The Project Gutenberg EBook of Briefe Schillers und Goethes an A. W.
Schlegel, by Johann Wolfgang Goethe and Friedrich Schiller

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Title: Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel

Author: Johann Wolfgang Goethe
        Friedrich Schiller

Contributor: August Wilhelm Schlegel

Editor: Bcking

Release Date: February 8, 2010 [EBook #31216]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BRIEFE SCHILLERS UND GOETHES ***




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  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen.

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  ]




                                 Briefe

                         Schillers und Goethes

                                   an

                            A.W. Schlegel,

           aus den Jahren 1795. bis 1801. und 1797. bis 1824.

                                 nebst

                  einem Briefe Schlegels an Schiller.


                                Leipzig,

                      Weidmann'sche Buchhandlung.

                                 1846.




Die folgenden Briefe sind so genau, als es unsre Druckschrift zult,
mit allen Schreib- und Interpunctions-Eigenthmlichkeiten und Fehlern
der Originalien abgedruckt: unrichtige Schreibungen der Namen oder auch
sonstiger Worte (wie z.B. S.35. Z.22. 23. seinen und ihm statt
seinem und ihn) sind daher nicht fr Druckfehler anzusehen, deren
ich bis jetzt keine in diesen Blttern bemerkt habe.

=Bonn= den 6. Febr. 1846.

                                              Professor Bcking.




                            Briefe Schillers

                                   an

                            A.W. Schlegel.

                     Aus den Jahren 1795 bis 1801.


    _Jena_ den 12. _Jun._ 95.

Sie haben durch den schnen Beitrag, den Sie in Ihrem _Dante_ zu den
Horen gegeben, ein zu entschiedenes Verdienst um den glcklichen
Fortgang dieses Journals, als dass ich Ihnen nicht den verbindlichsten
Dank dafr sagen sollte. Ich thue die um so lieber, da es mich zugleich
veranlat, Ihre schriftliche Bekanntschaft zu machen, und Ihnen die
Versicherung meiner freundschaftlichen Achtung zu geben.

Ich habe schon Ihren HEn Bruder in Dresden ersuchen lassen, Ihnen zu
sagen, da Sie uns durch Ihren ferneren Antheil an den Horen
auerordentlich verbinden wrden. Senden Sie uns was Sie nur irgend zum
Druck bestimmt haben. Es wird dem Journal immer zur Zierde gereichen,
und mit dem Verleger sollen Sie gewiss auch zufrieden seyn. Ich lege
hier ein _Avertissement_ bey, welches Sie mit dem Plan und den Grenzen
des Journals bekannt machen wird.

Noch eine zweyte Bitte htte ich an Sie, welche darinn besteht, einen
MusenAlmanach welchen ich nchste _Michaelis_ Messe herausgebe, mit
einigen Beytrgen zu beschenken. Sie werden in keiner schlechten
Gesellschaft darin auftreten. Gthe, Herder, Engel, Matthisson u.s.f.
werden Antheil daran nehmen. Ich mte Sie aber bitten mir binnen dem
heutigen _Datum_ und dem 1 _August_ Ihre Beytrge zu senden, die
_directe_ an mich nach _Jena_ laufen knnen.

Von Herdern, der Ihren Aufsatz ber _Dante_ sehr schzt und bewundert
habe ich Ihnen viel schnes zu sagen.

Kommen Sie bald wieder in Ihr Vaterland, und leben Sie den Musen ein
Leben, das Sie im Dienst derselben so schn erfnet haben.

                                                    =Schiller.=

                   *       *       *       *       *

    _Jena_ den 14. _Sept_ 95.

Ich habe es lange anstehen lassen, Ihnen, mein vortreflicher Freund, fr
Ihren schnen Beytrag zu dem Almanach Dank zu sagen. Aber ich wollte
Ihnen nicht eher schreiben, als bi ich ber das Schicksal des Almanachs
selbst mehr im reinen seyn wrde, welches durch eine sonderbare
Verknpfung von Umstnden eine Zeit lang ganz zweifelhaft gewesen ist.
Sie haben vielleicht schon gehrt, da der Geschftstrger von
_Michaelis_ 1000 rthl. von demselben zu Auszahlungen bestimmt auf der
Post unterschlagen, so wie alle Briefe =an= _Michaelis_ von hier aus,
und =von= demselben zurckgehalten hat. Da sich die Ursache dieses
unbegreiflichen Stillschweigens unmglich vermuthen liess, so veranlate
solches ein groes Mistrauen gegen _Michaelis_, welches sich auch mir
mittheilte, und mich nthigte, die Uebergabe des _Mscrpts_ an denselben
bi zu weiterer Aufklrung der Sache zu verschieben. Diese ist nun
erfolgt, und der Almanach wie ich hre schon unter der Presse.

Ihr Beytrag, der Ihr Geprge ganz unverkennbar trgt, war mir sehr
willkommen, so wie es alles seyn wird was Sie mir senden. Erfreuen Sie
mich bald mit einem neuen Beytrage zu den Horen. Es wre mir besonders
lieb, den letzten 3 Stcken soviel Mannichfaltigkeit als nur immer
mglich ist, zu geben. Knnten Sie nicht Musse und Bcher finden, um uns
zuweilen einen kleinen Aufsatz von historischem Innhalt zu verschaffen.
Daran sind wir vorzglich arm, sobald etwas vorzgliches erwartet wird.

Was die Herausgabe Ihres ganzen _Dante_ anbetrifft, so sollen Sie darinn
durch die Gesetze unsers Journals auf keine Weise geniert seyn. Diese
gelten in ihrer ganzen Strenge nur von solchen Aufstzen, die fr sich
ein Ganzes ausmachen, und wo freylich ein neuer Abdruck ein Nachdruck
seyn wrde. Ist aber die Schrift nur theilweise in den Horen eingerckt
und die grere Parthie zurckgeblieben, so sind anderthalb Jahre ein
hinlnglicher Zwischenraum.

Das VII. Horenstck habe ich nach Dresden fr Sie gesendet. Das VIII
folgt hier.

Im IXten das in 14 Tagen erscheint, werden Sie viel Poesie antreffen.
Der Almanach hat mich aus meinen _metaphy_sischen _Di_stractionen mit
neuem Vergngen zu derselben zurck gefhrt.

Leben Sie recht wohl, und erscheinen Sie mir bald in einem schnen
Gedicht oder in einer lieblichen Erzhlung. Ganz der

                        Ihrige

                                                    =Schiller.=

                   *       *       *       *       *

    _Jena_ den 5. _8br._ 95.

Meinen Brief vom 14. _Sptbr_ haben Sie wie ich hoffe erhalten. Ich
verga in demselben bey Ihnen anzufragen, ob der Roman, zu welchem die
Zwey im Almanach abgedruckten Gedichte gehren, nicht ein Beytrag fr
die Horen werden knnte? Wir knnten ihn in den Monathstcken des
nchsten Jahrs vertheilen, und bi auf wenige Bogen, welche die
Entwicklung betreffen, wrde er ganz in diesem Journal stehen knnen.
Ein Jahr nach dem Abdruck des letzten Fragments aus demselben wrde er
ohne Anstand besonders erscheinen knnen. Haben Sie die Gte mir diese
Anfrage zu beantworten.

Ihrem versprochenen Beytrage zu dem nchsten Stcke d.H. sehe ich mit
Verlangen entgegen.

Beyliegendes Neuntes Stck enthlt einige Gedichte von mir, die Sie aus
den brigen wohl herausfinden werden. Sie haben in Brgers _Academie_ d.
Redeknste ein so geistreiches Urtheil ber meine Knstler gefllt, dass
ich einem solchen Leser und Kunstrichter Genge zu thun lebhaft
interessiert bin.

=Auf Apollos Geburt= ist von Gthen bersetzt. =Homer= &c. hat Herdern
zum Verfasser, von dem im nchsten Stck auch eine Abhandlung ber
_Ossian_ folgt.

Wie gefielen Ihnen die Gthischen _Elegien_ im VI. Stck?

Ich bin begierig zu erfahren, wo diesen Winter Ihr Auffenthalt seyn
wird?

Leben Sie recht wohl und widmen mir ein freundschaftliches Andenken

                                                    _=F Schiller.=_

                   *       *       *       *       *

    _Jena_ den 29. _8br._ 95.

Ihre Briefe ber Poesie haben mir, mein vortreflicher Freund, sehr viel
Vergngen gemacht, und ich bin ungeduldig, die Fortsetzung zu lesen. Sie
scheinen mir auf einem sehr glcklichen Weg zu seyn, und schon die
sorgfltige Verbindung des _subjectiven_ und _objectiven_ Theils der
Sprache, wird so wie Sie sie anstellen, zu sehr fruchtbaren Resultaten
in dieser Materie fhren. Man knnte allenfalls wnschen, da Sie etwas
schneller zum Ziel gegangen wren; aber ich zweifle nicht, da Sie den
kleinen Auffenthalt bey dem Allgemeinen ber die Sprache und ihren
Ursprung in der Folge rechtfertigen werden. Ueber das Ganze will ich
erst urtheilen, wenn ich mehr von Ihren Gedanken bersehe. Die
Abhandlung ist sehr grazios und lebhaft geschrieben, und muss jedem, den
die mhseligen Zugnge zu dieser Materie sonst abgeschreckt haben,
willkommen seyn.

Ihren Auftrag an Hofr. Schtz habe ich besorgt und Sie knnen
voraussetzen, da er mit Vergngen angenommen worden ist. Sollten Ihnen
aber die Arbeiten fr die _L.Z._ etwas von beeren Stunden rauben, so
sollte es mir ordentlich leid thun, da diese Zeitung eine _Acquisition_
an Ihnen gemacht hat; denn je mehr Zeit Sie uns widmen wollen, desto
lieber wird es mir seyn. Auch Recensionen, sobald Sie nur ein fr sich
bestehendes Interesse haben, vertragen sich mit unserm Zweck.

Htten Sie vielleicht Lust, den _poeti_schen Theil der Horen in der
_L.Z._ zu _recen_sieren? Es war vor kurzem davon die Rede, und es wird
keinen Anstand haben, wenn Sie es wnschen. In diesem Falle bedarf es
nur einiger Worte an mich oder noch beer, an Hofr. Schtz; Schon die
Gthischen _Elegien_ wren dieses Geschftes werth. Ihre Uebersetzung
des Dante mte dann einem anderen zur Beurtheilung gegeben werden.

Ihre Zufriedenheit mit den =Schatten= und mit =Natur und Schule= ist mir
sehr erfreulich. Diese Gedichte zeichnen nebst noch einigen andern
meinen Uebergang von der _Speculation_ zur Poesie. Ich hoffe aber, wenn
ich nur Zeit und Stimmung finde, nicht immer so ngstlich mehr am Ufer
der Philosophie hinsteuren zu mssen, sondern etwas weiter ins freye
Meer der Erfindung zu segeln.

Der MusenAlmanach ist im Drucke schon ziemlich vorgerckt, und wird
gegen Ende _Novem_bers sicherlich erscheinen.

Das Stck der Berl. Monathschrift, welches den Aufsatz Ihres HE. Bruders
enthlt erwarte ich jeden Tag. Ich habe ihm schon lngst eine _Crise_ in
der Schreibart gewnscht, und ich hoffe, die Zeichen derselben in diesem
Aufsatz zu finden. Der Gehalt kmpfte noch in seinen Arbeiten zu sehr
mit der Form und es fehlte an Leichtigkeit und Licht. Aber es ist sehr
viel Realitt in ihm, und siegt er in diesem Kampf, so ist in ihm ein
vortreflicher Schriftsteller zu erwarten.

Sie urtheilen von dem Voischen Almanach gnstiger, als ich bi jetzt
vermag. Ich weiss schlechterdings nicht, wie ich die Hrte und
Undeutschheit seiner Sprache (ich begehe selbst eine, indem ich davon
spreche) bey so vieler Trivialitt, oft Plattitde des Gedankens
entschuldigen soll. Wenn es ja so schwer ist, ein edles Gefhl, einen
gehaltreichen Gedanken leicht und schn auszudrcken, so sollte
wenigstens das Gemeine angenehm klingen, und das rauhklingende den Geist
durch Gehalt entschdigen. Doch das sey unter uns gesagt!

Leben Sie recht wohl. Hier das neue Stck der Horen . Das Eilfte oder
Zwlfte wird Ihre Briefe enthalten.

                                                    =Schiller.=


    _Jena_ den 10. _Dec._ 95.

Sie erhalten hier, mein vortreflicher Freund, das Eilfte Stck, worinn
der Anfang Ihrer Briefe abgedruckt ist. Die Fortsetzung bringe ich im
ersten Stck des neuen Jahrganges nach, da ich einen sehr bogenreichen
historischen Aufsatz im XII. Stck nicht habe abbrechen drfen. Diese
Fortsetzung hat mich sehr interessiert und auf das Ganze noch begieriger
gemacht. Das nchterne Anschlieen an die Natur und da Sie beral
lieber eine _physische_ Nothwendigkeit als einen Akt der Freyheit und
des Verstandes zur Quelle des Rhythmus machen wollen, erweckt Ihren
Behauptungen ein groes Vertrauen, und wird durch eine sehr allgemeine
und durchgreifende _Analogie_ untersttzt. Nichts desto weniger gestehe
ich, da ich Ihre Erklrungsart doch ein wenig zu _physiolog_isch finde,
denn so gewiss ich glaube, da man alles was der Mensch in jener
Geistes_Epoche_ thut, und was er besonders in so verschiedenen Lagen auf
gleiche Weise thut, zugleich aus _physischen_ Grnden deducieren muss,
so glaube ich doch da immer zugleich auf die Wirkung seiner
Selbstthtigkeit muss Rcksicht genommen werden. Mir ducht, sobald
seine Persnlichkeit sich zu deklarieren angefangen und die Reflexion
eingetreten ist, so entstehen gleich nothwendige Foderungen aus seiner
selbststndigen und moralischen Natur, und eine von diesen scheint mir
auch das Zeitmaa in seinen Bewegungen zu seyn; es ist das Beharrliche
im Wechsel, und eben das ist der Charakter seiner Selbstheit, die sich
in dieser Erscheinung ausdrckt. Meine Idee wre also diese, da man in
Erklrung so frher und so allgemein und gleichfrmigeintretender
_Phnomene_, auf den =ganzen= Menschen, also den moralischen wie den
physischen, Rcksicht nehmen sollte, und hierinn die _Analogie_ auf
seiner Seite hat, welche lehrt, da beral wo die Natur rein wirket,
die =Bedrfnie= der Sinnlichkeit den =Foderungen= der Vernnftigkeit
begegnen. Dafr aber bin ich sehr, da der Verstand als das Vermgen
deutlicher Begriffe an diesem Geschft schlechterdings keinen Antheil
hat. Es ist eine doppelte Nothwendigkeit der _physischen_ und
moralischen Natur, aber kein Werk der Freyheit, keine absichtliche
Handlung. Der Verstand wird hier, wie auch bey der Schnheit,
bersprungen, indem die Vernunft sich, wie instinktmig, uert, und,
wie bey der dichterischen Einbildungskraft, mit der Sinnlichkeit
unmittelbar verbunden wirket.

Von _Schtz_ werden Sie in dieser Zeit wohl Antwort erhalten haben. Er
hat sich, und zwar sehr gegen meinen Wunsch entschloen, die Horen
selbst zu recensieren; ein Geschft, dem er bey der jetzigen
Beschaffenheit seines Krpers und Geistes schwerlich gewachsen ist. Da
ich aber dabey interressiert bin, so konnte und wollte ich seinen
Entschlu nicht _geni_eren.

Ihre Idee, _Elegien_ von _Properz_ fr die Horen zu bersetzen, ist
schon vor langer Zeit realisiert. Ein Herr von _Knebel_ in Weimar hat
den Versuch schon seit mehreren Jahren gemacht, und obgleich er nur
_Dilettant_ ist, mit nicht gemeinem Glcke ausgefhrt. Gthe und Herder,
in deren Umgang er bestndig lebt, haben seine Mue gepflegt und
gewartet, und da er selbst einen ziemlich feinen Sinn hat, sich in eine
fremde Manier hineinzustudieren, so hat er sich des Rmers ganz gut
bemchtigt. Zwanzig und einige _Elegien_ sind bereits bersetzt, von
Gthen berarbeitet, von uns allen bekritelt und der Anfang davon
erscheint in dem Ersten Horenstcke 1796.

Was Sie ber _Condorcets_ Schrift niederschreiben wollen, soll mir sehr
willkommen seyn. Er scheint mir ein solcher _Autor_, bey dem man blo
durch das was er htte denken und sagen sollen und nicht gesagt hat,
sehr viel Ehre einlegen kann. Diese Herren nehmen es etwas leicht, und
es ist nicht schwer khn einherzujagen, wenn man keine groe Fracht
geladen hat. Uebrigens macht diese Schrift jetzt viel Aufsehen, bey
einzelnen ein gewaltiges Glck, und ein Aufsatz der sich darauf bezieht
wird begierig gelesen werden.

Warum knnen Sie nicht hier in _Jena_ bey uns leben? Die sollte mir
groe Freude seyn. Das Gesprch wrde so manches rege machen, was eine
schriftliche _Communication_ nicht berht.

Erfreuen Sie mich sobald Sie knnen wieder mit einem Produkte Ihres
Geistes. Ganz der Ihrige

                                                    _=Schiller=_

                   *       *       *       *       *

    _Jena_ 9. _Jenn._ 96

Gestern endlich, mein vortreflicher Freund bekam ich Ihre _Recension_ zu
Gesichte, und ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, da Sie mich,
insofern entweder ich selbst oder mein _J_our_nal_ dabey =interessiert=
sind, mehr als befriedigt hat. Aber auch ohne alle diese
Privatrcksichten erfreute mich die schne Verbindung _poeti_scher Wrme
mit kritischer Klte, welche darinn herrscht, und ohne welche ich keinen
Kunstrichter anerkennen kann. Es ist zu umstndlich und ich bin heute
auch zu sehr berhuft, um in ein ordentliches _Detail_ davon
einzugehen; selbst die zwey Fragen, welche Sie in Beziehung auf mich
anregten

    1. Ob eine _poeti_sche Unternehmung wie das Reich der Schatten
    berhaupt zu vertheidigen sey?

                                  und

    2. Ob der dichterische Geist den ganzen Weg strenger Wienschaft
    gehen msse und drfe?

muss ich fr heute dahingestellt seyn lassen. Vielleicht antwortet Ihnen
die hier folgende Abhandlung ber _sentimentali_sche Dichter auf die
zweyte dieser Fragen. Was meine eigne Erfahrung anbetrifft, so fehlt
zwar sehr viel daran, da ich den Weg der Wienschaft vllig
zurckgelegt htte; aber was ich davon zurcklegte, hat mich auf dem
_poeti_schen Wege eher gefrdert als von demselben entfernt: wenigstens
muss ich dasjenige, was ich nach dieser _Epoche_ der _Speculation_ und
whrend derselben gedichtet habe, auch in _poeti_scher Rcksicht fr
beer halten, als was ich vor derselben ausgefhrt habe. Alle
_poeti_schen Stcke aber, die Sie in dem Almanach und in den Horen von
mir lesen, sind sptere Produkte und alle erst vom _Junius_ des vorigen
Jahrs bi zum _September_ entstanden.

Ihre Erinnerungen, die _Metrik_ in meinem und Gthens Gedichten
betreffend finde ich, in den mehresten Punkten, sehr richtig; nur in
wenigen Kleinigkeiten sind wir verschiedener Meinung. So ist der halbe
_Pentameter_:

    Die zwischen mir und dir

freilich kein guter Vers, aber =Die= als _relativum_ mu offenbar lang
seyn. Das Zeitwort in dem halben _Pentameter_:

    Dir gilt es nicht

wird dadurch entschieden kurz, da auf =Dir= ein doppelter _Accent_
liegt. Es wre ganz unmglich, jenes =gilt=, bey gehriger _Declamation_
nicht merklich zu verkrzen. Ich bin darinn vllig von Moritz Meinung,
da in unserer Sprache der Verstandes Gehalt die Lnge und Krze
bestimmt.

Sonst bin ich brigens weit davon entfernt, mich meines _Hexameters_
gegen Ihre Critik sehr anzunehmen; denn ich selbst habe es von jeher
mit der _Rigorist_ischen Parthey gehalten, und wenn ich dagegen
_excipiere_, so ist es nicht, weil ich dem Dichter das Spiel leichter
sondern weil ich es dem _Critiker_ schwerer machen will; denn offenbar
ist noch zuviel willkhrliches in unsern _prosodi_schen Gesetzen. Leider
habe ich noch keine Musse gehabt, durch eigene _Praxis_ zu zeigen, wie
ich den deutschen _Hexameter_ behandelt wnsche, denn alles was Sie in
dieser Versart von mir gelesen ist blo der erste Wurf, an dem ich, der
Krze der Zeit wegen, die Feile gar nicht versuchen konnte. Seitdem
z.B. die _Elegie_ gedruckt ist, habe ich schon ber 40 _corrigenda_
darinn entdeckt, den bloen Versbau betreffend. Zu meiner Entschuldigung
muss ich jedoch anfhren, da dieses die ersten _Hexameter_ sind, die
ich in meinem Leben gemacht, einige jugendliche Versuche in meinem
sechzehnten Jahre abgerechnet.

Gthe, der eben hier ist, war mir Ihrer Recension so wie berhaupt mit
Ihrer Art zu urtheilen, sehr zufrieden, nur da auch Er sowohl gegen
Ihre, als gegen die Voische Prosodie noch manches einzuwenden hat. Er
glaubt, und mu =seiner= Natur nach diese Meinung haben, da in
Rcksicht auf den Versbau den Foderungen des Moments und der Convenienz
des individuellen Falles weit mehr als einem allgemeinen Gesetz msse
nachgegeben werden.

Die Hofnung, welche Sie mir machen, Sie diesen Sommer nicht nur zu
sehen, sondern hier zu behalten war mir der willkommenste Theil Ihres
Briefes. Ich freue mich hchlich darauf, und da ich fr eine ziemlich
lange Zeit der _Speculation_ entsagt habe um wieder ganz in der _Poesie_
zu leben, so werden auch unsre Beschftigungen einander nher berhren.

Mit gewhnlichen _Docenten_ macht die philosophische _Facultt_ seit
einiger Zeit Schwierigkeiten, aber bey Ihnen ist von _Remonstrationen_
nichts zu besorgen. Ich hoffe auch, es wird sich machen lassen, Sie auf
eine noch _honorablere_ Art hier zu fixieren, besonders da man auf
_Schtz_ens Gesundheit gar nicht mehr zhlen kann. Wenn Sie nur erst
hier sind, so wird sich alles geben.

Darf ich mir bald wieder einen Beytrag von Ihnen versprechen? Wenn Sie
ihn noch in das 2te Stck zu bringen wnschten, so mte ich ihn in
sptestens 14 Tagen erhalten. In dem Ersten Stck war kein Platz mehr
brig, darum schrieb ich Ihnen auf Ihre Anfrage nichts zurck. Leben Sie
recht wohl. Ihr aufrichtiger

                        Freund

                                                    _=Schiller=_

Von _Michaelis_ habe ich _dato_ noch keinen Almanach erhalten.

                   *       *       *       *       *

    _Jena_ 31. _Jenn._ 96.

Es ist von mir vergessen worden, Ihnen zu schreiben lieber Freund, da
die Zahlungen unsers _Horen_-Verlegers von einer _Jubilate_ Messe zur
andern festgesetzt sind. Ich sende Ihnen also hier einstweilen 20
_Ldors_ auf Abschlag, welche mir gerade da liegen. Auf Ostern wird sich
_Cotta_ genauer mit Ihnen berechnen. Es versteht sich, da Ihnen auch
jetzt das Ganze, so bald Sie es wnschen, zu Diensten steht.

Heute nichts mehr. Die Post geht sogleich. In 6 Tagen erhalten Sie das 1
Stck der Horen nebst Ihrem Aufsatz

                        Ihr

                                                    =Sch.=


    _Jena_ den 29 _Febr_ 96

Ich habe Ihnen, mein theurer Freund, vom 1 _Februar_ einen Brief, mit 20
_Ldors_, gesendet, von dessen Empfang Sie mir noch keine Nachricht
gegeben. Haben Sie die Gte, dieses mit umgehender Post zu thun, auch
mir zu melden, ob ich Ihnen noch mehr senden soll, oder ob Sie, welches
mir freilich das liebste wre, es in derselben Zeit persnlich bey mir
in Empfang nehmen wollen. Bi zu diesem Zeitpunkt, der hoffentlich sehr
nahe ist, verspare ich alles brige. Lassen Sie mich in Ihrem nchsten
Briefe hren, da Sie Selbst ihm auf dem Fue folgen werden. Sie werden
in diesem Sommer auch _Voss_ hier finden, der mir verspricht, mit Anfang
Sommer hieher zu kommen. Auch Krner aus Dresden, ein guter Freund Ihres
HE Bruders wird Ende Aprils hier seyn und einige Wochen bleiben.

Ihrem HE. Bruder sagen Sie von mir recht viel freundschaftliches, und
dass ich mit nchstem selbst an ihn schreiben wrde. Viele Geschfte und
noch mehr meine Krmpfe und Schlaflosigkeiten haben mich, so wie von so
vielem andern, auch von diesem Geschft abgehalten.

Erhalte ich bald etwas neues von Ihnen fr die Horen? Ich warte begierig
darauf. Ganz der Ihrige

                                                    _=Schiller=_

                   *       *       *       *       *

Sehr angenehm haben Sie mich mit Ihrem Aufsatz ber _Shakespear_ und
Ihrer schnen Uebersetzung dieses Dichters berrascht. Mehr will ich
Ihnen heute nicht davon sagen, weil der Versendungstag der _Horen_ und
eine starke Brief _Expedition_ mir den Kopf zu sehr zerstreuen. Ich
habe meine Rechte an der Uebersetzung ein wenig berschritten, und die
mittlere Scene (ja auch die beyden andern, wenn Platz dafr ist) zum
Druck in die _Horen_ abgesandt. Da ich aus Ihrem Briefe schlo, dass
blo der frhere Gebrauch, den Sie von dieser Uebersetzung fr den Druck
zu machen willens wren, gegen den Abdruck in den _Horen_ sey, so trug
ich um so weniger Bedenken, das dritte Stck der _Horen_ mit diesem
interessanten Beytrag zu bereichern. Sie knnen, da es nur ein sehr
kleiner Theil des Ganzen ist, das ganze Schauspiel abdrucken lassen,
sobald Sie wollen. Eine vorausgeschickte Probe der neuen beeren
Uebersetzung _Shakesp._ in den _Horen_ wird selbst fr Ihren Aufsatz gut
seyn, denn immer ist es gut, wenn die That dem _Raisonnement_
vorhergeht, und der Leser, dem jene Proben noch in frischem Gedchtni
sind, ergreift die Abhandlung mit um so grerer Begierde.

Ueber die ganze Unternehmung, den _Shakespear_ zu bersetzen werden wir
wohl mndlich am beten sprechen knnen. Der Gedanke ist sehr glcklich,
und der Himmel lohne es Ihnen, dass Sie uns von dem traurigen
_Eschenburg_ befreyen wollen. Mit diesem sind Sie glimpflicher
umgegangen als ers verdient, bey seiner lcherlichen Anmassung als
_Critiker_ und _Aesthetiker_ verdient. Man sollte diese Erz_phili_ster,
die doch Menschen zu seyn sich einbilden, nicht so gut traktieren. Kme
es auf sie und ihre Hohlkpfe an, sie wrden alles _geniali_sche in
Grundsboden zertreten und zerstren.

Auch _Brgers_ _Makbeth_ und die bersetzten Hexengesnge haben Sie mir
zu _raisonnabel_ behandelt. Ich halte die letztern fr eine recht
_Brgeri_sche Pfuscherey, so arg als irgend eine von ihm, und das ist
nicht blo meine _Privat_-Meinung. _Gthe_ z.B. mit dem ich erst kurz
noch davon sprach, findet sie greulich, und er hat, da er den _Macbeth_
gern einmal in _Weimar_ spielen lassen wollte, schon darauf gedacht, wie
er sie anders bersetzt bekommen knnte. Ich will, wenn Sie es nicht
_contremandieren_, wozu es binnen 14 Tagen noch Zeit ist, jene Stelle in
Ihrer Abhandlung, welche die _Brgeri_schen _Hexen_gesnge betrifft,
herauslassen. Es ist mir blo dewegen, weil man nicht weiss, ob man
einander nicht ber kurz oder lang in Rcksicht auf diesen Punkt in
demselben _Journal_ widersprechen knnte, welches das _Publicum_ irre
machen wrde.

Herzlich freue ich mich Sie binnen 8 Wochen hier zu sehen, wo wir dann
recht viel in die Lnge und Breite miteinander durchsprechen wollen.
Leben Sie recht wohl.

Ganz der Ihrige

                                                    _=Schiller.=_

                   *       *       *       *       *

Ich sehe nicht warum ich Sie mit dem _Honorar_ warten lassen soll, bi
_Cotta_ es schickt oder anweit: daher sende ichs Ihnen lieber gleich
und bitte mir blo die 8 _Ldors_ fr _Horen_beytrge, der _Cottai_schen
Rechnung wegen, zu _quitti_eren. Die Kleinigkeit darber ist fr den
Almanach, wovon ich aber gegen niemand weiter zu sprechen bitte, weil
die lyrische Muse in Almanachen der Regel nach nicht bezahlt wird, und
auer Ihnen auch nur G. und H. ihre Gedichte im Almanach bezahlt
bekommen. Die gilt fr die knftigen Jahre auch -- Machen Sie da ich
Ihnen, fr den Almanach sowohl als fr die Horen, knftig grere Summen
zu bezahlen habe.

1. _Dec._ 96

                                                    =Sch.=


Da Sie, wie mir HE. Gries sagte, frher von hier reisen, als _Cotta_
hieherkommt und die Horenrechnung fr 1797. abschliet, so sende ich
Ihnen den Betrag dessen, was wir Ihnen fr Ihre Gedichte zum Almanach
und den Aufsatz in den _Horen_ zu bezahlen haben. Ich bitte um ein paar
Zeilen zur Quittung.

Meine Einladung zum knftigen Almanach wiederhohle ich Ihnen nicht, denn
die alte gilt fr Immer.

Jena 7. May.

    1797.

                                                    =Sch.=

                   *       *       *       *       *

Sie erhalten hier, was ich Ihnen nach Abzug des kleinen Rests von der
Bhmischen _Assignation_ noch zu bezahlen habe, und so wre unsre
Rechnung geschloen.

Es hat mir Vergngen gemacht, Ihnen durch Einrckung Ihrer
Uebersetzungen aus _Dante_ und _Shakespear_ in die _Horen_ zu einer
Einnahme Gelegenheit zu geben, wie man sie nicht immer haben kann, da
ich aber vernehmen mu, dass mich HE. _Frid. Schlegel_ zu der nehmlichen
Zeit, wo ich Ihnen diesen Vortheil verschaffe, ffentlich dewegen
schilt, und der Uebersetzungen zuviele in den _Horen_ findet, so werden
Sie mich fr die Zukunft entschuldigen.

Und um Sie, einmal fr allemal, von einem Verhltni frey zu machen, das
fr eine offene Denkungsart und eine zarte Gesinnung nothwendig lstig
seyn mu, so lassen Sie mich berhaupt eine Verbindung abbrechen, die
unter so bewandten Umstnden gar zu sonderbar ist, und mein Vertrauen zu
oft schon _compromitt_ierte.

_Jena_ 31. _May._ 97

                                                    _=Sch.=_


    [A.W. Schlegel]

                            =An _Schiller_.=

Im hchsten Grade betroffen ber Ihre unerwartete Erklrung, die einem
Verhltnisse ein Ende machen soll, welches ich zu den glcklichsten
Umstnden meines hiesigen Lebens rechnete, eile ich nur wenigstens
einige Zeilen zu meiner Rechtfertigung hinzuwerfen, in der Hoffnung da
Sie mir Gelegenheit geben werden, Ihnen jeden Zweifel ber die Geradheit
meines Betragens, der Ihnen beygebracht seyn knnte, zu benehmen.

Da ich durchaus keine Art von Autoritt ber meinen Bruder besitze,
keine Macht ihn von etwas abzuhalten, was ich auch noch so sehr
misbilligen mchte, so wrde ich in der That sehr unglcklich seyn, wenn
ich fr alle seine Schritte (die ich berdie erst hinterdrein erfahre
wenn Sie schon ffentlich geworden sind) verantwortlich gemacht werden
sollte. Wenn mein Rath und meine dringenden Vorstellungen etwas
gefruchtet htten, so htte er seinen Brief ber den Almanach von 96 gar
nicht drucken lassen. Da diese Manier zu urtheilen mit einigen
spottenden Einfllen erwiedert ward, fand ich sehr natrlich und billig,
und htte von Herzen gewnscht, da er es dabei htte bewenden lassen.
Er kannte den Grad meiner Anhnglichkeit an Sie, und es war also eine
ausgemachte Sache unter uns, da er sich nie gegen mich ber irgend
etwas uerte, was mein Verhltni zu Ihnen auf das entfernteste betraf.
Ich brauche Ihnen wohl nicht zu betheuern, da er mir eine Beurtheilung
der Horen, die auch gegen mich mit gerichtet war, weil ich es mir zur
Ehre schtze, daran bis jetzt Theil genommen zu haben, nicht vor dem
Drucke wird gezeigt haben. Noch bis jetzt habe ich sie nicht gelesen.
Die Art, wie ich letzthin ber die Streitigkeit mit Woltmann mit Ihnen
sprach, mu Sie davon berzeugen. Ich wei auch nicht wie viel Antheil
er an jener Rezension hat, vermuthe aber aus Aeuerungen von ihm ber
die Woltmannsche Sache, da er sie nicht ganz gemacht.

Woltmann hat hier in Jena ausgebreitet, nicht mein Bruder sondern meine
Frau habe das Urtheil ber den Theoderich geschrieben. Wenn die Gercht
auch zu Ihnen gekommen ist, wie ich vermuthen mu (ich hatte schon am
Sonnabend Abend die Absicht, mit Ihnen davon zu sprechen), so betheure
ich Ihnen hiermit auf meine Ehre da es eine Unwahrheit ist, da meine
Frau weder ber den Theoderich noch sonst auch nur eine Zeile an jener
Rezension geschrieben hat. Ich bin zu Woltmann gegangen, und habe ihn
ber dieses unbesonnene und, da er das Urtheil fr unverschmte Lge
oder Ignoranz erklrt hat, hchst beleidigende Geschwtz sehr ernsthaft
zur Rede gestellt. Er hat auch gleich so weit zurckgezogen, da er
vorgegeben hat, er habe es nur aus Vermuthung geuert, weil er aus den
Billetern meines Bruders vermuthe da dieser nicht selbst Verfasser sey,
aber den ihn nahe angehenden Verfasser vertreten wolle. Die ist
indessen nur eine Ausflucht von ihm, und wenn er lnger hier geblieben
wre, so wrde ich ihn genthigt haben, jene Behauptung bei Personen wo
er sie bestimmt geuert frmlich zu widerrufen.

Ich bin mir bewut, ihr Vertrauen nie, auch in der geringsten
Kleinigkeit nicht gemisbraucht und nie der Dankbarkeit entgegen
gehandelt zu haben, die ich Ihnen fr so viel Gte und Theilnahme an
meinem Glck ewig schuldig bin. Wenn Sie je einige Freundschaft fr mich
gehegt haben, so versagen Sie mir die Bitte nicht, Ihnen bald mndlich
meine gnzliche Unschuld an diesem unglcklichen Misverhltni
darzulegen; soll es mich aber durchaus ihres Umganges berauben, so
werde ich doch nie aufhren mit der wrmsten Verehrung und
Anhnglichkeit zu seyn

                                                    Ihr ergebenster

                   *       *       *       *       *

Sehr ungern, seyen Sie versichert, entschlo ich mich zu dem
unangenehmen Schritt, aber die Umstnde forderten ihn lngst. Ihnen
mache ich keinen Vorwurf, und ich will Ihrer Versicherung, da Sie Sich
gegen mich nichts vorzuwerfen haben, gerne glauben, aber dadurch wird
leider nichts verndert, weil bei den groen Ursachen zum Mivergngen,
die Ihr Herr Bruder mir gegeben hat und noch immer zu geben fortfhrt,
das gegenseitige Vertrauen zwischen Ihnen und mir nicht bestehen kann.
Ein Verhltni, das durch eine natrliche Verbindung von Umstnden
unmglich gemacht wird lt sich mit dem beten Willen nicht erhalten.
In meinem engen Bekanntschaftskreise mu eine volle Sicherheit und ein
unbegrnztes Vertrauen seyn, und das kann, nach dem was geschehen, in
unserm Verhltni nicht statt finden. Beer also wir heben es auf, es
ist eine unangenehme Nothwendigkeit, der wir, beide unschuldig wie ich
hoffe, nachgeben mssen; die bin ich mir schuldig, da niemand begreifen
kann, wie ich zugleich der Freund Ihres Hauses und der Gegenstand von
den Insulten Ihres Bruders seyn kann.

Versichern Sie _Madame Schlegel_, dass ich von dem lcherlichen
Gerchte, Sie sey die Verfaerin von jener _Recension_ nie Notiz
genommen habe, und sie berhaupt fr zu verstndig halte, als da sie
sich in solche Dinge mische.

                                                    _=Schiller.=_

                   *       *       *       *       *

Ich hatte in jedem Falle darauf gerechnet, da Sie Ihren Antheil an dem
Almanach fortsetzen wrden, und Gthe hat es mir, wie er hier war, auch
in Ihrem Nahmen besttigt. Mit der angenehmsten Erwartung sehe ich daher
Ihrem Beitrag entgegen. Es ist noch nichts am Druck angefangen und kommt
wahrscheinlich vor einem Monat nicht dazu, weil Schrift und Papier noch
erwartet werden.

                                                    =Sch.=

                   *       *       *       *       *

An Kosegarten hab ich vor etwa 3 Wochen geschrieben, und ersuche Sie
also, wenn Sie ihm antworten, sich darauf zu beziehen und ihn von
meinetwegen zu gren. Die Ankndigung, welche ich eben durchlas, ist
possierlich genug.

Gotters Geisterinsel wird mir ein sehr angenehmer Beitrag zu den Horen
seyn, und auch das andre Stck, wenn es hergestellt werden kann, nehme
ich mit Vergngen. Wollen Sie also einstweilen um das erstere schreiben,
so erweisen Sie mir ein Gefallen. Sobald es abgedruckt ist, werde ich
_Cotta_ bitten, das _Honorar_ von 4 _Ldor_ _pr_ Bogen gleich zu
bezahlen.

_J._ 3. _Jul._ 97

                                                    _=Schiller.=_

                   *       *       *       *       *

Sie haben mir mit Ihrem Gedicht eine groe Freude gemacht, der
Gegenstand ist mit einer edlen Wrde und einem philosophischen Schwung
behandelt, Sprache und Vers sind vortrefflich. Manche mchten das
Silbenma bei einem so uralten Stoffe zu modern finden. Diesen knnen
Sie aber sehr befriedigend antworten, da die _philosophi_sche
Behandlung des Stoffes denselben an sich schon aus seiner Urwelt heraus
in ein modernes raisonnierendes Zeitalter versetzt. Zu Ihrer Behandlung
wrde der _Hexameter_ sich durchaus nicht geschickt haben, da er
schlechterdings eine eigentliche und nicht _allegori_sche Ausfhrung des
Gedankens gefodert htte, und ich finde daher, da Ihr Gefhl Sie ganz
richtig geleitet hat.

Indeen wnschte ich, eben dieser symbolischen und _allegori_schen
Behandlung wegen, da man noch weniger als geschehen ist an den alten
Prometheus erinnert wrde. Dieser stiehlt das wirkliche und natrliche
Feuer, und mit diesem macht er den Menschen ein Geschenk; der _Actus_
des Feuerraubes durfte also von dem alten Dichter mit aller
Umstndlichkeit versinnlicht werden; weil aber bey Ihrer Behandlung der
symbolische Verstand gleich aufgefodert wird, das natrliche Feuer zu
verlaen und in einer bersinnlichen Bedeutung zu nehmen, so kommt die
_Imagination_ des Lesers durch alle diejenigen Schilderungen ins
Gedrnge, die dem Feuer als Feuer gelten. Ich wrde dewegen rathen ber
diesen _delicaten_ Punkt so leis als nur mglich ist wegzugehen. Auch
wrde es, ducht mir, eine beere Wirkung thun, wenn Sie das Feuer nicht
vom Wagen selbst, sondern etwa von einer Fackel nehmen lieen, weil die
Phantasie weit eher mit einer brennenden Fackel als mit einem
lichtausstrahlenden Wagen die Idee des geistischen Feuers verknpfen
kann, und berhaupt wird das Feuer um so kostbarer und edler, je
einfacher und sparsamer seine Quelle ist.

Noch wre mein Rath, um den Leser gleich an der Fronte des Gedichts in
den rechten Standpunkt zu rcken und aller Mideutung vorzubeugen, da
Sie das Gedicht: =Eine Allegorie= berschrieben, denn das ist es im
strengsten Sinne und der Beurtheiler mu diesen Begriff vor Augen haben.

Da Sie es noch nicht berschrieben haben, so lege ich es hier bey, bitte
aber, es mir bald wieder zurckzuschicken, so wie ich auch das andere,
was Sie noch fr den Almanach bestimmt haben, mit Verlangen erwarte.

_Jena_ 27. _Jul._ 97.

                                                    S.

Der symbolische Gebrauch des Feuers verwickelt Sie in eine
Schwierigkeit, die ich kaum fr auflslich halte, doch mu ich Sie
darauf aufmerksam machen. Wie das =natrliche= Feuer dem ganzen
Menschengeschlecht kann mitgetheilt werden, indem ein Gott es einem
einzelnen Menschen schenkt, das ist begreiflich: aber um das
bersinnliche Feuer =den= Menschen mitzutheilen, mte _Prometheus_ es
entweder allen _exi_stierenden _Individuen_ einflen, und also den
_Actus_ hunderttausendfltig wiederhohlen, oder er mu einen neuen
Menschen (oder vielmehr ein neues Menschenpaar) bilden, von dem das
ganze Geschlecht entspringt und das Feuer erbt. Wo kommen aber nun die
_exi_stierenden Menschen hin, von denen eben ja die Rede war, fr welche
Prometheus das Mitleid empfand, die den Gedanken in ihm veranlat haben?
Eh er seinen neuen Menschen bildet, ist schon ein ganzes lebendes
Geschlecht da -- wohin kommt das? u. dergleichen Fragen mehr, die sich
von selber aufdringen.

                   *       *       *       *       *

Ihr Gedicht berrascht mich sehr angenehm. Es ist beraus zart und
lieblich, und eben so schn ausgedrckt als empfunden.

Von den Abnderungen die Herr G. mit seinem Gedicht vorgenommen, soll
Gebrauch gemacht werden. Ich werde ihn recht gerne kennen lernen. Weil
ich aber schon seit mehreren Wochen anfangs durch die entsetzliche Hitze
und jetzt durch einen _Catarrh_ mich sehr angegriffen fhle, da ich an
nichts Interesse nehmen mag, so will ich noch ein paar Tage abwarten und
ihn dann zu mir einladen.

Es wre schn, wenn Sie noch eine _Ballade_ in den Almanach stiften
wollten und Platz wollte ich schon finden. Ich habe ohnehin gern einen
Vorwand bey mir selbst, manche berlstige Herren, die sich im Almanach
aufpakten, wieder herauszuwerfen. Die Zudringlichkeit dieser Herren ist
ber alle Begriffe.

                                                    S.

                   *       *       *       *       *

Ein Herr G. (vielleicht Grie) schickt mir aus _Schwarzburg_ ein Gedicht
_Phaethon_ zu und schreibt mir dabey, da er durch Ihre Vermittlung zu
erfahren wnsche, ob ich es aufnehmen werde . Ich finde viel Gutes
darinn und werde es noch in den Almanach setzen, wenn ihm auch noch
einige Figuranten Platz machen mten. Wollen Sie ihn wenn er sich an
Sie gewendet hat, davon benachrichtigen, und zugleich anfragen, ob er
seinen Nahmen nicht darunter setzen will?

Die _Correctur_ senden Sie nur unmittelbar an Herrn _Gpferdt_.

                                                    S.

                   *       *       *       *       *

Sie haben einen glcklichen Gedanken sehr glcklich ausgefhrt. Das
Gedicht ergreift und erhebt, der Schlu an die Gallier besonders nimmt
einen schnen Schwung. Da Sie die Gtter selber sprechen lassen, war
fr die Wrde der Ausfhrung entscheidend; so wird alles viel
bedeutender und grer, und schon dieser Umstand allein mute Sie gegen
Ihren _Concurrenten_ in Vortheil setzen, der an der Klippe der bloen
_Declamation_ zuweilen strandet. Sie wrden Sich um HE. Grie ein
Verdienst erwerben, wenn Sie ihn auf die Fehler seiner Arbeit aufmerksam
machen wollten, denn es ist damit ganz so wie Sie sagen.

Ich will gerade nicht dazu rathen, da seine Bearbeitung zugleich mit
der Ihrigen in dem Almanach abgedruckt wird, obgleich sie einen recht
guten Begriff von seinem Talent erweckt; ich kann sie aber, wenn er Lust
hat, in die Horen setzen.

Von den _Balladen_, nach denen Sie fragen, sind bi jetzt nur wenige
gedruckt, die brigen sind gerade in der Arbeit. Hier sende ich inde um
Ihren Wunsch einigermassen zu erfllen, die zwey ersten Bogen, welche
ein sehr schnes Gedicht von Gthen erfnet. Die brigen Bogen sollen
Sie auch noch erhalten, wenn sie fertig sind.

                                                    =Sch.=

    Der userste _Termin_ fr _Mscrpte_
    zum Almanach ist zum 12ten _Sept._

                   *       *       *       *       *

    Weimar 14. May. 1801.

Wegen meines neuen Stcks habe ich in Berlin noch keinen Schritt gethan;
da es, meinem Vertrag mit _Ungern_ gem, im _October_ gedruckt
erscheint, so wollte ich es erst vor das lesende _Publicum_, und dann,
nach Maagabe der Umstnde, auf das _Theater_ bringen. Auch hier in _W._
bleibt es vor der Hand unaufgefhrt, unser hiesiges Personal ist zu
klein, und es mssen sich sonst noch einige glckliche Umstnde
zusammenfgen.

Sobald das Stck aus der Presse kommt, sende ich die zum
_Theater_gebrauch abgekrzte Bearbeitung desselben an HE. _Ifland_, und
werde mir, wenn man es auf die Bhne bringen will, ausbitten, da die
Jungfrau von Orleans durch diejenige welche die Rolle der Johanna v.
_Montfaucon_ dort spielt, besezt wird. Ausdrcklicher kann ich mich, da
ich das _Berlini_sche _Theaterpersonal_ gar nicht kenne, in die
Rollen-Austheilung nicht wohl mischen. Da es meinem Stck zum grten
Vortheil gereichen wrde, wenn eine Knstlerin, wie Mad. Unzelmann, nach
der allgemeinen Stimme, es ist, die Hauptrolle darinn bernhme, ist gar
keinem Zweifel unterworfen. Versichern Sie Ihr in meinem Nahmen, da ich
mich sehr auf ihre persnliche Bekanntschaft freue und da die Aussicht,
ihre schnen Darstellungen zu sehen, an meinem Wunsche Berlin zu
besuchen keinen geringen Antheil hat.

Fr Mad. Fleck ist in demselben Stck eine andre Rolle, die nach dem
Bilde, das ich von Ihr habe, nothwendig ihr zufallen mu. Es ist Agnes
Sorel, die der Johanna zwar sehr untergeordnet aber doch von Bedeutung
und fr die Darstellung dankbar ist.

Ich sehe der Erscheinung Ihres Almanachs mit Verlangen entgegen. Mein
ernstlicher Wille ist es, Ihnen den Antheil, den Sie so gtig waren an
dem meinigen zu nehmen, nach meinen Krften zu erwiedern, doch will ich
fr dieses Jahr nichts versprechen. Zu lyrischen Arbeiten gehrt ein
gewier poetischer Miggang, den ich jetzt nicht habe; eine grere
Arbeit, die meine Gedanken jetzt beschftigt, lt mir nicht Raum dazu.

Fr Ihren _Shakespear_ meinen besten Dank -- es thut mir aber leid, da
Sie mit _U._ zerfallen, und fr die Unternehmung selbst kann eine
Vernderung des Verlags leicht schdlich werden.

Meine _Maria Stuart_ und der _Macbeth_ liegen fr Sie _parat_ und ich
erwarte nur zu hren, ob Sie noch lnger in _B._ bleiben oder, wie man
sagt, nach _Jena_ zurckkommen.

                                                    S.




                             Briefe Goethes

                                   an

                            A.W. Schlegel.

                     Aus den Jahren 1797 bis 1824.


Mit einem Briefe von Herrn Geheimde Rath Voigt schicke ich zugleich die
ersten Theile des Gozzi, fr Ihren Herrn Bruder, die brigen stehen nach
und nach auch zu Diensten. Wenn ich nicht irre so sind Gesners
franzsische Idyllen noch bey Ihnen, die ich mir gelegentlich zurck
erbitte. Ich wnsche Ihnen recht wohl zu leben. Jena am 28 Mai 1797.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Indem ich das Manuscript zurckschicke, merke ich nur an, da Hofrath
Schiller die Stelle _Fol._ 4 deshalb angestrichen, weil sie ihm nicht
verstndlich ist, indem von Verwicklung und Auflsung, den
Haupterfordernien eines guten Dramas, als von einem fremden zuflligen
Verdienste gesprochen ist. Wollten Sie dieses zu erlutern, sowie die
andern Stellen abzundern die Gte haben? und mir etwa bald nach Tische
das Manuscript zurckschicken, indem es noch heute abgehen knnte. Ich
wnsche recht wohl zu leben. Den 14ten Juni 1797.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Sie haben mich, durch Ueberschickung Ihres Prometheus, in den Stand
gesetzt meinen Gast auf eine recht angenehme Weise zu bewirthen, er
dankt Ihnen auf das beste dafr und ich kann sagen da wir das Gedicht
mit vielem Vergngen wiederholt gelesen haben. Es ist Ihnen gelungen in
die Mythe einen tiefen Sinn zu legen und ihn auf eine ernste und edle
Art auszudrucken, die Verse sind sehr glcklich und es sind Stellen die
durch ihre Hoheit beraschen. Gewi wird es eine der ersten Zierden des
Almanachs seyn.

Wir haben indess auch fleiig gearbeitet und die Balladen sind noch
immer im Gange, vielleicht giebt mir meine vorstehende Reise auch noch
einige Beytrge.

Mein Freund Meyer ist, seiner Gesundheit wegen, aus Italien nach der
Schweiz zurckgegangen, ich gedenke ihn am Zrcher See zu besuchen, und
mit ihm Rath zu pflegen was weiter zu thun sey? So viel ich seine
Constitution kenne mchte es wohl nicht rthlich seyn ihn gleich wieder
hineinzufhren, und das Bild das dieses schne Land im Augenblicke
darstellt, ist auch fr den Beschauer nicht reizend. Wahrscheinlich sind
wir gegen den Winter wieder hier, und erfreuen uns des Umgangs unserer
Freunde.

Sollte ich Sie vor meiner Abreise nicht wieder sehen, so wnsche ich
recht wohl zu leben. Empfehlen Sie mich Ihrer lieben Frau und gren Sie
Ihren Herrn Bruder vielmals. Sollten Sie mir von Ihren und seinen neuern
Arbeiten einige Nachricht geben wollen, so wrde sie unter der Addresse
meiner Mutter, der Rthin Goethe, in Frankfurth am Main, sicher und bald
an mich gelangen. Der ich indessen nochmals recht wohl zu leben wnsche.
Weimar am 19 Juli 1797.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Nur mit wenigen Worten, werthester Herr Rath, will ich sogleich fr
Ihren freundlichen Brief vom 22ten September danken, der mich auf der
Reise so angenehm berrascht haben wrde und mir leider erst vor einigen
Tagen zugekommen ist. Die Stockung eines ganzen Packetes in Frankfurth
hat mir manche Unruhe gemacht.

Ich freu mich sehr Ihrer Theilnahme an meinen Arbeiten und kann
versichern da die Empfindung wechselseitig ist. In kurzer Zeit habe ich
das Vergngen Sie in Jena zu sehen, wo es manches zu besprechen geben
wird. Mit sehr viel Vergngen habe ich gleich nach meiner Ankunft den
zweyten Theil Ihres Schkespears erhalten und gelesen. Bewahren Sie
beykommendes Exemplar meines neuesten Gedichts zu meinem Andenken, wie
sehr wnsche ich auch Ihre Gedanken darber zu hren und zugleich zu
sehen was Sie indessen gearbeitet haben. Die besten Gre an Ihre liebe
Gattin so wie an Ihren Herrn Bruder leben Sie recht wohl. Weimar am 16.
Dec. 1797.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Da ich hre da Sie uns nach Ostern verlassen wollen, so werde ich mich
um so mehr eilen im Mrz nach Jena zu kommen, um Ihres Umgangs noch
einige Zeit zu genieen. Ich berbringe zugleich das Geld und hoffe von
Ihren neuen Arbeiten etwas zu sehen. Mir ist dieser ganze Winter fr das
poetische Fach ungenutzt verstrichen. Geschffte, Theater und Societt
haben mir alle meine Stunden entweder weggenommen oder unbrauchbar
gemacht.

Herr von Brinkmann, der sich bey Ihnen auch recht wohl gefallen hat, war
uns eine angenehme Erscheinung, seine Lebhaftigkeit und seine
Theilnahme an so vielerley Gegenstnden, besonders der Litteratur,
machen seine Unterhaltung recht angenehm.

Ich bin neugierig Gotters letztes Lustspiel zu sehen glauben Sie da es
auf dem Theater Effect machen werde? Wir erwarten nun die Composition
der Zauberinsel, wir denken die Oper nach Ostern zu geben. Die
Zauberflte hat wieder viele Zuschauer aus der Nachbarschaft herbey
gelockt.

Leben Sie recht wohl gren Sie Ihre liebe Frau und erhalten mir ein
geneigtes Andenken.

Weimar am 24 Febr 1798.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Durchl. der Herzog haben mir befohlen Sie, werthester Herr Rath, morgen
frh in das sogenannte Rmische Haus zu fhren, um Sie mit Herrn Melisch
bekannt zu machen, dem groen Verehrer Schkespears und Bewunderer Ihrer
Uebersetzung.

Wollten Sie dehalb gegen 11 Uhr bey mir seyn?

Ich hoffe Sie heute Abend in der Comdie zu sehen.

Den 1ten May 1798.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Fr die Mittheilung der Holzschnitte danke ich recht sehr. Wenn Sie
ohnedie spatziren gehen und bey mir gegen zwlfe anfragen wollen, so
soll es mir angenehm seyn Sie und Ihre Freunde vielleicht zu sehen. Ich
erwarte Gste von Weimar und diese knnten vielleicht noch vor Tische
eine Promenade wnschen.

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Ew. Wohlgeb.

bersende die Holzschnitte alter und neuer Art mit vielem Dank, wovon
Sie Herrn Unger seinen Theil gefllig abtragen werden. Einige Bltter
die Ihnen angehren, liegen noch wohl verwahrt in Jena, sobald ich
hinber komme sollen auch diese zurckgegeben werden.

In meinem Aufsatz, den ich zum zweyten Stck der Propylen bestimme,
kann ich mit unserm guten Unger nicht einerley Meinung seyn; doch wird
sich zuletzt wohl noch eine Conciliation finden lassen. Das Unglck ist,
da die Englnder, in ihrer neuen Manier, durch eine viel leichtere
mechanische Behandlungsart, in gewissen Theilen weit mehr leisten als
die Deutschen, nach der alten Weise, jemals zu Wege bringen knnen.
Diese beyden Behandlungsarten gegen einander zu stellen ist eine Aufgabe
fr knftig, diesmal haben wir nur von den Effecten gesprochen.

Leben Sie recht wohl, da Sie zu Ihren Geschfften Gesundheit und
Heiterkeit so nthig haben. Ich mu die letzte Hlfte des Decembers
gewhnlich nur so hin laviren, vielleicht habe ich Anfang Januars das
Vergngen Sie wieder zu sehen. Weimar d 12 Dec. 1798.

                                                    =Goethe=

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Heute komme ich schon wieder um Sie um das =Schlo von Otranto= zu
ersuchen. Einige Frauenzimmer, die es noch nicht gelesen haben, mchte
ich gern in diese Wunder einfhren.

Dabey schicke ich die ersten Bogen der Propylen, die Sie vielleicht
nicht ungern etwas frhzeitiger lesen und mir gefllig bald wieder
zurckschicken.

Professor Meyer grt. Er hat die Recension von Fiorillo mit viel
Sorgfalt gearbeitet. Er lt den litterarischen Verdiensten dieses
wackern Mannes volle Gerechtigkeit wiederfahren, und trifft in den
Hauptpuncten durchaus mit ihm berein. Wo Recensent abweicht motivirt er
seine Ursachen sehr klar, wodurch diese Anzeige sehr unterrichtend wird.

Herr Unger hat ganz recht da sich schon in den frhern Holzschnitten
Spuren finden von der Art welche die Englnder nun so hoch empor gehoben
haben und desto sonderbarer ist es da man bisher davon keinen Gebrauch
gemacht hat, und da den Englndern die Ehre der Wiederentdeckung und
Cultur dieser verlohrnen Insel Ehre macht ist nicht zu leugnen. Wenn die
Sache nur erst recht ins Klare ist, giebt uns Herr Unger vielleicht
Muster von beyden mit einer kleinen Abhandlung ber die Differenz von
beyden Behandlungsarten.

An der Entdeckung guter und brauchbarer Stoffe in den ltern deutschen
Gedichten zweifle ich keineswegs und hoffe knftig auf deren
Mittheilung.

Ifflands Beknntnisse will ich nchstens lesen und wnsche zu allem was
Sie vorhaben, Gesundheit und gute Stimmung. Gren Sie mir Ihre liebe
Frau und gedenken mein. Weimar am 15 Dec. 1798.

                                                    =Goethe=

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Ew. Wohlgeb.

sende die Burg von Otranto in einer neuen Hlle zurck. Wenn auch diese
gleich der vorigen wird abgelesen seyn, so mchte wohl vom Buche selbst
nicht viel brig bleiben.

Die Recension von dem Knebelschen Properz scheint mir sehr gut und
zweckmig gerathen und der Gedanke den Verfasser mit sich selbst zu
vergleichen ist freundlich und fruchtbar. Ein Mann wie Knebel verdient
eine zarte Behandlung, da er von Natur zum umndern und ausbessern so
sehr geneigt ist.

Was ich fr ihn wnschte wre da er sich mit Ihnen in Connexion setzte,
um Ihres Rathes bey der Uebersetzung des Lucrez, auf die er eine
unsgliche Arbeit verwendet, zu genieen. Er liegt, wie Sie aus seiner
Vorrede bemerkt haben, noch an einer kleinen grammatisch prosodischen
Opposition krank. Es wrde ihm bey seiner Arbeit zum grten Vortheil
gereichen, wenn wir ihn davon heilen knnten, so da er die unleugbaren
Fortschritte, die man in den letzten Zeiten gemacht hat, anerkennte,
gewisse Grundstze zu befolgen sich entschlsse, und dadurch seinen Vers
gewi manchen Vortheil verschaffte. Ich mache ihm hierauf in einem
Briefe aufmerksam so wie ich mich darber bald mit Ihnen zu unterhalten
hoffe.

So eben empfange ich den zweyten Theil von Sternbald worber ich
nchstens mehr schreibe oder spreche.

Der ich recht wohl zu leben wnsche. Weimar am 28 Dec. 98.

                                                    =Goethe=

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Nur Ein Wort zur Begleitung des zweyten Stcks der Propylen und des
ersten Buches des Lukrez.

Die Vorbereitungen zu den Piccolomini nehmen uns alle Zeit weg, wir
haben nur noch acht Tage brig, das Stck wird den 30ten Jnner und den
2ten Februar gegeben, Freytag den 1ten wird Redoute seyn, ich hoffe Sie
werden diese Feyerlichkeiten nicht ganz verschmhen.

Den grten Theil des Februars hoffe ich in Jena zuzubringen.

Der ich recht wohl zu leben wnsche. Weimar am 22 Januar 1799.

                                                    =Goethe=

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Fr das bersendete dritte Stck des Athenums habe ich meinen Dank
nicht schrifftlich abgestattet weil ich bald nach Jena zu kommen hoffte,
wo ich mich denn auch befinde.

Wollten Sie die Gte haben mir die Bnde des Wallpol durch Ueberbringern
zu berschicken, so wollte ich solche gelegentlich nach Weimar senden um
die brigen dagegen zu erhalten.

Der ich recht wohl zu leben wnsche und Sie bald zu sehen hoffe. Jena am
26 Mrz 1799.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Indem ich das Buch ber die Religion mit Dank wieder zurck schicke,
lege ich auch den Lukrez wieder bey wenn Sie fr dieses Werk etwas thun
knnen was es auch sey, so werden Sie mir eine Geflligkeit erzeigen
sowohl ich als der Verfasser wrden es dankbar erkennen wenn Sie auch
nur im allgemeinen einige Bemerkungen machen wollten. Ich wnsche recht
wohl zu leben und hoffe Sie bald wieder zu sehen.

Jena am 14 Octobr 1799.

                                                    =Goethe=

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Mit den freundlichsten Wnschen zum neuen Jahre sende ich das fnfte
Propylenstck, dem ich Ihren und der Ihrigen Antheil wnsche.

Von den alten franzsischen Romanen habe ich nichts im Original
auftreiben knnen, indessen ist mir ein betagter deutscher Foliant in
die Hnde gefallen, der den Titel =des Buchs der Liebe= fhrt und in
welchem sich die Geschichte des =Tristans= und der =Iselde= befindet.
Zwar wei ich nicht, ob es eine Uebersetzung oder Umarbeitung ist, doch
wenn Sie das Buch berhaupt noch nicht gesehen haben, so wird es
interessant seyn es durchzulaufen.

Ich habe mich bisher mglichst fleiig gehalten und besonders an dem
allgemeinen Schema der Farbenlehre fortgearbeitet, wobey mich Herrn
Professor Schellings Neigung zu meiner Arbeit nicht wenig gefrdert hat.

Vielleicht schicke ich bald eine Abschrift meiner Elegieen zu
nochmaliger geflliger Durchsicht.

Sagen Sie mir doch auch was Sie und ihre Nchsten in dieser Zeit
vorgenommen haben.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein.

Weimar am 1 Januar 1800.

                                                    =Goethe.=

                   *       *       *       *       *

Seit dem neuen Jahre habe ich vergebens gehofft Sie, und wre es auch
nur auf kurze Zeit, in Jena zu sehen. Auch den nchsten Monat komme ich
schwerlich hier los. Ich nehme mir daher die Freyheit die Elegien zu
berschicken, ber die ich mich mit Ihnen gern noch mndlich unterhalten
htte.

Es sind zwey Exemplare, in dem einen werden Sie die von uns
angestrichenen Stellen, in dem andern die Correcturen finden die ich
versucht habe. Vielleicht finden Sie Mittel die bisher refractairen
Stellen zu zwingen. Sollte es nicht berall gehen; so wollen wir uns
drein ergeben und der Zukunft etwas vorbehalten.

Wenn wir uns wiedersehen habe ich manches mitzutheilen und ich bin
berzeugt da von Ihrer Seite ein Gleiches nicht fehlen wird.

Leben Sie recht wohl und erneuern Sie mein Andenken in Ihrem Kreise.
Weimar am 26 Febr 1800.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Durch die Vorschlge zur Verbesserung meiner Elegieen haben Sie mir eine
besondere Geflligkeit erzeigt. Ich habe sie meistens eingeschaltet und
nun folgt mit meinem Dank freylich auch die zweyte Sammlung. Sogar die
Epigramme werden nachkommen, welche Ihrer Theilnahme vielleicht am
meisten bedrfen.

Meine gegenwrtige Lage ist so unpoetisch als uncritisch und es sind mir
daher bey diesem Geschfft, dem ich nicht ausweichen kann die
freundschafftlichen Winke um desto schtzbarer.

Mit Verlangen erwarte ich was Sie und Ihre Geistesverwandten uns neues
zubereiten. Gren Sie alle.

Den guten Tiek bedaure ich sehr. Ich habe diese Zeit her manchmal an ihn
gedacht und beklagt, da ein so schnes Talent, in seiner Blthe, solche
Hindernisse freyer und frhlicher Kraftausbung erfahren soll.

Haben Sie doch die Gte Herrn Professor Schelling zu sagen: da der Van
Cower bey mir liegt. Unter den Karten findet sich nichts da auf
Abweichung der Magnetnadel Bezug htte. Das Werk selbst konnte ich nicht
durchlaufen und habe es bis jetzt nicht geschickt, weil es drey groe
Quartbnde sind.

Vielleicht kann mir Herr Schelling bezeichnen welcher von diesen Bnden
ihm interessant ist, sonst kann ich sie auf Verlangen alle drey senden.

Leben Sie recht wohl und erhalten mir ein geneigtes Andenken, so wie ich
immer an dem was Sie leisten, so wie an dem was Ihnen begegnet einen
lebhaften Antheil nehme. Weimar am 5 Mrz 1800.

                                                    =Goethe=

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Auch die Epigramme folgen hier zu geflliger Durchsicht. Wie sehr htte
ich gewnscht diese Revision mit Ihnen in Jena machen zu knnen, da die
Deliberation in einem solchen Falle so instructiv ist.

Sie finden ein einziges neues Epigramm und ich habe sie berhaupt nicht
numerirt weil Sie vielleicht eins oder das andere heraus votiren wenn es
gar zu refractair seyn sollte. Wie z.B. das mit dem doppelten Ueberall.

Die Weissagungen des Bakis sollten eigentlich zahlreicher seyn damit
selbst die Masse verwirrt machte. Aber der gute Humor, der zu solchen
Thorheiten gehrt, ist leider nicht immer bey der Hand.

Auch lege ich die Metamorphose der Pflanzen bey die denn leider sehr
isolirt stehen wird.

Leben Sie recht wohl und verzeihen

Weimar am 20 Mrz 1800.

                                                    G

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In dankbarer Erwiederung Ihrer Sendung lege ich hier das erste der
famosen Sonnette bey, nach und nach sollen die brigen anlangen. ber
dem Portal steht das Gegenwrtige warlich nicht unbedeutend. Sie
erhalten zugleich auch meine Uebersetzung des Mahomets. Da sie einmal
gemacht ist, wollen wir sie doch zum besten kehren und nutzen. Lassen
Sie uns denselben zum Grunde legen wenn wir uns gelegentlich ber unsern
Jambus, und besonders ber dessen dramatischen Gebrauch unterhalten.

Haben Sie Dank da Sie meine Jahreszeiten ausschmcken wollen. Die
Episteln, dcht ich, liee man liegen, bis sich etwa die Lust findet
etwas neues in dieser Art zu machen.

Ob es der Mhe werth seyn wird den Reineke Fuchs nochmals gleichsam
umzuarbeiten darber mssen wir gelegentlich zu Rathe gehen.

Die Uebersetzung der Walpolischen Schrifften ist mir sehr willkommen.
Die groen Quartbnde des Originals schreckten mich ab, und eine
Auswahl, wie sie Ihre Vorrede einleitet ist freylich einladender.

Mchte doch das Frhjahr auf Ihre liebe Gattin einen guten Einflu
haben. In einiger Zeit hoffe ich mit einem guten Glas ungarischen
aufwarten zu knnen.

Die Herren Meyer und Bry empfehlen sich bestens. Da wir smmtlich jetzt
nicht viel vom Flecke kommen, so htten wir gewnscht da Sie neulich
Ihren Besuch mchten verlngert haben. Auch htten wir noch gar gerne
mehr von der spanischen Litteratur vernommen. Ein Land, das man selbst
nicht mehr besuchen wird, hrt man so gern von scharfsinnigen Reisenden
beschreiben.

Nicht allein Ihre grammatische, sondern auch Ihre critische Bemerkungen
im allgemeinen knnten einem Werke, das ich angefangen habe, sehr zu
statten kommen, wenn ich nur den Muth htte gegenwrtig daran zu denken.
Doch wage ich nichts davon sehen zu lassen, bis ich weiter vorgerckt
bin.

Leben Sie indessen so wohl als fleiig und gedenken Sie unser in Ihrem
Kreise.

Weimar am 2 April 1800.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Schillern habe ich nicht in Weimar angetroffen, er hat sich nach
Ettersburg begeben um dort ungestrter arbeiten zu knnen. Ich kann
Ihnen daher von seiner Entschliessung wegen des Almanachs nichts melden
doch wollte ich nicht ganz schweigen und sende daher diese Zeilen ab.
Leben Sie recht wohl in dem Leipzig, das nun wohl bald ruhiger werden
wird und wenn Sie in unserer Nhe sind hoffe ich Sie bald einmal wieder
bey uns zu sehen. Weimar am 19 May 1800.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Indem ich den mir communicirten Brief und das erste Exemplar Ihrer
Gedichte zurck schicke melde ich dankbar da Ihre heutige Sendung
angekommen ist worauf ich das weitere nchstens antworten werde.

Weimar am 31 May 1800.

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Ueber Ihre Sache mag ich nachdenken wie ich will, so kann ich Ihnen
nicht rathen sie an die Hfe zu bringen. Die Ursachen das nchste mal
wenn ich Sie spreche.

Da Sie aber freylich zu der Ihnen zugefertigten Resolution nicht ganz
stille schweigen knnen, so schlage ich vor beyliegendes Schreiben an
den Senat abzulassen. Sie werden die Absicht desselben leicht erkennen;
doch mu ich Sie dabey ersuchen ja darinnen nichts abzundern, obgleich
der Styl nicht der beste ist. Wollten Sie es ja thun so wnschte ich
vorher das vernderte Concept zu sehen.

Von Ihrem Gedichte, das Schiller auch mit Vergngen gelesen hat, bey
Uebersendung desselben nchstens.

Weimar am 10 Juni 1800.

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Die bersendeten _Don Quixote_ sind glcklich angekommen. Wenn Sie die
andern Bnde gebrauchen, so haben sie nur die Geflligkeit sie von mir
zu verlangen.

Ihren Herrn Bruder wrde ich auf den nchsten Mittwoch mit Vergngen bey
mir sehen, ich will mich einrichten da wir uns ruhig unterhalten
knnen. Doch wre mir angenehm wenn ich, durch die Botenfrauen bey
zeiten Mitwochs, oder, die vorhergehenden Tage, durch die Post,
Nachricht erhalten knnte.

Was die bewute Sache betrifft sage ich meine weitern Gedanken mndlich;
denn endlich hoffe ich Sie einmal auf krzere oder lngere Zeit, in Jena
zu sehen.

Die verlangten Stcke sind mit der Theaterbibliothek nach Lauchstdt.

Leben Sie recht wohl und gren Ihren Herrn Bruder. Weimar am 12 Jul
1800.

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Viel Dank fr Ihre freundliche Zuschrifft und die Versicherung meiner
Freude ber Ihre glckliche Zurckkunft. Auch ich werde bald wieder in
Ihrer Nhe seyn und hoffe auf manche angenehme und lehrreiche
Unterhaltung.

Da _Mad:_ Unzelmann sich entschliet zu uns zu kommen ist mir hchst
angenehm, haben Sie die Gte ihr das, mit meinem schnsten Grue,
eiligst zu vermelden. Ich werde zwar mit der nchsten directen Post auch
an sie schreiben, diese geht aber erst bermorgen Nachmittag ab und es
kommt darauf an, welcher von unsern Briefen sie zuerst erreicht. Leben
Sie recht wohl und besuchen Sie mich ja, sobald ich nach Weimar komme.
Nach dem verlangten Buche will ich mich sogleich erkundigen.

Kassel am 18 August 1801.

                   *       *       *       *       *

Auf mehrere Ihrer werthen Briefe habe ich nicht geantwortet; Sie
verzeihens, da ich inde nicht weniger an Sie gedacht und an allem was
Sie betrifft Theil genommen habe. Aus der Vorstellung Ihres =Ions= hat
sich eine Ilias von Hndeln entwickelt, die, wie ein chtes
rhapsodisches Werk, noch immer kein Ende nehmen will.

Knnen Sie es einrichten da Sie Pfingsten in Weimar sind; so treffen
Sie mich daselbst. Vielleicht wird es auch mglich alsdann Ihren =Ion=
zu geben.

Knnen Sie mir eine leichte Skizze von Genelli's Decoration verschaffen;
so wrde ich, in so fern es mglich, die Idee fr unser Theater nutzen.
Der Tempel war die schwchste Seite unserer Darstellung, den ich wohl
mit einem bedeutendern knftig auswechseln mchte.

Schicken Sie mir doch baldigst die Nachtrge zu =Alarkos=, den ich
ehestens geben werde; die Rollen sind schon ausgeschrieben. Das Stck
hat mir in seiner Gedrngtheit viel Vergngen gemacht, weniger
=Octavian= in seiner Diffusion, ob man gleich das Tiekische Talent, im
Einzelnen, nicht verkennen kann.

Gren Sie den Bruder Bildhauer aufs beste und treiben ihn an da er
bald kommt. Ich wnschte, wenn Durchl. der Herzog von den Inspectionen
zurckkommen, da schon etwas gethan wre.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein und erfreuen sich der guten
Aufnahme, die Sie in Berlin gefunden haben.

Ihr Herr Bruder, den ich gelegentlich zu gren bitte, hat noch einige
Bcher, die Theils mir, theils der Bibliothek angehren, ich wnschte,
da er sie mir bald wieder zurckstellen knnte. Jena am 3 Mai 1802.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Das Lustspiel, welches Sie mir vor einiger Zeit gesendet, htte ich gern
auf das Theater gebracht, um die Wirkung davon zu erfahren; allein ich
konnte die zwei Frauenzimmer, welche in Mannskleidern erscheinen mssen,
nicht so austheilen, da ich gegrndete Hoffnung des Gelingens htte
fassen knnen. Will der Verfasser es auf andern Theatern versuchen, so
wte ich nichts dagegen zu erinnern.

Denn es steht berhaupt mit den Concurrenzstcken wunderlich. Es sind
dreyzehen angekommen, davon keines aufzufhren war, ob man gleich
einigen manches Verdienst zusprechen mute.

Uns haben diese Erscheinungen Vergngen und Belehrung gegeben, wollte
man aber ffentlich darber sprechen; so wre mehr Zeitaufwand nthig,
als das Resultat werth seyn knnte. Vielleicht spreche ich einmal, im
Vorbeygehen, bey anderer Gelegenheit, davon.

Der gute Tiek, dessen Zustand ich bedaure, setzt mich, durch sein
Auenbleiben, in nicht geringe Verlegenheit. Sagen Sie ihm die und
wiederholen Sie meinen Wunsch, da er sich bald auf den Weg machen mge.
Es ist ihm erinnerlich da ich ihn ltern Concurrenten vorgezogen und es
ist leicht mglich da, bey Rckkunft Durchl. des Herzogs, welcher, nach
einer ausdrcklichen Aeuerung bey seiner Abreise, Herrn Tiek schon in
vlliger Arbeit zu finden glaubt, jene Verhltnisse, auf eine fr mich
sehr unangenehme Weise, zur Sprache kommen knnten. Ja es bleibt mir
nichts brig als noch eine kurze Zeit abzuwarten und alsdann Herrn Tiek
einen peremtorischen Termin zu setzen, welches ich nicht gern thue, doch
aber auch die Verantwortung einer solchen Zgerung nicht auf mich nehmen
kann.

Leben Sie recht wohl und thtig und gedenken mein. Jena am 13 May 1802.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

    Weimar am 2 Octbr 1803.

Die Beylagen werden mich genugsam entschuldigen, wenn ich auf Ihre
theilnehmende Briefe nicht schneller antwortete, ja wenn ich heute nur
einen flchtigen Laut von mir hren lasse.

Seit einigen Wochen bin ich mit der Ausstellung beschftigt, deren
Einrichtung immer viel Mhe macht, die Abende habe ich meist dem Csar
gewidmet, um ihn, im einzelnen und im ganzen zu probiren. Ich habe mich
recht gesammelt, mit vlligem Bewutseyn diese schwierige Unternehmung
zu leiten und ich kann sagen da alle, die dabey zu thun haben, sich
nach Vermgen bestrebten mit dem Autor und Uebersetzer zu wetteifern.

So eben erhalte ich ein Billet von Freund Schillern und lasse ihn
sprechen:

    Diesen Vormittag gehe ich nach Jena. Ich nehme einen groen
    Eindruck mit und ber 8 Tage bey der zweyten Vorstellung werde ich
    Ihnen etwas darber sagen knnen. Es ist keine Frage da der Julius
    Csar alle Eigenschaften hat um ein Pfeiler des Theaters zu werden.
    Interessante Handlung, Abwechslung und Reichthum, Gewalt der
    Leidenschaft und sinnliches Leben _vise a vise_ des Publikums -- und
    der Kunst gegenber hat er alles was man wnscht und braucht. Alle
    Mhe, die man also noch daran wendet ist ein reiner Gewinn und die
    wachsende Vollkommenheit bey der Vorstellung dieses Stcks mu
    zugleich die Fortschritte unsers Theaters zu bezeichnen dienen.

Wie gern mchte ich Sie nun bald mit diesem Stck bewirthen und es durch
Ihre Gegenwart, Berathung und Theilnahme immer weiter zu steigern.

Wie Sie uns besuchen, so gewinnen wir fr das critische Institut sehr
viel; denn schreiben lt sich warlich jetzt nicht was man ber die Lage
unserer Litteratur denkt.

Schreiben Sie mir voraus wann Sie einzutreffen denken? kann ich Sie
nicht selbst logiren; so besorge ich Ihnen ein Quartier in der Nhe und
an meinem Tisch sollen Sie immer heitere Gesellschaft finden. Bis dahin
sey manches verspart. Heute nur noch so viel:

Haben Sie ja die Geflligkeit Herrn Steffens zu ersuchen da er bald die
Reihe Schrifften anzeigt, welche er nachzuholen und zu beurtheilen
geneigt ist. Sobald ich nur ein wenig zur Besinnung komme schicke ich
einen Brief fr ihn. Es thut mir sehr leid ihn nicht gesprochen zu
haben.

Dank fr die Blumenstrue! Es sind wirklich Erscheinungen aus einer
andern Welt.

Wenn Sie zu uns kommen hoffe ich Ihnen wenigstens einige Scenen aus dem
Calderon bey verschlossenen Thren sehen zu lassen. Ich habe
didascalische Stunden eingeleitet, die mir viel Vergngen gewhren und
wodurch die ffentlichen Vorstellungen sehr gewinnen. So habe ich seit
acht Wochen drey Junge Leute, die noch nie oder kaum auf dem Theater
gewesen, dergestalt zugerichtet, da sie im Csar einklingend auftreten
konnten. Ohne diese Vorbereitung wre diese Vorstellung unmglich
gewesen.

                                                    G.

                   *       *       *       *       *

    Weimar am 2 Octobr 1803.

Vom werthen Schelling wei ich leider nichts zu sagen als da jeder
Gedanke an ihn von dem Bedauern ber seinen Verlust begleitet ist. Man
sagt er sey in Wrzburg wirklich angestellt. Ich wnsche ihm, wo er auch
sey, das Glck das er verdient.

So eben gehen mir noch Belobungsschreiben wegen der gestrigen Auffhrung
zu. Man bemerkt da das Stck in England nie unverkrzt und seit 50
Jahren gar nicht mehr gegeben worden weil Garrick selbst einmal daran
gescheitert war. Man erinnert sich des groen Aufwandes den Herr
v.Dalberg in Manheim vormals gemacht hatte ohne das Stck beleben oder
lebendig erhalten zu knnen.

Sie nehmen gewi Theil an der Freude dieses Gelingens. An Sorgfalt haben
wir es wenigstens nicht fehlen lassen. Nchstens mehr.

                                                    G


    Am 3ten Octobr.

Bey dem Rumor, welchen die Auffhrung des Csars erregt hat es mich sehr
gefreut da das Publikum unaufgefordert einsieht da nur Ihre
Uebersetzung eine solche Darstellung mglich gemacht. Ich wnsche da
Sie Zeuge seyn mgen von der guten Disposition die dadurch entstanden.

                   *       *       *       *       *

Meine letzten Bltter die ich abschickte, waren, so viel ich mich
erinnere nur voll von Julius Csar, und Sie haben gewi, statt mir die
Leidenschafft zu verargen, mein Interesse getheilt. Heute und morgen
Abend beschftigen mich wieder die Proben davon, um so manches
nachzuholen und aufzuputzen. Sonabend den 8ten wird die zweyte
Vorstellung seyn.

Einen Kunstgriff mu ich Ihnen noch mittheilen, den ich gebraucht, um
die Sinnen zu reizen und zu beschftigen; ich habe nmlich den
Leichenzug viel weiter ausgedehnt als das Stck ihn fordert, und, nach
den Ueberlieferungen aus dem Alterthum, mit blasenden Instrumenten,
Lictoren, Fahnentrgern, mit verschiedenen _Feretris_, welche Stdte,
Burgen, Flsse, Bilder der Vorfahren, zum schauen bringen, ferner mit
Freygelassnen, Klageweibern, Verwandten &c. ausgeschmckt, da ich
dadurch auch die rohere Masse heranzuziehen, bey halbgebildeten, dem
Gehalte des Stcks mehr Eingang zu verschaffen und gebildeten ein
geneigtes Lcheln abzugewinnen hoffe.

Ich breche ab, mit dem Wunsche da Sie es selbst sehen mgen; denn sonst
km' ich in Gefahr wieder ein Blatt nach dem andern mit Betrachtungen
ber den Werth des Stcks, so wie der Uebersetzung, ber unsere
bisherige Leistungen und ber unsere ernstlichen Vorstze auszufllen.

Lassen Sie uns dagegen ein Wort von dem critischen Institute sprechen.
Sie haben das was dabey zu thun ist in Ihrem ersten Briefe so gut
geschildert, da ich nichts hinzu zu setzen brauche.

Die versumten Bcher nachzuholen ist allerdings ein Haupterforderni
und kann gleich dadurch das erste Vierteljahr gehaltvoll werden. Mgen
Sie mir also Beytrge zu dem Verzeichni, mit einigen Vorschlgen der
Vertheilung, liefern, so werden Sie unsere Entschlsse beschleunigen und
bestimmen helfen.

An Herrn Steffens lege ich einen Brief offen bey; Sie werden auch aus
demselben sehen da wir durchaus einstimmig sind. Es kann auch wohl bey
Mnnern die die Sache durchschauen nur Eine Stimme seyn.

Durchaus hoffe ich das Beste. Denn wenn diejenigen die productiv sind
und auf mancherley Weise etwas leisten knnen, die Critik im
eigentlichen Sinne, nicht wohl treiben mgen; so ist es denn doch auch
erfreulich gelegentlich die Ideen und Maximen, von denen unsere brige
Thtigkeit geleitet und bestimmt wird, auszusprechen und auch durch die
Reflexion dem Unsichtbaren und unaussprechlichen eine Art von Krper zu
leihen. Und die bey Gelegenheit, nicht etwa _ex professo_, wozu man
sich nicht leicht entschliet. Hiemit lassen Sie mich endigen, damit der
Brief heute fortkomme.

Sollte es Ihre Lage, wie ich wnsche, erlauben uns zu besuchen; so
wnsche ich es bey Zeiten zu erfahren damit Sie mich in Weimar finden.

W. d. 6ten Octobr 1803.

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Da wir von einem Posttage zum andern auf Ihre bedeutenden Beytrge
warten, knnen Sie wohl selbst denken. Von Ihnen, Steffens, Bernardi,
Schleyermacher vernehmen wir kein Wort, mchten Sie doch smmtlich bald
sich desto erfreulicher zeigen! Mehr sage ich nicht und fge nur ein
herzliches Lebewohl hinzu

Weimar am 12 Jan. 1804.

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

Knnt ich einen bessern Dank fr das Ueberschickte und einen bedeutendern
Gru als durch HE. Hofr. v.Mller bermachen

W. d. 7 Febr 1804

                                                    G

                   *       *       *       *       *

Frau von Stael wnscht Sie nher zu kennen, sie glaubt da einige Zeilen
von mir die erste Einleitung erleichtern. Ich schreibe sie gern, weil
ich nun Dank von beyden Theilen verdiene, wo sich alles von selbst
gegeben htte. Erhalten Sie mir ein freundliches Andenken.

W. d. 1 Mrz 1804

                                                    =Goethe=

                   *       *       *       *       *

An der freundlich baldigen Erfllung meines bescheiden geuerten
Wunsches, durft ich wohl ein fortgesetztes frheres Wohlwollen dankbar
gewahr werden.

Das folgereiche Gelingen eines jeden Unternehmens, dem Sie Ihre
Thtigkeit widmen mchten, war mir niemals zweifelhaft und so bin ich
auch Ihren Bemhungen in der indischen Literatur mit Antheil, wenn auch
nur von ferne gefolgt, und freue mich zu sehen wie auch hier Kritik und
Technik dem belebenden Genius willfhrig die Hand reichen.

Kann ich zwar der indischen Kunst, insofern sie plastisch ist, nicht
gnstig seyn, da sie die Einbildungskraft, anstatt sie zu sammeln und zu
regeln, zerstreut und verwirrt; so gehr ich doch gewi zu den
redlichsten und bestndigsten Verehrern jener Dichtkunst, die aus den
abstruesten Regionen des Geistes durch alle Stufen des innern und
uern Sinnes uns auf die bewundernswrdigste Weise hindurch fhrt.

Ueber allem und jedem Zwiespalt eine glckliche Vermittelung zu finden,
mcht ich gar zu gern unter den Merkwrdigkeiten Bonns auch Ihrer
gesammelten Bildschtze mich erfreuen und unter Ihrer Leitung in einer
so erfreulich charakteristischen Region mich mit allem Hohen und Tiefen
so wie mit allem uern und Innern in vollkommenem Einklang fhlen.

                                                gehorsamst

                                                    JW v =Goethe=.

        Weimar
    den 15 _Decbr._
         1824

Als Nachschrift fge den Wunsch hinzu, da Gesundheit und alles Gnstige
das groe Unternehmen =Ramajana= herauszugeben befrdern mge. Wie ich
mir denn die Freyheit nehme fr Groherzogl. Weimarische Bibliothek auf
ein Exemplar der vier Lieferungen hiermit zu unterzeichnen.

                                                    JW v =Goethe=

       Weimar
    den 15. Decbr
        1824.


                    Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.


    [Nachtrglich.]

Fr so manches Gute und Angenehme habe ich Ihnen nicht gedankt, nicht
fr Ion, nicht fr Calderon. Ein angefangener Brief liegt schon lange da
und Muse zum Briefschreiben kommt nie, wenn man sie erwartet. Nun regt
eine uere Veranlassung mich auf Ihnen zu schreiben, eine alte Schuld
abzutragen und neue Verhltnisse anzuknpfen.

Das alte Band der jenaischen Litteraturzeitung lst sich auf, neue
mssen geknpft werden und ich mag wohl, um des allgemeinen Besten
willen, aus meiner Ruhe heraus treten und mit an einem neuen Institut
Theil nehmen, wozu sich alles was wacker und tchtig bey uns ist, zu
versammeln verspricht.

Sage ich Ihnen da man auch Ihre Theilnahme aus der Ferne wnscht; so
vernehmen Sie nichts unerwartetes. Ihr Geist, der sich, in Production
sowohl, als Urtheil, thtig zeigt, wird sich zu einer Anstalt neigen,
die nicht sowohl Zerstreutes versammeln, als das was von Natur zusammen
gehrt, vereinigen mchte.

Haben Sie daher die Gte mir vorlufig zu schreiben: ob, und in wie fern
Sie beyzutreten gedenken? ob Ihnen Bcher im Sinne schweben ber welche
Sie Ihr Urtheil sagen mchten und ob wir noch manches vor Weihnachten
erwarten drften?

Sobald ich Ihre Gesinnung nher wei schreibe ich weitlufiger und freue
mich zum Voraus darauf, da dieser Anla unsere Correspondenz beleben
wird, welche, selbst unter Gleichgesinnten, ohne besonderes Interesse,
gewhnlich ermattet.

Sie haben unter Ihren Freunden gewi noch manchen jungen Mann, der, mit
schnen Talenten und Kenntnissen, einen vorschreitenden Geist und mige
Gesinnungen verbindet; wollten Sie mir wohl Rahmen und nhere
Verhltnisse bekannt machen.

Der ich fr diemal schliee, recht wohl zu leben wnsche und mich
bestens empfehle.

Wenn Sie an Ihren Herrn Bruder nach Paris schreiben, so gren Sie ihn
schnstens von mir. Auch ihm bin ich einen Brief schuldig und wohin bin
ich nicht Briefe schuldig!

Weimar am 5 Sept. 1803.

                                                    =Goethe=





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Schlegel, by Johann Wolfgang Goethe and Friedrich Schiller

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