Project Gutenberg's Vier Jahre Politischer Mord, by Emil Julius Gumbel

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Title: Vier Jahre Politischer Mord
       Fuenfte Auflage von ZWEI JAHRE MORD (13. bis 18. Tausend)

Author: Emil Julius Gumbel

Release Date: May 11, 2012 [EBook #39667]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIER JAHRE POLITISCHER MORD ***




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[Anmerkungen zur Transkription: Die Rechtschreibung des Originals wurde
beibehalten; auch Personen- und Ortsnamen bleiben uneinheitlich wie im
Original. Hervorhebungen im Original durch _kursiv_ gesetzten Text sind
hier mit _Unterstrichen_ umgeben; =Gleichheitszeichen= stehen fr =fett=
gedruckten Text.

Transcriber's Note: Original spelling variations as well as variations
in names of persons or places have not been standardized. Emphasis using
_italic_ text has been marked by _underscores_, =bold= text is shown by
=equal= signs.]


_Fnfte Auflage von ZWEI JAHRE MORD (13. bis 18. Tausend)_

_Anita Orienter zu eigen_

E. J. GUMBEL

VIER JAHRE POLITISCHER MORD

VERLAG DER NEUEN GESELLSCHAFT

BERLIN-FICHTENAU

1922

      _Ich berreiche dem Herrn Reichsjustizminister
      dieses Buch mit der formellen und
      ffentlichen Aufforderung, den einzelnen Fllen
      nachzugehen und uns ber das Ergebnis
      seiner Untersuchungen Auskunft zu geben._

      _Reichsjustizminister Radbruch
      als Abgeordneter im Reichstag, 5. Juli 1921_

Copyright by Verlag der Neuen Gesellschaft

Berlin-Fichtenau




INHALTSVERZEICHNIS

                                                               Seite


      VIER JAHRE MORD

      Die Morde bis zum Mrz 1919                                  9
      Von der Ermordung Eisners bis zum Sturz der bayrischen
          Rterepublik                                            27
      Die Ermordungen beim Kapp-Putsch                            51
      Individuelle Morde                                          64
      Nicht aufgenommene Ttungen                                 82

      ZUR SOZIOLOGIE DER POLITISCHEN MORDE

      Das Werden der deutschen ffentlichen Meinung               87
      Bayrische Rterepublik und Kapp-Putsch                      95
      Die Rechtsnatur der bayrischen Standgerichte und das
          Schicksal der Hinterbliebenen                          108
      Regierungsuerungen zu den politischen Morden             118
      Die Organisation der politischen Morde                     124
      Die ffentliche Meinung und die Morde                      142

      TABELLEN

      161 von den Regierungstruppen in Mnchen Ermordete          43
      Die von Rechts begangenen politischen Morde                 73
      Die von Links begangenen politischen Morde                  79
      Die Formen der politischen Morde                            81
      Die Shne der politischen Morde                             81
      Kapp-Regierung und bayrische Rteregierung                  99
      Die strafgerichtliche Behandlung des Kapp-Putsches         100
      Das Schicksal von 775 Kapp-Offizieren                      101
      Militrs der Kapp Regierung und der bayrischen
          Rteregierung                                          102
      Kappisten und Rterepublikaner in der Provinz              105




Die folgenden Zeilen berichten ber die politischen Morde, die seit dem
9. November 1918 in Deutschland vorgekommen sind. Dabei sind gleichmig
die von Links und die von Rechts begangenen Morde dargestellt. Ein Fall
wurde aufgenommen, falls es sich dabei um eine vorbedachte,
gesetzwidrige, durch innerpolitische Motive verursachte Ttung eines
namentlich bekannten Deutschen durch einen anderen Deutschen handelte,
wobei der Vorgang sich nicht als Massenhandlung sondern als individuelle
Tat qualifizierte. Ich habe nur solche Flle aufgenommen, wo die
erschieende Partei nicht behauptet hat, da sie von der Menge
angegriffen wurde, und wo es sich nicht um eine Lynchung durch eine
namenlose Menge oder andersgeartete Massenhandlungen, sondern um ganz
bestimmte Tter handelte.

In der Auswahl der Flle bin ich bei den Morden von Rechts viel
vorsichtiger verfahren als bei denen von Links. Ich habe daher mehrere
Flle von Links mitaufgenommen, die mehr den Charakter von Tumulten als
von politischen Morden hatten.

Auf die Exaktheit der Angaben habe ich in jedem einzelnen Falle die
grtmgliche Sorgfalt verwendet und versucht, berall aktenmige
Genauigkeit zu erreichen. Ich habe mich gesttzt auf Gerichtsakten,
Urteile, Entscheidungen ber Einstellung des Verfahrens, Zeugenaussagen,
Mitteilungen von Rechtsanwlten, von Hinterbliebenen, endlich
Zeitungsnotizen. Die Prozeberichte habe ich hauptschlich in den
rechtsstehenden Zeitungen studiert. In allen Fllen, wo das Material
nicht genau war, wurde an die Angehrigen und Berichterstatter
geschrieben. Blieben die Nachrichten unvollstndig, so blieben die
betreffenden Flle weg. Ich kann somit jede hier vorgebrachte Behauptung
einwandfrei belegen. Prinzipiell wurden nur solche Flle aufgenommen, in
denen der Name des Opfers mir bekannt wurde. Wo sich im Text auch
anonyme Flle finden, dienen sie nur zur Veranschaulichung der
betreffenden Vorgnge. Nur an zwei Stellen bin ich von diesem Prinzip
abgewichen. (Seite 18 und 32.)

Der jeweilige Stand des Verfahrens war am schwierigsten zu ermitteln. Es
ist daher mglich, da in Fllen, wo mir kein Verfahren bekannt wurde,
ein solches tatschlich schwebt oder das Verfahren bereits eingestellt
wurde. Dagegen glaube ich, da die Zahl der von mir angefhrten
Bestrafungen vollstndig ist.

Das Buch kann keinen Anspruch darauf erheben, alle politischen Morde
darzustellen, die in den letzten Jahren in Deutschland vorgekommen sind.
Ich bitte daher alle Leser, welche weitere Flle wissen, hierber an den
Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin-Fichtenau, zu schreiben.

Das vorliegende Buch ist eine Fortsetzung und Erweiterung meiner
Broschre Zwei Jahre Mord. Ich hatte darin unter anderm die Behauptung
aufgestellt, da die deutsche Justiz ber 300 politische Morde
unbestraft lt und hatte erwartet, da dies nur zwei Wirkungen haben
knne. Entweder die Justiz glaubt, da ich die Wahrheit sage, dann
werden die Mrder bestraft. Oder sie glaubt, da ich lge, dann werde
ich als Verleumder bestraft. Tatschlich ist etwas Drittes, vllig
unvorhergesehenes eingetreten:

Obwohl die Broschre keineswegs unbeachtet blieb, ist von behrdlicher
Seite kein einziger Versuch gemacht worden, die Richtigkeit meiner
Behauptungen zu bestreiten. Im Gegenteil, die hchste zustndige Stelle,
der Reichsjustizminister, hat meine Behauptungen mehrmals ausdrcklich
besttigt. Trotzdem ist nicht ein einziger Mrder bestraft worden.

Berlin, 16. Oktober 1922.




VIER JAHRE MORD

DIE MORDE BIS ZUM MRZ 1919


Die Vorwrtsparlamentre

Im Januar 1919 hatten revolutionre Arbeiter sich des Vorwrtsgebudes
bemchtigt. Die Regierungstruppen belagerten das Haus. Die
Vorwrtsbesatzung schickte am 11. Januar frhmorgens als Parlamentre,
durch entsprechende Abzeichen kenntlich und natrlich unbewaffnet,
folgende Leute:

Redakteur Wolfgang _Fernbach_, Walter _Heise_, Werner _Mller_, Karl
_Grubusch_, Erich _Kluge_, Arthur _Schtler_, _Wackermann_.

Fernbach gehrte nicht zur Besatzung. Er war erst am Nachmittag des 10.
in das Gebude gegangen, um jemand zu besuchen, und konnte wegen der
Absperrung nicht mehr heraus. Die sieben Parlamentre wurden in die
Dragonerkaserne in der Belle-Alliance-Strae 6 abgefhrt und morgens 10
Uhr erschossen. Nach der Meldung des Oberlts. v. Carnap an den Vater des
erschossenen Fernbach wurden sie von eingedrungenen Soldaten gelyncht,
obwohl sie waffenlos waren, ohne da v. Carnap und der gleichfalls
anwesende Major _Franz v. Stephani_ irgend etwas dagegen machen konnten.
Major von Stephani dagegen schrieb an Frau Fernbach:

Fernbach hat sich mit unter den Spartakus-Anhngern befunden, die mit
der Waffe in der Hand aus dem Vorwrts herausgeholt wurden und bei denen
Dumdumgeschosse vorgefunden wurden. Sie hatten demgem whrend der
Kampfhandlung ihr Leben verwirkt und der Tod hat durch Erschieen
stattgefunden.

Auch diese Behauptungen entsprechen nicht den Tatsachen. Im
Ledebourproze hat Graf Westarp, der die Belagerung leitete, am 23. Mai
1919 als Zeuge vernommen, ausdrcklich erklrt, da die sieben als
Parlamentre kenntlich waren, nicht mit der Waffe in der Hand ergriffen
wurden und natrlich auch keine Dumdumgeschosse gehabt hatten. Auch
Major von Stephani hat seine Behauptungen selbst spter vor dem ersten
Gardedivisionsgericht zurckgezogen (Erklrung des Kriegsgerichtsrates
Hierholzer). Der wirkliche Vorgang war nach den bereinstimmenden, bei
den Gerichtsakten befindlichen Aussagen des Soldaten Wilhelm Helms, des
Soldaten Georg Schickram, der der ganzen Erschieung beiwohnte, des
Sanittsgefreiten Hans Stettin und des Soldaten Willi Khn, schlielich
den eigenen Aussagen v. Stephanis im Untersuchungsausschu der preu.
Landesversammlung vom 3. Juni 1919 (vgl. den amtlichen Bericht, Seite
48 und 49), da Stephani selbst den Befehl zur Erschieung gegeben hat.
Er berief sich dabei auf einen angeblichen Regierungsbefehl, der jedoch
von der Regierung dementiert wurde (Aussage des Kriegsgerichtsrats
Hierholzer vor dem Gericht der 1. Garde-Division, Reichswehrbrigade 3,
Potsdam). Sogar die Namen von zwei der exekutierenden Soldaten,
Wachtmeister Otto _Weber_, Feldkolonne 40, Staffelstab 10, Hannover, und
Gefreiter Erich _Selzer_, Infanterieregiment 21 in Rudolstadt sind
bekannt. Den sieben Toten waren die Schuhe und Kopfbedeckungen gestohlen
(Bekundungen von Fernbach senior). Die Leiche des Mller wies (Bekundung
der Frau Mller) zwei Bajonettstiche auf. Auerdem war ihm die linke
Gesichtshlfte eingeschlagen. Auf eine Eingabe von Fernbach sen. vom 29.
Januar 1919 erklrte die Staatsanwaltschaft, die Angelegenheit sei
erledigt. Fernbachs Vater stellte am 26. Mrz 1919 Strafantrag gegen
Stephani wegen Mordes. Erst am 31. Januar 1920 teilte ihm das Gericht
der Garde-Kav.-Div. in Potsdam mit, da das Verfahren gegen Stephani
wegen Ueberschreitung der Dienstgewalt demnchst stattfinden werde. Dies
geschah aber nicht. Infolge Aufhebung der Militrgerichtsbarkeit kamen
die Akten am 10. Oktober 1920 an die Staatsanwaltschaft Berlin. Der
Staatsanwaltschaftsrat vom Landgericht II, Dr. Ortmann, lehnte den Erla
eines Haftbefehls gegen v. Stephani ab. Stephani wurde sogar weiter im
Dienst verwendet und war bei den Kmpfen um Mnchen dabei (Sitzung des
Untersuchungsausschusses der Landesversammlung vom 6. Mai 1919). Am 14.
Juli 1921 hat das Landgericht II, gez. Hartmann, Siemens, Dr. Frnkel,
die Beschuldigten v. Stephani, Weber und Seltzer aus dem tatschlichen
Grunde mangelnden Beweises auer Verfolgung gesetzt. Die Privatklage
Fernbachs gegen v. Stephani wurde am 20. Dezember 1920 abgewiesen. Im
Mrz 1922 wurde sein Anspruch auf Schadenersatz gegen den Kriegsminister
vom Landgericht I dem Grunde nach als berechtigt anerkannt. Bei den
Klagen von fnf andern Hinterbliebenen verlangt der Fiskus den
Identittsnachweis. (Abschriften der Aussagen und Akten sind in meinem
Besitz.)


Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

Bei einer Haussuchung am 15. Januar 1919 wurden _Karl Liebknecht_ und
_Rosa Luxemburg_ in Wilmersdorf, ohne Haftbefehl, durch die
Einwohnerwehr verhaftet und nach dem Edenhotel, dem Quartier der
Gardekavallerie-Schtzendivision, gebracht. Nach der amtlichen
Darstellung vom 16. Januar wurde Liebknecht auf der Flucht erschossen,
Rosa Luxemburg durch eine groe Menge gelyncht. Die Transportfhrer
traf kein Verschulden. Nach den Aussagen im Proze spielte sich die
Ermordung jedoch folgendermaen ab:

Der Platz vor dem Edenhotel war vllig leer. (Zweiter Verhandlungstag.)
Karl Liebknecht wurde aus dem Hotel in ein Auto gefhrt. Der Jger
_Runge_ schlug ihm darauf zweimal von hinten mit dem Kolben auf den
Kopf. Liebknecht sank halb bewutlos zusammen. Die Offiziere saen und
standen um Liebknecht herum, ohne die Schlge zu verhindern. Das
Kommando bestand aus den Offizieren Horst _v. Pflugk-Hartung_, _Stiege_,
_Liepmann_, _v. Ritgen_, _Schulze_, Heinz _v. Pflugk-Hartung_ und dem
Jger Clemens _Friedrich_, alle natrlich schwer bewaffnet. An Stelle
nach Moabit fuhr das Auto am Neuen See entlang in der Richtung nach der
Charlottenburger Chaussee. An einer Stelle, wo ein vllig unbeleuchteter
Fuweg abging, erlitt das Auto angeblich eine Panne. Liebknecht, der
durch die Schlge auf den Kopf noch ganz benommen war, wurde gefragt, ob
er noch gehen knne. Zwei Leute sttzten ihn rechts und links, zwei
gingen vor und zwei hinter ihm. Alle mit entsicherten Pistolen und
Handgranaten bewaffnet. Nach wenigen Schritten wurde Liebknecht,
angeblich weil er einen Fluchtversuch machte, erschossen. Den ersten
Schu gab Kapitn v. Pflugk-Hartung ab. Nach der Tat war das Auto wieder
gebrauchsfhig. Dann wurde die Leiche als unbekannt eingeliefert.

Als Rosa Luxemburg durch den Haupteingang fortgefhrt wurde, stand
derselbe Runge an der Tr. Hauptmann Petri hatte Befehl gegeben, man
solle dafr sorgen, da die Luxemburg nicht lebendig ins Gefngnis komme
(Denkschrift des Vollzugsrates). Als Frau Luxemburg durch die Tre kam,
schlug Runge ihr zweimal auf den Kopf, so da sie umsank. Der den
Transport fhrende Oberleutnant _Vogel_ hatte nichts dagegen getan. Man
schob Frau Luxemburg in den Wagen. Als der Wagen abfuhr, sprang ein Mann
hinten auf und schlug sie mit einem harten Gegenstand auf den Kopf.
Unterwegs scho Oberleutnant Vogel der Frau Luxemburg noch eine Kugel
durch den Kopf. Man fuhr zwischen Landwehrkanal und Zoologischem Garten
entlang. Am Landwehrkanal stand eine Gruppe Soldaten. Das Auto hielt,
die Soldaten warfen die Leiche auf Befehl Vogels in den Kanal.

Die am Mord Beteiligten lieen sich am Tage danach bei einem Gelage
photographieren. (Vierter Verhandlungstag.)

Wochenlang geschah in dieser Sache nichts. Die Regierung berlie die
Untersuchung derselben Division, der die Mrder angehrten. Die
Arbeiterrte Rusch und Struve, die zur Untersuchung beigezogen waren,
beantragten eine Reihe von Verhaftungen. Als diese Antrge abgelehnt
wurden, traten sie zurck. (31. Januar, 1919; Denkschrift der Mitglieder
des Zentral- und Vollzugsrates.)

Runge erhielt durch den Leutnant Liepmann falsche Papiere, wurde
versetzt, dann flchtig und war zunchst unauffindbar. Mitte April wurde
er verhaftet, Oberleutnant Vogel am 20. Februar. Am 8. Mai begann die
Verhandlung vor dem Kriegsgericht. Der Oberleutnant Grtzner sagte aus,
da von Offiziersseite nachdrcklich auf ihn eingewirkt worden sei, die
Wachmannschaften des Edenhotels zu einer gnstigen Aussage zu bestimmen
und ungeeignete Elemente von den Mannschaften zu entfernen. (Dritter
Verhandlungstag.) Pflugk-Hartung gab zu, da er dem Soldaten Peschel,
dem Lenker des Autos, in dem Liebknecht abtransportiert wurde, 500 Mk.
geborgt habe. Die Soldaten Grantke und Weber beschworen, da
Oberleutnant Vogel den Schu auf Rosa Luxemburg abgegeben habe (dritter
Verhandlungstag) und die Leiche ins Wasser werfen lie (vierter
Verhandlungstag). Zwei Angeklagte und Vogel selbst bestritten das
erstere. Das Urteil lautete:

1. Der Jger Runge wird wegen Wachvergehens im Feld, versuchten
Totschlags in Tateinheit mit gefhrlicher Krperverletzung unter
Mibrauch seiner Waffe in zwei Fllen, in einem Fall mit erschwertem
Wachverbrechen und Gebrauch von falschen Urkunden, zu zwei Jahren
Gefngnis, zwei Wochen Haft und vier Jahren Ehrverlust und Entlassung
aus dem Heer bestraft.

2. Leutnant Liepmann wird wegen Anmaung einer Befehlsbefugnis in
Verbindung mit Begnstigung zu sechs Wochen verschrften Stubenarrests
verurteilt.

3. Oberleutnant Vogel wird wegen erschwerten Wachvergehens im Feld in
Tateinheit mit Begnstigung in Ausbung des Dienstes, wegen Mibrauch
der Dienstgewalt und Beiseiteschaffung einer Leiche und wissentlich
falscher Dienstmeldung zu zwei Jahren vier Monaten Gefngnis und
Dienstentlassung verurteilt.

In der Urteilsbegrndung nahm das Gericht (Vorsitzender
Kriegsgerichtsrat Erhardt) bei Runge an, da er aus eigenem Antrieb
gehandelt habe.

Bereits fnf Tage vor Beginn des Prozesses hatten Dr. Grabowski und
Hauptmann Pabst dem Oberlt. Vogel durch das Polizeiprsidium Berlin und
durch die Pastelle des Auswrtigen Amtes einen Pa nach Holland
verschafft. Am 14. Mai, dem letzten Verhandlungstag, teilte der
Abgeordnete Cohn dies dem Kriegsminister Reinhardt und dem
Ministerialdirektor Rauscher mit. Trotzdem konnte Vogel am 17. Mai mit
Hilfe des Hauptmanns Jansen aus der Untersuchungshaft entfhrt werden
und entkam nach Holland. (Der Mord an Karl Liebknecht und Rosa
Luxemburg. Verlag der Freiheit).

Runge legte am 6. Januar 1920 protokollarisch ein Gestndnis ab, durch
das die Urteilsbegrndung vllig hinfllig wurde. Es heit darin:

Was die Sache Liebknecht anbetrifft, hatte ich strikten Befehl von
Offizieren, diesen Lumpen niederzuschlagen mit dem Kolben an der Stelle,
wo er herauskommt. Ich war neu und konnte die Offiziere nicht erkennen,
sah aber nachtrglich, da es meist meine Mitangeklagten waren. Was die
Luxemburg anbetrifft, kamen Offiziere zu mir und sagten: Ich gebe Ihnen
den Befehl, da die Luxemburg das Edenhotel nicht mehr lebend verlt.
Merken Sie sich das. Kapitnleutnant v. Pflugk-Hartung schrieb sich
meinen Namen auf und sagte zu mir: Sie wird Ihnen ja durch den
Oberleutnant Vogel in die Arme gefhrt, so da Sie nur zuschlagen drfen
... (was ich auch tat). Als die andern zurckkamen, brsteten sie sich:
Liebknecht haben wir eine gebrannt. Es wurde eine Panne markiert und
so die Flucht knstlich herbeigefhrt. Das hat mir auch Oberleutnant
von Ritgen in der Untersuchungshaft spter noch einmal gesagt.

Die Untersuchung ist eine Komdie gewesen. Ich sprach mit
Kriegsgerichtsrat Jrns wiederholt privat und er sagte mir: Nehmen Sie
ruhig alles auf sich, 4 Monate werden es nur, und Sie knnen sich dann
immer wieder an uns wenden, wenn Sie in Not sind. Die Zellentren
standen stets offen. Smtliche Angeklagten machten den Richter, ich
mute den Angeklagten spielen, und es wurde immer gesagt, wenn ich meine
Aussagen nicht richtig einlernte, lge mal eine Handgranate im Bett,
wenn ich schlafen ginge. Mit dem Stab des Eden-Hotels stand ich fters
in telephonischer Verbindung. Ich mute ihm vor meiner Flucht genau
angeben, mit welchem Zug ich nach Flensburg fahre. -- Husar Otto Runge.

Hieraus (Freiheit, 9. Januar 1921) geht hervor, da es sich in beiden
Fllen um einen von den Offizieren wohlberlegten Mord handelte.
Trotzdem erfolgte nichts.

In einer neuen Aussage (Vorwrts 29. und 30. Mai 1922) hat Runge noch
genauere Mitteilungen ber die beiden Ermordungen gemacht und angegeben,
da er durch Angehrige des Freikorps Robach mit falschen Papieren
versehen und zu einer Reihe von falschen Aussagen vor Gericht veranlat
wurde. Nach ihm hat auch Leutnant Krull der Frau Luxemburg, als sie im
Auto sa, eine Kugel durch den Kopf geschossen.

Gegen Krull war ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet worden. Er
gestand, beteiligt gewesen zu sein, widerrief aber dann. Darauf wurde
das Verfahren mangels Beweisen eingestellt, spter aber wieder
aufgenommen. (Vossische Zeitung 22. August 1922.) Whrend er in
Untersuchungshaft sa, erschien der Oberleutnant Siegfried Bracht in der
Redaktion der Roten Fahne und bot die Uhr und Papiere von Rosa
Luxemburg gegen eine angemessene Entschdigung an. Er behauptete,
Deutschnationale htten ihm 12_000 M. dafr geboten. Am 30. Mai 1922
hatte sich Krull wegen Diebstahls und Bracht wegen Hehlerei vor der
dritten Kammer des Landgerichts II (Vorsitzender Landgerichtsdirektor
Dust, Staatsanwalt Dr. Ortmann) zu verantworten. Krull behauptete, die
Uhr sei herrenloses Gut gewesen und im Edenhotel von Hand zu Hand
gegangen.

Krull hielt eine Rede: Nichts liegt gegen uns vor, was man uns zum
Vorwurf machen knnte. Jeder Deutsche atmete auf, als diese beiden
Lumpen ins Jenseits befrdert wurden. Der Dank des Vaterlandes gebhrt
uns dafr. Gegen Leute wie Rosa Luxemburg und Liebknecht mu Richter
Lynch auftreten. Krull wurde wegen Diebstahl in zwei Fllen zu drei
Monaten Gefngnis verurteilt, Bracht wegen versuchten Betrugs zu 500 M.
Geldstrafe. (Berliner Tageblatt, 2. Juni 1922.) Gegen das Urteil haben
Staatsanwalt und Angeklagte Revision eingelegt.


Die im Tegeler Forst Erschossenen

Am 17. Januar 1919 meldete der Abend, da vier Spartakisten, namens v.
_Lojewski_, Hermann _Merks_, Richard _Jordan_ und _Milkert_, die whrend
der Spandauer Spartakusumtriebe verhaftet worden waren, auf dem
Transport nach Tegel im Tegeler Forst einen Fluchtversuch machten. Das
Begleitkommando scho auf die Flchtigen und ttete sie smtlich. Der
gleichzeitig verhaftete Georg Merks, der beim selben Transport war,
teilte jedoch der Freiheit (20. Januar 1919) mit: Die 8 Verhafteten
wurden in zwei offene Lastautos verladen. In jedem waren ca. 10 schwer
bewaffnete Soldaten. Das Auto, in dem ich war, fuhr zuerst ab, in einem
Abstand von 15 bis 20 Metern folgte das andere. Whrend beide Autos
fuhren, wurde vom hinteren Auto pltzlich geschossen. Die
Wachmannschaften erzhlten dann, die Gefangenen seien geflohen. Bei
einem wirklichen Fluchtversuch htte das Auto natrlich gehalten. Im
Bericht der Morgenpost (18. Januar 1919) heit es auch, da die
Gefangenen versuchten, ber das Gelnder zu klettern, so da die
Erschieung im Wagen stattgefunden hat. Auf dem Auto standen Leutnant
Pieper, Vizefeldwebel Plate, Grenadier Dahlke, 2 Grenadiere vom Regiment
5, 2 Trainsoldaten, ein Herr _Sasse_ und ein ehemaliger Pionier Neese.
Sasse gab den Befehl zum Schieen, der von den beiden Trainsoldaten
ausgefhrt wurde. Trotz dieser przisen Angaben, die die Freiheit am
1. Mrz 1920 brachte und der Staatsanwaltschaft bergab, wurde kein
Verfahren eingeleitet.


Ein Mord von links

Am 13. Januar 1919 wurde in Hervest die Sicherheitswehr entwaffnet, das
Waffenlager und das Kommissariat erstrmt. Die Gewalt lag bis zum
Einrcken des Korps Lichtschlag am 15. Februar 1919 in Hnden der
Arbeiterschaft.

Der Fhrer der brgerlichen Parteien von Hervest, der Bureauvorsteher
_Kohlmann_, zog sich whrend dieser Zeit die Feindschaft der
Arbeiterschaft zu. Angeblich hat er auch die Regierungstruppen
herbeigerufen. Am 10. Februar 1919 lauerten ihm die Bergleute Eduard
_Albrecht_ (Kommunist) und Karl _Arnold_ (Mehrheitssozialist) auf und
erschossen ihn.

Beide wurden wegen Mordes zum Tode verurteilt, dann zu lebenslnglichem
Zuchthaus begnadigt. (Aktenzeichen: 16 I. 283/19, Landgericht Essen.)


Morde im Rheinland 1919

Der Bergmann Aloys _Fulneczek_ in Bottrop, Fulenbrockstr. 24, war am 19.
Februar 1919 als Delegierter der K.P.D. mit Delegierten der anderen
Parteien zum Kommandanten der einrckenden Truppen des Hauptmann
Lichtschlag zwecks Verhandlungen gegangen. Auf dem Rckwege wurde er von
den Truppen festgehalten, mihandelt, ins Gerichtsgefngnis in Bottrop
eingeliefert und dort in der Zelle von dem Regierungssoldaten _Heuer_
in Gegenwart eines zweiten Soldaten von hinten erschossen. Heuer wurde
wegen Totschlags vor dem Militrgericht angeklagt, aber auf die Aussage
seines Begleiters hin freigesprochen, weil er angeblich in Notwehr
gehandelt. Der Militrfiskus ist in I. Instanz zum Schadenersatz
verurteilt.

Moritz _Steinicke_ aus Gelsenkirchen, Reichstr. 15, wurde in der Nacht
vom 20. zum 21. Februar 1919 von zwei Schutzleuten, zwei Soldaten und
einem Zivilisten ohne Haftbefehl verhaftet und von dem Fhrer der
Abteilung, _Blumberg_ und einem Polizisten vor dem Hause Wilhelmstr. Nr.
51 auf der Flucht erschossen. Steinicke war Mitglied der U.S.P.D., es
lag nichts gegen ihn vor. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Blumberg
zur Verhinderung des Fluchtversuches von seiner Waffe Gebrauch gemacht
und also gem der ihm erteilten allgemeinen Instruktion gehandelt
habe. (Aktenzeichen 7 a. J. 585/19 der Staatsanwaltschaft Essen.)


Die Lichtenberger Greuel und die Mrzmorde

Im Mrz 1919 kam es zu Kmpfen zwischen den in der Revolution
aufgestellten republikanischen Verbnden, die aufgelst werden sollten,
und den unter dem Befehl von Reinhardt stehenden Regierungstruppen und
Freikorps. Den republikanischen Truppen schlossen sich einige Arbeiter
an.

In einem offiziellen Bericht vom 9. Mrz 1919 teilte die
Gardekavallerie-Schtzendivision der Berliner Presse mit (vergl. z. B.
Deutsche Tagesztg. vom 10. Mrz): Die Spartakisten fhren zurzeit
ihre Absicht, sich in Lichtenberg zu verschrftem Widerstand zu rsten,
aus. Das Polizeiprsidium wurde von ihnen gestrmt und smtliche
Bewohner, mit Ausnahme des Sohnes des Polizeiprsidenten, auf viehische
Weise niedergemacht.

Aehnlich teilte Regierungsrat Doy vom Ministerium des Inneren dem
Berliner Tageblatt am 10. Mrz 1919 die Erschieung von 57 Polizisten
mit.

Nach der B. Z. am Mittag vom 9. Mrz wurden 60 Kriminalbeamte und
viele andere Gefangene erschossen, und zwar wurden Gefangene, die sich
zur Wehr setzen wollten, teilweise von vier bis fnf Spartakisten
gehalten, whrend der sechste ihnen mit der Pistole zwischen die Augen
scho. Dabei sttzte sich die B. Z. auf eine von einer militrischen
Befehlsstelle bermittelte eidliche Aussage von fnf Soldaten.

Diese Nachricht ging durch die ganze deutsche Presse und beeinflute die
ffentliche Meinung in schrfster Weise gegen die Spartakisten. Tagelang
wimmelte es von blutrnstigen Schilderungen. So meldete die Vossische
Zeitung und natrlich ebenso die rechtsstehende Presse am 10. Mrz
sogar 150 Ermordete.

Alle diese Meldungen waren erlogen. Erst am 13. Mrz meldete die B.
Z., da die Beamten in Wirklichkeit entlassen worden waren. Am gleichen
Tage erklrten die Vossische und der Vorwrts auf Grund der
Aussagen des Brgermeisters Ziethen, da sich alle Nachrichten ber die
Massenerschieungen von Schutzleuten und Kriminalbeamten bei der
Eroberung des Lichtenberger Polizeiprsidiums als unwahr erwiesen
haben. Endlich nach der B. Z. vom 14. Mrz und dem Nachruf auf die
Gefallenen stellte sich heraus, da nur zwei Beamte tot waren. Davon war
einer im Kampf gefallen und ber die Todesart des andern konnte nichts
festgestellt werden.

Auf Grund des Lichtenberger Beamtenmordes (Deutsche Tageszeitung,
Berl. Tageblatt vom 10. Mrz 1919) verhngte _Noske_ als
Oberkommandierender in den Marken ber Berlin das Standrecht und erlie
folgende Anordnung (W. T. B., 9. Mrz):

Die Grausamkeit und Bestialitt der gegen uns kmpfenden Spartakisten
zwingen mich zu folgendem Befehl: Jede Person, die mit den Waffen in der
Hand gegen Regierungstruppen kmpfend angetroffen wird, ist sofort zu
erschieen.

Daneben erlie die Gardekavallerie-Schtzendivision selbstndig einen
Befehl, wonach auch Leute zu erschieen wren, in deren Wohnungen Waffen
gefunden wrden. Ein Nachweis der Teilnahme am Kampfe sei nicht ntig.
Der Befehl lautete:

  Garde-Kav.-Division. Abt. I a. Nr. 20 950.

      Befehl fr den 10. 3. nachm. und den 11. 3.

          Div.-St.-Qu., den 10. 3. 1919.

  Leitsatz: Wer sich mit Waffen widersetzt oder plndert, gehrt
  sofort an die Mauer. Da dies geschieht, dafr ist jeder Fhrer
  mitverantwortlich.

  Ferner sind aus Husern, aus welchen auf die Truppen geschossen
  wurde, smtliche Bewohner, ganz gleich, ob sie ihre
  Schuldlosigkeit beteuern oder nicht, auf die Strae zu stellen, in
  ihrer Abwesenheit die Huser nach Waffen zu durchsuchen;
  verdchtige Persnlichkeiten, bei denen tatschlich Waffen
  gefunden werden, zu erschieen.

  Ziffer 2 e: Jeder Hausbewohner oder Passant, der in unrechtmigem
  Besitz von Waffen gefunden wird, ist festzunehmen und mit kurzem
  Bericht in dem nchsten Gefngnis abzuliefern. Wer sich mit der
  Waffe in der Hand zur Wehr setzt, ist sofort niederzuschieen.

Die Politisch-Parlamentarischen Nachrichten erklrten zwar am 18. Mrz
1919, da ihnen von zustndiger Seite versichert worden sei, ein
derartiger Erla sei nicht ergangen. Tatschlich hat sich aber Marloh
in seiner ersten Aussage vom 4. Dezember 1919 ausdrcklich auf diesen
Befehl gesttzt und hat ihn wrtlich verlesen.

Die beiden Erlasse gehen weit ber das Preuische Belagerungsgesetz vom
4. Juni 1851 hinaus. Denn darnach entscheidet ber einen Angeklagten ein
aus zwei Zivilrichtern und zwei dem Hauptmannsrang angehrigen
Offizieren bestehendes Kriegsgericht. Bei Todesurteilen ist die
Besttigung des Oberbefehlshabers ntig, auerdem liegt eine Frist von
24 Stunden zwischen Urteil und Vollstreckung. Hier aber liegt die
Entscheidung ber Leben und Tod vollkommen im willkrlichen Ermessen
einzelner Personen.

Am 7. Mrz, 11-1/4 Uhr, wurde der Angehrige der republikanischen
Soldatenwehr des Depots 7, Fasanenstr., _Adolf Riga_ (42 Jahre,
Kurfrstenstr. 114), von einem Angehrigen des Freikorps Lttwitz auf
Befehl eines Offiziers entwaffnet, als er von der Wache kam, obwohl er
seinen Ausweis vorwies. Dann setzte Riga seinen Weg waffenlos fort. An
der Absperrung vor dem Edenhotel wollte ihn ein Posten nicht
durchlassen. Es kam zu einer Auseinandersetzung. Der bei dem Posten
stehende Offizier gab dem Soldaten einen Befehl, worauf dieser unter dem
Ruf Strae frei ihn von hinten erscho. (Die Aussagen der Zeugen R. E.
Kaufmann und E. K. Rosenberg sind in meinem Besitz. Beide Zeugen wurden,
weil sie den Sachverhalt protokollarisch festlegen lieen, zwei Tage
spter verhaftet und drei Wochen eingesperrt.) Weder gegen den Offizier
noch gegen den Soldaten wurde ein Verfahren eingeleitet. Die Witwe bekam
nach einem Proze gegen den Fiskus eine Rente zugebilligt.


Lynchungen im Lehrter Gefngnis

Die Vorgnge im Lehrter Gefngnis schildert ein Augenzeuge, der wegen
Herausgabe einer satirischen Zeitschrift verhaftet war, folgendermaen
(Wieland Herzfelde: Schutzhaft): Man fhrte uns (am 8. Mrz, abends)
an den Eingang des Gefngnisses. Es hie: Zuerst den Matrosen _Peters_
hineinfhren! Wir anderen muten vor der Glastre, durch die wir nur
undeutlich beobachten konnten, stehen bleiben. Kaum war der Matrose
eingetreten, erscholl der Ruf: Haut ihn, schlagt ihn tot, an die
Wand!, wobei ein entsetzliches Gebrll das ganze Gefngnis erfllte und
aus allen Ecken Soldaten mit Gewehren herbeistrzten und auf den
Matrosen einschlugen. Dieser zog ein verborgenes Messer und kmpfte nun
mit der Kraft des Verzweifelten gegen die Soldaten. Allmhlich gelangten
so die Kmpfenden in den Hintergrund, woselbst wir nichts mehr
wahrnehmen konnten, nur noch fortwhrende Kolbenschlge hrten, woraus
sich schlieen lie, da der Matrose sich aufs uerste verteidigte. Er
wurde unserer Ueberzeugung nach totgeschlagen, denn verschiedene
Offiziere und Chargierte stellten unter grausamem Schmunzeln und
Hndereiben fest, da er zu Hackepeter verarbeitet worden sei.

Nachmittags um vier Uhr vernahmen wir pltzlich dasselbe Gebrll wie am
Vorabend. Dasselbe Herbeistrzen aus allen Ecken des Gebudes und
Rasseln von Gewehren, so da wir uns sagten, da die Lynchung nicht auf
Erregung, sondern auf System zurckzufhren sei. Gegen Abend erfuhr ein
Mitgefangener vom wachthabenden Unteroffizier, da zwei Galizier
totgeschlagen worden seien.

Der damalige Gouverneur von Berlin, Schpflin, schrieb hierber an die
Freiheit folgenden Brief (23. April 1919.):

Die beiden Galizier sind erschossen worden, nachdem sie vorher auch
mihandelt worden sind. Sie sollen Schuwaffen unter dem Mantel
versteckt gehalten haben und befanden sich im Besitze von Juwelen und
Wertsachen, die vermutlich von der Beteiligung an einer Plnderung
herrhrten. Der eine der Galizier heit Abraham _Melichowitsch_ und war
russischer Kriegsgefangener. Die Erschieung ist bei hereingebrochener
Dunkelheit erfolgt. Es wird angenommen, da die Ttung von Soldaten des
Transportkommandos vorgenommen worden ist, nachdem ein Offizier, der die
Transportkolonne befehligte, bei der Einlieferung die beiden
Erschossenen beschuldigt hatte, Waffen versteckt getragen und geraubt zu
haben. Unverstndlich bleibt die Erschieung der beiden Galizier wegen
des ihnen zur Last gelegten Vergehens. Es mu angenommen werden, da
ihnen sowohl die Waffen wie die vermutlich geraubten Wertsachen schon
vor der Einlieferung abgenommen worden sind. Auf Grund des Standrechts,
das damals Gltigkeit hatte, htten die beiden, wenn berhaupt, sofort
erschossen werden knnen, nicht aber erst nach der Einlieferung und
offenbar ohne Befehl, also rein willkrlich.

Augenzeugen des Vorfalls berichten dagegen Folgendes: Am 9. Mrz lagen
wir, ca. 30 Mann, verhaftet in der Waldschenke des Zoologischen Gartens.
Von Waffenbesitz konnte, da alle Gefangenen vorher untersucht worden
waren, keine Rede sein. Am spten Nachmittag wurden ca. 10 Mann in einem
Auto verladen. Zwei Gefangene, von denen der eine ein Mitglied der
Matrosendivision, der andere ein Russe war, wurden von den
Lttwitztruppen die Treppe heruntergeworfen, unter fortwhrenden
Kolbenschlgen vor das Auto gefhrt, wie ein Gegenstand hineingeworfen
und auf dem Lastwagen in unbeschreiblicher Weise viehisch bearbeitet.
Als sie blutend am Boden lagen, wurde ihnen befohlen, stramm zu stehen.
Nachdem die beiden wie leblos dalagen, setzte sich das Auto in Bewegung.
Etwas so Schreckliches hatten wir im ganzen Feldzug nicht erlebt. Als
ein Soldat mit dem Messer auf sie losgehen wollte, lie der
Transportfhrer, ein jugendlicher Herr, der vorher unserer Vernehmung
beim Kriegsgerichtsrat Jrns beigewohnt hatte, dies nicht zu. Die andern
Mihandlungen lie er stillschweigend zu. Der Matrose hatte uns erzhlt,
er sei verhaftet worden, weil er mit dem Rad gegen einen Drahtverhau
gefahren war. Der Russe, weil er auf der Strae gesagt hatte,
Deutschland sei noch nicht reif zum Bolschewismus.

Vor dem Zellengefngnis angekommen, wurden die beiden, obwohl sie ganz
hinten lagen, als erste herausgezogen. Sie waren also wohl schon
gemeldet. Sie wurden in das Gefngnis geschleift, wir hatten den
Eindruck, als wenn man Zeugen fernhalten wollte. Die Soldaten,
Angehrige der Reinhardttruppen, mehr oder weniger betrunken, empfingen
die beiden mit tierischem Gebrll. Wir sahen, wie die Gefangenen durch
den Gefngnisflgel hindurchgeworfen wurden in den Hof. Ein Soldat kam
zurck und zeigte sein abgebrochenes Gewehr mit den Worten: Jetzt kommt
die andere Hlfte auch noch dran. Als wir vor die Schreibstube kamen,
hrten wir im Hof Schsse fallen.

Die frheren Reichswehrsoldaten (Pioniere), Schlosser Adalbert _Arndt_
und stud. ing. Arthur _Schneider_ kamen am 20. Mrz 1922 vor das
Schwurgericht des Landgerichts I (Vorsitz: Landgerichtsdirektor Dr.
Weigert). Zeugen besttigten, da die beiden mit Gewehrkolben auf die
waffenlosen Gefangenen eingeschlagen hatten, andere, da sie geschossen
hatten. Die drei Leichen wurden zunchst auf einen Mllhaufen, dann von
einem Lastauto, das Schneider lenkte, in den Tiergarten geworfen. Arndt
und Schneider wurden wegen versuchten Totschlags und schwerer
Krperverletzung zu je 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus verurteilt.
(Berliner Volkszeitung, 21. und 22. Mrz 1922.)


Die Erschieung von drei Jungen

Am 10. Mrz kamen zu dem jungen Kurt _Friedrich_ (16 Jahre) seine beiden
Freunde Hans _Galuska_ (16 Jahre) und Otto _Werner_ (18 Jahre) in die
Wohnung der Mutter des Friedrich, am Schlesischen Bahnhof 3, zu Besuch.
Die drei jungen Menschen hatten sich nie mit Politik beschftigt. Sie
waren kaum beisammen, als 8 Regierungssoldaten auf Grund einer
Denunziation ankamen. Sie durchsuchten die Wohnung, ohne da ihnen auch
nur ein einziges belastendes Stck in die Hnde gefallen wre. Darauf
erklrten sie die drei jungen Menschen fr verhaftet und fhrten sie ab.
Die letzten Worte, die Kurt Friedrich sagen konnte, waren: Mutter,
meine Papiere sind in Ordnung, ich habe nichts auf dem Gewissen.

Die Mutter begab sich in die Schule in der Andreasstrae, wo
Reinhardttruppen lagen, und sah, wie die Drei abgefhrt wurden und
schrecklich heulten. Der befehlshabende Offizier lie die Frau nicht zu
Worte kommen. Am 12. Mrz, nach zwei schrecklichen Tagen des Wartens,
erhielt Frau Friedrich von Bekannten die Nachricht, Hans Galuska lge im
Leichenschauhaus. Sie fand dort die drei jungen Freunde als Tote wieder.
Sie waren am 11. Mrz als unbekannt eingeliefert worden. Kurt
Friedrich hatte einen Kopf- und Hftschu. Die neuen Stiefel waren ihm
gestohlen. Hans Galuska hatte ebenfalls zwei Schuwunden, darunter eine
an der Stirn, und mehrere Verletzungen durch Schlge. Es fehlten ihm:
Hut, Kragen, Kravatte, Ulster, Jackett und Stiefel. Otto Werners Gesicht
war beinahe unkenntlich, auerdem war der eine Arm vllig zerschossen,
so da anzunehmen ist, da er ihn vors Gesicht gehalten hat. Die Sache
wurde der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. (Freiheit, 26. Mrz 1919.) Es
erfolgte jedoch weder gegen die beteiligten Mannschaften noch gegen die
verantwortlichen Offiziere ein Verfahren.

Dagegen haben nach einem Schreiben des Heeresabwicklungsamtes Preuen an
den Anwalt der Frau Friedrich (Abschrift in meinem Besitz), die
umfangreichen Ermittelungen ergeben, da Friedrich wegen Verdachts der
Beteiligung an spartakistischen Umtrieben verhaftet und aus Anla eines
Fluchtversuches erschossen wurde. Zeugenaussagen fr diese Behauptungen
sind nicht aufgefhrt.


Handgranatenstiele als Erschieungsgrund

Am 11. Mrz wurde in der Wohnung des Tischlers Richard _Borchard_ eine
Haussuchung gehalten, da er angeblich geschossen hatte. Es wurde nur ein
leerer russischer Patronenrahmen ohne Munition gefunden, den ein
Verwandter 1914 als Andenken aus dem Feld geschickt hatte. Daraufhin
wurde er verhaftet und kam in das Polizeiprsidium. Am Dienstag, den 18.
Mrz, fand die Frau ihren Mann als Leiche im Schauhaus wieder. Er hatte
einen Schu durch den Kopf erhalten. Dem Getteten hatte man die neuen
Schuhe und Strmpfe weggenommen.

Borchardt hatte sich politisch nie bettigt, er war ein Gegner des
Aufstandes und stand auf seiten der Regierungstruppen. (Freiheit, 20.
Mrz 1919.)

Bei einer Waffensuche bei dem Arbeiter Paul _Dnschel_ in der
Andreasstr. 62 fanden Soldaten aus dem Korps Lttwitz am 12. Mrz zwei
Handgranatenstiele und ein altes Seitengewehr. Die Stiele entstammten
der Fabrik, in der der 19 jhrige Sohn der Familie, Alfred, beschftigt
war. Er hatte die Stiele mit nach Hause genommen, um sich daraus ein
Schreibzeug anzufertigen. Am 12. wurden Vater und Sohn aus dem Bett
heraus verhaftet und, ohne da irgendein Grund vorlag, in der
Handwerkerschule Andreasstr. 1/2 erschossen. Die Vernehmung war durch
den Leutnant Siegfried _Winter_ aus Adlershof, Bismarckstr. 25, geleitet
worden. Dieser gab auch Auftrag, die Leichen abzuholen. Als die
Feuerwehr die Toten abholte, waren ihnen smtliche Wertsachen und
Papiere abgenommen, auch die Schuhe hatte man ihnen geraubt.
(Vorwrts, 15., 17., 19. Mrz 1919.) Winter wanderte nach Argentinien
aus. Am 11. Dezember 1920 stellte der Oberstaatsanwalt vom Landgericht
I, Berlin das Verfahren ein.


Die 29 Matrosen

Die amtliche Nachricht lautete (Berl. Tageblatt, 12. Mrz 1919.): In
der Franzsischen Str. 32 wurde gestern die Kassenverwaltung der
Volksmarinedivision von Regierungstruppen besetzt. Frhere Angehrige
der jetzt aufgelsten Volksmarinedivision, die von dort noch Gelder
holen wollten, sind festgenommen worden. Die Gefangenen trugen
teilweise noch Waffen. Infolgedessen kam es bei der Verhaftung zu
ttlichem Widerstand. Die Mannschaften der Regierungstruppen lieen sich
von ihren Fhrern kaum vor Uebergriffen zurckhalten, da die Erbitterung
durch die Vorgnge der letzten Tage natrlich sehr angewachsen war. Es
wurde Munition, darunter auch Dumdumgeschosse, beschlagnahmt. Von den
rund 250 Gefangenen muten 24 auf der Stelle erschossen werden. Die
brigen sind unter starker Bedeckung in das Moabiter Zellengefngnis
eingeliefert worden und sehen dort einer Aburteilung durch das
auerordentliche Kriegsgericht entgegen.

Der wirkliche Vorgang war (vgl. Prozebericht, Deutsche Zeitung vom 5.
bis 10. Dezember 1919): Am 11. Mrz 1919 war ein Lhnungsappell der
Volksmarinedivision angesetzt. General Lttwitz gab dem Leutnant Marloh
Auftrag, dort mglichst viele Mitglieder zu verhaften. Die 250 Matrosen,
die vllig ordnungsliebende Elemente waren, -- ein Teil hatte bei den
Unruhen die Reichsbank bewacht, -- kamen einzeln, beinahe alle
unbewaffnet, um sich die ihnen zustehende Lhnung zu holen. Sie wurden
einzeln berwltigt und gefangengesetzt.

Marloh fhlte sich durch die vielen Gefangenen bedroht und telephonierte
an Oberst Reinhardt um Hilfe. Oberst Reinhardt sagte zu Leutnant
Schrter: Gehen Sie zu Marloh und sagen Sie ihm, er msse durchgreifen.
Denken Sie an Lichtenberg, wo 60 Polizeibeamte erschossen wurden.
Schrter meldete Marloh, er solle energisch durchgreifen. Marloh
telephonierte gleich darauf nochmals um Hilfe. Darauf lie Oberleutnant
v. Kessel dem Marloh durch Leutnant Wehmeyer ausrichten (zweiter
Verhandlungstag): Bestellen Sie dem Oberleutnant Marloh, da Oberst
Reinhardt sehr wtend sei, weil er gegen die 300 Matrosen zu schlapp
vorgehe. Er solle in ausgiebigstem Mae von der Waffe Gebrauch machen,
und wenn er 150 Mann erschsse. Alles, was er erschieen knne, solle er
erschieen. Die Verstrkung wrde noch ein bis eineinhalb Stunden auf
sich warten lassen. Oberst Reinhardt wisse auch gar nicht, wo er mit den
300 Leuten bleiben solle.

Marloh gehorchte, sortierte die Leute, indem er diejenigen, die
besonders intelligent erschienen, gute Anzge oder Schmucksachen hatten,
besonders stellte (erster Verhandlungstag, 4. Dezember 1919). Dann lie
er durch den Offizierstellvertreter _Penther_ 29 Leute mit dem
Maschinengewehr erschieen. Die Schuwirkung war furchtbar. Vielen
Leuten wurde die Schdeldecke vllig abgerissen. Die Gehirnmasse
spritzte umher, Leichen und Verwundete fielen bereinander. (Erster
Verhandlungstag, 4. Dezember 1919.) Die Namen der Ermordeten sind nach
der Zukunft (29. November 1919): Jakob _Bonczyk_, Paul _Brandt_,
Theodor _Biertmpel_, Ernst _Bursian_, Kurt _Dehn_, Otto _Deubert_,
Willy _Ferbitz_, Robert _Gppe_, Baruch _Handwohl_, Walter _Harder_,
Alfred _Hintze_, Anton _Hintze_, Hermann _Hinze_, Walter _Jacobowsky_,
Otto _Kanneberg_, Willy _Kuhle_, Max _Kutzner_, Martin _Lewitz_, Herbert
_Lietzau_, Max _Maszterlerz_, Ernst _Mrbe_, Karl _Pobantz_, Paul
_Rsner_, Siegfried _Schulz_, Paul _Ulbrich_, Werner _Weber_, Karl
_Zieske_, Gustav _Zhlsdorf_. Die anderen Matrosen wurden ins Gefngnis
geschafft und bald darauf als unschuldig entlassen.

Marloh erstattete einen wahrheitsgetreuen Bericht an Oberleutnant v.
Kessel. Auf Anraten Kessels ersetzte er ihn Mitte Mai durch einen
anderen, wonach er die Erschieung durch eigenen Entschlu auf Grund des
Noske-Erlasses vorgenommen habe. Zuletzt wurde in Gegenwart des Obersten
Reinhardt noch ein dritter Bericht geschrieben. Marloh blieb monatelang
unbehelligt. Erst als ein Haftbefehl am 2. Juni vorlag, riet ihm Kessel
zu flchten, und stellte ihm zu diesem Zwecke falsche Papiere aus, die
Leutnant Wehmeyer dem Marloh bergab. Leutnant Hoffmann brachte ihm
Geld. (Zweiter Verhandlungstag.) Am 9. Dezember wurde Marloh von der
Anklage des Totschlags und des Mibrauches der Dienstgewalt
freigesprochen, wegen unerlaubter Entfernung zu drei Monaten Festung und
wegen Benutzung geflschter Urkunden zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. In
der Urteilsbegrndung wurde festgestellt, da die Erschieungen
objektiv unberechtigt waren, da die Matrosen, die mit Waffen kamen,
gltige Waffenscheine besaen, da keine Plnderer dabei waren, da die
Lage Marlohs nicht so bedrohlich war, da er zum Waffengebrauch
berechtigt war, da er jedoch glaubte, einen Dienstbefehl vor sich zu
haben (Vorsitzender: Kriegsgerichtsrat Welt).

Der Ausschu II fr Feststellung von Entschdigung fr Aufruhrschden
verneinte den Anspruch der Hinterbliebenen auf eine Rente, da die
Erschieungen in Ausbung der Staatsgewalt als ein Akt der
Strafvollstreckung erfolgt seien. Den meisten Hinterbliebenen wurden
jedoch vom Fiskus im Vergleichswege nach einem Zivilprozesse grere
Abfindungssummen ausbezahlt.

Kessel wurde Hauptmann, Hoffmann Oberleutnant bei der Sicherheitswehr
(Freiheit, 7. Dezember.). Gegen Reinhardt und Kessel wurde wegen der
Befehle, die sie Marloh gegeben hatten, kein Verfahren eingeleitet;
gegen Kessel wurde nur ein Verfahren wegen eines im Verlauf des
Prozesses geleisteten Meineids eingeleitet. (14. Mrz 1921.) Am 23. Mrz
1921 wurde er auch von der Anklage des Meineids freigesprochen.
(Eingehende Prozeberichte in der Deutschen Zeitung.) Zuletzt wurden
Wehmeyer und Hoffmann wegen Beihilfe zur Flucht vom Schffengericht
freigesprochen. (Deutsche Tageszeitung, 27. 9. 21.)


Vizewachtmeister Marcus

Vizewachtmeister Marcus vom Freikorps Ltzow hatte am 12. Mrz Befehl,
die Langestrae abzusperren. Er schritt mit 25 Mann die Strae ab und
rief laut Strae frei, Fenster zu! Angeblich ist dieser Befehl nicht
beachtet worden. Unter anderem sah er aus dem Fenster eines Hauses eine
weibliche Gestalt auf die Strae heruntersehen. Angeblich hat er darauf
auf ein daneben befindliches blindes Fenster geschossen, aber das offene
Fenster getroffen. Durch diesen Schu wurde die zwlfjhrige Schlerin
_Slovek_ gettet. Ein anderes Mdchen, Erwine _Dahle_, erhielt einen
Herzschu, als es aus einem Schlchterladen trat. Der 73 jhrige
Fliesenleger Karl _Becker_ ist durch einen Kopfschu gettet worden. Auf
die gleiche Weise kamen dann noch drei Menschen um, die nicht die
geringste Beziehung zu den damaligen Unruhen hatten.

Ursprnglich war gegen Marcus ein Verfahren wegen sechsfachen Mordes
eingeleitet. Doch wurde dies eingestellt. Dagegen wurde er wegen
vorstzlicher, nicht mit Ueberlegung begangener Ttung von zwei Menschen
vor dem Schwurgericht angeklagt. Bei der Verhandlung am 21. und 22.
Januar 1921 (Verhandlungsbericht im Vorwrts vom 25.) berief Marcus
sich auf die Befehle seiner Vorgesetzten und wurde von den als Zeugen
vernommenen Offizieren zum Teil gedeckt. Marcus wurde wegen Totschlags
freigesprochen, wegen einiger Unterschlagungen zu fnf Monaten Gefngnis
verurteilt. Gegen die Offiziere, die solche Befehle gegeben haben, wurde
kein Verfahren eingeleitet.

Der Eisenbahnarbeiter Alfred _Musick_ wurde am 12. Mrz 1919 in seiner
Wohnung nach einer ergebnislosen Haussuchung durch Soldaten des
Freikorps Lttwitz verhaftet und nach der Andreasschule transportiert.
Oberleutnant _Wecke_ lie ihn mit vier anderen abtransportieren. Die
Fnf wurden beim Passieren der Schillingbrcke angeschossen und ins
Wasser geworfen. (Aussagen der Begleitmannschaft: Die Fnf schwimmen
schon.) Musick konnte sich schwerverletzt durch Schwimmen retten, wurde
entdeckt und wieder in die Andreasschule gefhrt. Vizewachtmeister
_Marcus_ fhrte ihn in die Revierstube, kam zurck und erzhlte: Oben
habe ich ihn vor die Wand gestellt und gesagt, gehen Sie nur herein;
darauf antwortete er, hier ist ja keine Tr, in dem Moment hatte ich ihn
schon in den Kopf geschossen. Die Leiche wurde beraubt und als
unbekannt in die Sammelstelle in der Distelmeyerstr. eingeliefert.


Wegen eines Streichholzes erschossen

Der Arbeiter _Piontek_ wurde am 12. Mrz 1919, angeblich weil er sich
geweigert hatte einem Soldaten Feuer zu geben, verhaftet, und in der
Normannenstrae von dem Gefreiten _Ritter_ vom Infanterieregiment Nr. 50
und dem Unteroffizier _Wendler_ erschossen. Wendler behauptete, ihm nur
einen Gnadenschu gegeben zu haben. Am 31. Januar 1922 verurteilte das
Schwurgericht des Landgerichts III (Landgerichtsdirektor Mehlberg,
Staatsanwaltschaftrat Weyermann) Ritter wegen versuchten Totschlags mit
mildernden Umstnden zu 3 Jahren Gefngnis, Wendler wurde
freigesprochen. (Berliner Tageblatt, 1. Februar 1922.)

Am 12. Mrz 1919 wurde der Schneider Otto _Hauschild_, Fruchtstrae 26,
am Ostbahnhof erschossen, weil er ein Gewehr in seiner Wohnung hatte;
er besa einen Ausweis der Republikanischen Soldatenwehr vom 10. Mrz.

Am 13. Mrz wurden Paul _Biedermann_ und Hans _Gottschalk_ auf dem Wege
zur Arbeit in der Friedrich-Karl-Strae auf Grund einer Denunziation
verhaftet, in ein Lokal eingesperrt und vom Posten durch das Fenster
erschossen. (Freiheit, 18., 20. u. 22. Mrz 1919.)

Berthold _Peters_ (geboren 28. Mrz 1888), Klempner, seit Kriegsausbruch
Matrose, wurde am 13. Mrz 1919, vormittags 9-1/2 Uhr von einem Trupp
Soldaten unter Fhrung eines Offiziers in seiner Wohnung, Tilsiter Str.
49, verhaftet, zum Hauptmann _Poll_ in die Patzenhoferbrauerei, von dort
in die Btzowbrauerei gefhrt und vor 1 Uhr erschossen. Die Leiche wurde
ausgeplndert: Uhr, Kette, Ring, Brieftasche, Brse und Stiefel wurden
geraubt. Er war von Nachbarn als Spartakist denunziert worden. Ein
Strafverfahren fand nicht statt. Die Hinterbliebenen bekamen im
Zivilproze gegen den Fiskus eine Rente von 500 M. monatlich
zugebilligt.


Zwei Erschieungen durch Ltn. Baum

Bei einer nchtlichen Runde des Detachements v. Grothe trat ein
unbekannt gebliebener Mann, der einen Ausweis des Reichswehrministers
vorwies, auf den Leutnant _Baum_ zu und sagte: Herr Leutnant, lebt der
Zigarrenhndler _Mller_ noch? Wenn Sie den kriegen, erschieen Sie ihn,
den habe ich zweimal hinter den Barrikaden gesehen!

Baum begab sich nun am 12. Mrz mit 10 Mann in das Zigarrengeschft
Memeler Str. 19. Johann Mller war gerade beim Rasieren und kam mit
eingeseiftem Gesicht aus dem Hinterzimmer. Baum durchsuchte die Wohnung.
Es wurden weder Waffen noch Munition gefunden.

Der Leutnant sagte zu Mller: Sie agitieren ja fr die Unabhngigen;
Sie haben acht Karten mit verdchtigen Punkten. Ich habe von anderen
gehrt, Sie haben auf uns geschossen. Verabschieden Sie sich von Ihrer
Frau. Es ist meine Pflicht, Sie jetzt zu erschieen! Die Frau und
Tochter schrien laut auf. Leutnant Baum erblickte in dem
stillschweigenden Verharren des Mller ein Schuldbekenntnis. Mller
verrichtete ein Gebet, wurde dann an die Wand gestellt und 6 Mann
schossen auf ihn. Mller brach zusammen. Ein Sanitter sollte sich von
der Vollstreckung des Todesurteils berzeugen und die Leiche
wegschaffen. Der Sanitter fand den Mller noch lebend. Auf Befehl des
Angeklagten gab der zur Patrouille gehrende russische Schler Alexander
_Khler_ dem Mller den Gnadenschu. (Vorwrts, 16. August 1919.)

Bei der Verhandlung (Berl. Tageblatt, 1. Juni 1920) wurde Baum
freigesprochen mit der Begrndung, da er dem Noske-Erla vom 9. Mrz
gefolgt sei, der besagt, da jeder, der mit der Waffe kmpfend
angetroffen wird, erschossen werden soll.

Am 13. Mrz 1919 wurde bei einer Haussuchung bei dem Gastwirt Wilhelm
_Bilski_, Weidenweg 71, ein Revolver gefunden, den, wie sofort
festgestellt, ein Gast als Pfand gelassen hatte. Bilski wurde abgefhrt
und standrechtlich erschossen. Durch Zeugen, besonders Frau Bilski,
wurde als leitender Offizier der Leutnant _Baum_ erkannt. Die Akten
verschwanden von der Garde-Kav.-Schtzendiv. Am 27. Mrz 1920 wurde der
Militrfiskus von der 26. Zivilkammer zu Schadenersatz verurteilt. In
der Begrndung wurde ausdrcklich anerkannt, da die Erschieung
rechtswidrig war. Das Verfahren gegen Baum wurde am 12. April 1920
eingestellt. (Akten in meinem Besitz.)


Zwei Erschieungen durch Ltn. Czekalla

Nach dem Berliner Tageblatt vom 15. Mrz wurde in der Holzmarktstr. 61
ein Mann von ber 60 Jahren namens _Abrahamson_ ohne weiteres im Hof
erschossen, weil er bei einer Haussuchung Waffen, die er besa, nicht
angegeben hatte. Der alte, schwchliche Mann leistete keinerlei
Widerstand. Der Offizier (ein Leutnant _Czekalla_ vom Freikorps Ltzow,
1. Schwadron) sagte, er sei berechtigt, jeden zu erschieen, der Waffen
verheimliche.

Ein Rechtsanwalt wurde bei dem Gesprch, das er zur Feststellung des
Tatbestandes mit den Bewohnern des betreffenden Hauses fhrte,
verhaftet, weil er die Leute aufhetze.

Der gleiche Leutnant _Czekalla_ hat am 13. Mrz, bei dem Klempnermeister
_Wallmann_ eine Haussuchung vorgenommen. Wallmann war ein angesehener
Mann, deutschnationaler Gesinnung. Aus dem Felde hatte er ein
franzsisches Infanteriegewehr mitgebracht, das unbrauchbar war. Es war
ihm belassen worden und eine Bescheinigung darber erteilt. Zu dem
franzsischen Gewehr besa er einige franzsische Patronen. Endlich war
er seit vielen Jahren im Besitz einer Browningpistole, die er aus
Liebhaberei angeschafft hatte. Als der Leutnant Wallmann fragte, ob er
einen Browning besitze, holte er den Browning sofort aus dem Ofen
heraus. Darauf lie ihn der Leutnant nach der Alexanderkaserne abfhren.
Als seine Braut weinte, sagte Wallmann: Weine doch nicht; ich komme ja
bestimmt wieder, denn ich habe ja nichts getan. Wallmann wurde in der
Alexanderkaserne auf Befehl des Leutnants in einem Pferdestall
erschossen. Die Leiche wurde von den Soldaten ihrer Stiefel beraubt.

Czekalla behauptet, auf direkten Befehl seines Vorgesetzten, des
Rittmeisters Wilhelm von _Oertzen_ gehandelt zu haben. Das Verfahren
gegen beide schwebt beim Landgericht I Berlin. (Berliner Volkszeitung,
16. Mrz 1922.)


Jogisches und Dorrenbach

Am 10. Mrz wurde auf Befehl Noskes der Redakteur der Roten Fahne Leo
_Jogisches_ durch Angehrige der Gardekavallerie-Schtzendivision
verhaftet. Er sollte durch einen Soldaten dem Untersuchungsrichter
zugefhrt werden. Im Gebude des Kriminalgerichts griff Jogisches den
Soldaten (Kriminalwachtmeister Ernst _Tamschik,_ Freiheit, 27. Mai
1919) an und wurde von ihm auf der Stelle niedergeschossen. Ein
gleicher Fall war im Gebude des Kriminalgerichts schon am Tage vorher
vorgekommen. (Vossische Zeitung, 11. Mrz.)

_Dorrenbach_, ein frherer Offizier, hatte sich der Revolution
angeschlossen und wurde Fhrer der Volksmarinedivision. Wegen der
Berliner Spartakusunruhen schwebte gegen ihn ein Haftbefehl. In Eisenach
wurde er am 12. Mai 1919 verhaftet (Freiheit, 18. Mai 1919) und am 17.
Mai durch den Staatsanwalt vernommen. Beim Rcktransport ins Gefngnis
soll er einen Fluchtversuch unternommen haben und wurde von den Soldaten
niedergeschossen. Schwer verletzt wurde er in die Charit gebracht, wo
er starb. Vor seinem Tod erklrte er seinem Rechtsanwalt ausdrcklich,
er sei nicht geflohen. (Ledebourproze, 3. Tag.) Den tdlichen Schu
hatte ebenfalls Kriminalwachtmeister Ernst _Tamschik_ abgegeben.
Tamschik wurde spter zum Leutnant bei der Sicherheitswehr
Charlottenburg ernannt. Dann kam er zur Sicherheitspolizei nach
Ostpreuen. (Bekundung des Oberwachtmeisters Kuhr in einem Proze, Welt
am Montag, 25. Mai 1920.)


Zwei Erschieungen auf der Flucht

Am 13. Mrz 1919 wurden der Maschinenschlosser Georg _Fillbrandt_ und
der Arbeiter Paul _Szillinski_ in ihren Wohnungen Kastanienallee 29-30,
nach ergebnislosen Haussuchungen, ohne da ein Haftbefehl vorlag, durch
4 Offiziere bzw. Fhnriche verhaftet, zum Stab des 1. Streifbatl.
Reinhardt in der Griebenowstrae gebracht, und nach einem kurzen Verhr
auf dem Exerzierplatz an der Schnhauser Allee von den begleitenden
Soldaten erschossen. Die Leichen wurden ausgeplndert und an Ort und
Stelle liegen gelassen. Als die Frau des Szillinski und die Tochter des
Fillbrandt sich bei dem Stab erkundigten, wurde ihnen ein Protokoll
vorgelesen, da beide auf der Flucht erschossen worden seien. Durch die
Zeugen Wilh. Domke, Herm. Kastner, Martha Pertz und Erich Abraham,
welche der Erschieung zusahen, wurde aber festgestellt, da die
Verhafteten ruhig neben den Soldaten gegangen waren, und als die
Soldaten Halt kommandierten, noch um ihr Leben gebeten hatten. Das
Gericht nahm an, da die Soldaten ohne Auftrag gehandelt htten, weil
kein Protokoll gefhrt worden war. Am 14. Februar 1921 wurde der
Reichsfiskus zur Zahlung einer Unterhaltsrente an Frau Fillbrandt
verurteilt, da die Erschieung durch die Soldaten unberechtigt war. Eine
Bestrafung der Tter und Ermittlung der verantwortlichen Offiziere ist
nicht erfolgt. (Aktenabschrift in meinem Besitz.)




VON DER ERMORDUNG EISNERS BIS ZUM STURZ DER BAYRISCHEN RTEREPUBLIK


Kurt Eisner

Kurt _Eisner_ war Fhrer der Mnchener Revolution vom 7. November und
seither Ministerprsident. Am 21. Februar wurde er auf dem Weg zum
Landtag, wo er seinen Posten wegen der heftigen Angriffe gegen ihn
niederlegen wollte (Mitteilung des W. T. B. vom 21. 2. 1919), von dem
Leutnant Graf _Arco-Valley_ durch zwei Kopfschsse gettet. Arco wurde
gleich darauf von einem Mann der Begleitung Eisners niedergeschossen,
jedoch spter wiederhergestellt. Am 20. Januar 1920 wurde Arco zum Tode
verurteilt. Als der Verurteilte nach Verlesung des Todesurteils die
Bitte an die ihm Wohlgesinnten richtete, von unberlegten Taten
abzusehen und am nationalen Aufbau mitzuarbeiten, erfolgte ein
elementarer Beifallsausbruch der Zuhrerschaft, der sich in immer
wiederholten Bravorufen und Hndeklatschen minutenlang fortsetzte ...
Die Menge auf der Strae empfing den Transport mit brausenden Hochrufen,
man schwenkte Hte und wehte mit Tchern. (Deutsche Tageszeitung, 20.
Januar 1920.) Arco wurde gleich darauf zu lebenslnglicher Festungshaft
begnadigt. Im Jahre 1922 wurde die Haft ber Arco derartig gemildert,
da er tagsber als Praktikant auf einem in der Nhe von Landsberg
befindlichen Gut arbeiten kann.


Major v. Gareis und Abgeordneter Osel

Eisner war bei den Arbeitern sehr beliebt. In der Erregung ber seine
Ermordung drang der Metzger Aloys _Lindner_ und der Bcker Georg Frisch
in den Landtag ein. Lindner feuerte mehrere Schsse auf den Minister
Auer, der ein politischer Gegner Eisners war, da er glaubte, da Auer
mit der Ermordung Eisners zusammenhnge. Gleichzeitig fiel ein Schu von
der Tribne, der den Abgeordneten _Osel_ ttete. Als Major v. Gareis
sich Lindner entgegenstellte, scho Lindner auch auf ihn und ttete ihn.
Lindner flchtete mit Hilfe von Karl Merkerts und Georg Schlunds ins
Ausland. Deutsch-Oesterreich lieferte ihn aber aus, unter der Bedingung,
da er nicht zum Tode verurteilt werde, da die Todesstrafe dort
abgeschafft ist. Der Angabe Lindners, da er sich v. Gareis gegenber in
Notwehr befunden habe, ma das Gericht keinen Glauben zu. Lindner wurde
wegen versuchten Totschlags und wegen erschwerten Totschlags am 15.
Dezember 1919 zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Frisch wegen versuchten
Totschlags zu 3-1/2 Jahren Gefngnis verurteilt, Merkert und Schlund
erhielten wegen Begnstigung 1-1/2 bzw. 2 Monate Gefngnis mit
Bewhrungsfrist. (Prozeberichte in den Mnchener Neuesten
Nachrichten, 9. bis 15. Dezember 1919.)


Die Erschieungen im Luitpoldgymnasium

Nach der Ermordung Eisners bernahm der Zentralrat die Macht. Die Kammer
und das von ihr gebildete mehrheitssozialistische Ministerium Hoffmann
floh nach Bamberg. Der Zentralrat erklrte am 7. April die Rterepublik.
Die Fhrer waren Unabhngige und Mehrheitssozialisten. Durch einen
Putsch gelang es am 13. April Anhngern der Regierung Hoffmann, einen
Teil der Fhrer zu verhaften. Doch milang der Putsch. Die Betriebsrte
ergriffen die Macht und proklamierten eine zweite kommunistische
Rterepublik. Die Regierung Hoffmann sammelte Truppen dagegen. Bei dem
Vormarsch wurden u. a. erschossen: 20 rote Soldaten, die am 29. April in
Starnberg beim Essen unbewaffnet berrascht wurden, drei Sanitter, die
in Possenhofen beim Verwundetentransport waren und ein 68 jhriger Mann.
(Dr. Schollenbruch im Mnchener Kampf, 15. September 1919.)

Im Luitpoldgymnasium, das als Kaserne der Roten Armee diente, waren am
26. April die Stenotypistin Hella v. _Westarp_, der Eisenbahnsekretr
_Daumenlang_, der Freiherr F. W. _v. Seydlitz_, die Kunstmaler Walter
_Neuhaus_ und Walter _Deicke_, endlich der Prinz _von Thurn und Taxis_
als Mitglieder eines germanischen Ordens, auch Thulegesellschaft
genannt, eingeliefert worden, weil man bei ihnen geflschte Stempel mit
dem Faksimile des Oberkommandanten Eglhofer, Stempel des Vollzugsrates
sowie Eisenbahnstempel gefunden hatte. (Aussagen im Proze, 11. u. 13.
September.) Auch hatten sich in den Klubrumen Waffenlager befunden.
(Aussagen am 8. September.) Am folgenden Tag wurden ferner ein Offizier
v. _Teuchert_ und zwei Husaren der Armee v. Oven, _Linnenbrgger_ und
_Hindorf_, als Gefangene eingeliefert. Auerdem befand sich dort der
Prof. _Berger_, weil er ein Plakat der Rteregierung abgerissen hatte,
und eine Reihe von Geiseln.

Als immer neue Nachrichten von Erschieungen roter Soldaten kamen,
entstand im Lager der Roten groe Erregung. Das Infanterieleibregiment
forderte den Oberkommandanten Eglhofer auf, als Repressalie seinerseits
Gefangene zu erschieen. Am 30. April erhielt Fritz _Seidel_, der
Kommandant des Luitpoldgymnasiums, angeblich hierzu den Befehl von
Eglhofer. Doch hat Eglhofer selbst noch am gleichen Tage dies
ausdrcklich bestritten. Zuerst wurden unter Leitung _Schickelhofers_
und _Kammerstdters_ die zwei Husaren erschossen. Dabei beteiligten sich
_Wiedl_ und Josef _Seidl_. Gleich darauf brachten Kick und Przer den
schriftlichen Befehl Eglhofers zu weiteren Erschieungen. _Hesselmann_,
_Gsell_ und _Haumann_ beteiligten sich an der Auswahl der zu
Erschieenden. Der Professor Berger schlo sich aus Miverstndnis dem
abgefhrten Trupp an. Seidl zitterte am ganzen Krper vor Aufregung und
hatte jede Herrschaft ber seine Soldaten verloren. Er konnte sie in
ihrer Wut nicht mehr zurckhalten. Die Gefangenen wurden einzeln
abgefhrt und zwischen 4 und 5-1/2 Uhr nachmittags an die Wand gestellt
und an einem Misthaufen von den aufgestellten 8 bis 10 Schtzen durch
Gewehrsalven auf das Kommando Legt an, Feuer erschossen. Als _Thurn
und Taxis_ seine Unschuld beteuerte, wurde er nochmals in die Kanzlei
gefhrt und nach Wiederholung des Befehls erschossen. _Hannes_, _Lermer_
und _Riedmayer_ beteiligten sich an der Aufstellung (nach der
Urteilsbegrndung), _Fehmer_ und _Przer_ an der Erschieung. So kamen
zehn Menschen um. Doch befand sich unter den Erschossenen, wie aus der
mir vorliegenden beglaubigten Abschrift der Urteilsbegrndung
hervorgeht, keine Geisel.

Haumann, der verantwortlich war, beging am Abend der Erschieungen
Selbstmord. _Eglhofer_ wurde nach seiner Gefangennahme am 3. Mai in der
Residenz ohne Urteil erschossen. Seidel und Schickelhofer wurden wegen
je zweier Verbrechen des Mordes zweimal zum Tode verurteilt. Wiedl,
Przer, Fehmer und Josef Seidl wurden wegen je eines Mordes zum Tode
verurteilt. Kick, Gsell, Hesselmann, Lermer, Hannes, Huber und Riedmayer
wurden wegen Beihilfe zu je 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
(Vorsitzender Oberlandesgerichtsrat Aull.) Die Todesstrafen wurden am
nchsten Tage vollstreckt. (Eingehende Prozeberichte in den Mnchener
Neuesten Nachrichten, 1.-19. September 1919.) In einem zweiten Proze
wurde auch Kammerstdter zum Tode verurteilt und das Urteil am nchsten
Tag vollstreckt. (15. Oktober 1919.) Ferner wurden L. Debus, A.
Strelenko und R. Greiner zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie
den Mord gefrdert haben, indem sie eventuell bereit waren, selbst zu
schieen. (Urteilsbegrndung in den Mnchener Neuesten Nachrichten,
14. Oktober 1919.)

Im 3. Geiselmordproze wurde am 12. Juni 1920 Ferdinand Rotter zu 7
Jahren Zuchthaus und Heinrich Walleshauser (17 Jahre alt) zum Tode
verurteilt. Die Todesstrafe wurde vollstreckt.


Andere Ermordungen whrend der bayrischen Rterepublik

Max _Weinberger_ war whrend der Rterepublik Stadtkommandant von
Mnchen. Er wurde beschuldigt, an Brgerliche, insbesondere an die
Thulegesellschaft, Waffen und Passierscheine ausgegeben zu haben.
(Aussage im Geiselmordproze, 8. September.) Er wurde abgesetzt und in
der Polizeidirektion eingesperrt. Eines Nachts wurde er in einem Auto
fortgefhrt. Das Auto wurde von einem Unbekannten zum Halten gebracht.
Weinberger wurde erschossen. Seine Leiche wurde erst Ende Mai im
Englischen Garten gefunden. Der Fall blieb vllig unaufgeklrt.

In Miesbach tagte whrend der bayrischen Rterepublik ein
Revolutionsgericht, um gegen Diebe und Plnderer vorzugehen.
Vorsitzender war der Werkfhrer Richard Ks aus Mochenwangen. Beisitzer
waren die Mitglieder des dortigen Aktionsausschusses, der Heizer Josef
Mhlbauer aus Hofleiten, der Bergmann Michael Vogl aus Prien;
Anklagevertreter der Stadtkommandant Radl. Da Ks sich in
Gerichtssachen als Laie fhlte, erbat er sich Aufschlu bei dem dortigen
Oberamtsrichter Dollacker, der sich auch bei einer Verhandlung
beteiligte. Als Protokollfhrer im Falle Lacher diente der
Oberamtsgerichtssekretr Bruckmeyer.

In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1919 kam der Rotgardist Ernst
_Lacher_ aus Mnchen, der schon vorher bei der roten Armee in Miesbach
als stellvertretender Kommandant ttig war, mit Mannschaften,
Maschinengewehren und Minenwerfern in einem Sonderzug nach Miesbach, um
angeblich mit Ermchtigung des Oberkommandanten Eglhofer die in Miesbach
stehenden Truppen wegen andauernder Ausschreitungen abzulsen und die
Stelle eines Stadtkommandanten zu bernehmen. Das Unternehmen Lachers
miglckte und er wurde festgenommen.

Der Prokurist Georg _Graf_ aus Zigelbarden, der beim Oberkommando der
Mnchener Rteregierung Chef der geheimen Militrpolizei war, war
whrend dieser Zeit in Miesbach und forderte in den nach dem milungenen
Unternehmen gehaltenen Sitzungen des Exekutivkomitees, da Lacher
erschossen werde und beantwortete auch nach seiner Rckkehr nach Mnchen
die an ihn gerichteten Anfragen in diesem Sinne. Graf war im Felde
verschttet gewesen, hatte sich in einer Nervenheilanstalt befunden und
war Morphinist. Am 27. April 1919 wurde Lacher unter dem Druck der
wtenden Rotgardisten zum Tode verurteilt und das Urteil vollstreckt.

Am 13. Januar 1920 begann vor dem Volksgericht in Mnchen 2 der Proze
gegen Graf und Genossen. Das Urteil fr Graf lautete wegen Verbrechens
der Beihilfe zum Hochverrat auf zwlf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre
Ehrverlust, Ks, Mhlbauer und Vogl wurden wegen je eines Verbrechens
der Beihilfe zum Mord in Tateinheit mit Beihilfe zum Hochverrat zu je
sechs, bzw. 3-1/2 bzw. vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Dollacker und
Bruckmeyer, die behaupteten unter dem Druck der Rotgardisten gehandelt
zu haben, wurden berhaupt nicht angeklagt. (Mnchener Neueste
Nachrichten, 14., 15., 16. Januar 1920.) Acht Mitglieder des
Aktionsausschusses waren schon frher zu Festungsstrafen von einem Jahr
drei Monate bis zu zwei Jahren verurteilt worden.

Der Stadtkommandant und Anklagevertreter _Radl_ wurde nach dem Sturz der
Rterepublik standrechtlich erschossen.

Den weiteren Nachforschungen der Polizei gelang es dann, die Namen der
neun an der Erschieung beteiligten Rotgardisten zu ermitteln. Davon
sind zwei tot, zwei unauffindbar. Gegen die brigen fnf hat am 21.
Februar 1922 der Proze stattgefunden. Sie behaupteten, sie seien von
ihren dienstlichen Vorgesetzten zur Vollstreckung aufgefordert worden
und seien von der Rechtmigkeit des Urteils berzeugt gewesen. Dies ist
nicht unglaubwrdig. Denn man wute damals in Sdbayern nichts von der
Existenz der Gegenregierung Hoffmanns, sondern hielt die Rteregierung
fr den einzigen Inhaber der tatschlichen Gewalt in Bayern. Trotzdem
beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe gegen sie. Die angeklagten
frheren Rotgardisten Ebert, Blechinger und Essig wurden wegen Beihilfe
zum Totschlag zu je 3 Jahren Gefngnis, Anzenberger zu 1 Jahr 6 Monate
Gefngnis verurteilt. Der fnfte, Heuser wurde freigesprochen.
(Mnchener Neueste Nachrichten, 22. 2. 22.)

Die zwlf Ermordeten waren die einzigen Opfer der Rterepublik. Dagegen
hat der Einzug der Regierungstruppen in Mnchen Hunderten von
Unschuldigen das Leben gekostet.


Die Einnahme von Mnchen

Am 1. Mai zogen die Truppen der Regierung Hoffmann in Mnchen ein. In
dem amtlichen Communiqu schreibt die Regierung:

Nunmehr liegt das Ergebnis der von der Polizei angestellten Erhebungen
ber die Zahl der Opfer der Mnchener Kampftage vom 30. April bis 8. Mai
vor. Es bedurfte umfangreicher Arbeit, um diese Zusammenstellung
anfertigen zu knnen. Die Leichenfrauen wurden angewiesen, alle Toten,
die beerdigt wurden, zu melden. Auf Grund dieses Materials wurde dann
durch die Kriminalkommissare bei den Angehrigen der nhere Sachverhalt
erhoben. Bot dieser Weg auch keine Gewhr fr die vollstndige
Richtigkeit, so war er doch der einzige, der eine einigermaen
verlliche Zusammenstellung ermglichte.

Die Zahl der Todesopfer der Kmpfe betrgt nach dieser Zusammenstellung
557. Davon fielen kmpfend 38 Mann der Regierungstruppen, 93 Angehrige
der Roten Armee, 7 Russen und 7 Zivilpersonen. Standrechtlich erschossen
wurden 42 Angehrige der Roten Armee und 144 Zivilpersonen. Bei 42 Toten
konnte weder der Name, noch die Art des Todes festgestellt werden.
Vermutlich befinden sich unter diesen 42 unbekannten Personen 18 Russen.

_Tdlich verunglckt bei den Kmpfen sind 184 Zivilpersonen, und zwar
am 30. April 1, 1. Mai 36, 2. Mai 103, 3. Mai 16, 4. Mai 7, 6. Mai 21._
(Mnchener Neueste Nachrichten, 10. Juni 1919.)

Den 38 Gefallenen der Regierung Hoffmann stehen also offiziell 107
Gefallene der Roten Armee, 186 standrechtlich Erschossene und 184
tdlich verunglckte Anhnger der Rteregierung entgegen. Diese
Angaben beziehen sich aber nur auf den Stadtbezirk Mnchen. So fehlen z.
B. die oben erwhnten, in der Umgebung von Mnchen von den
Regierungstruppen Erschossenen. Ferner sind natrlich alle Flle nicht
aufgefhrt, wo Leute spurlos verschwanden und die Leichen nicht
eingeliefert wurden, z. B. der siebzehnjhrige Johann _Erb_ am 2. Mai.
Die Zahl der Toten ist nach sozialistischen Angaben ungefhr tausend,
eine Zahl, die nach Mitteilung beteiligter Soldaten des Generalkommandos
Oven durchaus glaubhaft erscheint.

Die 184 tdlich Verunglckten wird man als Opfer politischer Morde
betrachten mssen. Dies geht aus der oben zitierten amtlichen
Zusammenstellung selbst hervor. Denn in den letztgenannten 21 Fllen
lt sich die Technik des tdlichen Unglcksfalles genau nachweisen. Am
6. wurden nmlich die 21 katholischen Gesellen ermordet. (Vgl. Seite
41.) Auerdem bin ich in der Lage, weitere 140 in Mnchen in den
Maitagen Ermordete namentlich aufzufhren. Wenn man also nicht annehmen
will, da der Regierungsbericht diese 140 Flle vollkommen verschweigt
oder den Tatsachen zuwider sie in eine der beiden andern Kategorien
unterbringt und Flle aus diesen Kategorien verschweigt, so ist man zu
dem Schlu gezwungen, da die 184 tdlich Verunglckten tatschlich
ermordet worden sind. Im folgenden einige Einzelflle.


Da haben wir Schwein gehabt

_Huber_, Karl, Landsberger Str. 153, 27 Jahre alt, Mitglied der K.P.D.,
wurde am 30. April nachts aus dem Bett geholt und am andern Morgen nach
kurzem Verhr erschossen. Zeugen besttigen, da Huber in keiner Weise
an Kampfhandlungen beteiligt war. Huber hatte bei seiner Festnahme etwa
30 Mark in Bargeld, eine goldene Uhr, eine Uhr mit Stahlgehuse,
Gamaschen und eine Brieftasche bei sich. Smtliche Gegenstnde fehlten.
Als die Schwester des Huber am 23. Mai wegen der Erschieung ihres
Bruders Erkundigungen einziehen wollte, hrte sie zufllig, wie vor dem
Hause, in dem die 2. Kompagnie des 1. Wrttembergischen Drag.-Regts.
einquartiert war (Harlaching, Ueber der Klause), zwei Posten sich
uerten: Mit dieser schweren Brieftasche und mit den Gamaschen haben
wir mal Schwein gehabt.

_Bauer_, Johannes, Arbeiter, Unterfhring Nr. 3, 48 Jahre alt,
parteilos, und dessen Sohn Johann, 17 Jahre alt, wurden am 30. April auf
Grund einer Denunziation aus der Wohnung geholt und kurz darauf ohne
Verhr erschossen. Der Vater war parteilos. Der Sohn Mitglied der
Arbeiterwehr. Er hinterlie Frau und vier unmndige Kinder.

Am 1. Mai wurden Peter _Huhn_ und Georg _Kistler_ in Grohesselohe und
der Feinmechaniker _Hpfl_ in Grnwald ohne Urteil erschossen; Verfahren
wurde eingestellt, weil Tter nicht zu ermitteln.

Jakob _Mnch_, Forstenrieder Str. 71, wurde am 1. Mai erschossen. Er
wollte seine im Februar gefaten Waffen abliefern und wurde dabei
verhaftet.

Benno _Huber_, Metzger, Grokarolinenfeld, war bei der Roten Armee in
Rosenheim gewesen und wurde am 2. Mai im Bett erschossen. Hinterlt
eine Frau mit zwei Kindern.

Der Schuhmacher Emeran _Rtzer_ und der Arbeiter _Kohlmann_ wurden am 2.
Mai auf Grund von Denunziationen durch wrttembergische Truppen in ihren
Wohnungen, Dreimhlenstr. 14, verhaftet und sofort ohne Urteil im
Schlacht- und Viehhof erschossen. Sie hatten 3 Gewehre, die in ihrem
Privatbesitz waren, darunter 2 Jagdgewehre, am selben Vormittag
abgeliefert. Eine Untersuchung fand nicht statt. Sie wurden beschuldigt,
einen Regierungssoldaten umgebracht zu haben. In Wirklichkeit hatten sie
einen auf der Strae aufgelesenen verwundeten Rotgardisten beherbergt.
Dieser wurde im Bett mit Gewehrkolben geschlagen, dann erschossen.
Rtzer hinterlt drei Kinder.

_Faust_, Schreiner, leistete am 2. Mai freiwillig Sanittsdienste bei
der Armee v. Oven und trug eine Rote Kreuzbinde. Die Soldaten sahen dies
fr einen Ausweis der Roten Armee an und erschossen ihn. Kein Verfahren.

Der Schriftsteller Hans _Schlagenhaufer_ in Unterhaching wurde am 1. Mai
von dem Hauptmann _Liftl_ aufgefordert, seine Waffen abzugeben. Er
bestritt, Waffen zu besitzen. Doch wurde ein Gewehr gefunden. Er wurde
verhaftet, nach Stadelheim abgefhrt und dort am 2. Mai ohne
gerichtliches Verfahren erschossen. Nach einer der Witwe zugestellten
Entscheidung erfolgte die Erschieung wegen des Gewehres und weil er
sich als Mitglied und spterer Schriftfhrer der K.P.D. whrend der
Umsturzbewegung besonders hervorgetan habe. Der Schadenersatzanspruch
der Witwe auf Grund des Unruheschadengesetzes wurde am 8. November 1921
vom Reichswirtschaftsgericht abgelehnt. (XVII. A. V. 950/21.) Das
Verfahren gegen die Tter wurde eingestellt. Klage beim ordentlichen
Gericht ist anhngig.


Gustav Landauer

Ueber die Art der Unglcksflle orientiert weiter folgender Bericht in
der Mnchener Neuen Zeitung vom 3. Juni 1919: Am 2. Mai stand ich als
Wache vor dem groen Tor zum Stadelheimer Gefngnis. Gegen 1-1/4 Uhr
brachte ein Trupp bayrischer und wrttembergischer Soldaten Gustav
_Landauer_. Im Hof begegnete der Gruppe ein Major in Zivil (im Proze
als Rittergutsbesitzer Freiherr _v. Gagern_ festgestellt), der mit einer
schlegelartigen Keule auf Landauer einschlug. Unter Kolbenschlgen und
den Schlgen des Majors sank Landauer zusammen. Er stand jedoch wieder
auf und wollte zu reden anfangen. Da rief ein Vizewachtmeister: Geht
mal weg! Unter Lachen und freudiger Zustimmung der Begleitmannschaften
gab der Vizewachtmeister zwei Schsse ab, von denen einer Landauer in
den Kopf traf. Landauer atmete immer noch. Unter dem Ruf: Geht zurck,
dann lassen wir ihm noch eine durch! scho der Vizewachtmeister
Landauer in den Rcken, da es ihm das Herz herausri und er vom Boden
wegschnellte. Da Landauer immer noch zuckte, trat ihn der
Vizewachtmeister mit Fen zu Tode. Dann wurde ihm alles
heruntergerissen und seine Leiche zwei Tage lang ins Waschhaus
geworfen. Wegen dieses Artikels wurde die Neue Zeitung unter
Vorzensur gestellt.

Das Oberkommando Oven brachte am 6. Juni einen Gegenbericht: Landauer
wurde von einem frheren Offizier geschlagen, als er etwas zu den
Soldaten sagen wollte. Nach Aussagen aller Zeugen, mit Ausnahme eines
einzigen, hat er mit einer Reitpeitsche, nicht mit einem Knttel
geschlagen. Keiner der bisher vernommenen Zeugen konnte angeben, da
unter Lcheln und freudiger Zustimmung der Begleitmannschaften auf
Landauer geschossen worden sei ... Unrichtig ist, da ein
Vizewachtmeister drei Schsse auf Landauer abgegeben hat. Vielmehr ist
erwiesen, da zwei Infanteristen mit Gewehr oder Karabiner und da ein
Mann, der als Kavallerist, als Sergeant, als Vizewachtmeister und als
Offizierstellvertreter bezeichnet wurde, mit der Pistole einen Schu auf
Landauer abgegeben hat. Davon, da Landauer alles heruntergerissen
wurde, hat kein Zeuge etwas angegeben. Festgestellt ist nur, da
Landauer die Uhr abgenommen wurde. Der Besitzer der Uhr wurde bereits
ermittelt. Demnach hat Landauer weder einen Fluchtversuch unternommen,
noch eine andere provokatorische Handlung versucht oder ausgefhrt.

Der Mnchener Stadtrat Weigel teilt mir ber die Agnoszierung der Leiche
Landauers folgendes mit: Landauers Leichnam fehlten Rock, Hose, Stiefel
und Mantel. Nach dem Sektionsprotokoll waren drei Schsse auf Landauer
abgegeben, die alle tdlich waren. Der Brustschu stammte nach Ansicht
des Gerichtsarztes Dr. Schpflin und des Prof. Oberndorfer
wahrscheinlich nicht von einem Gewehr, sondern von einer Pistole. Doch
wurde dies auf Ersuchen des Kriegsgerichtsrates Christoph nicht
aufgenommen.

Freiherr v. Gagern bekam vom Amtsgericht Mnchen am 13. September 1919
einen Strafbefehl ber 300 Mark. Das Verfahren gegen weitere Beteiligte
wurde eingestellt.

Vor dem Kriegsgericht in Freiburg kam die Anklage gegen den
Unteroffizier _Digele_ wegen Ttung Gustav Landauers zur Verhandlung.
Nachdem ein nicht ermittelter Soldat Landauer in den Kopf geschossen
hatte, gab Digele auf Landauer einen Pistolenschu ab. Der Angeklagte,
ein Wrttemberger, der inzwischen bei den Baltikumtruppen zum
Unteroffizier befrdert wurde, berief sich darauf, da er nur den Befehl
eines Vorgesetzten ausgefhrt habe. Das Gericht sprach ihn von der
Anklage des Totschlages frei, weil er in dem Glauben sein konnte, nach
Befehl zu handeln, und verurteilte ihn wegen Hehlerei, begangen durch
Aneignung der Uhr des Toten, zu fnf Wochen Gefngnis, die durch die
Untersuchungshaft verbt sind. (Mnchner Neueste Nachrichten, 22.
Mrz 1920.) (Ein ausfhrlicher Prozebericht, aus dem insbesondere die
Richtigkeit der ersten Darstellung hervorgeht, findet sich in der
Freiburger Volkswacht vom 22. und 23. Mrz 1920.)

Ich konnte trotz gtiger Untersttzung durch Behrden nicht feststellen,
ob Gagern mit dem Hauptmann Freiherr v. Gagern-Rickholt (geboren am 21.
1. 1887 in Worms) identisch ist, der am 25. 5. 1915 den belgischen Baron
d'Udekem d'Acoz ermordete. Dieser wurde am 7. Juni 1916 zu 15 Jahren
Zuchthaus verurteilt. Am 16. 1. 1919 aber vom Prsidenten des
Reichsmilitrgerichts freigelassen. (Erklrung der Reichsregierung, 11.
8. 1922.)

Auer Landauer wurden in den ersten Maitagen in Stadelheim noch ber 30
wehrlose Gefangene von den Soldaten ohne weiteres Verfahren umgebracht.
Herr Weigel teilt mir hierber mit: An der Wand eines inneren
Gefngnishofes, dessen Tor auf den Friedhof hinausfhrt, habe ich an der
Mauer in Brusthhe 50 bis 60 Gewehreinschlge gesehen. Rekognosziert
werden sollten 30 bis 40 Tote. Sie waren nach den Angaben der
Gefngnisverwaltung aus dem Massengrab, wo sie ohne Srge lagen,
herausgeholt und in die Srge gelegt worden. An das Massengrab zu gehen,
wurde mir nicht gestattet. Nur wenige Srge wiesen Namen auf, darunter
einen weiblichen.

Elf Leichen konnten nicht agnosziert werden. (Mnchener Neue Zeitung,
17. Juni 1919.)

Das Verfahren gegen die Tter ist noch nicht abgeschlossen, hat aber
bisher zu keinerlei Resultaten gefhrt.


Erschieung -- keine offene Gewalt

Der Hilfsarbeiter Josef _Sedlmaier_ wurde am 2. Mai 1919 in seiner
Wohnung, Winterstr. 8 II., verhaftet. Sedlmaier war niemals bei der
Roten Armee und hatte niemals an Kmpfen teilgenommen. Er hatte
lediglich 14 Tage bei der Arbeiterwehr Sicherheitsdienst gemacht und
sein Gewehr am 27. April eingeliefert.

Nach den staatsanwaltschaftlichen Akten, A.V. XIX 1254/19, hat der
betreffende Leutnant _Mller_, bayr. Schtzenregiment 21, die Festnahme
angeordnet, weil er (Sedlmaier) mir nicht beweisen konnte, da er sein
Gewehr wirklich schon am 27. April abgeliefert habe.

Zu gleicher Zeit wurden die im gleichen Hause wohnenden Gebrder
_Altmann_ festgenommen. Nach den Angaben eines unbekannten, nicht
ermittelten Polizeiorgans waren sie gefhrliche Spartakisten.

Die drei Verhafteten wurden einer Standgerichtskommission unter
Vorsitz eines Hauptmannes vom 1. bayr. Schtzenregiment vorgefhrt und
zum Erschieen bestimmt. Sie wurden in den Hof einer Lederfabrik,
Pilgersheimer Str. 39, gefhrt; als sie dort einen bereits Erschossenen
liegen sahen, begannen sie auseinanderzulaufen. Darauf wurden alle drei
wegen Fluchtgefahr erschossen.

Der Tumultschadenausschu konstatiert aus den staatsanwaltschaftlichen
Akten, da alle Zeugen bezglich des Sedlmaier nichts Belastendes
bekundet haben. Schriftliche Aufzeichnungen ber das standgerichtliche
Verfahren wurden nicht gemacht. Der betreffende Hauptmann, der das
Standgericht leitete, erklrte zu den Akten: Ich habe in den ersten
Tagen des Mai auf Grund von Angaben der Kriminalpolizei und von
Vertrauenspersonen soviele Verhaftungen vornehmen lassen, da ich mich
unmglich auf die Namen von Festgenommenen besinnen kann; auch kann ich
nicht angeben, ob Sedlmaier und die beiden Altmann mir vorgefhrt
wurden, oder ob sie auf dem Wege zu mir erschossen wurden, weil sie
einen Fluchtversuch machten.

Das Verfahren gegen Mller wurde eingestellt. Von einem Verfahren gegen
den Hauptmann oder gegen die Soldaten, die die Erschieung vornahmen,
ist nichts bekannt geworden, obwohl der Staatsanwaltschaft nach eigener
Mitteilung die Namen bekannt sind.

Der Tumultschadenausschu billigte der Witwe, welche zwei minderjhrige
Kinder hat, eine kleine Rente zu.

Hiergegen legte der Reichskommissr bei dem Tumultschadenausschu
Beschwerde zum Reichswirtschaftsgericht ein. Dieses hob den Beschlu auf
und wies den Anspruch auf Entschdigung ab. In dem Beschlu heit es:

Zunchst ist der Schaden in keinem Falle durch offene Gewalt
verursacht. Denn die vollstreckende militrische Stelle hat, wie auch
der Fall gelagert gewesen sein mag, stets amtliche Befugnisse ausben
wollen. Selbst ein Mibrauch und eine Ueberschreitung von
Amtsbefugnissen kann niemals als offene Gewalt angesprochen werden.
Weiter aber ist auch in keinem der mglichen Flle der Tod durch die
Abwehr der offenen Gewalt der Spartakisten unmittelbar verursacht
worden. Sedlmaier wurde durch seine Verhaftung dem Kreise der gegen die
Spartakistenherrschaft eingesetzten unmittelbaren Abwehrmanahmen
entrckt. In diesem Augenblick begann fr ihn die Abwicklung eines
auerhalb der unmittelbaren Gewaltabwehr liegenden besonderen
strafrechtlichen Verfahrens ...

Nunmehr hat die Witwe eine Klage gegen den Militrfiskus beim
ordentlichen Gericht eingereicht.

Zu dem Brothndler Josef _Probst_ kamen am 2. Mai 5 Soldaten des
Freikorps Epp. Sie durchsuchten nicht einmal die Wohnung, sondern
forderten ihn nur auf mitzugehen, er komme gleich wieder. Er wurde
sofort erschossen. Irgend ein gerichtliches Verfahren fand nicht statt.
An den Kmpfen hatte sich Probst in keiner Weise beteiligt. Klage zum
ordentlichen Gericht ist anhngig.


Erschieung wegen Beschimpfung der Offiziere

Josef Anton _Leib_, Daiserstr. 4, hatte eine Zeitschrift Der
Republikaner, Volksblatt fr Sddeutsche Freiheit, herausgegeben. Am 2.
Mai bezog das Batl. Lindenfels, in der Mehrzahl aus Tbinger Studenten
bestehend, Quartier in der Implerschule. Bei Leib wurden drei
Haussuchungen abgehalten, es wurde aber nichts gefunden; dann wurde er
mitgeschleppt und auf Befehl des Rittmeisters Freiherrn _von Lindenfels_
im Hof des Restaurants Elysium erschossen. Als Begrndung wurde
angegeben, er habe auf der Liste gestanden und habe die Offiziere
beschimpft. Gegen Freiherr v. Lindenfels wurde am 2. August 1920 Anklage
erhoben. Er wurde freigesprochen (Wehrkreis-Kommando V Abt. IV.).

Nach der Entscheidung des Tumultschadenausschusses hat L. sich am Kampfe
nicht beteiligt und ist den Truppen nicht mit Waffen entgegengetreten.
Da die Bltter geeignet gewesen seien, lebhafte Erregung in die
Bevlkerung zu tragen, und da die Witwe zwar nicht mitgearbeitet, aber
in Kenntnis der Sachlage die Einnahme aus den Blttern bewut
mitgenossen habe, erschien es nach Ansicht des Tumultschadenausschusses
der Billigkeit entprechend, die Hchstrente der Witwe von damals 57 _M_
90 [Pf] monatlich auf 30 Mark monatlich herabzusetzen, die Renten der
fnf damals smtlich minderjhrigen Kinder von je 23 _M_ 80 [Pf]
monatlich aber unverndert zu belassen.

Das Reichswirtschaftsgericht hob diese Entscheidung am 20. Oktober 1921
auf und wies nach stndiger Praxis smtliche Ansprche ab, denn ein
Mibrauch von Amtsbefugnissen knne nie als offene Gewalt angesprochen
werden. (XVII A.V. 617/21.) Klage zum ordentlichen Gerichte ist
anhngig.

_Bauer_, Josef, Monteur, Schnstr. 60, 20 Jahre, parteilos, wurde am 3.
Mai in Schleisheim angeblich wegen eines bei ihm vorgefundenen Briefes
festgenommen, kurz darauf erschossen und ausgeraubt.

_Nagl_, Josef, Maurerpolier, 31 Jahr, Sauerlach, wurde am 3. Mai in
seiner Wohnung festgenommen und am Starnberger Bahnhof erschossen. Die
Erschieung erfolgte, da angenommen wurde, Nagl sei Eigentmer eines in
seiner Wohnung vorgefundenen Gewehres, das jedoch nachweislich einem bei
Nagl wohnenden Alois Stttel gehrte. Nach seiner Erschieung wurde die
Leiche vollstndig ausgeraubt. Es fehlten 100 Mark Bargeld. Nagl
hinterlt seine Frau.

_Stettner_, Josef, Xylograph, Baaderstr. 65, wurde am 3. Mai bei
Hilfeleistung eines Verwundeten am Grtnerplatz erschossen. Hinterlt
Frau und 6 Kinder.

_Tischer_, Johann, Maler, 37 Jahr, Zeppelinstr. 23, wurde am 3. Mai aus
seiner Wohnung geholt, kam etwa nach einer halben Stunde zurck und
wurde auf Grund einer Bemerkung, die er den Soldaten gegenber gemacht
hatte, wieder festgenommen und kurz darauf im Lehrerinnenseminar in der
Frhlingstr. erschossen.

_Zull_, Josef, Kutscher, 20 Jahr, Winterstr. 4, wurde am 3. Mai in
seiner Wohnung verhaftet, schwer mihandelt, halb erschlagen und am
Kandidplatz erschossen. Er war bei der Republikanischen Schutzwehr
gewesen.

Anton _Oswald_ wurde auf Grund einer Denunziation des
Kriminalwachtmeisters Keitler am 3. Mai morgens aus dem Bett geholt, da
er bei der Entwaffnung der Schutzleute geholfen hatte. Er wurde in eine
Kiesgrube gestellt, um erschossen zu werden. Schwer verwundet konnte er,
da auftauchende rote Truppen die Erschieung verhinderten, sich in ein
Haus schleppen, wo er ins Bett gelegt wurde. Dort wurde er gefunden, an
einen Zaun geschleppt und endgltig erschossen. (Kein Verfahren.)


Der Ermordete ist schuld

Am 2. Mai 1919, nachmittag 5 Uhr, kamen zwei bewaffnete Soldaten des
Freikorps Epp in die Wohnung Daisenhofener Str. 12 des Dr. Karl _Horn_,
Professor fr Mathematik und Physik, und brachten ihn nach dem Gefngnis
Stadelheim. Dort verhrte ihn der Kommandant, Leutnant Heuer, und gab
ihm einen Passierschein, auf welchem die Schluworte standen: Professor
Dr. Karl Horn irrtmlich verhaftet.

Horn kehrte um 8 Uhr abends in seine Wohnung zurck. Am nchsten Morgen
frh acht Uhr traten abermals zwei Bewaffnete des Freikorps Epp in die
Wohnung und brachten ihn in das Haus Tegernseer Landstrae 98, wo die
Befehlsstelle mit dem Stab des 1. Bataillons des Schtzenregiments I
(Freikorps Epp) lag. Dort wurde er im Hofe von dem herbeigeholten
diensttuenden Leutnant Josef _Dinglreiter_ (Bataillonsadjutant) ohne
Verhr kurz mit den den Worten abgefertigt: Ab nach Stadelheim,
erledigt und drei Soldaten zum Transport bergeben. Horn versuchte
umsonst, seinen Passierschein vorzuweisen.

Von einem dieser drei Soldaten wurde Horn auf der vor dem Haus
Stadelheimer Str. 33 befindlichen Wiese um 8-3/4 Uhr durch einen Schu
von rckwrts durch den Kopf gettet. Die Begleitmannschaft raubte
Schuhe, Uhr mit Kette und Anhnger, plnderte die Taschen und versuchten
den Ehering abzuziehen. (Aussage des Augenzeugen Georg Gruber in meinem
Besitz.) Die Leiche wurde quer ber dem Fuweg liegen gelassen.

Der Tter, wahrscheinlich Unteroffizier Georg _Grammetsberger_, kehrte
zur Stadt zurck, die beiden andern Soldaten gingen nach Stadelheim. Um
1/2-3 Uhr nachmittags wurde die Leiche von der Gattin und dem
neunjhrigen Sohne am Tatort gefunden. Das Verfahren gegen
Grammetsberger wurde eingestellt. Gegen Dinglreiter fand kein Verfahren
statt.

Sowohl das Landgericht Mnchen wie das Oberlandesgericht Mnchen haben
die Klage der Witwe abgewiesen, da eigenes Verschulden des Getteten
vorliegt. Dieser habe zu jenem Kreis von Leuten gehrt, die die
Bevlkerung aufgehetzt und dadurch mittelbar die Ausschreitungen der
Soldaten selbst erzeugt haben. Die Sache geht jetzt ans Reichsgericht.


Eine Frau als Zielscheibe

Georg _Kling_ und seine Tochter Marie _Kling_ taten am 2. Mai in Giesing
freiwillig Sanittsdienste bei der Roten Armee in einer Station an der
Weinbauerstrae. Sie waren mit Roten Kreuzbinden versehen. Am 3. Mai
wurde Georg Kling auf die Polizeistation Tegernseer Landstrae
transportiert, weil seine andere Tochter Anni angeblich Munition
getragen habe. Marie ging freiwillig mit. Der Schutzmann Keitler
behauptete, Marie habe mit der Sanittsflagge den Roten Zeichen gegeben.
Sie kam vor ein Standgericht, wurde auf Grund von Zeugenaussagen von
Regierungstruppen freigesprochen und sollte am 4. Mai entlassen werden.
Als der Vater sie morgens abholen wollte, war sie schon nach Stadelheim
abgefhrt. Augenzeugen bekunden, da sie dort als Zielscheibe verwendet
wurde. Zuerst wurde sie ins Fugelenk, dann in die Wade, dann
Oberschenkel, zuletzt in den Kopf geschossen. Eine Verhandlung gegen die
Tter fand nicht statt. Denn bei der Aufhebung der
Militrgerichtsbarkeit waren die Akten verloren gegangen.

Peter _Lohmar_, Journalist, wurde am 3. Mai auf dem Transport in den
Gasteiganlagen, angeblich, weil er sich gewehrt hatte, erschossen.
Tatschlich konnte er als Kriegsinvalide berhaupt nur am Stock gehen.
Das Verfahren ist eingestellt.

Der Bankbeamte Hans _Bulach_ wurde am 3. Mai auf dem Transport in den
Gasteiganlagen von demselben Gefreiten angeblich auf der Flucht
erschossen.

Der Tagelhner Theodor _Kirchner_ aus der Winterstr. 4 wurde am 3. Mai
ohne jedes gerichtliche Verfahren in der Kirbacher Str. 11 erschossen,
obwohl er sich weder an den Kmpfen beteiligt, noch sonst strafrechtlich
verfehlt hatte. Ein Gewehr hatte er vorher schon freiwillig ohne
Aufforderung eingeliefert. Er hinterlie eine Witwe und 2 Kinder im
Alter von 2 und 4 Jahren.

Der Tumultschadenausschu billigte den Hinterbliebenen eine Rente zu.
Hiergegen legte der Reichskommissar beim Tumultschadenausschu
Beschwerde ein; in der Begrndung derselben heit es: Als Kirchner
erschossen wurde, war er vollstndig wehrlos und von Kirchner drohte
daher keinerlei offene Gewalt, demzufolge konnte seine Erschieung auch
nicht die Abwehr einer offenen Gewalt von seiner Seite bezwecken,
naturgem konnte durch diese Erschieung auch nicht die etwa von
anderer Seite drohende Gewalt abgewehrt werden ...

Das Reichswirtschaftsgericht hob die Entscheidung auf und wies die
smtlichen Ansprche ab. Klage zum ordentlichen Gericht schwebt.

Der Privatier Christian _Frohner_, Paulaner Platz 27, wurde am 3. Mai
wegen Verdachtes der Teilnahme an der Aufruhrbewegung von Truppen des
Freikorps Ltzow festgenommen. Am 5. Mai 1919 wurde er auf dem Transport
vom Standgericht in der Hofbruhaushalle zur Befehlsstelle der Gruppe
Siebert von dem ihn begleitenden Gefreiten erschossen. Der Bescheid des
Tumultschadenausschusses stellte fest, da die Erschieung angeblich
aus Notwehr erfolgte. Die Leiche wurde ausgeraubt.

Der Antrag auf Zuerkennung einer Rente auf Grund des
Tumultschadengesetzes wurde in beiden Instanzen abgelehnt. Klage zum
ordentlichen Gericht ist anhngig.

Das gegen den Gefreiten wegen Mord eingeleitete Verfahren wurde
eingestellt, weil ein Zeuge nicht auffindbar gewesen ist. Derselbe
Gefreite hat auch Bulach und Lohmar umgebracht.

Der Monteurhelfer Leonhard _Dorsch_, am Feuerbachl 6, wurde nach den der
Witwe vom Tumultschadenausschu mitgeteilten Feststellungen vom Militr
am 4. Mai verhaftet, da er der Zugehrigkeit zur Roten Armee verdchtig
war. Er wurde zunchst einem Gerichtsoffizier in der Wache des 16.
Stadtbezirkes zum Verhr vorgefhrt und spter auf nicht aufgeklrte
Weise, vermutlich bei einem Fluchtversuch erschossen. Kein Verfahren.


Die zwlf Perlacher Arbeiter

Am 4. Mai rckte das Freikorps Ltzow in Perlach, wo niemals gekmpft
worden war, ein. Die Offiziere konferierten mit dem protestantischen
Pastor _Hell_. (Angeblich holten sie dort ein Wschepaket ab.) Dann
requirierten sie ein Zimmer im Gasthof zur Post und verhafteten die
Arbeiter Johann _Licht_ und Georg _Koch_. Um 3 Uhr morgens wurden dann
auf Grund einer Liste u. a. folgende Perlacher Arbeiter, teils
Parteilose, teils Mitglieder der Mehrheitssozialdemokratie, aus ihren
Betten geholt: Adalbert _Dengler_, Georg _Eichner_, Sebastian
_Hufnagel_, Georg _Jacob_, Josef _Jakob_, Johann _Keil_, Albert _Krebs_,
Josef _Ludwig_, August _Stber_, Konrad _Zeller_. Bei dem Hafnermeister
Ludwig waren drei ergebnislose Haussuchungen vorausgegangen. Keil und
Dengler hatten Waffen besessen, sie jedoch am 1. Mai laut Aufforderung
abgeliefert. Als der Wirt den Verhafteten Kaffee geben lassen wollte,
hie es, die brauchen nichts mehr. Die Verhafteten muten
Brieftaschen, Messer und Geldbrsen abgeben, wurden in der Frh um 5 Uhr
auf ein Lastauto verladen und nach dem Hofbruhauskeller gebracht.
Ludwig wurde gleich hinter das Auto gefhrt und um 6 Uhr morgens
erschossen. Einige der Verhafteten wurden dann von Offizieren verhrt.
Keiner war bei der Roten Armee gewesen. Keiner hatte sich an den Kmpfen
beteiligt, bei keinem waren Waffen gefunden worden, Zeugen schildern,
da die Gefangenen einen niedergeschlagenen, ja geistesabwesenden
Eindruck machten und flehentlich um ihr Leben baten. Zwischen 11 und 1
Uhr wurden in Abstnden erst zwei, dann drei Personen auf dem Hof auf
einem Kohlenhaufen erschossen. Zwei weitere Gefangene, zuerst
zurckgestellt, wurden spter erschossen. Insgesamt wurden in Abstnden
12 Gefangene ohne Urteil, ohne den Schatten eines Rechts erschossen.
Nach der Erschieung wurden den Toten ihre smtlichen Wertgegenstnde
und Papiere geraubt. Gegen keinen einzigen der Tter oder der
verantwortlichen Offiziere ist jemals auch nur verhandelt worden.
(Aussagen von 14 Augenzeugen sind in meinem Besitz.) 12 Frauen und 35
minderjhrige Kinder waren der Ernhrer beraubt. Die von den
Hinterbliebenen auf Grund des Aufruhrschadengesetzes erhobenen
Rentenansprche wurden vom Reichswirtschaftsgericht am 14. August 1921
mit der Begrndung abgewiesen, die Erschieung sei keine offene Gewalt
gewesen. (XVII, A.V. 747/21.)

Josef _Graf_, 18 Jahre, wurde am 3. Mai verhaftet. Ein Offizier teilte
dem Vater mit, der Fall werde am nchsten Tag ordnungsgem verhandelt.
Am 4. Mai, morgens 1/2-6 Uhr, wurde er auf offener Strae (Warngauer
Strae) erschossen und die Leiche liegen gelassen. (Kein Verfahren.)

Josef _Siegl_, Sanittssoldat, Rheintaler Str. 64, tat whrend der
Rterepublik keinen Dienst und ging erst am 1. Mai wieder in Dienst. Auf
dem Weg nach Hause wurde er am 5. Mai wegen seiner Roten Kreuzbinde
erschossen. Die Leiche wurde ausgeraubt.

_Schffer_, Josephine, Kaufmannsfrau, Hohenzollernstr. 72, wurde am 5.
Mai auf dem Transport nach dem Abteilungsstab des Freikorps Ltzow in
der Nhe der Giselaschule erschossen. Nach der Erschieung wurde ihre
Wohnung durchsucht und Gegenstnde im Werte von 3000 Mark entwendet. Ihr
Mann war in Haft. Ein Verfahren gegen die Tter ist nicht eingeleitet.


Die 21 katholischen Gesellen

Am 6. Mai fand eine Versammlung des katholischen Gesellenvereins St.
Joseph wegen Theaterangelegenheiten im Vereinslokal, Augustenstr. 71,
statt. Sie wurde als spartakistisch denunziert. Auf Grund eines
Befehls des Hauptmanns v. Alt-Stutterheim wurden die Gesellen durch eine
Patrouille unter Fhrung des Offizierstellvertreters Priebe verhaftet,
weil ein Versammlungsverbot existierte. Hauptmann _v. Alt-Stutterheim_
musterte die Verhafteten auf der Strae. Die Leute schrien, sie seien
unschuldig; er sagte, das gehe ihn nichts an, und lie es zu, da die
Leute furchtbar mihandelt wurden. Sieben Gefangene wurden im Hof des
Hauses Karolinenplatz 5 erschossen. Die anderen wurden in den Keller
eingeliefert. Die Soldaten, zum Teil in angetrunkenem Zustand,
trampelten auf den Gefangenen herum, stieen sie wahllos mit dem
Seitengewehr nieder und schlugen derartig um sich, da ein Seitengewehr
sich verbog und da das Hirn herumspritzte. So tteten sie weitere 14
Leute und plnderten dann die Leichen aus. Fnf Gefangene wurden schwer
verwundet. Die Leichen der Erschossenen schauten frchterlich aus.
Einem war die Nase ins Gesicht hineingetreten, andern fehlte der halbe
Hinterkopf. (Erster Verhandlungstag.) Wenn einer der Verwundeten sich
noch regte, wurde auf ihn eingeschlagen und eingestochen. Zwei Soldaten,
die sich umfat hatten, fhrten einen wahren Indianertanz neben den
Leichen auf, schrien und heulten. (Bayr. Kurier, 23. Oktober 1919.)
Die Soldaten glaubten ein Recht dazu zu haben, da ihnen durch ihren
Hauptmann Hoffmann erklrt worden war, wenn sie einen Spartakisten
shen, sollten sie gleich von der Waffe Gebrauch machen. Ein Soldat
meldete sich denn auch dienstlich von der Erschieung der 21
Spartakisten zurck. Der grte Teil der Tter konnte nicht festgestellt
werden. Das Sektionsprotokoll verschwand aus den Akten. Die Namen der
Ermordeten waren: J. _Lachenmaier_, J. _Stadler_, F. _Adler_, J.
_Bachhuber_, S. _Ballat_, A. _Businger_, J. _Fischer_, M. _Fischer_, F.
_Grammann_, M. _Grnbauer_, J. _Hamberger_, J. _Krapf_, J. _Lang_, B.
_Pichler_, P. _Prachtl_, L. _Ruth_, K. _Samberger_, F. _Schnberger_, A.
_Stadler_, F. _Stger_, K. _Wimmer_.

Am 25. Oktober 1919 wurde der Soldat Jakob _Mller_ und der
Vizefeldwebel Konstantin _Makowski_ zu 14 Jahren Zuchthaus, _Grabasch_
zu einem Jahr Gefngnis wegen Totschlags verurteilt. Gegen die
verantwortlichen Offiziere der Gardedivision wurde kein Verfahren
eingeleitet. Das Verfahren gegen den Hauptmann von Alt-Stutterheim wurde
eingestellt. (Mnchener Neueste Nachrichten und Bayrischer Kurier,
21. bis 26. Oktober 1919.) (_Schlag_, Das Blutbad am Karolinenplatz.)
Vorsitzender war Oberlandesgerichtsrat Hieber, Staatsanwalt Dr. Mugler.

Am 4. November wurde der ehemalige Husar Stefan _Latosi_, der in der
betr. Nacht blutbefleckt mit gestohlenen Uhren und Geldbrsen den Keller
verlassen hatte, wegen Verbrechen des Totschlags freigesprochen, wegen
schweren Diebstahls zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. (Mnchener
Neueste Nachrichten, 5. November 1921.)

Da mir leider der Platz fehlt alle Mnchener tdlichen Unglcksflle
auch nur mit wenigen Worten zu schildern, begnge ich mich, die mir
bekannten in tabellarischer Form darzustellen. Der Vorgang ist eintnig
immer dasselbe: Denunziation, Verhaftung, Erschieung an der nchsten
Mauer, Plnderung der Leiche. Der Tter bleibt straflos, denn ein
Verfahren wird gar nicht eingeleitet.

Die folgende Liste umfat 161 Ermordete und 273 Hinterbliebene. Sie
enthlt auch die im Text bereits aufgefhrten Flle.

161 VON DEN REGIERUNGSTRUPPEN IN MNCHEN ERMORDETE

      ==============================================================
      Lfd.| _Name_              | Wohnort, Beruf
       Nr.|                     | Alter, Zahl der Hinterbliebenen
          |                     | Datum, Ort der Ermordung
          |                     | Bemerkung
      ====+=====================+==================================+
        1 | _Adler, Franz_      | Kath. Ges.-Verein
          |                     | Augustenstr. 41, Schlosser
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | vollst. ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
        2 | 2 _Brder           | Winterstr. 8, --
          |    Altmann_         | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Pilgersheimerstrae 39
          |                     | Verfahren eingestellt
      ----+---------------------+----------------------------------+
        4 | _Aschenbrenner, M._ | Tegernseerlandstrae 18, Spengler
          |                     | Alter: --, Hinterbliebene: 3
          |                     | 7. V. 19, Hohenzollernschule
      ----+---------------------+----------------------------------+
        5 | _Bachhuber, Josef_  | Kath. Ges.-Verein, Maler
          |                     | Alter: 19, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | vollst. ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
        6 | _Barth, Georg_      | Lilienstr. 62, Hoteldiener
          |                     | Alter: 30, Hinterbliebene: 1
          |                     | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
          |                     | Schuhe, Hose, Mantel geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
        7 | _Barth, R. Anton_   | Nockherstr. 38, Kutscher
          |                     | Alter: 18, Hinterbliebene: 1
          |                     | 4. V. 19, Ostfriedhof
      ----+---------------------+----------------------------------+
        8 | _Bauer, Johann_     | Unterfhring 3, Beruf: --
          |                     | Alter: 17, Hinterbliebene: --
          |                     | 30.IV. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
        9 | _Bauer, Johannes_   | Unterfhring 3, Arbeiter
          |                     | Alter: 48, Hinterbliebene: 5
          |                     | 30.IV. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       10 | _Bauer, Josef_      | Schnstr. 60, Monteur
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: 6
          |                     | 3. V. 19, Schleiheim
          |                     | ausgeraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       11 | _Bischl, Michael_   | Oberlnderstr. 11, Schlosser
          |                     | Alter: 18, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Ruprechtstr.
          |                     | erschlagen und erschossen
      ----+---------------------+----------------------------------+
       12 | _Bongratz, Peter_   | Westendstr. 161, Gehilfe
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: 8
          |                     | 5. V. 19, Schlachthof
          |                     | gold. Uhr, 3 goldene  Ringe,
          |                     | Ueberzieher, Hut geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       13 | _Bulach, Johann_    | Mariahilfstr. 3, Bankbeamter
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
          |                     | 3. V. 19, Gasteiganlagen
      ----+---------------------+----------------------------------+
       14 | _Bullat, Sebastian_ | Kath. Ges.-Verein, Schmied
          |                     | Alter: 19, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       15 | _Brucker, Oskar_    | Hochstr. 31, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Salvatorkeller
      ----+---------------------+----------------------------------+
       16 | _Buscher, Andreas_  | Tegernseerlandstrae 28,
          |                     | Bauhilfsarbeit.
          |                     | Alter: 29, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       17 | _Businger, Anton_   | Kath. Ges.-Verein, Buchbinder
          |                     | Alter: 22, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       18 | _Crusius, Ludwig_   | Weinbauernstr. 1, Schlosser
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Knollwiese
      ----+---------------------+----------------------------------+
       19 | _Dal Sasso, Josef_  | Bavariastr. 9, Kutscher
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Menterschweige
      ----+---------------------+----------------------------------+
       20 | _Demann, Johann_    | Wendelsteinstr. 9, Bahnarbeiter
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: 3
          |                     | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       21 | _Dengler, Adalbert_ | Perlach, Prinzregentenstr. 46,
          |                     | Taglhner
          |                     | Alter: 46, Hinterbliebene: 6
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       22 | _Dietz, Theodor_    | i. d. Grube 25, Spengler
          |                     | Alter: 30, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Maximiliank.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       23 | _Dorfmeister, Aug._ | Siebenbrunnerstr., Ingenieur
          |                     | Alter: 28, Hinterbliebene: 4
          |                     | 2. V. 19, Harlaching
          |                     | erschlagen, erschossen,
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       24 | _Dorsch, Leonhard_  | Feuerbachl 6, Monteurgehilfe
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Frauenhoferbrcke
      ----+---------------------+----------------------------------+
       25 | _Eckert, Max_       | Miliechplatz 1, Friseur
          |                     | Alter: 45, Hinterbliebene: 4
          |                     | 2. V. 19, Khbachstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       26 | _Effhauser, Lorenz_ | Jahnstr. 31, Monteurgehilfe
          |                     | Alter: 28, Hinterbliebene: 1
          |                     | 1. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       27 | _Eichner, Georg_    | Perlach 196, Bahnarbeiter
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: 5
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       28 | _Enzenberger, Joh._ | Winterstr. 13, Schleifer
          |                     | Alter: 24, Hinterbliebene: 3
          |                     | Datum: -- , Harlachinger Weg
          |                     | 143 M., Brieftasche, Ehering,
          |                     | Uhr, Windjacke geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       29 | _Ewald, Jakob_      | Tegernseerlandstrae 71,
          |                     | Hilfsmonteur
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       30 | _Faltermeier, Otto_ | Peienbergstr. 1, Metzger
          |                     | Alter: 28, Hinterbliebene: 3
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       31 | _Faust, sen._       | Kistlerstr. 1, Schreiner
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, i. d. Wohnung
      ----+---------------------+----------------------------------+
       32 | _Faust, jun._       | Kistlerstr. 1, Schreiner
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       33 | _Felser, Martin_    | Mondstr. 1, Bauarbeiter
          |                     | Alter:  23, Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       34 | _Feigl, Ludwig_     | Herzogstandstr. 1, Metzger
          |                     | Alter: 41, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       35 | _Fichtl, Johann_    | Perlach 46, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 43, Hinterbliebene: 7
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       36 | _Fischalk, Anton_   | Schnstr. 60, Grtner
          |                     | Alter: 24, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Krppelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       37 | _Fischer, Joseph_   | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       38 | _Fischer, Karl_     | Raintalerstr. 72, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Knollhof
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       39 | _Fischer, Michael_  | Kath. Ges.-Verein, Schneider
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenplatz 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       40 | _Frohner, Christ._  | Paulanerplatz 27, Privatier
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 5. V. 19,  Hofbruhauskeller
          |                     | gold. Zwicker, Uhr, Brse, Stock
          |                     | gestohl.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       41 | _Ganserer, Ludwig_  | Wohnort: -- , Schlosser
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Residenz
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       42 | _Geigl, Michael_    | Unterhaching 14, Schriftsetzer
          |                     | Alter: 39, Hinterbliebene: 2
          |                     | 1. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       43 | _Geltl, Johann_     | Schnstr. 76, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: 1
          |                     | Datum: -- , Knollkiesgrube
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       44 | _Gerhard, Karl_     | Oberanger 53, Kaufmann
          |                     | Alter: 28, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Jakobplatz
      ----+---------------------+----------------------------------+
       45 | _Goldbrunner, Joh._ | Tegernseerlandstrae 125,
          |                     | Eisendreher
          |                     | Alter: 22, Hinterbliebene: 1
          |                     | Datum: -- , Giesingerberg
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       46 | _Graf, Josef_       | Gietlstr. 15, Schlosser
          |                     | Alter: 18, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Warngauerstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       47 | _Gramann, Franz_    | Kath. Ges.-Verein, Schneider
          |                     | Alter: 19, Hinterbliebene:--
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       48 | _Grnbauer, Math._  | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
          |                     | Alter: 24, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       49 | _Hamberger, Joh._   | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
          |                     | Alter: 19, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       50 | _Hain, Leo_         | Belgradstr. 107, Masch.-Mstr.
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
          |                     | 8. V. 19, Karl Theod.-W.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       51 | _Hausler, Rich._    | Grohadern 19, Elektrotechn.
          |                     | Alter: 19, Hinterbliebene: 2
          |                     | 1. V. 19, Grohadern
      ----+---------------------+----------------------------------+
       52 | _Hausmann, Wilh._   | Weienburger Strae 2, Friseur
          |                     | Alter: 30, Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, i. s. Wohnung
      ----+---------------------+----------------------------------+
       53 | _Hecksteiger, Max_  | Khbachstr. 16, Maurer
          |                     | Alter: 36, Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       54 | _Heimerer, Anton_   | Tegernseerlandstrae 30,
          |                     | Eisenhobler
          |                     | Alter: 49, Hinterbliebene: 5
          |                     | 3. V. 19, Knollgrube
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       55 | _Heimkirchner,      | Elsenheimerstr. 28, Hilfsarbeiter
          |  Jul._              | Alter: 21, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Ausstellung
          |                     | 230,-- M., Uhr und Kette, Hut und
          |                     | Stiefel geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       56 | _Heinritzl, Josef_  | Wendelsteinstr. 2, Bauarbeiter
          |                     | Alter: 22, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Knollanwesen
      ----+---------------------+----------------------------------+
       57 | _Hillenbrand, Joh._ | Ackerstr. 116, Fensterreinig.
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Siboldstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       58 | _Hof, Sebastian_    | Forstenriederstr. 2, Schlosser
          |                     | Alter: 32, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Forstenrieder Ecke
          |                     | Holzapfelstrae
      ----+---------------------+----------------------------------+
       59 | _Horn, Karl_        | Daisenhofenerstrae 12, Prof. d.
          |                     | Mathematik
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Stadelheimerstrae 33
          |                     | Uhr, Kette, Schuhe geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       60 | _Hpfl_             | Grnwald, Feinmechaniker
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Grnwald
      ----+---------------------+----------------------------------+
       61 | _Hrl, Max_         | Weinbauernstr. 2, Schuhmacher
          |                     | Alter: 33, Hinterbliebene: 3
          |                     | Datum: --, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       62 | _Huber, Karl_       | Landsbergerstrae  153, Kutscher
          |                     | Alter: 27, Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Ort der Ermordung: --
          |                     | 30 M., 2 Uhren, Gamaschen,
          |                     | Brieftasche geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       63 | _Hufnagel, Sebast._ | Perlach, Rosenheimerstr. 5,
          |                     | Taglhner
          |                     | Alter: 47, Hinterbliebene: 3
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhauskeller
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       64 | _Huhn, Peter_       | Grohesselohe, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Grohesselohe
      ----+---------------------+----------------------------------+
       65 | _Jakob, Georg_      | Perlach 104, Schreiner
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       66 | _Jakob, Josef_      | Perlach, Putzbrunnerstr., Maurer
          |                     | Alter: 40, Hinterbliebene: 6
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       67 | _Kapfhammer, Max_   | Rottmannstr. 23, Taglhner
          |                     | Alter: 50, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Stigelmeierpl.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       68 | _Keil, Johann_      | Perlach 46, Taglhner
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       69 | _Kollmeder, Blas._  | Baaderstr. 2, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 29.IV. 19, Starnberg
          |                     | 200 M., Leuchtblattuhr geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       70 | _Kininger, Ruppert_ | Reifenstuhlstr. 12, Monteur
          |                     | Alter: 30, Hinterbliebene: 3
          |                     | 3. V. 19, Schlachthof
      ----+---------------------+----------------------------------+
       71 | _Kirchner, Theodor_ | Winterstr. 4, Taglhner
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
          |                     | 3. V. 19, Khbachstr. 11
      ----+---------------------+----------------------------------+
       72 | _Kistler, Georg_    | Grohesselohe, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Grohesselohe
      ----+---------------------+----------------------------------+
       73 | _Kling, Maria_      | Edelweistr. 11, Kontoristin
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       74 | _Kobahn, Otto_      | Pilgersheimerstr. 2,
          |                     | Schreinerlehrl.
          |                     | Alter: 16, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
       75 | _Koch, Aug. Georg_  | Perlach 46, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter:  -- , Hinterbliebene: 9
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       76 | _Koller, Ignatz_    | Abelestr. 1, Schffler
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Kapuzinerstr.
          |                     | 80 M., Ring, Ueberzieher, Schuhe
          |                     | geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       77 | _Kohlmann, Joh._    | Dreimhlenstr. 14, Taglhner
          |                     | Alter:  -- , Hinterbliebene: 6
          |                     | 2. V. 19, Schlachthof
      ----+---------------------+----------------------------------+
       78 | _Koyer, Josef_      | Frauenstr. 3, Metzger
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Marienstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       79 | _Knig, Anton_      | Mehring b. Augsb., Elektromont.
          |                     | Alter: 34, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Schlachthof
      ----+---------------------+----------------------------------+
       80 | _Kstelmaier,       | Landsbergerstrae 163,
          |  Xaver_             | Malergehilfe
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
          |                     | 1. V. 19, Schftlarn
      ----+---------------------+----------------------------------+
       81 | _Krapf, Josef_      | Kath. Ges.-Verein, Schneider
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       82 | _Kraus, Karl_       | Gallmeierstr. 6, Hndler
          |                     | Alter: 34, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19,  Ort der Ermordung --
      ----+---------------------+----------------------------------+
       83 | _Krebs, Albert_     | Perlach 46, Gumeister
          |                     | Alter: 38, Hinterbliebene: 5
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       84 | _Lachenmaier,       | Kath. Ges.-Verein, Grohadern,
          |  Josef_             | Lindenallee 8, Herbergsvater
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       85 | _Landauer, Gustav_  | Wohnort: -- , Schriftsteller
          |                     | Alter: 49, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
          |                     | Rock, Hose, Stiefel, Mantel u.
          |                     | Uhr geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       86 | _Lang, Josef_       | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
          |                     | Alter: 26, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       87 | _Leib, Anton_       | Daiserstr. 44, Redakteur
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 6
          |                     | 2. V. 19, Elysium
          |                     | Tter: v. Lindenfels
      ----+---------------------+----------------------------------+
       88 | _Link, Karl_        | Barthstr. 2, Kutscher
          |                     | Alter: 40, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
       89 | _Lohmar, Josef_     | Khbachstr. 18, Fuhrmann
          |                     | Alter: 41, Hinterbliebene: 5
          |                     | 2. V. 19, Giesingerberg
      ----+---------------------+----------------------------------+
       90 | _Lohmar, Peter_     | Wohnort: -- , Journalist
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Gasteiganlagen
      ----+---------------------+----------------------------------+
       91 | _Ludwig, Josef_     | Perlach 134, Hafnermeister
          |                     | Alter: 56, Hinterbliebene: 5
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
       92 | _Mages, Georg_      | Landsbergerstrae 163,
          |                     | Bauarbeiter
          |                     | Alter: 17, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Pettenkoferstrae 11
      ----+---------------------+----------------------------------+
       93 | _Mairiedl, Josef_   | Grohadern, Bauerstr. 39
          |                     | Schreiner
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: 1
          |                     | 1. V. 19, v. d. Dorf Grohadern
      ----+---------------------+----------------------------------+
       94 | _Mandel, Karl_      | Wohnort: -- , Redakteur
          |                     | Alter: 33, Hinterbliebene: 3
          |                     | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
          |                     | grerer Geldbetrag gestohlen
      ----+---------------------+----------------------------------+
       95 | _Meienhalter,      | Wohnort: -- , Taglhner
          |  Rupp._             | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Tegernseerlandstr. 32
      ----+---------------------+----------------------------------+
       96 | _Nagl, Josef_       | Sauerlach, Maurerpolier
          |                     | Alter: 31, Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Starnberger Bhf.
          |                     | 100 M. geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       97 | _Neumeier, Hans_    | Lothringerstr. 11, Pflasterer
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Ostfriedhof
      ----+---------------------+----------------------------------+
       98 | _Niederreiter,      | Untere Grasstr. 18, Pflasterer
          |  Josef_             | Alter: 29, Hinterbliebene: 3
          |                     | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
          |                     | Uhr, Geld, Schuhe u. Ringe
          |                     | geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
       99 | _Noak, Ernst_       | Grohadern 36, Monteur
          |                     | Alter: 27, Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Waldfriedhof
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      100 | _Obermaier, Joh._   | Entenbachstr. 12, Metallgieer
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      101 | _Oswald, Anton_     | Kesselbergstr. 2, Maurer
          |                     | Alter: 31, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
          |                     | 300 M., Uhr u. Kette [geraubt]
      ----+---------------------+----------------------------------+
      102 | _Pasch, Josef_      | Wohnort: -- , Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Tegernseerlandstr. 132
      ----+---------------------+----------------------------------+
      103 | _Peller, Josef_     | Alpenstr. 27, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Wiese a. d.
          |                     | Daiserstrae
      ----+---------------------+----------------------------------+
      104 | _Pichler, Bernh._   | Kath. Ges.-Verein, Tapezier
          |                     | Alter: 26, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      105 | _Platzer, Josef_    | Boosstr. 5, Spengler
          |                     | Alter: 18, Hinterbliebene: 1
          |                     | Datum: -- , Ohlmllerstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      106 | _Prachtl, Paul_     | Kath. Ges.-Verein, Spengler
          |                     | Alter: 29, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      107 | _Probst, Josef_     | Kirchenstr. 38, Brothndler
          |                     | Alter: 30, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Maximiliank.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      108 | _Rabl, Georg_       | Aignerstr. 16, Eisendreher
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
          |                     | 3. V. 19, Pfarrhofstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      109 | _Raffner, Josef_    | Kesselbergstr. 6, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Knollwiese
      ----+---------------------+----------------------------------+
      110 | _Raidel, Josef_     | Wirthstr. 1a, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: 3
          |                     | 3. V. 19, Wirthstr. 1a
      ----+---------------------+----------------------------------+
      111 | _Rainer, August_    | Grohadern 19, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19, Neufriedenheim
          |                     | Uhr u. Zigarettenetui geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      112 | _Reinhardt, Viktor_ | Arcostr. 9, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
      113 | _Reith, Ludwig_     | Kath. Ges.-Verein, Schneider
          |                     | Alter: 22, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      114 | _Rieger, Josef_     | Breisacherstr. 19, Maurer
          |                     | Alter: 34, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      115 | _Reischl, Josef_    | Zugspitzstr. 15, Maurer
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | 4. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      116 | _Rtzer, Emeran_    | Dreimhlenstr. 14, Schuhmacher
          |                     | Alter: 42, Hinterbliebene: 3
          |                     | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
      117 | _Ruither, Joseph_   | Hans Miliechstr. 10, Stuckateur
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Cremmermhle
          |                     | 80 M. u. Bekleidung geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      118 | _Russer, Karl_      | Zugspitzstr. 13, Steinmetz
          |                     | Alter: 28, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
          |                     | vollst. ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      119 | _Samberger, Karl_   | Kath. Ges.-Verein, Schneider
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      120 | _Samisch, Wilhelm_  | Preisingstr. 8, Spengler
          |                     | Alter: 45, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Herzogpark
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      121 | _Sammer, Alfons_    | Kesselbergstr. 6, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
          |                     | Datum: -- , Knollwiese
      ----+---------------------+----------------------------------+
      122 | _Sedlmaier, Jos._   | Winterstr. 8, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 42, Hinterbliebene: 3
          |                     | 2. V. 19, Pilgersheimerstrae 39
          |                     | Verfahren eingestellt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      123 | _Seidl, Georg_      | Trappentreustr. 32, Bauarbeiter
          |                     | Alter: 32, Hinterbliebene: 1
          |                     | 1. V. 19, Donnersbergbr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      124 | _Seidner, Philipp_  | Unterfhring, Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | Datum: -- , Elssser Str.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      125 | _Sigl, Josef_       | Raintalerstr. 64, Krankenwrter
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: 2
          |                     | 5. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
      126 | _Sontheimer, Josef_ | Erhardstr. 11, Kaufmann
          |                     | Alter: 52, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Franziskaner
      ----+---------------------+----------------------------------+
      127 | _Schffer,          | Hohenzollernstr. 72, Kaufmannsfr.
          |  Josefine_          | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 5. V. 19, Elisabethplatz
          |                     | Wohnung vollstndig ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      128 | _Schermer,          | Boschetsriedstr. 43, Schlosser
          |  Heinrich_          | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
          |                     | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
          |                     | als Verwundeter erschossen u.
          |                     | ausgeraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      129 | _Schlagenhaufer,    | Unterhaching, Redakteur
          |  H._                | Alter: 54, Hinterbliebene: 1
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      130 | _Schlagintweit,     | Tegernseerlandstrae 125,
          |  Jak._              | Beruf: --
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
          |                     | 2. V. 19, Knollwiese
      ----+---------------------+----------------------------------+
      131 | _Schnellbgl,       | Humboldstr. 20, Maler
          |  Georg_             | Alter: 54, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Kirbachstr. 11
          |                     | Uhr u. Kette geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      132 | _Schnberger,       | Kath. Ges.-Verein, Bcker
          |  Fritz_             | Alter: 19, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      133 | _Schredinger, Joh._ | Daisenhofenerstrae 4, Schmied
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: 4
          |                     | 3. V. 19, Stadelheim
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      134 | _Schwaiger, Jak._   | Dreimhlenstr. 9, Zimmerer
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
          |                     | Datum: -- , Sendlingertorpl.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      135 | _Schwarz, Johann_   | Breisacherstr. 16, Mechaniker
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      136 | _Stadler, Anton_    | Kath. Ges.-Verein, Techniker
          |                     | Alter: 35, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      137 | _Stadler, Jacob_    | Kath. Ges.-Verein, Buchhalter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      138 | _Steidle, Max_      | Parkstr. 13,  Bcker
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | Datum: -- , Zur roten Wand
      ----+---------------------+----------------------------------+
      139 | _Steingrbl, Josef_ | Palmstr. 8, Mechanikerlhrl.
          |                     | Alter: 16, Hinterbliebene: --
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      140 | _Stelzer, Johann_   | Orleanstr. 61, Fuhrmann
          |                     | Alter: 21, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Ludwigsbrcke
          |                     | ins Wasser geworfen
      ----+---------------------+----------------------------------+
      141 | _Stettner, Josef_   | Baaderstr. 65, Xylograph
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 7
          |                     | 3. V. 19, Grtnerplatz
      ----+---------------------+----------------------------------+
      142 | _Stiegler, Ludwig_  | Kirchplatz 10,  Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | Datum: -- , Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      143 | _Stber, August_    | Perlach, Arbeiter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      144 | _Stger, Felix_     | Kath. Ges.-Verein, Schuhmacher
          |                     | Alter: 24, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenplatz 5
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      145 | _Streicher, Joseph_ | Sommerstr. 57, Hilfsarbeiter
          |                     | Alter: 25, Hinterbliebene: 2
          |                     | 2. V. 19, Stadelheim
          |                     | 54 M. u. Uhr geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      146 | _Tischer, Johann_   | Zeppelinstr. 23, Maler
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Seminar, Frhlingstrae
      ----+---------------------+----------------------------------+
      147 | _Trunk, Johann_     | Gietlstr., Bcker
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 4. V. 19, Stadelheim
      ----+---------------------+----------------------------------+
      148 | _Thuringer, Fried._ | Hirschbergstr. 20, Schmied
          |                     | Alter: 18, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Zugspitzstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      149 | _Vogel_             | Frstenfeldbruck, Matrose
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 30.IV. 19, Frstenfeldbruck
          |                     | geraubt Schuhe, Gamaschen,
          |                     | Brieftsch. 300 M
          |                     | Tter: v. Lindenfels
      ----+---------------------+----------------------------------+
      150 | _Waffler, Franz_    | Siebenbrunn 1, Taglhner
          |                     | Alter: 29, Hinterbliebene: 3
          |                     | 2. V. 19, Krppelheim
          |                     | vollst. ausgeraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      151 | _Wagner, Karl_      | Aventinstr. 8, Installateur
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
          |                     | 2. V. 19, Hofbruhausk.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      152 | _Walter, Baptist_   | Nockherstr. 23, Schlosser
          |                     | Alter: 36, Hinterbliebene: 5
          |                     | 4. V. 19, Ort der Ermordung: --
      ----+---------------------+----------------------------------+
      153 | _Waock, Ludwig_     | Preisingstr. 15, Taglhner
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
          |                     | 4. V. 19. Wasserburgerhof
          |                     | 2 Goldringe, 1 Silberring geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      154 | _Wiesheu_           | Wohnort: -- , Dienstknecht
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: --
          |                     | 1. V. 19. Grofhren
          |                     | Tter: Feldwbl. Maulbeck,
          |                     | Art.-Abt. 24, 3. Battr.,
          |                     | Ingolstadt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      155 | _Wimmer, Karl_      | Kath. Ges.-Verein, Zimmermann
          |                     | Alter: 23, Hinterbliebene: --
          |                     | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
          |                     | ausgeraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      156 | _Wittmann, Johann_  | a. d. Schweige 5, Lackierer
          |                     | Alter: 46, Hinterbliebene: 1
          |                     | 5. V. 19, Schlachthof
          |                     | 50 M. u. Uhr geraubt
      ----+---------------------+----------------------------------+
      157 | _Wohlmuth, Alois_   | Grohadern, Schweizer
          |                     | Alter: 37, Hinterbliebene: 9
          |                     | 1. V. 19, Grohadern
      ----+---------------------+----------------------------------+
      158 | _Woppmann, Xaver_   | Sandstr. 30, Polier
          |                     | Alter: 51, Hinterbliebene: 2
          |                     | 3. V. 19, Hafemeier, Dachauerstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      159 | _Zeller, Konrad_    | Perlach 116, Arbeiter
          |                     | Alter: -- , Hinterbliebene: 7
          |                     | 5. V. 19, Hofbruhausk.
          |                     | ausgeplndert
      ----+---------------------+----------------------------------+
      160 | _Zimmermann, Jos._  | Pilgersheimerstr. 76, Taglhner
          |                     | Alter: 29, Hinterbliebene: 4
          |                     | 2. V. 19, Mondstr.
      ----+---------------------+----------------------------------+
      161 | _Zull, Joseph_      | Winterstr. 4, Kutscher
          |                     | Alter: 20, Hinterbliebene: --
          |                     | 3. V. 19, Kandidplatz
      ==============================================================

Die vorstehende Liste ist keineswegs vollstndig. Denn nach den
amtlichen Angaben sind in Mnchen allein 184 Menschen tdlich
verunglckt. Die Liste enthlt aber nur 161 Namen, die sich auerdem
auf Mnchen und Umgebung beziehen.

Auch die 186 standrechtlichen Erschieungen waren, wie auf
Seite 112 eingehend bewiesen wird, vllig ungesetzlich. Da alle
Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Kategorien fehlen, lt sich
nicht einmal im einzelnen nachweisen, wer tdlich verunglckt und wer
standrechtlich erschossen worden ist. Trotzdem habe ich nur die
amtlich als tdlich verunglckt Bezeichneten als ermordet gerechnet.
Nur in 22 Fllen hat ein gerichtliches Verfahren stattgefunden. _Nur
vier Tter sind bestraft worden._


Der Polizeiagent Blau

_Blau_ war Agent und Lockspitzel der politischen Polizei. Er gehrte
im Aufstand vom Januar 1919 zur Besatzung der Bxensteindruckerei
und hatte auch ein Auto beschlagnahmt. Nach dem Sturz der
Rterepublik war er in Mnchen ttig und gab sich dort als flchtiger,
untersttzungsbedrftiger Kommunist aus. (Dritter und vierter
Verhandlungstag.) Er wurde erkannt und nach Berlin gelockt. Dort wurde
er in einer Kommunistenversammlung am 1. August 1919 als Spitzel
festgestellt; wollte jedoch einen Gegenbeweis antreten. Er bernachtete
mit _Hoppe_ bei einem gewissen Pohl. Dort erschien dann nach Angabe
Hoppes ein nicht ermittelter Polizeiagent und bot Hoppe Gift an, um Blau
umzubringen. (Dritter Verhandlungstag.) Am nchsten Tag bernachteten
Blau und Hoppe in der Wohnung _Winklers_. Dort erschienen nach Angabe
Hoppes drei Leute, darunter wahrscheinlich der Polizeiagent Schreiber,
boten ihm dieselbe Flasche Morphium an und forderten, man msse mit Blau
Schlu machen. Daraufhin habe er die Wohnung verlassen, sei jedoch
zurckgekehrt. Unterdessen sei Blau ermordet worden. Die Leiche wurde
dann in den Kanal geworfen. Dort wurde sie am 7. August gefesselt
gefunden.

 Am 24. Juni 1920 begann der Proze. _Fichtmann_ und Hoppe waren wegen
Mordes, Winkler wegen Beihilfe angeklagt. Fichtmann trat einen
Alibibeweis an. Der Hauptbelastungszeuge Toifl sagte aus, es gebe eine
organisierte Terroristengruppe. Doch mute er sich sagen lassen, er sei
der Anfhrer bei einem Raubberfall auf den Diamantenhndler Orlowski
gewesen und habe hierzu Waffen von der Reichswehr besorgt. Seine
Behrde habe ihm sogar am Schlu noch gestattet, das geraubte Geld zu
behalten. Ueber alle diese Dinge befragt, verweigerte er die Auskunft.
Er gab zu, versucht zu haben, eine militrpolitische Abteilung
der Kommunistischen Partei zu grnden und Befehle zu Ueberfllen auf
Druckereien weitergegeben zu haben. (Sechster und siebenter
Verhandlungstag.) Nach Aussage des Wachtmeisters Henke hatte die
Garde-Kavallerie-Schtzendivision allein 110 Spitzel. (Dritter
Verhandlungstag.)

Am 5. Juli wurde Fichtmann freigesprochen. Hoppe bekam wegen Beihilfe
zum Totschlag unter Ablehnung mildernder Umstnde 6 Jahre Zuchthaus,
Winkler wegen Beihilfe 3 Jahre Gefngnis. Gegen die stark belasteten
Polizeispitzel Schreiber und Toifl wurde kein Verfahren eingeleitet.
(Eingehende Prozeberichte in allen Berliner Zeitungen.)




DIE ERMORDUNGEN BEIM KAPP-PUTSCH


Stadtverordneter Futran

Als Kapp am 13. Mrz 1920 Berlin eroberte, konnte, wie bekannt, Noske in
ganz Berlin keinen regierungstreuen Soldaten finden. Alle Regimenter,
die gesamte Sicherheitswehr und die Einwohnerwehr gingen ber. So
schrieb die Zentrale der Einwohnerwehren in einem Flugblatt von der
neuen Regierung der Arbeit. Zur Abwehr organisierten sich die
Arbeiter. Als Kapp entfloh, geschah dies unter der Flagge, die beiden
Regierungen htten sich geeinigt. Die Verhltnisse lagen vllig wirr und
man wute von den Truppen nicht, ob sie wieder zur Regierung Ebert-Bauer
oder noch zur Gegenregierung Kapp-Lttwitz hielten.

In Kpenick hatten sich die Arbeiter und auch Teile der Brgerschaft
unter Fhrung von _Futran_ aus den dort liegenden Bestnden bewaffnet.
Innerhalb der Stadt blieb alles ruhig. Die sogenannte Rote Garde machte
nmlich hauptschlich Sicherheitsdienst zusammen mit der Polizei,
bewachte die stdtischen Lebensmittelvorrte usw. Das Potsdamer
Jgerregiment, Btl. Nr. 3, rckte an. Auch politisch rechtsstehende
Leute, wie der Brgermeister Behnke (vgl. seine Aussage vor dem
Standgericht), waren sich ber den Charakter der anrckenden Truppen
durchaus im unklaren, da sie noch das Zeichen der Regierung Kapp, das
Hakenkreuz, am Helm trugen. Es kam zu einem Kampf, wobei Gefangene
gemacht wurden. Als durch telephonische Anfrage in Berlin festgestellt
wurde, da die Truppen wieder zur Regierung Ebert hielten, gab Futran
selbst Befehl, die Waffen niederzulegen. Eine Zeitfreiwilligen-Eskadron
zog am 21. kampflos ein, erklrte den verschrften Belagerungszustand
und errichtete ein Standgericht. Futran, der sich so unschuldig fhlte,
da er sogar aufs Rathaus ging, wurde am gleichen Tag wegen der Delikte,
die er vor Verkndung des Belagerungszustandes begangen haben sollte,
zum Tode verurteilt. Im Protokoll, das in meinem Besitz ist, heit es:

Grnde: Durch Zeugen und teilweise eigenes Gestndnis des Angeklagten
ist einwandfrei erwiesen, da er das Haupt des kommunistischen
Aufstandes gewesen ist, da er eine Rote Armee organisierte und zu
bewaffnetem Widerstande gegen die anrckenden Regierungstruppen
aufgefordert habe. Ferner hat er die gefangenen Offiziere mit dem Tode
durch Erschieen bedroht, sowie die verwundeten Gefangenen als
Schwerverbrecher behandeln lassen. Das Urteil wurde sofort durch eine
Gruppe der 4. Schwadron unter Fhrung des Leutnants _Kubich_ im Hofe
der Btzowbrauerei, Grnauer Strae, vollstreckt. Das Standgericht der
4. freiw. Eskadron v. Bebell, Kapitnleutnant; Hedal, Unteroffizier;
Jacks, Freiwilliger; Kubich, Leutnant.

Zur selben Zeit wie Futran wurden standrechtlich erschossen der
Arbeiter W. _Drre_ auf Grund einer Denunziation, bei ihm seien Waffen
versteckt, obwohl zweimalige Haussuchung das Gegenteil bewies; ferner
der Arbeiter Fritz _Kegel_. Es war den Angehrigen Drres und Kegels
trotz aller Bemhungen bis heute unmglich, eine Urteilsbegrndung zu
erfahren. (Zeugenaussagen sind in meinem Besitz.) Ferner wurde der
Arbeiter Karl _Gratzke_ und der 17 jhrige, etwas beschrnkte Karl
_Wienecke_ ohne irgend welches Verfahren auf der Stelle erschossen, weil
sie Waffen versteckt hatten.

Die Truppen verlieen die Stadt am gleichen Tage; am nchsten wurden die
Standgerichte aufgehoben. Alle Versuche, eine Shne dieser Taten zu
erlangen, sind gescheitert.


Zehn Offiziere gegen einen Geisteskranken

Der geisteskranke Lokomotivfhrer _Weigelt_ aus der Alvenslebener Strae
11, ein streng patriotischer Mann, versuchte am 24. Mrz 1920 in die
Kadettenanstalt Lichterfelde einzudringen, wo eine hauptschlich aus
Offizieren bestehende Freiwilligenabteilung lag, angeblich um sich fr
den Schtzengraben zu melden. Er wurde vom Torposten festgenommen, in
der Wachstube mit einem von ihm mitgebrachten Gummiknppel so
geschlagen, da er am Kopf blutete, die Treppe heraufgeschleppt, so da
am andern Tag noch dort Blut lag und in das Zimmer des Leutnant _Schtz_
(Regierungsbaumeister) gebracht. Dort waren 10 Offiziere, ber die er
angeblich herfiel. Obwohl er schrie: Meine Herren Offiziere, lassen Sie
mich doch laufen, ich bin doch krank, wurde er durch einen Schu des
Leutnant _Jansen_ und 3 Schsse des Leutnant _Schtz_ gettet. Die
Schsse gingen von oben durch die Schdeldecke, so da anzunehmen ist,
da er am Boden lag. Schtz kam im Juli 1920 vor das Gericht der
Zeitfreiwilligenabteilung, nach Aufhebung der Militrgerichtsbarkeit am
24. Februar 1921 vor das Landgericht II (Landgerichtsdirektor Steltzer,
Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann). Schtz wurde freigesprochen, da er
angab in Notwehr gehandelt zu haben. (Prozebericht in allen Berliner
Zeitungen.)


Beschieung einer offenen Stadt

In Mecklenburg hatte General v. Lettow-Vorbeck den Kapp-Putsch
organisiert und die verfassungsmige Regierung verhaftet. Zur Abwehr
waren die Arbeiter in den Generalstreik getreten.

Am 14. Mrz beschlo eine Volksversammlung in Waren den Generalstreik
zur Abwehr des Kapp-Putsches. Der Fhrer des Reichswehrkommandos Boek,
Leutnant Peter v. Lefort, und der Beauftragte der Reichswehrbrigade
fr Waren, Rittmeister Stefan _v. Lefort_, verlangten am 17. sofortige
Ablieferung aller Waffen und Wiederaufnahme der Arbeit und drohten mit
Todesstrafen. Das Ministerium in Schwerin und General von Lettow-Vorbeck
erklrten auf Anfrage aus Waren, da die genannten Dienststellen nicht
existieren und da kein diesbezglicher Auftrag gegeben sei. Am nchsten
Tage drohten die Leforts, bei Nichterfllung des Brigadebefehls Waren
nach Artillerievorbereitung mit strmender Hand zu nehmen. Als Frist
setzten sie 11 Uhr 43 Min. fest. Als ihnen eine Deputation entgegenfuhr,
verlangten sie bedingungslose Uebergabe der Stadt und 30 Geiseln. Darauf
feuerten sie 5 Granatschsse auf die Stadt ab. Der Sachschaden war
bedeutend, mehrere Einwohner wurden verletzt, der Arbeiter _Dunn_ und
der Friseur _Schliecker_ gettet; der Schuhmachermeister _Berg_, der
Krschner _Gerber_ und Frulein _Khler_ starben an den Verletzungen.
Stefan v. Lefort wurde durch Beschlu des Landgerichts Gstrow vom 20.
V. 21 auer Verfolgung gesetzt. Der andere ist flchtig und lebt zur
Zeit in Oesterreich. Sie behaupten, in Notwehr gehandelt zu haben.
(Vgl. Aktenmige Darstellung der Arbeiten der Stadtverwaltung von Waren
vom 14. bis 22. Mrz 1920.)


Erschieung auf Grund von Kappgesetzen

Bei dem Tagelhner Wilhelm _Wittke_ in Niendorf bei Wismar fand am 17.
Mrz 1920, morgens, eine Versammlung statt, bei der die streikenden
Arbeiter beschlossen, wegen einer Lohndifferenz bei dem Gutsbesitzer
Gesandten a. D. Baron _Brandenstein_ vorzusprechen. Auch ber den
Kapp-Putsch wurde gesprochen. Baron Brandenstein lie aus Schwerin
Militr (Freikorps Robach, Reichswehrbrigade, Kommando 9) kommen.
Darauf wurde nachts bei Wittke eine Haussuchung gehalten und Wittke vor
das Haus des Barons Brandenstein geschleppt. Ein Soldat sagte dabei zu
Frau Wittke: Nehmen Sie man gleich Abschied, in einer Stunde ist der
Kerl eine Leiche! Gleichzeitig wurden auch die Arbeiter Johann
_Steinfurt_, Fritz Mller und Adolf Mller dorthin gebracht. Baron
Brandenstein trat aus dem Schlo, deutete auf Steinfurt und Wittke und
sagte: Das sind die Richtigen. Daraufhin wurden die beiden von den
Truppen Kapps vor ein angebliches Standgericht gestellt und zum Tode
verurteilt. Noch in der Nacht wurden sie erschossen.

Die Staatsanwaltschaft in Schwerin hat das spter wegen dieser Sache
eingeleitete Verfahren eingestellt. (Die Aussagen des Fritz und Adolf
Mller und der Frau Wittke sind in meinem Besitz. Baron Brandenstein,
dem ich das Manuskript eingesandt habe, hat in einem Briefe den hier
vorgebrachten Behauptungen nicht widersprochen, jedoch hinzugefgt, die
Verurteilung sei auf Grund der erlassenen Gesetze erfolgt. Er
persnlich habe sich gegen das Todesurteil ausgesprochen. In einem
zweiten Brief behauptete er aber, der Name des verantwortlichen
Offiziers sei ihm nicht bekannt.)


Der Gutsbesitzer Herr ber Leben und Tod

Am 18. Mrz 1920 leitete der Arbeiter F. _Slomski_ aus Karow in einer
Wirtschaft in Hof Mecklenburg eine Versammlung streikender Arbeiter. Es
erschienen Autos mit mehreren Offizieren und zirka 60 Mann des Freikorps
Robach. Alle Leute muten antreten. Darauf kam der Rittergutsbesitzer
_Bachmann_, bei dem Slomski arbeitete, und suchte sich die Leute aus.
Slomski wurde verhaftet und von den Soldaten schrecklich mihandelt.
Unterdessen verhandelten Bachmann und ein Offizier und bildeten ein
angebliches Standgericht. Slomski wurde von acht Mann und zwei Chargen
an seiner Wohnung vorbeigefhrt, wo seine Frau und Kinder standen und
schrecklich schrien. Kurz hinter dem Dorfe wurde er um 1/2-12 Uhr
erschossen. Die Leiche wurde der Witwe ins Haus gebracht. Die
Staatsanwaltschaft hat ein gegen Bachmann eingeleitetes Verfahren am 7.
10. 20 eingestellt, da der Tatbestand einer vorstzlichen, bewut
rechtswidrigen Handlung ausgeschlossen.

(Die Aussagen der Zeugen Karl Ritentiedt zu Karow, Friedrich Mndt, Hof
Mecklenburg, Wilhelm Schwarz, Hof Mecklenburg, Joachim Bliemeister, Hof
Mecklenburg, Wilhelm Druwe zu Hohen-Viecheln, Carl Hopp zu Petersdorf,
Ernst Bohnhoft zu Rosenthal sind in meinem Besitz.)


Taten der Demminer Ulanen

In Gnoien zogen am 18. Mrz 1920 die Demminer Ulanen unter dem
Rittmeister _Obernitz_ ein, weil die Arbeiter dort die Herrschaft Kapps
nicht anerkannten. Der Maurer _Grbler_, Vorsitzender der dortigen
U.S.P., wurde morgens frh aus dem Bett geholt und trotz allen Bittens
seiner Frau und seiner sechs Kinder auf Befehl eines Offiziers ohne
Verhr, 100 Meter von seinem eigenen Haus entfernt, auf offener Strae
erschossen. Die Truppen verhafteten dann 96 Arbeiter und brachten sie
nach Demmin. Dabei wurde der 63 jhrige _Puffpoff_ derartig mihandelt,
da er zusammenbrach und nach kurzer Zeit starb. Kurz vor Demmin
schossen dort aufgestellte Soldaten in den Gefangenentrupp hinein,
tteten vier und verletzten sehr viele. (Das freie Wort, 4. April
1920, und persnliche Mitteilung des Redakteurs Khn auf Grund der
Verhandlungen im Mecklenburgischen Ministerium.) Das
Ermittlungsverfahren wegen Grbler schwebt beim Landgericht Rostock seit
Juni 1920; das Verfahren wegen der Gefangenenerschieung beim
Oberstaatsanwalt in Greifswald.

Am 19. Mrz 1920 rckte die Reichswehr aus Demmin, unter Fhrung des
Leutnants _Meinecke_, Bataillon Jarmen in Stavenhagen ein, wo alles
ruhig war. Sie gaben Befehl: Strae frei! und als dies nicht sogleich
erfolgen konnte, schossen sie in die Menge. Um zu vermitteln, ging der
60 jhrige Stadtrat _Seidel_ mit erhobenen Hnden auf die Strae und
wurde nach wenigen Worten sofort erschossen. Das Verfahren gegen
Meinecke wurde eingestellt, da er in Notwehr gehandelt habe. (Das
freie Wort, Schwerin, 24.3.1920.)


Hermann Litzendorf

Am 19. Mrz 1920 wurde der Arbeiter Hermann _Litzendorf_ aus Bahrendorf
auf der Landstrae bei Grevesmhlen auf Befehl des Rittergutsbesitzers
Dr. Simon auf Schmachthagen festgenommen, in einen Keller des Gutes
eingesperrt und am andern Morgen, als er zu fliehen versuchte,
erschossen. Dr. Simon zahlte dem Vater des Litzendorf 5000 Mark als
Entschdigung aus.

Nach Angabe der Zeugen Friedrich Siggelkow und Julius Waschull ist Otto
Bobsien der Tter.

Die Staatsanwaltschaft beim Mecklenburg-Schwerinschen Landgericht
stellte das Verfahren gegen Jrgen _Bade_, Felix _Wimarn_, Josef
_Bender_, Otto _Bobsien_ am 29. Oktober 1920 ein. In der Begrndung
heit es: Es ist mit grter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, da der Tod
des Litzendorf durch den von _Bender_ abgegebenen Schu herbeigefhrt
worden ist. Doch hat er sich zu der Ttung fr berechtigt gehalten und
es konnte ihm nicht vorgeworfen werden, da er bei gengender
Ueberlegung die Unrichtigkeit dieser Annahme htte erkennen mssen.


Die Erschieung in der Sandgrube

Der Arbeiter Paul _Jahnke_ in Hungersdorf, Funktionr des
Landarbeiterverbandes, wurde am 20. Mrz von 10 Zeitfreiwilligen unter
Fhrung des frheren Leutnants _Thormann_ auf Grund der Angabe seines
Gutsherrn, _v. Puttkammer_, verhaftet. Eine Durchsuchung seiner Wohnung
gab nichts Belastendes. Bei der Patrouille waren Leutnant Franz
_Harlinghausen_, Kurt _Wegner_ und Johannes _Dickmann_. Herr v.
Puttkammer bat wiederholt, dafr zu sorgen, da Jahnke nicht
wiederkomme, was Harlinghausen versprach. Jahnke wurde abtransportiert
und in eine Sandgrube gefhrt. Darauf erscho ihn Harlinghausen mit zwei
Schssen aus unmittelbarer Nhe whrend Wegner und Dickmann nach ihren
eigenen Angaben (im Proze) zusahen. Im Einverstndnis mit dem Mrder
meldete Thormann dann einen Fluchtversuch. Doch wurde durch andere
Zeugen, besonders durch den Kutscher, der Vorgang ermittelt.
Harlinghausen ging, als ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, ins
Ausland. Thormann, der Fhrer der Patrouille, Wegner und Dickmann, die
zugaben, gewut zu haben, da Jahnke erschossen werden sollte, wurden am
8. Dezember 1920 freigesprochen, v. Puttkammer wurde nur als Zeuge
vernommen. (Das freie Wort, Schwerin, 9. Dezember 1920; Vorwrts,
11. Dezember 1920.) Herr v. Puttkammer gab vor Gericht an, da er eine
Gehirnerschtterung erlitten habe und da seine Worte daher nicht ernst
genommen werden knnten. Das Verfahren gegen Harlinghausen, der
vollstndig gestndig war, wurde auf Grund der Amnestie im Mrz 1922
eingestellt. (Freiheit, 21. Mrz 22.)


Morde in Breslau

Am 13. Mrz 1920 wurde in Breslau der Redakteur der Schlesischen
Arbeiterzeitung, Bernhard _Schottlnder_, Mitglied der U.S.P.D., von
Soldaten des Freikorps Aulock zusammen mit ber 30 anderen Personen
verhaftet. Die Verhafteten wurden zunchst im Generalkommando mit Wissen
der Offiziere gefoltert. In der Nacht des 16. wurde er aus dem
Gefngnis Kletschkaustr. von drei Soldaten zu einer Vernehmung nach dem
Generalkommando abgeholt. Die Soldaten zeigten einen vom
Militrbefehlshaber unterzeichneten Auslieferungsbefehl vor. Seitdem ist
Schottlnder spurlos verschwunden. Das Generalkommando und die
zustndige Kommandantur wissen von nichts. Der Befehl soll geflscht
sein. (Aufruf des Breslauer Polizeiprsidenten, Mrz 1920.) Bei Oswitz
hat die Oder seine Leiche ans Land gesplt. (Vgl. Aulock-Proze, Mrz
1921.) Der Mnchener Volkswille, 5. Jan. 1921, meldete, die Ermordung
sei auf Befehl des Oberleutnants _Schmitz_, z. Z.
Linienschiffsstamm-Division Ostsee in Pillau, erfolgt. Dagegen ist nach
der Meinung des Staatsanwalts (Voss. Ztg., 16. Januar 1921) die
Ermordung durch zwei Offiziere und zwei Soldaten, die alle vier bisher
unauffindbar waren, erfolgt.

Der Maschinenschlosser Alfred _Schramm_, Siebenhufnerstr. 72, der
Bankbeamte Karl _Boronow_, Grbschenerstr. 3, der Kohlenarbeiter
Heinrich _Romane_, Grbschenerstr. 77 und der Redakteur _Demmig_ wurden
in der Nacht zum 14. Mrz durch Soldaten der Regierung Kapp unter
Fhrung von Offizieren verhaftet. Seither sind sie spurlos verschwunden.
Der Fhrer der Patrouille, die Boronow verhaftete, war Leutnant
_Kaufmann_ von der zweiten Marinebrigade. Der Schlosser Max _Hoffmann_
wurde am 15. Mrz wegen Verteilung sozialdemokratischer Flugbltter, der
Eisenbahnschlosser Wilhelm _Bhm_, Herdainstr. 38, am 16. Mrz als
Streikposten, der Koch Heinz _Herkenrat_ vom Hotel Riegner am 19. Mrz
auf Grund einer Denunziation einer Frau Neumann aus Skarsine durch
Soldaten der Regierung Kapp verhaftet und auf der Flucht erschossen.
Der Fhrer der Patrouille, die Herkenrat verhaftete, war Oberleutnant
_Mller_. Herkenrats Leiche wurde ausgeplndert. (Breslauer
Volkswacht, vom 31., 24., 22., 19. Mrz 1920.)

Eine Bestrafung der Tter ist in keinem Fall erfolgt, im Gegenteil: Das
Reichsgericht hat die ber die Soldaten Walter, Biskup und Brefka wegen
der Folterungen gefllten Urteile auf Grund der politischen Amnestie
aufgehoben (18. Juni 1921). Sie wurden dann als Hilfsaufseher im
Gefngnis Schweidnitz angestellt. (Preu. Landtag, 14. Sept. 1921.)


Die 14 Arbeiter von Bad Thal

Beim Kapp-Putsch erklrte sich der Kommandeur der Reichswehrbrigade 15,
Generalmajor Hagenberg, fr Kapp. Die Regierung von Gotha jedoch hielt
zur Verfassung, wurde fr abgesetzt erklrt und zum Teil im Namen des
Reichskanzlers Kapp verhaftet. Freiherr v. Schenk, Bezirksbefehlshaber
von Marburg, weigerte sich, am 14. Mrz eine Erklrung zu geben, ob er
zu Ebert oder zu Kapp halte, und erklrte, nur den Befehlen, die aus
Kassel kmen, zu gehorchen. In Kassel aber war General von Schler, der
zu Lttwitz hielt. Am 19. Mrz forderte v. Schenk zur Bildung einer
Studentenwehr auf. Am 20. Mrz 1920 rckte das hauptschlich aus
Korporationsstudenten zusammengesetzte Zeitfreiwilligen-Bataillon unter
Fhrung des Fregattenkapitns v. Selchow von Marburg nach Thringen aus,
um dort Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. (Berl. Tageblatt, 20.
Juni 1920.) Die Studenten zogen mit Musik, mit Fahnen und Bndern
geschmckt, aus. Der Rektor beschwor den Geist von 1914. Es kamen
nmlich von den militrischen Dienststellen alle mglichen
Schauermeldungen ber das in vollem Aufruhr befindliche Thringen,
ber die Machtzentren der aufrhrerischen Bewegung in dem friedlichen
Ruhla, ber die heftigen Kmpfe um Gotha, Erfurt, Eisenach, ber
Artillerie, Minenwerfer und zahlreiche Maschinengewehre. (Broschre
des Feldwebels Schaumlffel: Das Studentenkorps Marburg in Thringen.)
Trotzdem mu Schaumlffel zugeben, da das Bataillon am Tage darauf vom
Gegner unbehelligt in Eisenach einzog, und vier Tage darauf zieht das
Bataillon ebenso unbehelligt, ohne ein einziges Mal ins Gefecht
gekommen zu sein, natrlich auch ohne einen einzigen Toten, Verwundeten
oder Vermiten, in Gotha ein. (S. 66.)

Auch in Bad Thal war alles ruhig. (Angabe des Schultheien und des
Wachtmeisters He im Proze.) An Hand einer Liste, die auf Grund vllig
beweisloser Denunziationen zusammengestellt war, wurden 15 Arbeiter
festgenommen. Fnf davon waren Mitglieder der Demokratischen Partei
(Obuch im Landtag, 24. Nov. 1920). Am 25. Mrz, morgens 7 Uhr, trat das
Bataillon den Vormarsch auf Gotha an. Die verhafteten Spartakisten
(natrlich smtlich unbewaffnet), von einer Anzahl Studenten bewacht,
beschlossen, in 500 m Abstand von der Truppe, den Zug. Noch vor 8 Uhr
morgens wurden sie alle 15 in der Nhe Mechterstedts von den Studenten
teils auf der Strae, teils unmittelbar am Rand der Strae erschossen.
Die Leichen blieben ganz einfach liegen, der Zug ging _singend_ weiter.
Angeblich hatten die Leute einen Fluchtversuch unternommen. Fast alle
lagen nebeneinander. Alle mit frchterlich zerschmettertem Kopf, also
aus nchster Nhe erschossen. Die meisten Verletzungen waren derartig,
da der Sachverstndige, Dr. Jnicke, im Proze aussagte, die Schdel
seien total zertrmmert, so da Feststellungen, von wo die Schsse
gekommen seien, nicht mglich waren. Bei zweien sei mit Sicherheit
festzustellen, da sie von vorne gekommen seien (Herzschu), andere
seien von hinten erfolgt. Einer geht von oben nach unten. (Vierter
Verhandlungstag.)

Die Namen der Getteten waren: _Hornschuh_, _Hartmann_, _Dll_, _Patz_,
drei Brder _Fldner_, zwei Brder _Soldan_, _Wedel_, _Rssiger_, zwei
Brder _Schrder_ und _Rosenstock_, alle Brger aus Thal. Am 19. Juni
wurde der stud. jur. Heinrich _Goebel_ aus Spangenberg, Leutnant a. D.,
als Hauptangeklagter, ferner die Studenten cand. med. Heinrich
_Engelbrecht_ aus Cassel, stud. med. Frank _Jahn_ aus Eberswalde, cand.
jur. Hermann _Kraus_ aus Herne, Paul _Herhaber_ aus Duisburg, stud. med.
Heinz _Schler_ aus Cassel, cand. med. Ernst _Nebelmann_ aus Mhlheim a.
d. Ruhr, cand. med. Kurt _Blum_ aus Gelnhausen, stud. dent. Julius
_Vlker_ aus Oberkirchen, Alfred _Vo_ aus Utsen, stud. med. Lorenz
_Lange_, zum groen Teile ehemalige Offiziere, vom Kriegsgericht, d. h.
von ihren eigenen Kameraden, freigesprochen. Einen Beweis fr den
Fluchtversuch konnten sie nicht erbringen. Das Verfahren wurde dann vom
Schwurgericht wieder aufgenommen. Der Staatsanwalt hielt eine Rede, die
die Studenten entlastete. Belastungszeugen, wie der Leutnant Duderstadt,
wurden nicht vernommen. Die Studenten wurden von der Anklage des
Totschlags und Mibrauchs der Waffe freigesprochen. Da der Staatsanwalt
auf Revision verzichtete, wurde das Urteil am 27. Dez. 1920
rechtskrftig. (Deutsche Tageszeitung, 29. Dez. 1920; Duderstadt: Der
Schrei nach dem Recht.)

Das Verfahren gegen Goebel, Jonas und Grdt wegen Mihandlung war auf
Grund der Amnestie am 21. Februar 1921 eingestellt worden. Am 13.
Februar 1922 verwarf das Reichsgericht die vom Staatsanwalt dagegen
eingelegte Revision. (W. T. B.)


Tierarzt Neubert

In der Stadt Smmerda waren die Arbeiter wegen des Kappputsches in den
Generalstreik getreten, hatten die Einwohnerwehr entwaffnet und einige
der Fhrer festgesetzt. Am 24. Mrz 1920 rckte die Reichswehr an und
bescho die Stadt. Die Streikleitung schickte den Tierarzt _Neubert_ zu
den Truppen, um zu verhandeln.

Fest steht, da Neubert von der Truppe vor der Stadt Smmerda
festgenommen wurde, als er als Parlamentr zum Kommandeur sich begeben
hatte. Spter wurde er in die Stadt gefhrt und dort im Rathauskeller
untergebracht. Nach einiger Zeit wurde er auf Befehl des
Truppenkommandeurs von Reichswehrsoldaten wieder vor die Stadt gebracht.
Dieser Befehl wurde vom Kommandeur deshalb erteilt, weil Neubert in der
Stadt vor der Wut der gegen ihn uerst aufgebrachten Bevlkerung nicht
sicher genug untergebracht war. Vor der Stadt lief Neubert weg, und es
wurde hinter ihm hergeschossen. Schlielich wurde er von einem Soldaten
auf kurze Entfernung getroffen, der dann noch mit dem Gewehrkolben auf
ihn einschlug und einen zweiten Schu auf ihn abgab. (Brief des
Oberstaatsanwaltes in Erfurt N 6 I 1195/20 vom 20. August 1920, auf die
Anzeige der Frau Neubert.)

Wegen der Erschieung des Neubert schwebte ein Verfahren beim Gericht
der Reichswehrbrigade 11. Infolge der Aufhebung der
Militrgerichtsbarkeit wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft
Erfurt bernommen. Am 9. Oktober 1920 stellte der Oberstaatsanwalt in
Erfurt den Antrag auf Erffnung der Voruntersuchung gegen vier
Angehrige des Reichswehr-Inftr.-Reg. 21. Das Verfahren schwebt noch.
(Aktenabschrift in meinem Besitz.)


Morde im Ruhrgebiet

Ich will Ihnen mitteilen, da auch noch in den letzten 14 Tagen eine
Anzahl Personen erschossen worden sind, ohne da man ein Gerichtsurteil
abgewartet htte. So ist mir mitgeteilt worden, da in Essen zwei
Personen, in Heien sechs Personen ohne Urteil erschossen wurden.
(Steinbrink, Preu. Landtag, 29. April 1920.)

Darauf antwortete der Minister des Innern, Severing:

Es ist richtig, da in Mhlheim, Duisburg, Essen und in anderen Orten
willkrliche Erschieungen durch Soldaten vorgekommen sind ... Die
Erschieungen von denen der Herr Abgeordnete Steinbrink gesprochen hat,
waren nicht Vollstreckungen von Todesurteilen, gefllt von
Standgerichten oder auerordentlichen Kriegsgerichten, sondern rein
willkrliche Erschieungen; irgendeine Truppe, die dazu keinen Auftrag
hatte, hat sich Leute herausgeholt, die im Geruch des Bolschewismus oder
Spartakismus standen, und derartige Leute sind ohne Federlesen in einer
ganzen Reihe von Stdten erschossen worden. Das ist amtliches Material,
das mir von den von mir eingesetzten Zivilkommissaren beweiskrftig
zugetragen worden ist.

Der Bergmann Jos. _Soyka_ aus Bottrop, Trewsstr. 77, hat in der
Sicherheitswehr bis zum 31. Mrz Dienst getan und dann seine Waffen
abgegeben. An Kmpfen hatte er nicht teilgenommen. Am 3. April morgens
wurde er von 4 Leuten der Marinebrigade Lwenfeld aus seinem Haus
herausgeholt. Nach einer Anfrage bei seinem Vorgesetzten lie ihn
Kapitnleutnant _Meyerhofer_ aus Kiel ohne Untersuchung erschieen. Ein
Verfahren ist nicht eingeleitet. Ein Zivilproze gegen den Militrfiskus
schwebt unter 5. O. 305/21 beim Landgericht Essen.

Der Bergarbeiter Paul _Graf_ und der Knappschaftslteste Paul _Langer_,
beide aus Duisburg-Beeck, wurden in der Nacht vom 4. auf 5. April 1920
von den Sipo-Wachtmeistern _Mehl_ und _Friedrich_ und einem dritten
Unbekannten ohne Haftbefehl aus ihren Wohnungen geholt und auf der
Flucht erschossen. Gegen beide lag nicht das geringste vor. Nach der
rztlichen Obduktion wiesen beide Verletzungen an Stirn und Brust auf.
Das Verfahren gegen die Tter schwebt.

_Rogowski_ aus Essen wurde beim Einrcken der Reichswehr am 6. April
1920 auf Grund einer Denunziation verhaftet und im Essener Rathause nach
einem kurzen Verhr zum Tode verurteilt und auf Befehl des
Gerichtsoffiziers Leutnant _Linsemeier_ durch den Feldwebel _Block_
erschossen. Der hinzugerufene Oberst v. Baumbach, der die grundlose
Erschieung nicht mehr verhindern konnte, hat der Familie sein Beileid
ausgesprochen und sie pekunir untersttzt. Gegen Block und Linsemeier
ist ein Verfahren wegen Mord eingeleitet. Block ist in Haft.

Joh. _Schrmann_ aus Essen, Holsterhauser Strae 1, und Engelbert _Kls_
aus Essen, Holsterhauser Strae 101, wurden am 6. April 1920 von
Mannschaften der 3. Marinebrigade ohne jeden Grund verhaftet,
mihandelt, nach Mhlheim berfhrt, dort von Leutnant _Sinnesheimer_
zum Tode verurteilt, und mit Kolben erschlagen. Der
Reichsmilitrfiskus wurde zum Schadenersatz verurteilt. (Aktenzeichen 8.
0. 611/20 des Landgerichts Essen, 3 U. 177/21 Oberlandesgericht Hamm.)
Gegen die Tter ist nichts veranlat.

Der Bergmann Friedrich _Lichtenauer_ in Essen-Borbeck, Ardelhtte 68 und
Hermann _Riesner_ in Essen, Kesselstr. 56, hatten, auf Veranlassung des
Brgermeisters Basel in Essen und mit Wissen der Reichswehr nach der
Auflsung der Roten Armee zwecks Verhtung von Plnderungen bis zum
Einzug der Reichswehr, versehen mit einer weien Armbinde und einem
Ausweis, gestempelt von der Stadt Essen, Sicherheitsdienst getan. Die
Reichswehr war davon benachrichtigt. Der Leutnant einer Patrouille,
Wilhelm _Goeke_ aus Schwelm, Klnerstr. 78, lie beim Einrcken am 6.
April 1920 beide erschieen. Angeblich wurde Lichtenauer auf der Flucht,
Reiner in Notwehr erschossen. Der Militrfiskus wurde in erster Instanz
zum Schadenersatz verurteilt. (3 U. 300/21 Oberlandesgericht Hamm.) Ein
Verfahren gegen Goeke ist eingestellt worden.

Hermann _Witschel_ aus Essen und ein gewisser _Rsner_, Mitglieder der
christlichen Gewerkschaften, waren als Freiwillige am 7. April 1920 in
die Reichswehr (Korps Ltzow, Abt. des Hauptmann _Schmidt_) eingetreten.
Zwei Tage darauf wurden sie als angebliche Spartakisten von ihren
Kameraden mit Kolben totgeschlagen, ausgeraubt und heimlich verscharrt.
Ein Zivilproze schwebt unter 8. 0. 559/20 beim Landgericht Essen.

Der Straenbahner Friedrich _Siek_ aus Altenessen, Bhmerheide 122,
wurde am 8. April 1920, morgens 1/2-4 Uhr von einem Wachtmeister und 2
Mann der Sipo ohne Haftbefehl verhaftet und 2 Minuten vom Hause entfernt
auf der Flucht erschossen. Gegen Siek lag nicht das geringste vor. Das
Verfahren gegen die beiden Tter ist eingestellt. (4. 0. 425/20
Landgericht Essen.)

Der Straenbahner Max _Maurer_, Essen, Rankestr. 26, hatte am 17. April
einen Heuwagen der Reichswehrtruppen versehentlich angefahren, wobei ein
Feldwebel der Marinebrigade _Lwenfeld_ unerheblich verletzt wurde. In
der folgenden Nacht wurde er von 20 Angehrigen der Marinebrigade
Lwenfeld, die in einem Lastauto von Bottrop kamen, verhaftet und auf
der Flucht erschossen. Gegen die Tter _Gaul_, _Grupat_ und _Fuchs_ ist
nichts veranlat. (Aktenzeichen 3 U. 343/21 Oberlandesgericht Hamm;
vergl. auch Seite 116.)

Der Schlosser _Borucki_ aus Bottrop, Weckelstr. 21, wurde in der Nacht
vom 24. zum 25. April 1920 von Angehrigen der Marinebrigade Lwenfeld
unter der Fhrung des Sergeanten _Adler_ verhaftet, ins Amtsgericht
Bottrop gebracht, dort mihandelt, aus seiner Zelle herausgeholt und in
einem angrenzenden Gerstenfeld trotz seines Flehens erschossen. Der
Reichsmilitrfiskus wurde zum Schadenersatz verurteilt. (Aktenzeichen 8.
0. 664/20 des Landgerichts Essen.) Gegen die Tter ist nichts veranlat.

Die Bergleute Rich. _Peledun_ (Vertrauensmann der U.S.P.D.) und Jos.
_Mainka_ aus Bottrop (Tgtisbeckstr. 15, bzw. Westringstrae 33) wurden
am 17. Mai von den Heereskriminalbeamten der Marinebrigade Lwenfeld,
_Grimm_ und _Eversberg_ in Bottrop auf Grund eines militrischen
Haftbefehls vom April 1920 verhaftet. Die Marinebrigade Lwenfeld war
damals lngst von Bottrop abgerckt. Der Haftbefehl, fr den der
Militrbefehlshaber berhaupt nicht zustndig war, htte daher
mindestens von der Polizeibehrde vollstreckt werden mssen. Gegen beide
lag nichts vor. Sie wurden mit der Bahn bis Paderborn transportiert und
dann nachts um 1/2-12 Uhr in einem Wald auf der Flucht erschossen, die
Leichen beraubt. Ein Verfahren gegen die Tter ist nicht erfolgt.

Kapitn von Lwenfeld, der Fhrer der nach ihm benannten Marinebrigade
wurde spter Kommandant eines neuerbauten kleinen Kreuzers. (Anfrage im
Reichstage, 17. Juni 1922.) Die Regierung antwortete darauf, Lwenfeld
sei fr die Vorkommnisse nicht verantwortlich. (Reichstag, 30. Juni 22.)

Am 1. April 1920 rckte die Reichswehr in Haltern ein. Aus Angst vor den
Schssen flchteten 14 Kanalarbeiter mit ihren Werkzeugen in den Keller
des Kolonialwarenhndlers _Meis_. Die Truppen drangen dort ein, und
tteten alle 15. Die Namen der Ermordeten sind: Aug. _Barth_ aus
Rothenburg (geb. 8. 6. 87), Aug. _Dann_ aus Rothenburg (15. 11. 97),
Karl _Edelmann_ aus Rothenburg (5. 2. 91), Leonhard _Frankenberger_ aus
Rothenburg (11. 5. 01), F. _Gler_ aus Fllhammer (29. 12. 92), Paul
_Gler_ aus Schweidnitz (9. 10. 97), Joh. _Hasenstab_ aus Rothenburg
(15. 3. 01), Georg _Helbling_ aus Reutlingen (7. 6. 91), Fr. _Hurzera_
(15. 5. 68), Th. _Ignazia_ aus Milzilmark (8. 12. 67), Fr. _Joppe_ aus
Ullersdorf (30. 7. 00), Rob. _Krimm_ aus Rothenburg (8. 6. 87), Rob.
_Riesbeck_ aus Honst (22. 3. 83), Gottl. _Rottenbcher_ aus Rothenburg
(8. 6. 87), Hndler Josef _Meis_.

Eine Ausgrabung am 7. Juli 1920 ergab, da bei 10 Leichen keine
Schuwunden vorhanden waren, aber die Schdel waren eingeschlagen und
die Hlse durchschnitten. Einige Leichen sind ohne Hosen und Schuhe
begraben worden. (Ludwig, Reichstag, 29. Juli 1920.) Die Namen der
verantwortlichen Offiziere wurden ermittelt. Da sie aber angeblich nicht
zu finden waren, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Eine Frau Kthe _Pintsch_ aus Witten a. d. Ruhr wurde erschossen, weil
sie angeblich einen Revolver im Strumpf verborgen hatte. Eine
Krankenschwester bezeugte, da sie der Frau einen Geldbetrag bergeben
hatte, den sie im Strumpf verbarg. Den Befehl zur Erschieung gab nach
Zeugenaussage (vgl. Sozialist, Nr. 10, 7. Juli 1921) der Leutnant
_Horst Kohl_ aus Mnchen, Leopoldstrae 238. Ein Verfahren gegen ihn ist
bisher nicht eingeleitet, obwohl die Zeugenaussagen natrlich sofort den
zustndigen militrischen Behrden bergeben wurden.

Der Anstreicher Friedrich Steinbi, wohnhaft Essen, Schlachthof,
berichtete am 10. April 1920 im Ruhrecho:

Am Donnerstag, den 8. April, spt nachmittags, wurden zwei Arbeiter,
angeblich Rotgardisten, auf dem Schlachthof durch Militr eingeliefert.
Aus dem Wachtraum hrte ich bald darauf Schreien, soda ich annahm, die
Verhafteten wrden geschlagen. Nach einiger Zeit, es war inzwischen
dunkel geworden, wurden die beiden Leute aus dem Wachtraum
herausgeschickt und entfernten sich in gewhnlicher Gangart. Der eine
ging durch die Tr in der Richtung nach der Stoppenbergerstrae, whrend
der andere ber den Hof an der Rampe vorbei sich der Eisenbahn zuwandte.
Als der erste etwa 30-40 Meter drauen vor dem Tore war, wurde er durch
einen Soldaten erschossen. Auch der zweite wurde kurze Zeit spter tot
aufgefunden. Die Soldaten behaupteten, beide htten einen Fluchtversuch
unternommen. Nach meiner Ansicht ist das ausgeschlossen. Beide sollen
nur Sicherheitsdienst getan haben.

Die Tter konnten nicht ermittelt werden. Der Oberstaatsanwalt in Essen
stellte das Verfahren ein. (Aktenzeichen 18 I 738/20.)

Man lese den Bericht des sozialdemokratischen Abgeordneten Osterroth
(Freiheit, 9. April 1920 und Ruhrecho, 20. April), die Rede des
Abgeordneten Obuch vom 24. November 1920 und die Broschre von Josef
Ernst Kapptage im Industriegebiet. Hierin sind eine Reihe von weiteren
Ermordungen im Ruhrgebiet zum Teil mit Namen aufgefhrt.


Ich kann fr ihn nicht garantieren

Am 1. April hatten in der Nhe von Hls in Westfalen Kmpfe zwischen
Angehrigen der roten Armee und Regierungstruppen stattgefunden. Im
Anschlu daran wurde ein Haus in Hls von der Reichswehr umstellt und
alle Bewohner herausgeholt. Sie waren smtlich waffenlos. Der Landjger
_Hachmeyer_ erklrte, da er fr alle Bewohner bis auf den Bergarbeiter
_Hlsbusch_ garantieren knne, da sie keine Spartakisten seien. Darauf
wurde Hlsbusch an die Wand gestellt und von einem Unteroffizier
erschossen. Seine Papiere wurden geraubt.

Wie in einem Beleidigungsproze des Hachmeyer gegen den Parteisekretr
der U.S.P. Herwig in Recklinghausen vor dem Schffengericht festgestellt
wurde, hatte Hlsbusch sich an den Kmpfen nicht beteiligt. Herwig wurde
wegen der Aussage, Hachmeyer sei Schuld am Tode des Hlsbusch, wegen
Beleidigung zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. (Freiheit, 24. April
1921, 20. Mai 1922.)

Die Witwe erhob Anspruch auf Grund des Tumultschadengesetzes, die in
erster Instanz abgewiesen wurden. Am 15. Mai 22 war Verhandlung vor dem
Reichswirtschaftsgericht als Beschwerdestelle. Die Beschwerde wurde
zurckgewiesen mit der Begrndung, die Erschieung sei berechtigt
gewesen, wenn Hlsbusch sich am Aufstand beteiligt htte. Darber, ob er
sich beteiligt htte, knne nicht auf Grund des Tumultschadengesetzes,
sondern nur in einem ordentlichen Proze gegen den Reichsfiskus
entschieden werden.


Linksmorde beim Kapp-Putsch

In der Gemeinde Kleinkugel bei Halle existierte eine Einwohnerwehr mit
14 Gewehren und einem Maschinengewehr. Whrend des Kapp-Putsches
forderten die Arbeiter von den Gutsbesitzern Herausgabe der Waffen. Auf
Anraten der Reichswehr versteckte der Gutsbesitzer _Walter_ die
Gewehrschlsser. Am 18. Mrz holte die Reichswehr die Gewehre ab. Am 19.
Mrz fuhr sein Sohn per Rad nach Halle, um Geld dorthin zu bringen. Er
nahm dabei die Gewehrschlsser mit. In Kanena wurde er von den Arbeitern
aufgehalten, die Gewehrschlsser wurden gefunden. Walter wurde zur Grube
Alwiner Verein als Gefangener gefhrt. Dort wurde ihm vorgeworfen, da
die Reichswehr auf sein Anraten Leute erschossen habe. Die Arbeiter
beschlossen darauf ihn zu tten und teilten ihm dies mit. Er wurde von
zwei Arbeitern zu einem Trockenschuppen gefhrt und dort um 3/4-10 Uhr
durch einen Kopfschu gettet. Der Arbeiter Rasch wurde bei der
Verhandlung freigesprochen, da Zeugen beschworen, da er nicht der
Mrder sei.

Am 21. Mrz 1920 kamen einige Kaliarbeiter aus Stafurt zu dem
Rittergutsbesitzer _Henze_ in Trebitz und verlangten Wagen, um nach
Halle fahren zu knnen. Die Bahn ging nmlich nur bis Wallwitz. Henze
weigerte sich zunchst. Bald darauf kamen 40 weitere Arbeiter mit
Handgranaten und entsicherten Gewehren. Henze und seine Schwester wurden
umringt. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel und Ttlichkeiten. Henze
erhielt einen Lungenschu und einen Kolbenschlag auf den Schdel, seine
Schwester einen Herzschu. Als Mrder des Henze wurde der Arbeiter Karl
_Felix_ aus Hechlingen, der den tdlichen Schlag getan, unter
Zubilligung mildernder Umstnde zu fnf Jahren Gefngnis und der
Kesselschmied Erich _Rolle_ aus Hechlingen zu 12 Jahren Zuchthaus, der
Mrder von Frulein Henze, der Arbeiter Karl _Steinbach_ aus Wallwitz,
ebenfalls zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der Reichswehrsoldat _Sametz_ wurde am 28. Mrz 1920 von der roten Armee
bei Dorsten gefangen genommen. Er wurde dem Maschinisten Gottfried
_Karuseit_ aus Gelsenkirchen als Abschnittskommandeur und Leiter der
Kmpfe in Dorsten vorgefhrt. Dieser lie ein Kriegsgericht, bestehend
aus den Kompagniefhrern, die zunchst erreichbar waren, bilden. Die
Kompagniefhrer verurteilten den Sametz (einen frheren Baltikumer)
wegen Spionage zum Tode. Karuseit, der sich spter selber als
Militrspitzel entpuppte, suchte die Leute zur Vollstreckung des Urteils
aus und lie Sametz noch in derselben Nacht erschieen. Ein Verfahren
gegen Karuseit wegen Mordes schwebt vor dem Schwurgericht Essen. (16.
aJ. 597/20.)

Ernst _Langensiepen_ aus Barmen wurde whrend der Herrschaft der roten
Armee im Gerichtsgefngnis in Essen eingeliefert. In der Nacht des 3.
April 20 wurde er von 4 Rotgardisten aus der Zelle geholt und im
sogenannten Leichenkeller erschossen. Die Tter sind geflchtet, die
Untersuchung schwebt noch. Langensiepen soll Militrspitzel gewesen und
deshalb zum Tode verurteilt worden sein.




INDIVIDUELLE MORDE


Verrter verfallen der Fehme

Hans _Hartung_ war in Halle und Mnchen unter den Kommunisten als
Spitzel ttig, gleichzeitig soll er geheime Waffenlager der bayrischen
Einwohnerwehr an die Entente verraten haben. In Zusmarshausen waren
Waffen der Einwohnerwehr von dem Rittmeister Gustav _Beurer_ unter
Mithilfe des Oberleutnants Dr. Josef _Berger_, des Amtsrichters
_Wanderer_ und des Bankbeamten Lorenz versteckt worden. Von Hartung
frchtete man Verrat. Anfang Mrz 1921 wurde seine Leiche bei
Zusmarshausen in einem Bach gefunden. Sie war im Auto dorthin gebracht
worden. Wahrscheinlich hat Beurer ihn ins Auto gelockt und zusammen mit
Berger erschossen. Die Leiche war mit Steinen beschwert, in eine vorher
von Berger und Wanderer ausgesuchte tiefe Stelle des Baches geworfen
worden. Berger, der sich im Rausch verraten hatte und Beurer wurden im
Mrz 22 verhaftet, bereits im Juni aber wegen Mangels an Beweisen
entlassen. (Berliner Tageblatt, 26. 3. 22, Mnchener Neueste
Nachrichten, 3. 6. 22.)

Das Dienstmdchen Maria _Sandmeier_ aus Mnchen, Tegernseerlandstrae
20, wurde am 6. Oktober 1920 im Forstenriederpark erdrosselt gefunden.
Die Leiche war im Auto dorthin geschafft worden. Die Sandmeier hatte
gedroht, dem Entwaffnungskommissar des Reichs ein Waffenlager anzugeben.
Als Tter wurde der Leutnant Hans _Schweighart_ vom Freikorps Oberland
in Innsbruck im Dezember 1921 verhaftet (Vossische Zeitung, 8. 12.
1921) und an Bayern ausgeliefert. Eine Verhandlung fand bisher nicht
statt.


Hans Paasche

Hans _Paasche_ war zuerst Offizier in den Kolonien und war unter den
Schrecken des Kolonialkrieges zum Pazifisten geworden. Whrend des
Krieges schwebte gegen ihn ein Hochverratsproze, weil er ein Flugblatt,
das ihm ein Agent provocateur im Auftrag der Polizei zustellte,
verbreitet hatte. (Wolfgang Heine, Deutsche Tageszeitung, 26. Oktober
1920.)

Paasche hatte in den ersten Tagen der Revolution eine Rolle gespielt,
sich aber dann auf sein Gut Waldfrieden in der Neumark zurckgezogen.
Auf Grund einer von Berlin ausgegangenen Denunziation, wonach bei ihm
die Waffen fr die kommunistische Kampforganisation untergebracht seien,
fand bei ihm am 22. Mai 1920 unter Fhrung des Oberleutnants _Koppe_
eine Haussuchung nach Waffen statt, die von 60 Soldaten unter Fhrung
von zwei Offizieren durchgefhrt wurde.

Paasche sa in Badehosen an seinem See und fischte, als der Gendarm
Wendland ihn bat, ins Schlo zu kommen, weil dort Herrschaften auf ihn
warteten. Ein Haftbefehl bestand nicht. Als Paasche die Postenkette
erblickte, wurde er mitrauisch, wandte sich um zu einem
Fluchtversuch. Gem dem Befehl, wonach sie zu schieen htten, wenn
eine festgenommene Person auf dreimaliges Haltrufen nicht stnde (amtl.
Bericht des Oberleutnants Koppe, Vossische Zeitung, 1. Juni 1920),
erschossen ihn die Soldaten. Den tdlichen Schu gab der Schtze
_Diekmann_ ab. Um Stimmung zu machen, berichtete das
Reichswehrschutzregiment in Deutsch-Krone am 25. Mai 1920 im Berliner
Tageblatt: Wie mitgeteilt wird, sollen bei Paasche eine grere Anzahl
Dumdumgeschosse gefunden worden sein. Diese haltlose Behauptung wurde
spter nicht mehr aufrecht erhalten. In den verschiedenen amtlichen
Berichten, insbesondere dem des Preuischen Ministeriums des Innern
(Berliner Tageblatt, 3. Juni 1920) wurde zugegeben, da absolut nichts
Belastendes gefunden wurde. Die Regierung versprach strengste
Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen. Die Untersuchung endete
folgendermaen:

  Herrn Viktor Frnkl, Justizrat, Berlin.

  Das Verfahren ist am 27. November 1920 eingestellt, weil eine
  strafbare Handlung nicht nachweisbar ist. Der Tod des Paasche ist
  auf ein Zusammentreffen nicht voraussehbarer unglcklicher
  Umstnde zurckzufhren, fr welche niemand strafrechtlich
  verantwortlich zu machen ist.

      Schneidemhl, den 6. Dezember 1920.

      Der Oberstaatsanwalt. Unterschrift: (unleserlich).

Eine Beschwerde hiergegen beim Generalstaatsanwalt wurde am 21. Februar
1921 abgewiesen.


Paul Hoffmann in Flensburg

Auf Grund der Angaben eines Spitzels namens Paul _Reichardt_ wurde der
Flensburger Kommunist Paul _Hoffmann_ am 28. Dezember 1920 auf Befehl
des Kommandeurs der Flensburger Sicherheitspolizei, Major _v. Plskow_,
verhaftet, weil er einen Putsch vorbereitet habe. Nachts wird er zur
Kaserne gebracht. Als er am Morgen ins Untersuchungsgefngnis gefhrt
werden sollte, hat Hoffmann angeblich dem Wachtmeister einen Sto vor
die Brust gegeben, um entfliehen zu knnen. Darauf habe die
Wachbegleitmannschaft nach dreimaligem Haltrufen zwei Schsse abgegeben.
Hoffmann war sofort tot. Eine strenge Untersuchung wurde von der
Regierung zugesagt. Major v. Plskow wurde strafversetzt. (Deutsche
Allgemeine Zeitung, 4. Januar 1921; Voss. Zeitung, 4. Januar 1921;
Minister Severing, Reichstag, 14. Januar 1921.) Sonst geschah nichts.


Wilhelm Slt

_Slt_, Fhrer der Elektrizittsarbeiter bei mehreren Streiks, wurde am
30. Mrz 1921 durch die politische Polizei (Abt. 1 A) in Schutzhaft
genommen. Als er am 1. April zur Vernehmung ins Polizeiprsidium
gebracht wurde, soll er nach dem amtlichen Bericht (Vossische Zeitung,
1. April) dem Beamten einen Sto versetzt haben und die Treppe
hinaufgesprungen sein, worauf der Beamte, _Janike_, zweimal auf ihn
scho und ihn in die Leber und Nieren traf. Slt erklrte seinem
Rechtsanwalt Dr. Weinberg auf dem Totenbett, er habe weder den Beamten
gestoen, noch sei er geflohen. Als Slt am Boden lag, wurde er von
einem Polizeioffizier mit dem Ruf: Verrecke, Du Aas (Das Tagebuch,
9. April), mit Fen getreten. Zunchst wurde er einfach auf einer
Pritsche liegen gelassen. Um 1/2-5 Uhr kam Dr. Eylenburg, wurde aber
nicht vorgelassen mit der Begrndung, Slt sei schon in der Charit.
Erst um 7 Uhr abends kam er dorthin. Vor der Operation hatte er schon
1-1/2 Liter Blut verloren (Prof. Lubarsch). Am 2. April, morgens 4 Uhr,
starb er. Gegen alle Vorschriften wurde die Leiche bereits am Vormittag
seziert. Dr. Klauber, der verabredungsgem an der Sektion teilnehmen
sollte, fand die Leiche bereits seziert vor. Es fehlten smtliche
Eingeweide, so da ber die Art der Verletzung durchaus nichts mehr
festgestellt werden konnte. Zu meiner groen berraschung war die Stelle
der Einschuwunde herausgeschnitten. Durch die voreilige Sektion war
die Mglichkeit einer weiteren Aufklrung beseitigt. Eine Bestrafung
wegen dieses Falles ist nicht erfolgt. (Vergl. Preuische
Landesversammlung vom 18. April, Berliner Stadtverordnetenversammlung
vom 23. April, B.Z. am Mittag, 8. April, Eingehende Darstellung im
Tagebuch, 9., 23., 30. April, 14. Mai.)


Max Hlz

Im Mrz 1921 brach in Mitteldeutschland ein Aufstand aus. Die Schuld
daran lag im wesentlichen bei den Kommunisten. _Hlz_ war militrischer
Fhrer einer sogenannten Roten Armee. Zu ihrem Unterhalt nahm sie eine
Reihe von Requisitionen vor; auch wurden Gebude in die Luft
gesprengt. Zu dem Rittergutsbesitzer _He_ in Roitschenhagen kam Hlz
mit einem bewaffneten Haufen und verlangte Geld und Mntel. He sagte
zuerst zu, lief dann einige Schritte fort. Es entstand ein Tumult, in
dem He durch mehrere Schsse umkam. Genaueres darber, wer alles
geschossen hatte, war nicht zu ermitteln. Die Zeugen widersprachen sich.
Das Gericht unterstellte es als wahr, da Hlz unntiges Blutvergieen
vermeiden wollte, und verurteilte ihn zu lebenslnglichem Zuchthaus.
Nach der Urteilsbegrndung steht fest, da Hlz sich an der Ttung des
Gutsbesitzers He beteiligt hat. Das Gericht hat jedoch das Moment der
Ueberlegung verneint. Es liegt also Totschlag vor. (Prozeberichte in
allen Berliner Zeitungen, 13. bis 23. Juni 1921.)


Die Schupo in Mitteldeutschland

Als wegen der Mrzunruhen 1921 eine Abteilung der Dsseldorfer
Schutzpolizei sich Klostermansfeld nherte, ging ihr der
stellvertretende Gemeindevorsteher Paul _Mller_ (Kommunist) entgegen,
erklrte, im Orte sei alles ruhig, und zog an der Spitze der Polizisten,
zusammen mit dem Hauptmann, der das Kommando fhrte, in den Ort ein.
Obwohl er die Arbeiter ausdrcklich gewarnt hatte, wurde aus dem Ort
geschossen, wobei Mller natrlich ebenfalls bedroht war. Am Nachmittag
wurde Mller aufgefordert, sich bei dem Hauptmann der Schutzpolizei zu
melden, was er tat. Um 9 Uhr abends wurde er in Einzelhaft genommen. Am
Morgen des 27. Mrz wurde er auf der Chaussee nach Leinbach, etwa 150
Meter vom Orte entfernt, erschossen aufgefunden. Das Gefngnis, in das
er angeblich gebracht werden sollte, lag in einer ganz andern Richtung.
Die Leiche zeigte am Kopfe Spuren von Mihandlungen.

Das Verfahren wurde am 21. April 1921 eingestellt, da Mller
wahrscheinlich auf der Flucht erschossen worden sei, spter jedoch
wieder aufgenommen. (Aktenabschrift in meinem Besitz.)

Die im folgenden dargestellten Flle beruhen auf den Verhandlungen des
Untersuchungsausschusses der preuischen Landesversammlung betr. die
Unruhen in Mitteldeutschland vom November 1921. Dabei hat sich u. a.
herausgestellt, da in keinem dieser Flle ein Verfahren durch den
Staatsanwalt eingeleitet worden war.

In Querfurt wurden am Ostermontag, 28. Mrz, nach entsetzlichen
Mihandlungen die Gefangenen _Peter_, der Lagerhalter des Konsumvereins
_Straube_ (Kommunist) und ein Dritter erschossen.

Die Tter gehrten zur Dsseldorfer Schupo unter dem Grafen _Poninski_.
Der Konsumverein wurde ausgeplndert.

In Besenstedt wurden der Sanitter Kurt _Herzau_ und der Arbeiter Gustav
_Thieleke_, in Bischofsrode am 1. Ostertag acht Gefangene, darunter der
Knecht _Pawlack_ aus Helbra und der Bergmann _Weiner_ und ein gewisser
_Dietrich_ durch Dsseldorfer Polizisten, in Schraplau am 2. Ostertag
sechs Gefangene, darunter Martin _Deutsch_, _Mller_, _Poblentz_ und
_Trautmann_, in einem Kalkofen erschossen.

Bei der Einnahme des Leunawerkes sahen die Offiziere bei den
Mihandlungen durch Oberwachtmeister Heim und andere Sipoleute zu: Einem
Gefangenen, bei dem eine Pistole gefunden worden war, wurde der Schdel
eingeschlagen, soda das Gehirn an die Wand spritzte. Ein anderer mute
sich selbst erschieen. Insgesamt wurden 9 Leute umgebracht, darunter
_Lederer_, _Isecke_ und _Zillmann_. In Mitteldeutschland war kein
Standrecht verhngt worden. In keinem Fall hat eine Bestrafung
stattgefunden.


Wie eine Erschieung auf der Flucht insceniert wird

Whrend des Mrzaufstandes 1921 kam die Merseburger Polizeihundertschaft
am 31. Mrz durch Grbers. Dort wurden ihnen von anderen Truppen die
Leichen der verstmmelten Beamten gezeigt, die dort gefallen waren. So
wurden sie zu Morden aufgestachelt. Der kommunistische Ortsvorsteher von
Osmnde, _Mosenhauer_, war verhaftet worden. Auf der Strae nach
Schkeuditz wurde er vom Auto geholt, unter furchtbaren Schlgen auf den
Kopf ins Feld getrieben und von dem nicht zur Bewachungsmannschaft
gehrigen Wachtmeister Rudolf _Bhm_ auf der Flucht erschossen.

In seiner ersten Vernehmung am 28. April 1921 durch den Regierungsrat
Dr. Kielhorn war Bhm gestndig. Er sagte aus: als ich sah, da der
Ortsvorsteher bers Feld _ging_, ri ich einem neben mir stehenden
Beamten den Karabiner weg und scho, in der Annahme, da er fliehen
wolle. Ich hatte nicht Halt gerufen.

Nach der Aussage des Oberwachtmeisters Lichtenberg vor dem
Untersuchungsausschu des Preuischen Landtages wurde Mosenhauer zweimal
absichtlich auf das Feld geschickt, damit man ihn erschieen knne. Beim
ersten Mal gingen zufllig einige Telegraphenarbeiter vorbei, deshalb
wurde er wieder zurckgerufen. Als die Zeugen sich entfernt hatten,
schickte man Mosenhauer das zweite Mal hinaus. Er ging zgernd und sich
hufig umwendend. Der Schu fiel, als er das Gesicht nach der Strae
zuwendete. Die tdliche Wunde erhielt er an der linken Brustseite vorn.
Die Leiche lag mit dem Gesicht zum Auto. Am 31. Oktober 1921 wurde Bhm
vor dem Schwurgericht Halle (Anklagevertreter Staatsanwaltschaftsrat
Luther, Vorsitzender Landgerichtsdirektor Thorwest) freigesprochen.
(Vergl. Erich Kuttner: Der Freispruch eines Gestndigen. Die Glocke,
1. Mai 1922. Untersuchungsausschu 29. Oktober 1921.)


Karl Gareis

Karl _Gareis_ war Abgeordneter der U.S.P.D. im bayerischen Landtag. Er
hatte sich verhat gemacht durch seinen Kampf gegen die Einwohnerwehr
und durch Aufdeckung einer Spitzelaffre, bei der ein gewisser Dobner
wegen angeblichen Verrats eines Waffenlagers an die Entente von
Studenten beinahe umgebracht worden war. Am 10. Juni 1921 wurde er
nachts auf dem Heimweg vor seiner Wohnung erschossen. Zur Erklrung der
Tat beachte man den Brief Meier-Koys, des frheren Vorsitzenden der
bayerischen Knigspartei. Danach ist der zweite Landeshauptmann der
bayerischen Einwohnerwehren, Kanzler, der Ansicht: Die Verrter sind
umzubringen, und zwar unter Hinterlassung eines Merkmals, das die Motive
der Tat zweifelsfrei erscheinen lt. Der Fhrer braucht bei der
Ausfhrung nicht ngstlich zu sein. Hinter ihm (Kanzler) stehe der
Ministerprsident (Reichstag, 17. Juni 1921). Als Tter kommt der oben
auf Seite 64 genannte Leutnant _Schweighart_ in Betracht. Wenigstens
wurde dies bei seiner Auslieferung von den sterreichischen Behrden
vermerkt. (Vergl. auch S. 138.)


Kriminalwachtmeister Buchholz

Die Hundertschaft zur besonderen Verwendung untersttzte die
aufrhrerischen Truppen im Baltikum, indem sie durch Bestechungen von
Eisenbahnbeamten den Transport von Geld dorthin ermglichte. Beim
Kapp-Putsch stellte sie sich sofort auf die Seite der einrckenden
Marinebrigade. Trotzdem blieb sie unangefochten. Im Sommer 1920 wurde in
ihr der geheime Bund der Ringmannen unter Hauptmann Stennes gebildet,
der zahlreiche Waffen vor der Ablieferung versteckte. Eine Durchsuchung
verlief ergebnislos, da die Hundertschaft vorher gewarnt worden war.
Ueber die vermutlichen Verrter der Waffenschiebung wurde nachts ein
Geheimgericht gehalten. (Vergl. Berliner Tageblatt, 10. September 1921.)
_Buchholz_ bezahlte auf Gehei seiner Vorgesetzten bis in die Tausende
gehende Betrge an Zivilangestellte, d. h. Spitzel.

Man befrchtete von Buchholz eine Aufdeckung dieser Vorgnge. Am 13.
Juni 1921 wurde er in der Schlokaserne Charlottenburg tot aufgefunden.
Angeblich hat er wegen Unterschlagung Selbstmord begangen. Doch konnte
eine Unterschlagung nicht nachgewiesen werden. Nach dem Gutachten des
Gerichtssachverstndigen, Medizinalrat Dr. Strmer (Frankfurter
Zeitung, 18. August 1921), handelte es sich bestimmt um Ttung durch
dritte Hand. Die Untersuchung gegen die Hundertschaft wurde zunchst
niedergeschlagen, da von Zeugen, die unter stndiger Bedrohung seitens
der Hundertschaft stehen, wahrheitsgeme Angaben nicht zu erwarten
seien. (Mitteilung des Polizeiwachtmeisters Asmus, Berliner
Tageblatt, 24. Juli 1921.)

Am 2. Dezember 1921 wurden die Wachtmeister _Erren_ und _Meyer_ von der
Anklage des Mordes freigesprochen. (Prozeberichte in allen Berliner
Zeitungen.) Erren war im Zimmer gewesen, zum telephonieren, als der
zum fortgehen angezogene Buchholz aus einer Entfernung von ber 30 cm
von hinten die Kugel durch den Kopf, angeblich von eigener Hand,
empfing.


Erzberger

Als _Erzberger_ am 26. Januar 1920 das Gerichtsgebude in Moabit
verlie, feuerte der Schler und Fhnrich a. D. Oltwig _v. Hirschfeld_
auf ihn zwei Schsse ab, die ihn schwer verletzten. Bei der Vernehmung
erklrte er, Erzberger sei ein Schdling und habe wissentlich gegen
Deutschland gearbeitet. Er erklrte, seine Kenntnisse ber Erzberger aus
einer Broschre Helfferichs zu besitzen. Hirschfeld wurde am 21. Februar
1920 wegen Krperverletzung zu 1 Jahr 6 Monate Gefngnis verurteilt.
(Prozebericht in allen Berliner Zeitungen.)

Erzberger hatte sich, um den Ausgang seines Prozesses mit Helfferich
abzuwarten, aus dem ffentlichen Leben zurckgezogen. Am 26. August 1921
wurde er bei einem Spaziergange im Badeorte Griesbach im Schwarzwald von
zwei jungen Leuten berfallen und erschossen. Sein Begleiter, der
Abgeordnete Dietz, wurde verwundet. Als er schon am Boden lag,
vergewisserten sich die Mrder durch weitere Schsse (im ganzen 12), da
er tot sei. Dann entflohen sie.

Als man nach den mglichen Ttern suchte, stellte sich heraus, da
Hirschfeld bereits am 27. April 1921 angeblich wegen Krankheit aus dem
Gefngnis auf vier Monate beurlaubt worden war und nicht zurckgekehrt
war. (Berliner Tageblatt, 30. August 1921.) Er benutzte seinen Urlaub
zu vielstndigen Radpartien. Zur Zeit der Begehung der Tat hielt er sich
im benachbarten Calmbach auf. Er wurde in Berlin ermittelt und verbte
ab 10. September den Rest seiner Strafe. (Frankfurter Zeitung, 15.
September 1921.) Dann wurde er fr geisteskrank erklrt, aus der
psychiatrischen Klinik in Freiburg wieder entlassen, zuletzt aber doch
zur Absitzung der Strafe verhaftet. (Berliner Tageblatt, 18. Mai 1922,
Lokal-Anzeiger, 10. Mai 1922.)

Als Mrder wurden die in Mnchen wohnhaften Heinrich _Schulz_ und
Heinrich _Tillessen_ ermittelt. Beide sind frhere Offiziere, dann kamen
sie in den Stab der Marinebrigade Ehrhard, (Berliner Tageblatt, 21.
September 1921.) Zuletzt arbeiteten sie in der Landwirtschaftlichen
Zentralgenossenschaft bei Geheimrat Heim. Sie sind Mitglieder des
Deutschvlkischen Schutz- und Trutzbundes, der Arbeitsgemeinschaft
Oberland, die frher in Oberschlesien als Freikorps war, und einer
deutschnationalen Geheimorganisation, der Organisation C (Mitteilung des
badischen Staatsprsidenten Dr. Trunk, 22. September 1921.)

Ziele der Organisation waren: Weiterverbreitung des nationalen
Gedankens, Bekmpfung des Internationalismus, des Judentums und Sammlung
entschlossener Mnner. Verrter verfallen der Fehme. Die Mitglieder
waren zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Schulz und Tillesen besaen
falsche Psse auf den Namen Trost und Schwind. Sie flchteten nach
Ungarn. Als sie in Budapest eine Depesche an den Rechtsanwalt Adolf
Mller in Mnchen aufgaben, wurden sie erkannt und verhaftet, aber auf
telephonische Anordnung des Oberstadthauptmanns Dr. Hetheny wieder
freigelassen. Vergl. Aussage des Kriminalinspektors Schumacher im
Offenburger Proze (Berliner Tageblatt, 9. Juni 1922.)

Der frhere Kapitnleutnant Manfred _v. Killinger_, der Vorgesetzte von
Schulz und Tillessen in der Organisation C (offiziell: Bayerische
Holzverwertungsgesellschaft) wurde angeklagt, den Mrdern Beistand
geleistet zu haben. Er hatte nmlich ihre Koffer in Verwahrung genommen,
Briefe in Empfang genommen und auch nach dem Mord mit beiden verkehrt.
Killinger war ursprnglich Offizier gewesen, dann kmpfte er gegen die
bayerische Rte-Republik, machte den Kapp-Putsch mit und besetzte das
Reichswehrministerium. Nach seiner Verhaftung fand man bei ihm einen
Versuch einer Paflschung. Am 13. Juni 1922 wurde er vom Schwurgericht
Offenburg freigesprochen (Berichte in allen Berliner Zeitungen).

Die einzige Verurteilung, die bis jetzt in der Erzbergersache erfolgte,
betrifft den verantwortlichen Redakteur des Offenburger Tageblatts,
Franz Huber. Dieser wurde nmlich, weil er Teile der Anklageschrift
verffentlicht hatte, zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt. (Berliner
Tageblatt, 17. August 1922.)


Walter Rathenau

Als Rathenau, Minister des Aeueren, am 24. Juni 1922 von seiner Villa
im Grunewald ins Auswrtige Amt fahren wollte, wurde sein Auto von einem
andern, von Ernst Werner _Techow_ (21 Jahre) geleiteten Auto, in dem der
Oberleutnant a. D. Erwin _Kern_ und Hermann _Fischer_ saen, berholt.
Kern und Fischer schossen mit einer Maschinenpistole auf Rathenau und
warfen eine Handgranate auf ihn. Rathenau war sofort tot. Das Auto
hatten die Groindustriellen Johann und Franz _Kchenmeister_ aus
Freiberg in Sachsen, Mitglieder des Deutschen Schutz- und Trutzbundes,
zur Verfgung gestellt. Die drei erstgenannten waren frher Mitglieder
der Brigade Ehrhardt, dann der Organisation C und waren am Kapp-Putsch
beteiligt gewesen. Die Maschinenpistole hatte Christian Ilsemann (21
Jahre), Sekretr des Schutz- und Trutzbundes in Schwerin, geliefert. Der
angebliche Leutnant Willy _Gnther_ (27 Jahre), ein Psychopath und
Deserteur, hatte den Plan mit ausgearbeitet und die Garage vermittelt.
Er war Mitglied des Bundes der Aufrechten, des Deutschbundes, des
Deutschen Offiziersbundes und des Deutschnationalen Jugendbundes. Auf
einem Nestabend dieses Bundes lie er sich als Mrder Rathenaus
feiern. In seinem Besitz befanden sich Briefe von Helfferich,
Ludendorff, Jagow und Oberst Bauer. Einer der zehn Briefe Ludendorffs
enthielt unter anderm die Worte: Lieber Gnther und: mit herzlichem
Gru?. Beihilfe leistete der Gymnasiast Hans Gerd _Techow_ (16 Jahre).
Der ehemalige Kadett Ernst _v. Salomon_ (20 Jahre) vermittelte die
Verbindung mit Waldemar _Niedrig_ (22 Jahre), der ursprnglich das Auto
lenken sollte. Das Auto stand in Berlin bei den Garagebesitzern
_Schtt_ und _Diestel_.

Nach der Tat erzhlte Techow ihnen: Die Sache hat geklappt. Rathenau
liegt. Wir haben es getan, um die Roten zum Angriff zu reizen. Uns ging
das Geld aus. Dann fuhr er in seinen Tennisklub. Techow floh dann auf
das Gut seines Onkels Behrens. Von diesem wurde er der Polizei
bergeben. Behrens erhielt darauf eine Menge Drohbriefe.

Kern und Fischer wurden nach langem Suchen am 18. Juli auf der Burg
Saaleck bei Bad Ksel in der Wohnung des Schriftstellers Dr. Hans
Wilhelm _Stein_ von der Polizei gestellt. Kern fiel bei der Schieerei
mit den Beamten, Fischer erscho sich selbst.

Am 3. Oktober 1922 begann die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof in
Leipzig. Gnther bekam eine Sendung von Pralinen, die mit Arsen
vergiftet waren. Er gab davon den andern Angeklagten, mit denen er
whrend der Verhandlung verkehren durfte. Zum Teil erkrankten sie daran.
Die Absender konnten nicht festgestellt werden. Am 14. Oktober wurden
wegen Beihilfe zum Mord Ernst Werner Techow zu 15 Jahren Zuchthaus und
10 Jahren Ehrverlust, Hans Gerd Techow zu 4 Jahren und 1 Monat
Gefngnis, Gnther zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust,
Niedrig und von Salomon zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 bzw. 4 Jahren
Ehrverlust, Ilsemann wegen Versto gegen die Waffenordnung, Schtt und
Diestel wegen Begnstigung zu je 2 Monaten Gefngnis, Tillessen und
Plaas wegen Nichtanzeige eines drohenden Verbrechens zu 3 bzw. 2 Jahren
Gefngnis verurteilt. E. W. Techow wurde von der Anklage der
Mittterschaft freigesprochen. (Vorsitzender Dr. Hagens, Staatsanwalt
Dr. Ebermayer.)

Gegen Tillessen schwebt noch eine Untersuchung wegen Beihilfe bei dem
Attentat auf Scheidemann und wegen der Befreiung der Kriegsverbrecher
Boldt und Dittmar. Auf die Organisation C wurde bei der Beweisaufnahme
nicht nher eingegangen. Das Verfahren gegen Dr. Stein und gegen den
Kapitnleutnant a. D. Wolfgang _Dietrich_, der den Ttern auf der Flucht
neue Anzge verschafft hatte, schwebt noch. Johann Kchenmeister, bei
dem ein Waffenlager gefunden worden war und einer der Beteiligten,
Gnther _Brandt_ sind flchtig. Das Verfahren gegen den 17 jhrigen
Primaner _Stubenrauch_, der als erster den Plan gehabt hatte, Rathenau
zu ermorden, wurde eingestellt. Er besucht weiter sein Gymnasium in
Steglitz. (Berichte in allen Berliner Zeitungen.)

Im folgenden sind alle bisher behandelten Morde in tabellarischer Form
zusammengestellt.

DIE VON RECHTS BEGANGENEN POLITISCHEN MORDE

      ================================================================
      L.  | Datum,                | Name des       | Name des        |
      Nr. | Name des              | Verantwort-    | Ausfhren-      |
          | Getteten,            | lichen,        | den,            |
          | Art der Ttung        | Schicksal      | Schicksal       |
      ====+=======================+================+=================+
        1 | 11. I. 19             | Major          | Weber,          |
          | _W. Fernbach_         | Franz v.       | Seltzer         |
          | _W. Heise_            | Stephani       | keine           |
          | _W. Mller_           | keine          | Anklage         |
          | _K. Grubusch_         | Anklage        |                 |
          | _E. Kluge_            |                |                 |
          | _A. Schttler_        |                |                 |
          | _Wackermann_          |                |                 |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        8 | 15. I. 19             | H. v. Pflugk-  | Hr. v. Pflugk-  |
          | _Dr. K. Liebknecht_   | Hartung        | Hartung,        |
          |  auf der Flucht     | freigesprochen | Stiege,         |
          |                       |                | Lippmann,       |
          |                       |                | Ritgen,         |
          |                       |                | Schulze         |
          |                       |                | Friedrich       |
          |                       |                | freigesprochen  |
          |                       |                | Krull 3 Mon. G. |
          |                       |                | Bracht 500 M.   |
          |                       |                | Geldstrafe      |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        9 | 15. I. 19             | Oberl. Vogel,  | Oberltn. Vogel, |
          | _Dr. Rosa Luxemburg_  | Vogel entkom.  | Jg. Runge      |
          | gelyncht            |                | Runge 2 J. Gef. |
          |                       |                | 2 Wochen Haft   |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       10 | 17. I. 19             | Sasse          | 2 Trainsoldaten |
          | _R. Jordan_           | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _H. Merx_             |                |                 |
          | _v. Lojewski_         |                |                 |
          | _Milkert_             |                |                 |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       14 | 19. II. 19            | unbekannt      | Heuer           |
          | _Fulneczek_           | unbekannt      | freigesprochen  |
          | angebl. Notwehr       |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       15 | 21. II. 19            | unbekannt      | Blumberg        |
          | _M. Steinicke_        | unbekannt      | Verf. eingest.  |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       16 | 21. II. 19            | --             | Graf Arco       |
          | _Kurt Eisner_         | --             | Valley          |
          | willkrl. Erschieung |                | lebensl. Fest.  |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       17 | 7. III. 19            | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Adolf Riga_          | keine Anklage  | keine Anklage   |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       18 | 8. III. 19            | unbekannt      | Arth. Schneider |
          | _Abr. Melichowitz_ u. | keine Anklage  | Ad. Arndt       |
          | _ein Matrose_         |                | je 1 Jahr 6 Mo- |
          | _Peters_              |                | nate Zuchthaus  |
          | im Gef. gelyncht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       21 | 10. III. 19           | Wachtmstr. E.  | unbekannt       |
          | _Leo Jogisches_       | Tamschik       | keine Anklage   |
          | _Dorrenbach_          | Z. Ltn.        |                 |
          | auf der  Flucht     | befrd.        |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       23 | 10. III. 19           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _H. Galuska_          | keine Anklage  | keine Anklage   |
          | _K. Friedrich_        |                |                 |
          | _O. Werner_           |                |                 |
          | auf der  Flucht     |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       26 | 11. III. 19           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Richard Borchard_    | keine Anklage  | keine Anklage   |
          | angebl.  Standrecht   |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       27 | 11. III. 19           | Oberst         | Offizierstellv. |
          | _Bonczyk_             | Reinhard       | Penther         |
          | _Brandt_              | Hptm.          | Ltn. Marloh     |
          | _Biertmpel_          | v. Kessel      | Marloh 3 Mon.   |
          | _Bursian_             | Reinhardt      | Fest. u. 30 M.  |
          | _Dehn_                | nicht          | Geldstr., Pen-  |
          | _Deubert_             | angeklagt      | ther z. Ltn.    |
          | _Ferbitz_             | v. Kessel      | befrdert       |
          | _R. Gppe_            | freigesprochen |                 |
          | _Handwohl_            |                |                 |
          | _Harder_              |                |                 |
          | _A. Hintze_           |                |                 |
          | _H. Hintze            |                |                 |
          | _Hinze_               |                |                 |
          | _Jakubowsky_          |                |                 |
          | _O. Kanneberg_        |                |                 |
          | _Kuhle_               |                |                 |
          | _Kutzner_             |                |                 |
          | _Lewitz_              |                |                 |
          | _H. Lietzau_          |                |                 |
          | _Maszterlerz_         |                |                 |
          | _Mrbe_               |                |                 |
          | _Pobantz_             |                |                 |
          | _Rsner_              |                |                 |
          | _Schulz_              |                |                 |
          | _Ulbrich_             |                |                 |
          | _Weber_               |                |                 |
          | _Zieske_              |                |                 |
          | _Zhlsdorf_           |                |                 |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       55 | 12. III. 19           | unbekannt      | Vizew. Marcus   |
          | _Sloveck_             | kein Verfahren | freigesprochen  |
          | _E. Dahle_            |                |                 |
          | _K. Becker_           |                |                 |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       58 | 12. III. 19           | Lt. S. Winter  | unbekannt       |
          | _P. u. A. Daenschel_  | Verfahr. ein-  | keine Anklage   |
          | angebl. Standrecht    | gestellt       |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       60 | 12. III. 19           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Otto Hauschild_      | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | angebl. Standrecht    |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       61 | 12. III. 19           | Oberl. Wecke   | Vizew. Marcus   |
          | _Alfred Musick_       | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       62 | 12. III. 19           | unbekannt      | Ritter          |
          | _Piontek_             | kein Verfahren | u. Wendler      |
          | willkrl. Erschieung |                | Ritter 3 J.     |
          |                       |                | Gef., Wendler   |
          |                       |                | freigsp.        |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       63 | 12. III. 19           | Leutnant Baum  | Alex. Khler    |
          | _Joh. Mller_         | freigesprochen | kein Verfahren  |
          | angebl.  Standrecht   |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       64 | 13. III. 19           | Leutnant Baum  | unbekannt       |
          | _Wilh. Bilski_        | Verf. eingest. | keine Anklage   |
          | angebl.  Standrecht   |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       65 | 13. III. 19           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Paul Biedermann_     | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Hans Gottschalk_     |                |                 |
          |willkrl. Erschieung  |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       67 | 13. III. 19           | Hauptmann Poll | unbekannt       |
          | _Berthold Peters_     | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | angebl. Standrecht    |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       68 | 13. III. 19           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Georg Fillbrandt_    | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Paul Szillinski_     |                |                 |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       70 | 13. III. 19           |                |                 |
          | _Abrahamsohn_         | unbekannt      | Lt. Czekalla    |
          |                       | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Wallmann_            | Rtm.           | Lt. Czekalla    |
          | angebl.  Standrecht   | v. Oertzen     | Verf. schwebt   |
          |                       | Verfahr. schw. |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       72 | 30. IV. 19            | Gen. v. Oven   | --              |
          | _1 Zivilist_          | kein Verfahren | kein Verfahren  |
       73 | 1. V. 19              | (v. Gagern     | Diegele 5 Woch. |
          | _36 Zivilisten_       | 200 M.)        | Gefngnis       |
      109 | 2. V. 19              |                |                 |
          | _103 Zivilisten_      |                |                 |
      212 | 3. V. 19              |                |                 |
          | _16 Zivilisten_       |                |                 |
      228 | 4. V. 19              |                |                 |
          | _7 Zivilisten_        |                |                 |
      235 | 6. V. 19              |                |                 |
          | _21 kath. Gesellen_   | Hptm. v.       | Jakob Mller    |
          | tdlich  verungl.   | Sutterheim,    | Makowski        |
          | (Namen in der         | Offizier-      | je 14 Jahre     |
          | Tabelle Seite 43)     | stell. Paul    | Zuchthaus       |
          |                       | Priebe         | Grabasch,       |
          |                       | Verf. eingest. | Latosi          |
          |                       |                | 1 J. Gef.,      |
          |                       |                | 10 J. Zhs.      |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      256 | 21. III. 20           | Kapt. Bebbel   | Ltn. Kubich     |
          | _A. Futran_           | keine Unters.  | keine Unters.   |
          | _W. Drre_            |                |                 |
          | _Fritz Kegel_         |                |                 |
          | _K. Wienecke_         |                |                 |
          | _K. Gratzke_          |                |                 |
          | angeblich Standrecht  |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      261 | 13. III. 20           | Oberl. Schmitz | unbekannt       |
          | _Schottlnder_        | Unters.        | Unters.         |
          | gelyncht              | erfolgl.       | erfolgl.        |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      262 | 13. III. 20           | Lt. Kaufmann   | unbekannt       |
          | _Demmig_              | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Schramm_             |                |                 |
          | _Boronow_             |                |                 |
          | _Romane_              |                |                 |
          | willk. Ttung         |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      266 | 15. III. 20           | Obtlt. Mller  | unbekannt       |
          | _Hoffmann_            | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Bhm_                |                |                 |
          | _Herkenrath_          |                |                 |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      269 | 17. III. 20           | Baron v.       | Freikorps       |
          | _Wittke_              | Brandenstein   | Robach         |
          | _Steinfurth_          | Verf. einge-   | Verf. einge-    |
          | angebl. Standrecht    | stellt         | stellt          |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      271 | 18. III. 20           | Rittergutsbes. | Freikorps       |
          | _Slomski_             | Bachmann       | Robach         |
          | angebl. Standrecht    | Verf. einge-   | Verf. einge-    |
          |                       | stellt         | stellt          |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      272 | 18. III. 20           | Rittm.         | unbekannt       |
          | _Puffpoff_            | Obernitz       | kein Verfahren  |
          | gelyncht              | kein Verfahren |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      273 | 18. III. 20           | Rittm.         | unbekannt       |
          | _Grbler_             | Obernitz       | Verf. schwebt   |
          |angebl. Standrecht     | Verf. schwebt  |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      274 | 18. III. 20           | Stefan und     | unbekannt       |
          | _Dunn_                | Peter          | keine Anklage   |
          | _Schlieker_           | v. Lefort      |                 |
          | _Berg_                | Verf. schwebt  |                 |
          | _Khler_              |                |                 |
          | _Gerber_              |                |                 |
          | angebl. Notwehr       |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      279 | 19. III. 20           | Ltn. Simon (?) | Bender          |
          | _H. Litzendorf_       | Verf. eingest. | Verf. eingest.  |
          | auf der  Flucht     |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      280 | 19. III. 20           | Ltn. Meinecke  | unbekannt       |
          | _Seidel_              | keine Unters.  | keine Unters.   |
          | in Notwehr            |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      281 | 20. III. 20           | Ltn. Thormann  | Harlinghausen   |
          | _Paul Jahnke_         | freigesprochen | Verf. eingest.  |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      282 | 25. III. 20           | Ltn. Gbel     | Engelbrecht,    |
          | _Hornschuh_           | freigesprochen | Jahn, Kraus,    |
          | _Hartmann_            |                | Herhaber, Sch- |
          | _Dll_                |                | ler, Nebelmann, |
          | _Patz_                |                | Blume, Vlker,  |
          | _3 Fldner_           |                | Vo, Lange      |
          | _2 Soldau_            |                | freigesprochen  |
          | _Wedel_               |                |                 |
          | _Rssiger_            |                |                 |
          | _2 Schrter_          |                |                 |
          | _Rosenstock_          |                |                 |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      296 | 24. III. 20           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Tierarzt Neubert_    | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      297 | 24. III. 20           | --             | Ltn. Schtz     |
          | _Weigelt_             | --             | freigesprochen  |
          | angebl. Notwehr       |                | Ltn. Jansen     |
          |                       |                | keine Anklage   |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      298 | 1. IV. 20             | Hachmeyer      | unbekannt       |
          | _Hlsbusch_           | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | angebl. Standrecht    |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      299 | 1. IV. 20             | unbekannt      | unbekannt       |
          | _A. Barth_            | Verf.          | Verf.           |
          | _E. Dann_             | eingestellt    | eingestellt     |
          | _K. Edelmann_         |                |                 |
          | _L. Frankenberger_    |                |                 |
          | _Fr. Glsser_         |                |                 |
          | _P. Glsser_          |                |                 |
          | _J. Hasenstab_        |                |                 |
          | _G. Helbing_          |                |                 |
          | _F. Hurzera_          |                |                 |
          | _Th. Ignasiak_        |                |                 |
          | _Fr. Joppe_           |                |                 |
          | _R. Krimm_            |                |                 |
          | _R. Riesbeck_         |                |                 |
          | _G. Rottenbcher_     |                |                 |
          | _Meis_                |                |                 |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      314 | 3. IV. 20             | Kap.-Ltn.      | unbekannt       |
          | _Jos. Soyka_          | Meyerhofer     | kein Verfahren  |
          | angeblich. Standrecht | kein Verfahren |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      315 | 5. IV. 20             | unbekannt      | Wachtm. Mehl    |
          | _Paul Graf_           | Verf. schwebt  | Friedrich       |
          | _Paul Langer_         |                | Verf. schwebt   |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      317 | 6. IV. 20             | Lt. Linsemaier | Block           |
          | _Rogowski_            | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | angebl.   Standrecht  |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      318 | 6. IV. 20             | Ltn. Sinnes-   | unbekannt       |
          | _Joh. Schrmann_      | heimer         | kein Verfahren  |
          | _Eug. Kls_           | kein Verfahren |                 |
          | angebl. Standrecht    |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      320 | 6. IV. 20             | Ltn. Goeke     | unbekannt       |
          | _Fr. Lichtenauer_     | Verf. eingest. | kein Verfahren  |
          | a. d. Flucht        |                |                 |
          | _Herm. Riener_       |                |                 |
          | angebl. Notw.         |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      322 | 9. IV. 20             | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Herm. Witschel_      | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | _Rsner_              |                |                 |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      324 | 8. IV. 20             | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Fr. Sieck_           | Verf. eingest. | Verf. eingest.  |
          | auf der  Flucht     |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      325 | 17. IV. 20            | unbekannt      | Gaul, Grupat,   |
          | _Max Maurer_          | kein Verfahren | Fuchs           |
          | auf der Flucht      |                | kein Verfahren  |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      326 | 25. IV. 20            | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Br. Borucki_         | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      327 | 17. V. 20             | unbekannt      | Grimm,          |
          | _Rich. Peledun_       | kein Verfahren | Eversberg       |
          | _Jos. Mainka_         |                | kein Verfahren  |
          | auf der Flucht      |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      329 | --                    | Ltn. Horst     | unbekannt       |
          | _Kthe Pintsch_       | Kohl           | kein Verfahren  |
          | willkrl. Erschieung | kein Verfahren |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      330 | 22. V. 20             | Oberl. Koppe   |Schtze          |
          | _Hans Paasche_        | Verf. eingest. | Diekmann        |
          | auf der Flucht      |                | Verf. eingest.  |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      331 | 6. X. 20              | unbekannt      | Lt. H. Schweig- |
          | _Marie Sandmeier_     | Verf. schwebt  | hart            |
          | willkrl. Erdrolung  |                | Verf. schwebt   |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      332 | 28. XII. 20           | Maj.           | unbekannt       |
          | _Paul Hoffmann_       | v. Plskow     | Verf. eingest.  |
          | auf der Flucht      | Verf. eingest. |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      333 | 4. III. 21            | unbekannt      | Rittm. Beurer   |
          | _Hans Hartung_        | Verf. schwebt  | Oberl. Berger   |
          | willkrl. Erschieung |                | Verf. schwebt   |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      334 | 26. III. 21           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Paul Mller_         | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | a. d. Flucht        |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      335 | 27. III. 21           | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Herzau_              | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | _Thielecke_           |                |                 |
          | _Pawlack-             |                |                 |
          | _Weiner_              |                |                 |
          | _Dietrich_            |                |                 |
      340 | 28. III. 21           |                |                 |
          | _Peter_               |                |                 |
          | _Straube_             |                |                 |
          | _Deutsch_             |                |                 |
          | _Mller_              |                |                 |
          | _Poblentz_            |                |                 |
          | _Trautmann_           |                |                 |
          | _Lederer_             |                |                 |
          | _Isecke_              |                |                 |
          | _Zillmann_            |                |                 |
          | angebl.  Standrecht   |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      349 | 31.III. 21            | --             | Unterof.        |
          | _Mosenhauer_          | --             | R. Bhm         |
          | a. d. Flucht        |                | freigesprochen  |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      350 | 30. III. 21           | unbekannt      | Janicke         |
          | _Wilh. Slt_          | kein Verfahren | Verf. schwebt   |
          | a. d. Flucht        |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      351 | 10. VI. 21            | Lt.            | unbekannt       |
          | _Karl Garels_         |Schweighart?    | Unters. schwebt |
          | willkrl. Erschieung |Unters. schwebt |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      352 | 13. VI. 21            | Hptm. Stennes? | Erren (?),      |
          | _Buchholz_            | kein Verfahren | Meyer (?)       |
          | angebl. Selbstmord    |                | freigesprochen  |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      353 | 26. VIII. 21          | unbekannt      | H. Schulz, H.   |
          | _M. Erzberger_        | Unters.        | Tillessen       |
          | willkrl. Erschieung | schwebt        | Unters. schwebt |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
      354 | 24. VI. 22            | unbekannt      | E. W. Techow,   |
          | _W. Rathenau_         | kein Verfahren | Kern u.         |
          | willkrl. Erschieung |                | Fischer,        |
          |                       |                | Gnther, Gerd   |
          |                       |                | Techow, Brand,  |
          |                       |                | Niedrig,        |
          |                       |                | v. Salomon,     |
          |                       |                | Ilsemann,       |
          |                       |                | Schtt,         |
          |                       |                | Diestel,        |
          |                       |                | Tillessen,      |
          |                       |                | Plaas           |
          |                       +----------------+                 |
          |                       | Kern gefallen, Fischer Selbstm.  |
          |                       | W. Techow 15 J. Zth., G. Techow  |
          |                       | 4 J. 1  Mon. Gef., Gnther 8 J.  |
          |                       | Zth., Niedrig, v. Salomon je 5   |
          |                       | J. Zth., Ilsemann, Schtt,       |
          |                       | Diestel je 2 Mon. Gef.,          |
          |                       | Tillessen 3 J. Gef., Plaas       |
          |                       | 2 J. G.                          |
      ================================================================
       =Gesamtzahl: 354 politische Morde von rechts=
      ================================================================
       =Gesamtshne: 90 Jahre, 2 Monate Einsperrung,
        730 M. Geldstrafe und 1 lebenslngliche Haft=
      ================================================================

DIE VON LINKS BEGANGENEN POLITISCHEN MORDE

      ================================================================
      L.  | Datum,                | Name des       | Name des        |
      Nr. | Name des              | Verantwort-    | Ausfhren-      |
          | Getteten,            | lichen,        | den,            |
          | Art der Ttung        | Schicksal      | Schicksal       |
      ====+=======================+================+=================+
        1 | 13. II. 19            | --             | O. Albrecht     |
          | _Kohlmann_            | --             | K. Arnold       |
          | willkrl. Erschieung |                | Albrecht        |
          |                       |                | lebensl.        |
          |                       |                | Zuchthaus       |
          |                       |                | Arnold lebensl. |
          |                       |                | Z.              |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        2 | 21. II. 19            | --             | nicht ermittelt |
          | _Abg. Osel_           | --             | Lindner 14 J.   |
          | willkrl. Erschieung |                | Z. Frisch       |
          |                       |                | 3-1/2 J.        |
          |                       |                |  Gefngnis      |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        3 | 21. II. 19            |--              | Metzger         |
          | _Major v. Gareis_     |--              | Lindner         |
          | angebl. Notwehr       |                | Merkert 1-1/2   |
          |                       |                | M. Gefngnis    |
          |                       |                | Schlund 2 Mon.  |
          |                       |                | Gefngnis       |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        4 | --                    | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Max Weinberger_      | kein Verfahren | kein Verfahren  |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
        5 | 30. III. 19           | Eglhofer,      | Josef Seidl,    |
          | _F. K. v. Teuchert_   | Fritz Seidel   | Kammerstdter,  |
          | _F. W. v. Seydlitz_   | Eglhofer will- | Schickelhofer,  |
          | _F. Linnenbrgger_    | krlich        | Kick, Gsell,    |
          | _Walter Hindorf_      | erschl.        | Hannes, Huber,  |
          | _Prof. Ernst Berger_  | Fritz Seidel   | Hesselmann,     |
          | _Sekr. Daumenlang_    | z. Tode        | Lermer, Wiedl,  |
          | _Hella v. Westarp_    | verurteilt     | Fehmer, Przer, |
          | _W. Neuhaus_          |                | Riedmayer       |
          | _W. Deicke_           +----------------+                 |
          | _Prinz Thurn u.       | Josef Seidl, Schickelhofer,      |
          |  Taxis_               | Kammerstdter, Wiedl, Przer,    |
          | als Repress.          | Fehmer, Walleshauser z. Td.      |
          | willkrl. erschossen  | verurteilt                       |
          |                       | Kick, Gsell, Hesselmann, Lermer, |
          |                       | Hannes, Huber, Riedmayer, Debus, |
          |                       | Strelenko und Greiner zu je 15   |
          |                       | Jahre Zuchth.                    |
          |                       | Rotter 7 J. Z.                   |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       15 | 25. IV. 19            | Rich. Ks, Gg. | Blechinger,     |
          | _Ernst Lacher_        | Graf, Radl     | Ebert, Essig,   |
          | angebliches           | Ks 6 J.       | Vogl,           |
          | Standrecht            | Zuchth.        | Mhlbauer,      |
          |                       | Graf 12 Jahre  | Anzenberger     |
          |                       | Zuchth., Radl  | Vogl 4 J.       |
          |                       | stdrechtl.     | Zuchthaus,      |
          |                       | ersch.         | Mhlbauer 3-1/2 |
          |                       |                | J. Zuchthaus    |
          |                       +----------------+                 |
          |                       | Anzenberger 1 J. 6 Mon. Gef.     |
          |                       | Ebert, Blechinger, Essig je 3    |
          |                       | J. Gefngnis                     |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       16 | 2. VIII. 19           | Polizeiagent   | unbekannt       |
          | _Polizeiag. Blau_     | Toifl?         | (Hoppe)         |
          | erdrosselt            | kein Verfahren | Hoppe 6 J. Z.   |
          |                       |                | Winkler 3 J. G. |
          |                       |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       17 | 19.III. 20            | unbekannt      | unbekannt       |
          | _Gutsbesitz. Walter_  | Verf. eingest. | Verf. eingest.  |
          | willkrl. Erschieung |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       18 | 21. III. 20           | --             | Felix, Rolle,   |
          | _Gutsbesitz. Henze    | --             | Steinbach       |
          |  u. Schwester_        |                | Felix 5 J.      |
          | willkrl. Erschieung |                | Gef., Rolle und |
          |                       |                | Steinbach 12    |
          |                       |                | Jahre Zuchthaus |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       20 | 28. III. 20           | G. Karuseit    | unbekannt       |
          | _Sametz_              | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | angebl.               |                |                 |
          | Standrecht            |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       21 | 3. IV. 20             | unbekannt      | unbekannt       |
          | _E. Langensiepen_     | Verf. schwebt  | Verf. schwebt   |
          | angebl.               |                |                 |
          | Standrecht            |                |                 |
      ----+-----------------------+----------------+-----------------+
       22 | 30. III. 21           | Max Hlz       | unbekannt       |
          | _Gutsbesitzer He_    | Lebensl.       | --              |
          | willkrl. Erschieung | Zuchth.        |                 |
      ================================================================
       =Gesamtzahl: 22 Morde von links=
      ================================================================
       =Gesamtshne: 10 Erschieungen, 248 Jahre, 9 Monate
        Einsperrung, 3 lebenslngliche Zuchthausstrafen=
      ================================================================

DIE FORMEN DER POLITISCHEN MORDE

      =====================================================
      Tdlich verunglckt | 184 | Als Repressalie |  10 |
                            |     | erschossen
      ----------------------+-----+-----------------+-----+
      Willkrlich           |  73 | Willkrlich     |   8 |
      erschossen            |     | erschossen      |     |
      ----------------------+-----+-----------------+-----+
      Auf der Flucht       |  45 |                       |
      erschossen           |     |                       |
      ----------------------+-----+-----------------+-----+
      Angebliches           |  37 | Angebliches     |   3 |
      Standrecht            |     | Standrecht      |     |
      ----------------------+-----+-----------------+-----+
      Angebliche            |   9 | Angebliche      |   1 |
      Notwehr               |     | Notwehr         |     |
      ----------------------+-----+-----------------+-----+
      Im Gefngnis oder     |   5 |                       |
      Transport gelyncht    |     |                       |
      ----------------------+-----+                       |
      Angeblicher           |   1 |                       |
      Selbstmord            |     |                       |
      =====================================================
      Summe der von         | 354 | Summe der von   |  22 |
      Rechtsstehenden       |     | Linksstehenden  |     |
      Ermordeten            |     | Ermordeten      |     |
      =====================================================

DIE SHNE DER POLITISCHEN MORDE

      ===========================================================
      | Politische Morde                           | Gesamtzahl |
      +============================================+======+     +
      | begangen       | von            | von             |     |
      |                | Linksstehenden | Rechtsstehenden |     |
      +================+-----+          |           +-----+     |
      | Gesamtzahl der Morde |       22 |       354 |       376 |
      +----------------------+----------+-----------+-----------+
      | davon ungeshnt      |  4       | 326       | 330       |
      +----------------------+----------+-----------+-----------+
      | teilweise geshnt    |  1       |  27       |  28       |
      +----------------------+----------+-----------+-----------+
      | geshnt              | 17       |   1       |  18       |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Zahl der             |       38 |       24  |           |
      | Verurteilungen       |          |           |           |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Gestndige Tter     |       -- |       23  |           |
      | freigesprochen       |          |           |           |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Gestndige  Tter    |       -- |        3  |           |
      | befrdert            |          |           |           |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Dauer der            | 15 Jahre |  4 Monate |           |
      | Einsperrung          |          |           |           |
      | pro Mord             |          |           |           |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Zahl der             |       10 |        -- |           |
      | Hinrichtungen        |          |           |           |
      +----------------------+----------+-----------+           |
      | Geldstrafe           |       -- | 2 Papier- |           |
      | pro Mord             |          | mark      |           |
      ===========================================================




NICHT AUFGENOMMENE TTUNGEN


Wie bereits in der Einleitung hervorgehoben, macht die vorliegende
Sammlung keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Zunchst habe ich
natrlich alle Krperverletzungen weggelassen, die nicht tdlich
ausgingen, wie z. B. den Ueberfall auf _von Gerlach_, Dr. Magnus
_Hirschfeld_, die Attentate auf den Abgeordneten _Auer_, auf
_Scheidemann_, _Harden_ usw., bei denen der Mordversuch offenkundig war.

Ferner habe ich in die Sammlung nicht aufgenommen:

1. Die Opfer von Demonstrationen, Straenkmpfen und von Lynchungen
durch eine erregte Menge, wie sie vielfach z. B. whrend der Mrzunruhen
in Berlin, whrend des Kapp-Putsches und im Rheinland vorgekommen sind.
Whrend des Kapp-Putsches wurden Hunderte von Arbeitern durch die
meuternden Truppen und auch manche Soldaten durch Arbeiter erschossen.
So fiel z. B. Hauptmann _Bertold_ im Straenkampf gegen die Arbeiter von
Harburg. Von anderen Opfern von Unruhen seien kurz erwhnt: die 20 in
Knigshtte am 2. Januar 1919 erschossenen streikenden Arbeiter, die 5
durch die Garde-Kav.-Schtzendivision in der Weinmeisterstrae im
Februar 1919 Erschossenen, die 34 in der Kpenicker Strae in Berlin im
Mrz 1919 erschossenen Kommunisten, die 5 Reichswehrsoldaten, die durch
die Baltikumer in Soest im Juni 1920 erschossen wurden. Zuletzt die 2
durch die auf Borkum stationierte Kstenwehr am 31. Dezember 1920
Erschossenen. Von der linken Seite stehen dem u. a. eine Reihe von
Lynchungen gegenber, die durch eine erregte Menge vorgenommen wurden,
z. B. der Fall des schsischen Kriegsministers _Neuring_ und des
Oberstleutnants _v. Klber_ in Halle, die Flle am Wasserturm in Essen,
am Rathaus in Schneberg usw.

2. Alle Flle, wo die erschieende Partei behauptet, da sie von der
Menge angegriffen wurde, gleichgltig, ob dies nachweisbar ist oder
nicht. Daher habe ich nicht behandelt: die Erschieung von 17
Arbeitslosen in Breslau am 13. Februar 1919, die Erschieung des
Arbeiters Hermann _Mark_ in der Mllerstrae in Berlin am 3. Oktober
1919, die Erschieung eines Kriegsbeschdigten in Spandau am 12.
Dezember 1919, die Erschieungen von 42 Demonstranten vor dem Reichstag
am 13. Januar 1920, die Erschieung des Arbeiters _Jusselbeck_ bei einer
Versammlung in Oberhausen am 16. Februar 1920.

3. Alle Ermordungen, denen keine deutschen innerpolitischen Motive
zugrunde liegen, also alle Erschieungen in Oberschlesien, ferner die
Ermordung des franzsischen Sergeanten _Mannheim_, die Ermordung eines
polnischen Kommunisten _Krner_ (Rozenblum) durch einen anderen Polen in
der Petersburgerstrae in Berlin, und von verschiedenen Trken durch
Armenier. Endlich alle Flle, wo es sich wahrscheinlich um einen
persnlichen Racheakt handelte, wie die Ermordung des Abgeordneten
_Haase_ durch _Vo_ und die Ermordung des Studenten _Kahn_ in
Baden-Baden.

4. Alle Flle, wo die Erschieung auf Grund eines kriegsgerichtlichen
Urteils erfolgte, weil hierbei meistens wenigstens das formale Recht
gewahrt blieb. Daher ist die Erschieung von _Levin_ nicht aufgenommen.
Dagegen habe ich die Erschieungen in Kpenick gebracht, da es sich hier
meines Erachtens um Justizmorde handelt. Natrlich habe ich auch
diejenigen Flle erwhnt, wo standrechtliche Erschieungen durch
meuternde Truppen auf Grund der Verordnungen Kapps vorgenommen wurden.

5. Alle Flle, in denen es mir nicht gelungen ist, gengend Material zu
bekommen. Hierunter fllt die Erschieung eines Sanitters Hans _Mller_
in der Neuenburger Strae in Berlin am 11. Januar 1919, die Erschieung
von _Pieser_ in Spandau am 11. Januar 1919, des Kommunisten _Meseberg_
in Halle am 24. Mrz 1919, die Erschieung des Arbeiters _Pludra_ im
Mrz 1919 in Halle a. S. durch den Freiwilligen Hans _Haneling_ auf
Befehl des Oberleutnants _Kornalewski_ (Feld-Art.-Reg. 45) und des
Fhrers der 2. Streifkompagnie des Freikorps Halle _Huberti_ alias
_Roth_, ungefhr 50 willkrliche Erschieungen whrend der Mrzunruhen
in Berlin, z. B. die des Soldaten _Neese_ am 12. Mrz 1919, die
Erschieung des Willi _Bressert_ in Kottbus am 2. August 1919, die
Erschieung des Kommunisten _Hammer_ in Remscheid im September 1919, die
Erschieung des 20 jhrigen August _Kluwig_ durch den Vizefeldwebel
_Moemann_ (6. Kompagnie des Freikorps Schtz) bei Hamborn im Mrz 1920,
die Erschieung des 19 jhrigen Wilhelm _Blke_ in Adlershof am 19. Mrz
1920, die Erschieung der Arbeiter Paul _Reinke_ und Emil _Dagner_ am
22. Mrz 1920 auf Befehl des Major _Klo_ durch den Leutnant _Schefler_
in Wesel, die Ermordung von Arbeitern durch Reichswehrsoldaten in
Schallenberg und Tunzenhausen im Mrz 1920, die Erschieung eines
Arbeiters in Parin bei Grevesmhlen am 20. Mrz 1920 auf Befehl des
Wirtschafters des Gutes Oberhof, eine Reihe von Ermordungen von Brgern
bei Halle im Mrz 1920, nmlich des Bergrats Dr. _Vogelsang_ in Eisleben
am 16. Mrz, des Brgermeisters von Osterfeld, des Rittergutsbesitzers
_Barth_ in Poserna, des Pastors _Niehus_ in Burg Liebenau am 20. Mrz,
des Landesjgers _Herr_ in Teutschenthal, des Schriftstellers _Schott_
in Langenberg-Reu, des Freiherrn _von Knigge_ in Endorf, die Ermordung
des Brgermeisters _Jaeckel_ in Osterfeld durch Kommunisten, die
Erschieung des bolschewistischen Kuriers Paul _de Mott_ am 5. April
1920 im Gefngnis Wesel durch den ihn bewachenden Gefreiten
_Getischorek_ auf der Flucht und die Ermordung des Arbeiters Karl
_Schluck_ am 15. April 1920 in Altenbochum durch Angehrige des
Freikorps Epp; ferner die Erschieung des Arbeiters Otto _Haase_ am 9.
Juni 1921 in Berlin.

Selbst nach dieser scharfen Auswahl sind noch die geschilderten Flle
brig geblieben.




ZUR SOZIOLOGIE DER

POLITISCHEN MORDE

DAS WERDEN DER DEUTSCHEN FFENTLICHEN MEINUNG


Wenn man sich die oben geschilderten Morde und die noch schrecklichere
Klassenjustiz ins Gedchtnis ruft, so drngt sich die Frage auf: Wie
sind solche Dinge in einem frher so geordneten Land mglich, das sicher
zu den fhrenden Kulturnationen unserer Zeit gehrt und das nach seiner
Verfassung eine freiheitliche, demokratische Republik ist?

Um dies zu untersuchen, mssen wir die historische Bedingtheit, das
Werden dieses heutigen Geistes verfolgen. Drei Phasen sind dabei zu
unterscheiden: Die Entwicklung vor dem Krieg, die whrend des Krieges
und die nach dem 9. November 1918.

Schon vor dem Kriege hat Deutschland, wenn auch nicht ganz mit Recht,
den Ruf besessen, ein militrisches, d. h. halb feudalistisches Land zu
sein, das gegenber den westlichen Demokratien im Rckstand sei. Dieser
Auffassung widersprechen die sozialen Einrichtungen Deutschlands und die
auerordentlichen Leistungen seiner Wissenschaft und Technik. Begrndet
ist diese Auffassung zunchst durch den berwiegenden Einflu des
Militrs auf Staat und Gesellschaft, dann aber auch durch die
grundstzlich negierende Stellung, die Deutschland gegenber den Haager
Konferenzen eingenommen hat. Es bleibe unerrtert, inwieweit diese
Versuche einer Pazifizierung der Welt tatschlich mglich und
aussichtsreich waren. Worauf es ankommt, ist, da durch diese Haltung
die Meinung entstanden ist, da Deutschland ein militaristisches Land
sei. Diese Weltauffassung hat auch in der Tat die Auenpolitik in
wichtigen Momenten, z. B. in der Frage der Schiedsgerichtsbarkeit
entscheidend beherrscht.


Drei Ursachen des Militarismus

Als Hauptursachen dieser Einstellung wird man in Krze folgendes
anfhren knnen.

(a) Die Entstehung Preuens auf einem Kolonialgebiet, wo eine
ursprnglich dnne deutsche Oberschicht eine breite slavische
Unterschicht beherrschte, und die ungnstige Lage Deutschlands machten
frher einen groen militrischen Aufwand ntig. Schon zur
Rechtfertigung seiner eigenen Existenz mute dann das Militr die
Mglichkeit der Erhaltung des Friedens auf einem andern Wege als dem
der Rstung auch in Zeiten leugnen, wo dieser Weg nicht mehr
wirkungsvoll, sondern umgekehrt sogar schdlich war.

(b) Gerade die relative Neuheit des deutschen Einheitsstaates, der ganz
zu Unrecht als eine Erfllung der demokratischen Trume der 48er
hingestellt wurde, untersttzte die Wirksamkeit dieser Ideologie. Die
brgerliche Revolution von 48 hatte den nationalen Gedanken betont,
nicht im Sinne des heutigen Imperialismus, sondern als ein
freiheitliches Gegengewicht gegen die herrschende dynastische
Staatsauffassung. Das Volk und nicht die Frsten sollten es sein, worauf
sich der Staat aufbaue. Den nationalen Gedanken, der ohne seinen
sozialen Inhalt nur eine leere Form blieb, bernahm Bismarck als ein
Mittel zur Machtvergrerung der Dynastie Hohenzollern und so konnte die
Fiktion entstehen, das Reich von 1870 sei eine Fortsetzung der
revolutionren, demokratischen Tendenzen von 1848. Blut und Eisen htten
das von oben verwirklicht, was das revolutionre Brgertum von unten
nicht hatte vollenden knnen. So wird der Militarismus knstlich mit
einem idealen Schimmer umkleidet.

(c) Der groe wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach 1870 wurde
nicht als eine Folge des Fallens der inneren Zollschranken und der
gleichzeitig berall steigenden Konjunktur, sondern als eine Folge des
militrischen Sieges aufgefat. Daher bleiben die Offiziere, die
Begrnder der deutschen Gre, auch im Frieden die gesellschaftlich
magebende Schicht. Ein Staat aber, in dem das Militr, sei es direkt,
sei es durch das Reserveoffiziersunwesen, herrscht, mu seiner Natur
nach kriegerisch auftreten.

Wir sehen also, da das Brgertum in Deutschland, das als Trger einer
Demokratie in Betracht kam, selbst seinen Feind, den Militarismus
sttzte.


Zur Kriegsschuld

Die Auffassung aber, wonach Deutschland whrend langer Jahre nur davon
getrumt habe, ber die brige, demokratisch und friedlich gesinnte
Welt herzufallen, um sie zu erobern, ist falsch. Will man von einer
deutschen Schuld sprechen, so mte man folgende drei Gesichtspunkte
unterscheiden: (a) Die Schuld des herrschenden Wirtschaftssystems
berhaupt, das den Krieg und seine Vorbereitung zu einem fr gewisse
besitzende Klassen lohnenden Geschft macht. Der Anteil Deutschlands
hieran bestand z. B. in dem Ausbau des Dumping-Systems, der unsinnigen
Marokko-Politik usw.; (b) die Schuld der deutschen Diplomaten, die im
unbedingten Glauben an Blut und Eisen in den Julitagen von 1914 alle
friedlichen Mittel solange verwarfen, bis sie den Krieg unvermeidbar
gemacht haben; (c) eine Schuld des ganzen deutschen Volkes, das den
Krieg als etwas Herrliches, Begeisterungswrdiges empfand.

Wenn ganz Deutschland den Krieg ursprnglich unbedingt bejahte, so darf
man auch hierin nicht einen Beweis des militrischen Eroberungswillens
sehen. Der Glauben, von Ruland berfallen zu sein und die Meinung,
tatschlich die europische Kultur gegen die Barbarei verteidigen zu
mssen, war allgemein verbreitet. Der Krieg gegen Frankreich wurde mit
der bekannten Lge der Fliegerbombe von Nrnberg begrndet, die
allgemein geglaubt wurde. Der Ueberfall auf Belgien schien nur die
berechtigte Abwehr gegenber einem angeblichen frheren Einmarsch der
Franzosen.


Die Lgentechnik der Presse

Die unorganisierte Verbreitung von Lgen wich bald einer systematischen
Irrefhrung der ffentlichen Meinung.

Die Mittel hierzu waren Zensur, Belagerungszustand und Schutzhaft.
Offiziell erstreckte sich die Zensur nur auf militrische
Angelegenheiten. Daher hat man alles Politische als militrisch
betrachtet. Beinahe tglich wurden den Redaktionen Richtlinien, Befehle
oder Verbote zugesandt. Mehrmals wchentlich wurde eine
Pressekonferenz gehalten, um die richtigen Nachrichten zu lancieren
und um zu verhindern, da sich eine selbstndige ffentliche Meinung
bildete. Der Sinn der Anweisungen war stets: So und so verhlt es sich,
aber so und so wnschen wir es dargestellt (manchmal hie es sogar
wrtlich so). Sorgfltig wurde verhllt, da es berhaupt eine Zensur
gebe. Hierzu diente auch das Verbot, von der Zensur gestrichene Stellen
wei zu lassen, was in allen anderen Lndern erlaubt war. Wurden im
Reichstag Uebergriffe von Zensoren errtert, so strich der betreffende
Zensor in lokalen Berichten die ganzen Mitteilungen darber (Reichstag
30. Mai 1916). Jahrelang hat man jede Theaterauffhrung, jede
wissenschaftliche und knstlerische Bemerkung, jede Annonce, ja jedes
Witzblatt sorgfltig darauf geprft, wie sie auf die Stimmung des Volkes
wirken. Jahrelang hat man verboten, gewisse unliebsame Ereignisse und
die Namen gewisser unbeliebter Persnlichkeiten berhaupt nur zu
erwhnen, soda das Volk nicht einmal erfuhr, da es Menschen gab, die
protestierten. Umgekehrt hat man gewisse Halbgtter fr sakrosankt
erklrt. Die oberste Heeresleitung, eine durch und durch politische
Organisation, durfte nicht in den Bereich der Diskussion gezogen werden.

Auch ber die Meinungen der Presse wurde das Volk vllig irregefhrt.
Man zwang die gesamte Presse, Regierungsmeinungen als redaktionelle
Aeuerungen einzusetzen, ohne da die Presse die Mglichkeit irgend
welcher Kritik hatte.

Beim Ueberschreiten auch nur einer der vielen Zensurbestimmungen drohte
den Zeitungen Verbot auf Tage, Wochen oder bis zum Kriegsende, den
Redakteuren die schrfsten Strafen. (Reichstag, 28. Oktober 1916.) War
ein Blatt mit all diesen Mitteln noch nicht klein zu kriegen, so kam es
unter Vorzensur. Die Zensurbeschwerden mit allem, was dazu gehrt, wie
Belagerungszustand und Schutzhaft, fllen Tausende von Seiten der
Reichstagsberichte. Zur Zensur kamen dann noch die vielen kleinen
Mittel, die der Regierung zur Verfgung stehen. Regierungstreue Organe
wurden bei der Papierverteilung besonders bercksichtigt, die Redakteure
der oppositionellen Bltter eingezogen. Neue oppositionelle Bltter
durften nicht erscheinen. Man grndete Korrespondenzen, die umsonst
abgedruckt werden durften (z. B. deutsche Kriegsnachrichten) und hatte
so eine regierungstreue Provinzpresse.


Die Knebelung der ffentlichen Meinung

Abgesehen von der Presse hat man zur vaterlndischen Lgenpropaganda das
Theater, das Kino, das Plakat, das Trambahnbillett, die
Zndholzschachtel, selbst das Abortpapier herangezogen. Mit allen
Mitteln wurde die ffentliche Meinung unterdrckt.

Durch Schreibverbot, Schutzhaft, Einziehung zum Militr und Hilfsdienst,
Redeverbot, Zwangsaufenthalt, geheime Brief- und Telephonzensur hat man
unbequeme Leute mundtot gemacht. Ohne Mglichkeit einer Rechtfertigung
saen Tausende in Schutzhaft. Ein dichtes Netz von Spitzeln und Agents
provocateurs umgab jedes politische Leben (Reichstag, 31. Oktober 1916).
Durch Versammlungsverbote verhinderte man, da der Volkswille
manifestiert wurde. Unbeliebte Reichstagsabgeordnete durften nicht zu
ihren Whlern sprechen. Gleichzeitig wurde den dadurch Betroffenen
untersagt, das Verbot bekanntzugeben, soda es aussehen mute, als wenn
sie sich zu anderen Ansichten bekehrt hatten. Wurde eine Schrift
beschlagnahmt oder eine Organisation aufgelst, so wurde gleichzeitig
jede Mitteilung hierber verboten. Nicht nur gegen Einzelne ist man so
vorgegangen, dem ganzen Elsa-Lothringischen Landtag ist verboten
worden, ber die Lebensfrage des Landes zu sprechen, nmlich ber seine
knftige verfassungsmige Stellung (Reichstag, 6. und 26. Juni 1918).

Systematisch wurde die Denunziation gezchtet. Der tapfere Leiter dieses
Reichskrieges war der Polizeidirektor Henniger von der Abteilung Ia des
Polizeiprsidiums. (Am 9. November entflohen, jetzt wieder im Amt.) Den
Denkwilligen entzog man jedes Tatsachenmaterial. Geburt und Grab,
Unglcksflle und Verbrechen, Streiks, Volkskundgebungen, alles hat man
unterschlagen. Nicht bekannt werden durfte z. B. die Zahl der im Kriege
oder in der Heimat Gestorbenen, die Zahl des Geburtenrckganges, die
exakten Zahlen der Ernte. Manche vollstndigen Reichstagsstenogramme
muten illegal erscheinen; Mitteilungen des Gesundheitsamtes, selbst
Artikel des Kriegsernhrungsamtes wurden von der Zensur verboten. Auch
dem Reichstag und selbst Regierungsstellen war keine Mglichkeit
gegeben, sich wahrheitsgem zu unterrichten. So war das deutsche Volk
vllig desorientiert und stand hilflos den Lgen gegenber, die ihm Tag
fr Tag von der Regierung und der kriegshetzerisch feilen Presse geboten
wurden.


Die Revolution

Die Deutsche Republik ist, wie man wei, nicht das Resultat des
Aufstrebens der deutschen Brger, sondern die Folge der Niederlage
seiner Generale. Vor der Verantwortung retteten sie sich. Auf ihren
Wunsch wurde eine neue fortschrittliche Regierung gegrndet, deren Zweck
nur sein sollte, sofort einen gnstigen Waffenstillstand herbeizufhren.
Rein militrische Grnde waren es, die zu diesem Schritt zwangen. Das
deutsche Heer stand vor der grten Niederlage aller Zeiten. Das
Friedensangebot mu morgen noch herauskommen. Heute hielt die Truppe
noch, was morgen ist, lt sich nicht voraussagen, so schreibt
Ludendorff selbst. (Vorgeschichte des Waffenstillstands, Tel. Nr. 21.)
Und Hindenburg telegraphiert an die Waffenstillstandskommission, wenn
keine Milderungen zu erreichen sind, sind die Bedingungen anzunehmen.
Ueber Nacht entstehen im Heer die Soldatenrte, die Arbeitermassen
zwingen die Herrscher zur Abdankung.

Aber diese Revolution entspricht nicht dem blichen Bild. Die
wesentliche psychologische Ursache, die jahrelange Unzufriedenheit der
Masse fehlte. Bis 1914 herrschte im allgemeinen Zufriedenheit. Das
Standard of Life war gestiegen, das Land befand sich auf einer
aufsteigenden Linie. Als die deutsche Politik Schiffbruch erlitt, folgte
nicht ein Umsturz, sondern nur ein Einsturz, und da die Dynastien sich
mit dem Militarismus identifiziert hatten, so schickte man sie zum
Teufel.

Groe Hoffnung bestand, da dies der Ausgangspunkt einer demokratischen
Entwicklung werden knne, da ein Erwachen aus dem Bann der Lgen
stattfinden wrde.


Weimarer Verfassung und Wirklichkeit

Formal hat sich in Deutschland wirklich etwas gendert. Denn seit der
Weimarer Verfassung ist Deutschland nominell eine Demokratie. Danach
geht die Staatsgewalt vom Volk aus. Die Richter sind unabhngig und nur
dem Gesetz unterworfen. _Ausnahmegerichte sind unstatthaft_, niemand
darf seinem gesetzmigen Richter entzogen werden. Die
Militrgerichtsbarkeit ist aufgehoben. Alle Deutschen sind vor dem
Gericht gleich. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Personen,
denen die Freiheit entzogen ist, sind sptestens am darauffolgenden Tage
davon in Kenntnis zu setzen, von welcher Behrde und aus welchem Grunde
die Entziehung der Freiheit angeordnet ist. Das Brief-, Telegraph- und
Fernsprechgeheimnis ist unverletzlich. Eine Zensur findet nicht statt.
In allen Schulen ist sittliche Bildung, staatsbrgerliche Gesinnung,
persnliche und berufliche Tchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums
und der Vlkervershnung zu erstreben.

Wer diese herrlichen Bestimmungen, wie sie in der Weimarer Verfassung
niedergelegt sind, liest, wird schwerlich daran zweifeln knnen, da
Deutschland eine vollendete Demokratie sei.

Aber es ist eine bekannte Tatsache, da es leider unmglich ist, aus dem
Wortlaut einer Verfassung auf den Grad der Demokratie zu schlieen, den
ein Land hat. Wenn man z. B. nach den Pronunziamentos mancher Generale
schlieen wollte, wren sie wahre Engel und wrden allen Menschen die
Segnungen des Paradieses bieten. Dem ist nicht so. Man mu vielmehr noch
die Ausfhrungsbestimmungen, die weiteren Gesetze, die Rechte der
Polizei, den Geist der Verwaltung und vor allem den geistigen Zustand
eines Landes bercksichtigen, um unsere Frage zu entscheiden. Hier
bekommen wir nun sofort ein anderes Bild.

Die Leute des Ancien Rgime werden in Deutschland noch immer hoch
verehrt. Der Kaiser gilt als eine mystische Persnlichkeit, ja es konnte
sogar in den extremen rechten Kreisen eine Christuslegende entstehen,
wonach Wilhelm die Snden seines Volkes auf sich genommen und durch
seine freiwillige Verbannung sich fr Deutschland geopfert habe.
Entsprechend werden auch die Angehrigen seines Hauses, selbst wenn sie
sich gemeiner Verbrechen schuldig gemacht haben, noch immer hoch
verehrt. Ein Hohenzoller hat sich Verfehlungen gegen den  175
(Homosexualitt) zuschulden kommen lassen, ein anderer hat sich in eine
Wirtshausrauferei eingelassen, ein dritter ist wegen
Kapitalsverschiebungen rechtskrftig verurteilt worden. Weite Kreise des
Volkes sehen in ihnen doch noch immer Menschen hheren Schlages.

Die Republik ist unerhrt demokratisch -- gegen ihre Feinde. Whrend die
Hohenzollern 1866 nicht daran dachten, dem von ihnen gestrzten Knig
und den Frsten einen Pfennig Entschdigung zu zahlen und sie sogar ohne
weiteres ihres Landes verwiesen, hat die Republik den Hohenzollern ihr
ganzes Eigentum gelassen. Ja, auch wo es strittig war, ob es sich um
Staatsgut oder Privatgut der Hohenzollern handelte, hat man ihnen nicht
einen Pfennig genommen. Im Gegenteil, Jahr um Jahr schickte der gute
deutsche Steuerzahler Millionen nach Amerongen, damit sein Kaiser in der
Verbannung wrdig lebe und damit ihm nicht die Mglichkeit genommen sei,
die Krfte zu sammeln, um die Republik zu strzen. Kein einziger
Thronprtendent ist des Landes verwiesen worden. Die Behrden haben die
Bezeichnung Kniglich und Kaiserlich nur zum Teil gestrichen. Z. B.
steht selbst in dem Haus, wo der wrttembergische Staatsprsident wohnt,
noch unangefochten ein Schild, wonach dieses Haus das Knigliche
Ministerium des Aeueren sei. Auch die Berliner Akademie der
Wissenschaften nennt sich noch immer kniglich.

Um diese Mentalitt zu verstehen, mu man folgendes beachten.


Tatsachen und Ueberzeugungen

Es ist sehr selten, da die Menschen sich durch die Tatsachen wirklich
berzeugen lassen. Meistens ziehen sie vor, besonders, wenn wie hier,
die mchtigen mit dem Militr verschwgerten Interessen des
Grokapitals hinter der Bildung der ffentlichen Meinung durch die
Zeitung stehen, aus der rauhen Wirklichkeit ins se Reich der Mrchen
zu flchten. Denn es ist bitter, langjhrige Ueberzeugungen zu opfern.
Daher wird zur Erhaltung des Prestiges noch heute geleugnet, da
Deutschlands Militrmacht an der vereinigten Militrmacht der ganzen
Welt gescheitert ist. Vielmehr: die Heimat hat die Front von hinten
erdolcht, sozusagen, das Volk hat die Generale verraten. Damit ist die
nationale Eitelkeit der Unberwindbarkeit gerettet, die ganze Politik
der letzten 50 Jahre gerechtfertigt. Endlich ist ein Prgelknabe
gefunden; die Zurckgebliebenen, die Drckeberger, die Juden sind an
allem Schuld.

Da von Regierungsseite das Volk nicht aufgeklrt wurde, liegt daran,
da die Regierung in ihrem zum Teil von ihr provozierten Kampf gegen die
bolschewistische Linke die rechtsstehenden Ordnungsleute, auf die sie
sich sttzte, nicht allzusehr verschnupfen wollte. In ihrer
Machtlosigkeit und verhngnisvollen Kurzsichtigkeit hat die Regierung
sogar die Mglichkeit eines Militrputsches geleugnet, ihre eigenen
Gegner bewaffnet, die Arbeiterschaft, auf die sie sich sttzen konnte,
entwaffnet. Der Kapp-Putsch scheiterte nicht etwa an der Abwehr der
besitzenden und intellektuellen Klassen -- diese haben im Gegenteil ihn
jubelnd begrt -- vielmehr an der entschlossenen Abwehr des
Proletariats und an seiner mangelhaften politischen und technischen
Ausbildung.

Die wirtschaftlichen Ursachen dieser psychischen Einstellung liegen auf
der Hand. Das deutsche Brgertum hat eine Zeitlang, ob mit Recht oder
Unrecht spielt keine Rolle, die heute herrschende Wirtschaftsordnung,
auf der seine Existenz beruht, fr bedroht gehalten. In dieser Situation
pflegt eine herrschende Klasse stets rcksichtslos ihre Prinzipien ber
Bord zu werfen, soweit sie sie in ihrem Kampfe hindern, nur um ihre
Existenz zu retten. Auch die dritte franzsische Republik hat zu ihrem
Beginn im Kampfe gegen den Kommunismus nach rein militaristischen
Motiven gehandelt. Der Sturz der Kommune hat Tausenden das Leben
gekostet, die Kommune selbst nur wenigen. Aehnlich schrecken die
herrschenden Klassen Deutschlands wegen des ihrer Meinung nach noch
immer drohenden Brgerkriegs vor keiner Verletzung der demokratischen
Prinzipien, ihrer eignen Grundlage zurck.


Der Frieden von Versailles

Eine wesentliche Ursache an diesen Zustnden ist auch die
imperialistische Politik der Entente. Dem besiegten kaiserlichen
Deutschland des 5. Oktober stellte die Entente mit Recht die denkbar
schrfsten Waffenstillstandsbedingungen. Aber auch nach der Revolution
hat die Entente die ursprnglichen Bedingungen aufrecht erhalten, ja sie
noch verschrft. Dies war fr eine mgliche deutsche Revolution ein
schwerer Schlag. Denn es war die Hoffnung aller geistig Selbstndigen
in Deutschland, die Entente werde beim Sieg ihr Wort wahr machen, dieser
Krieg gelte nicht dem deutschen Volke, er gelte nur einem innerlich
zermrbten Feudalismus, der den Frieden der Welt bedrohe. Die Mehrzahl
der Deutschen mu also der Opposition mitrauen, die ihnen die Sache der
Entente als gerecht darstellte. Die Entente hat nichts getan, um die
ehrlichen Kmpfer auf der anderen Seite, wie Eisner, zu untersttzen.
Dadurch hat sie die Reaktion verstrkt und selbst dazu beigetragen, da
nach der Revolution vielfach die alten Leute an der Spitze blieben.

Auch nach dem Waffenstillstand hat die Entente ihre Politik, Unmgliches
zu fordern, fortgesetzt und damit dazu beigetragen, da Deutschland
nicht bereit war, das Mgliche zu leisten. Denn diese Forderungen
rechtfertigen in den Augen der Deutschen wieder die Politik der alten
Regierung, und so treiben Verschrfungen der Ententebedingungen
einerseits, und Anwachsen eines neuen deutschen Chauvinismus
andrerseits, sich gegenseitig in die Hhe.

Am strksten hat der Friedensvertrag von Versailles den Nationalismus
wieder geweckt. Was man ihm vor allem vorwerfen mu, ist die Tatsache,
da er ein Diktatfrieden ist, da er Deutschland mehr schdigt, als er
der Entente ntzt. Der Idee des verletzten Rechtes ist keineswegs Genge
geleistet worden, indem Elsa-Lothringen auf Grund des angeblichen
historischen Rechtes an Frankreich kam. Eine Volksabstimmung htte den
lebendigen Willen der Bevlkerung ergeben und htte gleichzeitig den
imperialistischen Schreiern in Deutschland den Mund gestopft. Posen und
Westpreuen sind ohne Abstimmung an Polen gekommen. Die Abstimmung in
Ostpreuen, wo die Verhltnisse hnlich liegen wie in den beiden
Provinzen, ergab 95 Prozent fr Deutschland. Danzig und Memel wurden
gegen ihren Willen von Deutschland abgetrennt. Eupen und Malmedy kamen
ohne Abstimmung an Belgien. Die Bevlkerung hatte ein Recht zum Protest,
das natrlich wegen der zu erwartenden Ausweisung von niemand ausgebt
wurde. Deutsch-Oesterreich, das in Volksabstimmungen in berwltigender
Mehrheit den Anschlu an Deutschland forderte, wurde der Anschlu
verboten. Wegen Oberschlesien hat man sich drei Jahre lang nicht zu
einer definitiven Lsung entschlieen knnen. Vielleicht wre jede
Lsung besser gewesen, als das Hinziehen und Warten und die dadurch
entstandene Spannung.

Endlich hat die Entente so ziemlich in allen Punkten nachgegeben, wo sie
nicht htte nachgeben sollen und nicht nachgegeben in allen Punkten, wo
sie htte nachgeben sollen. Als Beispiel diene die Auslieferungsfrage.
Die Entente htte diese Forderung niemals stellen sollen. Wenn sie aber
schon gestellt war, so htte sie auch durchgefhrt werden mssen, da
sonst alle nationalen Instinkte erweckt wurden, ohne da dem verletzten
Recht Genge geworden ist. Auch in der Entwaffnungsfrage htte die
Entente schrfer vorgehen drfen. Dagegen htte man die riesigen
Besatzungskosten weit besser zum Wiederaufbau Nordfrankreichs verwenden
knnen. In den wirtschaftlichen Forderungen hat die Entente Deutschland
sicher Unmgliches zugemutet, wie der katastrophale Sturz der Mark
bewiesen hat. Jede ungerechte oder unmgliche Belastung Deutschlands
strkt aber den Nationalismus.


Ursachen der Ententehaltung

Auf der Seite der Entente haben die groen wirtschaftlichen
Schwierigkeiten, unter denen sie (insbesondere Frankreich) zu leiden
hat, und die Furcht, ein wirkliches demokratisches Deutschland werde die
Opposition im eigenen Land zu sehr strken, dazu beigetragen, den
Imperialisten den Sieg zu verschaffen. Die Entente selbst untersttzt
durch ihre Politik den deutschen Militarismus und dies aus dreierlei
Grnden. Zunchst (im Jahre 1919) aus Furcht vor dem angeblichen
Bolschewismus in Deutschland, zu dessen Bekmpfung ein Heer ntig sei.
Dann mag die bekannte Theorie vom europischen Gleichgewicht in der
heutigen englischen Politik wieder eine Rolle spielen. Endlich aber
wissen die franzsischen Militrs genau, da ihnen nur die Existenz des
preuischen Militarismus eine Lebensberechtigung gibt und sie hten sich
natrlich davor, durch seine tatschliche Vernichtung ihre eigene
Existenz zu untergraben.

So sind denn die heutigen Zustnde in Deutschland nicht die Folge
irgendeiner spezifisch deutschen Mentalitt, sie sind zunchst
historisch bedingt. Und sie entstehen jeden Tag neu, einerseits durch
die Angst des deutschen Brgertums um seine Existenz, andererseits durch
die Tatsache, da das Verhalten der Entente gerade die Imperialisten in
Deutschland sttzt.




BAYRISCHE RTEREPUBLIK UND KAPP-PUTSCH


Die bayrische Rterepublik

Nach der Ermordung Eisners bernahm der bayrische Zentralrat die Macht
und erklrte am 7. April 1919 die Rterepublik. Whrend ihrer Dauer
wurden zwlf Menschen willkrlich umgebracht. Das Ministerium bildete
sich in Bamberg neu, sammelte Truppen und eroberte am 1. Mai Mnchen.
Dabei wurden 457 Menschen willkrlich umgebracht. (Vgl. Seite 113.)

Zur Aburteilung der Rterepublikaner wurden Sondergerichte, die
sogenannten bayrischen Volksgerichte vom 12. Juli 1919 geschaffen. Diese
sind so ziemlich fr alle politischen Delikte zustndig. Sie bedeuten
eine juristische Neuerung, da fr Hoch- und Landesverrat das
Reichsgericht zustndig sein sollte. Obwohl das beschleunigte Verfahren
dieser Gerichte und das Fehlen der blichen Rechtskautelen die Gefahren
eines Justizirrtums erheblich vergrern, sind hier alle Rechtsmittel
ausgeschlossen. Gegen die Urteile dieser Gerichte gibt es weder Revision
noch Berufung, auch die Wiederaufnahme des Verfahrens findet nicht
statt. Ein Rechtsirrtum kann und soll also nicht wieder gut gemacht
werden. (Vgl. Felix Halle, Deutsche Sondergerichtsbarkeit, Berlin 1922.)
Nach einer amtlichen Auskunft des bayrischen Bevollmchtigten von
Nlein im Rechtsausschu des Reichstags wurden wegen Beteiligung an der
Rtebewegung 2209 Personen verurteilt, davon 65 zu Zuchthaus, 1737 zu
Gefngnis, 407 zu Festung. (Kuttner, Warum versagt die Justiz, p. 61.)
Nach der bayrischen Staatszeitung vom 20. Februar 1920 waren bis zum 20.
Februar 1920 (also in einem halben Jahr) von den 25 Volksgerichten 5233
Strafprozesse erledigt worden. So rasch arbeiten die bayrischen
Volksgerichte. Von den 12 Morden der Rterepublik wurden 11 geshnt, die
wesentlichen Fhrer teils willkrlich, teils gesetzlich (Levin)
gettet.


Der Kapp-Putsch

Am 13. Mrz 1920 eroberte _Kapp_ mit Baltikumern durch einen Handstreich
Berlin.

Der einsetzende Generalstreik zwang ihn zum Rcktritt und zur Flucht. In
Abwehr des Kapp-Putsches wurden von links, abgesehen von den in
Straenkmpfen und Tumulten Umgekommenen, nur zwei Menschen willkrlich
umgebracht. Im Verlauf des Putsches wurden von Rechts 74 Menschen
willkrlich umgebracht. Da Kapp intellektueller Urheber der 74
politischen Morde ist, ergibt sich aus folgender Verordnung (Nr. 19):

Die Rdelsfhrer, die sich der in der Verordnung zur Sicherung
volkswirtschaftlicher Betriebe und in der Verordnung zum Schutz des
Arbeitswesens unter Strafe gestellten Handlungen schuldig machen,
desgleichen die Streikposten, werden mit dem Tode bestraft. Diese
Verordnung tritt am 17. Mrz 1920, 4 Uhr nachmittags, in Kraft. Der
Reichskanzler, gez. Kapp.

Ferner drahtete er an alle Truppenteile (vgl. Brammer: Fnf Tage
Militrdiktatur, S. 21):

Bitte allen Fhrern bekanntzugeben, da ich jede entschlossene
Dienstauffassung, auch wenn sie im Zwange der Not gegen einzelne
bisherige Bestimmungen verstoen sollte, persnlich decke. Es kommt mir
ganz besonders darauf an, da jeder Deutsche und insbesondere jeder
militrische Fhrer knftig verantwortungsfreudig mehr leiste als der
tote Buchstabe seiner Pflicht bisher gebot.

Kapp flchtete nach Schweden, stellte sich dann aber freiwillig, wurde
sofort wegen einer Operation von der Untersuchungshaft befreit und starb
am 13. Juni 1922 an einem Krebsleiden. Sein Rittergut war seinem Sohn
zur Bewirtschaftung bergeben worden, obwohl Kapps Vermgen angeblich
beschlagnahmt worden war. (Antwort des preuischen
Landwirtschaftsministers auf eine Anfrage, Berliner Tageblatt, 4.
Oktober 1921.) Frau Kapp bezieht von der Landschaft eine Rente.
(Preuischer Pressedienst, 12. Januar 1922.)

Das Verfahren gegen _Lettow-Vorbeck_ wurde eingestellt. Als einziger
Kapp-Anhnger wurde v. _Jagow_ zu 5 Jahren Festung verurteilt. General
_Lttwitz_ hat spter sogar von der Regierung eine Pension gefordert.
Auf eine diesbezgliche Anfrage (Reichstag, 14. Februar 1922) hat die
Regierung erklrt, da die Akten noch nicht vorlgen, knne eine Antwort
nicht erteilt werden.

Die Anhnger Kapps, die in hheren Posten der Verwaltung und des Heeres
standen, wurden darin belassen. Die meisten Fhrer des Kapp-Putsches
haben sich ber ein Jahr in Mnchen und Umgebung aufgehalten.
(Reichskanzler Dr. Wirth, 15. September 1921.)

Kapitn Ehrhardt wurde zuerst mit voller gesetzlicher Pension entlassen.
Man wagte nicht, gegen ihn vorzugehen. (Vgl. Vossische Zeitung, 23.
Oktober 1920.) Erst spter wurde ein Haftbefehl gegen ihn wenigstens
offiziell erlassen. Whrend dieser Zeit konnte er noch mit dem Mnchener
Polizeiprsidenten _Phner_ wegen Unterbringung einzelner Gruppen
seiner Leute verhandeln. (Staatssekretr Dr. Schweyer im bayrischen
Landtagsausschu, 17. September 1921.)

Seinen 3000 Soldaten von der Marinebrigade war fr die Zeit des Putsches
eine tgliche Zulage von 7 M. und fr den Sturz der Ebertregierung eine
Extrabelohnung von 50 M. von der Kappregierung versprochen worden. Die
Ebertregierung zahlte diese Summe von 16_000 Goldmark (nach dem
damaligen Stand berechnet) aus. (Vgl. Rudolf Mann, Mit Ehrhardt durch
Deutschland, Seite 168 und 206.)

Keiner der durch Kapp verursachten Morde ist geshnt. Gegen die
Kappanhnger wurde nicht wie gegen die Rterepublikaner eine
Sondergerichtsbarkeit ins Leben gerufen. Das zustndige ordentliche
Gericht, das Reichsgericht hat so langsam gearbeitet, da infolge der
Amnestie die meisten Teilnehmer des Kapp-Putsches nicht einmal in
Untersuchung genommen wurden.

Das grte Unrecht, das nach der Niederwerfung des Kapp-Putsches
geschehen ist, besteht in der Art der Durchfhrung der Amnestie. Sie
sollte nur die dummen Mitlufer von der Verantwortung befreien. Die
Fhrer, die Urheber, die Anstifter sollten nicht darunterfallen. Daher
wurde von den Gerichten, selbst bei den meisten Generalen und Ministern
die Fhrereigenschaft verneint. Bei den gleichzeitigen Ausschreitungen
der Arbeiterschaft dagegen wurde die Fhrereigenschaft selbst einfachen
Parteifunktionren zuerkannt, so da man sie trotz der Amnestie
verurteilen konnte.

Das Reichsgericht nimmt nur neun Fhrer an. Welche Heroen der Tatkraft
mssen sie gewesen sein, um allein fast ein ganzes Reich acht Tage lang
zu beherrschen! Von 775 beteiligten Offizieren ist keiner bestraft
worden. Sie waren alle keine Fhrer, nur Mitlufer. Keiner der Offiziere
hat Verantwortungsfreudigkeit genug gehabt, gegen diese Bezeichnung zu
protestieren. Keiner hat erklrt: Wenn man mir nachsagt, da ich bei
einem so verantwortungsvollen Schritt, wie eine Rebellion, nur ein
Mitlufer war, wenn man von mir behauptet, da ich eine solche Handlung
aus Blindheit mitmache, meine Pflicht nicht kenne, so leugnet man mein
Fhrertum, meine Offiziersqualifikation berhaupt. Ich stehe zu meiner
Tat. Ein einziger -- Zivilist -- hat es gewagt, so zu handeln -- nachdem
er im Ausland in Sicherheit war. Und als Kapp sich freiwillig stellte,
tat er es nur, weil er nach dem Vorgang des Jagowprozesses wute, da er
keine oder fast keine Strafe zu erwarten hatte.

Eine weitere Ungerechtigkeit der damals gewhrten Amnestie besteht
darin, da sie sich nur auf die gegen _das Reich_ gerichteten
Unternehmen bezog. Dagegen galt die bayrische Rterepublik als ein nur
gegen Bayern gerichtetes Unternehmen, obwohl die Rterepublik die
Beziehungen zum Reich abgebrochen hatte und dem bayrischen Gesandten
Weisung gegeben hatte, seinen Posten zu verlassen. So wurden die
Rterepublikaner eingesperrt, die Kappanhnger amnestiert.

Interessant ist brigens, da eine gelegentlich des Kapp-Putsches
herausgegebene Verordnung des Reichsprsidenten _Ebert_ vom 19. Mrz
1920 zur Wiederherstellung der ffentlichen Sicherheit und Ordnung,
welche auerordentliche Kriegsgerichte einsetzte, sich nicht gegen Kapp
und seine Anhnger richtete, sondern gegen die bei der Niederwerfung des
Kapp-Putsches entstandenen kleineren Unruhen von Links. Obwohl der
Kapp-Putsch eine viel grere Ausdehnung besessen hatte, wurde gegen ihn
nicht mit Hilfe der Sondergerichtsbarkeit eingeschritten. (Vgl. Halle,
Sondergerichtsbarkeit.)

Die folgenden Tabellen zeigen das Schicksal der Anhnger und Fhrer beim
Kapp-Putsch und bei der bayrischen Rterepublik.

KAPPREGIERUNG

      ==============================================================
       Lfd.| Name            | Rang                  | Schicksal
       Nr. |                 |                       |
      ==============================================================
           |                 |                       |
         1 | _Wolfgang Kapp_ | Reichskanzler         | gestorben
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         2 | _Bang_          | Finanzminister        | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         3 | _Dr. Traub_     | Preu. Kultusminister | amnestiert
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         4 | _Gottl. v.      | Minister des Innern   | 5 J. Festung
           |  Jagow_         |                       |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         5 | _Zumbroich_     | Reichsjustizminister  | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         6 | _Trebitsch-     | Oberzensor            | im Ausland
           |  Lincoln_       |                       |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         7 | _Dr. Schiele_   | Reichswirtschafts-    | Verf.
           |                 | minister              | eingest.
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         8 | _Krmer_        | Preu.                |
           |                 | Wirtschaftsminister   | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
         9 | _v. Falken-     | Chef der Reichs-      | in Freiheit
           |  hausen_        | kanzlei               |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        10 | _Dr. Snksen_   | Reichspostminister    | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        11 | _Frhr. v.       | Preu.                | in Freiheit
           |  Wangenheim_    | Landwirtschafts-      |
           |                 | minister              |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        12 | _Eduard Meyer_  | Universittsrektor    | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        13 | _Mller-        | ttig in der          | in Freiheit
           |  Lobwitz_       | Reichskanzlei         |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        14 | _Stubbendorf_   | ttig in der          | in Freiheit
           |                 | Reichskanzlei         |
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        15 | _Dr. Bredereck_ | Pressechef            | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        16 | _W. Harnisch_   | Pressechef            | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        17 | _Dr. Grabowski_ | Propagandist          | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        18 | _Lensch_        | im Presseamt          | in Freiheit
      -----+-----------------+-----------------------+--------------
        19 | _A. de la       | im Presseamt          | in Freiheit
           |  Croix_         |                       |
      ==============================================================
      Die strafgerichtliche Behandlung des Kapp-Putsches

      (Mitteilung des Reichsjustizminister an den Reichstag
      vom 21. Mai 1921)

      Zahl der amtlich bekanntgewordenen Kapp- Verbrechensflle 705

              Davon:
              Amnestiert  412
              Durch Tod und andere Grnde in Wegfall gekommen  109
              Verfahren eingestellt  176
              Noch nicht erledigt    7
              Bestraft   1

      Schicksal von 775 Offizieren, die am Kapputsch beteiligt waren
      (Amtliche Ergebnisse des Ausschusses zur Prfung des
      Verhaltens der Offiziere whrend der Mrzvorgnge)
      ==============================================================
       Art              | Zahl der      | Zahl der     | Gesamtzahl
       der              | Offiziere in  | Offiziere    | der
       Erledigung       | der Marine    | im Landheer  | Offiziere
      ------------------+---------------+--------------+------------
                        |               |              |
       Einstellung des  |               |              |
       Verfahrens       |       119     |      367     |      486
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Beurlaubung      |        40     |       51     |       91
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Versetzung       |        37     |       20     |       57
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Dienstenthebung  |        18     |       30     |       48
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Disziplinare Er- |        12     |        1     |       13
       ledigung         |               |              |
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Noch keine Ent-  |         5     |       69     |       74
         scheidung      |               |              |
      ------------------+---------------+--------------+------------
       Verabschiedung   |         4     |        2     |        6
      ------------------+---------------+--------------+------------
                                235            540            775
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: 5 Jahre=
      ==============================================================

MILITRS DER KAPP-REGIERUNG

      ==============================================================
       Lfd.|  Name           | Rang                | Schicksal
       Nr. |                 |                     |
      ==============================================================
         1 | _Ludendorff_    | General (nahm an    | keine Anklage
           |                 | allen  Kabinett-    |
           |                 | sitzungen der       |
           |                 | Kappregierung teil) |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         2 | _Freih. v.      | Reichswehrminister  | im Ausland
           |  Lttwitz_      | und                 |
           |                 | Oberbefehlshaber    |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         3 | _v. Hlsen_     | Adjutant d.         | in Freiheit
           |                 | Oberbefehlsh.       |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         4 | _v. Klewitz_    | Stabschef           | in Freiheit
           |                 | b. v. Hlsen        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         5 | _v. Trotha_     | Admiral             | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         6 | _v. Oven_       | General             | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         7 | _v. Dassel_     | General             | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         8 | _v. Watter_     | General             | in die
           |                 |                     | Ebertreg.
           |                 |                     | bernommen
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         9 | _v. Loberg_    | Generalmajor        | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        10 | _Bauer_         | Oberst              | im Ausland
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        11 | _Ehrhardt_      | Kapitn(Eroberer    | steckbrieflich
           |                 | v. Berlin)          | verfolgt
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        12 | _Hpt. Pabst_    | persnlicher Adj.   | in Freiheit
           |                 | Kapps               |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        13 | _Freih.         | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
           |  v. Ltzow_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        14 | _Maj. Schulz_   | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        15 | _Ltn. Robach_  | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        16 | _Hpt. Pfeffer   | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
           |  v. Salomon_    |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        17 | _v. Lwenfeld_  | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        18 | _Aulock_        | Freikorpsfhrer     | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        19 | _Vaupel_        | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        20 | _v. Kessel_     | Polizeihauptmann    | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        21 | _v. Puttkammer_ | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        22 | _v. Patow_      | Hauptmann im        | in Freiheit
           |                 | Oberkom.            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        23 | _Reinhardt_     | Oberst (erschien    | in Freiheit
           |                 | ohne Befehl b. d.   |
           |                 | Brigade 15)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        24 | _Neubarth_      | Batteriefhrer      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        25 | _v. Hlsen      | Leutnant            | in Freiheit
           |  jun._          |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        26 | _v. Borries_    | Leutnant            | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        27 | _v.             | Oberleutnant        | in Freiheit
           | Knobelsdorff_  |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        28 | _v. Amman_      | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        29 | _v. Auer_       | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        30 | _v. Borries_    | General             | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        31 | _v. Bock_       | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        32 | _Frh. v.        | Oberst              | in Freiheit
           |  Blomberg_      |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        33 | _v. Bernuth_    | Gen.-Leutnant       | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        34 | _Frh.           | Oberleutnant        | in Freiheit
           |  v. Czettritz   |                     |
           |  u. Neuhaus_    |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        35 | _Frh.           | Rittmeister         | in Freiheit
           |  v. Durant_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        36 | _Frh. v. Erffa_ | Leutnant            | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        37 | _v. Falken-     | Major               | in Freiheit
           |  hausen_        |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        38 | _v. Frantzin_   | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        39 | _v. Grothe_     | Oberstleutnant      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        40 | _v. d. Hardt_   | General             | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        41 | _Frh.           | Oberstleutnant      | in Freiheit
           |  v. Hadeln_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        42 | _Frh. v.        | Oberleutnant        | in Freiheit
           |  Hammerstein_   |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        43 | _v. Hagen_      | Major (Dessau)      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        44 | _v.             | Oberst (Pasewalk)   | in Freiheit
           |  Knobelsdorff_  |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        45 | _v. Kleist_     | Rittmeister         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        46 | _v. Lefort_     | Leutnant            | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        47 | _v. Mhl_       | Generalmajor        | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        48 | _Frh.           | Rittmeister         | in Freiheit
           |  v. Mirbach_    |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        49 | _v. Neufville_  | Rittmeister         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        50 | _v. Platen_     | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        51 | _v. Rudolphi_   | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        52 | _v. Rssing_    | Oberstleutnant      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        53 | _v. Rosen_      | Oberst              | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        54 | _v. Seydlitz_   | Rittmeister         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        55 | _Frh.           | Hauptmann           | in Freiheit
           |  v. Schade_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        56 | _Frh. Treusch   | Leutnant            | in Freiheit
           |  v. Buttlar-    |                     |
           |  Brandenfels_   |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        57 | _v. Uechtritz_  | Rittmeister         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        58 | _v. Wulffen_    | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        59 | _v. Ziehlberg_  | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        60 | _v. Heimburg._  | Oberleutnant        | in Freiheit
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: Null=
      ==============================================================

BAYRISCHE RTEREGIERUNG

      ==============================================================
       Lfd.| Name            | Rang               | Schicksal
       Nr. |                 |                    |
      ==============================================================
           |                 |                    |
         1 | _E. Levin_     | Vorsitzender d.    | erschossen
           |                 | Vollzugsrates  der |
           |                 | Betriebsrte       |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         2 | _Dr. Tobias     | Mitglied des       | 15 Jahre Zucht-
           |  Axelrod_       | Vollzugsrats       | haus n. Rul.
           |                 |                    | ausgetauscht
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         3 | _Ewald Ochel_   | Mitglied des       | 1 J. 5 Mon. Fe-
           |                 | Vollzugsrats       | stung durch
           |                 |                    | Schutzhaft
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         4 | _Wilh. Duske_   | Mitglied des       | 2 J. Festung
           |                 | Vollzugsrats       |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         5 | _Fritz Schrg_  | Mitglied des       | 2 J. Festung
           |                 | Vollzugsrats       |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         6 | _Dr. A. Wadler_ | Wohnungskommissar  | 8 J. Zuchthaus
       ----+-----------------+--------------------+-----------------
         7 | _Ernst Nikisch_ | Vorsitzender des   | 2 Jahre Festung
           |                 | Zentralrats        |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         8 | _Gust.          | Volksbeauftragter  | im Gefngn. er-
           |  Landauer_      | fr Volks-         | schlagen
           |                 | aufklrung         |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
         9 | _Dr. O.         | Vorsitzender der   | 1-1/2 Jahre
           |  Neurath_       | Sozialisierungs-   | Fest.,
           |                 | kommission         | entlassen
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        10 | _Hans Dosch_    | Polizeiprsident   | 3 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        11 | _Ernst Mehrer_  | Stadtkommandant    | 1-1/2 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        12 | _K. Petermaier_ | Adjutant des       | 1-1/2 J. Festung
           |                 | Stadtkommandanten  |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        13 | _Paulukum_      | Verkehrsminister   | 3-1/2 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        14 | _Paul Zamert_   | Propagandist       | 3 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        15 | _E. Kiese-      | Verkehrskommission | 2-1/2 J. Festung
           |  wetter_        |                    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        16 | _Dandistel_     | Kommission zur     | 6 J. Festung
           |                 | Untersttzung der  |
           |                 | politischen        |
           |                 | Flchtlinge        |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        17 | _Jos. Weigand_  | Schreiber bei der  | 3 J. Festung
           |                 | Komm.  zur         |
           |                 | Bekmpfung der     |
           |                 | Gegenrevolution    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        18 | _Hanns          | Betriebsrat        | 3 J. Festung
           |  Kullmann_      |                    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        19 | _Ad. Schmidt    | im Ministerium f.  | 1 J. 6 M. Fest.
           |  II_            | soziale Frsorge   |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        20 | _Karl Gtz_     | Kommission zur     | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | Bekmpfung der     |
           |                 | Gegenrevolution    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        21 | _Frieda         | Propagandaausschu | 1 J. 9 M. mit
           |  Rubiner_       | K.P.D.             | Bewhrungsf.
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        22 | _H. Wiedemann_  | Propagandist       | 1 J. 3 M. Fest.
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        23 | _Frau Reichel_  | Beihilfe z. Flucht | 2 Mon. Festung
           |                 | Tollers            |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        24 | _Hans Reichel_  | Beihilfe z. Flucht | 4 Mon. Festung
           |                 | Tollers            |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        25 | _E. Trautner_   | Beihilfe z. Flucht | 5 M. Gefngnis
           |                 | Tollers            |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        26 | _Willy Reue_    | Kommission zur     | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | Bekmpfung der     |
           |                 | Gegenrevolution    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        27 | _Max Strobl_    | Leiter der         | 7 J. Zuchthaus
           |                 | Kommission z.      |
           |                 | Bekmpfung d.      |
           |                 | Gegenrevolution    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        28 | _F. Mair-       | Polizeiprsident   | 2 J. Gefngnis
           |  gnther_       | in  Mnchen        | 3 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        29 | _L. Mhlbauer_  | Mitglied des       | 1-1/4 J. Festung
           |                 | Revolutions-       | mit Bewhr.-
           |                 | tribunals          | Frist
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        30 | _Erich Mhsam_  | Propagandist       | 15 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        31 | _Paul Grassl_   | Mitglied des       | 1 J. 10 M. Fest.
           |                 | Revolutions-       |
           |                 | tribunals          |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        32 | _S. Wiedenmann_ | Obmann der K.P.D.  | 4 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        33 | _V. Baumann_    | Redakteur der      | 1-1/2 J. Festung
           |                 | Mnchener Roten    |
           |                 | Fahne              |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        34 | _Alex.          | revolutionrer     | 1-1/2 J.
           |  Strasser_      | Hochschulrat       | Festungshaft m.
           |                 |                    | Bewhrungsfrist
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        35 | _Otto Hausdorf_ | revolutionrer     | 1-1/2 J. Festung
           |                 | Hochschulrat       | m. Bewhrungsfr.
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        36 | _Cillebiller_   | revolutionrer     | desgl.
           |                 | Hochschulrat       |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        37 | _Gertraud       | revolutionrer     | desgl.
           |  Kaestner_      | Hochschulrat       |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        38 | _Wilh. Hagen_   | revolutionrer     | 1 J. 4 M. Fest.
           |                 | Hochschulrat       |   m. Bewhr.-F.
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        39 | _Lessie Sachs_  | Sekretrin im      | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | Kriegsministerium  |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        40 | _Dr. Rothen-    | Propagandist       | 7 J. Festungsh.
           |  felder_        |                    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        41 | _Wilh.          | Betriebsrat        | 1-1/2 J. Fest.
           |  Gerhards_      |                    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        42 | _Willy Ertel_   | Sektionsfhrer     | 3 J. Festungsh.
           |                 | d. K.P.D.          |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        43 | _Sontheimer_    | Propagandist       | erschlagen
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        44 | _K. Steinhardt_ | Betriebsrat        | 9 M. Festungs-
           |                 |                    | haft
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        45 | _Ferd. Rotter_  | Vors. d. Betriebs- | 7 J. Zuchthaus
           |                 | obleute            |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        46 | _Kirmayer_      | Komm. z. Bek. d.   | 4 J. Zuchthaus
           |                 | Gegenrevolution    |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        47 | _Hans Schroll_  | in der             | 5 J. Zuchthaus
           |                 | Verhaftungskomm.   |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        48 | _Wernich_       | in d.              | 3 J. Zuchthaus
           |                 | Beschlagnahmekomm. |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        49 | _Max Weber_     | stellv.            | 1-1/4 J. Festung
           |                 | Polizeiprsident   |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        50 | _Martens_       | Vors.              | 6 J. Festung
           |                 | Wirtschaftskomm.   |
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        51 | _Sondheimer_    | Propagandist       | 1-1/4 J. Festung
      -----+-----------------+--------------------+-----------------
        52 | _Kronauer_      | Mitgl. d.          | 1-1/4 J. Festung
           |                 | Rev.-Tribunals     |
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: 135 Jahre 2 Monate=
      ==============================================================

MILITRS DER RTE-REGIERUNG

      ==============================================================
       Lfd.|  Name           | Rang                | Schicksal
       Nr. |                 |                     |
      ==============================================================
         1 | _R. Eglhofer_   | Oberkommandierender | erschlagen
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         2 | _Eugen Maria    | Adj. d.             | 12 J. Festung
           |  Karpf_         | Oberkommand.        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         3 | _Wilh.          | Mitgl. d.           | 3 J. Festung
           |  Reichart_      | Militrkomm.        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         4 | _Ernst Toller_  | Kommand. im         | 5 J. Festung
           |                 | Abschnitt Dachau    |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         5 | _G.             | Adj. des            | 5-1/2 J.
           |  Klingelhfer_  | Kommandeurs         | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         6 | _E. Wollenberg_ | Kommandeur d.       | 2 J. Festung
           |                 | Infanterie          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         7 | _H.F.S.         | Kommandeur d.       | 1-1/2 J.
           |  Bachmair_      | Artillerie          | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         8 | _R. Podubecky_  | Kommand. d.         | 3 J. Festung
           |                 | Fernsprechtruppen   |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         9 | _Winkler_       | Kommand. eines      | 4 J. Zuchthaus
           |                 | Abschn.             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        10 | _G. Riedinger_  | Adj. d. Kommandeurs | 1-1/2 J.
           |                 |                     | Festung
           |                 | in Starnberg        | entlass.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        11 | _Er. Gnther_   | in d. Kommandant.   | 1 J. 9 M. Fest.
           |                 | Dachau              |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        12 | _Fritz Walter_  | Rotgardist          | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        13 | _Max Schwab_    | im                  | 4 J. Festung
           |                 | Kriegsministerium   |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        14 | _H.             | Streckenkommandant  | 3 J. Festung
           |  Taubenberger_  | in Dachau           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        15 | _Gottfr.        | Rotgardist          | 1-1/2 J.
           |  Bareth_        |                     | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        16 | _Max Huber_     | Rotgardist          | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        17 | _Peter Regler_  | Rotgardist          | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        18 | _Halinger_     | Rotgardist          | 5 J. Festg.
           |                 |                     | (begnadigt)
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        19 | _And. Rauscher_ | Rotgardist          | 1 J. 4 M. Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        20 | _M. Reichert_   | Rotgardist u.       | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | Propagandist        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        21 | _Jos. Vogt_     | Rotgardist          | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        22 | _Josef Faust_   | Rotgardist          | 3 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        23 | _Rentsch_       | Rotgardist          | 5 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        24 | _Zllner_       | Rotgardist          | 3 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        25 | _Karl Zimmet_   | Soldatenrat         | 1 J. 3 M. Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        26 | _Karl Hhrat_   | Soldatenrat         | 6 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        27 | _Kuhn_          | Rotgardist          | 2 J. F., 2 J.
           |                 |                     | 2 Mon. Gef.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        28 | _Josef Seidel_  | Wachkommandant      | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        29 | _Seidel_        | Rotgardist          | 4 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        30 | _Ernst Bauer_   | Rotgardist          | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        31 | _Rich. Wagner_  | Rotgardist          | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        32 | _Thekla Egl_    | Krankenschw. u.     | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | Parlamentrin       |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        33 | _A. Schinnagel_ | Arzt in der Roten   | 15 Mon. Fest.
           |                 | Armee               |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        34 | 70              | Angehrige d.       | je 1-1/4 J.
           |                 | Leibregiments wegen | Fest.
           |                 | Erstrmung von      | (n. Abb. ein.
           |                 | Rosenheim           | Teils entlass.)
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        35 | _Ziller_        | Soldatenr.          | 3 J. Zuchthaus
           |                 | Eisenb.-Abt. I      |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        36 | _Joh.           | Polizeiwachtmeister | 4 J. Festung
           |  Tanzmeier_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        37 | _Murbck_       | Transportfhrer     | 4 J. Zuchth.
           |                 |                     | (in Fest.
           |                 |                     | verwdlt.)
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        38 | _Marschall_     | Kurier              | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        39 | _Jos.           | Rotgardist          | 3 J. Festung
           |  Anreither_     |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        40 | _Jak. Nickl_    | Rotgardist          | 2-1/2 J.
           |                 |                     | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        41 | _W. Seyler_     | Adj. d.             | 1 J. 6 M.
           |                 | Kriegsministers     | Festg.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        42 | _K. Kaltdorf_   | im                  | 1 J. 6 M.
           |                 | Kriegsministerium   |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        43 | _H. Tannen_     | Rotgardist          | 2 J. Gefngnis
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        44 | _Hans Frank_    | Parlamentr d.      | erschossen
           |                 | Augsburger          |
           |                 | Arbeiterrats        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        45 | _Karl Gans_     | Zugfhrer           | 5 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        46 | _Joh. Demstedt_ | Zugfhrer           | 6 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        47 | _J.             | Zweiter Obmann      | 5 J. Zuchthaus
           |  Jackermeier_   | K.P.D.              |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        48 | _Joh. Wittmann_ | Rotgardist          | 4 J. Zuchthaus
           |                 | (Rosenheim)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        49 | _Jos. Hagel_    | Kriminalpolizist    | 4-1/2 J.
           |                 |                     | Zuchth.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        50 | _Georg Graf_    | Militrpolizei      | 12 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        51 | _Phil. Bhrer_  | Rev.-Arbeiterrat    | 12 J. Zuchthaus
           |                 | (Augsb.)            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        52 | _Hiltner_       | Rotgardist          | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        53 | _Otto Knieriem_ | Akt.-Ausschu       | 5 J. Festung
           |                 | Wrzburg            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        54 | _Mich. Schmidt_ | Rotgardist          | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        55 | _Albert Berger_ | Erwerbslosenr.      | 3 J. Festung
           |                 | (Augsburg)
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        56 | _Appler_        | Rotgardist          | 4 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        57 | _Berk_          | Flugzeugfhrer      | 4 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        58 | _Ibel_          | Zahlmeister         | 1 J. 4 M. Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        59 | _J. Toblasch_   | Proviantmstr.       | 2-1/2 J.
           |                 | i. Dachau           | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        60 | _Kolbinger_     | Rotgardist          | 2 Jahre Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        61 | _J. Wittmann_   | Rotgardist          | 2-1/2 J.
           |                 |                     | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        62 | _Joh. Strauss_  | Soldatenrat         | 1 J. 6 M. Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        63 | _Ludwig Hrl_   | Bahnhofswache       | 3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        64 | _Erzberger_     | Lazarettchef        | 1-1/2 J.
           |                 |                     | Festung
           |                 |                     | (entkommen)
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        65 | _Martin Gruber_ | Abteilungsfhrer    |3 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        66 | _Hans Strasser_ | Bhf.-Kommand.       | 1 J. 6 M. Fest.
           |                 | (Dachau)            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        67 | _Otto Mehrer_   | Mitgl.              | 1 J. 6 M. Fest.
           |                 | d. Militrkomm.     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        68 | _Hofer_         | Kriegsministerium,  | 4 J. Festung
           |                 | Abtlg.              |
           |                 | Infanterie          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        69 | _Ferd. Killer_  | Soldatenrat         | 5 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        70 | _Karl Gans_     | Rotgardist          | 6 J. Zuchthaus
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        71 | _Paul Hbsch_   | Propagandist        | 1 J. 6 M. Gefg.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        72 | _Max Pletz_     | Stadtkommandantur   | 1 J. 6 M. Fest.
           |                 | Mnchen             |
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: 276 Jahre 6 Mon. Einsperrung, 2 Erschieungen=
      ==============================================================

KAPPISTEN IN DER PROVINZ

      ==============================================================
       Lfd.| Name            | Rang                | Schicksal
       Nr. |                 |                     |
      ==============================================================
           |                 |                     |
         1 | _v. Levetzow_   | Konteradmiral a. D. | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         2 | _v. Winterfeld_ | Leiter der Sipo     | in Freiheit
           |                 | in Kiel             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         3 | _Lindemann_     | Frh.               | in Freiheit
           |                 | Oberbrgermeister   |
           |                 | in Kiel             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         4 | _Frh. von u.    | Landrat             | in Freiheit
           |  zu Steinfurth_ |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         5 | _v. Pauly_      | Regierungsprsid.   | in Freiheit
           |                 | (Kiel)              |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         6 | _Frh. v.        | Garnisonltester,   | in Freiheit
           | Wangenheim_     | Oberst (Hamburg)    |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         7 | _Vlkers_       | Oberst (Hamburg)    | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         8 | _Ledebour_      | Oberst (Hamburg)    | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         9 | _Heide_         | Hauptmann (Hamburg) | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        10 | _v. Rauchhaupt_ | Rittmeister         | in Freiheit
           |                 | (Hamburg)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        11 | _v. Mackensen_  | Hauptmann (Hamburg) | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        12 | _Dr. Jakobsohn, | Propagandist        | in Freiheit
           |  Rechtsanwalt_  | (Hamburg)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        13 | _v. Sydow_      | Major (Hamburg)     | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        14 | _v. Menges_     | Oberst b. d. Sipo   | in Freiheit
           |                 | (Altona)            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        15 | _v. Lettow-     | Generalmaj.         | in Freiheit
           |  Vorbeck_       | (Mecklenbg.)        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        16 | _Dr.            | Ministerprsident   | in Freiheit
           |  Wendthausen_   |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        17 | _Ribbentropp_   | Generalmajor        | in Freiheit
           |                 | (Mecklbg.)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        18 | _v. Estorff_    | Generalleutnant     | in Freiheit
           |                 | (Knigsberg)        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        19 | _August Winnig_ | Oberprsid.         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        20 | _Graf           | Generalleutnant     | in Freiheit
           |  Schmettow_     | (Breslau)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        21 | _v. Friedeburg_ | General (Breslau)   | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        22 | _Obst. Schwerk_ | Polizeiprsident    | in Freiheit
           |                 | (Breslau)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        23 | _v. Kessel_     | Oberprsident v.    | gestorben
           |  (Ob. Glauche)  | Schles.             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        24 | _v. Grodegg_    | Propagandist        | in Freiheit
           |                 | (Magdebg.)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        25 | _v. Brning_    | frh. Landrat       | in Freiheit
           |                 | (Darmstadt)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        26 | _v. Hagenberg_  | Generalmajor        | in Freiheit
           |                 | (Weimar)            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        27 | _Heims_         | Major (Gotha)       | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        28 | _v. Schler_    | General (Kassel)    | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        29 | _Frh. v.        | Bezirksbefehlshab.  | in Freiheit
           | Schenk_         | (Marburg)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        30 | _Banke_         | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        31 | _Czettritz_     | Oberst              | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        32 | _Frh. v.        | Major               | in Freiheit
           |  Coburg_        |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        33 | _Guhr_          | Oberstleutnant      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        34 | _Eckardt_       | Leutnant. Rgt. 30   | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        35 | _Gallmeister_   | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        36 | _Humann_        | Freg.-Kapitn       | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        37 | _Hnecke_       | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        38 | _v. Heusinger_  | Rittmeister         | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        39 | _Kleindienst_   | Leutnant            | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        40 | _Lynker_        | Major               | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        41 | _Meinshausen_   | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        42 | _Notnagel_      | Oberstleutnant      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        43 | _Nettesheim_    | Leutnant a. D.      | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        44 | _Rrig_         | Oberleutnant        | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        45 | _Scheele_       | Leutnant            | in Freiheit
           |                 | (Aldenburg)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        46 | _Schmidt_       | Leutnant            | in Freiheit
           |                 | (Aldenburg)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        47 | _Schulz_        | Oberleutnant,       | in Freiheit
           |                 | Art. 9              |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        48 | _Stolz_         | Oberst              | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        49 | _Strauch_       | Hauptmann           | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        50 | _Sturt_         | Oberleutnant        | in Freiheit
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        51 | _Waas_          | Hauptmann           | in Freiheit
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: Null=
      ==============================================================

RTEREPUBLIKANER IN DER PROVINZ

      ==============================================================
       Lfd.|  Name           | Rang                | Schicksal
       Nr. |                 |                     |
      ==============================================================
           |                 |                     |
         1 | _Guido Kopp_    | Vors. K.P.D.        | 4 J. Zuchthaus
           |                 | Rosenheim           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         2 | _Gg. Schumm_    | Art.-Kommandeur in  | 6 J. Zuchthaus
           |                 | Rosenheim           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         3 | _Josef Renner_  | Truppenfhrer in    | 4 J. Festung
           |                 | Rosenheim           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         4 | _Hans Meler_    | Wirtschaftskomm.    | 1-1/4 J.
           |                 | (Rosenheim)         | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         5 | _M. Gnad_       | Rotgardist          | 2-1/2 J.
           |                 | (Augsburg)          | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         6 | _W. Olschewsky_ | Truppenfhrer       | 7 J. Festung
           |                 | in Augsbg.          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         7 | _Max Weber_     | Propagandist        | 1-1/2 J.
           |                 | i. Augsbg.          | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         8 | _Karl Marx_     | Politisch. Leiter   | 4 J. Festung
           |                 | in Augsburg         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
         9 | _Dr. A. Maier_  | Politisch. Leiter   | 6 J. Festung
           |                 | i. Starnberg        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        10 | _Joh. Elbert_   | Soldatenrat (Lohr)  | 2 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        11 | _Toni Waibel_   | Vorsitzender d.     | 15 J. Festung
           |                 | Aktionsausschusses  | (entkomm.)
           |                 | in Wrzbg.          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        12 | _H. Schuchardt_ | Aktionsausschu,    | 1-1/2 J.
           |                 |Wrzbg.              | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        13 | _Val. Hartig_   | Mitgl. d.           | 7 J. Festung
           |                 | Aktionsaussch.      |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        14 | _Rudolf Hartig_ | Mitgl. d.           | 2 J. Festung
           |                 | Aktionsaussch.      |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        15 | _Fritz Sauber_  | Propagandist        | 12 J. Festung
           |                 | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        16 | _A.             | Propagandist        | 10 J. Festung
           |  Hagemeister_   | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        17 | _L.             | Kommandeur          | 7 J. Festung
           |  Egensberger_   | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        18 | _Georg Hornung_ | Mitgl. d.           | 10 J. Festung
           |                 | Aktionsaussch.      |
           |                 | Wrzburg, Kriegs-   |
           |                 | ministerium Mnchen |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        19 | _Leo Reichert_  | Soldatenrat         | 2 J. Festung
           |                 | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        20 | _Paul Frster_  | Soldatenrat         | 3 J. Festung
           |                 | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        21 | _A. Westrich_   | Korps-Soldatenrat   | 6 J. Festung
           |                 | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        22 | _Ludw. Bedacht_ | Soldatenrat         | 5 J. Festung
           |                 | (Wrzburg)          |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        23 | _Adolf Schmidt_ | Mitgl. d.           | 3 J. Festung
           |                 | Aktionsaussch.,     |
           |                 | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        24 | _Cl. Schreiber_ | Mitgl. d.           | 2 J. Festung
           |                 | Aktionsaussch.,     |
           |                 | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        25 | _M.             | Mitgl. d.           | 1-1/4 J.
           |  Bohnenberger_  | Aktionsaussch.,     | Festung
           |                 | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        26 | _Heinr.         | Mitgl. d.           | 1-1/2 J.
           |  Pfeiffer_      | Aktionsaussch.,     | Festung
           |                 | Landshut            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        27 | _Ludwig Vogl_   | im Aktionsaussch.   | 1 J. 4 M.
           |                 | Landshut            | Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        28 | _Franz Mller_  | Soldatenrat         | 1 J. 4 M.
           |                 | Landshut            | Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        29 | _Peter Blssl_  | Aktionsaussch.      | 10 J. Festung
           |                 | Augsbg.             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        30 | _Aug. Hoeck_    | Rev. Arbeiterrat    | 4 J. Festung
           |                 | Augsbg.             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        31 | _E. Ringelmann_ | Zensor in Wrzburg  | 5 J. Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        32 | _Gpfert_       | Brgermeister v.    | 15 M. Festung
           |                 | Rosenheim
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        33 | _Langenegger_   | Wohnungskommissar,  | 3 J. Festung
           |                 | Rosenheim           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        34 | _J.             | Stadtkommand.,      | 4 J. Festung
           |  Rheinheimer_   | Rosenheim           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        35 | _Hans Elbert_   | Propagandist,       | 2 J. Festung
           |                 | Aschaffenburg       |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        36 | _M. Schneller_  | Arbeiterrat,        | 1 J. 3 M.
           |                 | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        37 | _W. Schmidt I_  | Aktionsaussch.,     | 1 J. 3 M.
           |                 | Kempten             | Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        38 | _H.             | Aktionsaussch.,     | 6 M. Festung
           |  Bohnenberger_  | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        39 | _Alfr. Kleiner_ | Rev. Arbeiterrat,   | 1 J. 3 M.
           |                 | Kempten             | Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        40 | _Rich. Blhr_   | Propagand.,         | 1 J. 3 M.
           |                 | Reichartshofen      | Fest.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        41 | _Dreidl_        | Rev. Arbeiterrat,   | 6 Mon. Fest.
           |                 | Kempten             | m.
           |                 |                     | Bewhrungsfr.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        42 | _Penzl_         | Revolut.-Trib.      | 3 J. Zuchthaus
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        43 | _Bergmaier_     | Revolut.-Trib.      | 3 J. Zuchthaus
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        44 | _Ertl_          | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+
        45 | _Rass_          | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
           |                 |                     |
      -----+-----------------+---------------------+
        46 | _Gruber_        | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+
        47 | _Griesbeck_     | Revolut.-Trib.      | } je 1 J. 3 M.
           |                 | Miesbach            |   bis
      -----+-----------------+---------------------+   2. J.
        48 | _Zimmermann_    | Revolut.-Trib.      | } Festung
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+
        49 | _Priller_       | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+
        50 | _Waizmann_      | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+
        51 | _Stohwasser_    | Revolut.-Trib.      | }
           |                 | Miesbach            |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        52 | _R. Steuer_     | Untersuchungsfhrer | 1 J. 3 M.
           |                 | b. Rev.-Gericht,    | Fest.
           |                 | Kempten             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        53 | _J. Miglitsch_  | Sicherheitsdienst   | 1 J. 3 M. Fest.
           |                 | d. A.- u.           |
           |                 | S.-Rte             |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        54 | _Ch.            | Propagandist        | 6 M. Festung
           |  Raitberger_    |                     |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        55 | _Lichtenbauer_  | Rotgardist          | 2 J. Gefngnis
           |                 | (Kempten)           |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        56 | _Jos. Zuner_   | Arbeiterrat         | 1 J. 3. Mon.
           |                 | (Ingolstadt)        | Gef.
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        57 | _Ellenbeck_     | Entwaffnung von     | 3 J. Festung
           |                 | Schutzleuten        |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        58 | _Hehret_        | Entwaffnung von     | 2-1/2 J.
           |                 | Schutzleuten        | Festung
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        59 | _Hans Kain_     | Propagandist        | 6 J. Festung
           |                 | (Starnberg)         |
      -----+-----------------+---------------------+----------------
        60 | _Hans Seffert_  | Polit. Leiter       | 3 J. Festung
           |                 | (Starnberg)         |
      ==============================================================
       =Gesamtstrafe: 204 Jahre, 2 Monate Einsperrung=
      ==============================================================

Demnach sind gegen die Anhnger der bayrischen Rterepublik Strafen von
insgesamt 616 Jahren Einsperrung verhngt worden. Gegen die Anhnger des
Kapp-Putsches 5 Jahre Einsperrung. Dabei ist noch zu beachten, da die
bayrischen Zahlen unvollstndig, die Kapp-Zahlen vollstndig sind.




DIE RECHTSNATUR DER BAYRISCHEN STANDGERICHTE UND DAS SCHICKSAL DER
HINTERBLIEBENEN


Nach der Einnahme von Mnchen durch die Regierungstruppen am 1. Mai 1919
setzten sie Standgerichte genannte, wilde Feldgerichte ein, bei denen
irgend ein Leutnant oder sonst jemand in der Weise Gericht spielte, da
er die Erschieung einfach anordnete. Sogar Unteroffiziere waren so
Richter ber Leben und Tod. Die Gerichte tagten in irgend einer Schenke
ohne Anwendung irgend eines Gesetzbuchs. Akten wurden nicht gefhrt. In
wenigen Minuten wurde das Urteil gefllt und an irgend einer Wand
durch Erschieen vollstreckt.

Eine Unterscheidung zwischen den tdlich Verunglckten (184) und
standrechtlich Erschossenen (186) (vergl. S. 31) ist, da alle
Unterscheidungsmerkmale fehlten, gar nicht durchfhrbar. So sind z. B.
standrechtliche Erschieungen wegen Beleidigung des Offizierkorps
vorgekommen, ebenso wurden zahlreiche Personen erschossen, weil man
angeblich bei ihnen Waffen gefunden hatte, und zwar zu einer Zeit, in
welcher die von der Regierung und vom Oberkommando gesetzte
Waffenablieferungsfrist noch nicht abgelaufen war.


Die 53 unbewaffneten Russen

Mit welcher Willkr bei diesem Standrecht vorgegangen wurde, beweist
der Fall der 53 unbewaffneten Russen in Grfelfing.

Die Rteregierung hatte die in den Gefangenenlagern befindlichen Russen
befreit und zum Eintritt in die Rote Armee aufgefordert. Am 1. Mai
wurden am Bahnhof Pasing 53 Russen, ohne Waffen, in deutscher Uniform,
die aus Mnchen kamen, festgenommen. Sie wurden nach Lochham gebracht
und dort, wie Augenzeugen berichten, schrecklich mihandelt. Als einer
aus der Reihe treten wollte, um seine Unschuld zu beteuern, wurde er
niedergeschossen. Die andern wurden ins Feuerhaus in Grfelfing
eingesperrt. Die dort liegende wrttembergische Sicherheitskompagnie Nr.
21 forderte wtend ihre sofortige Erschieung. Am 2. Mai um 1/2-6 Uhr
morgens wurden alle 52 von einem Standgericht auf einmal zum Tode
verurteilt. Die Russen beteuerten, an Kmpfen nicht teilgenommen zu
haben. Den Gegenbeweis hat das Standgericht gar nicht zu fhren
versucht. In der ganzen Umgebung war nicht gekmpft worden. Um 1/2-9
Uhr vormittags wurden sie in einer Kiesgrube erschossen. Der Fall wurde
vom Staatsanwalt untersucht, doch fand er keinen Grund einzuschreiten.
(Der Kampf, Mnchen, 4. Dezember 1919.)


Das Standrecht des Dr. Roth

Generalmajor Haas, Oberbefehlshaber der Gruppe West, hatte unter
juristischem Beistand durch den spteren _bayrischen Justizminister Dr.
Roth_ am 1. Mai folgenden Tagesbefehl erlassen:

I. a 628.

  Zur Klrung der Befugnisse der Truppen gegenber der Bevlkerung
  wird bekannt gegeben:

    1. Wer den Regierungstruppen mit Waffen in der Hand
    gegenbertritt, wird ohne weiteres erschossen.

    2. Fr Gefangene, die sonst whrend des Kampfes gemacht werden und
    nicht unter Ziffer 1 fallen, hat der Gruppenkommandeur wie im
    Felde Feldgerichte zu bilden, die ber die standgerichtliche
    Erschieung zu befehlen haben.

    Das Urteil ist sofort zu vollstrecken unter Aufnahme einer
    Niederschrift.

    3. In allen brigen Fllen und wenn in Fall 2 nicht auf
    Erschieung erkannt ist, ist Ueberweisung der Festgenommenen an
    das standrechtliche Gericht ntig.

      gez. Haas.

Auf Grund dieses Tagesbefehls wurde am 3. Mai der Angestellte am
stdtischen Schlacht- und Viehhof Josef _Boesl_ (20 Jahre alt) nach
einem standgerichtlichen Verfahren wegen angeblicher Teilnahme an den
Kmpfen in Mnchen mit sechs anderen Personen in der Kapuzinerstrae
erschossen. Das gegen den Generalmajor eingeleitete kriegsgerichtliche
Ermittlungsverfahren wegen fahrlssiger Ttung wurde durch Verfgung des
Gerichtsherrn des Wrttg. Gerichts der 27. Division, Abt. III, vom 16.
Mrz 1920 eingestellt.

In der Begrndung heit es: Dieser Befehl wurde von Generalmajor Haas,
dessen Stabschef Major Seiser und von Hauptmann d. R. Roth,
Bezirkshauptmann bei der Polizeidirektion in Mnchen als juristischem
Berater entworfen, beraten und gutgeheien und vom Kommandeur
verantwortlich gezeichnet. _In seiner Ziffer 2 hatte dieser Befehl keine
Sttze in den bestehenden Gesetzen_ ... Der Kampf der alten Regierung
gegen die Rteregierung war ein Brgerkrieg. Im Nationalittenkrieg
gelten geschriebene und ungeschriebene Gesetze, den Brgerkrieg dagegen
charakterisiert eine gewisse Gesetzlosigkeit.....

Jedenfalls befanden und fhlten sich die Regierungstruppen gegenber den
Rtetruppen in einem fortdauernden Zustand der Notwehr, auf Grund dessen
schlielich jede Tat eine Entschuldigung htte finden knnen. Um die
Rechte der Regierungstruppen zu umschreiben und nicht jeden Exze zu
dulden, erging der Befehl; ein Befehl, der Exzesse verhindern, nicht sie
frdern wollte, der auf keinen Vorgang Bezug nehmen konnte und fr einen
gesetzlosen Zustand erst eine feste Form schaffen mute. Wenn dieser
Befehl allein aus der Not geboren zu der voreiligen Fsilierung gefhrt
hat, so ist dies entfernt nicht in der Absicht dessen gewesen, der ihn
verantwortlich gezeichnet hat, auch konnte dieser Erfolg nicht
vorausgesehen werden.... Wenn trotzdem Fehlgriffe in Gestalt bereilter
Urteile und allzu rascher Vollstreckung derselben vorgekommen sind, so
kann dem Beschuldigten hieraus kein Vorwurf, auch nicht der Vorwurf der
Fahrlssigkeit der Verhinderung der Vollstreckung der Urteile gemacht
werden, weil er von dieser berhaupt nichts erfuhr. Sich die Besttigung
jedes Todesurteils vorzubehalten, war bei den bestehenden Zustnden rein
unmglich und _ein derartiger Befehl wre von den Truppen gar nicht
respektiert worden_. Ausschreitungen waren leider in jenen kritischen
Tagen nicht selten, aber sie hatten ihren Grund in der allgemeinen
krankhaften Erregung aller; den Einzelnen dafr verantwortlich zu
machen, hiee keineswegs der Gerechtigkeit dienen....

Der Vater des Erschossenen wandte sich am 3. Juli 1919 mit einer Eingabe
an das Generalkommando Oven. Dieses teilte ihm am 11. Juli 1919 mit, da
die Eingabe dem bayrischen Ministerium fr militrische Angelegenheiten
zur Begutachtung weitergeleitet wurde. Das Abwicklungsamt des frheren
bayrischen Ministeriums fr militrische Angelegenheiten teilte am
18. Oktober 1919 auf Anfrage des Vaters mit, da die Erhebungen
betreffend der Erschieung seines Sohnes Josef Boesl noch nicht
zum Abschlu gebracht seien. Am 6. Dezember 1919 wurde von der
gleichen Stelle mitgeteilt, da sein Sohn von einem Standgericht des
1. Wrttg. Freiwilligen-Regts. wegen Beteiligung am Kampfe gegen die
Regierungstruppen zum Tode verurteilt worden sei und da das Urteil von
diesem Regiment vollstreckt wurde. Seine Gesuche seien daher an das
Abwicklungsamt Wrttemberg abgegeben worden. Das Kriegsministerium
Stuttgart teilte mit Postkarte vom 10. Dezember 1919 mit, da das
Schreiben des Vaters vom 6. Dezember 1919 dem Wehrkreiskommando
bergeben worden sei. Das Wehrkreiskommando teilte unterm 17. Dezember
1919 mit, das Schreiben sei dem Gericht der frheren 27. Division
in Ulm zur zustndigen Verfgung bergeben worden. Eine Eingabe
des Vaters an den Reichswehrminister vom 22. Mai 1920 wurde an das
Heeresabwicklungsamt Preuen, Verpflegungsabteilung abgegeben, das dem
Vater sachliche Belehrung erteilte. Ein weiteres Schreiben des Vaters
vom 11. Juli 1920 an das Reichsabwicklungsamt wurde nach dessen
Mitteilung an das Heeresabwicklungsamt-Hauptamt zur weiteren Bearbeitung
geleitet. Das Heeresabwicklungsamt Wrttemberg teilte ihm unterm 7.
Dezember 1920 auf den Schadensersatzantrag vom 10. Mai 1920 wrtlich
mit: Eine Rechtsverpflichtung der Heeresverwaltung zum Schadenersatz
liegt nicht vor. Das Heeresabwicklungsamt Wrttemberg bedauert, dem
dortigen Gesuch nicht entsprechen zu knnen. Eine Wiederholung des
Gesuches wre zwecklos; die Auflsung der Abwicklungsstellen des alten
Heeres ist auerdem zum 31. Dezember d. Js. angeordnet.

Diese Behandlung der Hinterbliebenen ist typisch fr die ganzen
Mnchener Flle.

       *       *       *       *       *

Der Ingenieur August _Dorfmeister_ wurde am 2. Mai 1919 im Krppelheim
in der Harlachingerstr. erschossen. Nach den Feststellungen des
Tumultschadenausschusses ist laut Bericht des Kriegsgerichtsrates
bei der Reichswehrbrigade 13. Abteilung Ulm, wahrscheinlich
von einem Standgericht verurteilt worden, das auf Grund des
Befehls des Generalmajors Haas eingesetzt war. Der Beschlu des
Tumultschadenausschusses stellt fest, da dieser Befehl ungesetzlich
war, und da dem Toten irgendwelche Beteiligung an den Kmpfen oder
Gewaltttigkeiten bei der Verfolgung seiner politischen Ziele nicht
nachgewiesen worden seien.

Die in erster Instanz zuerkannte Rente wurde vom
Reichswirtschaftsgericht nach stndiger Praxis gestrichen. Klage zum
ordentlichen Gerichte ist anhngig.

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen Unbekannt eingestellt.


Ein Befehl des General v. Oven

Einen Beweis dafr, da sogar dem Militr die Rechtswidrigkeit der
standrechtlichen Erschieungen bekannt war, bildet der folgende Befehl
vom 5. Mai 1919:

Freikorps Ltzow O. U., Mnchen, den 7. Mai 1919. III Br. B. Nr. 0595
Abschrift von Abschrift.

  Generalkommando v. Oven. Ia/119/V/19 K. H. Qu. den 5. Mai 1919.
  Betr. Verfahren gegen die Bevlkerung.

    1. Wer mit der Waffe in der Hand betroffen wird, wird auf
    der Stelle erschossen.

    2. Wer festgenommen ist, kann nur noch gerichtlich
    abgeurteilt werden; zustndig ist das standrechtliche
    Gericht.

    3. Das standrechtliche Gericht wird seinen Sitz im Gebude
    des Amtsgerichts haben.

    4. _Jedes andere Verfahren gegen Festgenommene ist
    unzulssig, insbesondere die Aburteilung durch
    militrische Feldgerichte. Wo derartige militrische
    Feldgerichte gebildet sind, sind sie sofort aufzuheben;
    etwa von ihnen gefllte Urteile drfen nicht vollstreckt
    werden; mit dem Beschuldigten ist nach Ziffer 2 zu
    verfahren._

    5. Die bisher von den Truppen festgenommenen Personen, die
    sich noch im militrischen Gewahrsam befinden, sind von
    den Truppenteilen in Listen aufzunehmen. Diese Liste mit
    den beizulegenden Tatberichten sind der Stadtkommandantur
    zu bersenden.

      gez. v. Oven, Generalleutnant.
      F. d. R.
      V. s. d. G. K.
      D. Ch. d. G. St.
      gez. v. Unruh, Major.

  Zusatz des Freikorps.

    Sofort.

    Vorstehende Bestimmungen sind den Mannschaften eingehend bekannt
    zu geben.

      A. B. gez. Krner, Rittmeister.

Trotz dieses Befehls sind standrechtliche Erschieungen noch am 7.,
tdliche Unglcksflle noch am 8. Mai vorgekommen.


Die Rechtswidrigkeit der bayrischen standrechtlichen Erschieungen

Durch die Verordnung des bayrischen Gesamtministeriums vom 25. April
1919 wurde fr das rechtsrheinische Bayern das Standgericht verhngt und
Standgerichte im Sinne des Kriegszustandes wurden eingesetzt. Aber die
standrechtlichen Erschieungen sind nicht von diesen Standgerichten
angeordnet worden.

Von dem gesetzmigen bayrischen Standrecht ist nur ein einziges
Todesurteil gefllt worden, nmlich gegen Dr. _Eugen Levin_.

Denn das bayrische Standrecht beruhte auf dem bayrischen Landesgesetze
ber den Kriegszustand vom 5. November 1912. (Gesetz- und
Verordnungsblatt, S. 1161, Webers Gesetzsammlung, Bd. 41, S. 180.) Zu
dem Gesetz sind Vollzugsvorschriften ber das standrechtliche Verfahren
ergangen in einer Ministerialbekanntmachung vom 13. Mrz 1913
(Gesetz-und Verordnungsblatt, S. 97, Webers Gesetzsammlung, Bd. 41, S.
349.), sowie in einer Ministerialbekanntmachung die Vollstreckung der
militrgerichtlich und standrechtlich erkannten Todesstrafen betreffend
vom 17. Mrz 1913. (Bayr. Justiz-Ministerialblatt, 1913, S. 53.)

Ein gesetzliches standrechtliches Verfahren im Sinne des
Kriegszustandsgesetzes und seiner Ausfhrungsbestimmungen lag danach nur
dann vor, wenn das standrechtliche Gericht nach Magabe des Gesetzes und
seiner Ausfhrungsbestimmungen zusammengesetzt war und das gesetzmig
vorgeschriebene Verfahren beachtete. Als Besetzung waren drei
Berufsrichter, zwei Militrpersonen und zwei Laienbeisitzer ohne
Stimmrecht (die Letzteren als eine Art Kontrollpersonen)
vorgeschrieben. Bezglich des Verfahrens waren Art. 7. des
Kriegszustandsgesetzes, die dort angegebenen Vorschriften des bayr.
Feuerbachschen Strafgesetzbuches von 1813 (Webers Gesetzsammlung, Bd. 1,
S. 414) mit den in Art. 7 und den Ausfhrungsbestimmungen dazu
vorgeschriebenen Abnderungen magebend.

Da jedoch bei den sogenannten Standgerichten keine einzige dieser
Bedingungen eingehalten worden ist, so waren diese Standgerichte,
welche ohne Einsetzung durch eine dazu befugte Stelle und ohne irgend
welche gesetzmige und verwaltungsmige Kontrolle ttig waren, nicht
nur ungesetzliche, sondern durchaus gesetzwidrige Einrichtungen.

Dem somit bewiesenen Satz, da die gesamten bayrischen
Standrechtsurteile vllig ungesetzlich waren, haben sich, wie oben
gezeigt, auch die magebenden Behrden angeschlossen.


Gesamtzahl der in Mnchen willkrlich Getteten

Fr die bayrischen Standgerichte waren also keinerlei gesetzliche
Grundlagen vorhanden. Es ist auch von Regierungsseite nie versucht
worden, das Vorgehen der Truppen als legal zu rechtfertigen. Trotzdem
ist gegen keinen der Soldaten, die an den 184 standrechtlichen
Erschieungen mitgewirkt haben, irgendeine Anklage erhoben worden. Im
Fall Lacher dagegen, wo Rotgardisten ein ungesetzliches Standrecht
eingesetzt hatten, wurden Gefngnisstrafen im Gesamtbetrag von ber 50
Jahren verhngt.

Auch die Erschieungen wegen angeblicher oder tatschlicher Beteiligung
am Kampf waren natrlich, da sie von solchen Standgerichten angeordnet
wurden, vllig ungesetzlich.

Fat man die im Stadtbezirk standrechtlich Erschossenen 186 Mann und
die 184 tdlichen Unglcksflle zusammen und rechnet man dazu die 53
in Grfelfing erschossenen Russen, die 20 in Starnberg, die 4 in
Possenhofen, die 3 in Grohesselohe bezw. Grnwald und die 3 in
Grohadern Erschossenen, ferner die in Schleiheim, Harlaching,
Schftlarn und Grofhren Erschossenen (je einer), so kommt man auf eine
Gesamtzahl von _457 in Mnchen willkrlich Getteten_. Auch diese Zahl
ist, da sie grtenteils auf amtlichen Angaben beruht, sicher zu klein.
Im obigen Text (vergl. S. 50) habe ich jedoch nur die amtlich als
tdlich verunglckt Bezeichneten als ermordet gerechnet.

Dabei hatte sich der die Operation gegen Mnchen leitende General von
Oven in Ingolstadt dem Ministerprsidenten Hoffmann gegenber
verpflichtet, da er willkrliche Erschieungen nicht dulden wrde.
Vielmehr sollten alle Gefangenen, auch die Russen der Roten Armee vor
ein Gericht gestellt werden. (Persnliche Mitteilung des jetzigen
Abgeordneten Hoffmann.)


Die Rechtslage der Hinterbliebenen

Trotz der Rechtswidrigkeit der Ttung ist die Rechtslage der
Hinterbliebenen so ungnstig wie mglich. In allen Fllen, in denen
wegen derartiger Erschieungen Anzeige gemacht wurde, wurde die
Untersuchung durch die Militrgerichte und die Militrbehrde gefhrt.
Abgesehen von den Mrdern der katholischen Gesellenvereinsmitglieder,
von denen zwei wegen Diebstahls und zwei wegen Totschlags verurteilt
wurden, haben diese Behrden keinen einzigen Tter ermitteln knnen. In
zahllosen Fllen, in welchen Mordanzeigen unter genauer Angabe der
Persnlichkeiten der Tter, der Tatumstnde und unter Anbietung von
Beweisen gemacht wurden, geschah nichts. In einigen Fllen, wie z. B.
der Ermordung von Gustav Landauer, wurde der betreffende Tter mit der
Begrndung freigesprochen, er htte geglaubt auf Befehl zu handeln.

Die Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprche war von vornherein dadurch
ungeheuer erschwert, da drei Kontingente, das bayrische, preuische und
wrttembergische (Reichswehr gab es damals noch nicht) in Frage kamen,
da also die Ersatzansprche zivilrechtlicher Art sich naturgem gegen
denjenigen Fiskus richten mssen, welchem der Tter wirklich oder
mutmalich angehrte.

Nach Artikel 2 des bayrischen Ausfhrungsgesetzes zur Zivilprozeordnung
vom 23. Februar 1879 (Ges.- und Verordnungsblatt, 1879, Seite 63 und
1899, Seite 401) konnte dabei der Klageweg gegen den Fiskus nur
beschritten werden, wenn zuvor die hchste zustndige Verwaltungsbehrde
(damals das bayrische Militrministerium) um Abhilfe angegangen worden
war und innerhalb sechs Wochen das Abhilfegesuch entweder nicht oder
abschlgig beantwortet hatte. Fr den Ersatzanspruch kommt nach
Bayrischem Rechte der Artikel 60 des bayrischen Ausfhrungsgesetzes zu
B.G.B. vom 9. 6. 1899 und das bayrische Landesgesetz vom 6. Dezember
1913 ber die Haftung des Militrfiskus fr Handlungen von
Militrpersonen (Gesetz- und Verordnungsblatt, Nr. 13, Seite 905) in
Betracht. Nach diesen Bestimmungen konnte der in  839 B.G.B.
bezeichnete Anspruch nur dann gegen den Fiskus gerichtet werden, wenn
eine Amtspflichtverletzung der in Frage kommenden Militrpersonen
festgestellt werden konnte. Nicht dagegen, wenn eine rechtswidrige
Handlung nur bei Gelegenheit der Amtsausbung begangen wurde. Die
Feststellung einer Amtspflichtverletzung durch die Gerichte und eine
Klage auf Schadenersatz wegen Amtspflichtverletzung ist nach bayrischem
Landesrecht wiederum nur mglich, wenn zuvor der bayrische
Verwaltungsgerichtshof eine Vorentscheidung darber gefllt hat, da
die betreffende Militrperson in Ausbung der ihr anvertrauten
ffentlichen Gewalt den Schaden vorstzlich oder fahrlssig einem
Dritten unter Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnis oder Unterlassung einer
ihr obliegenden Amtspflicht zugefgt hat. (Vgl. Artikel 7 Abs. II d.
Bayer. Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 8. August 1878, Ausgabe von Prof.
Dr. Ant. Dyroff.)

Infolge dieser beraus komplizierten Rechtslage und des Umstandes, da
als Gegner im Zivilproze gerade diejenigen Militrfisci figurierten,
welche zugleich die Untersuchung der Sache hatten und begreiflicher
Weise mit dem Material zu ihrer eignen Haftbarmachung nicht
herausrckten, ist in Bayern _keine einzige Haftbarmachung des Fiskus
wegen rechtswidriger Erschieung in den Maitagen gelungen_.

Eine weitere Komplikation ergab sich daraus, da es zweifelhaft war,
welchen Fiskus die Haftung nach Aufhebung des bayrischen Militrfiskus
und Organisation der Reichswehr eigentlich zu treffen habe, da die
fraglichen Staatsvertrge sich wohlweislich ber diesen Punkt
ausschwiegen.


Die Auffassung des Reichswirtschaftsgerichts

In Hinblick auf diese Schwierigkeiten suchen nun die betreffenden
Hinterbliebenen sich dadurch zu helfen, da sie sich wegen Entschdigung
an die nach dem Reichsgesetz ber die durch innere Unruhen verursachten
Schden vom 12. Mai 1920 vorgesehenen Feststellungsausschsse wenden. (
6 des Reichsaufruhrschdenges.)

Gem  1 dieses Gesetzes bestehen Ersatzansprche gegen das Reich wegen
der Schden an beweglichem und unbeweglichem Eigentum sowie an Leib und
Leben, die im Zusammenhange mit inneren Unruhen durch offene Gewalt oder
durch ihre Abwehr unmittelbar verursacht wurden. Auf Grund dieser
Bestimmung haben die drei Mnchener Ausschsse zur Feststellung von
Aufruhrschden einer groen Anzahl von Hinterbliebenen die nach dem
Aufruhrgesetz zustndigen Renten zuerkannt. Diese smtlichen Bescheide
sind auf Beschwerde der Fiskusvertreter von dem nach  7 des
Aufruhrschadengesetzes als Beschwerdeinstanz zustndigen
Reichswirtschaftsgericht unter Abweisung der Schadenersatzansprche
aufgehoben worden. Die drftigen Begrndungen besagten, da die
Erschieung keine offene Gewalt im Sinne des  1 sei, weil die Tter
wenigstens amtliche Befugnisse wahrzunehmen glaubten und keine durch
Abwehr offener Gewalt unmittelbar verursachten Schden, weil durch die
Verhaftung der Erschossenen der Kausalzusammenhang nach  1 unterbrochen
sei, d. h. wie das Reichswirtschaftsgericht sich sehr gewunden
ausdrckt, weil durch die Verhaftung der Erschossenen diese dem Kreise
der Manahmen entrckt waren, welche der unmittelbaren Abwehr der von
den Aufrhrern gebten offenen Gewalt dienen sollten. (Vergl. Seite 36.)

Die grundlegende Entscheidung hat das Reichswirtschaftsgericht am 24.
August 1921 in der Sache der Wwe. Josefa Fichtner von Perlach und 12
Genossen unter XVII A.V. 747/21 gefllt. Seitdem ist eine groe Reihe
gleichartiger Entscheidungen ergangen, welche die fraglichen Ansprche
einfach schematisch abweisen.

In diesen Bescheiden weist das Reichswirtschaftsgericht regelmig, was
der reinste Hohn ist, darauf hin, da die Betroffenen ja die Haftung des
Militrfiskus auf Grund des  839 und der landesrechtlichen
Ausfhrungsgesetze ber die Haftung des Militrfiskus in Anspruch nehmen
knnen, wenn sie glauben, eine Amtspflichtverletzung von Militrpersonen
feststellen zu knnen.

Das Resultat war in allen fraglichen Fllen bisher, da die
Hinterbliebenen der widerrechtlich Erschossenen der Armenpflege zur Last
gefallen sind.


Die juristischen Grundlagen der Erschieungen auf der Flucht

Diese Kniffe der Gerichte sind brigens keineswegs bayrische
Sonderrechte. So lehnte das Oberlandesgericht Hamm eine einstweilige
Verfgung zu Gunsten der Hinterbliebenen des angeblich auf der Flucht
erschossenen Max Maurer (vergl. S. 60) am 31. Oktober 1921 mit folgender
Begrndung ab:

Die Klgerinnen konnten mit ihrem Antrag nur durchdringen, wenn sie
glaubhaft machten, da den Mannschaften des Marineregiments 6 eine
vorstzliche oder fahrlssige Dienstverletzung zur Last fllt, gem den
Bestimmungen des Preuischen Gesetzes ber den Waffengebrauch des
Militrs vom 20. Mrz 1837. Dieses Gesetz ist weder frher (Entscheidung
des Reichsgerichts, Bd. 100, S. 28) noch seit der Revolution abgendert
oder aufgehoben worden. Nach den  1 und 5 des Gesetzes ist das Militr
in allen Fllen zum Waffengebrauch befugt, wenn Verhaftete, Arrestanten
oder Gefangene, welche ihnen zur Bewachung anvertraut sind, zu
entspringen oder beim Transporte zu entfliehen suchen. Im  10 des
Gesetzes heit es: Da beim Gebrauch der Waffen das Militr innerhalb
der Schranken seiner Befugnisse gehandelt habe, wird vermutet, bis das
Gegenteil erwiesen ist. Diese Vermutung gilt, wie mit dem Reichsgericht
anzunehmen ist, als Beweisregel des militrischen Rechtes, solange, bis
sie durch den Nachweis des Gegenteils entkrftet ist. Der Behauptung des
Beklagten gegenber, da der Ehemann und der Vater der Klgerinnen bei
seinem Abtransport nach Gladbeck in der Nhe von Bottrop einen
Fluchtversuch gemacht habe und dabei erschossen worden sei, war also von
den Klgerinnen glaubhaft zu machen, da ihr Ehemann und Vater ohne
einen Fluchtversuch unternommen zu haben erschossen worden sei. Dieses
konnte aber nicht fr glaubhaft gemacht erachtet werden. Die Klgerinnen
haben sich zur Glaubhaftmachung auf die Bekundung des Zeugen Sprenger
bezogen, nach welcher Militrpersonen, welche Maurer festnahmen, erklrt
haben, die Frau Maurer solle sich nur nicht so anstellen, der Mann komme
nicht wieder. Aus dieser Aeuerung der Marinemannschaften wollen die
Klgerinnen entnehmen, da diese von vornherein die Absicht gehabt
haben, ihren Ehemann und Vater ohne weiteres zu erschieen. Dadurch
sei, so machen die Klgerinnen geltend, die Behauptung des Beklagten,
da Maurer bei einem Fluchtversuch erschossen sei, widerlegt. Dem kann
aber nicht beigetreten werden. Die Erklrung der Marinemannschaft, der
Mann komme nicht wieder, von der gar nicht feststeht, in welchem Sinne
sie abgegeben ist, beweist allein nichts gegen die Richtigkeit dieser
Behauptung. Auch die Schuverletzungen, welche die Leiche des Maurer
nach dem Attest des Dr. med. Farrenkopf zu Bottrop aufwies, sprechen
nicht gegen diese Behauptung des Beklagten. Auer mehreren Schssen im
Rcken hat Maurer allerdings einen Halsschu in der Hhe des Kehlkopfes
ungefhr 2 cm links von der Mittellinie erhalten. Es sei aber nicht
ausgeschlossen, da er sich auf der Flucht umgesehen und dabei diesen
letzten Schu bekommen hat. Kann hiernach die Behauptung des Beklagten,
da Maurer einen Fluchtversuch gemacht habe und hierbei erschossen
worden sei, nicht fr durch die Klgerin widerlegt erachtet werden, so
wird diese Behauptung im Gegenteil durch die bereinstimmende Bekundung
des Obermaschinisten Fuchs, des Gefreiten Gaul und des Gefreiten Kruppe
besttigt. Nach diesen Bekundungen hat auf dem Transport nach Gladbeck
in der Nhe von Bottrop, als der Gefreite Gaul kurze Zeit zurckblieb,
Maurer diese Gelegenheit benutzt, um ber das Feld davon zu laufen. Der
Gefreite Kruppe hat ihm dreimal Halt zugerufen und dann, da Maurer
weiterlief, mit dem Gefreiten Gaul zusammen eine Reihe von Schssen auf
ihn abgegeben, bis er zusammenbrach.

Bei dieser Sachlage konnte jedenfalls nicht fr glaubhaft erachtet
werden, da den oben genannten Marinemannschaften nach den Bestimmungen
des Gesetzes ber den Waffengebrauch des Militrs vom 30. Mrz 1837 eine
Dienstverletzung zur Last fllt.

Der Antrag der Klgerinnen auf Erla einer einstweiligen Verfgung war
daher zurckzuweisen. Die Kosten des Verfahrens waren nach  91 Z.P.O.
den Klgerinnen aufzuerlegen.

gez. Eickenbusch, gez. Frencking, Graul, Kalthoff, Gernheim.
(Aktenzeichen 3 U 43--210 L G Hamm.)

Die Begrndung lautet also folgendermaen: Wenn jemand von Soldaten
erschossen wird, so ist nach dem Gesetz vom 20. Mrz 1837 prinzipiell
anzunehmen, da die Soldaten dazu ein Recht hatten. Die Soldaten
brauchen dies gar nicht zu beweisen, sondern die Hinterbliebenen mssen
beweisen, da die Soldaten bei der Erschieung ihre Befugnis
berschritten haben und da ein Fluchtversuch nicht vorgelegen hat, was
natrlich so gut wie unmglich ist. Die hier vorliegenden Beweise, die
den Fluchtversuch widerlegen, werden nicht anerkannt. Der Ausspruch:
Ihr Mann kommt nicht wieder, und der Schu von vorn in den Hals
beweisen nichts gegen den Fluchtversuch.

_Nach diesem Preuischen Gesetz vom 20. Mrz 1837_, das nach dem
Reichsgericht zu Recht besteht, _ist also durch das Zeugnis der Tter
der Beweis der Rechtmigkeit der Ttung einwandfrei erbracht_. Man ist
es zwar in Deutschland gewohnt, da die Mrder strafrechtlich nicht
gefat werden. Bisher hatten aber wenigstens einige Zivilgerichte die
Objektivitt, den Angehrigen der Opfer eine zivilrechtliche
Entschdigung zuzubilligen. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts
wird selbst diese Mglichkeit so gut wie beseitigt.




REGIERUNGSUSSERUNGEN ZU DEN POLITISCHEN MORDEN


Die Stellung des Reichsjustizministers

Prof. Dr. Radbruch hatte in der Reichstagssitzung vom 5. Juli 1921 unter
Berufung auf die Broschre Zwei Jahre Mord sich fr eine Bestrafung
der politischen Morde eingesetzt. Als er selbst Reichsjustizminister
geworden war, schrieb er dem Autor dieser Zeilen folgenden Brief:

Der Reichsminister der Justiz Berlin W 9, den 3. Dez. 1921. Vostr. 4.
Nr. IV c 6900 W

  Fr die auf Ihre Veranlassung durch den Verlag erfolgte
  Uebersendung eines Exemplars der 4. Auflage der Broschre Zwei
  Jahre Mord danke ich verbindlichst. Schon mein Herr Amtsvorgnger
  hat Veranlassung genommen, mit den Justizverwaltungen von Preuen,
  Bayern und Mecklenburg in Verbindung zu treten. Nach den
  Mitteilungen der genannten Justizverwaltungen war in einer Reihe
  der in der Broschre angegebenen Flle ein Verfahren noch
  anhngig, in anderen Fllen wurde auf Grund der Angaben der
  Broschre erneut geprft, ob sich Handhaben fr ein
  strafrechtliches Einschreiten bieten. Ich habe meinerseits die
  Aufmerksamkeit der Justizverwaltungen auf den erweiterten Inhalt
  der neuen Auflage hingelenkt und um kurze Mitteilungen des
  Sachverhalts und des Gangs des Verfahrens in den einzelnen Fllen
  gebeten: Mitteilung der Ergebnisse an den Reichstag ist
  beabsichtigt.

  Auf Seite 50 der Broschre wird zur Kennzeichnung des Verfahrens
  gegen Kapp darauf hingewiesen, da sich der Reichsjustizminister
  Dr. Heintze in der Sitzung des Reichstags vom 27. Januar dieses
  Jahres wie folgt geuert habe: Auch wird man einer
  Vermgensbeschlagnahme gegen Kapp nhertreten. Demgegenber darf
  ich, um Irrtmern vorzubeugen, folgendes bemerken: Der
  Reichsjustizminister hat sich in der Sitzung des Reichstags vom
  26. Januar dieses Jahres zu den Manahmen geuert, die zur
  Verfolgung von Kapp und Genossen ergriffen sind. Nach den
  stenographischen Berichten des Reichstags, 57. Sitzung, S. 2148,
  lautete seine Ausfhrung wrtlich wie folgt:

  Gegen die Herren Kapp und die brigen, die an der
  hochverrterischen Unternehmung beteiligt und strafrechtlich
  verfolgt sind, ist Haftbefehl und Steckbrief erlassen und die
  Vermgensbeschlagnahme angeordnet und selbstverstndlich
  pflichtgem die Manahmen getroffen, die zur Durchfhrung dieser
  Vermgensbeschlagnahme zu treffen sind.

      Dr. Radbruch.

Demnach hat der Reichsjustizminister auf die Behauptung, da in
Deutschland in drei Jahren ber 300 politische Morde von Rechts
unbestraft geblieben sind, nur erwidert, eine Ministerrede sei falsch
zitiert. Dieses falsche Zitat wurde natrlich in der vorliegenden
Ausgabe sofort beseitigt.

Die Kommunisten haben die Radbruch'sche Interpellation im Reichstag
wieder aufgenommen. Die Abgeordneten Plettner, Hoffmann und Bartz haben
am 14. September 1921 folgende kleine Anfrage Nr. 1027 an die Regierung
gerichtet:

Herr E. J. Gumbel hat in einer Broschre Zwei Jahre Mord eine
Zusammenstellung der politischen Morde seit dem 9. November 1918 der
Oeffentlichkeit bergeben. Herr Gumbel stellt fest, da whrend dieser
Zeit sich die von Rechts begangenen Mordtaten auf 314 belaufen, 26
namentlich aufgefhrte Personen stehen unter dem starken Verdacht der
Mordbegnstigung oder Anstiftung, 35 namentlich aufgefhrte Personen
stehen unter dem dringenden Verdacht der Mordausfhrung. Herr Gumbel
stellt weiter fest, da bis heute noch kein politisches sowie
militrisches Mitglied der Kappregierung bestraft wurde, wogegen allein
gegen Mitglieder der bayrischen Rteregierung 519 Jahre 9 Monate
Freiheitsstrafen und eine Anzahl Todesurteile vollstreckt worden sind.

In der Reichstagssitzung vom 5. Juli 1921 hat der Abgeordnete Radbruch
obengenannte Broschre dem Herrn Justizminister berreicht mit der
formellen, ffentlichen Aufforderung, den einzelnen Fllen nachzugehen
und ber das Ergebnis seiner Untersuchung Auskunft zu geben.

Wir fragen an: Hat die Reichsregierung entsprechend der an sie
gerichteten Aufforderung eine Untersuchung der in der Gumbelschen
Broschre aufgefhrten Flle veranlat?

Zu welchem Ergebnis hat die Untersuchung gefhrt?

Was gedenkt die Reichsregierung zu tun gegen die Staatsanwlte und
Richter, die unter vlliger Auerachtlassung jeder richterlichen
Objektivitt die Angeklagten freigesprochen oder das eingeleitete
Verfahren eingestellt haben?

In der Reichstagssitzung vom 30. September 1921 hat darauf Herr Werner,
Geh. Regierungsrat, Ministerialrat im Reichsjustizministerium, Kommissar
der Reichsregierung, folgendes geantwortet: Die strafrechtliche
Verfolgung der Vorflle, die den Gegenstand der Broschre Zwei Jahre
Mord bilden, gehrt nicht zur Zustndigkeit von Organen der
Reichsjustizverwaltung. Der Reichsminister der Justiz hat aber
Veranlassung genommen, die Aufmerksamkeit der Justizverwaltungen
von Preuen, Bayern und Mecklenburg auf die Broschre zu lenken.
Nach den von diesen eingegangenen Mitteilungen ist in einer Reihe
der in der Broschre angegebenen Flle ein Verfahren anhngig, in
anderen Fllen wird der Inhalt durch die zustndigen Organe der
Landesjustizverwaltungen einer Prfung nach der Richtung unterworfen,
ob die gemachten Angaben neue Handhaben zu einem strafrechtlichen
Einschreiten bieten.

Darauf fragte der Abgeordnete Bartz weiter: Ist die Regierung in der
Lage, anzugeben, in welchen Fllen ein Verfahren eingeleitet worden
ist? Der Prsident Loebe aber schnitt die Diskussion ab mit den Worten:
Das Wort wird nicht weiter gewnscht, die Anfrage ist erledigt.

Die Regierung hat also eine Untersuchung angestellt und das Resultat
ist: Sie kann nicht behaupten (was sie doch sicher gern getan htte),
da auch nur ein einziger der vielen dargestellten Flle unrichtig sei.
Damit ist also die Richtigkeit der Behauptungen zugegeben.

Die von Herrn Radbruch bereits am 3. Dezember 1921 angekndigte
Denkschrift ist noch immer nicht erschienen. Als der Verfasser in einer
Versammlung uerte, da diese Denkschrift nie erscheinen werde, schrieb
ihm Herr Radbruch folgenden Brief:

Der Reichsminister der Justiz. Berlin W 9, den 2. Mai 1922. Vostr. 5.
Nr. IV c 1144. W.

  In der von dem Bund Neues Vaterland einberufenen ffentlichen
  Volksversammlung am 27. April d. Js. haben Sie Zeitungsnachrichten
  zufolge ausgefhrt, da ich zwar eine Denkschrift ber die Flle
  in Ihrer Broschre Zwei Jahre Mord in Aussicht gestellt habe,
  da diese Denkschrift aber niemals erscheinen werde. Demgegenber
  lege ich Wert darauf, Ihnen an Hand der Akten Kenntnis von den
  Schritten zu geben, die ich unternommen habe, um dem Reichstag
  eine Darstellung des Sachverhalts und des Ganges des
  strafrechtlichen Verfahrens in den einzelnen Fllen zugnglich zu
  machen; ich wrde es deshalb begren, wenn ich Ihrem Besuch in
  der nchsten Zeit entgegensehen drfte. Wegen des Zeitpunktes
  bitte ich um vorherigen telephonischen Anruf.

      Dr. Radbruch.

Als der Schreiber dieser Zeilen darauf Herrn Radbruch besuchte, zeigte
er ihm mit anerkennenswerter Offenheit die Vorarbeiten zu dem Weibuch.
Darin sind alle Behauptungen dieses Buches mit drren Worten amtlich
besttigt. Noch mehr: Die Wirklichkeit bertrifft die Angaben um vieles.
_Und gerade deswegen ist der Autor dieser Zeilen heute mehr denn je
berzeugt, da die angekndigte Denkschrift trotz der guten Absichten
des Ministers nie erscheinen wird._


Die unzustndigen Staatsanwlte

Die Broschre Zwei Jahre Mord war an smtliche Staatsanwaltschaften
Deutschlands geschickt worden, in deren Bereich Morde passiert waren. Im
folgenden die Antworten:

Der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht. Potsdam, den 28. Aug. 1921.
IX./199.

  Den Empfang Ihrer mir zugesandten Broschre Zwei Jahre Mord
  besttige ich Ihnen mit Dank.

  Insofern scheint aber bei Ihrer Zuschrift ein Irrtum obzuwalten,
  als Sie meine Zustndigkeit fr die strafrechtliche Verfolgung
  einer Reihe von Morden annehmen. Ich habe bei der Durchsicht des
  Buches keinen einzigen Fall finden knnen, in dem durch den Ort
  der Tat meine Zustndigkeit in Betracht kommt. Es haben auch nach
  Ihrer eigenen Darstellung in allen Fllen bereits strafrechtliche
  Ermittlungsverfahren seitens der zustndigen Stellen
  stattgefunden.

      In Vertretung: Unterschrift unleserlich.

Der Oberstaatsanwalt. Marburg, den 31. August 1921. 3a J 817/21

  Auf Ihr am 29. August 1921 eingegangenes Schreiben unter
  gleichzeitiger Uebersendung der Broschre Zwei Jahre Mord
  erhalten Sie den Bescheid, da ich nicht in der Lage bin, wegen
  der darin geschilderten angeblichen Straftaten einzuschreiten, da
  in keinem der Flle der Tatort im hiesigen Bezirk liegt, und auch
  keiner der Tter im hiesigen Bezirk seinen Wohnsitz hat.

      I. V.: Ludwig.

Der Oberstaatsanwalt. Hagen i. W., den 19. Sept. 1921. XV. 11/2227.
Betrifft: Uebersendung des Buches: Zwei Jahre Mord.

  Von den in dem Buch geschilderten Ereignissen hat keines sich in
  dem mir unterstellten Bezirk abgespielt. Ich habe daher zu
  Manahmen keinen Anla.

      gez. Schenk. Stempel.
      Beglaubigt. Hoffmann, Kanzleiangestellter.


Verfahren schwebt

Der Generalstaatsanwalt. Hamm, den 8. September 1921. Geschfts-Nr. I
350 1. 3771.

  Soweit die in Ihrem Buch Zwei Jahre Mord erwhnten Flle sich im
  hiesigen Bezirke ereignet haben, schweben Ermittlungsverfahren.

      I. V.: gez. Dr. Wilde.
      Stempel. begl.: Fritz, Kzl.-Inspektor.

Der erste Staatsanwalt bei dem Mecklenburg-Schwerinschen Landgericht zu
Rostock i. Meckl. Rostock, den 19. Sept. 1921. Nr. J. 3334/21.

  Zu Ihrer Vernehmung vom 5. 9. 1921 betr. Ihre Broschre Zwei
  Jahre Mord teile ich Ihnen hierdurch folgendes mit:

  Ihre Ansicht, da auch die angeblich in Niendorf bei Wismar
  begangene Bluttat zur Zustndigkeit der Rostocker
  Staatsanwaltschaft gehre, ist falsch.

  Es kommt Niendorf bei Kleinen in Frage, welches zur Zustndigkeit
  der Staatsanwaltschaft Schwerin gehrt. Sie schreiben ja auch
  selbst, da die Staatsanwaltschaft in Schwerin das Verfahren
  eingestellt hat.

  Wegen des von Ihnen unter der Ueberschrift Taten der Demminer
  Ulanen behandelten Tatbestandes bemerke ich folgendes:

  1. Wegen der Erschieung des Arbeiters Grbler ist bei der
  hiesigen Staatsanwaltschaft seit Juni v. J. ein
  Ermittlungsverfahren anhngig, welches, da die Ermittlungen sehr
  schwierig und zeitraubend sind, bis heute noch nicht hat
  abgeschlossen werden knnen.

  2. Wegen der Schicksale der brigen seinerseits in Gnoien
  verhafteten Arbeiter hat hier gleichfalls zunchst ein
  Ermittlungsverfahren geschwebt. Nachdem sich aber herausgestellt
  hatte, da die gelegentlich des Abtransportes der Gefangenen
  vorgekommenen Bluttaten auf preuischem Gebiet vor Demmin und in
  Demmin sich zugetragen haben, habe ich das betr. Verfahren
  insoweit zustndigkeitshalber am 14. Dezember 1920 an den 1.
  Staatsanwalt in Greifswald abgegeben.

  3. Fr die Erschieung des Stadtrates Seidel in Stavenhagen bin
  ich gleichfalls nicht zustndig.

  Soviel ich wei, ist dieserhalb ein Ermittlungsverfahren beim 1.
  Staatsanwalt in Gstrow anhngig gewesen.

      Unterschrift unleserlich.

Der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht. Breslau, den 31. August 1921.
II 38/93

  Ihr Buch Zwei Jahre Mord habe ich erhalten. Zu meinem Bedauern
  bin ich aber auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen
  nicht in der Lage, Ihnen Ausknfte ber schwebende oder
  abgeschlossene Strafverfahren zu erteilen, soweit sie in Ihrem
  Buch behandelt sind und in den Bereich meiner Zustndigkeit
  fallen.

      I. V.: Poppendick, Erster Staatsanwalt. Stempel.
      Beglaubigt. Sterk, Kzl.-Inspektor.

Der Generalstaatsanwalt beim Landgericht I. Berlin NW 52, Turmstr. 91,
den 25. April 1922. i J. 328/22.

  In Ihrer Broschre Zwei Jahre Mord 4. Aufl. S. 19, berichten Sie
  ber die Erschieung des Gastwirts Wilhelm Bilski und geben an,
  da nach Aussage von Zeugen der die Erschieung leitende Offizier
  ein Leutnant Baum gewesen sei. Da sich diese Angabe in den Akten
  nicht befindet, so bitte ich Sie ergebenst um schleunige
  Mitteilung, worauf Ihre Kenntnis des Sachverhalts besteht und um
  Benennung aller Personen, die ber die Tat oder die Tter irgend
  welche Auskunft zu geben vermgen.

      I. A.: gez. Dr. Burchardi, Staatsanwaltschaftsrat.
      Beglaubigt. Stempel. Schmidt, Kanzleiangestellter.


Verfahren eingestellt

Der Oberstaatsanwalt. Flensburg, den 20. Okt. 1921. 3 J 2889/20 5

  Ihre Schrift Zwei Jahre Mord ist mir in Ihrem Auftrage vom
  Verlage Neues Vaterland zugesandt worden, da in ihm aufgenommen
  sind eine Reihe von Morden, die innerhalb des fr mich
  zustndigen Gebietes vorgekommen sind. In Frage kommt aber
  lediglich die mit der Ueberschrift Der Arbeiter Paul Hoffmann in
  Flensburg auf Seite 47 erwhnte Erschieung dieses Mannes in der
  Nacht zum 19. Dezember 1920. Ueber diesen Vorfall ist am 29.
  Dezember 1920 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und am 3.
  Januar 1921 Voruntersuchung gegen den Major von Plskow, Leutnant
  Dewald, Wachtmeister Arend und Kaufmann Reichardt beantragt
  worden. Nach ihrem Abschlu sind die Angeschuldigten durch
  Beschlu der Strafkammer des Landgerichts Flensburg vom 12. April
  1921 auer Verfolgung gesetzt worden.

  Da Sie nach dem Inhalt Ihrer Schrift sowie dem Begleitschreiben
  mit der Strafprozeordnung sicher soweit vertraut sind, um zu
  wissen, da ich in einem Fall wie dem des Arbeiters Hoffmann von
  Amts wegen einzuschreiten habe, trotzdem es aber nicht fr richtig
  gehalten haben, vor Herausgabe Ihrer Schrift Auskunft ber das
  Ergebnis meiner Ermittlungen zu erfordern, mir diese vielmehr erst
  zugesandt haben, nachdem sie in zweiter Auflage erschienen ist,
  glaube ich davon ausgehen zu drfen, da meine Begrndung des
  Antrages auf Auerverfolgungsetzung der Angeschuldigten und die
  Grnde des ihm stattgegebenen Strafkammerbeschlusses fr Sie ohne
  Interesse sind.

  Eine frhere Antwort war nicht mglich, da die Akten versandt
  waren.

      I. A.: gez. St.-A.-Rat Stolterfoth. Stempel.
      Beglaubigt: Boese, Kanzleiinspektor.

Der Oberstaatsanwalt. Essen, den 31. Oktober 1921. 18 J 738/20

  Auf Ihre am 28. August 1921 hier eingegangene Strafanzeige
  betreffend die Erschieung zweier Arbeiter in Essen.

  In der fraglichen Angelegenheit sind bereits April 1920 von mir
  und seitens der Militrbehrde eingehende Ermittlungen angestellt
  worden. Smtliche in Frage kommenden Zeugen, auch die in Ihrer
  Broschre benannten, sind vernommen worden. Die Tter haben jedoch
  nicht ermittelt werden knnen. Ich habe daher das Verfahren
  eingestellt.

      Unterschrift: Unleserlich.

Von den 35 Staatsanwaltschaften haben 26 nicht geantwortet, insbesondere
die Staatsanwaltschaft Mnchen, wo die meisten Flle passiert waren.
Alle Antworten betreffen entweder Zustndigkeitsfragen oder sie lehnen
Auskunft ab oder sie geben die Richtigkeit meiner Angaben zu. Auf die
Materie selbst geht keine Antwort nher ein. Kein Staatsanwalt hat
versucht, die Richtigkeit meiner Darstellung zu bestreiten. Aber auch
kein Staatsanwalt hat auf Grund der hier mitgeteilten Tatsachen ein
eingestelltes Verfahren wieder aufgenommen oder ein neues erffnet. 330
politische Morde, wovon 4 von links und 326 von rechts begangen wurden,
sind und bleiben unbestraft.




DIE ORGANISATION DER POLITISCHEN MORDE

      _Ich habe die Mrderorganisationen als Illusion,
      als Hirngespinst, als exaltierte Meinung
      Einzelner angesehen, die irgendwelche Erscheinungen
      verallgemeinerten. Ich mu mit tiefer
      Erschtterung feststellen, da ich an dieser
      Feststellung nicht mehr festhalten kann._
      _Abg. Stresemann, Reichstag am 5. Juli 1922_


Wie oben gezeigt, sind in den letzten Jahren die meisten bedeutenden
Fhrer der extremen und gemigten Linken bis in die Reihen des Zentrums
durch ungesetzliche Handlungen beseitigt, dagegen ist kein einziger
Fhrer der extremen Rechten gettet worden. Ueberhaupt sind von den
Linksradikalen nur wenige Morde begangen worden, von den Rechtsradikalen
sehr viele. Diese Morde sind auerordentlich differenziert. Jeder hat
seine Eigenheit. Trotzdem lassen sich die bisherigen politischen Morde
von Rechts auf drei Typen zurckfhren, die sich im wesentlichen mit der
Zeit ablsten.


Die unorganisierten Morde

Es bricht ein Linksaufstand aus oder es wird ein solcher provoziert (Typ
1919). Einwohnerwehr, Studentenkorps und Freiwilligenverbnde arbeiten
an seiner Unterwerfung. Bei dieser Gelegenheit murkst man im Zeichen der
Ruhe und Ordnung die persnlich oder durch Denunziation guter Freunde
bekannten, ehrlichen Republikaner ab: Das sind Spartakisten. Weg damit!

Die Truppen begehen zum Teil im angetrunkenen Zustand, zum Teil
durch falsche Nachrichten aufgestachelt eine Reihe von weiteren
Scheulichkeiten. Die Offiziere sind fast immer beteiligt.

Das brgerliche Publikum, die sogenannte ffentliche Meinung, sieht in
seiner blinden Angst um das heilige Eigentum nur die Gefahr, die ihm in
dem Aufstand von Links droht. Die Verletzung des Rechtes aber, die in
der Ermordung von angeblich am Aufruhr Beteiligten, meistens aber vllig
Unbeteiligten besteht, lt es kalt. Denn der Satz, da ein Aufrhrer
auch ein Recht auf seinen Richter hat und nicht von einem kleinen
Leutnant umgebracht werden darf, ist ihm keine Realitt. Dies ist ein
abstrakter Satz, der nichts mit dem Schutz des Eigentums zu tun hat.

Dieser sozusagen handwerksmige Mord ist im kleinen Umkreis wirksam.
Doch nur hier. Unfhig ist er, die groen, bekannten Republikaner zu
erfassen. Hierzu dienen andere, bessere Methoden industrieller Art.


Die halborganisierten Morde

Ein Putsch von Rechts wird bentzt. Viel unverhllter kann hier gemordet
werden. Trotzdem legt man groen Wert auf Aufrechterhaltung der
Fiktionen. So wird die Behauptung verbreitet, ein Aufstand von Links sei
vorbereitet und man wolle nur der rechtmigen Regierung dagegen helfen.
Dann verfhrt man wie oben. Aber whrend man vorher willkrlich mordete,
ist man jetzt bereits auf Auswahl der Richtigen bedacht. Lngst durch
geheime Organisationen vorbereitete Listen dienen diesem Zweck. Man ist
nicht etwa weniger blutdrstig und scheut auch nicht vor Massenmord
zurck, aber man ist zielstrebiger geworden. Die Widerstrebenden, die
sich dem Aufbau, der Regierung der Arbeit widersetzen, werden auf
Grund der erlassenen Gesetze durch Standrecht beseitigt. Gelingt der
Putsch, um so besser, milingt er, so werden die Gerichte schon dafr
sorgen, da den Mrdern nichts passiert. Und sie haben dafr gesorgt.
Kein einziger Mord von Rechts ist wirklich geshnt. Selbst gegen
gestndige Mrder wird das Verfahren auf Grund der Kapp-Amnestie
eingestellt.

Die beiden Methoden sind trotz ihrer Wirksamkeit nicht zu allen Zeiten
brauchbar. Vor allem nicht in ruhigen. Doch sind sie Vorarbeit;
Bausteine zum Ziel: Tod allen Republikanern; Methoden zum Ausbau der
Organisation.


Der hochorganisierte Mord

Am aufflligsten sind die Morde, die in Zeiten vollkommener Ruhe
begangen wurden, wo weder ein wirklicher noch ein fiktiver Aufstand von
Links vorlag. Hier versagen die bisherigen Entschuldigungen und
Beschnigungen. Es bleiben nur zwei Methoden brig.

Erstens wird gesagt, es lohne nicht, darber so viel Aufsehens zu
machen. Der Mann war ja verrckt, er litt an Verfolgungswahn. Er
glaubte, er werde eines Tages umgebracht. Ist dies nicht Beweis genug,
da er sein kommendes Los erkannte? Man sieht, was fr Menschen zur
Linken gehren. Indem man dem Toten sein einziges Gut, seinen guten
Namen raubt, befreit man sich durch diesen leichenschnderischen Dreh
von jeder Verantwortung. Immerhin verspricht die Regierung natrlich
eine strenge Untersuchung. Von Zeit zu Zeit kommen immer krzere
Berichte ber den ordnungsgemen Verlauf. Neue politische Probleme
fllen die Zeitungen, nach einiger Zeit ebbt es in der Bltterflut ab.
Nur einige Zeitungen, die immer schreien, klffen noch. Bald ist der
Tote vergessen.

Oder der Mord wird schon vorher der Oeffentlichkeit plausibel gemacht.
Das Opfer mu derart verdchtigt werden, da seine Ermordung als ein
befreiender Schritt, als eine Heldentat angesehen wird. Endlich ist
Deutschland diesen Menschen los, der so viel Unglck ber sein Vaterland
gebracht hat. Viele Feinarbeit, hohe Kultur, glnzende Vorbereitung,
planmiges Zusammenwirken gehren dazu, bis das Opfer erliegt. Angesagt
zhlt doppelt. Daher zunchst in der Oeffentlichkeit systematische Hetze
zum Mord: Der Mann ist ein Schdling. Er mu weg. Nur die nationale
Einheitsfront kann helfen. So belfert die Presse. Bis selbst der Letzte
der Letzten in Kleinkuhdorf das wei.


Gibt es Mordorganisationen?

Mordorganisationen im eigentlichen Sinn des Wortes, d.h. Organisationen,
deren einziger Zweck der politische Mord ist, gibt es im heutigen
Deutschland wahrscheinlich nicht. Wohl aber Organisationen, die den
politischen Mord als Nebenzweck oder als Mittel zum Zweck bejahen. Ihre
eigentlichen Ziele sind nationalistische. Drei an sich trennbare Ziele
vereinen sich in ihnen. Das erste ist das _monarchistische_. Daher
wenden sich diese Organisationen gegen die Republik und vor allem gegen
ihre Reprsentanten. Dabei sind sich jedoch die verschiedenen
Organisationen weder ber die Form der kommenden Monarchie (ob absolut
oder konstitutionell) noch ber ihren Umfang (Deutscher Einheitsstaat
oder Rckkehr aller Herrscher) noch ber die Person des knftigen
Monarchen (Wittelsbach oder Hohenzollern) einig. Vor allem fehlt ein
populrer Thronkandidat. Dieser glckliche Zufall wird vielleicht
hnlich wie in Frankreich nach 1870 die Republik retten.

Die zweite Tendenz ist die _imperialistische_. Der Friedensvertrag von
Versailles hat Deutschland zerstckelt und hat ihm Gebiete mit deutscher
Bevlkerung genommen. Demgegenber sind Bestrebungen auf Wiedergewinnung
der gegen ihren Willen von Deutschland abgetrennten Gebiete und auf
Verbesserung von Deutschlands konomischer Lage vollkommen berechtigt.
Darber hinaus befrworten diese Vereine eine ausgesprochen
imperialistische Politik, insbesondere den Rachekrieg.

Die dritte Wurzel dieser Bewegungen ist der _Antisemitismus_. Er geht
von ganz bertriebenen Vorstellungen ber die Bedeutung und den Einflu
der Juden aus.

Auch diese drei Programme werden zum Teil offiziell nicht zugegeben. Sie
treten der Oeffentlichkeit gegenber hinter berufsstndischen, anderen
politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Zielen zurck. Bei
manchen Organisationen wird sogar streng an der Fiktion der politischen
Neutralitt festgehalten. Ueberall spielen die Offiziere der alten Armee
die grte Rolle.

Die drei Bewegungen kommen meistens untereinander vermengt vor. Die
meisten Geheimbndler sind gleichzeitig Monarchisten, Imperialisten und
Antisemiten. Die extremistische Einstellung der Organisationen fhrt sie
zu dem Glauben, da man mit der Ttung eines politischen Gegners
gleichzeitig die von ihm vertretenen Ideen beseitigen knne. Eine
zweite, davon prinzipiell verschiedene Wurzel von politischen Morden ist
die manchmal zwingend auftretende Notwendigkeit der Beseitigung von
unbequemen Mitwissern, von denen man einen Verrat der Organisation
befrchtet.


Kommunistische Geheimorganisationen

Da es auch kommunistische Geheimorganisationen gab, ist nicht zu
bestreiten. Nach der Mentalitt dieser Partei, die z. B. den
Mrzaufstand 1921 verursacht hat, ist an deren Existenz kaum zu
zweifeln. Aber die Nachrichten hierber haben sich in allen Fllen als
malos bertrieben herausgestellt. Wo solche Organisationen tatschlich
bestanden, haben stets Spitzel und Provokateure von Rechtsparteien eine
groe Rolle gespielt. Das liegt daran, da die Partei berhaupt mit
Spitzeln stark durchsetzt ist. In Mnchen hat man sogar Bezirksfhrer,
also Funktionre, als Angehrige der Polizei entlarvt.

In vielen Fllen waren auch die Nachrichten ber kommunistische
Geheimorganisationen nach der bewhrten Methode Haltet den Dieb
einfach aus der Luft gegriffen. Zur Verbreitung der Berichte dienten
eigene deutschnationale Nachrichtenstellen.

Auch ein Mann, dem man dies eigentlich nicht zutrauen sollte, General
Ludendorff, hat sich neuerdings diesem Verfahren angeschlossen. In
einem Interview mit dem Berliner Korrespondenten der Daily Expre߫
(Vossische Zeitung, 25. Juli 1922) sagte er: Die Erklrung der
Ermordung Dr. Rathenaus liegt in der Tatsache, da die Ermordung
deutscher Minister vor mehr als einem Jahr von kommunistischen
Organisationen beschlossen worden ist. In ernsten politischen Kreisen
gibt es keine Mrderorganisation. Einen Beweis fr diese Behauptung hat
Ludendorff nicht angetreten.

Ich will natrlich die Mglichkeit kommunistischer Geheimorganisationen
nicht leugnen. Wahrscheinlich haben sie auch politische Schden
angerichtet. Sicher aber ist, da sie fr keinen einzigen politischen
Mord verantwortlich zu machen sind.


Geschichte der Geheimorganisationen

Die Geheimbnde sind erwachsen auf dem Boden der Deutschen
Vaterlandspartei. Nach der Revolution sammelten sie sich wieder in den
offiziell unpolitischen Brgerrten, Einwohnerwehren, Freikorps. Den
grten Sammelherd, aus dem pilzartig die Geheimorganisationen
entsprangen, bildete das Baltikumabenteuer. Unter einem angeblichen
Frsten Awalow-Bermondt und unter dem Grafen v. d. Goltz bildeten sich
Armeen, z. B. die eiserne Division, die sogar eigenes Papiergeld
(gedeckt durch die der deutschen Regierung gehrigen Waffenvorrte)
ausgaben. Die Hoffnung auf Land trieb viele demobilisierte Soldaten
dazu, sich von den von der deutschen Regierung ffentlich untersttzten
Verbnden anwerben zu lassen. Nach dem klglichen Scheitern des zuerst
gegen die Bolschewisten, dann gegen die lettische Regierung gefhrten
Kampfes fluteten die Baltikumer nach Deutschland zurck. Sie waren die
Grundlage fr den Kapp-Putsch, der ja auch mit der Fiktion des Kampfes
gegen den Bolschewismus inszeniert wurde. Kaum war er gescheitert, so
rief die Ebertregierung, die vor den aufrhrerischen Truppen hatte
flchten mssen, dieselben Truppen zum Kampf gegen die Arbeiter ins
Rheinland. Natrlich muten so die am Kapp-Putsch beteiligten Truppen
dieses Unternehmen fr vollkommen legal halten.

Die Freikorps wurden zum groen Teil auf Betreiben der Entente
aufgelst. Dies ging nicht immer einfach vor sich. So sollte z. B. in
Soest im Juni 1920 die Maschinengewehrkompagnie Libau (eine baltische
Formation, die seit dem November 1919 in Deutschland verpflegt wurde)
aufgelst werden. Sie leistete Widerstand und es kam zu einer Schieerei
mit der Reichswehr, bei der fnf Reichswehrsoldaten gettet und mehrere
schwer verwundet wurden. Vor dem Kriegsgericht in Mnster kam es zur
Verhandlung. Die Baltikumer gaben an, sie htten geglaubt, Bolschewiki
vor sich zu haben und wurden auf Grund dieses Putativ-Spartakismus
freigesprochen. (Freiheit, 23. Juni 1920.)

Dagegen wurde ein Soldat namens Kaiser, der sich nach dem Kapp-Putsch
unerlaubt aus der Ehrhardt-Brigade entfernt hatte, weil er von einem
Offizier mihandelt worden war, zu sechs Wochen Gefngnis verurteilt.
(Preu. Landtag, 22. Mai 1922.) Auf eine Interpellation antwortete die
Regierung, die Strafe bestehe zu Recht, weil die Marinebrigade des
Kapitn Ehrhardt eine Truppe im Sinne des Militrstrafgesetzes gewesen
sei.

Aus dem Lebenslauf der einzelnen Individuen kann man den Werdegang der
ganzen illegalen Bewegung studieren. Ein groer Teil der Mitglieder,
soweit sie bekannt geworden sind, war nicht im Feld, weil sie damals
noch zu jung waren. Zum Teil dienten sie als Hilfsdienstpflichtige oder
als Jugendwehr. Dann wurden sie Mitglied einer Einwohnerwehr, kmpften
in Freikorps gegen die bayerische Rterepublik, dann im Baltikum,
machten den Kapp-Putsch mit und zuletzt finden wir sie beim Selbstschutz
in Oberschlesien.


Oberschlesien

Zwei Zentren hat die Bewegung: Oberschlesien und Mnchen. Beide sind
intim verknpft. So hat z. B. das Freikorps Oberland in beiden
gekmpft.

In Oberschlesien sollte nach dem Vertrag von Versailles eine
Volksabstimmung stattfinden. Die Entente verschob jedoch den Termin der
Abstimmung von Monat zu Monat. So entstand unerhrte politische
Spannung. Resultat waren drei Aufstnde der Polen. Die polnische
Regierung lehnte zwar offiziell jede Beteiligung daran ab. Doch kann man
es als gesichert hinnehmen, da sie die Bestrebungen, ein fait accompli
zu schaffen, wie etwa in Posen oder Wilna, insgeheim begnstigte. Den
ersten Aufstand schlugen deutsche Truppen nieder. Von beiden Seiten sind
dabei unerhrte Grausamkeiten vorgekommen. Beim zweiten Aufstand
sammelten sich die Deutschen in eigenen Organisationen, dem sogenannten
Selbstschutz, der ursprnglich nur aus geborenen Oberschlesiern bestehen
sollte, dann aber auch aus dem brigen Reich regen Zuspruch erhielt.
Bald ging man dazu ber, auch diejenigen Deutschen zu bekmpfen, denen
man mit Recht oder Unrecht internationale Neigungen zuschrieb. Auch
Angehrige der Besatzungstruppen wurden ermordet. Aus dem groen
diesbezglichen Material mgen nur einige typische Flle aufgefhrt
werden: Dr. Milecki aus Kattowitz wurde am 17. August 1919 gelegentlich
der Hilfeleistung bei einem polnischen Verwundeten ermordet. In Hallimba
wurden am 17. August 1919 zwei Arbeiter auf der Flucht erschossen.
Ende Mai 1920 wurde der Besitzer des Hotels Deutsches Haus in
Krappitz, Valentzyk, aus dem Gefngnis geholt. Die Mannschaft bestand
aus dem Pferdewrter Eduard Seirer aus Pasing, dem Kriminalinspektor
Fischer aus Bernburg (alias Friedrich) und dem Kriminalwachtmeister
Josef Bump aus Carlskron. In Valentzyks Hotel war whrend der
Besatzungszeit die franzsische Intendantur untergebracht gewesen. Auf
Befehl des Freikorps Oberland wurde er an eine entlegene Stelle im Wald
gefhrt und dort von _Bump_ erschossen.

Am 30. Juli 1920 wurden drei Gefangene des Freikorps Oberland, Karl
Grlitz aus Grlitz, Stefan Stellmach aus Bismarckhtte und ein gewisser
Kauert, angeblich Kommunist, frher Freiwilliger des Bataillons
Oesterreicher, von der Strae nach Kasimir weg in den Wald gefhrt und
von Muweiler (alias Weiland) erschossen. Die Leichen wurden
ausgeplndert. (Paul Frhlich Wider den weien Mord.) Am 30. Juni 1921
wurde der Betriebsrat der Bismarckhtte, Bruno Bochymek auf der
Flucht erschossen. Man erinnere sich ferner an den Ueberfall in
Petersdorf, wo u. a. der Spitzel Seichter ermordet wurde. (WTB., 18. Mai
1922.) Auch in allerneuester Zeit sind Lynchungen durch den Selbstschutz
vorgekommen. In Oppeln, Gleiwitz und anderen Orten Oberschlesiens wurden
Frauen, die sich whrend der Besatzungszeit mit Franzosen eingelassen
hatten, nackt ausgezogen, kahlgeschoren, mit Teer angestrichen und mit
Peitschen durch die Straen gehetzt. (Deutsche Zeitung, 13. Juli
1922.)


Der bayrische Partikularismus

Der Brennpunkt der ganzen Bewegung ist in Mnchen zu suchen. Der
Ausnahmezustand, der dort jahrelang aufrecht erhalten wurde und die
Sondergerichte, beides Organisationen, die sich ausschlielich gegen
Links wandten, begnstigten in hohem Ma die Bildung und verbrecherische
Ttigkeit der Geheimorganisationen.

Der andauernde Kampf gegen das Reich hat zum groen Teil den Sinn, die
Geheimbnde zu schtzen. Denn sie sind die Haupttrger der
monarchistischen Propaganda und sind daher bei den im Grunde genommen
monarchistischen Regierungen Kahr und Lerchenfeld beliebt. Die angeblich
altbayrische Tradition der bayrischen Regierung ist eine reine Fiktion;
denn Bayern war frher keineswegs ausgesprochen monarchistisch. Dazu
kommt, da die Haupttrger dieser bayrischen Fronde tatschlich
Ludendorff und die ihn umgebenden Teilnehmer der frheren obersten
Heeresleitung, also gar keine Bayern sind.

Seit dem Reichenhaller Kongre der russischen Monarchisten beginnen auch
diese in Bayern eine Rolle zu spielen. In der Oeffentlichkeit treten sie
natrlich nicht hervor.

Die augenblicklich in Bayern herrschende Stimmung wird wohl am besten
durch die Tatsache beleuchtet, da ein anerkannter katholischer
Gelehrter, Domdekan Kiefel aus Regensburg, im Vorwort seines Buchs
Katholizismus und modernes Denken vom Grafen Arco, dem Mrder Eisners,
schreiben konnte: Unser jugendlicher Nationalheld dessen selbstloser
Idealismus allein in unserem Volk neues Leben entznden knnte. Das
Bild Arcos ist in vielen Schaufenstern zu sehen. Seine Heimatgemeinde
gab sogar Notgeld mit seinem Bild heraus, das allerdings bald aus dem
Verkehr gezogen wurde.


Namen von Geheimorganisationen

Im Folgenden einige Namen von solchen Organisationen: Verband
nationalgesinnter Soldaten, Bund der Aufrechten, Deutschvlkischer
Schutz- und Trutzbund, Stahlhelm, Organisation C, Freikorps und
Reichsfahne Oberland, Bund der Getreuen, Kleinkaliberschtzen,
Deutschnationaler Jugendbund, Notwehrverband, Jungsturm, Nationalverband
Deutscher Offiziere, Orgesch, Robach, Bund der Kaisertreuen, Reichsbund
Schwarz-Wei-Rot, Deutschsoziale Partei, Deutscher Orden, Eos, Verein
ehemaliger Baltikumer, Turnverein Theodor Krner, Allgemeiner
deutschvlkischer Turnverein, Heimatssucher, Alte Kameraden, Unverzagt,
Deutsche Eiche, Jungdeutscher Orden, Hermansorden, Nationalverband
deutscher Soldaten, Militrorganisation der Deutschsozialen und
Nationalsozialisten, Olympia (Bund fr Leibesbungen), Deutscher Orden,
Bund fr Freiheit und Ordnung, Jungsturm, Jungdeutschlandbund,
Jung-Bismarckbund, Frontbund, Deutscher Waffenring (Studentenkorps),
Andreas-Hofer-Bund, Orka, Orzentz, Heimatbund der Knigstreuen,
Knappenschaft, Hochschulring deutscher Art, Deutschvlkische Jugend,
Alldeutscher Verband, Christliche Pfadfinder, Deutschnationaler
Beamtenbund, Bund der Niederdeutschen, Teja-Bund, Jungsturm,
Deutschbund, Hermannsbund, Adler und Falke, Deutschland-Bund,
Junglehrer-Bund, Jugendwanderriegen-Verband, Wandervgel vlkischer Art,
Reichsbund ehemaliger Kadetten.

Ein groer Teil dieser Organisationen wurde auf Grund des Gesetzes zum
Schutz der Republik aufgelst. Bayern hat keinen dieser Verbnde
aufgelst.

Betrachten wir die Organisationen im Einzelnen. Der _Schutz-und
Trutzbund_ ist wesentlich antisemitischer Natur, auenpolitisch nicht
betont, jedoch zhlt er in seinen Reihen zahlreiche Terroristen. Er soll
200_000 Mitglieder umfassen.

Der _Alldeutsche Verband_ ist wesentlich monarchistisch. Er will das
Kaisertum durch einen Diktator vorbereiten. Auenpolitisch ist er
aggressiv, vor allem gegen Frankreich und Polen, Mitgliederzahl ca.
80_000. Sein Werk war der Kapp-Putsch.

Der _Jungdeutsche Orden_ ist im Gegensatz zu den beiden obigen Verbnden
militrisch organisiert und besitzt wohl heimliche Waffenlager. Seine
Mitglieder -- angeblich ca. 80_000 -- haben sich durch einen Eid zu
Gehorsam verpflichtet. Er gliedert sich in Gefolgschaften,
Bruderschaften und Balleien.

Der _Stahlhelm_ besitzt 300 Ortsgruppen und ca. 25_000 Mitglieder.

Der Sportklub _Olympia_ ist ein Versuch, das aufgelste Regiment
Reinhardt fortzusetzen.

Die _Orka_ (Organisation Kanzler) steht in enger Beziehung zu dem
frheren bayerischen Ministerprsidenten v. Kahr und dem ehemaligen
Kronprinz Rupprecht. Sie ist entstanden aus der Tiroler Abteilung der
Orgesch.

Der _Deutsche Waffenring_ ist eine Zusammenfassung der nationalistischen
Studentenorganisationen.

Der _Bund fr Freiheit und Ordnung_ ist ein Versuch der Fortfhrung der
aufgelsten Selbstschutzverbnde von Gro-Berlin.

_Orgesch_ und Freikorps _Oberland_ sind spezifisch bayerische
Organisationen, die zweifellos Waffenlager besitzen. Freikorps Oberland
zhlt nur wenige Mitglieder, ca. 2000, die Orgesch vielleicht 200_000.

Am straffsten organisiert sind die _Arbeitsgemeinschaften_. Es sind dies
frhere kleine Truppenteile, die in corpore auf einem groen Rittergut
untergebracht sind. Die bekannteste ist die Arbeitsgemeinschaft
_Robach_, welche aus Teilen des gleichnamigen Freikorps besteht. Der
Stab verbirgt sich hinter der Firma Deutsches Auskunfts- und
Detektivbro Wannsee, Otto-Erich-Str. 10. In Mecklenburg heit er Bund
fr Berufsausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter. Aehnliche
Organisationen sind: _Hubertus_, _Aulock_, _Heidebrecht_, _Dewitz_ und
_Grenzmark_.

Die Organisation der _Brder vom Stein_ wurde am 6. Juli 1921 im Hotel
Hauffe, Leipzig, von derselben Versammlung gegrndet, in der sich auf
Befehl des Forstrats Escherich die dortige Orgesch auflste. Geldgeber
waren die Finanzausschsse der schsischen Industrie mit Hilfe der
Brgerbnde. Der Verein wurde beim Amtsgericht Leipzig eingetragen. Am
2. November besa er bereits 700_000 Mark Vermgen. Major a. D.
Schneider in Bautzen war Leiter einer Selbstschutzorganisation, welche
eine Fortsetzung der 1920 von der Orgesch und den Brgerbnden
aufgestellten Organisationen war. Der Fortbildungsschullehrer Ebersbach
hatte hierfr in Cunnersdorf bei Frankenberg ein Waffenlager von ber
600 Gewehren und vier Maschinengewehren errichtet, das am 27. Oktober
1921 beschlagnahmt wurde.

Auch die Brigade _Ehrhardt_ hatte in Sachsen eine Abteilung im
Klubgebude der Studentenverbindung Saxonia, Elsterstrae, Leipzig. Dazu
kam dann noch die Ritterschaft _Zollern_, eine geheime
Jugendorganisation in Leipzig. In ihr war der Bruder von Tillessen
Verbindungsmann der Organisation C.

Der Sportverein _Silbernes Schild_ stellte die Fortsetzung der
aufgelsten militrischen Organisation der Zeitfreiwilligen dar. Dieser
Sportverein hatte eine militrische Leitung und war geschlossen der
Orgesch angegliedert. (Mitteilung des schs. Innenministers Lipinski, 2.
November 1921.)


Die soziale Struktur der Geheimbnde

Manche dieser Organisationen verschwinden schon nach kurzer Existenz.
Eine Reihe von neuen wird gegrndet. Dies scheint vllig planlos
und chaotisch vor sich zu gehen und ist doch sehr einfach.
Die Zersplitterung in Wanderklubs, Arbeitsgemeinschaften,
Sportorganisationen, Regimentsvereine, Schtzengilden, Kriegervereine,
Offiziersbnde, Organisationen fr vlkischen, nationalen und
monarchistischen Aufbau, das stndige Verschwinden einiger dieser
Gruppen und das Auftauchen neuer hat nur den Zweck der Verschleierung.
Dieses Verfahren ermglicht bei Verboten die Organisation
weiterzufhren, jede beliebige Verbindung zu leugnen, jede Identitt zu
bestreiten und etwa eingedrungene Spitzel durch rasche Umstellung
auszuschalten. Die Verbindung von den leitenden Stellen bis zu den
letzten Auslufern der Bewegung ist manchmal sehr lose. Stets mu die
Oberleitung in der Lage sein, jede solche Verbindung zu dementieren.

Wie lose diese Verbindungen bei strengem, gegenseitigem Vertrauen
gehalten sind, zeigt das Attentat auf Harden, wo die einzelnen Stellen
miteinander nur postlagernd verkehrten, ohne da der Anstifter des
Attentats seine vorgesetzte Stelle, die ihm das Geld schickte, berhaupt
dem Namen nach kannte. Die Verbindung klappt so gut, da es den Behrden
bisher nicht gelungen ist, die Auftrag- und Geldgeber beim Rathenaumord
festzustellen. Man hat zwar die Kchenmeister verhaftet, nicht aber die
Kche, die diesen Brei rhren lieen.

Eine groe Zahl der Teilnehmer steht in jugendlichem Alter. Studenten,
ja sogar Gymnasiasten stellen das Hauptkontingent. Gymnasiasten von 17
Jahren haben bei der Ermordung Rathenaus entscheidend mitgewirkt. Da die
heutigen Kinder trotz aller sozialdemokratischen Unterrichtsminister
noch immer aus den alten Lehrbchern lernen, welche auf das Kaisertum
zugeschnitten sind, mssen sie die Ueberzeugung bekommen, da das
Kaisertum die einzig wahre Regierungsform ist und die Republik eine
bedauerliche Verirrung, die man mglichst bald wieder gut machen msse.
Die jungen Terroristen handeln also durchaus bona fide und glauben echte
Freiheitskmpfer zu sein, echte Nachfolger des Harmodius und
Aristogeiton, des Brutus, wenn sie die wenigen Republikaner Deutschlands
umbringen.

Durch die groe Zahl dieser Organisationen darf man sich nicht zu der
Meinung verleiten lassen, da sie alle selbstndig wren. Sie bestehen
vielmehr zum groen Teil aus denselben Leuten. Ein und dieselbe Person
ist oft unter verschiedenen Namen Mitglied von zehn solchen
Organisationen. Der Gesamtbestand der illegalen und halblegalen
deutschnationalen Organisationen drfte eine Viertelmillion nicht
berschreiten. Was die Bewaffnung betrifft, so wird dieselbe auf
allerhchstens 150_000 Gewehre mit je 10 Schu Munition, 2000 leichte
und 500 schwere Maschinengewehre geschtzt. Schwere Kampfwaffen drften
kaum in nennenswerter Zahl vorhanden sein.

Das grte Dunkel schwebt ber den Geldgebern. Zu vermuten ist, da die
Groindustrie und die groen Rittergter Geld zur Verfgung stellen.
Ueber die Herkunft des Geldes ist im einzelnen nichts zu ermitteln. Nur
die Herkunft kleinerer Summen hat sich nachweisen lassen:

Der Major a. D. Erich Hansen hatte in Preuen die Einwohnerwehren
organisiert und war dann in die entsprechende Stelle des
Reichswehr-Ministeriums gerufen worden. Die Mitglieder der
Einwohnerwehren wurden bei zwei Versicherungsgesellschaften versichert.
Die Provision von insgesamt 60_000 Mark verwendete Hansen fr einen
schwarzen Fonds, der zur Vorbereitung des Kapp-Putsches diente. Hansen
wurde wegen Bestechung angezeigt, aber vom Landgericht I freigesprochen.
(Berliner Tageblatt, 24. Mai 1922.)

Wie leicht es mglich ist, fr solche Zwecke Geld zu bekommen, zeigt
folgender Fall: Als der Kapitnleutnant Killinger von der Organisation C
(der Vorgesetzte der Erzberger-Mrder Schulz und Tillessen) wegen des
Verdachtes der Teilnahme an der Ermordung Erzbergers in Haft sa,
besuchte sein frherer Bursche Rabenschlag den Generalmajor von Chrismar
in Freiburg, den Major Hildenbrandt in Oberkirch, den Major Max Frhlich
in Oberkirch und den Obersten von Pilgrim in Karlsruhe, Schatzmeister
einer deutschvlkischen Organisation, und erhielt von ihnen unter dem
Vorwand, fr Killinger sorgen zu wollen und zu versuchen, ihn zu
befreien, ohne weiteres ber 22_000 Mark, die Rabenschlag fr sich
selbst verbrauchte. In einem im Zusammenhang damit wegen Betrugs gegen
die Staatskasse angestrengten Proze verweigerten die Offiziere die
Auskunft (Berliner Tageblatt, 17. August 1922, Prozeberichte in allen
Berliner Zeitungen). Ein Verfahren gegen die Offiziere wurde nicht
eingeleitet. Rabenschlag wurde wegen dieser und anderer Schwindeleien zu
vier Monaten Gefngnis verurteilt.


Die Besorgung falscher Papiere

Einen interessanten Beitrag zur Kenntnis der illegalen
deutschnationalen Organisationen liefert das Gestndnis Runges. Es
heit darin: Am 19. Mai 1921 wurde ich aus dem Gefngnis
entlassen. Ein Kommissar und ein Rittmeister von der Sipo kamen in
meine Wohnung und erklrten mir, ich msse noch in der Nacht
weggebracht werden, die Spartakisten knnten kommen und mich
aufhngen. Ich wurde unter dem Namen Lange nach der Paulsborner
Strae 4, Klinik von Professor Dr. Grauert, gebracht. Inzwischen
war Leutnant Krull verhaftet worden und ich wurde als Zeuge
gesucht. In die Klinik kam ein Dr. Schiffer, der in Schneberg, Am
Park 18, wohnt und einer nationalen Partei angehrt. Schiffer
verbot mir in ziemlich schroffer Weise, zur Vernehmung in Sachen
Krull zu gehen und verschaffte mir falsche Papiere, die auf den
Namen des Sergeanten Wilhelm Franz Rudolf aus Posen lauteten. Das
erste Papier ist ein Entlassungsschein, datiert vom 1. April 1920,
unterschrieben I. A.: Seeliger, Oberleutnant zur See. Es trgt den
Stempel der Schiffsstammdivision der Ostsee. Das zweite Papier ist
ein Stammrollenauszug auf denselben Namen mit der gleichen
Unterschrift. Das dritte Schreiben ist ein Dienstleistungszeugnis
fr den Brodiener Rudolf, ausgestellt vom Generalkommando des 7.
Armeekorps. Es trgt das Datum: Mnster, 15. Juni 1921 und ist
unterzeichnet von Hauptmann von Chaulin. Man hat mich von der
nationalen Klinik gar nicht erst nach Hause gelassen, sondern
gleich mit einem Leutnant von Grabow nach Blankensee
(Hinterpommern) geschickt. Spter wurde ich nach Mecklenburg
gebracht; immer auf den falschen Namen Rudolf.

Inzwischen wurde ich weiter als Zeuge in dem Proze gegen den Leutnant
Krull gesucht. Es wurden nun alle Anstrengungen gemacht, damit ich nicht
gefunden wurde. Nun lie der Untersuchungsrichter in Sachen Krull, Herr
Dr. Leiden, mir durch meinen Stiefsohn mitteilen, ich sollte angeben, wo
ich bin. Diese Mitteilung erhielt ich in Mecklenburg auf dem Gut Kalsow
bei Kadlow, Kreis Wismar. Es war dort eine militrische Organisation
untergebracht. Die Leute lagen als angebliche Landarbeiter auf den
Gtern herum, um im Bedarfsfalle als Soldaten bereit zu sein. Leiter war
der Major Weber. Diesem sagte ich: Ich fahre jetzt nach Berlin, ich
werde immer tiefer in die Sache hineingerissen. Darauf lie man mich
nach Berlin fahren, gab mir aber drei Offiziere, Leutnant Bender,
Leutnant Fuss und Leutnant v. Dallwitz als Begleiter mit, die mich nicht
aus den Augen lieen. Diese drei Offiziere brachten mich gleich nach
Wannsee, Otto-Friedrich-Strae 10, wo das Bro der Arbeitsgemeinschaft
Robach ist. Dort wirkten Leutnant Robach sowie andere Offiziere namens
Barthold, Kpke usw. auf mich ein. Ich sollte die Sache totschweigen und
einfach sagen, ich kenne Krull nicht, ich knnte mich auf nichts mehr
erinnern. Dafr sollte ich eine gute Stellung bekommen. Ich habe mich
bei meiner Aussage, bei der ich nicht vereidigt wurde, leider durch das
Drngen dieser Leute dahin beeinflussen lassen, da ich in hnlichem
Sinne ausgesagt habe. Darauf sollte ich nun nach Oberschlesien zur
Arbeitsgemeinschaft Robach abgeleitet werden. Ich bin nicht nach
Schlesien gefahren. (Vorwrts, 30. Mai 1922.)


Freikorps Oberland

Hauptorganisator des Freikorps Oberland und der sogenannten
Nachrichtenzentrale Mnchen ist ein Hauptmann _von Kessel_ (alias
Kiefer). Sein Bro befand sich 1921 Frstenfelder Str. 13 II. Andere
Bros liegen am Isartorplatz, im Gasthaus Adelmann. Es existieren
verschiedene Unterabteilungen, so eine Spionageabteilung gegen das
feindliche Ausland (Leutnant Pongratz, alias Geher), eine
Einbruchsabteilung (Oberleutnant Rail, er fhrt auch die Kasse), eine
Abteilung zur Beseitigung und Beobachtung Unzuverlssiger in den eigenen
Reihen (Fehme), und eine Spionageabteilung gegen politische Gegner
(Oberleutnant Graf). Auerdem existiert ein _Rollkommando_, in
Oberschlesien Wurfkommando genannt, in dem nur ganz zuverlssige
Offiziere Verwendung finden. Fhrer ist Hauptmann Oesterreicher (Lullu).
Diese Abteilung drfte eine Mordorganisation im eigentlichen Sinn sein.
Einzelheiten ber die gut funktionierende Organisation sind schwer zu
erlangen, da nicht einmal die Mitglieder der einzelnen Abteilungen
miteinander in Berhrung kommen. Zum Befehlsempfang werden die einzelnen
Leute, meistens frhere Offiziere, zu verschiedener Zeit in die
einzelnen Bros bestellt. Mitglieder der Organisation sind: Leutnant
Grhl, Fischer, Stremer, Hauptmann Rmer, genannt Peppo, Oberleutnant
Reindl, Friedrich, Weinzierl und Sondermayer. Gauleiter ist Major
Horodam, Knbelstr. 8, Stabsleiter Georg Ashton, Hestrae 6. Dort ist
ebenfalls ein Bro. Waffenoffizier ist Oberleutnant Knaut, Frstenstr.
18. Leutnant Brandt ist Leiter der Waffen- und
Munitionsbeschaffungsabteilung, Oberleutnant Fuhrmann hat die
Transportmittel und das Kraftfahrwesen, Leutnant Lembert ist Offizier
fr das Artilleriewesen.

Das Depot der Wirtschaftsstelle ist in der Luftschifferkaserne. Ein
Waffenmeister namens Schurk wohnt in der Morassistrae, der andere
Waffenmeister Dieter in der Herzog-Wilhelm-Strae.

In der Frstenstr. 18 a liegen die Stammrollen smtlicher Offiziere und
Mannschaften. Die Turn- und Sportabteilung der Nationalsozialisten
arbeitet zusammen mit den Zeitfreiwilligen-Kompagnien 4 und 13.

In den Satzungen der Reichsfahne Oberland heit es: Wir werden uns nie
auflsen, kein feindliches Diktat wird uns wehrlos und somit ehrlos
machen. Jedes Mitglied der Reichsfahne Oberland versichert
ehrenwrtlich, der Reichsfahne Mannestreue zu halten bis in den Tod und
unbedingten Gehorsam allen Fhrern der Reichsfahne zu halten. Verrter
und Wortbrchige verfallen der Fehme. Das Zeichen des Freikorps
Oberland ist ein Dolch mit Eichenlaub und schwarzweiroter Binde.

Interessant ist ein Telegramm vom 4. September 1921 aus Mnchen an den
angeblichen Geheimrat Berger, in dem es u. a. heit: Kohlen
eingetroffen und Berichte. Ich bitte folgendes ungesumt durchzufhren:
Auer Nicke und Brckmayer alles restlos sofort nach Plan entlassen oder
hierher beordern. Entlassener Stefan denunziert bei Neitze. Letzteren
aufklren, ersteren zu Tiefstein schicken. Verhandlungen mit Festigkeit,
Ruhe und Taktik fhren. Nicht abreisen ohne Ziel vllig erreicht und
mglichst weiter Etappisierung der umgewandelten N. Z. erreicht zu
haben. Erbitte Vollzugsmeldung. (Mnchener Post vom 1. Oktober 1921.)

Nicke ist der Zahlmeister Ludwig Nicke aus der Kaulbachstrae, Mnchen.
Er kam ins Gefngnis nach Breslau, weil er der Gruppe Sd 80_000 Mark
unterschlagen haben soll. Der Freiwillige Stefan hatte erzhlt, da er
dem Kriminalkommissar Heinze in Neie Mitteilungen ber das Freikorps
machen wollte. Dies wurde bekannt und deshalb sollte Stefan nach
Tiefstein geschickt werden. Das bedeutete die Anweisung an die
Abteilung Friedrich des Freikorps, den Stefan umzubringen. Der
Ausdruck Tiefstein kommt daher, weil die Abteilung Friedrich ein
frheres Mitglied Hochstein wegen Verrat erschossen hatte. Herr Ashton
schickte natrlich der Mnchener Post eine Berichtigung, welche all
diese Dinge bestritt. (Mnchener Post, 10. Oktober 1921. Die gesamten
hier gebrachten Angaben stellen den Zustand von 1921 dar.)

Kessel wurde am 1. Oktober 1921 auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft
Breslau wegen Mordverdacht verhaftet, aber gleich darauf wieder
entlassen. Am 23. Dezember 1921 wiederholte der Untersuchungsrichter
beim Amtsgericht Breslau den Haftbefehl. Jetzt aber war Kessel natrlich
lngst ber alle Berge.

Der Hauptmann Dr. Fritz Rmer, ein sehr rhriges Mitglied des Freikorps
Oberland, wurde zu 5 Monaten Gefngnis verurteilt. Er hatte, um die
Bundeskasse aufzufllen, vorgeschlagen, ein nach Oberammergau fahrendes
Fremdenauto zu berfallen. (Berliner Tageblatt, 12. September 1922.)

Ein Geheimschreiben der 25. Alarmkompagnie, Maschinengewehr-Sturmriege
in Mnchen, das Verhaltungsmaregeln fr den Fall eines Rechtsputsches
enthlt, gibt interessante Einblicke in die dem Freikorps Oberland
nherstehenden Kreise. Es heit darin (Freiheit, 24. September 1921.):
Mit dem standrechtlichen Erschieen darf jetzt nicht mehr human
verfahren werden, insbesondere mssen wir auf die Fhrer der
republikanischen, sozialistischen und gewerkschaftlichen Organisationen
unsere Spher wie auf das Wild hetzen ... Sozialistenfhrer und grere
Schreier in der Wohnung gleich erschieen. Die Juden festnehmen und in
den 4. Reserveplatz fhren, wo sie samt und sonders gehenkt werden. Eher
noch mit Sozialdemokraten Erbarmen haben, als mit Juden. Die Presse, mit
Ausnahme der rechtsdemokratischen, nationalen und antisemitischen, ist
sofort zu besetzen. Weigern sich Druckereiarbeiter fr uns zu arbeiten,
so sind die nchsten fnf zu erschieen und in den Druckereirumen
liegen zu lassen. Bei Sabotage an den Maschinen ist jeder sechste Mann
zu erschieen. Straenabsperrungen mssen rcksichtslos durchgefhrt
werden. Wer trotz des Verbotes die Strae betritt, gleich ob Brger oder
Proletarier, wird erschossen.

Die Affaire Dobner, der Ausgangspunkt zu einer Reihe von bayrischen
Morden, zeigt, da die Nationalisten auch bereit sind, vom Wort zur Tat
berzugehen. Der frhere Reichswehrsoldat Dobner hatte erfahren, da in
Schlo Mirskofen Waffen versteckt waren. Er teilte dies durch
Vermittlung des Polizeisekretrs Glaser (alias Seyfried) und des
Polizeispitzels Bracher dem Oberleutnant und Tattersallbesitzer German
Bhm (Polizeiname Pollinger) mit und erhielt hierfr 3000 Mark
ausbezahlt. Im Auftrag Bhms sollte Dobner die Waffen den Studenten
Schuster und Hermann Berchtold zeigen. In einem Auto Bhms, das Neunzer
fhrte, wurde Dobner am 21. Oktober 1920 mit einem eisenbeschlagenen
Stock auf den Kopf geschlagen und geknebelt. Die Studenten leuchteten
mit einer Taschenlampe an ihm herum und sagten: Der ist schon hin. Der
Chauffeur fragte: Seid Ihr auch sicher, da er schon tot ist? Es
gelang Dobner aus dem fahrenden Auto zu springen und zu entfliehen. Die
Vermutung liegt nahe, da man ihn beseitigen wollte, weil er das
Waffenlager kannte. Im Proze wurde festgestellt, da der Kaufmann
Alfred Heller, Bhm und andere Angehrige der Polizei eine
Waffenerwerbungskommission bildeten, welche die illegalen Waffenlager
gegen Verrat (an das Reich, nicht etwa an die Entente) schtzen sollten.
Schuster und Berchtold wurden am 26. Januar 1921 zu je 250 Mark
Geldstrafe verurteilt. Die Waffen, die einem Baron Frstenberg gehrten,
wurden gleich, nachdem die Sache publik war, weiter verschoben
(Prozebericht in allen Mnchener Zeitungen.)

Die Ermordung des Abgeordneten Gareis hngt eng mit der Affre Dobner
zusammen. Gareis hatte sich sehr fr die Aufdeckung dieser Sache
eingesetzt. Er kannte geheime Protokolle der Einwohnerwehren und ihre
Waffenlager. Man befrchtete, da er sie an das Reich verraten knnte.
Der Abgeordnete Unterleitner stellte im Reichstag am 17. Juni 1921 die
Behauptung auf, da der Mrder der Mnchener politischen Polizei
nahestehe. Er nannte als beteiligt Alfred Heller, Bezirksfhrer der
Einwohnerwehr, den bereits genannten Bhm und Glaser und die Studenten
Schuster und Berchtold. Nach anderen Auffassungen ist Hans Schweighart,
der vermutliche Mrder des Dienstmdchens Sandmeyer, auch der Mrder von
Gareis. Die Untersuchung der Falles Gareis durch die Mnchener
Staatsanwaltschaft ist bisher vollkommen ergebnislos verlaufen.


Die Rolle der Mnchener Polizei

Die Mnchener Polizeidirektion unter Phner arbeitete mit dem Oberland
zusammen. Die Verbindung wurde durch einen Leutnant Weil aufrecht
erhalten. Zahlreiche Akten des Freikorps Oberland gingen nach Zimmer
117 der Polizeidirektion, Referat 6a, politische Abteilung,
Regierungsrat Frick. Auch ist der Verdacht geuert worden, da die
Flucht der Mrder Erzbergers nach Ungarn mit Hilfe falscher Psse
bewerkstelligt wurde, die der Mnchener Polizeiprsident Phner
ausgestellt hat. Folgender Fall macht diese Vermutung wahrscheinlich. In
einem Mnchener Hotel wurde ein Kaufmann Hans Eickmann von einem
Polizisten verhaftet, weil er zwei Psse hatte. Als Eickmann dann dem
Polizeiprsidenten vorgefhrt wurde, sagte Phner: Der eine Pa ist
falsch, geben sie ihn sofort her. Ich habe den Herrn in einer
politischen Sache nach Ungarn gesandt. Der Mann wird entlassen, fhren
Sie ihn aber nicht durch die politische Abteilung. (Reichstag, 17. Juni
1921.)

Aller Wahrscheinlichkeit nach fllt die Ermordung der Sandmeyer, des
Abgeordneten Gareis, das Attentat auf Auer, die Ermordung des Leutnant
Schweighardt und des Spitzels Hartung auf das Konto des Freikorps
Oberland oder von Kreisen, die ihm nahe stehen.

Bei alledem darf man sich nicht etwa vorstellen, da in Bayern stndig
eine bis zur Gluthitze gesteigerte politische Atmosphre herrscht. Im
Gegenteil, das offizielle Vertuschungssystem hat es mit sich gebracht,
da der Durchschnittsbrger von all diesen Vorgngen entweder berhaupt
nichts erfhrt oder sie als selbstverstndlich betrachtet, ihre
Erwhnungen aber als eine Berliner Hetze auffat. Denn die Presse, die
abgesehen von den paar sozialistischen Organen politisch vollkommen
rechts steht, auch wo sie sich demokratisch nennt, macht dieses
Vertuschungssystem vollkommen mit.


Die Organisation C

Soweit Auenstehende dies zu beurteilen vermgen, scheint diejenige
Organisation, in der die meisten Fden zusammenlaufen, die Organisation
C zu sein. Erwachsen ist sie ursprnglich aus einem Geheimbund der
Garde-Kavallerie-Schtzendivision. Heute stellt sie die direkte
Fortsetzung der Brigade Ehrhardt dar. Ihr Name kommt daher, da ihr
Leiter, der frhere Kapitn Ehrhardt, innerhalb der Organisation den
Namen Consul trug. Alle Mitglieder fhren nmlich besondere Decknamen.
Die Organisation zerfllt in eine Kampforganisation und eine Fehme. Die
Fehme hat den Zweck, Persnlichkeiten, die sich den Zielen der
Organisation widersetzen, zu bestrafen und unter Umstnden zu ermorden.
Ehrhardt hlt sich gewhnlich in Innsbruck auf, doch war er fters auch
in Budapest. Im Mai 1921 war er, obwohl steckbrieflich verfolgt, in
Leipzig und traf dort mit Karl Tillessen zusammen. 1921 wurde aus der
Organisation Consul der Neudeutsche Bund, ein gerichtlich
eingetragener Verein, gegrndet. Sein Leiter ist wiederum Kapitn
Ehrhardt. (Vergl. Berliner Tageblatt, 19. August 1922.) Zur
Finanzierung wurde versucht, eine Ehrhardt-Bank zu grnden. Die Leiter
des deutschen Konsortiums waren Eberhardt von Puttkamer und Emil
Schfer; einer der Angestellten der mit der Ermordung Rathenaus in
Zusammenhang stehende ehemalige Kadett Ernst von Salomon (Berliner
Tageblatt, 17. August 1922). Schfer war frher in der Schweiz wegen
einer Reihe von Schiebungen zu mehreren Jahren Zuchthaus und
Landesverweisung verurteilt worden (Freiheit, 17. August 1922). An der
Mnchener Stelle der Organisation C arbeitet Mldner, Franz-Josef-Str.
3, der Oberamtmann Frick und der schon oben genannte Kriminalkommissar
Glaser.

Die Organisation C hat nachweislich die Ermordung Erzbergers und
Rathenaus und die Attentate auf Scheidemann und Harden durchgefhrt.

Bei dem Studenten Gnther, einem der Mitwisser des Rathenaumordes, der
als Kurier der Organisation C zwischen Berlin und Mnchen hin- und
herfuhr, wurden bei seiner Verhaftung zwei interessante Briefe entdeckt.
Der eine ging vom Grafen Reventlow an den Dr. von Scheubner-Richter,
Mnchen, Georgenstr. 42, der einen Wirtschaftsverband Aufbau leitet.
Dieser drfte die Verbindungsstelle zwischen den deutschen und
russischen Monarchisten extremer Richtung darstellen. Der andere rhrt
von einem Mitarbeiter Reventlows, Petersen, her und ist an den
Sanittsrat Dr. Pittinger in Mnchen, den Nachfolger Escherichs bei den
Einwohnerwehren, gerichtet. Die Briefe behandeln interne Differenzen
zwischen den verschiedenen Organisationen und sind auerordentlich
vorsichtig gehalten. (Vergl. Vorwrts, 9. Juli 1922.) Ludendorff wird
darin mit Onkel Ludwig, Escherich als Onkel Emil bezeichnet. Man fand
bei Gnther auch einen Bericht ber einen Besuch bei Herrn von Jagow in
der Festung Gollnow und eine daran anschlieende Mnchener Reise. Herr
Hemmeter, Nachfolger des Herrn v. Killinger in der Organisation C,
teilte nach diesen Aufzeichnungen dem Gnther mit, eine Wiederaufnahme
des Jagowprozesses sei in Mnchen unerwnscht, weil man frchte, Onkel
Ludwig werde dabei vollends kompromittiert.


Wie man Mrder mietet

Am 3. Juli 1922 wurde Maximilian Harden in der Nhe seiner Wohnung im
Grunewald von dem ehemaligen Leutnant Walter Ankermann und dem
landwirtschaftlichen Beamten Herbert Weichhard aus Oldenburg berfallen
und mit einer schweren Eisenstange niedergeschlagen. Harden wurde aus
mehreren Wunden blutend von Passanten gefunden. Nach der Festnahme
Weichhards fand man in den Wohnungen der Beiden Stcke eines zerrissenen
Telegramms, das auf Albert Wilhelm Grenz in Oldenburg als Anstifter
hindeutete. Grenz und seine Frau wurden verhaftet. Nach anfnglichem
Leugnen gestand er seine Beteiligung. Grenz vertreibt antisemitische
Schriften und ist Leiter und Vorsitzender der deutschvlkischen
Organisation in Ostfriesland, ebenso Vorsitzender des deutschen
Treubundes. In seiner Behausung wurde eine Liste aller deutschvlkischen
Anhnger, die zu Taten bereit wren, und eine Liste der in Ostfriesland
wohnenden Juden gefunden. Wie Grenz angab, erhielt er Anfang Mrz einen
anonymen Brief aus Mnchen, der die Aufforderung enthielt, zwei junge,
tatenfrohe Mnner zu suchen, die bereit seien, fr ihr Vaterland alles
zu tun. Ihre Sicherstellung werde erfolgen. Antwort umgehend unter
A.W.G. 500, Hauptpostamt Mnchen. Grenz trat an Weichard heran, der sich
sofort zur Tat bereit erklrte und kurz darauf mit Ankermann bei Grenz
erschien. Nun schrieb Grenz an die angegebene Adresse nach Mnchen, er
habe zwei brave deutsche Mnner gefunden. Schon wenige Tage darauf kam
aus Mnchen ein brieflicher Dank fr Grenz und fr die beiden Mnner.
Und die weitere Mitteilung, sofort nach Frankfurt a. M. zu fahren, wo
unter A.W.G. 500 hauptpostlagernd weitere Nachricht fr Grenz liege.

Diesem Verlangen kam Grenz nach; und bei seinem Eintreffen in Frankfurt
a. M. lag dort ein Brief, in dem es heit, da zur Ausfhrung der Tat
eine Summe beiliege, die entsprechend zu verteilen sei. Auch solle Grenz
die beiden Leute frmlich verpflichten. Nach der Tat wrde den beiden
eine weitere Summe gezahlt werden, die die anliegende (es waren 23_000
oder 25_000 M.) erheblich bersteige. Auerdem wird beiden Leuten, wenn
sie Wert darauf legen, durch Vermittlung _Anstellung im bayerischen
Staatsdienst in Aussicht gestellt_. Ein beigefgter Zettel in
Maschinenschrift enthielt nur die Worte Maximilian Harden. Ein anderer
Zettel gab folgende Verhaltungsmaregeln: Keine Briefe und keine
Telegramme senden, tunlichst Auto benutzen, nicht viel reden, alles auf
die Sache Bezgliche vernichten, nach der Tat nach verschiedenen
Himmelsrichtungen auseinandergehen. Grenz fuhr nach Oldenburg zurck
und benachrichtigte die beiden in Aussicht genommenen Tter. Er
verpflichtete sie in seiner Wohnung durch Handschlag frmlich und machte
sie darauf aufmerksam, da den Verrter die gleiche Strafe treffen
wrde, die Maximilian Harden zugedacht sei. Ankermann erhielt 10_000
Mark, Weichard 7000 bis 8000 Mark. Die beiden reisten ab, fhrten aber
nicht, wie verabredet, noch Ende Mrz oder Anfang April die Tat aus,
trieben sich vielmehr zuerst in Berlin herum, besuchten Bars und
schrieben erst nach der Ermordung Rathenaus an Grenz, da trotz der
ungnstigen Konjunktur das Geschft binnen kurzem perfekt gemacht werde.
Der Brief, der die Ermordung sptestens Dienstag melden sollte, lag in
der Wohnung der Tter fertig. Hier sein Wortlaut: Sehr geehrter Herr,
wir teilen Ihnen hiermit hflichst mit, da uns trotz ungnstigster
Konjunktur der Geschftsabschlu geglckt ist.

Wir sehen nunmehr Ihrem persnlichen schnellmglichsten Kommen hierher
entgegen und bitten hflichst und dringendst, alles Ntige zur
Aufrechterhaltung der einmal eingegangenen Geschftsverbindungen in die
Wege zu leiten und mitzubringen.

Nach dem jeweiligen Stand unserer Valuta halte ich baldmglichstes
Anbahnen der beabsichtigten Geschftsverbindung mit der pp. Firma im
Sden fr unbedingt erforderlich. Ich verstehe darunter vorzugsweise die
geplante baldigste Festanstellung unserer beiden Herren bei der pp.
Firma, die ihnen ja auch vertragsmig in Aussicht gestellt ist. Fr
ihre und ihrer Familien Uebersiedlung ist naturgem Sorge zu tragen.

Gleichzeitig bitten wir, bei Einlsung der Devisen dafr Sorge tragen zu
wollen, da die vereinbarte Anzahlung auch die entstandenen Unkosten und
Verpflichtungen decken kann, also mindestens sechzigtausend Mark.
Wnschenswert wre, wenn unser Chef sich dazu verstehen knnte, die
Schuldsumme in Hhe von dreiigtausend Mark extra auszuwerfen, soda die
Herren Agenten keine Einbue des ihnen Zustehenden erleiden.

In der Hoffnung, da unserem Bericht Ihrerseits der gengende Nachdruck
verliehen wird, zeichnen wir mit ganz vorzglicher Hochachtung -- immer
die Alten.

Da Ihnen unsere Anschrift bekannt ist, bitten wir, die
Duplikatfrachtbriefe uns so schnell wie mglich zukommen zu lassen.
Mndlich mehr.

Duplikatfrachtbriefe: falsche Psse und Prmien, Firma im Sden:
Organisation Consul. Ankermann, einst Couleurstudent mit weiem
Strmer, dann Oberleutnant mit Eisernem Kreuz erster Klasse, Liebling
und Kostgnger ffentlich umlaufender Mdchen, trat am Morgen nach dem
vlkisch-heldischen Versuch, von hinten, ohne Risiko, einem Wehrlosen
den Schdel einzuschlagen, in das Berliner Bro der deutschnationalen
Partei und fragte nach dem Herrn von Dryander. Nicht anwesend. Wer denn?
Graf York. Zu diesem Grafen sprach der Herr Oberleutnant: Ich habe
gestern befehlsgem Harden erledigt, mu deshalb verschwinden und
komme, mir Reisegeld zu holen. Antwort: Ich kann da nichts machen,
glaube aber, da wir Herrn von Dryander im Meister-Saal finden werden;
kommen Sie mit. Das bekundet Graf York; behauptet, in der Etage allein,
drum auerstande zur Sistierung gewesen zu sein; die Meisterfalle habe
Ankermann gerochen und sei ausgerckt. Die drei Herren blieben auf
freiem Fu. (Zukunft, 8. Juli 1922.)




DIE FFENTLICHE MEINUNG UND DIE MORDE


Die Nachwirkungen der politischen Morde

Whrend noch das Opfer zuckt, stimmt die Presse schon den entsprechenden
Ton an. Entsetzlich, entsetzlich schreien Lokalanzeiger, Zeit,
Tgl. Rundschau, Deutsche Tageszeitung, usw.: Wir mibilligen
politischen Mord von jeder Seite. Doch schon ein leiser Unterton, der
bald lauter und lauter wird: Ja ist denn bewiesen, da dies eine
deutschnationale Tat ist? Dick flieen die Krokodilstrnen. Die
Regierung erwacht fr Minuten aus ihrer Lethargie: Scharfe Gesetze
sollen die Republik schtzen. Die Linken erheben laut Anklage gegen die
Mrder. Da verstrkt sich der Unterton: Wir sind gegen solche
Ausschreitungen, d. h. wir mibilligen, da man aufrichtig gegen den
Mord ist, da man eine Katze eine Katze und die deutschnationalen
Geheimbndler Mrder nennt.

Die Mrder entkommen. Die groen Ueberschriften in den Zeitungen klingen
ab. Die Gesetze zum Schutz der Republik werden von berzeugten
Antirepublikanern ihren Zwecken leicht dienstbar gemacht. Die Zeitungen
sprechen von den vom kommunistischen Ausland gedungenen Mrdern: Ein
Deutscher kann so etwas nicht tun.

Am interessantesten ist, was sich gleich nach dem Mord abspielt: Groe
Emprung im ganzen Land, besonders bei den Arbeitern, vereinzelt auch
bei der Bourgeoisie. Als Protest gegen den Mord rufen die
Arbeiterparteien entsprechend ihrer Einstellung zu Massenaktionen,
Demonstrationsstreiks und Umzgen auf. Man wei, da bei besonnener
Haltung der Polizei, insbesondere wenn man sie von der Strae vollkommen
zurckzieht, infolge der groen Disziplin, die im allgemeinen bei den
organisierten sozialistischen Parteien herrscht, eine solche
Demonstration vollkommen ruhig ablaufen kann. Dies hat die Erfahrung in
hunderten von Umzgen gezeigt. Aber ein solch ruhiger Verlauf liegt
keineswegs im Interesse der Rechtsstehenden. Bezahlte agents
provokateure, die durch Aufhetzung fr Unruhe sorgen und provozierte
Haltung der Polizei sorgen dafr, da die Ruhe gestrt wird. Es kommt zu
einem Zusammensto der Menge mit der Polizei. Irgend woher fllt der
berhmte erste Schu. (Spter kann nie festgestellt werden, von welcher
Seite.) Rcksichtslos haut, schiet, schlgt, trampelt die gut
organisierte Polizei auf die unbewaffnete Menge ein. Dutzende von toten
Demonstranten, nicht etwa Polizisten, bedecken das Feld. Dies nimmt die
Presse zu begrndetem Anla, den fortwhrenden Terror von Links, die
Exzesse, nicht etwa der Polizei, sondern der Demonstranten, auf
schrfste zu verurteilen, und zu schlieen, da die Demokratie, die
Freiheit, die Verfassung bedroht sei -- nicht etwa durch die Mrder,
sondern durch die von Hetzern sinnlos aufgepeitschten Arbeitermassen.
Diese Argumentation ist besonders wirkungsvoll, wenn die Arbeiter im
Laufe der Demonstration irgendwelche Symbole des Kaisertums zerstrt
haben.

Bald ist die ntige Stimmung erreicht. Nicht die Mrder, die man bald
vergit, sind die Feinde der Republik, sondern die Hetzer, die zum
ehrlichen Schutz der Republik riefen. Dann ist es nur gerecht, da man
die Mrder in Ruhe lt und die Demonstranten einsperrt. Dieses
Verfahren hat sich mit widerwrtiger Eintnigkeit bei jedem der letzten
politischen Morde wiederholt und ist beinahe emprender als die Morde
selbst.


Die Haltung der deutschnationalen Presse

Nachdem allmhlich die Erinnerung an den Rathenaumord verblat, geht die
deutschnationale Presse wieder zum Angriff ber. So hat die Deutsche
Zeitung in Berlin, in der Nummer vom 3. August 1922 eine Liste von 276
angeblichen Morden von Links verffentlicht. Diese Liste ist dann in
vielen deutschnationalen Zeitungen nachgedruckt worden. Selbst wenn die
Zahl 276 richtig wre, wren demnach die politischen Morde von Links
noch immer seltener als die von Rechts. Aber die Zusammenstellung
entbehrt jeder Grundlage. Denn die Deutsche Zeitung hat alle
diejenigen Kautelen grblich verletzt, die bei der Statistik der
politischen Morde zu beachten sind.

Zunchst sind in der Liste ca. 150 im Kampf Gefallene aufgenommen,
ferner ist in keinem einzelnen Fall genau untersucht, ob berhaupt
politische Motive dem betreffenden Mord zugrunde liegen. Endlich sind
nur 38 Fllen die Namen angegeben. In ganz wenigen Fllen sind przise
Angaben aufgefhrt ber Ort und Tat, so da eine Identifikation des
betreffenden Falles mglich ist. In den meisten Fllen handelt es sich
um leere Behauptungen, die berhaupt nicht nachprfbar sind, wie z. B.:
Im Mrz 1920 wurde im Ruhrgebiet ein Soldat aufs grausamste ermordet.
Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Rechenfehlern, welche zeigen, da
die Arbeit in ganz oberflchlicher Weise durchgefhrt wurde.

So heit es in dieser Statistik:

  10. 7. Mrz 1919. Ein Feldwebel mihandelt und erschossen.

  11. 7. Mrz 1919. Ein Regierungssoldat mihandelt und erstochen.

  12. 7. Mrz 1919. Ein Offizier niedergeschlagen und erschossen.

  13. Zwischen 6. und 10. Mrz 1919. Ein Regierungssoldat
  erschossen.

  14. 6. Mrz 1919. Ein Gefreiter gettet.

  15-31. In der Zeit vom 7. bis 10. Mrz 1919. 16 Regierungssoldaten
  und ein Offizier erschossen oder totgeschlagen.

  32. 7. Mrz 1919. Ein Regierungssoldat mihandelt und erschossen.

  33. 7. Mrz 1919. Ein Soldat Fritz Engler mihandelt und
  erschossen.

  34-37. 7. Mrz 1919. Vier Soldaten durch Handgranaten gettet.

  38. 8. Mrz 1919. Ein Regierungssoldat mihandelt und erschossen.

  39. 8. Mrz 1919. Zahlmeister W. Specht mit eigenem Revolver
  erschossen.

  40. 9. Mrz 1919. Ein Soldat erschossen.

  41. 9. Mrz 1919. Krankentrger Pinkernell erschossen.

  42-43. 9. Mrz 1919. Sicherheitssoldaten Hoffmann und Ehrhardt
  erschossen.

Hier werden also einzeln 16 Soldaten und ein Offizier aufgezhlt, die
angeblich whrend der Mrzvorgnge in Berlin ermordet wurden. Und dann
werden 16 Soldaten und ein Offizier auf einmal aufgefhrt, die in
derselben Zeit und derselben Stadt ermordet wurden. Man ist zur Annahme
gezwungen, da hierbei einfach dieselben Flle zweimal gezhlt wurden.

Beim Mrzaufstand 1921 fhrt der Verfasser 104 Bewohner
Mitteldeutschlands ohne weitere Spezifikation als ermordet an. Auf Grund
wessen soll man das glauben? Ein weiterer Beweis fr die Ungenauigkeit
dieser Statistik ist die Tatsache, da sogar einige bekannte Flle von
Morden von Links fehlen.

Bei jeder Statistik ist es eine selbstverstndliche Forderung, da man
die Quellen angibt, aus denen man geschpft hat, soda eine Nachprfung
der betreffenden Angaben mglich ist. Da ich in meiner Naivitt annahm,
da solche Grundlagen auch dem Artikel der Deutschen Zeitung zugrunde
lagen, schrieb ich ihr einen hflichen Brief, in dem ich sie um
diesbezgliche nhere Angaben bat -- und habe natrlich niemals eine
Antwort bekommen.

Zusammenfassend kann man also sagen, da es sich bei der Liste der
Deutschen Zeitung um eine ganz willkrliche Zusammenstellung handelt,
der jede Beweiskraft fehlt.


Politische Differenzierung der Mordtechnik

Wie ist die ungeheure Differenz von 354 Morden von Rechts zu 22 von
Links zu erklren? Falsch wre es meines Erachtens ohne weiteres zu
sagen: Die Linken stehen eben moralisch hher. Dies kann schon
deswegen nicht geschlossen werden, weil ja hier nur eine einzige
Verbrechensart untersucht wurde. So sind die Eigentumsverbrechen z. B.
nicht in den Kreis der Betrachtung gezogen. Bei ihnen knnte man
vielleicht vermuten, da sie sich entsprechend der sozialen Struktur im
linken Lager hufiger als im rechten finden. Freilich darf hierbei
wiederum nicht vergessen werden, da die Eigentumsverbrechen im
Gegensatz zu den Verbrechen gegen das Leben auch eine soziale Komponente
haben, da sie durch die Tatsache der heutigen Eigentumsverteilung zum
grten Teil selbst erzeugt werden. Und in einer Gesellschaftsordnung,
die dem Einzelnen den Kampf ums Dasein erleichtert, sich sicher
zahlenmig sehr vermindern wrden. Da aber auch die
Eigentumsverbrechen, die von Rechts geschehen, keineswegs selten sind,
ersieht man aus den zahlreichen Plnderungen und Ausraubungen der
Leichen. So wurden von 184 in Mnchen tdlich Verunglckten in 68
Fllen die Leichen ausgeplndert.

Der wirkliche Unterschied zwischen den Parteien ist meines Erachtens
kein moralischer, sondern ein technischer. Die Anhnger der
Linksparteien sind durch Jahrzehnte gewerkschaftlicher Schulung
gegangen, die ihnen die Massenaktion als einzig wirksames Kampfmittel
predigte. Denn der linken Bewegung liegt die materialistische
Geschichtsauffassung zugrunde, welche die konomischen und technischen
Momente als in der Geschichte wirkende Faktoren betont.

Bei der Rechten fehlt eine solche Gewerkschafts-Schulung. Ihr handelt es
sich darum, die fr sie durch die Worte Ruhe und Ordnung
charakterisierte anarchische Wirtschaftsordnung aufrecht zu erhalten.
Und diesem Ziel entsprechen individuelle Mittel, die in ihrer Wirkung
der anarchistischen Propaganda der Tat identisch sind. Denn die Rechte
ist Anhngerin der heroischen Geschichtsauffassung, wonach der Held die
Geschichte macht. Entsprechend ist die Rechte geneigt zu hoffen, sie
knne die linke Opposition, die getragen ist durch die Hoffnung auf eine
radikal andere Wirtschaftsordnung, dadurch vernichten, da sie die
Fhrer beseitigt. Und sie hat es getan: Alle Fhrer der Linken, die sich
offen dem Krieg entgegensetzten, zu denen die Arbeiterschaft Vertrauen
hatte, Liebknecht, Rosa Luxemburg, Eisner, Landauer, Jogisches usw. sind
tot. In neuerer Zeit geht man, wie die Attentate auf Erzberger, Auer,
Scheidemann und Rathenau beweisen, auch dazu ber, die Fhrer der
gemigten Parteien zu ermorden.

Die Wirksamkeit dieser Technik fr den Augenblick ist unbestreitbar. Die
Linke hat keinen bedeutenden Fhrer mehr, keinen Menschen, von dem die
Massen das Gefhl haben: Er hat soviel um uns gelitten, soviel fr uns
gewagt, da wir ihm blindlings vertrauen knnen. Dadurch ist die
Arbeiterbewegung zweifellos um Jahre zurckgeworfen. Der Erfolg ist um
so grer, als in keinem Fall eine Bestrafung eingetreten ist.

Da diese Methoden beim Militr (die ganzen Morde von rechts sind von
Offizieren oder Soldaten begangen worden) eine solche Verbreitung
fanden, liegt natrlich an der psychischen Verrohung durch den Krieg, wo
das Leben des Einzelnen nichts mehr gelten durfte. Einen besonders
groen Einflu hatten in dieser Hinsicht die zahlreichen ausgesprochenen
und unausgesprochenen Befehle, keine Gefangenen zu machen.


Politische Morde einst und jetzt

Auch die Gleichgltigkeit, mit der man heute in Deutschland den
politischen Morden und den Opfern von turbulent verlaufenen
Straendemonstrationen gegenbersteht, ist nur durch die Tatsache zu
erklren, da der Krieg uns gegenber dem Wert des Menschenlebens
abgestumpft hat.

Die unglaubliche Milde des Gerichts ist den Ttern wohl bekannt. So
unterscheiden sich die heutigen politischen Morde in Deutschland von den
frher in anderen Lndern blichen durch zwei Momente: Ihre
Massenhaftigkeit und ihre Unbestraftheit. Frher gehrte zum politischen
Mord immerhin eine gewisse Entschlukraft. Ein gewisser Heroismus war
dabei nicht zu leugnen: Der Tter riskierte Leib und Leben. Flucht war
nur unter auerordentlichen Mhen mglich. Heute riskiert der Tter gar
nichts. Mchtige Organisationen mit ausgebreiteten Vertrauensleuten im
ganzen Lande sichern ihm Unterkunft, Schutz und materielles Fortkommen.
Gutgesinnte Beamte, Polizeiprsidenten geben falsche richtige
Papiere, zur eventuell ntigen Auslandsreise. Diese Technik hat sich
seit den Tagen des Oberleutnant Vogel sehr gehoben. Man lebt in den
besten Hotels herrlich und in Freuden. Kurz, der politische Mord ist aus
einer heroischen Tat zur alltglichen Handlung, ja beinahe zu einer
leichten Erwerbsquelle fr rasch entschlossene Kufer geworden.


Die Mitschuld der Gerichte

Diese Zustnde wren natrlich ohne die allerdings vielleicht unbewute
Mithilfe der Gerichte undenkbar. Man kann es sogar geographisch
beweisen. Im Rheinland, im besetzten Gebiet, ist die Morddichte viel
geringer, als im brigen Reich. Man wei, da dort die
Rheinland-Kommission nicht den Interessenstandpunkt der deutschen
Richter teilen wrde. (Wer in ihrem Land hnliche Dinge vorkommen
wrden, so wrde sie natrlich wahrscheinlich genau so urteilen.) Ein
weiterer Beweis der unbewuten Mitschuld der Gerichte an den Morden
liegt in der Tatsache, da die wrtliche Aufforderung zur Ermordung
namhafter Pazifisten keineswegs als Delikt angesehen wird. Einige
Papiermark Strafe -- und der Verbreiter der Aufforderung kann weiter die
Saat des Hasses schren. Am Tag nach der Ermordung Erzbergers stand im
Spandauer Tageblatt: Aufs Schaffott! Das zweite Opfer, Hello von
Gerlach! Der Autor, Lehmann, erhielt dafr von der Strafkammer des
Landgerichts II 200 Mark Geldstrafe.

Diese meine These, da die Milde der deutschen Gerichte eine
Voraussetzung der politischen Morde ist, wird auch von den meisten
rechtsradikalen Blttern vertreten. Hufig kann man dort Stze lesen,
wie: Es ist schade, da der Landesverrter Soundso (ein Pazifist, dem
in strafrechtlicher Hinsicht nicht das Mindeste auch nur nachgesagt
werden kann) nicht in Deutschland, sondern in einem andern Lande lebt.
Dort kann ihn leider nicht wie Erzberger der Arm der strafenden
Gerechtigkeit erreichen. Man kann demnach einen politischen Gegner, der
im Ausland wohnt, nicht ermorden, aber nicht etwa, weil es technisch
unmglich wre (dies ist nicht der Fall) sondern weil man dort das
Risiko trgt, bestraft zu werden.

Trotz dieser grauenhaften Tatsachen mchte ich die Behauptung, da die
deutschen Richter mit Bewutsein das Recht beugen, nicht unbedingt
bejahen. Sie lassen zwar ber 300 Morde straflos ausgehen. Aber ich
mchte fr sie auf mildernde Umstnde plaidieren. Es fehlt ihnen das
Bewutsein der Strafbarkeit ihrer Handlungen. Aus der alten Zeit her,
wo das heutige Wirtschaftssystem von ueren Angriffen unbedingt
geschtzt war und wo die Anhnger der Rechtsparteien unbestritten die
oberen Schichten bildeten, ist ihnen der Gedanke, da aus dieser Kaste
eine Reihe von Mrdern und Mordanstiftern hervorgehen knne,
unvorstellbar. Daher werden die Mrder freigesprochen.

Der grte Teil der ffentlichen Meinung stellt sich demgegenber auf
den von den zugrundeliegenden Interessen aus begreiflichen Standpunkt:
Roma locuta, causa finita; die Gerichte haben die als Mrder
Angeklagten freigesprochen. Sie sind unparteiisch. Die Sache ist
erledigt. Nur ein geringer Teil protestierte und zwar im wesentlichen
immer nur die Parteiangehrigen des jeweils Ermordeten. Diese Fiktion
der Unparteilichkeit der deutschen Gerichte hat brigens auch eine
auenpolitische Ursache: Es soll gegenber der Entente jeder Zweifel
beseitigt werden, da gegen die Kriegsverbrecher in Deutschland selbst
gerechtermaen eingeschritten wird.


Die Technik des Freispruchs

Die relativ wenigen Attentate gegen Reaktionre sind so gut wie smtlich
durch schwere Strafe geshnt, von den sehr zahlreichen Attentaten gegen
Mnner der Linken ist dagegen kein einziges geshnt. Gutglubigkeit,
falsch verstandene Befehle, tatschliche oder angebliche Verrcktheit
waren hier immer Entschuldigungsgrnde, soweit berhaupt ein Verfahren
stattfand. Die meisten Verfahren werden von der Staatsanwaltschaft, die
andern von den Strafkammern eingestellt.

Wenn der Mrder und der Verlauf der Tat genau bekannt ist, so entwickelt
sich folgende juristische Komdie. Ein Offizier hat einen Befehl
gegeben, der dahin aufgefat werden konnte, Spartakisten sind zu
erschieen. Der Untergebene erschiet Menschen, die er fr Spartakisten
hlt, und wird freigesprochen, weil er in dem Glauben sein knnte, auf
Befehl zu handeln. Er wird also wegen Putativspartakismus
freigesprochen. Genau wie seinerzeit der Leutnant Forster wegen
Putativnotwehr. Gegen den Offizier wird aber nicht eingeschritten. Denn
der Befehl hat entweder nicht so gelautet oder, wenn er so gelautet hat,
dann war er eben kein Dienstbefehl. Der Spartakist ist natrlich tot.
Schuld ist ... das Karnickel. So endet das Verfahren vor dem
Staatsanwalt. Am interessantesten ist dieser Vorgang dann, wenn in einem
gleichzeitig angestrengten Zivilproze der Fiskus wegen der durch einen
Soldaten oder Offizier durchgefhrten Ermordung zu Schadenersatz
verurteilt wird. Denn dann ist es gerichtsnotorisch, da die Ttung
ungesetzlich war. Trotzdem geschieht nichts gegen die Tter.

Die ffentliche Meinung billigt im allgemeinen dies Verfahren. Denn eine
geschickte Propaganda hat ihr beigebracht, jeder Feind des Militarismus
sei ein Spartakist, also ein Feind der Menschheit, also vogelfrei.

Wird ein Anhnger der linken Parteien von Rechts ermordet, so kann sich
eben der Richter unwillkrlich nicht von der Vorstellung loslsen, da
der Ermordete sein Feind war, und schon durch seine Gesinnung eine
schwere Strafe verdient htte. Da der Mrder eigentlich doch nur der
strafenden Gerechtigkeit zuvorgekommen ist. Und schon deswegen mild zu
behandeln ist. So kommt es hufig vor, da bei der Gerichtsverhandlung
nicht der Mrder, sondern der Ermordete moralisch vor dem Richter steht.
Der Mrder aber gehrt derselben sozialen Schicht, demselben Leben an
wie der Richter. Unzhlige soziale Bande verknpfen den Mrder-Offizier
mit dem Richter, der ihn freisprechen wird, dem Staatsanwalt, der das
Verfahren einstellen wird, dem Zeugen, der den Fluchtversuch eingehend
schildert. Sie sind Fleisch von einem Fleisch, Blut von einem Blut. Der
Richter versteht ihre Sprache, ihr Fhlen, ihr Denken. Zart schwingt
seine Seele unter der schweren Maske des Formalismus mit den Mrdern
mit. Der Mrder geht frei aus.

Wehe aber, wenn der Mrder links steht. Dem Richter, der selbst zu den
frher auch offiziell oberen Klassen gehrt, ist der Gedanke, da
diese Wirtschaftsordnung geschtzt werden msse, von altersher vertraut.
Beruht doch auf ihr seine eigene Stellung. Und jeder Gegner dieser
Wirtschaftsordnung ist an sich verwerflich. Der Angeklagte ist jeder
Schandtat fhig. Und kann er auch nur annhernd berfhrt werden, so ist
strengste Bestrafung sein sicheres Los.

Ich bin nicht optimistisch genug, um zu glauben, da auf Grund meiner
Arbeit auch nur einer der Mrder bestraft werden wird oder da die
politischen Morde aufhren. Sollte ich aber durch meine Zeilen dazu
beigetragen haben, da wenigstens die kommenden politischen Morde eine
Shne finden, so wrde ich meine Aufgabe fr erfllt betrachten.





End of Project Gutenberg's Vier Jahre Politischer Mord, by Emil Julius Gumbel

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIER JAHRE POLITISCHER MORD ***

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Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

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     www.gutenberg.org

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