The Project Gutenberg EBook of Die Dichtungen von Georg Trakl, by Georg Trakl

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Title: Die Dichtungen von Georg Trakl
       Erste Gesamtausgabe

Author: Georg Trakl

Editor: Karl Rck

Release Date: May 30, 2009 [EBook #29006]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE DICHTUNGEN VON GEORG TRAKL ***




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                             DIE DICHTUNGEN
                                  VON
                              GEORG TRAKL


                          ERSTE GESAMTAUSGABE

                           KURT WOLFF VERLAG
                                LEIPZIG




    ANORDNUNG UND BERWACHUNG DER DRUCKLEGUNG DIESER ERSTEN
    GESAMTAUSGABE DER DICHTUNGEN VON GEORG TRAKL BESORGTE KARL RCK.
    DRUCK DER _L.C. WITTICH'SCHEN_ HOFBUCHDRUCKEREI IN DARMSTADT.




INHALT DES ERSTEN TEILES


                                                  Seite

  DIE SCHNE STADT

    Verfall                                           9

    Musik im Mirabell                                10

    Frauensegen                                      11

    Die schne Stadt                                 12

    In einem verlassenen Zimmer                      14

    Der Gewitterabend                                15

    Geistliches Lied                                 16


  KLEINES KONZERT

    Im roten Laubwerk voll Gitarren                  21

    Melancholie des Abends                           22

    Heiterer Frhling                                23

    Der Spaziergang                                  25

    Seele des Lebens                                 27

    Kleines Konzert                                  28

    Romanze zur Nacht                                29

    Abendmuse                                        30

    Winkel am Wald                                   31

    Verklrter Herbst                                32


  DIE BAUERN

    Die Raben                                        35

    Im Winter                                        36

    Die Bauern                                       37

    Im Herbst                                        38

    Die Ratten                                       39

    Die junge Magd                                   40


  TRAUM DES BSEN

    Rondel                                           47

    Allerseelen                                      48

    Winterdmmerung                                  49

    Traum des Bsen                                  50

    Melancholie                                      51

    In den Nachmittag geflstert                     52

    In ein altes Stammbuch                           53


  DE PROFUNDIS

    Vorstadt im Fhn                                 57

    Menschliches Elend                               59

    Psalm                                            61

    Verwandlung                                      64

    Dmmerung                                        65

    Trbsinn                                         66

    De profundis                                     67

    Trompeten                                        68

    Menschheit                                       69

    Drei Blicke in einen Opal                        70


  IM DORF

    Zu abend mein Herz                               75

    Ein Herbstabend                                  76

    Rosenkranzlieder                                 77

    Im Dorf                                          79

    Abendlied                                        81

    In der Heimat                                    82

    Nachtlied                                        83


  HELIAN                                             84




INHALT DES ZWEITEN TEILES


                                                  Seite

  SEBASTIAN IM TRAUM

    Im Park                                          93

    Untergang                                        94

    An den Knaben Elis                               95

    Elis                                             96

    Nachts                                           98

    Stundenlied                                      99

    Unterwegs                                       100

    Kindheit                                        102

    Sebastian im Traum                              103

    Landschaft                                      106

    Am Moor                                         107

    Ruh und Schweigen                               108

    Im Frhling                                     109

    Abend in Lans                                   110

    Am Mnchsberg                                   111

    Hohenburg                                       112

    Kaspar Hauser Lied                              113


  DER HERBST DES EINSAMEN

    Die Verfluchten                                 117

    Sonja                                           119

    Entlang                                         120

    Der Herbst des Einsamen                         121

    Herbstseele                                     122

    Afra                                            123

    Ein Winterabend                                 124


  SIEBENGESANG DES TODES

    Verwandlung des Bsen                           127

    Karl Kraus                                      130

    An die Verstummten                              131

    Anif                                            132

    An einen Frhverstorbenen                       133

    Geistliche Dmmerung                            135

    Geburt                                          136

    Abendlndisches Lied                            137

    Siebengesang des Todes                          139

    Der Wanderer                                    141

    Verklrung                                      142

    Die Sonne                                       143

    Passion                                         144

    Fhn                                            146

    Frhling der Seele                              147

    Im Dunkel                                       149

    Winternacht                                     150




INHALT DES DRITTEN TEILES


                                                  Seite

  TRAUM UND UMNACHTUNG                              155


  GESANG DES ABGESCHIEDENEN

    In Venedig                                      167

    Sommer                                          168

    Sommersneige                                    169

    Jahr                                            170

    Abendland                                       171

    Gesang einer gefangenen Amsel                   174

    Vorhlle                                        175

    Gesang des Abgeschiedenen                       177

    Das Herz                                        179

    Der Schlaf                                      181

    Das Gewitter                                    182

    Die Schwermut                                   184

    Die Heimkehr                                    185

    Der Abend                                       186

    Die Nacht                                       187


  OFFENBARUNG UND UNTERGANG

    In Hellbrunn                                    191

    Klage                                           192

    Nachtergebung                                   193

    Offenbarung und Untergang                       194

    Im Osten                                        199

    Klage                                           200

    Grodek                                          201




ERSTER TEIL




DIE SCHNE STADT




VERFALL


  Am Abend, wenn die Glocken Frieden luten,
  Folg ich der Vgel wundervollen Flgen,
  Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzgen,
  Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

  Hinwandelnd durch den dmmervollen Garten
  Trum ich nach ihren helleren Geschicken
  Und fhl der Stunden Weiser kaum mehr rcken.
  So folg ich ber Wolken ihren Fahrten.

  Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
  Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
  Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

  Indes wie blasser Kinder Todesreigen
  Um dunkle Brunnenrnder, die verwittern,
  Im Wind sich frstelnd blaue Astern neigen.




MUSIK IM MIRABELL


  Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
  Im klaren Blau, die weien, zarten.
  Bedchtig stille Menschen gehn
  Am Abend durch den alten Garten.

  Der Ahnen Marmor ist ergraut.
  Ein Vogelzug streift in die Weiten.
  Ein Faun mit toten Augen schaut
  Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

  Das Laub fllt rot vom alten Baum
  Und kreist herein durchs offne Fenster.
  Ein Feuerschein glht auf im Raum
  Und malet trbe Angstgespenster.

  Ein weier Fremdling tritt ins Haus.
  Ein Hund strzt durch verfallene Gnge.
  Die Magd lscht eine Lampe aus,
  Das Ohr hrt nachts Sonatenklnge.




FRAUENSEGEN


  Schreitest unter deinen Frau'n
  Und du lchelst oft beklommen:
  Sind so bange Tage kommen.
  Wei verblht der Mohn am Zaun.

  Wie dein Leib so schn geschwellt
  Golden reift der Wein am Hgel.
  Ferne glnzt des Weihers Spiegel
  Und die Sense klirrt im Feld.

  In den Bschen rollt der Tau,
  Rot die Bltter niederflieen.
  Seine liebe Frau zu gren
  Naht ein Mohr dir braun und rauh.




DIE SCHNE STADT


  Alte Pltze sonnig schweigen.
  Tief in Blau und Gold versponnen
  Traumhaft hasten sanfte Nonnen
  Unter schwler Buchen Schweigen.

  Aus den braun erhellten Kirchen
  Schaun des Todes reine Bilder,
  Groer Frsten schne Schilder.
  Kronen schimmern in den Kirchen.

  Rsser tauchen aus dem Brunnen.
  Bltenkrallen drohn aus Bumen.
  Knaben spielen wirr von Trumen
  Abends leise dort am Brunnen.

  Mdchen stehen an den Toren,
  Schauen scheu ins farbige Leben.
  Ihre feuchten Lippen beben
  Und sie warten an den Toren.

  Zitternd flattern Glockenklnge,
  Marschtakt hallt und Wacherufen.
  Fremde lauschen auf den Stufen.
  Hoch im Blau sind Orgelklnge.

  Helle Instrumente singen.
  Durch der Grten Bltterrahmen
  Schwirrt das Lachen schner Damen.
  Leise junge Mtter singen.

  Heimlich haucht an blumigen Fenstern
  Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
  Silbern flimmern mde Lider
  Durch die Blumen an den Fenstern.




IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER


  Fenster, bunte Blumenbeeten,
  Eine Orgel spielt herein.
  Schatten tanzen an Tapeten,
  Wunderlich ein toller Reihn.

  Lichterloh die Bsche wehen
  Und ein Schwarm von Mcken schwingt,
  Fern im Acker Sensen mhen
  Und ein altes Wasser singt.

  Wessen Atem kommt mich kosen?
  Schwalben irre Zeichen ziehn.
  Leise fliet im Grenzenlosen
  Dort das goldne Waldland hin.

  Flammen flackern in den Beeten.
  Wirr verzckt der tolle Reihn
  An den gelblichen Tapeten.
  Jemand schaut zur Tr herein.

  Weihrauch duftet s und Birne
  Und es dmmern Glas und Truh.
  Langsam beugt die heie Stirne
  Sich den weien Sternen zu.




DER GEWITTERABEND


  O die roten Abendstunden!
  Flimmernd schwankt am offenen Fenster
  Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
  Drinnen nisten Angstgespenster.

  Staub tanzt im Gestank der Gossen.
  Klirrend stt der Wind in Scheiben.
  Einen Zug von wilden Rossen
  Blitze grelle Wolken treiben.

  Laut zerspringt der Weiherspiegel.
  Mven schrein am Fensterrahmen.
  Feuerreiter sprengt vom Hgel
  Und zerschellt im Tann zu Flammen.

  Kranke kreischen im Spitale.
  Blulich schwirrt der Nacht Gefieder.
  Glitzernd braust mit einem Male
  Regen auf die Dcher nieder.




GEISTLICHES LIED


  Zeichen, seltne Stickerei'n
  Malt ein flatternd Blumenbeet.
  Gottes blauer Odem weht
  In den Gartensaal herein,
  Heiter ein.
  Ragt ein Kreuz im wilden Wein.

  Hr' im Dorf sich viele freun,
  Grtner an der Mauer mht,
  Leise eine Orgel geht,
  Mischet Klang und goldenen Schein,
  Klang und Schein.
  Liebe segnet Brot und Wein.

  Mdchen kommen auch herein
  Und der Hahn zum letzten krht.
  Sacht ein morsches Gitter geht
  Und in Rosen Kranz und Reihn,
  Rosenreihn
  Ruht Maria wei und fein.

  Bettler dort am alten Stein
  Scheint verstorben im Gebet,
  Sanft ein Hirt vom Hgel geht
  Und ein Engel singt im Hain,
  Nah im Hain
  Kinder in den Schlaf hinein.




KLEINES KONZERT




IM ROTEN LAUBWERK VOLL GITARREN


  Im roten Laubwerk voll Gitarren
  Der Mdchen gelbe Haare wehen
  Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
  Durch Wolken fhrt ein goldner Karren.

  In brauner Schatten Ruh verstummen
  Die Alten, die sich bld umschlingen.
  Die Waisen s zur Vesper singen.
  In gelben Dnsten Fliegen summen.

  Am Bache waschen noch die Frauen.
  Die aufgehngten Linnen wallen.
  Die Kleine, die mir lang gefallen,
  Kommt wieder durch das Abendgrauen.

  Vom lauen Himmel Spatzen strzen
  In grne Lcher voll Verwesung.
  Dem Hungrigen tuscht vor Genesung
  Ein Duft von Brot und herben Wrzen.




MELANCHOLIE DES ABENDS


  -- Der Wald, der sich verstorben breitet --
  Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.
  Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,
  Indes ein Bach ganz leise gleitet

  Und Farnen folgt und alten Steinen
  Und silbern glnzt aus Laubgewinden.
  Man hrt ihn bald in schwarzen Schlnden --
  Vielleicht, da auch schon Sterne scheinen.

  Der dunkle Plan scheint ohne Massen,
  Verstreute Drfer, Sumpf und Weiher,
  Und etwas tuscht dir vor ein Feuer.
  Ein kalter Glanz huscht ber Straen.

  Am Himmel ahnet man Bewegung,
  Ein Heer von wilden Vgeln wandern
  Nach jenen Lndern, schnen, andern.
  Es steigt und sinkt des Rohres Regung.




HEITERER FRHLING


1.

  Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fliet,
  Zieht noch das drre Rohr vom vorigen Jahr.
  Durchs Graue gleiten Klnge wunderbar,
  Vorberweht ein Hauch von warmem Mist.

  An Weiden baumeln Ktzchen sacht im Wind,
  Sein traurig Lied singt trumend ein Soldat.
  Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,
  Ein Kind steht in Konturen weich und lind.

  Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,
  Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelst.
  Hell Grnes blht und anderes verwest
  Und Krten schliefen durch den jungen Lauch.


2.

  Dich lieb ich treu, du derbe Wscherin.
  Noch trgt die Flut des Himmels goldene Last.
  Ein Fischlein blitzt vorber und verblat;
  Ein wchsern Antlitz fliet durch Erlen hin.

  In Grten sinken Glocken lang und leis,
  Ein kleiner Vogel trllert wie verrckt.
  Das sanfte Korn schwillt leise und verzckt
  Und Bienen sammeln noch mit ernstem Flei.

  Komm Liebe nun zum mden Arbeitsmann!
  In seine Htte fllt ein lauer Strahl.
  Der Wald strmt durch den Abend herb und fahl
  Und Knospen knistern heiter dann und wann.


3.

  Wie scheint doch alles Werdende so krank!
  Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;
  Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist
  Und ffnet das Gemte weit und bang.

  Ein blhender Ergu verrinnt sehr sacht
  Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.
  Die Liebenden blhn ihren Sternen zu
  Und ser fliet ihr Odem durch die Nacht.

  So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;
  Und leise rhrt dich an ein alter Stein:
  Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.
  O Mund! der durch die Silberweide bebt.




DER SPAZIERGANG


1.

  Musik summt im Gehlz am Nachmittag.
  Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn.
  Holunderbsche sacht am Weg verwehn;
  Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.

  In Goldnem schwebt ein Duft von Thymian,
  Auf einem Stein steht eine heitere Zahl.
  Auf einer Wiese spielen Kinder Ball,
  Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an.

  Du trumst: die Schwester kmmt ihr blondes Haar,
  Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief.
  Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief
  Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar.


2.

  Die Zeit verrinnt. O ser Helios!
  O Bild im Krtentmpel s und klar;
  Im Sand versinkt ein Eden wunderbar.
  Goldammern wiegt ein Busch in seinem Scho.

  Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land
  Und sthlern schaun dich seine Augen an.
  In Goldnem dort ein Duft von Thymian.
  Ein Knabe legt am Weiler einen Brand.

  Die Liebenden in Faltern neu erglhn
  Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl.
  Aufflattern Krhen um ein ekles Mahl
  Und deine Stirne tost durchs sanfte Grn.

  Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.
  Nachgleitet dir ein heller Kindertag,
  Der graue Wind, der flatterhaft und vag
  Verfallne Dfte durch die Dmmerung splt.


3.

  Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.
  Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt.
  Traumwandelnd hrst du wie ihr Bronnen quillt.
  Aus Apfelzweigen fllt ein Weiheklang.

  Und Brot und Wein sind s von harten Mhn.
  Nach Frchten tastet silbern deine Hand.
  Die tote Rahel geht durchs Ackerland.
  Mit friedlicher Gebrde winkt das Grn.

  Gesegnet auch blht armer Mgde Scho,
  Die trumend dort am alten Brunnen stehn.
  Einsame froh auf stillen Pfaden gehn
  Mit Gottes Kreaturen sndelos.




SEELE DES LEBENS


  Verfall, der weich das Laub umdstert,
  Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.
  Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.
  Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flstert.

  Der Einsame wird bald entgleiten,
  Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden.
  Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden,
  Indes die Lider sich vor Gottheit weiten.

  Der blaue Flu rinnt schn hinunter,
  Gewlke sich am Abend zeigen;
  Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.
  Vergngliche Gebilde gehen unter.




KLEINES KONZERT


  Ein Rot, das traumhaft dich erschttert --
  Durch deine Hnde scheint die Sonne.
  Du fhlst dein Herz verrckt vor Wonne
  Sich still zu einer Tat bereiten.

  In Mittag strmen gelbe Felder.
  Kaum hrst du noch der Grillen Singen,
  Der Mher hartes Sensenschwingen.
  Einfltig schweigen goldene Wlder.

  Im grnen Tmpel glht Verwesung.
  Die Fische stehen still. Gotts Odem
  Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem.
  Ausstzigen winkt die Flut Genesung.

  Geist Ddals schwebt in blauen Schatten,
  Ein Duft von Milch in Haselzweigen.
  Man hrt noch lang den Lehrer geigen,
  Im leeren Hof den Schrei der Ratten.

  Im Krug an scheulichen Tapeten
  Blhn khlere Violenfarben.
  Im Hader dunkle Stimmen starben,
  Narzi im Endakkord von Flten.




ROMANZE ZUR NACHT


  Einsamer unterm Sternenzelt
  Geht durch die stille Mitternacht.
  Der Knab aus Trumen wirr erwacht,
  Sein Antlitz grau im Mond verfllt.

  Die Nrrin weint mit offnem Haar
  Am Fenster, das vergittert starrt.
  Im Teich vorbei auf ser Fahrt
  Ziehn Liebende sehr wunderbar.

  Der Mrder lchelt bleich im Wein,
  Die Kranken Todesgrausen packt.
  Die Nonne betet wund und nackt
  Vor des Heilands Kreuzespein.

  Die Mutter leis im Schlafe singt.
  Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind
  Mit Augen, die ganz wahrhaft sind.
  Im Hurenhaus Gelchter klingt.

  Beim Talglicht drunt' im Kellerloch
  Der Tote malt mit weier Hand
  Ein grinsend Schweigen an die Wand.
  Der Schlfer flstert immer noch.




ABENDMUSE


  Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten
  Und Goldnes. Die heie Stirn verglht in Ruh und Schweigen.
  Ein Brunnen fllt im Dunkel von Kastanienzweigen --
  Da fhlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.

  Der Markt ist leer von Sommerfrchten und Gewinden.
  Eintrchtig stimmt der Tore schwrzliches Geprnge.
  In einem Garten tnen sanften Spieles Klnge,
  Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden.

  Des weien Magiers Mrchen lauscht die Seele gerne.
  Rund saust das Korn, das Mher nachmittags geschnitten.
  Geduldig schweigt das harte Leben in den Htten;
  Der Khe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.

  Von Lften trunken sinken balde ein die Lider
  Und ffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.
  Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen
  Und beugt sich ber trauervolle Wasser nieder.




WINKEL AM WALD

_An Karl Minnich_


  Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute
  In stilleren Abend; weich verwelken schne Bltter.
  Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,
  Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.

  Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;
  Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und dster.
  Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlssel hat der Kster.
  Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.

  In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.
  S duften pfel. Freude glnzt nicht allzu ferne.
  Den langen Abend hren Kinder Mrchen gerne;
  Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.

  Das Blau fliet voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.
  Bescheidenen ist ihre Sttte wohl bereitet.
  Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;
  Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.




VERKLRTER HERBST


  Gewaltig endet so das Jahr
  Mit goldnem Wein und Frucht der Grten.
  Rund schweigen Wlder wunderbar
  Und sind des Einsamen Gefhrten.

  Da sagt der Landmann: Es ist gut.
  Ihr Abendglocken lang und leise
  Gebt noch zum Ende frohen Mut.
  Ein Vogelzug grt auf der Reise.

  Es ist der Liebe milde Zeit.
  Im Kahn den blauen Flu hinunter
  Wie schn sich Bild an Bildchen reiht --
  Das geht in Ruh und Schweigen unter.




DIE BAUERN




DIE RABEN


  ber den schwarzen Winkel hasten
  Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
  Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
  Und manchmal sieht man sie mrrisch rasten.

  O wie sie die braune Stille stren,
  In der ein Acker sich verzckt,
  Wie ein Weib, das schwere Ahnung berckt,
  Und manchmal kann man sie keifen hren

  Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
  Und pltzlich richten nach Nord sie den Flug
  Und schwinden wie ein Leichenzug
  In Lften, die von Wollust zittern.




IM WINTER


  Der Acker leuchtet wei und kalt.
  Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
  Dohlen kreisen ber dem Weiher
  Und Jger steigen nieder vom Wald.

  Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
  Ein Feuerschein huscht aus den Htten.
  Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
  Und langsam steigt der graue Mond.

  Ein Wild verblutet sanft am Rain
  Und Raben pltschern in blutigen Gossen.
  Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
  Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.




DIE BAUERN


  Vorm Fenster tnendes Grn und Rot.
  Im schwarzverrucherten, niederen Saal
  Sitzen die Knechte und Mgde beim Mahl;
  Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.

  Im tiefen Schweigen der Mittagszeit
  Fllt bisweilen ein karges Wort.
  Die cker flimmern in einem fort
  Und der Himmel bleiern und weit.

  Fratzenhaft flackert im Herd die Glut
  Und ein Schwarm von Fliegen summt.
  Die Mgde lauschen bld und verstummt
  Und ihre Schlfen hmmert das Blut.

  Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,
  Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.
  Eintnig spricht ein Knecht das Gebet
  Und ein Hahn krht unter der Tr.

  Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt
  Sie oft im tosenden hrengebraus
  Und klirrend schwingen ein und aus
  Die Sensen geisterhaft im Takt.




IM HERBST


  Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
  Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
  Im Acker mhn sich singend die Frau'n,
  Die Klosterglocken luten darein.

  Die Vgel sagen dir ferne Mr',
  Die Klosterglocken luten darein.
  Vom Hof tnt sanft die Geige her.
  Heut keltern sie den braunen Wein.

  Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
  Heut keltern sie den braunen Wein.
  Weit offen die Totenkammern sind
  Und schn bemalt vom Sonnenschein.




DIE RATTEN


  Im Hof scheint wei der herbstliche Mond.
  Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.
  Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;
  Da tauchen leise herauf die Ratten

  Und huschen pfeifend hier und dort
  Und ein grulicher Dunsthauch wittert
  Ihnen nach aus dem Abort,
  Den geisterhaft der Mondschein durchzittert.

  Und sie keifen vor Gier wie toll
  Und erfllen Haus und Scheunen,
  Die von Korn und Frchten voll.
  Eisige Winde im Dunkel greinen.




DIE JUNGE MAGD

_Ludwig von Ficker zugeeignet_


1.

  Oft am Brunnen, wenn es dmmert,
  Sieht man sie verzaubert stehen
  Wasser schpfen, wenn es dmmert.
  Eimer auf und nieder gehen.

  In den Buchen Dohlen flattern
  Und sie gleichet einem Schatten.
  Ihre gelben Haare flattern
  Und im Hofe schrein die Ratten.

  Und umschmeichelt von Verfalle
  Senkt sie die entzundenen Lider.
  Drres Gras neigt im Verfalle
  Sich zu ihren Fen nieder.


2.

  Stille schafft sie in der Kammer
  Und der Hof liegt lngst verdet.
  Im Holunder vor der Kammer
  Klglich eine Amsel fltet.

  Silbern schaut ihr Bild im Spiegel
  Fremd sie an im Zwielichtscheine
  Und verdmmert fahl im Spiegel
  Und ihr graut vor seiner Reine.

  Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel
  Und sie starrt von Schmerz geschttelt.
  Rte trufelt durch das Dunkel.
  Jh am Tor der Sdwind rttelt.


3.

  Nchtens bern kahlen Anger
  Gaukelt sie in Fiebertrumen.
  Mrrisch greint der Wind im Anger
  Und der Mond lauscht aus den Bumen.

  Balde rings die Sterne bleichen
  Und ermattet von Beschwerde
  Wchsern ihre Wangen bleichen.
  Fulnis wittert aus der Erde.

  Traurig rauscht das Rohr im Tmpel
  Und sie friert in sich gekauert.
  Fern ein Hahn krht. bern Tmpel
  Hart und grau der Morgen schauert.


4.

  In der Schmiede drhnt der Hammer
  Und sie huscht am Tor vorber.
  Glhrot schwingt der Knecht den Hammer
  Und sie schaut wie tot hinber.

  Wie im Traum trifft sie ein Lachen;
  Und sie taumelt in die Schmiede,
  Scheu geduckt vor seinem Lachen,
  Wie der Hammer hart und rde.

  Hell versprhn im Raum die Funken
  Und mit hilfloser Gebrde
  Hascht sie nach den wilden Funken
  Und sie strzt betubt zur Erde.


5.

  Schmchtig hingestreckt im Bette
  Wacht sie auf voll sem Bangen
  Und sie sieht ihr schmutzig Bette
  Ganz von goldnem Licht verhangen,

  Die Reseden dort am Fenster
  Und den blulich hellen Himmel.
  Manchmal trgt der Wind ans Fenster
  Einer Glocke zag Gebimmel.

  Schatten gleiten bers Kissen,
  Langsam schlgt die Mittagsstunde
  Und sie atmet schwer im Kissen
  Und ihr Mund gleicht einer Wunde.


6.

  Abends schweben blutige Linnen,
  Wolken ber stummen Wldern,
  Die gehllt in schwarze Linnen.
  Spatzen lrmen auf den Feldern.

  Und sie liegt ganz wei im Dunkel.
  Unterm Dach verhaucht ein Girren.
  Wie ein Aas in Busch und Dunkel
  Fliegen ihren Mund umschwirren.

  Traumhaft klingt im braunen Weiler
  Nach ein Klang von Tanz und Geigen,
  Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler,
  Weht ihr Haar in kahlen Zweigen.




TRAUM DES BSEN




RONDEL


  Verflossen ist das Gold der Tage,
  Des Abends braun und blaue Farben:
  Des Hirten sanfte Flten starben,
  Des Abends blau und braune Farben;
  Verflossen ist das Gold der Tage.




ALLERSEELEN

_An Karl Hauer_


  Die Mnnlein, Weiblein, traurige Gesellen,
  Sie streuen heute Blumen blau und rot
  Auf ihre Grfte, die sich zag erhellen.
  Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

  O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
  Wie Schatten hinter schwarzen Bschen stehn.
  Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
  Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.

  Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
  Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
  Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
  Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

  Ihr Leben ist so wirr, voll trber Plagen.
  Erbarm' dich Gott der Frauen Hll' und Qual,
  Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.
  Einsame wandeln still im Sternensaal.




WINTERDMMERUNG

_An Max von Esterle_


  Schwarze Himmel von Metall.
  Kreuz in roten Strmen wehen
  Abends hungertolle Krhen
  ber Parken gram und fahl.

  Im Gewlk erfriert ein Strahl;
  Und vor Satans Flchen drehen
  Jene sich im Kreis und gehen
  Nieder siebenfach an Zahl.

  In Verfaultem s und schal
  Lautlos ihre Schnbel mhen.
  Huser dru'n aus stummen Nhen;
  Helle im Theatersaal.

  Kirchen, Brcken und Spital
  Grauenvoll im Zwielicht stehen.
  Blutbefleckte Linnen blhen
  Segel sich auf dem Kanal.




TRAUM DES BSEN


  Verhallend eines Gongs braungoldne Klnge --
  Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
  Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern.
  Am Strome blitzen Segel, Masten, Strnge.

  Ein Mnch, ein schwangres Weib dort im Gedrnge.
  Gitarren klimpern, rote Kittel schimmern.
  Kastanien schwl in goldnem Glanz verkmmern;
  Schwarz ragt der Kirchen trauriges Geprnge.

  Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bsen.
  Ein Platz verdmmert grauenvoll und dster;
  Am Abend regt auf Inseln sich Geflster.

  Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen
  Ausstzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.
  Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.




MELANCHOLIE


  Bluliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
  Die lang mich anschaun im Vorbergleiten.
  Gitarrenklnge sanft den Herbst begleiten
  Im Garten, aufgelst in braunen Laugen.
  Des Todes ernste Dsternis bereiten
  Nymphische Hnde, an roten Brsten saugen
  Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
  Des Sonnenjnglings feuchte Locken gleiten.




IN DEN NACHMITTAG GEFLSTERT


  Sonne, herbstlich dnn und zag,
  Und das Obst fllt von den Bumen.
  Stille wohnt in blauen Rumen
  Einen langen Nachmittag.

  Sterbeklnge von Metall;
  Und ein weies Tier bricht nieder.
  Brauner Mdchen rauhe Lieder
  Sind verweht im Bltterfall.

  Stirne Gottes Farben trumt,
  Sprt des Wahnsinns sanfte Flgel.
  Schatten drehen sich am Hgel
  Von Verwesung schwarz umsumt.

  Dmmerung voll Ruh und Wein;
  Traurige Gitarren rinnen.
  Und zur milden Lampe drinnen
  Kehrst du wie im Traume ein.




IN EIN ALTES STAMMBUCH


  Immer wieder kehrst du Melancholie,
  O Sanftmut der einsamen Seele.
  Zu Ende glht ein goldener Tag.

  Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige
  Tnend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.
  Siehe! es dmmert schon.

  Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches
  Und es leidet ein anderes mit.

  Schaudernd unter herbstlichen Sternen
  Neigt sich jhrlich tiefer das Haupt.




DE PROFUNDIS




VORSTADT IM FHN


  Am Abend liegt die Sttte d und braun,
  Die Luft von grulichem Gestank durchzogen.
  Das Donnern eines Zugs vom Brckenbogen --
  Und Spatzen flattern ber Busch und Zaun.

  Geduckte Htten, Pfade wirr verstreut,
  In Grten Durcheinander und Bewegung,
  Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
  In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.

  Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
  In Krben tragen Frauen Eingeweide,
  Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Rude,
  Kommen sie aus der Dmmerung hervor.

  Und ein Kanal speit pltzlich feistes Blut
  Vom Schlachthaus in den stillen Flu hinunter.
  Die Fhne frben karge Stauden bunter
  Und langsam kriecht die Rte durch die Flut.

  Ein Flstern, das in trbem Schlaf ertrinkt.
  Gebilde gaukeln auf aus Wassergrben,
  Vielleicht Erinnerung an ein frheres Leben,
  Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.

  Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
  Erfllt von schnen Wgen, khnen Reitern.
  Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
  Und manchmal rosenfarbene Moscheen.




MENSCHLICHES ELEND


  Die Uhr, die vor der Sonne fnfe schlgt --
  Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,
  Im Abendgarten kahle Bume sausen.
  Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.

  Vielleicht, da diese Stunde stille steht.
  Vor trben Augen blaue Bilder gaukeln
  Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.
  Am Kai ein Schwesternzug vorberweht.

  Im Hasel spielen Mdchen bla und blind,
  Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.
  Vielleicht, da um ein Aas dort Fliegen singen,
  Vielleicht auch weint im Mutterscho ein Kind.

  Aus Hnden sinken Astern blau und rot,
  Des Jnglings Mund entgleitet fremd und weise;
  Und Lider flattern angstverwirrt und leise;
  Durch Fieberschwrze weht ein Duft von Brot.

  Es scheint, man hrt auch grliches Geschrei;
  Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.
  Ein bses Herz lacht laut in schnen Zimmern;
  An einem Trumer luft ein Hund vorbei.

  Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.
  Dem Mrder will ein Raum sich bleich erhellen,
  Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.
  Des Edlen weie Schlfe Lorbeer ziert.




PSALM

_Karl Kraus zugeeignet_


  Es ist ein Licht, das der Wind ausgelscht hat.
  Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verlt.
  Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Lchern voll Spinnen.
  Es ist ein Raum, den sie mit Milch getncht haben.
  Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Sdsee,
  Den Sonnengott zu empfangen. Man rhrt die Trommeln.
  Die Mnner fhren kriegerische Tnze auf.
  Die Frauen wiegen die Hften in Schlinggewchsen und Feuerblumen,
  Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies.

                   *       *       *       *       *

  Die Nymphen haben die goldenen Wlder verlassen.
  Man begrbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.
  Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters,
  Der den Mittag am glhenden Asphalt verschlft.
  Es sind kleine Mdchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreiender
      Armut!
  Es sind Zimmer, erfllt von Akkorden und Sonaten.
  Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen.
  An den Fenstern des Spitals wrmen sich Genesende.
  Ein weier Dampfer am Kanal trgt blutige Seuchen herauf.

                   *       *       *       *       *

  Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bsen Trumen.
  Ruhend im Haselgebsch spielt sie mit seinen Sternen.
  Der Student, vielleicht ein Doppelgnger, schaut ihr lange vom Fenster
      nach.
  Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe
      herab.
  Im Dunkel brauner Kastanien verblat die Gestalt des jungen Novizen.
  Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermuse umher.
  Die Kinder des Hausmeisters hren zu spielen auf und suchen das Gold des
      Himmels.
  Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde luft zitternd durch die
      Allee,
  Und spter tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben von Mrchen
      und heiligen Legenden.

                   *       *       *       *       *

  Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.
  In der Dsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.
  Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.
  Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flgeln.
  Wrmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.
  Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der
      Kindheit.
  Auf silbernen Sohlen gleiten frhere Leben vorbei
  Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.
  In seinem Grab spielt der weie Magier mit seinen Schlangen.

                   *       *       *       *       *

  Schweigsam ber der Schdelsttte ffnen sich Gottes goldene Augen.




VERWANDLUNG


  Entlang an Grten, herbstlich, rotversengt:
  Hier zeigt im Stillen sich ein tchtig Leben.
  Des Menschen Hnde tragen braune Reben,
  Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.

  Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land
  Erscheinender in roter Buchen Schweigen.
  Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen
  Und grauenvoll verfllt ein leer Gewand.

  Geruhiges vor einer Schenke spielt,
  Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.
  Holunderfrchte, Flten weich und trunken,
  Resedenduft, der Weibliches umsplt.




DMMERUNG


  Im Hof, verhext von milchigem Dmmerschein,
  Durch Herbstgebruntes weiche Kranke gleiten.
  Ihr wchsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,
  Erfllt von Trumerei und Ruh und Wein.

  Ihr Siechentum schliet geisterhaft sich ein.
  Die Sterne weie Traurigkeit verbreiten.
  Im Grau, erfllt von Tuschung und Geluten,
  Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.

  Formlose Spottgestalten huschen, kauern
  Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.
  O! trauervolle Schatten an den Mauern.

  Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;
  Und nchtens strzen sie aus roten Schauern
  Des Sternenwinds, gleich rasenden Mnaden.




TRBSINN


  Weltunglck geistert durch den Nachmittag.
  Baracken fliehn durch Grtchen braun und wst.
  Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,
  Zwei Schlfer schwanken heimwrts, grau und vag.

  Auf der verdorrten Wiese luft ein Kind
  Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.
  Das Gold tropft von den Bschen trb und matt.
  Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.

  Am Abend wieder ber meinem Haupt
  Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.
  Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurck
  Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.

  Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;
  Und leise rhrt des toten Freundes Hand
  Und glttet liebend Stirne und Gewand.
  Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.




DE PROFUNDIS


  Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fllt.
  Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
  Es ist ein Zischelwind, der leere Htten umkreist --
  Wie traurig dieser Abend.

  Am Weiler vorbei
  Sammelt die sanfte Waise noch sprliche hren ein.
  Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dmmerung
  Und ihr Scho harrt des himmlischen Brutigams.

  Bei der Heimkehr
  Fanden die Hirten den sen Leib
  Verwest im Dornenbusch.

  Ein Schatten bin ich ferne finsteren Drfern.
  Gottes Schweigen
  Trank ich aus dem Brunnen des Hains.

  Auf meine Stirne tritt kaltes Metall.
  Spinnen suchen mein Herz.
  Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlscht.

  Nachts fand ich mich auf einer Heide,
  Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
  Im Haselgebsch
  Klangen wieder kristallne Engel.




TROMPETEN


  Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen
  Und Bltter treiben, tnen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.
  Fahnen von Scharlach strzen durch des Ahorns Trauer,
  Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mhlen.

  Oder Hirten singen nachts und Hirsche treten
  In den Kreis ihrer Feuer, des Hains uralte Trauer,
  Tanzende heben sich von einer schwarzen Mauer;
  Fahnen von Scharlach, Lachen, Wahnsinn, Trompeten.




MENSCHHEIT


  Menschheit vor Feuerschlnden aufgestellt,
  Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,
  Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt;
  Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:
  Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.
  Gewlk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.
  Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen.
  Und jene sind versammelt zwlf an Zahl.
  Nachts schrein im Schlaf sie unter lbaumzweigen;
  Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.




DREI BLICKE IN EINEN OPAL

_An Erhard Buschbeck_


1.

  Blick in Opal: ein Dorf umkrnzt von drrem Wein,
  Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhgel
  Und abendlicher Quellen Khle: Zwillingsspiegel
  Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.

  Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein,
  Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen.
  Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen
  Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain.

  Aus Schwarzem blst der Fhn. Mit Satyrn im Verein
  Sind schlanke Weiblein; Mnche der Wollust bleiche Priester,
  Ihr Wahnsinn schmckt mit Lilien sich schn und dster
  Und hebt die Hnde auf zu Gottes goldenem Schrein.


2.

  Der ihn befeuchtet, rosig hngt ein Tropfen Tau
  Im Rosmarin: hinfliet ein Hauch von Grabgerchen,
  Spitlern, wirr erfllt von Fieberschrein und Flchen.
  Gebein steigt aus dem Erbbegrbnis morsch und grau.

  In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,
  Das schmutzstarrende Haar erfllt von schwarzen Trnen,
  Die Knaben trumen wirr in drren Weidenstrhnen
  Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.

  Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau.
  Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen.
  Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen
  Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau.


3.

  Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.
  Rotgoldene Gewnder; Fackeln; Psalmensingen;
  Und Mdchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.
  Gestalten schreiten wchsernstarr durch Glut und Rauch.

  Ausstziger mitternchtigen Tanz fhrt an ein Gauch
  Drrknchern. Garten wunderlicher Abenteuer;
  Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer
  Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.

  O Armut, Bettelsuppe, Brot und ser Lauch;
  Des Lebens Trumerei in Htten vor den Wldern.
  Grau hrtet sich der Himmel ber gelben Feldern
  Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch.




IM DORF




ZU ABEND MEIN HERZ


  Am Abend hrt man den Schrei der Fledermuse,
  Zwei Rappen springen auf der Wiese,
  Der rote Ahorn rauscht.
  Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.
  Herrlich schmecken junger Wein und Nsse,
  Herrlich: betrunken zu taumeln in dmmernden Wald.
  Durch schwarzes Gest tnen schmerzliche Glocken,
  Auf das Gesicht tropft Tau.




EIN HERBSTABEND

_An Karl Rck_


  Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten
  Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,
  Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn
  In khlen Stuben jener Bett bereiten.

  Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten
  Sich ber braune Jauche. Mgde gehn
  Durch feuchte Blue und bisweilen sehn
  Aus Augen sie, erfllt von Nachtgeluten.

  Fr Einsames ist eine Schenke da;
  Das sumt geduldig unter dunklen Bogen,
  Von goldenem Tabaksgewlk umzogen.

  Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.
  Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen
  Den wilden Vgeln nach, die ferngezogen.




ROSENKRANZLIEDER


An die Schwester

  Wo du gehst wird Herbst und Abend,
  Blaues Wild, das unter Bumen tnt,
  Einsamer Weiher am Abend.

  Leise der Flug der Vgel tnt,
  Die Schwermut ber deinen Augenbogen.
  Dein schmales Lcheln tnt.

  Gott hat deine Lider verbogen.
  Sterne suchen nachts, Karfreitagskind,
  Deinen Stirnenbogen.


Nhe des Todes

  O der Abend, der in die finsteren Drfer der Kindheit geht.
  Der Weiher unter den Weiden
  Fllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.

  O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,
  Da aus des Einsamen knchernen Hnden
  Der Purpur seiner verzckten Tage hinsinkt.

  O die Nhe des Todes. La uns beten.
  In dieser Nacht lsen auf lauen Kissen
  Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmchtige Glieder.


Amen

  Verwestes gleitend durch die morsche Stube;
  Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wlbt
  Sich unserer Hnde elfenbeinerne Traurigkeit.

  Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger.
  In der Stille
  Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf.

  Blau ist auch der Abend;
  Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,
  Der ein braunes Grtchen verdunkelt.




IM DORF


1.

  Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.
  Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.
  Der Saum des Walds schliet blaue Tiere ein,
  Das sanfte Laub, das in die Stille fllt.

  Der Bauern braune Stirnen. Lange tnt
  Die Abendglocke; schn ist frommer Brauch,
  Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch,
  Die khle Stube, die der Tod vershnt.

  Wie bleich die Mtter sind. Die Blue sinkt
  Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;
  Auch neigt ein weies Haupt sich hochbejahrt
  Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.


2.

  Der Arme, der im Geiste einsam starb,
  Steigt wchsern ber einen alten Pfad.
  Die Apfelbume sinken kahl und stad
  Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.

  Noch immer wlbt das Dach aus drrem Stroh
  Sich bern Schlaf der Khe. Die blinde Magd
  Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;
  Ein Pferdeschdel starrt vom morschen Tor.

  Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort
  Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,
  Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.
  Der Abend tnt in feuchter Blue fort.


3.

  Ans Fenster schlagen ste fhnentlaubt.
  Im Scho der Burin wchst ein wildes Weh.
  Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;
  Goldugige Eulen flattern um ihr Haupt.

  Die Mauern starren kahl und grauverdreckt
  Ins khle Dunkel. Im Fieberbette friert
  Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.
  Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.

  Drei Mnner treten finster durch das Tor
  Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.
  Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;
  Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor.




ABENDLIED


  Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn,
  Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns.

  Wenn uns drstet,
  Trinken wir die weien Wasser des Teichs,
  Die Se unserer traurigen Kindheit.

  Erstorbene ruhen wir unterm Holundergebsch,
  Schaun den grauen Mven zu.

  Frhlingsgewlke steigen ber die finstere Stadt,
  Die der Mnche edlere Zeiten schweigt.

  Da ich deine schmalen Hnde nahm
  Schlugst du leise die runden Augen auf.
  Dieses ist lange her.

  Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,
  Erscheinst du Weie in des Freundes herbstlicher Landschaft.




IN DER HEIMAT


  Resedenduft durchs kranke Fenster irrt;
  Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wst.
  Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fliet
  Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt.

  Im Splicht treibt Verfallnes, leise girrt
  Der Fhn im braunen Grtchen; sehr still geniet
  Ihr Gold die Sonnenblume und zerfliet.
  Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt.

  Resedenduft. Die Mauern dmmern kahl.
  Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind whlt
  In ihrem Haar, das mondner Glanz umsplt.

  Der Katze Schatten gleitet blau und schmal
  Vom morschen Dach, das nahes Unheil sumt,
  Die Kerzenflamme, die sich purpurn bumt.




NACHTLIED


  Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht
  Erstarrt vor Blue, ihrer Heiligkeit.
  Gewaltig ist das Schweigen im Stein.

  Die Maske eines nchtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang
  Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz
  Beugt sich sprachlos ber bluliche Wasser.

  O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.
  An des Einsamen elfenbeinerner Schlfe
  Erscheint der Abglanz gefallener Engel.




HELIAN


  In den einsamen Stunden des Geistes
  Ist es schn, in der Sonne zu gehn
  An den gelben Mauern des Sommers hin.
  Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schlft
  Der Sohn des Pan im grauen Marmor.

  Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.
  Rtlich glht der Pfirsich im Laub;
  Sanfte Sonate, frohes Lachen.

  Schn ist die Stille der Nacht.
  Auf dunklem Plan
  Begegnen wir uns mit Hirten und weien Sternen.

  Wenn es Herbst geworden ist
  Zeigt sich nchterne Klarheit im Hain.
  Besnftigte wandeln wir an roten Mauern hin
  Und die runden Augen folgen dem Flug der Vgel.
  Am Abend sinkt das weie Wasser in Graburnen.

  In kahlen Gezweigen feiert der Himmel.
  In reinen Hnden trgt der Landmann Brot und Wein
  Und friedlich reifen die Frchte in sonniger Kammer.

  O wie ernst ist das Antlitz der teueren Toten.
  Doch die Seele erfreut gerechtes Anschaun.

                   *       *       *       *       *

  Gewaltig ist das Schweigen des verwsteten Gartens,
  Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekrnzt,
  Sein Odem eisiges Gold trinkt.

  Die Hnde rhren das Alter blulicher Wasser
  Oder in kalter Nacht die weien Wangen der Schwestern.

  Leise und harmonisch ist ein Gang an freundlichen Zimmern hin,
  Wo Einsamkeit ist und das Rauschen des Ahorns,
  Wo vielleicht noch die Drossel singt.

  Schn ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,
  Wenn er staunend Arme und Beine bewegt,
  Und in purpurnen Hhlen stille die Augen rollen.

  Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstrung,
  Unter morschem Gest, an Mauern voll Aussatz hin,
  Wo vordem der heilige Bruder gegangen,
  Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns.

  O wie einsam endet der Abendwind.
  Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des lbaums.

                   *       *       *       *       *

  Erschtternd ist der Untergang des Geschlechts.
  In dieser Stunde fllen sich die Augen des Schauenden
  Mit dem Gold seiner Sterne.

  Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tnt,
  Verfallen die schwarzen Mauern am Platz,
  Ruft der tote Soldat zum Gebet.

  Ein bleicher Engel
  Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Vter.

  Die Schwestern sind ferne zu weien Greisen gegangen.
  Nachts fand sie der Schlfer unter den Sulen im Hausflur,
  Zurckgekehrt von traurigen Pilgerschaften.

  O wie starrt von Kot und Wrmern ihr Haar,
  Da er darein mit silbernen Fen steht,
  Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten.

  O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen,
  Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen,
  Die kindlichen Frchte des Holunders
  Sich staunend neigen ber ein leeres Grab.

  Leise rollen vergilbte Monde
  ber die Fieberlinnen des Jnglings,
  Eh dem Schweigen des Winters folgt.

                   *       *       *       *       *

  Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,
  Wo die Zeder, ein weiches Geschpf,
  Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet,
  ber die Weide nachts ein Schfer seine Herde fhrt.
  Oder es sind Schreie im Schlaf,
  Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt,
  Das Fleisch des Heiligen auf glhendem Rost hinschmilzt.

  Um die Lehmhtten rankt purpurner Wein,
  Tnende Bndel vergilbten Korns,
  Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs.
  Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden.

  In schwarzen Wassern spiegeln sich Ausstzige;
  Oder sie ffnen die kotbefleckten Gewnder
  Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hgel weht.

  Schlanke Mgde tasten durch die Gassen der Nacht,
  Ob sie den liebenden Hirten fnden.
  Sonnabends tnt in den Htten sanfter Gesang.

  Lasset das Lied auch des Knaben gedenken,
  Seines Wahnsinns, und weier Brauen und seines Hingangs,
  Des Verwesten, der blulich die Augen aufschlgt.
  O wie traurig ist dieses Wiedersehn.

                   *       *       *       *       *

  Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,
  Die Schatten der Alten unter der offenen Tr,
  Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut
  Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.

  An den Wnden sind die Sterne erloschen
  Und die weien Gestalten des Lichts.

  Dem Teppich entsteigt Gebein der Grber,
  Das Schweigen verfallener Kreuze am Hgel,
  Des Weihrauchs Se im purpurnen Nachtwind.

  O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mndern,
  Da der Enkel in sanfter Umnachtung
  Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,
  Der stille Gott die blauen Lider ber ihn senkt.




ZWEITER TEIL




SEBASTIAN IM TRAUM




IM PARK


  Wieder wandelnd im alten Park,
  O! Stille gelb und roter Blumen.
  Ihr auch trauert, ihr sanften Gtter,
  Und das herbstliche Gold der Ulme.
  Reglos ragt am blulichen Weiher
  Das Rohr, verstummt am Abend die Drossel.
  O! dann neige auch du die Stirne
  Vor der Ahnen verfallenem Marmor.




UNTERGANG

_An Karl Borromus Heinrich_


  ber den weien Weiher
  Sind die wilden Vgel fortgezogen.
  Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.

  ber unsere Grber
  Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
  Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.

  Immer klingen die weien Mauern der Stadt.
  Unter Dornenbogen
  O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.




AN DEN KNABEN ELIS


  Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,
  Dieses ist dein Untergang.
  Deine Lippen trinken die Khle des blauen Felsenquells.

  La, wenn deine Stirne leise blutet,
  Uralte Legenden
  Und dunkle Deutung des Vogelflugs.

  Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,
  Die voll purpurner Trauben hngt,
  Und du regst die Arme schner im Blau.

  Ein Dornenbusch tnt,
  Wo deine mondenen Augen sind.
  O, wie lange bist, Elis, du verstorben.

  Dein Leib ist eine Hyazinthe,
  In die ein Mnch die wchsernen Finger taucht.
  Eine schwarze Hhle ist unser Schweigen,

  Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt
  Und langsam die schweren Lider senkt.
  Auf deine Schlfen tropft schwarzer Tau,

  Das letzte Gold verfallener Sterne.




ELIS


1.

  Vollkommen ist die Stille dieses goldenen Tags.
  Unter alten Eichen
  Erscheinst du, Elis, ein Ruhender mit runden Augen.

  Ihre Blue spiegelt den Schlummer der Liebenden.
  An deinem Mund
  Verstummten ihre rosigen Seufzer.

  Am Abend zog der Fischer die schweren Netze ein.
  Ein guter Hirt
  Fhrt seine Herde am Waldsaum hin.
  O! wie gerecht sind, Elis, alle deine Tage.

  Leise sinkt
  An kahlen Mauern des lbaums blaue Stille,
  Erstirbt eines Greisen dunkler Gesang.

  Ein goldener Kahn
  Schaukelt, Elis, dein Herz am einsamen Himmel.


2.

  Ein sanftes Glockenspiel tnt in Elis' Brust
  Am Abend,
  Da sein Haupt ins schwarze Kissen sinkt.

  Ein blaues Wild
  Blutet leise im Dornengestrpp.

  Ein brauner Baum steht abgeschieden da;
  Seine blauen Frchte fielen von ihm.

  Zeichen und Sterne
  Versinken leise im Abendweiher.

  Hinter dem Hgel ist es Winter geworden.

  Blaue Tauben
  Trinken nachts den eisigen Schwei,
  Der von Elis' kristallener Stirne rinnt.

  Immer tnt
  An schwarzen Mauern Gottes einsamer Wind.




NACHTS


  Die Blue meiner Augen ist erloschen in dieser Nacht,
  Das rote Gold meines Herzens. O! wie stille brannte das Licht.
  Dein blauer Mantel umfing den Sinkenden;
  Dein roter Mund besiegelte des Freundes Umnachtung.




STUNDENLIED


  Mit dunklen Blicken sehen sich die Liebenden an,
  Die Blonden, Strahlenden. In starrender Finsternis
  Umschlingen schmchtig sich die sehnenden Arme.

  Purpurn zerbrach der Gesegneten Mund. Die runden Augen
  Spiegeln das dunkle Gold des Frhlingsnachmittags,
  Saum und Schwrze des Walds, Abendngste im Grn;
  Vielleicht unsglichen Vogelflug, des Ungeborenen
  Pfad an finsteren Drfern, einsamen Sommern hin
  Und aus verfallener Blue tritt bisweilen ein Abgelebtes.

  Leise rauscht im Acker das gelbe Korn.
  Hart wast das Leben und sthlern schwingt die Sense der Landmann,
  Fgt gewaltige Balken der Zimmermann.

  Purpurn frbt sich das Laub im Herbst; der mnchische Geist
  Durchwandelt heitere Tage; reif ist die Traube
  Und festlich die Luft in gerumigen Hfen.
  Ser duften vergilbte Frchte; leise ist das Lachen
  Des Frohen, Musik und Tanz in schattigen Kellern;
  Im dmmernden Garten Schritt und Stille des verstorbenen Knaben.




UNTERWEGS


  Am Abend trugen sie den Fremden in die Totenkammer;
  Ein Duft von Teer; das leise Rauschen roter Platanen;
  Der dunkle Flug der Dohlen; am Platz zog eine Wache auf.
  Die Sonne ist in schwarze Linnen gesunken; immer wieder kehrt dieser
      vergangene Abend.
  Im Nebenzimmer spielt die Schwester eine Sonate von Schubert.
  Sehr leise sinkt ihr Lcheln in den verfallenen Brunnen,
  Der blulich in der Dmmerung rauscht. O, wie alt ist unser Geschlecht.
  Jemand flstert drunten im Garten; jemand hat diesen schwarzen Himmel
      verlassen.
  Auf der Kommode duften pfel. Gromutter zndet goldene Kerzen an.

  O, wie mild ist der Herbst. Leise klingen unsere Schritte im alten Park
  Unter hohen Bumen. O, wie ernst ist das hyazinthene Antlitz der
      Dmmerung.
  Der blaue Quell zu deinen Fen, geheimnisvoll die rote Stille deines
      Munds,
  Umdstert vom Schlummer des Laubs; dem dunklen Gold verfallener
      Sonnenblumen.
  Deine Lider sind schwer von Mohn und trumen leise auf meiner Stirne.
  Sanfte Glocken durchzittern die Brust. Eine blaue Wolke
  Ist dein Antlitz auf mich gesunken in der Dmmerung.

  Ein Lied zur Gitarre, das in einer fremden Schenke erklingt,
  Die wilden Holunderbsche dort, ein lang vergangener Novembertag,
  Vertraute Schritte auf der dmmernden Stiege, der Anblick gebrunter
      Balken,
  Ein offenes Fenster, an dem ein ses Hoffen zurckblieb --
  Unsglich ist das alles, o Gott, da man erschttert ins Knie bricht.

  O, wie dunkel ist diese Nacht. Eine purpurne Flamme
  Erlosch an meinem Mund. In der Stille
  Erstirbt der bangen Seele einsames Saitenspiel.
  La, wenn trunken von Wein das Haupt in die Gosse sinkt.




KINDHEIT


  Voll Frchten der Holunder; ruhig wohnte die Kindheit
  In blauer Hhle. ber vergangenen Pfad,
  Wo nun brunlich das wilde Gras saust,
  Sinnt das stille Gest; das Rauschen des Laubs

  Ein gleiches, wenn das blaue Wasser im Felsen tnt.
  Sanft ist der Amsel Klage. Ein Hirt
  Folgt sprachlos der Sonne, die vom herbstlichen Hgel rollt.

  Ein blauer Augenblick ist nur mehr Seele.
  Am Waldsaum zeigt sich ein scheues Wild und friedlich
  Ruhn im Grund die alten Glocken und finsteren Weiler.

  Frmmer kennst du den Sinn der dunklen Jahre,
  Khle und Herbst in einsamen Zimmern;
  Und in heiliger Blue luten leuchtende Schritte fort.

  Leise klirrt ein offenes Fenster; zu Trnen
  Rhrt der Anblick des verfallenen Friedhofs am Hgel,
  Erinnerung an erzhlte Legenden; doch manchmal erhellt sich die Seele,
  Wenn sie frohe Menschen denkt, dunkelgoldene Frhlingstage.




SEBASTIAN IM TRAUM

Fr _Adolf Loos_


  Mutter trug das Kindlein im weien Mond,
  Im Schatten des Nubaums, uralten Holunders,
  Trunken vom Safte des Mohns, der Klage der Drossel;
  Und stille
  Neigte in Mitleid sich ber jene ein brtiges Antlitz

  Leise im Dunkel des Fensters; und altes Hausgert
  Der Vter
  Lag im Verfall; Liebe und herbstliche Trumerei.

  Also dunkel der Tag des Jahrs, traurige Kindheit,
  Da der Knabe leise zu khlen Wassern, silbernen Fischen hinabstieg,
  Ruh und Antlitz;
  Da er steinern sich vor rasende Rappen warf,
  In grauer Nacht sein Stern ber ihn kam;

  Oder wenn er an der frierenden Hand der Mutter
  Abends ber Sankt Peters herbstlichen Friedhof ging,
  Ein zarter Leichnam stille im Dunkel der Kammer lag
  Und jener die kalten Lider ber ihn aufhob.

  Er aber war ein kleiner Vogel im kahlen Gest,
  Die Glocke lang im Abendnovember,
  Des Vaters Stille, da er im Schlaf die dmmernde Wendeltreppe hinabstieg.

                   *       *       *       *       *

  Frieden der Seele. Einsamer Winterabend,
  Die dunklen Gestalten der Hirten am alten Weiher;
  Kindlein in der Htte von Stroh; o wie leise
  Sank in schwarzem Fieber das Antlitz hin.
  Heilige Nacht.

  Oder wenn er an der harten Hand des Vaters
  Stille den finstern Kalvarienberg hinanstieg
  Und in dmmernden Felsennischen
  Die blaue Gestalt des Menschen durch seine Legende ging,
  Aus der Wunde unter dem Herzen purpurn das Blut rann.
  O wie leise stand in dunkler Seele das Kreuz auf.

  Liebe; da in schwarzen Winkeln der Schnee schmolz,
  Ein blaues Lftchen sich heiter im alten Holunder fing,
  In dem Schattengewlbe des Nubaums;
  Und dem Knaben leise sein rosiger Engel erschien.

  Freude; da in khlen Zimmern eine Abendsonate erklang,
  Im braunen Holzgeblk
  Ein blauer Falter aus der silbernen Puppe kroch.

  O die Nhe des Todes. In steinerner Mauer
  Neigte sich ein gelbes Haupt, schweigend das Kind,
  Da in jenem Mrz der Mond verfiel.

                   *       *       *       *       *

  Rosige Osterglocke im Grabgewlbe der Nacht
  Und die Silberstimmen der Sterne,
  Da in Schauern ein dunkler Wahnsinn von der Stirne des Schlfers sank.

  O wie stille ein Gang den blauen Flu hinab
  Vergessenes sinnend, da im grnen Gest
  Die Drossel ein Fremdes in den Untergang rief.

  Oder wenn er an der knchernen Hand des Greisen
  Abends vor die verfallene Mauer der Stadt ging
  Und jener in schwarzem Mantel ein rosiges Kindlein trug,
  Im Schatten des Nubaums der Geist des Bsen erschien.

  Tasten ber die grnen Stufen des Sommers. O wie leise
  Verfiel der Garten in der braunen Stille des Herbstes,
  Duft und Schwermut des alten Holunders,
  Da in Sebastians Schatten die Silberstimme des Engels erstarb.




LANDSCHAFT


  Septemberabend; traurig tnen die dunklen Rufe der Hirten
  Durch das dmmernde Dorf; Feuer sprht in der Schmiede.
  Gewaltig bumt sich ein schwarzes Pferd; die hyazinthenen Locken der Magd
  Haschen nach der Inbrunst seiner purpurnen Nstern.
  Leise erstarrt am Saum des Waldes der Schrei der Hirschkuh
  Und die gelben Blumen des Herbstes
  Neigen sich sprachlos ber das blaue Antlitz des Teichs.
  In roter Flamme verbrannte ein Baum; aufflattern mit dunklen Gesichtern
      die Fledermuse.




AM MOOR


  Wanderer im schwarzen Wind; leise flstert das drre Rohr
  In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
  Ein Zug von wilden Vgeln folgt;
  Quere ber finsteren Wassern.

  Aufruhr. In verfallener Htte
  Aufflattert mit schwarzen Flgeln die Fulnis;
  Verkrppelte Birken seufzen im Wind.

  Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
  Die sanfte Schwermut grasender Herden,
  Erscheinung der Nacht: Krten tauchen aus silbernen Wassern.




RUH UND SCHWEIGEN


  Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.
  Ein Fischer zog
  In hrenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

  In blauem Kristall
  Wohnt der bleiche Mensch, die Wang' an seine Sterne gelehnt;
  Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

  Doch immer rhrt der schwarze Flug der Vgel
  Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,
  Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.

  Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein;
  Ein strahlender Jngling
  Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.




IM FRHLING


  Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
  Im Schatten des Baums
  Heben die rosigen Lider Liebende.

  Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
  Stern und Nacht;
  Und die Ruder schlagen leise im Takt.

  Balde an verfallener Mauer blhen
  Die Veilchen,
  Ergrnt so stille die Schlfe des Einsamen.




ABEND IN LANS


  Wanderschaft durch dmmernden Sommer
  An Bndeln vergilbten Korns vorbei. Unter getnchten Bogen,
  Wo die Schwalbe aus und ein flog, tranken wir feurigen Wein.

  Schn: o Schwermut und purpurnes Lachen.
  Abend und die dunklen Dfte des Grns
  Khlen mit Schauern die glhende Stirne uns.

  Silberne Wasser rinnen ber die Stufen des Walds,
  Die Nacht und sprachlos ein vergessenes Leben.
  Freund; die belaubten Stege ins Dorf.




AM MNCHSBERG


  Wo im Schatten herbstlicher Ulmen der verfallene Pfad hinabsinkt,
  Ferne den Htten von Laub, schlafenden Hirten,
  Immer folgt dem Wandrer die dunkle Gestalt der Khle

  ber knchernen Steg, die hyazinthene Stimme des Knaben,
  Leise sagend die vergessene Legende des Walds,
  Sanfter ein Krankes nun die wilde Klage des Bruders.

  Also rhrt ein sprliches Grn das Knie des Fremdlings,
  Das versteinerte Haupt;
  Nher rauscht der blaue Quell die Klage der Frauen.




HOHENBURG


  Es ist niemand im Haus. Herbst in Zimmern;
  Mondeshelle Sonate
  Und das Erwachen am Saum des dmmernden Walds.

  Immer denkst du das weie Antlitz des Menschen
  Ferne dem Getmmel der Zeit;
  ber ein Trumendes neigt sich gerne grnes Gezweig,

  Kreuz und Abend;
  Umfngt den Tnenden mit purpurnen Armen sein Stern,
  Der zu unbewohnten Fenstern hinaufsteigt.

  Also zittert im Dunkel der Fremdling,
  Da er leise die Lider ber ein Menschliches aufhebt,
  Das ferne ist; die Silberstimme des Windes im Hausflur.




KASPAR HAUSER LIED

Fr _Bessie Loos_


  Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den Hgel hinabstieg,
  Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel
  Und die Freude des Grns.

  Ernsthaft war sein Wohnen im Schatten des Baums
  Und rein sein Antlitz.
  Gott sprach eine sanfte Flamme zu seinem Herzen:
  O Mensch!

  Stille fand sein Schritt die Stadt am Abend;
  Die dunkle Klage seines Munds:
  Ich will ein Reiter werden.

  Ihm aber folgte Busch und Tier,
  Haus und Dmmergarten weier Menschen
  Und sein Mrder suchte nach ihm.

  Frhling und Sommer und schn der Herbst
  Des Gerechten, sein leiser Schritt
  An den dunklen Zimmern Trumender hin.
  Nachts blieb er mit seinem Stern allein;

  Sah, da Schnee fiel in kahles Gezweig
  Und im dmmernden Hausflur den Schatten des Mrders.

  Silbern sank des Ungebornen Haupt hin.




DER HERBST DES EINSAMEN




DIE VERFLUCHTEN


1.

  Es dmmert. Zum Brunnen gehn die alten Fraun.
  Im Dunkel der Kastanien lacht ein Rot.
  Aus einem Laden rinnt ein Duft von Brot
  Und Sonnenblumen sinken bern Zaun.

  Am Flu die Schenke tnt noch lau und leis.
  Gitarre summt; ein Klimperklang von Geld.
  Ein Heiligenschein auf jene Kleine fllt,
  Die vor der Glastr wartet sanft und wei.

  O! blauer Glanz, den sie in Scheiben weckt,
  Umrahmt von Dornen, schwarz und starrverzckt.
  Ein krummer Schreiber lchelt wie verrckt
  Ins Wasser, das ein wilder Aufruhr schreckt.


2.

  Am Abend sumt die Pest ihr blau Gewand
  Und leise schliet die Tr ein finstrer Gast.
  Durchs Fenster sinkt des Ahorns schwarze Last;
  Ein Knabe legt die Stirn in ihre Hand.

  Oft sinken ihre Lider bs und schwer.
  Des Kindes Hnde rinnen durch ihr Haar
  Und seine Trnen strzen hei und klar
  In ihre Augenhhlen schwarz und leer.

  Ein Nest von scharlachfarbnen Schlangen bumt
  Sich trg in ihrem aufgewhlten Scho.
  Die Arme lassen ein Erstorbenes los,
  Das eines Teppichs Traurigkeit umsumt.


3.

  Ins braune Grtchen tnt ein Glockenspiel.
  Im Dunkel der Kastanien schwebt ein Blau,
  Der se Mantel einer fremden Frau.
  Resedenduft; und glhendes Gefhl

  Des Bsen. Die feuchte Stirn beugt kalt und bleich
  Sich ber Unrat, drin die Ratte whlt,
  Vom Scharlachglanz der Sterne lau umsplt;
  Im Garten fallen pfel dumpf und weich.

  Die Nacht ist schwarz. Gespenstisch blht der Fhn
  Des wandelnden Knaben weies Schlafgewand
  Und leise greift in seinen Mund die Hand
  Der Toten. Sonja lchelt sanft und schn.




SONJA


  Abend kehrt in alten Garten;
  Sonjas Leben, blaue Stille.
  Wilder Vgel Wanderfahrten;
  Kahler Baum in Herbst und Stille.

  Sonnenblume, sanftgeneigte
  ber Sonjas weies Leben.
  Wunde, rote, niegezeigte
  Lt in dunklen Zimmern leben,

  Wo die blauen Glocken luten;
  Sonjas Schritt und sanfte Stille.
  Sterbend Tier grt im Entgleiten,
  Kahler Baum in Herbst und Stille.

  Sonne alter Tage leuchtet
  ber Sonjas weie Brauen,
  Schnee, der ihre Wangen feuchtet,
  Und die Wildnis ihrer Brauen.




ENTLANG


  Geschnitten sind Korn und Traube,
  Der Weiler in Herbst und Ruh.
  Hammer und Ambo klingt immerzu,
  Lachen in purpurner Laube.

  Astern von dunklen Zunen
  Bring dem weien Kind.
  Sag wie lang wir gestorben sind;
  Sonne will schwarz erscheinen.

  Rotes Fischlein im Weiher;
  Stirn, die sich frchtig belauscht;
  Abendwind leise ans Fenster rauscht,
  Blaues Orgelgeleier.

  Stern und heimlich Gefunkel
  Lt noch einmal aufschaun.
  Erscheinung der Mutter in Schmerz und Graun;
  Schwarze Reseden im Dunkel.




DER HERBST DES EINSAMEN


  Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Flle,
  Vergilbter Glanz von schnen Sommertagen.
  Ein reines Blau tritt aus verfallener Hlle;
  Der Flug der Vgel tnt von alten Sagen.
  Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
  Erfllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

  Und hier und dort ein Kreuz auf dem Hgel;
  Im roten Wald verliert sich eine Herde.
  Die Wolke wandert bern Weiherspiegel;
  Es ruht des Landmanns ruhige Geberde.
  Sehr leise rhrt des Abends blauer Flgel
  Ein Dach von drrem Stroh, die schwarze Erde.

  Bald nisten Sterne in des Mden Brauen;
  In khle Stuben kehrt ein still Bescheiden
  Und Engel treten leise aus den blauen
  Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
  Es rauscht das Rohr; anfllt ein knchern Grauen,
  Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.




HERBSTSEELE


  Jgerruf und Blutgebell;
  Hinter Kreuz und braunem Hgel
  Blindet sacht der Weiherspiegel,
  Schreit der Habicht hart und hell.

  ber Stoppelfeld und Pfad
  Banget schon ein schwarzes Schweigen;
  Reiner Himmel in den Zweigen;
  Nur der Bach rinnt still und stad.

  Bald entgleitet Fisch und Wild.
  Blaue Seele, dunkles Wandern
  Schied uns bald von Lieben, Andern.
  Abend wechselt Sinn und Bild.

  Rechten Lebens Brot und Wein,
  Gott in deine milden Hnde
  Legt der Mensch das dunkle Ende,
  Alle Schuld und rote Pein.




AFRA


  Ein Kind mit braunem Haar. Gebet und Amen
  Verdunkeln still die abendliche Khle
  Und Afras Lcheln rot in gelbem Rahmen
  Von Sonnenblumen, Angst und grauer Schwle.

  Gehllt in blauen Mantel sah vor Zeiten
  Der Mnch sie fromm gemalt an Kirchenfenstern;
  Das will in Schmerzen freundlich noch geleiten,
  Wenn ihre Sterne durch sein Blut gespenstern.

  Herbstuntergang; und des Holunders Schweigen.
  Die Stirne rhrt des Wassers blaue Regung,
  Ein hrnes Tuch gelegt auf eine Bahre.

  Verfaulte Frchte fallen von den Zweigen;
  Unsglich ist der Vgel Flug, Begegnung
  Mit Sterbenden; dem folgen dunkle Jahre.




EIN WINTERABEND


  Wenn der Schnee ans Fenster fllt,
  Lang die Abendglocke lutet,
  Vielen ist der Tisch bereitet
  Und das Haus ist wohlbestellt.

  Mancher auf der Wanderschaft
  Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
  Golden blht der Baum der Gnaden
  Aus der Erde khlem Saft.

  Wanderer tritt still herein;
  Schmerz versteinerte die Schwelle.
  Da erglnzt in reiner Helle
  Auf dem Tische Brot und Wein.




SIEBENGESANG DES TODES




VERWANDLUNG DES BSEN


Herbst: schwarzes Schreiten am Waldsaum; Minute stummer Zerstrung;
auflauscht die Stirne des Ausstzigen unter dem kahlen Baum.
Langvergangener Abend, der nun ber die Stufen von Moos sinkt; November.
Eine Glocke lutet und der Hirt fhrt eine Herde von schwarzen und roten
Pferden ins Dorf. Unter dem Haselgebsch weidet der grne Jger ein Wild
aus. Seine Hnde rauchen von Blut und der Schatten des Tiers seufzt im
Laub ber den Augen des Mannes, braun und schweigsam; der Wald. Krhen,
die sich zerstreuen; drei. Ihr Flug gleicht einer Sonate, voll
verblichener Akkorde und mnnlicher Schwermut; leise lst sich eine
goldene Wolke auf. Bei der Mhle znden Knaben ein Feuer an. Flamme ist
des Bleichsten Bruder und jener lacht vergraben in sein purpurnes Haar;
oder es ist ein Ort des Mordes, an dem ein steiniger Weg vorbeifhrt.
Die Berberitzen sind verschwunden, jahrlang trumt es in bleierner Luft
unter den Fhren; Angst, grnes Dunkel, das Gurgeln eines Ertrinkenden:
aus dem Sternenweiher zieht der Fischer einen groen, schwarzen Fisch,
Antlitz voll Grausamkeit und Irrsinn. Die Stimmen des Rohrs, hadernder
Mnner im Rcken schaukelt jener auf rotem Kahn ber frierende
Herbstwasser, lebend in dunklen Sagen seines Geschlechts und die Augen
steinern ber Nchte und jungfruliche Schrecken aufgetan. Bse.

Was zwingt dich still zu stehen auf der verfallenen Stiege, im Haus
deiner Vter? Bleierne Schwrze. Was hebst du mit silberner Hand an die
Augen; und die Lider sinken wie trunken von Mohn? Aber durch die Mauer
von Stein siehst du den Sternenhimmel, die Milchstrae, den Saturn; rot.
Rasend an die Mauer von Stein klopft der kahle Baum. Du auf verfallenen
Stufen: Baum, Stern, Stein! Du, ein blaues Tier, das leise zittert; du,
der bleiche Priester, der es hinschlachtet am schwarzen Altar. O dein
Lcheln im Dunkel, traurig und bse, da ein Kind im Schlaf erbleicht.
Eine rote Flamme sprang aus deiner Hand und ein Nachtfalter verbrannte
daran. O die Flte des Lichts; o die Flte des Tods. Was zwang dich
still zu stehen auf verfallener Stiege, im Haus deiner Vter? Drunten
ans Tor klopft ein Engel mit kristallnem Finger.

O die Hlle des Schlafs; dunkle Gasse, braunes Grtchen. Leise lutet im
blauen Abend der Toten Gestalt. Grne Blmchen umgaukeln sie und ihr
Antlitz hat sie verlassen. Oder es neigt sich verblichen ber die kalte
Stirne des Mrders im Dunkel des Hausflurs; Anbetung, purpurne Flamme
der Wollust; hinsterbend strzte ber schwarze Stufen der Schlfer ins
Dunkel.

Jemand verlie dich am Kreuzweg und du schaust lange zurck. Silberner
Schritt im Schatten verkrppelter Apfelbumchen. Purpurn leuchtet die
Frucht im schwarzen Gest und im Gras hutet sich die Schlange. O! das
Dunkel; der Schwei, der auf die eisige Stirne tritt und die traurigen
Trume im Wein, in der Dorfschenke unter schwarzverrauchtem Geblk. Du,
noch Wildnis, die rosige Inseln zaubert aus dem braunen Tabaksgewlk und
aus dem Innern den wilden Schrei eines Greifen holt, wenn er um schwarze
Klippen jagt in Meer, Sturm und Eis. Du, ein grnes Metall und innen ein
feuriges Gesicht, das hingehen will und singen vom Beinerhgel finstere
Zeiten und den flammenden Sturz des Engels. O! Verzweiflung, die mit
stummem Schrei ins Knie bricht.

Ein Toter besucht dich. Aus dem Herzen rinnt das selbstvergossene Blut
und in schwarzer Braue nistet unsglicher Augenblick; dunkle Begegnung.
Du -- ein purpurner Mond, da jener im grnen Schatten des lbaums
erscheint. Dem folgt unvergngliche Nacht.




KARL KRAUS


  Weier Hohepriester der Wahrheit,
  Kristallne Stimme, in der Gottes eisiger Odem wohnt,
  Zrnender Magier,
  Dem unter flammendem Mantel der blaue Panzer des Kriegers klirrt.




AN DIE VERSTUMMTEN


  O, der Wahnsinn der groen Stadt, da am Abend
  An schwarzer Mauer verkrppelte Bume starren,
  Aus silberner Maske der Geist des Bsen schaut;
  Licht mit magnetischer Geiel die steinerne Nacht verdrngt.
  O, das versunkene Luten der Abendglocken.

  Hure, die in eisigen Schauern ein totes Kindlein gebrt.
  Rasend peitscht Gottes Zorn die Stirne des Besessenen,
  Purpurne Seuche, Hunger, der grne Augen zerbricht.
  O, das grliche Lachen des Golds.

  Aber stille blutet in dunkler Hhle stummere Menschheit,
  Fgt aus harten Metallen das erlsende Haupt.




ANIF


  Erinnerung: Mven, gleitend ber den dunklen Himmel
  Mnnlicher Schwermut.
  Stille wohnst du im Schatten der herbstlichen Esche,
  Versunken in des Hgels gerechtes Ma;

  Immer gehst du den grnen Flu hinab,
  Wenn es Abend geworden,
  Tnende Liebe; friedlich begegnet das dunkle Wild,

  Ein rosiger Mensch. Trunken von blulicher Witterung
  Rhrt die Stirne das sterbende Laub
  Und denkt das ernste Antlitz der Mutter;
  O, wie alles ins Dunkel hinsinkt;

  Die gestrengen Zimmer und das alte Gert
  Der Vter.
  Dieses erschttert die Brust des Fremdlings.
  O, ihr Zeichen und Sterne.

  Gro ist die Schuld des Geborenen. Weh, ihr goldenen Schauer
  Des Todes,
  Da die Seele khlere Blten trumt.

  Immer schreit im kahlen Gezweig der nchtliche Vogel
  ber des Mondenen Schritt,
  Tnt ein eisiger Wind an den Mauern des Dorfs.




AN EINEN FRHVERSTORBENEN


  O, der schwarze Engel, der leise aus dem Innern des Baums trat,
  Da wir sanfte Gespielen am Abend waren,
  Am Rand des blulichen Brunnens.
  Ruhig war unser Schritt, die runden Augen in der braunen Khle des
      Herbstes,
  O, die purpurne Se der Sterne.

  Jener aber ging die steinernen Stufen des Mnchsbergs hinab,
  Ein blaues Lcheln im Antlitz und seltsam verpuppt
  In seine stillere Kindheit und starb;
  Und im Garten blieb das silberne Antlitz des Freundes zurck,
  Lauschend im Laub oder im alten Gestein.

  Seele sang den Tod, die grne Verwesung des Fleisches
  Und es war das Rauschen des Walds,
  Die inbrnstige Klage des Wildes.
  Immer klangen von dmmernden Trmen die blauen Glocken des Abends.

  Stunde kam, da jener die Schatten in purpurner Sonne sah,
  Die Schatten der Fulnis in kahlem Gest;
  Abend, da an dmmernder Mauer die Amsel sang,
  Der Geist des Frhverstorbenen stille im Zimmer erschien.

  O, das Blut, das aus der Kehle des Tnenden rinnt,
  Blaue Blume; o die feurige Trne
  Geweint in die Nacht.

  Goldene Wolke und Zeit. In einsamer Kammer
  Ldst du fter den Toten zu Gast,
  Wandelst in trautem Gesprch unter Ulmen den grnen Flu hinab.




GEISTLICHE DMMERUNG


  Stille begegnet am Saum des Waldes
  Ein dunkles Wild;
  Am Hgel endet leise der Abendwind,

  Verstummt die Klage der Amsel,
  Und die sanften Flten des Herbstes
  Schweigen im Rohr.

  Auf schwarzer Wolke
  Befhrst du trunken von Mohn
  Den nchtigen Weiher,

  Den Sternenhimmel.
  Immer tnt der Schwester mondene Stimme
  Durch die geistliche Nacht.




GEBURT


  Gebirge: Schwrze, Schweigen und Schnee.
  Rot vom Wald niedersteigt die Jagd;
  O, die moosigen Blicke des Wilds.

  Stille der Mutter; unter schwarzen Tannen
  ffnen sich die schlafenden Hnde,
  Wenn verfallen der kalte Mond erscheint.

  O, die Geburt des Menschen. Nchtlich rauscht
  Blaues Wasser im Felsengrund;
  Seufzend erblickt sein Bild der gefallene Engel,

  Erwacht ein Bleiches in dumpfer Stube.
  Zwei Monde
  Erglnzen die Augen der steinernen Greisin.

  Weh, der Gebrenden Schrei. Mit schwarzem Flgel
  Rhrt die Knabenschlfe die Nacht,
  Schnee, der leise aus purpurner Wolke sinkt.




ABENDLNDISCHES LIED


  O der Seele nchtlicher Flgelschlag:
  Hirten gingen wir einst an dmmernden Wldern hin
  Und es folgte das rote Wild, die grne Blume und der lallende Quell
  Demutsvoll. O, der uralte Ton des Heimchens,
  Blut blhend am Opferstein
  Und der Schrei des einsamen Vogels ber der grnen Stille des Teichs.

  O, ihr Kreuzzge und glhenden Martern
  Des Fleisches, Fallen purpurner Frchte
  Im Abendgarten, wo vor Zeiten die frommen Jnger gegangen,
  Kriegsleute nun, erwachend aus Wunden und Sternentrumen.
  O, das sanfte Zyanenbndel der Nacht.

  O, ihr Zeiten der Stille und goldener Herbste,
  Da wir friedliche Mnche die purpurne Traube gekeltert;
  Und rings erglnzten Hgel und Wald.
  O, ihr Jagden und Schlsser; Ruh des Abends,
  Da in seiner Kammer der Mensch Gerechtes sann,
  In stummem Gebet um Gottes lebendiges Haupt rang.

  O, die bittere Stunde des Untergangs,
  Da wir ein steinernes Antlitz in schwarzen Wassern beschaun.
  Aber strahlend heben die silbernen Lider die Liebenden:
  Ein Geschlecht. Weihrauch strmt von rosigen Kissen
  Und der se Gesang der Auferstandenen.




SIEBENGESANG DES TODES


  Blulich dmmert der Frhling; unter saugenden Bumen
  Wandert ein Dunkles in Abend und Untergang,
  Lauschend der sanften Klage der Amsel.
  Schweigend erscheint die Nacht, ein blutendes Wild,
  Das langsam hinsinkt am Hgel.

  In feuchter Luft schwankt blhendes Apfelgezweig,
  Lst silbern sich Verschlungenes,
  Hinsterbend aus nchtigen Augen; fallende Sterne;
  Sanfter Gesang der Kindheit.

  Erscheinender stieg der Schlfer den schwarzen Wald hinab,
  Und es rauschte ein blauer Quell im Grund,
  Da jener leise die bleichen Lider aufhob
  ber sein schneeiges Antlitz;

  Und es jagte der Mond ein rotes Tier
  Aus seiner Hhle;
  Und es starb in Seufzern die dunkle Klage der Frauen.

  Strahlender hob die Hnde zu seinem Stern
  Der weie Fremdling;
  Schweigend verlt ein Totes das verfallene Haus.

  O des Menschen verweste Gestalt: gefgt aus kalten Metallen,
  Nacht und Schrecken versunkener Wlder
  Und der sengenden Wildnis des Tiers;
  Windesstille der Seele.

  Auf schwrzlichem Kahn fuhr jener schimmernde Strme hinab,
  Purpurner Sterne voll, und es sank
  Friedlich das ergrnte Gezweig auf ihn,
  Mohn aus silberner Wolke.




DER WANDERER


  Immer lehnt am Hgel die weie Nacht,
  Wo in Silbertnen die Pappel ragt,
  Stern' und Steine sind.

  Schlafend wlbt sich ber den Giebach der Steg,
  Folgt dem Knaben ein erstorbenes Antlitz,
  Sichelmond in rosiger Schlucht

  Ferne preisenden Hirten. In altem Gestein
  Schaut aus kristallenen Augen die Krte,
  Erwacht der blhende Wind, die Vogelstimme des Totengleichen
  Und die Schritte ergrnen leise im Wald.

  Dieses erinnert an Baum und Tier. Langsame Stufen von Moos;
  Und der Mond,
  Der glnzend in traurigen Wassern versinkt.

  Jener kehrt wieder und wandelt an grnem Gestade,
  Schaukelt auf schwarzem Gondelschiffchen durch die verfallene Stadt.




VERKLRUNG


  Wenn es Abend wird,
  Verlt dich leise ein blaues Antlitz.
  Ein kleiner Vogel singt im Tamarindenbaum.

  Ein sanfter Mnch
  Faltet die erstorbenen Hnde.
  Ein weier Engel sucht Marien heim.

  Ein nchtiger Kranz
  Von Veilchen, Korn und purpurnen Trauben
  Ist das Jahr des Schauenden.

  Zu deinen Fen
  ffnen sich die Grber der Toten,
  Wenn du die Stirne in die silbernen Hnde legst.

  Stille wohnt
  An deinem Mund der herbstliche Mond,
  Trunken von Mohnsaft dunkler Gesang;

  Blaue Blume,
  Die leise tnt in vergilbtem Gestein.




DIE SONNE


  Tglich kommt die gelbe Sonne ber den Hgel.
  Schn ist der Wald, das dunkle Tier,
  Der Mensch; Jger oder Hirt.

  Rtlich steigt im grnen Weiher der Fisch.
  Unter dem runden Himmel
  Fhrt der Fischer leise im blauen Kahn.

  Langsam reift die Traube, das Korn.
  Wenn sich stille der Tag neigt,
  Ist ein Gutes und Bses bereitet.

  Wenn es Nacht wird,
  Hebt der Wanderer leise die schweren Lider;
  Sonne aus finsterer Schlucht bricht.




PASSION


  Wenn Orpheus silbern die Laute rhrt,
  Beklagend ein Totes im Abendgarten,
  Wer bist du Ruhendes unter hohen Bumen?
  Es rauscht die Klage das herbstliche Rohr,
  Der blaue Teich,
  Hinsterbend unter grnenden Bumen
  Und folgend dem Schatten der Schwester;
  Dunkle Liebe
  Eines wilden Geschlechts,
  Dem auf goldenen Rdern der Tag davonrauscht.
  Stille Nacht.

  Unter finsteren Tannen
  Mischten zwei Wlfe ihr Blut
  In steinerner Umarmung; ein Goldnes
  Verlor sich die Wolke ber dem Steg,
  Geduld und Schweigen der Kindheit.
  Wieder begegnet der zarte Leichnam
  Am Tritonsteich
  Schlummernd in seinem hyazinthenen Haar.
  Da endlich zerbrche das khle Haupt!

  Denn immer folgt, ein blaues Wild,
  Ein ugendes unter dmmernden Bumen,
  Dieser dunkleren Pfaden
  Wachend und bewegt von nchtigem Wohllaut,
  Sanftem Wahnsinn;
  Oder es tnte dunkler Verzckung
  Voll das Saitenspiel
  Zu den khlen Fen der Berin
  In der steinernen Stadt.




FHN


  Blinde Klage im Wind, mondene Wintertage,
  Kindheit, leise verhallen die Schritte an schwarzer Hecke,
  Langes Abendgelut.
  Leise kommt die weie Nacht gezogen,

  Verwandelt in purpurne Trume Schmerz und Plage
  Des steinigen Lebens,
  Da nimmer der dornige Stachel ablasse vom verwesenden Leib.

  Tief im Schlummer aufseufzt die bange Seele,

  Tief der Wind in zerbrochenen Bumen,
  Und es schwankt die Klagegestalt
  Der Mutter durch den einsamen Wald

  Dieser schweigenden Trauer; Nchte,
  Erfllt von Trnen, feurigen Engeln.
  Silbern zerschellt an kahler Mauer ein kindlich Gerippe.




FRHLING DER SEELE


  Aufschrei im Schlaf; durch schwarze Gassen strzt der Wind,
  Das Blau des Frhlings winkt durch brechendes Gest,
  Purpurner Nachttau und es erlschen rings die Sterne.
  Grnlich dmmert der Flu, silbern die alten Alleen
  Und die Trme der Stadt. O sanfte Trunkenheit
  Im gleitenden Kahn und die dunklen Rufe der Amsel
  In kindlichen Grten. Schon lichtet sich der rosige Flor.

  Feierlich rauschen die Wasser. O die feuchten Schatten der Au,
  Das schreitende Tier; Grnendes, Bltengezweig
  Rhrt die kristallene Stirne; schimmernder Schaukelkahn.
  Leise tnt die Sonne im Rosengewlk am Hgel.
  Gro ist die Stille des Tannenwalds, die ernsten Schatten am Flu.

  Reinheit! Reinheit! Wo sind die furchtbaren Pfade des Todes,
  Des grauen steinernen Schweigens, die Felsen der Nacht
  Und die friedlosen Schatten? Strahlender Sonnenabgrund.

  Schwester, da ich dich fand an einsamer Lichtung
  Des Waldes und Mittag war und gro das Schweigen des Tiers;
  Weie unter wilder Eiche, und es blhte silbern der Dorn.
  Gewaltiges Sterben und die singende Flamme im Herzen.

  Dunkler umflieen die Wasser die schnen Spiele der Fische.
  Stunde der Trauer, schweigender Anblick der Sonne;
  Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden. Geistlich dmmert
  Blue ber dem verhauenen Wald und es lutet
  Lange eine dunkle Glocke im Dorf; friedlich Geleit.
  Stille blht die Myrthe ber den weien Lidern des Toten.

  Leise tnen die Wasser im sinkenden Nachmittag
  Und es grnet dunkler die Wildnis am Ufer, Freude im rosigen Wind;
  Der sanfte Gesang des Bruders am Abendhgel.




IM DUNKEL


  Es schweigt die Seele den blauen Frhling.
  Unter feuchtem Abendgezweig
  Sank in Schauern die Stirne den Liebenden.

  O das grnende Kreuz. In dunklem Gesprch
  Erkannten sich Mann und Weib.
  An kahler Mauer
  Wandelt mit seinen Gestirnen der Einsame.

  ber die mondbeglnzten Wege des Walds
  Sank die Wildnis
  Vergessener Jagden; Blick der Blue
  Aus verfallenen Felsen bricht.




WINTERNACHT


Es ist Schnee gefallen. Nach Mitternacht verlt du betrunken von
purpurnem Wein den dunklen Bezirk der Menschen, die rote Flamme ihres
Herdes. O die Finsternis!

Schwarzer Frost. Die Erde ist hart, nach Bitterem schmeckt die Luft.
Deine Sterne schlieen sich zu bsen Zeichen.

Mit versteinerten Schritten stampfst du am Bahndamm hin, mit runden
Augen, wie ein Soldat, der eine schwarze Schanze strmt. Avanti!

Bitterer Schnee und Mond!

Ein roter Wolf, den ein Engel wrgt. Deine Beine klirren schreitend wie
blaues Eis und ein Lcheln voll Trauer und Hochmut hat dein Antlitz
versteinert und die Stirne erbleicht vor der Wollust des Frostes;

oder sie neigt sich schweigend ber den Schlaf eines Wchters, der in
seiner hlzernen Htte hinsank.

Frost und Rauch. Ein weies Sternenhemd verbrennt die tragenden
Schultern und Gottes Geier zerfleischen dein metallenes Herz.

O der steinerne Hgel. Stille schmilzt und vergessen der khle Leib im
silbernen Schnee hin.

Schwarz ist der Schlaf. Das Ohr folgt lange den Pfaden der Sterne im
Eis.

Beim Erwachen klangen die Glocken im Dorf. Aus dem stlichen Tor trat
silbern der rosige Tag.




DRITTER TEIL




TRAUM UND UMNACHTUNG


Am Abend ward zum Greis der Vater; in dunklen Zimmern versteinerte das
Antlitz der Mutter und auf dem Knaben lastete der Fluch des entarteten
Geschlechts. Manchmal erinnerte er sich seiner Kindheit, erfllt von
Krankheit, Schrecken und Finsternis, verschwiegener Spiele im
Sternengarten, oder da er die Ratten ftterte im dmmernden Hof. Aus
blauem Spiegel trat die schmale Gestalt der Schwester und er strzte wie
tot ins Dunkel. Nachts brach sein Mund gleich einer roten Frucht auf und
die Sterne erglnzten ber seiner sprachlosen Trauer. Seine Trume
erfllten das alte Haus der Vter. Am Abend ging er gerne ber den
verfallenen Friedhof, oder er besah in dmmernder Totenkammer die
Leichen, die grnen Flecken der Verwesung auf ihren schnen Hnden. An
der Pforte des Klosters bat er um ein Stck Brot; der Schatten eines
Rappen sprang aus dem Dunkel und erschreckte ihn. Wenn er in seinem
khlen Bette lag, berkamen ihn unsgliche Trnen. Aber es war niemand,
der die Hand auf seine Stirne gelegt htte. Wenn der Herbst kam, ging
er, ein Hellseher, in brauner Au. O, die Stunden wilder Verzckung, die
Abende am grnen Flu, die Jagden. O, die Seele, die leise das Lied des
vergilbten Rohrs sang; feurige Frmmigkeit. Stille sah er und lang in
die Sternenaugen der Krte, befhlte mit erschauernden Hnden die Khle
des alten Steins und besprach die ehrwrdige Sage des blauen Quells. O,
die silbernen Fische und die Frchte, die von verkrppelten Bumen
fielen. Die Akkorde seiner Schritte erfllten ihn mit Stolz und
Menschenverachtung. Am Heimweg traf er ein unbewohntes Schlo.
Verfallene Gtter standen im Garten, hintrauernd am Abend. Ihm aber
schien: hier lebte ich vergessene Jahre. Ein Orgelchoral erfllte ihn
mit Gottes Schauern. Aber in dunkler Hhle verbrachte er seine Tage, log
und stahl und verbarg sich, ein flammender Wolf, vor dem weien Antlitz
der Mutter. O, die Stunde, da er mit steinernem Munde im Sternengarten
hinsank, der Schatten des Mrders ber ihn kam. Mit purpurner Stirne
ging er ins Moor und Gottes Zorn zchtigte seine metallenen Schultern;
o, die Birken im Sturm, das dunkle Getier, das seine umnachteten Pfade
mied. Ha verbrannte sein Herz, Wollust, da er im grnenden Sommergarten
dem schweigenden Kind Gewalt tat, in dem strahlenden sein umnachtetes
Antlitz erkannte. Weh, des Abends am Fenster, da aus purpurnen Blumen,
ein grulich Gerippe, der Tod trat. O, ihr Trme und Glocken; und die
Schatten der Nacht fielen steinern auf ihn.

                   *       *       *       *       *

Niemand liebte ihn. Sein Haupt verbrannte Lge und Unzucht in dmmernden
Zimmern. Das blaue Rauschen eines Frauengewandes lie ihn zur Sule
erstarren und in der Tr stand die nchtige Gestalt seiner Mutter. Zu
seinen Hupten erhob sich der Schatten des Bsen. O, ihr Nchte und
Sterne. Am Abend ging er mit dem Krppel am Berge hin; auf eisigem
Gipfel lag der rosige Glanz der Abendrte und sein Herz lutete leise in
der Dmmerung. Schwer sanken die strmischen Tannen ber sie und der
rote Jger trat aus dem Wald. Da es Nacht ward, zerbrach kristallen sein
Herz und die Finsternis schlug seine Stirne. Unter kahlen Eichbumen
erwrgte er mit eisigen Hnden eine wilde Katze. Klagend zur Rechten
erschien die weie Gestalt eines Engels, und es wuchs im Dunkel der
Schatten des Krppels. Er aber hob einen Stein und warf ihn nach jenem,
da er heulend floh, und seufzend verging im Schatten des Baums das
sanfte Antlitz des Engels. Lange lag er auf steinigem Acker und sah
staunend das goldene Zelt der Sterne. Von Fledermusen gejagt, strzte
er fort ins Dunkel. Atemlos trat er ins verfallene Haus. Im Hof trank
er, ein wildes Tier, von den blauen Wassern des Brunnens, bis ihn fror.
Fiebernd sa er auf der eisigen Stiege, rasend gen Gott, da er strbe.
O, das graue Antlitz des Schreckens, da er die runden Augen ber einer
Taube zerschnittener Kehle aufhob. Huschend ber fremde Stiegen
begegnete er einem Judenmdchen und er griff nach ihrem schwarzen Haar
und er nahm ihren Mund. Feindliches folgte ihm durch finstere Gassen und
sein Ohr zerri ein eisernes Klirren. An herbstlichen Mauern folgte er,
ein Mesnerknabe, stille dem schweigenden Priester; unter verdorrten
Bumen atmete er trunken den Scharlach jenes ehrwrdigen Gewands. O, die
verfallene Scheibe der Sonne. Se Martern verzehrten sein Fleisch. In
einem verdeten Durchhaus erschien ihm starrend von Unrat seine blutende
Gestalt. Tiefer liebte er die erhabenen Werke des Steins; den Turm, der
mit hllischen Fratzen nchtlich den blauen Sternenhimmel strmt; das
khle Grab, darin des Menschen feuriges Herz bewahrt ist. Weh, der
unsglichen Schuld, die jenes kundtut. Aber da er Glhendes sinnend den
herbstlichen Flu hinabging unter kahlen Bumen hin, erschien in hrenem
Mantel ihm, ein flammender Dmon, die Schwester. Beim Erwachen erloschen
zu ihren Huptern die Sterne.

                   *       *       *       *       *

O des verfluchten Geschlechts. Wenn in befleckten Zimmern jegliches
Schicksal vollendet ist, tritt mit modernden Schritten der Tod in das
Haus. O, da drauen Frhling wre und im blhenden Baum ein lieblicher
Vogel snge. Aber grulich verdorrt das sprliche Grn an den Fenstern
der Nchtlichen und es sinnen die blutenden Herzen noch Bses. O, die
dmmernden Frhlingswege des Sinnenden. Gerechter erfreut ihn die
blhende Hecke, die junge Saat des Landmanns und der singende Vogel,
Gottes sanftes Geschpf; die Abendglocke und die schne Gemeine der
Menschen. Da er seines Schicksals verge und des dornigen Stachels.
Frei ergrnt der Bach, wo silbern wandelt sein Fu, und ein sagender
Baum rauscht ber dem umnachteten Haupt ihm. Also hebt er mit
schmchtiger Hand die Schlange, und in feurigen Trnen schmolz ihm das
Herz hin. Erhaben ist das Schweigen des Walds, ergrntes Dunkel und das
moosige Getier, aufflatternd, wenn es Nacht wird. O der Schauer, da
jegliches seine Schuld wei, dornige Pfade geht. Also fand er im
Dornenbusch die weie Gestalt des Kindes, blutend nach dem Mantel seines
Brutigams. Er aber stand vergraben in sein sthlernes Haar stumm und
leidend vor ihr. O die strahlenden Engel, die der purpurne Nachtwind
zerstreute. Nachtlang wohnte er in kristallener Hhle und der Aussatz
wuchs silbern auf seiner Stirne. Ein Schatten ging er den Saumpfad hinab
unter herbstlichen Sternen. Schnee fiel, und blaue Finsternis erfllte
das Haus. Eines Blinden klang die harte Stimme des Vaters und beschwor
das Grauen. Weh der gebeugten Erscheinung der Frauen. Unter erstarrten
Hnden verfielen Frucht und Gert dem entsetzten Geschlecht. Ein Wolf
zerri das Erstgeborene und die Schwestern flohen in dunkle Grten zu
knchernen Greisen. Ein umnachteter Seher sang jener an verfallenen
Mauern und seine Stimme verschlang Gottes Wind. O die Wollust des Todes.
O ihr Kinder eines dunklen Geschlechts. Silbern schimmern die bsen
Blumen des Bluts an jenes Schlfe, der kalte Mond in seinen zerbrochenen
Augen. O, der Nchtlichen; o, der Verfluchten.

                   *       *       *       *       *

Tief ist der Schlummer in dunklen Giften, erfllt von Sternen und dem
weien Antlitz der Mutter, dem steinernen. Bitter ist der Tod, die Kost
der Schuldbeladenen; in dem braunen Gest des Stamms zerfielen grinsend
die irdenen Gesichter. Aber leise sang jener im grnen Schatten des
Holunders, da er aus bsen Trumen erwachte; ser Gespiele nahte ihm
ein rosiger Engel, da er, ein sanftes Wild, zur Nacht hinschlummerte;
und er sah das Sternenantlitz der Reinheit. Golden sanken die
Sonnenblumen ber den Zaun des Gartens, da es Sommer ward. O, der Flei
der Bienen und das grne Laub des Nubaums; die vorberziehenden
Gewitter. Silbern blhte der Mohn auch, trug in grner Kapsel unsere
nchtigen Sternentrume. O, wie stille war das Haus, als der Vater ins
Dunkel hinging. Purpurn reifte die Frucht am Baum und der Grtner rhrte
die harten Hnde; o die hrenen Zeichen in strahlender Sonne. Aber
stille trat am Abend der Schatten des Toten in den trauernden Kreis der
Seinen und es klang kristallen sein Schritt ber die grnende Wiese vorm
Wald. Schweigende versammelten sich jene am Tisch; Sterbende brachen sie
mit wchsernen Hnden das Brot, das blutende. Weh der steinernen Augen
der Schwester, da beim Mahle ihr Wahnsinn auf die nchtige Stirne des
Bruders trat, der Mutter unter leidenden Hnden das Brot zu Stein ward.
O der Verwesten, da sie mit silbernen Zungen die Hlle schwiegen. Also
erloschen die Lampen im khlen Gemach und aus purpurnen Masken sahen
schweigend sich die leidenden Menschen an. Die Nacht lang rauschte ein
Regen und erquickte die Flur. In dorniger Wildnis folgte der Dunkle den
vergilbten Pfaden im Korn, dem Lied der Lerche und der sanften Stille
des grnen Gezweigs, da er Frieden fnde. O, ihr Drfer und moosigen
Stufen, glhender Anblick. Aber beinern schwanken die Schritte ber
schlafende Schlangen am Waldsaum und das Ohr folgt immer dem rasenden
Schrei des Geiers. Steinige de fand er am Abend, Geleite eines Toten in
das dunkle Haus des Vaters. Purpurne Wolke umwlkte sein Haupt, da er
schweigend ber sein eigenes Blut und Bildnis herfiel, ein mondenes
Antlitz; steinern ins Leere hinsank, da in zerbrochenem Spiegel, ein
sterbender Jngling, die Schwester erschien; die Nacht das verfluchte
Geschlecht verschlang.




GESANG DES ABGESCHIEDENEN




IN VENEDIG


  Stille in nchtigem Zimmer.
  Silbern flackert der Leuchter
  Vor dem singenden Odem
  Des Einsamen;
  Zaubrisches Rosengewlk.

  Schwrzlicher Fliegenschwarm
  Verdunkelt den steinernen Raum
  Und es starrt von der Qual
  Des goldenen Tags das Haupt
  Des Heimatlosen.

  Reglos nachtet das Meer.
  Stern und schwrzliche Fahrt
  Entschwand am Kanal.
  Kind, dein krnkliches Lcheln
  Folgte mir leise im Schlaf.




SOMMER


  Am Abend schweigt die Klage
  Des Kuckucks im Wald.
  Tiefer neigt sich das Korn,
  Der rote Mohn.

  Schwarzes Gewitter droht
  ber dem Hgel.
  Das alte Lied der Grille
  Erstirbt im Feld.

  Nimmer regt sich das Laub
  Der Kastanie.
  Auf der Wendeltreppe
  Rauscht dein Kleid.

  Stille leuchtet die Kerze
  Im dunklen Zimmer;
  Eine silberne Hand
  Lschte sie aus;

  Windstille, sternlose Nacht.




SOMMERSNEIGE


  Der grne Sommer ist so leise
  Geworden, dein kristallenes Antlitz.
  Am Abendweiher starben die Blumen,
  Ein erschrockener Amselruf.

  Vergebliche Hoffnung des Lebens. Schon rstet
  Zur Reise sich die Schwalbe im Haus
  Und die Sonne versinkt am Hgel;
  Schon winkt zur Sternenreise die Nacht.

  Stille der Drfer; es tnen rings
  Die verlassenen Wlder. Herz,
  Neige dich nun liebender
  ber die ruhige Schlferin.

  Der grne Sommer ist so leise
  Geworden und es lutet der Schritt
  Des Fremdlings durch die silberne Nacht.
  Gedchte ein blaues Wild seines Pfads,

  Des Wohllauts seiner geistlichen Jahre!




JAHR


  Dunkle Stille der Kindheit. Unter grnenden Eschen
  Weidet die Sanftmut blulichen Blickes; goldene Ruh.
  Ein Dunkles entzckt der Duft der Veilchen; schwankende hren
  Im Abend, Samen und die goldenen Schatten der Schwermut.
  Balken behaut der Zimmermann; im dmmernden Grund
  Mahlt die Mhle; im Hasellaub wlbt sich ein purpurner Mund,
  Mnnliches rot ber schweigende Wasser geneigt.
  Leise ist der Herbst, der Geist des Waldes; goldene Wolke
  Folgt dem Einsamen, der schwarze Schatten des Enkels.
  Neige in steinernem Zimmer; unter alten Zypressen
  Sind der Trnen nchtige Bilder zum Quell versammelt;
  Goldenes Auge des Anbeginns, dunkle Geduld des Endes.




ABENDLAND

_Else Lasker-Schler_ in Verehrung


1.

  Mond, als trte ein Totes
  Aus blauer Hhle,
  Und es fallen der Blten
  Viele ber den Felsenpfad.
  Silbern weint ein Krankes
  Am Abendweiher,
  Auf schwarzem Kahn
  Hinberstarben Liebende.

  Oder es luten die Schritte
  Elis' durch den Hain
  Den hyazinthenen
  Wieder verhallend unter Eichen.
  O des Knaben Gestalt
  Geformt aus kristallenen Trnen,
  Nchtigen Schatten.
  Zackige Blitze erhellen die Schlfe
  Die immerkhle,
  Wenn am grnenden Hgel
  Frhlingsgewitter ertnt.


2.

  So leise sind die grnen Wlder
  Unsrer Heimat,
  Die kristallne Woge
  Hinsterbend an verfallner Mauer
  Und wir haben im Schlaf geweint;
  Wandern mit zgernden Schritten
  An der dornigen Hecke hin
  Singende im Abendsommer
  In heiliger Ruh
  Des fern verstrahlenden Weinbergs;
  Schatten nun im khlen Scho
  Der Nacht, trauernde Adler.
  So leise schliet ein mondener Strahl
  Die purpurnen Male der Schwermut.


3.

  Ihr groen Stdte
  steinern aufgebaut
  in der Ebene!
  So sprachlos folgt
  der Heimatlose
  mit dunkler Stirne dem Wind,
  kahlen Bumen am Hgel.
  Ihr weithin dmmernden Strme!
  Gewaltig ngstet
  schaurige Abendrte
  im Sturmgewlk.
  Ihr sterbenden Vlker!
  Bleiche Woge
  zerschellend am Strande der Nacht,
  fallende Sterne.




GESANG EINER GEFANGENEN AMSEL

Fr _Ludwig von Ficker_


  Dunkler Odem im grnen Gezweig.
  Blaue Blmchen umschweben das Antlitz
  Des Einsamen, den goldnen Schritt
  Ersterbend unter dem lbaum.
  Aufflattert mit trunknem Flgel die Nacht.
  So leise blutet Demut,
  Tau, der langsam tropft vom blhenden Dorn.
  Strahlender Arme Erbarmen
  Umfngt ein brechendes Herz.




VORHLLE


  An herbstlichen Mauern, es suchen Schatten dort
  Am Hgel das tnende Gold
  Weidende Abendwolken
  In der Ruh verdorrter Platanen.
  Dunklere Trnen odmet diese Zeit,
  Verdammnis, da des Trumers Herz
  berfliet von purpurner Abendrte,
  Der Schwermut der rauchenden Stadt;
  Dem Schreitenden nachweht goldene Khle,
  Dem Fremdling, vom Friedhof,
  Als folgte im Schatten ein zarter Leichnam.

  Leise lutet der steinerne Bau;
  Der Garten der Waisen, das dunkle Spital,
  Ein rotes Schiff am Kanal.
  Trumend steigen und sinken im Dunkel
  Verwesende Menschen
  Und aus schwrzlichen Toren
  Treten Engel mit kalten Stirnen hervor;
  Blue, die Todesklagen der Mtter.
  Es rollt durch ihr langes Haar,
  Ein feuriges Rad, der runde Tag
  Der Erde Qual ohne Ende.

  In khlen Zimmern ohne Sinn
  Modert Gert, mit knchernen Hnden
  Tastet im Blau nach Mrchen
  Unheilige Kindheit,
  Benagt die fette Ratte Tr und Truh,
  Ein Herz
  Erstarrt in schneeiger Stille.
  Nachhallen die purpurnen Flche
  Des Hungers in faulendem Dunkel,
  Die schwarzen Schwerter der Lge,
  Als schlge zusammen ein ehernes Tor.




GESANG DES ABGESCHIEDENEN

An _Karl Borromus Heinrich_


  Voll Harmonien ist der Flug der Vgel. Es haben die grnen Wlder
  Am Abend sich zu stilleren Htten versammelt;
  Die kristallenen Weiden des Rehs.
  Dunkles besnftigt das Pltschern des Bachs, die feuchten Schatten

  Und die Blumen des Sommers, die schn im Winde luten.
  Schon dmmert die Stirne dem sinnenden Menschen.

  Und es leuchtet ein Lmpchen, das Gute, in seinem Herzen
  Und der Frieden des Mahls; denn geheiligt ist Brot und Wein
  Von Gottes Hnden, und es schaut aus nchtigen Augen
  Stille dich der Bruder an, da er ruhe von dorniger Wanderschaft.
  O das Wohnen in der beseelten Blue der Nacht.

  Liebend auch umfngt das Schweigen im Zimmer die Schatten der Alten,
  Die purpurnen Martern, Klage eines groen Geschlechts,
  Das fromm nun hingeht im einsamen Enkel.

  Denn strahlender immer erwacht aus schwarzen Minuten des Wahnsinns
  Der Duldende an versteinerter Schwelle
  Und es umfngt ihn gewaltig die khle Blue und die leuchtende Neige des
      Herbstes,

  Das stille Haus und die Sagen des Waldes,
  Ma und Gesetz und die mondenen Pfade der Abgeschiedenen.




DAS HERZ


  Das wilde Herz ward wei am Wald;
  O dunkle Angst
  Des Todes, so das Gold
  In grauer Wolke starb.
  Novemberabend.
  Am kahlen Tor am Schlachthaus stand
  Der armen Frauen Schar;
  In jeden Korb
  Fiel faules Fleisch und Eingeweid;
  Verfluchte Kost!

  Des Abends blaue Taube
  Brachte nicht Vershnung.
  Dunkler Trompetenruf
  Durchfuhr der Ulmen
  Nasses Goldlaub,
  Eine zerfetzte Fahne
  Vom Blute rauchend,
  Da in wilder Schwermut
  Hinlauscht ein Mann.
  O! ihr ehernen Zeiten
  Begraben dort im Abendrot.

  Aus dunklem Hausflur trat
  Die goldne Gestalt
  Der Jnglingin
  Umgeben von bleichen Monden,
  Herbstlicher Hofstaat,
  Zerknickten schwarze Tannen
  Im Nachtsturm,
  Die steile Festung.
  O Herz
  Hinberschimmernd in schneeige Khle.




DER SCHLAF


  Verflucht ihr dunklen Gifte,
  Weier Schlaf!
  Dieser hchst seltsame Garten
  Dmmernder Bume
  Erfllt von Schlangen, Nachtfaltern,
  Spinnen, Fledermusen.
  Fremdling! Dein verlorner Schatten
  Im Abendrot,
  Ein finsterer Korsar
  Im salzigen Meer der Trbsal.
  Aufflattern weie Vgel am Nachtsaum
  ber strzenden Stdten
  Von Stahl.




DAS GEWITTER


  Ihr wilden Gebirge, der Adler
  Erhabene Trauer.
  Goldnes Gewlk
  Raucht ber steinerner de.
  Geduldige Stille odmen die Fhren,
  Die schwarzen Lmmer am Abgrund,
  Wo pltzlich die Blue
  Seltsam verstummt,
  Das sanfte Summen der Hummeln.
  O grne Blume --
  O Schweigen.

  Traumhaft erschttern des Wildbachs
  Dunkle Geister das Herz,
  Finsternis,
  Die ber die Schluchten hereinbricht!
  Weie Stimmen
  Irrend durch schaurige Vorhfe,
  Zerrissne Terrassen,
  Der Vter gewaltiger Groll, die Klage
  Der Mtter,
  Des Knaben goldener Kriegsschrei
  Und Ungebornes
  Seufzend aus blinden Augen.

  O Schmerz, du flammendes Anschaun
  Der groen Seele!
  Schon zuckt im schwarzen Gewhl
  Der Rosse und Wagen
  Ein rosenschauriger Blitz
  In die tnende Fichte.
  Magnetische Khle
  Umschwebt dies stolze Haupt,
  Glhende Schwermut
  Eines zrnenden Gottes.

  Angst, du giftige Schlange,
  Schwarze, stirb im Gestein!
  Da strzen der Trnen
  Wilde Strme herab,
  Sturm-Erbarmen,
  Hallen in drohenden Donnern
  Die schneeigen Gipfel rings.
  Feuer
  Lutert zerrissene Nacht.




DIE SCHWERMUT


  Gewaltig bist du dunkler Mund
  Im Innern, aus Herbstgewlk
  Geformte Gestalt,
  Goldner Abendstille;
  Ein grnlich dmmernder Bergstrom
  In zerbrochner Fhren
  Schattenbezirk;
  Ein Dorf,
  Das fromm in braunen Bildern abstirbt.

  Da springen die schwarzen Pferde
  Auf nebliger Weide.
  Ihr Soldaten!
  Vom Hgel, wo sterbend die Sonne rollt,
  Strzt das lachende Blut --
  Unter Eichen
  Sprachlos! O grollende Schwermut
  Des Heers; ein strahlender Helm
  Sank klirrend von purpurner Stirne.

  Herbstesnacht so khle kommt,
  Erglnzt mit Sternen
  ber zerbrochenem Mnnergebein
  Die stille Mnchin.




DIE HEIMKEHR


  Die Khle dunkler Jahre,
  Schmerz und Hoffnung
  Bewahrt zyklopisch Gestein,
  Menschenleeres Gebirge,
  Des Herbstes goldner Odem,
  Abendwolke --
  Reinheit!

  Anschaut aus blauen Augen
  Kristallne Kindheit;
  Unter dunklen Fichten
  Liebe, Hoffnung,
  Da von feurigen Lidern
  Tau ins starre Gras tropft --
  Unaufhaltsam!

  O! dort der goldene Steg
  Zerbrechend im Schnee
  Des Abgrunds!
  Blaue Khle
  Odmet das nchtige Tal,
  Glaube, Hoffnung!
  Gegrt du einsamer Friedhof!




DER ABEND


  Mit toten Heldengestalten
  Erfllst du Mond
  Die schweigenden Wlder,
  Sichelmond --
  Mit der sanften Umarmung
  Der Liebenden,
  Den Schatten berhmter Zeiten
  Die modernden Felsen rings;
  So blulich erstrahlt es
  Gegen die Stadt hin,
  Wo kalt und bse
  Ein verwesend Geschlecht wohnt,
  Der weien Enkel
  Dunkle Zukunft bereitet.
  Ihr mondverschlungnen Schatten
  Aufseufzend im leeren Kristall
  Des Bergsees.




DIE NACHT


  Dich sing ich wilde Zerklftung,
  Im Nachtsturm
  Aufgetrmtes Gebirge;
  Ihr grauen Trme
  berflieend von hllischen Fratzen,
  Feurigem Getier,
  Rauhen Farnen, Fichten,
  Kristallnen Blumen.
  Unendliche Qual,
  Da du Gott erjagtest
  Sanfter Geist,
  Aufseufzend im Wassersturz,
  In wogenden Fhren.

  Golden lodern die Feuer
  Der Vlker rings.
  ber schwrzliche Klippen
  Strzt todestrunken
  Die erglhende Windsbraut,
  Die blaue Woge
  Des Gletschers
  Und es drhnt
  Gewaltig die Glocke im Tal:
  Flammen, Flche
  Und die dunklen
  Spiele der Wollust,
  Strmt den Himmel
  Ein versteinertes Haupt.




OFFENBARUNG UND UNTERGANG




IN HELLBRUNN


  Wieder folgend der blauen Klage des Abends
  Am Hgel hin, am Frhlingsweiher --
  Als schwebten darber die Schatten lange Verstorbener,
  Die Schatten der Kirchenfrsten, edler Frauen --
  Schon blhen ihre Blumen, die ernsten Veilchen
  Im Abendgrund, rauscht des blauen Quells
  Kristallne Woge. So geistlich ergrnen
  Die Eichen ber den vergessenen Pfaden der Toten,
  Die goldene Wolke ber dem Weiher.




KLAGE


  Jngling aus kristallnem Munde
  Sank dein goldner Blick ins Tal;
  Waldes Woge rot und fahl
  In der schwarzen Abendstunde.
  Abend schlgt so tiefe Wunde!

  Angst! des Todes Traumbeschwerde,
  Abgestorben Grab und gar
  Schaut aus Baum und Wild das Jahr;
  Kahles Feld und Ackererde.
  Ruft der Hirt die bange Herde.

  Schwester, deine blauen Brauen
  Winken leise in der Nacht.
  Orgel seufzt und Hlle lacht
  Und es fat das Herz ein Grauen;
  Mchte Stern und Engel schauen.

  Mutter mu ums Kindlein zagen;
  Rot ertnt im Schacht das Erz,
  Wollust, Trnen, steinern Schmerz,
  Der Titanen dunkle Sagen.
  Schwermut! einsam Adler klagen.




NACHTERGEBUNG


  Mnchin! schlie mich in dein Dunkel,
  Ihr Gebirge khl und blau!
  Niederblutet dunkler Tau;
  Kreuz ragt steil im Sterngefunkel.

  Purpurn brachen Mund und Lge
  In verfallner Kammer khl;
  Scheint noch Lachen, golden Spiel,
  Einer Glocke letzte Zge.

  Mondeswolke! Schwrzlich fallen
  Wilde Frchte nachts vom Baum
  Und zum Grabe wird der Raum
  Und zum Traum dies Erdenwallen.




OFFENBARUNG UND UNTERGANG


Seltsam sind die nchtigen Pfade des Menschen. Da ich nachtwandelnd an
steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lmpchen,
ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand
zu Hupten wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend
verbarg ich das Antlitz in den langsamen Hnden. Auch war am Fenster
blau die Hyazinthe aufgeblht und es trat auf die purpurne Lippe des
Odmenden das alte Gebet, sanken von den Lidern kristallne Trnen,
geweint um die bittere Welt. In dieser Stunde war ich im Tod meines
Vaters der weie Sohn. In blauen Schauern kam vom Hgel der Nachtwind,
die dunkle Klage der Mutter, hinsterbend wieder und ich sah die schwarze
Hlle in meinem Herzen; Minute schimmernder Stille. Leise trat aus
kalkiger Mauer ein unsgliches Antlitz -- ein sterbender Jngling -- die
Schnheit eines heimkehrenden Geschlechts. Mondeswei umfing die Khle
des Steins die wachende Schlfe, verklangen die Schritte der Schatten
auf verfallnen Stufen, ein rosiger Reigen im Grtchen. --

                   *       *       *       *       *

Schweigend sa ich in verlassener Schenke unter verrauchtem Holzgeblk
und einsam beim Wein; ein strahlender Leichnam ber ein Dunkles geneigt,
und es lag ein totes Lamm zu meinen Fen. Aus verwesender Blue trat
die bleiche Gestalt der Schwester und also sprach ihr blutender Mund:
Stich schwarzer Dorn. Ach noch tnen von wilden Gewittern die silbernen
Arme mir. Fliee Blut von den mondenen Fen, blhend auf nchtigen
Pfaden, darber schreiend die Ratte huscht. Aufflackert ihr Sterne in
meinen gewlbten Brauen; und es lutet leise das Herz in der Nacht.
Einbrach ein roter Schatten mit flammendem Schwert in das Haus, floh mit
schneeiger Stirne. O bitterer Tod.

Und es sprach eine dunkle Stimme aus mir: Meinem Rappen brach ich im
nchtigen Wald das Genick, da aus seinen purpurnen Augen der Wahnsinn
sprang; die Schatten der Ulmen fielen auf mich, das blaue Lachen des
Quells und die schwarze Khle der Nacht, da ich ein wilder Jger
aufjagte ein schneeiges Wild; in steinerner Hlle mein Antlitz erstarb.

Und schimmernd fiel ein Tropfen Blutes in des Einsamen Wein; und da ich
davon trank, schmeckte er bitterer als Mohn; und eine schwrzliche Wolke
umhllte mein Haupt, die kristallnen Trnen verdammter Engel; und leise
rann aus silberner Wunde der Schwester das Blut und fiel ein feuriger
Regen auf mich.

                   *       *       *       *       *

Am Saum des Waldes will ich ein Schweigendes gehen, dem aus sprachlosen
Hnden die hrene Sonne sank; ein Fremdling am Abendhgel, der weinend
aufhebt die Lider ber die steinerne Stadt; ein Wild, das stille steht
im Frieden des alten Holunders; o ruhlos lauscht das dmmernde Haupt,
oder es folgen die zgernden Schritte der blauen Wolke am Hgel, ernsten
Gestirnen auch. Zur Seite geleitet stille die grne Saat, begleitet auf
moosigen Waldespfaden scheu das Reh. Es haben die Htten der Drfler
sich stumm verschlossen, und es ngstigt in schwarzer Windesstille die
blaue Klage des Wildbachs.

Aber da ich den Felsenpfad hinabstieg, ergriff mich der Wahnsinn und ich
schrie laut in der Nacht; und da ich mit silbernen Fingern mich ber die
schweigenden Wasser bog, sah ich, da mich mein Antlitz verlassen. Und
die weie Stimme sprach zu mir: Tte dich! Seufzend erhob sich eines
Knaben Schatten in mir und sah mich strahlend aus kristallnen Augen an,
da ich weinend unter den Bumen hinsank, dem gewaltigen
Sternengewlbe.

                   *       *       *       *       *

Friedlose Wanderschaft durch wildes Gestein ferne den Abendweilern,
heimkehrenden Herden; ferne weidet die sinkende Sonne auf kristallner
Wiese und es erschttert ihr wilder Gesang, der einsame Schrei des
Vogels, ersterbend in blauer Ruh. Aber leise kommst du in der Nacht, da
ich wachend am Hgel lag, oder rasend im Frhlingsgewitter; und
schwrzer immer umwlkt die Schwermut das abgeschiedene Haupt,
erschrecken schaurige Blitze die nchtige Seele, zerreien deine Hnde
die atemlose Brust mir.

                   *       *       *       *       *

Da ich in den dmmernden Garten ging, und es war die schwarze Gestalt
des Bsen von mir gewichen, umfing mich die hyazinthene Stille der
Nacht; und ich fuhr auf gebogenem Kahn ber den ruhenden Weiher, und
ser Frieden rhrte die versteinerte Stirne mir. Sprachlos lag ich
unter den alten Weiden und es war der blaue Himmel hoch ber mir und
voll von Sternen; und da ich anschauend hinstarb, starben Angst und der
Schmerzen tiefster in mir; und es hob sich der blaue Schatten des Knaben
strahlend im Dunkel, sanfter Gesang; hob sich auf mondenen Flgeln ber
die grnenden Wipfel, kristallene Klippen das Antlitz der Schwester.

                   *       *       *       *       *

Mit silbernen Sohlen stieg ich die dornigen Stufen hinab, und ich trat
ins kalkgetnchte Gemach. Stille brannte ein Leuchter darin und ich
verbarg in purpurnen Linnen schweigend das Haupt; und es warf die Erde
einen kindlichen Leichnam aus, ein mondenes Gebilde, das langsam aus
meinem Schatten trat, mit zerbrochenen Armen steinerne Strze hinabsank,
flockiger Schnee.




IM OSTEN


  Den wilden Orgeln des Wintersturms
  Gleicht des Volkes finstrer Zorn,
  Die purpurne Woge der Schlacht,
  Entlaubter Sterne.

  Mit zerbrochnen Brauen, silbernen Armen
  Winkt sterbenden Soldaten die Nacht.
  Im Schatten der herbstlichen Esche
  Seufzen die Geister der Erschlagenen.

  Dornige Wildnis umgrtet die Stadt.
  Von blutenden Stufen jagt der Mond
  Die erschrockenen Frauen.
  Wilde Wlfe brachen durchs Tor.




KLAGE


  Schlaf und Tod, die dstern Adler
  Umrauschen nachtlang dieses Haupt:
  Des Menschen goldnes Bildnis
  Verschlnge die eisige Woge
  Der Ewigkeit. An schaurigen Riffen
  Zerschellt der purpurne Leib.
  Und es klagt die dunkle Stimme
  ber dem Meer.
  Schwester strmischer Schwermut
  Sieh ein ngstlicher Kahn versinkt
  Unter Sternen,
  Dem schweigenden Antlitz der Nacht.




GRODEK


  Am Abend tnen die herbstlichen Wlder
  Von ttlichen Waffen, die goldnen Ebenen
  Und blauen Seen, darber die Sonne
  Dster hinrollt; umfngt die Nacht
  Sterbende Krieger, die wilde Klage
  Ihrer zerbrochenen Mnder.
  Doch stille sammelt im Weidengrund
  Rotes Gewlk, darin ein zrnender Gott wohnt,
  Das vergossne Blut sich, mondne Khle;
  Alle Straen mnden in schwarze Verwesung.
  Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
  Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
  Zu gren die Geister der Helden, die blutenden Hupter;
  Und leise tnen im Rohr die dunkeln Flten des Herbstes.
  O stolzere Trauer! ihr ehernen Altre,
  Die heie Flamme des Geistes nhrt heute ein gewaltiger Schmerz,
  Die ungebornen Enkel.





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1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
