The Project Gutenberg EBook of Peter Schlemihl's wundersame Geschichte, by 
Adelbert von Chamisso

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Peter Schlemihl's wundersame Geschichte

Author: Adelbert von Chamisso

Release Date: March 7, 2010 [EBook #31538]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PETER SCHLEMIHL ***




Produced by Norbert H. Langkau, Evelyn Kawrykow and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net.







     Peter Schlemihls

     wundersame Geschichte.

     Mitgeteilt

     von

     Adelbert von Chamisso.



     Leipzig

     Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.



       *       *       *       *       *


An meinen alten Freund Peter Schlemihl.


        Da fllt nun deine Schrift nach vielen Jahren
     Mir wieder in die Hand, und -- wundersam!--
     Der Zeit gedenk' ich, wo wir Freunde waren,
     Als erst die Welt uns in die Schule nahm.
     Ich bin ein alter Mann in grauen Haaren,
     Ich berwinde schon die falsche Scham,
     Ich will mich deinen Freund wie eh'mals nennen
     Und mich als solchen vor der Welt bekennen.

        Mein armer, armer Freund, es hat der Schlaue
     Mir nicht, wie dir, so bel mitgespielt;
     Gestrebet hab' ich und gehofft ins Blaue,
     Und gar am Ende wenig nur erzielt;
     Doch schwerlich wird berhmen sich der Graue,
     Da er mich jemals fest am Schatten hielt;
     Den Schatten hab' ich, der mir angeboren,
     Ich habe meinen Schatten nie verloren.

        Mich traf, obgleich unschuldig wie das Kind,
     Der Hohn, den sie fr deine Ble hatten.--
     Ob wir einander denn so hnlich sind?!--
     Sie schrien mir nach: Schlemihl, wo ist dein Schatten?
     Und zeigt' ich den, so stellten sie sich blind
     Und konnten gar zu lachen nicht ermatten.
     Was hilft es denn! man trgt es in Geduld,
     Und ist noch froh, fhlt man sich ohne Schuld.

        Und was ist denn der Schatten? mcht' ich fragen,
     Wie man so oft mich selber schon gefragt,
     So berschwenglich hoch es anzuschlagen,
     Wie sich die arge Welt es nicht versagt?
     Das gibt sich schon nach neunzehntausend Tagen,
     Die, Weisheit bringend, ber uns getagt;
     Die wir dem Schatten _Wesen_ sonst verliehen,
     Sehn Wesen jetzt als _Schatten_ sich verziehen.

        Wir geben uns die Hand darauf, Schlemihl,
     Wir schreiten zu und lassen es beim alten;
     Wir kmmern uns um alle Welt nicht viel,
     Es desto fester mit uns selbst zu halten;
     Wir gleiten so schon nher unserm Ziel,
     Ob jene lachten, ob die andern schalten,
     Nach allen Strmen wollen wir im Hafen
     Doch ungestrt gesunden Schlafes schlafen.

  _Berlin_, August 1834.




An Julius Eduard Hitzig von Adelbert von Chamisso.


Du vergissest niemanden, du wirst dich noch eines gewissen _Peter
Schlemihls_ erinnern, den du in frheren Jahren ein paarmal bei mir
gesehen hast, ein langbeiniger Bursch', den man ungeschickt glaubte,
weil er linkisch war, und der wegen seiner Trgheit fr faul galt. Ich
hatte ihn lieb -- du kannst nicht vergessen haben, _Eduard_, wie er uns
einmal in unsrer grnen Zeit durch die Sonette lief, ich brachte ihn mit
auf einen der poetischen Tees, wo er mir noch whrend des Schreibens
einschlief, ohne das Lesen abzuwarten. Nun erinnere ich mich auch eines
Witzes, den du auf ihn machtest. Du hattest ihn nmlich schon, Gott wei
wo und wann, in einer alten schwarzen Kurtka gesehen, die er freilich
damals noch immer trug, und sagtest: Der ganze Kerl wre glcklich zu
schtzen, wenn seine Seele nur halb so unsterblich wre, als seine
Kurtka. -- So wenig galt er bei euch. -- Ich hatte ihn lieb. -- Von
diesem _Schlemihl_ nun, den ich seit langen Jahren aus dem Gesicht
verloren hatte, rhrt das Heft her, das ich dir mitteilen will. -- Dir
nur, _Eduard_, meinem nchsten, innigsten Freunde, meinem beren Ich, vor
dem ich kein Geheimnis verwahren kann, teil' ich es mit, nur dir und, es
versteht sich von selbst, unserm _Fouqu_, gleich dir in meiner Seele
eingewurzelt -- aber in ihm teil' ich es blo dem Freunde mit, nicht dem
Dichter. -- Ihr werdet einsehen, wie unangenehm es mir sein wrde, wenn
etwa die Beichte, die ein ehrlicher Mann im Vertrauen auf meine
Freundschaft und Redlichkeit an meiner Brust ablegt, in einem
Dichterwerke an den Pranger geheftet wrde, oder nur wenn berhaupt
unheilig verfahren wrde, wie mit einem Erzeugnis schlechten Witzes, mit
einer Sache, die das nicht ist und sein darf. Freilich mu ich selbst
gestehen, da es um die Geschichte schad' ist, die unter des guten
Mannes Feder nur albern geworden, da sie nicht von einer geschickteren
fremden Hand in ihrer ganzen komischen Kraft dargestellt werden kann. --
Was wrde nicht _Jean Paul_ daraus gemacht haben! -- brigens, lieber
Freund, mgen hier manche genannt sein, die noch leben; auch das will
beachtet sein.--

Noch ein Wort ber die Art, wie diese Bltter an mich gelangt sind.
Gestern frh bei meinem Erwachen gab man sie mir ab -- ein wunderlicher
Mann, der einen langen grauen Bart trug, eine ganz abgentzte schwarze
Kurtka anhatte, eine botanische Kapsel darber umgehangen, und bei dem
feuchten, regnichten Wetter Pantoffeln ber seine Stiefel, hatte sich
nach mir erkundigt und dieses fr mich hinterlassen; er hatte aus Berlin
zu kommen vorgegeben.------

  _Kunersdorf_, den 27. September 1813.

                                            _Adelbert von Chamisso_.

#P. S.# Ich lege dir eine Zeichnung bei, die der kunstreiche _Leopold_, der
eben an seinem Fenster stand, von der auffallenden Erscheinung entworfen
hat. Als er den Wert, den ich auf diese Skizze legte, gesehen hat, hat
er sie mir gerne geschenkt.[1]




An Ebendenselben von Fouqu.


Bewahren, _lieber Eduard_, sollen wir die Geschichte des armen _Schlemihl_,
dergestalt bewahren, da sie vor Augen, die nicht hineinzusehen haben,
beschirmt bleibe. Das ist eine schlimme Aufgabe. Es gibt solcher Augen
eine ganze Menge, und welcher Sterbliche kann die Schicksale eines
Manuskriptes bestimmen, eines Dinges, das beinah noch schlimmer zu hten
ist als ein gesprochenes Wort. Da mach' ich's denn wie ein
Schwindelnder, der in der Angst lieber gleich in den Abgrund springt:
ich lasse die ganze Geschichte drucken.

Und doch, _Eduard_, es gibt ernstere und bessere Grnde fr mein Benehmen.
Es trgt mich alles oder in unserm lieben Deutschland schlagen der
Herzen viel, die den armen _Schlemihl_ zu verstehen fhig sind und auch
wert, und ber manch eines echten Landsmannes Gesicht wird bei dem
herben Scherz, den das Leben mit ihm, und bei dem arglosen, den er mit
sich selbst treibt, ein gerhrtes Lcheln ziehn. Und du, mein _Eduard_,
wenn du das grundehrliche Buch ansiehst und dabei denkst, da viele
unbekannte Herzensverwandte es mit uns lieben lernen, fhlst auch
vielleicht einen Balsamtropfen in die heie Wunde fallen, die dir und
allen, die dich lieben, der Tod geschlagen hat.

Und endlich: es gibt -- ich habe mich durch mannigfache Erfahrung davon
berzeugt -- es gibt fr die gedruckten Bcher einen Genius, der sie in
die rechten Hnde bringt und, wenn nicht immer, doch sehr oft die
unrechten davon abhlt. Auf allen Fall hat er ein unsichtbares
Vorhngschlo vor jedwedem echten Geistes- und Gemtswerke und wei mit
einer ganz untrglichen Geschicklichkeit auf- und zuzuschlieen.

Diesem Genius, mein sehr lieber _Schlemihl_, vertraue ich dein Lcheln und
deine Trnen an, und somit Gott befohlen!

  _Nennhausen_, Ende Mai 1814.

                                                      _Fouqu_.




An Fouqu von Hitzig.


Da haben wir denn nun die Folgen deines verzweifelten Entschlusses, die
Schlemihlshistorie, die wir als ein blo _uns_ anvertrautes Geheimnis
bewahren sollten, drucken zu lassen, da sie nicht allein Franzosen und
Englnder, Hollnder und Spanier bersetzt, Amerikaner aber den
Englndern nachgedruckt, wie ich dies alles in meinem gelehrten Berlin
des breiteren gemeldet; sondern da auch fr unser liebes Deutschland
eine neue Ausgabe, mit den Zeichnungen der englischen, die der berhmte
_Cruikshank_ nach dem Leben entworfen, veranstaltet wird, wodurch die
Sache unstreitig noch viel mehr herumkommt. Hielte ich dich nicht fr
dein eigenmchtiges Verfahren (denn mir hast du 1814 ja kein Wort von
der Herausgabe des Manuskripts gesagt) hinlnglich dadurch bestraft, da
unser _Chamisso_ bei seiner Weltumsegelei, in den Jahren 1815 bis 1818,
sich gewi in Chili und Kamtschatka und wohl gar bei seinem Freunde, dem
seligen _Tameiamaia_ auf O-Wahu, darber beklagt haben wird, so fordere
ich noch jetzt ffentlich Rechenschaft darber von dir.

Indes -- auch hievon abgesehn -- geschehn ist geschehn und recht hast du
auch darin gehabt, da viele, viele Befreundete in den dreizehn
verhngnisvollen Jahren, seit es das Licht der Welt erblickte, das
Bchlein mit uns liebgewonnen. Nie werde ich die Stunde vergessen, in
der ich es _Hoffmann_ zuerst vorlas. Auer sich vor Vergngen und
Spannung, hing er an meinen Lippen, bis ich vollendet hatte; nicht
erwarten konnte er, die persnliche Bekanntschaft des Dichters zu machen
und, sonst jeder Nachahmung so abhold, widerstand er doch der Versuchung
nicht, die Idee des verlornen Schattens in seiner Erzhlung: Die
Abenteuer der Silvesternacht,[2] durch das verlorne Spiegelbild des
Erasmus Spikher, ziemlich unglcklich zu variieren. Ja -- unter die
Kinder hat sich unsre wundersame Historie ihre Bahn zu brechen gewut;
denn als ich einst, an einem hellen Winterabend, mit ihrem Erzhler die
Burgstrae hinaufging und er einen ber ihn lachenden, auf der
Glitschbahn beschftigten Jungen unter seinen dir wohlbekannten
Brenmantel nahm und fortschleppte, hielt dieser ganz stille; da er aber
wieder auf den Boden niedergesetzt war und in gehriger Ferne von den,
als ob nichts geschehen wre, Weitergegangenen, rief er mit lauter
Stimme seinem Ruber nach: Warte nur, Peter Schlemihl!

So, denke ich, wird der ehrliche Kauz auch in seinem neuen, zierlichen
Gewande viele erfreuen, die ihn in der einfachen Kurtka von 1814 nicht
gesehen; diesen und jenen aber es auerdem noch berraschend sein, in
dem botanisierenden, weltumschiffenden, ehemals wohlbestallten kniglich
preuischen Offizier, auch Historiographen des berhmten Peter
Schlemihl, nebenher einen Lyriker kennen zu lernen,[3] der, er mge
malaiische oder litauische Weisen anstimmen, berall dartut, da er das
poetische Herz auf der rechten Stelle hat.

Darum, lieber Fouqu, sei dir am Ende denn doch noch herzlich gedankt
fr die Veranstaltung der ersten Ausgabe, und empfange mit unsern
Freunden meinen Glckwunsch zu dieser zweiten.

  _Berlin_, im Januar 1827.

                                                  _Eduard Hitzig_.


   Funoten:

   [1] Das hier erwhnte Bild befand sich bei den ersten Ausgaben des
   Schlemihl.

   [2] Phantasiestcke in Callots Manier, im letzten Teil. Vgl. auch:
   Aus Hoffmanns Leben und Nachla. Bd. #II#, S. 112.

   [3] Die zweite Ausgabe des Peter Schlemihl hatte einen Anhang von
   Liedern und Balladen des Dichters, worauf sich dies bezog.



Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

1.


Nach einer glcklichen, jedoch fr mich sehr beschwerlichen Seefahrt
erreichten wir endlich den Hafen. Sobald ich mit dem Boote ans Land kam,
belud ich mich selbst mit meiner kleinen Habseligkeit, und durch das
wimmelnde Volk mich drngend, ging ich in das nchste, geringste Haus
hinein, vor welchem ich ein Schild hngen sah. Ich begehrte ein Zimmer,
der Hausknecht ma mich mit einem Blick und fhrte mich unters Dach. Ich
lie mir frisches Wasser geben und genau beschreiben, wo ich den Herrn
_Thomas John_ aufzusuchen habe: -- Vor dem Nordertor, das erste Landhaus
zur rechten Hand, ein groes, neues Haus, von rot und weiem Marmor mit
vielen Sulen. Gut. -- Es war noch frh an der Zeit, ich schnrte
sogleich mein Bndel auf, nahm meinen neu gewandten schwarzen Rock
heraus, zog mich reinlich an in meine besten Kleider, steckte das
Empfehlungsschreiben zu mir, und setzte mich alsbald auf den Weg zu dem
Manne, der mir bei meinen bescheidenen Hoffnungen frderlich sein
sollte.

Nachdem ich die lange Norderstrae hinaufgestiegen und das Tor erreicht,
sah ich bald die Sulen durch das Grne schimmern -- also hier, dacht'
ich. Ich wischte den Staub von meinen Fen mit meinem Schnupftuch ab,
setzte mein Halstuch in Ordnung, und zog in Gottes Namen die Klingel.
Die Tr sprang auf. Auf dem Flur hatt' ich ein Verhr zu bestehn, der
Portier lie mich aber anmelden, und ich hatte die Ehre, in den Park
gerufen zu werden, wo Herr _John_ mit einer kleinen Gesellschaft sich
erging. Ich erkannte gleich den Mann am Glanze seiner wohlbeleibten
Selbstzufriedenheit. Er empfing mich sehr gut, wie ein Reicher einen
armen Teufel, wandte sich sogar gegen mich, ohne sich jedoch von der
brigen Gesellschaft abzuwenden, und nahm mir den dargehaltenen Brief
aus der Hand. -- So, so! von meinem Bruder, ich habe lange nichts von
ihm gehrt. Er ist doch gesund? -- Dort, fuhr er gegen die Gesellschaft
fort, ohne die Antwort zu erwarten, und wies mit dem Brief auf einen
Hgel, dort lasse ich das neue Gebude auffhren. Er brach das Siegel
auf und das Gesprch nicht ab, das sich auf den Reichtum lenkte. Wer
nicht Herr ist wenigstens einer Million, warf er hinein, der ist, man
verzeihe mir das Wort, ein Schuft! -- O wie wahr! rief ich aus mit
vollem berstrmenden Gefhl. Das mute ihm gefallen, er lchelte mich
an und sagte: Bleiben Sie hier, lieber Freund, nachher hab' ich
vielleicht Zeit, Ihnen zu sagen, was ich hiezu denke, er deutete auf
den Brief, den er sodann einsteckte, und wandte sich wieder zu der
Gesellschaft. -- Er bot einer jungen Dame den Arm, andre Herren bemhten
sich um andre Schnen, es fand sich, was sich pate, und man wallte dem
rosenumblhten Hgel zu.

Ich schlich hinterher, ohne jemandem beschwerlich zu fallen, denn keine
Seele bekmmerte sich weiter um mich. Die Gesellschaft war sehr
aufgerumt, es ward getndelt und gescherzt, man sprach zuweilen von
leichtsinnigen Dingen wichtig, von wichtigen fters leichtsinnig, und
gemchlich erging besonders der Witz ber abwesende Freunde und deren
Verhltnisse. Ich war da zu fremd, um von alledem vieles zu verstehen,
zu bekmmert und in mich gekehrt, um den Sinn auf solche Rtsel zu
haben.

Wir hatten den Rosenhain erreicht. Die schne _Fanny_, wie es schien die
Herrin des Tages, wollte aus Eigensinn einen blhenden Zweig selbst
brechen, sie verletzte sich an einem Dorn, und wie von den dunklen
Rosen, flo Purpur auf ihre zarte Hand. Dieses Ereignis brachte die
ganze Gesellschaft in Bewegung. Es wurde englisch Pflaster gesucht. Ein
stiller, dnner, hagerer, lnglichter, ltlicher Mann, der neben
mitging, und den ich noch nicht bemerkt hatte, steckte sogleich die Hand
in die knapp anliegende Schotasche seines altfrnkischen, grautaftenen
Rockes, brachte eine kleine Brieftasche daraus hervor, ffnete sie und
reichte der Dame mit devoter Verbeugung das Verlangte. Sie empfing es
ohne Aufmerksamkeit fr den Geber und ohne Dank, die Wunde ward
verbunden, und man ging weiter den Hgel hinan, von dessen Rcken man
die weite Aussicht ber das grne Labyrinth des Parkes nach dem
unermelichen Ozean genieen wollte.

Der Anblick war wirklich gro und herrlich. Ein lichter Punkt erschien
am Horizont zwischen der dunklen Flut und der Blue des Himmels. Ein
Fernrohr her! rief _John_, und noch bevor das auf den Ruf erscheinende
Dienervolk in Bewegung kam, hatte der graue Mann, bescheiden sich
verneigend, die Hand schon in die Rocktasche gesteckt, daraus einen
schnen Dollond hervorgezogen und es dem Herrn _John_ eingehndigt.
Dieser, es sogleich an das Aug' bringend, benachrichtigte die
Gesellschaft, es sei das Schiff, das gestern ausgelaufen, und das
widrige Winde im Angesicht des Hafens zurckhielten. Das Fernrohr ging
von Hand zu Hand, und nicht wieder in die des Eigentmers; ich aber sah
verwundert den Mann an, und wute nicht, wie die groe Maschine aus der
winzigen Tasche herausgekommen war; es schien aber niemandem aufgefallen
zu sein, und man bekmmerte sich nicht mehr um den grauen Mann, als um
mich selber.

Erfrischungen wurden gereicht, das seltenste Obst aller Zonen in den
kostbarsten Gefen. Herr _John_ machte die Honneurs mit leichtem Anstand
und richtete da zum zweitenmal ein Wort an mich: Essen Sie nur; das
haben Sie auf der See nicht gehabt. Ich verbeugte mich, aber er sah es
nicht, er sprach schon mit jemand anderm.

Man htte sich gern auf den Rasen, am Abhange des Hgels, der
ausgespannten Landschaft gegenber gelagert, htte man die Feuchtigkeit
der Erde nicht gescheut. Es wre gttlich, meinte wer aus der
Gesellschaft, wenn man trkische Teppiche htte, sie hier auszubreiten.
Der Wunsch war nicht sobald ausgesprochen, als schon der Mann im grauen
Rock die Hand in der Tasche hatte, und mit bescheidener, ja demtiger
Gebrde einen reichen, golddurchwirkten trkischen Teppich daraus zu
ziehen bemht war. Bediente nahmen ihn in Empfang, als msse es so sein,
und entfalteten ihn am begehrten Orte. Die Gesellschaft nahm ohne
Umstnde Platz darauf; ich wiederum sah betroffen den Mann, die Tasche,
den Teppich an, der ber zwanzig Schritte in der Lnge und zehn in der
Breite ma, und rieb mir die Augen, nicht wissend, was ich dazu denken
sollte, besonders da niemand etwas Merkwrdiges darin fand.

Ich htte gern Aufschlu ber den Mann gehabt und gefragt, wer er sei,
nur wut' ich nicht, an wen ich mich richten sollte, denn ich frchtete
mich fast noch mehr vor den Herren Bedienten, als vor den bedienten
Herren. Ich fate endlich ein Herz, und trat an einen jungen Mann heran,
der mir von minderem Ansehen schien, als die andern, und der fter
allein gestanden hatte. Ich bat ihn leise, mir zu sagen, wer der
gefllige Mann sei dort im grauen Kleide. -- Dieser, der wie ein Ende
Zwirn aussieht, der einem Schneider aus der Nadel entlaufen ist? --
Ja, der allein steht. -- Den kenn' ich nicht, gab er mir zur
Antwort, und, wie es schien, eine lngere Unterhaltung mit mir zu
vermeiden, wandt' er sich weg und sprach von gleichgltigen Dingen mit
einem andern.

Die Sonne fing jetzt strker zu scheinen an und ward den Damen
beschwerlich; die schne _Fanny_ richtete nachlssig an den grauen Mann,
den, soviel ich wei, noch niemand angeredet hatte, die leichtsinnige
Frage: ob er nicht auch vielleicht ein Zelt bei sich habe? Er
beantwortete sie durch eine so tiefe Verbeugung, als widerfhre ihm eine
unverdiente Ehre, und hatte schon die Hand in der Tasche, aus der ich
Zeuge, Stangen, Schnre, Eisenwerk, kurz alles, was zu dem
prachtvollsten Lustzelt gehrt, herauskommen sah. Die jungen Herren
halfen es ausspannen, und es berhing die ganze Ausdehnung des Teppichs
-- und keiner fand noch etwas Auerordentliches darin.--

Mir war schon lange unheimlich, ja graulich zumute, wie ward mir
vollends, als beim nchst ausgesprochenen Wunsch ich ihn noch aus seiner
Tasche drei Reitpferde, ich sage dir, drei schne, groe Rappen mit
Sattel und Zeug herausziehen sah! -- denke dir, um Gottes willen! drei
gesattelte Pferde noch aus derselben Tasche, woraus schon eine
Brieftasche, ein Fernrohr, ein gewirkter Teppich, zwanzig Schritte lang
und zehn breit, ein Lustzelt von derselben Gre, und alle dazu
gehrigen Stangen und Eisen herausgekommen waren! -- Wenn ich dir nicht
beteuerte, es selbst mit eignen Augen angesehen zu haben, wrdest du es
gewi nicht glauben.--

So verlegen und demtig der Mann selbst zu sein schien, so wenig
Aufmerksamkeit ihm auch die andern schenkten, so ward mir doch seine
blasse Erscheinung, von der ich kein Auge abwenden konnte, so
schauerlich, da ich sie nicht lnger ertragen konnte.

Ich beschlo, mich aus der Gesellschaft zu stehlen, was bei der
unbedeutenden Rolle, die ich darinnen spielte, mir ein leichtes schien.
Ich wollte nach der Stadt zurckkehren, am andern Morgen mein Glck beim
Herrn John wieder versuchen und, wenn ich den Mut dazu fnde, ihn ber
denselben grauen Mann befragen. -- Wre es mir nur so zu entkommen
geglckt!

Ich hatte mich schon wirklich durch den Rosenhain, den Hgel hinab,
glcklich geschlichen, und befand mich auf einem freien Rasenplatz, als
ich aus Furcht, auer den Wegen durchs Gras gehend angetroffen zu
werden, einen forschenden Blick um mich warf. -- Wie erschrak ich, als
ich den Mann im grauen Rock hinter mir her und auf mich zu kommen sah.
Er nahm sogleich den Hut vor mir ab, und verneigte sich so tief, als
noch niemand vor mir getan hatte. Es war kein Zweifel, er wollte mich
anreden, und ich konnte, ohne grob zu sein, es nicht vermeiden. Ich nahm
den Hut auch ab, verneigte mich wieder, und stand da in der Sonne mit
bloem Haupt wie angewurzelt. Ich sah ihn voller Furcht stier an und war
wie ein Vogel, den eine Schlange gebannt hat. Er selber schien sehr
verlegen zu sein; er hob den Blick nicht auf, verbeugte sich zu
verschiedenen Malen, trat nher und redete mich an mit leiser,
unsicherer Stimme, ungefhr im Tone eines Bettelnden.

Mge der Herr meine Zudringlichkeit entschuldigen, wenn ich es wage,
ihn so unbekannterweise aufzusuchen, ich habe eine Bitte an ihn.
Vergnnen Sie gndigst -- -- Aber um Gottes willen, mein Herr! brach
ich in meiner Angst aus, was kann ich fr einen Mann tun, der -- wir
stutzten beide, und wurden, wie mir deucht, rot.

Er nahm nach einem Augenblick des Schweigens wieder das Wort: Whrend
der kurzen Zeit, wo ich das Glck geno, mich in Ihrer Nhe zu befinden,
hab' ich, mein Herr, einigemal -- erlauben Sie, da ich es Ihnen sage --
wirklich mit unaussprechlicher Bewunderung den schnen, schnen Schatten
betrachten knnen, den Sie in der Sonne, und gleichsam mit einer
gewissen edlen Verachtung, ohne selbst darauf zu merken, von sich
werfen, den herrlichen Schatten da zu Ihren Fen. Verzeihen Sie mir die
freilich khne Zumutung. Sollten Sie sich wohl nicht abgeneigt finden,
mir diesen Ihren Schatten zu berlassen?

Er schwieg und mir ging's wie ein Mhlrad im Kopfe herum. Was sollt' ich
aus dem seltsamen Antrag machen, mir meinen Schatten abzukaufen? er mu
verrckt sein, dacht' ich, und mit verndertem Tone, der zu der Demut
des seinigen besser pate, erwiderte ich also:

Ei, ei! guter Freund, habt Ihr denn nicht an Eurem eignen Schatten
genug? das hei' ich mir einen Handel von einer ganz absonderlichen
Sorte. Er fiel sogleich wieder ein: Ich hab' in meiner Tasche manches,
was dem Herrn nicht ganz unwert scheinen mchte; fr diesen
unschtzbaren Schatten halt' ich den hchsten Preis zu gering.

Nun berfiel es mich wieder kalt, da ich an die Tasche erinnert ward,
und ich wute nicht, wie ich ihn hatte guter Freund nennen knnen. Ich
nahm wieder das Wort und suchte es, wo mglich, mit unendlicher
Hflichkeit wieder gut zu machen.

Aber, mein Herr, verzeihen Sie Ihrem untertnigsten Knecht. Ich
verstehe wohl Ihre Meinung nicht ganz gut, wie knnt' ich nur meinen
Schatten -- -- Er unterbrach mich: Ich erbitte mir nur Dero Erlaubnis,
hier auf der Stelle diesen edlen Schatten aufheben zu drfen und zu mir
zu stecken; wie ich das mache, sei meine Sorge. Dagegen als Beweis
meiner Erkenntlichkeit gegen den Herrn, berlasse ich ihm die Wahl unter
allen Kleinodien, die ich in der Tasche bei mir fhre: die echte
Springwurzel, die Alraunwurzel, Wechselpfennige, Raubtaler, das
Tellertuch von Rolands Knappen, ein Galgenmnnlein zu beliebigem Preis;
doch, das wird wohl nichts fr Sie sein: besser, Fortunati
Wnschhtlein, neu und haltbar wieder restauriert: auch ein
Glckssckel, wie der seine gewesen. -- Fortunati Glcksseckel, fiel
ich ihm in die Rede, und wie gro meine Angst auch war, hatte er mit dem
einen Wort meinen ganzen Sinn gefangen. Ich bekam einen Schwindel und es
flimmerte mir wie doppelte Dukaten vor den Augen.--

Belieben gndigst der Herr diesen Sckel zu besichtigen und zu
erproben. Er steckte die Hand in die Tasche und zog einen mig groen,
festgenhten Beutel, von starkem Korduanleder, an zwei tchtigen
ledernen Schnren heraus und hndigte mir selbigen ein. Ich griff hinein
und zog zehn Goldstcke daraus, und wieder zehn, und wieder zehn, und
wieder zehn; ich hielt ihm schnell die Hand hin: Topp! der Handel gilt,
fr den Beutel haben Sie meinen Schatten. Er schlug ein, kniete dann
ungesumt vor mir nieder, und mit einer bewundernswrdigen
Geschicklichkeit sah ich ihn meinen Schatten, vom Kopf bis zu meinen
Fen, leise von dem Grase lsen, aufheben, zusammenrollen und falten,
und zuletzt einstecken. Er stand auf, verbeugte sich noch einmal vor
mir, und zog sich nach dem Rosengebsche zurck. Mich dnkt', ich hrte
ihn da leise fr sich lachen. Ich aber hielt den Beutel bei den Schnren
fest, rund um mich her war die Erde sonnenhell, und in mir war noch
keine Besinnung.


2.

Ich kam endlich wieder zu Sinnen und eilte, diesen Ort zu verlassen, wo
ich hoffentlich nichts mehr zu tun hatte. Ich fllte erst meine Taschen
mit Gold, dann band ich mir die Schnre des Beutels um den Hals fest und
verbarg ihn selbst auf meiner Brust. Ich kam unbeachtet aus dem Park,
erreichte die Landstrae und nahm meinen Weg nach der Stadt. Wie ich in
Gedanken dem Tore zu ging, hrt' ich hinter mir schreien: Junger Herr!
he! junger Herr! hren Sie doch! -- Ich sah mich um, ein altes Weib
rief mir nach: Sehe sich der Herr doch vor, Sie haben Ihren Schatten
verloren. -- Danke, Mtterchen! -- ich warf ihr ein Goldstck fr den
wohlgemeinten Rat hin, und trat unter die Bume.

Am Tore mut' ich gleich wieder von der Schildwacht hren: Wo hat der
Herr seinen Schatten gelassen? und gleich wieder darauf von ein paar
Frauen: Jesus Maria! der arme Mensch hat keinen Schatten! Das fing an
mich zu verdrieen, und ich vermied sehr sorgfltig, in die Sonne zu
treten. Das ging aber nicht berall an, zum Beispiel nicht ber die
Breitestrae, die ich zunchst durchkreuzen mute, und zwar, zu meinem
Unheil, in eben der Stunde, wo die Knaben aus der Schule gingen. Ein
verdammter buckeliger Schlingel, ich seh' ihn noch, hatte es gleich weg,
da mir ein Schatten fehle. Er verriet mich mit groem Geschrei der
smtlichen literarischen Straenjugend der Vorstadt, welche sofort mich
zu rezensieren und mit Kot zu bewerfen anfing. Ordentliche Leute
pflegten ihren Schatten mit sich zu nehmen, wenn sie in die Sonne
gingen. Um sie von mir abzuwehren, warf ich Gold zu vollen Hnden unter
sie und sprang in einen Mietswagen, zu dem mir mitleidige Seelen
verhalfen.

Sobald ich mich in der rollenden Kutsche allein fand, fing ich
bitterlich an zu weinen. Es mute schon die Ahnung in mir aufsteigen,
da, um so viel das Gold auf Erden Verdienst und Tugend berwiegt, um so
viel der Schatten hher als selbst das Gold geschtzt werde; und wie ich
frher den Reichtum meinem Gewissen aufgeopfert, hatte ich jetzt den
Schatten fr bloes Gold hingegeben; was konnte, was sollte auf Erden
aus mir werden!

Ich war noch sehr verstrt, als der Wagen vor meinem alten Wirtshause
hielt; ich erschrak ber die Vorstellung, nur noch jenes schlechte
Dachzimmer zu betreten. Ich lie mir meine Sachen herabholen, empfing
den rmlichen Bndel mit Verachtung, warf einige Goldstcke hin und
befahl, vor das vornehmste Hotel vorzufahren. Das Haus war gegen Norden
gelegen, ich hatte die Sonne nicht zu frchten. Ich schickte den
Kutscher mit Gold weg, lie mir die besten Zimmer vornheraus anweisen
und verschlo mich darin, sobald ich konnte.

Was denkst du, da ich nun anfing! -- O mein lieber _Chamisso_, selbst vor
dir es zu gestehen, macht mich errten. Ich zog den unglcklichen Sckel
aus meiner Brust hervor, und mit einer Art Wut, die, wie eine flackernde
Feuersbrunst, sich in mir durch sich selbst mehrte, zog ich Gold daraus,
und Gold, und Gold, und immer mehr Gold, und streute es auf den Estrich,
und schritt darber hin, und lie es klirren, und warf, mein armes Herz
an dem Glanze, an dem Klange weidend, immer des Metalles mehr zu dem
Metalle, bis ich ermdet selbst auf das reiche Lager sank und schwelgend
darin whlte, mich darber wlzte. So verging der Tag, der Abend, ich
schlo meine Tre nicht auf, die Nacht fand mich liegend auf dem Golde,
und darauf bermannte mich der Schlaf.

Da trumt' es mir von dir, es ward mir, als stnde ich hinter der
Glastr deines kleinen Zimmers und she dich von da an deinem
Arbeitstische zwischen einem Skelett und einem Bunde getrockneter
Pflanzen sitzen, vor dir waren Haller, Humboldt und Linn aufgeschlagen,
auf deinem Sofa lagen ein Band Goethe und der Zauberring, ich
betrachtete dich lange und jedes Ding in deiner Stube, und dann dich
wieder, du rhrtest dich aber nicht, du holtest auch nicht Atem, du
warst tot.

Ich erwachte. Es schien noch sehr frh zu sein. Meine Uhr stand. Ich war
wie zerschlagen, durstig und hungrig auch noch; ich hatte seit dem
vorigen Morgen nichts gegessen. Ich stie von mir mit Unwillen und
berdru dieses Gold, an dem ich kurz vorher mein trichtes Herz
gesttigt; nun wut' ich verdrielich nicht, was ich damit anfangen
sollte. Es durfte nicht so liegen bleiben -- ich versuchte, ob es der
Beutel wieder verschlingen wollte -- nein. Keines meiner Fenster ffnete
sich ber die See. Ich mute mich bequemen, es mhsam und mit sauerm
Schwei zu einem groen Schrank, der in einem Kabinett stand, zu
schleppen, und es darin zu verpacken. Ich lie nur einige Handvoll da
liegen. Nachdem ich mit der Arbeit fertig geworden, legt' ich mich
erschpft in einen Lehnstuhl und erwartete, da sich Leute im Hause zu
regen anfingen. Ich lie, sobald es mglich war, zu essen bringen und
den Wirt zu mir kommen.

Ich besprach mit diesem Manne die knftige Einrichtung meines Hauses. Er
empfahl mir fr den nheren Dienst um meine Person einen gewissen
_Bendel_, dessen treue und verstndige Physiognomie mich gleich gewann.
Derselbe war's, dessen Anhnglichkeit mich seither trstend durch das
Elend des Lebens begleitete und mir mein dsteres Los ertragen half. Ich
brachte den ganzen Tag auf meinen Zimmern mit herrenlosen Knechten,
Schustern, Schneidern und Kaufleuten zu, ich richtete mich ein und
kaufte besonders sehr viel Kostbarkeiten und Edelsteine, um nur etwas
des vielen aufgespeicherten Goldes los zu werden; es schien aber gar
nicht, als knne der Haufen sich vermindern.

Ich schwebte indes ber meinen Zustand in den ngstigendsten Zweifeln.
Ich wagte keinen Schritt aus meiner Tr und lie abends vierzig
Wachskerzen in meinem Saal anznden, bevor ich aus dem Dunkel herauskam.
Ich gedachte mit Grauen des frchterlichen Auftrittes mit den
Schulknaben. Ich beschlo, soviel Mut ich auch dazu bedurfte, die
ffentliche Meinung noch einmal zu prfen. -- Die Nchte waren zu der
Zeit mondhell. Abends spt warf ich einen weiten Mantel um, drckte mir
den Hut tief in die Augen und schlich, zitternd wie ein Verbrecher, aus
dem Hause. Erst auf einem entlegenen Platz trat ich aus dem Schatten der
Huser, in deren Schutz ich so weit gekommen war, an das Mondlicht
hervor, gefat, mein Schicksal aus dem Munde der Vorbergehenden zu
vernehmen.

Erspare mir, lieber Freund, die schmerzliche Wiederholung alles dessen,
was ich erdulden mute. Die Frauen bezeigten oft das tiefste Mitleid,
das ich ihnen einflte; uerungen, die mir die Seele nicht minder
durchbohrten, als der Hohn der Jugend und die hochmtige Verachtung der
Mnner, besonders solcher dicken, wohlbeleibten, die selbst einen
breiten Schatten warfen. Ein schnes, holdes Mdchen, die, wie es
schien, ihre Eltern begleitete, indem diese bedchtig nur vor ihre Fe
sahen, wandte von ungefhr ihr leuchtendes Auge auf mich; sie erschrak
sichtbarlich, da sie meine Schattenlosigkeit bemerkte, verhllte ihr
schnes Antlitz in ihren Schleier, lie den Kopf sinken und ging lautlos
vorber.

Ich ertrug es lnger nicht. Salzige Strme brachen aus meinen Augen, und
mit durchschnittenem Herzen zog ich mich schwankend ins Dunkel zurck.
Ich mute mich an den Husern halten, um meine Schritte zu sichern, und
erreichte langsam und spt meine Wohnung.

Ich brachte die Nacht schlaflos zu. Am andern Tage war meine erste
Sorge, nach dem Manne im grauen Rocke berall suchen zu lassen.
Vielleicht sollte es mir gelingen, ihn wieder zu finden, und wie
glcklich! wenn ihn, wie mich, der trichte Handel gereuen sollte. Ich
lie _Bendel_ vor mich kommen, er schien Gewandtheit und Geschick zu
besitzen -- ich schilderte ihm genau den Mann, in dessen Besitz ein
Schatz sich befand, ohne den mir das Leben nur eine Qual sei. Ich sagte
ihm die Zeit, den Ort, wo ich ihn gesehen; beschrieb ihm alle, die
zugegen gewesen, und fgte dieses Zeichen noch hinzu: er solle sich nach
einem Dollondschen Fernrohr, nach einem golddurchwirkten trkischen
Teppich, nach einem Prachtlustzelt, und endlich nach den schwarzen
Reithengsten genau erkundigen, deren Geschichte, ohne zu bestimmen wie,
mit der des rtselhaften Mannes zusammenhinge, welcher allen unbedeutend
geschienen, und dessen Erscheinung die Ruhe und das Glck meines Lebens
zerstrt hatte.

Wie ich ausgeredet, holt' ich Gold her, eine Last, wie ich sie nur zu
tragen vermochte, und legte Edelsteine und Juwelen noch hinzu fr einen
grern Wert. _Bendel_, sprach ich, dieses ebnet viele Wege und macht
vieles leicht, was unmglich schien; sei nicht karg damit, wie ich es
nicht bin, sondern geh, und erfreue deinen Herrn mit Nachrichten, auf
denen seine alleinige Hoffnung beruht.

Er ging. Spt kam er und traurig zurck. Keiner von den Leuten des Herrn
_John_, keiner von seinen Gsten, er hatte alle gesprochen, wute sich nur
entfernt an den Mann im grauen Rocke zu erinnern. Das neue Teleskop war
da und keiner wute, wo es hergekommen; der Teppich, das Zelt waren da
und noch auf demselben Hgel ausgebreitet und aufgeschlagen, die Knechte
rhmten den Reichtum ihres Herrn, und keiner wute, von wannen diese
neuen Kostbarkeiten ihm zugekommen. Er selbst hatte sein Wohlgefallen
daran, und ihn kmmerte es nicht, da er nicht wisse, woher er sie habe;
die Pferde hatten die jungen Herren, die sie geritten, in ihren Stllen,
und sie priesen die Freigebigkeit des Herrn _John_, der sie ihnen an jenem
Tage geschenkt. Soviel erhellte aus der ausfhrlichen Erzhlung _Bendels_,
dessen rascher Eifer und verstndige Fhrung, auch bei so fruchtlosem
Erfolge, mein verdientes Lob erhielten. Ich winkte ihm dster, mich
allein zu lassen.

Ich habe, hub er wieder an, meinem Herrn Bericht abgestattet ber die
Angelegenheit, die ihm am wichtigsten war. Mir bleibt noch ein Auftrag
auszurichten, den mir heute frh jemand gegeben, welchem ich vor der Tr
begegnete, da ich zu dem Geschfte ausging, wo ich so unglcklich
gewesen. Die eignen Worte des Mannes waren: >Sagen Sie dem Herrn _Peter
Schlemihl_, er wrde mich hier nicht mehr sehen, da ich bers Meer gehe,
und ein gnstiger Wind mich soeben nach dem Hafen ruft. Aber ber Jahr
und Tag werde ich die Ehre haben, ihn selber aufzusuchen und ein andres,
ihm dann vielleicht annehmliches Geschft vorzuschlagen. Empfehlen Sie
mich ihm untertnigst und versichern ihn meines Dankes.< Ich frug ihn,
wer er wre, er sagte aber, Sie kennten ihn schon.

Wie sah der Mann aus? rief ich voller Ahnung. Und _Bendel_ beschrieb mir
den Mann im grauen Rocke Zug fr Zug, Wort fr Wort, wie er getreu in
seiner vorigen Erzhlung des Mannes erwhnt, nach dem er sich erkundigt.

Unglcklicher! schrie ich hnderingend, das war er ja selbst! und
ihm fiel es wie Schuppen von den Augen. -- Ja, er war es, war es
wirklich! rief er erschreckt aus, und ich Verblendeter, Bldsinniger
habe ihn nicht erkannt, ihn nicht erkannt und meinen Herrn verraten!

Er brach, hei weinend, in die bittersten Vorwrfe gegen sich selber
aus, und die Verzweiflung, in der er war, mute mir selber Mitleiden
einflen. Ich sprach ihm Trost ein, versicherte ihm wiederholt, ich
setze keinen Zweifel in seine Treue, und schickte ihn alsbald nach dem
Hafen, um, wo mglich, die Spuren des seltsamen Mannes zu verfolgen.
Aber an diesem selben Morgen waren sehr viele Schiffe, die widrige Winde
im Hafen zurckgehalten, ausgelaufen, alle nach andern Weltstrichen,
alle nach andern Ksten bestimmt, und der graue Mann war spurlos wie ein
Schatten verschwunden.


3.

Was hlfen Flgel dem in eisernen Ketten fest Angeschmiedeten? Er mte
dennoch, und schrecklicher, verzweifeln. Ich lag, wie Fafner bei seinem
Hort, fern von jedem menschlichen Zuspruch, bei meinem Golde darbend,
aber ich hatte nicht das Herz nach ihm, sondern ich fluchte ihm, um
dessentwillen ich mich von allem Leben abgeschnitten sah. Bei mir
allein mein dstres Geheimnis hegend, frchtete ich mich vor dem letzten
meiner Knechte, den ich zugleich beneiden mute; denn er hatte einen
Schatten, er durfte sich sehen lassen in der Sonne. Ich vertrauerte
einsam in meinen Zimmern die Tag' und Nchte und Gram zehrte an meinem
Herzen.

Noch einer hrmte sich unter meinen Augen ab, mein treuer _Bendel_ hrte
nicht auf, sich mit stillen Vorwrfen zu martern, da er das Zutrauen
seines gtigen Herrn betrogen und jenen nicht erkannt, nach dem er
ausgeschickt war, und mit dem er mein trauriges Schicksal in enger
Verflechtung denken mute. Ich aber konnte ihm keine Schuld geben, ich
erkannte in dem Ereignis die fabelhafte Natur des Unbekannten.

Nichts unversucht zu lassen, schickt' ich einst _Bendel_ mit einem
kostbaren brillantenen Ring zu dem berhmtesten Maler der Stadt, den
ich, mich zu besuchen, einladen lie. Er kam, ich entfernte meine Leute,
verschlo die Tr, setzte mich zu dem Mann, und nachdem ich seine Kunst
gepriesen, kam ich mit schwerem Herzen zur Sache, ich lie ihn zuvor das
strengste Geheimnis geloben.

Herr Professor, fuhr ich fort, knnten Sie wohl einem Menschen, der
auf die unglcklichste Weise von der Welt um seinen Schatten gekommen
ist, einen falschen Schatten malen? -- Sie meinen einen
Schlagschatten? -- Den mein' ich allerdings. -- Aber, frug er mich
weiter, durch welche Ungeschicklichkeit, durch welche Nachlssigkeit
konnte er denn seinen Schlagschatten verlieren? -- Wie es kam,
erwiderte ich, mag nun sehr gleichgltig sein, doch so viel, log ich
ihm unverschmt vor: in Ruland, wo er im vorigen Winter eine Reise
tat, fror ihm einmal, bei einer auerordentlichen Klte, sein Schatten
dergestalt am Boden fest, da er ihn nicht wieder los bekommen konnte.

Der falsche Schlagschatten, den ich ihm malen knnte, erwiderte der
Professor, wrde doch nur ein solcher sein, den er bei der leisesten
Bewegung wieder verlieren mte -- zumal, wer an dem eignen angebornen
Schatten so wenig fest hing, als aus Ihrer Erzhlung selbst sich
abnehmen lt; wer keinen Schatten hat, gehe nicht in die Sonne, das ist
das Vernnftigste und Sicherste. Er stand auf und entfernte sich, indem
er auf mich einen durchbohrenden Blick warf, den der meine nicht
ertragen konnte. Ich sank in meinen Sessel zurck und verhllte mein
Gesicht in meine Hnde.

So fand mich noch _Bendel_, als er hereintrat. Er sah den Schmerz seines
Herrn und wollte sich still, ehrerbietig zurckziehen. -- Ich blickte
auf -- ich erlag unter der Last meines Kummers, ich mute ihn mitteilen.
_Bendel_, rief ich ihm zu, _Bendel_! du einziger, der du meine Leiden
siehst und ehrst, sie nicht erforschen zu wollen, sondern still und
fromm mitzufhlen scheinst, komm zu mir, _Bendel_, und sei der Nchste
meinem Herzen. Die Schtze meines Goldes hab' ich vor dir nicht
verschlossen, nicht verschlieen will ich vor dir die Schtze meines
Grames. -- _Bendel_, verlasse mich nicht. _Bendel_, du siehst mich reich,
freigebig, gtig, du whnst, es sollte die Welt mich verherrlichen, und
du siehst mich die Welt fliehn und mich vor ihr verschlieen. _Bendel_,
sie hat gerichtet, die Welt, und mich verstoen, und auch du vielleicht
wirst dich von mir wenden, wenn du mein schreckliches Geheimnis
erfhrst: _Bendel_, ich bin reich, freigebig, gtig, aber -- o Gott! ich
habe keinen Schatten!

Keinen Schatten? rief der gute Junge erschreckt aus und die hellen
Trnen strzten ihm aus den Augen. -- Weh' mir, da ich geboren ward,
einem schattenlosen Herrn zu dienen! Er schwieg und ich hielt mein
Gesicht in meinen Hnden.

_Bendel_, setzt' ich spt und zitternd hinzu, nun hast du mein
Vertrauen, nun kannst du es verraten. Geh hin und zeuge wider mich. --
Er schien in schwerem Kampfe mit sich selber, endlich strzte er vor mir
nieder und ergriff meine Hand, die er mit seinen Trnen benetzte.
Nein, rief er aus, was die Welt auch meine, ich kann und werde um
Schattens willen meinen gtigen Herrn nicht verlassen, ich werde recht
und nicht klug handeln, ich werde bei Ihnen bleiben, Ihnen meinen
Schatten borgen, Ihnen helfen, wo ich kann, und wo ich nicht kann, mit
Ihnen weinen. Ich fiel ihm um den Hals, ob solcher ungewohnten
Gesinnung staunend; denn ich war von ihm berzeugt, da er es nicht um
Gold tat.

Seitdem nderten sich in etwas mein Schicksal und meine Lebensweise. Es
ist unbeschreiblich, wie vorsorglich _Bendel_ mein Gebrechen zu verhehlen
wute. berall war er vor mir und mit mir, alles vorhersehend, Anstalten
treffend, und wo Gefahr unversehens drohte, mich schnell mit seinem
Schatten berdeckend, denn er war grer und strker als ich. So wagt'
ich mich wieder unter die Menschen und begann eine Rolle in der Welt zu
spielen. Ich mute freilich viele Eigenheiten und Launen scheinbar
annehmen. Solche stehen aber dem Reichen gut, und solange die Wahrheit
nur verborgen blieb, geno ich aller der Ehre und Achtung, die meinem
Golde zukam. Ich sah ruhiger dem ber Jahr und Tag verheienen Besuch
des rtselhaften Unbekannten entgegen.

Ich fhlte sehr wohl, da ich mich nicht lange an einem Orte aufhalten
durfte, wo man mich schon ohne Schatten gesehen und wo ich leicht
verraten werden konnte; auch dacht' ich vielleicht nur allein noch
daran, wie ich mich bei Herrn _John_ gezeigt, und es war mir eine
drckende Erinnerung, demnach wollt' ich hier blo Probe halten, um
anderswo leichter und zuversichtlicher auftreten zu knnen -- doch fand
sich, was mich eine Zeitlang an meiner Eitelkeit festhielt: das ist im
Menschen, wo der Anker am zuverlssigsten Grund fat.

Eben die schne _Fanny_, der ich am dritten Ort wieder begegnete, schenkte
mir, ohne sich zu erinnern, mich jemals gesehen zu haben, einige
Aufmerksamkeit, denn jetzt hatt' ich Witz und Verstand. -- Wann ich
redete, hrte man zu, und ich wute selber nicht, wie ich zu der Kunst
gekommen war, das Gesprch so leicht zu fhren und zu beherrschen. Der
Eindruck, den ich auf die Schne gemacht zu haben einsah, machte aus
mir, was sie eben begehrte, einen Narren, und ich folgte ihr seither mit
tausend Mhen durch Schatten und Dmmerung, wo ich nur konnte. Ich war
nur eitel darauf, sie ber mich eitel zu machen, und konnte mir, selbst
mit dem besten Willen, nicht den Rausch aus dem Kopf ins Herz zwingen.

Aber wozu die ganz gemeine Geschichte dir lang und breit wiederholen? --
Du selber hast sie mir oft genug von andern Ehrenleuten erzhlt. -- Zu
dem alten, wohlbekannten Spiele, worin ich gutmtig eine abgedroschene
Rolle bernommen, kam freilich eine ganz eigens gedichtete Katastrophe
hinzu, mir und ihr und allen unerwartet.

Da ich an einem schnen Abend nach meiner Gewohnheit eine Gesellschaft
in einem erleuchteten Garten versammelt hatte, wandelte ich mit der
Herrin Arm in Arm, in einiger Entfernung von den brigen Gsten, und
bemhte mich, ihr Redensarten vorzudrechseln. Sie sah sittig vor sich
nieder und erwiderte leise den Druck meiner Hand; da trat unversehens
hinter uns der Mond aus den Wolken hervor -- und sie sah nur _ihren_
Schatten vor sich hinfallen. Sie fuhr zusammen und blickte bestrzt mich
an, dann wieder auf die Erde, mit dem Auge meinen Schatten begehrend;
und was in ihr vorging, malte sich so sonderbar in ihren Mienen, da ich
in ein lautes Gelchter htte ausbrechen mgen, wenn es mir nicht selber
eiskalt ber den Rcken gelaufen wre.

Ich lie sie aus meinem Arm in eine Ohnmacht sinken, scho wie ein Pfeil
durch die entsetzten Gste, erreichte die Tr, warf mich in den ersten
Wagen, den ich da haltend fand, und fuhr nach der Stadt zurck, wo ich
diesmal zu meinem Unheil den vorsichtigen _Bendel_ gelassen hatte. Er
erschrak, als er mich sah, ein Wort entdeckte ihm alles. Es wurden auf
der Stelle Postpferde geholt. Ich nahm nur einen meiner Leute mit mir,
einen abgefeimten Spitzbuben, Namens _Raskal_, der sich mir durch seine
Gewandtheit notwendig zu machen gewut, und der nichts vom heutigen
Vorfall ahnen konnte. Ich legte in derselben Nacht noch dreiig Meilen
zurck. _Bendel_ blieb hinter mir, mein Haus aufzulsen, Gold zu spenden
und mir das Ntigste nachzubringen. Als er mich am andern Tage einholte,
warf ich mich in seine Arme und schwur ihm, nicht etwa keine Torheit
mehr zu begehen, sondern nur knftig vorsichtiger zu sein. Wir setzten
unsre Reise ununterbrochen fort, ber die Grenze und das Gebirg, und
erst am andern Abhang, durch das hohe Bollwerk von jenem Unglcksboden
getrennt, lie ich mich bewegen, in einem nahgelegenen und wenig
besuchten Badeort von den berstandenen Mhseligkeiten auszurasten.


4.

Ich werde in meiner Erzhlung schnell ber eine Zeit hineilen mssen,
bei der ich wie gerne! verweilen wrde, wenn ich ihren lebendigen Geist
in der Erinnerung heraufzubeschwren vermchte. Aber die Farbe, die sie
belebte und nur wieder beleben kann, ist in mir verloschen, und wann ich
in meiner Brust wieder finden will, was sie damals so mchtig erhob, die
Schmerzen und das Glck, den frommen Wahn -- da schlag' ich vergebens an
einen Felsen, der keinen lebendigen Quell mehr gewhrt, und der Gott
ist von mir gewichen. Wie verndert blickt sie mich jetzt an, diese
vergangene Zeit! -- Ich sollte dort in dem Bade eine heroische Rolle
tragieren, schlecht einstudiert, und ein Neuling auf der Bhne, vergaff'
ich mich aus dem Stcke heraus in ein Paar blaue Augen. Die Eltern, vom
Spiele getuscht, bieten alles auf, den Handel nur schnell festzumachen,
und die gemeine Posse beschliet eine Verhhnung. Und das ist alles,
alles! -- Das kommt mir albern und abgeschmackt vor und schrecklich
wiederum, da so mir vorkommen kann, was damals so reich, so gro die
Brust mir schwellte. Mina, wie ich damals weinte, als ich dich verlor,
so wein' ich jetzt, dich auch in mir verloren zu haben. Bin ich denn so
alt worden? -- O traurige Vernunft! Nur noch ein Pulsschlag jener Zeit,
ein Moment jenes Wahnes -- aber nein! einsam auf dem hohen, den Meere
deiner bittern Flut, und lngst aus dem letzten Pokale der Champagner
Elfe entsprht!

Ich hatte _Bendel_ mit einigen Goldscken vorausgeschickt, um mir im
Stdtchen eine Wohnung nach meinen Bedrfnissen einzurichten. Er hatte
dort viel Geld ausgestreut und sich ber den vornehmen Fremden, dem er
diente, etwas unbestimmt ausgedrckt, denn ich wollte nicht genannt
sein, das brachte die guten Leute auf sonderbare Gedanken. Sobald mein
Haus zu meinem Empfang bereit war, kam _Bendel_ wieder zu mir und holte
mich dahin ab. Wir machten uns auf die Reise.

Ungefhr eine Stunde vom Orte, auf einem sonnigen Plan, ward uns der Weg
durch eine festlich geschmckte Menge versperrt. Der Wagen hielt. Musik,
Glockengelute, Kanonenschsse wurden gehrt, ein lautes Vivat
durchdrang die Luft -- vor dem Schlage des Wagens erschien in weien
Kleidern ein Chor Jungfrauen von ausnehmender Schnheit, die aber vor
der einen, wie die Sterne der Nacht vor der Sonne, verschwanden. Sie
trat aus der Mitte der Schwestern hervor, die hohe zarte Bildung kniete
verschmt errtend vor mir nieder und hielt mir auf seidenem Kissen
einen aus Lorbeer, lzweigen und Rosen geflochtenen Kranz entgegen,
indem sie von Majestt, Ehrfurcht und Liebe einige Worte sprach, die ich
nicht verstand, aber deren zauberischer Silberklang mein Ohr und Herz
berauschte -- es war mir, als wre schon einmal die himmlische
Erscheinung an mir vorbergewallt. Der Chor fiel ein und sang das Lob
eines guten Knigs und das Glck seines Volkes.

Und dieser Auftritt, lieber Freund, mitten in der Sonne! -- Sie kniete
noch immer zwei Schritte von mir, und ich, ohne Schatten, konnte die
Kluft nicht berspringen, nicht wieder vor dem Engel auf die Knie
fallen. O, was htt' ich nicht da fr einen Schatten gegeben! Ich mute
meine Scham, meine Angst, meine Verzweiflung tief in den Grund meines
Wagens verbergen. _Bendel_ besann sich endlich fr mich, er sprang von der
andern Seite aus dem Wagen heraus, ich rief ihn noch zurck und reichte
ihm aus meinem Kstchen, das mir eben zur Hand lag, eine reiche
diamantene Krone, die die schne _Fanny_ hatte zieren sollen. Er trat vor
und sprach im Namen seines Herrn, der solche Ehrenbezeigungen nicht
annehmen knne noch wolle; es msse hier ein Irrtum vorwalten; jedoch
seien die guten Einwohner der Stadt fr ihren guten Willen bedankt. Er
nahm indes den dargehaltenen Kranz von seinem Ort und legte den
brillantenen Reif an dessen Stelle; dann reichte er ehrerbietig der
schnen Jungfrau die Hand zum Aufstehen, entfernte mit einem Wink
Geistlichkeit, #Magistratus# und alle Deputationen. Niemand ward weiter
vorgelassen. Er hie den Haufen sich teilen und den Pferden Raum geben,
schwang sich wieder in den Wagen und fort ging's weiter in gestrecktem
Galopp, unter einer aus Laubwerk und Blumen erbauten Pforte hinweg, dem
Stdtchen zu. -- Die Kanonen wurden immer frischweg abgefeuert. -- Der
Wagen hielt vor meinem Hause; ich sprang behend in die Tr, die Menge
teilend, die die Begierde, mich zu sehen, herbeigerufen hatte. Der Pbel
schrie Vivat unter meinem Fenster und ich lie doppelte Dukaten daraus
regnen. Am Abend war die Stadt freiwillig erleuchtet.--

Und ich wute immer noch nicht, was das alles bedeuten sollte und fr
wen ich angesehen wurde. Ich schickte _Raskaln_ auf Kundschaft aus. Er
lie sich denn erzhlen, wasmaen man bereits sichere Nachrichten
gehabt, der gute Knig von Preuen reise unter dem Namen eines Grafen
durch das Land; wie mein Adjutant erkannt worden sei und wie er sich und
mich verraten habe; wie gro endlich die Freude gewesen, da man die
Gewiheit gehabt mich im Orte selbst zu besitzen. Nun sah man freilich
ein, da ich offenbar das strengste Inkognito beobachten wolle, wie sehr
man unrecht gehabt, den Schleier so zudringlich zu lften. Ich htte
aber so huldreich, so gnadenvoll gezrnt -- ich wrde gewi dem guten
Herzen verzeihen mssen.

Meinem Schlingel kam die Sache so spahaft vor, da er mit strafenden
Reden sein mglichstes tat, die guten Leute einstweilen in ihrem Glauben
zu bestrken. Er stattete mir einen sehr komischen Bericht ab, und da er
mich dadurch erheitert sah, gab er mir selbst seine verbte Bosheit zum
besten. -- Mu ich's bekennen? Es schmeichelte mir doch, sei es auch nur
so, fr das verehrte Haupt angesehen worden zu sein.

Ich hie zu dem morgenden Abend unter den Bumen, die den Raum vor
meinem Hause beschatteten, ein Fest bereiten und die ganze Stadt dazu
einladen. Der geheimnisreichen Kraft meines Sckels, _Bendels_ Bemhungen
und der behenden Erfindsamkeit _Raskals_ gelang es, selbst die Zeit zu
besiegen. Es ist wirklich erstaunlich, wie reich und schn sich alles in
den wenigen Stunden anordnete. Die Pracht und der berflu, die da sich
erzeugten, auch die sinnreiche Erleuchtung war so weise verteilt, da
ich mich ganz sicher fhlte. Es blieb mir nichts zu erinnern, ich mute
meine Diener loben.

Es dunkelte der Abend. Die Gste erschienen und wurden mir vorgestellt.
Es ward die Majestt nicht mehr berhrt; aber ich hie in tiefer
Ehrfurcht und Demut: Herr Graf. Was sollt' ich tun? Ich lie mir den
Grafen gefallen und blieb von Stund' an der Graf Peter. Mitten im
festlichen Gewhle begehrte meine Seele nur nach der _einen_. Spt
erschien sie, sie, die die Krone war und trug. Sie folgte sittsam ihren
Eltern und schien nicht zu wissen, da sie die Schnste sei. Es wurden
mir der Herr Forstmeister, seine Frau und seine Tochter vorgestellt. Ich
wute den Alten viel Angenehmes und Verbindliches zu sagen; vor der
Tochter stand ich wie ein ausgescholtener Knabe da und vermochte kein
Wort hervor zu lallen. Ich bat sie endlich stammelnd, dies Fest zu
wrdigen, das Amt, dessen Zeichen sie schmckte, darin zu verwalten. Sie
bat verschmt mit einem rhrenden Blick um Schonung; aber verschmter
vor ihr, als sie selbst, brachte ich ihr als erster Untertan meine
Huldigung in tiefer Ehrfurcht, und der Wink des Grafen ward allen Gsten
ein Gebot, dem nachzuleben sich jeder freudig beeiferte. Majestt,
Unschuld und Grazie beherrschten, mit der Schnheit im Bunde, ein frohes
Fest. Die glcklichen Eltern Minas glaubten ihnen nur zu Ehren ihr Kind
erhht; ich selber war in einem unbeschreiblichen Rausch. Ich lie
alles, was ich noch von den Juwelen hatte, die ich damals, um
beschwerliches Gold los zu werden, gekauft, alle Perlen, alles
Edelgestein in zwei verdeckte Schsseln legen und bei Tische, unter dem
Namen der Knigin, ihren Gespielinnen und allen Damen herumreichen; Gold
ward indessen ununterbrochen ber die gezogenen Schranken unter das
jubelnde Volk geworfen.

_Bendel_ am andern Morgen erffnete mir im Vertrauen, der Verdacht, den er
lngst gegen _Raskals_ Redlichkeit gehegt, sei nunmehr zur Gewiheit
geworden. Er habe gestern ganze Scke Goldes unterschlagen. La uns,
erwidert' ich, dem armen Schelmen die kleine Beute gnnen; ich spende
gern allen, warum nicht auch ihm? Gestern hat er mir, haben mir alle
neuen Leute, die du mir gegeben, redlich gedient, sie haben mir froh ein
frohes Fest begehen helfen.

Es war nicht weiter die Rede davon. _Raskal_ blieb der erste meiner
Dienerschaft, _Bendel_ war aber mein Freund und mein Vertrauter. Dieser
war gewohnt worden, meinen Reichtum als unerschpflich zu denken, und er
sphte nicht nach dessen Quellen; er half mir vielmehr, in meinen Sinn
eingehend, Gelegenheiten ersinnen, ihn darzutun und Gold zu vergeuden.
Von jenem Unbekannten, dem blassen Schleicher, wut' er nur soviel: Ich
drfe allein durch ihn von dem Fluche erlst werden, der auf mir laste
und frchte ihn, auf dem meine einzige Hoffnung ruhe. brigens sei ich
davon berzeugt, er knne mich berall auffinden, ich ihn nirgends,
darum ich, den versprochenen Tag erwartend, jede vergebliche Nachsuchung
eingestellt.

Die Pracht meines Festes und mein Benehmen dabei erhielten anfangs die
starkglubigen Einwohner der Stadt bei ihrer vorgefaten Meinung. Es
ergab sich freilich sehr bald aus den Zeitungen, da die ganze
fabelhafte Reise des Knigs von Preuen ein bloes ungegrndetes Gercht
gewesen. Ein Knig war ich aber nun einmal und mute schlechterdings ein
Knig bleiben, und zwar einer der reichsten und kniglichsten, die es
immer geben mag. Nur wute man nicht recht, welcher. Die Welt hat nie
Grund gehabt, ber Mangel an Monarchen zu klagen, am wenigsten in unsern
Tagen; die guten Leute, die noch keinen mit Augen gesehen, rieten mit
gleichem Glck bald auf diesen, bald auf jenen -- _Graf Peter_ blieb
immer, der er war.

Einst erschien unter den Badegsten ein Handelsmann, der Bankrott
gemacht hatte, um sich zu bereichern, der allgemeiner Achtung geno und
einen breiten, obgleich etwas blassen Schatten von sich warf. Er wollte
hier das Vermgen, das er gesammelt, zum Prunk ausstellen, und es fiel
sogar ihm ein, mit mir wetteifern zu wollen. Ich sprach meinem Sckel zu
und hatte sehr bald den armen Teufel so weit, da er, um sein Ansehen zu
retten, abermals Bankrott machen mute und ber das Gebirge ziehen. So
ward ich ihn los. -- Ich habe in dieser Gegend viele Taugenichtse und
Miggnger gemacht!

Bei der kniglichen Pracht und Verschwendung, womit ich mir alles
unterwarf, lebt' ich in meinem Haus sehr einfach und eingezogen. Ich
hatte mir die grte Vorsicht zur Regel gemacht, es durfte, unter keinem
Vorwand kein andrer als _Bendel_ die Zimmer, die ich bewohnte, betreten.
Solange die Sonne schien, hielt ich mich mit ihm darin verschlossen, und
es hie: der Graf arbeite in seinem Kabinett. Mit diesen Arbeiten
standen die hufigen Kuriere in Verbindung, die ich um jede Kleinigkeit
abschickte und erhielt. -- Ich nahm nur am Abend unter meinen Bumen,
oder in meinem nach _Bendels_ Angabe geschickt und reich erleuchteten
Saale, Gesellschaft an. Wenn ich ausging, wobei mich stets _Bendel_ mit
Argusaugen bewachen mute, so war es nur nach dem Frstergarten und um
der einen willen; denn meines Lebens innerlichstes Herz war meine Liebe.

O mein guter _Chamisso_, ich will hoffen, du habest noch nicht vergessen,
was Liebe sei! Ich lasse dir hier vieles zu ergnzen. _Mina_ war wirklich
ein liebewertes, gutes, frommes Kind. Ich hatte ihre ganze Phantasie an
mich gefesselt, sie wute in ihrer Demut nicht, womit sie wert gewesen,
da ich nur nach ihr geblickt; und sie vergalt Liebe um Liebe, mit der
vollen jugendlichen Kraft eines unschuldigen Herzens. Sie liebte wie ein
Weib, ganz hin sich opfernd; selbstvergessen, hingegeben den nur
meinend, der ihr Leben war, unbekmmert, solle sie selbst zugrunde
gehen, das heit, sie liebte wirklich.

Ich aber -- o welche schreckliche Stunden -- schrecklich! und wrdig
dennoch, da ich sie zurckwnsche -- hab' ich oft an _Bendels_ Brust
verweint, als nach dem ersten bewutlosen Rausch ich mich besonnen, mich
selbst scharf angeschaut, der ich, ohne Schatten, mit tckischer
Selbstsucht diesen Engel verderbend, die reine Seele an mich gelogen und
gestohlen! Dann beschlo ich, mich ihr selber zu verraten; dann gelobt'
ich mit teuren Eidschwren, mich von ihr zu reien und zu entfliehen;
dann brach ich wieder in Trnen aus und verabredete mit _Bendeln_, wie ich
sie auf den Abend im Frstergarten besuchen wolle.

Zu andern Zeiten log ich mir selber vom nahe bevorstehenden Besuch des
grauen Unbekannten groe Hoffnungen vor, und weinte wieder, wenn ich
daran zu glauben vergebens versucht hatte. Ich hatte den Tag
ausgerechnet, wo ich den Furchtbaren wieder zu sehen erwartete; denn er
hatte gesagt, in Jahr und Tag, und ich glaubte an sein Wort.

Die Eltern waren gute, ehrbare, alte Leute, die ihr einziges Kind sehr
liebten, das ganze Verhltnis berraschte sie, als es schon bestand, und
sie wuten nicht, was sie dabei tun sollten. Sie hatten frher nicht
getrumt, der _Graf Peter_ knne nur an ihr Kind denken, nun liebte er sie
gar und ward wieder geliebt. -- Die Mutter war wohl eitel genug, an die
Mglichkeit einer Verbindung zu denken und darauf hinzuarbeiten; der
gesunde Menschenverstand des Alten gab solchen berspannten
Vorstellungen nicht Raum. Beide waren berzeugt von der Reinheit meiner
Liebe -- sie konnten nichts tun, als fr ihr Kind beten.

Es fllt mir ein Brief in die Hand, den ich noch aus dieser Zeit von
_Mina_ habe. -- Ja, das sind ihre Zge! Ich will dir ihn abschreiben.

Bin ein schwaches, trichtes Mdchen, knnte mir einbilden, da mein
Geliebter, weil ich ihn innig, innig liebe, dem armen Mdchen nicht weh
tun mchte. -- Ach, Du bist so gut, so unaussprechlich gut; aber
mideute mich nicht. Du sollst mir nichts opfern, mir nichts opfern
wollen; o Gott! ich knnte mich hassen, wenn Du das ttest. Nein -- Du
hast mich unendlich glcklich gemacht, Du hast mich Dich lieben gelehrt.
Zeuch hin! -- Wei doch mein Schicksal, _Graf Peter_ gehrt nicht mir,
gehrt der Welt an. Will stolz sein, wenn ich hre: das ist er gewesen,
und das war er wieder, und das hat er vollbracht; da haben sie ihn
angebetet, und da haben sie ihn vergttert. Siehe, wenn ich das denke,
zrne ich Dir, da Du bei einem einfltigen Kinde deiner hohen
Schicksale vergessen kannst. -- Zeuch hin, sonst macht der Gedanke mich
noch unglcklich, die ich, ach! durch Dich so glcklich, so selig bin.
-- Hab' ich nicht auch einen lzweig und eine Rosenknospe in Dein Leben
geflochten, wie in den Kranz, den ich Dir berreichen durfte. Habe Dich
im Herzen, mein Geliebter, frchte nicht von mir zu gehen -- werde
sterben, ach! so selig, so unaussprechlich selig durch Dich.--

Du kannst dir denken, wie mir die Worte durchs Herz schneiden muten.
Ich erklrte ihr, ich sei nicht das, wofr man mich anzusehen schien;
ich sei nur ein reicher, aber unendlich elender Mann. Auf mir ruhe ein
Fluch, der das einzige Geheimnis zwischen ihr und mir sein solle, weil
ich noch nicht ohne Hoffnung sei, da er gelst werde. Dies sei das Gift
meiner Tage: da ich sie mit in den Abgrund hinreien knne, sie, die
das einzige Licht, das einzige Glck, das einzige Herz meines Lebens
sei. Dann weinte sie wieder, da ich unglcklich war. Ach, sie war so
liebevoll, so gut! Um eine Trne nur mir zu erkaufen, htte sie, mit
welcher Seligkeit, sich selbst ganz hingeopfert.

Sie war indes weit entfernt, meine Worte richtig zu deuten, sie ahnte
nun in mir irgendeinen Frsten, den ein schwerer Bann getroffen,
irgendein hohes, gechtetes Haupt und ihre Einbildungskraft malte sich
geschftig unter heroischen Bildern den Geliebten herrlich aus.

Einst sagte ich ihr: _Mina_, der letzte Tag im knftigen Monat kann mein
Schicksal ndern und entscheiden -- geschieht es nicht, so mu ich
sterben, weil ich dich nicht unglcklich machen will. -- Sie verbarg
weinend ihr Haupt an meiner Brust. -- ndert sich dein Schicksal, la
mich nur dich glcklich wissen, ich habe keinen Anspruch an dich. --
Bist du elend, binde mich an dein Elend, da ich es dir tragen helfe.

Mdchen, Mdchen, nimm es zurck, das rasche Wort, das trichte, das
deinen Lippen entflohen -- und kennst du es, dieses Elend, kennst du
ihn, diesen Fluch? Weit du, wer dein Geliebter -- -- was er --? Siehst
du mich nicht krampfhaft zusammenschaudern, und vor dir ein Geheimnis
haben? Sie fiel schluchzend mir zu Fen und wiederholte mit Eidschwur
ihre Bitte.

Ich erklrte mich gegen den hereintretenden Forstmeister, meine Absicht
sei, am ersten des nchstknftigen Monats um die Hand seiner Tochter
anzuhalten -- ich setze diese Zeit fest, weil sich bis dahin manches
ereignen drfte, was Einflu auf mein Schicksal haben knnte.
Unwandelbar sei nur meine Liebe zu seiner Tochter.--

Der gute Mann erschrak ordentlich, als er solche Worte aus dem Munde des
_Grafen Peter_ vernahm. Er fiel mir um den Hals und ward wieder ganz
verschmt, sich vergessen zu haben. Nun fiel es ihm ein, zu zweifeln, zu
erwgen und zu forschen; er sprach von Mitgift, von Sicherheit, von
Zukunft fr sein liebes Kind. Ich dankte ihm, mich daran zu mahnen. Ich
sagte ihm, ich wnsche in dieser Gegend, wo ich geliebt zu sein schien,
mich anzusiedeln und ein sorgenfreies Leben zu fhren. Ich bat ihn, die
schnsten Gter, die im Lande ausgeboten wrden, unter dem Namen seiner
Tochter zu kaufen und die Bezahlung auf mich anzuweisen. Es knne darin
ein Vater dem Liebenden am besten dienen. -- Es gab ihm viel zu tun,
denn berall war ihm ein Fremder zuvorgekommen; er kaufte auch nur fr
ungefhr eine Million.

Da ich ihn damit beschftigte, war im Grunde eine unschuldige List, um
ihn zu entfernen, und ich hatte schon hnliche mit ihm gebraucht, denn
ich mu gestehen, da er etwas lstig war. Die gute Mutter war dagegen
etwas taub, und nicht wie er, auf die Ehre eiferschtig, den Herrn
Grafen zu unterhalten.

Die Mutter kam hinzu, die glcklichen Leute drangen in mich, den Abend
lnger unter ihnen zu bleiben; ich durfte keine Minute weilen: ich sah
schon den aufgehenden Mond am Horizonte dmmern. -- Meine Zeit war
um.--

Am nchsten Abend ging ich wieder nach dem Frstergarten. Ich hatte den
Mantel weit ber die Schultern geworfen, den Hut tief in die Augen
gedrckt, ich ging auf _Mina_ zu; wie sie aufsah und mich anblickte,
machte sie eine unwillkrliche Bewegung; da stand mir wieder klar vor
der Seele die Erscheinung jener schaurigen Nacht, wo ich mich im
Mondschein ohne Schatten gezeigt. Sie war es wirklich. Hatte sie mich
aber auch jetzt erkannt? Sie war still und gedankenvoll -- mir lag es
zentnerschwer auf der Brust -- ich stand von meinem Sitz auf. Sie warf
sich still weinend an meine Brust. Ich ging.

Nun fand ich sie fters in Trnen, mir ward's finster und finsterer um
die Seele -- nur die Eltern schwammen in berschwenglicher
Glckseligkeit; der verhngnisvolle Tag rckte heran, bang und dumpf wie
eine Gewitterwolke. Der Vorabend war da -- ich konnte kaum mehr atmen.
Ich hatte vorsorglich einige Kisten mit Gold angefllt, ich wachte die
zwlfte Stunde heran. -- Sie schlug.--

Nun sa ich da, das Auge auf die Zeiger der Uhr gerichtet, die Sekunden,
die Minuten zhlend, wie Dolchstiche. Bei jedem Lrm, der sich regte,
fuhr ich auf, der Tag brach an. Die bleiernen Stunden verdrngten
einander, es ward Mittag, Abend, Nacht; es rckten die Zeiger, welkte
die Hoffnung; es schlug elf und nichts erschien, die letzten Minuten der
letzten Stunde fielen, und nichts erschien, es schlug der erste Schlag,
der letzte Schlag der zwlften Stunde, und ich sank hoffnungslos in
unendlichen Trnen auf mein Lager zurck. Morgen sollt' ich -- auf immer
schattenlos, um die Hand der Geliebten anhalten; ein banger Schlaf
drckte mir gegen den Morgen die Augen zu.


5.

Es war noch frh, als mich Stimmen weckten, die sich in meinem
Vorzimmer, in heftigem Wortwechsel, erhoben. Ich horchte auf. -- _Bendel_
verbot meine Tr; _Raskal_ schwor hoch und teuer, keine Befehle von
seinesgleichen anzunehmen, und bestand darauf, in meine Zimmer
einzudringen. Der gtige _Bendel_ verwies ihm, da solche Worte, falls sie
zu meinen Ohren kmen, ihn um einen vorteilhaften Dienst bringen wrden.
Raskal drohte Hand an ihn zu legen, wenn er ihm den Eingang noch lnger
vertreten wollte.

Ich hatte mich halb angezogen, ich ri zornig die Tr auf und fuhr auf
_Raskaln_ zu -- Was willst du, Schurke----? Er trat zwei Schritte
zurck und antwortete ganz kalt: Sie untertnigst bitten, Herr Graf,
mir doch einmal Ihren Schatten sehen zu lassen -- die Sonne scheint eben
so schn auf dem Hofe.--

Ich war wie vom Donner gerhrt. Es dauerte lange, bis ich die Sprache
wieder fand. -- Wie kann ein Knecht gegen seinen Herrn --? Er fiel mir
ganz ruhig in die Rede: Ein Knecht kann ein sehr ehrlicher Mann sein
und einem Schattenlosen nicht dienen wollen, ich fordere meine
Entlassung. Ich mute andre Saiten aufziehen. Aber _Raskal_, lieber
_Raskal_, wer hat dich auf die unglckliche Idee gebracht, wie kannst du
denken -- --? Er fuhr im selben Tone fort: Es wollen Leute behaupten,
Sie htten keinen Schatten -- und kurz, Sie zeigen mir Ihren Schatten,
oder geben mir meine Entlassung.

_Bendel_, bleich und zitternd, aber besonnener als ich, machte mir ein
Zeichen, ich nahm zu dem alles beschwichtigenden Golde meine Zuflucht --
auch das hatte seine Macht verloren -- er warf's mir vor die Fe: Von
einem Schattenlosen nehme ich nichts an. Er kehrte mir den Rcken und
ging, den Hut auf dem Kopf, ein Liedchen pfeifend, langsam aus dem
Zimmer. Ich stand mit _Bendel_ da wie versteint, gedanken- und regungslos
ihm nachsehend.

Schwer aufseufzend und den Tod im Herzen, schickt' ich mich endlich an,
mein Wort zu lsen, und, wie ein Verbrecher vor seinen Richtern, in dem
Frstergarten zu erscheinen. Ich stieg in der dunklen Laube ab, welche
nach mir benannt war, und wo sie mich auch diesmal erwarten muten. Die
Mutter kam mir sorgenfrei und freudig entgegen. _Mina_ sa da, bleich und
schn, wie der erste Schnee, der manchmal im Herbste die letzten Blumen
kt, und gleich in bittres Wasser zerflieen wird. Der Forstmeister,
ein geschriebenes Blatt in der Hand, ging heftig auf und ab, und schien
vieles in sich zu unterdrcken, was, mit fliegender Rte und Blsse
wechselnd, sich auf seinem sonst unbeweglichen Gesichte malte. Er kam
auf mich zu, als ich hereintrat, und verlangte mit oft unterbrochenen
Worten, mich allein zu sprechen. Der Gang, auf den er mich, ihm zu
folgen, einlud, fhrte nach einem freien besonnten Teile des Gartens --
ich lie mich stumm auf einen Sitz nieder, und es erfolgte ein langes
Schweigen, das selbst die gute Mutter nicht zu unterbrechen wagte.

Der Forstmeister strmte immer noch ungleichen Schrittes die Laube auf
und ab, er stand mit einem Male vor mir still, blickte ins Papier, das
er hielt, und fragte mich mit prfendem Blick: Sollte Ihnen, Herr Graf,
ein gewisser _Peter Schlemihl_ wirklich nicht unbekannt sein? Ich schwieg
-- ein Mann von vorzglichem Charakter und von besonderen Gaben -- Er
erwartete eine Antwort. -- Und wenn ich selber der Mann wre? --
Dem, fgte er heftig hinzu, sein Schatten abhanden gekommen ist!! --
O meine Ahnung, meine Ahnung! rief _Mina_ aus, ja ich wei es lngst,
er hat keinen Schatten! und sie warf sich in die Arme der Mutter,
welche erschreckt, sie krampfhaft an sich schlieend, ihr Vorwrfe
machte, da sie zum Unheil solch ein Geheimnis in sich verschlossen. Sie
aber war, wie Arethusa, in einen Trnenquell gewandelt, der beim Klang
meiner Stimme hufiger flo, und bei meinem Nahen strmisch aufbrauste.

Und Sie haben, hub der Forstmeister grimmig wieder an, und Sie haben
mit unerhrter Frechheit diese und mich zu betrgen keinen Anstand
genommen; und Sie geben vor, sie zu lieben, die Sie so weit
heruntergebracht haben? Sehen Sie, wie sie da weint und ringt. O
schrecklich! schrecklich!

Ich hatte dergestalt alle Besinnung verloren, da ich, wie irre redend,
anfing: es wre doch am Ende ein Schatten, nichts als ein Schatten, man
knne auch ohne das fertig werden, und es wre nicht der Mhe wert,
solchen Lrm davon zu erheben. Aber ich fhlte so sehr den Ungrund von
dem, was ich sprach, da ich von selbst aufhrte, ohne da er mich einer
Antwort gewrdigt. Ich fgte noch hinzu: was man einmal verloren, knne
man ein andermal wieder finden.

Er fuhr mich zornig an. -- Gestehen Sie mir's, mein Herr, gestehen Sie
mir's, wie sind Sie um Ihren Schatten gekommen? Ich mute wieder lgen:
Es trat mir dereinst ein ungeschlachter Mann so flmisch in meinen
Schatten, da er ein groes Loch darein ri -- ich habe ihn nur zum
Ausbessern gegeben, denn Gold vermag viel, ich habe ihn schon gestern
wieder bekommen sollen.

Wohl, mein Herr, ganz wohl! erwiderte der Forstmeister, Sie werben um
meine Tochter, das tun auch andre, ich habe als ein Vater fr sie zu
sorgen, ich gebe Ihnen drei Tage Frist, binnen welcher Sie sich nach
einem Schatten umtun mgen; erscheinen Sie binnen drei Tagen vor mir mit
einem wohlangepaten Schatten, so sollen Sie mir willkommen sein: am
vierten Tage aber -- das sag' ich Ihnen -- ist meine Tochter die Frau
eines andern. -- Ich wollte noch versuchen, ein Wort an _Mina_ zu
richten, aber sie schlo sich, heftiger schluchzend, fester an ihre
Mutter, und diese winkte mir stillschweigend, mich zu entfernen. Ich
schwankte hinweg, und mir war's, als schlsse sich hinter mir die Welt
zu.

Der liebevollen Aufsicht _Bendels_ entsprungen, durchschweifte ich in
irrem Lauf Wlder und Fluren. Angstschwei troff von meiner Stirne, ein
dumpfes Sthnen entrang sich meiner Brust, in mir tobte Wahnsinn.

Ich wei nicht, wie lange es so gedauert haben mochte, als ich mich auf
einer sonnigen Heide beim rmel anhalten fhlte. -- Ich stand still und
sah mich um -- -- es war der Mann im grauen Rock, der sich nach mir
auer Atem gelaufen zu haben schien. Er nahm sogleich das Wort: Ich
hatte mich auf den heutigen Tag angemeldet, Sie haben die Zeit nicht
erwarten knnen. Es steht aber alles noch gut, Sie nehmen Rat an,
tauschen Ihren Schatten wieder ein, der Ihnen zu Gebote steht, und
kehren sogleich wieder um. Sie sollen in dem Frstergarten willkommen
sein, und alles ist nur ein Scherz gewesen; den _Raskal_, der Sie verraten
hat und um Ihre Braut wirbt, nehm' ich auf mich, der Kerl ist reif.

Ich stand noch wie im Schlafe da. -- Auf den heutigen Tag angemeldet
--? ich berdachte noch einmal die Zeit -- er hatte recht, ich hatte
mich stets um einen Tag verrechnet. Ich suchte mit der rechten Hand nach
dem Sckel auf meiner Brust -- er erriet meine Meinung und trat zwei
Schritte zurck.

Nein, Herr Graf, der ist in zu guten Hnden, den behalten Sie. -- Ich
sah ihn mit stieren Augen, verwundert fragend an, er fuhr fort: Ich
erbitte mir blo eine Kleinigkeit zum Andenken, Sie sind nur so gut und
unterschreiben mir den Zettel da. -- Auf dem Pergamente standen die
Worte:

   Kraft dieser meiner Unterschrift vermache ich dem Inhaber dieses
   meine Seele nach ihrer natrlichen Trennung von meinem Leibe.

Ich sah mit stummem Staunen die Schrift und den grauen Unbekannten
abwechselnd an. -- Er hatte unterdessen mit einer neu geschnittenen
Feder einen Tropfen Bluts aufgefangen, der mir aus einem frischen
Dornri auf die Hand flo, und hielt sie mir hin.

Wer sind Sie denn? frug ich ihn endlich. Was tut's, gab er mir zur
Antwort, und sieht man es mir nicht an? Ein armer Teufel, gleichsam so
eine Art von Gelehrten und Physikus, der von seinen Freunden fr
vortreffliche Knste schlechten Dank erntet, und fr sich selber auf
Erden keinen andern Spa hat, als sein bichen Experimentieren -- aber
unterschreiben Sie doch. Rechts, da unten: _Peter Schlemihl_.

Ich schttelte mit dem Kopf und sagte: Verzeihen Sie, mein Herr, das
unterschreibe ich nicht. -- Nicht? wiederholte er verwundert, und
warum nicht?

Es scheint mir doch gewissermaen bedenklich, meine Seele an meinen
Schatten zu setzen. -- -- So, so! wiederholte er, bedenklich, und
er brach in ein lautes Gelchter gegen mich aus. Und, wenn ich fragen
darf, was ist denn das fr ein Ding, Ihre Seele? haben Sie es je
gesehen, und was denken Sie damit anzufangen, wenn Sie einst tot sind?
Seien Sie doch froh, einen Liebhaber zu finden, der Ihnen bei Lebenszeit
noch den Nachla dieses #X#, dieser galvanischen Kraft oder
polarisierenden Wirksamkeit, und was alles das nrrische Ding sein soll,
mit etwas Wirklichem bezahlen will, nmlich mit Ihrem leibhaftigen
Schatten, durch den Sie zu der Hand Ihrer Geliebten und zu der Erfllung
aller Ihrer Wnsche gelangen knnen. Wollen Sie lieber selbst das arme
junge Blut dem niedertrchtigen Schurken, dem _Raskal_, zustoen und
ausliefern? -- Nein, das mssen Sie doch mit eignen Augen ansehen;
kommen Sie, ich leihe Ihnen die Tarnkappe hier (er zog etwas aus der
Tasche) und wir wallfahren ungesehen nach dem Frstergarten.

Ich mu gestehen, da ich mich beraus schmte, von diesem Manne
ausgelacht zu werden. Er war mir von Herzensgrunde verhat, und ich
glaube, da mich dieser persnliche Widerwille mehr als Grundstze oder
Vorurteile abhielt, meinen Schatten, so notwendig er mir auch war, mit
der begehrten Unterschrift zu erkaufen. Auch war mir der Gedanke
unertrglich, den Gang, den er mir antrug, in seiner Gesellschaft zu
unternehmen. Diesen hlichen Schleicher, diesen hohnlchelnden Kobold,
zwischen mich und meine Geliebte, zwei blutig zerrissene Herzen,
spttisch hintreten zu sehen, emprte mein innigstes Gefhl. Ich nahm,
was geschehen war, als verhngt an, mein Elend als unabwendbar, und mich
zu dem Manne kehrend, sagte ich ihm: Mein Herr, ich habe Ihnen meinen
Schatten fr diesen an sich sehr vorzglichen Sckel verkauft, und es
hat mich genug gereut. Kann der Handel zurckgehen, in Gottes Namen! Er
schttelte mit dem Kopf und zog ein sehr finsteres Gesicht. Ich fuhr
fort: So will ich Ihnen auch weiter nichts von meiner Habe verkaufen,
sei es auch um den angebotenen Preis meines Schattens, und
unterschreibe also nichts. Daraus lt sich auch abnehmen, da die
Verkappung, zu der Sie mich einladen, ungleich belustigender fr Sie als
fr mich ausfallen mte; halten Sie mich also fr entschuldigt, und da
es einmal nicht anders ist -- lat uns scheiden!--

Es ist mir leid, Monsieur _Schlemihl_, da Sie eigensinnig das Geschft
von der Hand weisen, das ich Ihnen freundschaftlich anbot. Indessen,
vielleicht bin ich ein andermal glcklicher. Auf baldiges Wiedersehen!
-- Apropos, erlauben Sie mir noch, Ihnen zu zeigen, da ich die Sachen,
die ich kaufe, keineswegs verschimmeln lasse, sondern in Ehren halte,
und da sie bei mir gut aufgehoben sind.--

Er zog sogleich meinen Schatten aus seiner Tasche, und ihn mit einem
geschickten Wurf auf der Heide entfaltend, breitete er ihn auf der
Sonnenseite zu seinen Fen aus, so, da er zwischen den beiden ihm
aufwartenden Schatten, dem meinen und dem seinen, daher ging, denn
meiner mute ihm gleichfalls gehorchen und nach allen seinen Bewegungen
sich richten und bequemen.

Als ich nach so langer Zeit einmal meinen armen Schatten wieder sah, und
ihn zu solchem schnden Dienste herabgewrdigt fand, eben als ich um
seinetwillen in so namenloser Not war, da brach mir das Herz, und ich
fing bitterlich zu weinen an. Der Verhate stolzierte mit dem mir
abgejagten Raub, und erneuerte unverschmt seinen Antrag: Noch ist er
fr Sie zu haben, ein Federzug, und Sie retten damit die arme
unglckliche _Mina_ aus des Schuftes Klauen in des hochgeehrten Herrn
Grafen Arme -- wie gesagt, nur ein Federzug. Meine Trnen brachen mir
erneuter Kraft hervor, aber ich wandte mich weg, und winkte ihm, sich zu
entfernen.

_Bendel_, der voller Sorgen meine Spuren bis hierher verfolgt hatte, traf
in diesem Augenblick ein. Als mich die treue, fromme Seele weinend
fand, und meinen Schatten, denn er war nicht zu verkennen, in der Gewalt
des wunderlichen grauen Unbekannten sah, beschlo er gleich, sei es auch
mit Gewalt, mich in den Besitz meines Eigentums wiederherzustellen, und
da er selbst mit dem zarten Dinge nicht umzugehen verstand, griff er
gleich den Mann mit Worten an, und ohne vieles Fragen gebot er ihm
stracks, mir das Meine unverzglich verabfolgen zu lassen. Dieser, statt
aller Antwort, kehrte dem unschuldigen Burschen den Rcken und ging.
_Bendel_ aber erhob den Kreuzdornknttel, den er trug, und, ihm auf den
Fersen folgend, lie er ihn schonungslos unter wiederholtem Befehl, den
Schatten herzugeben, die volle Kraft seines nervichten Armes fhlen.
Jener, als sei er solcher Behandlung gewohnt, bckte den Kopf, wlbte
die Schultern, und zog stillschweigend ruhigen Schrittes seinen Weg ber
die Heide weiter, mir meinen Schatten zugleich und meinen treuen Diener
entfhrend. Ich hrte lange noch den dumpfen Schall durch die Einde
drhnen, bis er sich endlich in der Entfernung verlor. Einsam war ich
wie vorher mit meinem Unglck.


6.

Allein zurckgeblieben auf der den Heide, lie ich unendlichen Trnen
freien Lauf, mein armes Herz von namenloser banger Last erleichternd.
Aber ich sah meinem berschwenglichen Elend keine Grenzen, keinen
Ausgang, kein Ziel, und ich sog besonders mit grimmigem Durst an dem
neuen Gifte, das der Unbekannte in meine Wunden gegossen. Als ich _Minas_
Bild vor meine Seele rief und die geliebte, se Gestalt bleich und in
Trnen mir erschien, wie ich sie zuletzt in meiner Schmach gesehen, da
trat frech und hhnend _Raskals_ Schemen zwischen sie und mich, ich
verhllte mein Gesicht und floh durch die Einde, aber die scheuliche
Erscheinung gab mich nicht frei, sondern verfolgte mich im Laufe, bis
ich atemlos an den Boden sank und die Erde mit erneuertem Trnenquell
befeuchtete.

Und alles um einen Schatten! Und diesen Schatten htte mir ein Federzug
wieder erworben. Ich berdachte den befremdenden Antrag und meine
Weigerung. Es war wst in mir, ich hatte weder Urteil noch
Fassungsvermgen mehr.

Der Tag verging, ich stillte meinen Hunger mit wilden Frchten, meinen
Durst im nchsten Bergstrom; die Nacht brach ein, ich lagerte mich unter
einem Baum. Der feuchte Morgen weckte mich aus einem schweren Schlaf, in
dem ich mich selber wie im Tode rcheln hrte. _Bendel_ mute meine Spur
verloren haben und es freute mich, es zu denken. Ich wollte nicht unter
die Menschen zurckkehren, vor welchen ich schreckhaft floh, wie das
scheue Wild des Gebirges. So verlebte ich drei bange Tage.

Ich befand mich am Morgen des vierten auf einer sandigen Ebene, welche
die Sonne beschien, und sa auf Felsentrmmern in ihrem Strahl, denn ich
liebte jetzt, ihren lang' entbehrten Anblick zu genieen. Ich nhrte
still mein Herz mit seiner Verzweiflung. Da schreckte mich ein leises
Gerusch auf, ich warf, zur Flucht bereit, den Blick um mich her, ich
sah niemand: aber es kam auf dem sonnigen Sande an mir vorbeigeglitten
ein Menschenschatten, dem meinigen nicht unhnlich, welcher, allein
daherwandelnd, von seinem Herrn abgekommen zu sein schien.

Da erwachte in mir ein mchtiger Trieb: Schatten, dacht' ich, suchst du
deinen Herrn? der will ich sein. Und ich sprang hinzu, mich seiner zu
bemchtigen; ich dachte nmlich, da, wenn es mir glckte, in seine Spur
zu treten, so, da er mir an die Fe kme, er wohl daran hngen bleiben
wrde und sich mit der Zeit an mich gewhnen.

Der Schatten, auf meine Bewegung, nahm vor mir die Flucht, und ich mute
auf den leichten Flchtling eine angestrengte Jagd beginnen, zu der mich
allein der Gedanke, mich aus der furchtbaren Lage, in der ich war, zu
retten, mit hinreichenden Krften ausrsten konnte. Er floh einem
freilich noch entfernten Walde zu, in dessen Schatten ich ihn notwendig
htte verlieren mssen, ich sah's, ein Schreck durchzuckte mir das Herz,
fachte meine Begierde an, beflgelte meinen Lauf -- ich gewann
sichtbarlich auf den Schatten, ich kam ihm nach und nach nher, ich
mute ihn erreichen. Nun hielt er pltzlich an und kehrte sich nach mir
um. Wie der Lwe auf seine Beute, so scho ich mit einem gewaltigen
Sprunge hinzu, um ihn in Besitz zu nehmen -- und traf unerwartet und
hart auf krperlichen Widerstand. Es wurden mir unsichtbar die
unerhrtesten Rippenste erteilt, die wohl je ein Mensch gefhlt hat.

Die Wirkung des Schreckens war in mir, die Arme krampfhaft zuzuschlagen
und fest zu drcken, was ungesehen vor mir stand. Ich strzte in der
schnellen Handlung vorwrts gestreckt auf den Boden; rckwrts aber
unter mir ein Mensch, den ich umfat hielt und der jetzt erst sichtbar
erschien.

Nun ward mir auch das ganze Ereignis sehr natrlich erklrbar. Der Mann
mute das unsichtbare Vogelnest, das den, der es hlt, nicht aber seinen
Schatten unsichtbar macht, erst getragen und jetzt weggeworfen haben.
Ich sphte mit dem Blick umher, entdeckte gar bald den Schatten des
unsichtbaren Nestes selbst, sprang auf und hinzu und verfehlte nicht den
teuern Raub. Ich hielt unsichtbar, schattenlos das Nest in Hnden.

Der schnell sich aufrichtende Mann, sich sogleich nach seinem beglckten
Bezwinger umsehend, erblickte auf der weiten sonnigen Ebene weder ihn
noch dessen Schatten, nach dem er besonders ngstlich umherlauschte.
Denn da ich an und fr mich schattenlos war, hatte er vorher nicht Mue
gehabt zu bemerken und konnte es nicht vermuten. Als er sich berzeugt,
da jede Spur verschwunden, kehrte er in der hchsten Verzweiflung die
Hand gegen sich selber und raufte sich das Haar aus. Mir aber gab der
errungene Schatz die Mglichkeit und die Begierde zugleich, mich wieder
unter die Menschen zu mischen. Es fehlte mir nicht an Vorwand gegen mich
selber, meinen schnden Raub zu beschnigen, oder vielmehr, ich bedurfte
solches nicht, und jedem Gedanken der Art zu entweichen, eilte ich
hinweg, nach dem Unglcklichen nicht zurckschauend, dessen ngstliche
Stimme ich mir noch lange nachschallen hrte. So wenigstens kamen mir
damals alle Umstnde dieses Ereignisses vor.

Ich brannte, nach dem Frstergarten zu gehen und durch mich selbst die
Wahrheit dessen zu erkennen, was mir jener Verhate verkndigt hatte;
ich wute aber nicht, wo ich war, ich bestieg, um mich in der Gegend
umzuschauen, den nchsten Hgel, ich sah von seinem Gipfel das nahe
Stdtchen und den Frstergarten zu meinen Fen liegen. -- Heftig
klopfte mir das Herz und Trnen einer andern Art, als die ich bis dahin
vergossen, traten mir in die Augen: ich sollte sie wiedersehen. -- Bange
Sehnsucht beschleunigte meine Schritte auf dem richtigsten Pfad hinab.
Ich kam ungesehen an einigen Bauern vorbei, die aus der Stadt kamen. Sie
sprachen von mir, _Raskal_ und dem Frster; ich wollte nichts anhren, ich
eilte vorber.

Ich trat in den Garten, alle Schauer der Erwartung in der Brust -- mir
schallte es wie ein Lachen entgegen, mich schauderte, ich warf einen
schnellen Blick um mich her; ich konnte niemand entdecken. Ich schritt
weiter vor, mir war's, als vernhme ich neben mir ein Gerusch wie von
Menschentritten; es war aber nichts zu sehen: ich dachte mich von meinem
Ohr getuscht. Es war noch frh, niemand in _Graf Peters_ Laube, noch leer
der Garten; ich durchschweifte die bekannten Gnge, ich drang bis nach
dem Wohnhause vor. Dasselbe Gerusch verfolgte mich vernehmlicher. Ich
setzte mich mit angstvollem Herzen auf eine Bank, die im sonnigen Raume
der Haustr gegenberstand. Es ward mir, als hrte ich den ungesehenen
Kobold sich hohnlachend neben mich setzen. Der Schlssel ward in der Tr
gedreht, sie ging auf, der Forstmeister trat heraus, mit Papieren in der
Hand. Ich fhlte mir wie Nebel ber den Kopf ziehn, ich sah mich um und
-- Entsetzen -- der Mann im grauen Rock sa neben mir, mit satanischem
Lcheln auf mich blickend. -- Er hatte mir seine Tarnkappe mit ber den
Kopf gezogen, zu seinen Fen lagen sein und mein Schatten friedlich
nebeneinander; er spielte nachlssig mit dem bekannten Pergament, das er
in der Hand hielt, und indem der Forstmeister mit den Papieren
beschftigt im Schatten der Laube auf und ab ging -- beugte er sich
vertraulich zu meinem Ohr und flsterte mir die Worte: So htten Sie
denn doch meine Einladung angenommen und da sen wir einmal zwei Kpfe
unter einer Kappe! -- Schon recht, schon recht! Nun geben Sie mir aber
auch mein Vogelnest zurck, Sie brauchen es nicht mehr und sind ein zu
ehrlicher Mann, um es mir vorenthalten zu wollen -- doch keinen Dank
dafr, ich versichere Sie, da ich es Ihnen von Herzen gern geliehen
habe. -- Er nahm es unweigerlich aus meiner Hand, steckte es in die
Tasche und lachte mich abermals aus, und zwar so laut, da sich der
Forstmeister nach dem Gerusch umsah. -- Ich sa wie versteinert da.

Sie mssen mir doch gestehen, fuhr er fort, da so eine Kappe viel
bequemer ist. Sie deckt doch nicht nur ihren Mann, sondern auch seinen
Schatten mit, und noch so viele andre, als er mitzunehmen Lust hat.
Sehen Sie, heute fhr' ich wieder ihrer zwei. -- Er lachte wieder.
Merken Sie sich's, _Schlemihl_, was man anfangs mit Gutem nicht will, das
mu man am Ende doch gezwungen. Ich dchte noch, Sie kauften mir das
Ding ab, nhmen die Braut zurck (denn noch ist es Zeit) und wir lieen
den _Raskal_ am Galgen baumeln, das wird uns ein leichtes, solange es am
Stricke nicht fehlt. -- Hren Sie, ich gebe Ihnen noch meine Mtze in
den Kauf.

Die Mutter trat heraus und das Gesprch begann. -- Was macht _Mina_? --
Sie weint. -- Einfltiges Kind! es ist doch nicht zu ndern! --
Freilich nicht; aber sie so frh einem andern zu geben -- -- O Mann, du
bist grausam gegen dein eignes Kind. -- Nein, Mutter, das siehst du
sehr falsch. Wenn sie, noch bevor sie ihre doch kindischen Trnen
ausgeweint hat, sich als die Frau eines sehr reichen und geehrten Mannes
findet, wird sie getrstet aus ihrem Schmerze wie aus einem Traum
erwachen und Gott und uns danken, das wirst du sehen! -- Gott gebe
es! -- Sie besitzt freilich jetzt sehr ansehnliche Gter; aber nach
dem Aufsehen, das die unglckliche Geschichte mit dem Abenteurer gemacht
hat, glaubst du, da sich so bald eine andre fr sie so passende Partie,
als der Herr _Raskal_, finden mchte? Weit du, was fr ein Vermgen er
besitzt, der Herr _Raskal_? Er hat fr sechs Millionen Gter hier im
Lande, frei von allen Schulden, bar bezahlt. Ich habe die Dokumente in
den Hnden gehabt! Er war's, der mir berall das Beste vorweg genommen
hat; und auerdem im Portefeuille Papiere auf _Thomas John_ fr zirka
viertehalb Millionen. -- Er mu sehr viel gestohlen haben. -- Was
sind das wieder fr Reden! Er hat weislich gespart, wo verschwendet
wurde. -- Ein Mann, der die Livree getragen hat. -- Dummes Zeug! er
hat doch einen untadligen Schatten. -- Du hast recht, aber----

Der Mann im grauen Rock lachte und sah mich an. Die Tre ging auf und
_Mina_ trat heraus. Sie sttzte sich auf den Arm einer Kammerfrau, stille
Trnen flossen auf ihre schnen blassen Wangen. Sie setzte sich in einen
Sessel, der fr sie unter den Linden bereitet war, und ihr Vater nahm
einen Stuhl neben ihr. Er fate zrtlich ihre Hand und redete sie, die
heftig zu weinen anfing, mit zarten Worten an: Du bist mein gutes,
liebes Kind, du wirst auch vernnftig sein, wirst nicht deinen alten
Vater betrben wollen, der nur dein Glck will; ich begreife es wohl,
liebes Herz, da es dich sehr erschttert hat, du bist wunderbar deinem
Unglck entkommen! Bevor wir den schndlichen Betrug entdeckt, hast du
diesen Unwrdigen sehr geliebt! Siehe, _Mina_, ich wei es und mache dir
keine Vorwrfe darber. Ich selber, liebes Kind, habe ihn auch geliebt,
solange ich ihn fr einen groen Herrn angesehen habe. Nun siehst du
selber ein, wie anders alles geworden. Was! ein jeder Pudel hat ja
seinen Schatten, und mein liebes einziges Kind sollte einen Mann -- --
Nein, du denkst auch gar nicht mehr an ihn. -- Hre, _Mina_, nun wirbt ein
Mann um dich, der die Sonne nicht scheut, ein geehrter Mann, der
freilich kein Frst ist, aber zehn Millionen, zehnmal mehr als du, im
Vermgen besitzt, ein Mann, der mein liebes Kind glcklich machen wird.
Erwidere mir nichts, widersetze dich nicht, sei meine gute, gehorsame
Tochter, la deinen liebenden Vater fr dich sorgen, deine Trnen
trocknen. Versprich mir, dem Herrn _Raskal_ deine Hand zu geben. -- Sage,
willst du mir dies versprechen?--

Sie antwortete mit erstorbener Stimme: Ich habe keinen Willen, keinen
Wunsch frder auf Erden. Geschehe mit mir, was mein Vater will.
Zugleich ward Herr _Raskal_ angemeldet und trat frech in den Kreis. _Mina_
lag in Ohnmacht. Mein verhater Gefhrte blickte mich zornig an und
flsterte mir die schnellen Worte: Und das knnten Sie erdulden! Was
fliet Ihnen denn statt des Blutes in den Adern? Er ritzte mir mit
einer raschen Bewegung eine leichte Wunde in die Hand, es flo Blut, er
fuhr fort: Wahrhaftig! rotes Blut! -- So unterschreiben Sie! Ich hatte
das Pergament und die Feder in Hnden.


7.

Ich werde mich deinem Urteile blostellen, lieber _Chamisso_, und es nicht
zu bestechen suchen. Ich selbst habe lange strenges Gericht an mir
selber vollzogen, denn ich habe den qulenden Wurm in meinem Herzen
genhrt. Es schwebte immerwhrend dieser ernste Moment meines Lebens vor
meiner Seele, und ich vermocht' es nur zweifelnden Blickes, mit Demut
und Zerknirschung anzuschauen. -- Lieber Freund, wer leichtsinnig nur
den Fu aus der geraden Strae setzt, der wird unversehens in andre
Pfade abgefhrt, die abwrts und immer abwrts ihn ziehen; er sieht dann
umsonst die Leitsterne am Himmel schimmern, ihm bleibt keine Wahl, er
mu unaufhaltsam den Abhang hinab, und sich selbst der Nemesis opfern.
Nach dem bereilten Fehltritt, der den Fluch auf mich geladen, hatt' ich
durch Liebe frevelnd in eines andern Wesens Schicksal mich gedrngt; was
blieb mir brig, als, wo ich Verderben gest, wo schnelle Rettung von
mir geheischt ward, eben rettend blindlings hinzuzuspringen? denn die
letzte Stunde schlug. -- Denke nicht so niedrig von mir, mein _Adelbert_,
als zu meinen, es htte mich irgendein geforderter Preis zu teuer
gednkt, ich htte mit irgend etwas, was nur mein war, mehr als eben mit
Gold gekargt. -- Nein, _Adelbert_; aber mit unberwindlichem Hasse gegen
diesen rtselhaften Schleicher auf krummen Wegen war meine Seele
angefllt. Ich mochte ihm unrecht tun, doch emprte mich jede
Gemeinschaft mit ihm. -- Auch hier trat, wie so oft schon in mein Leben,
und wie berhaupt so oft in die Weltgeschichte, ein Ereignis an die
Stelle einer Tat. Spter habe ich mich mit mir selber vershnt. Ich habe
erstlich die Notwendigkeit verehren lernen, und was ist mehr als die
getane Tat, das geschehene Ereignis, ihr Eigentum! Dann hab' ich auch
diese Notwendigkeit als eine weise Fgung verehren lernen, die durch das
gesamte groe Getrieb' weht, darin wir blo als mitwirkende, getriebene
treibende Rder eingreifen: was sein soll, mu geschehen, was sein
sollte, geschah, und nicht ohne jene Fgung, die ich endlich noch in
meinem Schicksale und dem Schicksale derer, die das meine mit angriff,
verehren lernte.

Ich wei nicht, ob ich es der Spannung meiner Seele, unter dem Drange so
mchtiger Empfindungen, zuschreiben soll, ob der Erschpfung meiner
physischen Krfte, die whrend der letzten Tage ungewohntes Darben
geschwcht, ob endlich dem zerstrenden Aufruhr, den die Nhe dieses
grauen Unholdes in meiner ganzen Natur erregte; genug, es befiel mich,
als es an das Unterschreiben ging, eine tiefe Ohnmacht, und ich lag eine
lange Zeit wie in den Armen des Todes.

Fustampfen und Fluchen waren die ersten Tne, die mein Ohr trafen, als
ich zum Bewutsein zurckkehrte; ich ffnete die Augen, es war dunkel,
mein verhater Begleiter war scheltend um mich bemht. Heit das nicht
wie ein altes Weib sich auffhren! -- Man raffe sich auf und vollziehe
frisch, was man beschlossen, oder hat man sich anders besonnen und will
lieber greinen? -- Ich richtete mich mhsam auf von der Erde, wo ich
lag, und schaute schweigend um mich. Es war spter Abend, aus dem
hellerleuchteten Frsterhause erscholl festliche Musik, einzelne Gruppen
von Menschen wallten durch die Gnge des Gartens. Ein paar traten im
Gesprche nher und nahmen Platz auf der Bank, worauf ich frher
gesessen hatte. Sie unterhielten sich von der an diesem Morgen
vollzogenen Verbindung des reichen Herrn _Raskal_ mit der Tochter des
Hauses. -- Es war also geschehen.--

Ich streifte mit der Hand die Tarnkappe des sogleich mir verschwindenden
Unbekannten von meinem Haupte weg, und eilte stillschweigend, in die
tiefste Nacht des Gebsches mich versenkend, den Weg ber _Graf Peters_
Laube einschlagend, dem Ausgange des Gartens zu. Unsichtbar aber
geleitete mich mein Plagegeist, mich mit scharfen Worten verfolgend.
Das ist also der Dank fr die Mhe, die man genommen hat, Monsieur, der
schwache Nerven hat, den langen lieben Tag hindurch zu pflegen. Und man
soll den Narren im Spiele abgeben. Gut, Herr Trotzkopf, fliehn Sie nur
vor mir, wir sind doch unzertrennlich. Sie haben mein Gold und ich Ihren
Schatten; das lt uns beiden keine Ruhe. -- Hat man je gehrt, da ein
Schatten von seinem Herrn gelassen htte? Ihrer zieht mich Ihnen nach,
bis Sie ihn wieder zu Gnaden annehmen und ich ihn los bin. Was Sie
versumt haben aus frischer Lust zu tun, werden Sie nur zu spt aus
berdru und Langweile nachholen mssen; man entgeht seinem Schicksale
nicht. Er sprach aus demselben Tone fort und fort; ich floh umsonst, er
lie nicht nach, und immer gegenwrtig, redete er hhnend von Gold und
Schatten. Ich konnte zu keinem eignen Gedanken kommen.

Ich hatte durch menschenleere Straen einen Weg nach meinem Hause
eingeschlagen. Als ich davor stand und es ansah, konnte ich es kaum
erkennen; hinter den eingeschlagenen Fenstern brannte kein Licht. Die
Tren waren zu, kein Dienervolk regte sich mehr darin. Er lachte laut
auf neben mir: Ja, ja, so geht's! Aber Ihren _Bendel_ finden Sie wohl
daheim, den hat man jngst vorsorglich so mde nach Hause geschickt, da
er es wohl seitdem gehtet haben wird. Er lachte wieder. Der wird
Geschichten zu erzhlen haben! -- Wohlan denn! fr heute gute Nacht, auf
baldiges Wiedersehen!

Ich hatte wiederholt geklingelt, es erschien Licht; _Bendel_ frug von
innen, wer geklingelt habe. Als der gute Mann meine Stimme erkannte,
konnte er seine Freude kaum bndigen; die Tr flog auf, wir lagen
weinend einander in den Armen. Ich fand ihn sehr verndert, schwach und
krank; mir war aber das Haar ganz grau geworden.

Er fhrte mich durch die verdeten Zimmer nach einem innern, verschont
gebliebenen Gemach; er holte Speise und Trank herbei, wir setzten uns,
er fing wieder an zu weinen. Er erzhlte mir, da er letzthin den grau
gekleideten drren Mann, den er mit meinem Schatten angetroffen hatte,
so lange und so weit geschlagen habe, bis er selbst meine Spur verloren
und vor Mdigkeit hingesunken sei; da nachher, wie er mich nicht wieder
finden gekonnt, er nach Hause zurckgekehrt, wo bald darauf der Pbel,
auf _Raskals_ Anstiften, herangestrmt, die Fenster eingeschlagen und
seine Zerstrungslust gebt. So hatten sie an ihrem Wohltter
gehandelt. Meine Dienerschaft war auseinander geflohen. Die rtliche
Polizei hatte mich als verdchtig aus der Stadt verwiesen, und mir eine
Frist von vierundzwanzig Stunden festgesetzt, um deren Gebiet zu
verlassen. Zu dem, was mir von _Raskals_ Reichtum und Vermhlung bekannt
war, wute er noch vieles hinzuzufgen. Dieser Bsewicht, von dem alles
ausgegangen, was hier gegen mich geschehen war, mute von Anbeginn mein
Geheimnis besessen haben, es schien, er habe, vom Golde angezogen, sich
an mich zu drngen gewut, und schon in der ersten Zeit einen Schlssel
zu jenem Goldschrank sich verschafft, wo er den Grund zu dem Vermgen
gelegt, das noch zu vermehren er jetzt verschmhen konnte.

Das alles erzhlte mir _Bendel_ unter hufigen Trnen, und weinte dann
wieder vor Freuden, da er mich wieder sah, mich wieder hatte, und da,
nachdem er lang gezweifelt, wohin das Unglck mich gebracht haben
mchte, er mich es ruhig und gefat ertragen sah. Denn solche Gestaltung
hatte nun die Verzweiflung in mir genommen. Ich sah mein Elend
riesengro, unwandelbar vor mir, ich hatte ihm meine Trnen ausgeweint,
es konnte kein Geschrei mehr aus meiner Brust pressen, ich trug ihm kalt
und gleichgltig mein entbltes Haupt entgegen.

_Bendel_, hub ich an, du weit mein Los. Nicht ohne frheres
Verschulden trifft mich schwere Strafe. Du sollst lnger nicht,
unschuldiger Mann, dein Schicksal an das meine binden, ich will es
nicht. Ich reite die Nacht noch fort, sattle mir ein Pferd, ich reite
allein; du bleibst, ich will's. Es mssen hier noch einige Kisten Goldes
liegen, das behalte du. Ich werde allein unstet in der Welt wandern;
wann mir aber je eine heitere Stunde wieder lacht und das Glck mich
vershnt anblickt, dann will ich deiner getreu gedenken, denn ich habe
an deiner getreuen Brust in schweren, schmerzlichen Stunden geweint.

Mit gebrochenem Herzen mute der Redliche diesem letzten Befehle seines
Herrn, worber er in der Seele erschrak, gehorchen; ich war seinen
Bitten, seinen Vorstellungen taub, blind seinen Trnen; er fhrte mir
das Pferd vor. Ich drckte noch einmal den Weinenden an meine Brust,
schwang mich in den Sattel und entfernte mich unter dem Mantel der Nacht
von dem Grabe meines Lebens, unbekmmert, welchen Weg mein Pferd mich
fhren werde; denn ich hatte weiter auf Erden kein Ziel, keinen Wunsch,
keine Hoffnung.


8.

Es gesellte sich bald ein Fugnger zu mir, welcher mich bat, nachdem er
eine Weile neben meinem Pferde geschritten war, da wir doch denselben
Weg hielten, einen Mantel, den er trug, hinten auf mein Pferd legen zu
drfen, ich lie es stillschweigend geschehen. Er dankte mir mit
leichtem Anstand fr den leichten Dienst, lobte mein Pferd, nahm daraus
Gelegenheit, das Glck und die Macht der Reichen hoch zu preisen, und
lie sich, ich wei nicht wie, in eine Art von Selbstgesprch ein, bei
dem er mich blo zum Zuhrer hatte.

Er entfaltete seine Ansichten von dem Leben und der Welt, und kam sehr
bald auf die Metaphysik, an die die Forderung erging, das Wort
aufzufinden, das aller Rtsel Lsung sei. Er setzte die Aufgabe mit
vieler Klarheit auseinander und schritt frder zu deren Beantwortung.

Du weit, mein Freund, da ich deutlich erkannt habe, seitdem ich den
Philosophen durch die Schule gelaufen, da ich zur philosophischen
Spekulation keineswegs berufen bin, und da ich mir dieses Feld vllig
abgesprochen habe; ich habe seither vieles auf sich beruhen lassen,
vieles zu wissen und zu begreifen Verzicht geleistet und bin, wie du es
mir selber geraten, meinem geraden Sinn vertrauend, der Stimme in mir,
soviel es in meiner Macht gewesen, auf dem eignen Wege gefolgt. Nun
schien mir dieser Redeknstler mit groem Talent ein fest gefgtes
Gebude aufzufhren, das in sich selbst begrndet sich emportrug und wie
durch eine innere Notwendigkeit bestand. Nur vermit' ich ganz in ihm,
was ich eben darin htte suchen wollen, und so ward es mir zu einem
bloen Kunstwerk, dessen zierliche Geschlossenheit und Vollendung dem
Auge allein zur Ergtzung diente; aber ich hrte dem wohlberedeten Manne
gerne zu, der meine Aufmerksamkeit von meinen Leiden auf sich selbst
abgelenkt, und ich htte mich willig ihm ergeben, wenn er meine Seele
wie meinen Verstand in Anspruch genommen htte.

Mittlerweile war die Zeit hingegangen und unbemerkt hatte schon die
Morgendmmerung den Himmel erhellt; ich erschrak, als ich mit einem Male
aufblickte und im Osten die Pracht der Farben sich entfalten sah, die
die nahe Sonne verknden, und gegen sie war in dieser Stunde, wo die
Schlagschatten mit ihrer ganzen Ausdehnung prunken, kein Schutz, kein
Bollwerk in der offenen Gegend zu ersehen! und ich war nicht allein! Ich
warf einen Blick auf meinen Begleiter und erschrak wieder. -- Es war
kein andrer als der Mann im grauen Rock.

Er lchelte ber meine Bestrzung und fuhr fort, ohne mich zum Wort
kommen zu lassen: Lat doch, wie es einmal in der Welt Sitte ist,
unsern wechselseitigen Vorteil uns auf eine Weile verbinden, zu scheiden
haben wir immer noch Zeit. Die Strae hier lngs dem Gebirge, ob Sie
gleich noch nicht daran gedacht haben, ist doch die einzige, die Sie
vernnftigerweise einschlagen knnen; hinab in das Tal drfen Sie nicht
und ber das Gebirg' werden Sie noch weniger zurckkehren wollen, von wo
Sie hergekommen sind -- diese ist auch gerade meine Strae. -- Ich sehe
Sie schon vor der aufgehenden Sonne erblassen. Ich will Ihnen Ihren
Schatten auf die Zeit unsrer Gesellschaft leihen, und Sie dulden mich
dafr in Ihrer Nhe; Sie haben so Ihren _Bendel_ nicht mehr bei sich; ich
will Ihnen gute Dienste leisten. Sie lieben mich nicht, das ist mir
leid. Sie knnen mich darum doch benutzen. Der Teufel ist nicht so
schwarz, als man ihn malt. Gestern haben Sie mich gergert, das ist
wahr, heute will ich's Ihnen nicht nachtragen und ich habe Ihnen schon
den Weg bis hierher verkrzt, das mssen Sie selbst gestehen. -- Nehmen
Sie doch nur einmal Ihren Schatten auf Probe wieder an.

Die Sonne war aufgegangen, auf der Strae kamen uns Menschen entgegen;
ich nahm, obgleich mit innerlichem Widerwillen, den Antrag an. Er lie
lchelnd meinen Schatten zur Erde gleiten, der alsbald seine Stelle auf
des Pferdes Schatten einnahm und lustig neben mir her trabte. Mir war
sehr seltsam zumute. Ich ritt an einem Trupp Landleute vorbei, die vor
einem wohlhabenden Mann ehrerbietig mit entbltem Haupte Platz machten.
Ich ritt weiter und blickte gierigen Auges und klopfenden Herzens
seitwrts vom Pferde herab auf diesen sonst meinen Schatten, den ich
jetzt von einem Fremden, ja von einem Feinde, erborgt hatte.

Dieser ging unbekmmert nebenher und pfiff eben ein Liedchen. Er zu Fu,
ich zu Pferd', ein Schwindel ergriff mich, die Versuchung war zu gro,
ich wandte pltzlich die Zgel, drckte beide Sporen an, und so in
voller Karriere einen Seitenweg eingeschlagen; aber ich entfhrte den
Schatten nicht, der bei der Wendung vom Pferde glitt und seinen
gesetzmigen Eigentmer auf der Landstrae erwartete. Ich mute
beschmt umlenken; der Mann im grauen Rocke, als er ungestrt sein
Liedchen zu Ende gebracht, lachte mich aus, setzte mir den Schatten
wieder zurecht und belehrte mich, er wrde erst an mir festhangen und
bei mir bleiben wollen, wann ich ihn wiederum als rechtmiges Eigentum
besitzen wrde. Ich halte Sie, fuhr er fort, am Schatten fest und Sie
kommen mir nicht los. Ein reicher Mann, wie Sie, braucht einmal einen
Schatten, das ist nicht anders, Sie sind nur darin zu tadeln, da Sie es
nicht frher eingesehen haben.

Ich setzte meine Reise auf derselben Strae fort; es fanden sich bei mir
alle Bequemlichkeiten des Lebens und selbst ihre Pracht wieder ein; ich
konnte mich frei und leicht bewegen, da ich einen, obgleich nur
erborgten, Schatten besa, und ich flte berall die Ehrfurcht ein, die
der Reichtum gebietet; aber ich hatte den Tod im Herzen. Mein
wundersamer Begleiter, der sich selbst fr den unwrdigen Diener des
reichsten Mannes in der Welt ausgab, war von einer auerordentlichen
Dienstfertigkeit, ber die Maen gewandt und geschickt, der wahre
Inbegriff eines Kammerdieners fr einen reichen Mann, aber er wich nicht
von meiner Seite und fhrte unaufhrlich das Wort gegen mich, stets die
grte Zuversicht an den Tag legend, da ich endlich, sei es auch nur,
um ihn los zu werden, den Handel mit dem Schatten abschlieen wrde. --
Er war mir ebenso lstig als verhat. Ich konnte mich ordentlich vor ihm
frchten. Ich hatte mich von ihm abhngig gemacht. Er hielt mich,
nachdem er mich in die Herrlichkeit der Welt, die ich floh,
zurckgefhrt hatte. Ich mute seine Beredsamkeit ber mich ergehen
lassen und fhlte schier, er habe recht. Ein Reicher mu in der Welt
einen Schatten haben, und sobald ich den Stand behaupten wollte, den er
mich wieder geltend zu machen verleitet hatte, war nur ein Ausgang zu
ersehen. Dieses aber stand bei mir fest, nachdem ich meine Liebe
hingeopfert, nachdem mir das Leben verblat war, wollt' ich meine Seele
nicht, sei es um alle Schatten der Welt, dieser Kreatur verschreiben.
Ich wute nicht, wie es enden sollte.

Wir saen einst vor einer Hhle, welche die Fremden, die das Gebirge
bereisen, zu besuchen pflegen. Man hrt dort das Gebrause unterirdischer
Strme aus ungemessener Tiefe heraufschallen, und kein Grund scheint den
Stein, den man hineinwirft, in seinem hallenden Fall aufzuhalten. Er
malte mir, wie er fters tat, mit verschwenderischer Einbildungskraft
und im schimmernden Reize der glnzendsten Farben, sorgfltig
ausgefhrte Bilder von dem, was ich in der Welt, kraft meines Sckels,
ausfhren wrde, wenn ich erst meinen Schatten wieder in meiner Gewalt
htte. Die Ellbogen auf die Knie gesttzt, hielt ich mein Gesicht in
meinen Hnden verborgen und hrte dem Falschen zu, das Herz zwiefach
geteilt zwischen der Verfhrung und dem strengen Willen in mir. Ich
konnte bei solchem innerlichen Zwiespalt lnger nicht ausdauern und
begann den entscheidenden Kampf.

Sie scheinen, mein Herr, zu vergessen, da ich Ihnen zwar erlaubt habe,
unter gewissen Bedingungen in meiner Begleitung zu bleiben, da ich mir
aber meine vllige Freiheit vorbehalten habe. -- Wenn Sie befehlen, so
pack' ich ein. Die Drohung war ihm gelufig. Ich schwieg; er setzte
sich gleich daran, meinen Schatten wieder zusammenzurollen. Ich
erblate, aber ich lie es stumm geschehen. Es erfolgte ein langes
Stillschweigen. Er nahm zuerst das Wort: Sie knnen mich nicht leiden,
mein Herr, Sie hassen mich, ich wei es; doch warum hassen Sie mich? Ist
es etwa, weil Sie mich auf ffentlicher Strae angefallen und mir mein
Vogelnest mit Gewalt zu rauben gemeint? oder ist es darum, da Sie mein
Gut, den Schatten, den Sie Ihrer bloen Ehrlichkeit anvertraut glaubten,
mir diebischerweise zu entwenden gesucht haben? Ich meinerseits hasse
Sie darum nicht; ich finde ganz natrlich, da Sie alle Ihre Vorteile,
List und Gewalt geltend zu machen suchen; da Sie brigens die
allerstrengsten Grundstze haben und wie die Ehrlichkeit selbst denken,
ist eine Liebhaberei, wogegen ich auch nichts habe. -- Ich denke in der
Tat nicht so streng als Sie; ich handle blo, wie Sie denken. Oder hab'
ich Ihnen etwa irgendwann den Daumen auf die Gurgel gedrckt, um Ihre
werteste Seele, zu der ich einmal Lust habe, an mich zu bringen? Hab'
ich von wegen meines ausgetauschten Sckels einen Diener auf Sie
losgelassen? hab' ich Ihnen damit durchzugehen versucht? Ich hatte
dagegen nichts zu erwidern; er fuhr fort: Schon recht, mein Herr, schon
recht! Sie knnen mich nicht leiden; auch das begreife ich wohl und
verarge es Ihnen weiter nicht. Wir mssen scheiden, das ist klar, und
auch Sie fangen an, mir sehr langweilig vorzukommen. Um sich also meiner
ferneren beschmenden Gegenwart vllig zu entziehen, rate ich es Ihnen
noch einmal: Kaufen Sie mir das Ding ab. -- Ich hielt ihm den Sckel
hin: Um den Preis. -- Nein! -- Ich seufzte schwer auf und nahm
wieder das Wort: Auch also. Ich dringe darauf, mein Herr, lat uns
scheiden, vertreten Sie mir lnger nicht den Weg auf einer Welt, die
hoffentlich gerumig genug ist fr uns beide. Er lchelte und
erwiderte: Ich gehe, mein Herr, zuvor aber will ich Sie unterrichten,
wie Sie mir klingeln knnen, wenn Sie je Verlangen nach Ihrem
untertnigsten Knecht tragen sollten: Sie brauchen nur Ihren Sckel zu
schtteln, da die ewigen Goldstcke darinnen rasseln, der Ton zieht
mich augenblicklich an. Ein jeder denkt auf seinen Vorteil in dieser
Welt: Sie sehen, da ich auf Ihren zugleich bedacht bin, denn ich
erffne Ihnen offenbar eine neue Kraft! -- O dieser Sckel! -- Und
htten gleich die Motten Ihren Schatten schon aufgefressen, der wrde
noch ein starkes Band zwischen uns sein. Genug, Sie haben mich an meinem
Gold, befehlen Sie auch in der Ferne ber Ihren Knecht, Sie wissen, da
ich mich meinen Freunden dienstfertig genug erweisen kann, und da die
Reichen besonders gut mit mir stehen; Sie haben es selbst gesehen. --
Nur Ihren Schatten, mein Herr -- das lassen Sie sich gesagt sein -- nie
wieder, als unter einer einzigen Bedingung.

Gestalten der alten Zeit traten vor meine Seele. Ich frug ihn schnell:
Hatten Sie eine Unterschrift vom Herrn _John_? -- Er lchelte. -- Mit
einem so guten Freund hab' ich es keineswegs ntig gehabt. -- Wo ist
er? bei Gott, ich will es wissen! Er steckte zgernd die Hand in die
Tasche, und daraus bei den Haaren hervorgezogen erschien _Thomas Johns_
bleiche, entstellte Gestalt, und die blauen Leichenlippen bewegten sich
zu schweren Worten: #Justo judicio Dei judicatus sum; justo judicio Dei
condemnatus sum.# Ich entsetzte mich, und schnell den klingenden Sckel
in den Abgrund werfend, sprach ich zu ihm die letzten Worte: So
beschwr' ich dich im Namen Gottes, Entsetzlicher! hebe dich von dannen
und lasse dich nie wieder vor meinen Augen blicken! Er erhub sich
finster und verschwand sogleich hinter den Felsenmassen, die den wild
bewachsenen Ort begrenzten.


9.

Ich sa da ohne Schatten und ohne Geld; aber ein schweres Gewicht war
von meiner Brust genommen, ich war heiter. Htte ich nicht auch meine
Liebe verloren, oder htt' ich mich nur bei deren Verlust vorwurfsfrei
gefhlt, ich glaube, ich htte glcklich sein knnen -- ich wute aber
nicht, was ich anfangen sollte. Ich durchsuchte meine Taschen und fand
noch einige Goldstcke darin; ich zhlte sie und lachte. -- Ich hatte
meine Pferde unten im Wirtshause, ich schmte mich, dahin
zurckzukehren, ich mute wenigstens den Untergang der Sonne erwarten;
sie stand noch hoch am Himmel. Ich legte mich in den Schatten der
nchsten Bume und schlief ruhig ein.

Anmutige Bilder verwoben sich mir im luftigen Tanze zu einem geflligen
Traum. _Mina_, einen Blumenkranz in den Haaren, schwebte an mir vorber
und lchelte mich freundlich an. Auch der ehrliche _Bendel_ war mit Blumen
bekrnzt und eilte mit freundlichem Grue vorber. Viele sah ich noch,
und wie mich dnkt, auch dich, _Chamisso_, im fernen Gewhl; ein helles
Licht schien, es hatte aber keiner einen Schatten, und was seltsamer
ist, es sah nicht bel aus -- Blumen und Lieder, Liebe und Freude, unter
Palmenhainen. -- -- Ich konnte die beweglichen, leicht verwehten,
lieblichen Gestalten weder festhalten noch deuten; aber ich wei, da
ich gerne solchen Traum trumte und mich vor dem Erwachen in acht nahm;
ich wachte wirklich schon und hielt noch die Augen zu, um die weichenden
Erscheinungen lnger vor meiner Seele zu behalten.

Ich ffnete endlich die Augen, die Sonne stand noch am Himmel, aber im
Osten; ich hatte die Nacht verschlafen. Ich nahm es fr ein Zeichen, da
ich nicht nach dem Wirtshause zurckkehren sollte. Ich gab leicht, was
ich dort noch besa, verloren und beschlo, eine Nebenstrae, die durch
den waldbewachsenen Fu des Gebirges fhrte, zu Fu einzuschlagen, dem
Schicksal es anheimstellend, was es mit mir vor hatte, zu erfllen. Ich
schaute nicht hinter mich zurck und dachte auch nicht daran, an _Bendel_,
den ich reich zurckgelassen hatte, mich zu wenden, welches ich
allerdings gekonnt htte. Ich sah mich an auf den neuen Charakter, den
ich in der Welt bekleiden sollte: mein Anzug war sehr bescheiden. Ich
hatte eine alte schwarze Kurtka an, die ich schon in Berlin getragen,
und die mir, ich wei nicht wie, zu dieser Reise erst wieder in die Hand
gekommen war. Ich hatte sonst eine Reisemtze auf dem Kopf und ein Paar
alte Stiefel an den Fen. Ich erhob mich, schnitt mir an selbiger
Stelle einen Knotenstock zum Andenken und trat sogleich meine Wanderung
an.

Ich begegnete im Wald einem alten Bauer, der mich freundlich begrte,
und mit dem ich mich in ein Gesprch einlie. Ich erkundigte mich, wie
ein wibegieriger Reisender, erst nach dem Wege, dann nach der Gegend
und deren Bewohner, den Erzeugnissen des Gebirges und derlei mehr. Er
antwortete verstndig und redselig auf meine Fragen. Wir kamen an das
Bette eines Bergstromes, der ber einen weiten Strich des Waldes seine
Verwstung verbreitet hatte. Mich schauderte innerlich vor dem
sonnenhellen Raum; ich lie den Landmann vorangehen. Er hielt aber
mitten im gefhrlichen Orte still und wandte sich zu mir, um mir die
Geschichte dieser Verwstung zu erzhlen. Er bemerkte bald, was mir
fehlte und hielt mitten in seiner Rede ein: Aber wie geht denn das zu,
der Herr hat ja keinen Schatten! -- Leider! leider! erwiderte ich
seufzend. Es sind mir whrend einer bsen langen Krankheit Haare, Ngel
und Schatten ausgegangen. Seht, Vater, in meinem Alter die Haare, die
ich wieder gekriegt habe, ganz wei, die Ngel sehr kurz und der
Schatten, der will noch nicht wieder wachsen. -- Ei! ei! versetzte
der alte Mann kopfschttelnd, keinen Schatten, das ist bs! das war
eine bse Krankheit, die der Herr gehabt hat. Aber er hub seine
Erzhlung nicht wieder an, und bei dem nchsten Querweg, der sich
darbot, ging er, ohne ein Wort zu sagen, von mir ab. -- Bittere Trnen
zitterten aufs neue auf meinen Wangen und meine Heiterkeit war hin.

Ich setzte traurigen Herzens meinen Weg fort und suchte ferner keines
Menschen Gesellschaft. Ich hielt mich im dunkelsten Walde und mute
manchmal, um ber einen Strich, wo die Sonne schien, zu kommen,
stundenlang darauf warten, da mir keines Menschen Auge den Durchgang
verbot. Am Abend suchte ich Herberge in den Drfern zu nehmen. Ich ging
eigentlich nach einem Bergwerk im Gebirge, wo ich Arbeit unter der Erde
zu finden gedachte; denn davon abgesehen, da meine jetzige Lage mir
gebot, fr meinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen, hatte ich dieses
wohl erkannt, da mich allein angestrengte Arbeit gegen meine
zerstrenden Gedanken schtzen knnte.

Ein paar regnichte Tage frderten mich leicht auf den Weg, aber auf
Kosten meiner Stiefel, deren Sohlen fr den _Grafen Peter_ und nicht fr
den Fuknecht berechnet worden. Ich ging schon auf den bloen Fen. Ich
mute ein Paar neue Stiefel anschaffen. Am nchsten Morgen besorgte ich
dieses Geschft mit vielem Ernst in einem Flecken, wo Kirmes war, und wo
in einer Bude alte und neue Stiefel zu Kauf standen. Ich whlte und
handelte lange. Ich mute auf ein Paar neue, die ich gern gehabt htte,
Verzicht leisten; mich schreckte die unbillige Forderung. Ich begngte
mich also mit alten, die noch gut und stark waren, und die mir der
schne blondlockige Knabe, der die Bude hielt, gegen gleich bare
Bezahlung freundlich lchelnd einhndigte, indem er mir Glck auf den
Weg wnschte. Ich zog sie gleich an und ging zum nrdlich gelegenen Tor
aus dem Ort.

Ich war in meinen Gedanken sehr vertieft und sah kaum, wo ich den Fu
hinsetzte, denn ich dachte an das Bergwerk, wo ich auf den Abend noch
anzulangen hoffte, und wo ich nicht recht wute, wie ich mich
ankndigen sollte. Ich war noch keine zweihundert Schritte gegangen, als
ich bemerkte, da ich aus dem Wege gekommen war; ich sah mich danach um,
ich befand mich in einem wsten, uralten Tannenwalde, woran die Axt nie
gelegt worden zu sein schien. Ich drang noch einige Schritte vor, ich
sah mich mitten unter den Felsen, die nur mit Moos und Steinbrecharten
bewachsen waren, und zwischen welchen Schnee- und Eisfelder lagen. Die
Luft war sehr kalt, ich sah mich um, der Wald war hinter mir
verschwunden. Ich machte noch einige Schritte -- um mich herrschte die
Stille des Todes, unabsehbar dehnte sich das Eis, worauf ich stand und
worauf ein dichter Nebel schwer ruhte; die Sonne stand blutig am Rande
des Horizontes. Die Klte war unertrglich. Ich wute nicht, wie mir
geschehen war, der erstarrende Frost zwang mich, meine Schritte zu
beschleunigen, ich vernahm nur das Gebrause ferner Gewsser, ein
Schritt, und ich war am Eisufer eines Ozeans. Unzhlbare Herden von
Seehunden strzten sich vor mir rauschend in die Flut. Ich folgte diesem
Ufer, ich sah wieder nackte Felsen, Land, Birken- und Tannenwlder, ich
lief noch ein paar Minuten gerade vor mir hin. Es war erstickend hei,
ich sah mich um, ich stand zwischen schn gebauten Reisfeldern unter
Maulbeerbumen. Ich setzte mich in deren Schatten, ich sah nach meiner
Uhr, ich hatte vor nicht einer Viertelstunde den Marktflecken verlassen
-- ich glaubte zu trumen, ich bi mich in die Zunge, um mich zu
erwecken; aber ich wachte wirklich. -- Ich schlo die Augen zu, um meine
Gedanken zusammenzufassen. -- Ich hrte vor mir seltsame Silben durch
die Nase zhlen; ich blickte auf: zwei Chinesen an der asiatischen
Gesichtsbildung unverkennbar, wenn ich auch ihrer Kleidung keinen
Glauben beimessen wollte, redeten mich mit landesblichen Begrungen in
ihrer Sprache an; ich stand auf und trat zwei Schritte zurck. Ich sah
sie nicht mehr, die Landschaft war ganz verndert: Bume, Wlder statt
der Reisfelder. Ich betrachtete diese Bume und die Kruter, die um
mich blhten; die ich kannte, waren sdstlich asiatische Gewchse; ich
wollte auf den einen Baum zugehen, ein Schritt -- und wiederum alles
verndert. Ich trat nun an, wie ein Rekrut, der gebt wird, und schritt
langsam, gesetzt einher. Wunderbare vernderliche Lnder, Fluren, Auen,
Gebirge, Steppen, Sandwsten entrollen sich vor meinem staunenden Blick;
es war kein Zweifel, ich hatte Siebenmeilenstiefel an den Fen.


10.

Ich fiel in stummer Andacht auf meine Knie und vergo Trnen des Dankes
-- denn klar stand pltzlich meine Zukunft vor meiner Seele. Durch frhe
Schuld von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen, ward ich zum
Ersatz an die Natur, die ich stets geliebt, gewiesen, die Erde mir zu
einem reichen Garten gegeben, das Studium zur Richtung und Kraft meines
Lebens, zu ihrem Ziel die Wissenschaft. Es war nicht ein Entschlu, den
ich fate. Ich habe nur seitdem, was da hell und vollendet im Urbild vor
mein inneres Auge trat, getreu mit stillem, strengem, unausgesetztem
Flei darzustellen gesucht, und meine Selbstzufriedenheit hat von dem
Zusammenfallen des Dargestellten mit dem Urbild abgehangen.

Ich raffte mich auf, um ohne Zgern mit flchtigem berblick Besitz von
dem Felde zu nehmen, wo ich knftig ernten wollte. -- Ich stand auf den
Hhen des Tibet, und die Sonne, die mir vor wenigen Stunden aufgegangen
war, neigte sich hier schon am Abendhimmel, ich durchwanderte Asien von
Osten gegen Westen, sie in ihrem Lauf einholend, und trat in Afrika ein.
Ich sah mich neugierig darin um, indem ich es wiederholt in allen
Richtungen durchma. Wie ich durch gypten die alten Pyramiden und
Tempel angaffte, erblickte ich in der Wste, unfern des hunderttorigen
Theben, die Hhlen, wo christliche Einsiedler sonst wohnten. Es stand
pltzlich fest und klar in mir, hier ist dein Haus. -- Ich erkor eine
der verborgensten, die zugleich gerumig, bequem und den Schakalen
unzugnglich war, zu meinem knftigen Aufenthalte und setzte meinen Stab
weiter.

Ich trat bei den Herkulessulen nach Europa ber, und nachdem ich seine
sdlichen und nrdlichen Provinzen in Augenschein genommen, trat ich von
Nordasien ber den Polargletscher nach Grnland und Amerika ber,
durchschweifte die beiden Teile dieses Kontinents, und der Winter, der
schon im Sden herrschte, trieb mich schnell vom Kap Horn nordwrts
zurck.

Ich verweilte mich, bis es im stlichen Asien Tag wurde, und setzte erst
nach einiger Ruh' meine Wanderung fort. Ich verfolgte durch beide
Amerika die Bergkette, die die hchsten bekannten Unebenheiten unsrer
Kugel in sich fat. Ich schritt langsam und vorsichtig von Gipfel zu
Gipfel, bald ber flammende Vulkane, bald ber beschneite Kuppeln, oft
mit Mhe atmend, ich erreichte den Eliasberg und sprang ber die
Beringstrae nach Asien. -- Ich verfolgte dessen westliche Kste in
ihren vielfachen Wendungen und untersuchte mit besonderer
Aufmerksamkeit, welche der dort gelegenen Inseln mir zugnglich wren.
Von der Halbinsel Malakka trugen mich meine Stiefel auf Sumatra, Java,
Bali und Lamboc, ich versuchte, selbst oft mit Gefahr und dennoch immer
vergebens, mir ber die kleinern Inseln und Felsen, wovon dieses Meer
starrt, einen bergang nordwestlich nach Borneo und andern Inseln dieses
Archipelagus zu bahnen. Ich mute die Hoffnung aufgeben. Ich setzte mich
endlich auf die uerste Spitze von Lamboc nieder, und das Gesicht gegen
Sden und Osten gewendet, weint' ich wie am festverschlossenen Gitter
meines Kerkers, da ich doch so bald meine Begrenzung gefunden. Das
merkwrdige, zum Verstndnis der Erde und ihres sonnengewirkten Kleides,
der Pflanzen- und Tierwelt, so wesentlich notwendige Neuholland und die
Sdsee mit ihren Zoophyteninseln waren mir untersagt, und so war im
Ursprunge schon alles, was ich sammeln und erbauen sollte, bloes
Fragment zu bleiben verdammt. -- O mein _Adelbert_, was ist es doch um die
Bemhungen der Menschen!

Oft habe ich im strengsten Winter der sdlichen Halbkugel vom Kap Horn
aus jene zweihundert Schritte, die mich etwa vom Land van Diemen und
Neuholland trennten, selbst unbekmmert um die Rckkehr, und sollte sich
dieses schlechte Land ber mich, wie der Deckel meines Sarges,
schlieen, ber den Polargletscher westwrts zurckzulegen versucht,
habe ber Treibeis mit trichter Wagnis verzweiflungsvolle Schritte
getan, der Klte und dem Meere Trotz geboten. Umsonst, noch bin ich auf
Neuholland nicht gewesen -- ich kam dann jedesmal auf Lamboc zurck und
setzte mich auf seine uerste Spitze nieder, und weinte wieder, das
Gesicht gen Sden und Osten gewendet, wie am festverschlossenen Gitter
meines Kerkers.

Ich ri mich endlich von dieser Stelle und trat mit traurigem Herzen
wieder in das innere Asien, ich durchschweifte es frder, die
Morgendmmerung nach Westen verfolgend, und kam noch in der Nacht in die
Thebais zu meinem vorbestimmten Hause, das ich in den gestrigen
Nachmittagstunden berhrt hatte.

Sobald ich etwas ausgeruht und es Tag ber Europa war, lie ich meine
erste Sorge sein, alles anzuschaffen, was ich bedurfte. -- Zuvrderst
Hemmschuhe, denn ich hatte erfahren, wie unbequem es sei, seinen Schritt
nicht anders verkrzen zu knnen, um nahe Gegenstnde gemchlich zu
untersuchen, als indem man die Stiefel auszieht. Ein Paar Pantoffeln,
bergezogen, hatten vllig die Wirkung, die ich mir davon versprach, und
spterhin trug ich sogar deren immer zwei Paar bei mir, weil ich fters
welche von den Fen warf, ohne Zeit zu haben, sie aufzuheben, wenn
Lwen, Menschen oder Hynen mich beim Botanisieren aufschreckten. Meine
sehr gute Uhr war auf die kurze Dauer meiner Gnge ein vortreffliches
Chronometer. Ich brauchte noch auerdem einen Sextanten, einige
physikalische Instrumente und Bcher.

Ich machte, dieses alles herbeizuschaffen, etliche bange Gnge nach
London und Paris, die ein mir gnstiger Nebel eben beschattete. Als der
Rest meines Zaubergoldes erschpft war, bracht' ich leicht zu findendes
afrikanisches Elfenbein als Bezahlung herbei, wobei ich freilich die
kleinsten Zhne, die meine Krfte nicht berstiegen, auswhlen mute.
Ich ward bald mit allem versehen und ausgerstet, und ich fing sogleich
als privatisierender Gelehrter meine neue Lebensweise an.

Ich streifte auf der Erde umher, bald ihre Hhen, bald die Temperatur
ihrer Quellen und die der Luft messend, bald Tiere beobachtend, bald
Gewchse untersuchend; ich eilte von dem quator nach dem Pole, von der
einen Welt nach der andern, Erfahrungen mit Erfahrungen vergleichend.
Die Eier der afrikanischen Straue oder der nrdlichen Seevgel und
Frchte, besonders der Tropenpalmen und Bananen, waren meine
gewhnlichste Nahrung. Fr mangelndes Glck hatt' ich als Surrogat die
Nikotiana und fr menschliche Teilnahme und Bande die Liebe eines treuen
Pudels, der mir meine Hhle in der Thebais bewachte, und wenn ich mit
neuen Schtzen beladen zu ihm zurckkehrte, freudig an mich sprang und
es mich doch menschlich empfinden lie, da ich nicht allein auf der
Erde sei. Noch sollte mich ein Abenteuer unter die Menschen
zurckfhren.


11.

Als ich einst auf Nordlands Ksten, meine Stiefel gehemmt, Flechten und
Algen sammelte, trat mir unversehens um die Ecke eines Felsens ein
Eisbr entgegen. Ich wollte, nach weggeworfenen Pantoffeln, auf eine
gegenberliegende Insel treten, zu der mir ein dazwischen aus den Wellen
hervorragender nackter Felsen den bergang bahnte. Ich trat mit dem
einen Fu auf den Felsen fest auf und strzte auf der andern Seite in
das Meer, weil mir unbemerkt der Pantoffel am andern Fue haften
geblieben war.

Die groe Klte ergriff mich, ich rettete mit Mhe mein Leben aus dieser
Gefahr; sobald ich Land hielt, lief ich, so schnell ich konnte, nach der
Libyschen Wste, um mich da an der Sonne zu trocknen. Wie ich ihr aber
ausgesetzt war, brannte sie mir so hei auf den Kopf, da ich sehr krank
wieder nach Norden taumelte. Ich suchte durch heftige Bewegung mir
Erleichterung zu verschaffen und lief mit unsichern raschen Schritten
von Westen nach Osten und von Osten nach Westen. Ich befand mich bald in
dem Tag und bald in der Nacht, bald im Sommer und bald in der
Winterklte.

Ich wei nicht, wie lange ich so auf der Erde herumtaumelte. Ein
brennendes Fieber glhte durch meine Adern, ich fhlte mit groer Angst
die Besinnung mich verlassen. Noch wollte das Unglck, da ich bei so
unvorsichtigem Laufen jemanden auf den Fu trat. Ich mochte ihm weh
getan haben; ich erhielt einen starken Sto und ich fiel hin.--

Als ich zuerst zum Bewutsein zurckkehrte, lag ich gemchlich in einem
guten Bette, das unter vielen andern Betten in einem gerumigen und
schnen Saale stand. Es sa mir jemand zu Hupten; es gingen Menschen
durch den Saal von einem Bette zum andern. Sie kamen vor das meine und
unterhielten sich von mir. Sie nannten mich aber _Numero Zwlf_, und an
der Wand zu meinen Fen stand doch ganz gewi, es war keine Tuschung,
ich konnte es deutlich lesen, auf schwarzer Marmortafel mit groen
goldenen Buchstaben mein Name

                         PETER SCHLEMIHL

ganz richtig geschrieben. Auf der Tafel standen noch unter meinem Namen
zwei Reihen Buchstaben, ich war aber zu schwach, um sie zusammen zu
bringen, ich machte die Augen wieder zu.--

Ich hrte etwas, worin von _Peter Schlemihl_ die Rede war, laut und
vernehmlich ablesen, ich konnte aber den Sinn nicht fassen; ich sah
einen freundlichen Mann und eine sehr schne Frau in schwarzer Kleidung
vor meinem Bette erscheinen. Die Gestalten waren mir nicht fremd und ich
konnte sie nicht erkennen.

Es verging einige Zeit und ich kam wieder zu Krften. Ich hie _Numero
Zwlf_, und _Numero Zwlf_ galt seines langen Bartes wegen fr einen Juden,
darum er aber nicht minder sorgfltig gepflegt wurde. Da er keinen
Schatten hatte, schien unbemerkt geblieben zu sein. Meine Stiefel
befanden sich, wie man mich versicherte, nebst allem, was man bei mir
gefunden, als ich hierher gebracht worden, in gutem und sicherm
Gewahrsam, um mir nach meiner Genesung wieder zugestellt zu werden. Der
Ort, worin ich krank lag, hie das SCHLEMIHLIUM; was tglich von _Peter
Schlemihl_ abgelesen wurde, war eine Ermahnung, fr denselben, als den
Urheber und Wohltter dieser Stiftung, zu beten. Der freundliche Mann,
den ich an meinem Bette gesehen hatte, war _Bendel_, die schne Frau war
_Mina_.

Ich genas unerkannt im _Schlemihlio_ und erfuhr noch mehr, ich war in
_Bendels_ Vaterstadt, wo er aus dem berrest meines sonst nicht gesegneten
Goldes dieses Hospitium, wo Unglckliche mich segneten, unter meinem
Namen gestiftet hatte, und er fhrte ber dasselbe die Aufsicht. _Mina_
war Witwe, ein unglcklicher Kriminalproze hatte dem Herrn _Raskal_ das
Leben und ihr selbst ihr mehrstes Vermgen gekostet. Ihre Eltern waren
nicht mehr. Sie lebte hier als eine gottesfrchtige Witwe und bte Werke
der Barmherzigkeit.

Sie unterhielt sich einst am Bette Numero Zwlf mit dem Herrn Bendel:
Warum, edle Frau, wollen Sie sich so oft der bsen Luft, die hier
herrscht, aussetzen? Sollte denn das Schicksal mit Ihnen so hart sein,
da Sie zu sterben begehrten? -- Nein, Herr _Bendel_, seit ich meinen
langen Traum ausgetrumt habe und in mir selber erwacht bin, geht es mir
wohl, seitdem wnsche ich nicht mehr und frchte nicht mehr den Tod.
Seitdem denke ich heiter an Vergangenheit und Zukunft. Ist es nicht auch
mit stillem innerlichen Glck, da Sie jetzt auf so gottselige Weise
Ihrem Herren und Freunde dienen? -- Sei Gott gedankt, ja, edle Frau.
Es ist uns doch wundersam ergangen, wir haben viel Wohl und bitteres Weh
unbedachtsam aus dem vollen Becher geschlrft. Nun ist er leer; nun
mchte einer meinen, das sei alles nur die Probe gewesen, und mit kluger
Einsicht gerstet, den wirklichen Anfang erwarten. Ein andrer ist nun
der wirkliche Anfang und man wnscht das erste Gaukelspiel nicht zurck,
und ist dennoch im ganzen froh, es, wie es war, gelebt zu haben. Auch
find' ich in mir das Zutrauen, da es nun unserm alten Freunde besser
ergehen mu als damals. -- Auch in mir, erwiderte die schne Witwe,
und sie gingen an mir vorber.

Dieses Gesprch hatte einen tiefen Eindruck in mir zurckgelassen; aber
ich zweifelte im Geiste, ob ich mich zu erkennen geben oder unerkannt
von dannen gehen sollte. -- Ich entschied mich. Ich lie mir Papier und
Bleistift geben und schrieb die Worte:

   Auch eurem alten Freunde ergeht es nun besser als damals, und bet
   er, so ist es Bue der Vershnung.

Hierauf begehrte ich mich anzuziehen, da ich mich strker befnde. Man
holte den Schlssel zu dem kleinen Schrank, der neben meinem Bette
stand, herbei. Ich fand alles, was mir gehrte, darin. Ich legte meine
Kleider an, hing meine botanische Kapsel, worin ich mit Freuden meine
nordischen Flechten wieder fand, ber meine schwarze Kurtka um, zog
meine Stiefel an, legte den geschriebenen Zettel auf mein Bett, und
sowie die Tr aufging, war ich schon weit auf dem Wege nach der Thebais.

Wie ich lngs der syrischen Kste den Weg, auf dem ich mich zum
letztenmal vom Hause entfernt harte, zurcklegte, sah ich mir meinen
armen Figaro entgegenkommen. Dieser vortreffliche Pudel schien seinem
Herrn, den er lange zu Hause erwartet haben mochte, auf der Spur
nachgehen zu wollen. Ich stand still und rief ihm zu. Er sprang bellend
an mich mit tausend rhrenden uerungen seiner unschuldigen
ausgelassenen Freude. Ich nahm ihn unter den Arm, denn freilich konnte
er mir nicht folgen, und brachte ihn mit mir wieder nach Hause.

Ich fand dort alles in der alten Ordnung und kehrte nach und nach, sowie
ich wieder Krfte bekam, zu meinen vormaligen Beschftigungen und zu
meiner alten Lebensweise zurck. Nur da ich mich ein ganzes Jahr
hindurch der mir ganz unzutrglichen Polarklte enthielt.

Und so, mein lieber _Chamisso_, leb' ich noch heute. Meine Stiefel nutzen
sich nicht ab, wie das sehr gelehrte Werk des berhmten #_Tieckius_, de
rebus gestis Pollicilli#, es mich anfangs befrchten lassen. Ihre Kraft
bleibt ungebrochen; nur meine Kraft geht dahin, doch hab' ich den Trost,
sie an einen Zweck in fortgesetzter Richtung und nicht fruchtlos
verwendet zu haben. Ich habe, so weit meine Stiefel gereicht, die Erde,
ihre Gestaltung, ihre Hhen, ihre Temperatur, ihre Atmosphre in ihrem
Wechsel, die Erscheinungen ihrer magnetischen Kraft, das Leben auf ihr,
besonders im Pflanzenreiche, grndlicher kennen gelernt, als vor mir
irgendein Mensch. Ich habe die Tatsachen mit mglichster Genauigkeit in
klarer Ordnung aufgestellt in mehreren Werken, meine Folgerungen und
Ansichten flchtig in einigen Abhandlungen niedergelegt. -- Ich habe die
Geographie vom Innern von Afrika und von den nrdlichen Polarlndern,
vom Innern von Asien und von seinen stlichen Ksten festgesetzt. Meine
#Historia stirpium plantarum utriusque orbis# steht da als ein groes
Fragment der #Flora universalis terrae# und als ein Glied meines #Systema
naturae#. Ich glaube darin nicht blo die Zahl der bekannten Arten mig
um mehr als ein Drittel vermehrt zu haben, sondern auch etwas fr das
natrliche System und fr die Geographie der Pflanzen getan zu haben.
Ich arbeite jetzt fleiig an meiner Fauna. Ich werde Sorge tragen, da
vor meinem Tode meine Manuskripte bei der Berliner Universitt
niedergelegt werden.

Und dich, mein lieber _Chamisso_, hab' ich zum Bewahrer meiner wundersamen
Geschichte erkoren, auf da sie vielleicht, wenn ich von der Erde
verschwunden bin, manchen ihrer Bewohner zur ntzlichen Lehre gereichen
knne. Du aber, mein Freund, willst du unter den Menschen leben, so
lerne verehren zuvrderst den Schatten, sodann das Geld. Willst du nur
dir und deinem bessern Selbst leben, o so brauchst du keinen Rat.

                  #Explicit.#




     An Adelbert von Chamisso.


     Trifft Frank' und Deutscher jetzt zusammen
       Und jeder edlen Muts entbrannt,
       So fhrt ans tapfre Schwert die Hand
     Und Kampf entsprht in wilden Flammen.

     Wir treffen uns auf hherm Feld,
       Wir zwei verklrt in reinerm Feuer.
       Heil dir, mein Frommer, mein Getreuer,
     Und dem, was uns verbunden hlt!

     1813.                             Fouqu.





                  Ende.




Peter Schlemihls wundersame Geschichte.


Inhalt.

                                                      Seite

   An meinen alten Freund Peter Schlemihl             3

   An Julius Eduard Hitzig von Adelbert von Chamisso  5

   An Ebendenselben von Fouqu                        6

   An Fouqu von Hitzig                               8

   Peter Schlemihls wundersame Geschichte             11

   An Adelbert von Chamisso                           78


       *       *       *       *       *


Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig.

     +Adelbert von Chamissos+

     Smtliche Werke

     in vier Bnden.

     Mit einer Anzahl bisher ungedruckter Gedichte.

     Herausgegeben und eingeleitet von Prof. #Dr.# Ludwig Geiger.

     Mit zwei Bildnissen des Dichters.

+Inhalt:+

     +1. Band.+ Biographische Einleitung.
     -- Der Dichter. -- Lieder
     und lyrisch-epische Gedichte.

     +2. Band.+ Sonette und Terzinen.
     -- Gelegenheitsgedichte. -- Erste
     Nachlese zu den Gedichten. -- Zweite
     Nachlese zu allen Abteilungen.--
     In dramatischer Form. -- bersetzungen.
     -- Adelberts Fabel.--
     Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

     +3. Band.+ Reise um die Welt.
     1. Teil: Tagebuch.

     +4. Band.+ Reise um die Welt.
     2. Teil: Anhang. -- Bemerkungen
     und Ansichten.

+Preis geheftet Mk. 2.--. In 2 modernen biegsamen Ganzleinenbnden Mk.
2.50. In 2 biegsamen Lederbnden mit Goldschnitt Mk. 6.--.+


       *       *      *       *       *


Adelbert von Chamissos poetische und erzhlende Werke.

Mit einer Anzahl bisher ungedruckter Gedichte. Herausgegeben und
eingeleitet von Professor #Dr.# Ludwig Geiger. Mit Chamissos Bildnis. In 1
modernen biegsamen Ganzleinenband Mk. 1.25.

       *       *       *       *       *

+Gedichte von Adelbert von Chamisso.+

Mit Chamissos Bildnis. Univ.-Bibl. Nr. 314-317. Geh. 80 Pf., geb. M.
1.20.

In Lederband mit Goldschnitt M. 2.--.

       *       *       *       *       *

+Peter Schlemihls wundersame Geschichte.+

Mitgeteilt von Adelbert von Chamisso.

Univ.-Bibliothek Nr. 93. Geh. 20 Pf., geb. 60 Pf.

       *       *       *       *       *

+Adelbert von Chamissos Biographie+

von Ludwig Geiger.

Mit Chamissos Bildnis. Univ.-Bibl. Nr. 4951. Geh. 20 Pf., geb. 60 Pf.




Anmerkungen zur Transkription:

Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Formatierung
wurden prinzipiell beibehalten. Nur offensichtliche Druckfehler im Text
wurden korrigiert.

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Textauszeichnungen wurden
folgendermaen gekennzeichnet:

     Sperrung: _gesperrter Text_
     Antiquaschrift: #Antiquatext#
     Fett gedruckter Text: +fett gedruckter Text+

Auflistung der gegenber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen:

   Funote [3]: worauf sich dies bezog. --> Satzschlusszeichen (Punkt)
   ergnzt.
   Seite 21: Ich gedachte mit Grauen des frcherlichen -->
   frchterlichen









End of the Project Gutenberg EBook of Peter Schlemihl's wundersame Geschichte, by 
Adelbert von Chamisso

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PETER SCHLEMIHL ***

***** This file should be named 31538-8.txt or 31538-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/3/1/5/3/31538/

Produced by Norbert H. Langkau, Evelyn Kawrykow and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net.


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
