The Project Gutenberg EBook of Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande
Baden und den angrenzenden Gegenden, by Various

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden

Author: Various

Editor: Bernhard Baader

Release Date: November 9, 2008 [EBook #27206]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN ***




Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed
Proofreading Team at https://www.pgdp.net









Neugesammelte Volkssagen

aus dem Lande Baden

und den

angrenzenden Gegenden.


Von

Bernhard Baader.


Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem
Lande Baden &c.


Karlsruhe.

A. Gener'sche Buchhandlung.

1859.




Vorbericht.


Zu meinen Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden
(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit
gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde
entnommen habe, und fge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende
Berichtigungen bei. Gerne htte ich einen frmlichen zweiten Theil
geliefert, aber bei meinem vorgerckten Alter war ich dazu auer Stande,
und ich berlasse nun rstigeren Krften, aus unserem sagenreichen Lande
weitere Schtze zu Tage zu frdern.

Karlsruhe, den 15. September 1858.

                                                     _Bernhard Baader._




Inhaltsverzeichni.


                                                                   Seite

    1. Die Eisschreiber                                                1

    2. Poppele beschenkt Arme                                          1

    3. Kirschen in Geld verwandelt                                     2

    4. Teufelsritze                                                    3

    5. Das beschirmte Kruzifix                                         3

    6. Spukgeist bei Ruchenschwand                                     3

    7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres                             4

    8. Mildthtiges Mnnlein                                           4

    9. Schatz gehoben                                                  5

   10. Hostie vor Entheiligung bewahrt                                 6

   11. Die Basler Silberglocke                                         7

   12. Wie der Teufel in einen Mann kommt                              7

   13. Geist gebannt                                                   7

   14. Die Burg Rtteln                                                9

   15. Die Hfnet-Jungfrau                                             9

   16. Erdleute                                                       10

   17. Reiter mit Geisfen                                           12

   18. Zigeuner                                                       13

   19. Zaubermelkerei                                                 14

   20. Fronfastenweiber                                               15

   21. Brennende Mnner                                               15

   22. Goldtinktur                                                    16

   23. Geist unter der Hlzlesbrcke                                  16

   24. Heiligkeit des Sonnabends                                      16

   25. Scherben werden zu Goldstcken                                 17

   26. Sitzenkirch                                                    17

   27. Die Sausenburg                                                 17

   28. Kraft des Wolfssegens                                          20

   29. Kind von Gold                                                  21

   30. Kreuz zu St. Trutbert                                          22

   31. Geld in Asche verwandelt                                       22

   32. Brandkorn wird zu Gelde                                        22

   33. Messen nachgeholt                                              23

   34. Weie Jungfrau                                                 24

   35. Geist nieset                                                   25

   36. Der Hunnenfrst mit dem goldenen Kalb                          26

   37. Geistige Nonne                                                 26

   38. Geld sonnt sich                                                27

   39. Geldmnnlein                                                   27

   40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen                         28

   41. Todtenvorschau                                                 29

   42. Hexe als Hase                                                  29

   43. Die Grninger Kapelle                                          30

   44. Der Schatz im Ambringer Grunde                                 31

   45. Kirchenverhhnung bestraft                                     32

   46. Die Tafel bei Kirchhofen                                       32

   47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich                                33

   48. Das Huttenweiblein                                             34

   49. Der heilige Bernhard zu Freiburg                               35

   50. Pferde schauen zum Speicher hinaus                             36

   51. St. Martin bei Oberried                                        37

   52. Schtzen-Klaus                                                 38

   53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn                             38

   54. Des Schwarzenberger's Bekehrung                                38

   55. Forelle am Kandelfelsen                                        39

   56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's                40

   57. Der Ahornbauer                                                 41

   58. Der Blindensee will ausbrechen                                 41

   59. Zum todten Hund                                                42

   60. Messen angelobt                                                42

   61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf                    43

   62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten                       44

   63. Mordthat offenbart                                             45

   64. Wunderbarer Hirsch                                             46

   65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier                    47

   66. Das Grabenthier                                                47

   67. Gespenstiges Thier                                             47

   68. Feenweg                                                        48

   69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach             49

   70. Verwunschener Schler                                          50

   71. Geist erlst                                                   50

   72. Die lange Ell                                                  51

   73. Der Teufel kommt um die Beute                                  51

   74. Reden bringt um den Schatz                                     52

   75. Feiertags-Entheiligung bestraft                                52

   76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg                            53

   77. Teufelsstein                                                   53

   78. St. Antonius bei Oberachern                                    54

   79. Hohinrot's Erbauung                                            55

   80. Brigitte                                                       55

   81. Wunderquelle                                                   57

   82. Vergeltung                                                     57

   83. Gotteslsterung bestraft                                       58

   84. Krten in Geld verwandelt                                      58

   85. Schatz versinkt beim Fluchen                                   58

   86. Bestrafte Sakramentschnder                                    59

   87. Stole schtzt vor dem hllischen Feuer                         59

   88. Mariabild zu Steinbach                                         61

   89. Meisterschu                                                   62

   90. Bund mit dem Teufel                                            62

   91. Geist vertragen                                                64

   92. Lichtenthals Erbauung                                          65

   93. Erdweiblein                                                    66

   94. Fordere den Teufel nicht heraus                                67

   95. Seefrauen                                                      67

   96. Forbachs ltestes Haus                                         69

   97. Verwnschung                                                   69

   98. Der Wolfsstein                                                 70

   99. Knorr                                                          70

  100. Der Grafensprung                                               72

  101. Erdweiblein                                                    72

  102. Schatz bei Gernsbach                                           73

  103. Der Bildstock am Hrdtelstein                                  74

  104. Schtze bei Michelbach                                         75

  105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn                      76

  106. Steine in Geld verwandelt                                      77

  107. Der Rtterer Berg bei Rastatt                                  77

  108. Steinbild in Sulzbach                                          78

  109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers                         79

  110. Messe nachgeholt                                               79

  111. Burgstadel                                                     80

  112. Spielleute beim Hexentanz                                      82

  113. Der Jungfernsprung bei Dahn                                    83

  114. Schatz gehoben                                                 84

  115. Die Schlorpengasse                                             84

  116. La die Todten ruhen                                           85

  117. Todesvorzeichen                                                85

  118. Schuhwechsel                                                   86

  119. Todesvorzeichen                                                86

  120. Der Thurmberg bei Durlach                                      87

  121. Schatz ausgeliefert                                            89

  122. Der Feuerschlger                                              90

  123. Knigsbach                                                     90

  124. Nachgeholte Wallfahrt                                          92

  125. Geist zu Weingarten                                            93

  126. Marienburg                                                     93

  127. Reden bringt um den Schatz                                     94

  128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam                             95

  129. Muttergottesrslein                                            96

  130. Hexenkuchen                                                    96

  131. Tochter dem Teufel verschrieben                                97

  132. Gespenstige Rathsversammlung                                  100

  133. Meerweiblein                                                  100

  134. Zauberarbeit                                                  102

  135. Raubmrder geht um                                            102

  136. Einem Todten gehrt ein Licht                                 103

  137. Ladung vor Gottes Gericht                                     104

  138. Schatzhhle bei Waldangelloch                                 104

  139. Fahrsamenbesitzer und Banner                                  105

  140. Schatz bei Sinsheim                                           108

  141. Fustapfe im Stein                                            108

  142. Vorzeichen reicher Weinernte                                  108

  143. Der wilde Jger                                               109

  144. Geisterlrm verhindert Waldfrevel                             109

  145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht            110

  146. Boxberg's Name                                                110

  147. Dosten und Johanniskraut schtzt vor dem Teufel               110

  148. Hexe verunglckt                                              111

  149. Hexenstein                                                    111

  150. Hexe als Gans                                                 112

  151. Goldene Kugel                                                 112

  152. Hexe als Lwe                                                 113

  153. Heiligenfrevel bestraft                                       113

  154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt                            114

  155. Der Radstein                                                  114




1.

Die Eisschreiber.


Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die
Konstanzer dies Ereigni, um es der Nachwelt kund zu thun, in die
Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frhjahr wieder zu Wasser
wurde.




2.

Poppele beschenkt Arme.


In der Gegend von Hohenkrhen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu
einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt
war, allein Kegel schob.

Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen
Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstcke einsetzte. Nicht lange,
so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darber zu
trsten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen
sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehrenden in's Gras
weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile
wurde dem erstern das Felleisen so schwer, da er durch seinen Gefhrten
nachsehen lie, und siehe, der Kegel glnzte und war von gediegenem
Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurck, wo
er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er
ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der pltzlich dastand, eine
tchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: Den Kegel lssest Du liegen;
Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!

Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, da sie bei
ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung
haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele mge ihr helfen. Da
kam er, als Jger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage
geschildert hatte, bat sie ihn um ein Flein guten Weines. Er lie sie
gleich ein leeres von Haus herholen und fllte es dann aus einem andern,
indem er sagte: Den Wein la Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit
zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben! Die Frau
machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im
Flein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch
von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm
endlich, sich ein Krglein voll zu holen; allein als er den Hahn des
Fleins aufdrehen wollte, stand Poppele pltzlich da und gab ihm eine
derbe Ohrfeige, mit den Worten: Der Wein ist nicht fr Dich, Du
Verschwender! sondern fr Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr
hat. Das Flein war nun leer und auf immer versiegt.




3.

Kirschen in Geld verwandelt.


Im Gemeindewaschhaus zu Sthlingen sah einmal eine Frau einen Haufen
schner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar
Handvoll fr ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren
sie in Dreibtzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das
Waschhaus zurck; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch
Geldstcke.




4.

Teufelsritze.


Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwlf Bursche
als Pelznikel und gingen umher in die Huser. Als sie auf die Wohnung
eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, da es dreizehn
seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwlf und nachher auf der
Strae abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdchtig vor, da er sie
an's Haus zurck rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der
dreizehnte mit frchterlichem Gebrlle davon in die Lfte. Hierbei
kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite,
bogenfrmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und
nicht mehr vertilgt werden knnen.




5.

Das beschirmte Kruzifix.


ber dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit
vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in
den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht
von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das
Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.




6.

Spukgeist bei Ruchenschwand.


Franz Oberst zu Ruchenschwand erzhlte:

Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgelute auf den
Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hrte dabei einen
Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich
spter als sonst zurckging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen.
Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm
Orte zu, wohin er mir zu gehren schien. Aber in der Nhe des Grabens
warf mich das Pferd pltzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes,
zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wute ich, wer
am Stege so oft mich gefoppt, und htete mich fortan, nach der
Abendglocke diesen Weg zu machen.




7.

Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres.


Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Sckingen in
Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr
ein fruchtbares.




8.

Mildthtiges Mnnlein.


Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schfer
seine Heerde, und eben wollte er sein krgliches Mittagsmahl verzehren,
als er ein altes Mnnlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe
grte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Whrend sie
beisammen saen, erkundigte sich das Mnnlein nach des Schfers
Verhltnissen, und als es gehrt, da er viele Kinder und kein Vermgen
habe, hie es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und
gelangten zu einer groen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne
Thre und ber derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das
Mnnlein einen Schlssel hervor, schlo damit die Thre auf und trat
nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten
und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Gehei seines
Fhrers schlug der Schfer die Deckel der Kisten in die Hhe, deren eine
mit Silber-, die andere mit Goldmnzen angefllt war. Nimm Dir nur,
sprach das Mnnlein, von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber
mut du stehen lassen, denn sie enthlt die Goldtinktur! Ohne zu
sumen, pfropfte der Schfer alle seine Taschen mit Goldstcken voll und
folgte dann dem Mnnlein wieder aus der Kammer, welches deren Thre
zuschlo, den Schlssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten
verschwand. In groer Freude brachte der Schfer das Geld nach Hause,
sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu
verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach
dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthrme
er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge
konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei
Kirchthrme zu sehen, wieder auffinden.




9.

Schatz gehoben.


Im Walde bei Brugg zeigte sich fters unter einer Weihasel ein
nchtliches Lichtlein. Daraus schlo eine Frau, da dort ein Schatz
vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging
sie mit ihren beiden Shnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht
dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer
Weihasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort
gegraben, stieen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf
einer eisernen Kiste sa. Er hatte feurige Augen und knurrte
unaufhrlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit
der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann
hoben sie die Kiste ungestrt heraus und brachten sie nach Hause, wo sie
dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefllt fanden.




10.

Hostie vor Entheiligung bewahrt.


Ein Mann in Brig, welcher fr sehr fromm galt, verschied, nachdem er
von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In
der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwlf Uhr zwei schne
Jnglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der
die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von
ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof gefhrt.
Dort ffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete
sich in die Hhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch
unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Gehei
seiner Fhrer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem
Gesicht in den Sarg zurcksank. Nachdem die Jnglinge das Grab wieder
zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des
Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, da es
zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, da der Verstorbene
ein sndhaftes Leben gefhrt habe und seine Frmmigkeit nur Heuchelei
gewesen sey.




11.

Die Basler Silberglocke.


Zur ersten Zwinglischen Predigt im Mnster zu Basel sollte mit der
alten, hochgeweihten Silberglocke gelutet werden; aber beim ersten Zuge
fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man wei die Stelle, wo sie
liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird
jedoch erst dann gelingen, wenn das Mnster wieder eine katholische
Kirche ist.




12.

Wie der Teufel in einen Mann kommt.


Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der bse Geist getrieben,
wobei er um die Erlaubni bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er
sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: So, nun wohne ich in
vierzehn Tagen wieder in einem Menschen. Wie so? fragte der
Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: Der Grashalm, in welchen
ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie
und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem
Melkkbel trinkt. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in
einer andern Gegend wohnte, vom bsen Geiste besessen.




13.

Geist gebannt.


In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthmer so
arg, da die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck
lieen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben
vermochte ber das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester
von ausgezeichneter Frmmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich
sagte: Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim
Vorbeigehen an einem Rbenacker, eine Rbe herausgezogen? Ja, das habe
ich gethan, antwortete der Geistliche, aber weit Du nicht, da ich
nur die eine Hlfte a und in die andere, welche ich zurcklie, einen
Groschen steckte und damit die ganze Rbe bergenug bezahlte? Auf
dieses mute das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters
Beschwrung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt
und von einem rstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem
Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht
rckwrts sehen, keinen Schritt zurckgehen und das Reff nicht
abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde.
Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme:
He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so mt ihr den
andern Weg einschlagen! Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand;
aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's
Neue mute er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles
recht und gelangte, von seiner Last fast erdrckt, auf den Gipfel des
Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg
sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhhung Nachts das
Vieh in den dortigen Stllen so arg plagen, da die Hirten um diese Zeit
mit ihren Heerden den Berg verlassen mssen.




14.

Die Burg Rtteln.


Auf diesem verfallenen Bergschlo liegt viel Geld vergraben, bei dem ein
Frulein in weiem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie fters
auf der Burgbrcke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des
Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu
kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehrt, der, wie
unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in
manchen Nchten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen
Wald eine einsame Flamme herbei und fhrt an der steilen Mauer hinauf
und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann
eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in
frherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schlo nach
der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst
befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht
behalten kann, sondern wieder herbringen mu. Was man in den
Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt
herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem
Wiesenflu hinweg, in das Brombacher Schllein; er ist aber gegenwrtig
groen Theils verschttet.




15.

Die Hfnet-Jungfrau.


In dem Schllein zu Steinen wohnten vor Zeiten die Zwingherren der
Gegend. Die Tochter eines von ihnen war so hoffrtig, da sie nicht auf
der bloen Erde in die Kirche gehen wollte und darum sich stets vom
Schllein bis zum Kirchhof, ja ber denselben bis zum Gotteshaus einen
Dielenweg legen lie, der mit Tuch oder Taffet bedeckt werden mute. Als
sie gestorben und beerdigt war, stand der Sarg in der nchsten Frhe
auen an der Kirchhofmauer, und eben so die zwei folgenden Morgen,
nachdem er jedesmal wieder auf dem Gottesacker eingegraben worden war.
Auf dieses lud man den Sarg auf einen zweirdrigen Wagen, spannte an
letztern zwei junge, schwarze Stiere, welche noch kein Joch getragen,
und lie sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen sie auf den
Hfnetbuck, wo sie, im unwegsamen Wald, an einer Quelle stehen blieben.
Hier nun verscharrte man den Sarg, wo er auch im Boden blieb; das
Frulein aber geht daselbst um, und die Quelle heit wegen ihr der
_Jungfernbrunnen_. Bei Sonnenaufgang wscht und kmmt sie sich daran;
aber auch Vorbergehende, die schmutzig und ungestrehlt waren, hat sie
schon in dem Brunnen gewaltsam gereinigt und mit derben Strichen
gekmmt. Beim Schllein zeigt sie sich ebenfalls und pflegt dort im
Bach ihr Weizeug zu waschen[1].

  [1] Wie man sieht, sind in Hebel's Gedicht Die Hfnet-Jungfrau die
  Hauptzge der Sage beibehalten.




16.

Erdleute.


Als in der Hhle bei Hasel noch Erdleute wohnten, kamen sie nicht
allein in dieses Dorf, sondern auch in die andern Orte der Umgegend. Die
Erdweiblein brachten den Leuten von ihrem frisch gebackenen Kuchen,
wiegten in Abwesenheit der Mtter die kleinen Kinder, fanden Abends mit
ihren Rdern sich in den Spinnstuben ein, blieben aber nie lnger, als
bis zehn Uhr, weil sonst, wie sie sagten, ihr Herr sie zanke. Auch
halfen sie und die Erdmnnlein Hanf schleien, das Vieh pflegen (welches
dabei vorzglich gedieh), die Frucht schneiden und in Garben binden.
Hierbei sprang einmal einem der Mnnlein ein Knebel so heftig an den
Kopf, da es ein klgliches Geschrei erhob. Auf dieses liefen alle
Erdleute aus der Nhe herbei und fragten, was geschehen sey; aber als
sie es erfahren, gingen sie mit den Worten: Selber than, selber han
wieder auseinander. Bei Hausen hatten sie eine kleine Hhle, die das
_Erdmnnleinsloch_ hie, und in die dortige Hammerschmiede kamen oft
Nachts solche Mnnlein und arbeiteten wacker mit.

Ein anderes Erdmnnlein pflegte bei Nacht in der Wehrer Mhle, wenn der
Mller schlief, fr ihn zu mahlen. Weil es immer so schlecht gekleidet
war, lie er ihm heimlich einen neuen Anzug machen, legte ihn Abends auf
den Mhlstein und dann sich oben an eine Speicherffnung, um das
Mnnlein zu beobachten. Als dasselbe kam und die Kleider sah, zog es sie
sogleich an, ging darauf hinweg und betrat die Mhle niemals wieder.

Fr ihre Dienstleistungen begehrten die Erdleute nur hie und da Obst
oder reinlich bereiteten Kuchen. Wo sie hinkamen, brachten sie Glck und
Segen; durch Fluchen aber wurden sie augenblicklich vertrieben.

In dem Thlchen zwischen Wehr und Hasel war ein Erdloch, worin ein Mann
einen Dachs vermuthete. Er lie seinen Hund hinein und hielt einen
offenen Sack hart an dasselbe. Nicht lange, so sprang etwas in den Sack,
welchen der Mann sogleich zuband und, ihn auf den Rcken nehmend, davon
ging. Pltzlich rief in der Nhe ein Erdmnnlein: Krachhrle! wo bist
du? Auf dem Buckel, im Sack! antwortete aus diesem eine Stimme und
belehrte so den Mann, da er, statt eines Dachses, ein Erdmnnlein
gefangen habe, welches er dann ungesumt in Freiheit setzte.




17.

Reiter mit Geisfen.


Ein Mann aus Zell erzhlte. Als ich in einer Winternacht auf dem
Heimwege in der Hausener Hammerschmiede eingesprochen hatte, hrte ich
nach 11 Uhr einen Reiter herankommen, in dem ich einen Begleiter zu
finden hoffte. Ich machte die Thre auf und sah im Scheine des
Schmiedfeuers drauen einen Rappen vorbei schreiten, welcher seinen
jenseits neben ihm gehenden Reiter fast ganz verdeckte. Nur so viel
konnte ich wahrnehmen, da derselbe Ziegenfe habe. Neugierig folgte
ich ihm bald und war, da er sehr langsam ritt, in Kurzem nicht mehr weit
von ihm. Pltzlich strzte er mit seinem Pferde links in den
Straengraben.

Erschrocken rief ich ihm zu, ob ich ihm helfen solle, erhielt jedoch
keine Antwort, und im Graben war Alles mausstille. Da machte ich mich
weiter; aber bald hrte ich den Reiter mir nachsprengen. Um ihn im
Vorberreiten zu betrachten, blieb ich stehen, allein da hielt auch er,
bis ich wieder fortging. Eben so machte er es, als ich bei der
Ziegelhtte ihn erwartete. An der Zeller Kapelle stellte ich mich zum
dritten Male auf, um ihn beschauen zu knnen; aber sobald er in ihre
Nhe kam, warf er schnell sein Pferd herum und jagte das Thal hinunter,
da die Funken umher stoben. Jetzt wute ich, da der Reiter ein bser
Geist sey, welchen das Gotteshuslein davon scheuchte.




18.

Zigeuner.


Es mag hundert Jahre her seyn, da im obern Wiesenthal eine Sippschaft
von fnf Zigeunern sich umher trieb. Sie besuchten besonders die
einsamen Hfe und ernhrten sich mit Wahrsagen, Betteln und Stehlen.
Dies Letzte erleichterten sie sich dadurch, da die Einen mit einem
Tonwerkzeug die Leute in die Stube lockten, und whrend sie ihren Marsch
spielten, welcher lautete:

  Tummelt euch drin,
  Tummelt euch draus!

konnten die Andern in Kche und Keller ungestrt einpacken.

Eines Nachmittags begehrte das Zigeunerweib von einer Buerin Milch, und
als dieselbe antwortete, sie habe keine, sprach das Weib im Fortgehen:
So sollt ihr auch keine haben!

Beim Melken am Abend erhielt die Buerin von ihren smmtlichen Khen
keinen Tropfen Milch. Wegen all dieses Unfugs lie endlich die Obrigkeit
die Zigeuner in Zell einsetzen und verurtheilte sie zum Tode.

Unter starker Bedeckung wurden sie aus dem Gefngni gefhrt, um zum
Hochgericht zu gehen; allein kaum hatten sie die bloe Erde betreten, so
waren sie verschwunden. Durch eine weit verbreitete Streife fing man sie
zwar wieder ein; aber als man sie hinrichten wollte, ging es gerade wie
das vorige Mal. Hierdurch sicher gemacht, lieen die Zigeuner nach
einiger Zeit sich wieder in der Gegend sehen, und da sie ihr frheres
Unwesen fortsetzten, wurden sie von Neuem festgenommen. Damit sie jedoch
nicht auch diesmal der verdienten Strafe entgehen mchten, lie man sie
nicht mehr die blose Erde betreten, sondern brachte sie ber eine Brcke
aus dem Gefngni auf den Snderkarren, und ebenso von diesem auf das
Blutgerst. Weil unter ihnen eine Jungfrau von auerordentlicher
Schnheit war, lie die Obrigkeit ausrufen: Wenn Jemand das Mdchen
heirathen wolle, so solle er vortreten und sie in Empfang nehmen; es
wrden ihr dann Leben und Freiheit geschenkt. Nicht ohne Hoffnung sah
die Jungfrau sich nach einem Retter um; aber aus Furcht vor ihrer
Heidenkunst meldete sich Keiner, und so ward sie, mit den vier andern
Zigeunern, enthauptet. Die Wiese, auf welcher dies geschehen, wird davon
noch heute die _Heidenmatte_ genannt.




19.

Zaubermelkerei.


Ein Steinhauer aus Zell erzhlte: Ehe ich Meister war, schaffte ich
eines Winters in einer Steingrube bei Rheinfelden. Neben mir arbeitete
ein Geselle, der, wenn er Durst hatte, seinen Spitzhammer in den
Gerstbalken schlug, auf dem sein Arbeitsstein lag, sodann aus dem
Stiele des Hammers Milch in seinen Filzhut molk und daraus nach
Herzenslust trank. Als er mir auch einmal zu trinken anbot, dankte ich,
weil ich nicht wisse, was das fr Milch sey, und darauf erwiderte er:
'Dies ist gewhnliche Kuhmilch; der Bauer, welchem die Kuh gehrt, wei
aber nicht, warum sie ihm so wenig Milch gibt, und noch weniger, da er
mich, einen Steinhauer, zum Melker hat.'




20.

Fronfastenweiber.


In Zell hatte ein Adelsberger Mann fr seine niedergekommene Frau ein
Flein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen.
Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an
ihren weien Schleiern fr Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er
das Flein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter
eine Staude. Als die Weiber zu dem Flein kamen, lagerten sie sich um
dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer
guten Weile. Betrbt ging nun der Mann zu dem Flein, welches er halb
ausgetrunken whnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter
geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht
leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin.
Ohne das Hineinsehen wre aber das Flein niemals leer geworden.




21.

Brennende Mnner.


Auf den Matten und ckern des Wiesenthales erscheinen in manchen
Nchten _brennende Mannen_, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der
Marksteine ihre Grundstcke betrgerisch vergrert haben. Mit
Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den
Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen.
Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der
Zeller Mhle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und
lie sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthre tragen. Als
dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geffnet worden, rief
letztere aus: Was Teufels hast du denn auf dem Sacke? Da verlie das
Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, da er auer dem Mehle
noch einen brennenden Mann auf dem Rcken habe.




22.

Goldtinktur.


Vor sechszig Jahren lebte in Ksern ein Mann, welcher die Goldtinktur
aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in
den Wirthshusern und spielte um Goldstcke, die sein gewhnliches Geld
waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen
Eisenstbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in
Gold und lie sich daraus in Basel Mnzen schlagen.




23.

Geist unter der Hlzlesbrcke.


Unter dieser Brcke mu eine Vierthlerin als nchtlicher Geist waschen,
weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat.
Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und
tchtig gewaschen und gestrehlt.




24.

Heiligkeit des Sonnabends.


Wenn frher die Bergleute Samstag Abends in den Gruben der Kanderner
Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige Bergmnnlein und verjagte
sie.




25.

Scherben werden zu Goldstcken.


Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau
im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mdchen mit einem Korbe auf dem
Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in
der Nhe beschftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen,
und sogleich lie sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll
Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes
Porzellangeschirr. Von diesem steckte er fr seine Kinder viele
Stcklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmnzen
waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die brigen Scherben zu holen;
allein dieselben waren nicht mehr vorhanden.




26.

Sitzenkirch.


Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte
sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. Sitz in d'Kirch und
bete! erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das
Frulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den
Schleier. Wegen der Rede ihrer Brder gab sie dem Gotteshaus den Namen
_Sitzenkirch_, der auch auf das Dorf, welches spter dort entstanden,
bergegangen ist.




27.

Die Sausenburg.


Diese Burg, gewhnlich das Sausenharder Schlo genannt, liegt auf einem
waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische
Gnge nach Brgeln und den Klstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbrg
sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo
sie erlschen, liegen Schtze vergraben. Auch eine weie Jungfrau mit
einem Bund Schlssel spukt daselbst, welche schn singt und an dem
Brnnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kmmen pflegt.
Manchmal geht sie nach der Neuenbrg und von da nach Brgeln. Bei dem
Burggrtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und
sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekmmt, er solle heimgehen und
dieselben strehlen, was er auch eilig that.

Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwlf unterm Schlo
vorbeifuhr, rief sie dreimal: Komm herauf! und da er ihr nicht folgte,
jammerte sie: da erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches
wieder sie erlsen knne.

Als sie einst in der Frhe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der
Burg Vieh htete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er
habe keines. Htte er Helf Dir Gott zu ihr gesagt, so htte er ihre
Erlsung bewirkt.

Am Morgen des Charfreitags kam sie auf dem Schlosse zu einem Burschen
aus Vogelbach und bot ihm eine groe Schachtel dar, mit den Worten:
Nimm sie hin, dann machest Du mich und Dich glcklich! Ohne die
Schachtel zu nehmen, ergriff der Bursche die Flucht, worauf er die
Jungfrau klagen hrte, da sie nun noch lange, lange leiden msse.

Ein anderes Mal sahen Vorbergehende, da die weie Jungfrau die
Schachtel aus einem Burgfenster heraushielt; aber als sie hingingen,
verschwanden Jungfrau und Schachtel. Andern Vorbeigehenden sind von ihr
kleinere Schachteln voll Geld zugeworfen worden. Buben, welche ihr den
Weg verunreinigten, hat sie ihren Bund Schlssel um die Kpfe
geschlagen, und andere Knaben, die ihr bles nachredeten, haben von
unsichtbaren Hnden Ohrfeigen bekommen.

In einer Nacht gruben vier Mnner auf einem Platze des Schlosses
stillschweigend nach einer Kiste voll Geld und es gelang ihnen, sie in
einiger Tiefe aufzufinden. Hierauf stiegen zwei hinab und banden an die
Kiste ein Seil, woran die beiden andern dieselbe heraufzuziehen
begannen. Pltzlich bemerkte der eine, da ber ihnen ein Mhlstein an
einem Bindfaden hing, und ein Mnnlein, das auf dem Steine sa, mit
einer Scheere nach dem Faden fuhr, um ihn zu durchschneiden. Halt, der
Mhlstein fllt herunter! rief der Mann im Schrecken, und sogleich
waren Kiste, Mhlstein und Mnnlein verschwunden.

An einer andern Stelle sah ein Knabe ein Huflein glhender Kohlen,
worum auch schwarze lagen. Von den letztern steckte er mehrere ein und
fand sie zu Hause in Geld verwandelt.

Ebenso wurden Spreuer, die ein Vogelbacher Bube von einem Haufen in der
Burg wegnahm, in seiner Tasche zu Goldstcken.

Whrend ihre Ziegen unter dem Schlosse weideten, gingen einige Jungen
auf dasselbe, wo sie eine Menge schner, bunter Schneckenhuslein
umherliegen sahen. Als sie davon einsteckten, rief eine Stimme: Jaget
die Geisen aus dem Haber! Sogleich liefen die Knaben zu den Ziegen, die
aber ihren Weideplatz nicht verlassen hatten. Auch war weit und breit
Niemand, von dem der Ruf htte herrhren knnen. Zu Hause fanden die
Buben die Schneckenhuslein in Mnzen verwandelt, auf der Burg aber,
wohin sie gleich wieder eilten, kein einziges mehr.

Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen
erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte
unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg fhre. Mit
demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel
trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei
von Basel zum Gebet nieder und lieen nachher aus der Schachtel ein
Eichhrnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurck und
fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese
Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das
Eichhrnchen sey die weie Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner
Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklrten
dasselbe fr einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und
auf das Schlo gebannt worden sey.




28.

Kraft des Wolfssegens.


Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wlfe hausten, pflegte ein
Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, tglich beim Austreiben
unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In
Folge dessen lieen die Wlfe nicht allein die Schafe unangefochten,
sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz
freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit
seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesumt weg und kamen an
demselben Tage nicht wieder. Fr ihr gutes Verhalten mute ihnen jedoch
aus der Heerde ein Opfer berlassen werden. Dazu bestimmte der Schfer
eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behngte und seiner
Heerde zugesellte. Als sie hbsch gro und fett geworden, sah eines
Tages ein Wolf, der neben ihr sa, bald sie mit gierigen, bald den
Hirten mit bittenden Augen an. So nimm sie denn! dachte dieser bei
sich, und im Augenblick fate der Wolf die Ziege, erwrgte sie und,
nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf
seinen Rcken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wlfe rannten ihm nach,
und als sie tief im Gehlz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr
Opfer.




29.

Kind von Gold.


Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geien htete,
sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein
kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es
auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwrts.
Nicht lange, so blieben einige Geien zurck, er legte seinen Fund ab
und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen,
aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden.

Nach der Aussage einer Mnsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels
bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von
einem gefunden, welcher eine weie Wolljacke anhat.




30.

Kreuz zu St. Trutbert.


In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beilufig zwei Schuh hoch, das
auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden
Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschliet. Dasselbe nahmen
einmal die Glubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein
sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf
Dieses gaben sie es dem Kloster zurck und erlieen demselben seine
ganze Schuld.




31.

Geld in Asche verwandelt.


Im Mnsterthal stie einst ein Mdchen beim Graben auf einen Hafen voll
Silbermnzen. Ungesumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des
Geldes, lauter Asche darin. Htte sie, gleich bei Findung der Mnzen,
etwas Geweihtes darauf gelegt, so wrden sich dieselben nicht mehr haben
verwandeln knnen.




32.

Brandkorn wird zu Gelde.


In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mdchen und sein
Bruder, aus dem Mnsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um
Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch
zum Fenster hinaus ausgeschttelt wurde, wo sie dann die Brslein
auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin
gedroschen ward, und suchten die Brandkrner zusammen, um sie ihren
Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mdchen die Schrze und dem
Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als
sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern groen
Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte,
lie er die brigen Brandkrner auch sammeln und aufbewahren; allein
dieselben wollten sich nicht in Geldstcke verwandeln.




33.

Messen nachgeholt.


Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und
wurde beim Zuschlieen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in
Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Megewand, der ihm
winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf
dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem
Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In
der Frhe vom Kster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das
Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes
in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht
die Hand, sondern den rechten Rockflgel zu reichen. Diesem folgend,
diente der Knabe in der nchsten Nacht dem Priester abermals Messe und,
auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte
Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: Aus
meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich
konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch
Dich ist mir dieses nun mglich geworden; ich danke Dir dafr und gehe
jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst. Hierauf
legte er seine Hand auf den Rockflgel, welchen der Knabe ihm hinhielt,
und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt,
wehalb er, als Merkwrdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube
war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode,
welcher auch in kurzer Zeit erfolgte.




34.

Weie Jungfrau.


Vor sechszig Jahren sah ein Bube vom Rothenhof, als er zum ersten Male
mit dem Vieh in den dortigen Bergwald fuhr, auf dem Troge des
Trnkbrunnens eine weie Jungfrau sitzen, die ihm hinwinkte. Erschrocken
eilte er auf den Weideplatz zu den andern Hirtenknaben und erzhlte
ihnen, was ihm begegnet. Sie sagten ihm, die weie Jungfrau sey schon
oft da gesehen worden, und wenn sie ihm wieder winke, solle er nur zu
ihr gehen. Am andern Tage that er dies und wurde von ihr mit folgenden
Worten angeredet. Du kannst mich aus diesem Gebirge befreien, in
welchem ich schon zweihundert Jahre umgehe, und mir zum Himmel
verhelfen. Komm' heute Nacht um zwlf Uhr wieder hierher, dann wirst Du
von mir erfahren, was Du zu meiner Erlsung zu thun hast! Nach diesem
war sie verschwunden. Zur bestimmten Zeit kam der Bube zu dem Brunnen,
auf dessen Trog der Geist wieder sa und sprach: Geh' jetzt dort in den
Wald und hole mir den goldenen Kelch her, den Du unter einer groen
Tanne finden wirst. Es geschieht Dir kein Leid; Du darfst aber weder ein
Wort sprechen, noch Dich durch etwas irren oder schrecken lassen. Habe
ich den Kelch, dann flle ich ihn hier am Brunnen, trinke ihn aus und
bin erlst. Gutes Muthes machte sich der Knabe auf den Weg und kam
richtig zur Tanne, worunter der Kelch sich befand. Da hrte er in der
Luft ein Gesause; er blickte empor und sah ber sich einen groen
Mhlstein[2] an einem dnnen Faden hngen, welcher sich schnell
herumdrehte und auf ihn herabzustrzen drohte. Voll Schrecken stie er
einen Schrei aus und floh ber Hals und Kopf zum Brunnen zurck. Nun
ist es um meine Erlsung geschehen! klagte die Jungfrau, und ich mu
wieder warten, bis die kleine Tanne hier zu einem Sgbaum geworden und
aus seinen frisch geschnittenen Brettern eine Wiege fr ein neugeborenes
Kind gemacht ist. Wenn dasselbe dann Dein jetziges Alter erreicht hat,
so wird es mich von meinem Leiden befreien. Hierauf verschwand die
Jungfrau, welche in der Folge wieder fters am Brunnen gesehen worden
ist.

  [2] Andere sagen: ein gewaltiges Schwert.




35.

Geist nieset.


Drei Mnner aus Krotzingen gingen einst Nachts von Staufen nach Hause.
Im Hohlweg hrten sie zweimal stark niesen; Helf' Gott! sagte jedesmal
der eine, aber als es zum dritten Male nieste, sprach er: Wenn Dir Gott
nicht hilft, so helfe Dir der Teufel! Da rief eine klgliche Stimme:
Httest Du noch einmal 'helf' Gott' gesagt, so wre ich jetzt erlst,
nun aber bin ich ewig verdammt! und verhallte dann in Jammertnen[3].

  [3] Der Schlu dieser Sage ist eben so ungewhnlich, als unkatholisch.




36.

Der Hunnenfrst mit dem goldenen Kalb.


Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt,
zerstrten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den grten Theil
des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der
Deutschen und erlitten eine vllige Niederlage. Ihr Frst fiel in der
Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein
silberner und letzteren ein hlzerner umschlo, und mit seinen Schtzen
und einem lebensgroen goldenen Gtzenkalb drei Stunden von der
Hochstrae beerdigt. ber dem Grabe errichteten sie einen mchtigen
Hgel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern,
damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Frst begraben sey. Noch
immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem
Schlachtfelde lt in manchen Nchten Kampfgeschrei und Waffengets
unsichtbarer Streiter sich hren[4].

  [4] Diese Erzhlung ist genauer, als die unter Nr.41 des Hauptwerkes
  mitgetheilte.




37.

Geistige Nonne.


Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt
erscheint noch dort in manchen Nchten. In ihrer Ordenstracht, mit
goldglnzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hnde bereinander
gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrenglein in die
Herrenreben. Wer ihr ber seine _rechte_ Schulter nachschaut, dem
verschwindet sie sogleich, wer es aber ber die _linke_ thut, der sieht
sie bis in die erwhnten Reben.




38.

Geld sonnt sich.


Whrend der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf
dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. Heute ist
der erste Mrz, da sonnen sich die Schtze, sprach einer von ihnen und
eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thnerne Scherben und nahm einige
zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stcke, deren er
etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am
nchsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene
Silbermnzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben
mehr und keine Geldstcke.




39.

Geldmnnlein.


In Hausen an der Mhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmnnlein.
Dies war eine lebende Krte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte,
tglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbe austrank. Jeden
Abend legte sie einen Thaler zu der Krte in die Schachtel, und am
andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstcke herausnehmen.
Nachdem sie so sich genug Vermgen gesammelt, suchte sie das
Geldmnnlein zu verschenken, allein sie brachte es nicht an und starb
endlich, ohne es los geworden zu seyn. Da fllte sich gleich das Haus
mit schwarzen Katzen, deren eine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er
begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in
dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden
konnten, ward es von seinen Bewohnern verlassen. Viele Jahre stand es
leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdem sind die Katzen
daraus verschwunden.




40.

Todter von Erde und Wasser ausgeworfen.


Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengescharrt und der
Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem
Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stie allnchtlich den
Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man
die Todtenlade durch den Bach in den Rhein flen wollte, warf jener sie
alsbald an das Ufer.

Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den
Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt
eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen
vierspnnigen Wagen geladen. Mit diesem mute nun so lange im Land
umhergefahren werden, bis ein dazu bestimmter namhafter Geldbetrag
verbraucht war. Nur Nachts durfte die Fahrt geschehen, wobei der Wagen
oft so schwer wurde, da die Pferde ihn kaum fortbrachten. Bergab hatte
er Vorspann, bergauf den Hemmschuh nthig. Seinen Fhrern war auferlegt,
da Geld mglichst bald auszugeben. Zu dem Ende kehrten sie in jedem
Wirthshause ein, bezahlten die kleinste Dienstleistung, durften aber nie
mehr geben, als gefordert wurde. Dem Schweine ward tglich Fressen
vorgesetzt, und es auch stets von ihm verzehrt. Nachdem das Geld
verbraucht war, fuhr der Wagen wie jeder andere, und kehrte nach Hause
zurck. Daselbst lie der Priester den Geist wieder frei und den Sarg
mit dem Leichnam in das Grab legen. In diesem konnte er nun bleiben, da
auch von des Verstorbenen Erben der Gemeinde ihr entzogenes Eigenthum
zurckgegeben worden war.




41.

Todtenvorschau.


Ein Nachtwchter in Ober-Rimsingen pflegte allnchtlich, wenn er beim
Ausrufen der Stunden an die Kirche kam, knieend ein Vaterunser zu beten.
Whrend dessen sah er stets diejenigen Ortsbewohner, welchen binnen
vierzehn Tagen der Tod bevorstand, auf den Pltzen des Kirchhofs knieen,
wo sie nachher begraben wurden.




42.

Hexe als Hase.


Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war Joseph Klingler herrschaftlicher
Jger in Ober-Rimsingen und als trefflicher Schtze bekannt. Eines Tages
sah er auf dem Felde einen Hasen sorglos in seine Nhe kommen, er scho
auf ihn, bekam von seinem Gewehr einen heftigen Sto, und der Hase
hpfte unverletzt von dannen.

Nachdem ihm dies noch einige Mal begegnet, wandte er sich an die
Kapuziner in Staufen. Von denselben erhielt er eine kleine Ladung
geweihten Pulvers mit der Weisung, dazu nur solche Schrote zu nehmen,
die nicht tdten knnten. Er that es, und als bald nachher der Hase
wieder gegen ihn kam, scho er auf ihn, ohne vom Gewehr gestoen zu
werden. Da floh derselbe im schnellsten Laufe nach dem Dorfe, und als
der ihm nacheilende Jger auch dahin kam, hrte er, da der Arzt zu der
Frau des Vogtes geholt werde, die einen Schrotschu empfangen habe.
Jetzt wute er, wer der Hase gewesen, welchen er fortan nicht wieder zu
Gesicht bekam.




43.

Die Grninger Kapelle.


Im Jahr 1807 mute dieses Kirchlein nach dem Willen der Herrschaft und
des Pfarrers eingehen. Dieser und der Verwalter hoben selbst das
Altarblatt weg, und letzterer rief den Arbeitern, welche sich scheuten,
die Gelbdebilder abzunehmen, hhnisch zu: Werft die Kerle herunter,
da sie die Beine brechen! Am folgenden Tage wollte er, in Hausen an
der Mhlin, eine Leiter hinaufsteigen, aber auf der zweiten Sprosse
glitt er aus und brach den einen Fu so stark, da derselbe nach der
Heilung, wie ein Thierfu aussah. Auch der Pfarrer wurde alsbald von
einer anhaltenden Krankheit heimgesucht. Nachdem er zwei Jahre vergebens
alle Mittel gegen sie angewendet, bat er eines Sonntags die versammelte
Gemeinde, ihm die Kapelle wiederherstellen zu helfen, da er es allein
nicht vermge. Mit Freude ward diese Hilfe geleistet; bald stand das
Kirchlein schner da, als zuvor, und am Tage der Einweihung war die
Krankheit des Pfarrers auf immer verschwunden.

Einige Zeit nachher zeigte sich in mehreren Nchten das Innere der
Kapelle von wunderbarem Glanz erleuchtet. Zwei Rheinwchter sahen beim
Heimgehen diese Erhellung und beschlossen, in das Kirchlein zu schauen.
Zu dem Ende lie sich der eine vom andern zu einem Fenster emporheben;
aber kaum hatte er hineingeblickt, so verlangte er voll Schrecken wieder
hinab. Auf die Frage: was er in der Kapelle gesehen habe -- antwortete
er nur: Schaut selbst! und am dritten Tage war er eine Leiche.




44.

Der Schatz im Ambringer Grunde.


Auf dem _Schloberg_ im Ambringer Grunde stand vor Zeiten eine
stattliche Burg, und in der Nhe war ein dazu gehrendes Bergwerk.
Dasselbe lieferte an Gold und Silber so reiche Ausbeute, da die
Burgherren in einem unterirdischen Gewlbe groe Schtze aufhufen
konnten. Darunter befanden sich neun silberne Kegel und drei goldene
Kugeln, womit die Bergleute an Festtagen, nach der Vesper, zu spielen
pflegten. Der Schlssel des Gewlbes war von Gold und hing auf dem Altar
der Schlokirche, an dem goldenen Standbilde ihres Schutzheiligen
Martin. Eine halbe Stunde von der Burg wohnte in einer Waldklause, an
dem Ursprung der Felsenquelle, ein Einsiedler Namens Heini, welcher auf
dem Schlosse gut bekannt war. Pltzlich wurde dieses in der Nacht von
Feinden angegriffen und nach kurzer Gegenwehr eingenommen. Whrend sie
darin raubten, alle Bewohner ermordeten und es den Flammen Preis gaben,
gelang es dem Einsiedler, das Standbild des heiligen Martin nebst dem
goldenen Schlssel zu retten. In das Gewlbe kamen die Feinde nicht, und
noch jetzt liegen alle die Reichthmer darin, wobei ein schwarzer Riese
und ein zottiger Br Wache halten. Auch Bruder Heini, der mit dem
Standbild und Schlssel bei dem _Eselbrunnen_, in tiefer Bergschlucht,
begraben ist, mu als Geist die Schtze hten. Wie bei seinen Lebzeiten
geht er Mittags an der Quelle auf und ab, indem er aus einem Buche
betet. Wenn man ihm ruft, bleibt er stehen, aber ohne umzuschauen.

Einen Mann aus dem Mnsterthal fhrte er eines Abends in die verfallene
Burg und darin in einen unterirdischen Gang, der vorn, in der Mitte und
hinten eine eiserne Pforte hatte. Die letzte derselben war eine
Gitterthre, und alle drei wurden von dem Einsiedler mit dem goldenen
Schlssel aufgemacht. Alsdann kamen sie in das Gewlbe, wo der Mann alle
die Reichthmer betrachten, aber nichts davon mitnehmen durfte. Beim
Herausgehen schlo Heini die Pforten wieder zu und auerhalb der Burg
schied er von dem Manne.

Das Bergwerk ist lngst eingegangen, und von ihm nichts mehr brig, als
ein halb verschtteter Schacht.




45.

Kirchenverhhnung bestraft.


Als die Schweden Kirchhofen angezndet hatten und dann weiter zogen,
wandte sich einer ihrer Anfhrer auf dem Pferde halb um und rief, auf
die Kirche zeigend: Seht doch, wie das Geihaus brennt! In dieser
Stellung erstarrte er und war trotz aller Bemhungen nicht daraus zu
bringen. Da gelobte er, auf seine Kosten die Kirche so wiederherzustellen,
wie sie gewesen, wenn ihm geholfen wrde. Auf dieses hrte die Erstarrung
auf, und er sumte dann nicht, sein Gelbde in Erfllung zu bringen.




46.

Die Tafel bei Kirchhofen.


Als einst Nachts der Felsenmller von Ehrenstetten mit vollem Geldgurt
heim ging, ward er im Walde bei Kirchhofen von drei raubschtigen Bauern
angefallen. In demselben Augenblick fing sein Hund in der ber eine
Stunde entfernten Mhle so an zu rasen, da die Knechte ihn von der
Kette losmachen muten. Stracks rannte er nun seinem Herrn zu Hilfe, ri
zwei der Bauern nieder und jagte den dritten in die Flucht. Wegen dieser
wunderbaren Errettung lie der Mller auf dem Platz eine Tafel
errichten, worauf das Auge Gottes abgebildet ist, mit der Unterschrift:

    Gott ist berall zugegen, wie in offenen Landen, so in dstern
    Wldern.

Die Tafel ist noch an dem Orte, und er wird wegen ihr der _Tafelplatz_
genannt.




47.

Das Brunnenbecken zu St. Ulrich.

(Abweichung von Nr.46 des Hauptwerks.)


Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schlo der
heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe
lesen, und der Bse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen;
treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrich's
Seele, komme er aber spter an, dann msse er den Stein umsonst
abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, da er nur ihre
Haupttheile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles
brige aber weglie, und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen
auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich berlistet erkennend, liest der
Bse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn
angefat, hatten seine Krallen tiefe Eindrcke gemacht, die noch jetzt
an der Brunnenschale zu sehen sind[5].

  [5] Diese Sage ist ebenso ungegrndet, als die unter Nr.46 des
  Hauptwerkes.




48.

Das Huttenweiblein.


Eine Buerin von Slden pflegte Sonn- und Feiertags mit Holzhippe und
Hutte[6] auf den waldigen Schnberg zu gehen und Holz zu lesen. Wegen
dieser Entheiligung mu sie, seit ihrem Tode, auf dem Berg und in dessen
Umgegend spuken und wird, weil sie eine Hutte trgt, das
_Huttenweiblein_ genannt. Sie ist alt und klein, sttzt sich auf einen
Stock und hat ein Strohhtlein auf; ihre Jacke und Handschuhe sind mit
Pelz besetzt, der eine ihrer Strmpfe ist wei, der andere roth.
brigens kann sie sich in viele andere Gestalten, von Menschen und
Thieren, verwandeln. Hufig schreit sie: Hu, hu, hu! manchmal aber,
besonders wenn sie in den Kronen der Tannen sitzt, singt sie:

  Heute strick ich,
  Morgen nh ich!

In ihrer Hutte hat man schon Farnkraut wahrgenommen; auch trgt sie
fters darin Leseholz, das unbewacht im Wald aufgehufelt liegt, zum
Verdru der Eigenthmer hinweg.

Einer Frau aus Freiburg, die, ehe sie in die Frhmesse ging, im
Sternwald Himbeeren sammelte, begegnete das Huttenweiblein und sagte zu
ihr: Httest Du keine guten Gedanken gehabt, so wollte ich Dich
gezeichnet haben!

Zu einer andern Frau kam es, zwischen Ebringen und Slden, und fragte
sie: Ktherle! wo willst Du hin? Auf dieses wute die Frau, welche
nicht Katharina hie, gar nicht mehr, wo sie war, und fand sich erst
wieder zurecht, nachdem sie stundenlang den Wald durchirrt hatte.

Eines Abends traf ein Geflgelhndler, der nach Pfaffenweiler heim
wollte, bei Kirchhofen ein schnes Reh, welches das Huttenweiblein war.
Auf sein Locken kam es herbei und lie sich von ihm streicheln. Das ist
etwas in die Kche! dachte er bei sich und wollte ihm eine Schnur um
den Hals binden; aber da ward es so riesenhaft, da er voll Schrecken
davon lief. Die ganze Nacht rannte er in der Irre umher und erkannte
erst am Morgen, da er auf der Eschholzmatte bei Freiburg sich befinde.

Ein Mann, der Nachts durch den Bitterswald ging, rief spottend:
Huttenweiblein, komm und trage mich! hu, hu, hu! Schnell, wie der
Wind, war dasselbe da, packte und trug ihn auf die Todtnauer Hhe und
stellte ihn so tief in den Sumpf, da er nur mit vieler Mhe sich wieder
heraus helfen konnte.

Andere Mnner, welche im Feld bei Pfaffenweiler das Geschrei des
Weibleins spottweise nachmachten, bekamen von ihr solche Ohrfeigen, da
einigen die Hte von den Kpfen flogen, andere aber sogar zu Boden
fielen.

In den Ortschaften, die um den Schnberg liegen, pflegt man die Kinder
mit dem Huttenweiblein frchten zu machen.

  [6] Kze.




49.

Der heilige Bernhard zu Freiburg.


Auf seiner Reise nach Konstanz kehrte der heilige Bernhard zu Freiburg,
im obern Eckhause der Kaiser- und Mnstergasse, ein. In der Stube,
welche er da bewohnte, gibt es seitdem keine Muse mehr.




50.

Pferde schauen zum Speicher hinaus.


Die Frau aus dem jetzt Stutz'schen Hause am Mnsterplatz zu Freiburg
war, mit reichem Geschmeide geschmckt, begraben worden. Der Bediente
und die Kchin, welche eine Liebschaft mit einander hatten, beschlossen,
die Kleinode zu entwenden, damit sie genug Geld bekmen, um sich zu
heirathen. Zu dem Ende schlichen sie tief in der Nacht auf den Kirchhof
und ffneten Grab und Sarg ihrer Herrin. Da kam diese, welche nur
scheintodt gewesen, zu sich und richtete sich in die Hhe. Entsetzt
flohen der Bediente und die Kchin nach Hause, sagten aber niemand etwas
von dem Vorfall. Bald nachher schellte die Frau an der Hausthre, ihr
Mann machte das Fenster auf und fragte:

Wer ist draus?

Die Frau aus dem Haus, antwortete sie.

Die ist todt und begraben, erwiderte er, und darauf sie:

So gewi bin ich es, als unsere Schimmel zum Speicherloch heraussehen.

Kaum hatte sie dies gesagt, so trappten die beiden Pferde die Treppen
hinauf auf den Speicher und schauten zur Giebelffnung hinaus. Da lie
der Mann seine Frau eilig herein, voll Freude, da sie noch lebe. Weil
der Bediente und die Kchin frchteten, sie seyen auf dem Kirchhof von
ihrer Gebieterin erkannt worden, thaten sie vor ihrem Herrn einen
Fufall und bekannten ihr Vergehen. Statt sie zu bestrafen, dankte er
ihnen fr die Wiedererlangung seiner Frau und beschenkte sie so
reichlich, da sie sich heirathen konnten. Auch lie er zum ewigen
Andenken die Schimmel in Holz nachbilden und innen an die Giebelffnung
stellen, die seitdem nicht zugemauert werden kann. Seine Frau lebte noch
sieben Jahre, sprach aber wenig und lachte gar nicht mehr; dagegen
betete sie viel und spann und wirkte ein groes leinenes Tuch fr das
Mnster. Dasselbe brachte sie gerade fertig. Es ist aus _einem_ Stck,
mit Bildern aus dem Leben des Heilands geziert, und wird noch heutiges
Tags als Fastentuch gebraucht.




51.

St. Martin bei Oberried.

Aus amtlichen Verhandlungen.


In dem Goldberg bei Oberried war vor Zeiten eine reiche Goldgrube,
Sankt Martin genannt. Darin lag, hinter einer silbernen Thre, ein
Standbild dieses Heiligen verborgen, welches von lauterm Gold und
dreihundert Mark schwer war. Noch im Jahr 1521 wurde der Bau betrieben,
aber bald nachher wegen des hereinbrechenden Krieges eingestellt. Die
Bergleute schlossen jedoch die Grube mit einer eisenbeschlagenen Thre
und schtteten dieselbe mit Erde und Steinen zu. Hierdurch gelang es
ihnen, das Bergwerk den Augen der Feinde zu entziehen, die sich mit der
Plnderung und Verbrennung der Poch- und Schmelzgebude begngen muten.
Kaum war es wieder ruhiger geworden, so kam die Pest und raffte die
Bergleute weg oder scheuchte sie in entfernte Gegenden. In Folge dessen
blieb die Grube unerffnet, und mit der Zeit ist sie immer mehr in
Vergessenheit gerathen.




52.

Schtzen-Klaus.


Der Schtzen-Klaus war Jger im Bezirke von St. Peter. Aus bertriebener
Sorgsamkeit fr den Wald verbot er den Leuten, Geisen zu halten. Um zu
sehen, ob sie es befolgten, ging er Nachts an die Huser und mckerte
wie eine Ziege. Wenn nun Geisen darin waren, so erwiderten sie sein
Gemcker, und er nahm dann die Leute in Strafe. Da sprachen dieselben
die Verwnschung aus: er mge bis zum jngsten Tage so mckernd umgehen.
Seit seinem Tode spukt er nun im Jagdanzuge, zwei Hunde an der Kette
fhrend und hufig mckernd, in seinem Bezirke. Nach der Abendglocke hat
er Viele schon irre gefhrt, oder mit Steinen geworfen; und als Andere,
um ihn zu verspotten, zu mckern anfingen, war er im Augenblick da und
schleuderte sie den Bergabhang hinunter.




53.

Teufel helfen am Bau der Eisenbahn.


Als im Jahr 1844 die Eisenbahn bei Zhringen gebaut ward, sahen zwei
unschuldige Kinder, whrend des Mittagessens der Arbeiter, zwei Teufel
mit Geisfen und Hrnern emsig an der Bahn schaffen. Sogleich holten
sie einige Arbeiter herbei; allein dieselben konnten die bsen Geister
nicht wahrnehmen.




54.

Des Schwarzenberger's Bekehrung.


Auf die schne Tochter seines Bauers vom Wahlhof hatte der Ritter von
Schwarzenberg sein lsternes Auge geworfen. Er verlangte sie in seinen
Dienst; aber ihr Vater, obgleich er die Hrte seines Herrn kannte, lie
sie nicht dahin. Da drohte ihm der Ritter, ihn vom Hofgut zu jagen, wenn
er nicht dessen groen und vollsten Kirschbaum fllen und, die Pferde an
die Krone gespannt, auf das Schwarzenberger Schlo schleifen wrde, ohne
eine einzige all der reifen Kirschen zu verletzen. Ohne Hoffnung, dies
zu vollfhren, ging der Bauer zu dem Baume, wo ein altes Mnnlein zu ihm
kam und ihn fragte, warum er so betrbt sey. Nachdem es die Ursache
erfahren, versprach es, ihm zu helfen. Stracks hieb es den Baum auf's
geschickteste um, rief aus dem Wald drei Kohlrappen herbei, die es an
die Krone des Baums spannte, und trieb sie dann, in Begleitung des
Bauers, nach dem hoch und steil gelegenen Bergschlo. Als der
Schwarzenberger sie dort ankommen und keine einzige Kirsche verletzt
sah, war er hchlich erstaunt; das Mnnlein aber sprach zu ihm: Weit
Du, wer den Kirschbaum hierher gezogen hat? Der erste Rappe ist Dein
Vater, der zweite Dein Grovater und der dritte Dein Urgrovater[7],
welche die Bedrckung ihrer Unterthanen jetzt in der Hlle ben, und
Dir geht es einst eben so, wenn Du nicht von Deinen Snden ablssest!
Da ergriff den Ritter die Furcht des Herrn, er that Bue und fhrte
fortan ein gottgeflliges Leben.

  [7] Andere sagen, es seyen _sechs_ Rappen und diese die _sechs_
  nchsten Vorfahren des Schwarzenberger's gewesen.




55.

Forelle am Kandelfelsen.


Als eines Abends auf dem Kandel zwei Buben vom dortigen Hofe das Vieh
zusammentrieben, sah der eine, unten am Kandelfelsen, eine Lache und
darin eine groe, goldschimmernde Forelle. Er rief seinen Gefhrten
herbei und wadete in das Wasser, um den Fisch zu fangen; allein er fand
ihn an der Kette eines Lotteisens hngen, das im Felsen stack, und
konnte ihn nicht los bringen. Sie fuhren nun mit dem Vieh heim und
erzhlten ihrem Herrn das Geschehene, worauf sie gleich mit ihm zum
Felsen zurck muten, wo aber weder Lache, noch Forelle, noch Lotteisen
mehr zu sehen waren. Im folgenden Jahre nahmen jedoch die Buben die
Lache mit der angeketteten Forelle abermals wahr, und im dritten und
letzten ihres Aufenthalts auf dem Hofe nochmals; stets fanden sie den
Fisch grer und glnzender geworden, aber alle ihre Bemhungen, ihn los
zu machen, waren vergebens.

Drei Jahre nachher wurde von Holzhauern auf dem Kandelfelsen ein
beschriebenes Pergament gefunden, welches die erwhnten Vorgnge
umstndlich erzhlte und sagte, da, wenn die Forelle ihr Ziel erreiche,
sie mit dem Lotteisen den Felsen herausreie und dadurch den See im
Innern des Berges auf das Elzthal loslasse. Das Pergament brachten die
Holzhauer nach Waldkirch, wo man es bei Erbauung der jetzigen Kirche in
deren Grundstein legte.




56.

Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's.


Zu der ersten btissin des Waldkircher Fruleinstifts kamen drei Brder
und baten, sich in ihrem den Gebiete ansiedeln zu drfen. Sie erlaubte
ihnen, sich die Pltze selbst zu whlen. An einer hbschen Stelle sprach
der Eine: Hier ist's gut! und baute sich da an. Wegen dieser Rede
erhielt der Ort den Namen _Gutach_. Der zweite fand jenseits des Baches
einen Platz, der ihm wohl gefiel, und sagte. Hier bleib' ich! Davon
wurde der Ort _Bleibach_ genannt. Der dritte endlich, welcher Simon
hie, siedelte sich in einem Walde an, und seitdem trgt dieser den
Namen _Simonswald_.




57.

Der Ahornbauer.


Als ein Mann von Simonswald wegen Zauberei verbrannt werden sollte,
sprach er. So gewi bin ich unschuldig, als bei meinem Haus ein
Ahornbaum wachsen wird. Gleich nach der Hinrichtung kam auch bei dem
Haus ein Ahorn hervor, und seitdem ist dort immer ein solcher Baum; denn
wenn man den einen umhaut, wchst unverzglich ein anderer nach. Von dem
Baum hat der Hofbesitzer den Namen _Ahornbauer_ erhalten.




58.

Der Blindensee will ausbrechen.


Vor langer Zeit drohte dieser Bergsee bei dem Triberger Wasserfall
auszubrechen, und das dortige Thal zu berschwemmen. Da kam die Mutter
Gottes und spannte vor die ffnung ein Netz von Fden, wodurch das
Wasser, wie durch einen Damm, zurckgehalten ward. Jedes Jahr aber
verfault einer der Fden, und wenn endlich alle verwest sind, dann
bricht der See heraus und berfluthet das ganze Thal. Dies geschieht am
Bartholomustag, an welchem in Triberg Jahrmarkt gehalten wird.




59.

Zum todten Hund.


In die Wohnstube eines Schwarzwlderhofs schlug der Blitz und fuhr durch
einen Tisch, worauf ein kleines Kind schlief; dasselbe lie er
unversehrt, tdtete aber einen Hund, der, gerade unter dem Kind, auf dem
Stubenboden lag. Von diesem Vorgang wird der Hof zum todten Hund
genannt.




60.

Messen angelobt.


Als im Jahr 1796 die Neufranken verheerend gegen Ettenheimweiler zogen,
gelobte die Pchterin eines benachbarten Hofes, fnfzig Messen lesen zu
lassen, wenn ihr Haus von der Grausamkeit dieser Feinde verschont
bliebe. Letzteres geschah, zur allgemeinen Verwunderung; die Frau
unterlie jedoch, ihr Gelbde zu erfllen, und ohne dasselbe Jemand
offenbart zu haben, starb sie nach drei Jahren in Ettenheimweiler. Als
ihre dort verheirathete Tochter, nach Verflu von ebenso viel Jahren,
Nachmittags auf dem Fuchsberg die Reben schnitt, erschien ihr pltzlich
eine Frau mit grauem Gesicht und grauem Kleid und sprach: Du mut mich
erlsen! Vor Schrecken fiel jene in Ohnmacht; als sie daraus erwachte,
war die graue Gestalt verschwunden. Dieselbe kam aber, einige Tage
nachher, am Morgen zu ihr in die Kche und sagte, sie sey ihre Mutter,
und um sie zu erlsen, solle die Tochter von Haus zu Haus so viel Geld
zusammenbetteln, da davon die fnfzig Messen gelesen und vierundzwanzig
Kreuzer der Magd bezahlt werden konnten, der sie, bei ihren Lebzeiten,
drei Batzen am Lohne abgezogen habe. Hierauf verschwand sie, die Tochter
aber eilte zu ihrem Mann und erzhlte ihm, was ihr begegnet. Um ihr das
Betteln zu ersparen, wollte er selbst das Geld hergeben, was auch der
Pfarrer, den sie darber um Rath fragten, fr gengend erklrte. Ehe
jedoch der Mann das Geld beisammen hatte, erschien seiner Frau ihre
Mutter wieder in der Kche und sprach drohend: Willst Du Alles thun,
was ich Dir geheien habe, oder willst Du meinen Zorn fhlen! Voll
Angst versprach die Frau, zu gehorchen, machte sich auch alsbald auf den
Weg und bettelte von Haus zu Haus bis gegen Freiburg hinauf. In vierzehn
Tagen hatte sie das Geld beisammen; damit bezahlte sie die Magd und lie
in den benachbarten Klstern die fnfzig Messen abhalten. In der Nacht
nach Lesung der letzten Messe kam die Mutter, in glnzend weier
Gestalt, zu dem Mann und der Frau in die Schlafstube, sagte fr ihre
Erlsung Dank und legte, um diesen zu bezeugen, ihre rechte Hand auf
eine Flegelruthe, die, nach ihrem Begehren, ihre Tochter ihr hinhielt.
Da brannten sich ihre fnf Finger hinein, und sie verschwand. Die
Flegelruthe wird noch jetzt in dem Hause aufbewahrt.




61.

Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf.


Ein frommer Jngling in Ettenheim wollte sich auf den Wunsch seiner
Eltern verheirathen; er schwankte aber zwischen zwei gleich braven
Mdchen, deren eines zu Straburg, das andere zu Freiburg wohnte. In
dieser Ungewiheit betete er eines Tages in der Messe inbrnstig um
Erleuchtung, und da kam ihm in den Sinn: er solle sich auf eines seiner
Pferde setzen und es laufen lassen, wohin es wolle; denn es bringe ihn
an den Wohnort desjenigen der beiden Mdchen, welches ihm von Gott zur
Frau bestimmt sey. Nachdem er aufgesessen, schlug das Pferd von selbst
den Weg gegen Altdorf ein, da er dachte, es gehe nach Straburg; aber
pltzlich springt es von diesem Weg ab und ber die benachbarten Felder
auf die Landstrae nach Freiburg, wo es den Jngling glcklich
hinbringt. Derselbe heirathete nun das dortige Mdchen, und er lebte mit
ihr so glcklich, da er zum Danke an der Stelle, wo das Pferd den Weg
nach Straburg verlassen, ein steinernes Kruzifix errichtete, welches
das _Kreuz zum guten Rathe_ genannt wird[8].

  [8] An dem Kruzifix ist folgende Inschrift:

            =ChrIste IesV bonI ConsILII Dator MIserere nobIs.=
                                =D. O. M.=
  =Piorum consiliorum inspiratori benignissimo crucem hanc in debitae
  gratitudinis pignus erexit Franc. Valentini Satori et Annae Mariae
  Neumayer P. M. relicta progenies 1763.=




62.

Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten.


In der Nacht vor Fronfasten spann eine Frau zu Orschweier noch nach elf
Uhr. Da kam die Fronfastenfrau zur Thre herein und legte ihr ein
Dutzend Spulen hin, mit den Worten: Alle diese Spulen mut Du bis zwlf
Uhr vollgesponnen haben, wo ich sie wieder holen werde! Nicht lange war
sie weggegangen, so lief die Frau, welche sich nicht zu helfen wute,
zum Pfarrer, und fragte ihn, was sie machen solle. Er rieth ihr, um jede
Spule drei Fden im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen
Geistes zu spinnen, was sie auch that und Schlag zwlf Uhr fertig war.
Als gleich darauf die Fronfastenfrau die Spulen abholte, sprach sie: Du
hast wohl gethan, den Rath des Schwarzrocks zu befolgen; denn sonst
solltest Du gesehen haben, was ich mit Dir gemacht htte! Nach dieser
Rede entfernte sie sich.




63.

Mordthat offenbart.


Zu Ottenheim hatte ein armes Mdchen mit einem vermglichen Burschen,
der Soldat war, Bekanntschaft und wurde in Folge davon schwanger.
Dessenungeachtet bewarb er sich bald darauf um eine reiche
Bauerstochter, und weil er befrchtete, da jenes Mdchen ihm hinderlich
sey, beschlo er, es aus dem Wege zu rumen. In dieser Absicht ging er
Samstag Nachts mit einer Schaufel in den Wald, wo er in einem
abgelegenen Schlag eine tiefe Grube machte. Am andern Nachmittag lud er
das Mdchen zu einem Gange dahin ein, und als sie dort waren, sagte er
ihr: sie solle Reue und Leid erwecken; denn sie msse jetzt sterben.
Flehentlich bat sie ihn, ihrer und seines Kindes zu schonen, sie wolle
gern in die weite Welt hinaus, um ihn an der reichen Heirath nicht zu
hindern; aber Alles war vergebens, und er gewhrte ihr nur noch so viel
Zeit, um drei Vaterunser zu beten. Als sie damit fertig war, sprach sie
zu ihm: Das sage ich Dir, wenn Du mich umbringst, wird mein Blut Dich
verrathen! Hierber lachend, tdtete er sie mit mehreren Stichen und
verscharrte sie in die Grube. Bald nachher begab er sich auf einige
Jahre zu seiner Fahne, whrend welcher Zeit der Wald in Gemeindewiesen
umgewandelt ward. Nachdem der Bursch im Heere ausgedient hatte, lie er
sich in Ottenheim nieder und heirathete die reiche Bauerstochter. Einst
mute er die Gemeindewiesen mhen helfen, wobei er gerade auf die Grube
zu stehen kam. Beim ersten Hieb, welchen er in's Gras that, wurde die
Sense voll Blut; erschrocken wischte er es ab und verlie gleich die
Stelle. Zu Hause entdeckte er seiner Frau den Vorfall und die Ermordung
des Mdchens. Einige Zeit nachher gerieth er mit ihr in Hader und
brachte sie durch Stockschlge so in Harnisch, da sie auf die Strae
lief und laut die Mordthat verkndete. Er ward darauf festgenommen und,
nachdem er Alles eingestanden, mit dem Schwerte hingerichtet. Die
Gebeine des Mdchens fand man noch in der Grube und brachte sie auf den
Gottesacker.




64.

Wunderbarer Hirsch.


Ein frommer Einsiedler des Bruderthals pflegte alle Morgen nach dem
Kloster Schuttern oder, wenn Mnche von da sich in Heiligenzell
aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rckweg
an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu
ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hrnern hatte und ihm bis
zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlpferig,
da der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im
Gehen darauf zu sttzen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und
er mute im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen
lie der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des
Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der
Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor.




65.

Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier.


Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden
Walde. Gengstigt durch die vielen Schlangen und Krten, welche darin
hausten, that er das Gelbde: wenn er unbeschdigt hinaus in einen Ort
kme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stiften. Da ertnte
in der Ferne eine Glocke; er ging dem Schalle zu und gelangte glcklich
nach Oberweier, wo Nachts um zwei Uhr gelutet zu werden pflegte.

Ungesumt lie er nun ein steinernes Kruzifix verfertigen und es auf den
dortigen Kirchhof setzen, welchem es noch gegenwrtig zur Zierde dient.

Am Fue des Kreuzes sind der Name des Stifters (Jakob Erim) und allerlei
Schlangen und Krten eingehauen.




66.

Das Grabenthier.


Zu Gengenbach spukt Nachts ein mchtiges schwarzes Thier mit feurigen
Augen, welche so gro wie kleine Pflugrder sind. Es geht vorzglich im
ausgetrockneten Stadtgraben um, und wird dewegen das _Grabenthier_
genannt.




67.

Gespenstiges Thier.


Ein Mdchen von Bergach war zu Gengenbach in der Christmette gewesen
und wollte Nachts zwischen ein und zwei Uhr wieder heimgehen. An der
Kinzig kam ein Thier, so gro wie ein Metzgerhund, ihr entgegen, das
einen abscheulichen Gestank verbreitete. Sie ergriff die Flucht, ward
aber von dem Thiere verfolgt, wobei dasselbe ein garstiges Geschrei
ausstie und allmhlig so gro wurde wie ein Ochse. Bis zum Haigeracher
Bache gejagt, sprang das Mdchen hinber und kam dadurch in Sicherheit,
weil das Thier den Bach nicht berschreiten durfte.




68.

Feenweg.


Als noch auf das Bergschlo Staufenberg blos ein Fupfad fhrte, wohnte
dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schne
Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur
Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die
Burg herstelle. Betrbt ber die Unerfllbarkeit dieser Bedingung,
wandelte ein junger Ritter am waldigen Fue des Schlobergs, und da
begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte ihn, warum er so
traurig sey, und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen
Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden wrde. Nachdem er zur
bestimmten Zeit sich eingefunden, hie ihn die Fee die Herstellung des
verlangten Weges getrost beginnen; er that es und merkte bald, da eine
Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leiste. In einer Stunde war der Fahrweg zum
Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem
Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Frulein von ihrem Vater
verweigert, und er dadurch so emprt, da er denselben erschlug und in
den tiefen Burgbrunnen hinabwarf.




69.

Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach.


Vor etwa fnfzig Jahren kam ein sterreichischer Geistlicher nach
Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Mnnern
aus dem Orte bekannt geworden war, erffnete er ihnen, da auf dem alten
Schlosse ein groer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und
theilen sollten. Gerne willigten die Mnner ein und gingen mit ihm
mehrere Nchte auf das alte Schlo, wo sie, nach seiner Anleitung,
gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem
Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch fr die Sache
gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener
machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein groer
Haufe glnzenden Geldes, das die Mnner schweigend aus den mit vier
Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus
fuhren. Als sie darin waren, verga einer, da vor der Vertheilung des
Schatzes kein Wort gesprochen werden drfe, und rief: Jetzt haben wir
das Geld, jetzt sind wir reich! Da lag im Augenblick, statt des
Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der sterreichische
Geistliche war auf immer verschwunden.

                   *       *       *       *       *

Aus dem alten Schlosse fhrt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche,
die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen
Mann gelenkt wird.




70.

Verwunschener Schler.


Eines Sonntags, unterm Hochamt, kam im Stollenwald zu einem Knaben ein
verwunschener Schler und fragte ihn, was er da mache. Ich will
Vogelnester ausnehmen, erwiderte treuherzig der Bube und darauf der
andere: Geh du mit mir, und nimm dir aus jeder Kiste, die ich aufmache,
eine Handvoll Geld, aber nicht mehr, und ohne ein Wort dabei zu reden!
Unbedenklich folgte ihm der Knabe auf das alte Schlo, wo der Schler
aus einem Bschel Moosfarn einen Schlssel holte und damit auf dem Boden
eine unter Laub versteckte Steinthre aufschlo. Durch dieselbe stiegen
sie hinab und kamen nacheinander in drei mit Kostbarkeiten angefllte
Gewlbe. In dem ersten ffnete der Schler eine Kiste voll Silbergeld,
im zweiten, nach Herabjagung eines schwarzen Pudels, eine voll
Goldstcke, und im dritten eine voll Kupfermnzen. Aus jeder nahm sich
der Bube schweigend eine Handvoll und folgte dann seinem Fhrer in's
Freie zurck. Letzterer schlo nun die Steinthre zu, legte den
Schlssel wieder in den Bschel und verlie den Knaben. Als dieser das
Geld heimgebracht und erzhlt hatte, wie er dazu gekommen, mute er mit
seinem Vater gleich wieder auf das alte Schlo; allein dort konnte er
weder Bschel, noch Schlssel, noch Steinthre mehr auffinden.




71.

Geist erlst.


Nach dem Tode eines Schappbacher Hofbauers lie sich Nachts in seinem
Bergwald ein Licht sehen, welches an einem Grnzstein hin und her
schwebte. Einst ging ein berauschter Metzger aus dem Orte mit einem Kalb
spt an dem Berg vorber und als er das Licht erblickte, rief er ihm zu.
Komm herunter und leuchte mir, da droben hilfst du mir nichts!
Augenblicklich war dasselbe bei ihm und brachte ihn und das Kalb im Nu
hinauf zu dem Grnzstein. Drehe den Stein! sagte das Licht zu dem
nchtern gewordenen Metzger. Das werde ich nicht knnen, erwiderte er,
und darauf jenes: Es geht schon, versuche es nur! Als er es that,
konnte er den Stein ganz leicht bis in eine gewisse Richtung wenden.
So, jetzt bin ich erlst! sprach dann das Licht und verschwand. Zu
Hause zeigte der Metzger die Sache an, und bei der Untersuchung stellte
sich heraus, da der Hofbauer bei seinen Lebzeiten dem Grnzstein eine
falsche Richtung gegeben, und dadurch ein Stck des anstoenden fremden
Waldes sich verschafft hatte, welches nun dem rechtmigen Eigenthmer
zurckgegeben wurde.




72.

Die lange Ell.


In den Straen von Oppenau geht Nachts eine gespenstige Frau, in der
Ortstracht, um. Sie ist so hoch, da sie in den zweiten Stock der Huser
sieht, und wird die _lange Ell_ genannt. Frauen, welche noch spt in der
Nacht husliche Geschfte verrichteten, hat sie schon ermahnt, dieselben
knftig frher zu besorgen.




73.

Der Teufel kommt um die Beute.


In einer Stube zu Oppenau verrichteten Nachts zwischen elf und zwlf
drei Mnner das Christoffelsgebet. Da kam der Teufel, brachte ihnen
einen Zuber voll Geld und sprach: Wer zuletzt hinaus geht, der ist
mein! In der Angst wuten die Mnner nicht, was sie thun sollten:
endlich lief einer zum Pfarrer und erzhlte ihm das Geschehene. Darauf
holte derselbe die Monstranz mit dem Allerheiligsten und begleitete den
Mann zu den zwei andern. Auf sein Gehei verlieen dann die drei mit ihm
die Stube, er ging hinter ihnen und rckwrts, die Monstranz in den
Hnden, so, da der Heiland der Letzte war. Hierdurch kam der Teufel um
seine Beute; er nahm aber auch den Zuber voll Geld wieder mit hinweg.




74.

Reden bringt um den Schatz.


Um den Schatz zu heben, welcher am Hohenrain bei Lautenbach vergraben
ist, lieen zwei Bursche Mittags in diesem Dorf eine Zwingmesse lesen.
Whrend derselben hackten sie stillschweigend auf dem Platz ber dem
Schatze ein wenig Erde weg, steckten zwei Weidenruthen hin, und von
selbst hob sich die Kiste voll Geld aus dem Boden. Als sie darnach
langten, kam einer, der ganz mit Kochlffeln behngt war, den Berg
herunter, bei dessen Erblickung der eine Bursch dem andern zuflsterte:
Sage nur nichts! Da versank die Kiste drhnend in die Tiefe, und der
mit den Kochlffeln war wie weggeblasen. Da die Hebung des Schatzes
milungen sey, merkte der Priester sogleich in der Zwingmesse.




75.

Feiertags-Entheiligung bestraft.


An Maria-Geburt 1843 heimste ein Mann zu Oberkirch ohne Noth sein
Grummet ein, worauf er uerte, jetzt sey es vor dem Wetter gesichert.
Zur Strafe dafr schlug in der folgenden Nacht der Blitz in sein Haus
und verbrannte dasselbe mit allem Futter und Vieh, das darin war.




76.

Schatz und Spuk auf der Schauenburg.


Auf dem verfallenen Bergschlosse Schauenburg liegt ein Geldschatz
vergraben, bei dem alle sieben Jahre eine weie Frau sich zeigt. Einst
in der Nacht rief sie den Schweinhirten von Loh, welcher mit einem Bunde
Holz am Schlosse vorbeiging, mit seinem Taufnamen Ciriak, und als er
darauf stehen blieb, bat sie ihn, ihr aus dem benachbarten Brunnen einen
Trunk Wasser zu holen; durch denselben werde sie erlst und er dann Herr
des Schatzes. Ich habe kein Geschirr zum Schpfen, erwiderte der
einfltige Mensch, und darauf die Frau: So nimm deinen Schuh dazu!
Jetzt erst bemerkte der Hirt, da sie auf der Brust einen schwarzen
Flecken habe, und nun weigerte er sich, ihre Bitte zu erfllen. Da
entfernte sich die Frau unter frchterlichem Krachen, und er wurde, ohne
zu wissen wie, in einen hohen Tannenstamm gesetzt, der sich pltzlich zu
einer Gabel gespaltet hatte. Weil er sich nicht heraushelfen konnte,
erhob er ein groes Geschrei; aber erst am Morgen ward er von
herbeikommenden Holzhauern gehrt und aus seiner Klemme befreit.




77.

Teufelsstein.

(Abweichungen von Nr.129 des Hauptwerks.)


1) Kaum war das Wendelinskirchlein bei Meisenbhl und Nubach fertig,
so wollte der bse Feind es zusammenwerfen. Zu dem Ende lud er, mit
Hlfe der andern Teufel, den grten der _zwlf Steine_ sich auf, und
begab sich damit allein auf den Berg ber der Kapelle. Als er von ihr
noch etwas entfernt war, fing es darin an zu luten, und da mute er den
Felsen fallen lassen, welchen er nachher nicht wieder aufheben konnte.

2) Um die Kapelle zu zertrmmern, bi der Satan den Felsen vom Berg ab
und ging damit auf sie los. Im _Erbsengarten_ begegnete ihm ein altes
Mnnlein, das unser Heiland war, und fragte ihn, was er vorhabe. Den
Schweinstall da unten will ich mit dem Stein zusammenwerfen, antwortete
er, indem er auf das Kirchlein wies. Das Mnnlein redete ihm zu, vorerst
seine Last abzulegen und auszuruhen, was er auch befolgte. Nach einiger
Zeit wollte er den Felsen wieder aufheben; aber da war derselbe so weich
geworden, da sich seine Krallen darein drckten, und er mit ihm der
Kapelle nicht mehr schaden konnte.

3) Als der Teufel den Stein auf das Kirchlein werfen wollte, erschien
der Erzengel Gabriel, und durch dessen Macht wurde der Stein so hei,
da er schmolz und fr den Bsen unbrauchbar ward.




78.

St. Antonius bei Oberachern.


Als einst die Schweine von Oberachern im nahen Bergwald weideten,
whlten sie ein kleines hlzernes Standbild des heiligen Antonius von
Padua aus dem Boden. Dasselbe stellten die Hirtenbuben an einen dortigen
Eichstamm und machten ein Dach von geflochtenen Weiden darber. Bald
leuchtete das Bild mit Wundern, und mit der Andacht nahmen die Opfer so
zu, da auf dem Platz eine stattliche Kapelle erbaut werden konnte. Sie
trgt den Namen des Heiligen, und auf ihrem Hochaltar ist das Gnadenbild
aufgestellt.




79.

Hohinrot's Erbauung.


Der Sohn aus der Burg Rodeck und die Tochter aus der Burg Altwindeck
wollten einander ehelichen; es fiel ihnen aber schwer, sich von ihren
Eltern zu trennen. Sie suchten dewegen auf dem Gebirge nach einem
Platze, von welchem sie beide Burgen sehen knnten. Mit vieler Mhe
fanden sie einen solchen und lieen dort fr sich das Schlo Hohinrot
erbauen, aus dessen Fenstern sie dann ihren Eltern fleiig zuwinkten.




80.

Brigitte.


Ein Ritter von Hohinrot hatte eine Frau, Namens _Brigitte_, von der die
Burg auch das _Brigittenschlo_ heit. Sie war eben so fromm, als
mildthtig, besuchte und pflegte die Kranken der umliegenden
Ortschaften, entband die Wchnerinnen und schenkte den Armen so viel sie
vermochte. Als sie einst denselben einen Korb voll Essen bringen wollte,
begegnete ihr ihr Mann, der das viele Verschenken nicht leiden konnte.
Was hast Du in dem Korbe? fragte er, und erhielt die Antwort: Rosen.
Da hob er den Deckel auf, und sieh! der Korb war mit den schnsten Rosen
angefllt.

So gut auch Brigitte war, und obgleich sie dem Ritter zwei schne
Knblein geboren hatte, verstie er sie doch von sich und ihren Kindern,
und nahm eine seiner Mgde zum Kebsweib. Gott ergeben wanderte die arme
Frau in das Niederland und diente dort als Magd zwanzig Jahre. Nach
deren Ablauf zog sie auf den Breitenbrunner Hof, eine halbe Stunde von
Hohinrot, wohin sie jeden Samstag mit den andern Bettelleuten ging, um
Almosen zu holen. Dasselbe wurde von ihrem ltesten Sohne ausgetheilt,
dem ihr instndiges Benehmen so auffiel, da er seinem Vater davon Kunde
gab. Bei ihrer nchsten Anwesenheit lie dieser sie herbeirufen; allein
er erkannte seine Frau nicht mehr, wohl aber den Trauring an ihrem
Finger. Von wem habt ihr diesen Ring bekommen? fragte er sie und
erhielt zur Antwort: Den habt ihr mir bei unserer Trauung gegeben. Da
ergriff den Ritter Schmerz und Reue, er bat seine Gattin, wieder seine
Hausfrau zu werden, er wolle die Magd und die Kinder, welche er mit
derselben erzeugt, aus dem Schlo entfernen und reichlich fr deren
Zukunft sorgen. Gern erfllte Brigitte seine Bitte, und setzte dann, von
den Ihrigen untersttzt, ihre Wohlthtigkeit und Andacht fort. Die
Unwissenden im Glauben zu belehren, war ihr ein Hauptanliegen,
namentlich bekehrte sie eine Sippschaft Heiden, die im Land
umhergezogen, aber von ihr in die Burg aufgenommen worden waren. Jeden
Tag begab sie sich in die Sasbacher Kirche, wohin vom Schlo ein
unterirdischer Gang, wie auch ber den Schelsberg und Vogelsberg ein
Fupfad fhrte. Letztern ging einst Brigitte und lie bei jedem Schritt
einen Kronenthaler fallen, damit er in einen Fahrweg umgewandelt werden
knne. Die erwhnte Kirche wurde von ihr mit Geschenken berhuft, wozu
besonders die groe Glocke gehrt, welche ihren Namen trgt. Als sie
einmal diesem Gotteshause zuging, fingen dessen Glocken von selbst an zu
luten. Der Mener eilte auf den Thurm, und bei Erblickung der nahenden
Burgfrau rief er: Die nrrische Brigitte kommt! Da strzte er zum
Fenster hinaus und brach das Genick, und eine Stimme vom Himmel sprach:
Sie ist heilig! Seit der Zeit hat dieses wunderbare Gelute stets
Brigittens Gang von der Banngrenze bis zur Kirche begleitet. Gegen sich
ward die fromme Frau immer strenger. Sie kleidete sich ganz gering, in
selbst gefertigte Zeuge, und nhrte sich zuletzt nur mit der Milch einer
Ziege. Endlich starb sie eines seligen Todes, wobei in der ganzen Gegend
die Glocken von selbst luteten, und wurde, von Jung und Alt begleitet
und beweint, in dem Sasbacher Gotteshause beigesetzt. Die bekehrten
Heiden waren auch bei dem Trauerzug und verlieen gleich nachher das
Schlo, in dessen berbleibseln ihre Wohnung, das _Heidenstblein_, noch
gegenwrtig gezeigt wird.




81.

Wunderquelle.


Am Markustage 1854 war an dem _Wolkenkreuz_ zu Neusatzeck ein Altar
errichtet. Als der Pfarrer bei dem Bittgang daselbst das Gebet
verrichtete, ward ihm so schwach, da er aufhren mute und nach einigen
Schritten vor sich hinfiel. Hierbei berhrte das Versehkreuz, welches
er, um damit den Segen zu geben, auf der Brust hngen hatte, den Boden,
und sogleich entsprang dort eine Quelle, die gegen vielerlei bel sich
heilsam erweist.




82.

Vergeltung.


Einem Kruzifix bei Ottersweier hieb einmal ein Reiter der Neufranken
mit seinem Sbel einen Arm ab. Da fiel ihm der Arm, womit er den Hieb
gefhrt, augenblicklich vom Leibe.




83.

Gotteslsterung bestraft.


Der Herbst 1833 lieferte im Bhlerthal einen ziemlich geringen Wein. Als
ein dortiger Hofbauer denselben im Rebstockwirthshaus versucht hatte,
schttete er das brige im Glase einem dahngenden Kruzifix in's Gesicht
mit den Worten: Warum lssest Du ihn nicht besser wachsen, sauf' ihn
selbst! Sogleich ward er auf beiden Augen blind und blieb es auch sein
Leben lang.




84.

Krten in Geld verwandelt.


Ein Mann von Bhl sah eines Tages im Wald eine Menge kleiner Krten auf
einem Haufen liegen. Um einen Spa zu machen, fllte er sie in einen
Sack und leerte ihn in der Nacht in seines Nachbars Wohnstube. Als
dieser am Morgen hineinkam, fand er den Boden mit Goldstcken und
Kronenthalern bedeckt, welche sich zuzueignen er nicht sumte. Bald
nachher erzhlte er es dem Manne, worauf derselbe erklrte, da er ihm
das Geld verdanke und es mit ihm theilen msse. Als jener Letzteres
verweigerte, klagte der Mann bei Amte, und dieses erkannte dann das
Geld, als einen gefundenen Schatz, der Herrschaft zu.




85.

Schatz versinkt beim Fluchen.


Im Walde bei Bhl sah ein Mann ein Huflein glhender Kohlen liegen und
hob etliche nach einander auf, um seine Pfeife anzubrennen. Da keine
zndete, fing er zuletzt an zu fluchen, und sogleich versank das
Huflein in den Boden. Jetzt erkannte er zu spt, da die Kohlen ein
Schatz waren.




86.

Bestrafte Sakramentschnder.


In einem Dorfe bei Bhl wurde vor Kurzem ein wandernder Handwerksbursche
Nachts so krank, da er den Wirth der Herberge bitten lie, ihm den
Pfarrer zu rufen. Dies hrten zwei Hochschler, welche noch in der
Wirthsstube saen, und beredeten den Wirth, mit ihnen einen Spa
auszufhren. Nachdem sie ihr Aussehen verndert, lieen sie sich vom
Wirthe als Pfarrer und Mener dem Handwerksburschen vorstellen. Dieser
beichtete dann dem vermeinten Pfarrer und erhielt von ihm das Abendmahl,
welches eine weie Rbenscheibe war. Als die Drei nachher vom Kranken
weggingen, schwebte er auf der Treppe in weier Gestalt neben ihnen her,
worauf der Wirth in dessen Kammer zurckeilte. Er fand ihn todt und, bei
seiner Rckkunft in die Wirthsstube, die beiden Hochschler erstarrt und
kohlschwarz dastehen. In dieser Weise sind sie noch dort; die Stube ist
verschlossen und ihr Betreten Jedermann untersagt.




87.

Stole schtzt vor dem hllischen Feuer.


Von der Abtei Schwarzach kaufte kurz vor ihrer Aufhebung ein dortiger
Bauer ein Stck Feld und Wald, versumte aber, sich fr die Zahlung
einen Schein geben zu lassen. Nach einigen Jahren forderte die
Herrschaft, welcher das Kloster zugefallen, von ihm den Kaufschilling,
und da er dessen Entrichtung nicht beweisen konnte, ward er verurtheilt,
ihn nochmals zu erlegen.

Als er, voll Verdru ber diesen Spruch, von Rheinbischofsheim
zurckging, begegnete er im Wald einem Jger, von dem er um die Ursache
seines Unmuths befragt wurde. Auf die Antwort: er knne ihm doch nicht
helfen, erwiderte derselbe, da er wohl es vermge, und erfuhr dann die
ganze Sache. Du sollst einen Schein fr die Zahlung bekommen, wenn du
thust, was ich von dir verlange, sprach der Jger, und darauf der
Andere: Ja, sofern es mir an Leib und Seele keinen Schaden bringt.
Ungesumt nahm nun der Jger den Mann auf die Schultern und trug ihn
windschnell zu einem groen Schlosse, wo er ihn absetzte und zu ihm
sagte: Geh' hinein! hinter der dritten Thre wirst du den Mnch finden,
mit dem du den Kauf abgeschlossen hast; begehre von ihm den Schein, und
wenn du ihn empfangen, so ziehe den Dreien, welche an dem Tische sitzen,
die Stolen ab und lege sie auf diesen; alsdann mache dich fort, aber
unterstehe dich nicht, einen Blick zurck zu thun! Ohne Bedenken ging
der Bauer in das Schlo und fand in dem bezeichneten Gemach den
verstorbenen Mnch, welcher mit zwei abgeschiedenen Geistlichen seiner
Bekanntschaft an einem Tische Karten spielte. Auf die Bitte des Mannes
um den Schein pfiff er Einen herbei, von dem er sich Schreibzeug bringen
lie, schrieb den Schein und gab ihn dem Bauer. Nach diesem nahm
letzterer den drei Geistlichen die Stolen ab, legte sie auf den Tisch
und ging hinweg. Unter der Thre schaute er um und sah, da an den
Geistlichen hohe Flammen emporschlugen. Als er drauen zu dem Jger kam,
sprach derselbe: Du hast umgeschaut und dehalb verdient, da ich dich
etliche Tage da in der Hlle liee; weil du aber sonst deine Sache recht
gemacht, will ich dir die Strafe schenken! Hierauf nahm er ihn wieder
auf die Achseln und trug ihn windschnell an die Stelle zurck, wo er ihn
frher aufgeladen. Den Schein zeigte der Mann beim Amte
Rheinbischofsheim vor und wurde nunmehr von der nochmaligen Zahlung
freigesprochen.




88.

Mariabild zu Steinbach.


In einem ungebrauchten Stalle zu Ottenhofen ertnte einstmals
lieblicher Gesang aus dem Boden. Der Hauseigenthmer grub auf dem Platze
nach, fand ein hlzernes Standbild, welches die seeligste Jungfrau mit
dem Jesuskindlein vorstellte. Beim Graben hatte der Kopf Marias den Ri
bekommen, welcher noch vorhanden ist. Nachdem hinter dem Stalle, im
Garten, ein hlzernes Kapellchen errichtet war, wurde das Bild
hineingestellt und nachher viel besucht und reichlich beschenkt. Weil
diese Andacht keine Genehmigung hatte, so lie der Pfarrer zu Steinbach,
wohin Ottenhofen gehrt, in einer Nacht das Bild durch einen Mann in
seine Kirche holen; allein in der Frhe stand es wieder im Kapellchen,
und eben so am folgenden Morgen, nachdem es in der Nacht zuvor, wie das
erste Mal, fortgenommen worden war. Hierauf holten es die Steinbacher in
feierlichem Bittgang in ihre Kirche und stellten es am Schwibbogen des
Chors auf, wo es denn auch blieb und fortfuhr, mit Gnaden zu leuchten.
Ungeachtet dessen lie ein spterer Pfarrer, zum rger der Gemeinde, das
Bild hinten hin, unter den Glockenturm, setzen. Da sah man das Innere
der Kirche, mehrere Nchte nach einander, hell erleuchtet, und als eines
Tages Leute vor dem Bilde beteten, fiel pltzlich eine brennende Kerze,
die dort aufgesteckt war, in zwei Hlften gespaltet herunter. Auf dieses
wurde das Bild wieder an seinen vorigen Platz gestellt, wo es noch steht
und mit groem Vertrauen verehrt wird.




89.

Meisterschu.


Als im Jahre 1796 eine Kriegsschaar Neufranken auf der Landstrae von
Scheuern gegen Baden rckte, ritt der Oberst mit seinem Feldgehlfen und
seinem Bedienten an der Spitze. Auf einmal pfeift eine Bchsenkugel vom
Berge herab und streckt alle Drei todt darnieder. Der Schu geschah aus
groer Entfernung von einem sterreichischen Scharfschtzen, der darauf
ber das Gebirge sich davon machte. Seitwrts des Platzes, wo die Drei
gefallen, wurden sie beerdigt und ihre Grber mit drei niedern
Steinkreuzen bezeichnet.




90.

Bund mit dem Teufel.


Ein Mller in Baden sollte seine baufllige Mhle herstellen lassen,
allein er hatte dazu keine Mittel. Hierber betrbt, stand er eines
Morgens unter seiner Hausthre, da kam ein fremder Mann in reicher
Kleidung zu ihm und fragte ihn, was ihm fehle. Als der Fremde es
erfahren hatte, versprach er, dem Mller Geld zu verschaffen und fhrte
ihn in der dritten Nacht in das Gewlbe des alten Schlosses. Dort holte
er ein Gebund Schlssel hinter einem Felsen hervor und machte damit an
der Wand eine Eisenpforte auf, durch die sie in einen Saal und durch
eine zweite solche Thre in ein kleineres Gewlbe kamen, worin eine
eiserne Kiste stand. Diese ffnete der Mann auch mit den Schlsseln und
hie dann den Mller von dem Silbergeld, womit sie gefllt war, so viel
nehmen, als er tragen knne. Gierig fllte derselbe den Sack, welchen er
mitgebracht hatte; alsdann schlo der Mann die Kiste und beim Weggehen
die Thren wieder zu, legte die Schlssel hinter den Felsen und
begleitete, ohne viel zu reden, den Mller bis zu dessen Hause. Ohne
Sumen lie nun dieser seine Mhle niederreien und eine neue bauen;
aber lange ehe sie fertig, war das Geld ausgegeben. Da ging er in der
Nacht mit dem Sacke wieder auf das alte Schlo, fand richtig hinter dem
Felsen die Schlssel und gelangte mittelst ihrer in das kleine Gewlbe,
wo er auf der Kiste einen schwarzen Pudel liegen sah. Nicht ohne Zagen
hie er ihn heruntergehen, was derselbe auch gleich that und damit
verschwand. Hierauf machte der Mller die Kiste auf, nahm daraus so viel
Geld, als in den Sack ging und verschlo sie wieder. Whrend dessen war
die Gewlbthre zugefahren und als er fortgehen wollte, konnte er sie,
trotz aller Anstrengung, nicht mehr aufbringen. Erschpft und voll Angst
setzte er endlich sich nieder, da ffnete sich pltzlich die Thre, und
herein trat ein stattlicher Jger. Grimmig fuhr dieser ihn an, da er
ihm so viel Geld habe stehlen wollen, und drohte, ihn in Stcke zu
reien, wenn er nicht gleich sich verbindlich mache, ihm nach 15 Jahren
seine Seele zu berlassen. Obschon der Mller nun wute, da er es mit
dem Teufel zu thun habe, so schrieb er doch in seiner Noth den Vertrag
nieder, worauf er mit dem Sacke voll Geld heim gehen durfte. Eifrig
betrieb er nun den Fortbau der Mhle, whrend dessen er wenig seines
Vertrags mit dem Bsen gedachte. Spter aber machte ihm derselbe mehr
Unruhe und, als 10 Jahre um waren, solche Angst, da er halbe Tage in
der Kapuzinerkirche mit ausgespannten Armen betete. Dieses fiel im
Kloster auf und bewog den Guardian, ihn um die Ursache seines Kummers zu
fragen. Lange wollte er mit der Sprache nicht heraus; endlich aber
erzhlte er, wie er in des Teufels Schlinge gerathen. Da rieth ihm der
Guardian, zu ihm in's Kloster zu ziehen und ein strenges Buleben zu
fhren, was er auch bis zu dem Tage that, an welchem seine Frist ablief.
Nachdem er an demselben gebeichtet und kommuniziert hatte, nahmen ihn
die Kapuziner an dem Hochaltar in ihre Mitte und erwarteten den Bsen.
Zur bestimmten Stunde kam auch dieser an die Kirchthre und forderte die
Auslieferung des Mllers; der Guardian aber erklrte ihm, da er an
demselben keinen Theil mehr habe, und beschwor ihn, die Handschrift
herauszugeben. So sehr der Teufel auch widerstrebte, so mute er endlich
doch sie zur Thre hineinwerfen, worauf er mit grimmigem Gebrll
davonfuhr. Nach diesem blieb der Mller noch drei Jahre im Kloster, und
als er dann in die Welt zurckkehrte, setzte er das gottselige Leben
fort bis an sein Ende.




91.

Geist vertragen.


Vor etwa hundert Jahren starb in Baden ein Wirth und spukte darauf in
seinem Keller, wo er an die Fsser klopfte und andern Lrm machte. Um
ihn los zu werden, lie seine Frau einen frommen Pater aus dem
Kapuzinerkloster kommen, der von ihr ein Stck Klsch begehrte und mit
demselben und zwei brennenden Kerzen nach der Abendglocke in den Keller
ging, worin der Geist schon umher polterte. Unbeirrt durch dessen
Gebrll, vollbrachte der Pater die Beschwrung, lie dann von dem
Hausknecht, welcher oben an der Kellertreppe hatte warten mssen, den
zusammengerollten Zeug hinauftragen und sagte ihm, er solle denselben
auf die Teufelskanzel bringen. Der Knecht verweigerte jedoch, seinen
Herrn aus dem Hause zu tragen, und schlug dazu einen Mann von Selbach
vor, der, ohne zu wissen, was vorgehe, im Haus bernachte und beim
Heimgehen ohnehin zur Teufelskanzel komme. Gegen das angebotene
Trinkgeld bernahm der Mann gerne das Geschft, aber statt den Klsch am
bestimmten Orte abzuladen, brachte er ihn seiner Frau als einen Fund,
welchen er unterwegs gemacht habe. Voll Freude rollte sie den Zeug
auseinander, da hpfte eine groe Krte heraus und unter den Ofen, wo
sie noch heute sitzt, in der Nacht chzet und durch kein Mittel wieder
fortgeschafft werden kann.




92.

Lichtenthals Erbauung.


Anfnglich wollte man das Kloster Lichtenthal am sonnigen Schafsberg
erbauen, da, wo jetzt das Pchterhaus steht; allein in der Nacht wurden
die Steine und das Holz durch die Engel hinweg und zum winterlichen
Leusberg getragen. Das Gleiche geschah in den zwei folgenden Nchten,
nachdem die Baustoffe jedesmal an den Schafsberg zurckgeschafft worden
waren. Nunmehr baute man das Kloster auf dem vom Himmel bezeichneten
Platze, wo es auch noch heute steht und in geistlicher Schnheit
fortblht. ber ihm wurde neuerlich, in einigen Adventsnchten,
stundenlang in der Luft beten gehrt.




93.

Erdweiblein.


In dem _Kchenfelsen_ zu Oberbeuren hatten ehemals schne Erdweiblein
ihre Wohnung und Kche, und von der letztern schreibt sich sein Name
her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen
gehrte, mit den Worten ein:

  Kommet her, ihr Armen,
  Esset auch von dem Warmen!

worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen
Zwiebelkuchen trefflich schmecken lieen. Von nun an standen sie mit den
Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig,
welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das
Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus
ihrer eigenen Kche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses
enthalten war, sowie die dazu gehrenden Silberbestecke muten jedoch
von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein
sie dann zurckholten.

Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln fr sich zurck, und auf
dieses lieen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch
ihrer Kche noch manchmal aufsteigen sah.

Nach der Aussage eines verfahrenen Schlers liegen in dem Felsen groe
Reichthmer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei
Rosmarinstengeln ffnen zu knnen.

Abweichend erzhlen Andere so:

Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, lieen die Leute
des Hauses fr sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf
die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie,
ohne sie zu berhren, sogleich hinweg und lieen nie sich wiedersehen.




94.

Fordere den Teufel nicht heraus.


Einst gingen zwei Beurener Mnner, spt in der Nacht, von Gernsbach
heim. Unterwegs zieht der jngere seine drei Messer hervor, fhrt damit
wild in der Luft umher und ruft: Heute wollte ich es mit drei Teufeln
aufnehmen! Als sie an die verrufene Stelle Mllenbild kommen, sagt
er, wohin deutend, zum ltern: Sieh, dort stehen drei! Derselbe kann
niemand erschauen, gleich darauf aber sieht er, da sein Begleiter von
ihm weg und, ellenhoch ber dem Boden schwebend, gegen Gernsbach
zurckschiet. Eilends luft er ihm nach, vermag aber nicht, ihn
einzuholen und ruft endlich: Geh in Gottes Namen, ich kann dir nicht
mehr helfen! Auf dieses steht der andere, am ganzen Leibe zitternd,
rckwrts von ihm, im Straengraben. Nachdem er sich etwas erholt hat,
spricht er: Die Drei waren gehrnte Teufel, welche mich packten und
fortschleppten und dabei zerkratzten, zerschlugen und so wrgten, da
ich keinen Laut ausstoen konnte; um vor ihnen sicher zu seyn, will ich
nchstens zur Beicht gehen, was ich seit drei Jahren nicht mehr gethan
habe.




95.

Seefrauen.


Einem Forbacher Holzhauer, welcher beim Herrenwieser See beschftigt
war, brachte ein Weiblein aus demselben Monate lang das Mittagsessen; er
sollte aber, wie sie ihm gleich Anfangs gesagt, es niemand offenbaren.
Seiner Frau fiel endlich auf, da er das Essen, welches sie ihm mitgab,
meistens zurckbrachte, und sie fragte ihn so lange und dringend um die
Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am andern Tage wieder
beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte,
da sie ihm, weil er die Sache ausgeplaudert, kein Essen mehr bringe,
ihm jedoch zum Abschiede noch die zwei Bunde Stroh schenke, die er
sorgfltig bewahren solle. Hierauf ging sie nach dem See zurck. Trotz
ihrer Ermahnung, warf der Mann auf dem Heimwege das Stroh weg; ein
Hlmchen aber blieb ihm am rmel hngen, das er zu Hause in Gold
verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh
hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden.

Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau im See
bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das
Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie
trockenen Fues, eine Treppe hinab, in schne Gemcher gelangten. In
einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie
glcklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bndel Haberstroh,
welches sie, noch im See, verchtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber
ein Halm hngen, und als sie aus dem Wasser war, fand sie ihn in eitel
Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spt, das Bndel weggeworfen zu
haben.

An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Forbach in die Kirche, und
an Fastnacht und Kirchweihe in das Lwenwirthshaus zum Tanze zu kommen.
Sie waren zart und schn, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der
Schwarzwlderinnen und Rslein auf den Strohhten. Um zehn Uhr des
Abends muten sie stets zu Hause seyn, und darum gingen sie immer frh
vom Tanzboden weg. Einmal aber versptete sich eine von ihnen, welche
eine Liebschaft mit einem Forbacher Burschen hatte, und als er sie zum
See begleitete, bat sie ihn, am Ufer zu warten, wenn sie in's Wasser
gestiegen sey. Werde dieses dann milchwei, so habe sie kein Leid
erfahren; werde es aber blutig, so sey sie, wegen ihrer Versptung,
umgebracht worden, und er solle eiligst entfliehen, sonst koste es auch
ihm das Leben. Nicht lange hatte der Bursch gewartet, so sah er im See
Blut emporsteigen und ergriff schleunig die Flucht. Nachher sind keine
Seejungfrauen mehr nach Forbach gekommen.




96.

Forbachs ltestes Haus.


Zur Zeit, wo die Gegend von Forbach noch eine Wildni war, stand darin
einsam der _Schramberger Hof_, von dem jetzt allein der Keller brig
ist. Als der Hofbauer einen Sohn bekam, lie er ihn erst nach acht
Jahren in Rothenfels taufen, wofr er dem Pfarrer ein Kalb mitbrachte.




97.

Verwnschung.


Ein Mann von Forbach wollte aus seiner Bergscheuer bei der _Wolfsgrube_
Heu holen und traf dort einen ausgeschriebenen Wilderer. Derselbe bat
ihn, ihm Brod herzubringen, was der Mann auch versprach und ihn da
warten hie. Statt Brodes brachte er aber Bewaffnete mit und nahm den
Wilderer gefangen. Fr dessen Einlieferung erhielt er beim Oberamt
zwanzig Gulden Blutgeld auf rothes Tuch ausgezahlt. Ehe der Wilderer
hingerichtet wurde, sprach er zu dem Manne: Weil du mich so schndlich
verrathen hast, sollst du nicht mehr die Sonne anschauen! Diese
Verwnschung ging sogleich in Erfllung, und der Mann mute bis zu
seinem Tode stets unter sich sehen.




98.

Der Wolfsstein.


Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf
angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hrner und drckte ihn so lange an
einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der
Felsen der _Wolfsstein_ genannt.




99.

Knorr.


Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er
einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer
bedrckte. Zur Strafe hierfr mu er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf
Erlsung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in
der daran stoenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrcke. Er zeigt
sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgelute bis zur Frhglocke,
aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jger, altes Weib mit langen,
herabhngenden Haaren, Br, Stier, Pferd, Esel, Kalb, groer, schwarzer
Hund mit mchtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weie Ziege, Schaf, Katze,
Gans, groe Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine
Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft,
stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt ber einen
bekomme.

Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel ber einen Waldpfad legte,
wollte ihn schimpfend mit dem Fue wegstoen; da sprang er ihr auf den
Rcken und lie sich bis an die Stadt tragen.

Ebenso mute ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb
aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen.

Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brcke, hat er sich
schon als Schaf oder Hund von spt Heimgehenden huckeln lassen.

Auf einem Brcklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein
Mann ein einzelnes Schwein auf; aber pltzlich stand er im Wasser, und
das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden.

Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weienbacher Nachtwchter
am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock
stecken wollte. Da bemerkte er, da das Werg ein Paar Augen bekomme, und
der Knorr sey, wehalb er es eilig hinwegwarf.

Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brcke sich
sehen lassen und vor Darbergehenden hin und her gewlzt. An dieser
Brcke stand frher ein kleines Haus, welches das _Knorrhuslein_
genannt wurde.

Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die
Fe, da sie ber ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt
oder stellt er sich ihnen hufig in den Weg, und wenn sie ihm
ausweichen, ist er fters gleich wieder hart vor ihnen.

Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm
irregefhrt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg
gestellt worden.




100.

Der Grafensprung.

(Abweichung von Nr.160 des Hauptwerkes.)


Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brder, welche
ber die Theilung ihrer Gter lange nicht einig werden konnten. Endlich
kamen sie berein, da derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der
den steilen Abhang des Schlobergs gegen die Murg drei Mal hinauf und
herab reiten werde. Der Jngste unternahm es zuerst und gelangte zwei
Mal glcklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber strzte er
mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt,
verglichen sich die beiden andern in brderlicher Weise; auch nahmen
sie, zum immerwhrenden Andenken, in ihr Wappen drei Mnner auf, deren
einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trgt der Abhang den Namen
_Grafenries_ oder _Grafensprung_.




101.

Erdweiblein.


Die _Erdweibleinshhle_ im kleinen Lautenfelsen trgt diesen Namen wegen
der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige
Mdchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die
Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber
gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie ber dieselbe nicht ausbleiben
durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt,
was sie in ihren hinaufgebundenen Schrzen htten, worauf die eine
antwortete:

  Httest Du mich eher gefragt,
  Htte ich Dir es gesagt.

Von Tag zu Tag gewannen die Bursche die beiden Mdchen lieber, und
einmal, beim Tanze, vermochten sie sie, bis nach Mitternacht zu bleiben.
Als dieselben darauf heim wollten, baten sie die Bursche, sie zu
begleiten und am Felsen zu warten, wenn sie hineingegangen. Fliee dann
Blut aus ihm, so seyen sie, wegen ihrer Versptung, umgebracht worden;
komme aber Milch heraus, so htten sie kein Leid erfahren. Nicht lange
waren sie im Felsen, so quoll Blut daraus; und nachher sind keine
Erdweiblein mehr in Lautenbach gesehen worden.

Andere erzhlen: die Erdjungfrauen seyen allein heimgegangen; sie htten
aber ein Messer zurckgelassen und gesagt, wenn sie, wegen ihres
Versptens, getdtet wrden, so werde das Messer blutig werden, und
dieses sey auch geschehen.




102.

Schatz bei Gernsbach.


Dem Taglhner eines Gernsbacher Gutsbesitzers trumte drei Nchte
nacheinander: er solle auf einem gewissen Acker seines Herrn, im Bezirk
_Entensee_, zackern und die Muse, die dabei zum Vorschein kmen,
unbeschrieen todtschlagen und sorgfltig bewahren; denn sie seyen
Silbermnzen. Am Morgen darauf wurde er vom Gutsbesitzer, der von dem
Traume nichts wute, beauftragt, den erwhnten Acker zu pflgen. Um
dabei die Ochsen zu leiten, nahm er einen Buben mit, dem er befahl,
whrend der ganzen Arbeit nichts zu reden. Beim Zackern kamen eine Menge
Muse aus dem Boden und sprangen dem Manne nach; er schlug sie
stillschweigend todt, legte sie auf einen Haufen und deckte etwas
darber. Auf einmal merkte er, da die Pflugschaar in etwas stecke, und
als er nachsah, fand er sie im Ringe eines Kessels, der ganz voll Geld
war. ber das ftere Halten ungeduldig, rief jetzt der Bube dem
Taglhner, fortzumachen, und da sank der Kessel drhnend in die Tiefe.
Nachdem der Mann den Buben wegen des Rufens tchtig gezankt hatte,
schaute er nach dem Haufen Muse, und siehe, sie waren zu lauter
silbernen Geldstcken geworden.

In zwei Jahren, am ersten Mrz, Vormittags zwischen zehn und elf Uhr,
sahen die Leute, welche dem Acker gegenber wohnten, auf dem Platze, wo
der Kessel versunken, etwas Glnzendes liegen. Beim zweiten Mal dachte
der Mann, es sey ein Schatz und ging stillschweigend darauf zu; aber
unterwegs wurde er von einer Frau gefragt, wo er hin wolle, und im
Augenblick war das Glnzende verschwunden.




103.

Der Bildstock am Hrdtelstein.


Ehe die jetzige Landstrae durch das Murgthal gemacht war, zog mitten
an der flubesplten Felswand des Hrdtelsteins ein Fupfad hin. Damals
fuhr ein Mhlknecht von Ottenau, um Frucht zu holen, nach Hrdten und
schlief auf dem Wagen ein. Am Hrdtelstein schlug das Pferd, statt auf
dem Fahrweg zu bleiben, den erwhnten Fupfad ein und kam glcklich ber
den Felsen. Als der Mhlknecht gleich darauf erwachte, erkannte er, wie
wunderbar er mit seinem Gefhrt erhalten worden sey. Zum Danke dafr
lie er an der Stelle einen steinernen Bildstock errichten, auf dem ein
kleines Kruzifix ausgehauen ist.




104.

Schtze bei Michelbach.


Auf einer Wiese steht ein groer Nubaum, welcher vom Wind schon zwei
Mal mit der Wurzel ausgerissen worden ist, jedes Mal aber sich selbst
wieder aufgerichtet und im Boden festgestellt hat, weil, noch aus der
Heidenzeit, Geld unter ihm vergraben liegt.

Auch da, wo das Bergschlo gestanden, ist ein Schatz verborgen, und es
zeigt sich dort eine Schlange, die einen goldenen Ring mit drei
Schlsseln um den Hals hat.

Auf der Klotzwiese gehen drei weie Jungfrauen um, die fters
wunderschn singen und am angrenzenden Bache waschen. Eines Tages riefen
sie einen vorbergehenden Mann von Sulzbach zu sich und sagten ihm, er
knne sie erlsen und den groen Schatz, welchen sie hten mten,
gewinnen, wenn er sie in den Gestalten, worin sie ihm erscheinen wrden,
kte, wobei er nichts zu befrchten habe. Nachdem er sich bereit
erklrt, ward er von ihnen zu einem Felsen des nahen Mnzbergs gefhrt,
an welchem er jetzt zum ersten Mal eine Thre erblickte. Durch dieselbe
kamen sie in ein Gewlbe, worin drei Kisten standen, auf deren jeder ein
schwarzer Hund lag. Auf Gehei der Jungfrauen sprangen die Hunde herab,
und jene ffneten die Kisten, deren eine mit Kupfer, die zweite mit
Silber, die dritte mit Gold gefllt war. Nach diesem standen, statt der
Jungfrauen, eine Krte, eine Schlange und ein Drache da. Den zwei
erstern gab der Mann je einen Ku; den Drachen aber vermochte er nicht
zu kssen, sondern fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, lag er
auen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten
ihm, sie mten jetzt wieder warten, bis aus einem Kirschkern, welchen
ein Vogel am Mnzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem
eine Wiege fr ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst knne,
wenn es erwachsen, sie erlsen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann
gelangte mit Mhe nach Hause und starb in drei Tagen.




105.

Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn.


1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fu die Moosalb entspringt, ertnte
einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein
anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nchtlicher Weile, auf
einen nahe gelegenen Platz berirdisches Feuer gefahren war, erbaute man
auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus.
Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das
Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene bel heilkrftig.

2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Mann den schroffen
Mahlberg hinunter. An der jhsten Wegstelle brachen die Radsperren, und
nun rollte der Wagen, mit Pferden und Mann, unaufhaltsam abwrts. In
dieser groen Noth rief letzterer: O Maria hilf! und augenblicklich
stand das Fuhrwerk auf dem steilen Abhange still. Wegen dieses Wunders
ward im Thale eine Mariahilfskapelle erbaut, zu welcher bald von nah und
fern Pilgerfahrten geschahen[9].

  [9] Keine der beiden Erzhlungen findet sich in den Moosbronner
  Pfarrschriften.




106.

Steine in Geld verwandelt.


Ein Niederbhler Bube sah einst an der Wassergrube, welche das
_Glockenloch_ heit, kleine Steine aufgehuft liegen und warf etliche so
darber, da sie auf der Oberflche dahin hpften. Sobald sie das Wasser
berhrten, schimmerten sie wie Silber. Er fllte dewegen seine Kappe
mit Steinen von dem Haufen, und als er dieselben zu Hause ausleerte,
fand er sie zu werthvollen Silbermnzen geworden. In Begleitung seines
Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen
nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun hnliche Steinchen von da mit;
allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln.




107.

Der Rtterer Berg bei Rastatt.

(Zu Nr.170 des Hauptwerkes.)


Dieser Berg war schon Nachts von spukhaftem Schein umgeben. Einst brach
ein Mann sich dort eine Blume ab und fand sie zu Hause in einen goldenen
Schlssel verwandelt.

Ein anderes Mal bemerkten vorbeigehende Burschen am Berg eine Menge
Krten. Der Dummste steckte einige zu sich, und als er sie daheim
hervorzog, waren sie zu eitel Gold geworden.

Zwei Knaben und Brder von Rastatt, welche im Wald Holz gelesen hatten,
sahen beim Heimgehen das weie Frulein an der Schuhuhtte stehen und
ihnen winken, zu ihr zu kommen. Der ltere wagte es, wurde von ihr in
die Htte gefhrt und mit einem Sack voll Geld beschenkt. Kaum hatte er
ihn mit Mhe zu seinem in der Nhe wartenden Bruder gebracht, so kam ein
Mann aus der Rheinau, der von einer benachbarten Wiese alles mit
angesehen, und wollte ihnen den Sack mit Gewalt wegnehmen. Auf ihr
Geschrei trat jedoch der alterthmlich gekleidete Jger hinter der
Schuhuhtte hervor, schlug sein Gewehr auf den Mann an und jagte ihn
dadurch in die Flucht. Alsdann half er den Knaben, den Sack forttragen,
bis zufllig ein Wagen herbeikam. Dem Fhrer desselben gab der Jger ein
groes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre,
und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. berdies blieb er (aber nur dem
ltern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem
Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau
starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen.




108.

Steinbild in Sulzbach[10].


Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schlo gestanden, das
von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren
zuletzt nur Bruder und Schwester brig; sie zeugten miteinander ein Kind
und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war frher
ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Kpfe, und
das Kind ausgehauen waren.

  [10] Im Amt Ettlingen.




109.

Doppelmord wegen eines halben Kreuzers.


Zwei wandernde Metzgergesellen bettelten in einem Hause zu Ettlingen und
erhielten einen Kreuzer. Denselben wollte der Empfnger fr sich
behalten, der andere machte aber auf die Hlfte Anspruch. Hierber
geriethen sie mit einander in Streit, der eine zog ein langes Messer,
der andere eine Hippe[11] hervor, sie fielen sich an und tdteten sich
gegenseitig. Dies geschah am Ende der Stadt, Schllbronn zu, und es
stehen dehalb am dortigen Wege zwei niedere Steinkreuze, auf deren
einem eine Hippe, auf dem andern ein Messer eingehauen ist.

  [11] Winzermesser.




110.

Messe nachgeholt.


Eines Abends ward in die Ettlinger Kirche zufllig ein Schulbube
eingeschlossen, der whrend der Betstunde darin eingeschlafen war. Tief
in der Nacht erwachte er; am Altare brannten die Lichter und an dessen
Fu stand ein Priester allein und begann die Messe. Nachdem er das
=Introibo= gesprochen, schaute er auf beide Seiten, ob nicht ein Diener
da sey, der ihm antworte, und als er keinen erblickte, machte er das
Buch auf dem Altare zu und ging mit dem Kelch wieder in die Sakristei.
Augenblicklich erloschen die Lichter von selbst, und den Knaben befiel
eine solche Angst, da er zur Thre eilte, und als er sie verschlossen
fand, um Hilfe rief. Dies hrte der vorbergehende Nachtwchter; er
holte den Mener und derselbe lie den Buben aus der Kirche und fhrte
ihn am Morgen zum Pfarrer. Nachdem dieser sich Alles hatte erzhlen
lassen, unterrichtete er den Knaben im Medienen und sagte ihm hierauf,
was er zu thun habe. Vor Mitternacht begaben sich dann Beide in die
Kirche, wo nach einer Weile die Altarkerzen sich von selbst entzndeten
und wieder der Priester aus der Sakristei kam und sich anschickte, Messe
zu lesen. Ungesumt trat nun der Bube hinzu und diente ihm; aber nach
der Messe ging nicht er, sondern der Pfarrer mit in die Sakristei. Dort
von letzterem befragt, warum er im Grabe keine Ruhe habe, antwortete der
Priester: Als ich starb, war ich noch eine Messe schuldig, und um sie
nachholen zu knnen, habe ich viele, viele Jahre auf einen Diener
gewartet. Jetzt ist sie abgehalten, und ich gehe zu Gott, bei dem ich
Deiner und des Knaben nicht vergessen werde! Nach diesen Worten
verschwand er.




111.

Burgstadel.

(Zu Nr.186 des Hauptwerkes.)


Die Frau des Wattmllers erblickte eines Tages auf dem Platze, wo das
Schlo gestanden, einen offenen Keller, den sie vorher nie gesehen
hatte. Sie stieg dessen Treppe hinab und bemerkte unten drei Kisten mit
Geld. Eilends ging sie weg, um ihren Mann zu holen; aber als sie mit
demselben zurckkam, war der Keller verschwunden.

Bei dem Burgstadel war einem Mann ein Schwein verlaufen. Mit einer
Gerte, die er sich aus einer Haselstaude schnitt, suchte er es im
Gebsche, wobei er zufllig mit ihr die Bergwand berhrte. Da ffnete
sich diese und zeigte ein Gewlbe, worin das wei gekleidete Frulein
und verschiedene Kisten waren. Auf einer der letztern lag ein Hund mit
einem Bund Schlssel im Maule. Nachdem der Mann eingetreten, nahm das
Frulein die Schlssel und machte damit die Kisten auf, welche voll Geld
und Kostbarkeiten waren. Nimm Dir davon, so viel Du willst, sprach sie
zu ihm, aber vergi das Beste nicht! Ohne Sumen warf er die Gerte weg
und packte von den Schtzen ein, so viel er fortbringen konnte. Als er
damit im Freien war, schaute er nach dem Gewlbe um; aber da war der
Berg wieder zu, und er erkannte nun, da er das Beste, nmlich die
Haselgerte, zurckgelassen habe.

Bei Tagesanbruch sah einmal der Knecht aus der Sgmhle das Frulein an
der Alb einen Kbel fllen und ihn auf den Berg tragen. Er erzhlte es
seinem Herrn, auf dessen Rath er am andern Morgen abermals an den Flu
ging und das Frulein, welches wieder Wasser holte, fragte, was sie da
mache. Sie erwiderte ihm, er mge ihren Kbel nehmen und ihr damit auf
den Burgstadel folgen, was er auch ohne viel Bedenken that. Oben traten
sie durch eine Hhle in das Schlo, worin viele Kisten und ein Fa
standen, bei dem ein Hund auf einem Lotterbette lag. Nachdem das
Frulein den Kbel in das Fa ausgeleert hatte, sagte sie zu dem Knecht,
er wrde sie erlsen und alle die Schtze in den Kisten bekommen, wenn
er den Frosch, worein sie sich verwandle, trotz des heftigen, aber
unschdlichen Gebells des Hundes, dreimal mit der Hand um das Fa trge.
Beim ersten Gang um dieses bellte der Hund stark, beim zweiten noch
strker, beim dritten aber so frchterlich, da der Knecht den Frosch
fallen lie. Da war es um die Erlsung geschehen, und es erschien ein
alter Mann und fhrte den Knecht zum Berge hinaus.

Als einst ein Schfer beim Weiden oberhalb der Kalbenklamm ein Stcklein
blies, kam das Frulein und sagte ihm, er solle mit ihr gehen, seine
Heerde werde unterdessen bestens gehtet. Auf dieses folgte er ihr und
ward an einen Platz voll Schlsselblumen gefhrt, deren er eine
abbrechen und auf den Burgstadel mitnehmen mute. Dort war eine Thre
sichtbar, welche er auf seiner Fhrerin Gehei mit der Blume wie mit
einem Schlssel aufschlo. Sie gingen hinein und kamen zu drei Kisten,
auf deren einer ein schwarzer Pudel lag. ffne die Kisten mit der
Blume, sprach das Frulein zu ihrem Begleiter, und nimm daraus, so
viel Du willst, aber vergi das Beste nicht! Nachdem der Hund herab
gesprungen war, schlo der Schfer mit der Blume die Kisten auf und fand
sie mit Schafzhnen gefllt. Ohne groe Freude steckte er damit seine
Taschen voll und trat dann, die Blume zurcklassend, allein den Rckweg
an. Kaum war er aus dem Berge, so rief ihm eine Stimme klagend nach: Du
hast das Beste vergessen! Seine Heerde traf er schn beisammen und
verga ber ihr die mitgenommenen Schafzhne. Erst am nchsten Morgen
dachte er wieder an dieselben; aber statt ihrer fand er in seinen
Taschen lauter Goldstcke. Sogleich eilte er auf den Burgstadel; allein
er sah die Thre nicht mehr und merkte nun, da unter dem Besten die
Schlsselblume verstanden war, mit der er immer wieder in den Berg und
zu dem Golde htte gelangen knnen.




112.

Spielleute beim Hexentanz.


Drei Spielleute kamen Nachts beim Heimgehen von einer Kirchweihe zu
einem hell erleuchteten Waldschlo, woraus lustiger Tanz erscholl. Um
noch etwas zu verdienen, gingen sie hinein und in einen Saal des obern
Stockes, worin eine Menge Weiber zu einer Gellflte tanzten. Diese blies
Einer, welcher auf dem Tische stand; die Spielleute stellten sich zu ihm
hinauf und geigten wacker mit. Whrend dessen nahm der Bastreicher
einen goldenen und einen silbernen Becher vom Tische und steckte sie in
die Tasche. Als sie im besten Fiedeln waren, schlug es zwlf und im Nu
verschwand Alles, und die Drei waren allein im Dunkeln. Wie sie merkten,
saen sie auf einem Baume; einer von ihnen sprang hinab und brach das
Genick. Auf dieses blieben die zwei Andern oben, bis es Tag wurde, wo
sie sich auf einer hohen Tanne sitzen sahen, von welcher sie nur mit
Mhe hinab kamen. Als der Bageiger nach seinen eingesteckten Bechern
schaute, waren es eitel Khklauen.




113.

Der Jungfernsprung bei Dahn.

(Abweichung von Nr.198 des Hauptwerkes.)


Auf einer waldigen Hhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mdchen,
welches einsam Kruter sammelte, von einem geilen Jger angefallen. Sie
entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile
Felsenwand, die die Hhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern
Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei
sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin
sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die
Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen _Jungfernsprung_, und
es ward ein hlzernes Kreuz darauf gesetzt.

  [12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr.198 des
  Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger _und_ die
  kleine Zehe.




114.

Schatz gehoben.


Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte frher ein nchtliches
blaues Licht, das bald grer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann
aus dem Orte, welcher spt in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nhe des
Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und
setzte dann seinen Heimweg fort. Am nchsten Morgen um fnf Uhr war er
wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz
Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit
wird das Licht nicht mehr gesehen.




115.

Die Schlorpengasse.


Noch im vorigen Jahrhundert trieben sich zwischen Basel und Frankfurt
vierzigtausend Betteljuden, Mnner, Weiber und Kinder, heimathlos umher.
Bei Karlsruhe hatten sie in dem Wald sdlich von der Stadt ihren
Lagerplatz, wo sie hufig aus dort blhendem Holler und zusammen
gebetteltem Mehl und Schmalz sich Hollerkchlein bereiteten, endlich
wurde ihnen von der Karlsruher Judenschaft ein Haus in der
Rppurrerthorstrae zur Herberge hergerichtet und nun schlorpten
(schlarften) sie bei Tag und Nacht hinein und heraus. Davon erhielt die
Strae auch den Namen _Schlorpengasse_, welchen sie aber jetzt, wo die
Herberge nicht mehr besteht, beinahe wieder verloren hat.




116.

La die Todten ruhen.


Eine reiche Wittwe in Karlsruhe hatte eine einzige Tochter, die sie,
weil dieselbe eben so schn, als verstndig war, ber die Maen liebte.
In der Blthe der Jahre starb das Mdchen, und die Mutter war darber
ganz untrstlich. Tglich brachte sie mehrere Stunden auf dem Kirchhofe
zu und weinte und klagte an der Gruft ihres Kindes. Als sie einst in der
Frhe wieder dort sa und jammerte, rief ihr die Stimme ihrer Tochter
aus der Gruft zu: Mutter, la mich doch ruhen! Da verlie die Frau
erschttert den Friedhof und suchte, zur Beruhigung der Verstorbenen,
ber ihren Schmerz Meister zu werden.




117.

Todesvorzeichen.


Im Herbste 1851 verkndete zu Karlsruhe eine durchziehende Zigeunerin,
im nchsten Frhjahr entstehe im Lande groe Trauer. Ein Stadtwchter
wollte sie dehalb verhaften, sie sagte ihm aber, so gewi gehe ihre
Verkndigung in Erfllung, als er neun Kreuzer bei sich habe, und da er
nachsah, hatte er gerade so viel in seinem Beutel. Den Winter darauf
erkrankte der Groherzog Leopold im Karlsruher Schlosse, wo alsbald die
_weie Frau_ sich dreimal sehen lie. Einige Zeit nachher fingen die
Glocken der Stadtkirche mitten in der Nacht von selbst an zu luten, und
als der Groherzog es erfuhr, sprach er: Das war mein Grabgelute!
Wirklich starb er auch am 24. April 1852 zum Leidwesen des ganzen
Landes, und wurde dann in der frstlichen Gruft unter der Stadtkirche
beigesetzt.




118.

Schuhwechsel.


Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der
Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rcken
und lie sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last
keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine
Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der
Kapuziner vom Rcken und polterte gleich einem rollenden Fasse die
Treppe hinunter.




119.

Todesvorzeichen.


Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Brger
aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend
gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei
Mnner gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr
in die Nhe von Untergrombach kamen, sahen sie ber dem Straengraben
einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd,
einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der
sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen
Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Ro waren
verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Mnner zu ihrem
Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am
Graben, eine einspnnige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern
sa, und deren Pferd, gleich einem Leichenro, einen Federbusch trug,
und von einem daneben gehenden Mann gefhrt wurde. Statt dieser Kutsche
zeigte sich spter eine zweispnnige; der Geharnischte sa auch darin,
und die Pferde hatten ebenfalls Federbsche und Fhrer. Bis an die
Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort
aber war sie pltzlich weg und lie auch nachher sich nicht mehr sehen.
Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, da die
Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet htten, und wirklich
erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen.




120.

Der Thurmberg bei Durlach.

(Zu Nr.215 des Hauptwerkes.)


Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Mnnern eine wei gekleidete
Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrau. Sie dankten ihr,
und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. Httet
ihr mir nicht gedankt, antwortete sie, dann wre ich jetzt erlst, so
aber bin ich es nicht! Nach diesen Worten verschwand sie.

Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg ber den Berg fhrte,
legte sich daselbst ermdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen
ber sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weie Jungfrau
und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm
ihr Gebund Schlssel hin, mit den Worten: Whle einen der Schlssel,
und wenn Du den rechten errthst, so ist Dir und mir geholfen! Auf
seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, da sie selbst
denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlssel aus, allein als sie
ihn aus dem Gebund ziehen wollte, whlte er einen andern, darauf nahm
sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlsselloch einer Thre, die
daselbst in den Berg fhrte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller
Anstrengung konnte die Jungfrau die Thre nicht aufschlieen, worauf sie
traurig sagte: Es ist der rechte Schlssel nicht! und im Nu, nebst der
Thre, verschwunden war.

Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer
Verbindung, daher er immer gleich stark flieet. Bei ihm ging vormals
ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thre verschlossen war.
Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann
einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen lie. Er that ihn
in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf.
Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war
derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrckt gewesen. Nun
erkannte der Mann, da er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt
habe.

Drei andern Mnnern kam kurz vor dem Abendgelute, als sie die
Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen,
welcher ihren Gru nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten,
Geisfe hatte.

Im Advent hat man schon, um Mitternacht, eine Geisterprozession vom Berg
herunter in die katholische Kirche im Durlacher Schlosse gehen sehen.

Auf dem Heimweg von Sllingen hrte ein Durlacher Metzger, bei
einbrechender Nacht, auf dem Thurmberg Kegel schieben. Weil er dieses
Spiel sehr liebte, band er das Kalb, welches er mitfhrte, an einen Baum
und begab sich auf den Berg. Daselbst kegelten mehrere unbekannte
Mnner, allein sie hatten Niemand zum Aufsetzen. Unaufgefordert bernahm
dies der Metzger; aber nach einiger Zeit ward ihm, bei dem steten
Schweigen der Mnner, so unheimlich, da er davon lief. Da wurde ihm
eine der Kugeln nachgeworfen, die hart an ihm vorbei rollte und am Berge
liegen blieb. Ohne sie aufzuheben, eilte er zu dem Kalb und brachte es
nach Hause. Bald jedoch wurmte es ihn, da er die Kugel nicht
mitgenommen habe, welche, als er sie in aller Frhe aufsuchte, noch am
nmlichen Platze lag. Mit Freude entdeckte er, da sie von Silber sey,
und kaufte sich damit ein Stck Feld, das die _Silbergrube_ benannt
wurde.

Eines Abends sahen Buben bei dem Wchterhuschen eine Menge gelber
Blechlein aufgehuft liegen. Einer von ihnen steckte ein Dutzend
derselben ein, und als er sie daheim herauszog, waren es goldene
Elfguldenstcke geworden.




121.

Schatz ausgeliefert.


In einem Hause beim Pforzheimer Rowehr war eines Abends die Frau
allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein:
sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem
gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genieen
lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der
bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am
nchsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr
Mann den Armen reichlich mittheilten.




122.

Der Feuerschlger.


Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer
Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so gro wie Sterne, schlgt und
der Feuerschlger genannt wird. Hufig steht er bei einer gewissen Eiche
am Saume des Waldes; hufig auch fhrt er die Leute irre. Unter der
Eiche sahen Nachts ein vorbergehender Schornsteinfeger und sein Gesell
einen Haufen glhender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines
Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da
bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, da er eilig sich
zurck begab.




123.

Knigsbach.


Dieses Dorf hat seinen Namen daher, da auf dem dortigen Berg ein Knig
wohnte, und an jenes Fue ein Bach entspringt. Der Knig trieb arge
Wegelagerei, und um darber zu tuschen, wo er und seine Mannen seien,
legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das
einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand,
der _Steinhausberg_ genannt. brigens war Knigsbach damals so gro, da
es siebenhundert Brger zhlte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf
sieben herunter, welche, als der Friede verkndet ward, im
Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr
Feld wieder einzusen, muten sie den Samen weit herkommen lassen; denn
sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land
abgeschnitten.

Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr brig ist, fhrte ein
unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als
einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer
zackerte, brach sein Pferd mit einem Fue in den Boden. Beim
Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer
das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.

Auf der Burg liegt, bei einem Nubaum, ein groer Schatz in einem tiefen
Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln
fters aus der Ortskirche zwei gespenstige Frulein in weien Schleiern
und Gewndern mit Schlsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte.
Auch die Geister von Kapuzinern und ein nchtliches Licht lassen sich im
Burgraume sehen.

In ein dortiges Gewlbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein
Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen
Augen lag. Als er den Kopf zurckziehen wollte, war derselbe so
geschwollen, da, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden
mute. Nachher wurde das Gewlbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund
gefunden.

Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den
Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen
sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Kfer an Fsser
klopfen.

Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber
Schneckenhuschen. Er steckte eines davon ein und fand es spter in
einen goldenen Knopf von der Gre einer Doppelkarlin verwandelt.

Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen
mit Goldkfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Kfer
waren zu Goldmnzen geworden.

Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn
gegangen, um Futter zu holen, aber ber dem Geschft ermdet
eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und pltzlich sah sie
vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie
ihn in ihre Schrze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie
mge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden.

Im Burgraum hngt an manchen Mittagen feine weie Wsche, von der man
nicht wei, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb
11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden.




124.

Nachgeholte Wallfahrt.


Ein Mann in Weingarten hatte gelobt: von da ein hlzernes Kreuz von
dreiunddreiig Pfund ber den Engelsberg nach Walldrn zu tragen; dabei
auf jeder der vielen Staffeln des Engelsbergs ein Vaterunser und
Gegret sey'st du Maria zu beten, und in Walldrn ein Amt halten zu
lassen; er war aber gestorben, ohne dieses Gelbde erfllt zu haben.
Gleich nach seinem Tode erschien er seiner ledigen, armen Tochter und
bat sie, das, was er gelobt, fr ihn zu thun, wobei ihre vier
Geschwister ihr behilflich seyn wrden. Gerne auch lieen dieselben das
Kreuz machen und begleiteten ihre Schwester auf der Wallfahrt. Als sie
den Engelsberg zu besteigen begannen, strzte ein unsichtbarer Teufel
das Mdchen mehrmals nieder, worauf ihre Geschwister sie nebst dem
Kreuze von Staffel zu Staffel hinauftrugen. In Walldrn angekommen,
opferte sie das Kreuz in die Kirche und lie nachher das Amt halten.
Unter diesem erschien ihr ihr Vater in glnzend weier Gestalt und
dankte fr seine Erlsung. Alsdann legte er seine Hand auf die ihre,
welche sie mit einem Tuch bedeckt hatte, und verschwand. Wo seine Hand
gelegen, war deren Abbild schwarz in das Tuch gebrannt.




125.

Geist zu Weingarten.


Auf dem Thurmberg in Weingarten geht am Ostersonntag, Mittags zwischen
elf und zwlf, ein Mann in seinem ehemaligen Wingert um und lies't
Rebschnitzel auf, weil er es bei seinen Lebzeiten einmal ebenso gemacht
hat. Einst beredete ihn ein Bube, der ihn nicht kannte, ber die
Entheiligung des Feiertags, und da warf der Geist eine Hand voll
Rebschnitzel gegen ihn, welche lauter Feuer waren.




126.

Marienburg.


Auf einem Berge bei Obergrombach liegt das Schlo Marienburg. Als in der
Gegend die verheerende Brunkrankheit herrschte, wurde, wenn Jemand
starb, auf dem hohen Schlothurm eine kleine Glocke gelutet, die
dehalb das _Brunglcklein_ hie.

Von der Burg haben unterirdische Gnge nach Obergrombach, in das
Frauenkloster bei Helmsheim und in das Schlo in den _Steinhaufen_
gefhrt; sie sind aber jetzt, wie die Burg selbst, grtentheils
verfallen. In dieser hat man schon Mittags zwischen elf und zwlf
Geister kegeln hren, und Nachts zeigt sich daselbst ein sternfrmiges
Licht und eine schneeweie Frau, welche nur auf der groen Zehe einen
schwarzen Flecken hat.

Ebenda und im benachbarten Burgwingert geht ein ehemaliger Aufseher der
Schlokelter um, welcher sich an derselben erhngt hat. Er wird der
_Kelterhnnsle_ genannt und pflegt manchmal nach den Vorbergehenden mit
Erdschollen zu werfen.

Einst lie sich ein Bursch in das tiefe Gewlbe an einem Seil hinab.
Darin sah er groe Fsser herumliegen und einen Mann regungslos an einem
Tische sitzen. Nachdem er ihn vergebens angeredet hatte, berhrte er
ihn, und da fiel derselbe als Staub auseinander. Ebenso fielen die
Fsser, als sie angefat wurden, in Stcke. Der Wein war darin, durch
die Lnge der Zeit, ganz eingetrocknet.

Ein anderes Mal gruben Nachts drei Mnner stillschweigend nach der Kiste
voll Geld, die unter dem groen Thurme verborgen liegt. Endlich stieen
sie auf dieselbe, und da sprach einer von ihnen: Jetzt sind wir
darauf! Bei diesen Worten versank die Kiste drhnend in die Tiefe, und
die Mnner hatten das leere Nachsehen.




127.

Reden bringt um den Schatz.


In den sogenannten _Steinhaufen_ bei Obergrombach hat vor Zeiten ein
Schlo gestanden, und es liegt dort eine Kiste voll Geld im Boden. Nach
derselben grub in einer Nacht ein Mann, und schon erblickte er ihren
Deckel, als ein Pudel herbeikam und sich anschickte, darauf zu kacken.
Gehst du fort! rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kiste
und Pudel verschwunden.




128.

Wie Bruchsal um den Eichelberg kam.


Von ihrem Frstbischofe hatte die Stadt Bruchsal einen namhaften
Geldbetrag entlehnt, und ihm dafr den schn bewaldeten Eichelberg
versetzt. Dabei war bedungen worden, da, wenn die Rckzahlung nicht in
einer bestimmten Zeit an den Frsten selbst geschhe, das Pfand ihm
anheimfalle. Als die Frist sich ihrem Ende nahte, verreiste der Bischof,
und kehrte erst nach ihrem Ablaufe zurck. Er erklrte nun den
Eichelberg fr sein Eigentum, aber die Bruchsaler, welche am letzten
Tage der Frist ihre Schuld hatten abtragen wollen, erhoben dagegen beim
Kaiser eine Klage. Von demselben erhielten sie ein gnstiges Urtheil,
das mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Trotz dessen wollte der
Frst den Eichelberg behalten, und in dieser Absicht lud er die zwlf
Rathsherren von Bruchsal zu sich auf das Obergrombacher Schlo. Nachdem
er sie kstlich bewirthet hatte, bestrmte er sie mit Bitten und
Drohungen, eine Urkunde zu unterschreiben, die ihm den erwhnten Berg
berlasse; allein standhaft verweigerten es alle. Auf dieses lie er sie
in den Burghof fhren und, in seiner Gegenwart, ihrer elf, einen nach
dem andern, durch den Scharfrichter enthaupten. Hierbei flo das Blut,
wie ein Bach, den Schloberg hinunter. Als die Reihe an den zwlften
Rathsherrn kam, fragte der Bischof den Scharfrichter, wie ihm das
Kopfabschlagen gefalle. Wenn's Krautkpfe oder Weidenstmpfe wren, die
wieder ausschlagen, gefiele es mir schon; so aber gefllt es mir nicht!
gab derselbe zur Antwort. Hierdurch ward der Frst bewogen, den
Rathsherrn zu begnadigen; er lie ihm aber das kaiserliche Urtheil
abnehmen, welches derselbe bei sich auf der Brust trug. Nachdem der
Rathsherr nach Bruchsal zurckgekommen war, verkndete er das Geschehene
und regte dadurch Alles zur Rache auf. Es wurde verabredet, da, wenn
der Bischof bei seiner nchsten Durchreise auf die Salbrcke komme, mit
der Glocke des dortigen Kirchleins die bewaffnete Brgerschaft zusammen
gerufen werde, um sich seiner zu bemchtigen. Dies hinterbrachte ein
Verrther dem Frsten, der darauf, in der Nacht vor seiner Durchreise,
den Schwengel der Glocke heimlich herausnehmen und dafr einen
Fuchsschwanz hineinhngen lie. Als er dann ber die Brcke fuhr, wollte
man eilig in dem Kirchlein luten; aber die Glocke mit dem Fuchsschwanz
tnte nicht, und so kam der Bischof unangefochten durch die Stadt. Den
Eichelberg hat diese, bis auf den heutigen Tag, nicht zurck
bekommen.[13]

  [13] Keiner der Bruchsaler Frstbischfe hat den Eichelberg auf solche
  Weise an sich gebracht.




129.

Muttergottesrslein.


Die heilige Jungfrau pflegte die Windeln des Jesuskindes an Struchen
wilder Rosen zum Trocknen aufzuhngen. Davon erhielten diese Stauden und
alle von ihnen abstammende einen lieblichen Geruch, und ihre Blumen den
Namen _Muttergottesrslein_.




130.

Hexenkuchen.


Am Tage der Gochsheimer Kirchweihe rief einmal eine dortige Frau, die
allgemein fr eine Hexe galt, ein kleines Mdchen zu sich und schenkte
ihm ein Stck schnen, weien Kuchens. Ohne davon zu essen, nahm das
Kind den Kuchen mit nach Hause, wo seine Mutter, als sie erfahren, woher
er komme, ihn gleich in die Kchenkammer verschlo. Am andern Morgen
fand sie, statt seiner, ein Stck groben Schwarzbrods, worin eine Menge
Menschenhaare eingebacken war.




131.

Tochter dem Teufel verschrieben.


Betrbt ber den Zerfall seines Vermgens ging ein Mller in den
Wald, wo er einem fremden Mann begegnete. Derselbe fragte ihn um die
Ursache seiner Traurigkeit, und als er sie erfahren hatte, versprach er
dem Mller eine Menge Geld, wenn dieser ihm dasjenige verschreibe, was
jetzt hinter der Mhle sey. In der Meinung, dies sey der Staub, welcher
beim Mahlen dahin zu fliegen pflegte, ging der Mller den Vertrag ein
und unterschrieb ihn mit seinem Blute. Er erhielt hierauf das Geld,
brachte es heim und erzhlte seiner Frau, wie er dazu gekommen. Da
erfuhr er von ihr, da er seine Tochter dem Teufel verschrieben habe,
die damals hinter der Mhle die Krner aus dem Staub gelesen, um daraus
das Essen zu bereiten. Sie waren nun sehr betrbt, beschlossen aber,
ihrer Tochter nichts zu sagen. In der Nacht kam der Bse zur Mhle und
klopfte an die Thre; die Tochter ffnete, weil sie aber, als ein
frommes Mdchen, beim Schlafengehen sich in den drei hchsten Namen mit
Weihwasser besprengt hatte, konnte der Teufel sie nicht mit fortnehmen,
sondern stie sie zurck. Ebenso ging es in der folgenden Nacht, worauf
der Mller, auf Befehl des Bsen, das Weihwasser hinwegschaffen mute.
In Ermangelung dessen segnete sich das Mdchen am dritten Abend mit dem
am Fenster angelaufenen Wasser und bewirkte dadurch, da der Teufel, als
er in der Nacht kam, ihr wieder nichts anhaben konnte. Am nchsten
Morgen erzhlte sie ihren Eltern, was ihr in den drei Nchten begegnet,
worauf dieselben ihr Alles offenbarten. Da legte sie ihre Hand auf einen
Klotz und hieb sie sich mit dem Beile ab, nachher lie sie die andere
Hand sich auch abschlagen und berlie beide dem Teufel, worauf
dieselben sogleich verschwanden. Alsdann ging sie auf und davon, betete
fleiig und bekreuzte sich dabei mit ihren Armen. Sie kam in einen
schnen Garten bei einem frstlichen Schlosse, in welchem sie zur
Stillung ihres Hungers einige pfel mit dem Munde aufhob und verzehrte.
Weil ihre Wunden noch bluteten, entdeckte der Frst ihre Spur, und
nachdem er derselben an zwei Tagen vergebens nachgegangen war, fand er
am dritten in der Frhe mittelst seines Hundes das Mdchen in einem
Busche, wo sie ruhig schlief. Sie gefiel ihm so wohl, da er sie
heirathete, wodurch sie aber nicht hoffrtig ward, sondern stets
demthig und fromm blieb. Nach einiger Zeit mute er in den Krieg;
whrend seiner Abwesenheit gebar sie ihm Zwillingsknaben und lie es ihm
schreiben. Der Bote, welcher den Brief berbringen sollte, schlief
unterwegs an einem Waldbrunnen ein, da kam der Bse und vertauschte den
Brief mit einem andern, worin unter dem Namen der Hofherren die
abscheulichsten Dinge ber die Frstin gemeldet wurden. Der Frst
schrieb zurck, man solle, bis er heimkomme, seine Frau mit der
seitherigen Ehrerbietung behandeln; aber als der Bote auf dem Rckweg
abermals an dem Brunnen eingeschlafen war, nahm ihm der Teufel wieder
das Schreiben und steckte ihm ein anderes zu, worin den Hofherren
befohlen wurde, die Frstin mit ihren Kindern unverzglich auszutreiben.
Dieses ward vollzogen und ihr dabei das eine Kind auf die Brust, das
andere auf den Rcken gebunden. Vor Durst schmachtend, kam sie zu dem
Brunnen, konnte aber wegen ihrer an sie gebundenen Kinder sich nicht
niederbcken, um zu trinken. Da rief sie Gott um Hilfe an und alsbald
trat ein Mann zu ihr, band ihr die Kinder los und hie sie ihre Arme auf
den Klotz legen, der pltzlich mit ihren abgehauenen Hnden vor ihr
stand. Sie that es und der Mann heilte ihr die Hnde so gut an, da sie
dieselben gleich gebrauchen konnte. Nachdem sie in eine Wildni
gekommen, worin kein Obdach zu finden war, betete sie um ein solches,
und siehe! auf einmal stand ein Httlein mit Gerth und Lebensmitteln
da. Dankbar bezog sie es mit ihren Kindern und fhrte ein frommes
Einsiedlerleben. So oft ihr die Nahrungsmittel ausgingen, erhielt sie
auf ihr Gebet stets neue. Als so Jahre verflossen waren, kam eines
Abends zu dem Httlein ein Mann und bat um Nachtlager. Da sie nur _ein_
Bett hatte, mute sie ihn auf der Bank schlafen lassen. In der Nacht
hrte er, wie die Kinder zu einander sagten: wenn sie nur ihren Vater
sehen wrden; er befragte darber am Morgen die Frau und erfuhr von ihr,
wie sie verstoen worden sey. Wenn ihr keine Hnde httet, wrde ich
euch fr meine unschuldig verbannte Frau halten, die ich seit meiner
Rckkunft aus dem Kriege schon jahrelang suche, erwiderte er, und
darauf erzhlte sie ihm, wie sie ihre Hnde wieder erhalten habe, und
zeigte, da sie angeheilt seyen. Da erkannten sie einander zu ihrer und
ihrer Kinder groen Freude. Der Frst beschlo, ihr Einsiedlerleben zu
theilen; auf das Gebet seiner Frau stand statt der kleinen Htte eine
grere mit mehr Gerth und Nahrungsvorrath da, in welcher sie Gott
dienten bis zu ihrem seligen Ende.




132.

Gespenstige Rathsversammlung.


In einer Spinnstube zu Eppingen wurde spt in der Nacht die Frage
aufgeworfen: wer wohl den Muth habe, jetzt in das alte, verrufene
Rathhaus zu gehen. Ein Mdchen erbot sich dazu und nahm eine Ruthe und
eine schwarze Katze mit. Als sie in den Rathssaal kam, saen darin zwlf
gespenstige Rathsherren um den Tisch, welche zu ihr sprachen: Httest
du die Ruthe und die schwarze Katze nicht bei dir, so wollten wir dir
etwas Anderes sagen! Voll Schrecken entfloh das Mdchen und starb noch
in derselben Nacht.




133.

Meerweiblein.


Eine Viertelstunde von Waldangelloch entspringt eine frische Duelle,
die von dem Holderbusch, der frher bei ihr stand, _Holderbrunnen_
heit. In deren Umgebung pflegte eine arme, alte Frau das Futter fr
ihre Kuh zu suchen, mit dem sie eines Abends erst um 9 Uhr, als es schon
lange Nacht war, nach Hause kam. Hierwegen befragt, erwiderte sie nur,
sie sey bei guten Freundinnen gewesen, welche sie erst heute habe kennen
lernen. Eine hnliche Antwort gab sie auch an den folgenden Tagen, wo
sie ebenfalls erst zur erwhnten Stunde heimkehrte. Endlich schlichen
ihr einige Leute nach, sahen sie mit zwei fremden, schnen Mdchen bei
dem Holderbusche stehen und letztere, als sie sich nherten, in dem
Brunnen verschwinden. Auf dieses ward die Frau noch mehr mit Fragen ber
die Mdchen bestrmt und gebeten, dieselben in ihr Haus mitzubringen,
worauf sie erwiderte: Meine Freundinnen leben unter der Erde, und ich
werde, wie sie wnschen, bald mit ihnen hinabgehen; in mein Haus kommen
sie schwerlich, jedoch will ich versuchen, sie dazu zu bereden. Dieses
gelang ihr: am bestimmten Abend kamen die beiden Mdchen, ohne da sie
von der Frau abgeholt wurden, oder im Orte sich nach deren Haus
erkundigten, zu ihr in die Spinnstube. Jede brachte ein brennendes
Laternchen, eine Kunkel und Hanf mit; sie waren gekleidet wie die
Dorfmdchen, hatten aber Grtel und weie Schrzen an. Whrend des
Spinnens scherzten und lachten sie mit den anwesenden Mdchen und
Burschen, erzhlten, da es bei ihnen wie auf der Erde sey, und nahmen
nichts als Obst und Brod an. Schlag neun Uhr zndeten sie ihre Laternen
an und gingen, trotz alles Bittens, lnger da zu bleiben, mit dem
Versprechen fort, am nchsten Abend wieder zu kommen. Dasselbe erfllten
sie und fanden fortan dreiundzwanzig Tage lang jeden Abend, wenn es
dunkel war, sich ein. Ihr Betragen blieb stets das gleiche; nur knpfte
die eine mit einem der Burschen eine Liebschaft an. Ihm allein erlaubten
sie, beim Heimgehen sie halbwegs zu begleiten; bis zum Brunnen htte er
nur dann mitgedurft, wenn er Willens gewesen wre, sich auch hinein zu
begeben. Letzteres zu thun, konnte er erst auf vieles Zureden seiner
Geliebten sich entschlieen. Als sie an die Quelle kamen, wollten die
Mdchen, da zuerst die eine, dann er und nachher die andere sich
hinunter liee, er aber begehrte, der Letzte zu seyn. Auf dieses
schnallte ihm seine Geliebte ihren Grtel um, indem sie ihm versicherte,
da er durch ihn vor dem Nawerden geschtzt sey, dann stieg sie und
nachher ihre Gefhrtin in den Brunnen hinab; aber der Bursch wagte
nicht, ihnen zu folgen, sondern blieb an der Quelle stehen. Auf einmal
ward deren Wasser blutroth, worauf er eilig den Grtel hineinwarf, weil
er dachte, da derselbe nicht htte zurckbleiben sollen. Die Mdchen,
welches Meerweiblein waren, sind nachher niemals wieder gesehen worden.




134.

Zauberarbeit.


Ein Schuster zu Waldangelloch hatte gewettet, er allein werde vom Morgen
bis zum Abend ein Paar Stiefel und ein paar Schuhe machen. Auf sein
Verlangen schlossen ihn seine Gegner in seine Werksttte ein, in die sie
nach einigen Stunden durch das Schlsselloch schauten. Da sahen sie den
Schuhmacher mig sitzen, vier unbekannte Mnner aber emsig arbeiten.
Schnell drangen sie hinein, fanden aber statt dieser Mnner nichts, als
vier Mcken unter vier Fingerhten. Sie lieen darauf den Schuster
wieder allein, und am Abend hatte er die Stiefel und Schuhe fertig und
damit die Wette gewonnen.




135.

Raubmrder geht um.


Als einst eine Kriegsschaar Neufranken in Waldangelloch bernachtete,
kam einer derselben, welcher viel geplndertes Geld bei sich hatte, in
das Haus eines habschtigen Mannes zu liegen. Dieser bemerkte das Geld,
bettete den Soldaten auf den Speicher und brachte ihn mit dessen eigenem
Sbel im Schlafe um. Alsdann nahm er die Fe des Leichnams unter den
Arm und schleifte ihn in den Keller, wo er ihn mit Kleidung und Sbel
vergrub. Nachdem er noch jede Blutspur vertilgt hatte, meldete er in der
Frhe dem Obersten, der Soldat sey in der Nacht ausgerissen und habe ihm
zuvor das Haus so verunreinigt, da viele Stellen htten aufgewaschen
werden mssen. Da der Oberst im Begriff stand, mit seinen Leuten
abzuziehen, so unterlie er es, die Sache nher zu untersuchen. Auf
diese Art behielt der Mann seinen Raub, welchen er auch viele Jahre, bis
zu seinem Tode, geno. Gleich nach diesem fing er an, Nachts in dem
Hause zu spuken, wobei er den Ermordeten, dessen Fe unterm Arme, vom
Speicher in den Keller schleifte. Den Kopf des Soldaten hrte man auf
jeder Stufe aufschlagen. Vergebens wendeten die Bewohner des Hauses alle
Mittel an, den Geist hinauszubringen; endlich lieen sie es niederreien
und auf dem Platze ein neues bauen, das denn von dem Spuke befreit
blieb. Bei dem Bauen waren die Gebeine und der Sbel des Neufranken im
Keller ausgegraben worden.




136.

Einem Todten gehrt ein Licht.


Zu Waldangelloch lieen einmal die Mnner, welche bei einem
Verstorbenen wachten, ihn in der Kammer dunkel liegen whrend sie in der
Nebenstube Karten spielten. Da rief in der Kammer eine Stimme dreimal:
Einem Todten gehrt ein Licht! Erschrocken eilten die Mnner hinein,
fanden aber Niemand, als den Verstorbenen ohne Lebenszeichen. Nunmehr
hteten sie sich, denselben ohne Licht zu lassen.




137.

Ladung vor Gottes Gericht.


Wenn ein Mensch einen andern vor Gottes Gericht geladen hat, so mu
derjenige von ihnen, welcher zuerst gestorben, so lange zwischen Himmel
und Erde schweben, bis der andere nachkommt. Dies geschieht binnen sechs
Wochen und Beide gehen dann mit einander vor des Ewigen Richterstuhl.
Da dem so sey, hat sich in neuerer Zeit wieder in Waldangelloch
erwiesen. Dort war ein Kfer von einem Zimmermann um Vieles betrogen
worden, und da er kein Recht finden konnte, lud er denselben vor Gottes
Gericht. Der Zimmermann lachte zwar darber, und selbst nach dem bald
erfolgten Tode des Kfers hatte er bei seiner krftigen Gesundheit keine
Furcht; aber in der vierten Woche darauf ward er pltzlich krank und
starb nach einigen Tagen.




138.

Schatzhhle bei Waldangelloch.


Ein etwas bldsinniger Bube von Waldangelloch, welcher auf den Wiesen
am Schlzert Vieh htete, schlenderte in diesen Bergwald. Er kam an eine
Hhle, ging hinein und stand vor einer Kiste, auf der ein schwarzer
Pudel lag. Herunter! sagte der Bube zu dem Hund, und nachdem derselbe
gutwillig herabgesprungen, hob er den Deckel der Kiste auf, die mit
funkelndem Silbergeld gefllt war. Davon nahm er sich eine Handvoll,
schlo dann die Kiste und gleich war der Hund wieder darauf. Noch
etliche Tage machte der Bube es so, bis sein Geld zu Hause entdeckt und
er gezwungen wurde, zu sagen, wo er es her habe. Da mute er mit einigen
Mnnern in den Schlzert, um ihnen die Hhle zu zeigen; aber nun konnte
er dieselbe nicht mehr auffinden.




139.

Fahrsamenbesitzer und Banner.


Beilufig vor vierzig Jahren diente ein Eschelbacher Bursch als
Bauernknecht in Waldangelloch, welcher vom Teufel sich Fahrsamen
verschafft hatte und daher fahren konnte, wie und wohin er wollte. Oft
jagte er mit schwer beladenem Wagen und vier Pferden steile Bergabhnge
hinab, und wenn dabei das Gefhrt auch ganz auf die Seite hing, so
strzte es doch niemals um. Einst kam er mit einem Wagen Frucht in die
Scheuer, und da er Niemand fand, ihm zum Abladen zu helfen, fuhr er die
senkrechte Leiter hinauf auf die Obertenne und warf dort die Frucht ab.
Whrend dessen kam der Bauer in die Scheuer, aber als er das Fuhrwerk
oben sah, eilte er schweigend hinaus. Nach beendigtem Geschft fuhr der
Knecht wieder die Leiter hinunter, ging zu seinem Herrn und sagte ihm:
Das war ein Glck, da ihr in der Scheuer kein Wort gesprochen habt,
sonst wre ich mit Wagen und Pferden hinabgefallen.

Auf die Bitte eines Freundes, ihm auch Fahrsamen zu verschaffen, begab
sich der Bursch, um 11 Uhr in der Christnacht, mit ihm auf einen
Kreuzweg. Dort machte er auf dem Boden einen Kreis, stellte sich mit dem
Andern hinein und ermahnte ihn, ja keinen Laut von sich zu geben, es
mge kommen, was da wolle. Hierauf zog er ein Bchlein hervor und fing
an, stille darin zu lesen. Gegen halb 12 Uhr hrten sie ein Getse wie
vom wilden Heer durch die Lfte ziehen, jedoch ohne etwas zu sehen, oder
sich dadurch irren zu lassen. Nach diesem drohte ein Mhlstein, an einem
dnnen Faden hngend, auf sie herabzustrzen; aber er strte sie ebenso
wenig, als eine heran rasselnde vierspnnige Kutsche, deren Fhrer sie
vergebens um die Entfernung nach dem nchsten Orte fragte. Als dieselbe
schon eine Weile davon gejagt war, kam einer in einer groen
Holzschssel mhsam herbeigerutscht und sprach zu ihnen: Kann ich die
Kutsche noch einholen? Da mute der Freund des Burschen laut lachen,
und sogleich erhielt er von letzterem eine derbe Ohrfeige, mit den
Worten: Dummkopf! jetzt hast Du Dich durch dein Gelchter um den
Fahrsamen gebracht.

                   *       *       *       *       *

Eben dieser Knecht verstand sich auch meisterlich auf das Bannen. Eines
Sonnabends besuchte er mit einem Waldangellocher ein Mdchen im
Engelwirthshaus zu Menzingen, wo er zwlf Bursche aus dem Ort antraf.
Dieselben schlichen nach und nach davon, woraus der Waldangellocher
merkte, da sie ihm und seinem Gefhrten drauen auflauern wollten. Als
er es diesem entdeckte, beruhigte ihn derselbe, und ging erst um 11 Uhr
mit ihm hinweg. Eine Viertelstunde von Menzingen fanden sie alle die
Bursche, mit xten, Mistgabeln, Prgeln bewaffnet, regungslos, in
verschiedenen Stellungen, am Wege stehen. Auf Zureden des Eschelbachers
betrachtete dessen Begleiter die Gebannten ganz in der Nhe, wobei er
vergebens versuchte, einem derselben die Tabakspfeife aus dem Munde zu
ziehen. Nach Verflu einer halben Stunde setzten sie ihren Weg fort, und
als sie nicht mehr weit von Waldangelloch waren, sagte der Knecht zu dem
Andern, eben habe er die Bursche von dem Banne befreit. Bei seinen
nachherigen Besuchen in Menzingen blieb er von Jung und Alt
unangefochten.

Zufllig hatte er einst sein Zauberbchlein bei einem Bekannten liegen
lassen, der es in die Hnde bekam und durchbltterte. Das Meiste konnte
er nicht verstehen; ein Bannspruch aber war ihm deutlich, und er las ihn
ab, um ihn an einem Mann zu versuchen, welchen er an einen
Zwetschgenbaum sich lehnen sah. Alsbald erstarrte der Mann und mute so
neun volle Stunden bleiben, da der andere den Bann nicht wieder zu lsen
vermochte. Zum Glcke kam der Knecht, um sein Bchlein zu suchen, und
als er den Vorgang erfahren, las er den Spruch von hinten nach vorn her
und befreite dadurch den Mann, der, wenn dies nicht noch vor
Sonnenuntergang geschehen wre, in Asche wrde zerfallen seyn.

                   *       *       *       *       *

Als der Eschelbacher sich schon lange in seinem Geburtsort
niedergelassen hatte, mahlte er einmal Nachts mit einem Mann aus
Waldangelloch in der Michelfelder Mhle. Da kamen einige Ratten herbei,
blieben aber, zur groen Verwunderung des Mannes, gleich regungslos
sitzen und lieen sich von ihm anrhren. Auf die Bitte des
herzugekommenen Mllers bannte der Eschelbacher noch mehrere Ratten, und
nachdem er sie in das Wasser geworfen hatte, sagte jener zu ihm, er
wolle ihm jedes Vierteljahr einen Zentner Mehl geben, wenn er dafr die
Mhle von den Ratten jeweils subere. Nein, das thue ich nicht,
erwiderte der Eschelbacher, denn ich habe einst ein Reh gestellt, und
dasselbe hat darauf so heftig geweint und mich so klglich angeschaut,
da ich es gleich wieder frei lie und mir vornahm, kein Thier mehr zu
bannen. Heute habe ich zwar dem Mann da einen Spa machen wollen, aber
sonst gebe ich mich nicht mehr mit solchen unrechten Dingen ab.




140.

Schatz bei Sinsheim.


Vor vierzig Jahren sah eine Frau von Sinsheim, als sie im Wald auf den
_drei Buckeln_ graste, vier dnne Eisenketten im Viereck aus dem Boden
hervorstehen, welche sie trotz alles Ziehens nicht herausbrachte. Bei
ihrer Heimkunft erzhlte sie es, worauf gleich vier Mnner mit ihr
hinausgingen und auf dem Platze noch die Ketten vorfanden. Sie gruben
daselbst nach, und whrend die Frau sich etwas entfernt hatte, um wieder
zu grasen, stieen sie auf eine volle Kiste, die an den Ketten befestigt
war und auf der ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sa.
Stillschweigend zogen sie sie an den Ketten heraus; da kam gerade die
Frau zurck, und beim Anblick des Hundes, der den Rachen aufsperrte,
schrie sie: O Jesus! Im Nu versanken Kiste, Ketten und Pudel und sind
weder von der Frau, noch von den Mnnern je wieder gesehen worden.




141.

Fustapfe im Stein.

(Zu Nr.353 des Hauptwerkes.)


Auf dem groen Sller des Heidelberger Schlosses ist in einer
Steinplatte eine ziemlich tiefe Fustapfe. Sie wurde von einem Ritter
bei der nchtlichen Entfhrung einer Pfalzgrafentochter eingedrckt, als
er, diese auf dem Arme tragend, aus einem Giebelfenster glcklich
herabsprang.




142.

Vorzeichen reicher Weinernte.


Wenn es zu Weinheim einen guten Herbst gibt, sieht man in der
Johannisnacht den verstorbenen Freiherrn v. Bonn auf einem Schimmel, von
seinem Schlo in Birkenau bis zum Bonnhof, in der Weschnitz reiten.




143.

Der wilde Jger.


ber die Gegend von Schlossau im Odenwald fhrt zuweilen Nachts der
wilde Jger, mit groem Jagdgetse, durch die Luft hin. Wer dann im
Freien ist und ihn heran kommen hrt, der mu ihm ausweichen, oder sich
mit dem Gesicht auf den Boden legen, sonst wird er (wie es schon
geschehen) vom wilden Jger mit dessen Jagdnetz gefangen, fortgenommen
und in einem fremden Land zur Erde gesetzt.




144.

Geisterlrm verhindert Waldfrevel.


In einer Winternacht, um 1 Uhr, ging ein Mann von Schlossau in den
frstlichen Wald des Rothenbergs, um sich einen Stamm zu Fackeln zu
holen. Eben setzte er die Axt an eine junge Buche, als pltzlich um ihn
her solch frchterliches Jagdgetse ausbrach, da er erschrocken inne
hielt und umher schaute. Nichts war zu erblicken, und allmhlig
entfernte sich der Lrm und verhallte. Nun wollte der Mann wieder den
Baum fllen; allein abermals ward er durch das um ihn entstehende
Jagdgetse daran verhindert. Auf gleiche Weise ging es zum dritten Male.
Da merkte er endlich, da er den Frevel unterlassen solle, und trat
ungesumt den Heimweg an.




145.

Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht.


In dem Waidachwald wurde einst ein durchreisender deutscher Kaiser von
Rubern angefallen. Auf seinen Hilferuf kamen Mnner aus den drei Orten
Schefflenz, welche in dem Walde wilderten, schleunig herbei und trieben
die Ruber in die Flucht. Zum Danke verlieh der Kaiser den drei Orten
das alleinige Jagdrecht im Waidach auf ewige Zeiten.




146.

Boxberg's Name.


Ehe Boxberg diesen Namen fhrte, ward es einmal so lange belagert, bis
es keine Lebensmittel mehr hatte. Da lie ein kluger Schneider sich in
eine Bockshaut nhen und schritt dann, auf allen Vieren, auf der
Stadtmauer hin und her. Als die Feinde das stattliche Thier sahen,
lieen sie ihre Hoffnung, den Ort bald auszuhungern, fahren und hoben
die Belagerung auf. Zum Danke fr die glckliche Errettung legte das
Stdtlein sich den Namen _Boxberg_ auf ewige Zeiten bei.




147.

Dosten und Johanniskraut schtzt vor dem Teufel.


In Werbach kam einst ein sechsjhriges Mdchen von seiner Pathe heim
und sagte seiner Mutter, es habe von jener erlernt, Muse und Gewitter
zu machen. Da untersagte sie ihm strenge, je wieder hin zu gehen, und
nhte ihm Dosten und Johanniskraut in die Kleider. Trotz des Verbots
schlich das Kind wieder zu der Pathe und wurde von ihr in den Keller
gefhrt, wo der Teufel auf es pate. Beim Anblick des Mdchens rief er
aber aus:

  Dosten und Johanniskraut
  Verfhrt mir meine Braut!

Denn wegen der eingenhten Kruter hatte er ber das Kind keine Gewalt
mehr.




148.

Hexe verunglckt.


Ein Bauernknecht zu Werbach wurde mehrere Nchte im Bett von etwas so
gedrckt und geplagt, da er stets am Morgen ganz erschpft war. Als er
es seinen Hausgenossen klagte, rieth ihm die Buerin: er solle in der
nchsten Nacht sich im Bett ein Messer mit der Spitze auf die Brust und
auf dasselbe einen hlzernen Teller setzen. Arglos wollte es der Bursche
so machen; allein auf das Zureden seines Mitknechts that er den Teller
unter das Messer und richtete des letztern Spitze in die Hhe. Gegen
Mitternacht warf sich wieder etwas auf ihn; es war, wie sich gleich
nachher zeigte, die Buerin selbst, welche sich dabei in das Messer
gestrzt und getdtet hatte. Nun erkannte er, da sie, eine Hexe, ihn
seither so geplagt habe, und da er jetzt, wenn er ihren Rath befolgt
htte, statt ihrer todt gestochen wre.




149.

Hexenstein.


Auf dem Berge _Lindhelle_ bei Gamburg versammeln sich in der
Walpurgisnacht die Hexen und tanzen auf einem Felsen, welcher davon der
_Hexenstein_ genannt wird.




150.

Hexe als Gans.


Vor mehreren Jahren sah der Nachtwchter zu Wertheim, Nachts um zwei,
neben sich eine Gans auf der Strae laufen. Er fing sie und nahm sie mit
in die Wachstube, wo er sie unter die Bank sperrte. Am Morgen lag, statt
der Gans, eine Wertheimer Frau da, die, wie sich nun zeigte, mit Recht
schon fr eine Hexe gegolten hatte.




151.

Goldene Kugel.


Die elfjhrige Angelika Brand in Freudenberg erzhlte:

Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich,
Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren
Buben auf das hiesige wste Bergschlo. Beim viereckigen Thurme setzten
wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fnfzehn Schritte von uns, eine
glnzende Goldkugel aus dem Boden, die grer als eine Kegelkugel war.
Sie wlzte sich langsam her und blieb vor unsern Fen liegen. Wir
Mdchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen,
obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen,
zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurck und versank auf dem
Platze, wo sie hervorgekommen war.

  [14] 1854.




152.

Hexe als Lwe.


Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer
Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen
frchterlichen Lwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das
geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen;
allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen
stie. Da verwandelte sich der Lwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das
auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlffel
hatte.




153.

Heiligenfrevel bestraft.


Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann
mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: Das
ist der Papst! durch die Straen und verbrannten ihn zuletzt vor dem
Thore. Fnf Jahre nachher verkndete eine durchziehende Zigeunerin:
zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an
allen vier Ecken brennen. Dewegen vor den Landrichter gefhrt, sagte
sie ihm: so gewi werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreiig
Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld
in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer
und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine
Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen
Heiligenfrevel schrecklich bestrafte.




154.

Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt.


Als einst ein vornehmer Herr in Ochsenfurt einfuhr, stand am Thore ein
Ochs, der gerade seinen Koth fallen lie. Hierber erzrnt, lie der
Herr das Thier der Breite nach mitten entzwei hauen, und veranlate
dadurch, da die Vorderhlfte eines Ochsen das Wappen der Stadt wurde.




155.

Der Radstein.


Ein Bamberger Wagner war die Wette eingegangen: er wolle vom Aufgange
bis zum Untergange der Sonne einen Baum fllen, daraus ein Rad ohne Reif
machen und es noch bis Wrzburg rollen. Schon hatte er mit dem so
gefertigten Rade das Kloster Ebrach zurckgelegt, aber zwischen diesem
und Breitbach fiel er vor Erschpfung nieder und starb, whrend das Rad
noch eine Strecke allein fortrollte und dann zersprang. An der Stelle,
wo der Wagner umgefallen, steht ein Stein mit einem ausgehauenen Rade,
welcher der _Radstein_ genannt wird.




Berichtigungen.

Hauptwerk.


  Seite VI (im Inhaltsverzeichni) Zeile 1 von unten lese man Sonnabends,
                                   statt Sonntags.

  S.  15 Z. 18  von oben lese man  ruchtbar, statt ruchbar.

  "   33 "   4   "   "     "   "   Kuchenacker, statt Kuchengarten.

  "   74 "   8   "  unt.   "   "   d'Mauren, statt Mauren.

  "  147 "   5 u. 6. v. u. "   "   Mariabild, statt Vesperbild.

  "  155 "  12  von oben   "   "   Schaubhut, statt (des provinziellen)
                                   Schabhut.

  "  174 "  12 u. 13 v. o. "   "   Burgstadel, statt Platz des Burgstadels.

  "  193 "   6  von unt.   "   "   Namen, statt Nachen.

  "  229 "   7   "    "    "   "   Schaubhut, statt Schabhut.

  "  241 "   6   "  oben   "   "   Beherbergung, statt Beherbung.

  "  242 "   2   "  unt.   "   "   Gold, statt Geld.

  "  351 "   1   "  oben   "   "   Leuten, statt Leute.

  "  373 "  19 u. 20 v. o. "   "   das Michelskirchlein auf der Hhe,
                                   das zuerst gebaut wurde, statt:
                                   das Michelskirchlein, das auf der
                                   Hhe zuerst gebaut wurde.

Wie man sieht, betreffen diese Berichtigungen weniger Druckversehen, als
Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen.

                                                     _Baader._




[Anmerkungen zur Transkription:

Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet.

Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch ,  und  ersetzt.

Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert,
die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.]





End of the Project Gutenberg EBook of Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande
Baden und den angrenzenden Gegenden, by Various

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN ***

***** This file should be named 27206-8.txt or 27206-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/2/7/2/0/27206/

Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed
Proofreading Team at https://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
