The Project Gutenberg EBook of Reineke Fuchs, by Johann Wolfgang von Goethe

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Title: Reineke Fuchs

Author: Johann Wolfgang von Goethe

Posting Date: January 26, 2010 [EBook #2228]
Release Date: June, 2000
[This file last updated on July 26, 2010]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  Reineke Fuchs

  Johann Wolfgang Goethe




  Inhalt

      Erster Gesang

      Zweiter Gesang

      Dritter Gesang

      Vierter Gesang

      Fnfter Gesang

      Sechster Gesang

      Siebenter Gesang

      Achter Gesang

      Neunter Gesang

      Zehnter Gesang

      Elfter Gesang

      Zwlfter Gesang






  Erster Gesang

  Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen! es grnten und blhten
  Feld und Wald; auf Hgeln und Hhn, in Bschen und Hecken
  bten ein frhliches Lied die neuermunterten Vgel;
  Jede Wiese sprote von Blumen in duftenden Grnden,
  Festlich heiter glnzte der Himmel und farbig die Erde.

  Nobel, der Knig, versammelt den Hof; und seine Vasallen
  Eilen gerufen herbei mit groem Geprnge; da kommen
  Viele stolze Gesellen von allen Seiten und Enden,
  Ltke, der Kranich, und Markart, der Hher, und alle die Besten.
  Denn der Knig gedenkt mit allen seinen Baronen
  Hof zu halten in Feier und Pracht; er lt sie berufen
  Alle miteinander, so gut die Groen als Kleinen.
  Niemand sollte fehlen! und dennoch fehlte der Eine,
  Reineke Fuchs, der Schelm! der viel begangenen Frevels
  Halben des Hofs sich enthielt. So scheuet das bse Gewissen
  Licht und Tag, es scheute der Fuchs die versammelten Herren.
  Alle hatten zu klagen, er hatte sie alle beleidigt,
  Und nur Grimbart, den Dachs, den Sohn des Bruders, verschont' er.

  Isegrim aber, der Wolf, begann die Klage; von allen
  Seinen Vettern und Gnnern, von allen Freunden begleitet,
  Trat er vor den Knig und sprach die gerichtlichen Worte:
  Gndigster Knig und Herr! vernehmet meine Beschwerden.
  Edel seid Ihr und gro und ehrenvoll, jedem erzeigt Ihr
  Recht und Gnade: so lat Euch denn auch des Schadens erbarmen,
  Den ich von Reineke Fuchs mit groer Schande gelitten.
  Aber vor allen Dingen erbarmt Euch, da er mein Weib so
  Freventlich fters verhhnt und meine Kinder verletzt hat.
  Ach! er hat sie mit Unrat besudelt, mit tzendem Unflat,
  Da mir zu Hause noch drei in bittrer Blindheit sich qulen.
  Zwar ist alle der Frevel schon lange zur Sprache gekommen,
  Ja, ein Tag war gesetzt, zu schlichten solche Beschwerden;
  Er erbot sich zum Eide, doch bald besann er sich anders
  Und entwischte behend nach seiner Feste. Das wissen
  Alle Mnner zu wohl, die hier und neben mir stehen.
  Herr! ich knnte die Drangsal, die mir der Bube bereitet,
  Nicht mit eilenden Worten in vielen Wochen erzhlen.
  Wrde die Leinwand von Gent, so viel auch ihrer gemacht wird,
  Alle zu Pergament, sie fate die Streiche nicht alle,
  Und ich schweige davon. Doch meines Weibes Entehrung
  Frit mir das Herz; ich rche sie auch, es werde, was wolle.

  Als nun Isegrim so mit traurigem Mute gesprochen,
  Trat ein Hndchen hervor, hie Wackerlos, redte franzsisch
  Vor dem Knig: wie arm es gewesen und nichts ihm geblieben
  Als ein Stckchen Wurst in einem Wintergebsche;
  Reineke hab auch das ihm genommen! Jetzt sprang auch der Kater
  Hinze zornig hervor und sprach: Erhabner Gebieter,
  Niemand beschwere sich mehr, da ihm der Bsewicht schade,
  Denn der Knig allein! Ich sag Euch, in dieser Gesellschaft
  Ist hier niemand, jung oder alt, er frchtet den Frevler
  Mehr als Euch! Doch Wackerlos' Klage will wenig bedeuten.
  Schon sind Jahre vorbei, seit diese Hndel geschehen;
  Mir gehrte die Wurst! ich sollte mich damals beschweren.
  Jagen war ich gegangen; auf meinem Wege durchsucht ich
  Eine Mhle zu Nacht; es schlief die Mllerin; sachte
  Nahm ich ein Wrstchen, ich will es gestehn; doch hatte zu dieser
  Wackerlos irgendein Recht, so dankt' ers meiner Bemhung.

  Und der Panther begann: Was helfen Klagen und Worte!
  Wenig richten sie aus, genug, das bel ist ruchtbar.
  Er ist ein Dieb, ein Mrder! Ich darf es khnlich behaupten,
  Ja, es wissens die Herren, er bet jeglichen Frevel.
  Mchten doch alle die Edlen, ja selbst der erhabene Knig
  Gut und Ehre verlieren: er lachte, gewnn er nur etwa
  Einen Bissen dabei von einem fetten Kapaune.
  Lat Euch erzhlen, wie er so bel an Lampen, dem Hasen,
  Gestern tat; hier steht er! der Mann, der keinen verletzte.
  Reineke stellte sich fromm und wollt ihn allerlei Weisen
  Krzlich lehren, und was zum Kaplan noch weiter gehret,
  Und sie setzten sich gegeneinander, begannen das Kredo.
  Aber Reineke konnte die alten Tcken nicht lassen;
  Innerhalb unsers Kniges Fried und freiem Geleite
  Hielt er Lampen gefat mit seinen Klauen und zerrte
  Tckisch den redlichen Mann. Ich kam die Strae gegangen,
  Hrte beider Gesang, der, kaum begonnen, schon wieder
  Endete. Horchend wundert ich mich, doch als ich hinzukam,
  Kannt ich Reineken stracks, er hatte Lampen beim Kragen;
  Ja, er htt ihm gewi das Leben genommen, wofern ich
  Nicht zum Glcke des Wegs gekommen wre. Da steht er!
  Seht die Wunden an ihm, dem frommen Manne, den keiner
  Zu beleidigen denkt. Und will es unser Gebieter,
  Wollt ihr Herren es leiden, da so des Kniges Friede,
  Sein Geleit und Brief von einem Diebe verhhnt wird,
  O, so wird der Knig und seine Kinder noch spten
  Vorwurf hren von Leuten, die Recht und Gerechtigkeit lieben.

  Isegrim sagte darauf. So wird es bleiben, und leider
  Wird uns Reineke nie was Gutes erzeigen. O! lg er
  Lange tot, das wre das beste fr friedliche Leute;
  Aber wird ihm diesmal verziehn, so wird er in kurzem
  Etliche khnlich bercken, die nun es am wenigsten glauben.

  Reinekens Neffe, der Dachs, nahm jetzt die Rede, und mutig
  Sprach er zu Reinekens Bestem, so falsch auch dieser bekannt war.
  Alt und wahr, Herr Isegrim! sagt' er, beweist sich das Sprichwort:
  Feindes Mund frommt selten. So hat auch wahrlich mein Oheim
  Eurer Worte sich nicht zu getrsten. Doch ist es ein leichtes.
  Wr er hier am Hofe so gut als Ihr, und erfreut' er
  Sich des Kniges Gnade, so mcht es Euch sicher gereuen,
  Da Ihr so hmisch gesprochen und alte Geschichten erneuert.
  Aber was Ihr bels an Reineken selber verbet,
  bergeht Ihr; und doch, es wissen es manche der Herren,
  Wie Ihr zusammen ein Bndnis geschlossen und beide versprochen,
  Als zwei gleiche Gesellen zu leben. Das mu ich erzhlen;
  Denn im Winter einmal erduldet' er groe Gefahren
  Euretwegen. Ein Fuhrmann, er hatte Fische geladen,
  Fuhr die Strae, Ihr sprtet ihn aus und httet um alles
  Gern von der Ware gegessen; doch fehlt' es Euch leider am Gelde.
  Da beredetet Ihr den Oheim, er legte sich listig
  Grade fr tot in den Weg. Es war, beim Himmel, ein khnes
  Abenteuer! Doch merket, was ihm fr Fische geworden.
  Und der Fuhrmann kam und sah im Gleise den Oheim,
  Hastig zog er sein Schwert, ihm eins zu versetzen; der Kluge
  Rhrt' und regte sich nicht, als wr er gestorben; der Fuhrmann
  Wirft ihn auf seinen Karrn und freut sich des Balges im voraus.
  Ja, das wagte mein Oheim fr Isegrim; aber der Fuhrmann
  Fuhr dahin, und Reineke warf von den Fischen herunter.
  Isegrim kam von ferne geschlichen, verzehrte die Fische.
  Reineken mochte nicht lnger zu fahren belieben; er hub sich,
  Sprang vom Karren und wnschte nun auch von der Beute zu speisen.
  Aber Isegrim hatte sie alle verschlungen; er hatte
  ber Not sich beladen, er wollte bersten. Die Grten
  Lie er allein zurck und bot dem Freunde den Rest an.
  Noch ein anderes Stckchen! auch dies erzhl ich Euch wahrhaft.
  Reineken war es bewut, bei einem Bauer am Nagel
  Hing ein gemstetes Schwein, erst heute geschlachtet; das sagt' er
  Treu dem Wolfe: sie gingen dahin, Gewinn und Gefahren
  Redlich zu teilen. Doch Mh und Gefahr trug jener alleine.
  Denn er kroch zum Fenster hinein und warf mit Bemhen
  Die gemeinsame Beute dem Wolf herunter; zum Unglck
  Waren Hunde nicht fern, die ihn im Hause versprten
  Und ihm wacker das Fell zerzausten. Verwundet entkam er,
  Eilig sucht' er Isegrim auf und klagt' ihm sein Leiden
  Und verlangte sein Teil. Da sagte jener: Ich habe
  Dir ein kstliches Stck verwahrt, nun mache dich drber
  Und benage mirs wohl; wie wird das Fette dir schmecken!
  Und er brachte das Stck, das Krummholz war es, der Schlchter
  Hatte daran das Schwein gehngt; der kstliche Braten
  War vom gierigen Wolfe, dem ungerechten, verschlungen.
  Reineke konnte vor Zorn nicht reden, doch was er sich dachte,
  Denket euch selbst. Herr Knig, gewi, da hundert und drber
  Solcher Stckchen der Wolf an meinem Oheim verschuldet!
  Aber ich schweige davon. Wird Reineke selber gefordert,
  Wird er sich besser verteidigen. Indessen, gndigster Knig,
  Edler Gebieter, ich darf es bemerken: Ihr habet, es haben
  Diese Herren gehrt, wie tricht Isegrims Rede
  Seinem eignen Weibe und ihrer Ehre zu nah tritt,
  Die er mit Leib und Leben beschtzen sollte. Denn freilich
  Sieben Jahre sinds her und drber, da schenkte mein Oheim
  Seine Lieb und Treue zum guten Teile der schnen
  Frauen Gieremund; solches geschah beim nchtlichen Tanze;
  Isegrim war verreist, ich sag es, wie mirs bekannt ist.
  Freundlich und hflich ist sie ihm oft zu Willen geworden,
  Und was ist es denn mehr? Sie bracht es niemals zur Klage,
  Ja, sie lebt und befindet sich wohl, was macht er fr Wesen?
  Wr er klug, so schwieg' er davon, es bringt ihm nur Schande.
  Weiter sagte der Dachs: Nun kommt das Mrchen vom Hasen!
  Eitel leeres Gewsche! Den Schler sollte der Meister
  Etwa nicht zchtigen, wenn er nicht merkt und bel bestehet?
  Sollte man nicht die Knaben bestrafen, und ginge der Leichtsinn,
  Ginge die Unart so hin, wie sollte die Jugend erwachsen?
  Nun klagt Wackerlos, wie er ein Wrstchen im Winter verloren
  Hinter der Hecke; das sollt er nur lieber im stillen verschmerzen,
  Denn wir hren es ja, sie war gestohlen; zerronnen
  Wie gewonnen; und wer kann meinem Oheim verargen,
  Da er gestohlenes Gut dem Diebe genommen? Es sollen
  Edle Mnner von hoher Geburt sich gehssig den Dieben
  Und gefhrlich erzeigen. Ja, htt er ihn damals gehangen,
  War es verzeihlich. Doch lie er ihn los, den Knig zu ehren;
  Denn am Leben zu strafen, gehrt dem Knig alleine.
  Aber wenigen Danks kann sich mein Oheim getrsten,
  So gerecht er auch sei und beltaten verwehret.
  Denn seitdem des Kniges Friede verkndiget worden,
  Hlt sich niemand wie er. Er hat sein Leben verndert,
  Speiset nur einmal des Tags, lebt wie ein Klausner, kasteit sich,
  Trgt ein hrenes Kleid auf bloem Leibe und hat schon
  Lange von Wildbret und zahmem Fleische sich gnzlich enthalten,
  Wie mir noch gestern einer erzhlte, der bei ihm gewesen.
  Malepartus, sein Schlo, hat er verlassen und baut sich
  Eine Klause zur Wohnung. Wie er so mager geworden,
  Bleich von Hunger und Durst und andern strengeren Buen,
  Die er reuig ertrgt, das werdet Ihr selber erfahren.
  Denn was kann es ihm schaden, da hier ihn jeder verklaget?
  Kommt er hieher, so fhrt er sein Recht aus und macht sie zuschanden.

  Als nun Grimbart geendigt, erschien zu groem Erstaunen
  Henning, der Hahn, mit seinem Geschlecht. Auf trauriger Bahre,
  Ohne Hals und Kopf, ward eine Henne getragen,
  Kratzefu war es, die beste der eierlegenden Hennen.
  Ach, es flo ihr Blut, und Reineke hatt es vergossen!
  Jetzo sollt es der Knig erfahren. Als Henning, der wackre,
  Vor dem Knig erschien, mit hchstbetrbter Gebrde,
  Kamen mit ihm zwei Hhne, die gleichfalls trauerten. Kreyant
  Hie der eine, kein besserer Hahn war irgend zu finden
  Zwischen Holland und Frankreich; der andere durft ihm zur Seite
  Stehen, Kantart genannt, ein stracker, khner Geselle;
  Beide trugen ein brennendes Licht; sie waren die Brder
  Der ermordeten Frau. Sie riefen ber den Mrder
  Ach und Weh! Es trugen die Bahr zwei jngere Hhne,
  Und man konnte von fern die Jammerklage vernehmen.
  Henning sprach: Wir klagen den unersetzlichen Schaden,
  Gndigster Herr und Knig! Erbarmt Euch, wie ich verletzt bin,
  Meine Kinder und ich. Hier seht Ihr Reinekens Werke!
  Als der Winter vorbei, und Laub und Blumen und Blten
  Uns zur Frhlichkeit riefen, erfreut ich mich meines Geschlechtes,
  Das so munter mit mir die schnen Tage verlebte!
  Zehen junge Shne, mit vierzehn Tchtern, sie waren
  Voller Lust zu leben; mein Weib, die treffliche Henne,
  Hatte sie alle zusammen in Einem Sommer erzogen.
  Alle waren so stark und wohl zufrieden, sie fanden
  Ihre tgliche Nahrung an wohlgesicherter Sttte.
  Reichen Mnchen gehrte der Hof, uns schirmte die Mauer,
  Und sechs groe Hunde, die wackern Genossen des Hauses,
  Liebten meine Kinder und wachten ber ihr Leben;
  Reineken aber, den Dieb, verdro es, da wir in Frieden
  Glckliche Tage verlebten und seine Rnke vermieden.
  Immer schlich er bei Nacht um die Mauer und lauschte beim Tore,
  Aber die Hunde bemerktens; da mocht er laufen! sie faten
  Wacker ihn endlich einmal und ruckten das Fell ihm zusammen;
  Doch er rettete sich und lie uns ein Weilchen in Ruhe.
  Aber nun hret mich an! es whrte nicht lange, so kam er
  Als ein Klausner und brachte mir Brief und Siegel. Ich kannt es:
  Euer Siegel sah ich am Briefe; da fand ich geschrieben:
  Da Ihr festen Frieden so Tieren als Vgeln verkndigt.
  Und er zeigte mir an: er sei ein Klausner geworden,
  Habe strenge Gelbde getan, die Snden zu ben,
  Deren Schuld er leider bekenne. Da habe nun keiner
  Mehr vor ihm sich zu frchten, er habe heilig gelobet,
  Nimmermehr Fleisch zu genieen. Er lie mich die Kutte beschauen,
  Zeigte sein Skapulier. Daneben wies er ein Zeugnis,
  Das ihm der Prior gestellt, und, um mich sicher zu machen,
  Unter der Kutte ein hrenes Kleid. Dann ging er und sagte:
  Gott dem Herren seid mir befohlen! ich habe noch vieles
  Heute zu tun! ich habe die Sext und die None zu lesen
  Und die Vesper dazu. Er las im Gehen und dachte
  Vieles Bse sich aus, er sann auf unser Verderben.
  Ich mit erheitertem Herzen erzhlte geschwinde den Kindern
  Eures Briefes frhliche Botschaft, es freuten sich alle.
  Da nun Reineke Klausner geworden, so hatten wir weiter
  Keine Sorge, noch Furcht. Ich ging mit ihnen zusammen
  Vor die Mauer hinaus, wir freuten uns alle der Freiheit.
  Aber leider bekam es uns bel. Er lag im Gebsche
  Hinterlistig; da sprang er hervor und verrannt uns die Pforte;
  Meiner Shne schnsten ergriff er und schleppt' ihn von dannen,
  Und nun war kein Rat, nachdem er sie einmal gekostet;
  Immer versucht' er es wieder, und weder Jger noch Hunde
  Konnten vor seinen Rnken bei Tag und Nacht uns bewahren.
  So entri er mir nun fast alle Kinder; von zwanzig
  Bin ich auf fnfe gebracht, die andern raubt' er mir alle.
  O, erbarmt Euch des bittern Schmerzes! er ttete gestern
  Meine Tochter, es haben die Hunde den Leichnam gerettet.
  Seht, hier liegt sie! Er hat es getan, o! nehmt es zu Herzen!

  Und der Knig begann: Kommt nher, Grimbart, und sehet,
  Also fastet der Klausner, und so beweist er die Bue!
  Leb ich noch aber ein Jahr, so soll es ihn wahrlich gereuen!
  Doch was helfen die Worte! Vernehmet, trauriger Henning:
  Eurer Tochter ermangl es an nichts, was irgend den Toten
  Nur zu Rechte geschieht. Ich lass ihr Vigilie singen,
  Sie mit groer Ehre zur Erde bestatten; dann wollen
  Wir mit diesen Herren des Mordes Strafe bedenken.

  Da gebot der Knig, man solle Vigilie singen.
  Domino placebo begann die Gemeine, sie sangen
  Alle Verse davon. Ich knnte ferner erzhlen,
  Wer die Lektion gesungen und wer die Responsen;
  Aber es whrte zu lang, ich lass es lieber bewenden.
  In ein Grab ward die Leiche gelegt und drber ein schner
  Marmorstein, poliert wie ein Glas, gehauen im Viereck,
  Gro und dick, und oben darauf war deutlich zu lesen:
  Kratzefu, Tochter Hennings des Hahns, die beste der Hennen,
  Legte viel Eier ins Nest und wute klglich zu scharren.
  Ach, hier liegt sie! durch Reinekens Mord den Ihren genommen.
  Alle Welt soll erfahren, wie bs und falsch er gehandelt,
  Und die Tote beklagen. So lautete, was man geschrieben.

  Und es lie der Knig darauf die Klgsten berufen,
  Rat mit ihnen zu halten, wie er den Frevel bestrafte,
  Der so klrlich vor ihn und seine Herren gebracht war.
  Und sie rieten zuletzt: man habe dem listigen Frevler
  Einen Boten zu senden, da er um Liebes und Leides
  Nicht sich entzge, er solle sich stellen am Hofe des Knigs
  An dem Tage der Herrn, wenn sie zunchst sich versammeln;
  Braun, den Bren, ernannte man aber zum Boten. Der Knig
  Sprach zu Braun, dem Bren: Ich sag es, Euer Gebieter,
  Da Ihr mit Flei die Botschaft verrichtet! Doch rat ich zur Vorsicht:
  Denn es ist Reineke falsch und boshaft, allerlei Listen
  Wird er gebrauchen, er wird Euch schmeicheln, er wird Euch belgen,
  Hintergehen, wie er nur kann. Mitnichten, versetzte
  Zuversichtlich der Br: bleibt ruhig! Sollt er sich irgend
  Nur vermessen und mir zum Hohne das mindeste wagen,
  Seht, ich schwr es bei Gott! der mge mich strafen, wofern ich
  Ihm nicht grimmig verglte, da er zu bleiben nicht wte.





  Zweiter Gesang


  Also wandelte Braun auf seinem Weg zum Gebirge
  Stolzen Mutes dahin, durch eine Wste, die gro war,
  Lang und sandig und breit; und als er sie endlich durchzogen,
  Kam er gegen die Berge, wo Reineke pflegte zu jagen;
  Selbst noch Tages zuvor hatt er sich dorten erlustigt.
  Aber der Br ging weiter nach Malepartus; da hatte
  Reineke schne Gebude. Von allen Schlssern und Burgen,
  Deren ihm viele gehrten, war Malepartus die beste.
  Reineke wohnte daselbst, sobald er bels besorgte.
  Braun erreichte das Schlo und fand die gewhnliche Pforte
  Fest verschlossen. Da trat er davor und besann sich ein wenig;
  Endlich rief er und sprach: Herr Oheim, seid Ihr zu Hause?
  Braun, der Br, ist gekommen, des Knigs gerichtlicher Bote.
  Denn es hat der Knig geschworen, Ihr sollet bei Hofe
  Vor Gericht Euch stellen, ich soll Euch holen, damit Ihr
  Recht zu nehmen und Recht zu geben keinem verweigert,
  Oder es soll Euch das Leben kosten; denn bleibt Ihr dahinten,
  Ist mit Galgen und Rad Euch gedroht. Drum whlet das Beste,
  Kommt und folget mir nach, sonst mcht es Euch bel bekommen.

  Reineke hrte genau vom Anfang zum Ende die Rede,
  Lag und lauerte still und dachte: Wenn es gelnge,
  Da ich dem plumpen Kompan die stolzen Worte bezahlte?
  Lat uns die Sache bedenken. Er ging in die Tiefe der Wohnung,
  In die Winkel des Schlosses, denn knstlich war es gebauet:
  Lcher fanden sich hier und Hhlen mit vielerlei Gngen,
  Eng und lang, und mancherlei Tren zum ffnen und Schlieen,
  Wie es Zeit war und Not. Erfuhr er, da man ihn suchte
  Wegen schelmischer Tat, da fand er die beste Beschirmung.
  Auch aus Einfalt hatten sich oft in diesen Mandern
  Arme Tiere gefangen, willkommene Beute dem Ruber.
  Reineke hatte die Worte gehrt, doch frchtet' er klglich,
  Andre mchten noch neben dem Boten im Hinterhalt liegen,
  Als er sich aber versichert, der Br sei einzeln gekommen,
  Ging er listig hinaus und sagte: Wertester Oheim,
  Seid willkommen! Verzeiht mir! ich habe Vesper gelesen,
  Darum lie ich Euch warten. Ich dank Euch, da Ihr gekommen,
  Denn es nutzt mir gewi bei Hofe, so darf ich es hoffen.
  Seid zu jeglicher Stunde, mein Oheim, willkommen! Indessen
  Bleibt der Tadel fr den, der Euch die Reise befohlen,
  Denn sie ist weit und beschwerlich. O Himmel! wie Ihr erhitzt seid!
  Eure Haare sind na und Euer Odem beklommen.
  Hatte der mchtige Knig sonst keinen Boten zu senden,
  Als den edelsten Mann, den er am meisten erhhet?
  Aber so sollt es wohl sein zu meinem Vorteil; ich bitte,
  Helft mir am Hofe des Knigs, allwo man mich bel verleumdet.
  Morgen, setzt ich mir vor, trotz meiner milichen Lage,
  Frei nach Hofe zu gehen, und so gedenk ich noch immer.
  Nur fr heute bin ich zu schwer, die Reise zu machen.
  Leider hab ich zu viel von einer Speise gegessen,
  Die mir bel bekommt; sie schmerzt mich gewaltig im Leibe.
  Braun versetzte darauf. Was war es, Oheim? Der andre
  Sagte dagegen: Was knnt es Euch helfen, und wenn ichs erzhlte!
  Kmmerlich frist ich mein Leben; ich leid es aber geduldig,
  Ist ein armer Mann doch kein Graf! und findet zuweilen
  Sich fr uns und die Unsern nichts Besseres, mssen wir freilich
  Honigscheiben verzehren, die sind wohl immer zu haben.
  Doch ich esse sie nur aus Not; nun bin ich geschwollen.
  Wider Willen schluckt ich das Zeug, wie sollt es gedeihen?
  Kann ich es immer vermeiden, so bleibt mirs ferne vom Gaumen.

  Ei! was hab ich gehrt! versetzte der Braune, Herr Oheim!
  Ei! verschmhet Ihr so den Honig, den mancher begehret?
  Honig, mu ich Euch sagen, geht ber alle Gerichte,
  Wenigstens mir; o schafft mir davon, es soll Euch nicht reuen!
  Dienen werd ich Euch wieder.--Ihr spottet, sagte der andre.
  Nein, wahrhaftig! verschwor sich der Br, es ist ernstlich gesprochen.
  Ist dem also, versetzte der Rote: da kann ich Euch dienen,
  Denn der Bauer Rsteviel wohnt am Fue des Berges.
  Honig hat er! Gewi, mit allem Eurem Geschlechte
  Saht Ihr niemal so viel beisammen. Da lstet' es Braunen
  bermig nach dieser geliebten Speise. O fhrt mich,
  Rief er, eilig dahin! Herr Oheim, ich will es gedenken,
  Schafft mir Honig, und wenn ich auch nicht gesttigt werde.
  Gehen wir, sagte der Fuchs: es soll an Honig nicht fehlen.
  Heute bin ich zwar schlecht zu Fue; doch soll mir die Liebe,
  Die ich Euch lange gewidmet, die sauern Tritte versen.
  Denn ich kenne niemand von allen meinen Verwandten,
  Den ich verehrte, wie Euch! Doch kommt! Ihr werdet dagegen
  An des Kniges Hof am Herren-Tage mir dienen,
  Da ich der Feinde Gewalt und ihre Klagen beschme.
  Honigsatt mach ich Euch heute, so viel Ihr immer nur tragen
  Mget.--Es meinte der Schalk die Schlge der zornigen Bauern.

  Reineke lief ihm zuvor, und blindlings folgte der Braune.
  Will mirs gelingen, so dachte der Fuchs: ich bringe dich heute
  Noch zu Markte, wo dir ein bittrer Honig zuteil wird.
  Und sie kamen zu Rsteviels Hofe; das freute den Bren,
  Aber vergebens, wie Toren sich oft mit Hoffnung betrgen.

  Abend war es geworden, und Reineke wute, gewhnlich
  Liege Rsteviel nun in seiner Kammer zu Bette,
  Der ein Zimmermann war, ein tchtiger Meister. Im Hofe
  Lag ein eichener Stamm; er hatte, diesen zu trennen,
  Schon zwei tchtige Keile hineingetrieben, und oben,
  Klaffte gespalten der Baum fast ellenweit. Reineke merkt' es,
  Und er sagte: Mein Oheim, in diesem Baume befindet
  Sich des Honigs mehr, als Ihr vermutet; nun stecket
  Eure Schnauze hinein, so tief Ihr mget. Nur rat ich,
  Nehmt nicht gierig zu viel, es mcht Euch bel bekommen.
  Meint Ihr, sagte der Br, ich sei ein Vielfra? mitnichten!
  Ma ist berall gut, bei allen Dingen. Und also
  Lie der Br sich betren und steckte den Kopf in die Spalte
  Bis an die Ohren hinein und auch die vordersten Fe.
  Reineke machte sich dran, mit vielem Ziehen und Zerren
  Bracht er die Keile heraus: nun war der Braune gefangen,
  Haupt und Fe geklemmt; es half kein Schelten noch Schmeicheln.
  Vollauf hatte der Braune zu tun, so stark er und khn war,
  Und so hielt der Neffe mit List den Oheim gefangen.
  Heulend plrrte der Br, und mit den hintersten Fen
  Scharrt' er grimmig und lrmte so sehr, da Rsteviel aufsprang.
  Was es wre? dachte der Meister und brachte sein Beil mit,
  Da man bewaffnet ihn fnde, wenn jemand zu schaden gedchte.
  Braun befand sich indes in groen ngsten; die Spalte
  Klemmt' ihn gewaltig, er zog und zerrte, brllend vor Schmerzen.
  Aber mit alle der Pein war nichts gewonnen; er glaubte
  Nimmer von dannen zu kommen; so meint' auch Reineke freudig.
  Als er Rsteviel sah von ferne schreiten, da rief er:
  Braun, wie steht es? Miget Euch und schonet des Honigs!
  Sagt, wie schmeckt es? Rsteviel kommt und will Euch bewirten!
  Nach der Mahlzeit bringt er ein Schlckchen, es mag Euch bekommen!

  Da ging Reineke wieder nach Malepartus, der Feste.
  Aber Rsteviel kam, und als er den Bren erblickte,
  Lief er, die Bauern zu rufen, die noch in der Schenke beisammen
  Schmauseten. Kommt! so rief er: in meinem Hofe gefangen
  Hat sich ein Br, ich sage die Wahrheit. Sie folgten und liefen,
  Jeder bewehrte sich eilig, so gut er konnte. Der eine
  Nahm die Gabel zur Hand, und seinen Rechen der andre,
  Und der dritte, der vierte, mit Spie und Hacke bewaffnet,
  Kamen gesprungen, der fnfte mit einem Pfahle gerstet.
  Ja, der Pfarrer und Kster, sie kamen mit ihrem Gerte.
  Auch die Kchin des Pfaffen (sie hie Frau Jutte, sie konnte
  Grtze bereiten und kochen wie keine) blieb nicht dahinten,
  Kam mit dem Rocken gelaufen, bei dem sie am Tage gesessen,
  Dem unglcklichen Bren den Pelz zu waschen. Der Braune
  Hrte den wachsenden Lrm in seinen schrecklichen Nten,
  Und er ri mit Gewalt das Haupt aus der Spalte; da blieb ihm
  Haut und Haar des Gesichts bis zu den Ohren im Baume.
  Nein! kein klglicher Tier hat jemand gesehen! es rieselt'
  ber die Ohren das Blut. Was half ihm, das Haupt zu befreien?
  Denn es blieben die Pfoten im Baume stecken; da ri er
  Hastig sie ruckend heraus; er raste sinnlos, die Klauen
  Und von den Fen das Fell blieb in der klemmenden Spalte.
  Leider schmeckte dies nicht nach sem Honig, wozu ihm
  Reineke Hoffnung gemacht; die Reise war bel geraten,
  Eine sorgliche Fahrt war Braunen geworden. Es blutet'
  Ihm der Bart und die Fe dazu, er konnte nicht stehen,
  Konnte nicht kriechen, noch gehn. Und Rsteviel eilte, zu schlagen,
  Alle fielen ihn an, die mit dem Meister gekommen;
  Ihn zu tten, war ihr Begehr. Es fhrte der Pater
  Einen langen Stab in der Hand und schlug ihn von ferne.
  Kmmerlich wandt er sich hin und her, es drngt' ihn der Haufen,
  Einige hier mit Spieen, dort andre mit Beilen, es brachte
  Hammer und Zange der Schmied, es kamen andre mit Schaufeln,
  Andre mit Spaten, sie schlugen drauflos und riefen und schlugen,
  Da er vor schmerzlicher Angst im eignem Unflat sich wlzte.
  Alle setzten ihm zu, es blieb auch keiner dahinten;
  Der krummbeinige Schloppe mit dem breitnasigen Ludolf
  Waren die Schlimmsten, und Gerold bewegte den hlzernen Flegel
  Zwischen den krummen Fingern; ihm stand sein Schwager zur Seite,
  Kckelrei war es, der dicke, die beiden schlugen am meisten.
  Abel Quack und Frau Jutte dazu, sie lieens nicht fehlen;
  Talke Lorden Quacks traf mit der Butte den Armen.
  Und nicht diese Genannten allein, denn Mnner und Weiber,
  Alle liefen herzu und wollten das Leben des Bren.
  Kckelrei machte das meiste Geschrei, er dnkte sich vornehm:
  Denn Frau Willigetrud am hinteren Tore (man wut es)
  War die Mutter, bekannt war nie sein Vater geworden.
  Doch es meinten die Bauern, der Stoppelmher, der schwarze
  Sander, sagten sie, mcht es wohl sein, ein stolzer Geselle,
  Wenn er allein war. Es kamen auch Steine gewaltig geflogen,
  Die den verzweifelten Braunen von allen Seiten bedrngten.
  Nun sprang Rsteviels Bruder hervor und schlug mit dem langen,
  Dicken Knttel den Bren aufs Haupt, da Hren und Sehen
  Ihm verging, doch fuhr er empor vom mchtigen Schlage.
  Rasend fuhr er unter die Weiber, die untereinander
  Taumelten, fielen und schrien, und einige strzten ins Wasser,
  Und das Wasser war tief. Da rief der Pater und sagte:
  Sehet, da unten schwimmt Frau Jutte, die Kchin, im Pelze,
  Und der Rocken ist hier! O helft, ihr Mnner! Ich gebe
  Bier zwei Tonnen zum Lohn und groen Abla und Gnade.
  Alle lieen fr tot den Bren liegen und eilten
  Nach den Weibern ans Wasser, man zog aufs Trockne die fnfe.
  Da indessen die Mnner am Ufer beschftiget waren,
  Kroch der Br ins Wasser vor groem Elend und brummte
  Vor entsetzlichem Weh. Er wollte sich lieber ersufen,
  Als die Schlge so schndlich erdulden. Er hatte zu schwimmen
  Nie versucht und hoffte sogleich das Leben zu enden.
  Wider Vermuten fhlt' er sich schwimmen, und glcklich getragen
  Ward er vom Wasser hinab, es sahen ihn alle die Bauern,
  Riefen: Das wird uns gewi zur ewigen Schande gereichen!
  Und sie waren verdrielich und schalten ber die Weiber:
  Besser blieben sie doch zu Hause! da seht nun, er schwimmet
  Seiner Wege. Sie traten herzu, den Block zu besehen,
  Und sie fanden darin noch Haut und Haare vom Kopfe
  Und von den Fen und lachten darob und riefen: Du kommst uns
  Sicher wieder, behalten wir doch die Ohren zum Pfande!
  So verhhnten sie ihn noch ber den Schaden, doch war er
  Froh, da er nur dem bel entging. Er fluchte den Bauern,
  Die ihn geschlagen, und klagte den Schmerz der Ohren und Fe,
  Fluchte Reineken, der ihn verriet. Mit solchen Gebeten
  Schwamm er weiter, es trieb ihn der Strom, der reiend und gro war,
  Binnen weniger Zeit fast eine Meile hinunter;
  Und da kroch er ans Land am selbigen Ufer und keichte.
  Kein bedrngteres Tier hat je die Sonne gesehen!
  Und er dachte den Morgen nicht zu erleben, er glaubte
  Pltzlich zu sterben und rief. O Reineke, falscher Verrter!
  Loses Geschpf!. Er dachte dabei der schlagenden Bauern,
  Und er dachte des Baums und fluchte Reinekens Listen.

  Aber Reineke Fuchs, nachdem er mit gutem Bedachte
  Seinen Oheim zu Markte gefhrt, ihm Honig zu schaffen,
  Lief er nach Hhnern, er wute den Ort, und schnappte sich eines,
  Lief und schleppte die Beute behend am Flusse hinunter.
  Dann verzehrt' er sie gleich und eilte nach andern Geschften
  Immer am Flusse dahin und trank des Wassers und dachte:
  O wie bin ich so froh, da ich den tlpischen Bren
  So zu Hofe gebracht! Ich wette, Rsteviel hat ihm
  Wohl das Beil zu kosten gegeben. Es zeigte der Br sich
  Stets mir feindlich gesinnt, ich hab es ihm wieder vergolten.
  Oheim hab ich ihn immer genannt, nun ist er am Baume
  Tot geblieben; des will ich mich freun, solang ich nur lebe.
  Klagen und schaden wird er nicht mehr!--Und wie er so wandelt,
  Schaut er am Ufer hinab und sieht den Bren sich wlzen.
  Das verdro ihm im Herzen, da Braun lebendig entkommen.
  Rsteviel, rief er, du lssiger Wicht! du grober Geselle!
  Solche Speise verschmhst du? die fett und guten Geschmacks ist,
  Die manch ehrlicher Mann sich wnscht, und die so gemchlich
  Dir zu Handen gekommen. Doch hat fr deine Bewirtung
  Dir der redliche Braun ein Pfand gelassen! So dacht er,
  Als er den Braunen betrbt, ermattet und blutig erblickte.
  Endlich rief er ihn an: Herr Oheim, find ich Euch wieder?
  Habt Ihr etwas vergessen bei Rsteviel? sagt mir, ich lass ihm
  Wissen, wo Ihr geblieben. Doch soll ich sagen, ich glaube,
  Vieles Honig habt Ihr gewi dem Manne gestohlen,
  Oder habt Ihr ihn redlich bezahlt? wie ist es geschehen?
  Ei! wie seid Ihr gemalt? das ist ein schmhliches Wesen!
  War der Honig nicht guten Geschmacks; Zu selbigem Preise
  Steht noch manches zu Kauf! Doch, Oheim, saget mir eilig,
  Welchem Orden habt Ihr Euch wohl so krzlich gewidmet,
  Da Ihr ein rotes Barett auf Eurem Haupte zu tragen
  Anfangt? Seid Ihr ein Abt? Es hat der Bader gewilich,
  Der die Platte Euch schor, nach Euren Ohren geschnappet.
  Ihr verloret den Schopf, wie ich sehe, das Fell von den Wangen
  Und die Handschuh dabei. Wo habt Ihr sie hngen gelassen?
  Und so mute der Braune die vielen spttischen Worte
  Hintereinander vernehmen und konnte vor Schmerzen nicht reden,
  Sich nicht raten noch helfen. Und um nicht weiter zu hren,
  Kroch er ins Wasser zurck und trieb mit dem reienden Strome
  Nieder und landete drauf am flachen Ufer. Da lag er,
  Krank und elend, und jammerte laut und sprach zu sich selber:
  Schlge nur einer mich tot! Ich kann nicht gehen und sollte
  Nach des Kniges Hof die Reise vollenden, und bleibe
  So geschndet zurck von Reinekens bsem Verrate.
  Bring ich mein Leben davon, gewi, dich soll es gereuen!
  Doch er raffte sich auf und schleppte mit grlichen Schmerzen
  Durch vier Tage sich fort, und endlich kam er zu Hofe.

  Als der Knig den Bren in seinem Elend erblickte,
  Rief er: Gndiger Gott! Erkenn ich Braunen? Wie kommt er
  So geschndet? Und Braun versetzte: Leider erbrmlich
  Ist das Ungemach, das Ihr erblickt; so hat mich der Frevler
  Reineke schndlich verraten! Da sprach der Knig entrstet:
  Rchen will ich gewi ohn alle Gnade den Frevel.
  Solch einen Herrn wie Braun, den sollte Reineke schnden?
  Ja, bei meiner Ehre, bei meiner Krone! das schwr ich,
  Alles soll Reineke ben, was Braun zu Rechte begehret.
  Halt ich mein Wort nicht, so trag ich kein Schwert mehr, ich will es geloben!

  Und der Knig gebot, es solle der Rat sich versammeln,
  berlegen und gleich der Frevel Strafe bestimmen.
  Alle rieten darauf, wofern es dem Knig beliebte,
  Solle man Reineken abermals fordern, er solle sich stellen,
  Gegen Anspruch und Klage sein Recht zu wahren. Es knne
  Hinze, der Kater, sogleich die Botschaft Reineken bringen,
  Weil er klug und gewandt sei. So rieten sie alle zusammen.

  Und es vereinigte sich der Knig mit seinen Genossen,
  Sprach zu Hinzen: Merket mir recht die Meinung der Herren!
  Lie' er sich aber zum drittenmal fordern, so soll es ihm selbst und
  Seinem ganzen Geschlecht zum ewigen Schaden gereichen;
  Ist er klug, so komm er inzeiten. Ihr schrft ihm die Lehre;
  Andre verachtet er nur, doch Eurem Rate gehorcht er.

  Aber Hinze versetzte: Zum Schaden oder zum Frommen
  Mag es gereichen, komm ich zu ihm, wie soll ichs beginnen?
  Meinetwegen tut oder lat es, aber ich dchte,
  Jeden andern zu schicken, ist besser, da ich so klein bin.
  Braun, der Br, so gro und stark, und konnt ihn nicht zwingen,
  Welcher Weise soll ich es enden? O! habt mich entschuldigt.

  Du beredest mich nicht, versetzte der Knig: man findet
  Manchen kleinen Mann voll List und Weisheit, die manchem
  Groen fremd ist. Seid Ihr auch gleich kein Riese gewachsen,
  Seid Ihr doch klug und gelehrt. Da gehorchte der Kater und sagte:
  Euer Wille geschehe! und kann ich ein Zeichen erblicken
  Rechter Hand am Wege, so wird die Reise gelingen.





  Dritter Gesang


  Nun war Hinze, der Kater, ein Stckchen Weges gegangen;
  Einen Martins-Vogel erblickt' er von weitem, da rief er:
  Edler Vogel! Glck auf. o wende die Flgel und fliege
  Her zu meiner Rechten! Es flog der Vogel und setzte
  Sich zur Linken des Katers, auf einem Baume zu singen.
  Hinze betrbte sich sehr, er glaubte sein Unglck zu hren,
  Doch er machte nun selber sich Mut, wie mehrere pflegen.
  Immer wandert' er fort nach Malepartus, da fand er
  Vor dem Hause Reineken sitzen, er grt' ihn und sagte:
  Gott, der reiche, der gute, bescher Euch glcklichen Abend!
  Euer Leben bedrohet der Knig, wofern Ihr Euch weigert,
  Mit nach Hofe zu kommen; und ferner lt er Euch sagen:
  Stehet den Klgern zu Recht, sonst werdens die Eurigen ben.
  Reineke sprach: Willkommen dahier, geliebtester Neffe!
  Mget Ihr Segen von Gott nach meinem Wunsche genieen.
  Aber er dachte nicht so in seinem verrtrischen Herzen;
  Neue Tcke sann er sich aus, er wollte den Boten
  Wieder geschndet nach Hofe senden. Er nannte den Kater
  Immer seinen Neffen und sagte: Neffe, was setzt man
  Euch fr Speise nur vor? Man schlft gesttiget besser;
  Einmal bin ich der Wirt, wir gingen dann morgen am Tage
  Beide nach Hofe: so dnkt es mich gut. Von meinen Verwandten
  Ist mir keiner bekannt, auf den ich mich lieber verliee.
  Denn der gefrige Br war trotzig zu mir gekommen.
  Er ist grimmig und stark, da ich um vieles nicht htte
  Ihm zur Seite die Reise gewagt. Nun aber versteht sichs,
  Gerne geh ich mit Euch. Wir machen uns frhe des Morgens
  Auf den Weg: so scheinet es mir das beste geraten.
  Hinze versetzte darauf. Es wre besser, wir machten
  Gleich uns fort nach Hofe, so wie wir gehen und stehen.
  Auf der Heide scheinet der Mond, die Wege sind trocken.
  Reineke sprach: Ich finde bei Nacht das Reisen gefhrlich,
  Mancher gret uns freundlich bei Tage, doch km er im Finstern
  Uns in den Weg, es mchte wohl kaum zum besten geraten.
  Aber Hinze versetzte: So lat mich wissen, mein Neffe,
  Bleib ich hier, was sollen wir essen? Und Reineke sagte:
  rmlich behelfen wir uns; doch wenn Ihr bleibet, so bring ich
  Frische Honigscheiben hervor, ich whle die klrsten.
  Niemals e ich dergleichen, versetzte murrend der Kater:
  Fehlet Euch alles im Hause, so gebt eine Maus her! Mit dieser
  Bin ich am besten versorgt, und sparet das Honig fr andre.
  Et Ihr Muse so gern? sprach Reineke: redet mir ernstlich;
  Damit kann ich Euch dienen. Es hat mein Nachbar, der Pfaffe,
  Eine Scheun im Hofe, darin sind Muse, man fhre
  Sie auf keinem Wagen hinweg: ich hre den Pfaffen
  Klagen, da sie bei Nacht und Tag ihm lstiger werden.
  Unbedchtig sagte der Kater: Tut mir die Liebe,
  Bringet mich hin zu den Musen! denn ber Wildbret und alles
  Lob ich mir Muse, die schmecken am besten. Und Reineke sagte:
  Nun wahrhaftig, Ihr sollt mir ein herrliches Gastmahl genieen.
  Da mir bekannt ist, womit ich Euch diene, so lat uns nicht zaudern.

  Hinze glaubt' ihm und folgte; sie kamen zur Scheune des Pfaffen,
  Zu der lehmernen Wand. Die hatte Reineke gestern
  Klug durchgraben und hatte durchs Loch dem schlafenden Pfaffen
  Seiner Hhne den besten entwendet. Das wollte Martinchen
  Rchen, des geistlichen Herrn geliebtes Shnchen; er knpfte
  Klug vor die ffnung den Strick mit einer Schlinge; so hofft' er
  Seinen Hahn zu rchen am wiederkehrenden Diebe.
  Reineke wut und merkte sich das und sagte: Geliebter
  Neffe, kriechet hinein gerade zur ffnung; ich halte
  Wache davor, indessen Ihr mauset; Ihr werdet zu Haufen
  Sie im Dunkeln erhaschen. O hret, wie munter sie pfeifen!
  Seid Ihr satt, so kommt nur zurck, Ihr findet mich wieder.
  Trennen drfen wir nicht uns diesen Abend, denn morgen
  Gehen wir frh und krzen den Weg mit muntern Gesprchen.
  Glaubt Ihr, sagte der Kater, es sei hier sicher zu kriechen?
  Denn es haben mitunter die Pfaffen auch Bses im Sinne.
  Da versetzte der Fuchs, der Schelm: Wer konnte das wissen!
  Seid Ihr so blde? Wir gehen zurck: es soll Euch mein Weibchen
  Gut und mit Ehren empfangen, ein schmackhaft Essen bereiten;
  Wenn es auch Muse nicht sind, so lat es uns frhlich verzehren.
  Aber Hinze, der Kater, sprang in die ffnung, er schmte
  Sich vor Reinekens spottenden Worten, und fiel in die Schlinge.
  Also empfanden Reinekens Gste die bse Bewirtung.

  Da nun Hinze den Strick an seinem Halse versprte,
  Fuhr er ngstlich zusammen und bereilte sich furchtsam,
  Denn er sprang mit Gewalt: da zog der Strick sich zusammen.
  Klglich rief er Reineken zu, der auer dem Loche
  Horchte, sich hmisch erfreute und so zur ffnung hineinsprach:
  Hinze, wie schmecken die Muse? Ihr findet sie, glaub ich, gemstet.
  Wte Martinchen doch nur, da Ihr sein Wildbret verzehret;
  Sicher brcht er Euch Senf: er ist ein hflicher Knabe.
  Singet man so bei Hofe zum Essen? Es klingt mir bedenklich.
  Wt ich Isegrim nur in diesem Loche, so wie ich
  Euch zu Falle gebracht, er sollte mir alles bezahlen,
  Was er mir bels getan! Und so ging Reineke weiter.
  Aber er ging nicht allein, um Diebereien zu ben;
  Ehbruch, Rauben und Mord und Verrat, er hielt es nicht sndlich.
  Und er hatte sich eben was ausgesonnen. Die schne
  Gieremund wollt er besuchen, in doppelter Absicht: frs erste
  Hofft er von ihr zu erfahren, was eigentlich Isegrim klagte;
  Zweitens wollte der Schalk die alten Snden erneuern.
  Isegrim war nach Hofe gegangen, das wollt er benutzen.
  Denn wer zweifelt daran, es hatte die Neigung der Wlfin
  Zu dem schndlichen Fuchse den Zorn des Wolfes entzndet.
  Reineke trat in die Wohnung der Frauen und fand sie nicht heimisch.
  Gr euch Gott! Stiefkinderchen! sagt' er, nicht mehr und nicht minder,
  Nickte freundlich den Kleinen und eilte nach seinem Gewerbe.
  Als Frau Gieremund kam des Morgens, wie es nur tagte,
  Sprach sie: Ist niemand kommen, nach mir zu fragen? Soeben
  Geht Herr Pate Reineke fort, er wnscht' Euch zu sprechen.
  Alle, wie wir hier sind, hat er Stiefkinder geheien.
  Da rief Gieremund aus: Er soll es bezahlen! und eilte,
  Diesen Frevel zu rchen zur selben Stunde. Sie wute,
  Wo er pflegte zu gehn; sie erreicht' ihn, zornig begann sie:
  Was fr Worte sind das? und was fr schimpfliche Reden
  Habt Ihr ohne Gewissen vor meinen Kindern gesprochen?
  Ben sollt Ihr dafr! So sprach sie zornig und zeigt' ihm
  Ein ergrimmtes Gesicht; sie fat' ihn am Barte, da fhlt' er
  Ihrer Zhne Gewalt und lief und wollt ihr entweichen;
  Sie behend strich hinter ihm drein. Da gab es Geschichten--
  Ein verfallenes Schlo war in der Nhe gelegen,
  Hastig liefen die beiden hinein; es hatte sich aber
  Altershalben die Mauer in einem Turme gespalten.
  Reineke schlupfte hindurch; allein er mute sich zwngen,
  Denn die Spalte war eng; und eilig steckte die Wlfin,
  Gro und stark, wie sie war, den Kopf in die Spalte; sie drngte,
  Schob und brach und zog und wollte folgen, und immer
  Klemmte sie tiefer sich ein und konnte nicht vorwrts noch rckwrts.
  Da das Reineke sah, lief er zur anderen Seite
  Krummen Weges herein und kam und macht' ihr zu schaffen.
  Aber sie lie es an Worten nicht fehlen, sie schalt ihn: Du handelst
  Als ein Schelm! ein Dieb! Und Reineke sagte dagegen:
  Ist es noch niemals geschehn, so mag es jetzo geschehen.

  Wenig Ehre verschafft es, sein Weib mit andern zu sparen,
  Wie nun Reineke tat. Gleichviel war alles dem Bsen.
  Da nun endlich die Wlfin sich aus der Spalte gerettet,
  War schon Reineke weg und seine Strae gegangen.
  Und so dachte die Frau, sich selber Recht zu verschaffen,
  Ihrer Ehre zu wahren, und doppelt war sie verloren.

  Lasset uns aber zurck nach Hinzen sehen. Der Arme,
  Da er gefangen sich fhlte, beklagte nach Weise der Kater
  Sich erbrmlich: das hrte Martinchen und sprang aus dem Bette.
  Gott sei Dank! Ich habe den Strick zur glcklichen Stunde
  Vor die ffnung geknpft; der Dieb ist gefangen! Ich denke,
  Wohl bezahlen soll er den Hahn! So jauchzte Martinchen.
  Zndete hurtig ein Licht an (im Hause schliefen die Leute),
  Weckte Vater und Mutter darauf und alles Gesinde,
  Rief: Der Fuchs ist gefangen! wir wollen ihm dienen. Sie kamen
  Alle, gro und klein, ja selbst der Pater erhub sich,
  Warf ein Mntelchen um; es lief mit doppelten Lichtern
  Seine Kchin voran, und eilig hatte Martinchen
  Einen Knttel gefat und machte sich ber den Kater,
  Traf ihm Haut und Haupt und schlug ihm grimmig ein Aug aus.
  Alle schlugen auf ihn; es kam mit zackiger Gabel
  Hastig der Pater herbei und glaubte den Ruber zu fllen.
  Hinze dachte zu sterben; da sprang er wtend entschlossen
  Zwischen die Schenkel des Pfaffen und bi und kratzte gefhrlich,
  Schndete grimmig den Mann und rchte grausam das Auge.
  Schreiend strzte der Pater und fiel ohnmchtig zur Erden.
  Unbedachtsam schimpfte die Kchin: es habe der Teufel
  Ihr zum Possen das Spiel selbst angerichtet. Und doppelt,
  Dreifach schwur sie: wie gern verlre sie, wre das Unglck
  Nicht dem Herren begegnet, ihr bichen Habe zusammen.
  Ja, sie schwur: ein Schatz von Golde, wenn sie ihn htte,
  Sollte sie wahrlich nicht reuen, sie wollt ihn missen. So jammert'
  Sie die Schande des Herrn und seine schwere Verwundung.
  Endlich brachten sie ihn mit vielen Klagen zu Bette,
  Lieen Hinzen am Strick und hatten seiner vergessen.

  Als nun Hinze, der Kater, in seiner Not sich allein sah,
  Schmerzlich geschlagen und bel verwundet, so nahe dem Tode,
  Fat' er aus Liebe zum Leben den Strick und nagt' ihn behende.
  Sollt ich mich etwa erlsen vom groen bel? so dacht er.
  Und es gelang ihm, der Strick zerri. Wie fand er sich glcklich!
  Eilte, dem Ort zu entfliehn, wo er so vieles erduldet;
  Hastig sprang er zum Loche heraus und eilte die Strae
  Nach des Kniges Hof, den er des Morgens erreichte.
  rgerlich schalt er sich selbst: So mute dennoch der Teufel
  Dich durch Reinekens List, des bsen Verrters, bezwingen!
  Kommst du doch mit Schande zurck, am Auge geblendet
  Und mit Schlgen schmerzlich beladen, wie mut du dich schmen!

  Aber des Kniges Zorn entbrannte heftig, er drute
  Dem Verrter den Tod ohn alle Gnade. Da lie er
  Seine Rte versammeln; es kamen seine Baronen,
  Seine Weisen zu ihm, er fragte: wie man den Frevler
  Endlich brchte zu Recht, der schon so vieles verschuldet?
  Als nun viele Beschwerden sich ber Reineken huften,
  Redete Grimbart, der Dachs: Es mgen in diesem Gerichte
  Viele Herren auch sein, die Reineken bels gedenken,
  Doch wird niemand die Rechte des freien Mannes verletzen.
  Nun zum drittenmal mu man ihn fordern. Ist dieses geschehen,
  Kommt er dann nicht, so mge das Recht ihn schuldig erkennen.
  Da versetzte der Knig: Ich frchte, keiner von allen
  Ginge, dem tckischen Manne die dritte Ladung zu bringen.
  Wer hat ein Auge zu viel? wer mag verwegen genug sein,
  Leib und Leben zu wagen um diesen bsen Verrter?
  Seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen und dennoch am Ende
  Reineken nicht zu stellen? Ich denke, niemand versucht es.
   berlaut versetzte der Dachs: Herr Knig, begehret
  Ihr es von mir, so will ich sogleich die Botschaft verrichten,
  Sei es, wie es auch sei. Wollt Ihr mich ffentlich senden,
  Oder geh ich, als km ich von selber? Ihr drft nur befehlen.
  Da beschied ihn der Knig: So geht dann! Alle die Klagen
  Habt Ihr smtlich gehrt, und geht nur weislich zu Werke
  Denn es ist ein gefhrlicher Mann. Und Grimbart versetzte:
  Einmal mu ich es wagen und hoff ihn dennoch zu bringen.
  So betrat er den Weg nach Malepartus, der Feste;
  Reineken fand er daselbst mit Weib und Kindern und sagte:
  Oheim Reineke, seid mir gegrt! Ihr seid ein gelehrter,
  Weiser, kluger Mann, wir mssen uns alle verwundern,
  Wie Ihr des Knigs Ladung verachtet, ich sage, verspottet,
  Deucht Euch nicht, es wre nun Zeit? Es mehren sich immer
  Klagen und bse Gerchte von allen Seiten. Ich rat Euch,
  Kommt nach Hofe mit mir, es hilft kein lngeres Zaudern.
  Viele, viele Beschwerden sind vor den Knig gekommen,
  Heute werdet Ihr nun zum dritten Male geladen;
  Stellt Ihr Euch nicht, so seid Ihr verurteilt. Dann fhret der Knig
  Seine Vasallen hieher, Euch einzuschlieen, in dieser
  Feste Malepartus Euch zu belagern; so gehet
  Ihr mit Weib und Kindern und Gut und Leben zugrunde.
  Ihr entfliehet dem Knige nicht; drum ist es am besten,
  Kommt nach Hofe mit mir! Es wird an listiger Wendung
  Euch nicht fehlen, Ihr habt sie bereit und werdet Euch retten;
  Denn Ihr habt ja wohl oft, auch an gerichtlichen Tagen,
  Abenteuer bestanden, weit grer als dieses, und immer
  Kamt Ihr glcklich davon und Eure Gegner in Schande.

  Grimbart hatte gesprochen, und Reineke sagte dagegen:
  Oheim, Ihr ratet mir wohl, da ich zu Hofe mich stelle,
  Meines Rechtes selber zu wahren. Ich hoffe, der Knig
  Wird mir Gnade gewhren; er wei, wie sehr ich ihm ntze;
  Aber er wei auch, wie sehr ich deshalb den andern verhat bin.
  Ohne mich kann der Hof nicht bestehn. Und htt ich noch zehnmal
  Mehr verbrochen, so wei ich es schon: sobald mirs gelinget,
  Ihm in die Augen zu sehen und ihn zu sprechen, so fhlt er
  Seinen Zorn im Busen bezwungen. Denn freilich begleiten
  Viele den Knig und kommen in seinem Rate zu sitzen;
  Aber es geht ihm niemal zu Herzen; sie finden zusammen
  Weder Rat noch Sinn. Doch bleibet an jeglichem Hofe,
  Wo ich immer auch sei, der Ratschlu meinem Verstande.
  Denn versammeln sich Knig und Herren, in kitzlichen Sachen
  Klugen Rat zu ersinnen, so mu ihn Reineken finden.
  Das mignnen mir viele. Die hab ich leider zu frchten,
  Denn sie haben den Tod mir geschworen, und grade die Schlimmsten
  Sind am Hofe versammelt, das macht mich eben bekmmert.
  ber zehen und Mchtige sinds, wie kann ich alleine
  Vielen widerstehn? Drum hab ich immer gezaudert.
  Gleichwohl find ich es besser, mit Euch nach Hofe zu wandeln,
  Meine Sache zu wahren; das soll mehr Ehre mir bringen,
  Als durch Zaudern mein Weib und meine Kinder in ngsten
  Und Gefahren zu strzen; wir wren alle verloren.
  Denn der Knig ist mir zu mchtig, und was es auch wre,
  Mt ich tun, sobald ers befiehlt. Wir knnen versuchen,
  Gute Vertrge vielleicht mit unsern Feinden zu schlieen.

  Reineke sagte darnach: Frau Ermelyn, nehmet der Kinder
  (Ich empfehl es Euch) wahr, vor allen andern des jngsten,
  Reinharts; es stehn ihm die Zhne so artig ums Mulchen, ich hoff, er
  Wird der leibhaftige Vater; und hier ist Rossel, das Schelmchen,
  Der mir ebenso lieb ist. O! tut den Kindern zusammen
  Etwas zu gut, indes ich weg bin! Ich wills Euch gedenken,
  Kehr ich glcklich zurck und Ihr gehorchet den Worten.
  Also schied er von dannen mit Grimbart, seinem Begleiter,
  Lie Frau Ermelyn dort mit beiden Shnen und eilte;
  Unberaten lie er sein Haus; das schmerzte die Fchsin.

  Beide waren noch nicht ein Stndchen Weges gegangen,
  Als zu Grimbart Reineke sprach: Mein teuerster Oheim,
  Wertester Freund, ich mu Euch gestehn, ich bebe vor Sorgen.
  Ich entschlage mich nicht des ngstlichen, bangen Gedankens,
  Da ich wirklich dem Tod entgegensehe. Da seh ich
  Meine Snden vor mir, so viel ich deren begangen.
  Ach! Ihr glaubet mir nicht die Unruh, die ich empfinde.
  Lat mich beichten! hret mich an! kein anderer Pater
  Ist in der Nhe zu finden; und hab ich alles vom Herzen,
  Werd ich nicht schlimmer darum vor meinem Knige stehen.
  Grimbart sagte: Verredet zuerst das Rauben und Stehlen,
  Allen bsen Verrat und andre gewhnliche Tcken,
  Sonst kann Euch die Beichte nicht helfen. Ich wei es, versetzte
  Reineke: darum lat mich beginnen und hret bedchtig.

  Confiteor tibi Pater et Mater, da ich der Otter,
  Da ich dem Kater und manchen gar manche Tcke versetzte,
  Ich bekenn es und lasse mir gern die Bue gefallen.
  Redet Deutsch, versetzte der Dachs, damit ichs verstehe.
  Reineke sagte: Ich habe mich freilich, wie sollt ich es leugnen!
  Gegen alle Tiere, die jetzo leben, versndigt.
  Meinen Oheim, den Bren, den hielt ich im Baume gefangen;
  Blutig ward ihm sein Haupt, und viele Prgel ertrug er.
  Hinzen fhrt ich nach Musen; allein am Stricke gehalten
  Mut er vieles erdulden und hat sein Auge verloren.
  Und so klaget auch Henning mit Recht, ich raubt ihm die Kinder,
  Gro und kleine, wie ich sie fand, und lie sie mir schmecken.
  Selbst verschont ich des Kniges nicht, und mancherlei Tcken
  bt ich khnlich an ihm und an der Knigin selber;
  Spt verwindet sies nur. Und weiter mu ich bekennen:
  Isegrim hab ich, den Wolf, mit allem Fleie geschndet;
  Alles zu sagen, fnd ich nicht Zeit. So hab ich ihn immer
  Scherzend Oheim genannt, und wir sind keine Verwandte.
  Einmal, es werden nun bald sechs Jahre, kam er nach Elkmar
  Zu mir ins Kloster, ich wohnte daselbst, und bat mich um Beistand,
  Weil er eben ein Mnch zu werden gedchte. Das, meint' er,
  Wr ein Handwerk fr ihn, und zog die Glocke. Das Luten
  Freut' ihn so sehr! Ich band ihm darauf die vorderen Fe
  Mit dem Seile zusammen, er war es zufrieden und stand so,
  Zog und erlustigte sich und schien das Luten zu lernen.
  Doch es sollt ihm die Kunst zu schlechter Ehre gedeihen,
  Denn er lutete zu wie toll und trig. Die Leute
  Liefen eilig bestrzt aus allen Straen zusammen,
  Denn sie glaubten, es sei ein groes Unglck begegnet;
  Kamen und fanden ihn da, und eh er sich eben erklrte,
  Da er den geistlichen Stand ergreifen wolle, so war er
  Von der dringenden Menge beinah zu Tode geschlagen.
  Dennoch beharrte der Tor auf seinem Vorsatz und bat mich,
  Da ich ihm sollte mit Ehren zu einer Platte verhelfen;
  Und ich lie ihm das Haar auf seinem Scheitel versengen,
  Da die Schwarte davon zusammenschrumpfte. So hab ich
  Oft ihm Prgel und Ste mit vieler Schande bereitet.
  Fische lehrt ich ihn fangen, sie sind ihm bel bekommen.
  Einmal folgt' er mir auch im Jlicher Lande, wir schlichen
  Zu der Wohnung des Pfaffen, des reichsten in dortiger Gegend.
  Einen Speicher hatte der Mann mit kstlichen Schinken,
  Lange Seiten des zartesten Specks verwahrt' er daneben,
  Und ein frisch gesalzenes Fleisch befand sich im Troge.
  Durch die steinerne Mauer gelang es Isegrim endlich,
  Eine Spalte zu kratzen, die ihn gemchlich hindurchlie,
  Und ich trieb ihn dazu, es trieb ihn seine Begierde.
  Aber da konnt er sich nicht im berflusse bezwingen,
  bermig fllt' er sich an; da hemmte gewaltig
  Den geschwollenen Leib und seine Rckkehr die Spalte.
  Ach, wie klagt' er sie an, die ungetreue, sie lie ihn
  Hungrig hinein und wollte dem Satten die Rckkehr verwehren.
  Und ich machte darauf ein groes Lrmen im Dorfe,
  Da ich die Menschen erregte, die Spuren des Wolfes zu finden.
  Denn ich lief in die Wohnung des Pfaffen und traf ihn beim Essen,
  Und ein fetter Kapaun ward eben vor ihn getragen,
  Wohlgebraten; ich schnappte darnach und trug ihn von dannen.
  Hastig wollte der Pfaffe mir nach und lrmte, da stie er
  ber den Haufen den Tisch mit Speisen und allem Getrnke.
  Schlaget, werfet, fanget und stechet! so rief der ergrimmte
  Pater und fiel und khlte den Zorn (er hatte die Pftze
  Nicht gesehen) und lag. Und alle kamen und schrien:
  Schlagt! ich rannte davon und hinter mir alle zusammen,
  Die mir das Schlimmste gedachten. Am meisten lrmte der Pfaffe:
  Welch ein verwegener Dieb! Er nahm das Huhn mir vom Tische!
  Und so lief ich voraus, bis zu dem Speicher, da lie ich
  Wider Willen das Huhn zur Erde fallen, es ward mir
  Endlich leider zu schwer; und so verlor mich die Menge.
  Aber sie fanden das Huhn, und da der Pater es aufhub,
  Ward er des Wolfes im Speicher gewahr, es sah ihn der Haufen.
  Allen rief der Pater nun zu: Hierher nur! und trefft ihn!
  Uns ist ein anderer Dieb, ein Wolf, in die Hnde gefallen,
  Km er davon, wir wren beschimpft; es lachte wahrhaftig
  Alles auf unsere Kosten im ganzen Jlicher Lande.
  Was er nur konnte, dachte der Wolf. Da regnet' es Schlge
  Hierher und dorther ihm ber den Leib und schmerzliche Wunden.
  Alle schrien, so laut sie konnten; die brigen Bauern
  Liefen zusammen und streckten fr tot ihn zur Erde darnieder.
  Greres Weh geschah ihm noch nie, solang er auch lebte.
  Malt' es einer auf Leinwand, es wre seltsam zu sehen,
  Wie er dem Pfaffen den Speck und seine Schinken bezahlte.
  Auf die Strae warfen sie ihn und schleppten ihn eilig
  ber Stock und Stein; es war kein Leben zu spren.
  Und er hatte sich unrein gemacht, da warf man mit Abscheu
  Vor das Dorf ihn hinaus: er lag in schlammiger Grube,
  Denn sie glaubten ihn tot. In solcher schmhlichen Ohnmacht
  Blieb er, ich wei nicht wie lange, bevor er sein Elend gewahr ward.
  Wie er noch endlich entkommen, das hab ich niemals erfahren.
  Und doch schwur er hernach (es kann ein Jahr sein), mir immer
  Treu und gewrtig zu bleiben; nur hat es nicht lange gedauert.
  Denn warum er mir schwur, das konnt ich leichtlich begreifen:
  Gerne htt er einmal sich satt an Hhnern gegessen.
  Und damit ich ihn tchtig betrge, beschrieb ich ihm ernstlich
  Einen Balken, auf dem sich ein Hahn des Abends gewhnlich
  Neben sieben Hhnern zu setzen pflegte. Da fhrt' ich
  Ihn im stillen bei Nacht, es hatte zwlfe geschlagen,
  Und der Laden des Fensters, mit leichter Latte gesttzet,
  Stand (ich wut es) noch offen. Ich tat, als wollt ich hineingehn;
  Aber ich schmiegte mich an und lie dem Oheim den Vortritt.
  Gehet frei nur hinein, so sagt ich: wollt Ihr gewinnen,
  Seid geschftig, es gilt! Ihr findet gemstete Hennen.
  Gar bedchtig kroch er hinein und tastete leise
  Hier- und dahin und sagte zuletzt mit zornigen Worten:
  O wie fhrt Ihr mich schlecht! ich finde wahrlich von Hhnern
  Keine Feder. Ich sprach: Die vorne pflegten zu sitzen,
  Hab' ich selber geholt, die andern sitzen dahinten.
  Geht nur unverdrossen voran und tretet behutsam.
  Freilich der Balken war schmal, auf dem wir gingen. Ich lie ihn
  Immer voraus und hielt mich zurck und drckte mich rckwrts
  Wieder zum Fenster hinaus und zog am Holze; der Laden
  Schlug und klappte, das fuhr dem Wolf in die Glieder und schreckt' ihn;
  Zitternd plumpt' er hinab vom schmalen Balken zur Erde.
  Und erschrocken erwachten die Leute, sie schliefen am Feuer.
  Sagt, was fiel zum Fenster herein? so riefen sie alle,
  Rafften behende sich auf, und eilig brannte die Lampe.
  In der Ecke fanden sie ihn und schlugen und gerbten
  Ihm gewaltig das Fell; mich wundert, wie er entkommen.

  Weiter bekenn ich vor Euch: da ich Frau Gieremund heimlich
  fters besucht und ffentlich auch. Das htte nun freilich
  Unterbleiben sollen, o wr es niemals geschehen!
  Denn solange sie lebt, verwindet sie schwerlich die Schande.

  Alles hab ich Euch jetzt gebeichtet, dessen ich irgend
  Mich zu erinnern vermag, was meine Seele beschweret.
  Sprechet mich los! ich bitte darum; ich werde mit Demut
  Jede Bue vollbringen, die schwerste, die Ihr mir auflegt.

  Grimbart wute sich schon in solchen Fllen zu nehmen,
  Brach ein Reischen am Wege, dann sprach er: Oheim, nun schlagt Euch
  Dreimal ber den Rcken mit diesem Reischen und legt es,
  Wie ichs Euch zeige, zur Erde und springet dreimal darber;
  Dann mit Sanftmut ksset das Reis und zeigt Euch gehorsam.
  Solche Bue leg ich Euch auf und spreche von allen
  Snden und allen Strafen Euch los und ledig, vergeb Euch
  Alles im Namen des Herrn, soviel Ihr immer begangen.

  Und als Reineke nun die Bue willig vollendet,
  Sagte Grimbart: Lasset an guten Werken, mein Oheim,
  Eure Besserung spren und leset Psalmen, besuchet
  Fleiig die Kirchen und fastet an rechten gebotenen Tagen;
  Wer Euch fraget, dem weiset den Weg, und gebet den Armen
  Gern, und schwret mir zu, das bse Leben zu lassen,
  Alles Rauben und Stehlen, Verrat und bse Verfhrung,
  Und so ist es gewi, da Ihr zu Gnaden gelanget.
  Reineke sprach: So will ich es tun, so sei es geschworen!

  Und so war die Beichte vollendet. Da gingen sie weiter
  Nach des Kniges Hof. Der fromme Grimbart und jener
  Kamen durch schwrzliche fette Gebreite; sie sahen ein Kloster
  Rechter Hand des Weges. Es dienten geistliche Frauen,
  Spat und frh, dem Herren daselbst und nhrten im Hofe
  Viele Hhner und Hhne, mit manchem schnen Kapaune,
  Welche nach Futter zuweilen sich auer der Mauer zerstreuten.
  Reineke pflegte sie oft zu besuchen. Da sagt' er zu Grimbart:
  Unser krzester Weg geht an der Mauer vorber;
  Aber er meinte die Hhner, wie sie im Freien spazierten.
  Seinen Beichtiger fhrt' er dahin, sie nahten den Hhnern;
  Da verdrehte der Schalk die gierigen Augen im Kopfe.
  Ja, vor allen gefiel ihm ein Hahn, der jung und gemstet
  Hinter den andern spazierte, den fat' er treulich ins Auge,
  Hastig sprang er hinter ihm drein; es stoben die Federn.

  Aber Grimbart, entrstet, verwies ihm den schndlichen Rckfall.
  Handelt Ihr so? unseliger Oheim, und wollt Ihr schon wieder
  Um ein Huhn in Snde geraten, nachdem Ihr gebeichtet?
  Schne Reue hei ich mir das! Und Reineke sagte:
  Hab ich es doch in Gedanken getan! O teuerster Oheim,
  Bittet zu Gott, er mge die Snde mir gndig vergeben.
  Nimmer tu ich es wieder und la es gerne. Sie kamen
  Um das Kloster herum in ihre Strae, sie muten
  ber ein schmales Brckchen hinber, und Reineke blickte
  Wieder nach den Hhnern zurck; er zwang sich vergebens.
  Htte jemand das Haupt ihm abgeschlagen, es wre
  Nach den Hhnern geflogen; so heftig war die Begierde.

  Grimbart sah es und rief. Wo lat Ihr, Neffe, die Augen
  Wieder spazieren? Frwahr, Ihr seid ein hlicher Vielfra!
  Reineke sagte darauf: Das macht Ihr bel, Herr Oheim!
  bereilet Euch nicht und strt nicht meine Gebete;
  Lat ein Paternoster mich sprechen. Die Seelen der Hhner
  Und der Gnse bedrfen es wohl, soviel ich den Nonnen,
  Diesen heiligen Frauen, durch meine Klugheit entrissen.
  Grimbart schwieg, und Reineke Fuchs verwandte das Haupt nicht
  Von den Hhnern, solang er sie sah. Doch endlich gelangten
  Sie zur rechten Strae zurck und nahten dem Hofe.
  Und als Reineke nun die Burg des Knigs erblickte,
  Ward er innig betrbt; denn heftig war er beschuldigt.





  Vierter Gesang


  Als man bei Hofe vernahm, es komme Reineke wirklich,
  Drngte sich jeder heraus, ihn zu sehn, die Groen und Kleinen,
  Wenige freundlich gesinnt, fast alle hatten zu klagen.
  Aber Reineken deuchte, das sei von keiner Bedeutung;
  Wenigstens stellt' er sich so, da er mit Grimbart, dem Dachse,
  Jetzo dreist und zierlich die hohe Strae daherging.
  Mutig kam er heran und gelassen, als wr er des Knigs
  Eigener Sohn und frei und ledig von allen Gebrechen.
  Ja, so trat er vor Nobel, den Knig, und stand im Palaste
  Mitten unter den Herren; er wute sich ruhig zu stellen.

  Edler Knig, gndiger Herr! begann er zu sprechen:
  Edel seid Ihr und gro, von Ehren und Wrden der Erste;
  Darum bitt ich von Euch, mich heute rechtlich zu hren.
  Keinen treueren Diener hat Eure frstliche Gnade
  Je gefunden als mich, das darf ich khnlich behaupten.
  Viele wei ich am Hofe, die mich darber verfolgen.
  Eure Freundschaft wrd ich verlieren, woferne die Lgen
  Meiner Feinde, wie sie es wnschen, Euch glaublich erschienen;
  Aber glcklicherweise bedenkt Ihr jeglichen Vortrag,
  Hrt den Beklagten so gut als den Klger; und haben sie vieles
  Mir im Rcken gelogen, so bleib ich ruhig und denke:
  Meine Treue kennt Ihr genug, sie bringt mir Verfolgung.

  Schweiget! versetzte der Knig: es hilft kein Schwtzen und Schmeicheln,
  Euer Frevel ist laut, und Euch erwartet die Strafe.
  Habt Ihr den Frieden gehalten, den ich den Tieren geboten?
  Den ich geschworen? Da steht der Hahn! Ihr habt ihm die Kinder,
  Falscher, leidiger Dieb! eins nach dem andern entrissen.
  Und wie lieb Ihr mich habt, das wollt Ihr, glaub ich, beweisen,
  Wenn Ihr mein Ansehn schmht und meine Diener beschdigt.
  Seine Gesundheit verlor der arme Hinze! Wie langsam
  Wird der verwundete Braun von seinen Schmerzen genesen!
  Aber ich schelt Euch nicht weiter. Denn hier sind Klger die Menge,
  Viele bewiesene Taten. Ihr mchtet schwerlich entkommen.

  Bin ich, gndiger Herr, deswegen strafbar? versetzte
  Reineke: kann ich davor, wenn Braun mit blutiger Platte
  Wieder zurckkehrt? Wagt' er sich doch und wollte vermessen
  Rsteviels Honig verzehren; und kamen die tlpischen Bauern
  Ihm zu Leibe, so ist er ja stark und mchtig an Gliedern;
  Schlugen und schimpften sie ihn, eh er ins Wasser gekommen,
  Htt er als rstiger Mann die Schande billig gerochen.
  Und wenn Hinze, der Kater, den ich mit Ehren empfangen,
  Nach Vermgen bewirtet, sich nicht vom Stehlen enthalten,
  In die Wohnung des Pfaffen, so sehr ich ihn treulich verwarnte,
  Sich bei Nacht geschlichen und dort was bels erfahren:
  Hab ich Strafe verdient, weil jene tricht gehandelt?
  Eurer frstlichen Krone geschhe das wahrlich zu nahe!
  Doch Ihr mget mit mir nach Eurem Willen verfahren,
  Und, so klar auch die Sache sich zeigt, beliebig verfgen:
  Mag es zum Nutzen, mag es zum Schaden auch immer gereichen.
  Soll ich gesotten, gebraten, geblendet oder gehangen
  Werden oder gekpft, so mag es eben geschehen!
  Alle sind wir in Eurer Gewalt, Ihr habt uns in Hnden.
  Mchtig seid Ihr und stark, was widerstnde der Schwache?
  Wollt Ihr mich tten, das wrde frwahr ein geringer Gewinn sein.
  Doch es komme, was will; ich stehe redlich zu Rechte.

  Da begann der Widder Bellyn: Die Zeit ist gekommen,
  Lat uns klagen! Und Isegrim kam mit seinen Verwandten,
  Hinze, der Kater, und Braun, der Br, und Tiere zu Scharen.
  Auch der Esel Boldewyn kam und Lampe, der Hase,
  Wackerlos kam, das Hndchen, und Ryn, die Dogge, die Ziege
  Metke, Hermen, der Bock, dazu das Eichhorn, die Wiesel
  Und das Hermelin. Auch waren der Ochs und das Pferd nicht
  Auen geblieben; daneben ersah man die Tiere der Wildnis,
  Als den Hirsch und das Reh und Bokert, den Biber, den Marder,
  Das Kaninchen, den Eber, und alle drngten einander.
  Bartolt, der Storch, und Markart, der Hher, und Ltke, der Kranich,
  Flogen herber; es meldeten sich auch Tybbke, die Ente,
  Alheid, die Gans, und andere mehr mit ihren Beschwerden.
  Henning, der traurige Hahn, mit seinen wenigen Kindern
  Klagte heftig; es kamen herbei unzhlige Vgel
  Und der Tiere so viel, wer wte die Menge zu nennen!
  Alle gingen dem Fuchs zu Leibe, sie hofften, die Frevel
  Nun zur Sprache zu bringen und seine Strafe zu sehen.
  Vor den Knig drngten sie sich mit heftigen Reden,
  Huften Klagen auf Klagen, und alt und neue Geschichten
  Brachten sie vor. Man hatte noch nie an Einem Gerichtstag
  Vor des Kniges Thron so viele Beschwerden gehret.
  Reineke stand und wute darauf gar knstlich zu dienen:
  Denn ergriff er das Wort, so flo die zierliche Rede
  Seiner Entschuldigung her, als wre es lautere Wahrheit;
  Alles wut er beiseite zu lehnen und alles zu stellen.
  Hrte man ihn, man wunderte sich und glaubt' ihn entschuldigt,
  Ja, er hatte noch briges Recht und vieles zu klagen.
  Aber es standen zuletzt wahrhaftige redliche Mnner
  Gegen Reineken auf, die wider ihn zeugten, und alle
  Seine Frevel fanden sich klar. Nun war es geschehen!
  Denn im Rate des Knigs mit Einer Stimme beschlo man:
  Reineke Fuchs sei schuldig des Todes! So soll man ihn fahen,
  Soll ihn binden und hngen an seinem Halse, damit er
  Seine schweren Verbrechen mit schmhlichem Tode verbe.

  Jetzt gab Reineke selbst das Spiel verloren; es hatten
  Seine klugen Worte nur wenig geholfen. Der Knig
  Sprach das Urteil selber. Da schwebte dem losen Verbrecher,
  Als sie ihn fingen und banden, sein klgliches Ende vor Augen.

  Wie nun nach Urteil und Recht gebunden Reineke dastand,
  Seine Feinde sich regten, zum Tod ihn eilend zu fhren,
  Standen die Freunde betroffen und waren schmerzlich bekmmert,
  Martin, der Affe, mit Grimbart und vielen aus Reinekens Sippschaft.
  Ungern hrten sie an das Urteil und trauerten alle
  Mehr, als man dchte. Denn Reineke war der ersten Baronen
  Einer und stand nun entsetzt von allen Ehren und Wrden
  Und zum schmhlichen Tode verdammt. Wie mute der Anblick
  Seine Verwandten empren! Sie nahmen alle zusammen
  Urlaub vom Knige, rumten den Hof, so viele sie waren.

  Aber dem Knige ward es verdrielich, da ihn so viele
  Ritter verlieen. Es zeigte sich nun die Menge Verwandten,
  Die sich, mit Reinekens Tod sehr unzufrieden, entfernten.
  Und der Knig sprach zu einem seiner Vertrauten:
  Freilich ist Reineke boshaft, allein man sollte bedenken,
  Viele seiner Verwandten sind nicht zu entbehren am Hofe.

  Aber Isegrim, Braun und Hinze, der Kater, sie waren
  Um den Gebundnen geschftig, sie wollten die schndliche Strafe,
  Wie es der Knig gebot, an ihrem Feinde vollziehen,
  Fhrten ihn hastig hinaus und sahen den Galgen von ferne.
  Da begann der Kater erbost zum Wolfe zu sprechen:
  Nun bedenket, Herr Isegrim, wohl, wie Reineke damals
  Alles tat und betrieb, wie seinem Hasse gelungen,
  Euren Bruder am Galgen zu sehn. Wie zog er so frhlich
  Mit ihm hinaus! Versumet ihm nicht die Schuld zu bezahlen.
  Und gedenket, Herr Braun, er hat Euch schndlich verraten,
  Euch in Rsteviels Hofe dem groben, zornigen Volke,
  Mnnern und Weibern, treulos geliefert und Schlgen und Wunden
  Und der Schande dazu, die allerorten bekannt ist.
  Habet acht und haltet zusammen! Entkm er uns heute,
  Knnte sein Witz ihn befrein und seine listigen Rnke,
  Niemals wrd uns die Stunde der sen Rache beschert sein.
  Lat uns eilen und rchen, was er an allen verschuldet.

  Isegrim sprach: Was helfen die Worte? Geschwinde verschafft mir
  Einen tchtigen Strick; wir wollen die Qual ihm verkrzen.
  Also sprachen sie wider den Fuchs und zogen die Strae.

  Aber Reineke hrte sie schweigend; doch endlich begann er:
  Da ihr so grausam mich hat und tdliche Rache begehret,
  Wisset Ihr doch keine Ende zu finden! Wie mu ich mich wundern!
  Hinze wte wohl Rat zu einem tchtigen Stricke:
  Denn er hat ihn geprft, als in des Pfaffen Behausung
  Er sich nach Musen hinablie und nicht mit Ehren davonkam.
  Aber Isegrim, Ihr, und Braun, ihr eilt ja gewaltig,
  Euren Oheim zum Tode zu bringen; ihr meint, es gelnge.

  Und der Knig erhob sich mit allen Herren des Hofes,
  Um das Urteil vollstrecken zu sehn; es schlo an den Zug sich
  Auch die Knigin an, von ihren Frauen begleitet;
  Hinter ihnen strmte die Menge der Armen und Reichen,
  Alle wnschten Reinekens Tod und wollten ihn sehen.
  Isegrim sprach indes mit seinen Verwandten und Freunden
  Und ermahnete sie, ja, fest aneinander geschlossen,
  Auf den gebundenen Fuchs ein wachsam Auge zu haben;
  Denn sie frchteten immer, es mchte der Kluge sich retten.
  Seinem Weibe befahl der Wolf besonders: Bei deinem
  Leben! siehe mir zu und hilf den Bsewicht halten.
  Km er los, wir wrden es alle gar schmhlich empfinden.
  Und zu Braunen sagt' er: Gedenket, wie er Euch hhnte;
  Alles knnt Ihr ihm nun mit reichlichen Zinsen bezahlen.
  Hinze klettert und soll uns den Strick da oben befesten;
  Haltet ihn und stehet mir bei, ich rcke die Leiter,
  Wenig Minuten, so solls um diesen Schelmen getan sein!
  Braun versetzte: Stellt nur die Leiter, ich will ihn schon halten.

  Seht doch! sagte Reineke drauf: wie seid ihr geschftig,
  Euren Oheim zum Tode zu bringen! Ihr solltet ihn eher
  Schtzen und schirmen und, wr er in Not, euch seiner erbarmen.
  Gerne bt ich um Gnade, allein was knnt es mir helfen?
  Isegrim hat mich zu sehr, ja seinem Weibe gebeut er,
  Mich zu halten und mir den Weg zur Flucht zu vertreten.
  Dchte sie voriger Zeiten, sie knnte mir wahrlich nicht schaden.
  Aber soll es nun ber mich gehn, so wollt ich, es wre
  Bald getan. So kam auch mein Vater in schreckliche Nten,
  Doch am Ende ging es geschwind. Es begleiteten freilich
  Nicht so viele den sterbenden Mann. Doch wolltet ihr lnger
  Mich verschonen, es mt euch gewi zur Schande gereichen.
  Hrt ihr, sagte der Br: wie trotzig der Bsewicht redet?
  Immer, immer hinauf! es ist sein Ende gekommen.

  ngstlich dachte Reineke nun: O mcht ich in diesen
  Groen Nten geschwind was glcklich Neues ersinnen,
  Da der Knig mir gndig das Leben schenkte und diese
  Grimmigen Feinde, die drei, in Schaden und Schande gerieten!
  Lat uns alles bedenken, und helfe, was helfen kann! denn hier
  Gilt es den Hals, die Not ist dringend, wie soll ich entkommen?
  Alles bel huft sich auf mich. Es zrnet der Knig,
  Meine Freunde sind fort und meine Feinde gewaltig;
  Selten hab ich was Gutes getan, die Strke des Knigs,
  Seiner Rte Verstand wahrhaftig wenig geachtet;
  Vieles hab ich verschuldet und hoffte dennoch, mein Unglck
  Wieder zu wenden. Gelnge mirs nur, zum Worte zu kommen,
  Wahrlich, sie hingen mich nicht; ich lasse die Hoffnung nicht fahren.

  Und er wandte darauf sich von der Leiter zum Volke,
  Rief: Ich sehe den Tod vor meinen Augen und werd ihm
  Nicht entgehen. Nur bitt ich euch alle, so viele mich hren,
  Um ein weniges nur, bevor ich die Erde verlasse.
  Gerne mcht ich vor euch in aller Wahrheit die Beichte
  Noch zum letztenmal ffentlich sprechen und redlich bekennen
  Alles bel, das ich getan, damit nicht ein andrer
  Etwa dieses oder jenes von mir im stillen begangnen,
  Unbekannten Verbrechens dereinst bezichtiget werde;
  So verht ich zuletzt noch manches bel, und hoffen
  Kann ich, es werde mirs Gott in allen Gnaden gedenken.

  Viele jammerte das. Sie sprachen untereinander:
  Klein ist die Bitte, gering nur die Frist! Sie baten den Knig,
  Und der Knig vergnnt' es. Da wurd es Reineken wieder
  Etwas leichter ums Herz, er hoffte glcklichen Ausgang;
  Gleich benutzt' er den Raum, der ihm gegnnt war, und sagte:

  Spiritus Domini helfe mir nun! Ich sehe nicht Einen
  Unter der groen Versammlung, den ich nicht irgend beschdigt.
  Erst, ich war noch ein kleiner Kompan und hatte die Brste
  Kaum zu saugen verlernt, da folgt ich meinen Begierden
  Unter die jungen Lmmer und Ziegen, die neben der Herde
  Sich im Freien zerstreuten; ich hrte die blkenden Stimmen
  Gar zu gerne, da lstete mich nach leckerer Speise.
  Lernte hurtig sie kennen. Ein Lmmchen bi ich zu Tode,
  Leckte das Blut, es schmeckte mir kstlich! und ttete weiter
  Vier der jngsten Ziegen und a sie, und bte mich ferner;
  Sparte keine Vgel, noch Hhner, noch Enten, noch Gnse,
  Wo ich sie fand, und habe gar manches im Sande vergraben,
  Was ich geschlachtet und was mir nicht alles zu essen beliebte.

  Dann begegnet' es mir: in einem Winter am Rheine
  Lernt ich Isegrim kennen, er lauerte hinter den Bumen.
  Gleich versichert' er mir, ich sei aus seinem Geschlechte,
  Ja, er wute mir gar die Grade der Sippschaft am Finger
  Vorzurechnen. Ich lie mirs gefallen; wir schlossen ein Bndnis
  Und gelobten einander, als treue Gesellen zu wandern,
  Leider sollt ich dadurch mir manches bel bereiten.
  Wir durchstrichen zusammen das Land. Da stahl er das Groe,
  Stahl ich das Kleine. Was wir gewonnen, das sollte gemein sein;
  Aber es war nicht gemein, wie billig: er teilte nach Willkr;
  Niemals empfing ich die Hlfte. Ja, Schlimmeres hab ich erfahren.
  Wenn er ein Kalb sich geraubt, sich einen Widder erbeutet,
  Wenn ich im berflu sitzen ihn fand, er eben die Ziege,
  Frisch geschlachtet, verzehrte, ein Bock ihm unter den Klauen
  Lag und zappelte, grinst' er mich an und stellte sich grmlich,
  Trieb mich knurrend hinweg: so war mein Teil ihm geblieben.
  Immer ging es mir so, es mochte der Braten so gro sein,
  Als er wollte. Ja, wenn es geschah, da wir in Gesellschaft
  Einen Ochsen gefangen, wir eine Kuh uns gewonnen,
  Gleich erschienen sein Weib und sieben Kinder und warfen
  ber die Beute sich her und drngten mich hinter die Mahlzeit.
  Keine Rippe konnt ich erlangen, sie wre denn gnzlich
  Glatt und trocken genagt; das sollte mir alles gefallen!
  Aber, Gott sei gedankt, ich litt deswegen nicht Hunger;
  Heimlich nhrt ich mich wohl von meinem herrlichen Schatze,
  Von dem Silber und Golde, das ich an sicherer Sttte
  Heimlich verwahre; des hab ich genug. Es schafft mir wahrhaftig
  Ihn kein Wagen hinweg, und wenn er siebenmal fhre.

  Und es horchte der Knig, da von dem Schatze gesagt ward,
  Neigte sich vor und sprach: Von wannen ist er Euch kommen?
  Saget an! ich meine den Schatz. Und Reineke sagte:
  Dieses Geheimnis verhehl ich Euch nicht, was knnt es mir helfen?
  Denn ich nehme nichts mit von diesen kstlichen Dingen.
  Aber wie Ihr befehlt, will ich Euch alles erzhlen,
  Denn es mu nun einmal heraus; um Liebes und Leides
  Mcht ich wahrhaftig das groe Geheimnis nicht lnger verhehlen:
  Denn der Schatz war gestohlen. Es hatten sich viele verschworen,
  Euch, Herr Knig, zu morden, und wurde zur selbigen Stunde
  Nicht der Schatz mit Klugheit entwendet, so war es geschehen.
  Merket es, gndiger Herr! denn Euer Leben und Wohlfahrt
  Hing an dem Schatz. Und da man ihn stahl, das brachte denn leider
  Meinen eigenen Vater in groe Nten, es bracht ihn
  Frhe zur traurigen Fahrt, vielleicht zu ewigem Schaden;
  Aber, gndiger Herr, zu Eurem Nutzen geschah es!

  Und die Knigin hrte bestrzt die grliche Rede,
  Das verworrne Geheimnis von ihres Gemahles Ermordung,
  Von dem Verrat, vom Schatz, und was er alles gesprochen.
  Ich vermahn Euch, Reineke, rief sie: bedenket! Die lange
  Heimfahrt steht Euch bevor, entladet reuig die Seele;
  Saget die lautere Wahrheit und redet mir deutlich vom Morde.
  Und der Knig setzte hinzu: ein jeglicher schweige!
  Reineke komme nun wieder herab und trete mir nher;
  Denn es betrifft die Sache mich selbst, damit ich sie hre.

  Reineke, der es vernahm, stand wieder getrstet, die Leiter
  Stieg er zum groen Verdru der Feindlichgesinnten herunter;
  Und er nahte sich gleich dem Knig und seiner Gemahlin,
  Die ihn eifrig befragten, wie diese Geschichte begegnet.

  Da bereitet' er sich zu neuen gewaltigen Lgen.
  Knnt ich des Kniges Huld und seiner Gemahlin, so dacht er,
  Wiedergewinnen, und knnte zugleich die List mir gelingen,
  Da ich die Feinde, die mich dem Tod entgegengefhret,
  Selbst verdrbe, das rettete mich aus allen Gefahren.
  Sicher wre mir das ein unerwarteter Vorteil;
  Aber ich sehe schon, Lgen bedarf es und ber die Maen.

  Ungeduldig befragte die Knigin Reineken weiter:
  Lasset uns deutlich vernehmen, wie diese Sache beschaffen!
  Saget die Wahrheit, bedenkt das Gewissen, entladet die Seele!

  Reineke sagte darauf. Ich will Euch gerne berichten.
  Sterben mu ich nun wohl; es ist kein Mittel dagegen.
  Sollt ich meine Seele beladen am Ende des Lebens,
  Ewige Strafe verwirken, es wre tricht gehandelt.
  Besser ist es, da ich bekenne; und mu ich dann leider
  Meine lieben Verwandten und meine Freunde verklagen,
  Ach, was kann ich dafr! es drohen die Qualen der Hlle.

  Und es war dem Knige schon bei diesen Gesprchen
  Schwer geworden ums Herz. Er sagte: Sprichst du die Wahrheit?
  Da versetzte Reineke drauf mit verstellter Gebrde:
  Freilich bin ich ein sndiger Mensch; doch red ich die Wahrheit.
  Knnt es mir nutzen, wenn ich Euch lge! Da wrd ich mich selber
  Ewig verdammen. Ihr wit ja nun wohl, so ist es beschlossen:
  Sterben mu ich, ich sehe den Tod und werde nicht lgen;
  Denn es kann mir nicht Bses noch Gutes zur Hilfe gedeihen.
  Bebend sagte Reineke das und schien zu verzagen.

  Und die Knigin sprach: Mich jammert seine Beklemmung;
  Sehet ihn gnadenreich an, ich bitt Euch, mein Herr! und erwget:
  Manches Unheil wenden wir ab nach seinem Bekenntnis.
  Lat uns je eher je lieber den Grund der Geschichte vernehmen.
  Heiet jeglichen schweigen und lat ihn ffentlich sprechen.

  Und der Knig gebot, da schwieg die ganze Versammlung.
  Aber Reineke sprach: Beliebt es Euch, gndiger Knig,
  So vernehmet, was ich Euch sage. Geschieht auch mein Vortrag
  Ohne Brief und Papier, so soll er doch treu und genau sein;
  Ihr erfahrt die Verschwrung, und niemands denk ich zu schonen.





  Fnfter Gesang


  Nun vernehmet die List, und wie der Fuchs sich gewendet,
  Seine Frevel wieder zu decken und andern zu schaden.
  Bodenlose Lgen ersann er, beschimpfte den Vater
  Jenseit der Grube, beschwerte den Dachs mit groer Verleumdung,
  Seinen redlichsten Freund, der ihm bestndig gedienet.
  So erlaubt' er sich alles, damit er seiner Erzhlung
  Glauben schaffte, damit er an seinen Verklgern sich rchte.

  Mein Herr Vater, sagt' er darauf, war so glcklich gewesen,
  Knig Emmrichs, des Mchtigen, Schatz auf verborgenen Wegen
  Einst zu entdecken; doch bracht ihm der Fund gar wenigen Nutzen.
  Denn er berhub sich des groen Vermgens und schtzte
  Seinesgleichen von nun an nicht mehr, und seine Gesellen
  Achtet' er viel zu gering: er suchte sich hhere Freunde.
  Hinze, den Kater, sendet' er ab in die wilden Ardennen,
  Braun, den Bren, zu suchen, dem sollt er Treue versprechen,
  Sollt ihn laden, nach Flandern zu kommen und Knig zu werden.

  Als nun Braun das Schreiben gelesen, erfreut' es ihn herzlich;
  Unverdrossen und khn begab er sich eilig nach Flandern,
  Denn er hatte schon lange so was in Gedanken getragen.
  Meinen Vater fand er daselbst, der sah ihn mit Freuden,
  Sendete gleich nach Isegrim aus und nach Grimbart, dem Weisen,
  Und die vier verhandelten dann die Sache zusammen;
  Doch der fnfte dabei war Hinze, der Kater. Ein Drfchen
  Liegt allda, wird Ifte genannt, und grade da war es,
  Zwischen Ifte und Gent, wo sie zusammen gehandelt.
  Eine lange, dstere Nacht verbarg die Versammlung;
  Nicht mit Gott! es hatte der Teufel, es hatte mein Vater
  Sie in seiner Gewalt mit seinem leidigen Golde.
  Sie beschlossen des Kniges Tod, beschworen zusammen
  Festen, ewigen Bund, und also schwuren die fnfe
  Smtlich auf Isegrims Haupt: sie wollten Braunen, den Bren,
  Sich zum Knige whlen und auf dem Stuhle zu Aachen
  Mit der goldenen Krone das Reich ihm festlich versichern.
  Wollte nun auch von des Kniges Freunden und seinen Verwandten
  Jemand dagegen sich setzen, den sollte mein Vater bereden
  Oder bestechen, und ginge das nicht, sogleich ihn verjagen.
  Das bekam ich zu wissen: denn Grimbart hatte sich einmal
  Morgens lustig getrunken und war gesprchig geworden;
  Seinem Weibe verschwtzte der Tor die Heimlichkeit alle,
  Legte Schweigen ihr auf; da, glaubt' er, wre geholfen.
  Sie begegnete drauf bald meinem Weibe, die mut ihr
  Der drei Knige Namen zum feierlichen Gelbde
  Nennen, Ehr und Treue verpfnden, um Liebes und Leides
  Niemand ein Wrtchen zu sagen, und so entdeckt' sie ihr alles.
  Ebensowenig hat auch mein Weib das Versprechen gehalten:
  Denn sobald sie mich fand, erzhlte sie, was sie vernommen,
  Gab mir ein Merkmal dazu, woran ich die Wahrheit der Rede
  Leicht erkennte; doch war mir dadurch nur schlimmer geschehen.
  Ich erinnerte mich der Frsche, deren Gequake
  Bis zu den Ohren des Herrn im Himmel endlich gelangte.
  Einen Knig wollten sie haben und wollten im Zwange
  Leben, nachdem sie der Freiheit in allen Landen genossen.
  Da erhrte sie Gott und sandte den Storch, der bestndig
  Sie verfolget und hat und keinen Frieden gewhret.
  Ohne Gnade behandelt er sie; nun klagen die Toren,
  Aber leider zu spt: denn nun bezwingt sie der Knig.

  Reineke redete laut zur ganzen Versammlung, es hrten
  Alle Tiere sein Wort, und so verfolgt' er die Rede:
  Seht, fr alle frchtet ich das. So wr es geworden.
  Herr, ich sorgte fr Euch und hoffte bere Belohnung.
  Braunens Rnke sind mir bekannt, sein tckisches Wesen,
  Manche Missetat auch von ihm; ich besorgte das Schlimmste.
  Wrd er Herr, so wren wir alle zusammen verdorben.
  Unser Knig ist edel geboren und mchtig und gndig,
  Dacht ich im stillen bei mir: es wr ein trauriger Wechsel,
  Einen Bren und tlpischen Taugenicht so zu erhhen.
  Etliche Wochen sann ich darber und sucht es zu hindern.
  Auch vor allem begriff ich es wohl: behielte mein Vater
  Seinen Schatz in der Hand, so brcht er viele zusammen,
  Sicher gewnn er das Spiel, und wir verlren den Knig.
  Meine Sorge ging nun dahin, den Ort zu entdecken,
  Wo der Schatz sich befnde, damit ich ihn heimlich entfhrte.
  Zog mein Vater ins Feld, der alte, listige, lief er
  Nach dem Walde bei Tag oder Nacht, in Frost oder Hitze,
  Nss' oder Trockne, so war ich dahinter und sprte den Gang aus.

  Einmal lag ich versteckt in der Erde mit Sorgen und Sinnen,
  Wie ich entdeckte den Schatz, von dem mir so vieles bekannt war.
  Da erblickt ich den Vater aus einer Ritze sich schleichen,
  Zwischen den Steinen kam er hervor und stieg aus der Tiefe.
  Still und verborgen hielt ich mich da; er glaubte sich einsam,
  Schaute sich berall um, und als er niemand bemerkte
  Nah oder fern, begann er sein Spiel, Ihr sollt es vernehmen.
  Wieder mit Sande verstopft' er das Loch und wute geschicklich
  Mit dem brigen Boden es gleichzumachen. Das konnte,
  Wer nicht zusah, unmglich erkennen. Und eh er von dannen
  Wanderte, wut er den Platz, wo seine Fe gestanden,
  ber und ber geschickt mit seinem Schwanze zu streichen
  Und verwhlte die Spur mit seinem Munde. Das lernt ich
  Jenes Tages zuerst von meinem listigen Vater,
  Der in Rnken und Schwnken und allen Streichen gewandt war.
  Und so eilt' er hinweg nach seinem Gewerbe. Da sann ich,
  Ob sich der herrliche Schatz wohl in der Nhe befnde?
  Eilig trat ich herbei und schritt zum Werke: die Ritze
  Hatt ich in weniger Zeit mit meinen Pfoten erffnet,
  Kroch begierig hinein. Da fand ich kstliche Sachen,
  Feinen Silbers genug und roten Goldes! Wahrhaftig,
  Auch der lteste hier hat nie so vieles gesehen.
  Und ich machte mich dran mit meinem Weibe: wir trugen,
  Schleppten bei Tag und bei Nacht; uns fehlten Karren und Wagen;
  Viele Mhe kostet' es uns und manche Beschwernis.
  Treulich hielt Frau Ermelyn aus; so hatten wir endlich
  Die Kleinode hinweg zu einer Sttte getragen,
  Die uns gelegener schien. Indessen hielt sich mein Vater
  Tglich mit jenen zusammen, die unsern Knig verrieten.
  Was sie beschlossen, das werdet Ihr hren und werdet erschrecken.

  Braun und Isegrim sandten sofort in manche Provinzen
  Offene Briefe, die Sldner zu locken: sie sollten zu Haufen
  Eilig kommen, es wolle sie Braun mit Diensten versehen,
  Milde woll er sogar voraus die Sldner bezahlen.
  Da durchstrich mein Vater die Lnder und zeigte die Briefe,
  Seines Schatzes gewi: der, glaubt' er, lge geborgen.
  Aber es war nun geschehn, er htte mit allen Gesellen,
  Sucht' er auch noch so genau, nicht einen Pfennig gefunden.

  Keine Bemhung lie er sich reun; so war er behende
  Zwischen der Elb und dem Rheine durch alle Lnder gelaufen,
  Manchen Sldner hatt er gefunden und manchen gewonnen,
  Krftigen Nachdruck sollte das Geld den Worten verleihen.

  Endlich kam der Sommer ins Land; zu seinen Gesellen
  Kehrte mein Vater zurck. Da hatt er von Sorgen und Nten
  Und von Angst zu erzhlen, besonders, wie er beinahe
  Vor den hohen Burgen in Sachsen sein Leben verloren,
  Wo ihn Jger mit Pferden und Hunden alltglich verfolgten,
  Da er knapp und mit Not mit heilem Pelze davonkam.

  Freudig zeigt' er darauf den vier Verrtern die Liste,
  Welche Gesellen er alle mit Gold und Versprechen gewonnen.
  Braunen erfreute die Botschaft; es lasen die fnfe zusammen,
  Und es hie: Zwlfhundert von Isegrims khnen Verwandten
  Werden kommen mit offenen Mulern und spitzigen Zhnen,
  Ferner: die Kater und Bren sind alle fr Braunen gewonnen,
  Jeder Vielfra und Dachs aus Sachsen und Thringen stellt sich.
  Doch man solle sich ihnen zu der Bedingung verbinden:
  Einen Monat des Soldes vorauszuzahlen; sie wollten
  Alle dagegen mit Macht beim ersten Gebote sich stellen.
  Gott sei ewig gedankt, da ich die Plane gehindert!

  Denn nachdem er nun alles besorgt, so eilte mein Vater
  ber Feld und wollte den Schatz auch wieder beschauen.
  Da ging erst die Bekmmernis an: da grub er und suchte;
  Doch je lnger er scharrte, je weniger fand er. Vergebens
  War die Mhe, die er sich gab, und seine Verzweiflung:
  Denn der Schatz war fort, er konnt ihn nirgend entdecken.
  Und vor rger und Scham--wie schrecklich qult die Erinnrung
  Mich bei Tag und bei Nacht!--erhngte mein Vater sich selber.

  Alles das hab ich getan, die bse Tat zu verhindern.
  bel gert es mir nun; jedoch es soll mich nicht reuen.
  Isegrim aber und Braun, die gefrigen, sitzen am nchsten
  Bei dem Knig zu Rat. Und Reineke! wie dir dagegen,
  Armer Mann, jetzt gedankt wird! da du den leiblichen Vater
  Hingegeben, den Knig zu retten. Wo sind sie zu finden
  Die sich selber verderben, nur Euch das Leben zu fristen?

  Knig und Knigin hatten indes, den Schatz zu gewinnen,
  Groe Begierde gefhlt; sie traten seitwrts und riefen
  Reineken, ihn besonders zu sprechen, und fragten behende:
  Saget an, wo habt Ihr den Schatz? Wir mchten es wissen.
  Reineke lie sich dagegen vernehmen: Was knnt es mir helfen,
  Zeigt ich die herrlichen Gter dem Knige, der mich verurteilt?
  Glaubet er meinen Feinden doch mehr, den Dieben und Mrdern,
  Die Euch mit Lgen beschweren, mein Leben mir abzugewinnen.

  Nein, versetzte die Knigin: nein! so soll es nicht werden!
  Leben lt Euch mein Herr, und das Vergangne vergit er.
  Er bezwingt sich und zrnet nicht mehr. Doch mget Ihr knftig
  Klger handeln und treu und gewrtig dem Knige bleiben.

  Reineke sagte: Gndige Frau, vermget den Knig,
  Mir zu geloben vor Euch, da er mich wieder begnadigt,
  Da er mir alle Verbrechen und Schulden und alle den Unmut,
  Den ich ihm leider erregt, auf keine Weise gedenket,
  So besitzet gewi in unsern Zeiten kein Knig
  Solchen Reichtum, als er durch meine Treue gewinnet;
  Gro ist der Schatz! ich zeige den Ort, Ihr werdet erstaunen.

  Glaubet ihm nicht! versetzte der Knig: doch wenn er von Stehlen,
  Lgen und Rauben erzhlet, das mget Ihr allenfalls glauben;
  Denn ein grerer Lgner ist wahrlich niemals gewesen.

  Und die Knigin sprach: Frwahr, sein bisheriges Leben
  Hat ihm wenig Vertrauen erworben; doch jetzo bedenket,
  Seinen Oheim, den Dachs, und seinen eigenen Vater
  Hat er diesmal bezichtigt und ihre Frevel verkndigt.
  Wollt er, so konnt er sie schonen und konnte von anderen Tieren
  Solche Geschichten erzhlen; er wird so trig nicht lgen.

  Meinet Ihr so? versetzte der Knig: und denkt Ihr, es wre
  Wirklich zum besten geraten, da nicht ein greres bel
  Draus entstnde, so will ich es tun und diese Verbrechen
  Reinekens ber mich nehmen und seine verwundete Sache.
  Einmal trau ich, zum letztenmal noch! das mag er bedenken:
  Denn ich schwr es ihm zu bei meiner Krone! wofern er
  Knftig frevelt und lgt, es soll ihn ewig gereuen;
  Alles, wr es ihm nur verwandt ihm zehenten Grade,
  Wer sie auch wren, sie sollens entgelten, und keiner entgeht mir,
  Sollen in Unglck und Schmach und schwere Prozesse geraten!

  Als nun Reineke sah, wie schnell sich des Knigs Gedanken
  Wendeten, fat' er ein Herz und sagte: Sollt ich so tricht
  Handeln, gndiger Herr, und Euch Geschichten erzhlen,
  Deren Wahrheit sich nicht in wenig Tagen bewiese?

  Und der Knig glaubte den Worten, und alles vergab er,
  Erst des Vaters Verrat, dann Reinekens eigne Verbrechen.
  ber die Maen freute sich der; zur glcklichen Stunde,
  War er der Feinde Gewalt und seinem Verhngnis entronnen.

  Edler Knig, gndiger Herr! begann er zu sprechen:
  Mge Gott Euch alles vergelten und Eurer Gemahlin,
  Was Ihr an mir Unwrdigem tut; ich will es gedenken,
  Und ich werde mich immer gar hchlich dankbar erzeigen.
  Denn es lebet gewi in allen Landen und Reichen
  Niemand unter der Sonne, dem ich die herrlichen Schtze
  Lieber gnnte, denn eben Euch beiden. Was habt Ihr nicht alles
  Mir fr Gnade bewiesen! Dagegen geb ich Euch willig
  Knig Emmerichs Schatz, so wie ihn dieser besessen.
  Wo er liegt, beschreib ich Euch nun, ich sage die Wahrheit.

  Hret! Im Osten von Flandern ist eine Wste, darinnen
  Liegt ein einzelner Busch, heit Hsterlo, merket den Namen!
  Dann ist ein Brunn, der Krekelborn heit, Ihr werdet verstehen,
  Beide nicht weit auseinander. Es kommt in selbige Gegend
  Weder Weib noch Mann im ganzen Jahre. Da wohnet
  Nur die Eul und der Schuhu, und dort begrub ich die Schtze.
  Krekelborn heit die Sttte, das merket und ntzet das Zeichen.
  Gehet selber dahin mit Eurer Gemahlin: es wre
  Niemand sicher genug, um ihn als Boten zu senden,
  Und der Schande wre zu gro; ich darf es nicht raten.
  Selber mt Ihr dahin. Bei Krekelborn geht Ihr vorber,
  Seht zwei junge Birken hernach, und merket! die eine
  Steht nicht weit von dem Brunnen; so geht nun, gndiger Knig,
  Grad auf die Birken los, denn drunter liegen die Schtze.
  Kratzt und scharret nur zu; erst findet Ihr Moos an den Wurzeln,
  Dann entdeckt Ihr sogleich die allerreichsten Geschmeide,
  Golden, knstlich und schn, auch findet Ihr Emmerichs Krone:
  Wre des Bren Wille geschehn, der sollte sie tragen.
  Manchen Zierat seht Ihr daran und Edelgesteine
  Goldnes Kunstwerk; man macht es nicht mehr, wer wollt es bezahlen?
  Sehet Ihr alle das Gut, o gndiger Knig, beisammen,
  Ja, ich bin es gewi, Ihr denket meiner in Ehren.
  Reineke, redlicher Fuchs! so denkt Ihr: der du so klglich
  Unter das Moos die Schtze gegraben, o mg es dir immer,
  Wo du auch sein magst, glcklich ergehen! So sagte der Heuchler.

  Und der Knig versetzte darauf: Ihr mt mich begleiten,
  Denn wie will ich allein die Stelle treffen? Ich habe
  Wohl von Aachen gehrt, wie auch von Lbeck und Kllen
  Und von Paris; doch Hsterlo hrt ich im Leben nicht einmal
  Nennen, ebensowenig als Krekelborn; sollt ich nicht frchten,
  Da du uns wieder belgst und solche Namen erdichtest?

  Reineke hrte nicht gern des Knigs bedchtige Rede,
  Sprach: So weis ich Euch doch nicht fern von hinnen, als httet
  Ihr am Jordan zu suchen. Wie schien ich Euch jetzo verdchtig?
  Nchst, ich bleibe dabei, ist alles in Flandern zu finden.
  Lat uns einige fragen; es mag es ein andrer versichern.
  Krekelborn! Hsterlo! sagt ich, und also heien die Namen.
  Lampen rief er darauf, und Lampe zauderte bebend.
  Reineke rief. So kommt nur getrost, der Knig begehrt Euch,
  Will, Ihr sollt bei Eid und bei Pflicht, die Ihr neulich geleistet,
  Wahrhaft reden; so zeiget denn an, wofern Ihr es wisset,
  Sagt, wo Hsterlo liegt und Krekelborn? Lasset uns hren.

  Lampe sprach: Das kann ich wohl sagen. Es liegt in der Wste
  Krekelborn nahe bei Hsterlo. Hsterlo nennen die Leute
  Jenen Busch, wo Simonet lange, der Krumme, sich aufhielt,
  Falsche Mnzen zu schlagen mit seinen verwegnen Gesellen.
  Vieles hab ich daselbst von Frost und Hunger gelitten,
  Wenn ich vor Rynen, dem Hund, in groen Nten geflchtet.
  Reineke sagte darauf: Ihr knnt Euch unter die andern
  Wieder stellen; Ihr habet den Knig genugsam berichtet.
  Und der Knig sagte zu Reineken: Seid mir zufrieden,
  Da ich hastig gewesen und Eure Worte bezweifelt;
  Aber sehet nun zu, mich an die Stelle zu bringen.

  Reineke sprach: Wie schtzt ich mich glcklich, geziemt' es mir heute
  Mit dem Knig zu gehn und ihm nach Flandern zu folgen;
  Aber es mt Euch zur Snde gereichen. So sehr ich mich schme,
  Mu es heraus, wie gern ich es auch noch lnger verschwiege.
  Isegrim lie vor einiger Zeit zum Mnche sich weihen,
  Zwar nicht etwa dem Herren zu dienen, er diente dem Magen,
  Zehrte das Kloster fast auf; man reicht' ihm fr sechse zu essen,
  Alles war ihm zu wenig, er klagte mir Hunger und Kummer.
  Endlich erbarmet' es mich, als ich ihn mager und krank sah,
  Half ihm treulich davon, er ist mein naher Verwandter.
  Und nun hab ich darum den Bann des Papstes verschuldet,
  Mchte nun ohne Verzug, mit Eurem Wissen und Willen,
  Meine Seele beraten und morgen mit Aufgang der Sonne,
  Gnad und Abla zu suchen, nach Rom mich als Pilger begeben
  Und von dannen ber das Meer; so werden die Snden
  Alle von mir genommen, und kehr ich wieder nach Hause,
  Darf ich mit Ehren neben Euch gehn. Doch tt ich es heute.
  Wrde jeglicher sagen: Wie treibt es jetzo der Knig
  Wieder mit Reineken, den er vor kurzem zum Tode verurteilt;
  Und der ber das alles im Bann des Papstes verstrickt ist!
  Gndiger Herr, Ihr seht es wohl ein, wir lassen es lieber.

  Wahr, versetzte der Knig darauf: das konnt ich nicht wissen.
  Bist du im Banne, so wr mirs ein Vorwurf, dich mit mir zu fhren,
  Lampe kann mich oder ein andrer zum Borne begleiten.
  Aber, Reineke, da du vom Banne dich suchst zu befreien,
  Find ich ntzlich und gut. Ich gebe dir gndigen Urlaub,
  Morgen beizeiten zu gehn; ich will die Wallfahrt nicht hindern.
  Denn mir scheint, Ihr wollt Euch bekehren vom Bsen zum Guten.
  Gott gesegne den Vorsatz und la Euch die Reise vollbringen!





  Sechster Gesang


  So gelangte Reineke wieder zur Gnade des Knigs.
  Und es trat der Knig hervor auf erhabene Sttte,
  Sprach vom Steine herab und hie die smtlichen Tiere
  Stille schweigen; sie sollten ins Gras nach Stand und Geburt sich
  Niederlassen. Und Reineke stand an der Knigin Seite;
  Aber der Knig begann mit groem Bedachte zu sprechen:

  Schweiget und hret mich an, zusammen Vgel und Tiere,
  Arm' und Reiche, hret mich an, ihr Groen und Kleinen,
  Meine Baronen und meine Genossen des Hofes und Hauses!
  Reineke steht hier in meiner Gewalt; man dachte vor kurzem,
  Ihn zu hngen, doch hat er bei Hofe so manches Geheimnis
  Dargetan, da ich ihm glaube und wohlbedchtlich die Huld ihm
  Wieder schenke. So hat auch die Knigin, meine Gemahlin,
  Sehr gebeten fr ihn, so da ich ihm gnstig geworden,
  Mich ihm vllig vershnet und Leib und Leben und Gter
  Frei ihm gegeben. Es schtzt ihn fortan und schirmt ihn mein Friede;
  Nun sei allen zusammen bei Leibesleben geboten:
  Reineken sollt ihr berall ehren mit Weib und mit Kindern,
  Wo sie euch immer bei Tag oder Nacht knftig begegnen.
  Ferner hr ich von Reinekens Dingen nicht weitere Klage;
  Hat er bels getan, so ist es vorber; er wird sich
  Bessern und tut es gewi. Denn morgen wird er beizeiten
  Stab und Rnzel ergreifen, als frommer Pilger nach Rom gehn
  Und von dannen ber das Meer; auch kommt er nicht wieder,
  Bis er vollkommenen Abla der sndigen Taten erlangt hat.

  Hinze wandte sich drauf zu Braun und Isegrim zornig:
  Nun ist Mhe und Arbeit verloren! so rief er: o wr ich
  Weit von hier! Ist Reineke wieder zu Gnaden gekommen,
  Braucht er jegliche Kunst, uns alle drei zu verderben.
  Um ein Auge bin ich gebracht, ich frchte frs andre!

  Guter Rat ist teuer, versetzte der Braune: das seh ich.
  Isegrim sagte dagegen: Das Ding ist seltsam! wir wollen
  Grad zum Knige gehn. Er trat verdrielich mit Braunen
  Gleich vor Knig und Knigin auf, sie redeten vieles
  Wider Reineken, redeten heftig; da sagte der Knig:
  Hrtet Ihrs nicht? Ich hab ihn aufs neue zu Gnaden empfangen.
  Zornig sagt' es der Knig und lie im Augenblick beide
  Fahen, binden und schlieen; denn er gedachte der Worte,
  Die er von Reineken hatte vernommen, und ihres Verrates.

  So vernderte sich in dieser Stunde die Sache
  Reinekens vllig. Er machte sich los, und seine Verklger
  Wurden zuschanden; er wute sogar es tckisch zu lenken,
  Da man dem Bren ein Stck von seinem Felle herabzog,
  Fulang, fubreit, da auf die Reise daraus ihm ein Rnzel
  Fertig wrde; so schien zum Pilger ihm wenig zu fehlen.
  Aber die Knigin bat er, auch Schuh ihm zu schaffen, und sagte:
  Ihr erkennt mich, gndige Frau, nun einmal fr Euren
  Pilger; helfet mir nun, da ich die Reise vollbringe.
  Isegrim hat vier tchtige Schuhe, da wr es wohl billig,
  Da er ein Paar mir davon zu meinem Wege verliee;
  Schafft mir sie, gndige Frau, durch meinen Herren, den Knig.
  Auch entbehrte Frau Gieremund wohl ein Paar von den ihren,
  Denn als Hausfrau bleibt sie doch meist in ihrem Gemache.

  Diese Forderung fand die Knigin billig. Sie knnen
  Jedes wahrlich ein Paar entbehren! sagte sie gndig.
  Reineke dankte darauf und sagte mit freudiger Beugung:
  Krieg ich doch nun vier tchtige Schuhe, da will ich nicht zaudern.
  Alles Guten, was ich sofort als Pilger vollbringe,
  Werdet Ihr teilhaft gewi, Ihr und mein gndiger Knig.
  Auf der Wallfahrt sind wir verpflichtet, fr alle zu beten,
  Die uns irgend geholfen. Es lohne Gott Euch die Milde!

  An den vorderen Fen verlor Herr Isegrim also
  Seine Schuhe bis an die Knorren; desgleichen verschonte
  Man Frau Gieremund nicht, sie mute die hintersten lassen.

  So verloren sie beide die Haut und Klauen der Fe,
  Lagen erbrmlich mit Braunen zusammen und dachten zu sterben;
  Aber der Heuchler hatte die Schuh und das Rnzel gewonnen,
  Trat herzu und spottete noch besonders der Wlfin:
  Liebe, Gute! sagt' er zu ihr: da sehet, wie zierlich
  Eure Schuhe mir stehn, ich hoffe, sie sollen auch dauern.
  Manche Mhe gabt Ihr Euch schon zu meinem Verderben,
  Aber ich habe mich wieder bemht; es ist mir gelungen.
  Habt Ihr Freude gehabt, so kommt nun endlich die Reihe
  Wieder an mich; so pflegt es zu gehn, man wei sich zu fassen.
  Wenn ich nun reise, so kann ich mich tglich der lieben Verwandten
  Dankbar erinnern; Ihr habt mir die Schuhe gefllig gegeben,
  Und es soll Euch nicht reuen; was ich an Abla verdiene,
  Teil ich mit Euch, ich hol ihn zu Rom und ber dem Meere.

  Und Frau Gieremund lag in groen Schmerzen, sie konnte
  Fast nicht reden, doch griff sie sich an und sagte mit Seufzen:
  Unsre Snden zu strafen, lt Gott Euch alles gelingen.
  Aber Isegrim lag und schwieg mit Braunen zusammen;
  Beide waren elend genug, gebunden, verwundet
  Und vom Feinde verspottet. Es fehlte Hinze, der Kater;
  Reineke wnschte so sehr, auch ihm das Wasser zu wrmen.

  Nun beschftigte sich der Heuchler am anderen Morgen,
  Gleich die Schuhe zu schmieren, die seine Verwandten verloren,
  Eilte, dem Knige noch sich vorzustellen, und sagte:
  Euer Knecht ist bereit, den heiligen Weg zu betreten;
  Eurem Priester werdet Ihr nun in Gnaden befehlen,
  Da er mich segne, damit ich von hinnen mit Zuversicht scheide,
  Da mein Ausgang und Eingang gebenedeit sei! So sprach er.
  Und es hatte der Knig den Widder zu seinem Kaplane;
  Alle geistlichen Dinge besorgt er, es braucht ihn der Knig
  Auch zum Schreiber, man nennt ihn Bellyn. Da lie er ihn rufen,
  Sagte: Leset sogleich mir etliche heilige Worte
  ber Reineken hier, ihn auf die Reise zu segnen,
  Die er vorhat; er gehet nach Rom und ber das Wasser.
  Hnget das Rnzel ihm um und gebt ihm den Stab in die Hnde.
  Und es erwiderte drauf Bellyn: Herr Knig, Ihr habet,
  Glaub ich, vernommen, da Reineke noch vom Banne nicht los ist.
  bels wrd ich deswegen von meinem Bischof erdulden,
  Der es leichtlich erfhrt und mich zu strafen Gewalt hat.
  Aber ich tue Reineken selbst nichts Grades noch Krummes.
  Knnte man freilich die Sache vermitteln, und sollt es kein Vorwurf
  Mir beim Bischof, Herrn Ohnegrund, werden, zrnte nicht etwa
  Mir darber der Propst, Herr Losefund, oder der Dechant
  Rapiamus, ich segnet ihn gern nach Eurem Befehle.

  Und der Knig versetzte: Was soll das Reimen und Reden?
  Viele Worte lat Ihr uns hren und wenig dahinter.
  Leset Ihr ber Reineke mir nicht Grades noch Krummes,
  Frag ich den Teufel darnach! Was geht mich der Bischof im Dom an?
  Reineke macht die Wallfahrt nach Rom, und wollt Ihr das hindern?

  ngstlich kraute Bellyn sich hinter den Ohren; er scheute
  Seines Kniges Zorn und fing sogleich aus dem Buch an
  ber den Pilger zu lesen, doch dieser achtet' es wenig.
  Was es mochte, half es denn auch; das kann man sich denken.
  Und nun war der Segen gelesen, da gab man ihm weiter
  Rnzel und Stab, der Pilger war fertig; so log er die Wallfahrt.
  Falsche Trnen liefen dem Schelmen die Wangen herunter
  Und benetzten den Bart, als fhlt' er die schmerzlichste Reue.
  Freilich schmerzt' es ihn auch, da er nicht alle zusammen,
  Wie sie waren, ins Unglck gebracht und drei nur geschndet.
  Doch er stand und bat, sie mchten alle getreulich
  Fr ihn beten, so gut sie vermchten. Er machte nun Anstalt,
  Fortzueilen, er fhlte sich schuldig und hatte zu frchten.
  Reineke, sagte der Knig: Ihr seid mir so eilig! Warum das?--
  Wer was Gutes beginnt, soll niemals weilen, versetzte
  Reineke drauf: ich bitt Euch um Urlaub, es ist die gerechte
  Stunde gekommen, gndiger Herr, und lasset mich wandern.
  Habet Urlaub! sagte der Knig, und also gebot er
  Smtlichen Herren des Hofes, dem falschen Pilger ein Stckchen
  Weges zu folgen und ihn zu begleiten. Es lagen indessen
  Braun und Isegrim, beide gefangen, in Jammer und Schmerzen.

  Und so hatte denn Reineke wieder die Liebe des Knigs
  Vllig gewonnen und ging mit groen Ehren von Hofe,
  Schien mit Rnzel und Stab nach dem Heiligen Grabe zu wallen,
  Hatt er dort gleich so wenig zu tun, als ein Maibaum in Aachen.
  Ganz was anders fhrt' er im Schilde. Nun war ihm gelungen,
  Einen flchsenen Bart und eine wchserne Nase
  Seinem Knig zu drehen; es muten ihm alle Verklger
  Folgen, da er nun ging, und ihn mit Ehren begleiten.
  Und er konnte die Tcke nicht lassen und sagte noch scheidend:
  Sorget, gndiger Herr, da Euch die beiden Verrter
  Nicht entgehen, und haltet sie wohl im Kerker gebunden.
  Wrden sie frei, sie lieen nicht ab mit schndlichen Werken.
  Eurem Leben drohet Gefahr, Herr Knig, bedenkt es!

  Und so ging er dahin mit stillen, frommen Gebrden,
  Mit einfltigem Wesen, als wt ers eben nicht anders.
  Drauf erhub sich der Knig zurck zu seinem Palaste,
  Smtliche Tiere folgten dahin. Nach seinem Befehle
  Hatten sie Reineken erst ein Stckchen Weges begleitet;
  Und es hatte der Schelm sich ngstlich und traurig gebrdet,
  Da er manchen gutmtigen Mann zum Mitleid bewegte.
  Lampe, der Hase, besonders war sehr bekmmert. Wir sollen,
  Lieber Lampe, sagte der Schelm: und sollen wir scheiden?
  Mcht es Euch und Bellyn, dem Widder, heute belieben,
  Meine Strae mit mir noch ferner zu wandeln! Ihr wrdet
  Mir durch eure Gesellschaft die grte Wohltat erzeigen.
  Ihr seid angenehme Begleiter und redliche Leute,
  Jedermann redet nur Gutes von euch, das brchte mir Ehre;
  Geistlich seid ihr und heiliger Sitte. Ihr lebet gerade,
  Wie ich als Klausner gelebt. Ihr lat euch mit Krutern begngen,
  Pfleget mit Laub und Gras den Hunger zu stillen, und fraget
  Nie nach Brot oder Fleisch, noch andrer besonderer Speise.
  Also konnt er mit Lob der beiden Schwche betren;
  Beide gingen mit ihm zu seiner Wohnung und sahen
  Malepartus, die Burg, und Reineke sagte zum Widder:
  Bleibet hierauen, Bellyn, und lat die Grser und Kruter
  Nach Belieben Euch schmecken; es bringen diese Gebirge
  Manche Gewchse hervor, gesund und guten Geschmackes.
  Lampen nehm ich mit mir; doch bittet ihn, da er mein Weib mir
  Trsten mge, die schon sich betrbt; und wird sie vernehmen,
  Da ich nach Rom als Pilger verreise, so wird sie verzweifeln.
  Se Worte brauchte der Fuchs, die zwei zu betrgen.
  Lampen fhrt' er hinein, da fand er die traurige Fchsin
  Liegen neben den Kindern, von groer Sorge bezwungen:
  Denn sie glaubte nicht mehr, da Reineke sollte von Hofe
  Wiederkehren. Nun sah sie ihn aber mit Rnzel und Stabe;
  Wunderbar kam es ihr vor, und sagte: Reinhart, mein Lieber,
  Saget mir doch, wie ists Euch gegangen? Was habt Ihr erfahren?
  Und er sprach: Schon war ich verurteilt, gefangen, gebunden,
  Aber der Knig bezeigte sich gndig, befreite mich wieder,
  Und ich zog als Pilger hinweg; es blieben zu Brgen
  Braun und Isegrim beide zurck. Dann hat mir der Knig
  Lampen zur Shne gegeben, und was wir nur wollen, geschieht ihm.
  Denn es sagte der Knig zuletzt mit gutem Bescheide:
  Lampe war es, der dich verriet. So hat er wahrhaftig
  Groe Strafe verdient und soll mir alles entgelten.
  Aber Lampe vernahm erschrocken die drohenden Worte,
  War verwirrt und wollte sich retten und eilte, zu fliehen.
  Reineke schnell vertrat ihm das Tor, es fate der Mrder
  Bei dem Halse den Armen, der laut und grlich um Hilfe
  Schrie: O helfet, Bellyn! Ich bin verloren! Der Pilger
  Bringt mich um! Doch schrie er nicht lange: denn Reineke hatt ihm
  Bald die Kehle zerrissen. Und so empfing er den Gastfreund.
  Kommt nun, sagt' er: und essen wir schnell, denn fett ist der Hase,
  Guten Geschmackes. Er ist wahrhaftig zum erstenmal etwas
  Ntze, der alberne Geck; ich hatt es ihm lange geschworen.
  Aber nun ist es vorbei, nun mag der Verrter verklagen!
  Reineke machte sich dran mit Weib und Kindern, sie pflckten
  Eilig dem Hasen das Fell und speisten mit gutem Behagen.

  Kstlich schmeckt' es der Fchsin, und einmal ber das andre:
  Dank sei Knig und Knigin! rief sie: wir haben durch ihre
  Gnade das herrliche Mahl, Gott mg es ihnen belohnen!
  Esset nur, sagte Reineke, zu! es reichet fr diesmal;
  Alle werden wir satt, und mehreres denk ich zu holen:
  Denn es mssen doch alle zuletzt die Zeche bezahlen,
  Die sich an Reineken machen und ihm zu schaden gedenken.

  Und Frau Ermelyn sprach: Ich mchte fragen, wie seid Ihr
  Los und ledig geworden? Ich brauchte, sagt' er dagegen,
  Viele Stunden, wollt ich erzhlen, wie fein ich den Knig
  Umgewendet und ihn und seine Gemahlin betrogen.
  Ja, ich leugn es Euch nicht, es ist die Freundschaft nur dnne
  Zwischen dem Knig und mir und wird nicht lange bestehen.
  Wenn er die Wahrheit erfhrt, er wird sich grimmig entrsten.
  Kriegt er mich wieder in seine Gewalt, nicht Gold und nicht Silber
  Knnte mich retten, er folgt mir gewi und sucht mich zu fangen.
  Keine Gnade darf ich erwarten, das wei ich am besten;
  Ungehangen lt er mich nicht, wir mssen uns retten.

  Lat uns nach Schwaben entfliehn! dort kennt uns niemand; wir halten
  Uns nach Landes Weise daselbst. Hilf Himmel! es findet
  Se Speise sich da und alles Guten die Flle:
  Hhner, Gnse, Hasen, Kaninchen und Zucker und Datteln,
  Feigen, Rosinen und Vgel von allen Arten und Gren;
  Und man bckt im Lande das Brot mit Butter und Eiern.
  Rein und klar ist das Wasser, die Luft ist heiter und lieblich,
  Fische gibt es genug, die heien Gallinen, und andre
  Heien Pullus und Gallus und Anas, wer nennte sie alle?
  Das sind Fische nach meinem Geschmack! Da brauch ich nicht eben
  Tief ins Wasser zu tauchen; ich hab sie immer gegessen,
  Da ich als Klausner mich hielt. Ja, Weibchen, wollen wir endlich
  Friede genieen, so mssen wir hin, Ihr mt mich begleiten.

  Nun versteht mich nur wohl: es lie mich diesmal der Knig
  Wieder entwischen, weil ich ihm log von seltenen Dingen.
  Knig Emmerichs herrlichen Schatz versprach ich zu liefern;
  Den beschrieb ich, er lge bei Krekelborn. Werden sie kommen,
  Dort zu suchen, so finden sie leider nicht dieses, noch jenes,
  Werden vergeblich im Boden whlen, und siehet der Knig
  Dergestalt sich betrogen, so wird er schrecklich ergrimmen.
  Denn was ich fr Lgen ersann, bevor ich entwischte,
  Knnt Ihr denken; frwahr, es ging zunchst an den Kragen!
  Niemals war ich in grerer Not, noch schlimmer gengstigt,
  Nein! ich wnsche mir solche Gefahr nicht wiederzusehen.
  Kurz, es mag mir begegnen, was will, ich lasse mich niemals
  Wieder nach Hofe bereden, um in des Knigs Gewalt mich
  Wieder zu geben; es brauchte wahrhaftig die grte Gewandtheit,
  Meinen Daumen mit Not aus seinem Munde zu bringen.

  Und Frau Ermelyn sagte betrbt: Was wollte das werden?
  Elend sind wir und fremd in jedem anderen Lande;
  Hier ist alles nach unserm Begehren. Ihr bleibet der Meister
  Eurer Bauern. Und habt Ihr ein Abenteuer zu wagen
  Denn so ntig? Frwahr, um Ungewisses zu suchen,
  Das Gewisse zu lassen, ist weder rtlich noch rhmlich.
  Leben wir hier doch sicher genug! Wie stark ist die Feste!
  berzg uns der Knig mit seinem Heere, belegt' er
  Auch die Strae mit Macht, wir haben immer so viele
  Seitentore, so viel geheime Wege, wir wollen
  Glcklich entkommen. Ihr wit es ja besser, was soll ich es sagen?
  Uns mit Macht und Gewalt in seine Hnde zu kriegen,
  Viel gehrte dazu. Es macht mir keine Besorgnis.
  Aber da Ihr ber das Meer zu gehen geschworen,
  Das betrbt mich. Ich fasse mich kaum. Was knnte das werden!

  Liebe Frau, bekmmert Euch nicht! versetzte dagegen
  Reineke, hret mich an und merket: besser geschworen,
  Als verloren! So sagte mir einst ein Weiser im Beichtstuhl:
  Ein gezwungener Eid bedeute wenig. Das kann mich
  Keinen Katzenschwanz hindern! Ich meine den Eid, versteht nur.
  Wie Ihr gesagt habt, soll es geschehen. Ich bleibe zu Hause.
  Wenig hab ich frwahr in Rom zu suchen, und htt ich
  Zehen Eide geschworen, so wollt ich Jerusalem nimmer
  Sehen; ich bleibe bei Euch und hab es freilich bequemer;
  Andrer Orten find ichs nicht besser, als wie ich es habe.
  Will mir der Knig Verdru bereiten, ich mu es erwarten,
  Stark und zu mchtig ist er fr mich: doch kann es gelingen,
  Da ich ihn wieder betre, die bunte Kappe mit Schellen
  ber die Ohren ihm schiebe, da soll ers, wenn ichs erlebe,
  Schlimmer finden, als er es sucht. Das sei ihm geschworen!

  Ungeduldig begann Bellyn am Tore zu schmlen:
  Lampe, wollt Ihr nicht fort? So kommt doch! lasset uns gehen!
  Reineke hrt' es und eilte hinaus und sagte: Mein Lieber,
  Lampe bittet Euch sehr, ihm zu vergeben, er freut sich
  Drin mit seiner Frau Muhme, das werdet Ihr, sagt er, ihm gnnen.
  Gehet sachte voraus. Denn Ermelyn, seine Frau Muhme,
  Lt ihn sobald nicht hinweg; Ihr werdet die Freude nicht stren.

  Da versetzte Bellyn: Ich hrte schreien, was war es?
  Lampen hrt ich; er rief mir: Bellyn, zu Hilfe! zu Hilfe!
  Habt Ihr im etwas bels getan? Da sagte der kluge
  Reineke: Hret mich recht! Ich sprach von meiner gelobten
  Wallfahrt; da wollte mein Weib darber vllig verzweifeln,
  Es befiel sie ein tdlicher Schrecken, sie lag uns in Ohnmacht.
  Lampe sah das und frchtete sich, und in der Verwirrung
  Rief er: Helfet, Bellyn! Bellyn! o sumet nicht lange,
  Meine Muhme wird mir gewi nicht wieder lebendig!
  Soviel wei ich, sagte Bellyn: er hat ngstlich gerufen.
  Nicht ein Hrchen ist ihm verletzt, verschwor sich der Falsche;
  Lieber mchte mir selbst als Lampen was Bses begegnen.
  Hrtet Ihr? sagte Reineke drauf: es bat mich der Knig
  Gestern, km ich nach Hause, da sollt ich in einigen Briefen
  ber wichtige Sachen ihm meine Gedanken vermelden.
  Lieber Neffe, nehmet sie mit, ich habe sie fertig.
  Schne Dinge sag ich darin und rat ihm das Klgste.
  Lampe war ber die Maen vergngt, ich hrte mit Freuden
  Ihn mit seiner Frau Muhme sich alter Geschichten erinnern.
  Wie sie schwatzten! sie wurden nicht satt! Sie aen und tranken,
  Freuten sich bereinander; indessen schrieb ich die Briefe.

  Lieber Reinhart, sagte Bellyn: Ihr mt nur die Briefe
  Wohl verwahren; es fehlt, sie einzustecken, ein Tschchen.
  Wenn ich die Siegel zerbrche, das wrde mir bel bekommen.
  Reineke sagte: Das wei ich zu machen. Ich denke, das Rnzel,
  Das ich aus Braunens Felle bekam, wird eben sich schicken,
  Es ist dicht und stark, darin verwahr ich die Briefe.
  Und es wird Euch dagegen der Knig besonders belohnen;
  Er empfngt Euch mit Ehren, Ihr seid ihm dreimal willkommen.
  Alles das glaubte der Widder Bellyn. Da eilte der andre
  Wieder ins Haus, das Rnzel ergriff er und steckte behende
  Lampens Haupt, des ermordeten, drein und dachte daneben,
  Wie er dem armen Bellyn die Tasche zu ffnen verwehrte.

  Und er sagte, wie er herauskam: Hnget das Rnzel
  Nur um den Hals und lat Euch, mein Neffe, nicht etwa gelsten,
  In die Briefe zu sehen; es wre schdliche Neugier:
  Denn ich habe sie wohl verwahrt, so mt Ihr sie lassen.
  Selbst das Rnzel ffnet mir nicht! Ich habe den Knoten
  Knstlich geknpft, ich pflege das so in wichtigen Dingen
  Zwischen dem Knig und mir; und findet der Knig die Riemen
  So verschlungen, wie er gewohnt ist, so werdet Ihr Gnade
  Und Geschenke verdienen als zuverlssiger Bote.

  Ja, sobald Ihr den Knig erblickt und wollt noch in beres
  Ansehn Euch setzen bei ihm, so lat ihn merken, als httet
  Ihr mit gutem Bedacht zu diesen Briefen geraten,
  Ja, dem Schreiber geholfen; es bringt Euch Vorteil und Ehre.

  Und Bellyn ergtzte sich sehr und sprang von der Sttte,
  Wo er stand, mit Freuden empor und hierhin und dorthin,
  Sagte: Reineke! Neffe und Herr, nun seh ich, Ihr liebt mich,
  Wollt mich ehren. Es wird vor allen Herren des Hofes
  Mir zum Lobe gereichen, da ich so gute Gedanken,
  Schne, zierliche Worte zusammenbringe. Denn freilich
  Wei ich nicht zu schreiben, wie Ihr; doch sollen sies meinen,
  Und ich dank es nur Euch. Zu meinem Besten geschah es,
  Da ich Euch folgte hierher. Nun sagt, was meint Ihr noch weiter?
  Geht nicht Lampe mit mir in dieser Stunde von hinnen?

  Nein! versteht mich! sagte der Schalk: noch ist es unmglich.
  Geht allmhlich voraus, er soll Euch folgen, sobald ich
  Einige Sachen von Wichtigkeit ihm vertraut und befohlen.
  Gott sei bei Euch! sagte Bellyn: so will ich denn gehen.
  Und er eilete fort; um Mittag gelangt' er nach Hofe.

  Als ihn der Knig ersah und zugleich das Rnzel erblickte,
  Sprach er: Saget, Bellyn, von wannen kommt Ihr? und wo ist
  Reineke blieben? Ihr traget das Rnzel, was soll das bedeuten?
  Da versetzte Bellyn: Er bat mich, gndigster Knig,
  Euch zwei Briefe zu bringen, wir haben sie beide zusammen
  Ausgedacht. Ihr findet subtil die wichtigsten Sachen
  Abgehandelt, und was sie enthalten, das hab ich geraten;
  Hier im Rnzel finden sie sich; er knpfte den Knoten.

  Und es lie der Knig sogleich dem Biber gebieten,
  Der Notarius war und Schreiber des Knigs, man nennt ihn
  Bokert. Es war sein Geschft, die schweren, wichtigen Briefe
  Vor dem Knig zu lesen, denn manche Sprache verstand er.
  Auch nach Hinzen schickte der Knig, er sollte dabei sein.

  Als nun Bokert den Knoten mit Hinze, seinem Gesellen,
  Aufgelset, zog er das Haupt des ermordeten Hasen
  Mit Erstaunen hervor und rief. Das hei ich mir Briefe!
  Seltsam genug! Wer hat sie geschrieben? Wer kann es erklren?
  Dies ist Lampens Kopf, es wird ihn niemand verkennen.

  Und es erschraken Knig und Knigin. Aber der Knig
  Senkte sein Haupt und sprach: O Reineke! htt ich dich wieder!
  Knig und Knigin beide betrbten sich ber die Maen.
  Reineke hat mich betrogen! so rief der Knig. O htt ich
  Seinen schndlichen Lgen nicht Glauben gegeben! so rief er,
  Schien verworren, mit ihm verwirrten sich alle die Tiere.

  Aber Lupardus begann, des Knigs naher Verwandter:
  Traun! ich sehe nicht ein, warum Ihr also betrbt seid,
  Und die Knigin auch. Entfernet diese Gedanken,
  Fasset Mut! es mcht Euch vor allen zur Schande gereichen.
  Seid Ihr nicht Herr? Es mssen Euch alle, die hier sind, gehorchen.

  Eben deswegen, versetzte der Knig: so lat Euch nicht wundern,
  Da ich im Herzen betrbt bin. Ich habe mich leider vergangen.
  Denn mich hat der Verrter mit schndlicher Tcke bewogen,
  Meine Freunde zu strafen. Es liegen beide geschndet,
  Braun und Isegrim; sollte michs nicht von Herzen gereuen?
  Ehre bringt es mir nicht, da ich den besten Baronen
  Meines Hofes so bel begegnet, und da ich dem Lgner
  So viel Glauben geschenkt und ohne Vorsicht gehandelt.
  Meiner Frauen folgt ich zu schnell. Sie lie sich betren,
  Bat und flehte fr ihn; o wr ich nur fester geblieben!
  Nun ist die Reue zu spt, und aller Rat ist vergebens.

  Und es sagte Lupardus: Herr Knig, hret die Bitte,
  Trauert nicht lnger! was bels geschehen ist, lt sich vergleichen.
  Gebet dem Bren, dem Wolfe, der Wlfin zur Shne den Widder;
  Denn es bekannte Bellyn gar offen und kecklich, er habe
  Lampens Tod geraten; das mag er nun wieder bezahlen!
  Und wir wollen hernach zusammen auf Reineken losgehn,
  Werden ihn fangen, wenn es gert, da hngt man ihn eilig;
  Kommt er zum Worte, so schwtzt er sich los und wird nicht gehangen.
  Aber ich wei es gewi, es lassen sich jene vershnen.

  Und der Knig hrte das gern; er sprach zu Lupardus:
  Euer Rat gefllt mir; so geht nun eilig und holet
  Mir die beiden Baronen, sie sollen sich wieder mit Ehren
  In dem Rate neben mich setzen. Lat mir die Tiere
  Smtlich zusammenberufen, die hier bei Hofe gewesen;
  Alle sollen erfahren, wie Reineke schndlich gelogen,
  Wie er entgangen und dann mit Bellyn den Lampe gettet.
  Alle sollen dem Wolf und dem Bren mit Ehrfurcht begegnen,
  Und zur Shne geb ich den Herren, wie Ihr geraten,
  Den Verrter Bellyn und seine Verwandten auf ewig.

  Und es eilte Lupardus, bis er die beiden Gebundnen,
  Braun und Isegrim, fand. Sie wurden gelset; da sprach er:
  Guten Trost vernehmet von mir! Ich bringe des Knigs
  Festen Frieden und freies Geleit. Versteht mich, ihr Herren:
  Hat der Knig euch bels getan, so ist es ihm selber
  Leid, er lt es euch sagen und wnscht euch beide zufrieden;
  Und zur Shne sollt ihr Bellyn mit seinem Geschlechte,
  Ja, mit allen Verwandten auf ewige Zeiten empfahen.
  Ohne weiteres tastet sie an, ihr mget im Walde,
  Mget im Felde sie finden, sie sind euch alle gegeben.
  Dann erlaubt euch mein gndiger Herr noch ber das alles,
  Reineken, der euch verriet, auf jede Weise zu schaden:
  Ihn, sein Weib und Kinder und alle seine Verwandten
  Mgt ihr verfolgen, wo ihr sie trefft, es hindert euch niemand.
  Diese kstliche Freiheit verknd ich im Namen des Knigs.
  Er und alle, die nach ihm herrschen, sie werden es halten!
  Nur vergesset denn auch, was euch Verdrielichs begegnet,
  Schwret, ihm treu und gewrtig zu sein, ihr knnt es mit Ehren.
  Nimmer verletzt er euch wieder; ich rat euch, ergreifet den Vorschlag.

  Also war die Shne beschlossen; sie mute der Widder
  Mit dem Halse bezahlen, und alle seine Verwandten
  Werden noch immer verfolgt von Isegrims mchtiger Sippschaft.
  So begann der ewige Ha. Nun fahren die Wlfe
  Ohne Scheu und Scham auf Lmmer und Schafe zu wten
  Fort, sie glauben das Recht auf ihrer Seite zu haben;
  Keines verschonet ihr Grimm, sie lassen sich nimmer vershnen.
  Aber um Brauns und Isegrims willen und ihnen zu Ehren
  Lie der Knig den Hof zwlf Tage verlngern; er wollte
  ffentlich zeigen, wie ernst es ihm sei, die Herrn zu vershnen.





  Siebenter Gesang


  Und nun sah man den Hof gar herrlich bestellt und bereitet,
  Manche Ritter kamen dahin; den smtlichen Tieren
  Folgten unzhlige Vgel, und alle zusammen verehrten
  Braun und Isegrim hoch, die ihrer Leiden vergaen.
  Da ergtzte sich festlich die beste Gesellschaft, die jemals
  Nur beisammen gewesen; Trompeten und Pauken erklangen,
  Und den Hoftanz fhrte man auf mit guten Manieren.
  berflssig war alles bereitet, was jeder begehrte.
  Boten auf Boten gingen ins Land und luden die Gste,
  Vgel und Tiere machten sich auf, sie kamen zu Paaren,
  Reiseten hin bei Tag und bei Nacht und eilten zu kommen.

  Aber Reineke Fuchs lag auf der Lauer zu Hause,
  Dachte nicht nach Hofe zu gehn, der verlogene Pilger;
  Wenig Dankes erwartet' er sich. Nach altem Gebrauche
  Seine Tcke zu ben, gefiel am besten dem Schelme.
  Und man hrte bei Hof die allerschnsten Gesnge,
  Speis und Trank ward ber und ber den Gsten gereichet,
  Und man sah turnieren und fechten. Es hatte sich jeder
  Zu den Seinen gesellt, da ward getanzt und gesungen,
  Und man hrte Pfeifen dazwischen und hrte Schalmeien.
  Freundlich schaute der Knig von seinem Saale hernieder;
  Ihm behagte das groe Getmmel, er sah es mit Freuden.

  Und acht Tage waren vorbei (es hatte der Knig
  Sich zu Tafel gesetzt mit seinen ersten Baronen,
  Neben der Knigin sa er), und blutig kam das Kaninchen
  Vor den Knig getreten und sprach mit traurigem Sinne:
  Herr! Herr Knig! und alle zusammen! erbarmet Euch meiner!
  Denn Ihr habt so argen Verrat und mrdrische Taten,
  Wie ich von Reineken diesmal erduldet, nur selten vernommen.
  Gestern morgen fand ich ihn sitzen, es war um die sechste
  Stunde, da ging ich die Strae vor Malepartus vorber;
  Und ich dachte, den Weg in Frieden zu ziehen. Er hatte,
  Wie ein Pilger gekleidet, als ls er Morgengebete,
  Sich vor seine Pforte gesetzt. Da wollt ich behende
  Meines Weges vorbei, zu Eurem Hofe zu kommen.
  Als er mich sah, erhub er sich gleich und trat mir entgegen,
  Und ich glaubt, er wollte mich gren; da fat' er mich aber
  Mit den Pfoten gar mrderlich an, und zwischen den Ohren
  Fhlt ich die Klauen und dachte wahrhaftig das Haupt zu verlieren:
  Denn sie sind lang und scharf, er druckte mich nieder zur Erde.
  Glcklicherweise macht ich mich los, und da ich so leicht bin,
  Konnt ich entspringen; er knurrte mir nach und schwur, mich zu finden.
  Aber ich schwieg und machte mich fort, doch leider behielt er
  Mir ein Ohr zurck, ich komme mit blutigem Haupte.
  Seht, vier Lcher trug ich davon! Ihr werdet begreifen,
  Wie er mit Ungestm schlug, fast wr ich liegen geblieben.
  Nun bedenket die Not, bedenket Euer Geleite!
  Wer mag reisen? wer mag an Eurem Hofe sich finden,
  Wenn der Ruber die Strae belegt und alle beschdigt?

  Und er endigte kaum, da kam die gesprchige Krhe,
  Merkenau, sagte: Wrdiger Herr und gndiger Knig!
  Traurige Mre bring ich vor Euch, ich bin nicht imstande,
  Viel zu reden vor Jammer und Angst, ich frchte, das bricht mir
  Noch das Herz: so jmmerlich Ding begegnet' mir heute
  Scharfenebbe, mein Weib, und ich, wir gingen zusammen
  Heute frh, und Reineke lag fr tot auf der Heide,
  Beide Augen im Kopfe verkehrt, es hing ihm die Zunge
  Weit zum offenen Munde heraus. Da fing ich vor Schrecken
  Laut an zu schrein. Er regte sich nicht, ich schrie und beklagt ihn,
  Rief. O weh mir! und Ach! und wiederholte die Klage:
  Ach! er ist tot! wie dauert er mich! wie bin ich bekmmert!
  Meine Frau betrbte sich auch, wir jammerten beide.
  Und ich betastet ihm Bauch und Haupt, es nahte desgleichen
  Meine Frau sich und trat ihm ans Kinn, ob irgend der Atem
  Einiges Leben verriet', allein sie lauschte vergebens:
  Beide htten wir drauf geschworen. Nun hret das Unglck.

  Wie sie nun traurig und ohne Besorgnis dem Munde des Schelmen
  Ihren Schnabel nher gebracht, bemerkt' es der Unhold,
  Schnappte grimmig nach ihr und ri das Haupt ihr herunter.
  Wie ich erschrak, das will ich nicht sagen. O weh mir! o weh mir!
  Schrie ich und rief. Da scho er hervor und schnappte mit einmal
  Auch nach mir; da fuhr ich zusammen und eilte zu fliehen.
  Wr ich nicht so behende gewesen, er htte mich gleichfalls
  Festgehalten; mit Not entkam ich den Klauen des Mrders,
  Eilend erreicht ich den Baum! O htt ich mein trauriges Leben
  Nicht gerettet! ich sah mein Weib in des Bsewichts Klauen.
  Ach! er hatte die Gute gar bald gegessen. Er schien mir
  So begierig und hungrig, als wollt er noch einige speisen;
  Nicht ein Beinchen lie er zurck, kein Knchelchen brig.
  Solchen Jammer sah ich mit an! Er eilte von dannen,
  Aber ich konnt es nicht lassen und flog mit traurigem Herzen
  An die Sttte; da fand ich nur Blut und wenige Federn
  Meines Weibes. Ich bringe sie her, Beweise der Untat.
  Ach, erbarmt Euch, gndiger Herr, denn solltet Ihr diesmal
  Diesen Verrter verschonen, gerechte Rache verzgern,
  Eurem Frieden und Eurem Geleite nicht Nachdruck verschaffen,
  Vieles wrde darber gesprochen, es wrd Euch mifallen.
  Denn man sagt: der ist schuldig der Tat, der zu strafen Gewalt hat
  Und nicht strafet; es spielet alsdann ein jeder den Herren.
  Eurer Wrde ging' es zu nah, Ihr mgt es bedenken.

  Also hatte der Hof die Klage des guten Kaninchens
  Und der Krhe vernommen. Da zrnte Nobel, der Knig,
  Rief: So sei es geschworen bei meiner ehlichen Treue,
  Diesen Frevel bestraf ich, man soll es lange gedenken!
  Mein Geleit und Gebot zu verhhnen! Ich will es nicht dulden.
  Gar zu leicht vertraut ich dem Schelm und lie ihn entkommen,
  Stattet ihn selbst als Pilger noch aus und sah ihn von hinnen
  Scheiden, als ging' er nach Rom. Was hat uns der Lgner nicht alles
  Aufgeheftet! Wie wut er sich nicht der Knigin Vorwort
  Leicht zu gewinnen! Sie hat mich beredet, nun ist er entkommen.
  Aber ich werde der Letzte nicht sein, den es bitter gereute,
  Frauenrat befolget zu haben. Und lassen wir lnger
  Ungestraft den Bsewicht laufen, wir mssen uns schmen.
  Immer war er ein Schalk und wird es bleiben. Bedenket
  Nun zusammen, ihr Herren, wie wir ihn fahen und richten!
  Greifen wir ernstlich dazu, so wird die Sache gelingen.

  Isegrimen und Braunen behagte die Rede des Knigs.
  Werden wir doch am Ende gerochen! so dachten sie beide.
  Aber sie trauten sich nicht zu reden, sie sahen, der Knig
  War verstrten Gemts und zornig ber die Maen.
  Und die Knigin sagte zuletzt: Ihr solltet so heftig,
  Gndiger Herr, nicht zrnen, so leicht nicht schwren; es leidet
  Euer Ansehn dadurch und Eurer Worte Bedeutung.
  Denn wir sehen die Wahrheit noch keineswegs am Tage;
  Ist doch erst der Beklagte zu hren. Und wr er zugegen,
  Wrde mancher verstummen, der wider Reineken redet.
  Beide Parteien sind immer zu hren; denn mancher Verwegne
  Klagt, um seine Verbrechen zu decken. Fr klug und verstndig
  Hielt ich Reineken, dachte nichts Bses und hatte nur immer
  Euer Bestes vor Augen, wiewohl es nun anders gekommen.
  Denn sein Rat ist gut zu befolgen, wenn freilich sein Leben
  Manchen Tadel verdient. Dabei ist seines Geschlechtes
  Groe Verbindung wohl zu bedenken. Es werden die Sachen
  Nicht durch bereilung gebessert, und was Ihr beschlieet,
  Werdet Ihr dennoch zuletzt als Herr und Gebieter vollziehen.

  Und Lupardus sagte darauf: Ihr hret so manchen;
  Hret diesen denn auch. Er mag sich stellen, und was Ihr
  Dann beschliet, vollziehe man gleich. So denken vermutlich
  Diese smtlichen Herrn mit Eurer edlen Gemahlin.

  Isegrim sagte darauf: Ein jeder rate zum Besten!
  Herr Lupardus, hret mich an. Und wre zur Stunde
  Reineke hier und entledigte sich der doppelten Klage
  Dieser beiden, so wr es mir immer ein leichtes, zu zeigen,
  Da er das Leben verwirkt. Allein ich schweige von allem,
  Bis wir ihn haben. Und habt Ihr vergessen, wie sehr er den Knig
  Mit dem Schatze belogen? Den sollt er in Hsterlo neben
  Krekelborn finden, und was der groben Lge noch mehr war.
  Alle hat er betrogen und mich und Braunen geschndet;
  Aber ich setze mein Leben daran. So treibt es der Lgner
  Auf der Heide. Nun streicht er herum und raubet und mordet.
  Deucht es dem Knige gut und seinen Herren, so mag man
  Also verfahren. Doch wr es ihm Ernst, nach Hofe zu kommen,
  Htt er sich lange gefunden. Es eilten die Boten des Knigs
  Durch das Land, die Gste zu laden, doch blieb er zu Hause.

  Und es sagte der Knig darauf: Was sollen wir lange
  Hier ihn erwarten? Bereitet euch alle (so sei es geboten!),
  Mir am sechsten Tage zu folgen. Denn wahrlich das Ende
  Dieser Beschwerden will ich erleben. Was sagen die Herren?
  Wr er nicht fhig, zuletzt ein Land zugrunde zu richten?
  Macht euch fertig, so gut ihr nur knnt, und kommet im Harnisch,
  Kommt mit Bogen und Spieen und allen andern Gewehren,
  Und betragt euch wacker und brav! Es fhre mir jeder,
  Denn ich schlage wohl Ritter im Felde, den Namen mit Ehren.
  Malepartus, die Burg, belegen wir, was er im Haus hat,
  Wollen wir sehen. Da riefen sie alle: Wir werden gehorchen!

  Also dachte der Knig und seine Genossen, die Feste
  Malepartus zu strmen, den Fuchs zu strafen. Doch Grimbart,
  Der im Rate gewesen, entfernte sich heimlich und eilte,
  Reineken aufzusuchen und ihm die Nachricht zu bringen;
  Traurend ging er und klagte vor sich und sagte die Worte:
  Ach, was kann es nun werden, mein Oheim! Billig bedauert
  Dich dein ganzes Geschlecht, du Haupt des ganzen Geschlechtes!
  Vor Gericht vertratest du uns, wir waren geborgen:
  Niemand konnte bestehen vor dir und deiner Gewandtheit.

  So erreicht' er das Schlo, und Reineken fand er im Freien
  Sitzen. Er hatte sich erst zwei junge Tauben gefangen;
  Aus dem Neste wagten sie sich, den Flug zu versuchen,
  Aber die Federn waren zu kurz; sie fielen zu Boden,
  Nicht imstande, sich wieder zu heben, und Reineke griff sie,
  Denn oft ging er umher, zu jagen. Da sah er von weiten
  Grimbart kommen und wartete sein; er grt' ihn und sagte:
  Seid mir, Neffe, willkommen vor allen meines Geschlechtes!
  Warum lauft Ihr so sehr! Ihr keichet! bringt Ihr was Neues?

  Ihm erwiderte Grimbart: Die Zeitung, die ich vermelde,
  Klingt nicht trstlich, Ihr seht, ich komm in ngsten gelaufen;
  Leben und Gut ist alles verloren! Ich habe des Knigs
  Zorn gesehen: er schwrt, Euch zu fahen und schndlich zu tten.
  Allen hat er befohlen, am sechsten Tage gewaffnet
  Hier zu erscheinen mit Bogen und Schwert, mit Bchsen und Wagen.
  Alles fllt nun ber Euch her, bedenkt Euch inzeiten!
  Isegrim aber und Braun sind mit dem Knige wieder
  Besser vertraut, als ich nur immer mit Euch bin, und alles,
  Was sie wollen, geschieht. Den grlichsten Mrder und Ruber
  Schilt Euch Isegrim laut, und so bewegt er den Knig;
  Er wird Marschall, Ihr werdet es sehen, in wenigen Wochen.
  Das Kaninchen erschien, dazu die Krhe, sie brachten
  Groe Klagen gegen Euch vor. Und sollt Euch der Knig
  Diesmal fahen, so lebt Ihr nicht lange! das mu ich befrchten.

  Weiter nichts? versetzte der Fuchs. Das ficht mich nun alles
  Keinen Pfifferling an. Und htte der Knig mit seinem
  Ganzen Rate doppelt und dreifach gelobt und geschworen:
  Komm ich nur selber dahin, ich hebe mich ber sie alle.
  Denn sie raten und raten und wissen es nimmer zu treffen.
  Lieber Neffe, lasset das fahren, und folgt mir und sehet,
  Was ich Euch gebe. Da hab ich soeben die Tauben gefangen,
  Jung und fett. Es bleibt mir das liebste von allen Gerichten!
  Denn sie sind leicht zu verdauen, man schluckt sie nur eben hinunter;
  Und die Knchelchen schmecken so s! sie schmelzen im Munde,
  Sind halb Milch, halb Blut. Die leichte Speise bekommt mir,
  Und mein Weib ist von gleichem Geschmack. So kommt nur, sie wird uns
  Freundlich empfangen; doch merke sie nicht, warum Ihr gekommen!
  Jede Kleinigkeit fllt ihr aufs Herz und macht ihr zu schaffen.
  Morgen geh ich nach Hofe mit Euch; da hoff ich, Ihr werdet,
  Lieber Neffe, mir helfen, so wie es Verwandten geziemet.

  Leben und Gut verpflicht ich Euch gern zu Eurem Behufe,
  Sagte der Dachs, und Reineke sprach: Ich will es gedenken;
  Leb ich lange, so soll es Euch frommen! Der andre versetzte:
  Tretet immer getrost vor die Herren und wahret zum besten
  Eure Sache, sie werden Euch hren; auch stimmte Lupardus
  Schon dahin, man sollt Euch nicht strafen, bevor Ihr genugsam
  Euch verteidigt; es meinte das gleiche die Knigin selber.
  Merket den Umstand und sucht ihn zu nutzen! Doch Reineke sagte:
  Seid nur gelassen, es findet sich alles. Der zornige Knig,
  Wenn er mich hrt, verndert den Sinn, es frommt mir am Ende.

  Und so gingen sie beide hinein und wurden gefllig
  Von der Hausfrau empfangen; sie brachte, was sie nur hatte.
  Und man teilte die Tauben, man fand sie schmackhaft, und jedes
  Speiste sein Teil; sie wurden nicht satt und htten gewilich
  Ein halb Dutzend verzehrt, wofern sie zu haben gewesen.

  Reineke sagte zum Dachse: Bekennt mir, Oheim, ich habe
  Kinder trefflicher Art, sie mssen jedem gefallen.
  Sagt mir, wie Euch Rossel behagt und Reinhart, der Kleine?
  Sie vermehren einst unser Geschlecht und fangen allmhlich
  An, sich zu bilden, sie machen mir Freude von Morgen bis Abend.
  Einer fngt sich ein Huhn, der andre hascht sich ein Kchlein;
  Auch ins Wasser ducken sie brav, die Ente zu holen
  Und den Kiebitz. Ich schickte sie gern noch fter zu jagen;
  Aber Klugheit mu ich vor allem sie lehren und Vorsicht,
  Wie sie vor Strick und Jger und Hunden sich weise bewahren.
  Und verstehen sie dann das rechte Wesen und sind sie
  Abgerichtet, wie sichs gehrt, dann sollen sie tglich
  Speise holen und bringen und soll im Hause nichts fehlen,
  Denn sie schlagen mir nach und spielen grimmige Spiele.
  Wenn sies beginnen, so ziehn den krzern die brigen Tiere,
  An der Kehle fhlt sie der Gegner und zappelt nicht lange:
  Das ist Reinekens Art und Spiel. Auch greifen sie hastig,
  Und ihr Sprung ist gewi; das dnkt mich eben das Rechte!

  Grimbart sprach: Es gereichet zur Ehre, und mag man sich freuen,
  Kinder zu haben, wie man sie wnscht, und die zum Gewerbe
  Bald sich gewhnen, den Eltern zu helfen. Ich freue mich herzlich,
  Sie von meinem Geschlechte zu wissen, und hoffe das Beste.
  Mag es fr heute bewenden, versetzte Reineke: gehn wir
  Schlafen, denn alle sind md und Grimbart besonders ermattet.
  Und sie legten sich nieder im Saale, der ber und ber
  War mit Heu und Blttern bedeckt, und schliefen zusammen.

  Aber Reineke wachte vor Angst; es schien ihm die Sache
  Guten Rats zu bedrfen, und sinnend fand ihn der Morgen.
  Und er hub vom Lager sich auf und sagte zu seinem
  Weibe: Betrbt Euch nicht! es hat mich Grimbart gebeten,
  Mit nach Hofe zu gehn; Ihr bleibet ruhig zu Hause.
  Redet jemand von mir, so kehret es immer zum besten
  Und verwahret die Burg, so ist uns allen geraten.

  Und Frau Ermelyn sprach: Ich find es seltsam! Ihr wagt es
  Wieder nach Hofe zu gehn, wo Eurer so bel gedacht wird.
  Seid Ihr gentigt? Ich seh es nicht ein, bedenkt das Vergangne!

  Freilich, sagte Reineke drauf: es war nicht zu scherzen!
  Viele wollten mir bel, ich kam in groe Bedrngnis;
  Aber mancherlei Dinge begegnen unter der Sonne.
  Wider alles Vermuten erfhrt man dieses und jenes,
  Und wer was zu haben vermeint, vermit es auf einmal.
  Also lat mich nur gehn, ich habe dort manches zu schaffen.
  Bleibet ruhig, das bitt ich Euch sehr, Ihr habet nicht ntig,
  Euch zu ngstigen. Wartet es ab! Ihr sehet, mein Liebchen,
  Ist es mir immer nur mglich, in fnf, sechs Tagen mich wieder.
  Und so schied er von dannen, begleitet von Grimbart, dem Dachse.




  Achter Gesang


  Weiter gingen sie nun zusammen ber die Heide,
  Grimbart und Reineke, grade den Weg zum Schlosse des Knigs.
  Aber Reineke sprach: Es falle, wie es auch wolle,
  Diesmal ahndet es mir, die Reise fhret zum besten.
  Lieber Oheim, hret mich nun! Seitdem ich zum letzten
  Euch gebeichtet, verging ich mich wieder in sndigem Wesen;
  Hret Groes und Kleines, und was ich damals vergessen.

  Von dem Leibe des Bren und seinem Felle verschafft ich
  Mir ein tchtiges Stck; es lieen der Wolf und die Wlfin
  Ihre Schuhe mir ab; so hab ich mein Mtchen gekhlet.
  Meine Lge verschaffte mir das, ich wute den Knig
  Aufzubringen und hab ihn dabei entsetzlich betrogen:
  Denn ich erzhlt ihm ein Mrchen, und Schtze wut ich zu dichten.
  Ja, ich hatte daran nicht genug, ich ttete Lampen,
  Ich bepackte Bellyn mit dem Haupt des Ermordeten; grimmig
  Sah der Knig auf ihn, er mute die Zeche bezahlen.
  Und das Kaninchen, ich drckt es gewaltig hinter die Ohren,
  Da es beinah das Leben verlor, und war mir verdrielich,
  Da es entkam. Auch mu ich bekennen, die Krhe beklagt sich
  Nicht mit Unrecht, ich habe Frau Scharfenebbe, sein Weibchen,
  Aufgegessen. Das hab ich begangen, seitdem ich gebeichtet.
  Aber damals verga ich nur eines, ich will es erzhlen,
  Eine Schalkheit, die ich beging, Ihr mt sie erfahren,
  Denn ich mchte nicht gern so etwas tragen; ich lud es
  Damals dem Wolf auf den Rcken. Wir gingen nmlich zusammen
  Zwischen Kacky und Elverdingen, da sahn wir von weitem
  Eine Stute mit ihrem Fohlen, und eins wie das andre
  Wie ein Rabe so schwarz; vier Monat mochte das Fohlen
  Alt sein. Und Isegrim war vom Hunger gepeinigt, da bat er:
  Fraget mir doch, verkauft uns die Stute nicht etwa das Fohlen?
  Und wie teuer? Da ging ich zu ihr und wagte das Stckchen.
  Liebe Frau Mhre, sagt ich zu ihr: das Fohlen ist Euer,
  Wie ich wei; verkauft Ihr es wohl? Das mcht ich erfahren.
  Sie versetzte: Bezahlt Ihr es gut, so kann ich es missen,
  Und die Summe, fr die es mir feil ist, Ihr werdet sie lesen,
  Hinten steht sie geschrieben an meinem Fue. Da merkt ich,
  Was sie wollte, versetzte darauf: Ich mu Euch bekennen,
  Lesen und Schreiben gelingt mir nicht eben so, wie ich es wnschte.
  Auch begehr ich des Kindes nicht selbst: denn Isegrim mchte
  Das Verhltnis eigentlich wissen; er hat mich gesendet.

  Lat ihn kommen! versetzte sie drauf. er soll es erfahren.
  Und ich ging, und Isegrim stand und wartete meiner.
  Wollt Ihr Euch sttigen, sagt ich zu ihm: so geht nur, die Mhre
  Gibt Euch das Fohlen, es steht der Preis am hinteren Fue
  Unten geschrieben; ich mchte nur, sagte sie, selber da nachsehn.
  Aber zu meinem Verdru mut ich schon manches versumen,
  Weil ich nicht lesen und schreiben gelernt. Versucht es, mein Oheim,
  Und beschauet die Schrift, Ihr werdet vielleicht sie verstehen.

  Isegrim sagte: Was sollt ich nicht lesen! das wre mir seltsam!
  Deutsch, Latein und Welsch, sogar Franzsisch versteh ich:
  Denn in Erfurt hab ich mich wohl zur Schule gehalten,
  Bei den Weisen, Gelahrten, und mit den Meistern des Rechtes
  Fragen und Urteil gestellt; ich habe meine Lizenzen
  Frmlich genommen, und was fr Skripturen man immer auch findet,
  Les ich, als wr es mein Name. Drum wird es mir heute nicht fehlen.
  Bleibet, ich geh und lese die Schrift, wir wollen doch sehen!

  Und er ging und fragte die Frau: Wie teuer das Fohlen?
  Macht es billig! Sie sagte darauf: Ihr drft nur die Summe
  Lesen, sie stehet geschrieben an meinem hinteren Fue.
  Lat mich sehen! versetzte der Wolf. Sie sagte: Das tu ich!
  Und sie hub den Fu empor aus dem Grase, der war erst
  Mit sechs Ngeln beschlagen; sie schlug gar richtig und fehlte
  Nicht ein Hrchen, sie traf ihm den Kopf, er strzte zur Erden,
  Lag betubt wie tot. Sie aber eilte von dannen,
  Was sie konnte. So lag er verwundet, es dauerte lange.

  Eine Stunde verging, da regt' er sich wieder und heulte
  Wie ein Hund. Ich trat ihm zur Seite und sagte: Herr Oheim,
  Wo ist die Stute? Wie schmeckte das Fohlen? Ihr habt Euch gesttigt,
  Habt mich vergessen! Ihr tatet nicht wohl: ich brachte die Botschaft!
  Nach der Mahlzeit schmeckte das Schlfchen. Wie lautete, sagt mir,
  Unter dem Fue die Schrift? Ihr seid ein groer Gelehrter.

  Ach, versetzt' er: spottet Ihr noch? Wie bin ich so bel
  Diesmal gefahren! Es sollte frwahr ein Stein sich erbarmen.
  Die langbeinige Mhre! Der Henker mags ihr bezahlen!
  Denn der Fu war mit Eisen beschlagen, das waren die Schriften!
  Neue Ngel! Ich habe davon sechs Wunden im Kopfe.

  Kaum behielt er sein Leben. Ich habe nun alles gebeichtet.
  Lieber Neffe! vergebet mir nun die sndigen Werke!
  Wie es bei Hofe gert, ist milich; aber ich habe
  Mein Gewissen befreit und mich von Snden gereinigt.
  Saget nun, wie ich mich bere, damit ich zu Gnaden gelnge.

  Grimbart sprach: Ich find Euch von neuem mit Snden beladen.
  Doch es werden die Toten nicht wieder lebendig; es wre
  Freilich besser, wenn sie noch lebten. So will ich, mein Oheim,
  In Betrachtung der schrecklichen Stunde, der Nhe des Todes,
  Der Euch droht, die Snde vergeben als Diener des Herren:
  Denn sie streben Euch nach mit Gewalt, ich frchte das Schlimmste,
  Und man wird Euch vor allem das Haupt des Hasen gedenken!
  Groe Dreistigkeit war es, gestehts, den Knig zu reizen,
  Und es schadet Euch mehr, als Euer Leichtsinn gedacht hat.

  Nicht ein Haar! versetzte der Schelm: und da ich Euch sage,
  Durch die Welt sich zu helfen, ist ganz was Eignes; man kann sich
  Nicht so heilig bewahren als wie im Kloster, das wit Ihr.
  Handelt einer mit Honig, er leckt zuweilen die Finger.
  Lampe reizte mich sehr; er sprang herber, hinber,
  Mir vor den Augen herum, sein fettes Wesen gefiel mir,
  Und ich setzte die Liebe beiseite. So gnnt ich Bellynen
  Wenig Gutes. Sie haben den Schaden; ich habe die Snde.
  Aber sie sind zum Teil auch so plump, in jeglichen Dingen
  Grob und stumpf. Ich sollte noch viel Zeremonien machen?
  Wenig Lust behielt ich dazu. Ich hatte von Hofe
  Mich mit ngsten gerettet und lehrte sie dieses und jenes,
  Aber es wollte nicht fort. Zwar jeder sollte den Nchsten
  Lieben, das mu ich gestehn; indessen achtet ich diese
  Wenig, und tot ist tot, so sagt Ihr selber. Doch lat uns
  Andre Dinge besprechen; es sind gefhrliche Zeiten.
  Denn wie geht es von oben herab? Man soll ja nicht reden;
  Doch wir andern merken darauf und denken das Unsre.

  Raubt der Knig ja selbst so gut als einer, wir wissens;
  Was er selber nicht nimmt, das lt er Bren und Wlfe
  Holen und glaubt, es geschhe mit Recht. Da findet sich keiner,
  Der sich getraut, ihm die Wahrheit zu sagen--so weit hinein ist es
  Bse--kein Beichtiger, kein Kaplan; sie schweigen! Warum das?
  Sie genieen es mit, und wr nur ein Rock zu gewinnen.
  Komme dann einer und klage! der haschte mit gleichem Gewinne
  Nach der Luft, er ttet die Zeit und beschftigte besser
  Sich mit neuem Erwerb. Denn fort ist fort, und was einmal
  Dir ein Mchtiger nimmt, das hast du besessen. Der Klage
  Gibt man wenig Gehr, und sie ermdet am Ende.
  Unser Herr ist der Lwe, und alles an sich zu reien,
  Hlt er seiner Wrde gem. Er nennt uns gewhnlich
  Seine Leute: frwahr, das Unsre, scheint es, gehrt ihm!

  Darf ich reden, mein Oheim? Der edle Knig, er liebt sich
  Ganz besonders Leute, die bringen und die nach der Weise,
  Die er singt, zu tanzen verstehn. Man sieht es zu deutlich.
  Da der Wolf und der Br zum Rate wieder gelangen,
  Schadet noch manchem. Sie stehlen und rauben, es liebt sie der Knig;
  Jeglicher sieht es und schweigt: er denkt, an die Reihe zu kommen.
  Mehr als vier befinden sich so zur Seite des Herren,
  Ausgezeichnet vor allen, sie sind die Grten am Hofe.
  Nimmt ein armer Teufel, wie Reineke, irgendein Hhnchen,
  Wollen sie alle gleich ber ihn her, ihn suchen und fangen,
  Und verdammen ihn laut mit Einer Stimme zum Tode.
  Kleine Diebe hngt man so weg, es haben die groen
  Starken Vorsprung, mgen das Land und die Schlsser verwalten.
  Sehet, Oheim, bemerk ich nun das und sinne darber,
  Nun, so spiel ich halt auch mein Spiel und denke daneben
  fters bei mir: es mu ja wohl recht sein, tuns doch so viele!
  Freilich regt sich dann auch das Gewissen und zeigt mir von ferne
  Gottes Zorn und Gericht und lt mich das Ende bedenken.
  Ungerecht Gut, so klein es auch sei, man mu es erstatten.
  Und da fhl ich denn Reu im Herzen; doch whrt es nicht lange.
  Ja, was hilft dichs, der Beste zu sein, es bleiben die Besten
  Doch nicht unberedet in diesen Zeiten vom Volke.
  Denn es wei die Menge genau nach allem zu forschen,
  Niemand vergessen sie leicht, erfinden dieses und jenes;
  Wenig Gutes ist in der Gemeine, und wirklich verdienen
  Wenige drunter auch gute, gerechte Herren zu haben.
  Denn sie singen und sagen vom Bsen immer und immer;
  Auch das Gute wissen sie zwar von groen und kleinen
  Herren, doch schweigt man davon, und selten kommt es zur Sprache.
  Doch das Schlimmste find ich den Dnkel des irrigen Wahnes,
  Der die Menschen ergreift: es knne jeder im Taumel
  Seines heftigen Wollens die Welt beherrschen und richten.
  Hielte doch jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,
  Wte sein trotzig Gesinde zu bndigen, knnte sich stille,
  Wenn die Toren verschwenden, in migem Leben erfreuen!
  Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es lt sich ein jeder
  Alles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen.
  Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge.
  Afterreden, Lug und Verrat und Diebstahl und falscher
  Eidschwur, Rauben und Morden, man hrt nichts anders erzhlen.
  Falsche Propheten und Heuchler betrgen schndlich die Menschen.

  Jeder lebt nur so hin! und will man sie treulich ermahnen,
  Nehmen sies leicht und sagen auch wohl: Ei, wre die Snde
  Gro und schwer, wie hier und dort uns manche Gelehrte
  Predigen, wrde der Pfaffe die Snde selber vermeiden.
  Sie entschuldigen sich mit bsem Exempel und gleichen
  Gnzlich dem Affengeschlecht, das, nachzuahmen geboren,
  Weil es nicht denket und whlt, empfindlichen Schaden erduldet.

  Freilich sollten die geistlichen Herren sich besser betragen!
  Manches knnten sie tun, wofern sie es heimlich vollbrchten:
  Aber sie schonen uns nicht, uns andre Laien, und treiben
  Alles, was ihnen beliebt, vor unsern Augen, als wren
  Wir mit Blindheit geschlagen; allein wir sehen zu deutlich,
  Ihre Gelbde gefallen den guten Herren so wenig,
  Als sie dem sndigen Freunde der weltlichen Werke behagen.

  Denn so haben ber den Alpen die Pfaffen gewhnlich
  Eigens ein Liebchen; nicht weniger sind in diesen Provinzen,
  Die sich sndlich vergehn. Man will mir sagen, sie haben
  Kinder wie andre verehlichte Leute; und sie zu versorgen,
  Sind sie eifrig bemht und bringen sie hoch in die Hhe.
  Diese denken hernach nicht weiter, woher sie gekommen,
  Lassen niemand den Rang und gehen stolz und gerade,
  Eben als wren sie edlen Geschlechts, und bleiben der Meinung,
  Ihre Sache sei richtig. So pflegte man aber vor diesem
  Pfaffenkinder so hoch nicht zu halten; nun heien sie alle
  Herren und Frauen. Das Geld ist freilich alles vermgend.

  Selten findet man frstliche Lande, worin nicht die Pfaffen
  Zlle und Zinsen erhben und Drfer und Mhlen benutzten.
  Diese verkehren die Welt, es lernt die Gemeine das Bse:
  Denn man sieht, so hlt es der Pfaffe, da sndiget jeder,
  Und vom Guten leitet hinweg ein Blinder den andern.
  Ja, wer merkte denn wohl die guten Werke der frommen
  Priester, und wie sie die heilige Kirche mit gutem Exempel
  Auferbauen? Wer lebt nun darnach? Man strkt sich im Bsen.
  So geschieht es im Volke, wie sollte die Welt sich verbessern?

  Aber hret mich weiter. Ist einer unecht geboren,
  Sei er ruhig darber, was kann er weiter zur Sache?
  Denn ich meine nur so, versteht mich. Wird sich ein solcher
  Nur mit Demut betragen und nicht durch eitles Benehmen
  Andre reizen, so fllt es nicht auf, und htte man unrecht,
  ber dergleichen Leute zu reden. Es macht die Geburt uns
  Weder edel noch gut, noch kann sie zur Schande gereichen.
  Aber Tugend und Laster, sie unterscheiden die Menschen.
  Gute, gelehrte geistliche Mnner, man hlt sie, wie billig,
  Hoch in Ehren, doch geben die bsen ein bses Exempel.
  Predigt so einer das Beste, so sagen doch endlich die Laien:
  Spricht er das Gute und tut er das Bse, was soll man erwhlen?
  Auch der Kirche tut er nichts Gutes, er prediget jedem:
  Leget nur aus und bauet die Kirche; das rat ich, ihr Lieben,
  Wollt ihr Gnade verdienen und Abla! so schliet er die Rede,
  Und er legt wohl wenig dazu, ja gar nichts, und fiele
  Seinetwegen die Kirche zusammen. So hlt er denn weiter
  Fr die beste Weise zu leben, sich kstlich zu kleiden,
  Lecker zu essen. Und hat sich so einer um weltliche Sachen
  bermig bekmmert, wie will er beten und singen?
  Gute Priester sind tglich und stndlich im Dienste des Herren
  Fleiig begriffen und ben das Gute; der heiligen Kirche
  Sind sie ntze, sie wissen die Laien durch gutes Exempel
  Auf dem Wege des Heils zur rechten Pforte zu leiten.

  Aber ich kenne denn auch die Bekappten; sie plrren und plappern
  Immer zum Scheine so fort und suchen immer die Reichen,
  Wissen den Leuten zu schmeicheln und gehn am liebsten zu Gaste.
  Bittet man einen, so kommt auch der zweite; da finden sich weiter
  Noch zu diesen zwei oder drei. Und wer in dem Kloster
  Gut zu schwatzen versteht, der wird im Orden erhoben,
  Wird zum Lesemeister, zum Kustos oder zum Prior.
  Andere stehen beiseite. Die Schsseln werden gar ungleich
  Aufgetragen. Denn einige mssen des Nachts in dem Chore
  Singen, lesen, die Grber umgehn; die anderen haben
  Guten Vorteil und Ruh und essen die kstlichen Bissen.

  Und die Legaten des Papstes, die bte, Prpste, Prlaten,
  Die Beguinen und Nonnen, da wre vieles zu sagen!
  berall heit es: Gebt mir das Eure und lat mir das Meine.
  Wenige finden sich wahrlich, nicht sieben, welche der Vorschrift
  Ihres Ordens gem ein heiliges Leben beweisen.
  Und so ist der geistliche Stand gar schwach und gebrechlich.

  Oheim! sagte der Dachs: ich find es besonders, Ihr beichtet
  Fremde Snden. Was will es Euch helfen? Mich dnket, es wren
  Eurer eignen genug. Und sagt mir, Oheim, was habt Ihr
  Um die Geistlichkeit Euch zu bekmmern, und dieses und jenes?
  Seine Brde mag jeglicher tragen, und jeglicher gebe
  Red und Antwort, wie er in seinem Stande die Pflichten
  Zu erfllen strebt; dem soll sich niemand entziehen,
  Weder Alte noch Junge, hier auen oder im Kloster.
  Doch Ihr redet zu viel von allerlei Dingen und knntet
  Mich zuletzt zum Irrtum verleiten. Ihr kennet vortrefflich,
  Wie die Welt nun besteht und alle Dinge sich fgen;
  Niemand schickte sich besser zum Pfaffen. Ich kme mit andern
  Schafen, zu beichten bei Euch und Eurer Lehre zu horchen,
  Eure Weisheit zu lernen; denn freilich mu ich gestehen:
  Stumpf und grob sind die meisten von uns und httens vonnten.

  Also hatten sie sich dem Hofe des Knigs genhert.
  Reineke sagte: So ist es gewagt! und nahm sich zusammen.
  Und sie begegneten Martin, dem Affen, der hatte sich eben
  Aufgemacht und wollte nach Rom; er grte die beiden.
  Lieber Oheim, fasset ein Herz! so sprach er zum Fuchse,
  Fragt' ihn dieses und jenes, obschon ihm die Sache bekannt war.
  Ach, wie ist mir das Glck in diesen Tagen entgegen!
  Sagte Reineke drauf da haben mich etliche Diebe
  Wieder beschuldigt, wer sie auch sind, besonders die Krhe
  Mit dem Kaninchen; sein Weib verlor das eine, dem andern
  Fehlt ein Ohr. Was kmmert mich das? Und knnt ich nur selber
  Mit dem Knige reden, sie beide solltens empfinden.
  Aber mich hindert am meisten, da ich im Banne des Papstes
  Leider noch bin. Nun hat in der Sache der Dompropst die Vollmacht,
  Der beim Knige gilt. Und in dem Banne befind ich
  Mich um Isegrims willen, der einst ein Klausner geworden,
  Aber dem Kloster entlief, von Elkmar, wo er gewohnet.
  Und er schwur, so knnt er nicht leben, man halt ihn zu strenge,
  Lange knn er nicht fasten und knne nicht immer so lesen.
  Damals half ich ihm fort. Es reut mich; denn er verleumdet
  Mich beim Knige nun und sucht mir immer zu schaden.
  Soll ich nach Rom? Wie werden indes zu Hause die Meinen
  In Verlegenheit sein! Denn Isegrim kann es nicht lassen,
  Wo er sie findet, beschdigt er sie. Auch sind noch so viele,
  Die mir bels gedenken und sich an die Meinigen halten.
  Wr ich aus dem Banne gelst, so htt ich es besser,
  Knnte gemchlich mein Glck bei Hofe wieder versuchen.

  Martin versetzte: Da kann ich Euch helfen, es trifft sich! Soeben
  Geh ich nach Rom und ntz Euch daselbst mit knstlichen Stcken.
  Unterdrcken la ich Euch nicht! Als Schreiber des Bischofs,
  Dnkt mich, versteh ich das Werk. Ich schaffe, da man den Dompropst
  Grade nach Rom zitiert, da will ich gegen ihn fechten.
  Seht nur, Oheim, ich treibe die Sache und wei sie zu leiten;
  Exequieren la ich das Urteil, Ihr werdet mir sicher
  Absolviert, ich bring es Euch mit; es sollen die Feinde
  bel sich freun und ihr Geld zusamt der Mhe verlieren:
  Denn ich kenne den Gang der Dinge zu Rom und verstehe,
  Was zu tun und zu lassen. Da ist Herr Simon, mein Oheim,
  Angesehn und mchtig; er hilft den guten Bezahlern.
  Schalkefund, das ist ein Herr! und Doktor Greifzu und andre,
  Wendemantel und Losefund hab ich alle zu Freunden.
  Meine Gelder schickt ich voraus; denn, seht nur, so wird man
  Dort am besten bekannt. Sie reden wohl von Zitieren:
  Aber das Geld begehren sie nur. Und wre die Sache
  Noch so krumm, ich mache sie grad mit guter Bezahlung.
  Bringst du Geld, so findest du Gnade; sobald es dir mangelt,
  Schlieen die Tren sich zu. Ihr bleibet ruhig im Lande;
  Eurer Sache nehm ich mich an, ich lse den Knoten.
  Geht nur nach Hofe, Ihr werdet daselbst Frau Rckenau finden,
  Meine Gattin; es liebt sie der Knig, unser Gebieter,
  Und die Knigin auch, sie ist behenden Verstandes.
  Sprecht sie an, sie ist klug, verwendet sich gerne fr Freunde.
  Viele Verwandte findet Ihr da. Es hilft nicht immer,
  Recht zu haben. Ihr findet bei ihr zwei Schwestern, und meiner
  Kinder sind drei, daneben noch manche von Eurem Geschlechte,
  Euch zu dienen bereit, wie Ihr es immer begehret.
  Und versagte man Euch das Recht, so sollt Ihr erfahren,
  Was ich vermag. Und wenn man Euch druckt, berichtet mirs eilig!
  Und ich lasse das Land in Bann tun, den Knig und alle
  Weiber und Mnner und Kinder. Ein Interdikt will ich senden,
  Singen soll man nicht mehr, noch Messe lesen, noch taufen,
  Noch begraben, was es auch sei. Des trstet Euch, Neffe!

  Denn der Papst ist alt und krank und nimmt sich der Dinge
  Weiter nicht an, man achtet ihn wenig. Auch hat nun am Hofe
  Kardinal Ohnegenge die ganze Gewalt, der ein junger
  Rstiger Mann ist, ein feuriger Mann von schnellem Entschlusse.
  Dieser liebt ein Weib, das ich kenne; sie soll ihm ein Schreiben
  Bringen, und was sie begehrt, das wei sie trefflich zu machen.
  Und sein Schreiber Johannes Partey, der kennt aufs genauste
  Alte und neue Mnze; dann Horchegenau, sein Geselle,
  Ist ein Hofmann; Schleifenundwenden ist Notarius.
  Bakkalaureus beider Rechte, und bleibt er nur etwa
  Noch ein Jahr, so ist er vollkommen in praktischen Schriften.
  Dann sind noch zwei Richter daselbst, die heien Moneta
  Und Donarius; sprechen sie ab, so bleibt es gesprochen.

  So verbt man in Rom gar manche Listen und Tcken,
  Die der Papst nicht erfhrt. Man mu sich Freunde verschaffen!
  Denn durch sie vergibt man die Snden und lset die Vlker
  Aus dem Banne. Verlat Euch darauf, mein wertester Oheim!
  Denn es wei der Knig schon lang, ich la Euch nicht fallen;
  Eure Sache fhr ich hinaus und bin es vermgend.
  Ferner mag er bedenken, es sind gar viele den Affen
  Und den Fchsen verwandt, die ihn am besten beraten,
  Und das hilft Euch gewi, es gehe, wie es auch wolle.

  Reineke sprach: Das trstet mich sehr; ich denk es Euch wieder,
  Komm ich diesmal nur los. Und einer empfahl sich dem andern.
  Ohne Geleit ging Reineke nun mit Grimbart, dem Dachse,
  Nach dem Hofe des Knigs, wo man ihm bel gesinnt war.





  Neunter Gesang


  Reineke war nach Hofe gelangt, er dachte die Klagen
  Abzuwenden, die ihn bedrohten. Doch als er die vielen
  Feinde beisammen erblickte, wie alle standen und alle
  Sich zu rchen begehrten und ihn am Leben zu strafen,
  Fiel ihm der Mut; er zweifelte nun, doch ging er mit Khnheit
  Grade durch alle Baronen, und Grimbart ging ihm zur Seite.
  Sie gelangten zum Throne des Knigs, da lispelte Grimbart:
  Seid nicht furchtsam Reineke, diesmal; gedenket: dem Blden
  Wird das Glck nicht zuteil, der Khne sucht die Gefahr auf
  Und erfreut sich mit ihr; sie hilft ihm wieder entkommen.
  Reineke sprach: Ihr sagt mir die Wahrheit, ich danke zum schnsten
  Fr den herrlichen Trost, und komm ich wieder in Freiheit,
  Werd ichs gedenken. Er sah nun umher, und viele Verwandte
  Fanden sich unter der Schar, doch wenige Gnner, den meisten
  Pflegt' er bel zu dienen; ja, unter den Ottern und Bibern,
  Unter Groen und Kleinen trieb er sein schelmisches Wesen.
  Doch entdeckt' er noch Freunde genug im Saale des Knigs.

  Reineke kniete vorm Throne zur Erden und sagte bedchtig:
  Gott, dem alles bekannt ist und der in Ewigkeit mchtig
  Bleibt, bewhr Euch, mein Herr und Knig, bewahre nicht minder
  Meine Frau, die Knigin, immer, und beiden zusammen
  Geb er Weisheit und gute Gedanken, damit sie besonnen
  Recht und Unrecht erkennen; denn viele Falschheit ist jetzo
  Unter den Menschen im Gange. Da scheinen viele von auen,
  Was sie nicht sind. O htte doch jeder am Vorhaupt geschrieben,
  Wie er gedenkt, und sh es der Knig! da wrde sich zeigen,
  Da ich nicht lge und da ich Euch immer zu dienen bereit bin.
  Zwar verklagen die Bsen mich heftig; sie mchten mir gerne
  Schaden und Eurer Huld mich berauben, als wr ich derselben
  Unwert. Aber ich kenne die strenge Gerechtigkeitsliebe
  Meines Knigs und Herrn, denn ihn verleitete keiner
  Je, die Wege des Rechtes zu schmlern; so wird es auch bleiben.

  Alles kam und drngte sich nun, ein jeglicher mute
  Reinekens Khnheit bewundern, es wnscht' ihn jeder zu hren;
  Seine Verbrechen waren bekannt, wie wollt er entrinnen?

  Reineke, Bsewicht! sagte der Knig: fr diesmal erretten
  Deine losen Worte dich nicht, sie helfen nicht lnger
  Lgen und Trug zu verkleiden, nun bist du ans Ende gekommen.
  Denn du hast die Treue zu mir, ich glaube, bewiesen
  Am Kaninchen und an der Krhe! Das wre genugsam.
  Aber du best Verrat an allen Orten und Enden;
  Deine Streiche sind falsch und behende, doch werden sie nicht mehr
  Lange dauern, denn voll ist das Ma, ich schelte nicht lnger.

  Reineke dachte: Wie wird es mir gehn? O htt ich nur wieder
  Meine Behausung erreicht! Wo will ich Mittel ersinnen?
  Wie es auch geht, ich mu nun hindurch, versuchen wir alles.

  Mchtiger Knig, edelster Frst! so lie er sich hren:
  Meint Ihr, ich habe den Tod verdient, so habt Ihr die Sache
  Nicht von der rechten Seite betrachtet; drum bitt ich, Ihr wollet
  Erst mich hren. Ich habe ja sonst Euch ntzlich geraten,
  In der Not bin ich bei Euch geblieben, wenn etliche wichen,
  Die sich zwischen uns beide nun stellen zu meinem Verderben
  Und die Gelegenheit ntzen, wenn ich entfernt bin. Ihr mget,
  Edler Knig, hab ich gesprochen, die Sache dann schlichten;
  Werd ich schuldig befunden, so mu ich es freilich ertragen.
  Wenig habt Ihr meiner gedacht, indes ich im Lande
  Vieler Orten und Enden die sorglichste Wache gehalten.
  Meint Ihr, ich wre nach Hofe gekommen, wofern ich mich schuldig
  Wute gro- oder kleiner Vergehn? Ich wrde bedchtig
  Eure Gegenwart fliehn und meine Feinde vermeiden.
  Nein, mich htten gewi aus meiner Feste nicht sollen
  Alle Schtze der Welt hierher verleiten; da war ich
  Frei auf eigenem Grund und Boden. Nun bin ich mir aber
  Keines bels bewut, und also bin ich gekommen.
  Eben stand ich, Wache zu halten; da brachte mein Oheim
  Mir die Zeitung, ich solle nach Hof. Ich hatte von neuem,
  Wie ich dem Bann mich entzge, gedacht, darber mit Martin
  Vieles gesprochen, und er gelobte mir heilig, er wolle
  Mich von dieser Brde befrein. Ich werde nach Rom gehn,
  Sagt' er, und nehme die Sache von nun an vllig auf meine
  Schultern, geht nur nach Hofe, des Bannes werdet Ihr ledig.
  Sehet, so hat mir Martin geraten, er mu es verstehen:
  Denn der vortreffliche Bischof, Herr Ohnegrund, braucht ihn bestndig;
  Schon fnf Jahre dient er demselben in rechtlichen Sachen.
  Und so kam ich hieher und finde Klagen auf Klagen.
  Das Kaninchen, der ugler, verleumdet mich; aber es steht nun
  Reineke hier: so tret er hervor mir unter die Augen!
  Denn es ist freilich was leichtes, sich ber Entfernte beklagen
  Aber man soll den Gegenteil hren, bevor man ihn richtet.
  Diese falschen Gesellen, bei meiner Treue! sie haben
  Gutes genossen von mir, die Krhe mit dem Kaninchen:
  Denn vorgestern am Morgen in aller Frhe begegnet'
  Mir das Kaninchen und grte mich schn; ich hatte soeben
  Vor mein Schlo mich gestellt und las die Gebete des Morgens.
  Und er zeigte mir an, er gehe nach Hofe; da sagt ich:
  Gott begleit Euch! Er klagte darauf. Wie hungrig und mde
  Bin ich geworden! Da fragt ich ihn freundlich: Begehrt Ihr zu essen?
  Dankbar nehm ich es an, versetzt' er. Aber ich sagte:
  Geb ichs doch gerne. So ging ich mit ihm und bracht ihm behende
  Kirschen und Butter: ich pflege kein Fleisch am Mittwoch zu essen.
  Und er sttigte sich mit Brot und Butter und Frchten.
  Aber es trat mein Shnchen, das jngste, zum Tische, zu sehen,
  Ob was briggeblieben: denn Kinder lieben das Essen;
  Und der Knabe haschte darnach. Da schlug das Kaninchen
  Hastig ihn ber das Maul, es bluteten Lippen und Zhne.
  Reinhart, mein andrer, sah die Begegnung und fate den ugler
  Grad an der Kehle, spielte sein Spiel und rchte den Bruder.
  Das geschah, nicht mehr und nicht minder. Ich sumte nicht lange,
  Lief und strafte die Knaben und brachte mit Mhe die beiden
  Auseinander. Kriegt er was ab, so mag er es tragen,
  Denn er hatte noch mehr verdient; auch wren die Jungen,
  Htt ich es bel gemeint, mit ihm wohl fertig geworden.
  Und so dankt er mir nun! Ich ri ihm, sagt er, ein Ohr ab;
  Ehre hat er genossen und hat ein Zeichen behalten.

  Ferner kam die Krhe zu mir und klagte: die Gattin
  Hab er verloren, sie habe sich leider zu Tode gegessen,
  Einen ziemlichen Fisch mit allen Grten verschlungen;
  Wo es geschah, das wei er am besten. Nun sagt er: ich habe
  Sie gemordet; er tat es wohl selbst, und wrde man ernstlich
  Ihn verhren, drft ich es tun, er sprche wohl anders.
  Denn sie fliegen, es reichet kein Sprung so hoch, in die Lfte.

  Will nun solcher verbotenen Taten mich jemand bezchten,
  Tu ers mit redlichen, gltigen Zeugen: denn also gehrt sichs,
  Gegen edle Mnner zu rechten; ich mt es erwarten.
  Aber finden sich keine, so gibts ein anderes Mittel.
  Hier! Ich bin zum Kampfe bereit! Man setze den Tag an
  Und den Ort. Es zeige sich dann ein wrdiger Gegner,
  Gleich mit mir von Geburt, ein jeder fhre sein Recht aus.
  Wer dann Ehre gewinnt, dem mag sie bleiben. So hat es
  Immer zu Rechte gegolten, und ich verlang es nicht besser.

  Alle standen und hrten und waren ber die Worte
  Reinekens hchlich verwundert, die er so trotzig gesprochen.
  Und es erschraken die beiden, die Krhe mit dem Kaninchen,
  Rumten den Hof und trauten nicht weiter ein Wrtchen zu sprechen,
  Gingen und sagten untereinander: Es wre nicht ratsam,
  Gegen ihn weiter zu rechten. Wir mchten alles versuchen,
  Und wir kmen nicht aus. Wer hats gesehen? Wir waren
  Ganz allein mit dem Schelm; wer sollte zeugen? Am Ende
  Bleibt der Schaden uns doch. Fr alle seine Verbrechen
  Warte der Henker ihm auf und lohn ihm, wie ers verdiente!
  Kmpfen will er mit uns? das mcht uns bel bekommen.
  Nein, frwahr, wir lassen es lieber. Denn falsch und behende,
  Lose und tckisch kennen wir ihn. Es wren ihm wahrlich
  Unser fnfe zu wenig, wir mten es teuer bezahlen.

  Isegrim aber und Braunen war bel zumute; sie sahen
  Ungern die beiden von Hofe sich schleichen. Da sagte der Knig:
  Hat noch jemand zu klagen, der komme! Lat uns vernehmen!
  Gestern drohten so viele, hier steht der Beklagte! wo sind sie?

  Reineke sagte: So pflegt es zu gehn, man klagt und beschuldigt
  Diesen und jenen; doch stnde er dabei, man bliebe zu Hause.
  Diese losen Verrter, die Krhe mit dem Kaninchen,
  Htten mich gern in Schande gebracht und Schaden und Strafe,
  Aber sie bitten mirs ab, und ich vergebe; denn freilich,
  Da ich komme, bedenken sie sich und weichen zur Seite.
  Wie beschmt ich sie nicht! Ihr sehet, wie es gefhrlich
  Ist, die losen Verleumder entfernter Diener zu hren;
  Sie verdrehen das Rechte und sind den Besten gehssig.
  Andre dauern mich nur, an mir ist wenig gelegen.

  Hre mich, sagte der Knig darauf: du loser Verrter!
  Sage, was trieb dich dazu, da du mir Lampen, den treuen,
  Der mir die Briefe zu tragen pflegte, so schmhlich gettet?
  Hatt ich nicht alles vergeben, so viel du immer verbrochen?
  Rnzel und Stab empfingst du von mir, so warst du versehen,
  Solltest nach Rom und ber das Meer; ich gnnte dir alles,
  Und ich hoffte Berung von dir. Nun seh ich zum Anfang,
  Wie du Lampen gemordet; es mute Bellyn dir zum Boten
  Dienen, der brachte das Haupt im Rnzel getragen und sagte
  ffentlich aus, er bringe mir Briefe, die ihr zusammen
  Ausgedacht und geschrieben, er habe das Beste geraten.
  Und im Rnzel fand sich das Haupt, nicht mehr und nicht minder.
  Mir zum Hohne tatet ihr das. Bellynen behielt ich
  Gleich zum Pfande, sein Leben verlor er; nun geht es an deines.

  Reineke sagte: Was hr ich? Ist Lampe tot? und Bellynen
  Find ich nicht mehr? Was wird nun aus mir? O wr ich gestorben!
  Ach, mit beiden geht mir ein Schatz, der grte, verloren!
  Denn ich sandt Euch durch sie Kleinode, welche nicht besser
  ber der Erde sich finden. Wer sollte glauben, der Widder
  Wrde Lampen ermorden und Euch der Schtze berauben?
  Hte sich einer, wo niemand Gefahr und Tcke vermutet.

  Zornig hrte der Knig nicht aus, was Reineke sagte,
  Wandte sich weg nach seinem Gemach und hatte nicht deutlich
  Reinekens Rede vernommen, er dacht ihn am Leben zu strafen;
  Und er fand die Knigin eben in seinem Gemache
  Mit Frau Rckenau stehn. Es war die ffin besonders
  Knig und Knigin lieb. Das sollte Reineken helfen.
  Unterrichtet war sie und klug und wute zu reden;
  Wo sie erschien, sah jeder auf sie und ehrte sie hchlich.
  Diese merkte des Knigs Verdru und sprach mit Bedachte
  Wenn Ihr, gndiger Herr, auf meine Bitte zuweilen
  Hrtet, gereut' es Euch nie, und Ihr vergabt mir die Khnheit,
  Wenn Ihr zrntet, ein Wort gelinder Meinung zu sagen.
  Seid auch diesmal geneigt, mich anzuhren, betrifft es
  Doch mein eignes Geschlecht! Wer kann die Seinen verleugnen?
  Reineke, wie er auch sei, ist mein Verwandter, und soll ich,
  Wie sein Betragen mir scheint, aufrichtig bekennen: ich denke,
  Da er zu Rechte sich stellt, von seiner Sache das Beste.
  Mute sein Vater doch auch, den Euer Vater begnstigt,
  Viel von losen Mulern erdulden und falschen Verklgern!
  Doch beschmt' er sie stets. Sobald man die Sache genauer
  Untersuchte, fand es sich klar: die tckischen Neider
  Suchten Verdienste sogar als schwere Verbrechen zu deuten.
  So erhielt er sich immer in grerem Ansehn bei Hof, als
  Braun und Isegrim jetzt: denn diesen wre zu wnschen,
  Da sie alle Beschwerden auch zu beseitigen wten,
  Die man hufig ber sie hrt; allein sie verstehen
  Wenig vom Rechte, so zeigt es ihr Rat, so zeigt es ihr Leben.

  Doch der Knig versetzte darauf: Wie kann es Euch wundern,
  Da ich Reineken gram bin, dem Diebe, der mir vor kurzem
  Lampen gettet, Bellynen verfhrt und frecher als jemals
  Alles leugnet und sich als treuen und redlichen Diener
  Anzupreisen erkhnt, indessen alle zusammen
  Laute Klagen erheben und nur zu deutlich beweisen,
  Wie er mein sicher Geleite verletzt und wie er mit Stehlen,
  Rauben und Morden das Land und meine Getreuen beschdigt.
  Nein! ich duld es nicht lnger! Dagegen sagte die ffin:
  Freilich ists nicht vielen gegeben, in jeglichen Fllen
  Klug zu handeln und klug zu raten, und wem es gelinget,
  Der erwirbt sich Vertrauen; allein es suchen die Neider
  Ihm dagegen heimlich zu schaden, und werden sie zahlreich,
  Treten sie ffentlich auf. So ist es Reineken mehrmals
  Schon ergangen; doch werden sie nicht die Erinnrung vertilgen,
  Wie er in Fllen Euch weise geraten, wenn alle verstummten.
  Wit Ihr noch? vor kurzem geschahs. Der Mann und die Schlange
  Kamen vor Euch, und niemand verstund die Sache zu schlichten;
  Aber Reineke fands, Ihr lobtet ihn damals vor allen.

  Und der Knig versetzte nach kurzem Bedenken dagegen:
  Ich erinnre der Sache mich wohl, doch hab ich vergessen,
  Wie sie zusammenhing; sie war verworren, so dnkt mich.
  Wit Ihr sie noch, so lat sie mich hren, es macht mir Vergngen.
  Und sie sagte: Befiehlt es mein Herr, so soll es geschehen.

  Eben sinds zwei Jahre, da kam ein Lindwurm und klagte
  Strmisch, gndiger Herr, vor Euch: es woll ihm ein Bauer
  Nicht im Rechte sich fgen, ein Mann, den zweimal das Urteil
  Nicht begnstigt. Er brachte den Bauer, vor Euern Gerichtshof
  Und erzhlte die Sache mit vielen heftigen Worten.

  Durch ein Loch im Zaune zu kriechen, gedachte die Schlange,
  Fing sich aber im Stricke, der vor die ffnung gelegt war,
  Fester zog die Schlinge sich zu, sie htte das Leben
  Dort gelassen, da kam ihr zum Glck ein Wandrer gegangen.
  ngstlich rief sie: Erbarme dich meiner und mache mich ledig!
  La dich erbitten! Da sagte der Mann: Ich will dich erlsen,
  Denn mich jammert dein Elend; allein erst sollst du mir schwren,
  Mir nichts Leides zu tun. Die Schlange fand sich erbtig,
  Schwur den teuersten Eid: sie wolle auf keinerlei Weise
  Ihren Befreier verletzen, und so erlste der Mann sie.

  Und sie gingen ein Weilchen zusammen, da fhlte die Schlange
  Schmerzlichen Hunger, sie scho auf den Mann und wollt ihn erwrgen,
  Ihn verzehren; mit Angst und Not entsprang ihr der Arme.
  Das ist dein Dank? Das hab ich verdient? so rief er: und hast du
  Nicht geschworen den teuersten Eid? Da sagte die Schlange:
  Leider ntiget mich der Hunger, ich kann mir nicht helfen;
  Not erkennt kein Gebot, und so besteht es zu Rechte.

  Da versetzte der Mann: So schone nur meiner so lange,
  Bis wir zu Leuten kommen, die unparteiisch uns richten.
  Und es sagte der Wurm: Ich will mich so lange gedulden.

  Also gingen sie weiter und fanden ber dem Wasser
  Pflckebeutel, den Raben, mit seinem Sohne; man nennt ihn
  Quackeler. Und die Schlange berief sie zu sich und sagte:
  Kommt und hret! Es hrte die Sache der Rabe bedchtig,
  Und er richtete gleich: den Mann zu essen. Er hoffte,
  Selbst ein Stck zu gewinnen. Da freute die Schlange sich hchlich:
  Nun, ich habe gesiegt! es kann mirs niemand verdenken.
  Nein, versetzte der Mann: ich habe nicht vllig verloren;
  Sollt ein Ruber zum Tode verdammen? und sollte nur Einer
  Richten? ich fordere ferner Gehr, im Gange des Rechtes;
  Lat uns vor vier, vor zehn die Sache bringen und hren.

  Gehn wir! sagte die Schlange. Sie gingen, und es begegnet'
  Ihnen der Wolf und der Br, und alle traten zusammen.
  Alles befrchtete nun der Mann: denn zwischen den fnfen
  War es gefhrlich zu stehn und zwischen solchen Gesellen;
  Ihn umringten die Schlange, der Wolf, der Br und die Raben.
  Bange war ihm genug: denn bald verglichen sich beide,
  Wolf und Br, das Urteil in dieser Mae zu fllen:
  Tten drfe die Schlange den Mann; der leidige Hunger
  Kenne keine Gesetze, die Not entbinde vom Eidschwur.
  Sorgen und Angst befielen den Wandrer, denn alle zusammen
  Wollten sein Leben. Da scho die Schlange mit grimmigem Zischen,
  Spritzte Geifer auf ihn, und ngstlich sprang er zur Seite.
  Groes Unrecht, rief er: begehst du! Wer hat dich zum Herren
  ber mein Leben gemacht? Sie sprach: Du hast es vernommen;
  Zweimal sprachen die Richter, und zweimal hast du verloren.
  Ihr versetzte der Mann: Sie rauben selber und stehlen;
  Ich erkenne sie nicht, wir wollen zum Knige gehen.
  Mag er sprechen, ich fge mich drein; und wenn ich verliere,
  Hab ich noch bels genug, allein ich will es ertragen.
  Spottend sagte der Wolf und der Br: Du magst es versuchen,
  Aber die Schlange gewinnt, sie wirds nicht besser begehren.
  Denn sie dachten, es wrden die smtlichen Herren des Hofes
  Sprechen wie sie, und gingen getrost und fhrten den Wandrer,
  Kamen vor Euch, die Schlange, der Wolf, der Br und die Raben.
  Ja, selbdritt erschien der Wolf, er hatte zwei Kinder,
  Eitelbauch hie der eine, der andre Nimmersatt, beide
  Machten dem Mann am meisten zu schaffen; sie waren gekommen,
  Auch ihr Teil zu verzehren, denn sie sind immer begierig,
  Heulten damals vor Euch mit unertrglicher Grobheit.
  Ihr verbotet den Hof den beiden plumpen Gesellen.
  Da berief sich der Mann auf Eure Gnaden, erzhlte,
  Wie ihn die Schlange zu tten gedenke, sie habe der Wohltat
  Vllig vergessen, sie breche den Eid! So fleht' er um Rettung.
  Aber die Schlange leugnete nicht: Es zwingt mich des Hungers
  Allgewaltige Not, sie kennet keine Gesetze.

  Gndiger Herr, da wart Ihr bekmmert; es schien Euch die Sache
  Gar bedenklich zu sein und rechtlich schwer zu entscheiden.
  Denn es schien Euch hart, den guten Mann zu verdammen,
  Der sich hilfreich bewiesen; allein Ihr dachtet dagegen
  Auch des schmhlichen Hungers. Und so berieft Ihr die Rte.
  Leider war die Meinung der meisten dem Manne zum Nachteil;
  Denn sie wnschten die Mahlzeit und dachten der Schlange zu helfen.
  Doch Ihr sendetet Boten nach Reineken: alle die andern
  Sprachen gar manches und konnten die Sache zu Rechte nicht scheiden.
  Reineke kam und hrte den Vortrag, Ihr legtet das Urteil
  Ihm in die Hnde, und wie er es sprche, so sollt es geschehen.

  Reineke sprach mit gutem Bedacht: Ich finde vor allem
  Ntig, den Ort zu besuchen, und seh ich die Schlange gebunden,
  Wie der Bauer sie fand, so wird das Urteil sich geben.
  Und man band die Schlange von neuem an selbiger Sttte,
  In der Mae, wie sie der Bauer im Zaune gefunden.

  Reineke sagte darauf: Hier ist nun jedes von beiden
  Wieder im vorigen Stand, und keines hat weder gewonnen,
  Noch verloren; jetzt zeigt sich das Recht, so scheint mirs, von selber.
  Denn beliebt es dem Manne, so mag er die Schlange noch einmal
  Aus der Schlinge befrein; wo nicht, so lt er sie hngen,
  Frei, mit Ehren geht er die Strae nach seinen Geschften.
  Da sie untreu geworden, als sie die Wohltat empfangen,
  Hat der Mann nun billig die Wahl. Das scheint mir des Rechtes
  Wahrer Sinn; wers besser versteht, der la es uns hren.

  Damals gefiel Euch das Urteil und Euren Rten zusammen;
  Reineke wurde gepriesen, der Bauer dankt' Euch, und jeder
  Rhmte Reinekens Klugheit, ihn rhmte die Knigin selber.
  Vieles wurde gesprochen: im Kriege wren noch eher
  Isegrim und Braun zu gebrauchen, man frchte sie beide
  Weit und breit, sie fnden sich gern, wo alles verzehrt wird.
  Gro und stark und khn sei jeder, man knn es nicht leugnen;
  Doch im Rate fehle gar oft die ntige Klugheit:
  Denn sie pflegen zu sehr auf ihre Strke zu trotzen,
  Kommt man ins Feld und naht sich dem Werke, da hinkt es gewaltig.
  Mutiger kann man nichts sehn, als sie zu Hause sich zeigen;
  Drauen liegen sie gern im Hinterhalt. Setzt es denn einmal
  Tchtige Schlge, so nimmt man sie mit, so gut als ein andrer.
  Bren und Wlfe verderben das Land; es kmmert sie wenig,
  Wessen Haus die Flamme verzehrt, sie pflegen sich immer
  An den Kohlen zu wrmen, und sie erbarmen sich keines,
  Wenn ihr Kropf sich nur fllt. Man schlrft die Eier hinunter,
  Lt den Armen die Schalen und glaubt noch redlich zu teilen.
  Reineke Fuchs mit seinem Geschlecht versteht sich dagegen
  Wohl auf Weisheit und Rat, und hat er nun etwas versehen,
  Gndiger Herr, so ist er kein Stein. Doch wird Euch ein andrer
  Niemals besser beraten. Darum verzeiht ihm, ich bitte!

  Da versetzte der Knig: Ich will es bedenken. Das Urteil
  Ward gesprochen, wie Ihr erzhlt, es bte die Schlange.
  Doch von Grund aus bleibt er ein Schalk, wie sollt er sich bessern?
  Macht man ein Bndnis mit ihm, so bleibt man am Ende betrogen;
  Denn er dreht sich so listig heraus, wer ist ihm gewachsen?
  Wolf und Br und Kater, Kaninchen und Krhe, sie sind ihm
  Nicht behende genug, er bringt sie in Schaden und Schande.
  Diesem behielt er ein Ohr, dem andern das Auge, das Leben
  Raubt' er dem dritten! Frwahr, ich wei nicht, wie Ihr dem Bsen
  So zugunsten sprecht und seine Sache verteidigt.
  Gndiger Herr, versetzte die ffin: ich kann es nicht bergen,
  Sein Geschlecht ist edel und gro, Ihr mgt es bedenken.

  Da erhub sich der Knig, herauszutreten, es stunden
  Alle zusammen und warteten sein. Er sah in dem Kreise
  Viele von Reinekens nchsten Verwandten, sie waren gekommen,
  Ihren Vetter zu schtzen, sie wren schwerlich zu nennen.
  Und er sah das groe Geschlecht, er sah auf der andern
  Seite Reinekens Feinde: es schien der Hof sich zu teilen.

  Da begann der Knig: So hre mich, Reineke! Kannst du
  Solchen Frevel entschuldigen, da du mit Hilfe Bellynens
  Meinen frommen Lampe gettet? und da Ihr Verwegnen
  Mir sein Haupt ins Rnzel gesteckt, als wren es Briefe?
  Mich zu hhnen, tatet ihr das! ich habe den einen
  Schon bestraft, es bte Bellyn; erwarte das gleiche.

  Weh mir! sagte Reineke drauf: o wr ich gestorben!
  Hret mich an, und wie es sich findet, so mag es geschehen:
  Bin ich schuldig, so ttet mich gleich, ich werde doch nimmer
  Aus der Not und Sorge mich retten, ich bleibe verloren.
  Denn der Verrter Bellyn, er unterschlug mir die grten
  Schtze, kein Sterblicher hat dergleichen jemals gesehen.
  Ach, sie kosten Lampen das Leben! Ich hatte sie beiden
  Anvertraut, nun raubte Bellyn die kstlichen Sachen.
  Lieen sie sich doch wieder erforschen! Allein ich befrchte,
  Niemand findet sie mehr, sie bleiben auf immer verloren.

  Aber die ffin versetzte darauf: Wer wollte verzweifeln?
  Sind sie nur ber der Erde, so ist noch Hoffnung zu schpfen.
  Frh und spte wollen wir gehn und Laien und Pfaffen
  Emsig fragen; doch zeiget uns an, wie waren die Schtze?

  Reineke sagte: sie waren so kstlich, wir finden sie nimmer;
  Wer sie besitzt, verwahrt sie gewi. Wie wird sich darber
  Nicht Frau Ermelyn qulen! sie wird mirs niemals verzeihen.
  Denn sie miriet mir, den beiden das kstliche Kleinod zu geben.
  Nun erfindet man Lgen auf mich und will mich verklagen!
  Doch ich verfechte mein Recht, erwarte das Urteil, und werd ich
  Losgesprochen, so reis ich umher durch Lnder und Reiche,
  Suche die Schtze zu schaffen, und sollt ich mein Leben verlieren.





  Zehnter Gesang


  O mein Knig! sagte darauf der listige Redner:
  Lat mich, edelster Frst, vor meinen Freunden erzhlen,
  Was Euch alles von mir an kstlichen Dingen bestimmt war.
  Habt Ihr sie gleich nicht erhalten, so war mein Wille doch lblich.
  Sage nur an, versetzte der Knig: und krze die Worte.

  Glck und Ehre sind hin! Ihr werdet alles erfahren,
  Sagte Reineke traurig. Das erste kstliche Kleinod
  War ein Ring; ich gab ihn Bellynen, er sollt ihn dem Knig
  berliefern. Es war auf wunderbarliche Weise
  Dieser Ring zusammengesetzt und wrdig, im Schatze
  Meines Frsten zu glnzen, aus feinem Golde gebildet.
  Auf der inneren Seite, die nach dem Finger sich kehret,
  Standen Lettern gegraben und eingeschmolzen; es waren
  Drei hebrische Worte von ganz besonderer Deutung.
  Niemand erklrte so leicht in diesen Landen die Zge,
  Meister Abryon nur von Trier, der konnte sie lesen.
  Es ist ein Jude, gelehrt, und alle Zungen und Sprachen
  Kennt er, die von Poitou bis Lneburg werden gesprochen;
  Und auf Kruter und Steine versteht sich der Jude besonders.

  Als ich den Ring ihm gezeigt, da sagt' er: Kstliche Dinge
  Sind hierinnen verborgen. Die drei gegrabenen Namen
  Brachte Seth, der Fromme, vom Paradiese hernieder,
  Als er das l der Barmherzigkeit suchte; und wer ihn am Finger
  Trgt, der findet sich frei von allen Gefahren: es werden
  Weder Donner, noch Blitz, noch Zauberei ihn verletzen.
  Ferner sagte der Meister: er habe gelesen, es knne
  Wer den Ring am Finger bewahrt, in grimmiger Klte
  Nicht erfrieren; er lebe gewi ein ruhiges Alter.
  Auen stand ein Edelgestein, ein heller Karfunkel,
  Dieser leuchtete nachts und zeigte deutlich die Sachen.
  Viele Krfte hatte der Stein: er heilte die Kranken,
  Wer ihn berhrte, fhlte sich frei von allen Gebrechen,
  Aller Bedrngnis, nur lie sich der Tod allein nicht bezwingen.
  Weiter entdeckte der Meister des Steines herrliche Krfte:
  Glcklich reist der Besitzer durch alle Lande, ihm schadet
  Weder Wasser, noch Feuer; gefangen oder verraten
  Kann er nicht werden, und jeder Gewalt des Feindes entgeht er.
  Und besieht er nchtern den Stein, so wird er im Kampfe
  Hundert berwinden und mehr. Die Tugend des Steines
  Nimmt dem Gifte die Wirkung und allen schdlichen Sften.
  Ebenso vertilgt sie den Ha, und sollte gleich mancher
  Den Besitzer nicht lieben, er fhlt sich in kurzem verndert.

  Wer vermchte die Krfte des Steines alle zu zhlen,
  Den ich im Schatze des Vaters gefunden und den ich dem Knig
  Nun zu senden gedachte? Denn solches kstlichen Ringes
  War ich nicht wert, ich wut es recht wohl; er sollte dem Einen,
  Der von allen der Edelste bleibt, so dacht ich, gehren:
  Unser Wohl beruht nur auf ihm und unser Vermgen,
  Und ich hoffte, sein Leben vor allem bel zu schtzen.

  Ferner sollte Widder Bellyn der Knigin gleichfalls
  Kamm und Spiegel verehren, damit sie meiner gedchte.
  Diese hatt ich einmal zur Lust vom Schatze des Vaters
  Zu mir genommen, es fand sich auf Erden kein schneres Kunstwerk.
  O wie oft versucht' es mein Weib und wollte sie haben!
  Sie verlangte nichts weiter von allen Gtern der Erde,
  Und wir stritten darum; sie konnte mich niemals bewegen,
  Doch nun sendet ich Spiegel und Kamm mit gutem Bedachte
  Meiner gndigen Frauen, der Knigin, welche mir immer
  Groe Wohltat erwies und mich vor bel beschirmte;
  fters hat sie fr mich ein gnstiges Wrtchen gesprochen,
  Edel ist sie, von hoher Geburt, es ziert sie die Tugend,
  Und ihr altes Geschlecht bewhrt sich in Worten und Werken;
  Wrdig war sie des Spiegels und Kammes! die hat sie nun leider
  Nicht mit Augen gesehn, sie bleiben auf immer verloren.

  Nun vom Kamme zu reden. Zu diesem hatte der Knstler
  Pantherknochen genommen, die Reste des edlen Geschpfes;
  Zwischen Indien wohnt es und zwischen dem Paradiese,
  Allerlei Farben zieren sein Fell, und se Gerche
  Breiten sich aus, wohin es sich wendet, darum auch die Tiere
  Seine Fhrte so gern auf allen Wegen verfolgen;
  Denn sie werden gesund von diesem Geruche, das fhlen
  Und bekennen sie alle. Von solchen Knochen und Beinen
  War der zierliche Kamm mit vielem Fleie gebildet,
  Klar wie Silber und wei, von unaussprechlicher Reinheit,
  Und des Kammes Geruch ging ber Nelken und Zimmet.
  Stirbt das Tier, so fhrt der Geruch in alle Gebeine,
  Bleibt bestndig darin und lt sie nimmer verwesen,
  Alle Seuche treibt er hinweg und alle Vergiftung.

  Ferner sah man die kstlichsten Bilder am Rcken des Kammes
  Hocherhaben, durchflochten mit goldenen zierlichen Ranken
  Und mit rot- und blauer Lasur. Im mittelsten Felde
  War die Geschichte knstlich gebildet, wie Paris von Troja
  Eines Tages am Brunnen sa, drei gttliche Frauen
  Vor sich sah, man nannte sie Pallas und Juno und Venus.
  Lange stritten sie erst, denn jegliche wollte den Apfel
  Gerne besitzen, der ihnen bisher zusammen gehrte;
  Endlich verglichen sie sich: es solle den goldenen Apfel
  Paris der Schnsten bestimmen, sie sollt allein ihn behalten.

  Und der Jngling beschaute sie wohl mit gutem Bedachte.
  Juno sagte zu ihm: Erhalt ich den Apfel, erkennst du
  Mich fr die Schnste, so wirst du der erste vor allen an Reichtum.
  Pallas versetzte: Bedenke dich wohl und gib mir den Apfel,
  Und du wirst der mchtigste Mann; es frchten dich alle,
  Wird dein Name genannt, so Feind als Freunde zusammen.
  Venus sprach: Was soll die Gewalt? was sollen die Schtze?
  Ist dein Vater nicht Knig Priamus? deine Gebrder,
  Hektor und andre, sind sie nicht reich und mchtig im Lande?
  Ist nicht Troja geschtzt von seinem Heere? und habt ihr
  Nicht umher das Land bezwungen und fernere Vlker?
  Wirst du die Schnste mich preisen und mir den Apfel erteilen,
  Sollst du des herrlichsten Schatzes auf dieser Erde dich freuen.
  Dieser Schatz ist ein treffliches Weib, die Schnste von allen,
  Tugendsam, edel und weise, wer knnte wrdig sie loben?
  Gib mir den Apfel, du sollst des griechischen Knigs Gemahlin,
  Helena mein ich, die schne, den Schatz der Schtze besitzen.

  Und er gab ihr den Apfel und pries sie von allen die Schnste.
  Aber sie half ihm dagegen die schne Knigin rauben,
  Menelaus' Gemahlin, sie ward in Troja die Seine.
  Diese Geschichte sah man erhaben im mittelsten Felde.
  Und es waren Schilder umher mit knstlichen Schriften;
  Jeder durfte nur lesen, und so verstand er die Fabel.

  Hret nun weiter vom Spiegel! daran die Stelle des Glases
  Ein Beryll vertrat von groer Klarheit und Schnheit;
  Alles zeigte sich drin, und wenn es meilenweit vorging,
  War es Tag oder Nacht. Und hatte jemand im Antlitz
  Einen Fehler, wie er auch war, ein Fleckchen im Auge,
  Durft er sich nur im Spiegel besehn, so gingen von Stund an
  Alle Mngel hinweg und alle fremden Gebrechen.
  Ists ein Wunder, da mich es verdriet, den Spiegel zu missen?
  Und es war ein kstliches Holz zur Fassung der Tafel,
  Sethym heit es, genommen, von festem, glnzendem Wuchse;
  Keine Wrmer stechen es an und wird auch, wie billig,
  Hher gehalten als Gold, nur Ebenholz kommt ihm am nchsten.
  Denn aus diesem verfertigt' einmal ein trefflicher Knstler
  Unter Knig Krompardes ein Pferd von seltnem Vermgen:
  Eine Stunde brauchte der Reiter und mehr nicht zu hundert
  Meilen. Ich knnte die Sache fr jetzt nicht grndlich erzhlen,
  Denn es fand sich kein hnliches Ro, solange die Welt steht.

  Anderthalb Fu war rings die ganze Breite des Rahmens
  Um die Tafel herum, geziert mit knstlichem Schnitzwerk,
  Und mit goldenen Lettern stand unter jeglichem Bilde,
  Wie sichs gehrt, die Bedeutung geschrieben. Ich will die Geschichten
  Krzlich erzhlen. Die erste war von dem neidischen Pferde:
  Um die Wette gedacht es mit einem Hirsche zu laufen,
  Aber hinter ihm blieb es zurck, das schmerzte gewaltig;
  Und es eilte darauf, mit einem Hirten zu reden,
  Sprach: Du findest dein Glck, wenn du mir eilig gehorchest.
  Setze dich auf, ich bringe dich hin, es hat sich vor kurzem
  Dort ein Hirsch im Walde verborgen, den sollst du gewinnen;
  Fleisch und Haut und Geweih, du magst sie teuer verkaufen,
  Setze dich auf, wir wollen ihm nach!--Das will ich wohl wagen!
  Sagte der Hirt und setzte sich auf, sie eilten von dannen.
  Und sie erblickten den Hirsch in kurzem, folgten behende
  Seiner Spur und jagten ihm nach. Er hatte den Vorsprung,
  Und es ward dem Pferde zu sauer, da sagt' es zum Manne:
  Sitze was ab, ich bin mde geworden, der Ruhe bedarf ich.
  Nein! wahrhaftig, versetzte der Mann: du sollst mir gehorchen,
  Meine Sporen sollst du empfinden, du hast mich ja selber
  Zu dem Ritte gebracht; und so bezwang es der Reiter.
  Seht, so lohnet sich der mit vielem Bsen, der, andern
  Schaden zu bringen, sich selbst mit Pein und bel beladet.

  Ferner zeig ich Euch an, was auf dem Spiegel gebildet
  Stand: Wie ein Esel und Hund bei einem Reichen in Diensten
  Beide gewesen! so war denn der Hund nun freilich der Liebling,
  Denn er sa beim Tische des Herrn und a mit demselben
  Fisch und Fleisch und ruhte wohl auch im Schoe des Gnners,
  Der ihm das beste Brot zu reichen pflegte; dagegen
  Wedelte mit dem Schwanze der Hund und leckte den Herren.

  Boldewyn sah des Glck des Hundes, und traurig im Herzen
  Ward der Esel und sagte bei sich: Wo denkt doch der Herr hin,
  Da er dem faulen Geschpfe so uerst freundlich begegnet?
  Springt das Tier nicht auf ihm herum und leckt ihn am Barte!
  Und ich mu die Arbeit verrichten und schleppe die Scke.
  Er probier es einmal und tu mit fnf, ja mit zehen
  Hunden im Jahre so viel, als ich des Monats verrichte!
  Und doch wird ihm das Beste gereicht, mich speist man mit Stroh ab,
  Lt auf der harten Erde mich liegen, und wo man mich hintreibt
  Oder reitet, spottet man meiner. Ich kann und ich will es
  Lnger nicht dulden, will auch des Herren Gunst mir erwerben.

  Als er so sprach, kam eben sein Herr die Strae gegangen;
  Da erhub der Esel den Schwanz und bumte sich springend
  ber den Herren und schrie und sang und plrrte gewaltig,
  Leckt' ihm den Bart und wollte nach Art und Weise des Hundes
  An die Wange sich schmiegen und stie ihm einige Beulen.
  ngstlich entsprang ihm der Herr und rief. O! fangt mir den Esel,
  Schlagt ihn tot! Es kamen die Knechte, da regnet' es Prgel,
  Nach dem Stalle trieb man ihn fort: da blieb er ein Esel.

  Mancher findet sich noch von seinem Geschlechte, der andern
  Ihre Wohlfahrt mignnt und sich nicht besser befindet.
  Kommt dann aber einmal so einer in reichlichen Zustand,
  Schickt sichs grad, als e das Schwein mit Lffeln die Suppe,
  Nicht viel besser frwahr. Der Esel trage die Scke,
  Habe Stroh zum Lager und finde Disteln zur Nahrung.
  Will man ihn anders behandeln, so bleibt es doch immer beim alten.
  Wo ein Esel zur Herrschaft gelangt, kanns wenig gedeihen,
  Ihren Vorteil suchen sie wohl, was kmmert sie weiter?

  Ferner sollt Ihr erfahren, mein Knig, und lat Euch die Rede
  Nicht verdrieen, es stand noch auf dem Rahmen des Spiegels
  Schn gebildet und deutlich beschrieben, wie ehmals mein Vater
  Sich mit Hinzen verbndet, auf Abenteuer zu ziehen,
  Und wie beide heilig geschworen, in allen Gefahren
  Tapfer zusammenzuhalten und jede Beute zu teilen.
  Als sie nun vorwrtszogen, bemerkten sie Jger und Hunde
  Nicht gar ferne vom Wege; da sagte Hinze, der Kater:
  Guter Rat scheint teuer zu werden! Mein Alter versetzte:
  Wunderlich sieht es wohl aus, doch hab ich mit herrlichem Rate
  Meinen Sack noch gefllt, und wir gedenken des Eides,
  Halten wacker zusammen, das bleibt vor allem das erste.
  Hinze sagte dagegen: Es gehe, wie es auch wolle,
  Bleibt mir doch ein Mittel bekannt, das denk ich zu brauchen.
  Und so sprang er behend auf einen Baum, sich zu retten
  Vor der Hunde Gewalt, und so verlie er den Oheim.
  ngstlich stand mein Vater nun da; es kamen die Jger.
  Hinze sprach: Nun, Oheim? Wie stehts? so ffnet den Sack doch!
  Ist er voll Rates, so braucht ihn doch jetzt, die Zeit ist gekommen.
  Und die Jger bliesen das Horn und riefen einander.
  Lief mein Vater, so liefen die Hunde, sie folgten mit Bellen,
  Und er schwitzte vor Angst, und hufige Losung entfiel ihm;
  Leichter fand er sich da, und so entging er den Feinden.

  Schndlich, Ihr habt es gehrt, verriet ihn der nchste Verwandte,
  Dem er sich doch am meisten vertraut. Es ging ihm ans Leben,
  Denn die Hunde waren zu schnell, und htt er nicht eilig
  Einer Hhle sich wieder erinnert, so war es geschehen;
  Aber da schlupft' er hinein, und ihn verloren die Feinde.
  Solcher Bursche gibt es noch viel, wie Hinze sich damals
  Gegen den Vater bewies: wie sollt ich ihn lieben und ehren?
  Halb zwar hab ichs vergeben, doch bleibt noch etwas zurcke.
  All dies war auf dem Spiegel geschnitten mit Bildern und Worten.

  Ferner sah man daselbst ein eignes Stckchen vom Wolfe,
  Wie er zu danken bereit ist fr Gutes, das er empfangen.
  Auf dem Anger fand er ein Pferd, woran nur die Knochen
  brig waren; doch hungert' ihn sehr, er nagte sie gierig,
  Und es kam ihm ein spitziges Bein die Quer in den Kragen;
  ngstlich stellt' er sich an, es war ihm bel geraten.
  Boten auf Boten sendet' er fort, die rzte zu rufen;
  Niemand vermochte zu helfen, wiewohl er groe Belohnung
  Allen geboten. Da meldete sich am Ende der Kranich,
  Mit dem roten Barett auf dem Haupt. Ihm flehte der Kranke:
  Doktor, helft mir geschwind von diesen Nten! ich geb Euch,
  Bringt Ihr den Knochen heraus, soviel Ihr immer begehret.

  Also glaubte der Kranich den Worten und steckte den Schnabel
  Mit dem Haupt in den Rachen des Wolfes und holte den Knochen.
  Weh mir! heulte der Wolf: du tust mir Schaden! es schmerzet!
  La es nicht wieder geschehn! Fr heute sei es vergeben.
  Wr es ein andrer, ich htte das nicht geduldig gelitten.
  Gebt Euch zufrieden, versetzte der Kranich: Ihr seid nun genesen;
  Gebt mir den Lohn, ich hab ihn verdient, ich hab Euch geholfen.
  Hret den Gecken! sagte der Wolf. ich habe das bel,
  Er verlangt die Belohnung und hat die Gnade vergessen,
  Die ich ihm eben erwies. Hab ich ihm Schnabel und Schdel,
  Den ich im Munde gefhlt, nicht unbeschdigt entlassen?
  Hat mir der Schker nicht Schmerzen gemacht? Ich knnte wahrhaftig,
  Ist von Belohnung die Rede, sie selbst am ersten verlangen.
  Also pflegen die Schlke mit ihren Knechten zu handeln.

  Diese Geschichten und mehr verzierten, knstlich geschnitten,
  Rings die Fassung des Spiegels und mancher gegrabene Zierat,
  Manche goldene Schrift. Ich hielt des kstlichen Kleinods
  Mich nicht wert, ich bin zu gering, und sandt es deswegen
  Meiner Frauen, der Knigin, zu. Ich dachte durch solches
  Ihr und ihrem Gemahl mich ehrerbietig zu zeigen.
  Meine Kinder betrbten sich sehr, die artigen Knaben,
  Als ich den Spiegel dahingab. Sie sprangen gewhnlich und spielten
  Vor dem Glase, beschauten sich gern, sie sahen die Schwnzchen
  Hngen vom Rcken herab und lachten den eigenen Mulchen.
  Leider vermutet ich nicht den Tod des ehrlichen Lampe,
  Da ich ihm und Bellyn auf Treu und Glauben die Schtze
  Heilig empfahl; ich hielt sie beide fr redliche Leute,
  Keine besseren Freunde gedacht ich jemals zu haben.
  Wehe sei ber den Mrder gerufen! Ich will es erfahren,
  Wer die Schtze verborgen, es bleibt kein Mrder verhohlen.
  Wte doch ein und andrer vielleicht im Kreis hier zu sagen,
  Wo die Schtze geblieben und wie man Lampen gettet!

  Seht, mein gndiger Knig, es kommen tglich so viele
  Wichtige Sachen vor Euch, Ihr knnt nicht alles behalten;
  Doch vielleicht gedenket Ihr noch des herrlichen Dienstes,
  Den mein Vater dem Euren an dieser Sttte bewiesen.
  Krank lag Euer Vater, sein Leben rettete meiner,
  Und doch sagt Ihr, ich habe noch nie, es habe mein Vater
  Euch nichts Gutes erzeigt. Beliebt, mich weiter zu hren.
  Sei es mit Eurer Erlaubnis gesagt: es fand sich am Hofe
  Eures Vaters der meine bei groen Wrden und Ehren
  Als erfahrener Arzt. Er wute das Wasser des Kranken
  Klug zu besehn; er half der Natur; was immer den Augen,
  Was den edelsten Gliedern gebrach, gelang ihm zu heilen;
  Kannte wohl die emetischen Krfte, verstand auch daneben
  Auf die Zhne sich gut und holte die schmerzenden spielend.
  Gerne glaub ich, Ihr habt es vergessen; es wre kein Wunder,
  Denn drei Jahre hattet Ihr nur. Es legte sich damals
  Euer Vater im Winter mit groen Schmerzen zu Bette,
  Ja, man mut ihn heben und tragen. Da lie er die rzte
  Zwischen hier und Rom zusammenberufen, und alle
  Gaben ihn auf; er schickte zuletzt, man holte den Alten;
  Dieser hrte die Not und sah die gefhrliche Krankheit.

  Meinen Vater jammert' es sehr, er sagte: Mein Knig,
  Gndiger Herr, ich setzte, wie gern! mein eigenes Leben,
  Knnt ich Euch retten, daran! Doch lat im Glase mich Euer
  Wasser besehn. Der Knig befolgte die Worte des Vaters,
  Aber klagte dabei, es werde je lnger, je schlimmer.
  Auf dem Spiegel war es gebildet, wie glcklich zur Stunde
  Euer Vater genesen. Denn meiner sagte bedchtig:
  Wenn Ihr Gesundheit verlangt, entschliet Euch ohne Versumnis,
  Eines Wolfes Leber zu speisen, doch sollte derselbe
  Sieben Jahre zum wenigsten haben; die mt Ihr verzehren.
  Sparen drft Ihr mir nicht, denn Euer Leben betrifft es.
  Euer Wasser zeuget nur Blut, entschliet Euch geschwinde!

  In dem Kreise befand sich der Wolf und hrt' es nicht gerne.
  Euer Vater sagte darauf. Ihr habt es vernommen,
  Hret, Herr Wolf, Ihr werdet mir nicht zu meiner Genesung
  Eure Leber verweigern. Der Wolf versetzte dagegen:
  Nicht fnf Jahre bin ich geboren! was kann sie Euch nutzen?
  Eitles Geschwtz! versetzte mein Vater: es soll uns nicht hindern,
  An der Leber seh ich das gleich. Es mute zur Stelle
  Nach der Kche der Wolf, und brauchbar fand sich die Leber.
  Euer Vater verzehrte sie stracks. Zur selbigen Stunde
  War er von aller Krankheit befreit und allen Gebrechen.
  Meinem Vater dankt' er genug, es mut ihn ein jeder
  Doktor heien am Hofe, man durft es niemals vergessen.

  Also ging mein Vater bestndig dem Knig zur Rechten.
  Euer Vater verehrt' ihm hernach, ich wei es am besten,
  Eine goldene Spange mit einem roten Barette,
  Sie vor allen Herren zu tragen; so haben ihn alle
  Hoch in Ehren gehalten. Es hat sich aber mit seinem
  Sohne leider gendert, und an die Tugend des Vaters
  Wird nicht weiter gedacht. Die allergierigsten Schlke
  Werden erhoben, und Nutz und Gewinn bedenkt man alleine,
  Recht und Weisheit stehen zurck. Es werden die Diener
  Groe Herren, das mu der Arme gewhnlich entgelten.
  Hat ein solcher Macht und Gewalt, so schlgt er nur blindlings
  Unter die Leute, gedenket nicht mehr, woher er gekommen;
  Seinen Vorteil gedenkt er aus allem Spiele zu nehmen.
  Um die Groen finden sich viele von diesem Gelichter.
  Keine Bitte hren sie je, wozu nicht die Gabe
  Gleich sich reichlich gesellt, und wenn sie die Leute bescheiden,
  Heit es: Bringt nur! und bringt! zum ersten, zweiten und dritten.

  Solche gierige Wlfe behalten kstliche Bissen
  Gerne fr sich, und wr es zu tun, mit kleinem Verluste
  Ihres Herren Leben zu retten, sie trgen Bedenken.
  Wollte der Wolf doch die Leber nicht lassen, dem Knig zu dienen!
  Und was Leber! Ich sag es heraus! Es mchten auch zwanzig
  Wlfe das Leben verlieren, behielte der Knig und seine
  Teure Gemahlin das ihre, so wr es weniger schade.
  Denn ein schlechter Same, was kann er Gutes erzeugen?
  Was in Eurer Jugend geschah, Ihr habt es vergessen;
  Aber ich wei es genau, als wr es gestern geschehen.
  Auf dem Spiegel stand die Geschichte, so wollt es mein Vater;
  Edelsteine zierten das Werk und goldene Ranken.
  Knnt ich den Spiegel erfragen, ich wagte Vermgen und Leben.

  Reineke, sagte der Knig: die Rede hab ich verstanden,
  Habe die Worte gehrt, und was du alles erzhltest.
  War dein Vater so gro hier am Hofe und hat er so viele
  Ntzliche Taten getan, das mag wohl lange schon her sein.
  Ich erinnre michs nicht, auch hat mirs niemand berichtet.
  Eure Hndel dagegen, die kommen mir fters zu Ohren,
  Immer seid Ihr im Spiele, so hr ich wenigstens sagen;
  Tun sie Euch unrecht damit, und sind es alte Geschichten,
  Mcht ich einmal was Gutes vernehmen; es findet sich selten.

  Herr, versetzte Reineke drauf: ich darf mich hierber
  Wohl erklren vor Euch, denn mich betrifft ja die Sache.
  Gutes hab ich Euch selber getan! es sei Euch nicht etwa
  Vorgeworfen; behte mich Gott! ich erkenne mich schuldig,
  Euch zu leisten, soviel ich vermag. Ihr habt die Geschichte
  Ganz gewi nicht vergessen. Ich war mit Isegrim glcklich
  Einst ein Schwein zu erjagen, es schrie, wir bissen es nieder;
  Und Ihr kamt und klagtet so sehr und sagtet: es kme
  Eure Frau noch hinter Euch drein, und teilte nur jemand
  Wenige Speise mit Euch, so wr euch beiden geholfen.
  Gebet von Eurem Gewinne was ab! so sagtet Ihr damals.
  Isegrim sagte wohl: Ja! doch murmelt' er unter dem Barte,
  Da man kaum es verstand. Ich aber sagte dagegen:
  Herr! es ist Euch gegnnt, und wrens der Schweine die Menge.
  Sagt, wer soll es verteilen? Der Wolf! versetztet Ihr wieder.
  Isegrim freute sich sehr; er teilte, wie er gewohnt war,
  Ohne Scham und Scheu und gab Euch eben ein Viertel,
  Eurer Frauen das andre, und er fiel ber die Hlfte,
  Schlang begierig hinein und reichte mir auer den Ohren
  Nur die Nase noch hin und eine Hlfte der Lunge;
  Alles andre behielt er fr sich, Ihr habt es gesehen.
  Wenig Edelmut zeigt' er uns da. Ihr wit es, mein Knig!
  Euer Teil verzehrtet Ihr bald, doch merkt ich, Ihr hattet
  Nicht den Hunger gestillt, nur Isegrim wollt es nicht sehen,
  A und kaute so fort und bot Euch nicht das geringste.
  Aber da traft Ihr ihn auch mit Euren Tatzen gewaltig
  Hinter die Ohren, verschobt ihm das Fell, mit blutiger Glatze
  Lief er davon, mit Beulen am Kopf, und heulte vor Schmerzen.
  Und Ihr rieft ihm noch zu: Komm wieder, lerne dich schmen!
  Teilst du wieder, so triff mirs besser, sonst will ich dirs zeigen.
  Jetzt mach eilig dich fort und bring uns ferner zu essen!
  Herr! gebietet Ihr das? versetzt ich: so will ich ihm folgen,
  Und ich wei, ich hole schon was. Ihr wart es zufrieden.
  Ungeschickt hielt sich Isegrim damals, er blutete, seufzte,
  Klagte mir vor; doch trieb ich ihn an, wir jagten zusammen,
  Fingen ein Kalb! Ihr liebt Euch die Speise. Und als wir es brachten,
  Fand sichs fett; Ihr lachtet dazu und sagtet zu meinem
  Lobe manch freundliches Wort; ich wre, meintet Ihr, trefflich
  Auszusenden zur Stunde der Not, und sagtet daneben:
  Teile das Kalb! Da sprach ich: Die Hlfte gehret schon Euer!
  Und die Hlfte gehrt der Knigin: was sich im Leibe
  Findet, als Herz und Leber und Lunge, gehret, wie billig,
  Euern Kindern; ich nehme die Fe, die lieb ich zu nagen,
  Und das Haupt behalte der Wolf, die kstliche Speise.

  Als Ihr die Rede vernommen, versetztet Ihr: Sage! wer hat dich
  So nach Hofart teilen gelehrt? ich mcht es erfahren.
  Da versetzt ich: Mein Lehrer ist nah, denn dieser mit rotem
  Kopfe, mit blutiger Glatze, hat mir das Verstndnis geffnet.
  Ich bemerkte genau, wie er heut frhe das Ferkel
  Teilte, da lernt ich den Sinn von solcher Teilung begreifen;
  Kalb oder Schwein, ich find es nun leicht und werde nicht fehlen.

  Schaden und Schande befiel den Wolf und seine Begierde.
  Seinesgleichen gibt es genug! Sie schlingen der Gter
  Reichliche Frchte zusamt den Untersassen hinunter.
  Alles Wohl zerstren sie leicht, und keine Verschonung,
  Ist zu erwarten, und wehe dem Lande, das selbige nhret!

  Seht! Herr Knig, so hab ich Euch oft in Ehren gehalten.
  Alles, was ich besitze und was ich nur immer gewinne,
  Alles widm ich Euch gern und Eurer Knigin; sei es
  Wenig oder auch viel, Ihr nehmt das meiste von allem.
  Wenn Ihr des Kalbes und Schweines gedenkt, so merkt ihr die Wahrheit,
  Wo die rechte Treue sich findet. Und drfte wohl etwa
  Isegrim sich mit Reineken messen? Doch leider im Ansehn
  Steht der Wolf als oberster Vogt, und alle bedrngt er.
  Euren Vorteil besorgt er nicht sehr; zum halben und ganzen
  Wei er den seinen zu frdern. So fhrt er freilich mit Braunen
  Nun das Wort, und Reinekens Rede wird wenig geachtet.
  Herr! es ist wahr, man hat mich verklagt, ich werde nicht weichen,
  Denn ich mu nun hindurch, und also sei es gesprochen:
  Ist hier einer, der glaubt zu beweisen, so komm er mit Zeugen,
  Halte sich fest an die Sache und setze gerichtlich zum Pfande
  Sein Vermgen, sein Ohr, sein Leben, wenn er verlre,
  Und ich setze das gleiche dagegen: so hat es zu Rechte
  Stets gegolten, so halte mans noch, und alle die Sache,
  Wie man sie fr und wider gesprochen, sie werde getreulich
  Solcherweise gefhrt und gerichtet; ich darf es verlangen!

  Wie es auch sei, versetzte der Knig: am Wege des Rechtes
  Will und kann ich nicht schmlern, ich hab es auch niemals gelitten,
  Gro ist zwar der Verdacht, du habest an Lampens Ermordung
  Teilgenommen, des redlichen Boten! ich liebt ihn besonders
  Und verlor ihn nicht gern, betrbte mich ber die Maen,
  Als man sein blutiges Haupt aus deinem Rnzel herauszog;
  Auf der Stelle bt' es Bellyn, der bse Begleiter,
  Und du magst die Sache nun weiter gerichtlich verfechten.
  Was mich selber betrifft, vergeb ich Reineken alles,
  Denn er hielt sich zu mir in manchen bedenklichen Fllen.
  Htte weiter jemand zu klagen, wir wollen ihn hren:
  Stell er unbescholtene Zeugen und bringe die Klage
  Gegen Reineken ordentlich vor, hier steht er zu Rechte!

  Reineke sagte: Gndiger Herr! ich danke zum besten.
  Jeden hrt Ihr, und jeder geniet die Wohltat des Rechtes.
  Lat mich heilig beteuern, mit welchem traurigen Herzen
  Ich Bellyn und Lampen entlie: mir ahndete, glaub ich,
  Was den beiden sollte geschehn, ich liebte sie zrtlich.

  So staffierte Reineke klug Erzhlung und Worte.
  Jedermann glaubt' ihm; er hatte die Schtze so zierlich beschrieben,
  Sich so ernstlich betragen, er schien die Wahrheit zu reden;
  Ja, man sucht' ihn zu trsten. Und so betrog er den Knig,
  Dem die Schtze gefielen; er htte sie gerne besessen,
  Sagte zu Reineken: Gebt Euch zufrieden, Ihr reiset und suchet
  Weit und breit, das Verlorne zu finden, das mgliche tut Ihr;
  Wenn Ihr meiner Hilfe bedrft, sie steht Euch zu Diensten.

  Dankbar, sagte Reineke drauf, erkenn ich die Gnade;
  Diese Worte richten mich auf und lassen mich hoffen.
  Raub und Mord zu bestrafen, ist Eure hchste Behrde.
  Dunkel bleibt mir die Sache, doch wird sichs finden; ich sehe
  Mit dem grten Fleie darnach und werde des Tages
  Emsig reisen und nachts und alle Leute befragen.
  Hab ich erfahren, wo sie sich finden, und kann sie nicht selber
  Wiedergewinnen, wr ich zu schwach, so bitt ich um Hilfe,
  Die gewhrt Ihr alsdann, und sicher wird es geraten.
  Bring ich glcklich die Schtze vor Euch, so find ich am Ende
  Meine Mhe belohnt und meine Treue bewhret.

  Gerne hrt' es der Knig und fiel in allem und jedem
  Reineken bei, der hatte die Lge so knstlich geflochten.
  Alle die andern glaubten es auch; er durfte nun wieder
  Reisen und gehen, wohin ihm gefiel, und ohne zu fragen.

  Aber Isegrim konnte sich lnger nicht halten, und knirschend
  Sprach er: Gndiger Herr! So glaubt Ihr wieder dem Diebe,
  Der Euch zwei- und dreifach belog? Wen sollt es nicht wundern!
  Seht Ihr nicht, da der Schalk Euch betrgt und uns alle beschdigt?
  Wahrheit redet er nie, und eitel Lgen ersinnt er.
  Aber ich la ihn so leicht nicht davon! Ihr sollt es erfahren,
  Da er ein Schelm ist und falsch. Ich wei drei groe Verbrechen,
  Die er begangen; er soll nicht entgehn, und sollten wir kmpfen.
  Zwar man fordert Zeugen von uns, was wollte das helfen?
  Stnden sie hier und sprchen und zeugten den ganzen Gerichtstag,
  Knnte das fruchten? er tte nur immer nach seinem Belieben,
  Oft sind keine Zeugen zu stellen, da sollte der Frevler
  Nach wie vor die Tcke verben? Wer traut sich, zu reden?
  Jedem hngt er was an, und jeder frchtet den Schaden.
  Ihr und die Euren empfinden es auch und alle zusammen.
  Heute will ich ihn halten, er soll nicht wanken noch weichen,
  Und er soll zu Rechte mir stehn; nun mag er sich wahren!





  Elfter Gesang


  Isegrim klagte, der Wolf, und sprach: Ihr werdet verstehen!
  Reineke, gndiger Knig, so wie er immer ein Schalk war,
  Bleibt er es auch und steht und redet schndliche Dinge,
  Mein Geschlecht zu beschimpfen und mich. So hat er mir immer,
  Meinem Weibe noch mehr, empfindliche Schande bereitet.
  So bewog er sie einst, in einem Teiche zu waten
  Durch den Morast und hatte versprochen, sie solle des Tages
  Viele Fische gewinnen; sie habe den Schwanz nur ins Wasser
  Einzutauchen und hngen zu lassen: es wrden die Fische
  Fest sich beien, sie knne selbviert nicht alle verzehren.
  Watend kam sie darauf und schwimmend gegen das Ende,
  Gegen den Zapfen; da hatte das Wasser sich tiefer gesammelt,
  Und er hie sie den Schwanz ins Wasser hngen. Die Klte
  Gegen Abend war gro, und grimmig begann es zu frieren,
  Da sie fast nicht lnger sich hielt; so war auch in kurzem
  Ihr der Schwanz ins Eis gefroren, sie konnt ihn nicht regen,
  Glaubte, die Fische wren so schwer, es wre gelungen.
  Reineke merkt' es, der schndliche Dieb, und was er getrieben,
  Darf ich nicht sagen, er kam und bermannte sie leider.
  Von der Stelle soll er mir nicht! es kostet der Frevel
  Einen von beiden, wie Ihr uns seht, noch heute das Leben.
  Denn er schwtzt sich nicht durch; ich hab ihn selber betroffen
  ber der Tat, mich fhrte der Zufall am Hgel den Weg her.
  Laut um Hilfe hrt ich sie schreien, die arme Betrogne,
  Fest im Eise stand sie gefangen und konnt ihm nicht wehren,
  Und ich kam und mute mit eignen Augen das alles
  Sehen! Ein Wunder frwahr, da mir das Herz nicht gebrochen.
  Reineke! rief ich: was tust du? Er hrte mich kommen und eilte
  Seine Strae. Da ging ich hinzu mit traurigem Herzen,
  Mute waten und frieren im kalten Wasser und konnte
  Nur mit Mhe das Eis zerbrechen, mein Weib zu erlsen.
  Ach, es ging nicht glcklich vonstatten! sie zerrte gewaltig,
  Und es blieb ihr ein Viertel des Schwanzes im Eise gefangen.
  Jammernd klagte sie laut und viel, das hrten die Bauern,
  Kamen hervor und sprten uns aus und riefen einander.
  Hitzig liefen sie ber den Damm mit Piken und xten,
  Mit dem Rocken kamen die Weiber und lrmten gewaltig:
  Fangt sie! schlagt nur und werft! so riefen sie gegeneinander.
  Angst wie damals empfand ich noch nie, das gleiche bekennet
  Gieremund auch, wir retteten kaum mit Mhe das Leben,
  Liefen, es rauchte das Fell. Da kam ein Bube gelaufen,
  Ein vertrackter Geselle, mit einer Pike bewaffnet;
  Leicht zu Fue, stach er nach uns und drngt' uns gewaltig.
  Wre die Nacht nicht gekommen, wir htten das Leben gelassen.
  Und die Weiber riefen noch immer, die Hexen, wir htten
  Ihre Schafe gefressen. Sie htten uns gerne getroffen,
  Schimpften und schmhten hinter uns drein. Wir wandten uns aber
  Von dem Lande wieder zum Wasser und schlupften behende
  Zwischen die Binsen; da trauten die Bauern nicht weiter zu folgen,
  Denn es war dunkel geworden, sie machten sich wieder nach Hause.
  Knapp entkamen wir so. Ihr sehet, gndiger Knig,
  berwltigung, Mord und Verrat, von solchen Verbrechen
  Ist die Rede; die werdet Ihr streng, mein Knig, bestrafen.

  Als der Knig die Klage vernommen, versetzt' er: Es werde
  Rechtlich hierber erkannt, doch lat uns Reineken hren.
  Reineke sprach: Verhielt' es sich also, wrde die Sache
  Wenig Ehre mir bringen, und Gott bewahre mich gndig,
  Da man es fnde, wie er erzhlt! Doch will ich nicht leugnen,
  Da ich sie Fische fangen gelehrt und auch ihr die beste
  Strae, zu Wasser zu kommen, und sie zu dem Teiche gewiesen.
  Aber sie lief so gierig darnach, sobald sie nur Fische
  Nennen gehrt, und Weg und Ma und Lehre verga sie.
  Blieb sie fest im Eise befroren, so hatte sie freilich
  Viel zu lange gesessen; denn htte sie zeitig gezogen,
  Htte sie Fische genug zum kstlichen Mahle gefangen.
  Allzu groe Begierde wird immer schdlich. Gewhnt sich
  Ungengsam das Herz, so mu es vieles vermissen;
  Wer den Geist der Gierigkeit hat, er lebt nur in Sorgen,
  Niemand sttiget ihn. Frau Gieremund hat es erfahren,
  Da sie im Eise befror. Sie dankt nun meiner Bemhung
  Schlecht. Das hab ich davon, da ich ihr redlich geholfen!
  Denn ich schob und wollte mit allen Krften sie heben,
  Doch sie war mir zu schwer, und ber dieser Bemhung
  Traf mich Isegrim an, der lngs dem Ufer daherging,
  Stand da droben und rief und fluchte grimmig herunter.
  Ja frwahr, ich erschrak, den schnen Segen zu hren.
  Eins und zwei- und dreimal warf er die grlichsten Flche
  ber mich her und schrie, von wildem Zorne getrieben,
  Und ich dachte: du machst dich davon und wartest nicht lnger;
  Besser laufen, als faulen. Ich hatt es eben getroffen,
  Denn er htte mich damals zerrissen. Und wenn es begegnet,
  Da zwei Hunde sich beien um Einen Knochen, da mu wohl
  Einer verlieren. So schien mir auch da das Beste geraten,
  Seinem Zorn zu entweichen und seinem verworrnen Gemte.
  Grimmig war er und bleibt es, wie kann ers leugnen? Befraget
  Seine Frau; was hab ich mit ihm, dem Lgner, zu schaffen?
  Denn sobald er sein Weib im Eise befroren bemerkte,
  Flucht' und schalt er gewaltig und kam und half ihr entkommen.
  Machten die Bauern sich hinter sie her, so war es zum besten;
  Denn so kam ihr Blut in Bewegung, sie froren nicht lnger.
  Was ist weiter zu sagen? Es ist ein schlechtes Benehmen,
  Wer sein eigenes Weib mit solchen Lgen beschimpfet.
  Fragt sie selber, da steht sie, und htt er die Wahrheit gesprochen,
  Wrde sie selber zu klagen nicht fehlen. Indessen erbitt ich
  Eine Woche mir Frist, mit meinen Freunden zu sprechen,
  Was fr Antwort dem Wolf und seiner Klage gebhret.

  Gieremund sagte darauf: In Eurem Treiben und Wesen
  Ist nur Schalkheit, wir wissen es wohl, und Lgen und Trgen,
  Bberei, Tuschung und Trotz. Wer Euren verfnglichen Reden
  Glaubt, wird sicher am Ende beschdigt. Immer gebraucht Ihr
  Lose verworrene Worte. So hab ichs am Borne gefunden.
  Denn zwei Eimer hingen daran, Ihr hattet in einen,
  Wei ich, warum? Euch gesetzt und wart herniedergefahren;
  Nun vermochtet Ihr nicht, Euch selber wieder zu heben,
  Und Ihr klagtet gewaltig. Des Morgens kam ich zum Brunnen,
  Fragte: Wer bracht Euch herein? Ihr sagtet: Kommt Ihr doch eben,
  Liebe Gevatterin, recht! ich gnn Euch jeglichen Vorteil;
  Steigt in den Eimer da droben, so fahrt Ihr hernieder und esset
  Hier an Fischen Euch satt. Ich war zum Unglck gekommen,
  Denn ich glaubt es, Ihr schwurt noch dazu: Ihr httet so viele
  Fische verzehrt, es schmerz Euch der Leib. Ich lie mich betren,
  Dumm, wie ich war, und stieg in den Eimer; da ging er hernieder
  Und der andere wieder herauf, Ihr kamt mir entgegen.
  Wunderlich schien mirs zu sein, ich fragte voller Erstaunen:
  Sagt, wie gehet das zu? Ihr aber sagtet dawider:
  Auf und ab, so gehts in der Welt, so geht es uns beiden.
  Ist es doch also der Lauf. Erniedrigt werden die einen,
  Und die andern erhht, nach eines jeglichen Tugend.
  Aus dem Eimer sprangt Ihr und lieft und eiltet von dannen.
  Aber ich sa im Brunnen bekmmert und mute den Tag lang
  Harren und Schlge genug am selbigen Abend erdulden,
  Eh ich entkam. Es traten zum Brunnen einige Bauern,
  Sie bemerkten mich da. Von grimmigem Hunger gepeinigt,
  Sa ich in Trauer und Angst, erbrmlich war mir zumute.
  Untereinander sprachen die Bauern: Da sieh nur, im Eimer
  Sitzt da unten der Feind, der unsre Schafe vermindert.
  Hol ihn herauf, versetzte der eine: ich halte mich fertig
  Und empfang ihn am Rand, er soll uns die Lmmer bezahlen!
  Wie er mich aber empfing, das war ein Jammer! Es fielen
  Schlg auf Schlge mir ber den Pelz, ich hatte mein Leben
  Keinen traurigern Tag, und kaum entrann ich dem Tode.

  Reineke sagte darauf. Bedenkt genauer die Folgen,
  Und Ihr findet gewi, wie heilsam die Schlge gewesen.
  Ich fr meine Person mag lieber dergleichen entbehren,
  Und wie die Sache stand, so mute wohl eines von beiden
  Sich mit den Schlgen beladen, wir konnten zugleich nicht entgehen.
  Wenn Ihrs Euch merkt, so nutzt es Euch wohl, und knftig vertraut Ihr
  Keinem so leicht in hnlichen Fllen. Die Welt ist voll Schalkheit.

  Ja, versetzte der Wolf: was braucht es weiter Beweise!
  Niemand verletzte mich mehr, als dieser bse Verrter.
  Eines erzhlt ich noch nicht, wie er in Sachsen mich einmal
  Unter das Affengeschlecht zu Schand und Schaden gefhret.
  Er beredete mich, in eine Hhle zu kriechen,
  Und er wute voraus, es wrde mir bels begegnen.
  Wr ich nicht eilig entflohn, ich wr um Augen und Ohren
  Dort gekommen. Er sagte vorher mit gleisenden Worten:
  Seine Frau Muhme find ich daselbst, er meinte die ffin;
  Doch es verdro ihn, da ich entkam. Er schickte mich tckisch
  In das abscheuliche Nest, ich dacht, es wre die Hlle.

  Reineke sagte darauf vor allen Herren des Hofes:
  Isegrim redet verwirrt, er scheint nicht vllig bei Sinnen.
  Von der ffin will er erzhlen, so sag er es deutlich.
  Drittehalb Jahr sinds her, als nach dem Lande zu Sachsen
  Er mit groem Prassen gezogen, wohin ich ihm folgte.
  Das ist wahr, das brige lgt er. Es waren nicht Affen,
  Meerkatzen warens, von welchen er redet; und nimmermehr werd ich
  Diese fr meine Muhmen erkennen. Martin, der Affe,
  Und Frau Rckenau sind mir verwandt; sie ehr ich als Muhme,
  Ihn als Vetter, und rhme mich des. Notarius ist er
  Und versteht sich aufs Recht. Doch was von jenen Geschpfen
  Isegrim sagt, geschieht mir zum Hohn, ich habe mit ihnen
  Nichts zu tun, und nie sinds meine Verwandten gewesen;
  Denn sie gleichen dem hllischen Teufel. Und da ich die Alte
  Damals Muhme geheien, das tat ich mit gutem Bedachte.
  Nichts verlor ich dabei, das will ich gerne gestehen:
  Gut gastierte sie mich, sonst htte sie mgen ersticken.

  Seht, Ihr Herren! wir hatten den Weg zur Seite gelassen,
  Gingen hinter dem Berg, und eine dstere Hhle,
  Tief und lang, bemerkten wir da. Es fhlte sich aber
  Isegrim krank, wie gewhnlich, vor Hunger. Wann htt ihn auch jemals
  Einer so satt gesehen, da er zufrieden gewesen?
  Und ich sagte zu ihm: In dieser Hhle befindet
  Speise frwahr sich genug, ich zweifle nicht, ihre Bewohner
  Teilen gerne mit uns, was sie haben, wir kommen gelegen.
  Isegrim aber versetzte darauf: Ich werde, mein Oheim,
  Unter dem Baume hier warten, Ihr seid in allem geschickter,
  Neue Bekannte zu machen, und wenn Euch Essen gereicht wird,
  Tut mirs zu wissen! So dachte der Schalk, auf meine Gefahr erst
  Abzuwarten, was sich ergbe; ich aber begab mich
  In die Hhle hinein. Nicht ohne Schauer durchwandert
  Ich den langen und krummen Gang, er wollte nicht enden.
  Aber was ich dann fand--den Schrecken wollt ich um vieles
  Rotes Gold nicht zweimal in meinem Leben erfahren!
  Welch ein Nest voll hlicher Tiere, groer und kleiner!
  Und die Mutter dabei, ich dacht, es wre der Teufel.
  Weit und gro ihr Maul mit langen hlichen Zhnen,
  Lange Ngel an Hnden und Fen und hinten ein langer
  Schwanz an den Rcken gesetzt; so was Abscheuliches hab ich
  Nicht im Leben gesehn! Die schwarzen leidigen Kinder
  Waren seltsam gebildet, wie lauter junge Gespenster.
  Greulich sah sie mich an. Ich dachte: wr ich von dannen!
  Grer war sie als Isegrim selbst, und einige Kinder
  Fast von gleicher Statur. Im faulen Heue gebettet
  Fand ich die garstige Brut und ber und ber beschlabbert
  Bis an die Ohren mit Kot, es stank in ihrem Reviere
  rger als hllisches Pech. Die reine Wahrheit zu sagen:
  Wenig gefiel es mir da, denn ihrer waren so viele,
  Und ich stand nur allein. Sie zogen greuliche Fratzen.
  Da besann ich mich denn, und einen Ausweg versucht ich,
  Grte sie schn--ich meint es nicht so--und wute so freundlich
  Und bekannt mich zu stellen. Frau Muhme! sagt ich zur Alten,
  Vettern hie ich die Kinder und lie es an Worten nicht fehlen.
  Spar Euch der gndige Gott auf lange glckliche Zeiten!
  Sind das Eure Kinder? Frwahr! ich sollte nicht fragen;
  Wie behagen sie mir! Hilf Himmel! wie sie so lustig,
  Wie sie so schn sind! Man nhme sie alle fr Shne des Knigs.
  Seid mir vielmal gelobt, da Ihr mit wrdigen Sprossen
  Mehret unser Geschlecht, ich freue mich ber die Maen.
  Glcklich find ich mich nun, von solchen hmen zu wissen;
  Denn zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten.

  Als ich ihr soviel Ehre geboten, wiewohl ich es anders
  Meinte, bezeigte sie mir von ihrer Seite desgleichen,
  Hie mich Oheim und tat so bekannt, so wenig die Nrrin
  Auch zu meinem Geschlechte gehrt. Doch konnte fr diesmal
  Gar nicht schaden, sie Muhme zu heien. Ich schwitzte dazwischen
  ber und ber vor Angst; allein sie redete freundlich:
  Reineke, werter Verwandter, ich hei Euch schnstens willkommen!
  Seid Ihr auch wohl? Ich bin Euch mein ganzes Leben verbunden,
  Da Ihr zu mir gekommen. Ihr lehret kluge Gedanken
  Meine Kinder fortan, da sie zu Ehren gelangen.
  Also hrt ich sie reden; das hatt ich mit wenigen Worten,
  Da ich sie Muhme genannt und da ich die Wahrheit geschonet,
  Reichlich verdient. Doch wr ich so gern im Freien gewesen.
  Aber sie lie mich nicht fort und sprach: Ihr drfet, mein Oheim,
  Unbewirtet nicht weg! Verweilet, lat Euch bedienen.
  Und sie brachte mir Speise genug, ich wte sie wahrlich
  Jetzt nicht alle zu nennen; verwundert war ich zum hchsten,
  Wie sie zu allem gekommen. Von Fischen, Rehen und anderm
  Guten Wildbret, ich speiste davon, es schmeckte mir herrlich.
  Als ich zur Gnge gegessen, belud sie mich ber das alles,
  Bracht ein Stck vom Hirsche getragen, ich sollt es nach Hause
  Zu den Meinigen bringen, und ich empfahl mich zum besten.
  Reineke, sagte sie noch: besucht mich fters. Ich htte,
  Was sie wollte, versprochen; ich machte, da ich herauskam.
  Lieblich war es nicht da fr Augen und Nase, ich htte
  Mir den Tod beinahe geholt; ich suchte zu fliehen,
  Lief behende den Gang bis zu der ffnung am Baume.
  Isegrim lag und sthnte daselbst; ich sagte: Wie gehts Euch,
  Oheim? Er sprach: Nicht wohl! ich mu vor Hunger verderben.
  Ich erbarmte mich seiner und gab ihm den kstlichen Braten,
  Den ich mit mir gebracht. Er a mit groer Begierde,
  Vielen Dank erzeigt' er mir da; nun hat ers vergessen!
  Als er nun fertig geworden, begann er: Lat mich erfahren,
  Wer die Hhle bewohnt? Wie habt Ihrs drinne gefunden?
  Gut oder schlecht? Ich sagt ihm darauf die lauterste Wahrheit,
  Unterrichtet ihn wohl. Das Nest sei bse, dagegen
  Finde sich drin viel kstliche Speise. Sobald er begehre,
  Seinen Teil zu erhalten, so mg er kecklich hineingehn,
  Nur vor allem sich hten, die grade Wahrheit zu sagen.
  Soll es Euch nach Wnschen ergehn, so spart mir die Wahrheit!
  Wiederholt ich ihm noch: denn fhrt sie jemand bestndig
  Unklug im Munde, der leidet Verfolgung, wohin er sich wendet;
  berall steht er zurck, die andern werden geladen.
  Also hie ich ihn gehn; ich lehrt ihn: was er auch fnde,
  Sollt er reden, was jeglicher gerne zu hren begehret,
  Und man werd ihn freundlich empfangen. Das waren die Worte,
  Gndiger Knig und Herr, nach meinem besten Gewissen.
  Aber das Gegenteil tat er hernach, und kriegt' er darber
  Etwas ab, so hab er es auch; er sollte mir folgen.
  Grau sind seine Zotteln frwahr, doch sucht man die Weisheit
  Nur vergebens dahinter. Es achten solche Gesellen
  Weder Klugheit noch feine Gedanken; es bleibet dem groben
  Tlpischen Volke der Wert von aller Weisheit verborgen.
  Treulich schrft ich ihm ein, die Wahrheit diesmal zu sparen;
  Wei ich doch selbst, was sich ziemt! versetzt' er trotzig dagegen,
  Und so trabt' er die Hhle hinein, da hat ers getroffen.
  Hinten sa das abscheuliche Weib, er glaubte, den Teufel
  Vor sich zu sehn! die Kinder dazu! da rief er betroffen:
  Hilfe! Was fr abscheuliche Tiere! Sind diese Geschpfe
  Eure Kinder? Sie scheinen frwahr ein Hllengesindel.
  Geht, ertrnkt sie, das wre das beste, damit sich die Brut nicht
  ber die Erde verbreite! Wenn es die meinigen wren,
  Ich erdrosselte sie. Man finge wahrlich mit ihnen
  Junge Teufel, man brauchte sie nur in einem Moraste
  Auf das Schilf zu binden, die garstigen, schmutzigen Rangen!
  Ja, Mooraffen sollten sie heien, da pate der Name!

  Eilig versetzte die Mutter und sprach mit zornigen Worten:
  Welcher Teufel schickt uns den Boten? Wer hat Euch gerufen,
  Hier uns grob zu begegnen? Und meine Kinder! Was habt Ihr,
  Schn oder hlich, mit ihnen zu tun? Soeben verlt uns
  Reineke Fuchs, der erfahrene Mann, der mu es verstehen;
  Meine Kinder, beteuert' er hoch, er finde sie smtlich'
  Schn und sittig, von guter Manier; er mochte mit Freuden
  Sie fr seine Verwandten erkennen. Das hat er uns alles
  Hier an diesem Platz vor einer Stunde versichert.
  Wenn sie Euch nicht wie ihm gefallen, so hat Euch wahrhaftig
  Niemand zu kommen gebeten. Das mgt Ihr, Isegrim, wissen.

  Und er forderte gleich von ihr zu essen und sagte:
  Holt herbei, sonst helf ich Euch suchen! Was wollen die Reden
  Weiter helfen? Er machte sich dran und wollte gewaltsam
  Ihren Vorrat betasten; das war ihm bel geraten!
  Denn sie warf sich ber ihn her, zerbi und zerkratzt' ihm
  Mit den Ngeln das Fell und klaut' und zerrt' ihn gewaltig;
  Ihre Kinder taten das gleiche, sie bissen und krammten
  Greulich auf ihn; da heult' er und schrie mit blutigen Wangen,
  Wehrte sich nicht und lief mit hastigen Schritten zur ffnung.
  bel zerrissen sah ich ihn kommen, zerkratzt, und die Fetzen
  Hingen herum, ein Ohr war gespalten und blutig die Nase,
  Manche Wunde kneipten sie ihm und hatten das Fell ihm
  Garstig zusammengeruckt. Ich fragt ihn, wie er heraustrat:
  Habt Ihr die Wahrheit gesagt? Er aber sagte dagegen:
  Wie ichs gefunden, so hab ich gesprochen. Die leidige Hexe
  Hat mich bel geschndet, ich wollte, sie wre hier auen,
  Teuer bezahlte sie mirs! Was dnkt Euch, Reineke? habt Ihr
  Jemals solche Kinder gesehn? so garstig, so bse?
  Da ichs ihr sagte, da war es geschehn, da fand ich nicht weiter
  Gnade vor ihr und habe mich bel im Loche befunden.

  Seid Ihr verrckt? versetzt ich ihm drauf. ich hab es Euch anders
  Weislich geheien. Ich gr Euch zum schnsten (so solltet Ihr sagen),
  Liebe Muhme, wie geht es mit Euch? Wie geht es den lieben
  Artigen Kindern? Ich freue mich sehr, die groen und kleinen
  Neffen wiederzusehn. Doch Isegrim sagte dagegen:
  Muhme das Weib zu begren? und Neffen die hlichen Kinder?
  Nehm sie der Teufel zu sich! Mir graut vor solcher Verwandtschaft.
  Pfui! ein ganz abscheuliches Pack! ich seh sie nicht wieder.
  Darum ward er so bel bezahlt. Nun richtet, Herr Knig!
  Sagt er mit Recht, ich hab ihn verraten? Er mag es gestehen,
  Hat die Sache sich nicht, wie ich erzhle, begeben?

  Isegrim sprach entschlossen dagegen: Wir machen wahrhaftig
  Diesen Streit mit Worten nicht aus. Was sollen wir keifen?
  Recht bleibt Recht, und wer es auch hat, es zeigt sich am Ende.
  Trotzig, Reineke, tretet Ihr auf, so mgt Ihr es haben!
  Kmpfen wollen wir gegeneinander, da wird es sich finden.
  Vieles wit Ihr zu sagen, wie vor der Affen Behausung
  Ich so groen Hunger gelitten, und wie Ihr mich damals
  Treulich genhrt. Ich wte nicht, wie! Es war nur ein Knochen,
  Den Ihr brachtet, das Fleisch vermutlich speistet Ihr selber.
  Wo Ihr stehet, spottet Ihr mein und redet verwegen,
  Meiner Ehre zu nah. Ihr habt mit schndlichen Lgen
  Mich verdchtig gemacht, als htt ich bse Verschwrung
  Gegen den Knig im Sinne gehabt und htte sein Leben
  Ihm zu rauben gewnscht; Ihr aber prahltet dagegen
  Ihm von Schtzen was vor; er mchte schwerlich sie finden!
  Schmhlich behandeltet Ihr mein Weib und sollt es mir ben.
  Dieser Sachen klag ich Euch an! ich denke zu kmpfen
  ber Altes und Neues und wiederhol es: ein Mrder,
  Ein Verrter seid Ihr, ein Dieb; und Leben um Leben
  Wollen wir kmpfen, es endige nun das Keifen und Schelten.
  Einen Handschuh biet ich Euch an, so wie ihn zu Rechte
  Jeder Fordernde reicht, Ihr mgt ihn zum Pfande behalten,
  Und wir finden uns bald. Der Knig hat es vernommen,
  Alle die Herren habens gehrt! ich hoffe, sie werden
  Zeugen sein des rechtlichen Kampfs. Ihr sollt nicht entweichen,
  Bis die Sache sich endlich entscheidet; dann wollen wir sehen.

  Reineke dachte bei sich: Das geht um Vermgen und Leben!
  Gro ist er, ich aber bin klein, und knnt es mir diesmal
  Etwa milingen, so htten mir alle die listigen Streiche
  Wenig geholfen. Doch warten wirs ab. Denn, wenn ichs bedenke,
  Bin ich im Vorteil: verlor er ja schon die vordersten Klauen!
  Ist der Tor nicht khler geworden, so soll er am Ende
  Seinen Willen nicht haben, es koste, was es auch wolle.

  Reineke sagte zum Wolfe darauf: Ihr mgt mir wohl selber
  Ein Verrter, Isegrim, sein, und alle Beschwerden,
  Die Ihr auf mich zu bringen gedenket, sind alle gelogen.
  Wollt Ihr kmpfen? ich wag es mit Euch und werde nicht wanken.
  Lange wnscht ich mir das! hier ist mein Handschuh dagegen.

  So empfing der Knig die Pfnder, es reichten sie beide
  Khnlich. Er sagte darauf: Ihr sollt mir Brgen bestellen,
  Da Ihr morgen zum Kampfe nicht fehlt; denn beide Parteien
  Find ich verworren, wer mag die Reden alle verstehen?

  Isegrims Brgen wurden sogleich der Br und der Kater,
  Braun und Hinze; fr Reineken aber verbrgten sich gleichfalls
  Vetter Moneke, Sohn von Mrtenaffe, mit Grimbart.

  Reineke, sagte Frau Rckenau drauf: nun bleibet gelassen,
  Klug von Sinnen! Es lehrte mein Mann, der jetzo nach Rom ist,
  Euer Oheim, mich einst ein Gebet; es hatte dasselbe
  Abt von Schluckauf gesetzt und gab es meinem Gemahle,
  Dem er sich gnstig erwies, auf einen Zettel geschrieben.
  Dieses Gebet, so sagte der Abt, ist heilsam den Mnnern,
  Die ins Gefecht sich begeben; man mu es nchtern des Morgens
  berlesen, so bleibt man des Tags von Not und Gefahren
  Vllig befreit, vorm Tode geschtzt, vor Schmerzen und Wunden.
  Trstet Euch, Neffe, damit, ich will es morgen beizeiten
  ber Euch lesen, so geht Ihr getrost und ohne Besorgnis.
  Liebe Muhme, versetzte der Fuchs: ich danke von Herzen,
  Ich gedenk es Euch wieder. Doch mu mir immer am meisten
  Meiner Sache Gerechtigkeit helfen und meine Gewandtheit.

  Reinekens Freunde blieben beisammen die Nacht durch und scheuchten
  Seine Grillen durch muntre Gesprche. Frau Rckenau aber
  War vor allen besorgt und geschftig, sie lie ihn behende
  Zwischen Kopf und Schwanz und Brust und Bauche bescheren
  Und mit Fett und le bestreichen; es zeigte sich aber
  Reineke fett und rund und wohl zu Fue. Daneben
  Sprach sie: Hret mich an, bedenket, was Ihr zu tun habt,
  Hret den Rat verstndiger Freunde, das hilft Euch am besten.
  Trinket nur brav und haltet das Wasser, und kommt Ihr des Morgens
  In den Kreis, so macht es gescheit, benetzet den rauhen
  Wedel ber und ber und sucht den Gegner zu treffen;
  Knnt Ihr die Augen ihm salben, so ists am besten geraten,
  Sein Gesicht verdunkelt sich gleich; es kommt Euch zustatten,
  Und ihn hindert es sehr. Auch mt Ihr anfangs Euch furchtsam
  Stellen und gegen den Wind mit flchtigen Fen entweichen.
  Wenn er Euch folget, erregt nur den Staub, auf da Ihr die Augen
  Ihm mit Unrat und Sande verschliet. Dann springet zur Seite,
  Pat auf jede Bewegung, und wenn er die Augen sich auswischt,
  Nehmt des Vorteils gewahr und salbt ihm aufs neue die Augen
  Mit dem tzenden Wasser, damit er vllig erblinde,
  Nicht mehr wisse, wo aus noch ein, und der Sieg Euch verbleibe.
  Lieber Neffe, schlaft nur ein wenig, wir wollen Euch wecken,
  Wenn es Zeit ist. Doch will ich sogleich die heiligen Worte
  ber Euch lesen, von welchen ich sprach, auf da ich Euch strke.
  Und sie legt' ihm die Hand aufs Haupt und sagte die Worte:
  Nekrts negibaul geid sum namteflih dnudna mein tedahcs!
  Nun Glck auf! nun seid Ihr verwahrt! Das Nmliche sagte
  Oheim Grimbart; dann fhrten sie ihn und legten ihn schlafen.
  Ruhig schlief er. Die Sonne ging auf; da kamen die Otter
  Und der Dachs, den Vetter zu wecken. Sie grten ihn freundlich,
  Und sie sagten: Bereitet Euch wohl! Da brachte die Otter
  Eine junge Ente hervor und reicht' sie ihm, sagend:
  Et, ich habe sie Euch mit manchem Sprunge gewonnen
  An dem Damme bei Hnerbrot; lats Euch belieben, mein Vetter.

  Gutes Handgeld ist das, versetzte Reineke munter:
  So was verschmh ich nicht leicht. Das mge Gott Euch vergelten,
  Da Ihr meiner gedenkt! Er lie das Essen sich schmecken
  Und das Trinken dazu und ging mit seinen Verwandten
  In den Kreis, auf den ebenen Sand, da sollte man kmpfen.





  Zwlfter Gesang


  Als der Knig Reineken sah, wie dieser am Kreise
  Glatt geschoren sich zeigte, mit l und schlpfrigem Fette
  ber und ber gesalbt, da lacht' er ber die Maen.
  Fuchs! wer lehrte dich das? so rief er: mag man doch billig
  Reineke Fuchs dich heien, du bist bestndig der Lose!
  Allerorten kennst du ein Loch und weit dir zu helfen.

  Reineke neigte sich tief vor dem Knige, neigte besonders
  Vor der Knigin sich und kam mit mutigen Sprngen
  In den Kreis. Da hatte der Wolf mit seinen Verwandten
  Schon sich gefunden; sie wnschten dem Fuchs ein schmhliches Ende;
  Manches zornige Wort und manche Drohung vernahm er.
  Aber Lynx und Lupardus, die Wrter des Kreises, sie brachten
  Nun die Heilgen hervor, und beide Kmpfer beschworen,
  Wolf und Fuchs, mit Bedacht die zu behauptende Sache.

  Isegrim schwur mit heftigen Worten und drohenden Blicken:
  Reineke sei ein Verrter, ein Dieb, ein Mrder und aller
  Missetat schuldig, er sei auf Gewalt und Ehbruch betreten,
  Falsch in jeglicher Sache; das gelte Leben um Leben!
  Reineke schwur zur Stelle dagegen: er seie sich keiner
  Dieser Verbrechen bewut, und Isegrim lge wie immer,
  Schwre falsch wie gewhnlich, doch soll' es ihm nimmer gelingen,
  Seine Lge zur Wahrheit zu machen, am wenigsten diesmal.
  Und es sagten die Wrter des Kreises: Ein jeglicher tue,
  Was er schuldig zu tun ist! das Recht wird bald sich ergeben.
  Gro und klein verlieen den Kreis, die beiden alleine
  Drin zu verschlieen. Geschwind begann die ffin zu flstern:
  Merket, was ich Euch sagte, verget nicht, dem Rate zu folgen!
  Reineke sagte heiter darauf: Die gute Vermahnung
  Macht mich mutiger gehn. Getrost! ich werde der Khnheit
  Und der List auch jetzt nicht vergessen, durch die ich aus manchen
  Grern Gefahren entronnen, worein ich fters geraten,
  Wenn ich mir dieses und jenes geholt, was bis jetzt nicht bezahlt ist,
  Und mein Leben khnlich gewagt. Wie sollt ich nicht jetzo
  Gegen den Bsewicht stehen? Ich hoff, ihn gewilich zu schnden,
  Ihn und sein ganzes Geschlecht, und Ehre den Meinen zu bringen.
  Was er auch lgt, ich trnk es ihm ein. Nun lie man die beiden
  In dem Kreise zusammen, und alle schauten begierig.

  Isegrim zeigte sich wild und grimmig, reckte die Tatzen,
  Kam daher mit offenem Maul und gewaltigen Sprngen.
  Reineke, leichter als er, entsprang dem strmenden Gegner
  Und benetzte behende den rauhen Wedel mit seinem
  tzenden Wasser und schleift' ihn im Staube, mit Sand ihn zu fllen.
  Isegrim dachte, nun hab er ihn schon! da schlug ihm der Lose
  ber die Augen den Schwanz, und Hren und Sehen verging ihm.
  Nicht das erstemal bt' er die List, schon viele Geschpfe
  Hatten die schdliche Kraft des tzenden Wassers erfahren.
  Isegrims Kinder blendet' er so, wie anfangs gesagt ist;
  Und nun dacht er den Vater zu zeichnen. Nachdem er dem Gegner
  So die Augen gesalbt, entsprang er seitwrts und stellte
  Gegen den Wind sich, rhrte den Sand und jagte des Staubes
  Viel in die Augen des Wolfs, der sich mit Reiben und Wischen
  Hastig und bel benahm und seine Schmerzen vermehrte.
  Reineke wute dagegen geschickt den Wedel zu fhren,
  Seinen Gegner aufs neue zu treffen und gnzlich zu blenden.
  bel bekam es dem Wolfe! denn seinen Vorteil benutzte
  Nun der Fuchs. Sobald er die schmerzlich trnenden Augen
  Seines Feindes erblickte, begann er mit heftigen Sprngen,
  Mit gewaltigen Schlgen auf ihn zu strmen, zu kratzen
  Und zu beien und immer die Augen ihm wieder zu salben.
  Halb von Sinnen tappte der Wolf, da spottete seiner
  Reineke dreister und sprach: Herr Wolf, Ihr habt wohl vorzeiten
  Manch unschuldiges Lamm verschlungen, in Euerem Leben
  Manch unstrfliches Tier verzehrt: ich hoffe, sie sollen
  Knftig Ruhe genieen, auf alle Flle bequemt Ihr
  Euch, sie in Frieden zu lassen, und nehmet Segen zum Lohne.
  Eure Seele gewinnt bei dieser Bue, besonders
  Wenn Ihr das Ende geduldig erwartet. Ihr werdet fr diesmal
  Nicht aus meinen Hnden entrinnen, Ihr mtet mit Bitten
  Mich vershnen, da schont ich Euch wohl und lie' Euch das Leben.

  Hastig sagte Reineke das und hatte den Gegner
  Fest an der Kehle gepackt und hofft ihn also zu zwingen.
  Isegrim aber, strker als er, bewegte sich grimmig,
  Mit zwei Zgen ri er sich los. Doch Reineke griff ihm
  Ins Gesicht, verwundet' ihn hart und ri ihm ein Auge
  Aus dem Kopfe, es rann ihm das Blut die Nase herunter.
  Reineke rief: So wollt ich es haben! so ist es gelungen!
  Blutend verzagte der Wolf, und sein verlorenes Auge
  Macht' ihn rasend, er sprang, vergessend Wunden und Schmerzen,
  Gegen Reineken los und druckt' ihn nieder zu Boden.
  bel befand sich der Fuchs, und wenig half ihm die Klugheit.
  Einen der vorderen Fe, die er als Hnde gebrauchte,
  Fat' ihm Isegrim schnell und hielt ihn zwischen den Zhnen.
  Reineke lag bekmmert am Boden, er sorgte zur Stunde
  Seine Hand zu verlieren und dachte tausend Gedanken.
  Isegrim brummte dagegen mit hohler Stimme die Worte:

  Deine Stunde, Dieb, ist gekommen! Ergib dich zur Stelle,
  Oder ich schlage dich tot fr deine betrglichen Taten!
  Ich bezahle dich nun, es hat dir wenig geholfen,
  Staub zu kratzen, Wasser zu lassen, das Fell zu bescheren,
  Dich zu schmieren; wehe dir nun! du hast mir so vieles
  bel getan, gelogen auf mich, mir das Auge geblendet,
  Aber du sollst nicht entgehn, ergib dich, oder ich beie!

  Reineke dachte: Nun geht es mir schlimm, was soll ich beginnen?
  Geb ich mich nicht, so bringt er mich um, und wenn ich mich gebe,
  Bin ich auf ewig beschimpft. Ja, ich verdiene die Strafe,
  Denn ich hab ihn zu bel behandelt, zu grblich beleidigt.
  Se Worte versucht' er darauf, den Gegner zu mildern.
  Lieber Oheim! sagt' er zu ihm: ich werde mit Freuden
  Euer Lehnsmann sogleich mit allem, was ich besitze.
  Gerne geh ich als Pilger fr Euch zum Heiligen Grabe,
  In das Heilige Land, in alle Kirchen, und bringe
  Abla genug von dannen zurck. Es gereichet derselbe
  Eurer Seele zu Nutz und soll fr Vater und Mutter
  brig bleiben, damit sich auch die im ewigen Leben
  Dieser Wohltat erfreun; wer ist nicht ihrer bedrftig?
  Ich verehr Euch, als wrt Ihr der Papst, und schwre den teuren
  Heiligen Eid, von jetzt auf alle knftige Zeiten
  Ganz der Eure zu sein mit allen meinen Verwandten.
  Alle sollen Euch dienen zu jeder Stunde. So schwr ich!
  Was ich dem Knige selbst nicht versprche, das sei Euch geboten.
  Nehmt Ihr es an, so wird Euch dereinst die Herrschaft des Landes.
  Alles, was ich zu fangen verstehe, das will ich Euch bringen:
  Gnse, Hhner, Enten und Fische, bevor ich das mindste
  Solcher Speise verzehre, ich la Euch immer die Auswahl,
  Eurem Weib und Kindern. Ich will mit Fleie darneben
  Euer Leben beraten, es soll Euch kein bel berhren.
  Lose hei ich, und Ihr seid stark, so knnen wir beide
  Groe Dinge verrichten. Zusammen mssen wir halten,
  Einer mit Macht, der andre mit Rat, wer wollt uns bezwingen?
  Kmpfen wir gegeneinander, so ist es bel gehandelt.
  Ja, ich htt es niemals getan, wofern ich nur schicklich
  Htte den Kampf zu vermeiden gewut; Ihr fordertet aber,
  Und ich mute denn wohl mich ehrenhalber bequemen.
  Aber ich habe mich hflich gehalten und whrend des Streites
  Meine ganze Macht nicht bewiesen; es mu dir, so dacht ich,
  Deinen Oheim zu schonen, zur grten Ehre gereichen.
  Htt ich Euch aber gehat, es wr Euch anders gegangen.
  Wenig Schaden habt Ihr gelitten, und wenn aus Versehen
  Euer Auge verletzt ist, so bin ich herzlich bekmmert.
  Doch das Beste bleibt mir dabei: ich kenne das Mittel,
  Euch zu heilen, und teil ichs Euch mit, Ihr werdet mirs danken.
  Bliebe das Auge gleich weg, und seid Ihr sonst nur genesen,
  Ist es Euch immer bequem; Ihr habet, legt Ihr Euch schlafen,
  Nur Ein Fenster zu schlieen, wir andern bemhen uns doppelt.
  Euch zu vershnen, sollen sogleich sich meine Verwandten
  Vor Euch neigen, mein Weib und meine Kinder, sie sollen
  Vor des Kniges Augen im Angesicht dieser Versammlung
  Euch ersuchen und bitten, da Ihr mir gndig vergebet
  Und mein Leben mir schenkt. Dann will ich offen bekennen,
  Da ich unwahr gesprochen und Euch mit Lgen geschndet,
  Euch betrogen, wo ich gekonnt. Ich verspreche, zu schwren,
  Da mir von Euch nichts Bses bekannt ist und da ich von nun an
  Nimmer Euch zu beleidigen denke. Wie knntet Ihr jemals
  Grere Shne verlangen, als die, wozu ich bereit bin?
  Schlagt Ihr mich tot, was habt Ihr davon? es bleiben Euch immer
  Meine Verwandten zu frchten und meine Freunde; dagegen,
  Wenn Ihr mich schont, verlat Ihr mit Ruhm und Ehren den Kampfplatz,
  Scheinet jeglichem edel und weise: denn hher vermag sich
  Niemand zu heben, als wenn er vergibt. Es kommt Euch so bald nicht
  Diese Gelegenheit wieder, benutzt sie. brigens kann mir
  Jetzt ganz einerlei sein, zu sterben oder zu leben.

  Falscher Fuchs! versetzte der Wolf. wie wrst du so gerne
  Wieder los! Doch wre die Welt von Golde geschaffen,
  Und btest du sie mir in deinen Nten, ich wrde
  Dich nicht lassen! Du hast mir so oft vergeblich geschworen,
  Falscher Geselle! Gewi, nicht Eierschalen erhielt' ich
  Lie' ich dich los. Ich achte nicht viel auf deine Verwandten;
  Ich erwarte, was sie vermgen, und denke so ziemlich
  Ihre Feindschaft zu tragen. Du Schadenfroher! wie wrdest
  Du nicht spotten, gb ich dich frei auf deine Beteurung.
  Wer dich nicht kennte, wre betrogen. Du hast mich, so sagst du,
  Heute geschont, du leidiger Dieb! und hngt mir das Auge
  Nicht zum Kopfe heraus? Du Bsewicht, hast du die Haut mir
  Nicht an zwanzig Orten verletzt? und konnt ich nur einmal
  Wieder zu Atem gelangen, da du den Vorteil gewonnen?
  Tricht wr es gehandelt, wenn ich fr Schaden und Schande
  Dir nun Gnad und Mitleid erzeigte. Du brachtest, Verrter,
  Mich und mein Weib in Schaden und Schmach, das kostet dein Leben.

  Also sagte der Wolf. Indessen hatte der Lose
  Zwischen die Schenkel des Gegners die andre Tatze geschoben;
  Bei den empfindlichsten Teilen ergriff er denselben und ruckte,
  Zerrt' ihn grausam, ich sage nicht mehr--Erbrmlich zu schreien
  Und zu heulen begann der Wolf mit offenem Munde.
  Reineke zog die Tatze behend aus den klemmenden Zhnen,
  Hielt mit beiden den Wolf nun immer fester und fester,
  Kneipt' und zog; da heulte der Wolf und schrie so gewaltig
  Da er Blut zu speien begann, es brach ihm vor Schmerzen
  ber und ber der Schwei durch seine Zotten, er lste
  Sich vor Angst. Das freute den Fuchs, nun hofft' er zu siegen,
  Hielt ihn immer mit Hnden und Zhnen, und groe Bedrngnis,
  Groe Pein kam ber den Wolf, er gab sich verloren.
  Blut rann ber sein Haupt, aus seinen Augen, er strzte
  Nieder, betubt. Es htte der Fuchs des Goldes die Flle
  Nicht fr diesen Anblick genommen; so hielt er ihn immer
  Fest und schleppte den Wolf und zog, da alle das Elend
  Sahen, und kneipt' und druckt' und bi und klaute den Armen,
  Der mit dumpfem Geheul im Staub und eigenen Unrat
  Sich mit Zuckungen wlzte, mit ungebrdigem Wesen.
  Seine Freunde jammerten laut, sie baten den Knig:
  Aufzunehmen den Kampf, wenn es ihm also beliebte.
  Und der Knig versetzte: Sobald Euch allen bednket,
  Allen lieb ist, da es geschehe, so bin ichs zufrieden.

  Und der Knig gebot: die beiden Wrter des Kreises,
  Lynx und Lupardus, sollten zu beiden Kmpfern hineingehn.
  Und sie traten darauf in die Schranken und sprachen dem Sieger
  Reineke zu: es sei nun genug, es wnsche der Knig,
  Aufzunehmen den Kampf, den Zwist geendigt zu sehen.
  Er verlangt, so fuhren sie fort: Ihr mgt ihm den Gegner
  berlassen, das Leben dem berwundenen schenken.
  Denn, wenn einer gettet in diesem Zweikampf erlge,
  Wre es schade auf jeglicher Seite. Ihr habt ja den Vorteil!
  Alle sahen es, Klein und Groe. Auch fallen die besten
  Mnner Euch bei, Ihr habt sie fr Euch auf immer gewonnen.

  Reineke sprach: Ich werde dafr mich dankbar beweisen!
  Gerne folg ich dem Willen des Knigs, und was sich gebhret,
  Tu ich gern; ich habe gesiegt, und Schners verlang ich
  Nichts zu erleben! Es gnne mir nur der Knig das Eine,
  Da ich meine Freunde befrage. Da riefen die Freunde
  Reinekens alle: Es dnket uns gut, den Willen des Knigs
  Gleich zu erfllen. Sie kamen zu Scharen zum Sieger gelaufen,
  Alle Verwandte, der Dachs und der Affe und Otter und Biber.
  Seine Freunde waren nun auch der Marder, die Wiesel,
  Hermelin und Eichhorn und viele, die ihn befeindet,
  Seinen Namen zuvor nicht nennen mochten, sie liefen
  Alle zu ihm. Da fanden sich auch, die sonst ihn verklagten,
  Seine Verwandte anjetzt, und brachten Weiber und Kinder,
  Groe, mittlere, kleine, dazu die kleinsten; es tat ihm
  Jeglicher schn, sie schmeichelten ihm und konnten nicht enden.

  In der Welt gehts immer so zu. Dem Glcklichen sagt man:
  Bleibet lange gesund! er findet Freunde die Menge.
  Aber wem es bel gert, der mag sich gedulden!
  Ebenso fand es sich hier. Ein jeglicher wollte der nchste
  Neben dem Sieger sich blhn. Die einen flteten, andre
  Sangen, bliesen Posaunen und schlugen Pauken dazwischen.
  Reinekens Freunde sprachen zu ihm: Erfreut Euch, Ihr habet
  Euch und Euer Geschlecht in dieser Stunde gehoben!
  Sehr betrbten wir uns, Euch unterliegen zu sehen,
  Doch es wandte sich bald, es war ein treffliches Stckchen.
  Reineke sprach: Es ist mit geglckt, und dankte den Freunden.
  Also gingen sie hin mit groem Getmmel, vor allen
  Reineke mit den Wrtern des Kreises, und so gelangten
  Sie zum Throne des Knigs, da kniete Reineke nieder.
  Aufstehn hie ihn der Knig und sagte vor allen den Herren:
  Euren Tag bewahrtet Ihr wohl, Ihr habet mit Ehren
  Eure Sache vollfhrt, deswegen sprech ich Euch ledig;
  Alle Strafe hebet sich auf, ich werde darber
  Nchstens sprechen im Rat mit meinen Edlen, sobald nur
  Isegrim wieder geheilt ist; fr heute schlie ich die Sache.

  Eurem Rate, gndiger Herr, versetzte bescheiden
  Reineke drauf: ist heilsam zu folgen; Ihr wit es am besten.
  Als ich hierher kam, klagten so viele, sie logen dem Wolfe,
  Meinem mchtigen Feinde, zulieb, der wollte mich strzen,
  Hatte mich fast in seiner Gewalt; da riefen die andern:
  Kreuzige! klagten mit ihm, nur mich aufs letzte zu bringen,
  Ihm gefllig zu sein; denn alle konnten bemerken:
  Besser stand er bei Euch als ich, und keiner gedachte
  Weder ans Ende, noch wie sich vielleicht die Wahrheit verhalte.
  Jenen Hunden vergleich ich sie wohl, die pflegten in Menge
  Vor der Kche zu stehn und hofften, es werde wohl ihrer
  Auch der gnstige Koch mit einigen Knochen gedenken.
  Einen ihrer Gesellen erblickten die wartenden Hunde,
  Der ein Stck gesottenes Fleisch dem Koche genommen
  Und nicht eilig genug zu seinem Unglck davonsprang.
  Denn es bego ihn der Koch mit heiem Wasser von hinten
  Und verbrht' ihm den Schwanz; doch lie er die Beute nicht fallen,
  Mengte sich unter die andern, sie aber sprachen zusammen:
  Seht, wie diesen der Koch vor allen andern begnstigt!
  Seht, welch kstliches Stck er ihm gab! Und jener versetzte:
  Wenig begreift ihr davon, ihr lobt und preist mich von vorne,
  Wo es euch freilich gefllt, das kstliche Fleisch zu erblicken;
  Aber beseht mich von hinten und preist mich glcklich, wofern ihr
  Eure Meinung nicht ndert. Da sie ihn aber besahen,
  War er schrecklich verbrannt, es fielen die Haare herunter,
  Und die Haut verschrumpft' ihm am Leib. Ein Grauen befiel sie,
  Niemand wollte zur Kche, sie liefen und lieen ihn stehen.
  Herr, die Gierigen mein ich hiermit. Solange sie mchtig
  Sind, verlangt sie ein jeder zu seinem Freunde zu haben.
  Stndlich sieht man sie, sie tragen das Fleisch in dem Munde.
  Wer sich nicht nach ihnen bequemt, der mu es entgelten,
  Loben mu man sie immer, so bel sie handeln, und also
  Strkt man sie nur in strflicher Tat. So tut es ein jeder,
  Der nicht das Ende bedenkt. Doch werden solche Gesellen
  fters gestraft, und ihre Gewalt nimmt ein trauriges Ende.
  Niemand leidet sie mehr, so fallen zur Rechten und Linken
  Ihnen die Haare vom Leibe. Das sind die vorigen Freunde,
  Gro und klein, sie fallen nun ab und lassen sie nackend;
  So wie smtliche Hunde sogleich den Gesellen verlieen,
  Als sie den Schaden bemerkt und seine geschndete Hlfte.
  Gndiger Herr, Ihr werdet verstehn, von Reineken soll man
  Nie so reden, es sollen die Freunde sich meiner nicht schmen.
  Euer Gnaden dank ich aufs beste, und knnt ich nur immer
  Euren Willen erfahren, ich wrd ihn gerne vollbringen.

  Viele Worte helfen uns nichts, versetzte der Knig:
  Alles hab ich gehrt und, was Ihr meinet, verstanden.
  Euch, als edlen Baron, Euch will ich im Rate wie vormals
  Wiedersehen, ich mach Euch zur Pflicht, zu jeglicher Stunde
  Meinen geheimen Rat zu besuchen. So bring ich Euch wieder
  Vllig zu Ehren und Macht, und Ihr verdient es, ich hoffe.
  Helfet alles zum besten wenden. Ich kann Euch am Hofe
  Nicht entbehren, und wenn Ihr die Weisheit mit Tugend verbindet,
  So wird niemand ber Euch gehn und schrfer und klger
  Rat und Wege bezeichnen. Ich werde knftig die Klagen
  ber Euch weiter nicht hren. Und Ihr sollt immer an meiner
  Stelle reden und handeln als Kanzler des Reiches. Es sei Euch
  Also mein Siegel befohlen, und was Ihr tuet und schreibet,
  Bleibe getan und geschrieben.--So hat nun Reineke billig
  Sich zu groen Gunsten geschwungen, und alles befolgt man,
  Was er rt und beschliet, zu Frommen oder zu Schaden.

  Reineke dankte dem Knig und sprach: Mein edler Gebieter,
  Zu viel Ehre tut Ihr mir an, ich will es gedenken,
  Wie ich hoffe Verstand zu behalten. Ihr sollt es erfahren.

  Wie es dem Wolf indessen erging, vernehmen wir krzlich.
  berwunden lag er im Kreise und bel behandelt,
  Weib und Freunde gingen zu ihm und Hinze, der Kater,
  Braun, der Br, und Kind und Gesind und seine Verwandten.
  Klagend legten sie ihn auf eine Bahre, man hatte
  Wohl mit Heu sie gepolstert, ihn warm zu halten, und trugen
  Aus dem Kreis ihn heraus. Man untersuchte die Wunden,
  Zhlete sechsundzwanzig; es kamen viele Chirurgen,
  Die sogleich ihn verbanden und heilende Tropfen ihm reichten.
  Alle Glieder waren ihm lahm. Sie rieben ihm gleichfalls
  Kraut ins Ohr, er nieste gewaltig von vornen und hinten.
  Und sie sprachen zusammen: Wir wollen ihn salben und baden;
  Trsteten solchergestalt des Wolfes traurige Sippschaft,
  Legten ihn sorglich zu Bette, da schlief er, aber nicht lange,
  Wachte verworren und kmmerte sich, die Schande, die Schmerzen
  Setzten ihm zu, er jammerte laut und schien zu verzweifeln;
  Sorglich wartete Gieremund sein, mit traurigem Mute,
  Dachte den groen Verlust. Mit mannigfaltigen Schmerzen
  Stand sie, bedauerte sich und ihre Kinder und Freunde,
  Sah den leidenden Mann, er konnt es niemals verwinden,
  Raste vor Schmerz, der Schmerz war gro und traurig die Folgen.

  Reineken aber behagte das wohl, er schwatzte vergnglich
  Seinen Freunden was vor und hrte sich preisen und loben.
  Hohen Mutes schied er von dannen. Der gndige Knig
  Sandte Geleite mit ihm und sagte freundlich zum Abschied:
  Kommt bald wieder! Da kniete der Fuchs am Throne zur Erden,
  Sprach: Ich dank Euch von Herzen und meiner gndigen Frauen,
  Eurem Rate, den Herren zusamt. Es spare, mein Knig,
  Gott zu vielen Ehren Euch auf, und was Ihr begehret,
  Tu ich gern, ich lieb Euch gewi und bin es Euch schuldig.
  Jetzo, wenn Ihrs vergnnt, gedenk ich nach Hause zu reisen,
  Meine Frau und Kinder zu sehn, sie warten und trauren.

  Reiset nur hin, versetzte der Knig: und frchtet nichts weiter.
  Also machte sich Reineke fort, vor allen begnstigt.
  Manche seines Gelichters verstehen dieselbigen Knste,
  Rote Brte tragen nicht alle; doch sind sie geborgen.

  Reineke zog mit seinem Geschlecht, mit vierzig Verwandten,
  Stolz von Hofe, sie waren geehrt und freuten sich dessen.
  Als ein Herr trat Reineke vor, es folgten die andern.
  Frohen Mutes erzeigt' er sich da, es war ihm der Wedel
  Breit geworden, er hatte die Gunst des Knigs gefunden.
  War nun wieder im Rat und dachte, wie er es nutzte.
  Wen ich liebe, dem frommts, und meine Freunde genieens,
  Also dacht er: die Weisheit ist mehr als Gold zu verehren.

  So begab sich Reineke fort, begleitet von allen
  Seinen Freunden, den Weg nach Malepartus, der Feste.
  Allen zeigt' er sich dankbar, die sich ihm gnstig erwiesen,
  Die in bedenklicher Zeit an seiner Seite gestanden.
  Seine Dienste bot er dagegen; sie schieden und gingen
  Zu den Seinigen jeder, und er in seiner Behausung
  Fand sein Weib, Frau Ermelyn, wohl: sie grt' ihn mit Freuden,
  Fragte nach seinem Verdru, und wie er wieder entkommen.
  Reineke sagte: Gelang es mir doch! ich habe mich wieder
  In die Gunst des Knigs gehoben, ich werde wie vormals
  Wieder im Rate mich finden, und unserm ganzen Geschlechte
  Wird es zur Ehre gedeihn. Er hat mich zum Kanzler des Reiches
  Laut vor allen ernannt und mir das Siegel befohlen.
  Alles, was Reineke tut und schreibt, es bleibet fr immer
  Wohlgetan und geschrieben, das mag sich jeglicher merken!

  Unterwiesen hab ich den Wolf in wenig Minuten,
  Und er klagt mir nicht mehr. Geblendet ist er, verwundet
  Und beschimpft sein ganzes Geschlecht; ich hab ihn gezeichnet!
  Wenig ntzt er knftig der Welt. Wir kmpften zusammen,
  Und ich hab ihn untergebracht. Er wird mir auch schwerlich
  Wieder gesund. Was liegt mir daran? Ich bleibe sein Vormann,
  Aller seiner Gesellen, die mit ihm halten und stehen.

  Reinekens Frau vergngte sich sehr; so wuchs auch den beiden
  Kleinen Knaben der Mut bei ihres Vaters Erhhung.
  Untereinander sprachen sie froh: Vergngliche Tage
  Leben wir nun, von allen verehrt, und denken indessen
  Unsre Burg zu befestgen und heiter und sorglos zu leben.

  Hochgeehrt ist Reineke nun! Zur Weisheit bekehre
  Bald sich jeder und meide das Bse, verehre die Tugend!
  Dieses ist der Sinn des Gesangs, in welchem der Dichter
  Fabel und Wahrheit gemischt, damit ihr das Bse vom Guten
  Sondern mget und schtzen die Weisheit, damit auch die Kufer
  Dieses Buchs vom Laufe der Welt sich tglich belehren.
  Denn so ist es beschaffen, so wird es bleiben, und also
  Endigt sich unser Gedicht von Reinekens Wesen und Taten.
  Uns verhelfe der Herr zur ewigen Herrlichkeit! Amen.









End of Project Gutenberg's Reineke Fuchs, by Johann Wolfgang von Goethe

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