The Project Gutenberg EBook of Alaeddin und die Wunderlampe, by Kurt Moreck

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Alaeddin und die Wunderlampe
       aus Tausend und eine Nacht

Author: Kurt Moreck

Illustrator: Ferdinand Staeger

Release Date: August 26, 2007 [EBook #22413]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ALAEDDIN UND DIE WUNDERLAMPE ***




Produced by Markus Brenner, Irma pehar and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net






1001 Nacht

Alaeddin und die Wunderlampe



Von diesem Werk erschien eine
numerierte Vorzugsausgabe in
250 numerierten Exemplaren auf
imitiert Japanpapier mit einer
Original-Radierung, die auf
echt Japan hergestellt ist

[Illustration]


Alaeddin
und die Wunderlampe

Aus
Tausend und eine Nacht

mit 11 Vollbildern
u. der Buchausstattung
von F. Staeger.
Hugo Schmidt Verlag
Mnchen



_Textrevision besorgte Kurt Moreck_

_Copyright 1919 by Hugo Schmidt Verlag, Mnchen_
Alle Rechte, insbesondere das an den Abbildungen, vorbehalten
HUGO SCHMIDT VERLAG




Alaeddin und die Wunderlampe


Mustafa war der Name eines Schneiders, der in einer sehr reichen und
groen Hauptstadt Chinas lebte. Dieser Mustafa war sehr arm, und seine
Arbeit warf kaum so viel ab, da er, seine Frau und ein Sohn davon leben
konnten.

Die Erziehung dieses Sohnes, welcher Alaeddin hie, war sehr
vernachlssigt worden, so da er allerhand lasterhafte Neigungen
angenommen hatte. Er war boshaft, halsstarrig und ungehorsam gegen Vater
und Mutter. Kaum war er ein wenig herangewachsen, so konnten ihn seine
Eltern nicht mehr im Hause zurckhalten. Er ging schon am frhen Morgen
aus und tat den ganzen Tag nichts, als auf den Straen und ffentlichen
Pltzen mit kleinen Tagdieben spielen.

Als er ein Handwerk erlernen sollte, nahm ihn sein Vater in seine Bude
und fing an, ihn in der Handhabung der Nadel zu unterrichten. Allein
weder gute Worte noch Drohungen vermochten den flatterhaften Sinn des
Sohnes zu fesseln. Kaum hatte Mustafa ihm den Rcken gekehrt, so
entwischte Alaeddin und lie sich den ganzen Tag nicht wieder sehen. Der
Vater zchtigte ihn, aber Alaeddin war unverbesserlich, und Mustafa
mute ihn mit groem Bedauern zuletzt seinem liederlichen Leben
berlassen. Dies verursachte ihm groes Herzeleid, und der Kummer zog
ihm eine hartnckige Krankheit zu, an der er nach einigen Monaten starb.

Alaeddins Mutter machte darauf alles zu Geld, um davon, und von dem
Wenigen, was sie mit Baumwollespinnen erwarb, mit ihrem Sohne leben zu
knnen.

Alaeddin, der jetzt nicht mehr durch die Furcht vor seinem Vater in
Schranken gehalten wurde, bekmmerte sich nicht um seine Mutter. Er
suchte noch mehr als zuvor junge Leute von seinem Alter auf und spielte
mit ihnen unaufhrlich noch leidenschaftlicher als bisher. Diesen
Lebenswandel setzte er bis in sein fnfzehntes Jahr fort.

Eines Tags, als er nach seiner Gewohnheit mit einem Haufen Gassenjungen
auf einem freien Platze spielte, ging ein Fremder vorber, der stehen
blieb und ihn ansah. Dieser Fremde war ein berhmter Zauberer, und die
Geschichtschreiber, welche uns diese Erzhlung aufbewahrt haben, nennen
ihn den afrikanischen Zauberer. Wir wollen ihn gleichfalls mit diesem
Namen bezeichnen, um so mehr, da er wirklich aus Afrika stammte und erst
seit zwei Tagen angekommen war.

Sei es nun, da der afrikanische Zauberer, der sich auf Physiognomien
verstand, in Alaeddins Gesicht alles bemerkte, was zur Ausfhrung des
Planes, der ihn hierhergefhrt, notwendig war, oder mochte er einen
andern Grund haben, genug, er erkundigte sich, ohne da es jemandem
auffiel, nach seiner Familie, seinem Stande und seinen Neigungen. Als er
von allem, was er wnschte, gehrig unterrichtet war, ging er auf den
jungen Menschen zu, nahm ihn einige Schritte von seinen Kameraden
beiseite und fragte ihn: Mein Sohn, ist dein Vater nicht der Schneider
Mustafa? -- Ja, lieber Herr, antwortete Alaeddin, aber er ist schon
lange tot.

Bei diesen Worten fiel der afrikanische Zauberer Alaeddin um den Hals,
umarmte ihn und kte ihn zu wiederholten Malen mit Trnen in den Augen
und seufzend. Alaeddin bemerkte diese Trnen und fragte, warum er weine.
Ach, mein Sohn! rief der afrikanische Zauberer, wie knnte ich mich
da enthalten! Ich bin dein Oheim und dein Vater war mein geliebter
Bruder. Schon mehrere Jahre bin ich auf der Reise, und in dem
Augenblick, da ich hier anlange, voll Hoffnung, ihn wiederzusehen und
durch meine Rckkehr zu erfreuen, sagst du mir, da er tot ist!

Er fragte hierauf Alaeddin, indem er seinen Beutel herauszog, wo seine
Mutter wohne. Alaeddin erteilte ihm sogleich Auskunft und der
afrikanische Zauberer gab ihm eine Hand voll kleines Geld mit den
Worten: Mein Sohn, gehe schnell zu deiner Mutter, gre sie von mir und
sage ihr, da ich, wofern es meine Zeit erlaubt, sie morgen besuchen
werde, um mir zum Trost den Ort zu sehen, wo mein lieber Bruder so lange
gelebt und seine Tage beschlossen hat.

Sobald der afrikanische Zauberer den Neffen, den er sich soeben selbst
geschaffen, verlassen hatte, lief Alaeddin voll Freude zu seiner Mutter.
Mtterchen, sagte er, ich bitte dich, sage mir, ob ich einen Oheim
habe. -- Nein, mein Sohn, antwortete die Mutter, du hast keinen
Oheim, weder von seiten deines seligen Vaters noch von der meinigen. --
Und doch, fuhr Alaeddin fort, habe ich soeben einen Mann gesehen, der
sich fr meinen Oheim von vterlicher Seite ausgab und versicherte, da
er der Bruder meines Vaters sei. Er hat sogar geweint und mich umarmt,
als ich ihm sagte, da mein Vater tot wre. Zum Beweis, da ich die
Wahrheit sage, sieh, was er mir geschenkt hat. Er hat mir berdies
aufgegeben, dich in seinem Namen zu gren und dir zu sagen, da er dir
morgen seine Aufwartung machen wird, um das Haus zu sehen, wo mein Vater
gelebt hat und gestorben ist.

Mein Sohn, antwortete die Mutter, es ist wahr, dein Vater hatte einen
Bruder; aber er ist schon lange tot und ich habe ihn nie sagen gehrt,
da er noch einen andern htte.

Damit wurde das Gesprch ber den afrikanischen Zauberer abgebrochen.

Den andern Tag nherte sich dieser zum zweitenmal Alaeddin, als er auf
einem andern Platze in der Stadt mit anderen Kindern spielte. Er umarmte
ihn, wie tags zuvor und drckte ihm zwei Goldstcke in die Hand mit den
Worten: Mein Sohn, bring dies deiner Mutter, sage ihr, ich werde sie
auf den Abend besuchen, und sie mge dafr etwas zum Nachtessen kaufen,
damit wir zusammen speisen knnen. Zuvor aber sage mir, wie ich das Haus
finden kann. Alaeddin bezeichnete es ihm und der afrikanische Zauberer
lie ihn gehen.

Alaeddin brachte die zwei Goldstcke seiner Mutter. Sie ging, das Geld
zu verwenden, kam mit gutem Mundvorrate zurck, und da es ihr an den
ntigen Tischgerten fehlte, entlehnte sie dieselben von ihren
Nachbarinnen. Sie brachte den ganzen Tag mit Vorbereitungen zu und als
alles fertig war, sagte sie zu Alaeddin: Mein Sohn, dein Oheim wei
vielleicht unser Haus nicht, gehe ihm entgegen und fhre ihn hierher,
wenn du ihn siehst, als man an die Tre klopfte. Alaeddin ffnete und
erkannte den Afrikaner, der mit mehreren Weinflaschen und Frchten von
allerlei Gattungen hereintrat.

Nachdem der afrikanische Zauberer seinen Beitrag Alaeddin eingehndigt
hatte, begrte er die Mutter und bat sie, ihm die Stelle auf dem Sofa
zu zeigen, wo sein Bruder Mustafa gewhnlich gesessen sei. Sie zeigte
ihm dieselbe. Nun warf er sich sogleich zur Erde, kte die Stelle und
rief mit Trnen in den Augen: Armer Bruder, wie unglcklich bin ich,
da ich nicht zeitig genug gekommen bin, um dich vor deinem Tode noch
einmal zu umarmen! So sehr ihn nun auch Alaeddins Mutter bat, so wollte
er sich doch nicht auf diesen Platz setzen. Nein, sagte er, ich werde
mich wohl hten, aber erlaube, da ich mich gegenber setze, damit ich,
wenn mir auch das Vergngen versagt ist, ihn persnlich als Vater einer
mir so teuren Familie zu sehen, mir wenigstens einbilden kann, er sitze
noch dort. Alaeddins Mutter drang nun nicht weiter in ihn und lie ihn
Platz nehmen, wo er Lust hatte.

Als der afrikanische Zauberer sich da gesetzt hatte, wo es ihm am besten
behagte, fing er ein Gesprch mit Alaeddins Mutter an: Meine liebe
Schwester, sagte er, wundere dich nicht, da du whrend der ganzen
Zeit, da du mit meinem Bruder Mustafa verheiratet warst, mich nie
gesehen hast. Es sind schon vierzig Jahre, da ich dieses Land verlassen
habe. Seitdem habe ich Reisen nach Indien, Persien, Arabien, Syrien und
gypten gemacht, mich in den schnsten Stdten dieser Lnder aufgehalten
und bin dann nach Afrika gegangen, wo ich einen lngeren Aufenthalt
nahm. Da es indes dem Menschen angeboren ist, sein Heimatland, so wie
seine Eltern und Jugendgespielen, auch in der weitesten Ferne nie aus
dem Gedchtnis zu verlieren, so hat auch mich ein so gewaltiges
Verlangen ergriffen, mein Vaterland wieder zu sehen und meinen geliebten
Bruder zu umarmen, jetzt, da ich noch Kraft und Mut zu einer so langen
Reise in mir fhle, da ich ohne weiteren Aufschub meine Vorbereitungen
traf und mich auf den Weg machte. Ich sage dir nichts von der Lnge der
Zeit, die ich dazu brauchte, noch von den Hindernissen, die mir
aufstieen, noch von all den Beschwerden und Mhsalen, die ich
berstehen mute, um hierherzukommen. Ich sage dir blo, da mich auf
allen meinen Reisen nichts so tief gekrnkt und geschmerzt hat, als die
Nachricht von dem Tode eines Bruders, den ich immer mit echt
brderlicher Freundschaft geliebt hatte. Ich bemerkte einige Zge von
ihm auf dem Gesicht meines Neffen, deines Sohnes, und dies machte, da
ich ihn aus all den brigen Kindern, bei denen er war, herausfand. Er
hat dir vielleicht erzhlt, wie sehr die traurige Nachricht vom Tode
meines Bruders mich ergriff. Indes, was Gott tut, das ist wohlgetan; ich
trste mich, ihn in seinem Sohne wiederzufinden, der so auffallende
hnlichkeit mit ihm hat.

Als der afrikanische Zauberer sah, da Alaeddins Mutter bei der
Erinnerung an ihren Mann gerhrt wurde und aufs neue in Schmerz versank,
brach er das Gesprch ab, wandte sich zu Alaeddin und fragte ihn um
seinen Namen. -- Ich heie Alaeddin, antwortete dieser. -- Nun gut,
Alaeddin, fuhr der Zauberer fort, womit beschftigst du dich?
Verstehst du ein Gewerbe?

Bei dieser Frage schlug Alaeddin die Augen nieder und geriet in
Verlegenheit. Seine Mutter aber nahm das Wort und sagte: Alaeddin ist
ein Taugenichts. Sein Vater hat, so lang er lebte, alles mgliche getan,
um ihn sein Gewerbe zu lehren; allein er konnte seinen Zweck nicht
erreichen, und seit er tot ist, streicht er, trotz meinen tglichen
Ermahnungen, die ganze Zeit auf den Straen herum und spielt mit
Kindern, wie du gesehen hast, ohne zu bedenken, da er kein Kind mehr
ist; wenn du ihn deshalb nicht beschmst und er sich diese Ermahnung
nicht zunutzen macht, so gebe ich alle Hoffnung auf, da jemals etwas
aus ihm wird. Er wei, da sein Vater kein Vermgen hinterlassen hat,
und sieht selbst, da ich mit meinem Baumwollespinnen den ganzen Tag
ber kaum das Brot fr uns beide verdienen kann. Ich bin entschlossen,
ihm nchster Tage einmal die Tre zu verschlieen und ihn
fortzuschicken, da er sich seine Unterkunft anderswo suchen kann.

Als Alaeddins Mutter unter vielen Trnen so gesprochen hatte, sagte der
afrikanische Zauberer zu dem Jungen: Das ist nicht gut, mein Neffe, du
mut darauf denken, dir selbst fortzuhelfen und einen Lebensunterhalt zu
verschaffen. Es gibt ja so viele Gewerbe in der Welt; besinne dich
einmal, ob nicht eines darunter ist, zu dem du mehr Neigung hast, als zu
den andern. Vielleicht gefllt dir blo das deines Vaters nicht und du
wrdest dich besser zu einem andern anschicken; verhehle mir deine
Gesinnung hierber nicht, ich will ja blo dein Bestes. Als er sah,
da Alaeddin nichts antwortete, fuhr er fort: Ist es dir berhaupt
zuwider, ein Handwerk zu erlernen und willst du ein angesehener Mann
werden, so will ich fr dich eine Bude mit kostbaren Stoffen und feinen
Linnenzeugen einrichten; du kannst dann diese Sachen verkaufen, mit dem
Gelde, das du daraus lsest, den Einkauf neuer Waren bestreiten und auf
diese Art ein anstndiges Unterkommen finden. Frage dich selbst und sage
mir offen, was du denkst. Du wirst mich stets bereit finden, mein
Versprechen zu halten.

Dieses Anerbieten schmeichelte Alaeddin sehr; ein jedes Handwerk war ihm
zuwider, um so mehr, da er bemerkt hatte, da solche Kauflden, wovon
sein Oheim gesprochen hatte, immer hbsch und stark besucht und die
Kaufleute gut gekleidet und sehr geachtet waren. Er erklrte daher dem
afrikanischen Zauberer, da seine Neigung mehr nach dieser Seite
gerichtet sei, als nach jeder andern, und da er ihm zeitlebens fr die
Wohltat danken wrde, die er ihm erweisen wolle. Da dieses Gewerbe dir
angenehm ist, erwiderte der afrikanische Zauberer, so werde ich dich
morgen mitnehmen und dich so hbsch und reich kleiden lassen, wie es
sich fr einen der ersten Kaufleute in dieser Stadt geziemt; bermorgen
wollen wir dann darauf denken, einen solchen Laden zu errichten, wie ich
im Sinn habe.

Alaeddins Mutter, die bis jetzt nicht geglaubt hatte, da der
afrikanische Zauberer der Bruder ihres Mannes sei, zweifelte nach solch
glnzenden Versprechungen nicht mehr daran. Sie dankte ihm fr seine
guten Gesinnungen, und nachdem sie Alaeddin ermahnt hatte, sich der
Wohltaten, die sein Oheim ihn hoffen lie, wrdig zu zeigen, trug sie
das Abendessen auf. Die Unterhaltung whrend des ganzen Mahles drehte
sich immer um denselben Gegenstand, bis endlich der Zauberer bemerkte,
da die Nacht schon weit vorgerckt war. Er verabschiedete sich von
Mutter und Sohn und ging nach Hause.

Am andern Morgen ermangelte der afrikanische Zauberer nicht, sich
versprochenermaen bei der Witwe des Schneiders Mustafa wieder
einzufinden. Er nahm Alaeddin mit sich und fhrte ihn zu einem
bedeutenden Kaufmann, der blo ganz fertige Kleider von allen mglichen
Stoffen und fr Leute jeden Alters und Standes verkaufte. Von diesem
lie er sich mehrere zeigen, die fr Alaeddin paten, und nachdem er
die, die ihm am besten gefielen, ausgesucht und die andern, die nicht so
schn waren, als er wnschte, zurckgelegt hatte, sagte er zu Alaeddin:
Lieber Neffe, whle dir unter all diesen Kleidern dasjenige aus, das
dir am besten gefllt. Alaeddin, ber die Freigebigkeit seines neuen
Oheims ganz entzckt, whlte eines, und der Zauberer kaufte es ohne zu
handeln.

Als Alaeddin sich von Kopf bis zu Fu so prachtvoll gekleidet sah,
dankte er seinem Oheim, und der Zauberer versprach ihm, ihn auch ferner
nicht zu verlassen, sondern stets bei sich zu behalten. Wirklich fhrte
er ihn in die besuchtesten Gegenden der Stadt, wo die Lden der
reichsten Kaufleute standen, und in der Strae, wo die Lden mit den
schnsten Stoffen und der feinsten Leinwand sich befanden, sagte er zu
Alaeddin: Da du bald auch ein solcher Kaufmann sein wirst, wie diese
hier, so ist es gut, wenn du sie besuchst, damit sie dich kennen
lernen. Er zeigte ihm auch die schnsten und grten Moscheen, und
fhrte ihn in den Chan, wo die fremden Kaufleute wohnten, und an alle
diejenigen Orte im Palaste des Sultans, zu denen man freien Zutritt
hatte. Endlich, nachdem sie die schnsten Gegenden der Stadt miteinander
durchstreift hatten, kamen sie in den Chan, wo der Zauberer wohnte. Es
waren dort einige Kaufleute, deren Bekanntschaft er seit seiner Ankunft
gemacht, und die er ausdrcklich eingeladen hatte, um sie gut zu
bewirten und ihnen seinen angeblichen Neffen vorzustellen.

Das Gastmahl endigte erst am spten Abend. Alaeddin wollte sich von
seinem Oheim verabschieden, um nach Hause zurckzukehren; aber der
afrikanische Zauberer wollte ihn nicht allein gehen lassen und geleitete
ihn selbst zu seiner Mutter zurck. Als diese ihren Sohn in so schnen
Kleidern erblickte, war sie auer sich vor Freude und wollte nicht
aufhren, Segnungen ber das Haupt des Zauberers herabzurufen, der fr
ihren Sohn so viel Geld ausgegeben. Gromtiger Schwager, sagte sie zu
ihm, ich wei nicht, wie ich dir fr deine Freigebigkeit danken soll;
aber das wei ich, da mein Sohn die Wohltaten, die du ihm erweisest,
nicht verdient. Ich fr meine Person, fgte sie hinzu, danke dir von
ganzem Herzen und wnsche dir ein recht langes Leben, um Zeuge von der
Dankbarkeit meines Sohnes zu sein, der sie nicht besser an den Tag legen
kann, als wenn er sich von deinen guten Ratschlgen leiten lt.

Alaeddin ist ein guter Junge, erwiderte der afrikanische Zauberer; er
hrt auf mich und ich glaube, wir knnen etwas Tchtiges aus ihm machen.
Es tut mir nur leid, da ich mein Versprechen nicht schon morgen halten
kann. Es ist nmlich Freitag, wo alle Lden verschlossen sind, und man
gar nicht daran denken kann, einen zu mieten und mit Waren zu versehen;
denn die Kaufleute sinnen an diesem Tage nur auf Vergngungen aller Art.
Somit werden wir die Sache auf Samstag verschieben mssen. brigens
werde ich ihn morgen wieder mitnehmen und in die Grten spazieren
fhren, wo sich die schne Welt gewhnlich einfindet. Er hat vielleicht
noch keinen Begriff von den Vergngungen, die man dort geniet; bisher
war er immer nur mit Kindern beisammen, jetzt mu er auch erwachsene
Menschen sehen. Der afrikanische Zauberer verabschiedete sich endlich
von Mutter und Sohn und ging. Alaeddin freute sich im voraus sehr auf
den Spaziergang. In der Tat war er noch nie vor die Tore gekommen und
hatte noch nie die Umgebung gesehen, die schn und anmutig war.

Am andern Morgen stand Alaeddin in aller Frhe auf. Der afrikanische
Zauberer bewillkommte ihn aufs freundlichste. Wohlan, mein lieber
Junge, sagte er mit lchelnder Miene zu ihm, heute werde ich dir
schne Sachen zeigen. Er fhrte ihn zu einem Tore hinaus, an groen und
schnen Husern, an prchtigen Palsten vorber, von denen jeder einen
sehr schnen Garten hatte. Bei jedem Palaste, an dem sie vorbeikamen,
fragte er Alaeddin, ob er ihm gefiele, und Alaeddin, der ihm gewhnlich
zuvorkam, sagte, sobald er wieder einen andern sah: Ach! lieber Oheim,
dieser ist noch viel schner als alle bisherigen. Indes gingen sie
immer weiter, und der listige Zauberer, der dies nur tat, um den Plan,
den er im Kopfe hatte, ausfhren zu knnen, nahm Gelegenheit, in einen
dieser Grten zu treten. Er setzte sich neben ein groes Becken, in das
durch einen bronzenen Lwenrachen kristallhelles Wasser sprudelte, und
er stellte sich ermdet, damit Alaeddin ebenfalls ausruhen sollte.
Lieber Neffe, sagte er zu ihm, du wirst ebenso mde sein, wie ich;
la uns hier ein wenig ausruhen, um neue Krfte zu sammeln.

[Illustration]

[Illustration]

Als sie sich gesetzt hatten, zog der afrikanische Zauberer Kuchen und
Frchte hervor, die er als Mundvorrat mitgenommen hatte, und breitete
sie auf dem Rande des Beckens aus. Er teilte einen Kuchen mit Alaeddin
und lie ihn Frchte whlen. Whrend dieses kleinen Mahles ermahnte er
seinen angeblichen Neffen, sich von dem Umgange mit Kindern loszumachen,
dagegen sich an kluge und verstndige Mnner anzuschlieen, dieselben
anzuhren und von ihren Unterhaltungen Nutzen zu ziehen. Bald, sagte
er, wirst du ein Mann sein, wie sie, und du kannst dich nicht frh
genug daran gewhnen, nach ihrem Beispiele verstndige Reden zu fhren.
Als sie die kleine Mahlzeit vollendet hatten, setzten sie ihren
Spaziergang durch die Grten fort, die blo durch schmale Grben
getrennt waren. Unvermerkt fhrte der afrikanische Zauberer Alaeddin
ziemlich weit ber die Grten hinaus und durchwandelte mit ihm die
Ebene, die ihn allmhlich in die Nhe der Berge leitete.

Alaeddin, der in seinem Leben nie einen so weiten Weg gemacht hatte,
fhlte sich durch diesen Marsch sehr ermdet und sagte: Wohin gehen wir
denn, lieber Oheim? Wir haben die Grten schon weit hinter uns und ich
sehe nichts mehr als Berge. Wenn wir noch lnger so fortgehen, so wei
ich nicht, ob ich noch Krfte genug haben werde, um in die Stadt
zurckzukehren. -- Nur den Mut nicht verloren, antwortete der falsche
Oheim; ich will dir noch einen andern Garten zeigen, der alle, die du
bis jetzt gesehen hast, weit bertrifft; er ist nur ein paar Schritte
von da, und wenn wir einmal dort sind, so wirst du selbst sagen, da es
dir sehr leid gewesen wre, wenn du ihn nicht gesehen httest. Alaeddin
lie sich berreden, und der Zauberer fhrte ihn noch sehr weit, indem
er ihn mit verschiedenen anmutigen Geschichten unterhielt, um ihm den
Weg weniger langweilig und die Ermdung ertrglicher zu machen.

Endlich gelangten sie zwischen zwei Berge von mittelmiger Hhe, die
sich ziemlich gleich und nur durch ein schmales Tal getrennt waren. Dies
war die merkwrdige Stelle, wohin der afrikanische Zauberer Alaeddin
hatte bringen wollen, um einen groen Plan mit ihm auszufhren, weshalb
er von dem uersten Ende Afrikas bis nach China gereist war. Wir sind
jetzt an Ort und Stelle, sagte er zu Alaeddin; ich werde dir hier
auerordentliche Dinge zeigen, die allen brigen Sterblichen unbekannt
sind. Whrend ich jetzt mit dem Stahl Feuer schlage, hufe du hier
trockenes Reisig zusammen, damit wir ein Feuer anmachen.

Als das Reisig aufloderte, warf der afrikanische Zauberer Rucherwerk
hinein. Dicker Rauch stieg empor, den er bald auf diese, bald auf jene
Seite wendete, indem er allerlei Zauberworte sprach, von denen Alaeddin
nichts verstand.

In diesem Augenblick erbebte die Erde ein wenig, ffnete sich vor dem
Zauberer und Alaeddin, und lie einen Stein hervorscheinen, mit einem in
der Mitte versiegelten bronzenen Ringe, um ihn daran heraufzuheben.
Alaeddin erschrak und wollte die Flucht ergreifen. Allein er war zu
dieser geheimnisvollen Handlung notwendig, darum hielt ihn der Zauberer
zurck, zankte ihn tchtig aus und gab ihm eine so derbe Ohrfeige, da
er zu Boden fiel. Zitternd rief er: Mein Oheim, was habe ich denn
getan, da du mich so grausam schlgst? Ich bin dein Oheim, der jetzt
Vaterstelle an dir vertritt, und du darfst mir in nichts widersprechen.
Aber, sagte der Zauberer, frchte dich nicht, mein Sohn; ich verlange
nur, da du mir gehorchst, wofern du dich der groen Vorteile, die ich
dir zudenke, wrdig machen und sie nutzen willst. Diese schnen
Versprechungen des Zauberers beruhigten den ngstlichen und erzrnten
Alaeddin ein wenig. Du hast gesehen, fuhr der Zauberer fort, was ich
durch die Kraft meines Rauchwerks und die Worte, die ich sprach, bewirkt
habe. Vernimm jetzt, da unter diesem Steine ein Schatz verborgen liegt,
der fr dich bestimmt ist und dich dereinst reicher machen wird, als die
grten Knige der Welt. Dies ist so gewi wahr, da keinem Menschen auf
der ganzen Welt auer dir erlaubt ist, diesen Stein anzurhren oder
wegzuheben, um hinein zu gelangen. Ja ich selbst darf ihn nicht berhren
oder auch nur einen Fu in dieses Schatzgewlbe setzen, wenn es geffnet
sein wird. Deshalb mut du genau ausfhren, was ich dir sage.

Alaeddin, immer noch voll Verwunderung, verga alles, was vorgefallen
war. Nun gut, lieber Oheim, sagte er, was soll ich tun? Befiehl nur,
ich bin bereit zu gehorchen. -- Komm her, sagte der afrikanische
Zauberer, fasse diesen Ring an und hebe den Stein in die Hhe. -- Aber
Oheim, erwiderte Alaeddin, ich bin zu schwach, um ihn zu heben: du
mut mir helfen. -- Nein, versetzte der afrikanische Zauberer, du
bedarfst meiner Hilfe nicht; du mut ihn allein aufheben. Sprich nur den
Namen deines Vaters und deines Grovaters, wenn du den Ring in die Hand
nimmst. Alaeddin tat, wie der Zauberer gesagt hatte, hob den Stein mit
Leichtigkeit auf und legte ihn beiseite.

Als der Stein weggenommen war, sah er eine drei bis vier Fu tiefe Hhle
mit einer kleinen Tre und Stufen. Mein Sohn, sprach jetzt der
Zauberer, habe genau acht auf das, was ich dir nunmehr sagen werde.
Steig in diese Hhle hinab und wenn du auf der letzten Stufe bist, so
wirst du eine offene Tre finden, die dich in einen groen gewlbten Ort
fhren wird, welcher in drei groe aneinander stoende Sle abgeteilt
ist. In jedem derselben wirst du rechts und links vier bronzene Vasen
voll Gold und Silber stehen sehen; aber hte dich wohl, sie anzurhren.
Ehe du in den ersten Saal trittst, hebe dein Kleid in die Hhe und
schliee es eng um den Leib. Wenn du drinnen bist, so gehe, ohne dich
aufzuhalten, nach dem zweiten und von da in den dritten. Vor allen
Dingen hte dich wohl, den Wnden zu nahe zu kommen oder sie auch nur
mit dem Kleide zu berhren; denn im Fall du sie berhrtest, wrdest du
auf der Stelle sterben. Am Ende des dritten Saales ist eine Tre, die
dich in einen mit schnen und reich beladenen Obstbumen bepflanzten
Garten fhren wird. Gehe nur immer geradeaus, und quer durch den Garten
wird dich ein Weg zu einer Treppe von fnfzig Stufen fhren, auf denen
du zu einer Terrasse emporsteigen kannst. Sobald du oben auf der
Terrasse bist, wirst du eine Nische vor dir sehen, und in der Nische
eine brennende Lampe. Diese Lampe nimm, lsche sie aus, wirf den Docht
samt der brennbaren Flssigkeit auf den Boden, stecke sie dann vorn in
den Busen und bringe sie mir. Gelstet es dich nach den Frchten des
Gartens, so kannst du davon pflcken, so viel du willst; dies ist dir
nicht verboten.

So sprechend, zog der afrikanische Zauberer einen Ring von seinem Finger
und steckte ihn an einen Finger Alaeddins. Dies, sagte er zu ihm, sei
ein Verwahrungsmittel gegen alles Unglck, das ihm begegnen knnte,
wofern er nur seine Vorschriften genau befolgte. So gehe denn, mein
Sohn, fgte er hinzu, steige dreist hinab; dann haben wir beide fr
unser ganzes Leben Geld in Menge.

Alaeddin hpfte leichtfig in die Hhle hinein und stieg die Stufen
hinab. Er fand die drei Sle, die ihm der afrikanische Zauberer
beschrieben hatte. Ohne zu verweilen ging er durch den Garten, stieg die
Terrasse hinan, nahm die brennende Lampe aus der Nische, warf den Docht
und die Flssigkeit zu Boden, steckte sie in seinen Busen und ging die
Terrasse wieder hinab. Im Garten verweilte er beim Anschauen der
Frchte. Da gab es weie, hellleuchtende und wie Kristall durchsichtige;
rote, teils dunkel, teils hell; grne, blaue, violette, gelbliche, und
so von allen mglichen Farben. Die weien waren Perlen, die
hellleuchtenden und durchsichtigen Diamanten, die dunkelroten Rubine,
die hellroten Ballarubine, die grnen Smaragde, die blauen Trkise, die
violetten Amethyste, die gelblichen Saphire. Und diese Frchte waren
alle so gro und vollkommen, da man auf der ganzen Welt nichts
hnliches gesehen hat. Alaeddin, der ihren Wert nicht kannte, wurde vom
Anblick dieser Frchte, die nicht nach seinem Geschmack waren, schlecht
erbaut; Feigen, Trauben und andere edle Obstarten, die in China
gewhnlich sind, wren ihm lieber gewesen. Er war noch nicht in jenem
Alter, wo man sich auf dergleichen versteht, und so bildete er sich ein,
diese Frchte seien blo gefrbtes Glas und htten keinen andern Wert.
Gleichwohl machte ihm die Mannigfaltigkeit der schnen Farben und die
auerordentliche Gre und Schnheit der Frchte Lust, von jeglicher
Sorte einige zu pflcken. Er nahm daher von jeder Farbe etliche, fllte
damit seine beiden Taschen und zwei ganz neue Beutel, die der Zauberer
ihm zugleich mit dem Kleide gekauft hatte; und da die beiden Beutel in
seinen Taschen, die schon ganz voll waren, keinen Platz mehr hatten, so
band er sie auf jeder Seite an seinen Grtel. Einige von den Frchten
hllte er auch in die Falten seines Grtels, der von dickem Seidenstoff
und doppelt gefttert war, und befestigte sie so, da sie nicht
herabfallen konnten; auch verga er nicht, etliche in den Busen zwischen
Kleid und Hemd zu stecken.

Nachdem er sich so, ohne es zu wissen, mit Reichtmern beladen hatte,
trat Alaeddin schnell seinen Rckzug durch die drei Sle an; stieg da
wieder hinauf, wo er herabgestiegen war, und zeigte sich am Eingang der
Hhle, wo der Afrikaner ihn mit Ungeduld erwartete. Sobald ihn Alaeddin
erblickte, rief er ihm zu: Lieber Oheim, ich bitte dich, reich mir die
Hand und hilf mir heraus. -- Mein Sohn, antwortete der afrikanische
Zauberer, gib mir zuvor die Lampe, sie knnte dir hinderlich sein. --
Verzeih, lieber Oheim, sagte Alaeddin, sie hindert mich nicht; ich
werde sie dir geben, sobald ich oben bin. Der afrikanische Zauberer
bestand darauf, da Alaeddin ihm die Lampe einhndigen sollte, ehe er
ihn aus der Hhle herauszge, und Alaeddin, der die Lampe mit all den
Frchten, die er zu sich gesteckt, verpackt hatte, weigerte sich
durchaus, sie ihm zu geben, bevor er aus der Hhle wre. Da geriet der
afrikanische Zauberer vor rger ber die Widerspenstigkeit des jungen
Menschen in schreckliche Wut, warf etwas von seinem Rauchwerk in das
Feuer, das er sorgfltig unterhalten hatte, und kaum hatte er zwei
Zauberworte gesprochen, als der Stein, welcher als Deckel zur
Eingangsffnung der Hhle diente, sich von selbst wieder, nebst der Erde
darber, an seine Stelle rckte, so da alles wieder in denselben Stand
kam, wie vor der Ankunft des arabischen Zauberers und Alaeddins.

Der afrikanische Zauberer war in der Tat kein Bruder des Schneiders
Mustafa, wofr er sich ausgegeben hatte, und somit auch nicht Alaeddins
Oheim. Er war wirklich aus Afrika gebrtig, und nachdem er sich etwa
vierzig Jahre lang mit Zaubereien, mit der Punktierkunst, mit
Rucheropfern und der Lektre von Zauberbchern beschftigt hatte, war
er endlich auf die Entdeckung gekommen, da es eine Wunderlampe in der
Welt gebe, deren Besitz ihn mchtiger als alle Knige der Erde machen
wrde. Aber obschon die Lampe sich ganz gewi an dem bewuten Orte
befand, so war es ihm doch nicht gestattet, sie selbst zu holen oder
persnlich in das unterirdische Gewlbe einzutreten. Es mute ein
anderer hinabsteigen und sie ihm einhndigen. Deshalb hatte er sich an
Alaeddin gewandt, den er fr einen gefgigen jungen Burschen und fr
sehr geeignet hielt, ihm den Dienst zu leisten; dabei war er fest
entschlossen, sobald er die Lampe in Hnden haben wrde, die letzte
schon erwhnte Rucherung zu tun, die Zauberworte auszusprechen, und so
den armen Alaeddin seinem Geize und seiner Bosheit aufzuopfern, um an
ihm keinen Zeugen zu haben.

Als der afrikanische Zauberer seine groen und schnen Hoffnungen auf
immer gescheitert sah, blieb ihm nichts anderes brig, als nach Afrika
zurckzukehren.

Allem Anscheine nach war Alaeddin verloren. Aber derselbe, der ihn auf
immer zu verderben glaubte, hatte nicht bedacht, da er ihm einen Ring
an den Finger gesteckt hatte, der zu seiner Rettung dienen konnte.
Wirklich wurde Alaeddin durch diesen Ring, dessen Krfte er nicht
kannte, gerettet.

Alaeddin, der nach so vielen Liebkosungen und Geschenken auf diese
Bosheit seines angeblichen Oheims keineswegs gefat war, befand sich in
einer Bestrzung, die sich nicht beschreiben lt. Als er sich so
lebendig begraben sah, rief er tausendmal seinen Oheim und erklrte, da
er ihm die Lampe ja gerne geben wolle; allein sein Rufen war vergeblich.
Endlich stieg er wieder die Treppe der Hhle hinab, um in den Garten und
ins helle Tageslicht zu gelangen. Aber die Mauer, die sich ihm durch
Zauber geffnet, hatte sich indes durch einen neuen Zauber wieder
geschlossen. Er tappte vorwrts, ohne eine Tre zu finden. Nun fing er
aufs neue an zu schreien und zu weinen, und setzte sich endlich auf die
Stufen der Hhle, ohne Hoffnung, jemals das Tageslicht wieder zu sehen,
sondern mit der traurigen Gewiheit, aus dieser Finsternis in jene eines
nahen Todes versetzt zu werden.

Zwei Tage blieb Alaeddin in diesem Zustande, ohne zu essen und zu
trinken. Endlich am dritten, da er seinen Tod als unvermeidlich
betrachtete, hob er die gefalteten Hnde empor und rief mit vlliger
Ergebung in den Willen Gottes aus: Es gibt keine Kraft und keine Macht,
als bei Gott, dem Allerhchsten und Grten! Whrend er so die Hnde
gefaltet hatte, rieb er, ohne daran zu denken, an dem Ring, den ihm der
Zauberer an den Finger gesteckt hatte, und dessen Kraft er noch nicht
kannte. Alsbald stieg vor ihm ein Geist von ungeheurer Gre und
frchterlichem Ansehen, der mit seinem Kopf das oberste Gewlbe
berhrte, wie aus der Erde hervor und sprach folgende Worte zu
Alaeddin: Was willst du? Ich bin bereit, dir zu gehorchen als dein
Sklave und als Sklave aller derer, die den Ring am Finger haben, sowohl
ich, als die andern Sklaven des Rings.

Zu jeder andern Zeit und bei jeder andern Gelegenheit wre Alaeddin, der
an solche Erscheinungen nicht gewhnt war, bei dem Anblick einer so
auerordentlichen Gestalt von Schrecken ergriffen worden. Jetzt aber, da
er einzig und allein mit der Gefahr beschftigt war, in der er schwebte,
antwortete er ohne Stocken: Wer du auch sein magst, hilf mir aus diesem
Orte, wofern es in deiner Macht steht. Kaum hatte er diese Worte
gesprochen, als die Erde sich ffnete und er sich auerhalb der Hhle
befand, an der Stelle, wohin ihn der Zauberer gefhrt hatte.

Erst nach und nach gewhnte er sich an das Tageslicht, und als er um
sich blickte, war er sehr berrascht, keine ffnung in der Erde zu
sehen; es war ihm unbegreiflich, auf welche Art er so auf einmal aus
ihrem Schoe hervorgekommen war. Nur an dem Flecke, wo das Reisig
verbrannt worden war, erkannte er die Stelle wieder, unter der sich die
Hhle befand. Als er sich hierauf gegen die Stadt hinwandte, erblickte
er sie inmitten der Grten und erkannte auch den Weg. Diesen wandelte er
zurck und dankte Gott, da er sich noch einmal auf der Welt sah,
nachdem er bereits die Hoffnung aufgegeben hatte, wieder dahin
zurckzukommen. So gelangte er zur Stadt und schleppte sich mit vieler
Mhe bis in seine Wohnung. Als er ins Zimmer seiner Mutter trat, fiel er
aus Freude ber das Wiedersehen, verbunden mit der von dreitgigem
Fasten herrhrenden Schwche, in eine Ohnmacht, die einige Zeit dauerte.
Seine Mutter, die ihn bereits als verloren oder als tot beweint hatte,
lie es jetzt an keiner Pflege und an keinem Mittel fehlen, ihn wieder
zum Leben zu bringen. Endlich erholte er sich und seine ersten Worte
waren: Liebe Mutter, vor allen Dingen bitte ich dich, gib mir zu essen;
ich habe seit drei Tagen nichts ber den Mund gebracht. Seine Mutter
brachte ihm, was sie gerade hatte, setzte es ihm vor und sagte: Lieber
Sohn, bereile dich ja nicht, denn es knnte dir schaden; i ganz
langsam und nach deiner Bequemlichkeit, und nimm dich wohl in acht, so
heihungrig du auch bist. Ich wnsche nicht einmal, da du mit mir
sprechen sollst. Du hast immer noch Zeit, mir deine Schicksale zu
erzhlen, wenn du wieder hergestellt bist. Nach der groen Betrbnis bin
ich getrstet, da ich dich nur wiedersehe.

Alaeddin folgte dem Rat seiner Mutter, a langsam und ruhig, und trank
ebenso. Als er fertig war fing er an, seiner Mutter zu erzhlen, was ihm
seit Freitag geschehen war, erzhlte ausfhrlich, was er auf seinem
Hin- und Rckwege in den drei groen Slen, im Garten und auf der
Terrasse gesehen, und wie er dort die Wunderlampe geholt habe. Zugleich
zog er sie aus seinem Busen und zeigte sie seiner Mutter samt den
durchsichtigen und buntfarbigen Frchten. Auch gab er ihr die zwei
vollen Beutel, aus denen sie sich aber wenig machte. Gleichwohl waren
diese Frchte Edelsteine, deren sonnenheller Glanz beim Schein der
Lampe, welche das Zimmer erhellte, auf ihren groen Wert htte
aufmerksam machen sollen; allein Alaeddins Mutter verstand sich auf
dergleichen Sachen ebensowenig wie ihr Sohn; weshalb Alaeddin sie hinter
eines der Polster des Sofas schob, auf dem er sa.

Alaeddins Mutter hatte die Geduld, diese wunderbare und seltsame,
zugleich aber fr eine Mutter, die ihren Sohn trotz seiner Fehler
zrtlich liebte, so schmerzliche Geschichte ohne Unterbrechung
anzuhren. Nur bei den rhrendsten Stellen, wo die Schndlichkeit des
afrikanischen Zauberers recht ans Tageslicht kam, konnte sie ihren
Abscheu nicht verbergen. Jetzt aber, da Alaeddin geendet hatte, lie sie
sich in tausend Schmhworte gegen den Betrger aus; sie nannte ihn einen
Verrter, einen Schurken, einen Unmenschen, einen Meuchelmrder, Lgner,
Zauberer, einen Feind und Verderber des menschlichen Geschlechts. Ja,
mein Sohn, fgte sie hinzu, er ist ein Zauberer, und die Zauberer sind
eine wahre Pest der Menschheit; sie haben vermge ihrer Zaubereien und
Hexereien Verkehr mit den bsen Geistern. Gott sei gelobt, der verhtet
hat, da seine entsetzliche Bosheit ihren Zweck an dir erreichte. Du
bist ihm fr die Gnade, die er an dir getan hat, groen Dank schuldig;
dein Tod wre unvermeidlich gewesen, wenn du dich nicht seiner erinnert
und ihn um Hilfe angefleht httest.

Alaeddin schlief die ganze Nacht fest und erwachte am andern Morgen
erst sehr spt. Er stand auf, und das erste, was er zu seiner Mutter
sagte, war, da er Hunger habe, und sie ihm kein greres Vergngen
machen knnte, als wenn sie ihm ein Frhstck gbe. Ach, lieber Sohn,
antwortete sie, ich habe auch nicht einen einzigen Bissen Brot; du hast
gestern abend den wenigen Vorrat, der noch zu Hause war, aufgegessen.
Aber gedulde dich einen Augenblick, so werde ich dir bald etwas bringen.
Ich habe etwas Baumwolle gesponnen, die will ich verkaufen, um Brot und
einiges zum Mittagessen anzuschaffen. -- Liebe Mutter, erwiderte
Alaeddin, hebe deine Baumwolle fr ein anderes Mal auf und gib mir die
Lampe, die ich gestern mitbrachte. Ich will sie verkaufen, und
vielleicht lse ich so viel daraus, da wir Frhstck und Mittagessen,
und am Ende gar noch etwas fr den Abend bestreiten knnen.

Alaeddins Mutter holte die Lampe und sagte zu ihrem Sohne: Da hast du
sie, sie ist aber sehr schmutzig. Ich will sie ein wenig putzen, dann
wird sie schon etwas mehr gelten. Sie nahm Wasser und feinen Sand, um
sie blank zu machen, aber kaum hatte sie angefangen, die Lampe zu
reiben, als augenblicklich in Gegenwart ihres Sohnes ein scheulicher
Geist von riesenhafter Gestalt vor ihr aufstand und mit einer
Donnerstimme zu ihr sprach: Was willst du? Ich bin bereit, dir zu
gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die die Lampe in
der Hand haben, sowohl ich, als die andern Sklaven der Lampe.

Alaeddins Mutter war nicht imstande zu antworten. Ihr Auge vermochte die
abscheuliche und schreckliche Gestalt des Geistes nicht zu ertragen, und
sie war gleich bei seinen ersten Worten vor Angst in Ohnmacht gefallen.

Alaeddin dagegen ergriff schnell die Lampe und antwortete statt seiner
Mutter mit festem Tone: Ich habe Hunger, bring mir etwas zu essen. Der
Geist verschwand und kam im Augenblick wieder mit einem groen silbernen
Becken auf dem Kopfe, worin sich zwlf verdeckte Schsseln von demselben
Metall voll der besten Speisen nebst sechs Broten vom weiesten Mehl
befanden, und zwei Flaschen des kstlichsten Weines, nebst zwei
silbernen Schalen in der Hand. Er stellte alles zusammen auf den Sofa
und verschwand sogleich.

Alaeddins Mutter kam wieder zu sich. Liebe Mutter, sagte Alaeddin zu
ihr, steh auf und i: hier sind Sachen genug, um dein Herz zu strken
und zugleich meinen groen Hunger zu befriedigen. Wir wollen diese guten
Speisen nicht kalt werden lassen, sondern essen.

Die Mutter war erstaunt, als sie das groe Becken, die zwlf Schsseln,
die sechs Brote, die zwei Flaschen nebst den zwei Schalen erblickte und
den kstlichen Duft einatmete, der aus all den Platten emporstieg. Mein
Sohn, sagte sie zu Alaeddin, woher kommt uns dieser berflu und wem
haben wir fr solch reiches Geschenk zu danken? Sollte vielleicht der
Sultan von unserer Armut gehrt und sich unser erbarmt haben? -- Liebe
Mutter, antwortete Alaeddin, wir wollen uns jetzt zu Tische setzen und
essen; deine Frage werde ich beantworten, wenn wir gefrhstckt haben.
Sie setzten sich zu Tische und speisten mit um so grerem Appetit, als
beide, Mutter und Sohn, sich nie an einer so wohlbesetzten Tafel
befunden hatten.

Alaeddin und seine Mutter, die nur ein einfaches Frhstck einzunehmen
gedacht hatten, befanden sich um die Stunde des Mittagessens noch bei
Tisch.

Als Alaeddins Mutter abgetragen und das Fleisch, welches unberhrt
geblieben war, aufgehoben hatte, setzte sie sich zu ihrem Sohne und
sagte: Alaeddin, ich erwarte jetzt von dir, da du meine Neugierde
befriedigst und mir die versprochene Auskunft erteilst. Alaeddin
erzhlte ihr alles, was whrend ihrer Ohnmacht zwischen dem Geist und
ihm vorgegangen war.

Alaeddins Mutter geriet in groe Verwunderung ber die Erzhlung ihres
Sohnes und die Erscheinung des Geistes. Aber, mein Sohn, fragte sie,
so lange ich auf der Welt bin, habe ich nie sagen gehrt, da jemand
von allen meinen Bekannten einen Geist gesehen htte. Durch welchen
Zufall ist dieser garstige Geist zu mir gekommen? Warum hat er sich an
mich gewendet und nicht an dich, da er dir doch schon in der Schatzhhle
einmal erschienen war?

Liebe Mutter, erwiderte Alaeddin, der Geist, welcher dir erschienen,
ist nicht derselbe, der mir erschien. Sie haben zwar einige hnlichkeit
in Beziehung auf ihre Riesengre, aber an Gesichtsbildung und Kleidung
sind sie gnzlich voneinander verschieden und gehren auch verschiedenen
Herren an. Du wirst dich noch erinnern, da derjenige, den ich sah,
sich einen Sklaven des Rings nannte, den ich am Finger habe, whrend der
soeben erschienene sagte, er sei Sklave der Lampe, die du in der Hand
hattest.

Wie! rief Alaeddins Mutter, also deine Lampe ist schuld, da dieser
verwnschte Geist sich an mich gewendet hat, statt an dich? Ach, lieber
Sohn, schaffe sie mir sogleich aus den Augen und hebe sie auf, wo du
willst, ich mag sie nicht mehr anrhren. Eher lasse ich sie wegwerfen
oder verkaufen, als da ich Gefahr laufe, bei Berhrung derselben vor
Angst zu sterben. Folge mir und tue auch den Ring ab. Man mu keinen
Verkehr mit Geistern haben: es sind Teufel und unser Prophet hat es
gesagt.

Mit deiner Erlaubnis, liebe Mutter, antwortete Alaeddin, werde ich
mich jetzt wohl hten, eine Lampe, die uns beiden so ntzlich werden
kann, zu verkaufen. Siehst du denn nicht, was sie uns erst vor einigen
Augenblicken verschafft hat? Sie soll uns jetzt Nahrung und
Lebensunterhalt besorgen. Du kannst dir denken, da mein garstiger
falscher Oheim sich nicht ohne Grund so viele Mhe gegeben und eine so
weite und beschwerliche Reise unternommen hat, da er nach dem Besitz
dieser Wunderlampe trachtete, die er allem Gold und Silber, das er in
den Slen wute, und das ich, wie er es mir beschrieben, mit meinen
eigenen Augen sah, vorgezogen hatte. Er kannte den Wert und die
herrlichen Eigenschaften dieser Lampe zu gut, um sich von dem brigen
reichen Schatze noch etwas zu wnschen. Da nun der Zufall uns ihre
geheime Kraft entdeckt hat, so wollen wir den mglichst vorteilhaften
Gebrauch davon machen, aber ohne Aufsehen zu erregen, damit unsere
Nachbarn nicht neidisch und eiferschtig werden. Ich will sie dir
brigens gern aus den Augen schaffen und an einem Orte aufheben, wo ich
sie finden kann, wann ich sie brauche, da du so groe Angst vor den
Geistern hast. Auch den Ring wegzuwerfen, kann ich mich unmglich
entschlieen. Ohne diesen Ring httest du mich nie wieder gesehen, und
ohne ihn wrde ich jetzt entweder nicht mehr, oder hchstens noch auf
einige Augenblicke leben. Du wirst mir daher erlauben, da ich ihn
behalte und immer mit groer Behutsamkeit am Finger trage. Wer wei, ob
mir nicht irgend einmal eine andere Gefahr zustt, die wir beide nicht
voraussehen knnen, und aus der er mich vielleicht befreit? Da
Alaeddins Bemerkung sehr richtig schien, so wute seine Mutter nichts
mehr einzuwenden. Lieber Sohn, sagte sie zu ihm, du kannst handeln,
wie du es fr gut hltst; ich fr meinen Teil mag mit Geistern nichts zu
tun haben.

Am andern Tag nach dem Abendessen war von den herrlichen Speisen, die
der Geist gebracht hatte, nichts mehr brig; Alaeddin, der nicht so
lange warten wollte, bis der Hunger ihn drngte, nahm daher am dritten
Morgen eine der silbernen Schsseln unter seine Kleider und ging aus, um
sie zu verkaufen. Er wandte sich an einen Juden, der ihm begegnete, nahm
ihn beiseite, zeigte ihm die Schssel und fragte, ob er wohl Lust dazu
htte.

Der Jude, ein schlauer und verschmitzter Bursche, nahm die Schssel,
untersuchte sie, und da er erkannte, da sie von echtem Silber war,
fragte er Alaeddin, was er dafr verlange. Alaeddin, der ihren Wert
nicht verstand und nie mit solchen Waren Handel getrieben hatte, sagte
ihm nur, er werde wohl am besten wissen, was die Schssel wert sei, und
er verlasse sich hierin ganz auf seine Ehrlichkeit. Der Jude geriet
wirklich in Verlegenheit ber die Offenherzigkeit Alaeddins. Da er nicht
wute, ob Alaeddin den Wert seiner Ware wirklich kannte oder nicht, zog
er ein Goldstck aus seinem Beutel, das hchstens den zweiundsiebenzigsten
Teil vom wahren Wert der Schssel betrug, und bot es ihm an. Alaeddin
nahm das Goldstck mit groer Freudigkeit, und sobald er es in der Hand
hatte, lief er so schnell davon, da der Jude, mit seinem ungeheuren
Gewinn bei diesem Kaufe nicht zufrieden, sich sehr darber rgerte,
Alaeddins gnzliche Unwissenheit ber den Wert der Schssel nicht besser
erraten und ihm noch weit weniger geboten zu haben. Er geriet in
Versuchung, dem jungen Menschen nachzulaufen, ob er nicht etwas von
seinem Goldstck herausbekommen knnte; allein Alaeddin war schon so
weit entfernt, da er ihn schwerlich eingeholt htte.

Auf dem Heimwege blieb Alaeddin bei einem Bckerladen stehen, kaufte
einen Vorrat Brot und bezahlte ihn mit dem Goldstck, das der Bcker ihm
wechselte. Als er nach Hause kam, gab er das brige Geld seiner Mutter,
die auf den Markt ging, um fr sie beide die ntigen Lebensmittel auf
einige Tage einzukaufen.

So lebten sie eine Zeitlang fort; Alaeddin verkaufte alle zwlf
Schsseln, eine nach der andern, sowie das Geld im Hause ausgegangen
war, an den Juden. Der Jude, der fr die erste ein Goldstck gegeben
hatte, wagte es nicht, fr die brigen weniger zu bieten, und bezahlte
alle mit derselben Mnze, um einen so guten Handel nicht auszulassen.
Als das Geld von der letzten Schssel ausgegeben war, nahm Alaeddin
seine Zuflucht zu dem Becken, das allein zehnmal mehr wog, als jede
Schssel. Er wollte es einem gewhnlichen Kaufmann bringen, allein es
war ihm zu schwer. Somit mute er den Juden aufsuchen und ihn in sein
Haus fhren; dieser prfte das Gewicht des Beckens und zahlte ihm auf
der Stelle zehn Goldstcke aus, womit Alaeddin zufrieden war.

So lange die Goldstcke dauerten, wurden sie fr die tglichen Ausgaben
der Hauswirtschaft verwendet. Alaeddin hatte indes, obschon er ans
Miggehen gewhnt war, seit seinem Abenteuer mit dem afrikanischen
Zauberer nicht mehr mit den jungen Leuten seines Alters gespielt. Er
brachte seine Tage mit Spazierengehen zu oder unterhielt sich mit
lteren Leuten, deren Bekanntschaft er gemacht hatte. Oft blieb er auch
bei den Lden der groen Kaufleute stehen und horchte aufmerksam auf die
Gesprche vornehmer Mnner, die sich hier aufhielten oder sich hierher
bestellt hatten: und diese Gesprche gaben ihm allmhlich einigen
Anstrich von Weltkenntnis.

Als von den zehn Goldstcken nichts mehr brig war, nahm Alaeddin seine
Zuflucht zur Lampe. Er nahm sie in die Hand, suchte die Stelle, welche
seine Mutter berhrt hatte, und als er sie an dem Eindruck des Sandes
erkannte, rieb er sie ebenso, wie sie getan hatte. Sogleich erschien ihm
wieder derselbe Geist, der sich schon einmal gezeigt hatte; da aber
Alaeddin die Lampe sanfter gerieben hatte, als seine Mutter, so sprach
er diesmal in einem milderen Tone dieselben Worte: Was willst du? ich
bin bereit, dir zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer,
die die Lampe in der Hand haben, sowohl ich, als die andern Sklaven der
Lampe. Alaeddin antwortete ihm: Mich hungert, bring mir zu essen.
Der Geist verschwand und erschien in einigen Augenblicken wieder mit
einem hnlichen Tafelzeug, wie das erstemal, stellte es nieder und
verschwand wieder.

Alaeddin und seine Mutter setzten sich zu Tische, und nach dem Mahle
blieb ihnen noch so viel brig, da sie die beiden folgenden Tage
behaglich davon leben konnten.

Als Alaeddin sah, da weder Brot, noch Lebensmittel, noch Geld mehr zu
Hause war, nahm er eine silberne Schssel und suchte den Juden, den er
kannte, auf, um sie zu verkaufen. Auf dem Wege zu ihm kam er an dem
Laden eines Goldschmieds vorber, der durch sein Alter ehrwrdig und
zugleich ein ehrlicher und rechtschaffener Mann war. Der Goldschmied
bemerkte ihn, und rief ihm, er mchte hereintreten. Mein Sohn, sagte
er zu ihm, ich habe dich schon mehrere Male mit derselben Ware wie
jetzt vorbeigehen, jenen Juden aufsuchen und bald darauf mit leeren
Hnden zurckkommen sehen. Dies hat mich auf den Gedanken gebracht, da
du das, was du trgst, jedesmal an ihn verkaufst. Aber du weit
vielleicht nicht, da dieser Jude ein Betrger, und zwar ein rgerer
Betrger ist, als die andern Juden, und da niemand, der ihn kennt, mit
ihm zu tun haben will. Im brigen sage ich dir dieses blo aus
Geflligkeit. Wenn du mir zeigen willst, was du jetzt in der Hand hast,
und es dir feil ist, so will ich dir den wahren Wert getreulich
ausbezahlen, wofern ich es brauchen kann; wo nicht, so will ich dich an
andere Kaufleute weisen, die dich nicht betrgen werden.

In der Hoffnung, noch mehr Geld fr seine Schssel zu lsen, zog
Alaeddin sie sogleich unter seinem Kleide hervor und zeigte sie dem
Goldschmied. Der Greis, der auf den ersten Blick erkannte, da sie vom
feinsten Silber war, fragte ihn, ob er wohl schon hnliche an den Juden
verkauft und was er von ihm dafr erhalten habe. Alaeddin gestand
offenherzig, da er schon zwlf solche verkauft und der Jude ihm fr
jede ein einziges Goldstck bezahlt habe. Ha, der Spitzbube! rief der
Goldschmied. Mein Sohn, fgte er hinzu, was geschehen ist, ist
geschehen, und man mu nicht mehr daran denken; aber wenn ich dir jetzt
den wahren Wert deiner Schssel entdecke, die vom feinsten Silber ist,
das nur irgend von uns verarbeitet wird, so wirst du einsehen, wie sehr
der Jude dich betrogen hat.

Der Goldschmied nahm die Wage, wog die Schssel und nachdem er Alaeddin
auseinandergesetzt hatte, was eine Mark Silber sei, machte er ihm
begreiflich, da diese Schssel ihrem Gewichte nach zweiundsiebenzig
Goldstcke wert sei, die er ihm sogleich blank ausbezahlte. Da hast
du, sagte er, den wahren Betrag deiner Schssel. Wenn du noch daran
zweifelst, so kannst du dich nach Belieben an jeden andern von unsern
Goldschmieden wenden, und wenn dir einer sagt, da sie mehr wert sei, so
mache ich mich anheischig, dir das Doppelte dafr zu bezahlen.

Alaeddin dankte dem Goldschmied sehr fr den guten Rat. In der Folge
verkaufte er auch die brigen Schsseln, sowie das Becken, an ihn und
erhielt von allem den vollen Wert je nach dem Gewichte. Obwohl nun
Alaeddin und seine Mutter eine unversiegbare Geldquelle an ihrer Lampe
hatten, so lebten sie dennoch ebenso mig, wie zuvor, nur da Alaeddin
einiges auf die Seite legte, um anstndig auftreten zu knnen und
verschiedene Bequemlichkeiten fr ihre kleine Wirtschaft anzuschaffen.
Seine Mutter dagegen verwendete auf ihre Kleider nichts, als was ihr das
Baumwollespinnen einbrachte. Bei dieser nchternen Lebensweise kann man
sich leicht denken, da das Gold, das Alaeddin fr seine zwlf Schsseln
und das Becken von dem Goldschmied erhalten hatte, lange ausreichte. So
lebten sie denn mehrere Jahre lang von dem guten Gebrauch, den Alaeddin
von Zeit zu Zeit von seiner Lampe machte.

In dieser Zwischenzeit hatte Alaeddin, der es nicht unterlie, sich sehr
fleiig bei den Zusammenknften angesehener Personen in den Lden der
bedeutendsten Kaufleute, die mit Gold, Silber, Seidenstoffen, den
feinsten Schleiertchern und Juwelen handelten, einzufinden und
bisweilen sogar an ihren Unterhaltungen teilzunehmen, sich vollends
ausgebildet und allmhlich alle Manieren der feinen Weltleute
angenommen. Namentlich bei den Juwelenhndlern kam er von dem Irrwahn
ab, als wren die durchsichtigen Frchte, die er in dem Garten, wo die
Lampe stand, gepflckt hatte, nur buntfarbiges Glas; er erfuhr hier, da
es sehr kostbare Edelsteine waren. Da er tglich in diesen Lden alle
Arten solcher Edelsteine kaufen und verkaufen sah, lernte er sie nach
ihrem Werte kennen und schtzen; da er nirgends so schne und groe
bemerkte, wie die seinigen, so begriff er wohl, da er statt der
Glasscherben einen Schatz von unmebarem Wert besa. Indes war er klug
genug, niemandem etwas davon zu sagen, selbst seiner Mutter nicht, und
ohne Zweifel verdankte er diesem Stillschweigen das hohe Glck, zu dem
wir ihn in der Folge werden emporsteigen sehen.

Eines Tags, als er in der Stadt spazieren ging, hrte Alaeddin mit
lauter Stimme einen Befehl des Sultans ausrufen, da jedermann seinen
Laden und seine Haustre schlieen und sich ins Innere seiner Wohnung
zurckziehen solle, bis die Prinzessin Bedrulbudur, das heit Mond der
Monde, die Tochter des Sultans, die baden wollte, vorbergegangen und
wieder zurckgekehrt sein wrde.

Dieser ffentliche Aufruf erweckte in Alaeddin den Wunsch, die
Prinzessin entschleiert zu sehen. Er mute sich zu diesem Behuf in das
Haus eines Bekannten begeben und dort hinter ein Gitterfenster stellen;
allein dies war ihm nicht genug, da die Prinzessin, dem Brauche gem,
auf ihrem Weg ins Bad einen Schleier vor ihrem Gesichte haben mute. Um
seine Neugierde zu befriedigen, ersann er endlich ein Mittel, das ihm
glckte. Er stellte sich nmlich hinter die Tre des Bades, das so
eingerichtet war, da er sie unfehlbar sehen mute.

Alaeddin mute nicht lange warten: die Prinzessin erschien und er
betrachtete sie durch einen Ritz, der gro genug war, so da er sehen
konnte, ohne gesehen zu werden. Sie kam in Begleitung einer groen
Anzahl ihrer Frauen und Verschnittenen, die teils neben ihr, teils
hinter ihr hergingen. Drei oder vier Schritte vor der Tre des Bades
nahm sie den Schleier ab, der ihr Gesicht bedeckte und ihr sehr unbequem
war, und auf diese Art sah Alaeddin sie um so bequemer, da sie gerade
auf ihn zukam. Alaeddin hatte bis dahin noch nie eine Frau mit
entschleiertem Gesichte gesehen, als seine Mutter, die schon alt und
niemals so hbsch gewesen war.

Als Alaeddin die Prinzessin Bedrulbudur gesehen hatte, konnte sein Herz
dem bezaubernden Mdchen die hchste Zuneigung nicht versagen. Wirklich
war die Prinzessin auch die schnste Brnette, die man nur auf der Welt
sehen kann. Sie hatte groe, regelmige, lebhafte und feurige Augen,
einen sanften und sittsamen Blick, eine wohlgeformte Nase ohne allen
Tadel, einen kleinen Mund, rosenrote und durch ihr schnes Ebenma
wahrhaft bezaubernde Lippen; mit einem Wort, alle ihre Gesichtszge
waren hchst anmutig und regelmig. Was Wunder, da Alaeddin bei dem
Anblick einer so seltenen Vereinigung von Schnheiten, die ihm ganz neu
waren, geblendet wurde und beinahe auer sich geriet! Auer diesen
Vollkommenheiten hatte die Prinzessin einen ppigen Wuchs und eine
majesttische Haltung, deren Anblick allein schon die ihr gebhrende
Ehrfurcht einflte.

Als die Prinzessin ins Bad gegangen war, blieb Alaeddin eine Weile ganz
verwirrt und entzckt stehen, indem er sich unaufhrlich das reizende
Bild vor die Seele rief, das ihn im Innersten seines Herzens ergriffen
und bezaubert hatte. Endlich kam er wieder zur Besinnung, und da er
bedachte, da die Prinzessin bereits vorbergegangen war, und er
vergebens seinen Posten lnger behaupten wrde, um sie beim Herausgehen
aus dem Bade wieder zu sehen, indem sie ihm dann den Rcken zuwenden und
verschleiert sein mte, so beschlo er, den Ort zu verlassen und sich
hinwegzubegeben.

Als Alaeddin nach Hause kam, konnte er seine Verwirrung und Unruhe nicht
so verbergen, da seine Mutter nichts gemerkt htte. Sie war sehr
erstaunt, ihn gegen seine Gewohnheit so traurig und nachdenklich zu
sehen und fragte ihn, ob ihm etwas Unangenehmes begegnet sei oder ob er
sich unwohl befinde. Alaeddin aber gab keine Antwort, sondern setzte
sich nachlssig auf den Sofa, wo er unverndert in derselben Stellung
blieb, fortwhrend damit beschftigt, sich das reizende Bild der
Prinzessin Bedrulbudur zu vergegenwrtigen. Seine Mutter bereitete das
Abendessen und drang nicht weiter in ihn. Er a viel weniger als
gewhnlich, hatte die Augen immer niederschlagen und beobachtete ein so
tiefes Stillschweigen, da es seiner Mutter unmglich war, ihm auch nur
ein einziges Wort zu entlocken, so sehr sie auch in ihn drang, er solle
ihr die Ursache dieser auerordentlichen Vernderungen mitteilen.

Nach dem Abendessen wollte sie von neuem anfangen, ihn zu fragen, warum
er denn so schwermtig sei, allein sie konnte nichts aus ihm
herausbringen, und Alaeddin ging zu Bette, ohne seine Mutter im
mindesten zufriedengestellt zu haben.

Liebe Mutter, begann er am nchsten Morgen, ich will jetzt mein
Stillschweigen brechen. Ich war nicht krank, wie du zu glauben
schienest, und bin es auch jetzt nicht. Aber so viel kann ich dir sagen,
da das, was ich empfand und was ich noch fortwhrend empfinde, etwas
weit Schlimmeres ist, als eine Krankheit. Zwar wei ich nicht recht, wie
man dieses bel nennt, aber ich zweifle nicht, da du es aus dem
erkennen wirst, was ich dir jetzt sagen will.

Es ist, fuhr Alaeddin fort, die Tochter des Sultans gestern
nachmittag ins Bad gegangen. Da ich nicht weit vom Bade entfernt war, so
brachte mich die Neugierde, sie mit entschleiertem Gesichte zu sehen,
auf den Einfall, mich hinter die Tre des Bades zu verstecken. Wirklich
nahm sie vor ihrem Eintritt den Schleier ab und ich hatte das Glck, zu
meinem unaussprechlichen Vergngen diese liebenswrdige Prinzessin zu
sehen. Ich liebe die Prinzessin mit einer Glut, die ich dir nicht
beschreiben kann, und da meine heie Leidenschaft mit jedem Augenblicke
zunimmt, so fhle ich wohl, da sie nur durch den Besitz befriedigt
werden kann; daher ich denn auch entschlossen bin, sie vom Sultan mir
zur Frau zu erbitten.

Alaeddins Mutter hatte die Rede ihres Sohnes bis auf die letzten Worte
mit vieler Aufmerksamkeit angehrt; als sie aber vernahm, da er im Sinn
habe, um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur anzuhalten, so konnte sie
nicht umhin, ihn durch lautes Gelchter zu unterbrechen. Alaeddin wollte
fortfahren, allein sie lie ihn nicht zum Wort kommen und sagte zu ihm:
Ei, ei, mein Sohn, was fllt dir ein? Bist du wahnsinnig geworden, da
du solche Reden fhren kannst?

Liebe Mutter, erwiderte Alaeddin, ich kann dir versichern, da ich
nicht wahnsinnig, sondern ganz bei Verstande bin. Ich habe mir zum
voraus gedacht, da du mich tricht und albern nennen werdest; allein
dies soll mich nicht hindern, dir noch einmal zu erklren, da mein
Entschlu feststeht, den Sultan um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur
zu bitten.

Wahrhaftig, mein Sohn, erwiderte die Mutter sehr ernsthaft, ich mu
dir sagen, da du dich ganz vergissest; und wenn du deinen Entschlu
auch ausfhren wolltest, so sehe ich nicht ein, durch wen du es wagen
knntest, deine Bitte vortragen zu lassen. -- Durch niemand anders,
als dich selbst, antwortete der Sohn ohne Bedenken. -- Durch mich!
rief die Mutter voll Erstaunen und berraschung; und an den Sultan? O
ich werde mich wohl hten, mich in eine Unternehmung der Art
einzulassen. Und wer bist du denn, mein Sohn, fuhr sie fort, da du
die Khnheit haben drftest, deine Gedanken zur Tochter deines Sultans
zu erheben? Hast du vergessen, da du der Sohn eines der geringsten
Schneider seiner Hauptstadt und auch von mtterlicher Seite nicht von
hherer Abkunft bist? Weit du denn nicht, da Sultane ihre Tchter
selbst Sultansshnen verweigern, die keine Hoffnung haben, einst zur
Regierung zu gelangen?

Liebe Mutter, antwortete Alaeddin, ich habe dir bereits bemerkt, da
ich alles vorausgesehen habe, was du mir soeben gesagt hast, und ebenso
sehe ich alles voraus, was du etwa noch hinzufgen knntest. Weder deine
Reden, noch deine Vorstellungen werden mich von meinem Entschlusse
abbringen. Ich habe dir gesagt, da ich durch deine Vermittlung um die
Hand der Prinzessin Bedrulbudur anhalten will; es ist dies die einzige
Geflligkeit, um die ich dich mit aller schuldigen Ehrerbietung bitte,
und du kannst sie mir nicht abschlagen, wenn du mich nicht lieber
sterben sehen, als mir zum zweitenmal das Leben schenken willst.

Alaeddins Mutter befand sich in groer Verlegenheit, als sie diese
Hartnckigkeit sah. Mein Sohn, sagte sie nochmals zu ihm, ich bin
deine Mutter, und als gute Mutter bin ich bereit, aus Liebe zu dir alles
zu tun, was vernnftig und schicklich ist. Wenn es sich darum handelte,
fr dich um die Tochter eines unserer Nachbarn anzuhalten, der von
gleichem oder wenigstens nicht viel hherem Stande wre als du, so wrde
ich nichts versumen, und von Herzen gern alles aufbieten, was in meiner
Macht steht; aber auch dann mtest du einiges Vermgen oder Einknfte
besitzen, oder ein Gewerbe erlernt haben, um deinen Zweck zu erreichen.
Wenn arme Leute, wie wir, heiraten wollen, so ist das erste, woran sie
denken mssen, ob sie auch zu leben haben. Aber ohne an deine niedere
Abkunft, an deinen geringen Stand und deine Armut zu denken, willst du
dich auf den hchsten Gipfel des Glcks schwingen und verlangst nichts
Geringeres, als die Tochter deines Herrn und Gebieters, der nur ein
Wort zu sagen braucht, um dich zu verderben und zu zermalmen. Ich will
hier nicht erwhnen, was dich selbst betrifft, denn das mut du in
deinem Innern in Erwgung ziehen, wofern du nur halbwegs bei gutem
Verstande bist. Ich will nur von dem sprechen, was mich angeht. Wie hat
dir ein so seltsamer Gedanke in den Kopf kommen knnen, da ich zum
Sultan hingehen und ihm den Antrag machen soll, dir die Prinzessin,
seine Tochter, zum Weibe zu geben? Gesetzt auch, ich htte die
Unverschmtheit, vor seine geheiligte Person zu treten, um eine so
ungereimte Bitte vorzutragen, an wen mte ich mich denn wenden, um nur
vorgelassen zu werden? Glaubst du denn nicht, da der erste, den ich
anredete, mich als Nrrin behandeln und mit Schmach und Schimpf
fortjagen wrde, wie ich es verdiente? Wenn wir aber auch annehmen, da
es keine Schwierigkeit gbe, Audienz bei dem Sultan zu erhalten: denn
ich wei, da man leicht zu ihm gelangen kann, wenn man um Gerechtigkeit
bittet, und da er sie seinen Untertanen gern gewhrt, sobald sie ihn
darum angehen; ich wei auch, da er mit Vergngen eine Gnade bewilligt,
um die man ihn bittet, sobald er sieht, da man sie verdient hat und
ihrer wrdig ist: aber bist du denn in demselben Falle und glaubst du
die Gnade verdient zu haben, die ich fr dich erbitten soll? Bist du
ihrer wrdig? Was hast du fr deinen Frsten oder fr dein Vaterland
getan und wodurch hast du dich ausgezeichnet? Wenn du nun nichts
geleistet hast, um eine so hohe Gnade zu verdienen, und auch im brigen
ihrer nicht wrdig bist, mit welcher Stirn knnte ich dann darum bitten?
Wie knnte ich auch nur den Mund ffnen, um dem Sultan diesen Vorschlag
zu machen? Sein majesttisches Ansehen und der Glanz seines Hofes wrden
mir sogar den Mund verschlieen, mir, die ich schon vor deinem Vater
zitterte, wenn ich ihn nur um eine Kleinigkeit zu bitten hatte. Auch ein
anderer Grund ist noch vorhanden, mein Sohn, den du nicht bedacht hast,
nmlich, da man vor unsern Sultanen, wenn man sie um etwas bitten will,
nicht erscheinen darf, ohne ein Geschenk in der Hand zu haben. Welches
Geschenk knntest du ihm denn bieten? Und wenn du auch etwas httest,
das der Beachtung eines so groen Monarchen im mindesten wert schiene,
in welchem Verhltnis stnde dann dein Geschenk mit der Bitte, die du
an ihn tun willst? Geh in dich und bedenke, da du nach etwas trachtest,
das du unmglich erreichen kannst.

Alaeddin hrte alles, was seine Mutter sagte, um ihn von seinem Plane
abzubringen, mit groer Gemtsruhe an, und nachdem er ihre Vorstellungen
Punkt fr Punkt in Erwgung gezogen, nahm er endlich das Wort und
sprach: Ich gestehe, liebe Mutter, da es eine groe Verwegenheit von
mir ist, so hoch hinauf zu wollen, und zugleich sehr unberlegt, da ich
von dir, mit solcher Hitze und Hastigkeit verlange, du sollst beim
Sultan fr mich anhalten, ohne zuvor die geeigneten Maregeln zu
ergreifen, um dir Gehr und einen gnstigen Empfang zu verschaffen.
Verzeih mir diesmal. In der Hitze der Leidenschaft, die sich meiner
bemeistert hat, darfst du dich nicht wundern, wenn ich nicht auf einmal
alles, was mir die gesuchte Ruhe geben kann, ins Auge gefat habe. Ich
liebe die Prinzessin Bedrulbudur weit mehr, als du dir denken kannst, ja
ich bin ganz von Sinnen und beharre fest auf dem Entschlusse, sie zu
heiraten. Ich bin darber vollkommen mit mir einig und entschieden.
brigens danke ich dir fr die Erffnung, die du mir soeben gemacht
hast, denn ich betrachte sie als den ersten Schritt zu dem glcklichen
Erfolg, den ich mir verspreche.

Du sagst mir, es sei nicht Brauch, ohne ein Geschenk in der Hand vor
dem Sultan zu erscheinen, und ich htte nichts, was seiner wrdig wre.
Wenn du aber meinst, da ich nichts bese, was ihm berreicht werden
knnte, so glaube ich doch, da die Sachen, die ich aus der
unterirdischen Hhle mitgebracht habe, dem Sultan gewi viel Vergngen
machen wrden. Ich spreche nmlich von den Steinen in den zwei Beuteln
und im Grtel, die wir beide anfangs fr farbige Glser hielten; jetzt
sind mir die Augen aufgegangen, und ich sage dir, liebe Mutter, da es
Juwelen von unschtzbarem Werte sind, die nur groen Knigen gebhren.
In den Lden der Juweliere habe ich mich von ihrem Wert berzeugt und du
kannst mir aufs Wort glauben: alle, die ich bei diesen Herren gesehen
habe, halten mit den unsern durchaus keinen Vergleich aus, weder in
Beziehung auf Gre, noch auf Schnheit, und doch verkaufen sie
dieselben um ungeheure Summen. Wir knnen zwar allerdings den wahren
Wert der unsrigen nicht angeben, aber dem mag sein wie ihm wolle, so
viel verstehe ich doch, um berzeugt zu sein, da das Geschenk dem
Sultan die grte Freude machen mu. Du hast da eine ziemlich groe
Porzellanvase, die gerade dazu pat; bring sie einmal her, und la uns
sehen, welche Wirkung sie haben, wenn wir sie nach ihren verschiedenen
Farben ordnen.

Alaeddins Mutter brachte die Vase, und Alaeddin nahm die Edelsteine aus
den beiden Beuteln heraus und legte sie in der besten Ordnung hinein.
Die Wirkung, die sie durch die Mannigfaltigkeit ihrer Farben und ihren
strahlenden Glanz beim hellen Tageslicht hatten, war so gro, da Mutter
und Sohn beinahe davon geblendet wurden und sich ber die Maen
wunderten; denn sie hatten dieselben bisher nur beim Lampenschein
betrachtet. Alaeddin zwar hatte sie auf den Bumen gesehen, wo sie ihm
als Frchte erschienen, die einen herrlichen Anblick gewhrten; allein
er war damals noch Kind gewesen und hatte diese Edelsteine nur als
Spielzeug betrachtet.

Nachdem sie die Schnheit des Geschenks eine Weile betrachtet hatten,
nahm Alaeddin wieder das Wort und sagte: Du hast jetzt keine Ausrede
mehr, liebe Mutter, und kannst dich nicht damit entschuldigen, da wir
kein passendes Geschenk anzubieten htten. Hier ist eines, wie mich
dnkt, das dir gewi einen recht freundlichen Empfang verschaffen wird.

Obwohl Alaeddins Mutter dieses Geschenk, ungeachtet seiner Schnheit und
seines Glanzes, nicht fr so wertvoll hielt, wie ihr Sohn, so dachte sie
doch, es knne vielleicht angenommen werden, und sah ein, da in dieser
Beziehung nichts mehr einzuwenden war. Dagegen kam sie immer wieder auf
Alaeddins Forderung zurck, und dies machte ihr viel Unruhe. Mein
Sohn, sprach sie zu ihm, ich begreife wohl, da dein Geschenk Wirkung
tun und Gnade in den Augen des Sultans finden wird; aber wenn ich dann
deine Bitte vortragen soll, so fhle ich zum voraus, da ich dazu keine
Kraft haben und stumm bleiben werde. Auf diese Art wird nicht nur mein
Gang vergeblich, sondern auch das Geschenk, das nach deiner Behauptung
so auerordentlich kostbar ist, verloren sein, und ich werde mit Schmach
abziehen mssen, um dir zu verkndigen, da du dich in deiner
Hoffnung getuscht hast. Ich habe es dir schon einmal gesagt und du
wirst sehen, da es so kommt.

[Illustration]

[Illustration]

Aber, setzte sie hinzu, gesetzt auch, ich knnte mir so viel Gewalt
antun, mich nach deinem Wunsche zu fgen, und ich htte Kraft genug, um
eine solche Bitte zu wagen, wie du mir zumutest, so wird sich doch der
Sultan ganz gewi entweder ber mich lustig machen und mich als eine
Nrrin nach Hause schicken, oder er wird in gerechten Zorn geraten,
dessen Opfer unfehlbar wir beide sein werden.

Alaeddins Mutter fhrte noch mehrere solche Grnde an, um ihren Sohn auf
andere Gedanken zu bringen; allein die Reize der Prinzessin Bedrulbudur
hatten einen zu starken Eindruck auf sein Herz gemacht, als da er sich
von seinem Plane htte abbringen lassen. Alaeddin beharrte also auf
seiner Bitte, und teils aus Zrtlichkeit, teils aus Furcht, er mchte
irgend einen tollen Streich machen, berwand seine Mutter ihre Abneigung
und verstand sich endlich dazu, ihm zu willfahren.

Da es schon spt und die Zeit, in den Palast zu gehen und vor den Sultan
zu treten, an diesem Tage bereits vorber war, so wurde die Sache auf
den folgenden Tag verschoben. Mein Sohn, sagte die Mutter, wenn mich
der Sultan so gnstig aufnimmt, wie ich es aus Liebe zu dir wnsche,
wenn er auch den Vorschlag ruhig anhrt, aber sich dann einfallen lt,
nach deinem Vermgen und Stande zu fragen -- sage mir, was soll ich ihm
dann antworten?

Liebe Mutter, antwortete Alaeddin, wir wollen uns nicht zum voraus
ber eine Sache bekmmern, die vielleicht gar nicht vorkommen wird. Wir
mssen jetzt abwarten, wie der Sultan dich empfngt und was fr eine
Antwort er dir gibt. Wenn er dann wirklich ber das, was du sagst,
Auskunft haben will, so werde ich mich schon auf eine Antwort besinnen,
und ich glaube zuversichtlich, da die Lampe, die uns schon seit einigen
Jahren ernhrt, mich in der Not nicht verlassen wird.

Alaeddins Mutter wute hierauf nichts zu erwidern, denn sie dachte, da
die Lampe, von der er sprach, auch noch weit grere Wunder bewirken
knnte, als nur ihren Lebensunterhalt zu verschaffen. Dies beruhigte
sie. Alaeddin sagte zu ihr: Jedenfalls, liebe Mutter, halte die Sache
geheim; davon hngt der ganze glckliche Erfolg ab, den wir erwarten
knnen. Hierauf trennten sie sich, um zu Bett zu gehen; allein die
heftige Liebe und die groartigen, unermelichen Glcksplne, die
Alaeddins Gemt erfllten, lieen ihn keine Ruhe finden. Er stand vor
Tagesanbruch auf, weckte sogleich seine Mutter und bestrmte sie, sie
solle sich aufs schleunigste ankleiden, an das Tor des kniglichen
Palastes gehen und, sowie es geffnet wrde, zugleich mit dem
Grovezier, den untergeordneten Vezieren und den brigen Staatsbeamten
eintreten, die sich zur Sitzung des Divans begben, welcher der Sultan
immer persnlich beiwohnte.

Alaeddins Mutter tat alles, was ihr Sohn wnschte. Sie nahm die mit
Edelsteinen gefllte Porzellanvase und hllte sie in doppelte Leinwand,
zuerst in sehr feine und schneeweie, sodann in minder feine, welche
letztere sie an den vier Zipfeln zusammenband, um die Sache bequemer
tragen zu knnen. Endlich ging sie zur Freude Alaeddins fort und nahm
ihren Weg nach dem Palaste des Sultans. Der Grovezier nebst den brigen
Vezieren und die angesehensten Herren vom Hofe waren bereits
hineingegangen, als sie ans Tor kam. Die Zahl der Wartenden war sehr
gro. Man ffnete und sie ging mit ihnen in den Divan. Dies war ein ber
die Maen schner, tiefer und gerumiger Saal und hatte einen groen,
prchtigen Eingang; sie stellte sich so, da sie den Sultan gerade
gegenber, den Grovezier aber und die brigen Herren, die im Rate
saen, rechts und links hatte. Man rief die verschiedenen Parteien eine
nach der andern vor, in der Ordnung, wie sie ihre Bittschriften
eingereicht hatten, und ihre Angelegenheiten wurden vorgetragen,
verhandelt und entschieden, bis zur Stunde, wo der Divan wie gewhnlich
geschlossen wurde. Dann stand der Sultan auf, entlie die Versammlung
und ging in sein Zimmer zurck, wohin ihm der Grovezier folgte. Die
brigen Veziere und Mitglieder des Staatsrats begaben sich nach Hause;
ebenso die, welche wegen Privatangelegenheiten erschienen waren; die
einen vergngt, da sie ihren Proze gewonnen hatten, die andern
unzufrieden, weil gegen sie entschieden worden war, und noch andere in
der Hoffnung, da ihre Sache in einer andern Sitzung vorkommen werde.

Als Alaeddins Mutter sah, da der Sultan aufstand und fortging, schlo
sie daraus, da er an diesem Tage nicht wieder erscheinen werde, und
ging, wie die andern alle, nach Hause. Alaeddin, der sie mit dem fr den
Sultan bestimmten Geschenk zurckkommen sah, wute anfangs nicht, was er
von dem Erfolg seiner Sendung denken sollte. Er frchtete eine schlimme
Botschaft und hatte kaum Kraft genug, den Mund zu ffnen und sie zu
fragen, welche Nachricht sie bringe. Die gute Frau, die nie einen Fu in
den Palast des Sultans gesetzt und keine Ahnung von dem hatte, was dort
Brauch war, machte der Verlegenheit ihres Sohnes ein Ende, indem sie mit
vieler Treuherzigkeit und Aufrichtigkeit also zu ihm sprach: Mein Sohn,
ich habe den Sultan gesehen und bin fest berzeugt, da er mich
ebenfalls gesehen hat. Ich stand gerade vor ihm und niemand hinderte
mich, ihn zu sehen, allein er war zu sehr mit denen beschftigt, die zu
seiner Rechten und Linken saen, da ich Mitleiden mit ihm hatte, als
ich die Mhe und Geduld sah, womit er sie anhrte. Dies dauerte so
lange, da er, glaube ich, zuletzt Langeweile bekam, denn er stand auf
einmal ganz unerwartet auf und ging schnell weg, ohne eine Menge anderer
Leute anzuhren, die noch mit ihm sprechen wollten. Ich war sehr froh
darber, denn ich fing wirklich an, die Geduld zu verlieren und war von
dem langen Stehen auerordentlich mde. Indes ist noch nichts verdorben;
ich werde morgen wieder zu ihm gehen, der Sultan ist vielleicht dann
nicht so beschftigt.

So heftig auch das Feuer der Liebe in Alaeddins Busen brannte, so mute
er sich doch mit dieser Entschuldigung zufrieden geben und mit Geduld
waffnen. Er hatte wenigstens die Genugtuung, zu sehen, da seine Mutter
bereits den schwersten Schritt getan und den Anblick des Sultans
ausgehalten hatte, und so konnte er hoffen, da sie, wie die andern, die
in ihrer Gegenwart mit ihm gesprochen hatten, nicht anstehen werde, sich
ihres Auftrages zu entledigen, sobald der gnstige Augenblick zum
Sprechen komme.

Am andern Morgen ging Alaeddins Mutter wieder ebenso frhe mit ihrem
Geschenk nach dem Palast des Sultans, allein sie machte diesen Gang
vergeblich, denn sie fand die Tre des Divans verschlossen und erfuhr,
da nur alle zwei Tage Sitzung sei und sie also am folgenden Tage
wieder kommen msse. Sie kehrte nun um und brachte diese Nachricht ihrem
Sohne, der somit aufs neue Geduld fassen mute. Noch sechsmal
hintereinander ging sie an den bestimmten Tagen in den Palast, aber
immer mit ebensowenig Erfolg, und vielleicht wre sie noch hundertmal
vergebens gelaufen, wenn nicht der Sultan, der sie bei jeder Sitzung
gegenber von sich sah, endlich aufmerksam auf sie geworden wre.

An diesem Tage endlich sagte der Sultan, als er nach aufgehobener
Sitzung in seine Gemcher zurckgekehrt war, zu seinem Grovezier:
Schon seit einiger Zeit bemerke ich eine gewisse Frau, die regelmig
jeden Tag, wo ich Sitzung halte, kommt und etwas in Leinwand eingehllt
in der Hand hat. Sie bleibt vom Anfang bis zu Ende der Sitzung stehen,
und zwar immer gerade mir gegenber. Weit du wohl, was ihr Begehr ist?

Der Grovezier, der es so wenig wute, als der Sultan, wollte gleichwohl
keine Antwort schuldig bleiben. Herr, sagte er, es ist dir wohl
bekannt, da die Frauen oft ber geringfgige Sachen Klage fhren. Diese
da kommt offenbar, um sich bei dir zu beschweren, da man vielleicht
schlechtes Mehl an sie verkauft oder ihr sonst Unrecht zugefgt hat, das
von eben so wenig Belang ist. Der Sultan war mit dieser Antwort nicht
zufrieden und sagte: Wenn diese Frau bei der nchsten Sitzung wieder
erscheint, so vergi nicht, sie rufen zu lassen, auf da ich sie hre.
Der Grovezier kte seine Hand und legte sie auf seinen Kopf, zum
Zeichen, da er bereit sei, ihn sich abschlagen zu lassen, wenn er
diesen Befehl nicht erfllte.

Alaeddins Mutter war schon so sehr daran gewhnt, im Divan vor dem
Sultan zu erscheinen, da sie ihre Mhe fr nichts achtete, wofern sie
nur ihrem Sohne zeigen konnte, wie sehr sie sich's angelegen sein lie,
fr ihn alles zu tun, was in ihren Krften stand. Sie ging also am
Sitzungstag wieder nach dem Palast und stellte sich wie gewhnlich am
Eingang des Divans dem Sultan gegenber.

Der Grovezier hatte seinen Vortrag noch nicht begonnen, als der Sultan
Alaeddins Mutter bemerkte. Diese lange Geduld, die er selbst mit
angesehen, rhrte ihn. Damit du es nicht vergissest, sagte er zum
Grovezier, dort steht wieder die Frau, von der ich dir neulich gesagt
habe: la sie hierhertreten, dann wollen wir sie zuerst anhren und ihre
Angelegenheit ins reine bringen. Sogleich zeigte der Grovezier die
Frau dem Obersten der Trsteher, der zu seinen Befehlen bereit stand,
und hie ihn sie nher heranfhren.

Der Oberste der Trsteher kam zu Alaeddins Mutter und gab ihr ein
Zeichen; sie folgte ihm bis an den Fu des kniglichen Thrones, wo er
sie verlie, um sich wieder an seinen Platz neben dem Grovezier zu
stellen.

Alaeddins Mutter befolgte das Beispiel der andern, die sie mit dem
Sultan sprechen gesehen hatte: sie warf sich zu Boden, berhrte mit
ihrer Stirne den Teppich, der die Stufen des Thrones bedeckte, und blieb
in dieser Stellung, bis der Sultan ihr befahl, aufzustehen. Als sie
aufgestanden war, sprach er zu ihr: Gute Frau, ich sehe dich schon
lange Zeit in meinen Divan kommen und von Anfang bis zu Ende am Eingange
stehen. Welche Angelegenheit fhrt dich hierher?

Alaeddins Mutter warf sich, als sie diese Worte hrte, zum zweiten Male
zu Boden, und nachdem sie aufgestanden war, sagte sie: Erhabenster
aller Knige der Welt, bevor ich dir die auerordentliche und fast
unglaubliche Sache erzhle, die mich vor deinen hohen Thron fhrt, bitte
ich dich, mir die Khnheit des Anliegens zu verzeihen, das ich dir
vortragen will. Es ist so ungewhnlich, da ich zittere und bebe, und
groe Scheu trage, es meinem Sultan vorzubringen. Um ihr volle Freiheit
zu geben, befahl der Sultan allen Anwesenden, sich aus dem Divan zu
entfernen und ihn mit dem Grovezier allein zu lassen; dann sagte er zu
ihr, sie knne ohne Furcht sprechen.

Alaeddins Mutter begngte sich nicht mit der Gte des Sultans, der ihr
die Verlegenheit, vor der ganzen Versammlung sprechen zu mssen, erspart
hatte; sie wollte sich auch noch vor seinem Zorn sicher stellen, den sie
bei einem so seltsamen Antrag frchten mute. Groer Knig, sagte sie,
aufs neue das Wort ergreifend, ich wage auch noch dich zu bitten, da
du mir, im Fall du mein Gesuch im mindesten anstig oder beleidigend
finden solltest, zum voraus deine Verzeihung und Gnade zusicherst. --
Was es auch sein mag, erwiderte der Sultan, ich verzeihe es dir
schon jetzt, und es soll dir nicht das geringste Leid zustoen. Sprich
ohne Scheu!

Nachdem Alaeddins Mutter alle diese Vorsichtsmaregeln ergriffen hatte,
weil sie den ganzen Zorn des Sultans fr ihren khnen Antrag frchtete,
erzhlte sie ihm treuherzig, bei welcher Gelegenheit Alaeddin die
Prinzessin Bedrulbudur gesehen, welche heftige Liebe ihm dieser
unglckselige Augenblick eingeflt, welche Erklrungen er ihr darber
gemacht und wie sie ihm alles vorgestellt habe, um ihn von einer
Leidenschaft abzubringen, die sowohl fr den Knig, als fr seine
Tochter im hchsten Grade beleidigend sei. Aber, fuhr sie fort, statt
diese Ermahnungen zu beherzigen, und die Frechheit seines Verlangens
einzusehen, beharrte mein Sohn unerschtterlich dabei und drohte mir
sogar, wenn ich mich weigern wrde, zu dir zu gehen und fr ihn um die
Prinzessin anzuhalten. Gleichwohl hat es mich sehr groe berwindung
gekostet, bis ich ihm diesen Gefallen erwies, und ich bitte dich noch
einmal, groer Knig, da du nicht allein mir, sondern auch meinem Sohne
Alaeddin verzeihen mgest, der den verwegenen Gedanken gehabt hat, nach
einer so hohen Verbindung zu trachten.

Der Sultan hrte den ganzen Vortrag mit vieler Milde und Gte an, ohne
im mindesten Zorn und Unwillen zu verraten, oder auch nur die Sache
spttisch aufzunehmen. Ehe er aber der guten Frau antwortete, fragte er
sie, was sie denn in ihrem leinenen Tuche eingehllt habe. Sogleich nahm
sie die porzellanene Vase, stellte sie an den Fu des Thrones, und
nachdem sie sich niedergeworfen, enthllte sie dieselbe und berreichte
sie dem Sultan.

Es ist unmglich, die berraschung und das Erstaunen des Sultans zu
beschreiben, als er in dieser Vase so viele ansehnliche, kostbare,
vollkommene und glnzende Edelsteine erblickte, und zwar alle von einer
Gre, dergleichen er niemals gesehen hatte. Seine Verwunderung war so
gro, da er eine Weile ganz unbeweglich dasa. Endlich, als er sich
wieder gesammelt hatte, empfing er das Geschenk aus den Hnden der Frau
und rief auer sich vor Freude: Ei, wie schn, wie herrlich! Nachdem
er die Edelsteine alle einen nach dem andern in die Hand genommen,
bewundert und nach ihren hervorstechendsten Eigenschaften gepriesen
hatte, wandte er sich zu seinem Grovezier, zeigte ihm die Vase und
sagte zu ihm: Sieh einmal an und du wirst gestehen mssen, da man auf
der ganzen Welt nichts Kostbareres und Vollkommeneres finden kann. Der
Vezier war ebenfalls ganz bezaubert. Je nun, fuhr der Sultan fort,
was sagst du von diesem Geschenke? Ist es der Prinzessin, meiner
Tochter, nicht wrdig, und kann ich sie um diesen Preis nicht dem Manne
geben, der um sie anhalten lt?

Diese Worte versetzten den Grovezier in peinliche Unruhe. Der Sultan
hatte ihm nmlich vor einiger Zeit zu verstehen gegeben, da er die
Prinzessin seinem Sohne zu geben gedenke. Nun aber frchtete er, und
nicht ohne Grund, der Sultan mchte durch dieses reiche und
auerordentliche Geschenk geblendet, sich anders entschlieen. Er
nherte sich ihm daher und flsterte ihm ins Ohr: Herr, ich mu
gestehen, da das Geschenk der Prinzessin wrdig ist. Allein ich bitte
dich, mir drei Monate Frist zu gnnen, bevor du dich entscheidest. Ich
hoffe, da mein Sohn, auf den du frher deine Augen zu werfen geruhtest,
noch vor dieser Zeit ihr ein weit kostbareres Geschenk machen kann, als
dieser Alaeddin, den du gar nicht kennst. So sehr nun auch der Sultan
berzeugt war, da der Grovezier unmglich seinen Sohn in den Stand
setzen konnte, der Prinzessin ein Geschenk von gleichem Werte zu machen,
so hrte er dennoch auf ihn und bewilligte ihm diesen Wunsch. Er wandte
sich also zu Alaeddins Mutter und sagte zu ihr: Geh nach Hause, gute
Frau, und melde deinem Sohn, da ich den Vorschlag, den du mir in seinem
Namen gemacht hast, genehmige, da ich aber die Prinzessin, meine
Tochter, unmglich verheiraten kann, bis ich ihr eine Ausstattung
besorgt habe, die erst in drei Monaten fertig wird. Komm also um diese
Zeit wieder.

Alaeddins Mutter ging mit um so grerer Freude nach Hause, als sie es
im Anfang wegen ihres Standes fr unmglich gehalten hatte, Zutritt beim
Sultan zu erlangen, und nun war ihr statt einer beschmenden
abschlgigen Antwort, die sie erwarten mute, ein so gnstiger Bescheid
zuteil geworden. Als Alaeddin seine Mutter zurckkommen sah, schlo er
aus zwei Sachen auf eine gute Botschaft: erstens, weil sie frher als
gewhnlich kam, und zweitens, weil ihr Gesicht vor Freude glnzte.
Ach, meine Mutter! rief er ihr entgegen, darf ich hoffen oder soll
ich aus Verzweiflung sterben? Sie legte ihren Schleier ab, setzte sich
neben ihn und sagte dann zu ihm: Lieber Sohn, um dich nicht lange in
Ungewiheit zu lassen, will ich dir gleich zum voraus sagen, da du
nicht ans Sterben zu denken brauchst, sondern im Gegenteil alle Ursache
hast, gutes Mutes zu sein. Hierauf erzhlte sie ihm, wie sie vor allen
andern Zutritt erhalten, und welche gnstige Antwort sie aus des Sultans
eigenem Munde erhalten habe. Sie fgte hinzu: aus dem ganzen Benehmen
des Sultans habe sie entnehmen knnen, da das Geschenk einen beraus
mchtigen Eindruck auf sein Gemt gemacht und ihn zu dieser huldreichen
Antwort bestimmt habe.

Als Alaeddin diese Nachricht hrte, hielt er sich fr den glcklichsten
aller Sterblichen. Er dankte seiner Mutter fr die viele Mhe, und
obwohl ihm bei seinem ungeduldigen Verlangen nach dem Gegenstande seiner
Liebe drei Monate entsetzlich lang erschienen, so nahm er sich doch vor,
mit Geduld zu warten und auf das Wort des Sultans zu bauen, das er fr
unverbrchlich hielt. Indes zhlte er in Erwartung des ersehnten Zieles
nicht blo Wochen, Tage und Stunden, sondern selbst Minuten, und es
waren ungefhr zwei Monate verflossen, als seine Mutter eines Abends die
Lampe anznden wollte und merkte, da kein l mehr im Hause war. Sie
ging aus, um welches zu kaufen, und als sie in die Stadt hinein kam,
fand sie, da alles festlich geschmckt war. Die Kauflden waren
geffnet, man schmckte sie mit Blumenkrnzen und machte Anstalt zu
festlichen Beleuchtungen, wobei es jeder dem andern an Pracht und Glanz
zuvorzutun suchte, um seinen Eifer an den Tag zu legen. Auf allen
Gesichtern strahlte Freude und Frhlichkeit, sogar die Straen waren mit
Hofbeamten in Festkleidern angefllt, die auf reichgeschmckten Pferden
saen und von einer groen Menge Bedienten zu Fu umgeben waren. Sie
fragte den Kaufmann, bei dem sie ihr l kaufte, was dies alles zu
bedeuten habe. Woher kommst denn du, liebe Frau? gab ihr dieser zur
Antwort; weit du allein nicht, da der Sohn des Groveziers heute
abend die Prinzessin Bedrulbudur, Tochter des Sultans, heiratet? Sie
wird bald aus dem Bade kommen und die vornehmen Herren, die du hier
siehst, haben sich versammelt, um sie nach dem Palast zu geleiten, wo
die Feierlichkeit vor sich gehen soll.

Alaeddins Mutter wollte nichts mehr hren. Sie lief so eilig nach Hause,
da sie fast atemlos ankam. Ach! rief sie ihrem Sohne, der auf nichts
weniger, als auf eine solche unangenehme Nachricht gefat war, entgegen,
fr dich ist alles verloren. Du zhltest auf das schne Versprechen des
Sultans, aber es wird nichts daraus. Alaeddin erschrak ber die Maen
und antwortete: Liebe Mutter, warum sollte mir denn der Sultan sein
Versprechen nicht halten? woher weit du das? -- Heute abend noch,
versetzte die Mutter, heiratet der Sohn des Groveziers die Prinzessin
Bedrulbudur im Palaste. Sie erzhlte ihm hierauf, wie sie es erfahren
hatte, und teilte ihm so genau die einzelnen Umstnde mit, da er nicht
mehr daran zweifeln konnte. Bei dieser Nachricht war Alaeddin wie vom
Blitze getroffen. Jeder andere als er wre seinem Kummer erlegen, aber
eine geheime Eifersucht weckte die Ttigkeit seines Geistes bald wieder.
Er gedachte jetzt der Lampe, die ihm bisher so ntzlich gewesen, und
ohne mit leeren Worten gegen den Sultan, den Grovezier oder den Sohn
dieses Ministers zu eifern, sagte er blo: Liebe Mutter, der Sohn des
Groveziers ist heute nacht vielleicht nicht so glcklich, als er hofft.
Ich will einen Augenblick auf mein Zimmer gehen, bereite du indes das
Abendessen.

Alaeddins Mutter begriff wohl, da ihr Sohn von der Lampe Gebrauch
machen wollte, um die Heirat des Sohnes des Groveziers womglich zu
hintertreiben, und sie tuschte sich nicht. Alaeddin nahm, sobald er in
seinem Zimmer war, die Wunderlampe, die er seit der Erscheinung des
Geistes, der seiner Mutter so groen Schrecken eingejagt, hierher
gebracht hatte, und rieb sie an derselben Stelle, wie frher. Alsbald
erschien der Geist und sprach zu ihm: Was willst du? ich bin bereit dir
zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die die Lampe
in der Hand haben, sowohl ich als alle andern Sklaven der Lampe. --
Hre, sagte Alaeddin, du hast mir bisher zu essen gebracht, so oft
ich dessen bedurfte, jetzt aber habe ich dir einen Auftrag von weit
hherem Belang zu erteilen. Ich habe bei dem Sultan um die Prinzessin
Bedrulbudur anhalten lassen. Er hat sie mir versprochen und nur einen
Aufschub von drei Monaten verlangt. Statt aber sein Wort zu halten,
vermhlt er sie heute abend noch vor Ablauf der Frist mit dem Sohne des
Groveziers. Ich habe es soeben erfahren und die Sache ist ganz gewi.
Nun verlange ich von dir, da du Brutigam und Braut, sobald sie sich zu
Bette gelegt haben, wegtragest und alle beide in ihrem Bette hierher
bringst. -- Mein Gebieter, antwortete der Geist, ich werde dir
gehorchen. Hast du sonst noch etwas zu befehlen? -- Fr den Augenblick
nichts, erwiderte Alaeddin und der Geist verschwand.

Alaeddin ging wieder zu seiner Mutter zurck und speiste so ruhig, wie
sonst, mit ihr zu Abend. Nach dem Essen sprach er eine Weile mit ihr
ber die Vermhlung der Prinzessin, wie ber eine Sache, die ihn
garnicht bekmmerte. Sodann ging er auf sein Zimmer zurck, damit seine
Mutter ungestrt zu Bett gehen konnte. Er selbst legte sich indessen
nicht nieder, sondern erwartete die Rckkunft des Geistes und die
Vollziehung seines Befehles.

Indessen waren im Palast des Sultans mit ungeheurer Pracht alle
Anstalten zur Vermhlungsfeier der Prinzessin getroffen worden, und die
Festlichkeiten und Lustbarkeiten dauerten bis in die Nacht. Als alles
vorber war, entfernte sich der Sohn des Groveziers unbemerkt auf ein
Zeichen, das ihm der Oberste von den Verschnittenen der Prinzessin gab,
der ihn auch nach der Wohnung der Prinzessin und in das Gemach fhrte,
wo das Brautbett bereitet war. Er legte sich zuerst nieder. Bald darauf
brachte die Sultanin in Begleitung ihrer Frauen und der Frauen ihrer
Tochter die Braut herein. Nach der Sitte aller Neuvermhlten strubte
sie sich heftig. Die Sultanin half sie auskleiden, legte sie wie mit
Gewalt ins Bett, umarmte sie, wnschte ihr eine gute Nacht und entfernte
sich dann mit allen ihren Frauen. Die letzte, die hinausging, schlo die
Tre hinter sich zu.

Kaum war die Tre verschlossen, als der Geist, ein treuer Sklave der
Lampe und pnktlicher Vollzieher aller Befehle ihrer Besitzer, ohne dem
jungen Gatten Zeit zu lassen, seine Neuvermhlte auch nur ein wenig zu
liebkosen, zum groen Erstaunen beider das Bett, worin sie lagen, nahm
und in einem Augenblick in Alaeddins Zimmer trug.

Alaeddin, der diesen Augenblick voll Ungeduld erwartet hatte, duldete
nicht, da der Sohn des Groveziers bei der Prinzessin liegen blieb.
Nimm diesen jungen Ehemann, sagte er zu dem Geist, sperre ihn ins
heimliche Gemach, und komm morgen frh etwas vor Tagesanbruch wieder.
Sogleich nahm der Geist den Sohn des Groveziers im bloen Hemd aus dem
Bett, brachte ihn an den bezeichneten Ort und lie ihn daselbst, nachdem
er einen Dunst auf ihn gehaucht hatte, den er vom Wirbel bis zur Zehe
sprte, und der ihn hinderte, sich von der Stelle zu rhren.

So gro nun auch Alaeddins Liebe zur Prinzessin Bedrulbudur war, so
fhrte er doch, sobald er sich mit ihr allein sah, keine langen Reden,
sondern sagte blo in sehr zrtlichem Tone zu ihr: Frchte nichts,
geliebte Prinzessin; du bist hier in Sicherheit, und so gewaltig auch
die Liebe ist, die ich fr deine Schnheit und deine Reize empfinde, so
werde ich doch nie die Schranken der tiefen Ehrfurcht berschreiten,
welche ich dir schulde. Wenn ich, fgte er hinzu, gezwungen worden
bin, zu diesen uersten Maregeln zu greifen, so geschah dies nicht in
der Absicht, dich zu beleidigen, sondern ich wollte nur einen
ungerechten Nebenbuhler verhindern, dem Versprechen, das der Sultan,
dein Vater, mir gegeben, zuwider dich in Besitz zu nehmen. Die
Prinzessin, die von all diesen Umstnden nichts wute, achtete nicht
sehr auf Alaeddins Worte und vermochte ihm nichts zu erwidern. Der
Schrecken und das Erstaunen ber dieses berraschende und unerwartete
Abenteuer hatte sie in einen solchen Zustand versetzt, da Alaeddin ihr
kein einziges Wort entlocken konnte. Alaeddin lie es indes nicht dabei
bewenden; er entkleidete sich und legte sich an die Stelle des Sohnes
des Groveziers, indem er der Prinzessin den Rcken kehrte, zugleich
aber die Vorsicht gebrauchte, einen Sbel zwischen die Prinzessin und
sich zu legen, zum Zeichen, da er damit bestraft zu werden verdiente,
wenn er sich gegen ihre Ehre vergehen sollte.

Alaeddin war damit zufrieden, seinen Nebenbuhler des Glcks beraubt zu
haben, das er in dieser Nacht zu genieen hoffte, und schlief ganz
ruhig. Anders die Prinzessin Bedrulbudur: sie hatte in ihrem Leben noch
keine so verdrieliche und unangenehme Nacht zugebracht, und wenn man
den Ort und den Zustand bedenkt, in dem der Geist den Sohn des
Groveziers verlassen hatte, so wird man sich leicht denken knnen, da
sie fr den jungen Ehemann noch viel betrbter war.

Am andern Morgen brauchte Alaeddin nicht erst die Lampe zu reiben, um
den Geist herbeizurufen. Er kam zur bezeichneten Stunde wieder und sagte
zu Alaeddin, whrend dieser sich ankleidete: Hier bin ich, was hast du
mir zu befehlen? -- Geh, antwortete Alaeddin, hole den Sohn des
Groveziers, lege ihn wieder in dies Bett und trage ihn nach dem Palast
des Sultans an denselben Ort zurck, wo du ihn genommen hast. Der Geist
lste den Sohn des Groveziers von seinem Posten ab und Alaeddin nahm,
als er zurckkam, seinen Sbel wieder. Jener legte den jungen Ehemann
neben die Prinzessin und trug das Brautbett in einem Augenblick nach
demselben Gemach des kniglichen Palastes zurck, wo er es geholt hatte.
Zu bemerken ist noch, da der Geist weder von der Prinzessin noch dem
Sohne des Groveziers gesehen wurde; seine abscheuliche Gestalt htte
sie leicht vor Schrecken tten knnen. Ebensowenig hrten sie die
Gesprche zwischen Alaeddin und ihm, sondern bemerkten blo die
Bewegungen des Bettes und ihre Versetzung von einem Ort an einen andern;
dies allein konnte ihnen schon genug Schrecken einjagen, wie sich leicht
denken lt.

Kaum hatte der Geist das Brautbett wieder an seinen Ort gestellt, als
der Sultan, der gern erfahren htte, wie die Prinzessin, seine Tochter,
ihre Hochzeitsnacht zugebracht, ins Zimmer trat, um ihr guten Morgen zu
wnschen. Der Sohn des Groveziers, der die ganze Nacht in der Klte
hatte stehen mssen und noch keine Zeit gehabt hatte, sich zu erwrmen,
stand, als die Tre geffnet wurde, sogleich auf und ging in das
Vorzimmer, wo er sich den Abend zuvor entkleidet hatte.

Der Sultan nherte sich dem Bett der Prinzessin, kte sie der Sitte
gem zwischen die Augen, wnschte ihr guten Morgen und fragte sie
lchelnd, wie sie sich diese Nacht befunden habe? Als er sie aber
aufmerksamer betrachtete, fand er sie zu seinem groen Erstaunen in
tiefe Schwermut versenkt; auch wurde sie weder rot, noch gab sie sonst
ein Zeichen, das seine Neugierde htte befriedigen knnen. Sie warf ihm
blo einen sehr traurigen Blick zu, der groe Betrbnis oder groes
Mivergngen verriet. Er sprach noch einige Worte zu ihr; da er aber
sah, da er ihr keine Antwort entlocken konnte, so glaubte er, sie tue
dies aus Schamhaftigkeit, und entfernte sich. Gleichwohl stieg die
Vermutung in ihm auf, dieses Stillschweigen msse einen ganz
absonderlichen Grund haben; deswegen ging er sogleich nach den Gemchern
der Sultanin und erzhlte ihr, in welchem Zustande er die Prinzessin
gefunden und wie sie ihn empfangen habe. Herr, gab die Sultanin zur
Antwort, du mut dich darber nicht wundern; am Morgen nach der
Hochzeitsnacht zeigen alle Neuvermhlten solche Zurckhaltung. In zwei
oder drei Tagen wird dies anders sein. Ich will nun selbst zu ihr
gehen, fgte sie hinzu, und ich mte mich sehr tuschen, wenn sie
mich ebenso empfinge.

Als die Sultanin angekleidet war, begab sie sich nach den Zimmern der
Prinzessin, die noch zu Bette lag. Sie nherte sich ihr, kte sie und
wnschte ihr einen guten Morgen; aber wie gro war ihr Erstaunen, als
sie nicht nur keine Antwort von ihr erhielt, sondern auch bei nherer
Betrachtung tiefe Niedergeschlagenheit an ihr bemerkte, woraus sie
schlo, es msse ihr etwas begegnet sein, das sie nicht erraten konnte.
Liebe Tochter, sagte die Sultanin zu ihr, woher kommt es denn, da du
alle meine Liebkosungen so schlecht erwiderst? Vor deiner Mutter
brauchst du doch keine solchen Umstnde zu machen. Gestehe mir offen und
frei, was dir begegnet ist, und lasse mich nicht so lange in dieser
peinlichen Unruhe.

Die Prinzessin Bedrulbudur unterbrach endlich das Schweigen mit einem
tiefen Seufzer. Ach, meine sehr verehrte Mutter, rief sie, verzeihe
mir, wenn ich es an der schuldigen Ehrfurcht fehlen lie. Es sind mir
heute nacht so auerordentliche Sachen zugestoen, da ich mich von
meinem Staunen und meinem Schrecken noch nicht erholt habe, ja kaum mich
selbst wiedererkenne. Sie schilderte hierauf mit den lebhaftesten
Farben, was ihr begegnet.

Die Sultanin hrte alles, was die Prinzessin ihr erzhlte, sehr ruhig
an, wollte es aber nicht glauben. Liebe Tochter, sprach sie zu ihr,
du hast wohl daran getan, da du dem Sultan, deinem Vater, nichts davon
gesagt hast. Hte dich ja, gegen jemand etwas verlauten zu lassen; man
wrde dich fr eine Nrrin halten, wenn man dich so sprechen hrte. --
Verehrungswrdige Mutter, antwortete die Prinzessin, ich versichere
dir, da ich bei Verstande bin. Frage nur meinen Gemahl, er wird dir
dasselbe sagen. -- Ich werde mich bei ihm erkundigen, antwortete die
Sultanin, aber wenn er auch gerade so sprche, wie du, so vermchte
mich dies immer noch nicht zu berzeugen. Steh nur auf und schlag dir
diese Gedanken aus dem Kopf. Zugleich rief die Sultanin die Frauen der
Prinzessin, und als sie sah, da sie aufgestanden war und sich zu
schmcken begann, begab sie sich nach den Zimmern des Sultans und sagte
ihm, es sei ihrer Tochter wirklich etwas durch den Kopf gegangen, was
aber von keinem Belang sei. Dann lie sie den Sohn des Groveziers
rufen, um von ihm nhere Aufschlsse ber die Erzhlung der Prinzessin
zu erhalten; dieser aber, der sich durch die Verwandtschaft mit dem
Sultan sehr geehrt fhlte, hatte sich vorgenommen, die Sache zu
verheimlichen. Mein lieber Sohn, sagte die Sultanin zu ihm, sag mir
doch, hast du dir dieselbe Einbildung in den Kopf gesetzt, wie deine
Frau? -- Herrin, antwortete der Sohn des Groveziers, drfte ich wohl
um Erklrung bitten, was deine Frage besagen soll? -- Ich bin schon
zufrieden, antwortete die Sultanin, und verlange nicht mehr zu wissen;
du bist gescheiter als sie.

Die Lustbarkeiten im Palast dauerten den ganzen Tag fort, und die
Sultanin, die der Prinzessin nicht von der Seite kam, unterlie nichts,
um sie zur Frhlichkeit und zur Teilnahme an den Vergngungen und
ergtzlichen Schauspielen zu stimmen, die ihr zu Ehren veranstaltet
wurden; allein das Begebnis der vorigen Nacht hatte einen solch
gewaltigen Eindruck auf sie gemacht, da sie fr nichts anderes Sinn
hatte und immer damit beschftigt war. Der Sohn des Groveziers fhlte
sich durch diese schlimme Nacht ebenfalls sehr geschwcht, allein er
setzte seinen Ehrgeiz darein, niemand etwas davon merken zu lassen, und
wenn man ihn sah, mute man glauben, er sei ein sehr glcklicher
Ehemann.

Alaeddin, der von allem, was im Palast vorging, wohl unterrichtet war,
zweifelte nicht, da die Neuvermhlten, trotz ihres verdrielichen
Abenteuers in der ersten Nacht, sich abermals miteinander zu Bette
begeben wrden, und hatte keine Lust, sie in Ruhe zu lassen. Sobald die
Nacht ein wenig vorgerckt war, rieb er seine Lampe; der Geist erschien
und bot ihm mit denselben Worten, wie frher, seine Dienste an. Der
Sohn des Groveziers und die Prinzessin Bedrulbudur, sagte Alaeddin zu
ihm, wollen heute nacht wieder beisammen schlafen. Gehe hin, und sobald
sie sich niedergelegt haben, bring mir das Bett hierher, wie gestern.

Der Geist bediente Alaeddin ebenso treu und pnktlich, wie das erstemal.
Der Sohn des Groveziers brachte die Nacht wieder so kalt und so
unangenehm zu, wie die Brautnacht, und die Prinzessin mute zu ihrem
Verdru Alaeddin wieder als Bettgenossen annehmen, der auch diesmal
zwischen sie und sich den Sbel legte. Der Geist kam, dem Befehle
Alaeddins zufolge, morgens wieder, legte den Ehemann zu seiner Frau,
nahm sodann das Bett mit den Neuvermhlten und trug es wieder in das
Zimmer des Palastes, wo er es geholt hatte.

Der Sultan, der nach dem Empfang, welchen er am vorigen Morgen bei der
Prinzessin Bedrulbudur gefunden, sehr neugierig war, wie sie die zweite
Nacht zugebracht habe, und ob sie ihn abermals so schlecht empfangen
wrde, begab sich wieder ebenso frh in ihr Zimmer, um sich davon zu
unterrichten. Der Sohn des Groveziers, der sich ber sein Unglck in
dieser Nacht noch mehr schmte und rgerte, als das erstemal, hrte ihn
kaum kommen, als er eilig aufstand und in das Ankleidezimmer strzte.

Der Sultan nherte sich dem Bett der Prinzessin, wnschte ihr guten
Morgen und sagte dann nach denselben Liebkosungen wie am vorigen Tage:
Nun, meine liebe Tochter, bist du diesen Morgen auch wieder so schlecht
gelaunt, wie gestern? Wirst du mir wohl sagen, wie du die Nacht
zugebracht hast? Die Prinzessin beobachtete dasselbe Stillschweigen und
der Sultan bemerkte, da sie noch weit unruhiger und betrbter war, als
das erstemal. Er zweifelte jetzt nicht mehr, da ihr etwas
Auerordentliches zugestoen sein msse, rgerte sich aber ber ihre
Schweigsamkeit und rief ihr voll Zorn und mit gezcktem Sbel zu: Wenn
du mir nicht gestehst, was du verhehlen willst, so haue ich dir sogleich
den Kopf ab.

Die Prinzessin, die ber den Ton und die Drohung des beleidigten Sultans
noch mehr erschrak, als ber den Anblick des blanken Sbels, brach
endlich das Stillschweigen und rief mit trnenden Augen: Geliebter
Vater und Knig! ich bitte um Verzeihung, wenn ich dich beleidigt habe,
hoffe aber von deiner Gte und Milde, da Mitleid an die Stelle des
Zorns treten wird, sobald ich dir den klglichen und traurigen Zustand,
worin ich mich sowohl diese als die vorige Nacht befunden, treu
schildere.

Nach dieser Einleitung, die den Sultan etwas besnftigte und milder
stimmte, erzhlte sie ihm alles, was ihr whrend dieser zwei
verdrielichen Nchte begegnet war, getreu und so rhrend, da er
betrbt wurde, denn er liebte seine Tochter sehr zrtlich. Sie schlo
mit den Worten: Wenn du im mindesten an meiner Erzhlung zweifelst, so
kannst du den Gemahl fragen, den du mir gegeben hast; ich bin berzeugt,
da er die Wahrheit der Sache ebenso bezeugen wird, wie ich.

Der Sultan teilte die tiefe Bekmmernis, in welche die Prinzessin durch
ein so auffallendes Abenteuer versetzt werden mute. Liebe Tochter,
sprach er zu ihr, es war sehr unrecht von dir, da du mir diese
seltsame Geschichte nicht schon gestern erzhlt hast, die mir ebenso
wichtig sein mu, als dir. Ich habe dich nicht verheiratet in der
Absicht, dich unglcklich zu machen, sondern im Gegenteil gedachte ich,
dich dadurch in den Besitz all des Glckes zu setzen, das du verdienst
und bei einem Gemahl, der fr dich zu passen schien, auch hoffen
konntest. Banne nur aus deinem Gemt die traurigen Gedanken an das, was
du mir eben erzhlt hast. Ich werde sogleich Befehle geben, da du von
nun an keine so unangenehmen und unertrglichen Nchte mehr hast, wie
bisher.

Sobald der Sultan in seine Gemcher zurckgekehrt war, lie er den
Grovezier rufen. Vezier, sagte er zu ihm, hast du deinen Sohn schon
gesehen und hat er dir nichts gesagt? Als der Grovezier antwortete, er
habe ihn noch nicht gesehen, so erzhlte ihm der Sultan alles, was er
von der Prinzessin Bedrulbudur vernommen. Ich zweifle nicht, sagte er
zuletzt, da meine Tochter mir die Wahrheit berichtet hat; indes wre
es mir sehr lieb, wenn dein Sohn es besttigte. Gehe und frage ihn, was
an der Sache ist.

Der Grovezier begab sich sogleich zu seinem Sohn, teilte ihm mit, was
der Sultan ihm gesagt hatte, und schrfte ihm ein, da er ja nichts
verhehlen und sagen solle, ob alles wahr sei. Ich will dir die Wahrheit
gestehen, mein Vater, antwortete der Sohn. Alles, was die Prinzessin
zum Sultan sagte, hat seine traurige Richtigkeit; aber die schlechte
Behandlung, die ich insbesondere erfahren habe, wei sie selbst nicht.
Ich brauche dir nicht weitlufig auseinanderzusetzen, was ich alles
ausgestanden habe, wenn ich desungeachtet auch gegen die Prinzessin,
meine Gemahlin, alle Gefhle der Liebe, Ehrerbietung und Dankbarkeit
hege, die sie verdient. Gleichwohl mu ich dir aufrichtig gestehen, da
ich, so ehrenvoll und glnzend die Vermhlung der Tochter des Sultans
fr mich ist, lieber sterben, als lnger in einer so hohen
Verwandtschaft bleiben will, wenn ich mich auch ferner noch einer solch
unangenehmen Behandlung aussetzen mu. Ich zweifle nicht, da die
Prinzessin ebenso denken wird, wie ich, und sie wird leicht zugeben, da
unsere Trennung fr ihre Ruhe so notwendig ist, als fr die meinige;
darum, lieber Vater, bitte ich dich bei der Liebe, die dich bewogen, mir
diese hohe Ehre zu verschaffen, wirke beim Sultan aus, da unsere Ehe
fr nichtig erklrt wird.

So sehr es nun auch dem Ehrgeiz des Groveziers geschmeichelt hatte,
seinen Sohn als Tochtermann des Sultans zu sehen, so hielt er es doch,
da dieser fest entschlossen war, sich von der Prinzessin scheiden zu
lassen, nicht fr ratsam, ihn wenigstens noch fr einige Tage zur Geduld
zu ermahnen, um abzuwarten, ob diese Widerwrtigkeit nicht von selbst
aufhren werde. Er verlie ihn daher, um dem Sultan Bericht abzustatten,
und gestand ihm aufrichtig, die Sache sei nur zu wahr; sein Sohn habe
ihm alles erzhlt. Ohne erst abzuwarten, da der Sultan selbst von der
Ehescheidung zu reden anfing, wozu er ihn sehr geneigt sah, bat er
hierauf um Erlaubnis, da sein Sohn sich aus dem Palaste entfernen und
in sein Haus zurckkehren drfte; indem es hchst unrecht wre, wenn die
Prinzessin um seinetwillen nur einen Augenblick lnger dieser
schrecklichen Plage ausgesetzt wrde.

Es kostete den Grovezier nicht viel Mhe, die Gewhrung seines Gesuchs
zu erlangen. Der Sultan, der bereits diesen Entschlu gefat hatte, gab
augenblicklich Befehl, die Lustbarkeiten im Palaste und in der Stadt,
sowie im ganzen Gebiete seines Knigreichs, wohin er Gegenbefehle
abfertigte, einzustellen, und in kurzer Zeit hrten alle ffentlichen
Freudenbezeigungen und Festlichkeiten auf.

Diese pltzliche und unerwartete Vernderung gab zu allerlei Gerede
Anla. Die Leute fragten sich, woher es wohl kommen mge, aber niemand
wute mehr zu sagen, als da man den Grovezier und seinen Sohn, beide
sehr traurig, aus dem Palaste in ihr eigenes Haus habe gehen sehen.
Alaeddin allein wute das Geheimnis und freute sich in seinem Innern gar
sehr ber den glcklichen Erfolg, den ihm seine Lampe verschaffte. Da er
jetzt mit Bestimmtheit wute, da sein Nebenbuhler den Palast verlassen
hatte und die Ehe zwischen der Prinzessin und ihm vollstndig aufgelst
war, so hatte er nicht mehr ntig, die Lampe zu reiben und den Geist zu
rufen. Das Merkwrdigste bei der Sache war, da weder der Sultan, noch
der Grovezier, die Alaeddin und seinen Antrag lngst vergessen hatten,
auch nur entfernt auf den Gedanken kamen, da er an der Zauberei irgend
Anteil haben knnte.

Alaeddin lie indes die drei Monate vollends verstreichen, die der
Sultan als Frist fr seine Vermhlung mit der Prinzessin Bedrulbudur
festgesetzt hatte. Er hatte sorgfltig jeden Tag gezhlt, und als sie
vorber waren, schickte er gleich am andern Morgen seine Mutter in den
Palast, um den Sultan an sein Wort zu erinnern.

Alaeddins Mutter ging nach dem Palaste, wie ihr Sohn ihr gesagt hatte,
und stellte sich am Eingang des Divans wieder an denselben Platz wie
frher. Kaum hatte der Sultan einen Blick auf sie geworfen, so erkannte
er sie auch wieder und erinnerte sich an ihre Bitte, sowie an die Zeit,
auf die er sie vertrstet hatte. Der Grovezier trug ihm eben eine Sache
vor. Der Sultan unterbrach ihn mit den Worten: Vezier, ich bemerke dort
die gute Frau, die uns vor einigen Monaten ein so schnes Geschenk
machte: la sie hierher treten, du magst deinen Bericht fortsetzen, wenn
ich sie angehrt habe.

[Illustration]

[Illustration]

Alaeddins Mutter nherte sich dem Fue des Thrones und warf sich der
Sitte gem nieder. Als sie wieder aufgestanden war, fragte sie der
Sultan, was sie wnsche. Groer Knig, antwortete sie, ich erscheine
zum zweitenmal vor deinem Angesicht, um dir im Namen meines Sohnes
Alaeddin vorzustellen, da die drei Monate verstrichen sind, auf welche
du ihn mit der Bitte, die ich dir vorzutragen die Ehre hatte, vertrstet
hast. Ich bitte demtiglich, da du dich der Sache erinnern mgest.

Der Sultan hatte diese Frist von drei Monaten das erstemal nur deshalb
angesetzt, weil er glaubte, es werde dann keine Rede mehr von einer
Heirat sein, die ihm fr die Prinzessin, seine Tochter, durchaus nicht
angemessen schien, in Anbetracht des niedrigen Standes und der Armut von
Alaeddins Mutter, welche in einem sehr gemeinen Aufzuge vor ihm
erschien. Diese Mahnung an sein Versprechen setzte ihn jetzt in
Verlegenheit. Um sich in der Sache nicht zu bereilen, zog er seinen
Grovezier zu Rate und bezeigte ihm seine Abneigung, die Prinzessin mit
einem Unbekannten zu vermhlen, der offenbar von ganz niedriger Abkunft
sein mute.

Der Grovezier zgerte nicht, dem Sultan seine Gedanken hierber zu
sagen. Herr, antwortete er ihm, mir scheint, da es ein unfehlbares
Mittel gibt, diese unpassende Heirat zu hintertreiben, ohne da Alaeddin
sich darob beklagen knnte. Du darfst nur einen so hohen Preis fr die
Prinzessin festsetzen, da seine Reichtmer, wenn sie auch noch so gro
sind, nicht zureichen. Auf diese Art wirst du ihn von seiner khnen, ja
ich mchte sagen, verwegenen Bewerbung abbringen.

Der Sultan billigte den Rat des Groveziers. Er wandte sich zu Alaeddins
Mutter und sagte nach einigem Nachdenken zu ihr: Gute Frau, ein Sultan
mu immer sein gegebenes Wort halten, und ich bin bereit, mein
Versprechen zu erfllen und deinen Sohn mit der Hand meiner Tochter zu
beglcken. Da ich sie aber nicht vermhlen kann, ohne zu wissen, welche
Vorteile sie sich davon versprechen darf, so melde deinem Sohne, ich
werde mein Versprechen erfllen, sobald er mir vierzig groe Becken von
gediegenem Gold, von oben bis unten mit dergleichen Kostbarkeiten, wie
du mir schon einmal in seinem Namen gebracht hast, angefllt, durch
vierzig schwarze Sklaven zuschickt, die von vierzig andern ausnehmend
schnen und aufs prachtvollste gekleideten jungen weien Sklaven gefhrt
sein mssen. Dies sind die Bedingungen, unter denen ich bereit bin, ihm
die Prinzessin, meine Tochter, zu geben. Geh nun, gute Frau, und bring
mir bald wieder Antwort.

Alaeddins Mutter warf sich abermals vor dem Throne des Sultans nieder
und entfernte sich. Unterwegs lachte sie in ihrem Herzen ber das
nrrische Verlangen ihres Sohnes. Wahrhaftig, sagte sie, wo soll er
so viele goldene Becken und eine solche Menge farbiger Glser hernehmen,
um sie damit zu fllen? Wird er wieder in das unterirdische Gewlbe
hinabsteigen, dessen Eingang verschlossen ist, um sie von den Bumen zu
pflcken? und woher soll er alle diese hbschen Sklaven bekommen, die
der Sultan verlangt? Jetzt ist er freilich weit von seinem Ziele
entfernt, und ich glaube nicht, da er mit meiner Botschaft zufrieden
sein wird. Als sie mit diesen Gedanken beschftigt nach Hause kam,
sagte sie: Mein Sohn, ich rate dir, denke nicht mehr an eine Vermhlung
mit der Prinzessin Bedrulbudur. Der Sultan hat mich zwar sehr huldreich
empfangen und ich glaube, da er gut gegen dich gesinnt war, allein der
Grovezier hat ihn, wenn ich mich nicht tusche, auf andere Gedanken
gebracht. Nachdem ich dem Sultan vorgestellt hatte, da die drei Monate
abgelaufen seien, bemerkte ich, da er eine Weile ganz leise mit dem
Grovezier sprach, und dann erst gab er mir die Antwort, die ich dir
jetzt sagen werde. Sie erzhlte nun ihrem Sohne sehr ausfhrlich alles,
was der Sultan ihr gesagt hatte, und nannte ihm die Bedingungen, unter
denen er in die Verbindung der Prinzessin, seiner Tochter, mit ihm
einwilligen wrde. Mein Sohn, sagte sie zuletzt, er erwartet eine
Antwort; aber unter uns gesagt, fuhr sie lchelnd fort, ich glaube, er
wird lange warten mssen.

Nicht so lange, liebe Mutter, als du glaubst, antwortete Alaeddin,
und der Sultan ist gewaltig im Irrtum, wenn er meint, durch seine
ungeheuren Forderungen knne er mich auerstand setzen, an die
Prinzessin Bedrulbudur zu denken. Ich hatte ganz andere unberwindliche
Schwierigkeiten erwartet, oder wenigstens einen weit hheren Preis fr
meine unvergleichliche Prinzessin. Jetzt aber bin ich wohl zufrieden,
denn was er verlangt, ist eine Kleinigkeit gegen das, was ich ihm fr
ihren Besitz bieten knnte. Whrend ich nun darauf denken werde, ihn zu
befriedigen, besorge du ein Mittagessen fr uns und la nur mich
gewhren.

Sobald seine Mutter nach Lebensmitteln ausgegangen war, nahm Alaeddin
die Lampe und rieb sie. Sogleich erschien der Geist, fragte in den
gewhnlichen Ausdrcken, was er zu befehlen habe, und sagte, da er
bereit sei, ihn zu bedienen. Alaeddin sprach zu ihm: Der Sultan gibt
mir die Prinzessin, seine Tochter, zur Frau; zuvor aber verlangt er von
mir vierzig groe und vollwichtige Becken von gediegenem Gold, bis zum
Rande angefllt mit den Frchten des Gartens, wo ich die Lampe geholt
habe, deren Sklave du bist. Ferner verlangt er, da diese vierzig
goldenen Becken von ebensovielen schwarzen Sklaven getragen werden
sollen, vor denen vierzig wohlgebildete, schlanke und prachtvoll
gekleidete junge weie Sklaven hergehen mssen. Gehe und schaffe mir
baldmglichst dieses Geschenk zur Stelle, damit ich es dem Sultan
schicken kann, ehe er die Sitzung des Divans aufhebt. Der Geist sagte,
sein Befehl solle unverzglich vollzogen werden, und verschwand.

Eine kleine Weile darauf lie der Geist sich wieder sehen, begleitet von
vierzig schwarzen Sklaven, deren jeder ein schweres Becken von
gediegenem Gold, angefllt mit Perlen, Diamanten, Rubinen und Smaragden,
welche die dem Sultan bereits geschenkten an Gre und Schnheit weit
bertrafen, auf dem Kopfe trug. Jedes der Becken war mit goldgeblmtem
Silberstoff berdeckt. Diese Sklaven, sowohl die weien als die
schwarzen mit den goldenen Becken, erfllten fast das ganze Haus, das
ziemlich klein war, nebst dem kleinen Hofe vor und einem Grtchen hinter
demselben. Der Geist fragte Alaeddin, ob er zufrieden sei, und ob er ihm
sonst noch etwas zu befehlen habe. Alaeddin antwortete, er verlange
nichts mehr, und der Geist verschwand.

Als Alaeddins Mutter vom Markte zurckkam, verwunderte sie sich
hchlich, da sie so viele Leute und Kostbarkeiten sah. Nachdem sie die
Nahrungsmittel auf den Tisch gelegt hatte, wollte sie den Schleier, der
ihr Gesicht verhllte, ablegen, aber Alaeddin lie es nicht zu. Liebe
Mutter, sprach er zu ihr, wir haben jetzt keine Zeit zu verlieren. Es
ist von groer Wichtigkeit, da du, noch ehe der Sultan den Divan
schliet, in den Palast zurckkehrst und das verlangte Geschenk nebst
der Morgengabe fr die Prinzessin Bedrulbudur hinbringst, damit er aus
meiner Eile und Pnktlichkeit das brennende und aufrichtige Verlangen
ermessen kann, womit ich nach der Ehre trachte, sein Schwiegersohn zu
werden.

Ohne die Antwort seiner Mutter abzuwarten, ffnete Alaeddin die Tre
nach der Strae und lie alle seine Sklaven paarweise, immer einen
weien mit einem schwarzen zusammen, hinaus. Als nun seine Mutter hinter
dem letzten Sklaven her ebenfalls drauen war, verschlo er die Tre und
blieb ruhig auf seinem Zimmer, in der sen Hoffnung, der Sultan werde
ihm endlich nach diesem Geschenke, das er selbst gefordert hatte, seine
Tochter geben. Kaum war der erste weie Sklave vor Alaeddins Hause, als
alle Vorbergehenden, die ihn bemerkten, stehen blieben, und ehe noch
die achtzig Sklaven, die weien und schwarzen untereinander, drauen
waren, wimmelte die Strae von einer Masse Volks, das von allen Seiten
herbeistrmte, um dieses prachtvolle und auerordentliche Schauspiel
anzusehen. Die Kleidung der Sklaven bestand aus so kostbaren Stoffen,
und war so reich mit Edelsteinen geschmckt, da die besten Kenner nicht
zuviel zu sagen glaubten, wenn sie jeden Anzug auf mehr als eine Million
schtzten. Die Schnheit und der gute Sitz der Kleider, der edle
Anstand, der ebenmige und stattliche Wuchs der Sklaven, ihr
feierlicher Zug in gleichmig abgemessenen Zwischenrumen, der Glanz
der auerordentlich groen Edelsteine, die in schnster Anordnung rings
um ihre Grtel in echtes Gold gefat, und die Rosen an ihren Turbanen,
die ebenfalls aus Edelsteinen zusammengesetzt und ganz besonders
geschmackvoll gearbeitet waren, dies alles versetzte die Zuschauer in so
groe Verwunderung, da sie nicht mde wurden, sie zu betrachten. Die
Straen waren so mit Menschen angefllt, da jeder an dem Platze, wo er
war, stehen bleiben mute.

Da man durch mehrere Straen gehen mute, um zu dem Palaste zu gelangen,
so konnte ein groer Teil der Stadt und Leute aus allen Klassen und
Stnden den prachtvollen Aufzug sehen. Endlich langte der erste von den
achtzig Sklaven an der Pforte des ersten Schlohofes an. Die Pfrtner,
die sich bei Annherung dieses wundervollen Zuges in zwei Reihen
aufgestellt hatten, hielten ihn fr einen Knig, so reich und
prachtvoll war er gekleidet, und nherten sich ihm, um den Saum seines
Kleides zu kssen. Der Sklave aber, den der Geist vorher seine Rolle
gelehrt hatte, gab es nicht zu und sagte feierlich zu ihm: Wir sind
blo Sklaven; unser Herr wird erscheinen, sobald es Zeit ist.

So kam der erste Sklave an der Spitze des ganzen Zugs in den zweiten
Hof, der sehr gerumig war und wo sich der Hofstaat des Sultans whrend
der Sitzung des Divans aufgestellt hatte. Die Anfhrer jeder einzelnen
Truppe waren zwar prachtvoll gekleidet, wurden aber weit verdunkelt, als
die achtzig Sklaven erschienen, die Alaeddins Geschenk brachten. Im
ganzen Hofstaate des Sultans gab es nichts so Herrliches und Glnzendes,
und alle Pracht der ihn umgebenden Herren von Hofe war Staub im
Vergleich mit dem, was sich jetzt seinen Blicken darbot. Da man dem
Sultan den Zug und die Ankunft dieser Sklaven gemeldet, hatte er Befehl
gegeben, sie eintreten zu lassen. Nachdem sie vor dem Throne des Sultans
einen groen Halbkreis gebildet hatten, stellten die schwarzen Sklaven
die Becken auf den Futeppich, dann warfen sie sich alle miteinander
nieder und berhrten den Teppich mit ihrer Stirne. Die weien Sklaven
taten dasselbe. Hierauf standen alle wieder auf, und die schwarzen
enthllten dabei sehr geschickt die vor ihnen stehenden Becken, worauf
sie mit gekreuzten Armen und groer Ehrerbietung stehen blieben.

Indes nahte Alaeddins Mutter dem Fue des Thrones, warf sich vor
demselben nieder und sprach zu dem Sultan: Herr, mein Sohn Alaeddin
wei recht wohl, da das Geschenk, das er dir schickt, weit unter dem
steht, was die Prinzessin Bedrulbudur verdient. Gleichwohl hofft er, du
werdest es huldreich annehmen und auch die Prinzessin werde es nicht
verschmhen; er hofft dies um so zuversichtlicher, da er sich bemht
hat, der Bedingung, die du ihm vorgeschrieben, nachzukommen.

Der Sultan war nicht imstande, die Begrung der Mutter Alaeddins
aufmerksam anzuhren. Schon beim ersten Blick auf die vierzig goldenen
Becken, die bis zum Rande mit den strahlendsten, glnzendsten und
kostbarsten Edelsteinen angefllt waren, und auf die achtzig Sklaven,
die man fr Knige halten konnte, war er so berrascht, da er sich von
seinem Staunen nicht erholen konnte. Statt also den Gru von Alaeddins
Mutter zu erwidern, wandte er sich an den Grovezier, der ebensowenig
begreifen konnte, woher so viele Reichtmer gekommen sein sollen. Nun
Vezier, sagte er laut zu ihm, was denkst du von dem, wer es auch sein
mag, der mir ein so reiches und auerordentliches Geschenk schickt, ohne
da wir beide ihn kennen? Hltst du ihn fr unwrdig, meine Tochter, die
Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten?

So schmerzlich es nun auch dem Grovezier war, zu sehen, da ein
Unbekannter den Vorzug vor seinem Sohne erhalten und der Eidam des
Sultans werden sollte, so wagte er es doch nicht, seine Ansicht zu
verhehlen. Es war zu augenscheinlich, da Alaeddins Geschenk mehr als
hinreichend war, um ihn dieser hohen Ehre wrdig zu machen. Er
antwortete also dem Sultan ganz nach seinem Sinn und sprach: Herr, es
sei ferne von mir, zu glauben, da derjenige, der dir ein deiner so
wrdiges Geschenk gemacht hat, der Ehre, die du ihm zudenkst, unwrdig
wre; ja ich wrde die Behauptung wagen, er verdiene noch weit mehr,
wenn ich nicht berzeugt wre, da es auf der ganzen Welt keinen so
kostbaren Schatz gibt, der die Prinzessin, deine Tochter, aufwiegen
knnte. Die Herren vom Hofe, die der Sitzung beiwohnten, gaben durch
ihre Beifallsbezeugungen zu erkennen, da sie ebenso dachten wie der
Grovezier.

Der Sultan verschob jetzt die Sache nicht lnger und erkundigte sich
nicht einmal, ob Alaeddin auch die brigen erforderlichen Eigenschaften
besitze, um sein Schwiegersohn werden zu knnen. Schon der Anblick
dieser unermelichen Reichtmer und die Schnelligkeit, mit der Alaeddin
sein Verlangen erfllt hatte, ohne in den ungeheuren Bedingungen die
mindeste Schwierigkeit zu finden, war ihm Beweis genug, da ihm nichts
zu einem vollendeten Mann fehlen knne, wie er ihn sich wnschte. Um
daher Alaeddins Mutter vollkommen zu befriedigen, sagte er zu ihr: Gehe
jetzt, gute Frau, und sage deinem Sohn, da ich ihn erwarte und mit
offenen Armen aufnehmen werde; je schneller er kommen wird, um die
Prinzessin, meine Tochter, aus meiner Hand zu empfangen, je mehr wird er
mir Freude machen.

Hoch erfreut, ihren Sohn wider alles Erwarten auf einer so hohen Stufe
des Glcks zu erblicken, eilte Alaeddins Mutter nach Hause; der Sultan
aber schlo die Sitzung fr heute, stand von seinem Throne auf und
befahl, da die Verschnittenen der Prinzessin die goldenen Becken nehmen
und nach den Zimmern ihrer Gebieterin tragen sollen, wohin er selbst
ging, um sie mit Mue nher zu betrachten.

Indes kam Alaeddins Mutter mit einem Gesichte, das ihre gute Botschaft
voraus verkndete, nach Hause.

Alaeddin, der ber ihre Nachricht hoch erfreut war, gab seiner Mutter
eine kurze Antwort und ging auf sein Zimmer. Er nahm die Lampe, die ihm
bisher in allen Nten und bei allen seinen Wnschen so hilfreich gewesen
war, und kaum hatte er sie gerieben, als der Geist durch sein
unverzgliches Erscheinen seinen fortdauernden Gehorsam an den Tag
legte. Geist, sagte Alaeddin zu ihm, ich habe dich gerufen, damit du
mir sogleich ein Bad bereiten sollst, und sobald ich es genommen habe,
will ich, da du mir die reichste und prachtvollste Kleidung bringst,
die jemals ein Knig getragen hat. Kaum hatte er dies gesprochen, als
der Geist sowohl ihn als sich unsichtbar machte, aufhob und in ein Bad
trug, das von uerst feinem, schnem und buntgestreiftem Marmor gebaut
war. Ohne da er sah, wer ihn bediente, wurde er in einem sehr schnen
und gerumigen Saale entkleidet. Aus dem Saale lie man ihn in das Bad
treten, wo er gerieben und mit allerhand wohlriechenden Wassern
gewaschen wurde. Nachdem er in den verschiedenen Badestuben alle Grade
der Wrme durchgemacht hatte, kam er wieder heraus, aber ganz anders,
als er eingetreten war. Seine Gesichtsfarbe war frisch, wei und rosig
geworden, und sein ganzer Leib weit leichter und geschmeidiger. Als er
in den Saal zurckkam, fand er das Kleid, das er dort gelassen hatte,
nicht mehr; der Geist hatte statt dessen eine andere Kleidung gebracht.
Alaeddin war ganz erstaunt, als er die Pracht des Anzugs sah. Er
kleidete sich mit Hilfe des Geistes an und bewunderte jedes Stck, ehe
er es anzog: so sehr bertraf es alles, was er sich bisher nur hatte
denken knnen. Als er fertig war, trug ihn der Geist in dasselbe Zimmer
zurck, wo er ihn abgeholt hatte, und fragte ihn, ob er noch etwas zu
befehlen habe. Ja, antwortete Alaeddin; ich erwarte auf der Stelle
von dir, da du mir ein Pferd herfhrst, dessen Schnheit und
Schnelligkeit das kostbarste Pferd im Stalle des Sultans bertrifft;
die Decke, der Sattel, der Zaum und berhaupt das Geschirr mu ber eine
Million wert sein. Auch verlange ich, da du mir zu gleicher Zeit
zwanzig Sklaven herbeischaffst, die ebenso reich und schmuck gekleidet
sein mssen, wie die, welche das Geschenk trugen, denn sie sollen mir
zur Seite und als mein Gefolge einhergehen; und noch zwanzig andere der
Art, die in zwei Reihen vor mir herziehen sollen. Auch meiner Mutter
bring sechs Sklavinnen zu ihrer Bedienung, die alle wenigstens ebenso
reich gekleidet sein mssen, wie die Sklavinnen der Prinzessin
Bedrulbudur, und jede einen vollstndigen Anzug auf dem Kopfe tragen
soll, der so prchtig und stattlich sein mu, als wre er fr die
Sultanin. Ferner brauche ich noch zehntausend Goldstcke in zehn
Beuteln. Das war es, was ich dir noch zu befehlen hatte; geh und beeile
dich.

Sobald Alaeddin dem Geiste diese Befehle gegeben hatte, verschwand
dieser und erschien bald wieder mit dem Pferde, den vierzig Sklaven, von
denen zehn je einen Beutel mit tausend Goldstcken trugen, und die sechs
Sklavinnen, wovon jede einen verschiedenen Anzug fr Alaeddins Mutter,
in Silberstoff eingewickelt, auf dem Kopfe trug. Der Geist bergab dies
alles an Alaeddin.

Alaeddin nahm von den zehn Beuteln nur vier, die er seiner Mutter gab,
damit sie sich derselben in Notfllen bedienen sollte. Die sechs andern
lie er in den Hnden der Sklaven, welche sie trugen, mit dem Befehl,
sie zu behalten und whrend ihres Zuges durch die Straen nach dem
Palaste des Sultans handvollweise unter das Volk auszuwerfen. Auch
befahl er ihnen, sie sollten dicht vor ihm, drei zur Rechten und drei
zur Linken, einhergehen. Endlich gab er seiner Mutter die sechs
Sklavinnen und sagte ihr, sie gehrten ihr und sie knne als Gebieterin
ber sie verfgen; auch die Kleider, die sie trugen, seien fr ihren
Gebrauch bestimmt.

Als Alaeddin alle seine Angelegenheiten geordnet hatte, entlie er den
Geist mit der Erklrung, da er ihn rufen werde, sobald er seiner
bedrfe, worauf dieser augenblicklich verschwand. Jetzt machte sich
Alaeddin fertig, dem Wunsche des Sultans, der ihn sehen wollte, zu
entsprechen. Er fertigte einen der vierzig Sklaven -- ich will nicht
sagen den schnsten, denn sie waren alle gleich -- nach dem Palaste ab,
mit dem Befehl, er solle sich an den Obersten der Trsteher wenden und
ihn fragen, wann er wohl die Ehre haben knne, sich dem Sultan zu Fen
zu werfen. Der Sklave entledigte sich seines Auftrages sehr schnell und
brachte die Nachricht zurck, da der Sultan ihn mit Ungeduld erwarte.

Alaeddin stieg nun unverzglich zu Pferde und setzte sich mit seinem
Zuge in der schon angezeigten Ordnung in Bewegung. Obgleich er nie zuvor
ein Ro bestiegen hatte, so zeigte er doch dabei so edlen Anstand, da
selbst der erfahrenste Reiter ihn nicht fr einen Neuling htte halten
knnen. Die Straen, durch die er kam, fllten sich in einem Nu mit einer
unbersehbaren Volksmasse an, von deren Beifalls-, Bewunderungs- und
Segensrufen die Luft wiederhallte, besonders wenn die sechs Sklaven,
welche die Beutel trugen, ganze Hnde voll Goldstcke rechts und links
in die Luft warfen. Der Beifallsruf kam indes nicht von dem Pbel her,
der sich drngte, stie und niederdrckte, um Goldstcke aufzulesen,
sondern von den wohlhabenderen Zuschauern, die sich nicht enthalten
konnten, der Freigebigkeit Alaeddins ffentlich das verdiente Lob zu
spenden. Nicht blo die, die sich erinnerten, ihn noch in seinen
Jnglingsjahren mit den Gassenbuben spielend gesehen zu haben, erkannten
ihn nicht mehr, sondern auch solche, die ihn noch vor kurzem gesehen
hatten, erkannten ihn kaum, so sehr hatten sich seine Gesichtszge
verndert. Dies kam daher, da die Lampe unter andern Eigenschaften auch
die hatte, den Besitzern allmhlich alle Vollkommenheiten zu verleihen,
welche dem Rang, zu dem sie durch ihren guten Gebrauch gelangten,
angemessen waren.

Endlich langte Alaeddin vor dem Palaste an, wo alles zu seinem Empfang
in Bereitschaft gesetzt war. Als er vor das zweite Tor kam, wollte er,
der Sitte gem, die selbst der Grovezier, die Feldhauptleute und
Oberstatthalter beobachteten, absteigen; allein der Oberste der
Trsteher, der ihn auf Befehl des Sultans dort erwartete, lie es nicht
zu und begleitete ihn bis an den groen Versammlungs- oder Audienzsaal,
wo er ihm absteigen half, obwohl Alaeddin sich sehr dagegen strubte und
es nicht dulden wollte: er konnte es aber nicht hindern.

Als der Sultan Alaeddin erblickte, war er ebenso berrascht durch seine
reiche und prachtvolle Kleidung, als auch besonders durch seinen edlen
Anstand, seinen herrlichen Wuchs und seine wrdevolle Haltung, die er um
so weniger erwartet hatte, als sie von dem niedrigen Anzuge seiner
Mutter himmelweit verschieden war. Seine Verwunderung und berraschung
hinderte ihn indes nicht, aufzustehen und zwei oder drei Stufen des
Thrones herabzusteigen, damit Alaeddin sich nicht zu seinen Fen werfen
und er ihn freundschaftlich umarmen konnte. Nach dieser Hflichkeit
wollte sich Alaeddin gleichwohl vor ihm niederwerfen, allein der Sultan
hielt ihn mit eigener Hand zurck und ntigte ihn, heraufzusteigen und
sich zwischen ihn und den Grovezier zu setzen.

Hierauf nahm Alaeddin das Wort und sprach: Herr, ich nehme die Ehre,
die du mir erzeigst, an, weil es dir in deiner Gnade beliebt, sie mir zu
erweisen; erlaube mir aber, dir zu sagen, da ich nicht vergessen habe,
wie ich dein geborner Sklave bin, da ich die Gre deiner Macht kenne
und wohl wei, wie tief meine Herkunft mich unter den Glanz und die
Herrlichkeit des hohen Ranges stellt, in welchem du stehst. Wenn ich
durch irgend etwas einen gnstigen Empfang verdient haben sollte, so
gestehe ich, da ich ihn blo jener durch einen reinen Zufall
veranlaten Khnheit verdanke, die mich bewog, meine Augen, Gedanken und
Wnsche bis zu der erhabenen Prinzessin zu erheben, die der Gegenstand
meiner Sehnsucht ist. Ich bitte dich fr diese Verwegenheit um
Verzeihung, groer Knig, aber ich kann nicht verhehlen, da ich vor
Schmerz sterben wrde, wenn ich die Hoffnung aufgeben mte, meinen
Wunsch erfllt zu sehen.

Mein Sohn, antwortete der Sultan, indem er ihn abermals umarmte, du
wrdest mir unrecht tun, wenn du auch nur einen Augenblick an der
Aufrichtigkeit meines Versprechens zweifeln wolltest. Dein Leben ist mir
fortan zu teuer, als da ich es nicht durch Darbietung des Heilmittels,
worber ich verfgen kann, zu erhalten suchen sollte. Ich ziehe das
Vergngen, dich zu sehen und zu hren, allen meinen und deinen Schtzen
vor.

Bei diesen Worten gab der Sultan ein Zeichen, und alsbald ertnte die
Luft vom Schall der Hoboen und Pauken; zugleich fhrte der Sultan
Alaeddin in einen prachtvollen Saal, wo ein herrliches Festmahl
aufgetragen wurde. Der Sultan speiste ganz allein mit Alaeddin. Der
Grovezier und die vornehmen Herren vom Hofe standen ihnen, jeder nach
seinem Rang und Wrde, whrend der Mahlzeit zur Seite. Der Sultan, der
die Augen fortwhrend auf Alaeddin geheftet hatte, lenkte das Gesprch
auf verschiedene Gegenstnde. Whrend der ganzen Unterhaltung aber, die
sie ber Tisch miteinander fhrten, und auf welchen Gegenstand auch das
Gesprch fallen mochte, sprach Alaeddin mit so viel Kenntnis und
Verstand, da er den Sultan vollends ganz in der guten Meinung
bestrkte, die er gleich anfangs von ihm gefat hatte.

Nach dem Mahle lie der Sultan den obersten Richter seiner Hauptstadt
rufen und befahl ihm, sogleich den Ehevertrag zwischen der Prinzessin
Bedrulbudur, seiner Tochter, und Alaeddin zu entwerfen und aufzusetzen.

Als der Richter den Vertrag mit allen erforderlichen Frmlichkeiten
vollendet hatte, fragte der Sultan Alaeddin, ob er im Palaste bleiben
und die Hochzeit noch heute feiern wolle. Herr, antwortete Alaeddin,
so brennend auch mein Verlangen ist, deine Gnade und Huld in ihrem
ganzen Umfange zu genieen, so bitte ich doch, da du mir so lange noch
Frist gestattest, bis ich einen Palast habe erbauen lassen, um die
Prinzessin ihrem Range und ihrer Wrde gem zu empfangen. Ich erbitte
mir hiezu einen angemessenen Platz vor dem deinigen aus, damit ich recht
nahe bin, um dir meine Aufwartung machen zu knnen. Ich werde nichts
unterlassen und dafr sorgen, da er in mglichst kurzer Zeit vollendet
wird. -- Mein Sohn, sagte der Sultan, whle dir jede Stelle aus, die
du fr passend hltst; vor meinem Palaste ist leerer Raum genug, und ich
selbst habe schon daran gedacht, ihn auszufllen; aber bedenke, da ich
je eher je lieber dich mit meiner Tochter vermhlt zu sehen wnsche, um
das Ma meiner Freude voll zu machen. Bei diesen Worten umarmte er
Alaeddin abermals, und dieser verabschiedete sich vom Sultan mit so
feinem Anstand, wie wenn er von jeher am Hofe gewesen und dort erzogen
worden wre.

Alaeddin stieg nun wieder zu Pferde und kehrte in demselben Zuge, wie er
gekommen war, nach Hause zurck. Kaum war er abgestiegen, so nahm er
die Lampe und rief den Geist, wie gewhnlich. Geist, sprach Alaeddin
zu ihm, ich habe alle Ursache, deine Pnktlichkeit zu rhmen; du hast
bisher alle Befehle, die ich dir kraft dieser Lampe, deiner Herrin,
gegeben habe, pnktlich erfllt. Heute aber handelt es sich darum, da
du aus Liebe zu ihr womglich noch mehr Eifer und Gehorsam an den Tag
legen sollst, als bisher. Ich verlange nmlich, da du mir in mglichst
kurzer Zeit gegenber vom Palaste des Sultans einen Palast erbauen
lssest, der wrdig ist, die Prinzessin Bedrulbudur, meine Gemahlin,
aufzunehmen. Die Wahl der Materialien, nmlich Porphyr oder Jaspis,
Achat oder Lasurstein, oder auch den feinsten buntgestreiften Marmor,
sowie die brige Einrichtung des Baues berlasse ich ganz dir; doch
erwarte ich, da du mir oben hinauf einen groen Saal mit einer Kuppel
und vier gleichen Seiten bauest, dessen Wnde aus wechselnden Schichten
von echtem Gold und Silber aufgefhrt sein mssen, mit vierundzwanzig
Fenstern, sechs auf jeder Seite, deren Vergitterung mit Ausnahme eines
einzigen, welches unvollendet bleiben soll, kunstreich und ebenmig mit
Diamanten, Rubinen und Smaragden geschmckt sein mu, so da dergleichen
noch nie auf der Welt gesehen worden ist. Ferner will ich, da sich bei
dem Palaste ein Vorhof, ein Hof und ein Garten befinde; vor allen Dingen
aber mu an einem Ort, den du mir bezeichnen wirst, ein Schatz von
gemnztem Gold und Silber, und auerdem mehrere Kchen, Speisekammern,
Magazine und Gertekammern voll der kostbarsten Gerte fr jede
Jahreszeit und der Pracht des Palastes angemessen, vorhanden sein; dann
noch Stlle voll der schnsten Pferde und der gehrigen Anzahl
Stallmeister und Stallknechte. Auch einen Jagdzug darfst du nicht
vergessen, und es versteht sich von selbst, da du auch noch fr
hinlngliche Dienerschaft fr die Kche und den brigen Haushalt, sowie
fr die gehrige Anzahl Sklavinnen zur Bedienung der Prinzessin, zu
sorgen hast. Du wirst jetzt begreifen, was mein Wunsch ist; geh und komm
wieder, wenn du alles fertig gemacht hast.

Die Sonne ging eben unter, als Alaeddin dem Geiste wegen Erbauung des
Palastes, den er sich ausgesonnen, seine Auftrge gab. Am andern Morgen
stand Alaeddin, den die Liebe zur Prinzessin nicht schlafen lie, in
aller Frhe auf, und sogleich erschien auch der Geist. Herr, sprach er
zu ihm, dein Palast ist fertig; komm und sieh, ob du damit zufrieden
bist. Alaeddin fand alles so weit ber seine Erwartung, da er sich
nicht genug wundern konnte. Der Geist fhrte ihn herum, und berall fand
er Reichtum, Schnheit und Pracht, dazu Diener und Sklaven, alle dem
Range und Dienste gem gekleidet, fr den sie bestimmt waren. Auch
unterlie er nicht, ihm als Hauptsache die Schatzkammer zu zeigen, deren
Tre vom Schatzmeister geffnet wurde, und Alaeddin erblickte hier ganze
Haufen von Goldscken der verschiedensten Gre, je nach den Summen, die
sie enthielten, bis an das Gewlbe aufgetrmt, und alles in so schner
Ordnung, da ihm das Herz vor Freude lachte. Beim Hinausgehen
versicherte ihm der Geist, da er sich auf die Treue des Schatzmeisters
vollkommen verlassen drfe. Hierauf fhrte er ihn in die Stlle und
zeigte ihm die schnsten Pferde von der Welt, und die Stallknechte, die
eifrig beschftigt waren, sie zu pflegen und zu warten. Endlich ging er
mit ihm durch die Vorratskammern, worin alle Arten von Vorrten,
hauptschlich an Nahrungsmitteln fr die Pferde und Pferdeschmuck,
aufgehuft lagen.

Nachdem Alaeddin den ganzen Palast von oben bis unten, von Zimmer zu
Zimmer, von Gemach zu Gemach, besonders auch den Saal mit den
vierundzwanzig Fenstern gemustert und darin mehr Pracht und
Herrlichkeit, als er je gehofft, sowie alle nur erdenklichen
Bequemlichkeiten angetroffen hatte, sagte er zu dem Geiste: Geist, es
kann niemand zufriedener sein, als ich es bin, und es wre sehr unrecht
von mir, wenn ich mich im mindesten beklagen wollte. Blo etwas fehlt
noch, wovon ich dir nichts gesagt habe, weil ich nicht daran dachte. Ich
wnschte nmlich von dem Palasttore des Sultans an bis zum Eingang der
Zimmer, die in diesem Palaste fr die Prinzessin bestimmt sind, einen
Teppich von schnstem Samt ausgebreitet zu haben, damit sie auf
demselben gehe, wenn sie aus dem Palaste des Sultans kommt. -- Ich
komme im Augenblick wieder, sprach der Geist und verschwand. Eine
kleine Weile nachher sah Alaeddin mit groem Erstaunen seinen Wunsch
erfllt, ohne da er wute, wie es zugegangen war. Der Geist erschien
dann wieder und trug Alaeddin in seine Wohnung zurck, whrend eben die
Palastpforte des Sultans geffnet wurde.

Die Pfrtner des Palastes, die das Tor ffneten und nach der Seite hin,
wo jetzt Alaeddins Prachtgebude stand, immer eine freie Aussicht gehabt
hatten, waren sehr berrascht, als sie diese Aussicht verbaut und von
dorther bis zur Palastpforte des Sultans einen Samtteppich ausgebreitet
sahen. Ihr Erstaunen wuchs, als sie ganz deutlich den herrlichen Palast
Alaeddins sahen. Die Nachricht von diesem merkwrdigen Wunder
verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Palast. Der Grovezier, der
sich gleich nach ffnung der Pforte im Palaste einfand, war ebenso
berrascht, wie alle andern, und teilte die Sache sogleich dem Sultan
mit, erklrte sie aber fr ein Werk der Zauberei. Vezier, antwortete
der Sultan, warum soll es denn ein Werk der Zauberei sein? Du weit so
gut wie ich, da es der Palast ist, den Alaeddin vermge der Erlaubnis,
die ich ihm in deiner Gegenwart gab, als Wohnung fr die Prinzessin,
meine Tochter, hat erbauen lassen. Nach den Proben, die er uns von
seinem Reichtum gegeben, ist es durchaus nicht so befremdlich, da er
diesen Palast in so kurzer Zeit vollendet hat. Er hat uns damit
berraschen und zeigen wollen, da man mit barem Gelde ber Nacht Wunder
tun kann. Gestehe nur, da bei dir etwas Eifersucht mit unterluft, wenn
du von Zaubereien sprichst. Indes wurde es Zeit, in die Ratsversammlung
zu gehen, und sie brachen das Gesprch ab.

Als Alaeddin in seine Wohnung zurckgebracht worden war und den Geist
entlassen hatte, fand er seine Mutter bereits auf den Beinen und mit dem
Anziehen eines der Kleider beschftigt, die er ihr hatte bringen lassen.
Er veranlate sie nun, um die Zeit, wo der Sultan gewhnlich aus der
Ratsversammlung kam, in Begleitung der Sklavinnen, die der Geist ihr
gebracht hatte, nach dem Palaste zu gehen. Wenn sie den Sultan she,
sollte sie ihm sagen, sie komme, um die Ehre zu haben, die Prinzessin
auf den Abend nach ihrem Palaste zu begleiten. Alaeddin stieg nun zu
Pferde, verlie sein Vaterhaus, um nie wieder zurckzukehren, verga
aber die Wunderlampe nicht, die ihm so herrliche Dienste geleistet
hatte, und zog dann nach seinem Palast mit demselben Pomp, mit dem er
sich tags zuvor dem Sultan vorgestellt hatte.

[Illustration]

[Illustration]

Sobald die Pfrtner des kniglichen Palastes Alaeddins Mutter
bemerkten, meldeten sie es dem Sultan. Sogleich wurde den Chren der
Trompeter, der Pauken- und Trommelschlger, der Querpfeifer und
Hoboisten, die bereits auf den Terrassen des Palastes an verschiedenen
Punkten aufgestellt waren, ein Zeichen gegeben, und im Augenblick
ertnte frhliche Musik, die der ganzen Stadt Freude verkndete. Die
Kaufleute fingen an, ihre Lden mit schnen Teppichen, Polstern und
Laubwerk zu schmcken, und trafen Anstalten zur Beleuchtung der Stadt.
Die Handwerksleute verlieen ihre Arbeit und scharenweise zog das Volk
nach dem groen Platz zwischen des Sultans und Alaeddins Palsten.
Letzterer zog hauptschlich allgemeine Bewunderung auf sich, zumal da
der Palast des Sultans mit dem neuen durchaus nicht in Vergleich zu
setzen war. Am meisten aber staunten sie, weil sie nicht begreifen
konnten, durch welches unerhrte Wunder sie einen so prachtvollen Palast
an einem Orte erblickten, wo sie tags zuvor weder den Grund legen, noch
Baumaterialien gesehen hatten. Alaeddins Mutter wurde im Palaste
ehrenvoll empfangen und vom Obersten der Verschnittenen in die Zimmer
der Prinzessin Bedrulbudur gefhrt. Sobald die Prinzessin sie erblickte,
ging sie auf sie zu, umarmte sie, hie sie auf ihrem Sofa Platz nehmen,
und whrend ihre Frauen sie vollends ankleideten und mit den kostbarsten
Juwelen von Alaeddins Geschenk schmckten, lie sie ihr einen kstlichen
Imbi vorsetzen. Der Sultan, welcher dazu kam, um noch so lange als
mglich mit der Prinzessin, seiner Tochter, zusammen sein zu knnen,
bevor sie sich von ihm trennte und den Palast Alaeddins bezge, erwies
ihr ebenfalls groe Ehre. Alaeddins Mutter hatte mit ihm schon mehrere
Male vor dem versammelten Rate gesprochen, aber er hatte sie noch nie
wie jetzt ohne Schleier gesehen. Obwohl sie schon eine erkleckliche
Anzahl Jahre auf dem Rcken hatte, so sah man doch noch aus ihren
Gesichtszgen, da sie in ihrer Jugend sehr schn gewesen sein mute.
Der Sultan, der sie immer sehr einfach, ja sogar armselig gekleidet
gesehen hatte, war nun voll Verwunderung, als er sie ebenso reich und
prachtvoll angezogen sah, wie die Prinzessin, seine Tochter. Er schlo
daraus, da Alaeddin in allen Dingen gleich erfahren, verstndig und
einsichtsvoll sein msse.

Als die Nacht anbrach, verabschiedete sich die Prinzessin vom Sultan,
ihrem Vater. Dieser Abschied war hchst zrtlich und trnenreich; sie
umarmten sich mehrmals, ohne ein Wort zu sprechen, aber endlich ging die
Prinzessin aus ihrem Zimmer und trat den Zug an; zu ihrer Linken ging
Alaeddins Mutter und hinter ihnen hundert Sklavinnen in der
prachtvollsten Kleidung. Smtliche Musikchre, die seit der Ankunft von
Alaeddins Mutter ununterbrochen gespielt hatten, vereinigten sich jetzt
und gingen dem Zuge voran; ihnen folgten hundert Trabanten und
ebensoviele schwarze Verschnittene in zwei Reihen, mit ihren
Befehlshabern an der Spitze. Vierhundert junge Edelknaben des Sultans,
die in zwei Zgen mit Fackeln in der Hand auf beiden Seiten
einhergingen, verbreiteten einen Lichtglanz, der im Verein mit der
Beleuchtung der beiden Palste des Sultans und Alaeddins den Mangel des
Tageslichts aufs herrlichste ersetzte.

In dieser Ordnung zog die Prinzessin den Teppich entlang vom Palaste des
Sultans bis zum Palaste Alaeddins, und je mehr sie vorwrts kamen, desto
mehr mischte und vereinigte sich das Spiel ihrer Musikchors mit dem, das
sich von den Terrassen an Alaeddins Palast herab hren lie, und bildete
mit diesem ein Konzert, das, so seltsam und verwirrt es auch schien,
gleichwohl die allgemeine Freude vermehrte.

Endlich langte die Prinzessin bei dem neuen Palaste an, und Alaeddin
eilte mit einer Freude, die sich leicht denken lt, an den Eingang der
fr sie bestimmten Zimmer, um sie daselbst zu empfangen. Alaeddins
Mutter hatte der Prinzessin bereits ihren Sohn, der von glnzender
Dienerschaft umgeben war, bezeichnet, und die Prinzessin fand ihn so
schn, da sie ganz bezaubert wurde. Teuerste Prinzessin, sagte
Alaeddin zu ihr, indem er auf sie zuging und sie voll Ehrerbietung
begrte, sollte ich das Unglck haben, dir durch meine Verwegenheit,
womit ich nach dem Besitz einer so liebenswrdigen Prinzessin, der
Tochter meines Sultans, trachtete, zu mifallen, so mut du die Schuld
deinen schnen Augen und der Macht deiner Reize zuschreiben, nicht aber
mir. -- Prinz, antwortete ihm die Prinzessin, -- denn als solcher
erscheinst du mir -- ich gehorche dem Willen des Sultans, meines Vaters,
und kann, nachdem ich dich gesehen, wohl sagen, da ich ihm ohne
Struben und gerne gehorche. Alaeddin war hocherfreut ber diese
angenehme und verbindliche Antwort, nahm ihre Hand, kte sie mit vieler
Zrtlichkeit und fhrte sie in einen groen, von Wachskerzen
erleuchteten Saal, wo auf Veranstaltung des Geistes ein herrliches Mahl
aufgetragen war. Die Schsseln waren von gediegenem Gold und mit den
kstlichsten Speisen angefllt. Die Vasen, die Becken und die Becher,
womit der Tafelaufsatz reichlich besetzt war, waren ebenfalls von Gold
und von auserlesener Arbeit. Auch die brigen Verzierungen und der ganze
Ausschmuck des Saals entsprachen dieser hohen Pracht. Die Prinzessin war
ganz bezaubert, so viele Reichtmer beisammen zu sehen, und sprach zu
Alaeddin: Prinz, ich hatte bisher geglaubt, da es nichts Schneres auf
der Welt geben knne, als den Palast des Sultans, meines Vaters; aber
schon dieser Saal allein berzeugt mich, da ich mich getuscht habe.

Die Prinzessin Bedrulbudur, Alaeddin und seine Mutter setzten sich jetzt
zu Tische und sogleich begann eine sehr liebliche und harmonische Musik
nebst einem reizenden Gesang von schnen Mdchen. Die Prinzessin war wie
bezaubert und versicherte, im Palaste des Sultans, ihres Vaters, nie
etwas hnliches gehrt zu haben. Aber sie wute nicht, da diese
Sngerinnen Feen waren, die der Geist, der Sklave der Lampe, hiezu
ausgewhlt hatte.

Es war nahe an Mitternacht, als Alaeddin, der damals in China
bestehenden Sitte zufolge aufstand und der Prinzessin Bedrulbudur die
Hand bot, um mit ihr zu tanzen und damit die Hochzeitsfeierlichkeit zu
schlieen. Als dies vorber war, hielt Alaeddin der Prinzessin Hand, und
sie gingen miteinander in das Zimmer, wo das hochzeitliche Lager fr sie
bereitet war. Die Frauen der Prinzessin kleideten sie aus und brachten
sie zu Bette, Alaeddins Diener taten dasselbe und dann entfernten sich
alle. So endigten die Lustbarkeiten zur Feier der Hochzeit Alaeddins und
der Prinzessin Bedrulbudur.

Am andern Morgen, als Alaeddin erwachte, kamen seine Kammerdiener, um
ihn anzukleiden. Sie zogen ihm ein anderes, aber nicht minder reiches
und prachtvolles Kleid an, als am Hochzeitstage. Hierauf lie er sich
eines seiner Leibpferde vorfhren, bestieg es und begab sich mit einem
zahlreichen Gefolge von Sklaven, die vor und hinter ihm und zu beiden
Seiten gingen, nach dem Palaste des Sultans. Der Sultan empfing ihn mit
denselben Ehrenbezeugungen wie das erstemal; er umarmte ihn, lie ihn
neben sich auf seinen Thron sitzen und befahl, das Frhmahl aufzutragen.
Herr, sagte Alaeddin zu ihm, ich bitte dich, mir heute diese Ehre zu
erlassen. Ich komme, um dich zu ersuchen, da du mir die Ehre erzeigen
mgest, mit deinem Grovezier und den Vornehmen deines Hofes im Palaste
der Prinzessin ein Mittagsmahl einzunehmen. Der Sultan bewilligte dies
sehr gern. Er stand sogleich auf, und da der Weg nicht weit war, so
wollte er zu Fue dahin gehen. Er brach also auf und zu seiner Rechten
ging Alaeddin, zur Linken der Grovezier und die Vornehmen des Hofes,
voraus die Trabanten und die Angesehensten seines Hauses.

Je nher der Sultan dem Palaste Alaeddins kam, um so mehr verwunderte er
sich ber seine Schnheit. Noch weit hher stieg seine Verwunderung, als
er eingetreten war. Als ihn aber Alaeddin in den Saal mit den
vierundzwanzig Fenstern fhrte, und er die Verzierungen desselben,
besonders aber die mit den grten und ausgezeichnetsten Diamanten,
Rubinen und Smaragden geschmckten Gitterfenster betrachtete, wurde er
davon so berrascht, da er eine Weile regungslos stand.

Der Sultan besah und bewunderte nun die Schnheit der vierundzwanzig
Gitterfenster. Doch indem er sie zhlte, fand er, da blo
dreiundzwanzig so reich geschmckt waren, und wunderte sich sehr, da
man das vierundzwanzigste unvollendet gelassen hatte. Mein Sohn,
sprach der Sultan zu Alaeddin, dies ist der bewunderungswrdigste Saal,
der in der ganzen Welt zu sehen ist. Nur ber etwas mu ich mich
wundern, da nmlich das Gitterfenster hier unvollendet geblieben ist.
Ist dies aus Vergelichkeit geschehen, oder aus Nachlssigkeit, oder
haben vielleicht die Handwerksleute nicht Zeit genug gehabt, an dieses
schne Denkmal der Baukunst die letzte Hand anzulegen? -- Herr,
antwortete Alaeddin, das Gitterfenster ist mit Absicht so unvollendet
geblieben, wie du siehst. Ich wnschte nmlich, da du selbst den Ruhm
haben solltest, den Saal und Palast vollenden zu lassen, und nun ersuche
ich dich, meine gute Absicht gndig aufzunehmen, damit ich mich deiner
Gunst und Gnade rhmen kann. -- Wenn du es in dieser Absicht getan
hast, antwortete der Sultan, so wei ich dir vielen Dank dafr und
werde augenblicklich die ntigen Befehle geben. Wirklich lie er
sogleich die am besten mit Edelsteinen versehenen Juweliere und die
geschicktesten Goldschmiede seiner Hauptstadt rufen.

Der Sultan verlie indes den Saal, und Alaeddin fhrte ihn in den, wo er
die Prinzessin Bedrulbudur am Hochzeitstage bewirtet hatte. Die
Prinzessin empfing den Sultan, ihren Vater, mit einer Miene, woraus
deutlich zu erkennen war, da sie mit ihrer Ehe sehr wohl zufrieden sein
mute. Zwei Tafeln standen da, mit den kstlichsten Speisen besetzt, und
das Tafelgeschirr war alles von Gold. Der Sultan setzte sich an die
erste und speiste mit der Prinzessin, seiner Tochter, mit Alaeddin und
dem Grovezier. Die brigen Groen des Hofes wurden an der zweiten
bewirtet, die sehr lang war.

Als der Sultan vom Tisch aufgestanden war, meldete man ihm, die
Juweliere und Goldschmiede, die er hatte rufen lassen, seien jetzt da.
Er ging mit ihnen in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern und zeigte
ihnen das Fenster, das noch unvollendet war. Ich habe euch kommen
lassen, sagte er zu ihnen, damit ihr mir dieses Fenster ausbauet und
es ebenso schn macht wie die andern.

Die Juweliere und Goldschmiede sahen sich die dreiundzwanzig Fenster
sehr genau an, und nachdem sie sich miteinander beraten hatten und
darber eins geworden waren, welche Arbeit jeder einzelne zu liefern
htte, traten sie wieder vor den Sultan und der Hofjuwelier nahm das
Wort und sagte: Herr, wir sind bereit, alle Mhe und Flei anzuwenden,
um dir zu gehorchen; aber, aufrichtig gestanden, so viel wir unser hier
sind, so haben wir doch alle miteinander weder so kostbare, noch so
viele Edelsteine, als zu einer so bedeutenden Arbeit erforderlich sind.
-- Ich besitze welche, sagte der Sultan, und zwar weit mehr, als ihr
brauchen werdet; kommt in meinen Palast, so will ich sie euch zeigen,
damit ihr whlet.

Als der Sultan in seinen Palast zurckgekehrt war, lie er alle seine
Edelsteine bringen, und die Goldschmiede nahmen sehr viele davon,
besonders von denen, die Alaeddin ihm geschenkt hatte. Sie brachten sie
an dem Fenster an, ohne da man den Fortschritt ihrer Arbeit sonderlich
gemerkt htte, und kamen zu wiederholten Malen, um neue zu holen; aber
in einem Monat hatten sie noch nicht die Hlfte des Werkes vollendet.
Endlich verwendeten sie alle Edelsteine des Sultans, der noch vom
Grovezier dazu entlehnte, brachten aber hchstens die Hlfte des
Fensters zustande.

Alaeddin, der wohl sah, da der Sultan sich vergebens bemhte, dieses
Fenster den brigen gleich machen zu lassen, und da er nicht viel Ehre
dabei aufhob, lie die Goldschmiede kommen und sagte ihnen, sie sollen
nicht nur ihre Arbeit einstellen, sondern auch das, was sie bisher
zuwege gebracht, wieder auseinandernehmen und dem Sultan und Grovezier
ihre Edelsteine zurckgeben.

So wurde denn das Werk, wozu die Juweliere und Goldschmiede mehr als
sechs Wochen verwendet hatten, binnen wenigen Stunden zerstrt. Sie
entfernten sich dann und Alaeddin blieb allein im Saale zurck. Er zog
die Lampe heraus, die er bei sich hatte, rieb sie und sogleich erschien
der Geist. Geist, sprach Alaeddin zu ihm, ich hatte dir befohlen,
eines der vierundzwanzig Gitterfenster des Saales unvollendet zu lassen,
und du hast diesen Befehl befolgt: jetzt habe ich dich kommen lassen,
da du es den brigen gleich machen sollst. Der Geist verschwand und
Alaeddin ging aus dem Saale. Als er eine Weile darauf wieder hinaufkam,
fand er das Gitterfenster in dem gewnschten Zustand und ganz wie die
brigen.

Inzwischen kamen die Juweliere und Goldschmiede in den Palast, wurden in
das Audienzzimmer gefhrt und dem Sultan vorgestellt. Der erste Juwelier
berreichte ihm die Edelsteine, die sie zurckbrachten, und sagte im
Namen aller zu ihm: Beherrscher des Erdkreises, du weit, wie lange wir
schon mit dem angestrengtesten Fleie arbeiten, um das Werk zu
vollenden, das du uns aufgetragen hast. Es war schon sehr weit gediehen,
als Alaeddin uns ntigte, nicht nur die Arbeit einzustellen, sondern
auch alles, was wir zuwege gebracht hatten, zu zerstren und dir deine
und des Groveziers Edelsteine zurckzubringen. Der Sultan gab sogleich
Befehl, ihm ein Pferd vorzufhren; er bestieg es und ritt zum Palaste
Alaeddins.

Der Sultan sagte zu Alaeddin: Mein Sohn, ich komme selbst, um dich zu
fragen, warum du denn einen so prchtigen und einzigen Saal, wie der in
deinem Palaste ist, unvollendet lassen willst?

Alaeddin verhehlte den wahren Grund, da nmlich der Sultan nicht reich
genug an Edelsteinen wre, um einen so groen Aufwand zu bestreiten, und
antwortete ihm: Herr, es ist wahr, du hast den Saal unvollendet
gesehen, aber ich bitte dich, sieh jetzt einmal, ob noch etwas daran
fehlt.

Nachdem der Sultan sich berzeugt, da das Gitterfenster, woran seine
Goldschmiede so lange gearbeitet hatten, in so kurzer Zeit vollendet
worden war, umarmte er Alaeddin und kte ihn zwischen die Augen und auf
die Stirne. Mein Sohn, sagte er hierauf voll Verwunderung zu ihm, was
fr ein Mann bist du, da du so erstaunliche Werke zuwege bringst, ehe
man eine Hand umkehrt? Du hast auf der ganzen Welt nicht deinesgleichen,
und je mehr ich dich kennen lerne, um so bewunderungswrdiger finde ich
dich.

Alaeddin nahm die Lobsprche des Sultans mit vieler Bescheidenheit auf
und antwortete ihm folgendermaen: Herr, es ist ein groer Ruhm fr
mich, das Wohlwollen und den Beifall meines Knigs zu verdienen; auch
versichere ich dir, da ich stets alles aufbieten werde, um mich
desselben immer mehr und mehr wrdig zu machen.

Der Sultan kehrte in seinen Palast zurck, wo der Grovezier ihn
erwartete. Noch voll Staunen ber das Wunder, das er mit eigenen Augen
gesehen, erzhlte ihm der Sultan alles.

Alaeddin verschlo sich nicht in seinem Palaste; er zeigte sich in der
Stadt, indem er bald in diese, bald in jene Moschee ging, um sein Gebet
zu verrichten, oder von Zeit zu Zeit dem Grovezier einen Besuch
abstattete, der sich beeiferte, ihm an bestimmten Tagen seine Aufwartung
zu machen, oder er erwies auch zuweilen einigen Vornehmen am Hofe, die
er fters in seinem Palaste bewirtete, die Ehre, sie zu Haus zu
besuchen. Jedesmal wenn er ausritt, hatte er ein zahlreiches Gefolge von
Sklaven um sich, und zwei von ihnen muten auf den Straen und Pltzen,
durch die er kam und wo sich immer eine groe Volksmenge einfand, ganze
Hnde voll Gold auswerfen. Kein Armer erschien an der Pforte seines
Palastes, ohne sehr vergngt ber die Gaben, die auf seinen Befehl
ausgeteilt wurden, zurckzukehren.

Da Alaeddin seine Zeit so eingeteilt hatte, da er jede Woche wenigstens
einmal auf die Jagd ging, bald in die nchsten Umgebungen der Stadt,
bald auch in weitere Ferne, so zeigte er sich auf den Straen und auf
den Drfern ebenso freigebig. Dieses gromtige Benehmen machte, da das
ganze Volk ihn mit Segenswnschen berhufte und zuletzt nicht hher
schwor, als bei seinem Haupte. Ja man kann, ohne den Sultan in Schatten
zu stellen, wohl sagen, da Alaeddin sich durch seine Leutseligkeit und
Freigebigkeit die Zuneigung des ganzen Volkes erworben hatte und im
allgemeinen mehr geliebt wurde als der Sultan selbst. Mit allen diesen
schnen Eigenschaften verband er eine Tapferkeit und einen Eifer fr das
Wohl des Staats, den man nicht genug loben kann. Beweise davon gab er
bei Gelegenheit eines Aufruhrs an den Grenzen des Reichs. Kaum hatte er
erfahren, da der Sultan ein Heer ausrstete, um ihn zu dmpfen, so bat
er ihn, ihm den Oberbefehl zu bergeben. Sobald er nun an der Spitze des
Heeres stand, fhrte er es so schnell und mit solchem Eifer ins Feld,
da der Sultan die Niederlage, Bestrafung und Zerstreuung der Aufrhrer
eher vernahm, als seine Ankunft beim Heere. Diese Tat, die seinen Namen
im ganzen Reiche berhmt machte, verdarb doch sein Herz nicht; er kehrte
zwar sieggekrnt zurck, blieb aber immer noch so mild und leutselig wie
zuvor.

Alaeddin hatte bereits mehrere Jahre auf diese Art gelebt, als der
Zauberer in Afrika sich seiner erinnerte. Obwohl er bisher des festen
Glaubens gelebt hatte, Alaeddin msse in dem unterirdischen Gewlbe
zugrunde gegangen sein, so bekam er doch auf einmal Lust, genau zu
erfahren, welches Ende er genommen habe. Als groer Meister in der
Punktierkunst entdeckte er, da Alaeddin nicht nur nicht in dem
unterirdischen Gewlbe gestorben sei, sondern sich daraus gerettet habe
und in groem Glanz und gewaltigem Reichtum, vermhlt mit einer
Prinzessin, hochgeehrt und geachtet lebe.

[Illustration]

[Illustration]

Kaum hatte der afrikanische Zauberer mittels seiner teuflischen Kunst
diese Entdeckung gemacht, so stieg ihm das Blut ins Gesicht. Voll
Wut sagte er zu sich selbst: Dieser elende Schneiderssohn hat also das
Geheimnis und die Wunderkraft der Lampe entdeckt; ich hielt seinen Tod
fr gewi und nun geniet er die Frucht meiner Arbeiten und Nachtwachen!
Aber eher will ich untergehen, als ihn noch lnger in seinem Glcke
lassen. Er hatte seinen Entschlu schnell gefat, bestieg gleich am
andern Morgen einen Berberhengst, den er im Stalle hatte und machte sich
auf den Weg. So kam er von Stadt zu Stadt, und von Land zu Land, ohne
sich unterwegs lnger aufzuhalten, als sein Pferd zum Ausruhen Zeit
brauchte, bis nach China und bald auch in die Hauptstadt des Sultans. Er
stieg in einem ffentlichen Wirtshause ab und mietete sich ein Zimmer.
Hier blieb er den noch brigen Teil des Tages und die folgende Nacht, um
sich von den Beschwerden der Reise zu erholen.

Am andern Morgen wnschte der afrikanische Zauberer vor allem zu
erfahren, was man von Alaeddin spreche. Indem er nun durch die Stadt
spazierte, trat er in ein sehr berhmtes und von vornehmen Leuten stark
besuchtes Teehaus. Kaum hatte er Platz genommen, als man ihm eine Schale
Tee einschenkte. Whrend er trank, horchte er rechts und links und
hrte, da man von Alaeddins Palaste sprach. Als er ausgetrunken hatte,
nherte er sich einem, um ihn beiseite zu nehmen und ihn zu fragen, was
denn das fr ein Palast sei, von dem man so rhmend spreche. Woher bist
denn du, Freund? erwiderte ihm der Angeredete. Du mut erst seit ganz
kurzem hier sein, wenn du den Palast des Prinzen Alaeddin noch nicht
gesehen oder wenigstens noch nicht einmal davon reden gehrt hast. Man
nannte nmlich Alaeddin immer so, seitdem er die Prinzessin Bedrulbudur
geheiratet hatte. Ich sage nicht, fuhr der Mann fort, da es eins von
den Wunderwerken der Welt ist, sondern ich behaupte vielmehr, da er das
einzige Wunder auf der Welt ist. Sieh ihn einmal selbst an und urteile,
ob ich dir nicht die Wahrheit berichtet habe. -- Verzeih meine
Unwissenheit, antwortete der afrikanische Zauberer, ich bin gestern
hier angelangt und komme in der Tat so weit her, ich kann sagen vom
uersten Ende Afrikas. Meine Neugierde ist so gro, da ich sie
sogleich befriedigen mchte, wenn du nur die Gte httest, mir den Weg
zu zeigen.

Jener, an den sich der afrikanische Zauberer gewandt hatte, machte sich
ein Vergngen daraus, ihm den Weg nach Alaeddins Palast zu beschreiben,
und der afrikanische Zauberer ging dahin. Als er angekommen war und den
Palast von allen Seiten genau betrachtet hatte, zweifelte er nicht mehr
daran, da Alaeddin sich der Lampe bedient haben msse, denn er wute
recht gut, da solche Wunderwerke nur von den Geistern der Lampe
geschaffen werden konnten. Voll rger ber das Glck und die Gre
Alaeddins, der sich nicht von dem Sultan unterschied, kehrte er nach dem
Wirtshaus zurck, wo er abgestiegen war.

Nun brauchte er nur noch zu wissen, wo die Lampe war, ob Alaeddin sie
bei sich trug oder irgendwo aufbewahrte, und um dies zu entdecken, mute
der Zauberer seine Punktierkunst zu Hilfe nehmen. Aus seinen Versuchen
erkannte er, da die Lampe in Alaeddins Palast war, und war auer sich
vor Freude ber eine solch wichtige Entdeckung. Ich mu sie bekommen,
diese Lampe, sagte er, und Trotz sei Alaeddin geboten, ob er mich
hindern kann, sie ihm zu entreien und ihn in die Niedrigkeit wieder
hinabzudrcken, aus der er so hoch emporgestiegen ist.

Das Unglck wollte, da Alaeddin damals gerade auf acht Tage auf die
Jagd gegangen und erst seit drei Tagen fort war; der afrikanische
Zauberer erfuhr dies.

Er ging in den Laden eines Mannes, der Lampen zum Verkauf machte, und
sagte zu diesem: Meister, ich mchte zwlf kupferne Lampen haben:
kannst du sie mir liefern? Der Lampenverkufer antwortete, es fehlten
ihm zwar noch einige, wenn er sich aber bis morgen gedulden wolle, so
knne er ihm ein volles Dutzend liefern. Der Zauberer war es zufrieden
und empfahl ihm, sie mssen recht hbsch und blank sein; nachdem er ihm
noch eine gute Bezahlung versprochen hatte, ging er in sein Wirtshaus
zurck.

Am andern Tage wurde das Dutzend Lampen dem afrikanischen Zauberer
abgeliefert, der, ohne zu markten, den verlangten Preis dafr bezahlte.
Er legte sie in einen Korb, ging mit diesem Korb am Arm nach Alaeddins
Palast und fing, als er in der Nhe war, an zu rufen: Wer will alte
Lampen gegen neue austauschen? Als die kleinen Kinder, die auf dem
Platze spielten, dies hrten, liefen sie herbei und sammelten sich um
ihn, denn sie hielten ihn fr einen Narren. Auch die Vorbergehenden
lachten ber seine Dummheit. Der afrikanische Zauberer aber fuhr fort,
seine Ware anzubieten und laut zu schreien: Wer will alte Lampen gegen
neue austauschen? Er wiederholte dies so oft, auf dem Platze vor dem
Palast und in der Nhe desselben auf- und abgehend, da die Prinzessin
Bedrulbudur, die gerade in dem Saale mit den vierundzwanzig Fenstern
war, die Stimme des Mannes hrte; da sie aber wegen des Geschreies der
Kinder nicht verstand, was er ausrief, so schickte sie eine ihrer
Sklavinnen hinab, um zu sehen, was der Lrm bedeute.

Die Sklavin kam bald wieder mit lautem Lachen in den Saal. Sie lachte so
herzlich, da die Prinzessin bei ihrem Anblick ebenfalls lachen mute.
Nun, du Nrrin, sagte sie endlich, wirst du mir nicht sagen, warum du
so lachst? -- Herrin, antwortete die Sklavin, immerfort lachend, wie
knnte man auch anders, wenn man einen Narren sieht, der einen Korb voll
schner, ganz neuer Lampen am Arm hat, aber sie nicht verkaufen, sondern
nur gegen alte austauschen will. Der Lrm aber, den du hrst, kommt von
den Kindern her, die ihn verhhnen.

Nach diesem Bericht nahm eine andere Sklavin das Wort und sagte: Da von
alten Lampen die Rede ist, so wei ich nicht, ob die Prinzessin schon
bemerkt hat, da hier auf dem Kranzgesims eine solche steht. Der
Eigentmer wird es wohl nicht belnehmen, wenn er statt der alten eine
neue findet. Wenn es der Prinzessin genehm ist, so kann sie sich den
Spa machen, zu erproben, ob dieser Narr wirklich verrckt genug ist,
eine neue Lampe fr eine alte zu geben, ohne etwas herauszuverlangen.

Die Lampe, von der die Sklavin sprach, war eben die Wunderlampe, die
Alaeddin zu seiner Gre verholfen hatte, und er selbst hatte sie, bevor
er auf die Jagd ging, auf das Kranzgesims gestellt, um sie nicht zu
verlieren: eine Vorsichtsmaregel, die er jedesmal anwendete. Aber weder
die Sklavinnen, noch die Verschnittenen, noch die Prinzessin selbst
hatten sie jemals whrend seiner Abwesenheit bemerkt. Auer der Zeit, wo
er auf der Jagd war, trug er sie immer bei sich. Man wird nun sagen,
diese Vorsicht Alaeddins sei recht gut gewesen, aber er htte seine
Lampe wenigstens einschlieen sollen. Dies ist freilich wahr, doch
dergleichen Versehen sind zu jeder Zeit begangen worden, werden noch
tglich begangen und noch in Zukunft begangen werden.

Die Prinzessin Bedrulbudur, die von dem hohen Wert der Lampe nichts
wute, und sich nicht denken konnte, da es fr Alaeddin, der gar nie
davon sprach, von so hoher Wichtigkeit sein knnte, sie unberhrt zu
lassen und aufzubewahren, ging auf den Scherz ein und befahl einem
Verschnittenen, sie zu nehmen und umzutauschen. Der Verschnittene
gehorchte, ging die Treppe hinab, und war kaum aus dem Tore des
Palastes, als er den afrikanischen Zauberer bemerkte. Er rief ihn, und
als er zu ihm kam, zeigte er ihm die alte Lampe und sagte: Gib mir eine
neue Lampe fr diese da.

Der afrikanische Zauberer zweifelte nicht, da dies die Lampe sei, die
er suchte. Er nahm sie dem Verschnittenen schnell aus der Hand, schob
sie in seinen Busen und berreichte ihm dann seinen Korb, damit er nach
Belieben eine auswhlen knnte. Ohne sich lnger in der Nhe von
Alaeddins Palast aufzuhalten, machte er sich ganz unvermerkt aus dem
Staube.

Der afrikanische Zauberer brachte den Rest des Tages in einem Versteck
zu, bis ein Uhr nachts, wo die Finsternis am grten war. Jetzt zog er
die Lampe aus seinem Busen und rieb sie. Auf diesen Ruf erschien der
Geist sogleich. Was willst du? fragte er ihn, ich bin bereit dir zu
gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller, die die Lampe in der
Hand haben; ich und die andern Sklaven der Lampe. -- Ich befehle dir,
antwortete der afrikanische Zauberer, da du augenblicklich den Palast,
den du oder die andern Sklaven der Lampe in der Stadt erbaut, so wie er
ist, mit allen seinen lebenden Bewohnern aufhebst und zugleich mit mir
an den und den Ort nach Afrika versetzest. Ohne etwas zu antworten,
schaffte der Geist mit Hilfe der brigen der Lampe dienstbaren Geister
in sehr kurzer Zeit sowohl ihn selbst, als den ganzen Palast an den
bezeichneten Ort in Afrika. Wir wollen indes den afrikanischen Zauberer
und den Palast samt der Prinzessin Bedrulbudur in Afrika lassen und nur
von dem Erstaunen des Sultans reden.

Als der Sultan aufgestanden war, ging er wie gewhnlich nach dem offenen
Erker, um sich das Vergngen zu machen, Alaeddins Palast zu betrachten
und zu bewundern, erblickte aber nur einen leeren Platz. Im Anfang
glaubte er, er tusche sich und rieb sich die Augen; allein er sah so
wenig, als das erstemal, obgleich das Wetter sehr heiter, der Himmel
rein und die Morgenrte bereits aufgestiegen war. Er blickte rechts und
links und sah noch immer nichts. Sein Erstaunen war so gro, da er
lange wie angewurzelt auf derselben Stelle stehen blieb, die Augen starr
nach der Seite hin geheftet, wo der Palast bisher gewesen, aber jetzt
nicht mehr zu sehen war; denn es war ihm unmglich, zu begreifen, wie
ein so groer und ansehnlicher Palast auf einmal ganz spurlos
entschwunden sein solle. Endlich lie er in aller Eile den Grovezier
rufen.

Der Grovezier lie nicht lange auf sich warten. Er kam in solcher Eile,
da weder er noch seine Leute im Vorbeigehen bemerkten, da Alaeddins
Palast nicht mehr an seiner Stelle stand. Selbst die Pfrtner hatten es
nicht bemerkt, als sie die Tore des Palastes ffneten. Der Grovezier
redete den Sultan also an: Herr, die Eile, womit man mich berufen hat,
lt mich schlieen, da irgend etwas Auerordentliches vorgefallen sein
mu; denn du weit ja wohl, da heute Ratssitzung ist, und ich mich
meiner Pflicht gem ohnehin in einigen Augenblicken eingestellt htte.
-- Ja, antwortete der Sultan, es hat sich wirklich etwas sehr
Auerordentliches zugetragen und du wirst es selbst gestehen mssen.
Sprich, wo ist der Palast Alaeddins? -- Der Palast Alaeddins?
erwiderte der Grovezier sehr erstaunt, ich ging soeben daran vorbei,
und mich duchte, er stand an seinem alten Platz. So gewaltige Gebude
wie dieses ndern ihre Stelle nicht so leicht. -- Sieh einmal hinaus,
entgegnete der Sultan, und sag mir dann, ob du ihn gesehen hast.

Der Grovezier begab sich in den offenen Erker, und es ging ihm, wie dem
Sultan. Herr, sagte der Grovezier, du erinnerst dich vielleicht, da
ich die Ehre hatte, dir zu sagen, der Palast, den du mit seinen
unermelichen Reichtmern so sehr bewunderst, knne blo ein Werk der
Zauberei und eines Zauberers sein; allein du wolltest damals nicht auf
mich achten.

Der Sultan, der dies nicht leugnen konnte, geriet in einen um so
greren Zorn, als sein frherer Unglauben offenbar am Tage lag. Wo ist
er, rief er, dieser Betrger, dieser Schurke? Ich lasse ihm den Kopf
abschlagen. -- Herr, antwortete der Grovezier, man mu ihn fragen
lassen, wo sein Palast hingekommen ist, denn er allein kann es wissen.
-- Das wre zu viele Schonung fr ihn, entgegnete der Sultan; geh und
schicke dreiig von meinen Reitern ab, da sie ihn in Ketten vor mich
fhren. Der Grovezier berbrachte den Reitern den Befehl des Sultans
und unterrichtete ihren Anfhrer, wie sie sich zu benehmen htten, damit
er ihnen nicht entwischen knne. Sie gingen ab und trafen Alaeddin fnf
oder sechs Stunden von der Stadt auf dem Heimwege begriffen. Der
Anfhrer ritt auf ihn zu und sagte ihm, der Sultan habe groes
Verlangen, ihn wieder zu sehen, und deshalb habe er sie abgeschickt, um
es ihm zu melden und ihn nach Hause zu begleiten.

Alaeddin hatte nicht die entfernteste Ahnung von dem wahren Grunde,
warum diese Abteilung der Leibwache des Sultans zu ihm gekommen war, und
ritt getrost weiter. Als er aber noch eine halbe Stunde von der Stadt
entfernt war, umringte ihn die Reiterschar, und der Anfhrer derselben
nahm das Wort und sagte zu ihm: Prinz Alaeddin, mit groem Bedauern
haben wir dir zu erklren, da wir vom Sultan Befehl haben, dich zu
verhaften und als Staatsverbrecher vor ihn zu fhren; wir bitten dich,
es nicht bel aufzunehmen, wenn wir jetzt unsere Pflicht erfllen, und
uns zu verzeihen.

Alaeddin war uerst berrascht, denn er fhlte sich unschuldig. Er
fragte den Anfhrer, ob er wisse, welches Verbrechens er angeklagt sei;
dieser aber antwortete, weder er noch seine Leute wten davon.

Da Alaeddin sah, da seine Leute viel schwcher waren, als die
Reiterschar, und ihn sogar verlieen, so stieg er vom Pferde ab und
sagte: Hier bin ich, vollziehet euern Befehl. brigens kann ich
versichern, da ich mir keines Verbrechens bewut bin, weder gegen die
Person des Sultans, noch gegen den Staat. Man warf ihm sogleich eine
sehr dicke und lange Kette an den Hals und band ihn damit auch mitten um
den Krper, so da er die Arme nicht frei hatte. Der Anfhrer stellte
sich nun wieder an die Spitze des Zugs, einer der Reiter aber fate das
Ende der Kette und fhrte so, hinter dem Anfhrer hinreitend, Alaeddin,
der zu Fu folgen mute, mit fort. In diesem Zustande wurde er in die
Stadt gebracht.

Als die Reiter in die Vorstadt kamen und man Alaeddin als
Staatsverbrecher daherfhren sah, glaubte jedermann, es werde ihn den
Kopf kosten. Da er aber allgemein beliebt war, so ergriffen die einen
Sbel und andere Waffen, und die, welche keine hatten, bewaffneten sich
mit Steinen und folgten den Reitern nach. Einige von den Hintersten
schwenkten um und machten Miene, sie auseinanderzusprengen; allein die
Volksmasse wurde so gro, da die Reiter sich glcklich schtzten, wenn
sie nur den Palast des Sultans erreichten, ohne da Alaeddin ihnen
entrissen wurde. So gelangten sie endlich an den Platz vor dem Palaste,
wo sie sich alle in einer Linie aufstellten und gegen die bewaffnete
Volksmasse Front machten, bis ihr Befehlshaber und der Reiter, welcher
Alaeddin fhrte, in den Palast eingetreten waren und die Pfrtner das
Tor hinter ihm geschlossen hatten.

Alaeddin wurde sofort vor den Sultan gefhrt, der ihn mit dem Grovezier
auf einem Balkon erwartete. Sobald er ihn sah, befahl er dem
Scharfrichter ihm den Kopf abzuhauen, ohne da er ihn anhren oder
irgend einen Aufschlu von ihm haben wollte.

Der Scharfrichter bemchtigte sich Alaeddins, nahm ihm die Kette ab,
breitete sofort ein Leder, das mit dem Blute von unzhligen Verbrechern
befleckt war, auf den Boden, hie ihn niederknieen und verband ihm die
Augen. Hierauf zog er sein Schwert, holte weit aus, lie es dreimal in
der Luft blitzen und schickte sich an, den Todesstreich zu fhren, indem
er nur noch auf ein Zeichen vom Sultan wartete, um Alaeddin den Kopf
abzuschlagen.

In diesem Augenblicke bemerkte der Grovezier, da das Volk die Reiter
berwltigt hatte und auf den Schloplatz gedrungen war, ja sogar, da
einige die Mauern des Palastes an mehreren Stellen mit Leitern erstiegen
und bereits anfingen, sie niederzureien, um eine ffnung zu machen. Er
sagte daher zum Sultan, ehe er das Zeichen gab: Herr, ich bitte dich,
da du den Schritt, den du zu tun im Begriff bist, reiflich berlegen
mgest. Du lufst Gefahr, deinen Palast erstrmt zu sehen, und wenn dies
Unglck geschehe, so knnte es unheilbringende Folgen haben. --

Als der Sultan die heftige Aufregung unter dem Volke sah, erschrak er
dermaen, da er augenblicklich dem Scharfrichter den Befehl gab, sein
Schwert wieder in die Scheide zu stecken, die Binde von Alaeddins Augen
wegzunehmen und ihn freizulassen. Zugleich befahl er seinen Trabanten
auszurufen, da er Alaeddin Gnade schenke, und jedermann sich nun
entfernen mge.

Als nun das Volk sah, da der Sultan Alaeddin Gerechtigkeit widerfahren
lie und ihn begnadigte, entwaffnete sich sein Zorn, der Aufruhr hrte
auf und es gingen alle einer nach dem andern nach Hause.

Sobald Alaeddin sich wieder in Freiheit sah, schaute er nach dem Balkon
hinauf, und als er den Sultan bemerkte, so rief er ihm in rhrendem Tone
zu: Herr, ich bitte dich, mir zu der bereits erwiesenen Gnade noch eine
neue zu schenken und mich wissen zu lassen, was mein Verbrechen ist. --
Was es ist, du Schurke! erwiderte der Sultan; weit du es noch nicht?
Komm einmal hier herauf, so will ich dir es zeigen.

Alaeddin ging hinauf und trat vor den Sultan. Er fhrte ihn an den
offenen Erker.

Alaeddin sah hinaus und erblickte den ganzen Platz, den sein Palast
sonst eingenommen hatte, da er aber nicht begreifen konnte, wie er hatte
verschwinden knnen, so machte ihn dieses seltsame und berraschende
Ereignis so bestrzt, da er dem Sultan kein einziges Wort erwidern
konnte.

Der Sultan wiederholte voll Ungeduld die Frage: Sag mir doch, wo der
Palast und meine Tochter ist? Endlich brach Alaeddin das Stillschweigen
und sagte: Herr, ich sehe wohl, da der Palast, den ich erbauen lie,
verschwunden ist, kann dir aber nicht sagen, wo er sein mag. Nur so viel
kann ich versichern, da ich keinen Teil an diesem Ereignis habe.

Mir liegt nichts daran, was aus deinem Palaste geworden ist,
antwortete der Sultan. Meine Tochter ist mir millionenmal lieber. Du
mut sie mir zurckgeben, sonst lasse ich dir den Kopf abschlagen.

Herr, antwortete Alaeddin, ich flehe dich an, da du mir vierzig Tage
Frist gebest, um meine Maregeln zu treffen, und gelingt es mir in
dieser Zeit nicht, so gebe ich dir mein Wort, da ich selbst meinen Kopf
zu den Fen deines Thrones niederlegen will, damit du nach Belieben
darber verfgest. -- Ich bewillige dir diese Frist von vierzig Tagen,
erwiderte der Sultan; aber glaube ja nicht, da du meine Gnade
mibrauchen und meinem Zorn entfliehen knnest. In welchem Winkel der
Erde du sein magst, ich werde dich zu finden wissen.

Alaeddin ging mit gesenktem Haupte ber die Hfe des Palastes und war so
beschmt, da er es nicht wagte, die Augen aufzuschlagen. Die
vornehmsten Hofbeamten, von denen er keinen einzigen beleidigt hatte und
die vorher seine Freunde gewesen, waren jetzt weit entfernt, sich ihm zu
nhern oder ihm eine Zufluchtssttte anzubieten; nein, sie kehrten ihm
den Rcken, damit sie ihn nicht sehen muten und er sie nicht erkennen
mchte. Alaeddin kannte sich selbst nicht mehr und war seines Verstandes
nimmer mchtig. Diejenigen, die in freundschaftlicher Verbindung oder
sonst in einem Verkehr mit ihm gestanden hatten, wurden von wahrhaftem
Mitleid ergriffen. Er blieb drei Tage in der Stadt, indem er sich bald
nach dieser, bald nach jener Seite hin wendete und nichts a, als was
ihm mitleidige Menschen reichten, im brigen aber keinen Entschlu
fate.

Endlich, da er in diesem elenden Zustande nicht lnger in einer Stadt
verweilen wollte, wo er frher den vornehmen Herrn gespielt hatte,
entfernte er sich aus derselben und schlug den Weg nach dem Felde ein.
Er vermied die groen Heerstraen, und nachdem er in schrecklicher
Ungewiheit mehrere Felder durchirrt hatte, kam er mit Anbruch der Nacht
an das Ufer eines Flusses. Hier fate er einen Gedanken der
Verzweiflung. Wo soll ich jetzt meinen Palast suchen? sagte er bei
sich selbst. In welcher Provinz, in welchem Lande, in welchem Teile der
Welt werde ich ihn und meine vielgeliebte Prinzessin wiederfinden, die
der Sultan von mir fordert? Dies wird mir nie gelingen; deshalb ist es
besser, ich befreie mich auf einmal von all diesen Mhseligkeiten und
dem bittern Kummer, der mein Herz zerfrit. Schon hatte er den
Entschlu gefat, sich in den Flu zu werfen, doch glaubte er als guter
und frommer Muselmann dies nicht tun zu knnen, bevor er sein Gebet
verrichtet htte. Indem er sich nun dazu anschicken wollte, nherte er
sich dem Rande des Wassers, um sich der Landessitte gem die Hnde und
das Gesicht zu waschen. Da aber die Stelle etwas abschssig und na war,
so glitt er aus und wre in den Flu gefallen, wenn er sich nicht noch
an einem kleinen Felsstck gehalten htte, das etwa zwei Zoll hoch
hervorragte. Glcklicherweise besa er noch den Ring, den der
afrikanische Zauberer ihm an den Finger gesteckt hatte. Diesen Ring rieb
er ziemlich stark an dem Felsen, als er sich daran hielt, und
augenblicklich stand derselbe Geist vor ihm, der ihm in dem
unterirdischen Gewlbe erschienen war, wo der afrikanische Zauberer ihn
eingesperrt hatte. Was willst du? sagte der Geist; ich bin bereit,
dir zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die den
Ring am Finger haben, sowohl ich, als die andern Sklaven des Ringes.

Alaeddin, der in seiner verzweiflungsvollen Lage durch diese Erscheinung
angenehm berrascht war, antwortete: Geist, rette mir zum zweitenmal
das Leben und zeige mir, wo der Palast ist, den ich erbauen lie, oder
sorge, da er unverzglich wieder an seinen alten Platz zurckgetragen
wird. -- Was du hier verlangst, antwortete der Geist, liegt nicht in
meinem Wirkungskreise, ich bin blo Sklave des Rings; wende dich deshalb
an den Sklaven der Lampe. -- Wenn dem so ist, versetzte Alaeddin, so
befehle ich dir kraft des Ringes, versetze mich sogleich an den Ort, wo
mein Palast ist und bringe mich unter die Fenster der Prinzessin
Bedrulbudur. Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als der Geist ihn
nahm und nach Afrika mitten auf eine groe Wiese trug, auf der der
Palast nicht weit von einer groen Stadt stand; er setzte ihn dicht
unter den Fenstern der Prinzessin nieder und lie ihn dann allein. Alles
dies war das Werk eines Augenblicks.

Ungeachtet der Dunkelheit der Nacht erkannte Alaeddin recht gut seinen
Palast und die Zimmer der Prinzessin Bedrulbudur. Da es indes schon weit
in der Nacht und im Palast alles ruhig war, so ging er etwas abseits und
setzte sich unter einen Baum. Hier gab er sich neuen Hoffnungen hin, und
indem er Betrachtungen anstellte ber sein Glck, das er einem bloen
Zufalle verdankte, wurde sein Gemt wieder weit ruhiger. Er hing eine
Weile diesen angenehmen Gedanken nach, aber da er seit fnf oder sechs
Tagen kein Auge mehr geschlossen hatte, so berwltigte ihn zuletzt der
Schlaf und er schlummerte am Fue des Berges ein.

Als am folgenden Tage die Morgenrte anbrach, wurde Alaeddin sehr
angenehm erweckt durch den Gesang der Vgel, die teils auf dem Baume,
unter dem er lag, teils auch auf den dickbelaubten Bumen im Garten
seines Palastes die Nacht zugebracht hatten. Er warf sogleich seine
Augen auf dieses bewundernswrdige Gebude und fhlte eine
unaussprechliche Freude, da er jetzt Hoffnung habe, wieder Herr
desselben zu werden und aufs neue seine teure Prinzessin Bedrulbudur zu
besitzen. Er stand auf und nherte sich den Zimmern der Prinzessin, dann
ging er unter ihren Fenstern eine Weile spazieren und wartete, bis sie
erwachen wrde und sich sehen liee. Inzwischen dachte er bei sich
selbst darber nach, woher wohl die Ursache seines Unglcks gekommen
sein mge, und nachdem er sich lange hin und her besonnen, zweifelte er
nicht mehr daran, sein ganzes Migeschick knne blo davon herrhren,
da er seine Lampe aus den Augen verloren habe. Er machte sich nun
Vorwrfe ber seine Nachlssigkeit, und da er nicht Sorge getragen
habe, sie keinen Augenblick aus der Hand zu lassen. Was ihn noch mehr in
Verlegenheit setzte, war, da er sich gar nicht einbilden konnte, wer
wohl auf sein Glck eiferschtig sei. Dies wre ihm zwar klar geworden,
wenn er gewut htte, da er und sein Palast sich in Afrika befnden;
allein der dienstbare Geist des Ringes hatte es ihm nicht gesagt, und er
hatte ihn auch nicht darum gefragt. Sonst htte ihn schon der Name
Afrika sogleich an den afrikanischen Zauberer, seinen abgesagten Feind,
erinnert.

Die Prinzessin Bedrulbudur stand diesmal frher als gewhnlich auf, seit
ihrer Entfhrung durch die Tcke des afrikanischen Zauberers, dessen
Anblick sie bisher tglich einmal hatte ertragen mssen, weil er der
Herr des Palastes war; sie hatte ihn jedoch jedesmal so sprde
behandelt, da er es noch nicht gewagt hatte, seinen Wohnsitz darin
aufzuschlagen. Als sie angekleidet war, sah eine ihrer Frauen zufllig
durchs Gitterfenster, bemerkte Alaeddin und verkndete es sogleich ihrer
Gebieterin. Die Prinzessin, die diese Nachricht nicht glauben konnte,
lief schnell ans Fenster, bemerkte Alaeddin ebenfalls und ffnete das
Gitter. Bei dem Gerusch, das dadurch entstand, hob Alaeddin den Kopf in
die Hhe, erkannte sie und begrte sie mit einer Miene, auf der
berschwengliche Freude sich abspiegelte. Um keine Zeit zu verlieren,
sagte die Prinzessin zu ihm, habe ich dir die geheime Tre ffnen
lassen, tritt durch dieselbe ein und komm herauf.

Es ist unmglich, die Freude zu beschreiben, die die beiden Ehegatten
empfanden, als sie sich nach einer Trennung, die sie ewig geglaubt
hatten, endlich wiedersahen. Sie umarmten sich mehrere Male und gaben
sich alle Beweise von Liebe und Zrtlichkeit, die man nach einer so
traurigen und unerwarteten Trennung nur erdenken kann. Nach diesen
Umarmungen, in die sich Trnen der Freude mischten, setzten sie sich,
und Alaeddin nahm das Wort und sprach: Prinzessin, bevor wir von irgend
etwas anderem sprechen, beschwre ich dich im Namen Gottes, sowohl um
deiner selbst als um deines verehrungswrdigen Vaters, des Sultans, und
besonders auch um meinetwillen, sage mir, was ist aus meiner alten Lampe
geworden, die ich, bevor ich auf die Jagd ging, in dem Saal mit den
vierundzwanzig Fenstern auf das Kranzgesimse gestellt hatte?

Ach, teurer Gemahl, antwortete die Prinzessin, ich habe mir's wohl
gedacht, da unser beiderseitiges Unglck von dieser Lampe herkomme, und
was mich untrstlich macht, ist, da ich selbst daran schuld bin. --
Prinzessin, erwiderte Alaeddin, mi dir die Schuld nicht bei, sie ist
ganz auf meiner Seite, denn ich htte die Lampe sorgsamer aufbewahren
sollen. Jetzt aber la uns nur daran denken, den Schaden wieder
gutzumachen und deshalb erzhle mir, wie die Sache zugegangen und in
welche Hnde die Lampe geraten ist.

Die Prinzessin Bedrulbudur erzhlte hierauf Alaeddin alles, unter
welchen Umstnden sie die alte Lampe gegen die neue ausgetauscht und wie
sie in der folgenden Nacht die Versetzung des Palastes bemerkt und sich
am andern Morgen in einem unbekannten Lande gefunden habe, wo sie jetzt
beide seien und das Afrika heie. Letzteres hatte sie aus dem Munde des
Schurken selbst erfahren, der sie durch seine Zauberkunst hierher
versetzt hatte.

Prinzessin, unterbrach sie Alaeddin, du hast mir den Schurken
deutlich genug bezeichnet, indem du mir sagtest, da ich mit dir in
Afrika bin. Er ist der abscheulichste aller Menschen; doch ist jetzt
weder Zeit noch Ort, dir seine Schlechtigkeiten ausfhrlicher zu
erzhlen, und ich bitte dich blo, mir zu sagen, was er mit der Lampe
angefangen und wo er sie aufbewahrt hat. -- Er trgt sie wohl
eingehllt in seinem Busen, erwiderte die Prinzessin, ich kann dies
mit Bestimmtheit sagen, da er sie in meiner Gegenwart herausgezogen und
enthllt hat, um sich damit zu brsten.

Prinzessin, unterbrach sie Alaeddin, ich glaube ein Mittel gefunden
zu haben, uns beide von unserm gemeinschaftlichen Feinde zu befreien.
Ich werde gegen Mittag zurckkommen, um dir dann meinen Plan
mitzuteilen, und was du zum Gelingen desselben beizutragen hast. Doch
sage ich dir zum voraus, wundere dich nicht, wenn du mich in einer
andern Kleidung zurckkommen siehst, und gib Befehl, da man mich an der
geheimen Tre, wenn ich klopfe, nicht lange warten lt. Die Prinzessin
versprach, man werde ihn an der Tre erwarten und schnell ffnen.

Als Alaeddin hinausgegangen war, bemerkte er einen Bauersmann, der aufs
Feld ging.

Er ging zu ihm und machte ihm den Antrag, die Kleider mit ihm zu
wechseln, worauf der Bauer endlich auch einging. Der Umtausch geschah
hinter einem Gebsch, und als sie sich getrennt hatten, schlug Alaeddin
den Weg nach der Stadt ein und ging bis an den Platz, wo die Kaufleute
und Handwerker ihre besondere Gasse hatten. Er trat nun in die Gasse der
Materialienhndler, ging in den grten und bestausgestatteten Laden und
fragte den Kaufmann, ob er nicht ein gewisses Pulver habe, das er ihm
nannte. Der Kaufmann, der aus Alaeddins Kleidung schlo, er msse arm
sein und werde nicht Geld genug haben, um ihn zu bezahlen, antwortete,
er habe zwar dieses Pulver, allein es sei sehr teuer. Alaeddin erriet
seine Gedanken, zog seinen Beutel aus der Tasche, lie einige Goldstcke
hervorblinken und verlangte dann eine halbe Drachme von dem Pulver. Der
Kaufmann wog so viel ab, wickelte es ein, bergab es Alaeddin und
forderte ein Goldstck dafr. Alaeddin hndigte es ihm ein, und ohne
sich in der Stadt lnger aufzuhalten, als ntig war, um einige Nahrung
zu sich zu nehmen, kehrte er nach seinem Palaste zurck. Er brauchte an
der geheimen Tre nicht lange zu warten, sie wurde ihm sogleich
geffnet, und so ging er ins Gemach der Prinzessin Bedrulbudur hinauf.
Geliebte, sprach er zu ihr, da du so groen Widerwillen gegen deinen
Entfhrer hast, so wird es dir vielleicht schwer werden, den Rat zu
befolgen, den ich dir jetzt gebe. Bedenke aber, da du dich notwendig
verstellen und dir einige Gewalt antun mut, wenn du dich von seinen
Nachstellungen befreien und dem Sultan, deinem Vater und meinem Herrn,
die Freude machen willst, dich wieder zu sehen. Befolge also meinen Rat,
schmcke dich sogleich mit deinen schnsten Kleidern, und wenn der
afrikanische Zauberer kommt, so empfange ihn aufs freundlichste. Du
darfst dir aber keinen Zwang und keine Befangenheit anmerken lassen,
sondern mut ihm ein heiteres Gesicht zeigen. Im Gesprch gib ihm sodann
zu erkennen, da du dir alle Mhe gebest, mich zu vergessen; und um ihn
vollkommen von deiner Aufrichtigkeit zu berzeugen, lade ihn zum
Abendessen ein und drcke den Wunsch aus, den besten Wein seines Landes
zu kosten. Er wird dann weggehen, um dir welchen zu holen. Indes du nun
den Schenktisch in Bereitschaft setzen lssest, so schtte in einen der
Becher, der dem deinigen gleich ist, dies Pulver hier, stelle ihn sodann
auf die Seite und befiehl derjenigen von deinen Frauen, die das
Schenkamt versieht, sie soll ihn dir auf ein verabredetes Zeichen voll
Wein bringen und sich ja in acht nehmen, da kein Irrtum dabei vorgeht.
Wenn dann der Zauberer zurckkommt, und ihr beide bei Tische sitzet und
nach Herzenslust gegessen und getrunken habt, so la den Becher mit dem
Pulver bringen und vertausche deinen Becher mit dem seinen. Er wird dies
als eine so hohe Gunst ansehen, da er es nicht ablehnen, sondern den
Becher bis auf den Grund austrinken wird; kaum aber wird er ihn geleert
haben, so wirst du ihn rcklings hinsinken sehen. Wenn es dich anekelt,
aus seinem Becher zu trinken, so stelle dich wenigstens, als ob du
trnkest, und du hast dabei nichts zu befrchten; denn das Pulver wird
seine Wirkung schnell tun.

Darauf antwortete die Prinzessin: Ich gestehe dir, da es mich
berwindung kostet, dem Zauberer auf diese Art entgegenzukommen. Aber
welcher Entschlieung ist man nicht fhig gegen einen so grausamen
Feind! Ich werde also tun, wie du mir rtst, da sowohl meine als deine
Ruhe davon abhngt. Darauf verabschiedete sich Alaeddin von der
Prinzessin, und brachte den brigen Teil des Tages in der Umgebung des
Palastes zu, um sich mit Anbruch der Nacht wieder bei der geheimen Tre
einzufinden. Sobald Alaeddin sich entfernt hatte, setzte sie sich an
ihren Putztisch, lie sich durch ihre Frauen aufs prchtigste schmcken
und legte das reichste Kleid an. Ihr Grtel war von eitel Gold und mit
den grten auserlesensten Diamanten ausgelegt; um den Hals legte sie
eine Schnur aus Perlen. Die Armbnder, die mit Rubinen und Diamanten
besetzt waren, entsprachen aufs trefflichste dem Reichtum des Grtels
und der Halsschnur.

Als die Prinzessin Bedrulbudur vollstndig angekleidet war, setzte sie
sich auf ihren Sofa und erwartete die Ankunft des afrikanischen
Zauberers.

Sobald die Prinzessin ihn in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern
eintreten sah, stand sie mit allem Glanze ihrer Schnheit und Reize auf,
wies ihm mit der Hand den Ehrenplatz an, den er einnehmen sollte, und
setzte sich dann zugleich mit ihm: eine ganz ausgezeichnete Artigkeit,
die sie ihm bisher noch nie erwiesen hatte.

Den afrikanischen Zauberer blendete mehr der Glanz der schnen Augen der
Prinzessin, als die strahlenden Edelsteine. Ihre majesttische Haltung
und die anmutsvolle Verbindlichkeit, mit der sie ihn empfing, whrend
sie ihn bisher immer so rauh zurckgewiesen hatte, machte einen solchen
Eindruck auf ihn, da er kaum seiner Sinne mchtig war. Als er sich
gesetzt hatte, nahm die Prinzessin, um ihn aus seiner sichtlichen
Verlegenheit zu ziehen, das Wort und sprach zu ihm: Du wirst dich ohne
Zweifel wundern, da du mich heute ganz anders findest, als bis jetzt,
doch wirst du es erklren knnen, wenn ich dir sage, da meine ganze
Gemtsart aller Traurigkeit, Schwermut, Betrbnis und allen Sorgen
zuwider ist, die ich immer gern von mir abschttle, sowie ich keine
Ursache mehr dazu sehe. Ich habe mir das, was du mir von Alaeddins
Schicksal sagtest, wohl berlegt, und da ich die Gemtsart meines Vaters
recht gut kenne, so bin ich mit dir berzeugt, da er der schrecklichen
Wirkung seines Zornes unmglich entgehen konnte. Wenn ich nun auch
darauf beharren wollte, mein ganzes Leben lang um ihn zu weinen, so sehe
ich doch, da meine Trnen ihn nicht ins Leben zurckrufen wrden.
Deshalb glaube ich, nachdem ich ihm bis ins Grab alle Pflichten erwiesen
habe, welche die Liebe von mir forderte, so mu ich nunmehr auch alle
Mittel versuchen, mich zu trsten. Dies sind die Grnde meiner
Vernderung. Um nun sogleich jeden Anla zur Traurigkeit zu entfernen,
die ich ganz von mir zu bannen entschlossen bin, und in der Hoffnung,
da du die Geflligkeit haben werdest, mir Gesellschaft zu leisten, habe
ich eine Abendmahlzeit fr uns bereiten lassen. Da ich aber blo
chinesischen Wein habe und mich doch in Afrika befinde, so hat mich die
Lust angewandelt, den hierzulande wachsenden zu kosten, und ich zweifle
nicht, da du den besten herausfinden wirst, wenn es welchen hier gibt.

Der afrikanische Zauberer, der das Glck, so schnell und so leicht die
Gunst der Prinzessin Bedrulbudur zu gewinnen, fr eine Unmglichkeit
gehalten hatte, sagte, er knne kaum Worte finden, um seinen Dank
genugsam auszudrcken, und um dieses Gesprch bald abzubrechen, lenkte
er schnell auf den afrikanischen Wein ein, dessen sie gedacht hatte, und
sagte, unter allen Vorzgen, deren sich Afrika rhmen knne, stehe sein
trefflicher Wein oben an, und der allerbeste wachse in dem Teil des
Landes, wo sie sich gegenwrtig befnden; er habe ein Fa, das schon
sieben Jahre gefllt und noch nicht angestochen sei, und er glaube nicht
viel zu sagen, wenn er behaupte, da dieser Wein an Gte die
vortrefflichsten Weine auf der ganzen Erde bertreffe. Wenn meine
Prinzessin es mir erlauben will, setzte er hinzu, so will ich zwei
Flaschen davon holen und werde augenblicklich wieder zurck sein. -- Es
sollte mir leid tun, wenn ich dir so viele Mhe machte, sagte die
Prinzessin, du knntest ja jemanden hinschicken. -- Nein, antwortete
der afrikanische Zauberer, ich mu notwendig selbst hingehen; niemand
auer mir wei, wo der Schlssel zu diesem Keller ist. -- Wenn dem so
ist, sagte die Prinzessin, so gehe und komm bald zurck. Sobald du
zurckkommst, wollen wir uns zu Tische setzen.

Der afrikanische Zauberer, voller Hoffnung auf sein vermeintliches
Glck, lief nicht, sondern flog und kam sehr schnell zurck. Inzwischen
hatte die Prinzessin das Pulver, das ihr Alaeddin gebracht, selbst in
einen Becher geworfen. Sie setzten sich einander gegenber zu Tisch, so
da der Zauberer dem Schenktisch den Rcken kehrte. Die Prinzessin legte
ihm vom Besten vor und sagte zu ihm: Wenn du es verlangst, so will ich
dir Musik machen und singen lassen; da wir aber beide ganz allein hier
sind, so denke ich, es wird uns mehr Vergngen machen, uns miteinander
zu unterhalten. Der Zauberer betrachtete diese Wahl der Prinzessin als
eine neue Gunst.

Nachdem sie einige Bissen gegessen hatten, verlangte die Prinzessin zu
trinken. Sie trank auf die Gesundheit des Zauberers und sagte dann zu
ihm: Du hattest alles Recht, deinen Wein zu loben; ich habe nie einen
so kstlichen getrunken. -- Reizende Prinzessin, antwortete er, indem
er den Becher, der ihm berreicht wurde, in der Hand hielt, mein Wein
erhlt durch deinen Beifall eine neue Gte. -- Trink auf meine
Gesundheit, erwiderte die Prinzessin, so wirst du selbst finden, da
ich mich darauf verstehe. Er trank auf die Gesundheit der Prinzessin,
sah dann den Becher an und sagte: Prinzessin, ich schtze mich
glcklich, da ich dieses Fa fr eine so gute Gelegenheit aufgespart;
ich gestehe selbst, da ich in meinem ganzen Leben noch keinen so
vortrefflichen Wein getrunken habe.

Als sie noch weiter gegessen und noch dreimal getrunken hatten, gab
endlich die Prinzessin, die dem afrikanischen Zauberer durch ihre
Hflichkeit und ihr verbindliches Wesen vollends ganz den Kopf verrckt
hatte, der Frau, die das Schenkamt versah, das verabredete Zeichen, und
whrend man ihren Becher mit Wein brachte, sagte sie, man solle auch den
des afrikanischen Zauberers vollschenken und ihm berreichen.

Als nun beide den Becher in der Hand hatten, sprach sie: Ich wei
nicht, wie es bei euch zulande unter Liebenden, die miteinander trinken,
Sitte ist; bei uns in China wechseln die Geliebte und der Liebhaber ihre
Becher miteinander aus und trinken so einander Gesundheit. Mit diesen
Worten berreichte sie ihm den Becher, den sie in der Hand hielt, und
streckte ihre andere Hand aus, um den seinigen in Empfang zu nehmen.

Der afrikanische Zauberer beeilte sich um so freudiger, diesen Tausch
vorzunehmen, da er dies als das sicherste Zeichen betrachtete, das Herz
der Prinzessin nun vllig erobert zu haben, und er hielt sich fr den
glcklichsten aller Sterblichen. Ehe er trank, sagte er, mit dem Becher
in der Hand: Prinzessin, wir Afrikaner sind lange nicht so weit in der
Kunst, die Liebe mit allen mglichen Annehmlichkeiten zu wrzen, wie die
Chinesen, und indem ich hier etwas lerne, was ich noch nicht wute,
fhle ich zugleich, wie hoch ich diese Begnstigung zu schtzen habe.
Nie werde ich es vergessen, liebenswrdige Prinzessin, da ich aus
deinem Becher getrunken und darin ein Leben gefunden habe, auf das ich
keine Hoffnung mehr gehabt htte, wenn du noch lnger bei deiner
Grausamkeit beharrt.

Prinzessin Bedrulbudur fhrte nun den Becher an den Mund, berhrte ihn
aber nur mit den Lippen, indes der afrikanische Zauberer sich sehr
bemhte, es ihr zuvor zu tun, und den seinigen ausleerte, ohne einen
Tropfen darin zu lassen. Die Prinzessin sah, da seine Augen sich
verdrehten und er ohne Bewutsein rcklings zusammensank.

Nun kam Alaeddin herauf und trat in den Saal. Als er den afrikanischen
Zauberer auf dem Sofa ausgestreckt liegen sah, und die Prinzessin
Bedrulbudur ihm voll Freude und mit offenen Armen entgegeneilte, hielt
er sie zurck und sagte: Es ist noch nicht Zeit, Prinzessin; tu mir den
Gefallen, begib dich auf dein Zimmer und sorge dafr, da man mich
allein lt, indes ich meine Vorbereitungen treffe, die dich ebenso
schnell nach China wieder zurckbringen, wie du von da entfernt worden
bist.

Sobald die Prinzessin mit ihren Frauen und Verschnittenen aus dem Saale
gegangen war, verschlo Alaeddin die Tre, nherte sich dem Leichnam des
afrikanischen Zauberers, ffnete sein Kleid und zog die Lampe heraus. Er
enthllte sie und rieb daran und alsbald erschien auch der Geist mit
seinem gewhnlichen Gru. Geist, sagte Alaeddin zu ihm, ich habe dich
gerufen, um dir im Namen der Lampe, deiner guten Gebieterin, die du hier
siehst, zu befehlen, da du diesen Palast wieder nach China zurcktragen
lssest, und zwar an denselben Ort und dieselbe Stelle, von wo er
weggenommen ist. Der Geist gab durch ein Kopfnicken zu verstehen, da
er gehorchen werde und verschwand. Die Versetzung ging wirklich vor
sich, und man sprte sie nur an zwei sehr leichten Erschtterungen: die
eine, als der Palast von seiner Stelle in Afrika emporgehoben, und die
andere, als er in China gegenber dem Palast des Sultans niedergelassen
wurde, was alles in wenigen Augenblicken geschehen war.

Alaeddin ging nun ins Zimmer der Prinzessin hinab, umarmte sie und sagte
zu ihr: Prinzessin, ich kann dich versichern, da deine und meine
Freude morgen frh vollkommen sein wird. Da die Prinzessin ihre
Abendmahlzeit noch nicht vollendet hatte und Alaeddin zu essen
verlangte, so lie sie aus dem Saal mit den vierundzwanzig Fenstern die
Speisen, die dort aufgetragen, aber kaum berhrt worden waren, auf ihr
Zimmer bringen. Die Prinzessin und Alaeddin speisten zusammen und
tranken von dem guten alten Wein des afrikanischen Zauberers. Ich will
nichts von ihrer weiteren Unterhaltung sagen, die nur sehr vergngt sein
konnte, und fge blo hinzu, da sie sich zuletzt miteinander in ihr
Schlafgemach begaben.

Seit der Entfhrung des Palastes und der Prinzessin Bedrulbudur war der
Sultan, der Vater dieser Prinzessin, untrstlich, weil er sie fr immer
verloren glaubte. Er konnte weder bei Nacht noch bei Tag Ruhe finden,
und statt alles zu vermeiden, was seinem Kummer neue Nahrung geben
konnte, suchte er es im Gegenteil absichtlich auf. Whrend er zum
Beispiel vorher nur morgens nach dem offenen Erker seines Palastes
gegangen war, um seine Augen an dem angenehmen Anblick zu weiden, dessen
er nicht satt werden konnte, so ging er jetzt mehrere Male des Tags
hinauf, um seinen Trnen freien Lauf zu lassen und sich immer tiefer in
seine Betrbnis zu versenken durch den Gedanken, da er das, was ihm so
wohlgefallen hatte, nie wieder sehen werde, und das Liebste, das er auf
der Welt besessen, auf immer verloren habe. Auch an dem Morgen, als
Alaeddins Palast wieder an seinen alten Platz gebracht worden war, hatte
sich die Morgenrte kaum am Himmel gezeigt, als der Sultan wieder in den
Erker ging. Er war so in sich gekehrt und so durchdrungen von seinem
Schmerz, da er seine Augen traurig nach der Seite hinwendete, wo er nur
den leeren Raum und keinen Palast mehr zu erblicken vermeinte. Als er
nun auf einmal diese Leere ausgefllt sah, hielt er es fr einen Nebel.
Endlich aber, nachdem er es aufmerksamer betrachtet hatte, erkannte er,
da es unzweifelhaft Alaeddins Palast war. Freude und Frhlichkeit
bemchtigten sich jetzt seines Herzens nach langem Kummer und Gram. Er
kehrte eilig auf sein Zimmer zurck und befahl, man solle ihm ein Pferd
satteln und vorfhren. Er schwang sich hinauf, ritt fort und es war ihm,
als knne er nicht schnell genug bei Alaeddins Palast anlangen.

Alaeddin, der dies vorausgesehen hatte, war mit Tagesanbruch
aufgestanden, hatte eines seiner prchtigsten Kleider angelegt und sich
sodann in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern begeben, von wo aus
er den Sultan kommen sah. Er eilte hinab und kam noch gerade zur rechten
Zeit, um ihn unten an der Haupttreppe zu empfangen und ihm vom Pferd
absteigen zu helfen. Alaeddin, sprach der Sultan zu ihm, ich kann mit
dir nicht sprechen, bevor ich meine Tochter gesehen und umarmt habe.

Alaeddin fhrte den Sultan in das Zimmer der Prinzessin Bedrulbudur, die
eben mit ihrem Anzug fertig geworden war; denn Alaeddin hatte sie beim
Aufstehen erinnert, da sie sich nicht mehr in Afrika, sondern in China,
in der Hauptstadt des Sultans, ihres Vaters, und gegenber seinem Palast
befinde. Der Sultan umarmte sie mehrere Male, whrend ihm die hellen
Freudentrnen ber die Wangen liefen, und die Prinzessin ihrerseits
bewies ihm auf alle mgliche Art, wie hocherfreut sie sei, ihn wieder zu
sehen.

Endlich nahm der Sultan das Wort und sprach: Geliebte Tochter, ich will
glauben, da die Freude des Wiedersehens dich in meinen Augen so munter
und so wenig verndert erscheinen lt, wie wenn dir nichts Unangenehmes
zugestoen wre, und doch bin ich berzeugt, da du sehr viel gelitten
hast. Ich wnsche nun, da du mir erzhlst, wie die Sache zuging, und
mir nichts verhehlest.

Die Prinzessin machte sich ein Vergngen daraus, den Wunsch ihres Vaters
zu erfllen.

Um es frei herauszusagen, mein ganzes Unglck bestand darin, da ich
mich dir und meinem teuren Gemahl entrissen sah. Was meine Entfhrung
betrifft, so hat Alaeddin nicht den mindesten Teil daran: ich selbst bin
allein daran schuld, aber auf eine hchst unschuldige Weise. Um nun den
Sultan von der Wahrheit ihrer Worte zu berzeugen, erzhlte sie ihm
umstndlich, wie der afrikanische Zauberer sich in einen Lampenhndler
verkleidet habe, der alte Lampen gegen neue eintauschte, und wie sie
dann zur Kurzweil Alaeddins Lampe, deren geheime Kraft und Wichtigkeit
sie nicht gekannt, gegen eine neue eingetauscht, worauf der Palast nebst
ihr und den brigen Bewohnern in die Hhe gehoben und samt dem
afrikanischen Zauberer nach Afrika versetzt worden sei.

Um sich vollends zu berzeugen, ging der Sultan hinauf, und als er den
afrikanischen Zauberer tot und im Gesicht ganz schwarzblau von dem Gifte
sah, umarmte er Alaeddin mit vieler Zrtlichkeit und sagte zu ihm: Mein
Sohn, halte mir mein Betragen gegen dich zugute; blo meine Vaterliebe
hat mich dazu veranlat, und du mut mir die bereilung, zu der ich mich
hinreien lie, verzeihen. -- Herr, erwiderte Alaeddin, ich habe
nicht die mindeste Ursache, mich ber dich zu beklagen; du hast nur
getan, was du tun mutest. Dieser schndliche Zauberer, dieser Auswurf
der Menschheit, war die einzige Ursache, da ich deine Gnade verlor.
Wenn du einmal Mue haben wirst, so werde ich dir von einer andern
Bosheit erzhlen, die er mir angetan und die nicht minder schwarz ist,
als seine letzte, vor der mich Gottes ganz absonderliche Gnade behtet
hat. -- Ich werde mir diese Mue ausdrcklich dazu nehmen, antwortete
der Sultan, und zwar recht bald. Jetzt aber la uns nur darauf denken,
frhlich zu sein, auch sorge, da dieser verhate Gegenstand
fortgeschafft wird.

Alaeddin lie den Leichnam des afrikanischen Zauberers wegbringen und
auf den Schindanger werfen, um dort den Vgeln und Tieren zur Nahrung zu
dienen. Der Sultan aber gab Befehl, durch Trommeln, Pauken, Trompeten
und andere Instrumente das Zeichen zur allgemeinen ffentlichen Freude
zu geben, und lie ein zehntgiges Freudenfest ankndigen, um die
Rckkehr der Prinzessin Bedrulbudur und Alaeddins zu feiern.

So entging denn Alaeddin zum zweitenmal einer Todesgefahr, der er
beinahe erliegen mute; allein es war noch nicht die letzte, und er
mute noch eine dritte, gleich gefhrliche Prfung bestehen.

Der afrikanische Zauberer hatte noch einen jngern Bruder, der in der
Zauberkunst nicht minder geschickt war, als er; ja man kann sagen, da
er ihn an Bosheit und verderblichen Rnken noch bertraf. Da sie nicht
immer beisammen oder in derselben Stadt lebten, und der eine sich
manchmal im Osten befand, whrend der andere im Westen war, so
unterlieen sie es nicht, mit Hilfe der Punktierkunst alle Jahre einmal
auszumitteln, in welchem Teile der Welt jeder von ihnen lebe, wie er
sich befinde und ob er nicht die Hilfe des andern bedrfe.

Kurze Zeit, nachdem der afrikanische Zauberer in der Unternehmung gegen
Alaeddins Glck den Tod gefunden hatte, wollte sein jngerer Bruder, der
seit Jahr und Tag keine Nachrichten von ihm hatte und sich nicht in
Afrika, sondern in einem sehr entlegenen Land aufhielt, erfahren, an
welchem Ort der Erde er lebe, wie er sich befinde und was er treibe. Er
endeckte nun, da sein Bruder nicht mehr auf der Welt, da er vergiftet
worden und pltzlich gestorben sei, da dies in China an dem und dem
Orte geschehen, und endlich, da der, welcher ihn vergiftet, ein Mann
von niedriger Abkunft sei, der eine Prinzessin des Sultans geheiratet
habe.

Als der Zauberer das traurige Ende seines Bruders erfahren hatte, verlor
er keine Zeit mit nutzlosem Jammern, sondern beschlo augenblicklich,
seinen Tod zu rchen, stieg zu Pferde und begab sich auf den Weg nach
China. Er mute ber Ebenen, Flsse, Berge, Einden, und nach langer
Reise kam er endlich unter unglaublichen Beschwerden nach China und bald
darauf in die Hauptstadt.

Den Tag nach seiner Ankunft ging der Zauberer aus und spazierte in der
Stadt herum. An einem der Orte, wo man sich mit allerlei Arten von
Spielen die Zeit vertrieb, und wo, whrend die einen spielten, die
andern sich von den Neuigkeiten des Tages oder auch von ihren eigenen
Geschichten unterhielten, hrte er gar merkwrdige Dinge erzhlen von
der Tugend und Frmmigkeit, ja selbst von den Wundertaten einer von der
Welt abgeschiedenen Frau, namens Fatime. Da er nun glaubte, diese Frau
knne ihm bei seinem Vorhaben vielleicht in irgend etwas behilflich
sein, nahm er einen von der Gesellschaft beiseite und bat ihn um nhere
Auskunft ber die heilige Frau und ber die Art von Wundern, die sie
verrichte.

Wie! sagte der Angeredete zu ihm, du hast diese Frau noch nie
gesehen und auch nicht von ihr sprechen gehrt? Sie ist durch ihr
Fasten, ihre strenge Lebensweise und das Beispiel, das sie gibt,
Gegenstand der allgemeinen Bewunderung in der ganzen Stadt. Auer
Montags und Freitags geht sie nie aus ihrer kleinen Einsiedelei heraus,
und an den Tagen, wo sie sich in der Stadt sehen lt, tut sie unendlich
viel Gutes, auch heilt sie jeden, der mit Kopfschmerzen behaftet ist,
durch Auflegung ihrer Hnde. Der Zauberer verlangte ber diesen Punkt
nichts mehr zu wissen, sondern fragte nur noch, in welchem Teile der
Stadt die Einsiedelei der heiligen Frau wre. Der Mann beschrieb ihm
genau die Stelle.

Gegen Mitternacht ging der Zauberer geraden Wegs nach der Einsiedelei
Fatimes, der heiligen Frau; denn unter diesem Namen war sie in der
ganzen Stadt bekannt. Er ffnete ohne Mhe die mit einer bloen Klinke
verschlossene Tr, trat hinein und machte die Tre ganz leise wieder zu;
drinnen erblickte er bei hellem Mondschein Fatime, die an freier Luft
auf einem mit einer schlechten Matte berdeckten Sofa schlief und gegen
ihre Zelle hingelehnt dalag. Er nherte sich ihr, zog einen Dolch, den
er an seiner Seite trug, und weckte sie.

Als die arme Fatime die Augen aufschlug, erschrak sie ber die Maen
beim Anblick eines Mannes, der im Begriff war, sie zu erdolchen. Er
setzte ihr den Dolch auf die Brust, machte Miene zuzustoen und sagte:
Wenn du schreist oder nur das mindeste Gerusch machst, so bist du des
Todes; steh aber jetzt auf und tue, was ich dir sagen werde.

Fatime, die sich in ihren Kleidern niedergelegt hatte, stand zitternd
und bebend auf. Frchte dich nicht, sagte der Zauberer zu ihr, ich
verlange blo dein Kleid, gib es mir und nimm dafr das meinige. Sie
vertauschten ihre Kleider, und nachdem der Zauberer das Kleid Fatimens
angezogen hatte, sagte er zu ihr: Jetzt frbe mir das Gesicht gleich
dem deinigen, und zwar so, da ich dir hnlich sehe und die Farbe sich
nicht verwischt. Da er sah, da sie noch immer zitterte, sagte er, um
sie zu beruhigen, und damit sie mit um so grerer Zuversicht seinen
Wunsch erfllen mchte, abermals zu ihr: Frchte dich nicht; ich
schwre dir bei dem Namen Gottes, da ich dir das Leben lasse. Fatime
hie ihn in ihre Zelle treten, zndete ihre Lampe an, nahm einen Pinsel
und einen gewissen Saft, den sie in einem Gefe stehen hatte, rieb ihm
damit das Gesicht ein und versicherte ihm dann, die Farbe werde nicht
ausgehen und sein Gesicht sei jetzt durchaus ganz wie das ihrige.
Hierauf setzte sie ihm ihre eigene Kopfbekleidung aufs Haupt nebst ihrem
Schleier und zeigte ihm, wie er sich auf seinem Gang durch die Stadt das
Gesicht damit verhllen msse. Endlich, nachdem sie ihm noch einen
groen Rosenkranz, der ihm vorne bis auf den Grtel herabhing, um den
Hals geschlungen, gab sie ihm denselben Stab, den sie gewhnlich trug,
in die Hand, hielt ihm dann einen Spiegel vor und sagte zu ihm: Da
blicke einmal hinein und du wirst sehen, da du mir gleichst, wie ein Ei
dem andern. Der Zauberer fand alles nach Wunsch, hielt aber der guten
Fatime den Schwur nicht, den er ihr so feierlich geleistet hatte. Damit
man keine Blutspuren sehen mchte, wenn er sie erstche, so erwrgte er
sie, und als er sah, da sie den Geist aufgegeben hatte, schleppte er
ihren Leichnam an den Fen zum Wasserbehlter der Einsiedelei und warf
ihn da hinein.

Nach Vollfhrung dieser verruchten Mordtat brachte der als heilige
Fatime verkleidete Zauberer den Rest der Nacht in der Einsiedelei zu. Am
andern Morgen ging er, obgleich dies kein gewhnlicher Ausgangstag fr
die heilige Frau war, dennoch aus, denn er glaubte, es wrde ihn niemand
darum fragen, und wenn man ihn fragte, so wrde er schon zu antworten
wissen. Da er sich bei seiner Ankunft vor allen Dingen nach Alaeddins
Palast erkundigt hatte, und da er dort seine Rolle spielen wollte, so
nahm er sogleich seinen Weg dahin.

Jedermann hielt ihn fr die heilige Frau, und so wurde er bald von einer
groen Menschenmasse umringt. Einige empfahlen sich seinem Gebet, andere
kten ihm die Hand, andere, die noch ehrerbietiger waren, kten blo
den Saum seines Kleides, und noch andere, die entweder wirklich Kopfweh
hatten, oder sich nur dagegen verwahren wollten, neigten sich vor ihm,
damit er ihnen die Hnde auflegen mchte, was er auch tat, indem er
einige gebethnliche Worte murmelte; kurz, er ahmte die heilige Frau so
gut nach, da jedermann ihn dafr ansah. Nachdem er mehrere Male
unterwegs stehen geblieben war, um solche Leute zu befriedigen, die von
dieser Art Hndeauflegung weder einen Nutzen noch einen Schaden hatten,
kam er endlich auf den Platz vor Alaeddins Palast, wo sich noch mehr
Volk versammelt hatte, so da es groe Mhe kostete, sich ihm zu nhern.
Die Strksten und Eifrigsten drngten sich mit Gewalt durch das Gewhl,
und darber erhoben sich Klagen und ein solches Geschrei, da man es in
dem Saal mit den vierundzwanzig Fenstern, wo die Prinzessin Bedrulbudur
war, hren konnte.

Die Prinzessin fragte, was der Lrm bedeuten sollte, und da es ihr
niemand sagen konnte, befahl sie nachzusehen und ihr Bericht
abzustatten. Eine ihrer Frauen sah, ohne den Saal zu verlassen, durch
ein Fenster und meldete ihr sodann, der Lrm komme von der Volksmenge
her, die die heilige Frau umgebe, um sich durch ihr Handauflegen das
Kopfweh vertreiben zu lassen.

Die Prinzessin, die schon lange Zeit viel Gutes von der heiligen Frau
gehrt, sie aber noch nicht gesehen hatte, wurde neugierig, ihre
Bekanntschaft zu machen und mit ihr zu sprechen. Sobald sie etwas davon
verlauten lie, sagte der Obere der Verschnittenen, wenn sie es wnsche,
so wolle er sie heraufkommen lassen. Die Prinzessin genehmigte es und er
fertigte sogleich vier Verschnittene ab mit dem Befehl, die angebliche
heilige Frau heraufzubringen.

Sobald die Verschnittenen zum Tore von Alaeddins Palast herauskamen und
auf den afrikanischen Zauberer zugingen, so wich die Menge auseinander,
und als dieser sich nun frei und die Verschnittenen auf sich zukommen
sah, so ging er ihnen mit um so grerer Freude entgegen, da sein
Schelmstck ihm einen guten Anfang zu nehmen schien. Einer von den
Verschnittenen nahm das Wort und sagte: Heilige Frau, die Prinzessin
wnscht dich zu sprechen; komm und folge uns. -- Die Prinzessin erzeigt
mir viele Ehre, antwortete die angebliche Fatime; ich bin bereit, ihr
zu gehorchen. Mit diesen Worten folgte er den Verschnittenen.

Als der Zauberer, der unter dem heiligen Kleide ein teuflisches Herz
verbarg, in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern eintrat und die
Prinzessin bemerkte, begann er mit einem Gebet, das eine lange Reihe von
Wnschen fr ihr Wohlbefinden, ihr Glck und die Erfllung alles
dessen, was sie nur begehren knnte, enthielt. Hierauf entfaltete er all
seine trgerische und heuchlerische Beredsamkeit, um sich unter dem
Mantel groer Frmmigkeit ins Herz der Prinzessin einzuschleichen, was
ihm auch um so leichter gelang, als die Prinzessin in ihrer natrlichen
Gutherzigkeit die berzeugung hatte, alle Leute mten ebenso gut sein,
wie sie, besonders aber diejenigen Mnner und Frauen, die es sich zur
Pflicht machten, Gott in der Einsamkeit zu dienen.

Als die falsche Fatime ihre lange Anrede vollendet hatte, sagte die
Prinzessin zu ihr: Meine gute Mutter, ich danke dir fr deine schnen
Gebete, ich habe groes Vertrauen darauf und hoffe, da Gott sie erhren
wird. Komm nher und setze dich zu mir. Die falsche Fatime setzte sich
mit heuchlerischer Bescheidenheit. Hierauf nahm die Prinzessin wieder
das Wort und sagte: Meine gute Mutter, ich bitte dich um etwas, das du
mir bewilligen mut und nicht abschlagen darfst, nmlich darum, da du
bei mir bleibst, mir die Geschichte deines Lebens erzhlst und mich
durch deine guten Beispiele lehrst, wie ich Gott dienen soll.

Prinzessin, sagte hierauf die angebliche Fatime, ich bitte dich,
verlange nichts von mir, worin ich nicht willigen kann, ohne mich ganz
zu zerstreuen und von meinen Gebeten und frommen bungen abzukommen. --
Das darf dich nicht beunruhigen, erwiderte die Prinzessin, ich habe
mehrere Zimmer, die nicht bewohnt sind, whle dir eins daraus, welches
dir am besten zusagt, dann kannst du deine bungen ebenso ruhig
verrichten, wie in deiner Einsiedelei.

Der Zauberer, der keinen andern Zweck hatte, als in Alaeddins Palast zu
gelangen, wo es ihm viel leichter sein mute, sein Schelmstck
auszufhren, als wenn er immer von der Einsiedelei in den Palast und von
da wieder zurck htte hin und her gehen mssen, machte jetzt keine
groen Einwendungen mehr gegen das verbindliche Anerbieten der
Prinzessin und nahm es an. Prinzessin, sagte er zu ihr, so fest auch
der Entschlu einer armen und elenden Frau, wie ich, sein mu, der Welt
und ihrer Pracht zu entsagen, so wage ich es doch nicht, dem Willen und
Befehl einer so frommen und mildttigen Prinzessin zu widerstreben.

Er folgte der Prinzessin Bedrulbudur und whlte unter ihren Zimmern
dasjenige, welches am wenigsten schn war, indem er mit heuchlerischem
Tone sagte: es sei noch viel zu gut fr ihn und er whle es blo der
Prinzessin zu Gefallen.

Die Prinzessin wollte den Schurken in den Saal mit den vierundzwanzig
Fenstern zurckfhren, damit er bei ihr zu Mittag speisen sollte. Da er
aber beim Essen sein bis jetzt immer noch verschleiertes Gesicht htte
enthllen mssen und frchtete, die Prinzessin mchte den Betrug
durchschauen, so bat er sie, ihm zu erlauben, seine kleine Mahlzeit auf
seinem Zimmer zu sich zu nehmen.

Die Prinzessin speiste zu Mittag und die falsche Fatime unterlie nicht,
sich wieder bei ihr zu melden, sobald sie ihr durch einen Verschnittenen
hatte sagen lassen, da sie von der Tafel aufgestanden sei. Meine gute
Mutter, sagte die Prinzessin zu ihr, ich bin hoch erfreut, eine
heilige Frau, wie dich, zu besitzen, die diesem Palaste Segen bringen
wird. Ei, wie gefllt dir denn der Palast? Ehe ich dir aber Zimmer fr
Zimmer zeige, so sage vor allem, was hltst du von diesem Saale?

Die falsche Fatime, die um ihre Rolle besser spielen zu knnen, bisher
immer mit gesenkten Augen dagestanden war und ihren Kopf weder rechts
noch links hingewendet hatte, hob ihn endlich bei dieser Frage empor,
durchmusterte den Saal von einem Ende zum andern, und als sie ihn
genugsam betrachtet hatte, sagte sie: Prinzessin, dieser Saal ist
wahrhaft bewunderungswrdig und ausgezeichnet schn. Indes scheint es
mir, so viel eine Einsiedlerin beurteilen kann, da eine einzige Sache
daran fehle. -- Und was denn, meine gute Mutter? fragte die Prinzessin
Bedrulbudur; ich beschwre dich, sage es mir. Ich fr meinen Teil habe
immer geglaubt und auch sagen hren, da er in allem vollkommen sei.
Wenn aber etwas daran fehlt, so will ich diesem Mangel abhelfen lassen.

Prinzessin, erwiderte die falsche Fatime mit vieler Verstellung,
verzeih, da ich mir so viel Freiheit herausnehme. Meine Meinung, wenn
dir etwas daran liegen knnte, ist nmlich, da wenn oben von der Mitte
dieser Kuppel ein Rochei herabhinge, dieser Saal in allen vier Teilen
der Welt seinesgleichen nicht haben und der Palast ein Wunder der Welt
sein wrde.

Meine gute Mutter, fragte die Prinzessin, was fr ein Vogel ist denn
der Roch, und woher knnte man wohl ein Ei von ihm bekommen? --
Prinzessin, antwortete die falsche Fatime, es ist dies ein Vogel von
bewundernswrdiger Gre, der auf der hchsten Spitze des Berges
Kaukasus wohnt; der Baumeister dieses Palastes wird dir schon ein
solches Ei verschaffen.

Die Prinzessin Bedrulbudur dankte der falschen Fatime fr ihren Rat, und
unterhielt sich mit ihr noch ber eine Menge anderer Gegenstnde; doch
verga sie das Rochei nicht, und nahm sich vor, mit Alaeddin darber zu
sprechen, sobald er von der Jagd zurckgekehrt sein wrde. Er war
nmlich seit sechs Tagen fort und der Zauberer, der dies recht gut
wute, hatte seine Abwesenheit bentzen wollen. Alaeddin kam noch an
demselben Tage abends zurck, als die falsche Fatime sich soeben von der
Prinzessin verabschiedet und auf ihr Zimmer begeben hatte. Er ging
sogleich ins Zimmer der Prinzessin, die soeben dahin zurckgekehrt war,
begrte und umarmte sie; allein es schien ihm, als ob sie ihn etwas
kalt empfinge. Teure Prinzessin, sagte er zu ihr, ich finde dich
nicht so heiter, wie sonst. Ist in meiner Abwesenheit etwas vorgekommen,
das dir mifallen und Verdru oder Mivergngen verursacht htte? Ich
beschwre dich bei Gott, verhehle es mir nicht, denn ich werde alles
aufbieten, deinen Wunsch zu erfllen, wenn es in meiner Macht steht. --
Es ist blo eine Kleinigkeit, antwortete die Prinzessin, und die
Sache kmmert mich so wenig, da es mir unbegreiflich ist, wie du es
meinem Gesichte hast anmerken knnen. Da du es jedoch wider mein
Erwarten wahrgenommen hast, so will ich dir die Ursache mitteilen,
obgleich sie nicht von Bedeutung ist.

Ich hatte, fuhr die Prinzessin Bedrulbudur fort, wie du auch, bisher
immer geglaubt, unser Palast sei der herrlichste, prachtvollste und
vollkommenste auf der ganzen Welt. Doch mu ich dir jetzt sagen, was fr
ein Gedanke mir bei genauer Besichtigung des Saales mit den
vierundzwanzig Fenstern gekommen ist. Meinst du nicht auch, da nichts
zu wnschen brig bleiben wrde, wenn mitten im Kuppelgewlbe ein Rochei
hinge? -- Prinzessin, antwortete Alaeddin, sobald du findest, da
noch ein Rochei daran fehlt, so finde ich diesen Fehler auch, und aus
dem Eifer, womit ich diesem Mangel abhelfen werde, sollst du dich
berzeugen, da es nichts gibt, was ich nicht dir zuliebe tun wrde.

Alaeddin verlie augenblicklich die Prinzessin Bedrulbudur, ging in den
Saal mit den vierundzwanzig Fenstern, zog die Lampe, die er nun berall,
wo er ging und stand, bei sich trug, aus seinem Busen hervor und rieb
sie. Sogleich erschien auch der Geist. Geist, sprach Alaeddin zu ihm,
es fehlt dieser Kuppel noch ein Rochei, das mitten in ihrer Vertiefung
hngen mu: ich befehle dir nun im Namen der Lampe, da du diesem Mangel
abhilfst.

Kaum hatte Alaeddin diese Worte ausgesprochen, als der Geist ein so
lautes und entsetzliches Geschrei erhob, da der Saal davon erbebte und
auch Alaeddin taumelte, so da er beinahe zu Boden strzte. Wie,
Elender! sagte der Geist in einem Tone zu ihm, der auch dem
unerschrockensten Manne Furcht eingeflt haben wrde, ist es dir nicht
genug, da meine Gefhrten und ich dir zuliebe alles getan haben? Mut
du auch noch mit einer Undankbarkeit, die ihresgleichen nicht hat,
befehlen, da ich dir meinen Meister bringen und mitten in diesem
Kuppelgewlbe aufhngen soll? Dieser Frevel verdiente, da du samt
deiner Frau und deinem Palaste auf der Stelle in Staub und Asche
verwandelt wrdest. Zu deinem Glck bist du jedoch nicht selbst auf
diesen Gedanken gekommen, und der Wunsch geht nicht unmittelbar von dir
aus. Du mut nmlich wissen, da er von dem Bruder des afrikanischen
Zauberers, deines Feindes, herkommt, den du vertilgt hast, wie er
verdiente. Er befindet sich in deinem Palast im Anzug der heiligen Frau
Fatime, die er ermordet, und er hat deiner Frau das verderbliche
Verlangen eingegeben, das du gegen mich geuert hast. Seine Absicht
ist, dich umzubringen, sei daher wohl auf deiner Hut. Mit diesen Worten
verschwand er.

Alaeddin verlor keines von den letzten Worten des Geistes. Er hatte von
der heiligen Frau Fatime sagen gehrt und wute recht gut, wie sie dem
allgemeinen Glauben zufolge das Kopfweh heilte. Er ging nun aufs Zimmer
der Prinzessin zurck, und ohne ein Wort von dem zu sprechen, was ihm
soeben begegnet war, setzte er sich nieder, sttzte seine Stirne auf
die Hand und sagte, es habe ihn pltzlich ein heftiges Kopfweh befallen.
Die Prinzessin befahl sogleich, die heilige Frau zu rufen, und whrend
sie geholt wurde, erzhlte sie Alaeddin, wie sie in den Palast gekommen
sei und wie sie ihr darin ein Zimmer eingerumt habe.

Die falsche Fatime kam, und sobald sie da war, sagte Alaeddin zu ihr:
Komm her, meine gute Mutter, es freut mich, dich zu sehen, du bist
gerade zu meinem Glcke hierhergekommen. Ich bin soeben von einem
abscheulichen Kopfweh berfallen worden, und im Vertrauen auf deine
Gebete bitte ich dich um Hilfe, denn ich hoffe, da die Wohltat, die du
schon so vielen mit dieser Krankheit Behafteten erwiesen hast, auch mir
nicht abschlagen werdest. Mit diesen Worten stand er auf und bckte den
Kopf; die falsche Fatime nherte sich ihm, indem sie zugleich mit der
Hand nach einem Dolche griff, den sie unter ihrem Kleide am Grtel
stecken hatte. Alaeddin aber, der sie genau beobachtete, fiel ihr in die
Hand, noch ehe sie vom Leder gezogen hatte, und durchbohrte sie mit
seinem Dolche, so da sie tot auf dem Fuboden zusammenstrzte.

Mein teurer Gemahl, was hast du getan? rief die Prinzessin voll Angst,
du hast die heilige Frau gettet! -- Nein, geliebte Prinzessin,
antwortete Alaeddin mit groer Ruhe; ich habe nicht Fatime gettet,
sondern einen Schurken, der mich ermordet htte, wenn ich ihm nicht
zuvorgekommen wre. Dieser Bsewicht, den du hier siehst, fuhr er fort,
indem er ihn enthllte, hat die wahre Fatime erwrgt und sich in ihre
Kleider gesteckt, um mich zu erdolchen; mit einem Wort, er war der
Bruder des afrikanischen Zauberers, deines Rubers. Alaeddin erzhlte
ihr hierauf, auf welche Art er diese Umstnde erfahren hatte, und lie
sodann den Leichnam wegschaffen.

Auf diese Art wurde also Alaeddin von der Verfolgung der beiden
verbrderten Zauberer befreit. Wenige Jahre darauf starb der Sultan in
hohem Alter. Da er keine mnnlichen Nachkommen hinterlie, so folgte ihm
die Prinzessin Bedrulbudur als gesetzmige Erbin auf dem Throne nach
und teilte ihre Herrschaft mit Alaeddin. Sie regierten miteinander viele
Jahre und hinterlieen eine berhmte Nachkommenschaft.

[Illustration]



_Druck von F. Bruckmann A.G. in Mnchen_



Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthlt eine
Auflistung aller gegenber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 017: [Anfhrungszeichen ergnzt] wenn du ihn nicht gesehen httest.
S. 018: Du hast gesehen, fuhr der Zauberer fort -> Du hast gesehen,
S. 045: so mue er sich doch mit -> mute
S. 059: aber die schechte Behandlung -> schlechte
S. 070: die Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten. -> heiraten?
S. 070: [Komma entfernt] ungeheuren Bedingungen, die mindeste
S. 072: zwanzig Sklaven herbeischafft -> herbeischaffst
S. 087: Ich besitze welche. sagte der Sultan -> welche, sagte



Transcriber's Notes: The table below lists all corrections applied to
the original text.

p. 017: [added quotes] wenn du ihn nicht gesehen httest.
p. 018: Du hast gesehen, fuhr der Zauberer fort -> Du hast gesehen,
p. 045: so mue er sich doch mit -> mute
p. 059: aber die schechte Behandlung -> schlechte
p. 070: die Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten. -> heiraten?
p. 070: [removed comma] ungeheuren Bedingungen, die mindeste
p. 072: zwanzig Sklaven herbeischafft -> herbeischaffst
p. 087: Ich besitze welche. sagte der Sultan -> welche, sagte





End of Project Gutenberg's Alaeddin und die Wunderlampe, by Kurt Moreck

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ALAEDDIN UND DIE WUNDERLAMPE ***

***** This file should be named 22413-8.txt or 22413-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/2/2/4/1/22413/

Produced by Markus Brenner, Irma pehar and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
