The Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel

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Title: Die Spur

Author: Berthold Viertel

Release Date: July 23, 2012 [EBook #40304]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SPUR ***




Produced by Jens Sadowski








Berthold Viertel


Die Spur


1913
Kurt Wolff Verlag  Leipzig


Dies Buch wurde gedruckt
im Oktober 1913 als dreizehnter
Band der Bcherei Der jngste Tag bei
Poeschel & Trepte in Leipzig


Copyright 1913 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig


Meiner Frau





Widmung


   Nachts gestern von dir heimgegangen.
   Wie Schnee ists unterm Mond gelegen.
   Da fhlt ich wiederum den Segen
   Der weien Nacht mit heien Wangen.

   Das tief Vertraute hat gesprochen,
   Es lindert sich die starre Kehle.
   Da war mit einemmal der Seele
   Der arg verjhrte Star gestochen.

   O Gott, wie ists? Darf ich denn wieder
   Mein lngst verbotnes Herz auskramen?
   Du Freundliche, in deinem Namen!
   Ich lege Wehr und Wrde nieder.

   Darf ich die keusche Kindersage
   In dein geneigtes Ohr dir flstern?
   Ich rette Gold aus dem Verdstern.
   Da nimm die Lilien frher Tage!




Der Ort


   Einst -- Kindheit, Fieber oder Traum,
   Ich wachte kaum, ich dachte kaum --
   Lag eine Wiese da.
   Der Wald wuchs dunkel hinter ihr,
   Ein unbeschreitbares Revier,
   Wo Angst und Tod geschah.

   Die Wiese hielt mich eingefat,
   Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast,
   Wie ruhig schlug mein Blut.
   Auch nicht in meiner Mutter Scho
   Hab ich so gro, so grenzenlos,
   So ungekrnkt geruht.

   Der Himmel flog, ein blauer Rauch,
   Von Licht durchatmet, jeder Strauch
   Vom Atem eingewiegt,
   Der schn und selig, ein Gefhl,
   Leicht wie ein Spiel, wie Hhe khl
   Zu Gottes Gipfel stieg.

   Ich war ein Schein in allem Schein,
   Der widerschien -- ich strahlte rein
   Und freute mich darin.
   Ich, Himmel, Sonne hingen wir
   Und flogen wir und gingen wir
   Herber und dahin.

   Man mu nicht Wege suchen, sie
   Verfhren und sie fhren nie
   Zu dem entzckten Ort.
   Ich wei, ich war -- und wei jetzt kaum,
   Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum --
   Einmal geladen dort.




Der kranke Knabe


   Ich trag den Schmerz nicht,
   Weil ich nicht kann.
   Was willst du, Mutter?
   Sieh mich nicht an!

   Ich mag dich nicht, Mutter,
   Weil du nichts weit,
   Nicht wegstreicheln kannst,
   Was den Kopf mir zerreit.

   Nicht wegnehmen kannst
   Mit der groen Hand
   Von der Stirn das Feuer --
   Sie ist innen verbrannt!

   Wie arg es ist, Mutter!
   Sieh mir nicht zu
   Und hab mich nicht lieb --
   Nein, Mutter, gib Ruh!




Der Gut-Wetter-Wind


   Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun,
   Was er lieben mte, wenn ers verstnde.
   Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn,
   Aber dennoch hilft er so manchem Kinde.

   Farbige Schleifen hat er zu drehn
   Um Holzstbe, welche die Kinder halten.
   Kein braver Wind sollte weiter wehn,
   Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten.

   Papierdrachen aber mssen den Wind
   berlisten, bekmpfen -- Triumph des Schwebens!
   Da freilich erleidet so manches Kind
   Die Niederlage himmlischen Strebens.

   Ob das auch kmmert jeden Wind?
   Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen,
   Um Wolken zu treiben, welche sind
   Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen.




Schulstunde


   Wenn so an einem Wintermorgen
   Im Schulzimmer die Lampen brannten,
   Die Seele dmmerte geborgen,
   Das Lineal legte Sekanten

   Durch meines Zirkels gute Kreise,
   Und man bewies etwas an ihnen,
   Der Herr Professor schien sehr weise,
   Die Schler machten brave Mienen:

   Dann war es so weltabgewandt,
   Das Paradies des Objektiven.
   Sogar der Lehrer sa gebannt,
   Vielleicht, da auch die Bcher schliefen.

   Das war ein freies Nichtstun -- wie
   Ewig dem Katalog entronnen.
   Der Lampen milde Apathie
   Nhrte der Faulheit se Wonnen,

   Indes die Trume, die sonst gerne
   Schmerzhaft im Herzen suchen gingen,
   Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne,
   Verschmolzen mit der Lampen Singen.




Vanitas


   Geweint hat schon das Kind,
   Verlassen in der Leere
   Der Tage, die unfruchtbar sind.
   Bald trug ich diese Schwere!

   Nachts schrie ich nach dem Traum,
   In wacher Not verloren,
   Im wstenweiten Raum.
   Und jede Stunde totgeboren!

   Ich bi ins Bett, die Finsternis
   Mit Fusten schlagend,
   Tobender Neuling -- ich zerri
   Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend.

   Wer hat uns Leben aufgedrungen,
   Es ewig zu begehren?
   Wenn nur nicht diese Dmmerungen,
   Die hoffnungslosen Morgenrten wren!




Heilige Gruppe


   Der Grtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt --
   Wie sanft kann seine harte Hand betreuen --,
   Das Enkelkind, das blonde Locken neigt,
   Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen.

   Beide versunken in ein schlichtes Dienen,
   Beide vor Eifer fromm und zag,
   Indes ein schner Wochentag
   Verklrend spielt auf ihren Mienen.

   Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis,
   Kann jeder blonde Knabe Wunder sein.
   Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein
   ber dem Kind und seinem Grtnerflei.




Der schlafende Knabe


   Mein jngerer Bruder, du schlfst,
   Du trumst.
   Leis halt ich deine Hand
   Und sinne deinen trumenden Wnschen nach.

   Du Ungeduldiger!
   Hast du noch nie ein Ro gedemtigt?
   Ergab sich nie in deinen Armen
   Zur Liebe eines Weibes Ha?
   Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre,
   Wo sind sie?
   Und die Vezire, die zu Sklaven werden?

   Ah, wo verbirgt sich jene Stunde,
   Die ganz besiegte,
   Da du nach keiner neuen mehr begehrst?

   Ich sehe deine Nstern zucken
   Und eine ungebrdige Ader auf deiner Stirn.
   Die Hand in meiner Hand wird muskelhart.

   Du unerprobter Kmpfer!
   Sieger im Traum!




Gebet


   Und wenn ich bete, Gott, erhrst du mich?
   Gengt es, da ich wieder Beter werde?
   Erleichterst du mir dann den Druck der Erde,
   Der mir so selten von der Seele wich?

   Ich bin dein treues Kind von Anbeginn
   Und habe dich dereinst so gut verstanden.
   Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden,
   Dir immer nach und wute nicht, wohin.

   Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht,
   Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen?
   Jetzt freilich zrnen, Meister, deine Mienen,
   Und ber meinem Scheitel wchst die Nacht.

   Da ich so schwach bin, hab ich nicht gewut,
   Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen!
   Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen,
   Schon atme ich mit halberstickter Brust.

   Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht?
   Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten?
   Gezchtigt von der Schrfe deiner Ruten
   Und wehrlos als dein Opfer dargebracht?

   Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist,
   Da du mir Gutes willst in deinen Plnen.
   Und halte fest an meinem Kindersehnen
   Und zehre noch an einer Gnadenfrist.

   O ffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier!
   Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte!
   Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte!
   Ich habe grenzenlose Angst vor dir!




Vorfrhling


   Ein Himmel, der nicht wei,
   Ob er strahlen mag.
   Erschauernd weht der Tag --
   Und leis
   Verwirrt er jeden Herzensschlag.




Einsiedler


   Mir gehrt der groe Garten nicht,
   Der sich weit ins Land hineinverflicht.
   Mir gehrt nur ein geborgnes Stck,
   Rasenfleck, begrenztes Himmelsglck.

   Wo herunter wie durch einen Schacht
   Sterne nach mir zielen manche Nacht,
   Und an schnem Tag ein wenig Blau
   Lchelt meiner unverwandten Schau.

   Doch durch diese Enge steigt und steigt
   Mein Gebet, ob auch die Hhe schweigt,
   Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet,
   Nie sich eine Antwort niedertastet.




Die Freude


   Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut,
   Kein hitziger Zufall -- denn mein dummes Blut
   Mu erst die Freude lernen.
   Mhselig lern ich tun, wie Freude tut.

   Weit besser kann ich schon die Traurigkeit.
   Ein wahrer Knner mt ich sein im Leid
   Und wie ein Meister spielend.
   Leid war bei mir in aller Lebenszeit.

   Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt,
   Bin ich so stolz wie wer das Groe zwingt,
   Stolz wie ein Kind,
   Das immerfort drei falsche Tne singt.




Die Nhe


   Ich wage nicht Heimat zu sagen
   Zu Tlern, in die meine Einsamkeit
   Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid,
   Zu Bchen, so vertraut meinen hellsten Tagen.
   Und wenn ich im Wald zu horchen begann,
   Hielt ich immer beschmt den Atem an.

   Ich bin nicht gut genug fr all diese Nhe,
   Die so lieblich ist und sich selbst so treu.
   Die Berge waren lngst, ich aber bin neu,
   Sie haben ihren Ort, ich aber gehe
   Und suche, wei nicht einmal wen?
   Wie sicher die Bume in ihren Rumen stehn!




Vor dem Einschlafen


(nach schnen Tagen)

   Bin wie voll von einem guten Schlafe,
   Weil die Tage schn gewesen sind.
   Und ich knnte beten wie das brave
   Kind, das abends sich auf Gott besinnt.

   Eine milde Lampe wollt ich haben,
   Die hell bleiben drfte diese Nacht.
   Wollte mich in einem Bette laben,
   Mir von milder Hand zurecht gemacht.

   Alles wohlgetan, und ich entkleide
   Mit den Kleidern mich von aller Welt,
   Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide
   Lnger drckt und angebunden hlt.




In der Nacht


   Ich tauche aus dem Schlaf hervor.
   Wohin sich alles nur verlor?

   Und ber mir ein Traum zerrinnt.
   Ich taste, wo die Welt beginnt.

   Da pltzlich wei ichs wie ein Leid:
   Da ich zurckblieb in der Zeit.




Die Stadt


   Ein bses Werk betreiben diese Tage
   Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn.
   All mein um Menschen Werben, das ich wage,
   Es endet wie gehssiges Tun.

   Und alles Herz, das mir die Menschen reichten,
   War bervoll mit Gift betaut.
   Ich nenne dich die Hlle der Verseuchten,
   Stadt ohne Seele aufgebaut.

   Knnt ich entlaufen! Einen Acker haben,
   Den nichts als Himmel berhngt.
   Und dort nach meinem Herzen graben,
   Das sich so tief hinabgesenkt.




Pferderennen


   Still zieht mein Blick mit diesem Rudel Reiter
   In grner Ferne: das geschlossen dicht,
   Wie spielend hinluft, dort im Bogen weiter,
   Dann nher kreist, nun in die Nhe bricht.

   Da kommen sie, ber den Mhnen liegend,
   Sich, Mann und Tier, hinwerfend durch die Zeit,
   Noch alle wollend, und noch keiner siegend --
   Und pltzlich wei mein Herz die Schnelligkeit.

   Und jetzt: ein braunes mit befreitem Sprunge
   Durchdringt das Rudel -- ungehemmt davon!
   Es hat den Sieg im bersichern Schwunge
   Und trgt ihn weit vor allen schon.

   Das Rudel ist entwirrt -- ein Zweiter,
   Ein Dritter reit sich vom verstrickten Feld.
   Im Fluge horcht zurck der erste Reiter,
   Der schon sein Tier mit leichten Hnden hlt.




Szene


(Sonntagabend in der Grostadt)

   Ein mchtiger Greis in glnzendem Zylinder
   Trat pltzlich vor die Leute, Weiber, Kinder.
   Betrunken baumelt er mit einem Stock,
   Dran hngt Marie in bltenweiem Rock,
   Die schlanke Himmelsknigin aus Flupapier,
   Die Wnglein s wie Milch und Blut auch hier.
   Die Leute lachen sehr: Er kommt aus Mariazell,
   Dort weht es heilig und die Luft ist hell.
   Am Weg zum Altar stehn viel Schenken offen,
   Da hat der gute Alte sich besoffen.
   Der Alte lchelt heimlich und verschwiegen,
   Hat er doch Berg und Tler berstiegen.
   Und immer neue dumme Neider kamen
   Und hhnten laut -- er aber sagte: Amen.




Einsam


   Wenn der Tag zuende gebrannt ist,
   Ist es schwer nachhause zu gehn,
   Wo viermal die starre Wand ist
   Und die leeren Sthle stehn.

   Besser ists, mit den Verirrten
   Laut vereint zum Weine finden.
   Elend lt sich mit Gift bewirten,
   Und ein Blinder fhrt einen Blinden.

   Freundin, Verlorne, ich knnte dich bitten,
   Aber du wirst mich um Geld erhren.
   Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
   Um uns tiefer noch zu zerstren.

   Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
   Durch die leeren Pausen zu gehn
   Und einsam der Tageswende
   In die erlschenden Augen zu sehn!




Begegnung


   Als nachts um eins ein leiser Regen fiel,
   Da traf ich in der Strae eine Kranke
   Hintaumelnd, eine irre Dulderin,
   Die, tastend nach dem letzten Ziel,
   Wie ein verlschender Gedanke
   Schon in den Tod zu starren schien.

   Und wie gerufen trat ich ihr ganz nah,
   So da ich jetzt ihr leeres Auge sah.

   Da mut ich sie mit einem Worte gren
   Und sah sie schwanken auf den lahmen Fen
   Und sah sie lcheln schwer und kalt.
   Der Regen, lallte sie, wird sich beeilen,
   Ich aber habe noch zwei bse Meilen.
   Wir nahmen Abschied ohne Aufenthalt.




Bauernpferde


   Ich sehe oft die Bauernpferde,
   Die nachts durch die Straen zum Markte gehn.

   Wenn sie angelangt sind und wartend stehn
   Wie roh geformte Klumpen Erde,
   Da ruht das Dunkel so schwer auf ihnen.
   Aber wenn sie noch gehn und wandern,
   Ihre Wagen fhren, eins nach dem andern,
   Sind sie so stark in ihrem Dienen.

   Wie manches allein geht, sorglos, fest,
   Bedchtig ziehend an den Strngen,
   Und seinen Kutscher schlafen lt,
   Whrend die Zgel unntz hngen;
   Und treulich ausmit jeden Meter
   Seines Wegs und auf der Hut ist,
   Wie ein breiter Mann, der rauh und gut ist,
   Und Xaver heit oder Franz oder Peter.




Die Schlafende


   Wenn ich ins Zimmer der Schwester gehe,
   Oft, in mancher ruhigen Nacht,
   Horchend an ihrem Bette stehe,
   Leise, damit sie nicht erwacht,

   Mich beuge ber das Gottvertrauen
   Ihres beschatteten Gesichts:
   Dann fhle ich mit schwerem Grauen
   Im Dunkel warten den Tod, das Nichts.

   Ihres Ruhens liebe Gelassenheit
   Gleicht dem noch kindlichen Spiel ihrer Seele,
   Aber ich wei, da die Verlassenheit
   Sie bald bedrohen wird an der Kehle.

   Mich beugend ber ihr Weltvertrauen,
   Lauschend sanftem Atemzug,
   Fhl ich mit immer tieferem Grauen:
   Wie wird sie verwinden den groen Betrug,

   Die schweren, die leeren, die zehrenden Stunden,
   Ohnmacht, Ekel, Sinnlosigkeit
   Und Verrat -- die heillosen Wunden,
   Geschlagen vom schweren Schwert der Zeit.

   Und da sie Weib ist, ihrer Schwachheit
   Lebensbrde und Liebesnot?
   Wie ist ihr Schlummer von aller Wachheit
   Unrettbaren Gefahren bedroht!

   Da bin ich versucht, sie aufzuschrecken,
   Brutal, ob sie auch hart erwacht,
   Ich mchte selbst sie grausam wecken
   Und mit ihr wachen den Rest der Nacht.




Der Selbstmord


   Das Gchen bog sich jh und endete.
   Ein Widerschein, der pltzlich blendete:
   Das Meer an meine Schritte grenzte,
   Das hier getrbte, dort beglnzte.
   Wie ein ganz tiefer Atemzug
   Hob es sich hin und kannte kein Genug --
   Mu einen Schritt nur weitergehn:
   Da nimmt es mich so, wie ich bin,
   ffnet sich still und nimmt mich hin,
   Zieht mich hinein in die Gezeiten,
   Mischt mich erledigend in sein Vergleiten,
   Wie eine mtterlichste Mutter, die ihr Kind
   Zurck ins Nichts, ins All gewinnt.




Ein Ku


   Eine Hure, die zur Nacht ich fand,
   Beugte sich herab zu meiner Hand,
   Als ich durch die leere Strae ging,
   Eine Hure, die sich an mich hing,
   Nahm die Hand, die ihr nicht geben wollte
   Und sie wegstie und ihr grollte,
   Beugte pltzlich sich, das arme Tier,
   Hat gekt die Hand im Handschuh mir.
   Nicht um zu besnftigen meinen Willen,
   Nein, die sonderbarste Gier zu stillen.
   Nicht mehr bettelnd, schon hinweggewandt,
   Schon entlaufend meiner fremden Hand.

   Und da fhlte ichs wie einen Stich
   In der tiefen Brust -- das war nicht ich,
   Den sie kte, irrend und verwaist,
   Nicht das Ich, das einen Namen heit,
   Sondern sie, die Namenlose, mich,
   Einen Namenlosen, der jetzt glich
   Allen Mnnern, die sie qulten,
   Arme Seele kte den Beseelten,
   Kte ungelohnt und ungestillt --
   Menschenkind kt Gottes Ebenbild.

   O, nie war ein Ku wie dieser Ku,
   Den ich allen weitergeben mu.




Der Morgen


   Ich hing am Kreuz der Nacht und sthnte schwer,
   Mein Herz war matt und hoffnungsleer
   Und Stirn und Gaumen ausgebrannt.

   Da legt der Morgen seine Hand
   Khl, bla und scheu
   Mir ber die versengte Stirn,
   Und wie das Dunkel schwindet vom Gehirn,
   Atme ich neu --

   Und trinke weies Licht und weie Gnade
   Und sinke losgelst und sanft befreit
   Auf das sich klrende Gestade,
   Zu neuem Tage neu bereit.




Der Heller


   Geld ist Staub in meiner Hand,
   Den ich unbedacht vergeude.
   Aber gro war meine Freude,
   Als ich einen Heller fand.

   Hatte alles ausgegeben,
   Hunger mir am Marke fra,
   Und ich sah entnervt in das
   Mitleidlose Grostadtleben.

   Alle Taschen gut verschlossen,
   Alle Seelen zugeknpft.
   Ich begriff, da man gekpft
   Werden kann um einen Groschen.

   Ich begriff, da sich ein toller
   Kerl an wem vergreifen kann.
   Dieser Ohnmacht Wut und Bann --
   Nichts auf Erden grauenvoller!

   O, wie mu der Arme hassen!
   Fenster, die den geilen Duft
   Dich Lebendigen in der Gruft
   Wie zum Hohne ahnen lassen.

   Lchelnde, kokette Frauen
   Zeigen an dem Straenkleid
   Alle ppige Kostbarkeit,
   Whrend dir die Sinne flauen.

   Unbekmmert rollen Wagen,
   Ohne dich zu kennen, hin,
   Die zum Schmaus, zur Buhlerin
   Oder ins Theater tragen.

   Ich blieb stehn und ich lief schneller,
   Starrte an und blickte weg.
   Pltzlich lag vor mir im Dreck
   Ein verlorner alter Heller.

   Und mir wars, als ich mich bckte,
   Wie ein Gru des neuen Tags.
   Und mein Herz ging bessern Schlags,
   Als ich in der Hand ihn drckte.

   Diesen Heller, der mir lachte,
   Wertlos zwar, und doch ganz mein,
   Ein Geschenk, das mir der Stein
   Wie in lieber Absicht brachte.

   Wie um mir die Nichtigkeit
   Und des Zufalls Wurf zu zeigen.
   Mensch, sei frech, mach dir zu eigen!
   Dieser Griff hat mich befreit.




Die Heimkehrende


   Alida, sagt ich ihr, ich habe dich
   Sogleich erkannt -- wo hast du nur gezaudert
   Die viele Zeit? -- Nun aber labe dich,
   Hier Wein! Khl deinen Mund, bevor er plaudert.

   Wo irren deine Augen? Nimm das Haar
   Fort aus der Stirn! -- Nein, keine Frage!
   Verjage endlich diese Schar
   Mir fremder Tage!

   Erwache mir! -- Sei da!
   Die ruhelosen Hnde,
   Vielleicht vergen sie, was ohne mich geschah,
   Wenn erst mein Frieden zu dir fnde.




Verfinsterung


   Und whrend dieser Nordwind blies
   Und unsre Stadt zum Norden machte,
   Die letzte Sonne uns verlie
   Und jeder Wunsch zu sterben dachte,

   Und viel zu frh die Nacht begann,
   Sehr anders als die andern Nchte,
   Wie eine Nacht, die dauern kann,
   Solange wer zu warten dchte,

   Da stand ich auf dem alten Platz
   Und sah die alte Kirche dauern
   Und geizig Zeit wie einen Schatz
   Anhufen hinter ihren Mauern,

   Und sah in dieser alten Stadt
   Die Leute, die mir Greise schienen,
   (Wie jedes Antlitz Falten hat,
   Erstarrtes Nein in seinen Mienen,)

   Und fhlte mich hier stehn und stehn
   Und wurzeln wie der Dom, der graue,
   Und konnte gar nicht mehr verstehn,
   Da wer noch neue Huser baue.

   Ob nicht die junge Frau, auf die
   Ich warten wollte, wann nur? Heute?
   Selbst alt geworden war und nie
   Ein Weib mehr einen Mann erfreute!

   Wie ist das sinnlos, hier zu stehn,
   Als ob die Zeit ein Ende nhme,
   Und zu erwarten irgendwen,
   Zu glauben, da er wirklich kme.




Spaziergang in der Nacht


   Khle, klare Nacht!
   Welch ein khnes Schreiten
   Ist in mir erwacht --
   Fhrt aus engen Zeiten
   Hoch mich in die weiten
   Aufgeschlossnen Rume dieser Nacht.

   Da ich heimlos bin,
   Was ich sonst beklage,
   Was ich her und hin
   Durch die niedern Tage
   Keuchend, schleppend trage --
   Heute fhl ich es mit neuem Sinn.

   Wie der Schritt erfreut,
   Wie ein Landweg! Wiesen
   Sind die Pltze heut,
   Und man geht in diesen
   Straen wie auf Kiesen,
   Wie in Grten, die der Mond betreut.

   Lst sich nicht auch hier
   Manche reine Quelle?
   Offen liegt vor mir
   All die fremde Schwelle.
   Ist nicht ringsum helle
   Heimat und befreundetes Revier!




Die Unerbittlichkeit


   Als ich die Unerbittlichkeit verstand,
   Ward mir das Blut wie Blei, wie aus Ton mein Fu
   Und ohne Muskel lahmte meine Hand,
   Schwei auf der Stirn, des Todes kalter Gru.

   Und das Herz selbst tat so erbrmlich weh
   Vor lauter Gottverlassenheit.
   Da sagte ich zu mir: Mensch! Jetzt gesteh!
   Jetzt wrest du zu jedem Schlu bereit.

   Jetzt, wo ich sanft in meinem Elend bin,
   Weil aller Trotz wie Hauch in Lften schwand,
   Jetzt werft mich zu den Pestverseuchten hin
   Und lat allein verwelken diese Hand.




Einem edlen Jngling


   Du wirst wie wir alle am Zgel
   Gngig werden,
   Im Zotteltrab, ohne Flgel,
   Gehn mit den Herden.

   Du wirst mit dir verkehren
   Karg und gewhnlich,
   Und ohne prinzliche Ehren,
   Weltvershnlich.

   Du wirst deine Tage tragen
   Ganz wie wir alle,
   Mit Arbeit, mit Behagen,
   Mit Herz und Galle.

   Du wirst dich rgern lernen
   Und dich bescheiden,
   Unter geduldigen Sternen
   Menschlicher leiden.




Liebe


   Dunkle Erdenwege, die der lichten,
   Leichten Gefhle Schatten sind!
   Liebe als Licht aus der Sonne rinnt
   Und verfngt sich an kalten, dichten

   Menschenleibern und Menschenseelen,
   Und umwirbt sie, verklrt sie, vergttert sie,
   Und verdirbt sie, zerstrt sie, zerschmettert sie --
   Menschen, die sich kssen, sich qulen.




Die Spielende


   Spiele nur, spiele nur weiter, ich will dich nicht stren,
   Ich halte den Atem an und schau dir zu,
   Spiele nur, Sorglose du,
   Ich will mich nicht empren,
   Wenn pltzlich mein Leben in deiner Hand
   Ein wenig zu sterben beginnt -- ich halte Stand,
   Ich Spielzeug --

   Wei ich auch mit meinem kalten, ohnmchtigen Wissen,
   Da dich das Spiel kaum freut, ja langweilt sogar,
   Und fhl ich auch, wie so tief! Angst und Gefahr:
   Es werde dir nicht entrissen,
   Was du mit leichter Sicherheit dir gewonnen hast, Kind,
   Wie grausam auch deine Finger sind,
   Spiele --

   Denn du lchelst, Sorglose, aus dir lchelt ein Schimmer
   Des lieben, so unwirklichen, blinden
   Lebens, das ich nicht finden,
   Nicht sein, nicht haben kann -- was auch immer
   Jetzt in mir stirbt und sei es noch so reich,
   Ich halte den Atem an und fhle bleich,
   Da du schn bist --




Ein Brief


   Geliebter, deine Khle
   Weht aus der Ferne her.
   Geliebter, und ich fhle,
   Du liebst nicht mehr.

   Geliebter, und die Zge
   Deines Angesichts
   Zerflieen, eine Lge,
   In ein Nichts.

   Und ob ich mich auch qule,
   Ich wei deinen Mund nicht mehr.
   Geliebter, meine Seele
   Wird wieder leer.




Abschied


   Abschied ist Tod. Das wei ein jedes Kind
   Und lt die Mutter aus dem Haus nicht fort.
   Jemand reist ab. Mein Herz fhlt Meuchelmord.
   So viele weiche Wrme mir entrinnt,

   Da ich wie ein Verblutender verbleiche.
   Mir ist sehr kalt, ich friere tief -- adieu!
   Und alles Bleibende tut grausam weh,
   Wie aufgerissene, verletzte Herzensweiche.

   Soll ich nachhause gehen, die Papiere
   Am Schreibtisch ordnen, einen Stundenplan
   Entwerfen, weitertun, mein Ziel bejahn?
   Und berwinden, da ich dich verliere?




Auch du


   Auch du bist schon geprft, auch dir ist eingegraben
   Die Rune Welt, die wirre Hieroglyphe.
   Du hast gelitten bis zur Tiefe,
   Gekostet von den Honigwaben.

   Du hast besessen und du warst zu eigen,
   Gekt hast du das Band, dich freigeqult.
   Du kennst die Schuld, die aus der Rinde schlt,
   Das s und bittre Wort, die Kunst zu schweigen.

   Das alles war, wie mir, auch dir beschieden.
   Jetzt aber sind wir beide neu gewandet,
   Gestrandet und an seliger Bucht gelandet --
   Und es ist wieder schn hienieden!




Schnee


   Schnee war gestern pltzlich da -- auf allen
   Trben Straen, hell wie Unschuld, wei,
   Weich und wrmend, aus der Luft gefallen.
   Und wir gingen -- enger ward der Kreis,

   Der uns heimlich aneinanderhlt --
   Mit gedmpftem Schritt, gedmpfter Seele,
   Unverhofftes Lachen in der Kehle,
   Durch des Schneefalls kindlich neue Welt.

   Wir, die jetzt so ernste Frage qult,
   Wurden schmiegsam, atemleicht, gelinder,
   Lachten furchtlos, schneefroh, beinah Kinder --
   O wie hat die kleine Freude uns gefehlt!




Bitte an die Geliebte


   La uns wissend sein! Wir haben gelernt,
   Was Menschen nhert, was entfernt.
   Wir sind gealtert am Lcheln-Mssen,
   Gestorben an erzwungenen Kssen.

   Wieder auferstanden an befreiten
   Heien Unwillkrlichkeiten.
   Gesundet an einem Atemzug,
   Der ungehemmt hinbertrug.

   La uns Horcher sein auf das Sich-Regen
   Im dunklen Du! Nur nicht entgegen
   Dem Eigensinn der Einsamkeiten!
   Nur mit dem Kind in uns nicht streiten!




Ihr Freunde


   Ihr Freunde, groe Liebe
   War euch von mir geweiht.
   Ich ward zum Diebe
   An eurer Freundlichkeit.

   Mein Herz in Hnden bringend,
   Ein maloses Geschenk,
   So kam ich Freundschaft zwingend.
   Was wart ihr eng!

   Euch wie die Mrder hassen
   Lehrtet ihr mich zum Dank,
   Vergiftet und verlassen,
   Nach Sanftmut krank.

   Mit allem meinem Gute
   Warft ihr dem Weib mich zu.
   An der ich blh und blute,
   Sei gndig du!




Unschuld


   O die Unschuld des Genusses,
   Wenn ich dich geniee,
   Nimmermde deines Kusses
   Und der Atemse.

   Jede Nacht bringt neue Spiele,
   Spielglck ohne Ende.
   Unsre Lippen wissen viele
   Und die guten Hnde.

   Immer zarter, immer schner,
   Seit uns Lust verschnte.
   Ich dein glcklicher Verwhner,
   Glcklich die Verwhnte.




Die Insel


   Sprich nicht von dieser Insel, wo wir uns trafen
   In unsern Nchten.
   Das Blut rauscht rings um sie.
   Und keine Zeit geschah, Uranfang, Ende.
   Was wir sonst sind, vergessen und verscheucht.
   Nur diese Spiele, grausam wie Dmonen,
   Marter nach einem Glck, das anders
   Beseligt als das Brot, der Trunk,
   Die sonst die Lippen sttigen.
   Nein, ungesttigt
   Tobten wir,
   Bis schwer die Wimpern und die Lider schwer,
   Das Haupt ermattet, sinkend, abgebrochne Blte,
   Der Tod kalt an die Stirnen tastend,
   Das Innre ausgehhlt, ein leeres Haus
   Mit ausgehobnen Fenstern, ohne Dach.
   Oh, das Korallenrot der Lippen
   War mit rtrem Rot betaut
   Von unsrer Zhne Mordgier.
   Heilandsmale
   Auf diesen khlen Hnden, die gefiebert
   Im Suchen nach Entspannung, die nicht kam.
   Nein, Ekel kam, der Wrger,
   Vom goldenen Tor der Lust uns scheuchend,
   Da wir wie Schatten flohn.
   In unsern Adern
   Ebbte die Lust zurck, zum dunklen Schacht.
   Und nur ein Duft von ihr
   Blieb dem Verschmachten.
   Wie Irre hatten wir am harten Schlo gerttelt,
   Die Gnade aufzusprengen.
   Aber nun, mit entnervten Knien,
   Md wie Gerichtete,
   Schlichen wir einen bangen Weg zurck.

   Und doch, du Kstliche, war nichts als Zrtlichkeit
   In meinem grausam Sein.
   Doch kniete ich huldigend
   Den Marterberg empor,
   Um nur den heien sen Hauch
   Zu pflcken, wenn die Lippe dir erblat.
   Um dir im Weh
   Die bebende Melodik zu entlocken.
   Um deinem Unbewutsein nah zu sein,
   Als knnt ich fast bis an den Tod gelangen,
   Wo wir ganz nah sind.
   Und doch war mir, du Kstliche,
   Da wir die Lust, Verschmachtende, verschmhten,
   Ein bessres noch als Glck, ein tieferes
   An-Wurzeln-Zerren, sie zu lockern, du!
   Mir sind sie heilig
   Diese Feste
   Der Qual --
   Wenn wir auch frchterlich erwachen.
   Sprich nie von dieser Insel,
   Die nur wir,
   Nur wenn wir Dmon sind, in uns betreten,
   Das Blut rauscht rings um sie.
   Was wir dort leben,
   Hat keinerlei Bezug mit andrem Leben,
   Nicht einmal unser Denken rhre dran
   Und kein Erinnern.
   Kein Name,
   Der sonst gebraucht wird,
   Wage sie zu nennen,
   Kein kleines und kein groes Wort.
   Nur Reue
   Ist tief genug, hinabzutauchen,
   Nur Angst so mchtig, um sie zu entdecken.
   Sie, die verschollen ist,
   Die dunkel-schne,
   Vom Blut geborgene.
   Bis wieder wir,
   Ganz unvermutet
   Vom Dmon hingetragen,
   An ihr Ufer stranden.
   Du, Kstliche,
   Erst dann schn wie ein Gift,
   Und ich, der Trinker,
   Giftbereit.




Fr die Nacht


   Gebet fr dich: da deine Wange
   Sich mge weich ins Kissen schmiegen,
   Und durch die bange Nacht, die lange,
   Dein Atem sanft dich wiegen, wiegen.

   Es halte dich dein warmes Leben
   In seine milde Kraft verschlossen.
   Erwachst du, seis, als ob du eben
   Im Traum das Seligste genossen.

   Und wieder wirst du dann die Wange
   Dort, wo sie lag, ins Kissen schmiegen.
   Und wieder mag dein Atem lange
   Dich flsternd wiegen, wiegen, wiegen.




Der Berg


   Wir gingen, meine zarte Frau und ich,
   Den sichern Weg der groen Serpentine,
   Die frech an dem gewaltigen Berg sich hochschwingt,
   Mit seiner frchterlichen Schichtung spielend.

   Vorbei an greisen Felsenkpfen,
   Gepreten Kltzen, bsen Zacken
   Und grimmigen Kronen.

   Wo Wasser, Stein-Blut, aussickert,
   Eisiges Blut.
   Wo jeder Samen lautlos seufzend umkommt.

   Wo hoch ber allen Sommern
   Schnee sich anhuft,
   Zu hell fr Augen, die ans Tal gewhnt sind
   Und an die vielen Farben alle.
   Schneeflug auf Schneeflug, Schneekorn dicht an Schneekorn.

   Wo ein Schweigen tnt,
   All unsere Musik, die hurtig plaudernde,
   Mit frierender Monotonie belchelnd --
   Als wre ein Jahrtausend hier ein Takt.

   Und wir auf unsrer sichern Serpentine,
   Sprst du es, sagte ich,
   Wie nahe wir jetzt einem _Groen_ sind!
   Die Frau lchelte
   Zum Berge hin.

   Da nahm der Berg mit einem wsten Griff
   Mir meine zarte Frau,
   Ri sie mir weg und schwang sie, schwang sie,
   Hoch, hher, hoch beim hchsten Schnee --
   Und wollte sie fallen lassen,
   Sie ber Steine tanzen lassen, strzen lassen
   Rasenden Wurfs in eine Todesschlucht kopfunter.

   Ganz leise schrie sie: Ach!,
   Ganz ohne Kraft.

   Und ich, wahnsinnig,
   Umschlang sie jetzt mit beiden Armen,
   Allen Wunsch
   In meine beiden Arme pressend.

   Und kte der Ohnmchtigen, der Geretteten,
   Den Tropfen Blut weg, der an ihrer Nster stand.




Gloria


   O ses Leben, du bist mein!
   In deinem reinsten Licht zu sein,
   Ihr Blut die Helden gaben,
   Die sich geopfert haben.

   Es starb fr dich der treue Christ,
   Dir jedes Lied erklungen ist.
   Soll ich nicht hoffen, glauben?
   Kein Schicksal wird mirs rauben.

   Wohl war ich in der Mutter Lust,
   Um ihren Schmerz hab ich gewut.
   Vom Lieben und vom Leiden
   Mag ich mich nimmer scheiden.

   Gegeben in die ewige Huld,
   Gebunden durch die ewige Schuld,
   Den ewigen Tod zu Fen:
   Will ich mein Leben gren.






Inhaltsverzeichnis


Widmung      5
Der Ort      6
Der kranke Knabe      8
Der Gut-Wetter-Wind      9
Schulstunde      10
Vanitas      11
Heilige Gruppe      12
Der schlafende Knabe      13
Gebet      14
Vorfrhling      16
Einsiedler      17
Die Freude      18
Die Nhe      19
Vor dem Einschlafen      20
In der Nacht      21
Die Stadt      22
Pferderennen      23
Szene      24
Einsam      25
Begegnung      26
Bauernpferde      27
Die Schlafende      28
Der Selbstmord      30
Ein Ku      31
Der Morgen      32
Der Heller      33
Die Heimkehrende      35
Verfinsterung      36
Spaziergang in der Nacht      38
Die Unerbittlichkeit      39
Einem edlen Jngling      40
Liebe      41
Die Spielende      42
Ein Brief      43
Abschied      44
Auch du      45
Schnee      46
Bitte an die Geliebte      47
Ihr Freunde      48
Unschuld      49
Die Insel      50
Fr die Nacht      53
Der Berg      54
Gloria      56




KURT WOLFF VERLAG  LEIPZIG
(FRHER ERNST ROWOHLT VERLAG)


WALTER HASENCLEVER

DER JNGLING

Geheftet Mark 2.50 Gebunden Mark 3.50

_Richard Dehmel:_ Nehmen Sie meinen besten Glckwunsch zu Ihrem Buch. Was
mich vor allem fesselte, ist die Lebenskunst, die aus Ihrer Dichtkunst
spricht. Gerade heute entstehen wenig Bcher, die in hohem Sinne
epikureisch sind. Ich glaube, Ihr Jngling kann auch reifen Mnnern eine
lchelnde Anleitung geben, das Schicksal als eine Angelegenheit geistigen
Genusses aufzufassen; ich wnsche Ihnen solche mnnliche Leser!

_Deutsche Montagszeitung:_ Eine neue Gesellschaftsdichtung im Sinne
Beethoven-Schillers und der IX. Symphonie.


FRANZ WERFEL

WIR SIND

NEUE GEDICHTE

Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem
Japanbtten in Ganzlederbd. M 35.--

Geheftet Mark 3.-- Gebunden Mark 4.50

Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berhmt gewordenen
Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Flle der
Erscheinungen im Geiste des zeitgenssischen Poeten, wird hier gesteigert
zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine
Dichtung beharren, sie versucht dem Gttlichen im Gefhl aller Menschheit
nher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten
Testaments; sein Werk hat die Strke und Verkndigung eines neuen Ethos.

URTEILE BER FRANZ WERFEL:

_Wilhelm Herzog_ im Berliner Tageblatt: . . . ein ganz junger, ganz
groer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.

_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz groer Dichter, mit allem Ernste sei
das gesagt.






End of the Project Gutenberg EBook of Die Spur, by Berthold Viertel

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