The Project Gutenberg EBook of Kritik des Herzens, by Wilhelm Busch

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Title: Kritik des Herzens

Author: Wilhelm Busch

Release Date: August 25, 2007 [EBook #22391]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KRITIK DES HERZENS ***




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    Kritik des Herzens

            von

 Wilhelm Busch




    Dreizehnte Auflage




          Mnchen

 Verlag von Fr. Bassermann

           1914


  Druck von Knorr & Hirth

  Alle Rechte vorbehalten




Es wohnen die hohen Gedanken
  In einem hohen Haus.
Ich klopfte, doch immer hie es:
  Die Herrschaft fuhr eben aus!

Nun klopf ich ganz bescheiden
  Bei kleineren Leuten an.
Ein Stckel Brod, ein Groschen
  Ernhren auch ihren Mann.




Sei ein braver Biedermann,
  Fange tchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
  Gerne mit empor gehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
  Willst nicht, da dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
  Und verlege dich auf's Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenu,
  Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein selger Kritikus
  Hocherhaben ber Allen.




Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
  Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
  Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer hher
  Kommt er dem armen Vogel nher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
  Und weil mich doch der Kater frit,
  So will ich keine Zeit verlieren,
  Will noch ein wenig quinquiliren
  Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.




Ich kam in diese Welt herein,
  Mich ba zu amsiren,
Ich wollte gern was Rechtes sein
  Und mute mich immer geniren.
Oft war ich hoffnungsvoll und froh
Und spter kam es doch nicht so.

Nun lauf ich manchen Donnerstag
  Hienieden schon herummer,
Wie ich mich drehn und wenden mag,
  's ist immer der alte Kummer.
Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust
Das rothe Ding in meiner Brust.




Der Hausknecht in dem Weidenbusch
  Zu Frankfurt an dem Main,
Der war Poet, doch immer kurz,
  Denn wenig fiel ihm ein.

Ja, sprach er, Freund, wir leben jetzt
  In der Depeschenzeit,
Und Schiller, km er heut zurck,
  Wr auch nicht mehr so breit.




Die Selbstkritik hat viel fr sich.
  Gesetzt den Fall, ich tadle mich;
  So hab ich erstens den Gewinn,
  Da ich so hbsch bescheiden bin;
  Zum zweiten denken sich die Leut,
  Der Mann ist lauter Redlichkeit;
  Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
  Vorweg den andern Kritikssen;
  Und viertens hoff ich auerdem
  Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Da ich ein ganz famoses Haus.




Es kam ein Lump mir in die Quer
  Und hielt den alten Felbel her.
Obschon er noch gesund und stark,
  Warf ich ihm dennoch eine Mark
  Recht freundlich in den Hut hinein.
Der Kerl schien Philosoph zu sein.
Er sprach mit ernstem Bocksgesicht:
  Mein Herr, Sie sehn, ich danke nicht.
  Das Danken bin ich nicht gewohnt.
  Ich nehme an, Sie sind gescheidt
  Und fhlen sich genug belohnt
Durch Ihre Eitelkeit.




Die Rose sprach zum Mgdelein
  Ich mu dir ewig dankbar sein,
  Da du mich an den Busen drckst
  Und mich mit deiner Huld beglckst.

Das Mdchen sprach: O, Rslein mein,
  Bild dir nur nicht zu viel drauf ein,
  Da du mir Aug und Herz entzckst.
  Ich liebe dich, weil du mich schmckst.




Man wnschte sich herzlich gute Nacht;
  Die Tante war schrecklich mde;
Bald sind die Lichter ausgemacht,
  Und alles ist Ruh und Friede.

Im ganzen Haus sind nur noch zween,
  Die keine Ruhe finden,
Das ist der gute Vetter Eugen
  Mit seiner Base Lucinden.

Sie wachten zusammen bis in der Frh,
  Sie herzten sich und kten.
Des Morgens beim Frhstck thaten sie,
  Als ob sie von Nichts was wten.




Mein Freund, an einem Sonntag Morgen,
  Tht sich ein hbsches Rss'lein borgen.
  Mit frischem Hemd und frischem Muthe,
  In blanken Stiefeln, blankem Hute,
  Die Haltung stramm und stramm die Hose,
  Am Busen eine junge Rose,
  So reitet er durch die Alleeen,
  Wie ein Adonis anzusehen.

Die Reiter machen viel Vergngen,
Wenn sie ihr stolzes Ro bestiegen.

Nun kommt da unter sanftem Knarren
  Ein milchbeladner Eselskarren.
  Das Rss'lein, welches sehr erschrocken,
  Fngt an zu trappeln und zu bocken,
  Und, hopp, das war ein Satz ein weiter!
  Dort rennt das Ro, hier liegt der Reiter,
  Entfernt von seinem hohen Sitze,
  Platt auf dem Bauche in der Pftze.

Die Reiter machen viel Vergngen,
Besonders, wenn sie drunten liegen.




Du fragtest mich frher nach mancherlei.
  Ich sagte dir Alles frank und frei.
  Du fragtest, wann ich zu reisen gedchte,
  Welch ein Geschft ich machen mchte.
  Ich sagte dir offen: dann und dann;
  Und gab dir meine Plne an.
Oft hat die Reise mir nicht gepat;
  Dann nanntest du mich 'n Quirlequast.
  Oft ging's mit dem Geschfte krumm;
  Dann wutest du lngst, es wre dumm.
  Oft kamst du mir auch mit List zuvor;
  Dann schien ich mir selber ein rechter Thor.
Nun hab ich, weil mich dieses geqult,
  Mir einen hbschen Ausweg erwhlt.
Ich rede, wenn ich reden soll,
  Und lge dir die Jacke voll.




Kennt der Kerl denn keine Gnade?
  Soll er uns mit seiner Suade,
  Durch sein breites Expliciren,
  Schwadroniren, Disputiren,
  Soll er uns denn stets geniren,
  Dieser suselnde Philister,
  Beim Genu des edlen Weins?
Pump ihn an, und pltzlich ist er
Kurz und bndig wie Glock Eins.




Mich wurmt es, wenn ich nur dran denke. --
  Es sa zu Mnchen in der Schenke
  Ein Protz mit dunkelrother Nase
  Beim elften oder zwlften Glase.
Da schlich sich kmmerlich heran
  Ein armer alter Bettelmann,
  Zog vor dem Protzen seinen Hut
  Und fleht: Gn Herr, ach sein S' so gut!
Der Protz jedoch, fuchsteufelswild,
  Statt was zu geben, flucht und schilt:
Gehst raus, Du alter Lump, Du schlechter!
Nix mcht' er, als grad saufen, mcht' er!




Ich habe von einem Vater gelesen;
  Die Tochter ist beim Theater gewesen.
  Ein Schurke hat ihm das Mdchen verdorben,
  So da es im Wochenbette gestorben.
Das nahm der Vater sich tief zu Gemthe.
  Und als er den Schurken zu fassen kriegte,
  Verzieh er ihm nobel die ganze Geschichte.
Ich weine ob solcher Gte.




La doch das ew'ge Fragen,
  Verehrter alter Freund!
Ich will von selbst schon sagen,
  Was mir von Nthen scheint.

Du sagst vielleicht dagegen:
  Man fragt doch wohl einmal.
Gewi! Nur allerwegen
  Ist mir's nicht ganz egal.

Bei deinem Fragestellen
  Hat eines mich frappirt:
Du fragst so gern nach Fllen,
  Wobei ich mich blamirt.




Vor Jahren waren wir mal entzweit
  Und taten uns Manches zum Torte;
Wir sagten uns beide zu jener Zeit
  Viel bitterbse Worte.

Drauf haben wir uns in einander geschickt;
  Wir schlossen Frieden und haben
Die bitterbsen Worte erstickt
  Und fest und tief begraben.

Jetzt ist es wirklich recht fatal,
  Da wieder ein Zwist nothwendig.
O weh! die Worte von dazumal
  Die werden nun wieder lebendig.

Die kommen nun erst in offnen Streit
  Und fliegen auf alle Dcher;
Nun bringen wir sie in Ewigkeit
  Nicht wieder in ihre Lcher.




Ich meine doch, so sprach er mal,
  Die Welt ist recht plsirlich.
Das dumme Geschwtz von Schmerz und Qual
  Erscheint mir ganz ungebhrlich.

Mit reinem kindlichem Gemth
  Genie ich, was mir beschieden,
Und durch mein ganzes Wesen zieht
  Ein himmlischer Seelenfrieden. --

Kaum hat er diesen Spruch gethan,
  Aujau! so schreit er klglich.
Der alte hohle Backenzahn
  Wird wieder mal unertrglich.




Es saen einstens beieinand
  Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand.
Da sprach der Fritz: Nun gib mal Acht,
  Was ich getrumt vergangne Nacht.
  Ich stieg in einen schnen Wagen,
  Der Wagen war mit Gold beschlagen.
  Zwei Englein spannten sich davor,
  Die zogen mich zum Himmelsthor.
  Gleich kamst du auch und wolltest mit
  Und sprangest auf den Kutschentritt,
  Jedoch ein Teufel schwarz und gro
  Der nahm dich hinten bei der Hos
  Und hat dich in die Hll getragen.
  Es war sehr lustig, mu ich sagen. --
So hbsch nun dieses Traumgesicht,
  Dem Ferdinand gefiel es nicht.
  Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr,
  Da er die Zippelmtz verlor.
  Der Fritz, der dies verdrielich fand,
  Haut wiederum den Ferdinand;
  Und jetzt entsteht ein Handgemenge,
  Sehr schmerzlich und von groer Lnge. --
So geht durch wesenlose Trume
Gar oft die Freundschaft aus dem Leime.




Er stellt sich vor sein Spiegelglas
  Und arrangirt noch dies und das.
  Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,
  Sieht zu, wie seine Ringe blitzen,
  Probirt auch mal, wie sich das macht,
  Wenn er so herzgewinnend lacht,
  Uebt seines Auges Zauberkraft,
  Legt die Cravatte musterhaft,
  Wirft einen sen Scheideblick
  Auf sein geliebtes Bild zurck,
  Geht dann hinaus zur Promenade
  Umschwebt vom Dufte der Pomade,
Und rgert sich als wie ein Stint,
Da andre Leute eitel sind.




Wenn Alles sitzen bliebe,
Was wir in Ha und Liebe
  So von einander schwatzen;
Wenn Lgen Haare wren,
Wir wren rauh wie Bren
  Und htten keine Glatzen.




Ein dicker Sack, -- den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mhle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht an ein reifes Aehrenfeld --
Legt sich in wrdevolle Falten
Und fngt 'ne Rede an zu halten.
  Ich, sprach er, bin der volle Sack.
  Ihr Aehren seid nur dnnes Pack.
  Ich bin's, der euch auf dieser Welt
  In Einigkeit zusammenhlt.
  Ich bin's, der hoch von Nthen ist,
  Da euch das Federvieh nicht frit;
  Ich, dessen hohe Fassungskraft
  Euch schlielich in die Mhle schafft.
  Verneigt euch tief, denn ich bin Der!
  Was wret ihr, wenn ich nicht wr?
    Sanft rauschen die Aehren:
Du wrst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wren.




Wirklich, er war unentbehrlich!
  Ueberall, wo was geschah
Zu dem Wohle der Gemeinde,
  Er war thtig, er war da.

Schtzenfest, Kasinoblle,
  Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
  Ohne ihn da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
  Keine Stunde hatt' er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
  War er richtig auch dabei.




Sehr tadelnswerth ist unser Thun,
  Wir sind nicht brav und bieder. --
Gesetzt den Fall, es kme nun
  Die Sndfluth noch mal wieder.

Das wr ein Zappeln und Geschreck!
  Wir tauchten alle unter;
Dann krchen wir wieder aus dem Dreck
  Und wren, wie sonst, recht munter.




Was ist die alte Mamsell Schmle
  Fr eine liebe treue Seele!
Sie spricht zu ihrer Dienerin:
  Ach, Rieke, geh Sie da nicht hin!
  Was will Sie da im goldnen Lben
  Heut Abend auf und nieder schweben?
  Denn wedelt nicht bei Spiel und Tanz
  Der Teufel frhlich mit dem Schwanz?
  Und berhaupt, was ist es ntz?
  Sie qult sich ab, Sie kommt in Schwitz,
  Sie geht hinaus, erkltet sich
  Und hustet dann ganz frchterlich.
  Drum bleibe Sie bei mir nur lieber!
  Und, Rieke, geh Sie mal hinber
  Und hole Sie von Kaufmann Frse
  Ein Viertel guten Schweizerkse,
  Und sei sie aber ja ja ja
  Gleich zur Minute wieder da!
So ist die gute Mamsell Schmle
  Besorgt fr Riekens Heil der Seele.
  Ja spter noch, in stiller Nacht,
  Ist sie auf diesen Zweck bedacht
  Und schleicht an Riekens Kammerthr
  Und schaut, ob auch die Rieke hier,
  Und ob sie auch in Frieden ruht
  Und da ihr ja nicht wer was thut,
  Was sich nun einmal nicht gehrt,
  Was gottlos und beneidenswerth.




Es wird mit Recht ein guter Braten
  Gerechnet zu den guten Thaten;
  Und da man ihn gehrig mache,
  Ist weibliche Charaktersache.
Ein braves Mdchen braucht dazu
  Mal erstens reine Seelenruh,
  Da bei Verwendung der Gewrze
  Sie sich nicht hastig berstrze.
Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit,
  Ja, so zu sagen, Innigkeit,
  Damit sie alles appetitlich,
  Bald so, bald so und recht gemthlich
  Begieen, drehn und wenden knne,
  Da an der Sache nichts verbrenne.
In Summa braucht sie Herzensgte,
  Ein sanftes Sorgen im Gemthe,
  Fast etwas Liebe insofern,
  Fr all die hbschen, edlen Herrn,
  Die diesen Braten essen sollen
  Und immer gern was Gutes wollen.
Ich wei, da hier ein Jeder spricht:
  Ein bses Mdchen kann es nicht.
Drum hab ich mir auch stets gedacht
  Zuhaus und anderwrts:
Wer einen guten Braten macht,
  Hat auch ein gutes Herz.




Ihr kennt ihn doch schon manches Jahr,
  Wit, was es fr ein Vogel war;
  Wie er in allen Gartenrumen
  Herumgeflattert auf den Bumen;
  Wie er die hbschen rothen Beeren,
  Die andern Leuten zugehren,
  Mit seinem Schnabel angepickt
  Und sich ganz lasterhaft erquickt.
Nun hat sich dieser bse Nscher,
  Gardinenschleicher, Mdchenhscher,
  Der manchen Biedermann geqult,
  Am Ende selber noch vermhlt.
  Nun legt er seine Stirn in Falten,
  Fngt eine Predigt an zu halten
  Und mchte uns von Tugend schwatzen.
Ei, so ein alter Schlingel! Kaum
  Hat er 'nen eignen Kirschenbaum,
  So schimpft er auf die Spatzen.




Ferne Berge seh ich glhen!
  Unruhvoller Wandersinn!
Morgen will ich weiter ziehen,
  Wei der Teufel, wohin?

Ja ich will mich nur bereiten,
  Will -- was hlt mich nur zurck?
Nichts wie dumme Kleinigkeiten!
  Zum Exempel, Dein Blick!




Es ging der fromme Herr Kaplan,
Nachdem er bereits viel Gutes gethan,
In stiller Betrachtung der schnen Natur
Einst zur Erholung durch die Flur.
Und als er kam an den Waldessaum,
Da rief der Kuckuck lustig vom Baum:
Wnsch guten Abend, Herr Kollege!
Der Storch dagegen, nicht weit vom Wege,
Steigt in der Wiese auf und ab
Und spricht verdrielich: Plapperapapp!
Gb's lauter Pfaffen lobesam,
Ich wre lngst schon flgellahm!

Man sieht, da selbst der frmmste Mann
Nicht allen Leuten gefallen kann.




Ach, wie geht's dem heilgen Vater,
  Gro und schwer sind seine Lasten,
  Drum, o Joseph, trag den Gulden
  In Sanct Peter's Sammelkasten!

So sprach im Seelentrauerton
  Die Mutter zu dem frommen Sohn.
Der Joseph, nach empfangner Summe,
  Eilt auch sogleich um's Eck herumme,
  Bis er das Thor des Hauses fand,
  Wo eines Bockes Bildni stand,
  Was man dahin gemalt mit Flei
  Zum Zeichen, da hier Bockverschlei.
Allhier in einen khlen Hof
  Setzt sich der Joseph hin und sof;
  Und a dazu, je nach Bedarf,
  Die gute Wurst, den Radi scharf,
  Bis er, was nicht gar lange whrt,
  Sanct Peters Gulden aufgezehrt.
Nun wird's ihm trauriglich zu Sinn
  Und stille singt er vor sich hin:

Ach der Tugend schne Werke,
  Gerne mcht ich sie erwischen,
Doch ich merke, doch ich merke,
  Immer kommt mir was dazwischen.




Es stand vor eines Hauses Thor
  Ein Esel mit gespitztem Ohr,
  Der kute sich sein Bndel Heu
  Gedankenvoll und still entzwei --
  Nun kommen da und bleiben stehn
  Der naseweisen Buben zween,
  Die auch sogleich, indem sie lachen,
  Verhate Redensarten machen,
  Womit man denn bezwecken wollte,
  Da sich der Esel rgern sollte. --
Doch dieser hocherfahrne Greis
  Beschrieb nur einen halben Kreis,
  Verhielt sich stumm und zeigte itzt
  Die Seite, wo der Wedel sitzt.




Wer mchte diesen Erdenball
  Noch fernerhin betreten,
Wenn wir Bewohner berall
  Die Wahrheit sagen thten.

Ihr hieet uns, wir hieen euch
  Spitzbuben und Hallunken,
Wir sagten uns fatales Zeug
  Noch eh wir uns betrunken.

Und berall im weiten Land,
  Als langbewhrtes Mittel,
Entsprote aus der Menschenhand
  Der treue Knotenknittel.

Da lob ich mir die Hflichkeit,
  Das zierliche Betrgen.
Du weit Bescheid, ich wei Bescheid;
Und Allen macht's Vergngen.




Ich wute, sie ist in der Kchen,
  Ich bin ihr leise nachgeschlichen.
  Ich wollt' ihr ew'ge Treue schwren
  Und fragen, willst du mir gehren.
Auf einmal aber stutzte ich.
  Sie kramte zwischen dem Gewrze;
Dann schnutzte sie und putzte sich
  Die Nase mit der Schrze.




Die erste alte Tante sprach:
  Wir mssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
  Dem guten Sophiechen schenken.

Drauf sprach die zweite Tante khn:
  Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns fr ein Kleid in Erbsengrn,
  Das mag Sophiechen nicht leiden.

Der dritten Tante war das recht:
  Ja, sprach sie, mit gelben Ranken!
Ich wei, sie rgert sich nicht schlecht
  Und mu sich auch noch bedanken.




Da kommt mir eben so ein Freund
  Mit einem groen Zwicker.
Ei, ruft er, Freundchen, wie mir scheint,
  Sie werden immer dicker.

Ja ja, man wei oft selbst nicht wie,
  So kommt man in die Jahre;
Pardon, mein Schatz, hier haben Sie
  Schon eins, zwei graue Haare! --

Hinaus, verdammter Kritikus,
  Sonst schmei ich dich in Scherben.
Du Schlingel willst mir den Genu
  Der Gegenwart verderben!




Der alte Frster Psterich
  Der ging nach langer Pause
Mal wieder auf den Schnepfenstrich
  Und brachte auch eine nach Hause.

Als er sie nun gebraten htt,
  Da tht ihn was verdreuen;
Das Thierlein roch wie sonst so nett,
  Nur konnt er's nicht recht mehr beien.

Ach ja! so seufzt er wehgemuth
  Und wischt sich ab die Thrne,
Die Nase wr so weit noch gut,
  Nur blos, es fehlen die Zhne.




Kinder, lasset uns besingen,
Aber ohne allen Neid,
Onkel Kaspers rothe Nase,
Die uns schon so oft erfreut.

Einst ward sie als zarte Pflanze
Ihm von der Natur geschenkt;
Fleiig hat er sie begossen,
Sie mit Wein und Schnaps getrnkt.

Bald bemerkte er mit Freuden,
Da die junge Knospe schwoll,
Bis es eine Rose wurde,
Dunkelroth und wundervoll.

Alle Rosen haben Dornen,
Diese Rose hat sie nicht,
Hat nur so ein Bschel Haare,
Welches keinen Menschen sticht.

Ihrem Kelch entstrmen se
Wohlgerche, mit Verlaub:
Aus der wohlbekannten Dose
Schpft sie ihren Blthenstaub.

Oft an einem frischen Morgen
Zeigt sie uns ein duftig Blau,
Und an ihrem Herzensblatte
Blinkt ein Trpflein Perlenthau.

Wenn die andern Blumen welken,
Wenn's im Winter rauh und kalt,
Dann hat diese Wunderrose
Erst die rechte Wohlgestalt.

Drum zu ihrem Preis und Ruhme
Singen wir dies schne Lied.
Vivat Onkel Kaspers Nase,
Die zu allen Zeiten blht!




Frher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine hchste Achtung
Andre Leute.

Spter traf ich auf der Weide
Auer mir noch mehre Klber,
Und nun schtz ich, so zu sagen,
Erst mich selber.




Es sa in meiner Knabenzeit
  Ein Frulein jung und frisch
Im ausgeschnittnen grnen Kleid
  Mir _vis--vis_ bei Tisch.

Und wie's denn so mit Kindern geht,
  Sehr frmmig sind sie nie,
Ach, dacht ich oft beim Tischgebet,
  Wie schn ist doch Marie!




Die Tante winkt, die Tante lacht:
  He, Fritz, komm mal herein!
  Sieh, welch ein hbsches Brderlein
  Der gute Storch in letzter Nacht
  Ganz heimlich der Mamma gebracht.
  Ei ja, das wird dich freun!
Der Fritz der sagte kurz und grob:
  Ich hol 'n dicken Stein
  Und schmei ihn an den Kopp!




Es sprach der Fritz zu dem Papa:
  Was sie nur wieder hat?
Noch gestern sagte mir Mamma:
  Du fhrst mit in die Stadt.

Ich hatte mich schon so gefreut
  Und war so voll Plsir.
Nun soll ich doch nicht mit, denn heut
  Da heit es: Fritz bleibt hier!

Der Vater sa im Sorgensitz.
  Er sagte ernst und still:
Trau Langhals nicht, mein lieber Fritz,
  Der hustet, wann er will!




Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?
Was kriecht ihr immer so in dunkle Lauben?
Wozu das ewge Flstern und Gemunkel?
Das scheinen hchst verdchtige Geschichten.
Und selbst die besten ehelichen Pflichten,
Von allem Thun die schnste Thtigkeit,
In Tempeln von des Priesters Hand geweiht,
Ihr hllt sie in ein schuldbewutes Dunkel.




Du willst sie nie und nie mehr wiedersehen?
Besinne dich, mein Herz, noch ist es Zeit.
Sie war so lieb. Verzeih, was auch geschehen.
Sonst nimmt dich wohl beim Wort die Ewigkeit
Und zwingt dich mit Gewalt zum Weitergehen
In's de Reich der Allvergessenheit.
Du rufst und rufst; vergebens sind die Worte;
In's feste Schlo dumpfdrhnend schlgt die Pforte.




Ich hab in einem alten Buch gelesen
  Von einem Jngling, welcher schlimm gewesen.
  Er streut sein Hab und Gut in alle Winde.
  Von Lust zu Lsten und von Snd zu Snde,
  In tollem Drang, in schrankenlosem Streben
  Spornt er sein Ro hinein in's wilde Leben,
  Bis ihn ein jher Sturz vom Felsenrand
  Dahingestreckt in Sand und Sonnenbrand,
  Da Strme Bluts aus seinem Munde dringen
  Und jede Hoffnung fast erloschen ist.
Ich aber hoffe -- sagt hier der Chronist --
  Die Gnade leiht dem Jngling ihre Schwingen.

Im selben Buche hab ich auch gelesen
  Von einem Manne, der honett gewesen.
  Es war ein Mann, den die Gemeinde ehrte,
  Der so von sechs bis acht sein Schppchen leerte,
  Der aus Princip nie Einem etwas borgte,
  Der emsig nur fr Frau und Kinder sorgte;
  Dazu ein proprer Mann, der nie geflucht,
  Der seine Kirche musterhaft besucht.
  Kurzum, er hielt sein Rss'lein stramm im Zgel
  Und war, wie man so sagt, ein guter Christ.
Ich frchte nur -- bemerkt hier der Chronist --
  Dem Biedermanne wachsen keine Flgel.




Zwischen diesen zwei gescheidten
  Mdchen, Anna und Dorette,
Ist zu allen Tageszeiten
  Doch ein ewiges Gekrette.

Noch dazu um Kleinigkeiten --
  Gestern gingen sie zu Bette,
Und sie fingen an zu streiten,
  Wer die dicksten Waden htte.




Es flog einmal ein muntres Fliegel
  Zu einem vollen Honigtiegel.
  Da tunkt es mit Zufriedenheit
  Den Rssel in die Sigkeit.
  Nachdem es dann genug geschleckt,
  Hat es die Flglein ausgereckt
  Und mchte sich nach oben schwingen.
  Allein das Bein im Honigseim
  Sitzt fest als wie in Vogelleim.
  Nun fngt das Fliegel an zu singen:
  Ach lieber Himmel, mach mich frei
  Aus dieser sen Sklaverei.

Ein Freund von mir, der dieses sah,
Der seufzte tief und rief: Ja ja!




Die Liebe war nicht geringe.
  Sie wurden ordentlich bla;
Sie sagten sich tausend Dinge
  Und wuten noch immer was.

Sie muten sich lange qulen,
  Doch schlielich kam's dazu,
Da sie sich konnten vermhlen.
  Jetzt haben die Seelen Ruh.

Bei eines Strumpfes Bereitung
  Sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Klnischen Zeitung
  Und theilt ihr das Nthige mit.




Selig sind die Auserwhlten,
  Die sich liebten und vermhlten;
  Denn sie tragen hbsche Frchte.
  Und so wuchert die Geschichte
Sichtbarlich von Ort zu Ort.
  Doch die braven Junggesellen,
  Jungfern ohne Ehestellen,
  Welche ohne Leibeserben
  So als Blattgewchse sterben,
Pflanzen sich durch Knollen fort.




Es sa ein Fuchs im Walde tief.
  Da schrieb ihm der Bauer einen Brief:
  So und so, und er sollte nur kommen,
  's wr alles verziehn, was bel genommen.
  Der Hahn, die Hhner und Gnse lieen
  Ihn alle zusammen auch vielmals gren.
  Und wann ihn denn erwarten sollte
  Sein guter, treuer Krischan Bolte.
Drauf schrieb der Fuchs mit Gnseblut:
  Kann nicht gut.
  Meine Alte mal wieder
  Gekommen nieder!
Im Uebrigen von ganzer Seele
  Dein Fuchs in der Hhle.




Gott ja, was gibt es doch fr Narren!
  Ein Bauer schneidet sich 'n Knarren
  Vom trocknen Brod und kaut und kaut.
  Dabei hat er hinaufgeschaut
  Nach einer Wurst, die still und heiter
  Im Rauche schwebt, dicht bei der Leiter.
Er denkt mit heimlichem Vergngen:
Wenn ick man woll, ick knn di kriegen!




Sie stritten sich beim Wein herum,
  Was das nun wieder wre;
Das mit dem Darwin wr gar zu dumm
  Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
  Sie stolperten aus den Thren,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
  Gekrochen auf allen Vieren.




Ach, ich fhl es! Keine Tugend
  Ist so recht nach meinem Sinn;
Stets befind ich mich am wohlsten,
  Wenn ich damit fertig bin.

Dahingegen so ein Laster,
  Ja, das macht mir viel Plsir;
Und ich hab die hbschen Sachen
  Lieber vor als hinter mir.




Das Bild des Manns in nackter Jugendkraft,
So stolz in Ruhe und bewegt so edel,
Wohl ist's ein Anblick, der Bewundrung schafft;
Drum Licht herbei! Und merke dir's, o Schdel!

Jedoch ein Weib, ein unverhlltes Weib --
Da wird dir's doch ganz anders, alter Junge.
Bewundrung zieht sich durch den ganzen Leib
Und greift mit Wonneschreck an Herz und Lunge.

Und pltzlich jagt das losgelassne Blut
Durch alle Gassen, wie der Feuerreiter.
Der ganze Kerl ist Eine helle Gluth;
Er sieht nichts mehr und tappt nur noch so weiter.




Ich sah dich gern im Sonnenschein,
  Wenn laut die Vglein sangen,
Wenn durch die Wangen und Lippen dein
  Rosig die Strahlen drangen.

Ich sah dich auch gern im Mondenlicht
  Beim Dufte der Jasminen,
Wenn mir dein freundlich Angesicht
  So silberbleich erschienen.

Doch, Mdchen, gern htt ich dich auch,
  Wenn ich dich gar nicht she,
Und fhlte nur deines Mundes Hauch
  In himmlisch warmer Nhe.




Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und 's ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurcke
Und schreibe mit meiner alten Krcke
Und mit der alten zitternden Hand
[Illustration: Bertha]
So vor mir in den Sand.




Ich wei noch, wie er in der Juppe
  Als rauhbehaarte Brenpuppe
  Vor seinem vollen Humpen sa
  Und hoch und heilig sich verma,
  Nichts ginge ber rechten Durst,
  Und Lieb und Ehr wr gnzlich Wurst.
Darauf verging nicht lange Zeit,
  Da sah ich ihn voll Seligkeit,
  Gar schn gebrstet und gekmmt,
  Im neuen Frack und reinen Hemd,
  Aus Sanct Micheli Kirche kommen,
  Allwo er sich ein Weib genommen.
Nun ist auch wohl, so wie mir scheint,
  Die Zeit nicht ferne, wo er meint,
  Da so ein kleines Endchen Ehr
  Im Knopfloch gar nicht bel wr.




Sahst du das wunderbare Bild von Brouwer?
  Es zieht dich an wie ein Magnet.
Du lchelst wohl, derweil ein Schreckensschauer
  Durch deine Wirbelsule geht.

Ein khler Doctor ffnet einem Manne
  Die Schwre hinten im Genick;
Daneben steht ein Weib mit einer Kanne,
  Vertieft in dieses Migeschick.

Ja, alter Freund, wir haben unsre Schwre
  Meist hinten. Und voll Seelenruh
Drckt sie ein andrer auf. Es rinnt die Zhre
  Und fremde Leute sehen zu.




Sie hat nichts und du desgleichen;
  Dennoch wollt ihr, wie ich sehe,
  Zu dem Bund der heil'gen Ehe
Euch bereits die Hnde reichen.

Kinder, seid ihr denn bei Sinnen?
  Ueberlegt euch das Kapitel!
  Ohne die gehr'gen Mittel
Soll man keinen Krieg beginnen.




Denkst du dieses alte Spiel
  Immer wieder aufzufhren?
Willst du denn mein Mitgefhl
  Stets durch Thrnen ausprobiren?

Oder mchtest du vielleicht
  Mir des Tanzes Lust versalzen?
Frher hast du's oft erreicht;
  Heute werd' ich weiter walzen.




Der alte Junge ist gottlob
  Noch immer uerst rhrig:
Er lt nicht nach, er thut als ob,
  Wenn schon die Sache schwierig.

Wie wonnig trgt er Bart und Haar,
  Wie blinkt der enge Stiefel.
Und bei den Damen ist er gar
  Ein rechter bser Schliefel.

Beschliet er dann des Tages Lauf,
  So darf er sich verpusten,
Setzt seine Zipfelkappe auf
  Und mu ganz schrecklich husten.




Also hat es dir gefallen
  Hier in dieser schnen Welt;
So da das Vondannenwallen
  Dir nicht sonderlich gefllt.

La dich das doch nicht verdrieen.
  Wenn du wirklich willst und meinst,
Wirst du wieder aufersprieen;
  Nur nicht ganz genau wie einst.

Aber, Alter, das bedenke,
  Da es hier doch manches gibt,
Zum Exempel Gicht und Rnke,
  Was im Ganzen unbeliebt.




Du warst noch so ein kleines Mdchen
  Von acht, neun Jahren ungefhr,
Da fragtest du mich vertraut und wichtig:
  Wo kommen die kleinen Kinder her?

Als ich nach Jahren dich besuchte,
  Da warst du schon ber den Fall belehrt,
Du hattest die alte vertrauliche Frage
  Hbsch praktisch gelst und aufgeklrt.

Und wieder ist die Zeit vergangen.
  Hohl ist der Zahn und ernst der Sinn.
Nun kommt die zweite wichtige Frage:
  Wo gehen die alten Leute hin?

Madam, ich habe mal vernommen,
  Ich wei nicht mehr so recht von wem:
Die praktische Lsung dieser Frage
  Sei eigentlich recht unbequem.




Er war ein grundgescheiter Mann,
  Sehr weise und hoch erfahren;
Er trug ein graumelirtes Haar,
  Dieweil er schon ziemlich bei Jahren.

Er war ein abgesagter Feind
  Des Lachens und des Scherzens
Und war doch der grte Narr am Hof
  Der Knigin seines Herzens.




Hoch verehr ich ohne Frage
Dieses gute Frauenzimmer.
Seit dem segensreichen Tage,
Da ich sie zuerst erblickt,
Hat mich immer hoch entzckt
Ihre rosenfrische Jugend,
Ihre Sittsamkeit und Tugend
Und die herrlichen Talente.
Aber dennoch denk ich immer,
Da es auch nicht schaden knnte,
Wre sie ein Bissel schlimmer.




Es hatt' ein Mller eine Mhl
  An einem Wasser khle;
Da kamen hbscher Mdchen viel
  Zu mahlen in der Mhle.

Ein armes Mdel war darunt,
  Zhlt sechzehn Jahre eben;
Allwo es ging, allwo es stund,
  Der Mller stund daneben.

Er schenkt ein Ringlein ihr von Gold,
  Da er in allen Ehren
Sie ewig immer lieben wollt;
  Da lie sie sich bethren.

Der Mller, er war falsch von Sinn:
  Wenn ich mich thu vermhlen,
So will ich mir als Mllerin
  Wohl eine Reiche whlen.

Da 's arme Mdel das vernahm,
  Wird's bla und immer blasser
Und redt nit mehr und ging und kam
  Und sprang in's tiefe Wasser. --

Der Mller kmmert sich nicht viel,
  Tht Hochzeitleut bestellen
Und fhrt mit Sang und Saitenspiel
  'ne Andre zur Kapellen.

Doch als man auf die Brcke kam,
  Fngts Wasser an zu wogen
Und zischt und rauscht verwundersam
  Herauf bis an den Bogen.

Die weie Wassernixe stand
  Auf schaumgekrnter Welle;
Sie hlt in ihrer weien Hand
  Von Gold ein Ringlein helle.

Du Falscher, deine Zeit ist aus!
  Bereite dich geschwinde!
Dich ruft hinab in's kalte Haus
  Die Mutter mit dem Kinde.




Wrst du ein Bchlein, ich ein Bach,
  So eilt ich dir geschwinde nach.
  Und wenn ich dich gefunden htt'
  In deinem Blumenuferbett:
Wie wollt ich mich in dich ergieen
Und ganz mit dir zusammenflieen,
  Du vielgeliebtes Mdchen du!
Dann strmten wir bei Nacht und Tage
Vereint in sem Wellenschlage
  Dem Meere zu.




Mein kleinster Fehler ist der Neid.
  Aufrichtigkeit, Bescheidenheit,
  Dienstfertigkeit und Frmmigkeit,
  Obschon es herrlich schne Gaben,
  Die gnn' ich Allen, die sie haben.
Nur wenn ich sehe, da der Schlechte
  Das kriegt, was ich gern selber mchte;
  Nur wenn ich leider in der Nhe
  So viele bse Menschen sehe,
  Und wenn ich dann so oft bemerke,
  Wie sie durch sittenlose Werke
  Den lasterhaften Leib ergtzen,
  Das freilich thut mich tief verletzen.
Sonst, wie gesagt, bin ich hienieden
Gottlobunddank so recht zufrieden.




Strebst du nach des Himmels Freude
  Und du weit's nicht anzufassen,
Sieh nur, was die andern Leute
  Mit Vergngen liegen lassen.

Dicke Steine, altes Eisen
  Und mit Sand gefllte Scke
Sind den Meisten, welche reisen,
  Ein entbehrliches Gepcke.

La sie laufen, la sie rennen;
  Nimm, was bleibt, zu deinem Theile.
Nur, was sie dir herzlich gnnen,
  Dient zu deinem ew'gen Heile.




Wenn mir mal ein Malheur passirt,
  Ich wei, so bist du sehr gerhrt,
  Du denkst, es wre doch fatal,
  Passirte dir das auch einmal.
  Doch weil das bse Schmerzensding
  Zum Glck an dir vorber ging,
  So ist die Sache anderseits
  Fr dich nicht ohne allen Reiz.
Du merkst, da die Bedaurerei
So eine Art von Wonne sei.




Als er noch krause Locken trug,
  War alles ihm zu dumm,
Stolzirt daher und trank und schlug
  Sich mit den Leuten herum.

Die hbschen Weiber schienen ihm
  Ein recht beliebtes Spiel;
An Seraphim und Cherubim
  Glaubt er nicht sonderlich viel.

Jetzt glaubt er, was der Pater glaubt,
  Blickt nur noch niederwrts,
Hat etwas Haar am Hinterhaupt
  Und ein verprmmeltes Herz.




Gestern war in meiner Mtze
  Mir mal wieder was nicht recht;
Die Natur schien mir nichts ntze
  Und der Mensch erbrmlich schlecht.

Meine Ehgemahlin hab ich
  Ganz gehrig angeplrrt,
Drauf aus purem Zorn begab ich
  Mich in's Symphoniekonzert.

Doch auch dies war nicht so labend,
  Wie ich eigentlich gedacht,
Weil man da den ganzen Abend
  Wieder mal Musik gemacht.




Gerne wollt ihr Gutes gnnen
  Unserm Goethe, unserm Schiller,
  Nur nicht Meier oder Mller,
Die noch selber lieben knnen.

Denn durch eure Mnnerleiber
  Geht ein Concurrenzgetriebe;
  Sei es Ehre, sei es Liebe;
Doch dahinter stecken Weiber.




Wie schad, da ich kein Pfaffe bin.
  Das wre so mein Fach.
Ich bummelte durch's Leben hin
  Und dcht' nicht weiter nach.

Mich plagte nicht des Grbelns Qual,
  Der dumme Seelenzwist,
Ich wte ein fr allemal,
  Was an der Sache ist.

Und weil mich denn kein Teufel strt,
  So schlief ich recht gesund,
Und wohlgenhrt und hochverehrt
  Und wrde kugelrund.

Km dann die bse Fastenzeit,
  So wr ich fest dabei,
Bis ich mich elend abkasteit
  Mit Lachs und Hhnerei.

Und dich, du ses Mgdelein,
  Das gern zur Beichte geht,
Dich nhm ich dann so ganz allein
  Gehrig in's Gebet.




Sie war ein Blmlein hbsch und fein,
  Hell aufgeblht im Sonnenschein.
  Er war ein junger Schmetterling,
  Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
  Und nascht und suselt da herum.
  Oft kroch ein Kfer kribbelkrab
  Am hbschen Blmlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
  So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
  Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fra die ganze
Von ihm so hei geliebte Pflanze.




Ich sa vergnglich bei dem Wein
  Und schenkte eben wieder ein.
  Auf einmal fuhr mir in die Zeh
  Ein sonderbar pikantes Weh.
  Ich schob mein Glas sogleich beiseit
  Und hinkte in die Einsamkeit
  Und wute, was ich nicht gewut;
Der Schmerz ist Herr und Sklavin ist die Lust.




Wrst du wirklich so ein rechter
  Und wahrhaftiger Asket,
So ein Welt- und Kostverchter,
  Der bis an die Wurzel geht;

Dem des Goldes freundlich Blinken,
  Dem die Liebe eine Last,
Der das Essen und das Trinken,
  Der des Ruhmes Krnze hat.

Das Gekratze und Gejucke,
  Aller Jammer hrte auf;
Kracks! mit einem einz'gen Rucke
  Hemmtest du den Weltenlauf.




Du hast das schne Paradies verlassen,
  Tratst ein in dieses Labyrinthes Gassen,
  Verlockt von lieblich winkenden Gestalten,
  Die Schale dir und Kranz entgegenhalten;
  Und unaufhaltsam ziehts dich weit und weiter.
Wohl ist ein leises Ahnen dein Begleiter,
  Ein heimlich Graun, da diese sen Freuden
  Dich Schritt um Schritt von deiner Heimat scheiden,
  Da Irren Snde, Heimweh dein Gewissen;
  Doch ach umsonst! Der Faden ist zerrissen.
  Hohlugig fat der Schmerz dich an und warnt,
  Du willst zurck, die Seele ist umgarnt.
  Vergebens steht ob deinem Haupt der Stern.
  Einsam, gefangen, von der Heimath fern,
  Ein Sklave, starrst du in des Stromes Lauf
  Und hngst an Weiden deine Harfe auf.
Nun fhrst du wohl empor, wenn so zu Zeiten
  Im stillen Mondeslichte durch die Saiten
  Ein leises wehmutsvolles Klagen geht
  Von einem Hauch, der aus der Heimath weht.




Seid mir nur nicht gar zu traurig,
  Da die schne Zeit entflieht,
Da die Welle khl und schaurig
  Uns in ihre Wirbel zieht;

Da des Herzens se Regung,
  Da der Liebe Hochgenu,
Jene himmlische Bewegung,
  Sich zur Ruh begeben mu.

Lat uns lieben, singen, trinken,
  Und wir pfeifen auf die Zeit;
Selbst ein leises Augenwinken
  Zuckt durch alle Ewigkeit.




Nun, da die Frhlingsblumen wieder blhen,
  In milder Luft die weien Wolken ziehen,
  Denk ich mit Wehmuth deiner Lieb und Gte,
  Du ses Mdchen, das so frh verblhte.
Du liebtest nicht der Feste Lrm und Gaffen,
  Erwhltest dir daheim ein stilles Schaffen,
  Die Sorge und Geduld, das Dienen, Geben,
  Ein innigliches Nurfrandreleben.
  So theiltest du in deines Vaters Haus
  Den Himmelsfrieden deiner Seele aus.
Bald aber kamen schwere, schwere Zeiten.
  Wir muten dir die Lagerstatt bereiten;
  Wir sahn, wie deine lieben Wangen bleichten,
  Sahn deiner Augen wundersames Leuchten;
  Wir weinten in der Stille, denn wir wuten,
  Da wir nun bald auf ewig scheiden muten.
Du klagtest nicht. Voll Milde und Erbarmen
  Gedachtest du der bittern Noth der Armen,
  Gabst ihnen deine ganze kleine Habe
  Und seufztest tief, da so gering die Gabe.
Es war die letzte Nacht und nah das Ende;
  Wir kten dir die zarten weien Hnde;
  Du sprachst, lebt wohl, in deiner stillen Weise,
  Und: oh, die schnen Blumen! riefst du leise.
Dann war's vorbei. Die groen Augensterne,
  Weit, unbeweglich, starrten in die Ferne,
  Inde um deine Lippen, halbgeschlossen,
  Ein kindlichernstes Lcheln ausgegossen.
  So lagst du da, als httest du entzckt
  Und staunend eine neue Welt erblickt.
Wo bist du nun, du ses Kind, geblieben?
  Bist du ein Bild im Denken deiner Lieben?
  Hast du die weien Schwingen ausgebreitet,
  Und zogst hinauf von Engelshand geleitet
  Zu jener Gottesstadt im Paradiese,
  Wo auf der heiligstillen Blthenwiese
  Fernher in feierlichem Zug die Frommen
  Anbetend zu dem Bild des Lammes kommen?
Wo du auch seist; im Herzen bleibst du mein.
  Was Gutes in mir lebt, dein ist's allein.




Ich wei ein Mrchen hbsch und tief.
  Ein Hirtenknabe lag und schlief.
  Da sprang heraus aus seinem Mund
  Ein Muslein auf den Haidegrund.
  Das weie Muslein lief sogleich
  Nach einem Pferdeschdel bleich,
  Der da schon manchen lieben Tag
  In Sonnenschein und Regen lag.
  Husch! ist das kleine Muslein drin,
  Luft hin und her und her und hin,
  Besieht sich all die leeren Fcher,
  Schaut listig durch die Augenlcher,
  Und raschelt so die Kreuz und Quer
  Im alten Pferdekopf umher. --
Auf einmal kommt 'ne alte Kuh,
  Stellt sich da hin und macht Hamuh!
  Das Muslein, welches sehr erschreckt,
  Da da auf einmal wer so blckt,
  Springt, hutschi, bern Haidegrund
  Und wieder in des Knaben Mund. --
Der Knab erwacht und seufzte: Oh,
  Wie war ich doch im Traum so froh!
  Ich ging in einen Wald hinaus,
  Da kam ich vor ein hohes Haus,
  Das war ein Schlo von Marmelstein.
  Ich ging in dieses Schlo hinein.
  Im Schlo sah ich ein Mdchen stehn,
  Das war Prinzessin Wunderschn.
  Sie lchelt freundlich und bekannt,
  Sie reicht mir ihre weie Hand,
  Sie spricht: Schau her, ich habe Geld,
  Und mir gehrt die halbe Welt;
  Ich liebe dich nur ganz allein,
  Du sollst mein Herr und Knig sein.
  Und wie ich fall' in ihren Schoo,
  Ratuh! kommt ein Trompetensto.
  Und weg ist Liebchen, Schlo und Alles
  In Folge des Trompetenschalles.




O du, die mir die Liebste war,
  Du schlfst nun schon so manches Jahr.
  So manches Jahr, da ich allein,
  Du gutes Herz, gedenk ich dein.
  Gedenk ich dein, von Nacht umhllt,
  So tritt zu mir dein treues Bild.
  Dein treues Bild, was ich auch thu,
  Es winkt mir ab, es winkt mir zu.
Und scheint mein Wort dir gar zu khn,
  Nicht gut mein Thun,
Du hast mir einst so oft verziehn,
  Verzeih auch nun.





End of the Project Gutenberg EBook of Kritik des Herzens, by Wilhelm Busch

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KRITIK DES HERZENS ***

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throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
