The Project Gutenberg eBook, Das Nibelungenlied, by Unknown, Translated by
Karl Joseph Simrock


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Title: Das Nibelungenlied

Author: Unknown

Release Date: February 5, 2005  [eBook #14915]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS NIBELUNGENLIED***


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DAS NIBELUNGENLIED

Uebersetzt

von

KARL SIMROCK







Vorrede.

Den Vorwurf, der meinen Uebersetzungen aus dem Mittelhochdeutschen, der
Nibelungen namentlich, gemacht worden ist, als htten sie den
Originalen Abbruch gethan, knnte ich mir schon gefallen laen, denn
sie msten sie, wenn er begrndet sein sollte, bertroffen haben.
Leider vermag das keine Uebersetzung, und so werde ich mich statt jenes
schmeichelhaften Tadels mit dem bescheidenen Lobe begngen men,
Unzhlige, und vielleicht den Anklger selbst, den Originalen zugefhrt
zu haben. Da die Uebersetzungen, und zwar besonders solche thun, die
Zeile fr Zeile, gleichsam Wort fr Wort bertragen, ist Goethes
Ausspruch, auf den ich mich schon im Freidank S. XIII. berufen durfte.
"Sie erregen," sagt der Altmeister, "eine unwiderstehliche Sehnsucht
nach dem Original." Weil aber immer etwas hangen bleibt, will ich, die
Anklage ganz aus dem Felde zu schlagen, diese Sehnsucht zu befriedigen
helfen, indem ich das Original neben die Uebersetzung stelle.

Ueber den Schaden, welchen Uebersetzungen anrichten knnten, (seht was
ein storch den foeten schade, noch minre schaden hnt si mn), habe ich
mich in der Vorrede zur 1. Aufl. mit strkern Worten ausgesprochen als
ich es hier nach dem Spruche de mortuis nil nisi bene drfte. Ich lae
aber diese frhe Vorrede auch aus andern Grnden wieder abdrucken, mu
indes bemerken, da ich jetzt nicht mehr drei, sondern vier Hebungen im
ersten Halbvers annehme. Ferner la ich, weil darin zweier in der
"Einleitung" mitgetheilter Gedichte und einer "Weihe" gedacht ist, auch
diese folgen; ja vielleicht wird es mir nicht verdacht, wenn ich auch
die Erwiederung Fouqus, an welchen jene "Weihe" gerichtet war, aus dem
Gesellschafter, 1827 Nr. 85 (28. Mai) einrcke.

Um das Auge nicht zu beleidigen, geb ich Urschrift und Uebersetzung mit
der gleichen Schrift, die mir, nachdem einige Zeichen hinzugekommen
sind, auch fr das Mittelhochdeutsche die geeignete scheint. Das
Neuhochdeutsche anlangend, so hat Jacob Grimm, der sich in einem Briefe
an F. Pfeiffer beschwert, da er nicht einmal das , wo es organisch
ist, durchzusetzen vermocht habe, die durch den Gebrauch der runden
Schrift, die man ausschlielich lateinisch zu nennen pflegt, als ob die
eckige nicht den gleichen Ursprung htte, selber verwirkt, denn diese
Schrift hat kein , und nicht Jeder ist in der Lage, sich eins
schnitzen zu laen, ja er selber war es nicht immer. Sie hat eigentlich
auch kein k und verfhrte J. Grimm selbst zu der ungeheuerlichen
Schreibung Cln, was Zln gesprochen werden mste, vergl. Clibat, und
also die Klner, die sich ihrer bedienen, zu Zlnern und Sndern wider
die deutsche Lautlehre macht. Fr das Mittelhochdeutsche hat sie erst
Beneke und in den Nibelungen Lachmann durchgesetzt; jedoch hat Lachmann
die Prachtausgabe seiner Zwanzig Lieder mit eigens dazu gegoenen
wunderschnen eckigen s.g. deutschen Lettern drucken laen. Ich selbst
habe sowohl im _Lesebuch_ als im _Wartburgkrieg_ zu der s.g.
lateinischen greifen men, weil es da der Mhe nicht lohnte, fr die
Umlaute des langen a und o sowie fr das weichere z, das wir  nennen
und schreiben, eigene Zeichen ( und oe und z) schnitzen und gieen zu
laen, wie das hier geschehen konnte.

Die Nebeneinanderstellung von Text und Original nthigte zu genauerm
Anschlu an das Original, das aber erst redigiert werden muste, denn
ich konnte keiner der drei Faungen (Recensionen), in denen das Gedicht
vorliegt, ausschlielich vertrauen: keine bewahrt allein das Echte, ja
in keiner sind alle Strophen vereinigt, durch deren Verbindung Original
und Uebersetzung nun einige hundert Strophen mehr zhlen als die
Handschrift A, deren Text ich zwar zu Grunde legte, von dem ich aber
unzhlige Mal abgewichen bin, manchmal vielleicht ohne Noth, aber
schwerlich je ohne Grund. Nur in gleichgltigen Fllen hab ich den Text
vorgezogen, der sich am wohllautendsten bertragen lie. So ist
allerdings mein Text kein kritischer; aber er wird dem endgltig durch
die Kritik herzustellenden in den meisten Fllen vorgearbeitet haben.

Die bisherigen kritischen Ausgaben haben sich Einer der drei Faungen
des Textes, welche man mit A, B und C zu bezeichnen pflegt, nher
angeschloen: die von der Hagensche von 1826 hielt sich an B (St.
Galler Handschrift), die Lachmannsche an A, die Holtzmannsche und
Zarnckesche an C, und indem Jeder die seinige fr die echte und
alleinseligmachende erklrte, erwarben sie sich das groe Verdienst,
uns von jeder dieser drei Faungen ein zuverliges und anschauliches
Bild vor Augen gestellt, und so der Ermittelung des ursprnglichen
allen dreien zu Grunde liegenden Textes Vorschub geleistet zu haben.
Einen Anfang zu solcher Kritik hat Bartsch (Untersuchungen ber das
Nibelungenlied, 1865) gemacht; aber seine Ausgabe, die zu B
zurckgekehrt ist, benutzt die gewonnenen Ergebnisse nur theilweise.
Der Text des ersten Dichters, der die vorhandenen Lieder mit Hlfe des
lateinischen Nibelungenliedes Konrad des Schreibers zu einem Ganzen
verband, wird zwar schwerlich jemals hergestellt werden knnen, denn
das Gedicht scheint seitdem mehrfache Ueberarbeitungen erfahren zu
haben, theils um die Sprache zu verjngen, theils um Versbau und Reim
mit den Ansprchen der neuern Zeit in Uebereinstimmung zu bringen;
offenbar sind auch groe Theile des Gedichts aus der knappen Weise des
Volkslieds, die sich z.B. in Lachmanns viertem Liede zeigt, von hfisch
gebildeten Volkssngern in die reichere, glnzendere und gefhlvollere
Darstellung, die wir an den Rdigern betreffenden Abenteuern bewundern,
umgebildet worden, wenn die nicht schon, wie Wackernagel (Sechs
Bruchstcke 1866, S. 30 ff.) annimmt, an den Liedern selbst, vor ihrer
Aufnahme in das Gedicht, geschehen war: wir men ihm aber so nahe zu
kommen suchen als mglich.

Da die strophische Eintheilung schon dem _ersten_ Dichter des Ganzen
vorschwebte, scheint mir keineswegs auer allen Zweifel gestellt, viel
weniger, da sie auch schon in den Liedern, welche er benutzen konnte,
durchgesetzt war: darum kann ich die Forderung, da der Sinn nicht aus
einer Strophe in die andere bergehen solle, nicht fr haltbar ansehen,
whrend Mittelreime, ein anderes Lachmannsches Kennzeichen unechter
Strophen, sich schon in den ltesten der Nibelungenstrophe verwandten
Liedern finden, und sich auch Jedem, der in dieser Strophe zu dichten
versucht, von selber aufdrngen. Das neuere Hildebrandslied, Uhland
330, hat dagegen nicht einen einzigen Mittelreim; die aus B
eingeschaltete Warnung vor einer Art Pulververschwrung (28. Abenteuer)
gleichfalls keine und das Abenteuer mit Gelfrat und Else (Str.
1561-1566), das ein ebenso miger Einschub ist, hat nur einen, whrend
Sie in ltern und echten Theilen nicht gar selten sind, wo freilich
Lachmann die ungenauern bersieht, und die, welche nur auf eine Hebung
reimen, gar nicht in Anschlag bringt. Ich denke mir hiernach den
Hergang wie folgt. Zuerst waren nur einzelne Lieder vorhanden, wie wir
in der Edda die ganze Heldensage in Liedern dargestellt finden, die ich
fr Uebersetzungen deutscher halte, freilich sehr unvollkommen durch
das Gedchtniss berliefert. Diese Lieder waren in alliterierenden
Langzeilen verfat, wie uns davon im Hildebrandslied ein Beispiel
vorliegt. Zugleich waren sie vom heidnischen Geist erfllt, so da z.B.
der Drachenkampf, Brunhildens Versenkung in den Todesschlaf und
Wiedererweckung durch Siegfried, der durch die Webelohe ritt, und
manches Andere, christlichen Zuhrern nicht wohl mehr ausfhrlich
vorgetragen werden konnte, von der Blutrache abgesehen, von der wir
nicht wien wie frhe sie der christliche Geist in Gattenrache
gemildert habe. Dieses seines heidnischen Inhalts wegen muste das
deutsche Epos so gut als das brittische bei Galfred von Monmouth, das
frnkische bei Pseudoturpin einmal, um von den grbsten Paganismen
gereinigt zu werden, durch das Mnchslatein hindurchgehen, wie es
selbst der Thiersage nicht erlaen ward, und wie uns dafr im
Waltharius, im Rudlieb die Beispiele, im lateinischen Nibelungenlied
des Schreibers Konrad die Beweise vorliegen.

Dieses lateinische Nibelungenlied, denn ein Lied darf es seines, unserm
Liede entsprechenden Inhalts wegen heien, wenn es auch in Prosa
verfat war, ward auf Befehl Bischof Pilgrims, der zwischen 970-991
Bischof von Paau war, also unter den ersten schsischen Kaisern, wo
die lateinische Klosterdichtung in der Blthe stand, geschrieben, bald
nach dem Waltharius, den Eckehart I. (+ 973) dichtete, und Eckehart IV.
(+ 1036) auf Befehl Bischof Aribos von Mainz (1021-1031) durchsah und
metrisch verbeerte. Wir fanden hier schon zwei Bischfe, die sich der
deutschen Heldensage annahmen; ein dritter war Erkenbald, Bischof von
Straburg (951-991), welchem Gerald den Waltharius, an dem er irgendwie
betheiligt war, mit einer lateinischen Widmung bersandte (Lat. Ged.
von Grimm und Schmeller, S. 61); der vierte, aber leider der letzte,
war Erzbischof Siegfried von Mainz (1060-1081): ihm ward es schon zum
Vorwurf gemacht, da ihm die deutsche Heldensage noch in Sinn und
Gemth lag, indem er lieber die Lieder von Etzel und den Amelungen
singen, als den Augustinus und Gregorius vorlesen hrte. Die, wenn ich
nicht irre, von Holtzmann selbst zuerst beigebrachte Zeugniss lehrt,
da die lateinische Klosterdichtung, die sich so gern mit volksmigen
oder, was gleichbedeutend ist, deutschen Gegenstnden, Heldensagen,
Thiersagen und Volksmrchen beschftigte, in der schsischen Zeit noch
von den hchsten Prlaten begnstigt werden durfte, whrend es ihnen in
der salischen, wo die Geistlichkeit wieder in deutscher Sprache
biblische, namentlich alttestamentliche Gegenstnde, und zwar mit
grerer Inbrunst als in der Otfridischen Zeit, behandelte, zum Vorwurf
gereichte: denn eben jener Bischof Gnther von Bamberg, der durch das
Ezzolied bekannt ist, wird nach jenem Zeugnisse von Probst Herman
ermahnt, nicht lnger mit einem Manne so unchristlicher Gesinnung zu
verkehren, wie ihm jener Erzbischof Siegfried von Mainz, seiner
Vorliebe fr die deutsche Heldensage wegen, zu sein schien.

In der Blthezeit der lateinischen Klosterdichtung, wo unter den
Ottonen die Literatur in deutscher Sprache fast ganz verstummte, konnte
wohl ein _lateinisches_ Nibelungenlied, und als ein solches wird es
auch ausdrcklich bezeugt, aber schwerlich ein deutsches gedichtet,
d.h. in jener Zeit von einem Geistlichen, wie Pilgrims Schreiber Konrad
gewesen sein wird, niedergeschrieben werden. Da es uns nicht erhalten
blieb, drfen wir bedauern; es ist aber schwerlich auf unser
Nationalepos ohne Wirkung geblieben: dem Verfaer des zweiten Theils,
der ursprnglich den Namen der _Nibelunge nt_ fhrte, scheint es
vorgelegen zu haben, denn er entnimmt ihm den Namen des Bischofs
Pilgrim, den wahrscheinlich schon sein Schreiber Konrad seinem Bericht
eingefgt hatte. Aber auch dem Dichter des ersten Theils, der
Siegfrieds Tod heien knnte, hat es vorgelegen, ja ihm war es am
nthigsten, weil es ihn lehren konnte wie die Lcken seines Gedichts
auszufllen seien, die durch Ausscheidung der heidnischen Bestandtheile
in der ersten Hlfte der Sage nothwendig entstehen musten. Neben der
lateinischen Erzhlung Konrads benutzten beide auch deutsche Lieder,
jngere und ltere; aber dem Dichter des zweiten Theils lag eine
grere Flle von Liedern vor, auch waren sie im Wachsthum wohl nicht
so zurckgeblieben als die des ersten: im zwlften Jahrhundert war die
Siegfriedssage, die am Rheine spielt, wo die Einfle der welschen
Dichtung auf die heimische Sage nachtheiliger wirkten, fast schon
verblasst, whrend die Dietrichssage, die im zweiten Teil hervortritt,
an der Donau und am Inn noch fortblhte, namentlich aber auch am Hofe
zu Wien Gehr und Pflege fand.

Die ersten neunzehn Abenteuer bilden den ersten Rheinischen Theil des
Gedichts, das seine eigene Einleitung hat in den ersten zwlf Strophen,
die auf den Inhalt des damals wohl schon vorhandenen zweiten Theils
zwar gelegentlich (Str. l, 5, 6) schon Bezug nehmen, aber doch nur von
dem Hofe zu Worms und den burgundischen Helden handeln. Noch
entschiedener gehrt der nun folgende _Traum Kriemhildens_ mit der
Deutung der Mutter Str. 13-18 nur zu diesem ersten Theil; es ist aber
ein Lied fr sich, das der Dichter vorfand und einrckte. Keineswegs
bildet es einen Bestandtheil des von Lachmann s. g. ersten Liedes,
vielmehr ist es selber das erste und lteste von allen. Es gehrt noch
der Zeit an, wo Reim und Alliteration, wie im Liede von der Samariterin
(Lesebuch 35) und noch bei Otfried, nebeneinander zum Schmuck verwendet
wurden. Sein hohes Alter beweist auch, da der eddische Mythus von
Odin, der als Falke von Gunnldh entfliegt und von Riesen in
Adlersgestalt verfolgt wird (vergl. Havamal 104-110 und D 58), in
diesem Traume Kriemhilds nachklingt. Das Bild des Falken fr den
Geliebten ist also uralt, und weit ber die Grenzen Deutschland hinaus
verbreitet gewesen. Vergl. MSF. S. 230. In der ltesten deutschen
Lyrik, die sich aus dem Epos entwickelt hat, kehrt es bei Dietmar von
Eist:

Es stuont ein vrouwe aleine

Lesebuch 58, und den dem Krnberg zugeschriebenen Liedern zurck. Weil
aber in letztern zu dem Bilde des Falken auch noch die Nibelungenstrophe
kommt, fr die kein lteres Zeugniss vorhanden ist, gerieth man auf den
abenteuerlichen Einfall, den Krnberg nicht etwa blo fr den Verfaer
unseres Liedes von Kriemhildens Traum, nein des ganzen Nibelungenliedes,
auszugeben!

Was wien wir denn von Krnberg? Nichts als da er eine Weise erfunden
hat.

Ich stuont mir nehtint spte an einer zinne. Lesebuch 52.

Es ist eine Frau, die hier spricht, wie auch in dem verwandten Liede
bei Dietmar von Eist, dessen soeben gedacht wurde. Auf der Zinne ihrer
Burg stehend, hrte sie von einem Ritter ein Lied singen _in Krnberges
wise_. Wise kann zweierlei bedeuten, das Versma oder die Melodie; wir
wien also nicht einmal ob dieser Krnberg der Dichter oder der
Componist der Weise war, in der sie singen hrte, denn schon im
Ezzoliede, Lesebuch 40, war das Amt des Dichters und Componisten
geschieden:

Ezzo begunde scriben, Wille vant die wse.

Eine Weise war nach Krnberg benannt, die Weise in der jene Frau singen
hrte, aber nicht, wie man annimmt, die Weise des Liedes, in welcher
sie uns die berichtet, also nicht die Nibelungenstrophe noch die sie
begleitende Melodie. Sie hrte ein Lied singen in Krnbergs Weise; wie
diese Weise lautete oder wie sie beschaffen war, ob eine Gesangweise
oder ein Versma gemeint sei, erfahren wir nicht. Dem Krnberg gehrte
nur die Weise des Liedes, welches die Frau vor ihrer Burg singen hrte;
ihm die Nibelungenstrophe zuzuschreiben, haben wir also nicht den
entferntesten Grund: wie soll er denn nun gar das Nibelungenlied
verfat haben?

Man sagt, die Pariser Handschrift der Minnesnger schreibe dem Krnberg
die in der Nibelungenstrophe gedichteten ltesten Lieder zu: mithin
habe dieser die bei ihm zuerst auftretende Nibelungenstrophe erfunden.
Aber die Pariser Handschrift ordnet bekanntlich die Lieder nach
Verfaern und diese Verfaer wieder nach Stnden, indem sie mit Kaiser
Heinrich beginnt, hierauf Knige, Herzoge, Markgrafen, Grafen, Ritter
folgen lt und Zuletzt mit brgerlichen Meistern schliet. Fr
Volkslieder, die keinen oder doch keinen namhaften Verfaer haben,
fehlte ihr eine Rubrik. Solche waren aber die dem von Krnberg, und
ohne bekannten Verfaer auch die dem Spervogel zugeschriebenen Lieder
und Sprche. Mit welchem Leichtsinn der Sammler der Pariser
Liederhandschrift sich aus der Sache zog, sehen wir an den Sprchen,
die er dem _Spervogel_ zuschreibt. Bekanntlich sind es zwei Weisen, in
welchen die dem Spervogel zugewiesenen Sprche gedichtet sind, eine
grere und eine kleinere. In der grern, die voransteht, begegnet der
Name Spervogel gleich in dem dritten Spruche: der Sammler, der um einen
Namen verlegen war, griff ihn frisch heraus und setzte ihn ber beide
Spruchreihen, die jetzt Spervogel verfat zu haben schien, obgleich der
dritte Spruch, in welchem er vorkam:

swer suochet rt und volget des, der habe danc,
alse min geselle _Spervogel_ sanc ic.

deutlich besagte, da nicht der Verfaer, sondern einer seiner Freunde
diesen Namen fhrte. Htte er weiter lesen wollen und wre bis zum 7.
Spruche der II. Reihe gelangt, in welchem sich _Heriger_ als Verfaer
angiebt, so wrde er wohl diesem, nicht dem Spervogel beide
Spruchreihen zugeschrieben haben. Mich wundert, da Haupt, der bei
Kaiser Heinrichs Liedern auf das Zeugniss der Pariser Handschrift kein
Gewicht legt und auch schon fr _zweifelhaft_ hlt, ob die dem Krnberg
zugeschriebenen Lieder ihm gehren, bei Spervogel, wo der Leichtsinn
des Sammlers am Tage liegt, seinem Zeugniss vertrauen mag. Vergl. MSF.
S. 238.

Da dem Dichter in jenem 7. Spruch das Alter nicht, wie Haupt meint,
wegen fremder Entkrftung, vielmehr der eigenen wegen zuwider ist,
zeigt die folgende Strophe, wo er es beklagt, nicht zum Bau eines
Hauses griffen zu haben, als ihm zuerst der Bart entsprang, denn darum
me er jetzt, im Alter, "mit arbeiten ringen". Um zu zeigen, wie enge
diese beiden Strophen zusammengehren und sich untereinander erlutern,
setze ich die erste, worin der Name Heriger erscheint, hieher, weil da
dem _gransprunge man_ eingeschrft wird, bei Zeiten fr sichere
Herberge zu sorgen.

Mich met das alter sre,
wan ez _Hergre_
alle sne kraft benan.
es sol der gransprunge man
bedenken sich enzite,
swenn er ze hove werde leit,
daz er ze gewissen herbergen rite.

Mit demselben Leichtsinn nun wie bei Spervogel geht der Sammler der
Pariser Handschrift, die man auch die Manessische nennt, zu Werke,
indem er dem Krnberg eine kleine Sammlung volksmiger Lieder
zuschreibt, blo weil ihm die vierte Strophe den Namen Krnberg darbot.
Ich will nun die ganze Strophe hiehersetzen, und ihr die wahrscheinlich
zu demselben Liede gehrigen Strophen folgen laen.

"Ich stuont mir nehtint spte an einer zinne,
d hrt ich einen rter vil wol singen
in Krenberges wse al s der menigin.
er muoz mir diu lant rmen ald ich geniete mich sn.'--

"Nu brinc mir her vil balde mn ros, mn sengewant,
wan ich muos einer vrouwen rmen diu lant.
diu wil mich des betwingen daz ich ir holt si:
si muoz der mner minne immer darbende sin.

Wb unde vederspil die werdent lihte zam:
swer si ze rehte lucket s suochent si den man.
als warb ein schoene rter umb eine vrouwen guot;
als ich dar an gedenke s stt wol hhe mn muot.'

_Uebersetzung._

"So spt noch stand ich gestern an einer Zinne,
Da hrt ich einen Ritter lieblich singen;
In des Krnbergs Weise es aus der Menge klang:
Er mu das Land mir rumen, sonst leg ich ihn in meinen Zwang."--

"Nun bringt mein Ross und bringt mir mein Eisengewand,
Denn einer Frauen rumen mu ich dieses Land.
Sie will mich zwingen, da ich ihr gewogen sei:
Sie bleibt meiner Minne immer ledig und frei.

Ein Weib und ein Federspiel, die werden leichtlich zahm:
Wer sie nur wei zu locken, so suchen sie den Mann.
So warb ein schner Ritter um eine Fraue gut;
Wenn ich daran gedenke so trag ich hoch meinen Muth."

In der ersten Strophe hrt die frstliche Frau, die gegen Abend an der
Zinne ihrer Burg steht, einen Ritter aus der davor versammelten Menge
ein Lied singen in der Weise Krnbergs. Diese mag damals sehr bekannt
gewesen sein, jetzt wei Niemand mehr von ihr. Die Stimme des Ritters,
ja der Ritter selbst, gefllt aber der Frstin so sehr, da sie auf ihn
zu fahnden beschliet: ihm soll nur die Wahl bleiben, ihr Geliebter zu
werden oder ihr das Land zu rumen.

Die zweite Strophe, denn das Gedicht ist ein "Wechsel", sehen wir nun
dem Ritter in den Mund gelegt, der seinem Knappen befiehlt, ihm Ross
und Rstung herbeizubringen, denn er me einer Frau das Land rumen,
die ihn zwingen wolle, ihr hold zu sein: er mge aber ihr Geliebter
nicht werden. Man sieht, diese zweite Strophe schliet sich genau an
die erste, obgleich sie in der Handschrift weit von ihr entfernt steht.

Die dritte, welche in der Handschrift den Schlu der fnfzehn Strophen
begreifenden kleinen Liedersammlung bildet, setze ich nach Vermuthung
an den Schlu unseres Liedes. Der Ritter fhrt fort zu singen: wir
hren wieder das uns schon aus Kriemhildens Traum bekannte Gleichniss
von dem Falken, mit dem aber hier die Frau, nicht der Mann verglichen
wird: "Frauen und Federspiel sind leicht zu zhmen, wenn man sie nur zu
locken versteht." So hat Er es verstanden, und das verleiht ihm hohen
Muth, da er gewust hat, sich jene frstliche Frau geneigt zu machen,
von der er sich jedoch nicht feeln zu laen gedenkt.

Noch ein andermal hren wir in den s.g. Krnbergschen Liedern jenes
erste Lied von Kriemhilds Traum nachklingen. Man knnte zur Noth an
dasselbe Liebesverhltniss denken. Das Lied besteht wieder aus drei
Strophen, die diemal auch in der Handschrift beisammen stehen. Die
Frau ist es wieder, die spricht; sie klagt um den entschwundenen
Geliebten:

"Es hat mir an dem herzen vil dicke w getn,
daz mich des geluste des ich niht mohte hn
noch niemer mac gewinnen: daz ist schedelich;
jone mein ich golt noch silber, es ist den liuten gelch.

Ich zch mir einen valken, mre danne ein jr:
d ich in gezamete als ich in wolte hn,
und ich im sn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich s vil hohe und vloug in anderin lant.

Sit sach ich den valken schne vliegen,
er vuorte an snem vuoze sidine riemen
und was im sn gevidere alrt guldin.
Got sende si zesamene die geliep weln gerne sin.'

_Uebersetzung._

"Es hat mir an dem Herzen gar manchmal weh gethan,
Da mich des gelstete was mir nicht werden kann
Und was ich nie gewinne: der Schade der ist gro;
Nicht mein' ich Gold noch Silber, von den Leuten red ich blo.

Ich zog mir einen Falken lnger als ein Jahr;
Als er nun gezhmt war nach meinem Willen gar,
Und ich ihm sein Gefieder mit Golde wohl bewand,
Er hob sich auf gewaltig und flog in ein ander Land.

Nun sah ich den Falken herrlich fliegen,
Er fhrt an seinem Fue seidene Riemen,
Und strahlt' ihm sein Gefieder ganz von rothem Gold;
Gott sende sie zusammen, die sich lieb sind und hold."

In der ersten Strophe beklagt es die Frau, da sie sich eines Dinges
hat gelsten laen, das sie nicht haben konnte und vielleicht nie
gewinnen mag. Das kann auf das Verhltniss zu jenem Ritter gehen:
ausdrcklich fgt sie hinzu, sie denke dabei an Leute, nicht an Gold
noch Silber.

Das zweite Gesetz erwhnt wieder des Federspiels, indem sie mit dem
entflogenen Falken den entschwundenen Geliebten meint. Das Verhltniss
scheint aber hier, wenn es nicht ein anderes ist, vertrauter und
inniger gedacht als wir es aus dem ersten Liede kennen lernten. Sie
hatte den Falken sich nach Wunsch gezhmt, ja sein Gefieder mit Gold
bewunden, wie Knig Oswald dem Raben, der an seinem Hofe erzogen war,
die Flgel mit Gold beschlagen lie ehe er ihn als Boten aussandte.

Hier schliet sich das dritte Gesetz an, denn noch der flchtige, in
andere Lande entwichene Falke schleppte die alten Feeln nach: er war
"der freie Vogel nicht mehr, er hatte schon Jemand angehrt". Seidene
Riemen fhrt er am Fue; sein Gefieder war noch von rothem Gold
bewunden. Die Schluzeile spricht den Wunsch nach Wiedervereinigung der
Liebenden und somit ein greres Vertrauen auf den Geliebten aus als
das erste Lied und selbst der Anfang des zweiten erwarten lie.

Zur Vergleichung mag noch das erwhnte Lied Dietmars von Eist mit dem
Bilde des Falken hier stehen:

Es stuont eine vrouwe alleine
und warte ber heide
und warte ir liebes,
so gesach si valken vliegen:

"S wol dir valke, daz du bist!
du vliugest swar dir liep ist:
du erkiusest in dem walde
einen boum der dir gevalle.

Als hn ouch ich getn:
ich erks mir selbe einen man;
den welten mne ougen;
daz ndent schoene vrouwen.
ouw, wan lnt si mir mn liep?
jo engerte ich ir dekeiner trtes niet.'

_Uebersetzung._

Es stand eine Frau alleine
Und blickte ber Haide,
Und blickte nach dem Lieben,
Da sah sie Falken fliegen.

"So wohl dir, Falke, da du bist!
Du fliegst wohin dir lieb ist.
Du suchst dir in dem Walde
Einen Baum der dir gefalle.

Also hab auch ich gethan:
Ich ersah mir einen Mann,
Den erwhlten meine Augen;
Das neiden andre Frauen.
O weh, so lat mir doch mein Lieb:
Ich stellte ja nach euern Liebsten nie."

Auch ein verwandtes altitalienisches Sonett hat Haupt beigebracht:

Tapina me, che amava uno sparviero!
  amava'l tanto ch'io me ne moria.
  a lo richiamo ben m'era maniero,
  ed unque troppo pascer no'l dovia.

Or  montato e salito si altero,
  assai pi altero ehe far non solia,
  ed  assiso dentro a un verziero
  e un' altra donna l'aver in balia.

Isparvier mio, com'io t'avea nodrito!
  sonaglio d'oro ti facea portare,
  perch nell' uccellar fossi pi ardito.

Or sei salito siccome lo mare,
  ed hai rotti li geti, e se' fuggito
  quand eri fermo nel tuo uccellare.

_Freie Nachbildung._

Ich Arme, einen Sperber lieb zu haben!
  So liebt ich ihn, da Sehnsucht mich verzehrt.
  An meinem Ruf schien sich sein Herz zu laben;
  Oft hat er Kost aus meiner Hand begehrt.

Nun stieg er auf so stolz und so erhaben,
  Viel stolzer als er mir sich je bewhrt.
  In einen Garten flog er berm Graben
  Und eine andre Herrin hlt ihn werth.

Wie reicht ich dir, mein Sperber, Leckerbien!
  Goldene Schellen gab ich dir zu tragen,
  Dich freudiger zur Vogeljagd zu wien.

Nun flogst du hin und lest mich verzagen:
  Du hast die Bande frevelhaft zerrien
  Just da du meisterlich verstandst zu jagen.

       *       *       *       *       *

Die nahe Verwandtschaft der beiden angeblich Krnbergschen Lieder mit
dem von Kriemhildens Traum hat auf den Gedanken gefhrt, sie mchten
alle drei demselben Dichter gehren. Ein sehr armer Dichter, der
dreimal dasselbe Motiv gebrauchte! Sie knnen nicht einmal aus
derselben Zeit herrhren: das von Kriemhilds Traum mag nach seinem an
den Mythus anklingenden Inhalt wie nach der fast ganz alliterierenden
Form leicht ein Jahrhundert lter sein.

Weder der Dichter der beiden Lieder vom Falken noch der von Kriemhilds
Traum kann die Nibelungenstrophe erfunden haben: nur die beiden ersten
Gesetze von Kriemhilds Traum bewahren noch den alten Gliederbau dieser
Strophe, und von den sechs ausgehobenen angeblich Krnbergschen
Gesetzen nur noch das erste und das letzte. Nach dieser ursprnglichen
Gliederung finden wir in den Nibelungen noch eine Anzahl
alterthmlicher Strophen gebildet, bei dem s.g. Krnberg noch fnf;
einige so gebaute haben sich auch in dem neuern Volkslied erhalten,
z.B. das bekannte

Die Brnnlein, die da flieen, die soll man trinken,
Und wer einen lieben Buhlen hat, der soll ihm winken u.s.w.

Nach ihr war nur die dritte Langzeile um eine Hebung gekrzt; die drei
andern zeigten noch die vollen acht Hebungen der alten epischen, einst
alliterierten Langzeile; nur fiel in den beiden ersten Zeilen, welche
als Aufgesang anzusehen waren, die letzte Senkung aus und die beiden
letzten Hebungen trugen den Reim, der also nur scheinbar klingend war,
denn auf den sptern klingenden Reim fllt nur Eine Hebung, die zweite
Sylbe ist unbetont. Solche zwei Hebungen tragende Reime waren: zinne:
singen, vliegen: riemen, Kriemhilde: wilde, Uoten: guoten. In den
Anfngen der alten Lieder, die stts am festesten im Gedchtniss
hafteten, hat sich die alte Gliederung am lngsten erhalten, so in den
beiden ersten Strophen des Liedes von Kriemhilds Traum, dann Strophe
1362, wo ein Lied und zugleich ein Abenteuer anfngt.

D Etzel sne botschaft zo dem Rine snd,
d vlugen disiu mre von lnd ze lnd.

ferner Nr. 1653, der Anfang des 16. Lachmannschen Liedes:

die boten vr strichen  mit den m'rn,
daz die Niblungen zuo den Hiunen wren,

endlich Nr. 1571, wo nach dem langen strenden Einschub von Gelfrat und
Else das vierte Lachmannsche Lied wieder einsetzt:

D die wegemeden row genmn
unde si dem lande nu nher qumen u. s. w.

An andern Stellen mag die alte Structur durch die Schnheit der Strophe
geschtzt worden sein, wie in den beiden aufeinander folgenden Str.
2132 und 2133.

Der Schreiber der Handschrift A, der keinen Sinn mehr fr die alte
Metrik hatte, wie er denn auch zweisilbige stumpfe Wrter in die Csur
setzte, die zwei Hebungen tragen soll, und der achten Halbzeile oft nur
drei Hebungen giebt, nahm auch schon an vier Hebungen in der zweiten
und vierten Halbzeile Ansto und gleich in der ersten Strophe, wo er
sie nicht verkennen konnte, glaubte er den Anfang umbilden zu men,
was er sonst nicht gebraucht htte; in der folgenden Strophe lie er
die scheinbar klingenden Reime bestehen, weil sich hier die genannten
Halbzeilen auch zu drei Hebungen lesen lieen. Durch diese Umbildung
aber geriethen die alten Schlureime in die Csur:

Es troumde Kriemhilde in tugenden der si phlac
wie si einen valken wilde zge manegen tac,

ein Beweis, da Mittelreime dem Schreiber dieses Textes nicht anstig
waren, whrend Lachmann Kriemhilte und wilden schrieb, "um auch den
Schein eines innern Reimes zu vermeiden". Was freilich 'in tugenden der
si phlac' heien soll ist nicht leicht zu sagen; wahrscheinlich sollte
damit das

in ir hohen eren

des alten Liedes umschrieben werden, denn _in disen_ hhen ren lautete
es wohl erst, als die zwlf Strophen der einem Theaterzettel hnlichen
Einleitung davor gerckt wurden.

Da auch viele nur auf Einer Hebung reimende Langzeilen des Aufgesangs
vier Hebungen tragen, hab ich in meiner Schrift: _Die Nibelungenstrophe
und ihr Ursprung_, Bonn 1858, auf die ich berhaupt hier verweisen mu,
nher ausgefhrt, und der aufmerksame Leser wird in der gegenwrtigen
Ausgabe zahlreiche Belege dafr nicht bersehen; am auffallendsten ist,
da sogar Zusatzstrophen in C wie nach 1662 bei stumpfem Reim im
Aufgesang vier Hebungen zeigen: sie sind ohne Zweifel alt und zu einer
Zeit eingeschoben, wo man noch vier Hebungen an diesen Stellen
erwartete.

Es darf nicht irren, da uns die Nibelungenstrophe zuerst in _Liedern_
entgegentritt, ja da sie eine lyrische Gliederung zeigt. Was zuerst
letztere belangt, so wrde, wenn die Gliederung ganz wegfiele, mithin
auch die vierte Zeile wie in dem sptern Hildebrandston, nur drei
Hebungen trge, die Strophe in zwei gleiche Hlften auseinanderfallen.
Strophische Behandlung der Langzeile finden wir aber schon in der Edda,
also noch ehe der Reim an die Stelle der Alliteration trat. Die
Verwendung zu Liedern aber darf nicht befremden, denn diese ltesten
Lieder, z.B. die s.g. Krnbergschen, zeigen noch epische Eingnge, sie
gehren einer Zeit an, wo sich das Lied eben erst dem mtterlichen
Schoo der Epik entwunden hatte: darum tritt sie, wie ich das
Nibelungenstr. 82 nher ausgefhrt habe, anfangs noch in epischen
Formen auf, ja entnimmt ihren Inhalt, wie das Gleichniss von dem
Falken, dem Epos.

Wenn die Nibelungenstrophe keine ursprnglich lyrische war, oder der
epische Volksgesang sich ihrer schon frh bemchtigt hatte, so durfte
sich jeder Snger ihrer bedienen, und der sptere Gebrauch der
Minnesinger, jedem Liede eigenes Ma und eigene Weise zu widmen, deren
Entleihung dann fr unerlaubt galt, konnte auf sie noch keine Anwendung
finden.

Diesen Einwand haben sich diejenigen schon selbst gemacht, die der
Nibelungenstrophe, wie sie in der Pariser Handschrift zuerst erscheint,
in Krnberg einen Erfinder entdeckt haben wollen, dem sie dann mit
berhfischer Milde auch noch das ganze Nibelungenlied zum Geschenk
machen, einem modernen Lyriker unser tausendjhriges Nationalepos.

Sie setzen aber diesem Einwand entgegen: wenn die Nibelungenstrophe,
die sie ohne Grund Krnbergs Weise nennen, eine alte Volksweise
gewesen, so wrden andere Dichter sich nicht gescheut haben sie
anzuwenden; sie htten nicht Variationen dieser Strophe erfunden, sie
nicht mit kleinen Modificationen umgebildet: "denn ein geringer
Unterschied," sagt Bartsch, "brauchte nur da zu sein, um eine
Strophenform neben einer schon vorhandenen als neu erscheinen zu
laen." Demnach wre denn die Strophe, deren ursprngliche Gliederung
wir soeben besprochen haben, von dem ertrumten Krnberg so umgebildet,
da sie bald die ursprngliche Gliederung behalten, bald wieder in den
zweiten Vershlften des Aufgesangs nur drei Hebungen, oder gar in der
ersten Zeile des Aufgesangs vier, in der zweiten drei tragen durfte;
und der Dichter des Wolfdietrich und schon der Schreiber der
Nibelungenhandschrift A htte sie so umgebildet, da es erlaubt war,
der achten Halbzeile bald drei, bald vier Hebungen zu geben. Hatten
aber wirklich diese und andere Umbildungen der Nibelungenstrophe den
angegebenen Grund, da man kein "Tnedieb" heien wollte, so mste man
ja glauben, der vorgebliche Krnberg htte selber gefrchtet an sich
zum Dieb zu werden durch Anwendung der selbsterfundenen Strophe, da wir
ja auch bei ihm eine Variation derselben finden, und zwar nach
Bartschens eigener Aufstellung (Deutsche Liederdichter S. 1) eine durch
zwei Strophen belegte Variation.

Fr uns, die wir als Grundlage beider Theile des Nibelungenliedes,
neben der lateinischen Faung Konrad des Schreibers, deren Einwirkung
nicht gelugnet werden kann, eine Sammlung er Volkslieder in der
gemeinsamen alten, aber sich allmhlich umbildenden Volksweise
annehmen, deren Nthe hier und da noch deutlich zu erkennen sind, uns
fehlt es an Beispielen unvernderter Anwendung der Nibelungenstrophe
bei verschiedenen Dichtern nicht. Der einzige Unterschied, der sich
hervorthut, ist in demselben Liede die ungleiche Zahl der Hebungen in
den Zeilen des Aufgesangs, und die Freiheit hier mit Auslaung der
Senkung auf zwei Hebungen zu reimen, was sich in den beiden Zeilen des
Abgesangs niemals ereignen kann. Diese Unterschiede sind aber
unwesentlich, da die ganze Strophe sich aus Sangzeilen von acht
Hebungen hervorgebildet hat, die schon, als sie noch alliterierten, um
eine Hebung gekrzt werden durften. Vergl. Nibelungenstrophe .9.

Soll der Dichter des Nibelungenlieds alte epische Lieder nicht
eingeflochten, soll er nur aus der vielgestaltigen Sage geschpft, und
die Lieder, die er etwa schon vorfand, in ein neues Ma umgegoen
haben, warum nannte er dann seinen Namen nicht, warum trat er
bescheiden hinter seinen Quellen zurck? da er doch bei solcher Annahme
ein grerer Dichter gewesen wre als Wolfram. Will man vergeen, indem
man den Krnberg als den Dichter der Nibelungen ausruft, da es den
Gedichten des volksmigen Sagekreises eigenthmlich ist, im Gegensatz
zu der von Veldeke geimpften hfischen Dichtung, keinen Verfaer zu
haben? Wen will man nchstens fr den Dichter der Gudrun ausgeben, der
noch nicht einmal in allen Theilen Lieder zu Grunde liegen, wer soll
den groen Rosengarten, den Ortnit, den Wolfdietrich, den Alphart
gedichtet haben, und wer das deutsche Waltherslied, aus der die
Eckeharte schpften? Soll dabei mit derselben Freigebigkeit verfahren
werden, womit man das Nibelungenlied an den von Krnberg verschenkte,
so werden sich ja wohl Namen finden, die uns ebenso leere Schlle sind.
Knnte nicht Spervogel die Gudrun gedichtet haben?--Wen hat man nicht
schon fr den Dichter des Nibelungenliedes ausgegeben? Heinrich von
Ofterdingen, von dem ich im "Wartburtkrieg" erwiesen habe, da er
keineswegs eine fabelhafte Person war, indem er die echten Strophen des
Rthselspiels verfat hat, die den zweiten Theil dieses selbst lange
Zeit unentrthselten Gedichtes bilden, dann seinen Beschtzer, den
allerdings fabelhaften Klingsor von Ungerland, der aber nicht aus
Ungerland, sondern aus dem Parzival kam, Konrad von Wrzburg, Rudolf
von Ems, fr den zwei Hohenemser Handschriften angefhrt werden
knnten, Walther von der Vogelweide, und endlich den vielleicht wieder
erdichteten Krnberg, fr dessen Dasein als Dichter oder Componisten
wir nur das schwache Zeugniss eines Liedes haben. Johannes von Mller
rieth auf einen schweizerischen Eschenbach von Unspunnen; warum Niemand
auf den baierischen Wolfram, der unter allen hfischen Dichtern dem
heimischen Sagenkreise am vertrautesten war, dem er seinen Friedebrand
von Schotten, seinen Hteger, seine Hernant und Herlinde und andere
Helden der Nordseesage entnahm, dessen Reim und Sprache deutsch-epische
Frbung zeigt, der die deutsche Alliteration auf die welsche
Namengebung anwandte, der so oft auf die Heldensage und zweimal sogar
auf einzelne Strophen des Nibelungenlieds (1408 5-8 und 1462) anspielt,
und der vielleicht wirklich einmal die Hand an das Gedicht gelegt hat,
nur gewiss nicht die letzte Hand, denn diese merzte gewisse Wolfram
eigenthmliche Reime sorgfltig aus.

Soll ich mich ber das ABC der Handschriften erklren, so gestehe ich A
den Vorzug zu, denn obwohl der Schreiber dieser krzesten Handschrift
beraus nachlig war, so gab er doch seine alte und gute Vortage
getreulich wieder ohne sich andere Aenderungen als seiner, eine jngere
Zeit verrathenden metrischen Irrthmer wegen zu gestatten; hchstens
kommen einige schwache Zusatzstrophen wie Str. 3 auf seine Rechnung,
whrend C, auf der ltesten und sorgfltigsten Handschrift ruhend, und
gleichfalls von einer trefflichen Vorlage ausgehend dem volksmigen
Gedicht einen feinern hfischen Schliff zu verleihen sucht. Doch sind
viele Aenderungen in C wahre Verbeerungen, wie auch das eine ist, da
wir das ganze Gedicht nun das _Nibelungenlied_ genannt finden, da der
Name der _Nibelunge nt_ nur auf den zweiten Theil bezogen werden
konnte, zumal die Burgunden im ersten Theil noch nicht Nibelungen
heien. Von den Strophen, die C allein hat, ist ein Theil echt und alt
und der Ueberarbeiter wird sie schon in seiner Vorlage gefunden haben:
auf Str. 1518 scheint schon Wolfram anzuspielen. Andere sind sehr
schwach und eine, nach Str. 2305, konnte ich mich nicht entschlieen
aufzunehmen, weil sie mir das ganze Gedicht verleidet htte. Sie mag
indes, damit man nichts vermisse, hier stehen, doch ohne Uebersetzung,
deren ich sie nicht wrdig halte.

H. 2428.   Er wiste wol diu mre,   sine liez in niht genesen.
           wie mhte ein untriuwe   immer sterker wesen?
           er vorhte, s si hte    im snen lip genomen,
           daz si danne ir bruoder  liese heim ze lande komen.

Wie wir Hagens Charakter kennen, htte er seinem Herrn Leben und
Freiheit gern durch den eigenen Tod erkauft, und hier soll er den Hort
nicht gezeigt haben, weil er frchtete, Gunther wrde dann allein in
die Heimat entlaen werden!

B enthlt die schwachen Strophen nicht, welche A und C hinzufgen,
entbehrt aber auch die echten und guten, die allein C erhalten hat; fr
die, welche B selber hinzuthut, men wir ihm dankbar sein. Der
sorgfltige Schreiber der in dieser Reihe voranstehenden St. Galler
Handschrift fllt gerne die Senkungen aus und meidet verkrzte Formen.
Sonst stellt sich diese sehr verbreitete Faung, deren Text man deshalb
den _gemeinen_ genannt hat, zunchst neben A und berichtigt sie oft.

       *       *       *       *       *

Eine geschichtliche Grundlage des Gedichts hat man in der Thatsache
finden wollen, da um das Jahr 437 der Burgunderknig Gundicarius mit
seinem Volke von den Hunnen eine vernichtende Niederlage erlitt. Man
beruft sich auch darauf, da in der lex Burgundionum drei burgundische
Knige, Godomer, Gislahar und Gundahar wie es scheint als Shne Gibicas
genannt werden, die man in Gernot, Giselher und Gunther, nach der
Heldensage den Shnen Gibichs (in den Nibelungen heit der Vater
Dankrat), wiederfinden will. Vergl. W. Grimms Deutsche Heldensage, 2.
Auflage 1867 S. 12. Aber wann die geschichtlichen Beziehungen in die
Sage eingetreten find, wien wir nicht: sie drangen gelegentlich in die
ursprnglich mythische Heldensage, wurden aber auch wohl wieder
ausgeschieden, wie wir davon ein Beispiel an Otacher haben, der, ein
geschichtlicher Held, im Hildebrandslied den mythischen Sibich
verdrngt hatte, ihm aber spterhin wieder weichen muste. Manche
Thatsachen, die Geschichte und Heldensage gemein haben, knnen ebenso
gut auch aus der Sage in die Geschichte gedrungen sein, z. B. was
Jornandes von Ermenrich und Swanhildens Brdern meldet, Grimms
Heldensage S.2.

Da Worms im Liede als Sitz der Burgundenknige erscheint hat man als
der Geschichte nicht widersprechend nachgewiesen, indem wirklich die
spter an den Rotten (Rhodanus) gezogenen Burgunden zuerst am
Mittelrhein gewohnt htten. Eine andere Frage ist, ob die veranlat
hat, Worms zum Schauplatz der Sage zu machen. Ein mythischer Bezug
hngt nmlich schon in dem ltesten Namen dieser Stadt, und die knnte
die Anknpfung der Heldensage vermittelt haben. Bekanntlich lautete er
einst Borbetomagus. "Da magus Feld bedeutet," hie es schon Rheinland
76, "so ist die nicht sowohl der Name der Stadt als des Gaus, das wir
auch Wormsfeld genannt finden, wie Maifeld und Maiengau wechseln. In
_Borbet_, das uns fr den Namen der Stadt brig bleibt, ist das
anlautende b spter zu w geworden;" wir werden aber sogleich sehen wie
w und b mundartlich wechseln. Nehmen wir es indes fr Worbet, so
erkennen wir leicht den urkundlich vielfach beglaubigten Namen einer
der tria fata, die, deutschem und keltischem Glauben gemein, uns
(Deutschen) Schwestern, den romanisierten Kelten Mtter oder Matronen
hieen; ausfhrlich habe ich von ihnen Handbuch der Mythologie . 103
gehandelt. Im sdlichen und nordwestlichen Deutschland, also in unserm
Rheinland kehren diese Schwestern unzhlig oft wieder: sie werden noch
jetzt zum Theil mit vernderten Namen als Heilige verehrt: in der
klnischen Dicese mit dem Erzbischof Pilgrim (nicht dem Paauer) unter
dem Namen der drei christlichen Cardinaltugenden Spes, Fides, Caritas;
in der trierischen zu Bornhoven, zu Auw unter verschiedenen; im
sdlichen Deutschland in weit entlegenen Landestheilen, Tyrol, Worms
und Straburg, in Oberbaiern und Niederbaiern unter sich stts gleich
bleibenden, nur wenig abweichenden Namen, welche sich auf _Einbett_,
_Wilbett_ und _Warbett_ zurckfhren laen. Das gemeinsame _-bett_
kehrt auch sonst gern wieder, wo die drei Schwestern jetzt unter andern
Namen verehrt werden, und selbst in der klnischen Dicese ist das z.B.
in Bettenhoven der Fall, so da selbst unseres Beethovens Name hieher
gehren mchte. Nach Panzer, Baierische Sagen, verehrt man sie als

1. S. Anbetta, S. Gwerbetta, S. Villbetta zu Meransen in
   Tyrol, Panzer I, S. 5.

2. S. Ainbett, S. Wolbett, S. Vilbett zu Schlehdorf in
   Oberbaiern. P. 23.

3. S. Ainpet, S. Gberpet, S. Firpet zu Leutstetten in Oberbaiern.
   P. 31.

4. S. Einbeth, S. Warbeth, S. Wilbeth zu Schildturn in
   Niederbaiern. P. 69.

5. S. Einbede, S. Warbede, S. Villebede zu Worms. P. 206.

6. S. Einbetta, S. Worbetta, S. Wilbetta in Straburg.
   P. 208.

Die letzte Namensform, unter welchen die mittlere Schwester erscheint,
Worbetta, kann zur Erklrung des alten Namens Borbetomagus verwandt
werden. Wir sahen unter 3, da in S. Gberpet b statt w eingetreten war;
wandeln wir den urkundlichen Namen Worbetta in derselben Weise, wie
wirklich _Barbeth_ bei Panzer 69 begegnet, so haben wir Borbetta, also
gerade die Namensform, die wir bedrfen. Von Borbet, der mittlern der
drei Schwertern, wird also Worms (Borbetomagus) heien, und es liegt
nahe, Aehnliches von dem alten Namen der Stadt Metz, Civitas
Mediomatricorum, zu vermuthen: von der mittlern der drei Schwestern,
die den Kelten Mtter hieen, hat auch sie den Namen. Diese mittlere
ist die mchtigere der dreie, ja die eigentliche Gottheit, die sich in
ihren Schwestern nur vervielfltigt. So steht auch in Upsala Thr als
der mchtigste in der Mitte zwischen Wodan und Fricco, "ita ut
potentissimus", sagt Adam von Bremen, "in medio solium habeat
triclinio; hinc et inde locum possident Wodan et Fricco. Gr. Myth. 102.
Uhland Schriften VI, 176. Da wir diese, die nicht zufllig in allen
sechs Meldungen in der Mitte stehen kann, bei Panzer 61, 275, 297 auch
Held, ja Rachel (die rchende Hel) Panzer 18, 83, 372 genannt finden,
So ergiebt sich, da sie Hel, die verborgene Gttin, ist, die als
Gttin der Unterwelt ebenso Tod als Leben spendet, indem alles Leben
von ihr ausgeht und wieder in ihren mtterlichen Schoo zurckkehrt.
Dazu stimmt, da diese drei Schwestern, die wir den Nornen, deutschen
Parzen, gleichstellen drfen, bei Panzer 53 auch _Hailrthinnen_
genannt finden, weil sie die Schicksale der Menschen beriethen, ja da
sie nicht nur wider die Pest angerufen wurden, Panzer 23, 70, 110,
sondern auch bei Entbindungen Hlfe gewhrten (Panzer 362), wie
Schwangere auch bei den Alten die diva triformis anriefen, Hor. III,
22. Ihre Namen sind mit -bett zusammengesetzt, wie wir auch von
Hnenbetten, von Brunhildebette u.s.w. wien, was ich Handb. der Myth.
368 auf den heidnischen Opferaltar (piot goth. biuds, oder petti goth.
badi lectisternium) gedeutet habe, der in dem Walde (lucus) stand, der
ihnen einst geheiligt war, und der jetzt der Gemeinde von ihnen
geschenkt sein sollte. Nimmt man diesen zweiten Theil der
Zusammensetzung, -bett, als nur auf ihren Tempel (Hof) bezglich
hinweg, so erklrt sich die erste Sylbe in Einbett aus Agin, Egin
Schrecken, wie Einhart auch Eginhart heit. Sie ist die Todesgttin,
die finstere Seite der Hel. Freundlicher lautet der dritte Name
Wilbett, die willfhrige, Wunsch und Willen gewhrende, die lichte
Seite der verborgenen Gttin. Nicht so einleuchtend ist der mittlere
Name, Warbett oder Gwerbett, aus Zwist und Streit zu erklren; doch
kann er auf den innern Gegensatz im Wesen der Gttin, die bald lohnend,
bald strafend auftritt, bezogen werden. Die Namen aus der deutschen
Sprache zu deuten, gestattet Csars Meldung (B.G. II. 51) ber die
Vangionen in Ariovists Heer, womit Tacitus (ipsam Rheni ripam haud
dubie Germanorum populi colunt, Vangiones, Triboci, Nemetes. Germ. 28)
und Plinius IV, 17 stimmt. Sie wohnten, ein deutsches Volk, im
keltischen Lande, weshalb es nicht auffallen kann, wenn der Name ihrer
Hauptstadt Borbetomagus eine vox hybrida ist, da wir -magus als ein
keltisches Wort kennen. Wir sehen aber, wie ich schon Handb. 368
bemerkte, wie irrig die Annahme unserer Rheinischen Alterthumsforscher
ber die Matronenculte ist, da alle diese Gottheiten der celtischen,
nicht der germanischen Sprache angehrten, wogegen sich Grimm schon bei
Gelegenheit der den matronis arvagastiabus und andrustehiabus
gewidmeten Votivsteine aussprach. Ob auch die Namen Kriemhild und
Brunhild, die wir in den Nibelungen in Worms finden, auf die beiden
entgegengesetzten Seiten der Unterweltsgttin zu deuten seien, getraue
ich mir nicht zu entscheiden; gewiss ist nur, da -hilde eine Nebenform
von Hel ist: es steht fr hilende, wie spilde (Walther 45, 38) fr
spilende, und bezeichnet die verhohlene und verhehlende, verborgene und
verbergende Gttin. Wenn in Kriemhild die erste Sylbe nicht aus grma,
Larve, Helm, Rstung, sondern aus Grimm, Wuth, atrocitas zu deuten ist,
wie in der Edda nicht sie, sondern ihre Mutter Grimhild heit, so
mchte sie an die finstere Seite der Gttin gemahnen, obgleich die im
ersten Theil noch holdselig erschienen war, erst im zweiten als ihres
geliebten Gemahls furchtbare Rcherin auftritt.

Kleine Druckversehen, einige fehlende Circumflexe, einige d fr d
u.u. bittet man zu verbeern.

Bonn im Juni 1868.                                         K.S.




Vorrede

zur ersten Auflage der Uebersetzung.

Schon vor manchen Jahren, als ich das Lied der Nibelungen zuerst kennen
lernte und mit Staunen die Wirkungen wahrnahm, die das herrliche
Gedicht auf mein Gemth hervorbrachte, entstand in mir der Wunsch,
diese reinen krftigen Tne in neuhochdeutscher Dichtersprache
widerhallen zu hren. Um so mehr wunderte ich mich bei dem Fleie,
welchen Mnner wie Voss, Schlegel, Tieck u.A. auslndischen
Dichterwerken widmeten, ja bei der Pflege, welche sogar einem
niederdeutschen Gedichte zu Theil ward, da keiner unserer Dichter das
Nibelungenlied einer gleichen Aufmerksamkeit wrdigte. Denn Tieck hatte
seinen frher angekndigten Vorsatz einer Uebertragung desselben nicht
zur That reifen laen und Uebersetzungen von Philologen, wie Von der
Hagen und Bsching, entsprachen den knstlerischen Anforderungen nicht.
Die Hagensche steht namentlich der Sprache der Urschrift fr den Zweck
der Verstndlichkeit allzunahe, und die Bschingsche ist fast nur eine
prosaische mit beibehaltenen Endreimen. Lange harrte ich daher
vergebens, ob nicht einer unserer gefeierten Snger, von denen mir
besonders Uhland, Rckert und Gustav Schwab zu einem solchen
Unternehmen berufen schienen, der gegen das Gedicht einreienden und
durch die bisherigen Bearbeitungen nur gesteigerten Gleichgltigkeit
des grern Publikums steuern werde. Mgen es also die Kunstrichter,
wenn sie knnen, entschuldigen, da ein ruhmloser Jnger der Kunst,
dessen Name vor ihren kritischen Sthlen kaum noch erscholl, seine
geringen Krfte an einer Arbeit versucht hat, deren fast
unberwindliche Schwierigkeiten so viele erprobte und fhigere Mnner
abgeschreckt zu haben scheint.

Eine Rechtfertigung des Unternehmens von Seiten der Ntzlichkeit bedarf
es nicht. Es ist albern zu glauben, da eine Uebersetzung dem Studium
des Originals Abbruch thun werde, vielmehr wird sie es erleichtern und
befrdern, und die gegenwrtige ist durch ihre Leichtverstndlichkeit
und Wohlfeilheit darauf berechnet, denselben recht viele Theilnehmer zu
gewinnen. Hoffentlich wird Mancher, der bis jetzt die poetische
Schnheit des Gedichts nicht geahnt hatte, und sie nun erst durch die
Uebersetzung kennen lernt, sich das Studium des Originals nicht
verdrieen laen, whrend er frher die damit verbundene Anstrengung
scheute, weil er nicht wuste ob er dafr durch einen entsprechenden
geistigen Genu werde entschdigt werden. Bei diesem Studium selbst
bietet ihm die Uebersetzung abermals ein willkommenes Hlfsmittel dar.
Eben so wenig Bercksichtigung verdient der andere Einwurf, da sich
das Original ohne Beihlfe einer Uebersetzung verstehen lae, und wenn
Manche (wie A.W. von Schlegel) sogar meinen, es mste dahin kommen, da
jeder Brger und Bauer sein Nibelungenlied in der Ursprache lese, wie
jeder Grieche seinen Homer, so sind das Trume, die, wenn sie je in
Erfllung gehen sollten, nur durch Uebersetzungen, die das Volk erst
belehrten, welchen Schatz es an dem Gedichte besitzt, verwirklicht
werden knnten.

Wenn das Titelblatt die Uebersetzung eines mittelhochdeutschen Gedichts
ankndigt, so kann darunter allerdings nur eine Uebertragung in die
neuhochdeutsche Sprache verstanden werden; allein man darf darum nicht
fordern, da auch jedes darin zugelaene Wort neuhochdeutsch sein
solle: vielmehr gengte, im Ganzen die Formen der neuhochdeutschen
Grammatik zu Grunde zu legen, was von den frhern Uebersetzern nicht
geschehen war, und die Anforderung allgemeiner Verstndlichkeit nie
unbercksichtigt zu laen. Man kann auch die neuhochdeutsche Sprache
noch von der Sprache unserer neuern Dichter unterscheiden, in welche
Manches aufgenommen ist, was mehr der mittelhochdeutschen anzugehren
scheint. Eben die aber kam mir bei der Uebersetzung wesentlich zu
Gute, indem ohne die die kindliche Naivett, die treuherzige Einfalt
des Ausdrucks verloren gegangen wre, und die alterthmliche Farbe des
Gedichts vllig htte verwischt werden men. Alles freilich was sich
neuhochdeutsche Dichter der letzten Zeit wohl erlaubt haben, verbot die
Rcksicht auf allgemeine Falichkeit zu benutzen; Worte aber wie Degen,
Recke, Minne, und Fgungen wie "Schwester mein", statt meine Schwester
werden nirgend Ansto erregen. Das beste Muster einer dem
Mittelhochdeutschen angenherten und doch mit alterthmlichen Anklngen
nicht berladenen Sprache schienen mir Uhlands Romanzen darzubieten,
und man wird finden, da ich mich bestrebt habe, ihm nachzufolgen;
Tiecks Behandlung aber dnkte mich zu gewaltthtig und namentlich
enthalten seine Romanzen von Siegfried Freiheiten, die weder die
heutige noch die ltere deutsche Sprache verstattete. Die mit Achtung
vor dem Genius des Dichters.

Was die Versart der Urschrift betrifft, die sich der Uebersetzer bemht
hat so genau als mglich nachzubilden, so darf man nicht vergeen, da
in den Nibelungen weder wie bei uns heutzutage die Verse nach Fen
gemeen, noch wie bei unsern Nachbarn die Sylben gezhlt werden.
Vielmehr zhlt man blo die Hebungen, deren in jedem Halbvers drei, in
der zweiten Hlfte des vierten Verses jeder Strophe aber gewhnlich
vier vorkommen, ohne da ihnen eine gleiche Anzahl von Senkungen zu
entsprechen brauchte. Es geschieht daher hufig, da die Hebungen in
aufeinander folgende Sylben zu stehen kommen, wie die gleich im
zweiten Verse der Uebersetzung

Von priswrthen Helden, von khnem Wgespiel

der Fall ist, obgleich sich dieselbe Erscheinung im Original erst in
der ndern Hlfte des Verses zeigt. Dagegen hat gleich der fnfte Vers:

Es wchs in Brgnden   ein del Mgdelein

die Hebungen auf derselben Stelle wie das Original nebeneinander. Wie
gro daher der Unterschied des eigentlichen Nibelungenverses von dem
sei, was man gewhnlich dafr ausgiebt, und wie sehr dieses an Wohllaut
und Mannigfaltigkeit von jenem bertroffen wird, kann die Vergleichung
des zweiten der in der "Einleitung" mitgetheilten Gedichte mit der
"Weihe" lehren. Am Schlu der Verse blo mnnliche Reime zu gestatten,
wie der Urtext nur "stumpfe" zult und die "klingenden" ausschliet,
war nicht thunlich, weil die Pflicht, so viel als mit der
neuhochdeutschen Sprache vertrglich von dem Urtext zu retten, manche
Schlureime des Originals beizubehalten gebot, diese aber wegen des
kurzen Vocals in der ersten Sylbe, welcher die erste stumm macht, nach
mittelhochdeutscher Verskunst fr stumpfe (mnnliche) Reime galten,
whrend sie nach den unsrigen fr weibliche, oder wenn man so sagen
soll, fr klingende gehalten werden.

Hinsichtlich des Textes bedarf es blo der Angabe, da ich in der Regel
dem Lachmannschen gefolgt bin, auf welchen sich auch die Strophenzahlen
beziehen; da ich aber auch weniger alte und verbrgte Strophen anderer
Ausgaben aufgenommen, jedoch mit einem Sternchen bezeichnet habe.

Man wird mir schwerlich vorwerfen knnen, allzufrei bertragen zu
haben. Worttreue ist keine Pflicht: sie gleicht der Treue Eulenspiegels
zu seinem Meister dem Schneider. Wie vieler Verbeerungen aber die
Uebersetzung noch fhig wre, fhlt Niemand lebhafter als ich, der,
obgleich ich das Manuscript kurz vor dem Drucke einer nochmaligen
strengen Durchsicht unterwarf, schon jetzt an dem mir vorliegenden
ersten Aushngebogen wieder Tausenderlei auszustellen htte ohne darum
an dem Unternehmen irre zu werden; denn wann drfte bei einem solchen
Werke die kritische Feile ruhn? Die Aufnahme, die diesem ersten
Versuche seitens des groen Publicums zu Theil werden wird, und die
Nachhlfe, die ich von belehrenden Kritiken sachkundiger Mnner
erwarte, mgen darber entscheiden, ob ich ihn dereinst in
vollendeterer Gestalt der Welt vorlegen werde. Mchte der Leser nur
einen Theil des Genues empfinden, welchen die Arbeit dem Uebersetzer
gewhrte!

_Berlin_, den 12. December 1826.

       *       *       *       *       *

Weihe

an Friedrich Baron de la Motte Fouqu.

Vom Ursitz deutscher Vlker, aus ferner Heidenzeit
Erklingt uns eine Kunde von Lieb und Heldenstreit;
Sie lebt in zwei Gestalten bei deutschen Stmmen fort
Und sie ist unsres Volkes urerster Schirm und Hort.

Die Eine, werther Snger, hat Dein Gesang verklrt,
Von Deinem treuen Geiste durchglhet und genhrt:
Nun leuchtet in Walhalla, den Asen beigesellt,
Sigurd der Schlangentdter, der edle Norderheld.

Die Andre bringt ein Jnger dafr zum Dank Dir dar,
Ein Lied des Deinen wrdig, durch Andrer Sangkunst zwar:
Es wurzelt in dem Boden der starren Heidennacht,
Vom milden Christenhimmel das Laubwerk berdacht.

Wr Deine fromme Treue, die nie von Arg gewust,
Dein Herz voll Kraft und Milde in jeder deutschen Brust,
Der Name flge wieder bis an die Sternenwand
Siegfrieds des Drachentdters vom Nibelungenland.

_Bonn_, den 4. November 1826.

       *       *       *       *       *

_An Karl Simrock._

Dankesgru fr die Zueignung des Nibelungenliedes.

Wer Lieder wagt zu singen im deutschen Dichterwald
Weckt meist vielfaches Tnen, das rings ihm wiederhallt.
Doch das altgute Spruchwort: "Es schallt vom Wald heraus
Wie's in den Wald hineinschallt," geht hier nicht immer aus.

Schon Mancher hat gesungen in treuer Lieb und Lust,
Und Schmhruf drang entgegen zerstachelnd ihm die Brust:
Da gilts denn freilich Sanglust, wenn fort man singen soll;
Doch Herz quillt immer ber, ist nur das Herz recht voll.

So hats der treue Siegfried in Wort und That gemacht;
Lohnt' ihm das Wer mit Undank, des hatt' er wenig Acht,
Er blieb ein treuer Degen wie ehmal so fortan
Und so solls nach ihm machen jedweder echte Mann.

Er frage nach dem Lohn nicht; Gott schickt von selbst ihm Lohn,
Weckt aus verwandten Herzen ihm manch verwandten Ton.
So hast Du mir gesungen: vom Herzen giengs ins Herz:
Wir pilgern treu verbunden durchs Weltthal himmelwrts.

L.M. Fouqu.

       *       *       *       *       *

Einleitung.

_Der Nibelungenhort._

I.

Es war einmal ein Knig,
Ein Knig wars am Rhein,
Der liebte nichts so wenig
Als Hader, Gram und Pein.
Es grollten seine Degen
Um einen Schatz im Land
Und wren fast erlegen
Vor ihrer eignen Hand.

Da sprach er zu den Edeln:
"Was frommt euch alles Gold,
Wenn ihr mit euern Schedeln
Den Hort erkaufen sollt?
Ein Ende sei der Plage,
Versenkt es in den Rhein:
Bis zu dem jngsten Tage
Mags da verborgen sein."

Da senkten es die Stolzen
Hinunter in die Flut;
Es ist wohl gar geschmolzen,
Seitdem es da geruht.
Zerronnen in den Wellen
Des Stroms, der drber rollt,
Lt es die Trauben schwellen
Und glnzen gleich dem Gold.

Da doch ein Jeder dchte
Wie dieser Knig gut,
Auf da kein Leid ihn brchte
Um seinen hohen Muth.
So senkten wir hinunter
Den Kummer in den Rhein
Und trnken froh und munter
Von seinem goldnen Wein.


II.

Einem Ritter wohlgeboren   im schnen Schwabenland
War von dem weisen Knige   die Mre wohlbekannt,
Der den Hort versenken lie   in des Rheines Flut:
Wie er ihm nachspre   erwog er lang in seinem Muth.

"Darunter lag von Golde   ein Wunschrthelein;
Wenn ich den Hort erwrbe,   mein eigen mst es sein:
Wer Meister wr der Gerte,   das ist mir wohl bekannt,
Dem wr sie nicht zu Kaufe   um alles kaiserliche Land."

Auf seinem Streitrosse   mit Harnisch, Schild und Schwert
Verlie der Heimat Gauen   der stolze Degen werth:
Nach _Lochheim_ wollt er reiten   bei Worms an dem Rhein,
Wo die Schtze sollten   in der Flut begraben sein.

Der werthe Held vertauschte   sein ritterlich Gewand
Mit eines Fischers Kleide,   den er am Ufer fand,
Den Helm mit dem Barete,   sein getreues Ross
Mit einem guten Schifflein,   das lustig auf den Wellen flo.

Seine Waffe war das Ruder,   die Stange war sein Sper:
So kreuzt er auf den Wellen   manch lieben Tag umher
Und fischte nach dem Horte;   die Zeit war ihm nicht lang;
Er erholte von der Arbeit   sich bei Zechgelag und Gesang.

Um das alte Wormes   und tiefer um den Rhein
Bis sich die Berge senken,   da wchst ein guter Wein:
Er gleicht so recht an Farbe   dem Nibelungengold,
Das in der Flut zerronnen   in der Reben Adern rollt.

Den trank er alle Tage,   beides, spt und frh,
Wenn er Rast sich gnnte   von der Arbeit Mh.
Er war so rein und lauter,   er war so hell und gut,
Er strkte seine Sinne   und erhht' ihm Kraft und Muth.

Auch hrt er Mre singen,   die sang der Degen nach,
Von Alberich dem Zwerge,   der des Hortes pflag,
Von hohem Liebeswerben,   von Siegfriedens Tod,
Von Kriemhilds grauser Rache   und der Nibelungen Noth.

Da nahm der Degen wieder   das Ruder an die Hand
Und forschte nach dem Horte   am weingrnen Strand.
Mit Hacken und mit Schaufeln   drang er auf den Grund,
Mit Netzen und mit Stangen:   ihm wurden Mhsale kund.

Von des Weines Gte   empfieng er Kraft genug,
Da er des Tags Beschwerde   wohlgemuth ertrug.
Sein Lied mit stolzer Flle   aus der Kehle drang,
Da es nachgesungen   von allen Bergen wiederklang.

So schifft' er immer weiter   zu Thal den grnen Rhein,
Nach dem Horte forschend   bei Hochgesang und Wein.
Am groen Loch bei Bingen   erst seine Stimme schwoll,
Hei! wie ein starkes Singen   an der Lurlei widerscholl!

Doch fand er in der Tiefe   vom Golde keine Spur,
Nicht in des Stromes Bette,   im Becher blinkt' es nur.
Da sprach der biedre Degen:   "Nun leuchtet erst mir ein:
Ich gieng den Hort zu suchen:   der groe Hort, das ist der Wein.

"Der hat aus alten Zeiten   noch bewahrt die Kraft,
Da er zu groen Thaten   erregt die Ritterschaft.
Aus der Berge Schachten   stammt sein Feuergeist,
Der den blden Snger   in hohen Thaten unterweist.

"Er hat aus alten Zeiten   mir ein Lied vertraut,
Wie er zuerst der Wogen   verborgnen Grund geschaut;
Wie Siegfried ward erschlagen   um schnden Golds Gewinn
Und wie ihr Leid gerochen   Kriemhild, die edle Knigin.

"Mein Schifflein la ich fahren,   die Gier des Goldes flieht,
Der Hort ward zu Weine,   der Wein ward mir zum Lied,
Zum Liede, das man gerne   nach tausend Jahren singt
Und das in diesen Tagen   von allen Zungen wiederklingt.

"Ich gieng den Hort zu suchen,   mein Sang, das ist der Hort,
Es begrub ihn nicht die Welle,   er lebt unsterblich fort."
Sein Schifflein lie er fahren   und sang sein Lied im Land:
Das ward vor allen Knigen,   vor allen Kaisern bekannt.

Laut ward es gesungen   im Lande weit und breit,
Hat neu sich aufgeschwungen   in dieser spten Zeit.
Nun mgt ihr erst verstehen,   ein altgesprochen Wort:
"Das Lied der Nibelungen,   das ist der Nibelungenhort."

K. S.

       *       *       *       *       *




Das Nibelungenlied.




Erstes Abenteuer.

Wie Kriemhilden trumte.


Viel Wunderdinge melden   die Mren alter Zeit                        1
Von preiswerthen Helden,   von groer Khnheit,
Von Freud und Festlichkeiten,   von Weinen und von Klagen,
Von khner Recken Streiten   mgt ihr nun Wunder hren sagen.

Es wuchs in Burgunden   solch edel Mgdelein,                         2
Da in allen Landen   nichts Schnres mochte sein.
Kriemhild war sie geheien,   und ward ein schnes Weib,
Um die viel Degen musten   verlieren Leben und Leib.

Die Minnigliche lieben   brachte Keinem Scham;                        3
Um die viel Recken warben,   Niemand war ihr gram.
Schn war ohne Maen   die edle Maid zu schaun;
Der Jungfrau hfsche Sitte   wr eine Zier allen Fraun.

Es pflegten sie drei Knige   edel und reich,                         4
Gunther und Gernot,   die Recken ohne Gleich,
Und Geiselher der junge,   ein auserwhlter Degen;
Sie war ihre Schwester,   die Frsten hatten sie zu pflegen.

Die Herren waren milde,   dazu von hohem Stamm,                       5
Unmaen khn nach Krften,   die Recken lobesam.
Nach den Burgunden   war ihr Land genannt;
Sie schufen starke Wunder   noch seitdem in Etzels Land.

In Worms am Rheine wohnten   die Herrn in ihrer Kraft.                6
Von ihren Landen diente   viel stolze Ritterschaft
Mit rhmlichen Ehren   all ihres Lebens Zeit,
Bis jmmerlich sie starben   durch zweier edeln Frauen Streit.

Ute hie ihre Mutter,   die reiche Knigin,                           7
Und Dankrat ihr Vater,   der ihnen zum Gewinn
Das Erbe lie im Tode,   vordem ein starker Mann,
Der auch in seiner Jugend   groer Ehren viel gewann.

Die drei Knge waren,   wie ich kund gethan,                          8
Stark und hohen Muthes;   ihnen waren unterthan
Auch die besten Recken,   davon man hat gesagt,
Von groer Kraft und Khnheit,   in allen Streiten unverzagt.

Das war von Tronje Hagen,   und der Bruder sein,                      9
Dankwart der Schnelle,   von Metz Herr Ortewein,
Die beiden Markgrafen   Gere und Eckewart,
Volker von Alzei,   an allen Krften wohlbewahrt,

Rumold der Kchenmeister,   ein theuerlicher Degen,                  10
Sindold und Hunold:   die Herren musten pflegen
Des Hofes und der Ehren,   den Kngen unterthan.
Noch hatten sie viel Recken,   die ich nicht alle nennen kann.

Dankwart war Marschall;   so war der Neffe sein                      11
Truchse des Knigs,   von Metz Herr Ortewein.
Sindold war Schenke,   ein waidlicher Degen,
Und Kmmerer Hunold:   sie konnten hoher Ehren pflegen.

Von des Hofes Ehre   von ihrer weiten Kraft,                         12
Von ihrer hohen Wrdigkeit   und von der Ritterschaft,
Wie sie die Herren bten   mit Freuden all ihr Leben,
Davon wei wahrlich Niemand   euch volle Kunde zu geben.

In ihren hohen Ehren   trumte Kriemhilden,                          13
Sie zg einen Falken,   stark-, schn- und wilden;
Den griffen ihr zwei Aare,   da sie es mochte sehn:
Ihr konnt auf dieser Erde   grer Leid nicht geschehn.

Sie sagt' ihrer Mutter   den Traum, Frau Uten:                       14
Die wust ihn nicht zu deuten   als so der guten:
"Der Falke, den du ziehest,   das ist ein edler Mann:
Ihn wolle Gott behten,   sonst ist es bald um ihn gethan."

"Was sagt ihr mir vom Manne,   vielliebe Mutter mein?                15
Ohne Reckenminne   will ich immer sein;
So schn will ich verbleiben   bis an meinen Tod,
Da ich von Mannesminne   nie gewinnen mge Noth."

"Verred es nicht so vllig,"   die Mutter sprach da so,              16
"Sollst du je auf Erden   von Herzen werden froh,
Das geschieht von Mannesminne:   du wirst ein schnes Weib,
Will Gott dir noch vergnnen   eines guten Ritters Leib."

"Die Rede lat bleiben,   vielliebe Mutter mein.                     17
Es hat an manchen Weiben   gelehrt der Augenschein,
Wie Liebe mit Leide   am Ende gerne lohnt;
Ich will sie meiden beide,   so bleib ich sicher verschont!"

Kriemhild in ihrem Muthe   hielt sich von Minne frei.                18
So lief noch der guten   manch lieber Tag vorbei,
Da sie Niemand wuste,   der ihr gefiel zum Mann,
Bis sie doch mit Ehren   einen werthen Recken gewann.

Das war derselbe Falke,   den jener Traum ihr bot,                   19
Den ihr beschied die Mutter.   Ob seinem frhen Tod
Den nchsten Anverwandten   wie gab sie blutgen Lohn!
Durch dieses Einen Sterben   starb noch mancher Mutter Sohn.

       *       *       *       *       *




Zweites Abenteuer.

Von Siegfrieden.


Da wuchs im Niederlande   eines edeln Knigs Kind,                   20
Siegmund hie sein Vater,   die Mutter Siegelind,
In einer mchtgen Veste,   weithin wohlbekannt,
Unten am Rheine,   Xanten war sie genannt.

Ich sag euch von dem Degen,   wie so schn er ward.                  21
Er war vor allen Schanden   immer wohl bewahrt.
Stark und hohes Namens   ward bald der khne Mann:
Hei! was er groer Ehren   auf dieser Erde gewann!

Siegfried ward geheien   der edle Degen gut.                        22
Er erprobte viel der Recken   in hochbeherztem Muth.
Seine Strke fhrt' ihn   in manches fremde Land:
Hei! was er schneller Degen   bei den Burgunden fand!

Bevor der khne Degen   voll erwuchs zum Mann,                       23
Da hatt er solche Wunder   mit seiner Hand gethan,
Davon man immer wieder   singen mag und sagen;
Wir men viel verschweigen   von ihm in heutigen Tagen.

In seinen besten Zeiten,   bei seinen jungen Tagen                   24
Mochte man viel Wunder   von Siegfrieden sagen,
Wie Ehr an ihm erblhte   und wie schn er war zu schaun:
Drum dachten sein in Minne   viel der waidlichen Fraun.

Man erzog ihn mit dem Fleie,   wie ihm geziemend war;               25
Was ihm Zucht und Sitte   der eigne Sinn gebar!
Das ward noch eine Zierde   fr seines Vaters Land,
Da man zu allen Dingen   ihn so recht herrlich fand.

Er war nun so erwachsen,   mit an den Hof zu gehn.                   26
Die Leute sahn ihn gerne;   viel Fraun und Mdchen schn
Wnschten wohl, er kme   dahin doch immerdar;
Hold waren ihm gar viele,   des ward der Degen wohl gewahr.

Selten ohne Hter   man reiten lie das Kind.                        27
Mit Kleidern hie ihn zieren   seine Mutter Siegelind;
Auch pflegten sein die Weisen,   denen Ehre war bekannt:
Drum mcht er wohl gewinnen   so die Leute wie das Land,

Nun war er in der Strke,   da er wohl Waffen trug:                 28
Wes er dazu bedurfte,   des gab man ihm genug.
Schon sann er zu werben   um manches schne Kind;
Die htten wohl mit Ehren   den schnen Siegfried geminnt.

Da lie sein Vater Siegmund   kund thun seinem Lehn,                 29
Mit lieben Freunden woll er   ein Hofgelag begehn.
Da brachte man die Mre   in andrer Knge Land.
Den Heimischen und Gsten   gab er Ross und Gewand.

Wen man finden mochte,   der nach der Eltern Art                     30
Ritter werden sollte,   die edeln Knappen zart
Lud man nach dem Lande   zu der Lustbarkeit,
Wo sie das Schwert empfiengen   mit Siegfried zu gleicher Zeit.

Man mochte Wunder sagen   von dem Hofgelag.                          31
Siegmund und Siegelind   gewannen an dem Tag
Viel Ehre durch die Gaben,   die spendet' ihre Hand:
Drum sah man viel der Fremden   zu ihnen reiten in das Land.

Vierhundert Schwertdegen   sollten gekleidet sein                    32
Mit dem jungen Knige.   Manch schnes Mgdelein
Sah man am Werk geschftig:   ihm waren alle hold.
Viel edle Steine legten   die Frauen da in das Gold,

Die sie mit Borten wollten   auf die Kleider nhn                    33
Den jungen stolzen Recken;   das muste so ergehn.
Der Wirth lie Sitze bauen   fr manchen khnen Mann
Zu der Sonnenwende,   wo Siegfried Ritters Stand gewann.

Da gieng zu einem Mnster   mancher reiche Knecht                    34
Und viel der edeln Ritter.   Die Alten thaten recht,
Da sie den Jungen dienten,   wie ihnen war geschehn,
Sie hatten Kurzweile   und freuten sich es zu sehn.

Als man da Gott zu Ehren   eine Messe sang,                          35
Da hub sich von den Leuten   ein gewaltiger Drang,
Da sie zu Rittern wurden   dem Ritterbrauch gem
Mit also hohen Ehren,   so leicht nicht wieder geschhs.

Sie eilten, wo sie fanden   geschirrter Rosse viel.                  36
Da ward in Siegmunds Hofe  so laut das Ritterspiel,
Da man ertosen hrte   Pallas und Saal.
Die hochbeherzten Degen   begannen frhlichen Schall.

Von Alten und von Jungen   mancher Sto erklang,                     37
Da der Schfte Brechen   in die Lfte drang.
Die Splitter sah man fliegen   bis zum Saal hinan.
Die Kurzweile sahen   die Fraun und Mnner mit an.

Der Wirth bat es zu laen.   Man zog die Rosse fort;                 38
Wohl sah man auch zerbrochen   viel starke Schilde dort
Und viel der edeln Steine   auf das Gras gefllt
Von des lichten Schildes Spangen:   die hatten Ste zerschellt.

Da setzten sich die Gste,   wohin man ihnen rieth,                  39
zu Tisch, wo von Ermdung   viel edle Kost sie schied
Und Wein der allerbeste,   des man die Flle trug.
Den Heimischen und Fremden   bot man Ehren da genug.

So viel sie Kurzweile   gefunden all den Tag,                        40
Das fahrende Gesinde   doch keiner Ruhe pflag:
Sie dienten um die Gabe,   die man da reichlich fand;
Ihr Lob ward zur Zierde   Knig Siegmunds ganzem Land.

Da lie der Frst verleihen   Siegfried, dem jungen Mann,            41
Das Land und die Burgen,   wie sonst er selbst gethan.
Seinen Schwertgenoen   gab er mit milder Hand:
So freute sie die Reise,   die sie gefhrt in das Land.

Das Hofgelage whrte   bis an den siebten Tag.                       42
Sieglind die reiche   der alten Sitte pflag,
Da sie dem Sohn zu Liebe   vertheilte rothes Gold:
Sie knnt es wohl verdienen,   da ihm die Leute waren hold.

Da war zuletzt kein armer   Fahrender mehr im Land.                  43
Ihnen stoben Kleider   und Rosse von der Hand,
Als htten sie zu leben   nicht mehr denn einen Tag.
Man sah nie Ingesinde,   das so groer Milde pflag.

Mit preiswerthen Ehren   zergieng die Lustbarkeit.                   44
Man hrte wohl die Reichen   sagen nach der Zeit,
Da sie dem Jungen gerne   wren unterthan;
Das begehrte nicht Siegfried,   dieser waidliche Mann.

So lange sie noch lebten,   Siegmund und Siegelind,                  45
Wollte nicht Krone tragen   der beiden liebes Kind;
Doch wollt er herrlich wenden   alle die Gewalt,
Die in den Landen frchtete   der Degen khn und wohlgestalt.

Ihn durfte Niemand schelten:   seit er die Waffen nahm,              46
Pflag er der Ruh nur selten,   der Recke lobesam.
Er suchte nur zu streiten   und seine starke Hand
Macht' ihn zu allen Zeiten   in fremden Reichen wohlbekannt.

       *       *       *       *       *




Drittes Abenteuer.

Wie Siegfried nach Worms kam.


Den Herrn beschwerte selten   irgend ein Herzeleid.                  47
Er hrte Kunde sagen,   wie eine schne Maid
Bei den Burgunden wre,   nach Wnschen wohlgethan,
Von der er bald viel Freuden   und auch viel Leides gewann.

Von ihrer hohen Schne   vernahm man weit und breit,                 48
Und auch ihr Hochgemthe   ward zur selben Zeit
Bei der Jungfrauen   den Helden oft bekannt:
Das ladete der Gste   viel in Knig Gunthers Land.

So viel um ihre Minne   man Werbende sah,                            49
Kriemhild in ihrem Sinne   sprach dazu nicht Ja,
Da sie einen wollte   zum geliebten Mann:
Er war ihr noch gar fremde,   dem sie bald ward unterthan.

Dann sann auf hohe Minne   Sieglindens Kind:                         50
All der Andern Werben   war wider ihn ein Wind.
Er mochte wohl verdienen   ein Weib so auserwhlt:
Bald ward die edle Kriemhild   dem khnen Siegfried vermhlt.

Ihm riethen seine Freunde   und Die in seinem Lehn,                  51
Hab er stte Minne   sich zum Ziel ersehn,
So soll er werben, da er sich   der Wahl nicht drfe schmen.
Da sprach der edle Siegfried:   "So will ich Kriemhilden nehmen,

"Die edle Knigstochter   von Burgundenland,                         52
Um ihre groe Schne.   Das ist mir wohl bekannt,
Kein Kaiser sei so mchtig,   htt er zu frein im Sinn,
Dem nicht zum minnen ziemte   diese reiche Knigin."

Solche Mre hrte   der Knig Siegmund.                              53
Es sprachen seine Leute:   also ward ihm kund
Seines Kindes Wille.   Es war ihm hchlich leid,
Da er werben wolle   um diese herrliche Maid.

Es erfuhr es auch die Knigin,   die edle Siegelind:                 54
Die muste groe Sorge   tragen um ihr Kind,
Weil sie wohl Gunthern kannte   und Die in seinem Heer
Die Werbung dem Degen   zu verleiden fli man sich sehr.

Da sprach der khne Siegfried:   "Viel lieber Vater mein,            55
Ohn edler Frauen Minne   wollt ich immer sein,
Wenn ich nicht werben drfte   nach Herzensliebe frei."
Was Jemand reden mochte,   so blieb er immer dabei.

"Ist dir nicht abzurathen,"   der Knig sprach da so,                56
"So bin ich deines Willens   von ganzem Herzen froh
Und will dirs fgen helfen,   so gut ich immer kann;
Doch hat der Knig Gunther   manchen hochfhrtgen Mann.

"Und wr es anders Niemand   als Hagen der Degen,                    57
Der kann im Uebermuthe   wohl der Hochfahrt pflegen,
So da ich sehr befrchte,   es mg uns werden leid,
Wenn wir werben wollen   um diese herrliche Maid."

"Wie mag uns das gefhrden!"   hub da Siegfried an:                  58
"Was ich mir im Guten   da nicht erbitten kann,
Will ich schon sonst erwerben   mit meiner starken Hand,
Ich will von ihm erzwingen   so die Leute wie das Land."

"Leid ist mir deine Rede,"   sprach Knig Siegmund,                  59
"Denn wrde diese Mre   dort am Rheine kund,
Du drftest nimmer reiten   in Knig Gunthers Land.
Gunther und Gernot   die sind mir lange bekannt.

"Mit Gewalt erwerben   kann Niemand die Magd,"                       60
Sprach der Knig Siegmund,   "das ist mir wohl gesagt;
Willst du jedoch mit Recken   reiten in das Land,
Die Freunde, die wir haben,   die werden eilends besandt."

"So ist mir nicht zu Muthe,"   fiel ihm Siegfried ein,               61
"Da mir Recken sollten   folgen an den Rhein
Einer Heerfahrt willen:   das wre mir wohl leid,
Sollt ich damit erzwingen   diese herrliche Maid.

"Ich will sie schon erwerben   allein mit meiner Hand.               62
Ich will mit zwlf Gesellen   in Knig Gunthers Land;
Dazu sollt ihr mir helfen,   Vater Siegmund."
Da gab man seinen Degen   zu Kleidern grau und auch bunt.

Da vernahm auch diese Mre   seine Mutter Siegelind;                 63
Sie begann zu trauern   um ihr liebes Kind:,
Sie bangt' es zu verlieren   durch Die in Gunthers Heer.
Die edle Knigstochter   weinte darber sehr.

Siegfried der Degen   gieng hin, wo er sie sah.                      64
Wider seine Mutter   gtlich sprach er da:
"Frau, ihr sollt nicht weinen   um den Willen mein:
Wohl will ich ohne Sorgen   vor allen Weiganden sein.

"Nun helft mir zu der Reise   nach Burgundenland,                    65
Da mich und meine Recken   ziere solch Gewand,
Wie so stolze Degen   mit Ehren mgen tragen:
Dafr will ich immer   den Dank von Herzen euch sagen."

"Ist dir nicht abzurathen,"   sprach Frau Siegelind,                 66
So helf ich dir zur Reise,   mein einziges Kind,
Mit den besten Kleidern,   die je ein Ritter trug,
Dir und deinen Degen:   ihr sollt der haben genug."

Da neigte sich ihr dankend   Siegfried der junge Mann.               67
Er sprach: "Nicht mehr Gesellen   nehm ich zur Fahrt mir an
Als der Recken zwlfe:   verseht die mit Gewand.
Ich mchte gern erfahren,   wie's um Kriemhild sei bewandt."

Da saen schne Frauen   ber Nacht und Tag,                         68
Da ihrer selten Eine   der Mue eher pflag,
Bis sie gefertigt hatten   Siegfriedens Staat.
Er wollte seiner Reise   nun mit nichten haben Rath.

Sein Vater hie ihm zieren   sein ritterlich Gewand,                 69
Womit er rumen wollte   Knig Siegmunds Land.
Ihre lichten Panzer   die wurden auch bereit
Und ihre festen Helme,   ihre Schilde schn und breit.

Nun sahen sie die Reise   zu den Burgunden nahn.                     70
Um sie begann zu sorgen   beides, Weib und Mann,
Ob sie je wiederkommen   sollten in das Land.
Sie geboten aufzusumen   die Waffen und das Gewand.

Schn waren ihre Rosse,   ihr Reitzeug goldesroth;                   71
Wenn wer sich hher dauchte,   so war es ohne Noth,
Als der Degen Siegfried   und Die ihm unterthan.
Nun hielt er um Urlaub   zu den Burgunden an.

Den gaben ihm mit Trauern   Knig und Knigin.                       72
Er trstete sie beide   mit minniglichem Sinn
Und sprach: "Ihr sollt nicht weinen   um den Willen mein:
Immer ohne Sorgen   mgt ihr um mein Leben sein."

Es war leid den Recken,   auch weinte manche Maid;                   73
Sie ahnten wohl im Herzen,   da sie es nach der Zeit
Noch schwer entgelten msten   durch lieber Freunde Tod.
Sie hatten Grund zu klagen,   es that ihnen wahrlich Noth.

Am siebenten Morgen   zu Worms an den Strand                         74
Ritten schon die Khnen;   all ihr Gewand
War von rothem Golde,   ihr Reitzeug wohlbestellt;
Ihnen giengen sanft die Rosse,   die sich da Siegfried gesellt.

Neu waren ihre Schilde,   licht dazu und breit,                      75
Und schn ihre Helme,   als mit dem Geleit
Siegfried der khne   ritt in Gunthers Land.
Man ersah an Helden   nie mehr so herrlich Gewand.

Der Schwerter Enden giengen   nieder auf die Sporen;                 76
Scharfe Spere fhrten   die Ritter auserkoren.
Von zweier Spannen Breite   war, welchen Siegfried trug;
Der hatt an seinen Schneiden   grimmer Schrfe genug.

Goldfarbne Zume   fhrten sie an der Hand;                          77
Der Brustriem war von Seide:   so kamen sie ins Land.
Da gafften sie die Leute   allenthalben an:
Gunthers Mannen liefen   sie zu empfangen heran.

Die hochbeherzten Recken,   Ritter so wie Knecht,                    78
Liefen den Herrn entgegen,   so war es Fug und Recht,
Und begrten diese Gste   in ihrer Herren Land;
Die Pferde nahm man ihnen   und die Schilde von der Hand.

Da wollten sie die Rosse   ziehn zu ihrer Rast;                      79
Da sprach aber Siegfried alsbald,   der khne Gast:
"Lat uns noch die Pferde   stehen kurze Zeit:
Wir reiten bald von hinnen;   dazu bin ich ganz bereit.

"Man soll uns auch die Schilde   nicht von dannen tragen;            80
Wo ich den Knig finde,   kann mir das Jemand sagen,
Gunther den reichen   aus Burgundenland?"
Da sagt' es ihm Einer,   dem es wohl war bekannt.

"Wollt ihr den Knig finden,   das mag gar leicht geschehn:          81
In jenem weiten Saale   hab ich ihn gesehn
Unter seinen Helden;   da geht zu ihm hinan,
So mgt ihr bei ihm finden   manchen herrlichen Mann."

Nun waren auch die Mren   dem Knig schon gesagt,                   82
Da auf dem Hofe wren   Ritter unverzagt:
Sie fhrten lichte Panzer   und herrlich Gewand;
Sie erkenne Niemand   in der Burgunden Land.

Den Knig nahm es Wunder,   woher gekommen sei'n                     83
Die herrlichen Recken   im Kleid von lichtem Schein
Und mit so guten Schilden,   so neu und so breit;
Das ihm das Niemand sagte,   das war Knig Gunthern leid.

Zur Antwort gab dem Knig   von Metz Herr Ortewein;                  84
Stark und khnes Muthes   mocht er wohl sein:
"Da wir sie nicht erkennen,   so heit Jemand gehn
Nach meinem Oheim Hagen:   dem sollt ihr sie laen sehn.

"Ihm sind wohl kund die Reiche   und alles fremde Land;              85
Erkennt er die Herren,   das macht er uns bekannt."
Der Knig lie ihn holen   und Die in seinem Lehn:
Da sah man ihn herrlich   mit Recken hin zu Hofe gehn.

Warum nach ihm der Knig,   frug Hagen da, geschickt?                86
"Es werden fremde Degen   in meinem Haus erblickt,
Die Niemand mag erkennen:   habt ihr in fremdem Land
Sie wohl schon gesehen?   das macht mir, Hagen bekannt."

"Das will ich," sprach Hagen.   Zum Fenster schritt er drauf,        87
Da lie er nach den Gsten   den Augen freien Lauf.
Wohl gefiel ihm ihr Gerthe   und all ihr Gewand;
Doch waren sie ihm fremde   in der Burgunden Land.

Er sprach, woher die Recken   auch kmen an den Rhein,               88
Es mchten selber Frsten   oder Frstenboten sein.
"Schn sind ihre Rosse   und ihr Gewand ist gut;
Von wannen sie auch ritten,   es sind Helden hochgemuth."

Also sprach da Hagen:   "Soviel ich mag verstehn,                    89
Hab ich gleich im Leben   Siegfrieden nie gesehn,
So will ich doch wohl glauben,   wie es damit auch steht,
Da er es sei, der Degen,   der so herrlich dorten geht.

"Er bringt neue Mren   her in dieses Land:                          90
Die khnen Nibelungen   schlug des Helden Hand,
Die reichen Knigsshne   Schilbung und Nibelung;
Er wirkte groe Wunder   mit des starken Armes Schwung.

"Als der Held alleine   ritt aller Hlfe bar,                        91
Fand er an einem Berge,   so hrt ich immerdar,
Bei Knig Niblungs Horte   manchen khnen Mann;
Sie waren ihm gar fremde,   bis er hier die Kunde gewann.

"Der Hort Knig Nibelungs   ward hervorgetragen                      92
Aus einem hohlen Berge:   nun hrt Wunder sagen,
Wie ihn theilen wollten   Die Niblung unterthan.
Das sah der Degen Siegfried,   den es zu wundern begann.

"So nah kam er ihnen,   da er die Helden sah                        93
Und ihn die Degen wieder.   Der Eine sagte da:
"Hier kommt der starke Siegfried,   der Held aus Niederland."
Seltsame Abenteuer   er bei den Nibelungen fand.

"Den Recken wohl empfiengen   Schilbung und Nibelung.                94
Einhellig baten   die edeln Frsten jung,
Da ihnen theilen mchte   den Schatz der khne Mann:
Das begehrten sie, bis endlich   ers zu geloben begann.

"Er sah so viel Gesteines,   wie wir hren sagen,                    95
Hundert Leiterwagen   die mchten es nicht tragen,
Noch mehr des rothen Goldes   von Nibelungenland:
Das Alles sollte theilen   des khnen Siegfriedes Hand.

"Sie gaben ihm zum Lohne   Knig Niblungs Schwert:                   96
Da wurden sie des Dienstes   gar bel gewhrt,
Den ihnen leisten sollte   Siegfried der Degen gut.
Er knnt es nicht vollbringen:   sie hatten zornigen Muth.

"So must er ungetheilet   die Schtze laen stehn.                   97
Da bestanden ihn die Degen   in der zwei Knge Lehn:
Mit ihres Vaters Schwerte,   das Balmung war genannt,
Stritt ihnen ab der Khne   den Hort und Nibelungenland

"Da hatten sie zu Freunden   khne zwlf Mann,                       98
Die starke Riesen waren:   was konnt es sie verfahn?
Die erschlug im Zorne   Siegfriedens Hand
Und siebenhundert Recken   zwang er vom Nibelungenland.

"Mit dem guten Schwerte,   geheien Balmung.                         99
Vom Schrecken berwltigt   war mancher Degen jung
Zumal vor dem Schwerte   und vor dem khnen Mann:
Das Land mit den Burgen   machten sie ihm unterthan.

"Dazu die reichen Knige   die schlug er beide todt.                100
Er kam durch Albrichen   darauf in groe Noth:
Der wollte seine Herren   rchen allzuhand,
Eh er die groe Strke   noch an Siegfrieden fand.

"Mit Streit bestehen konnt ihn   da nicht der starke Zwerg.         101
Wie die wilden Leuen   liefen sie an den Berg,
Wo er die Tarnkappe   Albrichen abgewann:
Da war des Hortes Meister   Siegfried der schreckliche Mann.

"Die sich getraut zu fechten,   die lagen all erschlagen.           102
Den Schatz lie er wieder   nach dem Berge tragen,
Dem ihn entnommen hatten   Die Niblung unterthan.
Alberich der starke   das Amt des Kmmrers gewann.

"Er must ihm Eide schwren,   er dien ihm als sein Knecht,          103
Zu aller Art Diensten   ward er ihm gerecht."
So sprach von Tronje Hagen:   "Das hat der Held gethan;
Also groe Krfte   nie mehr ein Recke gewann.

"Noch ein Abenteuer   ist mir von ihm bekannt:                      104
Einen Linddrachen   schlug des Helden Hand;
Als er im Blut sich badete,   ward hrnern seine Haut.
So versehrt ihn keine Waffe:   das hat man oft an ihm geschaut.

"Man soll ihn wohl empfangen,   der beste Rath ist das,             105
Damit wir nicht verdienen   des schnellen Recken Ha.
Er ist so khnes Sinnes,   man seh ihn freundlich an:
Er hat mit seinen Krften   so manche Wunder gethan."

Da sprach der mchtge Knig:   "Gewiss, du redest wahr:             106
Nun sieh, wie stolz er dasteht   vor des Streits Gefahr,
Dieser khne Degen   und Die in seinem Lehn!
Wir wollen ihm entgegen   hinab zu dem Recken gehn."

"Das mgt ihr," sprach da Hagen,   "mit allen Ehren schon:          107
Er ist von edelm Stamme   eines reichen Knigs Sohn;
Auch hat er die Gebre,   mich dnkt, beim Herren Christ,
Es sei nicht kleine Mre,   um die er hergeritten ist."

Da sprach der Herr des Landes:   "Nun sei er uns willkommen.        108
Er ist khn und edel,   das hab ich wohl vernommen;
Des soll er auch genieen   im Burgundenland."
Da gieng der Knig Gunther   hin, wo er Siegfrieden fand.

Der Wirth und seine Recken   empfiengen so den Mann,                109
Da wenig an dem Grue   gebrach, den er gewann;
Des neigte sich vor ihnen   der Degen ausersehn
In groen Zchten sah man   ihn mit seinen Recken stehn.

"Mich wundert diese Mre,"   sprach der Wirth zuhand,               110
"Von wannen, edler Siegfried,   ihr kamt in dieses Land
Oder was ihr wollet suchen   zu Worms an dem Rhein?"
Da sprach der Gast zum Knig:   "Das soll euch unverhohlen sein.

"Ich habe sagen hren   in meines Vaters Land,                      111
An euerm Hofe wren,   das htt ich gern erkannt,
Die allerkhnsten Recken,   so hab ich oft vernommen,
Die je gewann ein Knig:   darum bin ich hieher gekommen.

"So hr ich auch euch selber   viel Mannheit zugestehn,             112
Man habe keinen Knig   noch je so khn gesehn.
Das rhmen viel der Leute   in all diesem Land;
Nun kann ichs nicht verwinden,   bis ich die Wahrheit befand.

"Ich bin auch ein Recke   und soll die Krone tragen:                113
Ich mcht es gerne fgen,   da sie von mir sagen,
Da ich mit Recht bese   die Leute wie das Land.
Mein Haupt und meine Ehre   setz ich dawider zu Pfand.

Wenn ihr denn so khn seid,   wie euch die Sage zeiht,              114
So frag ich nicht, ists Jemand   lieb oder leid:
Ich will von euch erzwingen,   was euch angehrt,
Das Land und die Burgen   unterwerf ich meinem Schwert."

Der Knig war verwundert   und all sein Volk umher,                 115
Als sie vernahmen   sein seltsam Begehr,
Da er ihm zu nehmen   gedchte Leut und Land.
Das hrten seine Degen,   die wurden zornig zuhand.

"Wie sollt ich das verdienen,"   sprach Gunther der Degen,          116
Wes mein Vater lange   mit Ehren durfte pflegen,
Da wir das verlren   durch Jemands Ueberkraft?
Das wre schlecht bewiesen,   da wir auch pflegen Ritterschaft!"

"Ich will davon nicht laen,"   fiel ihm der Khne drein,           117
"Von deinen Krften mge   dein Land befriedet sein,
Ich will es nun verwalten;   doch auch das Erbe mein,
Erwirbst du es durch Strke,   es soll dir unterthnig sein.

"Dein Erbe wie das meine   wir schlagen gleich sie an,              118
Und wer von uns den Andern   berwinden kann,
Dem soll es alles dienen,   die Leute wie das Land."
Dem widersprach da Hagen   und mit ihm Gernot zuhand.

"So stehn uns nicht die Sinne,"   sprach da Gernot,                 119
"Nach neuen Lands Gewinne,   da Jemand sollte todt
Vor Heldeshnden liegen:   reich ist unser Land,
Das uns mit Recht gehorsamt,  zu Niemand beer bewandt."

In grimmigem Muthe   standen da die Freunde sein.                   120
Da war auch darunter   von Metz Herr Ortewein.
Der Sprach: "Die Shne   ist mir von Herzen leid:
Euch ruft der starke Siegfried   ohn allen Grund in den Streit.

"Wenn ihr und eure Brder   ihm auch nicht steht zur Wehr,          121
Und ob er bei sich fhrte   ein ganzes Knigsheer,
So wollt ichs doch erstreiten,   da der starke Held
Also hohen Uebermuth,   wohl mit Recht bei Seite stellt."

Darber zrnte mchtig   der Held von Niederland:                   122
"Nicht wider mich vermeen   darf sich deine Hand:
Ich bin ein reicher Knig,   du bist in Knigs Lehn;
Deiner zwlfe drften   mich nicht im Streite bestehn."

Nach Schwertern rief da heftig   von Metz Herr Ortewein:            123
Er durfte Hagens Schwestersohn   von Tronje wahrlich sein;
Da er so lang geschwiegen,   das war dem Knig leid.
Da sprach zum Frieden Gernot,   ein Ritter khn und allbereit.

"Lat euer Zrnen bleiben,"   hub er zu Ortwein an,                 124
"Uns hat der edle Siegfried   noch solches nicht gethan;
Wir scheiden es in Gte   wohl noch, das rath ich sehr,
Und haben ihn zum Freunde;   es geziemt uns wahrlich mehr."

Da sprach der starke Hagen   "Uns ist billig leid                   125
und all euern Degen,   da er je zum Streit
an den Rhein geritten:   was lie er das nicht sein?
So bel nie begegnet   wren ihm die Herren mein."

Da sprach wieder Siegfried,   der kraftvolle Held:                  126
"Wenn euch, was ich gesprochen,   Herr Hagen, missfllt,
So will ich schauen laen,   wie noch die Hnde mein
Gedenken so gewaltig   bei den Burgunden zu sein."

"Das hoff ich noch zu wenden,"   sprach da Gernot.                  127
Allen seinen Degen   zu reden er verbot
In ihrem Uebermuthe,   was ihm wre leid.
Da gedacht auch Siegfried   an die viel herrliche Maid.

"Wie geziemt' uns mit euch zu streiten?"   sprach wieder Gernot     128
"Wie viel dabei der Helden   auch fielen in den Tod,
Wenig Ehre brcht uns   so ungleicher Streit."
Die Antwort hielt da Siegfried,   Knig Siegmunds Sohn, bereit:

Warum zgert Hagen   und auch Ortewein,                             129
Da er nicht zum Streite   eilt mit den Freunden sein,
Deren er so manchen   bei den Burgunden hat?"
Sie blieben Antwort schuldig,   das war Gernotens Rath.

"Ihr sollt uns willkommen sein,"   sprach Geiselher das Kind,       130
"Und eure Heergesellen,   die hier bei euch find:
Wir wollen gern euch dienen,   ich und die Freunde mein."
Da hie man den Gsten   schenken Knig Gunthers Wein.

Da sprach der Wirth des Landes:   "Alles, was uns gehrt,           131
Verlangt ihr es in Ehren,   das sei euch unverwehrt;
Wir wollen mit euch theilen   unser Gut und Blut."
Da ward dem Degen Siegfried   ein wenig sanfter zu Muth.

Da lie man ihnen wahren   all ihr Wehrgewand;                      132
Man suchte Herbergen,   die besten, die man fand:
Siegfriedens Knappen   schuf man gut Gemach.
Man sah den Fremdling gerne   in Burgundenland hernach.

Man bot ihm groe Ehre   darauf in manchen Tagen,                   133
Mehr zu tausend Malen,   als ich euch knnte sagen;
Das hatte seine Khnheit   verdient, das glaubt frwahr.
Ihn sah wohl selten Jemand,   der ihm nicht gewogen war.

Flien sich der Kurzweil   die Knge und ihr Lehn,                  134
So war er stts der Beste,   was man auch lie geschehn.
Es konnt ihm Niemand folgen,   so gro war seine Kraft,
Ob sie den Stein warfen   oder schoen den Schaft.

Nach hfscher Sitte lieen   sich auch vor den Fraun                135
Der Kurzweile pflegend   die khnen Ritter schaun:
Da sah man stts den Helden   gern von Niederland;
Er hatt auf hohe Minne   seine Sinne gewandt.

Die schnen Fraun am Hofe   erfragten Mre,                         136
Wer der stolze fremde   Recke wre.
"Er ist so schn gewachsen,   so reich ist sein Gewand!"
Da sprachen ihrer Viele:   "Das ist der Held von Niederland."

Was man beginnen wollte,   er war dazu bereit;                      137
Er trug in seinem Sinne   eine minnigliche Maid,
Und auch nur ihn die Schne,   die er noch nie gesehn,
Und die sich doch viel Gutes   von ihm schon heimlich versehn.

Wenn man auf dem Hofe   das Waffenspiel begann,                     138
Ritter so wie Knappen,   immer sah es an
Kriemhild aus den Fenstern,   die Knigstochter hehr;
Keiner andern Kurzweil   hinfort bedurfte sie mehr.

Und wst er, da ihn she,   die er im Herzen trug,                 139
Davon htt er Kurzweil   immerdar genug.
Ershn sie seine Augen,   ich glaube sicherlich,
Keine andre Freude   hier auf Erden wnscht' er sich.

Wenn er bei den Recken   auf dem Hofe stand,                        140
Wie man noch zur Kurzweil   pflegt in allem Land,
Wie stand dann so minniglich   das Sieglindenkind,
Da manche Frau ihm heimlich   war von Herzen hold gesinnt.

Er gedacht auch manchmal:   "Wie soll das geschehn,                 141
Da ich das edle Mgdlein   mit Augen mge sehn,
Die ich von Herzen minne,   wie ich schon lngst gethan?
Die ist mir noch gar fremde;   mit Trauern denk ich daran."

So oft die reichen Knige   ritten in ihr Land,                     142
So musten auch die Recken   mit ihnen all zur Hand.
Auch Siegfried ritt mit ihnen:   das war der Frauen leid;
Er litt von ihrer Minne   auch Beschwer zu mancher Zeit.

So wohnt' er bei den Herren,   das ist alles wahr,                  143
In Knig Gunthers Lande   vlliglich ein Jahr,
Da er die Minnigliche   in all der Zeit nicht sah,
Durch die ihm bald viel Liebes   und auch viel Leides geschah.

       *       *       *       *       *




Viertes Abenteuer.

Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.


Da kamen fremde Mren   in Knig Gunthers Land                      144
Durch Boten aus der Ferne   ihnen zugesandt
Von unbekannten Recken,   die ihnen trugen Ha
Als sie die Rede hrten,   gar sehr betrbte sie das.

Die will ich euch nennen:   es war Ldeger                          145
Aus der Sachsen Lande,   ein mchtger Knig hehr;
Dazu vom Dnenlande   der Knig Ldegast:
Die gewannen zu dem Kriege   gar manchen herrlichen Gast.

Ihre Boten kamen   in Knig Gunthers Land,                          146
Die seine Widersacher   hatten hingesandt.
Da frug man um die Mre   die Unbekannten gleich
Und fhrte bald die Boten   zu Hofe vor den Knig reich.

Schn grte sie der Knig und sprach:   "Seid willkommen!          147
Wer euch hieher gesendet,   hab ich noch nicht vernommen:
Das sollt ihr hren laen,"   sprach der Knig gut.
Da bangten sie gewaltig   vor des grimmen Gunther Muth.

"Wollt ihr uns, Herr, erlauben,   da wir euch Bericht              148
Von unsrer Mre sagen,   wir hehlen sie euch nicht.
Wir nennen euch die Herren,   die uns hieher gesandt:
Ldegast und Ldeger   die suchen heim euer Land.

Ihren Zorn habt ihr verdienet:   wir vernahmen das                  149
Gar wohl, die Herren tragen   euch beide groen Ha.
Sie wollen heerfahrten   gen Worms an den Rhein;
Ihnen helfen viel der Degen:   lat euch das zur Warnung sein.

"Binnen zwlf Wochen   mu ihre Fahrt geschehn;                     150
Habt ihr nun guter Freunde,   so lat es bald ersehn,
Die euch befrieden helfen   die Burgen und das Land:
Hier werden sie verhauen   manchen Helm und Schildesrand.

"Oder wollt ihr unterhandeln,   so macht es offenbar;               151
So reitet euch so nahe   nicht gar manche Schar
Eurer starken Feinde   zu bitterm Herzeleid,
Davon verderben men   viel der Ritter khn im Streit."

"Nun harrt eine Weile   (ich knd euch meinen Muth),                152
Bis ich mich recht bedachte,"   sprach der Knig gut.
"Hab ich noch Getreue,   denen will ichs sagen,
Diese schwere Botschaft   mu ich meinen Freunden klagen."

Dem mchtigen Gunther   war es leid genug;                          153
Den Botenspruch er heimlich   in seinem Herzen trug.
Er hie berufen Hagen   und Andr' in seinem Lehn
Und hie auch gar geschwinde   zu Hof nach Gernoten gehn.

Da kamen ihm die Besten,   so viel man deren fand.                  154
Er sprach: "Die Feinde wollen   heimsuchen unser Land
Mit starken Heerfahrten;   das sei euch geklagt.
Es ist gar unverschuldet,   da sie uns haben widersagt."

"Dem wehren wir mit Schwertern,"   sprach da Gernot,                155
"Da sterben nur, die men:   die laet liegen todt.
Ich werde nicht vergeen   darum der Ehre mein:
Unsre Widersacher   sollen uns willkommen sein."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Das dnkt mich nicht gut;            156
Ldegast und Ldeger   sind voll Uebermuth.
Wir knnen uns nicht sammeln   in so kurzen Tagen,"
So sprach der khne Recke:   "ihr sollt es Siegfrieden sagen."

Da gab man den Boten   Herbergen in der Stadt.                      157
Wie feind sie ihnen waren,   sie gut zu pflegen bat
Gunther der reiche,   das war wohlgethan,
Bis er erprobt an Freunden,   wer ihm zu Hlfe zg heran.

Der Knig trug im Herzen   Sorge doch und Leid.                     158
Da sah ihn also trauern   ein Ritter allbereit,
Der nicht wien konnte,   was ihm war geschehn:
Da bat er Knig Gunthern,   ihm den Grund zu gestehn.

"Mich nimmt hchlich Wunder,"   sprach da Siegfried,                159
"Wie die frohe Weise   so vllig von euch schied,
Deren ihr so lange   mit uns mochtet pflegen."
Zur Antwort gab ihm Gunther,   dieser zierliche Degen:

"Wohl mag ich allen Leuten   nicht von dem Leide sagen,             160
Das ich mu verborgen   in meinem Herzen tragen:
Stten Freunden klagen   soll man des Herzens Noth."
Siegfriedens Farbe   ward da bleich und wieder roth.

Er sprach zu dem Knige:   "Was blieb euch je versagt?              161
Ich will euch wenden helfen   das Leid, das ihr klagt.
Wollt ihr Freunde suchen,   so will ich einer sein
Und getrau es zu vollbringen   mit Ehren bis ans Ende mein."

"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,   die Rede dnkt mich gut;     162
Und kann mir auch nicht helfen   eure Kraft und hoher Muth,
So freut mich doch die Mre,   da ihr so hold mir seid:
Leb ich noch eine Weile,   ich vergelt es mit der Zeit.

Ich will euch hren laen,   was mich traurig macht.                163
Von Boten meiner Feinde   ward mir hinterbracht,
Mit Heerfahrten kmen   sie mich zu suchen hie:
Das geschah uns von Degen   in diesen Landen noch nie."

"Das lat euch nicht betrben,"   sprach da Siegfried,              164
"Snftet eur Gemthe   und thut, wie ich euch rieth:
Lat mich euch erwerben   Ehre so wie Frommen,
Bevor eure Feinde   her zu diesen Landen kommen.

"Und htten dreiigtausend   Helfer sich ersehn                     165
Eure starken Feinde,   doch wollt ich sie bestehn,
Htt ich auch selbst nur tausend:   verlat euch auf mich."
Da sprach der Knig Gunther:   "Das verdien ich stts um dich."

"So heit mir eurer Leute   gewinnen tausend Mann,                  166
Da ich von den Meinen   nicht mehr hier stellen kann
Als der Recken zwlfe;   so wehr ich euer Land.
Immer soll getreulich   euch dienen Siegfriedens Hand.

"Dazu soll Hagen helfen   und auch Ortewein,                        167
Dankwart und Sindold,   die lieben Recken dein.
Auch soll da mit uns reiten   Volker der khne Mann:
Der soll die Fahne fhren:   keinen Beern trefft ihr an.

"Und lat die Boten reiten heim   in ihrer Herren Land;             168
Da sie uns bald da sehen,   macht ihnen das bekannt,
So da unsre Burgen   befriedet mgen sein."
Der Knig hie besenden   Freund und Mannen insgemein.

Zu Hofe giengen wieder   Die Ldeger gesandt;                       169
Sie freuten sich der Reise   zurck ins Heimatland.
Ihnen bot da reiche Gabe   Gunther der Knig gut
Und sicheres Geleite:   des waren sie wohlgemuth.

"Nun sagt," sprach da Gunther,   "meinen starken Feinden an,        170
Ihre Reise bliebe   beer ungethan;
Doch wollten sie mich suchen   hier in meinem Land,
Wir zerrnnen denn die Freunde,   ihnen werde Noth bekannt."

Den Boten reiche Gaben   man da zur Stelle trug:                    171
Deren hatte Gunther   zu geben genug.
Das durften nicht verschmhen   Die Ldeger gesandt.
Sie baten um Urlaub   und rumten frhlich das Land.

Als die Boten waren   gen Dnemark gekommen,                        172
Und der Knig Ldegast   den Bericht vernommen,
Was sie am Rhein geredet,   als das ihm ward gesagt,
Seine bermthge Botschaft   ward da bereut und beklagt.

Sie sagten ihm, sie htten   manch khnen Mann im Lehn:             173
"Darunter sah man Einen   vor Knig Gunthern stehn,
Der war geheien Siegfried,   ein Held aus Niederland."
Leid wars Ldegasten,   als er die Dinge so befand.

Als Die vom Dnenlande   hrten diese Mr,                          174
Da eilten sie, der Helfer   zu gewinnen desto mehr,
Bis der Knig Ldegast   zwanzigtausend Mann
Seiner khnen Degen   zu seiner Heerfahrt gewann.

Da besandte sich von Sachsen   auch Knig Ldeger,                  175
Bis sie vierzigtausend   hatten und wohl mehr,
Die mit ihnen ritten   gen Burgundenland.
Da hatt auch schon zu Hause   der Knig Gunther gesandt

Zu seinen nchsten Freunden   und seiner Brder Heer,               176
Womit sie fahren wollten   im Kriegszug einher,
Und auch mit Hagens Recken:   das that den Helden Noth.
Darum musten Degen   bald erschauen den Tod.

Sie schickten sich zur Reise;   sie wollten nun hindann.            177
Die Fahne muste fhren   Volker der khne Mann,
Da sie reiten wollten   von Worms ber Rhein;
Hagen von Tronje   der muste Scharmeister sein.

Mit ihnen ritt auch Sindold   und der khne Hunold,                 178
Die wohl verdienen konnten   reicher Knge Gold.
Dankwart, Hagens Bruder,   und auch Ortewein
Die mochten wohl mit Ehren   bei dem Heerzuge sein.

"Herr Knig," sprach da Siegfried,   "bleibet ihr zu Haus:          179
Da mir eure Degen   folgen zu dem Strau,
So weilt bei den Frauen   und tragt hohen Muth:
Ich will euch wohl behten   die Ehre so wie das Gut.

"Die euch heimsuchen wollten   zu Worms an dem Rhein,               180
Will euch davor bewahren,   da sie euch schdlich sei'n:
Wir wollen ihnen reiten   so nah ins eigne Land,
Da ihnen bald in Sorge   der Uebermuth wird gewandt."

Vom Rheine sie durch Hessen   mit ihren Helden ritten               181
Nach dem Sachsenlande:   da wurde bald gestritten.
Mit Raub und mit Brande   verheerten sie das Land,
Da bald den Frsten beiden   ward Noth und Sorge bekannt.

Sie kamen an die Marke;   die Knechte rckten an.                   182
Siegfried der starke   zu fragen da begann:
"Wer soll nun der Hter   des Gesindes sein?"
Wohl konnte nie den Sachsen   ein Heerzug bler gedeihn.

Sie sprachen: "Lat der Knappen   hten auf den Wegen               183
Dankwart den khnen,   das ist ein schneller Degen:
Wir verlieren desto minder   durch Die in Ldgers Lehn;
Lat ihn mit Ortweinen   hie die Nachhut versehn."

"So will ich selber reiten,"   sprach Siegfried der Degen,          184
"Den Feinden gegenber   der Warte zu pflegen,
Bis ich recht erkunde,   wo die Recken sind."
Da stand bald in den Waffen   der schnen Siegelinde Kind.

Das Volk befahl er Hagen,   als er zog hindann,                     185
Ihm und Gernoten,   diesem khnen Mann.
So ritt er hin alleine   in der Sachsen Land,
Wo er die rechte Mre   wohl bald mit Ehren befand.

Er sah ein gro Geschwader,   das auf dem Felde zog,                186
Und die Kraft der Seinen   gewaltig berwog:
Es waren vierzigtausend   oder wohl noch mehr.
Siegfried in hohem Muthe   sah gar frhlich das Heer.

Da hatte sich ein Recke   auch aus der Feinde Schar                 187
Erhoben auf die Warte,   der wohl gewappnet war:
Den sah der Degen Siegfried   und ihn der khne Mann;
Jedweder auf den andern   mit Zorn zu blicken begann.

Ich sag euch, wer der wre,   der hier der Warte pflag;             188
Ein lichter Schild von Golde   ihm vor der Linken lag.
Es war der Knig Ldegast,   der htete sein Heer.
Der edle Fremdling sprengte   herrlich wider ihn einher.

Nun hatt auch ihn Herr Ldegast   sich feindlich erkoren:           189
Ihre Rosse reizten Beide   zur Seite mit den Sporen;
Sie neigten auf die Schilde   mit aller Macht den Schaft:
Da kam der hehre Knig   darob in groer Sorgen Haft.

Dem Stich gehorsam trugen   die Rosse pfeilgeschwind                190
Die Knige zusammen,   als wehte sie der Wind;
Dann mit den Zumen wandten   sie ritterlich zurck:
Die grimmen Zwei versuchten   da mit dem Schwerte das Glck.

Da schlug der Degen Siegfried,   das Feld erscholl umher.           191
Aus dem Helme stoben,   als obs von Brnden wr,
Die feuerrothen Funken   von des Helden Hand;
Da stritt mit groen Krften   der khne Vogt von Niederland.

Auch ihm schlug Herr Ldegast   manch grimmen Schlag;               192
Jedweder auf dem Schilde   mit ganzer Strke lag.
Da hatten es wohl dreiig   erspht aus seiner Schar:
Eh die ihm Hlfe brachten,   der Sieg doch Siegfrieden war

Mit drei starken Wunden,   die er dem Knig schlug                  193
Durch einen lichten Harnisch;   der war doch fest genug.
Das Schwert mit seiner Schrfe   entlockte Wunden Blut;
Da gewann Knig Ldegast   einen traurigen Muth.

Er bat ihn um sein Leben   und bot ihm all sein Land                194
Und sagt' ihm, er wre   Ldegast genannt.
Da kamen seine Recken:   die hatten wohl gesehn,
Was da von ihnen beiden   auf der Warte war geschehn.

Er fhrt' ihn gern von dannen:   da ward er angerannt               195
Von dreiig seiner Mannen;   doch wehrte seine Hand
Seinen edeln Geisel   mit ungestmen Schlgen.
Bald that noch grern Schaden   dieser zierliche Degen.

Die Dreiig zu Tode   wehrlich er schlug;                           196
Ihrer Einen lie er leben:   der ritt da schnell genug
Und brachte hin die Mre   von dem, was hier geschehn;
Auch konnte man die Wahrheit   an seinem rothen Helme sehn.

Gar leid wars den Recken   aus dem Dnenland,                       197
Als ihres Herrn Gefngniss   ihnen ward bekannt.
Man sagt' es seinem Bruder:   der fieng zu toben an
In ungestmem Zorne:   ihm war gar wehe gethan.

Ldegast der Knig   war hinweggebracht                             198
Zu Gunthers Ingesinde   von Siegfrieds Uebermacht.
Er befahl ihn Hagen:   der khne Recke gut,
Als er vernahm die Mre,   da gewann er frhlichen Muth.

Man gebot den Burgunden:   "Die Fahne bindet an."                   199
"Wohlauf," sprach da Siegfried,   "hier wird noch mehr gethan
Vor Abendzeit, verlier ich   Leben nicht und Leib:
Das betrbt im Sachsenlande   noch manches waidliche Weib.

"Ihr Helden vom Rheine,   ihr sollt mein nehmen wahr:               200
Ich kann euch wohl geleiten   zu Ldegers Schar.
Da seht ihr Helme hauen   von guter Helden Hand:
Eh wir uns wieder wenden,   wird ihnen Sorge bekannt."

Zu den Rossen sprangen Gernot   und Die ihm unterthan.              201
Die Heerfahne fate   der khne Spielmann,
Volker der Degen,   und ritt der Schar vorauf.
Da war auch das Gesinde   zum Streite muthig und wohlauf.

Sie fhrten doch der Degen   nicht mehr denn tausend Mann,          202
Darber zwlf Recken.   Zu stieben da begann
Der Staub von den Straen:   sie ritten ber Land;
Man sah von ihnen scheinen   manchen schnen Schildesrand.

Nun waren auch die Sachsen   gekommen und ihr Heer                  203
Mit Schwertern wohlgewachsen;   die Klingen schnitten sehr,
Das hab ich wohl vernommen,   den Helden an der Hand:
Da wollten sie die Gste   von Burgen wehren und Land.

Der Herren Scharmeister   fhrten das Volk heran.                   204
Da war auch Siegfried kommen   mit den zwlf Mann,
Die er mit sich fhrte   aus dem Niederland.
Des Tags sah man im Sturme   manche blutige Hand.

Sindold und Hunold   und auch Gernot                                205
Die schlugen in dem Streite   viel der Helden todt,
Eh sie ihrer Khnheit   noch selber mochten traun:
Das musten bald beweinen   viel der waidlichen Fraun.

Volker und Hagen   und auch Ortwein                                 206
Leschten in dem Streite   manches Helmes Schein
Mit flieendem Blute,   die Khnen in der Schlacht.
Von Dankwarten wurden   viel groe Wunder vollbracht.

Da versuchten auch die Dnen   waidlich ihre Hand;                  207
Von Sten laut erschallte   mancher Schildesrand
Und von den scharfen Schwertern,   womit man Wunden schlug.
Die streitkhnen Sachsen   thaten Schadens auch genug.

Als die Burgunden   drangen in den Streit,                          208
Von ihnen ward gehauen   manche Wunde weit:
Ueber die Sttel flieen   sah man das Blut;
So warben um die Ehre   diese Ritter khn und gut.

Man hrte laut erhallen   den Helden an der Hand                    209
Ihre scharfen Waffen,   als Die von Niederland
Ihrem Herrn nachdrangen   in die dichten Reihn;
Die zwlfe kamen ritterlich   zugleich mit Siegfried hinein.

Deren vom Rheine   kam ihnen Niemand nach.                          210
Man konnte flieen sehen   den blutrothen Bach
Durch die lichten Helme   von Siegfriedens Hand,
Eh er Ldegeren   vor seinen Heergesellen fand.

Dreimal die Kehre   hat er nun genommen                             211
Bis an des Heeres Ende;   da war auch Hagen kommen:
Der half ihm wohl vollbringen   im Kampfe seinen Muth.
Da muste bald ersterben   vor ihnen mancher Ritter gut.

Als der starke Ldeger   Siegfrieden fand,                          212
Wie er so erhaben   trug in seiner Hand
Balmung den guten   und da so Manchen schlug,
Darber ward der Khne   vor Zorn ingrimmig genug.

Da gab es stark Gedrnge   und lauten Schwerterklang,               213
Wo ihr Ingesinde   auf einander drang.
Da versuchten desto heftiger   die beiden Recken sich;
Die Scharen wichen beide:   der Kmpen Ha ward frchterlich.

Dem Vogt vom Sachsenlande   war es wohl bekannt,                    214
Sein Bruder sei gefangen:   drum war er zornentbrannt;
Nicht wust er, ders vollbrachte,   sei der Sieglindensohn.
Man zeihte des Gernoten;   hernach befand er es schon.

Da schlug so starke Schlge   Ldegers Schwert,                     215
Siegfrieden unterm Sattel   niedersank das Pferd;
Doch bald erhob sichs wieder:   der khne Siegfried auch
Gewann jetzt im Sturme   einen furchtbaren Brauch.

Dabei half ihm Hagen   wohl und Gernot,                             216
Dankwart und Volker:   da lagen Viele todt.
Sindold und Hunold   und Ortwein der Degen
Die konnten in dem Streite   zum Tode Manchen niederlegen.

Untrennbar im Kampfe   waren die Frsten hehr.                      217
Ueber die Helme fliegen   sah man manchen Sper
Durch die lichten Schilde   von der Helden Hand;
Auch ward von Blut gerthet   mancher herrliche Rand.

In dem starken Sturme   sank da mancher Mann                        218
Von den Rossen nieder.   Einander rannten an
Siegfried der khne   und Knig Ldeger;
Man sah da Schfte fliegen   und manchen schneidigen Sper.

Der Schildbeschlag des Knigs   zerstob vor Siegfrieds Hand.        219
Sieg zu erwerben dachte   der Held von Niederland
An den khnen Sachsen;   die litten Ungemach.
Hei! was da lichte Panzer   der khne Dankwart zerbrach!

Da hatte Knig Ldeger   auf einem Schild erkannt                   220
Eine gemalte Krone   vor Siegfriedens Hand:
Da sah er wohl, es wre   der kraftreiche Mann.
Laut auf zu seinen Freunden   der Held zu rufen begann:

"Begebt euch des Streites,   ihr all mir unterthan!                 221
Den Sohn Knig Siegmunds   traf ich hier an,
Siegfried den starken   hab ich hier erkannt;
Den hat der ble Teufel   her zu den Sachsen gefandt."

Er gebot die Fahnen   zu senken in dem Streit.                      222
Friedens er begehrte:   der ward ihm nach der Zeit;
Doch must er Geisel werden   in Knig Gunthers Land:
Das hatt an ihm erzwungen   des khnen Siegfriedes Hand.

Nach allgemeinem Rathe   lie man ab vom Streit.                    223
Viel zerschlagner Helme   und der Schilde weit
Legten sie aus Hnden;   so viel man deren fand,
Die waren blutgerthet   von der Burgunden Hand.

Sie fiengen, wen sie wollten:   sie hatten volle Macht.             224
Gernot und Hagen,   die schnellen, hatten Acht,
Da man die Wunden bahrte;   da fhrten sie hindann
Gefangen nach dem Rheine   der Khnen fnfhundert Mann.

Die sieglosen Recken   zum Dnenlande ritten.                       225
Da hatten auch die Sachsen   so tapfer nicht gestritten,
Da man sie loben sollte:   das war den Helden leid.
Da beklagten ihre Freunde   die Gefallnen in dem Streit.

Sie lieen ihre Waffen   aufsumen nach dem Rhein.                  226
Es hatte wohl geworben   mit den Gefhrten sein
Siegfried der starke   und hatt es gut vollbracht:
Das must ihm zugestehen   Knig Gunthers ganze Macht.

Gen Worms sandte Boten   der Knig Gernot:                          227
Daheim in seinem Lande   den Freunden er entbot,
Wie ihm gelungen wre   und all seinem Lehn:
Es war da von den Khnen   nach allen Ehren geschehn.

Die Botenknaben liefen;   so ward es angesagt.                      228
Da freuten sich in Liebe,   die eben Leid geklagt,
Dieser frohen Mre,   die ihnen war gekommen.
Da ward von edlen Frauen   groes Fragen vernommen,

Wie es den Herrn gelungen   wr in des Knigs Heer.                 229
Man rief der Boten Einen   zu Kriemhilden her.
Das geschah verstohlen,   sie durfte es wohl nicht laut:
Denn Einer war darunter,   dem sie lngst ihr Herz vertraut.

Als sie in ihre Kammer   den Boten kommen sah,                      230
Kriemhild die schne   gar gtlich sprach sie da:
"Nun sag mir liebe Mre,   so geb ich dir mein Gold,
Und thust dus ohne Trgen,   will ich dir immer bleiben hold.

"Wie schied aus dem Streite   mein Bruder Gernot                    231
Und meine andern Freunde?   Blieb uns nicht Mancher todt?
Wer that da das Beste?   das sollst du mir sagen"
Da sprach der biedre Bote:   "Wir hatten nirgend einen Zagen.

"Zuvorderst in dem Streite   ritt Niemand so wohl,                  232
Hehre Knigstochter,   wenn ich es sagen soll,
Als der edle Fremdling   aus dem Niederland:
Da wirkte groe Wunder   des khnen Siegfriedes Hand.

"Was von den Recken allen   im Streit da geschehn,                  233
Dankwart und Hagen   und des Knigs ganzem Lehn,
Wie wehrlich sie auch stritten,   das war doch wie ein Wind
Nur gegen Siegfrieden,   Knig Siegmundens Kind.

"Sie haben in dem Sturme   der Helden viel erschlagen;              234
Doch mcht euch dieser Wunder   ein Ende Niemand sagen,
Die da Siegfried wirkte,   ritt er in den Streit.
Den Fraun an ihren Freunden   that er mchtiges Leid.

"Auch muste vor ihm fallen   der Friedel mancher Braut.             235
Seine Schlge schollen   auf Helmen also laut,
Da sie aus Wunden brachten   das flieende Blut:
Er ist in allen Dingen   ein Ritter khn und auch gut.

"Da hat auch viel begangen   von Metz Herr Ortewein:                236
Was er nur mocht erlangen   mit dem Schwerte sein,
Das fiel vor ihm verwundet   oder meistens todt.
Da schuf euer Bruder   die allergreste Noth,

"Die jemals in Strmen   mochte sein geschehn;                      237
Man mu dem Auserwhlten   die Wahrheit zugestehn.
Die stolzen Burgunden   bestanden so die Fahrt,
Da sie vor allen Schanden   die Ehre haben bewahrt.

"Man sah von ihren Hnden   der Sttel viel geleert,                238
Als so laut das Feld erhallte   von manchem lichten Schwert.
Die Recken vom Rheine   die ritten allezeit,
Da ihre Feinde beer   vermieden htten den Streit.

"Auch die khnen Tronjer   schufen groes Leid,                     239
Als mit Volkskrften   das Heer sich traf im Streit.
Da schlug so Manchen nieder  des khnen Hagen Hand,
Es wre viel zu sagen   davon in der Burgunden Land.

"Sindold und Hunold   in Gernotens Heer                             240
Und Rumold der khne   schufen so viel Beschwer,
Knig Ldger mag es   beklagen allezeit,
Da er meine Herren   am Rhein berief in den Streit.

"Kampf, den allerhchsten,   der irgend da geschah,                 241
Vom Ersten bis zum Letzten,   den Jemand nur sah,
Hat Siegfried gefochten   mit wehrlicher Hand:
Er bringt reiche Geisel   her in Knig Gunthers Land.

"Die zwang mit seinen Krften   der streitbare Held,                242
Wovon der Knig Ldegast   den Schaden nun behlt
Und vom Sachsenlande   sein Bruder Ldeger.
Nun hrt meine Mre,   viel edle Knigin hehr!

"Gefangen hat sie beide   Siegfriedens Hand:                        243
Nie so mancher Geisel   kam in dieses Land,
Als nun seine Khnheit   bringt an den Rhein."
Ihr konnten diese Mren   nicht willkommener sein.

"Man fhrt der Gesunden   fnfhundert oder mehr                     244
Und der zum Sterben Wunden,   wit, Knigin hehr,
Wohl achtzig blutge Bahren   her in unser Land:
Die hat zumeist verhauen   des khnen Siegfriedes Hand.

"Die uns im Uebermuthe   widersagten hier am Rhein,                 245
Die men nun Gefangene   Knig Gunthers sein;
Die bringt man mit Freuden   her in dieses Land."
Ihre lichte Farb erblhte,   als ihr die Mre ward bekannt.

Ihr schnes Antlitz wurde   vor Freuden rosenroth,                  246
Da lebend war geschieden   aus so groer Noth
Der waidliche Recke,   Siegfried der junge Mann.
Sie war auch froh der Freunde   und that wohl weislich daran.

Die Schne sprach: "Du machtest   mir frohe Mr bekannt:            247
Ich lae dir zum Lohne   geben reich Gewand,
Und zehn Mark von Golde   hei ich dir tragen."
Drum mag man solche Botschaft   reichen Frauen gerne sagen.

Man gab ihm zum Lohne   das Gold und auch das Kleid.                248
Da trat an die Fenster   manche schne Maid
Und schaute nach der Strae,   wo man reiten fand
Viel hochherzge Degen   in der Burgunden Land.

Da kamen die Gesunden,   der Wunden Schar auch kam:                 249
Die mochten gren hren   von Freunden ohne Scham.
Der Wirth ritt seinen Gsten   entgegen hocherfreut:
Mit Freuden war beendet   all sein mchtiges Leid.

Da empfieng er wohl die Seinen,   die Fremden auch zugleich,        250
Wie es nicht anders ziemte   dem Knige reich,
Als denen gtlich danken,   die da waren kommen,
Da sie den Sieg mit Ehren   im Sturme hatten genommen.

Herr Gunther lie sich Kunde   von seinen Freunden sagen,           251
Wer ihm auf der Reise   zu Tode wr erschlagen,
Da hatt er nicht verloren   mehr als sechzig Mann;
Die muste man verschmerzen,   wie man noch Manchen gethan.

Da brachten die Gesunden   zerhauen manchen Rand                    252
Und viel zerschlagener Helme   in Knig Gunthers Land.
Das Volk sprang von den Rossen   vor des Knigs Saal;
Zu liebem Empfange   vernahm man frhlichen Schall.

Da gab man Herbergen   den Recken in der Stadt.                     253
Der Knig seine Gste   wohl zu verpflegen bat;
Die Wunden lie er hten   und warten fleiiglich.
Wohl zeigte seine Milde   auch an seinen Feinden sich.

Er sprach zu Ldegeren:   "Nun seid mir willkommen!                 254
Ich bin zu groem Schaden   durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten,   wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden:   sie haben wohl an mir gethan."

"Wohl mgt ihr ihnen danken,"   sprach da Ldeger,                  255
"Solche hohe Geisel   gewann kein Knig mehr.
Um ritterlich Gewahrsam   bieten wir groes Gut
Und bitten, da ihr gndiglich   an euern Widersachern thut."

"Ich will euch," sprach er, "Beide   ledig laen gehn;              256
Nur da meine Feinde   hier bei mir bestehn,
Dafr verlang ich Brgschaft,   damit sie nicht mein Land
Rumen ohne Frieden."   Darauf boten sie die Hand.

Man brachte sie zur Ruhe,   wo man sie wohl verpflag.               257
Und bald auf guten Betten   mancher Wunde lag.
Man schenkte den Gesunden   Meth und guten Wein;
Da konnte das Gesinde   nicht wohl frhlicher sein.

Die zerhaunen Schilde   man zum Verschlue trug;                    258
Blutgefrbter Sttel   sah man da genug.
Die lie man verbergen,   so weinten nicht die Fraun.
Da waren reisemde   viel gute Ritter zu schaun.

Seiner Gste pflegen   hie der Knig wohl;                         259
Von Heimischen und Fremden   lag das Land ihm voll;
Er lie die Fhrlichwunden   gtlich verpflegen:
Wie hart war darnieder   nun ihr Uebermuth gelegen!

Die Arzneikunst wusten,   denen bot man reichen Sold,               260
Silber ungewogen,   dazu das lichte Gold,
Wenn sie die Helden heilten   nach des Streites Noth.
Dazu viel groe Gaben   der Knig seinen Gsten bot.

Wer wieder heimzureisen   sann in seinem Muth,                      261
Den bat man noch zu bleiben,   wie man mit Freunden thut.
Der Knig gieng zu Rathe,   wie er lohne seinem Lehn:
Durch sie war sein Wille   nach allen Ehren geschehn.

Da sprach der Knig Gernot:   "Lat sie jetzt hindann;              262
Ueber sechs Wochen,   das kndigt ihnen an,
Sollten sie wiederkehren   zu einem Hofgelag:
Heil ist dann wohl Mancher,   der jetzt schwer verwundet lag."

Da bat auch um Urlaub   Siegfried von Niederland.                   263
Als dem Knig Gunther   sein Wille ward bekannt,
Bat er ihn gar minniglich,   noch bei ihm zu bestehn;
Wenn nicht um seine Schwester,   so wr es nimmer geschehn.

Dazu war er zu mchtig,   da man ihm bte Sold,                    264
So sehr er es verdiente.   Der Knig war ihm hold
Und all seine Freunde,   die das mit angesehn,
Was da von seinen Hnden   war im Streite geschehn.

Er dachte noch zu bleiben   um die schne Maid;                     265
Vielleicht, da er sie she.   Das geschah auch nach der Zeit:
Wohl nach seinem Wunsche   ward sie ihm bekannt.
Dann ritt er reich an Freuden   heim in seines Vaters Land.

Der Wirth bat alle Tage   des Ritterspiels zu pflegen;              266
Das that mit gutem Willen   mancher junge Degen.
Auch lie er Sitz' errichten   vor Worms an dem Strand
Fr Die da kommen sollten   in der Burgunden Land.

Nun hatt auch in den Tagen,   als sie sollten kommen,               267
Kriemhild die schne   die Mre wohl vernommen,
Er stell ein Hofgelage   mit lieben Freunden an.
Da dachten schne Frauen   mit groem Fleie daran,

Gewand und Band zu suchen, das sie wollten tragen.                  268
Ute die reiche   vernahm die Mre sagen
Von den stolzen Recken,   die da sollten kommen:
Da wurden aus dem Einschlag   viele reiche Kleider genommen.

Ihrer Kinder halb bereiten   lie sie Rock und Kleid,               269
Womit sich da zierten   viel Fraun und manche Maid
Und viel der jungen Recken   aus Burgundenland.
Sie lie auch manchem Fremden   bereiten herrlich Gewand.

       *       *       *       *       *




Fnftes Abenteuer.

Wie Siegfried Kriemhilden zuerst ersah.


Man sah die Helden tglich   nun reiten an den Rhein,               270
Die bei dem Hofgelage   gerne wollten sein
Und den Knigen zu Liebe   kamen in das Land.
Man gab ihrer Vielen   beides, Ross und Gewand.

Es war auch das Gesthle   allen schon bereit,                      271
Den Hchsten und den Besten,   so hrten wir Bescheid,
Zweiunddreiig Frsten   zu dem Hofgelag:
Da zierten um die Wette   sich die Frauen fr den Tag.

Gar geschftig sah man   Geiselher das Kind.                        272
Die Heimischen und Fremden   empfieng er holdgesinnt
Mit Gernot seinem Bruder   und beider Mannen da.
Wohl grten sie die Degen,   wie es nach Ehren geschah.

Viel goldrother Sttel   fhrten sie ins Land,                      273
Zierliche Schilde   und herrlich Gewand
Brachten sie zu Rheine   bei dem Hofgelag.
Mancher Ungesunde   hieng der Freude wieder nach.

Die wund zu Bette liegend   vordem gelitten Noth,                   274
Die durften nun vergeen,   wie bitter sei der Tod;
Die Siechen und die Kranken   verga man zu beklagen.
Es freute sich ein Jeder   entgegen festlichen Tagen:

Wie sie da leben wollten   in gastlichem Genu!                     275
Wonnen ohne Maen,   der Freuden Ueberflu
Hatten alle Leute,   so viel man immer fand:
Da hub sich groe Wonne   ber Gunthers ganzes Land.

An einem Pfingstmorgen   sah man sie alle gehn                      276
Wonniglich gekleidet,   viel Degen ausersehn,
Fnftausend oder drber,   dem Hofgelag entgegen.
Da hub um die Wette   sich viel Kurzweil allerwegen.

Der Wirth hatt im Sinne,   was er schon lngst erkannt,             277
Wie von ganzem Herzen   der Held von Niederland
Seine Schwester liebe,   sah er sie gleich noch nie,
Der man das Lob der Schnheit   vor allen Jungfrauen lieh.

Er sprach: "Nun rathet Alle,   Freund oder Unterthan,               278
Wie wir das Hofgelage   am besten stellen an,
Da man uns nicht schelte   darum nach dieser Zeit;
Zuletzt doch an den Werken   liegt das Lob, das man uns beut."

Da sprach zu dem Knige   von Metz Herr Ortewein:                   279
"Soll die Hofgelage   mit vollen Ehren sein,
So lat eure Gste   die schnen Kinder sehn,
Denen so viel Ehren   in Burgundenland geschehn.

"Was wre Mannes Wonne,   was freut' er sich zu schaun,             280
Wenn nicht schne Mgdelein   und herrliche Fraun?
Drum lat eure Schwester   vor die Gste gehn."
Der Rath war manchem Helden   zu hoher Freude geschehn.

"Dem will ich gerne folgen,"   der Knig sprach da so.              281
Alle, die's erfuhren,   waren darber froh.
Er entbot es Frauen Uten   und ihrer Tochter schn,
Da sie mit ihren Maiden   hin zu Hofe sollten gehn.

Da ward aus den Schreinen   gesucht gut Gewand,                     282
So viel man eingeschlagen   der lichten Kleider fand,
Der Borten und der Spangen;   des lag genug bereit.
Da zierte sich gar minniglich   manche waidliche Maid.

Mancher junge Recke   wnschte heut so sehr,                        283
Da er wohlgefallen   mchte den Frauen hehr,
Das er dafr nicht nhme   ein reiches Knigsland:
Sie sahen die gar gerne,   die sie nie zuvor gekannt.

Da lie der reiche Knig   mit seiner Schwester gehn                284
Hundert seiner Recken,   zu ihrem Dienst ersehn
Und dem ihrer Mutter,   die Schwerter in der Hand:
Das war das Hofgesinde   in der Burgunden Land.

Ute die reiche   sah man mit ihr kommen,                            285
Die hatte schner Frauen   sich zum Geleit genommen
Hundert oder drber,   geschmckt mit reichem Kleid.
Auch folgte Kriemhilden   manche waidliche Maid.

Aus einer Kemenate   sah man sie alle gehn:                         286
Da muste heftig Drngen   von Helden bald geschehn,
Die alle harrend standen,   ob es mchte sein,
Da sie da frhlich shen   dieses edle Mgdelein.

Da kam die Minnigliche,   wie das Morgenroth                        287
Tritt aus trben Wolken.   Da schied von mancher Noth,
Der sie im Herzen hegte,   was lange war geschehn.
Er sah die Minnigliche   nun gar herrlich vor sich stehn.

Von ihrem Kleide leuchtete   mancher edle Stein;                    288
Ihre rosenrothe Farbe   gab wonniglichen Schein.
Was Jemand wnschen mochte,   er muste doch gestehn,
Da er hier auf Erden   noch nicht so Schnes gesehn.

Wie der lichte Vollmond   vor den Sternen schwebt,                  289
Des Schein so hell und lauter   sich aus den Wolken hebt,
So glnzte sie in Wahrheit   vor andern Frauen gut:
Das mochte wohl erhhen   den zieren Helden den Muth.

Die reichen Kmmerlinge   schritten vor ihr her;                    290
Die hochgemuthen Degen   lieen es nicht mehr:
Sie drngten, da sie shen   die minnigliche Maid.
Siegfried dem Degen   war es lieb und wieder leid.

Er sann in seinem Sinne:   "Wie dacht ich je daran,                 291
Da ich dich minnen sollte?   das ist ein eitler Wahn;
Soll ich dich aber meiden,   so wr ich sanfter todt."
Er ward von Gedanken   oft bleich und oft wieder roth.

Da sah man den Sigelindensohn   so minniglich da stehn,             292
Als wr er entworfen   auf einem Pergamen
Von guten Meisters Hnden:   gern man ihm zugestand,
Da man nie im Leben   so schnen Helden noch fand.

Die mit Kriemhilden giengen,   die hieen aus den Wegen             293
Allenthalben weichen:   dem folgte mancher Degen.
Die hochgetragnen Herzen   freute man sich zu schaun:
Man sah in hohen Zchten   viel der herrlichen Fraun.

Da sprach von Burgunden   der Knig Gernot:                         294
"Dem Helden, der so gtlich   euch seine Dienste bot,
Gunther, lieber Bruder,   dem bietet hier den Lohn
Vor allen diesen Recken:   des Rathes spricht man mir nicht Hohn.

"Heiet Siegfrieden   zu meiner Schwester kommen,                   295
Da ihn das Mgdlein gre:   das bringt uns immer Frommen:
Die niemals Recken grte,   soll sein mit Gren pflegen,
Da wir uns so gewinnen   diesen zierlichen Degen."

Des Wirthes Freunde giengen dahin,   wo man ihn fand;               296
Sie sprachen zu dem Recken   aus dem Niederland:
"Der Knig will erlauben,   ihr sollt zu Hofe gehn,
Seine Schwester soll euch gren:   die Ehre soll euch geschehn."

Der Rede ward der Degen   in seinem Muth erfreut:                   297
Er trug in seinem Herzen   Freude sonder Leid,
Da er der schnen Ute   Tochter sollte sehn.
In minniglichen Zchten   empfieng sie Siegfrieden schn.

Als sie den Hochgemuthen   vor sich stehen sah,                     298
Ihre Farbe ward entzndet;   die Schne sagte da:
"Willkommen, Herr Siegfried,   ein edler Ritter gut."
Da ward ihm von dem Grue   gar wohl erhoben der Muth.

Er neigte sich ihr minniglich,   als er den Dank ihr bot.           299
Da zwang sie zu einander   sehnender Minne Noth;
Mit liebem Blick der Augen   sahn einander an
Der Held und auch das Mgdelein;   das ward verstohlen gethan.

Ward da mit sanftem Drucke   geliebkost weie Hand                  300
In herzlicher Minne,   das ist mir unbekannt.
Doch kann ich auch nicht glauben,   sie httens nicht gethan.
Liebebedrftige Herzen   thten Unrecht daran.

Zu des Sommers Zeiten   und in des Maien Tagen                      301
Durft er in seinem Herzen   nimmer wieder tragen
So viel hoher Wonne,   als er da gewann,
Da die ihm an der Hand gieng,   die der Held zu minnen sann.

Da gedachte mancher Recke:   "Hei! wr mir so geschehn,             302
Da ich so bei ihr gienge,   wie ich ihn gesehn,
Oder bei ihr lge!   das nhm ich willig hin."
Es diente nie ein Recke   so gut noch einer Knigin.

Aus welchen Knigs Landen   ein Gast gekommen war,                  303
Er nahm im ganzen Saale   nur dieser beiden wahr.
Ihr ward erlaubt zu kssen   den waidlichen Mann:
Ihm ward in seinem Leben   nie so Liebes gethan.

Von Dnemark der Knig   hub an und sprach zur Stund:               304
"Des hohen Grues willen   liegt gar Mancher wund,
Wie ich wohl hier gewahre,   von Siegfriedens Hand:
Gott la ihn nimmer wieder   kommen in der Dnen Land."

Da hie man allenthalben   weichen aus den Wegen                    305
Kriemhild der Schnen;   manchen khnen Degen
Sah man wohlgezogen   mit ihr zur Kirche gehn.
Bald ward von ihr geschieden   dieser Degen ausersehn.

Da gieng sie zu dem Mnster   und mit ihr viel der Fraun.           306
Da war in solcher Zierde   die Knigin zu schaun,
Da da hoher Wnsche   mancher ward verloren;
Sie war zur Augenweide   viel der Recken auserkoren.

Kaum erharrte Siegfried,   bis schlo der Messgesang;               307
Er mochte seinem Heile   des immer sagen Dank,
Da ihm so gewogen war,   die er im Herzen trug:
Auch war er der Schnen   nach Verdiensten hold genug.

Als sie aus dem Mnster   nach der Messe kam,                       308
Lud man wieder zu ihr   den Helden lobesam.
Da begann ihm erst zu danken   die minnigliche Maid,
Da er vor allen Recken   so khn gefochten im Streit.

"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,"   sprach das schne Kind,     309
"Da ihr das verdientet,   da euch die Recken sind
So hold mit ganzer Treue,   wie sie zumal gestehn."
Da begann er Frau Kriemhilden   minniglich anzusehn.

"Stts will ich ihnen dienen,"   sprach Stegfried der Degen,        310
"Und will mein Haupt nicht eher   zur Ruhe niederlegen,
Bis ihr Wunsch geschehen,   so lang mein Leben whrt:
Das thu ich, Frau Kriemhild,   da ihr mir Minne gewhrt."

Innerhalb zwlf Tagen,   so oft es neu getagt,                      311
Sah man bei dem Degen   die wonnigliche Magd,
So sie zu Hofe durfte   vor ihren Freunden gehn.
Der Dienst war dem Recken   aus groer Liebe geschehn.

Freude und Wonne   und lauten Schwerterschall                       312
Vernahm man alle Tage   vor Knig Gunthers Saal,
Davor und darinnen   von manchem khnen Mann.
Von Ortwein und Hagen   wurden Wunder viel gethan.

Was man zu ben wnschte,   dazu sah man bereit                     313
In vlligem Mae   die Degen khn im Streit.
Da machten vor den Gsten   die Recken sich bekannt;
Es war eine Zierde   Knig Gunthers ganzem Land.

Die lange wund gelegen,   wagten sich an den Wind:                  314
Sie wollten kurzweilen   mit des Knigs Ingesind,
Schirmen mit den Schilden   und schieen manchen Schaft.
Des halfen ihnen Viele;   sie hatten grliche Kraft.

Bei dem Hofgelage   lie sie der Wirth verpflegen                   315
Mit der besten Speise;   es durfte sich nicht regen
Nur der kleinste Tadel,   der Frsten mag entstehn;
Man sah ihn jetzo freundlich   hin zu seinen Gsten gehn.

Er sprach: "Ihr guten Recken,   bevor ihr reitet hin,               316
So nehmt meine Gaben:   also fleht mein Sinn,
Ich will euch immer danken;   verschmht nicht mein Gut:
Es unter euch zu theilen   hab ich willigen Muth."

Die vom Dnenlande   sprachen gleich zur Hand:                      317
"Bevor wir wieder reiten   heim in unser Land,
Gewhrt uns stten Frieden:   das ist uns Recken noth;
Uns sind von euern Degen   viel der lieben Freunde todt."

Genesen von den Wunden   war Ldegast derweil;                      318
Der Vogt des Sachsenlandes   war bald vom Kampfe heil.
Etliche Todte   lieen sie im Land.
Da gieng der Knig Gunther   hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sprach zu dem Recken:   "Nun rath mir, wie ich thu.              319
Unsre Gste wollen   reiten morgen fruh
Und gehn um stte Shne   mich und die Meinen an:
Nun rath, khner Degen,   was dich dnke wohlgethan.

"Was mir die Herrn bieten,   das will ich dir sagen:                320
Was fnfhundert Mhren   an Gold mgen tragen,
Das bieten sie mir gerne   fr ihre Freiheit an."
Da sprach aber Siegfried:   "Das wr bel gethan.

"Ihr sollt sie beide ledig   von hinnen laen ziehn;                321
Nur da die edeln Recken   sich hten frderhin
Vor feindlichem Reiten   her in euer Land,
Lat euch zu Pfande geben   der beiden Knige Hand."

"Dem Rathe will ich folgen."   So giengen sie hindann.              322
Seinen Widersachern   ward es kundgethan,
Des Golds begehre Niemand,   das sie geboten eh.
Daheim den lieben Freunden   war nach den heermden weh.

Viel Schilde schatzbeladen   trug man da herbei:                    323
Das theilt' er ungewogen   seinen Freunden frei,
An fnfhundert Marken   und Manchem wohl noch mehr;
Gernot rieth es Gunthern,   dieser Degen khn und hehr.

Um Urlaub baten alle,   sie wollten nun hindann.                    324
Da kamen die Gste   vor Kriemhild heran
Und dahin auch, wo Frau Ute   sa, die Knigin.
Es zogen nie mehr Degen   so wohl beurlaubt dahin.

Die Herbergen leerten sich,   als sie von dannen ritten.            325
Doch verblieb im Lande   mit herrlichen Sitten
Der Knig mit den Seinen   und mancher edle Mann:
Die giengen alle Tage   zu Frau Kriemhild heran.

Da wollt auch Urlaub nehmen   Siegfried der gute Held,              326
Verzweifelnd zu erwerben,   worauf sein Sinn gestellt.
Der Knig hrte sagen,   er wolle nun hindann:
Geiselher der junge   ihn von der Reise gewann.

"Wohin, edler Siegfried,   wohin reitet ihr?                        327
Hrt meine Bitte,   bleibt bei den Recken hier,
Bei Gunther dem Knig   und bei seinem Lehn:
Hier sind viel schne Frauen,   die lt man euch gerne sehn."

Da sprach der starke Siegfried:   "So lat die Rosse stehn.         328
Von hinnen wollt ich reiten,   das la ich mir vergehn.
Tragt auch hinweg die Schilde:   wohl wollt ich in mein Land:
Davon hat mich Herr Geiselher   mit groen Treuen gewandt."

So verblieb der Khne   dem Freund zu Liebe dort.                   329
Auch wr ihm in den Landen   an keinem andern Ort
So wohl als hier geworden:   daher es nun geschah,
Da er alle Tage   die schne Kriemhild ersah.

Ihrer hohen Schnheit willen   der Degen da verblieb.               330
Mit mancher Kurzweile   man nun die Zeit vertrieb;
Nur zwang ihn ihre Minne,   die schuf ihm oftmals Noth;
Darum hernach der Khne   lag zu groem Jammer todt.

       *       *       *       *       *




Sechstes Abenteuer.

Wie Gunther um Brunhild gen Isenland fuhr.


Wieder neue Mre   erhob sich ber Rhein:                           331
Man sagte sich, da wre   manch schnes Mgdelein.
Sich eins davon zu werben   sann Knig Gunthers Muth.
Das dauchte seine Recken   und die Herren alle gut.

Es war eine Knigin   geseen ber Meer,                            332
Ihr zu vergleichen   war keine andre mehr.
Schn war sie aus der Maen,   gar gro war ihre Kraft;
Sie scho mit schnellen Degen   um ihre Minne den Schaft.

Den Stein warf sie ferne,   nach dem sie weithin sprang;            333
Wer ihrer Minne gehrte,   der muste sonder Wank
Drei Spiel' ihr abgewinnen,   der Frauen wohlgeboren;
Gebrach es ihm an Einem,   so war das Haupt ihm verloren.

Die Knigstochter hatte   das manchesmal gethan.                    334
Das erfuhr am Rheine   ein Ritter wohlgethan.
Der seine Sinne wandte   auf das schne Weib.
Drum musten bald viel Degen   verlieren Leben und Leib.

Als einst mit seinen Leuten   sa der Knig hehr,                   335
Ward es von allen Seiten   berathen hin und her,
Welche ihr Herr sich sollte   zum Gemahl erschaun,
Die er zum Weibe wollte   und dem Land geziemte zur Fraun.

Da sprach der Vogt vom Rheine:  "Ich will an die See                336
Hin zu Brunhilden,   wie es mir ergeh.
Um ihre Minne wag ich   Leben und Leib,
Die will ich verlieren,   gewinn ich nicht sie zum Weib."

"Das mcht ich widerrathen,"   sprach Siegfried wider ihn:          337
"So grimmiger Sitte   pflegt die Knigin,
Um ihre Minne werben,   das kommt hoch zu stehn:
Drum mgt ihrs wohl entrathen,   auf diese Reise zu gehn."

Da sprach der Knig Gunther:   "Ein Weib ward noch nie              338
So stark und khn geboren,   im Streit wollt ich sie
Leichtlich berwinden   allein mit meiner Hand."
"Schweigt," sprach da Siegfried,   "sie ist euch noch unbekannt.

"Und wren eurer viere,   die knnten nicht gedeihn                 339
Vor ihrem grimmen Zorne:   drum lat den Willen sein,
Das rath ich euch in Treuen:   entgeht ihr gern dem Tod,
So macht um ihre Minne   euch nicht vergebliche Noth."

"Sei sie so stark sie wolle,   die Reise mu ergehn                 340
Hin zu Brunhilden,   mag mir was will geschehn.
Ihrer hohen Schnheit willen   gewagt mu es sein:
Vielleicht da Gott mir fget,   da sie uns folgt an den Rhein."

"So will ich euch rathen,"   begann da Hagen,                       341
"Bittet Siegfrieden,   mit euch zu tragen
Die Last dieser Sorge;   das ist der beste Rath,
Weil er von Brunhilden   so gute Kunde doch hat."

Er sprach: "Viel edler Siegfried,   willst du mir Helfer sein       342
Zu werben um die Schne?   Thu nach der Bitte mein;
Und gewinn ich mir zur Trauten   das herrliche Weib,
So verwag ich deinetwillen   Ehre, Leben und Leib."

Zur Antwort gab ihm Siegfried,   Knig Siegmunds Sohn:              343
"Ich will es thun, versprichst du   die Schwester mir zum Lohn,
Kriemhild die schne,   eine Knigin hehr:
So begehr ich keines Dankes   nach meinen Arbeiten mehr."

"Das gelob ich," sprach Gunther,   "Siegfried, dir an die Hand.     344
Und kommt die schne Brunhild   hieher in dieses Land,
So will ich dir zum Weibe   meine Schwester geben:
So magst du mit der Schnen   immer in Freuden leben."

Des schwuren sich Eide   diese Recken hehr.                         345
Da schuf es ihnen beiden   viel Mh und Beschwer,
Eh sie die Wohlgethane   brachten an den Rhein.
Es musten die Khnen   darum in groen Sorgen sein.

Von wilden Gezwergen   hab ich hren sagen,                         346
Da sie in hohlen Bergen   wohnen und Schirme tragen,
Die heien Tarnkappen,   von wunderbarer Art;
Wer sie am Leibe trage,   der sei gar wohl darin bewahrt

Vor Schlgen und vor Stichen;   ihn mg auch Niemand sehn,          347
So lang er drin verweile;   hren doch und sphn
Mag er nach feinem Willen,   da Niemand ihn erschaut;
Ihm wachsen auch die Krfte,   wie uns die Mre vertraut.

Die Tarnkappe fhrte   Siegfried mit hindann,                       348
Die der khne Degen   mit Sorgen einst gewann
Von einem Gezwerge   mit Namen Alberich.
Da schickten sich zur Reise   Recken khn und ritterlich.

Wenn der starke Siegfried   die Tarnkappe trug,                     349
So gewann er drinnen   der Krfte genug,
Zwlf Mnner Strke,   so wird uns gesagt.
Er erwarb mit groen Listen   diese herrliche Magd.

Auch war so beschaffen   die Nebelkappe gut,                        350
Ein Jeder mochte drinnen   thun nach seinem Muth,
Was er immer wollte,   da ihn doch Niemand sah.
Damit gewann er Brunhild,   durch die ihm bald viel Leid geschah.

"Nun sage mir, Siegfried,   eh unsre Fahrt gescheh,                 351
Wie wir mit vollen Ehren   kommen ber See?
Sollen wir Ritter fhren   in Brunhildens Land?
Dreiigtausend Degen   die werden eilends besandt."

"Wie viel wir Volkes fhrten,"   sprach Siegfried wider ihn,        352
"So grimmiger Sitte   pflegt die Knigin,
Das mste doch ersterben   vor ihrem Uebermuth.
Ich will euch beer rathen,   Degen ihr khn und gut.

"In Reckenweise fahren   lat uns zu Thal den Rhein.                353
Die will ich euch nennen,   die das sollen sein:
Zu uns zwein noch zweie   und Niemand anders mehr,
Da wir die Frau erwerben,   was auch geschehe nachher.

"Der Gesellen bin ich einer,   du sollst der andre sein,            354
Und Hagen sei der dritte:   wir mgen wohl gedeihn;
Der vierte das sei Dankwart,   dieser khne Mann.
Es drfen Andrer tausend   zum Streite nimmer uns nahn."

"Die Mre wst ich gerne,"   der Knig sprach da so,                355
"Eh wir von hinnen fhren,   des wr ich herzlich froh,
Was wir fr Kleider sollten   vor Brunhilden tragen,
Die uns geziemen mchten:   Siegfried, das sollst du mir sagen."

"Gewand das allerbeste,   das man irgend fand,                      356
Trgt man zu allen Zeiten   in Brunhildens Land:
Drum la uns reiche Kleider   vor der Frauen tragen,
Da wirs nicht Schande haben,   hrt man knftig von uns sagen."

Da sprach der gute Degen:   "So will ich selber gehn                357
Zu meiner lieben Mutter,   ob es nicht mag geschehn,
Da ihre schnen Mgde   uns schaffen solch Gewand,
Das wir mit Ehren tragen   in der hehren Jungfrau Land."

Da Sprach von Tronje Hagen   mit herrlichen Sitten:                 358
"Was wollt ihr eure Mutter   um solche Dienste bitten?
Lat eure Schwester hren   euern Sinn und Muth:
Die ist so kunstreich,   unsre Kleider werden gut."

Da entbot er seiner Schwester,   er wnsche sie zu sehn             359
Und auch der Degen Siegfried.   Eh sie das lie geschehn,
Da hatte sich die Schne   geschmckt mit reichem Kleid.
Da die Herren kamen,   schuf ihr wenig Herzeleid.

Da war auch ihr Gesinde   geziert nach seinem Stand.                360
Die Frsten kamen beide;   als sie das befand,
Erhob sie sich vom Sitze:   wie hfisch sie da gieng,
Als sie den edeln Fremdling   und ihren Bruder empfieng!

"Willkommen sei mein Bruder   und der Geselle sein.                 361
Nun mcht ich gerne wissen,"   Sprach das Mgdelein,
"Was euch Herrn geliebe,   da ihr zu Hofe kommt:
Lat mich doch hren,   was euch edeln Recken frommt."

Da sprach Knig Gunther:   "Frau, ich wills euch sagen.             362
Wir men groe Sorge   bei hohem Muthe tragen:
Wir wollen werben reiten   fern in fremdes Land
Und htten zu der Reise   gerne zierlich Gewand."

"Nun sitzt, lieber Bruder,"   sprach das Knigskind,                363
"Und lat mich erst erfahren,   Wer die Frauen sind,
Die ihr begehrt zu minnen   in fremder Knge Land."
Die Auserwhlten beide   nahm das Mgdlein bei der Hand:

Hin gieng sie mit den Beiden,   wo sie geseen war                  364
Auf prchtgen Ruhebetten,   das glaubt mir frwahr,
Mit eingewirkten Bildern,   in Gold wohl erhaben.
Sie mochten bei der Frauen   gute Kurzweile haben.

Freundliche Blicke   und gtliches Sehn,                            365
Des mochte von den Beiden   da wohl viel geschehn.
Er trug sie in dem Herzen,   sie war ihm wie sein Leben.
Er erwarb mit groem Dienste,   da sie ihm ward zu Weib gegeben.

Da sprach der edle Knig:   "Viel liebe Schwester mein,             366
Ohne deine Hlfe   kann es nimmer sein.
Wir wollen abenteuern   in Brunhildens Land;
Da men wir vor Frauen   tragen herrlich Gewand."

Da sprach die Knigstochter:   "Viel lieber Bruder mein,            367
Kann euch an meiner Hlfe   dabei gelegen sein,
So sollt ihr inne werden,   ich bin dazu bereit;
Versagte sie ein Andrer euch,   das wre Kriemhilden leid.

"Ihr sollt mich, edler Ritter,   nicht in Sorgen bitten,            368
Ihr sollt nur gebieten   mit herrlichen Sitten:
Was euch gefallen mge,   dazu bin ich bereit
Und thus mit gutem Willen,"   sprach die wonnigliche Maid.

"Wir wollen, liebe Schwester,   tragen gut Gewand:                  369
Das soll bereiten helfen   eure weie Hand.
Lat eure Mgdlein sorgen,   da es uns herrlich steht,
Da man uns diese Reise   doch vergebens widerrth."

Da begann die Jungfrau:   "Nun hrt, was ich sage,                  370
Wir haben selber Seide:   befehlt, da man uns trage
Gestein auf den Schilden,   so schaffen wir das Kleid,
Das ihr mit Ehren traget   vor der herrlichen Maid."

"Wer sind die Gesellen,"   sprach die Knigin,                      371
"Die mit euch gekleidet   zu Hofe sollen ziehn?"
"Das bin ich selbvierter;   noch Zwei aus meinem Lehn,
Dankwart und Hagen,   sollen mit uns zu Hofe gehn.

"Nun merkt, liebe Schwester,   wohl, was wir euch sagen:            372
Sorgt, da wir vier Gesellen   zu vier Tagen tragen
Je der Kleider dreierlei   und also gut Gewand,
Da wir ohne Schande   rumen Brunhildens Land."

Das gelobte sie den Recken;   die Herren schieden hin.              373
Da berief der Jungfraun   Kriemhild die Knigin
Aus ihrer Kemenate   dreiig Mgdelein,
Die gar sinnreich mochten   zu solcher Kunstbung sein.

In arabische Seide,   so wei als der Schnee,                       374
Und gute Zazamanker,   so grn als der Klee,
Legten sie Gesteine:   das gab ein gut Gewand;
Kriemhild die schne   schnitts mit eigener Hand.

Von seltner Fische Huten   Bezge wohlgethan,                      375
Zu schauen fremd den Leuten,   so viel man nur gewann,
Bedeckten sie mit Seide:   darein ward Gold getragen:
Man mochte groe Wunder   von den lichten Kleidern sagen.

Aus dem Land Marocco   und auch von Libya                           376
Der allerbesten Seide,   die man jemals sah
Knigskinder tragen,   der hatten sie genug.
Wohl lie sie Kriemhild schauen,   wie sie Liebe fr sie trug.

Da sie so theure Kleider   begehrt zu ihrer Fahrt,                  377
Hermelinfelle   wurden nicht gespart,
Darauf von Kohlenschwrze   mancher Flecken lag:
Das trgen schnelle Helden   noch gern bei einem Hofgelag.

Aus arabischem Golde   glnzte mancher Stein;                       378
Der Frauen Unmue   war nicht zu klein.
Sie schufen die Gewnde   in sieben Wochen Zeit;
Da war auch ihr Gewaffen   den guten Degen bereit.

Als sie gerstet standen,   sah man auf dem Rhein                   379
Fleiiglich gezimmert   ein starkes Schiffelein,
Das sie da tragen sollte   hernieder an die See.
Den edeln Jungfrauen   war von Arbeiten weh.

Da sagte man den Recken,   es sei fr sie zur Hand,                 380
Das sie tragen sollten,   das zierliche Gewand.
Was sie erbeten hatten,   das war nun geschehn;
Da wollten sie nicht lnger   mehr am Rheine bestehn.

Zu den Heergesellen   ein Bote ward gesandt,                        381
Ob sie schauen wollten   ihr neues Gewand,
Ob es den Helden wre   zu kurz oder lang.
Es war von rechtem Mae;   des sagten sie den Frauen Dank.

Vor wen sie immer kamen,   die musten all gestehn,                  382
Sie htten nie auf Erden   schner Gewand gesehn.
Drum mochten sie es gerne   da zu Hofe tragen;
Von beerm Ritterstaate   wuste Niemand mehr zu sagen.

Den edeln Maiden wurde   hchlich Dank gesagt.                      383
Da baten um Urlaub   die Recken unverzagt;
In ritterlichen Zchten   thaten die Herren das.
Da wurden lichte Augen   getrbt von Weinen und na.

Sie sprach: "Viel lieber Bruder,   ihr bliebet beer hier           384
Und wrbt andre Frauen:   klger schien' es mir,
Wo ihr nicht wagen mstet   Leben und Leib.
Ihr fndet in der Nhe   wohl ein so hochgeboren Weib."

Sie ahnten wohl im Herzen   ihr knftig Ungemach.                   385
Sie musten alle weinen,   was da auch Einer sprach.
Das Gold vor ihren Brsten   ward von Thrnen fahl;
Die fielen ihnen dichte   von den Augen zuthal.

Da sprach sie: "Herr Siegfried,   lat euch befohlen sein           386
Auf Treu und auf Gnade   den lieben Bruder mein,
Da ihn nichts gefhrde   in Brunhildens Land."
Das versprach der Khne   Frau Kriemhilden in die Hand.

Da sprach der edle Degen:   "So lang mein Leben whrt,              387
So bleibt von allen Sorgen,   Herrin, unbeschwert;
Ich bring ihn euch geborgen   wieder an den Rhein.
Das glaubt bei Leib und Leben."   Da dankt' ihm schn das Mgdelein.

Die goldrothen Schilde   trug man an den Strand                     388
Und schaffte zu dem Schiffe   all ihr Rstgewand;
Ihre Rosse lie man bringen:   sie wollten nun hindann.
Wie da von schnen Frauen   so groes Weinen begann!

Da stellte sich ins Fenster   manch minnigliches Kind.              389
Das Schiff mit seinem Segel   ergriff ein hoher Wind.
Die stolzen Heergesellen   saen auf dem Rhein;
Da sprach der Knig Gunther:   "Wer soll nun Schiffmeister sein?"

"Das will ich," sprach Siegfried:   "ich kann euch auf der Flut     390
Wohl von hinnen fhren,   das wit, Helden gut;
Die rechten Wasserstraen   sind mir wohl bekannt."
So schieden sie mit Freuden   aus der Burgunden Land.

Eine Ruderstange   Siegfried ergriff;                               391
Vom Gestade schob er   krftig das Schiff.
Gunther der khne   ein Ruder selber nahm.
Da huben sich vom Lande   die schnellen Ritter lobesam.

Sie fhrten reichlich Speise,   dazu guten Wein,                    392
Den besten, den sie finden   mochten um den Rhein.
Ihre Rosse standen   still in guter Ruh;
Das Schiff gieng so eben,   kein Ungemach stie ihnen zu.

Ihre starken Segelseile   streckte die Luft mit Macht;              393
Sie fuhren zwanzig Meilen,   eh niedersank die Nacht,
Mit gnstigem Winde   nieder nach der See;
Ihr starkes Arbeiten   that noch schnen Frauen weh.

An dem zwlften Morgen,   wie wir hren sagen,                      394
Da hatten sie die Winde   weit hinweggetragen
Nach Isenstein der Veste   in Brunhildens Land,
Das ihrer Keinem   auer Siegfried bekannt.

Als der Knig Gunther   so viel der Burgen sah                      395
Und auch der weiten Marken,   wie bald sprach er da:
"Nun sagt mir, Freund Siegfried,   ist euch das bekannt?
Wem sind diese Burgen   und wem das herrliche Land?

"Ich hab all mein Leben,   das mu ich wohl gestehn,                396
So wohlgebauter Burgen   nie so viel gesehn
Irgend in den Landen,   als wir hier ersahn;
Der sie erbauen konnte,   war wohl ein mchtiger Mann."

Zur Antwort gab ihm Siegfried:   "Das ist mir wohlbekannt;          397
Brunhilden sind sie,   die Burgen wie das Land
Und Isenstein die Veste,   glaubt mir frwahr:
Da mgt ihr heute schauen   schner Frauen groe Schar.

"Ich will euch Helden rathen:   seid all von einem Muth             398
Und sprecht in gleichem Sinne,   so dnkt es mich gut.
Denn wenn wir heute   vor Brunhilden gehn,
So men wir in Sorgen   vor der Knigstochter stehn.

"Wenn wir die Minnigliche   bei ihren Leuten sehn,                  399
Sollt ihr erlauchte Helden   nur Einer Rede stehn:
Gunther sei mein Lehnsherr   und ich ihm unterthan;
So wird ihm sein Verlangen   nach seinem Wunsche gethan."

Sie waren all willfhrig   zu thun, wie er sie hie:                400
In seinem Uebermuthe   es auch nicht Einer lie.
Sie sprachen, wie er wollte;   wohl frommt' es ihnen da,
Als der Knig Gunther   die schne Brunhild ersah.

"Wohl thu ichs nicht so gerne   dir zu lieb allein,                 401
Als um deine Schwester,   das schne Mgdelein.
Die ist mir wie die Seele   und wie mein eigner Leib;
Ich will es gern verdienen,   da sie werde mein Weib."

       *       *       *       *       *




Siebentes Abenteuer.

Wie Gunther Brunhilden gewann.


Ihr Schifflein unterdessen   war auf dem Meer                       402
Zur Burg heran gefloen:   da sah der Knig hehr
Oben in den Fenstern   manche schne Maid.
Da er sie nicht erkannte,   das war in Wahrheit ihm leid.

Er fragte Siegfrieden,   den Gesellen sein:                         403
"Httet ihr wohl Kunde   um diese Mgdelein,
Die dort hernieder schauen   nach uns auf die Flut?
Wie ihr Herr auch heie,   so tragen sie hohen Muth."

Da sprach der khne Siegfried:   "Nun sollt ihr heimlich sphn      404
Nach den Jungfrauen   und sollt mir dann gestehn,
Welche ihr nehmen wolltet,   wr euch die Wahl verliehn."
"Das will ich," sprach Gunther,   dieser Ritter schnell und khn.

"So schau ich ihrer Eine   in jenem Fenster an,                     405
Im schneeweien Kleide,   die ist so wohlgethan:
Die whlen meine Augen,   so schn ist sie von Leib.
Wenn ich gebieten drfte,   sie mste werden mein Weib."

"Dir hat recht erkoren   deiner Augen Schein:                       406
Es ist die edle Brunhild,   das schne Mgdelein,
Nach der das Herz dir ringet,   der Sinn und auch der Muth."
All ihr Gebaren dauchte   Knig Gunthern gut.

Da hie die Knigstochter   von den Fenstern gehn                   407
Die minniglichen Maide:   sie sollten da nicht stehn
Zum Anblick fr die Fremden;   sie folgten unverwandt.
Was da die Frauen thaten,   das ist uns auch wohl bekannt.

Sie zierten sich entgegen   den unkunden Herrn,                     408
Wie es immer thaten   schne Frauen gern.
Dann an die engen Fenster   traten sie heran,
Wo sie die Helden sahen:   das ward aus Neugier gethan.

Nur ihrer Viere waren,   die kamen in das Land.                     409
Siegfried der khne   ein Ross zog auf den Strand.
Das sahen durch die Fenster   die schnen Frauen an:
Groe Ehre dauchte   sich Knig Gunther gethan.

Er hielt ihm bei dem Zaume   das zierliche Ross,                    410
Das war gut und stattlich,   stark dazu und gro,
Bis der Knig Gunther   fest im Sattel sa.
Also dient' ihm Siegfried,   was er hernach doch ganz verga.

Dann zog er auch das seine   aus dem Schiff heran:                  411
Er hatte solche Dienste   gar selten sonst gethan,
Da er am Steigreif   Helden gestanden wr.
Das sahen durch die Fenster   die schnen Frauen hehr.

Es war in gleicher Weise   den Helden allbereit                     412
Von schneeblanker Farbe   das Ross und auch das Kleid,
Dem einen wie dem andern,   und schn der Schilde Rand:
Die warfen hellen Schimmer   an der edeln Recken Hand.

Ihre Sttel wohlgesteinet,   die Brustriemen schmal:                413
So ritten sie herrlich   vor Brunhildens Saal;
Daran hiengen Schellen   von lichtem Golde roth.
Sie kamen zu dem Lande,   wie ihr Hochsinn gebot,

Mit Speren neu geschliffen,   mit wohlgeschaffnem Schwert,          414
Das bis auf die Sporen gieng   den Helden werth.
Die Wohlgemuthen fhrten   es scharf genug und breit.
Das alles sah Brunhild,   diese herrliche Maid.

Mit ihnen kam auch Dankwart   und sein Bruder Hagen:                415
Diese beide trugen,   wie wir hren sagen,
Von rabenschwarzer Farbe   reichgewirktes Kleid;
Neu waren ihre Schilde,   gut, dazu auch lang und breit.

Von India dem Lande   trugen sie Gestein,                           416
Das warf an ihrem Kleide   auf und ab den Schein.
Sie lieen unbehtet   das Schifflein bei der Flut;
So ritten nach der Veste   diese Helden khn und gut.

Sechsundachtzig Thrme   sahn sie darin zumal,                      417
Drei weite Pfalzen   und einen schnen Saal
Von edelm Marmelsteine,   so grn wie das Gras,
Darin die Knigstochter   mit ihrem Ingefinde sa.

Die Burg war erschloen   und weithin aufgethan,                    418
Brunhildes Mannen   liefen alsbald heran
Und empfiengen die Gste   in ihrer Herrin Land.
Die Rosse nahm man ihnen   und die Schilde von der Hand.

Da sprach der Kmmrer Einer:   "Gebt uns euer Schwert               419
Und die lichten Panzer."   "Das wird euch nicht gewhrt,"
Sprach Hagen von Tronje,   "wir wollens selber tragen."
Da begann ihm Siegfried   von des Hofs Gebrauch zu sagen:

"In dieser Burg ist Sitte,   das will ich euch sagen,               420
Keine Waffen drfen   da die Gste tragen:
Lat sie von hinnen bringen,   das ist wohlgethan."
Ihm folgte wider Willen   Hagen, Knig Gunthers Mann.

Man lie den Gsten schenken   und schaffen gute Ruh.               421
Manchen schnellen Recken   sah man dem Hofe zu
Allenthalben eilen   in frstlichem Gewand;
Doch wurden nach den Khnen   ringsher die Blicke gesandt.

Nun wurden auch Brunhilden   gesagt die Mren,                      422
Da unbekannte Recken   gekommen wren
In herrlichem Gewande   gefloen auf der Flut.
Da begann zu fragen   diese Jungfrau schn und gut:

"Ihr sollt mich hren laen,"   sprach das Mgdelein,               423
"Wer die unbekannten   Recken mgen sein,
Die ich dort stehen sehe   in meiner Burg so hehr,
Und wem zu Lieb die Helden   wohl gefahren sind hieher."

Des Gesindes sprach da Einer:   "Frau, ich mu gestehn,             424
Da ich ihrer Keinen   je zuvor gesehn;
Doch Einer steht darunter,   der Siegfrieds Weise hat:
Den sollt ihr wohl empfangen,   das ist in Treuen mein Rath.

"Der andre der Gesellen,   gar lblich dnkt er mich;               425
Wenn er die Macht bese,   zum Knig ziemt' er sich
Ob weiten Frstenlanden,   sollt er die versehn.
Man sieht ihn bei den Andern   so recht herrlich da stehn.

"Der dritte der Gesellen,   der hat gar herben Sinn,                426
Doch schnen Wuchs nicht minder,   reiche Knigin.
Die Blicke sind gewaltig,   deren so viel er thut:
Er trgt in seinem Sinne,   whn ich, grimmigen Muth.

"Der jngste darunter,   gar lblich dnkt er mich:                 427
Man sieht den reichen Degen   so recht minniglich
In jungfrulicher Sitte   und edler Haltung stehn:
Wir mstens alle frchten,   wr ihm ein Leid hier geschehn.

"So freundlich er gebahre,   so wohlgethan sein Leib,               428
Er brchte doch zum Weinen   manch waidliches Weib,
Wenn er zrnen sollte;   sein Wuchs ist wohl so gut,
Er ist an allen Tugenden   ein Degen khn und wohlgemuth."

Da sprach die Knigstochter:   "Nun bringt mir mein Gewand:         429
Und ist der starke Siegfried   gekommen in mein Land
Um meiner Minne willen,   es geht ihm an den Leib:
Ich frcht ihn nicht so heftig,   da ich wrde sein Weib."

Brunhild die schne   trug bald erlesen Kleid.                      430
Auch gab ihr Geleite   manche schne Maid,
Wohl hundert oder drber,   sie all in reicher Zier.
Die Gste kam zu schauen   manches edle Weib mit ihr.

Mit ihnen giengen   Degen aus Isenland,                             431
Brunhildens Recken,   die Schwerter in der Hand,
Fnfhundert oder drber;   das war den Gsten leid.
Aufstanden von den Sitzen   die khnen Helden allbereit.

Als die Knigstochter   Siegfrieden sah,                            432
Wohlgezogen sprach sie   zu dem Gaste da:
"Seid willkommen, Siegfried,   hier in diesem Land.
Was meint eure Reise?   das macht mir, bitt ich, bekannt."

"Viel Dank mu ich euch sagen,   Frau Brunhild,                     433
Da ihr mich geruht zu gren,   Frstentochter mild,
Vor diesem edeln Recken,   der hier vor mir steht:
Denn der ist mein Lehnsherr;   der Ehre Siegfried wohl entrth.

"Er ist am Rheine Knig:   was soll ich sagen mehr?                 434
Dir nur zu Liebe   fuhren wir hierher.
Er will dich gerne minnen,   was ihm geschehen mag.
Nun bedenke dich bei Zeiten:   mein Herr lt nimmermehr nach.

"Er ist geheien Gunther,   ein Knig reich und hehr.               435
Erwirbt er deine Minne,   nicht mehr ist sein Begehr.
Deinthalb mit ihm   that ich diese Fahrt;
Wenn er mein Herr nicht wre,   ich htt es sicher gespart."

Sie sprach: "Wenn er dein Herr ist   und du in seinem Lehn,         436
Will er, die ich ertheile,   meine Spiele dann bestehn
Und bleibt darin der Meister,   so werd ich sein Weib;
Doch ists, da ich gewinne,   es geht euch allen an den Leib."

Da sprach von Tronje Hagen:   "So zeig uns, Knigin,                437
Was ihr fr Spiel' ertheilet.   Eh euch den Gewinn
Mein Herr Gunther liee,   so mst es bel sein:
Er mag wohl noch erwerben   ein so schnes Mgdelein."

"Den Stein soll er werfen   und springen darnach,                   438
Den Sper mit mir schieen:   drum sei euch nicht zu jach.
Ihr verliert hier mit der Ehre   Leben leicht und Leib:
Drum mgt ihr euch bedenken,"   sprach das minnigliche Weib.

Siegfried der schnelle   gieng zu dem Knig hin                     439
Und bat ihn, frei zu reden   mit der Knigin
Ganz nach seinem Willen;   angstlos soll er sein:
"Ich will dich wohl behten   vor ihr mit den Listen mein."

Da sprach der Knig Gunther:   "Knigstochter hehr,                 440
Ertheilt mir, was ihr wollet,   und wr es auch noch mehr,
Eurer Schnheit willen   bestnd ich Alles gern.
Mein Haupt will ich verlieren,   gewinnt ihr mich nicht zum Herrn."

Als da seine Rede   vernahm die Knigin,                            441
Bat sie, wie ihr ziemte,   das Spiel nicht zu verziehn.
Sie lie sich zum Streite   bringen ihr Gewand,
Einen goldnen Panzer   und einen guten Schildesrand.

Ein seiden Waffenhemde   zog sich an die Maid,                      442
Das ihr keine Waffe   verletzen konnt im Streit,
Von Zeugen wohlgeschaffen   aus Libya dem Land:
Lichtgewirkte Borten   erglnzten rings an dem Rand.

Derweil hatt ihr Uebermuth   den Gsten schwer gedrut.             443
Dankwart und Hagen   die standen unerfreut.
Wie es dem Herrn ergienge,   sorgte sehr ihr Muth.
Sie dachten: "Unsre Reise   bekommt uns Recken nicht gut."

Derweilen gieng Siegfried,   der listige Mann,                      444
Eh es wer bemerkte,   an das Schiff heran,
Wo er die Tarnkappe   verborgen liegen fand,
In die er hurtig schlpfte:   da war er Niemand bekannt.

Er eilte bald zurcke   und fand hier Recken viel:                  445
Die Knigin ertheilte   da ihr hohes Spiel.
Da gieng er hin verstohlen   und da ihn Niemand sah
Von Allen, die da waren,   was durch Zauber geschah.

Es war ein Kreis gezogen,   wo das Spiel geschehn                   446
Vor khnen Recken sollte,   die es wollten sehn.
Wohl siebenhundert   sah man Waffen tragen:
Wer das Spiel gewnne,   das sollten sie nach Wahrheit sagen.

Da war gekommen Brunhild,   die man gewaffnet fand,                 447
Als ob sie streiten wolle   um aller Knge Land.
Wohl trug sie auf der Seide   viel Golddrhte fein;
Ihre minnigliche Farbe   gab darunter holden Schein.

Nun kam ihr Gesinde,   das trug herbei zuhand                       448
Aus allrothem Golde   einen Schildesrand
Mit hartem Stahlbeschlage,   mchtig gro und breit,
Worunter spielen wollte   diese minnigliche Maid.

An einer edeln Borte   ward der Schild getragen,                    449
Auf der Edelsteine,   grasgrne, lagen;
Die tauschten mannigfaltig   Gefunkel mit dem Gold.
Er bedurfte groer Khnheit,   dem die Jungfrau wurde hold.

Der Schild war untern Buckeln,   so ward uns gesagt,                450
Von dreier Spannen Dicke;   den trug hernach die Magd.
An Stahl und auch an Golde   war er reich genug,
Den ihrer Kmmrer Einer   mit Mhe selbvierter trug.

Als der starke Hagen   den Schild hertragen sah,                    451
In groem Unmuthe   sprach der Tronjer da:
"Wie nun, Knig Gunther?   An Leben gehts und Leib:
Die ihr begehrt zu minnen,   die ist ein teuflisches Weib."

Hrt noch von ihren Kleidern:   deren hatte sie genug.              452
Von Azagauger Seide   einen Wappenrock sie trug,
Der kostbar war und edel:   daran warf hellen Schein
Von der Knigstochter   gar mancher herrliche Stein.

Da brachten sie der Frauen   mchtig und breit                      453
Einen scharfen Wurfspie;   den verscho sie allezeit,
Stark und ungefge,   gro dazu und schwer.
An seinen beiden Seiten   schnitt gar grimmig der Sper.

Von des Spiees Schwere   hret Wunder sagen:                       454
Wohl hundert Pfund Eisen   war dazu verschlagen.
Ihn trugen mhsam Dreie   von Brunhildens Heer:
Gunther der edle   rang mit Sorgen da schwer.

Er dacht in seinem Sinne:   "Was soll das sein hier?                455
Der Teufel aus der Hlle,   wie schtzt' er sich vor ihr?
War ich mit meinem Leben   wieder an dem Rhein,
Sie drfte hier wohl lange   meiner Minne ledig sein."

Er trug in seinen Sorgen,   das wiet, Leid genug.                  456
All seine Rstung   man ihm zur Stelle trug.
Gewappnet Stand der reiche   Knig bald darin.
Vor Leid htte Hagen   schier gar verwandelt den Sinn.

Da sprach Hagens Bruder,   der khne Dankwart:                      457
"Mich reut in der Seele   her zu Hof die Fahrt.
Nun hieen wir einst Recken!   wie verlieren wir den Leib!
Soll uns in diesem Lande   nun verderben ein Weib?

"Des mu mich sehr verdrieen,   da ich kam in dieses Land.        458
Htte mein Bruder Hagen   sein Schwert an der Hand
Und auch ich das meine,   so sollten sachte gehn
Mit ihrem Uebermuthe   Die in Brunhildens Lehn.

Sie sollten sich bescheiden,   das glaubet mir nur.                 459
Htt ich den Frieden tausendmal   bestrkt mit einem Schwur,
Bevor ich sterben she   den lieben Herren mein,
Das Leben mste laen   dieses schne Mgdelein."

"Wir mchten ungefangen   wohl rumen dieses Land,"                 460
Sprach sein Bruder Hagen,   "htten wir das Gewand,
Des wir zum Streit bedrfen,   und die Schwerter gut,
So sollte sich wohl snften   der schnen Fraue Uebermuth."

Wohl hrte, was er sagte,   die Fraue wohlgethan;                   461
Ueber die Achsel   sah sie ihn lchelnd an.
"Nun er so khn sich dnket,   so bringt doch ihr Gewand,
Ihre scharfen Waffen   gebt den Helden an die Hand.

"Es kmmert mich so wenig,   ob sie gewaffnet sind,                 462
Als ob sie blo da stnden,"   so sprach das Knigskind.
"Ich frchte Niemands Strke,   den ich noch je gekannt:
Ich mag auch wohl genesen   im Streit vor des Knigs Hand."

Als man die Waffen brachte,   wie die Maid gebot,                   463
Dankwart der khne   ward vor Freuden roth.
"Nun spielt, was ihr wollet,"   sprach der Degen werth,
"Gunther ist unbezwungen:   wir haben wieder unser Schwert."

Brunhildens Strke   zeigte sich nicht klein:                       464
Man trug ihr zu dem Kreise   einen schweren Stein,
Gro und ungefge,   rund dabei und breit.
Ihn trugen kaum zwlfe   dieser Degen khn im Streit.

Den warf sie allerwegen,   wie sie den Sper verscho.               465
Darber war die Sorge   der Burgunden gro.
"Wen will der Knig werben?"   sprach da Hagen laut:
"Wr sie in der Hlle   doch des beln Teufels Braut!"

An ihre weien Arme   sie die rmel wand,                           466
Sie schickte sich und fate   den Schild an die Hand,
Sie schwang den Spie zur Hhe:  das war des Kampfe Beginn.
Gunther und Siegfried bangten  vor Brunhildens grimmem Sinn.

Und wr ihm da Siegfried   zu Hlfe nicht gekommen,                 467
So htte sie dem Knig   das Leben wohl benommen.
Er trat hinzu verstohlen   und rhrte seine Hand;
Gunther seine Knste   mit groen Sorgen befand.

"Wer wars, der mich berhrte?"   dachte der khne Mann,             468
Und wie er um sich blickte,   da traf er Niemand an.
Er sprach: "Ich bin es, Siegfried,   der Geselle dein:
Du sollst ganz ohne Sorge   vor der Knigin sein."

(Er sprach:) "Gieb aus den Hnden  den Schild, la mich ihn tragen  469
Und behalt im Sinne,   was du mich hrest sagen:
Du habe die Gebrde,   ich will das Werk begehn."
Als er ihn erkannte,   da war ihm Liebes geschehn.

"Verhehl auch meine Knste,   das ist uns beiden gut:               470
So mag die Knigstochter   den hohen Uebermuth
Nicht an dir vollbringen,   wie sie gesonnen ist:
Nun sieh doch, welcher Khnheit   sie wider dich sich vermit."

Da scho mit ganzen Krften   die herrliche Maid                    471
Den Sper nach einem neuen Schild,   mchtig und breit;
Den trug an der Linken   Sieglindens Kind.
Das Feuer sprang vom Stahle,   als ob es wehte der Wind.

Des starken Spiees Schneide   den Schild ganz durchdrang,          472
Da das Feuer lohend   aus den Ringen sprang.
Von dem Schue fielen   die kraftvollen Degen:
War nicht die Tarnkappe,   sie wren beide da erlegen.

Siegfried dem khnen   vom Munde brach das Blut.                    473
Bald sprang er auf die Fe:   da nahm der Degen gut
Den Sper, den sie geschoen   ihm hatte durch den Rand:
Den warf ihr jetzt zurcke   Siegfried mit kraftvoller Hand.

Er dacht: "Ich will nicht schieen   das Mgdlein wonniglich."      474
Des Spiees Schneide kehrt' er   hinter den Rcken sich;
Mit der Sperstange   scho er auf ihr Gewand,
Da es laut erhallte   von seiner kraftreichen Hand.

Das Feuer stob vom Panzer,   als trieb' es der Wind.                475
Es hatte wohl geschoen   der Sieglinde Kind:
Sie vermochte mit den Krften   dem Schue nicht zu stehn;
Das war von Knig Gunthern   in Wahrheit nimmer geschehn.

Brunhild die schne   bald auf die Fe sprang:                     476
"Gunther, edler Ritter,   des Schues habe Dank!"
Sie whnt', er htt es selber   mit seiner Kraft gethan
Nein, zu Boden warf sie   ein viel strkerer Mann.

Da gieng sie hin geschwinde,   zornig war ihr Muth,                 477
Den Stein hoch erhub sie,   die edle Jungfrau gut;
Sie schwang ihn mit Krften   weithin von der Hand,
Dann sprang sie nach dem Wurfe,   da laut erklang ihr Gewand.

Der Stein fiel zu Boden   von ihr zwlf Klafter weit:               478
Den Wurf berholte   im Sprung die edle Maid.
Hin gieng der schnelle Siegfried,   wo der Stein nun lag:
Gunther must ihn wgen,   des Wurfs der Verholne pflag.

Siegfried war krftig,   khn und auch lang;                        479
Den Stein warf er ferner,   dazu er weiter sprang.
Ein groes Wunder war es   und knstlich genug,
Da er in dem Sprunge   den Knig Gunther noch trug.

Der Sprung war ergangen,   am Boden lag der Stein:                  480
Gunther wars, der Degen,   den man sah allein.
Brunhild die schne   ward vor Zorne roth;
Gewendet hatte Siegfried   dem Knig Gunther den Tod.

Zu ihrem Ingesinde   sprach die Knigin da,                         481
Als sie gesund den Helden   an des Kreises Ende sah:
"Ihr, meine Freund und Mannen,   tretet gleich heran:
Ihr sollt dem Knig Gunther   alle werden unterthan."

Da legten die Khnen   die Waffen von der Hand                      482
Und boten sich zu Fen   von Burgundenland
Gunther dem reichen,   so mancher khne Mann:
Sie whnten, die Spiele   htt er mit eigner Kraft gethan.

Er grte sie gar minniglich;   wohl trug er hfschen Sinn.         483
Da nahm ihn bei der Rechten   die schne Knigin:
Sie erlaubt' ihm, zu gebieten   in ihrem ganzen Land.
Des freute sich da Hagen,   der Degen khn und gewandt.

Sie bat den edeln Ritter   mit ihr zurck zu gehn                   484
Zu dem weiten Saale,   wo mancher Mann zu sehn,
Und mans aus Furcht dem Degen   nun desto beer bot.
Siegfrieds Krfte hatten   sie erledigt aller Noth.

Siegfried der schnelle   war wohl schlau genug,                     485
Da er die Tarnkappe   aufzubewahren trug.
Dann gieng er zu dem Saale,   wo manche Fraue sa:
Er sprach zu dem Knig,   gar listiglich that er das:

"Was sumt ihr, Herr Knig,   und beginnt die Spiele nicht,         486
Die euch aufzugeben   die Knigin verspricht?
Lat uns doch bald erschauen,   wie es damit bestellt."
Als wst er nichts von allem,   so that der listige Held.

Da sprach die Knigstochter:   "Wie konnte das geschehn,            487
Da ihr nicht die Spiele,   Herr Siegfried, habt gesehn,
Worin hier Sieg errungen hat   Knig Gunthers Hand?"
Zur Antwort gab ihr Hagen   aus der Burgunden Land:

Er sprach: "Da habt ihr, Knigin,   uns betrbt den Muth:           488
Da war bei dem Schiffe   Siegfried der Degen gut,
Als der Vogt vom Rheine   das Spiel euch abgewann;
Drum ist es ihm unkundig,"   sprach da Gunthers Unterthan,

"Nun wohl mir dieser Mre,"   sprach Siegfried der Held,            489
"Da hier eure Hochfahrt   also ward gefllt,
Und Jemand lebt, der euer   Meister mge sein.
Nun sollt ihr, edle Jungfrau,   uns hinnen folgen an den Rhein."

Da sprach die Wohlgethane:   "Das mag noch nicht geschehn.          490
Erst frag ich meine Vettern   und Die in meinem Lehn.
Ich darf ja nicht so leichthin   rumen die mein Land:
Meine hchsten Freunde   die werden erst noch besandt."

Da lie sie ihre Boten   nach allen Seiten gehn:                    491
Sie besandte ihre Freunde   und Die in ihrem Lehn,
Da sie zum Isensteine   kmen unverwandt;
Einem jeden lie sie geben   reiches, herrliches Gewand.

Da ritten alle Tage   Beides, spat und fruh,                        492
Der Veste Brunhildens   die Recken scharweis zu.
"Nun ja doch," sprach da Hagen,   "was haben wir gethan!
Wir erwarten uns zum Schaden hier   Die Brunhild unterthan."

"Wenn sie mit ihren Krften   kommen in die Land,                  493
Der Knigin Gedanken   die sind uns unbekannt:
Wie, wenn sie uns zrnte?   so wren wir verloren,
Und wr das edle Mgdlein uns   zu groen Sorgen geboren!"

Da sprach der starke Siegfried:   "Dem will ich widerstehn.         494
Was euch da Sorge schaffet,   das la ich nicht geschehn.
Ich will euch Hlfe bringen   her in dieses Land
Durch auserwhlte Degen:   die sind euch noch unbekannt.

"Ihr sollt nach mir nicht fragen,   ich will von hinnen fahren;     495
Gott mge eure Ehre   derweil wohl bewahren.
Ich komme bald zurcke   und bring euch tausend Mann
Der allerbesten Degen,   deren Jemand Kunde gewann."

"So bleibt nur nicht zu lange,"   der Knig sprach da so,           496
"Wir sind eurer Hlfe   nicht unbillig froh."
Er sprach: "Ich komme wieder   gewiss in wenig Tagen.
Ihr httet mich versendet,   sollt ihr der Knigin sagen."

       *       *       *       *       *




Achtes Abenteuer.

Wie Siegfried nach den Nibelungen fuhr.


Von dannen gieng da Siegfried   zum Hafen an den Strand             497
In seiner Tarnkappe,   wo er ein Schifflein fand.
Darin stand verborgen   Knig Siegmunds Kind:
Er fhrt' es bald von dannen,   als ob es wehte der Wind.

Den Steuermann sah Niemand,   wie schnell das Schifflein flo       498
Von Siegfriedens Krften,   die waren also gro.
Da whnten sie, es trieb es   ein eigner starker Wind:
Nein, es fhrt' es Siegfried,   der schnen Sieglinde Kind.

Nach des Tags Verlaufe   und in der einen Nacht                     499
Kam er zu einem Lande   von gewaltger Macht:
Es war wohl hundert Rasten   und noch darber lang,
Das Land der Nibelungen,   wo er den groen Schatz errang.

Der Held fuhr alleine   nach einem Werder breit:                    500
Sein Schiff band er feste,   der Ritter allbereit.
Er fand auf einem Berge   eine Burg gelegen
Und suchte Herberge,   wie die Wegemden pflegen.

Da kam er vor die Pforte,   die ihm verschloen stand:              501
Sie bewachten ihre Ehre,   wie Sitte noch im Land.
Ans Thor begann zu klopfen   der unbekannte Mann:
Das wurde wohl behtet;   da traf er innerhalben an

Einen Ungefgen,   der da der Wache pflag,                          502
Bei dem zu allen Zeiten   sein Gewaffen lag.
Der sprach: "Wer pocht so heftig   da drauen an das Thor?"
Da wandelte die Stimme   der khne Siegfried davor

Und sprach: "Ich bin ein Recke:   thut mir auf alsbald,             503
Sonst erzrn ich Etlichen   hier auen mit Gewalt,
Der gern in Ruhe lge   und htte sein Gemach."
Das verdro den Pfrtner,   als da Siegfried also sprach.

Der khne Riese hatte   die Rstung angethan,                       504
Den Helm aufs Haupt gehoben,   der gewaltge Mann:
Den Schild alsbald ergriffen   und schwang nun auf das Thor.
Wie lief er Siegfrieden   da so grimmig an davor!

Wie er zu wecken wage   so manchen khnen Mann?                     505
Da wurden schnelle Schlge   von seiner Hand gethan.
Der edle Fremdling schirmte   sich vor manchem Schlag;
Da hieb ihm der Pfrtner in Stcke   seines Schilds Beschlag

Mit einer Eisenstange:   so litt der Degen Noth.                    506
Schier begann zu frchten   der Held den grimmen Tod,
Als der Thrhter   so mchtig auf ihn schlug.
Dafr war ihm gewogen   sein Herre Siegfried genug.

Sie stritten so gewaltig,   die Burg gab Widerhall:                 507
Man hrte fern das Tosen   in Knig Niblungs Saal.
Doch zwang er den Pfrtner   zuletzt, da er ihn band;
Kund ward diese Mre   in allem Nibelungenland.

Das Streiten hatte ferne   gehrt durch den Berg                    508
Alberich der khne,   ein wildes Gezwerg.
Er waffnete sich balde   und lief hin, wo er fand
Diesen edeln Fremdling,   als er den Riesen eben band.

Alberich war muthig,   dazu auch stark genug.                       509
Helm und Panzerringe   er am Leibe trug
Und eine schwere Geisel   von Gold an seiner Hand.
Da lief er hin geschwinde,   wo er Siegfrieden fand.

Sieben schwere Knpfe   hiengen vorn daran,                         510
Womit er vor der Linken   den Schild dem khnen Mann
So bitterlich zergerbte,   in Splitter gieng er fast.
In Sorgen um sein Leben   gerieth der herrliche Gast.

Den Schild er ganz zerbrochen   seiner Hand entschwang:             511
Da stie er in die Scheide   eine Waffe, die war lang.
Seinen Kammerwrter   wollt er nicht schlagen todt:
Er schonte seiner Leute,   wie ihm die Treue gebot.

Mit den starken Hnden   Albrichen lief er an,                      512
Und erfate bei dem Barte   den altgreisen Mann.
Den zuckt' er ungefge:   der Zwerg schrie auf vor Schmerz.
Des jungen Helden Zchtigung   gieng Alberichen ans Herz.

Laut rief der Khne:   "Nun lat mir das Leben:                     513
Und htt ich einem Helden   mich nicht schon ergeben,
Dem ich schwren muste,   ich war ihm unterthan,
Ich dient euch, bis ich strbe,"   so sprach der listige Mann.

Er band auch Alberichen   wie den Riesen eh:                        514
Siegfriedens Krfte   thaten ihm gar weh.
Der Zwerg begann zu fragen:   "Wie seid ihr genannt?"
Er sprach: "Ich heie Siegfried:   ich whnt, ich wr euch bekannt."

"So wohl mir diese Kunde,"   sprach da Alberich,                    515
"An euern Heldenwerken   sprt ich nun sicherlich,
Da ihrs wohl verdientet,   des Landes Herr zu sein.
Ich thu, was ihr gebietet,   lat ihr nur mich gedeihn."

Da sprach der Degen Siegfried:   "So macht euch auf geschwind       516
Und bringt mir her der Besten,   die in der Veste sind,
Tausend Nibelungen;   die will ich vor mir sehn.
So la ich euch kein Leides   an euerm Leben geschehn."

Albrichen und den Riesen   lst' er von dem Band.                   517
Hin lief der Zwerg geschwinde,   wo er die Recken fand.
Sorglich erweckt' er   Die in Niblungs Lehn
Und sprach: "Wohlauf, ihr Helden,   ihr sollt zu Siegfrieden gehn."

Sie sprangen von den Betten   und waren gleich bereit:              518
Tausend schnelle Ritter   standen im Eisenkleid.
Er brachte sie zur Stelle,   wo er Siegfried fand:
Der grte schn die Degen   und gab Manchem die Hand.

Viel Kerzen lie man znden;   man schenkt' ihm lautern Trank.      519
Da sie so bald gekommen,   des sagt' er Allen Dank.
Er sprach: "Ihr sollt von hinnen   mir folgen ber Flut."
Dazu fand er willig   diese Helden khn und gut.

Wohl dreiig hundert Recken   kamen ungezhlt:                      520
Von denen wurden tausend   der besten auserwhlt,
Man brachte ihre Helme   und ander Rstgewand,
Da er sie fhren wollte   hin zu Brunhildens Land.

Er sprach: "Ihr guten Ritter,   Eins lat euch sagen:               521
Ihr sollt reiche Kleider   dort am Hofe tragen,
Denn uns wird da schauen   manch minnigliches Weib:
Darum sollt ihr zieren   mit guten Kleidern den Leib."

Nun mchten mich die Thoren   vielleicht der Lge zeihn:            522
Wie konnten so viel Ritter   wohl beisammen sein?
Wo nhmen sie die Speise?   Wo nhmen sie Gewand?
Und bes er dreiig Lande,   er brcht es nimmer zu Stand.

Ihr habt doch wol vernommen,   Siegfried war gar reich.             523
Sein war der Nibelungenhort,   dazu das Knigreich.
Drum gab er seinen Degen   vlliglich genug;
Es ward ja doch nicht minder,   wie viel man von dem Schatze trug.

Eines frhen Morgens   begannen sie die Fahrt:                      524
Was schneller Mannen hatte   da Siegfried sich geschart!
Sie fhrten gute Rosse   und herrlich Gewand:
Sie kamen stolz gezogen   hin zu Brunhildens Land.

Da stand in den Zinnen   manch minnigliches Kind.                   525
Da sprach die Knigstochter:   "Wei Jemand, wer die sind,
Die ich dort flieen sehe   so fern auf der See?
Sie fhren reiche Segel,   die sind noch weier als der Schnee."

Da sprach der Vogt vom Rheine:   "Es ist mein Heergeleit,           526
Das ich auf der Reise   verlie von hier nicht weit:
Ich habe sie besendet:   nun sind sie, Frau, gekommen."
Der herrlichen Gste   ward mit Zchten wahrgenommen.

Da sah man Siegfrieden   im Schiffe stehn voran                     527
In herrlichem Gewande   mit manchem andern Mann.
Da sprach die Knigstochter:   "Herr Knig, wollt mir sagen:
Soll ich die Gste gren   oder ihnen Gru versagen?"

Er sprach: "Ihr sollt entgegen   ihnen vor den Pallas gehn,         528
Ob ihr sie gerne sehet,   da sie das wohl verstehn."
Da that die Knigstochter,   wie ihr der Knig rieth;
Siegfrieden mit dem Grue   sie von den Andern unterschied.

Herberge gab man ihnen   und wahrt' ihr Gewand.                     529
Da waren so viel Gste   gekommen in das Land,
Da sie sich allenthalben   drngten mit den Scharen:
Da wollten heim die Khnen   zu den Burgunden fahren.

Da sprach die Knigstochter:   "Dem blieb ich immer hold,           530
Der zu vertheilen wste   mein Silber und mein Gold
Meinen Gsten und des Knigs,   des ich so viel gewann."
Zur Antwort gab ihr Dankwart,   des khnen Geiselher Mann:

"Viel edle Knigstochter,   lat mich der Schlel pflegen;         531
Ich will es so vertheilen,"   sprach der khne Degen,
"Wenn ich mir Schand erwerbe,   die treffe mich allein."
Da er milde wre,   das leuchtete da wohl ein.

Als sich Hagens Bruder   der Schlel unterwand,                    532
So manche reiche Gabe   bot des Helden Hand:
Wer Einer Mark begehrte,   dem ward so viel gegeben,
Da die Armen alle   da in Freuden mochten leben.

Wohl mit hundert Pfunden   gab er ohne Wahl.                        533
Da gieng in reichem Kleide   Mancher aus dem Saal,
Der nie zuvor im Leben   so hehr Gewand noch trug.
Die Knigin erfuhr es:   da war es ihr leid genug.

Sie sprach zu dem Knig:   "Des htt ich gerne Rath,                534
Da nichts mir soll verbleiben   von meinem Kleiderstaat
Vor euerm Kmmerlinge:   er verschwendet all mein Gold.
Wer dem noch widerstnde,   dem wollt ich immer bleiben hold.

"Er giebt so reiche Gaben:   der Degen whnet eben,                 535
Ich habe nach dem Tode   gesandt: ich will noch leben
Und kann wol selbst verschwenden   meines Vaters Gut."
Nie hatt einer Knigin   Kmmerer so milden Muth.

Da sprach von Tronje Hagen:   "Frau, euch sei bekannt:              536
Der Knig vom Rheine   hat Gold und Gewand
Zu geben solche Flle,   da es nicht Noth ihm thut,
Von hier hinweg zu fhren   einen Theil von Brunhilds Gut."

"Nein, wenn ihr mich liebet,"   sprach sie zu den Herrn,            537
"Zwanzig Reiseschreine   fllt ich mir gern
Mit Gold und mit Seide:   das soll meine Hand
Vertheilen, so wir kommen   heim in der Burgunden Land."

Da lud man ihr die Kisten   mit edelm Gestein.                      538
Der Frauen Kmmerlinge   musten zugegen sein:
Sie wollt es nicht vertrauen   Geiselhers Unterthan.
Gunther und Hagen   darob zu lachen begann.

Da sprach die Knigstochter:   "Wem la ich nun mein Land?          539
Das soll hier erst bestimmen   mein und eure Hand."
Da sprach der edle Knig:   "So rufet wen herbei,
Der euch dazu gefalle,   da er zum Vogt geordnet sei."

Ihrer nchsten Freunde Einen   die Jungfrau bei sich sah;           540
Es war ihr Mutterbruder,   zu dem begann sie da:
"Nun lat euch sein befohlen   die Burgen und das Land,
Bis seine Amtleute   der Knig Gunther gesandt."

Aus dem Gesinde whlte sie   zweitausend Mann,                      541
Die mit ihr fahren sollten   gen Burgund hindann
Mit jenen tausend Recken   aus Nibelungenland.
Sie schickten sich zur Reise:   man sah sie reiten nach dem Strand.

Sie fhrte mit von dannen   sechsundachtzig Fraun,                  542
Dazu wol hundert Mgdelein,   die waren schn zu schaun.
Sie sumten sich nicht lnger,   sie eilten nun hindann:
Die sie zu Hause lieen,   wie Manche hub zu weinen an!

In hfischen Zchten   rumte die Frau ihr Land,                    543
Die nchsten Freunde kssend,   die sie bei sich fand.
Mit gutem Urlaube   kamen sie aufs Meer;
Ihres Vaters Lande   sah die Jungfrau nimmermehr.

Auf ihrer Fahrt ertnte   vielfaches Freudenspiel;                  544
Aller Kurzweile   hatten sie da viel.
Auch hob sich zu der Reise   der rechte Wasserwind.
Sie fuhren ab vom Lande:   das beweinte mancher Mutter Kind.

Doch wollte sie den Knig   nicht minnen auf der Fahrt:             545
Ihre Kurzweil wurde   bis in sein Haus gespart
Zu Worms in der Veste   zu einem Hofgelag,
Dahin mit ihren Helden   sie frhlich kamen hernach.

       *       *       *       *       *




Neuntes Abenteuer.

Wie Siegfried nach Worms gesandt wird.


Da sie gefahren waren   voll neun Tage,                             546
Da sprach von Tronje Hagen:   "Nun hrt, was ich sage.
Wir sumen mit der Kunde   nach Worms an den Rhein:
Nun sollten eure Boten   schon bei den Burgunden sein."

Da sprach Knig Gunther:   "Ihr redet recht daran;                  547
Auch htt uns wohl Niemand   die Fahrt so gern gethan
Als ihr selbst, Freund Hagen:   nun reitet in mein Land,
Unsre Hofreise   macht Niemand beer da bekannt."

"Nun wit, lieber Herre,   ich bin kein Bote gut:                   548
Lat mich der Kammer pflegen   und bleiben auf der Flut.
Ich will hier bei den Frauen   behten ihr Gewand,
Bis da wir sie bringen   in der Burgunden Land.

"Nein, bittet Siegfrieden   um die Botschaft dahin:                 549
Der mag sie wohl verrichten   mit zuchtreichem Sinn.
Versagt er euch die Reise,   ihr sollt mit guten Sitten
Bei eurer Schwester Liebe   um die Fahrt ihn freundlich bitten."

Er sandte nach dem Recken:   der kam, als man ihn fand.             550
Er sprach zu ihm: "Wir nahen   uns schon meinem Land;
Da sollt ich Boten senden   der lieben Schwester mein
Und auch meiner Mutter,   da wir kommen an den Rhein.

"So bitt ich euch, Herr Siegfried,   da ihr die Reise thut,        551
Ich wills euch immer danken,"   so sprach der Degen gut.
Da weigerte sich Siegfried,   dieser khne Mann,
Bis ihn Knig Gunther   sehr zu flehen begann.

Er sprach: "Ihr sollt reiten   um den Willen mein,                  552
Dazu auch um Kriemhild,   das schne Mgdelein,
Da es mit mir vergelte   die herrliche Maid."
Als Siegfried das hrte,   da war der Recke bald bereit.

"Entbietet, was ihr wollet,   es soll gemeldet sein:                553
Ich will es gern bestellen   um das schne Mgdelein.
Die ich im Herzen trage,   verzichtet' ich auf die?
Leisten will ich Alles,   was ihr gebietet, um sie."

"So sagt meiner Mutter,   Ute der Knigin,                          554
Da ich auf dieser Reise   hohes Muthes bin.
Wie wir geworben haben,   sagt meinen Brdern an;
Auch unsern Freunden werde   diese Mre kund gethan.

Ihr sollt auch nichts verschweigen   der schnen Schwester mein,    555
Ich woll ihr mit Brunhild   stts zu Diensten sein;
So sagt auch dem Gesinde   und wer mir unterthan,
Was je mein Herz sich wnschte,   da ich das Alles gewann.

"Und saget Ortweinen,   dem lieben Neffen mein,                     556
Da er Gesthl errichten   lae bei dem Rhein;
Den Mannen auch und Freunden   sei es kund gethan,
Ich stelle mit Brunhilden   eine groe Hochzeit an.

"Und bittet meine Schwester,   werd ihr das bekannt,                557
Da ich mit meinen Gsten   gekommen sei ins Land,
Da sie dann wohl empfange   die liebe Traute mein:
So woll ich Kriemhilden   stts zu Dienst erbtig sein."

Da bat bei Brunhilden   und ihrem Ingesind                          558
Alsbald um den Urlaub   Siegfried, Sigmunds Kind,
Wie es ihm geziemte:   da ritt er an den Rhein.
Es knnt in allen Landen   ein berer Bote nicht sein.

Mit vierundzwanzig Recken   zu Worms kam er an;                     559
Ohne den Knig kam er,   das wurde kund gethan.
Da mhten all die Degen   in Jammer sich und Noth,
Besorgt, da dort der Knig   gefunden habe den Tod.

Sie stiegen von den Rossen   und trugen hohen Muth;                 560
Da kam alsbald Herr Geiselher,   der junge Knig gut,
Und Gernot, sein Bruder,   wie hurtig sprach er da,
Als er den Knig Gunther   nicht bei Siegfrieden sah:

"Willkommen, Herr Siegfried,   ich bitte, sagt mir an:              561
Wo habt ihr meinen Bruder,   den Knig, hingethan?
Brunhildens Strke   hat ihn uns wol benommen;
So wr uns sehr zu Schaden   ihre hohe Minne gekommen."

"Die Sorge lat fahren:   euch und den Freunden sein                562
Entbietet seine Dienste   der Heergeselle mein.
Ich verlie ihn wohlgeborgen:   er hat mich euch gesandt,
Da ich sein Bote wrde,   mit Mren her in euer Land.

"Nun helft mir es fgen,   wie es auch gescheh,                     563
Da ich die Knigin Ute   und eure Schwester seh;
Die soll ich hren laen,   was ihr zu wien thut
Gunther und Frau Brunhild;   um sie beide steht es gut."

Da sprach der junge Geiselher:   "So sprecht bei ihnen an;          564
Da habt ihr meiner Schwester   einen Liebesdienst gethan.
Sie trgt noch groe Sorge   um den Bruder mein:
Die Maid sieht euch gerne:   dafr will ich euch Brge sein."

Da sprach der Degen Siegfried:   "Wo ich ihr dienen kann,           565
Das soll immer treulich   und willig sein gethan.
Wer sagt nun, da ich komme,   den beiden Frauen an?"
Da warb die Botschaft Geiselher,   dieser waidliche Mann.

Geiselher der junge   sprach zu der Mutter da                       566
Und auch zu seiner Schwester,   als er die beiden sah:
"Uns ist gekommen Siegfried,   der Held aus Niederland;
Ihn hat mein Bruder Gunther   her zum Rheine gesandt.

"Er bringt uns die Kunde,   wie's um den Knig steht;               567
Nun sollt ihr ihm erlauben,   da er zu Hofe geht:
Er bringt die rechten Mren   uns her von Isenland."
Noch war den edeln Frauen   groe Sorge nicht gewandt.

Sie sprangen nach dem Staate   und kleideten sich drein             568
Und luden Siegfrieden   nach Hof zu kommen ein.
Das that der Degen williglich,   weil er sie gerne sah.
Kriemhild die edle   sprach zu ihm in Gte da:

"Willkommen, Herr Siegfried,   ein Ritter ohne Gleich.              569
Wo blieb mein Bruder Gunther,   der edle Knig reich?
Durch Brunhilds Strke, frcht' ich,   gieng er uns verloren:
O weh mir armen Mgdelein,   da ich je ward geboren!"

Da sprach der khne Ritter:   "Nun gebt mir Botenbrot,              570
Ihr zwei schnen Frauen   weinet ohne Noth.
Ich verlie ihn wohlgeborgen,   das thu ich euch bekannt:
Sie haben mich euch beiden   mit der Mre hergesandt.

"Mit freundlicher Liebe,   viel edle Herrin mein,                   571
Entbeut euch seine Dienste   er und die Traute sein.
Nun lat euer Weinen:   sie wollen balde kommen."
Sie hatte lange Tage   so liebe Mre nicht vernommen.

Mit schneeweiem Kleide   aus Augen wohlgethan                      572
Wischte sie die Thrnen;   zu danken hub sie an
Dem Boten dieser Mre,   die ihr war gekommen.
Ihr war die groe Trauer   und auch ihr Weinen benommen.

Sie hie den Boten sitzen:   des war er gern bereit.                573
Da sprach die Minnigliche:   "Es wre mir nicht leid,
Wenn ich euch geben drfte   zum Botenlohn mein Gold.
Dazu seid ihr zu vornehm:   so bleib ich sonst denn euch hold.

"Und wrden dreiig Lande,"   sprach er, "mein genannt,             574
So empfieng' ich Gabe   doch gern aus eurer Hand."
Da sprach die Wohlgezogne:   "Wohlan, es soll geschehn."
Da hie sie ihren Kmmerer   nach dem Botenlohne gehn.

Vierundzwanzig Spangen   mit Edelsteinen gut                        575
Gab sie ihm zum Lohne.   So stund des Helden Muth:
Er wollt es nicht behalten:   er gab es unverwandt
Ihren schnen Maiden,   die er in der Kammer fand.

Ihre Dienste bot ihm   die Mutter gtlich an.                       576
"Ich soll euch ferner sagen,"   sprach der khne Mann,
"Um was der Knig bittet,   gelangt er an den Rhein:
Wenn ihr das, Fraue, leistet,   er will euch stts gewogen sein.

"Seine reichen Gste,   das ist sein Begehr,                        577
Sollt ihr wohl empfangen;   auch bittet er euch sehr,
Entgegen ihm zu reiten   vor Worms ans Gestad.
Das ists, warum der Knig   euch in Treun gebeten hat."

"Das will ich gern vollbringen,"   sprach die schne Magd:          578
"Worin ich ihm kann dienen,   das ist ihm unversagt.
Mit freundlicher Treue   wird all sein Wunsch gethan."
Da mehrte sich die Farbe,   die sie vor Freude gewann.

Nie sah man Frstenboten   beer wohl empfahn:                      579
Wenn sie ihn kssen durfte,   sie htt es gern gethan;
Minniglich er anders   doch von der Frauen schied.
Da thaten die Burgunden,   wie da Siegfried ihnen rieth.

Sindold und Hunold   und Rumold der Degen                           580
Groer Unmue   musten sie da pflegen,
Als sie die Sitze richteten   vor Worms an dem Strand:
Die Schaffner des Knigs   man sehr beflien da fand.

Ortwein und Gere   sumten auch nicht mehr,                         581
Sie sandten nach den Freunden   allwrts umher,
Die Hochzeit anzusagen,   die da sollte sein;
Der zierten sich entgegen   viel der schnen Mgdelein.

Der Pallas und die Wnde   waren allzumal                           582
Verziert der Gste wegen;   Knig Gunthers Saal
Ward herrlich ausgerstet   fr manchen fremden Mann;
Das groe Hofgelage   mit hohen Freuden begann.

Da ritten allenthalben   die Wege durch das Land                    583
Der drei Knge Freunde;   die hatte man besandt,
Die Gste zu empfangen,   die da sollten kommen.
Da wurden aus dem Einschlag   viel reicher Kleider genommen.

Bald brachte man die Kunde,   da man schon reiten sah              584
Brunhilds Gefolge:   Gedrnge gab es da
Von des Volkes Menge   in Burgundenland.
Hei! was man khner Degen   da zu beiden Seiten fand!

Da sprach die schne Kriemhild:   "Ihr, meine Mgdelein,            585
Die bei dem Empfange   mit mir wollen sein,
Die suchen aus den Kisten   ihr allerbest Gewand:
So wird uns Lob und Ehre   von den Gsten zuerkannt."

Da kamen auch die Recken   und lieen vor sich her                  586
Schne Sttel tragen   von rothem Golde schwer,
Da drauf die Frauen ritten   von Worms an den Rhein.
Beer Pferdgerthe   konnte wohl nimmer sein.

Wie warf da von den Mhren   den Schein das lichte Gold!            587
Viel Edelsteine glnzten   von den Zumen hold;
Die goldenen Schemel   auf lichtem Teppich gut
Brachte man den Frauen:   sie hatten frhlichen Muth.

Die Frauenpferde standen   auf dem Hof bereit,                      588
Wie gemeldet wurde,   fr manche edle Maid.
Die schmalen Brustriemen   sah man die Mhren tragen
Von der besten Seide,   davon man je hrte sagen.

Sechsundachtzig Frauen   traten da heraus,                          589
Die Kopfgebinde trugen;   zu Kriemhild vor das Haus
Zogen die Schnen   jetzt in reichem Kleid;
Da kam in vollem Schmucke   auch manche waidliche Maid,

Fnfzig und viere   aus Burgundenland:                              590
Es waren auch die besten,   die man irgend fand.
Man sah sie gelblockig   unter lichten Borten gehn.
Was sich bedingt der Knig,   das sah er fleiig geschehn.

Von kostbaren Zeugen,   den besten, die man fand,                   591
Trugen sie vor den Gsten   manch herrlich Gewand.
Zu ihrer schnen Farbe   stand es ihnen gut:
Wer Einer abhold wre,   litte wohl an schwachem Muth.

Von Hermelin und Zobel   viel Kleider man da fand.                  592
Da schmckte sich gar Manche   den Arm und auch die Hand
Mit Spangen auf der Seide,   die sie sollten tragen.
Es knnt euch die Befleien   Niemand wohl zu Ende sagen.

Viel Grtel kunstgeschaffen,   kostbar und lang,                    593
Ueber lichte Kleider   die Hand der Frauen schwang
Um edle Ferransrcke   von Zeug aus Arabia,
Wie man sie besser   in aller Welt nicht ersah.

Man sah in Brustgeschmeide   manch schne Maid                      594
Minniglich sich schnren.   Die mochte tragen Leid,
Deren lichte Farbe   das Kleid nicht berschien.
So schnes Ingesinde   hat nun keine Knigin.

Als die Minniglichen   nun trugen ihr Gewand,                       595
Die sie da fhren sollten,   die kamen unverwandt,
Die hochgemuthen Recken   in groer Zahl daher;
Man bracht auch hin viel Schilde   und manchen eschenen Sper.

       *       *       *       *       *




Zehntes Abenteuer.

Wie Gunther mit Brunhild Hochzeit hielt.


Jenseits des Rheins   sah man dem Gestad                            596
Mit allen seinen Gsten   den Knig schon genaht.
Da sah man auch am Zaume   leiten manche Maid:
Die sie empfangen sollten,   die waren alle bereit.

Als bei den Schiffen ankam   von Isenland die Schar                 597
Und die der Nibelungen,   die Siegfried eigen war,
Sie eilten an das Ufer;   wohl fli sich ihre Hand,
Als man des Knigs Freunde   jenseits am Gestade fand.

Nun hrt auch die Mre   von der Knigin,                           598
Ute der reichen,   wie sie die Mgdlein hin
Brachte von der Veste   und selber ritt zum Strand.
Da wurden mit einander   viel Maid' und Ritter bekannt.

Der Markgraf Gere fhrte   am Zaum Kriemhildens Pferd               599
Bis vor das Thor der Veste;   Siegfried der Degen werth
Durft ihr weiter dienen;   sie war so schn und hehr.
Das ward ihm wohl vergolten   von der Jungfrau nachher.

Ortwein der khne fhrte   Ute die Knigin,                         600
Und so ritt mancher Ritter   neben den Frauen hin.
Zu festlichem Empfange,   das mag man wohl gestehn,
Wurden nie der Frauen   so viel beisammen gesehn.

Viel hohe Ritterspiele   wurden da getrieben                        601
Von preiswerthen Helden   (wie wr es unterblieben?)
Vor Kriemhild der schnen,   die zu den Schiffen kam.
Da hub man von den Mhren   viel der Frauen lobesam.

Der Knig war gelandet   mit fremder Ritterschaft.                  602
Wie brach da vor den Frauen   mancher starke Schaft!
Man hrt' auf den Schilden   erklingen Sto auf Sto.
Hei! reicher Buckeln Schallen   ward im Gedrnge da gro!

Vor dem Hafen standen   die Frauen minniglich;                      603
Gunther mit seinen Gsten   hub von den Schiffen sich:
Er fhrte Brunhilden   selber an der Hand.
Wider einander leuchtete   schn Gestein und licht Gewand.

In hfischen Zchten   hin Frau Kriemhild gieng,                    604
Wo sie Frau Brunhilden   und ihr Gesind empfieng.
Man konnte lichte Hnde   am Krnzlein rcken sehn,
Da sich die Beiden kssten:   das war aus Liebe geschehn.

Da sprach wohlgezogen   Kriemhild das Mgdelein:                    605
"Ihr sollt uns willkommen   in diesem Lande sein,
Mir und meiner Mutter,   und Allen, die uns treu
Von Mannen und von Freunden."   Da verneigten sich die Zwei.

Oftmals mit den Armen   umfiengen sich die Fraun.                   606
So minniglich Empfangen   war nimmer noch zu schaun,
Als die Frauen beide   der Braut da thaten kund,
Frau Ute mit der Tochter:   sie kssten oft den sen Mund.

Da Brunhilds Frauen alle   nun standen auf dem Strand,              607
Von waidlichen Recken   wurden bei der Hand
Freundlich genommen   viel Frauen ausersehn.
Man sah die edeln Maide   vor Frau Brunhilden stehn.

Bis der Empfang vorber war,   das whrte lange Zeit,               608
Manch rosigem Munde war   da ein Ku bereit.
Noch standen bei einander   die Kniginnen reich:
Das freuten sich zu schauen   viel der Recken ohne Gleich.

Da sphten mit den Augen,   die oft gehrt vorher,                  609
Man hab also Schnes   gesehen nimmermehr
Als die Frauen beide:   das fand man ohne Lug.
Man sah an ihrer Schne   auch nicht den mindesten Trug.

Wer Frauen schtzen konnte   und minniglichen Leib,                 610
Der pries um ihre Schne   Knig Gunthers Weib;
Doch sprachen da die Kenner,   die es recht besehn,
Man me vor Brunhilden   den Preis Kriemhilden zugestehn.

Nun giengen zu einander   Mgdelein und Fraun;                      611
Es war in hoher Zierde   manch schnes Weib zu schaun.
Da standen seidne Htten   und manches reiche Zelt,
Womit man erfllt sah   hier vor Worms das ganze Feld.

Des Knige Freunde drngten   sich, um sie zu sehn.                 612
Da hie man Brunhilden   und Kriemhilden gehn
Und all die Fraun mit ihnen   hin, wo sich Schatten fand;
Es fhrten sie die Degen   aus der Burgunden Land.

Nun waren auch die Gste   zu Ross geseen all;                     613
Da gabs beim Lanzenbrechen   durch Schilde lauten Schall.
Das Feld begann zu stuben,   als ob das ganze Land
Entbrannt wr in der Lohe:   da machten Helden sich bekannt.

Was da die Recken thaten,   sah manche Maid mit an.                 614
Wohl ritt mit seinen Degen   Siegfried der khne Mann
In mancher Wiederkehre   vorbei an dem Gezelt;
Der Nibelungen fhrte   tausend Degen der Held.

Da kam von Tronje Hagen,   wie ihm der Knig rieth;                 615
Der Held mit guter Sitte   die Ritterspiele schied,
Da sie nicht bestaubten   die schnen Mgdelein:
Da mochten ihm die Gste   gerne wohl gehorsam sein.

Da sprach der edle Gernot:   "Die Rosse lat stehn,                 616
Bis es beginnt zu khlen,   da wir die Frauen schn
Mit unserm Dank geleiten   bis vor den weiten Saal;
Will dann der Knig reiten,   find er euch bereit zumal."

Das Kampfspiel war vergangen   ber all dem Feld:                   617
Da giengen kurzweilen   in manches hohe Zelt
Die Ritter zu den Frauen   um hoher Lust Gewinn:
Da vertrieben sie die Stunden,   bis sie weiter sollten ziehn.

Vor des Abends Nahen,   als sank der Sonne Licht                    618
Und es begann zu khlen,   lie man es lnger nicht:
Zu der Veste huben   Fraun und Ritter sich;
Mit Augen ward geliebkost   mancher Schnen minniglich.

Von guten Knechten wurden   viel Pferde md geritten                619
Vor den Hochgemuthen   nach des Landes Sitten,
Bis vor dem Saale   abstieg der Knig werth.
Da diente man den Frauen   und hob sie nieder vom Pferd.

Da wurden auch geschieden   die Kniginnen reich.                   620
Hin gieng Frau Ute   und Kriemhild zugleich
Mit ihrem Ingesinde   in ein weites Haus:
Da vernahm man allenthalben   der Freude rauschenden Braus.

Man richtete die Sthle:   der Knig wollte gehn                    621
Zu Tisch mit den Gsten.   Da sah man bei ihm stehn
Brunhild die schne,   die da die Krone trug
In des Knigs Lande:   sie erschien wohl reich genug.

Da sah man schne Sitze   und gute Tafeln breit                     622
Mit Speisen beladen,   so hrten wir Bescheid.
Was sie da haben sollten,   wie wenig fehlte dran!
Da sah man bei dem Knig   gar manchen herrlichen Mann.

Des Wirthes Kmmerlinge   im Becken goldesroth                      623
Reichten ihnen Wasser.   Das wr vergebne Noth,
Sagte wer, man htte   je fleigern Dienst gethan
Bei eines Frsten Hochzeit:   ich glaubte schwerlich daran.

Eh der Vogt am Rheine   hier das Wasser nahm,                       624
Zu Gunthern trat da Siegfried,   er durft es ohne Scham,
Und mahnt' ihn seiner Treue,   die er ihm gab zu Pfand,
Bevor er Brunhilden   daheim gesehn in Isenland.

Er sprach zu ihm: "Gedenket,   mir schwur eure Hand,                625
Wenn wir Frau Brunhild   brchten in die Land,
Ihr gbt mir eure Schwester:   wo blieb nun der Eid?
Ihr wit, bei eurer Reise   war keine Mhe mir leid."

Da sprach der Wirth zum Gaste:   "Recht, da ihr mich mahnt.        626
Ich will den Eid nicht brechen,   den ich schwur mit Mund und Hand,
Ich helf es euch fgen,   so gut es mag geschehn."
Da hie man Kriemhilden   zu Hof vor den Knig gehn.

Mit ihren schnen Maiden   kam sie vor den Saal.                    627
Da sprang von einer Stiege   Geiselher zu Thal:
"Nun heit wiederkehren   diese Mgdelein:
Meine Schwester soll alleine   hier bei dem Knige sein."

Hin brachten sie Kriemhilden,   wo man den Knig fand:              628
Da standen edle Ritter   von mancher Frsten Land.
In dem weiten Saale   hie man sie stille stehn;
Frau Brunhilden sah man   eben auch zu Tische gehn.

Sie hatte keine Kunde,   was da im Werke war.                       629
Da sprach Knig Dankrats Sohn   zu seiner Mannen Schar:
"Helft mir, da meine Schwester   Siegfrieden nimmt zum Mann."
Sie sprachen einhellig:   "Das wre gar wohl gethan."

Da sprach der Knig Gunther:   "Schwester, edle Maid,               630
Bei deiner Zucht und Gte   lse meinen Eid.
Ich schwur dich einem Recken,   und nimmst du ihn zum Mann,
So hast du meinen Willen   mit groen Treuen gethan."

Die edle Maid versetzte:   "Lieber Bruder mein,                     631
Ihr sollt mich nicht flehen,   ich will gehorsam sein.
Wie ihr mir gebietet,   so soll es sein gethan:
Dem will ich mich verloben,   den ihr, Herr, mir gebt zum Mann."

Von lieber Augenweide   Ward Siegfrieds Farbe roth:                 632
Zu Diensten sich der Recke   Frau Kriemhilden bot.
Man lie sie mit einander   in einem Kreise stehn,
Und frug sie, ob sie wolle   diesen Recken ausersehn?

Scheu, wie Mdchen pflegen,   schmte sie sich ein Theil;           633
Jedoch war Siegfrieden   so gnstig Glck und Heil,
Da sie nicht verschmhen   wollte seine Hand.
Auch versprach sich ihr zum Manne   der edle Held von Niederland.

Da er sich ihr verlobte   und sich ihm die Maid,                    634
Ein gtlich Umfangen   war da alsbald bereit
Von Siegfriedens Armen   dem schnen Mgdlein zart:
Die edle Knigin ksst' er   in der Helden Gegenwart.

Sich schied das Gesinde.   Als das geschah,                         635
Auf dem Ehrenplatze   man Siegfrieden sah,
Mit Kriemhilden sitzen;   da dient' ihm mancher Mann.
Man sah die Nibelungen   mit ihm den Sitzen sich nahm.

Der Knig sa zu Tische   bei Brunhild der Maid.                    636
Da sah sie Kriemhilden   (nichts war ihr je so leid)
Bei Siegfrieden sitzen:   zu weinen hub sie an,
Da ihr manch heie Thrne   ber lichte Wangen rann.

Da sprach der Wirth des Landes:   "Was ist euch, Fraue mein,        637
Da ihr so trben laet   lichter Augen Schein?
Ihr solltet recht euch freuen:   euch ist unterthan
Mein Land und reiche Burgen   und mancher  waidliche Mann."

"Recht weinen sollt ich eher,"   sprach die schne Maid.            638
"Deiner Schwester wegen   trag ich Herzeleid.
Ich seh sie sitzen neben   dem Eigenholden dein:
Wohl mu ich immer weinen,   soll sie so erniedrigt sein."

Da sprach der Knig Gunther:   "Schweigt davon jetzt still,         639
Da ich euch ein andermal   die Kunde sagen will,
Warum meine Schwester   Siegfrieden ward gegeben.
Wohl mag sie mit dem Recken   allezeit in Freuden leben."

Sie sprach: "Mich jammern immer   ihre Schnheit, ihre Zucht;       640
Wst ich, wohin ich sollte,   ich nhme gern die Flucht
Und wollt euch nimmer eher   nahe liegen bei,
Bis ich wste, weshalb Kriemhild   die Braut von Siegfrieden sei."

Da sprach Knig Gunther:   "Ich mach es euch bekannt:               641
Er hat selber Burgen   wie ich und weites Land.
Das drft ihr sicher glauben,   er ist ein Knig reich:
Drum gnn ich ihm zum Weibe   die schne Magd ohne Gleich."

Was ihr der Knig sagte,   traurig blieb ihr Muth.                  642
Da eilte von den Tischen   mancher Ritter gut:
Das Kampfspiel ward so heftig,   da rings die Burg erklang.
Dem Wirth bei seinen Gsten   ward die Weile viel zu lang.

Er dacht: "Ich lge sanfter   der schnen Frauen bei."              643
Er wurde des Gedankens   nicht mehr im Herzen frei,
Von ihrer Minne me   ihm Liebes viel geschehn.
Da begann er freundlich   Frau Brunhilden anzusehn.

Vom Ritterspiel die Gste   bat man abzustehn:                      644
Mit seinem Weibe wollte   zu Bett der Knig gehn.
Vor des Saales Stiege   begegneten da
Sich Kriemhild und Brunhild;   noch in Gte das geschah.

Da kam ihr Ingesinde;   sie sumten lnger nicht:                   645
Ihre reichen Kmmerlinge   brachten ihnen Licht.
Es theilten sich die Recken   in beider Knge Lehn.
Da sah man viel der Degen   hinweg mit Siegfrieden gehn.

Die Helden kamen beide   hin, wo sie sollten liegen.                646
Da dachte Jedweder   mit Minnen obzusiegen
Den minniglichen Frauen:   des freute sich ihr Muth.
Siegfriedens Kurzweil   die wurde herrlich und gut.

Als Siegfried der Degen   bei Kriemhilden lag                       647
Und er da der Jungfrau   so minniglich pflag
Mit seinem edeln Minnen,   sie ward ihm wie sein Leben:
Er htte nicht die eine   fr tausend andre gegeben.

Ich sag euch nicht weiter,   wie er der Frauen pflag.               648
Nun hrt diese Mre,   wie Knig Gunther lag
Bei Brunhild der Frauen;   der zierliche Degen
Htte leichtlich sanfter   bei andern Frauen gelegen.

Das Volk hatt ihn verlaen   zumal, so Frau als Mann:               649
Da ward die Kemenate   balde zugethan.
Er whnt', er solle kosen   ihren minniglichen Leib:
Da whrt' es noch gar lange,   bevor sie wurde sein Weib.

Im weien Linnenhemde   gieng sie ins Bett hinein.                  650
Der edle Ritter dachte:   "Nun ist das alles mein,
Wes mich je verlangte   in allen meinen Tagen."
Sie must ob ihrer Schne   mit groem Recht ihm behagen.

Das Licht begann zu bergen   des edeln Knigs Hand.                 651
Hin gieng der khne Degen,   wo er die Jungfrau fand.
Er legte sich ihr nahe:   seine Freude die war gro,
Als die Minnigliche   der Held mit Armen umschlo.

Minnigliches Kosen   mcht er da viel begehn,                       652
Liee das willig   die edle Frau geschehn.
Doch zrnte sie gewaltig:   den Herrn betrbte das.
Er whnt, er fnde Freude,   da fand er feindlichen Ha.

Sie sprach: "Edler Ritter,   lat euch das vergehn:                 653
Was ihr da habt im Sinne,   das kann nicht geschehn.
Ich will noch Jungfrau bleiben,   Herr Knig, merkt euch das,
Bis ich die Mr erfahre."   Da fate Gunther ihr Ha.

Er rang nach ihrer Minne   und zerrauft' ihr Kleid.                 654
Da griff nach einem Grtel   die herrliche Maid,
Einer starken Borte,   die sie um sich trug:
Da that sie dem Knig   groen Leides genug.

Die F und die Hnde   sie ihm zusammenband,                       655
Zu einem Nagel trug sie ihn   und hieng ihn an die Wand.
Als er im Schlaf sie strte,   sein Minnen sie verbot.
Von ihrer Strke htt er   beinah gewonnen den Tod.

Da begann zu flehen,   der Meister sollte sein:                     656
"Nun lst mir die Bande,   viel edle Fraue mein.
Ich getrau euch, schne Herrin,   doch nimmer obzusiegen
Und will auch wahrlich selten   mehr so nahe bei euch liegen."

Sie frug nicht, wie ihm wre,   da sie in Ruhe lag.                 657
Dort must er hangen bleiben   die Nacht bis an den Tag,
Bis der lichte Morgen   durchs Fenster warf den Schein:
Hatt er je Kraft beseen,   die ward an seinem Leibe klein.

"Nun sagt mir, Herr Gunther,   ist euch das etwa leid,              658
Wenn euch gebunden finden,"   sprach die schne Maid,
"Eure Kmmerlinge   von einer Frauen Hand?"
Da sprach der edle Ritter:   "Das wrd euch bel gewandt.

"Auch wr mirs wenig Ehre,"   sprach der edle Mann:                 659
"Bei eurer Zucht und Gte   nehmt mich nun bei euch an.
Und ist euch meine Minne   denn so mchtig leid,
So will ich nie berhren   mit meiner Hand euer Kleid."

Da lste sie den Knig,   da er nicht lnger hieng;                660
Wieder an das Bette   er zu der Frauen gieng.
Er legte sich so ferne,   da er ihr Hemde fein
Nicht oft darnach berhrte:   auch wollte sie des ledig sein.

Da kam auch ihr Gesinde,   das brachte neu Gewand:                  661
Des war heute Morgen   genug fr sie zur Hand.
Wie froh man da gebahrte,   traurig war genug
Der edle Wirth des Landes,   wie er des Tags die Krone trug.

Nach des Landes Sitte,   die zu begehen Pflicht,                    662
Unterlie es Gunther   mit Brunhild lnger nicht:
Sie giengen nach dem Mnster,   wo man die Messe sang.
Dahin auch kam Herr Siegfried;   da hob sich mchtiger Drang.

Nach kniglichen Ehren   war da fr sie bereit,                     663
Was sie haben sollten,   die Krone wie das Kleid.
Da lieen sie sich weihen:   als das war geschehn,
Da sah man unter Krone   alle Viere herrlich stehn.

Das Schwert empfiengen Knappen,   sechshundert oder mehr,           664
Den Knigen zu Ehren   auf meines Worts Gewhr.
Da hob sich groe Freude   in Burgundenland:
Man hrte Schfte brechen   an der Schwertdegen Hand.

Da saen in den Fenstern   die schnen Mgdelein.                   665
Sie sahen vor sich leuchten   manches Schildes Schein.
Nun hatte sich der Knig   getrennt von seinem Lehn:
Was man beginnen mochte,   er lie es trauernd geschehn.

Ihm und Siegfrieden   ungleich stand der Muth:                      666
Wohl wuste, was ihm fehlte,   der edle Ritter gut.
Da gieng er zu dem Knig,   zu fragen er begann:
"Wie ists euch gelungen   die Nacht, das saget mir an."

Da sprach der Wirth zum Gaste:   "Den Schimpf und den Schaden       667
Hab ich an meiner Frauen   in mein Haus geladen.
Ich whnte sie zu minnen,   wie schnell sie mich da band!
Zu einem Nagel trug sie mich   und hieng mich hoch an die Wand.

"Da hieng ich sehr in Aengsten   die Nacht bis an den Tag.          668
Eh sie mich wieder lste,   wie sanft sie da lag!
Das sei dir in der Stille   geklagt in Freundlichkeit."
Da sprach der starke Siegfried:   "Das ist in Wahrheit mir leid.

"Das will ich euch beweisen,   verschmerzt ihr den Verdru.         669
Ich schaffe, da sie heute Nacht   so nah euch liegen mu,
Da sie euch ihre Minne   nicht lnger vorenthlt."
Die Rede hrte gerne   nach seinem Leide der Held.

"Nun schau meine Hnde,   wie die geschwollen sind:                 670
Die drckte sie so mchtig,   als wr ich ein Kind,
Da Blut mir allenthalben   aus den Ngeln drang.
Ich hegte keinen Zweifel,   mein Leben whre nicht lang."

Da sprach der starke Siegfried:   "Es wird noch Alles gut.          671
Uns Beiden war wohl ungleich   heute Nacht zu Muth.
Mir ist deine Schwester   wie Leben lieb und Leib!
So mu nun auch Frau Brunhild   noch heute werden dein Weib.

"Ich komme heut Abend   zu deinem Kmmerlein                        672
Also wohl verborgen   in der Tarnkappe mein,
Da sich meiner Knste   Niemand mag versehn.
La dann die Kmmerlinge   zu ihren Herbergen gehn:

"So lesch ich den Knappen   die Lichter an der Hand:                673
Bei diesem Wahrzeichen   sei dir bekannt,
Da ich hereingetreten.   Wohl zwing ich dir dein Weib,
Da du sie heute minnest,   ich verlr' denn Leben und Leib."

"Wenn du sie nicht minnest,"   der Knig sprach da so,              674
"Meine liebe Fraue:   des Andern bin ich froh;
Was du auch thust und nhmst du   Leben ihr und Leib,
Das wollt ich wohl verschmerzen:   sie ist ein schreckliches Weib."

"Das nehm ich," sprach da Siegfried,   "auf die Treue mein,         675
Da ich sie nicht berhre;   die liebe Schwester dein
Geht mir ber alle,   die ich jemals sah."
Wohl glaubte Knig Gunther   der Rede Siegfriedens da.

Da gabs von Ritterspielen   Freude so wie Noth.                     676
Den Buhurd und das Lrmen   man allzumal verbot.
Als die Frauen sollten   nach dem Saale gehn,
Geboten Kmmerlinge   den Leuten, nicht im Weg zu stehn.

Von Rossen und von Leuten   rumte man den Hof.                     677
Der Frauen Jedwede   fhrt' ein Bischof,
Als sie vor den Knigen   zu Tische sollten gehn.
Ihnen folgten zu den Sthlen   viel der Degen ausersehn.

Bei seinem Weib der Knig   in froher Hoffnung sa:                 678
Was Siegfried ihm verheien,   im Sinne lag ihm das.
Der eine Tag ihn dauchte   wohl dreiig Tage lang:
Nach Brunhildens Minne   all sein Denken ihm rang.

Er konnt es kaum erwarten,   bis vorbei das Mahl.                   679
Brunhild die schne   rief man aus dem Saal
Und auch Kriemhilden:   sie sollten schlafen gehn:
Hei! was man khner Degen   sah vor den Kniginnen stehn!

Siegfried der Herre   gar minniglich sa                            680
Bei seinem schnen Weibe   mit Freuden ohne Ha.
Sie kos'te seine Hnde   mit ihrer weien Hand,
Bis er ihr vor den Augen,   sie wuste nicht wie, verschwand.

Da sie mit ihm spielte   und sie ihn nicht mehr sah,                681
Zu seinem Ingesinde   sprach die Knigin da:
"Mich wundert sehr, wo ist doch   der Knig hingekommen?
Wer hat seine Hnde   mir aus den meinen genommen?"

Sie lie die Rede bleiben.   Da eilt' er hinzugehn,                 682
Wo er die Kmmerlinge   fand mit Lichtern stehn:
Die lescht' er unversehens   den Knappen an der Hand:
Da es Siegfried wre,   das war da Gunthern bekannt.

Wohl wust er, was er wolle:   er lie von dannen gehn               683
Mgdelein und Frauen.   Als das war geschehn,
Der edle Knig selber   verschlo der Kammer Thr:
Starker Riegel zweie   die warf er eilends dafr.

Hinterm Bettvorhange   barg er der Kerzen Licht.                    684
Ein Spiel sogleich begannen,   vermeiden lie sichs nicht,
Siegfried der starke   und die schne Maid:
Das war dem Knig Gunther   beides lieb und auch leid.

Da legte sich Siegfried   der Knigin bei.                          685
Sie sprach: "Nun lat es, Gunther,   wie lieb es euch auch sei,
Da ihr nicht Noth erleidet   heute so wie eh:
Oder euch geschieht hier   von meinen Hnden wieder Weh."

Er hehlte seine Stimme,   kein Wrtlein sprach er da.               686
Wohl hrte Knig Gunther,   obgleich er sie nicht sah,
Da Heimliches von Beiden   wenig geschehen sei;
Nicht viel bequeme Ruhe   im Bette fanden die Zwei.

Er stellte sich, als wr er   Gunther der Knig reich;              687
Er umschlo mit Armen   das Mgdlein ohne Gleich.
Sie warf ihn aus dem Bette   dabei auf eine Bank,
Da laut an einem Schemel   ihm das Haupt davon erklang.

Wieder auf mit Krften   sprang der khne Mann,                     688
Es beer zu versuchen:   wie er das begann,
Da er sie zwingen wollte,   da widerfuhr ihm Weh.
Ich glaube nicht, da solche Wehr   von Frauen je wieder gescheh.

Da ers nicht laen wollte,   das Mgdlein aufsprang:                689
"Euch ziemt nicht zu zerraufen   mein Hemd also blank.
Ihr seid ungezogen:   das wird euch noch leid.
Des bring ich euch wohl inne,"   sprach die waidliche Maid.

Sie umschlo mit den Armen   den theuerlichen Degen                 690
Und wollt ihn auch in Bande   wie den Knig legen,
Da sie im Bette lge   mit Gemchlichkeit.
Wie grimmig sie das rchte,   da er zerzerret ihr Kleid!

Was half ihm da die Strke,   was seine groe Kraft?                691
Sie erwies dem Degen   ihres Leibes Meisterschaft.
Sie trug ihn bermchtig,   das muste nur so sein,
Und drckt ihn ungefge   bei dem Bett an einen Schrein.

"O weh," gedacht er, "soll ich   Leben nun und Leib                 692
Von einer Maid verlieren,   so mag jedes Weib
In allen knftgen Zeiten   tragen Frevelmuth
Dem Mann gegenber,   die es sonst wohl nimmer thut."

Der Knig hrte Alles;   er bangte fr den Mann.                    693
Da schmte sich Siegfried,   zu zrnen fieng er an.
Mit ungefgen Krften   ihr widersetzt' er sich
Und versuchte seine Strke   an Brunhilden ngstiglich.

Wie sie ihn niederdrckte,   sein Zorn erzwang es noch              694
Und seine starken Krfte,   da ihr zum Trotz er doch
Sich aufrichten konnte;   seine Angst war gro.
Sie gaben in der Kammer   sich her und hin manchen Sto.

Auch litt Knig Gunther   Sorgen und Beschwer:                      695
Er muste manchmal flchten   vor ihnen hin und her.
Sie rangen so gewaltig,   da es Wunder nahm,
Wie Eins vor dem Andern   mit dem Leben noch entkam.

Den Knig Gunther ngstigte   beiderseits die Noth;                 696
Doch frchtet' er am meisten   Siegfriedens Tod.
Wohl htte sie dem Degen   das Leben schier benommen:
Drft er nur, er wr ihm   gern zu Hlfe gekommen.

Gar lange zwischen Beiden   dauerte der Streit;                     697
Da bracht er an das Bette   zuletzt zurck die Maid:
Wie sehr sie sich auch wehrte,   die Wehr ward endlich schwach.
Gunther in seinen Sorgen   hieng mancherlei Gedanken nach.

Es whrte lang dem Knig,   bis Siegfried sie bezwang.              698
Sie drckte seine Hnde,   da aus den Ngeln sprung
Das Blut von ihren Krften;   das war dem Helden leid.
Da zwang er zu verlugnen   diese herrliche Maid

Den ungestmen Willen,   den sie erst dargethan.                    699
Alles vernahm der Knig,   doch hrt ers schweigend an.
Er drckte sie ans Bette,   da sie aufschrie laut:
Des starken Siegfrieds Krfte   schmerzten bel die Braut.

Da griff sie nach der Hfte,   wo sie die Borte fand,               700
Und dacht' ihn zu binden:   doch wehrt' es seine Hand,
Da ihr die Glieder krachten,   dazu der ganze Leib.
Da war der Streit zu Ende:   da wurde sie Gunthers Weib.

Sie sprach: "Edler Knig,   nimm mir das Leben nicht:               701
Was ich dir that zu Leide,   vergt ich dir nach Pflicht.
Ich wehre mich nicht wieder   der edeln Minne dein:
Ich hab es wohl erfahren,   da du magst Frauen Meister sein."

Aufstand da Siegfried,   liegen blieb die Maid,                     702
Als dcht er abzuwerfen   eben nur das Kleid.
Er zog ihr vom Finger   ein Ringlein von Gold,
Da es nicht gewahrte   die edle Knigin hold,

Auch nahm er ihren Grtel,   eine Borte gut.                        703
Ich wei nicht, geschah es   aus hohem Uebermuth.
Er gab ihn seinem Weibe:   das ward ihm spter leid.
Da lagen bei einander   der Knig und die schne Maid.

Er pflag der Frauen minniglich,   wie es geziemend war:             704
Scham und Zorn verschmerzen   muste sie da gar.
Von seinen Heimlichkeiten   ihre lichte Farb erblich.
Hei! wie von der Minne   die groe Kraft ihr entwich!

Da war auch sie nicht strker   als ein ander Weib.                 705
Minniglich umfieng er   ihren schnen Leib;
Wenn sie noch widerstnde,   was knnt es sie verfahn?
Das hatt ihr Alles Gunther   mit seinem Minnen gethan.

Wie minniglich der Degen   da bei der Frauen lag                    706
In freundlicher Liebe   bis an den lichten Tag!
Inzwischen war Herr Siegfried   lngst schon hindann:
Da ward er wohl empfangen   von einer Frauen wohlgethan.

Er wich allen Fragen aus,   die sie erdacht,                        707
Und hehlt' ihr noch lang,   was er mitgebracht,
Bis er daheim das Kleinod   ihr doch am Ende gab:
Das brachte viel der Degen   mit ihm selber ins Grab.

Dem Wirth am andern Morgen   viel hher stand der Muth,             708
Als am ersten Tage:   da ward die Freude gut
In allen seinen Landen   bei manchem edeln Mann.
Die er zu Hof geladen,   denen ward viel Dienst gethan.

Vierzehn Tage whrte   diese Lustbarkeit,                           709
Da sich der Schall nicht legte   in so langer Zeit
Von aller Lust und Kurzweil,   die man erdenken mag.
Wohl verwandte hohe Kosten   der Knig bei dem Hofgelag.

Des edeln Wirthes Freunde,   wie es der Herr gewollt,               710
Verschenkten ihm zu Ehren   Kleider und rothes Gold,
Silber auch und Rosse   an manchen fremden Mann.
Die gerne Gaben nahmen,   die schieden frhlich hindann.

Auch der khne Siegfried   aus dem Niederland                       711
Mit seinen tausend Mannen   --all das Gewand,
Das sie gebracht zum Rheine,   ward ganz dahin gegeben,
Schne Ross' und Sttel:   sie wusten herrlich zu leben.

Bevor die reiche Gabe   noch alle war verwandt,                     712
Schon daucht es die zu lange,   die wollten in ihr Land.
Nie sah man ein Gesinde   mehr so wohl verpflegen.
So endete die Hochzeit:   da schied von dannen mancher Degen.

       *       *       *       *       *




Eilftes Abenteuer.

Wie Siegfried mit seinem Weibe heimkehrte.


Als die Gste waren   gefahren all davon,                           713
Da sprach zu dem Gesinde   Knig Siegmunds Sohn:
"Wir wollen auch uns rsten   zur Fahrt in unser Land."
Lieb ward es seinem Weibe,   als ihr die Mre ward bekannt.

Sie sprach zu ihrem Manne:   "Wann sollen wir nun fahren?           714
So sehr damit zu eilen   will ich mich bewahren:
Erst sollen mit mir theilen   meine Brder dieses Land."
Leid war es Siegfrieden,   als ers an Kriemhilden fand.

Die Frsten giengen zu ihm   und sprachen alle drei:                715
"Wit nun, Herr Siegfried,   da euch immer sei
Unser Dienst mit Treue   bereit bis in den Tod."
Er neigte sich den Herren,   da mans so wohl ihm erbot.

"Wir wolln auch mit euch theilen,"   sprach Geiselher das Kind,     716
"Das Land und die Burgen,   die unser eigen sind,
Und was der weiten Reiche   uns ist unterthan;
Ihr empfangt mit Kriemhild   euer volles Theil daran."

Der Sohn Knig Siegmunds   sprach zu den Frsten da,                717
Als er den guten Willen   der Herren hrt und sah:
"Gott la euch euer Erbe   gesegnet immer sein
Und auch die Leute drinnen:   es mag die liebe Fraue mein

"Des Theils wohl entrathen,   den ihr ihr wolltet geben:            718
Wo sie soll Krone tragen,   mgen wirs erleben,
Da mu sie reicher werden,   als wer ist auf der Welt.
Was ihr sonst gebietet,   ich bin euch dienstlich gesellt."

Da sprach aber Kriemhild:   "Wenn ihr mein Land verschmht,         719
Um die Burgundendegen   es so gering nicht fleht;
Die mag ein Knig gerne   fhren in sein Land:
Wohl soll sie mit mir theilen   meiner lieben Brder Hand."

Da sprach Knig Gernot:   "Nimm, die du willst, mit dir.            720
Die gerne mit dir reiten,   du findest Viele hier.
Von dreiighundert Recken   nimm dir tausend Mann
Zu deinem Hausgesinde."   Kriemhild zu senden begann

Nach Hagen von Tronje   und nach Ortwein,                           721
Ob sie und ihre Freunde   Kriemhildens wollten sein.
Da gewann darber Hagen   ein zorniges Leben:
Er sprach: "Uns kann Gunther   in der Welt an Niemand vergeben.

"Ander Ingesinde   nehmt zu eurer Fahrt;                            722
Ihr werdet ja wohl kennen   der Tronejer Art.
Wir men bei den Knigen   bleiben so fortan
Und denen ferner dienen,   deren Dienst wir stts versahn."

Sie lieen es bewenden   und machten sich bereit.                   723
Ihres edeln Ingesindes   nahm Kriemhild zum Geleit
Zweiunddreiig Mgdelein   und fnfhundert Mann;
Eckewart der Markgraf   zog mit Kriemhild hindann.

Da nahmen alle Urlaub,   Ritter so wie Knecht,                      724
Mgdelein und Frauen:   so war es Fug und Recht.
Unter Kssen scheiden   sah man sie unverwandt,
Und jene rumten frhlich   dem Knig Gunther das Land.

Da geleiteten die Freunde   sie fern auf ihren Wegen.               725
Allenthalben lie man   ihnen Nachtherberge legen,
Wo sie die nehmen wollten   in der Knge Land.
Da wurden bald auch Boten   dem Knig Siegmund gesandt,

Damit er wien sollte   und auch Frau Siegelind,                    726
Sein Sohn solle kommen   mit Frau Utens Kind,
Kriemhild der schnen,   von Worms ber Rhein.
Diese Mren konnten   ihnen nimmer lieber sein.

"Wohl mir," sprach da Siegmund,   "da ich den Tag soll sehn,       727
Da hier die schne Kriemhild   soll unter Krone gehn!
Das erhht im Werthe   mir all das Erbe mein:
Mein Sohn Siegfried   soll nun selbst hier Knig sein."

Da gab ihnen Siegelind   zu Kleidern Sammet roth                    728
Und schweres Gold und Silber:   das war ihr Botenbrot.
Sie freute sich der Mre,   die sie da vernahm.
All ihr Ingesinde   sich mit Flei zu kleiden begann.

Man sagt' ihr, wer da kme   mit Siegfried in das Land.             729
Da hie sie Gesthle   errichten gleich zur Hand,
Wo er vor den Freunden   sollt unter Krone gehn.
Entgegen ritten ihnen   Die in Knig Siegmunds Lehn.

Wer beer wre empfangen,   mir ist es unbekannt,                   730
Als die Helden wurden   in Siegmundens Land.
Kriemhilden seine Mutter   Sieglind entgegenritt
Mit viel der schnen Frauen;   khne Ritter zogen mit

Wohl eine Tagereise,   bis man die Gste sah.                       731
Die Heimischen und Fremden   litten Beschwerde da,
Bis sie endlich kamen   zu einer Veste weit,
Die Santen war geheien,   wo sie Krone trugen nach der Zeit.

Mit lachendem Munde   Siegmund und Siegelind                        732
Manche liebe Weile   kssten sie Utens Kind
Und Siegfried den Degen;   ihnen war ihr Leid benommen.
All ihr Ingesinde   hie man frhlich willkommen.

Da brachten sie die Gste   vor Knig Siegmunds Saal.               733
Die schnen Jungfrauen   hub man allzumal
Von den Mhren nieder;   da war mancher Mann,
Der den schnen Frauen   mit Flei zu dienen begann.

So prchtig ihre Hochzeit   am Rhein war bekannt,                   734
Doch gab man hier den Helden   kstlicher Gewand,
Als sie all ihr Leben   je zuvor getragen.
Man mochte groe Wunder   von ihrem Reichthume sagen.

So saen sie in Ehren   und hatten genug.                           735
Was goldrothe Kleider   ihr Ingesinde trug!
Edel Gestein und Borten   sah man gewirkt darin.
So verpflag sie fleiig   Sieglind die edle Knigin.

Da sprach vor seinen Freunden   der Knig Siegmund:                 736
"Allen meinen Freunden   thu ichs heute kund,
Da Siegfried meine Krone   hier hinfort soll tragen."
Die Mre hrten gerne   Die von Niederlanden sagen.

Er befahl ihm seine Krone   mit Gericht und Land:                   737
Da war er Herr und Knig.   Wem er den Rechtsspruch fand
Und wen er strafen sollte,   das wurde so gethan,
Da man wohl frchten durfte   der schnen Kriemhilde Mann.

In diesen hohen Ehren   lebt' er, das ist wahr,                     738
Und richtet' unter Krone   bis an das zehnte Jahr,
Da die schne Knigin   einen Sohn gewann,
An dem des Knigs Freunde   ihren Wunsch und Willen sahn.

Alsbald lie man ihn taufen   und einen Namen nehmen:               739
Gunther, nach seinem Oheim,   des drft er sich nicht schmen.
Gerieth' er nach den Freunden,   er wrd ein khner Mann.
Man erzog ihn sorgsam:   sie thaten auch recht daran.

In denselben Zeiten   starb Frau Siegelind:                         740
Da nahm die volle Herrschaft   der edeln Ute Kind,
Wie so reicher Frauen   geziemte wohl im Land.
Es ward genug betrauert,   da der Tod sie hatt entwandt.

Nun hatt auch dort am Rheine,   wie wir hren sagen,                741
Gunther dem reichen   einen Sohn getragen
Brunhild die schne   in Burgundenland.
Dem Helden zu Liebe   ward er Siegfried genannt.

Mit welchen Sorgen immer   man sein hten hie!                     742
Von Hofmeistern Gunther   ihn Alles lehren lie,
Was er bedrfen mchte,   erwchs' er einst zum Mann.
Hei, was ihm bald das Unglck   der Verwandten abgewann!

Zu allen Zeiten Mre   war so viel gesagt,                          743
Wie doch so herrlich   die Degen unverzagt
Zu allen Stunden lebten   in Siegmundens Land:
So lebt' auch Knig Gunther   mit seinen Freunden auserkannt.

Das Land der Nibelungen   war Siegfried unterthan                   744
(Keiner seiner Freunde   je grern Schatz gewann)
Mit Schilbungens Recken   und der Beiden Gut.
Darber trug der Khne   desto hher den Muth.

Hort den allermeisten,   den je ein Held gewann,                    745
Nach den ersten Herren,   besa der khne Mann,
Den vor einem Berge   seine Hand erwarb im Streit:
Er schlug darum zu Tode   manchen Ritter allbereit.

Vollauf besa er Ehre,   und htt ers halb entbehrt,                746
Doch mste man gestehen   dem edeln Recken werth,
Da er der Beste wre,   der je auf Rossen sa.
Man scheute seine Strke,   mit allem Grunde that man das.

       *       *       *       *       *




Zwlftes Abenteuer.

Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud.


Da dacht auch alle Tage   Brunhild die Knigin:                     747
"Wie trgt nur Frau Kriemhild   so bermthgen Sinn!
Nun ist doch unser Eigen   Siegfried ihr Mann:
Der hat uns nun schon lange   wenig Dienste gethan."

Das trug sie im Herzen   in groer Heimlichkeit;                    748
Da sie ihr fremde blieben,   das war der Frauen leid.
Da man ihr nicht zinste   von des Frsten Land,
Woher das wohl kme,   das htte sie gern erkannt.

Sie versucht' es bei dem Knig,   ob es nicht geschehn              749
Mchte, da sie Kriemhild   noch sollte wiedersehn.
Sie vertraut' ihm heimlich,   worauf ihr sann der Muth;
Da dauchte den Knig   der Frauen Rede nicht gut.

"Wie knnten wir sie bringen,"   sprach der Knig hehr,             750
"Her zu diesem Lande?   das fgt sich nimmermehr.
Sie wohnen uns zu ferne:   ich darf sie nicht drum bitten."
Da gab ihm Brunhild Antwort   mit gar hochfhrtgen Sitten:

"Und wre noch so mchtig   eines Knigs Mann,                      751
Was ihm sein Herr gebietet,   das mu doch sein gethan."
Lcheln muste Gunther   ihrer Rede da:
Er nahm es nicht als Dienst an,   wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: "Lieber Herre,   bei der Liebe mein,                    752
Hilf mir, da Siegfried   und die Schwester dein
Zu diesem Lande kommen   und wir sie hier ersehn:
So knnte mir auf Erden   nimmer lieber geschehn.

"Deiner Schwester Gte,   ihr wohlgezogner Muth,                    753
Wenn ich daran gedenke,   wie wohl mirs immer thut;
Wie wir beisammen saen,   als ich dir ward vermhlt!
Sie hat sich mit Ehren   den khnen Siegfried erwhlt."

Da bat sie ihn so lange,   bis der Knig sprach:                    754
"Nun wit, da ich Gste   nicht lieber sehen mag.
Ihr mgt mich leicht erbitten:   ich will die Boten mein
Zu ihnen beiden senden,   da sie kommen an den Rhein."

Da sprach die Knigstochter:   "So sollt ihr mir sagen,             755
Wann ihr sie wollt besenden,   oder zu welchen Tagen
Die lieben Freunde sollen   kommen in die Land;
Die ihr dahin wollt senden,   die macht zuvor mir bekannt."

"Das will ich," sprach der Knig:   "dreiig aus meinem Lehn        756
La ich zu ihnen reiten."   Die hie er vor sich gehn:
Durch sie entbot er Mre   in Siegfriedens Land.
Da beschenkte sie Frau Brunhild   mit manchem reichen Gewand.

Der Knig sprach: "Ihr Recken   sollt von mir sagen                 757
Und nichts von dem verschweigen,   was ich euch aufgetragen,
Siegfried dem starken   und der Schwester mein,
Ihnen drf auf Erden   nimmer Jemand holder sein.

"Und bittet, da sie beide   uns kommen an den Rhein:               758
Dafr will ich und Brunhild   ihnen stts gewogen sein.
Vor dieser Sonnenwende   soll er hier Manchen sehn,
Er und seine Mannen,   die ihm Ehre laen geschehn.

"Vermeldet auch dem Knig   Siegmund die Dienste mein,              759
Da ich und meine Freunde   ihm stts gewogen sei'n.
Und bittet meine Schwester,   da sie's nicht unterlt
Und zu den Freunden reitet:   nie ziemt' ihr so ein Freudenfest."

Brunhild und Ute   und was man Frauen fand,                         760
Die entboten ihre Dienste   in Siegfriedens Land
Den minniglichen Frauen   und manchem khnen Mann.
Nach Wunsch des Knigs hoben   sich bald die Boten hindann.

Sie standen reisefertig;   ihr Ross und ihr Gewand                  761
War ihnen angekommen:   da rumten sie das Land.
Sie eilten zu dem Ziele,   dahin sie wollten fahren.
Der Knig hie die Boten   durch Geleite wohl bewahren.

Innerhalb zwlf Tagen   kamen sie in das Land,                      762
Zu Nibelungens Veste,   wohin man sie gesandt,
In der Mark zu Norweg   fanden sie den Degen:
Ross und Leute waren   mde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden   war eilends hinterbracht,               763
Da Ritter kommen waren,   die trgen solche Tracht,
Wie bei den Burgunden   man trug der Sitte nach.
Sie sprang von einem Bette,   darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster lie sie   eins ihrer Mgdlein gehn;               764
Die sah den khnen Gere   auf dem Hofe stehn,
Ihn und die Gefhrten,   die man dahin gesandt.
Ihr Herzeleid zu stillen,   wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem Knige:   "Seht ihr, wie sie stehn,               765
Die mit dem starken Gere   auf dem Hofe gehn,
Die uns mein Bruder Gunther   nieder schickt den Rhein."
Da sprach der starke Siegfried:   "Die sollen uns willkommen sein."

All ihr Ingesinde   lief hin, wo man sie sah.                       766
Jeder an seinem Theile   gtlich sprach er da
Das Beste, was er konnte,   zu den Boten hehr.
Ihres Kommens freute   der Knig Siegmund sich sehr.

Herbergen lie man Geren   und Die ihm unterthan                    767
Und ihrer Rosse warten.   Die Boten brachte man
Dahin, wo Herr Siegfried   bei Kriemhilden sa.
Sie sahn den Boten gerne   sicherlich ohne allen Ha.

Der Wirth mit seinem Weibe   erhob sich gleich zur Hand.            768
Wohl ward empfangen Gere   aus Burgundenland
Mit seinen Fahrtgenossen   in Knig Gunthers Lehn.
Den Markgrafen Gere   bat man nicht lnger zu stehn.

"Erlaubt uns die Botschaft,   eh wir uns setzen gehn;               769
Uns wegemde Gste,   lat uns so lange stehn,
So melden wir die Mre,   die euch zu wien thut
Gunther mit Brunhilden:   es geht ihnen beiden gut.

"Und was euch Frau Ute,   eure Mutter, her entbot,                  770
Geiselher der junge   und auch Herr Gernot
Und eure nchsten Freunde:   die haben uns gesandt
Und entbieten euch viele Dienste   aus der Burgunden Land."

"Lohn ihnen Gott," sprach Siegfried;   "ich versah zu ihnen wohl    771
Mich aller Lieb und Treue,   wie man zu Freunden soll.
So thut auch ihre Schwester;   ihr sollt uns ferner sagen,
Ob unsre lieben Freunde   hohen Muth daheim noch tragen.

"Hat ihnen, seit wir schieden,   Jemand ein Leid gethan             772
Meiner Fraue Brdern?   Das saget mir an.
Ich wollt es ihnen immer   mit Treue helfen tragen,
Bis ihre Widersacher   meine Dienste msten beklagen."

Antwort gab der Markgraf   Gere, ein Ritter gut:                    773
"Sie sind in allen Zchten   mit Freuden wohlgemuth.
Sie laden euch zum Rheine   zu einer Lustbarkeit
Sie shn euch gar gerne,   da ihr des auer Zweifel seid.

"Sie bitten meine Fraue   auch mit euch zu kommen.                  774
Wenn nun der Winter   ein Ende hat genommen,
Vor dieser Sonnenwende   da mchten sie euch sehn."
Da sprach der starke Siegfried:   "Das knnte schwerlich geschehn."

Da sprach wieder Gere   von Burgundenland:                          775
"Eure Mutter Ute   hat euch sehr gemahnt
Mit Gernot und Geiselher,   ihr sollt es nicht versagen.
Da ihr so ferne wohnet,   hr ich sie tglich beklagen.

"Brunhild meine Herrin   und ihre Mgdelein                         776
Freuen sich der Kunde,   und knnt es jemals sein,
Da sie euch wiedershen,   ihnen schuf es hohen Muth."
Da dauchten diese Mren   die schne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter:   der Wirth ihn sitzen hie;                   777
Den Gsten hie er schenken,   nicht lnger man das lie.
Da kam dazu auch Siegmund:   als der die Boten sah,
Freundlich sprach der Knig   zu den Burgunden da:

"Willkommen uns, ihr Recken   in Knig Gunthers Lehn.               778
Da sich Kriemhilden   zum Weibe hat ersehn
Mein Sohn Siegfried,   man sollt euch fter schaun
In diesem Lande, drften wir   bei euch auf Freundschaft vertraun.

Sie sprachen: Wenn er wolle,   sie wrden gerne kommen.             779
Ihnen ward mit Freuden   die Mdigkeit benommen.
Man hie die Boten sitzen;   Speise man ihnen trug:
Deren schuf da Siegfried   den lieben Gsten genug.

Sie musten da verweilen   volle neun Tage.                          780
Darob erhoben endlich   die schnellen Ritter Klage,
Da sie nicht wieder reiten   durften in ihr Land.
Da hatt auch Knig Siegfried   zu seinen Freunden gesandt:

Er fragte, was sie riethen:   er solle nach dem Rhein.              781
"Es lie mich entbieten   Gunther der Schwager mein,
Er und seine Brder,   zu einer Lustbarkeit:
Ich mcht ihm gerne kommen,   liegt gleich sein Land mir so weit.

"Sie bitten Kriemhilden,   mit mir zu ziehn.                        782
Nun rathet, liebe Freunde,   wie kommen wir dahin?
Und sollt ich Heerfahrten   durch dreiig Herren Land,
Gern dienstbereit erwiese   sich ihnen Siegfriedens Hand."

Da sprachen seine Recken:   "Steht euch zur Fahrt der Muth          783
Nach dem Hofgelage,   wir rathen, was ihr thut:
Ihr sollt mit tausend Recken   reiten an den Rhein:
So mgt ihr wohl mit Ehren   bei den Burgunden sein."

Da sprach von Niederlanden   der Knig Siegmund:                    784
"Wollt ihr zum Hofgelage,   was thut ihr mirs nicht kund?
Ich will mit euch reiten,   wenn ihrs zufrieden seid;
Hundert Degen fhr ich,   damit mehr ich eur Geleit."

"Wollt ihr mit uns reiten,   lieber Vater mein,"                    785
Sprach der khne Siegfried,   "des will ich frhlich sein.
Binnen zwlf Tagen   rum ich unser Land."
Die sie begleiten sollten,   denen gab man Ross' und Gewand.

Als dem edeln Knig   zur Reise stand der Muth,                     786
Da lie man wieder reiten   die schnellen Degen gut.
Seiner Frauen Brdern   entbot er an den Rhein,
Da er gerne wolle   bei ihrem Hofgelage sein.

Siegfried und Kriemhild,   so hrten wir sagen,                     787
Beschenkten so die Boten,   es mochten es nicht tragen
Die Pferde nach der Heimat:   er war ein reicher Mann.
Ihre starken Sumer   trieb man zur Reise frhlich an.

Da schuf dem Volke Kleider   Siegfried und Siegemund.               788
Eckewart der Markgraf   lie da gleich zur Stund
Frauenkleider suchen,   die besten, die man fand
Und irgend mocht erwerben   in Siegfriedens ganzem Land.

Die Sttel und die Schilde   man da bereiten lie.                  789
Den Rittern und den Frauen,   die er sich folgen hie,
Gab man, was sie wollten;   nichts gebrach daran.
Er brachte seinen Freunden   manchen herrlichen Mann.

Nun wandten sich die Boten   zurck und eilten sehr.                790
Da kam zu den Burgunden   Gere, der Degen hehr,
Und wurde schn empfangen:   sie schwangen sich zu Thal
Von Rossen und von Mhren   dort vor Knig Gunthers Saal.

Die Jungen und die Alten   kamen, wie man thut,                     791
Und fragten nach der Mre.   Da sprach der Ritter gut:
"Wenn ichs dem Knig sage,   wird es auch euch bekannt."
Er gieng mit den Gesellen   dahin, wo er Gunthern fand.

Der Knig vor Freude   von dem Seel sprang;                        792
Da sie so bald gekommen,   sagt' ihnen Dank
Brunhild die Schne.   Zu den Boten sprach er da:
"Wie gehabt sich Siegfried,   von dem mir Liebe viel geschah?"

Da sprach der khne Gere:   "Er ward vor Freuden roth,              793
Er und eure Schwester.   So holde Mr entbot
Seinen Freunden nimmer   noch zuvor ein Mann,
Als euch der edle Siegfried   und sein Vater hat gethan."

Da sprach zum Markgrafen   des reichen Knigs Weib:                 794
"Nun sagt mir, kommt uns Kriemhild?   Hat noch ihr schner Leib
Die hohe Zier behalten,   deren sie mochte pflegen?"
Er sprach: "Sie kommen beide;   mit ihnen mancher khne Degen."

Ute lie die Boten   alsbald vor sich gehn.                         795
Da wars an ihrem Fragen   leichtlich zu verstehn,
Was sie zu wien wnsche:   "War Kriemhild noch wohlauf?"
Er gab Bescheid, sie kam auch   nach kurzer Tage Verlauf.

Da blieb auch nicht verhohlen   am Hof der Botensold,               796
Den ihnen Siegfried schenkte,   die Kleider und das Gold:
Die lie man alle schaun   in der drei Frsten Lehn.
Da musten sie ihm Ehre   wohl fr Milde zugestehn.

"Er mag," sprach da Hagen,   "mit vollen Hnden geben:              797
Er knnt es nicht verschwenden,   und sollt er ewig leben.
Den Hort der Nibelungen   beschliet des Knigs Hand;
Hei! da er jemals kme   her in der Burgunden Land!"

Da freuten sich die Degen   am Hof im Voraus,                       798
Da sie kommen sollten.   Beflien beraus
Sah man spt und frhe   Die in der Knge Lehn.
Welch herrlich Gesthle   lie man vor der Burg erstehn!

Hunold der khne   und Sindold der Degen                            799
Hatten wenig Mue:   des Amtes muste pflegen
Truchse auch und Schenke   und richten manche Bank;
Auch Ortwein war behlflich:   des sagt' ihnen Gunther Dank.

Rumold der Kchenmeister,   wie herrscht' er in der Zeit            800
Ob seinen Unterthanen,   gar manchem Keel weit,
Hfen und Pfannen;   hei! was man deren fand!
Denen ward da Kost bereitet,   die da kamen in das Land.

Der Frauen Arbeiten   waren auch nicht klein:                       801
Sie bereiteten die Kleider,   darauf manch edler Stein,
Des Stralen ferne glnzten,   gewirkt war in das Gold;
Wenn sie die anlegten,   ward ihnen Mnniglich hold.

       *       *       *       *       *




Dreizehntes Abenteuer.

Wie sie zum Hofgelage fuhren.


All ihr Bemhen   laen wir nun sein                                802
Und sagen, wie Frau Kriemhild   und ihre Mgdelein
Hin zum Rheine fuhren   von Nibelungenland.
Niemals trugen Rosse   so viel herrlich Gewand.

Viel Saumschreine wurden   versendet auf den Wegen.                 803
Da ritt mit seinen Freunden   Siegfried der Degen
Und die Knigstochter   in hoher Freuden Wahn;
Da war es ihnen Allen   zu groem Leide gethan.

Sie lieen in der Heimat   Siegfrieds Kindelein                     804
Und Kriemhildens bleiben;   das muste wohl so sein.
Aus ihrer Hofreise   erwuchs ihm viel Beschwer:
Seinen Vater, seine Mutter   ersah das Kindlein nimmermehr.

Mit ihnen ritt von dannen   Siegmund der Knig hehr.                805
Htt er ahnen knnen,   wie es ihm nachher
Beim Hofgelag ergienge,   er htt es nicht gesehn:
Ihm konnt an lieben Freunden   grer Leid nicht geschehn.

Vorausgesandte Boten   verhieen sie bei Zeit.                      806
Entgegen ritten ihnen   in herrlichem Geleit
Von Utens Freunden viele   und Knig Gunthers Lehn.
Der Wirth lie groen Eifer   fr die lieben Gste sehn.

Er gieng zu Brunhilden,   wo er sie sitzen fand:                    807
"Wie empfieng euch meine Schwester,  da ihr kamet in die Land?
So will ich, da ihr Siegfrieds   Gemahl empfangen sollt."
"Das thu ich", sprach sie, "gerne:  ich bin ihr billiglich hold."

Da sprach der mchtige Knig:   "Sie kommen morgen fruh;            808
Wollt ihr sie empfangen,   so greift nur bald dazu,
Da sie uns in der Veste   nicht berraschen hie:
Mir sind so liebe Gste   nicht oft gekommen wie sie."

Ihre Mgdelein und Frauen   lie sie da zur Hand                    809
Gute Kleider suchen,   die besten, die man fand,
Die ihr Ingesinde   vor Gsten mochte tragen.
Das thaten sie doch gerne:   das mag man fr Wahrheit sagen.

Sie zu empfangen eilten   auch Die in Gunthers Lehn;                810
All seine Recken   hie er mit sich gehn.
Da ritt die Knigstochter   hinweg in stolzem Zug.
Die lieben Gste grte   sie alle freudig genug.

Mit wie hohen Ehren   da empfieng man sie!                          811
Sie dauchte, da Frau Kriemhild   Brunhilden nie
So wohl empfangen habe   in Burgundenland.
Allen, die es sahen,   war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen   mit seiner Leute Heer.              812
Da sah man die Helden   sich wenden hin und her
Im Feld allenthalben   mit ungezhlten Scharen.
Vor Staub und Drngen konnte   sich da Niemand bewahren.

Als der Wirth des Landes   Siegfrieden sah                          813
Und Siegmund den Knig,   wie gtlich sprach er da:
"Nun seid mir hochwillkommen   und all den Freunden mein;
Wir wollen hohen Muthes   ob eurer Hofreise sein."

"Nun lohn euch Gott," sprach Siegmund,   der ehrbegierge Mann.      814
"Seit mein Sohn Siegfried   euch zum Freund gewann,
Rieth mir all mein Sinnen,   wie ich euch mchte sehn."
Da sprach Knig Gunther:   "Nun freut mich, da es geschehn."

Siegfried ward empfangen,   wie man das wohl gesollt,               815
Mit viel groen Ehren;   ein Jeder ward ihm hold.
Des half mit Rittersitten   Gernot und Geiselher;
Man bot es lieben Gsten   so gtlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander   die Kniginnen schaun.                  816
Da sah man Sttel leeren   und viel der schnen Fraun
Von der Helden Hnden   gehoben auf das Gras:
Wer gerne Frauen diente,   wie selten der da mig sa!

Da giengen zu einander   die Frauen minniglich.                     817
Darber hchlich freuten   viel der Ritter sich,
Da der Beiden Gren   so minniglich ergieng.
Man sah da manchen Recken,   der Frauendienste begieng.

Das herrliche Gesinde   nahm sich bei der Hand;                     818
Zchtiglich sich neigen   man allerorten fand
Und minniglich sich kssen   viel Frauen wohlgethan.
Das sahen gerne Gunthers und   Siegfrieds Mannen mit an.

Sie sumten da nicht lnger   und ritten nach der Stadt.            819
Der Wirth seinen Gsten   zu erweisen hat,
Da man sie gerne she   in der Burgunden Land.
Manches schne Kampfspiel   man vor den Jungfrauen fand.

Da lie von Tronje Hagen   und auch Ortewein,                       820
Wie sie gewaltig waren,   wohl offenkundig sein.
Was sie gebieten mochten,   das ward alsbald gethan.
Man sah die lieben Gste   viel Dienst von ihnen empfahn.

Man hrte Schilde hallen   vor der Veste Thor                       821
Von Stichen und von Sten.   Lange hielt davor
Der Wirth mit seinen Gsten,   bis alle waren drin,
In mancher Kurzweil giengen   ihnen schnell die Stunden hin.

Vor den weiten Gstesaal   sie nun in Freuden ritten.               822
Viel kunstvolle Decken,   reich und wohlgeschnitten,
Sah man von den Stteln   den Frauen wohlgethan
Allenthalben hangen;   da kamen Diener heran.

Zu Gemache wiesen   sie die Gste da.                               823
Hin und wieder blicken   man Brunhilden sah
Nach Kriemhild der Frauen;   schn war sie genug:
Den Glanz noch vor dem Golde   ihre hehre Farbe trug.

Da vernahm man allenthalben   zu Worms in der Stadt                 824
Den Jubel des Gesindes.   Knig Gunther bat
Dankwart, seinen Marschall,   es wohl zu verpflegen:
Da lie er die Gste   in gute Herbergen legen.

Drauen und darinnen   bekstigte man sie:                          825
So wohl gewartet wurde   fremder Gste nie.
Was Einer wnschen mochte,   das war ihm gern gewhrt:
So reich war der Knig,   es blieb Keinem was verwehrt.

Man dient' ihnen freundlich   und ohn allen Ha.                    826
Der Knig zu Tische   mit seinen Gsten sa;
Siegfrieden lie man sitzen,   wie er sonst gethan.
Mit ihm gieng zu Tische   gar mancher waidliche Mann.

Zwlfhundert Recken   setzten sich dahin                            827
Mit ihm an der Tafel.   Brunhild die Knigin
Gedachte, wie ein Dienstmann   nicht reicher mge sein.
Noch war sie ihm gnstig,   sie lie ihn gerne gedeihn.

Es war an einem Abend,   da so der Knig sa,                       828
Viel reiche Kleider wurden   da vom Weine na,
Als die Schenken sollten   zu den Tischen gehn:
Da sah man volle Dienste   mit groem Fleie geschehn.

Wie bei Hofgelagen   Sitte mochte sein,                             829
Lie man zur Ruh geleiten   Fraun und Mgdelein.
Von wannen wer gekommen,   der Wirth ihm Sorge trug;
In gtlichen Ehren   gab man Allen genug.

Die Nacht war zu Ende,   sich hob des Tages Schein,                 830
Aus den Saumschreinen   mancher Edelstein
Erglnzt' auf gutem Kleide;   das schuf der Frauen Hand.
Aus der Lade suchten sie   manches herrliche Gewand.

Eh es noch vllig tagte,   kamen vor den Saal                       831
Ritter viel und Knechte:   da hob sich wieder Schall
Vor einer Frhmesse,   die man dem Knig sang.
So ritten junge Helden,   der Knig sagt' ihnen Dank.

Da klangen die Posaunen   von manchem krftgen Sto;                832
Von Flten und Drommeten   ward der Schall so gro,
Worms die weite Veste   gab lauten Widerhall.
Auf die Rosse sprangen   die khnen Helden berall.

Da hob sich in dem Lande   ein hohes Ritterspiel                    833
Von manchem guten Recken:   man fand ihrer viel,
Deren junge Herzen   fllte froher Muth.
Unter Schilden sah man   manchen zieren Ritter gut.

Da lieen in den Fenstern   die herrlichen Fraun                    834
Und viel der schnen Maide   sich im Schmucke schaun.
Sie sahen kurzweilen   manchen khnen Mann:
Der Wirth mit seinen Freunden   zu reiten selber begann.

So vertrieben sie die Weile,   die dauchte sie nicht lang.          835
Da lud zu dem Dome   mancher Glocke Klang:
Den Frauen kamen Rosse,   da ritten sie hindann;
Den edeln Kniginnen   folgte mancher khne Mann.

Sie stiegen vor dem Mnster   nieder auf das Gras.                  836
Noch hegte zu den Gsten   Brunhild keinen Ha.
Sie giengen unter Krone   in das Mnster weit.
Bald schied sich diese Liebe:   das wirkte grimmiger Neid.

Als die Messe war gesungen,   sah man sie weiter ziehn              837
Unter hohen Ehren.   Sie giengen heiter hin
Zu des Knigs Tischen.   Ihre Freude nicht erlag
Bei diesen Lustbarkeiten   bis gegen den eilften Tag.

Die Knigin gedachte:   "Ich wills nicht lnger tragen.             838
Wie ich es fgen mge,   Kriemhild mu mir sagen,
Warum uns so lange   den Zins versa ihr Mann:
Der ist doch unser Eigen:   der Frag ich nicht entrathen kann."

So harrte sie der Stunde,   bis es der Teufel rieth,                839
Da sie das Hofgelage   und die Lust mit Leide schied.
Was ihr lag am Herzen,   zu Lichte must es kommen:
Drum ward in manchen Landen   durch sie viel Jammer vernommen.

       *       *       *       *       *




Vierzehntes Abenteuer.

Wie die Kniginnen sich schalten.


Es war vor einer Vesper,   als man den Schall vernahm,              840
Der von manchem Recken   auf dem Hofe kam:
Sie stellten Ritterspiele   der Kurzweil willen an.
Da eilten es zu schauen   Frauen viel und mancher Mann.

Da saen beisammen   die Kniginnen reich                           841
Und gedachten zweier Recken,   die waren ohne Gleich.
Da sprach die schne Kriemhild:   "Ich hab einen Mann,
Dem wren diese Reiche   alle billig unterthan."

Da sprach zu ihr Frau Brunhild:   "Wie knnte das wohl sein?        842
Wenn Anders Niemand lebte   als du und er allein,
So mchten ihm die Reiche   wohl zu Gebote stehn:
So lange Gunther lebte,   so knnt es nimmer geschehn."

Da sprach Kriemhild wieder:   "Siehst du, wie er steht,             843
Wie er da so herrlich   vor allen Recken geht,
Wie der lichte Vollmond   vor den Sternen thut!
Darob mag ich wohl immer   tragen frhlichen Muth."

Da sprach wieder Brunhild:   "Wie waidlich sei dein Mann,           844
Wie schn und wie bieder,   so steht ihm doch voran
Gunther der Recke,   der edle Bruder dein:
mu vor allen Knigen,   das wie du wahrlich, sein."

Da sprach Kriemhild wieder:   "So werth ist mein Mann,              845
Da er ohne Grund nicht   solch Lob von mir gewann.
An gar manchen Dingen   ist seine Ehre gro.
Glaubst du das, Brunhild?   er ist wohl Gunthers Geno!"

"Das sollst du mir, Kriemhild,   im Argen nicht verstehn;           846
Es ist auch meine Rede   nicht ohne Grund geschehn.
Ich hrt' es Beide sagen,   als ich zuerst sie sah,
Und als des Knigs Willen   in meinen Spielen geschah.

"Und da er meine Minne   so ritterlich gewann,                      847
Da sagt' es Siegfried selber,   er sei des Knigs Mann:
Drum halt ich ihn fr eigen:   ich hrt' es ihn gestehn."
Da sprach die schne Kriemhild:   "So wr mir bel geschehn.

"Wie htten so geworben   die edeln Brder mein,                    848
Da ich des Eigenmannes   Gemahl sollte sein?
Darum will ich, Brunhild,   gar freundlich dich bitten,
La mir zu Lieb die Rede   hinfort mit gtlichen Sitten."

Die Knigin versetzte:   "Sie laen mag ich nicht:                  849
Wie tht ich auf so manchen   Ritter wohl Verzicht,
Der uns mit dem Degen   zu Dienst ist unterthan?"
Kriemhild die Schne   hub da sehr zu zrnen an.

"Dem must du wohl entsagen,   da er in der Welt                    850
Dir irgend Dienste leiste.   Werther ist der Held
Als mein Bruder Gunther,   der Degen unverzagt.
Erla mich der Dinge,   die du mir jetzo gesagt.

"Auch mu mich immer wundern,   wenn er dein Dienstmann ist         851
Und du ob uns Beiden   So gewaltig bist,
Warum er dir so lange   den Zins verseen hat;
Deines Uebermuthes   wr ich billig nun satt."

"Du willst dich berheben,"   sprach da die Knigin.                852
"Wohlan, ich will doch schauen,   ob man dich frderhin
So hoch in Ehren halte,   als man mich selber thut."
Die Frauen waren beide   in sehr zornigem Muth.

Da sprach wieder Kriemhild:   "Das wird dir wohl bekannt:           853
Da du meinen Siegfried   dein eigen hast genannt,
So sollen heut die Degen   der beiden Knge sehen,
Ob ich vor der Knigin   wohl zur Kirche drfe gehn.

"Ich lae dich wohl schauen,   da ich edel bin und frei,           854
Und da mein Mann viel werther   als der deine sei.
Ich will damit auch selber   nicht bescholten sein:
Du sollst noch heute sehen,   wie die Eigenholde dein

"Zu Hof geht vor den Helden   in Burgundenland.                     855
Ich will hher gelten,   als man je gekannt
Eine Knigstochter,   die noch die Krone trug."
Unter den Frauen hob sich   der Ha da grimm genug.

Da sprach Brunhild wieder:   "Willst du nicht eigen sein,           856
So must du dich scheiden   mit den Frauen dein
Von meinem Ingesinde,   wenn wir zum Mnster gehn."
"In Treuen," sprach da Kriemhild,   "also soll es geschehn."

"Nun kleidet euch, ihr Maide,"   hub da Kriemhild an:               857
"Ob ich frei von Schande   hier nicht verbleiben kann,
Lat es heute schauen,   besitzt ihr reichen Staat;
Sie soll es noch verlugnen,   was ihr Mund gesprochen hat."

Ihnen war das leicht zu rathen;   sie suchten reich Gewand.         858
Wie bald man da im Schmucke   viel Fraun und Maide fand!
Da gieng mit dem Gesinde   des edeln Wirths Gemahl;
Zu Wunsch gekleidet ward auch   die schne Kriemhild zumal

Mit dreiundvierzig Maiden,   die sie zum Rhein gebracht;            859
Die trugen lichte Zeuge,   in Arabien gemacht.
So kamen zu dem Mnster   die Mgdlein wohlgethan.
Ihrer harrten vor dem Hause   Die Siegfrieden unterthan.

Die Leute nahm es Wunder,   warum das geschah,                      860
Da man die Kniginnen   so geschieden sah,
Und da sie bei einander   nicht giengen so wie eh.
Das gerieth noch manchem Degen   zu Sorgen und groem Weh.

Nun stand vor dem Mnster   Knig Gunthers Weib.                    861
Da fanden viel der Ritter   genehmen Zeitvertreib
Bei den schnen Frauen,   die sie da nahmen wahr.
Da kam die edle Kriemhild   mit mancher herrlichen Schar.

Was Kleider je getragen   eines edeln Ritters Kind,                 862
Gegen ihr Gesinde   war alles nur wie Wind.
Sie war so reich an Gute,   dreiig Knigsfraun
Mochten die Pracht nicht zeigen,   die da an ihr war zu schaun.

Was man auch wnschen mochte,   Niemand konnte sagen,               863
Da er so reiche Kleider   je gesehen tragen,
Als da zur Stunde trugen   ihre Mgdlein wohlgethan.
Brunhilden wars zu Leide,   sonst htt es Kriemhild nicht gethan.

Nun kamen sie zusammen   vor dem Mnster weit.                      864
Die Hausfrau des Knigs   aus ingrimmem Neid
Hie da Kriemhilden   unwirsch stille stehn:
"Es soll vor Knigsweibe   die Eigenholde nicht gehn."

Da sprach die schne Kriemhild,   zornig war ihr Muth:              865
"Httest du noch geschwiegen,   das wr dir wohl gut.
Du hast geschndet selber   deinen schnen Leib:
Mocht eines Mannes Kebse   je werden Knigesweib?"

"Wen willst du hier verkebsen?"   sprach des Knigs Weib.           866
"Das thu ich dich," sprach Kriemhild:   "deinen schnen Leib
Hat Siegfried erst geminnet,   mein geliebter Mann:
Wohl war es nicht mein Bruder,   der dein Magdthum gewann.

"Wo blieben deine Sinne?   Es war doch arge List:                   867
Was lieest du ihn minnen,   wenn er dein Dienstmann ist?
Ich hre dich," sprach Kriemhild,   "ohn alle Ursach klagen."
"In Wahrheit," sprach da Brunhild,  "das will ich doch Gunthern sagen."

"Wie mag mich das gefhrden?   Dein Uebermuth hat dich betrogen:    868
Du hast mich mit Reden   in deine Dienste gezogen,
Da wie du in Treuen,   es ist mir immer leid:
Zu trauter Freundschaft bin ich   dir nimmer wieder bereit."

Brunhild begann zu weinen;   Kriemhild es nicht verhieng,           869
Vor des Knigs Weibe   sie in das Mnster gieng
Mit ihrem Ingesinde.   Da hub sich groer Ha;
Es wurden lichte Augen   sehr getrbt davon und na.

Wie man da Gott auch diente   oder Jemand sang,                     870
Brunhilden whrte   die Weile viel zu lang.
War allzutrbe   der Sinn und auch der Muth:
Des muste bald entgelten   mancher Degen khn und gut.

Brunhild mit ihren Frauen   gieng vor das Mnster stehn.            871
Sie gedachte: "Ich mu von Kriemhild   mehr zu hren sehn,
Wes mich so laut hier zeihte   das wortscharfe Weib:
Und wenn er sichs gerhmt hat,  gehts ihm an Leben und Leib!"

Nun kam die edle Kriemhild   mit manchem khnen Mann.               872
Da begann Frau Brunhild:   "Haltet hier noch an.
Ihr wolltet mich verkebsen:   lat uns Beweise sehn,
Mir ist von euern Reden,   das wiet, bel geschehn."

Da sprach die schne Kriemhild:   "Was lat ihr mich nicht gehn?    873
Ich bezeug es mit dem Golde,   an meiner Hand zu sehn.
Das brachte mir Siegfried,   nachdem er bei euch lag."
Nie erlebte Brunhild   wohl einen leidigen Tag.

Sie sprach: "Die Gold das edle,   das ward mir gestohlen           874
Und blieb mir lange   Jahre bel verhohlen:
Ich komme nun dahinter,   wer mir es hat genommen."
Die Frauen waren beide   in groen Unmuth gekommen.

Da sprach wieder Kriemhild:   "Ich will nicht sein der Dieb.        875
Du httest schweigen sollen,   wr dir Ehre lieb.
Ich bezeug es mit dem Grtel,   den ich umgethan,
Ich habe nicht gelogen:   wohl wurde Siegfried dein Mann."

Von Niniveer Seide   sie eine Borte trug                            876
Mit edelm Gesteine,   die war wohl schn genug.
Als Brunhild sie erblickte,   zu weinen hub sie an.
Das muste Gunther wien   und alle Die ihm unterthan.

Da sprach des Landes Knigin:   "Sendet her zu mir                  877
Den Knig vom Rheine:   hren soll er hier,
Wie sehr seine Schwester   schndet meinen Leib:
Sie sagt vor allen Leuten,   ich sei Siegfriedens Weib."

Der Knig kam mit Recken:   als er weinen sah                       878
Brunhild seine Traute,   gtlich sprach er da:
"Von wem, liebe Fraue,   ist euch ein Leid geschehn?"
Sie sprach zu dem Knig:   "Unfrhlich mu ich hier stehn.

Aller meiner Ehren   hat die Schwester dein                         879
Mich berauben wollen.   Geklagt soll dir sein,
Sie sagt: ich sei die Kebse   von Siegfried ihrem Mann."
Da sprach Knig Gunther:   "So hat sie bel gethan."

"Sie trgt hier meinen Grtel,   den ich lngst verloren,           880
Und mein Gold das rothe.   Da ich je ward geboren,
Des mu mich sehr gereuen:   befreist du, Herr, mich nicht
Solcher groen Schande,   ich minne nie wieder dich."

Da sprach Knig Gunther:   "So ruft ihn herbei:                     881
Hat er sichs gerhmet,   das gesteh er frei,
Er woll es denn lugnen,   der Held von Niederland."
Da ward der khne Siegfried   bald hin zu ihnen gesandt.

Als Siegfried der Degen   die Unmuthvollen sah                      882
Und den Grund nicht wuste,   balde sprach er da:
"Was weinen diese Frauen?   das macht mir bekannt:
Oder wessentwegen   wurde hier nach mir gesandt"

Da sprach Knig Gunther:   "Gro Herzleid fand ich hier.            883
Eine Mre sagte   mein Weib Frau Brunhild mir:
Du habest dich gerhmet,   du wrst ihr erster Mann.
So spricht dein Weib Frau Kriemhild:   hast du, Degen, das gethan?"

"Niemals," sprach da Siegfried;   "und hat sie das gesagt,          884
Nicht eher will ich ruhen,   bis sie es beklagt,
Und will davon mich reinigen   vor deinem ganzen Heer
Mit meinen hohen Eiden,   ich sagte Solches nimmermehr."

Da sprach der Frst vom Rheine:   "Wohlan, das zeige mir.           885
Der Eid, den du geboten,   geschieht der allhier,
Aller falschen Dinge   la ich dich ledig gehn."
Man lie in einem Ringe   die stolzen Burgunden stehn.

Da bot der khne Siegfried   zum Eide hin die Hand.                 886
Da sprach der reiche Knig:   "Jetzt hab ich wohl erkannt,
Ihr seid hieran unschuldig   und sollt des ledig gehn:
Des euch Kriemhild zeihte,   das ist nicht von euch geschehn."

Da sprach wieder Siegfried:   "Und kommt es ihr zu Gut,             887
Da deinem schnen Weibe   sie so betrbt den Muth,
Das wre mir wahrlich   aus der Maen leid."
Da blickten zu einander   die Ritter khn und allbereit.

"Man soll so Frauen ziehen,"   sprach Siegfried der Degen,          888
"Da sie ppge Reden   laen unterwegen;
Verbiet es deinem Weibe,   ich will es meinem thun.
Solchen Uebermuthes   in Wahrheit schm ich mich nun."

Viel schne Frauen wurden   durch Reden schon entzweit.             889
Da erzeigte Brunhild   solche Traurigkeit,
Da es erbarmen muste   Die in Gunthers Lehn.
Von Tronje Hagen sah man   zu der Knigin gehn.

Er fragte, was ihr wre,   da er sie weinend fand.                  890
Sie sagt' ihm die Mre.   Er gelobt' ihr gleich zur Hand,
Da es ben sollte   der Kriemhilde Mann,
Oder man treff ihn nimmer   unter Frhlichen an.

Ueber die Rede kamen   Ortwein und Gernot,                          891
Allda die Helden riethen   zu Siegfriedens Tod.
Dazu kam auch Geiselher,   der schnen Ute Kind;
Als er die Rede hrte,   sprach der Getreue geschwind:

"O weh, ihr guten Knechte,   warum thut ihr das?                    892
Siegfried verdiente   ja niemals solchen Ha,
Da er darum verlieren   Leben sollt und Leib:
Auch sind es viel Dinge,   um die wohl zrnet ein Weib."

"Sollen wir Guche ziehen?"   sprach Hagen entgegen:                893
"Das brchte wenig Ehre   solchen guten Degen.
Da er sich rhmen durfte   der lieben Frauen mein,
Ich will des Todes sterben   oder es mu gerochen sein."

Da sprach der Knig selber:   "Er hat uns nichts gethan             894
Als Liebes und Gutes:   leb er denn fortan.
Was sollt ich dem Recken   hegen solchen Ha?
Er bewies uns immer Treue,   gar williglich that er das."

Da begann der Degen   von Metz Herr Ortewein:                       895
"Wohl kann ihm nicht mehr helfen   die groe Strke sein.
Will es mein Herr erlauben,   ich thu ihm alles Leid."
Da waren ihm die Helden   ohne Grund zu schaden bereit.

Dem folgte doch Niemand,   auer da Hagen                          896
Alle Tage pflegte   zu Gunthern zu sagen:
Wenn Siegfried nicht mehr lebte,   ihm wrden unterthan
Manches Knigs Lande.   Da hub der Held zu trauern an.

Man lie es bewenden   und gieng dem Kampfspiel nach.               897
Hei! was man starker Schfte   vor dem Mnster brach
Vor Siegfriedens Weibe   bis hinan zum Saal!
Mit Unmuth sah es Mancher,   dem Knig Gunther befahl.

Der Knig sprach: "Lat fahren   den mordlichen Zorn.               898
Er ist uns zu Ehren   und zum Heil geborn;
Auch ist so grimmer Strke   der wunderkhne Mann,
Wenn ers inne wrde,   so drfte Niemand ihm nahn."

"Nicht doch," sprach da Hagen,   "da drft ihr ruhig sein:          899
Wir leiten in der Stille   alles sorglich ein.
Brunhildens Weinen   soll ihm werden leid.
Immer sei ihm Hagen   zu Ha und Schaden bereit."

Da sprach der Knig Gunther:   "Wie mcht es geschehn?"             900
Zur Antwort gab ihm Hagen:   "Das sollt ihr bald verstehn:
Wir laen Boten reiten   her in dieses Land,
Uns offnen Krieg zu knden,   die hier Niemand sind bekannt.

"Dann sagt ihr vor den Gsten,   ihr wollt mit euerm Lehn           901
Euch zur Heerfahrt rsten.   Sieht er das geschehn,
So verspricht er euch zu helfen;   dann gehts ihm an den Leib,
Erfahr ich nur die Mre   von des khnen Recken Weib."

Der Knig folgte leider   seines Dienstmanns Rath.                  902
So huben an zu sinnen   auf Untreu und Verrath,
Eh es wer erkannte,   die Ritter auserkoren:
Durch zweier Frauen Zanken   gieng da mancher Held verloren.

       *       *       *       *       *




Fnfzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried verrathen ward.


Man sah am vierten Morgen   zweiunddreiig Mann                     903
Hin zu Hofe reiten:   da ward es kund gethan
Gunther dem reichen,   es droh ihm neuer Streit.
Die Lge schuf den Frauen   das allergreste Leid.

Sie gewannen Urlaub,   an den Hof zu gehn.                          904
Da sagten sie, sie stnden   in Ldegers Lehn,
Den einst bezwungen hatte   Siegfriedens Hand
Und ihn als Geisel brachte   Knig Gunthern in das Land.

Die Boten grte Gunther   und hie sie sitzen gehn.                905
Einer sprach darunter:   "Herr Knig, lat uns stehn,
Da wir die Mren sagen,   die euch entboten sind.
Wohl habt ihr zu Feinden,   das wit, mancher Mutter Kind.

"Euch wiedersagen Ldegast   und Knig Ldeger:                     906
Denen schuft ihr weiland   grimmige Beschwer;
Nun wollen sie mit Heereskraft   reiten in die Land."
Gunther begann zu zrnen,   als wr es ihm unbekannt.

Man lie die falschen Boten   zu den Herbergen gehn.                907
Wie mochte da Siegfried   der Tcke sich versehn,
Er oder anders Jemand,   die man so listig spann?
Doch war es ihnen selber   zu groem Leide gethan.

Der Knig mit den Freunden   gieng raunend ab und zu:               908
Hagen von Tronje   lie ihm keine Ruh,
Noch wollt es Mancher wenden   in des Knigs Lehn;
Doch nicht vermocht er Hagen   von seinen Rthen abzustehn.

Eines Tages Siegfried   die Degen raunend fand.                     909
Da begann zu fragen   der Held der Niederland:
"Wie traurig geht der Knig   und Die ihm unterthan?
Das helf ich immer rchen,   hat ihnen wer ein Leid gethan."

Da sprach Knig Gunther:   "Wohl hab ich Herzeleid:                 910
Ldegast und Ldeger   drohn mir wieder Streit.
Mit Heerfahrten wollen sie   reiten in mein Land."
Da sprach der khne Degen:   "Dem soll Siegfriedens Hand

"Nach allen euern Ehren   mit Krften widerstehn;                   911
Von mir geschieht den Degen,   was ihnen einst geschehn.
Ihre Burgen leg ich wste   und dazu ihr Land,
Eh ich ablae:   des sei mein Haupt euer Pfand.

"Ihr mit euern Mannen   nehmt der Heimat wahr;                      912
Lat mich zu ihnen reiten   mit meiner Leute Schar.
Da ich euch gerne diene,   la ich euch wohl sehn:
Von mir soll euern Feinden,   das wiet, bel geschehn."

"Nun wohl mir dieser Mre,"   der Knig sprach da so,               913
Als wr er seiner Hlfe   alles Ernstes froh.
Tief neigte sich in Falschheit   der ungetreue Mann.
Da sprach der edle Siegfried:   "Lat euch keine Sorge nahn."

Sie schickten mit den Knechten   zu der Fahrt sich an:              914
Siegfrieden und den Seinen   ward es zum Schein gethan.
Da hie er sich rsten   Die von Niederland:
Siegfriedens Recken   suchten ihr Streitgewand.

Da sprach der starke Siegfried:   "Mein Vater Siegmund,             915
Bleibt ihr hier im Lande:   wir kehren bald gesund,
Will Gott uns Glck verleihen,   wieder an den Rhein.
Ihr sollt bei dem Knig   unterdessen frhlich sein."

Da wollten sie von dannen:   die Fhnlein band man an.              916
Umher standen Viele,   die Gunthern unterthan
Und hatten nicht erfahren,   wie es damit bewandt.
Gro Heergesinde war es,   das da bei Siegfrieden stand.

Die Panzer und die Helme   man auf die Rosse lud;                   917
Aus dem Lande wollten   viel starke Recken gut.
Da gieng von Tronje Hagen   hin, wo er Kriemhild fand;
Er bat sie um Urlaub:   sie wollten rumen das Land.

"Nun wohl mir," sprach Kriemhild,   "da ich den Mann gewann."      918
Der meine lieben Freunde   so wohl beschtzen kann,
Wie hier mein Herr Siegfried   an meinen Brdern thut:
Darum trag ich," sprach die Knigin,   "immer frhlichen Muth.

"Lieber Freund Hagen,   nun hoff ich, ihr gedenkt,                  919
Da ich euch gerne diene;   ich hab euch nie gekrnkt.
Das komme mir zu Gute   an meinem lieben Mann:
Lat es ihn nicht entgelten,   was ich Brunhilden gethan.

"Des hat mich schon gereuet,"   sprach das edle Weib,               920
"Auch hat er so zerbleuet   zur Strafe mir den Leib,
Da ich je beschwerte   mit Reden ihr den Muth,
Er hat es wohl gerochen,   dieser Degen khn und gut."

Da sprach er: "Ihr vershnt euch   wohl nach wenig Tagen.           921
Kriemhild, liebe Herrin,   nun sollt ihr mir sagen,
Wie ich euch dienen mge   an Siegfried euerm Herrn.
Ich gnn es niemand beer   und thu es, Knigin, gern."

"Ich wr ohn alle Sorge,"   sprach da das edle Weib,                922
"Da man ihm im Kampfe   Leben nhm und Leib,
Wenn er nicht folgen wollte   seinem Uebermuth;
So wr immer sicher   dieser Degen khn und gut."

"Frchtet ihr, Herrin,"   Hagen da begann,                          923
"Da er verwundet werde,   so vertraut mir an,
Wie soll ichs beginnen,   dem zu widerstehn?
Ihn zu schirmen will ich immer   bei ihm reiten und gehn."

Sie sprach: "Du bist mir Sippe,   so will ich dir es sein:          924
Ich befehle dir auf Treue   den holden Gatten mein.
Da du mir behtest   den geliebten Mann."
Was beer wr verschwiegen,   vertraute da sie ihm an.

Sie sprach: "Mein Mann ist tapfer,   dazu auch stark genug.         925
Als er den Linddrachen   an dem Berge schlug,
Da badet' in dem Blute   der Degen allbereit,
Daher ihn keine Waffe   je versehren mocht im Streit.

"Jedoch bin ich in Sorgen,   wenn er im Kampfe steht                926
Und aus der Helden Hnde   mancher Sperwurf geht,
Da ich da verliere   meinen lieben Mann.
Hei! was ich Sorgen   oft um Siegfried gewann!

"Mein lieber Freund, ich meld es   nun auf Gnade dir,               927
Da du deine Treue   bewhren mgst an mir,
Wo man mag verwunden   meinen lieben Mann.
Das sollst du nun vernehmen:   es ist auf Gnade gethan.

"Als von des Drachen Wunden   flo das heie Blut,                  928
Und sich darinne badete   der khne Recke gut,
Da fiel ihm auf die Achseln   ein Lindenblatt so breit:
Da kann man ihn verwunden;   das schafft mir Sorgen und Leid."

Da sprach von Tronje Hagen:   "So nht auf sein Gewand              929
Mir ein kleines Zeichen   mit eigener Hand,
Wo ich ihn schirmen me,   mag ich daran verstehn."
Sie whnt' ihn so zu fristen;   auf seinen Tod wars abgesehn.

Sie sprach: "Mit feiner Seide   nh ich auf sein Gewand             930
Insgeheim ein Kreuzchen:   da soll, Held, deine Hand
Mir den Mann behten,   wenns ins Gedrnge geht,
Und er vor seinen Feinden   in den starken Strmen steht."

"Das thu ich," sprach da Hagen,   "viel liebe Herrin mein."         931
Wohl whnte da die Gute,   sein Frommen sollt es sein:
Da war hiemit verrathen   der Kriemhilde Mann.
Urtaub nahm da Hagen:   da gieng er frhlich hindann.

Was er erfahren hatte,   bat ihn sein Herr zu sagen.                932
"Mgt ihr die Reise wenden,   so lat uns reiten jagen.
Ich wei nun wohl die Kunde,   wie ich ihn tdten soll.
Wollt ihr die Jagd bestellen?"   "Das thu ich," sprach der Knig, "wohl."

Der Dienstmann des Knigs   war froh und wohlgemuth.                933
Gewiss, da solche Bosheit   kein Recke wieder thut
Bis zum jngsten Tage,   als da von ihm geschah,
Da sich seiner Treue   die schne Knigin versah.

Frh des andern Morgens   mit wohl tausend Mann                     934
Ritt Siegfried der Degen   mit frohem Muth hindann:
Er whnt', er solle rchen   seiner Freunde Leid.
So nah ritt ihm Hagen,   da er beschaute sein Kleid.

Als er ersah das Zeichen,   da schickt' er ungesehn,                935
Andre Mr zu bringen,   zwei aus seinem Lehn:
In Frieden sollte bleiben   Knig Gunthers Land;
Es habe sie Herr Ldeger   zu dem Knig gesandt.

Wie ungerne Siegfried   ablie vom Streit,                          936
Eh er gerochen hatte   seiner Freunde Leid!
Kaum hielten ihn zurcke   Die Gunthern unterthan.
Da ritt er zu dem Knig,   der ihm zu danken begann:

"Nun lohn euch Gott, Freund Siegfried,   den willigen Sinn,         937
Da ihr so gerne thatet,   was mir vonnthen schien:
Das will ich euch vergelten,   wie ich billig soll.
Vor allen meinen Freunden   vertrau ich euch immer wohl.

"Da wir uns der Heerfahrt   so entledigt sehn,                      938
So lat uns nun Bren   und Schweine jagen gehn
Nach dem Odenwalde,   wie ich oft gethan."
Gerathen hatte Hagen das,   dieser ungetreue Mann.

"Allen meinen Gsten   soll man das nun sagen,                      939
Ich denke frh zu reiten:   die mit mir wollen jagen,
Die lat sich fertig halten;   die aber hier bestehn,
Kurzweilen mit den Frauen:   so sei mir Liebes geschehn."

Mit herrlichen Sitten   sprach da Siegfried:                        940
"Wenn ihr jagen reitet,   da will ich gerne mit.
So sollt ihr mir leihen   einen Jgersmann
Mit etlichen Bracken:   So reit ich mit euch in den Tann."

"Wollt ihr nur Einen?"   frug Gunther zuhand;                       941
"Ich leih euch, wollt ihr, viere,   denen wohl bekannt
Der Wald ist und die Steige,   wo viel Wildes ist,
Da ihr des Wegs unkundig   nicht ledig wieder heimwrts mt."

Da ritt zu seinem Weibe   der Degen unverzagt.                      942
Derweil hatte Hagen   dem Knig gesagt,
Wie er verderben wolle   den herrlichen Degen.
So groer Untreue   sollt ein Mann nimmer pflegen.

Als die Ungetreuen   beschloen seinen Tod,                         943
Da wusten sie es Alle.   Geiselher und Gernot
Wollten nicht mit jagen.   Wei nicht, aus welchem Groll
Sie ihn nicht verwarnten;   doch des entgalten sie voll.

       *       *       *       *       *




Sechzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried erschlagen ward.


Gunther und Hagen,   die Recken wohlgethan                          944
Gelobten mit Untreuen   ein Birschen in den Tann.
Mit ihren scharfen Spieen   wollten sie jagen Schwein'
Und Bren und Wisende:   was mochte Khneres sein?

Da ritt auch mit ihnen   Siegfried mit stolzem Sinn.                945
Man bracht ihnen Speise   aller Art dahin.
An einem khlen Brunnen   lie er da das Leben:
Den Rath hatte Brunhild,   Knig Gunthers Weib, gegeben.

Da gieng der khne Degen   hin, wo er Kriemhild fand.               946
Schon war aufgeladen   das edle Birschgewand
Ihm und den Gefhrten:   sie wollten ber Rhein.
Da konnte Kriemhilden   nicht leider zu Muthe sein.

Seine liebe Traute   ksst' er auf den Mund:                        947
"Gott lae mich dich, Liebe,   noch wiedersehn gesund
Und deine Augen mich auch;   mit holden Freunden dein
Krze dir die Stunden:   ich kann nun nicht bei dir sein."

Da gedachte sie der Mre,   sie durft es ihm nicht sagen,           948
Nach der sie Hagen fragte:   da begann zu klagen
Die edle Knigstochter,   da ihr das Leben ward:
Ohne Maen weinte   die wunderschne Fraue zart.

Sie sprach zu dem Recken:   "Lat euer Jagen sein:                  949
Mir trumte heunt von Leide,   wie euch zwei wilde Schwein
Ueber die Haide jagten:   da wurden Blumen roth.
Da ich so bitter weine,   das thut mir armem Weibe Noth.

"Wohl mu ich frchten   Etlicher Verrath,                          950
Wenn man den und jenen   vielleicht beleidigt hat,
Die uns verfolgen knnten   mit feindlichem Ha.
Bleibt hier, lieber Herre,   mit Treuen rath ich euch das."

Er sprach: "Liebe Traute,   ich kehr in kurzer Zeit;                951
Ich wei nicht, da hier Jemand   mir Ha trg oder Neid.
Alle deine Freunde   sind insgemein mir hold;
Auch verdient' ich von den Degen   wohl nicht anderlei Sold."

"Ach nein, lieber Siegfried:   wohl frcht ich deinen Fall.         952
Mir trumte heunt von Leide,   wie ber dir zu Thal
Fielen zwei Berge,   da ich dich nie mehr sah:
Und willst du von mir scheiden,   das geht mir inniglich nah."

Er umfieng mit Armen   das zuchtreiche Weib,                        953
Mit holden Kssen herzt' er   ihr den schnen Leib.
Da nahm er Urlaub   und schied in kurzer Stund:
Sie ersah ihn leider   darnach nicht wieder gesund.

Da ritten sie von dannen   in einen tiefen Tann                     954
Der Kurzweile willen;   manch khner Rittersmann
Ritt mit dem Knig;   hinaus gesendet ward
Auch viel der edeln Speise,   die sie brauchten zu der Fahrt.

Manch Saumross zog beladen   vor ihnen berrhein,                   955
Das den Jagdgesellen   das Brot trug und den Wein,
Das Fleisch mit den Fischen   und Vorrath aller Art,
Wie sie ein reicher Knig   wohl haben mag auf der Fahrt.

Da lie man herbergen   bei dem Walde grn                          956
Vor des Wildes Wechsel   die stolzen Jger khn,
Wo sie da jagen wollten,   auf breitem Angergrund.
Auch Siegfried war gekommen:   das ward dem Knige kund.

Von den Jagdgesellen   ward umhergestellt                           957
Die Wart an allen Enden:   da sprach der khne Held,
Siegfried der starke:   "Wer soll uns in den Wald
Nach dem Wilde weisen,   ihr Degen khn und wohlgestalt?"

"Wollen wir uns scheiden,"   hub da Hagen an,                       958
"Eh wir beginnen   zu jagen hier im Tann:
So mgen wir erkennen,   ich und der Herre mein,
Wer die besten Jger   bei dieser Waldreise sei'n.

"Leute so wie Hunde,   wir theilen uns darein:                      959
Dann fhrt, wohin ihm lstet,   Jeglicher allein"
Und wer das Beste jagte,   dem sagen wir den Dank."
Da weilten die Jger   bei einander nicht mehr lang.

Da sprach der edle Siegfried:   "Der Hunde hab ich Rath             960
Bis auf einen Bracken,   der so genoen hat,
Da er die Fhrte spre   der Thiere durch den Tann.
Wir kommen wohl zum Jagen!"   sprach der Kriemhilde Mann.

Da nahm ein alter Jger   einen Sprhund hinter sich                961
Und brachte den Herren,   eh lange Zeit verstrich,
Wo sie viel Wildes fanden:   was des erstbert ward,
Das erjagten die Gesellen,   wie heut noch guter Jger Art.

Was da der Brack ersprengte,   das schlug mit seiner Hand           962
Siegfried der khne,   der Held von Niederland.
Sein Ross lief so geschwinde,   da ihm nicht viel entrann:
Das Lob er bei dem Jagen   vor ihnen allen gewann.

Er war in allen Dingen   mannhaft genug.                            963
Das erste der Thiere,   die er zu Tode schlug,
War ein starker Bffel,   den traf des Helden Hand:
Nicht lang darauf der Degen   einen grimmen Leuen fand.

Als den der Hund ersprengte,   scho er ihn mit dem Bogen           964
Und dem scharfen Pfeile,   den er darauf gezogen;
Der Leu lief nach dem Schue   nur dreier Sprnge lang.
Seine Jagdgesellen,   die sagten Siegfrieden Dank.

Einen Wisend schlug er wieder   darnach und einen Elk,              965
Vier starker Auer nieder   und einen grimmen Schelk,
So schnell trug ihn die Mhre,   da ihm nichts entsprang:
Hinden und Hirsche   wurden viele sein Fang.

Einen groen Eber   trieb der Sprhund auf.                         966
Als der flchtig wurde,   da kam in schnellem Lauf
Alles Jagens Meister   und nahm zum Ziel ihn gleich.
Anlief das Schwein im Zorne   diesen Helden tugendreich.

Da schlug es mit dem Schwerte   der Kriemhilde Mann:                967
Das htt ein andrer Jger   nicht so leicht gethan.
Als er nun gefllt lag,   fieng man den Sprhund.
Seine reiche Beute wurde   den Burgunden allen kund.

Da sprachen seine Jger:   "Kann es fglich sein,                   968
So lat uns, Herr Siegfried,   des Wilds ein Theil gedeihn:
Ihr wollt uns heute leeren   den Berg und auch den Tann."
Darob begann zu lcheln   der Degen khn und wohlgethan.

Da vernahm man allenthalben   Lrmen und Getos.                     969
Von Leuten und von Hunden   ward der Schall so gro,
Man hrte widerhallen   den Berg und auch den Tann.
Vierundzwanzig Meuten   hatten die Jger losgethan.

Da wurde viel des Wildes   vom grimmen Tod ereilt.                  970
Sie whnten es zu fgen,   da ihnen zugetheilt
Der Preis des Jagens wrde:   das konnte nicht geschehn,
Als bei der Feuersttte   der starke Siegfried ward gesehn.

Die Jagd war zu Ende,   doch nicht so ganz und gar,                 971
Zu der Feuerstelle   brachte der Jger Schar
Hute mancher Thiere   und des Wilds genug.
Hei! was des zur Kche   des Knigs Ingesinde trug!

Da lie der Knig knden   den Jgern wohlgeborn,                   972
Da er zum Imbi wolle;   da wurde laut ins Horn
Einmal gestoen:   so machten sie bekannt,
Da man den edeln Frsten   nun bei den Herbergen fand.

Da sprach ein Jger Siegfrieds:   "Mit eines Hornes Schall          973
Ward uns kund gegeben,   Herr, da wir nun all
Zur Herberge sollen:   erwiedre ichs, das behagt."
Da ward nach den Gesellen   mit Blasen lange gefragt.

Da sprach der edle Siegfried:   "Nun rumen wir den Wald."          974
Sein Ross trug ihn eben;   die Andern folgten bald.
Sie ersprengten mit dem Schalle   ein Waldthier frchterlich,
Einen wilden Bren;   da sprach der Degen hinter sich:

"Ich schaff uns Jagdgesellen   eine Kurzweil.                       975
Da seh ich einen Bren:   den Bracken lst vom Seil.
Zu den Herbergen   soll mit uns der Br:
Er kann uns nicht entrinnen,   und flh er auch noch so sehr."

Da ls'ten sie den Bracken:   der Br sprang hindann.               976
Da wollt ihn erreiten   der Kriemhilde Mann.
Er kam in eine Bergschlucht:   da konnt er ihm nicht bei:
Das starke Thier whnte   von den Jgern schon sich frei.

Da sprang von seinem Rosse   der stolze Ritter gut                  977
Und begann ihm nachzulaufen.   Das Thier war ohne Hut,
ES konnt ihm nicht entrinnen:   er fieng es allzuhand;
Ohn es zu verwunden,   der Degen eilig es band.

Kratzen oder beien   konnt es nicht den Mann.                      978
Er band es an den Sattel;   auf sa der Schnelle dann
Und bracht es an die Feuerstatt   in seinem hohen Muth
Zu einer Kurzweile,   dieser Degen khn und gut.

Er ritt zur Herberge   in welcher Herrlichkeit!                     979
Sein Sper war gewaltig,   stark dazu und breit;
Eine schmucke Waffe hieng ihm   herab bis auf den Sporn;
Von rothem Golde fhrte   der Held ein herrliches Horn.

Von beerm Birschgewande   hrt ich niemals sagen.                  980
Einen Rock von schwarzem Zeuge   sah man ihn tragen
Und einen Hut von Zobel,   der reich war genug.
Hei! was edler Borten   an seinem Kcher er trug!

Ein Vlies von einem Panther   war darauf gezogen                    981
Des Wohlgeruches wegen.   Auch trug er einen Bogen:
Mit einer Winde   must ihn ziehen an,
Wer ihn spannen wollte,   er htt es selbst denn gethan.

Von fremden Tierhuten   war all sein Gewand,                       982
Das man von Kopf zu Fen   bunt berhangen fand.
Aus dem lichten Rauchwerk   zu beiden Seiten hold
An dem khnen Jgermeister   schien manche Flitter von Gold.

Auch fhrt' er Balmungen,   das breite schmucke Schwert:            983
Das war solcher Schrfe,   nichts blieb unversehrt,
Wenn man es schlug auf Helme:   seine Schneiden waren gut.
Der herrliche Jger   trug gar hoch seinen Muth.

Wenn ich euch der Mre   ganz bescheiden soll,                      984
So war sein edler Kcher   guter Pfeile voll,
Mit goldenen Rhren,   die Eisen hndebreit.
Was er traf mit Schieen,   dem war das Ende nicht weit.

Da ritt der edle Ritter   stattlich aus dem Tann.                   985
Gunthers Leute sahen,   wie er ritt heran.
Sie liefen ihm entgegen   und hielten ihm das Ross:
Da trug er an dem Sattel   einen Bren stark und gro.

Als er vom Ross gestiegen,   lst' er ihm das Band                  986
Vom Mund und von den Fen:   die Hunde gleich zur Hand
Begannen laut zu heulen,   als sie den Bren sahn.
Das Thier zu Walde wollte:   das erschreckte manchen Mann.

Der Br durch die Kche   von dem Lrm gerieth:                     987
Hei! was er Kchenknechte   da vom Feuer schied!
Gestrzt ward mancher Keel,   verschleudert mancher Brand;
Hei! was man guter Speisen   in der Asche liegen fand!

Da sprang von den Sitzen   Herr und Knecht zumal.                   988
Der Br begann zu zrnen;   der Knig gleich befahl
Der Hunde Schar zu lsen,   die an den Seilen lag;
Und war es Wohl geendet,   sie htten frhlichen Tag.

Mit Bogen und mit Spieen,   man sumte sich nicht mehr,            989
Liefen hin die Schnellen,   wo da gieng der Br;
Doch wollte Niemand schieen,   von Hunden wars zu voll.
So laut war das Getse,   da rings der Bergwald erscholl.

Der Br begann zu fliehen   vor der Hunde Zahl;                     990
Ihm konnte Niemand folgen   als Kriemhilds Gemahl.
Er erlief ihn mit dem Schwerte,   zu Tod er ihn da schlug.
Wieder zu dem Feuer   das Gesind den Bren trug.

Da sprachen, die es sahen,   er wr ein starker Mann.               991
Die stolzen Jagdgesellen   rief man zu Tisch heran.
Auf schnem Anger saen   der Helden da genug.
Hei! was man Ritterspeise   vor die stolzen Jger trug!

Die Schenken waren sumig,   sie brachten nicht den Wein;           992
So gut bewirthet mochten   sonst Helden nimmer sein.
Wren manche drunter   nicht so falsch dabei,
So wren wohl die Degen   aller Schanden los und frei.

Des wurde da nicht inne   der verrathne khne Mann,                 993
Da man solche Tcke   wider sein Leben spann.
Er war in hfschen Zchten   alles Truges bar;
Seines Todes must entgelten,   dem es nie ein Frommen war.

Da sprach der edle Siegfried:   "Mich verwundert sehr,              994
Man trgt uns aus der Kche   doch so viel daher,
Was bringen uns die Schenken   nicht dazu den Wein?
Pflegt man so der Jger,   will ich nicht Jagdgeselle sein.

"Ich mcht es doch verdienen,   bedchte man mich gut."             995
Von seinem Tisch der Knig   sprach mit falschem Muth:
"Wir ben euch ein andermal,   was heut uns mu entgehn;
Die Schuld liegt an Hagen,   der will uns verdursten sehn."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Lieber Herre mein,                   996
Ich whnte, das Birschen   sollte heute sein
Fern im Spechtsharte:   den Wein hin sandt ich dort.
Heute giebt es nichts zu trinken,   doch vermeid ich es hinfort."

Da sprach der edle Siegfried:   "Dem wei ich wenig Dank:           997
Man sollte sieben Lasten   mit Meth und Lautertrank
Mir hergesendet haben;   konnte das nicht sein,
So sollte man uns nher   gesiedelt haben dem Rhein."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Ihr edeln Ritter schnell,            998
Ich wei hier in der Nhe   einen khlen Quell:
Da ihr mir nicht zrnet,   da rath, ich hinzugehn."
Der Rath war manchem Degen   zu groem Leide geschehn.

Siegfried den Recken   zwang des Durstes Noth;                      999
Den Tisch hinwegzurcken   der Held alsbald gebot:
Er wollte vor die Berge   zu dem Brunnen gehn.
Da war der Rath aus Arglist   von den Degen geschehn.

Man hie das Wild auf Wagen   fhren in das Land,                  1000
Das da verhauen hatte   Siegfriedens Hand.
Wer es auch sehen mochte,   sprach groen Ruhm ihm nach.
Hagen seine Treue   sehr an Siegfrieden brach.

Als sie von dannen wollten   zu der Linde breit,                   1001
Da sprach von Tronje Hagen:   "Ich hrte jederzeit,
Es knne Niemand folgen   Kriemhilds Gemahl,
Wenn er rennen wolle;   hei! schauten wir das einmal!"

Da sprach von Niederlanden   der Degen khn und gut:               1002
"Das mgt ihr wohl versuchen:   wenn ihr mit mir thut
Einen Wettlauf nach dem Brunnen?   Soll das geschehn,
So habe der gewonnen,   den wir den vordersten sehn."

"Wohl, lat es uns versuchen,"   sprach Hagen der Degen.           1003
Da sprach der starke Siegfried:   "So will ich mich legen,
Verlier ich, euch zu Fen   nieder in das Gras."
Als er das erhrte,   wie lieb war Knig Gunthern das!

Da sprach der khne Degen:   "Noch mehr will ich euch sagen:       1004
Gewand und Gewaffen   will ich bei mir tragen,
Den Wurfspie samt dem Schilde   und all mein Birschgewand."
Das Schwert und den Kcher   um die Glieder schnell er band.

Die Kleider vom Leibe   zogen die Andern da:                       1005
In zwei weien Hemden   man beide stehen sah.
Wie zwei wilde Panther   liefen sie durch den Klee;
Man sah bei dem Brunnen   den schnellen Siegfried doch eh.

Den Preis in allen Dingen   vor Manchem man ihm gab.               1006
Da lst' er schnell die Waffe,   den Kcher legt' er ab,
Den starken Spie lehnt' er   an den Lindenast.
Bei des Brunnens Flue   stand der herrliche Gast.

Die hfsche Zucht erwies da   Siegfried daran;                     1007
Den Schild legt' er nieder,   wo der Brunnen rann;
Wie sehr ihn auch drstete,   der Held nicht eher trank
Bis der Knig getrunken;   dafr gewann er beln Dank.

Der Brunnen war lauter,   khl und auch gut;                       1008
Da neigte sich Gunther   hernieder zu der Flut.
Als er getrunken hatte,   erhob er sich hindann:
Also htt auch gerne   der khne Siegfried gethan.

Da entgalt er seiner hfschen Zucht;   den Bogen und das Schwert   1009
Trug beiseite Hagen   von dem Degen werth.
Dann sprang er zurcke,   wo er den Wurfspie fand,
Und sah nach einem Zeichen   an des Khnen Gewand.

Als der edle Siegfried   aus dem Brunnen trank,                    1010
Er scho ihn durch das Kreuze,   da aus der Wunde sprang
Das Blut von seinem Herzen   an Hagens Gewand.
Kein Held begeht wohl wieder   solche Unthat nach der Hand.

Den Gerschaft im Herzen   lie er ihm stecken tief.                1011
Wie im Fliehen Hagen   da so grimmig lief,
So lief er wohl auf Erden   nie vor einem Mann!
Als da Siegfried Kunde   der schweren Wunde gewann,

Der Degen mit Toben   von dem Brunnen sprang;                      1012
Ihm ragte von der Achsel   eine Gerstange lang.
Nun whnt' er da zu finden   Bogen oder Schwert,
Gewi, so htt er Hagnen   den verdienten Lohn gewhrt.

Als der Todwunde   da sein Schwert nicht fand,                     1013
Da blieb ihm nichts weiter   als der Schildesrand.
Den rafft' er von dem Brunnen   und rannte Hagen an:
Da konnt ihm nicht entrinnen   Knig Gunthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode,   so krftig doch er schlug,             1014
Da von dem Schilde nieder   wirbelte genug
Des edeln Gesteines;   der Schild zerbrach auch fast:
So gern gerochen htte   sich der herrliche Gast.

Da muste Hagen fallen   von seiner Hand zu Thal;                   1015
Der Anger von den Schlgen   erscholl im Wiederhall.
Htt er sein Schwert in Hnden,   so wr er Hagens Tod.
Sehr zrnte der Wunde,   es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen;   er konnte nicht mehr stehn.           1016
Seines Leibes Strke   muste ganz zergehn,
Da er des Todes Zeichen   in lichter Farbe trug.
Er ward hernach betrauert   von schnen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen   der Kriemhilde Mann.                       1017
Das Blut von seiner Wunde   stromweis nieder rann.
Da begann er die zu schelten,   ihn zwang die groe Noth
Die da gerathen hatten   mit Untreue seinen Tod.

Da sprach der Todwunde:   "Weh, ihr bsen Zagen,                   1018
Was helfen meine Dienste,   da ihr mich habt erschlagen?
Ich war euch stts gewogen   und sterbe nun daran.
Ihr habt an euern Freunden   leider bel gethan.

"Die sind davon bescholten,   so viele noch geborn                 1019
Werden nach diesem Tage:   ihr habt euern Zorn
Allzusehr gerochen   an dem Leben mein.
Mit Schanden geschieden   sollt ihr von guten Recken sein."

Hinliefen all die Ritter,   wo er erschlagen lag.                  1020
Es war ihrer Vielen   ein freudeloser Tag.
Wer Treue kannt und Ehre,   der hat ihn beklagt:
Das verdient' auch wohl um Alle   dieser Degen unverzagt.

Der Knig der Burgunden   klagt' auch seinen Tod.                  1021
Da sprach der Todwunde:   "Das thut nimmer Noth,
Da der um Schaden weine,   von dem man ihn gewann:
Er verdient gro Schelten,   er htt es beer nicht gethan."

Da sprach der grimme Hagen:   "Ich wei nicht, was euch reut:      1022
Nun hat doch gar ein Ende,   was uns je gedrut.
Es gibt nun nicht manchen,   der uns darf bestehn;
Wohl mir, da seiner Herrschaft   durch mich ein End ist geschehn."

"Ihr mgt euch leichtlich rhmen,"   sprach Der von Niederland.    1023
"Htt ich die mrderische   Weis an euch erkannt,
Vor euch behtet htt ich   Leben wohl und Leib.
Mich dauert nichts auf Erden   als Frau Kriemhild mein Weib.

"Nun mg es Gott erbarmen,   da ich gewann den Sohn,              1024
Der jetzt auf alle Zeiten   den Vorwurf hat davon,
Da seine Freunde Jemand   meuchlerisch erschlagen:
Htt ich Zeit und Weile,   das mst ich billig beklagen.

"Wohl nimmer hat begangen   so groen Mord ein Mann,"              1025
Sprach er zu dem Knig,   "als ihr an mir gethan.
Ich erhielt euch unbescholten   in groer Angst und Noth;
Ihr habt mir schlimm vergolten,   da ich so wohl es euch bot."

Da sprach im Jammer weiter   der todwunde Held:                    1026
"Wollt ihr, edler Knig,   noch auf dieser Welt
An Jemand Treue pflegen,   so lat befohlen sein
Doch auf eure Gnade   euch die liebe Traute mein.

"Es komm ihr zu Gute,   da sie eure Schwester ist:                1027
Sei aller Frsten Tugend   helft ihr zu jeder Frist.
Mein mgen lange harren   mein Vater und mein Lehn:
Nie ist an liebem Freunde   einem Weibe so leid geschehn."

Er krmmte sich in Schmerzen,   wie ihm die Noth gebot,            1028
Und sprach aus jammerndem Herzen:   "Mein mordlicher Tod
Mag euch noch gereuen   in der Zukunft Tagen:
Glaubt mir in rechten Treuen,   da ihr euch selber habt erschlagen.

Die Blumen allenthalben   waren vom Blute na.                     1029
Da rang er mit dem Tode,   nicht lange that er das,
Denn des Todes Waffe   schnitt ihn allzusehr.
Da konnte nicht mehr reden   dieser Degen khn und hehr.

Als die Herren sahen   den edlen Helden todt,                      1030
Sie legten ihn auf einen Schild,   der war von Golde roth.
Da giengen sie zu Rathe,   wie sie es stellten an,
Da es verhohlen bliebe,   Hagen hab es gethan.

Da sprachen ihrer Viele:   "Ein Unfall ist geschehn;               1031
Ihr sollt es alle hehlen   und Einer Rede stehn:
Als er allein ritt jagen,   der Kriemhilde Mann,
Erschlugen ihn Schcher,   als er fuhr durch den Tann."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Ich bring ihn in das Land.          1032
Mich soll es nicht kmmern,   wird es ihr auch bekannt,
Die so betrben konnte   der Knigin hohen Muth;
Ich werde wenig fragen,   wie sie nun weinet und thut."

Von denselben Brunnen,   wo Siegfried ward erschlagen,             1033
Sollt ihr die rechte Wahrheit   von mir hren sagen.
Vor dem Odenwalde   ein Dorf liegt Odenheim.
Da fliet noch der Brunnen,   kein Zweifel kann daran sein.

       *       *       *       *       *




Siebzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried beklagt und begraben ward.


Da harrten sie des Abends   und fuhren ber Rhein;                 1034
Es mochte nie von Helden   ein schlimmer Jagen sein.
Ihr Beutewild beweinte   noch manches edle Weib:
Sein muste bald entgelten   viel guter Weigande Leib.

Von groem Uebermuthe   mgt ihr nun hren sagen                   1035
Und schrecklicher Rache.   Bringen lie Hagen
Den erschlagen Siegfried   von Nibelungenland
Vor eine Kemenate,   darin sich Kriemhild befand.

Er lie ihn ihr verstohlen   legen vor die Thr,                   1036
Da sie ihn finden me,   wenn morgen sie herfr
Zu der Mette gienge   frhe vor dem Tag,
Deren Frau Kriemhild   wohl selten eine verlag.

Da hrte man wie immer   zum Mnster das Gelut:                   1037
Kriemhild die schne   weckte manche Maid.
Ein Licht lie sie sich bringen,   dazu auch ihr Gewand;
Da kam der Kmmrer Einer   hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sah ihn roth von Blute,   all sein Gewand war na:              1038
Da sein Herr es wre,   mit Nichten wust er das.
Da trug er in die Kammer   das Licht in seiner Hand,
Bei dem da Frau Kriemhild   viel leide Mre befand.

Als sie mit den Frauen   zum Mnster wollte gehn,                  1039
"Frau," sprach der Kmmerer,   "wollt noch stille stehn:
Es liegt vor dem Gemache   ein Ritter todtgeschlagen."
"O weh," sprach da Kriemhild,   "was willst du solche Botschaft sagen?"

Eh sie noch selbst gesehen,   es sei ihr lieber Mann,              1040
An die Frage Hagens   hub sie zu denken an,
Wie er ihn schtzen mchte:   da ahnte sie ihr Leid.
Mit seinem Tod entsagte   sie nun aller Frhlichkeit.

Da sank sie zur Erden,   kein Wort mehr sprach sie da;             1041
Die schne Freudenlose   man da liegen sah.
Kriemhildens Jammer   wurde gro und voll;
Sie schrie nach der Ohnmacht,   da all die Kammer erscholl.

Da sprach ihr Gesinde:   "Es kann ein Fremder sein."               1042
Das Blut ihr aus dem  Munde   brach vor Herzenspein.
"Nein, es ist Siegfried,   mein geliebter Mann:
Brunhild hats gerathen   und Hagen hat es gethan."

Sie lie sich hingeleiten,   wo sie den Helden fand;               1043
Sein schnes Haupt erhob sie   mit ihrer weien Hand.
So roth er war von Blute,   sie hat ihn gleich erkannt:
Da lag zu groem Jammer   der Held von Nibelungenland.

Da rief in Jammerlauten   die Knigin mild:                        1044
"O weh mir dieses Leides!   Nun ist dir doch dein Schild
Mit Schwertern nicht verhauen!   dich fllte Meuchelmord.
Und wst ich, wer der Thter wr,  ich wollt es rchen immerfort."

All ihr Ingesinde   klagte laut und schrie                         1045
Mit seiner lieben Frauen;   heftig schmerzte sie
Ihr edler Herr und Knig,   den sie da sahn verlorn.
Gar bel hatte Hagen   gerochen Brunhildens Zorn.

Da sprach die Jammerhafte:   "Nun soll Einer gehn                  1046
Und mir in Eile wecken   Die in Siegfrieds Lehn
Und soll auch Siegmunden   meinen Jammer sagen,
Ob er mir helfen wolle   den khnen Siegfried beklagen."

Da lief dahin ein Bote,   wo er sie liegen fand,                   1047
Siegfriedens Helden   von Nibelungenland.
Mit den leiden Mren   die Freud er ihnen nahm;
Sie wollten es nicht glauben,   bis man das Weinen vernahm.

Auch kam dahin der Bote,   wo der Knig lag.                       1048
Siegmund der Herre   keines Schlafes pflag,
Als ob das Herz ihm sagte,   was ihm wr geschehn,
Er sollte seinen lieben Sohn   lebend nimmer wiedersehn.

"Wacht auf, Knig Siegmund,   mich hie nach euch gehn             1049
Kriemhild, meine Herrin;   der ist ein Leid geschehn,
Das ihr vor allem Leide   wohl das Herz versehrt;
Das sollt ihr klagen helfen,   da es auch euch widerfhrt."

Auf richtete sich Siegmund   und sprach: "Was beklagt              1050
Denn die schne Kriemhild,   wie du mir hast gesagt?"
Der Bote sprach mit Weinen:   "Sie hat wohl Grund zu klagen
Es liegt von Niederlanden   der khne Siegfried erschlagen."

Da sprach Knig Siegmund:   "Lat das Scherzen sein                1051
Mit so bser Mre   von dem Sohne mein
Und sagt es Niemand wieder,   da er sei erschlagen,
Denn ich knnt ihn nie genug   bis an mein Ende beklagen."

"Und wollt ihr nicht glauben,   was ihr mich hret sagen,          1052
So vernehmet selber   Kriemhilden klagen
Und all ihr Ingesinde   um Siegfriedens Tod."
Wie erschrak da Siegmund:   es schuf ihm wahrhafte Noth.

Mit hundert seiner Mannen   er von dem Bette sprang.               1053
Sie zuckten zu den Hnden   die scharfen Waffen lang
Und liefen zu dem Wehruf   jammersvoll heran.
Da kamen tausend Recken,   dem khnen Siegfried unterthan.

Als sie so jmmerlich   die Frauen hrten klagen,                  1054
Da kam Vielen erst in Sinn,   sie msten Kleider tragen.
Wohl mochten sie vor Schmerzen   des Sinnes Macht nicht haben:
Es lag in ihrem Herzen   groe Schwere begraben.

Da kam der Knig Siegmund   hin, wo er Kriemhild fand.             1055
Er sprach: "O weh der Reise   hierher in dieses Land!
Wer hat euch euern Gatten,   wer hat mir mein Kind
So mordlich entrien,   da wir bei guten Freunden sind?"

"Ja, kennt ich Den,"   versetzte die edle Knigin,                 1056
"Hold wrd ihm nimmer   mein Herz noch mein Sinn:
Ich rieth' ihm so zum Leide,   da all die Freunde sein
Mit Jammer weinen msten,   glaubt mir, von wegen mein."

Siegmund mit Armen   den Frsten umschlo;                         1057
Da ward von seinen Freunden   der Jammer also gro,
Da von dem lauten Wehruf   Palas und Saal
Und Worms die weite Veste   rings erscholl im Widerhall.

Da konnte Niemand trsten   Siegfriedens Weib,                     1058
Man zog aus den Kleidern   seinen schnen Leib,
Wusch ihm seine Wunde   und legt' ihn auf die Bahr;
Allen seinen Leuten   wie weh vor Jammer da war!

Es sprachen seine Recken   aus Nibelungenland:                     1059
"Immer ihn zu rchen   bereit ist unsre Hand.
Er ist in diesem Hause,   von dem es ist geschehn."
Da eilten sich zu waffnen   die Degen in Siegfrieds Lehn.

Die Auserwhlten kamen   in ihrer Schilde Wehr,                    1060
Elfhundert Recken;   die hatt in seinem Heer
Siegmund der Knig:   seines Sohnes Tod
Htt er gern gerochen,   wie ihm die Treue gebot.

Sie wusten nicht, wen sollten   sie im Streit bestehn,             1061
Wenn es nicht Gunther wre   und Die in seinem Lehn,
Die zur Jagd mit Siegfried   geritten jenen Tag.
Kriemhild sah sie gewaffnet:   das schuf ihr groes Ungemach.

Wie stark auch ihr Jammer,   wie gro war ihre Noth,               1062
Sie besorgte doch so heftig   der Nibelungen Tod
Von ihrer Brder Mannen,   da sie dawider sprach:
Sie warnte sie in Liebe,  wie immer Freund mit Freunden pflag.

Da sprach die Jammerreiche:   "Herr Knig Siegmund,                1063
Was wollt ihr beginnen?   Euch ist wohl nicht kund,
Es hat der Knig Gunther   so manchen khnen Mann:
Ihr wollt euch all verderben,   greift ihr solche Recken an."

Mit auferhobnen Schilden   that ihnen Streiten Noth.               1064
Die edle Knigstochter   bat und gebot,
Da es meiden sollten   die Recken allbereit.
Da sie's nicht laen wollten,   das war ein grimmiges Leid.

Sie sprach: "Herr Knig Siegmund,   steht damit noch an,           1065
Bis es sich beer fgte:   so will ich meinen Mann
Euch immer rchen helfen.   Der mir ihn hat benommen,
Wird es mir bewiesen,   es mu ihm noch zu Schaden kommen.

"Es sind der Uebermthigen   hier am Rhein so viel,                1066
Da ich euch zum Streite   jetzt nicht rathen will:
Sie haben wider Einen   immer dreiig Mann;
La ihnen Gott gelingen,   wie sie uns haben gethan.

"Bleibt hier im Hause   und tragt mit mir das Leid,                1067
Bis es beginnt zu tagen,   ihr Helden allbereit:
Dann helft ihr mir besargen   meinen lieben Mann."
Da sprachen die Degen:   "Liebe Frau, das sei gethan."

Es knnt euch des Wunders   ein Ende Niemand sagen,                1068
Die Ritter und die Frauen,   wie man sie hrte klagen,
Bis man des Wehrufs   ward in der Stadt gewahr.
Die edeln Brger kamen   daher in eilender Schar.

Sie klagten mit den Gsten:   sie schmerzte der Verlust.           1069
Was Siegfried verschulde,   war ihnen unbewust,
Weshalb der edle Recke   Leben lie und Leib.
Da weinte mit den Frauen   manchen guten Brgers Weib.

Schmiede hie man eilen   und wrken einen Sarg                    1070
Von Silber und von Golde,   mchtig und stark,
Und lie ihn wohl beschlagen   mit Stahl, der war gut.
Da war allen Leuten   das Herz beschwert und der Muth.

Die Nacht war vergangen:   man sagt', es wolle tagen.              1071
Da lie die edle Knigin   hin zum Mnster tragen
Diesen edeln Todten,   ihren lieben Mann.
Mit ihr giengen weinend,   was sie der Freunde gewann.

Da sie zum Mnster kamen,   wie manche Glocke klang!               1072
Allenthalben hrte   man der Pfaffen Sang.
Da kam der Knig Gunther   hinzu mit seinem Lehn
Und auch der grimme Hagen;   es wre klger nicht geschehn.

Er sprach: "Liebe Schwester,   o weh des Leides dein;              1073
Da wir nicht ledig mochten   so groen Schadens sein!
Wir men immer klagen   um Siegfriedens Tod."
"Daran thut ihr Unrecht,"   sprach die Frau in Jammersnoth.

"Wenn euch das betrbte,   so wr es nicht geschehn.               1074
Ihr hattet mein vergeen,   das mu ich wohl gestehn,
Als ich so geschieden ward   von meinem lieben Mann.
Wollte Gott vom Himmel,   mir selber war es gethan."

Sie hielten sich am Lugnen.   Da hub Kriemhild an:                1075
"Wer unschuldig sein will,   leicht ist es dargethan,
Er darf nur zu der Bahre   hier vor dem Volke gehn:
Da mag man gleich zur Stelle   sich der Wahrheit versehn."

Das ist ein groes Wunder,   wie es noch oft geschieht,            1076
Wenn man den Mordbefleckten   bei dem Todten sieht,
So bluten ihm die Wunden,   wie es auch hier geschah;
Daher man nun der Unthat   sich zu Hagen versah.

Die Wunden floen wieder   so stark als je vorher.                 1077
Die erst schon heftig klagten,   die weinten nun noch mehr.
Da sprach Knig Gunther:   "Nun hrt die Wahrheit an:
Ihn erschlugen Schcher;   Hagen hat es nicht gethan."

Sie sprach: "Diese Schcher   sind mir wohl bekannt:               1078
Nun la es Gott noch rchen   von seiner Freunde Hand!
Gunther und Hagen,   ja ihr habt es gethan."
Da wollten wieder streiten   Die Siegfrieden unterthan.

Da sprach aber Kriemhild:   "Ertragt mit mir die Noth."            1079
Da kamen auch die Beiden,   wo sie ihn fanden todt,
Gernot ihr Bruder   und Geiselher das Kind.
Sie beklagten ihn in Treuen;   ihre Augen wurden thrnenblind.

Sie weinten von Herzen   um Kriemhildens Mann.                     1080
Man wollte Messe singen:   zum Mnster heran
Sah man allenthalben   Frauen und Mnner ziehn,
Die ihn doch leicht verschmerzten,   weinten alle jetzt um ihn.

Geiselher und Gernot   sprachen: "Schwester mein,                  1081
Nun trste dich des Todes,   es mu wohl also sein.
Wir wollen dirs ersetzen,   so lange wir leben."
Da wust ihr auf Erden   Niemand doch Trost zu geben.

Sein Sarg war geschmiedet   wohl um den hohen Tag;                 1082
Man hob ihn von der Bahre,   darauf der Todte lag.
Da wollt ihn noch die Knigin   nicht laen begraben:
Es musten alle Leute   groe Mhsal erst haben.

In kostbare Zeuge   man den Todten wand.                           1083
Gewiss da man da Niemand   ohne Weinen fand.
Aus ganzem Herzen klagte   Ute das edle Weib
Und all ihr Ingesinde   um Siegfrieds herrlichen Leib.

Als die Leute hrten,   da man im Mnster sang                    1084
Und ihn besargt hatte,   da hob sich groer Drang:
Um seiner Seele willen   was man da Opfer trug!
Er hatte bei den Feinden   doch guter Freunde genug.

Kriemhild die arme   zu den Kmmerlingen sprach:                   1085
"Ihr sollt mir zu Liebe   leiden Ungemach:
Die ihm Gutes gnnen   und mir blieben hold,
Um Siegfriedens Seele   verteilt an diese sein Gold."

Da war kein Kind so kleine,   mocht es Verstand nur haben,         1086
Das nicht zum Opfer gienge,   eh er ward begraben.
Wohl an hundert Messen   man des Tages sang.
Von Siegfriedens Freunden   hob sich da mchtiger Drang.

Als die gesungen waren,   verlief die Menge sich.                  1087
Da sprach wieder Kriemhild:   "Nicht einsam sollt ihr mich
Heunt bewachen laen   den auserwhlten Degen:
Es ist an seinem Leibe   all meine Freude gelegen.

"Drei Tag und drei Nchte   will ich verwachen dran,               1088
Bis ich mich ersttige   an meinem lieben Mann.
Vielleicht da Gott gebietet,   da mich auch nimmt der Tod:
So wre wohl beendet   der armen Kriemhilde Noth."

Zur Herberge giengen   die Leute von der Stadt.                    1089
Die Pfaffen und die Mnche   sie zu verweilen bat
Und all sein Ingesinde,   das sein billig pflag.
Sie hatten ble Nchte   und gar mhselgen Tag.

Ohne Trank und Speise   verblieb da mancher Mann.                  1090
Wers nicht gern entbehrte,   dem ward kund gethan,
Man gab ihm gern die Flle:   das schuf Herr Siegmund.
Da ward den Nibelungen   viel Noth und Beschwerde kund.

In diesen dreien Tagen,   so hrten wir sagen,                     1091
Muste mit Kriemhilden   viel Mhsal ertragen,
Wer da singen konnte.   Was man auch Opfer trug!
Die eben arm gewesen,   die wurden nun reich genug.

Was man fand der Armen,   die es nicht mochten haben,              1092
Die lie sie mit dem Golde   bringen Opfergaben
Aus seiner eignen Kammer:   er durfte nicht mehr leben,
Da ward um seine Seele   manches Tausend Mark gegeben.

Gter und Geflle   vertheilte sie im Land,                        1093
So viel man der Klster   und guter Leute fand.
Silber gab man und Gewand   den Armen auch genug.
Sie lie es wohl erkennen,   wie holde Liebe sie ihm trug.

An dem dritten Morgen   zur rechten Messezeit                      1094
Sah man bei dem Mnster   den ganzen Kirchhof weit
Von der Landleute   Weinen also voll:
Sie dienten ihm im Tode,   wie man lieben Freunden soll.

In diesen vier Tagen,   so hrt ich immerdar,                      1095
Wol an dreiigtausend Mark   oder mehr noch gar
Ward um seine Seele   den Armen hingegeben,
Indes war gar zerronnen   seine groe Schne wie sein Leben.

Als vom Gottesdienste   verhallt war der Gesang,                   1096
Mit ungefgem Leide   des Volkes Menge rang.
Man lie ihn aus dem Mnster   zu dem Grabe tragen.
Da hrte man auch anders   nichts als Weinen und Klagen.

Das Volk mit lautem Wehruf   schlo im Zug sich an:                1097
Froh war da Niemand,   weder Weib noch Mann.
Eh er bestattet wurde,   las und sang man da:
Hei! was man guter Pfaffen   bei seiner Bestattung sah!

Bevor da zu dem Grabe   kam das getreue Weib,                      1098
Rang sie mit solchem Jammer   um Siegfriedens Leib,
Da man sie mit Wasser   vom Brunnen oft bego:
Ihres Herzens Kummer   war ber die Maen gro.

Es war ein groes Wunder,   da sie zu Krften kam.                1099
Es halfen ihr mit Klagen   viel Frauen lobesam.
"Ihr, meines Siegfrieds Mannen,"   sprach die Knigin,
"Erweist mir eine Gnade   aus erbarmendem Sinn.

"Lat mir nach meinem Leide   die kleinste Gunst geschehn",        1100
Da ich sein schnes Angesicht   noch einmal drfe sehn,"
Da bat sie im Jammer   so lang und so stark,
Da man zerbrechen muste   den schn geschmiedeten Sarg.

Hin brachte man die Knigin,   wo sie ihn liegen fand.             1101
Sein schnes Haupt erhob sie   mit ihrer weien Hand
Und ksste so den Todten,   den edeln Ritter gut:
Ihre lichten Augen   vor Leide weinten sie Blut.

Ein jammervolles Scheiden   sah man da geschehn.                   1102
Man trug sie von dannen,   sie vermochte nicht zu gehn.
Da lag ohne Sinne   das herrliche Weib:
Vor Leid wollt ersterben   ihr viel wonniglicher Leib.

Als der edle Degen   also begraben war,                            1103
Sah man in groem Leide   die Helden immerdar,
Die ihn begleitet hatten   aus Nibelungenland:
Frhlich gar selten   man da Siegmunden fand.

Wohl Mancher war darunter,   der drei Tage lang                    1104
Vor dem groen Leide   weder a noch trank;
Da konnten sie's nicht lnger   dem Leib entziehen mehr:
Sie genasen von den Schmerzen,   wie noch Mancher wohl seither.

Kriemhild der Sinne ledig   in Ohnmchten lag                      1105
Den Tag und den Abend   bis an den andern Tag.
Was Jemand sprechen mochte,   es ward ihr gar nicht kund.
Es lag in gleichen Nthen   auch der Knig Siegmund.

Kaum da ihn zur Besinnung   zu bringen noch gelang.               1106
Seine Krfte waren   von starkem Leide krank:
Das war wohl kein Wunder.   Die in seiner Pflicht
sprachen: "Lat uns heimziehn:   es duldet uns hier lnger nicht."

       *       *       *       *       *




Achtzehntes Abenteuer.

Wie Siegmund heimkehrte und Kriemhild daheim blieb.


Der Schwher Kriemhildens   gieng hin, wo er sie fand.             1107
Er sprach zu der Knigin:   "Lat uns in unser Land:
Wir sind unliebe Gste,   whn ich, hier am Rhein.
Kriemhild, liebe Fraue,   nun folgt uns zu dem Lande mein.

"Da man in diesen Landen   uns so verwaiset hat                   1108
Eures edeln Mannes   durch bslichen Verrath,
Ihr sollt es nicht entgelten:   hold will ich euch sein
Aus Liebe meines Sohnes   und des edeln Kindes sein.

"Ihr sollt auch, Frau, gebieten   mit all der Gewalt,              1109
Die Siegfried euch verstattete,   der Degen wohlgestalt.
Das Land und auch die Krone   soll euch zu Diensten stehn.
Euch sollen gern gehorchen   Die in Siegfriedens Lehn."

Da sagte man den Knechten:   "Wir reiten heim vor Nacht."          1110
Da sah man nach den Rossen   eine schnelle Jagd:
Bei den verhaten Feinden   zu leben war ein Leid.
Den Frauen und den Maiden   suchte man ihr Reisekleid.

Als Knig Siegmund gerne   weggeritten wr,                        1111
Da bat ihre Mutter   Kriemhilden sehr,
Sie sollte bei den Freunden   im Lande doch bestehn.
Da sprach die Freudenarme:   "Das knnte schwerlich geschehn.

"Wie vermocht ichs, mit den Augen   den immer anzusehn,            1112
Von dem mir armen Weibe   so leid ist geschehn?"
Da sprach der junge Geiselher:   "Liebe Schwester mein,
Du sollst bei deiner Treue   hier mit deiner Mutter sein.

"Die dir das Herz beschwerten   und trbten dir den Muth,          1113
Du bedarfst nicht ihrer Dienste,   du zehrst von meinem Gut."
Sie sprach zu dem Recken:   "Wie knnte das geschehn?
Vor Leide mst ich sterben,   wenn ich Hagen sollte sehn."

"Dessen berheb ich dich,   viel liebe Schwester mein.             1114
Du sollst bei deinem Bruder   Geiselher hier sein;
Ich will dir wohl vergten   deines Mannes Tod."
Da sprach die Freudenlose:   "Das wre Kriemhilden Noth."

Als es ihr der Junge   so gtlich erbot,                           1115
Da begannen auch zu flehen   Ute und Gernot
Und ihre treuen Freunde,   sie mchte da bestehn:
Sie htte wenig Sippen   unter Siegfriedens Lehn.

"Sie sind euch alle fremde,"   sprach da Gernot.                   1116
"Wie stark auch einer gelte,   so rafft ihn doch der Tod.
Bedenkt das, liebe Schwester,   und trstet euern Muth:
Bleibt hier bei euern Freunden,   es gerth euch wahrlich gut."

Da gelobte sie dem Bruder,   im Lande zu bestehn.                  1117
Man zog herbei die Rosse   Denen in Siegmunds Lehn,
Als sie reiten wollten   gen Nibelungenland;
Da war auch aufgeladen   der Recken Zeug und Gewand.

Da gieng Knig Siegmund   vor Kriemhilden stehn                    1118
Und sprach zu der Frauen:   "Die in Siegfrieds Lehn
Warten bei den Rossen:   reiten wir denn hin,
Da ich gar so ungern   hier bei den Burgunden bin."

Frau Kriemhild sprach: "Mir rathen   hier die Freunde mein,        1119
Die besten, die ich habe,   bei ihnen soll' ich sein.
Ich habe keinen Blutsfreund   in Nibelungenland."
Leid war es Siegmunden,   da er die an Kriemhild fand.

Da sprach Knig Siegmund:   "Das lat euch Niemand sagen:          1120
Vor allen meinen Freunden   sollt ihr die Krone tragen
Nach rechter Knigswrde,   wie ihr vordem gethan:
Ihr sollt es nicht entgelten,   da ihr verloren habt den Mann.

"Fahrt auch mit uns zur Heimat   um euer Kindelein:                1121
Das sollt ihr eine Waise,   Frau, nicht laen sein.
Ist euer Sohn erwachen,   er trstet euch den Muth.
Derweil soll euch dienen   mancher Degen khn und gut."

Sie sprach: "Mein Herr Siegmund,   ich kann nicht mit euch gehn.   1122
Ich mu hier verbleiben,   was halt mir mag geschehn,
Bei meinen Anverwandten,   die mir helfen klagen."
Da wollten diese Mren   den guten Recken nicht behagen.

Sie sprachen einhellig:   "So mchten wir gestehn,                 1123
Es sei in dieser Stunde   uns erst ein Leid geschehn.
Wollt ihr hier im Lande   bei unsern Feinden sein,
So knnte Helden niemals   eine Hoffahrt bler gedeihn."

"Ihr sollt ohne Sorge   Gott befohlen fahren:                      1124
Ich schaff euch gut Geleite   und hei euch wohl bewahren
Bis zu euerm Lande;   mein liebes Kindelein
Das soll euch guten Recken   auf Gnade befohlen sein."

Als sie das recht vernahmen,   sie wolle nicht hindann,            1125
Da huben Siegfrieds Mannen   all zu weinen an.
Mit welchem Herzensjammer   nahm da Siegmund
Urlaub von Kriemhilden!   Da ward ihm Unfreude kund.

"Weh dieses Hofgelages!"   sprach der Knig hehr.                  1126
"Einem Knig und den Seinen   geschieht wohl nimmermehr
Einer Kurzweil willen,   was uns hier ist geschehn:
Man soll uns nimmer wieder   hier bei den Burgunden sehn."

Da sprachen laut die Degen   in Siegfriedens Heer:                 1127
"Wohl mchte noch die Reise   geschehen hieher,
Wenn wir den nur fanden,   der uns den Herrn erschlug.
Sie haben Todfeinde   bei seinen Freunden genug."

Er ksste Kriemhilden:   klglich sprach er da,                    1128
Als er daheim zu bleiben   sie so entschloen sah:
"Wir reiten arm an Freuden   nun heim in unser Land!
All mein Kummer   ist mir erst jetzo bekannt."

Sie ritten ungeleitet   von Worms an den Rhein:                    1129
Sie mochten wohl des Muthes   in ihrem Sinne sein,
Wenn sie in Feindschaft   wrden angerannt,
Da sich schon wehren solle   der khnen Niblungen Hand.

Sie erbaten Urlaub   von Niemanden sich.                           1130
Da sah man Geiselheren   und Gernot minniglich
Zu dem Knig kommen;   ihnen war sein Schade leid:
Das lieen ihn wohl schauen   die khnen Helden allbereit.

Da sprach wohlgezogen   der khne Gernot:                          1131
"Wohl wei es Gott im Himmel,   an Siegfriedens Tod
Bin ich ganz unschuldig:   ich hrt auch niemals sagen,
Wer ihm Feind hier wre:   ich mu ihn billig beklagen."

Da gab ihm gut Geleite   Geiselher das Kind.                       1132
Er bracht ohne Sorgen,   die sonst bei Leide sind,
Den Knig und die Recken   heim nach Niederland.
Wie wenig der Verwandten   man dort frhlich wiederfand!

Wie's ihnen nun ergangen ist,   wei ich nicht zu sagen.           1133
Man hrte hier Kriemhilden   zu allen Zeiten klagen,
Da ihr Niemand trstete   das Herz noch den Muth
Als ihr Bruder Geiselher:   der war getreu und auch gut.

Brunhild die schne   des Uebermuthes pflag:                       1134
Wie viel Kriemhild weinte,   was fragte sie darnach!
Sie war zu Lieb und Treue   ihr nimmermehr bereit;
Bald schuf auch ihr Frau Kriemhild   wohl so ungefges Leid.

       *       *       *       *       *




Neunzehntes Abenteuer.

Wie der Nibelungenhort nach Worms kam.


Als die edle Kriemhild   so verwitwet ward,                        1135
Blieb bei ihr im Lande   der Markgraf Eckewart
Zurck mit seinen Mannen,   wie ihm die Treu gebot.
Er diente seiner Frauen   willig bis an seinen Tod.

Zu Worms am Mnster wies man   ihr ein Gezimmer an,                1136
Weit und gerumig,   reich und wohlgethan,
Wo mit dem Gesinde   die Freudenlose sa.
Sie gieng zur Kirche gerne,   mit groer Andacht that sie das.

Wo ihr Freund begraben lag,   wie fleiig gieng sie                1137
Sie that es alle Tage   mit trauerndem Sinn
Und bat seiner Seele   Gott den Herrn zu pflegen:
Gar oft bejammert wurde   mit groer Treue der Degen.

Ute und ihr Gesinde   sprachen ihr immer zu,                       1138
Und doch im wunden Herzen   fand sie so wenig Ruh,
Es konnte nicht verfangen   der Trost, den man ihr bot.
Sie hatte nach dem Freunde   die allergreste Noth,

Die nach liebem Manne   je ein Weib gewann:                        1139
Ihre groe Treue   ersah man wohl daran.
Sie klagt' ihn bis zu Ende,   da sie zu sterben kam.
Bald rchte sie gewaltig   mit groer Treue den Gram.

Sie sa in ihrem Leide,   das ist alles wahr,                      1140
Nach ihres Mannes Tode   bis in das vierte Jahr
Und hatte nie zu Gunthern   gesprochen einen Laut
Und auch Hagen ihren Feind   in all der Zeit nicht erschaut.

Da sprach von Tronje Hagen:   "Knnte das geschehn,                1141
Da ihr euch die Schwester   gewogen mchtet sehn,
So km zu diesem Lande   der Nibelungen Gold:
Des mgt ihr viel gewinnen,   wird uns die Knigin hold."

"Wir wollen es versuchen,"   sprach der Knig hehr.                1142
"Es sollen fr uns bitten   Gernot und Geiselher,
Bis sie es erlangen,   da sie das gerne sieht."
"Ich glaube nicht," sprach Hagen,   "da es jemals geschieht."

Da befahl er Ortweinen   hin an Hof zu gehn                        1143
Und dem Markgrafen Gere:   als das war geschehn,
Brachte man auch Gernot   und Geiselhern das Kind:
Da versuchten bei Kriemhilden   sie es freundlich und gelind.

Da sprach von Burgunden   der khne Gernot:                        1144
"Frau, ihr klagt zu lange   um Siegfriedens Tod.
Der Knig will euch zeigen,   er hab ihn nicht erschlagen:
Man hrt zu allen Zeiten   euch so heftig um ihn klagen."

Sie sprach: "Des zeiht ihn Niemand,   ihn schlug Hagens Hand.      1145
Wo er verwundbar wre,   macht ich ihm bekannt.
Wie konnt ich michs versehen,   er trg ihm Ha im Sinn!
Sonst htt ichs wohl vermieden,"   sprach die edle Knigin,

"Da ich verraten htte   seinen schnen Leib:                     1146
So lie' ich nun mein Weinen,   ich unselig Weib!
Hold werd ich ihnen nimmer,   die das an ihm gethan!"
Zu flehn begann da Geiselher,   dieser waidliche Mann.

Sie sprach: "Ich mu ihn gren,   ihr liegt zu sehr mir an.       1147
Von euch ist's groe Snde:   Gunther hat mir gethan
So viel Herzeleides   ganz ohne meine Schuld:
Mein Mund schenkt ihm Verzeihung,   mein Herz ihm nimmer die Huld."

"Hernach wird es beer,"   ihre Freunde sprachen so.               1148
"Wenn ers zu Wege brchte,   da wir sie shen froh!"
"Er mags ihr wohl vergten,"   sprach da Gernot.
Da sprach die Jammersreiche:   "Seht, nun leist ich eur Gebot:

"Ich will den Knig gren."   Als er das vernahm,                 1149
Mit seinen besten Freunden   der Knig zu ihr kam.
Da getraute Hagen   sich nicht, zu ihr zu gehn:
Er kannte seine Schuld wohl:   ihr war Leid von ihm geschehn.

Als sie verschmerzen wollte   auf Gunther den Ha,                 1150
Da er sie kssen sollte,   wohl ziemte sich ihm das.
Wr ihr mit seinem Willen   so leid nicht geschehn,
So drft er dreisten Muthes   immer zu Kriemhilden gehn.

Es ward mit so viel Thrnen   nie eine Shne mehr                  1151
Gestiftet unter Freunden.   Sie schmerzt' ihr Schade sehr.
Doch verzieh sie allen   bis auf den Einen Mann:
Niemand htt ihn erschlagen,   htt es Hagen nicht gethan.

Nun whrt' es nicht mehr lange,   so stellten sie es an,           1152
Da die Knigstochter   den groen Hort gewann
Vom Nibelungenlande   und bracht ihn an den Rhein:
Ihre Morgengabe war es   und must ihr billig eigen sein.

Nach diesem fuhr da Geiselher   und auch Gernot.                   1153
Achtzighundert Mannen   Frau Kriemhild gebot,
Da sie ihn holen sollten,   wo er verborgen lag
Und sein der Degen Alberich   mit seinen besten Freunden pflag.

Als man des Schatzes willen   vom Rhein sie kommen sah,            1154
Alberich der khne   sprach zu den Freunden da:
"Wir drfen ihr wohl billig   den Hort nicht entziehn,
Da sein als Morgengabe   heischt die edle Knigin.

"Dennoch sollt es nimmer,"   sprach Alberich, "geschehn,           1155
Msten wir nicht leider   uns verloren sehn
Die gute Tarnkappe   mit Siegfried zumal,
Die immer hat getragen   der schnen Kriemhild Gemahl.

"Nun ist es Siegfrieden   leider schlimm bekommen,                 1156
Da die Tarnkappe   der Held uns hat genommen,
Und da ihm dienen muste   all dieses Land."
Da gieng dahin der Kmmerer,   wo er die Schlel liegen fand.

Da standen vor dem Berge,   die Kriemhild gesandt,                 1157
Und mancher ihrer Freunde:   man lie den Schatz zur Hand
Zu dem Meere bringen   an die Schiffelein
Und fhrt' ihn auf den Wellen   bis zu Berg in den Rhein.

Nun mgt ihr von dem Horte   Wunder hren sagen:                   1158
Zwlf Leiterwagen konnten   ihn kaum von dannen tragen
In vier Tag und Nchten   aus des Berges Schacht,
Htten sie des Tages   den Weg auch dreimal gemacht.

Es war auch nichts anders   als Gestein und Gold.                  1159
Und htte man die ganze Welt   erkauft mit diesem Gold,
Um keine Mark vermindern   mcht es seinen Werth.
Wahrlich Hagen hatte   nicht ohne Grund sein begehrt.

Der Wunsch lag darunter,   ein golden Rthelein:                   1160
Wer es htt erkundet,   der mchte Meister sein
Auf der weiten Erde   wohl ber jeden Mann.
Von Albrichs Freunden zogen   mit Gernot Viele hinan.

Als Gernot der Degen   und der junge Geiselher                     1161
Des Horts sich unterwanden,   da wurden sie auch Herr
Des Landes und der Burgen   und der Recken wohlgestalt:
Die musten ihnen dienen   zumal durch Furcht und Gewalt.

Als sie den Hort gewannen   in Knig Gunthers Land,                1162
Und sich darob die Knigin   der Herrschaft unterwand,
Kammern und Thrme   die wurden voll getragen;
Man hrte nie von Schtzen   so groe Wunder wieder sagen.

Und wren auch die Schtze   noch grer tausendmal,               1163
Und wr der edle Siegfried   erstanden von dem Fall,
Gern wre bei ihm Kriemhild   geblieben hemdeblo.
Nie war zu einem Helden   eines Weibes Treue so gro.

Als sie den Hort nun hatte,   da brachte sie ins Land              1164
Viel der fremden Recken;   wohl gab der Frauen Hand,
Da man so groe Milde   nie zuvor gesehn.
Sie bte hohe Gte:   das muste man ihr zugestehn.

Den Armen und den Reichen   zu geben sie begann.                   1165
Hagen sprach zum Knig:   "Lt man sie so fortan
Noch eine Weile schalten,   so wird sie in ihr Lehn
So manchen Degen bringen,   da es uns bel mu ergehn."

Da sprach Knig Gunther:   "Ihr gehrt das Gut:                    1166
Wie darf ich mich drum kmmern,   was sie mit ihm thut?
Ich konnt es kaum erlangen,   da sie mir wurde hold;
Nicht frag ich, wie sie theilet   ihr Gestein und rohes Gold."

Hagen sprach zum Knig:   "Es vertraut ein kluger Mann             1167
Doch solche Schtze billig   keiner Frauen an:
Sie bringt es mit Gaben   wohl noch an den Tag,
Da es sehr gereuen   die khnen Burgunden mag."

Da sprach Knig Gunther:   "Ich schwur ihr einen Eid,              1168
Da ich ihr nie wieder   fgen wollt ein Leid,
Und will es knftig meiden:   sie ist die Schwester mein."
Da sprach wieder Hagen:   "Lat mich den Schuldigen sein."

Sie nahmen ihre Eide   meistens schlecht in Hut:                   1169
Da raubten sie der Witwe   das mchtige Gut.
Hagen aller Schlel   dazu sich unterwand.
Ihr Bruder Gernot zrnte,   als ihm das wurde bekannt.

Da sprach der junge Geiselher:   "Viel Leides ist geschehn         1170
Von Hagen meiner Schwester:   dem sollt ich widerstehn:
Wr er nicht mein Blutsfreund,   es gieng' ihm an den Leib."
Wieder neues Weinen   begann da Siegfriedens Weib.

Da sprach Knig Gernot:   "Eh wir solche Pein                      1171
Um dieses Gold erlitten,   wir solltens in den Rhein
All versenken laen:   so gehrt' es Niemand an."
Sie kam mit Klaggebrde   da zu Geiselher heran.

Sie sprach: "Lieber Bruder,   du sollst gedenken mein,             1172
Lebens und Gutes   sollst du ein Vogt mir sein."
Da sprach er zu der Schwester:   "Gewiss, es soll geschehn,
Wenn wir wiederkommen:   eine Fahrt ist zu bestehn."

Gunther und seine Freunde   rumten das Land,                      1173
Die allerbesten drunter,   die man irgend fand;
Hagen nur alleine   verblieb um seinen Ha,
Den er Kriemhilden hegte:   ihr zum Schaden that er das.

Eh der reiche Knig   wieder war gekommen,                         1174
Derweil hatte Hagen   den ganzen Schatz genommen:
Er lie ihn bei dem Loche   versenken in den Rhein.
Er whnt', er sollt ihn nutzen;   das aber konnte nicht sein.

Bevor von Tronje Hagen   den Schatz also verbarg,                  1175
Da hatten sie's beschworen   mit Eiden hoch und stark,
Da er verhohlen bliebe,   so lang sie mchten leben:
So konnten sie's sich selber   noch auch Jemand anders geben.

Die Frsten kamen wieder,   mit ihnen mancher Mann.                1176
Kriemhild den groen Schaden   zu klagen da begann
Mit Mgdlein und Frauen;   sie hatten Herzensnoth.
Da stellten sich die Degen,   als snnen sie auf seinen Tod.

Sie sprachen einhellig:   "Er hat nicht wohlgethan."               1177
Bis er zu Freunden wieder   die Frsten sich gewann,
Entwich er ihrem Zorne:   sie lieen ihn genesen;
Aber Kriemhild konnt ihm   wohl nicht feinder sein gewesen.

Mit neuem Leide wieder   belastet war ihr Muth,                    1178
Erst um des Mannes Leben   und nun, da sie das Gut
Ihr so gar benahmen:   da ruht' auch ihre Klage,
So lang sie lebte, nimmer   bis zu ihrem jngsten Tage.

Nach Siegfriedens Tode,   das ist alles wahr,                      1179
Lebte sie im Leide   noch dreizehen Jahr,
Da ihr der Tod des Recken   stts im Sinne lag:
Sie wahrt' ihm immer Treue;   das rhmen ihr die Meisten nach.

Eine reiche Frstenabtei   hatte Frau Ute                          1180
Nach Dankrats Tod gestiftet   von ihrem Gute
Mit groen Einknften,   die es noch heute zieht:
Dort zu Lorsch das Kloster,   das man in hohen Ehren sieht.

Dazu gab auch Kriemhild   hernach ein groes Theil                 1181
Um Siegfriedens Seele   und aller Seelen Heil
Gold und Edelsteine   mit williger Hand;
Getreuer Weib auf Erden   ward uns selten noch bekannt.

Seit Kriemhild Knig Gunthern   wieder schenkte Huld               1182
Und dann doch den groen Hort   verlor durch seine Schuld,
Ihres Herzeleides   ward da noch viel mehr:
Da zge gern von dannen   die Fraue edel und hehr.

Nun war Frau Uten   ein Sedelhof bereit                            1183
Zu Lorsch bei ihrem Kloster,   reich, gro und weit,
Dahin von ihren Kindern   sie zog und sich verbarg,
Wo noch die hehre Knigin   begraben liegt in einem Sarg.

Da sprach die Knigswitwe:   "Liebe Tochter mein,                  1184
Hier magst du nicht verbleiben:   bei mir denn sollst du sein,
Zu Lorsch in meinem Hause,   und lst dein Weinen dann."
Kriemhild gab zur Antwort:   "Wo lie' ich aber meinen Mann?"

"Den la nur hier verbleiben,"   sprach Frau Ute.                  1185
"Nicht woll es Gott vom Himmel,"   sprach da die Gute.
"Nein, liebe Mutter,   davor will ich mich wahren:
"ein Mann mu von hinnen   in Wahrheit auch mit mir fahren."

Da schuf die Jammersreiche,   da man ihn erhub                    1186
Und sein Gebein, das edle,   wiederum begrub
Zu Lorsch bei dem Mnster   mit Ehren mannigfalt:
Da liegt im langen Sarge   noch der Degen wohlgestalt.

Zu denselben Zeiten,   da Kriemhild gesollt                        1187
Zu ihrer Mutter ziehen,   wohin sie auch gewollt,
Da muste sie verbleiben,   weil es nicht sollte sein:
Das schufen neue Mren,   die da kamen ber Rhein.

       *       *       *       *       *




Zwanzigste Abenteuer.

Wie Knig Etzel um Kriemhilden sandte.


Das war in jenen Zeiten,   als Frau Helke starb                    1188
Und der Knig Etzel   um andre Frauen warb,
Da riethen seine Freunde   in Burgundenland
Zu einer stolzen Witwe,   die war Frau Kriemhild genannt.

Seit ihm die schne Helke   erstarb, die Knigin,                  1189
Sie sprachen: "Sinnt ihr wieder   auf edler Frau Gewinn,
Der hchsten und der besten,   die je ein Frst gewann,
So nehmet Kriemhilden;   der starke Siegfried war ihr Mann."

Da sprach der reiche Knig:   "Wie gienge das wohl an?             1190
Ich bin ein Heide,   ein ungetaufter Mann,
Sie jedoch ist Christin   sie thut es nimmermehr.
Ein Wunder mst es heien,   km sie jemals hieher."

Die Schnellen sprachen wieder:   "Vielleicht, da sie es thut      1191
Um euern hohen Namen   und euer groes Gut.
Man soll es doch versuchen   bei dem edeln Weib:
Euch ziemte wohl zu minnen   ihren wonniglichen Leib."

Da sprach der edle Knig:   "Wem ist nun bekannt                   1192
Unter euch am Rheine   das Volk und auch das Land?"
Da sprach von Bechlaren   der gute Rdiger:
"Kund von Kindesbeinen   sind mir die edeln Knige hehr,

"Gunther und Gernot,   die edeln Ritter gut;                       1193
Der dritte heit Geiselher:   ein Jeglicher thut,
Was er nach Zucht und Ehren   am besten mag begehn:
Auch ist von ihren Ahnen   noch stts dasselbe geschehn."

Da sprach wieder Etzel:   "Freund, nun sage mir,                   1194
Ob ihr wohl die Krone   ziemt zu tragen hier;
Und hat sie solche Schne,   wie man sie zeiht,
Meinen besten Freunden   sollt es nimmer werden leid."

"Sie vergleicht sich an Schne   wohl der Frauen mein,             1195
Helke der reichen:   nicht schner knnte sein
Auf der weiten Erde   eine Knigin:
Wen sie erwhlt zum Freunde,   der mag wohl trsten den Sinn."

Er sprach: "So wirb sie, Rdiger,   so lieb als ich dir sei.       1196
Und darf ich Kriemhilden   jemals liegen bei,
Das will ich dir lohnen,   so gut ich immer kann;
Auch hast du meinen Willen   mit groer Treue gethan.

"Von meinem Kammergute   la ich so viel dir geben,                1197
Da du mit den Gefhrten   in Freude mgest leben;
Von Rossen und von Kleidern,   was ihr nur begehrt,
Des wird zu der Botschaft   euch die Genge gewhrt."

Zur Antwort gab der Markgraf,   der reiche Rdiger:                1198
"Begehrt' ich deines Gutes,   das ziemte mir nicht sehr.
Ich will dein Bote gerne   werden an den Rhein
Mit meinem eignen Gute;   ich hab es aus den Hnden dein."

Da sprach der reiche Knig:   "Wann denkt ihr zu fahren            1199
Nach der Minniglichen?   So soll euch Gott bewahren
Dabei an allen Ehren   und auch die Fraue mein;
Und mge Glck mir helfen,   da sie uns gndig mge sein."

Da sprach wieder Rdiger:   "Eh wir rumen dieses Land,            1200
Men wir uns rsten   mit Waffen und Gewand,
Da wir vor den Knigen   mit Ehren drfen stehn:
Ich will zum Rheine fhren   fnfhundert Degen ausersehn.

"Wenn man bei den Burgunden   mich und die Meinen seh,             1201
Da dann einstimmig   das Volk im Land gesteh,
Es habe nie ein Knig   noch so manchen Mann
So fern daher gesendet,   als du zum Rheine gethan.

"Und wi, edler Knig,   stehst du darob nicht an,                 1202
Sie war dem besten Manne,   Siegfrieden unterthan,
Siegmundens Sohne;   du hast ihn hier gesehn:
Man mocht ihm groe Ehre   wohl in Wahrheit zugestehn."

Da sprach der Knig Etzel:   "War sie dem Herrn vermhlt,          1203
Sie war so hohes Namens   der edle Frst erwhlt,
Da ich nicht verschmhen   darf die Knigin.
Ob ihrer groen Schnheit   gefllt sie wohl meinem Sinn."

Da sprach der Markgraf wieder:   "Wohlan, ich will euch sagen,     1204
Wir heben uns von hinnen   in vierundzwanzig Tagen.
Ich entbiet es Gotelinden,   der lieben Fraue mein,
Da ich zu Kriemhilden   selber wolle Bote sein."

Hin gen Bechelaren   sandte Rdiger                                1205
Boten seinem Weibe,   der Markgrfin hehr,
Er werbe fr den Knig   um eine Knigin:
Der guten Helke dachte   sie da mit freundlichem Sinn.

Als die Botenkunde   die Markgrfin gewann,                        1206
Leid war es ihr zum Theile,   zu sorgen hub sie an,
Ob sie wohl eine Herrin   gewnne so wie eh.
Gedachte sie an Helke,   das that ihr inniglich weh.

Nach sieben Tagen Rdiger   ritt aus Heunenland,                   1207
Worber frohgemuthet   man Knig Etzeln fand.
Man fertigte die Kleider   in der Stadt zu Wien;
Da wollt er mit der Reise   auch nicht lnger mehr verziehn.

Zu Bechlaren harrte   sein Frau Gotelind                           1208
Und die junge Markgrfin,   Rdigers Kind,
Sah ihren Vater gerne   und Die ihm unterthan;
Da ward ein liebes Harren   von schnen Frauen gethan.

Eh der edle Rdiger   aus der Stadt zu Wien                        1209
Ritt nach Bechlaren,   da waren hier fr ihn
Kleider und Gewaffen   auf Sumern angekommen.
Sie fuhren solcherweise,   da ihnen wenig ward genommen.

Als sie zu Bechlaren   kamen in die Stadt,                         1210
Fr seine Heergesellen   um Herbergen bat
Der Wirth mit holden Worten:   die gab man ihnen da.
Gotelind die reiche   den Wirth gar gerne kommen sah.

Auch seine liebe Tochter,   die Marfgrfin jung,                   1211
Ob ihres Vaters Kommen   war sie froh genung,
Aus Heunenland die Helden,   wie gern sie die sah!
Mit lachendem Muthe   sprach die edle Jungfrau da:

"Willkommen sei mein Vater   und Die ihm unterthan."               1212
Da ward ein schnes Danken   von manchem werthen Mann
Freundlich geboten   der jungen Markgrfin.
Wohl kannte Frau Gotlind   des edeln Rdiger Sinn.

Als sie des Nachts nun   bei Rdigern lag,                         1213
Mit holden Worten fragte   die Markgrfin nach,
Wohin ihn denn gesendet   der Frst von Heunenland?
"Meine Frau Gotlind," sprach er,   "ich mach es gern euch bekannt.

"Meinem Herren werben   soll ich ein ander Weib,                   1214
Da ihm ist erstorben   der schnen Helke Leib.
Nun will ich nach Kriemhilden   reiten an den Rhein:
Die soll hier bei den Heunen   gewaltge Knigin sein."

"Das wollte Gott!" sprach Gotlind,   "mcht uns dies Heil geschehn,1215
Da wir so hohe Ehren   ihr hren zugestehn.
Sie ersetzt uns Helken   vielleicht in alten Tagen;
Wir mgen bei den Heunen   sie gerne sehen Krone tragen."

Da sprach Markgraf Rdiger:   "Liebe Fraue mein,                   1216
Die mit mir reiten sollen   von hinnen an den Rhein,
Denen sollt ihr freundlich   bieten euer Gut:
Wenn Helden reichlich leben,   so tragen sie hohen Muth."

Sie sprach: "Da ist nicht Einer,   wenn er es gerne nhm,          1217
Ich wollt ihm willig bieten,   was Jeglichem genehm,
Eh ihr von hinnen scheidet   und Die euch unterthan."
Da sprach der Markgraf wieder:   "Ihr thut mir Liebe daran."

Hei! was man reicher Zeuge   von ihrer Kammer trug!                1218
Da ward den edeln Recken   Gewand zu Theil genug
Mit allem Flei gefttert   vom Hals bis auf die Sporen;
Die ihm davon gefielen,   hatte Rdger sich erkoren.

Am siebenten Morgen   von Bechlaren ritt                           1219
Der Wirth mit seinen Degen.   Sie fhrten Waffen mit
Und Kleider auch die Flle   durch der Baiern Land.
Sie wurden auf der Strae   von Rubern selten angerannt.

Binnen zwlf Tagen   kamen sie an den Rhein.                       1220
Da konnte diese Mre   nicht lang verborgen sein:
Dem Knig und den Seinen   ward es kund gethan,
Es kmen fremde Gste.   Der Wirth zu fragen begann,

Ob sie Jemand kennte?   das sollte man ihm sagen.                  1221
Man sah die Saumrosse   schwere Lasten tragen:
Wie reich die Helden waren,   ward daran erkannt.
Herberge schuf man ihnen   in der weiten Stadt zuhand.

Als die Gste waren   in die Stadt gekommen,                       1222
Ihres Aufzugs hatte man   mit Neugier wahrgenommen.
Sie wunderte, von wannen   sie kmen an den Rhein.
Der Wirth fragte Hagen,   wer die Herren mchten sein?

Da sprach der Held von Tronje:   "Ich sah sie noch nicht;          1223
Wenn ich sie erschaue,   mag ich euch Bericht
Wohl geben, von wannen   sie ritten in dies Land.
Sie wren denn gar fremde,   so sind sie gleich mir bekannt."

Herbergen hatten   die Gste nun empfahn.                          1224
Der Bote hatte reiche   Gewnder angethan
Mit seinen Heergesellen,   als sie zu Hofe ritten.
Sie trugen gute Kleider,   die waren zierlich geschnitten.

Da sprach der schnelle Hagen:   "So viel ich mag verstehn,         1225
Da ich seit langen Tagen   den Herrn nicht hab ersehn,
So sind sie so zu schauen,   als wr es Rdiger
Aus der Heunen Lande,   dieser Degen khn und hehr."

"Wie sollt ich das glauben,"   der Knig sprachs zuhand,           1226
"Da der von Bechelaren   kam in dieses Land?"
Kaum hatte Knig Gunther   das Wort gesprochen gar,
So nahm der khne Hagen   den guten Rdiger wahr.

Er und seine Freunde   liefen ihm entgegen:                        1227
Da sprangen von den Rossen   fnfhundert schnelle Degen.
Wohl empfangen wurden   die von Heunenland;
Niemals trugen Boten   wohl so herrlich Gewand.

Da rief von Tronje Hagen   mit lauter Stimme Schall:               1228
"Nun sei'n uns hochwillkommen   diese Degen all,
Der Vogt von Bechelaren   mit seiner ganzen Schar."
Man empfieng mit Ehren   die schnellen Heunen frwahr.

Des Knigs nchste Freunde   drngten sich heran:                  1229
Da hub von Metzen Ortewein   zu Rdigern an:
"Wir haben lange Tage   hier nicht mehr gesehn
Also liebe Gste,   das mu ich wahrlich gestehn!"

Sie dankten des Empfanges   den Recken allzumal.                   1230
Mit dem Heergesinde   giengen sie zum Saal,
Wo sie den Knig fanden   bei manchem khnen Mann.
Der stand empor vom Sitze:   das ward aus hfscher Zucht gethan.

Wie freundlich dem Boten   er entgegengieng                        1231
Und allen seinen Degen!   Gernot auch empfieng
Den Gast mit hohen Ehren   und Die ihm unterthan.
Den guten Rdger fhrte   der Knig an der Hand heran.

Er bracht' ihn zu dem Sitze,   darauf er selber sa.               1232
Den Gsten lie er schenken   (gerne that man das)
Von dem guten Methe   und von dem besten Wein,
Den man mochte finden   in den Landen um den Rhein.

Geiselher und Gere   waren auch gekommen,                          1233
Dankwart und Volker,   die hatten bald vernommen
Von den werthen Gsten.   Sie waren wohlgemuth:
Sie empfiengen vor dem Knig   die Ritter edel und gut.

Da sprach von Tronje Hagen   zu Gunthern seinem Herrn:             1234
"Mit Dienst vergelten sollten   stts eure Degen gern,
Was uns der Markgraf   zu Liebe hat gethan;
Des sollte Lohn empfangen   der schnen Gotlinde Mann."

Da sprach der Knig Gunther:   "Ich lae nicht das Fragen:         1235
Wie beide sich gehaben,   das sollt ihr mir sagen,
Etzel und Frau Helke   in der Heunen Land?"
Der Markgraf gab zur Antwort:   "Ich mach es gern euch bekannt."

Da erhob er sich vom Sitze   und Die ihm unterthan                 1236
Und sprach zu dem Knig:   "Lat mich Erlaub empfahn,
Da ich die Mre sage,   um die mich hat gesandt
Etzel der Knig   hieher in der Burgunden Land."

Er sprach: "Was man uns immer   durch euch entboten hat,           1237
Erlaub ich euch zu sagen   ohne der Freunde Rath.
Die Mre lat vernehmen   mich und die Degen mein:
Euch soll nach allen Ehren   zu werben hier gestattet sein."

Da sprach der biedre Bote:   "Euch entbietet an den Rhein          1238
Seine treuen Dienste   der groe Knig mein,
Dazu den Freunden allen,   die euch zugethan;
Auch wird euch diese Botschaft   mit groer Treue gethan.

"Euch lt der edle Knig   klagen seine Noth:                     1239
Sein Volk ist ohne Freude,   meine Frau die ist todt,
Helke die reiche,   meines Herrn Gemahl:
An der sind schne Jungfraun   nun verwaist in groer Zahl,

"Edler Frsten Kinder,   die sie erzogen hat;                      1240
Darum hat im Lande   nun groe Trauer Statt:
Sie haben leider Niemand mehr,   der sie so treulich pflegt,
Drum whn ich auch, da selten   des Knigs Sorge sich legt."

"Nun lohn ihm Gott," sprach Gunther,   "da er die Dienste sein    1241
So williglich entbietet   mir und den Freunden mein.
Ich hrte gern die Gre,   die ihr mir kund gethan;
Auch wollen sie verdienen   Die mir treu und unterthan."

Da sprach von Burgunden   der edle Gernot:                         1242
"Die Welt mag wohl beklagen   der schnen Helke Tod
Um manche hfsche Tugend,   der sie gewohnt zu pflegen."
Das besttigte Hagen   und mancher andre Degen.

Da sprach wieder Rdiger,   der edle Bote hehr:                    1243
"Erlaubt ihr mir, Herr Knig,   so sag ich euch noch mehr,
Was mein lieber Herre   euch hieher entbot:
Er lebt in groem Kummer   seit der Knigin Helke Tod.

"Man sagte meinem Herren,   Kriemhild sei ohne Mann,               1244
Da Siegfried gestorben:   und sprach man wahr daran,
Und wollt ihr ihrs vergnnen,   so soll sie Krone tragen
Vor Knig Etzels Recken:   das gebot mein Herr ihr zu sagen."

Da sprach Knig Gunther   mit wohlgezognem Muth:                   1245
"Sie hrt meinen Willen,   wenn sie es gerne thut.
Das will ich euch berichten   von heut in dreien Tagen:
Wenn sie es nicht weigert,   wie sollt ichs Etzel versagen?"

Man lie Gemach bescheiden   den Gsten allzuhand.                 1246
Sie fanden solche Pflege,   da Rdiger gestand,
Er habe gute Freunde   in Knig Gunthers Lehn.
Gerne dient' ihm Hagen:   ihm war einst Gleiches geschehn.

So verweilte Rdiger   bis an den dritten Tag.                     1247
Der Frst berief die Rthe,   wie er weislich pflag,
Und fragte seine Freunde,   ob sie es gut gethan
Duchte, da Kriemhild   Herrn Etzeln nhme zum Mann.

Da riethen sie es alle;   nur Hagen stands nicht an.               1248
Er sprach zu Knig Gunther,   diesem khnen Mann:
"Habt ihr kluge Sinne,   so seid wohl auf der Hut,
Wenn sie auch folgen wollte,   da ihr doch nimmer es thut."

"Warum," sprach da Gunther,   "lie' ich es nicht ergehn?          1249
Was knftig noch der Knigin   Liebes mag geschehn,
Will ich ihr gerne gnnen:   sie ist die Schwester mein.
Wir msten selbst drum werben,   sollt es ihr zur Ehre sein."

Da sprach aber Hagen:   "Das sprecht ihr unbedacht.                1250
Wenn ihr Etzeln kenntet   wie ich und seine Macht,
Und liet ihr sie ihn minnen,   wie ich euch hre sagen,
Das mstet ihr vor Allen   mit groem Rechte beklagen."

"Warum?" sprach da Gunther,   "leicht vermeid ich das,             1251
Ihm je so nah zu kommen,   da ich durch seinen Ha
Leid zu befahren htte,   wrd er auch ihr Mann."
Da sprach wieder Hagen:   "Mich dnkt es nimmer wohlgethan."

Da lud man Gernoten   und Geiselhern heran,                        1252
Ob die Herren beide   duchte wohlgethan,
Wenn Frau Kriemhild nhme   den mchtgen Knig hehr.
Noch widerrieth es Hagen   und auch anders Niemand mehr.

Da sprach von Burgunden   Geiselher der Degen:                     1253
"Nun mgt ihr, Freund Hagen,   noch der Treue pflegen:
Entschdigt sie des Leides,   das ihr ihr habt gethan.
Was ihr noch mag gelingen,   das sht ihr billig neidlos an."

"Wohl habt ihr meiner Schwester   gefgt so groes Leid,"          1254
Sprach da wieder Geiselher,   der Degen allbereit,
"Ihr httets wohl verschuldet,   wre sie euch gram:
Noch Niemand einer Frauen   so viel der Freuden benahm."

"Da ich das wohl erkenne,   das sei euch frei bekannt.            1255
Und soll sie Etzeln nehmen   und kommt sie in sein Land,
Wie sie es fgen mge,   viel Leid thut sie uns an.
Wohl kommt in ihre Dienste   da mancher waidliche Mann."

Dawider sprach zu Hagen   der khne Gernot:                        1256
"Es mag dabei verbleiben   bis an Beider Tod,
Da wir niemals kommen   in Knig Etzels Land.
Lat uns ihr Treue leisten:   zu Ehren wird uns das gewandt."

Da sprach Hagen wieder:   "Das la ich mir Niemand sagen;          1257
Und soll die edle Kriemhild   Helkens Krone tragen,
Viel Leid wird sie uns schaffen,   wo sie's nur fgen kann:
Ihr sollt es bleiben laen,   das stnd euch Recken beer an."

Im Zorn sprach da Geiselher,   der schnen Ute Kind:               1258
Wir wollen doch nicht alle   meineidig sein gesinnt.
Was ihr geschieht zu Ehren,   lat uns froh drum sein.
Was ihr auch redet, Hagen,   ich dien ihr nach der Treue mein."

Als das Hagen hrte,   da trbte sich sein Muth.                   1259
Geiselher und Gernot,   die stolzen Ritter gut,
Und Gunther der reiche   vereinten endlich sich,
Wenn es Kriemhild wnsche,   sie wolltens dulden williglich.

Da sprach Markgraf Gere:   "So geh ich ihr zu sagen,               1260
Da sie den Knig Etzel   sich lae wohlhagen.
Dem ist so mancher Recke   mit Furchten unterthan,
Er mag ihr wohl vergten,   was sie je Leides gewann."

Hin gieng der schnelle Degen,   wo er Kriemhilden sah.             1261
Sie empfieng ihn gtlich;   wie balde sprach er da:
"Ihr mgt mich gern begren   und geben Botenbrot,
Es will das Glck euch scheiden   nun von all eurer Noth.

"Es hat um eure Minne,   Frau, hiehergesandt                       1262
Der Allerbesten einer,   der je ein Knigsland
Gewann mit vollen Ehren   und Krone durfte tragen:
Es werben edle Ritter:   das lt euch euer Bruder sagen."

Da sprach die Jammerreiche:   "Verbiete doch euch Gott             1263
Und allen meinen Freunden,   da sie keinen Spott
Mit mir Armen treiben:   was sollt ich einem Mann,
Der je Herzensliebe   von gutem Weibe gewann?"

Sie widersprach es heftig.   Da traten zu ihr her                  1264
Gernot ihr Bruder   und der junge Geiselher.
Sie baten sie in Minne   zu trsten ihren Mut.
Und nehme sie den Knig,   es gerath ihr wahrlich gut.

Bereden mochte Niemand   doch die Knigin                          1265
Noch einen Mann zu minnen   auf Erden frderhin.
Da baten sie die Degen:   "So lat es doch geschehn,
Wenn ihr denn nicht anders wollt,   da euch der Bote mge sehn."

"Das will ich nicht versagen,"   sprach die Fraue hehr.            1266
Ich empfange gerne   den guten Rdiger
Ob seiner hfschen Sitte:   wr er nicht hergesandt,
Jedem andern Boten,   dem blieb' ich immer unbekannt."

Sie sprach: "So schickt den Degen   morgen frh heran              1267
Zu meiner Kemenate.   Ich bescheid ihn dann:
Wes ich mich berathen,   will ich ihm selber sagen."
So war ihr jetzt erneuert   das groe Weinen und Klagen.

Da wnschte sich auch anders nichts   der edle Rdiger,            1268
Als da er schauen drfte   die Knigin hehr.
Er wuste sich so weise:   knnt es irgend sein,
So mst er sie bereden,   diesen Recken zu frein.

Frh des andern Morgens   nach dem Messgesang                      1269
Kamen die edeln Boten;   da hub sich groer Drang.
Die mit Rdigeren   zu Hofe sollten gehn,
Die sah man wohlgekleidet,   manchen Degen ausersehn.

Kriemhilde die arme,   in traurigem Muth                           1270
Harrte sie auf Rdiger,   den edeln Boten gut.
Er fand sie in dem Kleide,   das sie fr tglich trug:
Dabei hatt ihr Gesinde   reicher Kleider genug.

Sie gieng ihm entgegen   zu der Thre hin                          1271
Und empfieng Etzels Recken   mit gtlichem Sinn.
Nur selbzwlfter trat er   herein zu der Fraun;
Man bot ihm groe Ehre;   wer mcht auch bere Boten schaun?

Man hie den Herren sitzen   und Die in seinem Lehn.               1272
Die beiden Markgrafen   sah man vor ihr stehn,
Eckewart und Gere,   die edeln Ritter gut.
Um der Hausfrau willen   sahn sie Niemand wohlgemuth.

Sie sahen vor ihr sitzen   manche schne Maid.                     1273
Da hatte Frau Kriemhild   Jammer nur und Leid.
Ihr Kleid war vor den Brsten   von heien Thrnen na.
Das sah der edle Markgraf,   der nicht lnger vor ihr sa.

Er sprach in groen Zchten:   "Viel edles Knigskind,             1274
Mir und den Gefhrten,   die mit mir kommen sind,
Sollt ihr, Frau, erlauben,   da wir vor euch stehn
Und euch melden, weshalb   unsre Reise sei geschehn."

"Ich will euch gern erlauben,"   sprach die Knigin,               1275
"Was ihr wollt, zu reden;   also steht mein Sinn,
da ich es gerne hre:   ihr seid ein Bote gut."
Da merkten wohl die Andern   ihren abgeneigten Muth.

Da sprach von Bechelaren   der Markgraf Rdiger:                   1276
"Euch lt entbieten, Herrin,   Etzel der Knig hehr
Groe Lieb und Treue   hierher in dieses Land;
Er hat um eure Minne   viel gute Recken gesandt.

"Er entbeut euch freundlich   Liebe sonder Leid;                   1277
Er sei stter Freundschaft   nun euch hinfort bereit
Wie Helken einst, der Knigin,   die ihm am Herzen lag:
Ihr sollt die Krone tragen,   deren sie vor Zeiten pflag."

Da sprach zu ihm die Knigin:   "Markgraf Rdiger,                 1278
Wenn meines Herzeleides   Jemand kundig war,
Der wrde mir nicht rathen   zu einem zweiten Mann:
Ich verlor der Besten Einen,   die je ein Weib noch gewann."

"Was trstet mehr im Leide",   sprach der khne Mann,              1279
"Als freundliche Liebe?   Wer die gewhren kann
Und hat sich den erkoren,   der ihm zu Herzen kommt,
Der erfhrt wohl, da im Leide   nichts so sehr als Liebe frommt.

"Und geruht ihr zu minnen   den edeln Herren mein,                 1280
Zwlf reicher Kronen   sollt ihr gewaltig sein.
Dazu von dreiig Frsten   giebt euch mein Herr das Land,
Die alle hat bezwungen   seine vielgewaltge Hand.

"Ihr sollt auch Herrin werden   ber manchen werthen Mann,         1281
Die meiner Frauen Helke   waren unterthan,
Und viel der schnen Maide,   einst ihrem Dienst gesellt,
Von hoher Frsten Stamme,"   sprach der hochbeherzte Held.

"Dazu giebt euch der Knig,   gebot er euch zu sagen,              1282
Wenn ihr geruht die Krone   bei meinem Herrn zu tragen,
Gewalt die allerhchste,   die Helke je gewann:
Alle Mannen Etzels   werden euch da unterthan."

"Wie mchte jemals wieder,"   sprach die Knigin,                  1283
"Eines Helden Weib zu werden   gelsten meinem Sinn?
Mir hat der Tod an Einem   so bittres Leid gethan,
Da ichs bis an mein Ende   nimmermehr verschmerzen kann."

Die Heunen sprachen wieder:   Viel reiche Knigin,                 1284
Das Leben geht bei Etzeln   so herrlich euch dahin,
Da ihr in Wonnen schwebet,   weigert ihr es nicht;
Mancher ziere Degen   steht in des reichen Knigs Pflicht.

"Helkens Jungfrauen   und eure Mgdelein,                          1285
Sollten die beisammen   je Ein Gesinde sein,
Dabei mchten Recken   wohl werden wohlgemuth.
Lat es euch rathen, Fraue,   es bekommt euch wahrlich gut."

Sie sprach mit edler Sitte:   "Nun lat die Rede sein              1286
Bis morgen in der Frhe,   dann tretet zu mir ein,
Da ich auf die Werbung   euch gebe den Bescheid."
Da musten Folge leisten   die khnen Degen allbereit.

Als zu den Herbergen   sie kamen allzumal,                         1287
Nach Geiselhern zu senden   die edle Frau befahl
Und nach ihrer Mutter:   den Beiden sagte sie,
Ihr gezieme nur zu weinen   und alles Andere nie.

Da sprach ihr Bruder Geiselher:   "Mir ahnt, Schwester mein,       1288
Und gerne mag ichs glauben,   dein Leid und deine Pein
Wird Knig Etzel wenden;   und nimmst du ihn zum Mann,
Was Jemand anders rathe,   so dnkt es mich wohlgethan."

"Er mag dirs wohl ersetzen,"   sprach wieder Geiselher.            1289
"Vom Rotten bis zum Rheine,   von der Elbe bis ans Meer
Wei man keinen Knig   gewaltiger als ihn.
Du magst dich hchlich freuen,   heischt er dich zur Knigin."

Sie sprach: "Lieber Bruder,   wie rthst du mir dazu?              1290
Weinen und Klagen   das km mir eher zu.
Wie sollt ich vor den Recken   da zu Hofe gehn?
Hatt ich jemals Schnheit,   um die ists lange geschehn."

Da redete Frau Ute   der lieben Tochter zu:                        1291
"Was deine Brder rathen,   liebes Kind, das thu.
Folge deinen Freunden,   so mag dirs wohlergehn.
Hab ich dich doch so lange   in groem Jammer gesehn."

Da bat sie, da vom Himmel   ihr wrde Rath gesandt:               1292
Denn htte sie zu geben   Gold, Silber und Gewand
Wie einst, da er noch lebte,   ihr Mann der Degen hehr,
Sie erlebe doch nicht wieder   so frohe Stunden nachher.

Sie dacht in ihrem Sinne:   "Und sollt ich meinen Leib             1293
Einem Heiden geben?   Ich bin ein Christenweib;
Des mst ich billig Schelte   von aller Welt empfahn;
Gb er mir alle Reiche,   es bliebe doch ungethan."

Da lie sie es bewenden.   Die Nacht bis an den Tag                1294
Die Frau in ihrem Bette   voll Gedanken lag.
Ihre lichten Augen   trockneten ihr nicht,
Bis sie hin zur Mette   wieder gieng beim Morgenlicht.

Nun waren auch die Knige   zur Messezeit gekommen.                1295
Sie hatten ihre Schwester   an die Hand genommen
Und riethen ihr zu minnen   den von Heunenland.
Niemand doch die Fraue   ein wenig frhlicher fand.

Da lie man zu ihr bringen,   die Etzel hingesandt,                1296
Die nun mit Urlaub wollten   rumen Gunthers Land,
Wie es gerathen mge,   mit Nein oder Ja!
Da kam zu Hofe Rdiger:   die Gefhrten mahnten ihn da,

Recht zu erforschen   des edeln Frsten Muth                       1297
Und zeitig das zu leisten;   das dauchte Jeden gut;
Ihre Wege wren ferne   wieder in ihr Land.
Man brachte Rdigeren   hin, wo er Kriemhilden fand.

Da bat alsbald der Recke   die edle Knigin                        1298
Mit minniglichen Worten,   zu knden ihren Sinn,
Was sie entbieten wolle   in Knig Etzels Land.
Der Held mit seinem Werben   bei ihr nur Weigerung fand.

"Sie wolle nimmer wieder   minnen einen Mann."                     1299
Dawider sprach der Markgraf:   "Das wr nicht recht gethan:
Was wolltet ihr verderben   so minniglichen Leib?
Ihr werdet noch mit Ehren   eines werthen Recken Weib."

Nichts half es, was sie baten,   bis da Rdiger                   1300
Insgeheim gesprochen   mit der Knigin hehr,
Er hoff ihr zu vergten   all ihr Ungemach.
Da lie zuletzt ein wenig   ihre hohe Trauer nach.

Er sprach zu der Knigin:   "Lat euer Weinen sein;                1301
Httet ihr bei den Heunen   Niemand als mich allein,
Meine getreuen Freunde   und Die mir unterthan,
Er sollt es schwer entgelten,   htt euch Jemand Leid gethan."

Davon ward erleichtert   der Frauen wohl der Muth.                 1302
Sie sprach: "So schwrt mir, Rdiger,   was mir Jemand thut,
Ihr wollt der Erste werden,   der rchen will mein Leid."
Da sprach zu ihr der Markgraf:   "Dazu bin ich, Frau, bereit."

Mit allen seinen Mannen   schwur ihr da Rdiger,                   1303
Ihr immer treu zu dienen,   und da die Recken hehr
Ihr nichts versagen wollten   in Knig Etzels Land,
Was ihre Ehre heische:   das gelobt' ihr Rdigers Hand.

Da gedachte die Getreue:   "Wenn ich gewinnen kann                 1304
So viel stter Freunde,   so seh ichs wenig an,
Was auch die Leute reden,   in meines Jammers Noth.
Vielleicht wird noch gerochen   meines lieben Mannes Tod."

Sie gedachte: "Da Herr Etzel   der Recken hat so viel,             1305
Denen ich gebiete,   so thu ich, was ich will.
Er hat auch solche Schtze,   da ich verschenken kann;
Mich hat der leide Hagen   meines Gutes ohne gethan."

Sie sprach zu Rdigeren:   "Htt ich nicht vernommen,              1306
Da er ein Heide wre,   so wollt ich gerne kommen,
Wohin er gebte,   und nhm ihn zum Mann."
Da sprach der Markgraf wieder:   "Steht darauf, Herrin, nicht an.

"Er ist nicht gar ein Heide,   des drft ihr sicher sein:          1307
Er ist getauft gewesen,   der liebe Herre mein,
Wenn er auch zu den Heiden   wieder bertrat:
Wollt ihr ihn, Herrin, minnen,   so wird darber noch Rath.

"Ihm dienen so viel Recken   in der Christenheit,                  1308
Da euch bei dem Knig   nie widerfhrt ein Leid.
Ihr mgt auch leicht erlangen,   da der Knig gut
Zu Gott wieder wendet   so die Seele wie den Muth."

Da sprachen ihre Brder:   "Verheit es, Schwester mein,           1309
Und all euern Kummer   lat in Zukunft sein."
Des baten sie so lange,   bis sie mit Trauer drein
Vor den Helden willigte,   den Knig Etzel zu frein.

Sie sprach: "Ich mu euch folgen,   ich arme Knigin!              1310
Ich fahre zu den Heunen,   wann es geschehe, hin,
Wenn ich Freunde finde,   die mich fhren in sein Land."
Darauf bot vor den Helden   die schne Kriemhild die Hand.

Der Markgraf sprach: "Zwei Recken   stehn in eurem Lehn,           1311
Dazu hab ich noch manchen:   so kann es wohl geschehn,
Da wir euch mit Ehren   bringen berrhein,
Ich la euch nun nicht lnger   hier bei den Burgunden sein.

"Fnfhundert Mannen hab ich   und der Freunde mein:                1312
Die sollen euch zu Diensten   hier und bei Etzeln sein,
Was ihr auch gebietet;   ich selber steh euch bei
Und will michs nimmer schmen,   mahnt ihr mich knftig meiner Treu.

"Eure Pferdedecken   haltet euch bereit;                           1313
Was Rdiger gerathen hat,   wird euch nimmer leid.
Und sagt es euern Mgdlein,   die ihr euch gesellt,
Uns begegnet unterwegs   mancher auserwhlte Held."

Sie hatten noch Geschmeide,   das sie zu Siegfrieds Zeit           1314
Beim Reiten getragen,   da sie mit mancher Maid
Mit Ehren reisen mochte,   so sie wollt hindann.
Hei! was man guter Sttel   den schnen Frauen gewann!

Hatten sie schon immer   getragen reich Gewand,                    1315
So wurde des zur Reise   die Flle nun zur Hand,
Weil ihnen von dem Knig   so viel gepriesen ward;
Sie schloen auf die Kisten,   so lang versperrt und gespart.

Sie waren sehr geschftig   wohl fnftehalben Tag                  1316
Und suchten aus dem Einschlag,   so viel darinne lag.
Ihre Kammer zu erschlieen   hub da Kriemhild an,
Sie Alle reich zu machen,   Die Rdigern unterthan.

Sie hatte noch des Goldes   von Nibelungenland:                    1317
Das sollte bei den Heunen   vertheilen ihre Hand.
Sechshundert Mule mochten   es nicht von dannen tragen.
Die Mre hrte Hagen   da von Kriemhilden sagen.

Er sprach: "Mir wird Kriemhild   doch nimmer wieder hold:          1318
So mu auch hier verbleiben   Siegfriedens Gold.
Wie lie' ich meinen Feinden   wohl so groes Gut?
Ich wei gar wohl, was Kriemhild   noch mit diesem Schatze thut.

"Brchte sie ihn von hinnen,   ich glaube sicherlich,              1319
Sie wrd ihn nur vertheilen,   zu werben wider mich.
Sie hat auch nicht die Rosse,   um ihn hinwegzutragen:
Behalten will ihn Hagen,   das soll man Kriemhilden sagen."

Als sie vernahm die Mre,   das schuf ihr grimme Pein.             1320
Es ward auch den Knigen   gemeldet allen drein:
Sie gedachten es zu wenden.   Als das nicht geschah,
Rdiger der edle   sprach mit frohem Muthe da:

"Reiche Knigstochter,   was klagt ihr um das Gold?                1321
Euch ist Knig Etzel   so zugethan und hold,
Ersehn euch seine Augen,   er giebt euch solchen Hort,
Da ihr ihn nie verschwendet;   das verbrgt euch, Frau, mein Wort."

Da sprach zu ihm die Knigin:   "Viel edler Rdiger,               1322
Nie gewann der Schtze   eine Knigstochter mehr
Als die, deren Hagen   mich ohne hat gethan."
Da kam ihr Bruder Gernot   zu ihrer Kammer heran.

Mit des Knigs Macht den Schlel   stie er in die Thr.          1323
Kriemhildens Schtze   reichte man herfr,
An dreiigtausend Marken   oder wohl noch mehr,
Da es die Gste nhmen:   des freute Gunther sich sehr.

Da sprach von Bechelaren   der Gotelinde Mann:                     1324
"Und gehrten all die Schtze   noch Kriemhilden an,
Die man jemals brachte   von Nibelungenland,
Nicht berhren sollt es   mein noch der Knigin Hand.

"Heit es aufbewahren,   da ichs nicht haben will.                 1325
Ich bracht aus unserm Lande   des Meinen her so viel,
Wir mgens unterweges   entrathen wohl mit Fug:
Wir haben zu der Reise   genug und bergenug."

Zwlf Schreine hatten   noch ihre Mgdelein                        1326
Des allerbesten Goldes,   das irgend mochte sein,
Bewahrt aus alten Zeiten:   das nun verladen ward
Und viel der Frauenzierde,   die sie brauchten auf der Fahrt.

Die Macht des grimmen Hagen   bedauchte sie zu stark.              1327
Des Opfergoldes hatte   sie wohl noch tausend Mark:
Das gab sie fr die Seele   von ihrem lieben Mann.
Das dauchte Rdigeren   mit groen Treuen gethan.

Da sprach die arme Knigin:   "Wo sind die Freunde mein,           1328
Die da mir zu Liebe   im Elend wollen sein
Und mit mir reiten sollen   in Knig Etzels Land?
Die nehmen meines Goldes   und kaufen Ross' und Gewand."

Alsbald gab ihr Antwort   der Markgraf Eckewart:                   1329
"Seit ich als Ingesinde   euch zugewiesen ward,
Hab ich euch stts getreulich   gedient," sprach der Degen,
"Und will bis an mein Ende   des Gleichen immer bei euch pflegen.

"Ich fhr auch mit der Meinen   fnfhundert Mann,                  1330
Die biet ich euch zu Dienste   mit rechten Treuen an.
Wir bleiben ungeschieden,   es thu es denn der Tod."
Der Rede dankt' ihm Kriemhild,   da ers so wohl ihr erbot.

Da brachte man die Rosse:   sie wollten aus dem Land.              1331
Wohl huben an zu weinen   die Freunde all zur Hand.
Ute die reiche   und manche schne Maid
Bezeigten, wie sie trugen   um Kriemhilden Herzeleid.

Hundert schner Mgdelein   fhrte sie aus dem Land;               1332
Die wurden wohl gekleidet,   jede nach ihrem Stand.
Aus lichten Augen fielen,   die Thrnen ihnen nieder;
Manche Freud erlebten   sie auch bei Knig Etzel wieder.

Da kam der junge Geiselher   und Knig Gernot,                     1333
Mit ihrem Heergesinde,   wie es die Zucht gebot:
Die liebe Schwester wollten sie   begleiten durch das Land;
Sie hatten im Gefolge   wohl tausend Degen auserkannt.

Da kam der schnelle Gere   und auch Ortewein;                      1334
Rumold der Kchenmeister   der lie sie nicht allein.
Sie schufen Nachtlager   der Frauen auf den Wegen:
Als Marschall sollte Volker   ihrer Herberge pflegen.

Bei Abschiedskssen hatte   man Weinen viel vernommen,             1335
Eh sie zu Felde waren   von der Burg gekommen.
Ungebeten gaben Viele   Geleit ihr durch das Land.
Vor der Stadt schon hatte   sich Knig Gunther gewandt.

Eh sie vom Rheine fhren,   hatten sie vorgesandt                  1336
Ihre schnellen Boten   in der Heunen Land,
Dem Knige zu melden,   da ihm Rdiger
Zum Gemahl geworben   die edle Knigin hehr.

Die Boten fuhren schnelle:   Eil war ihnen Noth                    1337
Um die groe Ehre   und das reiche Botenbrot.
Als sie mit ihren Mren   waren heimgekommen,
Da hatte Knig Etzel   so Liebes selten vernommen.

Der frohen Kunde willen   lie der Knig geben                     1338
Den Boten solche Gaben,   da sie wohl mochten leben
Immerdar in Freuden   hernach bis an den Tod:
Mit Wonne war verschwunden   des Knigs Kummer und Noth.

       *       *       *       *       *




Einundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild zu den Heunen fuhr.


Die Boten lat reiten,   so thun wir euch bekannt,                 1339
Wie die Knigstochter   fuhr durch das Land,
Und wo von ihr Geiselher   schied mit Gernot;
Sie hatten ihr gedienet,   wie ihre Treue gebot.

Sie kamen an die Donau   gen Bergen nun geritten.                  1340
Da begannen sie um Urlaub   die Knigin zu bitten,
Weil sie wieder wollten   reiten an den Rhein.
Da mocht es ohne Weinen   von guten Freunden nicht sein.

Geiselher der schnelle   sprach zu der Schwester sein:             1341
"Schwester, wenn du jemals   bedrfen solltest mein,
Was immer dich gefhrde,   so mach es mir bekannt,
Dann reit ich dir zu dienen   hin in Knig Etzels Land."

Die Verwandten alle  ksste sie auf den Mund.                      1342
Minniglich sich scheiden   sah man da zur Stund
Die schnellen Burgunden   von Rdigers Geleit.
Da zog mit der Knigin   manche wohlgethane Maid,

Hundert und viere;   sie trugen schn Gewand                       1343
Von buntgewebten Zeugen;   manch breiten Schildesrand
Fhrte man der Knigin   nach auf ihren Wegen.
Da bat auch um Urlaub   Volker der zierliche Degen.

Ueber die Donau kamen   sie jetzt gen Baierland:                   1344
Da sagte man die Mre,   es kmen angerannt
Viel unkunder Gste.   Wo noch ein Kloster steht
Und der Innflu mndend   in die Donau niedergeht,

In der Stadt zu Paau   sa ein Bischof.                           1345
Herbergen leerten sich   und auch des Frsten Hof:
Den Gsten entgegen   giengs auf durch Baierland,
Wo der Bischof Pilgerin   die schne Kriemhild fand.

Den Recken in dem Lande   war es nicht zu leid,                    1346
Als sie ihr folgen sahen   so manche schne Maid.
Da kos'ten sie mit Augen   manch edeln Ritters Kind.
Gute Herberge   wies man den Gsten geschwind.

Dort zu Pledelingen   schuf man ihnen Ruh;                         1347
Das Volk allenthalben   ritt auf sie zu.
Man gab, was sie bedurften,   williglich und froh:
Sie nahmen es mit Ehren;   so that man bald auch anderswo.

Der Bischof mit der Nichte   ritt auf Paau an.                    1348
Als es da den Brgern   der Stadt ward kund gethan,
Das Schwesterkind des Frsten,   Kriemhild wolle kommen,
Da ward sie wohl mit Ehren   von den Kaufherrn aufgenommen.

Als der Bischof whnte,   sie blieben nachts ihm da,               1349
Sprach Eckewart der Markgraf:   "Unmglich ist das ja:
Wir men abwrts reiten   in Rdigers Land:
Viel Degen harren unser:   ihnen allen ist es bekannt."

Nun wust auch wohl die Mre   die schne Gotelind:                 1350
Sie rstete sich fleiig   und auch ihr edel Kind.
Ihr hatt entboten Rdiger,   ihn bednk es gut,
Wenn sie der Knigstochter   damit trstete den Muth

Und ihr entgegenritte   mit seiner Mannen Schar                    1351
Hinauf bis zur Ense.   Als das im Werke war,
Da sah man allenthalben   erfllt die Straen stehn:
Sie wollten ihren Gsten   entgegen reiten und gehn.

Nun war gen Everdingen   die Knigin gekommen.                     1352
Man hatt im Baierlande   von Schchern wohl vernommen,
Die auf den Straen raubten,   wie es ihr Gebrauch:
So htten sie die Gste   mgen schdigen auch.

Das hatte wohl verhtet   der edle Rdiger:                        1353
Er fhrte tausend Ritter   oder wohl noch mehr.
Da kam auch Gotelinde,   Rdigers Gemahl,
Mit ihr in stolzem Zuge   khner Recken groe Zahl.

Ueber die Traune kamen sie   bei Ense auf das Feld;                1354
Da sah man aufgeschlagen   Htten und Gezelt,
Da gute Ruhe fnden   die Gste bei der Nacht.
Fr ihre Kost zu sorgen   war der Markgraf bedacht.

Von den Herbergen   ritt ihrer Frau entgegen                       1355
Gotelind die schne.   Da zogen auf den Wegen
Mit klingenden Zumen   viel Pferde wohlgethan.
Sie wurde wohl empfangen;   lieb that man Rdigern daran.

Die sie zu beiden Seiten   begrten auf dem Feld                  1356
Mit kunstvollem Reiten,   das war mancher Held.
Sie bten Ritterspiele;   das sah manch schne Maid.
Auch war der Dienst der Helden   den schnen Frauen nicht leid.

Als zu den Gsten kamen   Die in Rdigers Lehn,                    1357
Viel Schaftsplitter sah man   in die Lfte gehn
Von der Recken Hnden   nach ritterlichen Sitten.
Da wurde wohl zu Danke   vor den Frauen geritten.

Sie lieen es bewenden.   Da grte mancher Mann                   1358
Freundlich den andern.   Nun fhrten sie heran
Die schne Gotelinde,   wo sie Kriemhild sah.
Die Frauen dienen konnten,   hatten selten Mue da.

Der Vogt von Bechelaren   ritt zu Gotlinden hin.                   1359
Wenig Kummer schuf es   der edeln Markgrfin,
Da sie wohl geborgen   ihn sah vom Rheine kommen.
Ihr war die meiste Sorge   mit groer Freude benommen.

Als sie ihn hatt empfangen,   hie er sie auf das Feld             1360
Mit den Frauen steigen,   die er ihr sah gestellt.
Da zeigte sich geschftig   mancher edle Mann:
Den Frauen wurden Dienste   mit groem Fleie gethan.

Da ersah Frau Kriemhild   die Markgrfin stehn                     1361
Mit ihrem Ingesinde:   sie lie nicht nher gehn:
Sie zog mit dem Zaume   das Ross an, das sie trug,
Und lie sich aus dem Sattel   heben schleunig genug.

Den Bischof sah man fhren   seiner Schwester Kind,                1362
Ihn und Eckewarten,   hin zu Frau Gotelind.
Es muste vor ihr weichen,   wer im Wege stund.
Da ksste die Fremde   die Markgrfin auf den Mund.

Da sprach mit holden Worten   die edle Markgrfin:                 1363
"Nun wohl mir, liebe Herrin,   da ich so glcklich bin,
Hier in diesem Lande   mit Augen euch zu sehn:
Mir knnt in diesen Zeiten   nimmer lieber geschehn."

"Nun lohn euch Gott," sprach Kriemhild,   "viel edle Gotelind.     1364
So ich gesund verbleibe   mit Botlungens Kind,
Mag euch zu Gute kommen,   da ihr mich habt gesehn."
Noch ahnten nicht die Beiden,   was spter muste geschehn.

Mit Zchten zu einander   gieng da manche Maid;                    1365
Zu Diensten waren ihnen   die Recken gern bereit.
Sie setzten nach dem Grue   sich nieder auf den Klee:
Da lernten sich kennen,   die sich fremd gewesen eh.

Man lie den Frauen schenken.   Es war am hohen Tag;               1366
Das edle Ingesinde   der Ruh nicht lnger pflag.
Sie ritten, bis sie fanden   viel breiter Htten stehn:
Da konnten groe Dienste   den edeln Gsten geschehn.

Ueber Nacht da pflegen   sollten sie der Ruh.                      1367
Die von Bechelaren   schickten sich dazu,
Nach Wrden zu bewirthen   so manchen werthen Mann.
So hatte Rdiger gesorgt,   es gebrach nicht viel daran.

Die Fenster an den Mauern   sah man offen stehn;                   1368
Man mochte Bechelaren   weit erschloen sehn.
Da ritten ein die Gste,   die man gerne sah;
Gut Gemach schuf ihnen   der edle Rdiger da.

Des Markgrafen Tochter   mit dem Gesinde gieng                     1369
Dahin, wo sie die Knigin   minniglich empfieng.
Da war auch ihre Mutter,   Rdigers Gemahl:
Liebreich empfangen wurden   die Jungfrauen allzumal.

Sie fgten ihre Hnde   in Eins und giengen dann                   1370
Zu einem weiten Saale,   der war gar wohlgethan,
Vor dem die Donau unten   die Flut vorbergo.
Da saen sie im Freien   und hatten Kurzweile gro.

Ich kann euch nicht bescheiden,   was weiter noch geschah.         1371
Da sie so eilen msten,   darber klagten da
Die Recken Kriemhildens;   wohl war es ihnen leid.
Was ihnen guter Degen   aus Bechlarn gaben Geleit!

Viel minnigliche Dienste   der Markgraf ihnen bot.                 1372
Da gab die Knigstochter   zwlf Armspangen roth
Der Tochter Gotlindens   und also gut Gewand,
Da sie kein beres brachte   hin in Knig Etzels Land.

Obwohl ihr war benommen   der Nibelungen Gold,                     1373
Alle, die sie sahen,   machte sie sich hold
Noch mit dem kleinen Gute,   das ihr verblieben war.
Dem Ingesind des Wirthes   bot sie groe Gaben dar.

Dafr erwies Frau Gotlind   den Gsten von dem Rhein               1374
Auch so hohe Ehre   mit Gaben gro und klein,
Da man da der Fremden   wohl selten einen fand,
Der nicht von ihr Gesteine   trug oder herrlich Gewand.

Als man nach dem Imbi   fahren sollt hindann,                     1375
Ihre treuen Dienste   trug die Hausfrau an
Mit minniglichen Worten   Etzels Gemahl.
Die liebkos'te scheidend   der schnen Jungfrau zumal.

Da sprach sie zu der Knigin:   "Dnkt es euch nun gut,            1376
So wei ich, wie gern es   mein lieber Vater thut,
Da er mich zu euch sendet   in der Heunen Land."
Da sie ihr treu gesinnt war,   wie wohl Frau Kriemhild das fand!

Die Rosse kamen aufgezumt   vor Bechelaren an.                    1377
Als die edle Knigin   Urlaub hatt empfahn
Von Rdigers Weibe   und von der Tochter sein,
Da schieden auch mit Gren   viel der schnen Mgdelein.

Sie sahn einander selten   mehr nach diesen Tagen.                 1378
Aus Medelick auf Hnden   brachte man getragen
Manch schnes Goldgefe   angefllt mit Wein
Den Gsten auf die Strae   und hie sie willkommen sein.

Ein Wirth war da geseen,   Astold genannt,                        1379
Der wies sie die Strae   ins Oesterreicherland
Gegen Mautaren   an der Donau nieder:
Da ward viel Dienst erboten   der reichen Knigin wieder.

Der Bischof mit Liebe   von seiner Nichte schied.                  1380
Da sie sich wohl gehabe,   wie sehr er ihr das rieth,
Und sich Ehr erwerbe,   wie Helke einst gethan.
Hei! was sie groer Ehren   bald bei den Heunen gewann!

An die Traisem kamen   die Gst in kurzer Zeit.                    1381
Sie zu pflegen fli sich   Rdigers Geleit,
Bis da man die Heunen   sah reiten ber Land:
Da ward der Knigstochter   erst groe Ehre bekannt.

Bei der Traisem hatte   der Frst von Heunenland                   1382
Eine reiche Veste,   im Lande wohl bekannt,
Mit Namen Traisenmauer:   einst wohnte Helke da
Und pflag so hoher Milde,   als wohl nicht wieder geschah,

Es sei denn von Kriemhilden;   die mochte gerne geben.             1383
Sie durfte wohl die Freude   nach ihrem Leid erleben,
Da ihre Gte priesen,   die Etzeln unterthan.
Das Lob sie bei den Helden   in der Flle bald gewann.

Knig Etzels Herrschaft   war so weit erkannt,                     1384
Da man zu allen Zeiten   an seinem Hofe fand
Die allerkhnsten Recken,   davon man je vernommen
Bei Christen oder Heiden;   die waren all mit ihm gekommen.

Bei ihm war allerwegen,   so sieht mans nimmermehr,                1385
So christlicher Glaube   als heidnischer Verkehr.
Wozu nach seiner Sitte   sich auch ein Jeder schlug,
Das schuf des Knigs Milde,   man gab doch Allen genug.

       *       *       *       *       *




Zweiundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild bei den Heunen empfangen ward.


Sie blieb zu Traisenmauer   bis an den vierten Tag.                1386
Der Staub in den Straen   derweil nicht stille lag:
Aufstob er allenthalben   wie in hellem Brand.
Da ritten Etzels Leute   durch das Oesterreicherland.

Es war dem Knig Etzel   gemeldet in der Zeit,                     1387
Da ihm vor Gedanken   schwand sein altes Leid,
Wie herrlich Frau Kriemhild   zge durch das Land.
Da eilte hin der Knig,   wo er die Minnigliche fand.

Von gar manchen Sprachen   sah man auf den Wegen                   1388
Vor Knig Etzeln reiten   viel der khnen Degen,
Von Christen und von Heiden   manches breite Heer.
Als sie die Herrin fanden,   sie zogen frhlich einher.

Von Reuen und von Griechen   ritt da mancher Mann;                1389
Die Polen und Walachen   zogen geschwind heran
Auf den guten Rossen,   die sie herrlich ritten.
Da zeigte sich ein Jeder   in seinen heimischen Sitten.

Aus dem Land zu Kiew   ritt da mancher Mann                        1390
Und die wilden Peschenegen.   Mit Bogen hub man an
Zu schieen nach den Vgeln,   die in den Lften flogen;
Mit Krften sie die Pfeile   bis zu des Bogens Ende zogen.

Eine Stadt liegt an der Donau   im Oesterreicherland,              1391
Die ist geheien Tulna.   Da ward ihr bekannt
Manche fremde Sitte,   die sie noch niemals sah.
Da empfiengen sie gar Viele,   denen noch Leid von ihr geschah.

Es ritt dem Knig Etzel   ein Ingesind voran,                      1392
Frhlich und prchtig,   hfisch und wohlgethan,
Wohl vierundzwanzig Frsten,   mchtig und hehr:
Ihre Knigin zu schauen,   sie begehrten sonst nichts mehr.

Ramung, der Herzog   aus Walachenland,                             1393
Mit siebenhundert Mannen   kam er vor sie gerannt.
Wie fliegende Vgel   sah man sie alle fahren.
Da kam der Frst Gibeke   mit viel herrlichen Scharen.

Hornbog der schnelle   ritt mit tausend Mann                       1394
Von des Knigs Seite   zu seiner Fraun heran.
Sie prangten und stolzierten   nach ihres Landes Sitten.
Von den Heunenfrsten   ward auch da herrlich geritten.

Da kam vom Dnenlande   der khne Hawart                           1395
Und Iring der schnelle,   vor allem Falsch bewahrt;
Von Thringen Irnfried,   ein waidlicher Mann:
Sie empfiengen Kriemhilden,   da sie viel Ehre gewann,

Mit zwlfhundert Mannen,   die zhlte ihre Schar.                  1396
Da kam der Degen Bldel   mit dreitausend gar,
Knig Etzels Bruder   aus dem Heunenland:
Der ritt in stolzem Zuge,   bis er die Knigin fand.

Da kam der Knig Etzel   und Herr Dieterich                        1397
Mit seinen Helden allen.   Da sah man ritterlich
Manchen edeln Ritter   bieder und auch gut.
Davon ward Kriemhilden   gar wohl erhoben der Muth.

Da sprach zu der Knigin   der edle Rdiger:                       1398
"Frau, euch will empfangen   hier der Knig hehr.
Wen ich euch kssen heie,   dem sei der Kuss gegnnt:
Wit, da ihr Etzels Recken   nicht alle gleich empfangen knnt."

Da hob man von der Mhre   die Knigin hehr.                       1399
Etzel der reiche   nicht sumt' er lnger mehr:
Er schwang sich von dem Rosse   mit manchem khnen Mann;
Voller Freuden kam er   zu Frau Kriemhilden heran.

Zwei mchtige Frsten,   das ist uns wohlbekannt,                  1400
Giengen bei der Frauen   und trugen ihr Gewand,
Als der Knig Etzel   ihr entgegen gieng
Und sie den edlen Frsten   mit Kssen gtlich empfieng.

Sie schob hinauf die Binden:   ihre Farbe wohlgethan               1401
Erglnzt' aus dem Golde.   Da sagte mancher Mann,
Frau Helke knne schner   nicht gewesen sein.
Da stand in der Nhe   des Knigs Bruder Bldelein.

Den rieth ihr zu kssen   Rdiger der Markgraf reich               1402
Und den Knig Gibeke,   Dietrichen auch zugleich:
Zwlf der Recken ksste   Etzels Knigin;
Da blickte sie mit Gren   noch zu manchem Ritter hin.

Whrend Knig Etzel   bei Kriemhilden stand,                       1403
Thaten junge Degen   wie Sitte noch im Land:
Waffenspiele wurden   schn vor ihr geritten;
Das thaten Christenhelden   und Heiden nach ihren Sitten.

Wie ritterlich die Degen   in Dietrichens Lehn                     1404
Die splitternden Schfte   in die Lfte lieen gehn
Hoch ber Schilde   aus guter Ritter Hand!
Vor den deutschen Gsten   brach da mancher Schildesrand.

Von der Schfte Krachen   vernahm man lauten Schall.               1405
Da waren aus dem Lande   die Recken kommen all
Und auch des Knigs Gste,   so mancher edle Mann:
Da gieng der reiche Knig   mit der Knigin hindann.

Sie fanden in der Nhe   ein herrlich Gezelt.                      1406
Erfllt war von Htten   rings das ganze Feld;
Da war nach den Beschwerden   Rast fr sie bereit.
Da geleiteten die Helden   darunter manche schne Maid

Zu Kriemhild der Knigin,   die dort darnieder sa                 1407
Auf reichem Stuhlgewande;   der Markgraf hatte das
So prchtig schaffen laen,   sie fandens schn und gut.
Da stand dem Knig Etzel   in hohen Freuden der Muth.

Was sie zusammen redeten,   das ist mir unbekannt;                 1408
In seiner Rechten ruhte   ihre weie Hand.
So saen sie in Minne,   als Rdiger der Degen
Dem Knig nicht gestattete,   Kriemhildens heimlich zu pflegen.

Da lie man unterbleiben   das Kampfspiel berall;                 1409
Mit Ehren ward beendet   der laute Freudenschall.
Da giengen zu den Htten   Die Etzeln unterthan;
Herberge wies man ihnen   ringsum allenthalben an.

Den Abend und nachtber   fanden sie Ruhe da,                      1410
Bis man den lichten Morgen   wieder scheinen sah.
Da kamen hoch zu Rosse   viel Helden ausersehn;
Hei! was sah man Kurzweil   zu des Knigs Ehren geschehn!

Nach Wrden es zu schaffen   der Frst die Heunen bat.             1411
Da ritten sie von Tulna   gen Wien in die Stadt.
In schnem Schmucke fand man   da Frauen ohne Zahl.
Sie empfiengen wohl mit Ehren   Knig Etzels Gemahl.

In Ueberflu und Flle   war da fr sie bereit,                    1412
Wes sie nur bedurften.   Viel Degen allbereit
Sahn froh dem Fest entgegen.   Herbergen wies man an;
Die Hochzeit des Knigs   mit hohen Freuden begann.

Man mochte sie nicht alle   herbergen in der Stadt:                1413
Die nicht Gste waren,   Rdiger die bat,
Da sie Herberge   nahmen auf dem Land.
Wohl wei ich, da man immer   den Knig bei Kriemhilden fand.

Dietrich der Degen   und mancher andre Held                        1414
Die hatten ihre Mue   mit Arbeit eingestellt,
Auf da sie den Gsten   trsteten den Muth;
Rdger und seine Freunde   hatten Kurzweile gut.

Die Hochzeit war gefallen   auf einen Pfingstentag,                1415
Wo der Knig Etzel   bei Kriemhilden lag
In der Stadt zu Wiene.   Frwahr so manchen Mann
Bei ihrem ersten Manne   sie nicht zu Diensten gewann.

Durch Gabe ward sie Manchem,   der sie nicht kannte, kund.         1416
Darber zu den Gsten   hub Mancher an zur Stund:
"Wir whnten, Kriemhilden   benommen wr ihr Gut,
Die nun mit ihren Gaben   hier so groe Wunder thut."

Diese Hochzeit whrte   siebzehn Tage lang.                        1417
Von keinem andern Knig   wei der Heldensang,
Der solche Hochzeit hielte:   es ist uns unbekannt.
Alle, die da waren,   die trugen neues Gewand.

Sie hatte nie geseen   daheim in Niederland                       1418
Vor so manchem Recken;   auch ist mir wohlbekannt,
War Siegfried reich an Schtzen,   so hatte er doch nicht
So viel der edeln Recken,   als sie hier sah in Etzels Pflicht.

Wohl gab auch nie ein Knig   bei seiner Hochzeit                  1419
So manchen reichen Mantel,   lang, tief und weit,
Noch so gute Kleider,   als man hier gewann,
Die Kriemhildens willen   alle wurden vertan.

Ihre Freunde wie die Gste   hatten Einen Muth:                    1420
Sie dachten nichts zu sparen,   und wrs das beste Gut.
Was Einer wnschen mochte,   man war dazu bereit;
Da Standen viel der Degen   vor Milde blo und ohne Kleid.

Wenn sie daran gedachte,   wie sie am Rheine sa                   1421
Bei ihrem edeln Manne,   ihre Augen wurden na;
Doch hehlte sie es immer,   da es Niemand sah,
Da ihr nach manchem Leide   so viel der Ehren geschah.

Was Einer that aus Milde,   das war doch gar ein Wind              1422
Gegen Dietrichen:   was Botlungens Kind
Ihm gegeben hatte,   das wurde gar verwandt.
Da begieng auch groe Wunder   des milden Rdiger Hand.

Auch aus Ungarlande   der Degen Bldelein                          1423
Lie da ledig machen   manchen Reiseschrein
Von Silber und von Golde:   das ward dahin gegeben.
Man sah des Knigs Helden   so recht frhlich alle leben.

Des Knigs Spielleute,   Werbel und Schwemmelein,                  1424
Wohl an tausend Marken   nahm Jedweder ein
Bei dem Hofgelage   (oder mehr als das),
Als die schne Kriemhild   bei Etzeln unter Krone sa.

Am achtzehnten Morgen   von Wien die Helden ritten.                1425
In Ritterspielen wurden   der Schilde viel verschnitten
Von Speren, so da fhrten   die Recken an der Hand:
So kam der Knig Etzel   mit Freuden in der Heunen Land.

In Heimburg der alten   verblieb man ber Nacht.                   1426
Da konnte Niemand wien   recht des Volkes Macht,
Mit welchen Heerkrften   sie ritten durch das Land.
Hei! was schner Frauen   man in seiner Heimat fand!

In Misenburg der reichen   fieng man zu segeln an.                 1427
Verdeckt ward das Wasser   von Ross und auch von Mann,
Als ob es Erde wre,   was man doch flieen sah.
Die wegemden Frauen   mochten sich wohl ruhen da.

Zusammen war gebunden   manches Schifflein gut,                    1428
Da ihnen wenig schaden   Woge mocht und Flut;
Darber ausgebreitet   manch kstlich Geleit,
Als ob sie noch immer   beides hatten, Land und Feld.

Nun ward auch in Etzelnburg   die Mre kund gethan:                1429
Da freute sich darinnen   beides, Weib und Mann.
Etzels Ingesinde,   des einst Frau Helke pflag,
Erlebte bei Kriemhilden   noch manchen frhlichen Tag.

Da stand ihrer harrend   gar manche edle Maid,                     1430
Die seit Helkens Tode   getragen Herzeleid.
Sieben Knigstchter   Kriemhild noch da fand;
Durch die so ward gezieret   Knig Etzels ganzes Land.

Herrat die Jungfrau   noch des Gesindes pflag,                     1431
Helkens Schwestertochter,   in der viel Tugend lag,
Dietrichs Verlobte,   eines edeln Knigs Spro,
Die Tochter Nentweinens,   die noch viel Ehren geno.

Auf der Gste Kommen   freute sich ihr Muth;                       1432
Auch war dazu verwendet   viel kostbares Gut.
Wer knnt euch des bescheiden,   wie der Knig sa seitdem?
Den Heunen ward nicht wieder   eine Knigin so genehm.

Als der Frst mit seinem Weibe   geritten kam vom Strand,          1433
Wer eine Jede fhrte,   das ward da wohl benannt
Kriemhild der edeln:   sie grte desto mehr.
Wie sa an Helkens Stelle   sie bald gewaltig und hehr!

Getreulichen Dienstes   ward ihr viel bekannt.                     1434
Die Knigin vertheilte   Gold und Gewand,
Silber und Gesteine:   was sie des berrhein
Zum Heunenlande brachte,   das muste gar vergeben sein.

Auch wurden ihr mit Diensten   ergeben allzumal                    1435
Die Freunde des Knigs   und denen er befahl,
Da Helke nie die Knigin   so gewaltiglich gebot,
Als sie ihr dienen musten   bis an Kriemhildens Tod.

Da stand in solchen Ehren   der Hof und auch das Land,             1436
Da man zu allen Zeiten   die Kurzweile fand,
Wonach einem Jeden   verlangte Herz und Muth;
Das schuf des Knigs Liebe,   dazu der Knigin Gut.

       *       *       *       *       *




Dreiundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild ihr Leid zu rchen gedachte.


In so hohen Ehren,   das ist alles wahr,                           1437
Wohnten sie beisammen   bis an das siebte Jahr.
Eines Sohns war genesen   derweil die Knigin:
Das schien Knig Etzel   der allergrste Gewinn.

Bis sie es erlangte,   lie sie nicht ab davon,                    1438
Die Taufe must empfangen   Knig Etzels Sohn
Nach christlichem Brauche:   Ortlieb ward er genannt.
Darob war groe Freude   ber Etzels ganzem Land.

Der Zucht, deren jemals   zuvor Frau Helke pflag,                  1439
Fli sich Frau Kriemhild   darauf gar manchen Tag.
Es lehrte sie die Sitte   Herrat die fremde Maid;
Die trug noch in der Stille   um Helke schmerzliches Leid.

Vor Heimischen und Fremden   gestanden allesamt                    1440
Beer und milder   hab eines Knigs Land
Nie eine Frau beseen:   das hielten sie fr wahr.
Des rhmten sie die Heunen   bis an das dreizehnte Jahr.

Nun wuste sie, da Niemand   ihr feindlich sei gesinnt,            1441
Wie oft wohl Kniginnen   der Frsten Recken sind,
Und da sie tglich mochte   zwlf Knge vor sich sehn.
Sie verga auch nicht des Leides,   das ihr daheim war geschehn.

Sie gedacht auch noch der Ehren   in Nibelungenland,               1442
Die ihr geboten worden   und die ihr Hagens Hand
Mit Siegfriedens Tode   hatte gar benommen,
Und ob ihm das nicht jemals   noch zu Leide sollte kommen.

"Es geschh, wenn ich ihn bringen   mcht in dieses Land."         1443
Ihr trumte wohl, ihr gienge   bei Etzel an der Hand
Geiselher ihr Bruder;   sie ksst' ihn allezeit
In ihrem sanften Schlafe:   das ward zu schmerzlichem Leid.

Der ble Teufel war es wohl,   der Kriemhilden rieth,              1444
Da sie in Freundschaft   von Knig Gunther schied
Und ihn zur Shne ksste   in Burgundenland.
Aufs Neu begann zu triefen   von heien Thrnen ihr Gewand.

Es lag ihr an dem Herzen   beides, spat und fruh,                  1445
Wie man mit Widerstreben   sie doch gebracht dazu,
Da sie minnen muste   einen heidnischen Mann:
Die Noth hatt ihr Hagen   und Herr Gunther angethan.

Wie sie das rchen mchte,   dachte sie alle Tage:                 1446
"Ich bin nun wohl so mchtig,   wem es auch missbehage,
Da ich meinen Feinden   mag schaffen Herzeleid:
Dazu wr ich dem Hagen   von Tronje gerne bereit.

"Nach den Getreuen jammert   noch oft die Seele mein;              1447
Doch die mir Leides thaten,   mcht ich bei denen sein,
So wrde noch gerochen   meines Friedels Tod.
Kaum kann ich es erwarten,"   sprach sie in des Herzens Noth.

Es liebten sie Alle,   die dem Knig unterthan,                    1448
Die Recken Kriemhildens;   das war wohlgethan.
Ihr Kmmerer war Eckewart:   drum ward er gern gesehn:
Kriemhildens Willen   konnte Niemand widerstehn.

Sie gedacht auch alle Tage:   "Ich will den Knig bitten,"         1449
Er mcht ihr vergnnen   mit gtlichen Sitten,
Da man ihre Freunde   brcht in der Heunen Land.
Den argen Willen Niemand   an der Knigin verstand.

Als eines Nachts Frau Kriemhild   bei dem Knig lag,               1450
Umfangen mit den Armen   hielt er sie, wie er pflag
Der edeln Frau zu kosen,   sie war ihm wie sein Leib,
Da gedachte ihrer Feinde   dieses herrliche Weib.

Sie sprach zu dem Knig:   "Viel lieber Herre mein,                1451
Ich wollt euch gerne bitten,   mcht es mit Hulden sein,
Da ihr mich sehen lieet,   ob ich verdient den Sold,
Da ihr meinen Freunden   wret inniglich hold."

Da sprach der mchtge Knig,   arglos war sein Muth:               1452
"Des sollt ihr inne werden:   was man den Helden thut
Zu Ehren und zu Gute,   mir geschieht ein Dienst daran,
Da ich von Weibesminne   nie bere Freunde gewann."

Noch sprach zu ihm die Knigin:   "Ihr wit so gut wie ich,        1453
Ich habe hohe Freunde:   darum betrbt es mich,
Da mich die so selten   besuchen hier im Land:
Ich bin allen Leuten   hier nur als freundlos bekannt."

Da sprach der Knig Etzel:   "Viel liebe Fraue mein,               1454
Ducht' es sie nicht zu ferne,   so ld ich berrhein,
Die ihr da gerne shet,   hieher zu meinem Land."
Sie freute sich der Rede,   als ihr sein Wille ward bekannt.

Sie sprach: "Wollt ihr mir Treue   leisten, Herre mein,            1455
So sollt ihr Boten senden   gen Worms berrhein.
So entbiet ich meinen Freunden   meinen Sinn und Muth:
So kommen uns zu Lande   viel Ritter edel und gut."

Er sprach: "Wenn ihr gebietet,   so la ich es geschehn.           1456
Ihr knntet eure Freunde   nicht so gerne sehn,
Der edeln Ute Kinder,   als ich sie she gern:
Es ist mir ein Kummer,   da sie so fremd uns sind und fern."

Er sprach: "Wenn dirs gefiele,   viel liebe Fraue mein,            1457
Wollt ich als Boten senden   zu den Freunden dein
Meine Fiedelspieler   gen Burgundenland."
Die guten Spielleute   lie man bringen gleich zur Hand.

Die Knappen kamen beide,   wo sie den Knig sahn                   1458
Sitzen bei der Knigin.   Da sagt' er ihnen an,
Sie sollten Boten werden   nach Burgundenland.
Auch lie er ihnen schaffen   reiches herrliches Gewand.

Vierundzwanzig Recken   schnitt man da das Kleid.                  1459
Ihnen ward auch von dem Knig   gegeben der Bescheid,
Wie sie Gunthern laden sollten   und Die ihm unterthan.
Frau Kriemhild mit ihnen   geheim zu sprechen begann.

Da sprach der reiche Knig:   "Nun hrt, wie ihr thut:             1460
Ich entbiete meinen Freunden   alles, was lieb und gut,
Da sie geruhn zu reiten   hieher in mein Land.
Ich habe noch gar selten   so liebe Gste gekannt.

"Und wenn sie meinen Willen   gesonnen sind zu thun,               1461
Kriemhilds Verwandte,   so mgen sie nicht ruhn
Und mir zu Liebe kommen   zu meinem Hofgelag,
Da meiner Schwger Freundschaft   mich so sehr erfreuen mag."

Da sprach der Fiedelspieler,   der stolze Schwemmelein:            1462
"Wann soll euer Gastgeber   in diesen Landen sein?
Da wirs euern Freunden   am Rhein mgen sagen."
Da sprach der Knig Etzel:   "In der nchsten Sonnenwende Tagen."

"Wir thun, was ihr gebietet,"   sprach da Werbelein.               1463
Kriemhild lie die Boten   zu ihrem Kmmerlein
Fhren in der Stille   und besprach mit ihnen da,
Wodurch noch manchem Degen   bald wenig Liebes geschah.

Sie sprach zu den Boten:   "Ihr verdient gro Gut,                 1464
Wenn ihr besonnen   meinen Willen thut
Und sagt, was ich entbiete   heim in unser Land:
Ich mach euch reich an Gute   und geb euch herrlich Gewand.

"Wen ihr von meinen Freunden   immer mget sehn                    1465
Zu Worms an dem Rheine,   dem sollt ihrs nie gestehn,
Da ihr mich immer shet   betrbt in meinem Muth;
Und entbietet meine Gre   diesen Helden khn und gut.

"Bittet sie zu leisten,   was mein Gemahl entbot,                  1466
Und mich dadurch zu scheiden   von all meiner Noth.
Ich scheine hier den Heunen   freundlos zu sein.
Wenn ich ein Ritter hiee   ich kme manchmal an den Rhein.

"Und sagt auch Gernoten,   dem edeln Bruder mein,                  1467
Da ihm auf Erden Niemand   holder mge sein:
Bittet, da er mir bringe   hierher in dieses Land
Unsre besten Freunde:   so wird uns Ehre bekannt.

"Sagt auch Geiselheren,   ich mahn ihn daran,                      1468
Da ich mit seinem Willen   nie ein Leid gewann:
Drum shn ihn hier im Lande   gern die Augen mein;
Auch will ich all mein Leben   ihm zu Dienst verpflichtet sein.

"Sagt auch meiner Mutter,   wie mir Ehre hier geschieht;           1469
Und wenn von Tronje Hagen   der Reise sich entzieht,
Wer ihnen zeigen solle   die Straen durch das Land?
Die Wege zu den Heunen   sind von frhauf ihm bekannt."

Nun wusten nicht die Boten,   warum das mge sein,                 1470
Da sie diesen Hagen   von Tronje nicht am Rhein
Bleiben laen sollten.   Bald ward es ihnen leid:
Durch ihn war manchem Degen   mit dem grimmen Tode gedrut.

Botenbrief und Siegel   ward ihnen nun gegeben;                    1471
Sie fuhren reich an Gute   und mochten herrlich leben.
Urlaub gab ihnen Etzel   und sein schnes Weib;
Ihnen war auch wohlgezieret   mit guten Kleidern der Leib.

       *       *       *       *       *




Vierundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten.


Als Etzel seine Fiedler   hin zum Rheine sandte,                   1472
Da flogen diese Mren   von Lande zu Lande:
Mit schnellen Abgesandten   bat er und entbot
Zu seinem Hofgelage;   da holte Mancher sich den Tod.

Die Boten ritten hinnen   aus der Heunen Land                      1473
Zu den Burgunden,   wohin man sie gesandt
Zu dreien edeln Knigen   und ihrer Mannen Heer:
Da sie zu Etzeln kmen;   da beeilten sie sich sehr.

Zu Bechlaren ritten   schon die Boten ein.                         1474
Ihnen diente man da gerne   und lie auch das nicht sein:
Ihre Gre sandten   Rdger und Gotelind
Den Degen an dem Rheine   und auch des Markgrafen Kind.

Sie lieen ohne Gaben   die Boten nicht hindann,                   1475
Da desto sanfter fhren   Die Etzeln unterthan.
Uten und ihren Shnen   entbot da Rdiger,
Ihnen so gewogen htten   sie keinen Markgrafen mehr.

Sie entboten auch Brunhilden   Alles, was lieb und gut,            1476
Ihre stte Treue   und dienstbereiten Muth.
Da wollten nach der Rede   die Boten weiter ziehn;
Gott bat sie zu bewahren   Gotlind die edle Markgrfin.

Eh noch die Boten vllig   durchzogen Baierland,                   1477
Werbel der Schnelle   den guten Bischof fand.
Was der da seinen Freunden   hin an den Rhein entbot,
Davon hab ich nicht Kunde;   jedoch sein Gold also roth

Gab er den Boten milde.   Als sie wollten ziehn,                   1478
"Sollt ich sie bei mir schauen,"   sprach Bischof Pilgerin,
"So wr mir wohl zu Muthe,   die Schwestershne mein:
Ich mag leider selten   zu ihnen kommen an den Rhein."

Was sie fr Wege fuhren   zum Rhein durch das Land,                1479
Kann ich euch nicht bescheiden.   Ihr Gold und ihr Gewand
Blieb ihnen unbenommen;   man scheute Etzels Zorn:
So gewaltig herrschte   der edle Knig wohlgeborn.

Binnen zwlf Tagen   kamen sie an den Rhein,                       1480
Gen Worms in die Veste,   Werbel und Schwemmelein.
Da sagte mans dem Knig   und seinen Mannen an,
Es kmen fremde Boten;   Gunther zu fragen begann.

Da sprach der Vogt vom Rheine:   "Wer macht uns bekannt,           1481
Von wannen diese Gste   ritten in das Land?"
Davon wuste Niemand,   bis die Boten sah
Hagen von Tronje:   der begann zu Gunthern da:

"Wir hren Neues heute,   dafr will ich euch stehn:               1482
Etzels Fiedelspieler   die hab ich hier gesehn;
Die hat eure Schwester   gesendet an den Rhein:
Ihres Herren Willen   sollen sie uns willkommen sein."

Sie ritten ohne Weilen   zu dem Saal heran:                        1483
So herrlich fuhr wohl nimmer   eines Frsten Fiedelmann.
Des Knigs Ingesinde   empfieng sie gleich zur Hand;
Herberge gab man ihnen   und bewahrte ihr Gewand.

Ihre Reisekleider waren   reich und so wohlgethan,                 1484
Sie mochten wohl mit Ehren   sich so dem Knig nahn;
Doch wollten sie nicht lnger   sie dort am Hofe tragen.
"Ob Jemand sie begehre?"   lieen da die Boten fragen.

Da waren auch bedrftige   Leute bei der Hand,                     1485
Die sie gerne nahmen:   denen wurden sie gesandt.
Da schmckten mit Gewanden   so reich die Gste sich,
Wie es Knigsboten   herrlich stand und wonniglich.

Da gieng mit Urlaube   hin, wo der Knig sa                       1486
Etzels Ingesinde:   gerne sah man das.
Herr Hagen gleich den Boten   vom Sitz entgegen sprang,
Sie freundlich zu begren:   des sagten ihm die Knappen Dank.

Da hub er um die Kunde   sie zu befragen an,                       1487
Wie Etzel sich gehabe   und Die ihm unterthan.
Da sprach der Fiedelspieler:   "Nie beer stands im Land,
Das Volk war niemals froher,   das sei euch wahrlich bekannt."

Er fhrte sie dem Wirthe zu;   der Knigssaal war voll:            1488
Da empfieng man die Gste,   wie man immer soll
Boten freundlich gren   in andrer Knge Land.
Werbel der Recken   viel bei Knig Gunthern fand.

Der Knig wohlgezogen   zu gren sie begann:                      1489
"Willkommen, beide Fiedler,   die Etzeln unterthan,
Mit euern Heergesellen:   wozu hat euch gesandt
Etzel der reiche   zu der Burgunden Land?"

Sie neigten sich dem Knig.   Da sprach Werbelein:                 1490
"Euch entbietet seine Dienste   der liebe Herre mein
Und Kriemhild eure Schwester   hieher in dieses Land:
Sie haben uns euch Recken   auf gute Treue gesandt."

Da sprach der reiche Knig:   "Der Mre bin ich froh.              1491
Wie gehabt sich Etzel,"   der Degen fragte so,
"Und Kriemhild meine Schwester   in der Heunen Land?"
Da sprach der Fiedelspieler:   "Das mach ich gern euch bekannt.

"Beer wohl gehabten   sich Knge nirgend mehr                     1492
Und frhlicher, das wiet, als die Frsten hehr
Und ihre Degen alle,   Freund und Untertan.
Sie freuten sich der Reise,   da wir schieden hindann,"

"Nun Dank ihm fr die Dienste,   die er mir entbeut,               1493
Ihm und meiner Schwester:   gern erfahr ich heut,
Da sie in Freuden leben,   der Knig und sein Lehn;
Meine Frage war nach ihnen   in groen Sorgen geschehn."

Die beiden jungen Knige   waren auch gekommen,                    1494
Die hatten diese Mre   eben erst vernommen.
Geiselher der junge   die Boten gerne sah
Aus Liebe zu der Schwester;   gar minniglich sprach er da:

"Ihr Boten sollt uns beide   hochwillkommen sein;                  1495
Kmet ihr geritten nur fter   an den Rhein,
Ihr fndet hier der Freunde,   die ihr gerne mchtet sehn.
Euch sollte hier zu Lande   wenig Leides geschehn."

"Wir versehn uns alles Guten   zu euch," sprach Schwemmelein;      1496
"Ich knnt euch nicht bedeuten   mit den Worten mein,
Wie minnigliche Gre   euch Etzel hat gesandt
Und eure edle Schwester,   die da in hohen Ehren stand.

"An eure Lieb und Treue   mahnt euch die Knigin                   1497
Und da ihr stts gewogen   war euer Herz und Sinn.
Zuvrderst euch, Herr Knig,   sind wir hieher gesandt,
Da ihr geruht zu reiten   zu ihnen in der Heunen Land.

"Es soll auch mit euch reiten   euer Bruder Gernot.                1498
Etzel der reiche   euch Allen das entbot,
Wenn ihr nicht kommen wolltet,   eure Schwester sehn,
So mcht er doch wohl wien,   was euch von ihm war geschehn,

"Da ihr ihn also meidet   und auch sein Reich und Land.           1499
Wr euch auch die Knigin   fremd und unbekannt,
So mcht er selbst verdienen,   ihr kmet ihn zu sehn:
Wenn ihr das leisten wolltet,   so wr ihm Liebes geschehn."

Da sprach der Knig Gunther:   "Nach der siebten Nacht             1500
Will ich euch bescheiden,   wes ich mich bedacht
Hab im Rath der Freunde;   geht derweilen hin
Zu eurer Herberge   und findet gute Ruh darin."

Da sprach wieder Werbel:   "Knnt es nicht geschehn,               1501
Da wir unsre Fraue,   die reiche Ute, sehn,
Eh wir mden Degen   fragten nach der Ruh?"
Da sprach wohlgezogen   der edle Geiselher dazu:

"Das soll euch Niemand wehren;   wollt ihr vor sie gehn,           1502
So ist auch meiner Mutter   Will und Wunsch geschehn,
Denn sie sieht euch gerne   um die Schwester mein,
Frau Kriemhilde:   ihr sollt ihr willkommen sein."

Geiselher sie brachte   hin, wo er Uten fand.                      1503
Die sah die Boten gerne   aus der Heunen Land
Und empfieng sie freundlich   mit wohlgezognem Muth.
Da sagten ihr die Mre   die Boten hfisch und gut.

"Meine Frau lt euch entbieten,"   sprach da Schwemmelein,        1504
"Dienst und stte Treue,   und wenn es mchte sein,
Da sie euch fter she,   so glaubet sicherlich,
Wohl keine andre Freude   auf Erden wnschte sie sich."

Da sprach die Knigin Ute:   "Dass kann nun nicht sein.            1505
So gern ich fter she   die liebe Tochter mein,
So wohnt zu fern uns leider   die edle Knigin:
Nun geh ihr immer selig   die Zeit mit Etzeln dahin.

"Ihr sollt mich wien laen,   eh ihr von hinnen mt,             1506
Wenn ihr reiten wollet;   ich sah in langer Frist
Boten nicht so gerne,   als ich euch gesehn."
Da gelobten ihr die Knappen,   ihr Wille solle geschehn.

Zu den Herbergen giengen   Die von Heunenland.                     1507
Der reiche Knig hatte   die Freunde nun besandt.
Gunther der edle   fragte Mann fr Mann,
Was sie darber dchten?   Wohl Manche huben da an,

Er mge wohl reiten   in Knig Etzels Land.                        1508
Das riethen ihm die Besten,   die er darunter fand.
Hagen nur alleine,   dem war es grimmig leid.
Zum Knig sprach er heimlich:   "Mit euch selbst seid ihr im Streit.

Ihr habt doch nicht vergeen,   was ihr von uns geschehn:          1509
Vor Kriemhilden men   wir stts in Sorge stehn.
Ich schlug ihr zu Tode   den Mann mit meiner Hand:
Wie drften wir wohl reiten   hin in Knig Etzels Land?"

Da sprach der reiche Knig:   "Meiner Schwester Zrnen schwand.    1510
Mit minniglichem Kusse,   eh sie verlie die Land,
Hat sie uns verziehen,   was wir an ihr gethan,
Es wre denn, sie stnde   bei euch, Herr Hagen, noch an."

"Nun lat euch nicht betrgen,"   sprach Hagen, "was auch sagen    1511
Diese Heunenboten:   wollt ihrs mit Kriemhild wagen,
Da verliert ihr zu der Ehre   Leben leicht und Leib:
Sie wei wohl nachzutragen,   dem Knig Etzel sein Weib!"

Da sprach vor dem Rathe   der Knig Gernot:                        1512
"Ihr mgt aus guten Grnden   frchten dort den Tod
In heunischen Reichen;   stnden wir drum an
Und mieden unsre Schwester,   das wr bel gethan."

Da sprach zu dem Degen   der junge Geiselher:                      1513
"Da ihr euch, Freund Hagen,   schuldig wit so sehr,
So bleibt hier im Lande,   euer Heil zu weisen;
Nur lat, die sichs getrauen,   mit uns zu den Heunen fahren."

Darob begann zu zrnen   von Tronje der Held:                      1514
"Ich will nicht, da euch Jemand   sei bei der Fahrt gesellt,
Der an den Hof zu reiten   sich mehr getraut als ich:
Wollt ihrs nicht bleiben laen,   ich beweis' es euch sicherlich."

Da sprach der Kchenmeister   Rumold der Degen:                    1515
"Der Heimischen und Fremden   mgt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen:   da habt ihr vollen Rath;
Ich glaube nicht, da Hagen   euch noch je vergeiselt hat.

"Wollt ihr nicht Hagen folgen,   so rth euch Rumold,              1516
Der ich euch dienstlich   gewogen bin und hold,
Da ihr im Lande bleibet   nach dem Willen mein
Und lat den Knig Etzel   dort bei Kriemhilden sein.

"Wo knntet ihr auf Erden   so gut als hier gedeihn?               1517
Ihr mgt vor euern Feinden   daheim geborgen sein,
Ihr sollt mit guten Kleidern   zieren euern Leib,
Des besten Weines trinken   und minnen manches schne Weib.

"Dazu giebt man euch Speise,   so gut sie in der Welt              1518
Ein Knig mag gewinnen.   Euer Land ist wohl bestellt:
Der Hochzeit Etzels mgt ihr euch   mit Ehren wohl begeben
Und hier mit euern Freunden   in guter Kurzweile leben.

"Und httet ihr nichts Anderes   davon zu zehren hier,             1519
Ich gab euch Eine Speise   die Flle fr und fr,
In Oel gesottne Schnitten.   Das ist, was Rumold rth,
Da es gar so ngstlich,   ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.

"Hold wird euch Frau Kriemhild   doch nimmer, glaubet mir;         1520
Auch habt ihr und Hagen   es nicht verdient an ihr.
Und wollt ihr nicht verbleiben,   wer wei, wie ihrs beklagt:
Ihr werdets noch erkennen,   ich hab euch Wahrheit gesagt.

"Drum rath ich euch zu bleiben.   Reich ist euer Land:             1521
Ihr knnt hier beer lsen,   was ihr gabt zu Pfand,
Als dort bei den Heunen:   wer wei, wie es da steht?
Verbleibt hier, ihr Herren:   das ist, was Rumold euch rath."

"Wir wollen nun nicht bleiben,"   sprach da Gernot.                1522
"Da es meine Schwester   so freundlich uns entbot
Und Etzel der reiche,   was fhren wir nicht hin?
Die nicht mit uns wollen,   mgen bleiben immerhin."

"In Treuen," sprach da Rumold,   "ich will der Eine sein,          1523
Der um Etzels Hofgelag   kommt nimmer berrhein.
Wie setzt' ich wohl das Bere   aufs Spiel, das ich gewann?
Ich will mich selbst so lange   am Leben laen, als ich kann."

"So denk ichs auch zu reiten,"   sprach Ortwein der Degen:         1524
"Ich will der Geschfte   zu Hause mit euch pflegen."
Da sprachen ihrer Viele,   sie wollten auch nicht fahren:
"Gott woll euch, liebe Herren,   bei den Heunen wohl bewahren."

Der Knig Gunther zrnte,   als er ward gewahr,                    1525
Sie wollten dort verbleiben,   der Ruhe willen zwar:
"Wir wollens drum nicht laen,   wir men an die Fahrt;
Der waltet guter Sinne,   der sich allezeit bewahrt."

Zur Antwort gab da Hagen:   "Lat euch zum Verdru                 1526
Meine Rede nicht gereichen:   was auch geschehen mu,
Das rath ich euch in Treuen,   wenn ihr euch gern bewahrt,
Da ihr nur wohlgerstet   zu dem Heunenlande fahrt.

"Wenn ihrs euch unterwindet,   so entbietet euer Heer,             1527
Die Besten, die ihr findet   und irgend wit umher,
Aus ihnen Allen whl ich dann   tausend Ritter gut:
So mag euch nicht gefhrden   der argen Kriemhilde Muth."

"Dem Rathe will ich folgen,"   sprach der Knig gleich.            1528
Da sandt er seine Boten   umher in seinem Reich.
Bald brachte man der Helden   dreitausend oder mehr.
Sie dachten nicht zu finden   so groes Leid und Beschwer.

Sie ritten hohes Muthes   durch Knig Gunthers Land.               1529
Sie verhieen Allen   Ross' und Gewand,
Die ihnen geben wollten   zum Heunenland Geleit.
Da fand viel gute Ritter   der Knig zu der Fahrt bereit.

Da lie von Tronje Hagen   Dankwart den Bruder sein                1530
Achtzig ihrer Recken   fhren an den Rhein.
Sie kamen stolz gezogen;   Harnisch und Gewand
Brachten viel die schnellen   Knig Gunthern in das Land.

Da kam der khne Volker,   ein edler Spielmann,                    1531
Mit dreiig seiner Degen   zu der Fahrt heran.
Ihr Gewand war herrlich,   ein Knig mocht es tragen.
Er wollte zu den Heunen,   lie er dem Knige sagen.

Wer Volker sei gewesen,   das sei euch kund gethan.                1532
Es war ein edler Herre;   ihm waren unterthan
Viel der guten Recken   in Burgundenland;
Weil er fiedeln konnte,   war er der Spielmann genannt.

Hagen whlte tausend,   die waren ihm bekannt;                     1533
Was sie in starken Strmen   gefrommt mit ihrer Hand
Und sonst begangen hatten,   das hatt er oft gesehn:
Auch alle Andern musten   ihnen Ehre zugestehn.

Die Boten Kriemhildens   der Aufenthalt verdro;                   1534
Die Furcht vor ihrem Herren   war gewaltig gro:
Sie hielten alle Tage   um den Urlaub an.
Den gnnt' ihnen Hagen nicht:   das ward aus Vorsicht gethan.

Er sprach zu seinem Herren:   "Wir wollen uns bewahren,            1535
Da wir sie reiten laen,   bevor wir selber fahren
Sieben Tage spter   in Knig Etzels Land:
Trgt man uns argen Willen,   das wird so beer gewandt.

"So mag sich auch Frau Kriemhild   bereiten nicht dazu,            1536
Da uns nach ihrem Rathe   Jemand Schaden thu.
Will sie es doch versuchen,   so fhrt sie bel an:
Wir fhren zu den Herren   manchen auserwhlten Mann."

Die Sttel und die Schilde   und all ihr Gewand,                   1537
Das sie fhren wollten   in Knig Etzels Land,
War nun bereit und fertig   fr manchen khnen Mann.
Etzels Spielleute   rief man zu Gunthern heran.

Da die Boten kamen,   begann Herr Gernot:                          1538
"Der Knig will leisten,   was Etzel uns entbot.
Wir wollen gerne kommen   zu seiner Lustbarkeit
Und unsre Schwester sehen;   da ihr des auer Zweifel seid."

Da sprach der Knig Gunther:   "Wit ihr uns zu sagen,             1539
Wann das Fest beginnt,   oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?"   Da sprach Schwemmelein:
"Zur nchsten Sonnenwende   da soll es in Wahrheit sein."

Der Knig erlaubte das,   war noch nicht geschehn,                 1540
Wenn sie Frau Brunhilden   wnschten noch zu sehn,
Da sie mit seinem Willen   sprchen bei ihr an.
Dem widerstrebte Volker:   da war ihr Liebes gethan.

"Es ist ja Frau Brunhild   nun nicht so wohlgemuth,                1541
Da ihr sie schauen mchtet,"   sprach der Ritter gut.
"Wartet bis morgen,   so lt man sie euch sehn."
Sie whnten sie zu schauen,   da konnt es doch nicht geschehn.

Da lie der reiche Knig,   er war den Boten hold,                 1542
Aus eigner hoher Milde   daher von seinem Gold
Auf breiten Schilden bringen;   wohl war er reich daran.
Ihnen ward auch reiche Schenkung   von seinen Freunden gethan.

Geiselher und Gernot,   Gere und Ortewein,                         1543
Wie sie auch milde waren,   das leuchtete wohl ein:
So reiche Gaben boten   sie den Boten an,
Da sie's vor ihrem Herren   nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem Knig   der Bote Werbelein:                       1544
"Herr Knig, lat die Gaben   nur hier im Lande sein.
Wir knnens nicht verfhren,   weil uns der Herr verbot,
Da wir Geschenke nhmen:   auch thut es uns wenig Noth."

Da ward der Vogt vom Rheine   darber ungemuth,                    1545
Da sie verschmhen wollten   so reichen Knigs Gut.
Da musten sie empfahen   sein Gold und sein Gewand,
Da sie es mit sich fhrten   heim in Knig Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen   vor ihrer Wiederkehr.                    1546
Die Spielleute brachte   der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutter;   sie entbot der Knigin,
Wenn man ihr Ehre biete,   so bednk es sie Gewinn.

Da lie die Knigswitwe   ihre Borten und ihr Gold                 1547
Vertheilen um Kriemhildens,   denn der war sie hold,
Und Knig Etzels Willen   an das Botenpaar.
Sie mochtens wohl empfahen:   getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten   nun von Weib und Mann                     1548
Die Boten Kriemhildens;   sie fuhren froh hindann
Bis zum Schwabenlande:   dahin lie Gernot
Seine Helden sie begleiten,   da sie nirgend litten Noth.

Als die von ihnen schieden,   die sie sollten pflegen,             1549
Gab ihnen Etzels Herschaft   Frieden auf den Wegen,
Da ihnen Niemand raubte   ihr Ross noch ihr Gewand.
Sie ritten sehr in Eile   wieder in der Heunen Land.

Wo sie Freunde wusten,   da machten sie es kund,                   1550
In wenig Tagen kmen   die Helden von Burgund
Vom Rhein hergezogen   in der Heunen Land.
Pilgerin, dem Bischof,   ward auch die Mre bekannt.

Als sie vor Bechlaren   die Strae niederzogen,                    1551
Da ward um die Mre   Rdger nicht betrogen,
Noch Frau Gotelinde,   die Markgrfin hehr.
Da sie sie schauen sollten,   des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten   die Rosse mchtig an.                    1552
Sie sanden Knig Etzeln   in seiner Stadt zu Gran,
Gru ber Gre,   die man ihm her entbot,
Brachten sie dem Knige:   vor Liebe ward er freudenroth.

Als Kriemhild der Knigin   die Mre ward bekannt,                 1553
Ihre Brder wollten   kommen in ihr Land,
Da ward ihr wohl zu Muthe:   sie gab den Boten Lohn
Mit reichlichen Geschenken;   sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: "Nun sagt mir beide,   Werbel und Schwemmelein,        1554
Wer will von meinen Freunden   beim Hofgelage sein,
Von den hchsten, die wir luden   hieher in dieses Land?
Sagt an, was sprach wohl Hagen,   als ihm die Mhre ward bekannt?"

"Er kam zu ihrem Rathe   an einem Morgen fruh;                     1555
Wenig gute Sprche   redet' er dazu,
Als sie die Fahrt gelobten   nach dem Heunenland:
Die hat der grimme Hagen   die Todesreise genannt.

"Es kommen eure Brder,   die Knge alle drei,                     1556
In herrlichem Muthe.   Wer mehr mit ihnen sei,
Darber ich des Weitern   euch nicht bescheiden kann.
Es will mit ihnen reiten   Volker der khne Fiedelmann."

"Des mag ich leicht entbehren,"   sprach die Knigin,              1557
"Da ich auch Volkern she   her zu Hofe ziehn;
Hagen bin ich gewogen,   der ist ein Degen gut:
Da wir ihn schauen sollen,   des hab ich frhlichen Muth."

Hin gieng die Knigstochter,   wo sie den Knig sah.               1558
Wie ininnigliche Worte   sprach Frau Kriemhild da:
"Wie gefallen euch die Mren,   viel lieber Herre mein?
Wes mich je verlangte,   das soll nun bald vollendet sein."

"Dein Will ist meine Freude,"   der Knig sprach da so:            1559
"Ich wr der eignen Freunde   nicht so von Herzen froh,
Wenn sie kommen sollten   hieher in unser Land.
Durch deiner Freunde Liebe   viel meiner Sorge verschwand."

Des Knigs Amtleute   befahlen berall                             1560
Mit Gesthl zu schmcken   Pallas und Saal
Fr die lieben Gste,   die da sollten kommen.
Durch die ward bald dem Knig   viel hoher Freude benommen.

       *       *       *       *       *




Fnfundzwanzigstes Abenteuer.

Wie die Knige zu den Heunen fuhren.


Wie man dort gebarte,   vernahmt ihr nun genug.                    1561
Wohl kamen nie gefahren   in solchem stolzen Zug
So hochgemuthe Degen   in eines Knigs Land;
Sie hatten, was sie wollten,   beides, Waffen und Gewand.

Der Vogt vom Rheine kleidete   aus seinem Heergeleit               1562
Der Degen tausend sechzig,   so gab man uns Bescheid,
Und neuntausend Knechte   zu dem Hofgelag;
Die sie zu Hause lieen,   beweinten es wohl hernach.

Da trug man ihr Gerthe   zu Worms bern Hof.                      1563
Wohl sprach da von Speier   ein alter Bischof
Zu der schnen Ute:   "Unsre Freunde wollen fahren
Zu dem Gastgebote:   mge Gott sie da bewahren."

Da sprach zu ihren Shnen   Ute, die Fraue gut:                    1564
"Ihr solltet hier verbleiben,   Helden hochgemuth.
Getrumt hat mir heute   von ngstlicher Noth,
Wie all das Gevgel   in diesem Lande wre todt."

"Wer sich an Trume wendet,"   sprach dawider Hagen,               1565
"Der wei noch die rechte   Kunde nicht zu sagen,
Wie es mg am Besten   um seine Ehre stehn:
Es mag mein Herr nur immer   mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

"Wir wollen gerne reiten   in Knig Etzels Land:                   1566
Da mag wohl Kngen dienen   guter Helden Hand,
So wir da schauen sollen   Kriemhildens Hochzeit."
Hagen rieth die Reise;   doch ward es spter ihm leid.

Er htt es widerrathen,   nur da Gernot                           1567
Mit ungefgen Reden   ihm Spott entgegenbot.
Er mahnt' ihn an Siegfried,   Frau Kriemhildens Mann:
Er sprach: "Darum steht Hagen   die groe Reise nicht an."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Nicht Furcht ist's, da ich's thu.  1568
Gebietet ihr es, Helden,   so greift immer zu:
Gern will ich mit euch reiten   in Knig Etzels Land."
Bald ward von ihm zerhauen   mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig   zu fahren berrhein;                  1569
Was sie an Kleidern hatten,   trugen sie darein.
Sie fanden viel zu schaffen   bis zur Abendzeit;
Sie huben sich von Hause   zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase   sich Htten und Gezelt                 1570
Jenseits des Rheines,   wo das Lager war bestellt.
Da bat noch zu verweilen   Gunthern sein schnes Weib;
Sie herzte nachts noch einmal   des Mannes waidlichen Leib.

Flten und Posaunen   erschollen morgens fruh                      1571
Den Aufbruch anzukndigen:   da griff man bald dazu.
Wem Liebes lag im Arme,   herzte des Freundes Leib;
Mit Leid trennte Viele   des Knig Etzel Weib.

Der schnen Ute Shne   die hatten einen Mann,                     1572
Der khn war und bieder;   als man die Fahrt begann,
Sprach er zu dem Knige   geheim nach seinem Muth.
Er sprach: "Ich mu wohl trauern,   da ihr die Hofreise thut."

Er war geheien Rumold,   ein Degen auserkannt.                    1573
Er sprach: "Wem wollt ihr laen   Leute nun und Land?
Da Niemand doch euch Recken   wenden mag den Muth!
Die Mren Kriemhildens   dauchten mich niemals gut."

"Das Land sei dir befohlen   und auch mein Shnelein;              1574
Und diene wohl den Frauen:   das ist der Wille mein.
Wen du weinen siehest,   dem trste Herz und Sinn;
Es wird uns nichts zu Leide   Kriemhild thun, die Knigin."

Eh man schied von dannen,   berieth der Knig hehr                 1575
Sich mit den hchsten Mannen;   er lie nicht ohne Wehr
Das Land und die Burgen:   die ihrer sollten pflegen,
Zum Schutze lie er denen   manchen auserwhlten Degen.

Die Rosse standen aufgezumt   den Mannen wie den Herrn:           1576
Mit minniglichem Kusse   zog da Mancher fern,
Dem noch in hohem Muthe   lebte Seel und Leib;
Das muste bald beweinen   manches waidliche Weib.

Wehruf und Weinen   hrte man genug;                               1577
Auf dem Arm die Knigin   ihr Kind dem Knig trug:
"Wie wollt ihr so verwaisen   uns beide auf ein Mal?
Verbleibet uns zu Liebe,"   sprach sein jammerreich Gemahl.

"Frau, ihr sollt nicht weinen   um den Willen mein,                1578
Ihr mgt hier ohne Sorgen   in hohem Muthe sein:
Wir kommen bald euch wieder   mit Freuden wohl gesund."
Sie schieden von den Freunden   minniglich zur selben Stund.

Als man die schnellen Recken   sah zu den Rossen gehn,             1579
Fand man viel der Frauen   in hoher Trauer stehn.
Da sie auf ewig schieden,   sagt' ihnen wohl der Muth:
Zu groem Schaden kommen,   das thut Niemanden gut.

Die schnellen Burgunden   begannen ihren Zug.                      1580
Da ward in dem Lande   das Treiben gro genug;
Beiderseits des Rheines   weinte Weib und Mann.
Wie auch das Volk gebarte,   sie fuhren frhlich hindann.

Niblungens Helden   zogen mit ihnen aus                            1581
In tausend Halsbergen:   die hatten dort zu Haus
Viel schne Fraun gelaen   und sahn sie nimmermehr.
Siegfriedens Wunden   die schmerzten Kriemhilden sehr.

Nur schwach in jenen Zeiten   war der Glaube noch:                 1582
Es sang ihnen Messe   ein Kaplan jedoch:
Der kam gesund zurcke,   obwohl aus groer Noth;
Die andern blieben alle   dort im Heunenlande todt.

Da lenkten mit der Reise   auf den Mainstrom an                    1583
Hinauf durch Ostfranken   Die Gunthern unterthan.
Hagen war ihr Fhrer,   der war da wohlbekannt.
Ihr Marschall war Dankwart,   der Held von Burgundenland.

Da sie von Ostfranken   durch Schwalefelde ritten,                 1584
Da konnte man sie kennen   an den herrlichen Sitten,
Die Frsten und die Freunde,   die Helden lobesam.
An dem zwlften Morgen   der Knig an die Donau kam.

Da ritt von Tronje Hagen   den andern all zuvor:                   1585
Er hielt den Nibelungen   zumal den Muth empor.
Bald sprang der khne Degen   nieder auf den Strand,
Wo er sein Ross in Eile   fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten,   die Schifflein verborgen:              1586
Die Nibelungen kamen   da in groe Sorgen,
Wie sie hinber sollten:   das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zur Erde   mancher Ritter allbereit.

"Uebel," sprach da Hagen,   "mag dir wohl hier geschehn,           1587
Knig an dem Rheine;   du magst es selber sehn:
Das Wasser ist ergoen,   zu stark ist seine Flut:
Ich frchte, wir verlieren   noch heute manchen Recken gut."

"Hagen, was verweist ihr mir?"   sprach der Knig hehr,            1588
"Um eurer Hofzucht willen   erschreckt uns nicht noch mehr.
Ihr sollt die Furt uns suchen   hinber an das Land,
Da wir von hinnen bringen   beides, Ross' und Gewand."

"Mir ist ja noch," sprach Hagen,   "mein Leben nicht so leid,      1589
Da ich mich mcht ertrnken   in diesen Wellen breit:
Erst soll von meinen Hnden   ersterben mancher Mann
In Knig Etzels Landen,   wozu ich gute Lust gewann.

"Bleibet bei dem Wasser,   ihr stolzen Ritter gut.                 1590
So geh ich und suche   die Fergen bei der Flut,
Die uns hinber bringen   in Gelfratens Land."
Da nahm der khne Hagen   seinen festen Schildesrand.

Er war wohl bewaffnet:   den Schild er bei sich trug;              1591
Sein Helm war aufgebunden   und glnzte hell genug.
Ueberm Harnisch fhrt' er   eine breite Waffe mit,
Die an beiden Schrfen   aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder   nach einem Schiffersmann.               1592
Da hrt' er Wasser rauschen;   zu lauschen hub er an.
In einem schnen Brunnen   that das manch weises Weib:
Die gedachten da im Bade   sich zu khlen den Leib.

Hagen ward ihrer inne,   da schlich er leis heran;                 1593
Sie eilten schnell von hinnen,   als sie den Helden sahn.
Da sie ihm entrannen,   des freuten sie sich sehr.
Da nahm er ihre Kleider   und schadet' ihnen nicht mehr.

Da sprach das eine Meerweib,   Hadburg war sie genannt:            1594
"Hagen, edler Ritter,   wir machen euch bekannt,
Wenn ihr uns dagegen   die Kleider wiedergebt,
Was ihr auf dieser Reise   bei den Heunen erlebt."

Sie schwammen wie die Vgel   schwebend auf der Flut.              1595
Da daucht ihn ihr Wien   von den Dingen gut:
So glaubt' er um so lieber,   was sie ihm wollten sagen.
Sie beschieden ihn darber,   was er begann sie zu fragen.

Sie sprach: "Ihr mgt wohl reiten   in Knig Etzels Land:          1596
Ich setz euch meine Treue   dafr zum Unterpfand:
Niemals fuhren Helden   noch in ein fremdes Reich
Zu so hohen Ehren:   in Wahrheit, ich sag es euch."

Der Rede war da Hagen   im Herzen froh und hehr!                   1597
Die Kleider gab man ihnen   und sumte sich nicht mehr.
Als sie umgezogen   ihr wunderbar Gewand,
Vernahm er erst die Wahrheit   von der Fahrt in Etzels Land.

Da sprach das andre Meerweib   mit Namen Siegelind:                1598
"Ich will dich warnen, Hagen,   Aldrianens Kind.
Meine Muhme hat dich   der Kleider halb belogen:
Und kommst du zu den Heunen,   so bist du bel betrogen.

"Wieder umzukehren,   wohl wr es an der Zeit,                     1599
Dieweil ihr khnen Helden   also geladen seid,
Da ihr mt ersterben   in der Heunen Land:
Wer da hinreitet,   der hat den Tod an der Hand."

Da sprach aber Hagen:   "Ihr trgt mich ohne Noth:                 1600
Wie sollte das sich fgen,   da wir alle todt
Blieben bei dem Hofgelag   durch Jemandes Groll?"
Da sagten sie dem Degen   die Mre deutlich und voll.

Da sprach die Eine wieder:   "Es mu nun so geschehn,              1601
Keiner wird von euch allen   die Heimat wiedersehn
Als der Kaplan des Knigs:   das ist uns wohlbekannt,
Der kommt geborgen wieder   heim in Knig Gunthers Land."

Ingrimmen Muthes   sprach der khne Hagen:                         1602
"Das lieen meine Herren   schwerlich sich sagen,
Wir verlren bei den Heunen   Leben all und Leib;
Nun zeig uns bers Wasser,   allerweisestes Weib."

Sie sprach: "Willst du nicht anders   und soll die Fahrt geschehn, 1603
So siehst du berm Wasser   eine Herberge stehn:
Darin ist ein Ferge   und sonst nicht nah noch fern."
Weiter nachzufragen,   des begab er nun sich gern.

Dem unmuthsvollen Recken   rief noch die Eine nach:                1604
"Nun wartet, Herr Hagen,   euch ist auch gar zu jach;
Vernehmt noch erst die Kunde,   wie ihr kommt durchs Land.
Der Herr dieser Marke   der ist Else genannt.

"Sein Bruder ist geheien   Gelfrat der Held,                      1605
Ein Herr im Baierlande:   nicht so leicht es hlt,
Wollt ihr durch seine Marke:   ihr mgt euch wohl bewahren
Und sollt auch mit dem Fergen   gar bescheidentlich verfahren.

"Der ist so grimmes Muthes,   er lt euch nicht gedeihn,          1606
Wollt ihr nicht verstndig   bei dem Helden sein.
Soll er euch berholen,   so bietet ihm den Sold;
Er htet dieses Landes   und ist Gelfraten hold.

"Und kommt er nicht bei Zeiten,   so ruft ber Flut                1607
Und sagt, ihr heiet Amelrich;   das war ein Degen gut,
Der seiner Feinde willen   rumte dieses Land:
So wird der Fhrmann kommen,   wird ihm der Name genannt."

Der bermthge Hagen   dankte den Frauen hehr                      1608
Des Raths und der Lehre;   kein Wrtlein sprach er mehr.
Dann gieng er bei dem Wasser   hinauf an dem Strand,
Wo er auf jener Seite   eine Herberge fand.

Laut begann zu rufen   der Degen ber Flut:                        1609
"Nun hol mich ber, Ferge,"   sprach der Degen gut,
"So geb ich dir zum Lohne   eine Spange goldesroth;
Mir thut das Ueberfahren,   das wie, wahrhaftig Noth."

Es brauchte nicht zu dienen   der reiche Schiffersmann,            1610
Lohn nahm er selten   von Jemandem an;
Auch waren seine Knechte   zumal von stolzem Muth.
Noch immer stand Hagen   dieseits allein bei der Flut.

Da rief er so gewaltig,   der ganze Strom erscholl                 1611
Von des Helden Strke,   die war so gro und voll:
"Mich Amelrich hol ber;   ich bin es, Elses Mann,
Der vor starker Feindschaft   aus diesen Landen entrann."

Hoch an seinem Schwerte   er ihm die Spange bot,                   1612
Die war schn und glnzte   von lichtem Golde roth,
Da er ihn berbrchte   in Gelfratens Land.
Der bermthge Ferge   nahm selbst das Ruder an die Hand.

Auch hatte dieser Ferge   habschtgen Sinn:                        1613
Die Gier nach groem Gute   bringt endlich Ungewinn;
Er dachte zu verdienen   Hagens Gold so roth,
Da litt er von dem Degen   hier den schwertgrimmen Tod.

Der Ferge zog gewaltig   hinber an den Strand.                    1614
Welcher ihm genannt war,   als er den nicht fand,
Da hub er an zu zrnen:   als er Hagen sah,
Mit grimmem Ungestme   zu dem Helden sprach er da:

"Ihr mgt wohl sein geheien   mit Namen Amelrich;                 1615
Doch seht ihr dem nicht hnlich,   des ich versehen mich.
Von Vater und von Mutter   war er der Bruder mein:
Nun ihr mich betrogen habt,   so mt ihr diehalben sein."

"Nein! um Gotteswillen,"   sprach Hagen dagegen.                   1616
"Ich bin ein fremder Recke,   besorgt um andre Degen.
So nehmet denn freundlich   hin meinen Sold
Und fahrt uns hinber:   ich bin euch wahrhaftig hold."

Da sprach der Ferge wieder:   "Das kann einmal nicht sein.         1617
Viel der Feinde haben   die lieben Herren mein.
Drum fahr ich keinen Fremden   hinber in ihr Land:
Wenn euch das Leben lieb ist,   so tretet aus an den Strand."

"Das thu ich nicht," sprach Hagen,   "traurig ist mein Muth.       1618
Nehmt zum Gedchtni   die goldne Spange gut
Und fahrt uns ber, tausend Ross'   und auch so manchen Mann."
Da sprach der grimme Ferge:   "Das wird nimmer gethan."

Er hob ein starkes Ruder,   mchtig und breit,                     1619
Und schlug es auf Hagen   (es ward ihm spter leid),
Da er im Schiffe nieder   strauchelt' auf die Knie.
Solchen grimmen Fergen   fand der von Tronje noch nie.

Noch strker zu erzrnen   den khnen Fremdling, schwang           1620
Er seine Ruderstange,   da sie gar zersprang,
Auf das Haupt dem Hagen;   er war ein starker Mann:
Davon Elses Ferge   bald groen Schaden gewann.

Mit grimmigem Muthe   griff Hagen gleich zur Hand                  1621
Zur Seite nach der Scheide,   wo er ein Waffen fand:
Er schlug das Haupt ihm nieder   und warf es auf den Grund.
Bald wurden diese Mren   den stolzen Burgunden kund.

Im selben Augenblicke,   als er den Fhrmann schlug,               1622
Glitt das Schiff zur Strmung;   das war ihm leid genug.
Eh er es richten konnte,   fiel ihn Ermdung an:
Da zog am Ruder krftig   Knig Gunthers Unterthan.

Er versucht' es umzukehren   mit manchem schnellen Schlag,         1623
Bis ihm das starke Ruder   in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken   sich wenden an den Strand;
Da hatt er keines weiter:   wie bald er es zusammen band

Mit seinem Schildriemen,   einer Borte schmal.                     1624
Hin zu einem Walde   wandt er das Schiff zu Thal.
Da fand er seinen Herren   sein harren an dem Strand;
Es giengen ihm entgegen   viel der Degen auserkannt.

Mit Gru ihn wohl empfiengen   die edeln Ritter gut:               1625
Sie sahen in dem Schiffe   rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde,   die er dem Fergen schlug:
Darber muste Hagen   fragen hren genug.

Als der Knig Gunther   das heie Blut ersah                       1626
In dem Schiffe schweben,   wie bald sprach er da:
"Wo ist denn, Herr Hagen,   der Fhrmann hingekommen?
Eure starken Krfte haben   ihm wohl das Leben benommen."

Da sprach er mit Verlugnen:   "Als ich das Schifflein fand        1627
Bei einer wilden Weide,   da lst' es meine Hand.
Ich habe keinen Fergen   heute hier gesehn;
Leid ist auch Niemand   von meinen Hnden geschehn."

Da sprach von Burgunden   der Knig Gernot:                        1628
"Heute mu ich bangen   um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffmann   hier am Strome sehn:
Wie wir hinber kommen,   darob mu ich in Sorgen stehn."

Laut rief da Hagen:   "Legt auf den Boden her,                     1629
Ihr Knechte, das Gerthe:   ich gedenke, da ich mehr
Der allerbeste Ferge war,   den man am Rheine fand:
Ich bring euch hinber   gar wohl in Gelfratens Land."

Da sie desto schneller   kmen ber Flut,                         1630
Trieb man hinein die Mhren;   ihr Schwimmen ward so gut,
Da ihnen auch nicht eines   der starke Strom benahm.
Einige trieben ferner,   als sie Ermdung berkam.

Sie trugen zu dem Schiffe   ihr Gut und ihre Wehr,                 1631
Nun einmal ihre Reise   nicht zu vermeiden mehr.
Hagen fuhr sie ber;   da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken   in das unbekannte Land.

Zum ersten fuhr er ber   tausend Ritter hehr                      1632
Und seine sechzig Degen;   dann kamen ihrer mehr:
Neuntausend Knechte,   die bracht er an das Land.
Des Tags war unmig   des khnen Tronejers Hand.

Das Schiff war ungefge,   stark und weit genug:                   1633
Fnfhundert oder drber   es leicht auf einmal trug
Ihres Volks mit Speise   und Waffen ber Flut:
Am Ruder muste ziehen   des Tages mancher Ritter gut.

Da er sie wohlgeborgen   ber Flut gebracht,                       1634
Da war der fremden Mre   der schnelle Held bedacht,
Die ihm verkndet hatte   das wilde Meerweib:
Dem Kaplan des Knigs gieng es   da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihgerthe   er den Pfaffen fand,                      1635
Auf dem Heiligthume   sich sttzend mit der Hand:
Das kam ihm nicht zu Gute,   als Hagen ihn ersah;
Der unglckselge Priester,   viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe   mit jher Gewalt.                 1636
Da riefen ihrer Viele:   "Halt, Hagen, halt!"
Geiselher der junge   hub zu zrnen an;
Er wollt es doch nicht laen,   bis er ihm Leides gethan.

Da sprach von Burgunden   der Knig Gernot:                        1637
"Was hilft euch wohl, Herr Hagen,   des Kaplanes Tod?
Tht die anders Jemand,   es sollt ihm werden leid.
Was verschuldete der Priester,   da ihr so wider ihn seid?"

Der Pfaffe schwamm nach Krften:   er hoffte zu entgehn,           1638
Wenn ihm nur Jemand hlfe:   das konnte nicht geschehn,
Denn der starke Hagen,   gar zornig war sein Muth,
Stie ihn zu Grunde wieder;   das dauchte Niemanden gut.

Als der arme Pfaffe   hier keine Hlfe sah,                        1639
Da wandt er sich ans Ufer;   Beschwerde litt er da.
Ob er nicht schwimmen konnte,   doch half ihm Gottes Hand,
Da er wohlgeborgen   hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester   und schttelte sein Kleid.            1640
Daran erkannte Hagen,   ihm habe Wahrheit,
Unmeidliche, verkndet   das wilde Meerweib.
Er dachte: "Diese Degen   verlieren Leben und Leib."

Als sie das Schiff entladen   und ans Gestad geschafft,            1641
Was darauf beseen   der Knge Ritterschaft,
Schlug Hagen es in Stcke   und warf es in die Flut;
Das wunderte gewaltig   die Recken edel und gut.

"Bruder, warum thut ihr das?"   sprach da Dankwart,                1642
"Wie sollen wir hinber   bei unsrer Wiederfahrt,
Wenn wir von den Heunen   reiten an den Rhein?"
Hernach sagt' ihm Hagen,   das knne nimmermehr sein.

Da sprach der Held von Tronje:   "Ich thats mit Wohlbedacht:       1643
Haben wir einen Feigen   in dieses Land gebracht,
Der uns entrinnen mchte   in seines Herzens Noth,
Der mu an diesen Wogen   leiden schmhlichen Tod."

Sie fhrten bei sich Einen   aus Burgundenland,                    1644
Der ein gar behender Held   und Volker ward genannt.
Der redete da launig   nach seinem khnen Muth:
Was Hagen je begangen,   den Fiedler dauchte das gut.

Als der Kaplan des Knigs   das Schiff zerschlagen sah,            1645
Ueber das Wasser   zu Hagen sprach er da:
"Ihr Mrder ohne Treue,   was hatt ich euch gethan,
Da mich unschuldgen Pfaffen   eur Herz zu ertranken sann?"

Zur Antwort gab ihm Hagen:   "Die Rede lat beiseit:               1646
Mich kmmert, meiner Treue,   da ihr entkommen seid
Hier von meinen Hnden,   das glaubt ohne Spott."
Da sprach der arme Priester:   "Dafr lob ich ewig Gott.

"Ich frcht euch nun wenig,   des drft ihr sicher sein:           1647
Fahrt ihr zu den Heunen,   so will ich ber Rhein.
Gott la euch nimmer wieder   nach dem Rheine kommen,
Das wnsch ich euch von Herzen:   schier das Leben habt ihr mir genommen."

Da sprach Knig Gunther   zu seinem Kapellan:                      1648
"Ich will euch alles ben,   was Hagen euch gethan
Hat in seinem Zorne,   komm ich an den Rhein
Mit meinem Leben wieder:   des sollt ihr auer Sorge sein.

"Fahrt wieder heim zu Lande;   es mu nun also sein.               1649
Ich entbiete meine Gre   der lieben Frauen mein
Und meinen andern Freunden,   wie ich billig soll:
Sagt ihnen liebe Mre,   da wir noch alle fuhren wohl."

Die Rosse standen harrend,   die Sumer wohl geladen;              1650
Sie hatten auf der Reise   bisher noch keinen Schaden
Genommen, der sie schmerzte,   als des Knigs Kaplan:
Der must auf seinen Fen   sich zum Rheine suchen Bahn.

       *       *       *       *       *




Sechsundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Dankwart Gelfraten erschlug.


Als sie nun alle waren   gekommen an den Strand,                   1651
Da fragte Knig Gunther:   "Wer soll uns durch das Land
Die rechten Wege weisen,   da wir nicht irre gehn?"
Da sprach der khne Volker:   "Lat mich das Amt nur versehn."

"Nun haltet an," sprach Hagen,   "sei's Ritter oder Knecht:        1652
Man soll Freunden folgen,   das bednkt mich recht.
Eine ungefge Mre   mach ich euch bekannt:
Wir kommen nimmer wieder   heim in der Burgunden Land.

"Das sagten mir zwei Meerfraun   heute morgen fruh,                1653
Wir kmen nimmer wieder.   Nun rat ich, was man thu:
Waffnet euch, ihr Helden,   ihr sollt euch wohl bewahren:
Wir finden starke Feinde   und men drum wehrhaft fahren.

"Ich whnt auf Lug zu finden   die weisen Meerfraun:               1654
Sie sagten mir, nicht Einer   werde wiederschaun
Die Heimat von uns Allen   bis auf den Kapellan;
Drum htt ich ihm so gerne   heut den Tod angethan."

Da flogen diese Mren   von Schar zu Schar einher.                 1655
Bleich vor Schrecken wurden   Degen khn und hehr,
Als sie die Sorge fate   vor dem herben Tod
Auf dieser Hofreise:   das schuf ihnen wahrlich Noth.

Bei Mringen waren   sie ber Flut gekommen,                       1656
Wo dem Fhrmann Elsen   das Leben ward benommen.
Da sprach Hagen wieder:   "Da ich mir so gewann
Unterwegs der Feinde,   so greift man ehstens uns an.

"Ich erschlug den Fhrmann   heute morgen fruh;                    1657
Sie wien nun die Kunde.   Drum eilt und greifet zu,
Wenn Gelfrat und Elsen   heute hier besteht
Unser Ingesinde,   da es ihnen bel ergeht.

"Sie sind gar khn, ich wei es,   es wird gewiss geschehn.        1658
Drum lat nur die Rosse   in sanftem Schritte gehn,
Da nicht Jemand whne,   wir flhn vor ihrem Heer."
"Dem Rathe will ich folgen,"   sprach der junge Geiselher.

"Wer zeigt nun dem Gesinde   die Wege durch das Land?"             1659
Sie sprachen: "Das soll Volker:   dem sind hie wohlbekannt
Die Straen und die Steige,   dem stolzen Fiedelmann."
Eh mans von ihm verlangte,   kam er gewaffnet heran.

Der schnelle Fiedelspieler:   den Helm er berband;                1660
Von herrlicher Farbe   war all sein Streitgewand.
Am Schaft lie er flattern   ein Zeichen, das war roth.
Bald kam er mit den Knigen   in eine furchtbare Noth.

Gewisse Kunde hatte   Gelfrat nun bekommen                         1661
Von des Fergen Tode;   da hatt es auch vernommen
Else der starke:   beiden war es leid.
Sie besandten ihre Helden:   die traf man balde bereit.

Darauf in kurzen Zeiten,   nun hrt mich weiter an,                1662
Sah man zu ihnen reiten,   denen Schade war gethan,
In starkem Kriegszuge   ein ungefges Heer:
Wohl siebenhundert stieen   zu Gelfrat oder noch mehr.

Als das den grimmen Feinden   nachzuziehn begann,                  1663
Die Herren, die es fhrten,   huben zu jagen an
Den khnen Gsten hinterdrein.   Sie wollten Rache haben:
Da musten sie der Freunde   hernach noch manchen begraben.

Hagen von Tronje   richtete das ein                                1664
(Wie konnte seiner Freunde   ein berer Hter sein?),
Da er die Nachhut hatte   und Die ihm unterthan
Mit Dankwart seinem Bruder;   das war gar weislich gethan.

Ihnen war der Tag zerronnen,   den hatten sie nicht mehr.          1665
Er bangte vor Gefahren   fr seine Freunde sehr.
Sie ritten unter Schilden   durch der Baiern Land:
Darnach in kurzer Weile   die Helden wurden angerannt.

Beiderseits der Strae   und hinter ihnen her                      1666
Vernahm man Hufe schlagen;   die Haufen eilten sehr.
Da sprach der khne Dankwart:   "Gleich fallen sie uns an:
Bindet auf die Helme,   das dnkt mich rthlich gethan."

Sie hielten ein mit Reiten,   als es muste sein.                   1667
Da sahen sie im Dunkel   der lichten Schilde Schein.
Nicht lnger stille schweigen   mochte da der Hagen:
"Wer verfolgt uns auf der Strae?"   Das muste Gelfrat ihm sagen.

Da sprach zu ihm der Markgraf   aus der Baiern Land:               1668
"Wir suchen unsre Feinde,   denen sind wir nachgerannt.
Ich wei nicht, wer mir heute   meinen Fergen schlug:
Das war ein schneller Degen;   mir ist leid um ihn genug."

Da sprach von Tronje Hagen:   "War der Ferge dein?                 1669
Er wollt uns nicht fahren;   alle Schuld ist mein:
Ich erschlug den Recken;   frwahr, es that mir Noth:
Ich hatte von dem Degen   schier selbst den grimmigen Tod.

"Ich bot ihm zum Lohne   Gold und Gewand,                          1670
Da er uns berfhre,   Held, in euer Land.
Darber zrnt' er also,   da er nach mir schlug
Mit starker Ruderstange:   da ward ich grimmig genug.

"Ich griff nach dem Schwerte   und wehrte seinem Zorn              1671
Mit einer schweren Wunde:   da war der Held verlorn.
Ich steh euch hier zur Shne,   wie es euch dnke gut."
Da gieng es an ein Streiten:   sie hatten zornigen Muth.

"Ich wuste wohl," sprach Gelfrat,   "als hier mit dem Geleit       1672
Gunther zog vorber,   uns geschh ein Leid
Von Hagens Uebermuthe.   Nun bt ers mit dem Leben:
Fr des Fergen Ende   soll er selbst hier Brgschaft geben."

Ueber die Schilde neigten   da zum Stich den Sper                  1673
Gelfrat und Hagen;   sich zrnten beide schwer.
Dankwart und Else   zusammen herrlich ritten;
Sie erprobten, wer sie waren:   da wurde grimmig gestritten.

Wer je versuchte khner   sich und die Gunst des Glcks?           1674
Von einem starken Stoe   sank Hagen hinterrcks
Von der Mhre nieder   durch Gelfratens Hand.
Der Brustriem war gebrochen:   so ward im Fallen bekannt.

Man hrt' auch beim Gesinde   krachender Schfte Schall.           1675
Da erholte Hagen   sich wieder von dem Fall,
Den er auf das Gras gethan   von des Gegners Sper:
Da zrnte der von Tronje   wider Gelfraten sehr.

Wer ihnen hielt die Rosse,   das ist mir unbekannt.                1676
Sie waren aus den Stteln   gekommen auf den Sand,
Hagen und Gelfrat:   nun liefen sie sich an.
Ihre Gesellen halfen,   da ihnen Streit ward kund gethan.

Wie heftig auch Hagen   zu Gelfraten sprang,                       1677
Ein Stck von Ellenlnge   der edle Markgraf schwang
Ihm vom Schilde nieder;   das Feuer stob hindann.
Da wre schier erstorben   Knig Gunthers Unterthan.

Er rief mit lauter Stimme   Dankwarten an:                         1678
"Hilf mir, lieber Bruder,   ein schneller starker Mann
Hat mich hier bestanden:   der lt mich nicht gedeihn."
Da sprach der khne Dankwart:   "So will ich denn Schiedsmann sein."

Da sprang der Degen nher   und schlug ihm solchen Schlag          1679
Mit einer scharfen Waffe,   da er todt da lag.
Else wollte Rache   nehmen fr den Mann:
Doch er und sein Gesinde   schied mit Schaden hindann.

Sein Bruder war erschlagen,   selber ward er wund.                 1680
Wohl achtzig seiner Degen   wurden gleich zur Stund
Des grimmen Todes Beute:   da muste wohl der Held
Gunthers Mannen rumen   in geschwinder Flucht das Feld.

Als Die vom Baierlande   wichen aus dem Wege,                      1681
Man hrte nachhallen   die furchtbaren Schlge:
Da jagten die von Tronje   ihren Feinden nach;
Die es nicht ben wollten,   die hatten wenig Gemach.

Da sprach beim Verfolgen   Dankwart der Degen:                     1682
"Kehren wir nun wieder   zurck auf unsern Wegen
Und laen wir sie reiten:   sie sind vom Blute na.
Wir eilen zu den Freunden:   in Treuen rath ich euch das."

Als sie hinwieder kamen,   wo der Schade war geschehn,             1683
Da sprach von Tronje Hagen:   "Helden, lat uns sehn,
Wen wir hier vermissen,   oder wer uns verlorn
Hier in diesem Streite   gieng durch Gelfratens Zorn."

Sie hatten vier verloren;   der Schade lie sich tragen.           1684
Sie waren wohl vergolten;   dagegen aber lagen
Deren vom Baierlande   mehr als hundert todt.
Den Tronejern waren   von Blut die Schilde trb und roth.

Ein wenig brach aus Wolken   des hellen Mondes Licht;              1685
Da sprach wieder Hagen:   "Hrt, berichtet nicht
Meinen lieben Herren,   was hier von uns geschah:
Bis zum Morgen komme   ihnen keine Sorge nah."

Als zu ihnen stieen,   die da kamen von dem Streit,               1686
Da klagte das Gesinde   ber Mdigkeit:
"Wie lange sollen wir reiten?"   fragte mancher Mann.
Da sprach der khne Dankwart:   "Wir treffen keine Herberg an.

"Ihr mst alle reiten   bis an den hellen Tag."                    1687
Volker der schnelle,   der des Gesindes pflag,
Lie den Marschall fragen:   "Wo kehren wir heut ein?
Wo rasten unsre Pferde   und die lieben Herren mein?"

Da sprach der khne Dankwart:   "Ich wei es nicht zu sagen:       1688
Wir knnen uns nicht ruhen,   bis es beginnt zu tagen;
Wo wir es dann finden,   legen wir uns ins Gras."
Als sie die Kunde hrten,   wie leid war Etlichen das!

Sie blieben unverrathen   vom heien Blute roth,                   1689
Bis da die Sonne   die lichten Stralen bot
Dem Morgen ber Berge,   wo es der Knig sah,
Da sie gestritten hatten:   sehr im Zorne sprach er da:

"Wie nun denn, Freund Hagen?   Verschmhtet ihr wohl das,          1690
Da ich euch Hlfe brachte,   als euch die Ringe na
Wurden von dem Blute?   Wer hat euch das gethan?"
Da sprach er: "Else that es:   der griff nchten uns an.

"Seines Fergen wegen   wurden wir angerannt.                       1691
Da erschlug Gelfraten   meines Bruders Hand.
Zuletzt entrann uns Else,   es zwang ihn groe Noth:
Ihnen hundert, uns nur viere   blieben da im Streite todt."

Wir knnen euch nicht melden,   wo man die Nachtruh fand.          1692
All den Landleuten   ward es bald bekannt,
Der edeln Ute Shne   zgen zum Hofgelag.
Sie wurden wohl empfangen   dort zu Paau bald hernach.

Der werthen Frsten Oheim,   der Bischof Pilgerin,                 1693
Dem wurde wohl zu Muthe,   als seine Neffen ihn
Mit so viel der Recken   besuchten da im Land:
Da er sie gerne she,   ward ihnen balde bekannt.

Sie wurden wohl empfangen   von Freunden vor dem Ort.              1694
Nicht all verpflegen mochte   man sie in Paau dort:
Sie musten bers Wasser,   wo Raum sich fand und Feld:
Da schlugen auf die Knechte   Htten und reich Gezelt.

Sie musten da verweilen   einen vollen Tag                         1695
Und eine Nacht darber.   Wie schn man sie verpflag!
Dann ritten sie von dannen   in Rdigers Land;
Dem kamen auch die Mren:   da ward ihm Freude bekannt,

Als die Wegemden   Nachtruh genommen                              1696
Und sie dem Lande waren   nher gekommen,
Sie fanden auf der Marke   schlafen einen Mann,
Dem von Tronje Hagen   ein starkes Waffen abgewann.

Eckewart geheien   war dieser Ritter gut.                         1697
Der gewann darber   gar traurigen Muth,
Da er verlor das Waffen   durch der Helden Fahrt.
Rdgers Grenzmarke,   die fand man bel bewahrt.

"O weh mir dieser Schande,"   sprach da Eckewart.                  1698
"Schwer mu ich beklagen   der Burgunden Fahrt.
Als ich verlor Siegfrieden,   hub all mein Kummer an;
O weh, mein Herr Rdiger,   wie hab ich wider dich gethan!"

Wohl hrte Hagen   des edeln Recken Noth:                          1699
Er gab das Schwert ihm wieder,   dazu sechs Spangen roth.
"Die nimm dir, Held, zu Lohne,   willst du hold mir sein;
Du bist ein khner Degen,   lgst du hier noch so allein."

"Gott lohn euch eure Spangen,"   sprach da Eckewart;               1700
"Doch mu ich sehr beklagen   zu den Heunen eure Fahrt.
Ihr erschlugt Siegfrieden;   hier trgt man euch noch Ha:
Da ihr euch wohl behtet,   in Treuen rath ich euch das."

"Nun, mg uns Gott behten,"   sprach Hagen entgegen.              1701
"Keine andre Sorge   haben diese Degen
Als um die Herberge,   die Frsten und ihr Lehn,
Wo wir in diesem Lande   heute Nachtruh sollen sehn.

"Vermdet sind die Rosse   uns auf den fernen Wegen,               1702
Die Speise gar zerronnen,"   sprach Hagen der Degen:
"Wir findens nicht zu Kaufe:   es wr ein Wirth uns Noth,
Der uns heute gbe   in seiner Milde das Brot."

Da sprach wieder Eckewart:   "Ich zeig euch solchen Wirth,         1703
Da Niemand euch im Hause   so gut empfangen wird
Irgend in den Landen,   als hier euch mag geschehn,
Wenn ihr schnellen Degen   wollt zu Rdigern gehn.

"Der Wirth wohnt an der Strae,   der beste allerwrts,            1704
Der je ein Haus beseen.   Milde gebiert sein Herz,
Wie das Gras mit Blumen   der lichte Maimond thut,
Und soll er Helden dienen,   so ist er froh und wohlgemuth."

Da sprach der Knig Gunther:   "Wollt ihr mein Bote sein,          1705
Ob uns behalten wolle   bis an des Tages Schein
Mein lieber Freund Rdiger   und Die mir unterthan?
Das will ich stts verdienen,   so gut ich irgend nur kann."

"Der Bote bin ich gerne,"   sprach da Eckewart,                    1706
Mit gar gutem Willen   erhob er sich zur Fahrt
Rdigern zu sagen,   was er da vernommen.
Dem war in langen Zeiten   so liebe Kunde nicht gekommen.

Man sah zu Bechlaren   eilen einen Degen,                          1707
Den Rdger wohl erkannte;   er sprach: "Auf diesen Wegen
Kommt Eckewart in Eile,   Kriemhildens Unterthan."
Er whnte schon, die Feinde   htten ihm ein Leid gethan.

Da gieng er vor die Pforte,   wo er den Boten fand.                1708
Der nahm sein Schwert vom Gurte   und legt' es aus der Hand.
Er sprach zu dem Degen:   "Was habt ihr vernommen,
Da ihr so eilen met?   hat uns Jemand was genommen?"

"Geschadet hat uns Niemand,"   sprach Eckewart zuhand;             1709
"Mich haben drei Knige   her zu euch gesandt,
Gunther von Burgunden,   Geiselher und Gernot;
Jeglicher der Recken   euch seine Dienste her entbot.

"Das selbe thut auch Hagen,   Volker auch zugleich,                1710
Mit Flei und rechter Treue;   dazu bericht ich euch,
Was des Knigs Marschall   euch durch mich entbot,
Es sei den guten Degen   eure Herberge Noth."

Mit lachendem Munde   sprach da Rdiger:                           1711
"Nun wohl mir dieser Mre,   da die Knige hehr
Meinen Dienst verlangen:   dazu bin ich bereit.
Wenn sie ins Haus mir kommen,   des bin ich hchlich erfreut."

"Dankwart der Marschall   hat euch kund gethan,                    1712
Wer euch zu Hause   noch heute zieht heran:
Sechzig khner Recken   und tausend Ritter gut
Mit neuntausend Knechten."   Da ward ihm frhlich zu Muth.

"Wohl mir dieser Gste,"   sprach da Rdiger,                      1713
"Da mir zu Hause kommen   diese Recken hehr,
Denen ich noch selten   hab einen Dienst gethan.
Entgegen reitet ihnen,   sei's Freund oder Unterthan."

Da eilte zu den Rossen   Ritter so wie Knecht:                     1714
Was sie der Herr geheien,   das dauchte Alle recht.
Sie brachten ihre Dienste   um so schneller dar.
Noch wust es nicht Frau Gotlind,   die in ihrer Kammer war.

       *       *       *       *       *




Siebenundzwanzigstes Abenteuer.

Wie sie nach Bechlaren kamen.


Hin gieng der Markgraf,   wo er die Frauen fand,                   1715
Sein Weib und seine Tochter.   Denen macht' er da bekannt
Diese liebe Mre,   die er jetzt vernommen,
Da ihrer Frauen Brder   zu ihrem Hause sollten kommen.

"Viel liebe Traute,"   sprach da Rdiger,                          1716
"Ihr sollt sie wohl empfangen,   die edeln Knge hehr,
Wenn sie und ihr Gesinde   vor euch zu Hofe gehn;
Ihr sollt auch freundlich gren   Hagen in Gunthers Lehn.

"Mit ihnen kommt auch Einer   mit Namen Dankwart;                  1717
Ein Andrer heit Volker,   an Ehren wohlbewahrt.
Die Sechse sollt ihr kssen,   ihr und die Tochter mein,
Und sollt in hfschen Zchten   diesen Recken freundlich sein."

Das gelobten ihm die Frauen   und warens gern bereit.              1718
Sie suchten aus den Kisten   manch herrliches Kleid,
Darin sie den Recken   entgegen wollten gehn.
Da mocht ein gro Befleien   von schnen Frauen geschehn.

Geflschter Frauenzierde   gar wenig man da fand;                  1719
Sie trugen auf dem Haupte   lichtes goldnes Band,
Das waren reiche Krnze,   damit ihr schnes Haar
Die Winde nicht verwehten;   sie waren hfisch und klar.

In solcher Unmue   laen wir die Fraun.                           1720
Da war ein schnelles Reiten   ber Feld zu schaun
Von Rdigers Freunden,   bis man die Frsten fand.
Sie wurden wohl empfangen   in des Markgrafen Land.

Als sie der Markgraf   zu sich kommen sah,                         1721
Rdiger der schnelle   wie frhlich sprach er da:
"Willkommen mir, ihr Herren   und Die in euerm Lehn.
Hier in diesem Lande   seid ihr gerne gesehn."

Da dankten ihm die Recken   in Treuen ohne Ha.                    1722
Da sie willkommen waren,   wohl erzeigt' er das.
Besonders grt' er Hagen,   der war ihm lngst bekannt;
So that er auch mit Volkern,   dem Helden aus Burgundenland.

Er begrt' auch Dankwarten.   Da sprach der khne Degen:          1723
"Wollt ihr uns hier versorgen,   wer soll dann verpflegen
Unser Ingesinde   aus Worms an dem Rhein?"
Da begann der Markgraf:   "Diese Angst laet sein.

"All euer Gesinde   und was ihr in das Land                        1724
Mit euch gefhret habet,   Ross, Silber und Gewand,
Ich schaff ihm solche Hter,   nichts geht davon verloren,
Das euch zu Schaden brchte   nur um einen halben Sporen.

"Spannet auf, ihr Knechte,   die Htten in dem Feld;               1725
Was ihr hier verlieret,   dafr leist ich Entgelt:
Zieht die Zume nieder   und lat die Rosse gehn."
Das war ihnen selten   von einem Wirth noch geschehn.

Des freuten sich die Gste.   Als das geschehen war                1726
Und die Herrn von dannen ritten,   legte sich die Schar
Der Knecht im Grase nieder:   sie hatten gut Gemach.
Sie fandens auf der Reise   nicht beer vor oder nach.

Die Markgrfin eilte   vor die Burg zu gehn                        1727
Mit ihrer schnen Tochter.   Da sah man bei ihr stehn
Die minniglichen Frauen   und manche schne Maid:
Die trugen viel der Spangen   und manches herrliche Kleid.

Das edle Gesteine   glnzte fern hindann                           1728
Aus ihrem reichen Schmucke:   sie waren wohlgethan.
Da kamen auch die Gste   und sprangen auf den Sand.
Hei! was man edle Sitten   an den Burgunden fand!

Sechsunddreiig Mgdelein   und viel andre Fraun,                  1729
Die wohl nach Wunsche waren   und wonnig anzuschauen,
Giengen den Herrn entgegen   mit manchem khnen Mann.
Da ward ein schnes Gren   von edeln Frauen gethan.

Die Markgrfin ksste   die Knge alle drei;                       1730
So that auch ihre Tochter.   Hagen stand dabei.
Den hie ihr Vater kssen:   da blickte sie ihn an:
Er dauchte sie so furchtbar,   sie htt es lieber nicht gethan.

Doch muste sie es leisten,   wie ihr der Wirth gebot.              1731
Gemischt ward ihre Farbe,   bleich und auch roth.
Auch Dankwarten ksste sie,   darnach den Fiedelmann:
Seiner Kraft und Khnheit wegen   ward ihm das Gren gethan.

Die junge Markgrfin   nahm bei der Hand                           1732
Geiselher den jungen   von Burgundenland;
So nahm auch ihre Mutter   Gunthern den khnen Mann.
Sie giengen mit den Helden   beide frhlich hindann.

Der Wirth gieng mit Gernot   in einen weiten Saal.                 1733
Die Ritter und die Frauen   setzten sich zumal.
Man lie alsdann den Gsten   schenken guten Wein:
Gtlicher bewirthet   mochten Helden nimmer sein.

Mit zrtlichen Augen   sah da Mancher an                           1734
Rdigers Tochter,   die war so wohlgethan.
Wohl kos't' in seinem Sinne   sie mancher Ritter gut;
Das mochte sie verdienen:   sie trug gar hoch ihren Muth.

Sie gedachten, was sie wollten;   nur konnt es nicht geschehn.     1735
Man sah die guten Ritter   hin und wieder sphn
Nach Mgdelein und Frauen:   deren saen da genug.
Dem Wirth geneigten Willen   der edle Fiedeler trug.

Da wurden sie geschieden,   wie Sitte war im Land:                 1736
Zu andern Zimmern giengen   Ritter und Fraun zur Hand.
Man richtete die Tische   in dem Saale weit
Und ward den fremden Gsten   zu allen Diensten bereit.

Den Gsten gieng zu Liebe   die edle Markgrfin                    1737
Mit ihnen zu den Tischen:   die Tochter lie sie drin
Bei den Mgdlein weilen,   wo sie nach Sitte blieb.
Da sie die nicht mehr sahen,   das war den Gsten nicht lieb.

Als sie getrunken hatten   und gegeen berall,                    1738
Da fhrte man die Schne   wieder in den Saal.
Anmuthge Reden   wurden nicht gescheut:
Viel sprach deren Volker,   ein Degen khn und allbereit.

Da sprach unverhohlen   derselbe Fiedelmann:                       1739
"Viel reicher Markgraf,   Gott hat an euch gethan
Nach allen seinen Gnaden:   er hat euch gegeben
Ein Weib, ein so recht schnes,   dazu ein wonnigliches Leben.

"Wenn ich ein Knig wre,"   sprach der Fiedelmann,                1740
"Und sollte Krone tragen,   zum Weibe nhm ich dann
Eure schne Tochter:   die wnschte sich mein Muth.
Sie ist minniglich zu schauen,   dazu edel und gut."

Der Markgraf entgegnete:   "Wie mchte das Wohl sein,              1741
Da ein Knig je begehrte   der lieben Tochter mein?
Wir sind hier beide heimatlos,   ich und mein Weib,
Und haben nichts zu geben:   was hilft ihr dann der schne Leib?"

Zur Antwort gab ihm Gernot,   der edle Degen gut:                  1742
"Sollt ich ein Weib mir whlen   nach meinem Sinn und Muth,
So wr ich solches Weibes   stts von Herzen froh."
Darauf versetzte Hagen   in hfischen Zchten so:

"Nun soll sich doch beweiben   mein Herr Geiselher:                1743
Es ist so hohen Stammes   die Markgrfin hehr,
Da wir ihr gerne dienten,   ich und all sein Lehn,
Wenn sie bei den Burgunden   unter Krone sollte gehn."

Diese Rede dauchte   den Markgrafen gut                            1744
Und auch Gotelinde;   wohl freute sich ihr Muth.
Da schufen es die Helden,   da sie zum Weibe nahm
Geiselher der edle,   wie er es mocht ohne Scham.

Soll ein Ding sich fgen,   wer mag ihm widerstehn?                1745
Man bat die Jungfraue,   hin zu Hof zu gehn.
Da schwur man ihm zu geben   das schne Mgdelein,
Wogegen er sich erbot,   die Wonnigliche zu frein.

Man beschied der Jungfrau   Burgen und auch Land.                  1746
Da sicherte mit Eiden   des edeln Knigs Hand
Und Gernot der Degen,   es werde so gethan.
Da sprach der Markgraf:   "Da ich Burgen nicht gewann,

"So kann ich euch in Treuen   nur immer bleiben hold.              1747
Ich gebe meiner Tochter   an Silber und an Gold,
Was hundert Saumrosse   nur immer mgen tragen,
Da es wohl nach Ehren   euch Helden mge behagen."

Da wurden diese beiden   in einen Kreis gestellt                   1748
Nach dem Rechtsgebrauche.   Mancher junge Held
Stand ihr gegenber   in frhlichem Muth;
Er gedacht in seinem Sinne,   wie noch ein Junger gerne thut.

Als man begann zu fragen   die minnigliche Maid,                   1749
Ob sie den Recken wolle,   zum Theil war es ihr leid;
Doch dachte sie zu nehmen   den waidlichen Mann.
Sie schmte sich der Frage,   wie manche Maid hat gethan.

Ihr rieth ihr Vater Rdiger,   da sie sprche ja,                 1750
Und da sie gern ihn nhme:   wie schnell war er da
Mit seinen weien Hnden,   womit er sie umschlo,
Geiselher der junge!   Wie wenig sie ihn doch geno!

Da begann der Markgraf:   "Ihr edeln Knge reich,                  1751
Wenn ihr nun wieder reitet   heim in euer Reich,
So geb ich euch, so ist es   am schicklichsten, die Magd,
Da ihr sie mit euch fhret."   Also ward es zugesagt.

Der Schall, den man hrte,   der muste nun vergehn.                1752
Da lie man die Jungfrau   zu ihrer Kammer gehn
Und auch die Gste schlafen   und ruhn bis an den Tag.
Da schuf man ihnen Speise:   der Wirth sie gtlich verpflag.

Als sie gegeen hatten   und nun von dannen fahren                 1753
Wollten zu den Heunen:   "Davor will ich euch wahren,"
Sprach der edle Markgraf,   "ihr sollt noch hier bestehn;
So liebe Gste hab ich   lange nicht bei mir gesehn."

Dankwart entgegnete:   "Das kann ja nicht sein:                    1754
Wo nhmt ihr die Speise,   das Brot und auch den Wein,
Das ihr doch haben mstet   fr solch ein Heergeleit?"
Als das der Wirth erhrte,   er sprach: "Die Rede lat beiseit.

"Meine lieben Herren,   ihr drft mir nicht versagen.              1755
Wohl geb ich euch die Speise   zu vierzehen Tagen,
Euch und dem Gesinde,   das mit euch hergekommen.
Mir hat der Knig Etzel   noch gar selten was genommen."

Wie sehr sie sich wehrten,   sie musten da bestehn                 1756
Bis an den vierten Morgen.   Da sah man geschehn
Durch des Wirthes Milde,   was weithin ward bekannt:
Er gab seinen Gsten   beides, Ross' und Gewand.

Nicht lnger mocht es whren,   sie musten an ihr Ziel.            1757
Seines Gutes konnte   Rdiger nicht viel
Vor seiner Milde sparen:   wonach man trug Begehr,
Das versagt' er Niemand:   er gab es gern den Helden hehr.

Ihr edel Ingesinde   brachte vor das Thor                          1758
Gesattelt viel der Rosse;   zu ihnen kam davor
Mancher fremde Recke,   den Schild an der Hand,
Da sie reiten wollten   mit ihnen in Etzels Land.

Der Wirth bot seine Gaben   den Degen allzumal,                    1759
Eh die edeln Gste   kamen vor den Saal.
Er konnte wohl mit Ehren   in hoher Milde leben.
Seine schne Tochter   hatt er Geiselhern gegeben;

Da gab er Gernoten   eine Waffe gut genug,                         1760
Die hernach in Strmen   der Degen herrlich trug.
Ihm gnnte wohl die Gabe   des Markgrafen Weib;
Doch verlor der gute Rdiger   davon noch Leben und Leib.

Er gab Knig Gunthern,   dem Helden ohne Gleich,                   1761
Was wohl mit Ehren fhrte   der edle Knig reich,
Wie selten er auch Gab empfieng,   ein gutes Streitgewand,
Da neigte sich der Knig   vor des milden Rdger Hand.

Gotelind bot Hagnen,   sie durfte es ohne Scham,                   1762
Ihre freundliche Gabe:   da sie der Knig nahm,
So sollt auch er nicht fahren   zu dem Hofgelag
Ohn ihre Steuer:   der edle Held aber sprach:

"Alles, was ich je gesehn,"   entgegnete Hagen,                    1763
"So begehr ich nichts weiter   von hinnen zu tragen
Als den Schild, der dorten   hngt an der Wand:
Den mcht ich gerne fhren   mit mir in der Heunen Land."

Als die Rede Hagens   die Markgrfin vernahm,                      1764
Ihres Leids ermahnt' er sie,   da ihr das Weinen kam.
Mit Schmerzen gedachte   sie an Nudungs Tod,
Den Wittich hatt erschlagen;   das schuf ihr Jammer und Noth.

Sie sprach zu dem Degen:   "Den Schild will ich euch geben.        1765
Wollte Gott vom Himmel,   da der noch drfte leben,
Der einst ihn hat getragen!   er fand im Kampf den Tod.
Ich mu ihn stts beweinen:   das schafft mir armem Weibe Noth!"

Da erhob sich vom Sitze   die Markgrfin mild:                     1766
Mit ihren weien Hnden   hob sie herab den Schild
Und trug ihn hin zu Hagen:   der nahm ihn an die Hand.
Die Gabe war mit Ehren   an den Recken gewandt.

Eine Hlle lichten Zeuges   auf seinen Farben lag.                 1767
Beern Schild als diesen   beschien wohl nie der Tag.
Mit edelm Gesteine   War er so besetzt,
Man htt ihn im Handel   wohl auf tausend Mark geschtzt.

Den Schild hinwegzutragen   befahl der Degen hehr.                 1768
Da kam sein Bruder Dankwart   auch zu Hofe her.
Dem gab reicher Kleider   Rdigers Kind genug,
Die er bei den Heunen   hernach mit Freuden noch trug.

Wie viel sie der Gaben   empfiengen insgemein,                     1769
Nichts wrd in ihre Hnde   davon gekommen sein,
Wars nicht dem Wirth zu Liebe,   der es so gtlich bot.
Sie wurden ihm so feind hernach,  da sie ihn schlagen musten todt.

Da hatte mit der Fiedel   Volker der schnelle Held                 1770
Sich vor Gotelinde   hfisch hingestellt.
Er geigte se Tne   und sang dazu sein Lied:
Damit nahm er Urlaub,   als er von Bechlaren schied.

Da lie die Markgrfin   eine Lade nher tragen.                   1771
Von freundlicher Gabe   mgt ihr nun hren sagen:
Zwlf Spangen, die sie aus ihr nahm,   schob sie ihm an die Hand:
"Die sollt ihr fhren, Volker,   mit euch in der Heunen Land

"Und sollt sie mir zu Liebe   dort am Hofe tragen:                 1772
Wenn ihr wiederkehret,   da man mir mge sagen,
Wie ihr gedient mir habet   bei dem Hofgelag."
Wie sie ihn gebeten,   so that der Degen hernach.

Der Wirth sprach zu den Gsten:   "Da ihr nun sichrer fahrt,      1773
Will ich euch selbst geleiten:   so seid ihr wohl bewahrt,
Da ihr auf der Strae   nicht werdet angerannt."
Seine Saumrosse   die belud man gleich zur Hand.

Der Wirth war reisefertig   und fnfhundert Mann                   1774
Mit Rossen und mit Kleidern:   die fhrt' er hindann
Zu dem Hofgelage   mit frhlichem Muth;
Nach Bechelaren kehrte   nicht Einer all der Ritter gut.

Mit minniglichen Kssen   der Wirth von dannen schied;             1775
Also that auch Geiselher,   wie ihm die Liebe rieth.
Sie herzten schne Frauen   mit zrtlichem Umfahn:
Das musten bald beweinen   viel Jungfrauen wohlgethan.

Da wurden allenthalben   die Fenster aufgethan,                    1776
Als mit seinen Mannen   der Markgraf ritt hindann.
Sie fhlten wohl im Herzen   voraus das herbe Leid:
Drum weinten viel der Frauen   und manche waidliche Maid.

Nach den lieben Freunden   trug Manche gro Beschwer,              1777
Die sie in Bechelaren   ersahen nimmermehr.
Doch ritten sie mit Freuden   nieder an dem Strand
Dort im Donauthale   bis in das heunische Land.

Da sprach zu den Burgunden   der milde Markgraf hehr,              1778
Rdiger der edle:   "Nun darf nicht lnger mehr
Verhohlen sein die Kunde,   da wir nach Heunland kommen.
Es hat der Knig Etzel   noch nie so Liebes vernommen."

Da ritt manch schneller Bote   ins Oesterreicherland:              1779
So ward es allenthalben   den Leuten bald bekannt,
Da die Helden kmen   von Worms ber Rhein.
Dem Ingesind des Knigs   konnt es nicht lieber sein.

Die Boten vordrangen   mit diesen Mren,                           1780
Da die Nibelungen   bei den Heunen wren:
"Du sollst sie wohl empfangen,   Kriemhild, Fraue mein:
Nach groen Ehren kommen   dir die lieben Brder dein."

Als die Knigstochter   vernahm die Mre,                          1781
Zum Theil wich ihr vom Herzen   ihr Leid, das schwere.
Aus ihres Vaters Lande   zog Mancher ihr heran,
Durch den der Knig Etzel   bald groen Jammer gewann.

"Nun wohl mir diese Freude,"   sprach da Kriemhild.                1782
"Hier bringen meine Freunde   gar manchen neuen Schild
Und Panzer glnzend helle:   wer nehmen will mein Gold
Und meines Leids gedenken,   dem will ich immer bleiben hold."

Sie gedachte heimlich:   "Noch wird zu Allem Rath.                 1783
Der mich an meinen Freuden   so gar gepfndet hat,
Wei ich es zu fgen,   es soll ihm werden leid
Bei diesem Gastgebote:   dazu bin ich gern bereit.

"Ich will es also Schaffen,   da meine Rach ergeht                1784
Bei diesem Hofgelage,   wie es hernach auch steht,
An seinem argen Leibe,   der mir hat benommen
So viel meiner Wonne:   des soll mir nun Entgeltung kommen."

      *      *      *      *      *




Achtundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild Hagen entpfieng.


Als die Burgunden   kamen auf das Feld,                            1785
Auf schlug man drei Knigen   gar herrlich Gezelt.
Sie stieen ein die Fahnen   von eitel Golde roth.
Da wusten nicht die Herren,   wie ihnen nah war der Tod.

Da stieg zu den Zinnen   Frau Kriemhild hinan                      1786
Und sah auf dem Felde   reiten manchen Mann.
Des freute sich heimlich   das wunderschne Weib:
"Nun endlich wird gerochen   des khnen Siegfriedes Leib,

"Der mir so mrderlich   zu Tode ward geschlagen;                  1787
Ich kann bis an mein Ende   ihn nie genug beklagen.
O weh der groen Ehren,   die ich mu verloren schaun:
So tapfrer Mann lag nimmer   noch im Arm einer Fraun.

"Seine groe Tugend   schafft mir Herzeleid:                       1788
Wenn ich daran gedenke,   wie er zu jener Zeit
Hin ritt mit so gesundem Leib,   so mehrt sich meine Klage:
Mir darf Niemand rgen   das groe Leid, das ich trage.

"Gott hatt ihn mir zu Manne   aus aller Welt erkoren.              1789
Wr Einem Mann die Tugend   Tausender angeboren,
Viel grere doch Siegfried   ganz alleine trug."
Sehr klagt' um ihn die Knigin,   zu dem Herzen sie sich schlug.

Alsbald ward dem Berner   die Mre kund gethan.                    1790
Da kam er geschwinde   ber den Hof heran;
Er hatte Hilbranden   der Sitte nach bei sich.
"Viel edle Knigstochter,   das lieet ihr billiglich,

"Da man euch weinen she   bei dieser Lustbarkeit.                1791
Ihr habt hieher beschieden   aus fremden Landen weit
Viel der werthen Recken   und manchen Biedermann:
Da man euch nun weinen sieht,   das steht euch gar bel an."

"Ich mahne dich der Treue,"   sprach sie, "Hildebrand,             1792
Hast du je Gab empfangen   aus meiner milden Hand,
So rche mich an Hagen:   ich gebe dir mein Gold
Und bin mit guten Treuen   bis an mein Ende dir hold."

Da sprach zu ihr der Berner:   "Ihr seid ein bel Weib,            1793
Da ihr den Freunden rathet   an Leben und Leib,
Und habt so manchen Boten   hin an den Rhein gesandt,
Bis sie euch nun kamen   zu Haus mit wehrlicher Hand.

"Hret, Meister Hildebrand,   so lieb als ich euch sei:            1794
Empfangt mir vom Rheine   die Knige alle drei
Und heit sie hier zu Felde   liegen bis an den Tag,
So warn ich sie mit Treue,   so gut ich immer vermag."

Da ritt wohlgezogen   Meister Hildebrand,                          1795
Bis er die drei Knige   von dem Rheine fand.
Er sprang vom Pferde ritterlich   und lie sich auf die Knie:
Die drei Knige vom Rheine   so empfing und grt' er sie.

"Willkommen seid, Herr Gunther,   Knig an dem Rhein;              1796
So sei auch Herr Gernot,   der liebe Bruder dein,
Und Geiselher der junge   und Hagen, ein starker Mann,
Und noch manch schneller Recke,   die ich nicht alle nennen kann.

"Euch entbeut der Berner,   der liebe Herre mein,                  1797
Seine Huld und Freundschaft   und will euch hlfreich sein.
Er rth euch, hier im Felde   zu liegen bis zum Tag:
Dann warnt er euch mit Treuen,   so gut er immer vermag.

"Mg euch Gott behten   hier vor aller Noth:                      1798
Schon vor vierthalb Jahren   war euch bereit der Tod.
Geschworen hat Frau Kriemhild,   eure Schwester, manchen Eid,
da sie an euch will rchen   all ihr groes Herzeleid.

"Er entbeut euch, da ihr meidet,   so lieb euch sei das Leben,    1799
Den Neubau an der Donau,   wo euch Herberg ist gegeben:
Das sollt ihr mir glauben,   und km darein ein Heer,
Ihr mstet All ersterben   und Keiner kme zur Wehr.

"Wit, in drei schnen Rohren,   die hohl von innen sind,          1800
Schwefel und Kohlen   mischten sie falsch gesinnt:
Das wird angezndet,   wenn sie zu Tische gehn.
Davor sollt ihr euch hten   ihr stolzen Degen ausersehn."

Des erschrak der Knig,   die Rede war ihm leid.                   1801
"Nun lohne Gott dir, Hildebrand,   da du uns gabst Bescheid
Und da du hast gewarnet   manch heimatlosen Mann.
Ich seh, wir treffen Treue   bei den Heunen wenig an."

Des erlachten die Jungen   und hielten es fr Spott.               1802
Da sprachen die Weisen:   "Davor beht uns Gott.
Wir sind in groer Treue   geritten in das Land;
Sie hat uns manchen Boten   hin nach dem Rheine gesandt."

Da sprach wohlgezogen   der Knig Gernot:                          1803
"Meine Schwester Kriemhild hat uns   geladen in den Tod.
Zu groer Treue ritten   wir her in diese Statt,
Da meine schne Schwester   uns vom Rhein geladen hat."

Da sprach der Fiedelspieler,   der khne Volker:                   1804
"Ich kam der Gabe willen   vom Rhein geritten her.
Nun will ich drauf verzichten,"   so sprach der Fiedelmann:
"Ich fiedle mit dem Schwerte   das allerbeste, das ich kann.

"Erklingen meine Tne,   so weichen sie zurck,                    1805
Und wollen sie's nicht laen,   so fgt es leicht das Glck,
Ich schlag Einem ritterlich   einen schnellen Geigenschlag,
Hat er einen treuen Freund,   da es der beweinen mag."

Als Hildebrand der alte   von dannen wollte gehn,                  1806
Geiselher der junge   hie ihn noch stille stehn.
Er gab ihm einen Mantel,   den er ihm zu Ehren trug;
Fr dreiig Mark Goldes   hatt er Pfands daran genug.

An sich nahm den Mantel   Meister Hildebrand                       1807
Und ritt hin wohlgezogen,   wo er den Berner fand.
"Schaut den reichen Mantel,   der hier an mir zu sehn:
Den gab mir Geiselher das Kind,   als ich von ihm wollte gehn."

Als die Burgunden   kamen in das Land,                             1808
Da erfuhr es von Berne   der alte Hildebrand.
Er sagt' es seinem Herren.   Dietrichen war es leid;
Er hie ihn wohl empfangen   der khnen Ritter Geleit.

Da lie der starke Wolfhart   die Pferde fhren her;               1809
Dann ritt mit dem Berner   mancher Degen hehr,
Sie zu begren,   zu ihnen auf das Feld.
Sie hatten aufgeschlagen   da manches herrliche Zelt.

Als sie von Tronje Hagen   aus der Ferne sah,                      1810
Wohlgezogen sprach er   zu seinen Herren da:
"Nun hebt euch von den Sitzen,   ihr Recken wohlgethan,
Und geht entgegen denen,   die euch hier wollen empfahn.

"Dort kommt ein Heergesinde,   das ist mir wohl bekannt;           1811
Es sind viel schnelle Degen   von Amelungenland.
Sie fhrt Der von Berne,   sie tragen hoch den Muth:
Lat euch nicht verschmhen   die Dienste, die man euch thut."

Da sprang von den Rossen   wohl nach Fug und Recht                 1812
Mit Dietrichen nieder   mancher Herr und Knecht.
Sie giengen zu den Gsten,   wo man die Helden fand,
Und begrten freundlich   Die von der Burgunden Land.

Als sie der edle Dietrich   ihm entgegen kommen sah,               1813
Liebes und Leides   zumal ihm dran geschah.
Er wuste wohl die Mre;   leid war ihm ihre Fahrt:
Er whnte, Rdger wst es   und htt es ihnen offenbart.

"Willkommen mir, ihr Herren,   Gunther und Geiselher,              1814
Gernot und Hagen,   Herr Volker auch so sehr,
Und Dankwart der schnelle:   ist euch das nicht bekannt?
Schwer beweint noch Kriemhild   Den von Nibelungenland."

"Sie mag noch lange weinen,"   so sprach da Hagen:                 1815
"Er liegt seit manchem Jahr   schon zu Tod erschlagen.
Den Knig der Heunen   mag sie nun lieber haben:
Siegfried kommt nicht wieder,   er ist nun lange begraben."

"Siegfriedens Wunden   laen wir nun stehn:                        1816
So lange lebt Frau Kriemhild,   mag Schade wohl geschehn."
So redete von Berne   der edle Dieterich:
"Trost der Nibelungen,   davor behte du dich!"

"Wie soll ich mich behten?"   sprach der Knig hehr.              1817
"Etzel sandt uns Boten,   was sollt ich fragen mehr?
Da wir zu ihm ritten   her in dieses Land.
Auch hat uns manche Botschaft   meine Schwester Kriemhild gesandt."

"So will ich euch rathen,"   sprach wieder Hagen,                  1818
"Lat euch diese Mre   doch zu Ende sagen
Dieterich den Herren   und seine Helden gut,
Da sie euch wien laen   der Frau Kriemhilde Muth."

Da giengen die drei Knige   und sprachen unter sich,              1819
Herr Gunther und Gernot   und Herr Dieterich:
"Nun sag uns, von Berne   du edler Ritter gut,
Was du wien mgest   von der Knigin Muth."

Da sprach der Vogt von Berne:   "Was soll ich weiter sagen?        1820
Als da ich alle Morgen   weinen hr und klagen
Etzels Weib Frau Kriemhild   in jmmerlicher Noth
Zum reichen Gott vom Himmel   um des starken Siegfried Tod."

"Es ist halt nicht zu wenden,"   sprach der khne Mann,            1821
Volker der Fiedler,   "was ihr uns kund gethan.
Lat uns zu Hofe reiten   und einmal da besehn,
Was uns schnellen Degen   bei den Heunen mge geschehn."

Die khnen Burgunden   hin zu Hofe ritten:                         1822
Sie kamen stolz gezogen   nach ihres Landes Sitten.
Da wollte bei den Heunen   gar mancher khne Mann
Von Tronje Hagen schauen,   wie der wohl wre gethan.

Es war durch die Sage   dem Volk bekannt genug,                    1823
Da er von Niederlanden   Siegfrieden schlug,
Aller Recken strksten,   Frau Kriemhildens Mann:
Drum ward so groes Fragen   bei Hof nach Hagen gethan.

Der Held war wohlgewachsen,   das ist gewisslich wahr.             1824
Von Schultern breit und Brsten;   gemischt war sein Haar
Mit einer greisen Farbe;   von Beinen war er lang
Und schrecklich von Antlitz;   er hatte herrlichen Gang.

Da schuf man Herberge   den Burgundendegen;                        1825
Gunthers Ingesinde   lie man gesondert legen.
Das rieth die Knigstochter,   die ihm viel Haes trug:
Daher man bald die Knechte   in der Herberg erschlug.

Dankwart, Hagens Bruder,   war da Marschall;                       1826
Der Knig sein Gesinde   ihm fleiig anbefahl,
Da er es die Flle   mit Speise sollte pflegen.
Das that auch gar willig   und gern dieser khne Degen.

Kriemhild die schne   mit dem Gesinde gieng,                      1827
Wo sie die Nibelungen   mit falschem Muth empfieng:
Sie ksste Geiselheren   und nahm ihn bei der Hand.
Als das Hagen sah von Tronje,   den Helm er fester sich band.

"Nach solchem Empfange,"   so sprach da Hagen,                     1828
"Mgen wohl Bedenken   die schnellen Degen tragen;
Man grt die Frsten ungleich   und den Unterthan:
Keine gute Reise haben wir   zu dieser Hochzeit gethan."

Sie sprach: "Seid willkommen   dem, der euch gerne sieht:          1829
Eurer Freundschaft willen   kein Gru euch hier geschieht.
Sagt, was ihr mir bringet   von Worms berrhein,
Da ihr mir so hchlich   solltet willkommen sein?"

"Was sind das fr Sachen,"   sprach Hagen entgegen,                1830
"Da euch Gaben bringen   sollten diese Degen?
So reich wr ich gewesen,   htt ich das gedacht,
Da ich euch meine Gabe   zu den Heunen htt gebracht."

"Nun frag ich um die Mre   weiter bei euch an,                    1831
Der Hort der Nibelungen,   wohin ward der gethan?
Der war doch mein eigen,   das ist euch wohl bekannt:
Den solltet ihr mir haben   gebracht in Knig Etzels Land."

"In Treuen, Frau Kriemhild,   schon mancher Tag ist hin,           1832
Den Hort der Nibelungen,   seit ich des ledig bin,
Ihn lieen meine Herren   senken in den Rhein:
Da mu er auch in Wahrheit   bis zum jngsten Tage sein."

Die Knigin versetzte:   "Ich dacht es wohl vorher.                1833
Ihr habt mir noch wenig   davon gebracht hieher,
Wiewohl er war mein eigen   und ich sein weiland pflag;
Nach ihm und seinem Herren   hab ich manchen leiden Tag."

"Ich bring euch den Teufel!"   sprach wieder Hagen,                1834
"Ich hab an meinem Schilde   so viel zu tragen
Und an meinem Harnisch;   mein Helm der ist licht,
Das Schwert an meiner Seite:   drum bring ich ihn euch nicht."

"Es war auch nicht die Meinung,   als verlangte mich nach Gold:    1835
So viel hab ich zu geben,   ich entbehre leicht den Sold.
Eines Mords und Doppelraubes,   die man an mir genommen,
Dafr mcht ich Arme   zu lieber Entgeltung kommen."

Da sprach die Knigstochter   zu den Recken allzumal:              1836
"Man soll keine Waffen   tragen hier im Saal;
Vertraut sie mir,   ihr Helden, zur Verwahrung an."
"In Treuen," sprach da Hagen,   "das wird nimmer gethan.

"Ich begehre nicht der Ehre,   Frstentochter mild,                1837
Da ihr zur Herberge   tragt meinen Schild
Und ander Streitgerthe;   ihr seid hier Knigin.
So lehrte mich mein Vater,   da ich selbst ihr Hter bin."

"O Weh dieses Leides!"   sprach da Kriemhild:                      1838
"Warum will mein Bruder   und Hagen seinen Schild
Nicht verwahren laen?   Gewiss, sie sind gewarnt:
Und wst ich, wer es hat gethan,   der Tod der hielt' ihn umgarnt."

Im Zorn gab ihr Antwort   Dietrich sogleich:                       1839
"Ich bin es, der gewarnt hat   die edeln Frsten reich
Und Hagen den khnen,   der Burgunden Mann:
Nur zu, du Braut des Teufels,   du thust kein Leid mir drum an."

Da schmte sich gewaltig   die edle Knigin:                       1840
Sie frchtete sich bitter   vor Dietrichs Heldensinn.
Sie gieng alsdann von dannen,   kein Wort mehr sprach sie da,
Nur da sie nach den Feinden   mit geschwinden Blicken sah.

Da nahmen bei den Hnden   zwei der Degen sich,                    1841
Der Eine war Hagen,   der Andere Dietrich.
Da sprach wohlgezogen   der Degen allbereit:
"Eure Reise zu den Heunen   die ist in Wahrheit mir leid,

"Da die Knigstochter   so gesprochen hat."                        1842
Da sprach von Tronje Hagen:   "Zu Allem wird schon Rath."
So sprachen zu einander   die Recken wohlgethan.
Das sah der Knig Etzel,   der gleich zu fragen begann:

"Die Mre wust ich gerne,"   befrug der Knig sich,                1843
"Wer der Recke wre,   den dort Herr Dietrich
So freundlich hat empfangen;   er trgt gar hoch den Muth:
Wie auch sein Vater heie,   er mag wohl sein ein Recke gut."

Antwort gab dem Knig   ein Kriemhildens-Mann:                     1844
"Von Tronje ist er geboren,   sein Vater hie Aldrian;
Wie zahm er hier gebare,   er ist ein grimmer Mann:
Ich la euch das noch schauen,   da ich keine Lge gethan."

"Wie soll ich das erkennen,   da er so grimmig ist?"              1845
Noch hatt er nicht Kunde   von mancher argen List,
Die wider ihre Freunde   die Knigin spann,
Da aus dem Heunenlande   ihr auch nicht Einer entrann.

"Wohl kannt ich Hagen,   er war mein Unterthan:                    1846
Lob und groe Ehre   er hier bei mir gewann.
Ich macht' ihn zum Ritter   und gab ihm mein Gold;
Weil er sich getreu erwies,   war ich immer ihm hold.

"Daher ist mir von Hagen   Alles wohlbekannt.                      1847
Zwei edle Kinder bracht ich   als Geisel in die Land,
Ihn und von Spanien Walther:   die wuchsen hier heran.
Hagen sandt ich wieder heim;   Walther mit Hildegund entrann."

So bedacht er alter Zeiten   und was vordem geschehn.              1848
Seinen Freund von Tronje   hatt er hier gesehn,
Der ihm in seiner Jugend   oft groe Dienste bot;
Jetzt schlug er ihm im Alter   viel lieber Freunde zu Tod.

       *       *       *       *       *




Neunundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal saen.


Da schieden auch die beiden   werthen Recken sich,                 1849
Hagen von Tronje   und Herr Dieterich.
Ueber die Achsel blickte   Gunthers Unterthan
Nach einem Heergesellen,   den er sich bald gewann.

Neben Geiselheren   sah er Volkern stehn,                          1850
Den kunstreichen Fiedler:   den bat er mitzugehn,
Weil er wohl erkannte   seinen grimmen Muth:
Er war an allen Tugenden   ein Ritter khn und auch gut.

Noch lie man die Herren   auf dem Hofe stehn.                     1851
Die Beiden ganz alleine   sah man von dannen gehn
Ueber den Hof hin ferne   vor einen Pallas weit:
Die Auserwhlten scheuten   sich vor Niemandes Streit.

Sie setzten vor dem Hause sich   genber einem Saal,               1852
Der war Kriemhilden,   auf eine Bank zu Thal.
An ihrem Leibe glnzte   ihr herrlich Gewand;
Gar Manche, die das sahen,   htten gern sie gekannt.

Wie die wilden Thiere   gaffte sie da an,                          1853
Die bermthgen Helden,   mancher Heuneumann.
Da sah sie durch ein Fenster   Etzels Knigin:
Das betrbte wieder   der schnen Kriemhilde Sinn.

Sie gedacht ihres Leides;   zu weinen hub sie an.                  1854
Das wunderte die Degen,   die Etzeln unterthan,
Was ihr bekmmert htte   so sehr den hohen Muth?
Da sprach sie: "Das that Hagen,   ihr Helden khn und auch gut."

Sie sprachen zu der Frauen:   "Wie ist das geschehn?               1855
Wir haben euch doch eben   noch wohlgemuth gesehn.
Wie khn er auch wre,   der es euch hat gethan,
Befehlt ihr uns die Rache,   den Tod mst er empfahn."

"Dem wollt ich immer danken,   der rchte dieses Leid:             1856
Was er nur begehrte,   ich wr dazu bereit.
"Ich fall euch zu Fen,"   so sprach des Knigs Weib:
"Rcht mich an Hagen:   er verliere Leben und Leib."

Da rsteten die Khnen sich,   sechzig an der Zahl:                1857
Kriemhild zu Liebe   wollten sie vor den Saal
Und wollten Hagen schlagen,   diesen khnen Mann,
Dazu den Fiedelspieler;   das ward einmthig gethan.

Als so gering den Haufen   die Knigin ersah,                      1858
In grimmem Muthe sprach sie   zu den Helden da:
"Von solchem Unterfangen   rath ich abzustehn:
Ihr drft in so geringer Zahl   nicht mit Hagen streiten gehn.

"So khn auch und gewaltig   Der von Tronje sei,                   1859
Noch ist bei weitem strker,   der ihm da sitzet bei,
Volker der Fiedler:   das ist ein bler Mann:
Wohl drft ihr diesen Helden   nicht zu so wenigen nahn."

Als sie die Rede hrten,   rsteten sich mehr                      1860
Vierhundert Recken.   Der Knigin hehr
Lag sehr am Herzen   die Rache fr ihr Leid.
Da wurde bald den Degen   groe Sorge bereit.

Als sie ihr Gesinde   wohlbewaffnet sah,                           1861
Zu den schnellen Recken   sprach die Knigin da:
"Nun harrt eine Weile:   ihr sollt noch stille stehn.
Ich will unter Krone   hin zu meinen Feinden gehn.

"Hrt mich ihm verweisen,   was mir hat gethan                     1862
Hagen von Tronje,   Gunthers Unterthan.
Ich wei ihn so gemuthet,   er lugnets nimmermehr:
So will ich auch nicht fragen,   was ihm geschehe nachher."

Da sah der Fiedelspieler,   ein khner Spielmann,                  1863
Die edle Knigstochter   von der Stiege nahn,
Die aus dem Hause fhrte.   Als er das ersah,
Zu seinem Heergesellen   sprach der khne Volker da:

"Nun schauet, Freund Hagen,   wie sie dorther naht,                1864
Die uns ohne Treue   ins Land geladen hat.
Ich sah mit einer Knigin   nie so manchen Mann
Die Schwerter in den Hnden   also streitlustig nahn.

"Wit ihr, Freund Hagen,   da sie euch abhold sind?               1865
So will ich euch rathen,   da ihr zu hten sinnt
Des Lebens und der Ehre;   fhrwahr, das dnkt mich gut:
Soviel ich mag erkennen,   ist ihnen zornig zu Muth.

"Es sind auch Manche drunter   von Brsten stark und breit:        1866
Wer seines Lebens hten will,   der thu es beizeit.
Ich seh sie unter Seide   die festen Panzer tragen.
Was sie damit meinen,   das hr ich Niemanden sagen."

Da sprach im Zornmuthe   Hagen der khne Mann:                     1867
"Ich wei wohl, das wird Alles   wider mich gethan,
Da sie die lichten Waffen   tragen an der Hand;
Von denen aber reit ich   noch in der Burgunden Land.

"Nun sagt mir, Freund Volker,   denkt ihr mir beizustehn,          1868
Wenn mit mir streiten wollen   Die in Kriemhilds Lehn?
Das lat mich vernehmen,   so lieb als ich euch sei.
Ich steh euch mit Diensten   immer wieder treulich bei."

"Sicherlich, ich helf euch,"   so sprach da Volker.                1869
"Und sh ich uns entgegen   mit seinem ganzen Heer
Den Knig Etzel kommen,   all meines Lebens Zeit
Weich ich von eurer Seite   aus Furcht nicht eines Fues breit."

"Nun lohn euch Gott vom Himmel,   viel edler Volker!               1870
Wenn sie mit mir streiten,   wes bedarf ich mehr?
Da ihr mir helfen wollet,   wie ich jetzt vernommen,
So mgen diese Recken   fein behutsam nher kommen."

"Stehn wir auf vom Sitze,"   sprach der Fiedelmann,                1871
"Vor der Knigstochter,   so sie nun kommt heran.
Bieten wir die Ehre   der edeln Knigin!
Das bringt uns auch beiden   an eignen Ehren Gewinn."

"Nein! wenn ihr mich lieb habt,"   sprach dawider Hagen.           1872
"Es mchten diese Degen   mit dem Wahn sich tragen,
Da ich aus Furcht es thte   und dchte wegzugehn:
Von dem Sitze mein ich   vor ihrer Keinem aufzustehn.

"Da wir es bleiben laen,   das ziemt uns ganz allein.            1873
Soll ich dem Ehre bieten,   der mir feind will sein?
Nein, ich thu es nimmer,   so lang ich leben soll:
In aller Welt, was kmmr ich   mich um Kriemhildens Groll?"

Der vermene Hagen legte   ber die Schenkel hin                   1874
Eine lichte Waffe,   aus deren Knaufe schien
Mit hellem Glanz ein Jaspis,   grner noch als Gras.
Wohl erkannte Kriemhild,   da Siegfried einst sie besa.

Als sie das Schwert erkannte,   das schuf ihr groe Noth.          1875
Der Griff war von Golde,   der Scheide Borte roth.
Ermahnt war sie des Leides,   zu weinen hub sie an;
Ich glaube, Hagen hatt es   auch eben darum gethan.

Volker der khne   zog nher an die Bank                           1876
Einen starken Fiedelbogen,   mchtig und lang,
Wie ein Schwert geschaffen,   scharf dazu und breit.
So saen unerschrocken   diese Recken allbereit.

Die khnen Degen beide   dauchten sich so hehr,                    1877
Aus Furcht vor Jemandem   wollten sie nimmermehr
Vom Sitz sich erheben.   Ihnen schritt da vor den Fu
Die edle Knigstochter   und bot unfreundlichen Gru.

Sie sprach: "Nun sagt, Herr Hagen,   wer hat nach euch gesandt,    1878
Da ihr zu reiten wagtet   her in dieses Land,
Da ihr doch wohl wustet,   was ihr mir habt gethan?
Wart ihr bei guten Sinnen,   ihr durftets euch nicht unterfahn."

"Nach mir gesandt hat Niemand,"   sprach er entgegen,              1879
"Her zu diesem Lande   lud man drei Degen,
Die heien meine Herren:   ich steh in ihrem Lehn;
Bei keiner Hofreise   pfleg ich daheim zu bestehn."

Sie sprach: "Nun sagt mir ferner,   was thatet ihr das,            1880
Da ihr es verdientet,   wenn ich euch trage Ha?
Ihr erschlugt Siegfrieden,   meinen lieben Mann,
Den ich bis an mein Ende   nicht gut beweinen kann."

"Wozu der Rede weiter?"   sprach er, "es ist genug:                1881
Ich bin halt der Hagen,   der Siegfrieden schlug,
Den behenden Degen:   wie schwer er das entgalt,
Da die Frau Kriemhild   die schne Brunhilde schalt!

"Es wird auch nicht gelugnet,   reiche Knigin,                   1882
Da ich an all dem Schaden,   dem schlimmen, schuldig bin.
Nun rch es, wer da wolle,   Weib oder Mann.
Ich mst es wahrlich lgen,   ich hab euch viel zu Leid gethan."

Sie sprach: "Da hrt ihr, Recken,   wie er die Schuld gesteht      1883
An all meinem Leide:   wie's ihm deshalb ergeht,
Darnach will ich nicht fragen,   ihr Etzeln unterthan."
Die bermthgen Degen   blickten all einander an.

Wr da der Streit erhoben,   so htte man gesehn,                  1884
Wie man den zwei Gesellen   m Ehre zugestehn:
Das hatten sie in Strmen   oftmals dargethan.
Was jene sich vermeen,   das gieng aus Furcht nun nicht an.

Da sprach der Recken Einer:   "Was seht ihr mich an?               1885
Was ich zuvor gelobte,   das wird nun nicht gethan.
Um Niemands Gabe la ich   Leben gern und Leib.
Uns will hier verleiten   dem Knig Etzel sein Weib."

Da sprach ein Andrer wieder:   "So steht auch mir der Muth.        1886
Wer mir Thrme gbe   von rothem Golde gut,
Diesen Fiedelspieler   wollt ich nicht bestehn
Der schnellen Blicke wegen,   die ich hab an ihm ersehn.

"Auch kenn ich diesen Hagen   von seiner Jugendzeit:               1887
Drum wei ich von dem Recken   selber wohl Bescheid.
In zweiundzwanzig Strmen   hab ich ihn gesehn;
Da ist mancher Frauen   Herzeleid von ihm geschehn.

"Er und Der von Spanien   traten manchen Pfad,                     1888
Da sie hier bei Etzeln   thaten manche That
Dem Knig zu Liebe.   Das ist oft geschehn:
Drum mag man Hagen billig   groe Ehre zugestehn.

"Damals war der Recke   an Jahren noch ein Kind,                   1889
Da waren schon die Knaben   wie jetzt kaum Greise sind.
Nun kam er zu Sinnen   und ist ein grimmer Mann;
Auch trgt er Balmungen,   den er bel gewann."

Damit wars entschieden,   Niemand suchte Streit.                   1890
Das war der Knigstochter   im Herzen bitter leid.
Die Helden giengen wieder;   wohl scheuten sie den Tod
Von den Helden beiden:   das that ihnen wahrlich Noth.

Wie oft man verzagend   Manches unterlt,                         1891
Wo der Freund beim Freunde   treulich steht und fest!
Und hat er kluge Sinne,   da er nicht also thut,
Vor Schaden nimmt sich Mancher   durch Besonnenheit in Hut.

Da sprach der khne Volker:   "Da wir nun selber sahn,             1892
Da wir hie Feinde finden,   wie man uns kund gethan,
So la uns zu den Knigen   hin zu Hofe gehn,
So darf unsre Herren   mit Kampfe Niemand bestehn."

"Gut, ich will euch folgen,"   sprach Hagen entgegen.              1893
Da giengen hin die Beiden,   wo sie die zieren Degen
Noch harrend des Empfanges   auf dem Hofe sahn.
Volker der khne   hub da laut zu reden an.

Er sprach zu seinen Herren:   "Wie lange wollt ihr stehn           1894
Und euch drngen laen?   ihr sollt zu Hofe gehn
Und von dem Knig hren,   wie der gesonnen sei."
Da sah man sich gesellen   der khnen Helden je zwei.

Dietrich von Berne   nahm da an die Hand                           1895
Gunther den reichen   von Burgundenland;
Irnfried nahm Gernoten,   diesen khnen Mann;
Da gieng mit seinem Schwher   Geiselher zu Hof heran.

Wie bei diesem Zuge   gesellt war Jeglicher,                       1896
Volker und Hagen,   die schieden sich nicht mehr
Als noch in Einem Kampfe   bis an ihren Tod.
Das musten bald beweinen   edle Fraun in groer Noth.

Da sah man mit den Knigen   hin zu Hofe ziehn                     1897
Ihres edeln Ingesindes   tausend Degen khn;
Darber sechzig Recken   waren mitgekommen:
Die hatt aus seinem Lande   der khne Hagen genommen.

Hawart und Iring,   zwei Degen auserkannt,                         1898
Die giengen mit den Knigen   zu Hofe Hand in Hand;
Dankwart und Wolfhart,   ein theuerlicher Degen,
Die sah man groer Hofzucht   vor den brigen pflegen.

Als der Vogt vom Rheine   in den Pallas gieng,                     1899
Etzel der reiche   das lnger nicht verhieng:
Er sprang von seinem Sitze,   als er ihn kommen sah.
Ein Gru, ein so recht schner,   nie mehr von Kngen geschah.

"Willkommen mir, Herr Gunther   und auch Herr Gernot               1900
Und euer Bruder Geiselher,   die ich hieher entbot
Mit Gru und treuem Dienste   von Worms berrhein,
Und eure Degen alle   sollen mir willkommen sein.

"Lat euch auch Willkommen,   ihr beiden Recken, sagen,            1901
Volker der khne   und dazu Herr Hagen,
Mir und meiner Frauen   hier in diesem Land:
Sie hat euch manche Botschaft   hin zum Rheine gesandt."

Da sprach von Tronje Hagen:   "Das haben wir vernommen.            1902
Wr ich um meine Herren   gen Heunland nicht gekommen,
So wr ich euch zu Ehren   geritten in das Land."
Da nahm der edle Knig   die lieben Gste bei der Hand.

Und fhrte sie zum Sitze   hin, wo er selber sa.                  1903
Da schenkte man den Gsten,   fleiig that man das,
In weiten goldnen Schalen   Meth, Mora und Wein
Und hie die fremden Degen   hchlich willkommen sein.

Da sprach Knig Etzel:   "Das mu ich wohl gestehn,                1904
Mir knnt in diesen Zeiten   nichts Lieberes geschehn
Als durch euch, ihr Recken,   da ihr gekommen seid;
Damit ist auch der Knigin   benommen Kummer und Leid.

"Mich nahm immer Wunder,   was ich euch wohl gethan,               1905
Da ich der edeln Gste   so Manche doch gewann,
Da ihr nie zu reiten   geruhtet in mein Land;
Nun ich euch hier ersehen hab,   ist mirs zu Freuden gewandt."

Da versetzte Rdiger,   ein Ritter hochgemuth:                     1906
"Ihr mgt sie gern empfahen,   ihre Treue die ist gut:
Der wien meiner Frauen   Brder schn zu pflegen.
Sie bringen euch zu Hause   manchen waidlichen Degen."

Am Sonnewendenabend   waren sie gekommen                           1907
An Etzels Hof, des reichen.   Noch selten ward vernommen,
Da ein Knig seine Gste   freundlicher empfieng;
Darnach er zu Tische   wohlgemuth mit ihnen gieng.

Ein Wirth bei seinen Gsten   sich holder nie betrug.              1908
Zu trinken und zu een   bot man da genug:
Was sie nur wnschen mochten,   das wurde gern gewhrt.
Man hatte von den Helden   viel groe Wunder gehrt.

Der reiche Etzel hatte   an ein Gebude weit                       1909
Viel Flei und Mh gewendet   und Kosten nicht gescheut:
Man sah Pallas und Thrme,   Gemcher ohne Zahl
In einer weiten Veste   und einen herrlichen Saal.

Den hatt er bauen laen   lang, hoch und weit,                     1910
Weil ihn so viel der Recken   heimsuchten jederzeit.
Auch ander Ingesinde,   zwlf reiche Knge hehr
Und viel der werthen Degen   hatt er zu allen Zeiten mehr,

Als je gewann ein Knig,   von dem ich noch vernahm.               1911
Er lebte so mit Freunden   und Mannen wonnesam:
Gedrng und frohen Zuruf   hatte der Knig gut
Von manchem schnellen Degen;   drum stand wohl hoch ihm der Muth.

       *       *       *       *       *




Dreiigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.


Der Tag war nun zu Ende,   es nahte sich die Nacht.                1912
Den reisemden Recken   war die Sorg erwacht,
Wann sie ruhen sollten   und zu Bette gehn.
Zur Sprache bracht es Hagen:   Bescheid ist ihnen geschehn.

Zu dem Wirthe sprach da Gunther:   "Gott la euchs wohlgedeihn:    1913
Wir wollen schlafen gehen,   mag es mit Urlaub sein.
Wenn ihr das gebietet,   kommen wir morgen fruh."
Der Wirth entlie die Gaste   wohlgemuth zu ihrer Ruh.

Von allen Seiten drngen   man die Gste sah.                      1914
Volker der khne   sprach zu den Heunen da:
"Wie drft ihr uns Recken   so vor die Fe gehn?
Und wollt ihr das nicht meiden,   so wird euch bel geschehn.

"So schlag ich Dem und Jenem   so schweren Geigenschlag,           1915
Hat er einen Treuen,   da ders beweinen mag.
Nun weicht vor uns Recken,   frwahr, mich dnkt es gut:
Es heien Alle Degen   und haben doch nicht gleichen Muth."

Als in solchem Zorne   sprach der Fiedelmann,                      1916
Hagen der khne   sich umzuschaun begann.
Er sprach: "Euch rth zum Heile   der khne Fiedeler.
Geht zu den Herbergen,   ihr in Kriemhildens Heer.

"Was ihr habt im Sinne,   es fgt sich nicht dazu:                 1917
Wollt ihr was beginnen,   so kommt uns morgen fruh
Und lat uns Reisemden   heut in Frieden ruhn.
Ich glaube, niemals werden   es Helden williger thun."

Da brachte man die Gste   in einen weiten Saal,                   1918
Zur Nachtruh eingerichtet   den Recken allzumal
Mit kstlichen Betten,   lang zumal und breit.
Gern schuf ihnen Kriemhild   das allergreste Leid,

Schmucker Decken sah man   von Arras da genug                      1919
Aus lichthellem Zeuge   und manchen Ueberzug
Aus Arabischer Seide,   so gut sie mochten sein,
Verbrmt mit goldnen Borten,   die gaben herrlichen Schein.

Viel Bettlaken fand man   von Hermelin gemacht                     1920
Und von schwarzem Zobel,   worunter sie die Nacht
Sich Ruhe schaffen sollten   bis an den lichten Tag.
Ein Knig mit dem Volke   wohl nimmer herrlicher lag.

"O weh des Nachtlagers!"   sprach Geiselher das Kind,              1921
"Und weh meiner Freunde,   die mit uns kommen sind.
Wie gut es meine Schwester   uns auch hier erbot,
Wir gewinnen, frcht ich, alle   von ihrem Hae den Tod."

"Nun lat euer Sorgen,"   sprach Hagen der Degen,                  1922
"Ich will heunte selber   der Schildwache pflegen
Und getrau euch zu behten   bis morgen an den Tag:
Seit des ohne Sorge:   so entrinne, wer da mag."

Da neigten sich ihm Alle   und sagten ihm Dank.                    1923
Sie giengen zu den Betten.   Da whrt' es nicht lang,
Bis in Ruhe lagen   die Helden wohlgethan.
Hagen der khne   sich da zu waffnen begann.

Da sprach der Fiedelspieler,   Volker der Degen:                   1924
"Verschmht ihrs nicht, Hagen,   so will ich mit euch pflegen
Heunt der Schildwache   bis morgen an den Tag."
Da dankte Volkeren   der Degen gtlich und sprach:

"Nun lohn euch Gott vom Himmel,   viel lieber Volker!              1925
Zu allen meinen Sorgen   wnsch ich mir Niemand mehr
Als nur euch alleine,   befahr ich irgend Noth.
Ich will es wohl vergelten,   es verwehr es denn der Tod."

Da kleideten die Beiden   sich in ihr licht Gewand,                1926
Jedweder fate   den Schild an seine Hand,
Sie giengen aus dem Hause   vor die Thre stehn
Und hteten der Gste;   das ist mit Treuen geschehn.

Volker der schnelle   lehnte von der Hand                          1927
Seinen Schild den guten   an des Saales Wand.
Dann wandt er sich zurcke,   wo seine Geige war,
Und diente seinen Freunden:   es ziemt ihm also frwahr.

Unter des Hauses Thre   setzt' er sich auf den Stein.             1928
Khnrer Fiedelspieler   mochte nimmer sein.
Als der Saiten Tnen   ihm so hold erklang,
Die stolzen Heimatlosen   die sagten Volkern den Dank.

Da tnten seine Saiten,   da all das Haus erscholl;               1929
Seine Kraft und sein Geschicke   die waren beide voll.
Ser und sanfter   zu geigen hub er an:
So spielt' er in den Schlummer   gar manchen sorgenden Mann.

Da sie entschlafen waren   und Volker das befand,                  1930
Da nahm der Degen wieder   den Schild an die Hand
Und gieng aus dem Hause   vor die Thre stehn,
Seine Freunde zu behten   vor Denen in Kriemhilds Lehn.

Wohl der Nacht inmitten,   wenn es erst da geschah,                1931
Volker der khne   einen Helm erglnzen sah
Fernher durch das Dunkel:   Die Kriemhild unterthan,
Htten an den Gsten   gerne Schaden gethan.

Bevor diese Recken   Kriemhild hatt entsandt,                      1932
Sie sprach: "Wenn ihr sie findet,   so seid um Gott ermahnt,
Da ihr Niemand tdtet   als den einen Mann,
Den ungetreuen Hagen;   die Andern rhret nicht an."

Da sprach der Fiedelspieler:   "Nun seht, Freund Hagen,            1933
Uns ziemt, diese Sorge   gemeinsam zu tragen.
Gewaffnet vor dem Hause   seh ich Leute stehn:
So viel ich mag erkennen,   kommen sie uns zu bestehn."

"So schweigt," sprach da Hagen,   "lat sie erst nher her.        1934
Eh sie uns inne werden,   wird ihrer Helme Wehr
Zerschroten mit den Schwertern   von unser Beider Hand:
Sie werden Kriemhilden   bel wieder heimgesandt."

Der Heunenrecken Einer   das gar bald ersah,                       1935
Die Thre sei behtet:   wie schnell sprach er da:
"Was wir im Sinne hatten,   kann nun nicht geschehn:
Ich seh den Fiedelspieler   vor dem Hause Schildwacht stehn.

"Er trgt auf dem Haupte   einen Helm von lichtem Glanz,           1936
Der ist hart und lauter,   stark dazu und ganz.
Auch loh'n die Panzerringe   ihm, wie das Feuer thut.
Daneben steht auch Hagen:   die Gste sind in guter Hut."

Da wandten sie sich wieder.   Als Volker das ersah,                1937
Zu seinem Heergesellen   in Zorn sprach er da:
"Nun lat mich von dem Hause   zu den Recken gehn:
So frag ich um die Mre   Die in Kriemhildens Lehn."

"Nein, wenn ihr mich lieb habt,"   sprach Hagen entgegen,          1938
"Kmt ihr aus dem Hause,   diese schnellen Degen
Brchten euch mit Schwertern   leicht in solche Noth,
Da ich euch helfen mste,   wrs aller meiner Freunde Tod.

"Wenn wir dann Beide   kmen in den Streit,                        1939
So mchten ihrer zweie   oder vier in kurzer Zeit
Zu dem Hause springen   und schfen solche Noth
Drinnen an den Schlafenden,   da wir bereuten bis zum Tod."

Da sprach wieder Volker:   "So lat es nur geschehn,               1940
Da sie inne werden,   wir haben sie gesehn:
So knnen uns nicht lugnen   Die Kriemhild unterthan,
Da sie gerne treulos   an den Gsten htten gethan."

Da rief der Fiedelspieler   den Heunen entgegen:                   1941
"Wie geht ihr so bewaffnet,   ihr behenden Degen?
Wollt ihr morden reiten,   ihr Kriemhild unterthan?
So nehmt mich zur Hlfe   und meinen Heergesellen an,"

Niemand gab ihm Antwort;   zornig war sein Muth:                   1942
"Pfui, feige Bsewichter,"   sprach der Degen gut,
"Im Schlaf uns zu ermorden,   schlicht ihr dazu heran?
Das ward so guten Helden   bisher noch selten gethan."

Bald ward auch die Mre   der Knigin bekannt                      1943
Vom Abzug ihrer Boten:   wie schwer sie das empfand!
Da fgte sie es anders;   gar grimmig war ihr Muth.
Da musten bald verderben   viel der Helden khn und gut.

       *       *       *       *       *




Einunddreiigstes Abenteuer.

Wie die Herren zur Kirche giengen.


"Mir wird so khl der Harnisch,"   sprach da Volker:               1944
"Die Nacht, whn ich, wolle   nun nicht whren mehr.
Ich fhl es an den Lften,   es ist nicht weit vom Tag."
Da weckten sie gar Manchen,   der da im Schlafe noch lag.

Da schien der lichte Morgen   den Gsten in den Saal.              1945
Hagen begann zu fragen   die Recken allzumal,
Ob sie zum Mnster wollten   in die Messe heut.
Nach christlichen Sitten   erscholl der Glocken Gelut.

Der Gesang war ungleich;   kein Wunder mcht es sein,              1946
Da Christen mit Heiden   nicht stimmten berein.
Da wollten zu der Kirche   Die in Gunthers Lehn:
Man sah sie von den Betten   allzumal da erstehn.

Da schnrten sich die Recken   in also gut Gewand,                 1947
Da nie Helden wieder   in eines Knigs Land
Bere Kleider brachten.   Hagen war es leid;
Er sprach: "Ihr thtet beer,   ihr trgt hier anderlei Kleid.

"Nun ist euch doch allen   die Mre wohl bekannt:                  1948
Drum statt der Rosenkrnze   nehmt Waffen an die Hand;
Statt wohlgesteinter Hte   die lichten Helme gut,
Da wir so wohl erkennen   der argen Kriemhilde Muth.

"Wir men heute streiten,   das will ich euch sagen.              1949
Statt seidner Hemden sollt ihr   Halsbergen tragen
Und statt der reichen Mntel   gute Schilde breit:
zrnt mit euch Jemand,   da ihr wehrhaftig seid.

"Meine lieben Herren,   Freund und Mannen mein,                    1950
Tretet in die Kirche   mit lauterm Herzen ein
Und klagt Gott dem reichen   eure Sorg und Noth:
Denn wit unbezweifelt,   es naht uns allen der Tod.

"Ihr sollt auch nicht vergeen,   was je von euch geschah,         1951
Und fleht vor eurem Gotte   andchtig da.
Lat euch alle warnen,   gute Recken hehr:
Es wend es Gott im Himmel,   so hrt ihr keine Messe mehr,"

So giengen zu dem Mnster   die Frsten und ihr Lehn.              1952
Auf dem heiligen Friedhof,   da hie sie stille stehn
Hagen der khne,   damit man sie nicht schied.
Er sprach: "Noch wei ja Niemand,  was von den Heunen geschieht.

"Setzt, meine Freunde,   die Schilde vor den Fu                   1953
Und lohnt es, beut euch Jemand   feindlichen Gru,
Mit tiefen Todeswunden:   das ist, was euch Hagen rth.
So werdet ihr befunden,   wie's euch am lblichsten steht."

Volker und Hagen   die beiden stellten da                          1954
Sich vor das weite Mnster:   was darum geschah,
Sie wolltens dazu bringen,   da sich die Knigin
Mit ihnen drngen me;   wohl war gar grimmig ihr Sinn.

Da kam der Wirth des Landes   und auch sein schnes Weib;          1955
Mit reichem Gewnde   war ihr geziert der Leib
Und manchem schnellen Degen,   der im Geleit ihr war.
Da flog der Staub zur Hhe   vor der Knigin Schar,

Als der reiche Knig   so gewaffnet sah                            1956
Die Frsten und ihr Ingesind,   wie bald sprach er da:
"Was seh ich meine Freunde   unter Helmen gehn?
Leid war mir meiner Treue,   wr ihnen Leid hier geschehn.

"Das wollt ich ihnen ben,   wie sie es duchte gut.              1957
Wenn ihnen wer beschwerte   das Herz und den Muth,
So la ich sie wohl schauen,   es sei mir wahrlich leid:
Was sie gebieten mgen,   dazu bin ich gern bereit."

Zur Antwort gab ihm Hagen:   "Uns ist kein Leid geschehn.          1958
Es ist der Herren Sitte,   da sie gewaffnet gehn
Bei allen Gastgeboten   zu dreien vollen Tagen.
Was uns hier geschhe,   wir wrden es Etzeln klagen."

Wohl vernahm die Knigin   Hagens Rede da.                         1959
Wie feindlich sie dem Degen   unter die Augen sah!
Sie wollte doch nicht melden   den Brauch in ihrem Land,
Wie lang bei den Burgunden   sie den auch hatte gekannt.

Wie grimm und stark die Knigin   ihnen abhold wre,               1960
Htte Jemand Etzeln   gesagt die rechte Mre,
Er htt es wohl gewendet,   was nun doch geschah:
In ihrem hohen Uebermuth   verschwiegen sie es Alle da.

Da schritt mit vielem Volke   Kriemhild zur Kirchenthr:           1961
Doch wollten diese Beiden   weichen nicht vor ihr
Zweier Hnde Breite:   das war den Heunen leid.
Da muste sie sich drngen   mit den Helden allbereit.

Etzels Kmmerlinge   die dauchte das nicht gut:                    1962
Wohl htten sie den Recken   gern erzrnt den Muth,
Wenn sie es wagen drften   vor dem Knig hehr.
Da gab es gro Gedrnge   und doch nichts anderes mehr.

Als nach dem Gottesdienste   man auf den Heimweg sann,             1963
Da kam hoch zu Rosse   mancher Heunenmann.
Auch war bei Kriemhilden   manche schne Maid;
Wohl Siebentausend zhlte   der Knigin Heergeleit.

Kriemhild mit ihren Frauen   in den Fenstern sa                   1964
Bei Etzeln dem reichen;   gerne sah er das.
Sie wollten reiten sehen   die Helden auserkannt:
Hei! was man fremder Recken   vor ihnen auf dem Hofe fand!

Nun war auch mit den Rossen   der Marschall gekommen.              1965
Der khne Dankwart hatte   mit sich genommen
Der Herren Ingesinde   von Burgundenland:
Die Rosse wohlgesattelt   man den khnen Niblungen fand.

Als zu Rossen kamen   die Frsten und ihr Herr,                    1966
Da begann zu rathen   der khne Volker,
Sie sollten buhurdieren   nach ihres Landes Sitten.
Da wurde von den Helden   bald gar herrlich geritten.

Was der Held gerathen,   Niemanden wohl verdro;                   1967
Der Buhurd und der Waffenklang   wurden beide gro.
In dem weiten Hofe   kam da mancher Mann;
Etzel mit Kriemhild   es selbst zu schauen begann.

Auf den Buhurd kamen   sechshundert Degen.                         1968
Dietrichens Recken,   den Gsten entgegen.
Mit den Burgunden wollten   sie sich im Spiel ergehn;
Wollt es ihr Herr vergnnen,   so wr es gerne geschehn.

Hei! Was gute Recken   ritten da heran!                            1969
Dietrich dem Helden   ward es kund gethan.
Mit Gunthers Ingesinde   das Spiel er verbot;
Er schonte seiner Leute:   das that ihm sicherlich Noth.

Als Dietrichs Gefolge   so vermied den Streit,                     1970
Da kamen von Bechlaren   Rdigers Geleit,
Fnfhundert unter Schilden,   vor den Saal geritten.
Leid wars dem Markgrafen:   er htt es gern nicht gelitten.

Er kam zu ihnen eilends   gedrungen durch die Schar                1971
Und sagte seinen Mannen:   sie wrden selbst gewahr,
Da im Unmuth wren   Die Gunthern unterthan:
Wenn sie das Kampfspiel lieen,   so wr ihm Liebes gethan.

Als von ihnen schieden   die Helden allbereit,                     1972
Da kamen die von Thringen,   hrten wir Bescheid,
Und vom Dnenlande   der Khnen tausend Mann.
Von Stichen sah man fliegen   viel der Splitter hoch hinan.

Irnfried und Hawart   ritten zum Buhurd hin;                       1973
Ihrer harrten Die vom Rheine   mit hochfhrtgem Sinn
Zum Lanzenspiel mit Denen   vom Thringerland:
Durchbohrt von Stichen wurde   mancher schne Schildesrand.

Da kam der Degen Bldel,   dreitausend in der Schar.               1974
Etzel und Kriemhild   nahmen sein wohl war,
Da vor ihnen Beiden   das Ritterspiel geschah.
Die Knigin es gerne   aus Ha der Burgunden sah.

Sie gedacht in ihrem Sinne,   schier wrs auch so geschehn:        1975
"Und thten sie wem Leides,   so drft ich mich versehn,
Da es zum Ernste kme:   an den Feinden mein
Wrd ich dann gerochen;   des wollt ich ohne Sorge sein."

Schrutan und Gibeke   ritten zum Buhurd auch,                      1976
Hornbog und Ramung,   nach heunischem Gebrauch.
Sie hielten vor den Helden   aus Burgundenland:
Die Schfte flogen wirbelnd   ber des Knigssaales Wand.

Wie sie da Alle ritten,   das war doch eitel Schall.               1977
Von Sten auf die Schilde   das Haus und den Saal
Hrte man ertosen   durch manchen Gunthers-Mann.
Das Lob sich sein Gesinde   mit groen Ehren gewann.

Da ward ihre Kurzweil   so stark und so gro,                      1978
Da den Satteldecken   der blanke Schwei entflo
Von den guten Rossen,   so die Helden ritten.
Sie versuchten an den Heunen   sich mit hochfhrtgen Sitten.

Da sprach der khne Volker,   der edle Spielmann:                  1979
"Zu feig sind diese Degen,   sie greifen uns nicht an.
Ich hrte immer sagen,   da sie uns abhold sein:
Nun knnte die Gelegenheit   ihnen doch nicht gnstger sein."

"Zu den Stllen wieder,"   sprach der Knig hehr,                  1980
"Ziehe man die Rosse;   wir reiten wohl noch mehr
In den Abendstunden,   wenn die Zeit erschien.
Ob dann den Burgunden   den Preis wohl giebt die Knigin?"

Da sahn sie Einen reiten   so stattlich daher,                     1981
Es thats von allen Heunen   kein Anderer mehr.
Er hatt in den Fenstern   wohl ein Liebchen traut:
Er ritt so wohl gekleidet   als eines werthen Ritters Braut.

Da sprach wieder Volker:   "Wie blieb' es ungethan?                1982
Jener Weiberliebling   mu einen Sto empfahn.
Das mag hier Niemand wenden,   es geht ihm an den Leib:
Nicht frag ich, ob drum zrne   dem Knig Etzel sein Weib."

"Nicht doch," sprach der Knig,   "wenn ichs erbitten kann:        1983
Es schelten uns die Leute,   greifen wir sie an:
Die Heunen lat beginnen;   es kommt wohl bald dahin."
Noch sa Knig Etzel   am Fester bei der Knigin.

"Ich will das Kampfspiel mehren,"   sprach Hagen jedoch:           1984
"Lat diese Frauen   und die Degen noch
Sehn, wie wir reiten knnen:   das ist wohlgethan;
Man lt des Lobs doch wenig   die Recken Gunthers empfahn."

Volker der schnelle   ritt wieder in den Streit.                   1985
Das schuf da viel der Frauen   groes Herzeleid.
Er stach dem reichen Heunen   den Sper durch den Leib:
Das sah man noch beweinen   manche Maid und manches Weib.

Alsbald rckt' auch Hagen   mit seinen Helden an:                  1986
Mit sechzig seiner Degen   zu reiten er begann
Dahin, wo von dem Fiedler   das Spiel war geschehn.
Etzel und Kriemhild   konnten Alles deutlich sehn.

Da wollten auch die Knige   den khnen Fiedler gut                1987
Unter den Feinden   nicht laen ohne Hut.
Da ward von tausend Helden   mit groer Kunst geritten.
Sie thaten, was sie lstete,   mit gar hochfhrtgen Sitten.

Als der reiche Heune   zu Tode war geschlagen,                     1988
Man hrte seiner Freunde   Wehruf und Klagen.
All das Gesinde fragte:   "Wer hat das gethan?"
"Das hat gethan der Fiedler,   Volker der khne Spielmann."

Nach Schwertern und Schilden   riefen gleich zur Hand              1989
Des Markgrafen Freunde   von der Heunen Land:
Zu Tode schlagen wollten   sie den Fiedelmann.
Der Wirth von seinem Fenster   daher zu eilen begann.

Da hob sich von den Heunen   allenthalben Schall.                  1990
Abstiegen mit dem Volke   die Knge vor dem Saal;
Zurck die Rosse stieen   Die Gunthern unterthan.
Da kam der Knig Etzel   den Streit zu schlichten heran.

Einem Vetter dieses Heunen,   den er da bei ihm fand,              1991
Eine scharfe Waffe   brach er ihm aus der Hand
Und schlug sie all zurcke:   er war in groem Zorn.
"Wie htt ich meine Dienste   an diesen Helden verlorn!

"Wenn ihr diesen Spielmann   httet drum erschlagen,               1992
Ich lie' euch alle hngen!   das will ich euch sagen.
Als er erstach den Heunen,   sein Reiten wohl ich sah,
Da es wider seinen Willen   nur durch Straucheln geschah.

"Ihr sollt meine Gste   mit Frieden laen ziehn."                 1993
So ward er ihr Geleite.   Die Rosse zog man hin
Zu den Herbergen.   Sie hatten manchen Knecht,
Der ihnen war zu Diensten   mit allem Fleie gerecht.

Der Wirth mit seinen Freunden   gieng zum Saal zurck:             1994
Da regte sich kein Zrnen   mehr vor seinem Blick.
Man richtete die Tische,   das Wasser man auch trug.
Da hatten Die vom Rheine   der starken Feinde genug.

Unlieb war es Etzeln,   doch folgte manche Schar                   1995
Den Frsten, die mit Waffen   wohl versehen war,
Im Unmuth auf die Gste,   als man zu Tische gieng,
Den Freund bedacht zu rchen,   wenn es gnstge Zeit verhieng.

"Da ihr in Waffen lieber   zu Tische geht als blo,"              1996
Sprach der Wirth des Landes,   "die Unart ist zu gro;
Wer aber an den Gsten   den kleinsten Frevel wagt,
Der bt es mit dem Haupte:   das sei euch Heunen gesagt."

Bevor da niedersaen   die Herren, das whrte lang,                1997
Weil zu sehr mit Sorgen   jetzt Frau Kriemhild rang.
Sie sprach: "Frst von Berne,   heute mu ich flehn
Zu dir um Rath und Hlfe:   meine Sachen ngstlich stehn."

Zur Antwort gab ihr Hildebrand,   eine Recke tugendlich:           1998
"Wer schlgt die Nibelungen,   der thut es ohne mich,
Wie viel man Schtze bte;   es wird ihm wahrlich leid.
Sie sind noch unbezwungen,   die schnellen Ritter allbereit."

"Es geht mir nur um Hagen,   der hat mir Leid gethan,              1999
Der Siegfrieden mordete,   meinen lieben Mann.
Wer den von ihnen schiede,   dem wr mein Gold bereit:
Entglt es anders Jemand,   das wr mir inniglich leid."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Wie mchte das geschehn,          2000
Den ihnen zu erschlagen?   Ihr solltet selber sehn:
Bestnde man den Degen,   leicht gb es eine Noth,
Da Arme so wie Reiche   dabei erlgen im Tod."

Da sprach dazu Herr Dietrich   mit zuchtreichem Sinn:              2001
"Die Rede lat bleiben,   reiche Knigin;
Mir ist von euern Freunden   kein solches Leid geschehn,
Da ich sollt im Streite   die khnen Degen bestehn.

"Die Bitte ehrt euch wenig,   edel Knigsweib,                     2002
Da ihr den Freunden rathet   an Leben und an Leib.
Sie kamen euch auf Gnade   hieher in dieses Land;
Siegfried bleibt ungerochen   wohl von Dietrichens Hand."

Als sie keine Untreu   bei dem Berner fand,                        2003
Alsobald gelobte sie   Bldeln in die Hand
Eine weite Landschaft,   die Nudung einst besa;
Hernach erschlug ihn Dankwart,   da er der Gabe gar verga.

Sie sprach: "Du sollst mir helfen,   Bruder Bldelein.             2004
Hier in diesem Hause   sind die Feinde mein,
Die Siegfrieden schlugen,   meinen lieben Mann:
Wer mir das rchen hlfe,   dem war ich immer unterthan."

Zur Antwort gab ihr Bldel,   der ihr zur Seite sa:               2005
"Ich darf euern Freunden   nicht zeigen solchen Ha,
Weil sie mein Bruder Etzel   so gerne leiden mag:
Wenn ich sie bestnde,   der Knig sh es mir nicht nach."

"Nicht also, Herr Bldel,   ich bin dir immer hold:                2006
Ich gebe dir zum Lohne   mein Silber und mein Gold
Und eine schne Witwe,   Nudungens Weib:
So magst du immer kosen   ihren minniglichen Leib.

"Das Land zu den Burgen,   Alles geb ich dir,                      2007
So lebst du, theurer Ritter,   in Freuden stts mit ihr,
Wenn du die Mark gewinnest,   die Nudung einst besa.
Was ich dir hier gelobe,   mit Treuen leist ich dir das."

Als Bldel bieten hrte   des Lohnes also viel                     2008
Und ihrer Schne willen   die Frau ihm wohlgefiel,
Im Kampf verdienen wollt er   das minnigliche Weib.
Da muste dieser Recke   verlieren Leben und Leib.

Er sprach zu der Knigin:   "Geht wieder in den Saal.              2009
Eh man es inne werde,   erheb ich groen Schall.
Hagen mu es ben,   was er euch hat gethan:
Ich bring euch gebunden   Knig Gunthers Unterthan."

"Nun waffnet euch," sprach Bldel,   "ihr all in meinem Lehn,      2010
Wir wollen zu den Feinden   in die Herberge gehn.
Mir will es nicht erlaen   Knig Etzels Weib:
Wir Helden men alle   verwagen Leben und Leib."

Als den Degen Bldel   entlie die Knigin,                        2011
Da er den Streit begnne,   zu Tische gieng sie hin
Mit Etzeln dem Knige   und manchem Unterthan.
Sie hatte schlimme Rthe   wider die Gste gethan.

Wie sie zu Tische giengen,   das will ich euch sagen:              2012
Man sah reiche Knige   die Krone vor ihr tragen;
Manchen hohen Frsten   und viel der werthen Degen
Sah man groer Demuth   vor der Knigin pflegen.

Der Knig wies den Gsten   die Sitze berall,                     2013
Den Hchsten und den Besten   neben sich im Saal.
Den Christen und den Heiden   die Kost er unterschied;
Man gab die Flle beiden,   wie es der weise Knig rieth.

In der Herberge   a ihr Ingesind:                                 2014
Von Truchsen ward es   da allein bedient;
Die hatten es zu speisen   groen Flei gepflogen.
Die Bewirtung und die Freude   ward bald mit Jammer aufgewogen.

Da nicht anders konnte   erhoben sein der Streit,                  2015
Kriemhilden lag im Herzen   begraben altes Leid,
Da lie sie zu den Tischen   tragen Etzels Sohn:
Wie knnt ein Weib aus Rache   wohl entsetzlicher thun?

Da kamen vier gegangen   aus Etzels Ingesind                       2016
Und brachten Ortlieben,   das junge Knigskind,
Den Frsten an die Tafel,   wo auch Hagen sa.
Das Kind must ersterben   durch seinen mordlichen Ha.

Als der reiche Knig   seinen Sohn ersah,                          2017
Zu seiner Frauen Brdern   gtlich sprach er da:
"Nun schaut, meine Freunde,   das ist mein einzig Kind
Und das eurer Schwester,   von dem ihr Frommen einst gewinnt.

"Gerth er nach dem Stamme,   er wird ein starker Mann,            2018
Reich dazu und edel,   khn und wohlgethan.
Erleb ich es, ich geb ihm   zwlf reicher Knge Land:
So thut euch wohl noch Dienste   des jungen Ortliebens Hand.

"Darum bt ich gerne   euch, lieben Freunde mein,                  2019
Wenn ihr heimwrts reitet   wieder an den Rhein,
Da ihr dann mit euch nehmet   eurer Schwester Kind;
Und seid auch dem Knaben   immer gndig gesinnt.

"Erzieht ihn nach Ehren,   bis er gerth zum Mann:                 2020
Hat euch in den Landen   Jemand ein Leid gethan,
So hilft er euch es rchen,   erwuchs ihm erst der Leib."
Die Rede hrte Kriemhild   mit an, Knig Etzels Weib.

"Ihm sollten wohl vertrauen   alle diese Degen,                    2021
Wenn er zum Mann erwchse,"   sprach Hagen entgegen;
"Doch ist der junge Knig   so schwchlich anzusehn:
Man soll mich selten schauen   nach Hof zu Ortlieben gehn."

Der Knig blickt' auf Hagen;   die Rede war ihm leid.              2022
Wenn er auch nichts erwiederte,   der Knig allbereit,
Es betrbt' ihn in der Seele   und beschwert' ihm den Muth.
Da waren Hagens Sinne   zu keiner Kurzweile gut.

Es schmerzte wie den Knig   sein frstlich Ingesind,              2023
Was Hagen da gesprochen   hatte von dem Kind.
Da sie's vertragen sollten,   gieng ihnen allen nah;
Noch konnten sie nicht wien,   was von dem Recken bald geschah.

Gar Manche, die es hrten   und ihm trugen Groll,                  2024
Htten ihn gern bestanden;   der Knig selber wohl,
Wenn er mit Ehren drfte:   so km der Held in Noth.
Bald that ihm Hagen Aergeres,   er schlug ihn ihm vor Augen todt.

       *       *       *       *       *




Zweiunddreiigstes Abenteuer.

Wie Bldel mit Dankwart in der Herberge Stritt.


Bldels Recken standen   gerstet allzumal.                        2025
In tausend Halsbergen   erreichten sie den Saal,
Wo Dankwart mit den Knechten   an den Tischen sa.
Da hob sich unter Helden   der allergrimmigste Ha.

Als der Degen Bldel   vor die Tische gieng,                       2026
Dankwart der Marschall   ihn freundlich empfieng:
"Willkommen hier im Hause,   mein Herr Bldelein:
Mich wundert euer Kommen:   sagt, was soll die Mre sein?"

"Du brauchst mich nicht zu gren,"   sprach da Bldelein,         2027
"Denn dieses mein Kommen   mu dein Ende sein
Um Hagen deinen Bruder,   der Siegfrieden schlug.
Des entgiltst du bei den Heunen   und andre Helden genug."

"Nicht doch, mein Herr Bldel,"   sprach da Dankwart,              2028
"So mchte sehr uns reuen   zu Hofe diese Fahrt.
Ich war ein Kind, als Siegfried   Leben lie und Leib:
Nicht wei ich, was mir wolle   dem Knig Etzel sein Weib."

"Ich wei dir von der Mre   nicht mehr zu sagen;                  2029
Es thatens deine Freunde,   Gunther und Hagen.
Nun wehrt euch, ihr Armen,   ihr knnt nicht lnger leben,
Ihr mt mit dem Tode   hier ein Pfand Kriemhilden geben."

"Wollt ihrs nicht laen?"   sprach da Dankwart,                    2030
"So gereut mich meines Flehens:   htt ich das gespart!"
Der schnelle khne Degen   von dem Tische sprang,
Eine scharfe Waffe zog er,   die war gewaltig und lang.

Damit schlug er Bldeln   einen schwinden Schwertesschlag,         2031
Da ihm das Haupt im Helme   vor den Fen lag.
"Das sei die Morgengabe,"   sprach der schnelle Degen,
"Zu Nudungens Witwe,   die du mit Minne solltest pflegen.

"Vermhle man sie morgen   einem andern Mann:                      2032
Will er den Brautschatz,   wird ihm wie dir gethan."
Ein getreuer Heune   hatt ihm das hinterbracht,
Wie die Knigstochter   auf ihr Verderben gedacht.

Da sahen Bldels Mannen,   ihr Herr sei erschlagen;                2033
Das wollten sie den Gsten   lnger nicht vertragen.
Mit aufgehobnen Schwertern   auf die Knappen ein
Drangen sie mit Ingrimm:   das muste Manchen gereun.

Laut rief da Dankwart   all die Knappen an:                        2034
"Ihr seht wohl, edle Knechte,   es ist um uns gethan,
Nun wehrt euch, ihr Armen,   wie euch zwingt die Noth,
Da ihr ohen Schanden   erliegt in wehrlichem Tod."

Die nicht Schwerter hatten,   die griffen vor die Bank,            2035
Vom Boden aufzuheben   manchen Schemel lang.
Die Burgundenknechte   wollten nichts vertragen:
Mit schweren Sthlen sah man   starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen   sich wehrten in dem Strau!          2036
Sie trieben zu dem Hause   die Gewaffneten hinaus:
Fnfhundert oder drber   erlagen drin dem Tod.
Da war das Ingesinde   vom Blute na und auch roth.

Diese schwere Botschaft   drang in kurzer Zeit                     2037
Zu Knig Etzels Recken:   ihnen wars grimmig leid,
Da mit seinen Mannen   Bldel den Tod gewann;
Das hatte Hagens Bruder   mit den Knechten gethan.

Eh es vernahm der Knig,   stand schon ein Heunenheer              2038
In hohem Zorn gerstet,   zweitausend oder mehr.
Sie giengen zu den Knechten,   es muste nun so sein,
Und lieen des Gesindes   darin nicht Einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten   vors Haus ein mchtig Heer.              2039
Die landlosen Knechte   standen wohl zu Wehr.
Was half da Kraft und Khnheit?   sie fanden doch den Tod.
Darnach in kurzer Weile   hob sich noch grimmere Noth.

Nun mgt ihr Wunder hren   und Ungeheures sagen:                  2040
Neuntausend Knechte   lagen todt geschlagen,
Darber zwlf Ritter   in Dankwartens Lehn.
Man sah ihn weltalleine   noch bei seinen Feinden stehn.

Der Lrm war beschwichtigt,   das Tosen eingestellt.               2041
Ueber die Achsel blickte   Dankwart der Held:
Er sprach: "O weh der Freunde,   die ich fallen sah!
Nun steh ich leider einsam   unter meinen Feinden da."

Die Schwerter fielen heftig   auf des Einen Leib:                  2042
Das muste bald beweinen   manches Helden Weib.
Den Schild rckt' er hher,   der Riemen ward gesenkt:
Mit rothem Blute sah man   noch manchen Harnisch getrnkt.

"O weh mir dieses Leides!"   sprach Aldrianens Kind.               2043
"Nun weicht, Heunenrecken,   und lat mich an den Wind,
Da die Lfte khlen   mich sturmmden Mann."
Da drang er auf die Thre   unter Schlgen herrlich an.

Als der Streitmde   aus dem Hause sprang,                         2044
Wie manches Schwert von Neuem   auf seinem Helm erklang!
Die nicht gesehen hatten   die Wunder seiner Hand,
Die sprangen da entgegen   dem aus Burgundenland.

"Nun wollte Gott," sprach Dankwart,   "da mir ein Bote km,       2045
Durch den mein Bruder Hagen   Kunde vernhm,
Da ich vor diesen Recken   steh in solcher Noth.
Der hlfe mir von hinnen   oder fnde selbst den Tod."

Da sprachen Heunenrecken:   "Der Bote must Du sein,                2046
Wenn wir todt dich tragen   vor den Bruder dein.
Dann sieht erst sein Herzeleid   Gunthers Unterthan.
Du hast dem Knig Etzel   hier groen Schaden gethan."

Er sprach: "Nun lat das Druen   und weicht zurck von mir,       2047
Sonst netz ich noch Manchem   mit Blut den Harnisch hier.
Ich will die Mre selber   hin zu Hofe tragen
Und will meinen Herren   meinen groen Kummer klagen."

Er verleidete so sehr sich   dem Volk in Etzels Lehn,              2048
Da sie ihn mit Schwertern   nicht wagten zu bestehn:
Da schoen sie der Spere   so viel ihm in den Rand,
Er must ihn seiner Schwere   wegen laen aus der Hand.

Sie whnten ihn zu zwingen,   weil er den Schild nicht trug;       2049
Hei, was er tiefer Wunden   durch die Helme schlug!
Da muste vor ihm Straucheln   mancher khne Mann,
Da sich viel Lob und Ehre   der khne Dankwart gewann.

Von beiden Seiten sprangen   die Gegner auf ihn zu.                2050
Wohl kam ihrer Mancher   in den Kampf zu fruh.
Da gieng er vor den Feinden,   wie ein Eberschwein
Im Walde thut vor Hunden:   wie mcht er wohl khner sein?

Sein Weg war stts aufs Neue   genetzt mit heiem Blut.            2051
Wie konnte je ein Recke   allein wohl so gut
Mit so viel Feinden streiten,   als hier von ihm geschehn?
Man sah Hagens Bruder   herrlich hin zu Hofe gehn.

Truchsen und Schenken   vernahmen Schwerterklang:                2052
Gar mancher die Getrnke   aus den Hnden schwang
Oder auch die Speisen,   die man zu Hofe trug.
Da fand er vor der Stiege   noch starker Feinde genug.

"Wie nun, ihr Truchsen?"   sprach der mde Degen,                2053
"Nun solltet ihr die Gste   gtlich verpflegen
Und solltet den Herren   die edle Speise tragen
Und lieet mich die Mre   meinen lieben Herren sagen."

Wer da den Muth gewonnen   und vor die Stieg ihm sprang,           2054
Deren schlug er etlichen   so schweren Schwertesschwang,
Da ihm aus Schreck die Andern   lieen freie Bahn.
Da hatten seine Krfte   viel groe Wunder gethan.

       *       *       *       *       *




Dreiunddreiigstes Abenteuer.

Wie Dankwart die Mre seinen Herren brachte.


Als der khne Dankwart   unter die Thre trat                      2055
Und Etzels Ingesinde   zurckzuweichen bat,
Mit Blut war beronnen   all sein Gewand;
Eine scharfe Waffe   trug er blo an seiner Hand.

Gerade in der Stunde,   als Dankwart trat zur Thr,                2056
Trug man Ortlieben   im Saale fr und fr
Von einem Tisch zum andern   den Frsten wohlgeboren:
Durch seine schlimme Botschaft   gieng das Kindlein verloren.

Hellauf rief da Dankwart   einem Degen zu:                         2057
"Ihr sitzt, Bruder Hagen,   hier zu lang in Ruh.
Euch und Gott vom Himmel   klag ich unsre Noth:
Ritter und Knechte   sind in der Herberge todt."

Der rief ihn hin entgegen:   "Wer hat das gethan?"                 2058
"Das that der Degen Bldel   und Die ihm unterthan.
Auch hat ers schwer entgolten,   das will ich euch sagen:
Mit diesen Hnden hab ich   ihm sein Haupt abgeschlagen."

"Das ist ein kleiner Schade,"   sprach Hagen unverzagt,            2059
"Wenn man solche Mre   von einem Degen sagt,
Da er von Heldenhnden   zu Tode sei geschlagen:
Den sollen desto minder   die schnen Frauen beklagen.

"Nun sagt mir, lieber Bruder,   wie seid ihr so roth?              2060
Ich glaube gar, ihr leidet   von Wunden groe Noth.
Ist der wo hier im Lande,   von dem das ist geschehn?
Der ble Teufel helf ihm denn:   sonst mu es ihm ans Leben gehn."

"Ihr seht mich unverwundet:   mein Kleid ist na von Blut.         2061
Das flo nur aus Wunden   andrer Degen gut,
Deren ich so Manchen   heute hab erschlagen,
Wenn ichs beschwren sollte,   ich wste nicht die Zahl zu sagen."

Da sprach er: "Bruder Dankwart,   so htet uns die Thr            2062
Und lat von den Heunen   nicht Einen Mann herfr.
So red ich mit den Recken,   wie uns zwingt die Noth:
Unser Ingesinde   liegt ohne Schuld von ihnen todt."

"Soll ich Kmmrer werden?"   sprach der khne Mann,                2063
"Bei so reichen Knigen steht   mir das Amt wohl an:
Der Stiege will ich hten   nach allen Ehren mein."
Kriemhildens Recken   konnte das nicht leider sein.

"Nun nimmt mich doch Wunder,"   sprach wieder Hagen,               2064
"Was sich die Heunen   hier in die Ohren sagen:
Sie mchten sein entbehren,   der dort die Thr bewacht
Und der die Hofmren   den Burgunden hat gebracht.

"Ich hrte schon lange   von Kriemhilden sagen,                    2065
Da sie nicht ungerochen   ihr Herzleid wolle tragen.
Nun trinken wir die Minne   und zahlen Etzels Wein:
Der junge Vogt der Heunen   mu hier der allererste sein."

Ortlieb das Kind erschlug da   Hagen der Degen gut,                2066
Da vom Schwerte nieder   zur Hand ihm flo das Blut
Und das Haupt herabsprang   der Kngin in den Scho.
Da hob sich unter Degen   ein Morden grimmig und gro.

Darauf dem Hofmeister   der des Kindes pflag,                      2067
Mit beiden Hnden schlug   er einen schnellen Schlag,
Da vor des Tisches Fe   das Haupt ihm niederflog:
Es war ein jmmerlicher Lohn,   den er dem Hofmeister wog.

Er sah vor Etzels Tische   einen Spielmann:                        2068
Hagen in seinem Zorne   lief zu ihm heran.
Er schlug ihm auf der Geigen   herab die rechte Hand.
"Das habe fr die Botschaft   in der Burgunden Land."

"Ach meine Hand," sprach Werbel,   Etzels Spielmann:               2069
"Herr Hagen von Tronje,   was hatt ich euch gethan?
Ich kam in groer Treue   in eurer Herren Land:
Wie klng ich nun die Tne,   da ich verlor meine Hand?"

Hagen fragte wenig,   und geigt' er nimmermehr.                    2070
Da khlt' er in dem Hause   die grimme Mordlust sehr
An Knig Etzels Recken,   deren er viel erschlug:
Er bracht in dem Saale   zu Tod der Recken genug.

Volker sein Geselle   von dem Tische sprang,                       2071
Da laut der Fiedelbogen   ihm an der Hand erklang.
Ungefge siedelte   Gunthers Fiedelmann:
Hei! was er sich zu Feinden   der khnen Heunen gewann!

Auch sprangen von den Tischen   die drei Knge hehr.               2072
Sie wolltens gerne schlichten,   eh Schadens wrde mehr.
Doch strebten ihre Krfte   umsonst dawider an,
Da Volker mit Hagen   so sehr zu wten begann.

Nun sah der Vogt vom Rheine,   er scheide nicht den Streit:        2073
Da schlug der Knig selber   manche Wunde weit
Durch die lichten Panzer   den argen Feinden sein.
Der Held war behende,   das zeigte hier der Augenschein.

Da kam auch zu dem Streite   der starke Gernot:                    2074
Wohl schlug er den Heunen   manchen Helden todt
Mit dem scharfen Schwerte,   das Rdeger ihm gab:
Damit bracht er Manche   von Etzels Recken ins Grab.

Der jngste Sohn Frau Utens   auch zu dem Streite sprang:          2075
Sein Gewaffen herrlich   durch die Helme drang
Knig Etzels Recken   aus der Heunen Land;
Da that viel groe Wunder   des khnen Geiselher Hand.

Wie tapfer alle waren,   die Knge wie ihr Lehn,                   2076
Jedennoch sah man Volkern   voran all Andern stehn
Bei den starken Feinden;   er war ein Degen gut:
Er frderte mit Wunden   Manchen nieder in das Blut.

Auch wehrten sich gewaltig   Die in Etzels Lehn.                   2077
Die Gste sah man hauend   auf und nieder gehn
Mit den lichten Schwertern   durch des Knigs Saal.
Allenthalben hrte man   von Wehruf grlichen Schall.

Da wollten die da drauen   zu ihren Freunden drin:                2078
Sie fanden an der Thre   gar wenig Gewinn;
Da wollten die da drinnen   gerne vor den Saal:
Dankwart lie keinen   die Stieg empor noch zu Thal.

So hob sich vor den Thren   ein ungestmer Drang                  2079
Und von den Schwerthieben   auf Helme lauter Klang.
Da kam der khne Dankwart   in eine groe Noth:
Das berieth sein Bruder,   wie ihm die Treue gebot.

Da rief mit lauter Stimme   Hagen Volkern an:                      2080
"Seht ihr dort, Geselle,   vor manchem Heunenmann
Meinen Bruder stehen   unter starken Schlgen?
Schtzt mir, Freund, den Bruder,   eh wir verlieren den Degen."

Der Spielmann entgegnete:   "Das soll alsbald geschehn."           2081
Dann begann er fiedelnd   durch den Saal zu gehn:
Ein hartes Schwert ihm fters   an der Hand erklang.
Vom Rhein die Recken sagten   dafr ihm grlichen Dank.

Volker der khne   zu Dankwarten sprach:                           2082
"Ihr habt erlitten heute   groes Ungemach.
Mich bat euer Bruder,   ich sollt euch helfen gehn;
Wollt ihr nun drauen bleiben,   so will ich innerhalben stehn."

Dankwart der schnelle   stand auerhalb der Thr:                  2083
So wehrt' er von der Stiege,   wer immer trat dafr.
Man hrte Waffen hallen   den Helden an der Hand;
So that auch innerhalben   Volker von Burgundenland.

Da rief der khne Fiedelmann   ber die Menge laut:                2084
"Das Haus ist wohl verschlossen,   ihr, Freund Hagen, schaut
Verschrnkt ist so vllig   Knig Etzels Thr,
Von zweier Helden Hnden   gehn ihr wohl tausend Riegel fr."

Als von Tronje Hagen   die Thre sah in Hut,                       2085
Den Schild warf zurcke   der schnelle Degen gut:
Nun begann er erst zu rchen   seiner Freunde Leid.
Seines Zornes must entgelten   mancher Ritter khn im Streit.

Als der Vogt von Berne   das Wunder recht ersah,                   2086
Wie der starke Hagen   die Helme brach allda,
Der Frst der Amelungen   sprang auf eine Bank.
Er sprach: "Hier schenkt Hagen   den allebittersten Trank."

Der Wirth war sehr in Sorgen,   sein Weib in gleicher Noth.        2087
Was schlug man lieber Freunde   ihm vor den Augen todt!
Er selbst war kaum geborgen   vor seiner Feinde Schar.
Er sa in groen Aengsten:   was half ihm, da er Knig war?

Kriemhild die reiche   rief Dietrichen an:                         2088
"Hilf mir mit dem Leben,   edler Held, hindann,
Bei aller Frsten Tugend   aus Amelungenland:
Denn erreicht mich Hagen,   hab ich den Tod an der Hand."

"Wie soll ich euch helfen,"   sprach da Dietrich,                  2089
"Edle Knigstochter?   ich sorge selbst um mich.
Es sind so sehr im Zorne   Die Gunthern unterthan,
Da ich zu dieser Stunde   Niemand Frieden schaffen kann."

"Nicht also, Herr Dietrich,   edler Degen gut:                     2090
La uns heut erscheinen   deinen tugendreichen Muth
Und hilf mir von hinnen,   oder ich bleibe todt.
Bring mich und den Knig   aus dieser angstvollen Noth."

"Ich will es versuchen,   ob euch zu helfen ist,                   2091
Jedoch sah ich wahrlich   nicht in langer Frist
In so bitterm Zorne   manchen Ritter gut:
Ich seh ja durch die Helme   von Hieben springen das Blut."

Mit Kraft begann zu rufen   der Ritter auserkorn,                  2092
Da seine Stimme hallte   wie ein Bffelhorn
Und da die weite Veste   von seiner Kraft erscholl.
Dietrichens Strke   die war gewaltig und voll.

Da hrte Knig Gunther   rufen diesen Mann                         2093
In dem harten Sturme.   Zu horchen hub er an:
"Dietrichens Stimme   ist in mein Ohr gekommen,
Ihm haben unsre Degen   wohl der Seinen wen benommen.

"Ich seh ihn auf dem Tische   winken mit der Hand.                 2094
Ihr Vettern und Freunde   von Burgundenland,
Haltet ein mit Streiten:   lat hren erst und sehn,
Was hier Dietrichen   von meinen Mannen sei geschehn."

Als so der Knig Gunther   bat und auch gebot,                     2095
Da senkten sie die Schwerter   in des Streites Noth.
Das war Gewalt bewiesen,   da Niemand da mehr schlug.
Er fragte den von Berne   um die Mre schnell genug.

Er sprach: "Viel edler Dietrich,   was ist euch geschehn           2096
Hier von meinen Freunden?   Ihr sollt mich willig sehn:
Zur Shne und zur Bue   bin ich euch bereit.
Was euch Jemand thte,   das war mir inniglich leid."

Da sprach der edle Dietrich:   "Mir ist nichts geschehn!           2097
Lat mich aus dem Hause   mit euerm Frieden gehn
Von diesem harten Streite   mit dem Gesinde mein.
Dafr will ich euch Degen   stts zu Dienst beflien sein."

"Was mt ihr also flehen?"   sprach da Wolfhart,                  2098
"Es hlt der Fiedelspieler   die Thr nicht so verwahrt,
Wir erschlieen sie so mchtig,   da man ins Freie kann."
"Nun schweig," sprach da Dietrich,   "du hast den Teufel gethan."

Da sprach der Knig Gunther:   "Das sei euch freigestellt:         2099
Fhrt aus dem Hause,   so viel euch gefllt,
Ohne meine Feinde:   die sollen hier bestehn.
Von ihnen ist mir Leides   bei den Heunen viel geschehn."

Als das der Berner hrte,   mit einem Arm umschlo                 2100
Er die edle Knigin;   ihre Angst war gro;
Da fhrt er an dem andern   Etzeln aus dem Haus.
Auch folgten Dietrichen   sechshundert Degen hinaus.

Da begann der Markgraf,   der edle Rdiger:                        2101
"Soll aber aus dem Hause   noch kommen Jemand mehr,
Der euch doch gerne diente,   so macht es mir kund:
So walte stter Friede   in getreuer Freunde Bund."

Antwort seinem Schwher   gab Geiselher zuhand:                    2102
"Frieden und Shne   sei euch von uns bekannt;
Ihr haltet stte Treu,   ihr und euer Lehn,
Ihr sollt mit euren Freunden   ohne Sorgen hinnen gehn."

Als Rdiger der Markgraf   rumte Etzels Saal,                     2103
Fnfhundert oder drber   folgten ihm zumal.
Das ward von den Helden   aus Treue gethan,
Wodurch Knig Gunther   bald groen Schaden gewann.

Da sah ein Heunenrecken   Knig Etzeln gehn                        2104
Neben Dietrichen:   des wollt er Frommen sehn.
Dem gab der Fiedelspieler   einen solchen Schlag,
Da ihm gleich am Boden   das Haupt vor Etzels Fen lag.

Als der Wirth des Landes   kam vor des Hauses Thor,                2105
Da wandt er sich und blickte   zu Volkern empor:
"O weh mir dieser Gste:   wie ist das grimme Noth,
Da alle meine Recken   vor ihnen finden den Tod!"

"Ach weh des Hofgelages!"   sprach der Knig hehr:                 2106
"Da drinnen ficht Einer,   der heit Volker,
Wie ein wilder Eber   und ist ein Fiedelmann;
Ich dank es meinem Heile,   da ich dem Teufel entrann.

"Seine Weisen lauten bel,   sein Bogenstrich ist roth;            2107
Mir schlagen seine Tne   manchen Helden todt.
Ich wei nicht, was uns Schuld giebt   derselbe Fiedelmann,
Da ich in meinem Leben   so leiden Gast nicht gewann."

Zur Herberge giengen   die beiden Recken hehr,                     2108
Dietrich von Berne   und Markgraf Rdiger.
Sie selber wollten gerne   des Streits entledigt sein
Und geboten auch den Degen,   da sie den Kampf sollten scheun.

Und htten sich die Gste   versehn der Leiden,                    2109
Die ihnen werden sollten   noch von den Beiden,
Sie wren aus dem Hause   so leicht nicht gekommen,
Eh sie eine Strafe   von den Khnen htten genommen.

Sie hatten, die sie wollten,   entlaen aus dem Saal:              2110
Da hob sich innerhalben   ein furchtbarer Schall.
Die Gste rchten bitter   ihr Leid und ihre Schmach.
Volker der khne,   hei, was der Helme zerbrach!

Sich kehrte zu dem Schalle   Gunther der Knig hehr:               2111
"Hrt ihr die Tne, Hagen,   die dorten Volker
Mit den Heunen fiedelt,   wenn wer zur Thre trat?
Es ist ein rother Anstrich,   den er am Fiedelbogen hat."

"Es reut mich ohne Maen,"   sprach Hagen entgegen,                2112
"Da ich je mich scheiden   mute von dem Degen.
Ich war sein Geselle,   er der Geselle mein,
Und kehren wir je wieder heim,   wir wollens noch in Treuen sein.

"Nun schau, hehrer Knig,   Volker ist dir hold:                   2113
Wie will er verdienen   dein Silber und dein Gold!
Sein Fiedelbogen schneidet   durch den harten Stahl,
Er wirft von den Helmen   die hellen Zierden zu Thal.

"Ich sah nie Fiedelspieler   noch so herrlich stehn,               2114
Als diesen Tag von Volker   dem Degen ist geschehn.
Seine Weisen hallen   durch Helm und Schildesrand:
Gute Rosse soll er reiten   und tragen herrlich Gewand."

So viel der Heunendegen   auch waren in dem Saal,                  2115
Nicht Einer blieb am Leben   von ihnen allzumal.
Da war der Schall beschwichtigt,   als Niemand blieb zum Streit.
Die khnen Recken legten   da ihre Schwerter beiseit.

       *       *       *       *       *




Vierunddreiigstes Abenteuer.

Wie sie die Todten aus dem Saale warfen.


Da setzten sich aus Mdigkeit   die Herrn und ruhten aus.          2116
Volker und Hagen   die giengen vor das Haus
Ueber den Schild sich lehnend   in ihrem Uebermuth:
Da pflagen launger Reden   diese beiden Helden gut.

Da sprach von Burgunden   Geiselher der Degen:                     2117
"Noch drft ihr, lieben Freunde,   nicht der Ruhe pflegen:
Ihr sollt erst die Todten   aus dem Hause tragen.
Wir werden noch bestanden,  das will ich wahrlich euch sagen.

"Sie sollen untern Fen   uns hier nicht lnger liegen,           2118
bevor im Sturm die Heunen   mgen uns besiegen,
Wir haun noch manche Wunde,   die gar sanft mir thut.
Des hab ich," sprach da Geiselher,   "einen willigen Muth."

"O wohl mir solches Herren,"   sprach Hagen entgegen.              2119
"Der Rath geziemte Niemand   als einem solchen Degen,
Wie unsern jungen Herren   wir heute hier gesehn:
Ihr Burgunden mget   all darob in Freuden stehn.

Da folgten sie dem Rathe   und trugen vor die Thr                 2120
Siebentausend Todte,   die warfen sie dafr.
Vor des Saales Stiege   fielen sie zu Thal:
Da erhoben ihre Freunde   mit Jammern klglichen Schall.

Auch war darunter Mancher   nur so mig wund,                     2121
Km ihm sanftre Pflege,   er wrde noch gesund;
Doch von dem hohen Falle   fand er nun den Tod.
Das klagten ihre Freunde;   es zwang sie wahrhafte Noth.

Da sprach der Fiedelspieler,   der Degen unverzagt:                2122
"Nun seh ich wohl, sie haben   mir Wahrheit gesagt:
Die Heunen sind feige,   sie klagen wie ein Weib,
Da sie nun pflegen sollten   der Schwerverwundeten Leib."

Da mocht ein Markgraf whnen,   er meint es ernst und gut:         2123
Ihm war der Vettern Einer   gefallen in das Blut;
Den dacht' er wegzutragen   und wollt ihn schon umfahn:
Da scho ob ihm zu Tode   den der khne Spielmann.

Als das die Andern sahen,   sie flohen von dem Saal.               2124
Dem Spielmann zu fluchen   begannen sie zumal.
Einen Sper hob Volker   vom Boden, scharf und hart,
Der von einem Heunen   zu ihm hinauf geschoen ward.

Den scho er durch den Burghof   zurck krftiglich                2125
Ueber ihre Hupter.   Das Volk Etzels wich
Erschreckt von dem Wurfe   weiter von dem Haus.
Vor seinen Krften hatten   alle Leute Schreck und Graus,

Da stand vor dem Hause   Etzel mit manchem Mann.                   2126
Volker und Hagen   huben zu reden an
Mit dem Heunenknig   nach ihrem Uebermuth.
Das schuf bald groe Sorge   diesen Helden khn und gut.

"Wohl wr es," sprach da Hagen,   "des Volkes Trost im Leid,       2127
Wenn die Herren fchten   allen voran im Streit,
Wie von meinen Herren   hier Jeglicher thut:
Die hauen durch die Helme,   da von den Schwertern fliet das Blut."

So khn war Knig Etzel,   er fate seinen Schild.                 2128
"Nun htet eures Lebens,"   sprach da Kriemhild,
"Und bietet Gold den Recken   auf dem Schildesrand,
Denn erreicht euch Hagen,   ihr habt den Tod an der Hand."

So khn war der Knig,   er lie nicht vom Streit,                 2129
Wozu so mchtge Frsten   nun selten sind bereit.
Man must ihn bei den Riemen   des Schildes ziehn hindann.
Hagen der grimme   ihn mehr zu hhnen begann:

"Eine nahe Sippe war es,"   sprach Hagen gleich zur Hand,          2130
"Die Etzeln zusammen   und Siegfried verband:
Er minnte Kriemhilden,   eh sie gesehen dich:
Feiger Knig Etzel,   warum rthst du wider mich?"

Diese Rede hrte   die edle Knigin,                               2131
Darber ward unmuthig   Kriemhild in ihrem Sinn,
Da er sie schelten durfte   vor manchem Etzelsmann.
Wider die Gste   hub sie aufs Neu zu werben an.

Sie sprach: "Wer von Tronje   den Hagen mir schlge                2132
Und sein Haupt als Gabe   her vor mich trge,
Mit rothem Golde fllt' ich   ihm Etzels Schildesrand;
Auch gb ich ihm zum Lohne   viel gute Burgen und Land."

"Ich wei nicht, was sie zaudern,"   sprach der Fiedelmann.        2133
"Nie sah ich, da Helden   so verzagt gethan,
Wo man bieten hrte   also reichen Sold.
Wohl sollt ihnen Etzel   nimmer wieder werden hold.

"Die hier mit Schimpf und Schanden   een des Knigs Brot          2134
Und jetzt im Stich ihn laen   in der grten Noth,
Deren seh ich Manchen   so recht verzagt da stehn
Und thun doch so verwegen:   sie knnen nie der Schmach entgehn."

Der mchtige Etzel hatte   Jammer und Noth:                        2135
Er beklagte seiner Mannen   und Freunde bittern Tod.
Von manchen Landen standen   ihm Recken viel zur Seit
Und weinten mit dem Knig   sein gewaltiges Leid.

Darob begann zu spotten   der khne Volker:                        2136
"Ich seh hier bel weinen   gar manchen Recken hehr.
Sie helfen schlecht dem Knig   in seiner groen Noth.
Wohl een sie mit Schanden   nun schon lange hier sein Brot."

Da gedachten wohl die Besten:   "Wahr ists, was Volker sagt."      2137
Von Niemand doch von allen   ward es so schwer beklagt
Als von Markgraf Iring,   dem Herrn aus Dnenland,
Was sich nach kurzer Weite   wohl nach der Wahrheit befand.

       *       *       *       *       *




Fnfunddreiigstes Abenteuer.

Wie Iring erschlagen ward.


Da rief der Markgraf Iring   aus der Dnen Land:                   2138
"Ich habe nun auf Ehre   die Sinne lang gewandt;
Auch ist von mir das Beste   in Strmen oft geschehn:
Nun bringt mir mein Gewaffen:   so will ich Hagen bestehn."

"Das mcht ich widerrathen,"   hub da Hagen an,                    2139
"Sonst finden mehr zu klagen   Die Etzeln unterthan.
Springen eurer zweie   oder drei in den Saal,
Die send ich wohlverhauen   die Stiege wieder zu Thal."

"Ich wills darum nicht laen,"   sprach wieder Iring:              2140
"Wohl schon oft versucht ich   ein gleich gefhrlich Ding.
Wohl will ich mit dem Schwerte   allein dich bestehn,
Und wr von dir im Streite   mehr als von Jemand geschehn."

Da ward gewaffnet Iring   nach ritterlichem Brauch                 2141
Und Irnfried der khne   von Thringen auch
Und Hawart der starke   wohl mit tausend Mann:
Sie wollten Iring helfen,   was der Held auch begann.

Da sah der Fiedelspieler   ein gewaltig Heer,                      2142
Das mit Iringen   gewaffnet zog einher.
Sie trugen aufgebunden   die lichten Helme gut.
Da ward dem khnen Volker   darber zornig zu Muth.

"Seht ihr, Freund Hagen,   dort Iringen gehn,                      2143
Der euch im Kampf alleine   gelobte zu bestehn?
Wie ziemt Helden Lge?   Fhrwahr, ich tadl es sehr.
Es gehn mit ihm gewaffnet   tausend Recken oder mehr."

"Nun straft mich nicht Lgen,"   sprach Hawarts Unterthan,         2144
"Ich will gerne leisten,   was ich euch kund gethan.
Mein Wort soll um Feigheit   nicht gebrochen sein:
Sei Hagen noch so grulich,   ich besteh ihn ganz allein."

Zu Fen warf sich Iring   den Freunden und dem Lehn,              2145
Da sie allein ihn lieen   den Recken bestehn.
Das thaten sie doch ungern,   ihnen war zu wohl bekannt
Der bermtige Hagen   aus der Burgunden Land.

Doch bat er sie so lange,   bis es zuletzt geschah.                2146
Als das Ingesinde   seinen Willen sah,
Und da er warb nach Ehre,   da lieen sie ihn gehn.
Da ward von den Beiden   ein grimmes Streiten gesehn.

Iring der Dne   hielt hoch empor den Sper,                        2147
Sich deckte mit dem Schilde   der theure Degen hehr:
So lief er auf im Sturme   zu Hagen vor den Saal.
Da erhob sich von den Degen   ein gewaltiger Schall.

Die Spere schen beide   krftig aus der Hand                     2148
Durch die festen Schilde   auf ihr licht Gewand,
Da die Spersplitter   hoch in die Lfte flogen.
Da griffen zu den Schwertern   die grimmen Degen verwegen.

Die Kraft des khnen Hagen   war ohne Maen voll;                  2149
Doch schlug nach ihm Iring,   da all die Burg erscholl.
Der Saal und die Thrme   erhallten von den Schlgen.
Es konnte seinen Willen   doch nicht vollfhren der Degen.

Iring lie Hagen   unverwundet stehn:                              2150
Auf den Fiedelspieler   begann er loszugehn.
Er whnt', er sollt ihn zwingen   mit seinen grimmen Schlgen,
Doch wuste sich zu schirmen   dieser zierliche Degen.

Da schlug der Fiedelspieler,   da von des Schildes Rand           2151
Das Gespnge wirbelte   von Volkers starker Hand.
Den lie er wieder stehen;   es war ein bler Mann:
Jetzt lief er auf Gunther,   den Burgundenknig, an.

Da war nun Jedweder   zum Streite stark genug.                     2152
Wie Gunther auf Iring   und der auf Gunther schlug,
Das brachte nicht aus Wunden   das flieende Blut.
Ihre Rstung wehrt' es,   die war zu fest und zu gut.

Gunthern lie er stehen   und lief Gernoten an.                    2153
Das Feuer aus den Ringen   er ihm zu haun begann.
Da htte von Burgunden   der starke Gernot
Iring den khnen   beinah gesandt in den Tod.

Da sprang er von dem Frsten;   schnell war er genug.              2154
Der Burgunden viere   der Held behend erschlug,
Des edeln' Heergesindes   aus Worms an dem Rhein.
Darber mochte Geiselher   nicht wohl zorniger sein.

"Gott wei, Herr Iring,"   sprach Geiselher das Kind,              2155
"Ihr mt mir entgelten,   die hier erlegen sind
Vor euch in dieser Stunde."   Da lief er ihn an
Und schlug den Danenhelden,   da er zu straucheln begann.

Er scho vor seinen Hnden   nieder in das Blut,                   2156
Da sie alle whnten,   dieser Degen gut
Schlug im Streit nicht wieder   einen Schlag mit seinem Schwert.
Doch lag vor Geiselheren   Iring da noch unversehrt.

Von des Helmes Schwirren   und von des Schwertes Klang             2157
Waren seine Sinne   so betubt und krank,
Da sich der khne Degen   des Lebens nicht besann.
Das hatt ihm mit den Krften   der khne Geiselher gethan.

Als ihm aus dem Haupte   das Schwirren jetzt entwich,              2158
Von dem mchtgen Schlage   war das erst frchterlich,
Da gedacht er:   "Ich lebe und bin auch nirgend wund:
Nun ist mir erst die Strke   des khnen Geiselher kund!"

Zu beiden Seiten hrt' er   seine Feinde stehn.                    2159
Sie httens wien sollen,   so wr ihm mehr geschehn.
Auch hatt er Geiselheren   vernommen nahe bei:
Er sann, wie mit dem Leben   den Feinden zu entkommen sei.

Wie tobend der Degen   aus dem Blute sprang!                       2160
Er mochte seiner Schnelle   wohl sagen groen Dank.
Da lief er aus dem Hause,   wo er Hagen fand,
Und schlug ihm schnelle Schlge   mit seiner kraftreichen Hand.

Da gedachte Hagen:   "Du must des Todes sein.                      2161
Befriede dich der Teufel,   sonst kannst du nicht gedeihn."
Doch traf Iring Hagnen   durch seines Helmes Hut.
Das that der Held mit Maske;   das war eine Waffe gut.

Als der grimme Hagen   die Wund an sich empfand,                   2162
Da schwenkte sich gewaltig   das Schwert in seiner Hand.
Es muste vor ihm weichen   Hawarts Unterthan:
Hagen ihm die Stiege   hinab zu folgen begann.

Uebers Haupt den Schildrand   Iring der khne schwang.             2163
Und war dieselbe Stiege   drei solcher Stiegen lang,
Derweil lie ihn Hagen   nicht schlagen einen Schlag.
Hei, was rother Funken   da auf seinem Helme lag!

Doch kam zu den Freunden   Iring noch gesund.                      2164
Da wurde diese Mre   Kriemhilden kund,
Was er dem von Tronje   hatt im Streit gethan;
Dafr die Knigstochter   ihm sehr zu danken begann.

"Nun lohne Gott dir, Iring,   erlauchter Degen gut,                2165
Du hast mir wohl getrstet   das Herz und auch den Muth:
Nun seh ich blutgerthet   Hagens Wehrgewand!"
Kriemhild nahm ihm selber   den Schild vor Freud aus der Hand.

"Ihr mgt ihm mig danken,"   begann da Hagen,                    2166
"Bis jetzt ist viel Groes   nicht davon zu sagen;
Versucht' er es zum andern Mal,   er wr ein khner Mann.
Die Wunde frommt euch wenig,   die ich noch von ihm gewann.

"Da ihr von meiner Wunde   mir seht den Harnisch roth,            2167
Das hat mich noch erbittert   zu manches Mannes Tod.
Nun bin ich erst im Zorne   auf ihn und manchen Mann;
Mir hat der Degen Iring   noch kleinen Schaden gethan."

Da stand dem Wind entgegen   Iring von Dnenland;                  2168
Er khlte sich im Harnisch,   den Helm er niederband.
Da priesen ihn die Leute   fr streitbar und gut:
Darber trug der Markgraf   nicht wenig hoch seinen Muth.

Da sprach Iring wieder:   "Nun, Freunde, sollt ihr gehn            2169
Und neue Waffen holen:   ich will noch einmal sehn,
Ob ich bezwingen mge   den bermthgen Mann."
Sein Schild war verhauen,   einen beern er gewann.

Gewaffnet war der Recke   bald in noch festre Wehr.                2170
Er griff in seinem Zorne   nach einem starken Sper,
Damit wollt er Hagen   zum drittenmal bestehn.
Es brcht ihm Ehr und Frommen,   lie' er das sich vergehn.

Da wollte sein nicht harren   Hagen der Degen.                     2171
Mit Schen und mit Hieben   lief er ihm entgegen
Die Stiege bis zu Ende;   zornig war sein Muth.
Da kam dem Degen Iring   seine Strke nicht zu gut.

Sie schlugen durch die Schilde,   da es zu lohn begann            2172
Mit feuerrothem Winde.   Hawarts Unterthan
Ward von Hagens Schwerte   da gefhrlich wund
Durch Helm und durch Schildrand;   er ward nicht wieder gesund.

Als Iring der Degen   der Wunde sich besann,                       2173
Den Schild rckte nher   dem Helm der khne Mann.
Ihn dauchte voll der Schaden,   der ihm war geschehn;
Bald that ihm aber grern   der in Knig Gunthers Lehn.

Hagen vor seinen Fen   einen Wurfspie liegen fand:              2174
Auf Iringen scho er   den von Dnenland,
Da man ihm aus dem Haupte   die Stange ragen sah.
Ein grimmes Ende ward ihm   von dem Uebermthgen da.

Iring must entweichen   zu seinen Dnen hin.                       2175
Eh man den Helm dem Degen   mochte niederziehn,
Brach man den Sper vom Haupte,   da naht' ihm der Tod.
Das beweinten seine Freunde:   es zwang sie wahrhafte Noth.

Da kam die Knigstochter   auch zu ihm heran:                      2176
Iring den starken   hub sie zu klagen an.
Sie beweinte seine Wunden:   es war ihr grimmig leid.
Da sprach vor seinen Freunden   dieser Recke khn im Streit:

"Lat eure Klage bleiben,   viel hehre Knigin.                    2177
Was hilft euer Weinen?   Mein Leben mu dahin
Schwinden aus den Wunden,   die an mir offen stehn.
Der Tod will mich nicht lnger   euch und Etzeln dienen sehn."

Zu Thringern und Dnen   sprach er hingewandt:                    2178
"Die Gaben, so die Knigin   euch beut, soll eure Hand
Nicht zu erwerben trachten,   ihr lichtes Gold so roth
Und besteht ihr Hagen,   so mt ihr schauen den Tod."

Seine Farbe war erblichen,   des Todes Zeichen trug                2179
Iring der khne;   ihnen war es leid genug.
Es konnte nicht gesunden   der Held in Hawarts Lehn:
Da must es an ein Streiten   von den Dnenhelden gehn.

Irnfried und Hawart   sprangen vor das Haus                        2180
Wohl mit tausend Helden:   einen ungestmen Braus
Vernahm man allenthalben,   krftig und gro.
Hei! was man scharfer Spere   auf die Burgunden scho!

Irnfried der khne   lief den Spielmann an,                        2181
Wodurch er groen Schaden   von seiner Hand gewann.
Der edle Fiedelspieler   den Landgrafen schlug
Durch den Helm den festen:   wohl war er grimmig genug.

Da schlug dem grimmen Spielmann   Irnfried einen Schlag,           2182
Da er den Ringpanzer   dem Helden zerbrach
Und sich sein Harnisch frbte   von Funken feuerroth.
Dennoch fiel der Landgraf   vor dem Spielmann in den Tod.

Zusammen waren Hagen   und Hawart gekommen.                        2183
Da mochte Wunder schauen,   wer es wahrgenommen.
Die Schwerter fielen krftig   den Helden an der Hand:
Da muste Hawart sterben   vor dem aus Burgundenland.

Die Thringer und Dnen   sahn ihre Herren todt.                   2184
Da hub sich vor dem Hause   noch grimmere Noth,
Eh sie die Thr gewannen   mit kraftreicher Hand.
Da ward noch verhauen   mancher Helm und Schildesrand.

"Weichet," sprach da Volker,   "lat sie zum Saal herein:          2185
Was sie im Sinne haben,   kann dennoch nicht sein.
Sie men bald ersterben   allzumal darin:
Sie ernten mit dem Tode,   was ihnen beut die Knigin,"

Als die Uebermthigen   drangen in den Saal,                       2186
Das Haupt ward da Manchem   so geneigt zu Thal,
Da er ersterben muste   vor ihren schnellen Schlgen.
Wohl stritt der khne Gernot;   so that auch Geiselher der Degen.

Tausend und viere   die kamen in das Haus:                         2187
Da hrte man erklingen   den hellen Schwertersaus.
Sie wurden von den Gsten   alle drin erschlagen:
Man mochte groe Wunder   von den Burgunden sagen.

Darnach ward eine Stille,   als der Lrm verscholl.                2188
Das Blut allenthalben   durch die Lcken quoll
Und zu den Riegelsteinen   von den todten Degen:
Das hatten die vom Rheine   gethan mit krftigen Schlgen.

Da saen wieder rufend   die aus Burgundenland,                    2189
Sie legten mit den Schilden   die Waffen aus der Hand.
Da stand noch vor dem Hause   der khne Spielmann,
Erwartend, ob noch Jemand   zum Streite zge heran.

Der Knig klagte heftig,   dazu die Knigin;                       2190
Mgdelein und Frauen   hrmten sich den Sinn.
Der Tod, whn ich, hatte   sich wider sie verschworen:
Drum giengen durch die Gste   noch viele der Recken verloren.

       *       *       *       *       *




Sechsunddreiigstes Abenteuer.

Wie die Knigin den Saal verbrennen lie.


"Nun bindet ab die Helme,"   sprach Hagen der Degen:               2191
"Ich und mein Geselle   wollen euer pflegen.
Und versuchten es noch einmal   Die Etzeln unterthan,
So warn ich meine Herren,   so geschwind ich immer kann."

Da band den Helm vom Haupte   mancher Ritter gut.                  2192
Sie setzten auf die Leichen   sich nieder, die ins Blut
Waren zum Tode   von ihrer Hand gekommen.
Da ward der edeln Gste   mit Erbittrung wahrgenommen.

Noch vor dem Abend   schuf der Knig hehr                          2193
Und Kriemhild die Knigin,   da es der Heunen mehr
Noch versuchen musten;   man sah vor ihnen stehn
Wohl an zwanzigtausend:   die musten da zum Kampfe gehn.

Da drang zu den Gsten   ein harter Sturm heran.                   2194
Dankwart, Hagens Bruder,   der kraftvolle Mann,
Sprang von seinen Herren   zu den Feinden vor das Thor.
Sie versahn sich seines Todes;   doch sah man heil ihn davor.

Das harte Streiten whrte,   bis es die Nacht benahm.              2195
Da wehrten sich die Gste   wie Helden lobesam
Wider Etzels Recken   den sommerlangen Tag.
Hei! was guter Helden   im Tod vor ihnen erlag!

Zu einer Sonnenwende   der groe Mord geschah:                     2196
Ihres Herzens Jammer   rchte Kriemhild da
An ihren nchsten Freunden   und manchem andern Mann,
Wodurch der Knig Etzel   nie wieder Freude gewann.

Sie hatte nicht gesonnen  auf solche Mrderschlacht.               2197
Als sie den Streit begonnen,   hatte sie gedacht,
Hagen sollt alleine   dabei sein Ende sehn.
Da schuf der bse Teufel,   ber Alle must es ergehn.

Der Tag war zerronnen;   ihnen schuf nun Sorge Noth.               2198
Sie gedachten, wie doch beer   war ein kurzer Tod,
Als sich so lang zu qulen   in ungefgem Leid.
Da wnschten einen Frieden   die groen Ritter allbereit.

Sie baten, da man brchte   den Knig vor den Saal.               2199
Die blutrothen Helden,   geschwrzt vom rostgen Stahl,
Traten aus dem Hause   und die drei Knge hehr.
Sie wusten nicht, wem klagen   ihres groen Leids Beschwer.

Etzel und Kriemhild   kamen beide her;                             2200
Das Land war ihnen eigen,   drum mehrte sich ihr Heer.
Er sprach zu den Gsten:   "Sagt, was begehrt ihr mein?
Wollt ihr Frieden haben?   das knnte nun schwerlich sein

"Nach so groem Schaden,   als ihr mir habt gethan.                2201
Es kommt euch nicht zu Statten,   so lang ich athmen kann:
Mein Kind, das ihr erschluget,   und viel der Freunde mein,
Fried und Shne soll euch   stts dafr geweigert sein."

Antwort gab ihm Gunther:   "Uns zwang wohl groe Noth.             2202
All mein Gesinde lag   vor deinen Helden todt
In der Herberge:   verdient ich solchen Sold?
Ich kam zu dir auf Treue   und whnte, du warst mir hold."

Da sprach von Burgunden   Geiselher das Kind:                      2203
"Ihr Helden Knig Etzels,   die noch am Leben sind,
Wes zeiht ihr mich, ihr Degen?   was hatt ich euch gethan,
Der ich die Fahrt so gtlich   zu diesem Lande begann?"

Sie sprachen: "Deiner Gte   ist all die Burg hier voll            2204
Mit Jammer gleich dem Lande;   wir gnnten dir es wohl,
Wrst du nie gekommen   von Worms berrhein.
Das Land ist gar verwaiset   durch dich und die Brder dein."

Da sprach im Zornmuthe   Gunther der Held:                         2205
"Wnscht ihr noch die Morden   im Frieden eingestellt
Mit uns Heimatlosen,   das ist uns beiden gut;
Es ist gar unverschuldet,   was uns Knig Etzel thut."

Der Wirt sprach zu den Gsten:   "mein und euer Leid               2206
Sind einander ungleich:   die groe Noth im Streit,
Der Schaden und die Schande,   die ich von euch gewann,
Dafr soll euer Keiner   mir lebend kommen hindann."

Da sprach zu dem Knig   der starke Gernot:                        2207
"So soll euch Gott gebieten,   da ihr die Lieb uns thut:
Weichet von dem Hause   und lat uns zu euch gehn.
Wir wissen wohl, bald ist es   um unser Leben geschehn.

"Was uns geschehen knne,   das lat schnell ergehn:               2208
Ihr habt so viel Gesunde,   die drfen uns bestehn
Und geben uns vom Streite   Mden leicht den Tod:
Wie lange solln wir Recken   bleiben in so grimmer Noth?"

Von Knig Etzels Reden   war es fast geschehn,                     2209
Da sie die Helden lieen   aus dem Saale gehn.
Als das Kriemhild hrte,   es war ihr grimmig leid.
Da war den Heimathlosen   mit Nichten Shne bereit.

"Nein, edle Recken,   worauf euch sinnt der Muth,                  2210
Ich will euch treulich raten,   da ihr das nimmer thut,
Da ihr die Mordgierigen   lat vor den Saal;
Sonst men eure Freunde   leiden tdtlichen Fall.

"Und lebten nur alleine,   die Utens Shne' sind,                  2211
Und kmen meine edeln   Brder an den Wind.
Da sie die Panzer khlten,   ihr alle wrt verloren:
Es wurden khnre Degen   noch nie auf Erden geboren."

Da sprach der junge Geiselher:   "Viel schne Schwester mein,      2212
Wie htt ich dir das zugetraut,   da du mich berrhein
Her zu Lande ladetest   in diese groe Noth:
Wie mcht ich an den Heunen   hier verdienen den Tod?

"Ich hielt dir stte Treue,   that nie ein Leid dir an:            2213
Ich kam auch her zu Hilfe   geritten in dem Wahn,
Du wrst mir gewogen,   viel liebe Schwester mein,
Nun schenk uns deine Gnade,   da es anders nicht mag sein."

"Ich schenk euch keine Gnade,   Ungnad ich selbst gewann:          2214
Mir hat von Tronje Hagen   so groes Leid gethan
Daheim, und hier zu Lande   erschlug er mir mein Kind:
Das men schwer entgelten,   die mit euch hergekommen sind."

Wollt ihr mir aber Hagen   allein zum Geisel geben,                2215
So will ichs nicht verweigern,   da ich euch lae leben.
Denn meine Brder seid ihr,   der gleichen Mutter Kind:
So red ich um die Shne   mit den Helden, die hier sind."

"Nicht woll es Gott vom Himmel,"   sprach da Gernot.               2216
"Und waren unser tausend,   wir wollten alle todt
Vor deinen Freunden liegen   eh wir dir Einen Mann
Hier zu Geisel gben:   das wird nimmer gethan."

"Wir msten doch ersterben,"   sprach da Geiselher,                2217
"So soll uns Niemand scheiden   von ritterlicher Wehr.
Wer gerne mit uns stritte,   wir sind noch immer hie:
Verrieth ich meine Treue   an einem Freunde doch nie."

Da sprach der khne Dankwart,   es ziemt' ihm wohl zu sagen:       2218
"Noch steht nicht alleine   hier mein Bruder Hagen.
Die uns den Frieden weigern,   beklagen es noch schwer,
Des sollt ihr inne werden,   ich sags euch wahrlich vorher."

Da sprach die Knigstochter:   "Ihr Helden allbereit,              2219
Nun geht der Stiege nher   und rcht unser Leid.
Das will ich stts verdienen,   wie ich billig soll:
Der Uebermuth Hagens,   dessen lohn ich ihm wohl.

"Lat keinen aus dem Hause   der Degen allzumal:                   2220
So la ich an vier Enden   anznden hier den Saal.
So wird noch wohl gerochen   all mein Herzeleid."
Knig Etzels Recken   sah man bald dazu bereit.

Die noch drauen standen,   die trieb man in den Saal              2221
Mit Schlgen und mit Schen:   da gab es lauten Schall.
Doch wollten sich nicht scheiden   die Frsten und ihr Heer:
Sie lieen von der Treue   zu einander nicht mehr.

Den Saal in Brand zu stecken   gebot da Etzels Weib.               2222
Da qulte man den Helden   mit Feuersglut den Leib.
Das Haus vom Wind ergriffen   gerieth in hohen Brand.
Nie wurde solcher Schrecken   noch einem Volksheer bekannt.

Da riefen Viele drinnen:   "O weh dieser Noth!                     2223
Da mchten wir ja lieber   im Sturm liegen todt.
Das mge Gott erbarmen;   wie sind wir all verlorn!
Wie grimmig rcht die Knigin   an uns allen ihren Zorn!"

Da sprach darinnen Einer:   "Wir finden hier den Tod               2224
Vor Rauch und vor Feuer:   wie grimm ist diese Noth!
Mir thut vor starker Hitze   der Durst so schrecklich weh,
Ich frchte, mein Leben   in diesen Nthen zergeh!"

Da sprach von Tronje Hagen:   "Ihr edlen Ritter gut,               2225
Wen der Durst will zwingen,   der trinke hier das Blut.
Das ist in solcher Hitze   beer noch als Wein;
Es mag halt zu trinken   hier nichts Beeres sein."

Hin gieng der Recken Einer,   wo er einen Todten fand:             2226
Er kniet' ihm zu der Wunde,   den Helm er niederband.
Da begann er zu trinken   das flieende Blut.
So wenig ers gewohnt war,   er fand es kstlich und gut.

"Nun lohn euch Gott, Herr Hagen,"   sprach der mde Mann,          2227
"Da ich von eurer Lehre   so guten Trank gewann.
Man schenkte mir selten   noch einen beern Wein.
So lang ich leben bleibe   will ich euch stts gewogen sein."

Als das die Andern hrten,   es duchte ihn so gut,                2228
Da fanden sich noch Viele,   die tranken auch das Blut.
Davon kam zu Krften   der guten Recken Leib:
Des entgalt an lieben Freunden   bald manches waidliche Weib.

Das Feuer fiel gewaltig   auf sie in den Saal:                     2229
Sie wandten mit den Schilden   es von sich ab im Fall.
Der Rauch und auch die Hitze   schmerzten sie gar sehr.
Also groer Jammer   geschieht wohl Helden nimmer mehr.

Da sprach von Tronje Hagen:   "Stellt euch an die Wand;            2230
Lat nicht die Brnde fallen   auf eurer Helme Band
Und tretet sie mit Fen   tiefer in das Blut.
Eine ble Hochzeit ist es,   zu der die Knigin uns lud."

Unter solchen Nthen   zerrann zuletzt die Nacht.                  2231
Noch hielt vor dem Hause   der khne Spielmann Wacht
Und Hagen sein Geselle,   gelehnt auf Schildesrand,
Noch grern Leids gewrtig   von Denen aus Etzels Land.

Da der Saal gewlbt war,   half den Gsten sehr;                  2232
Dadurch blieben ihrer   am Leben desto mehr,
Wiewohl sie an den Fenstern   von Feuer litten Noth.
Da wehrten sich die Degen,   wie Muth und Ehre gebot.

Da sprach der Fiedelspieler:   "Gehn wir in den Saal:              2233
Da whnen wohl die Heunen,   wir seien allzumal
Von der Qual erstorben,   die sie uns angethan:
Dann kommen doch noch Etliche   zum Streit mit ihnen heran."

Da sprach von Burgunden   Geiselher das Kind:                      2234
"Ich whn, es wolle tagen,   sich hebt ein khler Wind.
Nun la uns Gott vom Himmel   noch liebre Zeit erleben!
Eine arge Hochzeit hat uns   meine Schwester Kriemhild gegeben."

Da sprach wieder Einer:   "Ich spre schon den Tag.                2235
Wenn es denn uns Degen   nicht beer werden mag,
So bereitet euch, ihr Recken,   zum Streit, das ist uns Noth:
Da wir doch nicht entrinnen,   da wir mit Ehren liegen todt."

Der Knig mochte whnen,   die Gste wren todt                    2236
Von den Beschwerden allen   und von des Feuers Noth,
Da lebten doch so Khner   noch drin sechshundert Mann,
Da wohl nie ein Knig   bere Degen gewann.

Der Heimathlosen Hter   hatten wohl gesehn,                       2237
Da noch die Gste lebten,   was ihnen auch geschehn
Zu Schaden war und Leide,   den Herrn und ihrem Lehn.
Man sah sie in dem Hause   noch gar wohl geborgen gehn.

Man sagte Kriemhilden,   noch Viele lebten drin.                   2238
"Wie wre das mglich,"   sprach die Knigin,
"Da noch Einer lebte   nach solcher Feuersnoth?
Eher will ich glauben,   sie fanden Alle den Tod."

Noch wnschten zu entkommen   die Frsten und ihr Lehn,            2239
Wenn an ihnen Gnade   noch jemand lie' ergehn.
Die konnten sie nicht finden   in der Heunen Land:
Da rchten sie ihr Sterben   mit gar williger Hand.

Schon frh am andern Morgen   man ihnen Gre bot                  2240
Mit heftigem Angriff;   wohl schuf das Helden Noth.
Zu ihnen aufgeschoen   ward mancher scharfe Sper;
Doch fanden sie darinnen   die khnen Recken wohl zur Wehr.

Dem Heergesinde Etzels   war erregt der Muth,                      2241
Da sie verdienen wollten   Frau Kriemhildens Gut
Und alles willig leisten,   was der Frst gebot:
Da muste bald noch Mancher   von ihnen schauen den Tod.

Von Verheien und von Gaben   mochte man Wunder sagen:             2242
Sie lie ihr Gold, das rothe,   auf Schilden vor sich tragen;
Sie gab es Jedem willig,   Der es wollt empfahn.
Nie wurden wider Feinde   so groe Schtze verthan.

Gewaffnet trat der Recken   eine groe Macht zur Thr.             2243
Da sprach der Fiedelspieler.   "Wir sind noch immer hier:
So gern sah ich Helden   zum Streiten nimmer kommen,
Als die das Gold des Knigs   uns zu verderben genommen."

Da riefen ihrer Viele:   "Nur nher zu dem Streit!                 2244
Da wir doch fallen men,   so thun wirs gern bei Zeit.
Hier wird Niemand bleiben,   als wer doch sterben soll."
Da staken ihre Schilde   gleich von Sperschen voll.

Was soll ich weiter sagen?   Wohl zwlfhundert Degen               2245
Versuchtens auf und nieder   mit starken Schwertesschlgen.
Da khlten an den Feinden   die Gste wohl den Muth.
Kein Friede war zu hoffen,   drum sah man flieen das Blut

Aus tiefen Todeswunden:   Deren wurden viel geschlagen.            2246
Man hrte nach den Freunden   Jeglichen klagen.
Die Biedern starben alle   dem reichen Knig hehr:
Da hatten liebe Freunde   nach ihnen Leid und Beschwer.

       *       *       *       *       *




Siebenunddreiigstes Abenteuer.

Wie Rdiger erschlagen ward.


Die Heimathlosen hatten   am Morgen viel gethan.                   2247
Der Gemahl Gotlindens   kam zu Hof heran
Und sah auf beiden Seiten   des groen Leids Beschwer:
Darber weinte inniglich   der getreue Rdiger.

"O weh, da ich das Leben,"   sprach der Held, "gewann             2248
Und diesem groen Jammer   nun Niemand wehren kann.
So gern ich Frieden schfe,   der Knig gehts nicht ein,
Da ihm das Unheil strker,   immer strker bricht herein."

Zu Dietrichen sandte   der gute Rdiger,                           2249
Ob sie's noch knnten wenden   von den Kngen hehr?
Da entbot ihm Der von Berne:   "Wer mcht ihm widerstehn?
Es will der Knig Etzel   keine Shne mehr sehn."

Da sah ein Heunenrecke   Rdigern da stehn                         2250
Mit weinenden Augen,   wie er ihn oft gesehn.
Er sprach zu der Knigin:   "Nun seht, wie er da steht
Den ihr und Knig Etzel   vor allen Andern habt erhht

"Und dem doch alles dienet,   die Leute wie das Land.              2251
Wie sind so viel der Burgen   an Rdigern gewandt,
Deren er so manche   von dem Knig haben mag!
Er schlug in diesen Strmen   noch keinen lblichen Schlag.

"Mich dnkt, ihn kmmert wenig,   was hier mit uns geschieht,      2252
Wenn er nach seinem Willen   bei sich die Flle sieht.
Man rhmt, er wre khner,   als Jemand mge sein:
Das hat uns schlecht bewiesen   in dieser Noth der Augenschein."

Mit traurigem Muthe   der vielgetreue Mann,                        2253
Den er so reden hrte,   den Heunen sah, er an.
Er dachte: "Das entgiltst du;   du sagst, ich sei verzagt:
Da hast du deine Mren   zu laut bei Hofe gesagt."

Er zwang die Faust zusammen:   da lief er ihn an                   2254
Und schlug mit solchen Krften   den Heunischen Mann,
Da er ihm vor die Fe   niederstrzte todt.
Da war gemehrt aufs Neue   dem Knig Etzel die Noth.

"Fahr hin, verzagter Bsewicht,"   sprach da Rdiger,              2255
"Ich hatte doch des Leides   genug und der Beschwer.
Da ich hier nicht fechte,   was rgst du mir das?
Wohl trg auch ich den Gsten   mit Grunde feindlichen Hass,

"Und alles, was ich knnte,   tht ich ihnen an,                   2256
Htt ich nicht hieher gefhrt   Die Gunthern unterthan.
Ich war ihr Geleite   in meines Herren Land:
Drum darf sie nicht bestreiten   meine unselge Hand."

Da sprach zum Markgrafen   Etzel der Knig hehr:                   2257
"Wie habt ihr uns geholfen,   viel edler Rdiger!
Wir hatten doch der Todten   so viel in diesem Land,
Da wir nicht mehr bedurften:  mit Unrecht schlug ihn eure Hand."

Da sprach der edle Ritter:   "Er beschwerte mir den Muth           2258
Und hat mir bescholten   die Ehre wie das Gut,
Des ich aus deinen Hnden   so groe Gaben nahm,
Was nun dem Lgenbolde   bel auch zu Statten kam."

Da kam die Knigstochter,   die hatt es auch gesehn,               2259
Was von des Helden Zorne   dem Heunen war geschehn.
Sie beklagt' es ungefge,   ihre Augen wurden na.
Sie sprach zu Rdigern:   Wie verdienten wir das,

"Da ihr mir und dem Knig   noch mehrt unser Leid?                2260
Ihr habt uns, edler Rdiger,   verheien allezeit,
Ihr wolltet fr uns wagen   die Ehre wie das Leben;
Auch hrt ich viel der Recken   den Preis des Muthes euch geben."

"Ich mahn euch nun der Treue,   die mir schwur eure Hand,          2261
Da ihr mir zu Etzeln riethet,   Ritter auserkannt,
Da ihr mir dienen wolltet   bis an unsern Tod.
Des war mir armen Weibe   noch niemals so bitter Noth."

"Das kann ich nicht lugnen,   ich schwur euch, Knigin,           2262
Die Ehre wie das Leben   gb ich fr euch dahin:
Die Seele zu verlieren   hab ich nicht geschworen.
Zu diesem Hofgelage   bracht ich die Frsten wohlgeboren."

Sie sprach: "Gedenke, Rdiger,   der hohen Eide dein               2263
Von deiner stten Treue,   wie du den Schaden mein
Immer wolltest rchen   und wenden all mein Leid."
Der Markgraf entgegnete:  "Ich war euch stts zu Dienst bereit."

Etzel der reiche   hub auch zu flehen an.                          2264
Da warfen sie sich beide   zu Fen vor den Mann.
Den guten Markgrafen   man da in Kummer sah;
Der vielgetreue Recke   jammervoll begann er da:

"O weh mir Unselgem,   mu ich den Tag erleben!                    2265
Aller meiner Ehren   soll ich mich nun begeben,
Aller Zucht und Treue,   die Gott mir gebot;
O weh, Herr des Himmels,   da mirs nicht wenden will der Tod!

"Welches ich nun lae,   das Andre zu begehn,                      2266
So ist doch immer bel   und arg von mir geschehn.
Was ich thu und lae,   so schilt mich alle Welt.
Nun mge mich erleuchten,   der mich dem Leben gesellt!"

Da baten ihn so dringend   der Knig und sein Weib,                2267
Da bald viel Degen musten   Leben und Leib
Von Rdgers Hand verlieren   und selbst Der Held erstarb.
Nun mgt ihr bald vernehmen,   welchen Jammer er erwarb.

Er wuste wohl nur Schaden   und Leid sei sein Gewinn.              2268
Er htt es auch dem Knig   und der Knigin
Gern versagen wollen:   der Held besorgte sehr,
Erschlug er ihrer Einen,   da er der Welt ein Greuel wr.

Da sprach zu dem Knige   dieser khne Mann:                       2269
"Herr Etzel, nehmt zurcke,   was ich von euch gewann,
Das Land mit den Burgen;   bei mir soll nichts bestehn:
Ich will auf meinen Fen   hinaus in das Elend gehn.

"Alles Gutes ledig   rum ich euer Land,                           2270
Mein Weib und meine Tochter   nehm ich an die Hand,
Eh ich so ohne Treue   entgegen geh dem Tod:
Das hie' auf ble Weise   verdienen euer Gold so roth."

Da sprach der Knig Etzel:   "Wer aber hlfe mir?                  2271
Mein Land mit den Leuten,   das alles geb ich dir,
Da du mich rchest, Rdiger,   an den Feinden mein:
Du sollst neben Etzeln   ein gewaltger Knig sein."

Da sprach wieder Rdiger:   "Wie drft ich ihnen schaden?          2272
Heim zu meinem Hause   hab ich sie geladen;
Trinken und Speise   ich ihnen gtlich bot,
Dazu meine Gabe;   und soll ich sie nun schlagen todt?

"Die Leute mgen whnen,   ich sei zu verzagt.                     2273
Keiner meiner Dienste   war ihnen je versagt:
Sollt ich sie nun bekmpfen,   das wr nicht wohl gethan.
So reute mich die Freundschaft,   die ich an ihnen gewann.

"Geiselher dem Degen   gab ich die Tochter mein:                   2274
Sie konnt auf Erden nimmer   beer verwendet sein,
Seh ich auf Zucht und Ehre,   auf Treu oder Gut.
Nie ein so junger Knig   trug wohl tugendreichern Muth."

Da sprach wieder Kriemhild:   "Viel edler Rdiger,                 2275
Nun la dich erbarmen   unsres Leids Beschwer,
Mein und auch des Knigs;   gedenke wohl daran,
Da nie ein Wirth auf Erden   so leide Gste gewann."

Da begann der Markgraf   zu der Kngin hehr:                       2276
"Heut mu mit dem Leben   entgelten Rdiger,
Was ihr und der Knig   mir Liebes habt gethan:
Dafr mu ich sterben,   es steht nicht lnger mehr an.

"Ich wei, da noch heute   meine Burgen und mein Land             2277
Euch ledig werden men   von dieser Helden Hand.
So befehl ich euch auf Gnade   mein Weib und mein Kind
Und all die Heimathlosen,   die da zu Bechlaren find."

"Nun lohne Gott dir, Rdiger!"   der Knig sprach da so;           2278
Er und die Knigin,   sie wurden beide froh.
"Uns seien wohlbefohlen   alle Leute dein;
Auch trau ich meinem Heile,   du selber werdest glcklich sein."

Da setzt' er auf die Wage   die Seele wie den Leib.                2279
Da begann zu weinen   Knig Etzels Weib.
Er sprach: "Ich mu euch halten   den Eid, den ich gethan.
O weh meiner Freunde!   wie ungern greif ich sie an."

Man sah ihn von dem Knig   hinweggehn trauriglich.                2280
Da fand er seine Recken   nahe stehn bei sich:
Er sprach: "Ihr sollt euch waffnen,   ihr All in meinem Lehn:
Die khnen Burgunden   mu ich nun leider bestehn."

Nach den Gewaffen riefen   die Helden allzuhand,                   2281
Ob es Helm wre   oder Schildesrand,
Von dem Ingesinde   ward es herbeigetragen.
Bald hrten leide Mre   die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rdiger   mit fnfhundert Mann;                  2282
Darber zwlf Recken   zu Hlf er sich gewann.
Sie wollten Preis erwerben   in des Sturmes Noth:
Sie wusten nicht die Mre,   wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme   den Markgrafen gehn.                     2283
Scharfe Schwerter trugen   Die in Rdgers Lehn,
Dazu vor den Hnden   die lichten Schilde breit.
sah der Fiedelspieler:   dem war es ohne Maen leid.

Da sah der junge Geiselher   seinen Schwher gehn                  2284
Mit aufgebundnem Helme.   Wie mocht er da verstehn,
Wie er damit es meine,   es sei denn treu und gut?
Da gewann der edle Knig   von Herzen frhlichen Muth.

"Nun wohl mir solcher Freunde,"   sprach da Geiselher,             2285
"Wie wir gewonnen haben   auf der Fahrt hieher.
Meines Weibes willen   ist uns Hlfe nah:
Lieb ist mir, meiner Treue,   da diese Heirath geschah."

"Wes ihr euch wohl trstet"   sprach der Fiedelmann:               2286
"Wann saht ihr noch zur Shne   so viel der Helden nahn
Mit aufgebundnen Helmen,   die Schwerter in der Hand?
Er will an uns verdienen   seine Burgen und sein Land."

Eh der Fiedelspieler   die Rede sprach vollaus,                    2287
Den edeln Markgrafen   sah man schon vor dem Haus.
Seinen Schild den guten   setzt' er vor den Fu:
Da must er seinen Freunden   versagen dienstlichen Gru.

Rdiger der edle   rief da in den Saal:                            2288
"Ihr Khnen Nibelungen,   nun wehrt euch allzumal.
Ihr solltet mein genieen,   ihr entgeltet mein:
Wir waren ehmals Freunde:   der Treue will ich ledig sein."

Da erschraken dieser Mre   die Nothbedrngten Schwer.             2289
Ihnen war der Trost entsunken,   den sie gewhnt vorher,
Da sie bestreiten wollte,   dem Jeder Liebe trug.
Sie hatten von den Feinden   schon Leid erfahren genug.

"Das verhte Gott vom Himmel!"   sprach Gunther der Degen,         2290
"Da ihr eurer Freundschaft,  trtet so entgegen
Und der groen Treue,   darauf uns sann der Muth:
Ich will euch wohl vertrauen,   da ihr das nimmermehr tuth.

"Es ist nicht mehr zu wenden,"   sprach der khne Mann:            2291
"Ich mu mit euch streiten,   wie ich den Schwur gethan.
Nun wehrt euch, khne Degen,   wenn euch das Leben werth,
Da mir die Knigstochter   nicht andre Willkr gewhrt."

"Ihr widersagt uns nun zu spt,"   sprach der Knig hehr.          2292
"Nun mg euch Gott vergelten,   viel edler Rdiger,
Die Treu und die Liebe,   die ihr uns habt gethan,
Wenn ihr bis ans Ende   auch halten wolltet daran.

"Wir wollen stts euch danken,   was ihr uns habt gegeben,         2293
Ich und meine Freunde,   laet ihr uns leben,
Der herrlichen Gaben,   als ihr uns brachtet her
In Etzels Land mit Treue:   des gedenket, edler Rdiger."

"Wie gern ich euch das gnnte,"   sprach Rdiger der Degen,        2294
"Da ich euch meiner Gabe   die Flle drfte wgen
Nach meinem Wohlgefallen;   wie gerne that ich das,
So es mir nicht erwrbe   der edeln Knigin Ha!"

"Lat ab, edler Rdiger,"   sprach wieder Gernot,                  2295
"Nie ward ein Wirth gefunden,   der es den Gsten bot
So freundlich und so gtlich,   als uns von euch geschehn.
Des sollt ihr auch genieen,   so wir lebendig entgehn."

"Das wollte Gott," sprach Rdiger,   "viel edler Gernot,           2296
"Da ihr am Rheine wret,   und ich wre todt.
So rettet' ich die Ehre,   da ich euch soll bestehn!
Es ist noch nie an Degen   von Freunden bler geschehn."

"Nun lohn euch Gott, Herr Rdiger,"   sprach wieder Gernot,        2297
"Eurer reichen Gabe.   Mich jammert euer Tod,
Soll an euch verderben   so tugendlicher Muth.
Hier trag ich eure Waffe,   die ihr mir gabet, Degen gut.

"Sie hat mir noch nie versagt   in all dieser Noth:                2298
Es fiel vor ihrer Schrfe   mancher Ritter todt.
Sie ist stark und lauter,   herrlich und gut:
Gewiss, so reiche Gabe   kein Recke je wieder thut.

"Und wollt ihr es nicht meiden   und wollt ihr uns bestehn,        2299
Erschlagt ihr mir die Freunde,   die hier noch bei mir stehn,
Mit euerm Schwerte nehm ich   Leben euch und Leib.
So reut ihr mich, Rdiger,   und euer herrliches Weib."

"Das wolle Gott, Herr Gernot,   und mcht es geschehn,             2300
Da hier nach euerm Willen   Alles knnt ergehn
Und euern Freunden bleiben   Leben mcht und Leib,
Euch sollten wohl vertrauen   meine Tochter und mein Weib."

Da sprach von Burgunden   der schnen Ute Kind:                    2301
"Wie thut ihr so, Herr Rdiger?   Die mit mir kommen sind,
Die sind euch all gewogen;   ihr greift bel zu:
Eure schne Tochter   wollt ihr verwitwen allzufruh.

"Wenn ihr und eure Recken   mich wollt im Streit bestehn,          2302
Wie wr das unfreundlich,   wie wenig lie' es sehn,
Da ich euch vertraute   vor jedem andern Mann,
Als ich eure Tochter   mir zum Weibe gewann."

"Gedenkt eurer Treue,"   sprach da Rdiger.                        2303
Und schickt euch Gott von hinnen,   viel edler Knig hehr,
"So lat es nicht entgelten   die liebe Tochter mein:
Bei aller Frsten Tugend   geruht ihr gndig zu sein."

"So sollt ichs billig halten,"   sprach Geiselher das Kind;        2304
"Doch meine hohen Freunde,   die noch im Saal hier sind,
Wenn die von euch ersterben,   so mu geschieden sein
Diese stte Freundschaft   zu dir und der Tochter dein."

"Nun mge Gott uns gnaden,"   sprach der khne Mann.               2305
Da hoben sie die Schilde   und wollten nun hinan
Zu streiten mit den Gsten   in Kriemhildens Saal.
Laut rief da Hagen   von der Stiege her zu Thal:

"Verzieht noch eine Weile,   viel edler Rdiger,"                  2306
Also sprach da Hagen:   "wir reden erst noch mehr,
Ich und meine Herren,   wie uns zwingt die Noth.
Was hilft es Etzeln, finden   wir in der Fremde den Tod?

"Ich steh in groen Sorgen,"   sprach wieder Hagen,                2307
"Der Schild, den Frau Gotlind   mir gab zu tragen,
Den haben mir die Heunen   zerhauen vor der Hand;
Ich bracht ihn doch in Treuen   her in Knig Etzels Land.

"Da es Gott vom Himmel   vergnnen wollte,                        2308
Da ich so guten Schildrand   noch tragen sollte,
Als du hast vor den Hnden,   viel edler Rdiger:
So bedrft ich in dem Sturme   keiner Halsberge mehr."

"Wie gern wollt ich dir dienen   mit meinem Schilde,               2309
Drft ich dir ihn bieten   vor Kriemhilde.
Doch nimm ihn hin, Hagen,   und trag ihn an der Hand:
Hei! drftest du ihn fhren   heim in der Burgunden Land!"

Als er den Schild so willig   zu geben sich erbot,                 2310
Die Augen wurden Vielen   von heien Thrnen roth.
Es war Die letzte Gabe:   es drft hinfort nicht mehr
Einem Degen Gabe bieten   von Bechlaren Rdiger.

Wie grimmig auch Hagen,   wie hart auch war sein Muth,             2311
Ihn erbarmte doch die Gabe,   die der Degen gut
So nah seinem Ende   noch hatt an ihn gethan.
Mancher edle Ritter   mit ihm zu trauern begann.

"Nun lohn euch Gott im Himmel,   viel edler Rdiger.               2312
Es wird eures Gleichen   auf Erden nimmermehr,
Der heimathlosen Degen   so milde Gabe gebe.
So mge Gott gebieten,   da eure Milde immer lebe."

"O weh mir dieser Mre,"   sprach wieder Hagen.                    2313
"Wir hatten Herzensschwere   schon so viel zu tragen:
Das me Gott erbarmen,   gilts uns mit Freunden Streit!"
Da sprach der Markgraf wieder:   "Das ist mir inniglich leid."

"Nun lohn ich euch die Gabe,   viel edler Rdiger:                 2314
Was euch auch widerfahre   von diesen Recken hehr,
Es soll euch nicht berhren   im Streit meine Hand,
Ob ihr sie all erschlget   Die von der Burgunden Land."

Da neigte sich ihm dankend   der gute Rdiger.                     2315
Die Leute weinten alle:   Da nicht zu wenden mehr
Dieser Herzensjammer,   das war zu groe Noth.
Der Vater aller Tugend   fand an Rdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege   Volker der Fiedelmann:                  2316
"Da mein Geselle Hagen   euch trug den Frieden an,
So biet ich auch so stten   euch von meiner Hand.
Das habt ihr wohl verdient an uns,   da wir kamen in das Land.

"Viel edler Markgraf,   mein Bote werdet hier:                     2317
Diese rothen Spangen   gab Frau Gotlinde mir,
Da ich sie tragen sollte   bei dieser Lustbarkeit:
Ich thu es, schauet selber,   da ihr des mein Zeuge seid."

"Wollt es Gott vom Himmel,"   sprach da Rdiger,                   2318
"Da euch die Markgrfin   noch geben drfte mehr.
Die Mre sag ich gerne   der lieben Trauten mein,
Seh ich gesund sie wieder:   Des sollt ihr auer Zweifel sein."

Nach diesem Angeloben   Den Schild hob Rdiger,                    2319
Sein Muth begann zu toben:   nicht lnger sumt' er mehr.
Auf lief er zu den Gsten   wohl einem Recken gleich.
Viel kraftvolle Schlge   schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen   traten beiseit,                                 2320
Wie ihm verheien hatten   die Degen allbereit.
Noch traf er bei den Thren   so manchen Khnen an,
Da Rdiger die Feindschaft   mit groen Sorgen begann.

Aus Mordbegierde lieen   ihn ins Haus hinein                      2321
Gernot und Gunther;   das mochten Helden sein.
Zurck wich da Geiselher:   frwahr, es war ihm leid;
Er versah sich noch des Lebens,   drum mied er Rdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden   Die in Rdgers Lehn.                  2322
Hinter ihrem Herren   sah man sie khnlich gehn.
Schneidende Waffen   trugen sie an der Hand:
Da zerbrachen viel der Helme   und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Mden   noch manchen schnellen Schlag         2323
Auf die von Bechlaren,   der tief und eben brach
Durch die festen Panzer   und drang bis auf das Blut.
Sie frommten in dem Sturme   viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde   war alle nun im Saal.                       2324
Volker und Hagen   die sprangen hin zumal:
Sie gaben Niemand Frieden   als dem Einen Mann.
Das Blut von ihren Hieben   von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen   so grimmig erklang,                   2325
Da unter ihren Schlgen   das Schildgespnge sprang!
Die Schildsteine rieselten   getroffen in das Blut.
Da fochten sie so grimmig,   wie man es nie wieder thut.

Der Vogt von Bechlaren   schuf hin und her sich Bahn,              2326
Wie Einer der mit Ungestm   im Sturme werben kann.
Des Tages ward an Rdiger   herrlich offenbar,
Da er ein Recke wre,   khn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken,   Gunther und Gernot,                   2327
Sie schlugen in dem Streite   viel der Helden todt.
Geiselhern und Dankwart   am Heile wenig lag:
Da brachten sie noch Manchen   hin zu seinem jngsten Tag.

Wohl erwies auch Rdiger,   da er stark war genug,                2328
Khn und wohl gewaffnet:   hei, was er Helden schlug!
Das sah ein Burgunde,   da schuf der Zorn ihm Noth:
Davon begann zu nahen   des edeln Rdiger Tod.

Gernot der starke   rief den Helden an.                            2329
Er sprach zum Markgrafen:   "Ihr wollt mir keinen Mann
Der Meinen leben laen,   viel edler Rdiger.
Das schmerzt mich ohne Maen:   ich ertrag es nicht lnger mehr.

"Nun mag euch eure Gabe wohl   zu Unstatten kommen,                2330
Da ihr mir der Freunde   habt so viel genommen.
Nun bietet mir die Stirne,   ihr edler khner Mann:
So verdien ich eure Gabe,   so gut ich immer nur kann."

Bevor da der Markgraf   zu ihm gedrungen war.                      2331
Ward noch getrbt vom Blute   manch lichter Harnisch klar.
Da liefen sich einander   die Ehrbegiergen an:
jedweder sich zu schirmen   vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter,   es schtzte nichts dagegen.       2332
Da schlug den Knig Gernot   Rdiger der Degen
Durch den steinharten Helm,   da niederflo das Blut:
Das vergalt alsbald ihm   dieser Ritter khn und gut.

Hoch schwang er Rdgers Gabe,   die in der Hand ihm lag;           2333
Wie wund er war zum Tode,   er schlug ihm einen Schlag
Auf des Helmes Bnder   und durch den festen Schild,
Davon ersterben muste   der gute Rdiger mild.

So reicher Gabe bler   gelohnt ward nimmermehr.                   2334
Da fielen beid erschlagen,   Gernot und Rdiger,
Im Sturm gleichermaen   von beider Kmpfer Hand.
Da erst ergrimmte Hagen,   als er den groen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje:   "Es ist uns schlimm bekommen.     2335
So groen Schaden haben wir   an den Zwein genommen,
Da wir ihn nie verwinden,   ihr Volk noch ihr Land.
Uns Heimathlosen bleiben   nun Rdgers Helden zu Pfand."

Da wollte Keiner weiter   dem Andern was vertragen:                2336
Mancher ward darnieder   unverletzt geschlagen,
Der wohl noch wr genesen:   ob ihm war solcher Drang,
Wie heil er sonst gewesen,   da er im Blute doch ertrank.

"Weh mir um den Bruder!   der fiel hier in den Tod.                2337
Was mir zu allen Stunden   fr leide Mre droht!
Auch mu mich immer reuen   mein Schwher Rdiger:
Der Schad ist beidenthalben   und groen Jammers Beschwer."

Als der junge Geiselher   sah seinen Bruder todt,                  2338
Die noch im Saale waren,   die musten leiden Noth.
Der Tod suchte eifrig,   wo sein Gesinde wr:
Deren von Bechelaren   entgieng kein Einziger mehr.

Gunther und Hagen   und auch Geiselher,                            2339
Dankwart und Volker,   die guten Degen hehr,
Die giengen zu der Stelle,   wo man sie liegen fand:
Wie jmmerlich da weinten   diese Helden auserkannt!

"Der Tod beraubt uns bel,"   sprach Geiselher das Kind.           2340
"Nun lat euer Weinen   und gehn wir an den Wind,
Da sich die Panzer khlen   uns streitmden Degen:
Es will nicht Gott vom Himmel,   da wir lnger leben mgen."

Den sitzen, den sich lehnen   sah man manchen Mann.                2341
Sie waren wieder mig.   Die Rdgern unterthan
Waren all erlegen;   verhat war das Getos.
So lange blieb es stille,   da es Etzeln verdro.

"O weh dieses Leides!"   sprach die Knigin.                       2342
"Sie sprechen allzulange;   unsre Feinde drin
Mgen wohl heil verbleiben   vor Rdigers Hand:
Er will sie wiederbringen   heim in der Burgunden Land.

"Was hilfts, Knig Etzel,   da wir an ihn vertan,                 2343
Was er nur begehrte?   Er that nicht wohl daran:
Der uns rchen sollte,   der will der Shne pflegen."
Da gab ihr Volker Antwort,   dieser zierliche Degen:

"Dem ist nicht also leider,   viel edel Knigsweib.                2344
Und drft ich Lgen strafen   ein so hehres Weib,
So httet ihr recht teuflisch   Rdigern verlogen.
Er und seine Degen   sind um die Shne gar betrogen.

"So williglich vollbracht er,   was ihm sein Herr gebot,           2345
Da er und sein Gesinde   hier fielen in den Tod.
Nun seht euch um, Frau Kriemhild,   wem ihr gebieten wollt:
Euch war bis an sein Ende   Rdiger getreu und hold.

"Wollt ihr mir nicht glauben,   so schaut es selber an."           2346
Zu ihrem Herzeleide   ward es da gethan:
Man trug ihn hin erschlagen,   wo ihn der Knig sah.
Knig Etzels Mannen   wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen   todt sahn vor sich tragen,                 2347
Da vermcht euch kein Schreiber   zu schildern noch zu sagen
Die ungebrdge Klage   so von Weib als Mann,
Die sich aus Herzensjammer   da zu erzeigen begann.

Knig Etzels Jammern   war so stark und voll,                      2348
Wie eines Lwen Stimme   dem reichen Knig scholl
Der Wehruf der Klage;   auch ihr schufs groe Noth;
Sie weinten bermig   um des guten Rdger Tod.

       *       *       *       *       *




Achtunddreiigstes Abenteuer.

Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.


Der Jammer allenthalben   zu solchem Mae schwoll,                 2349
Da von der Wehklage   Pallas und Thurm erscholl.
Da vernahm es auch ein Berner,   Dietrichs Unterthan:
Der schweren Botschaft willen   wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Frsten:   "Hrt mich, Herr Dieterich,         2350
Was ich noch je erlebte,   so herzensjmmerlich
Hrt ich noch niemals klagen,   als ich jetzt vernahm.
Ich glaube, da der Knig   nun selber zu der Hochzeit kam,

"Wie wren sonst die Leute   all in solcher Noth?                  2351
Der Knig oder Kriemhild   Eins ward dem Tod
Von den khnen Gsten   in ihrem Zorn gesellt.
Es weint bermig   mancher auserwhlte Held."

Da sprach der Vogt von Berne:  "Ihr Getreun in meinem Lehn,        2352
Seid nicht allzu eilig:   was hier auch ist geschehn
Von den Heimathlosen,   sie zwang dazu die Noth:
Nun lat sie des genieen,   da ich ihnen Frieden bot."

Da sprach der khne Wolfhart:   "Ich will zum Saale gehn,          2353
Der Mre nachzufragen,   was da sei geschehn,
Und will euch dann berichten,   viel lieber Herre mein,
Wenn ich es dort erkunde,   wie die Sache mge sein."

Da sprach der edle Dietrich:   "Wenn man sich Zorns versieht       2354
Und ungestmes Fragen   zur Unzeit dann geschieht,
Das betrbt den Recken   allzuleicht den Muth:
Drum will ich nicht, Wolfhart,   da ihr die Frage da thut."

Da bat er Helfrichen   hin zu gehn geschwind,                      2355
Ob er erkundgen mge   bei Etzels Ingesind
Oder bei den Gsten,   was da wr geschehn.
Da wurde nie bei Leuten   so groer Jammer gesehn.

Der Bote kam und fragte:   "Was ist hier geschehn?"                2356
Da ward ihm zum Bescheide:   "Nun must uns auch zergehn
Der Trost, der uns geblieben   noch war in Heunenland:
Hier liegt erschlagen Rdiger   von der Burgunden Hand.

"Nicht Einer ist entkommen,   der mit ihm gieng hinein."           2357
Das konnte Helfrichen   nimmer leider sein.
Wohl mocht er seine Mre   noch nie so ungern sagen:
Er kam zu Dietrichen   zurck mit Weinen und Klagen.

"Was bringt ihr uns fr Kunde?"   sprach da Dieterich,             2358
"Wie weint ihr so heftig,   Degen Helferich?"
Da sprach der edle Recke:   "Wohl hab ich Grund zu klagen.
Den guten Rdger haben   die Burgunden erschlagen."

Da sprach der Held von Berne:   "Das wolle nimmer Gott.            2359
Eine starke Rache wr es   und des Teufels Spott.
Wie htt an ihnen Rdiger   verdient solchen Sold?
Ich wei wohl die Kunde,   er ist den Fremdlingen hold."

Da sprach der khne Wolfhart:   "Und wr es geschehn,              2360
So sollt es ihnen Allen   an Leib und Leben gehn.
Wenn wirs ertragen wollten,   es brcht uns Spott und Schand,
Uns bot so groe Dienste   des guten Rdiger Hand."

Der Vogt von Amelungen   erfragt' es gern noch mehr.               2361
In ein Fenster setzt' er sich,   ihm war das Herz so schwer.
Da hie er Hildebranden   zu den Gsten gehn,
Bei ihnen zu erforschen,   was da wre geschehn.

Der sturmkhne Recke,   Meister Hildebrand,                        2362
Weder Schild noch Waffen   trug er an der Hand.
Er wollt in seinen Zchten   zu den Gsten gehn;
Von seiner Schwester Kinde   must er sich gescholten sehn.

Da sprach der grimme Wolfhart:   "Geht ihr dahin so blo,          2363
So kommt ihr ungescholten   nimmer wieder los:
So mst ihr dann mit Schanden   thun die Wiederfahrt;
Geht ihr dahin in Waffen,  so wei ich, da es Mancher spart."

Da rstete der Alte   sich nach des Jungen Rath.                   2364
Eh Hildbrand es gewahrte,   standen in ihrem Staat
Die Recken Dietrichs alle,   die Schwerter in der Hand.
Leid war das dem Helden,   er htt es gern noch abgewandt.

Er frag, wohin sie wollten.   "Wir wollen mit euch hin;            2365
Ob von Tronje Hagen   wohl dann noch ist so khn,
Mit Spott zu euch zu reden,   wie ihm zu thun gefllt?"
Als er die Rede hrte,   erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der khne Volker   wohlgewaffnet gehn                       2366
Die Recken von Berne   in Dietrichens Lehn,
Die Schwerter umgegrtet,   die Schilde vor der Hand:
Er sagt' es seinen Herren   aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler:   "Dorten seh ich nahn                2367
Recht in Feindesweise   Die Dietrich unterthan,
Gewaffnet unter Helmen:   sie wollen uns bestehn.
Nun wird es an das Ueble   mit uns Fremdlingen gehn."

Es whrte nicht lange,   so kam auch Hildebrand:                   2368
Da setzt' er vor die Fe   seinen Schildesrand
Und begann zu fragen   Die Gunthern unterthan:
"O weh, ihr guten Degen,   was hatt euch Rdiger gethan?

"Mich hat mein Herr Dietrich   her zu euch gesandt,                2369
Ob erschlagen liege, Helden,   von eurer Hand
Dieser edle Markgraf,   wie man uns gab Bescheid?
Wir knnten nicht verwinden   also schweres Herzeleid."

Da sprach der grimme Hagen:   "Die Mr ist ungelogen,              2370
Wie gern ichs euch gnnte,   wrt ihr damit betrogen,
Rdigern zu Liebe:   so lebt' er uns noch,
Den nie genug beweinen   mgen Fraun und Mannen doch."

Als sie das recht vernahmen,   Rdiger sei todt,                   2371
Da beklagten ihn die Recken,   wie ihre Treu gebot.
Dietrichens Mannen   sah man die Thrnen gehn
Uebern Bart zum Kinne:   viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog   von Bern sprach zuhand:                      2372
"O weh, wie all die Gte   hier gar ein Ende fand,
Die uns Rdiger hier schuf   nach unsers Leides Tagen:
Der Trost der Heimathlosen   liegt von euch Degen erschlagen."

Da sprach von Amelungen   der Degen Wolfwein:                      2373
"Und wenn ich vor mir liegen   hier sh, den Vater mein,
Mir wrde nimmer leider   als um Rdgers Tod.
O weh, wer soll nun trsten   die Markgrfin in ihrer Noth?"

Do sprach im Zornmuthe   der khne Wolfhart:                       2374
"Wer leitet nun die Recken   auf mancher Heerfahrt,
Wie von dem Markgrafen   so oft geschehen ist?
O weh, viel edler Rdiger,   da du uns so verloren bist!"

Wolfbrand und Helferich   und auch Helmnot                         2375
Mit allen ihren Freunden   beweinten seinen Tod.
Nicht mehr fragen mochte   vor Seufzen Hildebrand:
So thut denn, ihr Degen,   warum mein Herr uns gesandt.

"Gebt uns den todten   Rdiger aus dem Saal,                       2376
An dem all unsre Freude   erlitt den Jammerfall.
Lat uns ihm so vergelten,   was er an uns gethan
Hat mit groer Treue   und an manchem fremden Mann.

"Wir sind hier auch Vertriebene   wie Rdiger der Degen.           2377
Wie lat ihr uns warten?   Lat uns ihn aus den Wegen
Tragen und im Tode   lohnen noch dem Mann:
Wir htten es wohl billig   bei seinem Leben gethan."

Da sprach der Knig Gunther:   "Nie war ein Dienst so gut,         2378
Als den ein Freund dem Freunde   nach dem Tode thut.
Das nenn ich stte Treue,   wenn man das leisten kann:
Ihr lohnt ihm nach Verdienste,   er hat euch Liebes gethan."

"Wie lange solln wir flehen?"   sprach Wolfart der Held."          2379
"Da unser Trost der beste   liegt von euch gefllt,
Und wir ihn nun leider   nicht lnger mgen haben,
Lat uns ihn hinnen tragen,   da wir den Recken begraben."

Zur Antwort gab ihm Volker:   "Man bringt ihn euch nicht her,      2380
Holt ihn aus dem Hause,   wo der Degen hehr
Mit tiefen Herzenswunden   gefallen ist ins Blut:
So sind es volle Dienste,   die ihr hier Rdigern thut."

Da sprach der khne Wolfhart:   "Gott wei, Herr Fiedelmann,       2381
Ihr mt uns nicht noch reizen;   ihr habt uns Leid gethan.
Drft ichs vor meinem Herren,   so kmt ihr drum in Noth;
Doch men wir es laen,   weil er den Streit uns verbot."

Da sprach der Fiedelspieler:   "Der frchtet sich zu viel,         2382
Der, was man ihm verbietet,   Alles laen will:
Das kann ich nimmer heien   rechten Heldenmuth."
Die Rede dauchte Hagnen   von seinem Heergesellen gut.

"Wollt ihr den Spott nicht laen,"   fiel ihm Wolfhart ein,        2383
"Ich verstimm euch so die Saiten,   da ihr noch am Rhein,
Wenn je ihr heimreitet,   habt davon zu sagen.
Euer Ueberheben   mag ich mit Ehren nicht ertragen."

Da sprach der Fiedelspieler:   "Wenn ihr den Saiten mein           2384
Die guten Tne raubtet,   eures Helmes Schein
Mste trbe werden   dabei von meiner Hand,
Wie ich halt auch reite   in der Burgunden Land."

Da wollt er zu ihm springen   doch blieb nicht frei die Bahn.      2385
Hildebrand sein Oheim   hielt ihn mit Krften an.
"Ich seh, du willst wthen   in deinem dummen Zorn;
Nun htten wir auf immer   meines Herren Huld verlorn."

"Lat los den Leuen, Meister,   er hat so grimmigen Muth;          2386
Doch kommt er mir zu nahe,"   sprach Volker der Degen gut,
"Htt er mit seinen Hnden   die ganze Welt erlagen,
Ich schlag ihn, da er nimmermehr   ein Widerwort wei zu sagen."

Darob ergrimmte heftig   den Bernern der Muth.                     2387
Den Schild ruckte Wolfhart,   ein schneller Recke gut,
Gleich einem wilden Leuen   lief er auf ihn an.
Die Schar seiner Freunde   ihm rasch zu folgen begann.

Mit weiten Sprngen setzt' er   bis vor des Saales Wand;           2388
Doch ereilt' ihn vor der Stiege   der alte Hildebrand:
Er wollt ihn vor ihm selber   nicht laen in den Streit.
Zu ihrem Willen fanden   sie gern die Gste bereit.

Da sprang hin zu Hagen   Meister Hildebrand:                       2389
Man hrte Waffen klingen   an der Helden Hand.
Sie waren sehr im Zorne,   das zeigte sich geschwind:
Von der Beiden Schwertern   gieng der feuerrothe Wind.

Da wurden sie geschieden   in des Streites Noth:                   2390
Das thaten die von Berne,   wie Kraft und Muth gebot.
Als sich von Hagen wandte   Meister Hildebrand,
Da kam der starke Wolfhart   auf den khnen Volker gerannt.

Auf den Helm dem Fiedler   schlug er solchen Schwang,              2391
Da des Schwertes Schrfe   durch die Spangen drang.
Das vergalt mit Ungestm   der khne Fiedelmann:
Da schlug er Wolfharten,   da er zu sprhen begann.

Feuers aus den Panzern   hieben sie genug;                         2392
Grimmen Ha Jedweder   zu dem Andern trug.
Da schied sie von Berne   der Degen Wolfwein;
Wr er kein Held gewesen,   so konnte das nimmer sein.

Gunther der khne   mit williger Hand                              2393
Empfieng die hehren Helden   aus Amelungenland.
Geiselher der junge   die lichten Helme gut
Macht' er in dem Sturme   Manchem na und roth von Blut.

Dankwart, Hagens Bruder,   war ein grimmer Mann:                   2394
Was er zuvor im Streite   Herrliches gethan
An Knig Etzels Recken,   das schien nun gar ein Wind:
Nun erst begann zu toben   des khnen Aldrians Kind.

Ritschart und Gerbart,   Helfrich und Wichart                      2395
In manchen Strmen hatten   die selten sich gespart:
Das lieen sie wohl schauen   die in Gunthers Lehn.
Da sah man Wolfbranden   in dem Sturme herrlich gehn.

Da focht, als ob er wthe,   der alte Hildebrand.                  2396
Viel gute Recken musten   vor Wolfhartens Hand
Auf den Tod getroffen   sinken in das Blut:
So rchten Rdgers Wunden   diese Recken khn und gut.

Da focht der Herzog Siegstab,   wie ihm der Zorn gebot.            2397
Hei! was harter Helme   brach in des Sturmes Noth
An seinen Feinden   Dietrichens Schwestersohn!
Er konnt in dem Sturme   nicht gewaltiger drohn.

Volker der Starke,   als er das ersah,                             2398
Wie Siegstab der khne   aus Panzerringen da
Bche Blutes holte,   das schuf dem Biedern Zorn:
Er sprang ihm hin entgegen:   da hatte hier bald verlorn

Von dem Fiedelspieler   das Leben Siegstab:                        2399
Volker ihm seiner Knste   so vollen Anteil gab,
Er fiel von seinem Schwerte   nieder in den Tod.
Der alte Hilbrand rchte das,   wie ihm sein Eifer gebot.

"O weh des lieben Herren,"   sprach Meister Hildebrand,            2400
"Der uns hier erschlagen   liegt von Volkers Hand!
Nun soll der Fiedelspieler   auch lnger nicht gedeihn."
Hildebrand der khne   wie knnt er grimmiger sein.

Da schlug er so auf Volker,   da von des Helmes Band              2401
Die Splitter allwrts stoben   bis zu des Saales Wand,
Vom Helm und auch vom Schilde   dem khnen Spielmann;
Davon der starke Volker   nun auch sein Ende gewann.

Da drangen zu dem Streite   Die in Dietrichs Lehn:                 2402
Sie schlugen, da die Splitter   sich wirbelnd musten drehn
Und man der Schwerter Enden   in die Hhe fliegen sah.
Sie holten aus den Helmen   heie Blutbche da.

Nun sah von Tronje Hagen   Volker den Degen todt:                  2403
Das war ihm bei der Hochzeit   die allergrste Noth,
Die er gewonnen hatte   an Freund und Unterthan!
O weh, wie grimmig Hagen   den Freund zu rchen begann!

"Nun soll es nicht genieen   der alte Hildebrand:                 2404
Mein Gehilfe liegt erschlagen   von des Helden Hand,
Der beste Heergeselle,   den ich je gewann."
Den Schild rckt' er hher,   so gieng er hauend hindann.

Helferich der starke   Dankwarten schlug:                          2405
Gunthern und Geiselhern   war es leid genug,
Als sie ihn fallen sahen   in der starken Noth;
Doch hatten seine Hnde   wohl vergolten seinen Tod.

So viel aus manchen Landen   hier Volks versammelt war,            2406
Viel Frsten kraftgerstet   gegen die kleine Schar,
Wren die Christenleute   nicht wider sie gewesen,
Durch ihre Tugend mochten sie   vor allen Heiden wohl genesen.

Derweil schuf sich Wolfhart   hin und wieder Bahn,                 2407
Alles niederhauend,   was Gunthern unterthan.
Er machte nun zum dritten Mal   die Runde durch den Saal:
Da fiel von seinen Hnden   gar mancher Recke zu Thal.

Da rief der starke Geiselher   Wolfharten an:                      2408
"O weh, da ich so grimmen   Feind je gewann!
Khner Ritter edel,   nun wende dich hieher!
Ich will es helfen enden,   nicht lnger trag ich es mehr."

Zu Geiselheren wandte   sich Wolfhart in den Streit.               2409
Da schlugen sich die Recken   manche Wunde weit.
Mit solchem Ungestme   er zu dem Knig drang,
Da unter seinen Fen   bers Haupt das Blut ihm sprang.

Mit schnellen grimmen Schlgen   der schnen Ute Kind              2410
Empfieng da Wolfharten,   den Helden hochgesinnt.
Wie stark auch war der Degen,   wie sollt er hier gedeihn?
Es konnte nimmer khner   ein so junger Knig sein.

Da schlug er Wolfharten   durch einen Harnisch gut,                2411
Da ihm aus der Wunde   niederscho das Blut:
Zum Tode war verwundet   Dietrichens Unterthan.
Wohl must er sein ein Recke,   der solche Werke gethan.

Als der khne Wolfhart   die Wund an sich empfand,                 2412
Den Schild lie er fallen:   hher in der Hand
Hob er ein starkes Waffen,   das war wohl scharf genug:
Durch Helm und Panzerringe   der Degen Geiselhern schlug.

Den grimmen Tod einander   hatten sie angethan.                    2413
Da lebt' auch Niemand weiter,   der Dietrich unterthan.
Hildebrand der alte   Wolfharten fallen sah:
Gewiss vor seinem Tode   solch Leid ihm nimmer geschah.

Erstorben waren Alle   Die in Gunthers Lehn                        2414
Und Die in Dietrichens.   Hilbranden sah man gehn,
Wo Wolfhart war gefallen   nieder in das Blut.
Er umschlo mit Armen   den Degen bieder und gut.

Er wollt ihn aus dem Hause   tragen mit sich fort;                 2415
Er war zu schwer doch, laen   must ihn der Alte dort.
Da blickt' aus dem Blute   der todwunde Mann:
Er sah wohl, sein Oheim   hlfe gern ihm hindann.

Da sprach der Todwunde:   "Viel lieber Oheim mein,                 2416
Mir kann zu dieser Stunde   eure Hlfe nicht gedeihn.
Nun htet euch vor Hagen,   frwahr, ich rath euch gut:
Der tragt in seinem Herzen   einen grimmigen Muth.

"Und wollen meine Freunde   im Tode mich beklagen,                 2417
Den nchsten und den besten   sollt ihr von mir sagen,
Da sie nicht um mich weinen,   das thu nimmer Noth:
Von eines Knigs Hnden   fand ich hier herrlichen Tod.

"Ich hab auch so vergolten   mein Sterben hier im Saal,            2418
Das schafft noch den Frauen   der guten Ritter Qual.
Wills Jemand von euch wien,   so mgt ihr khnlich sagen:
Von meiner Hand alleine   liegen hundert wohl erschlagen.

Da gedacht auch Hagen   an den Fiedelmann,                         2419
Dem der alte Hildebrand   das Leben abgewann:
Da sprach er zu dem Khnen:   "Ihr entgeltet nun mein Leid.
Ihr habt uns hier benommen   manchen Recken khn im Streit."

Er schlug auf Hildebranden   da man wohl vernahm                  2420
Balmungen drhnen,   den Siegfrieden nahm
Hagen der khne,   als er den Helden schlug.
Da wehrte sich ser Alte:   er war auch streitbar genug.

Wolfhartens Oheim   ein breites Waffen schwang                     2421
Auf Hagen von Tronje,   das scharf den Stahl durchdrang:
Doch konnt er nicht verwunden   Gunthers Unterthan.
Da schlug ihm Hagen wieder   durch einen Harnisch wohlgetan.

Als da Meister Hildebrand   die Wunde recht empfand,               2422
Besorgt' er grern Schaden   noch von Hagens Hand.
Den Schild warf auf den Rcken   Dietrichs Unterthan:
Mit der starken Wunde   der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen   den Degen Niemand mehr                   2423
Als Gunther und Hagen,   die beiden Recken hehr.
Mit Blut gieng beronnen   der alte Hildebrand:
Er brachte leide Mre,   da er Dietrichen fand.

Schwer bekmmert sitzen   sah er da den Mann:                      2424
Noch grern Leides Kunde   nun der Frst gewann.
Als er Hildebranden   im Panzer sah so roth,
Da fragt' er nach der Ursach,   wie ihm die Sorge gebot.

"Nun sagt mir, Meister Hildebrand,   wie seid ihr so na           2425
Von dem Lebensblute?   oder wer that euch das?
Ihr habt wohl mit den Gsten   gestritten in dem Saal?
Ihr liet es billig bleiben,   wie ich so dringend befahl."

Da sagt' er seinem Herren:   "Hagen that es mir:                   2426
Der schlug mir in dem Saale   diese Wunde hier,
Als ich von dem Recken   zu wenden mich begann.
Kaum da ich mit dem Leben   noch dem Teufel entrann."

Da sprach der von Berne:   "Gar recht ist euch geschehen,          2427
Da ihr mich Freundschaft hrtet   den Recken zugestehn
Und doch den Frieden brachet,   den ich ihnen bot:
Wr mirs nicht ewig Schande,   ihr solltets ben mit dem Tod."

"Nun zrnt mir, Herr Dietrich,   darob nicht allzusehr:            2428
An mir und meinen Freunden   ist der Schade gar zu schwer.
Wir wollten Rdger gerne   tragen aus dem Saal:
Das wollten uns nicht gnnen   die, welchen Gunther befahl."

"O weh mir dieses Leides!   Ist Rdiger doch todt?                 2429
Das mu mir sein ein Jammer   vor all meiner Noth.
Gotelind die edle   ist meiner Base Kind:
O weh der armen Waisen,   die dort zu Bechlaren sind!"

Herzeleid und Kummer   schuf ihm sein Tod:                         2430
Er hub an zu weinen:   den Helden zwang die Noth.
"O weh der treuen Hlfe,   die mir an ihm erlag,
Knig Etzels Degen,   den ich nie verschmerzen mag.

"Knnt ihr mir, Meister Hildebrand,   rechte Kunde sagen,          2431
Wie der Recke heie,   der ihn hat erschlagen?"
Er sprach "Das that mit Krften   der starke Gernot;
Von Rdigers Hnden   fand auch der Knig den Tod."

Er sprach zu Hilbranden:   "So sagt den Meinen an,                 2432
Da sie alsbald sich waffnen,   so geh ich selbst hinan.
Und befehlt, da sie mir bringen   mein lichtes Streitgewand:
Ich selber will nun fragen   die Helden aus Burgundenland."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Wer soll mit euch gehn?           2433
Die euch am Leben blieben,   die seht ihr vor euch stehn:
Das bin ich ganz alleine;   die Andern die sind todt."
Da erschrak er dieser Mre,   es schuf ihm wahrhafte Noth,

Da er auf Erden nimmer   noch solches Leid gewann.                2434
Er sprach: "Und sind erstorben   all Die mir unterthan,
So hat mein Gott vergeen,   ich, armer Dietrich!
Ich herrscht' ein mchtger Knig   einst hehr und gewaltiglich."

Wieder sprach da Dietrich:   "Wie knnt es nur geschehn,           2435
Da sie all erstarben,   die Helden ausersehn,
Vor den Streitmden,   die doch gelitten Noth?
Mein Unglck schufs alleine,   sonst verschonte sie der Tod!

"Wenn dann mein Unheil wollte,   es sollte sich begeben,           2436
So sprecht, blieb von den Gsten   Einer noch am Leben?"
Da sprach Meister Hildebrand:   "Das wei Gott, Niemand mehr
Als Hagen ganz alleine   und Gunther der Knig hehr."

"O weh, lieber Wolfhart,   und hab ich dich verloren,              2437
So mag mich bald gereuen,   da ich je ward geboren.
Siegstab und Wolfwein   und auch Wolfbrand:
Wer soll mir denn helfen   in der Amelungen Land?

"Helferich der khne,   und ist mir der erschlagen,                2438
Gerbart und Wichard,   wann hr ich auf zu klagen?
Das ist aller Freuden   mir der letzte Tag.
O weh, da vor Leide   Niemand doch ersterben mag!"

       *       *       *       *       *




Neununddreiigstes Abenteuer.

Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.


Da suchte sich Herr Dietrich   selber sein Gewand;                 2439
Ihm half, da er sich waffnete,   der alte Hildebrand.
Da klagte so gewaltig   der kraftvolle Mann,
Da von seiner Stimme   das Haus zu schttern begann.

Dann gewann er aber wieder   rechten Heldenmuth.                   2440
Im Grimm ward gewaffnet   da der Degen gut.
Seinen Schild, den festen,   den nahm er an die Hand:
Sie giengen bald von dannen,   er und Meister Hildebrand.

Da sprach von Tronje Hagen:   "Dort seh ich zu uns gehn            2441
Dietrich den Herren:   der will uns bestehn
Nach dem groen Leide,   das wir ihm angethan.
Nun soll man heute schauen,   wen man den Besten nennen kann.

"Und dnkt sich denn von Berne   der Degen Dieterich               2442
Gar so starkes Leibes   und so frchterlich.
Und will ers an uns rchen   was ihm ist geschehn,"
Also sprach da Hagen,   "ich bin wohl Mann ihn zu bestehn."

Die Rede hrte Dietrich   mit Meister Hildebrand.                  2443
Er kam, wo er die Recken   beide stehen fand
Auen vor dem Hause,   gelehnt an den Saal.
Seinen Schild den guten,   den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen   sprach da Dietrich:                         2444
"Wie habt ihr so geworben,   Herr Gunther, wider mich,
Einen Heimathlosen?   Was that ich euch wohl je,
Da alles meines Trostes   ich nun verwaiset mich seh?

"Ihr fandet nicht Genge   an der groen Noth,                     2445
Als ihr uns Rdigeren,   den Recken, schluget todt:
Ihr missgnntet sie mir alle,   Die mir unterthan.
Wohl htt ich solchen Leides   euch Degen nimmer gethan.

"Gedenkt an euch selber   und an euer Leid,                        2446
Eurer Freunde Sterben   und all die Noth im Streit,
Ob es euch guten Degen   nicht beschwert den Muth.
O weh, wie so unsanft   mir der Tod Rdigers thut!

"So leid geschah auf Erden   Niemanden je.                         2447
Ihr gedachtet wenig   an mein und euer Weh.
Was ich Freuden hatte,   das liegt von euch erschlagen:
Wohl kann ich meine Freunde   nimmer genug beklagen."

"Wir sind wohl nicht so schuldig,"   sprach Hagen entgegen.        2448
"Zu diesem Hause kamen   alle eure Degen
Mit groem Flei gewaffnet   in einer breiten Schar.
Man hat euch wohl die Mre   nicht gesagt, wie sie war."

"Was soll ich andere glauben?   mir sagt Hildebrand:               2449
Euch baten meine Recken   vom Amelungenland,
Da ihr ihnen Rdigern   gbet aus dem Haus:
Da botet ihr Gesptte nur   meinen Recken heraus."

Da sprach der Vogt vom Rheine:   "Sie wollten Rdgern tragen,      2450
Sagten sie, von hinnen:   das lie ich versagen
Etzeln zum Trotze,   nicht aber deinem Heer,
Bis darob zu schelten   Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne:   "Es sollte nun so sein.            2451
Gunther, edler Knig,   bei aller Tugend dein
Ersetze mir das Herzeleid,   das mir von dir geschehn;
Vershn es, khner Ritter,   so la ichs ungerochen gehn.

"Ergieb dich mir zum Geisel   mit Hagen deinem Mann:               2452
So will ich euch behten,   so gut ich immer kann,
Da euch bei den Heunen   hier Niemand Leides thut.
Ihr sollt an mir erfahren,   da ich getreu bin und gut."

"Das verhte Gott vom Himmel,"   sprach Hagen entgegen,            2453
"Da sich dir ergeben   sollten zwei Degen,
Die noch in voller Wehre   dir gegenber stehn,
Das wr uns Unehre:   die Feigheit soll nicht geschehn."

"Ihr solltets nicht verweigern,"   sprach wieder Dietrich.         2454
"Gunther und Hagen,   ihr habt so bitterlich
Beide mir bekmmert   das Herz und auch den Muth,
Wollt ihr mir das vergten,   da ihr es billiglich thut.

"Ich geb euch meine Treue,   und reich euch drauf die Hand,        2455
Da ich mit euch reite   heim in euer Land.
Ich geleit euch wohl nach Ehren,   ich strbe denn den Tod,
Und will um euch vergeen   all meiner schmerzhaften Noth."

"Begehrt es nicht weiter,"   sprach wieder Hagen:                  2456
"Wie ziemt es, wenn die Mre   wr von uns zu sagen,
Da zwei so khne Degen   sich ergben eurer Hand?
Sieht man bei euch doch Niemand   als alleine Hildebrand."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Gott wei, Herr Hagen,            2457
Den Frieden, den Herr Dietrich   euch hat angetragen,
Es kommt noch an die Stunde   vielleicht in kurzer Frist,
Da ihr ihn gerne nhmet,   und er nicht mehr zu haben ist."

"Auch nhm ich eh den Frieden,"   sprach Hagen entgegen,           2458
"Eh ich mit Schimpf und Schande   so vor einem Degen
Flhe, Meister Hildebrand,   als ihr hier habt gethan:
Ich whnt auf meine Treue,   ihr stndet beer euerm Mann."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Was verweiset ihr mir das?        2459
Nun wer wars, der auf dem Schilde   vor dem Wasgensteine sa,
Als ihm von Spanien Walther   so viel der Freunde schlug?
Wohl habt ihr an euch selber   noch zu rgen genug."

Da sprach der edle Dietrich:   "Wie ziemt solchen Degen            2460
Sich mit Worten schelten   wie alte Weiber pflegen?
Ich verbiet es, Meister Hildebrand   sprecht hier nicht mehr.
Mich heimathlosen Recken   zwingt so groe Beschwer.

"Lat hren, Freund Hagen,"   sprach da Dieterich,                 2461
"Was spracht ihr zusammen,   ihr Helden tugendlich,
Als ihr mich gewaffnet   sahet zu euch gehn?
Ihr sagtet, ihr alleine   wolltet mich im Streit bestehn."

"Das wird euch Niemand lugnen,"   sprach Hagen entgegen,          2462
"Wohl will ichs hier versuchen   mit krftigen Schlgen,
Es sei denn, mir zerbreche   das Nibelungenschwert:
Mich entrstet, da zu Geiseln   unser beider ward begehrt."

Als Dietrich erhrte   Hagens grimmen Muth,                        2463
Den Schild behende zuckte   der schnelle Degen gut.
Wie rasch ihm von der Stiege   entgegen Hagen sprang!
Niblungs Schwert das gute   auf Dietrichen laut erklang.

Da wuste wohl Herr Dietrich,   da der khne Mann                  2464
Grimmen Muthes fechte;   zu schirmen sich begann
Der edle Vogt von Berne   vor ngstlichen Schlgen.
Wohl erkannt er Hagen,   er war ein auserwhlter Degen.

Auch scheut' er Balmungen,   eine Waffe stark genug.               2465
Nur unterweilen Dietrich   mit Kunst entgegenschlug
Bis da er Hagen   im Streite doch bezwang.
Er schlug ihm eine Wunde   die gar tief war und lang.

Der edle Dietrich dachte:   "Dich schwchte lange Noth;            2466
Mir brcht es wenig Ehre,   gb ich dir den Tod.
So will ich nur versuchen,   ob ich dich zwingen kann,
Als Geisel mir zu folgen."   Das ward mit Sorgen gethan.

Den Schild lie er fallen:   seine Strke, die war gro;           2467
Hagnen von Tronje   mit den Armen er umschlo.
So ward von ihm bezwungen   dieser khne Mann.
Gunther der edle   darob zu trauern begann.

Hagnen band da Dietrich   und fhrt' ihn, wo er fand               2468
Kriemhild die edle,   und gab in ihre Hand
Den allerkhnsten Recken,   der je Gewaffen trug.
Nach ihrem groen Leide   ward sie da frhlich genug.

Da neigte sich dem Degen   vor Freuden Etzels Weib:                2469
"Nun sei dir immer selig   das Herz und auch der Leib.
Du hast mich wol entschdigt   aller meiner Noth:
Ich will dirs immer danken,   es verwehr es denn der Tod."

Da sprach der edle Dietrich:   "Nun lat ihn am Leben,             2470
Edle Knigstochter:   es mag sich wohl begeben,
Da euch sein Dienst vergtet   das Leid, das er euch that:
Er soll es nicht entgelten,   da ihr ihn gebunden saht."

Da lie sie Hagnen fhren   in ein Haftgemach,                     2471
Wo Niemand ihn erschaute   und er verschloen lag.
Gunther der Edle   hub da zu rufen an:
"Wo blieb der Held von Berne?   Er hat mir Leides gethan."

Da gieng ihm hin entgegen   von Bern Herr Dieterich.               2472
Gunthers Krfte waren   stark und ritterlich;
Da sumt' er sich nicht lnger,   er rannte vor den Saal.
Von ihrer Beider Schwertern   erhob sich mchtiger Schall.

So groen Ruhm erstritten   Dietrich seit alter Zeit,              2473
In seinem Zorne tobte   Gunther zu sehr im Streit:
Er war nach seinem Leide   von Herzen feind dem Mann.
Ein Wunder must es heien,   da da Herr Dietrich entrann.

Sie waren alle Beide   so stark und muthesvoll,                    2474
Da von ihren Schlgen   Pallas und Thurm erscholl,
So hieben sie mit Schwertern   auf die Helme gut.
Da zeigte Knig Gunther   einen herrlichen Muth.

Doch zwang ihn Der von Berne,   wie Hagnen war geschehn.           2475
Man mochte durch den Panzer   das Blut ihm flieen sehn
Von einem scharfen Schwerte:   das trug Herr Dieterich
Doch hatte sich Herr Gunther   gewehrt, der mde, ritterlich.

Der Knig ward gebunden   von Dietrichens Hand,                    2476
Wie nimmer Knige sollten   leiden solch ein Band.
Er dachte, lie' er ledig   Gunthern und seinen Mann,
Wem sie begegnen mchten,   die msten all den Tod empfahn.

Dietrich von Berne   nahm ihn bei der Hand,                        2477
Er fhrt' ihn hin gebunden,   wo er Kriemhilden fand.
Ihr war mit seinem Leide   des Kummers viel benommen.
Sie sprach: "Knig Gunther,   nun seid mir hchlich willkommen."

Er sprach: "Ich mst euch danken,   viel edle Schwester mein,      2478
Wenn euer Gru in Gnaden   geschehen knnte sein.
Ich wei euch aber, Knigin,   so zornig von Muth,
Da ihr mir und Hagen   solchen Gru im Spotte thut."

Da sprach der Held von Berne:   "Knigstochter hehr,               2479
So gute Helden sah, man   als Geisel nimmermehr
Als ich, edle Knigin,   bracht in eure Hut.
Nun komme meine Freundschaft   den Heimathlosen zu Gut."

Sie sprach, sie tht es gerne.   Da gieng Herr Dieterich           2480
Mit weinenden Augen   von den Helden tugendlich.
Da rchte sich entsetzlich   Knig Etzels Weib:
Den auserwhlten Recken   nahm sie Leben und Leib.

Sie lie sie gesondert   in Gefngniss legen,                      2481
Da sich nie im Leben   wiedersahn die Degen,
Bis sie ihres Bruders Haupt   hin vor Hagen trug.
Kriemhildens Rache   ward an Beiden grimm genug.

Hin gieng die Knigstochter,   wo sie Hagen sah;                   2482
Wie feindselig sprach sie   zu dem Recken da:
"Wollt ihr mir wiedergeben,   was ihr mir habt genommen,
So mgt ihr wohl noch lebend   heim zu den Burgunden kommen."

Da sprach der grimme Hagen:   "Die Red ist gar verloren,           2483
Viel edle Knigstochter.   Den Eid hab ich geschworen,
Da ich den Hort nicht zeige:   so lange noch am Leben
Blieb Einer meiner Herren,   so wird er Niemand gegeben."

"Ich bring es zu Ende,"   sprach das edle Weib.                    2484
Dem Bruder nehmen lie sie   Leben da und Leib.
Man schlug das Haupt ihm nieder:   bei den Haaren sie es trug
Vor den Held von Tronje:   da gewann er Leids genug.

Als der Unmuthvolle   seines Herren Haupt ersah,                   2485
Wider Kriemhilden   sprach der Recke da:
"Du hasts nach deinem Willen   zu Ende nun gebracht;
Es ist auch so ergangen,   wie ich mir hatte gedacht.

"Nun ist von Burgunden   der edle Knig todt,                      2486
Geiselher der junge   dazu Herr Gernot.
Den Hort wei nun Niemand   als Gott und ich allein:
Der soll dir Teufelsweibe   immer wohl verhohlen sein."

Sie sprach: "So habt ihr ble   Vergeltung mir gewhrt;            2487
So will ich doch behalten   Siegfriedens Schwert.
Das trug mein holder Friedel,   als ich zuletzt ihn sah,
An dem mir Herzensjammer   vor allem Leide geschah."

Sie zog es aus der Scheide,   er konnt es nicht wehren.            2488
Da dachte sie dem Recken   das Leben zu versehren.
Sie schwang es mit den Hnden,   das Haupt schlug sie ihm ab.
Das sah der Knig Etzel,   dem es groen Kummer gab.

"Weh!" rief der Knig,   "wie ist hier gefllt                     2489
Von eines Weibes Hnden   der allerbeste Held,
Der je im Kampf gefochten   und seinen Schildrand trug!
So feind ich ihm gewesen bin,   mir ist leid um ihn genug."

Da sprach Meister Hildebrand:   "Es kommt ihr nicht zu gut,        2490
Da sie ihn schlagen durfte;   was man halt mir thut,
Ob er mich selber brachte   in Angst und groe Noth,
Jedennoch will ich rchen   dieses khnen Tronjers Tod."

Hildebrand im Zorne   zu Kriemhilden sprang:                       2491
Er schlug der Knigstochter   einen Schwertesschwang.
Wohl schmerzten solche Dienste   von dem Degen sie;
Was knnt es aber helfen,   da sie so ngstlich schrie?

Die da sterben sollen,   die lagen all umher:                      2492
Zu Stcken lag verhauen   die Knigin hehr.
Dietrich und Etzel   huben zu weinen an
Und jmmerlich zu klagen   manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit   hingelegt im Tod:                 2493
Die Leute hatten alle   Jammer und Noth.
Mit Leide war beendet   des Knigs Lustbarkeit,
Wie immer Leid die Freude   am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden,   was seither geschah,             2494
Als da man immer weinen  Christen und Heiden sah,
Die Ritter und die Frauen   und manche schne Maid:
Sie hatten um die Freunde   das allergreste Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter   von der groen Noth:               2495
Die da erschlagen waren,   die lat liegen todt.
Wie es im Heunenlande   dem Volk hernach gerieth,
Hie hat die Mr ein Ende:   das ist _das Nibelungenlied_.

       *       *       *       *       *

Statt der letzten fnf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten
bereinstimmend mit A.

Hildebrand im Zorne   zu Kriemhilden sprang.
Er schlug der Knigstochter   einen schweren Schwertesschwang,
Mitten wo die Borte   den Leib ihr hatt umgeben.
Davon die Knigstochter   verlieren must ihr werthes Leben.

Das Schwert schnitt so heftig   da sie nichts empfand,
Das sie unsanft htte   berhrt;  sie sprach zuhand:
"Dein Waffen ist erblindet,   du sollst es von dir legen:
Es ziemt nicht, da es trage   solch ein zierlicher Degen."

Da zog er von dem Finger   ein golden Ringelein
Und warfs ihr vor die Fe:   "Hebt ihr das Fingerlein
Vom Boden auf, so spracht ihr   die Wahrheit, edel Weib."
Sie bckte sich zum Golde:   da brach entzwei ihr werther Leib.

So war auch erlegen   Kriemhild, o weh der Noth:
Wie so gar unmig   war da der Tod.
Dietrich und Etzel   huben zu weinen an,
Und inniglich klagen   sah man so Weib als Mann.

Da war der Helden Herrlichkeit   hingelegt im Tod,
Die Leute hatten alle   Jammer und Noth.
Mit Leid war beendet   des Knigs Lustbarkeit,
Wie immer Leid die Freude   am letzten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden   was seither geschah,
Als da man Fraun und Ritter   immer weinen sah,
Dazu die edeln Knechte,   um lieber Freunde Tod.
Hier hat die Mr ein Ende:   das ist die Nibelungennoth.



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Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://www.gutenberg.org/fundraising/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit:
https://www.gutenberg.org/fundraising/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

