mchte auch schwer zu erklren sein: wie die Zartheit der
Kupferstiche des Meisters vom Jahre 1466 und des Martin Schongauer gar
keinen Einflu auf den angehenden Knstler ausgebt haben sollten.

Ist diese Platte wirklich von Drer gestochen, so mu es in sehr jungen
Jahren geschehen sein, denn im Jahre 1494 bewies er sich schon in der
schnen Zeichnung, durch welche er seine Aufnahme als Meister bewirkte,
jetzt in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg, als
einen Knstler von so feinem Naturgefhl und so genauem Studio des
Landschaftlichen, da er einen Stich, wie den der Bekehrung Pauli, gewi
nicht mehr gearbeitet haben wrde.

Der Abdruck in Dresden ist restaurirt und aufgezogen, daher ich ber das
dazu verwandte Papier keine Beobachtungen zu machen im Stande gewesen
bin.

Zu den frhesten Drer'schen Stichen gehrt jedenfalls auch der groe
Courier, B. 81, wenn er berall von der Hand unseres Meisters herrhrt,
worber -- wohl nicht ohne Grund -- bedeutende Zweifel obwalten.

Einige Uebereinstimmung mit diesem, besonders aber mit der vorhin
erwhnten Zeichnung vom Jahre 1489 hat das von Bartsch unter Nr. 92 le
Violent genannte Blatt, welches auch ohne Monogramm ist und jedenfalls
zu den Erstlingen seiner Leistungen als Kupferstecher gehrt.

Der nur in Contouren angelegte Hintergrund der Landschaft und die eckige
Behandlung des Strauchwerks sind Eigenthmlichkeiten, welche auf der
erwhnten Zeichnung ebenfalls vorhanden sind, auf spteren Stichen
Drer's so aber nicht wieder vorkommen.

Diesem Stiche drfte sich am nchsten, B. 44, die heilige Familie mit
dem Schmetterlinge (richtiger der Heuschrecke) anschlieen, welcher
ebenfalls dem 15. Jahrhunderte angehren mu, da Israel von Meckem,
welcher 1502 starb, davon eine Copie gestochen hat.

Der Form des Monogramms nach wird die Liebes-Erbietung, B. Nr. 93,
etwa auf das vorstehende Blatt folgen; hier finden wir bei mancher
Rohheit des Stiches doch schon eine grere Ausbildung der Landschaft
und auch eine sorgfltigere Behandlung der Gestruche.

Weiter die Prioritt der einzelnen Stiche mit einiger Sicherheit zu
verfolgen, halte ich fr sehr schwierig, und ziehe es, besonders auch
der bequemen Uebersichtlichkeit wegen, vor, meine Bemerkungen ber die
einzelnen Bltter nach den Nummern des Peintre graveur von Bartsch
folgen zu lassen.




B. Nr. 1. Adam und Eva. 1504.

Dieses vollendete Blatt gilt mit Recht fr einen der vortrefflichsten
Kupferstiche unsers Meisters, wie seiner Zeit, auch hat er selbst es
besonders hoch gehalten, da Abdrcke davon am hufigsten unter den
zahlreichen Geschenken vorkommen, welche Albrecht Drer -- seinem
Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden zufolge -- auf dieser
gemacht hat.

Auf keinen seiner Kupferstiche ist inde von ihm auch so viel Sorgfalt
verwendet. -- Verschiedene Federzeichnungen und Studien zu den einzelnen
Theilen sind noch vorhanden und Drer hat bei dem allmhlichen
Fortschreiten der Arbeit wiederholt Probedrucke von der Platte genommen,
von denen noch drei Exemplare erhalten sind.

Zwei dieser unvollendeten Abdrcke, frher im Cabinet Durand, befinden
sich in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, den dritten, aus
der Sammlung Verstolck, bewahrt das Printroom des Britischen Museums.

Auf diesen Probedrcken ist die ganze Anlage des Stiches in den
zartesten aber sichersten Umrissen vorhanden, whrend die Ausfhrung nur
in einzelnen Theilen, weniger oder mehr fortgeschritten ist.

Drer hat dabei von der rechten Seite der Platte nach der linken
gearbeitet, zuerst den Hintergrund oben bis zur Eva, wie einige der
Thiere, und die Beine des Adam von den Hften an, nach einander,
ausgefhrt.

Kein Blatt von Drer findet man so hufig wie dieses in schnen, oft
vortrefflichen Abdrcken. Die aller frhesten derselben sind -- neben
tiefer Schwrze der Farbe -- an einer besonderen Schrfe der Umrisse und
der Grabstichel-Lagen erkennbar, welche letztere am Halse und der Backe
der Eva fast die Harmonie beeintrchtigen, bei spteren Abdrcken
dagegen immer milder werden.

Auf einem der ersten dieser Abdrcke, welcher mir vorliegt, sieht man
noch die leise Spur zweier Ausgleitungen des Grabstichels, auf der
linken Lende der Eva und einer auf der rechten Lende, welche spter
nicht mehr wahrzunehmen sind.

Hchst selten trifft man diesen Kupferstich in vollendeter Erhaltung des
Papiers; selbst in den berhmtesten Sammlungen sieht man geflickte oder
unterlegte Exemplare.

Diese Zerbrechlichkeit liegt unstreitig in der Feinheit des Papiers mit
dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1, welches ich ausschlielich bei
_alten_ Drucken dieses Blattes angetroffen habe, und ich halte diese fr
den hauptschlichsten Grund, weshalb Drer spterhin, namentlich bei
seinen groen Blttern, das weit haltbarere Papier mit dem Wasserzeichen
der hohen Krone zu verwenden pflegte.

Die Platte ist brigens spterhin noch abgedruckt, denn ich habe matte
Abzge auf Papier mit dem Wasserzeichen zweier verbundener Thrme, wie
einzelne recht schlechte Abdrcke des stark abgenutzten Kupfers
angetroffen.


B. Nr. 2. Die Geburt Christi 1504.

Weit seltner als das vorhergehende Blatt, ist dieser in schnen Drcken
hchst malerische Stich, von Drer als die Weihnachten bezeichnet und
von ihm ebenfalls zu Geschenken verwandt.

Die ausgezeichneten Abdrcke haben Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes Nr. 1.


B. 3 bis 18. Das Leiden Christi.

Christus am Fue des Kreuzes von den Seinen beweint, vom Jahre 1507, B.
14, ist der erste Stich, welchen Drer nach seiner Rckkunft von Venedig
gearbeitet hat, daran reihen sich die im Jahre 1508 gestochenen
Christus im Oelgarten, und die Gefangennehmung, B. 4 und 5, der
Schmerzensmann vom Jahre 1509, B. 9, die Kreuzigung vom Jahre 1511,
B. 13, die Bltter B. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 15, 16 und 17 vom Jahre
1512, endlich B. 18 vom Jahre 1513.

Vergleicht man die einzelnen Bltter unter einander, so tritt das
lteste, B. 14, wesentlich gegen die brigen zurck, wogegen die Stiche
vom Jahre 1508 mit zu den schnsten der ganzen Folge gehren, brigens
sind auch unter den Blttern vom Jahre 1512 einige, z.B. B. 7, 8 und 11,
welche in malerischer Wirkung der Abdrcke gegen die brigen
zurckstehen.

Drer hat ohne Zweifel einzelne Stiche dieser Folge verkauft, ehe das
ganze Werk vollendet war, auch scheinen mehrere der Bltter, namentlich
B. 3, 13 und 17, welche sich besonders zu dem damals gebruchlichen
Einlegen in die Gebetbcher eigneten, bedeutend hufiger als die brigen
abgedruckt zu sein, da in den vollstndigen Exemplaren dieser Folge,
auch in den sonst gleichmigsten, diese drei Stiche hufig matter zu
sein pflegen als die brigen. Eine Ausnahme davon macht inde das
wundervolle Exemplar in der Kniglichen Kupferstich-Sammlung in
Copenhagen, wo grade diese Abdrcke fast die schnsten sind.

Dieses schne Werk, von Drer in seinem Tagebuche die Passion in
Kupffer genannt und fr 10 Stber (einen halben hollndischen Gulden)
verkauft, hat sich vielfach in guten Abdrcken bis auf unsere Zeiten
erhalten, zu den Seltenheiten gehren inde _ganz gleichmige_
Exemplare.

Einzelne sehr schne Abdrcke findet man auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich bei den guten recht
gleichmigen Abdrcken _des ganzen Werkes_ in der Regel immer Papier
mit der hohen Krone angetroffen, und glaube daher: da diejenigen von
Drer auf seiner Reise in den Niederlanden verkauften, nach seinem
Tagebuche recht zahlreichen Exemplare, auf diesem Papier abgedruckt sein
werden.

Das Berliner Kupferstich-Cabinet und die vortreffliche Drer-Sammlung
des Herrn Commeter in Hamburg bewahren wohlerhaltene besonders
gleichmige Exemplare auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels
mit Stern, Nr. 5, doch sind solche in Farbe nicht ganz so krftig, wie
die vorhin bezeichneten auf Ochsenkopf- oder Kronen-Papier.

In anderen Sammlungen findet man auch wohl gleichmige aber schwchere
Abdrcke, welche einer spteren Zeit angehren. So kommen auf Papieren
mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, oder der Thrme mit Mauer, Nr.
14, ganze Folgen manchmal mit breitem Papier-Rande vor, welche aber in
Kraft den frheren Abdrcken weit nachstehen. Die Platten sind berhaupt
bis auf das uerste abgenutzt worden, wie die ansehnliche Zahl vllig
werthloser Abdrcke beweist, welche sich in manchen Sammlungen
umhertreiben.


B. 19. Christus im Gebet im Oelgarten. 1515.

Dieses ist eine sehr hufig vorkommende Radirung, da die Platte sich bis
auf die neueste Zeit erhalten hat und zuletzt im Besitze von Heller
war[7]. Die alten reinen, ganz rostfreien Abdrcke auf Papier von feiner
weier Masse mit einem Abstande der Drahtstriche von 13-1/2 Linien oder
mit dem Wasserzeichen der zwei verbundenen Thrme sind inde selten.

Die neueren Abdrcke trifft man oft schwarz und voller Rostflecke, die
Papiere derselben sind von geringer Gte.

B. 20. Der Mann der Schmerzen mit ausgebreiteten Armen.

Ein schnes, in recht krftigen Abdrcken, sehr seltenes Blttchen,
welches Heller mit Unrecht zu den frheren Arbeiten Drer's rechnet.
Es unterscheidet sich von diesen durch die sorgfltigere, durchgebildete
Behandlung des Vorgrundes und ich mchte, nach der groen
Uebereinstimmung in Gefhl und Ausdruck mit dem folgenden Blatte,
glauben: da es nicht frher als dieses gearbeitet sein wird.

Der grere Theil der schnen Abdrcke ist auf Papier mit der hohen
Krone, doch habe ich auch einzelne auf Ochsenkopf-Papier angetroffen.


B. 21. Der Mann der Schmerzen mit gebundenen Hnden. 1512.

Dieses, durch den tiefen leidensvollen Ausdruck hchst ergreifende, mit
der kalten Nadel gearbeitete, oder geritzte[8] Blatt, ist in schnen
Abdrcken hchst selten und kommt in voller Kraft und Wrme nur in sehr
wenigen Sammlungen vor. Die besseren Abdrcke sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, die spteren werden zuletzt, fast bis
zur Unkenntlichkeit, matt.


B. 22. Der Mann der Schmerzen sitzend. 1515.

In ersten, ganz reinen Drucken gehrt diese Radirung zu den grten
Seltenheiten, ist dann aber so schn, wie eine Federzeichnung Drer's.

Ein solches Exemplar wird dem Herrn Dr. Nagler nicht vorgelegen haben,
wenn er, im dritten Hefte seiner Monogrammisten, pag. 158 und 159,
dieses Blatt, verglichen mit der mit dem Monogramm und der Jahreszahl
1510 bezeichneten Copie, fr eine Nachbildung, jene aber fr das
Original zu halten geneigt ist. Eine Vergleichung guter Abdrcke von
beiden lt, meines Erachtens, an der Ursprnglichkeit der mit der
Jahreszahl 1515 bezeichneten Radirung durchaus nicht zweifeln, auch
stimmt hiermit berein: da Drer erst nach seiner im Jahre 1515 nach
Augsburg unternommenen Reise die Aetzkunst ausgebt hat[9]. Die ersten
Abdrcke dieser Platte sind auf sehr festem Papier, dessen Drahtstriche
eine Entfernung von 13-1/4 bis 13-1/2 Linien haben.

Auch von diesem Blatte, wie von der vorher bezeichneten Copie, giebt es
zahlreiche sptere Abdrcke mit Rostflecken und Schmutz.


B. 23. Die Kreuzigung oder der Degenknopf.

Von den kleinen eminent seltnen Kupferstichen Drer's kommt dieses
berhmteste seiner Bltter noch am ersten, auch in Privat-Sammlungen,
vor.

Das Original ist jetzt, durch die von dem um die Kunst hochverdienten
Inspector Passavant angegebenen Merkmale leicht zu erkennen.

Ich habe davon 18 Exemplare in Hnden gehabt, darunter 5 in Wien, ohne
jedoch im Stande gewesen zu sein: mit Sicherheit ber das dazu verwandte
Papier ein Urtheil zu fllen.

Der Festigkeit desselben nach glaube ich darin das Papier mit dem
Wasserzeichen der hohen Krone zu erkennen, auch mchte dieser
vortreffliche Stich wohl in die Periode von 1510 bis 1514 zu setzen
sein.

Die Abdrcke sind ziemlich gleichmig, nie sehr voll in Farbe, einige
sind inde matter, auch wohl verwischt.

Die Copie A nach Passavant, nach Bratsch das Original, ist fast eben so
selten als das vorstehende Blttchen; in der Detmold'schen Auction wurde
dieselbe mit 60 Thlr. bezahlt.

Die Abdrcke sind weniger gleich und manchmal gering.

Uebrigens ist die gestochene Silberplatte, von welcher die
Original-Abdrcke herrhren, ursprnglich nicht fr die Vervielfltigung
auf Papier bestimmt gewesen und gearbeitet. Dieses beweiset: da in den
Abdrcken nicht nur die Schrift am Kreuze INRI verkehrt erscheint,
sondern auch die ganze Composition, gegen alle anderen Darstellungen der
Kreuzigung durch Drer, eine entgegengesetzte Anordnung zeigt; indem
hier Johannes links vom Kreuze und die Mutter rechts von demselben
stehen, whrend sonst stets das Umgekehrte stattfindet.

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, da diese Platte zur Verzierung des
Schwertes Kaiser Maximilians gedient hat und auch von Drer zu diesem
Zwecke gestochen ist. Inzwischen hat sie nicht den Knopf desselben
geziert, sondern den Handgriff.

Dieses reich gearbeitete Kaiser-Schwert ist noch jetzt in der Ambraser
Sammlung in Wien vorhanden, und der rund geformte Knopf desselben bietet
keinen Platz fr eine solche Platte, wohl aber der umfangreiche an
beiden Seiten flach gearbeitete Handgriff. Auf der einen dieser Seiten
ist in der Mitte ein etwas kleineres Rund mit dem auf das sauberste in
Email gearbeiteten Wappenschilde eingelassen, auf der andern Seite aber
war dieses Crucifix eingefgt, wie der auf das genaueste mit dem Umfang
desselben bereinstimmende Rand einer geringen Vertiefung beweist.

Diese Vertiefung ist gegenwrtig durch ein altes in Silber getriebenes
Schaustck, ungefhr gleicher Gre, ausgefllt, anscheinend
byzantinischer Arbeit, welches aber weder zu dem Styl, noch zu den
brigen Verzierungen des Schwertes, noch genau in den Rand der
Vertiefung pat und augenscheinlich spter, nur mangelhaft, eingesetzt
ist. Nach mndlichen Ueberlieferungen soll die Drer'sche Platte, ihrer
Schnheit wegen, schon in frheren Zeiten aus ihrem ursprnglichen
Platze herausgenommen und in die Kaiserliche Schatzkammer in Wien
gebracht sein, aus welcher sie inde spurlos verschwunden ist[10].


B. 24. Christus am Kreuze sterbend. 1508.

Von diesem Stich, welchen Drer das Creuz benennt und in seinem
Tagebuche mehrfach erwhnt, habe ich einzelne Abdrcke von ganz
bewundernswrdiger Kraft und Wrme gesehen. Sie sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch kommen auch sehr gute Abdrcke auf
Kronenpapier vor. Das Blatt mu sehr beliebt gewesen sein, denn man
findet Abdrcke von der schon sehr abgenutzten Platte, auf Papiersorten,
welche noch der Lebens-Periode Drer's angehren.


B. 25. Das von zwei Engeln getragene Schweisstuch. 1514.

Dieser schne Stich wird von Drer in seinem Tagebuche als die
Veronicam bezeichnet. Er ist nicht hufig, besonders in vollkommen
schnen Abdrcken. Das Papier mit Entfernung der Drahtstriche von 13-1/2
Linien, entspricht demjenigen mit dem Wasserzeichen der hohen Krone.


B. 26. Das Schweisstuch, von einem Engel in die Luft gehalten. 1516.

Nicht so hufig als B. 19 ist diese Radirung, doch kann man nur die
ersten, ganz rostfreien Abdrcke als selten bezeichnen. Ihr Papier ist
weiss und fest, mit einer Entfernung der Drahtstriche von 13 Linien.

Sptere Abdrcke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen Thrme, Nr. 14, mit nur 11 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 27. Die Dreieinigkeit,

bergehe ich, als eine entschiedene Arbeit _nach_ Drer von fremder
Hand.


B. 28. Der verlorene Sohn.

Ein schnes und sehr beliebtes Blatt, zu welchem sich der nur theilweise
ausgefhrte Entwurf mit der Feder im Printroom des British Museums
befindet. Es wird schon von Vasari rhmend erwhnt, welcher besonders
die schnen Baulichkeiten hervorhebt.

Unter den groen Blttern, welche Drer in seinem Tagebuche der Reise
nach den Niederlanden namhaft gemacht hat, kmmt dieser Stich nicht vor,
auch sind die frhesten Abdrcke mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes
oder des Reichsapfels, Nr. 5, sehr selten.

Man erkennt die ersten davon daran: da links oben in der Luft von der
Einfassungslinie bis auf die Dcher der Huser, so wie unten rechts
durch die Schweine mehrere perpendikulre Kritzeln der Platte fast
strend sichtbar sind, welche bei den bessern spteren Abdrcken noch
wahrgenommen werden, dann aber immer mehr verschwinden. Die Platte mu
brigens sorgfltig erhalten sein, denn es kommen von diesem Stich,
welcher der ersten Periode Drer's angehrt, noch gute Abdrcke mit den
spteren Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, des stehenden Hundes, Nr. 13,
der Thrme mit Mauer, Nr. 14, auch des Wappens der Stadt Schrobenhausen,
Nr. 15, vor.


B. 29. Die heilige Anna und die Jungfrau.

Dieses liebliche Blttchen, in recht schnen Abdrcken nicht hufig, hat
dann Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, man findet es inde
auch auf Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges.

Die spteren Abdrcke sind oft sehr abgenutzt und kraftlos.


B. 30. Die Jungfrau mit langem Haar.

In den recht vollen und warmen Abdrcken ist dieser Stich ausnehmend
schn, aber man sieht ihn so nur hchst selten. Selbst in den klaren,
weniger krftigen Abdrcken ist er nicht hufig.

Ich habe diese Platte, bereinstimmend mit Heller, unter die Arbeiten
der ersten Periode aufgenommen, doch scheint sie erst spter hufiger
zum Abdruck gekommen zu sein.

Nur selten findet man einen Abdruck mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes im Papier, dagegen sehr schne auf Papier mit der hohen
Krone. -- Sptere gute aber weniger krftige Abdrcke haben Papier mit
dem Wasserzeichen des Kruges.


B. 31. Die Jungfrau mit der Sternen-Krone. 1508.

Dieses Blatt kmmt zuweilen in auerordentlich krftigen Abdrcken auf
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vor, jedoch selten. Sie
haben Kritzeln in der Kupferplatte und Plattenschmutz rechts unten neben
dem Monogramme. Andere gute Abdrcke haben Papier mit 13-1/2 Linien
Abstand der Drahtstriche. Dieser Stich scheint, wie alle die kleinen
Madonnen Drer's, welche auch von Vasari besonders rhmend erwhnt
werden, schon frh starken Absatz gefunden zu haben, denn man findet
Abdrcke der schon sehr abgenutzten Platte auf alten, guten Papieren.


B. 32. Die Jungfrau mit Sternen-Krone und Scepter. 1516.

Die alten krftigen Abdrcke haben ein sehr festes Papier, dessen
Drathstriche 13-1/4, auch 13-3/4 Linien von einander entfernt sind.


B. 33. Die Jungfrau mit kurzem Haar. 1514.

Das Blatt gehrt nicht zu den eigentlich seltenen, doch trifft man davon
nicht hufig die recht warmen, harmonischen, dann aber sehr schnen
Abdrcke auf Papier mit 14 bis 14-1/4 Linien Entfernung der
Drathstriche.

Einige ausgezeichnete Abdrcke kommen auch auf Papier vor, welches sehr
fest ist, dessen Drathstriche aber nur 13-1/4 Linien entfernt sind.


B. 34. Die das Kind sugende Jungfrau. 1503.

Einer der frhesten Stiche, welchen Drer mit der Jahrszahl bezeichnete
und der von Vasari an der Spitze der Drer'schen Kupferstiche gerhmt
wird.

Der Stich ist in den seltenen ersten Abdrcken sehr krftig und schn,
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Auch auf Papier mit
der hohen Krone kommen einzelne gute, jedoch weniger warme Abdrcke vor.
Die spteren Abdrcke sind meist matt und schlecht.

Das Berliner Kupferstich-Cabinet bewahrt einen Probedruck dieses
Blattes, welcher noch nicht das Tfelchen mit der Jahreszahl hat.


B. 35. Die sitzende Jungfrau, welche das Kind an sich drckt. 1513.

Die Composition dieses Blttchens, von dem man sehr schne und warme
Abdrcke trifft, knnte zu der Vermuthung fhren, da unser Meister von
dem schnen Gemlde Raphaels -- die Madonna del palazzo Tempi --
Kenntni gehabt habe.

Die mir durch die Hnde gegangenen Abdrcke hatten ein Papier mit 13-1/4
und 14 Linien Entfernung der Drathstriche, wovon das letztere, der Masse
nach, das Wasserzeichen der hohen Krone vermuthen lie.


B. 36. Die Jungfrau mit dem Kinde an der Brust. 1519.

Bartsch las die Jahreszahl irrthmlich 1512, welches schon Heller
berichtigt. Dieser Stich hat nur selten so krftige und volle Abdrcke
gegeben, wie viele der frheren Grabstichel-Arbeiten Drer's.

Die guten alten Abdrcke haben ein sehr festes Papier mit 13-1/4,
13-3/4, auch 14 Linien Abstand der Drahtstriche, letzteres anscheinend
Kronenpapier.


B. 37. Die Jungfrau von einem Engel gekrnt. 1520.

Dieses, wie das folgende Blatt, gehrt zu den letzten Arbeiten Drer's
vor der Reise nach den Niederlanden und beide werden von ihm in seinem
Tagebuche die zwei neuen Marienbildt genannt.

Man hat von dieser Platte schne, scharfe, jedoch selten sehr warme
Abdrcke, ich habe solche nur auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Kruges, Nr. 10, angetroffen, und wre es mglich, da Drer dieses von
ihm nach der Rckkehr aus den Niederlanden zu seinen Kupferstichen fast
ausschlielich verwandte Papier in dem Jahre 1520 zuerst in Gebrauch
genommen htte.


B. 38. Die Jungfrau mit dem gewickelten Kinde. 1520.

Weit vollere harmonische Abdrcke, wie von dem vorhergehenden, findet
man von diesem Stich, sie sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes oder auch des Kruges.

Geringere Abdrcke sind von dieser Platte weniger selten als von B. 37.


B. 39. Die Jungfrau von zwei Engeln gekrnt. 1518.

Die Abdrcke dieses Blattes sind in der Regel gut, man trifft aber
einzelne von besonderer Schnheit, krftig und silbertnig. Das Papier
habe ich mit einer Entfernung der Drathstriche von 12-3/4 und 13-1/2
Linien, einmal auch mit dem Wasserzeichen der durch eine Mauer
verbundenen Thrme gefunden.


B. 40. Die Jungfrau am Fusse einer Mauer sitzend. 1514.

Die Behandlung dieser ernsten, schnen Composition erinnert sehr an den
berhmten Stich der Melancholie von demselben Jahre. Die vorzglichen
Abdrcke sind, wie bei dieser Platte, mehr durch Zartheit und Harmonie,
als durch groe Kraft und Schwrze der Farbe ausgezeichnet. Ich habe bei
diesen ein sehr festes Papier getroffen, dessen schwer kenntliche
Drathstriche 13-1/4 Linien von einander entfernt waren.


B. 41. Die Jungfrau mit der Birne. 1511.

Der hbsche Stich ist nicht selten, in schnen, wohlerhaltenen
Exemplaren jedoch sehr gesucht. In England traf ich, zur Zeit der
Kunst-Ausstellung in Manchester, auffallend oft schne Abdrcke davon.
Die vorzglichsten haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, auch
zuweilen dasjenige des Ankers im Kreise, Nr. 7, sonst ein festes Papier
von feiner Masse und 14-1/4 bis 14-3/4 Abstand der Drathstriche.


B. 42. Die Jungfrau mit dem Affen.

Heller setzt diesen Kupferstich unter die Arbeiten Drer's aus der
Periode von 1500 bis 1506, und es ist nicht zu lugnen: da derselbe in
Behandlung der Kruter im Vorgrunde an ltere Stiche unsers Meisters,
namentlich an die Jungfrau mit der Heuschrecke, B. 44, erinnert; auch
spricht dafr die davon durch Marc Anton gestochene, noch mit dem
Monogramm Drer's bezeichnete Copie.

Auffallend ist inde dabei: da das hohe Haus in der Landschaft
unzweifelhaft einer colorirten Studie nach der Natur entnommen ist,
welche jetzt im British Museum in dem Privat-Zimmer des Directors des
Printroom hngt, und von Drer's Hand bezeichnet wey Hau߫ ganz mit
den colorirten Naturstudien bereinstimmt, welche noch von unsers
Meisters Reise nach Italien erhalten sind.

Das Blatt ist in den nicht hufigen, zuweilen aber besonders schnen
Abdrcken, welche am frhesten auf Papier mit dem Ochsenkopf, sonst auch
mit der hohen Krone, vorkommen, ein besonderer Liebling der Sammler.

Bei der ungewhnlichen Hhe der Platte, von 7 Zoll, findet man mehrfach
Abdrcke, welche unten um fast zwei Linien, bis nahe an den Fu des
Monogramms verschnitten sind, wodurch der Bschel des Affenschwanzes
verloren gegangen ist, wahrscheinlich um dieses Blatt in den alten
Klebe-Bchern mit andern von gleicher Grsse, wie B. 2 und 26
auszugleichen. -- Die mehrfach geuerte Ansicht: da die Kupferplatte
spterhin um so viel verschnitten sei, beruht inde auf einem Irrthume,
denn es kommen matte Abdrcke von der sehr abgenutzten Platte vor,
welche die normale Gre haben.

Dieser Stich gehrt brigens zu denen, deren Abdrcke unserm Meister
nicht immer gelungen sind, es giebt davon alte sehr krftige Drucke,
welche, ohne sichtlich bei dem Durchlaufen durch die Presse verschoben
zu sein, doch Klarheit und Reinheit vermissen lassen.


B. 43. Die heilige Familie.

Auch dieses geritzte Blatt setzt Heller in die Periode vor der
Italienischen Reise, mir scheint inde diese vielleicht nur auf das
Fehlen des Monogramms und der Jahrszahl begrndete Angabe hchst
unwahrscheinlich, da alle brigen Arbeiten Drer's mit der kalten Nadel
in die Jahre 1510 und 1512 fallen.

Vollkommen schne Abdrcke dieses, dann sehr malerischen Blattes,
gehren zu den allergrten Seltenheiten. Die ersten erkennt man an der
vollkommenen Reinheit der Platte von allen Kritzeln, und der groen
Deutlichkeit der nur leicht angeritzten Landschaft mit Gebuden auf
einem Berge im Hintergrunde, es giebt inde von diesem ersten Etat
einzelne Abdrcke, welche, vielleicht in Folge zu starken Abputzens der
Platte vor dem Druck, nicht die malerische Wirkung einzelner schner
Abdrcke des zweiten Etats haben. -- Diese zweiten Drcke erkennt man an
einem Nadelkritzel in der Platte, welcher in schrger Richtung auf dem
Gesichte der Jungfrau den untern Theil der Nase und den linken
Mundwinkel berhrt. -- Die frheren Abdrcke dieser Art, bei denen die,
spter immer undeutlicher werdende, Landschaft im Hintergrunde noch
vollkommen klar ist, sind an Grabstichel-Versuchen kenntlich, welche
sich oben links in der Platte befinden.

Die spteren Abdrcke haben mehrere Kritzeln, welche in verschiedenen
Richtungen rechts unten das Holzwerk der Rasenbank, so wie das Gesicht
und den Bart Josephs, auch die Stirn des Christus-Kindes durchschneiden.
Solche Abdrcke kommen schon auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen Thrme, Nr. 14, und 11 Linien Abstand der Drathlinien vor.
-- Die sptesten Abdrcke sind grau und ruig, auch nicht selten.

Die schnsten mir bekannten Exemplare dieses vortrefflichen Blattes
sind im Stdel'schen Institute in Frankfurt a.M., dem Knigl.
Kupferstich-Cabinet in Berlin, der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in
Wien und in dem Print-room des British Museum.


B. 44. Die heilige Familie mit dem Schmetterlinge, richtiger mit der
Heuschrecke (Libelle).

Dieses bereits in der Einleitung erwhnte Blatt bleibt in Beziehung auf
den Erfinder der Composition immer ein zweifelhaftes, doch mu der Stich
schon von Marc Anton fr eine Arbeit Drer's erkannt sein, da er
denselben mit dem Drer'schen Monogramm copirt hat. Jedenfalls ist es
eine der frhesten Grabstichel-Arbeiten unsere Meisters.

Auffallend bei dieser Platte ist der sehr sichtbare Ausrutsch des
Grabstichels ber dem Kopf der Maria, welcher sich auf den alten, wie
auf den neueren Abdrcken findet. Bei der bekannten groen Sorgfalt
Drer's mchte man aus der nicht geschehenen Entfernung dieses
Mistandes schlieen: da die Platte nicht in seinen Hnden geblieben
wre, auch erwhnt er derselben in seinem Tagebuche nirgends, hat also
Abdrcke davon auf seine Niederlndische Reise wohl nicht mitgenommen.

Es kommen brigens einzelne frhe schne Abdrcke auf Papieren mit den
Wasserzeichen des Ochsenkopfes und des gothischen ~P~, Nr. 3, vor;
berhaupt ist das Blatt nicht selten. Die spteren Abdrcke erkennt man
an dem schwcheren Schatten auf der rechten Backe der Jungfrau, welches
der Verfasser des Cataloges der Sammlung von H. Weber -- Leipzig 1855 --
irrthmlich als Merkmal eines premier tt bezeichnet hat. Solche
Abdrcke haben fast immer Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes, Nr. 13, und einer Entfernung der Drathstriche von 13-1/4 Linien,
welches bei Drer'schen Holzschnittblttern vom Jahre 1527 vorkommt, bei
Abdrcken von Kupferstichen, welche bei Drer's Lebzeiten genommen sind,
von mir aber nie angetroffen ist.

Bei einzelnen Abdrcken findet man auch Papier mit dem Wasserzeichen des
Reichsapfels, die neuesten haben zahlreiche Kritzeln in der
Kupferplatte.


B. 45. Die Jungfrau am Thor,

ist eine anerkannt Italienische Grabstichel-Arbeit nach Drer, welches
man auch schon an dem volleren, etwas weicheren, von den Deutschen
Sorten abweichenden Papiere derselben erkennen kann.

Passavant hlt Marc Anton fr den Meister derselben.


B. 46 bis 50. Die fnf Apostel.

Diese schnen Bltter sind besonders hufig abgezogen und finden sich
fast in allen Sammlungen Drer'scher Drucke, oft in mehreren Exemplaren.
Hchst sparsam sind aber recht volle, krftige Abdrcke, noch seltner
alle fnf Bltter von ganz gleicher Gte, welches durch die
Verschiedenheit der Jahre, in welchen Drer sie arbeitete, erklrlich
wird.

Die Folge in der Sammlung des Stdel'schen Instituts in Frankfurt a.M.
ist in dieser Beziehung wohl eine der schnsten.

St. Thomas und St. Paulus, welche im Jahre 1514 gestochen wurden, findet
man bei sehr krftigen Drucken auf einem sehr festen, der Masse und der
Entfernung der Drathstriche nach, auf das Wasserzeichen der hohen Krone
deutendem Papiere. Bei den im Jahre 1523 gestochenen St. Bartholomaeus
und St. Simon, so wie bei dem St. Philipp vom Jahre 1526 ist das Papier
feiner, mit Entfernung der Drathstriche von 12-3/4 bis 13-1/4 Linien,
dem vorherrschenden Papiere dieser Periode mit dem Wasserzeichen des
Kruges entsprechend. Das gleiche Papier kmmt auch hufig bei allen fnf
Blttern vor.

Ein Wasserzeichen in einem der Abdrcke zu entdecken hat mir, ungeachtet
der auerordentlich groen Zahl deshalb geprfter Bltter, bisher nicht
gelingen wollen.


B. 51 und 52. Der heilige Christoph mit umgewandten Kopf, und derselbe
Heilige mit dem Christus-Kinde, beide vom Jahre 1521.

Mit Recht beliebt und viel verbreitet sind diese ersten Stiche unsere
Meisters nach seiner Rckkehr von der Niederlndischen Reise. Man
erkennt darin, da diese, und namentlich die nhere Bekanntschaft mit
den Arbeiten des Lucas und Leyden, nicht ohne Einflu auf Drer's
Handhabung des Grabstichels geblieben ist.

Vasari nennt diese Blttchen sehr schn (bellissimi), und lobt
vorzglich die Grabstichelfhrung in allen Theilen, besonders den
gelockten Haaren.

Wie bei allen Stichen, welche der letzten Periode unsers Meisters
angehren, zeichnen sich die alten schnen Abdrcke mehr durch Weichheit
und Harmonie, als durch tiefe Kraft der Farbe aus. Beide Bltter sind
nicht selten und bei den guten Abdrcken findet man das feine Papier mit
12-3/4 bis 13-1/4 Linien Abstand der Drathstriche, welches auf das
Wasserzeichen des Kruges schlieen lt.


B. 53. St. Georg zu Fuss.

Von diesem, anscheinend im Jahre 1508, gleichzeitig mit dem folgenden,
gearbeiteten Blatte, kommen einzelne ganz besonders krftige und schne
Abdrcke vor, deren Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes hat; doch
auch auf Papier mit der hohen Krone findet man noch recht frische
Drucke, und selbst bei den bleren trifft man noch sehr gutes Papier
mit 13-3/4 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 54. St. Georg zu Pferde. 1508.

Bei den nicht hufigen schnen Abdrcken dieses Stiches ist mir nur
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vorgekommen.


B. 55. St. Sebastian an einen Baum gebunden.

Recht fette malerische Abdrcke findet man von diesem sehr hell
gehaltenen Blatte aus Drer's erster Periode nicht. Selbst der zu den
Geschenken unsers Meisters an Knig Christian II von Dnemark[11]
gehrende Abdruck im Knigl. Kupferstich-Cabinet zu Copenhagen ist nicht
so warm als die brigen.

Die besseren Abdrcke, deren Papiere ich zu prfen im Stande gewesen
bin, hatten ein weies, festes Papier mit Entfernung der Drathstriche zu
13-1/4 auch 14 Linien.


B. 56. St. Sebastian an eine Sule gebunden.

Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde,
gehrt zu den sehr seltenen aber keinesweges schnen Curiositten. Bei
den besten Abdrcken, auch dem zu den Drer'schen Geschenken gehrigen
in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits gendert. Diese
Platte hat brigens weit schnere Abdrcke geliefert, als B. 55. Bei den
besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und
14 Linien gefunden, einmal auch das sptere Wasserzeichen des
Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.


B. 57. Der heilige Eustachius.

Dieser grte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Drer's trgt keine
Jahrszahl. So geschtzt und gesucht derselbe ist, so gehrt er doch nur
in den _alten_, _frischen_ und _warmen_ Abdrcken zu den Seltenheiten.
Diese sind fast ausschlielich auf Papier mit der hohen Krone, doch
giebt es einzelne wenige Exemplare von schner Schwrze, auf Papier mit
dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schnen Abdruck mit dem
Wasserzeichen des Kruges angetroffen.

Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an
Knig Christian II von Dnemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.

Die spteren Abdrcke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu
reichen scheinen, der die Platte vergolden lie[12], findet man auf den
verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13,
der Thrme, Nr. 14, des Wappens von Nrnberg, Nr. 12, des Reichsadlers,
Nr. 17, letzteres Papier kmmt am hufigsten vor und sind diese neueren
Abdrcke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und
der malerischen Wirkung, welche die lteren Abdrcke so vortheilhaft
auszeichnen.

Die ungewhnliche Gre dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere
Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schnsten
Abzgen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte
Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze
zeigen. -- Einige alte Abdrcke von schner Kraft kommen vor, bei denen
die Druckerschwrze ungewhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit
aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum
sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schpfform, welche 15-1/2
Linien von einander entfernt sind.

Bei der schnen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge
hat Drer eine flchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt,
welche, von ihm bezeichnet: ein Welsch Schlo߫ und ohne Zweifel von
seiner Italienischen Reise herrhrend, bei Heller, pag. 127 unter Nr.
37, angefhrt wird, und sich gegenwrtig in der Sammlung des Verfassers
befindet.


B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.

Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schnen Landschaft.
Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit
mit Marburg. Es ist nicht hufig, namentlich in schnen alten Abdrcken,
deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13-3/4 Linien zwischen
den Drathstrichen hat.


B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.

In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig
die gelungenste von Drer's Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf
uns gekommenen Abdrcke von voller Kraft und Klarheit haben ein
Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schnsten Radirungen nicht
bertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.

Von diesem kstlichen Blatte sind zwei Probedrcke erhalten, ehe Drer
das Monogramm nachgefgt hatte. Der eine davon ist in Wien in der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British
Museum, frher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit
dem Wasserzeichen der hohen Krone und besttigt meine in der Einleitung
ausgesprochene Ansicht, da Drer um 1512 zu den greren Blttern nicht
mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. -- Auch bei den besten
der brigen Abdrcke findet man Papier mit der hohen Krone. Die
vollkommen schnen Abdrcke lassen sich zhlen und sind doch nicht frei
von fleckenartigen unklaren Stellen. -- Der schnste von allen ist wohl
der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs
Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathnden befindlichen,
ist derjenige am berhmtesten, welcher die reiche und ausgewhlte
Drer-Sammlung des Herrn Cornill d'Orville in Frankfurt a.M. ziert. --

Sptere Abdrcke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier
Thrme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr.
15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren
eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung
des Herrn Dr. Nagler[13]: da in den spteren Abdrcken das Crucifix und
die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es
giebt ganz spte Abdrcke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber
vollkommen deutlich ist.


B. 60. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1514.

Dieser Stich, von Drer in seinem Tagebuche Hieronymus im Gehai߫, der
sitzende Hieronymus, auch St. Hieronymus in Kupffer benannt, ist
eines der verbreitetsten der greren Bltter unsere Meisters und die
sehr sorgfltig gearbeitete Platte hat eine groe Menge Abdrcke
gegeben. Die lteren davon sind sehr malerisch, zuweilen etwas voll in
Farbe, wodurch inde das schne Helldunkel dieses Stiches gehoben wird.
Die weit hufigeren spteren Abdrcke findet man oft noch recht klar und
rein, jedoch die Wirkung der frheren keinesweges erreichend.

Der Masse der Papiers und der Entfernung seiner Drathstriche nach, sind
die alten Drucke auf solchem mit dem Wasserzeichen der hohen Krone
abgezogen; das Zeichen selbst habe ich inde bis jetzt in keinem Abdruck
auffinden knnen. Das Blatt ist aber geringer in Hhe, wie manche der
anderen, und mag daher wohl das Wasserzeichen mit dem Papierrande
weggefallen sein. Nur ein einziger, aber augenscheinlich spterer
Abdruck ist mir mit dem Wasserzeichen des Kruges vorgekommen.


B. 61. Der bssende heilige Hieronymus.

Heller nimmt an, da Drer dieses schne Blatt schon vor 1500 gestochen
habe, doch mchte ich -- obgleich dasselbe nicht ganz frei von der
frheren conventionellen Behandlung des Erdbodens im Vorgrunde ist --
wegen der Durchbildung der Landschaft der Meinung sein, da es den
ersten Jahren nach der Italienischen Reise angehren wird.

Die Platte ist brigens in frheren Zeiten wenig abgedruckt. Exemplare
auf Ochsenkopf- oder Kronenpapier habe ich nie angetroffen, nur ein Paar
mit dem alten Papierzeichen des gothischen ~P~. Drer hat keine Abdrcke
davon, zu Geschenken oder zum Verkauf, auf die Niederlndische Reise
mitgenommen, wenigstens geschieht dieses groen Blattes nirgends im
Tagebuche Erwhnung, dagegen findet man die prachtvollsten Abdrcke auf
den spteren Papieren mit den durch eine Mauer verbundenen Thrmen, Nr.
8, oder dem Reichsapfel mit Stern, Nr. 5. Selbst Abdrcke mit dem
Wasserzeichen des Augsburger Wappens, Nr. 18, sind noch recht schn.

Den lteren Sammlern scheint brigens dieses Blatt fr ihre Klebebcher
zu hoch gewesen zu sein, wenigstens findet man mehrfach, auch in
ffentlichen Sammlungen, Abdrcke, wo das weie Papier oben bis an die
Spitze der Tannenbume 4 Linien breit abgeschnitten ist.


B. 62. Der kleine runde heilige Hieronymus.

Eines der seltensten Blttchen Drers, mit vollem Recht zu den
Introuvables gezhlt. Bekannt sind mir davon nur 5 Abdrcke, in der
Pariser Sammlung, in dem Museo zu Amsterdam, in den Sammlungen des
Erzherzogs Albrecht in Wien, der Knigin Marie in Dresden und der
Kunsthalle zu Bremen, letzteres aus dem Dr. Klugkistschen Vermchtni,
frher in der Sammlung des Herzogs von Buckingham.

Die Abdrcke sind besonders schwarz, der in Bremen ist inde etwas
klarer. Die Behandlung des Grabstichels ist brigens bei weitem nicht so
einfach, rein und schn, als bei dem Degenknopf, dieselbe hat im
Gegentheil etwas Rauhes und gleicht fast einem Holzschnitte. Auffallend
ist auch die wunderbare Lage des Lwenschweifes.

Das Blttchen hat kein Monogramm und man kann sich, bei genauer
Betrachtung des Zweifels nicht erwehren: ob dasselbe wirklich von Drer
gestochen sei? Der kleine heilige Hieronymus in Holzschnitt, B. 115, ist
ohne Frage weit schner.

Da diese wenigen erwhnten Abdrcke unterklebt oder fest aufgelegt sind,
so habe ich ber die Papiere derselben mir keine Aufklrung verschaffen
knnen.


B. 63. Die heilige Genovefa.

Die Abdrcke von dieser Platte findet man sehr krftig und schn, jedoch
nur selten vollkommen klar und rein. Selbst die frhesten auf Papier mit
dem Ochsenkopfe sind zuweilen zu trocken oder zu fett in Farbe.

Andere Abdrcke haben Papier mit dem Wasserzeichen der groen Thrme
unten mit einer Spitze, Nr. 14.


B. 64. Die heilige Veronica. 1510.

Dieses sehr schne aber introuvable Blttchen habe ich nur zweimal in
Hnden gehabt, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und
derjenigen der Knigin Marie in Dresden, frher bei Verstolck, beide
Exemplare fest aufgelegt.

Der Stich, mit der trockenen Nadel (geritzt) ist sehr leicht behandelt,
die Hnde sind wenig ausgebildet, aber auerordentlich schn ist das
Antlitz des Christus. Quer ber demselben bemerkt man auf den beiden
bezeichneten Abdrcken zwei feine sich kreuzende Linien, Kritzeln in der
Platte oder Ausgleitungen der Nadel.

Abweichend von den brigen Kupferstichen Drer's ist auf diesem
Blttchen die Zeichnung des Monogrammes und namentlich die Form des D,
welcher fast viereckt erscheint, auch bei der Jahreszahl sind die ersten
und die letzten zwei Zahlen ungewhnlich weit von einander entfernt und
befindet sich ein Punkt dazwischen, die 0 steht dagegen auffallend nahe
an der 1, wie solches sonst bei unserm Meister nicht gebruchlich ist.
Auch die unter dem Schweituch hervortretenden Gewandfalten der Heiligen
weichen von Drer's gewhnlicher Weise ab, demungeachtet erscheint das
Blttchen, welches in mancher Beziehung an eine hnliche Darstellung des
Martin Schn erinnert, entschieden als eine Arbeit von ihm und mag das
Abweichende gegen andere Stiche dadurch sich erklren, da dieses der
erste Versuch mit der kalten Nadel war.

Durch die recht gute, wenn auch nicht in allen Theilen genaue Copie von
Petrack ist dieser Stich, so wie die brigen drei introuvablen Bltter
Drer's, allgemeiner bekannt geworden.


B. 65. Das Urtheil des Paris.

Von diesem kleinen runden Blttchen habe ich nur einen Abdruck, und zwar
in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien gesehen. -- Er ist fest
aufgelegt und in Beziehung auf das Papier daher nichts wahrzunehmen. Der
Stich ist sehr leicht behandelt, macht aber doch den Eindruck, da er
von Drer selbst herrhrt, der Abdruck selbst ist nicht eigentlich
frisch zu nennen.

Nach einer mir gewordenen Mittheilung des Herrn William Smith in London,
ist neuerlichst ein Exemplar dieses Blttchens in das British Museum
gekommen, es hatte sich in einer alten Englischen Sammlung befunden, und
war vor etwa 40 Jahren dem frheren Besitzer von dem Vater des W. Smith
fr einen Shilling (10 Sgr.) verkauft.


B. 66. Die drei Genien.

Dieser Stich ist nicht hufig, in schnen Abdrcken aber wahrhaft
reizend. Der prachtvollste Abdruck davon, aus der Sammlung des Herrn R.
Fisher in London, war in der Art treasures Exhibition in Manchester
ausgestellt.

Die alten Abdrcke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes, schwchere auf einem sehr festen, stark gerippten Papier
mit 13-1/2 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 67. Die Hexe.

Bei den vollkommen schnen Abdrcken, welche jedoch nicht oft vorkommen,
hat das Papier den Ochsenkopf als Wasserzeichen, bei guten, aber weniger
krftigen findet man das feste anscheinend Kronen-Papier mit 13-3/4
Linien Entfernung zwischen den Drathstrichen.


B. 68. Apollo und Diana.

Es giebt auerordentlich schne Abdrcke dieses Blattes auf
Ochsenkopfpapier; merkwrdig ist die auch in den krftigsten derselben
sich findende kleine weie Fehlstelle in den Schattenlagen der Backe des
Apollo, dicht ber der Schulter.

Nach den genauen Beziehungen dieses Stiches zu dem folgenden, wird er
wohl nicht vor dem Jahre 1505 gearbeitet sein.


B. 69. Die Familie des Satyrs. 1505.

Dieses, in geringen Drucken ziemlich hufige Blatt ist in vollkommen
schnen, auerordentlich selten, aber hchst reizend. Diese haben Papier
mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Ein schwarzer Punkt auf der
linken Lende der Frau findet sich schon auf den frhesten Abdrcken, und
mu daher von einer kleinen Fehlstelle in der Platte herrhren.


B. 70. Das Studium von fnf Figuren.

In klaren, ganz rostfreien Abdrcken ist diese Radirung, welche weder
Monogramm noch Jahreszahl hat, nicht hufig. Sie kommen auf Papier mit
13 Linien Entfernung der Drathstriche und einem ungewhnlichen
Wasserzeichen vor, welches sich nicht wohl erkennen lt. Sonst trifft
man auch Papier mit dem Wasserzeichen der Thrme oder des gothischen
~P~.


B. 71. Die Entfhrung der Amymone.

Drer nennt dieses Blatt in seinem Tagebuche ein Mehrwunder, Vasari
una ninfa portata via da un mostro marino, und Heller setzt den Stich
in die Zeit vor 1500.

Ich glaube dagegen, da solcher einer spteren Zeit angehrt, mir
scheint die ganze Behandlung dafr zu sprechen, auch habe ich nur einen
Abzug auf Ochsenkopf-Papier, sehr wenige mit dem gothischen ~P~
gefunden. Die schnsten der alten Abzge haben Papier mit der hohen
Krone. Die Platte hat sich lnger erhalten, denn es kommen sptere
Abdrcke mit dem Wasserzeichen des Kruges, auch des Reichsadlers vor.


B. 72. Die Entfhrung. 1516.

In den ersten reinen Abdrcken ist diese Radirung nicht hufig, man
findet einige davon mit dem Wasserzeichen des Kruges, die spteren,
schwrzeren, aber ruigen Drucke haben im Papier das Wappen der Stadt
Schrobenhausen, Nr. 15.


B. 73. Die Wirkung der Eifersucht.

Einer der bedeutendsten Kupferstiche unsers Meisters, von ihm in seinem
Tagebuche der Herculum genannt, und in _sehr schnen_ Abdrcken selten
und kostbar, welcher inde nicht, wie Heller glaubt, schon vor der
Italienischen Reise gearbeitet sein drfte. Die mir durch die Hnde
gegangenen alten Drucke, auch der auerordentlich schne, von Drer dem
Knige Christian II verehrte, jetzt in Copenhagen, haben smmtlich das
Wasserzeichen der hohen Krone, bei schwcheren findet man den Krug im
Papier.

In der Composition dieses Blattes hat Drer brigens manches der schnen
alten, von mir bereits in der Einleitung erwhnten Zeichnung entlehnt,
durch welche er das Meisterwerden erlangte.

Die Bedeutung dieses Gegenstandes ist sehr verschieden aufgefat, daher
der Stich unter mancherlei Benennungen vorkommt; Vasari[14], nachdem er
dieses Blatt als die uerste Vollendung der Kupferstecher-Kunst
bezeichnet hat, beschreibt es als Venus, welche eine Nymphe schlgt, die
-- um vertheidigt zu werden -- sich einem Satyr in den Scho gesetzt
hat.

Er fgt hinzu: wie Drer in diesem Blatte habe zeigen wollen, da er das
Nackte darzustellen wisse, und meint: da er dieses vielleicht deshalb
nicht habe besser machen knnen, weil er -- wenn er Nacktes darzustellen
gehabt habe -- in Ermangelung anderer Gelegenheit, einige seiner Schler
nachgebildet habe, welche, wie meist die Deutschen, keine schnen
nackten Krper gehabt htten, obgleich man in Kleidern viele schne
Mnner aus jenem Lande she.

Von diesem Blatte findet sich ein sehr merkwrdiger unvollendeter
Probedruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; auf
demselben ist der Satyr fast nur angeritzt, der Kopf der Nymphe und ihr
Arm noch nicht ausgefhrt, und der untere Theil der Landschaft mit dem
Amor nur angelegt.


B. 74. Die Melancholie.

Dieses sehr beliebte, von Drer mit ganz besonderer Sorgfalt behandelte
Blatt, von welchem Vasari sagt: da es alle die Gegenstnde (gli
istromenti) enthalte, welche jeden, der sie gebrauche, zur Melancholie
brchten, zeichnet sich durch eine eigenthmliche Zartheit aus.

Die alten Abdrcke sind weniger krftig und voll als diejenigen mancher
frheren Stiche, haben dagegen durch eine feine, warme und harmonische
Wirkung einen eigenen Reiz. Die spteren Drcke entbehren desselben,
sind inde oft noch klar und rein.

Das Papier der schnen Drcke ist dem des heiligen Hieronymus von
demselben Jahre, B. 60, gleich; bei geringeren Drcken trifft man ein
stark geripptes Papier mit 12-3/4 Linien Abstand der Drathstriche, bei
den neueren das Wasserzeichen des Wappens von Schrobenhausen.


B. 75. Die vier nackten Frauen.

Die alten Abdrcke sind zum Theil sehr schwarz, und kommen auf Papier
mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes und dem der verbundenen Thrme
mit 13 Linien Abstand der Drathstriche vor.

Die anfangs etwas rauhen Schattenlagen im Fleisch haben sich inde bald
abgenutzt, denn man findet schon auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, noch gute, aber weit weniger krftige
Abdrcke.


B. 76. Der Traum.

Nach Vasari's Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schlft, mit Venus
daneben, welche ihn im Traume in Versuchung fhrt, whrend Amor, auf
zwei Stelzen steigend, sich vergngt, und der Teufel mit einem Blasebalg
jenem in's Ohr blst.

So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen
schnen Abdrcke nur hchst sparsam. -- Sie sind auf Papier mit den
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen ~P~ oder der hohen
Krone, die spteren noch guten Abdrcke haben das Wasserzeichen des
Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere
Abdrcke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts,
welche inde matt und unbedeutend sind.


B. 77. Die Nemesis,

gewhnlich, die groe Fortuna genannt.

Da dieses groe Blatt dasjenige sei, welches Drer in seinem Tagebuche
wiederholt eine Nemesin nennt, glaube ich in dem Aufsatze des
Naumann'schen Archives fr die zeichnenden Knste, 2. Jahrgang, 1. Heft,
gengend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Besttigung dieser
Ansicht ist mir seitdem durch eine Verffentlichung des gelehrten
Vorstandes des print-room im British Museum, M^{r.} W.H. Carpenter, im
Athenum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit
denselben von mir geltend gemachten Grnden belegt, ausspricht.

Die alten krftigen Drucke dieses schnen Stiches werden sehr gesucht.
Die mir vorgekommenen waren smmtlich auf Papier mit der hohen Krone,
nur einzelne, nicht einmal besonders schne Abdrcke haben
Ochsenkopf-Papier.

Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die
kleinen Punkte an, welche links ber den Wolken, in der Mitte des
Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist inde
trgerisch, denn auch auf spteren schwcheren Drucken sind diese Punkte
noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frhesten Abdrcke ist dagegen
der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der
Landschaft in der Mitte der Brcke, als Sttze derselben, in das Wasser
geht, und bei den spteren Abdrcken krzer wird, zuletzt nur als ein
einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in
der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Sttzen
unter der Brcke starken Grat.


B. 78. Die kleine Fortuna.

Die schnen Abdrcke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes. Das Blatt ist nicht selten, hufig sind die Abdrcke aber
matt und unbedeutend, auch oft im Papier verschnitten.


B. 79. Die Gerechtigkeit,

von Heller und Nagler irrthmlich die Nemesis genannt.

Bei sehr schnen Abdrcken dieses, der Behandlung des Vordergrundes
nach, unstreitig der zweiten Periode Drer's, nach der Italienischen
Reise, angehrenden Blattes, findet man sowohl Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, wie mit dem der hohen Krone, doch sind
solche, dann recht malerische Abdrcke selten. Der zu den Drer'schen
Geschenken gehrende Abdruck in Copenhagen hat den Ochsenkopf im Papier.


B. 80. Der kleine Courier.

Dieser Stich gehrt zu den nicht hufigen; die schnen Abdrcke haben
Ochsenkopf-Papier, auch kommen welche mit dem Lilienwappen und Krone,
Nr. 11, bei 11 Linien Entfernung der Drathstriche vor.

Bei geringeren Drucken findet man festes Papier mit 13-1/4 Linien
Abstand der Drathstriche.


B. 81. Der grosse Courier.

Dieses, bereits in der Einleitung besprochene Blatt ohne Monogramm und
Jahrszahl gehrt bekanntlich zu den allergrten Seltenheiten und fehlt
sogar der reichen Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

Es sind nur zwei Abdrcke davon bekannt: der eine im Kniglichen
Kupferstich-Cabinet zu Dresden, der andere in der K.K. Bibliothek zu
Wien. Dieser letztere ist nicht rein im Druck und namentlich die hintern
Schenkel des Pferdes sind unklar. Der Abdruck in Dresden ist auf sehr
festem Papier, welches nur 11 Linien Abstand der Drathstriche und ein
nicht gebruchliches, dem aus alten Bcherdrucken bekannten
Cardinals-Hut einigermaen hnelndes Wasserzeichen hat. Die Platte hat
unten stark abgerundete Ecken, welches bei Drer etwas ganz ungewohntes
ist, und der Stich erscheint im Vergleich mit den brigen Arbeiten
unsers Meisters als auffallend roh behandelt.


B. 82. Die Dame zu Pferde.

Ein nicht hufiges Blatt, von dem man inde sehr schne Abdrcke, sowohl
auf Ochsenkopf-, wie auf Kronen-Papier findet; der mir zu Gesicht
gekommene schnste, zu Drer's Geschenken in Copenhagen gehrig, hat
kein Wasserzeichen.


B. 83. Der Bauer und seine Frau.

Die schnen Abdrcke sind auf denselben Papieren, wie das vorstehende
Blatt.


B. 84. Die Wirthin und der Koch.

Heller setzt dieses Blttchen in die Zeit vor 1506, vergleicht man es
aber mit anderen Stichen dieser Periode, namentlich B. 85 und 86, so
wird man den wesentlichen Unterschied in der Behandlung, besonders auch
des Vorgrundes nicht verkennen. Ich halte dasselbe daher entschieden fr
eine sptere Arbeit.

Neben vielen matten und abgenutzten Abdrcken findet man diesen Stich
zuweilen auch sehr krftig und schn, das Papier hat dann das
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, selten das des gothischen ~P~.


B. 85. Der Orientale und seine Frau.

Das Blatt ist in schnen Abdrcken selten, dann aber recht krftig. Bei
solchen trifft man das Papier mit dem Ochsenkopf.


B. 86. Die drei Bauern.

In den alten warmen Abdrcken auf Ochsenkopf-Papier ist dieses Blttchen
von recht malerischer Wirkung.

Die Kupferplatte davon ist noch vorhanden und kam im Jahre 1856 in
Frankfurt a.M. zum Vorschein, wurde aber, ehe die dortigen Drer-Sammler
Kenntni davon erhielten, nach Ruland verkauft.


B. 87. Der Fahnen-Trger.

Diesen lieblichen Kupferstich, welcher allerdings in dem Vorgrunde noch
Spuren der lteren conventionellen Darstellungsweise hat, halte ich --
abweichend von Heller -- fr eine Arbeit nach der italienischen Reise,
besonders wegen der Behandlung des Wassers und der sorgfltigen
Ausfhrung der Federn.

Recht schne Abdrcke, bei denen ich nur Papier mit einem Stckchen des
Ochsenkopfes gefunden habe, sind von hervorstechender Wirkung.


B. 88. Die Versammlung der Kriegsleute.

Ein berall nicht hufiges, in vollkommen schnen Abdrcken aber
ausserordentlich seltnes Blatt, welches zu den ltesten Stichen Drer's
gehrt. Man erkennt dieses vorzglich an der Form des Monogramms und an
der eigenthmlichen Behandlungsweise des Gebsches in der Landschaft.

Die in neuerer Zeit an der Aechtheit dieses Stiches erhobenen Zweifel
halte ich fr vllig unbegrndet und mchte dabei nur auf die Bltter B.
82, 83, 85, selbst 86 und 87 verweisen, wo man, freilich bei
verschiedenartiger Stichweise, denselben Meister erkennt. Die schnen
Abdrcke haben gewhnlich das Papier mit dem Ochsenkopf oder dem
gothischen ~P~.


B. 89. Der Marktbauer. 1519.

Dieses in Drer's Tagebuch der neue Bauer benannte Blatt findet man
fast nie in Abdrcken von recht voller Farbe. Es kmmt ziemlich hufig
vor, doch giebt es alte frische Abdrcke wenig. Diese haben anscheinend
Kronen-Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Bei weniger
frischen, spteren Drcken trifft man das Papier mit einem Abstand von
nur 13-1/2 Linien.


B. 90. Der Bauerntanz. 1514.

In schnen Abdrcken selten. Das Papier derselben ist fest und hat
12-3/4 auch 13-3/4 Linien Entfernung der Drathstriche. Die Platte mu
sich lange erhalten haben, denn man findet einzelne ganz schlechte
Abdrcke davon.


B. 91. Der Dudelsack-Pfeifer. 1514.

Die alten recht krftigen Abdrcke sind nicht hufig, ein Wasserzeichen
habe ich in den Papieren derselben nicht wahrnehmen knnen, die
Entfernung der Drathstriche betrug 14 auch 13-1/4 Linien.


B. 92. Der Gewaltthtige.

Dieser frhe Stich gehrt zu den seltenen, und die Platte scheint in
spterer Zeit nicht wieder abgedruckt zu sein, wenigstens sind mir
abgenutzte und schwache Drucke davon nicht vorgekommen. Die alten Drucke
sind besonders schwarz in Farbe, haben Platten-Grat und gewhnlich
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich einen auch
auf Kronen-Papier angetroffen.


B. 93. Der Liebes-Antrag.

Die alten Abdrcke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfs, mit
Doppelstrich, Kreuz und Blume darber, Nr. 2, sind sehr schwarz,
manchmal in den tiefen Schatten unklar. Die etwas spteren Abdrcke auf
Papier mit dem gothischen ~P~, dessen Drathstriche sehr weit, fast 17
Linien von einander abstehen, oder mit der hohen Krone, sind dem Auge
wohlthuender.


B. 94. Der Herr und die Dame oder der Spaziergang.

Durch den sorgfltigen Nachstich Marc Antons von der Gegenseite ist
dieses Blatt doppelt interessant, es gehrt aber bei aller darauf
verwandten Kunstfertigkeit doch ohne Zweifel zu den frheren Arbeiten
Drer's.

Die Platte, wovon die schnen Abdrcke Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes oder der hohen Krone haben, ist auch noch in spterer Zeit
abgedruckt, denn man trifft Abzge mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes.


B. 95. Das monstrse Schwein.

Ich habe in Uebereinstimmung mit Heller dieses Blatt unter die Arbeiten
der ersten Periode Drer's aufgenommen, und bin dazu veranlat theils
durch die Anfhrung: da nach einer alten geschriebenen Chronik eine
solche Migeburt im Jahre 1496 in der Nhe von Nrnberg gefallen sei,
theils auch durch die eigenthmliche Behandlung des Erdreichs im
Vorgrunde, welche fr die Stiche dieser ersten Periode besonders
bezeichnend ist. Sonst wrde die sorgfltige Ausbildung der Architektur
in der Landschaft und die Form des Monogramms auf eine sptere Zeit
schlieen lassen. Zum Abdruck mu die Platte jedenfalls erst in spteren
Jahren gekommen sein, denn ich habe bei den alten schnen Abdrcken nur
einmal Ochsenkopf-Papier, sonst immer das Wasserzeichen der hohen Krone
gefunden.

Die Platte ist spterhin aufgestochen.


B. 96. Das kleine Pferd. 1505.

Dieser Stich gehrt zu denjenigen, welche man verhltnimig hufig in
schnen Abdrcken findet und es scheint, da derselbe frher nicht
besonders bercksichtigt ist. Die mir vorgekommenen alten Abdrcke waren
smmtlich auf Papier mit dem Ochsenkopf nur ein einziger hatte die hohe
Krone.


B. 97. Das grosse Pferd. 1505.

Die Abdrcke dieser Platte sind bedeutend seltener als diejenigen der
vorhergehenden. Die schnen Exemplare, zuweilen wahrhaft prachtvoll,
haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes.

Dieses Blatt gehrt brigens nicht zu denjenigen, deren Drer in seinem
Tagebuche der Reise nach den Niederlanden Erwhnung thut.


B. 98. Der Ritter mit Tod und Teufel. 1513.

von Drer ein Reuther genannt.

Es ist dieser einer der schnsten, vollendetsten und beliebtesten Stiche
unsers Meisters, welcher von ihm auf seiner Niederlndischen Reise auch
zu Geschenken verwandt wurde und in ausgezeichneten Abdrcken, mit am
theuersten bezahlt wird. --

Die alten Abdrcke kommen auf demselben Papier vor, welches Drer zu dem
heiligen Hieronymus, B. 60, und der Melancholie, B. 74, gebrauchte. Bei
dem Abdruck der Ackermann'schen Sammlung mit breitem Papierrand, welcher
inde nicht zu den Krftigen gehrte, hatte das Papier das Wasserzeichen
des Kruges.


B. 99. Die Kanone. 1518.

Diese Radirung ist in neuen Abdrcken mit Rostflecken hufig, in
vollkommen reinen alten Drucken jedoch selten. Die frischesten haben das
Wasserzeichen der hohen Krone, doch giebt es noch sehr gute mit dem
Wasserzeichen der Thrme, Nr. 9.


B. 100. Das Wappen mit dem Hahn.

Wegen der wundervollen Verzierung des Helms gehrt dieser Stich mit zu
den vortrefflichsten Arbeiten Drer's. Die Abdrcke sind hufig schn,
zuweilen ganz ausgezeichnet. Der vorzglichste, welcher mir zu Gesicht
gekommen, in der Kniglichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, hat das
Wasserzeichen der verbundenen Thrme, Nr. 8, die brigen schnen
Abdrcke haben das Wasserzeichen der hohen Krone, die geringeren ein
festes Papier mit nicht kenntlichem Wasserzeichen, dessen Drathstriche
13-3/4 Linien von einander entfernt sind, auch wohl das Wasserzeichen
Nr. 43. --


B. 101. Das Wappen mit dem Todtenkopf. 1503.

Einer der ltesten, mit der Jahreszahl versehenen Drer'schen
Kupferstiche, von dem ein schner Abdruck jeder Sammlung zu besonderer
Zierde gereicht. Unser Meister erwhnt dieses groen zu den ganz Pgen
gehrenden Blattes in seinem Tagebuche der Niederlndischen Reise nicht,
doch befindet sich in der Kniglichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen
ein Abdruck von einer solchen Kraft, Schnheit und frischen Erhaltung,
da er ohne Zweifel mit zu den Geschenken gehrt, welche Drer dem
Knige von Dnemark, Christian II., in Antwerpen verehrt hat. Dieser ist
auf einem sehr festen Papier ohne Wasserzeichen mit ungleicher
Entfernung der Drathstriche zu 11 und 13-3/4 Linien. Einige wenige
schne Abdrcke kenne ich auf Papier mit dem Ochsenkopf, der hohen
Krone oder der Thrme mit Mauer; die Mehrzahl derselben haben das
Wasserzeichen des Kruges, woraus hervorgeht, da diese Platte noch in
der letzten Lebensperiode Drer's oder nach seinem Tode zum Abdruck
gekommen ist.


B. 102. Albrecht von Mainz, von vorn gesehen. 1519.

Dieses, gewhnlich der kleine Cardinal genannte, sehr seltene
Brustbild kommt im ersten Etat ohne Text auf der Rckseite, zuweilen in
sehr schnen Abdrcken vor.

Sie haben Papier mit dem Wasserzeichen des kleinen Reichsapfels, Nr. 5,
und eine Entfernung zwischen den Drathstrichen von 13-1/2 Linien.

Die Abdrcke des zweiten Etats, auf deren Rckseite sich der Titel des
eminent seltenen Buches

    VOrtzeichnus und |zeeigung des Hochlob | wirdigen heiligthumbs |
    der Stifftkirchen der heiligen | Sanct Moritz und Ma- | rien
    Magdalenen zu Halle |

befindet[15], sind im Jahre 1520 mit geringer Sorgfalt genommen und
stehen an Kraft und Klarheit gegen den ersten Etat sehr zurck.

Das dazu gebrauchte Papier hat das Wasserzeichen eines greren
Reichsapfels mit 5strahligem Stern, dessen Drathstriche inde nur 11-1/2
Linien Abstand haben und welches in Feinheit der Masse und Festigkeit
dem Papiere des ersten Etats sehr nachsteht.


B. 103. Albrecht von Mainz im Profil. 1523.

Aus dem noch erhaltenen Briefe an den Cardinal Albrecht, Erzbischof von
Mainz, vom Freitag nach Aegidii (13. September) 1523[16], wissen wir,
da Drer die Platte des bezeichneten Portraits nebst 500 Abdrcken
schon vor lngerer Zeit dem Cardinal bersandt hatte.

Aus dem dadurch erwiesenen gleichzeitigen Abdruck einer so bedeutenden
Zahl von Blttern erklrt sich die groe Gleichmigkeit der guten
Exemplare, welche man in den Sammlungen findet. Sie sind nur in so fern
von einander verschieden, als die besseren Abdrcke Plattengrat und eine
wrmere harmonische Frbung haben. Das Papier ist auch das gleiche, mit
dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, und einer Entfernung der
Drathstriche von 13-1/4 Linien.

Die sehr wenigen besonders krftigen Abdrcke, wie diejenigen in dem
Kniglichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden und dem Print-room des
British Museum, scheinen ganz erste von Drer zurckbehaltene
Probedrcke zu sein, denn diejenigen, zweifellos von den erwhnten 500
Abdrcken herrhrenden, welche man in einzelnen kostbaren Bchern aus
dem frheren Besitz dieses kunstliebenden Kirchenfrsten als
Bibliothekzeichen eingeklebt findet, wie z.B. in dem schnen Missale mit
Miniaturen des Glockendom in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, sind
durchaus nicht besser wie die gewhnlich vorkommenden Abdrcke. --

Einige wenige gute Abdrcke kommen auch auf Atlas vor.[17]

Die Platte ist spterhin aufgestochen und man findet in dem Drer-Werke
der Kaiserlichen Bibliothek in Wien ein Exemplar beider Gattungen zur
Vergleichung neben einander. Der retouchirte Abdruck unterscheidet sich
vorzglich dadurch, da den Contouren des Mundes und des Kinnes die
Barbe fehlt, auch sind in demselben die Nhte des Kleides besonders
markirt und die Unterschrift ist merklich unreiner.


B. 104. Friedrich, Churfrst von Sachsen. 1526.

Dieses schne Bildni kmmt zuweilen, doch nicht sehr hufig in ganz
besonders krftigen Abdrcken vor, das Papier hat das Wasserzeichen des
Kruges und 13-1/4 Linien Abstand der Drathstriche. -- Die Platte mu
spterhin nach Holland gekommen sein, denn in der Kniglichen
Kupferstich-Sammlung in Mnchen befindet sich ein Abdruck auf
Schellenkappen-Papier; er ist inde matt und das Monogramm sehr
verwischt.


B. 105. Philipp Melanchthon. 1526.

Die schnen Abdrcke haben dasselbe Papier als das vorstehende Blatt,
doch ist dieses seltener als jenes.


B. 106. Bilibald Pirkheymer. 1524.

Keins der Drer'schen Bildnisse ist so allgemein verbreitet, als dieses,
seines gelehrten und treuesten Freundes. Die Abdrcke kommen daher in
den verschiedensten Zustnden und auf den mannigfaltigsten Papieren vor.
Die ltesten haben das Wasserzeichen des Kruges oder der kleinen hohen
Krone Nr. 36. In dem Kniglichen Kupferstich-Cabinet in Mnchen habe ich
ausnahmsweise einen Abdruck auf Ochsenkopf-Papier gefunden, sie sind
krftig, aber nicht sehr fett in Farbe. Es giebt noch ziemlich gute
Abdrcke auf einem Papiere, dessen Wasserzeichen unter einem dem
Nrnberger hnlichen Wappen, einen Mohrenkopf hat, Nr. 16, oder auf
einem festen Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.

Die neueren schwrzeren Abdrcke sind von der spterhin aufgestochenen
Platte, von der man in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien ebenfalls
einen Abdruck zur Vergleichung neben einem des ersten Etats sieht. Sie
unterscheiden sich durch eine gewisse Rauheit in den Haaren und den
Buchstaben der Unterschrift, auch ist die Halskrause strker markirt.


B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.

Dieses Bildni ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur
hchst wenige sehr schne und krftige Abdrcke. Die beiden
vorzglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British
Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrcke haben
Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder hufiger eines gekrnten
Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas
abweichender Form zwar schon bei Abdrcken der ltesten Kupferstiche
vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen
Kupferstichen Drer's, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den
Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.

Sptere Abdrcke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die
Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten
hat. Sie wird gegenwrtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses
Friedensstein in Gotha aufbewahrt.

Die Abdrcke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen,
sind zuweilen noch schn, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden
Thrme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines groen
geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden,
immer noch gut zu nennen, halten inde den Vergleich mit den lteren
Abdrcken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die
sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es
hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von
13 Linien, ist aber dadurch merkwrdig, da der berhmte Astronom
Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im
Jahre 1520 gegenwrtig gewesen sei, als Drer den Erasmus fr diesen
Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand,
gezeichnet habe.


B. 108. Joachim Patenier.

Dieses seltene Portrait bergehe ich als eines anerkannt nicht von Drer
herrhrenden Stiches, und bemerke nur, da sich in der kostbaren
Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg eine sehr schne Federzeichnung
Drer's vom Jahre 1520 befindet, welche auf der Rckseite mit dem Namen
Patenier bezeichnet, wohl diesem Stich zur Grundlage gedient haben
mchte, obgleich sie in einzelnen Theilen von demselben abweicht.

       *       *       *       *       *

Schlielich habe ich noch einer unvollendeten Platte, Christus am Kreuze
darstellend, zu erwhnen, welche auf Grund der Anfhrung Sandrarts: da
Drer eine solche nachgelassen habe, unserm Meister zugeschrieben wird
und von der einzelne Originaldrcke, mit und ohne Monogramm, sowie
mehrere ltere und neuere Copien vorhanden sind. --

Obgleich dieses Blatt in einer alten, wahrscheinlich um die Mitte des
17. Jahrhunderts geschriebenen, aus der Familie Scheurl in Nrnberg
herstammenden, Specification de gantz Drerisch Trukhs[18] mit
aufgefhrt steht, so wage ich es doch, in Beziehung auf dasselbe, den
Ansichten mehrerer mit Recht angesehener Kunst-Autoritten entgegen zu
treten, namentlich der Meinung, welche Herr Dr. Nagler auf pag. 161
seiner Monogrammisten darber ausgesprochen hat, indem ich entschieden
behaupten zu drfen glaube, da diese Anlage eines Kupferstiches nicht
von Albrecht Drer herrhren knne.

Meine Grnde dafr sind folgende:

1) Alle Darstellungen des gekreuzigten Heilandes von A. Drer, sowohl in
Gemlden, Kupferstichen, Holzschnitten, als auf zahlreichen Zeichnungen
und Entwrfen, sind in der Beziehung vollkommen bereinstimmend, da der
Krper an einem Kreuze von rohem, nur theilweise behauenem Holze, mit
der ganzen Schwere an den durchbohrten Hnden und ausgestreckten Armen
hngt, und nur durch den einen greren Nagel, welcher _beide
bereinander gelegte Fe durchbohrt_, einigermaen untersttzt wird.
Auf der fraglichen Anlage steht aber der Krper ganz ruhig auf einer an
dem Stamm eines ganz platt gezimmerten Kreuzes angebrachten Platte,
beide Fe sind _nebeneinander_ von zwei Ngeln durchbohrt, die Arme,
ausser den Ngeln, welche durch die Hnde gehen, noch mit Stricken
befestigt.

Eine solche Darstellungsweise der Kreuzigung war bei den ltesten
Italienischen Malern gebruchlich, ist aber von Drer nie zur Anwendung
gekommen.

Interessant in dieser Beziehung sind drei vortreffliche zu einander
gehrende Zeichnungen Drer's, vom Jahre 1505 in der Sammlung des
Erzherzogs Albrecht. Sie stellen die Kreuzigung Christi und der beiden
Schacher dar. Die Arme der Schacher sind -- wie eine schimpflichere
Todesart -- mit Stricken an das Kreuz gebunden, dagegen Christus nur mit
Ngeln durchbohrt auf die vorher beschriebene Weise dargestellt ist.

2) Auf dem Stich ist die rechte Hand des Heilandes ausgestreckt, welche
Drer stets mit krampfhaft zusammen gedrckten Fingern darstellt.

3) Drer giebt seinem Christus eine breite, doppelt geflochtene
Dornenkrone, und die Augenhhlen haben im Ausdruck des tiefen Schmerzes,
mit den ueren Winkeln eine Biegung nach unten. Auf der Anlage ist die
Dornenkrone nur einfach geflochten und die ueren Winkel der
Augenhhlen haben eine Richtung nach oben, wie denn der Ausdruck des
Gesichts, ganz der Drer'schen Darstellungsweise des schmerzlichen
Leidens entgegen, etwas triumphirendes hat.

4) Die reiche Architektur des Hintergrundes weicht, sowohl in der hohen
Thurmspitze links, als in den hohen Burgthrmen rechts, wesentlich von
allen hnlichen Darstellungen Drer's ab. Endlich

5) sind die Umrisse dieser Anlage weder so sicher noch so zart, wie wir
sie auf den vorhandenen, unvollendeten Probedrcken der Drer'schen
Platten B. Nr. 1 und 73 bewundern. --

Die Annahme des Herrn Dr. Nagler, da Drer in dem aufblickenden
Johannes dieses Stiches den Dr. Martin Luther habe darstellen wollen,
drfte -- wenigstens durch die als Beweis angefhrte herrliche Zeichnung
vom Jahre 1523 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- keine
Besttigung finden.

Die fragliche Figur des Stiches weicht wesentlich von jener Zeichnung
ab, und nur das Gesicht hat eine entfernte Aehnlichkeit damit. Beide
Kpfe aber, sowohl der der Zeichnung wie der der Anlage, sind sehr
verschieden von dem Portrait des Dr. Martin Luther, welches Drer auf
der ihm zu Ehren im Jahre 1526 geschnittenen Medaille dargestellt
hat.[19]

Mit meinen Zweifeln an Drer's Betheiligung bei dem fraglichen Stiche
stehe ich brigens nicht allein, sie werden unter andern auch von dem
gelehrten Vorstande des Print-room im British Museum getheilt, woselbst
sich zwei Abdrcke mit und ohne Monogramm befinden. Diese, wie mehre
andere mir vorgekommene Abdrcke waren aufgelegt und ich konnte das
Papier nicht genau untersuchen; der Abdruck mit dem Monogramm in der
Sammlung des Herrn Cornill d'Orville in Frankfurt a.M., frher bei
Verstolck, ist inde auf Papier, welches mir nicht altdeutsch zu sein
scheint, wenigstens habe ich das kleine ungewhnliche Wasserzeichen
desselben bei keinem Drer'schen Blatte angetroffen.

Ein anderer sehr frischer Abdruck vor dem Monogramm, im Besitz des Herrn
Geh. Oberfinanzrath Sotzmann in Berlin, ist aber auf entschieden
Hollndischem Papier, welches das Wasserzeichen des groen Wappen von
Amsterdam und knapp 11 Linien Abstand der Drathstriche hat, wie solches
im 17. Jahrhundert bei den Zeichnungen und Radirungen Hollndischer
Meister hufig vorkommt. -- Auch hierdurch drften die gehegten Zweifel
bedeutend verstrkt werden.

FUSSNOTEN:

[1] The Typography of the fifteenth Century by Leigh Sotheby, London
1845. Principia Typographica by Leigh Sotheby, London 1858. 3. Volume.

[2] Giorgio Vasari, Vite de' piu eccellenti Pittori Scultori e
Architetti etc. Mailnder Ausgabe, Vol. 10, wo in dem Leben Marc Anton's
u.a.: ausser den wichtigsten Holzschnitten, mehr als 20 Drer'sche
Kupferstiche mit Bewunderung erwhnt und beschrieben werden.

[3] Siehe die Note des Herrn Ober-Tribunal-Procurators Abel in
Stuttgart in dem Correspondenzblatt des Deutschen Geschichts- und
Alterthums-Vereins vom Jahre 1856, Nr. 10, pag. 95, nach welcher die
Gebrder Frick und Hans Holbain in Ravensburg im Anfange des 14.
Jahrhunderts die Erfinder des Leinen-Papiers gewesen sind.

[4] An inquiry into the origin and early history of engraving upon
copper and in wood etc. etc. by William Young Ottley. London 1816. 2
vol.

[5] Das Leben und die Werke Albrecht Drer's von Joseph Heller. 2. Band.
p. 927.

[6] Die Bekehrung des Paulus von J.G.A. Frenzel. Leipzig 1854.

[7] Das Leben und die Werke Albrecht Drer's von Joseph Heller. 2. Bd.
pag. 300.

[8] Siehe den Aufsatz von E. Harzen in Naumanns Archiv fr die
zeichnenden Knste, 5. Jahrgang, pag. 119 ff.

[9] Siehe denselben Aufsatz, pag. 132.

[10] Ich bin auf dieses Sachverhltniss durch den, bei dem K.K. Mnz-
und Antiken-Cabinet in Wien angestellten, sehr kunsteifrigen Dr.
Freiherrn von Sacken aufmerksam gemacht, und verdanke es der
aufopfernden Geflligkeit des Herrn Custos Bergmann: Gelegenheit gehabt
zu haben, in der Ambraser Sammlung dieses Kaiser-Schwert auf das
Genaueste untersuchen zu knnen.

[11] Siehe Campe's Reliquien von Albrecht Drer, Nrnberg 1828, p. 142,
und Naumann's Archiv fr die zeichnenden Knste, 5. Jahrgang, 2. Heft,
p. 165.

[12] Siehe Heller. 2. Band. Pag. 443.

[13] Siehe die Monogrammisten, Mnchen 1858, pag. 165.

[14] Am angefhrten Orte pag. 191.

[15] Siehe Naumann's Archiv fr die zeichnenden Knste. 1. Jahrgang. 3.
Heft. Pag. 196.

[16] Siehe Campe's Reliquien von Albrecht Drer, pag. 53.

[17] In dem Kniglichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin und in der
Sammlung des Verfassers.

[18] Ich verdanke die Mittheilung derselben der Gte des Herrn Professor
Rler in Erlangen.

[19] Siehe Wills Nrnbergische Mnz-Belustigungen.




Abschnitt II.

Die Holzschnitte Albrecht Drer's.


Einleitung.

Ich bekenne mich, ungeachtet der vielfach dagegen erhobenen Zweifel, zu
der Ansicht, da Albrecht Drer selbst den Holzschnitt ausgebt hat,
wenngleich viele Holzschnitte mit seinem Zeichen vorhanden sind, bei
denen er das Messer nicht gefhrt, manche, bei denen er nicht einmal die
Zeichnung auf den Holzstock selbst gemacht haben wird.

Bei der groen Gewandheit, welche Drer in allen Kunstfertigkeiten
besa, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, mte es unbegreiflich
sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte,
zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als
Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie
Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, nher
nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und
Drucker zugleich vorkommen. --

Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], da Meister
Sebald Rdleinmacher bei dem Sonnenbade und Hanns Franck in der
Frschau ihm die Stcke zurichteten. --

Namentlich in der frheren Zeit mchte unser Meister auch vergeblich
Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit
der Freiheit und Groartigkeit htten arbeiten knnen, wie wir sie in
der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der
Offenbarung Johannis bewundern. -- Wie gering die Zahl der Formschneider
in Nrnberg bis zum Schlu des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den
verdienstlichen Beitrgen zur Kunstgeschichte Nrnbergs, von J. Baader,
Nrdlingen 1860, hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier
Formschneider als Meister und Brger aufgenommen, sowie bei dem
Magistrat beeidigt waren.

Spterhin hatte sich dieses allerdings sehr gendert, geschickte
Formschneider, die nur als solche ihre Kunst bten, waren, auch in
Nrnberg, nicht selten und wie erweislich die spteren groen
Holzschnittwerke, welche Drer fr den Kaiser Maximilian zu arbeiten
hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten
sind, so ist auch in frhern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten,
namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters
nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre
graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafr anfhrt: da
unser Meister berall nicht den Formschnitt gebt habe, beweist nur, da
die Stcke seiner vorhin erwhnten _spteren_ Werke, namentlich nach
1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen
Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres
Meisters beschftigt hat. --

Bei den Holzschnitten findet brigens, in Beziehung auf die Gte der
Abdrcke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen,
und es tritt hufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: da diejenigen
Abdrcke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger
krftig scheinenden.

Viele Holzstcke Drer's haben sich lange in verhltnimig gutem
Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die
Gefahr, durch neuere Abdrcke getuscht zu werden, ist daher bei
Holzschnittblttern weit grer als bei Kupferstichen.

Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr
wesentliche Hlfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der
Regel greren Format der Bltter die Wasserzeichen weit hufiger
sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen,
Bleichen und Pressen so mihandelt ist, wie man es nur zu hufig bei den
Stichen findet.

       *       *       *       *       *

Die Papiere, welche Drer zu den Abdrcken seiner Holzschnitte
gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen
Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie
-- den Wasserzeichen nach -- theilweise wenigstens aus denselben
Papiermhlen herrhren.

Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten,
welche Text auf der Rckseite haben, die strksten bei den drei groen
Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der groen
Passion. --

Die von unserm Meister erweislich whrend seines Lebens zu Holzschnitten
gebrauchten Papiere haben die folgenden, mglichst chronologisch
geordneten Wasserzeichen:

1) Den Ochsenkopf mit einfachem Strich und Blume,

2) Denselben mit doppeltem Strich und Blume darber,

3) Die hohe Krone mit 5 Perlen im Stirnbande und einem Kreuz auf dem
Bgel,

4) Eine Wage im Kreise,

5) Zwei verbundene Thrme mit Zinnen,

6) Einen Reichsapfel mit 5strahligem Stern,

7) Eine Urne,

8) Eine Hand mit Blume,

9) Einen Thurm mit einer Krone darber,

10) Eine sechsblttrige Blume, mit Strich und einem Dreieck darunter,

11) Einen Anker,

12) Denselben im Kreise,

13) Den Ochsenkopf mit einem Schlangenstabe darber,

14) Einen Dreizack,

15) Einen Krug mit Henkel,

16) Ein Oval mit Stern,

17) Einen stehenden Hund,

18) Eine kleine hohe Krone,

19) Einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz darber,

20) Ein verziertes gothisches ~P~,

21) Ein doppeltes rmisches A mit Kreuzstrich darber.

ad 1. Das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit einfachem Strich und einer
fnfblttrigen Blume darber; Strich und dreieckiger Spitze darunter,
Nr. 19, wie solches in den Papieren der schnsten Abdrcke Drer'scher
Kupferstiche so hufig vorkommt, ist bei den Holzschnitten selten. Ich
habe es nur bei _einzelnen_ Probedrcken vom Leben der Maria, der
Apocalypse und der groen Passion angetroffen. Das Papier ist fast von
derselben Feinheit wie bei den Kupferstichen und die Drathstriche sind
13-1/2 bis 13-3/4 Linien von einander entfernt.

ad 2. Das Papier mit dem Ochsenkopf, ber welchem auf einem doppelten
Strich ein Kreuz und darber eine Blume, auch wohl letztere ohne das
Kreuz, sichtbar sind, Nr. 20 und 20^a, ist ebenfalls selten. Es findet
sich bei Probedrcken von der kleinen Passion, bei ersten Drcken von
Holzschnitten vom Jahre 1510, auch bei Probedrcken vom Leben der
Jungfrau, namentlich B. Nr. 76, 93 und 94. --

Das Papier ist ebenfalls von einer feinen Masse und die Drathstriche
haben eine Entfernung von 13-3/4 bis 14 Linien.

ad 3. Die hohe Krone, wie solche unter Nr. 21 abgebildet ist, kommt wie
bei den groen Kupferstichen Drer's, so auch bei den schnen alten
Abdrcken seiner Holzschnitte am hufigsten vor und ist stets ein
_sicheres Unterscheidungszeichen_ derselben von neueren Drcken.

Unser Meister verwandte dasselbe nicht nur zu vielen der ersten Abdrcke
des Lebens der Jungfrau und der kleinen Passion, sondern auch zu der
Ausgabe der letzteren mit Text, wie zu anderen nicht zu groen
Holzschnitten.

Die Entfernung der Drathstriche ist bei den zu Holzschnitten verwendeten
Papieren mit diesem Wasserzeichen, wie bei den feineren zu den
Kupferstichen gebrauchten Sorten, nicht gleich, sie wechselt zwischen
12-1/2 bis 15-1/2 Linien.

Papier mit diesem Wasserzeichen, jedoch in etwas vernderter Form, auch
wohl mit dem Buchstaben S im Bgel, findet man noch, auf einzelnen Bogen
der ersten Ausgabe von Drer's Underweysung der meung, mit dem Zirckel
vn richtscheyt etc., vom Jahre 1525; es hat hier eine Entfernung der
Drathstriche von 14-1/4 Linien.

ad 4. Die Waage im Kreise, Nr. 22 oder 22^a trifft man bei einem Papiere
von schner weier Masse, dessen Drathstriche einen Abstand von 13-3/4
bis 14-1/4 Linien haben. Das Papier kommt nicht hufig vor, man findet
es jedoch namentlich bei ersten Drucken aus dem Leben der Jungfrau.

ad 5. Zwei durch eine Mauer verbundene Thrme mit Zinnen, unten mit
einer Spitze, Nr. 23, findet man nur selten um das Jahr 1511 -- mit
einer Entfernung der Drathstriche im Papier von 12-3/4 Linien.

ad 6. Ein Reichsapfel mit Strich und fnfstrahligem Stern, Nr. 24 oder
24^a, befindet sich in einem Papiere von fester Masse. Drer hat ein
groes Format desselben, in welchem das Wasserzeichen Nr 24 ist, und
dessen Drathlinien 15, sogar 16-1/2 Linien Abstand haben, zu den ersten
Drucken der groen Passion und zu den Probedrcken der Apocalypse, vor
dem Text von 1511 verwandt; also um das Jahr 1510, ebenso zu den etwa
gleichzeitigen groen Holzschnitten B. Nr. 102, 117, 120, 128 und 131.
--

ad 7. Die Urne, Nr. 25 oder 25^a, trifft man bei den zweiten Drucken
Drer'scher Holzschnitte vom Jahre 1510. Die Masse des Papiers ist
auffallend grob, von gelblicher Farbe, zwischen den Drathstrichen ist
eine Entfernung von durchschnittlich 12-1/2 Linien.

ad 8. Das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, kommt mit einer
Entfernung der Drathstriche von 14-3/4 Linien bei einzelnen alten
Drucken vom Jahre 1511 vor, doch trifft man dasselbe auch bei spteren
Drucken des Lebens der Jungfrau, dann aber auf etwas dnnerem Papier mit
nur 11 Linien Abstand der Drathstriche. --

ad 9 und 10. Ein Thurm mit einer Krone, Nr. 27, und eine sechsblttrige
Blume mit Strich und dreieckter Spitze, Nr. 28, sind die Wasserzeichen
derjenigen Papiere, welche Drer zu den drei groen Holzschnittfolgen
bei ihrer Herausgabe mit Text im Jahre 1511 gebrauchte, von ihm in
seinem Tagebuche der Niederlndischen Reise, die drei groen Bcher
genannt. Die beiden Papiersorten sind von sehr abweichender Bearbeitung
und ohne Zweifel aus zwei verschiedenen Fabriken.

Diejenige mit dem Thurm hat kenntliche Drathstriche, in einer Entfernung
von 20 Linien, bei der anderen mit der Blume sind solche nicht
wahrzunehmen.

Die Bogen, von auffallend fester Masse, haben bei unbeschnittenem Rande
eine Hhe von 17 Zoll 3 Linien und zusammengelegt eine Breite von 12-1/2
Zoll. Sie geben zwei bedruckte Bltter, von denen das eine
Wasserzeichen, das andere keines hat.

Unser Meister verwandte zu allen drei Folgen dasselbe Format, so da bei
den wenigen Exemplaren, wo man alle drei Werke in ursprnglicher Gre
beisammen findet[21], der Papierrand der Holzschnitte zum Leben der
Jungfrau um so viel breiter ist, als bei den brigen.

In der Regel wurden von den beiden Papiersorten immer ein Bogen um den
andern genommen. Das Wasserzeichen mit der Blume, Nr. 28, kmmt auch
zuweilen bei einzelnen andern greren Drer'schen Holzschnitten vor. --

ad 11. Den Anker, Nr. 29, habe ich nur bei Probedrucken der kleinen
Passion angetroffen.

ad 12. Der Anker im Kreise, Nr. 30 und 30^a, ist hufiger und findet
sich bei ersten Drucken von Holzschnitten vom Jahre 1515, doch auch bei
solchen von den Jahren 1523 und 1525. Das Papier ist fest, wenn auch
nicht von sehr feiner Masse. Die Entfernung der Drathstriche betrgt
13-3/4 bis 14 Linien.

ad 13. Das Papier mit dem Ochsenkopf, ber welchem ein Schlangenstab
sichtbar ist, Nr. 31, trifft man bei ersten Drucken vom Jahre 1518 und
spter. Das Papier ist sehr fest und die Drathstriche haben einen
Abstand von 12-1/2 Linien.

ad 14. Ein Dreizack, in der Form von Nr. 32, ist das Wasserzeichen
desjenigen Papiers, welches 1522 und 1523 zu den ersten Editionen des
Triumphwagens Kaiser Maximilians, B. 139, verwandt wurde, die
Drathstriche desselben sind 13-3/4 bis 14 Linien von einander entfernt.
Das Wasserzeichen, Nr. 32^a, findet man hufig in dem Papiere der
Handschriften Drer's.

ad 15. Ein Krug mit dem Henkel, Nr. 33, -- bei den Kupferstichen unsers
Meisters, nach seiner Rckkunft aus den Niederlanden vorherrschend --
findet sich bei Holzschnitten erst 1525 in der ersten Edition von dessen
Vnderweysung der messung, mit dem zirkel vn richtscheyt etc. Das
Papier ist fest und die Entfernung der Drathstriche betrgt 13 bis
13-1/4 Linien.

ad 16. Ein kleines Oval mit Stern, Nr. 34, ist das Wasserzeichen des
Papiers, auf welchem die seltne kleine Jungfrau vom Jahre 1526, B. Nr.
98, gedruckt ist, es hat 15 Linien Abstand der Drathstriche. --

ad 17. Der stehende Hund mit Halsband und gestutzten Ohren, Nr.
35, welchen Heller fr einen Bren gehalten hat[22], kommt bei
Holzschnitten erst spter, namentlich 1527, in Drer's Underricht zu
befestigung der Stett, Schlosz und flecken vor. Das Papier hat zwischen
den Drathstrichen eine Entfernung von 13 Linien.

ad 18. Das Wasserzeichen einer kleinen Krone, Nr. 36, welche oft
unregelmig geformt ist und ein Kreuz, einen Stern, auch Kreuz und
Stern oben auf dem Bgel hat, findet man nicht frher als bei ersten
Drucken von Holzschnitten des Jahres 1527. Die Gte des Papiers ist
verschieden, auch haben die Drathstriche einen Abstand von 12-1/2 und
11-1/2 Linien.

ad 19. Ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darber, Nr. 37, kommt, jedoch
selten, um das Jahr 1525 in Papieren mit 13 Linien Entfernung der
Drathstriche vor. --

ad 20. Ein verziertes ~P~, Nr. 38, findet sich bei den ersten Abdrcken
von dem Portrait Albrecht Drer's in einem Papiere, dessen Drathstriche
13-1/2 Linien Abstand haben.

ad 21. Ein doppeltes Rmisches A mit einem Kreuzstriche darber, Nr. 39,
ist das Zeichen eines Papiers von 15-1/2 Linien Entfernung der
Drathstriche, welches bei einzelnen Abdrcken der groen Passion ohne
Text angetroffen wird. --

Die vorbeschriebenen Wasserzeichen sind diejenigen, welche man am
hufigsten bei den alten, zu Drer's Lebzeiten genommenen Abdrcken
seiner Holzschnitte findet; es kommen inde einzelne Abdrcke, welche
ihrer Reinheit und Schnheit nach zu diesen gezhlt werden mssen, auch
auf Papieren mit abweichenden Zeichen vor. Diese sind inde theils nicht
genau kenntlich, theils behalte ich mir vor, sie bei den einzelnen
Blttern zu erwhnen.

Viel mannichfaltiger als bei Drer's Kupferstichen sind bei dessen
Holzschnitten die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche man bei den
spteren Abdrcken derselben antrifft, eine natrliche Folge davon: da
die Holzstcke weit lnger als die Kupferplatten brauchbare Abdrcke
gaben, auch der Werthlosigkeit des Materials wegen, weniger abhanden
gekommen oder zu anderen Zwecken verbraucht sind. --

Es wrde zu weit fhren, von allen diesen nach Drer's Tode vorkommenden
Wasserzeichen, welche theilweise einen Zeitraum von mehreren
Jahrhunderten begreifen, Nachbildungen zu geben, doch habe ich von
einigen der wichtigsten oder am hufigsten vorkommenden Durchzeichnungen
nehmen lassen. Es sind:

Nr. 40. Ein verziertes Rmisches K, Entfernung der Drathstriche 12-1/2
Linien.

Nr. 41. Das Wappen der Stadt Nrnberg, Entfernung 10-1/2 bis 11 Linien.

Nr. 42 und 42^a. Eine Art Fischblase mit Stern oder Blume, Entfernung 10
bis 11 Linien.

Nr. 43. Zwei geschweifte, wie ein Hufeisen verbundene Thrme, Entfernung
12-3/4 Linien.

Nr. 44. Ein geschweiftes langes Wappen, Entfernung 12-1/2 Linien.

Nr. 45. Ein groes geschweiftes Wappenschild mit Krone, Entfernung
11-1/2 bis 12 Linien.

Nr. 46. Ein Wappenschild mit Querbalken, Entfernung 10 Linien.

Nr. 47. Eine Schlange, Entfernung 12 und 12-1/2 Linien.

Nr. 48. Ein verziertes P mit dem Buchstaben A darin, Entfernung 13 bis
13-1/2 Linien.

Nr. 49. Das Wappen von Augsburg, Entfernung 14-1/4 Linien.

Nr. 50. Dasselbe Wahrzeichen in einem geschweiften Schilde mit einem A
darunter, Entfernung 11-1/2 bis 13-1/2 Linien.

Nr. 51 und 51^a. Ein doppelter Reichsadler mit Krone, Entfernung 11
Linien.

Nr. 52. Eine Lilie mit Krone, Entfernung 11, 12-1/2 bis 13-3/4 Linien.

Nr. 53. Dieselbe im Kreise, Entfernung 14-1/2 Linien.

Nr. 54. Dieselbe in einem geschweiften Wappenschilde mit Krone darber,
Entfernung 13-3/4 Linien.

Nr. 55. Ein Rmisches E im Kreise, Entfernung 13 Linien.

Nr. 56. Eine herzfrmige Figur, Entfernung 12 Linien.

Nr. 57. Ein geschweiftes lngliches Wappenschild, Entfernung 13-3/4
Linien.

Die Beachtung der Papiere und ihrer Wasserzeichen allein, reicht inde
bei Holzschnitten eben so wenig als bei den Kupferstichen aus, um mit
Sicherheit die lteren Abdrcke von den neueren zu unterscheiden. Bei
den Holzschnitten bleibt das wesentlichste Kennzeichen immer die grere
Schrfe und Reinheit des Drucks, sowie das Nichtvorhandensein von
Aussprngen in den Rndern, von Rissen, Wurmlchern oder sonstigen
kleinen Beschdigungen, denen die Holzstcke bei fortgesetztem Gebrauch
oder durch die Lnge der Zeit ausgesetzt sind.

In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf inde nicht unbeachtet
bleiben, da ltere Abdrcke mit Text auf der Rckseite oft weniger klar
und rein sind, als sptere ohne Text. --

Mit Ausnahme der Abdrcke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre
1498, bei denen die Holzstcke mit groer Sorgfalt geschwrzt und
gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich
die Abdrcke aller Drer'schen Holzschnittfolgen -- sobald Text auf der
Rckseite ist -- nicht so klar, als gute Abdrcke desselben Holzstocks
ohne Schrift.

Es lt sich dieses nur dadurch erklren, da die zu der Schrift
verwandte Druckerschwrze auch fr die Holzschnitte gebraucht und
weniger sorgfltig mit den damals gebruchlichen Lederballen aufgetragen
wurde.

Auch mgen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen,
die den Druckern gewhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die,
durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rckseite entstandene
Ungleichheit der Flche des Papiers mit daran Schuld sein.

Die Druckerschwrze, welche bei den Drer'schen Editionen vom Jahre 1511
gebraucht wurde, war hufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in
den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten
entstanden sind.

Diese Mngel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, da
Albrecht Drer auf die Abdrcke der im Jahre 1511 herausgegebenen
Holzschnittfolgen nicht die _persnliche_ Sorgfalt verwandt hat, wie auf
die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre
1498. --

Da unser Meister brigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und
der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schluschriften der
verschiedenen Editionen Gedrcket zu Nurnbergk _durch_ Albrecht drer
Maler und Impressum Nurnberge _per_ Albertum Durer Pictorem nicht
bezweifelt werden knnen, auch erkennt man in den semigothischen Typen
des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511
dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von
welchen sie sich nur durch eine geringere, whrend des Gebrauchs
verloren gegangene Schrfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der
Jungfrau, der groen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen
einander ganz gleich. --

Diese letzteren Typen kommen in Nrnberg zuerst bei einzelnen alten
Drucken vom Jahre 1501 und 1502, namentlich Opera Hrosvite Celtis
.... libri amorum vor, und bei der genauen Uebereinstimmung der zu
diesen Werken gebrauchten Lettern, mit denen, welche Drer zu den
vorbezeichneten Folgen verwandte, wird man zu der Annahme berechtigt,
da unser Meister jene zu diesem Zweck erworben hat.

Die Druckerei in Nrnberg, in welcher sie zuerst angewandt wurden, ist
mit Sicherheit nicht bekannt, doch waren diese lateinischen Typen damals
noch selten, und auch an der Stumpfheit derselben bei den Drer'schen
Drucken im Vergleich zu den erwhnten Werken erkennt man, da sie durch
frheren Gebrauch abgenutzt waren.[23]

Die Gehlfen, denen Albrecht Drer im Jahre 1511, selbst durch
vielfache andere Arbeiten in Anspruch genommen, den Abdruck seiner
Holzschnittfolgen berlassen haben wird, sind brigens oft sehr
nachlssig gewesen, denn die Abdrcke sind auch unter einander
keinesweges gleich, und bei einzelnen Holzstcken treten noch whrend
des Druckes kleine Beschdigungen ein, oder werden Fehlstellen sichtbar,
welche dann bei den spteren Abzgen immer bemerkbarer erscheinen.

Im Allgemeinen sind die Abdrcke der groen Passion und der Apocalypse
vom Jahre 1511 die am wenigsten gelungenen, wogegen bei dem Leben der
Jungfrau eine sorgfltigere Behandlung, namentlich auch eine grere
Schrfe der Typen wahrzunehmen ist. Bei der kleinen Passion hat es ohne
Zweifel nachtheilig eingewirkt, da vier Holzstcke gleichzeitig auf
einem Papierbogen abgezogen wurden. --

Nach Beendigung des Drucks scheint Drer den Holzstcken keine weitere
Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, denn von spteren Abdrcken ohne
Text, welche bei Drer's Lebzeiten genommen wren, findet sich keine
Spur. Nur die Holzstcke der Titel wird Drer, vielleicht um sptere
Editionen ohne sein Zuthun unmglich zu machen, zurckgezogen und
besonders bewahrt haben; da von allen vier Folgen -- wie ich bei den
einzelnen derselben nachweisen werde -- diese Titel nicht bei den
brigen Holzstcken geblieben, sondern nach Drer's Tode verloren oder
in andere Hnde bergegangen sind. --


Die Apocalypse.

Die ltesten, als solche mit Sicherheit ermittelten Holzschnitte
Drer's, sind die 15 Blatt der Offenbarung Johannis oder der Apocalypse
(Bartsch 61 bis 75), welche derselbe im Jahre 1498 sowohl mit
lateinischem wie mit deutschem Text auf der Rckseite herausgegeben hat.

Fr die erste Arbeit dieser Gattung ist es ein eben so umfassendes als
vortreffliches Werk, und der Meister wird wohl mehrere Jahre daran
gearbeitet haben, da meiner, mit C.Fr. von Rumohr[24] bereinstimmenden
Ansicht nach, diese Holzstcke smmtlich von ihm selbst geschnitten
sind. Das lebendige des Schnitts, bei der hie und da unverkennbaren
Unsicherheit der Technik spricht dafr, so wie die thunlichste
Vermeidung der Querstriche in den Schraffirungen[25], auch sind, wie
bereits in der Einleitung erwhnt ist, gleichzeitige Holzschnitte
anderer Formschneider von hnlichem Umfange und derselben
Vortrefflichkeit nicht bekannt.

Diese erste, _ganz_ vollstndig, sehr selten vorkommende Ausgabe, ist
neben der groen Reinheit und Schrfe der Abdrcke besonders daran
kenntlich, da das Papier kein Wasserzeichen, aber sehr bemerkbare
Drathstreifen hat, welche durchschnittlich 15 Pariser Linien von
einander entfernt sind.

Die zweite Ausgabe, welche Albrecht Drer im Jahre 1511 nur mit
lateinischem Text und unter Hinzufgung des Holzschnitts auf dem Titel,
B. 60, veranstaltete, tritt, in Beziehung auf Schrfe und Reinheit der
Abdrcke, sehr gegen die erste Ausgabe zurck, bei welcher, wie vorher
erwhnt, unser Meister selbst das Schwrzen und Drucken berwacht zu
haben scheint.

Ausserdem ist sie an den Papieren kenntlich, welche die Wasserzeichen
Nr. 27 und 28 haben, auch sind in dem Schriftsatz des lateinischen
Textes einige Abweichungen gegen die erste Ausgabe bemerklich; so steht
unter anderen: Bei dem Text von Bartsch Nr. 64, in der 1. Columne, 4.
Zeile, die Phrase Item ad terciam figuram

              bei der 1. Edit. ber der Ziffer VI.,
               "   "  2.   "   ber dem Worte Capitulum,
    in der 10. Zeile:
                      1.  Edit: super illuz habe,
                      2.   "    sup illum habe;
    in der 11. Zeile:
                      1.  Edit: et exivit,
                      2.   "    7 exivit;
    in der 12. Zeile:
                      1.  Edit: Et cum,
                      2.   "    Et cu;
    in der 2. Columne, 1. Zeile:
                      1.  Edit: Et vidi alterum angelu,
                      2.   "    Et vidi alte2/ angelum.
    Bei dem Text von B. 74 steht in 1. Columne, 1. Zeile:
                     1.  Edit: iohannem,
                     2.    "   Johanem;
    in der 4. Zeile:
                     1.  Edit: Ite,
                     2.    "   Item;
    in der 6. Zeile:
                     1.  Edit; desce,
                     2.    "   descen;
    in der 7. Zeile:
                     1.  Edit: potestatez,
                     2.    "   potestatem. u.s.w.

Vor dieser zweiten Ausgabe hat Drer von einzelnen Platten Abzge ohne
Text auf der Rckseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf
welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des
groen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit
der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch
findet man bei diesen Abdrcken schon einzelne kleine Fehlstellen in den
Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar
sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und
die einzelnen Abdrcke sind berhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir
nur von den Blttern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.

Diese Abdrcke, von denen man B. 61, 64 und 74 am hufigsten antrifft,
sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten
Ausgabe, sehr krftig und schn. Besonders malerisch erscheinen die
Abdrcke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Drer besondere
Sorgfalt verwandt zu haben scheint.

Wenn man die Abdrcke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als
_Ersten Etat_ bezeichnet, so wrden die vorbezeichneten Abdrcke ohne
Text der _Zweite Etat_, die Abdrcke vom Jahre 1511 mit lateinischem
Text aber der _Dritte Etat_ sein. --

Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrcke ohne
Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thrme
mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12-3/4
Linien, der Holzstock davon mu sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511
abhanden gekommen sein. Sptere Abdrcke der Apocalypse ohne Text habe
ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der
Stdte Nrnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstcke scheinen
daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende
des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26]
Hufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei
Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.

       *       *       *       *       *

In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen
Holzschnitte Drer's gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen,
drfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine
Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begrndet und, wie
ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.

Zu den frheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig
beendigt waren, gehren unstreitig die Bltter, B. 99, 104, 110 und 112,
so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, unser Frauen-Leben, B.
77 bis 92 und 95, da diese smmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm
Drer's schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Da Marc
Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls frher
anfertigte, als Drer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text
im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begrnden zu knnen:

1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkndigung, B. 83, befindet sich
rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506,
welche -- da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist --
ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet.
Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem
Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]

2) Htte Marc Anton das Leben der Maria spter nachgebildet, so wrde er
ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Bltter, B. 93 und 94,
sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schnsten
Bltter der ganzen Folge sind und er spterhin die kleine Drer'sche
Passion ganz vollstndig mit dem Titel nachstach.

3) Bereits im Jahre 1508 erlies der Rath zu Nrnberg ein Verbot des
Verkaufs der mit dem Monogramm Drer's bezeichneten Nachstiche,[29]
solche muten daher damals schon im Handel verbreitet sein.

4) Waren die Nachstiche Marc Antons schon im Jahre 1506 vollendet, so
klren sich die Widersprche wegen der Reise Drer's nach Venedig, um
gegen Marc Anton deshalb klagbar zu werden, ganz einfach durch die
bekannte Reise desselben in den Jahren 1506 und 1507 auf. --

Vasari sagt in seinem Leben des Marc Antons[30], da dieser bei den
Nachstichen von Drer'schen Holzschnitten mit dessen Monogramm solche so
tuschend nachgeahmt habe, da, da niemand wute, die Stiche seien von
Marc Anton, sie fr Arbeiten Albrecht Drer's gehalten und als solche
feil geboten und gekauft wren. Da man dieses dem Drer geschrieben und
ihm ein Exemplar dieser Nachstiche gesandt habe, so wre derselbe so
erzrnt worden, da er sich aufgemacht habe und nach Venedig gekommen
sei, um bei der Signoria ber Marc Anton, welcher sich damals in Venedig
aufhielt, Klage zu fhren. Er habe inde nichts anderes erreicht, als
da jener nicht ferner, weder den Namen noch das Monogramm Drer's in
seinen Arbeiten habe anbringen drfen. Vasari verwechselt zwar die
Nachstiche der kleinen Passion mit denen des Leben der Jungfrau, indem
er von ersteren anfhrt, sie seien mit Drer's Monogramm versehen,
welches gerade umgekehrt der Fall ist, doch mchte kein Grund vorhanden
sein, an der von Vasari so bestimmt angefhrten Veranlassung der Reise
Drer's zu zweifeln. -- Ganz bereinstimmend mit dem von Vasari
berichteten Erfolg der Klage Drer's bei der Signoria ist es: da Marc
Anton bei dem Nachstich der ganzen kleinen Passion mit Titel, welcher
erst nach dem Jahre 1511, wo Drer solche herausgab, erfolgen konnte,
nicht mehr das Drer'sche Monogramm, sondern sein eigenes Tfelchen
anbrachte.

5) Da ein Theil der Drer'schen Holzschnitte zu dem Leben der Jungfrau
schon vor dessen Reise nach Venedig beendigt war, beweist auch die
Jahrszahl 1504, welche sich auf dem schnen Blatte der Umarmung
Joachims, B. 79, befindet, ein Blatt, welches zu den ausgebildetsten und
vollendetsten der ganzen Folge gehrt. Bartsch liest zwar die Jahrszahl
1509 und Andere, namentlich Heller, schreiben ihm hierin, wie so oft,
ohne eigne Kritik nach. Doch ist der Irrthum leicht nachzuweisen,
wenn man die bei Drer gebruchliche Form der Zahl 9 auf andern
Holzschnitten, z.B: B. 31 und 37 der kleinen Passion, oder auf den
Kupferstichen B. 3, 26 und 58 damit vergleicht, auch stimmt die Form der
Zahl 4 mit der gleichen Zahl auf Drer'schen Handzeichnungen vom Jahre
1504, namentlich der Verspottung Christi, der Geisselung und der
Kreuzschleppung, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien genau
berein.

Aus der Periode, in welcher, nach dem Vorhergehenden, Marc Anton die
Holzschnitte von dem Leben der Jungfrau nachstach, ergiebt sich nun
aber, da Drer die Abdrcke dieser 17 Blatt eher in den Handel gebracht
hat, als er das ganze Werk im Jahr 1511 mit dem Text herausgab, und wir
haben daher jedenfalls bei dem Leben der Maria einen nachgewiesenen
_Ersten Etat_ vor dem Text.

Die Abdrcke dieses _Ersten Etats_ sind inde keinesweges nur daran
kenntlich, da sie keinen Text auf der Rckseite haben, denn es giebt
eine groe Zahl von Abdrcken ohne Text, welche erweislich einer viel
spteren Periode angehren.

Das sicherste Kennzeichen ist die Schrfe und Fehlerlosigkeit des
Druckes, welche den besten Abzgen mit Text gleich ist, diese aber in
Klarheit und malerischer Wirkung, in Folge des sorgfltigeren Auftragens
der Farbe und des sorgsameren Druckens bedeutend bertrifft. Ausserdem
gewhren hier die Papiere und ihre Wasserzeichen einen wesentlichen
Anhaltspunkt der Erkennung, denn diese ersten Abdrcke haben entweder
das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 19 und 20, oder das der hohen
Krone, Nr. 21, dieses am hufigsten, zuweilen auch das der Wage im
Kreise, Nr. 22.

Auch von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstcken, Nr. 93 und 94,
kommen Drucke ohne Text auf eben diesen Papieren vor, welche -- ihrer
Schrfe und Fehlerlosigkeit nach -- ebenfalls vor der Edition von 1511
abgezogen sind und diesem ersten Etat zugezhlt werden mssen.

Der schne Titel, die Jungfrau mit dem Kinde auf dem halben Monde, B.
76, scheint erst kurz vor der Ausgabe mit Text geschnitten zu sein, denn
es sind davon nur hchst wenige Abdrcke ohne Text vorhanden, welche,
der Klarheit und Schnheit, wie den Papieren nach, fr Probedrucke
gehalten werden knnten.

Ob diese aber wirklich vor dem Text oder unmittelbar _nachher_ abgezogen
sind, bleibt zweifelhaft; denn ich habe keinen dieser Abdrcke von einer
solchen Schrfe und Reinheit, namentlich in den Sternen, angetroffen,
wie sie bei den besten Abzgen mit Text vorkommen. Auch ist auf
denselben keine Spur der fnfzeiligen Ueberschrift in groen
lateinischen Buchstaben sichtbar, welche, nach der Ansicht erfahrener
Xylographen auf diesem -- wie fast allgemein anerkannt -- von Drer
eigenhndig geschnittenen Blatt, von dem Meister selbst eingeschnitten,
nach dem Abdruck mit Text aber von dem Holzstock entfernt ist, wie die
nicht seltnen spteren und stumpferen Abdrcke desselben, welche
Papierrand haben, beweisen.

Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrcke vom B. 76 haben
smmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr.
20.

Obgleich von allen Holzstcken des Lebens der Jungfrau Abdrcke des
Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie hufig
geschieht, von einer _Ersten Ausgabe_ vor dem Text reden, denn ich
glaube nachgewiesen zu haben, da Drer diese Bltter theilweise zu
verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt --
selbst in den berhmtesten und vollstndigsten Sammlungen -- nicht ein
einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrcke _smmtlich_ von
diesem Ersten Etat wren.

Drer erwhnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur
als groes Buch d.h. mit Text.

Nach Drer's Tode kommen dagegen Folgen von Abdrcken ohne Text, von
smmtlichen Blttern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach
dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel
gebracht wurden.

Die Holzstcke sind bei den ltesten dieser Folgen -- wenngleich in
einzelnen Kleinigkeiten verletzt -- meist noch sehr wohl erhalten, und
man kann manche der oft sehr sorgfltigen Drucke, wenn man nicht das
hier untrgliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht
von den Abdrcken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel
kommen, wie bereits oben erwhnt, sptere Drucke ohne Text vor, die
besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr.
26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der spteren
Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den
brigen zusammen gebliebenen Holzstcken getrennt und in andere Hnde
gekommen sein mu. --

Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es
brigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der
Prioritt der Abdrcke erleichtern. 80 sind auf B. 84 -- der Heimsuchung
-- ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weien Wolke,
zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar,
schon whrend des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei
den spteren Abdrcken immer mehr hervortreten.

Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weie
Fehlstelle, welche zwar auch auf frheren Abdrcken sichtbar, aber nur 3
Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, whrend sie auf den
Abdrcken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe
Linie breit wird.

Eine hnliche weie Stelle ist schon auf den ersten Abdrcken von der
Flucht nach Egypten, B. 89, links ber dem obersten Fruchtbschel des
Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber spter -- besonders nach
unten -- weiter aus.

Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrcken nach dem
Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des
Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist
anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrcken mit Text
vor, auf den spteren Drucken wird dieser Sprung aber immer
augenflliger.

Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schrfe
und Erhaltung der Holzstcke nach, die frheste von denen nach Drer's
Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrcke vor dem Text als
_Ersten_, diejenigen mit Text als _Zweiten_ Etat bezeichnet, als
_Dritter Etat_ erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art
Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die lteren
Papiersorten zu Drer's Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen
Abstand von knapp 11 Linien. Eine groe Zahl dieser Abdrcke findet sich
in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge
von B. 77 bis 95 vollstndig angetroffen.

Der Verleger dieser Abdrcke mu ausser den Holzstcken des Lebens der
Jungfrau noch andere Drer'sche Holzstcke besessen und Abdrcke davon
verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man
bei spteren Abzgen, namentlich von der Anbetung der Knige, B. 3, und
der Verehrung der Maria, B. 101. -- Zu diesem _Dritten Etat_ des Lebens
der Jungfrau sind noch _einzelne_ Abdrcke von fast gleicher Gte zu
rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand
mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes
haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des
ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier
ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.

Eine nur etwas sptere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder
sorgfltig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen
eines groen geschweiften Wappens und einer Krone darber, Nr. 45.

Dieses Papier mit, unbeschnitten, in der Hhe 15 Zoll 4 Linien, in der
Breite 12 Zoll 3 Linien, so da der Papierrand der Abdrcke 2 bis 2-1/2
Zoll betrgt.

Bei dieser Folge ist zu bemerken, da statt der zum Leben der Jungfrau
gehrenden Anbetung der Knige, B. 87, sich darin die Anbetung der
Knige, B. 3, befindet und da am Schlu die Verehrung der Maria, B.
101, angefgt ist.

Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11-3/4 Linien haben,
ist fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die
Abdrcke sind krftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt
man an der Zunahme der kleinen Aussprnge in den Einfassungs-Rndern,
wie an der Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95,
da diese Edition, welche als _Vierter_ Etat zu bezeichnen wre, spter
als die vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrcken von B. 3 und
101 finden sich schon die in den frhesten Abdrcken derselben noch
nicht sichtbaren Sprnge ziemlich bedeutend.

Die Abdrcke dieses _Vierten Etats_ sind brigens weit seltener als
diejenigen des _Dritten Etats_. Auffallend ist bei diesen spteren
Editionen die grere Schrfe und Reinheit der Abdrcke von den im Jahr
1510 geschnittenen Holzstcken gegen alle brigen der Folge. Es
besttigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: da die Abdrcke
der 17 lteren Holzstcke frher verbreitet und daher auch hufiger
abgezogen sind als die von B. 93 und 94.

Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch
Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten
sptere sehr mittelmige oder schlechte Abdrcke, welche neben geringer
Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfra in den Holzstcken
haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dnne Papier
kenntlich sind, welches hufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes
mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. --


Die grosse Passion.

Von der durch Albrecht Drer ebenfalls im Jahr 1511 herausgegebenen
groen Passion mit Text, B. 4 bis 15, auf den pag. 48 und 49 nher
beschriebenen Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 27 und 28, giebt es
frhere Abdrcke ohne Text, welche sich durch Schrfe und Reinheit vor
allen brigen auszeichnen und daher als ein _Erster Etat_ bezeichnet
werden mssen.

Sie sind inde ungleich seltner wie hnliche Abdrcke von dem Leben der
Jungfrau und es scheint: da solche erst nach Vollendung der vier im
Jahre 1510 geschnittenen Bltter, B. Nr. 5, 7, 14 und 15, also kurz vor
der Edition mit Text, abgezogen sind.

Das dazu verwandte Papier hat in der Regel bereinstimmend mit den
wenigen gleichzeitigen Probedrucken der Apocalypse vor dem Text von 1511
das Wasserzeichen des groen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24,
doch trifft man, wie wohl selten, auch einzelne Abdrcke auf Papier mit
dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone.

Bei einigen reinen Abdrcken, welche von den Liebhabern fr Abdrcke
dieses Ersten Etats gehalten werden, findet man Papier mit dem
Wasserzeichen des doppelten A, Nr 39, mit 15-1/2 Linien Entfernung der
Drathstriche, doch habe ich auch entschieden sptere Drucke mit diesem,
sonst schon bei alten Nrnberger Drucken vom Jahr 1502 vorkommenden
Wasserzeichen gefunden, denn namentlich bei der Hllenfahrt, B. 14, war
unter dem Gewande des Christus, am Boden 3-1/2 Zoll von der linken
Einfassungslinie entfernt, die Spur eines feinen Sprunges des Holzstocks
sichtbar, von dem auf den Abdrcken mit Text noch nicht das geringste zu
bemerken ist.

Bei den Abdrcken des Ersten Etats kommen die 11 Bltter, B. 5 bis 15,
gleichmig vor, der Titel aber, B. 4, ist, wenn er sich dabei befindet,
hufig minder schn, sogar bei dem ausgezeichneten Exemplar in der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und demjenigen in der Knigl.
Kupferstichsammlung zu Berlin. Er ist, soweit ich zu bemerken
Gelegenheit gehabt habe, immer auf einem von dem andern abweichenden
Papiere gedruckt, dessen Masse, mit 13-3/4 Linien Abstand der
Drathstriche, von weit geringerer Gte ist.

Es scheint dieses zu beweisen: da auch zu diesem Titel der
vortreffliche Holzstock erst fr den Druck geschnitten wurde.

Da er nach Vollendung des Drucks mit Text sehr bald abhanden gekommen
sein mu, beweist die Seltenheit seiner Abdrcke, und da er bei allen
spter veranstalteten Editionen dieser Passion fehlt.

Von den Abdrcken ohne Text, welche erst nach der Edition vom Jahre 1511
dem _Zweiten Etat_ genommen sind und daher als _Dritter Etat_ bezeichnet
werden mssen, giebt es wenige, denen man die sptere Periode nicht auf
den ersten Blick ansehen knnte.

Die bessern davon sind unstreitig die vorhin bezeichneten Abdrcke mit
dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr. 39, im Papier, fast gleich gute
haben ein verziertes K, Nr. 40, mit 12-1/2 Linien Abstand. Bei den
spteren Abdrcken werden Risse, denen diese groen Holzstcke besonders
ausgesetzt gewesen sind, immer sichtbarer. Solche findet man auf
Papieren mit dem Wasserzeichen eines groen bekrnten Reichsadlers, mit
Entfernung der Drathstriche von 14-1/4 Linien, oder eines verzierten P,
Nr. 48, mit 13-3/4 Linien Abstand, auch einer Schlange, Nr. 47, mit 12
und 12-1/2 Linien Entfernung der Drathstriche.

Sptere Editionen der 11 Holzschnitte ohne Text und mit einem gedruckten
Titel sind veranstaltet: im Jahre 1675 durch Koppmayer in Augsburg,[31]
so wie im Jahre 1680 in Ulm, doch sind die Abdrcke dieser letzten
Ausgabe sehr unrein und schmutzig.


Die kleine Passion.

Von allen Werken unsere Meisters, ist die kleine Holzschnitt-Passion, B.
16 bis 52, bei weitem das verbreitetste. Es kmmt in sehr verschiedenen
Zustnden vor.

Von dem Ersten Etat, vor der Edition mit Text vom Jahre 1511, giebt es
einzelne Abdrcke von einer bewundernswrdigen Schrfe und Reinheit,
welche auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit doppeltem
Strich, Kreuz und Blume, Nr. 20, oder der hohen Krone, Nr. 21, abgezogen
sind. Bei den frhesten dieser Drucke hat auf der Vertreibung aus dem
Paradiese, B. 18, der Rckgrat der Eva 10 kleine Quer-Schraffirungen,
welche spterhin weggeschnitten sind, bei welcher Gelegenheit auch dem
Strich des Rckgrats bei einer geringen Verkrzung ein besserer Schwung
gegeben ist.[32] Diese Aenderung wurde von Drer jedenfalls vor der
Herausgabe mit Text bewerkstelligt, indem die Querstriche auf Abdrcken
mit dem Text niemals vorkommen und es auch Drucke des Ersten Etats
giebt, auf denen diese Correktur bereits eingetreten ist.

Von diesem Ersten Etat vor dem Text giebt es einzelne ganze Folgen,
welche ich auf Papier mit der hohen Krone sowohl als auf solchem mit dem
kleinen Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, angetroffen habe, bei denen
aber immer der Titel, B. 16, fehlt, welcher ohne Text nicht in den
Handel gekommen ist. Dieser eben so tief empfundene als vortrefflich
geschnittene Holzstock, von welchem mir nur _ein einziger Probedruck_ in
dem Musaeo zu Amsterdam bekannt geworden ist, wird daher nur fr die
Ausgabe mit Text gearbeitet und nach Beendigung des Drucks derselben
abhanden gekommen sein, whrend die brigen Holzstcke sich zum grten
Theile bis auf die Gegenwart erhalten haben.

Ein merkwrdiges Exemplar dieses ersten Etats befindet sich in dem
Musaeo zu Amsterdam, wo die 36 Holzstcke zu vier auf einem Papierbogen
gedruckt, noch unzerschnitten erhalten sind. Der Rckgrat der Eva auf B.
18 hat bei diesen Abdrcken noch die Quer-Schraffirungen. Von den 9
Bogen dieses Exemplars haben 2 das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, im Papier, 7 aber dasjenige eines Ankers, Nr. 29, wie er mir sonst
nie vorgekommen ist.

Der Zweite Etat ist die von Drer im Jahre 1511 mit dem Text des
Chelidonius veranstaltete, sehr verbreitete Ausgabe, welche in
Bibliotheken und einzelnen Sammlungen noch ab und an als gebundenes Buch
mit vollem Rande vorkommt.

Sie ist auf sehr festem, schnem Papier, mit dem Wasserzeichen der hohen
Krone, Nr. 21, und einer Entfernung der Drathrippen von 15 Linien
gedruckt und die Bltter haben unbeschnitten eine Hhe von reichlich 7
und eine Breite von 5-1/4 Zoll.

Die vollstndigen Folgen mit dem echten Titel sind brigens
ausserordentlich selten, wie denn von den reichen Wiener Sammlungen
diejenige des Erzherzogs Albrecht allein eine solche besitzt und keine
der Mnchener Drer-Sammlungen einen echten Titel aufweisen kann. Man
findet die Abdrcke in Beziehung auf Klarheit merklich verschieden, je
nachdem die Drucker mehr oder weniger Sorgfalt auf die Schwrzung der
Holzstcke verwendet haben. Heller[33] erwhnt nach Heinecke einer
ersten Ausgabe mit Text, auf deren Titel ber dem Holzschnitt die Worte:

    Figurae Passionis Domini nostri Jesu Christi

und am Ende:

    finit impressum Noribergae 1511

stehen sollen. Ich habe einen solchen Schlu nie zu Gesicht bekommen, er
kann aber nicht echt sein, da bei allen Drer'schen Werken mit
lateinischem Text steht

    impressum Nurnberge

niemals

    impressum _Nori_bergae.

Die obige Ueberschrift, Figurae Passionis etc., findet sich aber auf dem
Titel der ebenfalls von Heller, pag. 605, angefhrten sogenannten
Mommard'schen Copien dieser kleinen Passion, der sehr verbreitet ist und
in vielen Sammlungen den echten Titel vertritt. Seine Ueberschrift
lautet genau:

    Figurae Pas
    sionis domini
    nostri Jesu Christi,

und das Papier hat das Wasserzeichen des Wappens von Augsburg.

Diese, berhaupt nicht seltenen Copien kommen auch als Buch gebunden vor
und werden manchmal selbst in ffentlichen Bibliotheken fr Originale
ausgegeben.

Bei Bartsch haben sich ebenfalls mancherlei Irrthmer und
Verwechselungen bei den Anmerkungen zu diesem Drer'schen Werke
eingeschlichen, auch stimmt die von ihm beobachtete Folge der
Holzschnitte nicht mit dem Inhalte des Textes zu denselben berein,
indem nach diesem auf B. 20 die Bltter 22 und 23, und dann 21 und 24
folgen.

Der Titel der Ausgabe mit Text vom Jahr 1511 ist brigens bei Heller,
pag. 602, wo dieser von der zweiten Ausgabe spricht, richtig angegeben.

Abdrcke eines dritten Etats ohne Text aber spter als der Druck des
Textes sind hufig. Die besseren davon haben ein festes stark geripptes
Papier, mit 14 Linien Abstand der Drathstriche. Es giebt auch
vollstndige Folgen aller 36 Bltter von B. 17 bis 52, auf einem weichen
Papier, welches das Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, hat,
die aber sowohl dieses Papiers wegen, das zuerst 1527 bei Drucken
Drer'scher Werke und bei dem Holzschnitt, B. 137, vorkommt, als auch
wegen Mangel an durchgngiger Schrfe und Reinheit des Drucks, erst nach
Drer's Tode abgezogen sein werden.[34] Andere geringere Abdrcke haben
ein gelbliches sehr weiches Papier, dessen Drathstriche sich schwer
wahrnehmen lassen.

Ueberhaupt ist eine Classification der verschiedenen Abdrucks-Gattungen
dieser spteren Etats viel schwieriger als bei dem Leben der Jungfrau,
da bei diesen kleineren Blttern nur ausnahmsweise Spuren von
Wasserzeichen zu entdecken sind.

Die lange beisammen gebliebenen 36 Holzstcke sind bekanntlich spter
nach Venedig gewandert, wo Daniel Bissuccio im Jahre 1612 davon eine
Ausgabe mit italienischen Gedichten des Mauritio Mero veranstaltete. Der
Titel dieser hchst seltenen Ausgabe[35] ist bei Heller, pag. 604,
richtig angegeben, das auf demselben befindliche Brustbild Drer's ist
eine mittelmige verkleinerte Copie des Portraits von Peter Myriginus,
Heller Nr. 73. Es ist rund, 1-1/2 Zoll im Durchmesser und hat die
Umschrift:

    Imago Alberti Dureri 1553
    Aetatis suae LVI.

Das Buch, dessen auf besonders festen stark gerippten, mit dem
Wasserzeichen des Ankers im Kreise versehenen Papier, gedruckte Bltter
7-1/4 Zoll hoch und 5-1/4 Zoll breit sind, enthlt complet -- nicht wie
Heller anfhrt -- 40 sondern 42 Bltter mit den Custoden A bis L.

Die Holzschnitte folgen wie bei der Ausgabe mit lateinischem Text, doch
kommt der Holzschnitt B. 31, Christus wird vor Pilatus gefhrt, zweimal
vor, das zweitemal zwischen B. 32 und 33.

Die Holzstcke sind bei dieser Italienischen Ausgabe von den Druckern,
in Beziehung auf das Schwrzen, hchst nachlssig behandelt, daher ist
sie sehr ungleich von Druck, jedoch zeigen die Stcke im Allgemeinen
noch eine sehr gute Erhaltung.[36] Der grte Theil derselben ist
spterhin nach England gekommen und befindet sich im British Museum,
wodurch die neueste Ausgabe dieser Passion durch Henry Cole,
London 1844, veranlat ist, bei welcher der Abdruck mit, von den
Originalholzschnitten genommenen galvanoplastischen Abformungen, und
Ergnzung der fehlenden, namentlich des Titels B. 16, gemacht wurde.




Die brigen Holzschnitte Drer's.


Bei den folgenden Bemerkungen ber die einzelnen Holzschnitte unsers
Meisters habe ich, wie bei den Kupferstichen, die von Bartsch
beobachtete Reihenfolge beibehalten, ohne auf die wahrscheinliche oder
durch die Jahrszahlen dargethane Prioritt ihrer Vollendung weitere
Rcksicht zu nehmen.


B. 1. Der Tod Abels 1511.

Dieses Blatt gehrt zu den groen Seltenheiten. Man findet es zwar in
den meisten ffentlichen, doch nur in sehr wenigen Privat-Sammlungen,
besonders in unversehrtem Zustande. Der Druck ist gewhnlich scharf und
schn, das Papier sehr fest mit Drathstrichen in einer Entfernung von 13
auch 13-3/4 Linien. Als Wasserzeichen findet man zwei verbundene Thrme,
Nr. 23.


B. 2. Simson tdtet den Lwen.

Von diesem hufig vorkommenden Holzschnitte sind Abdrcke auf
Papiersorten, welche erweislich von Drer gebraucht wurden,
ausserordentlich selten.

Zu den besseren der spteren gehren diejenigen auf sehr starkem Papier
ohne kenntliche Drathstriche, mit dem Wasserzeichen des Wappens von
Augsburg. Neuere Abdrcke trifft man oft und soll der Holzstock noch
gegenwrtig in Paris vorhanden sein.

In der Kniglichen Kupferstich-Sammlung in Stuttgart befindet sich ein
leider stark beschdigter Probe-Abdruck dieses Holzschnitts von groer
Schrfe, auf welchem das Monogramm Drer's noch nicht eingeschnitten
ist.


B. 3. Die Anbetung der Knige. 1511.

Die ersten Abdrcke dieses schnen Holzschnittes haben Papier mit dem
Wasserzeichen der groen hohen Krone, Nr. 21, oder des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20. Sie sind ausserdem daran kenntlich, da
in der Mitte des das Dach tragenden groen Querbalkens, in den
Kreuzschraffirungen nur eine kleine weie Fehlstelle sichtbar ist,
welche bei den spteren Drucken in einen weien bis an den Rand des
Holzstocks hinauf reichenden Sprung ausgeht.

Diese spteren Drucke kommen auf den bei dem 3. und 4. Etat des Lebens
der Jungfrau bemerkten Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 42 und 45 vor.


B. 53. Das Abendmahl. 1523.

Nicht sehr hufig sind die ersten Drucke mit vier Strichlein in der
Schssel am Boden. Man findet sie auf Papieren mit dem Wasserzeichen der
hohen Krone, Nr. 21, des Ankers im Kreise, Nr. 30, auch des Ochsenkopfes
mit dem Caducaeus, Nr. 31. Die sogenannten zweiten Drucke mit fnf
Strichlein halte ich fr Copien, sie kommen auf Papier mit dem
verzierten ~P~, Nr. 48, vor, die Abdrcke haben hufig Fehlstellen, auch
in der Mitte den Ansatz zu einem Sprunge.


B. 54. Christus im Oelgarten.

Es scheint ein Versuch fr die kleine Passion zu sein, welcher unsern
Meister nicht befriedigt hat und durch den Holzschnitt B. 26 so schn
ersetzt ist. Die hier ausgefhrte Idee, unsern Heiland im Gebet auf dem
Erdboden ausgestreckt so darzustellen, da er wie im Vorgefhl seines
Leidens mit seinem Krper und den ausgebreiteten Armen die Form des
Kreuzes beschreibt, ist spterhin von Drer in einer ausserordentlich
schnen Federzeichnung vom Jahr 1521, welche sich in der Sammlung des
Stdel'schen Instituts in Frankfurt a.M. befindet, auf das glcklichste
zur Lsung gekommen.[37]

Der Holzschnitt ist in ganz scharfen reinen Abdrcken sehr selten,
gewhnlich ist er roh im Druck. Die alten haben ein festes Papier mit
Entfernung der Drathstriche von 13-1/4 Linien.


B. 55. Christus am Kreuz. 1510.

Von diesem durch Einfachheit des Schnitts ausgezeichneten Blatte,
welches, als fliegendes Blatt, auf den alten Abdrcken mit einer
zweizeiligen Ueberschrift und einem Gedicht in acht Abstzen von je zehn
Zeilen versehen ist, giebt es zwei Abdrucks-Gattungen.

Die erste, welche in Ueberschrift und Versen genau mit der Angabe
Hellers, 2. Bd., pag. 613 bis 616, bereinstimmt, hat Papier mit dem
Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21.

Die zweiten Abdrcke haben im Papier das Wasserzeichen der liegenden
Urne, Nr. 25^a, mit 12 bis 12-1/2 Linien Entfernung der Drathstriche.
Sie sind ausserdem daran kenntlich, da in der Ueberschrift statt

    Das sind die syben Tagezeyt
    Darin Christus auff erden leyt

zu lesen ist:

    Das sindt die sieben tage zeit
    Darin Christus auf erde leit.

Auch in den Versen kommen hnliche Abweichungen der Schreibart vor.


B. 56. Christus am Kreuz. 1516.

Die alten nicht hufigen Abdrcke dieses schnen Holzschnitts mit
reicher Randverzierung, von denen man auch einzelne auf Pergament
antrifft, haben auf der Rckseite gedruckt die Titel der Bcher des
alten Testaments von i. Hiob bis xij Malachia[38] und sind auf Papier
mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, und 14 Linien
Entfernung der Drathstriche gedruckt. Die oft vorkommenden neueren
Drucke erkennt man an einem sehr dnnen Papier.


B. 57. Christus am Kreuz, zur Rechten Johannes, welcher die in Ohnmacht
sinkende Jungfrau untersttzt.

Dieses Blatt, von dem es nach Bartsch auch Abdrcke in clair obscur mit
2 Platten giebt, ist so ausserordentlich selten, da ich ber das
Papier, auf welchem solches vorkommt, Auskunft zu geben ausser Stande
bin.


B. 58. Christus am Kreuz, drei Engel fangen das Blut auf.

Die ersten Abdrcke dieses Blattes, ehe der Holzstock durch Ansatz
vergrert wurde, sind von groer Schnheit und Schrfe, aber
ausserordentlich selten, sie haben ein stark geripptes Papier ohne
Wasserzeichen, mit 18 Linien Entfernung der Drathlinien.[39]

Die groen zweiten Drucke pflegen ein sehr starkes Papier zu haben, in
dem man das Wasserzeichen eines fnfstrahligen Sterns ber einer
geschweiften Unterlage, oder einer Lilie in einem gekrnten
Wappenschilde, Nr. 54, letzteres mit einem Abstnde der Drathstriche von
13 Linien wahrnimmt. Zuweilen kommt auch der Reichsadler als
Wasserzeichen vor.


B. 59. Der Calvarienberg.

Man erkennt die ersten Drucke dieser reichen Composition daran, da die
Spitze des Nagels, welcher die rechte Hand des zur Rechten des Erlsers
gekreuzigten Schchers durchbohrt, um etwa zwei Linien durch das Kreuz
hindurchgeht. Diese kommen mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise auch
auf einem festen Papier mit ungleich theils 12 theils 14-1/4 Linien
abstehenden Drathstrichen vor, dessen Wasserzeichen zwei verbundene
Thrme darstellt.


B. 96. Die heilige Familie. 1511.

Hufig sind die Abdrcke dieses Holzschnittes besonders scharf und
schn, wie berhaupt die in den Jahren 1510 und 1511 geschnittenen
Holzstcke unsers Meisters sich durch Klarheit und Schrfe auszeichnen.

Das Papier der besten Drucke hat das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20.


B. 97. Die heilige Familie mit dem Zitter spielenden Engel. 1511.

Dieses in alten Drucken schne und klare Blatt, hat dann Papier mit dem
Wasserzeichen der groen hohen Krone, Nr. 21, des Ochsenkopfes mit
Doppelstrich, Nr. 20, des Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, oder des
stehenden Hundes, Nr. 35. Die spteren Drucke sind oft in der Mitte
etwas unrein und an dem Wasserzeichen des doppelten Reichsadlers
kenntlich.


B. 98. Die Jungfrau auf der Rasenbank. 1526.

Als anerkannt von Albrecht Drer selbst geschnitten und eine der letzten
seiner Arbeiten, hat dieser ausserordentlich seltene Holzschnitt ein
doppeltes Interesse. Das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von
15 Linien und zuweilen das Wasserzeichen eines fnfstrahligen Sterns
ber einem Oval, Nr. 34.

Das Meisterliche und doch Milde, welches in Drer's, nach seiner
Niederlndischen Reise, gearbeiteten Kupferstichen vorherrscht, ist auch
in diesem Holzschnitt unverkennbar.


B. 99. Die heilige Familie mit vier Engeln.

Bartsch fhrt irrthmlich nur 3 Engel an. Der Schnitt ist etwas roh, und
wahrscheinlich deswegen hat Heller dieses Blatt unter die Zweifelhaften
unsers Meisters gesetzt. Ich glaube, da dasselbe entschieden von Drer
herrhrt, die Gleichzeitigkeit mit ihm beweisen die alten schnen
Abdrcke, welche Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und einen
Abstand der Drathstriche von 15-1/2 Linien haben. Auch ist dieses Blatt
von Marc Anton mit dem Monogramm Drer's nachgestochen, woraus
hervorgeht, da es zu den ltesten Holzschnitten unsres Meisters vor
1506 gehrt.


B. 100. Die heilige Familie in einem gewlbten Zimmer.

Selten findet man von diesem Holzschnitt erste, ganz fehlerfreie
Abdrcke auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise oder auf
festem Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Die spteren,
an einer weien Fehlstelle kenntlich, welche sich an der linken Seite
oben neben der ber dem Bogen liegenden Figur befindet, kommen
gewhnlich mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers und 11 Linien
Entfernung zwischen den Drathrippen vor.


B. 101. Die Jungfrau mit dem Apfel in der Hand, von vielen Engeln
verehrt. 1518.

Es ist dieses einer der verbreitetsten Holzschnitte unsers Meisters,
dessen Platte aber sehr bald Sprnge bekommen hat, daher die alten
vollkommen reinen Abdrcke selten sind. Bei diesen findet man das feste
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr.
31, und einem Abstand der Drathrippen von 12-1/2 Linien, welches frher
nicht vorkommt, spter aber bei den Drer'schen Holzschnitten mehrfache
Anwendung gefunden hat.

Die spteren Abdrcke haben das Wasserzeichen Nr. 44, andre diejenigen
des 3. und 4. Etats des Lebens der Jungfrau, Nr. 42 und 45, auch des
Reichsadlers, sind aber durch immer zahlreichere und grer werdende
Sprnge entstellt.


B. 102. Die Jungfrau mit den Caninchen.

Dieses Blatt ist an sich nicht selten, doch in alten Abdrcken nicht
hufig. Diese sind sehr schn und haben in dem Papier von feiner Masse
das Wasserzeichen des groen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24.


B. 103. Der heilige Christoph. 1511.

Bei alten Abdrcken dieses schnen Holzschnittes trifft man das
Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, sptere Abdrcke, welche bis
auf kleine Aussprnge im Einfassungsrande oben, rein und fehlerfrei
sind, haben ein weies Papier mit etwas unregelmig 11 Linien
entfernten Drathstrichen.


B. 104. Der heilige Christoph mit den Vgeln.

Die lteren Abdrcke dieses nie sehr scharfen Holzschnittes findet man
mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise, des Ochsenkopfes mit dem
Schlangenstabe, oder auf einem Papiere, welches fest, aber nicht von
feiner Masse ist und dessen Drathstriche eine Entfernung von 13 Linien
haben. Vasari erwhnt dieses auch von Marc Anton mit dem Monogramm
Drer's nachgestochenen Blattes.


B. 105. Der heilige Christoph. 1525.

Dieser Holzschnitt von sehr hoher und schmaler Form, einer der wenigen,
welche nach Drer's Reise in den Niederlanden gearbeitet sind, ist nicht
hufig, besonders selten aber findet man die ersten Abdrcke, bei denen
die Fe im Wasser noch nicht durch den Ansatz eines 2 Zoll hohen
Holzstocks von minder geschickter Hand hinzugefgt sind.

Die guten Abdrcke in ganzer Gre haben ein sehr starkes Papier mit
Entfernung von reichlich 12-1/2 Linien zwischen den Drathstrichen, auch
wohl das Wappen der Stadt Nrnberg, Nr. 41, als Wasserzeichen. Bei
spteren Drucken findet man auch die Wasserzeichen einer Lilie mit Krone
oder des Augsburger Wappen im geschweiften Schilde, Nr. 50.


B. 106. Der heilige Colomann.

Die alten Abdrcke von diesem, bis auf unsre Zeiten wohlerhaltenen, in
Wien befindlichen Holzstock trifft man sehr selten, die neueren erkennt
man, wenn auch wie gewhnlich die gedruckte Unterschrift weggeschnitten
ist, an den Aussprngen in dem Einfassungsrande sowohl oben rechts als
unten, auch an einem rauhen brigens festen Papier mit Drathrippen,
welche durchschnittlich 12 Linien von einander abstehen.


B. 107. Die Heiligen Paulus und Antonius.

Der Gegenstand dieses Blattes ist bisher irrthmlich als der heilige
Elias bezeichnet. Die alten Abdrcke davon zeichnen sich von den neueren
besonders durch Schrfe und Reinheit aus, man findet sie auf Papier mit
dem Wasserzeichen der Wage im Kreise und einem Stern darber, Nr. 30.

Drer hatte brigens die Composition dieses Blattes ursprnglich anders
erdacht, wie ein erhaltener sehr geistreicher Entwurf desselben mit der
Feder von der Gegenseite beweist, welcher sich gegenwrtig in der
Sammlung des Verfassers befindet. --

Dieser Entwurf ist bei etwa gleicher Hhe des Holzschnitts, statt 5 Zoll
4 Linien 8 Zoll 3 Linien breit, und daher die ganze Darstellung nicht so
zusammen gedrngt.

Der heilige Antonius ist knieend mit gegen einander gelegten Hnden und
gen Himmel gewandtem Gesicht inbrnstig betend gezeichnet, sein
Kreuzesstab mit der Glocke liegt neben ihm am Boden. Er hat nicht, wie
im Holzschnitt, die Kutte ber den Hinterkopf gezogen, sein Mantel und
Hut liegen auf einem Steinsockel hinter ihm. Im Wesentlichen ist sonst
der Entwurf mit dem Holzschnitt bereinstimmend, nur zeigt ein Vergleich
mit diesem auf das schlagendste, wie viel von dem Leben und Geiste,
welches unser Meister in seine Federskizzen zu legen wute, durch den
Formschnitt verloren gegangen ist, sobald derselbe, wie hier, nicht von
ihm selbst herrhrt.

Unten am Rande steht von einer alten Hand, dem Anschein nach aus Drer's
Zeit geschrieben:

    Dz ist die erste Fiirung
    als saines gedanke gewest.


B. 108. Die Heiligen Stephanus, Gregorius und Laurentius.

Die schnen alten Abdrcke haben das Wasserzeichen der Wage oder des
Ankers im Kreise, auch wohl ein festes Papier ohne Wasserzeichen, dessen
Drathstriche 15 Linien von einander abstehen. Vasari bezeichnet den
Gegenstand S. Sisto Papa, S. Stephano e S. Lorenzo.


B. 109. Der heilige Stephanus in der Mitte zweier Bischfe.

Dieser seltene Holzschnitt ist von Heller, pag. 830, Nr. 2233, gewi mit
Recht unter die dem Drer irrig zugeschriebenen Bltter gesetzt. Man hat
Abdrcke davon ohne die von Heller angefhrten Monogramme, welche inde
noch nicht -- wie dieser berichtet -- Spuren des Wurmfraes zeigen.

Das Wasserzeichen des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15, in ihrem
Papiere deutet inde auf den Abdruck derselben erst nach Drer's Tode.
--


B. 110. Der heilige Franciscus, welcher die Wundenmale empfngt.

Die alten Abdrcke haben ein festes Papier von feiner Masse, dessen
Drathstriche 14 Linien entfernt sind.


B. 111. Der heilige Georg, der den Drachen tdtet.

Von diesem nicht hufigen Blatte erkennt man die ltesten Abdrcke
daran, da der Einfassungsrand ohne allen Aussprung ist, whrend man bei
sptern, jedoch noch schnen Abdrcken, kleine Fehlstellen desselben,
sowohl unten als oben wahrnimmt, auch sind kleine Spuren von
Beschdigungen zu beiden Seiten des auf dem Boden liegenden Schdels
sichtbar. Die Papiere der alten Drucke haben das Wasserzeichen der Wage
im Kreise, Nr. 22, auch des Reichsapfels mit Stern.


B. 112. Die Heiligen Johannes und Hieronymus.

Die alten Abdrcke dieses nach der auf dem Nachstiche des Marc Anton
befindlichen Bezeichnung, 1506. A. 1[40], vor der Reise nach Venedig
gearbeiteten Holzschnitts sind sehr scharf und rein, auf Papier mit dem
Wasserzeichen der Wage im Kreise, auch wohl auf einem sehr festen
Papiere, dessen Drathstriche aber nicht wohl zu erkennen sind.


B. 113. Der heilige Hieronymus in einer Felsengrotte. 1512.

Dieses Blatt findet man eben so hufig als verschieden in seinen
Zustnden.

Der gewi jedem Kunstfreunde unvergeliche Director des Knigl.
Kupferstich-Cabinets in Berlin, Dr. Schorn, bezeichnete im Kunstblatt
vom Jahre 1830, pag. 100, als Merkmal des Original-Holzschnitts, ohne
Jahrszahl: da zwischen dem lngsten der vom Gebirge herabhngenden
Grashalme (richtiger Strauchwerk) und dem Umri des Gebirges noch ein
ziemlicher Zwischenraum stattfinde, whrend sonst dieser Halm bis auf
das Gebirge herabreicht. --

Ausser dem Abdruck, mit dieser bezeichneten Verschiedenheit, in Berlin
habe ich hnliche nur in der Kniglichen Sammlung zu Copenhagen, der
Privatsammlung des Knigs von Sachsen in Dresden, dem Drer-Werke der
Ambraser-Sammlung in Wien und einmal im Kunsthandel angetroffen, whrend
bei den sehr zahlreichen brigen Abdrcken des keinesweges seltenen
Blattes, der lngste Zweig des herabhngenden Strauchwerks immer den
Umri des Gebirges berhrt. --

Das brige der beiden Abdrucks-Gattungen ist einander sehr hnlich, doch
zeigt eine Vergleichung: da sie von zwei verschiedenen Holzstcken
herrhren, welche inde einander nicht so sehr in Gte nachstehen, da
man den einen fr eine Copie des anderen halten knnte. Ich zweifle
daher nicht, da es -- wie bei Drer mehrfach vorkommt -- ein
zweiter Schnitt nach derselben Zeichnung ist. Bei dem Abdruck der
Ambraser-Sammlung scheint das Monogramm erst spter aufgedruckt.

Der erste Schnitt ist auch als fliegendes Blatt gebraucht, und bei dem
Abdruck in Dresden findet sich noch die Schrift rund umher vollstndig
erhalten.

Die Ueberschrift in groen semi-gothischen Buchstaben lautet

    Sanctus Hieronymus Strydenensis Theologus.

Am linken Rande des Blattes ist lateinischer Text; der deutsche am
rechten Rande fngt an:

    Anno 370, etlich setzen anno 400, leuchtet der vilkindig
    frbndig gelerte man Hieronymus u.s.w.

unten steht:

    Gedruckt zu Nrnberg durch Hans Glaser Brieffmahler hinter Sanct
    Lorenzen auff dem Platz.

Die frheren oftmals sehr schnen scharfen Abdrcke der zweiten Gattung,
welche zuweilen auf Pergament vorkommen, haben im Papier das
Wasserzeichen der Wage im Kreise mit einem Stern darber, Nr. 22^a.

Man findet diesen Holzschnitt sowohl ohne als mit der Jahrszahl und bei
einzelnen der letzteren trifft man den von Heller, pag. 670, angegebenen
Bchertitel auf der Rckseite gedruckt.

Ich glaube brigens, da Heller sich irrt, wenn er die Abdrcke mit der
Jahrszahl fr die ltern hlt. Die schnsten Drucke, auch auf den besten
Papieren, mit 13-1/4 Linien Zwischenraum der Drathstriche, habe ich ohne
die Jahrszahl gesehen, zwar auch recht reine und scharfe mit derselben,
doch hatten die stumpfesten, welche mir auf den spteren Papieren
vorgekommen sind, die Jahrszahl.


B. 114. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1511.

Ein schner und sehr beliebter Holzschnitt, von dem die ersten Abdrcke
im Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr.
20, haben. Andere vortreffliche Abdrcke trifft man auf einem sehr
festen Papier mit 12 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 115. Der heilige Hieronymus knieend in einer Landschaft.

Dieses, auch der kleine Hieronymus genannte Blttchen, ist einer der
seltensten Holzschnitte des Drer'schen Werkes, es ist rund und sehr
klar von Schnitt. -- Das Original -- es existirt davon eine neue sehr
tuschende Copie von Kappes -- hat ein festes Papier mit 12 Linien
Entfernung der Drathstriche.


B. 116. Die acht Schutzheiligen von Oesterreich.

Anfangs hatte Drer nur sechs Heilige dargestellt und die Abdrcke
dieses Holzstocks auf Papier mit der hohen Krone sind eben so
ausgezeichnet durch ihre Schrfe als selten. Im Jahre 1517 waren inde
die beiden letzten Heiligen zur rechten Seite, S^t. Poppo und S^t. Otto,
bereits hinzugefgt und man findet die alten reinen Abdrcke dieser acht
Heiligen mit einem lateinischen Gedichte des Johann Stabius, welches die
Ueberschrift hat:

    Ad sanctos Austriae Patronos Joann Stabii AVPrecatio.

Das Gedicht ist in drei Columnen gedruckt, zu zweimal 16 und einmal 14
Reihen, unter den letztern steht die Jahrszahl MDXVII.[41]

Die spteren Abdrcke sind fast immer schon mehr oder minder stumpf. Der
Holzstock ist noch vorhanden und Abdrcke davon befinden sich in der von
Derschau'schen Sammlung.


B. 117. Die Marter der 10,000 Heiligen.

Die ltesten Drucke haben das Wasserzeichen des groen Reichsapfels mit
Strich und Stern, Nr. 24, die spteren sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, oder des Wappens von Augsburg und
einem A darunter, Nr. 50.


B. 118. Drei stehende Bischfe.

Das Papier der alten Drucke hat als Wasserzeichen den Ochsenkopf mit dem
Caducaeus. Die neueren hufigen Abdrcke sind stumpf und daran
kenntlich, da der Einfassungsrand oben in der Mitte eine ausgesprungene
Stelle hat.


B. 119. Ein sich kasteiender Heiliger. 1510.

Man hat schne Abdrcke davon auf Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 44
und 13 Linien Entfernung der Drathstriche.


B. 120. Die Marter der heiligen Catharina.

Die alten klaren und scharfen Abdrcke, dieses im Allgemeinen nicht
seltenen Blattes, findet man sehr sparsam; sie haben das Papier von
feiner Masse mit dem Wasserzeichen des groen Reichsapfels mit Stern,
Nr. 24, und einen Abstand der Drathstriche von 14 Linien.

In den spteren Abdrcken bemerkt man unten rechts die Spuren eines
Sprunges, oben links kleine vom Wurmfra herrhrende Fehlstellen. Ihr
Papier von geringer Gte hat das auch bei spteren Abdrcken der groen
Passion vorkommende Wasserzeichen einer Schlange, Nr. 47.


B. 121. Die Himmelfahrt der heiligen Magdalene.

Es ist auch in den besten Abdrcken ein etwas roher Holzschnitt. Die
alten Abdrcke haben als Wasserzeichen die groe hohe Krone oder die
Wage im Kreise, Nr. 22^a.


B. 122. Die Dreifaltigkeit. 1511.

Wie auch Heller bemerkt, findet man diesen sehr beliebten groen
Holzschnitt nicht hufig in vollkommen reinen Abdrcken. Die ersten
haben das Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl das der Hand mit
Blume, Nr. 26. Der Holzstock scheint spterhin gleichzeitig mit denen
der groen Passion abgezogen zu sein, wenigstens trifft man gute
Abdrcke auf demselben Papier mit dem Wasserzeichen eines verzierten K,
Nr. 40, welches bei den bessern Abdrcken des dritten Etats der groen
Passion bemerkt ist. Bei spteren Abzgen kommt auch das Wappen von
Augsburg vor, diese haben einen Sprung in der Mitte, welcher bis auf das
Monogramm-Tfelchen hinunter geht.


B. 123. Das Messopfer des heiligen Gregorius. 1511.

Dieses, auch von Vasari gerhmte schne Blatt hat in alten Abdrcken das
Wasserzeichen der groen hohen Krone oder des Reichsapfels mit Stern.
Gute Abdrcke findet man auch auf einem festen Papier mit einem nicht
wohl kenntlichen Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13-1/4 Linien
Entfernung haben.


B. 124. Das jngste Gericht.

Dieser von Bartsch unter die Arbeiten Drer's aufgenommene Holzschnitt
ist von Heller wohl mit Recht als Nr. 77 unter die zweifelhaften Bltter
versetzt.

Das Zeichen Drer's, von ungewhnlicher Form, welches die zweiten Drucke
haben, ist sichtlich mit einem Stempel aufgedruckt.

Das Papier solcher Abdrcke hat das Wasserzeichen des Reichsadlers.


B. 125. Die Enthauptung des Johannes. 1510.

Die ersten scharfen und reinen Drucke auf Papier mit dem Wasserzeichen
der hohen Krone sind selten, sonst ist das Blatt sehr verbreitet. Bei
den spteren Abdrcken kommen Fehlstellen vom Wurmfra oft bis zur
Entstellung vor.


B. 126. Herodias empfngt das Haupt des Johannes. 1511.

Auch von diesem Blatte sind die alten reinen Abdrcke nicht hufig, sie
haben ebenfalls Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl
ein besonders festes Papier mit 14-1/4 Linien Abstand der Drathstriche.

Beide Holzschnitte werden von Vasari besonders hervorgehoben.


B. 127. Ercules.

Dieser groe Holzschnitt hat in den ersten Drucken das Papier mit dem
groen Reichsapfel, Strich und Stern darber, Nr. 24.

Bei spteren jedoch noch guten Abzgen findet man das Wappen von
Augsburg mit einem A, Nr. 50.


B. 128. Das Bad.

Auch von diesem Holzschnitt haben die seltenen scharfen frhesten
Abdrcke das Wasserzeichen des groen Reichsapfels, mit Strich und Stern
im Papier, ein Wasserzeichen, welches man bei den groen Drer'schen
Holzschnitten, deren Datum nicht ber das Jahr 1511 hinausgeht, in
ersten Drucken allgemein antrifft.

Ich bin aus diesem Grunde, wie aus anderen in der Behandlung des
Holzschnitts liegenden Ursachen, der Ansicht: da derselbe zu den
frheren Arbeiten Drer's gehrt, welches auch Heller annimmt und worin
ich durch eine in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen befindliche
Drer'sche Zeichnung bestrkt werde, welche ein Frauenbad mit Kindern
darstellt, in Styl und Behandlung groe Uebereinstimmung mit diesem
Holzschnitt hat und die Jahrszahl 1496 trgt. Sptere gute Abdrcke
findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des K, Nr. 40, die neueren
mit dem Zeichen des Wappens von Augsburg, Nr. 49.

Von diesem Blatte giebt es eine alte bisher ganz unbekannte
Wiederholung, wovon der einzige mir zu Gesicht gekommene Abdruck von
meinem verehrten Freunde, dem Herrn Dr. Straeter in Aachen, in London
aufgefunden und mir berlassen wurde.[42] Sie hat kein Monogramm und ist
berhaupt keine genaue Copie, scheint vielmehr nach derselben
Drer'schen Zeichnung von einem andern Formschneider gearbeitet zu sein.
Der Schnitt ist sehr scharf, und es wre nicht unmglich, da dies der
erste Schnitt nach der Zeichnung wre, welcher unsern Meister vielleicht
nicht befriedigt und deshalb den andern Holzschnitt veranlat htte.

Da der fragliche Abdruck schon bei Lebzeiten Drer's und zwar
anscheinend vor 1515 genommen ist, beweist dessen Papier mit dem
Wasserzeichen der groen hohen Krone, Nr. 21, welches bei den ltern
Holzschnitten dieser Periode, aber nicht spter, vorkommt.


B. 129. Die Sule. 1517.

Herr Dr. Nagler hat auf pag. 203 seiner Monogrammisten eine Nachweisung
der in Deutschland vorhandenen vollstndigen Exemplare dieses schnen
_in allen 4 Blttern von gleichem alten Druck_ hchst seltenen
Kunstwerks gegeben. Ausser den angefhrten ist noch ein vollstndiger
Abdruck in der Privat-Sammlung des verstorbenen Knigs von Sachsen und
in der Sammlung des Museums zu Braunschweig auch einer, dem inde ein
Blatt der Mittelstcke fehlt, auf der Festung zu Coburg. --

Bei den alten Drucken, welche nicht aufgelegt waren, habe ich im Papier
das Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, gefunden, bei dem
dritten Blatte von oben hat das Exemplar in Braunschweig einen sehr
sichtbaren Sprung des Holzstocks, daher die Abdrcke, auch der
Mittelstcke, aus verschiedenen Perioden herrhren werden. Einen Beweis
hiervon liefert noch der Abdruck in dem Kniglichen Kupferstich-Cabinet
zu Mnchen, unter welchem mit beweglichen Lettern gedruckt steht:

    Gedrckt durch Hans Guldenmund brieffmaler zu Nrnberg.

Dieses Exemplar ist daher entschieden erst nach Drer's Tode abgezogen,
das Papier desselben hat auch das sptere Wasserzeichen einer Lilie mit
15 Linien Entfernung der Drathstriche. Die oberen und unteren Bltter
dieses Werkes sind weniger selten und man findet sie zu sehr
verschiedenen Zeiten abgedruckt. Ich habe bei den sptem Abdrcken
derselben in den Papieren das Wasserzeichen der Schlange, Nr.
47, ein Rmisches R in einem geschweiften Schilde, das Wappen von
Schrobenhausen, Nr. 15, den Reichsadler und das Wappen von Augsburg
gefunden.


B. 130. Die Philosophie.

Dieses seltene Blatt hat Heller unter die zweifelhaften unsers Meisters
versetzt. Es weicht freilich in der Behandlung, obgleich mit dem
Monogramm versehen, von den brigen Holzschnitten Drer's ab, dagegen
hat es Aehnlichkeit mit den Holzschnitten zu den Comdien der Rhoswita,
welche von vielen Kennern, namentlich auch von C.F. v. Rumohr,[43] dem
Drer-Werke zugezhlt werden.

Man hat alte Abdrcke auf Papier mit dem Wasserzeichen der groen hohen
Krone, Nr. 21, auf deren Rckseite eine lateinische Dedication gedruckt
ist, welche folgende Ueberschrift hat:

    DN. IMP: MAXIMILIANO AVGVSTO.
    CONRADVS. PEVTINGER. AVGVSTANVS.
    FOELICITATEM.


B. 131. Der Mann zu Pferde.

Die alten schnen Abdrcke dieses groen Holzschnittes haben das Papier
mit dem Wasserzeichen des groen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr.
24. Bei den guten sptern findet man das Wappen von Augsburg, Nr. 50, in
einem stark gerippten Papier mit Entfernung der Drathstriche von 14-1/4
Linien, auch wohl ein feines Papier mit gleicher Entfernung der
Drathlinien und dem Wasserzeichen eines langen Wappenschildes, Nr. 44.


B. 132. Der Tod und der Soldat. 1510.

Dieser als fliegendes Blatt herausgegebene Holzschnitt gehrt zu den
seltenen. Man hat davon zweierlei Abdrcke, die ersten mit der
Ueberschrift und dem Gedicht, wie Heller solche pag. 686 bis 688
angiebt; haben im Papier das Wasserzeichen des kleineren Reichsapfels
mit Strich und Stern, Nr. 24^a, und 13-3/4 Linien Abstand zwischen den
Drathstrichen.

Die zweiten Abdrcke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen der Urne, Nr.
25, und unterscheiden sich durch eine abweichende Schreibart sowohl bei
der Ueberschrift als bei dem Gedicht.

Die erstere heit:

    Kein ding hilfft fr den zeitlichen Todt
    Darumb dienent Gott fr und spott.


B. 133. Der Schulmeister. 1510.

Noch seltner als der vorhergehende ist dieser schne wohl ohne Zweifel
von Drer eigenhndig geschnittene und ebenfalls als fliegendes Blatt
herausgegebene Holzschnitt. Die Ueberschrift ist brigens von Heller,
pag. 684, nicht ganz richtig angegeben, die zweite Zeile heit:

    Der pit got trum hye auff erden.

Die ersten Drcke haben Papier mit dem Ochsenkopf, Kreuz und Blume
darber, Nr. 20, und 13-3/4 bis 14 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 134. Das Urtheil des Paris.

Der kleine runde und auerordentlich seltne, wenn auch nicht sehr schne
Holzschnitt, ist mir nie in einem solchen Zustande vorgekommen, da ich
ber die Beschaffenheit des Papiers desselben nhere Kennzeichen
anzugeben im Stande wre. --


B. 135. Die Umarmung.

Nicht weniger selten ist dieses dem vorigen an Gre gleiche Blttchen,
das Papier ist dasselbe, auf welchem der kleine Hieronymus, B. 115,
vorkommt.


B. 136. Das Rhinoceros. 1515.

Die vortreffliche Original-Federzeichnung zu diesem schnen Holzschnitt,
mit einer drei- und dreiviertelzeiligen Unterschrift, von Drer's Hand,
befindet sich bekanntlich im Print-room des British Museum.

Von dem Holzschnitt giebt es nach den bisherigen Annahmen drei
Editionen, ich kenne inde davon neun verschiedene Abdrucks-Gattungen,
welche entweder in der Ueberschrift mit beweglichen Lettern oder in der
Beschaffenheit des Holzstocks, auch in den Papieren der Abdrcke zum
Theil sehr wesentlich von einander abweichen.

1) Nach meinen Wahrnehmungen haben die ersten durch Reinheit und Schrfe
von allen brigen ausgezeichneten Abdrcke eine Ueberschrift von 5
vollen Zeilen. An dem Holzstock ist, bis auf einen ganz kleinen
Aussprung des Einfassungsstriches links, 8 Linien von oben, keine
Beschdigung wahrzunehmen.

Diese Abdrcke kommen regelmig auf dem bei Drer's Lebzeiten
gebruchlichen festen Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im
Kreise, Nr. 30, vor, welches eine Entfernung der Drathstriche von 13-3/4
Linien hat.

Die Ueberschrift fngt an:

    Nach Christus gepurt 1513 -- --

und endet:

    Der Rhynocerus Schnell, frydig vnd Listig sey.

Es ist dieses die von Bartsch und Heller als die zweite bezeichnete
Edition, da sie aber die frhere ist, geht, ausser der vollkommenen
Schrfe und Fehlerlosigkeit des Abdrucks, auch aus der offenbar lteren
Schreibart der Ueberschrift hervor, indem bei dieser unter andern steht:

_Kunig_, statt bei der von Heller angefhrten ersten, _Knig_, _fast
fest_ statt _sehr_ fest _nydertrechtiger von paynen_ statt _niderichter
von baynen_, u.s.w.

Die von Bartsch erwhnte erste Edition mit 5-1/2 zeiliger Ueberschrift,
welche anfngt

    Nach Christus _Gepurt_ 1513 u.s.w.

findet sich nirgends und ich glaube annehmen zu drfen, da Bartsch die
von Heller genauer bezeichnete Abdrucks-Gattung mit 5-1/2zeiliger
Ueberschrift gemeint und den Unterschied in der Schreibart von nach
Christus gepurt gegen nach Christi Geburt nicht beachtet hat.

2) Die von Heller, pag. 692, als erste beschriebene Ausgabe. Sie hat
eine Ueberschrift von 5-1/2 Zeilen, welche anfngt:

    Nach Christi geburt etc. und endet Der Rhynocerus Schnell,
    frydig und Listig sey.

3) Ein Abdruck, ebenfalls mit 5-1/2zeiliger Ueberschrift, welche
anfngt:

    Nach Christi geburt etc. und endet Der Rhinocerus Schnell,
    frydig und _auch_ Listig sey.

4) Ein Abdruck mit 5-3/4zeiliger Ueberschrift, der vorigen gleich, nur
da das Ende derselben heit:

    Schnell _fraidig_ und auch Listig sey.

5) Ein Abdruck mit 5-3/4zeiliger Ueberschrift, welche anfngt:

    Nach _Choistie_ geburt und endet Der Rhinocerus Schnell fraitig
    und auch _Lustig_ sey.

Es ist dieses derjenige Abdruck, welchen der verstorbene Schorn im
Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 104, als vielleicht Ersten bezeichnet,
indem derselbe irrthmlich angab: da solcher 5 Zeilen Ueberschrift
habe, wovon jedoch die letzte nicht ganz vollstndig sei, auch es
bersehen hatte, da nicht _Christie_ geburt sondern _Choistie_ geburt
zu lesen ist.[44]

6) Ein Abdruck ohne alle Ueberschrift.

7) Die von Hendrick Hondius veranstaltete Ausgabe, mit einer
Hollndischen Ueberschrift von 6-1/2 Zeilen und seiner Adresse darunter.

8) Die Abdrcke in Clair Obscur mit farbigen Tonplatten.

9) Sptere Abdrcke ohne Ueberschrift.

Die Editionen 2 bis 5 haben bereits smmtlich theils mehr theils
weniger die Spur eines Anfangs ganz feinen Sprunges des Holzstocks,
welcher an der linken Seite in einer Hhe von 27 Linien vom untern
Einfassungsstriche die Haare des Schweifes durchschneidet und bis in den
rechten Hinterschenkel hinein luft.

Ausser dem bei der Abdrucksgattung 1 bemerkten kleinen Aussprunge der
linken Einfassungslinie, ist hier auch ein kleiner Aussprung derselben
in der Hhe von 18 Linien vom untern Rande.

Die mit 3 bezeichneten Abdrcke haben das Wasserzeichen Nr. 42 oder bei
einem weichen Papiere das ebenfalls sptere Wasserzeichen Nr. 44. Die
unter Nr. 5 aufgefhrten ein Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 57 und
13-3/4 Linien Entfernung der Drathstriche. Zwischen den Abdrcken 2 bis
5 ist der Unterschied der Schrfe und Erhaltung der Platte nicht sehr
bedeutend und sie scheinen in einem nicht sehr langen Zeitrume nach
einander veranstaltet zu sein. Desto hervorstechender ist aber dieser
Unterschied bei den Nrn. 6 bis 9.

Bei Nr. 6 auf einem festen Papier mit 11 Linien Entfernung der
Drathstriche, geht der vorher bezeichnete Sprung der Holzplatte sehr
sichtbar durch beide Hinterbeine. Der Einfassungsstrich ist bis auf
einen neuen sichtbaren Aussprung rechts oben noch wohl erhalten.

Nr. 7 ist auf Hollndischem Papier mit der groen Schellenkappe und
11-3/4 Linien Abstand der Drathstriche. Der Sprung ist durch alle vier
Beine sichtbar und der Einfassungsstrich hat eine grere Fehlstelle von
6 Linien Breite an der linken Seite, 22 Linien von oben. Hieran sind
diese in der ersten Hlfte des 17. Jahrhunderts veranstalteten Abdrcke
zu erkennen, auch wenn, wie hufig, die Schrift abgeschnitten ist.

Bartsch hat sich[45] in seinem groen Eifer darzuthun: da Albrecht
Drer nicht selbst in Holz geschnitten habe, durch die Unterschrift
dieser Hollndischen Edition verleiten lassen, es fr wahrscheinlich zu
halten: da Hondius die Platte dieses Rhinoceros geschnitten habe, eine
Vermuthung, welche bei einem so einsichtsvollen Kenner um so mehr
auffallen mu, als Hendrick Hondius bekanntlich ber hundert Jahre
spter als Drer lebte und arbeitete.

Die Abdrcke mit farbigen Tonplatten, Nr. 8, -- welche sowohl in grner
als brauner Farbe vorkommen und, als groe von unserm Meister selbst
herrhrende Seltenheiten, von den Liebhabern sehr gesucht und theuer
bezahlt werden, sind erweislich erst spter als die Ausgabe durch
Hondius veranstaltet; denn der Sprung in dem Holzstock geht -- wenn er
nicht, wie manchmal, knstlich ausgebessert ist -- durch alle vier Beine
und auch durch die Schnauze des Thiers. Der Einfassungsstrich hat
grere Unterbrechungen, namentlich oben, und fehlt an der rechten
untern Ecke ganz, in der Breite von 12 und in der Hhe von 14 Linien;
das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von knapp 11 Linien.
Diese Clair Obscurs sind ohne Zweifel von dem Willem Janssen in
Amsterdam gedruckt, welcher ganz gleiche Abdrcke von Drer's Portrait
des Ulrich Varnbhler, B. 155, und von mehreren Holzschnitten des
Heinrich Goltzius veranstaltet hat.[46]

Die schwarzen Abdrcke, Nr. 9, haben dieselben bei der vorstehenden
Gattung bemerkten Fehlstellen des Holzstocks, aber ausserdem die Spuren
kleiner Wurmlcher an dem untern Schilde des Halses und eines greren
am linken Vorderbeine, ihr Papier hat einen Abstand der Drathstriche von
nur 10-1/2 Linien.

Ob brigens die von mir bei den Abdrucks-Gattungen 2 bis 5 angenommene
Prioritt die vllig richtige ist, mu ich dahin gestellt sein lassen;
da es mir nicht mglich gewesen ist, Abdrcke dieser vier Gattungen zu
genauer Vergleichung neben einander zu haben. Die von mir beobachtete
Reihenfolge ist wesentlich auf den Abweichungen der Schreibart in den
Ueberschriften begrndet und es ist daher immerhin mglich, da ein von
mir spter bemerkter Abdruck frher als ein vor ihm stehender genommen
ist. Die kleinen Beschdigungen durch den Sprung des Holzstocks sind
ausserdem nicht bei allen Abdrcken derselben Gattung ganz gleich, so
liegt mir von der hufiger vorkommenden Nr. 5, bei welcher man diesen
Sprung in der Regel besonders bemerkt, ein Abdruck vor, auf dem derselbe
kaum wahrzunehmen ist, wogegen sich in der Privatsammlung des
verstorbenen Knigs von Sachsen in Dresden ein Abdruck von Nr. 1
befindet, bei welchem der Ri bereits sichtbar ist.[47]


B. 137. Die Belagerung einer Stadt. 1527.

In zwei Blttern.

Dieser nicht sehr hufige Holzschnitt bei Heller[48] wohl ber Gebhr
gepriesen, von v. Rumohr[49] und Nagler[50] dagegen zu gering geschtzt,
ist zwar augenscheinlich nicht von Drer's Hand geschnitten, doch liegt
demselben ohne Zweifel eine Zeichnung desselben zum Grunde.

Will man auch nicht die Meinung einiger Sammler theilen, welche diese
Bltter als zu dem im Jahre 1527 gedruckten Werke Drer's

    Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schlo und flecken

gehrig, bezeichnen, so stehen sie doch zu demselben in der genauesten
Beziehung, indem sie es anschaulich machen: wie eine nach den
Vorschriften jenes Unterrichts befestigte Stadt belagert und vertheidigt
werden kann.

Mit der auf dem 2. Blatte ber dem Monogramm stehenden Jahrszahl 1527
stimmen die in den Papieren der ersten Abdrcke vorkommenden
Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, und des stehenden Hundes,
Nr. 35, berein, welche sich ebenfalls in den Papieren der zu dem
vorbezeichneten Werke gehrenden Holzschnitte befinden. -- Sptere
Abdrcke haben das Wasserzeichen einer hohen Hand mit Stern darber,
oder des Reichsadlers, sind auch zum Theil nicht frei von Spuren des
Wurmfraes in den Holzstcken.


B. 138. Der Triumphbogen des Kaisers Maximilian.

Ueber dieses groe Werk finden sich ausfhrliche Nachrichten bei
Bartsch, Heller und Nagler. Ich kann denselben nur hinzufgen: da sich
ausser den von diesen angefhrten Exemplaren, ein vortreffliches alt
illuminirtes und auf Leinwand gezogenes auf der Bibliothek in
Wolfenbttel befindet, welches leider theilweise beschdigt ist[51] und
da die Knigliche Kupferstich-Sammlung in Stuttgart einen vollstndigen
alten Abdruck in einzelnen Blttern besitzt, welcher in den durch das
Aufkleben der Porten des Lobes und der Porten des Adels bewirkten
Correkturen mit denjenigen beiden Exemplaren bereinstimmt, welche die
vortreffliche Knigliche Kupferstich-Sammlung in Copenhagen zieren.[52]

Sowohl das Exemplar in Stuttgart als die in Copenhagen haben ein sehr
festes Papier mit dem Wasserzeichen des groen Reichsadlers mit Krone,
welches auf einen erst nach Drer's Tode stattgefundenen Abdruck
schlieen lt. In Copenhagen konnte ich die Drathrippen nicht
unterscheiden, in Stuttgart betrug die Entfernung derselben 16-1/2
Linien, brigens mu das hier aufbewahrte Exemplar spter gedruckt sein,
wie die Copenhagener, da einzelne Stcke schon Sprnge zeigen, welche
hier nicht bemerkbar sind.

Nach meiner Ansicht drfte es trotz der neueren umfassenden
Untersuchungen des Herrn Dr. H. Glax[53] doch sehr schwierig sein, mit
einiger Sicherheit die Prioritt der verschiedenen alten Abdrcke zu
bestimmen.

Aeltere Abdrcke von einzelnen Holzstcken dieses Werks, namentlich der
Schlachten, finden sich in verschiedenen Sammlungen, zuweilen sehr schn
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume,
oder dem Oval mit Kreuz, Nr. 34, jedoch etwas grer, sie sind brigens
durch ihre Reinheit und Schrfe leicht von denen der sptesten von
Bartsch veranstalteten Ausgabe zu unterscheiden.


B. 139. Der Triumphwagen des Kaisers Maximilian.

Die erste Ausgabe dieses vortrefflich von Drer gezeichneten, von
Hieronymus Resch geschnittenen Kunstwerks, aus 8 Blttern bestehend, ist
ausserordentlich selten und fehlt vielen der berhmtesten Sammlungen.
Sie ist mit ganz deutschem Text auf den 6 letzten Blttern und nicht wie
Bartsch bei der ersten Ausgabe angiebt, auch mit Lateinischem Text auf
dem 3. und 8. Blatte. Auch die Schreibart ist altertmlicher, als sie
Bartsch und Heller angeben. Sie fngt auf dem 3. Blatte an:

    Diser nachverzeychenter Eren oder Triumph wagen, ist dem
    allerdurchleuchtigisten Gromechtigisten Herrn wey- | lund Keyser
    Maximilian, hochlblicher gedechtnu vnserem allergnedigisten Hern
    z sonderen eren erfunden vnnd | verordent, vnnd z vnterthenigem
    gefallen dem gromechtigisten yetz Regierenten Keyser Karolo etc.
    durch Albrecht | Drer daselbst in das werck gepracht.

und endigt auf dem 8. Blatt:

    Diser wagen ist zu Nrmberg erfunde | gerisen vnnd gedruckt
    durch Albrechten | Threr | im jar

    ~M. D. xxjj.~

    Cum Gratia et Privilegio Cesaree Maiestatis.

Schorn[54] nimmt zwar an, da es noch eine frhere Ausgabe ohne dieses
Privilegium gbe, weil Bartsch und Heller desselben nicht erwhnen, ich
halte dieses aber fr eine Auslassung des Bartsch, welche Heller, wie
gewhnlich ohne eigne Untersuchung, nachgeschrieben hat. Ich habe nie
einen Abdruck, weder mit deutschem noch lateinischem Texte, ohne dieses
Privilegium gesehen, auch hatte Albrecht Drer ja bereits im Jahre 1511
ein Kaiserliches Privilegium fr die von ihm herausgegebenen Werke
erhalten.

Die erste Ausgabe, von eben so scharfem als krftigem Druck, welche auf
den ersten sieben Blttern unten die groen lateinischen Buchstaben A
bis G auf dem achten aber ein groes Gothisches H als Signatur hat, ist
auf einem sehr festen Papiere mit dem Wasserzeichen Nr. 32, welches
einen Abstand der Drathstriche von 13-3/4 bis 14 Linien hat, es ist
dasselbe Papier, welches Drer auch zu den Abdrcken anderer grerer
Bltter verwendet hat. Die zweite Ausgabe mit ganz lateinischem Texte
und der Jahrszahl 1523 ist im Abdruck fast eben so schn als die
vorhergehende, und hat auch dasselbe Papier. Die Signaturen auf den
ersten sieben Blttern sind gleich der Ausgabe mit deutschem Text, auf
dem letzten Blatt ist aber die Signatur ein kleines Lateinisches h. Man
trifft brigens auch Exemplare, bei denen Abzge der ersten und zweiten
Ausgabe zusammen gefgt sind, wie namentlich dasjenige in dem
Kniglichen Kupferstich-Cabinet zu Stuttgart.

Weniger scharf im Druck und berhaupt geringer ist eine dritte Ausgabe,
ebenfalls mit deutschem Text und der Jahrszahl 1522, welche aber
augenscheinlich spter und, dem Papiere nach, erst nach Drer's Tode
gedruckt wurde. Sie ist daran zu erkennen, da auf dem achten Blatte die
Jahrszahl in Arabischen Ziffern gedruckt ist 1522 statt auf der ersten
Ausgabe ~M. D. xxjj~ -- auch ist bei dem Privilegio ein Druckfehler,
indem statt Maiestatis steht Waiestatis.

Das Papier ist weniger fest als bei den frheren Ausgaben und hat das
herzfrmige Wasserzeichen, Nr. 56, mit nur 12 Linien Entfernung der
Drathstriche.

Eine dieser ganz hnliche, der Schrfe des Drucks und dem Papiere nach
ebenfalls sptere Edition, kommt auch mit lateinischem Text und der
Jahrszahl MDXXIII vor. Die ersten beiden Bltter derselben sind ohne die
Signaturen A und B, die beweglichen Lettern der Ueberschrift, sichtbar
stumpfer als bei der frheren Edition, auch ist das Papier geringer von
Gte; es hat das Wasserzeichen eines geschweiften durch einen Balken
schrg durchschnittenen Schildes mit 2 sechsstrahligen Sternen und 16
Linien Entfernung der Drathstriche.

Die in Venedig von Chinig veranstaltete Ausgabe mit der Jahrszahl 1588
ist zwar bedeutend stumpfer als die frheren, doch sind die Holzstcke
noch fast unversehrt. Das feste Papier derselben hat Drathstriche in der
Entfernung von 12-3/4 Linien. Die Signatur auf dem letzten Blatte, bei
der ersten lateinischen Ausgabe ein kleines Lateinisches h, ist bei
dieser Ausgabe ein groes H. Es kommen auch sptere Abdrcke von
einzelnen der Holzstcke vor, bei denen inde bedeutende Sprnge in
denselben sichtbar sind.

Die bisher als vierte bekannte Ausgabe vom Jahre 1609 ist mit vollem
Recht von Schorn[55] als Copie bezeichnet, doch knnen die Stcke wohl
nicht, wie derselbe vermuthet, von dem bekannten Maler und Formschneider
Johann (nicht Cornelius) Liefrinck geschnitten sein, da dieser noch im
Jahre 1580 lebte, der erste Druck dieser Copien aber von der Wittwe des
Cornelius Liefrinck in Antwerpen schon 1545 veranstaltet wurde. -- Ich
vermuthe: da die Holzstcke dieser Copie diejenigen sind, welche von
Hans Gldenmund in Nrnberg geschnitten und wie von Herrn J.A. Brner
zuerst bemerkt ist, von jenem im Jahre 1529 herausgegeben wurden.

Wenn nun gleich auf die Klage der Wittwe Drer[56] dem Gldenmund die
fernere Verbreitung der Abdrcke untersagt war, so wird nach dem Tode
derselben, die Benutzung der Platten, namentlich zu einem Abdruck in
Antwerpen, keine Schwierigkeiten gehabt haben, auch entspricht der
Schnitt der Stcke den zahlreichen bekannten Arbeiten des Gldenmund
vollkommen.

Bei den Abdrcken vom Jahre 1609 bemerkt man an mancherlei kleinen
Beschdigungen und Aussprngen, da die Holzstcke schon alt waren.

Das Papier hat das Wasserzeichen der Lilie mit einer Krone darber, Nr.
54, und einen Abstand der Drathstriche von 12 Linien.

Die Platten 3 bis 8 sind mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. --


B. 140 bis 145. Die sechs Stickmuster.

Diese kunstreichen Holzschnitte, welche Drer in seinem Tagebuche[57]
die Sechs Knoten benennt, sind in den ersten Drucken, ohne das
Monogramm unsers Meisters, sehr selten, besonders vollzhlig, da
gewhnlich Nr. 144 fehlt. Das Papier dieser Drucke von besonders feiner
Masse, ist wei, fest und dnn, mit einer Entfernung der Drathstriche
von 14 Linien. Das Wasserzeichen desselben, welches wegen des schwarzen
Grundes nur theilweise wahrgenommen werden kann, ist das bei Drer
selten vorkommende, des Cardinalhuts.

Die zweiten Drucke, mit Hinzufgung des Monogramms auf den ersten vier
Blttern, haben weniger Schrfe und Klarheit. Sie kommen auf
verschiedenen Papieren vor, mit dem Wasserzeichen eines Kreuzes im
Kreise, eines rmischen E im Kreise, Nr. 55, und des Reichsadlers. Die
lteren davon haben inde ein gutes festes Papier, welches denen der
ersten Drucke nahe kommt, inde nur einen Abstand zwischen den
Drathstrichen von 12 Linien hat.

Die spteren Abdrcke von Nr. 140 zeigen einen sehr sichtbaren Sprung
des Holzstockes.


B. 146 und 147. Zwei Mnner, welche zeichnen,

gehren zu Drer's Werk Underweysung der meung, mit dem zirkel vn
richtscheyt, u.s.w. und finden sich bei der ersten Ausgabe von 1525 auf
den Blttern qij und qiij.

Das Papier hat das Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, mit
Entfernung der Drathstriche von 14-1/4 Linien.


B. 148 und 149. Ein Mann zeichnet eine Urne, Ein Mann zeichnet eine
Frau,

kommen erst in der zweiten im Jahr 1538 veranstalteten Ausgabe des
obigen Buches vor, wo sie auf der Rckseite des Blattes q3 abgedruckt
sind. Das Papierzeichen ist hier ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz
darber, Nr. 37. Die Entfernung der Drathstriche betrgt 12-3/4 Linien.

Obgleich diese zwei Bltter erst zehn Jahre nach Drer's Tode zum
Abdruck gekommen sind, so rhren sie doch, was die Zeichnung anbetrifft,
unzweifelhaft von unserm Meister her. Die Zeichnung zu 148 mit der
Jahrszahl 1514 ist noch jetzt erhalten und befindet sich auf der
Kniglichen Bibliothek zu Dresden.[58]


B. 150 bis 152. Die drei Himmelsgloben. 1515.

Sie gehren in alten Abdrcken, besonders vollstndig, zu den groen
Seltenheiten. Ihr Papier ist sehr stark und schn, und von demselben,
welches Drer auch zu den drei groen Bchern verwendete. Es hat das
Wasserzeichen des Triangels mit Strich und fnfblttriger Blume, Nr. 28.

Die spteren Abdrcke sind an dem Mangel von Schrfe und Reinheit, wie
an den geringeren Papieren leicht erkennbar.


B. 153. Brustbild des Kaisers Maximilian mit einer Einfassung von
Sulen. 1519.

Dieser schne Holzschnitt, nach der von Drer am Montag nach Johannis
1518 genommenen Portrait-Zeichnung -- jetzt eine der Zierden der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- ist eben so beliebt, als in
den ersten ganz klaren und von jeder Beschdigung freien Abdrcken
ausserordentlich selten. Bei den meisten Abdrcken ist ein Sprung der
Holzplatte sichtbar, welcher, an der linken Seite Hut und Haar bis auf
das Gewand durchschneidend, perpendikulr hinuntergeht, auch sind wohl
kleine Wurmlcher in den Haaren bemerkbar. Solche Exemplare findet man
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, oder des Wappens von
Augsburg mit einem A darunter, Nr. 50.


B. 154. Dasselbe Brustbild ohne Einfassung.

Von den Abdrcken dieses Holzschnitts, deren Kennzeichen darin besteht:
da bei der oben auf einer Bandrolle befindlichen Inschrift die
Buchstaben =ae= des Wortes Caesar sich in dem Bauche des groen C
befinden, sind mir nur zwei bekannt, der eine aus der von Nagler'schen
Sammlung, jetzt in dem Kniglichen Kupferstich-Cabinet in Berlin, der
andere in der ehemaligen von Quandt'schen Sammlung in Dresden,
gegenwrtig im Besitz des Herrn Cornill d'Orville in Frankfurt a.M.

Die gewhnlich vorkommenden Abdrcke, bei denen das =ae=
zusammengezogen, wie gebruchlich dem groen C nachgesetzt ist, hlt
Schorn[59] fr eine Nachbildung des Holzschnittes 153. -- Ich kann
dieser Ansicht nicht beipflichten, sondern mchte glauben, da dieses
Blatt wie das von Schorn beschriebene, Arbeiten verschiedener
Xylographen nach derselben Zeichnung Drer's sind, von denen allerdings
der des ersteren der geschicktere war. Man findet bei dem ersten das
Wasserzeichen der in Drer's letzter Lebenszeit vorkommenden kleinen
Krone mit 11-1/2 Linien Entfernung der Drathstriche, bei dem letzteren
noch recht gute Drucke auf einem nicht sehr griffigen Papier, dessen
Drathstriche 12 Linien Entfernung haben. Das von Schorn beschriebene
Exemplar ist durch August Knzel in Berlin auf Stein treu doch etwas zu
elegant nachgezeichnet. --


B. 155. Brustbild des Ulrich Varnbhler.

Dieses vortreffliche Portrait ist nicht hufig, besonders selten aber in
den alten Abdrcken, wo der scharfe Holzschnitt noch nicht die geringste
Spur von Beschdigung zeigt.

Solche Abdrcke sind auf einem sehr festen Papiere mit einer Entfernung
der Drathstriche von 14 auch wohl 13-1/2 Linien. Sptere Abdrcke haben
ein ziemlich dnnes Papier mit dem herzfrmigen Wasserzeichen, Nr. 56,
und 11-1/2 Linien Entfernung der Drathstriche, oder Papier mit dem
groen Wasserzeichen Nr. 50.

Bei diesen ist inde schon an der linken Seite ein feiner Sprung
sichtbar, welcher durch den Besatz des Kleides bis auf die Brust geht.

Der Holzstock ist spterhin nach Holland gekommen und Hendrick Hondius
hat Abdrcke davon veranstaltet, welche man, ausser der (gewhnlich
abgeschnittenen) Adresse desselben, an dem Papiere mit dem Wasserzeichen
eines groen geschweiften Wappens erkennt, welches eine Querabtheilung
hat.

Die Abdrcke dieses Holzschnittes in Clair Obscur, mit verschiedenen
Platten in grnlichem oder brunlichem Tone gedruckt, welche von den
Sammlern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, rhren nicht von
Albrecht Drer her, sondern sind, wie solches Schorn bereits im
Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108 bemerkt hat, viel spter
veranstaltet. Auf den wenigen Exemplaren, deren Papierrand erhalten ist,
findet man die Adresse des Druckers Janssen, welcher in Amsterdam um die
Zeit des Hondius lebte. Sie lautet:

    Ghedruckt t' Amsterdam by Willem Janssen in de vergulde
    Sonnewyser.

Das Papier dieser Abdrcke mit einer Entfernung der Drathstriche von 15
Linien, hat ein ziemlich groes zirkelfrmiges Wasserzeichen an einer
Seite mit drei Zirkelschlgen ber einander.

Das Papier ist nicht sehr griffig und bei den nicht retouchirten
Abdrcken ist der bereits oben erwhnte Sprung des Holzstocks sichtbar,
auch haben die breiten Einfassungslinien Unterbrechungen, anscheinend
von Aussprngen, namentlich in dem obern Strich eine grere und eine
kleinere Lcke, in dem untern 6 Unterbrechungen, wovon 4 kleiner, 2 aber
grer sind, auch die Einfassungslinie links hat oben eine Lcke.

Durch diesen Willem Janssen, welcher im Jahre 1620 einen Prospect von
Amsterdam verffentlicht hat, sind auch von den Holzschnitten des
Goltzius, namentlich von B. 226[60] und 231[61], clair obscurs mit 3
Platten gedruckt, in Farbe und Druckweise den Abdrcken des Varnbhler
vollkommen entsprechend.


B. 156. Brustbild Albrecht Drer's.

Es ist aus der letzten Lebenszeit unsers Knstlers und derselbe
erscheint nicht mehr geschmckt mit den langen Locken, welche ihn in
frheren Jahren und noch auf der Reise in den Niederlanden zierten.

Die ersten und zweiten Abdrcke dieses Holzschnitts sind selten.

Die Ersten haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem
Caducaeus, Nr. 31, oder eines verzierten gothischen ~P~, Nr. 38.

Das Papier der zweiten Drucke hat das Wasserzeichen der Schlange, Nr.
47, oder zweier groer verbundener Thrme mit 12 Linien Abstand der
Drathstriche, auch eines kleinen geschweiften Wappens mit einer Krone
und 13-1/4 Linien Entfernung derselben. Von dieser zweiten Ausgabe, mit
den Versen darunter, befindet sich ein alter colorirter Abdruck in der
Kniglichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, unter welchem,
abweichend von der Angabe Hellers, pag. 746, steht:

    Getruckt durch Hans Glaser Brieffmaler zu Nrnberg auf der
    Schmeltzhten.

Die alten Abdrcke der dritten Edition, nachdem die Jahrszahl 1527 und
das Monogramm in die Thr des Drer'schen Wappens eingefgt war, trifft
man mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, eines Thurms mit
fnfzackiger Krone, oder auf einem Papier, dessen Drathstriche einen
Abstand von 15 Linien haben und als Wasserzeichen eine Lilie im Kreise,
Nr. 53.

Die hufigen spteren Abdrcke sind an den sichtbaren Spuren des
Wurmfraes in dem Holzstock, besonders an der Nasenspitze kenntlich.


B. 157. Brustbild des Johann Freiherrn zu Schwarzenberg.

Dieses von Bartsch zu den Drer'schen Holzschnitten gerechnete Blatt ist
eine, ohne Zweifel erst nach des Meisters Tode gearbeitete Nachbildung
eines seiner Portraite, denn es kommt zuerst in der am 16. Februar 1531
von Heinrich Steiner in Augsburg vollendeten Ausgabe der Officia M.T.C.
auf der Rckseite des Titels vor.

Diese erste Ausgabe ist sehr selten, der Holzschnitt ist darin auf einem
festen Papier gedruckt, dessen Drathstriche durchschnittlich eine
Entfernung von 14-1/4 Linien haben, und als Wasserzeichen ein Oval mit
fnfstrahligem Stern darber, in der Art wie Nr. 34, nur grer. --

Ueber den Formschneider dieses Holzschnitts, der sich unten rechts mit
einem rmischen von einem Querbalken durchschnittenen B bezeichnet hat,
herrscht eine groe Meinungsverschiedenheit und auch die ausfhrlichen
Errterungen darber in Nagler's Monogrammisten, pag. 811 bis 814,
fhren zu keinem bestimmten Resultate.

       *       *       *       *       *

Ausser den vorstehend, unter Nr. 153 bis 157 aufgefhrten Bildnissen
unsers Meisters, giebt es noch ein kleines hchst seltnes
Holzschnitt-Portrait desselben, welches Bartsch nicht gekannt hat,
Heller aber irrthmlich unter die zweifelhaften Bltter versetzt,
und pag. 825, Nr. 193 beschreibt.

Es ist das Brustbild des durch seine Verdienste um die Wiederbelebung
des Studiums der classischen Literatur bekannten Nrnberger Gelehrten
Eoban He[62], Zeitgenosse Drer's, nur 4 Zoll 9 Linien hoch und 3 Zoll
6 Linien breit, aber sehr schn.

Wenn auch der Schnitt selbst nicht von Drer sein wird, da er etwas
technisch elegantes hat, in der Art, wie die Arbeiten des Resch, so ist
doch die Zeichnung erwiesen von unserm Meister, denn auf der Rckseite
der ersten Abdrcke, welche von Peipus in Nrnberg im Jahre 1527, also
noch bei Lebzeiten Drer's, als Titelblatt verffentlicht wurden, steht
gedruckt:

    In Imaginem Eobani Hessi sui ab Alberto Drero hujus aetatis
    Apelle graphice expressam, aliquod Epigrammata Johannis Alexandri
    Brassiciani etc.


B. 158. Die fnf Kaiserlichen Wappenschilde.

Die ersten Drucke dieses einfach aber charakteristisch behandelten
Holzschnitts, finden sich in dem im Jahre 1502 bei Koberger in Nrnberg
gedruckten Buche, der himmlischen Offenbarung der heiligen Brigitta.

Die zweiten Drucke haben die Jahrszahl 1504 und das Drer'sche
Monogramm, sie sind noch rein und scharf und ihr Papier hat 12-3/4
Linien Entfernung der Drathstriche.


B. 159. Das Wappen der Familie Behaim.

Dieses schn verzierte hchst wahrscheinlich von Drer selbst
geschnittene Wappen ist nicht hufig.

Das Papier der ersten Drucke hat das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21. Die zweiten oft noch recht reinen und scharfen Drucke findet man auf
Papier mit dem Nrnberger Wappen, Nr. 41, und knapp 11 Linien Entfernung
der Drathstriche.


B. 160. Das Wappen Albrecht Drer's.

Noch seltner als von dem vorhergehenden trifft man die schnen Abdrcke,
auf Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35.

Die spteren haben das Wasserzeichen des Wappens von Nrnberg.


B. 161. Das Wappen von Kress von Kressenstein.

Die alten Drucke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen zwei Thrme, sptere, jedoch noch gute, mit dem Wappen von
Nrnberg und kaum 11 Linien Entfernung der Drathstriche. Diese haben die
Spur eines ganz feinen Sprunges, welcher die Laubverzierungen an der dem
Beschauer rechten Seite perpendikulr durchschneidet.


B. 162. Das Wappen der Stadt Nrnberg. 1521.

Man erkennt die ltesten Drucke daran, da auf der Rckseite gedruckt
steht:

    Reformation der Stat Nuremberg.
      Cum Gratia et Privilegio.

Das starke Papier hat Drathstreifen mit einer Entfernung von 12-1/2
Linien. Bei guten Drucken ohne diesen Text auf der Rckseite findet man
das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, ein Zeichen,
welches, wie von mir wiederholt angefhrt ist, bei Drer'schen
_Holzschnitten spterer Zeit_ mehrfach, nicht aber, wie Dr. Nagler[63]
bemerkt, bei Drer'schen _Kupferstichen_ vorkommt.


B. 163. Das Wappen des Hector Pmer.

Dieses findet man hufig in neuen von Herrn Campe in Nrnberg, der den
Holzstock besa, veranstalteten Abdrcken. Die lteren haben das
Wasserzeichen eines geschweiften Wappens mit Krone und eine Entfernung
der Drathstriche von 12 Linien. Der unten rechts von der Jahrszahl
befindliche Buchstabe R knnte vermuthen lassen, da dieser Holzstock
von Resch geschnitten sei.


B. 164. Die Wappen von Scheurl und von Geuder.

Von diesem complicirten Wappen giebt es verschiedene Combinationen und
Abnderungen.

Die ersten Drucke haben im Papier das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, die spteren dasjenige des Reichsadlers.

Die Abdrcke, welche mit feinen Lateinischen Lettern die Inschrift,
Dominus dedit, Dominus abstulit etc. haben, sind augenscheinlich
neuere, man findet einzelne davon auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Hundes.

Die neuesten, gegen die lteren sehr abweichenden Abzge, sind durch den
Herrn Cornill d'Orville in Frankfurt a.M. verbreitet, welcher den
Holzstock davon besitzt.


B. 165 und 166. Die Wappen von Johann Stabius.

Die Holzplatten dieser Wappen befinden sich in Wien, und im Jahre 1781
sind Abdrcke davon veranstaltet, welche man gewhnlich in den
Sammlungen antrifft. Sie sind ausser der Unterschrift an einem weien
sehr festen und etwas rauhen Papiere kenntlich, dessen Drathstriche 12
Linien entfernt sind, auch sieht man an den Einfassungsstrichen,
namentlich bei B. 166 ausgesprungene Stellen und kleine Wurmlcher.


B. 167 und 168. Die Wappen des Lorenz Staiber.

Unter den obigen Nummern beschreibt Bartsch zwei verschiedene Abdrcke
desselben Holzstocks, welcher spterhin durch Hinzufgung einer Krone
und zweier Fhnlein an dem Lwen ber dem Helme abgendert wurde. Heller
fhrt davon pag. 739 unter Nr. 1946 richtiger drei verschiedene
Abdrucks-Gattungen an, wovon die dritte, ausser dem Wegfall der oberen
Inschrift, an kleinen Fehlstellen im Grunde und einem feinen links am
Kopfe des Lwen sichtbaren Sprunge kenntlich ist. Das Papier derselben
hat das Wasserzeichen des Nrnberger Wappens und einen Abstand der
Drathstriche von 11-1/2 Linien.

Von diesem Wappen giebt es brigens einen lteren Holzschnitt, von dem
ich den einzigen mir bisher vorgekommenen Abdruck besitze. Derselbe
bertrifft den spteren bedeutend in Charakter und Schwung der
Zeichnung, dabei ist der Schnitt der horizontalen Linien des Grundes wie
bei dem Behaim'schen Wappen, B. 159, nicht ganz regelmig, daher ich
auch diesen fr einen eigenhndigen Schnitt Drer's halten zu drfen
glaube.

Der wesentliche Unterschied in der Darstellung des Wappens besteht
darin: da das abgetheilte Schild mit dem Leoparden und dem Hunde, an
der linken Seite ausgeschweift und noch nicht, wie auf dem spteren
Holzstock, mit der Ordenskette umgeben ist, welche dem Staiber von dem
Knige von England als ein Gnadengeschenk verliehen wurde und derjenigen
gleicht, welche noch jetzt die Grokreuze des Bath-Ordens in England
tragen[64]. Dieser Holzstock ist daher frher geschnitten als jene
Verleihung stattgefunden hatte. --

Die fragliche Kette ist zwar links oben neben dem Bffelhorn abgebildet,
aber augenscheinlich durch eine sptere Hinzufgung.

Der Abdruck hat weder Ueberschrift noch Unterschrift, doch scheint das
in der Hhe nur 11-3/4 Zoll, in der Breite 8-1/2 Zoll messende Papier
beschnitten. Das Wasserzeichen desselben ist die hohe Krone mit der
etwas eckigen Form des Bgels, Nr. 36, wie solche in der letzteren
Lebenszeit Drer's vorkommt.

Die Entfernung der Drathrippen betrgt 12-1/2 Linien.


B. 169. Das Wappen mit den drei Lwenkpfen.

Dieses ist in alten Drucken selten, und mir ist kein Exemplar davon
vorgekommen, bei dem ich eines der zu Drer's Lebenszeit gebruchlichen
Papiere htte wahrnehmen knnen. Die neueren im Jahre 1781 in Wien
veranstalteten Abdrcke sind an ihren festen doch rauhen Papieren leicht
zu erkennen.


B. 170. Das Wappen mit dem wilden Mann.

Die alten Drucke kommen auf Papier mit zwei kleinen verbundenen Thrmen
in einem geschweiften Schilde, oder mit dem Wasserzeichen Nr. 43 vor.
Die Drathstriche dieser sind 12-1/2 Linien von einander entfernt.

       *       *       *       *       *

Ausser der bedeutenden Zahl der in diesem 2. Abschnitte aufgefhrten von
Drer selbst gearbeiteten oder von ihm veranstalteten Holzschnitte, hat
unser Meister noch verschiedene andere vorbereitet gehabt, an deren
Ausfhrung er durch Umstnde oder seinen frhzeitigen Tod verhindert
sein wird. Einen Beweis dafr geben mehrere noch erhaltene
Federzeichnungen desselben, welche ihrer ganzen Behandlung nach nur fr
die Ausfhrung in Holzschnitt bestimmt gewesen sein knnen.

Eine der schnsten dieser Art war bisher im Besitz des kunstliebenden
als Medailleur berhmten Professors J.D. Bhm in Wien, und ich verdanke
es der besonderen Begnstigung desselben, da solche mit einer Anzahl
anderer Skizzen und Zeichnungen Drer's seit Kurzem in meine Sammlung
bergegangen ist.

Da es zu bedauern sein wrde, wenn diese unzweifelhaft von unserm
Meister fr die Vervielfltigung bestimmte Arbeit ferner der
Oeffentlichkeit entzogen bliebe, so habe ich veranlat, da solche durch
den rhmlichst bekannten Xylographen Herrn Flegel in Leipzig in Holz
geschnitten ist und die Freunde Drer'scher Kunst finden einen Abdruck
davon als Anlage dieses Werkchens.

Die wohl erhaltene Federzeichnung von gleicher Gre, auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 2, ist wie Drer bei allen Entwrfen
seiner Holzschnitte zu thun pflegte,[65] von der Gegenseite genommen, so
da der schreibende Zuhrer die Feder in der linken, das Dintenfa in
der rechten Hand hlt.

Alle Kreuzschraffirungen sind dabei auf das sorgfltigste vermieden und
drfte dieses die Vermuthung rechtfertigen, da die Zeichnung einer
frheren Periode unsers Meisters angehren wird, da derselbe spterhin,
namentlich nach 1510, nicht mehr die Entfernung dieser Schwierigkeit fr
den Holzschnitt so sehr zu bercksichtigen pflegte.

Auf der Rckseite des Blattes liest man von Drer's Hand in abgekrzter
Schrift:

    wie ein Prister einen berichtet

und dem entspricht die Darstellung, welche auf einem erhheten Sitze vor
einem Pulte einen Geistlichen zeigt, der aus dem vor ihm aufgeschlagenen
Evangelienbuche einen Vortrag hlt, dessen Erleuchtung, durch den
heiligen Schein und die herbeifliegende Taube bezeichnet wird.

Drei vor ihm sitzende Ordensbrder hren mit der gespanntesten
Aufmerksamkeit zu und einer von ihnen notirt das Vernommene in ein Buch.

Auffallend ist das leere Feld in Form einer Chorstuhlswand zur Seite des
Redners.

Ein ganz gleiches, nur mit der Anlage einer Ranken-Einfassung, findet
sich auf einer hnlichen Federzeichnung Drer's in der Sammlung des
Herrn Rudolph Weigel in Leipzig, und auch Prestel hat das fac-simile
einer andern Zeichnung unsers Meisters mit einem genau so geformten
Felde gestochen. Hier ist dasselbe aber mit einem verzierten Rande
umgeben und durch ein Familienwappen ausgefllt, wonach es scheinen
mchte: da Drer fr eine bestimmte Familie eine Folge solcher
geistlicher Darstellungen zu entwerfen gehabt habe.

Die Federstriche meiner Zeichnung sind in dem vorliegenden Holzschnitt
mit groer Geschicklichkeit und Treue wiedergegeben, wenn gleich der
Geist und das Lebendige derselben durch die Uebertragung einige
Beeintrchtigung erlitten hat; doch findet man dieses auch oft bei
Holzschnitten Drer's, sobald er nicht selbst das Messer gefhrt hat,
wenn man sie mit den Original-Entwrfen vergleicht. --

       *       *       *       *       *

Hiermit schliee ich meine Bemerkungen ber die Holzschnitte Drer's,
wie solche von Bartsch in seinem peintre graveur als Originale
aufgefhrt sind; da ich es nicht wage, mich auf das schwierige Feld der
zweifelhaften Bltter zu begeben, welche Bartsch in dem Appendix
zusammengestellt hat, deren Zahl aber durch Heller ansehnlich vermehrt
ist und noch fortdauernd durch eifrige Sammler, mit und ohne Grund,
vervollstndigt wird.

Das Sammeln dieser Bltter ist von mir nie systematisch betrieben und
ihre Beschaffenheit daher auf meinen Reisen auch nicht hinlnglich
bercksichtigt, da, wenn gleich einzelne schne Kunstleistungen sich
darunter befinden, die mit unserm vortrefflichen Meister gleichzeitig
und desselben vollkommen wrdig sind, die Mehrzahl doch nur gering an
Kunstwerth ist, und dem Drer keineswegs angehrt.

Ich mu es den Sammlern, welche zur Vervollstndigung ihres
Drer-Werkes, es fr erforderlich halten, die smmtlichen von Heller
aufgefhrten und sonst aufgefundenen zweifelhaften Bltter zusammen zu
bringen, berlassen: eine Prfung der Papiere und ihrer Wasserzeichen
bei den verschiedenen Abdrcken vorzunehmen, bei denen die, wegen der
Prioritt der Wasserzeichen, von mir gemachten Bemerkungen immer
ntzliche Anhaltspunkte gewhren knnen. --




Die gedruckten Werke Albrecht Drer's


Als Nachtrag zu meinen Bemerkungen ber die Holzschnitte Drer's glaube
ich auch, die hchst interessanten gedruckten Werke desselben
bercksichtigen zu mssen, da solche so sehr reich mit Holzschnitten
ausgestattet sind, von denen Bartsch nur einzelne unter Nr. 146 bis 149
in seinem peintre graveur aufgenommen hat.

In Beziehung auf die zu diesen gedruckten Werken verwandten Papiere
findet man die bei den alten deutschen Druckwerken im allgemeinen
beobachtete Gewohnheit: verschiedene Papiersorten oft ohne regelmige
Reihenfolge zu benutzen, in reichlichem Mae befolgt.

1. Die lteste Ausgabe eines Drer'schen Werkes ist die im Jahre 1525
gedruckte

    Underweysung der messung, mit dem zirckel vn richtscheyt, u.s.w.

In dieser kommen Papiere mit folgenden Wasserzeichen vor:

    a) Der Henkelkrug, Nr. 33, mit Entfernung der Drathstriche von 13
    Linien;

    b) Die groe hohe Krone, Nr. 21, jedoch in etwas abweichender
    Form, auch wohl mit dem Buchstaben S im Bgel, Entfernung der
    Drathstriche 14-1/4 Linien;

    c) Der kleine Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der
    Drathstriche 12-1/2 Linien;

    d) Der Ochsenkopf mit dem Caducaeus, Nr. 31, Entfernung der
    Drathstriche 13-3/4 Linien;

    e) Der Anker im Kreise, Nr. 30, Entfernung der Drathstriche 14-1/4
    Linien.

Die zweite Ausgabe dieses Buches, im Jahre 1538 durch Hieronymus,
Formschneyder gedruckt, enthlt in den Papieren folgende Wasserzeichen:

    a) Eine schmlere hohe Krone, oft mit einem fnfstrahligen Stern
    ber dem Kreuz, Nr. 36, Entfernung der Drathstriche 11-1/2 Linien;

    b) Den kleinen Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der
    Drathstriche 12 Linien;

    c) den greren Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, Entfernung der
    Drathstriche 12-1/2 Linien.

2. Das im Jahr 1527 herausgegebene Werk:

    Etliche Underricht, zu befestigung der Stett, Schlo, vnd
    flecken

Dasselbe hat vorherrschend Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes, Nr. 35, und 12-1/2 bis 13-1/4 Linien Entfernung der
Drathstreifen, doch gemischt mit solchem, in dem sich die schmlere hohe
Krone, Nr. 36, befindet, deren Drathstriche 11-1/2 bis 12-1/2 Linien
Entfernung haben.

Bartsch hat brigens Unrecht gehabt: das schne Titelblatt dieses Werkes
mit dem Wappen des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich nicht unter den
einzelnen Holzschnittblttern aufzufhren. Ich mchte glauben: da es
ein eigenhndiger Schnitt unsers Meisters sei, auch hat er selbst Werth
darauf gelegt, wie ein in Farben gedrucktes Exemplar desselben beweist,
welches Drer, der von seiner Hand darauf befindlichen lateinischen
Inschrift zufolge, seinem auch aus dem niederlndischen Tagebuche
bekannten Freunde Christoph Koler verehrte.[66]

3. Drer's Hauptwerk:

    Vier Bcher von menschlicher Proportion.

An diesem hat unser Meister nach den zahlreichen noch vorhandenen
Federskizzen und Studien dazu, whrend des gresten Theils seines
Lebens gearbeitet. -- Es wurde, nach der in der Kniglichen Bibliothek
in Dresden vorhandenen Originalhandschrift des ersten Buches,
im Jahre 1523 beendigt, aber im Jahre 1528 gebessert und zum Druck
hergerichtet,[67] doch erlebte Drer die Herausgabe, welche am 31.
October 1528 erfolgte, nicht mehr.

Die Papiere dieser Ausgabe haben das Wasserzeichen:

    a) der schmalen hohen Krone mit Kreuz, Nr. 36;

    b) derselben mit Stern ber dem Kreuz; beide mit Abstand der
    Drathstreifen von 11-1/2 Linien;

    c) des Reichsapfels mit fnfstrahligem Stern und 11-1/4 Linien
    Entfernung der Drathrippen.

Die sechs Jahre spter, im Jahre 1534 veranstaltete Ausgabe der
lateinischen Uebersetzung dieses Werks durch Bilibald Pirckheimer hat im
Papier

    a) das Wasserzeichen des greren Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6,
    Abstand der Drathstriche 11-1/2 Linien;

    b) dasjenige des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31, Abstand
    der Drathstriche 14 Linien;

    c) der schmleren hohen Krone mit Kreuz und Stern, Nr. 36, mit
    11-1/2 und 17-1/2 Linien Entfernung der Drathstriche. --

FUSSNOTEN:

[20] S. Leben Albrecht Drer's, von Roth. Leipzig 1791. pag. 41. vergl.
Archiv des historischen Vereins von Unterfranken. 14. Band. 2. Heft.

[21] z.B. In der Ambraser Sammlung zu Wien, auf der Kniglichen
Bibliothek zu Dresden und in der Kupferstich-Sammlung des Friedensteins
zu Gotha.

[22] Das Leben und die Werke Albrecht Drer's. 2. Bd. pag. 21.

[23] Diese Notizen verdanke ich der Gte meines verehrten Freundes, des
in allem, was alte Kunst und besonders alte Drucke betrifft, hchst
erfahrenen Herrn Senator Culemann hierselbst, welcher mich berhaupt
durch seine Einsicht wesentlich bei diesem Abschnitt zu untersttzen die
Gewogenheit gehabt hat.

[24] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst von C.Fr. von
Rumohr. Leipzig 1837. pag. 82 und 83.

[25] Von den Sachverstndigen pflegt das Vorkommen von
Kreuzschraffirungen als ein Beweis gegen die Eigenhndigkeit Drer'scher
Holzschnitte angefhrt zu werden, indem er bei der groen Mhe und
Arbeit, welche jene veranlassen, bei _eigenem_ Schnitt sie vermieden
haben wrde. S. u.a. Jackson treatise on wood engraving. London 1839.

[26] S. Heller, 2. Theil, pag. 636.

[27] S. denselben, pag. 931.

[28] S. Bartsch peintre graveur, vol. 14, pag. 410.

[29] S. Leben Albrecht Drer's von J.F. Roth. Leipzig 1791. pag. 45.

[30] Maylnder Ausgabe. Vol. 10. pag. 196 und 197.

[31] S. Heller, Theil 2, pag. 550 und 551. Die Monogrammisten von Dr.
G.K. Nagler, 3. Heft, pag. 182.

[32] Vgl. meinen Aufsatz in dem Archiv fr die zeichnenden Knste, von
Naumann, Heft 1. pag. 54.

[33] Das Leben und die Werke Albrecht Drer's von Joseph Heller. 2. Bd.
pag. 602.

[34] Das K. Kupferstich-Cabinet in Stuttgart bewahrt ein solches noch
unzerschnittenes Exemplar auf 9 Blatt, vier Holzschnitte auf jedem,
welche mit etwas beschnittenem Rande in der Hhe 11, in der Breite 8
Zoll messen. Acht Bltter haben das oben bezeichnete Wasserzeichen, das
neunte dasjenige des Wappen von Nrnberg, Nr. 41.

[35] Nach der Vorrede zu Henry Cole's Albert Durer's Passion of our
lord London 1844, pag. 7, befand sich in England nur _ein_ completes
Exemplar im Besitze des Mr. Pickering. Sie fehlte im British Museum, in
Oxford u.s.w.

[36] Vgl. auch die Monogrammisten von Dr. Nagler, 3. Heft, pag. 184.

[37] Vgl. Abschnitt 3.

[38] Heller, pag. 617.

[39] Man findet sie in der Sammlung des Erzherzog Albrecht in Wien, in
der Knigl. Kupferstich-Sammlung in Stuttgart, auf dem Friedenstein zu
Gotha, und in dem Museo zu Bremen, hier aus der Sammlung des Herzogs von
Buckingham.

[40] Bartsch. Vol. 14, pag. 410.

[41] Hiernach sind die nicht ganz genauen Angaben Heller's, pag. 677, zu
berichtigen.

[42] S. De quelle manire prenait on les bains du temps de Charles Quint
par le Dr. Straeter. Aix la Chapelle 1858, welchem geistreichen
Schriftchen ich in Beziehung auf die Zeit der Anfertigung des
Holzschnitts aus den vorher angefhrten Grnden nicht beipflichten kann.
Vgl. auch Dr. v. Eye, Leben und Werke Albrecht Drer's, pag. 164 ff.

[43] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 82.

[44] Diese Berichtigung, nach dem betreffenden Exemplare in dem
Kniglichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin, verdanke ich der Gte des
zeitigen Directors desselben Herrn Professor Hotho.

[45] Le peintre Graveur, vol. VII, pag. 19.

[46] Vergleiche pag. 89.

[47] Bei den Bemerkungen wegen der Nr. 1 bis 5 bin ich durch die
bereitwillige Geflligkeit des Herrn Professor Grner, Director der
Kniglichen Kupferstich-Sammlung in Dresden, wesentlich untersttzt.

[48] Pag. 690.

[49] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 88.

[50] Die Monogrammisten, pag. 199.

[51] Vgl. Archiv fr die zeichnenden Knste von Naumann, 2. Jahrgang,
pag. 91.

[52] Siehe die Nachricht des Etatsraths Thiele hochverdientem Director
der Copenhagener Kupferstich-Sammlung im Berliner Kunstblatt vom Jahre
1853, pag. 178.

[53] Quellen und Forschungen zur Vaterlndischen Geschichte, Wien 1848.

[54] Kunstblatt von 1830, pag. 104.

[55] Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108.

[56] Siehe die Monogrammisten von Nagler, 3. Heft, pag. 198.

[57] S. Campens Reliquien, pag. 113.

[58] Vgl. in der 3. Abtheilung die Drer'schen Handzeichnungen.

[59] S. Kunstblatt vom Jahre 1832, pag. 329 und 330.

[60] Bartsch, Vol. 3, pag. 72.

[61] Heller, Zustze zum Bartsch.

[62] S. Nrnbergs Bedeutung von Otto Gabler, pag. 32.

[63] Die Monogrammisten, 3. Heft, pag. 208.

[64] Diese Nachweisung verdanke ich meinem verehrten Freunde Herrn W.H.
Carpenter, Director des print-room des British-Museums.

[65] Nur durch Unbekanntschaft mit einer namhaften Zahl Drer'scher
Federzeichnungen lt es sich erklren, wenn C.Fr. von Rumohr in seiner
Schrift Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 29,
sagt, da bekanntlich unter den zahlreichen originalen Handzeichnungen
alter Zeit -- keine bisher sich angefunden, welche irgend einem
Holzschnitte hinlnglich entsprche.

[66] Dieser Abdruck befindet sich in der Sammlung des Verfassers.

[67] Vgl. Becker, A. Drer's eigenhndige Schriften in Naumann's Archiv
fr die zeichnenden Knste, 1858, 1. Heft, pag. 20 u. ff.




Abschnitt III.

Die Handzeichnungen Albrecht Drer's.


Nichts ist geeigneter, einen richtigen Begriff von der Vielseitigkeit
des Talents, dem unermdlichen Fleie, der strengen Gewissenhaftigkeit
und der hohen Meisterschaft Albrecht Drer's zu gewhren, als seine
zahlreichen Skizzen, Studien und ausgefhrten Zeichnungen.

Man verdankt es ohne Zweifel der hohen Anerkennung, welche unser Meister
schon bei Lebzeiten und gleich nach seinem Tode gefunden hat, da eine
so groe Zahl dieser Entwrfe und Handzeichnungen, zum Theil noch in
gutem Zustande, sich bis auf unsre Zeiten erhalten hat, doch sind sie
sehr zerstreut; die Bearbeitung eines vollstndigen mit Einsicht
entworfenen und geordneten Verzeichnisses derselben, wrde daher ein
groes Verdienst sein und ein ganz neues Licht ber Albrecht Drer's
Kunstleistungen verbreiten, da derselbe, in seinen Zeichnungen, durch
technische Schwierigkeiten weniger beengt als bei den Gemlden, seinem
Gefhle und seinem Genius freien Lauf lassen konnte.

Heller hat in seinem Leben Albrecht Drer's manches Verdienstliche auch
ber seine Zeichnungen zusammen getragen, doch ist sein Verzeichni
weder vollstndig noch mit gehriger Kritik entworfen.

Ich selbst fhle mich zu einer solchen Arbeit nicht mehr befhigt, doch
will ich in Nachfolgendem fr die Freunde Drer'scher Kunst einige
Notizen ber die mir bekannt gewordenen Zeichnungen geben, und bei
denjenigen in ffentlichen Sammlungen befindlichen, welche mir in den
letzteren Jahren zugnglich gewesen sind, auch auf das Einzelne
derselben nher eingehen, zugleich aber meine Beobachtungen ber die
dazu verwendeten Papiere und ihrer Wasserzeichen mittheilen.

Die bedeutendsten Schtze von Drer'schen Zeichnungen, befinden sich
gegenwrtig in folgenden ffentlichen Sammlungen, als:

1) In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

2) Im print-room des britischen Museums.

3) In der Kaiserlichen Handzeichnungs-Sammlung in Paris.

4) In dem Handzeichnungs-Cabinet der Ufficij in Florenz.

5) Im Kniglichen Kupferstich-Cabinet in Berlin.

6) In der ehemaligen Heller'schen Sammlung auf der Stadtbibliothek zu
Bamberg.

7) In der ehemaligen Klugkist'schen Sammlung in der Kunsthalle zu
Bremen.

8) Auf der Kniglichen Bibliothek zu Dresden.

9) Auf der Kniglichen Bibliothek zu Mnchen.

10) Auf der Stadtbibliothek zu Nrnberg.

Einzelne schne Zeichnungen sind noch:

11) In der Ambraser-Sammlung in Wien.

12) Im Stdel'schen Institut zu Frankfurt a.M.

13) Im Kniglichen Kupferstich-Cabinet zu Mnchen.

14) In der Kniglichen Kupferstich-Sammlung zu Dresden.

15) In der Akademie alla Carit zu Venedig.

16) In der Ambrosiana zu Mailand.

17) In der Kupferstich-Sammlung auf der Festung zu Coburg.

18) In dem Herzoglichen Museo zu Braunschweig.

19) Auf der Universitts-Bibliothek zu Erlangen.

Auch in mehreren Privat-Sammlungen in Deutschland giebt es einzelne
schne echte Zeichnungen Drer's, die wichtigsten sind in der kostbaren
Handzeichnungs-Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg; die grte Zahl
drfte wohl meine eigene Sammlung enthalten.

In England befinden sich ebenfalls noch manche Drer'sche Zeichnungen im
Privatbesitz, zum Theil aus der berhmten Sammlung des Sir Thomas
Lawrence herstammend, aus welcher nach dessen Tode hundert Zeichnungen
von Albrecht Drer durch die Gebrder Woodburn in London fr 800 L.
Sterling verkauft wurden.[68]

Eine bedeutende Zahl dieser letzteren Zeichnungen war frher im Besitz
des franzsischen Generals Grafen Andreossi, welcher gleich nach der
Einnahme Wiens im Jahre 1709 einen groen Schatz, durch ihre vollkommene
Erhaltung besonders ausgezeichneter Entwrfe Drer's, an sich zu bringen
gewut hat. Andere kommen aus den lteren Englischen Sammlungen des Sir
Peter Lely, W. Young Ottley, Lord Spencer, J. Richardson, P. Sanby, R.
Cosway, sowie aus den bekannten Sammlungen des Chevalier Vicar und
Denon.

Die Zahl der in den vorherbezeichneten ffentlichen Sammlungen
enthaltenen Skizzen, Entwrfe und Zeichnungen bersteigt 1000 -- und da
ein groer Theil davon mit der Jahrszahl versehen ist, welche bis auf
die ltesten Zeiten 1484, 1489, 1491 und 1494 hinauf reichen, so
gewhren sie auch in Beziehung auf die Entwickelung unsers Knstlers die
wichtigsten Anhaltspunkte.

Ueber die ffentlichen Sammlungen bemerke ich folgendes:

=ad 1.= Die =Sammlung= des =Erzherzogs Albrecht= in =Wien= ist fr
Drer'sche Zeichnungen unstreitig die bedeutendste, da sie eine
berwiegende Zahl ganz ausgefhrter Zeichnungen, sowie Skizzen und
Entwrfe zu mehreren seiner Hauptwerke enthlt. Dieser Schatz --
groenteils von den Kaisern Maximilian und Rudolph II. herstammend,
frher im Schlo Ambras aufbewahrt -- kam bekanntlich durch Tausch gegen
Kupferstiche in den Besitz des Grnders jener Sammlung, des Herzogs
Albert von Sachsen-Teschen. Das Geschft scheint durch den damaligen
Conservator der Herzoglichen Kupferstich-Sammlung, Namens Lefevre
vermittelt zu sein, wenigstens geschah durch ihn die Aussonderung des
erhaltenen sehr zahlreichen Vorraths, aus welchem nur etwa 150 Blatt der
Herzoglichen Sammlung einverleibt wurden, whrend die brigen theils in
die von Grnling'sche Sammlung in Wien, theils in andre Hnde
bergingen. Acht und vierzig der bedeutenderen dieser Zeichnungen sind
in den von Mansfeld u. C^{o.} in Wien veranstalteten Nachbildungen von
Handzeichnungen dieser Sammlung durch wohl gelungene fac-simile auch dem
greren Kreise der Kunstfreunde bekannt geworden.

Die vorzglichsten Zierden dieser Sammlung sind:

Die lteste Zeichnung Drer's als Kind vom Jahre 1484, sein eigenes
Bildni.

Die auf grnlich grauem Grunde mit der grten Sorgfalt ausgefhrten
wei gehheten Zeichnungen einer Passion aus den Jahren 1504 und 1505,
welche von hnlichen Darstellungen Drer's in seinen Kupferstichen oder
Holzschnitten durchgehends abweichen.

Die prachtvollen groen meist sehr vollendeten Portrait-Zeichnungen, aus
den Jahren 1508, 1514, 1518 und 1521, darunter die meisterhaften
Brustbilder des Kaisers Maximilian und Ulrich Varnbhlers.

Die auf grnlich grauem Grunde ausgefhrten, wei gehheten
Kreide-Zeichnungen zu den groen Aposteln vom Jahre 1523.

Die wundervollen leicht colorirten Feder-Zeichnungen zu dem in
Holzschnitt ausgefhrten Triumphwagen des Kaisers Maximilian vom Jahre
1518.

Ausserdem sind von groem Interesse: schne Gewand- und Hnde-Studien,
sowie die leichten Federskizzen zu bekannten Holzschnitten und Gemlden
auch einige Farbenzeichnungen von der bewundernswrdigsten Feinheit und
Pracht. Die smmtlichen Zeichnungen dieser Sammlung sind fest auf
Cartons geklebt, und die Wasserzeichen ihrer Papiere daher nicht
wahrzunehmen.

=ad 2.= Ueber die in Deutschland frher unbekannte sehr reiche Sammlung
von Zeichnungen Drer's im =print-room= des =British-Museums= habe ich
zwar bereits ein Verzeichni in dem Archiv fr die zeichnenden Knste
von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft, verffentlicht, doch ist der
betreffende Aufsatz durch zahlreiche Druckfehler selbst im Sinne
entstellt, auch wohl nicht jedem Liebhaber zugnglich gewesen, weshalb
ich dieses Verzeichni hier noch einmal folgen lasse.

1. Die Zeichnung zu dem Holzschnitt B. 136 des Rhinoceros.[69]
Sie ist mit hchster Feinheit und Sicherheit ausgefhrt von der
entgegengesetzten Seite des Holzschnitts, mit einer 3-3/4 zeiligen
Unterschrift von Drer's Hand. Darber steht in rmischen nur
angerissenen Buchstaben

    RHINOCERON.
    1515.

2. Ein aufblickender brtiger Mannskopf, Kreidezeichnung, wei gehhet,
mit der Jahrszahl 1508.[70]

3. bis 5. Die leicht colorirten Federzeichnungen auf schwarzem Grunde zu
dem Holzschnitt der Sule, B. 129,[71] drei Blatt, zu dem oberen,
unteren und einem der mittleren Theile, hchst geistreich behandelt.

4. Farben-Studie zu dem hohen Hause, welches Drer in der Landschaft des
Kupferstiches der Jungfrau mit dem Affen, B. 42, angebracht hat. Es
scheint der Behandlung nach eine Naturstudie von seiner italienischen
Reise in den Jahren 1506-1507. Unten mit seiner Hand bezeichnet

    wei Hauss.

5. Ausserordentlich feine Stiftzeichnung von grnlicher Farbe, einen
liegenden Hund mit Halsband darstellend. Sie ist mit dem Monogramm
versehen aber ohne Jahrszahl, nach der Beischrift von Drer's Hand

    zw Ach gemacht

aber vom Jahr 1520.[72]

Auf der Rckseite zwei weibliche Figuren in verschiedenen Anzgen
gezeichnet.

6. Ein bunt gefiederter Vogel, vortrefflich in Wasserfarben gemalt.

7. Lebensgroer Kopf eines Alten, im Profil gesehen, mit einem sehr
langen gelockten Bart und einem Barett auf dem Haupte. Feine
Kreidezeichnung auf braun grundirtem Papier mit der Jahrszahl 1518.

8. Portraitkopf eines Mannes in mittleren Jahren, mit Hals und wenig
Brust, etwas zur Linken gewendet, mit einem Feder-Barett. Herrliche
Kreidezeichnung vom Jahre 1516.

9. Vortreffliches lebensgroes Bildni eines jungen Mannes mit groem
Hut, zur Rechten gewendet. Mit der Jahrszahl 1521. Das Haar ist gelockt,
die Kleidung reich mit Pelzwerk gefuttert. Kreidezeichnung.

10. Der Entwurf eines jngsten Gerichts, reiche, oben gerundete
Federzeichnung, vom Jahre 1513.

11. Angetuschte Federzeichnung, der Behandlung nach fr einen
Holzschnitt. Sie stellt drei Mnche dar, von denen der eine bemht ist,
den andern aus einem Wasser zu ziehen, whrend der dritte, mit einem
Heiligenschein versehen, aus einem Fenster zuschaut.

12. Eine der frhesten Arbeiten Drer's, eine leichte Kreidezeichnung
auf wei Papier, welche eine weibliche Figur vorstellt, mit einem Vogel
auf der linken Hand. Zur Seite steht geschrieben:

    Das ist ach alt hat mir Albrecht Drer gemacht E er zum Moler kam
    in des Wolgemuths Hus uff dem Oberen Boden in dem hindern Hus in
    bewesten Kunrat Lomazens Piligen (Pfleghaus, Gasthaus?).

13. Ein Engelskopf.

14. Zwei Engelskpfe, von denen der eine sich durch besondere Feinheit
auszeichnet.

15 bis 17. Verschiedene mit der Feder gezeichnete Kpfe.

18. Ein kleiner, besonders sorgfltig ausgefhrter weiblicher Kopf, wei
gehhet, nach Prof. Dr. Waagen's Ansicht zu dem Gemlde Drer's, die
Lucretia in der Pinacothek zu Mnchen, Nr. 93.

19 bis 21. Verschiedene kleine Entwrfe mit der Feder, zwei davon haben
die Jahrszahl 1520.

22 bis 24. Kleine mit der Feder skizzirte Portraits, bei dem einen steht
neben der Jahrszahl 1503 Dr. Michael Roten sen:

25 und 26. Colorirte Studien, zu Kpfen und Hnden eines Gemldes der
ehemaligen Boissere'schen Sammlung.

27. Kopf, Kreidezeichnung vom Jahre 1508.

28. Mnnlicher Kopf mit einer Mtze, besonders frei gezeichnet in der
Art des M. Wohlgemuth.

29. Ein aufblickender, dornengekrnter Christuskopf von sehr
leidensvollem Ausdrucke, mit der Jahrszahl 1503. Dabei steht:

    whrend Krankheit gez:

30. Ein Kopf in Kohlen und Kreide vom Jahre 1503.

31. Federzeichnung eines alten Kopfes im Profil, bezeichnet 1505.

32. Jugendlicher Kopf mit Mtze, halb zur Seite gewandt. Kreidezeichnung
mit der Bemerkung alt 16 Jahr.

33. Ein leicht colorirter Frauenkopf mit der Jahrszahl 1510.

34. Ein sehr sorgfltig in Rothstift ausgefhrter Frauenkopf.

35. Kindskopf vom Jahre 1519 auf roth Papier mit Kreide gezeichnet und
wei gehhet.

36. Eine alte Frau auf roth Papier und wei gehhet.

37. Ein reizender wei gehheter Kindskopf auf grn grundirtem Papier.

38. Ein aufblickender Mannskopf.

39. Eine liebliche Federzeichnung vom Jahre 1514, zwei Kinderkpfe
darstellend.

40. Ein in die Hhe sehender Kindskopf auf grau grundirtem Papier, mit
Kreide sorgfltig ausgezeichnet und wei gehhet vom Jahre 1521, in der
Behandlung vllig bereinstimmend mit dem weinenden Kindlein von
demselben Jahre, aus der ehemaligen Imhoff'schen Sammlung,[73]
gegenwrtig im Besitze des Verfassers.

41. Herunterblickender Frauenkopf, auf gelblich blauem Grunde, wei
gehhet.

42. Lachender alter Kopf, auf dunkelgrnem Papier, wei gehhet, mit der
Jahrszahl 152-, die vierte Zahl ist nicht mehr erkennbar.

43. Ein sehr ausgefhrter wei gehheter Frauenkopf, bezeichnet 1520.

44. Lebensgroes Frauen-Portrait in Kreide, auf braunem Grunde. Der Kopf
ist mit einem Tuche bedeckt, fast wie ein Nonnenschleier, mit der
Jahrszahl 1521.

45. Kleineres mnnliches Portrait mit einem Barett, Oelskizze auf
Papier, von sehr warmer Frbung, fast in der Art des Titian.

46. Ein prchtiges lebensgroes Portrait eines Mannes, von vorn gesehen
und mit einer Mtze bedeckt. Kreidezeichnung auf gelblichem Papier.

47. Schner Mannskopf mit Barett, vom Jahre 1521.

48. Ein Frauenskopf mit Mtze, auf grau grundirtem Papier mit Kreide
gezeichnet und wei gehhet, mit der Jahrszahl 1522.

49. Portrait der Formschneiderin Fronica vom Jahre 1525. Sie ist mit
einer platten Mtze dargestellt, mit wenigen groartigen Meisterstrichen
in Kreide gezeichnet, auf schwarzem Grunde. Die Inschrift lautet

    Fronica Formschneiderin.[74]

50. Ein sehr sorgfltig gezeichnetes groes mnnliches Bildni, den Kopf
im Profil gesehen, mit der Jahrszahl 1527. Das Gewand ist mit Pelz
verbrmt.

51. Herrlicher, nach links gewandter Mannskopf mit spitzer Nase und
aufgeschlagener Mtze. Kreidezeichnung auf schwarz schraffirtem Grunde.

52. Kreidezeichnung eines alten Frauenkopfes, im Profil gesehen.

53. Mannskopf von mittlerer Gre mit Mtze, in Rothstift sehr schn
gezeichnet, besonders der Bart, mit der Jahrszahl 1523.

54. Federskizze eines Ritters in einer mit Stacheln versehenen Rstung.
Auf der Rckseite zwei fechtende Ritter.

55 und 56. Sorgfltig gezeichnete wunderbar verschlungene eckige
mathematische Figuren, vom Jahre 1506. Sie erinnern an die sechs
Knoten, B. 140-145.

57. Christus als Knabe im Tempel lehrend, ein leichter Feder-Entwurf.

58 und 59. Leichte Feder-Entwrfe zu Wappen.

60. Entwurf einer Fassung echter Steine, ohne Zweifel fr einen
Goldschmied.

61. Eine Federzeichnung in runder Form, welche drei weibliche Figuren in
Umrissen darstellt, in deren Mitte auf einem Altar sich ein Herz
befindet, welches zerschlagen werden soll. Eine andere weibliche Figur
liegt zu den Fen derselben.

62. Zwei Entwrfe des Wappens Albrecht Drer's mit lateinischen
Inschriften, bestimmt zu der Rckseite eines Portraits von Drer.

63. Anderer leichter Entwurf zu dem Wappen Albrecht Drer's.

64. Ein unbekanntes colorirtes Wappen.

65. Federzeichnung eines Wappens, welches mit der Kette des goldenen
Vliees umgeben ist.

66. Ein grau und schwarz getuschtes Wappen.

67. Der buntfarbige Flgel eines Vogels, mit wundervoller Feinheit auf
schwarzem Grunde gemalt.

68. Sehr reiche Composition, der Form nach fr eine Degenscheide
bestimmt. In der Mitte tragen zwei Kinder eine Vase, das Ganze ist mit
der Feder hchst geschmackvoll und elegant verziert.

69. Federzeichnung fr einen Ring.

70. Zwei mit der Feder gezeichnete Genien, welche ein reiches Gewinde
von Zweigen und Frchten halten.

71. Gehnge von Laubwerk und Frchten. -- Ein Phnix mit Verzierungen.

72. Entwurf eines Kelches mit Deckel, auf welchem oben ein Storch
befindlich, Federzeichnung.

73. Mit der Feder gezeichneter Entwurf eines geschweiften Kelches.

74. Zwei Lngen-Durchschnitte eines Kelches, gelb colorirte
Federzeichnung, vom Jahre 1514.

75. Federzeichnung eines ovalen Kelches, gelb colorirt, mit der
Jahrszahl 1526.

76. Zwei phantastisch verzierte Sulen, sehr schne colorirte
Federzeichnung vom Jahre 1515, daneben steht von Drer's Hand

    ~das sind Schtrch~.

77. Vortreffliche groe Federzeichnung eines sehr reichen Bechers mit
einem Deckelaufsatz in gothischer Architektur, colorirt.

An dem Fue sind Jger mit Hunden, Krieger, Bauern die mit der Erndte
beschftigt sind, und Hirten mit Vieh dargestellt.

78. Ein Vogel mit langem Schnabel, Zeichnung in Wasserfarben, oben
darber ein verziertes Band mit der Inschrift GI. GI. GIG.

79. Erster leichter Federentwurf zu dem Holzschnitt: der Darstellung im
Tempel aus unser Frauen Leben, B. 81.

80. Entwurf einer hnlichen Darstellung. Federzeichnung von groer
Feinheit, welche zum Theil auf das allersorgfltigste ausgefhrt ist.

Darunter steht:

    Albrecht Durer hatt dies stck gemacht In wenr ledige werd Jar.

81. Ein stehender Ritter mit einer Federmtze, eine Hellebarde in der
Hand. Federzeichnung vom Jahre 1510.

82. Darstellung des Jupiter in einem Oval, oben der Adler, unten
erschlagene Krieger und ein Kind. Federzeichnung. Darunter steht:

    A JVPITER XXXXVI 46

83 bis 90. Entwrfe zu venetianischen Tarockkarten, vielleicht von Drer
in Venedig gezeichnet.

91. Entwurf zu dem Holzschnitt des sich geisselnden Heiligen, B. 119.
Federzeichnung.

92. Federzeichnung eines dreibeinigen Gestells, wohl fr eine Kanne
bestimmt.

93. Sechs feine runde Federzeichnungen mit allegorischen Figuren.

94. Eine sehr schne Federzeichnung, welche Maria und Johannes
darstellt.

95. Zwei weibliche Figuren; die eine bekleidete hat ein Messer in der
Hand, die andre nackte trgt eine Wage. Federzeichnung.

96. Erster Entwurf mit der Feder zu dem Kupferstich die Nemesis, B.
77. Der eine der Flgel ist besonders gezeichnet und mit der ussersten
Feinheit und Sorgfalt ausgefhrt.

97. Federzeichnung einer fortschreitenden weiblichen Figur.

98. Christus am Kreuz, Federzeichnung vom Jahre 1511.

99. Ein verschanztes Lager mit sehr vielen Figuren, in der Ferne eine
Landschaft, -- reiche Federzeichnung.

100 bis 103. Entwrfe mit der Feder zu einem Altarbilde.

Das Mittelbild stellt die Krnung der Jungfrau dar, die Predella den Tod
derselben. Auf dem linken Flgel ist St. Georg und ein Heiliger mit
einem Reh, auf dem rechten ein heiliger Bischof mit einer Kirche und ein
Heiliger mit dem Kelche.

104 und 105. Darstellung zweier wilder Indianer von brauner Farbe, der
eine auf schwarzem, der andere auf weiem Grunde.

106. Eine weibliche Figur, darunter ein Thor mit der Durchsicht in eine
Landschaft. Federzeichnung.

107. Drei musicirende Figuren. Federzeichnung.

108. Eine weibliche Figur, welche sich vor einem Spiegel putzt. Das
Gerippe des Todes steht hinter ihr. Mit der Feder gezeichnet.

109. Das Innere eines Zimmers mit einem Camin. Federzeichnung mit der
Jahrszahl 1509.

110 bis 113. Vier leichte Federzeichnungen mit kleinen allegorischen
nicht wohl zu deutenden Figuren, anscheinend Muster fr Goldschmiede.

114. Die Jungfrau mit dem Kinde an einem Zaune sitzend; ein leichter
sehr schner Entwurf, hnlich dem Kupferstich der Jungfrau mit der
Birne, B. 41.

115. Christus im Oelgarten, eine sehr schne leichte Federzeichnung.

116. Christus erscheint seiner Mutter; zu beiden Seiten die knieenden
Portraite eines Ehepaars, letztere nur angelegt. Federzeichnung.

117 bis 121. Fnf reizende Entwrfe zu Goldschmieds-Arbeiten; bei einer
knieenden weiblichen Gestalt sind zwei verschiedene Kopfverzierungen
angebracht, und dabei steht von Drer's Hand geschrieben:

    Do mach welchen Kopfli Du wilt.

122 bis 126. Fnf leichte Federzeichnungen:

    Eine sitzende Ente.

    Eine Kreuztragung Christi.

    Die Marter der heiligen Catharina.

    Die Anbetung der Knige.

    Die Kreuztragung. (Die vier letzten Compositionen sind in der Form
    schmaler Frise.)

127. Schne Federzeichnung eines heiligen Georg, hier lter als
gewhnlich dargestellt.

128 und 129. Zwei schne sehr sorgfltige Federzeichnungen auf
Pergament; nach dem darauf befindlichen Wappen fr einen englischen
Edelmann bestimmt. Die eine stellt Christus, das Kreuz tragend, vor, mit
der Unterschrift:

    Qui non tollit crucem suam et sequitur me non est me dignus.

Die andere einen betenden Mann, welcher ein Kreuz trgt, mit der
Unterschrift:

    Nam si ambula vero in medio umbre mortis non time Bomala quoni
    tu mecu est.

130. Ein sehr schnes A als Initiale in Farben.

131. Zwei Genien auf einem Stabe fliegend, welche einen griechischen
Bchertitel tragen. Rthlich angetuscht.

132. Zwei Sulen-Capitle mit Kronen. Federzeichnung.

133. Die rechte Seite eines Adlers. Federzeichnung.

134. Der obere Theil eines Raubvogels.

135. Liegende Khe und Schaafe, erster Entwurf zu dem Holzschnitt Nr. 16
in dem dritten Buche von Drer's Underweysung der messung mit dem
zirckel u.s.w. Nrnberg 1525, Blatt Jij. Federzeichnung.

136. Zwei Hasen und ein Hirschkopf.

137. Colorirte Zeichnung eines Schnabelfisches, der Kopf desselben noch
besonders gezeichnet.

138. bis 141. Verschiedene Baum- und Landschafts-Studien, mit der Feder
gezeichnet, unter denen der mit unglaublicher Sorgfalt behandelte Stamm
eines Tannenbaums mit Aesten.

142. Studie einer brunlichen Felsmasse von Kalkstein, bezeichnet mit
dem Jahre 1506, und ohne Zweifel eine Naturstudie von der italienischen
Reise.

143. Landschafts-Studie in Wasserfarben, der Kopf einer Tanne ist
besonders dargestellt.

144. Farbenstudien von Pflanzen und Wurzeln.

145. Kreidezeichnung eines knieenden Christuskindes mit den
Leidens-Instrumenten.

146. Ein lesender Heiliger, in der linken Hand eine Palme haltend, auf
grau Papier, wei gehhet, vom Jahre 1520.

147. Ein Jngling mit einem Lockenkopf unter einem Baume, welcher die
Viola spielt, sehr schne Farbenzeichnung mit der Jahrszahl 1507, die
Umrisse mit der Feder.

148. Ein knieender Heiliger, hinter ihm der Henker.

149. Erster Entwurf zu dem Kupferstich des verlorenen Sohnes, B. 28.
Sehr schne Federzeichnung; die Figur des verlorenen Sohnes und ein
Theil der Schweine sind ausgefhrt, das Uebrige -- namentlich die
Gebude -- ist nur angelegt.

150. Nrnberger Matrone in ganzer Figur, dieselbe, welche auf dem
Holzschnitt der Vermhlung in unser Frauen Leben, B. 82, vorkommt.

151. Colorirte Zeichnung, welche eine weibliche Figur mit brennender
Fackel darstellt, zu welcher ein von Bienen verfolgter Amor luft. Neben
diesem sieht man drei Bienenkrbe, von denen der eine umgestrzt ist.
Zur Seite steht Pluto und

    Der Bienen stich bringt groen Schmerz
    So auch die Lieb verwundt manches Hertz
    Mit Freud an Lust mit Angst und Qual
    Lieb ist voll Honig und bitter gall.

152. Die allegorische Figur des Mammons mit dem Merkurstabe, welcher die
verschiedenen Stnde an Ketten nach sich zieht, einen Kaufmann, einen
Gelehrten, einen Krieger, ein Frauenzimmer. Colorirte Zeichnung.

153. Eine Federzeichnung auf braunem Grunde, den oberen Theil eines
Portals mit acht reizenden Knaben darstellend, mit dem Wappen des
Cardinals Longius von Augsburg, Bischof von Gurk, zur Zeit Julius II.

154. Studie in Kreide von zwei Unterarmen und Hnden, vom Jahre 1518.

155. Vortreffliche Federstudie von Armen und Hnden zu einer Eva, welche
den Apfel fat, und einem Adam. -- Daneben Felsenstudien.

156. Drei Entwrfe mit der Feder auf schwarzem Hintergrunde, in jedem
eine Eva mit dem Apfel in einer anderen Stellung darstellend.

Zwei davon sind mit der Jahrzahl 1506, einer ist 1507 bezeichnet.

157. Entwurf eines Apollo, in der Hand eine Sonne, in welcher der
rckwrts geschriebene Name Apollo steht.

158. Umri einer weiblichen Figur, mit einem eingetheilten Zirkel, vom
Jahre 1500. Der Grund ist grn schraffirt und auf der Rckseite befindet
sich dieselbe Figur mit Eintheilungen. Auf einem Blatt in klein Folio
daneben steht eine Erklrung in 44 Zeilen von Drer's Hand. -- Es ist
dies wohl einer der ersten Versuche zu dem von Drer mit so
unglaublicher Ausdauer und Sorgfalt whrend seines ganzen Lebens
vorbereiteten Werke Vier Bcher von menschlicher Proportion, 1528.[75]

159. Umri einer fortschreitenden mnnlichen Gestalt, von der Seite
gesehen, mit der Jahrszahl 1526, anscheinend Studie zu demselben Werke,
denn auf der Rckseite ist dieselbe Figur mit mathematischen
Einteilungen.

160. Umri derselben Figur, von vorn gesehen, ebenfalls mit Einteilungen
auf der Rckseite, vom Jahre 1526.

161. Zeichnung vom Jahre 1509, oben rund. Sie stellt Gott Vater, von
Engeln umgeben dar, unten sind Engel, welche Teufelsgestalten
niederstrzen, rechts zur Seite wird einem knieenden Manne --
augenscheinlich Portrait -- von einem Engel zugesprochen.

162 und 163. Colorirte Federzeichnungen zu einem Schuh in natrlicher
Gre, nebst dabei geschriebenen Erluterungen.

164. Federzeichnung des St. Antonius des Einsiedlers mit Kreuz und
Glocke, welcher in einem Buche liest.

165. Colorirte Zeichnung zweier fliegender Engel, welche eine Krone
tragen.

166. Ein Kameel, auf beiden Seiten des Blattes mit der Feder gezeichnet,
aus der Sammlung des Sir Peter Lely.

167. Eine Maria mit dem Kinde auf einer Rasenbank sitzend, in einem
reichen weit ausgebreiteten Gewande; reizende, sehr leichte
Federzeichnung, mit der Jahrszahl 1503.


=ad 5.= In dem =Kniglichen Kupferstich-Cabinet= zu =Berlin=, besteht
der Hauptschatz Drer'scher Zeichnungen in 57 Portraitskizzen aus der
frheren Sammlung des Herrn von Derschau in Nrnberg, welche zu der etwa
gleichen Zahl gehren, die Heller aus derselben Sammlung erwarb und in
seinem Leben und Werken Albrecht Drer's, pag. 21 bis 34, nher anfhrt
und beschreibt. --

Smmtlich sind sie mit Kohle und Kreide meist sehr leicht gezeichnet und
die dargestellten Personen nach links gewendet, bis auf eine einzige
Ausnahme[76], ganz im Profil dargestellt.

Gleich den Hellerschen -- gegenwrtig in der Stadtbibliothek zu Bamberg
aufbewahrten -- sind die Zeichnungen silhouettenartig ausgeschnitten und
auf starkes weies Papier geklebt, so da die Wasserzeichen selten
wahrgenommen werden knnen.

Nach den alten Unterschriften und der Einordnung des Kniglichen
Kupferstich-Cabinets sind die Dargestellten:

    Frstliche Personen, 10, als:

    Markgraff Jochain Churfrst
    Markgraff Jochain, Sohn
    Frau Margareth,
    Bischoff zu Brandenburg,
    Albrecht Bischoff und Churfrst zu Maintz,
    Der von Anhaldt,
    Gerg Graf zu Wirtenberg,
    Friedrich von Bayern, Pfalzgraff etc.
    Zwei ohne Namensbezeichnung.


    Vornehme vom Adel, 5, als:

    Ulrich von Hutten,
    Bonaventura Fortenbach,
    Graf Bertolt von Henneberg,
    N. von Emershofer, Teutscher Herr,
    Sigmundt von Dietrichstein.


    Geistliche, 9, als:

    Bischoff zu Trient,
    Mathias Archiepiscob Saltzburg,
    Johannes Administrator Episcop: Ratisp,
    Bischoff zu Speyer,
    Abbas fontis Salicitis,
    Udalricus Abbas S. Pauli, Vallis Lauentenensis,
    Abbas Scti Egidij Nrmberge,
    Prediger bei St. Egidien,
    Melchior Pfintzing Abt zu St. Sebald und St. Victor.


    Patrizier, Nrnberger, 15, als:

    Bernhardt Hrvogel,
    Felix Hemsin im Hof,
    Gerg Folkheimer,
    Katharina Folkhaimerinn,
    Ulrich Starkh,
    Enders im Hof,
    Georg Schlauderspach,
    Sebaldt Pfinzing,
    Barbara Schedlin,
    Anna Maria Pfinzinginn,
    Martin Pfinzing,
    Thomasin Florianus,
    Lorentz Staiber,
    Friedrich Behaim,
    Herr Heinrich Stainheurl.

    Verschiedene, 18, als:

    Portugales,
    Vintzentz Pumbelt,
    Maister Lucas,
    Hanns Tummer,
    Hug Huebner,
    Hoffrulein bey der E. Herzoginn Margareth,
    Jacob Ponisio,
    Braun Engel,
    Maister Conrad Schnitzer,
    Heinrich Schlicke,
    Maister Mathes Parbierer,
    Thomas Polonius,
    Hoffrulein bey der E. H. Margareth,
    Maister Hans Voltz Parbierer,
    Vier ohne Namensunterschrift.

Ausser diesen Portraitskizzen, die ohne Zweifel von den Skizzenbchern
herrhren, welche Drer mehrfach in dem Tagebuche seiner niederlndischen
Reise erwhnt, von denen aber nur etwa ein Dutzend dieser Reise
angehren, besitzt das Cabinet drei ausgefhrtere Portraitzeichnungen in
Kreide.

1. Ein besonders schnes krftig gezeichnetes mnnliches Brustbild, 13
Zoll 6 Linien hoch, 9 Zoll 6 Linien breit, mit dem Monogramm und der
Jahrszahl 1520 bezeichnet.

Das etwas zur Linken dem Beschauer zugewendete Gesicht ist zu beiden
Seiten durch volles Lockenhaar gehoben, welches ein barettartiger Hut
bedeckt.

2. Ein nach rechts gewendeter Frauenskopf mit Drers Monogramm, hoch 11
Zoll, breit 8-3/4 Zoll, krftig schattirt.

3. Weibliches Brustbild mit halb geschlossenen Augen, etwas nach rechts
gewendet und leicht colorirt, mit der Jahrszahl 1505 und dem Monogramm
bezeichnet. Hoch 10 Zoll, breit 7-1/2 Zoll. Der Kopf ist mit einem
Schleier bedeckt.

Die Zahl der brigen dem Albrecht Drer zugeschriebenen Zeichnungen
beluft sich auf 62 Blatt, doch ist manches darunter was zweifelhaft
sein, mehreres, welches unserm Meister entschieden nicht angehren
drfte.

Ausgezeichnet schn ist ein Studienblatt ohne Monogramm und Jahrszahl,
hoch 14 Zoll 6 Linien, breit 10 Zoll 7 Linien, auf welchem ausser zwei
Muscheln, zwei Flgel eines Vogels und mehrere einzelne Federn mit der
hchsten Farbenpracht und der bewundernswrdigsten Feinheit des Pinsels
in Wasserfarben ausgefhrt sind. Sie gehren zu dem Schnsten welches
Drer in dieser Art gearbeitet hat.

Nicht minder schn und vollendet ist der Flgel eines Vogels, ebenfalls
in Wasserfarben, aus der berhmten Crozat Mariette'schen Sammlung, Hoch
6 Zoll 7 Linien. Breit 4 Zoll 8 Linien mit dem Monogramm und der
Jahrszahl 1500 bezeichnet.

Die Federn sind schwarz mit weien Spitzen und einigen grnen gemischt.

Von den zahlreichen Darstellungen von mancherlei Thieren und Inseckten,
letztere in natrlicher Gre, die Thiere meist in kleinem Format und
colorirt, sind 20 Blatt wohl entschieden cht.

Unter den brigen colorirten Zeichnungen verdienen besonderer Beachtung:

Die Darstellung eines Bades in einem von hohen Felsen umgebenen
Wasser-Bassin mit zwei Frauen und vier Mnnern, von denen der eine die
Geige spielt.

Die Zeichnung ist hoch 11 Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 6 Linien, und
scheint nach einer zweizeiligen Unterschrift von Drer's Hand, welche
sich auf die Ausfhrung bezieht, als Modell fr eine
Goldschmieds-Arbeit, entworfen zu sein.

Ein runder auf zwei Vogelbeinen stehender Kessel auf dessen Deckel ein
Lwe ruhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1513 bezeichnet, darber
ist eine Bandrolle mit der Inschrift FORTES FORTUNA JUVAT. Hoch 10 Zoll,
breit 8 Zoll.

Ausgefhrte Federzeichnungen und Entwrfe zu bekannten Kupferstichen
oder Holzschnitten Drer's fehlen der Sammlung, doch stellt eine artige
Federzeichnung einen auf dem linken Knie ruhenden Kriegsmann dar, der in
der linken Hand einen Hahn, mit der rechten einen Becher empor hlt. Sie
ist hoch 9 Zoll 4 Linien, breit 6 Zoll 7 Linien und hat das Monogramm
mit der Jahrszahl 1501.

Eine leichte Federzeichnung mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1510
hoch 8 Zoll 9 Linien, breit 6 Zoll 2 Linien zeigt den heiligen
Augustinus stehend.

Ausgezeichnet ist ein mit dem Monogramm versehener leichter
Federentwurf, hoch 7 Zoll 10 Linien, breit 12 Zoll, welcher fast nur in
Umrissen den von verschiedenen Nationen und Stnden getragenen Erlser
darstellt.

Christus sitzt, als Mann der Schmerzen, umgeben von Maria und Johannes,
auf dem Rande eines viereckten Brunnen-Beckens, unter einem geschweiften
und verzierten Thronhimmel. An drei Seiten des Beckens sieht man
Delphine, auf welchen musicirende Engel sitzen. Es wird durch zwei lange
Tragstbe auf den Schultern von 15 Mnnern getragen, von denen 7 vorn
und 8 hinten gehen und welche verschiedene Nationen und Stnde, jedoch
mit Ausnahme des Wehrstandes, darstellen.

Ein fast lebensgroer liegender Haase, von vorn gesehen, in Wasserfarben
auf Pergament, hoch 13 Zoll, breit 9 Zoll 6 Linien, hat neben dem
Monogramm die Jahrszahl 1528.

Ein nach rechts gewendeter Christuskopf mit der Dornenkrone, in einer
Rankeneinfassung wie man solchen wiederholt von unserm Meister
antrifft, ist hier auf grnem Grunde mit Gold gehhet, und auf einem
Tfelchen neben dem Monogramm mit 1510 bezeichnet.

Ein Blatt von prparirtem Papier aus einem der Skizzenbcher Drer's,
hoch 7 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 6 Linien, ist auf beiden Seiten mit
je zwei sehr fein mit einem Metallstift gezeichneten Landschafts-Studien
bedeckt, die eine davon ist leicht colorirt. Darber stehen auf einer
Seite undeutliche Inschriften und die Jahrszahl 1514. Auf der andern
Seite liest man von Drer's Hand Kaltemstall bei stuckart 1515, wonach
anzunehmen sein drfte: da Drer die in diesem Jahre angetretene Reise
nach Augsburg auch weiter ausgedehnt habe.


=ad 6.= Die Sammlung Drer'scher Zeichnungen des verdienstvollen =Joseph
Heller= ist dessen letztwilliger Verfgung zufolge, welche seinen ganzen
Kunstnachlass der Stadt =Bamberg= berwies, gegenwrtig der dortigen
Stadt-Bibliothek einverleibt und wchentlich zweimal, Mittwochs und
Sonnabends, Jedermann zugnglich. Der frhere Besitzer hat dieselbe im
2. Band seines Lebens u.s.w. Albrecht Drer's pag. 19 bis 34
beschrieben.

Von besonderem Interesse ist darin die bedeutende Zahl der
ausgeschnittenen Portrait-Skizzen, in Kohlen und Kreide, aus Drer's
Skizzen-Bchern, welche vorher im Besitz des Herrn von Derschau in
Nrnberg waren, und von denen mehr als 30 nach dem Tagebuche unsers
Meisters, auf dessen Niederlndischer Reise gezeichnet sind. Sonst ist
mehreres Zweifelhafte unter den Blttern, von groer Schnheit inde der
auf Pergament in den glnzendsten Farben ausgefhrte Flgel eines
Vogels.


=ad 7.= Die von dem verstorbenen Senator Dr. =Klugkist= in =Bremen= mit
dem regsten Kunsteifer und unter besonders glcklichen Umstnden
zusammengebrachte reiche Sammlung der Werke Albrecht Drer's hat
derselbe seiner Vaterstadt vermacht, wo sie in der dortigen Kunsthalle
verwahrt wird. Sie enthlt an Drer'schen Zeichnungen 33 Stck, welche
frher der von Grnling'schen Sammlung in Wien angehrten und von Heller
pag. 120 und folgende unter den Nummern 1, 2, 4, 6, 8, 10, 11, 12, 14,
16, 17, 18, 19, 20, 22, 23, 25, 27, 28, 31, 32, 35, 36, 39, 40, 41, 43,
44, 45, 46, 48, 49 und 50 beschrieben sind.

Nicht alle haben gleichen Werth, einige sind zweifelhaft, dagegen
befinden sich auch darunter verschiedene ganz vortreffliche
Bltter, sehr interessante Studien von Gewndern und Hnden, sowie
Landschafts-Skizzen nach der Natur von Drer's Reisen und die
merkwrdige von Heller unter Nr. 28 aufgefhrte Zeichnung, welche mit
der Jahrszahl 1489 und noch nicht mit dem Monogramm, sondern den bei
einander stehenden Buchstaben AD bezeichnet, einen hchst interessanten
Blick in die frhesten Kunstleistungen unsers Knstlers thun lt.

Ausser diesen Zeichnungen der von Grnling'schen Sammlung befinden sich
noch folgende sehr beachtungswerthe Arbeiten Drer's in dieser Sammlung,
als:

1. Brustbild des Cardinal-Churfrsten Albert von Mainz, Federzeichnung
vom Jahre 1518, hoch 5 Zoll, breit 3 Zoll 9 Linien.

Es ist die Zeichnung, welche zu dem Kupferstiche B. Nr. 102 gedient hat,
und die Schrift ist, um bequemer danach zu arbeiten, verkehrt
geschrieben.

2. In einer Landschaft hlt rechts ein Kaiser zu Pferde mit Gefolge, vor
ihm kniet ein Mann, anscheinend ein Verbrecher, welcher nach der links
auf einer Anhhe sichtbaren Richtsttte gefhrt werden soll. Hinter ihm
ist ein Soldat mit anderen nachfolgenden. Sehr reiche Federzeichnung,
hoch 9 Zoll 6 Linien, breit 8 Zoll.

3. Mnnliche Figur auf beiden Seiten des Blattes gezeichnet zu dem Werke
der menschlichen Proportionen mit Zahlen und Bezeichnungen, auch der
Jahrszahl 1513 versehen, feine Federzeichnung, hoch 10 Zoll 4 Linien,
breit 8 Zoll 9 Linien.

4. Eine leicht colorirte Zeichnung, welche einen Bauer und eine Buerin
neben einander stehend darstellt. -- Sie umfat ihn lachend von hinten
und fhlt mit ihrer linken Hand in des Mannes Munde nach dessen Zhnen.
Mit 1515 bezeichnet, hoch 11 Zoll, breit 6 Zoll 4 Linien.

5. Federskizze zu dem Holzschnitt der Tod der Maria in unser Frauen
Leben, B. Nr. 93, hoch 11 Zoll, breit 8 Zoll, aus der Sammlung Esdale.

6. Federzeichnung, welche die heilige Catharina sitzend darstellt, neben
ihr das Rad und die Jahrszahl 1526. Hoch 9 Zoll, breit 7 Zoll 3 Linien.

7. Ein Dampfbad voll Frauen und Kinder, unter welchen sich eine sehr
dicke alte sitzende Frau sowohl durch ihre Hlichkeit als einen
wunderbaren runden Aufsatz des Kopfes auszeichnet.

Diese merkwrdige Federzeichnung, welche die Jahrszahl 1496 und noch die
Buchstaben AD neben einander stehen hat, ist auffallend in ihren
Beziehungen zu dem Holzschnitte des Bades, B. Nr. 128, und besttigt
meine Ansicht, da dieser Holzschnitt zu den frheren unsers Meisters
gezhlt werden mu. Die Zeichnung ist mit besonders schwarzer Dinte
gearbeitet und nicht ganz so fein, wie Drer's sptere Federzeichnungen,
jedoch keineswegs roh. Sie mit in der Hhe 8 Zoll 7 Linien, in der
Breite 8 Zoll 5 Linien.

8. Ein nackter Mann und eine nackte Frau werden von dem Teufel umfat,
am Boden liegt ein Kind. Der Mann ist dem Beschauer zugewendet und durch
ein in der Hand haltendes Schild mit Spitze darunter (vgl. B. Nr. 66)
als Krieger gekennzeichnet. Rechts an der Ecke sieht man einen
Schweinskopf mit der Glocke unter dem Halse, -- hoch 10 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll.

9. Ein Soldat, das Schwert an der Seite, die Lanze in der Hand.
Federzeichnung, hoch 11 Zoll 8 Linien, breit 6 Zoll.

10. Eine Frau, welche vor einem Steinsockel kniet, Federzeichnung, hoch
6 Zoll, breit 4 Zoll.

11. Wei gehhete Kreidezeichnung auf roth grundirtem Papier, hoch 8
Zoll 6 Linien, breit 6 Zoll 11 Linien, aus den Sammlungen Greffier Fagel
und Roscoe. Sie stellt einen jugendlichen weiblichen Kopf, von vorn
gesehen, dar.

12. Die berhmte kleine leicht colorirte Zeichnung, frher in den
Sammlungen Greffier Fagel, Roscoe und Esdale, welche in England fr die
letzte Zeichnung Drer's gehalten wurde.[77]

Sie ist nur 4 Zoll 5 Linien hoch und 4 Zoll breit, und stellt unsern
Meister in ganzer Figur, nackt bis auf die Schamtheile, dar. Man sieht
an der linken Seite des Unterleibes einen runden gelben Fleck, auf
welchen er hinweist. Darber steht mit Drer's Hand geschrieben:

    Do der gelb Fleck ist, und mit dem Finger darauff deut Do ist mie
    weh.

Auf der Rckseite dieses Blttchens befindet sich eine alte hollndische
Inschrift mit einer englischen Uebersetzung darunter, welche besagt, da
da Drer an der Pest gestorben sei, dieses wahrscheinlich die letzte
Zeichnung von ihm wre. Beides ist unbegrndet, doch schreibt Drer in
seinem Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden,[78] da ihm zu
Antwerpen in der dritten Woche nach Ostern 1521 eine wunderliche
Krankheit berkam, von deren ich nie von keinem Man gehrt, und diese
Krankheit hob ich noch.

Da er sich hier mit langem Haar und Bart abgebildet hat, wie er solche
auf jener Reise getragen, so wird sich diese Zeichnung wahrscheinlich
auf die erwhnte Krankheit beziehen und mchte er sie wohl angefertigt
haben, um einen entfernten Arzt in Rath zu nehmen.


=ad 8.= Die Kniglich Schsische =Bibliothek= im Japanischen Palais zu
=Dresden= bewahrt einen Schatz Drer'scher Zeichnungen, welcher bisher
fast ganz unbekannt geblieben ist.[79] Sie sind dem dort befindlichen
Manuscripte Drer's von dem ersten Buche seiner vier Bcher von
menschlicher Proportion nebst den dazu gehrigen Federzeichnungen,
angebunden. Dieses Manuscript befindet sich in einem Foliobande in
braunem Leder, der frher dem Grafen Brhl gehrte und Anno 1730 von dem
Magister Ngelein in Nrnberg gekauft war.[80]

Vor den angebundenen Zeichnungen steht der geschriebene Titel:

    Varj Skizzi di manu propria di Alberto Durero Pittore Allemanno
    und das Drer'sche Monogramm darunter.

Es sind 94 Blatt, fast lauter Federzeichnungen und Studien, welche den
Eindruck machen, als wren sie ohne Auswahl aus dem Nachla unsers
fleiigen Knstlers zusammen gerafft. --

Die einzelnen, hufig auf beiden Seiten bezeichneten, Bltter haben eine
Hhe von 11 Zoll und eine Breite von 7-1/2 Zoll, oder sind zu jener Hhe
zusammen geklebt. Ein groer Theil sind Vorarbeiten zu Drer's Werk der
menschlichen Proportionen, welche die Jahrszahlen 1512, 1513 und 1519
tragen, theils Kpfe im Profil von allerlei Form, theils ganze Figuren,
wovon einige rthlich angetuscht sind und grne Schraffirungen zum
Hintergrunde haben. Ausserdem sind eine Menge anderer Gegenstnde,
theils auf besonderen, theils auf denselben Blttern, worauf sich die
vorerwhnten Darstellungen befinden, mit der Feder entworfen. Nicht alle
haben das Monogramm des Meisters, doch tragen sie smmtlich den
unverkennbaren Stempel der Originalitt. Der Reihenfolge nach sind auf

Blatt 1. Drei Kpfe mit der Unterschrift Weib und der Jahrszahl 1512,
darunter das Monogramm.

Unten ist der Vorgrund einer Landschaft, auf der Rckseite verschiedene
Gesichter.

2. Mnnerkpfe, auf der Rckseite dieselben Kpfe durchgezeichnet.

3. Vier Kpfe, auf der Rckseite dieselben.

4. Fnfzehn verschiedene Profilkpfe, auf der Rckseite dieselben
durchgezeichnet.

5. Zwei Hnde. Oben eine kleinere, unten eine grere, dazwischen das
Monogramm.

6. Eine Hand.

7. Zwei Fe.

8. Zwei Oberbeine, mit einem Fu und zwei Fe, welche auf der Rckseite
durchgezeichnet sind.

9. Ein dreifacher Zirkel, darber eine Gewandstudie.

10. Sehr schn ausgefhrte Studie einer lebensgroen Hand. Das Blatt ist
bezeichnet 9.

11. Sechs karikirte Profilkpfe, auf der Rckseite vier solche Kpfe,
zwei in eckige Figuren eingetheilte Kpfe, links die Figur eines
heiligen Petrus. Bezeichnet 10.

12. Mnnliche Figur von drei Seiten, oben die Jahrszahl 1513, unten das
Monogramm. Auf der Rckseite ein Bein. Bez. 11.

13. Eine groe und eine kleine mnnliche Figur, von vorn gesehen. Auf
der Rckseite dieselben Figuren von hinten gesehen und meisterlich
schraffirt. Bez. 12.

14. Mnnliche Gestalt, von vorn gesehen. Auf der Rckseite zwei hnliche
Gestalten, wovon die eine mit ausgestrecktem Arm. Bez. 13.

15. Mnnliche Gestalt, von vorn gesehen, ohne Arme, in Zirkel
eingetheilt. Bez. 14. Auf der Rckseite dieselbe durchgezeichnet.

16 und 17. Mnnliche Gestalten, von zwei Seiten gesehen. Bez. 15 und 16.
Die zweite durchgezeichnet, beide schraffirt.

18. Eine mnnliche Figur mit ausgestrecktem Arm. Unten das Brustbild
eines alten Mannes mit Hut und Mantel.

19. Mnnliche Figur von zwei Seiten. Auf der Rckseite dieselbe
durchgezeichnet und schraffirt, mit der Jahrszahl 1519. Bez. 28.

20 bis 23. Vier Blatt mit verschiedenen mnnlichen Figuren.

24 bis 26. Drei Blatt mit hnlichen Figuren, das eine trgt die
Jahrszahl 1519.

27 bis 30. Vier Blatt mit hnlichen Figuren, von denen das eine mit der
Jahrszahl 1513.

31 und 32. Zwei Blatt mit mnnlichen Figuren, rthlich angetuscht auf
grn schattirtem Hintergrunde.

33 bis 36. Vier Blatt mnnliche Figuren, auf den Rckseiten meist
durchgezeichnet und schraffirt.

37. Anlage einer mnnlichen Figur, links oben Christus, der vor den
hohen Priester gefhrt wird, Federskizze in der Weise der kleinen
Holzschnitt-Passion. Bez. 29.

38 und 39. Zwei Blatt mit mnnlichen Figuren, auf dem einen ist die
Jahrszahl 1513.

40. Figur eines Mannes, unten ein Gewandstudium.

41. Zwei mnnliche Figuren, auf der Rckseite eine jugendliche mnnliche
Figur im Umrisse, umzeichnet mit eleganter durch Bandschleifen
verzierter Kleidung.

42. Hnde, Beine und ein einzelner Finger im Skelett.

43. Beine.

44. Eine Figur, welche einen Stein in der Hand hlt, mit dem Monogramm
und der Jahrszahl 1513 darber. Auf der Rckseite ist dieselbe Figur
schraffirt auf schwarzem Hintergrunde.

45. Eine karikirte Figur mit ausgebreiteten Armen, aus lauter Quadraten
zusammen gesetzt, darunter steht von Drer's Hand

    Niklas am Romargt.

46 und 47. Zwei Blatt Figuren.

48 bis 51. Vier Blatt menschliche Figuren, in eckige mathematische
Formen eingetheilt.

52. Eine dicke weibliche Figur im Umri, zur Seite eine sitzende Figur,
welche etwas, das sie in der Hand hlt, aufmerksam betrachtet. Das
Monogramm steht unten.

53. Eine sehr dicke weibliche Figur mit der Jahrszahl 1508 und dem
Monogramm.

54 bis 62. Neun Blatt weibliche Figuren in Umrissen.

63. Weibliche Figur mit einem wunderlich gewundenen Leuchter, auf
welchem sich ein brennendes Licht befindet.

64 und 65. Zwei Kinder in Umrissen.

67. Figur eines sehr dicken Weibes im Profil. Zur Seite rechts Maria mit
dem Kinde und einem Engel darber in Wolken. Leichte Federskizze, unten
Studie eines alten Kopfes.

68. Gewandstudie.

69. Sulenstudien. Ein Capital mit ausgefhrter Blattverzierung, bez.
65. Auf der Rckseite leichte Studie zu dem Triumphwagen des Kaisers
Maximilian mit einem Pferde.

70. Schraffirte Kopfstudie, bez. 66.

71. Schraffirte Figurenstudie, bez. 67.

72. Figurenstudie, darunter zwei karikirte mnnliche Kpfe im Profil.
Auf der Rckseite eine Mutter mit ihrem Kinde in leichten Umrissen.

73. Zirkelstudien, unten eine Gewandstudie, bez. 69. Auf der Rckseite
Gewandstudie und Abbildung von Zirkeln mit Stellschrauben.

74. Sieben verschiedene Gewandstudien, bez. 70.

75. Ein schraffirtes Bein. Skizze der Figur eines Knigs. Zeichnung des
Mannes im Talar und Mtze zu dem Holzschnitt 61 des Werkes der
Underweysung der messung, mit dem zirckel etc., 4. Buch Q. (Erste
Edition von 1525.) Ein aufblickender Kopf. Ein mit Linien eingeteilter
Kopf, von vorn gesehen. Bez. 71.

76. Ein Knig auf dem Thron, mit verschiedenen Figuren umher. Zwei
Figuren bringen groe Vasen, wie zum Geschenk, herbei. Bez. 72.

77. Studien von Sulen-Capitlen. Eine Gewandstudie. Bez. 73. Auf der
Rckseite ein galoppirendes Pferd und andere Pferdestudien.

78. Zwei Krge, darunter ein colorirter Lindwurm, mit dem Monogramm und
der Zahl 7 daneben. Auf der Rckseite mathematische Figuren und eine
Felsenlandschaft mit Bumen. Bez. 74.

79. Ein galoppirendes wildes Schwein mit dem Monogramm darber. Unten 16
Zirkelschlge, einer ber dem andern. Auf der Rckseite die Vorrichtung
zum Zeichnen einer Vase. (Drer's Werk der Underweysung der meung, mit
dem zirckel u.s.w.) 2. Ausgabe, Blatt Qiij.

80. Ein kleineres Blatt mit zwei Studien zu obigem Zeichnen der Vase,
bez. 1514.

Ein groes Blatt, welches ebenfalls zu diesem bei Bartsch unter Nr. 148
aufgefhrten Holzschnitt gehrt.

Merkwrdig ist: da Drer diese schon 1514 entworfene Zeichnung bei der
von ihm im Jahre 1525 veranstalteten ersten Ausgabe des betreffenden
Werkes nicht benutzt hat und da solche erst bei der 1538 veranstalteten
2. Ausgabe im Holzschnitt zur Geltung gekommen ist.

Unten auf diesem Blatte ist noch die Studie einer Hand.

81 und 82. Zwei kleine Bltter mit verschiedenen mathematischen
Figuren.

83. Studien zu einem Thurm, bez. 77.

84. Architectonische Studien zu Sulen-Capitlen.

85 bis 91. Sieben Blatt mit verschiedenen Krgen und Vasen in Umrissen.

92. Sechs verschiedene verzierte Kelche mit Deckeln -- ohne Zweifel
Modelle fr Goldschmiede -- in sehr sauberen Federumrissen.

93. Eine verzierte Deckelschale.

94. Eine flache Schale mit Deckel.


=ad 9.= In der reichen Kniglichen =Bibliothek= zu =Mnchen= befindet
sich das kstliche Gebetbuch auf Pergament, welches Drer im Jahre 1515
mit 43 Randzeichnungen verziert hat. -- Die Randzeichnungen sind durch
die lithographischen Nachbildungen von N. Strixner allgemeiner bekannt
geworden; so gelungen diese Nachbildungen auch im Allgemeinen sind, so
erreichen sie doch bei weitem nicht die Feinheit der meisterlichen
Federfhrung Drer's, welche in der mannichfaltigsten Anwendung die
hchste Bewunderung erregt.


=ad 10.= Die =Stadtbibliothek= zu =Nrnberg= ist seit dem Jahre 1835 im
Besitz einer Sammlung von Bruchstcken Drer'scher Manuscripte und
Federskizzen, ber welche der Herr Inspector Becker in seinem Aufsatz in
dem Archiv fr die zeichnenden Knste von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 20 und folgende, Nheres mitgetheilt hat. --

Eine bedeutende Zahl schner und feiner Federstudien, welche zum grten
Theil wie jene Bruchstcke sowohl zu den drei letzten Bchern von
menschlicher Proportion wie zu der Underweysung der meung, mit dem
zirckel etc. gehren, sind den Manuscriptblttern angebunden. Die
Zeichnungen zu dem 2. bis 4. Buch von menschlicher Proportion sind
aber hchst lckenhaft und es wird dadurch erklrlich: da so manche
Federzeichnung, zu den in diesem Werke befindlichen Holzschnitten, in
den verschiedensten Sammlungen angetroffen wird.


=ad 11.= Die Zeichnungen der =Ambraser-Sammlung= sind von Heller, pag.
95 bis 97 nher beschrieben, sie zeichnen sich durch die vortrefflichste
Erhaltung aus.

Ausser den hier beschriebenen ist noch eine colorirte Zeichnung
vorhanden, welche 5 Zoll 8 Linien hoch und 8 Zoll 9 Linien breit den
Arion mit der Harfe auf einem Delphin darstellt und die Ueberschrift hat

    PISCE SVPER CVRVO VECTVS CANTABAT ARION.

Die hchst interessanten drei Zeichnungen, welche der 1822 verstorbene
Rentmeister Pfaundler in Inspruck der Ambraser-Sammlung vermacht hat
und von Heller pag. 44 und 45 unter 1, 2 und 4 erwhnt werden, sind
ebenfalls dem Kunstbuche eingefgt und hat die letzte vom Jahre 1525,
den Traum darstellend, noch die Merkwrdigkeit, da der ganze
Papierbogen derselben unbeschnitten erhalten ist. Er mit 16 Zoll 6
Linien in der Hhe und 11 Zoll 3 Linien in der Breite und hat das
Wasserzeichen des gekrnten Schildes mit Lilien, Nr. 11.


=ad 12.= In der Sammlung des =Stdel'schen Instituts= in =Frankfurt
a.M.= verdienen unter den Drer'schen Handzeichnungen eine besondere
Beachtung:

Das sehr fein mit der Feder gezeichnete Portrait des Blankfeld, Drer's
Wirth zu Antwerpen, welches der verdienstvolle Inspector Passavant fr
seine Anstalt in Rom zu erwerben das Glck gehabt hat.

Zwei mit ausserordentlicher Feinheit gezeichnete Studien von Figuren aus
Sir Thomas Lawrence's Sammlung.

Die bereits pag. 67 erwhnte Zeichnung, Christus im Oelgarten betend;
mit ausgebreiteten Armen in Kreuzesform, auf dem Boden niederliegend,
dargestellt. Es ist eine eben so schne als vortrefflich erhaltene
Federzeichnung vom Jahre 1521.


=ad 13.= Das Knigliche =Kupferstich-Cabinet= in =Mnchen= hat mehrere
Zeichnungen Drer's, namentlich

1. Die Federzeichnung zu dem Holzschnitt, B. 2, Simson mit dem Lwen, 10
Zoll hoch, 8 Zoll 9 Linien breit.

Der Lwe ist sehr schn, die Zeichnung, ein Bruchstck, nicht frei von
Einzeichnung fremder Hand.

2. Ein schner mnnlicher Portraitkopf in Kreide, hoch 12 Zoll 6 Linien,
breit 10 Zoll 6 Linien.

3. Ein von vorn gesehener Engelskopf auf grn grundirtem Papier, wei
gehhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1508, hoch 9 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll 2 Linien.


=ad 14.= Das =Kupferstich-Cabinet= zu =Dresden= bewahrt an Zeichnungen
unsere Meisters, welche besondere Bercksichtigung verdienen:

1. Die Jungfrau mit dem Kinde in einer Landschaft vor Gebuden sitzend,
vier spielende Engel vor ihr, auf braunem Grunde mit der Feder
gezeichnet und auf das Sauberste mit Gold gehhet, vom Jahre 1509, etwa
in der Gre der von Egidius Sadeler gestochenen Maria mit der Eule.

Diese Zeichnung wurde, von Alters her, auf Holz geklebt, unter Glas und
Rahmen aufbewahrt; doch ist, da der in dem Holze entstandene Wurmfra
dieses kostbare Kunstwerk zu zerstren anfing, durch die Vorsorge des
Directors Professor Grner das Holz dahinter entfernt, und die Zeichnung
gegenwrtig in dem Schaukasten des Handzeichnungs-Cabinets ausgelegt.

Einige scharfe Kenner wollen zwar neuerdings an der Originalitt dieser
-- der Ueberlieferung nach -- von Drer fr einen der Herzge von
Sachsen besonders gearbeiteten Zeichnung zweifeln, doch kann ich diese
Ansicht nicht theilen, mchte vielmehr den dafr angefhrten Mangel an
einer gewissen Freiheit der Behandlung, im Vergleich mit mancher anderen
flchtigen Federzeichnung des Meisters, durch die ungemein sorgfltige
Ausfhrung begrndet finden, da man Aehnliches manchmal bei den
besonders ausgefhrten Zeichnungen und Gemlden Drer's wahrnimmt.

2. Eine sehr schne Federzeichnung auf weiem Papier vom Jahre 1510.
Links ist Christus am Kreuze, in der Mitte Christus als Schmerzensmann
stehend, und rechts ein knieender Ritter in voller Rstung dargestellt,
dessen Helm vor ihm am Boden liegt.

3. Die eben so geistreiche als ausdrucksvolle Studie einer schlafenden
Frau mit wenigen Strichen der Rohrfeder auf Papier gebracht.

4. Ein sehr eigenthmlicher mnnlicher Portraitkopf mit Kohle, auf die
gewohnte Weise gezeichnet.

Der aufblickende Mannskopf auf sehr blau grundirtem Papier, mit der
Feder gezeichnet und wei gehhet, scheint mir eine Wiederholung
hnlicher Zeichnungen in den Sammlungen des Erzherzogs Albrecht in Wien
und des British Museums von nicht zweifelloser Autorschaft zu sein.


=ad 15.= In dem den Fremden nicht immer zugnglichen Sitzungszimmer der
=Academia alla Carita= zu =Venedig=, in welchem die kstlichen
Zeichnungen aus Raphaels Skizzenbuche aufbewahrt werden, wird man durch
zwei schne Federzeichnungen von Albrecht Drer berrascht.

Beides sind frei behandelte Entwrfe von dem Jahre 1514, welche die
Jungfrau mit dem Kinde darstellen. Auf dem einen sitzt die Jungfrau in
einer Landschaft auf einer Rasenbank, auf dem andern auf einem Stuhl.


=ad 16.= Die herrliche Sammlung der =Ambrosianischen Bibliothek= in
=Mailand= bewahrt, neben den kstlichsten Zeichnungen von Lionardo,
Luini u.s.w. auch 14 Zeichnungen von Albrecht Drer, wovon der grere
Theil mit der Feder gezeichnet ist, als

1. Die Himmelfahrt Maria, Entwurf zu dem Holzschnitt aus unser
Frauenleben, B. 94, jedoch mit Abweichungen.

2. Die Dreifaltigkeit, herrliche Zeichnung vom Jahre 1515, kleiner als
der Holzschnitt B. 122, in der Composition aber ihm hnlich.

3. Eine Verspottung Christi.

4. Eine Geisselung Christi.

5. Christus betet am Oelberge. -- Diese drei letzteren Darstellungen
weichen von den bekannten hnlichen in Drer's Passionen ab.

6. Saul, welcher die Philister mit dem Eselskinnbacken erschlgt, vom
Jahre 1510.

7. Eine Landschaft mit einem Schlo auf einem Berge, bezeichnet 1516.

8. Ein Reuter mit Pfeil und Bogen, colorirte Zeichnung vom Jahre 1517.

9. Ein Sarazene zu Pferde mit Pfeil und Bogen.

10. Eine Nrnberger Hausfrau.

11. Ein junges artiges vom Markt kommendes Mdchen mit einem Korb voll
Eier, welches sich lchelnd von einem alten Mann umfassen lt.

12. Ein Papagei in Farben, bezeichnet mit der Jahrszahl 1515.

13. Eine kahlere Landschaft, links mit schroffen Felsen. Diese Zeichnung
ist nicht bedeutend und mchte vielleicht zweifelhaft sein.

14. Ein groer aufblickender Engelskopf auf blau grundirtem Papier vom
Jahre 1521 in Kreide gezeichnet und schraffirt. Er erinnert im Ausdruck
sehr an den einen von Sadler in Kupfer gestochenen aufblickenden
Engelskopf. --


=ad 17.= In dem neu eingerichteten =Kupferstich-Cabinet= auf der Festung
von =Coburg= ist die hervorragend schne Kreidezeichnung der Anna
Kehlingerinn im Brustbilde. Sie ist leider etwas angegriffen, gehrt
sonst unbedingt zu den vorzglichsten Portraitzeichnungen Drer's.


=ad 18.= Das Herzogliche =Museum= in =Braunschweig= hat eine groe
Sammlung alter Handzeichnungen, welche, nur whrend der Sommermonate
zugnglich, den Kunstfreunden fast gnzlich unbekannt sind.

Unter den altdeutschen befinden sich mehrere dem Albrecht Drer
zugeschriebene Bltter. Schn ist davon der Portraitkopf eines alten
Mannes in Kreide, sowie eine ausserordentlich feine Federzeichnung zu
dem Werke von menschlicher Proportion, eine mnnliche Figur von vorn
und von der Seite gesehen darstellend, auf schraffirtem Grunde und mit
der Jahrszahl 1512 bezeichnet, welche beide der berchtigte Denon seiner
Zeit der Entfhrung nach Paris werth hielt, von wo sie erst im Jahre
1815 zurckgekommen sind.


=ad 19.= Auf der =Bibliothek= der Universitt =Erlangen= ist erst seit
Kurzem durch die Sorgfalt des gegenwrtigen Bibliothekars Professor
Rssler ein bis dahin ganz unbekannt gewesener eben so zahlreicher als
kostbarer Schatz von Handzeichnungen der berhmtesten altdeutschen
Meister, welche seit 1679 in dem Cabinet der Markgrafen von Anspach
gewesen, hervorgezogen und den Kunstfreunden zugnglich geworden. Unter
diesen befinden sich auch 22 Zeichnungen Albrecht Drer's[81], nmlich:

1. Das Bildni des Kaisers Maximilian[82] in Wasserfarben, hoch 7 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 8 Linien.

2. Das Brustbild eines brtigen Mannes, Federzeichnung auf blauem
Grunde, hoch 7 Zoll 1 Linie, breit 5 Zoll 9 Linien.

3. Die Gefangennehmung Christi, sehr feine und sorgfltige
Federzeichnung, hoch 6 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 7 Linien.

4. Die Liebes-Anerbietung, Federzeichnung auf rothem Grunde mit der
Jahrszahl 1503, hnlich dem Kupferstiche Drer's, B. 93, hoch 5 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 6 Linien.

5. Der sitzende Ecce homo in Wasserfarben, hoch 8 Zoll, breit 5 Zoll 9
Linien.

(Der von Heller, pag. 843, Nr. 25, beschriebene Stich des Theodor Krger
vom Jahre 1614 scheint nach dieser Zeichnung gearbeitet.)

6. Brustbild eines jungen Mannes, wei gehhete Zeichnung in blulich
grauer Wasserfarbe, hoch 12 Zoll 7 Linien, breit 9 Zoll 7 Linien.

Das Monogramm Drer's steht links unten und nach einer alten
schriftlichen Bemerkung auf der Rckseite, ist es eine von unserm
Meister gezeichnete Copie nach Titian.

7. Ein weiblicher nach links gewandter Kopf mit halb geschlossenen Augen
in blulich grauer Wasserfarbe, wie die vorhergehende Zeichnung, hoch 5
Zoll 10 Linien, breit 5 Zoll 4 Linien.

8. Christus am Oelberge, wei gehhete Federzeichnung auf braunem
Grunde, vom Jahre 1508, hoch 7 Zoll 7 Linien, breit 4 Zoll 10 Linien.

9. Maria mit dem Kinde an der Brust, auf einem Tische rechts liegt ein
Nagel. Zeichnung mit Kreide und Feder auf gelblichem Papier, hoch 14
Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 4 Linien.

10. Die Jungfrau sitzend, das gewickelte Kind an den Mund drckend.
Federzeichnung, fast nur in Umrissen, hoch 11 Zoll 3 Linien, breit 7
Zoll 8 Linien.

11. Die Geburt Christi. Links die Hirten, rechts tritt Joseph mit einer
Laterne durch die Thr einer verfallenen Mauer, ausgefhrte
Federzeichnung, hoch 7 Zoll, breit 6 Zoll 2 Linien.

12. Die Geisselung Christi, leichte Federzeichnung vom Jahre 1523, hoch
10 Zoll 7 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.

13. Die Verspottung Christi, Gegenstck der vorigen, von gleicher Gre
und gleicher Behandlung, vom Jahre 1524.

14. Die Marter einer Heiligen, fleiige Federzeichnung vom Jahre 1503,
hoch 7 Zoll 4 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.

15. Die Marter derselben Heiligen, Gegenstck der vorigen, und gleich in
Gre und Behandlung, vom Jahre 1503.

16. Die heilige Catharina sitzend, hoch 10 Zoll 3 Linien, breit 6 Zoll 2
Linien.

Auf der Rckseite des Blattes ist eine Kreidezeichnung, welche eine
sitzende Heilige mit einem Einhorn darstellt.

17. Der heilige Christoph mit dem Christkinde, leichte Federzeichnung,
hoch 7 Zoll, breit 4 Zoll 2 Linien, auf der Rckseite befindet sich die
Jahrszahl 1508.

18. Der heilige Hieronymus im bischflichen Ornat sitzt am Pulte vor
einem mit aufgeschlagenen Bchern belegten Tische. Leicht getuschte
Federzeichnung von geschweifter ovaler Form, hoch 12 Zoll 4 Linien,
breit 11 Zoll 6 Linien. Der Rand ist mit abentheuerlichen Thier- und
Pflanzengestalten verziert.

19. Ein Bischof mit einem Stabe, Grtelbild, von Sulen umschlossen.
Rechts eine nackte Frau mit einer Geige, links ein gehrnter Mann mit
einer Sackpfeife. Sorgfltig ausgefhrte Federzeichnung, hoch 6 Zoll 7
Linien, breit 7 Zoll 9 Linien.

20. St. Georg zu Pferde, in voller Rstung mit entblstem Schwerte dem
Drachen entgegenspringend. Federzeichnung vom Jahre 1513, hoch 3 Zoll 10
Linien, breit 5 Zoll 9 Linien.

21. Mnnliche Figur zu dem Werke von menschlicher Proportion, auf
beiden Seiten des Blattes gezeichnet, mit Maen und Zahlen,
Federzeichnung, hoch 8 Zoll 11 Linien, breit 3 Zoll 5 Linien.

22. Ein Schiff mit gespannten Segeln, vom Jahre 1515, hoch 6 Zoll 5
Linien, breit 4 Zoll 8 Linien.

       *       *       *       *       *

Was nun das Material betrifft, dessen Drer sich zu seinen Zeichnungen
bediente, so ist solches von der verschiedensten Beschaffenheit und der
groen Mannichfaltigkeit der Behandlung entsprechend, welche derselbe
bei seinen Entwrfen, Studien oder ausgefhrten Zeichnungen in Anwendung
brachte.

Einzelne mit hchster Sorgfalt beendigte Zeichnungen, namentlich die in
Farben ausgefhrten kstlichen Abbildungen von Pflanzen, Blumen und
Thieren, sind auf einem feinen Pergament.

Zu den mit einem Metallstift (in Drer's Tagebuch Stefft genannt)
gearbeiteten, oft besonders schnen und feinen Zeichnungen, verwandte er
ein starkes prparirtes Papier (nicht, wie Heller erwhnt, Pergament),
welches etwas ins rthliche scheint und dessen Drathstriche gewhnlich
einen Abstand von 12-3/4 Linien haben.

Der grere Theil der auf uns gekommenen Zeichnungen dieser Art, deren
Striche hufig eine grnliche Farbe haben, rhrt augenscheinlich aus
einem Skizzenbuche in Querformat von miger Gre her, welches unser
Meister auf seiner Reise nach den Niederlanden benutzte: um das ihm
besonders merkwrdige von Gegenden, Gebuden, Thieren und sonstigen
Gegenstnden, auch einzelne kleine Bildnisse, hinein zu zeichnen. Manche
Bltter sind auf beiden Seiten zu Zeichnungen benutzt, diese nicht immer
mit dem Monogramm versehen, doch ist die Hand Drer's unverkennbar.

Die sonstigen leichten Entwrfe und Federzeichnungen findet man hufig
auf einem weien, sehr festen, fast rauhen Papier, dessen Drer sich
auch zu seinen Handschriften bediente. Das Format desselben ist klein
Folio und der zusammen geschlagene Bogen mit in der Hhe 10-1/4 bis 11,
in der Breite 7-1/2 Zoll. Man sieht darin die Wasserzeichen eines
Cardinalhuts und eines Einhorns, wie solche bei Sotheby[83] auf
Platte U, Nr. 74, und Platte Y, Nr. 82, abgebildet sind, oder einer
dreizackigen Gabel, Nr. 32^a. Letzteres kommt sehr hufig vor und schon
in den Jahren 1507 und 1508.

Sonst verwandte Drer zu seinen Federzeichnungen manche der bei dessen
Kupferstichen oder Holzschnitten vorkommenden Papiere, namentlich
diejenigen mit den Wasserzeichen

    des Ochsenkopfes Nr. 1 und 2,

    des gothischen ~P~ Nr. 3, dieses noch 1521,

    der hohen Krone Nr. 4 und 21,

    des Ankers im Kreise Nr. 7,

    der Wage im Kreise Nr. 22,

    des Kruges mit Henkel Nr. 10,

    des Wappens mit den Lilien Nr. 11, dieses jedoch erst in den
    letzten Lebensjahren 1525, 1526 und 1528,

    des stehenden Hundes Nr. 13,

    der kleinen hohen Krone Nr. 36, letzteres nicht vor 1523.

Einzeln trifft man auch sonst ungewhnliche Wasserzeichen, als: eine
Krone mit Strich und dreieckter Spitze darunter, ein Rad mit gekrmmten
Zacken, eine gekrnte Schlange; ein einziges Mal habe ich auch das
Wappen von Augsburg, Nr. 18, angetroffen.

Bei den zahlreichen greren Portrait-Skizzen in Kohle und Kreide,
welche von Drer's niederlndischer Reise herstammen, findet man in den
Papieren vorzugsweise das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 4, jedoch
auch des Ankers im Kreise, Nr. 7, und des stehenden Hundes, Nr. 13.

Zu den ausgefhrten, oft angetuschten und wei gehheten Studien und
Zeichnungen verwandte Drer Papier mit farbigem Grunde.

Whrend seines Aufenthaltes in Venedig in den Jahren 1506 und 1507
gebrauchte er dazu ausschlielich ein blau _geschpftes_ Papier, welches
als Wasserzeichen den Anker im Kreise hat und auch von gleichzeitigen
italienischen Knstlern benutzt zu werden pflegte[84]. Es ist dasselbe,
auf welchem spter Antonio da Trento seine Holzschnitte in Clair obscur
abdruckte.

Dieses Papier trifft man bei Drer vor oder nach der italienischen Reise
niemals, und er gebrauchte sonst zu solchen Zeichnungen ein besonders
starkes weies Papier, in dem man oft das Wasserzeichen der hohen Krone
sieht, und welches er auf einer Seite mit einem grauen, blulichen,
grnlichen oder schwarzen, zuweilen auch mit einem rothen oder
brunlichen Farbengrunde berzog. --




Abbildungen


[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

FUSSNOTEN:

[68] S. The Lawrence Gallerie eight Exhibition, London 1836.

[69] S. Heller, Leben u.s.w. von Albrecht Drer, 2. Theil, pag. 48.

[70] S. Passavant's Kunstreise durch England, pag. 232.

[71] S. Dr. Nagler's Monogrammisten, 3. Heft, pag. 103.

[72] S. Campe's Reliquien.

[73] Heller, pag. 82, Nr. 46.

[74] John Jackson sucht in seinem Treatise of wood engraving, London
1839, pag. 285, durch dieses Portrait zu beweisen, wie verbreitet damals
die Kunst des Holzschneidens gewesen.

[75] S.w.u. die Drer'schen Federstudien auf der Kniglichen Bibliothek
zu Dresden.

[76] Der zuletzt verzeichnete Maister Hans Voltz Parbierer.

[77] Siehe The Lawrence Gallerie eight Exhibition. London 1836, pag. 8.

[78] Siehe Campens Reliquien. Nrnberg 1828, pag. 124.

[79] Neuerdings hat der Herr Inspector Becker zu Wrzburg im
Naumann'schen Archiv fr die zeichnenden Knste, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 21, auf diese Zeichnungen aufmerksam gemacht.

[80] Albrecht Drer und seine Kunst, von Dr. G.C. Nagler, Mnchen 1837,
pag. 57.

[81] Diese Notizen verdanke ich der besonderen Geflligkeit des Herrn
Professors Rssler, da ich durch ungnstige Zuflligkeiten bisher
verhindert gewesen bin, den kostbaren Schatz von Zeichnungen selbst
kennen zu lernen.

[82] Vgl. Dr. A. von Eye, Leben und Wirken Albrecht Drer's, pag. 387.

[83] The Typography of the fifteenth Century. London 1845.

[84] Drer'sche Zeichnungen auf diesem Papier sind namentlich:

In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; Heller, pag. 98, Nr.
86, 93, 94, 100, 101 und 107 vom Jahre 1506; Nr. 59 vom Jahre 1507.

In der Kunsthalle zu Bremen; Heller, pag. 122; Nr. 8 und 11 vom Jahre
1506.

In der Sammlung des Verfassers; drei vom Jahre 1506, wovon 2 frher in
der Sammlung des Sir Thomas Lawrence in London, eine in der des
Professors Bhm in Wien waren.


       *       *       *       *       *


Anmerkungen zur Transkription


Das Inhaltsverzeichnis und die berschrift Abbildungen vor den
Wasserzeichenillustrationen wurden dem Originaltext hinzugefgt.

Auf Seite 39 sind die Buchstaben HN ber M. ohne Trennzeile gedruckt.

Die Zeile 2.   "    Et vidi alte2/ angelum. auf Seite 55 beinhaltet
die Schriftsetzerabkrzung rum.

Die Zeile 2.   "    7 exivit; auf Seite 55 beinhaltet die
Schriftsetzerabkrzung et.

Auf den Seiten 48, 49, 86 und 99 ist das n in vn richtscheyt mit
Makron gedruckt.


Folgendes ist im Text uneinheitlich benutzt:

semi-gothischen und semigothischen

Printroom und Print-room

Carit und Carita

Irrthmer und Irthmer

brieffmaler und Brieffmaler

zirkel, zirckel und Zirckel


Folgende Fehler in Orthografie und Zeichensetzung wurden gendert:

S. 9 funfzehnten Jahrhunderts gendert zu fnfzehnten Jahrhunderts

S. 12 Komma gendert zu Punkt (Jahre 1509, B. 9,)

S. 13 im Besize gendert zu im Besitze

S. 16 weis und fest gendert zu weiss und fest

S. 26 wenig adgedruckt gendert zu wenig abgedruckt

S. 28 krfigsten gendert zu krftigsten

S. 28 13 Linen Entfernung gendert zu 13 Linien Entfernung

S. 29 Komma gendert zu Punkt (die Zeit vor 1500.)

S. 37 5straligem gendert zu 5strahligem

S. 37 Glockendon gendert zu Glockendom

S. 40 Augenhlen gendert zu Augenhhlen

S. 51 Punkt zum Text hinzugefgt (Holzstocks ohne Schrift.)

S. 51 Ungleicheit der Flche gendert zu Ungleichheit der Flche

S. 65 Christus wird von Pilatus gefhrt gendert zu Christus wird vor
Pilatus gefhrt

S. 69 B. 101 Die Jungfrau gendert zu B. 101. Die Jungfrau

S. 72 Punkt zum Text hinzugefgt (von Heller, pag. 830)

S. 77 Punkt zum Text hinzugefgt (Nagler hat auf pag 203)

S. 77 (Funote) Komma zum Text hinzugefgt (Dr. v. Eye,)

S. 82 (Funote) Vergleiche pag 89. gendert zu Vergleiche pag. 89.

S. 86 Komma gendert zu Punkt (des Gldenmund vollkommen.)

S. 87 Punkt zum Text hinzugefgt ausserordentlich selten.

S. 116 8 Linien mit dem Menogramm gendert zu 8 Linien mit dem
Monogramm

S. 117 andern Seite lies't gendert zu andern Seite liest

S. 122 2. Augabe, Blatt Qiij. gendert zu 2. Ausgabe, Blatt Qiij.

S. 127 (Funote) Komma zum Text hinzugefgt (Dr. A. von Eye,)

S. 129 Nr. 4 und 21 gendert zu N. 4 und 21









End of the Project Gutenberg EBook of Albrecht Drer's Kupferstiche,
Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen, by B. Hausmann

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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     http://www.gutenberg.org

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