The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Vierter Band

Author: Thomas Babington Macaulay

Translator: Wilhelm Hartwig Beseler

Release Date: October 25, 2009 [EBook #30331]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND--VIERTER BAND ***




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  Thomas Babington Macaulay's

  Geschichte von England


  seit der

  Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.


  Aus dem Englischen.


  +Vollstndige und wohlfeilste Stereotyp-Ausgabe.+


  Vierter Band.


  Leipzig, 1854.
  _G. H. Friedlein._


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  Siebentes Kapitel.

  Jakob II.




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Wilhelm, Prinz von Oranien                                       5
  Sein ueres                                                     5
  Sein frheres Leben und seine Erziehung                          5
  Seine religisen Ansichten                                       7
  Seine militairischen Talente                                     8
  Sein Vergngen an Gefahren; seine schlechte Gesundheit          10
  Klte seines Benehmens und Heftigkeit seiner Gemthsregungen    10
  Seine Freundschaft fr Bentinck                                 10
  Marie, Prinzessin von Oranien                                   12
  Gilbert Burnet                                                  14
  Er vermittelt eine innigere Annherung zwischen dem Prinzen
      und der Prinzessin                                          17
  Beziehungen Wilhelm's zu den englischen Parteien                18
  Seine Gesinnungen gegen England                                 18
  Seine Gesinnungen gegen Holland und Frankreich                  19
  Seine Politik durchaus consequent                               22
  Vertrag von Augsburg                                            24
  Wilhelm wird das Oberhaupt der englischen Opposition            25
  Mordaunt schlgt Wilhelm eine Landung in England vor            26
  Wilhelm verwirft den Rath                                       26
  Unzufriedenheit in England nach dem Sturze der Hyde             27
  Bekehrungen zum Papismus; Peterborough, Salisbury               27
  Wycherley, Tindal, Haines                                       28
  Dryden                                                          29
  +The Hind and Panther.+                                       30
  nderung in dem Verfahren des Hofes gegen die Puritaner         32
  In Schottland theilweise Duldung gewhrt                        35
  Persnliche Bearbeitung Einzelner im kniglichen Kabinet        36
  Erfolglosigkeit der persnlichen Bearbeitung                    37
  Admiral Herbert                                                 37
  Die Indulgenzerklrung                                          37
  Stimmung der protestantischen Dissenters                        39
  Stimmung der anglikanischen Kirche                              40
  Der Hof und die Kirche                                          40
  Brief an einen Dissenter.                                     42
  Benehmen der Dissenters                                         43
  Einige von ihnen halten es mit dem Hofe. Care, Alsop,
      Rosewell                                                    45
  Lobb                                                            46
  Penn                                                            46
  Die Mehrzahl der Puritaner ist gegen den Hof. Baxter            46
  Howe                                                            47
  Bunyan                                                          47
  Kiffin                                                          49
  Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die
      Indulgenzerklrung                                          52
  Vertheidigung ihrer Ansichten bezglich der englischen
      Katholiken                                                  53
  Jakob's Feindschaft gegen Burnet                                57
  Sendung Dykvelt's nach England                                  59
  Unterhandlungen Dykvelt's mit englischen Staatsmnnern          59
  Danby                                                           60
  Nottingham                                                      60
  Halifax                                                         61
  Devonshire                                                      62
  Eduard Russel                                                   64
  Compton. -- Herbert. -- Churchill                               65
  Lady Churchill und die Prinzessin Anna                          66
  Dykvelt kehrt mit Briefen von vielen angesehenen Englndern
      nach dem Haag zurck                                        68
  Zulestein's Sendung                                             69
  Zunehmende Feindschaft zwischen Jakob und Wilhelm               70
  Einflu der hollndischen Presse                                71
  Stewart's und Fagel's Correspondenz                             71
  Castelmaine's Gesandtschaft in Rom                              72




[_Wilhelm, Prinz von Oranien._] Wilhelm Heinrich, Prinz von
Oranien-Nassau, nimmt in der Geschichte Englands und der gesammten
Menschheit eine so bedeutende Stelle ein, da es wnschenswerth
erscheint, die markirten Zge seines Characters mit einiger
Ausfhrlichkeit zu zeichnen.[1]

    [Anmerkung 1: Die Hauptquellen, aus denen ich meine Schilderung
    des Prinzen von Oranien geschpft habe, sind Burnet's Geschichte,
    Temple's und Gourville's Memoiren, die Unterhandlungen der Grafen
    Estrades und Avaux, Sir Georg Downing's Briefe an den Lordkanzler
    Clarendon, Wagenaar's umfangreiches Geschichtswerk, Van Kampen's
    +Karakterkunde Vaderlandsche Geschiedenis+, und vor Allem
    Wilhelm's eigene vertrauliche Correspondenz, von welcher der
    Herzog von Portland Sir Jakob Mackintosh eine Abschrift zu nehmen
    erlaubte.]


[_Sein ueres._] Er stand jetzt in seinem siebenunddreiigsten
Lebensjahre, war aber krperlich und geistig lter als andere Leute in
diesen Jahren. Man knnte fast sagen, er sei niemals jung gewesen. Sein
ueres ist uns fast eben so gut bekannt, als seinen eigenen Heerfhrern
und Rthen. Bildhauer, Maler und Mnzschneider haben ihre ganze
Geschicklichkeit aufgeboten, um seine Zge der Nachwelt zu berliefern,
und diese waren von der Art, da kein Knstler sie verfehlen und da,
wer sie einmal gesehen, sie nie vergessen konnte. Sein Name erinnert uns
sogleich an eine schmchtige und zarte Gestalt, an eine hohe und breite
Stirn, an eine wie der Schnabel eines Adlers gebogene Nase, an ein Paar
Augen, die an Glanz und Schrfe mit denen des Adler wetteiferten, an
eine gedankenvolle, etwas finstre Miene, einen festen und etwas
mrrischen Mund, an eine bleiche, eingefallene und durch Krankheit und
Sorgen tief gefurchte Wange. Dieses gedankenvolle, ernste und feierliche
Aussehen konnte kaum einem glcklichen und lebensfrohen Manne angehrt
haben; aber es verrth in unverkennbarer Weise die Befhigung zu den
schwierigsten Unternehmungen und einen durch kein Migeschick und durch
keine Gefahren zu erschtternden Muth.


[_Sein frheres Leben und seine Erziehung._] Die Natur hatte Wilhelm mit
allen Eigenschaften eines groen Herrschers reich ausgestattet und die
Erziehung hatte diese Eigenschaften in nicht gewhnlichem Grade
entwickelt. Mit einem scharfen natrlichen Verstande und einer seltenen
Willenskraft sah er sich, als sein Geist zu erwachen begann, als vater-
und mutterlose Waise, als das Oberhaupt einer groen, aber unterdrckten
und entmuthigten Partei und als den Erben ausgedehnter aber unbestimmter
Ansprche, welche die Furcht und die Abneigung der damals in den
Niederlanden herrschenden Oligarchie erregten. Das gemeine Volk, das
seit einem Jahrhundert seinem Hause treu ergeben war, bewies so oft es
ihn sah, auf nicht zu verkennende Weise, da es ihn als sein
rechtmiges Oberhaupt betrachtete. Die geschickten und erfahrenen
Minister der Republik, die seinen Namen tdtlich haten, brachten ihm
tglich ihre erzwungene Huldigung dar und beobachteten dabei die
Fortschritte seines Geistes. Die ersten Regungen seines Ehrgeizes wurden
sorgfltig bewacht, jedes unberlegte Wort, das ihm entschlpfte, wurde
niedergeschrieben, und er besa nicht einen einzigen Rathgeber, auf
dessen Ausspruch Vertrauen gesetzt werden konnte. Er war kaum funfzehn
Jahre alt, so wurden alle Diener, die seinem Interesse ergeben waren und
die sein Vertrauen genossen, von der mitrauischen Regierung aus seinem
Hause entfernt. Er strubte sich dagegen mit einer weit ber seine Jahre
hinausgehenden Energie, aber vergebens. Aufmerksame Beobachter sahen
mehr als einmal Thrnen in den Augen des jungen Staatsgefangenen. Seine
von Haus aus zarte Gesundheit war eine Zeit lang durch die
Gemthsbewegungen, die seine traurige und vereinsamte Stellung erzeugte,
ernstlich erschttert. Eine solche Lage macht den Schwachen muthlos und
bestrzt, dem Starken giebt sie eine verdoppelte Kraft. Von Schlingen
umgeben, in denen ein gewhnlicher Jngling umgekommen sein wrde,
lernte Wilhelm vorsichtig und zu gleicher Zeit energisch auftreten.
Schon lange bevor er das Mannesalter erreicht, verstand er es,
Geheimnisse zu bewahren, die Neugierde durch trockene und wohlberlegte
Antworten abzutrumpfen und alle Leidenschaften unter dem nmlichen
Scheine ernster Ruhe zu verbergen. In der feinen Weltbildung und in
literarischen Kenntnissen machte er dagegen nur geringe Fortschritte.
Dem Benehmen des hollndischen Adels jener Zeit fehlte die
liebenswrdige Anmuth, welche bei den gebildeten Franzosen in hchster
Vollkommenheit zu finden war und in geringerem Grade auch den englischen
Hof zierte; seine Manieren waren durchaus hollndisch. Selbst seine
eigenen Landsleute nannten ihn plump, und Auslndern erschien er oft
noch mehr als dies. In seinem Verkehr mit der Welt im Allgemeinen schien
er jene Fertigkeiten, welche den Werth einer Gunstbezeugung erhhen und
einer Verweigerung die Spitze abbrechen, nicht zu kennen oder sie zu
verschmhen. Die Literatur und die Wissenschaften interessirten ihn
wenig; er wute nichts von den Entdeckungen eines Newton und Leibnitz,
von den Poesien eines Dryden und Boileau; dramatische Darstellungen
langweilten ihn und er war froh, wenn er den Blick von der Bhne
abwenden und von ffentlichen Angelegenheiten sprechen konnte, whrend
Orestes raste oder Tartffe der Elmira die Hand drckte. Er besa zwar
einiges Talent zu Sarkasmen und entfaltete nicht selten ganz unbewut
eine sonderbar klingende, aber krftige und originelle natrliche
Redekunst, aber nach den Titel eines Schngeistes oder eines Redners
strebte er nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf diejenigen Studien
gerichtet gewesen, welche einen tchtigen und umsichtigen Geschftsmann
bilden. Von Kindheit an hrte er mit Interesse zu, wenn wichtige Fragen
ber Bndnisse, Finanzen und Krieg besprochen wurden. Von der Geometrie
lernte er soviel als zum Bau einer Schanze oder eines Hornwerks nthig
war. Von fremden Sprachen lernte er mit Hlfe seines ausgezeichneten
Gedchtnisses soviel als er bedurfte, um Alles, was mit ihm gesprochen
wurde, und jeden Brief, den er empfing, verstehen und beantworten zu
knnen. Das Hollndische war seine Umgangssprache. Er verstand
Lateinisch, Italienisch und Spanisch, sprach und schrieb Franzsisch,
Englisch und Deutsch, zwar nicht elegant und grammatisch richtig, aber
flieend und verstndlich. Keine Fhigkeit konnte wichtiger sein fr
einen Mann, der dazu bestimmt war, groe Bndnisse zu organisiren und
Armeen zu commandiren, die aus verschiedenen Nationalitten
zusammengesetzt waren.


[_Seine religisen Ansichten._] Eine Klasse von philosophischen Fragen
war durch die Umstnde seiner Aufmerksamkeit dringend empfohlen worden
und scheint ihn mehr interessirt zu haben, als man es von seinem
allgemeinen Character htte erwarten sollen. Die Protestanten der
Vereinigten Provinzen bestanden wie die unsrer Insel aus zwei groen
religisen Partein, welche zwei groen politischen Parteien fast genau
entsprachen. Die Oberhupter der stdtischen Oligarchie waren Arminianer
und wurden im Allgemeinen von der Menge als nicht viel besser denn
Papisten betrachtet. Die Prinzen von Oranien waren gewhnlich die
Schutzpatrone der calvinistischen Theologie gewesen und verdankten
keinen geringen Theil ihrer Popularitt ihrem Eifer fr die Lehren von
der Gnadenwahl und dem endlichen Beharren, einem Eifer, der nicht immer
durch Kenntnisse erleuchtet oder durch Humanitt gemigt war. Wilhelm
war von Kindheit auf in dem theologischen System, dem seine Familie
anhing, sorgfltig unterrichtet worden, und betrachtete dieses System
mit grerer Vorliebe, als man in der Regel fr seinen ererbten Glauben
hegt. Er hatte ber die groen Probleme, welche auf der Synode von
Dortrecht errtert worden waren, nachgedacht und in der strengen,
unbeugsamen Logik der genfer Schule etwas gefunden, was seinem Verstande
und seinem Gemth zusagte. Das Beispiel von Unduldsamkeit, das einige
seiner Vorgnger gegeben, ahmte er jedoch niemals nach; er empfand gegen
alle Verfolgung eine entschiedene Abneigung, die er nicht allein da
aussprach, wo ein solches Eingestndni offenbar staatsklug war, sondern
auch in Fllen, wo es den Anschein hatte, da sein Interesse durch
Verstellung oder Stillschweigen htte gefrdert werden knnen.
Gleichwohl waren seine theologischen Ansichten noch entschiedener als
die seiner Vorgnger. Die Lehre von der Prdestination war der
Grundstein seiner Religion. Er erklrte oft, da wenn er diese Lehre
aufgeben mte, er zugleich mit derselben allen Glauben an eine waltende
Vorsehung aufgeben und ein reiner Epikurer werden mte. Diesen
einzigen Punkt ausgenommen, wurde die ganze Flle seines krftigen
Geistes frhzeitig von dem Theoretischen ab und auf das Praktische
gelenkt. Die Fhigkeiten, deren es zur Leitung wichtiger Geschfte
bedarf, gediehen bei ihm schon in einem Alter zur Reife, wo sie sich bei
gewhnlichen Menschen kaum erst zu entfalten begonnen haben. Seit
Octavius hatte die Welt kein solches Beispiel frhzeitiger
staatsmnnischer Befhigung gesehen. Erfahrene Diplomaten erstaunten
ber die treffenden Bemerkungen, die der siebzehnjhrige Prinz ber
ffentliche Angelegenheiten machte, und mit noch weit grerem Erstaunen
sahen sie diesen Knaben in Lagen, wo man htte erwarten sollen, da er
starke Leidenschaften verrathen werde, eine eben so unerschtterliche
Ruhe bewahren, wie sie selbst. Mit achtzehn Jahren sa er bereits unter
den Vtern der Republik, ernst, besonnen und einsichtsvoll wie der
lteste unter ihnen. Mit zweiundzwanzig Jahren ward er an einem Tage der
Trauer und des Schreckens an die Spitze der Verwaltung gestellt. Mit
dreiundzwanzig Jahren war er durch ganz Europa als Feldherr und
Staatsmann berhmt. Er hatte innere Factionen niedergeworfen, war die
Seele einer mchtigen Coalition und hatte im Felde gegen einige von den
grten Generlen seiner Zeit mit Ehren gefochten.


[_Seine militairischen Talente._] Seine persnlichen Neigungen waren
mehr die eines Kriegers als die eines Staatsmannes, aber wie sein
Urgrovater, der schweigsame Prinz, der die batavische Republik
grndete, nimmt er unter den Staatsmnnern einen viel hheren Rang ein
als unter den Feldherren. Der Verlauf der Schlachten ist allerdings kein
untrglicher Prfstein fr die Talente eines Befehlshabers, und es wrde
ganz besonders ungerecht sein, wollte man diesen Prfstein bei Wilhelm
anwenden, denn das Schicksal wollte, da er fast stets Feldherren,
welche vollendete Meister in ihrer Kunst, und Truppen gegenberstand,
welche in der Disciplin den seinigen weit berlegen waren. Indessen lt
sich mit gutem Grunde annehmen, da er als General im offenen Felde
Manchem, der in geistiger Beziehung tief unter ihm stand, keineswegs
gleichkam. Mit Leuten, die sein Vertrauen besaen, sprach er ber diesen
Gegenstand mit der edlen Offenheit eines Mannes, der Groes vollbracht
hat und der recht wohl auch einige Mngel eingestehen kann. Er sagte, er
habe keine Lehrzeit fr den militairischen Beruf bestanden; er sei schon
als Knabe an die Spitze einer Armee gestellt worden, unter seinen
Offizieren habe sich keiner befunden, der fhig gewesen wre, ihn zu
unterweisen; nur aus seinen eigenen Fehlern und deren Folgen habe er
etwas lernen knnen. Ich wrde einen guten Theil meines Vermgens darum
geben, rief er einmal aus, wenn ich einige Feldzge unter dem Prinzen
von Cond mitgemacht htte, ehe ich gegen ihn commandiren mute. Es ist
nicht unwahrscheinlich, da der Umstand, welcher Wilhelm verhinderte,
eine ausgezeichnete strategische Bildung zu erlangen, der allgemeinen
Entwickelung seiner Geisteskrfte zu Gute gekommen ist. Bewiesen seine
Schlachten auch nicht den groen Taktiker, so berechtigten sie ihn doch
zu dem Titel eines groen Mannes. Kein Migeschick konnte ihn nur einen
Augenblick seiner Festigkeit und des vollstndigen Besitzes aller seiner
Fhigkeiten berauben. Seine Niederlagen wurden mit einer so wunderbaren
Schnelligkeit wieder gut gemacht, da er, noch ehe seine Feinde das
Tedeum gesungen hatten, schon wieder zum Kampfe gerstet war; auch
beeintrchtigten solche Schlge in keiner Weise die Achtung und das
Vertrauen, dessen er sich von Seiten seiner Soldaten erfreute. Diese
Achtung und dieses Vertrauen verdankte er in nicht geringem Mae seinem
persnlichen Muthe. Den Grad von Muth, dessen der Soldat bedarf, um
einen Feldzug ohne Schande zu bestehen, besitzen die meisten Menschen
oder wenigstens knnen sie denselben in einer guten Schule erlangen. Ein
Muth wie der des Prinzen Wilhelm aber ist in der That selten. Er wurde
auf jede nur mgliche Weise geprft, durch Krieg, durch Wunden, durch
schmerzhafte und entnervende Krankheiten, durch Seestrme, durch die
bestndig drohende Gefahr, ermordet zu werden, eine Gefahr, die schon
sehr starke Nerven erschttert hat und durch welche selbst die eiserne
Tapferkeit Cromwell's einen harten Sto erhielt. Aber Niemand konnte je
etwas entdecken, was der Prinz von Oranien frchtete. Seine Rathgeber
konnten ihn nur mit Mhe dazu bringen, da er einige Vorsichtsmaregeln
gegen die Pistolen und Dolche von Verschwrern ergriff.[2] Alte Seeleute
erstaunten ber die kaltbltige Ruhe, die er inmitten tobender
Brandungen an einer gefahrvollen Kste bewahrte. In der Schlacht
zeichnete ihn seine Tapferkeit unter Zehntausenden tapferer Krieger aus,
erweckte die hochherzige Anerkennung selbst der feindlichen Heere und
wurde selbst von der Unbilligkeit feindlicher Factionen nie bestritten.
Whrend seiner ersten Feldzge setzte er sich der Gefahr aus, als ob er
den Tod gesucht htte, war beim Angriff stets der Erste, beim Rckzug
der Letzte, kmpfte mit dem Schwerte in der Hand im dichtesten Gewhl,
und mit einer Flintenkugel im Arm, den Harnisch von Blut berstrmt,
hielt er noch immer Stand und schwenkte im furchtbarsten Feuer seinen
Hut. Seine Freunde beschworen ihn, er solle doch sein fr das Vaterland
unschtzbares Leben mehr schonen. Sein berhmtester Gegner, der groe
Cond, bemerkte nach der blutigen Schlacht von Seneff, der Prinz von
Oranien habe sich in jeder Beziehung wie ein alter General benommen, nur
in sofern nicht, als er sich wie ein junger Soldat ausgesetzt. Wilhelm
leugnete, da er sich der Tollkhnheit schuldig gemacht habe. Er stelle
sich, meinte er, nur aus Pflichtgefhl und aus kalter Berechnung dessen,
was das ffentliche Interesse erheische, immer auf den Posten der
Gefahr. Die Truppen, die er befehlige, seien wenig an den Krieg gewhnt
und frchteten ein Handgemenge mit den franzsischen Veteranen; es sei
daher nthig, da ihr Anfhrer ihnen zeige, wie man Schlachten gewinnt.
Und in der That wurde auch mehr als eine Schlacht, welche rettungslos
verloren schien, noch durch die Khnheit gewonnen, mit der er seine
zersprengten Bataillone sammelte und eigenhndig die Memmen niederhieb,
welche das Beispiel zur Flucht gaben. Zuweilen sah es jedoch ganz so
aus, als ob er ein eignes Vergngen daran finde, sein Leben zu
gefhrden. Es wurde bemerkt, da er nie heiterer, freundlicher und
liebenswrdiger war, als im blutigen Getmmel der Schlacht. Selbst bei
seinen Zerstreuungen liebte er das Aufregende der Gefahr. Kartenspiele,
Schach und Billard machten ihm kein Vergngen; seine Lieblingserholung
war die Jagd, und die gefhrlichste war ihm die liebste. Er machte oft
Stze, da seine khnsten Begleiter nicht Lust hatten, ihm zu folgen.
Selbst die verwegensten Sportvergngungen Englands scheint er fr
weibisch gehalten zu haben, und im groen Parke von Windsor sehnte er
sich nach dem Wilde, das er in den Forsten von Geldern zu jagen gewohnt
war, nach Wlfen, Ebern und riesigen Sechzehnendern.[3]

    [Anmerkung 2: Nach dem Frieden von Ryswick drangen die Freunde
    Wilhelm's in ihn, mit dem franzsischen Gesandten ganz ernstlich
    ber die Mordanschlge zu sprechen, welche die Jakobiten von St.
    Germain bestndig schmiedeten. Die kaltbltige Hochherzigkeit,
    mit der er diese Warnungen vor Gefahr aufnahm, ist besonders
    characteristisch. Dem Grafen Bentinck, der von Paris sehr
    beunruhigende Nachrichten gemeldet hatte, antwortete er nur am
    Schlusse eines langen Geschftsbriefes: +Pour les assasins je ne
    luy en ay pas voulu parler, croiant que c'etoit au desous de
    moy.+ -- 2.(12.) Mai 1698. Ich habe die Orthographie des
    Originals, wenn von einer solchen berhaupt die Rede sein kann,
    beibehalten.]

    [Anmerkung 3: Von Windsor schrieb er an Bentinck, damals Gesandten
    in Paris: +J'ay pris avant hier un cerf dans la forest avec les
    chains du Pr. de Denm. et ay fait un assez jolie chasse, autant,
    que ce vilain paiis le permest.+ -- 20. Mrz (1. April) 1698. Die
    Orthographie ist schlecht, aber nicht schlechter als die
    Napoleon's. In besserer Stimmung schrieb Wilhelm von Loo aus:
    +Nous avons pris deux cerfs, le premier dans Dorewaert, qui est
    un des plus gros que je sache avoir jamais pris. Il porte seize.+
    -- 25. Oct. (4. Nov.) 1697.]


[_Sein Vergngen an Gefahren; seine schlechte Gesundheit._] Seine
Tollkhnheit war um so merkwrdiger, da er von ungemein zarter
Krperconstitution war. Er war von frher Jugend an schwchlich und
krnklich gewesen, und im ersten Mannesalter waren seine Leiden durch
einen heftigen Pockenanfall noch verschlimmert worden. Er war engbrstig
und schwindschtig. Sein schwchlicher Krper wurde durch einen
bestndigen heiseren Husten erschttert. Er konnte nicht schlafen, wenn
sein Kopf nicht durch mehrere Kissen untersttzt wurde, und nur in der
reinsten Luft konnte er ohne Beschwerden athmen. Dabei qulten ihn oft
heftige Kopfschmerzen. Krperliche Anstrengungen ermdeten ihn sehr
bald. Die rzte pflegten die Hoffnung seiner Feinde dadurch aufrecht zu
erhalten, da sie einen Termin festsetzten, ber den hinaus, wenn sich
berhaupt irgend etwas in der Wissenschaft mit Sicherheit bestimmen
lasse, sein zerrtteter Organismus unmglich ausdauern knnte. Dennoch
verlie seinen Geist whrend seines ganzen Lebens, das nur eine lange
Krankheit war, bei keiner wichtigen Gelegenheit die nthige Kraft, um
seinen leidenden und siechen Krper aufrecht zu erhalten.


[_Klte seines Benehmens und Heftigkeit seiner Gemthsregungen._] Er war
mit heftigen Leidenschaften und mit leichter Reizbarkeit geboren; aber
die Welt hatte keine Ahnung von der Strke seiner Gemthsaffecte. Vor
den Blicken der Menge verbarg er seine Freude und seinen Kummer, seine
Zuneigung und seinen Groll unter einer phlegmatischen Ruhe, die ihm den
Ruf des kaltbltigsten und gleichgltigsten Menschen verschaffte. Wer
ihm eine gute Nachricht brachte, konnte selten ein Zeichen von Freude
entdecken; wer ihn nach einer Niederlage sah, sphte umsonst nach einer
Spur von Unmuth. Er lobte und tadelte, belohnte und bestrafte mit der
kalten Gelassenheit eines Mohawkhuptlings; aber wer ihn genauer kannte
und ihn nher betrachtete, der bemerkte wohl, da unter dieser Eisrinde
bestndig ein ungestmes Feuer brannte. Nur selten raubte der Zorn ihm
seine Selbstbeherrschung; wenn er aber einmal in Wuth gerieth, so war
der erste Ausbruch seiner Leidenschaft furchtbar. Es war dann in der
That nicht rathsam, ihm zu nahe zu kommen. In diesen seltenen Fllen
jedoch gab er, sobald er seine Selbstbeherrschung wieder erlangt hatte,
Denen, die er beleidigt, so vollstndige Genugthuung, da sie sich fast
zu dem Wunsche versucht fhlten, er mchte aufs neue in Wuth gerathen.
Seine Liebe war nicht minder strmisch als sein Zorn. Wo er einmal
liebte, da liebte er mit der ganzen Kraft seiner starken Seele. Wenn der
Tod ihn von einem geliebten Wesen trennte, frchteten die wenigen Zeugen
seiner Schmerzensausbrche fr seinen Verstand und fr sein Leben. Einem
sehr kleinen Kreise intimer Freunde gegenber, auf deren Treue und
Verschwiegenheit er sich unbedingt verlassen konnte, war er ein ganz
andrer Mensch als der verschlossene und stoische Wilhelm, dem die Menge
jedes menschliche Gefhl absprach. In ihrer Gesellschaft war er
freundlich, gemthlich, offenherzig, selbst gesellig und witzig, konnte
Stunden lang bei Tische sitzen und vollen Antheil an einer heiteren
Unterhaltung nehmen.


[_Seine Freundschaft fr Bentinck._] Am hchsten in seiner Gunst stand
ein Kavalier seines Hofstaates, Namens Bentinck, der aus einem edlen
batavischen Geschlecht stammte und der Grnder eines der groen
patrizischen Huser Englands werden sollte. Bentinck's Treue hatte sich
in nicht gewhnlicher Weise erprobt. Zu der Zeit, als die Vereinigten
Provinzen gegen die Macht Frankreichs um ihre Existenz kmpften, wurde
der junge Prinz, auf dem alle ihr Hoffnungen ruhten, von den Pocken
befallen. Diese Krankheit hatte bei mehreren Mitgliedern seiner Familie
einen tdtlichen Ausgang genommen und zeigte auch bei ihm anfangs einen
sehr bsartigen Character. Die Bestrzung des Volks war gro. Von frh
bis Abends waren die Straen im Haag mit Leuten angefllt, die sich
ngstlich nach dem Befinden Seiner Hoheit erkundigten. Endlich nahm das
bel eine gnstige Wendung. Seine Genesung wurde zum Theil seinem eignen
Gleichmuth, zum Theil der unerschrockenen und unermdlichen Freundschaft
Bentinck's zugeschrieben. Nur aus seinen Hnden nahm Wilhelm Speisen und
Arzneien an; er allein hob ihn aus dem Bette und legte ihn wieder
hinein. Ich wei nicht, ob Bentinck whrend meiner Krankheit geschlafen
hat oder nicht, sagte Wilhelm mit inniger Rhrung zu Temple; soviel
aber wei ich, da ich in den sechzehn Tagen und Nchten nicht ein
einziges Mal etwas verlangte, ohne da Bentinck augenblicklich an meiner
Seite gewesen wre. Bevor der treue Diener seine Aufgabe ganz vollendet
hatte, wurde er selbst angesteckt. Trotzdem berwand er noch immer
Mdigkeit und Fieberschauer, bis sein Gebieter als Reconvalescent
erklrt wurde. Jetzt endlich bat er um Erlaubni, nach Hause gehen zu
drfen. Es war die hchste Zeit, denn seine Fe wollten ihn nicht mehr
tragen. Er kam in die grte Gefahr, genas aber und eilte, sobald er das
Bett verlassen konnte, zur Armee, wo er in vielen heien Feldzgen immer
dicht an Wilhelm's Seite gefunden ward, wie er es in einer Gefahr andrer
Art gewesen.

Dies war der Ursprung einer so innigen und reinen Freundschaft wie
irgend eine, von der uns die alte oder neue Geschichte erzhlt. Die
Nachkommen Bentinck's bewahren noch heute viele Briefe auf, die Wilhelm
an ihren Ahnherrn geschrieben, und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man
behauptet, da wer diese Briefe nicht gelesen hat, sich keinen richtigen
Begriff von dem Character des Prinzen bilden kann. Der Mann, den selbst
seine Verehrer in der Regel fr den zurckhaltendsten und frostigsten
Menschen hielten, vergit hier jeden Rangunterschied und schttet alle
seine Gedanken mit der Offenherzigkeit eines Schulknaben aus. Ohne
Rckhalt theilt er Geheimnisse von der hchsten Wichtigkeit mit und legt
mit der grten Einfachheit umfassende Plne vor, welche alle
Regierungen Europa's berhrten. Mit seinen Mittheilungen ber solche
Dinge verbindet er Mittheilungen von ganz andrer, aber vielleicht nicht
weniger interessanter Art. Alle seine Abenteuer, alle seine persnlichen
Ansichten, seine langen Jagdritte nach gewaltigen Hirschen, seine Gelage
am St. Hubertustage, das Gedeihen seiner Anpflanzungen, das Mirathen
seiner Melonen, der Zustand seines Gestts, der Wunsch, einen frommen
Zelter fr seine Gemahlin zu erlangen, sein Verdru, als er erfhrt, da
einer seiner Kavaliere, nachdem er ein Mdchen aus guter Familie
unglcklich gemacht, sich weigert, sie zu heirathen, seine Anflle von
Seekrankheit, sein Husten, seine Kopfschmerzen, seine andchtigen
Stimmungen, seine Dankbarkeit fr den gttlichen Schutz nach Errettung
aus einer groen Gefahr, seine Anstrengungen, sich nach einem
Unglcksfalle dem gttlichen Willen zu unterwerfen, dies Alles ist darin
mit einer liebenswrdigen Redseligkeit geschildert, die man von dem
verschwiegensten und ernstesten Staatsmanne jener Zeit kaum erwarten
sollte. Noch auffallender sind die sorglosen Ergsse seiner Zrtlichkeit
und die brderliche Theilnahme, die er an seines Freundes huslichem
Glcke nimmt. Als Bentinck ein Erbe geboren wurde, sagte Wilhelm: Ich
hoffe, er wird ein so braver Mann werden als Sie einer sind, und sollte
ich einen Sohn bekommen, so werden unsere Kinder einander hoffentlich
ebenso lieben, wie wir uns geliebt haben.[4] Whrend seines ganzen
Lebens blickte er mit vterlicher Liebe auf die kleinen Bentincks. Er
ruft sie bei den zrtlichsten Diminutiven, er sorgt fr sie in ihres
Vaters Abwesenheit, und so schwer es ihm wird, ihnen ein Vergngen zu
versagen, so will er sie doch nicht an einer Jagdpartie teilnehmen
lassen, wo ihnen die Gefahr droht, von einem Hirsche gestoen zu werden,
noch ihnen erlauben, bei einem Abendschmause bis spt in die Nacht
hinein zu verweilen.[5] Als ihre Mutter whrend der Abwesenheit ihres
Gatten krank wird, findet Wilhelm inmitten der wichtigsten und
dringendsten Staatsgeschfte noch soviel Zeit, um an einem Tage mehrere
expresse Boten mit kurzen Briefen abzuschicken, in denen er von ihrem
Zustande Nachricht giebt.[6] Einmal als sie nach einem heftigen Anfall
auer Gefahr erklrt wird, ergiet sich der Prinz in die wrmsten
Dankesbezeigungen gegen Gott. Ich schreibe, sagt er, mit Thrnen der
Freude in den Augen.[7] Es liegt ein eigner Reiz in diesen Briefen von
der Hand eines Mannes, dessen Alles berwltigende Energie und
unbeugsame Festigkeit selbst seinen Feinden Achtung abnthigte, dessen
kaltes und unfreundliches Benehmen in den meisten seiner Anhnger keine
innigere Zuneigung aufkommen lie und dessen Geist bestndig mit
gigantischen Plnen beschftigt war, welche die Gestalt der Welt
vernderten.

Seine Gte ward keinem Unwrdigen zu Theil. Temple hatte frhzeitig
Bentinck fr den besten und treuesten Diener erklrt, den je ein Frst
zu besitzen das Glck hatte, und er verdiente diesen ehrenvollen Titel
sein ganzes Leben hindurch. Die beiden Freunde waren in der That wie fr
einander geschaffen. Wilhelm bedurfte weder eines Fhrers noch eines
Schmeichlers. Da er ein festes und wohlbegrndetes Vertrauen in sein
eignes Urtheil setzte, so war er kein Freund von Rathgebern, die ihn mit
Vorschlgen und Einwendungen berhuften. Zu gleicher Zeit besa er eine
zu scharfe Unterscheidungsgabe und einen zu edlen Sinn, als da er an
Schmeicheleien htte Vergngen finden knnen. Der Vertraute eines
solchen Frsten mute ein Mann sein nicht von erfinderischem Genie oder
von gebieterischem Character, aber bieder und treu, im Stande, jeden
Befehl pnktlich zu vollziehen, Geheimnisse unverbrchlich zu bewahren,
Ereignisse umsichtig zu beobachten und treulich zu berichten. Und ein
solcher Mann war Bentinck.

    [Anmerkung 4: 3. Mrz 1679.]

    [Anmerkung 5: +Voil en peu de mot le dtail de nostre St.
    Hubert. Et j'ay en soin que M. Woodstoc+ (Bentinck's ltester
    Sohn) +n'a point est  la chasse, bien moin au soup, quoyqu'il
    fut icy. Vous pouvez pourtant croire que de n'avoir pas chass l'a
    un peu mortifi, mais je ne l'ay pas aus prendre sur moy, puisque
    vous m'aviez dit que vous ne le souhaitiez pas.+ -- Von Loo, 4.
    Nov. 1697.]

    [Anmerkung 6: Am 15. Juni 1688.]

    [Anmerkung 7: 6. Sept. 1679.]


[_Marie, Prinzessin von Oranien._] Wilhelm war in der Ehe nicht weniger
glcklich als in der Freundschaft. Anfangs hatte jedoch seine Ehe kein
besonderes husliches Glck versprochen. Seine Wahl war hauptschlich
durch politische Rcksichten bestimmt worden, und es sah nicht
wahrscheinlich aus, da zwischen einem hbschen sechzehnjhrigen
Mdchen, die zwar ein sanftes Gemth und natrlichen Verstand besa, im
brigen aber unwissend und einfach war, und einem Brutigam, der, obwohl
noch nicht ganz achtundzwanzig Jahr alt, doch seinem krperlichen
Zustande nach lter war als ihr Vater, der ein kaltes, abstoendes
Benehmen hatte und dessen Kopf bestndig mit Staatsgeschften und
Sportvergngungen angefllt war, eine innige Zuneigung wrde entstehen
knnen. Eine Zeit lang vernachlssigte Wilhelm seine Gemahlin, indem er
durch andere Frauen von ihr abgezogen wurde, besonders durch eine ihrer
Hofdamen, Namens Elisabeth Villiers, welche Talente besa, die sie wohl
geeignet machten, seine Sorgen zu theilen, obgleich sie aller
persnlichen Reize entbehrte und sogar durch ein hliches Schielen
entstellt war.[8] Er schmte sich zwar seiner Fehler und bemhte sich
nach Krften, sie zu verbergen, aber trotz aller Vorsicht wute Marie
wohl, da er ihr nicht ganz treu war. Spione und Ohrenblser thaten auf
Anregen ihres Vaters ihr Mglichstes, um ihren Zorn zu entflammen. Ein
Mann von ganz andrem Character, der vortreffliche Ken, der mehrere
Monate lang im Haag ihr Kaplan war, wurde so aufgebracht durch die ihr
widerfahrenden Krnkungen, da er mit mehr Eifer als Besonnenheit
drohte, ihren Gemahl ernstlich zur Rede zu setzen.[9] Sie selbst ertrug
jedoch alles Unrecht mit einer Sanftmuth und Geduld, welche ihr nach und
nach Wilhelm's Achtung und Dankbarkeit erwarben. Indessen war auch noch
eine andre Ursache der Entfremdung vorhanden. Es kam ohne Zweifel eine
Zeit, wo die Prinzessin, welche nur zu Stickereiarbeiten, zum
Spinetspiel und zum Lesen der Bibel und der Pflichten des Menschen
erzogen war, das Oberhaupt einer groen Monarchie wurde und das
Gleichgewicht Europa's in ihrer Hand ruhte, whrend ihr ehrgeiziger,
geschftskundiger und bestndig auf groe Unternehmungen sinnender
Gemahl bei der britischen Regierung keine vorausbestimmte Stelle fr
sich fand und nur durch ihre Gte und so lange es ihr gefiel Macht
ausben konnte. Es kann nicht befremden, da ein Mann, der die Gewalt so
liebte wie Wilhelm, und der sich seines Herrschergenies so bewut war,
in hohem Mae die Eifersucht empfand, die whrend eines Knigthums von
wenigen Stunden zwischen Guildford Dudley und Lady Johanna Zwietracht
hervorrief und einen noch viel tragischeren Bruch zwischen Darnley und
der Knigin von Schottland herbeifhrte. Die Prinzessin von Oranien
hatte nicht die leiseste Ahnung von den Gefhlen ihres Gemahls. Ihr
Lehrer, der Bischof Compton, hatte sie in der Religion sorgfltig
unterrichtet und ihr Gemth namentlich gegen die Knste der
rmisch-katholischen Theologen gesthlt, sie aber in vlliger Unkenntni
der englischen Verfassung und ihrer eignen Stellung gelassen. Sie wute,
da ihr eheliches Gelbde sie zum Gehorsam gegen ihren Gemahl
verpflichtete und es war ihr nie in den Sinn gekommen, da dieses
gegenseitige Verhltni einmal umgekehrt werden knnte. Sie war bereits
neun Jahre vermhlt, ehe sie die Ursache von Wilhelm's Verstimmung
entdeckte, und von ihm selbst wrde sie dieselbe auch nie erfahren
haben. In Folge seiner ganzen Gemthsart brtete er eher ber die ihn
niederdrckenden Sorgen, als da er denselben einen Ausdruck gab, und in
diesem speciellen Falle wurde sein Mund durch ein ganz natrliches
Zartgefhl versiegelt. Endlich aber kam durch die Vermittelung Gilbert
Burnet's eine vollkommene Verstndigung und Ausshnung zu Stande.

    [Anmerkung 8: Siehe Swift's Bericht ber sie im +Journal to
    Stella+.]

    [Anmerkung 9: Heinrich Sidney's Tagebuch vom 31. Mrz 1680 in Mr.
    Blencowe's interessanter Sammlung.]


[_Gilbert Burnet._] Burnet's Ruf ist mit auffallender Bswilligkeit und
Hartnckigkeit angegriffen worden. Der Angriff begann schon frhzeitig
in seinem Leben und wird noch jetzt mit unverminderter Heftigkeit
fortgesetzt, obgleich er bereits ber ein und ein Viertel Jahrhundert im
Grabe liegt. Allerdings ist er auch fr den Parteiha und den
muthwilligen Spott eine Zielscheibe, wie sie sich keine bessere wnschen
knnen, denn die Mngel seines Verstandes und seines Characters liegen
klar am Tage und knnen Niemandem entgehen. Es waren jedoch nicht die
Fehler, welche man als seinen Landsleuten eigen zu betrachten pflegt. Er
allein unter den vielen Schotten, die sich in England zu Auszeichnung
und Wohlstand emporgeschwungen haben, hatte den Charakter, welchen
Satiriker, Romanschreiber und Schauspieldichter allgemein den irischen
Abenteurern zuschreiben. Seine physische Lebendigkeit, seine
Ruhmredigkeit, seine unverhohlene Eitelkeit, seine Faseleien, seine
herausfordernde Indiscretion und seine kecke Dreistigkeit boten den
Tories unerschpflichen Stoff zu Sptteleien. Auch unterlieen seine
Feinde nicht, ihm nebenbei ber seine breiten Schultern, seine dicken
Waden und sein Glck in Heirathsspekulationen auf verliebte reiche
Wittwen mehr witzige als artige Complimente zu machen. Obwohl jedoch
Burnet in vieler Beziehung dem Spott und selbst dem Tadel Blen darbot,
so verdiente er doch keineswegs eine solche Geringschtzung. Er besa
einen regen Geist, einen unermdlichen Flei und eine vielseitige,
ausgedehnte Belesenheit. Er war zu gleicher Zeit Geschichtsschreiber,
Alterthumsforscher, Theolog, Prediger, Tagesschriftsteller, Polemiker
und thtiger politischer Parteifhrer, und in allen diesen
Eigenschaften zeichnete er sich unter vielen geschickten Mitbewerbern
vortheilhaft aus. Die vielen geistreichen Abhandlungen, die er ber
Tagesbegebenheiten schrieb, sind jetzt nur noch Forschern bekannt; aber
seine +History of his own Times+, seine +History of the Reformation+,
seine +Exposition of the Articles+, sein +Discourse of Pastoral Care+,
sein +Life of Hale+ und sein +Life of Wilmot+ werden noch immer neu
aufgelegt und fehlen in keiner guten Privatbibliothek. Gegen eine solche
Thatsache vermgen alle Anstrengungen der Verleumder nichts. Ein
Schriftsteller, dessen umfangreiche Werke in verschiedenen Zweigen der
Literatur noch hundertdreiig Jahre nach seinem Tode zahlreiche Leser
finden, kann groe Fehler gehabt haben, mu aber auch groe Vorzge
gehabt haben, und diese hatte Burnet: einen fruchtbaren und regen Geist
und einen Styl, der allerdings von tadelloser Reinheit weit entfernt,
doch stets klar, oft lebendig ist und sich zuweilen selbst zu
feierlicher und glhender Beredtsamkeit erhebt. Auf der Kanzel wurde die
Wirkung seiner ohne irgend welche schriftliche Notizen gehaltenen
Predigten noch erhht durch eine edle Gestalt und einen imponirenden
Vortrag. Er wurde oft durch das Beifallsgemurmel seiner Zuhrer
unterbrochen, und wenn die Sanduhr, die sich damals auf jeder Kanzel
befand, abgelaufen war und er dieselbe emporhielt, forderte ihn die
Gemeinde durch lauten Zuruf auf fortzufahren, bis der Sand noch einmal
abgelaufen wre.[10] Die groen Mngel seines sittlichen Characters und
seines Geistes wurden durch groe Vorzge mehr als ausgeglichen.
Obgleich durch Vorurtheil und Leidenschaft oft auf Irrwege gefhrt, war
er doch im strengsten Sinne des Worts ein Ehrenmann. Konnte er auch den
Versuchungen der Eitelkeit nicht immer widerstehen, so stand sein
Character doch hoch ber den Einflssen der Habsucht und der Furcht. Er
war von Gemth leutselig, hochherzig, dankbar und nachsichtig.[11] Sein
Glaubenseifer, obwohl stetig und glhend, wurde im Allgemeinen durch
Humanitt und durch Achtung der Gewissensfreiheit in Schranken gehalten.
Trotz seiner unerschtterlichen Anhnglichkeit an das was er als den
Geist des Christenthums betrachtete, war er doch gleichgltig gegen
Gebruche, Namen und Formen der kirchlichen Verfassung und war selbst
gegen Unglubige und Ketzer, deren Lebenswandel tadellos war und deren
Irrthmer mehr die Wirkung falscher Begriffe als eines verderbten
Characters zu sein schienen, durchaus nicht zur Strenge geneigt. Aber
gleich vielen anderen braven Mnnern jener Zeit betrachtete er die Sache
der rmischen Kirche als eine Ausnahme von allen gewhnlichen Regeln.

Burnet geno schon seit mehreren Jahren eines europischen Rufes. Seine
Geschichte der Reformation war von allen Protestanten mit lautem Beifall
aufgenommen und von den rmischen Katholiken als ein gewaltiger Schlag
gefhlt worden. Der grte Gelehrte, den die rmische Kirche seit dem
Schisma des sechzehnten Jahrhunderts hervorgebracht, Bossuet, Bischof
von Meaux, war mit der Bearbeitung einer ausfhrlichen Erwiederung
beschftigt. Burnet war von einem der glaubenseifrigen Parlamente,
welche whrend der durch das papistische Complot verursachten Aufregung
tagten, mit einem Dankvotum beehrt und im Namen der Gemeinen von England
ersucht worden, seine geschichtlichen Forschungen fortzusetzen. Er war
von Karl sowohl als von Jakob in deren engere Unterhaltungszirkel
gezogen worden, hatte mit mehreren ausgezeichneten Staatsmnnern,
besonders mit Halifax auf sehr vertrautem Fue gestanden und war der
Gewissensrath einiger sehr hochstehenden Personen gewesen. Er hatte
ferner einen der glnzendsten Wstlinge jener Zeit, Johann Wilmot, Earl
von Rochester, von Atheismus und Ausschweifung zurckgebracht. Lord
Stafford, das Opfer des Oates, war, obgleich Katholik, in seinen letzten
Stunden durch Burnet's geistlichen Zuspruch ber diejenigen Punkte, in
denen alle Christen bereinstimmen, erbaut worden. Wenige Jahre spter
begleitete Burnet einen noch erlauchteren Dulder, Lord Russell, vom
Tower auf das Schaffot in Lincoln's Inn Fields. Der Hof hatte nichts
unversucht gelassen, um einen so thtigen und tchtigen Theologen zu
gewinnen. Weder knigliche Schmeicheleien, noch die Verheiung
eintrglicher Stellen waren gespart worden. Aber Burnet war, obwohl in
frher Jugend von den servilen Lehren angesteckt, denen der damalige
Klerus durchgehends anhing, aus berzeugung Whig geworden und er blieb
seinen Grundstzen durch alle Wechselflle des Lebens treu. Er hatte
jedoch keinen Antheil an der Verschwrung genommen, welche soviel
Schmach und Unheil ber die Whigpartei brachte und verabscheuete nicht
nur die Mordplne Goodenough's und Ferguson's, sondern war auch der
Meinung, da selbst sein geliebter und verehrter Freund Russell gegen
die Regierung weiter gegangen sei, als es sich rechtfertigen lie.
Endlich kam eine Zeit, wo die Unschuld kein hinreichender Schutz war.
Burnet wurde, obgleich er sich keiner bertretung des Gesetzes schuldig
gemacht, von der Rache des Hofes verfolgt. Er begab sich auf den
Continent und nachdem er etwa ein Jahr auf jene Wanderungen durch die
Schweiz, durch Italien und Deutschland verwendet, von denen er uns eine
anziehende Beschreibung hinterlassen hat, ging er im Sommer 1686 nach
dem Haag, wo er mit Freundlichkeit und Achtung aufgenommen wurde. Er
unterhielt sich sehr freisinnig mit der Prinzessin ber Politik und
Religion und wurde bald ihr geistlicher Beistand und vertrauter
Rathgeber. Wilhelm erwies sich als ein viel freundlicherer Wirth, als es
zu erwarten gewesen wre. Denn von allen Fehlern waren ihm
Zudringlichkeit und Indiscretion am meisten verhat und Burnet war, wie
selbst seine Freunde und Verehrer zugestanden, der zudringlichste und
indiscreteste Mensch, den es geben konnte. Aber der scharfsichtige Prinz
bemerkte sehr wohl, da dieser vorlaute und schwatzhafte Theolog, der
bestndig Geheimnisse ausplauderte, naseweise Fragen stellte und
unerbetenen Rath aufdrngte, bei alledem ein freimthiger, furchtloser
und kluger Mann war, der die Gesinnungen und Absichten der britischen
Secten und Factionen genau kannte. Auch war der Ruf von Burnet's
Beredsamkeit und Gelehrsamkeit weit verbreitet. Wilhelm selbst war kein
Freund vom Lesen, aber er stand jetzt seit vielen Jahren an der Spitze
der hollndischen Regierung zu einer Zeit, wo die hollndische Presse
eines der gewaltigsten Werkzeuge war, durch welche die ffentliche
Meinung in Europa bearbeitet wurde, und obgleich er an literarischen
Genssen kein Vergngen fand, war er doch viel zu klug und
scharfsichtig, als da er den Werth des literarischen Beistandes nicht
htte erkennen sollen. Er wute sehr wohl, da eine populre Flugschrift
zuweilen ebenso gute Dienste leistet als ein Sieg auf dem Schlachtfelde.
Auch sah er ein, wie wichtig es sei, da er immer einen Mann um sich
hatte, der mit der brgerlichen und kirchlichen Verfassung unsrer Insel
vertraut war, und Burnet eignete sich vortrefflich dazu, als lebende
Encyclopdie ber britische Angelegenheiten benutzt zu werden, denn
seine Kenntnisse waren, wenn auch nicht immer ganz zuverlssig, doch von
erstaunlicher Vielseitigkeit und es gab in England wie in Schottland
wenige ausgezeichnete Mnner irgend einer politischen oder religisen
Partei, mit denen er nicht verkehrt htte. Es wurde ihm daher die
nmliche Gunst und das nmliche Vertrauen gewhrt wie nur irgend Einem
auer denen, welche den kleinen intimsten Kreis von Privatfreunden des
Prinzen bildeten. Nahm sich der Doctor Freiheiten heraus, was nicht
selten der Fall war, so wurde sein Gnner noch klter und mrrischer als
gewhnlich gegen ihn und uerte zuweilen eine kurze, beiende
Bemerkung, die einem Menschen von gewhnlicher Dreistigkeit fr immer
den Mund geschlossen haben wrde. Trotz solcher Vorflle aber dauerte
die Freundschaft dieses sonderbaren Paares mit wenigen kurzen
Unterbrechungen so lange, bis sie durch den Tod aufgelst wurde. Es war
in der That nicht leicht, Burnet zu krnken. Seine Selbstgeflligkeit,
seine heitere Sorglosigkeit und seine Taktlosigkeit waren so gro, da
er wohl oft Ansto gab, aber nie Ansto nahm.

    [Anmerkung 10: Sprecher Onslow's Note zu Burnet I. 596; +Johnson's
    Life of Sprat+.]

    [Anmerkung 11: Niemand hat Burnet hufiger und bitterer
    widersprochen als Dartmouth. Und doch schrieb auch Dartmouth: Ich
    glaube nicht, da er jemals vorstzlich etwas verffentlichte, was
    er fr falsch hielt. Zu einer spteren Zeit nahm er, durch einige
    Bemerkungen ber sich im zweiten Bande der Geschichte des Bischofs
    gereizt, dieses Lob zurck; aber auf einen solchen Widerruf darf
    man kein groes Gewicht legen. Selbst Swift war so gerecht zu
    sagen: Im Ganzen war er ein hochherziger und braver Mann. +Short
    Remarks on Bishop Burnet's History+.

    Burnet wird gewhnlich als ein auffallend ungenauer
    Geschichtsschreiber getadelt; aber ich halte diesen Vorwurf fr
    ungerecht. Er scheint nur deshalb ungenau zu sein, weil seine
    Darstellung einer besonders strengen und unfreundlichen Kritik
    unterzogen worden ist. Wenn ein Whig sich die Mhe nehmen wollte
    +Reresby's Memoirs, North's Examen, Mulgrave's Account of the
    Revolution+ oder +Clarke's Life of James the Second+ einer
    hnlichen Prfung zu unterwerfen, so wrde es sich bald zeigen,
    da Burnet keineswegs der ungenaueste Geschichtsschreiber seiner
    Zeit war.]


[_Er vermittelt eine innigere Annherung zwischen dem Prinzen und der
Prinzessin._] Alle Eigenthmlichkeiten seines Characters machten ihn
ganz dazu geeignet, der Friedensstifter zwischen Wilhelm und Marien zu
werden. Wenn Personen, die einander achten und lieben sollten, durch
eine Ursache von einander fern gehalten werden, welche drei freimthig
gesprochene Worte beseitigen knnten, so ist es ein Glck fr sie, wenn
sie einen indiscreten Freund haben, der mit der ganzen Wahrheit
herausplatzt. Burnet sagte der Prinzessin ganz offen, welches Gefhl an
dem Herzen ihres Gemahls nagte. Sie erfuhr jetzt zum ersten Male mit
nicht geringem Erstaunen, da, wenn sie Knigin von England wrde,
Wilhelm ihren Thron nicht theilen sollte. Sie erklrte mit den innigsten
Worten, da es keinen Beweis von ehelicher Unterwerfung und Liebe gebe,
zu dem sie nicht jeden Augenblick bereit wre. Unter vielen
Entschuldigungen und feierlichen Versicherungen, da kein andrer Mensch
ihm ein Wort in den Mund gelegt habe, sagte ihr Burnet nun, da das
Heilmittel in ihrer Hand liege. Wenn die Krone ihr zugefallen sei, knne
sie leicht ihr Parlament dazu bewegen, da es ihrem Gatten nicht nur den
Knigstitel gewhrte, sondern ihm sogar durch ein Gesetz die Zgel der
Regierung in die Hand gab. Aber, setzte er hinzu, Ihre knigliche
Hoheit mssen wohl berlegen, ehe Sie einen solchen Entschlu
aussprechen, denn es ist ein Entschlu, dessen Zurcknahme weder rathsam
noch leicht sein wrde, wenn er einmal angekndigt wre. -- Ich bedarf
keiner Zeit zur berlegung, antwortete Marie. Es ist genug, da ich
eine Gelegenheit habe, um dem Prinzen meine Achtung zu beweisen. Theilen
Sie ihm mit was ich gesagt habe, und bringen Sie ihn zu mir, damit er es
aus meinem eigenen Munde hre. Burnet wollte den Prinzen sogleich
herbeiholen, aber er war viele Meilen weit entfernt auf einer
Hirschjagd. Erst am folgenden Tage konnte die entscheidende Unterredung
stattfinden. Ich habe erst gestern erfahren, sagte Marie, da
zwischen den Gesetzen Englands und den Gesetzen Gottes ein solcher
Unterschied obwaltet. Aber ich verspreche Ihnen, da Sie jederzeit der
Gebieter sein sollen, und ich verlange keinen andren Lohn dafr, als da
Sie das Gebot, welches den Gatten vorschreibt, ihre Frauen zu lieben,
ebenso befolgen, wie ich das Gebot halte, welches den Frauen
vorschreibt, ihren Gatten zu gehorchen. Dieser Beweis von edelmthiger
Zuneigung gewann ihr Wilhelm's Herz vollstndig. Von diesem Augenblicke
an bis zu dem traurigen Tage, an welchem er ohnmchtig von ihrem
Sterbebett hinweggetragen wurde, herrschte vollkommene Freundschaft und
unbegrenztes Vertrauen zwischen ihnen. Viele von ihren Briefen an ihn
sind noch vorhanden und sie enthalten zahlreiche Beweise, da es diesem
Manne, der in den Augen der Menge fr so unliebenswrdig galt, gelungen
war, einer schnen und tugendhaften Frau, welche in Hinsicht der Geburt
ber ihm stand, eine bis zur abgttischen Verehrung gehende Liebe
einzuflen.

Der Dienst, den Burnet seinem Vaterlande erzeigt, war von hoher
Bedeutung. Es war eine Zeit gekommen, wo es fr das Wohl des Staates
sehr wichtig war, da zwischen dem Prinzen und der Prinzessin
vollkommene Eintracht herrschte.


[_Beziehungen Wilhelm's zu den englischen Parteien._] Bis nach der
Unterdrckung des Aufstandes im Westen hatten ernste Ursachen des
Zwiespaltes Wilhelm sowohl von den Tories als von den Whigs getrennt. Er
hatte mit groem Mifallen die Versuche der Whigs beobachtet, der
ausbenden Gewalt einige Befugnisse zu entziehen, die er zur
Aufrechthaltung ihrer Wirksamkeit und ihrer Wrde fr nthig hielt. Mit
noch grerem Mifallen hatte er die Untersttzung gesehen, welche ein
groer Theil dieser Partei den Anmaungen Monmouth's angedeihen lie. Es
schien als ob die Opposition zuerst die Krone Englands des Tragens nicht
mehr werth machen und sie dann einem Bastard und Betrger aufs Haupt
setzen wollte. Zu gleicher Zeit war das religise System des Prinzen
weit verschieden von dem, welchem die Torypartei huldigte. Sie waren
Arminianer und Prlatisten. Sie sahen mit Verachtung auf die
protestantischen Kirchen des Continents herab und hielten jede Zeile
ihrer eignen Liturgie und Rubrica fr kaum weniger geheiligt als die
Evangelien. Seine Ansichten ber die metaphysischen Seiten der Theologie
waren calvinistisch. Seine Ansichten bezglich der Kirchenverfassungen
und der gottesdienstlichen Formen waren latitudinarisch. Er gab zu, da
das Episcopat eine gesetzliche und zweckmige Form des Kirchenregiments
sei; aber er sprach mit Bitterkeit und Hohn von der Bigotterie Derer,
welche die bischfliche Ordination fr ein wesentliches Erforderni
einer christlichen Gesellschaft hielten. Gegen die durch die Liturgie
vorgeschriebenen Gewnder und Gesten hatte er keine Bedenken, aber er
gestand, da ihm die Gebruche der anglikanischen Kirche lieber sein
wrden, wenn sie ihn weniger an die Gebruche der rmischen Kirche
erinnerten. Man hatte ihn ein ominses Gemurmel von sich geben hren,
als er in der Privatkapelle seiner Gemahlin zum ersten Male einen Altar
nach anglikanischer Weise geschmckt sah, und es schien ihm nicht
sonderlich zu gefallen, als er Hooker's +Ecclesiastical Policy+ in ihrer
Hand sah.[12]

    [Anmerkung 12: +Dr.+ Hooper's handschriftliche Erzhlung im
    Anhange zu Lord Dungannon's +Life of William+.]


[_Seine Gesinnungen gegen England._] Er verfolgte daher lange den Streit
zwischen den englischen Parteien mit Aufmerksamkeit, aber ohne eine
starke Vorliebe fr die eine oder die andre Partei zu hegen. Er wurde
auch bis ans Ende seines Lebens in der That niemals weder ein Whig, noch
ein Tory. Es fehlte ihm das was die gemeinsame Grundlage beider
Charactere ist, denn er wurde nie ein Englnder. Er rettete zwar
England, liebte es aber nie und erlangte ebensowenig die Liebe der
Englnder. Fr ihn war es nur ein Verbannungsort, den er mit Widerwillen
besuchte und mit Freuden verlie. Selbst als er dem Lande die Dienste
leistete, deren gnstige Wirkungen wir bis auf den heutigen Tag fhlen,
war sein Hauptzweck nicht die Wohlfahrt desselben.


[_Seine Gesinnungen gegen Holland und Frankreich._] All' sein
patriotisches Gefhl gehrte Holland. Hier befand sich das prchtige
Grabmal, in welchem der groe Staatsmann ruhte, dessen Blut, dessen
Namen, dessen Character und dessen Genie er geerbt hatte. Hier war der
bloe Klang seines Namens schon ein Zauberspruch, welcher durch drei
Generationen die liebevolle Begeisterung der Landleute und Handwerker
erweckt hatte. Die hollndische Sprache war die Sprache seiner
Kinderstube; unter dem hollndischen Adel hatte er seine ersten Freunde
gewhlt; die Vergngungen, die Bauart und die Gegenden seines
Heimathlandes wurzelten tief in seinem Herzen. Zu ihm wendete er sich
immer wieder mit unvernderter Zrtlichkeit von einem stolzeren und
schneren Nebenbuhler ab. In den Slen von Whitehall sehnte er sich nach
dem traulichen Hause im Busche im Haag und er fhlte sich nie
glcklicher, als wenn er die Pracht von Windsor mit der bescheidenen
Einfachheit von Loo vertauschen konnte. Whrend seiner glnzenden
Verbannung fand er einigen Trost darin, da er durch Bauen, Pflanzen und
Graben um sich her einen Schauplatz schaffen konnte, der ihn an die
regelmigen Gebude von rothem Backstein, an die langen Kanle und an
die symmetrischen Blumenbeete erinnerte, unter denen er seine Jugend
verlebt hatte. Doch selbst die Liebe zu seinem Vaterlande war einem
andren Gefhle untergeordnet, welches schon frhzeitig in seiner Seele
die Oberherrschaft gewann, das sich mit allen seinen Leidenschaften
vermischte, das ihn zu groartigen Unternehmungen anspornte, das ihn
aufrecht erhielt, wenn Krnkungen, Schmerzen, Krankheit und Sorgen ihn
zu Boden drcken wollten, das gegen das Ende seiner Laufbahn einmal
kurze Zeit erloschen zu sein schien, aber bald heftiger als je wieder
hervorbrach und ihn noch beseelte, als das Sterbegebet an seinem Lager
gesprochen wurde. Dieses Gefhl war der Ha gegen Frankreich und den
prachtliebenden Knig, der in mehr als einer Hinsicht Frankreich
reprsentirte und der mit seinen specifisch franzsischen Tugenden und
Vorzgen jenen unruhigen, gewissenlosen und dnkelhaften Ehrgeiz
verband, der zu wiederholten Malen den Zorn ganz Europa's ber
Frankreich gebracht hat.

Es ist nicht schwer, die Fortschritte des Gefhls zu verfolgen, welches
nach und nach die Alleinherrschaft in Wilhelm's Seele erlangte. Als er
kaum erst dem Knabenalter entwachsen, war sein Vaterland in
prahlerischem Trotze gegen Recht und Gerechtigkeit berfallen, verwstet
und allen Excessen der Raubsucht, Ausschweifung und Grausamkeit
preisgegeben worden. Die Hollnder hatten sich in ihrer Bedrngni vor
dem Eroberer gedemthigt und um Gnade gefleht. Darauf war ihnen der
Bescheid geworden, da wenn sie Frieden wnschten, sie ihre
Selbststndigkeit aufgeben und alljhrlich dem Hause Bourbon huldigen
mten. Die schwer beleidigte Nation hatte, zur Verzweiflung getrieben,
ihre Deiche durchbrochen und das Meer als Bundesgenossen gegen die
franzsische Tyrannei zu Hlfe gerufen. Mitten in den Greueln dieses
Kampfes, whrend die Landleute entsetzt vor den Eroberern flohen,
whrend Hunderte von schnen Grten und Lusthusern in den Fluthen
begraben, whrend die Berathungen der Generalstaaten durch die
Ohnmachten und das laute Weinen alter Senatoren unterbrochen wurden,
welche den Gedanken nicht ertragen konnten, die Freiheit und den Ruhm
ihres Vaterlandes zu berleben, war Wilhelm an die Spitze der Geschfte
berufen worden. Eine Zeit lang dnkte ihm jeder Widerstand hoffnungslos.
Er sah sich vergebens nach Hlfe um. Spanien war ausgesogen, Deutschland
zerrissen, England bestochen. Es schien dem jungen Statthalter, als ob
ihm nichts weiter brig bliebe, als mit dem Schwerte in der Hand zu
fallen, oder der Aeneas einer groen Vlkerwanderung zu werden und in
Gegenden, welche auer dem Bereiche der Tyrannei Frankreichs lagen, ein
neues Holland zu grnden. Dann wre kein Hinderni mehr vorhanden
gewesen, das die Fortschritte des Hauses Bourbon htte hemmen knnen.
Noch wenige Jahre und dieses Haus wrde seine Besitzungen durch
Lothringen und Flandern, Castilien und Arragonien, Neapel und Mailand,
Mexico und Peru vergrert haben. Ludwig htte sich dann die Kaiserkrone
aufsetzen, einen Prinzen seines Hauses auf den Thron Polens erheben und
der Alleinherrscher in Europa von den scythischen Wsten bis zum
Atlantischen Ocean, sowie in Amerika von den Gegenden nrdlich vom
Wendekreis des Krebses bis zu den Gegenden sdlich vom Wendekreis des
Steinbocks werden knnen. Dies waren die Aussichten, die sich Wilhelm
darboten, als er in das ffentliche Leben eintrat und welche ihn bis zu
seinem letzten Tage unaufhrlich verfolgten. Die franzsische Monarchie
war fr ihn das was die rmische Republik fr Hannibal, was das
ottomanische Reich fr Scanderbeg, was die sdliche Herrschaft fr
Wallace war. Die Religion gab diesem glhenden und unverlschlichen
Hasse ihre Weihe. Hunderte von calvinistischen Predigern verkndeten,
da die nmliche Macht, welche Simson vom Mutterleibe an dazu bestimmt,
die Geiel der Philister zu werden, und welche Gideon von der
Dreschtenne abgerufen, um die Midianiter zu schlagen, Wilhelm von
Oranien zum Vorkmpfer aller freien Nationen und aller reinen Kirchen
erkoren habe, und diese Ansicht war nicht ohne Einflu auf sein Gemth
geblieben. Dem Vertrauen, welches dieser heldenmthige Fatalist in seine
erhabene Bestimmung und in seine heilige Sache setzte, ist zum Theil
seine auffallende Gleichgltigkeit gegen jede Gefahr zuzuschreiben. Er
hatte ein groes Werk zu vollbringen und bis es vollbracht war, konnte
ihm nichts schaden. Daher kam es auch, da er trotz der Prophezeiungen
der rzte von hoffnungslos scheinenden Krankheiten genas, da Schaaren
von Mrdern sich vergebens gegen sein Leben verschworen, da der offene
Nachen, dem er sich in sternenloser Nacht auf einem tobenden Ocean an
einer verrtherischen Kste anvertraute, ihn wohlbehalten ans Land trug
und da auf zwanzig Schlachtfeldern die Kanonenkugeln auf allen Seiten
an ihm vorbersausten. Die Begeisterung und Ausdauer, womit er sich
seiner Sendung widmete, haben kaum ein Beispiel in der Geschichte.
Seinem groen Ziele gegenber achtete er das Leben Anderer ebenso gering
als sein eigenes. Selbst die menschlichsten und edelmthigen Soldaten
jener Zeit waren zu sehr daran gewhnt, das Blutvergieen und die
Verheerungen, welche von groen kriegerischen Unternehmungen
unzertrennlich sind, mit kalter Gleichgltigkeit zu betrachten, und
Wilhelm's Herz war nicht allein durch berufsmige Unempfindlichkeit,
sondern auch durch die noch starrere Unempfindlichkeit gesthlt, welche
die Wirkung des Pflichtgefhls ist. Drei groe Coalitionen, drei lange
und blutige Kriege, in denen ganz Europa von der Weichsel bis zum
westlichen Ocean unter den Waffen stand, sind lediglich seiner
unbezwinglichen Energie zuzuschreiben. Als im Jahre 1678 die
Generalstaaten erschpft und entmuthigt nach Ruhe verlangten, stimmte er
noch immer dagegen, das Schwert in die Scheide zu stecken, und der
Friede wurde nur geschlossen, weil er seinen wilden und entschlossenen
Geist nicht auch Anderen einhauchen konnte. Noch im letzten Augenblicke
schlug er in der Hoffnung, dadurch die Unterhandlungen abzubrechen, von
denen er wohl wute, da sie dem Abschlusse nahe waren, eine der
blutigsten und hartnckigsten Schlachten jener Zeit. Von dem Tage an, wo
der Friede von Nymwegen unterzeichnet worden war, begann er auf eine
neue Coalition zu sinnen. Sein Streit mit Ludwig, der nun vom
Schlachtfelde in das Kabinet versetzt wurde, ward bald durch eine
Privatfehde noch erbitterter. Die beiden Rivalen waren einander in
Talenten, Character, Manieren und Ansichten gerade entgegengesetzt.
Ludwig, fein und wrdevoll, verschwenderisch und ausschweifend, ein
Freund von Prunk und Feind von persnlicher Gefahr, ein freigebiger
Beschtzer der Knste und Wissenschaften und ein grausamer Verfolger der
Calvinisten, bildete einen auffallenden Contrast mit Wilhelm, der
einfach in seinen Neigungen, unfreundlich in seinem Benehmen,
unermdlich und unerschrocken im Kriege, gleichgltig gegen alle
Luxuszweige des Wissens und ein entschiedener Anhnger der genfer
Theologie war. Die beiden Feinde beobachteten nicht lange jene
Artigkeit, welche Mnner ihres Ranges, selbst wenn sie einander an der
Spitze von Armeen gegenberstehen, selten aus den Augen setzen. Wilhelm
gebrauchte zwar die Formalitt, da er Ludwig seine besten Dienste
anbot; aber diese Hflichkeit wurde nach ihrem wahren Werthe gewrdigt
und mit einer trocknen Zurckweisung vergolten. Der groe Knig
verachtete den kleinen Prinzen, der der Diener eines Bundes von
Handelsstdten war und auf jedes Zeichen von Verachtung antwortete der
unerschrockene Statthalter mit einer neuen Herausforderung, Wilhelm
entlehnte seinen Namen, ein Name, den die Ereignisse des
vorhergegangenen Jahrhunderts zu einem der glnzendsten und berhmtesten
von ganz Europa gemacht hatten, von einer Stadt, welche nicht weit von
Avignon an den Ufern der Rhone liegt und die, wie Avignon, obgleich von
allen Seiten von franzsischem Gebiet umgeben, doch eigentlich nicht der
franzsischen, sondern der kaiserlichen Krone als Lehen gehrte. Ludwig
besetzte Orange mit der ihm eigenen bermthigen Verachtung des
Vlkerrechts, schleifte die Befestigungswerke und eignete sich die
Einknfte der Stadt zu. Wilhelm erklrte laut bei Tische in Anwesenheit
vieler Personen, der allerchristlichste Knig solle diese Beleidigung
schwer bereuen, und als der Graf von Avaux ihn um eine nhere Erklrung
dieser Worte bat, weigerte er sich auf das Bestimmteste, sie zu
widerrufen oder wegzuerklren. Der Streit ging so weit, da der
franzsische Gesandte es nicht wagen durfte, sich im Empfangzimmer der
Prinzessin blicken zu lassen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen
wollte, ffentlich beleidigt zu werden.[13]

Wilhelm's Gesinnungen gegen Frankreich erklren zugleich seine ganze
Politik gegen England. Sein Gemeinsinn war ein europischer. Der
Hauptgegenstand seiner Sorge war nicht unsre Insel, ja selbst sein
Geburtsland nicht, sondern die groe Gemeinschaft der Nationen, der die
Unterjochung durch ein zu mchtiges Mitglied drohte. Wer in dem Irrthume
befangen ist, ihn als einen englischen Staatsmann zu betrachten, mu
nothwendig sein ganzes Leben in einem falschen Lichte erblicken und wird
nicht im Stande sein, irgend einen Grundsatz, sei es ein guter oder ein
schlechter, ein whiggistischer oder ein toryistischer, zu entdecken, auf
den sich seine wichtigsten Thaten zurckfhren lieen. Betrachten wir
ihn aber als einen Mann, dessen besondere Aufgabe es war, eine Masse von
schwachen, zerrissenen und entmuthigten Staaten zu einem festen und
starken Bunde gegen den gemeinsamen Feind zu sammeln, betrachten wir ihn
als einen Mann, in dessen Augen England namentlich deshalb wichtig war,
weil ohne dasselbe die von ihm beabsichtigte groe Coalition
unvollstndig gewesen sein wrde, so werden wir zugeben mssen, da
keine langjhrige Laufbahn, von der uns die Geschichte erzhlt, von
Anfang bis zu Ende gleichmiger war als die dieses groen Frsten.[14]

    [Anmerkung 13: +Avaux Negotiations+, Aug. 10.(20.), Sept.
    14.(24.), Sept. 28. (Oct. 8.), Dec. 7.(17.) 1682.]

    [Anmerkung 14: Ich kann mir das Vergngen nicht versagen,
    Massillon's unfreundliche, aber scharfsinnige und edle
    Characteristik Wilhelm's hier anzufhren: +Un prince profond dans
    ses vues; habile  former des ligues et  reunir les esprits, plus
    heureux  exciter les guerres qu' combattre; plus encore 
    craindre dans le secret du cabinet, qu' la tte des armes; un
    ennemi que la haine du nom Franais avait rendu capable d'imaginer
    de grandes choses et de les excuter; un de ces gnies qui
    semblent tre ns pour mouvoir  leur gr les peuples et les
    souverains; un grand homme, s'il n'avoit jamais voulu tre roi.+
    Grabrede auf den Dauphin.]


[_Seine Politik durchaus consequent._] Der Leitfaden, den wir jetzt
besitzen, wird es uns mglich machen, ohne Schwierigkeit den wirklich
consequenten, obgleich anscheinend zuweilen gewundenen Gang zu
verfolgen, den er gegen unsere inneren Factionen beobachtete. Er
erkannte deutlich, was brigens auch weit weniger scharfsichtigen Leuten
als er war, nicht entging, da das Unternehmen, an dem er mit ganzer
Seele hing, wahrscheinlich gelingen wrde, wenn England auf seiner Seite
wre, da der Ausgang ungewi sein wrde, wenn England neutral bliebe,
und da es hoffnungslos sein wrde, wenn England handelte, wie es in den
Tagen der Cabale gehandelt htte. Nicht weniger deutlich sah er, da
zwischen der ueren und der inneren Politik Englands ein enger
Zusammenhang stattfand, da der Regent dieses Landes, wenn er mit dem
gesetzgebenden Krper harmonirte, stets einen groen Einflu auf die
Angelegenheiten der Christenheit ausben und da ihm offenbar daran
gelegen sein mute, der ungebhrlichen Machtvergrerung irgend eines
festlndischen Potentaten entgegenzuwirken; da auf der andren Seite der
Souverain, wenn der gesetzgebende Krper ihm nicht traute und ihn in
seinen freien Bewegungen hemmte, in der europischen Politik nur von
geringem Gewicht sein konnte und da dieses ganze kleine Gewicht in die
falsche Wagschale fallen wrde. Der erste Wunsch des Prinzen war daher:
Eintracht zwischen dem Throne und dem Parlamente. Wie diese Eintracht
herzustellen war und auf welcher Seite Zugestndnisse gemacht werden
muten, dies waren seiner Ansicht nach Fragen von untergeordneter
Bedeutung. Allerdings wrde es ihm am liebsten gewesen sein, wenn eine
vollstndige Ausshnung htte bewirkt werden knnen, ohne einen
Buchstaben von der Prrogative zu opfern, denn er hatte an der
ungeschmlerten Aufrechthaltung derselben ein anwartschaftliches
Interesse, und war von Natur mindestens eben so herrschschtig und ein
eben so groer Feind von Beschrnkung, als irgend ein Stuart. Aber es
gab kein Kleinod der Krone, das er nicht, selbst nachdem sie auf sein
eignes Haupt gesetzt worden, bereitwilligst zum Opfer gebracht htte,
wenn er berzeugt sein konnte, da ein solches Opfer zur Erreichung
seines groen Zieles unumgnglich nthig war. Daher empfahl er auch der
Regierung in den Tagen des papistischen Complots Nachgiebigkeit,
obgleich er die Heftigkeit mibilligte, mit der die Opposition die
knigliche Autoritt angriff. Das Verfahren der Gemeinen bezglich der
inneren Angelegenheiten, sagte er, sei hchst unverstndig, aber so
lange die Gemeinen unzufrieden seien, knnten die Freiheiten Europa's
nicht sicher sein und dieser berwiegenden Rcksicht msse jede andre
weichen. Nach diesen Grundstzen handelte er, als die Ausschlieungsbill
die ganze Nation erschtterte. Man hat keinen Grund zu der Annahme, da
er die Opposition aufgemuntert habe, diese Bill einzubringen oder die
wiederholt gemachten Vergleichsvorschlge des Thrones zurckzuweisen.
Als es aber klar wurde, da, wenn diese Bill nicht durchging, ein
ernster Bruch zwischen den Gemeinen und dem Hofe entstehen mute, sprach
er deutlich, obwohl mit gebhrender Migung, seine Ansicht dahin aus,
da man sich um jeden Preis mit den Vertretern des Volks vershnen
msse. Als ein heftiger und reiender Umschwung der ffentlichen Meinung
die Whigpartei eine Zeit lang vllig hilflos gelassen hatte, versuchte
er es sein groes Ziel auf einem andren Wege zu erreichen, der seiner
Natur vielleicht besser zusagte als der vorher betretene. Die vernderte
Stimmung der Nation bot wenig Aussicht dar, da ein Parlament gewhlt
werden wrde, das geneigt war, die Wnsche des Souverains zu
durchkreuzen. Karl war eine Zeit lang Herr. Ihn zu gewinnen, war daher
des Prinzen erster Wunsch. Im Sommer 1683, fast in dem Augenblicke, als
die Entdeckung des Ryehousecomplots die Niederlage der Whigs und den
Sieg des Knigs vollstndig machte, traten anderwrts Ereignisse ein,
welche Wilhelm nicht ohne die grte Angst und Besorgni mit ansehen
konnte. Die trkischen Heere rckten bis an die Vorstdte Wiens heran.
Die groe sterreichische Monarchie, auf deren Untersttzung der Prinz
gerechnet hatte, schien ihrem Untergange nahe zu sein. Bentinck wurde
daher schleunigst vom Haag nach London gesandt, mit dem Auftrage nichts
zu versumen, was nthig sein konnte, um den englischen Hof zu gewinnen,
und ganz besonders war er angewiesen, in den strksten Ausdrcken den
Abscheu seines Gebieters gegen die Whigverschwrung zu versichern.

Whrend der nchsten achtzehn Monate war einige Hoffnung, da der Einfu
Halifax' berwiegen und da der Hof von Whitehall zur Politik der
Tripleallianz zurckkehren werde. An diese Hoffnung klammerte sich
Wilhelm mit Vorliebe an und sparte keine Mhe, um Karl gnstig zu
stimmen. Die gastliche Aufnahme, welche Monmouth im Haag fand, mu
hauptschlich dem ernstlichen Bestreben des Prinzen, die wirklichen
Wnsche von Monmouth's Vater zu erfllen, zugeschrieben werden. Sobald
Karl gestorben war, schlug Wilhelm in unabnderlicher Verfolgung seines
Zieles wieder ein andres Verfahren ein. Er hatte Monmouth aufgenommen,
um dem verstorbenen Knige zu gefallen; damit nun der gegenwrtige Knig
keine Ursache zu Beschwerden haben sollte, wurde Monmouth fortgeschickt.
Wir haben gesehen, da beim Ausbruche des Aufstandes im Westen die in
hollndischen Diensten stehenden britischen Regimenter durch die
thtigen Bemhungen des Prinzen auf die erste Aufforderung in ihre
Heimath zurckgesandt wurden. Wilhelm erbot sich sogar, persnlich ein
Commando gegen die Rebellen zu bernehmen, und da dieses Anerbieten
vollkommen aufrichtig gemeint war, kann von Niemandem, der seine
vertraulichen Briefe an Bentinck gelesen hat, bezweifelt werden.[15]

Der Prinz gab sich zu dieser Zeit augenscheinlich der Hoffnung hin, da
der groe Plan, dem in seinem Geiste alles Andre untergeordnet war, den
Beifall und die Untersttzung seines Schwiegervaters erhalten werde. Der
hohe Ton, den Jakob damals gegen Frankreich annahm, die
Bereitwilligkeit, mit der er sich zu einem Defensivbndnisse mit den
Vereinigten Provinzen verstand, und seine Geneigtheit zu einer
Verbindung mit dem Hause sterreich bestrkten diese Erwartung. Aber
bald verfinsterte sich der Horizont. Die Entlassung Halifax', der Bruch
zwischen Jakob und dem Parlamente, die Prorogation desselben und die
ausdrckliche Erklrung, welche der Knig den auswrtigen Gesandten gab,
da die festlndische Politik seine Aufmerksamkeit nicht lnger von
inneren Maregeln zur Befestigung seiner Hoheitsrechte und zur Frderung
der Interessen seiner Kirche ablenken sollte, machten der Tuschung ein
Ende. Es war klar, da England, wenn Jakob sein Beherrscher war, im Fall
einer europischen Krisis entweder unthtig bleiben oder im Einklange
mit Frankreich handeln wrde. Und die europische Krisis rckte immer
nher. Das Haus sterreich war durch eine Reihe von Siegen gegen fernere
Gefahr von Seiten der Trkei gesichert worden und hatte daher nicht mehr
nthig, die bergriffe und Beleidigungen Ludwig's geduldig zu ertragen.

    [Anmerkung 15: Zum Beispiel: +Je crois M. Feversham un trs brave
    et honeste homme. Mais je doute s'il a assez d'exprience 
    diriger une si grande affaire qu'il a sur le bras. Dieu lui donne
    un succs prompt et heureux. Mais je ne suis pas hors
    d'inquitude.+ -- 7.(17.) Juli 1685. Als er die Nachricht von der
    Schlacht von Sedgemoor erhalten hatte, schrieb er wieder: +Dieu
    soit lou du bon succs que les troupes du Roy ont eu contres les
    rebelles. Je ne doute pas que cette affaire ne soit entirement
    assoupie, et que le rgne du Roy sera heureux, ce que Dieu
    veuille.+ -- 10.(20.) Juli.]


[_Vertrag von Augsburg._] In Folge dessen wurde im Juli 1686 zu Augsburg
ein Vertrag unterzeichnet, durch den sich die Frsten des Reichs zum
Zwecke gegenseitiger Vertheidigung eng verbanden. Die Knige von Spanien
und von Schweden waren diesem Bunde ebenfalls beigetreten, der Knig von
Spanien als Besitzer der im burgundischen Kreise liegenden Provinzen,
der Knig von Schweden als Herzog von Pommern. Die Verbndeten
erklrten, da sie nicht die Absicht htten irgend eine Macht
anzugreifen oder irgend eine zu beleidigen, da sie aber entschlossen
seien, keine Verletzung der Rechte zu dulden, welche das deutsche Reich
unter Sanction des Vlkerrechts und der ffentlichen Treue besitze. Sie
verpflichteten sich, einander im Falle der Noth beizustehen und
bestimmten das Truppencontingent, das jedes Mitglied des Bundes stellen
mute, wenn es nthig werden sollte, einen Angriff zurckzuweisen.[16]
Der Name Wilhelm's war in dieser Urkunde nicht genannt aber Jedermann
wute, da sie sein Werk war und sah voraus, da er in nicht langer Zeit
wieder an der Spitze einer Coalition gegen Frankreich stehen werde.
Zwischen ihm und dem Vasallen Frankreichs konnte unter solchen Umstnden
kein herzliches Einvernehmen stattfinden. Es erfolgte zwar kein offener
Bruch und kein Austausch von Drohungen oder Vorwrfen; aber
Schwiegervater und Schwiegersohn waren vollstndig und fr immer
geschieden.

    [Anmerkung 16: Der Vertrag ist in dem +Recueil des Traits, IV.
    No. 209+ zu finden.]


[_Wilhelm wird das Oberhaupt der englischen Opposition._] Gerade zu der
Zeit, als der Prinz so dem englischen Hofe entfremdet wurde,
verschwanden die Ursachen, welche bisher eine Klte zwischen ihm und den
beiden groen Parteien des englischen Volks hervorgerufen hatten. Ein
groer Theil, der Zahl nach vielleicht die Mehrheit der Whigs, hatte die
Ansprche Monmouth's begnstigt, aber Monmouth existirte jetzt nicht
mehr. Die Tories auf der andren Seite hatten gefrchtet, die Interessen
der anglikanischen Kirche mochten unter der Leitung eines Mannes nicht
sicher sein, der unter hollndischen Presbyterianern aufgewachsen und
dessen Ansichten ber die Gewnder, die Ceremonien und die Bischfe als
latitudinarisch wohl bekannt waren; seitdem aber jener geliebten Kirche
von einer ganz andren Seite weit furchtbarere Gefahren drohten, hatten
diese Befrchtungen fast ihre ganze Kraft verloren. So kam es, da beide
groe Parteien in dem nmlichen Augenblicke ihre Hoffnungen und ihre
Liebe auf den nmlichen Fhrer zu richten begannen. Alte Republikaner
konnten ihr Vertrauen einem Manne nicht versagen, der viele Jahre
hindurch das hchste Amt einer Republik wrdig bekleidet hatte, und alte
Royalisten sahen ein, da sie in bereinstimmung mit ihren Grundstzen
handelten, wenn sie einem dem Throne so nahe gehenden Prinzen die
tiefste Ehrerbietung bezeigten. Unter diesen Umstnden war es von
hchster Wichtigkeit, da zwischen Wilhelm und Marien die vollkommenste
Einigkeit herrschte. Eine Mihelligkeit zwischen der prsumtiven
Thronerbin und ihrem Gemahl htte in der groen Masse, die sich von
allen Seiten her um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt schaarte, eine
Spaltung hervorbringen mssen. Zum Glck wurde jede Gefahr einer solchen
Mihelligkeit im entscheidenden Augenblicke durch Burnet's
Dazwischenkunft beseitigt und der Prinz wurde das unbestrittene Haupt
der ganzen Partei, welche der Regierung feindlich gegenberstand, einer
Partei, welche fast die ganze Nation in sich begriff.

Es ist nicht der mindeste Grund zu der Annahme vorhanden, da er schon
um diese Zeit das groe Unternehmen im Sinne hatte, zu dem ihn spter
die gebieterische Nothwendigkeit trieb. Er wute sehr gut, da die
ffentliche Stimmung in England, wenn auch durch Krnkungen gereizt,
doch zu einer Revolution keineswegs reif war. Gewi wrde er gern das
rgerni vermieden haben, das ein blutiger Streit zwischen Personen,
welche durch die engsten Bande der Blutsverwandtschaft und der
Verschwgerung an einander gekettet waren, nothwendig erregen mute.
Auch sein Ehrgeiz lie es ihm nicht wnschenswerth erscheinen, die
Gre, die im gewhnlichen Laufe der Natur und des Rechts ihm zufallen
konnte, einer Gewaltthtigkeit zu verdanken, denn er wute jetzt, da,
wenn die Krone auf regelmigem Wege auf seine Gemahlin berging,
zugleich mit derselben auch alle ihre Vorrechte ungeschmlert auf ihn
selbst bergehen wrden, da sie aber, wenn sie durch eine Wahl erlangt
wurde, unter den Bedingungen angenommen werden mute, welche die Whler
zu stellen fr gut fanden. Er schien daher geduldig den Tag erwarten zu
wollen, wo er mit unbestrittenem Rechte die Regierung antreten konnte,
und sich bis dahin darauf zu beschrnken, als erster Prinz von Geblt
und als Oberhaupt der Partei, welche in der Nation entschieden das
bergewicht hatte, und die auch darauf rechnen konnte, in beiden Husern
eines zu versammelnden Parlaments entschieden zu berwiegen, einen
groen Einflu auf die englischen Angelegenheiten auszuben.


[_Mordaunt schlgt Wilhelm eine Landung in England vor._] Indessen war
er bereits durch einen Rathgeber, der weniger scharfsichtig, aber
ungestmer war als er selbst, gedrngt worden, einen khneren Weg
einzuschlagen. Dieser Rathgeber war der junge Lord Mordaunt. Das
damalige Zeitalter hat kein erfinderischeres Genie und keinen
verwegeneren Geist hervorgebracht. Aber wenn ein Plan nur glnzend war,
so fragte Mordaunt selten danach, ob er auch ausfhrbar sein wrde, sein
ganzes Leben war ein wilder Roman, zusammengesetzt aus geheimnivollen
Intriguen der Politik und der Liebe, aus heftigen und schnellen Wechseln
des Schauplatzes und des Glcks, und aus Siegen, welche mehr denen eines
Amadis und eines Lancelot, als denen eines Luxemburg und eines Eugen
glichen. Die Episoden, welche mit dieser seltsamen Lebensgeschichte
verflochten waren, entsprachen ganz der Hauptintrigue. Es waren darunter
nchtliche Kmpfe mit edelmthigen Rubern und Befreiungen vornehmer und
schner Damen aus den Hnden von Entfhrern. Nachdem sich Mordaunt durch
die Beredtsamkeit und Khnheit ausgezeichnet, mit der er im Hause der
Lords gegen den Hof aufgetreten war, zog er sich bald nach der
Prorogation nach dem Haag zurck und empfahl dringend eine unverzgliche
Landung in England. Er bildete sich ein, es sei eben so leicht, drei
groe Knigreiche zu berrumpeln, als es ihm lange nachher wurde,
Barcellona zu nehmen.


[_Wilhelm verwirft den Rath._] Wilhelm hrte ihn an, berlegte sich die
Sache und erwiederte endlich in allgemeinen Ausdrcken, er interessire
sich sehr fr die englischen Angelegenheiten und werde dieselben scharf
im Auge behalten.[17] Was aber auch seine Absicht sein mochte, es ist
nicht anzunehmen, da er einen voreiligen und hitzkpfigen fahrenden
Ritter zu seinem Vertrauten erwhlt haben wrde. Die beiden Mnner
hatten nichts mit einander gemein als persnlichen Muth, der bei ihnen
bis zum fabelhaften Heroismus ging, Mordaunt wollte lediglich die
Aufregung des Kampfes genieen und die Menschen in Erstaunen setzen,
Wilhelm hatte bestndig ein erhabenes Ziel vor Augen. Nach diesem Ziele
trieb ihn eine gewaltige Leidenschaft, die ihn im Gewande einer heiligen
Pflicht erschien. Auf dieses Ziel steuerte er mit einer Geduld hin, die,
wie er einmal sagte, der Geduld eines Bootsfhrers glich, den er auf
einem Kanale gegen eine widrige Strmung hatte ankmpfen sehen, der
immer wieder zurckgeworfen wurde, aber nicht aufhrte zu rudern und
zufrieden war, wenn er nach stundenlanger Arbeit um einige Yards
vorwrts gekommen war.[18] Heldenthaten, die ihn seinem Ziele nicht
nher brachten, mochten sie in den Augen des groen Haufens noch so
ruhmvoll sein, waren seiner Ansicht nach kindische Eitelkeiten, aber
kein Theil der wahren Aufgabe des Lebens.

Er beschlo, Mordaunt's Rath zu verwerfen und es kann keinem Zweifel
unterliegen, da dies ein weiser Entschlu war. Htte Wilhelm im Jahre
1686 oder selbst 1687 das versucht, was er 1688 mit so glnzendem
Erfolge unternahm, so wrden zwar vielleicht auf seinen Ruf viele Whigs
zu den Waffen gegriffen haben, aber er wrde bald gesehen haben, da die
Nation noch nicht hinreichend vorbereitet war, um einen bewaffneten
Befreier aus fremdem Lande willkommen zu heien, und da die Kirche noch
nicht genugsam gereizt und beleidigt worden war, damit sie den
Grundsatz, der seit so langer Zeit ihr Losungswort war, schon htte
vergessen haben knnen. Die alten Kavaliere wrden sich um das
knigliche Banner geschaart haben und es wrde wahrscheinlich in allen
drei Knigreichen ein eben so langer und heftiger Brgerkrieg als der
unter der vorigen Generation ausgebrochen sein. Whrend dieser Krieg auf
den britischen Inseln wthete, was konnte Ludwig inzwischen nicht Alles
auf dem Continent versuchen? Und welche Aussichten htte dann Holland
gehabt, das von seinen Truppen entblt und von seinem Statthalter
verlassen gewesen wre?

    [Anmerkung 17: +Burnet I. 762.+]

    [Anmerkung 18: +Temple's Memoirs.+]


[_Unzufriedenheit in England nach dem Sturze der Hyde._] Wilhelm
begngte sich daher fr jetzt, Maregeln zu ergreifen, um der mchtigen
Opposition, deren Oberhaupt er geworden war, Einigkeit und Lebenskraft
einzuhauchen. Dies war nicht schwer. Der Fall der Hyde hatte durch ganz
England eine heftige Aufregung und Entrstung hervorgerufen. Man fhlte,
da es sich jetzt nicht mehr darum handelte, ob der Protestantismus
herrschen, sondern ob er geduldet werden sollte. An die Stelle des
Schatzmeisters war eine Commission getreten, deren Oberhaupt ein Papist
war. Das Geheimsiegel war einem Papisten anvertraut worden und der
Nachfolger des Lordlieutenants von Irland war ein Mann, der durchaus
keinen andren Anspruch auf einen so hohen Posten hatte, als da er
Papist war. Tyrconnel wre der Letzte gewesen, den eine Regierung,
welcher das allgemeine Wohl des Landes am Herzen lag, nach Dublin als
Stellvertreter geschickt htte. Seine brutalen Manieren machten ihn
geradezu unfhig, die Majestt der Krone zu reprsentiren. Sein
beschrnkter Verstand und sein heftiges Temperament machten ihn
untauglich, wichtige Staatsgeschfte zu leiten. Sein unvershnlicher Ha
gegen die Besitzer des greren Theiles des irischen Grund und Bodens
machte ihn ganz untauglich, gerade dieses Land zu verwalten. Aber die
Malosigkeit seiner Bigotterie wurde als ein gengender Ersatz fr die
Malosigkeit seiner anderen Leidenschaften betrachtet und aus Rcksicht
auf seinen Ha gegen den reformirten Glauben gestattete man ihm, seinem
Hasse gegen den englischen Namen freien Lauf zu lassen. Dies war also
der wirkliche Sinn der Achtung Seiner Majestt vor den Rechten der
berzeugung! Er wollte, da sein Parlament alle den Papisten auferlegte
Ausschlieungen beseitigte, nur damit _er_ gleich drckende
Ausschlieungen ber die Protestanten verhngen konnte. Es war klar, da
unter einem solchen Frsten Glaubensabfall der einzige Weg zur Gre
sein konnte. Dennoch wagten es nur Wenige, diesen Weg einzuschlagen,
denn der Geist der Nation war furchtbar aufgeregt, und jeder Renegat
hatte ein solches Ma von Hohn und Verachtung zu ertragen, da auch die
verhrtetsten Naturen nicht ganz unempfindlich dagegen bleiben konnten.


[_Bekehrungen zum Papismus; Peterborough, Salisbury._] Allerdings hatten
erst krzlich mehrere bemerkenswerthe bertritte stattgefunden; aber sie
waren von der Art, da sie der rmischen Kirche wenig Ehre machten. Zwei
vornehme Mnner hatten sich in ihren Schoo aufnehmen lassen: Heinrich
Mordaunt, Earl von Peterborough und Jakob Cecil, Earl von Salisbury.
Aber Peterborough, frher ein thtiger Soldat, Hofmann und Diplomat, war
jetzt durch Alter und Krankheit gebeugt und wer ihn, auf einen Stock
gesttzt und in Flanell und Pflaster eingehllt, durch die Gallerien von
Whitehall hinken sah, trstete sich ber seinen Abfall damit, da er
seinen Glauben erst gewechselt, nachdem er seine Krper- und
Geisteskrfte berlebt hatte.[19] Salisbury war sprchwrtlich albern.
Sein Krper war in Folge sinnlicher Gensse dermaen aufgeschwollen, da
er sich fast nicht mehr bewegen konnte, und dieser trge Krper war der
Wohnsitz eines eben so trgen Geistes. In populren Spottliedern war er
als ein Mensch dargestellt, der dazu geschaffen war, betrogen zu werden,
als ein Mensch, der bisher die Beute von Spielern gewesen und der eben
so gut die Beute von Mnchen werden konnte. Ein Pasquill, das zur Zeit
von Rochester's Rcktritt an die Thr von Salisbury House am Strand
angeheftet wurde, schildert in starken Ausdrcken das Entsetzen, mit dem
der weise Robert Cecil, wenn er aus seinem Grabe auferstehen knnte,
sehen wrde, auf was fr ein Geschpf seine Wrden und Ehren gekommen
waren.[20]

    [Anmerkung 19: Siehe die beiden Gedichte, betitelt: +The Converts+
    und +The Delusion+.]

    [Anmerkung 20: Die Verse befinden sich in der +Collection of State
    Poems+.]


[_Wycherley, Tindal, Haines._] Dies waren im Range die hchststehenden
von Jakob's Proselyten. Auerdem gab es noch Renegaten ganz andrer Art,
unbemittelte Leute von Talent, die aber keine Grundstze und keine Spur
von Ehrgefhl besaen. Man hat Grund zu glauben, da Wilhelm Wycherley,
der zgelloseste und hartherzigste Schriftsteller einer ganz besonders
zgellosen und hartherzigen Schule, zu diesen gehrte.[21] Gewi ist,
da Matthus Tindal, der sich spter durch seine Schriften gegen das
Christenthum einen Namen machte, um diese Zeit in den Schoo der
alleinseligmachenden Kirche aufgenommen wurde, ein Schritt, den, wie man
leicht denken kann, die Theologen, mit denen er nachmals polemisirte,
nicht vergessen hatten.[22] Ein noch ehrloserer Apostat war Joseph
Haines, dessen Name jetzt so gut wie vergessen ist, der aber damals als
ein Abenteurer von vielseitiger Begabung, als Gauner, Falschmnzer,
falscher Zeuge, falscher Brge, Tanzmeister, Possenreier, Dichter
und Schauspieler wohl bekannt war. Einige von seinen Prologen und
Epilogen wurden von seinen Zeitgenossen viel bewundert und sein
Schauspielertalent war allgemein anerkannt. Dieser Mann wurde Katholik,
ging im Gefolge Castelmaine's mit nach Italien, wurde aber bald wegen
schlechter Auffhrung wieder entlassen. Wenn man einer Tradition glauben
darf, die sich lange im Garderobezimmer erhalten hat, so hatte Haines
die Frechheit zu behaupten, da ihm die Jungfrau Maria erschienen sei
und ihn zur Bue aufgefordert habe. Nach der Revolution versuchte er es
sich mit der Stadt durch eine Bue auszushnen, die noch skandalser war
als sein Vergehen. Eines Abends, ehe er in einer Posse auftrat, erschien
er in ein weies Betttuch gehllt und mit einer Kerze in der Hand auf
der Bhne und trug einige gottlose, unanstndige Knittelverse vor, die
er seinen Widerruf nannte.[23]

    [Anmerkung 21: Die Nachrichten, die wir ber Wycherley haben, sind
    uerst drftig; zweierlei aber ist gewi: da er sich in seinen
    spteren Jahren einen Papisten nannte und da er von Jakob Geld
    erhielt. Ich zweifle kaum daran, da er ein bezahlter Convertit
    war.]

    [Anmerkung 22: Siehe den Artikel ber ihn in der +Biographia
    Britannica+.]

    [Anmerkung 23: Siehe Jakob Quin's Bericht ber Haines in +Davies's
    Miscellanies+; +Tom Brown's Works+; +Lives of Sharpers+; Dryden's
    Epilog zu der +Secular Masque+.]


[_Dryden._] Mit dem Namen Haines wurde in vielen Libellen der Name eines
berhmteren Renegaten, Johann Dryden's verbunden. Dryden nherte sich
jetzt dem Abend seines Lebens. Nach vielen Erfolgen und vielen
Enttuschungen hatte er endlich mit allgemeiner Zustimmung die erste
Stelle unter den lebenden Dichtern Englands erhalten. Er hatte grere
Ansprche auf den Dank Jakob's als irgend ein andrer Schriftsteller des
Knigreichs. Doch Jakob war an Versen wenig, sehr viel aber am Gelde
gelegen. Vom Tage seiner Thronbesteigung an bemhte er sich kleine
Ersparnisse zu machen, welche einer Regierung den Vorwurf der Knauserei
zuziehen, ohne die Finanzlast merklich zu erleichten. Zu den Opfern
seiner unverstndigen Sparsamkeit gehrte auch der +Poeta Laureatus+. Es
wurde Befehl gegeben, da in dem neuen Diplom, welches durch die
Erledigung der Krone nthig geworden war, das jhrlich gespendete Fa
Sect, das ursprnglich Jonson bewilligt und auch dessen Nachfolgern
zugestanden worden war, weggelassen werden sollte.[24] Dies war die
einzige Notiz, welche der Knig im ersten Jahre seiner Regierung von dem
gewaltigen Satiriker zu nehmen geruhte, der im kritischesten Augenblicke
des groen Kampfes wegen der Ausschlieungsbill in den Reihen der Whigs
Schrecken verbreitet hatte. Dryden war arm und seine Armuth drckte ihn
nieder. Von Religion wute er wenig und kmmerte sich auch nicht darum.
Wenn irgend ein Gefhl tief in seiner Brust wurzelte, so war es der
Widerwille gegen die Priester jeden Glaubens, gegen Leviten, Auguren,
Muftis, rmisch-katholische Geistliche, presbyterianische und
anglikanische Geistliche. Er war von Natur kein hochherziger Mann, und
seine Bestrebungen waren nicht von der Art, da sie seinem Sinne hhere
Wrde und greres Zartgefhl verleihen konnten. Er hatte viele Jahre
lang sich seinen Unterhalt dadurch erworben, da er dem verderbten
Geschmacke des Publikums diente und reichen, adeligen Gnnern auf die
plumpste Manier schmeichelte. Selbstachtung und ein feines
Schicklichkeitsgefhl konnte man von einem Manne, der das Leben eines
Bettlers und Speichelleckers gefhrt hatte, nicht erwarten. Da er die
Bemerkung machte, da seine Dienste unbeachtet bleiben wrden, wenn er
fortfhre sich einen Protestanten zu nennen, so erklrte er sich zum
Papisten. Augenblicklich lie die Knauserei des Knigs nach. Dryden
wurde mit einem Jahrgelde von hundert Pfund belohnt und dazu verwendet,
seine neue Religion in Prosa und in Versen zu vertheidigen.

Zwei ausgezeichnete Mnner, Samuel Johnson und Walter Scott, haben ihr
Mglichstes gethan, um sich selbst und Andere zu berreden, da dieser
denkwrdige Glaubenswechsel aufrichtig war. Es war natrlich, da sie
einen Schandfleck von dem Gedchtnisse eines Mannes verwischen
wollten, dessen Genie sie mit Recht bewunderten und mit dessen
politischen Ansichten sie stark sympathisirten; der unparteiische
Geschichtsschreiber aber mu ein ganz andres Urtheil aussprechen. Es
wird jederzeit starker Zweifel gegen die Aufrichtigkeit einer Bekehrung
erhoben werden, durch welche der Bekehrte unmittelbar gewinnt. Und in
Dryden's Falle ist nichts vorhanden, was diesen Zweifel entkrften
konnte. Seine theologischen Schriften beweisen zur Genge, da er sich
nie fleiig und ernstlich bemht hat, die Wahrheit zu ergrnden, und da
seine Kenntni der Kirche, die er verlie, wie auch der, zu der er
bertrat, hchst oberflchlich war. Eben so wenig benahm er sich in der
Folge wie ein Mann, den ein starkes Pflichtgefhl zu einem Schritte von
so hochwichtiger Bedeutung bewogen hatte. Wre er ein solcher Mann
gewesen, so wrde die nmliche berzeugung, die ihn in den Schoo der
rmischen Kirche gefhrt hatte, ihn abgehalten haben, allgemeine Regeln,
welche diese Kirche in bereinstimmung mit jeder andren christlichen
Gemeinschaft als bindend anerkennt, grblich und gewohnheitsmig zu
verletzen. Es wrde ein merklicher Unterschied zwischen seinen frheren
und seinen spteren Werken zu erkennen gewesen sein; er wrde mit Reue
auf seine fast dreiigjhrige literarische Laufbahn zurckgeblickt
haben, whrend welcher er seine seltenen Talente fr die Diction und den
Versbau systematisch zur Verbreitung der Sittenverderbni angewendet
hatte. Nicht eine Zeile, welche darauf hinzielte, die Tugend verchtlich
zu machen und unreine Begierden zu entznden, wrde von diesem
Augenblicke an mehr aus seiner Feder geflossen sein. Leider aber ist es
nur zu wahr, da die Dramen, welche er nach seiner angeblichen Bekehrung
schrieb, in keiner Hinsicht weniger unrein und profan sind, als die
seiner Jugend. Selbst in seinen bersetzungen wich er bestndig von den
Originalen ab, um Bilder aufzusuchen, die er htte bergehen mssen,
wenn er sie in den Originalen gefunden htte. Das Schlechte wurde durch
seine bertragungen noch schlechter, und das Unschuldige wurde durch die
Berhrung mit seinem Geiste befleckt. Er machte die derbsten Satiren
Juvenal's noch derber, schob in die Erzhlungen Boccacio's schlpfrige
Schilderungen ein und befleckte die liebliche und reine Poesie der
Georgica mit Schmutz, der Vergil's Ekel erregt haben wrde.

Dryden's Beistand war denjenigen rmisch-katholischen Theologen
willkommen, welche gegen die ausgezeichnetsten Mnner der Staatskirche
mit Mhe einen Kampf unterhielten. Sie konnten es sich nicht verhehlen,
da ihr durch auslndische, in Rom oder Douay aufgelesene Ausdrcke
entstellter Styl der Beredtsamkeit eines Tillotson und Sherlock
gegenber eben in keinem vortheilhaften Lichte erschien. Man glaubte es
nicht gering anschlagen zu drfen, da man die Mitwirkung des grten
lebenden Meisters der englischen Sprache gewonnen hatte. Der erste
Dienst, der von ihm zum Dank fr die bewilligte Pension verlangt wurde,
war eine in Prosa geschriebene Vertheidigung seiner Kirche gegen
Stillingfleet. Aber einem Manne, der nichts zu sagen wei, hilft das
Talent, Alles gut sagen zu knnen, nichts, und in diesem Falle befand
sich Dryden. Er sah bald ein, da er einem Gegner, dessen ganzes Leben
ein langes Studium der Polemik gewesen, nicht gewachsen war. Der
langgediente Gladiator entwaffnete den Neuling, versetzte ihm mit
Verachtung einige Hiebe und wendete sich dann von ihm ab, um
achtunggebietenderen Kmpfern entgegenzutreten.

    [Anmerkung 24: Diese Thatsache, welche den genauen Forschungen
    Malone's entging, ergiebt sich aus dem Briefbuche des Schatzamts
    von 1685.]


[_+The Hind and Panther.+_] Jetzt griff Dryden zu einer Waffe, in der
er schwerlich einen ebenbrtigen Gegner zu frchten hatte. Er zog sich
auf einige Zeit von dem Gerusch der Kaffeehuser und Theater in einen
ruhigen Winkel von Huntingdonshire zurck und schrieb dort mit
ungewohnter Sorgfalt und Anstrengung sein berhmtes Gedicht ber die
zwischen der rmischen und anglikanischen Kirche obschwebenden
Streitpunkte. Die rmische Kirche ist darin bildlich als eine milchweie
Hindin dargestellt, die bestndig in Lebensgefahr schwebt, aber dazu
bestimmt ist, nicht zu sterben. Die Thiere des Feldes sannen auf ihr
Verderben. Der zitternde (+quaking+) Hase beobachtete eine furchtsame
Neutralitt, aber der socinianische Fuchs, der presbyterianische Wolf,
der independente Br und der anabaptistische Eber schossen hmische
Blicke auf das makellose Geschpf. Unter dem Schutze ihres Freundes, des
kniglichen Lwen, konnte sie es indessen wagen, mit ihnen aus der
nmlichen Quelle zu trinken. Die anglikanische Kirche war als Panther
dargestellt, der zwar Flecken hat, aber schn, fr ein Raubthier nur zu
schn ist. Hindin und Panther, von der blutdrstigen Bevlkerung des
Waldes in gleichem Grade gehat, beriethen sich im Stillen ber ihre
gemeinsame Gefahr. Dann gingen sie zur Discussion der Punkte ber, in
denen sie verschiedener Ansicht waren, und hielten, mit dem Schwanze
wedelnd und sich den Bart leckend, ein langes Zwiegesprch ber die
wirkliche Anwesenheit Christi beim Abendmahl, ber die Autoritt der
Ppste und Concilien, ber die Strafgesetze, die Testacte, die Meineide
des Oates, Buttler's schlecht belohnte Dienste fr die Kavalierpartei,
Stillingfleet's Pamphlets und Burnet's breiten Rcken und glckliche
Heirathsspekulationen.

Das Unpassende dieses Planes springt in die Augen. Die Allegorie konnte
in der That nicht zehn Zeilen hintereinander ununterbrochen beibehalten
werden. Keine noch so kunstvolle Ausfhrung konnte die Fehler eines
solchen Planes verdecken. Dessenungeachtet ist die Fabel von der Hindin
und dem Panther unbestreitbar der werthvollste Beitrag zu der englischen
Literatur aus der kurzen und unruhigen Regierungszeit Jakob'sII. In
keinem andren Werke Dryden's finden sich ergreifendere und erhabenere
Stellen, eine grere Biegsamkeit und Kraft der Sprache und ein
lieblicherer und abwechselnderer Wohllaut.

Das Gedicht erschien mit allen Vortheilen ausgestattet, welche
knigliche Gunst gewhren konnte. Eine Prachtausgabe fr Schottland
wurde in der in Holyrood House errichteten Officin gedruckt. Aber die
Leute waren nicht in der Stimmung, um sich von dem durchsichtigen Style
und den melodischen Reimen des Apostaten bezaubern zu lassen. Der durch
seine Feilheit erregte Unwille, die durch die Politik, deren Lobhudler
er war, hervorgerufene Besorgni lieen sich nicht in Schlaf singen. Die
gerechte Entrstung des Publikums wurde von Vielen, die den Stachel
seines Spotts gefhlt, und von Vielen, die seinen Ruhm beneideten,
angeschrt. Trotz aller Beschrnkungen, denen die Presse unterlag,
erschienen tglich Angriffe auf sein Leben und seine Schriften. Bald
hie er Bayes, bald der Dichter Squab. Man erinnerte ihn daran, da er
in seiner Jugend dem Hause Cromwell in der nmlichen knechtischen Weise
den Hof gemacht, wie jetzt dem Hause Stuart. Ein Theil seiner Gegner
druckte boshafterweise die sarkastischen Verse wieder ab, die er zu
einer Zeit, wo es ihm nichts eingebracht haben wrde, wenn er Papist
geworden wre, gegen den Papismus geschrieben hatte. Von den vielen
satirischen Arbeiten, welche bei dieser Gelegenheit erschienen, war die
gelungenste das gemeinsame Werk zweier junger Mnner, welche krzlich
ihre Studien in Cambridge vollendet hatten und als vielversprechende
Anfnger in den literarischen Kaffeehusern Londons begrt worden
waren: Karl Montague und Matthus Prior. Montague war von adeliger
Abkunft, Prior's Ursprung aber war so dunkel, da kein Biograph im
Stande gewesen ist, demselben auf die Spur zu kommen. Beide Abenteurer
waren arm und strebsam. Beide hatten einen scharfen Verstand und einen
lebendigen Geist, Beide schwangen sich spter hoch empor. Beide
verbanden in nicht gewhnlichem Grade mit der Liebe zu den
Wissenschaften Geschicklichkeit in denjenigen Gebieten des praktischen
Lebens, gegen welche die Schngeister in der Regel einen entschiedenen
Widerwillen haben. Von den funfzig Dichtern, deren Lebenslauf Johnson
geschildert hat, waren Montague und Prior die beiden einzigen, die sich
durch eine grndliche Kenntni des Handels und des Finanzwesens
auszeichneten. Ihre Wege gingen bald weit auseinander, und ihre
Jugendfreundschaft lste sich auf. Einer von ihnen wurde das Haupt der
Whigpartei und wurde von den Tories angeklagt; der Andre wurde in alle
Geheimnisse der toryistischen Diplomatie eingeweiht und von den Whigs
lange in strenger Haft gehalten. Endlich wurden die so lange getrennt
gewesenen Freunde nach vielen ereignivollen Jahren in der
Westminster-Abtei wieder mit einander vereinigt.


[_nderung in dem Verfahren des Hofes gegen die Puritaner._] Wer die
Fabel von der Hindin und dem Panther aufmerksam gelesen hat, mu bemerkt
haben, da whrend der Bearbeitung dieses Werks in den Ansichten Derer,
welche Dryden als Dolmetscher benutzten, eine groe Vernderung vorging.
Anfangs wird von der anglikanischen Kirche mit Liebe und Achtung
gesprochen und sie wird ermahnt, sich mit der rmisch-katholischen gegen
die puritanischen Secten zu verbinden; am Schlusse des Gedichts aber und
in der Vorrede, welche nach Vollendung des Ganzen geschrieben wurde,
werden die protestantischen Dissenters aufgefordert, mit den Katholiken
gemeinschaftliche Sache gegen die anglikanische Kirche zu machen.

Dieser Umschlag in der Sprache des Hofpoeten deutete auf einen groen
Umschlag in der Politik des Hofes hin. Der ursprngliche Zweck Jakob's
war gewesen, nicht allein vollstndige Befreiung von allen Strafen und
brgerlichen Ausschlieungen, sondern auch einen groen Antheil an den
kirchlichen und akademischen Stiftungen fr seine Kirche zu erlangen und
zu gleicher Zeit die Gesetze gegen die puritanischen Secten mit Strenge
auszuben. Alle von ihm gewhrten besonderen Dispensationen waren
rmischen Katholiken gewhrt worden. Alle Gesetze, welche auf den
Presbyterianern, Independenten und Baptisten am schwersten lasteten,
hatte er eine Zeit lang mit aller Strenge durchgefhrt. Whrend Hales
ein Regiment commandirte, whrend Powis im Geheimen Rathe sa, whrend
Massey eine Dechanei bekleidete, whrend in Oxford mit kniglicher
Genehmigung Breviarien und Mebcher gedruckt wurden, whrend in London
die Hostie unter dem Schutze der Piken und Musketen der Fugarde
ffentlich ausgestellt wurde, whrend Ordensbrder und Mnche in ihren
Kutten in den Straen von London einhergingen, sa Baxter im Gefngni,
war Howe in der Verbannung, standen die Fnfmeilenacte und die
Conventikelacte in voller Kraft, muten die puritanischen Schriftsteller
zur auslndischen oder geheimen Pressen ihre Zuflucht nehmen, konnten
puritanische Gemeinden sich nur des Nachts oder in abgelegenen Einden
versammeln, muten puritanische Geistliche in Kohlengrber- oder
Matrosenverkleidung predigen. In Schottland hatte der Knig neue Gesetze
von beispielloser Hrte gegen die Presbyterianer von den Stnden
verlangt und erhalten, whrend er keine Anstrengung sparte, ihnen jede
Erleichterung fr die Katholiken abzupressen. Sein Verfahren gegen die
verbannten Hugenotten hatte seine Gesinnungen nicht minder deutlich
verrathen. Wir haben gesehen, wie er, als die ffentliche Mildthtigkeit
eine groe Summe zur Untersttzung dieser Unglcklichen in seine Hnde
gelegt, allen Gesetzen der Gastfreundschaft und der Rechtschaffenheit
zum Hohn von ihnen verlangte, da sie dem calvinistischen Ritual, dem
sie mit groer Liebe anhingen, entsagen und sich der anglikanischen
Kirche anschlieen mten, ehe er ihnen das Geringste von den seiner
Verwaltung anvertrauten Gaben spenden knnte.

Dies war seine Politik gewesen, so lange er noch einigermaen hoffen
konnte, da die anglikanische Kirche einwilligen werde, die Herrschaft
mit der rmischen Kirche zu theilen. Einmal stieg diese Hoffnung zur
festen berzeugung. Die Begeisterung, mit der die Tories seinen
Regierungsantritt begrt hatten, die Wahlen, die demthige Sprache und
die reichen Geldbewilligungen seines Parlaments, die Unterdrckung des
Aufstandes im Westen, die vllige Vernichtung der Partei, die ihn vom
Throne hatte ausschlieen wollen, dies Alles steigerte seine Zuversicht
bis ber die Grenzen der Vernunft. Er glaubte fest, da seiner Macht und
seiner Entschlossenheit jedes Hinderni weichen werde. Sein Parlament
leistete ihm Widerstand. Er versuchte die Wirkung von ungndigen Blicken
und Drohungen, und da er mit diesen nichts erreichte, versuchte er es
mit der Prorogation. Aber von dem Augenblicke der Prorogation an wurde
der Widerstand gegen seine Plne immer strker und strker. Es schien
klar, da, wenn er seinen Willen durchsetzen wollte, er ihn im
Widerspruch mit der groen Partei durchsetzen mute, die seinem Throne,
seinem Hause und seiner Person so glnzende Beweise von Treue gegeben
hatte. Die ganze anglikanische Geistlichkeit, die ganze Kavaliergentry
war gegen ihn. Vergebens hatte er kraft seines kirchlichen Supremats dem
Klerus anbefohlen, sich jeder Errterung von Streitpunkten zu enthalten.
Jede Gemeinde der Nation wurde allsonntglich gegen die Irrthmer Roms
gewarnt, und diese Warnungen waren um so wirksamer, weil sie stets mit
Versicherungen der Ehrerbietung gegen den Knig und des Entschlusses,
Alles mit Geduld zu ertragen, was ihm zu verhngen belieben werde,
verbunden waren. Die royalistischen Ritter und Squires, welche durch
fnfundvierzig Jahre des Kriegs und der Parteiwuth dem Throne mannhaft
zur Seite gestanden hatten, sprachen jetzt in sehr nachdrcklichen
Worten den Entschlu aus, da sie eben so mannhaft zur Kirche halten
wrden. Trotz seines beschrnkten Verstandes und seines despotischen
Characters sah Jakob nun doch ein, da er sein Verfahren ndern msse.
Er konnte es ohne Gefahr nicht wagen, alle seine protestantischen
Unterthanen zugleich zu beleidigen. Wenn er es ber sich gewinnen
konnte, der Partei, welche in beiden Husern das bergewicht hatte,
Zugestndnisse zu machen, wenn er sich entschlieen konnte, der
Staatskirche alle ihre Wrden, Einknfte und Privilegien zu lassen, so
mochte er auch fernerhin presbyterianische Versammlungen verbieten und
die Gefngnisse mit baptistischen Predigern fllen. Blieb er aber dabei,
die Hierarchie zu plndern, so mute er sich entschlieen, dem
Vergngen, die Dissenters zu verfolgen, zu entsagen. Wollte er von nun
an mit seinen alten Freunden in Fehde leben, so mute er mit seinen
alten Feinden einen Waffenstillstand schlieen. Er konnte die
anglikanische Kirche nur dadurch bezwingen, da er eine umfassende
Coalition gegen sie bildete, welche Secten in sich schlo, die zwar in
Lehre und Verfassung von einander selbst viel strker abwichen als von
ihr, aber doch durch ihre gemeinsame Eifersucht auf ihre Gre und durch
die gemeinsame Furcht vor ihrer Unduldsamkeit bewogen werden konnten,
ihre Feindseligkeiten so lange ruhen zu lassen, bis jene Kirche die
Macht verloren hatte, sie zu tyrannisiren.

Ein Grund schien besonders fr diesen Plan zu sprechen. Wenn es ihm nur
gelang, die protestantischen Nonconformisten zu gewinnen, so durfte er
sich mit der Hoffnung schmeicheln, vor jeder Rebellion sicher zu sein.
Nach der Ansicht der anglikanischen Geistlichen konnte keine Krnkung
irgend welcher Art einen Unterthanen berechtigen, den Gesalbten des
Herrn gewaltsamen Widerstand zu leisten. Die Theorie der puritanischen
Sectirer lautete ganz anders. Diese Sectirer trugen kein Bedenken,
Tyrannen mit dem Schwerte Gideon's zu Boden zu schlagen, und manche von
ihnen scheuten sich auch nicht, den Dolch Ehud's zu gebrauchen.
Wahrscheinlich sannen sie eben jetzt wieder auf einen neuen westlichen
Aufstand oder auf ein neues Ryehousecomplot. Jakob glaubte daher, da er
getrost die Staatskirche verfolgen knnte, wenn es ihm nur gelang, die
Dissenters zu gewinnen. Die Partei, deren Grundstze ihm keine
Sicherheit gewhrten, war dann durch das Interesse an ihn gefesselt, und
die Partei, deren Interessen er angriff, erregte aus Grundsatz keinen
Aufruhr.

Unter dem Einflusse solcher Erwgungen begann Jakob von dem Augenblicke
an, als er sich zornig von seinem Parlament trennte, auf eine Coalition
aller katholischen wie protestantischen Nonconformisten gegen die
Landeskirche zu denken. Schon um Weihnachten 1685 meldeten die Gesandten
der Vereinigten Provinzen den Generalstaaten, da der Plan einer
allgemeinen Duldung entworfen sei und bald ans Licht treten werde.[25]
Indessen erwiesen sich die Nachrichten, welche der hollndischen
Gesandtschaft zugekommen waren, als verfrht. Die Separatisten scheinen
jedoch im Jahre 1686 schon viel milder behandelt worden zu sein, als
whrend des Jahres 1685. Aber nur ganz allmlig und nach vielen inneren
Kmpfen vermochte es der Knig ber sich, mit Allem, was er am meisten
verabscheute, ein Bndni zu schlieen. Er hatte einen nicht
oberflchlichen und launenhaften, nicht erst krzlich entstandenen oder
rasch aufgeschossenen, sondern in seiner Familie erblichen Groll zu
berwinden, welcher durch groe, whrend hundertzwanzig ereignivoller
Jahre zugefgte und erlittene Unbilden verstrkt worden und mit allen
seinen religisen und politischen, huslichen und persnlichen Gefhlen
verwachsen war. Vier Generationen von Stuarts hatten mit vier
Generationen von Puritanern einen Krieg auf Leben und Tod gefhrt, und
whrend dieses ganzen langen Krieges hatte kein Stuart die Puritaner so
stark gehat, und war so stark von ihnen gehat worden, als er. Sie
hatten es versucht, seine Ehre zu untergraben und ihn seines
Geburtsrechts zu berauben; sie hatten ihn einen Brandstifter, einen
Kehlabschneider und einen Giftmischer genannt; sie hatten ihn aus der
Admiralitt und aus dem Staatsrathe verdrngt; sie hatten ihn zu
wiederholten Malen in die Verbannung getrieben, sie hatten einen
Mordanschlag auf ihn gemacht, und sie hatten sich zu Tausenden mit
bewaffneter Hand gegen ihn erhoben. Dafr hatte er sich an ihnen durch
ein Gemetzel gercht, wie es England noch nie gesehen. Ihre Kpfe und
Glieder verwesten noch auf Pfhlen auf allen ffentlichen Pltzen von
Somersetshire und Dorsetshire. Bejahrte Frauen, die wegen ihrer
Frmmigkeit und Mildthtigkeit von den Sectirern in hohen Ehren gehalten
wurden, waren um geringfgiger Vergehen willen, die kein guter Frst nur
eines strengen Verweises werth gehalten haben wrde, enthauptet oder
lebendig verbrannt worden. In einem solchen Verhltnisse hatte selbst in
England der Knig zu den Puritanern gestanden, und in Schottland hatte
die Tyrannei des Knigs und die Wuth der Puritaner einen Grad erreicht,
von dem sich die Englnder kaum einen Begriff machen konnten. Einen so
langjhrigen und so tdtlichen Ha zu vergessen, war fr einen ganz
besonders harten und unvershnlichen Character keine leichte Aufgabe.

Der Kampf, der im Innern des Knigs stattfand, entging dem Blicke
Barillon's nicht. Ende Januar 1687 schrieb er einen interessanten Brief
nach Versailles. Der Knig -- dies war der wesentliche Inhalt des
Schreibens -- habe sich so ziemlich berzeugt, da er nicht vllige
Freiheit fr die rmischen Katholiken erlangen und dabei doch die
Gesetze gegen die protestantischen Dissenters aufrecht erhalten knne.
Er neige sich daher zu einem Plane allgemeiner Indulgenz hin, im Herzen
aber wrde es ihm weit lieber sein, wenn er auch jetzt noch seinen
Schutz und seine Gunst zwischen der rmischen und der anglikanischen
Kirche, mit Ausschlu aller anderen religisen berzeugungen, theilen
knnte.[26]

    [Anmerkung 25: Leeuwen, 25. Dec. (4. Jan.) 1685/6.]

    [Anmerkung 26: Barillon, 31. Jan. (10. Febr.) 1686/7. +Je crois
    que, dans le fond, si on ne pouvoit laisser que la religion
    Anglicane et la Catholique tablies par les loix, le Roy
    d'Angleterre en seroit bien plus content.+]


[_In Schottland theilweise Duldung gewhrt._] Wenige Tage nach dem
Abgang dieser Depesche that Jakob zgernd und widerstrebend den ersten
Schritt zur Annherung an die Puritaner. Er hatte sich entschlossen, mit
Schottland zu beginnen, wo seine Befugni, von Parlamentsacten zu
dispensiren, von den willfhrigen Stnden anerkannt war. Demgem wurde
am 12. Februar in Edinburg eine Proklamation erlassen, welche
ngstlichen Gewissen eine Erleichterung gewhrte.[27] Diese Proklamation
beweist vollkommen die Richtigkeit von Barillon's Urtheil. Selbst in der
Acte, durch die er den Presbyterianern Zugestndnisse machte, konnte
Jakob seinen Widerwillen gegen sie nicht verhehlen. Die den Katholiken
gewhrte Duldung war vollkommen. Auch die Quker hatten wenig Ursache
sich zu beklagen. Aber die den Presbyterianern, welche die Hauptmasse
des schottischen Volks bildeten, bewilligte Indulgenz war durch
Bedingungen beschrnkt, die sie fast werthlos machten. An die Stelle des
bisherigen Religionseides, der sowohl Katholiken als Presbyterianer von
Staatsmtern ausschlo, war ein neuer Religionseid gesetzt, der die
Katholiken zulie, aber die meisten Presbyterianer ausschlo. Den
Katholiken war es erlaubt, Kapellen zu erbauen und sogar die Hostie
berall, mit Ausnahme der Straen in kniglichen Burgflecken, in
Prozession umherzutragen; den Qukern war es gestattet, sich in
ffentlichen Gebuden zu versammeln; die Presbyterianer aber durften nur
in Privatwohnungen Gottesdienst halten; es war ihnen streng verboten,
Bethuser zu bauen, sie durften nicht einmal eine Scheune oder ein
Nebenhaus zu Andachtsbungen benutzen, und es ward ihnen nachdrcklich
eingeschrft, da, wenn sie es wagten, Conventikel unter freiem Himmel
zu hatten, das Gesetz, welches sowohl den Predigern als den Zuhrern mit
dem Tode drohte, mit schonungsloser Strenge angewendet werden sollte.
Jeder katholische Priester durfte Messe lesen, jeder Quker durfte vor
seinen Glaubensbrdern Reden halten; aber der Geheime Rath war
angewiesen, darber zu wachen, da kein presbyterianischer Geistlicher
sich unterfange, ohne specielle Erlaubni der Regierung zu predigen.
Jede Zeile dieses Dokuments und der dasselbe begleitenden Briefe
beweist, wie schwer es dem Knige wurde, nur einigermaen die Hrte zu
mildern, mit der er die alten Feinde seines Hauses von jeher behandelt
hatte.[28]

Man hat wirklich Grund zu glauben, da er bei Verffentlichung dieser
Proklamation noch keineswegs zu einer Coalition mit den Puritanern fest
entschlossen war und da er ihnen zuvrderst nur eben so viele
Begnstigungen gewhren wollte, als durchaus nthig waren, um die
Anhnger der Landeskirche durch Einschchterung zum Gehorsam zu bringen.
Er wartete daher einen Monat, um zu sehen, welchen Eindruck das in
Edinburg erlassene Edict in England machen werde. Diesen Monat
verwendete er auf Petre's Rath eifrig zu dem, was man +closeting+[29]
nannte.

    [Anmerkung 27: Sie ist zu finden im Anfange zu Wodrow II. 129.]

    [Anmerkung 28: +Wodrow, Appendix, vol. II. Nos. 128, 129, 132.+]

    [Anmerkung 29: Persnliche Bearbeitung Einzelner im Privatkabinet
    des Knigs.    D. bers.]


[_Persnliche Bearbeitung Einzelner im kniglichen Kabinet._] London war
voll von geeigneten Persnlichkeiten. Man erwartete die baldige
Zusammenberufung des Parlaments zur Erledigung von Geschften, und viele
Mitglieder waren bereits in der Stadt. Der Knig nahm sich vor, sie Mann
fr Mann zu werben. Er hoffte, da die eifrigen Tories -- und aus
solchen bestand das Unterhaus mit wenigen Ausnahmen -- seinen dringenden
Bitten schwer wrden widerstehen knnen, wenn er dieselben nicht an die
Gesammtheit, sondern an jeden Einzelnen, und nicht vom Thronsessel
herab, sondern im vertraulichen Gesprch an sie richtete. Die
Mitglieder, welche nach Whitehall kamen, um ihre Aufwartung zu machen,
wurden demnach auf die Seite genommen und mit langen Privatunterredungen
beehrt. Der Knig drang in sie, da sie, als loyale Gentlemen, ihm nur
in dem einem Punkte, der ihm mehr als alles Andre am Herzen liege, den
Willen thun mchten. Er meinte, die Sache berhre seine persnliche
Ehre. Die unter der vorigen Regierung von factisen Parlamenten gegen
die Katholiken erlassenen Verordnungen seien lediglich gegen ihn selbst
gerichtet gewesen; diese Gesetze htten ihm ein Brandmal aufgedrckt,
ihn aus der Admiralitt und aus dem Staatsrathe vertrieben, und er sei
berechtigt, zu erwarten, da Alle, die ihn liebten und ehrten, sich zur
Abschaffung jener Gesetze vereinigen wrden. Sah er, da seine Zuhrer
gegen diese Ermahnungen taub blieben, so nahm er seine Zuflucht zu
Drohungen und Bestechungen. Denjenigen, die sich weigerten, ihm in
dieser Angelegenheit zu Willen zu sein, wurde geradezu gesagt, da sie
keine Gunstbezeigung zu erwarten htten. Trotz seiner Knauserei ffnete
und vertheilte er seine Schtze. Mehrere von Denen, die zu einer
Conferenz mit ihm eingeladen worden waren, nahmen aus seinem
Schlafzimmer Geld mit fort, das sie aus kniglicher Hand empfangen
hatten. Die Richter, die sich gerade auf ihrer Frhjahrsrundreise
befanden, erhielten Befehl vom Knige, die noch in der Provinz
zurckgebliebenen Mitglieder zu besuchen und die Gesinnungen jedes
Einzelnen zu erforschen.


[_Erfolglosigkeit der persnlichen Bearbeitung._] Das Resultat aller
dieser Nachforschungen war, da die groe Majoritt des Hauses der
Gemeinen entschlossen zu sein schien, sich den Maregeln des Hofes zu
widersetzen.[30] Einer von Denjenigen, deren Festigkeit allgemeine
Bewunderung erregten, war Arthur Herbert, der Bruder des Oberrichters,
Parlamentsmitglied fr Dover, Kammerherr und Contreadmiral von England.

    [Anmerkung 30: Barillon, 28. Febr. (10. Mrz) 1686/7; Citters,
    15.(25.) Febr.; +Reresby's Memoirs+; Bonrepaux, 25. Mai (4. Juni)
    1687.]


[_Admiral Herbert._] Arthur Herbert war bei den Seeleuten sehr beliebt
und galt fr einen der tchtigsten adeligen Marineoffiziere. Man hatte
allgemein vermuthet, da er sich den Wnschen des Knigs bereitwillig
fgen werde, denn er fragte wenig nach der Religion, war
vergngungslustig und verschwenderisch, hatte kein Privatvermgen, bezog
aus seinen Stellen ein jhrliches Einkommen von viertausend Pfund und
wurde seit langer Zeit zu den ergebensten persnlichen Anhngern Jakob's
gerechnet. Als aber der Contreadmiral im Privatkabinet vorgenommen und
das Versprechen von ihm verlangt wurde, da er fr die Aufhebung der
Testacte stimmen wolle, antwortete er, seine Ehre und sein Gewissen
erlaubten ihm nicht, ein solches Versprechen zu geben. Niemand zweifelt
an Ihrer Ehre, sagte der Knig, aber ein Mann, der so lebt wie Sie,
sollte nicht von seinem Gewissen sprechen. Auf diesen Vorwurf, einen
Vorwurf, der dem Geliebten der Katharine Sedley bel anstand, erwiederte
Herbert mit mnnlicher Offenheit: Ich habe meine Fehler, Sire, aber ich
knnte Leute nennen, welche viel hufiger von ihrem Gewissen sprechen
als ich und dabei ein eben so lockeres Leben fhren. Er wurde aller
seiner Stellen entsetzt und die Rechnung ber seine Ausgaben und
Einnahmen als Kammerherr wurden mit groer und, wie er klagte,
ungerechter Strenge geprft.[31]

Es war jetzt augenscheinlich, da jede Hoffnung auf ein Bndnis zwischen
der anglikanischen und rmischen Kirche zu dem Zwecke, die mter und
Einnahmen unter sich zu theilen und die puritanischen Secten zu
unterdrcken, aufgegeben werden mute. Es blieb weiter nichts brig, als
der Versuch, eine Koalition zwischen der rmischen Kirche und den
puritanischen Secten gegen die anglikanische Kirche zu Stande zu
bringen.

    [Anmerkung 31: Barillon, 14.(24.) Mrz 1687; Lord Russell an +Dr.+
    Fitzwilliam, 1. April; +Burnet I. 671, 672+. In +Clarke's Life of
    James the Second, II. 204+ ist die Unterredung etwas anders
    erzhlt. Diese Stelle aber ist kein Theil der eigenen Memoiren des
    Knigs.]


[_Die Indulgenzerklrung._] Am 18. Mrz kndigte der Knig dem Geheimen
Rathe an, da er beschlossen habe, das Parlament bis Ende November zu
prorogiren und allen seinen Unterthanen aus eigner Machtvollkommenheit
vllige Gewissensfreiheit zu gewhren.[32] Am 4. April erschien die
denkwrdige Indulgenzerklrung.

In dieser Erklrung sagte der Knig, es sei sein innigster Wunsch, seine
Unterthanen als Mitglieder derjenigen Kirche zu sehen, der er selbst
angehre. Da dies aber nicht sein knne, erklre er, da es seine
Absicht sei, sie in der freien Ausbung ihrer Religion zu schtzen. Er
wiederholte alle die schnen Redensarten, welche acht Jahre frher, als
er selbst ein Unterdrckter war, so oft aus seinem Munde kamen, die er
aber nicht mehr gebrauchte, seitdem ein Wechsel des Glcks ihm die Macht
verliehen hatte, selbst ein Unterdrcker zu werden. Er sei schon lngst
berzeugt, sagte er, da man dem Gewissen keinen Zwang anthun drfe, da
Verfolgungen der Zunahme der Bevlkerung und dem Handel nachtheilig
seien und nie zu dem Zwecke fhrten, den die Verfolger erreichen
wollten. Er wiederholte das schon oft gegebene und eben so oft
gebrochene Versprechen, da er die Staatskirche im Genusse ihrer
gesetzlichen Rechte schtzen wolle. Hierauf erklrte er, ebenfalls aus
eigner Machtvollkommenheit, eine lange Reihe von Gesetzen fr null und
nichtig, hob alle Strafbestimmungen gegen alle Klassen von
Nonconformisten auf, ermchtigte die rmischen Katholiken wie auch die
protestantischen Dissenters, ihren Gottesdienst ffentlich zu halten,
verbot seinen Unterthanen bei Strafe seines allerhchsten Mifallens,
irgend eine religise Versammlung zu stren, und schaffte auch alle
diejenigen Gesetze ab, welche die Befhigung zu brgerlichen und
militairischen mtern von einem Religionseide abhngig machten.[33]

Da die Indulgenzerklrung verfassungswidrig war, darber sind beide
groe Parteien Englands zu allen Zeiten einig gewesen. Jeder, der in
politischen Fragen ein Urtheil hat, mu einsehen, da ein Frst, der
eine solche Erklrung erlassen darf, nichts Geringeres ist als ein
absoluter Monarch. Auch kann man zur Vertheidigung dieser Handlung
Jakob's nicht die Grnde geltend machen, mit denen viele willkrliche
Maregeln der Stuarts vertheidigt oder entschuldigt worden sind. Man
kann nicht sagen, da er den Umfang seiner Prrogative verkannt habe,
weil sie nicht genau bestimmt gewesen sei, denn er berschritt die
Grenze angesichts einer ganz krzlich erst festgestellten Grenzmarke.
Funfzehn Jahre frher hatte sein Bruder auf Anrathen der Cabale auch
eine Indulgenzerklrung erlassen, welche im Vergleich zu der Erklrung
Jakob's gemigt und vorsichtig genannt werden konnte. Die Erklrung
Karl's dispensirte nur von Strafgesetzen, die Erklrung Jakob's
dispensirte auch von allen Religionseiden. Die Erklrung Karl's
gestattete den Katholiken, nur in Privatwohnungen ihren Gottesdienst zu
halten, nach der Erklrung Jakob's konnten sie Tempel bauen und
ausschmcken und sogar mit Kreuzen, Bildern und Rauchfssern in
Prozession durch Fleet Street ziehen. Dennoch war die Erklrung Karl's
in alter Form fr gesetzwidrig erklrt worden. Die Gemeinen hatten sich
dahin ausgesprochen, da der Knig nicht befugt sei, in kirchlichen
Angelegenheiten von Gesetzen zu dispensiren. Karl hatte hierauf das
miliebige Schriftstck vor seinen Augen vernichten lassen, hatte mit
eigner Hand das Siegel davon abgerissen und sowohl durch eine von ihm
eigenhndig unterschriebene Botschaft als auch mndlich vom Throne herab
in vollem Parlament beiden Husern fest versprochen, da der Schritt,
der so groen Ansto gegeben, als nie geschehen betrachtet werden solle.
Die beiden Huser hatten dann ohne eine einzige opponirende Stimme eine
gemeinschaftliche Dankadresse fr diese Erfllung ihrer Wnsche an ihn
gerichtet. Nie war eine Verfassungsfrage mit reiflicherer Erwgung, mit
unzweideutigerer Klarheit und mit vollkommnerer Einhelligkeit
entschieden worden.

Jakob's Vertheidiger haben zu seiner Entschuldigung hufig das
Erkenntni anfhrt, welches der Gerichtshof der Kings Bench in der
abgekarteten Klage gegen Sir Eduard Hales abgab; aber dieser
Entschuldigungsgrund hat gar kein Gewicht. Jakob hatte diesen Ausspruch
notorisch durch Bitten, durch Drohungen, durch Entlassung gewissenhafter
Beamten und durch Besetzung der Richterbank mit anderen hfischer
gesinnten Richtern erlangt. Und obgleich dieses Erkenntni von der
Advokatur wie von der Nation allgemein fr verfassungswidrig erklrt
wurde, erstreckte es sich doch nur so weit, da der Knig aus besonderen
Staatsgrnden einzelnen Individuen Dispensationen von ausschlieenden
Gesetzen bewilligen drfe. Da er durch ein Alles ber den Haufen
werfendes Edict alle seine Unterthanen ermchtigen konnte, ganze Bnde
von Gesetzen nicht mehr zu befolgen, dies hatte kein Gerichtshof
angesichts der feierlichen Entscheidung des Parlaments von 1673 zu
behaupten gewagt.

    [Anmerkung 32: +London Gazette, March 21, 1686/7.+]

    [Anmerkung 33: +London Gazette, April 7+. 1087.]


[_Stimmung der protestantischen Dissenters._] Die Stellung der Parteien
war jedoch von der Art, da Jakob's Indulgenzerklrung, obgleich der
khnste von allen Angriffen der Stuarts auf die ffentliche Freiheit,
wohl geeignet war, gerade demjenigen Theile der Gesellschaft zu
gefallen, der allen anderen Angriffen der Stuarts auf die ffentliche
Freiheit den beharrlichsten Widerstand entgegengesetzt hatte. Es stand
kaum zu erwarten, da der durch ein hartes und streng gehandhabtes
Gesetzbuch von seinen Landsleuten getrennte protestantische
Nonconformist geneigt sein werde, die Gltigkeit eines Erlasses zu
bestreiten, der ihn von unertrglichen Bedrckungen erlste. Ein kalter
und philosophischer Beobachter wrde ohne Zweifel erklrt haben, da
alles bel, das aus allen intoleranten Gesetzen, welche je von
Parlamenten erlassen wurden, hervorgehen knne, nicht zu vergleichen sei
mit dem Unheil, welches durch eine bertragung der gesetzgebenden Gewalt
vom Parlament auf den Souverain entstehen wrde. Aber eine so ruhige und
philosophische berlegung kann man nicht von Leuten erwarten, die unter
einem vorhandenen Drucke seufzen und denen die lockende Aussicht auf
sofortige Erleichterung dargeboten wird. Ein puritanischer Theolog
konnte allerdings nicht leugnen, da die jetzt von der Krone
beanspruchte Dispensationsgewalt mit den Grundprinzipien der
Verfassung unvereinbar war. Aber es war vielleicht zu entschuldigen,
wenn er fragte, was die Verfassung eigentlich fr ihn sei. Die
Gleichfrmigkeitsacte hatte ihn trotz kniglicher Versprechungen von
einer Pfrnde vertrieben, die sein rechtmiges Eigenthum war, und hatte
ihn in Armuth und Abhngigkeit zurckgeworfen. Die Fnfmeilenacte hatte
ihn von seiner Heimath, von seinen Verwandten, von seinen Freunden, von
fast jedem ffentlichen Zufluchtsorte verbannt. Kraft der
Conventikelacte war er seines Vermgens beraubt und aus einem
schmutzigen Kerker in den andren mitten unter Straenruber und Diebe
geworfen worden. Auerhalb des Gefngnisses wurde er bestndig von den
Gerichtsdienern verfolgt; er hatte Angeber durch Geldgeschenke zum
Schweigen bringen, hatte sich in schimpflicher Verkleidung durch Fenster
und Fallthren heimlich zu seiner Gemeinde schleichen mssen, und
whrend er das geweihte Wasser auf den Tufling sprengte oder das Brod
des heiligen Abendmahls austheilte, hatte er in bestndiger Angst auf
das Zeichen horchen mssen, welches ihm sagte, da die Sbirren der
Justiz sich nherten. War es nicht bitterer Hohn, einen so
ausgeplnderten und bedrckten Mann aufzufordern, da er fr das
Eigenthum und die Freiheit seiner Plnderer und Bedrcker zum Mrtyrer
werden solle? Mochte die Indulgenzerklrung seinen glcklichen Nachbarn
noch so despotisch erscheinen, ihm brachte sie Erlsung. Er wurde
aufgefordert, nicht zwischen der Freiheit und der Knechtschaft, sondern
zwischen zwei Jochen zu whlen, und es wre nicht unnatrlich gewesen,
wenn er das Joch des Knigs fr ertrglicher gehalten htte als das der
Kirche.


[_Stimmung der anglikanischen Kirche._] Whrend solche Gedanken die
Gemther vieler Dissenters beschftigten, war die anglikanische Partei
in Angst und Bestrzung. Diese neue Wendung der Dinge war in der That
beunruhigend. Das Haus Stuart im Bunde mit republikanischen und
knigsmrderischen Secten gegen die alten Kavaliere Englands; der
Papismus im Bunde mit dem Puritanismus gegen ein kirchliches System, an
welchem die Puritaner nichts weiter auszusetzen hatten, als da es
zuviel Papistisches beibehalten: das waren Zeichen und Wunder, welche
alle Berechnungen der Staatsmnner ber den Haufen warfen. Die Kirche
sollte also mit einem Male von allen Seiten angegriffen werden, und zwar
unter der Leitung Dessen, der ihrer Verfassung nach ihr Oberhaupt war.
Es war kein Wunder, wenn sie von Erstaunen und Entsetzen ergriffen
wurde. Und zu dem Erstaunen und dem Entsetzen gesellten sich noch andere
bittere Gefhle: Groll gegen den meineidigen Frsten, dem sie nur zu
treu gedient, und Reue ber die Grausamkeiten, die sie in Gemeinschaft
mit ihm verbt hatte und fr die er sie jetzt, wie es schien, bestrafen
wollte. Ihre Strafe war gerecht, sie erntete was sie geset hatte. Als
nach der Restauration ihre Macht den Hhepunkt erreicht, hatte sie nur
Rache geschnaubt. Sie hatte die Stuarts aufgefordert, gedrngt, fast
gezwungen, die krzlich geleisteten Dienste der Presbyterianer mit
schndem Undanke zu vergelten. Htte sie sich in jener Zeit ihrer
hchsten Blthe, wie es ihr geziemte, ihrer Feinde angenommen, so wrde
sie jetzt, in der Zeit der Noth, Freunde in ihnen gefunden haben.
Vielleicht war es noch nicht zu spt, vielleicht konnte sie noch die
Taktik ihres Bedrckers gegen ihn selbst kehren. Es gab unter den
Anglikanern eine gemigte Partei, welche den protestantischen
Dissenters immer freundlich gesinnt gewesen war. Allerdings war diese
Partei nicht zahlreich, aber die Talente, Kenntnisse und Tugenden ihrer
Mitglieder machten sie achtunggebietend. Sie war von den hchsten
Wrdentrgern der Kirche nicht mit gnstigem Auge betrachtet und von den
Frmmlern aus der Schule Laud's schonungslos verunglimpft worden; aber
von dem Tage, an welchem die Indulgenzerklrung erschien, bis zu dem
Tage, wo Jakob's Macht aufhrte Schrecken einzuflen, schien die ganze
Kirche von dem Geiste der verleumdeten Latitudinarier beseelt zu sein
und von ihren Rathschlgen geleitet zu werden.


[_Der Hof und die Kirche._] Nun folgte eine Art von Versteigerung, die
sonderbarste, von der uns die Geschichte erzhlt. Der Knig auf der
einen, die Kirche auf der andren Seite begannen einander zu berbieten,
um die Gunst Derer zu erlangen, zu deren Unterdrckung sie bis dahin
verbndet gewesen waren. Die protestantischen Dissenters, die noch vor
wenigen Monaten eine verachtete und gechtete Klasse gewesen waren,
hielten jetzt die Wage der Macht in ihrer Hand. Die Hrte, mit der sie
behandelt worden waren, wurde allgemein verdammt. Der Hof suchte die
ganze Schuld auf die Hierarchie zu wlzen, und die Hierarchie warf sie
zurck auf den Hof. Der Knig erklrte, da er die Separatisten wider
Willen nur deshalb verfolgt habe, weil seine Angelegenheiten in einem
Zustande gewesen wren, bei dem er es nicht hatte wagen drfen, dem
Klerus der Staatskirche zu nahe zu treten. Dieser versicherte, da er
nur aus Ehrerbietung vor der Autoritt des Knigs an einer Strenge Theil
genommen habe, die seinen Gefhlen durchaus fremd sei. Der Knig brachte
eine Sammlung von Anekdoten von Rectoren und Vikaren zusammen, welche
durch Androhung von Verfolgung von protestantischen Dissenters Geld
erpret hatten. Er sprach hufig und ffentlich ber diesen Gegenstand,
drohte mit einer Untersuchung, welche die Pfarrer der ganzen Welt in
ihrem wahren Character zeigen werde und erlie in der That mehrere
Verordnungen, durch welche Agenten, auf die er sich verlassen zu knnen
glaubte, ermchtigt wurden, den Betrag der Summen zu ermitteln, welche
in verschiedenen Landestheilen von Bekennern der herrschenden Religion
Sectirern abgepret worden waren. Die Vertheidiger der Landeskirche
fhrten dagegen Beispiele von rechtschaffenen Pfarrern an, welche vom
Hofe Verweise und Drohungen erhalten, weil sie auf der Kanzel
Duldsamkeit empfohlen und sich geweigert hatten, kleine Gemeinden von
Nonconformisten auszuspren und zu Tode zu hetzen. Der Knig behauptete,
da einige Mitglieder der Staatskirche, die er privatim vorgenommen,
sich erboten hatten, den Katholiken ausgedehnte Zugestndnisse zu
machen, unter der Bedingung, da die Verfolgung gegen die Puritaner
ihren Fortgang behalte. Die angeklagten Anhnger der Staatskirche
leugneten heftig die Wahrheit dieser Beschuldigung und behaupteten, da,
wenn sie sich mit dem, was der Knig fr seine eigene Kirche verlangte,
einverstanden erklrt htten, er ihnen sehr gern gestattet haben wrde,
sich durch Verfolgung und Ausplnderung protestantischer Dissenters zu
entschdigen.[34]

Der Hof hatte seine Physiognomie verndert. Die Schrpe und der
Priesterrock der anglikanischen Geistlichen konnten sich daselbst kaum
noch sehen lassen ohne spttisches Lcheln und boshaftes Geflster
hervorzurufen. Die Hofdamen erlaubten sich nicht mehr zu kichern und die
Kammerherren verbeugten sich bis zur Erde, wenn sich das puritanische
Gesicht und die puritanische Tracht, welche in den vornehmen Zirkeln so
lange Zeit Lieblingsgegenstnde des Spotts gewesen waren, in den
Gallerien des Palastes zeigten. Taunton, das zwei Generationen hindurch
die Veste der Rundkopfpartei im Westen gewesen war, das die Armeen
Karl'sI. zweimal tapfer zurckgeschlagen, sich zur Untersttzung
Monmouth's wie ein Mann erhoben hatte und von Kirke und Jeffreys in eine
Schlachtbank verwandelt worden war, schien pltzlich die Stelle erobert
zu haben, welche Oxford einst in der kniglichen Gunst eingenommen.[35]
Der Knig gewann es ber sich, ausgezeichneten Dissenters sogar mit
kriechender Hflichkeit zu begegnen. Einigen bot er Geld an, Anderen
stdtische Ehrenmter, noch Anderen Begnadigung von Verwandten und
Freunden, die wegen Theilnahme an dem Ryehousecomplot oder wegen
Anschlu an die Fahne Monmouth's auf dem Kontinent umherirrten oder in
den Zuckerplantagen von Barbados schwitzten. Er stellte sich sogar, als
ob er mit den freundlichen Gesinnungen der englischen Puritaner gegen
ihre auswrtigen Glaubensbrder sympathisirte. Eine zweite und dritte
Proklamation erschien in Edinburg, welche die den Presbyterianern durch
das Februaredict gewhrte nichtssagende Duldung bedeutend
erweiterten.[36] Die verbannten Hugenotten, die der Knig seit vielen
Monaten mit ungndigem Auge angesehen und denen er die von der Nation
aufgebrachten milden Gaben vorenthalten hatte, wurden jetzt untersttzt
und gehtschelt. Es wurde ein Ministerialbefehl erlassen, der die
ffentliche Mildthtigkeit nochmals zu ihren Gunsten aufrief. Die
Vorschrift, welche von ihnen den Anschlu an die anglikanische
Gottesverehrung als Bedingung des Empfangs einer Untersttzung
verlangte, scheint zu dieser Zeit stillschweigend aufgehoben gewesen zu
sein, und die Vertheidiger der Politik des Knigs hatten die Frechheit
zu behaupten, diese Vorschrift sei auf Andringen der Prlaten der
Staatskirche erlassen worden, whrend wir aus den sichersten Quellen
wissen, da sie von ihm selbst im Einverstndni mit Barillon ersonnen
worden war.[37]

Whrend der Knig sich so die Gunst seiner alten Gegner zu erwerben
suchte, waren die Freunde der Landeskirche nicht weniger thtig. Von der
Bitterkeit und dem Hohne, mit dem die Prlaten und Priester seit der
Restauration die Sectirer zu behandeln pflegten, war kaum noch eine Spur
zu erkennen. Die, welche man ganz krzlich noch Schismatiker und
Fanatiker genannt hatte, waren jetzt geliebte Mitprotestanten,
Glaubensbrder, die vielleicht schwach sein mochten, aber deren
Gewissensskrupel immerhin zarte Rcksichtnahme verdienten. Wenn sie nur
in dieser Krisis der englischen Verfassung und dem reformirten Glauben
treu blieben, so sollte ihre Hochherzigkeit bald und reich belohnt
werden. Anstatt einer Indulgenz, welche keine gesetzliche Gltigkeit
htte, sollten sie eine wirkliche, durch eine Parlamentsacte gesicherte
Indulgenz haben. Ja, viele Mitglieder der Staatskirche, die sich bisher
durch ihr starres Festhalten an jeder in der Liturgie vorgeschriebenen
Geberde und Formel ausgezeichnet hatten, erklrten sich jetzt nicht nur
zur Duldung, sondern sogar zur Gleichstellung geneigt. Der Streit um
Chorrcke und Stellungen, sagten sie, habe nur zu lange Christen von
einander getrennt, welche doch in den wesentlichen Glaubenspunkten
bereinstimmten. Wenn der Kampf auf Tod und Leben gegen den gemeinsamen
Feind vorber wre, dann wrde man sehen, da die anglikanische
Geistlichkeit zu jedem billigen Zugestndnisse bereit sei. Wenn die
Dissenters nur nicht unbescheiden wren, so wrden ihnen nicht blos
brgerliche, sondern auch geistliche mter offen stehen, und Baxter und
Howe wrden ohne einen Flecken an ihrer Ehre oder ihrem Gewissen auf der
Bank der Bischfe sitzen knnen.

    [Anmerkung 34: Verordnungen des Schatzamts. Siehe besonders die
    Instructionen vom 8. Mrz 1687/88; +Burnet, I. 715+; +Reflections
    on His Majesty's Proclamation for a Toleration in Scotland+;
    +Letters containing some Reflections on His Majesty's Declaration
    for Liberty of Conscience+; +Apology for the Church of England
    with relation to the spirit of Persecution for which she is
    accused, 1687/88.+ Doch es ist mir unmglich, alle Flugschriften
    anzufhren, aus denen ich mein Urtheil ber den damaligen Stand
    der Parteien geschpft habe.]

    [Anmerkung 35: +Letter to a Dissenter+.]

    [Anmerkung 36: +Wodrow, Appendix, vol. II. Nos. 132, 134.+]

    [Anmerkung 37: +London Gazette, April 21. 1687+; +Animadversions
    on a late paper entituled a Letter to a Dissenter, by H.C. (Henry
    Care), 1687.+]


[_Brief an einen Dissenter._] Von den zahlreichen damaligen
Flugschriften, in denen die Sache des Hofes und die Sache der Kirche vor
dem Puritaner, der jetzt durch eine sonderbare Wendung des Geschicks das
Loos seiner Verfolger entscheiden sollte, eifrig und ngstlich
entwickelt wurde, ist jetzt nur noch eine in der Erinnerung, betitelt:
+Letter to a Dissenter+. In dieser meisterhaften kleinen Schrift waren
alle Argumente, die einen Nonconformisten berzeugen konnten, da es
seine Pflicht und sein Interesse sei, ein Bndni mit der Staatskirche
einem Bndnisse mit dem Hofe vorzuziehen, auf einem engen Raume in der
bersichtlichsten Ordnung zusammengestellt, mit geistreichem Witze
errtert und mit einer zwar lebhaften, aber selbst in den Momenten der
leidenschaftlichsten Heftigkeit die Grenzen des Anstandes und der seinen
Bildung nie berschreitenden Beredtsamkeit zur Geltung gebracht. Die
Schrift machte einen ungeheuren Eindruck, denn da sie nur einen Bogen
stark war, wurden ber zwanzigtausend Exemplare durch die Post versandt
und die Wirkung zeigte sich in jedem Winkel des Reichs. Es erschienen
vierundzwanzig Antworten darauf, aber die ganze Stadt erklrte sie fr
schlecht und die von Lestrange fr die schlechteste von allen
vierundzwanzig.[38] Die Regierung war sehr rgerlich und sparte keine
Mhe, um den Verfasser des Briefs ausfindig zu machen; aber es war nicht
mglich, rechtskrftige Beweise gegen ihn aufzubringen. Einige meinten
die Denk- und Sprachweise Temple's zu erkennen.[39] In Wirklichkeit aber
gehrte dieser umfassende und scharfe Verstand, diese lebhafte
Phantasie, dieser elegante und krftige Styl, diese ruhige und edle,
halb hofmnnische, halb philosophische Wrde, welche die heftigste
Aufregung des Kampfes nicht einen Augenblick aus der Fassung bringen
konnte, keinem Andren als Halifax an.

    [Anmerkung 38: +Lestrange's Answer to a Letter to a Dissenter+;
    +Care's Animadversions on a Letter to a Dissenter+; +Dialogue
    between Harry and Roger+, nmlich Harry Care und Roger Lestrange.]

    [Anmerkung 39: Der Brief war mit T. W. unterzeichnet. Care sagt in
    seinen +Animadversions+: Dieser Herr Politiker T.W. oder W.T.,
    denn einige Kritiker halten dies fr die richtigere Lesart.]


[_Benehmen der Dissenters._] Die Dissenters schwankten und man darf
ihnen keinen Vorwurf daraus machen. Sie litten und der Knig hatte ihnen
Linderung verschafft. Einige ausgezeichnete Geistliche waren ihrer Haft
entlassen worden, andere hatten es gewagt, aus dem Exil zurckzukehren.
Gemeinden, die ihre Zusammenknfte bisher nur heimlich und im Dunklen
hatten abhalten knnen, versammelten sich jetzt am hellen Tage und
sangen laut ihre Psalmen vor den Augen von Magistratsbeamten,
Kirchenvorstehern und Constablern. Bescheidene Gotteshuser von
puritanischer Bauart begannen sich in allen Gegenden Englands zu
erheben. Der aufmerksame Reisende kann noch jetzt an einigen der
ltesten Bethuser die Jahrzahl 1687 erkennen. Dessen ungeachtet waren
die Anerbietungen der Kirche fr einen klugen Dissenter viel lockender
als die des Knigs. Die Indulgenzerklrung war in den Augen des Gesetzes
null und nichtig. Sie suspendirte die Strafgesetze gegen Nonconformitt
nur auf so lange, als die Grundprinzipien der Verfassung und die
rechtmige Autoritt des gesetzgebenden Krpers aufgehoben blieben.
Welchen Werth hatten Privilegien, die auf einen so schmachvollen und
zugleich so unsicheren Besitztitel beruhten? Es konnte bald eine
Thronerledigung eintreten, ein der Landeskirche anhngender Souverain
konnte auf den Thron kommen und ein aus Mitgliedern der Landeskirche
bestehendes Parlament gebildet werden. Wie beklagenswerth mute dann die
Lage der Dissenters werden, die sich mit Jesuiten gegen die Verfassung
verbndet hatten! Die Kirche bot eine Indulgenz ganz andrer Art als die
von Jakob gewhrte dar, eine Indulgenz, die eben so rechtsgltig und
heilig war als die Magna Charta. Beide streitende Parteien versprachen
dem Separatisten Glaubensfreiheit; aber die eine Partei verlangte von
ihm, da er sie durch Aufopferung der brgerlichen Freiheit erkaufen
sollte, whrend die andre ihn zum Genu der brgerlichen und religisen
zugleich einlud.

Aus diesen Grnden konnte ein Dissenter sich wohl entschlieen, sein
Loos mit dem der Staatskirche zu verknpfen, selbst wenn er htte
glauben knnen, da der Hof es aufrichtig meinte. Aber wer garantirte
ihm fr die Aufrichtigkeit des Hofes? Jedermann kannte das bisherige
Benehmen Jakob's. Es war zwar nicht gerade unmglich, da ein Verfolger
durch Vernunftgrnde und Erfahrungen von den Vortheilen der
Religionsduldung berzeugt werden konnte. Aber Jakob behauptete, nicht
erst neuerdings berzeugt worden zu sein; im Gegentheil, er versumte
keine Gelegenheit, um zu versichern, da er schon seit vielen Jahren aus
Grundsatz aller Unduldsamkeit feind gewesen sei. Dennoch hatte er noch
vor wenigen Monaten Mnner, Frauen und junge Mdchen um ihrer Religion
willen bis zum Tode verfolgt. Hatte er damals gegen die bessere
berzeugung seines Gewissens gehandelt? oder sagte er jetzt eine
wissentliche Unwahrheit? Aus diesem Dilemma gab es keinen Ausweg und
jede der beiden Annahmen war fr den Ruf der Rechtschaffenheit des
Knigs gleich verderblich. Auerdem war auch allbekannt, da ihn die
Jesuiten ganz in ihrer Gewalt hatten. Erst wenige Tage vor der
Bekanntmachung der Indulgenz war dieser Orden dem wohlbekannten Willen
des heiligen Stuhles zum Trotz mit einem neuen Beweise seines Vertrauens
und seines Beifalls beehrt worden. Sein Beichtvater, Pater Mansuetus,
ein Franziskaner, dessen menschenfreundlicher Character und tadelloser
Lebenswandel die grte Achtung verdienten, den aber Tyrconnel und Petre
schon lngst haten, war entlassen worden. Den dadurch erledigten Posten
erhielt ein Englnder, Namens Warner, der von dem Glauben seines
Vaterlandes abgefallen und Jesuit geworden war. Den gemigten
Katholiken und dem Nuntius war dieser Wechsel nichts weniger als
angenehm, und jeder Protestant erblickte darin einen Beweis, da die
Jesuiten eine unumschrnkte Herrschaft ber das Gemth des Knigs
ausbten.[40] So groes Lob auch diese Vter mit Recht beanspruchen
konnten, besondere Liberalitt und Wahrheitsliebe konnte selbst die
Schmeichelei ihnen nicht beimessen. Da sie, wenn es das Interesse ihres
Glaubens oder ihres Ordens galt, niemals Bedenken trugen, den Beistand
des weltlichen Schwerts anzurufen, oder die Gesetze der Wahrheit und
Treue zu verletzen, dies war der Welt nicht nur durch protestantische
Anklger, sondern auch durch Mnner verkndet worden, deren
Tugendhaftigkeit und Genie der Stolz der rmischen Kirche war. Es war
unglaublich, da ein ergebener Schler der Jesuiten der
Gewissensfreiheit aus Grundsatz zugethan sein sollte; dagegen aber war
es weder unglaublich noch unwahrscheinlich, da er es fr gerechtfertigt
hielt, seine wahren Gesinnungen zu verbergen, um seiner Religion einen
Dienst zu erzeigen. Es war gewi, da dem Knige im Herzen die
Anglikaner lieber waren als die Puritaner; es war gewi, da, so lange
er noch Hoffnung hatte, die Anhnger der Staatskirche zu gewinnen, er
den Puritanern nie die geringste Freundlichkeit erwiesen hatte. Konnte
es also wohl einem Zweifel unterliegen, da er selbst jetzt noch die
Puritaner willig aufopfern wrde, wenn die Anglikaner sich seinen
Wnschen fgten? Sein wiederholt gegebenes Versprechen hatte ihn nicht
abgehalten, die gesetzlichen Rechte der Geistlichkeit anzutasten, welche
so viele sprechende Beweise von treuer Anhnglichkeit an sein Haus
gegeben hatte. Welche Sicherheit konnte sonach sein Wort Secten
gewhren, welche durch die Erinnerung an tausend geschlagene und
empfangene, nicht wieder gut zu machende Wunden von ihm geschieden
waren?

    [Anmerkung 40: Ellis' Correspondenz, 15. Mrz u. 27. Juli 1686;
    Barillon, 28. Febr. (10. Mrz), 3.(13.) Mrz, 6.(16.) Mrz 1687;
    Ronquillo, 9.(19.) Mrz 1687 in der Mackintosh-Sammlung.]


[_Einige von ihnen halten es mit dem Hofe. Care, Alsop, Rosewell._] Als
die durch Bekanntmachung der Indulgenz verursachte Aufregung sich ein
wenig gelegt hatte, zeigte es sich, da in der puritanischen Partei eine
Spaltung eingetreten war. Die Minoritt, mit einigen wenigen thtigen
Mnnern an der Spitze, deren Urtheil mangelhaft oder durch das Interesse
geleitet war, untersttzte den Knig. Heinrich Care, welcher lange Zeit
der heftigste und thtigste Pamphletist unter den Nonconformisten
gewesen war und der in den Tagen des papistischen Complots Jakob in
einer Schrift unter dem Titel +Packet of Advice from Rome+
(Nachrichtenpacket von Rom) mit schrankenloser Wuth angegriffen hatte,
schmeichelte ihm jetzt eben so laut, als er ihn frher geschmht und
verleumdet hatte.[41] Der Hauptagent, dessen sich die Regierung zur
Bearbeitung der Presbyterianer bedient hatte, war Vincenz Alsop, ein
Geistlicher, der als Prediger wie auch als Schriftsteller nicht
unbekannt war. Sein Sohn, der wegen Hochverraths bestraft worden war,
wurde begnadigt, und daher widmete der Vater seinen ganzen Einflu dem
Hofe.[42] Mit Alsop verbunden war Thomas Rosewell. Rosewell war whrend
der durch die Entdeckung des Ryehousecomplots herbeigefhrten Verfolgung
der Dissenters flschlich angeklagt worden, da er gegen die Regierung
gepredigt habe. Jeffreys hatte auf seine Verurtheilung zum Tode
angetragen und eine bestochene Jury hatte ihn den klarsten Beweisen von
seiner Unschuld zum Trotz fr schuldig erklrt. Die Ungerechtigkeit des
Urtheils war so himmelschreiend, da selbst die Hflinge sich darber
emprt zeigten. Ein angesehener Tory, der den Verhandlungen des
Prozesses beigewohnt hatte, ging augenblicklich zu Karl und erklrte,
da der Hals des loyalsten Unterthanen in England nicht mehr sicher sein
wrde, wenn man Rosewell hinrichtete. Die Geschwornen selbst wurden von
Reue ergriffen, als sie berlegten, was sie gethan hatten, und boten
Alles auf, um dem Gefangenen das Leben zu retten. Endlich wurde seine
Begnadigung bewilligt, aber Rosewell mute drckende Brgschaft fr sein
ferneres Wohlverhalten stellen und zu bestimmten Zeiten persnlich vor
dem Gerichtshofe der Kings Bench erscheinen. Seine Brgschaften wurden
jetzt auf kniglichen Befehl erlassen und dadurch seine Dienste
gewonnen.[43]

    [Anmerkung 41: +Wood's Athenae Oxonienses+; +Observator+;
    +Heraclitus Ridens+ an mehreren Stellen. Doch Care's eigene
    Schriften sind das beste Material zur Wrdigung seines
    Characters.]

    [Anmerkung 42: +Calamy's Account of the Ministers ejected or
    silenced after the Restoration, Northamptonshire+; +Wood's Athenae
    Oxonienses+; +Biographia Britannica.+]

    [Anmerkung 43: +Collection of State Trials+; +Samuel Rosewell's
    Life of Thomas Rosewell, 1718+; +Calamy's Account.+]


[_Lobb._] Das Geschft, die Independenten zu gewinnen, war vornehmlich
einem ihrer Geistlichen, Namens Stephan Lobb, bertragen. Lobb war ein
schwacher, heftiger und ehrgeiziger Mann. Er hatte die Opposition gegen
die Regierung so weit getrieben, da sein Name in mehreren
Proklamationen gechtet worden war, shnte sich aber jetzt mit dem Hofe
aus und ging in der Servilitt eben so weit als er je in der Opposition
gegangen war. Er schlo sich der jesuitischen Cabale an und rieth eifrig
zu Maregeln, vor denen die verstndigsten und ehrenwerthesten
Katholiken zurckschauderten. Man bemerkte, da er fortwhrend im
Palaste und hufig im Privatkabinet des Knigs war, da er in einem
Glanze lebte, an den die puritanischen Geistlichen nicht gewhnt waren,
und da er bestndig von Bittstellern belagert war, denen er durch
seinen Einflu Stellen und Begnadigungen verschaffen sollte.[44]

    [Anmerkung 44: +London Gazette, March 15. 1685/6+; +Nichols's
    Defence of the Church of England+; +Pierce's Vindication of the
    Dissenters.+]


[_Penn._] Mit Lobb eng befreundet war Wilhelm Penn. Penn war nie ein
characterfester Mann gewesen, das Leben, das er seit zwei Jahren fhrte,
hatte sein sittliches Zartgefhl nicht wenig verhrtet, und wenn sein
Gewissen ihm einmal Vorwrfe machte, so trstete er sich immer wieder
mit dem Gedanken, da er einen guten und edlen Zweck verfolge und da
ihm seine Dienste nicht mit Geld bezahlt wrden.

Durch den Einflu dieser und anderer weniger hervorragender Mnner
wurden mehrere Dissentergemeinden bewogen, Dankadressen an den Knig zu
richten. Toryistische Schriftsteller haben mit Recht bemerkt, da die
Sprache dieser Adressen so widerlich servil war wie nur in irgend einer
der berschwenglichsten Lobreden, welche den Stuarts von Bischfen
gespendet worden sind. Bei genauer Untersuchung stellt es sich heraus,
da die Schmach nur einem sehr kleinen Theile der puritanischen Partei
zur Last fllt. Es gab kaum einen Marktflecken in England, der nicht
wenigstens ein kleines Huflein Separatisten gehabt htte, und man
sparte keine Mhe, um sie zu einer uerung ihrer Dankbarkeit fr die
Indulgenz zu bewegen. Rundschreiben, welche sie zur Unterzeichnung
aufforderten, wurden nach allen Gegenden des Landes in solchen Massen
geschickt, da, wie man scherzweise sagte, die Postfelleisen den Pferden
zu schwer waren. Indessen belief sich die Gesammtzahl der Adressen, die
man von allen ber ganz England zerstreuten Presbyterianern,
Independenten und Baptisten erlangen konnte, noch nicht auf sechzig;
auch ist kein Grund zu der Vermuthung vorhanden, da diese Adressen
zahlreiche Unterschriften hatten.[45]

    [Anmerkung 45: Die Adressen sind in der London Gazette zu finden.]


[_Die Mehrzahl der Puritaner ist gegen den Hof. Baxter._] Die groe
Masse der protestantischen Nonconformisten, welche fest an den
brgerlichen Freiheiten hing und den Versprechungen des Knigs und der
Jesuiten nicht traute, weigerte sich standhaft, fr eine Begnstigung zu
danken, hinter der man mit gutem Grund eine Schlinge argwhnen durfte.
Dies war die Stimmung aller angesehensten Oberhupter der Partei. Zu
ihnen gehrte Baxter. Er war, wie wir gesehen haben, bald nach Jakob's
Thronbesteigung in Untersuchung gezogen, von Jeffreys grblich insultirt
und von einer Jury, wie die hfischen Sheriffs der damaligen Zeit sie zu
whlen pflegten, fr schuldig erklrt worden. Baxter befand sich seit
ungefhr anderthalb Jahren im Gefngni, als der Hof ernstlich darauf zu
denken begann, die Nonconformisten zu gewinnen. Er wurde nicht allein in
Freiheit gesetzt, sondern auch bedeutet, da er, wenn er sonst wollte,
seinen Aufenthalt in London nehmen knnte, ohne die Anwendung der
Fnfmeilenacte gegen sich zu frchten. Die Regierung hoffte
wahrscheinlich, da die Erinnerung an vergangene Leiden und das Gefhl
der gegenwrtigen Erlsung auf ihn die nmliche Wirkung uern werde,
wie auf Rosewell und Lobb. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als irrig.
Baxter war weder zu bestechen, noch zu tuschen; er weigerte sich,
irgend eine Dankadresse fr die Indulgenz zu unterzeichnen und
verwendete seinen ganzen Einflu zur Herbeifhrung eines guten
Vernehmens zwischen der Staatskirche und den Presbyterianern.[46]

    [Anmerkung 46: +Calamy's Life of Baxter.+]


[_Howe._] Wenn es irgend einen Mann gab, der in der Achtung der
protestantischen Dissenters noch hher stand als Baxter, so war dies
Johann Howe. Howe hatte, wie Baxter, durch den neuerlichen Umschwung der
Politik persnlich gewonnen. Die nmliche Tyrannei, welche Baxter ins
Gefngni warf, hatte ihn in die Verbannung getrieben und bald nach
Baxter's Entlassung aus dem Gefngnisse der Kings Bench kehrte Howe von
Utrecht nach England zurck. Man erwartete in Whitehall, da Howe den
ganzen Einflu, den er auf seine Glaubensgenossen ausbte, zu Gunsten
des Hofes verwenden werde. Der Knig selbst lie sich herab, den
Unterthan, den er unterdrckt hatte, um seinen Beistand zu bitten. Howe
scheint geschwankt zu haben; der Einfu Hampden's aber, mit dem er intim
befreundet war, vermochte ihn, der Sache der Verfassung treu zu bleiben.
Eine Versammlung presbyterianischer Geistlichen wurde in seinem Hause
gehalten, um ber die Lage der Dinge zu berathen und ber den
einzuschlagenden Weg einen Beschlu zu fassen. Im Palaste erwartete man
mit ngstlicher Spannung das Ergebni. Zwei knigliche Abgesandte
wohnten der Verhandlung bei, und sie kamen mit der unwillkommnen
Nachricht zurck, da Howe sich entschieden gegen das Dispensationsrecht
erklrt und nach langer Debatte die Majoritt der Versammlung fr sich
gewonnen habe.[47]

    [Anmerkung 47: +Calamy's Life of Howe+. Den Antheil, den die
    Familie Hampden an dieser Angelegenheit gehabt, habe ich aus einem
    Briefe von Johnstone an Waristoun vom 13. Juni 1688 erfahren.]


[_Bunyan._] Neben Baxter und Howe mu noch ein andrer Mann genannt
werden, der nach seiner Stellung und Gelehrsamkeit tief unter ihnen, an
Tugend aber ihnen gleich, und an Genie hoch ber ihnen stand, Johann
Bunyan. Bunyan war ursprnglich Kesselflicker gewesen und hatte als
gemeiner Soldat in der Parlamentsarmee gedient. Schon in seinen frheren
Jahren hatten ihn furchtbare Gewissensbisse wegen seiner Jugendsnden
geqult, von denen jedoch die schlimmsten solche gewesen zu sein
scheinen, welche die Welt fr verzeihlich hlt. Seine groe Reizbarkeit
und seine glhende Phantasie machten seine inneren Kmpfe ganz besonders
qualvoll. Er bildete sich ein, da ein Verdammungsurtheil ber ihn
verhngt sei, da er den heiligen Geist gelstert, da er Christum
verkauft habe und da er thatschlich von einem bsen Geiste besessen
sei. Bald vernahm er laute Warnungsstimmen vom Himmel, bald versuchte
ihn der Teufel durch gottlose Einflsterungen. Er hatte Visionen von
entfernten Berggipfeln, welche die Sonne glnzend beleuchtete, von denen
er aber durch eine Schneewste getrennt war. Er fhlte wie der Teufel
ihn an den Kleidern zupfte; er glaubte, das Kainszeichen sei ihm
aufgedrckt; er frchtete da er zerbersten werde, wie Judas. Diese
Seelenkmpfe zerrtteten seine Gesundheit. Den einen Tag zitterte er wie
ein vom Schlage Getroffener; ein andermal brannte es ihn wie Feuer in
der Brust. Es ist kaum zu begreifen, da er so entsetzlichen und
andauernden Qualen nicht unterlag. Endlich zertheilten sich die Wolken.
Aus dem Abgrunde der Verzweiflung erhob sich der Bende in einen
Zustand heiterer Glckseligkeit. Ein unwiderstehlicher Drang trieb ihn
an, auch Andere des Segens theilhaftig werden zu lassen, dessen er
selbst geno.[48] Er schlo sich den Baptisten an und wurde Prediger und
Schriftsteller. Seine Erziehung war die eines Handwerkers gewesen und er
verstand keine andre Sprache als die englische, wie sie von dem niederen
Volke gesprochen wird. Er hatte kein groes Musterwerk studirt, mit der
einzigen, allerdings sehr bedeutenden Ausnahme unsrer herrlichen
Bibelbersetzung. Seine Orthographie war schlecht; er machte hufige
Verste gegen die Regeln der Grammatik. Doch sein angebornes Genie und
seine durch eigene Erfahrung erworbene Kenntni aller religisen
Gefhle, von der Verzweiflung bis zur Verzckung, ersetzten in ihm
reichlich den Mangel an Gelehrsamkeit. Seine natrliche Beredtsamkeit
erhob und rhrte Zuhrer, welche bei den fleiig ausgearbeiteten
Vortrgen groer Dialektiker und Hebraisten kalt blieben. Seine Werke
waren unter den niederen Klassen weit verbreitet. Eines davon, des
Pilgers Reise, wurde schon zu seinen Lebzeiten in mehrere fremde
Sprachen bersetzt. Den Gelehrten und hher Gebildeten war es jedoch
kaum bekannt, und die frommen Httenbewohner und Handwerker hatten sich
bereits seit einem Jahrhundert daran erfreut, als es endlich von einem
in der Literatur sehr hochstehenden Manne ffentlich empfohlen wurde.
Die Kritik lie sich nun herab, das Geheimni einer so ausgedehnten und
dauernden Popularitt zu erforschen. Sie mute gestehen, da die
unwissende Menge richtiger geurtheilt hatte als die Gelehrten und da
das verachtete Bchlein wirklich ein Meisterwerk war. Bunyan ist in der
That ebenso gewi der erste Allegoriker, wie Demosthenes der erste
Redner und Shakespeare der erste Dramatiker ist. Zwar haben andere
Allegoriker eine gleiche Erfindungsgabe gezeigt; aber kein andrer ist je
im Stande gewesen, das Herz zu rhren und abstracte Begriffe zu
Gegenstnden des Entsetzens, des Mitleids und der Liebe zu machen.[49]

Es drfte zu bezweifeln sein, ob irgend ein englischer Dissenter die
Last der Strafgesetze schwerer empfunden hat als Johann Bunyan. Von den
siebenundzwanzig Jahren, welche seit der Restauration verstrichen waren,
hatte er zwlf im Gefngni zugebracht. Dennoch fuhr er fort zu
predigen, aber um dies zu knnen, mute er sich als Fuhrmann verkleiden.
Oft wurde er, im Fuhrmannskittel und mit der Peitsche in der Hand, durch
eine Hinterthr in die Versammlung eingefhrt. Htte er nur an seine
eigene Ruhe und Sicherheit gedacht, so wrde er die Indulgenzerklrung
freudig begrt haben. Jetzt durfte er endlich am hellen Tage predigen
und ermahnen. Seine Gemeinde wuchs mit reiender Schnelligkeit. Tausende
hingen an seinen Lippen und in Bedford, wo er sich grtentheils
aufhielt, gingen reiche Beisteuern zum Bau eines Bethauses fr ihn ein.
Er stand in so hohem Ansehen bei dem gemeinen Volke, da die Regierung
ihm gern ein stdtisches Amt bertragen htte; aber sein scharfer
Verstand und sein treues englisches Herz widerstanden siegreich allen
Versuchungen und Tuschungen. Er war fest berzeugt, da die angebotene
Duldung nur ein Kder sei, um die puritanische Partei damit ins
Verderben zu locken; auch wollte er nicht durch Annahme einer Stelle, zu
der er nicht gesetzlich qualificirt war, die Gltigkeit der
Dispensationsgewalt anerkennen. Eine der letzten edlen Handlungen seines
tugendreichen Lebens war die Ablehnung einer Unterredung, zu der er
durch einen Agenten der Regierung eingeladen wurde.[50]

    [Anmerkung 48: +Bunyan's Grace Abounding.+]

    [Anmerkung 49: Young stellt Bunyan's Prosa auf gleiche Stufe mit
    Durfey's Poesie. Die fashionablen Leute im +Spiritual Quixote+
    stellen den +Pilgrim's Progress+ mit +Jack the Giantkiller+
    zusammen. Spt im achtzehnten Jahrhundert wagte Cowper nur eine
    Anspielung auf den groen Allegoriker:

      Nicht nennen will ich dich, damit Dein Name
      Statt wohlverdienten Ruhm nicht Hohn Dir bringe.]

    [Anmerkung 50: Fortsetzung von Bunyan's Biographie im Anhang zu
    seiner berstrmenden Gnade.]


[_Kiffin._] So gro Bunyan's Ansehen bei den Baptisten war, Wilhelm
Kiffin's Ansehen war noch grer. Kiffin war in Bezug auf Rang und
Reichthum der Erste unter ihnen. Er pflegte seine geistlichen Talente
bei ihren Versammlungen auszuben, erwarb sich aber nicht durch Predigen
seinen Unterhalt. Er machte groe Handelsgeschfte, stand an der Brse
in hohem Ansehen und hatte sich ein bedeutendes Vermgen gesammelt.
Niemand htte vielleicht unter den dermaligen Verhltnissen dem Hofe
werthvollere Dienste leisten knnen als er. Aber zwischen ihm und dem
Hofe stand die Erinnerung an ein entsetzliches Ereigni. Er war der
Grovater der Gebrder Hewling, der beiden muthigen Jnglinge, welche
von allen Opfern der blutigen Assisen vielleicht am allgemeinsten
bedauert worden waren. Fr das traurige Loos des einen von ihnen war
Jakob ganz besonders verantwortlich. Jeffreys hatte dem jngeren Bruder
einen Aufschub bewilligt. Churchill hatte der Schwester der beiden
jungen Mnner eine Audienz beim Knige verschafft, und sie hatte um
Gnade gefleht; aber des Knigs Herz war unerbittlich gewesen. Es war fr
die ganze Familie ein harter Schlag; am meisten aber war Kiffin zu
bedauern. Er war siebzig Jahr alt, als er vereinsamt dastand. Diejenigen
berlebend, die ihn hatten berleben sollen. Die herzlosen und feilen
Schmarotzer von Whitehall glaubten, indem sie nach sich selbst
urtheilten, der alte Mann werde durch einen Aldermansmantel und durch
eine Geldentschdigung fr das verwirkte Vermgen seiner Enkel leicht
wieder zu gewinnen sein. Penn wurde zu dem Verfhrungswerke ausersehen;
aber seine Bemhungen waren vergebens. Der Knig beschlo hierauf, die
Wirkung seiner persnlichen Artigkeit zu versuchen. Kiffin wurde in den
Palast beschieden. Er fand einen glnzenden Kreis von Kavalieren und
Gentlemen versammelt. Jakob kam ihm sogleich entgegen, redete ihn sehr
freundlich an und schlo mit den Worten: Ich habe Sie zu einem der
Aldermen von London bestimmt, Herr Kiffin. Der alte Mann sah den Knig
fest an, brach in Thrnen aus und antwortete: Sire, ich bin abgenutzt,
ich bin nicht mehr fhig, Eurer Majestt oder der Hauptstadt zu dienen.
Und berdies, Sire, hat der Tod meiner armen Jungen mir das Herz
gebrochen. Diese Wunde ist noch heute so frisch wie jemals, und ich
werde sie mit ins Grab nehmen. Der Knig schwieg einige Augenblicke
sichtlich bewegt und sagte dann: Ich werde einen Balsam fr diese Wunde
finden, Herr Kiffin. Es war gewi nicht Jakob's Absicht, etwas
Krnkendes oder bermthiges zu sagen, im Gegentheil, er scheint sich in
einer ungewhnlich weichen Stimmung befunden zu haben. Dennoch wirft
keine uerung die uns von ihm berichtet wird, ein so nachtheiliges
Licht auf seinen Character als diese wenigen Worte. Es sind die Worte
eines hartherzigen, niedrig denkenden Mannes, der sich keine Verwundung
des Gefhls denken kann, welche durch eine Stelle oder durch eine
Pension nicht vollkommen zu heilen wre.[51]

Der Theil der Dissenters, der sich der neuen Politik des Knigs gnstig
zeigte, war von Anfang an klein gewesen und begann bald noch mehr
zusammenzuschmelzen. Denn die Nonconformisten erkannten in nicht langer
Zeit, da ihre geistlichen Privilegien durch die Indulgenz eher
geschmlert als erweitert worden waren. Der characteristische Zug des
Puritaners war Abscheu gegen die Eigenthmlichkeiten der rmischen
Kirche. Er hatte sich nur deshalb von der anglikanischen Kirche
losgetrennt, weil er meinte, da sie ihrer hochmthigen und ppigen
Schwester, der Zauberin mit dem goldenen Becher und dem Purpurgewande,
zu hnlich she. Jetzt fand er, da eine von den stillschweigenden
Bedingungen des Bndnisses, welches einige seiner Seelenhirten mit dem
Hofe geschlossen hatten, die war, da die Religion des Hofes mit Achtung
und Schonung behandelt werden sollte. Er begann bald sich nach den Tagen
der Verfolgung zurckzusehnen. So lange die Strafgesetze noch angewendet
wurden, hatte er die Worte des Lebens zwar im Geheimen und mit
persnlicher Gefahr angehrt, aber er hatte sie doch gehrt. Wenn die
Brder in ihrer Stube versammelt waren, wenn die Schildwachen
ausgestellt und die Thren verschlossen waren, wenn der Prediger in der
Kleidung eines Metzgers oder Fuhrmanns ber das Dach hereingekommen war,
dann wurde wenigstens ein wirklicher Gottesdienst gehalten. Kein Theil
der gttlichen Wahrheit ward aus weltlichen Rcksichten unterdrckt oder
verstmmelt, alle unterscheidenden Lehren der puritanischen Theologie
wurden vollstndig und sogar in ihrer ungeschminktesten Form
dargestellt. Der rmischen Kirche ward kein Pardon gegeben. Das Thier,
der Antichrist, der Mensch der Snde, die mystische Isabel, das
mystische Babylon waren die Ausdrcke, mit denen man jenen hehren und
bezaubernden Aberglauben zu bezeichnen pflegte. Dies war einst die
Sprache Alsop's, Lobb's, Rosewell's und anderer Geistlichen gewesen,
welche krzlich im Palast wohl aufgenommen worden waren; aber so
sprachen sie jetzt nicht mehr. Geistliche, die nach einer hohen Stufe in
der Gunst und dem Vertrauen des Knigs strebten, durften es nicht wagen,
in harten Worten von der Religion des Knigs zu sprechen. Die Gemeinden
beklagten sich daher laut, da sie seit dem Erscheinen der
Indulgenzerklrung, welche ihnen dem Wortlaute nach doch vllige
Gewissensfreiheit gewhren wollte, das Evangelium nie mehr khn und rein
htten verknden hren. Frher hatten sie ihre geistliche Nahrung
verstohlen erhaschen mssen, aber wenn sie sie erhascht hatten, so
fanden sie sie wenigstens ganz nach ihrem Geschmacke zubereitet. Jetzt
konnten sie sie ffentlich und in aller Bequemlichkeit zu sich nehmen,
aber sie hatte ihren ganzen Wohlgeschmack verloren. Sie versammelten
sich bei Tage und in gerumigen Lokalen; aber sie hrten Predigten, die
ihnen bei weitem nicht so gefielen, als die, welche der Rector ihnen
gehalten haben wrde. In der Pfarrkirche wurde der selbstgeschaffene
Gottesdienst und die Abgtterei Roms jeden Sonntag energisch
angegriffen; im Versammlungshause aber htete sich der Pastor, der noch
vor wenigen Monaten die Geistlichen der Landeskirche fr nicht viel
besser als die Papisten erklrt hatte, jetzt sorgfltig, den Papismus zu
tadeln, oder kleidete seinen Tadel wenigstens in ein so mildes Gewand,
da er selbst das Ohr eines Pater Petre nicht beleidigt haben wrde.
Auch war es nicht mglich, fr diesen Wechsel einen stichhaltigen Grund
aufzufinden. Die rmisch-katholischen Lehren hatten sich nicht
verndert; seit Menschengedenken waren die katholischen Priester noch
nie so eifrig im Proselytenmachen gewesen; noch nie waren so viele
katholische Schriften aus der Presse hervorgegangen; noch nie hatten
Alle, die sich um die Religion kmmerten, den Streit zwischen Katholiken
und Protestanten mit so gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Was konnte
man also von der Aufrichtigkeit von Theologen halten, welche nicht mde
geworden waren, den Papismus zu schmhen, so lange derselbe
vergleichsweise harmlos und wehrlos war, und die jetzt, wo eine Zeit
wirklicher Gefahr fr den reformirten Glauben gekommen, sorgfaltig jedes
Wort vermieden, das einem Jesuiten Ansto geben konnte? Ihr Benehmen war
in der That nicht schwer zu erklren. Es war bekannt, da einige von
ihnen Begnadigungen erlangt, es wurde vermuthet, da andere Geld
bekommen hatten. Ihr Vorbild war der schwache Apostel, der aus Angst den
Herrn verleugnete, dem er prahlerisch die unverbrchlichste Treue gelobt
hatte, oder der noch schlechtere Apostel, der seinen Herrn um eine
Handvoll Silberlinge verkaufte.[52]

So verloren die vom Hofe gewonnenen Dissentergeistlichen rasch den
Einflu, den sie einst auf ihre Glaubensbrder besessen hatten. Auf der
andren Seite fhlten sich die Sektirer durch eine starke religise
Sympathie zu den anglikanischen Prlaten und Priestern hingezogen,
welche trotz kniglicher Befehle, Drohungen und Versprechungen einen
heftigen Krieg gegen die rmische Kirche unterhielten. Die so lange
durch tdtliche Feindschaft getrennt gewesenen Anglikaner und Puritaner,
nherten sich einander mit jedem Tage mehr und mehr und jeder Schritt
zur Einigung vermehrte den Einflu des Mannes, der ihr gemeinsames
Oberhaupt war. Wilhelm eignete sich in jeder Beziehung zum Vermittler
zwischen diesen beiden groen Parteien der englischen Nation. Man konnte
nicht sagen, da er einer von beiden angehre; aber keine von beiden
konnte sich bei ruhiger berlegung weigern, ihn als einen Freund zu
betrachten. Sein theologisches System stimmte mit dem der Puritaner
berein. Zu gleicher Zeit betrachtete er das Episcopat wenn auch nicht
als eine gttliche Einrichtung, doch als eine vollkommen rechtmige und
hchst ntzliche Form des Kirchenregiments. Fragen ber Stellungen,
Gewnder, Festtage und Liturgien waren in seinen Augen keine
Lebensfragen. Ein einfacher Gottesdienst wie der, an den er von jeher
gewhnt war, wrde seinem persnlichen Geschmacke am meisten zugesagt
haben, aber er war dabei gern bereit, sich jedem Ritual zu fgen, das
der Nation angenehm war, und bestand nur darauf, da man ihm nicht
zumuthete, diejenigen seiner protestantischen Brder zu verfolgen, denen
ihr Gewissen es nicht zulie, seinem Beispiele zu folgen. Zwei Jahre
frher wrde er von zahlreichen Bigotten auf beiden Seiten fr einen
bloen Laodicer erklrt, worden sein, der weder kalt noch warm war und
zu nichts taugte als ausgestoen zu werden. Aber der Eifer, der
Anglikaner gegen Dissenters und Dissenters gegen Anglikaner entflammt
hatte, war durch gemeinsame Widerwrtigkeiten und Gefahren so gedmpft
worden, da die Lauheit, die man ihm frher als Verbrechen angerechnet,
jetzt als eine seiner Haupttugenden betrachtet wurde.

    [Anmerkung 51: +Kiffin's Memoirs+; Luson's Brief an Brooke vom 11.
    Mai 1773 in der Hughes-Correspondenz.]

    [Anmerkung 52: Man sehe unter anderen zeitgenssischen
    Flugschriften eine mit dem Titel: +A Representation of the
    threatening Dangers impending over Protestants.+]


[_Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die
Indulgenzerklrung._] Jedermann war gespannt auf seine Ansicht ber die
Indulgenzerklrung. Eine Zeit lang nhrte man in Whitehall die Hoffnung,
da seine bekannte Achtung vor den Rechten des Gewissens ihn wenigstens
abhalten werde, ffentlich seine Mibilligung einer Politik
auszusprechen, die einen unleugbaren Anstrich von Freisinnigkeit hatte.
Penn schickte zahlreiche Auseinandersetzungen nach dem Haag und begab
sich sogar persnlich dahin, in der Hoffnung da seine Beredtsamkeit,
von der er eine hohe Meinung hatte, sich als unwiderstehlich erweisen
werde. Aber obgleich er sein Lieblingsthema mit einer Redseligkeit
entwickelte, die seine Zuhrer ermdete und obgleich er sie versicherte,
da ein Mann, der mit den Engeln verkehre, ihm das Herannahen eines
goldenen Zeitalters der Religionsfreiheit geoffenbart habe, so machte er
doch keinen Eindruck auf den Prinzen.[53] Ihr verlangt von mir, sagte
er zu einem der Agenten des Knigs, da ich einen Angriff auf meine
eigne Religion untersttzen soll. Das kann ich mit gutem Gewissen nicht
thun, und ich werde es nicht thun, nein, nicht um die Krone Englands,
nicht um die Herrschaft der Welt! Diese Worte wurden dem Knige
mitgetheilt und sie beunruhigten ihn nicht wenig.[54] Er schrieb mit
eigner Hand eindringliche Briefe. Zuweilen nahm er den Ton des
Beleidigten an. Er sei das Oberhaupt der kniglichen Familie, als
solches sei er berechtigt, von den jngeren Mitgliedern Gehorsam zu
erwarten, und es sei sehr hart, da er in einer Angelegenheit, die ihm
ber Alles am Herzen liege, auf Widerstand stoe. Andere Male wurde ihm
ein Kder vorgehalten, den man fr unwiderstehlich hielt. Wenn Wilhelm
nur in diesem einen Punkte nachgbe, so wrde die englische Regierung
ihm dafr krftigen Beistand gegen Frankreich leisten. Er lie sich aber
nicht bethren. Er wute, da Jakob selbst beim besten Willen ohne die
Untersttzung eines Parlaments nicht im Stande sein wrde, der
gemeinschaftlichen Sache Europa's einen wirksamen Dienst zu leisten, und
es konnte keinem Zweifel unterliegen, da wenn ein Parlament
zusammenkam, die erste Forderung beider Huser die Cassirung der
Indulgenzerklrung sein wrde.

Die Prinzessin stimmte allen Meinungsuerungen ihres Gemahls bei, und
ihre gemeinschaftliche Ansicht wurde dem Knige in entschiedenen aber
gemigten Ausdrcken mitgetheilt. Sie erklrten, da sie das von Seiner
Majestt eingeschlagene Verfahren lebhaft bedauerten. Sie seien
berzeugt, da er sich ein Hoheitsrecht angemat habe, das ihm
gesetzlich nicht zustehe. Gegen diese Anmaung protestirten sie, nicht
nur als Freunde der brgerlichen Freiheit, sondern auch als Mitglieder
des kniglichen Hauses, als welche sie ein hohes Interesse an der
Erhaltung der Rechte dieser Krone htten, die sie einst tragen knnten.
Denn die Erfahrung habe gelehrt, da Willkrherrschaft in England
unfehlbar eine Reaction nach sich ziehe, die noch verderblicher sei als
jene selbst, und man msse mit Grund befrchten, da die durch die
Aussicht auf Despotismus beunruhigte und entrstete Nation selbst gegen
die constitutionelle Monarchie einen Widerwillen fassen wrde. Sie gben
daher dem Knige den Rath, da er in allen Dingen streng nach dem
Gesetze regieren mge. Sie gestnden sehr gern zu, da das Gesetz mit
Nutzen durch die competente Autoritt abgendert werden knne und da
ein Theil seiner Erklrung es wohl verdiene, einer Parlamentsacte
einverleibt zu werden. Sie seien keine Verfolger, sie wrden mit
Vergngen rmische Katholiken so gut als protestantische Dissenters in
geeigneter Weise von allen Strafgesetzen befreit, und ebenso gern
protestantische Dissenters in zweckmiger Weise zu brgerlichen mtern
zugelassen sehen. Weiter aber knnten Ihre Hoheiten nicht gehen. Sie
knnten sich der ernsten Besorgni nicht enthalten, da die Zulassung
rmischer Katholiken zu Staatsmtern groe Nachtheile hervorrufen
wrden, und es war nicht undeutlich zu verstehen gegeben, da der Grund
zu dieser Besorgni namentlich in Jakob's Handlungsweise liege.[55]

    [Anmerkung 53: +Burnet I. 693, 694.+]

    [Anmerkung 54: +Le Prince d'Orange, qui avoit lud jusqu'alors
    de faire une rponse positive dit ... qu'il ne consentira jamaia 
    la suppression de ces lois qui avoient t tablies pour le
    maintien et la suret de la religion Protestante, et que sa
    conscience ne lui permettoit point, non seulement pour la
    succession du royaume d'Angleterre, mais mme pour l'empire du
    monde; en sorte que le roi d'Angleterre est plus aigri contre lui
    qu'il n'a jamais t.+ -- Bonrepaux, 11.(21.) Juni 1687.]

    [Anmerkung 55: +Burnet, I. 710+; Bonrepaux, 24. Mai (4. Juni)
    1687.]


[_Vertheidigung ihrer Ansichten bezglich der englischen Katholiken._]
Die ausgesprochene Ansicht des Prinzen und der Prinzessin ber die
Ausschlieungen, denen die rmischen Katholiken unterworfen waren,
theilten fast alle Staatsmnner und Philosophen, welche damals der
politischen und religisen Freiheit eifrig das Wort redeten. In unsrer
Zeit dagegen haben erleuchtete Mnner oft mit Bedauern sich dahin
geuert, da Wilhelm in diesem einen Punkte gegen seinen Schwiegervater
im Nachtheil stehe. Das Wahre ist, da einige Erwgungen, welche
nothwendig sind, wenn man sich ein richtiges Urtheil bilden will, von
vielen Schriftstellern des neunzehnten Jahrhunderts nicht bercksichtigt
worden zu sein scheinen.

Es sind zwei einander entgegengesetzte Irrthmer, in welche Diejenigen,
die sich mit dem Studium unsrer vaterlndischen Geschichte beschftigen,
in steter Gefahr sind zu verfallen: der Irrthum, da sie die Gegenwart
nach der Vergangenheit, und der Irrthum, da sie die Vergangenheit nach
der Gegenwart beurtheilen. Dem ersteren sind Diejenigen unterworfen,
welche geneigt sind alles Alte zu verehren, dem zweiten Diejenigen,
welche von allem Neuen angezogen werden. Auf den ersteren stt man
bestndig in den Raisonnements conservativer Politiker ber die Fragen
ihrer Zeit, der zweite findet sich immer in den Betrachtungen von
Schriftstellern der liberalen Richtung, wenn sie die Ereignisse einer
frheren Zeit besprechen. Der erstere ist bei einem Staatsmanne, der
andre bei einem Geschichtsschreiber verderblicher.

Es ist fr Niemanden, der es in Unsrer Zeit unternimmt, ber die
Revolution zu schreiben, welche die Stuarts strzte, so leicht, die
rechte Mittelstrae zwischen diesen beiden Extremen stetig einzuhalten.
Die Frage, ob es gerathen sei, Mitglieder der katholischen Kirche zum
Parlament und zu Staatsmtern zuzulassen, erschtterte unser Vaterland
whrend der Regierung Jakob'sII., durch seinen Sturz wurde sie in den
Hintergrund zurckgedrngt, und nachdem sie ber ein Jahrhundert lang
geruht hatte, kam sie in Folge der groen Aufregung der Gemther, welche
dem Zusammentritt der franzsischen Nationalversammlung folgte, wieder
zur Sprache. Dreiig Jahre whrte der Streit in beiden Husern des
Parlaments, in jedem Wahlkrper, in jedem Kreise der Gesellschaft. Er
strzte Ministerien, zerri Parteien, machte in einem Theile des Landes
jede Regierung unmglich und brachte uns zuletzt an den Rand des
Brgerkrieges. Selbst nach Beendigung des Kampfes gohren die
Leidenschaften, die er aufgeregt hatte, noch immer fort. Ein Mann,
dessen Geist unter dem Einflusse dieser Leidenschaften stand, konnte
fast unmglich die Ereignisse der Jahre 1687 und 1688 in einem
vollkommen richtigen Lichte erblicken.

Eine Klasse von Politikern, welche von dem richtigen Vordersatze
ausging, da die Revolution eine groe Wohlthat fr unser Land gewesen
sei, gelangte zu dem irrigen Schlusse, da keine Brgschaft, die von den
Staatsmnnern der Revolution zum Schutze unsrer Religion und unsrer
Freiheit fr nthig erachtet worden war, ohne Gefahr abgeschafft werden
knnte. Eine andre Klasse, die von dem ebenfalls richtigen Vordersatze
ausging, da die ber die Katholiken verhngten Ausschlieungen lange
Zeit nichts als Unheil verursacht htten, kam zu dem falschen Schlusse,
da diese Ausschlieungen zu keiner Zeit ntzlich und nothwendig gewesen
sein knnten. Der erste Trugschlu durchdrang die Reden des geistreichen
und gelehrten Eldon, der andre blieb selbst auf einen so ruhigen und
philosophischen Kopf wie Mackintosh nicht ganz ohne Einflu.

Bei nherer Prfung wird es sich jedoch vielleicht zeigen, da wir das
von allen groen englischen Staatsmnnern des siebzehnten Jahrhunderts
einstimmig gebilligte Verfahren rechtfertigen knnen, ohne die Weisheit
des von allen groen englischen Staatsmnnern unsrer Zeit eben so
einstimmig gebilligten Verfahrens in Zweifel zu ziehen.

Es ist unbestreitbar ein bel, wenn ein Brger seiner religisen Meinung
halber vom Staatsdienste ausgeschlossen sein soll; aber der menschlichen
Weisheit bleibt zuweilen nichts andres brig als die Wahl zwischen zwei
beln. Eine Nation kann in eine Lage kommen, in der die Mehrheit
entweder Ausschlieungen verhngen oder sich solche gefallen lassen
mu und wo das was unter gewhnlichen Verhltnissen mit Recht als
Verfolgung verdammt werden wrde, noch innerhalb der Grenzen der
Selbstvertheidigung liegt. In einer solchen Situation befand sich
England im Jahre 1687.

Nach der Verfassung des Reichs hatte Jakob das Recht, fast alle
ffentlichen Beamten, bei der Regierung, bei den Gerichten, in der
Kirche, beim Militair und bei der Flotte zu ernennen. Bei der Ausbung
dieses Rechts war er nicht, wie unsere gegenwrtigen Souveraine,
genthigt, in bereinstimmung mit dem Rathe von Ministern, die das Haus
der Gemeinen billigte, zu handeln. Es lag also auf der Hand, da es,
wenn er durch das Gesetz nicht streng verbunden war, nur Protestanten
anzustellen, ihm frei stand, lauter Katholiken anzustellen. Die Anzahl
der rmischen Katholiken war unbedeutend, und es gab nicht einen
einzigen Mann unter ihnen, dessen Dienste der Staat ernstlich vermit
haben wrde. Das Verhltni, in dem ihre Zahl zur Gesammtbevlkerung
stand, war noch viel geringer als es gegenwrtig ist, denn gegenwrtig
ergiet sich ein ununterbrochener Auswanderungsstrom von Irland in
unsere groen Stdte, whrend es im siebzehnten Jahrhunderte noch nicht
einmal in London eine irische Colonie gab. Neunundvierzig Funfzigstel
der Bewohner des Knigreichs, neunundvierzig Funfzigstel des Vermgens
des Knigreichs, fast alle politischen, juristischen und militairischen
Talente und Kenntnisse, die das Land besa, waren protestantisch.
Trotzdem hatte der Knig in thrichter Verblendung sich vorgenommen,
sein unbegrenztes Ernennungsrecht als Mittel zum Proselytenmachen zu
benutzen. Seiner Kirche angehren war in seinen Augen der erste
Befhigungstitel fr ein Amt. Der Landeskirche angehren war entschieden
ein Grund der Nichtbefhigung. Er verwarf zwar in einer Sprache, welche
den Beifall einiger leichtglubigen Freunde der Glaubensfreiheit fand,
die monstrse Ungerechtigkeit des Religionseides, der eine kleine
Minderheit der Nation von ffentlichen mtern ausschlo; zu gleicher
Zeit aber fhrte er einen andren Religionseid ein, der die Mehrheit
ausschlo. Es schien ihm hart, da ein guter Finanzmann und loyaler
Unterthan lediglich deshalb weil er ein Papist war, von dem Posten eines
Lordschatzmeisters ausgeschlossen sein sollte; aber er selbst hatte
einen Lordschatzmeister, den er als einen tchtigen Finanzmann und
loyalen Unterthan anerkannt, blo deshalb abgesetzt, weil er Protestant
war. Er hatte wiederholt und bestimmt erklrt, er sei fest entschlossen,
den weien Stab niemals in die Hnde eines Ketzers zu geben. Mit vielen
anderen hohen Staatsmtern war er ebenso verfahren. Bereits waren der
Lordprsident, der Geheimsiegelbewahrer, der Oberkammerherr, der
Garderobeaufseher, der erste Lord des Schatzes, ein Staatssekretr, der
Lordobercommissar von Schottland, der Kanzler von Schottland und der
Sekretr von Schottland Katholiken oder gaben sich wenigstens dafr aus.
Die meisten von diesen Beamten waren von Haus aus Anglikaner und hatten
sich des offenen oder geheimen Abfalls schuldig gemacht, um ihre hohen
Stellen zu erlangen oder zu behalten. Jeder Protestant, der noch einen
wichtigen Staatsposten bekleidete, bekleidete ihn in bestndiger
Ungewiheit und Angst. Wir wrden nicht fertig werden, wollten wir
die untergeordneteren Stellen anfhren, welche von Mitgliedern der
begnstigten Klasse besetzt waren. In jedem Zweige der Verwaltung
wimmelte es schon von Katholiken. Sie waren Lordlieutenants,
stellvertretende Lieutenants, Richter, Friedensrichter, Zollcommissare,
Gesandte an fremden Hfen, Regimentsobersten und Festungscommandanten.
Der Antheil, den sie binnen wenigen Monaten von den durch die Krone zu
besetzenden weltlichen mtern erlangt hatten, war weit ber zehnmal so
gro, als er unter einem unparteiischen Systeme gewesen sein wrde.
Dies war indessen noch nicht das Schlimmste. Man hatte sie auch zu
Beherrschern der anglikanischen Kirche gemacht. Mnner, die den Knig
versichert hatten, da sie seines Glaubens seien, saen in der Hohen
Commission und bten die hchste geistliche Gerichtsbarkeit ber alle
Prlaten und Priester der Landeskirche aus. Kirchliche Pfrnden von
hohem Ansehen waren theils erklrten, theils verkappten Papisten
verliehen worden. Und dies Alles war geschehen, whrend die Gesetze
gegen den Papismus noch in Kraft waren und Jakob noch gegrndete Ursache
hatte, Achtung vor den Rechten des Gewissens zu heucheln. Was war also
von ihm zu erwarten, wenn seine Unterthanen einwilligten, ihn durch ein
Gesetz von jedem Schatten der Beschrnkung vollends zu befreien? Kann
man wohl daran zweifeln, da Protestanten durch eine streng gesetzmige
Anwendung der kniglichen Prrogative eben so wirksam von Anstellungen
ausgeschlossen worden wren, als jemals rmische Katholiken durch eine
Parlamentsacte ausgeschlossen worden sind?

Wie hartnckig Jakob entschlossen war, den Mitgliedern seiner Kirche
einen Antheil an den ffentlichen mtern zu gewhren, der zu ihrer Zahl
und zu ihrer Bedeutung auer allem Verhltni stand, geht aus den
Instructionen hervor, die er im Exil und im hohen Alter als Leitfaden
fr seinen Sohn aufzeichnete. Es ist unmglich, diese Ergsse eines
Mannes, an dem alle Lehren der Erfahrung und des Unglcks spurlos
vorbergegangen waren, ohne ein Gemisch von Mitleid und Verachtung zu
lesen. Dem Prtendenten wird anempfohlen, wenn er einmal zur Regierung
in England gelangen sollte, die mter zu theilen und den Mitgliedern der
rmischen Kirche einen Antheil zu reserviren, der gro genug fr sie
gewesen sein wrde, wenn sie die Hlfte, anstatt ein Funfzigstel der
Nation gebildet htten. Ein Staatssekretr, ein Schatzcommissar, der
Kriegssekretr, die Mehrheit der Growrdentrger des Hofstaates und die
Mehrzahl der Offiziere der Armee mten immer Katholiken sein. Dies
waren Jakob's Ansichten selbst dann noch, als seine thrichte Bigotterie
ihm eine Strafe zugezogen hatte, ber welche die ganze Welt erschrocken
war. Kann man also wohl in Zweifel darber sein, wie er gehandelt haben
wrde, wenn sein Volk, durch den leeren Namen der religisen Freiheit
geblendet, ihn ohne Zgel htte fortregieren lassen?

Selbst Penn scheint trotz seiner blinden und malosen Begeisterung fr
die Indulgenzerklrung eingesehen zu haben, da man sich nicht wundern
durfte, wenn die Parteilichkeit, mit der rmische Katholiken mit
Ehrenstellen und Einknften berschttet wurden, die Eifersucht der
Nation erregte. Er gab zu, da die Protestanten im Fall der Aufhebung
der Testacte Anspruch auf ein quivalent htten, und ging sogar so weit,
da er verschiedene quivalente vorschlug. Schon seit mehreren Wochen
war das Wort quivalent, damals erst krzlich aus Frankreich eingefhrt,
im Munde aller Kaffeehausredner; endlich aber machten einige Seiten
scharfsinniger Logik und feiner Sarkasmen aus Halifax' Feder diesen
hohlen Projecten ein Ende. Einer von Penn's Plnen bestand darin, da
ein Gesetz erlassen werden sollte, welches die von der Krone zu
verleihenden mter in drei gleiche Theile theilte, von denen nur einer
den Mitgliedern der katholischen Kirche zufallen sollte. Selbst unter
einem solchen System wrden die Katholiken noch immer zwanzigmal den
ihnen eigentlich zustehenden Antheil erhalten haben, und doch kann man
nicht annehmen, da der Knig selbst in eine solche Anordnung gewilligt
haben wrde. Htte er aber auch darein gewilligt, welche Garantie konnte
er bieten, da er auch wirklich an diesem bereinkommen festhielt? Man
hatte keine Antwort auf das von Halifax aufgestellte Dilemma: wenn
Gesetze fr Euch bindend sind, so beobachtet das jetzt bestehende
Gesetz; sind sie nicht bindend fr Euch, so ist es auch nutzlos, uns ein
Gesetz als Brgschaft zu bieten.[56]

Es ist sonach klar, da es sich gar nicht darum handelte, ob weltliche
mter allen Religionsparteien ohne Unterschied offen stehen sollten. So
lange Jakob Knig war, war Ausschlieung unvermeidlich, und es fragte
sich nur, wer ausgeschlossen werden sollte, ob Papisten oder
Protestanten, die Wenigen oder die Vielen, hunderttausend Englnder oder
fnf Millionen.

Dies sind die gewichtigen Grnde, durch welche das Verfahren des Prinzen
von Oranien gegen die englischen Katholiken mit den Grundstzen der
Glaubensfreiheit in Einklang gebracht werden kann. Diese Grnde haben,
wie man bemerken wird, mit keinem Theile der katholischen Theologie
etwas zu thun. Ebenso wird man einsehen, da sie ihr ganzes Gewicht
verlieren muten, als die Krone an ein protestantisches Herrscherhaus
gekommen und die Macht des Unterhauses im Staate ein so entschiedenes
bergewicht erlangt hatte, da kein Souverain, mochten seine Ansichten
oder Neigungen sein, welche sie wollten, das Beispiel Jakob's
nachahmen konnte. Die Nation befand sich indessen nach ihren Schrecken,
ihren Kmpfen und ihrer mit genauer Noth erlangten Rettung in
einer mitrauischen und rachschtigen Stimmung. Daher wurden
Vertheidigungsmittel, welche die Nothwendigkeit gerechtfertigt hatte,
die aber auch nur die Nothwendigkeit rechtfertigen konnte, noch lange,
nachdem die Nothwendigkeit nicht mehr vorhanden war, hartnckig
beibehalten, und erst aufgegeben, nachdem das herrschende Vorurtheil
einen langjhrigen Kampf gegen die Vernunft bestanden hatte. Zu den
Zeiten Jakob's aber standen Vernunft und herrschendes Vorurtheil auf der
nmlichen Seite. Der Fanatiker und Ignorant wollte den Katholiken vom
Staatsdienste ausschlieen, weil er Kltze und Steine anbetete, weil er
das Zeichen des Thieres an sich trug, weil er London angezndet und Sir
Edmondsbury Godfrey erwrgt hatte, und der einsichtsvollste und
toleranteste Staatsmann wurde, whrend er ber den Irrwahn lchelte, in
dem das gemeine Volk befangen war, auf einem ganz andren Wege zu dem
nmlichen Schlusse gefhrt.

Wilhelm's groer Plan war jetzt, die zahlreichen Theile des groen
Krpers, der ihn als sein gemeinschaftliches Oberhaupt betrachtete, zu
einem Ganzen zu vereinigen. Bei diesem Werke hatte er mehrere geschickte
und zuverlssige Mitarbeiter, von denen zwei, Burnet und Dykvelt, ihm
ganz besonders ntzlich waren.

    [Anmerkung 56: Johnstone, 13. Jan. 1688; +Halifax's Anatomy of an
    Equivalent+.]


[_Jakob's Feindschaft gegen Burnet._] Burnet's Dienste muten allerdings
mit einiger Vorsicht angewendet werden. Die freundliche Aufnahme, die er
im Haag gefunden, hatte Jakob heftig aufgebracht, und Marie erhielt von
ihrem Vater zwei Briefe voll Invectiven gegen den frechen und
whlerischen Theologen, den sie beschtzte. Diese Beschuldigungen aber
machten einen so geringen Eindruck auf sie, da sie Antworten darauf
zurcksandte, welche Burnet selbst dictirt hatte. Im Januar 1687 endlich
schritt der Knig zu energischeren Maregeln. Skelton, der die englische
Regierung bei den Vereinigten Provinzen vertreten hatte, wurde nach
Paris versetzt und erhielt Albeville, das schwchste und gemeinste
Mitglied der ganzen jesuitischen Cabale, zum Nachfolger. Geld war
Albeville's einziger Lebenszweck, und er nahm es von Jedem, der es ihm
anbot. Er wurde zu gleicher Zeit von Frankreich und von Holland bezahlt.
Er verschmhte sogar den erbrmlichen Anstand, den auch die
Bestechlichkeit zu beobachten pflegt, und nahm so kleine Geschenke an,
wie sie eher einem Lasttrger oder einem Bedienten zukommen als einem
Gesandten, der mit einer englischen Baronie und einem auslndischen
Marquisate beehrt worden war. Einmal steckte er mit der grten
Gemthsruhe ein Trinkgeld von fnfzig Pistolen fr einen Dienst ein, den
er den Generalstaaten geleistet hatte. Dieser Mann war beauftragt, zu
verlangen, da Burnet im Haag nicht lnger begnstigt werde. Wilhelm,
der keine Lust hatte, sich von einem so werthvollen Freunde zu trennen,
antwortete zuerst mit seiner gewohnten Klte: Ich wte nicht, Sir, da
der Doctor seit seinem Hiersein etwas gethan oder gesagt htte, worber
Seine Majestt sich mit Grund beklagen knnte. Jakob aber bestand
entschieden auf seiner Forderung, und da die geeignete Zeit zu einem
offenen Bruche noch nicht gekommen war, so mute Wilhelm nachgeben. ber
anderthalb Jahr lang kam Burnet weder mit dem Prinzen, noch mit der
Prinzessin in persnliche Berhrung; aber er wohnte in ihrer Nhe, wurde
von Allem, was vorging, genau unterrichtet, sein Rath ward bestndig in
Anspruch genommen, seine Feder bei jedem wichtigen Anlasse benutzt und
viele der schrfsten und wirksamsten Aufstze und Flugschriften, welche
damals in London erschienen, wurden ihm mit Recht zugeschrieben.

Jakob's Wuth entbrannte. Er war von jeher fr zornige Leidenschaften nur
zu empfnglich gewesen, aber noch keinen seiner Feinde, selbst die
nicht, welche sich gegen sein Leben verschworen oder es versucht hatten,
ihm durch Meineid die Schuld des Verraths und des Mordes aufzubrden,
hatte er mit einer solchen Erbitterung gehat, als er jetzt Burnet
hate. Seine Majestt schimpfte tglich in hchst unkniglicher Sprache
auf den Doctor und sann auf ungesetzliche Rache. Selbst Blut gengte
diesem wthenden Hasse nicht; der unverschmte Theolog mute gefoltert
werden, ehe er sterben durfte. Zum Glck war er ein Schotte von Geburt,
und in Schottland konnten seine Beine erst in den spanischen Stiefeln
zerquetscht werden, bevor er auf dem Grasmarkte gehngt wurde. Zu dem
Ende wurde in Edinburg der Proze gegen ihn eingeleitet; aber er war in
Holland naturalisirt, hatte eine vermgende Frau aus dieser Provinz
geheirathet und es war gewi, da sein Adoptivvaterland ihn nicht
ausliefern wrde. Man beschlo daher, ihn wegfangen zu lassen. Mit
groen Summen wurden einige Bsewichter fr diesen gefhrlichen und
schndlichen Dienst gedungen; im Staatssekretariat wurde zu diesem
Zwecke eine Anweisung auf dreitausend Pfund Sterling ausgestellt. Ludwig
wurde von dem Plane unterrichtet und interessirte sich auerordentlich
dafr; er sicherte seinen krftigen Beistand zu, damit der Schurke nach
England gebracht werde, und versprach, da die Werkzeuge der Rache
Jakob's in Frankreich eine Freisttte finden sollten. Burnet kannte die
ihm drohende Gefahr wohl, aber Furcht gehrte nicht zu seinen Fehlern.
Er verffentlichte eine beherzte Antwort auf die in Edinburg gegen ihn
erhobenen Anschuldigungen. Er wisse, sagte er, da man ihn ohne Proze
hinzurichten gedenke, aber er vertraue auf den Knig aller Knige, zu
dem unschuldiges Blut selbst gegen die mchtigsten Frsten der Erde
nicht vergebens schreien werde. Er gab einigen Freunden ein
Abschiedsmahl, und nach demselben nahm er als ein Mann, der dem Tode
verfallen sei und mit dem sie ohne Gefahr nicht mehr umgehen knnten,
feierlich Abschied von ihnen. Dessenungeachtet zeigte er sich nach wie
vor so furchtlos auf allen ffentlichen Pltzen im Haag, da seine
Freunde ihm wegen seiner Tollkhnheit bittere Vorwrfe machten.[57]

    [Anmerkung 57: +Burnet I. 726--731+; +Answer to the Criminal
    Letters issued out against Dr. Burnet+; +Avaux Neg., July 7.(17.),
    14.(24.) July 28. (Aug. 7.) 1687, Jan. 19.(29.) 1688+; Ludwig an
    Barillon, 30. Dec. 1687 (9. Jan. 1688); Johnstone an Waristoun,
    21. Febr. 1688; Lady Russel an +Dr.+ Fitzwilliam, 5. Oct. 1687.
    Da man vermuthet hat, da Burnet, der seine persnliche
    Wichtigkeit nicht zu unterschtzen pflegte, die ihm drohende
    Gefahr bertrieben habe, so will ich hier die Worte Ludwig's und
    Johnstone's anfhren: +Qui que ce soit+, sagt Ludwig, +qui
    entreprenne de l'enlever en Hollande trouvera non seulement une
    retraite assure et une entire protection dans mes tats, mais
    aussi toute l'assistance qu'il pourra dsirer pour faire conduire
    surement ce sclrat en Angleterre.+ -- Mit Bamfield (Burnet)
    ist es ganz bestimmt so, sagt Johnstone. Niemand zweifelt hier
    daran, und Einige, die dabei betheiligt sind, leugnen es nicht.
    Seine Freunde sagen, sie htten gehrt, da er nicht vorsichtig
    sei, sondern aus Eitelkeit, um seinen Muth zu zeigen, mit
    thrichter Verwegenheit handle, so da Jedermann ihn auslachen
    werde, wenn ihm ein Unglck zustoen sollte. Ich bitte ihm dies
    von Seiten Jones' (Johnstone) zu sagen. Wenn Einige abgefat
    werden knnten, whrend sie ihren +coup d'essai+ auf ihn machen,
    so wre das sehr gut, weil sie dadurch abgeschreckt wrden, etwas
    gegen Ogle (den Prinzen) zu unternehmen.]


[_Sendung Dykvelt's nach England._] Whrend Burnet Wilhelm's Sekretr
fr die englischen Angelegenheiten in Holland war, wurde Dykvelt mit
nicht geringerem Nutzen in London verwendet. Dykvelt war einer von den
ausgezeichneten Staatsmnnern, welche in der edlen Schule des Johann de
Witt ihre politische Bildung erhalten hatten und nach dem Falle dieses
groen Ministers ihre Pflichten gegen die Republik dadurch am besten zu
erfllen glaubten, da sie sich um den Prinzen von Oranien schaarten.
Keiner von den Diplomaten im Dienste der Vereinigten Provinzen stand in
Bezug auf Gewandtheit, Character und Manieren ber Dykvelt, und ebenso
scheint keiner ihm in der Kenntni der englischen Verhltnisse
gleichgekommen zu sein. Es fand sich ein Vorwand, um ihn zu Anfang des
Jahres 1687 mit Beglaubigungsschreiben von den Generalstaaten in einer
besonderen Mission nach England zu senden. Eigentlich aber galt seine
Sendung nicht der Regierung, sondern der Opposition, und er handelte
nach Privatinstructionen, welche von Burnet entworfen und von Wilhelm
genehmigt waren.[58]

    [Anmerkung 58: +Burnet, I. 708+; +Avaux Neg., Jan. 3.(13.), Feb.
    6.(16.) 1687+; +Van Kampen, Karakterkunde der Vaderlandsche
    Geschiedenis.+]


[_Unterhandlungen Dykvelt's mit englischen Staatsmnnern._] Dykvelt
berichtete, da Jakob sich durch das Benehmen des Prinzen und der
Prinzessin tief gekrnkt fhle. Die Pflicht meines Neffen ist, meine
Hand zu strken, sagte der Knig, aber es hat ihm von jeher Vergngen
gemacht, wenn er mir hat hinderlich sein knnen. Dykvelt antwortete, in
Privatangelegenheiten habe Seine Hoheit stets die Wnsche des Knigs
bercksichtigt und werde dies auch in Zukunft jederzeit thun, aber es
sei doch kaum recht und billig, die Untersttzung eines protestantischen
Frsten gegen die protestantische Kirche zu erwarten.[59] Der Knig war
zum Schweigen gebracht, aber nicht besnftigt. Mit einem Verdrusse, den
er nicht verhehlen konnte, sah er, da Dykvelt alle die verschiedenen
Abteilungen der Opposition mit einer Geschicklichkeit musterte und
einschulte, welche dem gewandtesten englischen Staatsmanne zur Ehre
gereicht haben wrde und die bei einem Auslnder bewundernswrdig war.
Der Geistlichkeit wurde gesagt, da sie in dem Prinzen einen Freund des
Episcopats und der Liturgie finden werde. Den Nonconformisten wurde
Hoffnung gemacht, da sie von ihm nicht nur Duldung, sondern sogar
Gleichstellung zu erwarten htten. Selbst die rmischen Katholiken
wurden vershnt und einige der Angesehensten unter ihnen sagten dem
Knige ins Gesicht, da sie mit dem, was Dykvelt ihnen biete, zufrieden
seien und da sie eine durch das Gesetz verbrgte Duldung einem
gesetzwidrigen und unsicheren bergewichte vorzgen.[60]

    [Anmerkung 59: +Burnet I. 711+. Dykvelt's Depeschen an die
    Generalstaaten enthalten, so weit ich es habe ersehen oder
    erfahren knnen, kein Wort ber den wirklichen Zweck seiner
    Sendung. Seine Correspondenz mit dem Prinzen von Oranien war
    streng privater Natur.]

    [Anmerkung 60: Bonrepaux, 12.(22.) Sept. 1687.]


[_Danby._] Die Oberhupter aller wichtigen Parteien der Nation hielten
hufige Besprechungen in Gegenwart des geschickten Gesandten. Die
Ansicht der Torypartei war bei diesen Zusammenknften hauptschlich
durch die Earls von Danby und von Nottingham vertreten. Obgleich seit
Danby's Sturze bereits ber acht Jahre vergangen waren, so stand sein
Name doch bei den alten Kavalieren Englands noch in hohem Ansehen, und
selbst viele von denjenigen Whigs, die ihn frher verfolgt hatten, gaben
jetzt bereitwillig zu, da er fr die Snden Anderer habe ben mssen
und da sein Eifer fr die Hoheitsrechte ihn zwar oft irre geleitet
habe, aber bei alledem durch zwei ehrenwerthe Gefhle gemildert worden
sei: durch Eifer fr die Staatsreligion und durch Eifer fr die Wrde
und Unabhngigkeit seines Vaterlandes. Auch im Haag wurde er hoch
geschtzt, denn man verga es ihm dort nie, da er es gewesen war, der
Karl trotz des Einflusses Frankreichs und der Papisten bewogen hatte,
die Hand der Prinzessin Marie ihrem Vetter zu geben.


[_Nottingham._] Daniel Finch, Earl von Nottingham, ein Edelmann, dessen
Name in der Geschichte dreier ereignivoller Regierungen hufig genannt
werden wird, stammte aus einer Familie von unvergleichlicher
juristischer Auszeichnung. Einer seiner Verwandten hatte das Siegel
Karl'sI. gefhrt, hatte seine eminenten Talente und Kenntnisse zu
schlechten Zwecken gemibraucht und war von der Rache der Gemeinen
Englands, mit Falkland an der Spitze, verfolgt worden. Einen
ehrenvolleren Ruf erlangte unter der folgenden Generation Heneage
Finche. Er war unmittelbar nach der Restauration zum Staatsprokurator
ernannt worden und war nacheinander zum Lordsiegelbewahrer, zum
Lordkanzler, zum Baron Finch und Earl von Nottingham emporgestiegen.
Whrend dieser ganzen glnzenden Laufbahn hatte er die Hoheitsrechte
stets so hoch gehalten, als er es mit Ehren und Anstand konnte; nie aber
war er bei irgend einer Machination gegen die Grundgesetze des Reichs
betheiligt gewesen. Inmitten eines verderbten Hofes hatte er seine
persnliche Rechtschaffenheit unbefleckt zu erhalten gewut. Auch als
Redner geno er eines hohen Rufes, obwohl seine nach Mustern aus der
Zeit vor dem Brgerkriege gebildete Diction gegen das Ende seines Lebens
von den Schngeistern der heranwachsenden Generation steif und
pedantisch genannt wurde. In Westminsterhall wird er noch immer mit
Achtung als der Mann erwhnt, welcher aus dem Chaos, dem man in alter
Zeit den Namen der Billigkeit gab, zuerst ein neues juristisches System
bildete, das ebenso geregelt und vollstndig ist wie das nach welchem
die Richter des gemeinen Rechts verfahren.[61] Ein wesentlicher Theil
der sittlichen und geistigen Eigenschaften dieses groen Staatsmannes
ging mit dem Titel Nottingham auf seinen ltesten Sohn ber. Dieser
Sohn, der Earl Daniel, war ein rechtschaffener und tugendhafter Mann.
Obwohl er in einigen abgeschmackten Vorurtheilen befangen und
sonderbaren Anfllen von Launenhaftigkeit unterworfen war, kann man ihn
doch nicht beschuldigen, da er um unredlichen Gewinns oder strafbaren
Genusses willen vom Pfade des Rechts abgewichen wre. Er war, wie sein
Vater, ein ausgezeichneter Redner und sprach eindringlich, aber
weitschweifig und mit zu monotoner Gemessenheit. Seine Persnlichkeit
entsprach ganz seiner Rede. Seine Haltung war steif, seine Gesichtsfarbe
so dunkel, da man ihn fr den Eingebornen eines wrmeren Himmelstrichs
htte halten knnen, und seine scharf markirten Gesichtszge hatten
einen Ausdruck, welcher dem des Hauptleidtragenden bei einem Begrbnisse
glich. Man pflegte von ihm zu sagen, da er eher wie ein spanischer
Grande als wie ein englischer Gentleman ausshe. Spottvgel gaben ihm
die Spitznamen Dismal (Trbselig), Don Dismallo und Don Diego, welche
noch heute nicht vergessen sind. Er hatte auf das Studium der
Wissenschaft, durch die seine Familie sich so hoch emporgeschwungen,
groen Flei verwendet und war fr einen vornehm und reich gebornen Mann
in den Gesetzen seines Vaterlandes erstaunlich bewandert. Er war ein
treuer Sohn der Hochkirche und bewies seine Achtung vor derselben auf
zwei Wegen, welche bei den Lords, die sich zu seiner Zeit als ihre
besonderen Freunde gerirten, nicht gewhnlich war, nmlich dadurch, da
er Schriften zur Vertheidigung ihrer Glaubensstze herausgab und da er
sich in seinem Privatleben nach ihren Gebeten richtete. Wie viele andre
eifrige Anglikaner hatte er bis vor Kurzem die monarchische
Regierungsform krftig untersttzt. Die Politik aber, welche seit der
Unterdrckung des Aufstandes im Westen befolgt wurde, emprte ihn auf
das heftigste, und zwar deshalb nicht weniger, weil sein jngerer Bruder
Heneage in Folge seiner Weigerung, die Dispensationsgewalt des Knigs zu
vertheidigen, seines Amtes als Generalprokurator entsetzt worden
war.[62]

    [Anmerkung 61: Siehe seine Biographie von Lord Campbell.]

    [Anmerkung 62: Johnstone's Correspondenz; +Mackay's Memoirs+;
    +Arbuthnot's John Bull+; Swift's Schriften von 1710 bis 1714 an
    mehreren Stellen; Whiston's Brief an den Earl von Nottingham und
    des Letzteren Antwort darauf.]


[_Halifax._] Mit diesen beiden groen toryistischen Earls war jetzt
Halifax, das ausgezeichnete Oberhaupt der Trimmers, verbunden. Auf
Nottingham's Gesinnungen scheint Halifax damals in der That einen
entschiedenen Einflu ausgebt zu haben. Zwischen Halifax und Danby
bestand eine Feindschaft, welche am Hofe Karl's begonnen hatte und
nachher auch den Hof Wilhelm's beunruhigte, whrend der Tyrannei Jakob's
aber wie viele andere Feindschaften ruhte. Die beiden Gegner trafen
hufig in den von Dykvelt veranstalteten Conferenzen zusammen und
stimmten in dem Ausdrucke des Mifallens an der Politik der Regierung
und der Verehrung fr den Prinzen von Oranien berein. In ihrem Verkehr
mit den hollndischen Gesandten trat die Characterverschiedenheit der
beiden Staatsmnner stark hervor. Halifax zeigte ein bewundernswrdiges
Talent fr Auseinandersetzungen, scheute sich aber vor khnen und
unwiderruflichen Entschlssen. Danby war minder fein und beredt, besa
aber mehr Energie, Entschlossenheit und praktischen Scharfblick.


[_Devonshire._] Mehrere ausgezeichnete Whigs waren mit Dykvelt in
fortwhrender Verbindung; aber die Oberhupter der groen Huser
Cavendish und Russel konnten keinen so thtigen und vorwiegenden
Antheil an den Unterhandlungen nehmen, als man nach ihrer Stellung und
ihren Ansichten htte erwarten drfen. Der Ruhm und das Glck
Devonshire's wurden im Augenblicke durch eine Wolke verdunkelt. Er hatte
einen beklagenswerthen Streit mit dem Hofe, der nicht aus einer
ffentlichen und ehrenvollen Angelegenheit, sondern aus einem
Privatzwist entsprungen war, in welchem selbst seine wrmsten Freunde
ihn nicht von aller Schuld freisprechen konnten. Als er einmal nach
Whitehall kam, um seine Aufwartung zu machen, war er von einem gewissen
Colepepper insultirt worden, einem jener Raufbolde, welche die
Umgebungen des Hofes unsicher machten und die sich durch Beleidigung von
Mitgliedern der Opposition bei der Regierung in Gunst zu setzen suchten.
Der Knig selbst uerte seine Entrstung ber die einem seiner
ausgezeichneten Peers unter dem kniglichen Dache widerfahrene
Behandlung und Devonshire wurde durch die Versicherung besnftigt, da
der Beleidiger den Palast nie wieder betreten solle. Dieses Verbot wurde
jedoch bald wieder aufgehoben und der Groll des Earls erwachte von
neuem. Seine Diener nahmen sich der Sache an und die Straen von
Westminster wurden durch Hndel beunruhigt, die in ein roheres Zeitalter
gehrten. Die Zeit des Geheimen Raths ward durch Anklagen und
Gegenanklagen der streitenden Parteien in Anspruch genommen.
Colepepper's Frau erklrte: sie und ihr Gatte seien ihres Leben nicht
sicher und ihr Haus sei bestndig von Banditen in der Livree der
Cavendish belagert; Devonshire erwiederte, es sei aus Colepepper's
Fenstern auf ihn geschossen worden. Dies wurde heftig geleugnet. Es
wurde zwar eingerumt, da ein blind geladenes Pistol abgefeuert worden
sei, aber dies sei nur in einem Augenblicke des Schreckens geschehen, um
die Wache zu alarmiren. Wahrend diese Fehde ihren Hhepunkt erreicht
hatte, traf der Earl im Empfangzimmer zu Whitehall mit Colepepper
zusammen und er glaubte in den Mienen des Raufboldes triumphirenden
bermuth zu erkennen. Vor den Augen des Knigs geschah nichts
Unziemliches; sobald aber die beiden Gegner das Audienzzimmer verlassen
hatten, machte Devonshire den Vorschlag, den Streit auf der Stelle mit
dem Degen zu entscheiden. Die Herausforderung wurde zurckgewiesen. Da
verga der stolze Peer die Achtung, die er dem Orte an dem er sich
befand, und seiner eignen Wrde schuldig war, und schlug Colepepper mit
einem Stocke ins Gesicht. Diese Handlung wurde allgemein als bereilt
und unschicklich getadelt und Devonshire selbst konnte, nachdem sein
Blut sich abgekhlt hatte, nicht ohne Verdru und Beschmung daran
denken. Die Regierung aber verfuhr mit gewohntem Unverstande so streng
gegen ihn, da das Publikum bald ganz auf seine Seite trat. Es wurde
eine Criminalanklage bei der Kings Bench anhngig gemacht. Der
Angeklagte berief sich auf seine Vorrechte als Peer des Knigsreichs;
dieser Punkt aber wurde sogleich zu seinem Nachtheile entschieden, und
es lt sich auch nicht leugnen, da diese Entscheidung, mochte sie den
technischen Regeln der englischen Gesetzgebung entsprechen oder nicht,
in vollkommenem Einklange mit den groen Prinzipien stand, welche die
Grundlage jeder Gesetzgebung sein sollen. Es blieb ihm somit nichts
brig, als sich dem Erkenntnisse zu unterwerfen. Der Gerichtshof war
durch eine Reihe von Entlassungen zu so vollstndigem Gehorsam gebracht
worden, da die Regierung, welche die Untersuchung eingeleitet hatte,
die Strafe selbst vorschreiben konnte. Die Richter machten Jeffreys +in
pleno+ ihre Aufwartung und dieser bestand auf der Zuerkennung einer
Geldbue von dreiigtausend Pfund. Dreiigtausend Pfund waren im
Verhltni zu den damaligen Einknften der englischen Groen ungefhr
soviel als hundertfunfzigtausend im neunzehnten Jahrhundert. In
Anwesenheit des Kanzlers wurde kein Wort der Mibilligung geuert; als
aber die Richter sich entfernt hatten, bemerkte Sir Johann Powell, in
welchem sich das wenige Rechtsgefhl des ganzen Collegiums concentrirte,
da die beantragte Strafsumme bermig hoch und ein Zehntel derselben
vollauf genug sei. Seine Collegen waren nicht dieser Meinung und er
zeigte in diesem Falle nicht den Muth, durch den er einige Monate spter
an einem denkwrdigen Tage seinen Ruf glnzend wiederherstellte. Der
Earl wurde demnach in eine Geldbue von dreiigtausend Pfund und bis zur
Bezahlung dieses Betrags zu persnlicher Haft verurtheilt. Eine solche
Summe konnte damals auch der reichste Edelmann nicht in einem Tage
aufbringen. Indessen war das Hafturtel leichter gesprochen, als
vollzogen. Devonshire hatte sich nach Chatsworth zurckgezogen, wo er
eben damit beschftigt war, das alte gothische Stammschlo seiner
Familie in ein Gebude umzuwandeln, das Palladio's wrdig war. Der Peak
war damals ein fast ebenso unwirthbarer Bezirk als gegenwrtig
Connemara, und der Sheriff erkannte oder behauptete wenigstens, da es
schwer sein drfte, den Lord in einer so wilden Gegend und inmitten treu
ergebener Diener und Pchter zu verhaften. Darber vergingen einige
Tage, endlich aber wurde nicht nur der Earl, sondern auch der Sheriff
zur Haft gebracht. Inzwischen verwendeten sich eine Menge Frsprecher
mit ihrem ganzen Einflusse. Es hie die verwittwete Grfin von
Devonshire habe eine Privataudienz beim Knige erlangt, sie habe ihn
daran erinnert, da ihr Schwager, der tapfere Karl Cavendish, im Kampfe
fr die Krone bei Gainsborough gefallen sei, und ihm schriftliche
Empfangsbescheinigungen von KarlI. und KarlII. ber bedeutende Summen
vorgelegt, die ihr Gemahl whrend der brgerlichen Unruhen beiden
Monarchen geliehen hatte. Diese Darlehen waren nie zurck gezahlt worden
und sollten angeblich mehr betragen als die ungeheure Geldstrafe, welche
die Kings Bench ber den Earl verhngt hatte. Dazu kam noch ein andrer
Punkt, der beim Knige noch mehr Gewicht gehabt zu haben scheint als die
Erinnerung an frher geleistete Dienste. Es konnte nothwendig werden ein
Parlament einzuberufen, und man glaubte, da Devonshire in diesem Falle
sofort eine Cassationsklage einreichen werde. Der Punkt, auf den er
seine Appellation gegen das Erkenntni der Kings Bench zu sttzen
gedachte, waren seine Privilegien als Peer, und das Tribunal, vor das
die Appellation kommen mute, war das Haus der Peers. In einem solchen
Falle konnte der Hof nicht einmal auf die Untersttzung der ihm
ergebensten Adeligen mit Gewiheit rechnen. Es stand kaum zu bezweifeln,
da das Urtel cassirt werde, und da die Regierung dadurch, da sie zu
viel haben wollte, Alles verlieren wrde. Jakob war daher zu einem
Vergleiche geneigt. Es wurde dem Earl angekndigt, da, wenn er eine
Schuldverschreibung ber die ganze Summe geben und sich des mglichen
Vortheils einer Cassationsklage begeben wolle, er in Freiheit gesetzt
werden solle. Ob er zur Bezahlung der Summe angehalten werden wrde oder
nicht, sollte von seinem ferneren Benehmen abhngen. Wenn er das
Dispensationsrecht untersttzte, solle er nicht dafr in Anspruch
genommen werden; trachte er aber nach Popularitt, so msse er die
dreiigtausend Pfund bezahlen. Er weigerte sich eine Zeit lang, auf
diese Bedingungen einzugehen; aber die Haft war ihm unertrglich. Er
stellte die Verschreibung aus und wurde aus den Gefngnis entlassen;
aber obgleich er sich dazu verstand seinem Vermgen diese drckende
Schuldlast aufzubrden, konnte ihn doch nichts zu dem Versprechen
bestimmen, da er seinen Grundstzen und seiner Partei untreu werden
wolle. Er wurde nach wie vor in alle Geheimnisse der Opposition
eingeweiht, aber einige Monate lang hielten seine politischen Freunde es
um seiner selbst wie um ihrer Sache willen fr gerathen, da er im
Hintergrunde blieb.[63]

    [Anmerkung 63: Kennet's Grabrede auf den Herzog von Devonshire und
    Memoiren der Familie Cavendish; +Collection of State Trials+;
    +Privy Council Book, March 5. 1685/6+; Barillon, 30. Juni (10.
    Juli) 1687.; Johnstone, 8.(18.) Dec. 1687.; +Lords' Journals May
    6. 1689+. +Ses amis et ses proches,+ sagt Barillon, +lui
    conseillent de prendre le bon parti, mais il persiste jusqu'
    prsent  ne se point soumettre. S'il vouloit se bien conduire et
    renoncer  tre populaire, il ne payeroit pas l'amende, mais s'il
    opinitre, il lui en coutera trente mille pices, et il demeurera
    prisonnier jusqu' l'actuel payement.+]


[_Eduard Russell._] Der Earl von Bedford hatte sich von dem harten
Schlage, der ihm vor vier Jahren fast das Herz gebrochen, nie wieder
erholen knnen. Seine persnlichen wie auch seine ffentlichen Gefhle
machten ihn zum Gegner des Hofes; aber an der Verabredung von Maregeln
gegen denselben nahm er keinen thtigen Antheil. Seine Stelle in den
Versammlungen der Mivergngten vertrat sein Neffe. Dies war der
berhmte Eduard Russell, ein Mann von unbezweifeltem Muth und Talent,
aber von lockeren Grundstzen und ruhelosem Geiste. Er war Seemann,
hatte sich in seinem Berufe ausgezeichnet und hatte unter der vorigen
Regierung ein Hofamt bekleidet; aber durch den Tod seines Vetters
Wilhelm Russell waren alle Bande, die ihn an den Hof ketteten, zerrissen
worden. Der verwegene, unruhige und racheschnaubende Seemann sa jetzt
in den von dem hollndischen Gesandten berufenen Versammlungen als
Vertreter des khnsten und heftigsten Theiles der Opposition, der
Mnner, welche unter den Namen Rundkpfe, Exclusionisten und Whigs einen
fnfundvierzigjhrigen Kampf gegen drei aufeinanderfolgende Knige mit
wechselndem Glck unterhalten hatten. Diese Partei, welche vor Kurzem
niedergeworfen und fast vernichtet gewesen war, sich jetzt aber mit
voller Lebenskraft rasch zu Ansehen und Einflu erhob, wurde durch keine
von den Bedenklichkeiten behindert, welche die Bewegungen der Tories und
der Trimmers noch immer hemmten, und war bereit, das Schwert gegen den
Tyrannen zu ziehen, sobald es mit gegrndeter Aussicht auf den Sieg
gezogen werden konnte.


[_Compton. -- Herbert. -- Churchill._] Drei Mnner sind noch zu
erwhnen, mit denen Dykvelt in vertrauter Verbindung stand und mit deren
Hlfe er sich die Mitwirkung von drei groen Stnden zu sichern hoffte.
Bischof Compton war der Agent, der die Geistlichkeit zu bearbeiten
hatte, Admiral Herbert bernahm es, seinen ganzen Einflu bei der Flotte
zu verwenden und durch Churchill suchte man die Armee zu gewinnen.

Das Benehmen Compton's und Herbert's bedarf keiner Erklrung. Nachdem
sie der Krone in allen weltlichen Dingen mit Treue und Eifer gedient,
hatten sie sich durch ihre Weigerung, als Werkzeuge der Zerstrung ihrer
eignen Religion zu dienen, das Mifallen des Knigs zugezogen. Beiden
hatte die Erfahrung gelehrt, wie bald Jakob eingegangene Verpflichtungen
verga und mit welchem bitteren Groll er sich dessen erinnerte, was er
als Beleidigung anzusehen fr gut fand. Der Bischof war durch einen
ungesetzlichen Richterspruch seiner bischflichen Functionen enthoben,
der Admiral in einer Stunde aus Reichthum in Armuth gestrzt worden.
Ganz anders war die Lage Churchill's. Er war durch knigliche Gunst aus
der Dunkelheit zu hohem Ansehen, aus der Drftigkeit zum Reichthum
erhoben worden. Als armer Fhndrich hatte er seine Laufbahn begonnen und
jetzt war er, in seinem siebenunddreiigsten Jahre, Generalmajor, Peer
von Schottland und Peer von England, befehligte eine Abtheilung der
Leibgarde, bekleidete mehrere ehrenvolle und eintrgliche Stellen und
bis jetzt verrieth noch nichts, da er den geringsten Theil von der
Gunst verloren hatte, der er so viel verdankte. Er war nicht nur durch
die allgemeine Pflicht der Unterthanentreue, sondern auch durch
militairische Ehren, durch persnliche Dankbarkeit und, wie es
oberflchlichen Beobachtern schien, durch die strksten Bande des
Interesses an Jakob gebunden. Aber Churchill selbst war kein
oberflchlicher Beobachter, er wute genau, worin sein wirkliches
Interesse bestand. Er war berzeugt, da, wenn sein Gebieter einmal
volle Freiheit erhielt Papisten anzustellen, er nicht einen einzigen
Protestanten mehr anstellen wrde. Eine Zeit lang wurden vielleicht
einige hochbegnstigte Diener der Krone noch von der allgemeinen
Proscription ausgenommen, in der Hoffnung, da sie sich dadurch
bestimmen lieen, ihren Glauben zu wechseln, aber selbst diese muten
nach einer kurzen Frist Einer nach dem Andren fallen, wie Rochester
schon gefallen war. Churchill konnte sich allerdings durch bertritt zur
katholischen Kirche gegen diese Gefahr sicher stellen und noch hher in
der kniglichen Gunst steigen; auch htte man glauben knnen, da ein
Mann, der sich eben so sehr durch Habsucht und Characterlosigkeit, wie
durch Talent und Tapferkeit auszeichnete, schwerlich an dem Gedanken,
eine Messe anhren zu mssen, Ansto nehmen wrde. Aber die menschliche
Natur ist so reich an Widersprchen, da selbst abgestumpfte Gewissen
eine empfindliche Stelle haben. So hatte dieser Mann, der seine
Erhebung der Schande seiner Schwester verdankte, der von der
verschwenderischesten, herrschschtigsten und schamlosesten Buhlerin
unterhalten worden war und dessen ffentliches Leben Jedem, der mit
unbefangenem Blicke den schimmernden Glanz des Genies und des Ruhms zu
durchdringen vermag, als ein Abgrund von Schndlichkeit erscheinen mu,
einen blinden Glauben an die Religion, die ihm als Kind eingelernt
worden war, und schauderte bei dem Gedanken, sie frmlich abzuschwren.
Es stand ihm eine furchtbare Alternative bevor. Das irdische bel, das
er am meisten frchtete, war die Armuth, das einzige Verbrechen, vor dem
sein Herz zurckbebte, war der Glaubensabfall, und wenn die Plne des
Hofes gelangen, konnte er nicht zweifeln, da er bald zwischen Armuth
und Abfall whlen mute. Daher entschlo er sich, diese Plne zu
durchkreuzen, und es zeigte sich bald, da er bereit war, jede Schuld
und jede Schmach auf sich zu laden, wenn er nur der Nothwendigkeit
entging, entweder seine Stellen oder seine Religion aufgeben zu
mssen.[64]

    [Anmerkung 64: Der Beweggrund, welcher das Verfahren der Churchill
    bestimmte, ist kurz und bndig in +The Duchess of Marlborough's
    Vindication+ dargelegt. Jedermann erkannte deutlich, sagt sie,
    da bei dem Systeme, das Knig Jakob angenommen hatte, Jeder der
    nicht Katholik werden wollte, frher oder spter zu Grunde gehen
    mute. Diese berzeugung lie mich das Unternehmen des Prinzen von
    Oranien, uns aus solcher Knechtschaft zu erlsen, mit Wohlgefallen
    betrachten.]


[_Lady Churchill und die Prinzessin Anna._] Nicht blo als
militairischer Befehlshaber von hohem Range und ausgezeichnetem Geschick
und Muth konnte Churchill der Opposition Dienste leisten. Es war fr das
Gelingen der Plne Wilhelm's wenn nicht absolut nothwendig, doch hchst
wichtig, da seine Schwgerin, welche nach der englischen
Thronfolgeordnung zwischen ihm und seiner Gemahlin stand, in
vollkommener bereinstimmung mit ihm handelte. Alle ihm
entgegenstehenden Schwierigkeiten wrden bedeutend vergrert worden
sein, wenn Anna sich gnstig fr die Indulgenz ausgesprochen htte. Auf
welche Seite sie treten wrde, hing von dem Willen Anderer ab, denn ihr
Verstand war trge, und obgleich in ihrem Character ein erblicher
Eigenwille und Starrsinn verborgen lag, welche viele Jahre spter durch
groe Macht und heftige Provocationen zum Vorschein gebracht wurden, so
war sie doch zur Zeit die willige Sklavin einer Frau von viel
lebhafterem und herrschschtigerem Character als der ihrige war. Diese
Frau, welche sie vllig beherrschte, war Churchill's Gattin, ein Weib,
die nachmals auf die Geschicke England's und Europa's einen groen
Einflu ausbte.

Der Name dieser berhmten Gnstlingin war Sara Jennings. Ihre ltere
Schwester Franziska hatte sich durch Schnheit und Leichtfertigkeit
selbst unter der Masse von schnen Gesichtern und leichtfertigen
Characteren ausgezeichnet, welche Whitehall whrend des wilden Carnevals
der Restauration zierten und schndeten. Einmal verkleidete sie sich
als Apfelsinenmdchen und rief in den Straen ihre Frchte aus.[65]
Gesetzte Leute meinten, da ein Mdchen von so wenig Takt- und
Schicklichkeitsgefhl nicht leicht einen Gatten finden werde. Sie war
indessen zweimal verheirathet und jetzt die Gattin Tyrconnel's. Sara
war nicht so regelmig schn als ihre Schwester, aber vielleicht noch
anziehender. Ihr Gesicht war ausdrucksvoll, ihre Gestalt entbehrte
keines weiblichen Reizes, und die Flle ihrer schnen Haare, welche noch
nicht nach der barbarischen Mode, deren Einfhrung sie noch erlebte,
durch Puder verunziert waren, erfllten ihre zahlreichen Bewunderer mit
Entzcken. Von den Freiern, die sich um ihre Hand bewarben, erhielt der
junge, schne, liebenswrdige, einschmeichelnde, beredte und tapfere
Oberst Churchill den Vorzug. Er mute sie wirklich lieben, denn auer
der Leibrente, die er sich fr den von der Herzogin von Cleveland
erhaltenen schmachvollen Lohn gekauft hatte, besa er wenig Vermgen,
war unersttlich in seiner Gier nach Schtzen, Sara war arm, und es war
ihm ein einfaches Mdchen mit einem groen Vermgen angetragen worden.
Nach einem kurzen Kampfe trug die Liebe den Sieg ber die Habsucht
davon, die Ehe verstrkte nur noch seine Leidenschaft, und Sara geno
bis zum letzten Augenblicke seines Lebens das Vergngen und die
Auszeichnung, das einzige menschliche Wesen zu sein, das im Stande war,
diesen weitsehenden und sicheren Blick auf sich zu fesseln, das von
diesem kalten Herzen hei geliebt und von diesem unerschrockenen Geiste
knechtisch gefrchtet wurde.

Im weltlichen Sinne ward Churchill's treue Liebe reich belohnt. Bei
aller Drftigkeit brachte seine Braut ihm doch ein Heirathsgut zu, das
klug verwendet ihn endlich zum englischen Herzog, zum deutschen
Reichsfrsten, zum Oberfeldherrn einer groen Coalition, zum
Schiedsrichter zwischen mchtigen Frsten und was in seinen Augen noch
viel mehr werth war, zum reichsten Privatmann von ganz Europa machte.
Sie war von frher Kindheit an mit der Prinzessin Anna aufgewachsen und
es hatte sich eine innige Freundschaft zwischen den beiden Mdchen
gebildet. Im Character glichen sie einander nur wenig. Anna war
phlegmatisch und schweigsam. Gegen Diejenigen, die sie liebte, war sie
sanft; ihr Zorn uerte sich nur durch ein mrrisches Schmollen. Sie
hatte einen starken religisen Sinn und war den Gebruchen und der
Verfassung der anglikanischen Kirche mit wahrer Bigotterie zugethan.
Sara war lebhaft und redselig, dominirte selbst Diejenigen, die sie am
meisten liebte, und wenn sie gekrnkt wurde, uerte sich ihre Wuth
durch Thrnen und heftige Vorwrfe. Auf Frmmigkeit machte sie keinen
Anspruch, ja sie entging sogar kaum der Beschuldigung der
Irreligiositt. Sie war jetzt noch nicht das was sie spter wurde,
nachdem das Glck _eine_ Klasse von Fehlern, das Unglck eine andre
vollkommen entwickelt, als Siege und Huldigungen ihr den Kopf verrckt
und Migeschick und Krnkungen ihren Character verbittert hatten. Sie
wurde in ihren spteren Lebensjahren das verchtlichste und
erbrmlichste Geschpf: ein altes Weib, die in bestndigem Hader lebte
mit ihrem ganzen Geschlecht, mit ihren eigenen Kindern und Enkeln, zwar
vornehm und reich, aber Vornehmheit und Reichthum hauptschlich nur
deshalb schtzend, weil dieselben sie in den Stand setzten, der
ffentlichen Meinung Hohn zu sprechen und rckhaltlos ihrem Hasse gegen
Lebende und Todte zu frhnen. Unter der Regierung Jakob'sII. galt sie
fr nichts Schlimmeres als eine schne, stolze junge Frau, die wohl
zuweilen launenhaft und eigensinnig sein konnte, der man aber in
Bercksichtigung ihrer Reize ihre Launen gern verzieh.

Es ist eine sehr gewhnliche Erscheinung, da Verschiedenheit der
Neigungen und Geistesfhigkeiten keine Hindernisse der Freundschaft sind
und da gerade zwei Herzen, die sich gegenseitig ergnzen, das Band der
innigsten Zuneigung umschlingt. Lady Churchill wurde von der Prinzessin
Anna geliebt, ja fast angebetet. Die Prinzessin konnte ohne den
Gegenstand ihrer romanhaften Zrtlichkeit nicht leben. Sie vermhlte
sich und wurde eine treue, sogar liebevolle Gattin; aber Prinz Georg,
ein beschrnkter Mann, dessen Hauptgensse die Freuden der Tafel und der
Flasche waren, erlangte keinen Einflu auf sie, der sich mit dem ihrer
Freundin vergleichen lie, und gab sich bald mit stupider Geduld der
Herrschaft des heftigen und gebieterischen Geistes hin, von dem seine
Gemahlin sich leiten lie. Das knigliche Paar bekam Kinder und Anna
entbehrte keineswegs der Gefhle einer Mutter; aber die Liebe zu ihren
Kindern war lau im Vergleich mit ihrer hingebenden Zrtlichkeit fr ihre
Jugendfreundin. Endlich wurde die Prinzessin des Zwanges mde, den die
Etikette ihr auferlegte, es war ihr unertrglich, die Worte Madame und
Knigliche Hoheit aus dem Munde einer Frau zu hren, die ihr mehr war
als eine Schwester. In der Gallerie und im Empfangzimmer waren diese
Worte nicht zu umgehen, aber im Boudoir wurden sie abgeschafft. Hier
hie Anna Mrs. Morley, Lady Churchill Mrs. Freeman, und unter diesen
kindlichen Namen bestand zwanzig Jahre hindurch ein intimer Verkehr
zwischen den beiden Freundinnen, von dem schlielich das Schicksal von
Regierungen und Dynastien abhing. Bis jetzt hatte jedoch Anna noch keine
politische Macht und nur geringen persnlichen Einflu. Ihre Freundin
bekleidete in ihrem Hausstaate das Amt der ersten Kammerdame mit nur
vierhundert Pfund Sterling Gehalt. Gleichwohl hat man Grund zu glauben,
da es Churchill schon zu dieser Zeit mglich war, seine vorherrschende
Leidenschaft durch den Einflu seiner Gattin zu befriedigen. Obgleich
die Prinzessin ein hohes Einkommen hatte und sehr einfach lebte, so
machte sie doch Schulden, die ihr Vater mit einigem Unwillen bezahlte,
und man sagte, da der Grund ihrer finanziellen Verlegenheiten in ihrer
verschwenderischen Freigebigkeit gegen ihren Liebling zu suchen sei.[66]

Endlich war die Zeit gekommen, wo diese sonderbare Freundschaft einen
groen Einflu auf die ffentlichen Angelegenheiten ausben sollte. Man
war uerst gespannt darauf, welche Rolle Anna in dem Kampfe, der
England erschtterte, spielen werde. Auf der einen Seite stand die
Kindespflicht, auf der andren die Interessen der Religion, der sie
aufrichtig zugethan war. Ein minder phlegmatischer Character wrde
zwischen so starken und wichtigen Beweggrnden, die ihn nach
entgegengesetzten Richtungen hinzogen, gewi lange geschwankt haben. Der
Einflu der Churchill aber entschied die Frage und ihre Gnnerin wurde
ein wichtiges Mitglied des umfassenden Bundes, dessen Oberhaupt der
Prinz von Oranien war.

    [Anmerkung 65: +Mmoires de Grammont+; +Pepys's Diary, Feb. 21.
    1684/5.+]

    [Anmerkung 66: Es wrde mich zu weit fhren, wollte ich alle die
    Werke aufzhlen, aus denen ich mein Urtheil ber den Character der
    Herzogin geschpft habe. Meine Hauptquellen sind ihre eigenen
    Briefe, ihre Rechtfertigung und die Entgegnungen, welche diese
    veranlate.]


[_Dykvelt kehrt mit Briefen von vielen angesehenen Englndern nach dem
Haag zurck._] Im Juni 1687 kehrte Dykvelt nach dem Haag zurck. Er
berreichte den Generalstaaten ein knigliches Schreiben voll
Lobeserhebungen ber sein Benehmen whrend seines Aufenthalts in London.
Diese Lobeserhebungen waren jedoch nur eine Formalitt. In
Privatmittheilungen von seiner eigenen Hand beschwerte Jakob sich bitter
darber, da der Gesandte einen so vertrauten Umgang mit den heftigsten
Oppositionsmnnern seines Reiches gepflogen und sie in allen ihren
Umsturzplnen bestrkt habe. Auerdem brachte Dykvelt auch eine Anzahl
Briefe von den ausgezeichnetsten derjenigen Mnner mit, mit denen er
sich whrend seines Aufenthalts in London berathen hatte. Die Schreiber
dieser Briefe versicherten den Prinzen allgemein ihrer unbegrenzten
Verehrung und Hingebung und verwiesen ihn wegen der nheren Darlegung
ihrer Ansichten an den berbringer. Halifax errterte den Zustand und
die Aussichten des Landes mit gewohnter Schrfe und Lebendigkeit, htete
sich aber sorgfltig, fr irgend ein gefhrliches Verfahren die
Verantwortung zu bernehmen. Danby schrieb in einem khneren und
entschlosseneren Tone und konnte sich nicht enthalten, ber die
Besorgnisse und Bedenklichkeiten seines genialen Nebenbuhlers zu
sptteln. Der interessanteste Brief aber war der von Churchill. Er war
mit der natrlichen Beredtsamkeit, an der es ihm trotz seines Mangels an
hherer Bildung bei wichtigen Anlssen nie fehlte, und mit einem
Anstrich von Hochherzigkeit geschrieben, den er sich, so perfid er auch
war, mit seltener Geschicklichkeit zu geben verstand. Die Prinzessin
Anna, sagte er, habe ihm befohlen, ihre erlauchten Verwandten im Haag zu
versichern, da sie mit Gottes Hlfe fest entschlossen sei, eher ihr
Leben zu lassen, als sich eines Glaubensabfalls schuldig zu machen. Was
seine Person betreffe, so lege er auf seine Stellen und auf die
knigliche Gunst einen weit geringeren Werth als auf seine Religion. Er
schlo mit der hochtrabenden Erklrung, da man ihn, obgleich er keinen
Anspruch darauf mache, wie ein Heiliger gelebt zu haben, doch
vorkommenden Falls bereit finden werde, den Mrtyrertod zu sterben.[67]

    [Anmerkung 67: Das Formalittsschreiben, welches Dykvelt den
    Generalstaaten berbrachte, befindet sich in den Archiven des
    Haags. Die anderen in diesem Paragraphen erwhnten Briefe giebt
    Dalrymple im Anhange zu Buch +V.+]


[_Zulestein's Sendung._] Dykvelt's Sendung hatte einen so glnzenden
Erfolg gehabt, da bald ein neuer Vorwand gefunden war, um einen andren
Agenten abzusenden, der das so glcklich begonnene Werk fortsetzen
sollte. Der neue Gesandte, nachmals der Grnder eines jetzt erloschenen
englischen Adelshauses, war ein illegitimer leiblicher Vetter Wilhelm's
und fhrte einen der Herrschaft Zulestein entlehnten Namen. Seine
Verwandtschaft mit dem Hause Oranien gab Zulestein in den Augen des
Publikums ein bedeutendes Ansehen. Sein Benehmen war das eines tapferen
Soldaten. In diplomatischen Talenten und Kenntnissen stand er Dykvelt
weit nach, aber gerade diese Inferioritt hatte ihre Vortheile. Ein
Militair, der sich anscheinend nie um die Politik gekmmert hatte,
konnte ohne Verdacht zu erregen mit der englischen Aristokratie einen
Verkehr unterhalten, der mit argwhnischem Auge bewacht worden sein
wrde, wenn er ein bekannter Meister in der Staatskunst gewesen wre.
Nach kurzer Abwesenheit kehrte Zulestein mit nicht minder wichtigen
Briefen und mndlichen Botschaften, als die welche seinem Vorgnger
anvertraut worden waren, in sein Vaterland zurck. Von diesem
Augenblicke an trat der Prinz mit der Opposition in einen regelmigen
Briefwechsel. Geschftstrger verschiedenen Ranges reisten bestndig
zwischen der Themse und dem Haag hin und her. Der ntzlichste von diesen
war ein Schotte von einigem Talent und groer Thtigkeit, Namens
Johnstone. Er war Burnet's Vetter und der Sohn eines angesehenen
Covenanters, der bald nach der Restauration wegen Hochverraths
hingerichtet worden war und von seiner Partei als Mrtyrer verehrt
wurde.


[_Zunehmende Feindschaft zwischen Jakob und Wilhelm._] Die Entfremdung
zwischen dem Knige von England und dem Prinzen von Oranien wurde mit
jedem Tage vollkommener. Es hatte sich ein ernsthafter Streit in Betreff
der sechs britischen Regimenter erhoben, welche im Solde der Vereinigten
Provinzen standen. Der Knig wollte diese Regimenter unter das Commando
rmisch-katholischer Offiziere stellen, und der Prinz widersetzte sich
diesem Ansinnen entschieden. Der Knig nahm seine Zuflucht zu seinen
Lieblingsgemeinpltzen von der Duldung; der Prinz erwiederte da er nur
das Beispiel Seiner Majestt nachahme. Es sei notorisch erwiesen, da
loyale und tchtige Mnner in England lediglich deshalb, weil sie
Protestanten waren, aus dem Staatsdienste entlassen worden seien, und
dies berechtige den Statthalter und die Generalstaaten doch gewi dazu,
die Papisten von hohen ffentlichen mtern auszuschlieen. Diese Antwort
erbitterte Jakob dermaen, da er in seiner Wuth die Wahrhaftigkeit und
den gesunden Verstand vllig aus den Augen verlor. Es sei nicht wahr,
behauptete er mit Heftigkeit, da er irgend Jemanden jemals aus
religisen Grnden abgesetzt habe. Und wenn er es wirklich gethan htte,
was ginge es dann dem Prinzen oder die Generalstaaten an? Wren sie etwa
seine Herren? wren sie befugt, sich zu Richtern ber die Handlungen
fremder Frsten aufzuwerfen? Von jetzt an wnschte er seine in
hollndischen Diensten stehenden Unterthanen zurckzuberufen, denn er
glaubte durch diese Maregel sich selbst zu verstrken und seine
schlimmsten Feinde zu schwchen. Es traten ihm jedoch finanzielle
Schwierigkeiten entgegen, die er unmglich bersehen konnte. Die Zahl
der bereits von ihm unterhaltenen Truppen war schon so gro, als es
seine Einknfte nur irgend zulieen, obgleich dieselben die aller seiner
Vorgnger weit berstiegen und mit groer Sparsamkeit verwaltet wurden.
Wenn aber die jetzt in Holland stehenden Bataillone noch zu dem
vorhandenen Etat kamen, so war die Staatskasse bankerott. Vielleicht
lie Ludwig sich bewegen, sie in seinen Dienst zu nehmen. In diesem
Falle wurden sie aus einem Lande entfernt, wo sie dem verderblichen
Einflusse einer republikanischen Regierung und einer calvinistischen
Kirchenverfassung ausgesetzt waren, und kamen in ein Land, wo Niemand
die Autoritt des Monarchen und die Lehren der wahren Kirche zu
bestreiten wagte. Die Soldaten wrden dann bald alle politische und
religise Ketzerei wieder verlernen, ihr Landesfrst konnte zu jeder
Zeit binnen kurzer Frist ber ihre Hlfe verfgen und sich unter allen
Umstnden auf ihre Treue verlassen.

Es wurden zwischen Whitehall und Versailles Unterhandlungen in dieser
Angelegenheit erffnet. Ludwig hatte soviel Soldaten als er brauchte,
und wre es auch anders gewesen, so wrde er dennoch keine Lust gehabt
haben, englische Truppen in Dienst zu nehmen, da der englische Sold, so
niedrig er unsrer Generation erscheinen mu, doch viel hher war als der
franzsische. Auf der andren Seite aber htte er Wilhelm sehr gern um
eine so schne Brigade geschwcht. Nach einer mehrwchentlichen
Correspondenz wurde Barillon zu der Erklrung ermchtigt, da, wenn
Jakob die britischen Truppen aus Holland zurckriefe, Ludwig die
Unterhaltungskosten fr zweitausend Mann in England bernehmen wolle.
Jakob nahm dieses Anerbieten mit dem wrmsten Danke an. In Folge des
getroffenen Arrangements ersuchte er die Generalstaaten um Rcksendung
der sechs Regimenter. Die Generalstaaten aber, welche Wilhelm ganz nach
seinem Willen leitete, antworteten, da ein solches Verlangen unter den
obwaltenden Umstnden durch die bestehenden Vertrge nicht
gerechtfertigt werde, und weigerten sich entschieden, demselben zu
entsprechen. Es ist bemerkenswerth, da Amsterdam, welches fr
Zurckhaltung dieser Truppen in Holland gestimmt hatte, als Jakob ihrer
gegen die Insurgenten im Westen bedurfte, jetzt heftig fr die Erfllung
seines Verlangens stritt. In beiden Fllen beabsichtigten die Behrden
dieser groen Stadt nichts weiter, als dem Prinzen von Oranien zu
opponiren.[68]

    [Anmerkung 68: Sunderland an Wilhelm, 24. Aug. 1686; Wilhelm an
    Sunderland, 2.(12.) Sept. 1686; Barillon, 6.(16.) Mai, 26. Mai (5.
    Juni), 3.(13.) Oct., 28. Nov. (8. Dec.) 1687; Ludwig an Barillon,
    14.(24.) Oct. 1687; Memorial von Albeville, 15.(25.) Dec. 1687;
    Jakob an Wilhelm, 17. Jan., 16. Feb., 2. u. 13. Mrz 1688: Avaux,
    1.(11.), 6.(16.), 8.(18.) Mrz, 22. Mrz (1. April) 1688.]


[_Einflu der hollndischen Presse._] Die hollndischen Waffen waren
jedoch fr Jakob kaum so gefhrlich als die hollndische Presse. Fast
tglich erschienen im Haag englische Bcher und Flugschriften gegen die
Regierung, und keine Wachsamkeit konnte es verhindern, da viele
Tausende von Exemplaren in die an der Nordsee gelegenen Grafschaften
eingeschmuggelt wurden. Unter diesen Schriften zeichnete sich besonders
eine durch ihre Wichtigkeit und durch den Eindruck, den sie machte, aus.
Jedermann, der mit den ffentlichen Angelegenheiten vertraut war, kannte
die Ansicht des Prinzen und der Prinzessin von Oranien in Betreff der
Indulgenz; da aber keine officielle Erklrung dieser Ansicht erschienen
war, so wurden Viele, denen gute Privatquellen nicht zugnglich waren,
durch die Zuversicht, mit der die Anhnger des Hofes behaupteten, da
Ihre Hoheiten die letzten Maregeln des Hofes billigten, getuscht oder
verwirrt gemacht. Es wrde ein sehr einfacher und naheliegender Weg
gewesen sein, diese Behauptungen ffentlich zu widerlegen, wenn Wilhelm
keinen andren Zweck gehabt htte, als seinen Einflu in England zu
befestigen. Allein er betrachtete England hauptschlich als das zur
Ausfhrung seines groen europischen Planes nthige Werkzeug. Er hoffte
fr diesen Plan die Mitwirkung der beiden Linien des Hauses sterreich,
der italienischen Frsten und selbst des Papstes zu gewinnen, und er
hatte Grund zu der Befrchtung, da jede die britischen Protestanten
befriedigende Erklrung in Madrid, Wien, Turin und Rom Besorgni und
Unwillen erregen knnte. Deshalb enthielt sich der Prinz lange jeder
officiellen uerung seiner Gesinnungen. Endlich aber wurde er darauf
aufmerksam gemacht, da sein beharrliches Stillschweigen unter den ihm
Wohlwollenden viel Besorgni und Mitrauen erweckt habe und da es hohe
Zeit sei, sich offen auszusprechen. Er beschlo daher, sich zu erklren.


[_Stewart's und Fagel's Correspondenz._] Ein schottischer Whig, Namens
Jakob Stewart, war vor einigen Jahren nach Holland geflchtet, um dem
spanischen Stiefel und dem Galgen zu entgehen, und er war mit dem
Gropensionr Fagel befreundet worden, der das Vertrauen und die Gunst
des Statthalters in hohem Grade besa. Stewart war der Verfasser des
heftigen und gehssigen Manifestes von Argyle. Als die Indulgenz
erschien, erkannte Stewart, da sich ihm die Gelegenheit darbot, nicht
nur Begnadigung, sondern noch obendrein eine Belohnung zu erlangen. Er
bot der Regierung, deren Feind er gewesen war, seine Dienste an, diese
wurden angenommen und er schrieb an Fagel einen Brief, zu dem er
angeblich von Jakob selbst beauftragt war. In diesem Briefe wurde der
Gropensionr dringend aufgefordert, seinen ganzen Einflu bei dem
Prinzen und der Prinzessin aufzubieten, um sie zur Untersttzung der
Politik ihres Vaters zu bewegen. Nach einiger Zeit schickte Fagel eine
tief durchdachte und ausgezeichnet geschriebene Erwiederung ein. Wer
dieses interessante Dokument liest, mu bemerken, da es zwar in einer
Weise abgefat ist, welche geeignet war, die englischen Protestanten zu
beruhigen und ihnen zu gefallen, dennoch aber kein Wort enthlt, das
selbst dem Vatikan Ansto htte geben knnen. Es war darin gesagt, da
Wilhelm und Marie mit Vergngen zur Abschaffung jedes Gesetzes mitwirken
wrden, welches ber irgend einen Englnder seiner religisen
berzeugung wegen Strafe verhnge. Aber zwischen Strafen und
Ausschlieungen war ein Unterschied gemacht. Katholiken zu Staatsmtern
zuzulassen, knne nach der Ansicht Ihrer Hoheiten weder im allgemeinen
Interesse Englands, noch im Interesse der Katholiken selbst liegen.
Dieses Manifest wurde in mehrere Sprachen bersetzt und war auf dem
Continent weit verbreitet. Von der durch Burnet besorgten englischen
Ausgabe wurden nahe an funfzigtausend Exemplare in die stlichen
Grafschaften eingefhrt und rasch ber das ganze Land verbreitet.
Nie hat eine Staatsschrift einen vollstndigeren Erfolg gehabt. Die
Protestanten unsrer Insel priesen die mnnliche Entschiedenheit, mit der
Wilhelm erklrte, da er es nicht gutheien knne, die Papisten Antheil
an der Regierung nehmen zu lassen. Den katholischen Frsten auf der
andren Seite gefiel der milde und gemigte Ton, in welchem diese
Erklrung gehalten war, sowie die ihnen erffnete Aussicht, da unter
seiner Regierung kein Mitglied ihrer Kirche um seines Glaubens willen
belstigt werden wrde.


[_Castelmaine's Gesandtschaft in Rom._] Es ist wahrscheinlich, da der
Papst selbst einer von Denen war, die den berhmten Brief mit Vergngen
lasen. Einige Monate zuvor hatte er Castelmaine auf eine Art entlassen,
welche wenig Rcksicht auf die Gesinnungen des Knigs zeigte. Innocenz
war mit der ganzen inneren und ueren Politik der englischen Regierung
durchaus nicht zufrieden. Er sah, da die ungerechten und unklugen
Maregeln der jesuitischen Cabale viel eher dazu beitrugen, das
Fortbestehen der Strafgesetze als die Abschaffung des Testes zu
bewirken. Sein Streit mit dem Hofe von Versailles wurde mit jedem Tage
ernsthafter, und er konnte weder als weltlicher Frst, noch als
Oberhaupt der katholischen Kirche fr einen Vasallen dieses Hofes eine
herzliche Freundschaft fhlen. Castelmaine war nicht geeignet, diesen
Widerwillen zu beseitigen. Er kannte zwar fr einen Laien Rom ziemlich
gut und war auch in der theologischen Polemik grndlich bewandert,[69]
besa aber durchaus nicht das Geschick, welches sein Posten erforderte,
und wenn er auch der talentvollste Diplomat gewesen wre, so wrde doch
ein Umstand ihn fr die besondere Mission, mit der er betraut war,
untauglich gemacht haben. Er war in ganz Europa als der Gatte des
schamlosesten Weibes bekannt, und als weiter nichts. Man konnte
unmglich mit ihm oder von ihm sprechen, ohne daran zu denken, wie er zu
dem Titel gekommen war, bei dem er genannt wurde. Dieser Umstand wrde
wenig auf sich gehabt haben, wenn er an einem sittenlosen Hofe
accreditirt gewesen wre, wie zum Beispiel bei dem, an welchem unlngst
die Herzogin von Montespan das Regiment gefhrt hatte. Aber es war
offenbar ein grober Migriff, ihn mit einem Auftrage mehr geistlichen
als weltlichen Characters an einen Papst von patriarchalischer
Sittenstrenge zu senden. Die Protestanten von ganz Europa spttelten
darber, und Innocenz, der ohnehin schon gegen die englische Regierung
eingenommen war, betrachtete die ihm mit so groer Gefahr und so groen
Kosten erzeigte Aufmerksamkeit als nicht viel besser denn eine
Beleidigung. Der Gehalt des Gesandten war auf hundert Pfund die Woche
festgesetzt. Castelmaine klagte, da dies zu wenig sei und da das
Dreifache dieses Betrags kaum ausreichen werde. Denn in Rom bemhten
sich die Gesandten aller groen Continentalmchte einander vor den Augen
eines Volks, das durch den bestndigen Anblick prchtiger Gebude,
Decorationen und Ceremonien verwhnt war, im Glanz zu berbieten. Er
erklrte stets, da er bei seiner Gesandtschaft Geld zusetzen msse. Es
waren ihm mehrere junge Adelige aus den vornehmsten katholischen
Familien Englands, wie die Ratcliffe, die Arundell und Tichborne,
beigegeben, und er bewohnte in Rom den Palast der Familie Pamfili an dem
prchtigen Navonaplatze. Eine Privatunterredung mit Innocenz wurde ihm
bald bewilligt, die officielle Audienz aber wurde lange hinausgeschoben.
Castelmaine's Vorbereitungen zu diesem wichtigen Acte waren so
prachtvoll, da sie, obgleich schon zu Ostern 1686 begonnen, im
darauffolgenden November noch nicht beendigt waren, und im November
bekam der Papst einen wirklichen oder angeblichen Gichtanfall, der einen
weiteren Aufschub verursachte. Im Januar 1687 endlich fand die
feierliche Vorstellung und Aufwartung mit ungewhnlichem Pompe statt.
Die Staatswagen, welche zu der Auffahrt in Rom gebaut wurden, waren so
prchtig, da man sie fr werth hielt, der Nachwelt in schnen
Abbildungen berliefert und von Dichtern in mehreren Sprachen besungen
zu werden.[70] Die Faade des Gesandtschaftspalastes wurde an diesem
hochwichtigen Tage mit geschmacklosen allegorischen Gemlden von
riesenhafter Gre decorirt. Man sah hier den heiligen Georg mit dem
Fue auf dem Nacken des Titus Oates, und Herkules, wie er mit seiner
Keule den protestantischen Tischler College zu Boden schlgt, der sich
vergebens mit seinem Flegel zu vertheidigen sucht. Nach dieser
ffentlichen Schaustellung lud Castelmaine alle damals in Rom anwesenden
Notabilitten zu einem Bankett in dem freundlichen und prchtigen Saale
ein, den Peter von Cortona mit Gemlden von Scenen aus der Aeneide
geschmckt hat. Die ganze Stadt drngte sich zu dem Schauspiele und nur
mit Mhe konnte eine Compagnie der Schweizergarde die Ordnung unter den
Zuschauern aufrechterhalten. Die Kavaliere des ppstlichen Hofstaates
gaben hierauf ihrerseits dem Gesandten glnzende Gastmhler, und Dichter
und Literaten berhuften seinen Gebieter mit abgeschmackten und
hyperbolischen Schmeicheleien, wie sie da am meisten floriren, wo Genie
und Geschmack am tiefsten gesunken sind. An der Spitze der Schmeichler
stand ein gekrntes Haupt. Mehr als dreiig Jahre waren verflossen, seit
Christine, die Tochter des groen Gustav Adolph, freiwillig vom
schwedischen Throne herabgestieqen war. Nach langen Wanderungen, whrend
denen sie viele Thorheiten und Verbrechen begangen, hatte sie endlich in
Rom ihren bleibenden Aufenthalt genommen, wo sie sich mit astrologischen
Berechnungen und mit den Intriguen des Conclave beschftigte und sich
nebenbei mit Gemlden, Gemmen, Handschriften und Mnzen die Zeit
vertrieb. Jetzt dichtete sie einige italienische Stanzen zu Ehren des
englischen Frsten, der, wie sie selbst, einem Geschlecht von Knigen
entsprossen, welche zu ihrer Zeit als die Vorkmpfer der Reformation
betrachtet wurden, sich, gleich ihr, mit der alten Kirche wieder
ausgeshnt hatte. Sie gab eine glnzende Gesellschaft in ihrem Palaste.
Ihre in Musik gesetzten Verse wurden unter allgemeinem Beifalle
vorgetragen und einer ihrer literarischen Gnstlinge hielt ber
denselben Gegenstand eine Rede in so blhendem Style, da er den
Geschmack der englischen Zuhrer beleidigt zu haben scheint. Die dem
Papste feindlich gesinnten, den Interessen Frankreichs ergebenen
Jesuiten, denen jede Gelegenheit, Jakob Ehre zu erzeigen, willkommen
war, empfingen den englischen Gesandten mit mglichstem Geprnge in dem
frstlichen Hause, wo die berreste des Ignatius Loyola in einem Schrein
von Lasurstein und Gold aufbewahrt werden. Bildhauerkunst, Malerei,
Poesie und Beredtsamkeit wurden aufgeboten, um den Fremden zu
bewillkommnen; aber alle diese Knste lagen tief im Argen. Es wurde viel
schwlstige und unedle Latinitt entfaltet, die eines so gelehrten
Ordens unwrdig war, und einige von den die Wnde zierenden Inschriften
zeigten noch schlimmere Fehler als schlechten Styl. An einer Stelle war
gesagt, da Jakob seinen Bruder als Boten zum Himmel gesandt habe, an
einer andren, da Jakob die Schwingen geliefert, welche seinen Bruder in
eine hhere Region emporgetragen. Auerdem gab es ein noch viel
unglcklicheres Distichon, welches damals wenig beachtet wurde, dessen
man aber einige Monate spter mit boshaften Auslegungen gedachte.
OKnig, sagte der Dichter, seufze nicht lnger nach einem Sohne. Mag
auch die Natur Deinen Wunsch nicht erfllen, die Sterne werden Mittel
finden, um ihn zu befriedigen.

Inmitten dieser Festlichkeiten erfuhr Castelmaine schwere Krnkungen und
Demthigungen. Der Papst behandelte ihn mit uerster Klte und
Zurckhaltung. So oft der Gesandte ihn um eine Antwort auf das zu
Gunsten Petre's gestellte Anliegen bat, bekam Innocenz einen heftigen
Hustenanfall, der dem Gesprch ein Ende machte. Ganz Rom unterhielt sich
von diesen sonderbaren Audienzen. Pasquino schwieg nicht und die ganze
neugierige und geschwtzige Bevlkerung der migsten aller Stdte, mit
alleiniger Ausnahme der Jesuiten und der Prlaten der franzsischen
Faction, lachte ber Castelmaine's verunglckte Mission. Sein von Natur
unfreundlicher Character wurde bald auf's Heftigste erbittert und er
verbreitete eine Denkschrift mit Betrachtungen ber den Papst. Dadurch
gerieth er in eine schiefe Stellung, der kluge Italiener hatte einen
Vortheil gewonnen und er lie sich denselben nicht wieder entreien. Er
erklrte gerade heraus, die Regel, welche die Jesuiten von kirchlichen
Wrden ausschliee, drfe zu Gunsten Petre's nicht bertreten werden.
Der immer mehr gereizte Castelmaine drohte jetzt Rom zu verlassen.
Innocenz erwiederte ihm mit sanfter Impertinenz, die um so krnkender
war, weil sie sich kaum von treuherziger Einfalt unterscheiden lie.
Seine Excellenz knne gehen, wenn es ihm beliebe. Wenn wir ihn aber
verlieren mssen, setzte der ehrwrdige Pontifex hinzu, so hoffe ich
wenigstens, da er unterwegs seine Gesundheit schonen wird. Ein
Englnder wei nicht, wie gefhrlich es ist, hier zu Lande whrend der
Tageshitze zu reisen. Man thut am besten, wenn man vor Tagesanbruch
aufbricht und zu Mittag Rast macht. Mit diesem wohlmeinenden Rathe und
einem Rosenkranze wurde der unglckliche Gesandte entlassen. Wenige
Monate darauf erschien eine pomphafte Geschichte seiner Sendung in einer
prachtvollen Folioausgabe mit Kupferstichen in italienischer und
englischer Sprache. Das Titelkupfer zeigte zum groen rgerni aller
Protestanten Castelmaine in der Peersrobe und mit der Adelskrone in der
Hand, wie er Innocenz den Fu kt.[71]

    [Anmerkung 69: Adda, 9.(19.) Nov. 1685.]

    [Anmerkung 70: Der Professor der griechischen Sprache am Kollegium
    +De Propaganda Fide+ machte seiner Bewunderung in einigen
    abscheulichen Hexametern und Pentametern Luft, von denen folgende
    Probe gengen mag:

        #Rgeriou d skepsomenos lamproio thriambon,
          ka mal' ssen kai theen ochlos apas;
        Thaumazousa de tn pompn, panchrusea t' autou
          Harmata, tous th' hippous, toiade Rhm eps.#

    Die lateinischen Verse sind etwas besser. Nahum Tate stimmte auf
    Englisch ein:

        Um etwas von dem Prachtzug zu ersphen,
        Wie selbst in Rom noch Niemand ihn gesehen,
        Drngt Alt und Jung sich nach der Thrme Zinnen
        Und ber jede Wange Freudenthrnen rinnen.]

    [Anmerkung 71: Correspondenz Jakob's und Innocenz' im Britischen
    Museum; +Burnet, I. 703--705+; +Welwood's Memoirs+; +Commons'
    Journals, Oct. 28. 1689+; +An Account of his Excellency Roger Earl
    of Castelmaine's Embassy, by Michael Wright, chief steward of his
    Excellency's house at Rome, 1688.+]


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  Achtes Kapitel.

  Jakob II.




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Consecration des Nuntius im St. Jamespalaste                     5
  Sein officieller Empfang. -- Der Herzog von Somerset             5
  Auflsung des Parlaments                                         6
  Gesetzwidrige Bestrafung militairischer Vergehen                 7
  Verfahren der Hohen Commission                                   8
  Die Universitten                                                9
  Verfahren gegen die Universitt Cambridge                       10
  Der Earl von Mulgrave                                           11
  Zustand Oxford's                                                13
  Das Magdalenen-Collegium in Oxford                              15
  Anton Farmer, vom Knige als Prsident empfohlen                17
  Wahl des Prsidenten                                            18
  Die Mitglieder des Magdalenen-Collegiums werden vor die
      Hohe Commission geladen                                     18
  Parker zum Prsidenten empfohlen                                19
  Die Karthause                                                   19
  Rundreise des Knigs                                            20
  Der Knig in Oxford                                             21
  Er giebt den Collegiaten des Magdalenenstifts einen Verweis     22
  Penn sucht zu vermitteln                                        22
  Eine kirchliche Specialcommission wird nach Oxford gesandt      24
  Hough's Protest                                                 24
  Einsetzung Parker's                                             25
  Vertreibung der Collegiaten                                     26
  Das Magdalenen-Collegium in ein papistisches Seminar
      verwandelt                                                  27
  Groll der Geistlichkeit                                         28
  Plne der jesuitischen Cabale in Bezug auf die Thronfolge       29
  Jakob's und Tyrconnel's Plan, die Prinzessin von Oranien
      von der Erbfolge im Knigreich Irland auszuschlieen        30
  Schwangerschaft der Knigin                                     31
  Allgemeiner Zweifel                                             31
  Stimmung der Wahlkrper und der Peers                           33
  Jakob beschliet, ein bestochenes Parlament zusammenzusetzen    34
  Die Regulatoren                                                 36
  Entlassung vieler Lordlieutenants                               36
  Der Earl von Oxford                                             36
  Der Earl von Shrewsbury                                         37
  Der Earl von Dorset                                             38
  An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf      41
  Scheitern der Plne des Knigs                                  42
  Liste der Sheriffs                                              45
  Character der katholischen Landgentlemen                        45
  Stimmung der Dissenters                                         47
  Regulirung der Corporationen                                    47
  Untersuchung in allen ffentlichen Verwaltungszweigen           50
  Entlassung Sawyer's                                             51
  Williams Generalprokurator                                      52
  Zweite Indulgenzerklrung                                       53
  Die Geistlichkeit erhlt Befehl, sie von der Kanzel
      zu verlesen                                                 53
  Die Geistlichkeit ist unschlssig                               54
  Patriotismus der protestantischen Nonconformisten Londons       54
  Berathung der londoner Geistlichkeit                            55
  Berathung im Palast zu Lambeth                                  57
  Die Petition der sieben Bischfe dem Knige berreicht          57
  Die londoner Geistlichkeit gehorcht dem kniglichen
      Befehle nicht                                               60
  Unschlssigkeit der Regierung                                   61
  Es wird eine gerichtliche Verfolgung der Bischfe wegen
      Libells beschlossen                                         63
  Sie werden im Geheimen Rathe verhrt                            63
  Geburt des Prtendenten                                         65
  Man hlt ihn allgemein fr untergeschoben                       65
  Die Bischfe werden vor die Kings Bench gestellt und
      mssen Brgschaft leisten                                   69
  Aufregung der Gemther                                          70
  Sunderland's Angst                                              71
  Er erklrt sich fr einen Katholiken                            72
  Proze der Bischfe                                             72
  Das Verdict der Geschwornen; Freude des Volks                   80
  Eigenthmlicher Zustand der ffentlichen Meinung
      zu jener Zeit                                               84




[_Consecration des Nuntius im St. Jamespalaste._] Die auffallende
Unhflichkeit des Papstes htte wohl den sanftmthigsten Frsten reizen
mssen. Auf Jakob aber machte sie keinen andren Eindruck, als da er mit
Schmeicheleien und Komplimenten noch verschwenderischer wurde. Whrend
Castelmaine, das Herz von Zorn und Unwillen erfllt, auf der Rckreise
nach England begriffen war, wurde der Nuntius mit Ehrenbezeigungen
berhuft, die sein eigner Verstand verwerfen mute. Er war in Folge
einer bei der rmischen Kirche hufig in Anwendung kommenden Fiction
unlngst zur Bischofswrde ohne Bischofssitz erhoben worden. Jetzt wurde
er zum Erzbischof von Amasia, einer Stadt am Pontus, dem Geburtsorte
Strabo's und Mithridates', erhoben. Jakob bestand darauf, da die
Ceremonie der Consecration in der Kapelle des St. Jamespalastes
stattfinden sollte. Der apostolische Vikar Leyburn und zwei irische
Prlaten versahen den Dienst. Die Thren wurden dem Publikum geffnet
und man bemerkte unter den Zuschauern einige von den Puritanern, die
sich neuerdings dem Hofe angeschlossen hatten. Am Abend erschien Adda in
seiner neuen Amtstracht im Gesellschaftszirkel der Knigin. Jakob fiel
angesichts des ganzen Hofes auf die Knie und bat um seinen Segen. Trotz
aller Vorschriften der Etikette konnten die Umstehenden ihr Erstaunen
und ihren Widerwillen nicht unterdrcken.[1] Es hatte in der That seit
langer Zeit kein englischer Souverain vor einem Sterblichen gekniet und
wer das sonderbare Schauspiel mit ansah, erinnerte sich unwillkrlich
des schmachvollen Tages, an welchem Johann sich seine Krone von Pandolph
aufs Haupt setzen lie.

    [Anmerkung 1: Barillon, 2.(12.) Mai 1687.]


[_Sein officieller Empfang. -- Der Herzog von Somerset._] Bald darauf
fand eine noch prchtigere Schaustellung zu Ehren des Heiligen Stuhles
statt. Es wurde beschlossen, da der Nuntius sich in feierlicher
Prozession an den Hof begeben sollte. Bei dieser Gelegenheit zeigten
mehrere Personen, auf deren Gehorsam der Knig gerechnet hatte, zum
ersten Male eine Neigung zur Widersetzlichkeit. Der Hervorragendste
unter ihnen war der zweite Peer des Knigreichs, Karl Seymour,
gewhnlich der stolze Herzog von Somerset genannt. Er war in der That
ein Mann, bei dem Geburts- und Rangstolz fast zu einer krankhaften Manie
geworden war. Sein ererbtes Vermgen war der hohen Stelle, die er unter
dem englischen Adel einnahm, nicht angemessen; aber durch seine
Vermhlung mit der Tochter und Erbin des letzten Percy, der die alte
Krone von Northumberland trug, war er in den Besitz des grten
Vermgens in England gelangt. Somerset war erst fnfundzwanzig Jahre alt
und im Publikum noch wenig bekannt. Er war Kammerherr des Knigs und
Oberst eines der Regimenter, welche zur Zeit des Aufstandes im Westen
neu errichtet worden waren. Er hatte kein Bedenken dagegen erhoben, bei
feierlichen Gelegenheiten das Staatsschwert in die knigliche Kapelle zu
tragen; diesmal aber weigerte er sich entschieden, an dem Festzuge zu
Ehren des Nuntius Theil zu nehmen. Einige Mitglieder seiner Familie
baten ihn dringend, sich das knigliche Mifallen nicht zuzuziehen; aber
ihr Bitten war fruchtlos. Der Knig setzte ihn nun selbst zur Rede. Ich
htte geglaubt, Mylord, sagte er, da ich Ihnen eine groe Ehre
erzeigte, indem ich Sie dazu ausersah, den Gesandten des ersten aller
gekrnten Hupter zu begleiten. -- Sire, entgegnete der Herzog, ich
bin darauf aufmerksam gemacht worden, da ich Eurer Majestt nicht
gehorchen kann, ohne das Gesetz zu verletzen. -- Ich will Sie lehren,
mich ebenso zu achten wie das Gesetz, erwiederte der Knig in
hochfahrendem Tone. Wissen Sie noch nicht, da ich ber dem Gesetz
stehe? -- Eure Majestt mgen ber dem Gesetz stehen, ich aber nicht,
und wenn ich dem Gesetz gehorche, frchte ich nichts. Der Knig
entfernte sich hchlich erzrnt und Somerset wurde augenblicklich seiner
Stellen im Hofstaate und in der Armee entsetzt.[2]

In einem Punkte zeigte jedoch der Knig einige Klugheit. Er wagte es
nicht, den ppstlichen Gesandten in feierlichem Aufzuge der ganzen
Bevlkerung der Hauptstadt vorzufhren. Die Ceremonie fand am 3. Juli
1687 in Windsor statt. Eine groe Menschenmenge strmte nach dem
Stdtchen. Der Schaulustigen waren so viele, da sie weder Speise und
Trank noch ein Unterkommen fanden und eine Menge vornehmer Leute den
ganzen Tag in ihrem Wagen zubringen muten, um das Schauspiel mit
anzusehen. Spt am Nachmittag endlich erschienen die Leute des
Hofmarschalls zu Pferde. Hierauf folgte ein langer Zug von Lufern und
dann in einem kniglichen Staatswagen Adda im Purpurmantel und mit einem
Brillantenkreuze auf der Brust. Hinter ihm fuhren die Equipagen der
vornehmsten Hofkavaliere und der Staatsminister. Mit groem Mifallen
bemerkte das Volk in dem Zuge die Wappen und Livreen Crewe's, Bischofs
von Durham, und Cartwright's, Bischofs von Chester.[3]

    [Anmerkung 2: +Memoirs of the Duke of Somerset+; Citters, 5.(15.)
    Juli 1687; +Eachard's History of the Revolution+; +Clarke's Life
    of James the Second, II. 116, 117, 118+; +Lord Lonsdale's
    Memoirs.+]

    [Anmerkung 3: +London Gazette, July 7. 1687+; Citters, 7.(17.)
    Juli; Bericht ber die Ceremonie in den Somers'schen Schriften.]


[_Auflsung des Parlaments._] Am folgenden Tage erschien in der Gazette
eine Proklamation, welche das Parlament auflste, das von allen durch
die Stuarts einberufenen Parlamenten das fgsamste gewesen war.[4]

Mittlerweile hatten sich neue Schwierigkeiten in Westminsterhall
gezeigt. Erst vor wenigen Monaten waren mehrere Richter entlassen und
andere an deren Stelle gesetzt worden, um in dem Prozesse gegen Sir
Eduard Hales ein Erkenntni zu Gunsten der Krone zu erlangen, und schon
waren neue nderungen nthig.

    [Anmerkung 4: +London Gazette, July, 4. 1687.+]


[_Gesetzwidrige Bestrafung militairischer Vergehen._] Der Knig hatte
kaum die Armee gebildet, auf die er zur Ausfhrung seiner Plne
namentlich rechnete, so erkannte er auch schon, da er sie selbst nicht
regieren konnte. Wenn ein Krieg im Lande wthete, so konnte ein Meuterer
oder Deserteur vor ein Kriegsgericht gestellt und das Urtel durch den
Generalprofo vollzogen werden. Aber man war jetzt im tiefsten Frieden.
Das englische Landrecht, das aus einem Zeitalter herrhrte, wo
erforderlichenfalls Jedermann, Niemand aber bestndig die Waffen trug,
machte in Friedenszeiten keinen Unterschied zwischen einem Soldaten und
jedem andren Unterthan, und es gab kein Gesetz hnlich dem, durch
welches heutzutage dem Souverain alljhrlich die zum Oberbefehl ber die
regulre Truppenmacht nthige Autoritt verliehen wird. Zwar erklrten
einige alte Verordnungen die Desertion in gewissen angefhrten Fllen
fr Felonie; aber diese Verordnungen galten nur fr die Soldaten, welche
dem Knige im wirklichen Kriege dienten und konnten nicht ohne die
arglistigste Willkr so weit ausgedehnt werden, da sie auch auf einen
Mann Anwendung fanden, der in einer Zeit der vollstndigsten inneren und
ueren Ruhe des Lagers von Hounslow berdrssig wurde und daher in sein
heimathliches Dorf zurckkehrte. Die Regierung hatte offenbar ber einen
solchen Mann keine andre Macht, als die, welche ein Bcker- oder
Schneidermeister ber seine Gesellen hat. Er und seine Offiziere standen
vor dem Gesetz auf gleicher Stufe. Fluchte er gegen sie, so konnte er
wegen Schwrens mit einer Geldstrafe belegt werden; schlug er sie, so
konnte er wegen thtlicher Mihandlung verklagt werden. Das stehende
Heer stand factisch unter einer milderen Disciplin als die Miliz, denn
die Miliz war durch eine Parlamentsacte errichtet worden, in welcher
zugleich bestimmt war, da Disciplinarvergehen summarisch mit leichten
Strafen geahndet werden knnten.

Es scheint nicht, da die aus diesem Zustande des Gesetzes
entspringenden praktischen Nachtheile sich unter der Regierung Karl's
II. sehr fhlbar gemacht hatten, was sich vielleicht dadurch erklren
lt, weil bis zum letzten Jahre seiner Regierung die Streitmacht, die
er in England unterhielt, hauptschlich aus Haustruppen bestand, welche
einen so hohen Sold bekamen, da die Entlassung aus dem Dienste von den
Meisten sehr schmerzlich empfunden worden wre. Eine Anstellung als
Gemeiner in der Leibgarde war fr den jngeren Sohn eines Gentleman eine
gute Versorgung; selbst die Fugarden wurden so gut bezahlt als
Fabrikarbeiter unter besonders gnstigen Verhltnissen, und sie befanden
sich daher in einer Lage, um die sie die groe Masse der arbeitenden
Bevlkerung wohl beneiden konnte. Die Rckkehr der Garnison von Tanger
und die Errichtung der neuen Regimenter hatte eine groe Vernderung
herbeigefhrt. Es gab jetzt in England viele Tausend Soldaten, welche
nur acht Pence den Tag erhielten. Die Furcht vor der Verabschiedung war
nicht mehr hinreichend, um sie der Dienstpflicht treu zu erhalten, und
krperliche Strafen durften die Offiziere gesetzlich nicht zuerkennen.
Jakob hatte daher nur die Wahl, entweder die Armee ihrer Auflsung
entgegengehen zu lassen oder die Richter zu der Erklrung zu bewegen,
da das Gesetz das sei, was es, wie jeder Student wute, nicht war.

Es war besonders wichtig, die Mitwirkung zweier Gerichtshfe zu
gewinnen: der Kings Bench, welche der erste Criminalgerichtshof des
Landes war, und des Gerichtshofs fr Leerung der Gefngnisse, der in der
Old Bailey sa und ber die in der Hauptstadt begangenen Vergehen
abzuurtheilen hatte. In beiden Gerichtshfen aber stie man auf groe
Schwierigkeiten. Herbert, der Oberrichter der Kings Bench, wollte trotz
aller bis dahin bewiesenen Servilitt nicht weiter gehen. Ein noch
entschiedenerer Widerstand war von Sir Johann Holt zu erwarten, der als
Syndikus der City von London auf der Bank der Old Bailey sa. Holt war
ein ausgezeichnet gelehrter und aufgeklrter Jurist, dabei ein
rechtschaffener und muthiger Mann und seine politische Meinung hatte
eine whiggistische Frbung, obgleich er sich von allem Parteitreiben
stets fern hielt. Dem Willen des Knigs muten jedoch alle Hindernisse
weichen. Holt wurde seines Syndikats entsetzt. Herbert und ein andrer
Richter von der Kings Bench entfernt, und die erledigten Stellen mit
Mnnern besetzt, auf die sich die Regierung verlassen konnte. Allerdings
mute man in ziemlich niedere juristische Regionen hinabsteigen, ehe man
Leute fand, welche zu Dienstleistungen, wie man sie jetzt brauchte,
bereit waren. Der neue Oberrichter, Sir Robert Wright, war
sprichwrtlich ein Ignorant, und die Unwissenheit war noch nicht sein
rgster Fehler. Seine Laster hatten ihn zu Grunde gerichtet. Um sich
Geld zu verschaffen, hatte er zu unredlichen Mitteln seine Zuflucht
genommen und einmal einen falschen Eid abgelegt, um in den Besitz von
fnfhundert Pfund zu gelangen. Arm, ausschweifend und schamlos war er
einer von den Schmarotzern Jeffreys' geworden, der ihn befrderte und
verchtlich behandelte. Dies war der Mann, den Jakob zum Lord
Oberrichter von England erkor. Ein gewisser Allibone, der in der
Rechtskunde noch unwissender war als Wright und als Katholik eigentlich
gar nicht fhig war, ein ffentliches Amt zu bekleiden, wurde zum
Unterrichter der Kings Bench ernannt. Sir Bartholomus Shower, als
serviler Tory und langweiliger Redner gleich bekannt, wurde Syndikus von
London. Nachdem diese Vernderungen bewirkt waren, wurden mehrere
Deserteurs zur Untersuchung gezogen und dem Wortlaute und dem Geiste des
Gesetzes zum Hohn fr schuldig befunden. Einige von ihnen vernahmen ihr
Todesurtheil vor den Schranken der Kings Bench, Andere vor den Schranken
der Old Bailey. Sie wurden vor den Augen der Regimenter, denen sie
angehrt hatten, gehngt und dafr Sorge getragen, da diese
Hinrichtungen durch die London Gazette, welche derartige Vorgnge nur
selten berichtete, zur ffentlichkeit gelangten.[5]

    [Anmerkung 5: Siehe +Statutes 18 Henry 6. c. 19; 2 & 3 Ed. 6. c.
    2.+; +Eachard's History of the Revolution+; +Kennet, III. 468+;
    +North's Life of Guildford, 247.+; + London Gazette, April 18. &
    May 23. 1687+; +Vindication of the E. of R. (Earl of Rochester.)+]


[_Verfahren der Hohen Commission._] Man kann wohl denken, da das
Gesetz, das so grblich von denjenigen Gerichtshfen verletzt wurde,
deren ganze Autoritt sich auf dasselbe grndete und die es als
Richtschnur zu betrachten pflegten, von einem durch tyrannische Willkr
errichteten Tribunale eben so wenig geachtet wurde. Whrend der ersten
Monate ihres Bestehens hatte die neue Hohe Commission Geistlichen nur
die Ausbung ihrer Amtshandlungen verboten; die Eigenthumsrechte waren
noch unangetastet geblieben. Zu Anfang des Jahres 1687 aber beschlo man
auch gegen die Pfrndeneinknfte einen Schlag zu fhren und jedem
anglikanischen Priester und Prlaten die berzeugung beizubringen, da,
wenn er seine Beihlfe zur Vernichtung der Kirche, deren Diener er war,
verweigerte, er in einer Stunde zum Bettler gemacht werden wrde.


[_Die Universitten._] Es wrde der Klugheit angemessen gewesen sein,
das erste Exempel an einem unbekannten Individuum zu statuiren. Die
Regierung aber war in einer so unseligen Verblendung befangen, da man
dieselbe in einem naiveren Zeitalter als eine gttliche Strafe
betrachtet haben wrde. Es wurde daher ohne weiteres gleich von Anfang
an den beiden ehrwrdigsten Korporationen des Reichs, den Universitten
Oxford und Cambridge, der Krieg erklrt.

Die Macht dieser beiden Krperschaften war schon seit vielen
Jahrhunderten gro; in der zweiten Hlfte des siebzehnten Jahrhunderts
aber hatte sie ihren Hhepunkt erreicht. Kein Nachbarland konnte sich so
glnzender und reicher Sitze der Wissenschaft rhmen. Die Hochschulen
von Edinburg und Glasgow, von Leyden und Utrecht, von Lwen und Leipzig,
von Padua und Bologna kamen Gelehrten, welche in den prchtigen
Stiftungen Wykeham's und Wolsey's, Heinrich'sVI. und Heinrich's VIII.
gebildet waren, rmlich vor. Literatur und Wissenschaft waren in dem
akademischen Systeme Englands mit Geprnge umgeben, mit obrigkeitlicher
Gewalt bekleidet und mit den vornehmsten Institutionen des Landes eng
verbunden. Kanzler einer Universitt zu werden, war eine Auszeichnung,
nach der die Magnaten des Reichs eifrig strebten; eine Universitt im
Parlament zu vertreten, war das Lieblingsziel des Ehrgeizes von
Staatsmnnern. Edelleute und selbst Frsten waren stolz darauf, wenn
eine Universitt ihnen das Recht verlieh, den Scharlach der Doctorwrde
zu tragen. Die Neugierigen wurden von den Universitten angezogen durch
alte, mit mittelalterlichen Verzierungen reich ausgestattete Gebude,
durch neuere Gebude, welche glnzendes Zeugni von dem knstlerischen
Genie eines Jones und Wren gaben, durch imposante Hallen und Kapellen,
durch Museen, durch botanische Grten und durch die einzigen
ffentlichen Bibliotheken, welche das Knigreich damals besa. Der
Prunk, den namentlich Oxford bei feierlichen Gelegenheiten entfaltete,
wetteiferte mit dem souverainer Frsten. Wenn der Kanzler, der
ehrwrdige Herzog von Ormond, in seinem geflickten Mantel auf seinem
Throne unter der gemalten Decke der Sheldon'schen Tribne sa, umgeben
von vielen hundert Graduirten in der ihrem verschiedenen Range
entsprechenden Kleidung, whrend die vornehmsten Jnglinge Englands ihm
als Bewerber um akademische Ehren feierlich vorgefhrt wurden, spielte
er eine kaum minder knigliche Figur als sein Gebieter im Bankethause zu
Whitehall. Auf den Universitten waren fast alle ausgezeichneten
Geistlichen, Rechtsgelehrten, rzte, Schriftsteller, Dichter und Redner
des Landes und zum groen Theil auch der hohe Adel und die reiche Gentry
gebildet. Auch ist zu bemerken, da die Verbindung zwischen dem Schler
und der Schule durch seinen Abgang nicht aufgelst wurde. Er blieb oft
whrend seines ganzen Lebens Mitglied des akademischen Krpers und
behielt bei allen wichtigen Wahlen eine Stimme. Er hing daher an seinem
alten Lieblingsaufenthalte am Cam und Isis mit weit grerer Zuneigung,
als gebildete Leute sie in der Regel zu ihren Bildungssttten empfinden.
Es gab in England keinen Winkel, wo nicht beide Universitten dankbare
und treuergebene Shne gehabt htten. Jeder Angriff auf die Ehre oder
die Interessen von Cambridge oder Oxford mute nothwendig den Unwillen
einer mchtigen, thtigen und intelligenten Klasse erregen, die ber
alle Grafschaften, von Northumberland bis Cornwall, zerstreut war.

Die sehaften Graduirten waren vielleicht im Ganzen genommen den
sehaften Graduirten unsrer Zeit nicht berlegen, aber im Vergleich zu
den anderen Gesellschaftskreisen standen sie damals auf einer viel
hheren Stufe; denn Cambridge und Oxford waren die beiden einzigen
Provinzialstdte im ganzen Knigreiche, wo man eine bedeutende Anzahl
hochgebildeter Mnner fand. Selbst die Hauptstadt hatte groe Achtung
vor der Autoritt der Universitten, nicht nur in Fragen der Theologie,
der Naturwissenschaften und des klassischen Alterthums, sondern auch in
solchen Angelegenheiten, in denen die Hauptstdte in der Regel fr die
hchsten Instanzen gelten wollen. Von Will's Kaffeehaus und dem Parterre
des Drurylanetheaters appellirte man noch an die beiden groen
Nationalsitze des Geschmacks und der Gelehrsamkeit. Schauspiele, die in
London mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen worden waren, galten
erst dann fr auer Gefahr, wenn sie die strenge Prfung eines mit
Sophokles und Terenz vertrauten Zuhrerkreises bestanden hatten.[6]

Die englischen Universitten hatten ihren groen moralischen und
intellectuellen Einflu energisch zu Gunsten der Krone angewendet. Das
Hauptquartier Karl'sI. war in Oxford gewesen und die silbernen Krge
und Teller smmtlicher Collegien waren zur Untersttzung seiner
Kriegskasse eingeschmolzen worden. Cambridge war nicht weniger loyal
gesinnt. Es hatte ebenfalls einen groen Theil seines Silbergerths in's
knigliche Lager gesandt, und der Rest wrde auch nachgefolgt sein, wre
die Stadt nicht von den Parlamentstruppen genommen worden. Beide
Universitten waren von den siegreichen Puritanern mit der uersten
Strenge behandelt worden, beide hatten die Restauration mit Freuden
begrt, beide hatten sich der Ausschlieungsbill standhaft widersetzt
und ihren tiefsten Abscheu ber das Ryehousecomplot ausgesprochen.
Cambridge hatte nicht nur seinen Kanzler Monmouth abgesetzt, sondern
seinen Unwillen ber den Verrath des Herzogs sogar in einer eines Sitzes
der Gelehrsamkeit unwrdigen Weise zu erkennen gegeben, indem es die
Leinwand, auf der Kneller seine einnehmende Physiognomie und Gestalt mit
knstlerischer Vollendung dargestellt hatte, den Flammen bergab.[7]
Oxford, das dem Herde des westlichen Aufstandes nher lag, hatte noch
strkere Beweise von Loyalitt gegeben. Die Studenten hatten mit
Bewilligung ihrer Professoren zu Hunderten die Waffen zur Vertheidigung
der erblichen Thronrechte ergriffen. Und diese Krperschaften beschlo
Jakob jetzt in offenem Widerspruch mit den Gesetzen und mit seinem
verpfndeten Worte zu beschimpfen und zu berauben.

    [Anmerkung 6: Dryden's Prologe und Cibber's Memoiren enthalten
    zahlreiche Beweise von dem Ansehen, welches der Geschmack der
    Oxforder bei den gefeiertsten Dichtern und Schauspielern geno.]

    [Anmerkung 7: Siehe das Gedicht: +Advice to the Painter upon the
    Defeat of the Rebels in the West+, sowie noch ein andres ganz
    abscheuliches Gedicht ber den nmlichen Gegenstand von Stepney,
    welcher damals am Trinity-Collegium studirte.]


[_Verfahren gegen die Universitt Cambridge._] Mehrere Parlamentsacte,
die so klar waren als nur irgend eine Verordnung des Gesetzbuches,
hatten vorgeschrieben, da auf beiden Universitten Niemand zu irgend
einem Grade zugelassen werden sollte, ohne den Suprematseid und einen
andren hnlichen Eid, der Gehorsamseid genannt, abgelegt zu haben.
Dessenungeachtet wurde im Februar 1687 ein knigliches Schreiben nach
Cambridge gesandt, worin die Aufnahme eines Benedictinermnches, Namens
Alban Francis, als Magister der freien Knste anbefohlen wurde.

Die akademischen Wrdentrger, zwischen der Ehrerbietung gegen den Knig
und der Achtung vor dem Gesetz schwankend, waren in groer Verlegenheit.
Es wurden in aller Eile Boten an den Herzog von Albemarle gesandt, der
Monmouth's Nachfolger als Kanzler der Universitt war, und er wurde
dringend ersucht, dem Knige die Sache in geeigneter Weise vorzustellen.
Unterdessen begaben sich der Registrator und die Pedelle zu Francis und
erklrten ihm, da er sogleich aufgenommen werden solle, wenn er die
gesetzlich vorgeschriebenen Eide leiste. Er weigerte sich dessen, machte
den Beamten Vorwrfe wegen ihrer Nichtachtung des kniglichen Befehls,
und da sie nicht nachgaben, reiste er auf der Stelle wieder ab, um sich
in Whitehall zu beschweren.

Die Vorsteher der Collegien versammelten sich zu einer Berathung. Die
Gutachten der ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten wurden abgehrt und sie
sprachen sich entschieden zu Gunsten des beobachteten Verfahrens aus.
Aber schon war ein zweites hochmthiges und drohendes Schreiben von
Sunderland unterwegs. Albemarle antwortete der Universitt unter vielen
Versicherungen seiner Theilnahme und seines Bedauerns, da er alles
Mgliche gethan habe, aber vom Knige sehr kalt und unfreundlich
aufgenommen worden sei. Der akademische Krper, durch die knigliche
Ungnade erschreckt und von dem aufrichtigen Willen beseelt, den Wnschen
Seiner Majestt nachzukommen, dabei aber auch fest entschlossen, das
klare Gesetz des Landes nicht zu verletzen, unterbreitete die
bescheidensten und ehrerbietigsten Auseinandersetzungen, aber ohne
Erfolg. Bald darauf kam eine Vorladung, welche den Vicekanzler und den
Senat auf den 24. April vor die Hohe Commission nach Westminster
beschied. Der Vicekanzler sollte in Person erscheinen, der Senat, der
aus allen Doctoren und Magistern der Universitt besteht, eine
Deputation senden.


[_Der Earl von Mulgrave._] Als der festgesetzte Tag erschien, fllte
sich der Sitzungssaal mit einer groen Zuschauermenge. Jeffreys fungirte
als Prsident der Commission. Rochester war, seit ihm der weie Stab
abgenommen worden, nicht mehr Mitglied, anstatt seiner erschien der
Lordkammerherr Johann Sheffield, Earl von Mulgrave. Das Schicksal dieses
Edelmanns glich in einer Beziehung dem seines Collegen Sprat. Mulgrave
schrieb Verse, die sich kaum ber die absolute Mittelmigkeit erhoben,
da er aber ein in den politischen und vornehmen Kreisen hochangesehener
Mann war, so fanden seine Verse doch Bewunderer. Die Zeit zerstrte den
Zauber, zu seinem Unglcke aber erst nachdem seine Gedichte bereits ein
unveruerliches Recht auf eine Stelle in allen Sammlungen englischer
Dichtungswerke erlangt hatten. Dennoch werden bis auf den heutigen Tag
seine, abgeschmackten Reimereien und seine jmmerlichen Lieder an
Amoretta und Gloriana in Gesellschaft des Comus und des Festes
Alexander's immer wieder gedruckt. Die Folge davon ist, da unsre
Generation Mulgrave hauptschlich als einen Dichterling kennt und ihn
als solchen verachtet. Er war jedoch, wie selbst Diejenigen zugaben, die
ihn weder liebten noch achteten, ein durch schne Talente
ausgezeichneter Mann und in der parlamentarischen Beredtsamkeit stand er
kaum einem Redner seiner Zeit nach. Dagegen verdiente sein moralischer
Character keine Achtung. Er war ein Wstling, aber ohne jene Offenheit
des Herzens und der Hand, welche zuweilen auch die Ausschweifung
liebenswrdig, und ein stolzer Aristokrat ohne jene Hoheit der
Denkungsart, welche zuweilen den aristokratischen Hochmuth achtungswerth
macht. Die damaligen Satiriker gaben ihm den Spottnamen Lord Allpride
(Ganzstolz). Sein Stolz vertrug sich indessen mit allen schmachvollen
Lastern. Viele wunderten sich darber, wie ein Mann, der ein so
bertriebenes Gefhl seiner Wrde zur Schau trug, in Geldangelegenheiten
so zh und knauserig sein konnte. Er hatte der kniglichen Familie
groes gerni dadurch gegeben, da er den Gedanken zu hegen wagte, das
Herz und die Hand der Prinzessin Anna zu erobern. In dieser Hoffnung
getuscht, hatte er sich bemht, durch kriechende Gemeinheit die durch
Anmaung verwirkte Gunst wieder zu gewinnen. Seine von ihm selbst
verfate Grabschrift sagt noch heute jedem Besucher der
Westminsterabtei, da er in religisen Dingen als Zweifler lebte und
starb, und aus seinen hinterlassenen Memoiren ersehen wir, da der
rmische Aberglaube ein Lieblingsthema seines Spottes war. Dennoch
begann er unmittelbar nach Jakob's Regierungsantritt eine starke
Hinneigung zum Papismus zu zeigen und gerirte sich endlich privatim als
Convertit. Der Lohn fr diese verworfene Heuchelei war seine Anstellung
bei der Hohen Commission.[8]

Vor diesem gefrchteten Tribunal erschien jetzt der Vicekanzler der
Universitt Cambridge, Doctor Johann Pechell. Er selbst war kein Mann
von ausgezeichneter Befhigung und Energie, aber es begleiteten ihn acht
vom Senat gewhlte vorzgliche Akademiker. Einer davon war Isaak Newton,
Fellow des Trinity-Collegiums und Professor der Mathematik. Sein Genie
stand damals in seiner vollsten Kraft. Das groe Werk, welches ihm die
erste Stelle unter den Geometern und Naturforschern aller Zeiten und
aller Nationen sichert, wurde seit einiger Zeit unter der Sanction der
Kniglichen Societt gedruckt und war seiner Vollendung nahe. Er war der
entschiedenste Freund der brgerlichen Freiheit und der protestantischen
Religion, aber seine Gewohnheiten machten ihn fr die Kmpfe des
praktischen Lebens durchaus nicht geeignet. Er verharrte daher in
bescheidenem Stillschweigen unter den Delegirten und berlie anderen
Mnnern, welche im Geschftsleben mehr bewandert waren, die Aufgabe,
seine geliebte Universitt zu vertheidigen.

Es konnte keinen klareren Rechtsfall geben. Das Gesetz lie keinen
Zweifel zu und die Praxis hatte fast stets im Einklang mit dem Gesetz
gestanden. Es konnte vielleicht schon vorgekommen sein, da an einem
besonders feierlichen Tage, wo viele Ehrengrade verliehen wurden, in der
Menge Einer durchgeschlpft war, der die Eide nicht abgelegt hatte; aber
eine solche Unregelmigkeit, lediglich die Folge der Eil und
Unachtsamkeit, konnte nicht als Vorgang geltend gemacht werden. Fremde
Gesandte verschiedener Glaubensrichtungen, insbesondere ein Muselmann,
waren ohne die Eide aufgenommen worden. Aber es war eine groe Frage, ob
solche Flle im Bereiche der Ansicht und des Geistes der betreffenden
Parlamentsverordnungen lagen. Es war nicht einmal behauptet worden, da
schon einmal Jemand, dem die Eide angesonnen wurden und der sie nicht
leisten wollte, einen akademischen Grad erlangt habe, und in dieser Lage
befand sich Francis. Die Delegirten erboten sich zu beweisen, da unter
der vorigen Regierung mehrere knigliche Befehle unbercksichtigt
geblieben waren, weil die empfohlenen Personen sich dem Gesetz nicht
hatten fgen wollen, und da die Regierung sich in solchen Fllen stets
bei dem Verfahren der Universitt beruhigt habe, da sie es als das
richtige anerkennen mute. Jeffreys aber wollte von nichts hren. Er kam
bald dahinter, da der Vicekanzler ein schwacher, unerfahrener und
schchterner Mann war und lie daher der ganzen Unverschmtheit, welche
so lange der Schrecken der Old Bailey gewesen war, freien Lauf. Der
unglckliche Doctor, der an ein solches Auditorium und an eine solche
Behandlung nicht gewhnt war, wurde bald so eingeschchtert, da er
gnzlich die Fassung verlor. Sobald andere zur Verfechtung ihrer Sache
besser befhigte Akademiker das Wort ergreifen wollten, wurden sie auf
die unsanfteste Weise zum Schweigen gebracht. Sie sind nicht
Vicekanzler; wenn Sie es einmal sein werden, dann mgen Sie sprechen,
bis dahin aber geziemt es Ihnen, den Mund zu halten. Die Angeklagten
wurden, ohne gehrt worden zu sein aus dem Gerichtssaale gewiesen. Nach
einer Weile wurden sie wieder hereingerufen und ihnen kundgethan, da
die Commission beschlossen habe, Pechell seiner Wrde als Vicekanzler zu
entheben und ihm alle Einknfte vorzuenthalten, die er als Vorsteher
eines Collegiums bezog und welche ganz den Character eines unantastbaren
Eigenthums hatten. Sie, meine Herren, sagte Jeffreys zu den
Delegirten, sind grtentheils Theologen, und ich will Sie daher mit
einer Stelle aus der Schrift heimschicken: Gehet hin und sndigt fortan
nicht mehr, damit Euch nicht etwas rgeres widerfahre.[9]

    [Anmerkung 8: +Mackay's Character of Sheffield+ nebst Swift's
    Note; +Satire on the Deponents, 1688+; +Life of John, Duke of
    Buckinghamshire, 1729+; Barillon, 30. Aug. 1687. Ich besitze ein
    handschriftliches Spottgedicht aus Mulgrave von 1690, das nicht
    ohne Witz ist. Die bemerkenswerthesten Zeilen sind diese:

      Heut' schmeichelt er dem Peters (Petre), morgen dem Burnet.
      Fragt nicht nach Glauben und Partei, denn alle sind ihm gleich.]

    [Anmerkung 9: Siehe den Proze gegen die Universitt Cambridge in
    der +Collection of State Trials+.]


[_Zustand Oxford's._] Man sollte meinen, da dieses Verfahren ungerecht
und willkrlich genug war. Aber der Knig hatte schon angefangen, Oxford
mit einer Strenge zu behandeln, im Vergleich zu welcher die gegen
Cambridge bewiesene Milde genannt werden konnte. Schon war das
University-Collegium durch Obadja Walker in ein rmisch-katholisches
Seminar verwandelt, schon stand das Christchurch-Collegium unter der
Leitung eines rmisch-katholischen Dechanten, schon wurde in diesen
beiden Collegien tglich Messe gelesen. Die ruhige, majesttische Stadt,
so lange das Bollwerk des monarchischen Prinzips, war von Leidenschaften
aufgeregt, die sie bisher nie gekannt hatte. Die Untergraduirten
verhhnten mit stillschweigender Erlaubni ihrer Vorgesetzten die
Mitglieder von Walker's Gemeinde und sangen Spottlieder unter ihren
Fenstern. Einige Bruchstcke von den Serenaden, welche damals in High
Street die Ruhe strten, sind der Nachwelt erhalten worden; der Refrain
einer Ballade lautet:

  Der alte Obadja
  singt Ave Maria.

Als die Schauspieler nach Oxford kamen, uerte sich die ffentliche
Meinung noch strker. Es wurde Howard's Comit gegeben. Dieses bald
nach der Restauration geschriebene Stck stellte die Puritaner in einem
gehssigen und verchtlichen Lichte dar und war deshalb seit einem
Vierteljahrhundert ein Lieblingsstck des oxforder Publikums. Jetzt war
es beliebter als je zuvor, denn ein glcklicher Zufall wollte, da eine
der Hauptrollen ein alter Heuchler Namens Obadja war. Das Publikum brach
in einen Beifallsjubel aus, als Obadja in der letzten Scene mit einem
Strick um den Hals hereingeschleppt wurde, und der Applaus nahm zu, als
einer der Schauspieler, von dem vorgeschriebenen Texte abweichend,
ankndigte, da Obadja wegen Glaubenabfalls gehngt werden solle. Der
Knig war hchlich entrstet ber diesen Hohn. Die Stimmung der
Universitt war so rebellisch, da eines der neu errichteten Regimenter,
das welches gegenwrtig das zweite Gardedragonerregiment heit, nach
Oxford versetzt wurde, um einen Aufstand zu verhindern.[10]

Diese Vorgnge htten Jakob berzeugen knnen, da er einen Weg
eingeschlagen hatte, der ihn ins Verderben fhren mute. An das Geschrei
der Londoner war er schon lngst gewhnt. Es war zuweilen
ungerechterweise, zuweilen vergebens gegen ihn erhoben worden; er hatte
demselben wiederholt getrotzt und konnte ihm auch fernerhin trotzen. Da
aber Oxford, der Sitz der Loyalitt, das Hauptquartier der
Kavalierarmee, der Ort, wohin sein Vater und sein Bruder ihren Hof
verlegten, wenn sie sich in ihrer strmisch bewegten Hauptstadt nicht
mehr sicher glaubten, der Ort, wo die Schriften der groen
republikanischen Lehrer unlngst den Flammen berliefert worden waren,
da diese Stadt sich jetzt in einer unzufriedenen Ghrung befand und die
muthigen Jnglinge, die sich vor wenigen Monaten so eifrig als
Freiwillige gemeldet hatten, um gegen die Insurgenten im Westen zu
marschiren, jetzt nur mit Mhe durch Sbel und Karabiner im Schach
gehalten wurden: das waren Zeichen von schlimmer Vorbedeutung fr das
Haus Stuart. Doch der abgestumpfte, starrsinnige und eigenwillige Tyrann
beachtete den Warnungsruf nicht. Er hatte sich einmal vorgenommen,
seiner Kirche die reichsten und glnzendsten Stiftungen Englands zu
verschaffen. Umsonst machten ihm die besseren und verstndigeren seiner
rmisch-katholischen Rathgeber Vorstellungen. Sie erklrten ihm, da er
der Sache seiner Religion viel ntzen knne, ohne die Eigenthumsrechte
zu verletzen. Eine Bewilligung von jhrlich zweitausend Pfund aus seiner
Privatchatulle wrde hinreichen, um ein Jesuitencollegium in Oxford zu
unterhalten, und diese Summe knne er leicht verschmerzen. Ein solches
Collegium, mit tchtigen, gelehrten und eifrigen Lehrern ausgestattet,
wrde ein gefhrlicher Nebenbuhler fr die alten akademischen Anstalten
werden, welche nur zu deutliche Symptome einer von Reichthum und
Sicherheit unzertrennlichen Erschlaffung zeigten. Knig Jakob's
Collegium wrde bald selbst von den Protestanten hinsichtlich der
Wissenschaften sowohl als auch der moralischen Zucht als die erste
Bildungsanstalt der Insel anerkannt werden. Dies wrde der wirksamste
und zugleich glimpflichste Weg sein, um die anglikanische Kirche zu
demthigen und die rmische zu Ansehen zu bringen. Der Earl von
Ailesbury, einer der ergebensten Diener des kniglichen Hauses,
erklrte, da er, obgleich Protestant und nicht reich, lieber selbst
einen Beitrag von tausend Pfund zu diesem Zwecke hergeben wolle, als da
sein Gebieter die Eigenthumsrechte verletze und sein der Staatskirche
gegebenes Wort breche.[11] Der Plan fand jedoch keinen Beifall in den
Augen des Knigs. Allerdings entsprach er auch in mehr als einer
Beziehung seinem unfreundlichen Character nicht. Denn es machte ihm
Vergngen, den Sinn der Menschen zu beugen und zu brechen, und von
seinem Gelde konnte er sich nur schwer trennen. Was er auf seine Kosten
zu unternehmen nicht hochherzig genug war, das beschlo er auf Kosten
Anderer durchzufhren. Wenn er einmal etwas begonnen hatte, so hielt
sein Stolz und sein Starrsinn ihn ab, wieder zurckzutreten, und er lie
sich endlich Schritt fr Schritt zu Handlungen trkischer Tyrannei
verleiten, zu Handlungen, welche die Nation zu der berzeugung bringen
muten, da das Vermgen eines protestantischen Freisassen Englands
unter einem rmisch-katholischen Knig ebenso unsicher war, wie das
eines Griechen unter der Herrschaft eines Moslem.

    [Anmerkung 10: +Wood's Athenae Oxonienses+; +Apology for the Life
    of Colley Cibber+; Citters, 2.(12.) Mrz 1686.]

    [Anmerkung 11: +Burnet, I.+ 697; Brief von Lord Ailesbury,
    abgedruckt im +European Magazine+, April 1795.]


[_Das Magdalenen-Collegium in Oxford._] Das Magdalenen-Collegium,
gegrndet im funfzehnten Jahrhundert von Wilhelm von Waynflete, Bischof
von Winchester und Lordgrokanzler, war eine der hervorragendsten
unserer akademischen Institute. Ein schlanker Thurm, auf dessen Zinnen
alljhrlich am Morgen des ersten Mai von Choristen eine lateinische
Hymne gesungen wurde, fesselte schon von weitem die Aufmerksamkeit des
von London her kommenden Reisenden. Wenn er sich nherte, bemerkte er,
da dieser Thurm sich von einem mit Zinnen versehenen, zwar niedrigen
und unregelmigen, aber doch sehr ehrwrdig aussehenden Gebude erhob,
das von Bumen beschattet und von den trgen Fluthen des Chervell
besplt wurde. Er trat durch einen Thorweg,[12] ber dem eine stattliche
Gallerie hinlief, in einen gerumigen Kreuzgang, der mit Emblemen der
Tugenden und Laster, von den Bildhauern des funfzehnten Jahrhunderts roh
in grauen Stein gemeielt, verziert war. Der Tisch der Gesellschaft
wurde in einem mit Gemlden und phantastischem Schnitzwerk reich
ausgestatteten Refectorium gedeckt. Der Gottesdienst wurde frh und
Abends in einer Kapelle gehalten, die von den Reformers und den
Puritanern viel zu leiden gehabt hatte, aber trotz alledem ein
wunderschnes Bauwerk war, das in unseren Tagen mit seltenem Geschmack
und Geschick restaurirt worden ist. Die groen Gartenanlagen am Ufer des
Flusses zeichneten sich durch hohe Bume aus, unter denen ein Wunder der
Pflanzenwelt unsrer Insel emporragte, eine riesige Eiche, welche hundert
Jahre lter sein sollte, als das lteste Collegium der Universitt.

Die Statuten der Gesellschaften bestimmten, da die Knige von England
und die Prinzen von Wales in dem Hause aufgenommen werden sollten, wie
in ihrem eignen Palaste. EduardIV. hatte das Gebude bewohnt, als es
noch nicht vollendet war. Richard III. hatte darin sein Hoflager
gehalten, im groen Saale Disputationen mit angehrt, war kniglich
bewirthet worden und hatte die Kche seiner Wirthe mit einem Geschenk
von fetten Rehbcken aus seinen Forsten beehrt. Zwei muthmaliche
Thronerben, welche frhzeitig hinweggerafft wurden, Arthur, der ltere
Bruder Heinrich's VIII., und Heinrich, der ltere Bruder Karl'sI.,
hatten in dem Collegium studirt; ebenso auch ein andrer Prinz von
Geblt, der letzte und beste der rmisch-katholischen Erzbischfe von
Canterbury, der menschenfreundliche Reginald Pole. Zur Zeit des
Brgerkriegs war das Collegium der Sache der Krone treu geblieben.
Ruprecht hatte dort sein Hauptquartier aufgeschlagen, und ehe er zu
einigen seiner khnsten Unternehmungen auszog, hatte man in den stillen
Kreuzgngen seine Trompeter zum Aufbruch blasen hren. Die Mehrzahl der
Fellows waren Theologen und konnten den Knig nur mit Gebeten und
Geldspenden untersttzen. Doch einer von den Mitgliedern der
Gesellschaft, ein Doctor des Civilrechts, warb eine Truppe
Untergraduirter und fiel an ihrer Spitze im tapferen Kampfe gegen die
Soldaten von Essex. Als die Feindseligkeiten beendigt und die Rundkpfe
Herren von England waren, verweigerten sechs Siebentel der Mitglieder
der usurpirten Gewalt ihre Unterwerfung. In Folge dessen wurden sie aus
ihren Wohnungen vertrieben und ihrer Einknfte beraubt. Nach der
Restauration kehrten die noch Lebenden an ihren lieblichen Wohnsitz
zurck. Eine neue Generation war auf sie gefolgt, die ihre Ansichten und
ihren Muth geerbt hatte. Zur Zeit des Aufstandes im Westen hatten
diejenigen Collegiaten, welche nicht durch Alter oder Beruf zum
Gebrauche der Waffen unfhig waren, sich bereitwilligst erboten, fr die
Krone zu kmpfen. Es drfte schwerlich im ganzen Knigreiche irgend eine
Korporation zu finden sein, welche gerechteren Anspruch auf die
Dankbarkeit des Hauses Stuart gehabt htte.[13]

Die Gesellschaft bestand aus einem Prsidenten, vierzig Fellow's,
dreiig Studenten (+Demies+, Halbe genannt) und einer Anzahl von
Kaplanen, Schreibern und Chorsngern. Zur Zeit der Generalvisitation
unter Heinrich VIII. waren die Einknfte viel bedeutender als die jeder
andren hnlichen Stiftung des Landes, fast um die Hlfte grer als die
der reichen Stiftung Heinrich'sVI. in Cambridge und ber noch einmal so
gro als die, welche Wilhelm von Wykeham seinem Collegium in Oxford
vermacht hatte. In den Tagen Jakob'sII. war der Reichthum des
Magdalenen-Collegiums enorm und wurde durch das Gercht noch
bertrieben. Das Collegium wurde allgemein fr reicher als die reichsten
Abteien des Continents gehalten. Wenn die Pachtgelder alle eingingen,
hie es unter dem Volke, so beliefen sich die jhrlichen Einknfte auf
die ungeheure Summe von vierzigtausend Pfund Sterling.[14]

Die Collegiaten waren durch die von dem Begrnder festgesetzten Statuten
ermchtigt, sich ihren Prsidenten unter Personen, welche Mitglieder
ihrer Gesellschaft oder des Neuen Collegiums waren oder gewesen waren,
selbst zu whlen. Dieses Recht war in der Regel mit vlliger Freiheit
ausgebt worden. Nur in einzelnen Fllen waren knigliche Zuschriften
gekommen, welche dem Collegium befhigte Personen anempfahlen, die bei
Hofe in Gunst standen, und es war in solchen Fllen Sitte gewesen, auf
die Wnsche des Souverains gebhrende Rcksicht zu nehmen.

Im Mrz 1687 starb der Prsident des Collegiums. Einer der Fellows,
Doctor Thomas Smith, vom Volke spottweise Rabbi Smith genannt, ein
ausgezeichneter Reisender, Bchersammler, Alterthumsforscher und
Orientalist, der Kaplan bei der Gesandtschaft in Konstantinopel gewesen
und mit der Vergleichung der alexandrinischen Handschriften beauftragt
worden war, bewarb sich um den erledigten Posten. Er meinte als
Gelehrter und als eifriger Tory einigen Anspruch auf die Begnstigung
von Seiten der Regierung zu haben. Seine Loyalitt war auch in der That
so glhend und so unwandelbar, wie man sie in der ganzer englischen
Kirche nur finden konnte. Er war lange mit dem Bischof Parker von Oxford
intim befreundet gewesen und hoffte durch die Verwendung dieses Prlaten
ein knigliches Empfehlungsschreiben an das Collegium zu erhalten.
Parker versprach sein Mglichstes zu thun, berichtete aber bald, da er
auf Schwierigkeiten gestoen sei. Der Knig, sagte er, mag Niemanden
empfehlen, der nicht ein Freund seiner Religion ist. Was knnen Sie in
dieser Beziehung thun, um ihn zufrieden zu stellen? Smith antwortete,
da, wenn er Prsident werden sollte, er sich bemhen wrde,
Gelehrsamkeit, wahres Christenthum und Loyalitt zu frdern. Das wird
nicht gengen, sagte der Bischof. Nun so mag Prsident werden wer da
will, versetzte Smith mannhaft; ich kann nicht mehr versprechen.

    [Anmerkung 12: Dieser Thorweg ist jetzt verschlossen.]

    [Anmerkung 13: +Wood's Athenae Oxonienses+; +Walker's Sufferings
    of the Clergy.+]

    [Anmerkung 14: +Burnet, I. 697+; +Tanner's Notitia Monastica.+ Bei
    der Visitation im sechsundzwanzigsten Regierungsjahre Heinrich's
    VIII. ergab es sich, da die Einknfte des Kings-Collegiums 751
    Pfd. St., die des Neuen Collegiums 487 Pfd. St. und die des
    Magdalenen-Collegiums 1076 Pfd. St. betrugen.]


[_Anton Farmer vom Knige als Prsident empfohlen._] Die Wahl wurde auf
den dreizehnten April festgesetzt und die Fellows aufgefordert,
derselben beizuwohnen. Es ging die Rede, da ein knigliches Schreiben
einlaufen werde, das einen gewissen Anton Farmer fr die erledigte
Stelle empfehle. Das Leben dieses Mannes war eine Reihenfolge ehrloser
Handlungen. Er war Mitglied der Universitt Cambridge gewesen und der
Ausstoung nur durch rechtzeitige freiwillige Entfernung entgangen. Dann
hatte er sich den Dissenters angeschlossen und hierauf war er nach
Oxford gegangen, um in das Magdalenen-Collegium einzutreten, wo er sich
bald durch alle mglichen Laster auszeichnete. In der Regel taumelte er
spt in der Nacht so betrunken, da er nicht sprechen konnte, seinem
Collegium zu. Es war allbekannt, da er an der Spitze eines
unehrenvollen Aufruhrs in Abingdon gestanden hatte, und er war ein
regelmiger Gast bekannter Lieblingsorte von Wstlingen gewesen.
Endlich war er Kuppler geworden, hatte sogar die gewhnliche Gemeinheit
seines abscheulichen Gewerbes noch bertroffen und hatte von
liederlichen jungen Leuten fr Dienste, welche die Geschichte nicht gut
erzhlen kann, Geld genommen. Dieser erbrmliche Mensch war jetzt zum
Papismus bergetreten. Sein Abfall shnte alle seine Laster, und
obgleich noch sehr jung, wurde er zum Vorsteher einer ernsten religisen
Gesellschaft empfohlen, in welcher das rgerni, das er durch seine
Lasterhaftigkeit gegeben, noch im frischen Andenken war.

Durch das allgemeine Landesgesetz war er als rmischer Katholik von
allen akademischen mtern ausgeschlossen, und da er niemals Fellow des
Magdalenen-Collegiums noch des Neuen Collegiums gewesen, so hatte er der
besonderen Verordnung Wilhelm's von Waynflete gem gar kein Recht, sich
um die erledigte Prsidentenstelle zu bewerben. berdies hatte Waynflete
den Mitgliedern seiner Stiftung noch ausdrcklich eingeschrft, da sie
bei der Wahl ihres Vorstehers namentlich auf seinen moralischen
Character Rcksicht nehmen sollten, und htte er auch keine derartige
Weisung hinterlassen, so konnte eine meist aus Theologen bestehende
Gesellschaft einem Mann wie Farmer schicklicherweise nicht die Leitung
einer Bildungsanstalt bertragen.

Die Collegiaten stellten dem Knige ehrerbietigst vor, in welche
Verlegenheit sie kommen wrden, wenn das Gercht, da Farmer ihnen
empfohlen werden sollte, sich als begrndet erwies, und baten darum, da
Seine Majestt, wenn es ihm beliebe, sich in die Wahl einzumischen,
ihnen einen Mann vorschlagen mchte, fr den sie gesetzlicherweise und
mit gutem Gewissen stimmen knnten. Von dieser ergebenen Bitte wurde
keine Notiz genommen. Das knigliche Schreiben lief ein. Der berbringer
desselben war ein Fellow des Collegiums, der unlngst Papist geworden
war, Namens Robert Charnock, ein Mann von Talent und Geist, aber von
heftigem und ruhelosem Temperament, das ihn einige Jahre spter zu einem
abscheulichen Verbrechen und zu einem entsetzlichen Schicksale trieb.
Das Collegium versammelte sich am 13. April in der Kapelle. Man hatte
noch immer einige Hoffnung, da der Knig sich durch die an ihn
gerichteten Vorstellungen werde bewegen lassen, und die Versammlung
vertagte sich deshalb bis auf den 15. April, als den letzten Termin, an
welchem die Wahl nach den Statuten des Collegiums stattfinden mute.


[_Wahl des Prsidenten._] Der 15. April erschien und die Collegiaten
versammelten sich wieder in ihrer Kapelle. Von Whitehall war keine
Antwort gekommen. Einige der lteren Mitglieder, darunter Smith, waren
der Meinung, die Wahl lieber noch einmal zu verschieben, als einen
Schritt zu thun, der den Knig mglicherweise beleidigen konnte. Aber
die Sprache der Statuten war klar und die Mitglieder des Collegiums
hatten sich eidlich verpflichtet, dieselben zu befolgen. Die Ansicht der
Mehrheit war daher, da kein weiterer Aufschub stattfinden drfe. Es
erfolgte eine heftige Debatte. Die Whler waren zu aufgeregt, als da
sie htten auf ihren Pltzen bleiben knnen; die ganze Kapelle war in
Aufruhr. Diejenigen, welche fr die Vornahme der Wahl stimmten, beriefen
sich auf ihre Eide und auf die Verordnungen des Stifters, dessen Brot
sie aen. Sie behaupteten ganz richtig, der Knig habe nicht das Recht,
ihnen selbst einen geeigneten Candidaten aufzudringen. In der Hitze des
Streits fielen einige fr toryistische Ohren anstige uerungen und
Smith lie sich zu der Bemerkung verleiten, der Geist Ferguson's habe
sich seiner Collegen bemchtigt. Mit groer Stimmenmehrheit wurde
endlich der Beschlu gefat, die Wahl unverzglich vorzunehmen. Charnock
verlie die Kapelle. Die brigen Fellows gaben, nachdem sie vorher das
Sakrament empfangen, ihre Stimmen ab. Die Wahl fiel auf Johann Hough,
einen Mann von seltener Tugend und Besonnenheit, der, nachdem er
Verfolgungen mit hohem Muthe und das Glck mit ernster Wrde ertragen,
zu hohen Ehren emporgestiegen und noch hhere bescheiden abgelehnt
hatte, mehr als sechsundfnfzig Jahre nach diesem ereignivollen Tage in
hohem Alter, aber noch in voller Kraft des Geistes starb.

Die Gesellschaft beeilte sich, dem Knige die Umstnde
auseinanderzusetzen, welche es nothwendig gemacht hatten, ohne weiteren
Verzug zur Wahl eines Prsidenten zu schreiten, und ersuchte den Herzog
von Ormond als Kanzler der ganzen Universitt, und den Bischof von
Winchester als Visitator des Magdalenen-Collegiums, das Amt der
Vermittelung zu bernehmen. Der Knig aber war viel zu aufgebracht und
viel zu befangen, als da er auf derartige Verstellungen htte hren
knnen.


[_Die Mitglieder des Magdalenen-Collegiums werden vor die Hohe
Commission geladen._] Anfangs Juni wurden die Collegiaten vor die Hohe
Commission nach Whitehall beschieden. Fnf von ihnen kamen als Deputirte
der Korporation der Aufforderung nach. Jeffreys behandelte sie nach
seiner gewohnten Manier. Als einer von ihnen, ein ehrwrdiger Doctor,
Namens Fairfax, einigen Zweifel an der Rechtsgltigkeit der Commission
uerte, begann er zu brllen wie ein wildes Thier: Wer ist der Mann?
Wer giebt ihm das Recht, hier unverschmt zu sein? Ergreift ihn und
steckt ihn in ein finstres Zimmer! Wie kann man ihn ohne Wchter lassen?
Er steht als Wahnsinniger unter meiner Aufsicht. Es wundert mich, da
noch Niemand bei mir darauf angetragen hat, da er in sicheres Gewahrsam
gebracht werde. Als aber der Sturm ausgetobt hatte und die Aussagen
ber den sittlichen Charakter des vom Knige empfohlenen Kandidaten
verlesen waren, hatte keiner der Commissare die Frechheit zu behaupten,
da ein solcher Mensch sich zum Prsidenten eines groen Collegiums
eigne. Obadja Walker und die brigen oxforder Papisten, die sich
eingefunden hatten, um ihren Proselyten zu untersttzen, waren nicht
wenig bestrzt. Die Commission erklrte Hough's Wahl fr ungltig und
suspendirte Fairfax von seiner Collegiatur; von Farmer aber war keine
Rede mehr und im August kam ein knigliches Schreiben an, welches dem
Collegium den Bischof von Oxford, Parker, empfahl.


[_Parker zum Prsidenten empfohlen._] Parker war kein erklrter Papist.
Es lag jedoch ein Umstand gegen ihn vor, der, selbst wenn die
Prsidentur erledigt gewesen wre, htte entscheidend sein mssen: er
hatte weder dem Neuen Collegium noch dem Magdalenen-Collegium jemals
angehrt. Aber die Prsidentur war gar nicht erledigt, denn Hough war
rechtskrftig gewhlt und smmtliche Mitglieder des Collegiums waren
eidlich verpflichtet, ihn in seinem Amte zu erhalten. Sie entschuldigten
sich daher mit vielen Versicherungen ihrer Loyalitt und ihres
Bedauerns, da sie dem Befehle des Knigs nicht Folge leisten knnten.


[_Die Karthause._] Whrend Oxford so der Tyrannei energisch entgegen
trat, leistete man an einem andren Orte nicht weniger tapferen
Widerstand. Jakob hatte vor einiger Zeit den Administratoren der
Karthause, Mnnern von hohem Rang und Ansehen im Knigreiche, den Befehl
gegeben, einen rmischen Katholiken, Namens Popham, in das unter ihrer
Verwaltung stehende Hospital aufzunehmen. Der Vorsteher der Anstalt,
Thomas Burnet, ein durch Genie, Gelehrsamkeit und Tugend ausgezeichneter
Geistlicher, hatte, obgleich der wilde Jeffreys im Collegium sa, den
Muth, sie darauf aufmerksam zu machen, da jene Zumuthung dem Willen des
Stifters sowohl als einer Parlamentsacte zuwiderlaufe. Was thut dies
zur Sache? fragte ein dem Vorstande angehrender Hfling. Ich meine,
es thut sehr viel zur Sache, antwortete eine von Alter und Sorgen
geschwchte Stimme, die aber in keiner Versammlung ohne Achtung gehrt
wurde, die Stimme des ehrwrdigen Ormond. Eine Parlamentsacte, fuhr
der Patriarch der Kavalierpartei fort, ist meiner Ansicht nach keine
Kleinigkeit. Es wurde die Frage gestellt, ob Popham zugelassen werden
solle, und der Beschlu lautete auf seine Zurckweisung. Da der Kanzler
seinem Grolle nicht wohl durch Fluchen und Verwnschungen gegen Ormond
Luft machen konnte, so lief er in voller Wuth fort und mehrere von der
Minoritt folgten ihm. In Folge dessen blieb keine beschlufhige Anzahl
brig und es konnte daher auf den kniglichen Befehl keine formelle
Antwort gegeben werden.

Die nchste Sitzung fand nur zwei Tage, nachdem die Commission
Hough's Wahl fr ungltig erklrt und Fairfax suspendirt hatte,
statt. Die Administratoren erhielten einen zweiten Befehl mit dem
groen Staatssiegel; aber das tyrannische Verfahren gegen das
Magdalenen-Collegium hatte ihren Muth noch erhht, anstatt ihn zu
schwchen. Sie setzten ein Schreiben an Sunderland auf, durch welches er
ersucht wurde, dem Knige mitzutheilen, da sie im vorliegenden Falle
Seiner Majestt nicht gehorchen knnten, ohne das Gesetz und ihre
Amtspflicht zu verletzen.

Es drfte kaum zu bezweifeln sein, da, wenn diese Zuschrift nur von
unbedeutenden Mnnern unterzeichnet gewesen wre, der Knig irgend einen
Gewaltschritt gethan haben wrde. Aber selbst er erschrak beim Anblick
der groen Namen Ormond, Halifax, Danby und Nottingham, der Oberhupter
aller Farben der groen Partei, der er seine Krone verdankte. Er
begngte sich deshalb, Jeffreys zu bedeuten, da er das weiter
einzuschlagende Verfahren in Erwgung ziehen solle. Einmal hie es, es
werde ein Proze bei der Kings Bench anhngig gemacht werden, ein
andermal, die Kirchliche Commission werde den Fall in die Hand nehmen,
aber diese Drohungen verstummten nach und nach wieder.[15]

    [Anmerkung 15: +A Relation of the Proceedings at the Charterhouse,
    1689.+]


[_Rundreise des Knigs._] Der Sommer war jetzt weit vorgerckt und der
Knig trat eine Reise an, die lngste und glnzendste, die man seit
vielen Jahren gesehen hatte. Am 16. August begab er sich von Windsor
nach Portsmouth, besichtigte die Festungswerke, berhrte einige mit
Krpfen Behaftete und fuhr dann in einer seiner Yachten nach
Southampton. Von hier reiste er nach Bath, wo er sich einige Tage
aufhielt und die Knigin zurcklie. Als er wieder abreiste, begleiteten
ihn der Obersheriff von Somersetshire und eine groe Anzahl Gentlemen
bis an die Grenze der Grafschaft, wo ihn der Obersheriff von
Gloucestershire mit einem nicht minder glnzenden Gefolge erwartete. Der
Herzog von Beaufort kam bald darauf den kniglichen Equipagen entgegen
und geleitete dieselben nach Badminton, wo ein des Rufes, den sich der
Herzog durch seinen glnzenden Haushalt erworben hatte, wrdiges Mahl
fr ihn angerichtet war. Am Nachmittag ging der Zug weiter nach
Gloucester. Zwei Meilen vor der Stadt wurde er vom Bischofe und der
Geistlichkeit bewillkommnet. Am Sdthore erwartete ihn der Mayor mit den
Schlsseln. Die Glocken gingen und aus allen Rhrtrgen flo Wein,
whrend der Knig durch die Straen nach dem Platze zog, der die
ehrwrdige Kathedrale umgiebt. Er bernachtete in der Dechanei und brach
am folgenden Morgen nach Worcester auf. Von Worcester ging er nach
Ludlow, Shrewsbury und Chester, und wurde berall mit ueren Zeichen
der Freude und Ehrerbietung empfangen, die er schwach genug war, als
Beweise zu betrachten, da die durch seine Maregeln hervorgerufene
Unzufriedenheit gedmpft sei und ihm ein leichter Sieg bevorstehe. Der
scharfblickendere Barillon benachrichtigte Ludwig, da der Knig in
einer Tuschung befangen sei, da die Reise keinen wirklichen Nutzen
gebracht habe und da die nmlichen Gentlemen von Worcestershire und
Shropshire, die es fr ihre Pflicht gehalten, ihren Souverain und Gast
mit allen Ehrenbezeigungen zu empfangen, sich so widerspenstig als je
zeigen wrden, wenn die Testangelegenheit zur Sprache kme.[16]

Unterwegs schlossen sich dem kniglichen Zuge zwei Hflinge an, die in
Character und Meinungen weit von einander verschieden waren. Penn war
auf einer geistlichen Hirtenreise in Chester. Seine Popularitt und sein
Ansehen waren unter seinen Glaubensbrdern tief gesunken, seitdem er ein
Werkzeug des Knigs und der Jesuiten geworden war.[17] Jakob aber nahm
ihn sehr freundlich auf und er durfte am Sonntage im Ballhause einen
Vortrag halten, whrend Cartwright in der Kathedrale predigte und der
Knig an einem in der Grafschaftshalle errichteten Altare die Messe
hrte. Man sagt sogar, Seine Majestt habe geruht, einen Augenblick in
das Ballhaus einzutreten und der melodischen Beredtsamkeit seines
Freundes mit Anstand zuzuhren.[18]

Der wthende Tyrconnel war von Dublin ber den Kanal gekommen, um von
seiner Verwaltung Bericht zu erstatten. Alle achtungswertheren
englischen Katholiken behandelten ihn als einen Feind ihres Stammes und
als eine Schande ihrer Religion mit Klte. Sein Gebieter aber hie ihn
herzlich willkommen und entlie ihn mit Versicherungen seines
ungeschwchten Vertrauens und seiner steten Untersttzung. Jakob vernahm
mit groer Freude, da bald die ganze Verwaltung Irlands in
rmisch-katholischen Hnden sein werde. Die englischen Ansiedler waren
schon ihrer ganzen politischen Macht beraubt, es blieb nur noch brig,
sie auch ihres Eigenthums zu berauben, und diese letzte Gewaltthat wurde
so lange aufgeschoben, bis man sich die Mitwirkung eines irischen
Parlaments gesichert haben wrde.[19]

Von Cheshire wendete sich der Knig nach dem Sden und in der festen
berzeugung, da die Fellows des Magdalenen-Collegiums es trotz ihres
widerspenstigen Geistes nicht wagen wrden, einem ihnen mndlich
gegebenen Befehle den Gehorsam zu verweigern, reiste er nach Oxford. Auf
dem Wege dahin machte er einige kleine Abstecher nach Orten, die ihn als
Knig, als Bruder und als Sohn besonders interessirten. Er besuchte das
gastliche Dach von Boscobel und die berreste der Eiche, die in der
Geschichte seines Hauses eine so wichtige Rolle spielt. Er fuhr ber das
Schlachtfeld von Edgehill, wo die Kavaliere zuerst mit den Soldaten des
Parlaments die Schwerter kreuzten. Am 3. September speiste er mit groem
Geprnge im Palast von Woodstock, einem alten berhmten Schlosse, von
dem kein Stein mehr vorhanden ist, dessen Lage aber noch heute auf der
Wiese des Blenheimparks durch zwei unweit der stattlichen Brcke
stehende Platanen bezeichnet wird.

    [Anmerkung 16: London Gazette vom 18. Aug. bis 1. Sept. 1687;
    Barillon, 19.(29.) Sept.]

    [Anmerkung 17: +Penn, chef des Quakers, qu'on sait tre dans les
    intrts du Roi d'Angleterre, est si fort dcri parmi ceux de son
    parti qu'il n'ont plus aucune confiance en lui.+ -- Bonrepaux an
    Seignelay, 12.(22.) Sept. 1687. Gerhard Croese's Zeugni lautet
    ganz ebenso: +Etiam Quakeri Pennum non amplius, ut ante ita
    amabant ac magnifaciebant, quidam aversabantur ac fugiebant. --
    Historia Quakeriana, lib. II. 1695.+]

    [Anmerkung 18: +Cartwright's Diary, Aug. 30. 1687+; +Clarkson's
    Life of William Penn.+]

    [Anmerkung 19: +London Gazette, Sept. 5.+; +Sheridan MS.+;
    Barillon 6.(16.) Sept. 1687. +Le Roi son matre,+ sagt Barillon,
    +a tmoign une grande satisfaction des mesures qu'il a prises,
    et a autoris ce qu'il a fait en faveur des Catholiques. Il les
    tablit dans les emplois et les charges, en sorte que l'autorit
    se trouvera bientt entre leurs mains. Il reste encore beaucoup de
    choses  faire en ce pays l pour retirer les biens injustement
    ts aux Catholiques. Mais cela ne peut s'excuter qu'avec le
    temps et dans l'assemble d'un parlement en Irlande.+]


[_Der Knig in Oxford._] Am Abend erreichte er Oxford, wo er mit den
gewohnten Ehrenbezeigungen empfangen wurde. Die Studenten hatten sich in
ihrer akademischen Tracht vom Stadtthore bis an den Haupteingang des
Christchurch-Collegiums in einer Doppelreihe aufgestellt. Er stieg in
der Dechanei ab, wo er unter anderen Bequemlichkeiten eine zum Medienst
eingerichtete Kapelle vorfand.[20]

    [Anmerkung 20: +London Gazette, Sept. 5, 8. 1687+.]


[_Er giebt den Collegiaten des Magdalenenstifts einen Verweis._] Den Tag
nach seiner Ankunft erhielten die Fellows des Magdalenen-Collegiums
Befehl, ihm ihre Aufwartung zu machen. Als sie vor ihm erschienen,
behandelte er sie mit einem bermuth, wie ihn die puritanischen
Visitatoren gegen ihre Vorgnger nie bewiesen hatten. Sie haben Sich
nicht wie Gentlemen gegen mich benommen, rief er aus; Sie haben Sich
eben so unschicklich als ungehorsam gezeigt. Sie fielen auf die Knie
und berreichten ihm eine Petition. Er wollte sie nicht ansehen. Ist
das die Loyalitt Ihrer englischen Kirche? Ich htte nicht gedacht, da
so viele Geistliche der Kirche Englands sich bei einer solchen Sache
betheiligen knnten. Gehen Sie nach Hause, gehen Sie. Ich bin Knig und
ich verlange Gehorsam. Gehen Sie augenblicklich in Ihre Kapelle und
nehmen Sie den Bischof von Oxford auf. Und wehe Denen, die sich weigern,
sie sollen das ganze Gewicht meiner Hand fhlen, sie sollen erfahren,
was es heit, sich die Ungnade seines Souverains zuziehen! Die noch
immer vor ihm knieenden Collegiaten reichten ihm wiederholt ihre
Petition dar. Er warf sie zornig zu Boden. Gehen Sie, sage ich, ich
nehme nichts von Ihnen an, bis Sie den Bischof aufgenommen haben!

Sie gingen und versammelten sich augenblicklich in ihrer Kapelle. Es
wurde die Frage gestellt, ob sie sich dem Befehle Seiner Majestt fgen
sollten. Smith war abwesend, nur Charnock antwortete mit Ja. Alle
brigen Collegiaten erklrten, da sie in allen gesetzlichen Dingen dem
Knige bereitwilligst gehorchen, ihre Statuten und ihre Eide aber nicht
verletzen wrden.

Voll Zorn und rger ber seine Niederlage verlie der Knig Oxford und
kehrte nach Bath zur Knigin zurck. Seine Hartnckigkeit und Willkr
hatte ihn in eine sehr schwierige Lage versetzt. Er hatte zu fest auf
die Wirkung seiner finstren Miene und seiner gebieterischen Rede
gerechnet und unbesonnenerweise nicht nur das Ansehen seiner Regierung,
sondern auch seine persnliche Wrde aufs Spiel gesetzt. Konnte er
Unterthanen nachgeben, denen er mit erhobener Stimme und zornigen
Geberden gedroht hatte? Konnte er es auf der andren Seite wagen, an
einem Tage eine Anzahl achtungswerther Geistlicher aus ihrer Heimath zu
vertreiben, weil sie eine in den Augen der ganzen Nation heilige Pflicht
gethan hatten? Vielleicht gab es noch einen Ausweg aus dieser
Verlegenheit, vielleicht konnte das Collegium doch noch durch Drohungen,
durch Zureden oder durch Bestechung zur Unterwerfung gebracht werden.


[_Penn sucht zu vermitteln._] Man bediente sich Penn's als Vermittler.
Er hatte zuviel Rechtsgefhl, als da er das gewaltsame und ungerechte
Verfahren der Regierung htte billigen knnen und er wagte es sogar,
einem Theile seiner Gedanken Worte zu geben. Jakob beharrte wie
gewhnlich auf seinem Vorsatze, und der hfische Quker that daher sein
Mglichstes, um das Collegium vom Pfade des Rechts abzuziehen. Zuerst
versuchte er es mit Einschchterungen. Er sagte, der Gesellschaft drohe
der Untergang, denn der Knig sei im hchsten Grade aufgebracht. Es sei
allerdings ein schwerer Schritt fr sie, das sahen die meisten Leute
ein; aber jedes Kind wisse auch, da Seine Majestt seinen Willen gern
durchsetze und da er Widerspruch nicht vertragen knne. Penn ermahnte
daher die Collegiaten, nicht auf die Gerechtigkeit ihrer Sache zu
pochen, sondern sich zu fgen oder wenigstens zu temporisiren. Ein
solcher Rath klang sonderbar aus dem Munde eines Mannes, der selbst von
der Universitt vertrieben worden war, weil er wegen des Chorhemds einen
Tumult hervorgerufen, der sich lieber der Gefahr der Enterbung
ausgesetzt hatte, als da er sich entschlo, vor einem kniglichen
Prinzen den Hut abzunehmen und der wegen seiner in Conventikeln
gehaltenen Reden mehr als einmal in's Gefngni geschickt worden war. Es
gelang ihm jedoch nicht, die Magdalenen-Collegiaten zu schrecken. In
Antwort auf seine drohenden Winke wurde er daran erinnert, da unter der
vorigen Generation vierunddreiig von den vierzig Collegiaten lieber mit
Freuden ihre geliebten Kreuzgnge und Grten, ihre Halle und ihre
Kapelle verlassen htten und fortgegangen seien, ohne zu wissen wo sie
ein Mahl oder ein Nachtlager finden wrden, als da sie ihren
Unterthaneneid gebrochen htten. Jetzt verlange der Knig die Verletzung
eines andren Eides von ihnen, aber er solle erfahren, da der alte Geist
noch nicht erstorben sei.

Penn zog nun gelindere Saiten auf. Er hatte eine Besprechung mit Hough
und einigen Collegiaten und begann endlich nach vielen Versicherungen
von Theilnahme und Freundschaft die Mglichkeit eines Vergleichs in
Aussicht zu stellen. Der Knig vertrage nun einmal keinen Widerspruch,
sagte er, das Collegium msse nachgeben und Parker annehmen. Aber seine
Gesundheit sei schwankend und alle seine mter wrden voraussichtlich
bald erledigt sein. Doctor Hough, setzte er hinzu, kann dann Bischof
von Oxford werden. Wie wrde Ihnen das gefallen, meine Herren? Penn
hatte whrend seines ganzen Lebens gegen eine Miethlingsgeistlichkeit
gepredigt. Er hielt sich fr verpflichtet, die Entrichtung von Zehnten
zu verweigern, und dies selbst als er mit Zehnten belastete Lndereien
gekauft hatte und ihm der Betrag der Zehnten von der Kaufsumme
nachgelassen worden war. Nach seinen eigenen Grundstzen wrde er eine
groe Snde begangen haben, wenn er sich dabei betheiligt htte, dem
frmmsten Geistlichen selbst unter den ehrenvollsten Bedingungen eine
Pfrnde zu verschaffen. Aber sein Character war durch schlechte
Gesellschaft so verdorben und sein Verstand durch bermigen Eifer fr
einen einseitigen Zweck so verdunkelt, da er keinen Anstand nahm, bei
einer Simonie von ganz besonders unehrenhafter Art den Unterhndler
abzugeben und ein Bisthum als Kder zu benutzen, um einen Geistlichen
zum Eidbruche zu verfhren. Hough erwiederte mit hflicher
Geringschtzung, da er von der Krone nichts weiter verlange als
einfache Gerechtigkeit. Wir sind an unsere Statuten und unsere Eide
gebunden, sagte er; aber auch ganz abgesehen von unseren Statuten und
unseren Eiden fhlen wir uns verpflichtet, unsren Glauben zu
vertheidigen. Die Papisten haben uns schon das University-Collegium und
das Christchurch-Collegium geraubt, jetzt greifen sie auch das
Magdalenen-Collegium an. Sie werden bald Alles haben.

Penn war so unbesonnen, hierauf zu antworten, da er ernstlich glaube,
die Papisten wrden nun zufrieden sein. Das University-Collegium,
sagte er, ist ein schnes Collegium, Christchurch ein vortrefflicher
Platz und Magdalenen ein herrliches Gebude. Die Lage ist angenehm, die
Gartenanlagen am Flusse reizend. Wenn die Katholiken vernnftig sind,
werden sie sich damit begngen. Diese alberne Erklrung wrde allein
schon Hough und seine Collegen in die Unmglichkeit versetzt haben,
nachzugeben. Die Unterhandlung wurde abgebrochen, und der Knig beeilte
sich, seiner Drohung gem die Ungehorsamen fhlen zu lassen, was es
hie, sich seine Ungnade zuziehen.


[_Eine kirchliche Specialcommission wird nach Oxford gesandt._]
Cartwright, Bischof von Chester, Wright, Oberrichter der Kings Bench,
und Sir Thomas Jenner, ein Baron des Schatzkammergerichts, erhielten
eine Specialvollmacht zur Visitation des Collegiums. Am 20. October
kamen sie in Oxford an, begleitet von drei Schwadronen Kavalerie mit
gezogenen Sbeln. Am folgenden Morgen nahmen die Commissare im Hrsaale
des Magdalenen-Collegiums ihre Sitze ein und Cartwright hielt eine
loyale Rede, welche noch vor wenigen Jahren von den Oxfordern mit lautem
Beifall aufgenommen worden wre, die aber jetzt mit stummem Unwillen
angehrt wurde. Es erfolgte hierauf eine lange Debatte. Der Prsident
vertheidigte seine Rechte mit Geschick, Migung und Entschiedenheit. Er
versicherte seine hohe Achtung vor der kniglichen Autoritt, behauptete
aber fest, da er nach den Gesetzen Englands ein Eigenthumsrecht an das
Haus und an die mit der Prsidentur verbundenen Einknfte habe. Dieses
Rechts knne ihn ein Machtspruch des Landesherrn nicht berauben. Wollen
Sie sich unsrer Visitation unterwerfen? fragte der Bischof. Ich
unterwerfe mich derselben, antwortete Hough mit weiser Vorsicht, in so
weit sie mit dem Gesetz im Einklange steht, weiter nicht. -- Wollen
Sie den Schlssel zu Ihrer Wohnung ausliefern? fragte Cartwright. Hough
schwieg. Die Frage wurde wiederholt, und Hough antwortete nun mild aber
entschieden, da er dies nicht thun werde. Die Commissare nannten ihn
einen unberufenen Eindringling und forderten die Collegiaten auf, seine
Autoritt nicht mehr anzuerkennen und fr die Aufnahme des Bischofs von
Oxford zu stimmen. Charnock versprach bereitwilligst Gehorsam, Smith gab
eine ausweichende Antwort, die Hauptmasse der Collegiaten aber erklrte
auf das Bestimmteste, da sie Hough noch immer als ihren rechtmigen
Prsidenten betrachteten.


[_Hough's Protest._] Jetzt bat Hough um die Erlaubni, selbst noch
einige Worte an die Commissare richten zu drfen. Sie bewilligten ihm
dies sehr artig, vielleicht weil sie nach seinem ruhigen und gelassenen
Benehmen erwarteten, da er ein Zugestndni machen werde. Mylords,
sprach er, Sie haben mich heute meines freien Eigenthums beraubt; ich
protestire hiermit gegen Ihr ganzes Verfahren als gesetzwidrig,
ungerecht und nichtig und appellire an unsren erlauchten Gebieter, den
Knig, in seinen Gerichtshfen. Ein lautes beiflliges Gemurmel erhob
sich unter den Studirenden, welche den Saal fllten. Die Commissare
waren wthend. Man suchte die Verbrecher, welche applaudirt hatten,
herauszufinden, aber vergebens. Der ganze Zorn der Commission richtete
sich nun gegen Hough. Glauben Sie nicht, da Sie uns trotzen knnen,
rief Jenner mit einem Wortspiel auf den Namen des Prsidenten.[21] Ich
werde die Autoritt Seiner Majestt aufrecht erhalten, so lange ich
Athem in meiner Brust habe, setzte Wright hinzu. Das Alles kommt von
Ihrem nach Popularitt haschenden Protest. Sie haben den Landfrieden
gebrochen und sollen sich dafr vor der Kings Bench verantworten. Ich
verpflichte Sie bei Strafe von tausend Pfund, beim nchsten Termine zu
erscheinen. Wir wollen sehen, ob die Civilgewalt Sie nicht bndigen
wird. Reicht sie nicht aus, so sollen Sie auch die militairische haben.
Oxford befand sich in der That in einer Stimmung, welche die Commissare
nicht wenig beunruhigte. Die Soldaten erhielten Befehl, ihre Carabiner
zu laden, und man sagte, es sei ein expresser Bote nach London geschickt
worden, um schleunige Nachsendung von Verstrkungen zu verlangen. Es
fand jedoch keine Ruhestrung statt.

    [Anmerkung 21: Im Deutschen lt sich das Wortspiel nicht
    wiedergeben. +Hough+ und +huff+ (trotzen) wird im Englischen
    ziemlich gleich ausgesprochen.    D. bers.]


[_Einsetzung Parker's._] Der Bischof von Oxford wurde mittelst Vollmacht
ruhig eingesetzt, aber nur zwei Mitglieder des Magdalenen-Collegiums
wohnten der Feierlichkeit bei. Mancherlei Anzeichen bewiesen, da der
Geist des Widerstandes sich auch des Volks bemchtigt hatte. Der
Thrsteher des Collegiums warf seinen Schlssel weg. Der Kellermeister
weigerte sich, den Namen Hough's aus dem Wirthschaftsbuche zu streichen.
In der ganzen Stadt war kein Schlosser aufzutreiben, der die Thr der
Prsidentenwohnung aufsprengen wollte. Die eigenen Diener der Commissare
muten die Thr mit eisernen Stangen erbrechen. Die Predigten, welche am
nchstfolgenden Sonntage in der Universittskirche gehalten wurden,
waren voll von Bemerkungen, welche Cartwright tief krnkten; aber sie
waren so gehalten, da er nichts dagegen thun konnte.

Wre Jakob nicht ganz verblendet gewesen, so wrde er hier innegehalten
haben. Die Collegiaten waren im Ganzen genommen nicht geneigt, den
Widerstand noch weiter zu treiben. Sie waren der Meinung, da sie ihre
Achtung vor ihren Statuten und Eiden hinreichend bewiesen htten, indem
sie ihre Mitwirkung bei der Einsetzung eines Unberufenen verweigerten,
und da sie sich ihm jetzt, da er im factischen Besitze des Amtes war,
als ihrem Oberhaupte unterwerfen knnten, ohne einen Vorwurf auf sich zu
laden, bis er durch den Ausspruch eines competenten Gerichts entfernt
wurde. Nur ein Collegiat, Doctor Fairfax, weigerte sich, auch nur soweit
nachzugeben. Die Commissare wrden zu einer solchen Verstndigung gern
die Hand geboten haben und einige Stunden lang herrschte eine
Waffenruhe, von der Viele glaubten, da sie zu einem gtlichen Vergleich
fhren werde. Aber bald war Alles wieder in Aufregung. Die Collegiaten
sahen, da die ffentliche Meinung sie offen der Kleinmthigkeit
beschuldigte; in der Stadt sprach man schon ironisch von einem
Magdalenengewissen und sagte, der tapfere Hough und der brave Fairfax
seien verrathen und verlassen worden. Noch rgerlicher waren die
Sptteleien Obadja Walker's und seiner Renegatensippschaft. Das also,
sagten diese Apostaten, sei das Ende von all den hochtrabenden Worten,
in denen die Gesellschaft ihren Entschlu erklrt habe, treu zu ihrem
rechtmigen Prsidenten und zu ihrem protestantischen Glauben zu
stehen! Whrend die Collegiaten, tief gekrnkt durch den ffentlichen
Tadel, ihre bedingte Unterwerfung bereueten, erfuhren sie, da diese den
Knig noch keineswegs zufriedengestellt habe. Es sei nicht genug, sagte
er, da sie sich erboten htten, dem Bischof von Oxford als factischem
Prsidenten zu gehorchen; sie mten auch die Commission und Alles was
dieselbe gethan habe, als gesetzlich anerkennen. Sie mten eingestehen,
da sie pflichtvergessen gehandelt htten, mten ihr Benehmen bereuen
und versprechen, da sie sich in Zukunft besser betragen wollten, mten
Seine Majestt um Verzeihung bitten und ihm zu Fen fallen. Nur zwei
Collegiaten, Charnock und Smith, ber welche der Knig nicht zu klagen
hatte, wurden von der Verpflichtung, diese erniedrigenden
Entschuldigungen zu machen, ausgenommen.

Nie that Jakob einen thrichteren Fehlgriff. Die Collegiaten, schon mit
sich selbst unzufrieden, weil sie so weit nachgegeben hatten, und durch
den Tadel des Publikums gereizt, ergriffen eifrig die ihnen jetzt
gebotene Gelegenheit, die ffentliche Achtung wieder zu gewinnen. Sie
erklrten einstimmig, sie wrden niemals deshalb, da sie in ihrem
Rechte gewesen seien, um Verzeihung bitten, und eben so wenig
anerkennen, da die Visitation ihres Collegiums und die Beraubung ihres
Prsidenten gesetzlich gewesen sei.


[_Vertreibung der Collegiaten._] Jetzt lie sie der Knig das angedrohte
ganze Gewicht seiner Hand fhlen. Durch ein summarisches Edict wurden
sie zur Vertreibung verurtheilt. Diese Strafe wurde indessen noch nicht
fr gengend erachtet. Man wute, da viele Edelleute und Gentlemen,
welche ein kirchliches Patronatrecht hatten, sich bemhen wrden, fr
Mnner zu sorgen, welche fr die Gesetze Englands und fr den
protestantischen Glauben so viel gelitten. Deshalb erklrte die Hohe
Commission die Vertriebenen fr unfhig, irgend ein geistliches Amt
wieder zu bekleiden, und Diejenigen, welche noch nicht ordinirt waren,
wurden fr unfhig erklrt, die geistliche Ordination zu empfangen. So
hatte Jakob die Genugthuung, Viele von ihnen aus einer Lage, in der sie
alle mglichen Annehmlichkeiten des Lebens genossen und die schnsten
Aussichten auf zuknftige Anstellungen hatten, in hoffnungslose
Drftigkeit zurckgeworfen zu haben.

Aber all' diese Strenge hatte gerade die entgegengesetzte Wirkung als er
erwartete. Der Geist der Englnder, dieser trotzige Geist, den kein
Knig aus dem Hause Stuart jemals durch Erfahrung erkennen lernte,
emprte sich heftig gegen die Ungerechtigkeit. Oxford, der friedliche
Sitz der Gelehrsamkeit und Loyalitt, war in einem Zustande, hnlich
dem, in welchem sich London am Morgen nach dem Versuche Karl'sI., die
fnf Parlamentsmitglieder festnehmen zu lassen, befunden hatte. Der
Vicekanzler war am Tage der Vertreibung von den Commissaren zu Tische
eingeladen worden. Er lehnte die Einladung ab. Mein Geschmack, sagte
er, ist verschieden von dem des Obersten Kirke; ich kann unter dem
Galgen nicht mit Appetit essen. Die Studenten weigerten sich, den neuen
Vorsteher des Magdalenen-Collegiums zu gren. Smith erhielt den
Spottnamen +Dr.+ Schuft und wurde in einem Kaffeehause ffentlich
insultirt. Als Charnock die Demies aufforderte, in seiner Gegenwart ihre
akademischen bungen vorzunehmen, antworteten sie ihm, da sie ihrer
rechtmigen Vorsteher beraubt seien und sich keiner widerrechtlichen
Autoritt unterwerfen wrden. Sie versammelten sich zum Studiren wie zum
Gottesdienst auf eigne Hand. Man versuchte es, sie durch das Anerbieten
der eintrglichen Collegiaturen, welche eben fr erledigt erklrt worden
waren, zu verfhren, aber ein Untergraduirter nach dem andren antwortete
mit mnnlichem Freimuth, da sein Gewissen ihm nicht gestatte, aus einem
Unrecht fr sich Nutzen zu ziehen. Ein Student, der sich zur Annahme
einer Collegiatur berreden lie, wurde von seinen Comiletonen aus dem
Saale gestoen. Es wurden junge Leute aus anderen Collegien eingeladen,
aber mit geringem Erfolg; die reichste Stiftung des Landes schien selbst
fr arme Studenten alle Anziehungskraft verloren zu haben. Inzwischen
wurde in London und im ganzen Lande Geld zur Untersttzung der
vertriebenen Collegiaten gesammelt. Die Prinzessin von Oranien zeichnete
zur groen Freude aller Protestanten zweihundert Pfund. Der Knig,
beharrte nichtsdestoweniger bei dem eingeschlagenen Verfahren. Auf die
Vertreibung der Collegiaten folgte bald die Ausstoung einer Menge
Demies. Whrenddem nahmen die krperlichen und geistigen Krfte des
neuen Prsidenten mehr und mehr ab. Er hatte zu der Zeit, als sein
Kollegium sich in offener Emprung gegen seine Autoritt befand, noch
einen schwachen Versuch gemacht, der Regierung einen Dienst zu leisten,
indem er eine Vertheidigung der Indulgenzerklrung oder vielmehr der
Lehre von der Transsubstantiation erscheinen lie. Diese Schrift rief
viele Entgegnungen hervor, namentlich eine von Burnet, die mit
auerordentlicher Kraft und Schrfe geschrieben war. Wenige Wochen nach
der Vertreibung der Demies starb Parker in dem Hause, von dem er
gewaltsam Besitz ergriffen hatte. Man sagte damals, Reue und Scham
htten sein Ende beschleunigt. Er ruht in der schnen Vorkapelle des
Collegiums, aber kein Denkstein bezeichnet sein Grab.


[_Das Magdalenen-Collegium in ein papistisches Seminar verwandelt._] Der
ganze Plan des Knigs wurde nun vollends ausgefhrt: das Collegium wurde
zu einem papistischen Seminar umgestaltet. Bonaventura Giffard, der
katholische Bischof von Madura, ward Prsident. In der Kapelle wurde
katholischer Gottesdienst gehalten und an einem Tage zwlf Katholiken
als Collegiaten aufgenommen. Einige servile Protestanten bewarben sich
um die Aufnahme, wurden aber abschlglich beschieden. Smith, der loyal
bis zur Begeisterung, aber noch immer ein aufrichtiges Mitglied der
anglikanischen Kirche war, konnte das vernderte Aussehen des Hauses
nicht ertragen. Er entfernte sich, kam der Aufforderung zur Rckkehr in
seine Wohnung nicht nach, und wurde daher abgesetzt. So war das
Beraubungswerk vollendet.[22]

Das Universittssystem Englands ist von der Art, da jedes Ereigni, das
die Interessen oder die Ehre irgend einer Universitt berhrt, im ganzen
Lande nothwendig einen starken Eindruck machen mu. Jeder neue Schlag
gegen das Magdalenen-Collegium wurde daher bis an die uersten
Endpunkte des Knigreichs gefhlt. In den londoner Kaffeehusern, in den
juristischen Hochschulen, unter den Geistlichen aller Domkapitel, in
Pfarrwohnungen und Landschlssern selbst der entferntesten Grafschaften
war das Mitleid mit den Duldern und der Unwille gegen die Regierung
bestndig im Zunehmen. Hough's Protest fand berall Beifall, das
Aufsprengen seiner Thr wurde berall mit Abscheu erzhlt und das ber
die Collegiaten verhngte Beraubungs- und Vertreibungsurtheil zerri
endlich die einst so engen und theuren Bande, welche die anglikanische
Kirche mit dem Hause Stuart verknpften.

    [Anmerkung 22: Prozeverfahren gegen das Magdalenen-Collegium zu
    Oxford wegen Nichterwhlung Anton Farmer's zum Prsidenten, in der
    +Collection of State Trials+, Ausgabe von Howell; +Luttrell's
    Diary, June 15., 17., Oct. 24., Dec. 10. 1687+; +Smith's
    Narrative+; Brief von Doctor Richard Rawlinson vom 31. Oct. 1687;
    +Reresby's Memoirs+; +Burnet, I. 699+; +Cartwright's Diary+;
    Citters, 25. Oct. (4. Nov.), 28. Oct. (7. Nov.), 8.(18.) u.
    18.(28.) Nov. 1687.]


[_Groll der Geistlichkeit._] Bitterer Groll und schlimme Befrchtungen
traten an die Stelle der Liebe und des Vertrauens. Es gab keinen
Pfrndner, keinen Rector und keinen Vikar, der nicht von der Angst
geqult worden wre, da er, so friedlich sein Character und so
unbedeutend seine Stelle sein mochte, vielleicht in wenigen Monaten
durch einen willkrlichen Machtspruch aus seinem Hause vertrieben werden
knne, um im zerrissenen Priesterrocke mit Frau und Kindern zu betteln,
whrend sein durch uralte Gesetze und durch das knigliche Wort
gesichertes Eigenthum von einem Apostaten in Besitz genommen wurde. Das
war also der Lohn fr die heldenmthige Loyalitt, die sich in allen
Wechselfllen fnfzig strmischer Jahre nicht ein einziges Mal
verleugnet hatte! Deshalb also hatte die Geistlichkeit fr KarlI.
Plnderung und Verfolgung ertragen, deshalb hatte sie KarlII. in seinem
harten Kampfe mit der whiggistischen Opposition untersttzt, deshalb
hatte sie in der vordersten Reihe gegen Diejenigen gestanden, welche
Jakob seines Geburtsrechtes berauben wollten! Ihrer Treue allein
verdankte ihr Unterdrcker die Macht, die er jetzt zu ihrem Verderben
anwendete. Lange genug hatten sie mit bitterem Schmerze die Leiden
aufgezhlt, die sie von den Puritanern in den Tagen ihrer Macht hatten
erdulden mssen. Der Puritaner war indessen einigermaen zu
entschuldigen. Er war ein erklrter Feind, er hatte sich fr erlittenes
Unrecht zu rchen und selbst er war nicht ganz ohne Mitleid gewesen, als
er die Kirchenverfassung des Landes umgestaltete und Alle, die seinen
Covenant nicht unterschreiben wollten, absetzte. Er hatte denen, die er
ihrer Pfrnden beraubte, wenigstens so viel davon gelassen, als sie zu
ihrem Lebensunterhalte nothwendig brauchten. Aber des Knigs Ha gegen
die Kirche, die ihn vor der Verbannung bewahrt und auf den Thron erhoben
hatte, war nicht so leicht zu sttigen. Nur der vllige Ruin seiner
Opfer konnte ihn zufrieden stellen. Nicht genug, da sie aus ihren
Wohnungen vertrieben und ihres Einkommens beraubt wurden, auch jede
andre Laufbahn, auf der Mnner ihrer Art ihren Unterhalt suchen konnten,
war ihnen mit raffinirter Bswilligkeit verschlossen und es blieb ihnen
nichts Andres brig, als die unsichere und beschmende Hlfsquelle der
ffentlichen Mildthtigkeit.

Die anglikanische Geistlichkeit und diejenigen Laien, welche dem
protestantischen Episcopat mit Liebe zugethan waren, betrachteten daher
jetzt den Knig mit Gefhlen, wie sie eine durch Undank noch
verschlimmerte Ungerechtigkeit nothwendig, erregen mu. Indessen hatte
der Anglikaner noch immer viele Bedenken des Gewissens und der Ehre zu
berwinden, ehe er sich zum gewaltsamen Widerstande gegen die Regierung
entschlieen konnte. Man hatte ihn gelehrt, da das gttliche Gesetz
passiven Gehorsam ohne Bedingung oder Ausnahme vorschreibe. Diese
Ansicht hatte er laut und offen ausgesprochen und die Insinuation, da
extreme Flle eintreten knnten, welche dem Volke das Recht gben, gegen
knigliche Tyrannei das Schwert zu ziehen, mit Verachtung
zurckgewiesen. Sowohl Grundsatz als Scham hielten ihn demnach ab, das
Beispiel der rebellischen Rundkpfe nachzuahmen, so lange noch einige
Hoffnung auf friedliche und gesetzmige Befreiung vorhanden war, und
eine solche Hoffnung konnte man vernnftigerweise wohl hegen, so lange
die Prinzessin von Oranien die nchste Thronerbin war. Wenn er diese
Glaubensprfung geduldig berstand, so wrden die Gesetze der Natur bald
das fr ihn thun, was er ohne Snde und Schande nicht selbst fr sich
thun konnte. Die Bedrckungen der Kirche wurden dann abgestellt, ihr
Eigenthum und ihre Wrde durch neue Brgschaften gesichert und die
schndlichen Minister, die sie in Zeiten der Bedrngni gekrnkt und
verhhnt hatten, wurden exemplarisch bestraft.


[_Plne der jesuitischen Cabale in Bezug auf die Thronfolge._] An das
Ereigni, von dem die anglikanische Kirche eine ehrenvolle und
friedliche Erlsung von ihren Leiden erwartete, konnten auch die
sorglosesten Mitglieder der jesuitischen Cabale nicht ohne qulende
Besorgnisse denken. Wenn ihr Gebieter starb, ohne ihnen eine grere
Sicherheit gegen die Strafgesetze zu hinterlassen als eine
Indulgenzerklrung, welche die ganze Nation einstimmig fr null und
nichtig erklrt hatte, wenn ein von dem nmlichen Geiste, welcher in den
Parlamenten Karl'sII. vorgeherrscht, beseeltes Parlament sich um den
Thron eines protestantischen Landesoberhauptes versammelte, war dann
nicht vorauszusehen, da eine furchtbare Vergeltung ausgebt, da die
alten Gesetze gegen den Papismus mit schonungsloser Strenge gehandhabt
und da noch hrtere neue Gesetze dem Gesetzbuche einverleibt werden
wrden? Von diesen schlimmen Befrchtungen wurden die bsen Rathgeber
der Krone schon seit langer Zeit geqult, und einige von ihnen hatten
sonderbare und verzweifelte Schutzmittel ersonnen. Jakob hatte den Thron
kaum bestiegen, so begann man sich in Whitehall schon zuzuflstern, da,
wenn die Prinzessin Anna katholisch werden wollte, es mit Hlfe Ludwig's
vielleicht nicht unmglich sein wrde, das Geburtsrecht ihrer lteren
Schwester auf sie zu bertragen. Bei der franzsischen Gesandtschaft
fand diese Idee groen Beifall und Bonrepaux war der Meinung, da
Jakob's Einwilligung nicht schwer zu erlangen sein werde.[23] Bald
jedoch zeigte es sich deutlich, da Anna der Landeskirche
unerschtterlich treu war. Der Gedanke, sie zur Knigin zu machen, wurde
daher wieder aufgegeben. Dessenungeachtet nhrte ein kleines Huflein
Fanatiker noch immer die khne Hoffnung, da es ihnen gelingen knne,
die Thronfolgeordnung zu ndern. Der Plan dieser Mnner wurde in einem
Entwurfe dargelegt, von dem noch eine schlechte franzsische bersetzung
vorhanden ist. Es sei zu hoffen, sagten sie, da der Knig im Stande
sein werde, den wahren Glauben zu befestigen, ohne zu extremen Mitteln
zu greifen; im schlimmsten Fall aber knne er die Verfgung ber seine
Krone Ludwig anheimstellen. Es sei fr die Englnder immer noch besser,
wenn sie Vasallen Frankreichs wren, als Sklaven des Teufels.[24] Dieses
hchst merkwrdige Actenstck ging unter den Jesuiten und Hflingen von
Hand zu Hand, bis endlich einige ausgezeichnete Katholiken, in denen die
Bigotterie noch nicht allen Patriotismus erstickt hatte, dem
hollndischen Gesandten eine Abschrift anfertigten. Dieser zeigte den
Aufsatz dem Knige, und Jakob erklrte denselben fr eine erbrmliche
Flschung, die von einem hollndischen Pamphletschmierer ersonnen sein
msse. Der hollndische Gesandte antwortete mit Entschiedenheit, da er
durch das Zeugni mehrerer ausgezeichneter Mitglieder der eigenen Kirche
Seiner Majestt das Gegentheil beweisen knne, ja da es sogar nicht
schwer sein werde, den Verfasser ausfindig zu machen, welcher im Grunde
nur das niedergeschrieben habe, wovon viele Priester und geschftige
Politiker tglich in den Gallerien des Palastes sprchen. Der Knig
hielt es nicht fr rathsam, nach dem Verfasser zu forschen, nahm den
Vorwurf der Flschung zurck und versicherte mit groer Heftigkeit und
Feierlichkeit, da es ihm nie in den Sinn gekommen sei, seine lteste
Tochter zu enterben. Niemand, sagte er, hat es je gewagt, eine solche
Idee gegen mich zu uern, und ich wrde auch nie darauf hren. Gott
befiehlt uns nicht, die wahre Religion durch Ungerechtigkeit zu
verbreiten, und dies wrde die emprendste, widernatrlichste
Ungerechtigkeit sein.[25] Trotz aller dieser Betheuerungen meldete
Barillon wenige Tage spter seinem Hofe, da Jakob angefangen habe, auf
Einflsterungen in Betreff einer nderung der Thronfolgeordnung zu
hren, da die Sache zwar sehr kitzlich sei, da man aber gegrndete
Hoffnung habe, mit der Zeit und durch vorsichtiges Verfahren einen Weg
zu finden, um die Krone mit Ausschlieung der beiden Prinzessinnen auf
ein rmisch-katholisches Haupt zu bringen.[26] Dieser Plan wurde noch
viele Monate von den heftigsten und berspanntesten Papisten am Hofe
besprochen, und es wurden wirklich Candidaten fr den Knigsthron
genannt.[27]

    [Anmerkung 23: +Quand on connoit le dedans de cette cour aussi
    intimement que je la connois, on peut croire que Sa Majest
    Britannique donnera volontiers dans ces sortes de projets.+
    Bonrepaux an Seignelay, 18.(28.) Mrz 1686.]

    [Anmerkung 24: +Que, quand pour tablir la religion Catholique et
    pour la confirmer icy, il+ (Jakob) +devroit se rendre en quelque
    faon dpendant de la France, et mettre la dcision de la
    succession  la couronne entre les mains de ce monarque l, qu'il
    seroit oblig de le faire, parcequ'il vaudroit mieux pour ses
    sujets qu'ils devinssent vassaux du Roy de France, tant
    Catholiques, que de demeurer comme esclaves du Diable.+ -- Dieses
    Schriftstck befindet sich sowohl im franzsischen als auch im
    hollndischen Archive.]

    [Anmerkung 25: Citters, 6.(16.) u. 17.(27.) Aug.; Barillon,
    19.(29.) Aug.]

    [Anmerkung 26: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686. +La succession est
    une matire fort dlicate  traiter. Je sais pourtant qu'on en
    parle au Roy d'Angleterre et qu'on ne dsespre pas avec le temps
    de trouver des moyens pour faire passer la couronne sur la tte
    d'un hritier Catholique.+]

    [Anmerkung 27: Bonrepaux, 11.(21.) Juli 1687.]


[_Jakob's und Tyrconnel's Plan, die Prinzessin von Oranien von der
Erbfolge im Knigreich Irland auszuschlieen._] Es ist jedoch nicht
wahrscheinlich, da Jakob jemals einen so unsinnigen Schritt zu thun
beabsichtigte. Er mute wissen, da England nicht einen einzigen Tag das
Joch eines Usurpators ertragen htte, der noch obendrein Papist war, und
da sowohl Diejenigen, welche die Ausschlieungsbill untersttzt, als
auch Die, welche sich ihr widersetzt hatten, jeden Versuch, die
Prinzessin Marie bei Seite zu schieben, auf Leben und Tod bekmpft haben
wrden. Dagegen unterliegt es keinem Zweifel, da der Knig bei einem
minder unsinnigen, aber eben so unverantwortlichen Anschlage auf die
Rechte seiner Kinder die Hand im Spiele hatte. Tyrconnel hatte im
Einverstndni mit seinem Gebieter Anstalten getroffen, um Irland von
dem Knigreiche zu trennen und es unter Ludwig's Protection zu stellen,
sobald die Krone einem protestantischen Oberhaupte zufallen wrde.
Bonrepaux war zu Rathe gezogen worden, hatte seinem Hofe den Plan
mitgetheilt und die Weisung erhalten, Tyrconnel zu versichern, da
Frankreich zur Ausfhrung dieser groartigen Idee krftigen Beistand
leisten werde.[28] Diese Unterhandlungen, welche im Haag vielleicht
nicht in ihrem ganzen Umfange genau bekannt waren, aber doch stark
vermuthet wurden, drfen nicht auer Acht gelassen werden, wenn man sich
ein richtiges Urtheil ber das Verfahren bilden will, das die Prinzessin
von Oranien wenige Monate spter einschlug. Wer sie einer Verletzung der
Kindespflicht beschuldigt, mu zugeben, da ihr Fehler durch das ihr
zugefgte Unrecht wenigstens sehr gemildert wird. Wenn sie im Interesse
ihres Glaubens die heiligsten Bande der Blutsverwandtschaft zerri, so
folgte sie nur dem Beispiele ihres Vaters. Sie lieh erst dann die Hand
zu seiner Absetzung, als er einen Anschlag zu ihrer Enterbung
geschmiedet hatte.

    [Anmerkung 28: Bonrepaux an Seignelay, 25. Aug. (4. Sept.) 1687.
    Ich will eine Stelle aus dieser wichtigen Depesche hier anfhren.
    +Je say bien certainement que l'intention du Roy d'Angleterre
    est de faire perdre ce royaume+ (Irland) + son successeur, et de
    le fortifier en sorte que tous ses sujets Catholiques y puissent
    avoir un asile assur. Son projet est de mettre les choses en cet
    estat dans le cours de cinq annes.+ -- In den +Secret Consults
    of the Romish Party in Ireland, 1690+, findet sich eine Stelle,
    aus welcher hervorgeht, da diese Unterhandlung nicht streng
    geheim gehalten wurde. Obgleich der Knig es selbst vor seinen
    Rthen verschwieg, so ist es doch gewi, da er dem franzsischen
    Knig die Verfgung ber jene Regierung und jenes Knigreich
    versprochen hat, sobald die Dinge so weit gediehen sein wrden,
    da es sich thun liee.]


[_Schwangerschaft der Knigin._] Bonrepaux war kaum davon
benachrichtigt, da Ludwig beschlossen habe, Tyrconnel's Vorhaben zu
untersttzen, so wurde jeder Gedanke an diesen Plan wieder aufgegeben.
Jakob erblickte den ersten Schimmer einer Hoffnung, die ihn mit Stolz
und Entzcken erfllte: die Knigin war schwanger.


[_Allgemeiner Zweifel._] Gegen Ende October 1687 begann sich die groe
Neuigkeit gerchtweise zu verbreiten. Man hatte bemerkt, da Ihre
Majestt sich unter dem Vorwande der Unplichkeit von mehreren
ffentlichen Feierlichkeiten fern gehalten. Es hie, da ihr eine Menge
Reliquien, denen man eine auerordentliche Wirkung zuschrieb, umgehngt
worden seien. Die Geschichte fand bald ihren Weg aus dem Palaste in die
Kaffeehuser und verbreitete sich rasch durch das ganze Land. Nur sehr
Wenige begrten das Gercht mit Freuden, der bei weitem grte Theil
der Nation vernahm es mit einem Gemisch von Zweifel und Besorgni. Die
Sache war jedoch keineswegs so unglaublich. Der Knig hatte eben erst
sein vierundfnfzigstes Jahr vollendet und die Knigin stand im Sommer
ihres Lebens. Sie hatte vier Kinder geboren, welche jung starben, und
lange nachher wurde sie von einem fnften entbunden, das Niemand ein
Interesse hatte als untergeschoben zu betrachten und das daher auch nie
fr ein solches erklrt wurde. Da indessen seit dieser letzten
Schwangerschaft fnf Jahre verstrichen waren, so hatte das Volk unter
dem Einflusse der Tuschung, welche die Menschen so leicht verleitet,
das zu glauben was sie wnschen, jede Besorgni, da sie noch einen
Thronerben zur Welt bringen werde, aufgegeben. Auf der andren Seite
schien nichts natrlicher und wahrscheinlicher, als da die Jesuiten
einen frommen Betrug ersonnen haben knnten. Es unterlag keinem Zweifel,
da sie die Thronbesteigung der Prinzessin von Oranien als einen der
hrtesten Schlge betrachten muten, der ihre Kirche treffen konnte.
Eben so gewi war es, da sie nicht sehr gewissenhaft in der Wahl der
Mittel sein wrden, mit deren Hlfe sie ein so groes Unglck von ihrer
Kirche abwenden konnten. In Werken von ausgezeichneten Mitgliedern ihrer
Gesellschaft, welche von ihren Oberen sanctionirt waren, war es deutlich
ausgesprochen, da selbst Mittel, welche allen Begriffen von
Gerechtigkeit und Humanitt noch viel rger Hohn sprachen, als die
Einschmuggelung eines unchten Erben in eine Familie, mit Fug und Recht
zu minder wichtigen Zwecken angewendet werden drften, als die Bekehrung
eines ketzerischen Knigreichs war. Es war ruchbar geworden, da einige
Rthe des Knigs und sogar der Knig selbst Plne geschmiedet htten, um
die Prinzessin Marie ganz oder theilweis um ihr rechtmiges Erbe zu
betrgen. Es bemchtigte sich der ffentlichen Meinung ein Verdacht, der
zwar nicht wohl begrndet, aber keineswegs so abgeschmackt war, als man
gewhnlich glaubt, und die Unbesonnenheit einiger Katholiken bestrkte
das allgemeine Vorurtheil. Sie sprachen von dem glcklichen Ereignisse
wie von etwas Auerordentlichem und Wunderbaren, wie von einem Zeichen
derselben gttlichen Allmacht, welche Sara durch Isaak stolz und
glcklich machte und die Gebete Hanna's mit Samuel belohnte. Marien's
Mtter, die Herzogin von Modena, war unlngst gestorben. Kurz vor ihrem
Tode sollte sie mit inbrnstigen Gebeten und reichen Opfergaben die
heilige Jungfrau von Loretto angefleht haben, da sie Jakob einen Sohn
schenken mge. Der Knig selbst hatte im vergangenen August auf seiner
Reise einen Abstecher nach der sogenannten heiligen Quelle gemacht und
dort die heilige Winifreda gebeten, da sie ihm das Geschenk verschaffen
mge, ohne welches seine groen Plne zur Verbreitung des wahren
Glaubens nur unvollkommen ausgefhrt werden knnten. Die unbesonnenen
Zeloten, die auf solche Geschichten ein groes Gewicht legten,
prophezeiten mit Zuversicht, da das ungeborne Kind ein Knabe sein werde
und boten darauf eine Wette von zwanzig Guineen gegen eine an. Sie
meinten, der Himmel werde sich nicht in's Mittel gelegt haben, wenn er
nicht einen groen Zweck dabei htte. Ein Fanatiker verkndete sogar,
die Knigin werde Zwillinge gebren, von denen der ltere Knig von
England, der jngere Papst werden wrde. Marie konnte das Vergngen, mit
dem sie diese Prophezeiungen anhrte, nicht verbergen, und ihre Hofdamen
sahen, da sie sich nicht besser bei ihr insinuiren knnten, als wenn
sie davon sprachen. Die Katholiken wrden klger gethan haben, wenn sie
von der Schwangerschaft als von einem ganz natrlichen Ereignisse
gesprochen und ihr unverhofftes Glck mit mehr Migung getragen htten.
Ihr bermthiger Triumph erregte nur den Unwillen des Volks und ihre
Prophezeiungen bestrkten es in seinem Verdacht. Von dem Prinzen und der
Prinzessin von Dnemark herab bis zu den Lasttrgern und Waschweibern
erwhnte Niemand die verheiene Geburt ohne ein hhnisches Lcheln. Die
londoner Spottvgel beschrieben das neue Wunder in Reimen, die, wie man
leicht denken kann, nicht eben die zartesten waren. Die ungeschliffenen
Landsquires brachen in ein schallendes Gelchter aus, wenn sie mit
Jemandem zusammentrafen, der so einfltig war zu glauben, da die
Knigin wirklich noch einmal Mutter werden wrde. Es erschien eine
knigliche Verordnung, welche der Geistlichkeit befahl, ein von Crewe
und Sprat fr dieses freudige Ereigni besonders verfates Bitt- und
Dankgebet zu verlesen. Die Geistlichen gehorchten, aber man bemerkte,
da die Gemeinden nicht respondirten und kein Zeichen von Ehrerbietung
uerten. Bald circulirte in allen Kaffeehusern ein rohes Spottgedicht
auf die hfischen Prlaten, deren Feder sich der Knig bedient hatte.
Mutter East (Ost) war darin ebenfalls reichlich mit Schmhungen bedacht.
Zu diesem einheimischen einsilbigen Wrtchen hatten unsere Vorfahren den
Namen des groen Hauses Este, welches in Modena regierte,
verstmmelt.[29]

Die neue Hoffnung, welche den Muth des Knigs so sehr hob, war indessen
mit mancherlei Besorgnissen vermischt. Es bedurfte noch etwas mehr als
die Geburt eines Prinzen von Wales zum Gelingen der von der
Jesuitenpartei entworfenen Plne. Es war nicht anzunehmen, da Jakob so
lange lebte, bis sein Sohn das zur Ausbung der kniglichen Functionen
erforderliche Alter erreicht hatte. Das Gesetz hatte den Fall eines
minderjhrigen Thronerben nicht vorgesehen, und der regierende
Landesherr war nicht berechtigt, fr diesen Fall eine testamentarische
Verfgung zu treffen. Die gesetzgebende Versammlung allein konnte die
Lcke ausfllen. Starb Jakob, bevor Letzteres geschehen war, und
hinterlie er einen Nachfolger von zarter Jugend, so mute die hchste
Gewalt unfehlbar protestantischen Hnden zufallen. Selbst diejenigen
Tories, welche am festesten an dem Grundsatze hingen, da nichts sie zum
Widerstande gegen ihren Lehnsherrn berechtigen knne, wrden gewi kein
Bedenken getragen haben, das Schwert gegen ein papistisches Weib zu
ziehen, die es gewagt htte, sich die Vormundschaft ber das Reich und
ber den jugendlichen Souverain anzumaen. Der Ausgang eines Kampfes
konnte kaum zweifelhaft sein. Der Prinz von Oranien oder seine Gemahlin
wurde Regent und der junge Knig kam in die Hnde ketzerischer Lehrer,
deren Kunstgriffe die Eindrcke, welche sein Gemth in der Kinderstube
empfangen hatte, jedenfalls bald verwischten. Er konnte ein zweiter
EduardVI. werden und der durch die Frsprache der Mutter Gottes und der
heiligen Winifreda erlangte Segen konnte sich in Fluch verwandeln.[30]
Gegen eine solche Gefahr konnte nur eine Parlamentsacte schtzen, und
eine solche Acte war nicht leicht zu erlangen.

    [Anmerkung 29: Citters, 28. Oct. (7. Nov.), 22. Nov. (2. Dec.)
    1687; die Prinzessin Anna an die Prinzessin von Oranien, 14. u.
    20. Mrz 1687/8; Barillon, 1.(11.) Dec. 1687; +Revolution
    Politics+; das Gedicht: +Two Toms and a Nat+; Johnstone, 4.
    April 1688; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland,
    1690+.]

    [Anmerkung 30: Die Besorgnisse des Knigs ber diesen Punkt werden
    von Ronquillo in einer Depesche vom 12.(22.) Dec. 1688 mit starken
    Farben geschildert: +Un Principe de Vales y un Dogue de York y
    otro di Lochaosterna+ (vermuthlich Lancaster), +no bastan, a
    reducir la gente; porque el Rey tiene 54 aos, y vendr  morir,
    dejando los hijos pequeos, y que entonces el reyno se apoderar
    dellos, y los nombrar tutor, y los educar en la religion
    protestante, contra la disposicion que dejare el Rey, y la
    autoridad de la Reyna.+]


[_Stimmung der Wahlkrper und der Peers._] Es schien Alles anzudeuten,
da, wenn die Huser einberufen werden sollten, sie von dem Geiste von
1640 beseelt nach Westminster kommen wrden. Das Resultat der
Grafschaftswahlen konnte kaum zweifelhaft sein. Die ganze Masse der
Grundeigenthmer, hohe und niedere, geistlichen und weltlichen Standes,
waren gegen die Regierung heftig aufgebracht. In der groen Mehrzahl
derjenigen Stdte, wo das Stimmrecht von der Entrichtung rtlicher
Steuern oder von dem Besitze eines Grundstcks abhngig war, htte sich
kein hfisch gesinnter Kandidat blicken lassen drfen. Ein sehr groer
Theil des Unterhauses wurde von Mitgliedern von Municipalcorporationen
gewhlt. Diese Corporationen waren unlngst reorganisirt worden, um den
Einflu der Whigs und der Dissenters zu zerstren, mehr als hundert
Wahlkrper waren durch der Krone ergebene Gerichtshfe ihrer Freibriefe
beraubt oder doch veranlat worden, einer gewaltsamen Entziehung ihrer
Privilegien durch freiwilliges Aufgeben derselben zuvorzukommen. Jeder
Mayor, jeder Alderman, jeder Stadtschreiber von Berwick bis Helstone war
Tory und Anglikaner; aber Tories und Anglikaner waren jetzt dem
Souverain nicht mehr ergeben. Die neuen Municipalbehrden waren noch
unlenksamer als die frheren je gewesen waren, und sie whlten ohne
allen Zweifel solche Abgeordnete, deren erster parlamentarischer Act
eine Anklage gegen alle papistischen Geheimrthe und gegen alle
Mitglieder der Hohen Commission war.

Bei den Lords waren die Aussichten fast eben so trbe als bei den
Gemeinen. Es unterlag keinem Zweifel, da die groe Mehrzahl der
weltlichen Peers gegen die Maregeln des Knigs sein wrden, und auf der
Bischofsbank, welche ihn vor sieben Jahren einstimmig gegen Diejenigen
untersttzt hatte, die ihn seines Geburtsrechtes berauben wollten,
konnte er nur auf den Beistand von vier oder fnf servilen Schmeichlern
rechnen, die von ihren Berufsgenossen wie von der ganzen Nation
verachtet wurden.[31]

Jedem, den die Leidenschaft nicht gnzlich verblendete, muten diese
Hindernisse unbersteiglich erscheinen. Die gewissenlosesten Sklaven der
Gewalt lieen Zeichen von Besorgni laut werden. Dryden uerte, der
Knig werde durch seinen Versuch, die Sache besser zu machen, sie nur
verschlimmern, und er sehnte sich zurck nach den goldenen Tagen des
sorglosen und gutmthigen Karl.[32] Selbst Jeffreys wurde schwankend. So
lange er arm war, war er stets bereit gewesen, um des Gewinns willen dem
bsen Leumunde und dem ffentlichen Hasse zu trotzen; aber er hatte sich
jetzt durch Bestechlichkeit und Erpressungen groe Reichthmer erworben,
und es lag ihm mehr daran, sich den Besitz derselben zu sichern, als sie
noch zu vermehren. Seine Lauheit zog ihm einen strengen Verweis aus
kniglichem Munde zu. Aus Furcht, das groe Siegel zu verlieren,
versprach er Alles was von ihm verlangt wurde; Barillon aber bemerkte in
seinem hierauf bezglichen Berichte an Ludwig, da der Knig von England
sich selbst auf Diejenigen, die etwas zu verlieren htten, nicht mehr
verlassen knne.[33]

    [Anmerkung 31: Drei damals entworfene Stimmlisten sind noch
    vorhanden; eine befindet sich in den franzsischen Archiven, die
    beiden anderen in den Archiven der Familie Portland. In diese
    Listen sind die Peers unter drei Rubriken eingetragen: Fr
    Aufhebung des Testes, gegen die Aufhebung, und zweifelhaft. Nach
    der einen Liste waren 31 fr, 86 gegen und 20 zweifelhaft; nach
    der zweiten 33 fr, 87 gegen und 19 zweifelhaft; nach der dritten
    35 fr, 92 gegen und 10 zweifelhaft. Abschriften der drei Listen
    befinden sich unter den Mackintosh-Manuscripten.]

    [Anmerkung 32: Im Britischen Museum befindet sich ein Brief von
    Dryden an Etherege vom Februar 1688. Ich entsinne mich nicht, ihn
    gedruckt gesehen zu haben. Ach, sagt Dryden, mchte doch unser
    Knig durch sein eignes Beispiel zu edler Mue aufmuntern, wie
    sein Vorgnger hochseligen Andenkens es that. Mich dnkt er wird
    mit all' seinem Geschftseifer die Angelegenheiten nicht
    frdern.]

    [Anmerkung 33: Barillon, 29. Aug. (8. Sept.) 1687.]


[_Jakob beschliet, ein bestochenes Parlament zusammenzusetzen._] Trotz
alledem beschlo Jakob, seinen Weg beharrlich zu verfolgen. Die
Zustimmung eines freien und gesetzlichen Parlaments zu erlangen, war
offenbar unmglich; aber nicht ganz unmglich war es, durch Bestechung,
Einschchterung, gewaltthtige Anwendung der Prrogative und
betrgerische Rechtsverdrehungen eine Versammlung zu Stande zu bringen,
die sich ein Parlament nennen konnte und bereit war, jeden Befehl des
Souverains als Gesetz zu registriren. Es muten Wahlbeamte ernannt
werden, die den geringsten Vorwand benutzten, um Freunde des Knigs fr
rechtsgltig gewhlt zu erklren. Jedem Angestellten, von den hchsten
bis zu den niedrigsten, mute zu verstehen gegeben werden, da, wenn er
sein Amt behalten wolle, er diesmal den Thron durch seine Stimme und
seinen Einflu untersttzen msse. Zu gleicher Zeit mute die Hohe
Commission ein scharfes Auge auf die Geistlichkeit haben. Die Wahlorte,
welche erst krzlich reorganisirt worden waren, um dem einen Zwecke zu
dienen, konnten noch einmal umgestaltet werden, um einem andren zu
dienen. Auf diese Weise hoffte der Knig im Hause der Gemeinen eine
Majoritt zu erlangen. Das Oberhaus war dann ganz in seiner Gewalt, denn
er hatte das unbestrittene gesetzliche Recht, Peers nach seinem
Gutdnken zu ernennen, und er war fest entschlossen, von diesem Rechte
Gebrauch zu machen. Er wnschte zwar nicht, was auch kein Souverain
wnschen kann, die hchste Ehrenbezeigung, welche die Krone zu verleihen
vermag, werthlos zu machen; aber er schmeichelte sich mit der Hoffnung,
da es ihm durch Einberufung einiger nchster Erben in die Versammlung,
in der sie doch frher oder spter einmal ihren Sitz einnehmen muten,
und durch Verleihung englischer Adelstitel an schottische und irische
Lords gelingen werde, sich eine Majoritt zu sichern; ohne so viele
Leute in den Adelsstand erheben zu mssen, da dadurch die Adelskrone
und der Hermelin an Ansehen verloren. Indessen hatte er sich
vorgenommen, im Nothfall auch zu den uersten Mitteln zu greifen. Als
in einer zahlreichen Gesellschaft einmal die Meinung ausgesprochen
wurde, da sich die Peers unfgsam zeigen wrden, sagte Sunderland zu
Churchill: Wie einfltig! Ihre Garde wird vor dem Hause der Lords
stehen.[34]

Nachdem Jakob beschlossen hatte, ein corrumpirtes Parlament
zusammenzubringen, ging er energisch und planmig an die Ausfhrung. Es
erschien in der Gazette eine Proklamation, welche ankndigte, da der
Knig sich entschlossen habe, die Bestallungen der Friedensrichter und
der Grafschaftsstatthalter einer Revision zu unterwerfen und da nur
diejenigen Gentlemen im Staatsdienste bleiben sollten, welche geneigt
waren, seine Politik zu untersttzen[35]. Ein Ausschu von sieben
Geheimrthen sa in Whitehall, um, wie man sich ausdrckte, die
Municipalkrperschaften zu reguliren. In diesem Ausschusse vertrat
Jeffreys allein das protestantische, Powis das gemigte katholische
Interesse. Alle anderen Mitglieder gehrten der jesuitischen Faction an.
Unter ihnen befand sich auch Petre, der in den Geheimen Rath vereidigt
worden war. Seine Ernennung war bis zum factischen Antritt dieser
Function vor Jedermann, mit alleiniger Ausnahme Sunderland's, sorgfltig
geheim gehalten worden. Der ffentliche Unwille ber diese abermalige
Verletzung des Gesetzes uerte sich laut, und man bemerkte, da die
Katholiken sie noch rcksichtsloser tadelten als die Protestanten. Der
eitle und ehrgeizige Jesuit war jetzt beauftragt, die Hlfte der
Wahlkrper des Reichs aufzulsen und neu zu organisiren.

    [Anmerkung 34: Lord Bradford, welcher anwesend war, erzhlte dies
    Dartmouth; Note zu Burnet I. 755.]

    [Anmerkung 35: +London Gazette, Dec. 12, 1687+.]


[_Die Regulatoren._] Unter der Oberleitung des Ausschusses der
Geheimrthe stand ein aus thtigen Agenten untergeordneten Ranges
gebildeter Unterausschu, der die Einzelheiten des Geschfts zu
besorgen hatte, und im ganzen Lande waren rtliche Ausschsse von
Regulatoren errichtet, welche mit dem Centralcomit in Westminster
correspondirten.[36]

Die Personen, auf deren Untersttzung Jakob bei diesem neuen
und schwierigen Unternehmen hauptschlich rechnete, waren die
Lordlieutenants. Sie erhielten smmtlich den schriftlichen Befehl, sich
unverweilt in ihre respectiven Grafschaften zu begeben. Dort sollten sie
alle ihre Stellvertreter und Friedensrichter vor sich laden und ihnen
eine Reihe Fragen vorlegen, um zu erfahren, wie sie sich bei einer
allgemeinen Wahl verhalten wrden. Die Antworten sollten sie
niederschreiben und der Regierung einsenden. Ferner sollten sie ein
Verzeichni derjenigen Katholiken und protestantischen Dissenters
anfertigen, welche fr die Richterbank und fr die Commandos in der
Miliz am geeignetsten erschienen. Auch sollten sie die Stimmung aller
Wahlorte der Grafschaft untersuchen und Berichte darber einsenden,
welche den Regulatoren bei ihrer Arbeit als Leitfaden dienen konnten.
Schlielich war ihnen bedeutet, da sie alle diese Pflichten in Person
zu vollziehen htten und keine Stellvertreter mit der Ausfhrung
beauftragen drften.[37]

    [Anmerkung 36: Bonrepaux an Seignelay, 14.(24.) Nov.; Citters,
    15.(25.) Nov.; +Lords' Journals, Dec. 20. 1689+.]

    [Anmerkung 37: Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687.]


[_Entlassung vieler Lordlieutenants._] Der erste Eindruck, den diese
Befehle machten, wrde einen weniger verblendeten Frsten als Jakob
sofort zur Besinnung gebracht haben. Die Hlfte der Lordlieutenants von
England verweigerten auf das Bestimmteste den gehssigen Dienst, den man
von ihnen verlangte. Sie wurden auf der Stelle entlassen. Alle, welche
diese ihnen zum Ruhme gereichende Ungnade traf, waren hochangesehene
Peers, welche bisher als feste Sttzen der Monarchie gegolten hatten.
Einige Namen der Liste verdienen besondere Erwhnung.


[_Der Earl von Oxford._] Der vornehmste Unterthan von England und, wie
die Englnder gern sagten, von ganz Europa, war Aubray de Vere, der
zwanzigste und letzte der alten Earls von Oxford. Sein Adelstitel
schrieb sich durch eine ununterbrochene Reihenfolge mnnlicher Ahnen aus
einer Zeit her, wo die Familien Howard und Seymour noch unbekannt waren,
wo die Nevilles und die Percy erst eine provinzielle Berhmtheit hatten
und wo selbst der groe Name Plantagenet in England noch nicht gehrt
worden war. Ein Oberhaupt des Hauses de Vere hatte bei Hastings ein
hohes Commando bekleidet, ein Andrer war mit Gottfried und Tancred ber
Haufen erschlagener Moslems nach dem Grabe Jesu Christi gezogen. Der
erste Earl von Oxford war Minister Heinrich Beauclerc's gewesen; der
dritte hatte sich unter den Lords ausgezeichnet, welche von Johann die
Magna Charta erpreten; der siebente hatte bei Cressy und Poitiers
tapfer gefochten; der dreizehnte war unter vielen Glckswechseln das
Oberhaupt der Partei der Rothen Rose gewesen und hatte in der
entscheidenden Schlacht von Bosworth die Vorhut angefhrt; der
siebzehnte hatte am Hofe der Knigin Elisabeth geglnzt und sich einen
ehrenvollen Platz unter den lteren Meistern der englischen Dichtkunst
erworben; der neunzehnte war im Kampfe fr den protestantischen Glauben
und fr die Freiheit Europa's unter den Mauern von Mastricht gefallen.
Sein Sohn Aubray, mit welchem der lteste und erlauchteste Adelsstamm,
den England je gesehen, erlosch, ein Mann von lockeren Sitten, aber von
harmlosem Charakter und artigen Manieren, war Lordlieutenant von Essex
und Oberst der Blauen. Er war von Natur nicht widersetzlich und es lag
in seinem Interesse, einen Bruch mit dem Hofe zu vermeiden, denn seine
Gter waren mit Schulden belastet und sein Commando ein sehr
eintrgliches. Er wurde in das knigliche Kabinet beschieden und eine
bndige Erklrung ber seine Gesinnungen von ihm verlangt. Sire,
antwortete Oxford, ich werde bis zum letzten Blutstropfen gegen alle
Feinde zu Eurer Majestt stehen; aber dies ist eine Gewissenssache, in
der ich Ihnen nicht willfahren kann. Er wurde augenblicklich seiner
Statthalterschaft und seines Commando's entsetzt.[38]

    [Anmerkung 38: +Halstead's Succinct Genealogy of the Family of
    Vere, 1685+; +Collins's Historical Collections+. Siehe auch in den
    +Lords' Journals+ und in +Jones's Reports+ den Proze wegen des
    Earlthums Oxford im Mrz und April 1625/26. Die Einleitung der
    Rede des Lordoberrichters Crew gehrt zu den glnzendsten Proben
    der altenglischen Beredtsamkeit. Citters, 7.(17.) Febr. 1688.]


[_Der Earl von Shrewsbury._] Dem Hause de Vere, aber auch nur diesem,
stand an Alter und Glanz das Haus Talbot nach. Seit der Regierung
Eduard's III. hatten die Talbot stets unter den Peers des Reichs
gesessen. Das Earlthum Shrewsbury war im funfzehnten Jahrhundert Johann
Talbot, dem Gegner der Jungfrau von Orleans, verliehen worden. Seine
Landsleute hatten seiner noch lange in Liebe und Verehrung als eines der
berhmtesten Krieger gedacht, welche auf dem europischen Festlande ein
groes englisches Reich zu grnden versuchten. Der unerschtterliche
Muth, den er im Unglck gezeigt, hatten ihn zum Gegenstande einer
greren Theilnahme gemacht als glcklichere Feldherren sie erweckt
haben, und sein Tod lieferte unsrer lteren Bhne den Stoff zu einer
ungemein ergreifenden Scene. Seine Nachkommen waren zwei Jahrhunderte
lang ein blhendes und ehrenvolles Geschlecht. Zur Zeit der Restauration
war Franz, der elfte Earl, ein Katholik, das Oberhaupt der Familie. Sein
Tod war von Umstnden begleitet gewesen, die selbst in jenen zgellosen
Zeiten, welche unmittelbar auf den Sturz der puritanischen Partei
folgten, Abscheu und Mitleid erweckt hatten. Der Herzog von Buckingham
war im Laufe seiner leichtfertigen Liebeshndel einen Augenblick von der
Grfin von Shrewsbury angezogen worden. Sie wurde leicht erobert. Ihr
Gemahl forderte den Verfhrer zum Zweikampfe und fiel. Einige sagten,
das pflichtvergessene Weib habe den Zweikampf in mnnlicher Verkleidung
mit angesehen. Andere wollten sogar wissen, sie habe den siegreichen
Geliebten ans Herz gedrckt, whrend sein Hemd noch vom Blute ihres
Gatten gerthet war. Die Titel des Ermordeten gingen auf seinen
unmndigen Sohn Karl ber. Als der verwaiste Jngling zum Manne
heranwuchs, ward es allgemein anerkannt, da kein andrer junger Adeliger
Englands von der Natur so reich begabt sei. Er besa ein einnehmendes
uere, einen ungemein sanften Character und einen solchen Schatz von
Talenten, da er, selbst wenn er in einem niederen Stande geboren
gewesen wre, sich ohne Zweifel zu einer hohen Stellung im Staate
emporgeschwungen haben wrde. Alle diese natrlichen Vorzge hatte er so
gut angewendet, da er schon vor seiner Volljhrigkeit fr einen der
feinsten und kenntnireichsten Gentlemen seiner Zeit galt. Fr seine
Gelehrsamkeit sprechen die noch vorhandenen eigenhndigen Anmerkungen
von ihm zu Werken aus fast allen Zweigen der Literatur. Er sprach
Franzsisch wie ein Kammerherr des Knigs Ludwig und Italienisch wie ein
Florentiner. Es war wohl natrlich, da ein Jngling von solchen Gaben
nach den Grnden forschte, aus denen seine Familie sich der
Staatsreligion nicht angeschlossen hatte. Er studirte sorgfltig die
Streitpunkte, theilte seine Zweifel Priestern seines eignen Glaubens
mit, legte deren Antworten Tillotson vor, erwog lange und aufmerksam die
beiderseitigen Grnde und erklrte sich nach einer zweijhrigen genauen
Untersuchung zum Protestanten. Die anglikanische Kirche nahm den
erlauchten Convertiten freudig in ihren Schoo auf. Er geno einer
groen Popularitt, und diese nahm zu, als man erfuhr, da der Knig
umsonst Bitten und Versprechungen an ihn verschwendet hatte, um ihn zu
dem Irrglauben zurckzufhren, den er abgeschworen. Der Character des
jungen Mannes entwickelte sich jedoch nicht in einer Weise, welche
Diejenigen, die an seiner Bekehrung den hauptschlichsten Antheil
hatten, vollkommen befriedigte. Seine Sittlichkeit entging der
allgemeinen Ansteckung der modischen Ausschweifungen nicht. Der Sto,
der seine Jugendvorurtheile zerstrt, hatte zu gleicher Zeit alle seine
berzeugungen erschttert und ihn der schwankenden Leitung seiner
Gefhle preisgegeben. Aber wenn auch seine Grundstze ihren Halt
verloren hatten, so waren doch die Triebfedern seines Handelns so edel,
sein Gemth so sanft, sein Benehmen so freundlich und gewinnend, da es
unmglich war, ihn nicht zu lieben. Er wurde schon frhzeitig der Knig
der Herzen genannt und verlor in seinem langen, ereignivollen und
bewegten Leben nie das Recht auf diese Bezeichnung.[39]

Shrewsbury war Lordlieutenant von Staffordshire und Oberst eines der
Kavallerieregimenter, die in Folge des Aufstandes im Westen errichtet
worden waren. Er weigerte sich jetzt, seine Thtigkeit durch die
Regulatoren bestimmen zu lassen und wurde deshalb seiner beiden Stellen
entsetzt.

    [Anmerkung 39: +Coxe's Shrewsbury Correspondence+; +Mackay's
    Memoirs+; +Life of Charles Duke of Shrewsbury, 1718+; +Burnet, I.
    762+; +Birch's Life of Tillotson.+ In letzterem Werke findet der
    Leser einen Brief von Tillotson an Shrewsbury, der meiner Ansicht
    nach ein Muster von ernstem, freundschaftlichem und
    rcksichtvollem Tadel ist.]


[_Der Earl von Dorset._] Kein englischer Adeliger erfreute sich der
Volksgunst in einem reicheren Mae als Karl Sackville, Earl von Dorset.
Er war in der That ein merkwrdiger Mann. In seiner Jugend war er einer
der bekanntesten Wstlinge der zgellosen Zeit gewesen, welche auf die
Restauration folgte. Er war der Schrecken der londoner Nachtwchter,
hatte manche Nacht auf der Wache zubringen mssen und zum mindesten
einmal eine Zelle in Newgate bewohnt. Seine Liebe zu Betty Morrice und
zu Lorchen Gwynn, die ihn ihren KarlI. zu nennen pflegte, hatte der
Stadt nicht wenig Stoff zur Unterhaltung und zum rgerni gegeben.[40]
Doch bei all' seinen Thorheiten und Lastern hatte er sich durch
hochherzigen Muth, durch scharfen Verstand und durch natrliche
Herzensgte ausgezeichnet. Die Leute meinten, die Ausschweifungen, denen
er sich hingbe, theile er mit dem ganzen Geschlechte der lebenslustigen
jungen Kavaliere, aber sein Mitgefhl fr die Leiden der Menschheit und
die Gromuth, mit der er diejenigen, welche durch seine muthwilligen
Streiche verletzt wurden, zu entschdigen suchte, sei nur ihm allein
eigen. Seine Freunde wunderten sich darber, da das Publikum zwischen
ihm und ihnen einen Unterschied machte. Der kann thun was er will,
sagte Wilmot; ihm geschieht nie etwas. Das Urtheil der Welt ber
Dorset gestaltete sich noch gnstiger, als er mit den Jahren und in der
Ehe gesetzter wurde. Jedermann pries seine herablassenden Manieren,
seine geistreiche Unterhaltung, sein weiches Gemth und seine
Freigebigkeit. Man sagte es vergehe kein Tag, ohne da eine bedrngte
Familie Ursache habe, seinen Namen zu segnen. Und doch war bei aller
seiner Herzensgte sein Witz so beiend, da Sptter, deren Sarkasmus
die ganze Stadt frchtete, vor dem Sarkasmus Dorset's zitterten. Alle
politischen Parteien achteten und liebten ihn; ihm selbst aber behagte
die Politik berhaupt nicht sonderlich. Htte ihn die Nothwendigkeit zu
Anstrengungen gespornt, so wrde er wahrscheinlich zu den hchsten
Posten im Staate gestiegen sein; aber er nahm schon durch seine Geburt
einen so hohen Rang ein und war dabei so reich, da ihm viele
Beweggrnde fehlten, welche die Menschen antreiben, sich mit den
ffentlichen Angelegenheiten zu befassen. Er nahm gerade nur so viel
Theil an parlamentarischen und diplomatischen Geschften, als
hinreichte, um zu beweisen, da ihm nichts weiter fehlte als die Lust
dazu, um mit Danby und Sunderland zu rivalisiren, und richtete seine
Thtigkeit auf Bestrebungen, die ihm besser zusagten. Gleich vielen
anderen Mnnern, welche mit groen natrlichen Fhigkeiten eine
angeborne und gewohnheitsmige Indolenz verbinden, wurde er ein
geistiger Genumensch und ein Meister in allen unterhaltenden Zweigen
des Wissens, die man sich ohne ernstes Studium aneignen kann. Er war
anerkanntermaen der beste Richter in der Malerei, der Sculptur, der
Baukunst und der Schauspielerkunst, den der Hof aufzuweisen hatte. In
Angelegenheiten der schnen Knste und Wissenschaften galt sein Urtheil
in allen Kaffeehusern fr unwiderruflich magebend. Mehr als ein
hbsches Theaterstck, das bei der ersten Auffhrung durchfiel, wurde
lediglich durch seine Autoritt gegen das Geschrei des ganzen Parterres
siegreich vertheidigt und bestand mit glcklichem Erfolge die zweite
Probe. St. Evremond und Lafontaine rhmten die feine Eleganz seines
franzsischen Styls. Noch nie hatte England einen solchen Gnner der
Literatur gehabt. Er bte seine Freigebigkeit mit eben so richtiger
Einsicht als liberaler Unparteilichkeit, keine Secte oder Faction wurde
dabei von ihm bevorzugt. Geniale Mnner, welche durch literarische
Eifersucht oder durch Verschiedenheit ihrer politischen Meinung einander
entfremdet waren, stimmten in der Anerkennung seiner unparteiischen Gte
berein. Dryden gestand, da Dorset's frstliche Freigebigkeit ihn vom
Untergange gerettet habe. Und dennoch wurden Montague und Prior, welche
Dryden durch beiende Satiren getadelt hatten, von Dorset ins
ffentliche Leben eingefhrt, und das beste Lustspiel von Dryden's
Todfeind, Shadwell, war auf Dorset's Landsitze geschrieben. Htte der
freigebige Earl sonst gewollt, so htte er sehr gut mit Denen
rivalisiren knnen, deren Wohlthter er zu sein sich begngte, denn die
Verse, die er gelegentlich dichtete, zeigen bei aller unknstlerischen
Form Spuren eines angebornen Genies, das bei sorgfltiger Pflege Groes
htte schaffen knnen. In dem kleinen Bande seiner Werke finden sich
Lieder, welche die ungezwungene Lebendigkeit Suckling's besitzen, und
kleine Satiren, deren glnzender Humor dem eines Butler nicht
nachsteht.[41]

Dorset war Lordlieutenant von Sussex und auf Sussex blickten die
Regulatoren mit besonders ngstlicher Spannung, denn in keiner andren
Grafschaft, Cornwall und Wiltshire ausgenommen, befanden sich so viele
kleine Wahlorte. Er erhielt Befehl, sich auf seinen Posten zu begeben.
Keiner von Denen, die ihn kannten, erwartete, da er gehorchen werde. Er
gab eine Antwort, wie sie sich fr ihn ziemte, und wurde bedeutet, da
man seiner Dienste nicht mehr bedrfe. Das allgemeine Interesse, das er
seinen vielen edlen und liebenswrdigen Eigenschaften verdankte, wurde
nicht wenig erhht, als man erfuhr, da er durch die Post einen anonymen
Brief erhalten hatte, worin ihm angekndigt wurde, da, wenn er sich
nicht sofort den Wnschen des Knigs fge, ihn all' sein Geist und seine
Popularitt nicht vor der Ermordung schtzen werde. Eine hnliche
Warnung erhielt auch Shrewsbury. Drohbriefe waren damals viel seltener
als sie es spterhin geworden sind, und man kann sich daher nicht
darber wundern, da das ohnehin schon aufgeregte Volk zu dem Glauben
geneigt war, die besten und edelsten Englnder seien wirklich fr
papistische Dolche ausersehen.[42] Gerade zu der Zeit, als diese Briefe
in ganz London das Tagesgesprch bildeten, wurde der verstmmelte
Leichnam eines angesehenen Puritaners auf der Strae gefunden. Es zeigte
sich indessen bald, da der Mrder die That nicht aus religisen oder
politischen Beweggrnden verbt hatte. Aber der erste Verdacht des
gemeinen Volkes fiel auf die Papisten. Die verstmmelten berreste des
Ermordeten wurden in feierlicher Prozession nach dem Jesuitencollegium
im Savoy getragen und einige Stunden lang war die Furcht und Wuth der
Menge kaum weniger heftig als an dem Tage, wo Godfrey zu Grabe getragen
ward.[43]

Mit den brigen Entlassungen mu ich mich krzer fassen. Der Herzog von
Somerset, dem vor einigen Monaten schon sein Regiment wieder abgenommen
worden war, wurde nun auch seiner Stelle als Lordlieutenant des
Ostbezirks[44] von Yorkshire enthoben. Die Statthalterschaft des
Nordbezirks verlor der Viscount Fauconberg, die von Shropshire der
Viscount Newark und die von Lancashire der Earl von Derby, der Enkel des
tapferen Kavaliers, der auf dem Schlachtfelde sowohl als auf dem
Schaffot fr das Haus Stuart dem Tode so muthig ins Auge geblickt hatte.
Der Earl von Pembroke, der unlngst der Krone gegen Monmouth treu und
tapfer gedient hatte, wurde in Wiltshire, der Earl von Rutland in
Leicestershire, der Earl von Bridgewater in Buckinghamshire, der Earl
von Thanet in Cumberland, der Earl von Northampton in Warwickshire, der
Earl von Abingdon in Oxfordshire, der Earl von Scarsdale in Derbyshire
abgesetzt. Scarsdale verlor auerdem auch sein Reiterregiment und seine
Stelle im Hofstaate der Prinzessin von Dnemark. Diese weigerte sich,
ihn aus ihren Diensten zu entlassen und gab nur einem peremptorischen
Befehle ihres Vaters nach. Der Earl von Gainsborough wurde nicht nur der
Statthalterschaft von Hampshire, sondern auch des Gouverneurpostens von
Portsmouth und des Wildmeisteramts im Neuen Forste entsetzt, zwei
Stellen, die er erst vor wenigen Monaten fr fnftausend Pfund gekauft
hatte.[45]

Der Knig konnte keine angesehenen Lords und namentlich gar keine
protestantischen auftreiben, welche die erledigten Stellen anzunehmen
bereit waren. Man mute zwei Grafschaften Jeffreys, einem Manne von sehr
jungem Adel und von geringem Grundbesitz, und zwei andere Preston, der
nicht einmal Peer von England war, zuertheilen. Die brigen ihrer
Statthalter beraubten Grafschaften wurden fast ohne Ausnahme bekannten
Katholiken oder solchen Hflingen berwiesen, welche dem Knige im
Geheimen versprochen hatten, zur rmisch-katholischen Kirche
berzutreten, sobald die Klugheit es ihnen gestatten wrde.

    [Anmerkung 40: Der Knig war nur Lorchen's Karl III. Ob Dorset
    oder Major Hart die Ehre hatte ihr KarlI. zu sein, ist eine
    streitige Frage. Meines Bednkens scheint Dorset gegrndeteren
    Anspruch auf diesen Vorzug zu haben. Siehe die gestrichene Stelle
    in Burnet I. 263, und Pepys' Tagebuch vom 26. Oct. 1667.]

    [Anmerkung 41: +Pepys's Diary+; Prior's Widmung seiner Gedichte an
    den Herzog von Dorset; +Johnson's Life of Dorset+; +Dryden's Essay
    on Satire+ und seine Widmung des +Essay on Dramatic Poesy+.
    Dorset's Liebe zu seiner Gattin und seine strenge eheliche Treue
    wird von dem ausschweifenden Narren Sir Georg Etherege in seinen
    Briefen aus Regensburg vom 9.(19.) Dec. 1687 und 16.(26.) Jan.
    1688 mit hhnender Geringschtzung erwhnt; Shadwell's Widmung
    zu seinem +Squire of Alsatia+; +Burnet I. 264+; +Mackay's
    Characters.+ Einige Seiten von Dorset's Character werden in
    seiner von Pope verfassten Grabschrift treffend angedeutet:

      Doch sanft war sein Herz, wenn auch streng sein Lied;

    und weiterhin:

      Ein glcklicher Hofmann, von Frst und Land geliebt,
      Und dennoch treu der Freundschaft und der Mue.]

    [Anmerkung 42: Barillon, 9.(19.) Jan. 1688; Citters, Jan. 31.
    (Febr. 10.)]

    [Anmerkung 43: Adda, 3.(13.) u. 10.(20.) Febr. 1688.]

    [Anmerkung 44: Die Grafschaft York, die grte von England, wird
    in drei Bezirke (+Ridings+) eingetheilt.    D. bers.]

    [Anmerkung 45: Barillon, 5.(15.), 8.(18.) u. 12.(22.) Dec. 1687;
    Citters, 29. Nov. (9. Dec.) u. 2.(12.) Dec.]


[_An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf._] Endlich
wurde die neue Maschinerie in Bewegung gesetzt und bald kam aus allen
Gegenden des Landes die Nachricht von der vollstndigen und
hoffnungslosen Niederlage. Der Katechismus, nach welchem die
Lordlieutenants die Gesinnungen der Landgentry erforschen sollten,
bestand aus drei Fragen. Jeder Magistratsbeamte und jeder Stellvertreter
des Lordlieutenants mute gefragt werden, erstens ob er, im Fall er
gewhlt wrde, um im Parlamente zu dienen, fr eine im Sinne der
Indulgenzerklrung gefate Bill stimmen wolle; zweitens ob er als Whler
seine Stimme solchen Candidaten geben wolle, die sich verpflichteten,
fr eine derartige Bill zu stimmen; und drittens ob er als Privatmann
die wohlwollenden Zwecke des Knigs frdern wolle, indem er mit Leuten
jeder religisen berzeugung in Frieden lebte.[46]

Sobald diese Fragen bekannt geworden waren, wurde ein mit seltener
Geschicklichkeit entworfenes Antwortformular im ganzen Lande verbreitet
und allgemein angenommen. Es lautete folgendermaen: Im Fall mir die
Ehre zu Theil werden sollte, einen Sitz im Hause der Gemeinen
einzunehmen, werde ich als Mitglied dieses Hauses es fr meine Pflicht
halten, die Grnde, welche fr und gegen eine Indulgenzbill im Laufe der
Debatte geltend gemacht werden, sorgfltig zu erwgen, und dann nach
meiner gewissenhaften berzeugung zu stimmen. Als Whler werde ich meine
Stimme solchen Candidaten geben, deren Begriffe von den Pflichten eines
Volksvertreters mit meinen eigenen bereinstimmen. Als Privatmann hege
ich den Wunsch, mit Jedermann in Frieden und Eintracht zu leben.

    [Anmerkung 46: Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687; +Lonsdale's
    Memoirs.+]


[_Scheitern der Plne des Knigs._] Diese Antwort, die noch viel
trotziger war als eine frmliche Weigerung, weil sie einen leichten
Anflug von milder und anstndiger Ironie hatte, ber die man sich nicht
wohl gereizt zeigen konnte, war Alles was die Emissre des Hofes von den
meisten Landgentlemen erlangen konnten. Gegenvorstellungen,
Versprechungen und Drohungen wurden vergebens angewendet. Der Herzog von
Norfolk, obgleich Protestant und mit dem Verfahren der Regierung
unzufrieden, hatte sich zu ihrem Werkzeuge in zwei Grafschaften
hergegeben. Er begab sich zuerst nach Surrey, wo er aber bald sah, da
er nichts ausrichten konnte.[47] Dann ging er nach Norfolk, von wo er
ebenfalls bald zurckkehrte, um dem Knige zu melden, da ihm von
siebzig Gentlemen, welche in dieser groen Provinz ffentliche mter
bekleideten, nur sechs Hoffnung gemacht htten, die Politik des Hofes zu
untersttzen.[48] Der Herzog von Beaufort, dessen Autoritt sich ber
vier englische Grafschaften und ber das ganze Frstenthum Wales
erstreckte, kam mit einem nicht minder niederschlagenden Berichte nach
Whitehall.[49] Rochester war Lordlieutenant von Hertfordshire. Sein
ganzer kleiner Schatz von Tugend war in dem Kampfe gegen die starke
Versuchung, seine Religion fr Geld zu verkaufen, aufgezehrt worden; er
war noch durch einen Jahrgehalt von viertausend Pfund an den Hof
gebunden, und zum Dank dafr war er zu jedem wenn auch noch so
ungesetzlichen und erniedrigenden Dienste bereit, vorausgesetzt, da man
nicht die Formalitt einer Ausshnung mit Rom von ihm verlangte. Er
hatte sich bereitwilligst der Aufgabe unterzogen, seine Grafschaft zu
bearbeiten, und er ging dabei, wie immer, mit bereilter Heftigkeit und
Gewaltthtigkeit zu Werke. Aber er verschwendete seinen Eifer vergebens
an die starrsinnigen Squires, mit denen er es zu thun hatte. Sie
erklrten ihm einstimmig, da sie keinen Mann ins Parlament schicken
wollten, der fr die Beseitigung der Schutzwehren des protestantischen
Glaubens stimmen wrde.[50] Dieselbe Antwort erhielt der Kanzler auch in
Buckinghamshire.[51] Die Gentry von Shropshire weigerte sich in einer zu
Ludlow veranstalteten Zusammenkunft einhellig, sich durch das von dem
Knige verlangte Versprechen zu binden.[52] Der Earl von Yarmouth
berichtete aus Wiltshire, da von sechzig Magistratsbeamten und
Statthaltersubstituten, mit denen er gesprochen, nur sieben eine
gnstige Antwort gegeben htten und da man selbst diesen nicht trauen
knne.[53] Der Renegat Peterborough richtete eben so wenig in
Northamptonshire aus.[54] Nicht glcklicher war sein Genosse Dover in
Cambridgeshire.[55] Auch Preston brachte schlechte Nachrichten aus
Cumberland und Westmoreland; Dorsetshire und Huntingdonshire waren von
dem nmlichen Geiste beseelt. Der Earl von Bath kehrte nach langem
Stimmenwerben mit trostlosen Nachrichten aus dem Westen zurck. Er war
ermchtigt worden, den Bewohnern dieser Gegenden die verfhrerischesten
Anerbietungen zu machen. Insbesondere hatte er versprochen, da, wenn
die Wnsche des Knigs gebhrend bercksichtigt wrden, der Zinnhandel
von den auf ihm lastenden drckenden Beschrnkungen befreit werden
solle. Aber dieser Kder, dem man zu einer andren Zeit nicht
widerstanden haben wrde, wurde jetzt mit Verachtung zurckgewiesen.
Alle Friedensrichter und Statthaltersubstituten von Devonshire und
Cornwall erklrten ohne eine einzige Ausnahme, da sie Gut und Blut fr
den Knig opfern wrden, da aber die protestantische Religion ihnen
noch theurer sei als Gut und Blut. Und, setzte Bath hinzu, wenn Eure
Majestt alle diese Gentlemen absetzte, so wrden ihre Nachfolger ganz
die nmliche Antwort geben.[56] Wenn es irgend einen Bezirk gab, in
welchem die Regierung auf einen gnstigen Erfolg hoffen durfte, so war
es Lancashire. Man hatte starke Zweifel gehegt, ob das Resultat in
dieser Provinz mit dem der meisten anderen Grafschaften bereinstimmen
werde. In keinem Theile des Landes gab es so viele reiche und angesehene
Familien, welche dem alten Glauben anhingen, und die Oberhupter vieler
dieser Familien waren kraft der Dispensationsgewalt zu Friedensrichtern
und Commandanten der Miliz ernannt worden. Doch auch von dort meldete
der neue Lordstatthalter, selbst ein Katholik, da zwei Drittel seiner
Substituten und der Magistratsbeamten dem Hofe feindlich gesinnt
seien.[57] Noch viel schmerzlicher verletzte das Ergebni in Hampshire
den Stolz des Knigs. Arabella Churchill hatte ihm vor mehr als zwanzig
Jahren einen Sohn geboren, der spterhin als einer der geschicktesten
Generle Europa's weit und breit berhmt wurde. Der junge Mann hie
Jakob Fitzjames und bis dahin hatte noch nichts in ihm vermuthen lassen,
da er sich einst zu hoher Auszeichnung emporschwingen wrde; aber sein
Character und sein Benehmen waren so sanft und herzgewinnend, da er
keinen Feind hatte, auer Marien von Modena, welche den Sohn der
Concubine schon seit langer Zeit mit dem bitteren Ingrimm einer
kinderlosen Gattin hate. Ein kleiner Theil der jesuitischen Faction
hatte, bevor die Schwangerschaft der Knigin angekndigt wurde, ganz
ernstlich daran gedacht, ihn als Kronprtendenten neben der Prinzessin
von Oranien aufzustellen.[58] Wenn man bedenkt, wie vollstndig dem
Herzoge von Monmouth, obgleich das niedere Volk ihn fr legitim hielt
und obgleich er der Vorkmpfer des nationalen Glaubens war, ein
hnlicher Versuch milang, so mu es unbegreiflich erscheinen, wie ein
Mann durch den Fanatismus so ganz verblendet sein konnte, da er nur auf
die Idee kam, einen jungen Menschen, der allgemein als ein papistischer
Bastard bekannt war, auf den Thron erheben zu wollen. Es lt sich nicht
mit Gewiheit sagen, ob der Knig diesem albernen Plane seinen Beifall
zollte. Der junge Mann war brigens als Prinz anerkannt und wurde mit
allen Auszeichnungen berschttet, welche ein nicht aus kniglichem
Blute entsprossener Unterthan nur irgend zu erlangen hoffen konnte. Er
war zum Herzog von Berwick erhoben worden und bekleidete jetzt mehrere
ehrenvolle und eintrgliche Stellen, welche Edelleuten, die sich den
kniglichen Befehlen nicht hatten fgen wollen, abgenommen worden waren.
Er war der Nachfolger des Earls von Oxford als Oberst der Blauen und des
Earls von Gainsborough als Lordlieutenant von Hampshire, Wildmeister des
Neuen Forstes und Gouverneur von Portsmouth. Berwick erwartete, da ihn
an der Grenze von Hampshire, der Sitte gem, ein langer Zug von
Baronets, Rittern und Squires empfangen werde; aber nicht eine einzige
angesehene Person hatte sich zu seiner Begrung eingefunden. Er sendete
Schreiben aus, durch welche er die Gentry zu sich entbot, aber nur fnf
oder sechs beachteten diese Einladung. Die brigen warteten ihre
Entlassung gar nicht ab; sie erklrten im voraus, da sie keinen Theil
an der Civil- oder Militairverwaltung ihrer Grafschaft haben mchten, so
lange der Knig daselbst durch einen Papisten vertreten sei, und legten
ihre Stellen freiwillig nieder.[59]

Sunderland, der an die Stelle des Earls von Northampton zum
Lordlieutenant von Warwickshire ernannt worden war, fand eine Ausflucht,
um nicht in diese Grafschaft zu gehen und die Entrstung und Verachtung
der dortigen Gentry auf sich zu laden, und seine Entschuldigung wurde um
so bereitwilliger angenommen, da der Knig endlich einzusehen begann,
da sich der Sinn der Landgentry nicht beugen lie.[60]

Es mu bemerkt werden, da Diejenigen, welche diesen trotzigen Sinn an
den Tag legten, nicht die alten Feinde des Hauses Stuart waren. Die
Listen der Friedensrichter und Statthaltersubstituten waren schon lngst
von allen republikanischen Namen sorgfltig gesubert. Die Mnner, denen
die Regierung vergebens das Versprechen der Untersttzung abzuzwingen
versucht hatte, waren fast ohne Ausnahme Tories. Die lteren von ihnen
konnten noch Narben, welche von den Schwertern der Rundkpfe herrhrten,
und Empfangsbescheinigungen ber Silbergeschirr aufweisen, das sie
KarlI. in seiner Noth geschickt hatten. Die Jngeren hatten gegen
Shaftesbury und Monmouth fest zu Jakob gehalten. Dies waren die Mnner,
welche jetzt von dem nmlichen Frsten, dem sie so glnzende Beweise von
treuer Anhnglichkeit gegeben hatten, in Masse ihrer mter entsetzt
wurden. Die Entlassung machte sie aber nur noch entschlossener; es war
bei ihnen zu einer heiligen Ehrensache geworden, in dieser Krisis fest
zusammenzuhalten. Es konnte keinem Zweifel unterliegen, da, wenn bei
der Stimmenzhlung ehrlich zu Werke gegangen wurde, nicht ein einziger
der Regierungspolitik gnstiger Grafschaftsabgeordneter gewhlt werden
wrde. Die Leute fragten einander daher mit nicht geringer Besorgni, ob
man wohl erwarten knne, da bei der Stimmenzhlung ehrlich zu Werke
gegangen werden wrde.

    [Anmerkung 47: Citters, 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

    [Anmerkung 48: Citters, 27. Dez. (6. Jan.) 1687/88.]

    [Anmerkung 49: +Ibid.+]

    [Anmerkung 50: Johnstone erwhnt zweimal, unterm 25. Nov. und
    unterm 8. Dec. 1687, den beleidigenden Eifer, den Rochester bei
    dieser Gelegenheit zeigte. Das Milingen seiner Bemhungen erwhnt
    Citters unterm 6.(16.) Dec.]

    [Anmerkung 51: Citters, 6.(16.) Dec. 1687.]

    [Anmerkung 52: +Ibid.+ 20.(30.) Dec. 1687.]

    [Anmerkung 53: Citters, 30. Mrz (9. April) 1687.]

    [Anmerkung 54: +Ibid.+ 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

    [Anmerkung 55: +Ibid.+ 15.(25.) Nov. 1687.]

    [Anmerkung 56: +Ibid.+ 10.(20.) April 1688.]

    [Anmerkung 57: Die ngstliche Spannung wegen Lancashire erwhnt
    Citters in einer Depesche vom 18.(28.) Nov. 1687, das Resultat in
    einer vier Tage spter datirten.]

    [Anmerkung 58: Bonrepaux, 11.(21.) Juli 1687.]

    [Anmerkung 59: Citters, 3.(13.) Febr. 1688.]

    [Anmerkung 60: Citters, 5.(15.) April 1688.]


[_Liste der Sheriffs._] Mit Ungeduld sah man der Liste der Sheriffs fr
das neue Jahr entgegen. Sie erschien, whrend die Lordlieutenants noch
auf ihrer Werbungsreise begriffen waren, und wurde mit einem allgemeinen
Schrei des Zornes und Unwillens aufgenommen. Die Mehrzahl dieser
Beamten, welche bei den Grafschaftswahlen die Oberleitung hatten, waren
entweder Katholiken oder protestantische Dissenters, die ihre Zustimmung
zur Indulgenzerklrung ausgesprochen hatten.[61] Eine Zeit lang hegte
man die schlimmsten Befrchtungen, die aber bald wieder schwanden. Man
hatte guten Grund, anzunehmen, da ber einen gewissen Punkt hinaus der
Knig auch nicht auf die Untersttzung der seiner eigenen Kirche
angehrenden Sheriffs rechnen knne.

    [Anmerkung 61: +London Gazette, Dec. 5. 1687+; Citters, 6.(16.)
    Dec.]


[_Character der katholischen Landgentlemen._] Zwischen dem katholischen
Hflinge und dem katholischen Landgentleman herrschte nur sehr geringe
Sympathie. Die in Whitehall dominirende Cabale bestand theils aus
Fanatikern, welche zum Zwecke der Verbreitung ihres Glaubens bereit
waren, alle Gesetze der Moral ber den Haufen zu werfen und die ganze
Welt in eine heillose Verwirrung zu strzen, theils aus Heuchlern,
welche um des Gewinnes willen von dem Glauben, in dem sie erzogen
worden, abgefallen waren und die jetzt den allen Neubekehrten eigenen
Eifer auf die Spitze trieben. Sowohl die Fanatiker als auch die Heuchler
am Hofe hatten zum grten Theil keine Spur von englischer
Anschauungsweise. In einigen von ihnen hatte die unbedingte Hingebung
fr ihre Kirche alles Nationalgefhl erstickt; andere waren Irlnder,
deren Patriotismus in einem tdtlichen Hasse gegen die schsischen
Eroberer Irlands bestand; noch andere waren Verrther, die von einer
auswrtigen Macht einen regelmigen Sold bezogen, und wieder andere
hatten einen groen Theil ihres Lebens im Auslande zugebracht, und waren
entweder bloe Kosmopoliten oder hegten einen positiven Widerwillen
gegen die Sitten und Staatseinrichtungen des Landes, das sie jetzt zu
regieren hatten. Diese Leute hatten mit einem noch der alten Kirche
anhngenden Gutsbesitzer von Cheshire oder Staffordshire kaum irgend
etwas gemein. Er war weder Fanatiker noch Heuchler, er war Katholik,
weil sein Vater und Grovater Katholiken gewesen waren, und er hing an
seinem ererbten Glauben, wie die Menschen in der Regel an demselben
hngen, aufrichtig aber ohne sonderliche Begeisterung. In jeder andren
Beziehung war er nichts weiter als eben ein englischer Squire, der sich
von den benachbarten Squires hchstens dadurch unterschied, da er noch
etwas ungebildeter und buerischer war als sie. Die auf ihm lastenden
Ausschlieungen hatten ihn verhindert, sich bis zu der allerdings selbst
nur mig hohen Bildungsstufe zu erheben, auf der die meisten
protestantischen Landgentlemen standen. Als Knabe von Eton und
Westminster, als Jngling von Oxford und Cambridge, als Mann vom
Parlament und von der Richterbank ausgeschlossen, vegetirte er still und
ruhig hin, wie die Ulmen der Allee, die zu dem ererbten Meierhofe seiner
Vorfahren fhrte. Seine Kornfelder, seine Milchwirthschaft, seine
Ciderpresse, seine Jagdhunde, seine Angelruthe und seine Flinte, sein
Bier und sein Tabak beschftigten fast allein seine Gedanken. Mit seinen
Nachbarn stand er trotz der Glaubensverschiedenheit in der Regel auf
gutem Fue. Sie kannten ihn als einen harmlosen Mann ohne Ehrgeiz, er
stammte fast durchgngig aus einer guten und alten Familie und war immer
ein Kavalier. Er drang Niemandem seine persnlichen Ansichten auf und
wurde Niemandem lstig damit, er qulte nicht, wie ein Puritaner, sich
selbst und Andere mit Gewissensskrupeln ber alle Gensse des Lebens; im
Gegentheil, er war ein eben so leidenschaftlicher Jagdliebhaber und ein
eben so heiterer Gesellschafter als irgend Einer, der den Suprematseid
und die Erklrung gegen die Transsubstantiation angenommen hatte. Er
ging mit seinen Nachbarsquires auf die Jagd, hielt bis zum Hallali bei
ihnen aus und nahm sie nach beendeter Jagd mit sich nach Hause zu einer
Wildpretpastete und zu einem Kruge Octoberbier, das seine vier Jahre auf
Flaschen lag. Die Bedrckungen, die er erduldet, waren nicht so arg, da
sie ihn zu einem verzweifelten Entschlusse htten treiben knnen; selbst
als seine Kirche schonungslos verfolgt wurde, waren sein Leben und sein
Eigenthum nicht in groer Gefahr. Der schamloseste falsche Zeuge wrde
es schwerlich gewagt haben, der Wahrheit so frech ins Gesicht zu
schlagen, da er ihn beschuldigt htte, ein Verschwrer zu sein. Die
Papisten, welche Oates zu seinen Angriffen auswhlte, waren Peers,
Prlaten, Jesuiten, Benedictiner, thtige politische Agenten, Juristen
mit ausgedehnter Praxis und Hofrzte. Der katholische Landgentlemen
konnte unter dem Schutze seiner Verborgenheit, seines leutseligen Wesens
und der Zuneigung seiner Umgebungen unbelstigt seine Ernte einbringen
und seine Waidtasche mit Wild fllen, whrend Coleman und Langhorne,
Whitbread und Pickering, Erzbischof Plunkett und Lord Stafford durch den
Strick oder durch das Beil starben. Eine Bande elender Schurken machte
zwar den Versuch, gegen Sir Thomas Gascoigne, einen bejahrten
katholischen Baronet in Yorkshire, eine Anklage auf Hochverrath zu
erheben, aber zwlf der besten Gentlemen des Westbezirks, die seinen
Lebenswandel kannten, hielten es nicht fr mglich, da ihr ehrenwerther
alter Bekannter Banditen zur Ermordung des Knigs gedungen haben sollte,
und sprachen trotz mancherlei der Richterbank eben nicht zur Ehre
gereichender Versuche ein Nichtschuldig aus. Wohl mochte es fr das
Oberhaupt einer alten, angesehenen Familie in der Provinz ein
schmerzlicher Gedanke sein, da er seines Glaubens wegen von ehrenvollen
Stellen und mtern ausgeschlossen war, zu deren Bekleidung Mnner von
niedererer Herkunft und geringerem Vermgen fr berechtigt gehalten
wurden; aber er hatte nicht Lust, Land und Leben im Kampfe gegen eine
erdrckende bermacht auf's Spiel zu setzen, und sein gerader, cht
englischer Character wrde, vor Mitteln, wie ein Petre und Tyrconnel sie
anwendeten, mit Abscheu zurckgebebt sein. Deshalb wrde er jedoch eben
so bereitwillig, als irgend einer seiner protestantischen Nachbarn zur
Vertheidigung seines Vaterlandes gegen einen Einfall der Franzosen oder
irischen Papisten das Schwert um die Lenden gegrtet und die Pistolen in
die Halfter gesteckt haben. Dies war der allgemeine Character der
Mnner, in denen Jakob jetzt die sichersten Werkzeuge zur Leitung der
Grafschaftswahlen zu erblicken glaubte. Er berzeugte sich jedoch bald,
da sie nicht geneigt waren, sich durch einen ihm zu leistenden
schimpflichen und strafbaren Dienst die Achtung ihrer Nachbarn zu
verscherzen und Leben und Vermgen zu gefhrden. Mehrere von ihnen
weigerten sich, Sheriffs zu werden, und von denen, welche die Ernennung
annahmen, erklrten viele, da sie eben so gewissenhaft, als wenn sie
Mitglieder der Staatskirche wren, ihre Pflicht erfllen, und keinen
Wahlcandidaten, der nicht eine wirkliche Stimmenmehrheit htte, in's
Parlament schicken wrden.[62]

    [Anmerkung 62: Etwa zwanzig Jahre vor dieser Zeit sprach sich ein
    Jesuit ber die eingezogene Lebensweise der katholischen Gentry
    Englands folgendermaen aus: +La nobilit Inglese, senon se
    legata in serviglio di Corte  in opera di maestrato, vive, e godo
    il pi dell' anno a la campagna, ne' suoi palagi e poderi, dove
    son liberi e padroni;  ci tanto pi sollecitamente i Cattolici
    quanto pi utilmente, si come meno osservati col. --
    L'Inghilterra descritta dal P. Daniello Bartoli. Roma, 1667.+

    Viele von den papistischen Sheriffs, schrieb Johnstone, sind
    begtert und erklren, da man sich sehr irren wrde, wenn man
    geflschte Wahlen von ihnen erwartete. Die papistische Gentry,
    welche auf ihren Landgtern lebt, ist von der stdtischen weit
    verschieden. Mehrere von ihnen haben es abgelehnt, Sheriffs oder
    Statthaltersubstituten zu werden. -- 8. Dec. 1687.

    Ronquillo sagt das Nmliche: +Algunos Catolicos que fueron
    nombrados por sherifes se han excusado.+ -- 9.(19.) Jan. 1688.
    Einige Monate spter versichert er seinem Hof, da die
    katholischen Landgentlemen gern zu einer Verstndigung die Hand
    bieten wrden, deren Grundbedingungen die Abschaffung der
    Strafgesetze und die Beibehaltung des Religionseides wren.
    +Estoy informado,+ sagt er, +que los Catolicos de las
    provincias no lo reprueban, pues no pretendiendo oficios, y siendo
    solo algunos de la Corte los provechosos, les parece que mejoran
    su estado, quedando seguros ellos y sus descendientes en la
    religion, en la quietud, y en la seguridad de sus haciendas.+ --
    23. Juli (2. Aug.) 1688.]


[_Stimmung der Dissenters._] Konnte der Knig schon auf seine
katholischen Sheriffs wenig rechnen, so konnte er sich noch viel weniger
auf die puritanischen verlassen. Seit dem Erscheinen der
Indulgenzerklrung waren mehrere Monate verflossen, Monate voll
wichtiger Ereignisse und fortwhrender Streitigkeiten. Die ffentliche
Besprechung der Angelegenheiten hatte vielen Dissenters die Augen
geffnet, aber die Maregeln der Regierung, und vorzugsweise das strenge
Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium, hatte mehr als selbst die
Feder eines Halifax dazu beigetragen, alle Klassen der Protestanten
aufzurtteln und zu vereinigen. Die meisten von den Sectirern, die sich
hatten verleiten lassen, ihren Dank fr die Indulgenz auszudrcken,
schmten sich jetzt ihres Irrthums und wnschten sehnlichst, ihn dadurch
wieder gut zu machen, da sie sich der groen Masse ihrer Landsleute
anschlossen.


[_Regulirung der Corporationen._] In Folge dieses Umschwungs in den
Gesinnungen der Nonconformisten stie die Regierung in den Stdten auf
fast eben so groe Schwierigkeiten, wie auf dem platten Lande. Als die
Regulatoren ihre Arbeit begannen, hatten sie fest darauf gerechnet, da
jeder Dissenter, der sich zu Gunsten der Indulgenz ausgesprochen hatte,
auch die Politik des Knigs untersttzen werde. Sie waren daher
berzeugt, da sie im Stande sein wrden, alle Municipalmter des
Knigreichs mit zuverlssigen Freunden zu besetzen. In den neuen
Stdteordnungen hatte sich die Krone das Recht vorbehalten,
Magistratsbeamte nach ihrem Belieben zu entlassen. Dieses Recht wurde
jetzt ohne alle Beschrnkung ausgebt. Durchaus nicht so klar war es
jedoch, da Jakob auch das Recht hatte, neue Magistratsbeamte zu
ernennen; aber mochte es ihm nun zustehen oder nicht, er beschlo, es
sich zu nehmen. Allenthalben, vom Tweed bis Landsend, wurden
toryistische Beamte abgesetzt und Presbyterianer, Independenten und
Baptisten an ihrer Stelle ernannt. In dem neuen Freibriefe der
Hauptstadt hatte sich die Krone das Recht vorbehalten, alle Vorsteher,
Pfleger und Beisitzer der Innungen zu entlassen. In Folge dessen wurden
ber achthundert angesehene Brger, smmtlich Mitglieder der Partei, die
sich der Ausschlieungsbill widergesetzt hatte, durch einen einzigen
Erla ihrer mter enthoben. Bald darauf erschien ein Nachtrag zu dieser
langen Liste.[63] Aber die neuen Angestellten waren kaum vereidigt, so
zeigte es sich, da sie eben so unfgsam waren, als ihre Vorgnger. In
Newcastle am Tyne ernannten die Regulatoren einen katholischen Mayor und
puritanische Aldermen. Man zweifelte keinen Augenblick, da die so
umgestaltete Municipalbehrde eine Adresse beschlieen werde, in der sie
die Maregeln des Knigs zu untersttzen versprach. Die Adresse wurde
jedoch verweigert. Der Mayor reiste wthend nach London und sagte dem
Knige, die Dissenters seien alle Schurken und Rebellen und die
Regierung knne in der ganzen Corporation auf nicht mehr als vier
Stimmen rechnen.[64] In Reading wurden vierundzwanzig toryistische
Aldermen entlassen und vierundzwanzig neue ernannt. Von diesen erklrten
sich dreiundzwanzig sofort gegen die Indulgenz und wurden deshalb
ebenfalls wieder entlassen.[65] Im Laufe weniger Tage wurde der
Stadtbezirk von Yarmouth nacheinander durch drei verschiedene
Magistratskrper verwaltet, welche smmtlich dem Hofe gleich feindlich
gesinnt waren.[66] Dies sind nur einzelne Beispiele von dem was im
ganzen Lande geschah. Der hollndische Gesandte berichtete an die
Generalstaaten, da in manchen Stdten die Magistratsbeamten in einem
Monate zwei und selbst dreimal, aber dennoch vergebens gewechselt worden
seien.[67] Aus den Acten des Geheimen Raths geht hervor, da die Zahl
der Regulationen, wie sie genannt wurden, zweihundert berstieg.[68] Die
Regulatoren fanden in der That, da in nicht wenigen Stdten die
Vernderung eine Verschlimmerung war. Die mivergngten Tories hatten,
wenn sie auch ber die Politik des Knigs murrten; doch wenigstens stets
Achtung fr seine Person und seinen Thron an den Tag gelegt und jeden
Gedanken an Widerstand verworfen. Ganz anders war die Sprache einiger
neuen Mitglieder der Corporationen. Man sagte, da alte Soldaten der
Republik, welche zu ihrem eignen wie zum Erstaunen des Publikums zu
Aldermen ernannt worden waren, den Agenten des Hofes deutlich zu
verstehen gben, es msse erst Blut flieen, bevor Papismus und
Willkrgewalt in England zur Herrschaft gelangten.[69]

Die Regulatoren sahen, da mit dem was sie bis jetzt gethan hatten,
wenig oder nichts gewonnen war. Es gab indessen noch ein Mittel, aber
auch nur dieses eine, durch das sie hoffen konnten ihren Zweck zu
erreichen. Die Gemeindeordnungen der Wahlflecken muten zurckgezogen
und durch neue ersetzt werden, welche das Wahlrecht auf sehr kleine, vom
Knig zu ernennende Wahlkrper beschrnkten.[70]

Aber wie war dieser Plan auszufhren? In einigen der neuen Freibriefe
hatte sich die Krone zwar das Recht der Wiederentziehung vorbehalten,
aber die brigen konnte Jakob nur durch freiwillige Zurckgabe von
Seiten der Corporationen oder durch einen Ausspruch der Kings Bench
wieder in die Hand bekommen. Aber nur wenige Corporationen waren jetzt
geneigt, ihre Gemeindeordnungen freiwillig aufzugeben, und ein
Richterspruch, wie er den Zwecken des Hofes diente, war selbst von einem
Sklaven wie Wright nicht zu erwarten. Die Quo-Warranto-Erlasse,[71]
welche vor einigen Jahren erschienen waren, um die Whigpartei zu
vernichten, waren von allen Unparteiischen einhellig verdammt worden.
Doch hatten diese Erlasse wenigstens einen Anschein von Recht fr sich,
denn sie waren gegen alte Municipalkrper gerichtet, und unter diesen
gab es wenige, in denen im Laufe der Zeit nicht Mibrauche eingerissen
waren, welche gengenden Anhalt zu einem Prozeverfahren darboten. Die
Corporationen aber, welche jetzt angegriffen wurden, befanden sich noch
im Alter der kindlichen Unschuld, die ltesten von ihnen hatten kaum ihr
fnftes Lebensjahr erreicht, und es war unmglich, da viele von ihnen
schon so schwer gesndigt haben sollten, da sie eine Zurcknahme ihrer
Privilegien verdienten. Den Richtern selbst war nicht wohl zu Muthe. Sie
gaben zu bedenken, da das, was man von ihnen verlange, den einfachsten
und klarsten Grundstzen des Rechts und der Gerechtigkeit schnurstracks
zuwiderlaufe; aber alle Vorstellungen waren umsonst. Die Wahlorte wurden
zur Rcksendung ihrer Freibriefe aufgefordert. Einige wenige kamen der
Aufforderung nach; aber das Verfahren, welches der Knig gegen diese
wenigen einschlug, war eben nicht geeignet, bei den anderen Vertrauen zu
erwecken. In mehreren Stdten wurde der Gesammtbrgerschaft das
Wahlrecht entzogen und auf eine kleine Anzahl Personen beschrnkt und
diese muten sich eidlich verpflichten, die von der Regierung
empfohlenen Candidaten zu untersttzen. In Tewkesbury zum Beispiel wurde
das Wahlrecht dreizehn Personen bertragen. Doch selbst diese Anzahl war
noch zu gro. Ha und Furcht hatten sich so weit verbreitet, da es kaum
mglich war, auch durch die unredlichsten Mittel nur dreizehn Mnner zu
finden, auf die sich der Hof unbedingt verlassen konnte. Es hie, da
die Mehrheit des neuen Wahlkrpers von Tewkesbury von dem nmlichen
Sinne beseelt sei, welcher in der ganzen Nation berwiege, und da
derselbe an dem entscheidenden Tage zuverlssige Protestanten in's
Parlament schicken werde. Die Regulatoren drohten in heftigem Zorne, die
Zahl der Whler auf drei zu reduciren.[72] Inzwischen weigerte sich die
groe Mehrzahl der Wahlorte entschieden, ihre Privilegien aufzugeben.
Barnstaple, Winchester und Buckingham zeichneten sich durch die Khnheit
ihres Widerstandes besonders aus. In Oxford wurde der Antrag, da die
Stadt ihr Wahlrecht dem Knige zurckgeben solle, mit achtzig gegen zwei
Stimmen verworfen.[73] Der Tempel und Westminsterhall kamen durch die
pltzliche Hufung von Auftrgen aus allen Theilen des Landes in
ungewohnte Bewegung. Jeder Advokat von bedeutender Praxis erhielt
Vollmachten ber Vollmachten von den stdtischen Corporationen, und die
gewhnlichen Clienten beklagten sich, da ihre Angelegenheiten
vernachlssigt wrden.[74] Es lag auf der Hand, da eine geraume Zeit
darber hingehen mute, ehe eine so groe Anzahl Prozesse entschieden
werden konnten. Diese Verzgerung war der Tyrannei unertrglich. Es
wurde nichts unterlassen, um die widerspenstigen Wahlkrper durch
Drohungen zur Unterwerfung zu bringen. In Buckingham hatten einige
Municipalbeamten sich in nicht eben lobender Weise ausgesprochen. Man
machte ihnen den Proze und kndigte ihnen an, da mit schonungsloser
Strenge gegen sie verfahren werden wrde, wenn sie sich nicht durch
Herausgabe ihres Freibriefs loskauften.[75] In Winchester griff man zu
noch strengeren Gewaltmaregeln. Eine bedeutende Truppenabtheilung wurde
in die Stadt gelegt, einzig und allein zu dem Zwecke, die Einwohner zu
belstigen und zu qulen.[76] Die Stadt blieb fest und die ffentliche
Stimme beschuldigte den Knig laut, da er die schlimmsten Verbrechen
seines Bruders von Frankreich nachahme; die Dragonaden htten begonnen,
sagte man. Man hatte auch wirklich Grund zu ernsten Besorgnissen. Jakob
war auf den Einfall gekommen, da er den Widerstandsgeist einer
hartnckigen Stadt nicht wirksamer brechen knne, als indem er den
Einwohnern Soldaten in's Quartier legte. Er mute wissen, da diese
Maregel sechzig Jahre frher heftigen Unwillen erregt und durch die
Bitte um Recht, ein Gesetz, das von den Englndern kaum weniger verehrt
wurde, als die Magna Charta, feierlichst fr gesetzwidrig erklrt worden
war. Aber er hoffte von den Gerichtshfen eine Erklrung zu erlangen,
da selbst die Bitte um Recht die Prrogative nicht beschrnken knne.
Er fragte in der That den Oberrichter der Kings Bench ber diesen
Gegenstand um Rath;[77] aber das Resultat der Besprechung wurde geheim
gehalten, und in einigen Wochen gestalteten sich die Dinge so, da eine
Furcht, welche noch strker war, als selbst die vor der kniglichen
Ungnade, sogar einen so servilen Mann wie Wright bewog, ein wenig
einzuhalten.

    [Anmerkung 63: +Privy Council Book, Sept. 25. 1687, Febr. 21,
    1687/88+.]

    [Anmerkung 64: Acten der Corporation, angefhrt in +Brand's
    History of Newcastle+; Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

    [Anmerkung 65: Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

    [Anmerkung 66: Citters, 14.(24.) Febr. 1688.]

    [Anmerkung 67: Citters, 1.(11.) Mai 1688.]

    [Anmerkung 68: Am Rande der Geheimrathsacten findet man die
    Bemerkung Zweite Regulation und Dritte Regulation, wenn ein
    Wahlkrper mehr als einmal umgestaltet worden war.]

    [Anmerkung 69: Johnstone, 23. Mai 1688.]

    [Anmerkung 70: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

    [Anmerkung 71: Diese Erlasse, so genannt nach den beiden
    Anfangsworten +Quo warranto+, ordneten eine Untersuchung ber die
    Rechtsbefugnisse an, auf welche sich die Privilegien einer
    Corporation grndeten, und wenn sich eine Unregelmigkeit fand,
    wurde der Freibrief entzogen.    D. bers.]

    [Anmerkung 72: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

    [Anmerkung 73: Citters, 20.(30.) Mrz 1688.]

    [Anmerkung 74: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

    [Anmerkung 75: +Ibid.+ 22. Mai (1. Jun.) 1688.]

    [Anmerkung 76: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

    [Anmerkung 77: +Ibid.+ 18.(28.) Mai 1688.]


[_Untersuchung in allen ffentlichen Verwaltungszweigen._] Whrend die
Lordlieutenants die Friedensrichter ausforschten und die Regulatoren die
Wahlkrper umgestalteten, wurden alle Zweige des Staatsdienstes einer
strengen Untersuchung unterworfen. Zuerst wurde der Palast gesubert.
Jeder mit Narben bedeckte alte Kavalier, der zum Ersatz fr das der
Sache des Knigs geopferte Blut und Grundeigenthum ein mtchen in der
kniglichen Garderobe oder im Marstalle erhalten hatte, wurde
aufgefordert, zwischen dem Knige und der Kirche zu whlen. Die Zoll-
und Steuercommissare wurden zu Seiner Majestt ins Schatzamt beschieden,
hier das Versprechen von ihnen verlangt, da sie seine Politik
untersttzen wollten, und ihnen bedeutet, da sie allen ihren
Unterbeamten ein hnliches Versprechen abzunehmen htten.[78] Ein
Zollbeamter motivirte seine Unterwerfung unter den Willen des Knigs in
einer Weise, welche Heiterkeit und zugleich Mitleid erregte. Ich habe,
sagte er, vierzehn Grnde, die mich bestimmen, Seiner Majestt Befehlen
zu gehorchen: eine Frau und dreizehn unerzogene Kinder.[79] Gegen
solche Grnde lie sich allerdings nichts einwenden; dennoch aber kamen
nicht wenig Flle vor, wo die religisen und patriotischen Gefhle
selbst solche Grnde berwogen.

Man hat Grund zu der Vermuthung, da die Regierung um diese Zeit
ernstlich mit dem Plane umging, einen Schlag zu fhren, der viele
tausend Familien an den Bettelstab gebracht und auf die socialen
Zustnde aller Landestheile strend eingewirkt haben wrde. Niemand
durfte Wein, Bier oder Kaffee ohne Concession verkaufen. Es hie nun,
da jeder Inhaber einer solchen Concession demnchst aufgefordert werden
sollte, entweder dieselben Verpflichtungen einzugehen, welche den
ffentlichen Beamten auferlegt worden waren, oder sein Geschft
aufzugeben.[80] Wre ein solcher Schritt gethan worden, so wrden ohne
allen Zweifel die Wirthshuser und ffentlichen Vergngungsorte im
ganzen Lande zu Hunderten geschlossen worden sein. Welche Wirkung ein
solcher Eingriff in die Lebensgensse aller Stnde hervorgebracht haben
wrde, lt sich nur muthmaen. Der durch bel erzeugte Unwille steht
nicht immer im Verhltnisse mit der Wichtigkeit derselben, und es ist
durchaus nicht unwahrscheinlich, da die Einziehung von
Schankconcessionen das bewirkt haben wrde, was die Entziehung von
Freibriefen nicht bewirkt hatte. Die Vornehmeren wrden ihr
Chokoladenhaus in St. James Street, die Geschftsmnner ihre
Kaffeekanne, bei der sie in Change Alley zu rauchen und zu politisiren
pflegten, schmerzlich vermit haben. Die Hlfte der Clubs htte sich
neue Versammlungslokale suchen mssen. Der Reisende wrde des Nachts den
Gasthof, in welchem er gewohnt war abzusteigen und seine Abendmahlzeit
einzunehmen, verdet gefunden haben. Der Landmann wrde die Bierschenke
vermit haben, wo er im Sommer auf der Bank vor der Thr, im Winter am
Kamin seinen Krug zu trinken gewohnt war. Es war leicht mglich, da die
auf solche Art gereizte Nation sich zu einem allgemeinen Aufstande
erhob, ohne auf die Hlfe fremder Verbndeter zu warten.

    [Anmerkung 78: Citters, 6.(16.) April 1688; +Treasury Letter Book.
    March 14. 1687/88+; Ronquillo, 16.(26.) April.]

    [Anmerkung 79: Citters, 18.(28.) Mai 1688.]

    [Anmerkung 80: +Ibid.+ 18.(28.) Mai 1688.]


[_Entlassung Sawyer's._] Es war nicht zu erwarten, da ein Frst, der
von allen niederen Dienern der Regierung bei Strafe der Entlassung
Untersttzung seiner Politik verlangte, einen Generalfiskal behalten
wrde, dessen Abneigung gegen diese Politik kein Geheimni war. Sawyer
hatte noch ber anderthalb Jahr in seiner Stellung bleiben drfen,
nachdem er sich gegen die Dispensationsgewalt erklrt hatte. Diese
ungewhnliche Nachsicht verdankte er nur der auerordentlichen
Schwierigkeit, die es der Regierung machte, einen Nachfolger fr ihn zu
finden. Es war um der pekuniren Interessen der Krone willen nothwendig,
da wenigstens einer der beiden ersten Staatsanwlte ein talentvoller
und kenntnireicher Mann war, und es war keineswegs leicht, einen diesen
Anforderungen gengenden Juristen zu bewegen, da er sich durch das
tgliche Begehen von Handlungen, welche das nchste Parlament
wahrscheinlich als schwere bertretungen und Verbrechen betrachtete,
sehr ernster Gefahr aussetzte. Es war nicht mglich gewesen, einen
besseren Generalprokurator als Powis aufzutreiben, ein Mann, der sich
zwar aus nichts ein Gewissen machte, der aber auch nicht einmal den
gewhnlichsten Pflichten seines Postens gewachsen war. Unter diesen
Umstnden hielt man es fr wnschenswerth, die Arbeit zu theilen. Ein
Fiskal, dessen Berufstchtigkeit durch Gewissensskrupel bedeutend
beeintrchtigt wurde, hatte einen Prokurator zur Seite, dessen
Gewissenlosigkeit seinen Mangel an Befhigung einigermaen ersetzte.
Wenn es der Regierung um energische Durchfhrung des Gesetzes zu thun
war, so wendete sie sich an Sawyer; wollte sie das Gesetz mit Fen
treten, so hielt sie sich an Powis. Dieses Arrangement wurde so lange
beibehalten, bis der Knig die Dienste eines Anwalts erlangte, der zu
gleicher Zeit noch gewissenloser als Powis und geschickter als Sawyer
war.


[_Williams Generalprokurator._] Keiner der damals lebenden Advokaten
hatte der Regierung giftiger opponirt als Wilhelm Williams. Er hatte
sich unter der vorigen Regierung als Whig und Exclusionist hervorgethan.
Als die Parteiwuth den hchsten Grad erreicht hatte, war er zum Sprecher
des Unterhauses erwhlt worden. Nach der Prorogation des oxforder
Parlaments war er der gewhnliche Rechtsbeistand der heftigsten
Demagogen gewesen, die des Aufruhrs angeklagt wurden. Er besa
anerkanntermaen bedeutende juristische Gewandtheit und Kenntnisse.
Unbesonnene berstrzung und Parteigeist hielt man fr seine
Hauptfehler; da er noch andere Fehler hatte, in Vergleich mit denen die
genannten als Tugenden gelten konnten, ahnete man damals noch nicht. Die
Regierung suchte eine Gelegenheit, um ihm etwas anzuhaben, und es wurde
ihr nicht schwer, eine solche zu finden. Er hatte auf Befehl des Hauses
der Gemeinen einen von Dangerfield verfaten erzhlenden Bericht
herausgegeben. Htte ein Privatmann diese Schrift verffentlicht, so
wrde sie unbestreitbar als ein aufrhrerisches Libell zu betrachten
gewesen sein. Es wurde bei der Kings Bench eine Criminaluntersuchung
gegen Williams eingeleitet; er berief sich umsonst auf die Privilegien
des Parlaments und wurde zu einer Geldbue von zehntausend Pfund
verurtheilt. Einen groen Theil dieser Summe bezahlte er baar und ber
den Rest gab er eine Schuldverschreibung. Der Earl von Peterborough, der
in Dangerfield's Erzhlung in beleidigender Weise erwhnt war, wurde
durch den Erfolg der Criminaluntersuchung ermuthigt, eine Civilklage auf
eine bedeutende Entschdigungssumme anhngig zu machen. Williams gerieth
dadurch in die grte Verlegenheit. Da bot sich ihm ein rettender Ausweg
dar. Allerdings war es ein Ausweg, der einem Manne von festen
Grundstzen und edlem Character noch schrecklicher gewesen sein wrde,
als Armuth, Gefngni und selbst Tod. Er konnte sich der Regierung
verkaufen, deren Feind und Opfer er gewesen war; er konnte sich
erbieten, bei jedem Angriffe auf die Freiheiten und die Religion, fr
welche er einen malosen Eifer gezeigt hatte, den gefhrlichsten Posten
zu bernehmen; er konnte seinen Whiggismus durch Dienste wieder gut
machen, vor denen selbst die eingefleischtesten Tories, an deren Hnden
das Blut Russell's und Sidney's klebte, mit Abscheu zurckbebten. Der
Handel wurde abgeschlossen. Der noch schuldige Rest der Strafsumme wurde
erlassen und Peterborough durch Vermittelung des Knigs zu einem
Vergleich bewogen. Sawyer wurde abgesetzt, Powis wurde Generalfiskal,
Williams wurde zum Generalprokurator ernannt, in den Adelstand erhoben
und war bald ein Gnstling des Knigs. Obgleich im Range nur der zweite
Kronjurist, gelang es ihm doch sehr bald, durch seine Gewandtheit,
Gelehrsamkeit und Energie seinen Vorgesetzten vllig in den Schatten zu
stellen[81].

Williams war noch nicht lange im Amte, als er aufgefordert wurde, in dem
denkwrdigsten Staatsprozesse, von dem die Annalen der britischen Justiz
berichten, eine Hauptrolle zu bernehmen.

    [Anmerkung 81: +London Gazette, Dec. 15. 1687+. Siehe den Proze
    gegen Williams in der +Collection of State Trials+. +Ha hecho,+
    sagt Ronquillo, +grande susto el haber nombrado el abogado
    Williams, que fue el orador y el mas arrabiade de toda la casa des
    comunes en los ultimos terribles parlamentos del Rey difunto.+
    27. Nov. (7. Dec.) 1687.]


[_Zweite Indulgenzerklrung._] Am 27. April 1688 erlie der Knig eine
zweite Indulgenzerklrung. In diesem Schriftstcke fhrte er die
Erklrung vom vorjhrigen April in ihrer ganzen Lnge auf. Sein
bisheriges Leben, sagte er dann, habe sein Volk berzeugen knnen, da
er nicht der Mann sei, der sich von einem einmal gefaten Beschlusse so
leicht abbringen lasse. Da aber heimtckische Menschen es versucht
htten, die Welt glauben zu machen, da man ihn doch noch zum Nachgeben
in dieser Angelegenheit werde bestimmen knnen, halte er es fr nthig,
zu erklren, da sein Vorsatz unwiderruflich fest stehe, da er
entschlossen sei, nur solche Mnner anzustellen, welche bereit wren,
ihn bei der Ausfhrung seiner Plne zu untersttzen, und da er in
Gemheit dieses Entschlusses viele seiner ungehorsamen Diener von
Civil- und Militairmtern habe entheben mssen. Schlielich zeigte er
an, da er sptestens im November ein Parlament einzuberufen gedenke,
und ermahnte seine Unterthanen, solche Vertreter in dasselbe zu whlen,
die ihn bei dem begonnenen groen Werke zu untersttzen geneigt
wren[82].

    [Anmerkung 82: +London Gazette, April 30. 1688+; Barillon, 26.
    April (6. Mai).]


[_Die Geistlichkeit erhlt Befehl, sie von der Kanzel zu verlesen._]
Diese Erklrung machte anfangs nur wenig Sensation. Sie enthielt nichts
Neues und die Leute wunderten sich, da der Knig es fr nthig hielt,
ein feierliches Manifest zu erlassen, blos um ihnen zu sagen, da er
seinen Sinn nicht gendert habe[83]. Die Gleichgltigkeit, mit der die
Ankndigung seines festen Entschlusses vom Publikum aufgenommen wurde,
verdro ihn wahrscheinlich und er glaubte ohne Zweifel, da seine Wrde
und Autoritt leiden knnten, wenn er nicht unverzglich etwas Neues und
Auffallendes thue. In Folge dessen verfgte er unterm 4. Mai durch einen
Geheimrathsbefehl, da seine Erklrung von vergangener Woche an zwei
aufeinanderfolgenden Sonntagen beim ffentlichen Gottesdienste von den
dienstthuenden Geistlichen aller Kirchen und Kapellen des Reiches
verlesen werden solle. In London und seinen Vorstdten sollte die
Verlesung am 20. und 27. Mai, in den anderen Landestheilen am 3. und 10.
Juni stattfinden. Die Bischfe waren angewiesen, Exemplare der Erklrung
in ihren respectiven Dicesen zu vertheilen[84].

Wenn man bercksichtigt, da die Geistlichen der anglikanischen Kirche
fast ohne Ausnahme die Indulgenzerklrung als eine Verletzung der
Landesgesetze, als einen Wortbruch des Knigs und als einen
verderblichen Gewaltstreich gegen die Interessen und die Wrde ihres
Standes betrachteten, so wird man schwerlich daran zweifeln knnen, da
der Geheimrathsbefehl darauf berechnet war, als eine tiefe Krnkung von
ihnen empfunden zu werden. Man glaubte im Volke, da Petre diese Absicht
durch ein der orientalischen Redeweise entlehntes rohes Gleichni
ausgesprochen habe. Er sollte gesagt haben, er wolle sie Koth essen
lassen und zwar den abscheulichsten und ekelhaftesten Koth. Aber konnte
man annehmen, da die anglikanische Geistlichkeit diesem tyrannischen
und gehssigen Befehle den Gehorsam verweigern werde? Der Character des
Knigs war willkrlich und streng und das Verfahren der kirchlichen
Commission eben so summarisch wie das eines Kriegsgerichts. Wer sich
aufzulehnen wagte, konnte in Zeit von acht Tagen seiner Stelle entsetzt,
seines ganzen Einkommens beraubt, der ferneren Bekleidung jedes
geistlichen Amts unfhig erklrt und in die Nothwendigkeit versetzt
werden, von Haus zu Haus sein Brot zu erbetteln. Wenn der ganze Stand
sich einmthig dem kniglichen Willen widersetzte, dann war es
allerdings wahrscheinlich, da selbst Jakob nicht den Muth haben wrde,
zehntausend Schuldige auf einmal zu bestrafen. Aber zu einer allgemeinen
Verstndigung in dieser Angelegenheit war keine Zeit. Am 7. Mai erschien
der Befehl in der Gazette und schon am 20. sollte die Erklrung von
allen Kanzeln Londons und dessen Umgegend verlesen werden. Er wre
damals mit der grten Anstrengung nicht mglich gewesen, binnen
vierzehn Tagen die Ansichten nur des zehnten Theiles der im ganzen Lande
zerstreuten Pfarrgeistlichen einzuholen, ja nur die Stimmen der Bischfe
htten nicht leicht in so kurzer Zeit gesammelt werden knnen. Auch
stand zu befrchten, da, wenn die Geistlichkeit das Verlesen der
Erklrung verweigerte, die protestantischen Dissenters die Weigerung
falsch auslegen, die Hoffnung, von den Mitgliedern der anglikanischen
Kirche Duldung zu erlangen, aufgeben und ihr ganzes Gewicht in die
Wagschale des Hofes werfen wrden.

    [Anmerkung 83: Citters, 1.(11.) Mai 1688.]

    [Anmerkung 84: +London Gazette, Mai 7. 1688.+]


[_Die Geistlichkeit ist unschlssig._] Die Geistlichkeit war daher
unschlssig und diese Unschlssigkeit lt sich wohl entschuldigen, denn
einige hochgestellte Laien, welche das ffentliche Vertrauen in hohem
Mae genossen, waren geneigt, zur Unterwerfung zu rathen. Sie waren der
Meinung, ein allgemeiner Widerstand stehe kaum zu erwarten und ein
theilweiser werde fr die Einzelnen verderblich und fr die Kirche und
die Nation im Allgemeinen nur von geringem Nutzen sein. Dies war die
ausgesprochene Ansicht von Halifax und Nottingham. Der Tag rckte heran
und noch war keine Verstndigung und kein bestimmter Entschlu
erzielt.[85]

    [Anmerkung 85: Johnstone, 27. Mai 1688.]


[_Patriotismus der protestantischen Nonconformisten Londons._] In diesem
Augenblicke erwarben sich die protestantischen Dissenters der Hauptstadt
einen Anspruch auf die ewige Dankbarkeit ihres Vaterlandes. Die
Regierung hatte sie bisher als einen Theil ihrer Strke betrachtet.
Einige von ihren thtigsten und lautesten Predigern hatten, durch die
Gnadenbezeigungen des Hofes bestochen, Adressen zu Gunsten der Politik
des Knigs zu Stande gebracht. Andere, welche durch die Erinnerung an
viele schwere Unbilden sowohl der anglikanischen Kirche als dem Hause
Stuart entfremdet waren, hatten mit boshafter Schadenfreude gesehen, wie
der tyrannische Frst und die tyrannische Hierarchie durch bittere
Feindschaft von einander getrennt waren und sich gegenseitig berboten,
um den Beistand von Secten zu erlangen, die sie noch unlngst verfolgt
und verachtet hatten. Aber so natrlich dieses Gefhl auch sein mochte,
man hatte sich demselben lange genug hingegeben. Die Zeit war gekommen,
wo man eine Wahl treffen mute, und die Nonconformisten traten in einer
hochherzigen Regung auf die Seite der Anglikaner, um gemeinschaftlich
mit ihnen die Grundgesetze des Reichs zu vertheidigen. Baxter, Bates und
Howe zeichneten sich durch ihre Anstrengungen, dieses Bndni zu Stande
zu bringen, besonders aus; aber die edle Begeisterung, welche die
Gesammtheit der Puritaner beseelte, erleichterte ihnen die Aufgabe. Der
Eifer der Pfarrer wurde von dem ihrer Gemeinden noch bertroffen.
Diejenigen Presbyterianer- und Independentenprediger, welche Lust
zeigten, mit dem Knige Partei gegen die Landeskirche zu nehmen, wurden
nachdrcklich bedeutet, da, wenn sie ihr Verfahren nicht nderten, ihre
Gemeinden sie fernerhin weder hren noch bezahlen wrden. Alsop, der
sich mit der Hoffnung geschmeichelt hatte, da er im Stande sein werde,
einen groen Theil seiner Anhnger dem Knige zuzufhren, sah sich
pltzlich von Denen, die ihn kurz zuvor noch als ihren geistlichen
Fhrer verehrt hatten, verachtet und verabscheut, verfiel darber in
eine tiefe Schwermuth und verbarg sich vor den Blicken der Welt. Bei
mehreren londoner Geistlichen erschienen Deputationen, um sie zu bitten,
da sie die Masse der Dissenters nicht nach den kriechenden
Schmeicheleien beurtheilen mchten, welche krzlich die Spalten der
Gazette gefllt htten, und forderten sie, als bei dem groen Kampfe in
vorderster Reihe stehend, auf, mit mnnlicher Tapferkeit fr die
Freiheiten Englands und den den Heiligen berlieferten Glauben zu
streiten. Diese Versicherungen wurden freudig und dankend aufgenommen.
Unter Denen aber, die sich zu entscheiden hatten, ob sie am nchsten
Sonntage, den 20. Mai, dem Befehl des Knigs nachkommen wollten
oder nicht, herrschte noch immer groe ngstlichkeit und
Meinungsverschiedenheit.


[_Berathung der londoner Geistlichkeit._] Die londoner Geistlichkeit,
welche damals allgemein als die Elite ihres Standes anerkannt war,
veranstaltete eine berathende Versammlung. Funfzehn Doctoren der
Theologie waren anwesend. Tillotson, Dechant von Canterbury, der
berhmteste Kanzelredner der damaligen Zeit, kam vom Krankenlager dahin.
Sherlock, Vorsteher des Tempels, Patrick, Dechant von Peterborough und
Oberpfarrer des wichtigen Kirchspiels St. Paul in Coventgarden, sowie
auch Stillingfleet, Archidiakonus von London und Dechant der St.
Pauls-Kathedrale, nahmen daran Theil. Die Versammlung im Allgemeinen
schien der Ansicht zu sein, da es im Grunde doch gerathen sei, dem
Geheimrathsbefehl zu gehorchen. Der Streit begann hitzig zu werden und
htte vielleicht schlimme Folgen haben knnen, wre er nicht durch die
Festigkeit und Einsicht des Unterpfarrers von St. Giles, Cripplegate,
Doctor Eduard Fowler, beendigt worden. Dieser Mann gehrte zu der
kleinen aber ausgezeichneten Klasse von Theologen, welche die der Schule
Calvin's eigene Liebe zur brgerlichen Freiheit mit der Theologie der
Schule des Arminius verbanden[86]. Er erhob sich und sprach: Ich will
offen meine Meinung sagen. Die Sache ist so klar und einfach, da lange
Errterungen kein neues Licht auf sie werfen knnen, sondern nur die
Leidenschaften aufregen mssen. Lassen Sie einem Jeden blos Ja oder Nein
sagen. Ich fr meine Person kann mich durch das Votum der Majoritt
nicht binden lassen. Es wrde mir leid thun, wenn dadurch unsre
Einigkeit gestrt werden sollte, aber mein Gewissen erlaubt mir nicht,
diese Erklrung zu verlesen. Tillotson, Patrick, Sherlock und
Stillingfleet erklrten, da sie der nmlichen Meinung seien, und die
Majoritt fgte sich einer so achtbaren Minoritt. Es wurde ein Beschlu
schriftlich ausgefertigt, durch den sich alle Anwesenden gegen einander
verpflichteten, die Erklrung nicht zu verlesen. Patrick war der Erste,
der seinen Namen unterschrieb, Fowler der Zweite. Das Papier wurde dann
in der Stadt herumgeschickt und war bald von fnfundachtzig
Pfrndeninhabern unterzeichnet[87].

Unterdessen beriethen sich mehrere Bischfe in banger Sorge ber das
einzuschlagende Verfahren. Am 12. Mai war ein ernster und gelehrter
Kreis um den Tisch des Primas zu Lambeth versammelt. Compton, Bischof
von London, Turner, Bischof von Ely, White, Bischof von Peterborough,
und Tenison, Oberpfarrer des Kirchspiels St. Martin, befanden
sich unter den Anwesenden. Der Earl von Clarendon, ein warmer und
unerschtterlicher Freund der Kirche, war ebenfalls eingeladen worden.
Cartwright, Bischof von Chester, drngte sich, wahrscheinlich als Spion,
in die Versammlung. So lange er anwesend war, konnten vertrauliche
Mittheilungen nicht stattfinden; nach seinem Weggange aber wurde die
groe Frage, welche alle Gemther erfllte, zur Sprache gebracht und
errtert. Die allgemeine Ansicht war, da die Erklrung nicht verlesen
werden solle. An mehrere der achtbarsten Prlaten der Provinz Canterbury
wurden sogleich Briefe geschrieben, durch welche dieselben aufgefordert
wurden, unverzglich nach London zu kommen, um ihren Metropoliten in
dieser Angelegenheit zu untersttzen[88]. Da man kaum zweifeln konnte,
da diese Briefe geffnet werden wrden, wenn sie durch das Postamt in
Lombard Street gingen, so wurden sie bis zu den nchsten Poststationen
in den verschiedenen Richtungen durch reitende Boten befrdert. Der
Bischof von Winchester, dessen Loyalitt sich bei Sedgemoor so glnzend
erprobt hatte, beschlo trotz eines ernstlichen Unwohlseins der
Aufforderung nachzukommen und sofort abzureisen, sah aber, da er die
Erschtterung des Fahrens nicht vertragen konnte. Der an Wilhelm Lloyd,
Bischof von Norwich, gerichtete Brief wurde ungeachtet aller
Vorsichtsmaregeln von einem Postmeister zurckgehalten, und dieser
Prlat, welcher keinem seiner Amtsbrder in Muth und Eifer fr die
gemeinsame Sache seines Berufs nachstand, kam zu spt in London an[89].
Sein Namensvetter, Wilhelm Lloyd, Bischof von St. Asaph, ein frommer,
rechtschaffener und gelehrter Mann, aber von schwacher Urtheilskraft und
halb aufgerieben durch seine beharrlichen Anstrengungen, aus Daniel und
der Offenbarung einige Aufschlsse ber den Papst und den Knig von
Frankreich zu gewinnen, eilte nach der Hauptstadt und traf am
Sechzehnten ein[90]. Am nchstfolgenden Tage kamen auch der treffliche
Ken, Bischof von Bath und Wells, Lake, Bischof von Chichester, und Sir
Johann Trelawney, Bischof von Bristol, ein Baronet aus einer alten und
angesehenen Familie in Cornwall.

    [Anmerkung 86: Der verstorbene Alexander Knox, dieser
    ausgezeichnete Mann, dessen beredte Conversation und vortrefflich
    ausgearbeitete Briefe einen groen Einflu auf die Gemther seiner
    Landsleute ausbten, hat, wie ich vermuthe, vieles von seinem
    theologischen System und Fowler's Schriften gelernt. Fowler's Werk
    ber den Zweck des Christenthums wurde von Johann Bunyan mit einer
    durch nichts zu rechtfertigenden Heftigkeit angegriffen, die sich
    nur durch die Herkunft und mangelhafte Erziehung des ehrlichen
    Kesselflickers einigermaen entschuldigen lt.]

    [Anmerkung 87: Johnstone, 23. Mai 1688. Es existirt ein
    satirisches Gedicht auf diese Versammlung betitelt: Die
    geistliche Cabale.]

    [Anmerkung 88: +Clarendon's Diary, May 22. 1688.+]

    [Anmerkung 89: Auszug aus Tanner's Handschriften in +Howell's
    State Trials+; +Life of Prideaux+; +Clarendon's Diary, May 16.
    1688+.]

    [Anmerkung 90: +Clarendon's Diary, May 16 & 17. 1688+.]


[_Berathung im Palast zu Lambeth._] Am Achtzehnten wurde im Palast des
Primas zu Lambeth eine Versammlung von Prlaten und anderen
ausgezeichneten Theologen gehalten. Tillotson, Tenison, Stillingfleet,
Patrick und Sherlock waren dabei anwesend. Vor dem Beginn der Berathung
wurde eine feierliche Betstunde gehalten. Nach einer langen Besprechung
setzte der Erzbischof eigenhndig eine Petition auf, in der die
allgemeine Ansicht ausgesprochen war. Sie war nicht im elegantesten
Style abgefat. Sancroft zog sich durch den schwlstigen und unschnen
Periodenbau sogar spttelnden Tadel zu, den er mit weniger Geduld
ertrug, als er bei viel hrteren Prfungen gezeigt hatte. Dem Inhalte
nach aber konnte nichts geschickter entworfen sein, als dieses
denkwrdige Actenstck. Man verwahrte sich entschieden gegen alle
Illoyalitt und Intoleranz, versicherte dem Knig, da die Kirche noch
immer, wie von jeher, dem Throne treu ergeben sei und da die Bischfe
seiner Zeit am geeigneten Orte als Lords des Parlaments und als
Mitglieder des Oberhauses der Convocation beweisen wurden, wie es ihnen
keineswegs an humaner Rcksicht auf die Gewissensbedenken der Dissenters
fehle. Aber das Parlament habe sowohl unter der vorigen wie unter der
gegenwrtigen Regierung ausgesprochen, da der Souverain nach der
Verfassung nicht berechtigt sei, in kirchlichen Angelegenheiten von
Gesetzen zu dispensiren. Deshalb sei die Erklrung gesetzwidrig und
Klugheit, Ehre und Gewissen gestatte den Petenten nicht, sich bei der
feierlichen Verffentlichung einer ungesetzlichen Erklrung im Hause
Gottes und whrend der Zeit des Gottesdienstes zu betheiligen.

Diese Petition wurde von dem Erzbischof und sechs seiner Suffraganen,
Lloyd von St. Asaph, Turner von Ely, Lake von Chichester, Ken von Bath
und Wells, White von Peterborough und Trelawney von Bristol,
unterzeichnet. Der Bischof von London unterzeichnete nicht mit, weil er
suspendirt war.


[_Die Petition der sieben Bischfe dem Knige berreicht._] Es war spt
am Freitag Abend, und am Sonntag Morgen sollte die Erklrung in den
Kirchen von London verlesen werden. Die Petition mute daher dem Knige
unverweilt berreicht werden. Die sechs Bischfe brachen sofort nach
Whitehall auf; der Erzbischof, dem schon seit geraumer Zeit der Zutritt
bei Hofe untersagt war, begleitete sie nicht. Lloyd lie seine fnf
Collegen im Hause des Lord Dartmouth in der Nhe des Palastes zurck,
begab sich zu Sunderland und bat den Minister, die Petition zu lesen und
sich zu erkundigen, wann der Knig geneigt sein werde, sie in Empfang zu
nehmen. Sunderland wollte, aus Furcht sich zu compromittiren, die
Petition gar nicht ansehen, begab sich aber sogleich ins knigliche
Kabinet. Jakob befahl, die Bischfe vorzulassen. Er hatte von seinem
Spion Cartwright erfahren, da sie wohl geneigt wren, dem kniglichen
Befehle zu gehorchen, aber einige kleine nderungen in der Form
wnschten und eine unterthnige Bitte in diesem Sinne vorlegen wollten.
Seine Majestt war daher sehr gut gelaunt. Als die Prlaten vor ihm
knieten, bat er sie freundlich, aufzustehen, nahm das Papier, aus
Lloyd's Hnden und sagte: Das ist Mylord Canterbury's Hand. -- Ja,
Sire, seine eigene Hand, war die Antwort. Jakob las die Petition, brach
sie dann zusammen und sprach, whrend seine Stirn sich verfinsterte:
Dies ist eine groe berraschung fr mich. Ich htte dies von Ihrer
Kirche, insbesondere von einigen unter Ihnen, nicht erwartet. Das heit
die Fahne des Aufruhrs aufpflanzen. Die Bischfe ergossen sich in die
wrmsten Versicherungen ihrer Loyalitt; der Knig aber wiederholte
seiner Gewohnheit nach die gesprochenen Worte von Anfang bis zu Ende.
Ich sage Ihnen, es ist eine Fahne des Aufruhrs! -- Des Aufruhrs?
rief Trelawney auf die Knie fallend. Um des Himmels willen, Sire,
sprechen Sie nicht so hart von uns. Ein Trelawney kann nie ein Rebell
werden. Erinnern Sie Sich, da meine Familie fr die Krone gekmpft hat,
erinnern Sie Sich, wie ich Eurer Majestt gedient habe, als Monmouth im
Westen war. -- Wir haben den letzten Aufstand unterdrckt, sagte
Lake, und wollen gewi nicht einen neuen hervorrufen. -- Wir,
Rebellen! rief Turner; wir sind bereit, zu den Fen Eurer Majestt zu
sterben. -- Sire, hob jetzt Ken in einem mnnlicheren Tone an, ich
hoffe, Sie werden uns die Gewissensfreiheit zugestehen, die Sie
Jedermann gewhren. Jakob aber wiederholte abermals: Das ist Aufruhr!
das ist eine Fahne des Aufruhrs! Hat jemals ein guter Diener der
Staatskirche das Dispensationsrecht in Frage gestellt? Haben nicht
einige von Ihnen zu Gunsten desselben gepredigt und geschrieben? Ich
will durchaus, da meine Erklrung verlesen werde! -- Wir haben zwei
Pflichten zu erfllen, erwiederte Ken, unsre Pflicht gegen Gott und
unsre Pflicht gegen Eure Majestt. Wir ehren Sie, aber wir frchten
Gott. -- Habe ich das um Sie verdient? versetzte der Knig mit
wachsendem Zorne; bin ich nicht stets ein Freund Ihrer Kirche gewesen?
Ich htte dies nicht von Ihnen erwartet. Aber ich verlange Gehorsam.
Meine Erklrung mu verlesen werden. Sie sind die Trompeter des
Aufruhrs. Was wollen Sie hier? Gehen Sie in Ihre Dicesen und sorgen Sie
dafr, da meinen Befehlen gehorcht wird. Dieses Papier will ich
behalten. Sie bekommen es nicht zurck. Ich werde Sie, die
Unterzeichner, nicht vergessen. -- Gottes Wille geschehe, sagte Ken.
-- Gott hat mir die Dispensationsgewalt verliehen, fuhr der Knig
fort, und ich werde sie zu behaupten wissen. Ich sage Ihnen, es sind
noch Siebentausend in Ihrer Kirche, die das Knie nicht vor dem Baal
gebeugt haben. Die Bischfe entfernten sich ehrerbietig[91]. Noch den
nmlichen Abend erschien die Petition, die sie dem Knige berreicht
hatten, Wort fr Wort, in Druck und wurde in allen Kaffeehusern
ausgelegt und in den Straen zum Verkauf ausgeboten. Allenthalben
standen die Leute aus den Betten wieder auf und gingen hinunter auf die
Strae, um zu sehen, was es gab. Man sagte, da der Drucker binnen
wenigen Stunden durch dieses Pennyblatt tausend Pfund verdient habe.
Dies mag bertrieben sein, aber es beweist wenigstens, da der Absatz
ungeheuer war. Wie die Petition in die ffentlichkeit kam, ist noch
heute ein Geheimni. Sancroft versicherte, da er jede erdenkliche
Vorsicht beobachtet habe und von keinem andren Exemplare wisse, als von
dem, welches er selbst geschrieben und das der Knig aus Lloyd's Hnden
entgegengenommen hatte. Die Wahrhaftigkeit des Erzbischofs ist ber alle
Zweifel erhaben. Nicht unwahrscheinlich aber ist es, da einige von den
anwesenden Geistlichen das kurze Schriftstck ihrem Gedchtni genau
eingeprgt und es zum Druck befrdert hatten. Die vorherrschende Meinung
war jedoch, da eine Person aus der nchsten Umgebung des Knigs eine
Indiscretion oder einen Verrath begangen habe[92]. Kaum weniger Aufsehen
machte ein kurzer, mit groer logischer Schrfe und in krftiger Sprache
geschriebener Brief, der im Geheimen gedruckt und an dem nmlichen Tage
durch die Post und durch die gewhnlichen Botenfuhrleute verbreitet
wurde. Jedem Geistlichen im ganzen Lande wurde ein Exemplar zugesandt.
Der Verfasser versuchte es nicht, die Gefahr zu verhehlen, der sich
Diejenigen aussetzten, welche dem kniglichen Befehle nicht gehorchten;
aber er schilderte mit lebhaften Farben die noch grere Gefahr der
Unterwerfung. Wenn wir die Erklrung verlesen, sagte er, so fallen
wir, um uns nicht wieder zu erheben. Und wir werden nicht bedauert,
sondern nur verachtet werden; wir fallen unter den Verwnschungen einer
Nation, die unsre Willfhrigkeit ins Verderben gestrzt hat. Einige
waren der Meinung, die Schrift sei aus Holland herbergekommen, Andere
schrieben sie Sherlock zu. Aber Prideaux, Dechant von Norwich, der bei
der Verbreitung besonders thtig war, hielt sie fr das Werk Halifax'.

Das Verfahren der Prlaten fand allgemeinen und lebhaften Beifall; aber
hier und da lie sich auch ein Murren vornehmen. Man sagte, da so
ernste Mnner, wenn ihr Gewissen ihnen geboten htte, beim Knige zu
remonstriren, dies frher htten thun sollen. Wre es recht gegen ihn
gehandelt, da sie ihn bis sechsunddreiig Stunden vor der zur Verlesung
der Erklrung festgesetzten Zeit im Dunkeln lieen? Selbst wenn er den
Geheimrathsbefehl htte zurcknehmen wollen, wre es dazu zu spt
gewesen. Aus dem Allen scheine hervorzugehen, da die Petition nicht den
Zweck gehabt habe, den Knig andren Sinnes zu machen, sondern nur die
Unzufriedenheit des Volks zu erregen[93]. Diese Beschwerden waren jedoch
vllig grundlos. Der Knig hatte den Bischfen einen neuen, unerwarteten
und in Verlegenheit setzenden Befehl gegeben. Es war ihre Pflicht, mit
einander in Vernehmen zu treten und so weit als mglich die Ansicht des
Standes, dessen Oberhupter sie waren, einzuholen, ehe sie irgend einen
Schritt thaten. Die Mitglieder waren im ganzen Lande zerstreut, einige
waren eine volle Tagereise von einander entfernt. Jakob hatte ihnen nur
vierzehn Tage Zeit gelassen, um sich zu erkundigen, zu berathschlagen
und einen Entschlu zu fassen, und er konnte sich gewi nicht darber
beklagen, da diese vierzehn Tage zu Ende gingen, bevor er ihren
Entschlu erfuhr. Ebenso ist es auch nicht wahr, da sie ihm nicht Zeit
lieen, seinen Befehl zurckzunehmen, wenn er htte so klug sein wollen,
dies zu thun. Er htte am Samstag Morgen den Geheimen Rath
zusammenberufen knnen und vor dem Abend konnte es in ganz London und
dessen Vorstdten bekannt sein, da er den Bitten der Vter der Kirche
nachgegeben. Der Samstag ging jedoch ohne ein Zeichen von Sinnesnderung
seitens der Regierung vorber und der Sonntag kam heran, ein Tag, dessen
man sich noch lange erinnerte.

    [Anmerkung 91: Sancroft's Bericht aus Tanner's Handschriften
    abgedruckt; Citters, 22. Mai (1. Juni) 1688.]

    [Anmerkung 92: +Burnet, I. 741+; +Revolution Politics+; +Higgins's
    Short View.+]

    [Anmerkung 93: +Clarke's Life of James the Second, II. 155.+]


[_Die londoner Geistlichkeit gehorcht dem kniglichen Befehle nicht._]
In der City und den Vorstdten Londons gab es ungefhr hundert
Pfarrkirchen. Nur in vier derselben wurde der Geheimrathsbefehl befolgt.
In der St. Gregorskirche wurde die Erklrung von einem Geistlichen,
Namens Martin, verlesen. Sobald er die ersten Worte sprach, stand die
ganze Gemeinde auf und entfernte sich. In der St. Matthuskirche in
Friday Street wurde ein Elender, Namens Timotheus Hall, der seinen
Priesterrock geschndet, indem er der Herzogin von Portsmouth bei dem
Handel mit Begnadigungen als Zwischentrger gedient und der jetzt
Hoffnung auf das erledigte Bisthum Oxford hatte, ebenfalls von seiner
Gemeinde in der Kirche allein gelassen. In Serjeant's Inn, in Chancery
Lane, gab der Geistliche vor, er habe vergessen, ein Exemplar der
Erklrung mitzubringen, und der Oberrichter der Kings Bench, welcher
anwesend war, um darauf zu sehen, da dem kniglichen Befehle gehorcht
werde, mute sich mit dieser Entschuldigung begngen. Samuel Wesley, der
Vater Johann's und Karl's Wesley, Pfarrer in London, whlte an diesem
Sonntage zum Text seiner Predigt die edle Antwort, welche die drei Juden
dem chaldischen Tyrannen gaben: So sollst Du nun wissen, o Knig, da
wir Deine Gtter nicht ehren, noch das gldene Bild, das Du hast setzen
lassen, anbeten wollen. Selbst in der Kapelle des St. Jamespalastes
hatte der dienstthuende Geistliche den Muth, dem Befehle nicht zu
gehorchen. Die Knaben von Westminster erinnerten sich noch lange dessen,
was an jenem Tage in der Abtei vorging. Sprat, Bischof von Rochester,
fungirte hier als Dechant. Sobald er die Erklrung zu verlesen begann,
bertubte das Murren und das Gerusch des sich aus der Kirche
drngenden Volks seine Stimme. Er zitterte so heftig, da man das Papier
in seiner Hand sich bewegen sah. Lange bevor er geendet hatte, war die
Kirche von Allen verlassen, bis auf Diejenigen, die ihre Stellung zum
Bleiben nthigte.[94]

Noch nie war die Kirche der Nation so theuer gewesen, als an jenem
Nachmittage. Der Geist der Zwietracht schien erloschen zu sein. Baxter
hielt auf der Kanzel eine Lobrede auf die Bischfe und die Pfarrer.
Wenige Stunden spter schrieb der hollndische Gesandte an die
Generalstaaten, da die anglikanische Geistlichkeit in der Achtung des
Publikums unglaublich gestiegen sei. Die Nonconformisten, sagte er,
sprchen sich allgemein dahin aus, da sie lieber unter dem Drucke der
Strafgesetze bleiben, als ihre Sache von der der Prlaten trennen
wollten.[95]

So verging noch eine Woche ngstlicher Aufregung, und der zweite Sonntag
kam heran. Abermals waren die Kirchen der Hauptstadt mit
Hunderttausenden gefllt. Die Erklrung wurde nirgends anderwrts
verlesen, als an den wenigen Orten, wo sie vor acht Tagen verlesen
worden war. Der Geistliche, der in der Kapelle des St. Jamespalastes
gepredigt hatte, war seines Amtes entsetzt worden und es erschien ein
servilerer Geistlicher mit dem Papier in der Hand; aber er war so
befangen, da er nicht vernehmlich sprechen konnte. Die Stimmung der
ganzen Nation hatte sich in der That so gestaltet, da nur die besten
und hochherzigsten, oder die schlechtesten und characterlosesten
Menschen ihr ohne groe Angst die Stirn bieten konnten.[96]

    [Anmerkung 94: Citters; 22. Mai (1. Juni) 1688; +Burnet+, I. 740
    und Lord Dartmouth's Note; +Southey's Life of Wesley+.]

    [Anmerkung 95: Citters, 22. Mai (1. Juni) 1688.]

    [Anmerkung 96: +Ibid.+ 29. Mai (8. Juni) 1688.]


[_Unschlssigkeit der Regierung._] Selbst der Knig war einen Augenblick
bestrzt ber die Heftigkeit des von ihm heraufbeschworenen Sturmes. Was
sollte er nun zunchst thun? Er mute entweder vorwrts oder rckwrts
gehen, und ersteres konnte er nicht ohne Gefahr, letzteres nicht ohne
Demthigung. Einmal nahm er sich vor, einen neuen Befehl zu erlassen,
durch den er der Geistlichkeit in hochmthigem und zornigem Tone gebot,
seine Erklrung zu verlesen, und jedem Widerspenstigen mit
augenblicklicher Amtsentsetzung drohte. Dieser Befehl wurde zu Papier
gebracht und in die Druckerei geschickt, dann zurckgeholt, dann zum
zweitenmal in die Druckerei geschickt und noch einmal zurckgeholt.[97]
Zu einem andren Plane riethen einige von Denen, welche fr strenge
Maregeln waren. Sie meinten, die Prlaten, welche die Petition
unterzeichnet hatten, knnten ja vor die kirchliche Commission citirt
und ihrer Bischofssitze beraubt werden. Gegen dieses Verfahren aber
wurden im Staatsrathe energische Einwendungen erhoben. Man habe
angekndigt, da die Kammern noch vor Ende des Jahres einberufen werden
sollten und die Lords wrden das Absetzungsurtel unzweifelhaft fr null
und nichtig erklren, auf der Einberufung Sancroft's und seiner
Mitpetenten bestehen und sich weigern, einen neuen Erzbischof von
Canterbury oder einen neuen Bischof von Bath und Wells anzuerkennen. So
wrde die Session, die aller Wahrscheinlichkeit nach im gnstigen Falle
immer noch sehr strmisch werden wrde, sogleich mit einem erbitterten
Streite zwischen der Krone und den Peers beginnen. Wenn daher eine
Bestrafung der Bischfe fr nthig gehalten wrde, so mte dieselbe
nach dem bekannten Gange des englischen Rechtsverfahrens ber sie
verhngt werden. Sunderland hatte sich von Anfang an, soweit er es ohne
Gefahr wagen konnte, dem Geheimrathsbefehl widersetzt. Jetzt rieth er zu
einem Verfahren, das zwar nicht frei von Nachtheilen, aber doch das
klgste und wrdigste war, welches der Regierung nach einer Reihe von
Fehlgriffen noch offen stand. Der Knig solle mit Huld und Majestt der
Welt ankndigen, da das ungehorsame Benehmen der anglikanischen Kirche
ihn tief verletzt habe, da er aber die vielen Dienste nicht vergessen
knne, die diese Kirche in schweren Prfungszeiten seinem Vater, seinem
Bruder und ihm selbst geleistet; da er als Freund der Gewissensfreiheit
nicht streng gegen Mnner verfahren wolle, deren allerdings
irregeleitetes und ber alle Maen bedenkliches Gewissen ihnen nicht
erlaubt habe, seinen Befehlen zu gehorchen, und da er daher die
Schuldigen der Strafe berlassen werde, die ihre eigne berzeugung ihnen
zuerkennen msse, wenn sie ihre neuesten Schritte mit den loyalen
Grundstzen verglichen, deren sie sich so laut gerhmt htten. Nicht
allein Powis und Bellasyse, welche stets fr gemigte Beschlsse waren,
sondern selbst Dover und Arundell neigten sich zu diesem Vorschlage hin.
Jeffreys dagegen behauptete, da die Regierung entehrt sein wrde, wenn
sie solche Verbrecher, wie die sieben Bischfe, mit einem bloen
Verweise davon kommen liee. Er wnschte jedoch nicht, da sie vor die
Hohe Commission, in welcher er als erster oder vielmehr einziger Richter
sa, geladen wrden, denn die Last des ffentlichen Hasses, die er
bereits zu tragen hatte, war selbst fr seine schamlose Stirn und sein
verknchertes Herz zu gro, und er erschrak vor der Verantwortlichkeit,
die er durch eine gesetzwidrige Verurtheilung der Oberhupter der
Staatskirche und der Lieblinge des Volkes auf sich geladen haben wrde.

    [Anmerkung 97: +Ibid.+]


[_Es wird eine gerichtliche Verfolgung der Bischfe wegen Libells
beschlossen._] Jeffreys empfahl deshalb einen Criminalproze gegen sie
anhngig zu machen. In Folge dessen wurde beschlossen, den Erzbischof
und die sechs anderen Bittsteller unter der Anklage auf Abfassung eines
aufrhrerischen Libells vor den Gerichtshof der Kings Bench zu stellen.
Da sie fr schuldig befunden werden wrden, daran war kaum zu zweifeln,
denn die Richter und ihre Unterbeamten waren Werkzeuge des Hofes.
Seitdem der Hauptstadt ihr alter Freibrief entzogen worden, war kaum ein
Gefangener, den die Regierung bestraft wissen wollte, von einer Jury
freigesprochen worden. Die widerspenstigen Prlaten wurden hchst
wahrscheinlich zu unerschwinglichen Geldbuen und langer Haft
verurtheilt und waren dann froh, wenn sie sich dadurch loskaufen
konnten, da sie in und auer dem Parlament den Absichten des Knigs
dienten.[98]

Am 27. Mai wurde den Bischfen angekndigt, da sie am 8. Juni vor dem
Knige im Geheimen Rathe erscheinen sollten. Warum eine so lange Frist
gestattet wurde, ist uns nicht bekannt. Vielleicht hoffte Jakob, da
einige der Schuldigen sich aus Furcht vor seiner Ungnade bis zu dem zum
Verlesen der Erklrung bestimmten Tage noch fgen und, um sich mit ihm
auszushnen, die Geistlichen ihrer Dicesen zum Gehorsam berreden
wrden. Wenn dies wirklich seine Hoffnung war, so wurde sie vollstndig
getuscht. Der 3. Juni kam und alle Theile Englands folgten dem
Beispiele der Hauptstadt. Die Bischfe von Norwich, Gloucester,
Salisbury, Winchester und Exeter hatten bereits Abschriften der Petition
zum Beweis ihrer Zustimmung unterzeichnet; der Bischof von Worcester
hatte sich geweigert, die Erklrung unter seine Geistlichen zu
vertheilen; der Bischof von Hereford hatte sie vertheilt, wurde aber,
wie allgemein bekannt war, deshalb von Reue und Scham geqult. Von
fnfzig Pfarrern fgte sich noch nicht einer dem Geheimrathsbefehl. In
der groen Dicese Chester, welche die Grafschaft Lancaster umfat,
konnte Cartwright nicht mehr als drei Geistliche zum Gehorsam gegen den
Knig bewegen. Die Dicese Norwich enthlt viele hundert Pfarreien, und
nur in vieren davon wurde die Erklrung verlesen. Dem hfischen Bischof
von Rochester gelang es nicht, die Gewissensscrupel des
Gefngnipredigers von Chatham, der von der Regierung besoldet wurde, zu
heben. Es existirt noch ein rhrender Brief, den dieser wackere
Geistliche an den Sekretr der Admiralitt schrieb. Ich kann wohl nicht
erwarten, schrieb er darin, da Euer Ehren sich fr mich verwenden.
Der Wille Gottes geschehe. Ich will lieber leiden, als sndigen[99].

    [Anmerkung 98: Barillon, 24. Mai (3. Juni), 31. Mai (10. Juni)
    1688; Citters, 1.(11.) Juli; Adda 25. Mai (4. Juni), 30. Mai (9.
    Juni), 1.(11.) Juni; +Clarke's Life of James the Second, II.
    158+.]

    [Anmerkung 99: +Burnet, I. 740+; +Life of Prideaux+; Citters,
    12.(22.), 15.(25.) Juni 1688; +Tanner MS.+; +Life and
    Correspondence of Pepys+.]


[_Sie werden im Geheimen Rathe verhrt._] Am Abend des 8. Juni begaben
sich die sieben Prlaten, von den ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten
Englands gehrig instruirt, in den Palast, wo sie alsbald in das
Geheimrathszimmer gerufen wurden. Ihre Petition lag auf dem Tische. Der
Kanzler nahm das Papier, zeigte es dem Erzbischofe und sagte: Ist dies
die Schrift, die Euer Gnaden aufgesetzt und welche die hier anwesenden
Bischfe Seiner Majestt berreicht haben? Sancroft warf einen Blick
auf das Papier und sagte dann zum Knige: Sire, ich stehe hier als
Angeklagter. Ich war dies noch nie und htte frher nicht geglaubt, da
ich es je einmal werden knnte. Am allerwenigsten aber habe ich daran
gedacht, da mir ein Vergehen gegen meinen Knig zur Last gelegt werden
knnte. Da ich aber das Unglck habe, in diese Lage gekommen zu sein, so
wird Eure Majestt es mir nicht bel nehmen, wenn ich von dem mir
gesetzlich zustehenden Rechte Gebrauch mache, nichts zu sagen, was mich
als schuldig erscheinen lassen knnte. -- Dies ist bloe Chikane,
erwiederte der Knig. Euer Gnaden werden hoffentlich nicht so
gewissenlos sein, da Sie Ihre eigne Hand verleugnen? -- Sire, sagte
Lloyd, der die Casuistik grndlich studirt hatte, alle Theologen
stimmen darin berein, da Jemand, der sich in unsrer Lage befindet, die
Antwort auf eine solche Frage verweigern darf. Der Knig, der eben so
beschrnkten Verstandes, als heftigen Temperamentes war, wute nicht
sogleich was der Prlat meinte. Er beharrte jedoch auf seinem Verlangen
und gerieth in sichtbaren Zorn. Sire, hob der Erzbischof wieder an,
ich bin nicht verpflichtet, mich selbst anzuklagen. Dessenungeachtet
will ich, wenn Eure Majestt es durchaus befiehlt, eine Antwort geben,
in dem Vertrauen, da ein gerechter und edelsinniger Frst das was ich
lediglich aus Gehorsam gegen Hchstdessen Befehl thue, nicht als
Rechtsbeweis gegen mich anwenden lassen wird. -- Sie drfen mit Ihrem
Souverain nicht kapituliren, sagte der Kanzler. Nein, setzte der
Knig hinzu, ich werde einen solchen Befehl nicht geben. Wenn Sie es
vorziehen, Ihre eigenen Handschriften abzuleugnen, so habe ich Ihnen
nichts mehr zu sagen.

Die Bischfe wurden zu wiederholten Malen ins Vorzimmer hinausgeschickt
und eben so oft wieder hereingerufen. Endlich gab ihnen Jakob den
bestimmten Befehl, auf die Frage zu antworten. Er verpflichtete sich
allerdings nicht ausdrcklich dazu, da ihr Gestndni nicht gegen sie
angewendet werden sollte; aber nach dem was vorausgegangen war, muten
sie natrlich annehmen, da diese Zusage selbstverstndlich mit in dem
Befehle enthalten sei. Sancroft erkannte seine Handschrift an, und seine
Collegen folgten seinem Beispiele. Hierauf wurden sie ber den Sinn
einiger in der Petition vorkommenden Worte und ber den Brief befragt,
der im ganzen Lande verbreitet worden war und so groes Aufsehen gemacht
hatte; aber ihre Antworten waren so vorsichtig, da durch das Verhr
nichts gewonnen wurde. Der Kanzler sagte ihnen nun, da eine
Criminaluntersuchung bei der Kings Bench gegen sie eingeleitet werden
wrde und forderte sie auf, sich wegen ihres Erscheinens jeder fr seine
eigne Person zu verpflichten. Dies lehnten sie aber ab. Sie seien Peers
des Reiches, sagten sie, die besten Rechtsgelehrten von Westminster Hall
htten ihnen gesagt, da keinem Peer in einer Untersuchung wegen Libells
persnliche Brgschaft angesonnen werden knne, und sie hielten sich
nicht fr berechtigt, auf eines ihrer Standesvorrechte zu verzichten.
Der Knig war einfltig genug, es als eine persnliche Beleidigung gegen
sich zu betrachten, da die Bischfe in einer Rechtsfrage sich durch
juristischen Rath leiten lieen. Sie glauben ja auch jedem Andren eher
als mir, sagte er. Er fhlte sich ernstlich gedemthigt und beunruhigt,
denn er war so weit gegangen, da ihm, wenn sie auf ihrem Vorsatze
beharrten, nichts Andres brig blieb, als sie in's Gefngni zu
schicken, und wenn er auch keineswegs _alle_ Folgen eines solchen
Schrittes voraussah, so sah er doch so viel davon voraus, da ihm bange
wurde. Sie blieben fest. Es wurde daher wirklich ein Befehl
ausgefertigt, welcher den Gouverneur des Tower anwies, sie in sicherem
Gewahrsam zu halten und eine Barke brachte sie den Flu hinunter nach
dem Staatsgefngnisse.[100]

Ganz London wute, da die Bischfe vor dem Geheimen Rathe standen. Das
Publikum war in gespannter Erwartung. Eine groe Menschenmenge fllte
die Hfe von Whitehall und alle umliegenden Straen. Viele Leute
pflegten sich damals an Sommerabenden an der khlen Themseluft zu
erlaben; an diesem Abend aber war der ganze Flu mit Bten bedeckt. Als
die sieben Bischfe in Begleitung einer Wache erschienen, konnte das
Volk seine Gefhle nicht mehr beherrschen. Tausende fielen auf die Knie
und beteten laut fr die Mnner, welche mit dem christlichen Muthe eines
Ridley und Latimer einem von der ganzen Bigotterie der Maria erfllten
Tyrannen Trotz geboten hatten. Viele sprangen in den Flu und riefen,
bis ber den Hften in Schlamm und Wasser stehend, die heiligen Vter um
ihren Segen an. Auf der ganzen Strecke von Whitehall bis zur
London-Brcke fuhr die knigliche Barke zwischen Reihen von Bten, aus
denen bestndig der Ruf: Gott segne Eure Lordschaften! ertnte. Der
Knig gab in seiner Angst Befehl, da die Besatzung des Tower verstrkt,
die Garden zum Feuern bereit gehalten und zwei Compagnien von jedem
Regiment im ganzen Reiche unverzglich nach London berufen werden
sollten. Die Militairmacht aber, die er als das zuverlssigste Werkzeug
zur Bndigung des Volkes ansah, theilte alle Gefhle desselben. Selbst
die Schildwachen, welche am Verrtherthore unter Waffen standen, baten
die Mrtyrer, die sie bewachen sollten, um ihren Segen. Der Gouverneur
des Tower war Sir Eduard Hales. Er war nicht eben geneigt, seine
Gefangenen freundlich zu behandeln, denn er war von der Kirche, fr die
sie litten, abgefallen und bekleidete kraft der Dispensationsgewalt,
gegen die sie protestirt hatten, mehrere eintrgliche Stellen. Mit
Entrstung vernahm er, da seine Soldaten auf das Wohl der Bischfe
tranken, und er befahl seinen Offizieren, dies ein fr allemal zu
verbieten; aber diese brachten ihm die Meldung, da es sich nicht mehr
verhindern lasse und da in der ganzen Besatzung keine andre Gesundheit
mehr ausgebracht werde. brigens bewiesen die Truppen ihre Verehrung fr
die Vter der Kirche nicht allein durch Toaste. Im ganzen Tower
herrschte eine so andchtige Stimmung, da fromme Geistliche dem Himmel
dankten, da er aus Bsem Gutes hervorgehen liee und die Verfolgung
seiner treuen Diener zum Rettungsmittel fr viele Seelen machte. Tag fr
Tag sah man die Equipagen und Livreen der vornehmsten Kavaliere Englands
vor den Eingngen des Gefngnisses, und Tausende von Zuschauern aus den
brgerlichen Klassen bedeckten fortwhrend Towerhill.[101] Von den
verschiedenen Zeichen der ffentlichen Verehrung und Theilnahme fr die
Prlaten erfllte aber namentlich eines mehr als alle anderen den Knig
mit Zorn und Besorgni. Er erfuhr, da eine Deputation von zehn
nonconformistischen Geistlichen die Bischfe im Tower besucht hatte. Er
lie vier von ihnen zu sich entbieten und machte ihnen persnlich
heftige Vorwrfe; sie aber antworteten ihm muthig, da sie es fr ihre
Pflicht hielten, vergangene Streitigkeiten zu vergessen und zu den
Mnnern zu stehen, welche die Trger des protestantischen Glaubens
seien.[102]

    [Anmerkung 100: Sancroft's Bericht, abgedruckt aus Tanner's
    Handschriften.]

    [Anmerkung 101: +Burnet, I. 741+; Citters, 8.(18.), 12.(22.) Juni
    1688; +Luttrell's Diary, June 8+; +Evelyn's Diary+, Brief von
    +Dr.+ Ralson an seine Gattin vom 14. Juni abgedruckt aus Tanner's
    Handschriften; +Reresby's Memoirs+.]

    [Anmerkung 102: +Reresby's Memoirs+.]


[_Geburt des Prtendenten._] Kaum hatten sich die Thore des Tower hinter
den Gefangenen geschlossen, so trat ein Ereigni ein, welches die
allgemeine Aufregung noch vermehrte. Es war angekndigt worden, da die
Knigin erst im Juli ihre Entbindung erwarte. Den Tag nach dem Verhre
der Bischfe aber bemerkte man, da der Knig sich angelegentlich nach
ihrem Befinden erkundigte. Sie sa jedoch diesen Abend noch bis gegen
Mitternacht in Whitehall am Spieltisch. Dann aber wurde sie in einer
Snfte in den St. Jamespalast gebracht, wo in aller Eil Zimmer fr sie
eingerichtet worden waren. Bald darauf eilten Boten nach allen
Richtungen hin, um rzte und Priester, Staatsrthe und Kammerdamen
herbeizuholen. Binnen wenigen Stunden waren eine Menge Staatsbeamte und
vornehme Damen im Zimmer der Knigin versammelt, und hier wurde am
Morgen des 10. Juni, einem Sonntage, der von den allzutreuen Freunden
einer schlechten Sache lange in Ehren gehalten wurde, der unglcklichste
aller Frsten geboren, bestimmt zu siebenundsiebzig Jahren der
Verbannung und des Umherirrens, zu einem Leben voll eitler Plne, voll
Ehrenbezeigungen, welche krnkender sind als offene Beleidigungen, und
voll Hoffnungen, die das Herz vor Gram vergehen lassen.


[_Man hlt ihn allgemein fr untergeschoben._] Die traurigen Schicksale
des armen Kindes begannen schon vor seiner Geburt. Die Nation ber
welche er nach der gewhnlichen Erbfolgeordnung einst regiert haben
wrde, war fest berzeugt, da seine Mutter gar nicht schwanger sei.
Wre seine Geburt auch durch noch so viele Zeugen bewiesen worden,
ein groer Theil des Volks wrde trotzdem wahrscheinlich bei der
Behauptung geblieben sein, da die Jesuiten ein geschicktes
Taschenspielerkunststck ausgefhrt htten; der Beweis fr die Thatsache
lie aber, theils durch Zufall, theils durch grobe Versehen manchen
Einwrfen und Zweifeln Raum. Es waren zwar viele Personen beiderlei
Geschlechts im kniglichen Schlafgemache anwesend, als das Kind das
Licht der Welt erblickte, aber keine von ihnen erfreute sich des
ffentlichen Vertrauens im besonderen Grade. Von den anwesenden
Geheimrthen waren die Hlfte Katholiken und die, welche sich
Protestanten nannten, galten allgemein fr Verrther an Gott und
Vaterland. Unter den Kammerdamen befanden sich viele Franzsinnen,
Italienerinnen und Portugiesinnen, und von den englischen Damen waren
einige selbst Papistinnen, andere die Gattinnen von Papisten. Mehrere
Personen, welche vorzugsweise htten anwesend sein sollen, und deren
Zeugni allen Verstndigen gengt haben wrde, fehlten und man legte die
Schuld an ihrer Abwesenheit dem Knige zur Last. Die Prinzessin Anna war
von allen Bewohnern der ganzen Insel am meisten bei der Sache
interessirt. Ihr Geschlecht und ihre Erfahrung berechtigte sie, als
Wchterin des Geburtsrechts ihrer Schwester und ihres eigenen
aufzutreten. Sie hatte starken Verdacht geschpft, in welchem sie
tglich durch geringfgige oder imaginre Umstnde bestrkt wurde. Es
schien ihr, als ob die Knigin geflissentlich ihren Fragen auswiche und
sie schrieb diese Zurckhaltung, welche vielleicht im Zartgefhl ihren
Grund hatte, dem Schuldbewutsein zu.[103] In Folge dessen hatte Anna
sich vorgenommen, an dem entscheidenden Tage anwesend zu sein und ein
scharfes Auge zu haben. Sie hatte es aber nicht fr nthig gehalten,
schon einen Monat vor diesem Tage auf ihrem Posten zu sein, sondern war
mit Bewilligung und angeblich auf Anrathen ihres Vaters nach Bath
gereist, um dort eine Brunnenkur zu gebrauchen. Sancroft, dessen hohe
Stellung ihm die Pflicht auferlegte, anwesend zu sein, und in dessen
Rechtschaffenheit die Nation volles Vertrauen setzte, war einige Stunden
vorher von Jakob in den Tower geschickt worden. Die Hyde waren die
geeigneten Beschtzer der Rechte beider Prinzessinnen. Der hollndische
Gesandte konnte als der Vertreter Wilhelm's betrachtet werden, der als
der erste Prinz von Geblt und als Gemahl der ltesten Tochter des
Knigs das grte Interesse an dem Ereignisse hatte. Jakob aber dachte
nicht daran, ein mnnliches oder weibliches Mitglied der Familie Hyde
herbeizurufen und eben so wenig wurde der hollndische Gesandte
zugezogen.

Die Nachwelt hat den Knig von dem Betrug, dessen sein Volk ihn
beschuldigte, vollkommen freigesprochen. Unmglich aber kann man ihn von
der Thorheit und Verkehrtheit freisprechen, welche den Irrthum seiner
Zeitgenossen erklren und entschuldigen. Er wute recht gut, welche
argwhnischen Vermuthungen man im Publikum hegte,[104] und er htte eben
so gut wissen knnen, da dieser Argwohn nicht durch das Zeugni von
Mitgliedern der rmischen Kirche oder solchen Personen zerstreut werden
konnte, die sich zwar Mitglieder der anglikanischen Kirche nannten, aber
sich ganz bereit gezeigt hatten, die Interessen dieser Kirche zu opfern,
um seine Gunst zu gewinnen. Da der Eintritt des Ereignisses ihn vor der
erwarteten Zeit berraschte, ist wahr, aber er hatte immerhin zwlf
Stunden vor sich, um seine Anordnungen zu treffen. So gut als er den St.
Jamespalast mit Bigotten und Schmarotzern fllen konnte, deren Wort die
Nation nicht traute, eben so gut htte er auch fr die Anwesenheit
einiger angesehenen Personen sorgen knnen, deren treue Anhnglichkeit
an die Prinzessinnen und an die Landeskirche auer Zweifel stand.

Zu einer spteren Zeit, als er fr seine tollkhne Verachtung der
ffentlichen Meinung schwer gebt hatte, pflegte man in Saint-Germain
ihn dadurch zu entschuldigen, da man die Schuld auf Andere wlzte.
Einige Jakobiten behaupteten, Anna habe sich absichtlich fern gehalten,
ja sie scheuten sich nicht zu sagen, Sancroft habe den Knig
herausgefordert, ihn in den Tower zu schicken, damit das Zeugni,
welches die Verleumdungen der Unzufriedenen widerlegen konnte,
mangelhaft wre.[105] Die Abgeschmacktheit dieser Beschuldigung ist
handgreiflich. Konnte Anna oder Sancroft vermuthen, da die Knigin sich
in ihrer Berechnung um einen ganzen Monat geirrt hatte? Wre ihre
Berechnung richtig gewesen, so wrde Anna gewi, um der Entbindung
beiwohnen zu knnen, zur rechten Zeit von Bath zurckgekehrt und
Sancroft nicht im Tower gewesen sein. Jedenfalls aber waren die
mtterlichen Oheime der Tochter des Knigs weder von London entfernt
noch im Gefngni. Die nmlichen Boten, welche die ganze Schaar der
Renegaten, Dover, Peterborough, Murray, Sunderland und Mulgrave,
herbeiholten, htten ganz eben so leicht auch Clarendon herbeirufen
knnen. Er war so gut Geheimer Rath als sie, und seine Wohnung befand
sich in Jermyn Street, keine zweihundert Schritt von den Gemchern der
Knigin. Dennoch lie man es ihn erst in der St. Jameskirche durch die
Bewegung und das Geflster der Gemeinde erfahren, da seine Nichte
aufgehrt hatte, die prsumtive Thronerbin zu sein.[106] Gehrte er etwa
deshalb nicht in das Entbindungszimmer, weil er ein naher Verwandter der
Prinzessinnen von Oranien und von Dnemark war, oder weil er
unerschtterlich treu an der anglikanischen Kirche hing?

Die ganze Nation sprach es laut und offen aus, da ein Betrug gespielt
worden sei. Mehre Monate lang htten die Papisten auf der Kanzel und
durch die Presse, in Prosa und in Versen, in englischer und in
lateinischer Sprache prophezeit, da die Bitten der Kirche erhrt und
ein Prinz von Wales geboren werden wrde, und sie htten jetzt selbst
ihre Prophezeiung erfllt. Jeder nicht zu bestechende oder zu
hintergehende Zeuge sei sorgfltig ausgeschlossen worden. Anna habe man
arglistigerweise zu einer Reise nach Bath berredet. Der Primas sei
gerade am Tage vor dem zur Ausfhrung des Betrugs bestimmten den
Vorschriften des Gesetzes und der Privilegien der Peers zum Trotz ins
Gefngni geworfen worden. Nicht eine einzige mnnliche oder weibliche
Person, die das geringste Interesse an der Enthllung des Betrugs haben
konnte, sei zugezogen worden. Man habe die Knigin pltzlich mitten in
der Nacht in den St. Jamespalast gebracht, weil dieses Gebude, fr
unehrliche Zwecke passender eingerichtet als Whitehall, einige fr die
Absichten der Jesuiten vortrefflich geeignete Zimmer und Gnge enthalte.
Hier sei inmitten eines Kreises von Zeloten, denen nichts, was die
Interessen ihrer Kirche frdern konnte, ein Verbrechen dnkte, und von
Hflingen, welche nichts, was zu ihrer Bereicherung und Erhebung
beitragen konnte, fr Snde hielten, ein neugeborenes Kind ins Bett der
Knigin practicirt und dann triumphirend als Erbe dreier Knigreiche
herumgegeben worden. Durch diesen zwar unbegrndeten, aber nicht ganz
unnatrlichen Verdacht aufgeregt, drngten sich die Leute nur um so
eifriger danach, den frommen Opfern des Tyrannen zu huldigen, der,
nachdem er lange seinem Volke das emprendste Unrecht zugefgt, das Ma
seiner Schndlichkeit voll machte, indem er sich noch emprender an
seinen eigenen Kindern verging[107].

Der Prinz von Oranien, der selbst keinen Betrug argwhnte und den
Zustand der Volksstimmung in England nicht kannte, ordnete Dankgebete
fr seinen kleinen Schwager unter seinem eigenen Dache an und schickte
Zulestein mit einem frmlichen Beglckwnschungsschreiben nach London.
Zulestein hrte zu seinem groen Erstaunen Jedermann ganz offen von dem
schndlichen Betruge sprechen, den die Jesuiten eben begangen haben
sollten, und erblickte jede Stunde ein neues Pasquill auf die
Schwangerschaft und die Entbindung der Knigin. Er schrieb sehr bald
nach dem Haag, von zehn Personen glaube nicht eine, da die Knigin
dieses Kind geboren habe[108].

Das Benehmen der gefangenen Prlaten erhhte inzwischen die allgemeine
Theilnahme, die ihre Lage erweckte. Am Abend des schwarzen Freitags,
wie man den Tag ihrer Einkerkerung nannte, kamen sie gerade zur Stunde
des Gottesdienstes in ihrem Gefngnisse an. Sie begaben sich sogleich in
die Kapelle. Der Zufall wollte, da im zweiten Vorlesestck die Worte
vorkamen: In allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes in
groer Geduld und Trbsalen, in Nthen und ngsten, in Schlgen, in
Gefngnissen. Alle eifrigen Anhnger der Staatskirche freuten sich
dieses Zusammentreffens und erinnerten sich, wie ein ganz hnliches vor
fast vierzig Jahren KarlI. in seiner Todesstunde getrstet und erhoben
hatte.

Am Abend des folgenden Tages, Samstag den 9. Juni, kam ein Schreiben von
Sunderland, welcher dem Kaplan des Tower befahl, am nchsten Morgen beim
Gottesdienste die Erklrung zu verlesen. Da die in dem Geheimrathsbefehl
zur Verlesung in London bestimmte Zeit lngst verstrichen war, so konnte
dieses Verfahren der Regierung nur als eine ganz gemeine und kindische
persnliche Insulte gegen die ehrwrdigen Gefangenen betrachtet werden.
Der Kaplan weigerte sich zu gehorchen; er wurde sofort entlassen und die
Kapelle geschlossen[109].

    [Anmerkung 103: Correspondenz zwischen Anna und Marie in
    Dalrymple; +Clarendon's Diary Oct. 31. 1688+.]

    [Anmerkung 104: Dies geht aus Clarendon's Tagebuche vom 31. Oct.
    1688 klar hervor.]

    [Anmerkung 105: +Clarke's Life of James the Second, II. 159.
    160.+]

    [Anmerkung 106: +Clarendon's Diary, June 10. 1688.+]

    [Anmerkung 107: Johnstone giebt in kurzen Worten eine treffliche
    bersicht der gegen den Knig erhobenen Beschuldigungen. Die
    groe Masse des Volks ist der Meinung, da Alles ein Betrug sei,
    denn, sagen sie, die Berechnung treffe nicht zu, die Prinzessin
    sei entfernt und weder Jemand von der Familie Clarendon noch der
    hollndische Gesandte herbeigerufen worden; dazu komme noch der
    pltzliche Eintritt des Ereignisses, die Predigten, die Zuversicht
    der Priester und die Eil. -- 13. Juni 1688.]

    [Anmerkung 108: Ronquillo, 26. Juli (5. Aug.). Ronquillo setzt
    hinzu, da Zulestein's Bericht ber den Zustand der ffentlichen
    Meinung vollkommen wahr sei.]

    [Anmerkung 109: Citters, 12.(22.) Juni 1688; +Luttrell's Diary,
    June 18.+]


[_Die Bischfe werden vor die Kings Bench gestellt und mssen Brgschaft
leisten._] Die Bischfe erbauten Alle, die sich ihnen nherten, durch
die Standhaftigkeit und Freudigkeit, mit der sie ihre Haft ertrugen,
durch die Bescheidenheit und Demuth, mit der sie die Beifallsbezeigungen
und Segenswnsche der ganzen Nation aufnahmen, und durch die loyale
Anhnglichkeit, die sie fr den Tyrannen, der sie in's Verderben strzen
wollte, an den Tag legten. Am Freitag den 15. Juni, dem ersten
Sitzungstage der Kings Bench, wurden sie vor diesen Gerichtshof
gestellt. Eine ungeheure Menschenmenge erwartete ihre Ankunft. Vom
Landungsplatze bis zur Court of Requests gingen sie durch eine
Doppelreihe von Zuschauern, welche ihnen Segenswnsche und Beifall
zuriefen. Lieben Freunde, sagten die Gefangenen im Vorbergehen,
ehret den Knig und gedenket unserer in Euren Gebeten. Diese
demthigen und frommen Worte rhrten Viele bis zu Thrnen. Als sich der
Zug endlich durch das Gedrnge einen Weg gebahnt hatte und vor den
Richtern angekommen war, verlas der Generalfiskal die Anklage, welche er
auf hohen Befehl ausgearbeitet hatte und stellte den Antrag, da die
Beklagten aufgefordert werden sollten, auf die Klage einzugehen. Der
Vertheidiger wendete dagegen ein, die Bischfe seien gesetzwidrig
verhaftet worden, und ihr Erscheinen vor dem Gerichtshofe sei daher
nicht ordnungsgem. Die Frage, ob ein Peer unter einer Anklage wegen
Libells sein Erscheinen vor Gericht gehrig zu verbrgen habe, wurde
ausfhrlich errtert und endlich von der Mehrheit der Richter zu Gunsten
der Krone entschieden. Die Gefangenen erklrten sich nun fr
nichtschuldig. Der vierzehnte Tag darauf, der 29. Juni, wurde zur
Verhandlung ihres Prozesses anberaumt. Bis dahin wurden sie gegen das
persnliche Versprechen, sich zu stellen, in Freiheit gesetzt. Die
Kronanwlte thaten sehr weise daran, a sie keine fremde Brgschaft
verlangten, denn Halifax hatte dafr gesorgt, da einundzwanzig
weltliche Peers vom hchsten Ansehen, je drei fr einen Angeklagten, zur
Brgschaftleistung bereit waren, und eine solche Gesinnungsuerung des
hohen Adels wrde fr die Regierung ein harter Schlag gewesen sein. Eben
so wute man, da einer der reichsten, Dissenters der Hauptstadt um die
Ehre nachgesucht hatte, fr Ken Brgschaft leisten zu drfen.

Die Bischfe durften nun in ihre Heimath zurckkehren. Das niedere Volk,
welches von dem bei der Kings Bench beobachteten Gerichtsverfahren
nichts wute und nur sah, da ihre Lieblinge, nachdem sie unter
Bedeckung nach Westminster Hall gebracht worden waren, jetzt sich in
voller Freiheit wieder entfernen durften, glaubte, die gute Sache habe
gesiegt, und brach in lauten Beifallsjubel aus, whrend zugleich
frhliches Glockengelute von allen Thrmen ertnte. Sprat erstaunte
nicht wenig, als er die Glocken seiner eigenen Abtei lustig erklingen
hrte. Er brachte sie sofort zum Schweigen, aber seine Einmischung
erregte viel unwilliges Murren. Die Bischfe wuten gar nicht, wie sie
sich vor der zudringlichen Masse ihrer Freunde retten sollten. Lloyd
wurde im Palasthofe von Verehrern zurckgehalten, die sich um die Gunst
stritten, seine Hnde zu berhren und den Saum seines Rockes zu kssen,
bis endlich Clarendon ihn nicht ohne Anstrengung befreite und ihn durch
eine Seitengasse nach Hause fhrte. Man sagte, Cartwright sei so
unvorsichtig gewesen, sich unter das Volk zu mischen. Jemand, der ihn an
seinem Bischofsgewand erkannte, erbat sich und erhielt seinen Segen.
Wit Ihr, von wem Ihr Euch eben habt segnen lassen? rief einer der
Umstehenden. Nun, es war doch gewi einer von den Sieben? versetzte
Der, welcher eben mit dem Segen beehrt worden war. Nein, entgegnete
der Andere, es war der papistische Bischof von Chester. --
Papistischer Hund! rief der Protestant wthend, nimm Deinen Segen
zurck!

Der Zusammenlauf und die Aufregung waren so gro, da der hollndische
Gesandte sich wunderte, den Tag ohne einen Aufstand enden zu sehen. Dem
Knige war durchaus nicht wohl zu Muthe gewesen. Um jede Ruhestrung
sogleich unterdrcken zu knnen, hatte er am Morgen in Hydepark mehrere
Bataillone Infanterie gemustert. Es ist jedoch keineswegs ausgemacht,
da diese Truppen zu ihm gehalten haben wrden, wenn er ihrer Dienste
bedurft htte. Als Sancroft am Nachmittag in Lambeth ankam, fand er die
in dieser Vorstadt liegenden Grenadiergarden vor dem Eingange seines
Palastes versammelt. Sie stellten sich in einer Doppelreihe auf und
whrend er zwischen ihnen hinschritt, baten sie ihn um seinen Segen. Nur
mit Mhe hielt er sie davon ab, da sie zur Feier seiner Rckkehr in
seine Wohnung ein Freudenfeuer anzndeten. Es brannten brigens an jenem
Abend mehrere Freudenfeuer in der Hauptstadt. Zwei Katholiken, welche so
unbesonnen waren, einige Knaben zu schlagen, weil sie an diesen
ffentlichen Freudenbezeigungen Theil nahmen, wurden vom Pbel
ergriffen, nackt ausgezogen und schimpflich gebrandmarkt[110].

Jetzt forderte Sir Eduard Hales seine Gebhren von den Bischfen, die
seine Gefangenen gewesen waren. Sie weigerten sich, einem Beamten,
dessen Bestallung sie nach ihren Grundstzen fr null und nichtig
ansahen, etwas fr eine in ihren Augen gesetzwidrige Haft zu bezahlen.
Hierauf gab ihnen der Gouverneur sehr deutlich zu verstehen, da, wenn
sie noch einmal in seine Hnde kmen, er sie in schwere Eisen legen und
auf die nackten Steine betten werde. Wir haben uns die Ungnade unsres
Knigs zugezogen, war ihre Antwort, und wir empfinden dies sehr
schmerzlich; ein Mitunterthan aber, der uns droht, strengt nutzlos seine
Lunge an. Man kann leicht denken, mit welchem Unwillen das ohnehin
schon gereizte Volk erfuhr, da ein vom protestantischen Glauben
Abgefallener, der den Grundgesetzen Englands zum Hohn einen
Commandoposten bekleidete, es gewagt hatte, ehrwrdigen Geistlichen mit
allen Barbareien von Lollard's Tower zu drohen[111].

    [Anmerkung 110: ber die Ereignisse dieses Tages sehe man die
    +Collection of State Trials+; +Clarendon's Diary+; +Luttrell's
    Diary+; Citters, 15.(25.) Juni; Johnstone, 18. Juni und
    +Revolution Politics.+]

    [Anmerkung 111: Johnstone, 18. Juni 1688; +Evelyn's Diary, June
    29.+]


[_Aufregung der Gemther._] Bis zu dem Tage des Prozesses hatte sich die
Aufregung nach den entferntesten Winkeln der Insel verbreitet. Aus
Schottland erhielten die Bischfe Zuschriften, in denen sie der
Sympathie aller Presbyterianer dieses dem Prlatenthum so lange und so
bitter Feind gewesenen Landes versichert wurden[112]. Die Bevlkerung
von Cornwall, ein trotziges, khnes und herkulisches Geschlecht, das ein
strkeres Provinzialgefhl hatte, als man es in irgend einem andren
Theile des Landes fand, nahm groen Antheil an der Gefahr, in welcher
Trelawney schwebte, den sie weniger als einen Leiter der Kirche, denn
als das Oberhaupt eines angesehenen Hauses und als den Erben von zwanzig
Ahnen verehrten, welche schon in hohem Ansehen standen, ehe die
Normannen den Fu auf englischen Boden gesetzt hatten. In der ganzen
Grafschaft sang das Landvolk eine Ballade, deren Refrain noch nicht
vergessen ist:

  Und bringt man Trelawney um, bringt man Trelawney um,
  Wollen dreiigtausend cornische Burschen wissen warum?

Die Bergleute sangen das Lied mit einer kleinen Variation:

  Wollen Zwanzigtausend unter der Erde wissen warum.[113]

In manchen Theilen des Landes sprachen die Bauern laut eine sonderbare
Hoffnung aus, welche nie aufgehrt hat, in ihren Herzen fortzuleben. Sie
meinten, ihr protestantischer Herzog, ihr geliebter Monmouth, werde
pltzlich wieder erscheinen, sie zum Siege fhren und den Knig wie die
Jesuiten unter seinen Fen zertreten[114].

Die Minister waren in der grten Angst; selbst Jeffreys wrde gern
seine Maregeln zurckgenommen haben. Er beauftragte Clarendon mit
freundlichen Botschaften an die Bischfe und wlzte die Schuld an der
Verfolgung, zu der er selbst gerathen hatte, auf Andere. Sunderland
wagte es noch einmal, Zugestndnisse anzuempfehlen. Die glckliche
Geburt eines Prinzen, sagte er, biete dem Knige eine vortreffliche
Gelegenheit, eine gefhrliche und nachtheilige Stellung aufzugeben, ohne
sich den Vorwurf der Zaghaftigkeit oder der Launenhaftigkeit zuzuziehen.
Bei so erfreulichen Anlssen sei es stets Sitte gewesen, da der Frst
die Herzen seiner Unterthanen durch Gnadenacte erfreue, und nichts knne
dem Prinzen von Wales mehr zum Vortheile gereichen, als wenn er schon in
der Wiege der Friedensstifter zwischen seinem Vater und der
aufgebrachten Nation wrde. Aber des Knigs Entschlu stand fest. Ich
werde fortfahren, sagte er, ich bin nur zu nachsichtig gewesen. Die
Nachsicht war meines Vaters Verderben[115].

    [Anmerkung 112: +Tanner MS.+]

    [Anmerkung 113: Diese Thatsache wurde mir freundlichst von dem
    Rev. R.S. Hawker von Morwenstow in Cornwall mitgetheilt.]

    [Anmerkung 114: Johnstone, 18. Juni 1688.]

    [Anmerkung 115: Adda, 29. Juni (9. Juli) 1688.]


[_Sunderland's Angst._] Der schlaue Minister kam dahinter, da sein Rath
frher nur deshalb angenommen worden war, weil er denselben jederzeit
nach dem Willen des Knigs eingerichtet hatte, da er aber von dem
Augenblicke an, wo er wirklich guten ertheilte, kein Gehr mehr finden
wrde. Bei dem Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium hatte er einige
Lauheit gezeigt. Er hatte ferner ganz neuerdings den Knig zu berzeugen
gesucht, da Tyrconnel's Plan zur Confiscirung des Eigenthums der
englischen Colonisten in Irland hchst gefhrlich sei, und er hatte es
mit Hlfe Powis' und Bellasyse's wenigstens dahingebracht, da die
Ausfhrung des Planes noch um ein Jahr aufgeschoben wurde. Aber diese
zaghafte Bedenklichkeit hatte den Keim des Widerwillens und Mitrauens
ins Herz des Knigs gelegt[116]. Der Tag der Vergeltung war jetzt
gekommen. Sunderland war in der nmlichen Lage, in der sich einige
Monate frher sein Nebenbuhler Rochester befunden hatte. Beide
Staatsmnner lernten die Angst eines Menschen kennen, der sich
krampfhaft an eine Sttze anklammert, die seinen Hnden mehr und mehr
entschlpft. Beide sahen ihre Rathschlge verchtlich zurckgewiesen.
Beide erlitten die Qual, in den Mienen und dem Benehmen ihres Gebieters
Unzufriedenheit und Mitrauen zu lesen, und doch wurden Beide von ihrem
Vaterlande fr die Verbrechen und Irrthmer, von denen sie ihn vergebens
zurckzubringen versucht hatten, verantwortlich gemacht. Whrend er sie
in dem Verdacht hatte, da sie auf Kosten seiner Autoritt und seiner
Wrde sich populr machen wollten, beschuldigte die ffentliche Stimme
sie laut des Versuchs, auf Kosten ihrer eigenen Ehre und des Gemeinwohls
die knigliche Gunst zu gewinnen. Doch trotz aller Krnkungen und
Demthigungen hielten Beide ihren Ministerposten mit der verzweifelten
Kraft Ertrinkender umklammert. Beide versuchten es, den Knig wieder
gnstig zu stimmen, indem sie sich stellten, als ob sie zum Anschlu an
seine Kirche geneigt wren. Es gab aber eine Grenze, welche Rochester
entschlossen war nicht zu berschreiten. Er ging bis an den Rand des
Glaubensabfalls; hier aber blieb er stehen und in Bercksichtigung der
Standhaftigkeit, mit der er sich weigerte, den letzten Schritt zu thun,
verzieh ihm die Welt gromthig seine frhere Willfhrigkeit.

    [Anmerkung 116: Sunderland's eigner Erzhlung darf man natrlich
    nicht unbedingten Glauben beimessen. Aber er fhrte Godolphin zum
    Zeugen fr das an, was in Betreff der irischen Ansiedlungsacte
    vorgegangen war.]


[_Er erklrt sich fr einen Katholiken._] Der weniger gewissenhafte und
fr das Schamgefhl weniger empfngliche Sunderland beschlo durch einen
Schritt, der jedem von der Wichtigkeit der religisen berzeugung
durchdrungenen Gemth als eines der schndlichsten Verbrechen erscheinen
mute und den selbst weltlich gesinnte Menschen als das berma von
Verworfenheit betrachten, seine bisherige Migung wieder gut zu machen
und das Vertrauen des Knigs wieder zu gewinnen. Ungefhr eine Woche vor
dem zur Verhandlung des Prozesses anberaumten Tage erschien die
ffentliche Ankndigung, da er Papist geworden sei. Der Knig sprach
mit Entzcken von diesem Siege der gttlichen Gnade. Die Hflinge und
auswrtigen Gesandten bemhten sich nach Krften ernsthaft zu bleiben,
als der Renegat versicherte, da er schon lange von der Unmglichkeit
berzeugt sei, auerhalb des Schooes der rmischen Kirche selig werden
zu knnen, und da sein Gewissen ihm keine Ruhe gelassen, bis er sich
von dem Ketzerglauben losgesagt habe, in dem er erzogen worden. Die
Neuigkeit verbreitete sich schnell. In allen Kaffeehusern erzhlte man
sich, wie der Premierminister von England barfu und mit einer Kerze in
der Hand sich nach der kniglichen Kapelle begeben und demthig um
Einla gebeten, wie die Stimme eines Priesters drinnen gefragt habe, wer
da sei, wie Sunderland zur Antwort gegeben, ein armer Snder, der lange
fern von der wahren Kirche umherirre, flehe um Aufnahme und Absolution,
wie hierauf die Thren geffnet worden seien und der Neubekehrte an den
heiligen Mysterien habe Theil nehmen drfen[117].

    [Anmerkung 117: Barillon, 21. Juni (1. Juli) 1688; Adda, 29. Juni
    (9. Juli); Citters, 26. Juni (6. Juli); Johnstone, 2. Juli 1688;
    +The Converts, a poem+.]


[_Proze der Bischfe._] Dieser schmachvolle Abfall konnte das Interesse
nur erhhen, mit dem die Nation dem Tage entgegensah, an welchem das
Schicksal der sieben muthigen Bekenner der anglikanischen Kirche
entschieden werden sollte. Eine willfhrige Jury zusammenzubringen war
jetzt das Hauptziel des Knigs. Die Kronanwlte erhielten Befehl, die
Gesinnung der Mnner, welche in das Verzeichni der Freisassen
eingetragen waren, genau zu erforschen. Sir Samuel Astry, Sekretr der
Krone, dem die Auswhlung der Namen in solchen Fllen oblag, wurde in
den Palast beschieden und hatte eine Unterredung mit Jakob, an welcher
der Kanzler Theil nahm[118]. Sir Samuel scheint sein Mglichstes gethan
zu haben, denn es befanden sich, wie es hie, unter den achtundvierzig
Personen, die er auswhlte, mehrere Diener des Knigs und mehrere
Katholiken[119]. Da aber der Vertheidiger der Bischfe das Recht hatte,
zwlf davon zu streichen, so waren diese natrlich die gestrichenen. Die
Kronanwlte strichen ebenfalls zwlf und die Liste reducirte sich
dadurch auf vierundzwanzig. Die ersten zwlf, welche aufgerufen wurden,
hatten dann den Ausspruch zu thun.

Am neunundzwanzigsten Juni waren Westminsterhall, der alte und der neue
Palasthof und alle benachbarten Straen weithin mit einer dicht
gedrngten Volksmasse angefllt. Ein so zahlreiches Auditorium war nie
zuvor und ist auch seitdem nie wieder im Gerichtssaale der Kings Bench
versammelt gewesen. Man zhlte fnfunddreiig weltliche Peers unter der
Menge[120].

Smmtliche vier Richter des Gerichtshofes waren anwesend. Wright, der
den Vorsitz fhrte, war einzig und allein wegen seiner gewissenlosen
Servilitt vielen tchtigeren und gelehrteren Mnnern bei Besetzung
seines hohen Postens vorgezogen worden. Allibone war Papist und
verdankte seine Stellung der Dispensationsgewalt, deren Gesetzlichkeit
eben in Frage stand. Holloway war seither ein willenloses Werkzeug der
Regierung gewesen. Selbst Powell, der sich des Rufes strenger
Rechtschaffenheit erfreute, hatte bei einigen Vorgngen eine Rolle
gespielt, die sich nicht vertheidigen lt. Er hatte in dem wichtigen
Prozesse Sir Eduard Hales', allerdings mit einigem Bedenken und nach
einigem Zgern, mit der Mehrheit der Richter gestimmt und dadurch auf
seinen Character einen Flecken geworfen, der aber durch sein
ehrenwerthes Benehmen an diesem Tage vllig verwischt wurde.

Die beiderseitigen Rechtsanwlte waren einander durchaus nicht
ebenbrtig. Die Regierung hatte von ihren Kronjuristen so gehssige und
entehrende Dienste verlangt, da die ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten
und Advokaten der Torypartei nach einander ihre Mitwirkung verweigert
hatten und ihrer mter entsetzt worden waren. Sir Thomas Powis,
der Generalfiskal, war kaum ein Jurist dritten Ranges. Der
Generalprokurator, Sir Wilhelm Williams, besa zwar einen scharfen
Verstand und einen unbeugsamen Muth, aber es fehlte ihm an der nthigen
Ruhe und Bedchtigkeit; er war streitschtig, konnte sein Temperament
nicht beherrschen und wurde von allen politischen Parteien gehat und
verachtet. Die hervorragendsten Beistnde des Fiskals und des
Prokurators waren Serjeant Trinder, ein Katholik, und Sir Bartholomus
Shower, Syndikus von London, der einige juristische Kenntnisse besa,
aber wegen seiner oft den Anstand verletzenden Vertheidigungen und
seiner endlosen Wiederholungen das Gesptt von ganz Westminsterhall war.
Gern htte die Regierung Maynard's Dienste gewonnen; aber er hatte
geradezu erklrt, da er sich auf das, was man von ihm verlangte, mit
gutem Gewissen nicht einlassen knne[121].

Auf der andren Seite hingegen standen fast alle ausgezeichneten
juristischen Talente der damaligen Zeit. Sawyer und Finch, welche beim
Regierungsantritt Jakob's Fiskal und Prokurator gewesen waren, und die
whrend der Verfolgung der Whigs unter der vorigen Regierung der Krone
mit nur zu groem Eifer und zu glcklichem Erfolge gedient hatten,
befanden sich unter den Vertheidigern der Angeklagten. Ihnen zur Seite
standen zwei Mnner, welche, seit Maynard's Thtigkeit durch sein
vorgercktes Alter vermindert worden war, fr die beiden besten Juristen
galten: Pemberton, der zur Zeit Karl'sII. Oberrichter der Kings Bench
gewesen, wegen seiner Menschlichkeit und Migung aber dieses hohen
Postens entsetzt worden und deshalb wieder zur advokatorischen Praxis
zurckgekehrt war, und Pollexfen, der lange die Assisen im Westen
geleitet und von dem man, obgleich er sich bei den blutigen Assisen
durch Annahme von Auftrgen fr die Krone und besonders durch sein
Auftreten gegen Alice Lisle sehr unpopulr gemacht hatte, dennoch wute,
da er im Herzen ein Whig, wenn nicht gar ein Republikaner war. Ferner
war dabei Sir Creswell Levinz, ein Mann von grndlichen Kenntnissen und
reichen Erfahrungen, aber von auffallend ngstlichem Wesen. Er war
einige Jahre vorher von der Richterbank entfernt worden, weil er sich
nicht hatte entschlieen knnen, den Zwecken der Regierung zu dienen.
Jetzt scheute er sich wieder, als Vertheidiger der Bischfe aufzutreten
und hatte sich zuerst geweigert, ihnen seine Dienste zu widmen; aber die
ganze Corporation der Gerichtsadvokaten, die ihn beschftigten, hatten
ihm erklrt, da wenn er diesen Auftrag zurckwiese, er nie wieder einen
erhalten sollte[122].

Sir Georg Treby, ein reichbegabter und eifriger Whig, der unter der
alten stdtischen Verfassung Syndikus von London gewesen war, stand auf
der nmlichen Seite. Sir Johann Holt, ein noch ausgezeichneterer
whiggistischer Advokat, wurde wahrscheinlich deshalb, weil Sancroft
gegen ihn eingenommen war, nicht mit zur Vertheidigung berufen, war aber
vom Bischof von London privatim um Rath gefragt worden[123]. Der jngste
Rechtsbeistand der Bischfe war ein junger Advokat, Namens Johann
Somers. Er war weder durch hohe Geburt noch durch Vermgen begnstigt
und hatte auch noch keine Gelegenheit gehabt, sich ffentlich
auszuzeichnen, aber sein Genie, sein Flei und sein vielseitiges groes
Talent waren einem kleinen Kreise von Freunden wohl bekannt, und sein
grndliches, klares System der Beweisfhrung, sowie sein jederzeit
taktvolles Benehmen hatten ihm trotz seiner whiggistischen Ansichten die
Aufmerksamkeit des Gerichtshofes der Kings Bench bereits gesichert.
Johnstone hatte den Bischfen eindringlich vorgestellt, wie wichtig es
sei, seinen Beistand zu gewinnen, und Pollexfen sollte erklrt haben,
da Niemand in Westminsterhall zur Behandlung einer geschichtlichen und
die Verfassung berhrenden Frage so befhigt sei, als Somers.

Die Jury wurde vereidigt; sie bestand aus Mnnern, welche sehr geachtete
Stellungen in der Gesellschaft einnahmen. Der Vormann war Sir Roger
Langley, ein Baronet von alter und angesehener Familie. Ihm zur Seite
stand ein Ritter und zehn Esquires, von denen mehrere sehr vermgend
waren. Es befanden sich einige Nonconformisten unter ihnen, denn die
Bischfe hatten wohlweislich beschlossen, kein Mitrauen gegen die
protestantischen Dissenters zu zeigen. Ein Name jedoch erregte groe
Besorgni, der Name Michael Arnold's. Er war Hofbrauer und man
frchtete, da die Regierung auf seine Stimme rechnen knne. Es wird
erzhlt, da er sich bitter ber die Stellung beklagt habe, in die er
versetzt war. Was ich auch thun mag, soll er geuert haben, so habe
ich die Gewiheit, halb ruinirt zu werden. Sage ich Nichtschuldig, so
werde ich nicht mehr fr den Knig brauen; sage ich Schuldig, so werde
ich fr niemand Andren mehr brauen.[124]

So begann denn die gerichtliche Verhandlung, die, selbst wenn man sie
nach Verlauf von mehr als anderthalb Jahrhunderten mit kaltem Blute
liest, das ganze Interesse eines Drama's hat. Die Advokaten stritten auf
beiden Seiten mit einer mehr als berufsmigen Schrfe und Heftigkeit,
das anwesende Publikum hrte mit so gespannter Aufmerksamkeit zu, als
htte das Schicksal jedes Einzelnen von dem Ausspruche der Geschwornen
abgehangen, und die Aussichten auf den Sieg wechselten so pltzlich und
so ergreifend, da die Menge zu wiederholten Malen in der nmlichen
Minute von der grten Angst zur lebhaftesten Freude und umgekehrt von
der lebhaftesten Freude zu noch grerer Angst bersprang.

Die Anklage beschuldigte die Bischfe, in der Grafschaft Middlesex ein
falsches, bswilliges und aufrhrerisches Libell geschrieben oder
verffentlicht zu haben. Der Generalfiskal und der Staatsprokurator
versuchten zuvrderst den Beweis zu fhren, da die Angeklagten das
Libell unterschrieben hatten. Zu dem Ende wurden mehrere Personen
aufgefordert, die Handschriften der Bischfe zu recognosciren. Aber die
Zeugen thaten dies mit solcher Unlust, da kaum einem von ihnen eine
klare und deutliche Antwort zu entlocken war. Pemberton, Pollexfen und
Levinz behaupteten, da keine gengenden Beweise vorhanden seien, die
der Jury vorgelegt werden knnten; zwei von den Richtern, Holloway und
Powell, traten dieser Ansicht bei, und die Hoffnung der Zuschauer stieg
bedeutend. Da erklrten pltzlich die Kronanwlte, da sie einen andren
Weg einzuschlagen gedchten. Powis fhrte mit unverkennbarer Beschmung
und Widerstreben einen Sekretr des Geheimen Raths, Namens Blathwayt,
der zugegen gewesen war, als der Knig die Bischfe verhrte, in die
Zeugenloge ein. Blathwayt versicherte eidlich, da er gehrt habe, wie
sie ihre Unterschriften selbst anerkannt htten. Dieses Zeugni war
entscheidend. Warum haben Sie, sagte der Richter Holloway zu dem
Fiskal, da Sie einen solchen Zeugen hatten, ihn nicht sogleich
vorgefhrt? es wre dadurch viel unnthiger Zeitverlust erspart worden.
Es ergab sich bald, warum der Kronanwalt sich nur hchst ungern durch
die dringendste Nothwendigkeit hatte bestimmen lassen, zu diesem
Beweismittel zu greifen. Pemberton hielt Blathwayt zurck, unterwarf ihn
einem umstndlichen Verhr und verlangte eine genaue Erzhlung alles
dessen, was zwischen dem Knige und den Angeklagten vorgegangen sei.
Das wre etwas ganz Neues! rief Williams. Glauben Sie, sagte Powis,
da Sie ein Recht dazu haben, an unsere Zeugen jede impertinente Frage
zu richten, die Ihnen in den Sinn kommt? Die Advokaten der Bischfe
waren jedoch nicht die Mnner, die sich so leicht werfen lieen. Er ist
darauf vereidigt, sagte Pollexfen, die Wahrheit, die ganze Wahrheit zu
sagen; wir wollen und mssen eine Antwort haben. Der Zeuge wurde
verlegen, gab ausweichende Antworten, wollte die Fragen nicht richtig
verstanden haben und bat um den Schutz des Gerichtshofes; aber er war in
Hnden, aus denen nicht leicht wieder loszukommen war. Endlich schlug
der Generalfiskal sich wieder ins Mittel. Wenn Sie durchaus auf Ihrer
Forderung bestehen, hob er an, so sagen Sie uns wenigstens, welchen
Gebrauch Sie von der Antwort zu machen gedenken. Pemberton, der whrend
der ganzen Verhandlung seine Pflicht muthig und geschickt erfllte,
erwiederte ohne Besinnen: Mylords, ich will dem Herrn Generalfiskal
antworten, ich will offen mit dem Gerichtshofe reden. Wenn die Bischfe
sich unter dem Versprechen von Seiten Seiner Majestt, da ihr
Gestndni nicht gegen sie angewendet werden solle, zu dieser Schrift
bekannten, so wird man sich hoffentlich nicht eines unredlichen
Vortheils gegen sie bedienen. -- Sie erheben eine Beschuldigung gegen
Seine Majestt, die ich kaum auszusprechen wage, sagte Williams; da
Sie es so genau nehmen, dann verlange ich auch fr den Knig, da die
Frage zu Protokoll genommen wird. -- Was meinen Sie damit? fragte
jetzt Sawyer. Ich wei, was ich meine, antwortete der Apostat, ich
verlange, da die Frage vor Gericht zu Protokoll genommen wird. --
Nehmen Sie zu Protokoll, was Sie wollen, Herr Prokurator, ich frchte
Sie nicht, sagte Pemberton. Es folgte nun ein lauter und heftiger
Wortwechsel, den der Oberrichter nur mit Mhe beschwichtigen konnte. In
jedem andren Falle htte er die Frage ohne Zweifel zu Protokoll nehmen
und Pemberton verhaften lassen. Aber an diesem wichtigen Tage wagte er
dies nicht. Er warf oft einen Seitenblick auf die dichten Reihen der
Earls und Barone, die ihn scharf beobachteten und die ihn beim nchsten
Parlamente zur Rechenschaft ziehen konnten. Ein Anwesender meinte
nachher, es habe ausgesehen, als ob alle zuhrenden Peers Stricke in der
Tasche gehabt htten.[125] Blathwayt wurde endlich gezwungen, ber den
ganzen Vorgang einen ausfhrlichen Bericht zu erstatten. Es stellte sich
heraus, da der Knig den Bischfen gegenber keine ausdrckliche
Verpflichtung eingegangen war; ebenso aber ergab es sich auch, da die
Bischfe wohl Grund hatten, eine stillschweigende Zusage anzunehmen. Aus
dem Widerstreben, mit dem die Kronanwlte den Sekretr des Geheimraths
in die Zeugenloge einfhrten und aus der Heftigkeit, mit der sie sich
Pemberton's Kreuzfragen widersetzten, geht klar hervor, da sie der
nmlichen Ansicht waren.

Die Handschrift war jedoch bewiesen. Aber jetzt wurde ein neuer und
ernster Einwand erhoben. Der Beweis, da die Bischfe das gesetzwidrige
Libell geschrieben hatten, war nicht gengend; es mute auch bewiesen
werden, da sie es in der Grafschaft Middlesex geschrieben hatten.
Allein dies konnten der Fiskal und der Prokurator nicht nur nicht
beweisen, sondern die Angeklagten waren sogar im Stande, das Gegentheil
zu beweisen, denn Sancroft hatte von dem Augenblicke an, wo der
Geheimrathsbefehl erschien, bis zu dem Augenblicke, wo die Petition dem
Knige berreicht wurde, seinen Palast in Lambeth nicht verlassen. Die
ganze Anklage fiel daher in sich selbst zusammen und das Publikum
erwartete mit groer Freude eine vollstndige Freisprechung.

Die Kronjuristen nderten nun abermals ihre Taktik, lieen die Anklage
auf Abfassung eines Libells ganz fallen und unternahmen es, zu beweisen,
da die Bischfe in Middlesex ein Libell _verffentlicht_ htten. Das
war nicht leicht. Die berreichung der Petition an den Knig war in den
Augen des Gesetzes unzweifelhaft eine Verffentlichung. Aber wie war
diese berreichung zu beweisen? Es war bei der Audienz im kniglichen
Kabinet auer dem Knige und den Angeklagten Niemand zugegen gewesen.
Den Knig konnte man nicht wohl als Zeugen vereidigen. Das Factum der
Verffentlichung konnte also nur durch das Eingestndni der Angeklagten
constatirt werden. Blathwayt wurde noch einmal vernommen, aber
vergebens. Er sagte, er erinnere sich wohl, da die Bischfe ihre
Unterschriften anerkannt, nicht aber, da sie das auf dem Tische des
Geheimen Raths liegende Papier als das nmliche anerkannt htten,
welches sie dem Knige berreichten, noch da sie berhaupt ber diesen
Punkt befragt worden waren. Mehrere andere Beamte, die im
Geheimrathszimmer zugegen gewesen waren, wurden aufgerufen, unter ihnen
Samuel Pepys, Sekretr der Admiralitt; aber keinem von ihnen war es
erinnerlich, da von der berreichung irgend die Rede gewesen sei.
Williams bemhte sich vergebens, sie durch verfngliche Fragen zu dem
gewnschten Zeugnisse zu verleiten, bis endlich die Rechtsanwlte der
Gegenpartei erklrten, da ein solches Drehen und Wenden noch an keinem
Gerichtshofe vorgekommen sei, und Wright selbst zugestehen mute, da
die Vernehmungsweise des Generalprokurators allen Regeln zuwider sei. Da
ein Zeuge nach dem andren verneinend antwortete, wiederhallte der ganze
Saal von lautem Gelchter und triumphirendem Jubel, welche zum Schweigen
zu bringen die Richter gar nicht versuchten.

Der harte Kampf schien endlich gewonnen zu sein; fr die Krone war
nichts mehr vorzubringen. Htten die Anwlte der Bischfe nun
geschwiegen, so war die Freisprechung gewi, denn es war nichts
ausgesagt worden, was auch der parteiischeste und gewissenloseste
Richter einen rechtskrftigen Beweis fr die Verffentlichung htte
nennen kennen. Der Oberrichter schickte sich bereits an, den Geschwornen
das Resum vorzulegen und er wrde sie ohne Zweifel angewiesen haben,
die Angeklagten freizusprechen, als Finch, der zu aufgeregt war, um mit
gehriger Besonnenheit handeln zu knnen, noch auftrat und gehrt zu
werden verlangte. Wenn Sie gehrt sein wollen, sagte Wright, so
knnen wir Sie nicht hindern zu sprechen; aber ich mu Ihnen bemerken,
da Sie Ihren eigenen Vortheil nicht erkennen. Die anderen Vertheidiger
bewogen Finch, sich wieder niederzusetzen und baten den Oberrichter
fortzufahren. Eben wollte er dies auch thun, da kam ein Bote an den
Generalprokurator mit der Nachricht, da Lord Sunderland die
Verffentlichung beweisen knne und sogleich im Gerichtssaal erscheinen
werde. Wright bemerkte den Vertheidigern in ziemlich spitzigem Tone, da
sie sich diese neue Wendung der Dinge lediglich selbst zuzuschreiben
htten. Die Gesichtszge der versammelten Zuschauer verfinsterten sich;
Finch war einige Stunden lang der unpopulrste Mann im ganzen Lande.
Warum konnte er nicht ruhig sitzen bleiben wie seine verstndigeren
Collegen Sawyer, Pemberton und Pollexfen? Seine Sucht, auch etwas zu
sagen, der Wunsch eine schne Rede zu halten, hatte Alles verdorben.

Inzwischen wurde der Lordprsident in einer Snfte durch die Halle
getragen. Nicht ein einziger Hut wurde gelftet und viele Stimmen
riefen: Papistischer Hund! Bleich und zitternd, mit zu Boden gesenktem
Blicke trat er vor die Schranken und gab mit unsicherer Stimme seine
Zeugenaussage ab. Er versicherte eidlich, da ihm die Bischfe ihre
Absicht, dem Knige eine Petition zu berreichen, mitgetheilt htten und
da sie zu dem Ende in das knigliche Kabinet eingelassen worden seien.
Dieser Umstand in Verbindung mit dem, da sich, nachdem sie das Kabinet
verlassen, eine von ihnen unterzeichnete Petition in den Hnden des
Knigs befand, war fr das Factum der Verffentlichung ein Beweis, der
einer Jury wohl gengen konnte.

Die Verffentlichung in Middlesex war also ebenfalls bewiesen. Aber war
das verffentlichte Schriftstck ein falsches, bswilliges und
aufrhrerisches Libell? Bis jetzt hatte es sich nur darum gehandelt, ob
eine Thatsache, die Jedermann als wirklich geschehen kannte, nach den
technischen Regeln des Beweises constatirt werden konnte; jetzt aber
erhielt der Streit ein hheres Interesse. Man mute die Grenzen der
kniglichen Hoheitsrechte und der brgerlichen Freiheit, das Recht des
Knigs, von Gesetzen zu dispensiren, und das Recht der Unterthanen um
Abstellung von Mistnden zu petitioniren, untersuchen. Drei Stunden
lang vertheidigten die Anwlte der Petenten mit energischem Nachdrucke
die Grundprinzipien der Verfassung und bewiesen aus den Protokollen des
Hauses der Gemeinen, da die Bischfe nur etwas Wahres behauptet htten,
indem sie dem Knige vorstellten, da die von ihm beanspruchte
Dispensationsgewalt mehr als einmal vom Parlament fr ungesetzlich
erklrt worden sei. Somers erhob sich zuletzt. Er sprach wenig ber fnf
Minuten lang, aber jedes seiner Worte war gewichtigen Inhalts, und als
er seinen Platz wieder einnahm, war sein Ruf als Redner und als
constitutioneller Jurist fest begrndet. Er untersuchte die Ausdrcke
der Anklage, in welcher das den Bischfen zur Last gelegte Vergehen
dargestellt war, und bewies, da jedes Wort, Adjectiv oder Substantiv,
durchaus unangemessen sei. Die Anklage laute auf ein falsches,
bswilliges und aufrhrerisches Libell. Falsch sei das Schriftstck
nicht, denn jede darin behauptete Thatsache sei durch die
Parlamentsprotokolle als wahr bewiesen. Auch bswillig sei das
Schriftstck nicht, denn die Angeklagten htten nicht Streit gesucht,
sondern die Regierung habe sie in eine Lage versetzt, in der sie sich
entweder dem kniglichen Willen widersetzen oder die heiligsten
Pflichten des Gewissens und der Ehre verletzen muten. Aufrhrerisch sei
das Schriftstck eben so wenig, denn die Verfasser htten es nicht unter
dem Volke vertheilt, sondern es privatim den Hnden des Knigs allein
bergeben; auch sei es kein Libell, sondern eine anstndige Petition,
wie sie nach den Gesetzen Englands, ja nach den Gesetzen des rmischen
Kaiserreichs und nach den Gesetzen aller civilisirten Staaten jeder
Unterthan, welcher glaubt, da ihm Unrecht geschehen, mit Fug und Recht
dem Souverain berreichen drfe.

Der Fiskal replicirte kurz und schwach. Der Prokurator sprach sehr
ausfhrlich und mit groer Bitterkeit, so da er oft durch Zurufe und
Zischen des Publikums unterbrochen wurde. Er ging so weit zu behaupten,
da kein einzelner Unterthan und keine Gemeinschaft von Unterthanen,
auer die Parlamentshuser, berechtigt sei, eine Petition an den Knig
zu richten. Die Zuschauer waren wthend und selbst der Oberrichter war
ganz betroffen ber die Frechheit dieses feilen Achseltrgers.

Wright schritt endlich zum Resum. Seine Rede bewies, da seine Furcht
vor der Regierung durch die Furcht vor dieser zahlreichen, glnzenden
und heftig aufgeregten Versammlung gemigt wurde. Er sagte, er wolle
nicht seine Ansicht ber die Dispensationsfrage abgeben, er habe dies
nicht nthig, er knne dem Staatsprokurator in vielen Punkten seiner
Rede nicht beistimmen, ein Unterthan habe allerdings das Recht, zu
petitioniren, aber die dem Gerichtshofe vorliegende specielle Petition,
sei ungebhrlich abgefat und daher in den Augen des Gesetzes ein
Libell. Allibone sprach die nmliche Ansicht aus, bewies aber in seinem
Vortrag eine so gnzliche Unkenntni des Rechts und der Geschichte, da
er sich die Verachtung Aller zuzog, die ihn anhrten. Holloway umging
die Dispensationsfrage, sagte aber, ihm scheine die Petition so gefat,
wie sie Unterthanen, die sich in ihrem Rechte gekrnkt glaubten, wohl zu
berreichen befugt seien, und sie sei daher kein Libell. Powell trat
noch khner auf. Er erklrte geradezu, da seiner Ansicht nach die
Indulgenzerklrung null und nichtig und die Dispensationsgewalt, wie sie
neuerdings ausgebt worden, mit allen Gesetzen durchaus unvereinbar sei.
Wenn man solche bergriffe der Prrogative dulden wolle, so seien die
Parlamente ganz berflssig, die ganze gesetzgebende Gewalt liege dann
in den Hnden des Knigs. Diese Entscheidung, meine Herren, sagte er,
stelle ich Gott und Ihrem Gewissen anheim.[126]

Es war dunkel geworden, als die Jury sich zurckzog, um ber ihren
Schiedsspruch zu berathen. Diese Nacht war eine Nacht voll ngstlicher
Spannung. Es existiren noch einige Briefe, welche whrend jener Stunden
der Ungewiheit abgesendet wurden und die daher ein ganz besonderes
Interesse haben. Es ist sehr spt, schrieb der ppstliche Nuntius,
und noch ist die Entscheidung nicht bekannt. Die Richter und die
Angeklagten haben sich nach Hause begeben, die Geschwornen aber bleiben
beisammen. Morgen werden wir den Ausgang dieses wichtigen Kampfes
erfahren.

Der Prokurator der Bischfe brachte mit einer Anzahl Bedienten die ganze
Nacht auf der Treppe zu, welche nach dem Berathungszimmer der
Geschwornen fhrte. Es war durchaus nothwendig, die an den Thren Wache
haltenden Beamten scharf zu beobachten, denn man vermuthete, da sie von
der Regierung gewonnen waren, und sie konnten daher, wenn sie nicht
sorgfltig bewacht wurden, einen hfisch gesinnten Geschwornen mit
Speise und Trank versehen, so da er dann im Stande war, seine elf
Collegen auszuhungern. Es wurde daher strenge Wache gehalten und nicht
einmal ein Licht, um eine Pfeife anzuznden, eingelassen. Gegen vier Uhr
Morgens lie man einige Becken mit Wasser zum Waschen passiren. Die vor
Durst verschmachtenden Geschwornen tranken gierig die Gefe aus. Die
umliegenden Straen waren bis zum Morgen von einer groen Volksmenge
angefllt. Von Stunde zu Stunde kam ein Bote von Whitehall um sich nach
dem Stande der Sache zu erkundigen. Verschiedene Male hrte man drinnen
im Zimmer einen heftigen Wortstreit; aber etwas Gewisses erfuhr man
nicht.[127]

Zuerst waren neun fr die Freisprechung und drei fr die Verurtheilung.
Zwei von der Minoritt gaben bald nach; Arnold aber beharrte auf seinem
Ausspruche. Thomas Austin, ein reichbegterter Landgentleman, der die
Zeugenaussagen und Reden aufmerksam verfolgt und sich ausfhrliche
Notizen gemacht hatte, wollte die Sache mit ihm speciell errtern.
Arnold aber lehnte dies ab, indem er rgerlich sagte, er sei nicht
gewhnt zu raisonniren und zu debattiren, sein Gewissen gestatte ihm
nicht, die Bischfe freizusprechen. Wenn Sie dabei beharren, sagte
Austin, so sehen Sie mich an. Ich bin der Grte und Strkste von uns
Zwlfen; ehe ich aber eine Petition wie diese als ein Libell anerkenne,
bleibe ich hier, bis ich nicht mehr dicker bin als ein Pfeifenrohr. Es
war sechs Uhr Morgens, als Arnold endlich nachgab. Es wurde bald
bekannt, da die Geschwornen einig waren; wie aber ihr Ausspruch
lautete, war noch ein Geheimni.[128]

Um zehn Uhr versammelte sich der Gerichtshof wieder. Das Gedrnge war
noch rger als am vorigen Tage. Die Geschwornen erschienen in ihrer Loge
und es trat eine lautlose Stille ein.

    [Anmerkung 118: +Clarendon's Diary, June+ 21. 1688.]

    [Anmerkung 119: Gitters, 26. Juni (6. Juli) 1688.]

    [Anmerkung 120: Johnstone, 2. Juli 1688.]

    [Anmerkung 121: Johnstone, 2. Juli 1688.]

    [Anmerkung 122: Johnstone, 2. Juli 1688. Der Herausgeber von
    +Levinz's Reports+ drckt seine groe Verwunderung darber aus,
    da Levinz nach der Revolution nicht wieder in sein Richteramt
    eingesetzt wurde. Die von Johnstone erzhlten Thatsachen knnen
    dies anscheinende Ungerechtigkeit vielleicht erklren.]

    [Anmerkung 123: Ich schliee dies aus einem Briefe von Compton an
    Sancroft vom 12. Juni.]

    [Anmerkung 124: +Revolution Politics.+]

    [Anmerkung 125: Der Ausdruck eines Augenzeugen. Er findet sich in
    einem Neuigkeitsbriefe in der Mackintosh-Sammlung.]

    [Anmerkung 126: Siehe den Proze in der +Collection of State
    Trials+. Einiges habe ich auch von Johnstone und Citters
    entlehnt.]

    [Anmerkung 127: Johnstone, 2. Juli 1688; Brief von Mr. Ince an den
    Erzbischof, datirt von sechs Uhr Morgens; +Tanner MS.+;
    +Revolution Politics+.]

    [Anmerkung 128: Johnstone, 2. Juli 1688.]


[_Das Verdict der Geschwornen; Freude des Volks._] Sir Samuel Astry
sprach: Finden Sie die Angeklagten oder einen von ihnen des Vergehens,
dessen sie angeklagt sind, schuldig oder nicht schuldig? Sir Roger
Langley antwortete: Nicht schuldig. Sobald diese Worte ber seine
Lippen waren, sprang Halifax auf und schwenkte seinen Hut. Auf dieses
Zeichen brachen alle Bnke und Gallerien in donnernden Beifallsjubel
aus. Im nchsten Augenblick stimmten die zehntausend Menschen, welche
die groe Halle fllten, mit noch lauterem Jubel ein, von dem die alte
eichene Decke erdrhnte, und noch einen Augenblick, so lie die drauen
versammelte Menge ein drittes Hurrah erschallen, das man in Templebar
hren konnte. Die Bte, welche den Flu bedeckten, antworteten mit
gleicher Begeisterung, ein Kanonenschlag knallte auf dem Wasser, dann
wieder einer und wieder einer, und so flog die frohe Nachricht binnen
wenigen Augenblicken ber den Savoy und ber die Friars hinaus bis zur
Londonbrcke und zu dem Mastenwalde der jenseit derselben liegenden
Schiffe. Wohin die Botschaft kam, brachen Straen und Squares,
Marktpltze und Kaffeehuser in Freudenjubel aus. Der Jubel aber war
minder auffallend, als die Thrnen. Denn die Gefhle der Leute waren so
angespannt worden, da selbst die kalte, an uerungen von
Gemthsbewegung wenig gewhnte englische Natur berwltigt wurde und
Tausende vor lauter Freude schluchzten. Inzwischen sprengten von den
Endpunkten der Menge Reiter fort, um die Kunde von dem Siege der Kirche
und der Nation durch alle Hauptstraen zu verbreiten. Aber selbst dieser
gewaltige Ausbruch der Freude vermochte den hmischen und furchtlosen
Sinn des Staatsprokurators nicht zu erschttern. Er versuchte es, sich
in dem betubenden Lrme Gehr zu verschaffen und forderte die Richter
auf, Diejenigen, welche durch ihr Geschrei die Wrde des Gerichtshofes
verletzt hatten, verhaften zu lassen. Einer aus der jubelnden Menge
wurde wirklich festgenommen. Indessen sah das Tribunal doch ein, da es
geradezu lcherlich gewesen wre einen Einzelnen fr eine bertretung zu
bestrafen, welche Hunderttausende begangen hatten, und entlie ihn daher
wieder mit einem leichten Verweis.[129]

Es war jetzt nicht daran zu denken, etwas Andres vorzunehmen, denn das
Getse der Menge war so arg, da man eine halbe Stunde lang im
Gerichtssaale kein Wort verstehen konnte. Williams stieg unter einem
Sturme von Zischen und Verwnschungen in seinen Wagen. Cartwright, der
eine unbezhmbare Neugierde besa, hatte die Thorheit und
Unschicklichkeit begangen, nach Westminster zu kommen, um zu hren, wie
das Urtel ausfallen wrde. Man erkannte ihn an seiner Priestertracht und
seiner Korpulenz und verfolgte ihn durch die ganze Halle mit Geschrei.
Nehmt Euch vor dem Wolfe in Schafskleidern in Acht, sagte Einer.
Platz fr den Mann mit dem Papst im Bauche! rief ein Andrer.[130]

Die freigesprochenen Prlaten flchteten sich vor der Menge, die sie um
ihren Segen bat, in die nchste Kapelle, wo eben Gottesdienst gehalten
wurde. Viele Kirchen der Hauptstadt waren an diesem Morgen geffnet und
wurden von vielen Andchtigen besucht. In allen Kirchspielen der City
und der Vorstdte gingen die Glocken. Unterdessen konnten sich die
Geschwornen kaum einen Weg aus der Halle bahnen. Von Hunderten muten
sie sich die Hand drcken lassen. Gott segne Euch, rief das Volk;
Gott segne Eure Familien! Ihr habt wie brave Gentlemen gehandelt und
uns Alle heute gerettet. Whrend die Peers, welche zur Untersttzung
der guten Sache herbeigekommen waren, fortfuhren, warfen sie Hnde voll
Geld unter die Menge und hieen sie auf das Wohl des Knigs, der
Bischfe und der Geschwornen trinken.[131]

Der Generalfiskal berbrachte die Nachricht Sunderland, der sich gerade
mit dem Nuntius unterhielt. Seit Menschengedenken, sagte Powis, hat
man nicht einen solchen Jubel und so viel Freudenthrnen gesehen wie
heute.[132] Der Knig hatte am Morgen das Lager auf der Hounslowhaide
besucht. Sunderland schickte sofort einen Courier mit der Botschaft an
ihn ab. Jakob befand sich in Feversham's Zelte, als der Expresse ankam.
Er war sehr rgerlich ber die Nachricht und rief auf Franzsisch aus:
Sie sollen es bereuen! Er brach sogleich nach London auf. So lange er
anwesend war, hielt der Respekt die Soldaten ab, ihren Gefhlen freien
Lauf zu lassen; kaum aber hatte er das Lager verlassen, so hrte er
hinter sich ein lautes Jubelgeschrei. Er wunderte sich darber und
fragte, was das bedeute. Es ist nichts, erhielt er zur Antwort, die
Soldaten freuen sich nur ber die Freisprechung der Bischfe. -- Das
nennen Sie nichts? sagte der Knig und wiederholte dann noch einmal:
Sie sollen es bereuen![133]

Er hatte in der That Ursache, verstimmt zu sein, denn seine Niederlage
war vollstndig und im hchsten Grade demthigend. Wren die Prlaten
auf Grund mangelhaften Beweises freigesprochen worden, etwa weil sie die
Petition nicht in Middlesex geschrieben hatten, oder weil es ihnen
streng nach den Regeln des Gesetzes nicht bewiesen werden konnte, da
sie dem Knige die Petition, um dessentwillen sie in Untersuchung waren,
berreicht hatten, so wrde die Prrogative keinen Sto erhalten haben.
Zum Glck fr das Land aber war die Thatsache der Verffentlichung
vollkommen festgestellt worden und die Vertheidiger der Angeklagten
hatten daher das Dispensationsrecht angreifen mssen. Dies hatten sie
mit groer Gelehrsamkeit, Beredtsamkeit und Khnheit gethan. Die Anwlte
der Krone waren, wie allgemein anerkannt wurde, in dem Kampfe
unterlegen. Nicht ein einziger Richter hatte die Indulgenzerklrung fr
gesetzlich zu erklren gewagt, einer hatte sie sogar in den strksten
Ausdrcken als ungesetzlich bezeichnet. Die ganze Stadt sprach davon,
da die Dispensationsgewalt den Todessto bekommen habe. Finch, der den
Tag vorher allgemein geschmht worden war, wurde jetzt allgemein
gepriesen. Man sagte, er habe die Sache nicht in einer Weise entschieden
sehen wollen, wobei die groe Verfassungsfrage auf immer zweifelhaft
geblieben wre. Er habe eingesehen, da die Freisprechung seiner
Klienten ohne Verdammung der Indulgenzerklrung nur ein halber Sieg
gewesen sein wrde. Es ist gewi, da Finch weder die Vorwrfe
verdiente, mit denen er berhuft wurde, so lange der Ausgang noch
zweifelhaft war, noch die Lobpreisungen, die ihm gespendet wurden,
nachdem derselbe so gnstig ausgefallen. Es war thricht, ihn zu tadeln,
weil die Kronanwlte whrend des von ihm veranlaten kurzen Verzugs
unerwartet einen neuen Zeugen fanden. Eben so thricht war die Annahme,
da er seine Klienten absichtlich einer Gefahr ausgesetzt habe, um ein
allgemeines Prinzip festzustellen, und noch thrichter war es, ihn wegen
etwas zu loben, was eine grobe Verletzung seiner Berufspflichten gewesen
sein wrde.

Dem freudigen Tage folgte eine nicht minder freudige Nacht. Die Bischfe
und einige ihrer achtungswerthen Freunde bemhten sich vergebens,
tumultuarische Freudenbezeigungen zu verhindern. Die ltesten Leute
erinnerten sich nicht, jemals, selbst nicht an dem Abende, als es in
London bekannt wurde, da die schottische Armee sich fr ein freies
Parlament erklrt hatte, die Straen von so zahlreichen Freudenfeuern
erhellt gesehen zu haben. Um jedes Feuer hatte sich ein Haufe gelagert,
der auf das Wohl der Bischfe und auf den Untergang der Papisten trank.
Die Fenster waren ebenfalls glnzend erleuchtet, jedes gewhnlich durch
sieben Lichter, von denen das mittelste und lngste den Primas
vorstellte. Dazu hrte man fortwhrend das Knallen von Schwrmern,
Raketen und Gewehrschssen. Ein ungeheurer Holzsto brannte gerade dem
Haupteingange von Whitehall gegenber; andere wurden vor den Thren
katholischer Peers angezndet. Lord Arundell von Wardour beschwichtigte
wohlweislich den Pbel mit ein wenig Geld; im Palast Salisbury am Strand
aber wurde ein Widerstandsversuch gemacht. Die Dienerschaft Lord
Salisbury's machte einen Ausfall und feuerte; aber nur der unglckliche
Bttel des Bezirks fiel, der gerade gekommen war, um das Feuer
auszulschen, und die Schaar wurde bald in den Palast zurckgetrieben.
Kein Schauspiel jener Nacht amsirte das gemeine Volk so sehr, als
eines, das ihnen vor mehreren Jahren wohl bekannt gewesen war, und das
ihnen jetzt nach einer langen Pause wieder gegeben wurde: die
Verbrennung des Papstes. Dieses vor Zeiten sehr beliebte Schauspiel
kennt unsere Generation nur aus Beschreibungen und Abbildungen. Eine
Figur, die aber keineswegs jenen plumpen Conterfeyen von Guy Fawx glich,
welche noch jetzt am 5. November zur Schau umhergetragen werden, sondern
die mit einiger Geschicklichkeit von Wachs verfertigt und mit nicht
geringen Kosten mit Gewndern und einer Tiara geschmckt war, wurde auf
einen Stuhl gesetzt, hnlich dem, auf welchem noch heute an einigen
hohen Festtagen die rmischen Bischfe durch die Peterskirche zum
Hochaltare getragen werden. Seine Heiligkeit war gewhnlich umgeben von
einem Gefolge von Cardinlen und Jesuiten, und ihm zur Seite stand ein
als Teufel mit Schweif und Hrnern verkleideter Hanswurst. Kein reicher
und eifriger Protestant sah bei dieser Gelegenheit eine Guinee an, und
wenn man der Sage glauben darf, betrugen die Kosten einer solchen
Prozession zuweilen nicht weniger als tausend Pfund. Nachdem der Papst
eine Zeit lang ber den Kpfen der Menge zur Schau umhergetragen worden
war, wurde er unter lautem Jubel den Flammen berliefert. Zur Zeit der
Popularitt Oates' und Shaftesbury's wurde das Schauspiel alljhrlich am
Geburtstage der Knigin Elisabeth in Fleet Street unter den Fenstern des
Whig-Clubs aufgefhrt. Der groteske Gebrauch war so berhmt, da
Barillon sich einmal in Lebensgefahr begab, um aus einem Versteck
zuzusehen.[134] Seit der Entdeckung des Ryehousecomplots war die
Ceremonie bis zu dem Tage der Freisprechung der Bischfe unterblieben.
An diesem Abende aber tauchten in verschiedenen Stadttheilen Londons
mehrere Ppste auf. Der Nuntius war hchlich entrstet und der Knig
fhlte sich durch diese Verhhnung seiner Kirche schwerer gekrnkt als
durch irgend eine andre ihm zugefgte Beleidigung. Die Behrden konnten
jedoch nichts thun. Der Sonntagmorgen graute bereits und die Glocken der
Pfarrkirchen riefen zum Frhgebet, ehe die Feuer zu erlschen und die
Volksmassen sich zu verlaufen begannen. Es erschien nun alsbald eine
Proklamation gegen die Ruhestrer. Viele von ihnen, meist Lehrlinge,
wurden verhaftet: aber die Anklagen gegen sie wurden von den Gerichten
von Middlesex nicht angenommen. Die Magistratsbeamten, von denen viele
Katholiken waren, geriethen mit der groen Jury in Streit und schickten
sie mehrere Male zurck, aber ohne Erfolg.[135]

    [Anmerkung 129: +Collection of State Trials+; +Oldmixon, 739+;
    +Clarendon's Diary, June 25. 1688+; Johnstone, 2. Juli; Citters,
    3.(13.) Juli; Adda, 6.(10.) Juli; +Luttrell's Diary+; Barillon,
    2.(12.) Juli.]

    [Anmerkung 130: Citters, 3.(13.) Juli. Der wrdevolle Ernst, mit
    dem er die Geschichte erzhlt, macht einen komischen Eindruck:
    +Den Bisschop van Chester, wie seer de partie van het hof houdt,
    om te voldoen aan syne gewoone nieusgierigheyt, hem op dien tyt in
    Westminster Hall mede hebbende laten vinden, in het uytgaan
    doorgaans was uytgekreten voor een grypende wolf in schaaps
    kleederen; en hy synde een heer van hooge stature en vollyvig,
    spotsgewyse allomme geroepen was dat men voor hem plaats moeste
    maken, om te laten passen, gelyck ook geschiede, om dat soo sy
    uytschreeuwden en hem in het aansigt seyden, hy den Paus in syn
    buyck hadde.+]

    [Anmerkung 131: Luttrell; Citters, 3.(13.) Juli 1688. +Soo syn in
    tegendeel gedagte jurys met de uyterste acclamatie en alle
    teyckenen van genegenheyt en danckbaarheyt in het door passeren
    van de gemeente ontvangen. Honderden vielen haar om den hals met
    alle bedenckelycke wewensch van segen en geluck over hare
    persoonen en familien, om dat sy haar so heusch en eerlyck buyten
    verwagtinge als het ware in desen gedragen hadden. Veele van de
    grooten en kleynen adel wierpen in het wegryden handen vol gelt
    under de armen luyten, om op de gesontheyt van den Coning, der
    Heeren Prelaten, on de Jurys te drincken.+]

    [Anmerkung 132: +Mi trovava con Milord Sunderland la stessa
    mattina, quando venne l'Avvocato Generale a rendergli conto del
    successo, e disse, che mai piu a memoria d'huomini si era sentito
    un applauso, mescolato di voce e lagrime di giubilo, egual a
    quello che veniva egli di vedere in quest' occasione.+ Adda,
    6.(16.) Juli 1688.]

    [Anmerkung 133: +Burnet, I. 744+; Citters, 3.(13.) Juli 1688.]

    [Anmerkung 134: Siehe eine interessante Erzhlung, welche Danby,
    damals Herzog von Leeds, zugleich mit anderen Papieren im Jahre
    1710 verffentlichte. Eine anziehende Beschreibung der Ceremonie
    der Papstverbrennung findet sich auch in North's +Examen, 570+.
    Ferner sehe man die Note zum Epilog des Trauerspiels dipus in
    Scott's Ausgabe von Dryden.]

    [Anmerkung 135: +Reresby's Memoirs+; Citters, 3.(13.) Juli 1688;
    Adda, 6.(16.) Juli; Barillon 2.(12.) Juli; +Luttrell's Diary+;
    Neuigkeitsbrief vom 4. Juli; +Oldmixon, 739+; Ellis'
    Correspondenz.]


[_Eigenthmlicher Zustand der ffentlichen Meinung zu jener Zeit._]
Inzwischen verbreitete sich die frohe Nachricht durch das ganze Land und
wurde allenthalben mit Jubel aufgenommen. Gloucester, Bedford und
Lichfield gehrten zu den Stdten, die sich durch besonderen Eifer
auszeichneten; Bristol und Norwich aber, welche nach Bevlkerung und
Reichthum London am nchsten standen, kamen bei diesem freudigen Anlasse
auch in der Begeisterung der Hauptstadt am nchsten.

Die gerichtliche Verfolgung der sieben Bischfe ist ein Ereigni, das in
unsrer Geschichte einzig dasteht. Es war der erste und letzte Fall, wo
zwei mchtige in der Regel einander entgegengesetzte Gefhle, von denen
jedes fr sich allein bei heftiger Erregung hinreichend war, um den
Staat zu erschttern, in vollkommener Eintracht verbndet waren. Diese
Gefhle waren die Liebe zur Kirche und die Liebe zur Freiheit. Whrend
vieler Generationen war jeder heftige Ausbruch des kirchlichen Gefhls,
mit einer einzigen Ausnahme, der brgerlichen Freiheit nachtheilig
gewesen; und ebenso war jeder heftige Ausbruch des Freiheitsgefhls, mit
einer einzigen Ausnahme, dem Ansehen und Einflusse des Prlatenthums und
der Priesterschaft verderblich. Im Jahre 1688 war die Sache der
Hierarchie einen Augenblick die Sache der Volkspartei. Mehr als
neuntausend Geistliche, mit dem Primas und seinen ehrenwerthesten
Suffraganen an der Spitze, erklrten sich bereit, Haft und
Eigenthumsberaubung fr das groe Grundprinzip unsrer freien Verfassung
zu erdulden. Die Folge war eine Coalition, welche die eifrigsten
Kavaliere, die eifrigsten Republikaner und alle zwischeninne liegenden
Parteien der Gesammtheit umfate. Der Geist, welcher Hampden unter der
vergangenen Generation aufrecht erhalten hatte, verband sich mit dem
Geiste, welcher Sacheverell unter der folgenden aufrecht erhielt, um den
Erzbischof, der ein Hampden und ein Sacheverell zugleich war, aufrecht
zu erhalten. Diejenigen Klassen der Gesellschaft, denen an der Erhaltung
der Ruhe am meisten gelegen ist, welche in strmischen Zeiten gewhnlich
am ersten bei der Hand sind, die Regierung zu untersttzen, und welche
einen natrlichen Widerwillen gegen Aufwiegler hegen, folgten ohne
Bedenken der Leitung eines ehrwrdigen Mannes, des ersten Peers des
Reiches, des ersten Dieners der Kirche, eines Tory's in der Politik,
eines Heiligen in seinem Privatleben, den die Tyrannei wider seinen
Willen in einen Demagogen verwandelt hatte. Auf der andren Seite flehten
jetzt selbst Diejenigen, welche das Episcopat als einen berrest des
Papismus und als ein Werkzeug der Willkrherrschaft stets verabscheut
hatten, auf den Knien um den Segen eines Prlaten, der bereit war, eher
Ketten zu tragen und seine alterschwachen Glieder auf die nackten Steine
eines Kerkers zu legen, als da er die Interessen des protestantischen
Glaubens verrathen und die Hoheitsrechte der Krone ber das Gesetz
gestellt htte. Mit der Liebe zur Kirche und der Liebe zur Freiheit
verband sich in dieser wichtigen Krisis noch ein drittes Gefhl, das zu
den achtungswerthesten Zgen unsres Nationalcharacters gehrt. Ein durch
Willkrgewalt unterdrckter Mensch findet bei uns, htte er sonst auch
nicht den mindesten Anspruch auf Achtung und Dankbarkeit, gewhnlich
eine rege Theilnahme. So wurde zu den Zeiten unserer Grovter die
Gesellschaft durch Wilkes' Verfolgung heftig aufgeregt. Wir selbst sahen
die Nation durch die gegen die Knigin Karoline gebte Hrte fast bis
zum Wahnsinn gereizt. Daher wurde England, selbst wenn von dem Ausgange
des Prozesses gegen die Bischfe keine wichtigen politischen oder
religisen Interessen abgehangen htten, es wahrscheinlich nicht ohne
starke Regungen von Mitleid und Unwillen mit angesehen haben, wie einige
Greise von makelloser Tugend von der Rache eines jhzornigen und
unerbittlichen Frsten verfolgt wurden, der ihrer Treue seine Krone
verdankte.

Von diesen Gefhlen angetrieben, stellten sich unsere Vorfahren in einer
ungeheuren und compacten Masse der Regierung entgegen. Die mchtige
Phalanx war aus allen Stnden, allen Parteien, allen protestantischen
Seelen gebildet. Im Vordertreffen standen die geistlichen und weltlichen
Lords, dann kamen die begterte Gentry und der Klerus, beide
Universitten, alle Gerichtshfe, Grohndler, Krmer und Pchter, die
Lasttrger, die sich in den Straen der groen Stdte plagten, und die
Landleute, welche das Feld bebauten. Die Koalition gegen den Knig
umfate selbst die Matrosen, die seine Schiffe bemannten, selbst die
Schildwachen, die seinen Palast bewachten. Die Namen Whig und Tory waren
einen Augenblick vergessen. Der alte Ausschlieungsmann reichte dem
alten Verabscheuer die Hand; Episcopalen, Presbyterianer, Independenten
und Baptisten vergaen ihre langjhrigen Fehden, um nur an ihren
gemeinsamen Protestantismus und an ihre gemeinsame Gefahr zu denken;
Theologen, die in der Schule Laud's gebildet waren, sprachen nicht nur
von Duldung, sondern sogar von Einigung. Der Erzbischof erlie bald nach
seiner Freisprechung einen Hirtenbrief, der eines der merkwrdigsten
Schriftstcke jener Zeit ist. Er hatte von Jugend auf mit den
Nonconformisten in Streit gelegen und sie mehrmals mit ungerechter und
unchristlicher Heftigkeit angegriffen. Sein Hauptwerk war eine hliche
Karrikatur auf die Calvinistische Theologie.[136] Er hatte fr den 30.
Januar, den Jahrestag der Hinrichtung Karl'sI., und fr den 29. Mai,
den Jahrestag der Rckkehr Karl'sII., Gebetsformulare abgefat, welche
so heftige Schmhungen gegen die Puritaner enthielten, da die Regierung
es fr nthig erachtet hatte, dieselben zu mildern. Jetzt aber war sein
Herz erweicht und geffnet. Er ermahnte die Bischfe und die Geistlichen
feierlich und eindringlich, ihren Brdern, den protestantischen
Dissenters, mit zarter Rcksicht zu begegnen, sie oft zu besuchen, sie
gastlich zu bewirthen, sich freundlich mit ihnen zu unterhalten und sie
womglich zum Anschlu an die Kirche zu bewegen, sich aber, wenn ihnen
dies nicht gelnge, in ihrem Wirken fr die segensreiche Sache der
Reformation herzlich und liebreich zu verbinden.[137]

Viele fromme Leute dachten in spteren Jahren mit schmerzlicher
Sehnsucht an jene Zeit zurck. Sie schilderten dieselbe als den
flchtigen Schimmer eines goldenen Zeitalters zwischen zwei eisernen
Zeitaltern. Waren solche Klagen auch natrlich, so waren sie doch nicht
begrndet. Die Coalition von 1688 war und konnte nur das Erzeugni einer
an Wahnsinn grenzenden Tyrannei und einer alle groen Institutionen des
Landes gleichzeitig bedrohenden Gefahr sein. Da eine solche Coalition
seitdem nicht wieder vorgekommen, hat seinen Grund darin, weil noch nie
wieder so schlecht und verkehrt regiert worden ist. Man darf nicht
vergessen, da, wenn auch Eintracht an sich besser ist als Zwietracht,
doch Zwietracht das Zeichen besserer Zustnde sein kann als Eintracht
sie andeutet. Unglck und Gefahr zwingen die Menschen oft, sich zu
verbinden. Glck und Sicherheit bestimmen sie oft, sich zu trennen.

    [Anmerkung 136: Der +Fur Praedestinatus+.]

    [Anmerkung 137: Dieser Hirtenbrief findet sich in der ersten der
    zwlf Sammlungen von Urkunden ber die englischen Angelegenheiten,
    die zu Ende des Jahres 1688 und zu Anfang des Jahres 1689 gedruckt
    wurden. Er wurde am 26. Juli, nicht ganz einen Monat nach dem
    Prozesse erlassen. Um die nmliche Zeit uerte Lloyd von St.
    Asaph gegen Heinrich Wharton, da die Bischfe ein ganz neues
    Verfahren gegen die protestantischen Dissenters einzuschlagen
    gedchten: +Omni modo curaturos, ut ecclesia sordibus et
    corruptelis penitus exueretur; ut sectariis reformatis reditus in
    ecclesiae sinum exoptati occasio ac ratio concederetur, si qui
    sobrii et pii essent; ut pertinacibus interim jugum levaretur,
    extinctis penitus legibus mulctatoriis. -- Excerpta ex Vita H.
    Wharton.+]




  Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
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Druckfehler und Unregelmssigkeiten

Rechtschreibungsformen wie funfzig : fnfzig, Urtel : Urtheil
und Partein : Parteien sind ungendert. Die Namen Russel und
Russell sind ebenso ungendert (auch wenn es um die selbe Person
handelt). Einige doppelte Punkte wie

  [_Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane._].

sind leise korrigiert.

VII. Kapitel

  [Inhalt]
  Wycherley, Tindal, Haines  [Tintal]
  Compton. -- Herbert. -- Churchill  [Compten]
  [Anm. VII.1] ... Van Kampen's ... Sir Jakob Mackintosh
    [Van Kamper's, Makintosh]
  Zeugen seiner Schmerzensausbrche  [Schmerzensausbbrche]
  [Anm. VII.5] ... j'ay en soin que M. Woodstoc
    [_ungendert: Namen ist Woodstock_]
  [Anm. VII.57] +Burnet I. 726--731+  [I.,]
  [Anm. VII.63] ... jusqu' l'actuel payement.  [j'usqu']
  Namens Johnstone  [Johnestone]
  die berreste des Ignatius Loyola  [Loyla]

VIII. Kapitel

  Heinrich's VI. und Heinrich's VIII. gebildet waren  [Heinrichs VIII.]
  Sie ... sind ... aus der Schrift heimschicken: Gehet hin ...
  widerfahre.
    [_anfhrungsszeichen ungendert_]
  vierzig Fellow's  [_' im Original_]
  Von Whitehall war keine Antwort gekommen.  [Withehall]
  von Windsor nach Portsmouth  [Portsmuth]
  [Anm. VIII.34] ... Note zu Burnet I. 755  [I, 755]
  [Anm. VIII.41] ... +Burnet I. 264+  [I, 264]
  [Anm. VIII.45] ... 2.(12.) Dec.  [2.(12. Dec.).]
  [Anm. VIII.127] ... +Tanner MS.+  [Ms.]
  durch Wilkes' Verfolgung  [Wilke's]







End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND--VIERTER BAND ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
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Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
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status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

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methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
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works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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