The Project Gutenberg eBook, Gespenster, by Henrik Ibsen, Translated by M.
von Borch


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Title: Gespenster
       Ein Familiendrama in drei Aufzgen


Author: Henrik Ibsen



Release Date: July 27, 2007  [eBook #22159]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GESPENSTER***


E-text prepared by Norbert H. Langkau, Jana Srna, and the Project
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Transcriber's note:

   Text enclosed by equal signs was in bold face (example: =bold=).





GESPENSTER

Ein Familiendrama in drei Aufzgen

von

HENRIK IBSEN

Aus dem Norwegischen  von M. von Borch







Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
Alle Rechte vorbehalten.

Den Bhnen und Vereinen gegenber Manuskript.


Das Auffhrungsrecht ist zu erwerben durch den Verlag Felix
Bloch Erben, Berlin-Wilmersdorf, Nikolsburgerplatz 3.


Vertretung im Auslande:

Fr Dnemark,  Norwegen: Folmer Hansen,
Kopenhagen, _B. Ny Christiansborg Kalvebod Brygge No. 2_.

Fr Holland und Kolonien: _Bureau voor Auteursrecht op
Tooneelwerken met Muziek_ (Internationales Bureau fr Auffhrungs-und
Urheberrecht), Jan Willem Brouwersplein29, Amsterdam.

Fr ֠sterreich: _Dr._O.F.Eirich, WienII,
38Praterstrae.

Fr Schweden: O.Wijkander, Kniglicher Hof-Intendant,
Stockholm, Beridarebansgatan17.

Fr Ungarn: _Dr._O.F.Eirich, Savanyukut, Ungarn.




Gespenster.




Personen:

=Frau Helene Alving=, Witwe des Hauptmanns und Kammerherrn Alving.

=Oswald Alving=, Maler, ihr Sohn.

=Pastor Manders.=

=Tischler Engstrand.=

=Regine Engstrand=, im Hause bei Frau Alving.

Ort der Handlung auf Frau Alvings Besitzung an einem groen Fjord im
westlichen Norwegen.




Erster Aufzug.


Ein gerumiges Gartenzimmer
mit einer Thr auf der linken Seitenwand und zwei Thren auf der rechten
Wand. In der Mitte des Zimmers ein runder Tisch, um diesen Sthle; auf
dem Tische liegen Bcher, Zeitschriften und Zeitungen. Im Vordergrunde
links ein Fenster, an diesem ein kleines Sopha, vor dem ein Nhtisch
steht. Den Hintergrund bildet ein offenes, schmleres Blumenzimmer, das
nach auen durch Glaswnde mit groen Scheiben abgeschlossen wird. Auf
der rechten Seitenwand des Blumenzimmers befindet sich eine Thr, die
zum Garten hinunter fhrt. Durch die Glaswnde unterscheidet man eine
dstere Fjordlandschaft, welche durch einen gleichmigen Regen
verschleiert wird.

=Tischler Engstrand= steht oben an der Gartenthr. Sein linkes Bein ist
etwas krumm; unter der Stiefelsohle hat er einen Holzklotz. =Regine= mit
einer leeren Blumenspritze in der Hand hindert ihn am Nherkommen.

=Regine= (mit gedmpfter Stimme). Was willst du? Rhr' dich nicht von
der Stelle. Du triefst ja von Regen.

=Engstrand.= Das ist ja der Regen unseres Herrgotts, mein Kind.

=Regine.= Des Teufels Regen ist es.

=Engstrand.= Wie du doch sprichst, Regine. (Hinkt ein paar Schritte
weiter ins Zimmer hinein.) Ja, das war es, was ich sagen wollte -- --

=Regine.= Sto nicht so mit dem Fue auf, Mensch! Der junge Herr liegt
oben und schlft.

=Engstrand.= Jetzt liegt er und schlft? Am helllichten Tage?

=Regine.= Das kmmert dich nicht.

=Engstrand.= Ich war gestern Abend auf einem Gelage --

=Regine.= Das glaube ich gern.

=Engstrand.= Ja, denn wir Menschen sind schwach, mein Kind --

=Regine=. Ja, das sind wir wirklich.

=Engstrand.= -- -- und der Versuchungen sind gar viele auf dieser Welt,
siehst du --; und doch stand ich -- Gott wei es -- heute Morgen schon
um halb sechs Uhr bei meiner Arbeit.

=Regine.= Schon gut, schon gut, mach' jetzt nur, da du fort kommst. Ich
mag hier nicht stehen und Rendezvous mit dir haben.

=Engstrand.= Was magst du nicht haben?

=Regine.= Ich mag nicht, da irgend jemand dich hier trifft. Also, geh'
deiner Wege.

=Engstrand= (kommt ein paar Schritte nher). Bei Gott, ich gehe nicht,
bevor ich nicht mit dir gesprochen habe. -- Heute Nachmittag werde ich
mit meiner Arbeit da unten im Schulhause fertig, und dann fahre ich noch
diese Nacht mit dem Dampfschiff in die Stadt und nach Hause.

=Regine= (murmelt). Glckliche Reise!

=Engstrand.= Dank dir, mein Kind. -- Morgen soll ja das Asyl eingeweiht
werden, und da wird es wahrscheinlich berauschende Getrnke in Hlle und
Flle geben, siehst du. Und niemand soll Jacob Engstrand nachsagen, da
er nicht widerstehen kann, wenn die Versuchung kommt.

=Regine.= O ho!

=Engstrand.= Ja, denn morgen kommen hier eine Menge feiner Leute
zusammen. Pastor Manders wird ja auch aus der Stadt erwartet.

=Regine.= Er kommt schon heute.

=Engstrand.= Da siehst du's also. Und nun wirst du auch wohl begreifen,
da ich ihm keine Ursache geben will, mir etwas nachzureden.

=Regine.= So liegen die Dinge also!

=Engstrand.= Was liegt?

=Regine= (sieht ihn fest an). Wozu willst du Pastor Manders jetzt schon
wieder verleiten?

=Engstrand.= Stille! Stille! Bist du verrckt? Wozu ich Pastor Manders
verleiten will? O nein, dazu ist Pastor Manders viel zu gtig gegen
mich gewesen. -- Aber siehst du, ich wollte mit dir darber sprechen,
da ich nun diese Nacht wieder nach Hause reise.

=Regine.= Meinetwegen. Je frher, je besser.

=Engstrand.= Ja, aber ich will dich mit haben, Regine.

=Regine= (mit offenem Munde). Mich mit haben -- --? Was sagst du?

=Engstrand.= Ich sage, da ich dich mit nach Hause haben will.

=Regine= (hhnisch). Nie und nimmer bekommst du mich nach Hause!

=Engstrand.= O, das werden wir doch sehen!

=Regine.= Ja; du kannst sicher sein, da wir das sehen werden. Ich,
die ich bei der Kammerherrin Alving aufgewachsen bin? -- Ich, die ich
hier beinahe wie das Kind vom Hause gehalten worden bin? Ich sollte
mit dir nach Hause gehen? In ein solches Heim? Pfui!

=Engstrand.= Was zum Teufel ist das? Widersetzest du dich deinem
Vater, Mdchen?

=Regine= (murmelt, ohne ihn anzublicken). Du hast oft genug gesagt, da
ich dich nichts angehe.

=Engstrand.= Bah; was kmmert dich das?

=Regine.= Hast du mich nicht gar manches liebe Mal beschimpft und
gesagt, ich sei ein --? Pfui!

=Engstrand.= Nein, nein, solch hliches Wort habe ich niemals
gebraucht.

=Regine.= O, ich wei noch, welches Wort du gebraucht hast.

=Engstrand.= Ja, hm! Das war aber nur, wenn ich berauscht war. Und es
giebt so viele Versuchungen auf dieser Welt, Regine.

=Regine.= Mir graut.

=Engstrand.= Und dann geschah es auch immer nur, wenn deine Mutter
mrrisch war. Irgend etwas mute ich doch auch haben, um sie zu rgern,
mein Kind. Sie wollte immer so fein thun. (Nachahmend.) La mich,
Engstrand! La mich in Frieden! Ich habe drei Jahre bei Kammerherr
Alvings auf Rosenvold gedient, ich! (Lacht.) Gott bewahre! Sie konnte
niemals vergessen, da der Hauptmann Kammerherr wurde whrend sie hier
diente.

=Regine.= Arme Mutter! -- Sie hast du frh genug zu Tode gepeinigt.

=Engstrand= (sich aufrichtend). Ja, das versteht sich! Ich bin ja immer
an allem Schuld.

=Regine= (wendet sich ab, halblaut). Ah! -- Und dann das Bein!

=Engstrand.= Was sagst du, mein Kind?

=Regine.= _Pied de mouton._

=Engstrand.= Ist das englisch?

=Regine.= Ja.

=Engstrand=. Ja, ja; Unterricht hast du hier drauen genossen, und das
kann uns jetzt gut zu Statten kommen, Regine.

=Regine= (nach kurzem Schweigen). Und was hast du denn fr Absichten mit
mir in der Stadt?

=Engstrand.= Kannst du noch fragen, was ein Vater mit seinem einzigen
Kinde will? Bin ich nicht ein einsamer und verlassener Witwer?

=Regine.= O, mir komm' nur nicht mit solchem Gewsch. Weshalb
willst du mich durchaus hinein haben?

=Engstrand.= Ja; du mut nmlich wissen, da ich es mit etwas Neuem
versuchen will.

=Regine.= Das hast du schon oft genug versucht; aber es ging immer
schief.

=Engstrand.= Nun ja; aber dies Mal sollst du staunen, Regine! -- Der
Teufel soll mich holen -- --

=Regine= (stampft mit dem Fue). La das Fluchen!

=Engstrand.= Still, still! Darin hast du Recht, mein Kind! -- Ich wollte
dir also erzhlen, da ich bei der Arbeit an diesem neuen Asyl etwas
Geld auf die Seite gelegt habe.

=Regine.= Wirklich? Nun, das ist ja ein Glck fr dich.

=Engstrand.= Wofr kann man denn auch hier auf dem Lande sein Geld
ausgeben?

=Regine.= Nun, und weiter?

=Engstrand.= Ja, siehst du, da habe ich mir nun so gedacht, das Geld in
etwas Lohnendem anzulegen. So eine Art Wirthshaus fr Seeleute -- --

=Regine.= Ach, pfui!

=Engstrand.= Ein feines Wirthshaus, verstehst du; nicht solch eine
Spelunke fr Matrosen. Nein, Tod und Teufel, -- das soll fr
Schiffskapitne und Steuermnner und -- -- und andere feine Leute sein;
begreifst du?

=Regine.= Und was sollte ich dabei -- -- -- --?

=Engstrand.= Du solltest dabei helfen, ja. Nur so zum Schein, wie du
wohl denken kannst. Du solltest es beim Teufel nicht schwer haben, mein
Kind. Du solltest nur thun, was dir gefllt.

=Regine.= Ja wohl, ja!

=Engstrand.= Aber Frauenzimmer mssen wir im Hause haben, das ist doch
klar wie der Tag. Denn des Abends soll es lustig hergehen mit Gesang und
Tanz und dergleichen. Du mut verstehen, es sind ja reisende Seeleute
auf dem Weltenmeer. (Tritt nher.) Sei nun nicht dumm, Regine, und steh'
deinem Glck nicht selbst im Wege. Was kann denn hier drauen aus dir
werden? Kann es dir irgend etwas ntzen, da Frau Alving dich so viel
hat lernen lassen? Ich hre, da du auf die Kinder im neuen Asyl passen
sollst. Ist das vielleicht etwas fr dich? Hast du denn so groe Lust,
dich um der schmutzigen Rangen willen mde und krank zu arbeiten?

=Regine.= Nein; wenn es ginge, wie ich mchte, so -- -- --. Nun, das
kann noch kommen! Das kann noch kommen!

=Engstrand.= Was kann kommen?

=Regine.= Das kmmert dich nicht. -- Hast du dir hier drauen viel Geld
erspart?

=Engstrand.= Alles in allem knnen es so gegen 7 bis 800Kronen sein.

=Regine.= Das ist nicht bel.

=Engstrand.= Es ist genug, um etwas damit anzufangen, mein Kind.

=Regine.= Und denkst du gar nicht daran, mir etwas von dem Gelde zu
geben?

=Engstrand.= Nein, Gott wei, da ich nicht daran denke, nein.

=Regine.= Nicht einmal so viel wie ein armseliges Kleid wirst du mir
schicken?

=Engstrand.= Komm nur mit mir in die Stadt, und du kannst so viele
Kleider haben wie du willst.

=Regine.= Bah! Wenn ich dazu Lust htte, so knnte ich es auch auf
eigene Hand thun.

=Engstrand.= Nein, an der fhrenden Hand eines Vaters geht das besser,
Regine. Ich kann jetzt in der Kleinen Hafengasse ein hbsches Haus
bekommen. Dazu gehrt nicht viel baares Geld; und das knnte so eine
Art von Seemannsheim werden; siehst du?

=Regine.= Aber ich will nicht zu dir gehen! Ich habe nichts mit dir
zu schaffen. Geh' doch!

=Engstrand.= Zum Teufel! Du wrdest auch nicht lange bei mir bleiben,
mein Kind. So gut wrde es nicht kommen! Wenn du nur verstndest dich
zu benehmen. So hbsch wie du in dem letzten Jahr geworden bist -- --

=Regine.= Nun? -- -- --

=Engstrand.= Da kme dann bald ein Steuermann -- -- ja, vielleicht gar
ein Kapitn -- --

=Regine.= So einen heirathe ich nicht. Die Seeleute haben kein _Savoir
vivre_.

=Engstrand.= Was haben sie nicht?

=Regine.= Ich sage, da ich die Seeleute kenne. Das sind keine Menschen
zum heirathen.

=Engstrand.= So la das Heirathen. Es kann sich auch anderweitig lohnen.
(Vertraulicher.) Er -- -- der Englnder -- mit der Vergngungsyacht --
er gab 300Speziesthaler; und sie war nicht hbscher als du.

=Regine= (ihm entgegen). Hinaus mit dir!

=Engstrand= (weicht zurck). Nun, nun; du willst doch nicht schlagen?

=Regine.= Ja! Wenn du ber die Mutter sprichst, so schlage ich zu!
Hinaus mit dir, sage ich! (Treibt ihn hinauf zur Gartenthr.) Und wirf
die Thr nicht ins Schlo; der junge Herr Alving -- -- --

=Engstrand.= Schlft, ja, das wei ich. Es ist doch sonderbar, wie du
dich um den jungen Herrn Alving kmmerst! -- -- (Leise.) Hoho; es ist
doch am Ende nicht gar er, der -- -- -- --?

=Regine.= Hinaus! und das schnell! Du mut verrckt sein, Mensch! Nein,
nicht den Weg. Da kommt Pastor Manders. Ueber die Kchentreppe mit
dir.

=Engstrand= (nach rechts). Ja, ja, ich gehe schon. Aber sprich du mit
dem, der da kommt. Er ist der Mann um dir zu sagen, was ein Kind
seinem Vater schuldig ist. Denn ich bin nun doch einmal dein Vater,
siehst du. Das kann ich aus dem Kirchenbuch beweisen. (Er geht durch die
zweite Thr ab, die Regine geffnet hat und wieder hinter ihm schliet.)

=Regine= (sieht hastig in den Spiegel, fchelt sich mit dem Taschentuch
und zupft an der Cravatte, dann beschftigt sie sich wieder mit den
Blumen).

=Pastor Manders= (im Ueberrock mit Regenschirm, eine kleine Reisetasche
an einem Riemen ber die Schulter gehngt, tritt durch die Gartenthr
ins Blumenzimmer). Guten Tag, Jungfer Engstrand.

=Regine= (wendet sich freudig berrascht um). Nein, seht doch! Guten
Tag, Herr Pastor! Ist das Dampfschiff denn schon angekommen?

=Pastor Manders.= Es ist gerade angekommen. (Geht ins Gartenzimmer.)
Dies unaufhrliche Regenwetter ist doch recht rgerlich.

=Regine= (geht ihm nach). Es ist aber ein gesegnetes Wetter fr den
Landmann, Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Ja, darin haben Sie gewi Recht. Wir Leute aus der
Stadt denken so wenig daran. (Fngt an den Ueberrock abzulegen.)

=Regine.= Kann ich nicht helfen? -- -- So! -- Nein, wie na er ist! Ich
will ihn nur im Vorzimmer aufhngen. Und dann der Regenschirm --; den
werde ich zum trocknen aufspannen. (Geht mit den Sachen durch die zweite
Thr rechts ab. Pastor Manders nimmt die Reisetasche ab und legt diese
sammt seinem Hute auf einen Stuhl. Inzwischen kommt Regine wieder
herein.)

=Pastor Manders.= Ah, es thut wohl, unter Dach und Fach zu kommen. Nun?
Hier auf dem Hofe steht doch alles gut?

=Regine.= Ja, ich danke.

=Pastor Manders.= Aber viel zu thun fr den morgenden Tag; wie?

=Regine.= O ja, wir haben viel Arbeit.

=Pastor Manders.= Und Frau Alving ist hoffentlich zu Hause?

=Regine.= Gewi, gewi; sie ist augenblicklich oben und bringt dem
jungen Herrn die Chocolade.

=Pastor Manders.= Ja, sagen Sie mir -- ich hrte unten an der
Landungsbrcke, da Oswald nach Hause gekommen sei.

=Regine.= Ja, er kam schon vorgestern. Wir erwarteten ihn erst heute.

=Pastor Manders.= Und hoffentlich frisch und gesund?

=Regine.= Gewi; ich danke fr die Nachfrage. Er ist nur sehr ermdet
von der Reise, denn er ist ohne Aufenthalt von Paris hierher gefahren
--; ich glaube beinahe, er hat den Zug auf der ganzen Fahrt nicht einmal
gewechselt. Jetzt schlft er wohl ein wenig, deshalb mssen wir leise
sprechen.

=Pastor Manders.= Also leise, leise.

=Regine= (indem sie einen Lehnstuhl an den Tisch schiebt). Herr Pastor,
wollen Sie sich nicht setzen und sich's bequem machen? (Er setzt sich,
sie schiebt einen Schemel unter seine Fe.) So! Ist es so recht, Herr
Pastor?

=Pastor Manders.= Danke! Danke; ich sitze hier vortrefflich. (Betrachtet
sie.) Wissen Sie, Jungfer Engstrand, ich glaube fast, Sie sind
gewachsen, seitdem ich Sie zuletzt gesehen habe.

=Regine.= Glauben Sie, Herr Pastor? Die gndige Frau sagt, da ich auch
strker geworden bin.

=Pastor Manders.= Strker geworden? Nun ja, vielleicht ein wenig; --
grade hinlnglich. (Kurze Pause.)

=Regine.= Soll ich Frau Alving vielleicht rufen?

=Pastor Manders.= Danke, danke, es eilt nicht, mein liebes Kind. -- Nun,
und sagen Sie mir jetzt, meine gute Regine, wie es Ihrem Vater hier
drauen geht.

=Regine.= Besten Dank, Herr Pastor, es geht ihm ziemlich gut.

=Pastor Manders.= Als er das letzte Mal in der Stadt war, hat er mich
besucht.

=Regine.= Wirklich? Er ist immer so froh, wenn er mit dem Herrn Pastor
reden darf.

=Pastor Manders.= Und Sie gehen jetzt wohl fleiig zu ihm hinber?

=Regine.= Ich? -- Ja, gewi, wenn ich Zeit dazu habe --

=Pastor Manders.= Ihr Vater ist kein starker Mensch, Jungfer Engstrand.
Er braucht eine leitende Hand so nothwendig.

=Regine.= O ja, das mu ich zugeben!

=Pastor Manders.= Er braucht jemanden um sich, den er lieb hat, auf
dessen Urtheil er Gewicht legen kann. Er selbst gestand das so
treuherzig zu, als er das letzte Mal bei mir war.

=Regine.= Ja, mir hat er dergleichen auch vorgeredet. Aber ich wei
nicht, ob Frau Alving mich entbehren kann, besonders jetzt, wo wir all
die Arbeit mit dem neuen Asyl haben werden. Und dann wird es mir auch so
schwer, Frau Alving zu verlassen, denn sie war immer so gtig gegen
mich.

=Pastor Manders.= Aber die Kindespflicht, mein gutes Mdchen --.
Natrlich mten wir zuerst die Einwilligung Ihrer Gebieterin haben.

=Regine.= Ich wei nicht, ob es sich fr mich pat, -- in meinem Alter
-- den Haushalt eines einzelnen Mannes zu fhren.

=Pastor Manders.= Aber liebe Jungfer Engstrand, es ist ja Ihr eigener
Vater, von dem hier die Rede ist!

=Regine.= Ja, das mag sein, -- aber trotzdem! -- Ja, wenn ich in ein
gutes Haus und zu einem wirklich anstndigen Herrn kommen knnte --
-- --

=Pastor Manders.= Aber, meine liebe Regine -- --

=Regine.= -- -- zu einem, fr den ich Hingebung hegen und wie zu einem
Vater aufblicken knnte -- --

=Pastor Manders.= Ja -- aber mein liebes, gutes Kind -- --

=Regine.= Denn ich mchte wohl gern hinein in die Stadt. Hier drauen
ist es ja so schrecklich einsam, -- und Herr Pastor, Sie wissen doch
selbst, was es heit, einsam in der Welt dazustehen. Ich darf wohl
sagen, da ich flink und fleiig bin und den besten Willen habe. Wissen
Sie nicht eine solche Stelle fr mich, Herr Pastor?

=Pastor Manders.= Ich?? Nein wahrhaftig nicht.

=Regine.= Aber lieber, lieber Herr Pastor, -- denken Sie auf alle Flle
an mich, wenn, wenn -- -- --

=Pastor Manders= (erhebt sich). Gewi, das werde ich thun, Jungfer
Engstrand.

=Regine.= Ja, denn wenn ich -- -- --

=Pastor Manders.= Wollen Sie jetzt nicht Frau Alving holen?

=Regine.= Sie wird gleich kommen, Herr Pastor. (Nach links ab.)

=Pastor Manders= (geht ein paar Mal im Zimmer auf und ab; steht dann
einige Augenblicke mit den Hnden auf dem Rcken im Hintergrunde und
sieht in den Garten hinaus. Darauf kommt er wieder an den Tisch, nimmt
ein Buch und sieht das Titelblatt an, stutzt, sieht dann noch mehre an).
Hm, -- ja, ja!

(=Frau Alving= tritt durch die Thr links ein. Ihr folgt =Regine=,
welche sofort wieder durch die vordere Thr rechts abgeht.)

=Frau Alving= (streckt ihm die Hand entgegen). Willkommen, Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Guten Tag, Frau Alving. Hier bin ich, wie ich es
versprochen habe.

=Frau Alving.= Stets mit dem Glockenschlag!

=Pastor Manders.= Aber Sie knnen mir glauben, da es mir schwer
geworden ist, fort zu kommen. All diese gesegneten Commissionen und
Aemter, in denen ich sitze -- --

=Frau Alving.= Desto liebenswrdiger ist es von Ihnen, da Sie so frh
gekommen sind. Jetzt knnen wir unsere Geschfte noch vor dem
Mittagessen erledigen. Aber wo ist Ihr Koffer?

=Pastor Manders= (schnell). Mein Gepck ist unten beim Landkrmer. Ich
werde bei ihm bernachten.

=Frau Alving= (unterdrckt ein Lcheln). Sind Sie wirklich auch dieses
Mal nicht zu bewegen, in meinem Hause zu bernachten?

=Pastor Manders.= Nein, nein, Frau Alving; ich danke Ihnen bestens; ich
bleibe wie gewhnlich da unten. Es ist so bequem fr mich, wenn ich
wieder an Bord gehe.

=Frau Alving.= Nun, Sie sollen Ihren Willen haben. Aber mich sollte doch
dnken, da wir beiden alten Leute -- --

=Pastor Manders.= Gott bewahre mich, wie Sie nur scherzen! Ja, Sie sind
heute natrlich so unendlich froh. Einerseits der morgende Festtag --
und dann ist ja auch Oswald heimgekehrt.

=Frau Alving.= Ja, denken Sie nur, wie glcklich ich bin! Vor zwei
Jahren war er zum letzten Mal zu Hause. Und jetzt hat er versprochen,
den ganzen Winter bei mir zu bleiben.

=Pastor Manders.= In der That? Das ist schn und kindlich von ihm. Denn
das Leben in Rom und Paris mu doch eigentlich mehr Anziehungskraft fr
ihn haben, als dies ruhige Dasein hier zu Hause.

=Frau Alving.= Ja, aber sehen Sie, hier zu Hause hat er seine
Mutter! O mein lieber, gesegneter Junge, -- er hat noch ein Herz
fr seine Mutter!

=Pastor Manders.= Nun, es wre aber auch zu traurig, wenn die Trennung
und die Beschftigung mit der Kunst im Stande wren, die natrlichsten
Gefhle zu ertdten.

=Frau Alving.= Ja, da haben Sie Recht. Aber Gott sei Dank, mit ihm hat
es keine Noth. Jetzt bin ich aber begierig, ob Sie ihn wieder erkennen
werden. Er mu gleich kommen; er liegt nur noch ein wenig auf dem Sopha,
um auszuruhen. -- Aber setzen Sie sich, mein lieber Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Danke. Es kommt Ihnen also gelegen -- --?

=Frau Alving.= Ja, gewi! (Setzt sich an den Tisch.)

=Pastor Manders.= Gut; jetzt sollen Sie also sehen -- (Geht an den
Stuhl, auf welchem die Reisetasche liegt, nimmt ein Paquet Papiere aus
derselben, setzt sich an das entgegengesetzte Ende des Tisches und sucht
einen leeren Platz fr seine Papiere.) Hier haben wir also erstens -- --
(Unterbricht sich.) Sagen Sie mir, Frau Alving, wie kommen diese
Bcher hier her?

=Frau Alving.= Diese Bcher? Das sind Bcher, welche ich lese.

=Pastor Manders.= Lesen Sie solche Schriften?

=Frau Alving.= Ja, gewi thue ich das.

=Pastor Manders.= Und fhlen Sie, da Sie durch diese Lectre besser
oder glcklicher werden?

=Frau Alving.= Mir ist, als wrde ich ruhiger.

=Pastor Manders.= Das ist merkwrdig. Wie das?

=Frau Alving.= Ja, denn ich erhalte dort gleichsam Erklrung und
Bekrftigung dessen, was ich oft selbst gedacht habe. Denn das ist das
seltsame, Pastor Manders, -- es steht eigentlich durchaus nichts neues
in diesen Bchern; es steht nichts anderes darin als das, was die
meisten Menschen selbst gedacht und geglaubt haben. Es ist nur, da die
meisten Menschen sich nicht klar darber werden oder nichts davon wissen
wollen.

=Pastor Manders.= O du mein Gott! Glauben Sie in allem Ernst, da die
meisten Menschen -- --?

=Frau Alving.= Ja, gewi glaube ich das.

=Pastor Manders.= Aber doch nicht hier bei uns zu Lande? Nicht hier bei
uns?

=Frau Alving.= O gewi, auch hier bei uns!

=Pastor Manders.= Nun, da mu ich aber sagen --!

=Frau Alving.= Aber was haben Sie denn eigentlich gegen diese Bcher
einzuwenden?

=Pastor Manders.= Einzuwenden? Sie glauben doch wohl nicht, da ich mich
damit beschftige, solche Erzeugnisse durch zu studiren.

=Frau Alving.= Das heit also, Sie kennen nicht einmal, was Sie
verdammen?

=Pastor Manders.= Ich habe hinlnglich ber diese Schriften gelesen,
um sie zu mibilligen.

=Frau Alving.= Ja, aber Ihre eigene Meinung -- --

=Pastor Manders.= Beste Frau, es giebt gar manche Flle im Leben, wo man
sich auf Andere verlassen mu. Es ist nun einmal so auf dieser Welt; und
es ist gut, da es so ist. Wie sollte es sonst mit der menschlichen
Gesellschaft werden?

=Frau Alving.= Ja, ja, darin mgen Sie Recht haben.

=Pastor Manders.= Uebrigens lugne ich gar nicht, da dergleichen
Schriften manches Anziehende enthalten knnen. Und ich verdenke es Ihnen
auch gar nicht, wenn Sie sich mit den geistigen Strmungen bekannt zu
machen wnschen, welche drauen in der groen Welt vor sich gehen, wie
ich hre, -- und wo Sie Ihren Sohn so lange umher ziehen lieen. Aber --
--

=Frau Alving.= Aber --?

=Pastor Manders= (spricht leiser). Aber man spricht nicht darber, Frau
Alving. Man braucht doch wahrhaftig nicht Allen und Jedem Rechenschaft
ber das abzulegen, was man innerhalb seiner vier Wnde liest oder
denkt.

=Frau Alving.= Nein, gewi nicht; dieser Ansicht bin ich auch.

=Pastor Manders.= Bedenken Sie doch nur, welche Rcksichten Sie diesem
Asyl schulden, das Sie zu errichten beschlossen zu einer Zeit, als Ihre
Ansichten ber geistige Dinge so grundverschieden waren von Ihren
jetzigen; -- so weit ich es zu beurtheilen vermag.

=Frau Alving.= Ja, ja, das rume ich vollkommen ein. Aber wir wollten ja
vom Asyl -- -- --

=Pastor Manders.= Wir wollten vom Asyl reden, ja. Also -- Vorsicht,
beste Frau! Und nun gehen wir zu den Geschften ber. (Oeffnet den
Umschlag und nimmt eine Anzahl Papiere heraus.) Sehen Sie diese hier?

=Frau Alving.= Sind das die Documente?

=Pastor Manders.= Ja, und in vollkommenster Ordnung. Sie knnen glauben,
es hat schwer gehalten, sie zu rechter Zeit zu bekommen. Ich habe
frmlich eine Pression ben mssen. Die Behrden sind beinahe peinlich
gewissenhaft, wo es sich um Entscheidungen handelt. (Sucht in dem
Papierbndel.) Sehen Sie, hier ist die gerichtlich besttigte
Uebergabsurkunde des Gehftes Solvik, Vorwerk des Ritterguts Rosenvold,
mit den darauf befindlichen Neubauten an Husern, Schullokalen,
Lehrerwohnung und Kapelle. Und hier ist die Anerkennung der Legate und
Stiftungsurkunde. Wollen Sie geflligst sehen -- (Liest.) Die Statuten
des Kinderasyls Zu Hauptmann Alvings ewigem Gedchtnis --

=Frau Alving= (blickt lange auf das Papier). -- Also das ist es.

=Pastor Manders.= Ich habe die Bezeichnung Hauptmann und nicht
Kammerherr gewhlt. Hauptmann klingt prunkloser.

=Frau Alving.= Ja, ja; ganz wie Sie meinen.

=Pastor Manders.= Und hier ist das Sparkassebuch ber das rententragende
Kapital, welches ausgesetzt ist, um die Betriebskosten des Asyls zu
decken.

=Frau Alving.= Besten Dank; aber haben Sie die Gte, es der
Bequemlichkeit wegen zu behalten.

=Pastor Manders.= Sehr gern. Ich halte es fr das Beste, wenn wir das
Geld vorlufig in der Sparkasse liegen lassen. Der Zinsfu ist zwar
nicht sehr verlockend, vier Procent bei sechsmonatlicher Kndigung. Wenn
man dann spter zu einer guten Pfandobligation kommen knnte, -- es mte
natrlich erste Prioritt und ein Papier von unzweifelhafter Sicherheit
sein, -- so knnten wir weiter darber reden.

=Frau Alving.= Ja, ja, lieber Pastor Manders, alles das verstehn Sie am
besten.

=Pastor Manders.= Auf alle Flle werde ich die Augen offen halten. --
Und nun noch etwas, ber das ich schon mehre Mal mit Ihnen sprechen
wollte.

=Frau Alving.= Und das wre?

=Pastor Manders.= Soll das Asylgebude versichert werden oder nicht?

=Frau Alving.= Gewi mu es versichert werden.

=Pastor Manders.= Sachte, sachte, beste Frau. Betrachten wir die Sache
ein wenig nher.

=Frau Alving.= Ich habe stets alles versichert, sowohl die Gebude und
den Hausrath wie auch die Scheunenvorrthe und die Ackergerthschaften.

=Pastor Manders.= Selbstverstndlich. Auf Ihrer eigenen Besitzung. Das
thue auch ich natrlicherweise. Aber sehen Sie, hier ist es eine ganz
andere Sache. Das Asyl soll doch gleichsam einer hheren Lebensaufgabe
geweiht sein.

=Frau Alving.= Ja, aber deshalb -- --

=Pastor Manders.= Fr meine eigene Person wrde ich natrlich nicht das
Geringste darin finden, wenn wir uns gegen alle Mglichkeiten sichern --

=Frau Alving.= Nun, das sollte ich auch denken.

=Pastor Manders.= -- aber wie verhlt es sich mit der Stimmung des
Volkes hier in der Gegend? Diese mssen Sie ja besser kennen als ich.

=Frau Alving.= Hm -- die Stimmung --

=Pastor Manders.= Giebt es hier eine betrchtliche Anzahl von
Meinungsberechtigten -- von wirklich Meinungsberechtigten, die
Ansto daran nehmen knnten?

=Frau Alving.= Ja, was verstehen Sie denn eigentlich unter wirklich
Meinungsberechtigten?

=Pastor Manders.= Nun, ich denke in erster Reihe an Mnner, die so weit
in unabhngiger und einflureicher Stellung sind, da man nicht gut
unterlassen kann, ihrer Meinung ein gewisses Gewicht beizulegen.

=Frau Alving.= Deren giebt es hier Mehrere, die sich vielleicht daran
stoen knnten, wenn -- --

=Pastor Manders.= Nun, sehen Sie nur! In der Stadt haben wir eine ganze
Menge von dieser Sorte. Denken Sie nur an all die Anhnger meines
Amtsbruders! Man knnte wirklich leicht dahin kommen es so aufzufassen,
als wenn weder Sie, verehrte Frau, noch ich das rechte Vertrauen auf
eine Vorsehung htten.

=Frau Alving.= Aber was Sie anbetrifft, lieber Herr Pastor, so wissen
Sie doch fr alle Flle selbst, da -- --

=Pastor Manders.= Ja, ich wei, ich wei; -- ich habe meine gute
Ueberzeugung, das ist wahr. Aber trotzdem wrden wir eine falsche und
unvortheilhafte Auslegung nicht hindern knnen. Und diese knnte wieder
sehr leicht einen hemmenden Einflu auf die Thtigkeit des Asyls ben.

=Frau Alving.= Nun, wenn das der Fall wre, so -- --

=Pastor Manders.= Und ich kann mich auch nicht gnzlich der
unangenehmen, -- ja, ich kann sogar sagen peinlichen Stellung
verschlieen, in welche ich mglicherweise kommen knnte. In den
leitenden Kreisen der Stadt beschftigt man sich viel mit dieser
Asyl-Angelegenheit. Das Asyl ist ja auch theilweise zum Nutzen der Stadt
errichtet, und hoffentlich wird es in nicht unbetrchtlichem Mae dazu
dienen, unsere kommunalen Armen-Lasten zu erleichtern. Da ich nun aber
Ihr Rathgeber gewesen bin und den geschftlichen Theil der Sache gefhrt
habe, so mu ich befrchten, da die Eiferschtigen und Neider sich
zuerst gegen mich wenden wrden.

=Frau Alving.= Ja, dem sollen Sie sich nicht aussetzen.

=Pastor Manders.= Gar nicht zu reden von den Angriffen, welche gewisse
Bltter und Zeitschriften unzweifelhaft gegen mich richten wrden --

=Frau Alving.= Genug, lieber Pastor Manders; diese Rcksichten sind
entscheidend.

=Pastor Manders.= Sie wollen also nicht, da wir versichern?

=Frau Alving.= Nein, lassen wir es.

=Pastor Manders= (lehnt sich im Stuhl zurck). Aber wenn nun doch
einmal das Unglck hereinbrche? Man kann ja niemals wissen -- --.
Wrden Sie dann den Schaden wieder gut machen knnen?

=Frau Alving.= Nein. Das sage ich Ihnen grade heraus. Das knnte ich
nicht.

=Pastor Manders.= Ja, aber wissen Sie, Frau Alving, -- dann ist es
eigentlich eine bedenkliche Verantwortung, die wir auf uns laden.

=Frau Alving.= Aber meinen Sie denn, da wir anders knnen?

=Pastor Manders.= Nein, das ist grade die Sache; wir knnen
eigentlich nicht anders. Wir drfen uns doch nicht einer schiefen
Beurtheilung aussetzen; und wir drfen auch durchaus in der Gemeinde
kein Aergernis geben.

=Frau Alving.= Sie, als Priester, gewi nicht.

=Pastor Manders.= Und mich dnkt doch auch wirklich, wir drfen darauf
bauen, da das Glck einer solchen Anstalt hold ist, -- ja, da sie
unter einem besondern Schutz und Schirm steht.

=Frau Alving.= Hoffen wir es, Pastor Manders.

=Pastor Manders.= Wollen wir die Sache also auf sich beruhen lassen?

=Frau Alving.= Ja, gewi.

=Pastor Manders.= Gut. Wie Sie wollen. (Notirt.) Also -- nicht
versichern.

=Frau Alving.= Es ist brigens seltsam, da Sie grade heute ber diese
Angelegenheit sprachen -- --

=Pastor Manders.= Ich beabsichtigte schon oft, Sie darber zu befragen
--

=Frau Alving.= -- denn gestern htten wir drben beinahe eine
Feuersbrunst gehabt.

=Pastor Manders.= Ist das mglich!

=Frau Alving.= Es hatte brigens nichts auf sich. Einige Hobelspne in
der Tischlerwerksttte waren in Brand gerathen.

=Pastor Manders.= Dort, wo Engstrand arbeitet?

=Frau Alving.= Ja. Die Leute sagen, da er oft so unvorsichtig mit den
Zndhlzern umgeht.

=Pastor Manders.= Der Mann hat so viele Dinge in seinem Kopf, -- -- so
viele Anfechtungen. Gott sei Dank, wie ich hre, befleiigt er sich
jetzt indessen, ein tadelloses Leben zu fhren.

=Frau Alving.= So? Wer sagt das?

=Pastor Manders.= Er selbst hat mich das versichert. Und ein geschickter
Arbeiter ist er ja auch.

=Frau Alving.= O ja, so lange er nchtern ist --

=Pastor Manders.= Ja, diese unglckselige Schwche! Aber er sagt, da er
zuweilen seines kranken Beines wegen trinken mu. Als er das letzte
Mal bei mir in der Stadt war, hat er mich wirklich tief gerhrt. Er kam
zu mir, um mir fr die Arbeit zu danken, die ich ihm hier verschafft
hatte, weil es ihm nun doch mglich gemacht war, mit Regine zusammen zu
sein.

=Frau Alving.= Er sieht sie aber doch nur sehr selten.

=Pastor Manders.= Nein, er sieht sie tglich; er hat es mir ja selbst
gesagt.

=Frau Alving.= Nun, nun, es kann ja sein!

=Pastor Manders.= Er fhlt sehr wohl, da er jemanden braucht, der ihn
zurckhlt, wenn die Versuchung an ihn herantritt. Das ist das
Liebenswrdige an Jacob Engstrand, da er selbst so hilflos daher kommt
und sich anklagt und seine Schwche bekennt. Als er das letzte Mal bei
mir war und mir erzhlte -- -- -- Hren Sie, Frau Alving, wenn es fr
ihn eine Herzensbefriedigung wre, Regine wieder bei sich zu Hause zu
haben --

=Frau Alving= (erhebt sich hastig). Regine?!

=Pastor Manders.= -- so mten Sie sich dem nicht widersetzen.

=Frau Alving.= O, dem widersetze ich mich ganz entschieden. Und
berdies, -- Regine bekommt eine Beschftigung im Asyl.

=Pastor Manders.= Aber bedenken Sie, er ist doch ihr Vater --

=Frau Alving.= Ja, ich wei am besten, was fr ein Vater er ihr
gewesen ist. Nein, mit meiner Zustimmung wird sie niemals zu ihm
zurckkehren.

=Pastor Manders= (erhebt sich). Aber beste Frau, ereifern Sie sich nicht
so. Es ist traurig, wie sehr Sie den Tischler Engstrand verkennen. Sie
waren ja frmlich erschrocken --

=Frau Alving= (ruhiger). Es ist einerlei. Ich habe Regine zu mir
genommen, und bei mir bleibt sie. (Horcht.) Still, lieber Pastor,
sprechen wir nicht mehr ber diesen Gegenstand! (Ein Freudenstrahl
erhellt ihr Gesicht.) Hren Sie! Oswald ist schon auf der Treppe. Jetzt
wollen wir nur an ihn denken.

(=Oswald Alving=, in leichtem Rock, den Hut in der Hand, aus einer
groen Meerschaumpfeife rauchend, tritt durch die Thr links ein.)

=Oswald= (bleibt an der Thr stehen). Ich bitte um Verzeihung -- ich
glaubte die Herrschaften seien im Schreibzimmer. (Tritt nher.) Guten
Tag, Herr Pastor.

=Pastor Manders= (ihn anstarrend). Ah! -- Das ist aber sonderbar --

=Frau Alving.= Ja, was sagen Sie zu dem da, Pastor Manders!

=Pastor Manders.= Ich sage, -- ich sage --. Nein, aber ist denn das
wirklich --?

=Oswald.= Ja, Herr Pastor, es ist wirklich der verlorene Sohn.

=Pastor Manders.= Aber mein lieber, junger Freund --

=Oswald.= Nun also, der heimgekehrte Sohn.

=Frau Alving.= Oswald denkt an die Zeit, als Sie so sehr dagegen waren,
da er Maler wurde.

=Pastor Manders.= Menschlichen Augen mag ja mancher Schritt bedenklich
scheinen, der spter trotzdem -- (Schttelt Oswalds Hand.) Nun,
willkommen! willkommen! Nein, mein lieber Oswald -- Ich darf Sie doch
noch bei Ihrem Vornamen nennen?

=Oswald.= Aber wie wollten Sie mich denn sonst nennen?

=Pastor Manders.= Gut. Es war also das, was ich Ihnen sagen wollte, --
Sie drfen nicht glauben, da ich den Knstlerstand unbedingt verdamme.
Nein, ich nehme an, da es auch in diesem Stand Viele giebt, die ihren
innern Menschen unverderbt bewahren.

=Oswald.= Das wollen wir hoffen.

=Frau Alving= (strahlend glcklich). Ich kenne Einen, der sowohl seinen
innern wie seinen uern Menschen unverderbt bewahrt hat, sehen Sie ihn
nur an, Pastor Manders.

=Oswald= (geht auf und ab). Ja, ja, liebste Mutter. Aber lassen wir das.

=Pastor Manders.= Nun, wahrhaftig, -- -- das lt sich nicht lugnen.
Und jetzt haben Sie auch schon angefangen, sich einen Namen zu machen.
Die Zeitungen haben oft unendlich gnstig von Ihnen gesprochen. Ja,
brigens, in letzter Zeit war nicht mehr viel von Ihnen die Rede, wie
mich dnkt.

=Oswald= (der hinten bei den Blumen steht). Ich habe nicht mehr so viel
malen drfen.

=Frau Alving.= Ein Maler mu sich doch auch zuweilen ausruhen.

=Pastor Manders.= Das kann ich mir denken. Dann bereitet man sich vor
und sammelt neue Krfte zu einem groen Werke.

=Oswald.= Ja. -- Mutter, speisen wir bald?

=Frau Alving.= In einer kleinen halben Stunde. Appetit hat er doch, Gott
sei Dank.

=Pastor Manders.= Und Rauchlust auch.

=Oswald.= Ich fand Vaters Pfeife da oben auf dem Zimmer und da --

=Pastor Manders.= Aha! Da haben wir es also?

=Frau Alving.= Was?

=Pastor Manders.= Als Oswald ins Zimmer trat mit der Pfeife im Munde,
war mir's, als stnde sein Vater lebendig vor mir.

=Oswald.= Nein, wirklich?

=Frau Alving.= O, wie knnen Sie das nur sagen! Oswald gerth doch ganz
mir nach.

=Pastor Manders.= Ja, aber jener Zug um die Mundwinkel, um die Lippen,
erinnert so deutlich an Alving -- -- besonders jetzt, wo er raucht.

=Frau Alving.= Durchaus gar nicht. Mich dnkt, Oswald hat eher einen
priesterlichen Zug um den Mund.

=Pastor Manders.= O ja, o ja; mehre meiner Amtsbrder haben einen
hnlichen Zug.

=Frau Alving.= Aber stell' die Pfeife jetzt fort, mein lieber Junge; ich
mag hier keinen Tabakrauch haben.

=Oswald= (thut es). Gern. Ich wollte sie nur probiren, denn einmal als
Kind habe ich daraus geraucht.

=Frau Alving.= Du?

=Oswald.= Ja. Ich war damals noch ganz klein. Aber ich erinnere, wie ich
eines Abends zu Vater ins Zimmer kam, und er so lustig und vergngt
war.

=Frau Alving.= Bah, du erinnerst dich an gar nichts aus jenen Jahren.

=Oswald.= Doch; ich erinnere mich ganz deutlich, wie er mich auf sein
Knie setzte und mich aus der Pfeife rauchen lie. Rauche, Junge, sagte
er, rauch tchtig! Und ich rauchte aus aller Kraft, bis ich fhlte,
wie ich bleich wurde und der Schwei mir in groen Tropfen auf der Stirn
stand. Da lachte er so herzlich --

=Pastor Manders.= Das war aber doch seltsam.

=Frau Alving.= Mein Bester, das hat Oswald nur getrumt.

=Oswald.= Nein Mutter, das hat mir durchaus nicht getrumt. Denn --
erinnerst du das nicht noch -- da kamst du und trugst mich hinber in
die Kinderstube. Dort wurde mir bel und ich sah, da du weintest. -- --
Hat Vater oft solche Possen getrieben?

=Pastor Manders.= In seiner Jugend war er ein unendlich lebenslustiger
Mensch --

=Oswald.= Und hat doch so viel auf dieser Welt zu Stande gebracht. So
vieles, das gut und ntzlich; -- und er ist doch nicht alt geworden!

=Pastor Manders.= Ja, mein lieber Oswald Alving, Sie haben in der That
den Namen eines thtigen und wrdigen Mannes geerbt. Nun, das wird Ihnen
hoffentlich ein Sporn sein -- --

=Oswald.= Es sollte so sein, ja.

=Pastor Manders.= Auf jeden Fall war es schn von Ihnen, da Sie zu
seinem Ehrentage nach Hause kamen.

=Oswald.= Weniger konnte ich fr meinen Vater doch nicht thun.

=Frau Alving.= Und da ich ihn jetzt so lange hier behalten kann, -- das
ist doch das Schnste von ihm.

=Pastor Manders.= Ja, wie ich hre, werden Sie den ganzen Winter
hindurch daheim bleiben.

=Oswald.= Ich bleibe fr unbestimmte Zeit hier, Herr Pastor! -- Ach! es
ist doch gut, wieder zu Hause zu sein!

=Frau Alving= (strahlend). Ja, nicht wahr, du?

=Pastor Manders= (sieht ihn theilnehmend an). Sie sind frh in die Welt
hinaus gekommen, mein lieber Oswald.

=Oswald.= Das ist wahr. Zuweilen denke ich, da es zu frh war.

=Frau Alving.= O, durchaus nicht. Das thut einem gesunden Burschen nur
gut. Und besonders Einem, der einziges Kind ist. Ein solcher soll nicht
zu Hause bei Vater und Mutter sitzen und verhtschelt werden.

=Pastor Manders.= Das ist eine durchaus bestreitbare Frage, Frau Alving.
Das Vaterhaus ist und bleibt doch die rechte Zufluchtssttte, der beste
Aufenthalt fr ein Kind.

=Oswald.= Darin mu ich dem Pastor ganz Recht geben.

=Pastor Manders.= Sehen Sie nur Ihren eigenen Sohn an. Ja, wir knnen ja
sehr wohl in seiner Gegenwart darber sprechen. Welches sind die Folgen
davon fr ihn gewesen? Er ist sechs- bis siebenundzwanzig Jahre alt
geworden und hat noch niemals Gelegenheit gehabt, ein ordentliches Heim
kennen zu lernen.

=Oswald.= Um Verzeihung, Herr Pastor, -- aber da irren Sie doch.

=Pastor Manders.= So? -- Ich glaubte, Sie htten ausschlielich nur in
Knstlerkreisen verkehrt.

=Oswald.= Das ist auch der Fall gewesen.

=Pastor Manders.= Und meistens doch mit den jngern Knstlern.

=Oswald.= Ja, gewi.

=Pastor Manders.= Aber ich glaubte, da die Mehrzahl dieser Leute nicht
die Mittel besen, eine Familie zu grnden und ein Heim zu haben.

=Oswald.= Zweifelsohne giebt es viele unter ihnen, die nicht Geld genug
haben, um sich zu verheirathen.

=Pastor Manders.= Nun, das ist es ja, was ich sage.

=Oswald.= Aber deshalb knnen sie doch ein Heim haben. Und einer oder
der andere hat es sogar; und ein sehr ordentliches und behagliches Heim
obendrein.

=Frau Alving= (horcht gespannt, nickt zuweilen, sagt aber nichts).

=Pastor Manders.= Aber ich spreche ja nicht von
Junggesellenwirthschaften. Unter einem Heim verstehe ich ein
Familienheim, in welchem ein Mann mit seinem Weibe und seinen Kindern
lebt.

=Oswald.= Ja. Oder mit seinen Kindern und der Mutter seiner Kinder.

=Pastor Manders= (stutzt; schlgt dann die Hnde zusammen). Aber du
barmherziger Gott -- --!

=Oswald.= Nun?

=Pastor Manders.= Zusammen leben mit -- -- der Mutter seiner Kinder!

=Oswald.= Ja! Oder wre es besser, wenn er die Mutter seiner Kinder
verstiee?

=Pastor Manders.= Sie reden also von ungesetzlichen Verhltnissen! Von
diesen sogenannten wilden Ehen?!

=Oswald.= Mir ist niemals etwas besonders Wildes in dem Zusammenleben
dieser Leute aufgefallen.

=Pastor Manders.= Aber wie ist es nur mglich, da ein -- ein
einigermaen wohlerzogener Mann oder ein junges Weib sich dazu verstehen
kann in dieser Weise zu leben -- so vor den Augen aller Welt!

=Oswald.= Aber was sollen sie thun? Ein armer, junger Knstler, -- ein
armes, junges Mdchen --. Es kostet viel Geld, wenn man sich
verheirathen will. Was sollen sie denn thun?

=Pastor Manders.= Was sie thun sollen? Ja, Herr Alving, ich werde Ihnen
sagen, was sie thun sollen. Sie sollten sich von Anfang an fern
geblieben sein, -- das sollten sie.

=Oswald.= Mit solchen Reden werden Sie bei jungen, heibltigen,
verliebten Menschen nicht weit kommen.

=Frau Alving.= Nein, damit kommen Sie nicht weit!

=Pastor Manders.= Und da die Behrden dergleichen dulden! Da
dergleichen ganz offenkundig geschehen darf! (Stellt sich vor Frau
Alving.) Nun, hatte ich nicht Ursache, um Ihren Sohn besorgt zu sein? In
Kreisen, wo die unverhllte Unsittlichkeit geduldet wird und sich
gleichsam ein Recht erworben hat -- --

=Oswald.= Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Pastor. Ich bin ein steter
Sonntagsgast an einem paar solcher unregelmiger Familienherde gewesen
-- --

=Pastor Manders.= Und das noch dazu am Sonntag!

=Oswald.= Ja gewi, das ist ja der Tag an dem man sich amsiren soll.
Aber niemals habe ich dort ein anstiges Wort gehrt, und noch weniger
war ich Zeuge von irgend etwas, das man unsittlich nennen knnte. Nein;
wissen Sie, wann und wo ich die Unsittlichkeit in Knstlerkreisen
getroffen habe?

=Pastor Manders.= Nein, Gott Lob, das wei ich nicht!

=Oswald.= Nun, so werde ich mir erlauben, es Ihnen zu sagen. Ich habe
sie getroffen, wenn einer oder der andere unserer mustergiltigen
Ehemnner und Familienvter hinunter gekommen ist, um sich dort so ein
wenig auf eigene Hand umzusehen -- und dann den Knstlern die Ehre
anthat, sie in ihren bescheidenen Kneipen aufzusuchen. Da konnten wir
etwas lernen! Die Herren wuten uns ber Dinge und Oertlichkeiten zu
erzhlen, von denen wir uns niemals hatten trumen lassen.

=Pastor Manders.= Was? Wollen Sie wirklich behaupten, da Ehrenmnner
von hier zu Hause da drauen -- --?

=Oswald.= Haben Sie denn niemals gehrt, wie diese Ehrenmnner
bei ihrer Heimkehr sich ber die zunehmende Unsittlichkeit im Auslande
ausgesprochen haben?

=Pastor Manders.= Ja, natrlich --

=Frau Alving.= Das habe auch ich gehrt.

=Oswald.= Ja, man kann ihnen getrost aufs Wort glauben. Sie sind
zuweilen sachkundige Leute! (Greift sich an den Kopf.) O -- da das
schne, das herrliche Freiheitsleben da drauen, -- da es so besudelt
werden mu!

=Frau Alving.= Du darfst dich nicht ereifern, Oswald; es schadet dir.

=Oswald.= Du hast Recht, Mutter. Es schadet mir. Siehst du, es ist diese
verdammte Mdigkeit. Ich will noch einen kleinen Spaziergang vor dem
Mittagsessen machen. Verzeihen Sie, Herr Pastor; Sie knnen sich nicht
hinein denken; aber es berwltigte mich wieder einmal. (Ab durch die
zweite Thr rechts.)

=Frau Alving.= Mein armer Junge --!

=Pastor Manders.= Ja, Sie haben Ursache, das zu sagen! So weit ist es
also mit ihm gekommen!

=Frau Alving= (sieht ihn an und schweigt).

=Pastor Manders= (auf und abgehend). Er nannte sich den verlorenen Sohn.
Ja, leider, -- leider!

=Frau Alving= (sieht ihn immer noch an).

=Pastor Manders.= Und was sagen Sie zu all dem?

=Frau Alving.= Ich sage, da Oswald mit jedem Worte Recht hatte.

=Pastor Manders= (hlt inne). Recht? Recht! Mit solchen Grundstzen!

=Frau Alving.= Hier in meiner Einsamkeit bin ich dahin gekommen eben so
zu denken, Herr Pastor. Aber ich habe mich niemals erkhnt, daran zu
rhren. Nun wohl; mein Sohn soll fr mich sprechen.

=Pastor Manders.= Sie sind ein beklagenswerthes Weib, Frau Alving. Aber
jetzt mu ich ein ernstes Wort mit Ihnen reden. Jetzt ist es nicht mehr
Ihr Geschftsfhrer und Rathgeber, Ihr und Ihres verstorbenen Mannes
Jugendfreund, der vor Ihnen steht. Es ist der Priester! So wie er in dem
schwersten Augenblick Ihres Lebens vor Ihnen stand.

=Frau Alving.= Und was ist es, das der Priester mir zu sagen hat?

=Pastor Manders.= Ich mu zuerst an Ihrer Erinnerung rtteln, Frau
Alving. Der Augenblick ist gut gewhlt. Morgen ist der zehnte Todestag
Ihres Gatten; morgen soll das Ehrendenkmal des Verstorbenen enthllt
werden; morgen soll ich zu der ganzen Schaar der Versammelten reden; --
aber heute will ich mit Ihnen allein sprechen.

=Frau Alving.= Gut, Herr Pastor; sprechen Sie!

=Pastor Manders.= Erinnern Sie sich, da Sie nach kaum einjhriger Ehe
am uersten Rande des Abgrunds standen? Da Sie Ihr Haus und Ihr Heim
verlieen -- da Sie Ihrem Manne entflohen; -- ja, Frau Alving, flohen,
flohen, und sich weigerten, zu ihm zurckzukehren, wie sehr er auch bat
und flehte?

=Frau Alving.= Haben Sie vergessen, wie grenzenlos unglcklich ich
whrend dieses ersten Jahres war?

=Pastor Manders.= Das ist grade der rechte Geist des Aufruhrs, der immer
das Glck hier im Leben erstrebt. Welches Recht haben wir Menschen denn
ans Glck? Nein, wir sollen unsere Pflicht thun, Frau Alving! Und
Ihre Pflicht war es, fest zu dem Manne zu halten, den Sie einmal
gewhlt hatten und an den Sie durch ein heiliges Band geknpft waren.

=Frau Alving.= Sie wissen sehr wohl, welches Leben Alving in jener Zeit
fhrte, welcher Ausschweifungen er sich schuldig machte.

=Pastor Manders.= Ich wei leider, welche Gerchte ber ihn gingen; und
ich bin der letzte, der seinen Lebenswandel whrend der Jugendjahre
billigt. Aber die Gattin ist nicht zum Richter ber ihren Gatten
gesetzt. Es wre Ihre Schuldigkeit gewesen, mit demthigem Sinn das
Kreuz zu tragen, welches ein hherer Wille Ihnen auferlegt hatte. Aber
statt dessen werfen Sie in Emprung dieses Kreuz von sich, verlassen den
Strauchelnden, den Sie htten sttzen sollen, gehen hin und setzen Ihren
guten Namen und Ihren Ruf aufs Spiel, und -- -- sind nahe daran, den Ruf
anderer obendrein zu verscherzen.

=Frau Alving.= Anderer? Sie meinen doch nur eines anderen.

=Pastor Manders.= Es war uerst rcksichtslos von Ihnen, bei mir
Zuflucht zu suchen.

=Frau Alving.= Bei unserem Priester? -- Bei unserem Hausfreund?

=Pastor Manders.= Grade deshalb. -- Ja, danken Sie Ihrem Herrn und Gott,
da ich die nthige Festigkeit besa, -- da ich Sie von Ihrem
berspannten Vorhaben abbrachte und da es mir vergnnt war, Sie auf den
Weg der Pflicht zurckzufhren, in Ihr Heim -- zu Ihrem rechtmigen
Gatten.

=Frau Alving.= Ja, Pastor Manders, das war allerdings Ihr Werk!

=Pastor Manders.= Ich war nur ein bescheidenes Werkzeug in der Hand des
Hchsten. Und ist es nicht zum grten Segen fr all Ihre brigen
Lebenstage geworden, da es mir gelang, Sie unter das Joch der Pflicht
und des Gehorsams zu beugen? Ist es nicht gekommen, wie ich Ihnen vorher
sagte? Lie Alving nicht von seinen Verirrungen ab, so wie es einem
Manne gebhrt? Verlebte er nicht seit jener Zeit all seine Tage in
Liebe und ohne Vorwurf mit Ihnen? Wurde er nicht zum Wohlthter der
ganzen Gegend, und hob er Sie nicht dergestalt zu sich empor, da Sie
ein Mitarbeiter an all seinen Unternehmungen wurden? Und dazu ein
tchtiger Mitarbeiter; -- o, ich wei das, Frau Alving; den
Ruhm werde ich Ihnen lassen. -- Aber jetzt komme ich zu dem zweiten
groen Fehltritt in Ihrem Leben.

=Frau Alving.= Was wollen Sie damit sagen?

=Pastor Manders.= Und so wie Sie dereinst die Pflichten der Gattin
verlugnet haben, so verlugneten Sie seitdem die Pflichten der Mutter.

=Frau Alving.= Ah --!

=Pastor Manders.= Ein unheilschwangerer Geist des Eigenwillens hat Sie
whrend Ihres ganzen Lebens geleitet. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist
dem Zwanglosen, dem Ungesetzlichen zugewendet gewesen. Niemals haben Sie
irgend einen Zwang ertragen knnen. Alles, was Sie im Leben beengt und
bedrckt hat, haben Sie gewissenlos und rcksichtslos wie eine Brde
abgeworfen, ber die Sie selbst Gewalt hatten. Es behagte Ihnen nicht
lnger, Gattin zu sein -- und Sie verlieen Ihren Gatten. Es war Ihnen
beschwerlich, Mutter zu sein, und Sie schickten Ihr Kind hinaus in die
Fremde.

=Frau Alving.= Ja, das ist wahr; das habe ich gethan.

=Pastor Manders.= Aber deshalb sind Sie auch eine Fremde fr ihn
geworden.

=Frau Alving.= Nein, nein; das bin ich nicht!

=Pastor Manders.= Das sind Sie; das mssen Sie sein. Und wie ist
er zu Ihnen zurckgekehrt! Bedenken Sie das wohl, Frau Alving. Sie haben
gegen Ihren Gatten ein Verbrechen begangen; -- das sehen Sie ein und
errichten ihm deshalb jenes Denkmal da unten. Erkennen Sie jetzt aber
auch, was Sie gegen Ihren Sohn verbrochen haben; vielleicht ist es noch
Zeit, ihn von dem Wege der Verirrung zurck zu fhren. Kehren Sie selbst
um; und richten Sie in ihm auf, was vielleicht noch aufzurichten ist.
Denn (mit erhobenem Zeigefinger) wahrlich, Frau Alving, Sie sind eine
schuldbeladene Mutter! -- Dies Ihnen zu sagen, habe ich fr meine
Pflicht gehalten. (Langes Schweigen.)

=Frau Alving= (langsam und sich beherrschend). Jetzt haben Sie
gesprochen, Herr Pastor, und morgen sollen Sie ffentlich zum Gedchtnis
meines Mannes reden. Ich werde morgen nicht sprechen; aber jetzt
werde ich ein wenig mit Ihnen reden, grade so wie Sie zu mir gesprochen
haben.

=Pastor Manders.= Natrlich, Sie wollen Entschuldigungen fr Ihr
Betragen vorbringen --

=Frau Alving.= Nein. Ich will nur erzhlen.

=Pastor Manders.= Nun --?

=Frau Alving.= Alles das, was Sie hier soeben ber mich und meinen
Gatten und unser Zusammenleben gesagt, nachdem Sie mich, wie Sie es
nennen, auf den Weg der Pflicht zurckgefhrt hatten, -- alles das sind
Dinge, die Sie ja nicht aus eigener Anschauung kennen. Denn seit jenem
Augenblick setzten Sie -- unser Freund und tglicher Gast -- Ihren Fu
ja nicht mehr ber unsere Schwelle.

=Pastor Manders.= Sie und Ihr Gatte verlieen die Stadt ja gleich
darauf.

=Frau Alving.= Ja; und hier heraus sind Sie bei Lebzeiten meines Mannes
nicht mehr gekommen. Erst die Geschfte in den Angelegenheiten des Asyls
zwangen Sie, mich zu besuchen.

=Pastor Manders= (leise und unsicher). Helene -- soll dies ein Vorwurf
sein, so mu ich Sie bitten zu berlegen -- --

=Frau Alving.= -- die Rcksichten, welche Sie Ihrer Stellung schuldeten;
ja. Und dann war ich ja eine entlaufene Frau! Solchen rcksichtslosen
Frauenzimmern gegenber kann man niemals zurckhaltend genug sein.

=Pastor Manders.= Liebe -- Frau Alving, dies ist eine so ungeheure
Uebertreibung.

=Frau Alving.= Ja, ja, ja, lassen wir das. Ich wollte nur das sagen;
wenn Sie ber meine ehelichen Verhltnisse urtheilen, so sttzen Sie
sich so ohne Weiteres auf die allgemein verbreiteten Ansichten.

=Pastor Manders.= Nun ja; und was weiter?

=Frau Alving.= Aber jetzt, Manders, jetzt werde ich Ihnen die Wahrheit
sagen. Ich habe mir geschworen, da Sie sie einmal erfahren sollten!
Sie allein!

=Pastor Manders.= Und was ist denn die Wahrheit?

=Frau Alving.= Die Wahrheit ist, da mein Mann eben so ruchlos starb,
wie er all seine Tage gelebt hatte!

=Pastor Manders= (tastet nach einem Stuhl). Was sagen Sie?

=Frau Alving.= Nach neunzehnjhriger Ehe eben so ruchlos -- in seinen
Neigungen wenigstens -- wie er gewesen, bevor Sie uns vor dem Altar
verbanden.

=Pastor Manders.= Und diese Jugendverirrungen -- diese
Unregelmigkeiten, -- Ausschweifungen, wenn Sie wollen, nennen Sie ein
ruchloses Leben!

=Frau Alving.= Unser Hausarzt gebrauchte diesen Ausdruck.

=Pastor Manders.= Jetzt verstehe ich Sie nicht.

=Frau Alving.= Ist auch nicht nthig.

=Pastor Manders.= Mir schwindelt beinahe. Ihre ganze Ehe, -- Ihr ganzes
vieljhriges Zusammenleben mit Ihrem Gatten sollte nichts anderes
gewesen sein als ein berdeckter Abgrund!

=Frau Alving.= Nichts anderes! Jetzt wissen Sie es.

=Pastor Manders.= Darin -- darin kann ich mich nicht zurechtfinden. Ich
kann es nicht fassen! Es nicht begreifen! Aber wie war es denn mglich,
da --? Wie hat so etwas verborgen bleiben knnen?

=Frau Alving.= Tag fr Tag ist dies auch mein unaufhrlicher Kampf
gewesen. Als wir Oswald bekamen, schien es gleichsam etwas besser mit
Alving zu werden. Aber das dauerte nicht lange. Und nun mute ich ja
doppelt kmpfen, kmpfen auf Leben und Tod, damit niemand erfuhr, welch
ein Mensch der Vater meines Kindes war. Und dann wissen Sie ja auch, wie
herzgewinnend Alving sein konnte. Es schien, als konnte niemand anders
als gut von ihm denken. Er war einer von jenen Menschen, dessen Ruf
besser als sein Leben. -- Aber dann, Manders -- auch das sollen Sie
wissen, -- -- dann kam das Abscheulichste von allem.

=Pastor Manders.= Noch abscheulicher als dies!

=Frau Alving.= Ich hatte alles ertragen, obgleich ich sehr wohl wute,
was heimlich auerhalb des Hauses vorging. Aber als dann das Aergernis
innerhalb unserer eigenen vier Wnde kam --

=Pastor Manders.= Was sagen Sie! Hier!

=Frau Alving.= Ja, in unserem eigenen Heim. Da drinnen (zeigt auf die
erste Thr rechts) im Speisezimmer war es, wo ich zuerst die Sache
entdeckte. Ich hatte dort etwas zu thun, und die Thr stand halb
geffnet. Da hrte ich unser Stubenmdchen mit dem Wasser fr die Blumen
da drben aus dem Garten kommen.

=Pastor Manders.= Nun ja --?

=Frau Alving.= Gleich darauf hrte ich auch wie Alving kam. Ich vernahm,
da er leise zu ihr sprach. Und dann hrte ich -- (Mit kurzem Lachen.)
Ah, es klingt mir heute noch so herzzerreiend und lcherlich in den
Ohren; -- ich hrte meine eigene Magd flstern: Lassen Sie mich los,
Herr Kammerherr! Lassen Sie mich in Ruhe!

=Pastor Manders.= Welch unbegreiflicher, unverzeihlicher Leichtsinn von
ihm! O, mehr als Leichtsinn ist es nicht gewesen, Frau Alving. Glauben
Sie mir.

=Frau Alving.= Ich erfuhr dann bald, was ich zu glauben hatte. Der
Kammerherr setzte seinen Willen bei dem Mdchen durch, -- und dieses
Verhltnis hatte Folgen, Pastor Manders.

=Pastor Manders= (wie versteinert). Und alles das in diesem Hause!
In diesem Hause!

=Frau Alving.= Ich hatte viel in diesem Hause ertragen. Um ihn des
Abends zu Hause zu halten -- whrend der Nacht -- mute ich mich zum
Genossen seiner einsamen Gelage oben in seinem Zimmer machen. Da mute
ich allein mit ihm sitzen, mit ihm anstoen und trinken, auf seine
sinnlosen Reden hren, mit Anspannung all meiner Krfte mit ihm kmpfen,
um ihn ins Bett zu schleppen --

=Pastor Manders= (erschttert). Und alles dies konnten Sie ertragen?

=Frau Alving.= Ich hatte meinen kleinen Knaben, fr den ich es ertrug.
Aber als dann die letzte Verhhnung kam; als meine eigene Magd --; da
schwor ich mir selbst: dies soll ein Ende nehmen! Und da nahm ich die
Gewalt im Hause -- die ganze Gewalt -- sowohl ber ihn, wie ber alles
andere. Denn sehen Sie, jetzt hatte ich Waffen gegen ihn; er wagte nicht
sich zu wehren. Damals wurde Oswald fortgeschickt. Er ging schon in sein
siebentes Jahr und begann aufmerksam zu werden und Fragen zu stellen,
wie Kinder es zu thun pflegen. Alles das konnte ich nicht ertragen,
Manders. Mir war, als msse das Kind Gift einsaugen, indem es nur in
diesem besudelten, entweihten Heim athmete. Deshalb schickte ich
ihn fort. Und jetzt begreifen Sie auch, weshalb er niemals einen Fu
hierher setzen durfte, so lange sein Vater lebte. Niemand wei, was es
mich gekostet hat.

=Pastor Manders.= Sie haben in Wahrheit das Leben kennen gelernt.

=Frau Alving.= Und ich wrde es ja auch niemals ausgehalten haben, wenn
ich meine Arbeit nicht gehabt htte. Ja, ich darf wohl sagen, da ich
gearbeitet habe! All diese Vergrerungen der Gter, alle
Verbesserungen, all die ntzlichen Einrichtungen, fr welche Alving
Preis und Ruhm erhielt -- glauben Sie, da er fr so etwas Interesse
oder Beruf hatte? Er, der den ganzen Tag auf dem Sopha lag und in einem
alten Staatskalender las?! Nein; jetzt will ich Ihnen auch das sagen:
ich war es, die ihn aufrttelte, wenn er seine lichten Stunden hatte;
ich war es, welche die ganze Last schleppen mute, wenn er dann von
neuem mit seinen Ausschweifungen begann oder in Jammer und Krankheit
zusammen fiel.

=Pastor Manders.= Und diesem Manne errichten Sie ein Ehrendenkmal!

=Frau Alving.= Da sehen Sie die Macht des bsen Gewissens.

=Pastor Manders.= Des bsen --? Was meinen Sie damit?

=Frau Alving.= Es war mir stets, als msse die Wahrheit doch einmal an
den Tag kommen und dann geglaubt werden. Deshalb sollte das Asyl
gleichsam alle Gerchte niederschlagen und alle Zweifel aus dem Wege
rumen.

=Pastor Manders.= Und da haben Sie gewi Ihren Zweck erreicht, Frau
Alving.

=Frau Alving.= Und dann hatte ich noch einen Grund. Ich wollte
nicht, da Oswald, mein geliebter Knabe, irgend eine Erbschaft seines
Vaters antreten sollte.

=Pastor Manders.= Es ist also von Alvings Vermgen, da -- --?

=Frau Alving.= Ja. Die Summen, welche ich Jahr fr Jahr diesem Asyl
geschenkt habe, machen jenen Betrag aus, -- ich habe es ganz genau
ausgerechnet -- jenen Betrag, welcher seiner Zeit Lieutenant Alving zu
einer guten Partie machte.

=Pastor Manders.= Ich verstehe Sie --

=Frau Alving.= Das war die Kaufsumme --. Ich will
nicht, da jenes Geld in Oswalds Hnde bergehe. Mein Sohn soll
alles von mir empfangen.

(=Oswald Alving= tritt durch die zweite Thr rechts ein; Hut und
Ueberrock hat er drauen abgelegt.)

=Frau Alving= (ihm entgegen). Bist du schon zurck?? Mein lieber, lieber
Junge!

=Oswald.= Ja. Was soll man drauen in diesem ewigen Regenwetter
beginnen? Aber ich hre, da wir zu Tische gehen knnen. Das ist
prchtig!

=Regine= (mit einem Packet aus dem Speisezimmer). Hier ist ein Packet
fr die gndige Frau. (Reicht Frau Alving dasselbe.)

=Frau Alving= (mit einem Blick auf Pastor Manders). Vermuthlich die
Festgesnge fr morgen.

=Pastor Manders.= Hm! --

=Regine.= Es ist auch schon servirt.

=Frau Alving.= Gut; wir kommen gleich; ich will nur -- (Beginnt das
Packet zu ffnen.)

=Regine= (zu Oswald). Herr Oswald, wnschen Sie hellen oder dunklen
Portwein?

=Oswald.= Beides, Jungfer Engstrand.

=Regine.= _Bien!_ -- sehr wohl, Herr Alving. (Geht ins Speisezimmer.)

=Oswald.= Ich mu ihr wohl mit dem Entkorken helfen. (Geht ebenfalls ins
Speisezimmer, dessen Thr sich halb hinter ihm ffnet.)

=Frau Alving= (die das Packet geffnet hat). Ja, in der That; hier haben
wir die Festgesnge fr morgen, Pastor Manders.

=Pastor Manders= (mit gefalteten Hnden). Wie ich morgen mit freudigem
Sinn meine Rede halten soll, das -- --!

=Frau Alving.= O, Sie werden sich schon damit abfinden!

=Pastor Manders= (leise, damit man ihn im Speisezimmer nicht hrt). Ja,
es mu sein, denn ein Aergernis drfen wir doch nicht geben.

=Frau Alving= (leise aber fest). Nein. Aber dann hat die lange,
hliche Komdie auch ein Ende. Von bermorgen an wird es fr mich sein,
als htte der Verstorbene niemals in diesem Hause gelebt. Hier soll kein
anderer sein als mein Sohn und seine Mutter. (Aus dem Speisezimmer hrt
man den Lrm eines fallenden Stuhls; zu gleicher Zeit ertnt:)

=Regine's Stimme= (scharf aber flsternd). Oswald, aber Oswald! Bist du
nrrisch? La mich!

=Frau Alving= (fhrt entsetzt zusammen). Ah! (Sie starrt wie im Wahnsinn
auf die halb geffnete Thr. Man hrt Oswald husten und ein Lied summen.
Eine Flasche wird entkorkt.)

=Pastor Manders= (erregt). Aber was ist denn das! Was ist das, Frau
Alving?

=Frau Alving= (heiser). Gespenster! Das Paar aus dem
Blumenzimmer -- geht wieder um.

=Pastor Manders.= Was sagen Sie! Regine --? Ist sie --?

=Frau Alving.= Ja. Kommen Sie. Kein Wort --! (Sie ergreift Pastor
Manders Arm und geht schwankend dem Speisezimmer zu.)




Zweiter Aufzug.


Dasselbe Zimmer.

Der Regennebel liegt noch immer ber der Landschaft.

=Pastor Manders= und =Frau Alving= treten aus dem Speisezimmer.

=Frau Alving= (noch in der Thr). Gesegnete Mahlzeit, Herr Pastor.
(Spricht ins Speisezimmer hinein.) Kommst du nicht mit, Oswald?

=Oswald= (drinnen). Nein, danke; ich will ein wenig ausgehen.

=Frau Alving.= Ja, thu' das; der Regen hat jetzt nachgelassen. (Schliet
die Thr des Speisezimmers, geht zur Vorzimmerthr und ruft:) Regine!

=Regine= (drauen). Ja, gndige Frau?

=Frau Alving.= Geh' hinunter ins Bgelzimmer und hilf mit den Krnzen.

=Regine.= Sehr wohl, gndige Frau.

=Frau Alving= (vergewissert sich, da Regine geht; schliet dann die
Thr).

=Pastor Manders.= Er kann uns da drinnen doch nicht hren?

=Frau Alving.= Unmglich, wenn die Thr geschlossen ist. Ueberdies will
er ja spazieren gehen.

=Pastor Manders.= Ich bin noch ganz betubt. Ich begreife nicht, wie ich
nur einen Bissen von den gesegneten Speisen hinunter bringen konnte.

=Frau Alving= (sucht ihrer Unruhe Herrin zu werden, auf und ab gehend).
Auch ich fasse es nicht. Aber was ist hier zu thun?

=Pastor Manders.= Ja, was ist zu thun? Ich wei es meiner Treu nicht; in
solchen Dingen bin ich gnzlich unerfahren.

=Frau Alving.= Ich bin berzeugt, da bis jetzt wenigstens kein Unglck
geschehen ist.

=Pastor Manders.= Nein, das mge der Himmel verhten! Aber ein
unpassendes Verhltnis ist es trotzdem.

=Frau Alving.= Das Ganze ist ein loser Einfall Oswalds; davon knnen Sie
berzeugt sein.

=Pastor Manders.= Ja, wie gesagt, ich verstehe mich auf solche Sachen
nicht; aber mich dnkt doch entschieden -- --

=Frau Alving.= Aus dem Hause mu sie auf jeden Fall. Und das sofort.
Das wenigstens ist sonnenklar. --

=Pastor Manders.= Ja, das versteht sich.

=Frau Alving.= Aber wohin? Wir knnen es doch nicht verantworten, sie --

=Pastor Manders.= Wohin? Natrlich nach Hause zu ihrem Vater.

=Frau Alving.= Zu wem meinen Sie?

=Pastor Manders.= Zu ihrem -- Aber nein, Engstrand ist ja nicht --.
Aber, mein Gott, Frau Alving, wie ist dies mglich? Vielleicht irren Sie
sich doch!

=Frau Alving.= Leider irre ich mich in keiner Hinsicht. Johanna mute
mir alles bekennen, -- -- und Alving konnte nicht lugnen. Es blieb
nichts anderes mehr zu thun brig, als die Sache mglichst zu
vertuschen.

=Pastor Manders.= Ja, das war wohl das einzig Mgliche.

=Frau Alving.= Das Mdchen mute sofort den Dienst verlassen und bekam
eine ziemlich groe Summe, um bis auf Weiteres zu schweigen. Fr das
Uebrige sorgte sie selbst, als sie in die Stadt kam. Sie erneuerte ihre
alte Bekanntschaft mit dem Tischler Engstrand; vermuthlich lie sie ihn
auch verstehen, wie viel Geld sie habe, und weiter erzhlte sie ihm
irgend etwas von einem Auslnder, der whrend des Sommers mit seiner
Vergngungsyacht hier gelegen haben sollte. Dann wurden Engstrand und
sie in aller Eile getraut. Ja, Sie selbst haben sie ja getraut.

=Pastor Manders.= Aber wie soll ich mir das alles erklren --? Ich
erinnere mich noch heute so deutlich, wie Engstrand zu mir kam, um die
Trauung zu bestellen. Er war ganz niedergeschmettert und klagte sich so
bitter an wegen des Leichtsinns, dessen er und seine Verlobte sich
schuldig gemacht hatten.

=Frau Alving.= Ja, er mute ja alle Schuld auf sich nehmen.

=Pastor Manders.= Aber eine solche Falschheit seinerseits! Und das mir
gegenber! Das htte ich wahrlich Jacob Engstrand nicht zugetraut. Nun,
ich werde ihn ordentlich vornehmen, darauf kann er sich verlassen. --
Und dann das Unsittliche in einer solchen Verbindung! Um des Geldes
Willen! Wie hoch belief sich die Geldsumme, ber die das Mdchen
verfgen konnte?

=Frau Alving.= Es waren 300Speziesthaler.

=Pastor Manders.= Aber denken Sie nur, -- fr lumpige 300Spezies
hinzugehen und sich mit einer Gefallenen trauen zu lassen!

=Frau Alving.= Was sagen Sie denn von mir, die hinging und sich mit
einem gefallenen Manne trauen lie?

=Pastor Manders.= Aber Gott soll uns behten! -- Was sagen Sie? -- Ein
gefallener Mann!

=Frau Alving.= Glauben Sie vielleicht, da Alving reiner war, da ich mit
ihm an den Altar trat, als Johanna, da sie sich mit Engstrand trauen
lie?

=Pastor Manders.= Das sind doch aber himmelweit verschiedene Dinge --

=Frau Alving.= Durchaus nicht so verschieden. Allerdings war ein groer
Unterschied im Preise; -- lumpige 300Thaler -- und ein ganzes Vermgen!

=Pastor Manders.= Da Sie aber so ungleiche Dinge neben einander stellen
mgen. Sie hatten sich doch mit Ihrem Herzen und Ihren Angehrigen
berathen!

=Frau Alving= (blickt ihn nicht an). Ich glaubte, Sie htten errathen,
wohin das, was Sie mein Herz nennen, sich damals verirrt hatte.

=Pastor Manders= (fremd). Htte ich etwas derartiges errathen, so wre
ich nicht ein tglicher Gast in dem Hause Ihres Mannes gewesen.

=Frau Alving.= Nun, auf alle Flle steht es fest, da ich mich mit mir
selbst nicht berieth.

=Pastor Manders.= Dann aber doch mit Ihren nchsten Verwandten; so wie
es vorgeschrieben ist; mit Ihrer Mutter und Ihren beiden Tanten.

=Frau Alving.= Ja, das ist wahr. Die Drei machten das Rechenexempel fr
mich. O es ist unglaublich, wie klar sie mir bewiesen, da es der reine
Wahnsinn wre, einen solchen Antrag auszuschlagen. Wenn meine Mutter
jetzt herabsehen und wissen knnte, was aus all der Herrlichkeit
geworden ist!

=Pastor Manders.= Fr den Ausgang kann niemand verantwortlich gemacht
werden. So viel steht wenigstens fest, da Ihre Ehe in Uebereinstimmung
mit jeder gesetzlichen Ordnung geschlossen wurde.

=Frau Alving= (am Fenster stehend). Ach ja, die Ordnung und das Gesetz!
Manchmal glaube ich beinahe, da diese beiden alles Unglck hier auf
Erden stiften.

=Pastor Manders.= Frau Alving, jetzt versndigen Sie sich.

=Frau Alving.= Ja, das mag sein; aber ich ertrage all diese Bande und
Rcksichten nicht lnger. Ich kann nicht mehr! Ich mu mich zur Freiheit
empor arbeiten!

=Pastor Manders.= Was wollen Sie damit sagen?

=Frau Alving= (trommelt gegen die Fensterscheiben). Ich htte Alvings
Leben niemals verheimlichen sollen. Aber damals wagte ich nicht anders
zu handeln, -- auch um meiner selbst willen nicht. So feige war ich.

=Pastor Manders.= Feige?

=Frau Alving.= Htten die Leute etwas erfahren, so wrden sie gesagt
haben: Armer Mann, es ist ja begreiflich, da er ausschweifend lebt, er,
der eine Frau hat, die ihm davon luft.

=Pastor Manders.= Solche Worte htten auch eine gewisse Berechtigung
gehabt.

=Frau Alving= (blickt ihn fest an). Wenn ich wre, was ich sein sollte,
so wrde ich Oswald vornehmen und ihm sagen: Hr', mein Kind, dein Vater
war ein gesunkener Mensch --

=Pastor Manders.= Aber du barmherziger Gott -- --

=Frau Alving.= -- -- und dann wrde ich ihm alles erzhlen, was ich
Ihnen gesagt habe, -- haarklein!

=Pastor Manders.= Frau Alving, ich bin beinahe emprt ber Sie!

=Frau Alving.= Das wei ich. Das wei ich ja! Ich selbst empre mich
gegen den Gedanken. (Verlt das Fenster.) So feige bin ich!

=Pastor Manders.= Und Sie nennen es feige, wenn Sie auch noch fernerhin
Ihre Pflicht und Schuldigkeit thun. Haben Sie vergessen, da ein Kind
Vater und Mutter ehren soll?

=Frau Alving.= Nehmen wir die Sache nicht so allgemein. Fragen wir
hingegen: soll Oswald Alving den Kammerherrn Alving ehren und lieben?

=Pastor Manders.= Ist denn keine Stimme in Ihrem Mutterherzen, die Ihnen
verbietet, die Ideale Ihres Sohnes zu zertrmmern?

=Frau Alving.= Und was wird dann aus der Wahrheit?

=Pastor Manders.= Und was wird aus den Idealen?

=Frau Alving.= Ach -- Ideale, Ideale! Wenn ich nur nicht so feige wre,
wie ich bin!

=Pastor Manders.= Verwerfen Sie die Ideale nicht, Frau Alving, -- denn
das rcht sich bitter. Und besonders bei Oswald. Oswald hat leider nicht
so viele Ideale. Aber so viel habe ich doch schon bemerkt, da sein
Vater ihm ein Ideal ist.

=Frau Alving.= Darin haben Sie Recht.

=Pastor Manders.= Und diese Vorstellungen haben Sie ja selbst durch Ihre
Briefe in ihm geweckt und genhrt.

=Frau Alving.= Ja; Pflichten und Rcksichten zwangen mich dazu. Deshalb
log ich jahraus, jahrein meinem Jungen gegenber. Ah! wie feig, -- wie
feig bin ich gewesen!

=Pastor Manders.= Es hat eine glckliche Illusion bei Ihrem Sohne
befestigt, Frau Alving, -- und das drfen Sie wahrlich nicht
unterschtzen.

=Frau Alving.= Hm! -- wer wei, ob das sich jetzt als gut erweist.
Aber irgend welche Gemeinschaft mit Regine dulde ich unter keinen
Umstnden. Er soll nicht hingehen und das arme Mdchen unglcklich
machen.

=Pastor Manders.= Nein; du groer Gott, das wre ja entsetzlich!

=Frau Alving.= Wenn ich nur wte, ob er es ehrlich meint, und ob es zu
seinem Glcke fhren wrde -- --

=Pastor Manders.= Wie? Und was dann?

=Frau Alving.= Aber dazu wrde es nicht fhren; denn Regine ist leider
nicht derartig veranlagt.

=Pastor Manders.= Nun, was dann? Was meinen Sie?

=Frau Alving.= Wenn ich nicht so gottsjmmerlich feige wre, wie ich es
bin, so wrde ich zu ihm sagen: verheirathe dich mit ihr, oder richtet
euch ein, wie ihr wollt; aber nur keinen Betrug!

=Pastor Manders.= Aber du barmherziger --! Eine gesetzmige Ehe dann!
Etwas so Entsetzliches --! Etwas so Unerhrtes!

=Frau Alving.= Ja. Sagen Sie unerhrt? Die Hand aufs Herz, Pastor
Manders; glauben Sie nicht, da es da drauen im ganzen Lande umher
viele Ehepaare giebt, die eben so nahe verwandt sind?

=Pastor Manders.= Ich verstehe Sie durchaus gar nicht!

=Frau Alving.= O, Sie verstehen mich sehr wohl.

=Pastor Manders.= Nun, -- Sie denken sich den mglichen Fall, da --.
Ja, leider ist das Familienleben nicht immer so rein, wie es sein
sollte. Aber das, worauf Sie abzielen, sind doch immer nur Dinge, die
man nicht wissen kann, -- wenigstens nicht mit Bestimmtheit. Hier
hingegen --; da Sie, die Mutter, zugeben wollen, da Ihr --!

=Frau Alving.= Aber ich will es ja nicht. Ich will es um keinen Preis
der Welt; das ist's ja grade was ich sage.

=Pastor Manders.= Aber nur deshalb nicht, weil Sie feig sind, wie Sie
sich ausdrcken. Wenn Sie also nicht feig wren --! Du mein
Schpfer! -- eine so emprende Verbindung!

=Frau Alving.= Ja, man sagt, da wir alle miteinander aus solchen
Verbindungen stammen. Und wer ist es, der es derartig auf dieser Welt
eingerichtet hat, Pastor Manders?

=Pastor Manders.= Solche Fragen errtere ich nicht mit Ihnen, Frau
Alving; dazu haben Sie durchaus nicht den rechten Sinn. Da Sie aber zu
sagen wagen, es sei nur Feigheit Ihrerseits -- --!

=Frau Alving.= Jetzt sollen Sie hren, wie ich es meine! Ich bin
furchtsam und scheu, weil in mir etwas von diesem Gespensterartigen
steckt, das ich niemals so recht los werden kann.

=Pastor Manders.= Wie nannten Sie es?

=Frau Alving.= Gespensterartig. Als ich Regine und Oswald da drinnen
hrte, war mir's, als she ich Gespenster vor mir. Aber ich glaube
beinahe, Pastor Manders, wir alle sind Gespenster. Es ist nicht allein
das, was wir von Vater und Mutter geerbt haben, das in uns umgeht. Es
sind allerhand alte, todte Ansichten und aller mgliche alte Glaube und
dergleichen. Es lebt nicht in uns; aber es steckt in uns und wir knnen
es nicht los werden. Wenn ich nur eine Zeitung in die Hand nehme, um
daraus zu lesen, so ist's mir schon, als she ich die Gespenster
zwischen den Zeilen umher schleichen. Im ganzen Lande mssen Gespenster
leben. Mir ist's, als mten sie so dicht sein, wie der Sand am Meer.
Und dann sind wir alle mit einander ja so gottsjmmerlich lichtscheu.

=Pastor Manders.= Aha! Da haben wir also die Ausbeute Ihrer Lectre.
Schne Frchte in der That! O, diese abscheulichen, aufrhrerischen,
freigeistigen Schriften!

=Frau Alving.= Sie irren, lieber Pastor. Sie selbst sind der Mann, der
mich zum Denken gefhrt hat, und dafr danke ich Ihnen!

=Pastor Manders.= Ich!

=Frau Alving.= Ja; als Sie mich in das hinein zwngten, was Sie
Pflicht und Schuldigkeit nannten; als Sie das als recht und wahr
lobpriesen, wogegen meine ganze Seele sich als etwas Widerliches
emprte. Da war es, da ich Ihre Lehren an meinem eigenen Saum prfen
wollte. Nur einen einzigen, kleinen Stich gedachte ich aufzuziehen; aber
als ich den gelst hatte, ri das Ganze auf. -- Und da sah ich, da
alles nur Maschinennhterei sei!

=Pastor Manders= (leise, erschttert). Sollte das der Gewinn aus dem
schwersten Kampf meines Lebens gewesen sein?

=Frau Alving.= Nennen Sie es lieber Ihre traurigste Niederlage!

=Pastor Manders.= Es war der grte Sieg meines Lebens, Helene; der Sieg
ber mich selbst.

=Frau Alving.= Es war ein Verbrechen gegen uns beide.

=Pastor Manders.= Da ich Ihnen gebot und sagte: Weib, geh' heim zu
deinem angetrauten Gatten, als Sie wie im Wahnsinn zu mir kamen und
riefen: hier bin ich, nimm mich! War das ein Verbrechen?

=Frau Alving.= In meinen Augen, ja!

=Pastor Manders.= Wir verstehen einander nicht.

=Frau Alving.= Wenigstens jetzt nicht mehr.

=Pastor Manders.= Niemals, -- niemals, nicht einmal in meinen geheimsten
Gedanken habe ich anders an Sie gedacht, als an die Gattin meines
Freundes.

=Frau Alving.= Glauben Sie selbst das?

=Pastor Manders.= Helene --!

=Frau Alving.= Man verliert sich selbst so leicht aus dem Gedchtnis!

=Pastor Manders.= Ich nicht. Ich bin derselbe, der ich immer war.

=Frau Alving= (schlgt einen andern Ton an). Ja, ja, ja; -- sprechen wir
nicht mehr von alten Zeiten. Jetzt sitzen Sie bis ber die Ohren in
Commissionen und Aemtern; und ich gehe hier umher und kmpfe mit
sichtbaren und unsichtbaren Gespenstern.

=Pastor Manders.= Die sichtbaren will ich Ihnen bannen helfen. Nach
allem, was ich mit Schrecken heute von Ihnen vernommen habe, kann ich es
nicht vor meinem Gewissen verantworten, ein junges, argloses Mdchen in
Ihrem Hause zu lassen.

=Frau Alving.= Halten Sie es nicht fr das Beste, wenn wir sie versorgen
knnten? Ich meine -- durch eine gute Heirath.

=Pastor Manders.= Ohne Zweifel. Das scheint mir in jeder Beziehung
wnschenswerth fr sie. Regine ist ja jetzt in dem Alter, wo --: ja, ich
verstehe mich nicht recht darauf, aber --

=Frau Alving.= Regine war schon frhzeitig erwachsen.

=Pastor Manders.= Ja, nicht wahr? Mir ist, als wre sie in krperlicher
Beziehung schon auffallend stark entwickelt gewesen, als ich sie fr die
Confirmation vorbereitete. Aber vorlufig mu sie auf jeden Fall nach
Hause gehen, unter die Aufsicht ihres Vaters --. Nein, aber Engstrand
ist ja nicht -- --. Da er -- da er auf solche Weise mir die Wahrheit
verheimlichen konnte! (Starkes Klopfen an der Thr des Vorzimmers.)

=Frau Alving.= Wer kann das nur sein? Herein!

=Engstrand= (in Sonntagskleidern, in der Thr). Ich bitte unterthnigst
um Entschuldigung, aber --

=Pastor Manders.= Aha! Hm --

=Frau Alving.= Sind Sie es, Engstrand?

=Engstrand.= Es war keine von den Dienstmdchen zu sehen, und da nahm
ich mir selbst die Freiheit, ein wenig anzuklopfen.

=Frau Alving.= Nun ja, ja. Kommen Sie nur herein. Wollen Sie mit mir
sprechen?

=Engstrand= (tritt ein). Nein, ich danke unterthnigst. Ich mchte gern
mit dem Herrn Pastor ein kleines Wort reden.

=Pastor Manders= (geht auf und ab). Hm! Mit mir wollen Sie sprechen? Das
wollten Sie?

=Engstrand.= Ja, ich mchte gern -- --

=Pastor Manders= (bleibt vor ihm stehen). Nun, darf ich fragen, was
Sie mchten?

=Engstrand.= Ja, es war nmlich das, Herr Pastor, da wir da unten
klariren. Vielen Dank, gndige Frau. -- Und nun sind wir mit allem
fertig; und da scheint es mir, da es so schn und passend wre, wenn
wir, die wir whrend der ganzen Zeit so ehrlich mit einander gearbeitet
haben -- wenn wir heute Abend mit einer kleinen Andacht schlssen.

=Pastor Manders.= Eine Andacht? Unten im Asyl?

=Engstrand.= Ja, aber wenn es dem Herrn Pastor nicht passend scheint, so
--

=Pastor Manders.= O gewi scheint es mir das, aber -- hm --

=Engstrand.= Ich habe oft selbst des Abends dort unten eine Andacht
gehalten -- -- --

=Frau Alving.= Wirklich?

=Engstrand.= Ja, von Zeit zu Zeit. Was man so eine kleine Erbauung
nennt. Aber ich bin ja ein geringer, gemeiner Mann und habe nicht die
richtige Gabe, -- Gott bessere mich -- und so dachte ich, weil doch Herr
Pastor Manders grade hier drauen ist, so --

=Pastor Manders.= Ja, sehen Sie, Tischler Engstrand, ich mu erst eine
Frage an Sie richten. Sind Sie in der rechten Stimmung fr eine solche
Versammlung? Fhlen Sie Ihr Gewissen frei und leicht?

=Engstrand.= Ach, Gott helfe uns, Herr Pastor, es ist wohl nicht der
Mhe werth, ber das Gewissen zu reden.

=Pastor Manders.= Ja, grade werden wir darber reden. Was haben Sie
mir also zu antworten?

=Engstrand.= Ja, das Gewissen -- damit kann es zuweilen schlecht
bestellt sein.

=Pastor Manders.= Das sehen Sie also wenigstens ein! Aber wollen Sie mir
jetzt ohne Umschweif sagen, -- wie hngt das mit Regine zusammen?

=Frau Alving= (heftig). Pastor Manders!

=Pastor Manders= (beruhigend). Lassen Sie mich nur --

=Engstrand.= Mit Regine! Jesus, wie Sie mich erschrecken! (Sieht Frau
Alving an.) Es ist doch wohl nichts mit Regine geschehen?

=Pastor Manders.= Das wollen wir hoffen. Aber ich meine, wie hngt die
Sache mit Ihnen und Regine zusammen? Sie gelten fr Ihren Vater. Nun?

=Engstrand= (unsicher). Ja -- hm -- Herr Pastor, Sie wissen ja die
Geschichte mit mir und der seligen Johanna.

=Pastor Manders.= Jetzt keine Verdrehung der Wahrheit mehr. Ihre
verstorbene Frau hat Frau Alving den wahren Sachverhalt mitgetheilt,
bevor sie aus dem Dienst ging.

=Engstrand.= Nun, da soll doch gleich --! Hat sie das wirklich gethan?

=Pastor Manders.= Sie sind also entlarvt, Engstrand.

=Engstrand.= Und sie, die so heilig geschworen und geflucht -- --

=Pastor Manders.= Fluchte sie!

=Engstrand.= Nein, sie schwor nur, aber so innig aufrichtig.

=Pastor Manders.= Und whrend all dieser Jahre haben Sie die Wahrheit
vor mir verheimlicht. Verheimlicht vor mir, der Ihnen in einem und
allem so unbedingt getraut hat.

=Engstrand.= Ja, leider that ich das.

=Pastor Manders.= Habe ich das um Sie verdient, Engstrand? Bin ich nicht
stets bereit gewesen, Ihnen mit Rath und That an die Hand zu gehen, so
weit es in meiner Macht stand? Antworten Sie! War es nicht so?

=Engstrand.= Es wre mir gar manches Mal schlecht ergangen, wenn ich
Pastor Manders nicht gehabt htte.

=Pastor Manders.= Und jetzt danken Sie mir's auf diese Weise. Bringen
mich dazu, Unwahrheiten ins Kirchenbuch einzutragen und vorenthalten mir
dann Jahre hindurch die Aufklrungen, welche Sie mir und der Wahrheit
schuldig waren. Ihre Handlungsweise ist ganz unverantwortlich gewesen,
Engstrand; und von heute an ist es mit uns beiden aus!

=Engstrand= (seufzend). Ja, so wird es wohl sein mssen!

=Pastor Manders.= Wie wollten Sie sich denn auch rechtfertigen?

=Engstrand.= Htte sie denn hingehen sollen und die Schande noch grer
machen, indem sie darber klatschte? Herr Pastor, stellen Sie sich nur
vor, da Sie in derselben Verfassung wren, wie die selige Johanna --

=Pastor Manders.= Ich!?

=Engstrand.= Jesus ja, ich meine ja nicht accurat so. Ich meine nur,
wenn Sie, Herr Pastor, etwas htten, wovor Sie sich in den Augen der
Menschen zu schmen htten, wie man so sagt. Wir Mannsleute sollten ein
armes Weib nicht zu strenge beurtheilen, Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Aber das thue ich ja gar nicht. Gegen Sie richte ich
meine Vorwrfe.

=Engstrand.= Darf ich vielleicht eine klein winzige Frage thun, Herr
Pastor?

=Pastor Manders.= Meinetwegen, fragen Sie.

=Engstrand.= Ist es nicht gut und recht, wenn ein Mann eine Gefallene
aufrichtet?

=Pastor Manders.= Selbstverstndlich, ja.

=Engstrand.= Und mu ein Mann sein aufrichtig gegebenes Wort nicht
halten?

=Pastor Manders.= Gewi mu er das; aber --

=Engstrand.= Damals, als Johanna ins Unglck gekommen war durch jenen
Englnder -- oder vielleicht war es auch ein Amerikaner oder ein
Rulnder, wie man sie nennt, -- damals kam sie in die Stadt. Die Arme!
Ein oder zwei Mal hatte sie mich schon verschmht; denn sie sah ja nur
auf das, was schn war; und ich hatte diesen Schaden hier am Bein. Ja,
Herr Pastor, Sie erinnern sich ja, ich hatte mich auf einen Tanzboden
gewagt, wo seefahrende Leute, wie man so sagt, mit Rausch und
Trunkenheit umgingen. Und als ich sie nun ermahnen wollte, ein neues
Leben zu beginnen --

=Frau Alving= (drben am Fenster). Hm --!

=Pastor Manders.= Ja, ich wei, Engstrand. Die rohen Menschen warfen Sie
die Treppe hinunter. Die Begebenheit haben Sie mir schon fter
erzhlt. Sie tragen Ihr Gebrechen in Ehren.

=Engstrand.= Ich brste mich nicht damit, Herr Pastor. Aber das war's,
was ich erzhlen wollte. Sie kam damals zu mir und vertraute mir ihr
Unglck unter Thrnen und Zhneklappern an. Ich mu sagen, Herr Pastor,
es that mir so in der Seele weh, das mit anzuhren.

=Pastor Manders.= Wirklich, Engstrand? Nun, und weiter?

=Engstrand.= Ja, da sagte ich zu ihr: Der Amerikaner streift auf dem
Weltmeer umher. Und du, Johanna, sagte ich, du hast einen
Sndenfall begangen und bist ein verlorenes Geschpf. Aber
Jacob Engstrand, sagte ich, der steht auf zwei reellen Beinen -- ja, das
meinte ich so ungefhr wie ein Gleichnis, Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Ich verstehe schon, nur weiter.

=Engstrand.= Ja, so richtete ich sie auf und heirathete sie ehrlich,
damit die Leute nicht erfahren sollten, wie sie sich mit den Auslndern
verirrt hatte.

=Pastor Manders.= Das war schn gehandelt von Ihnen. Ich kann nur nicht
billigen, da Sie sich dazu bequemten, Geld anzunehmen und --

=Engstrand.= Geld? Ich? Nicht einen Heller.

=Pastor Manders= (fragend zu Frau Alving gewendet). Aber --!

=Engstrand.= Ach ja, -- warten Sie nur; jetzt fllt mir's ein. Johanna
hatte ein paar Schillinge. Aber davon wollte ich nichts wissen: Pfui,
sagte ich, Mammon! Sndensold! das elende Gold -- oder vielleicht war es
auch Papiergeld -- -- das werfen wir dem Amerikaner wieder ins Gesicht,
sagte ich. Aber er war fort und verschwunden ber das wilde Meer, Herr
Pastor.

=Pastor Manders.= War er das, mein guter Engstrand?

=Engstrand.= Ja wohl. Und dann wurden Johanna und ich darber einig, da
das Kind fr das Geld erzogen werden sollte; das geschah auch; und ich
kann fr jeden einzigen Schilling Rechenschaft ablegen.

=Pastor Manders.= Aber das verndert die Sache ja ganz bedeutend.

=Engstrand.= So hngt die Geschichte zusammen, Herr Pastor. Und ich darf
wohl sagen, da ich fr Regine ein aufrichtiger Vater gewesen bin, -- so
weit meine Krfte reichten -- denn ich bin leider nur ein schwacher
Mensch.

=Pastor Manders.= Nun, nun, mein lieber Engstrand -- --

=Engstrand.= Aber das darf ich wohl sagen, da ich das Kind in der
Furcht erzogen und in Liebe mit der seligen Johanna gelebt und Hauszucht
gehalten habe, wie es geschrieben steht. Aber das konnte mir doch
niemals einfallen, zu Pastor Manders hinauf zu gehen und mich zu
brsten und ihm zu sagen, da ich auch einmal im Leben ein gutes Werk
gethan habe. Nein, wenn Jacob Engstrand so etwas passirt, so schweigt er
hbsch still. Leider kommt so etwas nicht oft vor. Und wenn ich zum
Herrn Pastor hinauf komme, so habe ich immer so viel zu sprechen von
dem, was schwach und elend ist. Denn ich sage, was ich neulich schon
sagte, -- das Gewissen kann einen dann und wann gewaltig plagen.

=Pastor Manders.= Geben Sie mir die Hand, Jacob Engstrand.

=Engstrand.= Jesus, Herr Pastor!

=Pastor Manders.= Keine Ausflchte. (Drckt seine Hand.) So ist's recht!

=Engstrand.= Und wenn ich den Herrn Pastor schn um Verzeihung bitten
drfte --

=Pastor Manders.= Sie? Nein, umgekehrt; ich habe Sie um Verzeihung zu
bitten -- --

=Engstrand.= Nein! Gott behte!

=Pastor Manders.= Ja, wahrhaftig. Und ich thue es von ganzem Herzen.
Verzeihen Sie, da ich Sie so verkennen konnte. Und Gott gebe, da ich
Ihnen bald einen Beweis meines Vertrauens und meines Wohlwollens geben
knnte --

=Engstrand.= Mchten Sie das thun, Herr Pastor?

=Pastor Manders.= Mit dem allergrten Vergngen --

=Engstrand.= Nun, dazu wre gleich eine Gelegenheit. Mit dem gesegneten
Gelde, das ich mir hier drauen erspart habe, denke ich in der Stadt so
eine Art von Seemanns-Heim zu grnden.

=Frau Alving.= Das wollen Sie?

=Engstrand.= Ja, es sollte so eine Art Asyl werden. Die Versuchungen
sind so mannigfaltig fr den Seemann, der auf dem Festlande wandelt.
Aber bei mir, in solchem Hause, wre er wie unter Aufsicht eines Vaters,
dchte ich.

=Pastor Manders.= Was sagen Sie dazu, Frau Alving?

=Engstrand.= Es ist nicht viel, womit ich beginnen kann, Gott bessere
es; aber wenn irgend ein Wohlthter mir nur die Hand reichte, so -- --

=Pastor Manders.= Ja, berlegen wir die Sache nher. Ihr Vorhaben sagt
mir ganz auerordentlich zu. -- Aber jetzt gehen Sie nur hinunter und
machen Sie alles in Ordnung, znden Sie Licht an, damit es ein wenig
feierlich aussieht. Dann werden wir eine schne Erbauungsstunde mit
einander halten, mein lieber Engstrand; denn jetzt glaube ich wirklich,
da Sie in der rechten Stimmung sind.

=Engstrand.= Mir scheint es auch so, ja. Und nun leben Sie wohl, Frau
Alving, ich danke Ihnen fr alles. Behten Sie mir die Regine auch gut.
(Trocknet eine Thrne.) Johanna's Kind -- hm, es ist wunderlich damit --
aber es ist grade als ob sie mir fest ans Herz gewachsen wre. Ja, ja,
es ist so! (Er grt und geht durch das Vorzimmer ab.)

=Pastor Manders.= Nun, was sagen Sie jetzt von dem Manne, Frau Alving?
Das war eine andere Erklrung, die wir da gehrt haben.

=Frau Alving.= Ja, das war es allerdings!

=Pastor Manders.= Da sehen Sie nun wieder, wie sehr wir uns hten
mssen, einen Menschen zu verdammen. Freilich ist es dann wiederum auch
eine groe Freude, einzusehen, da man einen Irrthum begangen hat. Oder
was meinen Sie dazu?

=Frau Alving.= Ich meine, da Sie ein groes Kind sind und bleiben
werden, Manders.

=Pastor Manders.= Ich?

=Frau Alving= (legt ihre beiden Hnde auf seine Schultern). Und ich
meine weiter, da ich Lust htte, meine beiden Arme um Ihren Hals zu
schlingen.

=Pastor Manders= (zieht sich hastig zurck). Nein, nein, Gott behte
uns! -- solche Gelste --

=Frau Alving= (lchelnd). Ach! Sie frchten sich sogar vor mir!

=Pastor Manders= (am Tische stehend). Sie haben zuweilen eine so
bertriebene Art und Weise, sich auszudrcken. -- Doch jetzt will ich
erst die Documente sammeln und sie in meine Tasche legen. (Thut es.) Das
wre also geschehen. Und nun leben Sie inzwischen wohl. Passen Sie auf,
wenn Oswald zurck kommt. Ich komme spter wieder zu Ihnen. (Nimmt
seinen Hut und geht durch die Vorzimmerthr ab.)

=Frau Alving= (seufzt tief auf, blickt einen Augenblick zum Fenster
hinaus, rumt ein wenig im Zimmer auf und will dann in das Speisezimmer
gehen, bleibt aber mit einem unterdrckten Aufschrei in der Thr
stehen). Oswald! Du sitzest noch bei Tische!

=Oswald= (im Speisezimmer). Ich rauche nur meine Cigarre zu Ende.

=Frau Alving.= Wolltest du nicht einen kleinen Spaziergang machen?

=Oswald.= In solchem Wetter? (Ein Glas klirrt. Frau Alving lt die Thr
offen stehen und setzt sich mit ihrem Strickzeug auf das Sopha am
Fenster.)

=Oswald= (von drinnen). War es nicht Pastor Manders, der eben fort ging?

=Frau Alving.= Ja, er ist zum Asyl hinunter gegangen.

=Oswald.= Hm! (Glas und Karaffe klirren wieder.)

=Frau Alving= (mit bekmmerter Miene). Lieber Oswald, du solltest mit
dem Liqueur vorsichtig sein. Er ist sehr stark.

=Oswald.= Er ist gut bei so feuchtem Wetter.

=Frau Alving.= Willst du nicht lieber zu mir herein kommen?

=Oswald.= Da drinnen darf ich ja nicht rauchen.

=Frau Alving.= Du weit doch, da du eine Cigarre rauchen darfst!

=Oswald.= Ja, ja, dann komme ich. Nur noch einen kleinen Tropfen. --
Gleich! (Er tritt mit seiner Cigarre ins Zimmer und schliet die Thr
hinter sich. -- Kurze Pause.)

=Oswald.= Wohin ist der Pastor gegangen?

=Frau Alving.= Ich sagte dir ja schon, hinunter ins Asyl.

=Oswald.= Ach ja, das ist wahr.

=Frau Alving.= Du solltest nicht so lange bei Tische sitzen, Oswald.

=Oswald= (mit der Cigarre auf dem Rcken). Aber Mutter, ich fhle mich
so gemthlich dabei. (Streichelt sie.) Denk' nur, -- was ist das doch
fr mich, der jetzt heimgekehrt ist, an Mutters Tisch zu sitzen, in
Mutters Zimmer -- und Mutters gute Speisen zu essen.

=Frau Alving.= Mein lieber, lieber Junge!

=Oswald= (ein wenig ungeduldig, geht rauchend auf und ab). Und was soll
ich hier sonst auch beginnen? Ich habe nichts zu thun --

=Frau Alving.= Schaffe dir etwas zu thun -- --

=Oswald.= Bei diesem dstern Wetter? Den ganzen Tag keinen
Sonnenstrahl? (Auf und ab gehend.) Ach ja, das -- nicht arbeiten zu
knnen --!

=Frau Alving.= Vielleicht war es doch nicht wohl berlegt von dir, heim
zu kommen.

=Oswald.= Doch, Mutter; es muߠte sein.

=Frau Alving.= Ja, denn zehn Mal lieber will ich das Glck entbehren,
dich zu Hause zu haben, als da du --

=Oswald= (bleibt am Tisch stehen). Aber sag' mir doch, Mutter, ist es
wirklich ein so groes Glck fr dich, mich hier zu haben?

=Frau Alving.= Ob es ein Glck fr mich ist!

=Oswald= (zerknittert eine Zeitung). Mir ist's, als msse es dir
gleichgiltig sein, ob ich lebe oder nicht.

=Frau Alving.= Und du hast das Herz, deiner Mutter das zu sagen?

=Oswald.= Du hast ja frher so gut ohne mich leben knnen.

=Frau Alving.= Ja; ich habe ohne dich gelebt; -- es ist wahr. (Pause.
Die Dmmerung beginnt langsam sich herab zu senken. Oswald geht auf und
nieder. Er hat die Cigarre fortgelegt.)

=Oswald= (bleibt vor Frau Alving stehen). Mutter, darf ich mich neben
dich auf das Sopha setzen?

=Frau Alving= (macht ihm Platz). Ja, komm mein lieber Junge.

=Oswald= (setzt sich). Ich mu dir etwas sagen, Mutter.

=Frau Alving= (gespannt). Nun?

=Oswald= (starrt vor sich hin). Ich kann es nicht lnger ertragen.

=Frau Alving.= Was! Was ist es?

=Oswald= (wie zuvor). Ich habe nicht den Muth gehabt, es dir zu
schreiben; und seitdem ich wieder daheim bin -- -- --

=Frau Alving= (erfat seinen Arm). Oswald! Was ist es!

=Oswald.= Sowohl gestern wie heute habe ich versucht, die Gedanken von
mir zu weisen, -- mich los zu machen. Aber es geht nicht.

=Frau Alving= (erhebt sich). Jetzt mut du offen reden, Oswald!

=Oswald= (zieht sie wieder auf das Sopha herab). Bleib, Mutter, und ich
will versuchen, es dir zu sagen. -- Ich habe ber Mdigkeit nach der
Reise geklagt --

=Frau Alving.= Nun ja. Und was weiter?

=Oswald.= Aber das ist es nicht; -- keine gewhnliche Mdigkeit --

=Frau Alving= (will aufspringen). Du bist doch nicht krank, Oswald?

=Oswald= (zieht sie wieder auf das Sopha). Bleib, Mutter. Nimm es nur
ruhig. Ich bin ja auch nicht wirklich krank; nicht das, was man
gewhnlich krank nennt. (Schlgt die Hnde ber dem Kopf zusammen.)
Mutter, ich bin geistig gebrochen, -- vernichtet, -- ich kann niemals
wieder arbeiten! (Verbirgt das Gesicht in den Hnden, wirft sich in den
Schoos der Mutter, und bricht in lautes Weinen aus.)

=Frau Alving= (bleich und zitternd). Oswald! Sieh mich an! Nein, nein,
das ist nicht wahr.

=Oswald= (blickt verzweifelt zu ihr auf). Niemals wieder arbeiten
knnen! Niemals! -- niemals! Lebendig todt sein! Mutter, kannst du dir
etwas so Entsetzliches vorstellen?

=Frau Alving.= Mein unglcklicher Sohn! Wie ist dies Furchtbare ber
dich gekommen?

=Oswald= (richtet sich wieder empor). Ja, das ist's ja grade, was mir
unmglich ist zu fassen und zu begreifen. Ich habe niemals ein
strmisches Leben gefhrt. In keiner Beziehung. Das darfst du nicht von
mir glauben, Mutter! Das habe ich nie gethan!

=Frau Alving.= Das glaube ich auch nicht, Oswald.

=Oswald.= Und trotzdem ist dies ber mich gekommen! Dieses entsetzliche
Unglck!

=Frau Alving.= Aber es wird wieder besser werden, mein lieber,
gesegneter Junge. Es ist nichts als Ueberanstrengung. Das kannst du
glauben.

=Oswald= (schwermthig). Das glaubte ich anfangs auch; aber -- es ist
nicht der Fall.

=Frau Alving.= Erzhle mir alles von Anfang bis zu Ende.

=Oswald.= Das will ich auch.

=Frau Alving.= Wann hast du es zuerst bemerkt?

=Oswald.= Gleich nachdem ich das letzte Mal zu Hause war und nach Paris
zurckkam. Da bekam ich die heftigsten Kopfschmerzen -- meistens im
Hinterkopf, wie es mir schien. Es war als wrde mir ein enger Eisenring
um Nacken und Kopf geschraubt.

=Frau Alving.= Und dann?

=Oswald.= Anfangs glaubte ich, es sei nichts Anderes, als der
gewhnliche Kopfschmerz, der mich in meiner Jugend so sehr geqult.

=Frau Alving.= Ja, ja --

=Oswald.= Aber dem war nicht so; das merkte ich bald. Ich konnte nicht
mehr arbeiten. Ich wollte ein neues, groes Bild beginnen; aber es war,
als htten alle Krfte mich verlassen; ich war wie gelhmt; ich konnte
mich nicht mehr zu festen Vorstellungen sammeln; mir schwindelte, --
alles ging im Kreise. Ah, es war ein entsetzlicher Zustand! Schlielich
lie ich den Arzt holen, -- und von ihm erfuhr ich die Wahrheit.

=Frau Alving.= Wie meinst du das?

=Oswald.= Er war einer der grten Aerzte dort unten. Ich mute ihm
erzhlen, was ich empfand; und dann begann er, mir eine Menge Fragen zu
stellen, die mir scheinbar gar nicht zur Sache gehrig schienen; ich
begriff nicht wo hinaus der Mann wollte -- --

=Frau Alving.= Nun?

=Oswald.= Und schlielich sagte er dann: schon seit Ihrer Geburt haben
Sie diese wurmstichige Stelle; -- ja, er gebrauchte grade den Ausdruck
_vermoulu_.

=Frau Alving= (gespannt). Was meinte er damit?

=Oswald.= Auch ich verstand ihn anfangs nicht und bat ihn um eine nhere
Erklrung. Und da sagte der alte Cyniker -- (Ballt die Faust.) -- Ah --!

=Frau Alving.= Was sagte er?

=Oswald.= Er sagte: Die Snden der Vter werden an den Kindern
heimgesucht.

=Frau Alving= (erhebt sich langsam). Die Snden der Vter --!

=Oswald.= Ich htte ihn beinahe zu Boden geschlagen --

=Frau Alving= (geht durch das Zimmer). Die Snden der Vter --

=Oswald= (lchelt schwermthig). Ja, was sagst du dazu? Ich versicherte
ihn selbstverstndlich, da von solchen Dingen gar nicht die Rede sein
knne. Aber meinst du, da er mir glaubte? Nein; er blieb bei seiner
Meinung; und erst, als ich deine Briefe hervor nahm und ihm all jene
Stellen bersetzte, die vom Vater handelten --

=Frau Alving.= Da --?

=Oswald.= Ja, da mute er einrumen, da er auf falscher Fhrte; -- und
dann erfuhr ich die Wahrheit. Die unfabare Wahrheit! Ich htte mich
fern halten sollen von diesem jubelnden, glckseligen Jugendleben mit
den Kameraden. Es sei fr meine Krfte zu strmisch gewesen.
Selbstverschuldet, also!

=Frau Alving.= Oswald! Nein, nein! Glaub' das nicht!

=Oswald.= Es sei keine andere Erklrung mglich, sagte er. Das ist das
Entsetzliche. Unheilbar vernichtet fr das ganze Leben -- -- durch
meine eigene Unbesonnenheit. -- All das Schne, das Groe, das ich auf
dieser Welt geschaffen haben wrde, -- nicht einmal daran denken drfen,
-- nicht daran denken knnen! -- Ach, knnte ich das Leben von
neuem beginnen, -- alles, alles ungeschehen machen! (Wirft sich aufs
Sopha, verbirgt das Gesicht.)

=Frau Alving= (ringt die Hnde, geht schweigend aber sichtbar kmpfend
auf und ab).

=Oswald= (nach einer Pause aufblickend und auf den Ellenbogen gesttzt
liegen bleibend). Wenn es wenigstens ererbt gewesen wre, -- etwas, das
ich nicht selbst verschuldet. Aber dieses! Sein eignes Glck, --
seine Gesundheit, -- alles auf der Welt, -- seine Zukunft -- sein Leben
auf so schmhliche, gedankenlose, leichtsinnige Weise vergeudet zu haben
--! Frchterlich!

=Frau Alving.= Nein, nein, mein lieber, theurer Sohn; das ist unmglich!
(Beugt sich ber ihn.) Es steht nicht so verzweifelt mit dir wie du
glaubst.

=Oswald.= O, du weit nicht -- (Springt auf.) Und dann, Mutter, da ich
dir all diesen Kummer bereiten mu! Wie manches Mal habe ich doch
gewnscht und gehofft, da du mich nicht so innig lieben mchtest!

=Frau Alving.= Ich! Oswald, mein einziger Sohn! Das Einzige, was ich auf
der Welt besitze; das Einzige, woran meine Seele hngt.

=Oswald= (ergreift ihre beiden Hnde und kt sie). Ja, ja, ich sehe es
wohl. Wenn ich hier bei dir daheim bin, so sehe ich es. Und das ist
grade das Schwerste fr mich. -- Aber nun weit du es. La uns heute
nicht mehr darber sprechen. Ich darf niemals lange daran denken. (Auf
und ab gehend.) Schaffe mir etwas zu trinken, Mutter!

=Frau Alving.= Trinken? Was willst du jetzt trinken?

=Oswald.= Ach, irgend etwas. -- Du hast ja kalten Punsch im Hause.

=Frau Alving.= Ja; -- aber mein lieber Oswald --

=Oswald.= Widersprich mir nicht, Mutter. Sei gut! Ich mu etwas haben,
um all diese nagenden Gedanken hinunter zu splen. (Geht ins
Blumenzimmer.) Und dann -- -- wie dunkel es hier ist!

=Frau Alving= (zieht einen Glockenzug rechts).

=Oswald.= Dieses ununterbrochene Regenwetter obendrein. Woche auf Woche
kann es anhalten; -- ganze Monate. Niemals einen Sonnenstrahl zu sehen!
Ich kann mich nicht erinnern, hier in der Heimat jemals Sonnenschein
gesehen zu haben.

=Frau Alving.= Oswald --! Du denkst daran, von mir zu reisen!

=Oswald.= Hm -- (Athmet schwer.) Ich denke an gar nichts. Kann an
nichts denken! (Leise.) Das gebe ich auf.

=Regine= (aus dem Speisezimmer). Haben Sie gelutet, gndige Frau?

=Frau Alving.= Ja, bring' uns die Lampe.

=Regine.= Sofort. Sie ist schon angezndet. (Ab.)

=Frau Alving= (geht zu Oswald). Oswald, verheimliche mir nichts.

=Oswald.= Das thue ich ja nicht, Mutter. (Geht an den Tisch.) Ich denke,
ich habe dir schon genug gesagt.

=Regine= (bringt die Lampe und stellt sie auf den Tisch).

=Frau Alving.= Hr', Regine, du knntest uns eine halbe Flasche
Champagner bringen.

=Regine.= Sehr wohl, gndige Frau. (Geht wieder hinaus.)

=Oswald= (nimmt Frau Alvings Kopf in beide Hnde). So ist's recht. Ich
wute wohl, da Mutter ihren Jungen nicht verdursten lassen wrde.

=Frau Alving.= Du mein armer, lieber Oswald; wie sollte ich dir noch
irgend etwas verweigern knnen?

=Oswald= (lebhaft). Ist das wahr, Mutter? Meinst du das wirklich?

=Frau Alving.= Wie? Was?

=Oswald.= Da du mir nichts verweigern kannst?

=Frau Alving.= Aber lieber Oswald -- --

=Oswald.= Stille! --

=Regine= (bringt auf einer Platte eine halbe Flasche Champagner und zwei
Glser, die sie auf den Tisch stellt). Soll ich aufmachen --?

=Oswald.= Nein danke, das thue ich selbst. (Regine geht wieder hinaus.)

=Frau Alving= (setzt sich an den Tisch). Was war es, -- das ich dir
nicht verweigern sollte?

=Oswald= (mit dem Oeffnen der Flasche beschftigt). Zuerst ein Glas --
oder zwei. (Der Pfropfen springt, schenkt in das eine Glas und will auch
in das zweite schenken.)

=Frau Alving= (hlt die Hand drber). Danke -- fr mich nicht.

=Oswald.= Nun, dann fr mich! (Er leert das Glas, fllt es aufs neue und
leert es wieder; dann setzt er sich an den Tisch.)

=Frau Alving= (erwartungsvoll). Nun?

=Oswald= (ohne sie anzublicken). Hr' mich an. Mir war's, als seien du
und Pastor Manders so -- hm, so schweigsam whrend des Mittagessens
gewesen.

=Frau Alving.= Hast du das bemerkt?

=Oswald.= Ja. Hm -- (Nach einer kurzen Pause.) -- Sag' mir, -- was
denkst du von Regine?

=Frau Alving.= Was ich denke?

=Oswald.= Ja. Ist sie nicht herrlich?

=Frau Alving.= Lieber Oswald, du kennst sie nicht so genau wie ich.

=Oswald.= Nun?

=Frau Alving.= Regine ist leider zu lange bei ihrem Vater daheim
geblieben. Ich htte sie frher zu mir nehmen sollen.

=Oswald.= Ja, aber ist sie nicht herrlich anzusehen, Mutter? (Fllt sein
Glas.)

=Frau Alving.= Regine hat viele und groe Fehler --

=Oswald.= Nun ja; was thut das? (Trinkt wieder.)

=Frau Alving.= Aber ich halte trotzdem viel von ihr; und ich habe die
Verantwortlichkeit fr sie bernommen. Um keinen Preis der Welt mchte
ich, da ihr etwas geschhe.

=Oswald= (springt auf). Mutter! Regine ist meine einzige Rettung!

=Frau Alving= (erhebt sich). Was meinst du damit?

=Oswald.= Ich kann all diese Seelenqual nicht lnger allein tragen.

=Frau Alving.= Hast du nicht deine Mutter, die sie dir mit trgt?

=Oswald.= Ja, das hoffte ich; und deshalb kehrte ich heim zu dir. Aber
es geht nicht auf diese Weise. Ich sehe es ein, es geht nicht. Ich kann
das Leben hier nicht ertragen!

=Frau Alving.= Oswald!

=Oswald.= Ich mu ein anderes Leben fhren, Mutter. Und deshalb mu ich
fort von dir. Ich will nicht, da du es mit ansiehst.

=Frau Alving.= Mein unglcklicher Sohn! Aber Oswald, so lange du so
krank bist wie jetzt --

=Oswald.= Wenn es nur die Krankheit allein wre, so wrde ich bei dir
bleiben, Mutter. Denn du bist die treuste Freundin.

=Frau Alving.= Ja, nicht wahr, Oswald? Bin ich das nicht?

=Oswald= (geht unruhig umher). Aber es sind diese Qualen, -- die Reue,
-- -- und dann die furchtbare, tdtliche Angst. O -- diese entsetzliche
Angst!

=Frau Alving= (geht ihm nach). Angst? -- Welche Angst? Was meinst du?

=Oswald.= Ach, frag' mich nicht weiter. Ich wei es nicht. Ich kann es
dir nicht beschreiben.

=Frau Alving= (nach rechts, zieht den Glockenzug).

=Oswald.= Was willst du thun?

=Frau Alving.= Ich will, da mein Junge lustig sein soll; das will ich.
Er soll hier nicht umher gehen und grbeln. (Zu Regine, die in die Thr
tritt.) Mehr Champagner! Eine ganze Flasche. (Regine geht.)

=Oswald.= Mutter!

=Frau Alving.= Glaubst du vielleicht, da wir hier drauen auf dem Lande
nicht auch zu leben verstehen?

=Oswald.= Ist sie nicht prchtig anzusehen? Wie sie gewachsen ist! Und
so kerngesund!

=Frau Alving= (setzt sich an den Tisch). Setz dich, Oswald, und la uns
ruhig sprechen.

=Oswald= (setzt sich). Du weit wohl nicht, Mutter, da ich an Regine
ein Unrecht wieder gut zu machen habe.

=Frau Alving.= Du!

=Oswald.= Oder eine kleine Unbedachtsamkeit -- wie du es nun nennen
willst. Uebrigens sehr unschuldig. Als ich das letzte Mal zu Hause war
--

=Frau Alving.= Nun?

=Oswald.= -- da fragte sie mich so oft nach Paris, und ich erzhlte ihr
dies und jenes von dort. So erinnere ich mich, da ich sie eines Tages
fragte, ob sie nicht auch Lust habe, hin zu kommen. --

=Frau Alving.= Und weiter?

=Oswald.= Ich sah, da sie feuerroth wurde, und dann sagte sie: ja, dazu
htte ich wahrhaftig Lust. -- Ja, ja, antwortete ich, dazu kann wohl
Rath werden, -- oder etwas Aehnliches.

=Frau Alving.= Was dann?

=Oswald.= Ich hatte das Ganze natrlich vergessen; als ich sie aber
vorgestern fragte, ob sie froh sei, da ich jetzt so lange zu Hause
bleiben wrde --

=Frau Alving.= Da?

=Oswald.= -- da sah sie mich so seltsam an und fragte dann: was wird
jetzt aber aus meiner Reise nach Paris?

=Frau Alving.= Ihre Reise!

=Oswald.= Und so erfuhr ich denn, da sie die Sache ernst genommen
hatte, da sie whrend der ganzen Zeit an mich gedacht und angefangen
hatte, franzsisch zu lernen.

=Frau Alving.= Deshalb also --

=Oswald.= Mutter, -- als ich in jenem Augenblick das prchtige,
schmucke, kernfrische Mdchen vor mir stehen sah -- frher hatte ich sie
ja gar nicht beachtet -- wie sie so vor mir stand, gleichsam mit offenen
Armen um mich zu umfangen --

=Frau Alving.= Oswald!

=Oswald.= -- da ward es mir klar, da in ihr meine Rettung sei; -- denn
in ihr ist Lebensfreudigkeit!

=Frau Alving= (erstaunt). Lebensfreudigkeit? -- Kann die Rettung
bringen?

=Regine= (mit einer Champagnerflasche aus dem Speisezimmer). Verzeihen
Sie, da ich so lange blieb, aber ich mute in den Keller hinunter --
(Stellt die Flasche auf den Tisch.)

=Oswald.= Bring' noch ein Glas.

=Regine= (sieht ihn verwundert an). Das Glas der gndigen Frau steht da,
Herr Alving.

=Oswald.= Ja; aber hol' noch eins fr dich selbst, Regine.

=Regine= (zuckt zusammen und wirft einen hastigen, scheuen Seitenblick
auf Frau Alving).

=Oswald.= Nun?

=Regine= (leise und zgernd). Geschieht es mit dem Willen der gndigen
Frau?

=Frau Alving.= Hol' das Glas, Regine. (Regine geht ins Speisezimmer.)

=Oswald= (blickt ihr nach). Hast du bemerkt, wie sie geht? So fest und
muthig!

=Frau Alving.= Das wird nicht geschehen, Oswald.

=Oswald.= Die Sache ist abgemacht. Das siehst du ja. Es ntzt nichts
mehr, dagegen zu reden.

=Regine= (kommt mit einem leeren Glas, das sie in der Hand behlt).

=Oswald.= Setz dich, Regine.

=Regine= (sieht fragend auf Frau Alving).

=Frau Alving.= Setz dich nur.

=Regine= (setzt sich auf einen Stuhl neben der Thr des Speisezimmers
und hat noch immer das leere Glas in der Hand).

=Frau Alving.= Oswald, -- was war doch das, was du von der
Lebensfreudigkeit sagtest?

=Oswald.= Ja, die Lebensfreudigkeit, Mutter, -- die kennt ihr hier zu
Hause wenig. Ich verspre sie hier niemals.

=Frau Alving.= Auch nicht, wenn du bei mir bist?

=Oswald.= Niemals, wenn ich zu Hause bin. -- Doch das verstehst du
nicht.

=Frau Alving.= Doch, doch, ich glaube beinahe, da ich es verstehe --
jetzt!

=Oswald.= Diese -- und dann die Arbeitsfreudigkeit. Ja, das ist im
Grunde beinahe dasselbe. Aber auch von der wisset ihr hier nichts.

=Frau Alving.= Darin magst du Recht haben. Oswald, la mich mehr davon
hren.

=Oswald.= Ja, ich meine nur, da euch hier gelehrt wird zu glauben, da
die Arbeit ein Fluch und eine Sndenstrafe sei -- und da das Leben ein
jmmerliches Etwas, mit dem man je frher, desto besser zu Ende kommt.

=Frau Alving.= Ein Jammerthal, ja. Und dazu machen wir es auch ehrlich
und redlich.

=Oswald.= Aber von solchen Dingen wollen die Menschen da drauen nichts
wissen. Da giebt es niemanden mehr, der noch an solche Lehren glaubt. Da
drauen empfindet man das bloe Dasein als etwas so jubelnd
Glckseliges. Mutter, hast du nicht bemerkt, da alles was ich
gemalt habe, sich um die Lebensfreudigkeit dreht? Immer und bestndig um
die Lebensfreudigkeit. Da drauen sind Licht und Sonnenschein und
Sonntagsluft -- und strahlende, glckliche Menschengesichter. -- Deshalb
frchte ich mich, hier bei dir in der Heimat zu bleiben.

=Frau Alving.= Du frchtest dich? Was frchtest du hier bei mir?

=Oswald.= Ich frchte, da alles, was in mir tobt, hier in
Unsittlichkeit ausarten knnte.

=Frau Alving= (blickt ihn fest an). Glaubst du, da das geschehen
wrde?

=Oswald.= Das wei ich gewi. Wenn man auch hier zu Hause dasselbe Leben
lebt, wie da drauen, -- es ist ja doch nicht dasselbe Leben.

=Frau Alving= (die gespannt gelauscht hat, erhebt sich mit groen,
gedankenvollen Augen und sagt): Jetzt sehe ich den Zusammenhang.

=Oswald.= Was siehst du?

=Frau Alving.= Jetzt sehe ich ihn zum ersten Mal. Und jetzt darf ich
reden.

=Oswald= (erhebt sich). Mutter, ich verstehe dich nicht.

=Regine= (die sich ebenfalls erhoben hat). Soll ich vielleicht gehen?

=Frau Alving.= Nein, bleib. Jetzt kann ich reden. Jetzt, mein Sohn,
sollst du alles wissen. Und dann kannst du whlen. Oswald! Regine!

=Oswald.= Sei still. Der Pastor --

=Pastor Manders= (tritt durch die Vorzimmerthr ein). So, so! Jetzt
haben wir da unten eine herzerweckende Stunde gehabt.

=Oswald.= Wir auch.

=Pastor Manders.= Engstrand mu mit seinem Seemannsheim geholfen werden.
Regine mu mit ihm ziehen und ihm behilflich sein --

=Regine.= Nein, danke Herr Pastor.

=Pastor Manders= (bemerkt sie jetzt erst). Was? -- Hier --? und mit
einem Glase in der Hand?

=Regine= (stellt das Glas schnell fort). Pardon --!

=Oswald.= Regine geht mit mir, Herr Pastor.

=Pastor Manders.= Geht mit Ihnen!

=Oswald.= Ja. Als mein Weib, -- wenn sie es verlangt.

=Pastor Manders.= Aber du barmherziger --!

=Regine.= Es ist nicht meine Schuld, Herr Pastor.

=Oswald.= Oder sie bleibt hier -- wenn ich bleibe.

=Regine= (unwillkrlich). Hier --?!

=Pastor Manders.= Frau Alving -- Sie versteinern mich!

=Frau Alving.= Keins von beiden wird geschehen, denn jetzt kann ich
offen reden.

=Pastor Manders.= Aber das werden Sie doch nicht thun! Nein, nein, nein!

=Frau Alving.= Doch, ich kann und ich will. Und trotzdem werden
keine Ideale fallen.

=Oswald.= Mutter, was ist es, das mir verheimlicht wird!

=Regine= (horchend). Gndige Frau! Hren Sie! Drauen schreien die
Leute. (Sie geht ins Blumenzimmer und sieht hinaus.)

=Oswald= (am Fenster links). Was ist los? Woher kommt der Lichtschein?

=Regine= (schreit). Es brennt im Asyl!

=Frau Alving= (strzt ans Fenster). Es brennt!

=Pastor Manders.= Es brennt? Unmglich. Ich war ja soeben noch dort
unten.

=Oswald.= Wo ist mein Hut? Nein, ich brauche ihn nicht --. Das Asyl des
Vaters --! (Luft durch die Gartenthr hinaus.)

=Frau Alving.= Mein Tuch, Regine! Es brennt lichterloh!

=Pastor Manders.= Entsetzlich! -- Frau Alving, das ist das Strafgericht,
das ber dieses Haus der Verirrung leuchtet!

=Frau Alving.= Ja, ja, gewi. Komm, Regine. (Sie und Regine eilen durch
das Vorzimmer hinaus.)

=Pastor Manders= (schlgt die Hnde zusammen). Und nichts assecurirt!
(Den Vorigen nach.)




Dritter Aufzug.


Dasselbe Zimmer.

Alle Thren geffnet. Die Lampe steht noch brennend auf dem Tische.
Drauen Dunkelheit; nur links im Hintergrund ein schwacher
Lichtschimmer.

(=Frau Alving= mit einem groen Tuche ber dem Kopf, steht oben im
Blumenzimmer und blickt hinaus. =Regine=, die ebenfalls in ein Tuch
gehllt ist, steht hinter ihr.)

=Frau Alving.= Alles abgebrannt! Bis auf den Grund!

=Regine.= Es brennt noch in den Kellern.

=Frau Alving.= Da Oswald nicht herauf kommt! Es giebt ja nichts mehr zu
retten.

=Regine.= Soll ich ihm nicht seinen Hut hinunter tragen?

=Frau Alving.= Hat er nicht einmal seinen Hut aufgesetzt?

=Regine= (zeigt ins Vorzimmer hinaus). Nein, dort hngt er.

=Frau Alving.= So la ihn hngen. Jetzt mu er doch herauf kommen. Ich
will selbst nachsehen. (Ab durch die Gartenthr.)

=Pastor Manders= (kommt durch das Vorzimmer). Ist Frau Alving nicht
hier?

=Regine.= Sie ist soeben in den Garten hinunter gegangen.

=Pastor Manders.= Dies ist die schrecklichste Nacht meines Lebens!

=Regine.= Ja, ist es nicht ein grausames Unglck, Herr Pastor?

=Pastor Manders.= Ach, sprechen Sie nicht davon! Ich darf gar nicht
darber nachdenken.

=Regine.= Aber wie kann es nur zugegangen sein --?

=Pastor Manders.= Fragen Sie mich nicht, Jungfer Engstrand! Wie kann
ich das wissen? Wollen Sie vielleicht auch --? Ist es nicht genug,
da Ihr Vater --?

=Regine.= Was ist mit ihm?

=Pastor Manders.= Ach, er hat mich ganz verwirrt im Kopf gemacht.

=Engstrand= (tritt durch das Vorzimmer ein). Herr Pastor --!

=Pastor Manders= (wendet sich erschreckt um). Kommen Sie mir auch
hierher nach?!

=Engstrand.= Ja, Gott soll mich strafen --! O, du guter Heiland! Aber
dies ist eine garstige Geschichte, Herr Pastor!

=Pastor Manders= (geht auf und ab). Leider! Leider!

=Regine.= Was giebt es denn?

=Engstrand.= Ja, siehst du, das kam von dieser Andacht. (Leise.) Jetzt
haben wir den Vogel endlich, mein Kind! (Laut.) Und da ich Schuld daran
sein mu, da Pastor Manders so etwas verschuldet!

=Pastor Manders.= Aber ich versichere Sie, Engstrand --

=Engstrand.= Niemand anders als Sie, Herr Pastor, hat da unten mit dem
Licht hantirt.

=Pastor Manders= (steht still). Ja, das behaupten Sie. Aber ich kann
mich durchaus nicht erinnern, ein Licht in der Hand gehabt zu haben.

=Engstrand.= Und ich habe so deutlich gesehen, Herr Pastor, da
Sie das Licht nahmen und es mit den Fingern putzten, und darauf die
Schnuppe zwischen die Hobelspne warfen.

=Pastor Manders.= Das haben Sie gesehen?

=Engstrand.= Ja, das habe ich deutlich gesehen.

=Pastor Manders.= Das kann ich unmglich glauben. Es ist doch sonst
nicht meine Gewohnheit, das Licht mit den Fingern zu putzen.

=Engstrand.= Ja, es sah auch sehr ungeschickt aus; wirklich. Aber kann
es denn gefhrlich werden, Herr Pastor?

=Pastor Manders= (geht unruhig auf und ab). Ach! Fragen Sie mich nicht!

=Engstrand= (geht neben ihm). Herr Pastor, assecurirt haben Sie es auch
nicht?

=Pastor Manders= (immer gehend). Nein, nein, nein; das hren Sie ja.

=Engstrand= (immer neben ihm). Nicht assecurirt! Und dann hinzugehen und
das Ganze anzuznden! Jesus, Jesus, was fr ein Unglck!!

=Pastor Manders= (trocknet sich den Schwei von der Stirn). Ja, das
knnen Sie wohl sagen, Engstrand.

=Engstrand.= Und da dies noch obendrein mit einer
Wohlthtigkeitsanstalt geschehen mute, die fr Stadt und Land vom
Nutzen sein sollte, wie die Leute sagen. Die Zeitungen werden nicht
sauber mit dem Herrn Pastor umgehen; das kann ich mir vorstellen.

=Pastor Manders.= Das ist's ja grade, worber ich nachdenke. Das ist das
Schlimmste bei der ganzen Sache. All diese gehssigen Angriffe und
Beschuldigungen --! Ach, es ist frchterlich, nur daran zu denken!

=Frau Alving= (kommt aus dem Garten). Er ist nicht zu bewegen, von den
Lscharbeiten fort zu gehen.

=Pastor Manders.= Ach, sind Sie da, Frau Alving!

=Frau Alving.= Nun sind Sie Ihrer Festrede doch berhoben worden, Pastor
Manders!

=Pastor Manders.= Ach, ich wrde ja mit Freuden --

=Frau Alving= (gedmpft). Es war am besten, da es kam, wie es kam!
Dieses Asyl wre niemand zum Segen geworden.

=Pastor Manders.= Glauben Sie das wirklich?

=Frau Alving.= Glauben Sie das nicht?

=Pastor Manders.= Es war aber trotzdem ein furchtbares Unglck.

=Frau Alving.= Wir wollen kurz und bndig darber sprechen, wie ber
eine Geschftssache. -- Engstrand, warten Sie auf den Pastor?

=Engstrand= (an der Vorzimmerthr). Ja, das thue ich.

=Frau Alving.= Dann setzen Sie sich so lange.

=Engstrand.= Danke; ich kann auch stehen.

=Frau Alving= (zu Pastor Manders). Jetzt reisen Sie vermuthlich mit dem
nchsten Dampfschiff?

=Pastor Manders.= Ja. In einer Stunde geht es ab.

=Frau Alving.= Sein Sie so gut, alle Papiere wieder mit zu nehmen. Ich
will von der ganzen Sache kein einziges Wort mehr hren. Jetzt habe ich
an andere Dinge zu denken -- --

=Pastor Manders.= Frau Alving --

=Frau Alving.= Spter werde ich Ihnen Vollmacht senden, alles nach Ihrem
Gutdnken zu ordnen.

=Pastor Manders.= Das werde ich herzlich gern bernehmen. Die
ursprngliche Bestimmung des Legats mu jetzt leider gnzlich verndert
werden.

=Frau Alving.= Das versteht sich.

=Pastor Manders.= Dann denke ich es vorlufig so zu ordnen, da das
Vorwerk Solvik der Landgemeinde zufllt. Die Felder und Wiesen sind ja
durchaus nicht werthlos. Sie werden immer zu irgend einem Zweck
ausgenutzt werden knnen. Und die Zinsen des contanten Rckstandes, der
in der Sparkasse liegt, knnte ich vielleicht verwenden um ein oder das
andere Unternehmen zu sttzen, welches der Stadt von Nutzen ist.

=Frau Alving.= Wie Sie wollen! Das Ganze ist mir jetzt durchaus
gleichgiltig.

=Engstrand.= Denken Sie an mein Seemanns-Heim, Herr Pastor!

=Pastor Manders.= Ja, zuverlssig, sobald es dazu kommt. Nun, das mu
noch genau berlegt werden.

=Engstrand.= Zum Teufel mit dem Ueberlegen! Nein!

=Pastor Manders= (seufzend). Und ich wei ja leider auch gar nicht, wie
lange ich noch etwas mit diesen Dingen zu thun haben werde; ob die
ffentliche Meinung mich nicht zwingen wird, abzutreten. Das hngt ja
alles von dem Resultat der Branduntersuchung ab.

=Frau Alving.= Was sagen Sie?

=Pastor Manders.= Und das Resultat lt sich im voraus gar nicht
berechnen.

=Engstrand= (nher tretend). O gewi lt es sich berechnen. Denn hier
stehen Jacob Engstrand und ich!

=Pastor Manders.= Ja, ja, aber --?

=Engstrand= (leiser). Und Jacob Engstrand ist nicht der Mann, der einen
wrdigen Wohlthter in der Stunde der Noth verlt, wie man so sagt.

=Pastor Manders.= Ja, mein Bester -- aber wie?

=Engstrand.= Jacob Engstrand ist wie ein rettender Engel, Herr Pastor!

=Pastor Manders.= Nein, nein, das kann ich wahrlich nicht annehmen.

=Engstrand.= O, es wird aber trotzdem geschehen. Ich kenne einen, der
schon einmal die Schuld anderer auf sich genommen hat.

=Pastor Manders.= Jacob! (Drckt seine Hand.) Sie sind ein seltener
Mensch. Nun, Ihnen soll auch zu Ihrem Seemanns-Asyl verholfen werden;
darauf knnen Sie sich verlassen.

=Engstrand= (vermag vor Rhrung nicht zu danken).

=Pastor Manders= (hngt sich die Reisetasche um). Und jetzt von dannen.
Wir beide reisen zusammen.

=Engstrand= (an der Speisezimmerthr leise zu Regine). Geh' mit mir,
Mdchen! Du sollst wie eine Prinzessin leben.

=Regine= (wirft den Kopf zurck). _Merci!_ (Geht in das Vorzimmer und
holt die Reisekleider des Pastors.)

=Pastor Manders.= Leben Sie wohl, Frau Alving. Gott gebe, da der Geist
der Ordnung und der Gesetzlichkeit recht bald seinen Einzug in dieses
Haus halte.

=Frau Alving.= Leben Sie wohl, Manders! (Sie geht ins Blumenzimmer, da
sie Oswald durch die Gartenthr eintreten sieht.)

=Engstrand= (indem er und Regine dem Pastor mit dem Anziehen des
Ueberrocks behilflich sind). Lebe wohl, mein Kind. Und wenn dir etwas
zustoen sollte, so weit du, wo Jacob Engstrand zu finden ist. (Leise.)
Kleine Hafengasse, hm --! (Zu Frau Alving und Oswald.) Und das Haus fr
die fahrenden Seeleute soll heien Kammerherr Alvings Asyl. Und wenn
ich das Haus nach meinem Kopf leiten darf, so kann ich versprechen, da
es des verstorbenen Kammerherrn wrdig sein wird!

=Pastor Manders= (in der Thr). Hm -- hm! Kommen Sie nur, mein lieber
Engstrand. -- Leben Sie wohl; leben Sie wohl! (Er und Engstrand durch
das Vorzimmer ab.)

=Oswald.= Was war das fr ein Haus, von dem er sprach?

=Frau Alving.= Es ist eine Art Asyl, das er und Pastor Manders grnden
wollen.

=Oswald.= Es wird auch abbrennen, wie das Ganze hier.

=Frau Alving.= Wie kommst du auf den Gedanken?

=Oswald.= Alles wird verbrennen. Nichts bleibt brig, das an Vater
erinnert. Ich gehe ja auch umher und verbrenne.

=Regine= (sieht ihn erschreckt an).

=Frau Alving.= Oswald! Du httest nicht so lange da unten bleiben
sollen, mein armer Junge.

=Oswald= (setzt sich an den Tisch). Ich glaube beinahe, du hast Recht.

=Frau Alving.= La mich dein Gesicht abtrocknen, Oswald. Du bist ganz
na. (Trocknet ihn mit ihrem Taschentuch ab.)

=Oswald= (starrt gleichgiltig vor sich hin). Danke, Mutter.

=Frau Alving.= Bist du nicht mde, Oswald? Willst du schlafen?

=Oswald= (angstvoll). Nein, nein, -- nicht schlafen! -- Ich schlafe
niemals! Ich stelle mich nur zuweilen schlafend. (Schleppend.) Es wird
bald genug kommen.

=Frau Alving= (sieht ihn kummervoll an). Ja, du bist aber trotzdem
krank, mein geliebter Junge.

=Regine= (gespannt). Ist Herr Alving krank?

=Oswald= (ungeduldig). Und dann schliet alle Thren! O! diese tdtliche
Angst --

=Frau Alving.= Schlie die Thren, Regine.

(=Regine= thut es und bleibt an der Thr des Vorzimmers stehen. =Frau
Alving= legt ihr Tuch ab, =Regine= ebenfalls.)

=Frau Alving= (rckt einen Stuhl an Oswalds Seite und setzt sich zu
ihm). So, jetzt setze ich mich zu dir. --

=Oswald.= Ja, thu das. Und Regine soll auch hier bleiben. Regine mu
immer um mich sein. Du wirst mir hilfreiche Hand leisten, nicht wahr,
Regine?

=Regine.= Ich verstehe nicht --

=Frau Alving.= Hilfreiche Hand leisten?

=Oswald.= Ja -- wenn es nthig sein wird.

=Frau Alving.= Oswald, hast du nicht deine Mutter, die dir jeden
Liebesdienst leistet?

=Oswald.= Du? -- (Lchelt.) Nein Mutter, den Liebesdienst wirst du mir
nicht erweisen. (Lchelt schwermthig.) Du! Ha -- ha! (Blickt sie
ernst an.) Uebrigens wrst du ja die nchste dazu! (Heftig.) Weshalb
nennst du mich nicht Du, Regine? Weshalb nennst du mich nicht Oswald?

=Regine= (leise). Ich glaube nicht, da es der gndigen Frau Recht wre.

=Frau Alving.= Binnen kurzem gebe ich dir die Erlaubnis dazu. -- Und
jetzt setz dich her zu uns.

=Regine= (setzt sich langsam und leise an die andere Seite des Tisches).

=Frau Alving.= Und nun werde ich die schwere Brde von deiner Seele
nehmen, mein armer, gequlter Junge --

=Oswald.= Du, Mutter?

=Frau Alving.= -- alles das, was du Gewissensbisse und Reue und Vorwrfe
nennst --

=Oswald.= Glaubst du, da du das kannst?

=Frau Alving.= Ja, jetzt kann ich es, Oswald. Du sprachst vorhin von
der Lebensfreudigkeit; und da sah ich pltzlich mein ganzes Leben in
einem neuen Licht.

=Oswald= (schttelt den Kopf). Davon verstehe ich nichts.

=Frau Alving.= Du httest deinen Vater kennen sollen, als er noch junger
Lieutenant war. In ihm war Lebensfreudigkeit, -- das kannst du
glauben!

=Oswald.= Ja, das wei ich.

=Frau Alving.= Es war wie Frhlingswetter, wenn man ihn nur ansah. Und
dann diese unbndige Kraft, diese Lebhaftigkeit in ihm!

=Oswald.= Nun und --?

=Frau Alving.= Und nun mute dies lebensfrohe Kind -- denn damals war
er nichts anderes als ein Kind -- mute es hier in einer halbgroen Stadt
umher gehen, die keine erhebende Freude, sondern nur
Vergngungen zu bieten vermag. Hier mute er bleiben, ohne
einen Lebenszweck zu haben; -- er hatte nur ein Amt. Er sah
nirgend eine Arbeit, der er sich mit all seinen Krften htte
widmen knnen; -- er hatte nur eine Beschftigung. Er besa
keinen Kameraden, der im Stande gewesen wre, mit ihm zu
empfinden, was Lebensfreudigkeit ist; -- er hatte nur Zechbrder,
er kannte nur Mߠiggnger --

=Oswald.= Mutter!

=Frau Alving.= So kam es dann, wie es kommen muߠte.

=Oswald.= Und wie muߠte es kommen?

=Frau Alving.= Du selbst hast heute Abend schon gesagt, was aus dir
werden wrde, wenn du hier zu Hause bliebest.

=Oswald.= Willst du damit sagen, da Vater --?

=Frau Alving.= Dein armer Vater hat niemals eine Ableitung fr seine
bergroe Lebensfreudigkeit gefunden. Auch ich brachte den Frhling
nicht in sein Heim.

=Oswald.= Auch du nicht?

=Frau Alving.= Man hatte mich etwas gelehrt von Pflichten und
dergleichen, an die ich bis dahin geglaubt hatte. Alles mndete nur in
Pflichten aus, -- -- in meine Pflichten und seine Pflichten und
-- -- Oswald, ich frchte, ich habe deinem armen Vater das Heim
unertrglich gemacht.

=Oswald.= Weshalb hast du mir darber nie etwas geschrieben?

=Frau Alving.= Es erschien mir ja bis jetzt niemals in einem solchen
Lichte, da ich es dir, seinem Sohne gegenber htte berhren knnen.

=Oswald.= Nun -- und wie sahst du es denn bis dahin an?

=Frau Alving= (langsam). Ich sah nur das eine, da dein Vater ein
gebrochener Mann war ehe du geboren wurdest.

=Oswald= (gedmpft). Ah --! (Er erhebt sich und geht ans Fenster.)

=Frau Alving.= Und dann dachte ich Tag aus, Tag ein nur an die eine
Sache, da Regine hier eigentlich eben so gut ins Haus gehre -- wie --
mein eigenes Kind!

=Oswald= (wendet sich schnell). Regine --!

=Regine= (springt auf und fragt mit gedmpfter Stimme). Ich --!

=Frau Alving.= Ja -- nun wit ihr es beide.

=Oswald.= Regine!

=Regine= (vor sich hin). Mutter war also auch eine solche --

=Frau Alving.= Deine Mutter hatte viele gute Seiten, Regine.

=Regine.= Ja, aber trotzdem war sie -- -- -- Zuweilen habe ich mir das
wohl gedacht; -- aber -- -- -- Gndige Frau, erlauben Sie, da ich auf
der Stelle reise?

=Frau Alving.= Willst du fort, Regine?

=Regine.= Ja, gewi will ich das.

=Frau Alving.= Du hast natrlich deinen Willen, aber --

=Oswald= (geht zu Regine). Jetzt willst du reisen? Du gehrst ja
hierher.

=Regine.= _Merci_, Herr Alving; -- nun, jetzt werde ich wohl Oswald
sagen drfen. Aber so hatte ich es nicht gemeint.

=Frau Alving.= Regine, ich bin nicht offen gegen dich gewesen --

=Regine.= Nein, leider nicht! Htte ich gewut, da Oswald krnklich
sei, so --. Und da es jetzt auch nicht Ernst mit uns beiden werden kann
--. Nein, ich kann nicht hier drauen auf dem Lande bleiben und mich fr
kranke Leute abmhen.

=Oswald.= Nicht einmal fr einen, der dir so nahe steht?

=Regine.= Nein, ich kann es wahrhaftig nicht. Ein armes Mdchen mu
seine Jugend ausntzen; sonst kann man ehe man sich's versieht auf dem
Strohsack liegen. Und ich habe auch Lebensfreudigkeit in mir, gndige
Frau!

=Frau Alving.= Ja, leider; aber wirf dich nicht fort, Regine.

=Regine.= Nun, wenn's geschieht, so hat es wohl geschehen mssen. Artet
Oswald seinem Vater nach, so arte ich vermuthlich meiner Mutter nach. --
Darf ich fragen, Frau Alving, ob Pastor Manders diese Angelegenheit
kennt?

=Frau Alving.= Pastor Manders wei alles.

=Regine= (ist emsig mit ihrem Tuche beschftigt). Ja, dann mu ich
sehen, so schnell wie mglich mit dem Dampfschiff fort zu kommen. Ich
mchte gern mit dem Pastor zusammen reisen. Und dann scheint es mir
auch, da ich eben so viel Recht an jenes Geld habe wie er, -- der
elende Tischler.

=Frau Alving.= Das Geld soll dir gegnnt sein, Regine.

=Regine= (sieht sie starr an). Frau Alving, Sie htten mich wohl wie das
Kind eines vornehmen Mannes erziehen lassen knnen; das htte besser fr
mich gepat. (Wirft den Kopf zurck.) -- Aber nun ist's geschehen! Es
ist schlielich auch gleichgiltig! (Mit einem gehssigen Seitenblick auf
die Champagnerflasche.) Ich kann vielleicht doch noch einmal Champagner
mit vornehmen Leuten trinken!

=Frau Alving.= Und wenn du dich nach einem Heim sehnst, Regine, so komm
zu mir.

=Regine.= Nein, ich danke Ihnen, Frau Alving. Pastor Manders wird sich
meiner wohl annehmen. Und wenn es mir sehr schlecht gehen sollte, so
wei ich ja immer noch ein Haus, wo ich hin gehre.

=Frau Alving.= Und das wre?

=Regine.= Kammerherr Alvings Asyl.

=Frau Alving.= Regine, -- jetzt sehe ich es klar, -- du wirst zu Grunde
gehen!

=Regine.= Ah, bah! -- Adieu. (Sie grt und geht durch das Vorzimmer
ab.)

=Oswald= (steht am Fenster und blickt hinaus). Ist sie gegangen?

=Frau Alving.= Ja.

=Oswald= (murmelt vor sich hin). Ich glaube, dies hier war verkehrt.

=Frau Alving= (geht zu ihm und legt die Hnde auf seine Schultern).
Oswald, mein lieber Sohn, -- hat es dich sehr ergriffen?

=Oswald= (wendet ihr das Gesicht zu). Diese Dinge ber Vater, meinst du?

=Frau Alving.= Ja, ber deinen unglcklichen Vater. Ich frchte jetzt,
da es dich zu sehr erschttert hat.

=Oswald.= Was fllt dir ein? Es kam mir natrlich hchst berraschend;
aber im Grunde kann es mir ja ganz gleichgiltig sein.

=Frau Alving= (zieht ihre Hnde zurck). Gleichgiltig! -- Da dein Vater
so grenzenlos unglcklich war!?

=Oswald.= Natrlich hege ich Theilnahme fr ihn wie fr jeden andern,
aber --

=Frau Alving.= Nichts anderes? -- Fr deinen eigenen Vater!

=Oswald= (ungeduldig). Ja, Vater -- Vater -- Vater! Ich habe meinen
Vater ja niemals gekannt. Ich habe keine andere Erinnerung an ihn, als
da er mir einmal Uebelkeit verursacht hat.

=Frau Alving.= Es ist entsetzlich, das zu denken! Sollte ein Kind nicht
trotzdem Liebe fr seinen Vater hegen?

=Oswald.= Wenn ein Kind seinem Vater fr nichts zu danken hat? Wenn es
ihn gar nicht gekannt hat? Hltst du wirklich noch an dem alten
Aberglauben fest, du, die du doch sonst so aufgeklrt bist?

=Frau Alving.= Und das sollte nur Aberglaube sein --!

=Oswald.= Ja, das mut du doch einsehen, Mutter. Dies ist auch eine von
jenen Ansichten, die in der Welt in Umlauf gesetzt werden und dann --

=Frau Alving= (erschttert). Gespenster!

=Oswald= (geht durch das Zimmer). Ja, du kannst sie wahrlich Gespenster
nennen!

=Frau Alving= (aufschreiend). Oswald, -- dann liebst du mich auch nicht!

=Oswald.= Dich kenne ich ja doch --

=Frau Alving.= Ja, du kennst mich -- aber das ist auch alles!

=Oswald.= Und dann wei ich ja, wie lieb du mich hast; dafr mu ich dir
dankbar sein. Du kannst mir auch so unendlich ntzlich sein, jetzt, wo
ich krank bin.

=Frau Alving.= Ja, nicht wahr, Oswald? Das kann ich. Ach, ich knnte
diese Krankheit beinahe segnen, die dich zu mir nach Hause getrieben
hat. Denn ich sehe es wohl ein; ich habe dich nicht, ich mu dich
erst gewinnen.

=Oswald= (ungeduldig). Ja, ja, ja; dies sind lauter Redensarten. Du
darfst nicht vergessen, Mutter, da ich ein kranker Mensch bin. Ich kann
mich nicht so viel mit andern beschftigen; ich habe genug mit mir
selbst zu thun.

=Frau Alving= (leise). Ich werde gengsam und geduldig sein.

=Oswald.= Und froh und lustig, Mutter!

=Frau Alving.= Ja, mein lieber Junge, du hast Recht. (Geht zu ihm.) --
Habe ich jetzt allen Kummer und alle Gewissensbisse von dir genommen?

=Oswald.= Ja, das hast du. -- Aber wer wird die Angst von mir nehmen?

=Frau Alving.= Die Angst?

=Oswald= (auf und ab gehend). Regine wrde es fr ein gutes Wort gethan
haben.

=Frau Alving.= Ich verstehe dich nicht. Was ist's mit der Angst -- und
mit Regine?

=Oswald.= Ist es spt in der Nacht, Mutter?

=Frau Alving.= Es ist schon frh am Morgen. (Sieht in das Blumenzimmer
hinein.) Der Tag beginnt schon die Bergspitzen zu erhellen. Und heute
wird es ein klarer Tag, Oswald! -- Bald wirst du die Sonne sehen.

=Oswald.= Darauf freue ich mich. -- Ach, es giebt ja doch noch so viel,
wofr ich leben, worauf ich mich freuen kann --

=Frau Alving.= Das sollte ich auch glauben!

=Oswald.= Wenn ich auch nicht arbeiten kann, so --

=Frau Alving.= O, jetzt wirst du bald wieder arbeiten knnen, mein
lieber Sohn. Nun hast du ja nicht mehr all diese nagenden, drckenden
Gedanken, die dich qulen.

=Oswald.= Nein, es ist gut, da du mir all diese Einbildungen genommen
hast. Und wenn ich jetzt nur noch ber dies eine fort kommen kann -- --
(Setzt sich aufs Sopha.) Jetzt wollen wir mit einander plaudern, Mutter
--

=Frau Alving.= Ja, la uns das thun. (Sie schiebt einen Lehnstuhl zum
Sopha und setzt sich dicht neben Oswald.)

=Oswald.= -- und inzwischen wird die Sonne aufgehen. Und dann weit du
es. Und ich habe nicht mehr diese frchterliche Angst.

=Frau Alving.= Was soll ich wissen?

=Oswald= (ohne auf sie zu hren). Mutter, hast du heute Abend nicht
gesagt, da es gar nichts auf der Welt gbe, was du nicht fr mich thun
wrdest, wenn ich dich darum bte?

=Frau Alving.= Ja, das habe ich allerdings gesagt!

=Oswald.= Und du bleibst dabei, Mutter?

=Frau Alving.= Darauf kannst du bauen, mein einziger, lieber Sohn. Ich
lebe ja nur fr dich allein.

=Oswald.= Ja, ja, nun sollst du hren. -- Du, Mutter, du hast eine
starke, kraftvolle Seele, das wei ich. -- Du mut ganz ruhig bleiben,
wenn du es erfhrst.

=Frau Alving.= Aber ist es denn etwas so Entsetzliches --!

=Oswald.= Du darfst nicht aufschreien. Hrst du? Versprichst du mir das?
Wir werden ganz still sitzen und darber sprechen. Versprichst du mir
das, Mutter?

=Frau Alving.= Ja, ja, ich verspreche es dir; aber sprich nur!

=Oswald.= Nun, du mut also wissen, da das mit der Mdigkeit, -- und
da ich an keine Arbeit denken darf -- da alles dies nicht die
eigentliche Krankheit ist --

=Frau Alving.= Was ist denn die eigentliche Krankheit?

=Oswald.= Die Krankheit, welche ich als Erbtheil bekommen, die -- (zeigt
auf die Stirn und fgt ganz leise hinzu) -- die sitzt hier.

=Frau Alving= (beinahe sprachlos). Oswald! -- Nein -- nein!

=Oswald.= Nicht aufschreien! Ich kann es nicht ertragen. Ja, Mutter,
sie sitzt hier drinnen und lauert. Und sie kann zu jeder Zeit, zu jeder
Stunde hervorbrechen.

=Frau Alving.= O, welches Entsetzen --! --

=Oswald.= Sei nur ruhig. -- So steht es mit mir --

=Frau Alving= (springt auf). Es ist nicht wahr, Oswald! Es ist
unmglich! Es kann nicht sein!

=Oswald.= Dort unten habe ich einen Anfall gehabt. Er ging schnell
vorber. Als ich aber erfuhr, was mit mir vorgegangen, da kam die
rasende, jagende Angst ber mich -- und ich reiste so schnell wie
mglich zu dir nach Hause.

=Frau Alving.= Das ist also die Angst --!

=Oswald.= Ja, denn siehst du, dies ist so unbeschreiblich grauenhaft. O,
wre es nur eine gewhnliche Todeskrankheit gewesen --! Denn ich frchte
mich ja nicht vor dem Tode, obgleich ich gern so lang wie mglich leben
mchte.

=Frau Alving.= Ja, ja, Oswald, das mut du auch!

=Oswald.= Aber dies! Dies ist so grauenhaft abscheulich. Wieder zum
kleinen Kinde zu werden; gefttert werden mssen -- O! -- es ist nicht
zu beschreiben!

=Frau Alving.= Das Kind hat seine Mutter, die es pflegt.

=Oswald= (springt auf). Nein, niemals; das ist es grade, was ich nicht
will! Ich ertrage den Gedanken nicht, da ich vielleicht viele Jahre so
daliegen knnte, -- alt und grau werden. Und du knntest vielleicht noch
vor mir sterben. (Setzt sich auf Frau Alvings Stuhl.) -- Denn es braucht
ja nicht gleich tdtlich zu enden, sagt der Arzt. Er nannte es eine Art
Weichheit im Gehirn -- -- oder etwas Aehnliches. (Lchelt mde.) Die
Bezeichnung klingt so hbsch, nicht wahr? Ich mu immer an kirschrothe
Draperien denken, -- an etwas, das zart und weich zu streicheln ist.

=Frau Alving= (schreit auf). Oswald! Oswald!

=Oswald= (springt wieder auf und geht im Zimmer hin und her). Und nun
hast du Regine von mir genommen! Wenn ich sie nur gehabt htte. Sie
wrde mir jene Handreichung schon geleistet haben!

=Frau Alving= (geht zu ihm). Was meinst du damit, mein geliebtes Kind?
Giebt es irgend einen Liebesdienst auf der Welt, den ich dir nicht
leisten wrde?

=Oswald.= Als ich mich dort unten nach jenem Anfall erholt hatte, so
sagte der Arzt mir, da wenn es wieder kme, -- und es kommt wieder --
-- so sei keine Hoffnung mehr.

=Frau Alving.= Und er war herzlos genug, dir das --

=Oswald.= Ich verlangte es von ihm. Ich sagte ihm, da ich Verfgungen
zu treffen htte -- (Lchelt listig.) -- Und das hatte ich auch. (Zieht
aus der inneren Brusttasche eine kleine Schachtel hervor.) Mutter,
siehst du dies hier?

=Frau Alving.= Was ist das?

=Oswald.= Morphiumpulver.

=Frau Alving= (sieht ihn entsetzt an). Oswald, mein Liebling --?

=Oswald.= Ich habe zwlf Kapseln zusammen gespart --

=Frau Alving= (greift nach der Schachtel). Gieb mir die Schachtel,
Oswald!

=Oswald.= Noch nicht, Mutter. (Steckt die Schachtel wieder in die
Tasche.)

=Frau Alving.= Dies berlebe ich nicht!

=Oswald.= Es mu berlebt werden. Wenn ich Regine jetzt hier gehabt
htte, so wrde ich ihr gesagt haben, wie es mit mir steht -- und ich
wrde sie um diese letzte Handreichung gebeten haben. Sie wrde mir
geholfen haben; dessen bin ich gewi.

=Frau Alving.= Niemals!

=Oswald.= Wenn das Entsetzliche ber mich gekommen wre, und sie htte
mich hilflos da liegen sehen wie ein kleines Kind, unrettbar, verloren,
hoffnungslos -- keine Rettung mglich --

=Frau Alving.= Nie und nimmer wrde Regine das gethan haben!

=Oswald.= Regine wrde es gethan haben. Regine war so wunderbar
leichtsinnig. Und sie wre auch bald mde geworden, einen Kranken wie
mich zu pflegen.

=Frau Alving.= Dann sei Gott Lob und Dank, da Regine nicht mehr hier
ist!

=Oswald.= Ja, Mutter, nun mut du mir jenen Dienst leisten!

=Frau Alving= (schreit laut auf). Ich!

=Oswald.= Wer steht mir denn nher als du?

=Frau Alving.= Ich! Deine Mutter!

=Oswald.= Grade deshalb!

=Frau Alving.= Ich, die dir das Leben gegeben!

=Oswald.= Ich habe dich nicht um das Leben gebeten. Und welch ein
Leben hast du mir gegeben? Ich will es nicht! Du kannst es zurck
nehmen!

=Frau Alving.= Hilfe! Hilfe! (Luft ins Vorzimmer.)

=Oswald= (ihr nach). Geh' nicht von mir! Wohin willst du?

=Frau Alving= (im Vorzimmer). Einen Arzt holen, Oswald! La mich hinaus!

=Oswald= (ebenfalls im Vorzimmer). Du kommst nicht hinaus. Und niemand
kommt herein. (Dreht den Schlssel um.)

=Frau Alving= (kommt wieder herein). Oswald! Oswald! -- mein Kind!

=Oswald= (folgt ihr). Hast du das Herz einer Mutter fr mich -- du, die
mich so namenlose Angst erdulden sieht!

=Frau Alving= (nach einem Augenblick, sich beherrschend). Hier hast du
meine Hand darauf.

=Oswald.= Du willst --?

=Frau Alving.= Wenn es nothwendig ist. Aber es wird nicht nothwendig
sein. Nein, nein, es ist ja nicht mglich!

=Oswald.= La uns hoffen, Mutter. Und la uns zusammen leben, so lange
wir knnen. -- -- Danke, Mutter! (Er setzt sich in den Lehnstuhl,
welchen Frau Alving an das Sopha geschoben hat. Der Tag bricht an. Die
Lampe brennt noch immer.)

=Frau Alving= (nhert sich ihm behutsam). Bist du jetzt ruhiger, mein
Kind?

=Oswald.= Ja.

=Frau Alving= (ber ihn gebeugt). Oswald, das ist eine entsetzliche
Einbildung bei dir gewesen. Alles nur Einbildung! All diese Aufregungen
sind zu viel fr dich gewesen. Aber jetzt sollst du ausruhen. Daheim bei
deiner Mutter, du mein gesegneter Junge. Du sollst alles haben, was du
willst, grade so wie damals, als du noch ein kleines Kind warst. --
Siehst du! Jetzt ist der Anfall vorber. Und ganz leicht. Ach, ich wute
es ja. -- Und siehst du, Oswald, den schnen Tag da drauen? Strahlender
Sonnenschein. Jetzt kannst du die Heimat so recht sehen. (Sie geht an
den Tisch und lscht die Lampe aus. Die Gletscher und Berggipfel im
Hintergrunde liegen in strahlendem Sonnenschein da.)

=Oswald= (sitzt im Lehnstuhl mit dem Rcken gegen den Hintergrund, ohne
sich zu rhren; pltzlich sagt er): Mutter, gieb mir die Sonne.

=Frau Alving= (am Tische, sieht ihn erschreckt an). Was sagst du?

=Oswald= (wiederholt dumpf und tonlos). Die Sonne. Die Sonne.

=Frau Alving= (zu ihm eilend). Oswald, wie ist dir?

=Oswald= (scheint im Stuhl zusammen zu schrumpfen; alle Muskeln
erschlaffen; sein Gesicht wird ausdruckslos; die Augen werden blde und
stier).

=Frau Alving= (bebend vor Furcht). Was ist das! (Schreit laut.) Oswald!
Was ist mit dir! (Wirft sich neben ihn auf die Kniee und schttelt ihn.)
Oswald! Oswald! Sieh mich an! Kennst du mich nicht?

=Oswald= (tonlos wie zuvor). Die Sonne. -- Die Sonne.

=Frau Alving= (springt verzweifelt auf, fhrt sich mit beiden Hnden ins
Haar und schreit): Dies ist unmglich zu ertragen! (Flstert wie
erstarrt.) Wo hat er sie nur? (Fhrt pfeilschnell ber seine Brust.)
Hier! (Weicht ein paar Schritte zurck und ruft:) Nein; -- nein; --
nein! -- Doch! -- Nein, nein! (Sie steht ein paar Schritte von ihm,
den Kopf mit beiden Hnden gepackt, und starrt ihn wie in sprachloser
Furcht an.)

=Oswald= (unbeweglich wie zuvor, sagt): Die Sonne. -- Die Sonne.



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Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://www.gutenberg.org/about/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:
http://www.gutenberg.org/fundraising/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

