The Project Gutenberg EBook of Flaubert und die Herkunft des modernen
Romans, by Heinrich Mann

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Title: Flaubert und die Herkunft des modernen Romans

Author: Heinrich Mann

Release Date: August 2, 2010 [EBook #33328]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Produced by Jens Sadowski




Heinrich Mann

Flaubert und die Herkunft des modernen Romans




Flaubert vollbringt sein ganzes Werk im Kampf gegen sich selbst. Dieser
endgltige Eroberer des Realismus ist kein Liebhaber der Wirklichkeit;
dieser Moderne hat die Brgerwelt, dieser Erfinder des unpersnlichen
Romanstils hat Lyrik zu verbergen.

Die letzten Windste des romantischen Sturmes gelangten, als er jung war,
bis in seine Provinz. Er und seine Kameraden, gesprengt von Schwrmerei,
fhlten sich als Ausnahmen in der platten Menschheit um sie her. Sie
trumten vom Ruberleben, von der Liebe groer Damen und dem Kampf fr den
Islam, von allem, was beim frhen Victor Hugo steht; trugen Dolche,
benutzten sie auch und verstanden zu sterben. Eine Pariser Geistesmode hat
sie versptet erreicht, als man in Paris schon anfing, sie abzulegen: so
versptet dringt sie auch in das Kloster, worin Emma Bovary ihre
Mdchenzeit vertrumt. In ihren bildsamsten Jahren werden diese jungen
Gehirne nach Vorstellungen und Bedrfnissen gefaltet, gegen die alsbald die
ganze Wirklichkeit als Feind aufstehen wird. Einige erliegen ihr: so
erliegt Emma Bovary. Vor allem darum, weil Paris, das sie nie zu sehen
bekommt, ihr immer das Irrlicht bleibt. Flaubert sieht es, wie es ist,
vergleicht, schmt sich, und was er von seinem Herzen zu Papier zu bringen
sich trotzdem nicht versagen kann, Stimmungsprosa, wolkig wie Novembertage,
Herzensdrang an Chateaubriands, seines Helden, Geburtsttte und Grab: das
ist von diesem Augenblick ab verurteilt, verschlossen zu bleiben. Er
unterdrckt seine Jugend, seine ganze Jugend, um reif vor die Welt
hinzutreten, mit einem kurz vor den Dreiig begonnenen Werk, aus dem
vermeintlich der Autor abwesend, das angeblich die unter den
unerforschlichen Augen eines uns sichtbaren Gottes geschehene
Selbstgestaltung der Dinge ist. Aber die wilde Ironie, die nirgends
nachweisbar hervortritt und deren Katzenaugen man doch berall ahnt, hinter
den Vorgngen, hinter dem Stil, hinter der verflschten und unangemessenen
Gefhlssucht der Heldin: wie entsteht sie? Wer hat hier gelitten, um so
ironisch sein zu drfen? Eine arme Frau, die sich weder ihre Sinne noch
ihre Eindrcke selbst gab, mu, weil sie ihnen und nicht den Brgerregeln
folgte, rgste Erniedrigung, bittersten Tod erdulden. Die Tatsachen hetzen
sie, und kein Mensch ist da, dem die Wimper zucken wrde, kein verstehender
Mensch; so konnte ihr Dichter in den Ruf eines harten Erziehers kommen.
Gewi, er erzog. Aber er war kein Gewissensrat fr Brgerfrauen, und nicht
eine Dame namens Emma Bovary hat ihn zum Schreiben gentigt. Er erzieht
sein Herz. Die ducation sentimentale, die er spter beschrieb, hier
geschieht sie. Alle Gewalt des Buches liegt darin: da jemand mit bitterer
berzeugung gegen sein eigenes Herz wtet und gegen seines Herzens
ehebrecherische Gelste nach Poesie. Gbe er ihnen nach, er wre gewi, von
der Zeit beiseite geschoben zu werden, unwirksam zu bleiben und
abzusterben. Die Zeit will ihn modern, wissenschaftlich und nchtern. Sie
erhebt ihre Forderungen in ihm selbst. Seine zunehmende Geistigkeit
verfeindet ihn mit seinem Herzen. So ergibt er sich der Unterwerfung
dessen, was er war, dem Kampf gegen den Jngling, der noch in ihm lebendig
ist. Aber dieser Jngling scheint in denen, die als Erstes die Romantik
sahen, ein zhes Leben gehabt zu haben. Flauberts nchster Freund, Louis
Bouilhet, blieb all seine Dauer ein Poet aus den Boheme-Tagen und immer im
Zorn gegen die nachkommenden Zeiten, die er mitmachen mute. So nimmt der
Pessimismus Flauberts seinen Ursprung in entrsteter Romantik. Rodolphe,
der Dichter, sitzt, hoffnungslos verdstert, in seiner winterlichen
Dachkammer. Das Feuer, das er, seiner Unerschpflichkeit gewi, mit den
Manuskripten seiner Gedichte entfachte, erlosch im Kamin. Wo kamen die
Genossen hin? Der Mond ist untergegangen und Mimi tot.

Aus dem miverstndlichen Erfolg von Madame Bovary mag Flaubert bittere
Genugtuung geschpft haben. Vielleicht, er war noch jung, hat er sich auch
berauschen und tuschen lassen, hat sich -- nach Beendigung eines Buches
ist uns sein Keim und, was es uns war, oft ganz entfallen -- im Augenblick
selbst fr den unbeirrbaren Realisten gehalten, als den man ihn ansprach.
Er kann den Pessimismus seines Buches fr nchternen Wirklichkeitssinn
angesehen haben, whrend er leidende Rache war; kann die Form, die er
seinem Pessimismus gegeben hatte, das Groteske, fr wirkliche, berlegene
Strke gehalten haben; und doch verdankte er es nur seinem Drang, sich zu
behaupten, griff an aus Not und gestand, indem er karikierte, Schwche ein.
In seiner Jugendprosa, wo er noch das gute Gewissen zu seinen ersten
Idealen hat, gibt es kein Groteskes. Whrend einer Orientreise nimmt es
berhand. Hier, wo der Romantiker sich im Burnus an der Spitze von
Mameluken und bei Brunnen mit Rosenwasser htte fhlen sollen, verbringt er
ganze Tage damit, einen imaginren alten Franzosen zu parodieren. Seine
Feinde, die Brger, halten ihn schon belagert, lassen ihm keine volle Ruhe
mehr zum Genu von Trumen. Nach der Heimkehr schliet er sich ein mit den
Phantomen der Menschheit, um sich von ihnen vorspielen zu lassen. Sein noch
jugendlicher bermut verdstert sich wohl; aber kein Zweifel, da Monsieur
Homais frher in ihm entstanden ist als Emma Bovary und da sein Drang,
darzustellen, vor allem eine Sucht zu herrschen ist. -- Das Verlangen
treibt ihn, die Welt dadurch unter sich zu bringen, da er sie als arme
Fratze sich gebrden lt. Nie selbst hervortreten; die Unpersnlichkeit
zu seiner Rache machen; und in seiner hohen Einsamkeit mehr als menschliche
Gensse feiern! Denn welchen menschlichen Genu vermchte er nicht durch
Literatur zu berbieten? Von der Liebe gibt sie ihm das Beste:
intellektuelle Wollust, Hingabe wie Beherrschung, das Selbstvergessen in
der Umarmung des Vollkommenen, und das Fragwrdigste, Aufstachelndste,
Gensse wie das keuchende Entsagen in der ducation sentimentale, oder
Salambos Python; oder die Tochter der Herodias. Die Literatur gibt ihm,
strker als das Leben, die Exaltation des Zeugens; sie gibt ihm
konzentrierter das angstvolle Heranziehen der Geschpfe. Sie gibt ihm
Abenteuer, Reisen, unvorhergesehene Bekanntschaften, Qualen, Krankheiten
und Krisen jeder Art. Mehrere Tage hindurch hat er den slichen Geschmack
des Giftes auf der Zunge, das die Bovary nahm.

Nur will dieser Rausch, der schnell unentbehrlich wird, immer ppiger
genhrt werden. Die mitlebenden Brger findet Flaubert lngst ohne Reiz,
ihr Groteskes klglich. Er braucht wildere Absonderlichkeiten, eine Welt
der Ungeheuer und Gifte, einen Himmel, der wie ein Alpdruck ist; eine Welt
auch, wo die Worte rasseln und klirren drfen wie Panzer und Foltern,
trompeten wie Elefanten, hysterisch beben wie eine mit Wohlgerchen
durchseuchte Priesterin; wo die Worte in die Augen schreien, die Augen
sengen, die Augen zu Gttern machen und martern drfen gleich der
unerbittlichen Schnheit des harten Sdens. Die wirklichen Bedrfnisse, aus
denen Salambo kam, sind diese. Vor sich selbst wird Flaubert den anderen
Beweggrund ausgespielt haben: wenn bei seinem ersten Buch die Moralisten,
Gesellschaftstheoretiker, Pdagogen sich aufgeregt hatten, -- diesmal
sollten die Archologen staunen, die von der gerade modernsten
Wissenschaft! Er wollte -- da es schon Wirklichkeit sein sollte -- eine
allen unbekannte, von ihm allein schwer errungene Wirklichkeit hinlegen, an
der sollten sie ihre Freude haben. Auf die Geste kam es an, die herrische,
unberhrte Geste, mit der man dies alles hinausschleuderte:
niedergestampfte Armeen und den heulenden, blutrnstigen Liebeswahnsinn
eines Halbwilden, Baal mit Kindern auf den rotglhenden Armen und
Felsenkessel voll Menschen und reiende Tiere darber her! . . . Geheimnis
bleibt es, ob der jahrelang in dieser Hlle Schmiedende nie darauf geachtet
hat, da es hier von den Grenzen hrtester Wirklichkeit wieder in sein
altes Traumland geht; da sich in der berflle prachtvoller Landschaften
die unausweichliche Nhe Chateaubriands erklrt, in Salambo die mystische
Liebende Velleda -- und die unbesiegliche Zrtlichkeit des Lyrikers, der
Hamilkars Tochter sang, in der Bezauberung, die dies kleine Mdchen, kaum
da es sich zeigt, an tausend Bluthunden mit Menschengesichtern bt.
Niemand fehlt als Ren; und fehlt er? Der gallische General, der, erstickt
vom Schirokko und der Schwere der Wstenweiten, an einem Luftloch des
verschlossenen Zeltes rchelt und nach Galliens Viehweiden, dem aus
Walddunkel zitternden Licht seiner Strohhtte lechzt: wre er nicht die
Seele dessen, der sich an solche schlimme Schpfung vergab, in diese von
Seelen leere Einsamkeit sich verirrte?

                                * * *

Wenn soviel Entsagen, soviel Selbstvergewaltigung wenigstens Ruhm eintrge!
Flaubert hatte nicht den Krper eines Skeptikers; mochte seine Geistigkeit
das Gerusch der Gewhnlichen verachten, seine Sinnlichkeit gierte nach
ihrer Anerkennung. Er empfand: Um Dauerhaftes zu schaffen, darf man ber
den Ruhm nicht lachen, und litt heftig unter dem Achtungserfolg von
Salambo. Damals zuerst mag er sich berblickt, mit seinem Schicksal
abgerechnet haben: erstaunte und wehe Fragen, die niemand gehrt hat.

Wie kommt es, da ich hier sitze, abseits und mit vierzig Jahren noch immer
allein? Zwlf Jahre sind vergangen, seit ich mich einschlo. Die von meiner
Kraft, mit meiner Bovary geschaffene Bewegung haben andere ausgenutzt;
inzwischen war ich fern, bei dieser Salambo, die nun alle knstlich nennen.
Es gelang mir also zu gut, euch zu tuschen. Mein berreiztes Herz habe ich
unter Lichtgarben und Tubengebrll so wohl versteckt, da niemand es sprt.
Als ich jung war, liebte ich allzu glnzende Frauen, denen ich es nie
sagte. So habe ich dich geliebt, Salambo, und dich, grausames Afrika! Aber
niemand wei, da um die schnen Dinge, um die fernen, kaum mehr
menschlichen Gestalten gelitten werden mu. Man faselt von seelenloser
Schnheit. Man ist so unwissend ber den Knstler, da man ihm zutraut, er
mache leichten Herzens Schnheit; so unerfahren in der Schnheit, da man
fr mglich hlt, es sei jemals eine vollendet worden, hinter der nicht der
Schmerz stand, den Meiel noch in der Hand. Ich werde ihnen nichts darber
verraten. Spricht jemand von Salambo, und wre es meine gtigste Freundin,
ich werde ihr antworten: Der Schmker htte es ntig, da man ihn um
gewisse Inversionen leichter macht; es sind zu viele Damals, Aber und Und
darin: man merkt die Arbeit.

Gelte ich nicht als Techniker? Fast bin ich es geworden! Ich, der den
berschumendsten Achtzehnhundertdreiiger abgab, wre ich so glcklich
gewesen, mit der Hernani-Bande zur Welt zu kommen! Wie ich Verse gedonnert,
was ich auf meiner breiten Brust fr leuchtende Stoffe getragen, welchen
Gottesdienst ich einer Frau geweiht haben wrde, einer einzigen! In dieser
nchternen Zeit mute ich mich in eine Werkstatt schlieen, Stze feilen,
meinen Stolz auf die Verknpfung einer Analyse, eines Portrts und eines
Dialoges setzen, neue Arten erfinden, um eine Empfindung auszudrcken, und
die Empfindung selbst fr Nebensache ausgeben, mute das uere am
wichtigsten nehmen. In Wahrheit aber glaube ich nicht einmal, da es in der
Kunst ein ueres gibt. Ich erinnere mich, wie ich Herzklopfen bekam und
eine heftige Lust empfand, als ich eine Mauer der Akropolis betrachtete,
eine ganz nackte Mauer (die zur Linken, wenn man nach den Propylen
hinausgeht). Und ich frage mich, ob ein Buch, unabhngig von dem, was es
sagt, nicht dieselbe Wirkung hervorbringen kann. Liegt nicht in der
Genauigkeit der Wortgefge, der Seltenheit der Bestandteile, der Gltte der
Oberflche, der bereinstimmung des Ganzen, liegt darin nicht eine innere
Tugend, eine Art gttlicher Kraft, etwas Ewiges wie ein Prinzip? (Ich
spreche als Platoniker.) Warum besteht, zum Beispiel, eine notwendige
Beziehung zwischen dem richtigen und musikalischen Wort? Warum kommt man
immer auf einen Vers hinaus, wenn man seine Gedanken zu sehr
zusammendrngt? Das Gesetz des Wohlklanges regiert also die Gefhle und die
Bilder. Und was als das uere erscheint, ist gerade das Innere. . . . Ich
bin Mystiker: ich, der Handwerker der Form. In der Form erst glht meine
Phantasie und wird flssig. An einer Seite voll bunter und tnender Namen
berausche ich mich bis zu der Gewiheit, mit den Schicksalen dieser Namen
einst dagewesen zu sein. Ich bin alter Schnheit so voll, da ich das
Gefhl beginnenden Lebens, das starre Staunen eines frisch erschlossenen
Daseins nie gekannt habe. Das in den Tiefen der Geschichte Verlorene zieht
mich an, der ich von jeher dabei war. Mit den Priestern des Orients konnte
ich reden, und wenn vor dem Tor meiner Stadt Zigeuner aus ihrem grnen
Wagen lugen, regt sich in mir etwas Brderliches. Denn ich habe -- ob mir
das von meinen nordischen Vtern kommt? -- die Krperverfassung
raffinierter Barbaren, berreizte Nerven in einem Riesen, eine Geistigkeit,
die sich schwer aus den Schlacken der Sinne losringt. Ich habe eine
ungeheure Animalitt abzuschleifen, bevor Geist entstehen kann. Zu ihrer
Bndigung bin ich auf eine Hygiene der Ungesundheit verfallen: keinen
Schritt vors Haus und Nachtarbeit, bis mir die Augen kochen. Hinter allen
fnf Fenstern meines Zimmers, rings um dies alte Kloster, ist weites, grau
schlafendes Land, Mondgleiten den Flu entlang; und in der ungeheuren
Stille zucke ich empor bei jedem Knistern, jedem steknacken: Kommst du? Es
regt sich in den Zauberworten, die ich ansammle, und aus ihnen hervor, in
wahnsinnig aufregenden Schleiern und auf den Sohlen verstorbener
Tnzerinnen erscheint mir mein Werk!

Betrachte dich: wie es dich schon zurichtete! In deinem kuttenhnlichen
Rock haben deine Schultern sich gewlbt; dein Gesicht mit dem gallischen
Schnurrbart war rund und fest, nun ist es zerfetzt durch die sich windende
Seele; es hat sich, rot von den Ausschweifungen der Arbeit, gesenkt um die
Augen her, deine Lider liegen in Falten vom Hohn auf das groteske Leben,
und dein Blick ist so mde, als wre dies Gelchter schwere Arbeit gewesen,
eine Braue krampft sich die kahle Stirn hinan; und als brig gebliebene
Lge von Jugendmut fallen dir romantische Locken ber die Ohren. Du bist
vierzig, und es ist keine Hoffnung, von dieser Galeere noch einmal zu
entkommen. Auch wrdest du nicht wollen. Ach, sobald die Qual eines Werkes
aus ist, ist auch die Erleichterung meiner Leidenschaft vorbei. Ich
vergleiche diese Leidenschaft einem Ausschlag, den man schreiend kratzt
. . . Ich habe nicht gelebt und bin ein Paria. Es gibt Parias hier auf der
Hhe, wie es welche ganz unten gibt. Warum? Der Literat war ehemals eine so
regelrechte Existenz. Was war Herr von Voltaire? Ein geistreicher
Grobrger, nichts weiter, mit all seinen Tugenden und Lastern, Eitelkeit,
Habgier, physischer Furchtsamkeit, Anfllen moralischer Khnheit, dem Trieb
zu geistigem Fortschritt; politisch reaktionr, sobald der Despot seiner
Ansicht war, priesterfeindlich, weil er die Priester in der Macht ber das
Volk abzulsen wnschte, aber gewillt, dem Volk den Glauben an die ewigen
Strafen zu erhalten, aus Furcht vor seinen Lakaien. Selbst eine so
fragwrdige Erscheinung wie Rousseau, das whlerischste Sklavengenie, das
je gelebt hat, konnte in die alte Gesellschaft gut aufgenommen werden,
Grfinnen lieben und sich zeitweilig wohlgeraten und einwandfrei fhlen.
Das geht nicht mehr. Die Revolution hat uns allzusehr befreit. In der
romantischen Zeit genossen wir die zynische Poesie unserer Losgelstheit
von der Brgerwelt, von der gent picire, und da nun der erste bermut
dahin ist, sind wir mit unserer allen Guten unverstndlichen Sensibilitt
zurckgeblieben. Denke ich nach, ist es mir, als wre ich noch Jngling,
ein verbrauchter, berreizter Jngling, aber ohne die Fhigkeit, reif zu
werden. Ich bin, sobald ich es einmal wage, zu handeln, noch immer
Enttuschungen ausgesetzt, denn ich habe noch immer die uninteressierten
Ideale eines Zwanzigjhrigen, sein ungebundenes Denken, nicht spezialisiert
und rein spielerisch, zusammen mit dem theoretischen Pessimismus derer, die
am Leben noch nicht ttigen Anteil nahmen und bisher nirgends eingereiht
sind: werde ich es doch niemals werden. Ich stehe, sozial gesprochen, auf
demselben Fleck wie beim Verlassen der Schule. So will ich denn die Welt
der Zwanzigjhrigen schildern. Ein gut veranlagter Zwanzigjhriger ist mir
verwandt, ist immer ein Stck Knstler, eine Spur Dichter.

Da werde ich also dichten drfen! Und lieben! Die romantische Liebe, die
ich in der Bovary verhhnt und weggejagt habe, aus Hrte gegen mich selbst,
nun soll sie zurckkehren, tiefernst und unbesieglich. Ah! Die Lyrismen,
die ich mir gnnen will! Den Brger sollen sie auer sich bringen. Ich
werde ihm ins Gesicht sagen, wie ein junger Mensch mit Idealen im Herzen
ihn ansieht. Er geht nur ber die Strae und fhlt sich, werde ich sagen,
bel von der Niedrigkeit der Gesichter, den dummen Reden, der einfltigen
Genugtuung, die auf all den schwitzenden Stirnen durchbricht. Zwar werde
ich hinzufgen: >Indessen, das Bewutsein, mehr wert zu sein als diese
Menschen, erleichterte die Mhe des Anblickes< und derart ironisch
feststellen, da ich immerhin ber meinen Zwanzigjhrigen hinaus bin. Auch
werde ich Sorge tragen, da fr jenen Liebesgesang nicht ich verantwortlich
bleibe. Und wenn ich, den alle zum Pontifex des Realismus machen, einmal
mit meiner Meinung ber ihn herauskomme, lasse ich sie natrlich von einem
vorbringen, den ich so eingerichtet habe, da keiner ihm glauben wird.
>Lat mich in Ruhe mit eurer abscheulichen Wirklichkeit! Was soll das
heien: Wirklichkeit? Die einen sehen schwarz, andere blau, die Menge sieht
dumm. Nichts ist weniger natrlich als Michelangelo und nichts strker! Die
Sorge um uere Wahrheit ist bezeichnend fr die niedrige Gesinnung dieser
Zeit; und die Kunst wird, geht es so weiter, ich wei nicht was fr ein
Plunder werden, weniger poetisch als die Religion und weniger interessant
als die Politik. Ihr Ziel -- jawohl, ihr Ziel! --, das darin besteht, eine
unpersnliche Exaltation in uns zu bewirken, erreicht ihr nie mit kleinen
Werken, trotz aller feinsuberlichen Ausfhrung. Ohne Gedanken nichts
Groes! Ohne Gre nichts Schnes! Der Olymp ist ein Berg! Das khnste
Denkmal bleiben immer die Pyramiden. Besser berschwang als Geschmack,
besser die Wste als ein Trottoir, besser ein Wilder als ein Friseur!<

Das erleichtert! In diesem Buche werde ich endlich sagen drfen, was ich
gelitten habe. Da ich eure gemeine Herzlichkeit nie teilen konnte, und wie
meine Liebe beschaffen ist. Es handelt sich darum, Bilder zu finden dafr,
wie das Anschauen einer Frau uns schwach machen und erregen kann, gleich
dem Gebrauch eines zu starken Parfms. Eine nervenzerrttende
Enthaltsamkeit wird dem Buch die tiefere, fragwrdige Wollust eintrnken.
Wenn die Liebenden beim Krachen einer Tfelung zusammenfahren, als wren
sie schuldig, wenn ihr berreiztes Gefhl sie Abgrnden zutreibt, um sie
her eine Sturmluft giet, dann schildere ich meine Nchte. Die Nchte
zwischen mir und meinem Werk. Und mit der Liebe jener romantischen Tage
soll alle Bitterkeit der geschlagenen Illusionen sich vermischen, die
Achtundvierzig endeten. Ich will schwelgen; aber niemand darf es merken.
Ich mu unsere grten Worte von damals einem Bramarbas der Freiheit und
des Patriotismus zuschreiben, einem Idioten mit einem pomphaften Namen; wie
sage ich? Regimbart! Der und eine zappelnde Mauer von Grotesken wird meine
Zrtlichkeit verstecken. Nicht ganz: ich ertrge es nicht! Ein Mensch soll
dabei sein, ein schlichter Mensch, etwas wie ein Kommis, nichts weiter. Der
soll Gerechtigkeit fr mglich halten, den Staat hassen, sich eine einzige
Liebe wnschen, fr das ganze Leben, und an einem gewissen Punkt einen --
o, wie weise herbeigefhrten! -- Schrei ausstoen: >Es lebe die Republik!<
Alles soll er sein, was ich htte bleiben wollen, und das Kindergemt
obendrein haben, mit dem man den letzten Enttuschungen immer entgeht, sei
es auch, indem man sich rechtzeitig von der Polizei niedersbeln lt. Die
aber leben bleiben: was werden sie gehabt haben, woran werden sie, den
Fnfzig nah, mit wirklicher Dankbarkeit gegen das Leben einander erinnern?
Der Ehrgeizige und der Liebende, beide an nichts als an einen Abend ihrer
frhsten Zeit, als sie sich aufmachten, um ihre Keuschheit herzugeben. Ein
wenig platte Leiblichkeit ist alles, was brigbleibt nach so viel
verpuffter Seele. Es wird das Buch der Enttuschungen sein, worin trotz
vielem Hin und Her nichts geschieht, nichts je ans Ende gelangt, nur aus
Flieen Sickern wird, -- und kein schmerzlicheres wird geschrieben worden
sein . . .







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     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
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opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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     http://www.gutenberg.org

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