The Project Gutenberg EBook of Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann

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Title: Die Prinzessin Girnara
       Weltspiel und Legende

Author: Jakob Wassermann

Release Date: May 31, 2005 [EBook #15952]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***




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 DIE PRINZESSIN GIRNARA


  WELTSPIEL UND LEGENDE

         VON

   JAKOB WASSERMANN


        1919
  ED. STRACHE VERLAG
WIEN -- PRAG -- LEIPZIG


Alle Rechte, insbesondere das der bersetzung, sind dem
_Autor_ vorbehalten. Das Werk, in vorliegender Fassung,
ist nicht als Bhnendichtung gedacht und daher auch nicht
auffhrbar.

GEDRUCKT BEI ED. STRACHE, WARNSDORF.


       *       *       *       *       *


PERSONEN:

DER KNIG
DIE PRINZESSIN GIRNARA
PRINZ SIHO
DER ERSTE RITTER
DER ZWEITE RITTER
DER WRDENTRGER
DER HFLING
SCHNE DAME
FRULEIN
DER PILGER
HAUSMEIER
DER MAGIER
ERSTER DIENER
ZWEITER DIENER
STIMME DES SNGERS
STIMME DES TORWARTS
DIE ALTE DIENERIN
DIE JUNGE DIENERIN
DIE SCHWARZE SKLAVIN
DER FREUND
DER DMON ALS HUND
DER DMON ALS FLEDERMAUS
DER DMON MIT DEM SPIEGEL
GEISTERSTIMME
DER SIEGREICH-VOLLENDETE


       *       *       *       *       *




                    WELTSPIEL


    Saal. Hinten Sulenhalle. Vorn,
    nicht sichtbar, Galerie. Gedeckte Tafel.


STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!

HAUSMEIER:
Ihr knnt die Lichter jetzt anznden!

ERSTER DIENER:
Schon kommen die Spielleute: Fiedel, Flte, Trommel
und der Snger.

ZWEITER DIENER:
Der Wein ist in die Krge gegossen.

ERSTER DIENER:
Der Koch lt melden, er tue die Fische in die Pfanne.

HAUSMEIER:
Da ihr leise auftretet und die Augen niederschlagt.

DER ERSTE RITTER:
Niemand hat die Prinzessin Girnara je gesehen.

DER ZWEITE RITTER:
Man wei nicht mehr von ihr als ihren Namen.

HAUSMEIER:
Da ihr behutsam die Schsseln haltet und die Brhe
nicht verschttet!

HFLING:
Im Schlo der sieben Trme, am Gestade des Geiersees
hat sie geweilt von Geburt an.

WRDENTRGER:
Der Knig in seiner Weisheit hat sie der Welt entzogen.

EIN FRULEIN:
Sprecht, warum ist es geschehen?

WRDENTRGER:
Die Weisheit des Knigs hat es beschlossen.

DER ERSTE RITTER:
Niemand kennt den Grund.

SCHNE DAME:
Hat sie die Sonne je erblickt, hat sie Blumen gepflckt
im Garten?

DER ZWEITE RITTER:
Sie hat nie die Sonne geschaut, nie Blumen im Garten
gepflckt.

SCHNE DAME:
Und die heimliche Hochzeit mit dem fremden Edelmann,
warum dies?

FRULEIN:
Warum die heimliche, hastige Hochzeit mit dem Unbekannten,
der kein Land beherrscht?

WRDENTRGER:
Die Weisheit des Knigs hat es beschlossen.

SCHNE DAME:
Er hatte kein Feierkleid, kein Pferd und keine Diener.

HFLING:
Er war arm wie einer der Geringsten, doch mutig in
der Schlacht.

HAUSMEIER:
Da die Spielleute nicht lrmend ihre Instrumente
stimmen!

ERSTER DIENER:
Sie harren auf das Zeichen zum Beginn.

DER ERSTE RITTER:
Wo ist der Eidam des Knigs? Empfngt er die Geladenen
nicht?

SCHNE DAME:
Empfngt er nicht seine Gste, wie es der Brauch?

HAUSMEIER:
Da sich die Trommel bescheiden auffhrt!

FRULEIN:
Wird die Prinzessin an seiner Seite erscheinen?

HFLING:
Er geht traurig umher und meidet die Blicke der
Menschen.

HAUSMEIER:
Da die Pastetchen warm auf die Tafel kommen!

STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!

WRDENTRGER:
Wer ist es, der so schreit?

HAUSMEIER:
Schafft ihn fort, den Schreier!

ERSTER DIENER:
Ein frommer Pilger, hat Speise begehrt.

STIMME DES PILGERS:
Nimm an die Lehre, Wahnbeladene, in deiner Brunnentiefe!

HAUSMEIER:
Schafft ihn fort, den Schreier, sag' ich!

DER ZWEITE RITTER:
Noch immer ist der Eidam des Knigs nicht unter
seinen Gsten.

DER ERSTE RITTER:
Dort naht er, sieht aus wie einer, der schuldbewut
ist.

DER ZWEITE RITTER:
Wie einer, den Verhngnis bedrckt.

HFLING:
Wie einer, der nichts von Freude wei.

SCHNE DAME:
Ohne die Prinzessin ist er gekommen.

FRULEIN:
Sieht aus wie einer, der unrechtes Gut verbirgt.

HAUSMEIER:
Die Spielleute sollen anfangen zu spielen!

SCHNE DAME:
Er fhrt die Gattin nicht zum Feste.

FRULEIN:
Die Herrin wohnt im Hause und tritt nicht hervor?

HFLING:
Niemand darf ihren Gemchern nahen.

ERSTER RITTER:
Es ist verboten, dem obersten Gewlbe zu nahen.

WRDENTRGER:
Wir gren den Eidam des Knigs!

ERSTER UND ZWEITER RITTER:
Prinz Siho, wir gren dich!

DER SNGER:
Willkommen, Fremdling, der unser geworden ist!

HAUSMEIER:
Der Vollendete segne deine Schritte!

SIHO:
Euch alle gr' ich von Herzen!

WRDENTRGER:
Das frohe Mahl wartet deiner.

HAUSMEIER:
Leckerbissen aller vier Jahreszeiten.

SCHNE DAME:
Traulich spielen die Spielleute.

FRULEIN:
Die Fiedel schluchzt wie die Nachtigall im Mangohag.

SIHO:
Lat uns zu Tische gehen.

DER FREUND:
Hr' mich an, bevor du dich zu ihnen setzest.

DER ERSTE RITTER:
Schwermut verdunkelt seine Stirn.

SIHO:
Sag' es in wenigen Worten.

DER ERSTE RITTER:
Er hat die Prinzessin nicht zum Feste gefhrt.

DER ZWEITE RITTER:
Er hlt uns ihres Anblicks fr unwert.

DER FREUND:
Sie murren, weil du die Prinzessin nicht zum Feste
gefhrt.

SCHNE DAME:
Vielleicht ist sie so schn, da er sie aus Eifersucht
verbirgt.

SIHO:
Darber sprich nicht, und jene la murren und fragen.

FRULEIN:
Vielleicht schmt er sich ihrer, vielleicht ist sie migestaltet
und von roher Sitte.

DER MAGIER:
Im schlimmen Kreise steht ihr, im Bogen des Unheils!

DER FREUND:
Sie flstern bse, die Neugier macht sie gemein.

DER ERSTE RITTER:
Man sollte es ergrnden; fragt ihn, warum er allein
zum Feste kommt.

SIHO:
Bitter ist es, vor dir schweigen zu mssen.

DER FREUND:
Hte dich; ein Widersacher ist unter ihnen.

DER ZWEITE RITTER:
Er ldt Gste zum Mahl und beleidigt sie.

SCHNE DAME:
Wo mag die Prinzessin weilen?

FRULEIN:
Mich qult die Begierde zu wissen, wie sie aussieht.

SIHO:
Bleib' an meiner Seite und schtze mich vor ihren
Blicken; sie sind neugierig, sie sind bse.

DER MAGIER:
Einen Spruch will ich sprechen von zwingender Macht,
der den Wein entflammt und die Seele verrt.

HAUSMEIER:
Euer Gnaden wird zur Tafel gebeten.

DER FREUND:
Ich bleibe dir zur Seite, frchte dich nicht!

DER MAGIER:
Aufgedeckt wird das Geheimnis sein, er selbst wird das
Verschwiegene knden.

SIHO:
Schn geschmckt ist die Tafel, wir wollen uns niederlassen,
Freunde!

DER ERSTE RITTER:
Bist du des Spruches gewi, so erprobe die Wirkung!

WRDENTRGER:
Kstlich ist diese Schssel und lobt ihren Meister,
den Koch.

HFLING:
Angenehme Gerche kitzeln den Gaumen.

DER SNGER:
Frieden ber euch, die ihr geniet die Frucht der Felder
und Gaben der Grten!

SCHNE DAME:
Die Stimme des Sngers klingt lieblich und fein.

HAUSMEIER:
Da der Braten nicht abkhlt! Brote zu reichen verget
nicht!

DER ERSTE RITTER:
Den verheienen Zauberspruch, Magier! Braust du
das Wort schon im Hirn?

STIMME DES PILGERS:
Dein Herz schwillt auf in der Finsternis, Leidbegnadete,
und sprengt die Mauern des Kerkers!

HFLING:
Wer ist dieser, der uns die Sigkeit des Mahles vergllt?

HAUSMEIER:
Gebot ich euch nicht, ihr solltet ihn von der Treppe
jagen?

ERSTER DIENER:
Stumm vernahm er deinen Befehl und ging nicht
vom Tor.

ZWEITER DIENER:
Ein frommer Pilger, erfllt von heiliger Wut.

SIHO:
Prophetenworte, Worte heiliger Wut.

DER FREUND:
Bleich bist du, mein Lieber, bleich ist dein Antlitz.

SIHO:
Prophetenworte, Worte heiligen Grams.

DER FREUND:
Den Spielleuten gib dein Ohr, hr', wie die Flte vogelhaft
singt!

DER ERSTE RITTER:
Sprich deinen Spruch, Magier, ehe wir zweifeln an dir!

DER ZWEITE RITTER:
Liegt es in deiner Gewalt, das Geheimnis uns zu entschleiern,
so tu es!

DER MAGIER:
An seinem Gurt, seht ihr den Schlssel? Wo Mnner
das Schwert sonst tragen, hngt ihm ein Schlssel.

ERSTER UND ZWEITER RITTER:
Wir sehen den Schlssel; erklre doch, was er soll,
was er schliet!

DER MAGIER:
Die eherne Pforte schliet er, hinter der die Prinzessin
Girnara einsam vergeht.

HFLING:
Was kndest du, Magier? Ich hrte dich nicht.

DER ERSTE RITTER:
Er wird ihn wahren, den Schlssel, kostbares Gut ist
er ihm.

DER MAGIER:
Wenn das Wort der Beschwrung gewirkt hat, gibt er
den Schlssel von selbst.

HFLING:
Versprachst du den Schlssel, Magier, der die eherne
Pforte aufschliet?

DER ZWEITE RITTER:
Den Spruch, Magier, den Spruch!

HAUSMEIER:
Sorgsam tragt die Krge, sorgsam giet in die Pokale
den Wein!

DER SNGER:
Freude erblh' diesem Haus, ein Rasthaus des Glckes
sei es!

DER ZWEITE RITTER:
Den Spruch endlich, den Spruch!

DER MAGIER:
Schweigen wird die festliche Runde und jener wird
sagen, was ihn beschwert und qult.

STIMME DES PILGERS:
In der ppigkeit und im bermut der Gensse lgen
deine Snger, Volk!

SCHNE DAME:
Warum erhebt sich der Fremdling von seinem Sitz,
der Magier?

DER FREUND:
Du zitterst vor ihm, dein Auge ist voller Schrecken!

DER ERSTE RITTER:
Still, die Lippen des Magiers formen den bannenden
Spruch!

DER MAGIER:
In seine Brust eindringend, bin ich Frage und Antwort
zugleich.

FRULEIN:
Eine Wolke ist um den Magier, dunkel wird seine Gestalt.

SCHNE DAME:
Ich gewahr' ihn nicht mehr, seht, er zerrinnt in der Luft!

HFLING:
Seht, der Platz, wo der Magier gewesen ist, ist leer!

FRULEIN:
Die Lichter scheinen nicht mehr, im Saale dmmert's.

STIMME DES PILGERS:
Klage, lieblos Unliebender, um dich und die Gattin!

DER WRDENTRGER:
Warum ist es dunkel im Saale? Zndet noch Lichter an!

SIHO:
Die Lichter wollen nicht brennen, Mauern und Sulen
wanken.

DER FREUND:
Halte dich, Lieber, gib mir die Hand!

SIHO:
Siehst du den Magier nicht mehr?

SCHNE DAME:
Warum haben die Spielleute aufgehrt zu spielen?

FRULEIN:
Mir ist Angst, nehmt mir die Angst von der Brust!

DER WRDENTRGER:
Was bedeutet die Stille? Die Spielleute sollen
spielen!

HAUSMEIER:
Warum schweigen die Spielleute? Warum ist der
Snger verstummt?

STIMME DES MAGIERS:
Sprich, der verraten hat, sprich, der verraten ward!

SIHO:
Da ich denn sprechen mu, so hrt mich.

DER ERSTE RITTER:
Still, ihr alle, vernehmt, was Prinz Siho kndet!

STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von ihr, der Lebendigen in der Finsternis!

STIMME DES MAGIERS:
Gib Kunde der Welt, Kunde den Freunden, Kunde
dir selbst!

DER ZWEITE RITTER:
Seid still und lauscht, was der Eidam des Knigs euch
kndet!

SIHO:
Uneins mit dem Vater, verstoen aus meinem Land,
kam ich ber die Gebirge in dieses. Ich leistete dem
Knig Heeresgefolgschaft, ihr wit es, und schwor
ihm den Treueid.

DER FREUND:
Du hast ihm gedient wie ein Sohn und ein Knecht,
sie wissen es.

DER ERSTE UND DER ZWEITE RITTER:
Wir wissen es.

STIMME DES MAGIERS:
Vergissest du, da dich der Ehrgeiz anfra und Sorge
um ungengenden Lohn in deinen Nchten brannte?

SIHO:
Der Ehrgeiz fra mich an und Sorge um ungengenden
Lohn brannte in meinen Nchten.

DER FREUND:
Sie biegen sich ber die Tafel; hte dein Wort, sie essen
und trinken nicht mehr vor Begierde, zu hren.

SIHO:
Ein mchtiger Odem befiehlt mir, zu reden.

DER FREUND:
Hte dein Wort!

SIHO:
Dem Knig mich zu verbinden sann ich; von der Prinzessin
Girnara trumte ich mit wachen und schlafenden
Augen.

STIMME DES MAGIERS:
Hast du nicht Eidam des Knigs zu werden getrachtet
und der Erste beim Thron?

SIHO:
Eidam des Knigs wollte ich werden und der Erste
beim Thron.

DER ERSTE RITTER:
Ihr vernehmt es alle?

DER ZWEITE RITTER, HFLING UND DAME:
Wir haben's vernommen.

DER WRDENTRGER:
Zndet Lichter an, es ist dunkel geworden.

HAUSMEIER:
Lichter, ihr Faulen, zndet die Lichter an!

ERSTER DIENER:
Verzeiht, ich kann mich nicht von der Stelle rhren.

ZWEITER DIENER:
Herr, die Beine gehorchen nicht mehr deinem Befehl.

HAUSMEIER:
Gnaden, die Zunge lahmt mir im Mund, es ist schlimmer
Zauber geschehen.

DER WRDENTRGER:
Wehe, was geht denn vor?

DER ERSTE RITTER:
Schweigen geziemt sich, wenn der Verirrte den Irrweg
bekennt.

STIMME DES PILGERS:
O Leidumbrandete, Angstverwirrte, dir naht der Erhabene bald!

SIHO:
Vom Feldzug kehrt' ich zurck, hatte die Feinde geschlagen,
da bot mir der Knig die Hand der Prinzessin an.

DER ZWEITE RITTER:
Niemand hat die Prinzessin mit Augen je gesehen.

HFLING:
Niemand wei mehr von ihr als ihren Namen.

STIMME DES MAGIERS:
Trankst du den Namen und umgabst ihn mit Ehrgeizflammen,
den Namen allein?

SIHO:
Den Namen allein umgab ich mit Ehrgeizflammen und
trank ihn wie seligen Trunk und fiel zu des Knigs
Fen nieder und kte dankbar den Saum seines
Kleides.

STIMME DES MAGIERS:
Fhrte er dich in den Tempel der siebzehn Sulen, wo
die Verschleierte harrte?

SIHO:
Die Verschleierte harrte im Tempel der siebzehn Sulen
und ich sah nicht ihr Antlitz, nicht ihre Hand, und der
Priester schlo das ewige Bndnis.

DER FREUND:
Es erschttert dich das Gedenken, du gibst ihnen
berflle des Herzens.

SIHO:
Ein mchtiger Odem befiehlt mir zu reden; la es mich
sagen, da ich des Grauens entledigt werde.

STIMME DES MAGIERS:
Und in der Nacht des obern Gewlbes hast du die
Gattin erblickt.

SIHO:
Das Grauen verwehrt mir die Worte. Die Gattin hab' ich erblickt.

STIMME DES PILGERS:
Die Gefangene im obern Gewlbe bt den Frevel des
Vaters, die rasende Untat.

SIHO:
Das Grauen verwehrt mir zu denken, ich kann es nicht denken.

SCHNE DAME:
Sprich, wir flehen dich an, und nimm von mir die Qual dieser Stunde!

STIMME DES MAGIERS:
Rei den Schlssel vom Gurt und gib ihn denen, die bereit sind,
zu schirmen!

SIHO:
Bitt're Gewalt hast du ber mich, verborgene Stimme.

DER FREUND:
Lst du den Schlssel vom Gurt und gibst ihn den Gierigen preis?

DER ERSTE RITTER:
Gib uns den Schlssel preis, wir wollen das Grauen ermessen.

SIHO:
Hier ist der Schlssel zum obern Gewlbe, ermet die Tiefe des Grauens.

DER ZWEITE RITTER:
Mir berla den Schlssel, zu ffnen die eherne Pforte.

DER ERSTE RITTER:
Nein, ich fat' ihn zuerst, folge mir nach ins Gewlbe.

SIHO:
Bin ich oder trum' ich? Verriet ich oder ward ich verraten?

DER FREUND:
Bist Opfer von vielen, Opfer von dir und ersehntem Bild.

SIHO:
Entschlossen war ich zur Liebe, Sehnsucht zerbrach
am Grlichen. Schuld ward gehuft, die ich nicht
wute, Leiden, das unbekannt. Frei gewesen, bin ich
Sklave geworden, echt gewesen, bin ich besudelt,
stark gewesen und jetzt ohne Nerv, furchtlos gewesen,
nun mit dem Grauen im Blut.

DER FREUND:
Verhngnis fiel ber dich.

SIHO:
Wo ist meine Schuld?

STIMME DES MAGIERS:
Schuld ist Blutqual geworden.

SIHO:
Wozu der Traum?

STIMME DES MAGIERS:
Traum war Laster und Lge.

SIHO:
Stimme ohne Erbarmen!

SCHNE DAME, HFLING:
Die Ritter sind fortgeeilt.

FRULEIN:
Sie sind mit dem Schlssel ins obere Gewlbe.

STIMME DES PILGERS:
Fahr' ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte!

SIHO:
Stimme des Trostes, wo kommst du her?

DER WRDENTRGER:
Finsternis wrgt mich schon, eure Hand, euern Arm!

STIMMEN DER GSTE:
Weh uns! Weh uns!

STIMME DES MAGIERS:
Weh euch! Weh euch!

STIMME DES SNGERS:
Weh uns Verlorenen!

STIMME DES PILGERS:
Ist anders das Leben und anders der Leib? Heil dir,
Siegreich-Vollendeter!

SIHO:
Wahrerer Traum beginnt. Licht schwillt auf.

STIMMEN:
Weh uns! Weh uns!

FERNE STIMMEN:
Heil uns! Heil uns!

SIHO:
Licht schwillt vom obern Gewlbe her!

FERNE STIMMEN:
Die Erde bebt im Hauch des Erhabenen, bergewaltigen!
Heil dir, Siegreich-Vollendeter!


       *       *       *       *       *




                    LEGENDE


    Das obere Gewlbe. Kolossales Gemuer.
    Eine einzige Fackel.


DIE JUNGE DIENERIN:
Vergebens ruf' ich nach denen, die mir gehren.

DIE ALTE DIENERIN:
Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.

DIE JUNGE DIENERIN:
Das Blut will hinaus, hat Meer und Sterne noch nicht vergessen.

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Tief schlft die Herrin.

DIE JUNGE DIENERIN:
Ist nie ein Schlaf; Unheimliches ist es, das droht und schweigt.

DIE ALTE DIENERIN:
Auf dem Weg hieher vom Gestade des Geiersees, da schien die Sonne.

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Die Herrin spricht im Schlaf.

DIE JUNGE DIENERIN:
Ist nie ein Traum; Unheimliches ist es, das droht und flstert.

DIE ALTE DIENERIN:
Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt! An den Herd und schrt Feuer!

DIE JUNGE DIENERIN:
Gestorben sind die vielleicht, die meines Namens und Bluts.

DIE ALTE DIENERIN:
Bist eingeschworen, darfst an Vater und Mutter nicht denken.

GIRNARA:
Einsam wie vor der Geburt, einsamer noch, seit du kamst.

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Hrt ihr es, die Herrin klagt aus dem Schlummer.

DIE JUNGE DIENERIN:
Die Frchterliche, da sie nicht ruft und sich zeigt!

DIE ALTE DIENERIN:
Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt, an die Tpfe und kocht!

DIE JUNGE DIENERIN:
Sag' mir eines, du Wissende: Kam sie aus Mutterleib
so mit dem fleischlosen Totenhaupt?

DIE ALTE DIENERIN:
Kam aus Mutterleib so. Mit dem fleischlosen Totenhaupt
und der gesprenkelten Haut.

DIE JUNGE DIENERIN:
Schauerlich, sie zu sehen! Mensch nicht und Weib nicht
und doch mit Stimme und Blick.

DIE ALTE DIENERIN:
Zehntausend Waisen lie der Knig erschlagen im
sakkischen Eichwald. Daher der Fluch.

DIE JUNGE DIENERIN:
Und half nicht Ahnenmesse und Feueropfer?

DIE ALTE DIENERIN:
Zehntausend Waisen lagen zerschmettert, als die Knigin
Sirdar in Wehen schrie.

DIE JUNGE DIENERIN:
Daher der Fluch, du Wissende, daher das Grauen.

DIE ALTE DIENERIN:
Ist unabnderlich, ntzt kein Murren und Beten.

GIRNARA:
Wann endlich werden Worte schallen, die heilen, wann
endlich wird der Abgrund leuchten?

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Hrt ihr, die Herrin spricht, seht ihr, sie regt sich.

DIE ALTE DIENERIN:
Fort an den Rocken, fort an die Tpfe, fort an den Herd!

STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Die Herrin erhebt sich und lauscht. Was begehrst du, Herrin Girnara?

GIRNARA:
Woher das se Wehen? Woher die trstliche Stimme?

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Die Wlder riefen mir zu. Die Tiere der Wlder schmeichelten
mir im Traum.

DIE ALTE DIENERIN:
Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.

GIRNARA:
Ein ses Wehen war, eine trstliche Stimme.

DER DMON ALS HUND:
Aus zehntausend Kinderleichen im sakkischen Eichwald
hab' ich die Augen geschlrft.

DIE JUNGE DIENERIN:
Wissende du, was ist dies? La mich hinaus! Was ist
dies? Mir stirbt die Seele!

GIRNARA:
In die Leidensnacht hat mich der Vater verstoen, als
er die Schuld auf sich lud.

DIE ALTE DIENERIN:
Kann dir nicht auftun das Tor, kein Schlssel ward mir vertraut.

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
O das entfleischte Gesicht! Die gesprenkelte Haut unserer Herrin!

DER DMON ALS HUND:
Seelen der Vter und Mtter suchen im sakkischen
Eichwald noch immer nach Kinderleichen.

GIRNARA:
Litt ich nicht ohne dich, Stimme der Angst? Schalle
doch, trstliche, wieder!

STIMME DES PILGERS:
Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Tiefer hinein den Stachel, tiefer in Dickicht und Nacht!

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Lange nicht brennend genug, herunter, herunter zum Schmerz!

DIE JUNGE DIENERIN:
Wissende du, was ist dies? Ach, mich jammert mein selbst!

DIE ALTE DIENERIN:
Herrin, hast du Befehle? Die beiden vergehen vor Furcht.

GIRNARA:
Wlzt ihr noch Blcke auf mich, ihr Abgesandten der Schwrze?

DIE ALTE DIENERIN:
Die Armen, sie bohren die Finger in Fugen der Steine.
Sieh, sie vergehen vor Furcht!

DER DMON ALS HUND:
Schuldige zechen im Saal, Unschuldige wurden gemordet.

DIE ALTE DIENERIN:
An den Mauern grinsen Gespenster, die Luft hat giftige Zungen. Fort!

DIE JUNGE DIENERIN:
Es zischeln die Schatten, brenzlicher Qualm kocht aus den Mauern. Fort!

DIE SCHWARZE SKLAVIN:
Die Herrin hat kein Ohr fr uns, Jfrids reden mit ihr. Fort!

STIMME DES PILGERS:
Nimm an die Lehre, Wahnbeladene in deiner Brunnentiefe!

GIRNARA:
Leidbeladene bin ich, mein Leid ist mir Sonne und Mond.

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Dein Haar ist wie Pferdehaar, gesprenkelt ist deine
Haut wie das Fell des Tigers.

GIRNARA:
Der mich whlte, hat mich verlassen, der mich gezeugt
hat, kennt mich nicht.

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Tiefer hinein in den Schmerz, tiefer in hauslose Nacht!

GIRNARA:
Der mich whlte, ist ohne mich zum Fest gegangen.
Wessen bin ich schuldig?

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Deine Arme sind Spinnenarme, deine Augen sind wie
die Augen der Krte.

GIRNARA:
Wie erkenn' ich die Schuld? Wer hat mich so verdammt?

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Tiefer hinein in die Qual! Tiefer ins Mark des schwrenden Lebens!

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Dein Bildnis halt' ich dir vor, Abscheu den Blinden noch.

GIRNARA:
Gb' es ein Feuer, auszubrennen die Brust vom Wissen der Welt!

STIMME DES PILGERS:
Leidbegnadete, die Stunde bricht an, wo das Herz sich
dehnt bis zur Grenze des Leibes und berschwillt und
die Mauer des Kerkers sprengt.

DER DMON ALS HUND:
belgeborne, dir ist verwehrt, zu sinnen Verwandlung.

GIRNARA:
Ist mir verwehrt, zu sinnen Verwandlung, so will ich
mein Leiden lieben und den Siegreich-Vollendeten suchen.

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Irdisch-Gefesselte, la dein Bemhen, denn jener wohnt
in unauffindbaren Hhen.

GIRNARA:
Sink' ich zum Grunde nieder, fhl' und umschling' ich
das gttliche Wesen.

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Migestaltete, hoffe nicht, die Seele ist eingegittert im Fluch.

GIRNARA:
So will ich trotz Kerker und Fessel wandern Meile um
Meile, steigen Stufe um Stufe, erfahren Schmerz um
Schmerz, alles Elend der Erde, alle Verzweiflung der
Herzen, allen Sturm der Verdammten, schmecken die
Trnen, lauschen den Seufzern der schuldlos Gerichteten,
schuldlos Gemordeten, hingeben alles, was mein
ist, alles, was mein noch werden knnte, letztes Gericht,
letzten Lohn, letztes Wort der Gnade, bis innere Meeresstille
mir den Erhabenen bringt.

GEISTERSTIMME:
Erst am Ende des Wollens gebiert sich die schtzende Flamme.

DER DMON ALS HUND:
Was zwngt sich durch die Gewlbe? Hrt ihr den silbernen Ruf?

GIRNARA:
So end' ich zu wollen und frage nur, zu welchem Opfer
ich noch gefordert, zu welcher Shne ich noch bestimmt,
zu welcher Einsamkeit ich noch verurteilt bin.

GEISTERSTIMME:
Erst am Ende des Fragens beginnt das heilige Wissen.

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Was zwngt sich durch die Gewlbe? Seht ihr den Scharlachschein?

GIRNARA:
So end' ich zu warten und harre auf seres Dasein, leibesledig
und stumm.

GEISTERSTIMME:
Erst am Ende des Harrens erfllt sich die hhere Sendung.

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Was zwngt sich durch die Gewlbe? Sprt ihr den weltlosen Hauch?

GIRNARA:
So ruh' ich in glubiger Ruhe, nicht wollend, nicht fragend,
nicht harrend.

GEISTERSTIMME:
Ruhe in glubiger Ruhe, mit all deinen Sinnen bereit.

DER DMON ALS HUND:
Mit Scharlach frbt sich die Kuppel, es frbt sich der
Estrich, ihr Brder, entflieht!

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Es zittern die Quadern, gebietende Flamme steigt auf,
ihr Brder, entflieht!

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Ich seh' ihn nahen, den Leiter der Mnnerherde, den
Meister der Gtter und Menschen, ihr Brder, entflieht!

DER DMON ALS HUND:
Es naht der Erwachte, naht der Erhab'ne, naht der Vollkommene!

DER DMON ALS FLEDERMAUS:
Es naht der Kenner der Welt, der Wissens- und Wandelsbewhrte!

DER DMON MIT DEM SPIEGEL:
Es naht der Herrliche, der Siegreich-Vollendete kommt!

ALLE DREI:
Ihr Brder, entflieht!

GEISTERSTIMME:
Die Unreinen meiden seine Bahn, die Schatten vergehen vor ihm.

STIMME DES PILGERS:
Fahr' ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte, Wiedergeborne!

GIRNARA:
O lasurfarbenes Haupt! Du bist in der Welt gegenwrtig,
erscheinst sichtbar vor mir.

DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
O Knigstochter Girnara, ich wei, da deine Gedanken
rein sind und von inniger Hochachtung beseelt.

GIRNARA:
O Antlitz unverhllt! O ruhevolles Auge!

DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
Dein Haupthaar ist sanft geworden in dieser Stunde,
und gefrbt wie Lasur.

GIRNARA:
O golden strahlender Leib! Flammengegrtete Hfte!
Entzcken ist grer als Schmerz je war.

DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
Deine Arme beben in neuer Wohlgestalt, deine Augen
sind wie Sterne beim Aufgang.

GIRNARA:
In deiner ganzen Herrlichkeit zeig' dich mir, Erhabener,
nur fr eines Dankes Dauer, weil du da bist, weil die
Welt dich besitzt.

DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
Freudig bewegt, sei heiter; heiteren Herzens, sei schn
am Leibe; schn am Leibe fhle Seligkeit, der Beseligten
Gemt wird einig.

GIRNARA:
Ich bin's und wei es: des Beseligten Gemt wird einig.

GEISTERSTIMME:
Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewiheit ist
er entronnen, er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken
befreit er sein Herz.

GIRNARA:
Entschwindest du mir schon, Erhabener?

GEISTERSTIMME:
Des Beseligten Gemt wird einig.

GIRNARA:
Entschwinde mir noch nicht, Seliger, der zu beseligen vermag.

DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
Nimm an das Kleine, ans Geringe wende dich gern;
und wenn du die Wege der Lasttrger gehst, so beuge
dich nieder und ksse ihre Spuren; und liebe; ohne
Ma sollst du lieben; den, der neben dir keucht und
den, der neben dir jauchzt, und den, der unterm nassen
Mantel geht, und den, der auf goldener Stufe steht;
und schaue; schau die vielen Dinge der Welt; liebe dein
Auge, wenn es schaut, schau die Sterne, schau die
Rinder; schau die Weisen, schau die Blumen; gib dich
hin und du wirst sein; sei verloren und du bist schn:
des Beseligten Gemt wird einig.

GIRNARA:
Entschwunden ist er mir. Die Irdischen kommen, die
Irdischen ffnen das Tor.

STIMME DES PILGERS:
Anders ist das Leben, anders der Leib. Heil dir, Siegreich-Vollendeter!

DIE ALTE DIENERIN:
Fremde Ritter haben das Tor geffnet.

GIRNARA:
Dort ist Glanz gewesen, dort war Licht.

DIE ALTE DIENERIN:
Gnade, Prinzessin, wie bist du schn! Herrliche, wie bist du schn!

DER ERSTE RITTER:
Heb' empor die Fackel! Finster ist's im Zimmer der Prinzessin.

DER ZWEITE RITTER:
Mir bangt vor unserm Tun, unbesonnen scheint mir's und strafwrdig.

DIE JUNGE DIENERIN:
Die Herrin ist schn! Unfalicher Zauber hat sich begeben.

DER ERSTE RITTER:
Siehe, sie ist schn! Verborgen ward sie den Menschen,
weil sie so schn ist.

STIMME DES TORWARTS:
Verbrechen geschah! Fremde Ritter haben das Tor geffnet.

DER ZWEITE RITTER:
Sie ist schner als die Schnsten des Landes. In ihrem
Antlitz ist die Seele der Engel.

DER HFLING:
Was habt ihr getan, Unsinnige, das verbotene Gewlbe betreten!

GIRNARA:
Kommt mein Gemahl denn nicht, um mich zum Feste zu holen?

DER ERSTE RITTER:
Deine Schnheit, Herrin, ist wie die seltenste Blte im Mangohag.

GIRNARA:
Kommt mein Gemahl nicht bald, mich liebreich zu begren?

WRDENTRGER:
Verbrechen geschah? Wer frevelte wider des Knigs Gebot?

SIHOS STIMME:
Wahrer Traum beginnt. Licht schwillt auf.

STIMMEN:
Weh uns! Weh uns!

GIRNARA:
Nahet nicht mein Gemahl? Soll ich nicht Schmuck anlegen fr ihn?

STIMMEN:
Heil uns! Heil uns!

STIMMEN DER DREI DIENERINNEN:
Ein Wunder hat sich begeben, unfaliches Wunder im Hause.

DER ERSTE RITTER:
Ich beuge mich, Herrin, vor dir, ich beuge mich vor deiner Schnheit.

DER ZWEITE RITTER:
Du bist im holdesten Schmuck, Herrin, wenn du gehst, wenn du blickst.

WRDENTRGER:
Herrlich schn ist die Herrin! Ein Bote eile zum Knig!

SCHNE DAME:
Ist es wahr, die Prinzessin ist schner als die Schnsten des Landes?

SIHO:
Strahl der Ahnung, wiesest du mir den richtigen Weg?

STIMMEN:
Heil uns! Heil uns! Ein Wunder hat sich begeben!

GIRNARA:
Bist du gekommen, mein Herr? Ist deine Stirne entwlkt?

HFLING:
Mit rosigem Flor bedecken sich die Gewlbe, blhender
Glanz umflutet die Kuppel.

WRDENTRGER:
Herein ihr alle mit Fackeln und Lampen, da berflle des Lichtes wird!

SIHO:
Nieder zur Erde, Wunderbare, vor dir, mit der sich Wunder begab!

WRDENTRGER:
Herein, ihr alle, bewillkommt die Herrin. Nieder zur Erde,
die Kpfe geneigt!

STIMMEN:
Heil uns! Heil uns! Der Knig! Der Herr!

HFLING:
Die Drommeten verknden die Ankunft des Knigs, dreiunddreiig
Drommeten!

WRDENTRGER:
Nieder zur Erde, die Kpfe geneigt!

DER KNIG:
Boten riefen mich her, Unglaubhaftes raunten sie mir
in den qulenden Schlummer.

SIHO:
Sie ist wie eine Gttin, Herr, wie die seltenste Blume im Mangohag.

GIRNARA:
Gttin bin ich mit nichten; Mensch und diene den
Menschen. Blume nicht: Leib, der der Liebe gehorcht.

DER KNIG:
Du warst ein Schrecken und Fluchbild sterblichen
Augen: Wie bist du schn geworden?

GIRNARA:
Der Siegreich-Vollendete hat sich mir gezeigt.

DER KNIG:
So ist er herabgekommen, der Gttliche, und hat
Freude geschenkt?

STIMME DES PILGERS:
Fern zieht er hin, der Siegreich-Vollendete, entraten
der Paarung, fern dem gemeinen Gesetze.

DER KNIG:
So ist er herabgekommen, der Sanfte, zu lsen verjhrten Fluch, die
bereute Untat zu nehmen vom qulenden Schlummer, auszugleichen das
bel und Freude zu schenken, das Bse zu heben von der wissenden Seele?

DER PILGER:
Des Beseligten Gemt wird einig.

SIHO:
Hebe mich empor zu dir, Gewordene; berhrend weihe den dir Gewordenen.

STIMMEN ALLER:
Hebe ihn zu dir empor, Gewordene, berhrend weihe den dir Gewordenen.
Des Beseligten Gemt wird einig.


       *       *       *       *       *


NEUE BCHER UND DICHTER


PAUL BAUDISCH: DER PHARISER
oder ES LEBE DER TOD. KOMDIE
Kategorie: "Knftige Dramatik"

ALFRED GRNEWALD: SONETTE
AN EINEN KNABEN. MIT ZEICHNUNGEN
VON G. EHRLICH
Bewahrung zeitlos edelsten Erbes

ELISABETH JANSTEIN: GEBETE
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Fortfhrung, Erfllung der besten Tradition

GEORG KULKA: DER STIEFBRUDER
AUFZEICHNUNG UND LYRIK
Ziel der heutigen, Weg der kommenden Dichtung

MARTINA WIED: BEWEGUNG
Gedichte fr wesentliche Menschen

PAUL BAUDISCH: FRAGMENTE
Ein Buch, das viele andere berflssig macht

DIE BOTSCHAFT: NEUE GEDICHTE AUS STERREICH. GESAMMELT UND
EINGELEITET VON E. A. RHEINHARDT
Eine Reprsentation des menschlichen und dichterischen
Wollens in sterreich


Wir bitten, Sonder-Prospekte zu verlangen

VERLAG ED. STRACHE
WIEN PRAG LEIPZIG


       *       *       *       *       *


[Transcriber's Note: After proofreading on PGDP-EU had been completed,
the text has been compared to another eText version, based on the same
edition of the book prepared by Marina Lukas for the Project
Wassermann (http://www.marinal.de/wassermann/werke_prinzessin.htm).
This resulting eBook is thus believed to be free of transcription
errors.

On page 40, _Jfrids_ is possibly a misspelling for _Ifrids_. However, as
the word is quite uncommon in German, I decided to stay true to the
printed book and keep the original spelling.]








End of Project Gutenberg's Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***

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