The Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel

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Title: Das liebe Nest

Author: Paula Dehmel

Release Date: October 13, 2004 [EBook #13732]

Language: German

Character set encoding: ASCII

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST ***




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DAS LIEBE NEST






Gesammelte Kindergedichte
von
Paula Dehmel






Herausgegeben von Richard Dehmel
mit Zeichnungen von Hans Thoma
bei E. A. Seemann in Leipzig
1919






GRUSS AN DIE GROSSEN


Aus lichtem See,
ueber Sterne und Schnee,
rauschen die Schaeume,
lauschen die Traeume,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.

Aus Kinderland,
ueber Acker und Sand,
wachsen die Gluten,
die boesen, die guten,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.



GRUSS AN DIE KLEINEN


Ich moecht euch alle miteinander
auf bunten Wiesen sehn,
bei Klarinetten und Geigen
die Fuesschen im Tanze drehn.

Ich moecht euch alle miteinander
mitnehmen im Fliegerkahn,
euch die schoene Erde zeigen,
und was fleissige Menschen getan.

Ich moecht euch alle miteinander
still fuehren an der Hand,
euch heimliche Dinge sagen
von Gott und dem Sternenland.





ERSTER TEIL



WUNDERCHEN


Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Darf sich kein Staub, kein Kruemel verstecken,
muss alles so blank wie Ostertag sein,
denn das Wunderchen zieht ein.
Zieht ein--schon stimmen die Englein die Geigen;
alle Koenige werden sich neigen,
Hirten und Koenige mit dem Stern
haben Wunderchen gern.
   Wer soll Wunderchens Taufpate sein?
Sieben grosse Meister laden wir ein;
sieben grosse Helden mit Kron und Schalmein
sollen Wunderchens Taufpaten sein.
   Und wer ist schnell
   sein Spielgesell?
Da kommen gesprungen
die reizenden jungen
Wachholderweibchen und Fliedermaennchen,
Taunixchen mit silbernen Wasserkaennchen.
Aus Vogelnestern und Weidenkaetzchen
gucken neugierige Schelmenmaetzchen:
   Wir lachen fein,
   wir singen fein,
wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein!



GEHT LEISE


Geht leise--
es ist mued von der Reise.
Es kommt weit her:
vom Himmel uebers Meer,
vom Meer den dunklen Weg ins Land,
bis es die kleine Wiege fand--
Geht leise.



WITTEWOLL SCHLAFEN


Auf der Leine, auf gruenem Platz
haengen sieben Hemdchen und ein Latz;
im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt,
liegt mit grossen Augen mein Kind--
wittewoll schlafen?

Henne macht sich ein Bett im Sand,
Fliege traeumt an der Mauerwand,
Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,
schaukelt die Fluegel auf und zu--
wittewoll schlafen?

Suselesu, der Sonnenwind
blaest in die Augen dem mueden Kind;
es will noch blinzeln--Spinnchen haelt
den bunten Schleier vor die Welt--
--wittewoll--schlafen-- --



FRUeHSTUeCK


So morgens um halb acht herum:
Rumpumpel macht das Maeulchen krumm.
Und keine fuenf Minuten drauf
wacht Rumpumpel auf.

Hu! kommt der kalte Badeschwamm,
Rumpumpel haelt die Ohren stramm;
und schlaegt die Ticke-Tacke acht,
wird ihm die Milch gebracht.

Die schmeckt Rumpumpeln aber fein;
er patscht mit beiden Faeustchen drein
und trinkt und trinkt, bis alles leer.
Rumpumpelchen, das freut mich sehr:
morgen gibt's gut Wetter!



SEEREISE


Pitsch--patsch--Badefass,
Rumpumpel plantscht die Stube nass,
ist ein junger Wasserheld,
segelt durch die ganze Welt,
im Wipp--im Wapp--im Schaukelkahn
ueber den grossen Ozean.
Stehn drueben alle Wilden still
und schrein: Was bloss Rumpumpel will?
so splitternackt und pitschenass
in seinem kleinen Schaukelfass?
Schnell das Badelaken!



SO LALA


Steht ein Toepfchen rund und nett
unterm Bett,
so lala, so lala.
Reicht mir mal das Kindel her,
das braucht jetzt keine Windel mehr,
so lala, so lala.

Rolle, rolle, ratteratt,
rollt ein Wagen durch die Stadt;
sind zwei blanke Pferdchen davor,
hinten drauf ein schwarzer Mohr.

Horch, er haelt vor unserm Haus;
steigen zwei feine Jungherren aus,
mit Federbarettchen
und goldenen Kettchen.
Schnell das Toepfchen unters Bettchen!



MEIN WAGEN


Mein Wagen hat vier Raeder,
vier Raeder hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.

Mein Wagen hat 'ne Deichsel,
'ne Deichsel hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.

Mein Wagen hat ein Pferdchen,
ein Pferdchen hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.

Mein Wagen fahrt nach Potsdam,
nach Potsdam faehrt mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloss sagen.

Und wer mit mir nach Potsdam will,
in meinem neuen Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
der braucht es bloss zu sagen.



KUTSCHER AUF DEM KNIE


Wagen im Wind.
Wie sitzt mein Kind?
Wie geht mein Pferd?
Alles verkehrt.
Holdriutsch--
oben die Raeder, unten die Kutsch!

Wagen im Schnee.
Da guckt das Reh,
da schnuppert der Has
mit der wackligen Nas.
Holdriuff--
da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!



EREIGNIS


(von Paula und Richard Dehmel)


Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da steht er!
haelt sich am Roeckchen,
haelt sich am Stoeckchen,
grade wie 'n Licht,
fuerchtet sich nicht.

Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da geht er!
guck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen!
Aua, Geschrei--
bautz!--vorbei.



HEILSPRUeCHEL


Kra, kra, kalter Schnee,
dem Raben tut sein Beinchen weh,
dem Haesechen sein Herzchen;
die boese Zeit, die kalte Zeit,
ein jedes hat sein Schmerzchen.

Heile, Fingerchen, heile,
es dauert noch 'ne Weile,
es dauert noch bis Rosmarein,
dann ist lauter Sonnenschein.



SCHLIMME GESCHICHTE


Im Stall unser Schaefchen--baeht,
im Hof unser Haehnchen kraeht,
und der Karo an der Kette
bellt mit Spitz um die Wette.
Auf'm Dach unser Kaetzchen--maut,
und im Ententeich die Froesche, alle Froesche quaken laut:
Kinder, denkt euch den Schreck,
unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg.



AUSTREIBUNG


Das kann doch nicht Rumpumpel sein?
So kann Rumpumpel doch nicht schrein?
Seeloewen sind in unserm Haus;
schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus.
Ich 'n Stock,
Du 'n Stock,
alle beide einen Stock.
Ei der Daus,
wollt ihr raus,
wollt ihr in euer Seeloewenhaus!



WENN RUMPUMPEL BRUMMIG IST


Die Henne legt ein Ei,
da ging der Mond entzwei;
die Haelfte fiel nach Nuckenstadt
und schlug zwei grosse Brummer platt.

Zwei grosse Brummer, brumm,
summten hier herum,
um Rumpumpels Kopf,
um Rumpumpels Bauch
und um sein dickes Naeschen auch.

Nun sind sie tot... Aber im Ei
pickt das Kueken die Schale entzwei,
kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz--
--ist der Mond wieder ganz.



DER PUDDING


Rumpumpel will essen,
nun fix gebraten:
ein Kaetzel, ein Spaetzel
und sieben Soldaten.

Das gibt einen Pudding
so gross wie ein Haus.
Zuletzt leckt Rumpumpel
die Kuchenschuessel aus.



ZWEI MAeULCHEN


Winkele, wankele,
vor der Tuer steht ein Bankele,
auf der Bank sitzt mein Kindele,
spielt mit mei'm Huendele,
winkele, wankele.

Winkele, wankele,
ich hab ein Gedankele:
ein Aepfle fuers Kindele,
ein Knoechle fuers Huendele.
Dankele.



MUeCKEBOLD


Mueckchen, Mueckchen, Duennebein,
Mueckchen, lass das Stechen sein,
Stechen tut ja weh!
Mueckchen, Mueckchen, weisst du was:
beiss doch in das gruene Gras,
beiss doch in den Klee!



DAS SCHERCHEN


Schnipsel, schnipsel, Scherchen,
schneid mir ein Gewehrchen;
schiess ich mir ein Haeschen tot,
brat's dem Kind zum Mittagbrot.
Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus
durch den Sonnenschein in des Gaertners Haus;
der hat seine Freude dran,
oder guckt sie gar nicht an,
oder streut sie in den Wind,
oder schenkt sie seinem Kind--
schnipsel, schnipsel, Scherchen-- --



GESCHICHTCHEN VOM WINDE


   Wer kommt dort angeflogen?
   Das ist der Wind.
   Der Wind ist ungezogen,
   er blaest dem Kind
   unters Roeckchen,
   an die Soeckchen,
   um die Ohren, an die Nase;
   solch Geblase!

   Ganz zerfleddert und zerzaust
   kommt Rumpumpel angesaust;
   und hustet
   und prustet,
   das arme Troepfchen,
   und steckt sein Koepfchen
   in Mutters Schoss.

Und weisst du, warum der Wind so getollt?
Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.



ANZIEHLIEDCHEN


Wer strampelt im Bettchen?
versteckt sich wie 'n Dieb?
Das ist der Rumpumpel,
den haben wir lieb.

Was guckt da fuer 'n Naeschen?
Ein Buebchen sitzt dran.
Das ist der Rumpumpel,
den ziehn wir jetzt an.

Erst wird er gewaschen,
vom Kopf bis zur Zeh;
er weint nicht, er greint nicht,
denn es tut ja nicht weh.

Schnell her mit dem Hemdchen:
da schluepfen wir fein,
erst rechts und dann links,
in die Aermelchen 'rein.

Fix an noch die Struempfchen,
fix an auch die Schuh;
kommts Haendchen, schnuerts Baendchen,
schon sind sie zu.

Nun Leibchen und Hoeschen,
ein Roeckchen kommt auch;
sonst friert dem Rumpumpel
sein kleiner runder Bauch.

Das Kaemmchen kaemmt sachte,
aber still muss man stehn;
zuletzt noch das Kleidchen,
der Tausend, wie Schoen!
Nun geht er und sagt: Guten Morgen.



DAS LAeMMECHEN


In Wolfenbuettel wohnt ein Lamm,
das hat ganz schwarze Haare.
Meint ihr, es brauche einen Kamm?
I Gott bewahre!

Aber mein Laemmechen
braucht ein Kaemmechen,
braucht ein Schwaemmechen,
laesst sich nix verdriessen;
setzt sein neues Kaeppechen auf,
will mal Koppkegel schiessen.



DIE WILDEN BEINCHEN


Guten Morgen, ihr Beinchen!
Wie heisst ihr denn?
Ich heisse Hampel,
ich heisse Strampel;
und das ist Fuesschen Uebermut,
und das ist Fuesschen Tunichtgut.

Uebermut und Tunichtgut
gehn auf die Reise,
platsch, durch alle Suempfe,
nass sind Schuh und Struempfe;
guckt die Rute um die Eck--
laufen sie alle beide weg.



DER LUMPICHTE BU


Ka Struempferl im Kasten,
ka Baenderl am Schuh,
ka Knoepferl am Wams--
oh, der lumpichte Bu!



TINTENHEINZ UND PLAeTSCHERLOTTCHEN


Heini, Heini,
ach, ist Heini dumm:
stippt mit allen Fingerchen
im Tintenfass herum.

Heini, Heini,
kleiner dummer Mohr:
stippt sich alle Fingerchen,
klecks, ins Ohr.

Und unten am Brunnen,
da steht ein Fass,
da macht sich unsre Lotte
pitschepatschenass.

Und oben die Sonne
hat drueber gelacht
und hat unsre Lotte
wieder trocken gemacht.



ES REGNET


Es regnet, es regnet
der Kuh auf den Schwanz;
es regnet, es regnet
der Braut in den Kranz.

Es regnet, es regnet,
die Welt ist schon nass;
hol 's Toepfchen,
fang 's Troepfchen,
dann sag ich dir was:

Waescht du die Nase,
bleibt sie fein grade.
Waescht du das Muendchen,
bist du 'n lieb Kindchen.
Waescht du aber die Augen schoen,
kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.



TROeSTERCHEN


Bluemchen haengt das Koepfchen,
der Tau ist ihm zu schwer;
kommt der durstige Morgenwind,
traegt die Tropfen ins Meer.

Spaetzchen piepst und bettelt,
das Kroepfchen ist ihm leer;
Pferdchen hat die Krippe voll,
streut Koernerchen umher.

Kindchen weint noch immer,
Boeckchen stoesst so sehr.
Schenkt ihm Mutter einen Kuss:
sieh mal, nun weint's nicht mehr.



HAeSCHEN IN DER GRUBE


(mit Benutzung des Volkspiels)


Haeschen in der Grube
sass und schlief,
kam der heilge Kuckdiguck
und bracht ihm einen Brief.

Haeschen, bist du muede
oder bist du krank?
Steck doch deine Laeufer raus,
ob du noch huepfen kannst.

Und was stand geschrieben
in Kuckdiguckens Brief?
"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,
geht der Wagen schief."



HASENSPIEL


Hinter den Birken ueber den Rasen
huschen drei Hasen
an uns vorbei,
Springen ueber Busch und Dorn,
wollen ins junggruene Winterkorn,
hocken da,
locken sich da,
laufen kreuz,
laufen quer,
hin und her,
als gaeb's in der Welt keine Schrotflinte mehr.

Warte, in der Weihnachtszeit
kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.
Den groessten verschicken wir,
den zweitgroessten spicken wir,
der kleinste kommt ins Hundehaus
und steckt hinten sein Schwaenzchen raus.



DREI BAeUMCHEN


Jung jung drei Baeumchen
wachsen im Wiesengras,
jung jung drei Baeumchen
sagen mir was.

Das erste hat sich
so gequaelt,
hat alle seine siebentausend
Blaettchen gezaehlt.

Das zweite traegt Pflaeumchen,
schlicker-schleckerfein;
haett es deine Zaehnchen,
es aesse sie allein.

Das dritte, das dritte
schuettelt sich bloss:
fallen lauter Blueten
in meinen Schoss.

Sag ich schoen Dank,
geh ich nach Haus,
mach ich Rumpumpeln
ein Kraenzchen draus.



SCHABERNACK


Wenn ich in die Stube geh
und den Rumpumpel seh,
tanzen wir zwei
Ringeldireih,
lachen wir,
machen wir
Schabernack,
Huckepack,
Kaetzchen spielt den Dudelsack,
macht Rumpumpel Hottehueh
nach der alten Melodie:
Miau, miau,
dem Kater seine Frau,
dem Kater seine grisegrimme
gritzegraue Frau.



AM ABEND


Still.
Was bloss das Kaetzchen will?
Es streicht um meinen Schoss herum,
das Schwaenzchen hoch, den Buckel krumm,
Still--
und weisst du, was es will?

Still.
Was bloss die Glucke will?
Sie lockt und lockt die kleine Brut
zum warmen Stall und deckt sie gut,
Still--
und weisst du, was sie will?

Still.
Was bloss Rumpumpel will?
Die Augen macht er schon ganz klein
und gaehnt und will genommen sein,
still--
nun weisst du, was er will.



GUTENACHTLIEDCHEN


Leise, Peterle, leise,
der Mond geht auf die Reise;
er hat sein weisses Pferd gezaeumt,
das geht so still, als ob es traeumt,
leise, Peterle, leise.

Stille, Peterle, stille,
der Mond hat eine Brille;
ein graues Woelkchen schob sich vor,
das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,
stille, Peterle, stille.

Traeume, Peterle, traeume,
der Mond guckt durch die Baeume;
ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
um Peterle im Schlaf zu sehn--
traeume, Peterle, traeume.



FREUND HUSCH


(von Paula und Richard Dehmel)


Husch, husch, husch,
ich schluepfe aus dem Busch;
ich stecke mein Laternchen an,
ich zuende uns die Sternchen an,
husch.

Husch, husch, husch,
ich putze meinen Busch.
Der Mond ist da, der Mond ist hell;
der Mond, der ist mein Spielgesell,
husch.

Husch, husch, husch,
ich schuettel meinen Busch.
Die Kinderchen sind all zur Ruh,
ich schuettel ihnen Traeume zu;
die haben wir vergangne Nacht,
der Mond und ich, uns ausgedacht,
husch, husch, husch,
im Busch.



RUMPUMPELS GEBURTSTAG


Kraeht der Hahn frueh am Tage,
kraeht laut, kraeht weit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Guckt das Eichhoernchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Kommt das Haeschen gesprungen,
macht Maennchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut
schrein: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!



MUTTERS GEBURTSTAG


Leises Klopfen an der Tuere:
Kann ich 'rein, Mama?
Frisch gewaschen, frisch gebuegelt
steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Haendchen;
wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut.
Vater putzt die grosse Stube,
die ist maechtig schoen.
Lauter Blumen! Und die Torte!
Komm, zu Vati gehn!



RUMPUMPEL TANZT


Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
es blitzen seine Schuh;
der Kreisel und der Hampelmann
sehn verwundert zu.

Der Kreisel pufft den Hampelmann:
guck, Hans, was sagst du nur?
der Junge tanzt, der Junge tanzt
und sitzt an keiner Schnur.

Der Hampelmann zieht ein Gesicht
und schlenkert und sagt: puh,
auch eine Peitsche braucht er nicht,
tanzt doch so schoen wie du.

Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
die liebe Sonne scheint;
der Kreisel und der Hampelmann
sind sich spinnefeind.



KREISELLIEDCHEN


Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
kommt die dicke Marmelkugel,
rollt ihn um, rollt ihn um;
pass auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
pfeift der Wind aus einer Ecke,
pfeift ihn um, pfeift ihn um;
steh auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,
peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;
hopp hopp, wie springt das Bruederlein,
halt den Dieb, halt den Dieb,
heissa, Herr Dreidel!



KONZERT


Musik, Musik, die Floete kommt,
Rumpumpel tut's begreifen:
er horcht und hebt das Fingerchen,
faengt gleich an mitzupfeifen.

Musik, Musik, die Geige kommt,
die Geige tut fein klingen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
faengt leise an zu singen.

Musik, Musik, der Brummbass kommt,
ganz deutlich hoert man's summen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
tut wie 'ne Hummel brummen.

Das gibt ein herrliches Konzert,
ihr Kinder, kommt, ich bitte!
Drei Kirschen kost't der erste Platz,
und eine kost't die Mitte.

Hinten herum ist alles frei,
grossmuetig sind wir heute;
der Mohr, der Spitz, der Hampelmann
sind gar zu arme Leute.



DIE ERSTEN HOeSCHEN


Der Schneidermeister Piekenich
ist ein geschickter Mann,
er kommt und misst dem Peterle
die ersten Hosen an.

Er nimmt sein Buch und Metermass,
schreibt sich die Zahlen auf;
und wenn der Bub nicht stille steht,
kriegt er eins hinten drauf.

"Du lieber Meister Piekenich,
mach die Hosen recht schoen!
Ich will ja unter den Linden
damit spazieren gehn.

Und alle kleinen Jungens
gucken nach mir hin
und sehn an meinen Hoeschen,
dass ich auch ein Junge bin."



DER KLEINE SUeNDER


(von Paula und Richard Dehmel)


Gestern lief der Peter weg,
spinnefix verstohlen.
Setzt sich Mutter den Baenderhut auf:
wart, ich will dich holen.
Sausepeter,
Flausepeter,
kleiner Suender, wo bist du?

Hahnematz steht auf der Wiese,
"Kiek ins Gruene" kraeht er;
sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter?
Bummelpeter,
Schummelpeter,
kleiner Suender, wo bist du?

Wie sie sich im Garten umguckt,
ist er nicht zu sehen,
bleibt sie neben dem Spargelbeet
unterm Pflaumbaum stehen.
Aber Peter,
nirgends steht er;
kleiner Suender, wo bist du?

Hoert sie etwas lachen, horch
oben aus dem Baume;
sitzt der Peter seelenvergnuegt,
pflueckt sich eine Pflaume.
Wirft ein Steinchen,
schwenkt die Beinchen,
wupptich--: Mutter, da bin ich!



FLUTSCHPETER


Flutschpeter lief nie gradeaus;
ja, und warum? Er lief
getreulich seiner Nase nach,
und die, ja die war--schief.



DIE TROMMELPARTIE


Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Kaetzchen
Mausemaetzchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Huendchen
Belleinstuendchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Schweinchen
Rosenfeinchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt der Baer
Brummesehr,
der will mit.

So geht's im Trab,
bergauf, bergab,
durch Duenn und Dick,
durch Schlamm und Schlick;
Rumpumpel schlaegt die Trommel.

Das Kaetzchen maut,
das Huendchen bellt,
das Schweinchen quiekt,
der Baer brummt: was 'ne dumme Welt!
Rumpumpel schlaegt die Trommel.



RUMPELREIM


Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,
Ride-bide-Bummstock liess sie wieder raus;
Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,
die Maeuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.



DAS KARNICKEL


Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
was bist du heut so still?
Sieh her, ich habe Kohl fuer dich,
sitz doch nicht gar so feierlich!
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
wie kommst du mir heut vor!

Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
ist dir dein Haus zu eng?
Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,
bloss friss mir nicht die Knospen all!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
bist mir nun wieder gut?



LEKTION


Huehner, wollt ihr wohl artig sein!
huebsch langsam essen und nicht so schrein!
Muesst ihr denn immer zanken und beissen?
euch um jedes Koernchen reissen?
Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,
du isst ja fuer vier.
Weg! hoerst du nicht? du sollst dich trollen!
Die niedlichen kleinen Kueken wollen
auch mal heran an das schoene Futter.
Wenn du nicht hoerst, sag ich's der Mutter;
die faengt dich ein und macht dich tot,
dann essen wir dich zum Mittagbrot.



LIED DES HUeHNCHENS


   Tuck--tuck--heut ist Regentag,
   und ich muss mich plagen;
   kratze schon acht Stunden, tuck,
   und noch knurrt mein Magen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck die Enten, tuck die Enten,
   Enten sind doch Narren;
   gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,
   als koennte man da scharren.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Pferde, tuck tuck tuck, und Kuehe
   haben grosse Koepfe,
   aber keine Kroepfe, tuck;
   traurige Geschoepfe!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, wie war der Hahn galant,
   suchte mir manch Kruemchen;
   heute geht er, tuck tuck tuck,
   mit Cochinchina-Muehmchen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, du fetter Regenwurm,
   dich muss ich noch ergattern;
   schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,
   Muhmen und Gevattern!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, waer ich doch endlich satt,
   tuck, das waer ein Segen;
   muss Rumpumpeln, tuck tuck tuck,
   sein Fruehstuecks-Ei noch legen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
ach, wann hat man wohl genug?



SO SIEHT UNSRE WIRTSCHAFT AUS


Unser Mueller hat ein Muehlenhaus,
mi-ma-Muehlenhaus,
kommt Korn hinein und Mehl heraus,
mi-ma-Mehl heraus;
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unser Baecker, der backt weisse Wecken,
wi-wa-weisse Wecken,
und braunes Brot und Streusselschnecken,
stri-stra-Streusselschnecken;
weisse Wecken, Streusselschnecken,
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unser Schlaechter schlacht't ein feistes Schwein,
fi-fa-feistes Schwein,
und poekelt Wurst und Schinken ein,
schi-scha-Schinken ein;
feistes Schwein, Schinken ein,
weisse Wecken, Streusselschnecken,
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,
bi-ba-bunte Kuh,
die gibt uns Milch und Butter dazu,
bi-ba-Butter dazu;
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weisse Wecken, Streusselschnecken,
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unsre Henne macht ein laut Geschrei,
li-la-laut Geschrei,
und legt dabei ein frisches Ei,
fri-fra-frisches Ei;
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weisse Wecken, Streusselschnecken,
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefuegt.]

Rumpumpel ist ein kluges Kind,
kli-kla-kluges Kind,
das fragt nicht viel und isst geschwind,
i-a-isst geschwind;
kluges Kind, isst geschwind,
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weisse Wecken, Streusselschnecken,
Muehlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.





ZWEITER TEIL



DAS HAUS


Ich bau, ich bau ein steinern Haus;
vorne guckt ein Esel raus,
hinten eine Kuh,
muh.



MIT TROMMEL UND TRAB


Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
spinnen viel feine Faeden ueber Land,
ueber Baeume,
ueber Zaeune,
um Stoppel und Dorn,
immer von vorn.

Fuer wen sitzen die alten Weiber im Sand,
spinnen viel feine Faeden ueber Land?
Fuer Wildbub Kraushaar,
kommt alle hundert Jahr
mit Trommel und Trab
vom Himmel herab,
reisst alle Faeden auf einmal ab,
macht sich ein'n Muetzenpuschel draus
und lacht die alten Weiber aus.



SIEBENSCHLAeFER


Ihr Siebenschlaefer in den Hoehlen,
reckt euch, streckt euch, aufgewacht!
Der Fruehling leuchtet in den Himmel
nach einer einzigen warmen Nacht.

Schnell, schuettelt eure grauen Zotteln,
und blinzelt in das blaue Licht;
Herrgott, wer wird so langsam trotteln,
ich lauf voraus, ich warte nicht.

Die Amsel uebt schon ihre Lieder,
ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;
und denkt euch nur, der blaue Flieder
hat Knospen, und der Haselstrauch.

Der Teckel bellt vor lauter Wonne
und wuehlt die frische Erde um--
Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,
ihr Siebenschlaefer faul und dumm?



OSTERLIED


Has, Has, Osterhas,
wir moechten nicht mehr warten.
Der Krokus und das Tausendschoen,
Vergissmeinnicht und Tulpen stehn
schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas,
mit deinen bunten Eiern.
Der Star lugt aus dem Kasten aus,
Bluehkaetzchen sitzen um sein Haus;
wann kommst du Fruehling feiern?

Has, Has, Osterhas,
ich wuensche mir das Beste:
ein grosses Ei, ein kleines Ei
und ein lustiges Dideldumdei,
alles in einem Neste.



MAIWUNDER


(von Paula und Richard Dehmel)


Maikoenig kommt gefahren,
in seinem gruengoldnen Wagen,
mit Saus und Gesinge.
Seine Zuegel sind Sonnenstrahlen,
grosse blaue Schmetterlinge
ziehn ihn ueber Busch und Bach,
dass die weissen Bluetenglocken
in seinen Locken
schwingen und springen,
und Hans guckt ihm nach
und hoert sein Lied:
wer zieht mit? zieht mit?

Kommt das Maienweibchen,
traegt ein weisses Kleidchen,
traegt ein gruenes Kraenzchen,
sagt zu unserm Haenschen:
Eia, Hans,
komm zum Tanz!
Einen Schritt Frau Nixe,
einen Schritt Herr Nix,
Ringeldireih, Ringeldireih,
Dienerchen,
Knix!



HANSEL UND GRETEL


Hansel und Gretel stehen zu zwein,
der Hansel ist grob,
und die Gretel ist fein,
der Hansel ist dick,
und die Gretel ist duenn,
der Hansel ist aus Birkenholz,
die Gretel ist aus Zinn.
Heissa, juchheissa, wer wird nun Koenig?
Was der eine zu viel hat, hat der andre zu wenig.



PRINZESSCHEN


Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
ich bin so sehr allein.
Kam da der gelbe Sonnenstrahl:
Ich tanze Tippel-huschemal,
willst du meine Taenzerin sein?

Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Sonnenstrahl ist zu fein.
Kam da der wilde Pustewind:
Heidih, ich spiele Wegefind,
lauf doch, fang mich ein!

Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Wind macht mein Kroenchen entzwei.
Kam da unser brauner Junge an,
macht 'nen Diener wie 'n Edelmann:
Prinzess, ich bin so frei.



DAS GROSSE LOCH


Das grosse Loch,
wie kam es doch
in Gretens neuen Schuh?
Die ganzen Zehn
sind ja zu sehn;
wer macht das Loch uns zu?

Drueben hinterm Rathaus
haengt ein grosses Schild raus,
goldner Stiefel drauf.
Da wohnt der Schuster Firlefanz,
der macht dein Schuhchen wieder ganz;
lauf, Grete, lauf!



ZWEI GESELLEN


Es tanzen zwei Gesellen
   hier herum;
der eine, der ist klug,
und der andre, der ist dumm.
Der eine liegt im Grase,
der andre sitzt am Tisch;
der eine kaut den Kanten,
der andre isst den Fisch
   isst den Fisch.

Es tanzen zwei Gesellen
   hier herum;
der eine, der ist grad,
und der andre, der ist krumm.
Der eine, der bleibt mager,
der andre, der wird fett;
der eine kommt an'n Galgen,
der andre stirbt im Bett.
   Je nun, je nun,
   was ist dabei zu tun.



WENN'S PFINGSTEN REGNET


Oben aus dem Fahnenhaus
guckt das schwarze Wettermaennchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an;
schaeme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
hast du dem Fritze fest versprochen,
dass zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschoenste Wetter sei.
Und nun regnet's, liebe Not,
alle hellen Blueten tot;
sie liegen da wie nasser Schnee.
Auf den Wegen steht See an See;
ja, wenn wir noch drin baden koennten,
wie die Spatzen oder die Enten.
Wir duerfen aber gar nicht raus,
sehn so mucksch wie Maulwuerfe aus;
roeche nicht der Kuchen so lecker her,
wuesste man gar nicht, dass Feiertag waer.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Schaeme dich, schwarzer Wettermann!



EINE HUeHNERGESCHICHTE


Vor der Laube kraeht der Hahn,
ein rot-schwarz-gelb und gruener:
Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,
fix, kommt fix, ihr Huehner!

Seht die Hennen,
wie sie rennen,
aus Verstecken,
ueber Zaeune, ueber Hecken,
gackern, beissen sich und schrein,
jede will die erste sein.
Wie sie fliegen, wie sie flattern,
um ein Plaetzchen zu ergattern.
Oben auf des Tisches Mitte
steht Herr Hahn:
Bitte, meine Damen, bitte,
fangt nur an!
Pick und schluck,
nicht genug,
immer mehr
Kuchen her!
Unser Kropf
ist ein Topf,
wird nicht voll,
wird nicht leer,
darum mehr
Kuchen her,
bis der Teller leckeleer!

Drueben aus des Gaertners Haus
guckt der kleine Fritz und lacht:
Ei, wie sah das lustig aus,
das haben die Huehner klug gemacht.



MARIEKEN UND DIE KUeKEN


Marie, Marei, Marieken
mit deinen sieben Kueken,
was willst du tun?

"Die alte Kluckenmutter ist tot,
nun frieren die Kinder und finden kein Brot;
ich will sie pflegen."

Marie, Marei, Marieken
mit deinen sieben Kueken,
was hast du im Sack?

"Kartoffelmus und Hirsekern,
das essen meine Kinderchen gern,
das streu ich ihnen."

Marie, Marei, Marieken,
gib mir eins von deinen Kueken,
du hast noch genug.

"Wenn ich meine Kinder verschenken taet,
muesst ich weinen von frueh bis spaet,
dass sollst du wissen."

Marie, Marei, Marieken,
Zu Huehnern werden die Kueken;
was machst du dann?

"Und werden huebsch bunt und werden gross,
fliegen mir alle um Kopf und Schoss,
hei, alle sieben!"



KINDERKUeCHE


Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Pfanne;
nimmt sie sich die Schiefertafel
von klein Schwester Hanne.
Hat sie eine Pfanne.

Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Butter;
borgt sie beim Kanarienvogel
rasch ein bisschen Futter.
Hat sie Butter.

Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Kohlen;
vor der Tuer blueht roter Mohn,
geht sie den sich holen.
Hat sie Kohlen.

Marie-Marei will Braten machen,
fehlt noch das Gaenschen;
nimmt sie sich die Pudelmuetze
von klein Bruder Fraenzchen.
Hat sies Gaenschen.

Hei, mit diesen Wunderdingen
muss der Braten wohlgelingen;
bitte zu Tisch!



ESSENSREGELN


Spitzt das Ohr und merkt euch still,
was die gute Sitte will!
Wer die schoene Form erfasst,
ist ein gern gesehner Gast;
wer sich frech und plump betraegt,
wird ohne Besen hinausgefegt.


--1--

Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen,
soll Mund und Haende sich sauber waschen,
sich erst setzen, wenn die andern sitzen,
das Maeulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen,
nicht plappern, wenn grosse Leute sprechen,
das Brot nicht zerkruemeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen.


--2--

Rueckt immer den Stuhl so dicht heran,
dass Loeffel und Gabel zum Munde kann,
ohne das Tischtuch zu betrippen;
und schliesst beim Kauen huebsch die Lippen!
Turnen beim Essen, das will nicht passen;
also die Ellbogen huebsch unten lassen!


--3--

Nicht gierig stopfen! langsam essen!
auch keinen Rest auf dem Teller vergessen!
Nicht wie Hunde oder Katzen
schlecken, schluerfen, schnaufen, schmatzen!
Nicht kichern und nicht heimlich fragen,
und immer schoen bitte und danke sagen!


--4--

Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen,
sollt ihr zuvor die Lippen wischen.
Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden,
das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden.
Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen;
auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schaelen.


--6--

Wer stochert in den Zaehnen,
nicht unterdrueckt das Gaehnen,
das Messer in den Mund steckt,
Gabel und Teller ableckt,
zuviel packt auf den Loeffel,
gilt als Flegel und Toeffel.



DIE BOeSE MIES


Es war einmal ein Kaetzchen,
ein allerliebstes Fraetzchen.
Es hatte das Mamsellchen
ein seidenweiches Fellchen
und einen Bart ums Schnaeuzchen
und Augen wie ein Kaeuzchen.
Es machte gern den Ruecken krumm
und brachte viele Maeuse um,
dann schlich es auf die Ofenbank
und leckte sich die Pfoten blank.

Einst aber, oh das Kaetzchen,
was tut das liebe Fraetzchen?
Einst stand auf unserm Tische
ein Teller Bratenfische.
Hopp, ist das Kaetzchen oben:
die Fische muss ich loben.
So denkt es sich und sitzt und schmaust,
doch Mutterchen kommt angesaust,
und gibt dem Naschmamsellchen
--na warte--eins aufs Fellchen.

Nein, unser Miesekaetzchen
war gar kein liebes Fraetzchen:
los auf die gute Mutter,
und durch das Aermelfutter
--kratz--in den Ellenbogen!
War das nicht ungezogen?
Dann lief es voller Wut hinaus
und kam erst abends spaet nach Haus,
und schlich sich auf die Ofenbank
und leckte sich die Pfoten blank.



POTTKIEKER


Mutti, Mutti, was ist denn da drin?
   "Hoppel-poppel-Appelreis,
   mach dich weg, Naseweis,
   kann dich hier nicht brauchen,
   der Ofen tut rauchen,
   muss Spaehne suchen,
   sonst brennt der Kuchen,
   muss Gaense schlachten,
   in sechs Wochen ist Weihnachten."

Mutti, Mutti, wo soll ich denn hin?
   "Ei, tanz mit dem Schimmel,
   bohr Loecher in den Himmel,
   lehr die Katz das Alphabet,
   sieh nach, ob sich der Kirchturm dreht,
   oder lauf ans Ende der Welt,
   pass auf, dass keiner runter faellt,
   marsch!"



DER REITERSMANN


(von Paula und Richard Dehmel)


Schimmel, willst du laufen,
will ich uns was kaufen.
Heissa, lauf nach Mexiko,
da kaufe ich dir Bohnenstroh;
laufe nach der Mongolei,
da kauf ich mir ein Osterei,
hopp!

Eile, Schimmel, eile,
oder du kriegst Keile.
Hoppssa, lauf nach Hindostan,
da kaufe ich mir Marzipan;
laufe nach Kap Morgenrot,
da kauf ich dir ein Dreierbrot,
burr!



DAS RICHTIGE PFERD


(von Paula und Richard Dehmel)


Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!
Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,
es hat so steife Beine,
es stampft nicht, frisst nicht, wiehert nicht,
und macht solch ledernes Gesicht,
und weiss nicht, was ich meine.

Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,
ein wirklich richtiges Pferd beschert,
dann reit ich ueber die Bruecke,
und reite durch den Kiefernforst
nach Vehlefanz und Haselhorst
und noch fuenf grosse Stuecke.

Dann bin ich mitten in der Welt,
da such ich mir ein Haberfeld
und lasse mein Pferdchen grasen.
Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,
wo der Riese den Regenbogen haelt,
und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte.



DER KLEINE REKRUT


Ich hab einen Helm aus Packpapier,
mit einem Federbusche;
der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf
mit schwarz-weiss-roter Tusche.

Einen hoelzernen Saebel hab ich auch,
mit einem richtgen Griffe;
wenn nur der Scherenschleifer kaem,
dass er ihn endlich schliffe!

Meine Mutter ist 'ne gute Frau,
die schenkt mir einen Dukaten,
dann kauf ich mir ein Schiessgewehr,
geh unter die Soldaten.



DER HAUPTMANN


Ich bin der Hauptmann,
ihr die Soldaten;
immer gehorsam,
das will ich euch raten,
hoert ihr!

Eins, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
marsch!

Seht euch nicht um,
seht euch nicht an,
immer huebsch stramm,
Mann hinter Mann,
halt!

Eins, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
marsch!



ABZAeHLREIM


Rechts, links, ueber Eck,
die Henne legt die Eier weg,
legt sie in ein Buendel Stroh,
irgendwie, irgendwo;
kommt der Marder Wagemut,
jagt die Henne von der Brut,
rechts, links, ueber Eck--
ein Kueken hat--er--weg.



FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE


(von Paula und Richard Dehmel)


Fritz, ich moecht den Spaten haben.
"Mutterchen, warum?"
Moechte eine Grube graben.
"Mutterchen, warum?"

Moechte drin ein Baeumchen pflanzen.
"Mutterchen, warum?"
Wird mein Fritze drunter tanzen.
"Mutterchen, warum?"

Wird das Baeumchen Kirschen tragen.
"Mutterchen, warum?"
Ei, du musst die Spatzen fragen,
die sind nicht so dumm!--

Kommt die kleine Plappertasche:
"Mutterchen, nicht wahr,
ich bin klueger als der Fritze,
bin schon bald sechs Jahr.

"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze
ist ein Schaf, o je!
Ich kann schon bis zwanzig zaehlen
und das A-B-C."

I, du kleine Plappertasche,
lass den Fritz in Ruh.
Plappertasche, wische wasche,
halt das Maeulchen zu.

Uebermorgen in vier Wochen
kommt der Weihnachtsmann;
wenn du dann noch immer plapperst,
was bekommst du dann?

Einen grossen Maulkorb!--



PLAPPERMUeNDCHEN


In Leipzig wohnt ein Baeckermeister,
Hans-back-die-Semmeln-groesser heisst er;
Seine Mutter, die Frau Meisterin,
zieht den Teig wer weiss wie duenn,
rollt ihn mit der Mangel aus,
macht sieben bucklige Bretzeln draus,
drei fuer den Vater,
drei fuer die Mutter,
eine fuer unser Plappermuendchen,
dann schweigt's vielleicht ein Viertelstuendchen.



PUPPENDOKTOR


Lieber Doktor Pillermann,
guck dir bloss mein Pueppchen an.
Drei Tage hat es nichts gegessen,
hat immer so stumm dagesessen,
es will nicht einmal Zuckerbrot,
die Arme haengen ihr wie tot.
Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
ist diese Krankheit sehr gefaehrlich?

Madam, Sie aengstigen sich noch krank;
der Puls geht ruhig, Gott sei Dank.
Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
sie muss zu Bett und tuechtig schwitzen;
drei Kiebitzeier gebt ihr ein,
dann wird es morgen besser sein.
Empfehle mich.



KLEINER EINKAUF


Guten Tag, guten Tag, liebe Gruenkramfrau,
Gemuese will ich kaufen,
ich bin mit meinem Henkelkorb
extra hergelaufen;
auch schoene frische Eier will ich,
hoffentlich sind sie heute billig.

Die Schoten hier gefallen mir,
zuckersuesse Kerne;
auch von den Ruebchen moechte ich
ein halbes Liter gerne.
Kohlrueben? lieben wir nicht sehr;
doch zeigen Sie mal die Pflaumen her!

Davon will ich fuenf Litermass,
haufenvoll gemessen!
weil meine Kinderchen zu Haus
alle gern Pflaumen essen.
Geld schick ich Ihnen morgen her;
ich denke doch, es eilt nicht sehr,
ich hab es grad vergessen.



VATERS GEBURTSTAG


Schnell, schnell, Besen,
feg die Stube rein;
wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt,
muss alles sauber sein.

Wisch, wisch, Lappen,
ueber Stuhl und Schrank;
wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt,
sind sie blitzeblank.

Blueh, blueh, Blume,
blueh recht frisch;
wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt,
Stehst du auf dem Tisch.

Herz-Herz-Muttchen,
schnell das neue Kleid;
bis Vaeterchen zum Kaffee kommt,
ist nur noch wenig Zeit.

Tick, tick, Uhrchen,
renn doch nicht so fix;
wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt,
mach ich meinen Knix.

Fertig, alles fertig,
der Kuchen auch ist da;
der Kaffee kommt, der Vater kommt,
mein Verschen kann ich ja:
"Heut ist dein Geburtstag!"



DAS HIMMELSPRINZESSCHEN


Ich bin das Himmelsprinzesschen,
habe Fluegel von blauem Duft,
ich schlafe im Wolkenbettchen
und bade in Licht und Luft.
Mir gehoert die silberne Schaukel
hoch oben im Himmelssaal;
wenn die goldenen Seile schwingen,
blitzt es unten im Tal.

Der alte Wetterriese
donnert und schilt mich aus,
ich flitze ueber die Sterne
und lache den Brummbart aus.
Die Mirlamein vom Monde
webt meine Kleider und Schuh,
die gute Mutter Sonne
gibt goldne Spangen dazu.

Der liebe Gott hat mich gerne,
ich bin sein liebes Kind;
er nimmt uns auf die Kniee,
mich und den Fruehlingswind.

Des Abends sitzen wir stille
bei Mirlamein im Zelt
und spinnen Wuensche und Traeume
und streuen sie ueber die Welt.



WINDFREUDE


Wenn der Wind ueber Wiesen und Felder rennt,
renn ich mit;
da denk ich, dass ich fliegen kann,
und guck mir lustig die Voegel an,
susewitt, susewitt.

Wenn der Wind durch die Straeucher und Baeume fegt,
feg ich mit;
die Bluetenkaetzchen feg ich zu Hauf
und setz mir vom Ahorn ein Nasenhuetchen auf,
susewitt, susewitt.

Wenn der Wind durch die Turmloecher singt und pfeift,
pfeif ich mit;
sein Jodler wird mir gar nicht schwer,
und den Brummbass lern ich nebenher,
susewitt, susewitt.



LIED VOM MONDE


Wind, Wind, sause,
der Mond ist nicht zu Hause;
er ist wohl hinter den Berg gegangen,
will vielleicht eine Sternschnuppe fangen,
Wind, Wind, sause.

Stern, Stern, scheine,
der Mond, der ist noch kleine;
er hat die Sichel in der Hand,
er maeht das Gras am Himmelsrand,
Stern, Stern, scheine.

Singe, Vogel, singe,
der Mond ist guter Dinge;
er steckt den halben Taler raus,
das sieht blank und lustig aus,
singe, Vogel, singe.

Und hell wird's, immer heller;
der Mond, der hat 'nen Teller,
mit allerfeinstem Silbersand,
den streut er ueber Meer und Land,
und hell wird's, immer heller.



WEIHNACHTSSCHNEE


Ihr Kinder, sperrt die Naeschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die grosse Himmelsbuechse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut--die Kuchen sind schon voll--
er streut--na, das wird munter:
er schuettelt die Buechse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Maeulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schuesseln!--Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid unglaeubige Leute!



KNECHT RUPRECHT IN NOeTEN


Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
und rueckt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, laermt nicht so,
seid mal ein bisschen stille!
Kommt, rueckt huebsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!

Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten?--:
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
Schick uns doch mal das Luftschiff her!

Hans moechte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Grosspapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will bloss nach Neuruppin
mit Zeppelin, mit Zeppelin.

Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganze liebe kleine Pack
will bloss noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.

Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnoeten,
baut mir ein Luftschiff riesengross
mit hunderttaufend Boeten,
lasst lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!

Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dank schoen, sagt Ruprecht, faehrt hinab,
holt alle Jungs und Maedels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erkaelten?



FROHE BOTSCHAFT


Frueh, eh ich's konnt begreifen,
hoert ich schon etwas pfeifen,
hoert ich Schon etwas brummen,
wie tausend Bienen summen.
   Was ist denn los? Ach ja:
   der Weihnachtsmann ist da!

Die Raben und die Spatzen,
sie muessen's weiterschwatzen;
in alle Haeuser dringt es,
von allen Glocken klingt es.
   Was laeuten sie? O ja:
   der Weihnachtsmann ist da!

Mit seinem braven Esel
zieht er von Thorn bis Wesel;
wo Maedels sind und Buben,
tritt er in ihre Stuben
und langt aus Sack und Taschen
zum Spielen was und Naschen.
   Wo habt ihr's her? Na ja:
   der Weihnachtsmann war da!



DER LIEBE WEIHNACHTSMANN


(von Paula und Richard Dehmel)


Der Esel, der Esel,
wo kommt der Esel her?
Von Wesel, von Wesel,
er will ans schwarze Meer.

Wer hat denn, wer hat denn
den Esel so bepackt?
Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht
mit seinem Klappersack.

Mit Nuessen, mit Aepfeln,
mit Spielzeug allerlei,
und Kuchen, ja Kuchen
aus seiner Baeckerei.

Wo baeckt denn, wo baeckt denn
Knecht Ruprecht seine Speis?
In Island, in Island,
drum ist sein Bart so weiss.

Die Rute, die Rute
hat er dabei verbrannt;
heut sind die Kinder artig
im ganzen deutschen Land.

Ach Ruprecht, ach Ruprecht,
du lieber Weihnachtsmann:
komm auch zu mir mit deinem
Sack heran!



SANKT NIKLAS' AUSZUG


Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,
klopft seine lange Pfeife aus
und sagt zur heiligen Kathrein:
Oel mir die Wasserstiefel ein,
bitte hol auch den Knotenstock
vom Boden und den Fuchspelzrock,
die Muetze lege oben drauf,
und schuette dem Esel tuechtig auf,
halt auch sein Sattelzeug bereit;
wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
Und dass ich's nicht vergess, ein Loch
ist vorn im Sack, das stopfe noch!
Ich geh derweil zu Gottes Sohn
und hol mir meine Instruktion.

Die heilige Kaethe, sanft und still,
tut alles, was Sankt Niklas will.
Der klopft indes beim Herrgott an,
Sankt Peter hat ihm aufgetan
und sagt: Gruess Gott! wie schaut's denn aus?
und fuehrt ihn ins himmlische Werkstaettenhaus.

Da sitzen die Englein an langen Tischen,
ab und zu Feen dazwischen,
die den kleinsten zeigen, wie's zu machen,
und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
haemmern und haekeln, schnitzen und schneidern,
faelteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
packen die Schachteln, binden sie zu
und haben so gluehende Baeckchen wie Du.
Herr Jesus sitzt an seinem Pult
und schreibt mit Liebe und Geduld
eine lange Liste. Potz Element,
wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
Die sollen die schoenen Engelsgaben
zu Weihnachten haben.

Was fertig ist, wird eingesackt
und auf das Eselchen gepackt.
Sankt Niklas zieht sich recht warm an;
Kinder, er ist ein alter Mann,
und es faengt tuechtig an zu schnein,
da muss er schon vorsichtig sein.

So geht es durch die Waelder im Schritt,
manch Tannenbaeumchen nimmt er mit;
und wo er wandert, bleibt im Schnee
manch Futterkoernchen fuer Hase und Reh.
Aus Haus und Huette strahlt es hell,
da hebt er dem Esel den Sack vom Fell,
macht leise alle Tueren auf,
jubelnd umdraengt ihn der kleine Hauf:
Sankt Niklas, Sankt Niklas,
was hast du gebracht?
was haben die Englein
fuer uns gemacht?
"Schoen Ding, gut Ding,
aus dem himmlischen Haus;
langt in den Sack! holt euch was raus!"



BESCHEIDENE FRAGE


Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du der flinken Grete was?
Sie ist fast immer artig gewesen,
hat fleissig in ihrer Fibel gelesen,
kann das grosse H schon ganz richtig schreiben,
wird Ostern gewiss nicht sitzen bleiben;
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihr was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du dem dicken Peterle was?
Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn,
aber beten kann er schon wunderschoen:
"Lieber Dott, mach alle Menssen dut,
nimm alle unter deinen Hut'"
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihm was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du der kleinen Lene was?
Sie gehoert der armen Flick-Marie
und hat schon lange ein schlimmes Knie;
zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus,
sieht immer so blass und aengstlich aus.
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihr was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
ich wuensch mir selber auch noch was:
moecht in der Weihnacht mit dir gehn,
mir all die froehlichen Kinder besehn,
wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken
und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken.
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du mir das?





DRITTER TEIL



WIDMUNG


Klaenge wachsen auf den Wegen
im Gebuesch, im jungen Gruen;
alle meine Melodien
moechte ich mit leisem Segen
abends auf dein Kissen legen.

Wilde Blumen, seltne Fruechte:
was der reife Sommer bringt,
moecht ich in dein Zimmer tragen,
sollst mir keine Antwort sagen--
Still--der Traum versinkt--verklingt.



SONNE


Sonne scheint draussen und scheint in die Stube,
unten am Boden kugelt mein Bube,
greift nach den schimmernden, flimmernden Staeubchen;
ich sitze am Fenster und naehe ein Haeubchen,
ein ganz kleines Haeubchen aus weissem Batist.
Ob's wohl ein Maedel ist?--
Und hat's _seine_ Augen, _seinen_ trotzfrohen Sinn,
dann weiss kein Mensch, wie gluecklich ich bin!
Bloss Er--Er--sein liebes Gesicht-- --
"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"--



MARIENLIED


Maria herzt ihr Kindlein
und kuesst sein rotes Muendlein;
sie weiss es nicht,
dass einst zu Golgatha
sein Kreuz wird aufgericht't.

Der Wind mit Blumendueften
tut des Kindes Haerlein lueften;
nicht weiss der Wind,
dass einst zu Golgatha
unschuldig Blut verrinnt.

Sein Laemmlein kommt gesprungen,
spielt um den holden Jungen;
sieht nicht von fern,
dass man zu Golgatha
einst hoehnt den lieben Herrn.

Ihr sorgend Mutterherzen
muesst es fein still verschmerzen;
ihr wisst es nicht,
wann eurem teuren Kindlein
sein Kreuz wird aufgericht't.



KORSISCHES WIEGENLIED


Schlafe, mein kleiner Wildling,
du schlankes Reis, schlaf ein;
draussen im Mondschein die Pappel
sieht auf dein Bett herein.

Traeume, mein heisser Wildling;
was ballst du die kleine Faust?
Kuehl geht der Wind durchs Fenster,
die hohe Pappel braust.

Wachse, mein trotziger Wildling,
wachse dich hoch und frei,
horch auf die herrischen Stuerme
und des Adlers stolzen Schrei!

Raeche mich, Sohn meiner Wildheit,
raeche den Mutterleib,
Schaerfe den Dolch und toete,
toete das fremde Weib!



KOeNIGSKIND


--1--

Schlafe ruhig, Koenigskind;
wie im Traume singt der Wind,
schweigend sitzt der Mond zu Haus,
giesst die weissen Strahlen aus,
giesst sie ueber das weite Land,
ueber Wald und Huegelwand.

Taube gurrt im dunklen Laub,
Kaefer surrt und fliegt auf Raub,
Fischlein steht im Wasser still,
weiss nicht, ob es schwimmen will.
Was dir auch das Leben spinnt:
traeume, Koenigskind!


--2--

Ein Vogel flog aus dem Heimatland,
er flog wohl sieben Tage lang
ueber fremde Waelder und Seen;
da wurden ihm die Fluegel lahm,
und als er ans grosse Wasser kam,
konnt er nicht weiter.

Ein Maegdlein musste von Hause fort,
in ein fernes Land an fremden Ort,
so bang und alleine.
Die Mutter gab ihr drei Tropfen Blut:
Tochter, liebe Tochter, wahre sie gut,
sonst trifft dich ein Unheil.

Das Voeglein fiel aus der Hoeh herab,
brach die Fluegel beide und fand sein Grab
im oeden Lande;
das Maegdlein verlor der Mutter Blut,
verlor den Weg und verlor den Mut
und irrt in der Fremde.


--3--

Waldtaube sass gefangen,
Kuruh, das Voegelein,
wohl hinter Gitter und Stangen;
da liess das Koepflein hangen
Kuruh das Voegelein.

Waldtaube sass am Gitter,
Kuruh, das Voegelein,
da kam ein blauer Ritter,
ein Falke an ihr Gitter:
Kuruh, mein Voegelein.

Und bist du auch gefangen,
Kuruh, mein Voegelein,
meine Liebe zerbricht die Stangen,
zu dir will ich gelangen,
Kuruh, mein Voegelein.

Mit seinen starken Faengen
tat er das Gitter aufzwaengen,
Kuruh, mein Voegelein.
Sie breiteten aus die Fluegel,
flogen weithin ueber die Huegel,
grad in die Sonne hinein,
Kuruh, mein Voegelein.



HEIMWEH


Quellchen geht in den Rauschebach,
Bach geht in den Fluss,
Fluss geht vorbei am Elternhaus,
Muetterchen hoert seinen Gruss;
gruesse mir, Quellchen, gruesse mir fein
Vater und Mutter, vergiss es nicht, nein?

Vater pfeift seinem Huehnerhund,
Mutter sorgt fuer den Herd,
Schwesterchen giesst ihre Tausendschoen,
Bruder zaeumt sich sein Pferd;
gruesse mir, Quellchen, ich bin so allein,
Bruder und Schwester, vergiss es nicht, nein?



ELFENREIGEN


   Eia, wir Elfen,
   wir kommen und helfen,
   eh du's gedacht, Kind, eh du's gedacht.
      Wir kommen
      im frommen
      Geleuchte der Nacht,
      Gewaender
      und Baender
      vom Monde erdacht;
      wir schweben
      und heben
      im Reigenspiel sacht
      die Schleier
      zur Feier
      der freundlichen Nacht.
   Eia, wir reichen
   uns schmeichelnd die weichen
   Haende im gleichen
   lieblichen Takt, im lieblichen Takt.
      Wir gleiten
      durch Weiten
      der wandernden Welt,
      wie ziehende
      fliehende
      Nebel im Feld;
      wir lauschen,
      dem Rauschen
      der Quellen gesellt,
      und schauen
      die blauen
      Gefilde bestellt.
   Eia, wir zeigen
   im silbernen Reigen
   mit Nicken und Neigen
die Zauber der Welt, die Zauber der Welt.



WIEGENMAeRCHEN


Des Mondes Tochter, Mirlamein,
kam in die warme Welt herein,
sie kam aus ihres Vaters Haus
auf einer weissen Fledermaus.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Da sass Prinzessin Mirlamein
auf einem grossen weissen Stein
mitten in bluehender Heide
in ihrem milchweissen Kleide.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

In ihren Haenden bleich und fein
hielt sie die Floete aus Elfenbein;
sie blies--das klang so hell und hold,
als ob ein Engel uns troesten wollt.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Gleich stecken alle Voegelein
den Kopf in die Fluegel und schlummern ein,
die Hirsche und Rehe im tiefen Wald
suchen ihr Lager und schlafen bald.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Gluehwuermchen loescht das Laempchen aus,
fliegt muede in sein Blaetterhaus,
die Tauben gurren im Schlaf kuruh,
mein Kind macht auch die Augen zu.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Die Floete verklingt. Vom Heidestein
wehen die Schleier der Mirlamein,
Sie winkt der weissen Fledermaus
und fliegt zum stillen Mond nach Haus.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.



TRAUMBALLADE


Traumkoenig geht durch bleiches Land,
rings gruessen ihn verstohlen
die braunen Nachtviolen;
Marlenchen geht an seiner Hand,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumkoenig geht an den Rosmarinstrauch,
da brennen die Lebenskerzen,
sie brennen mit roten Herzen;
Marlenchen fuehlt ihren heissen Hauch,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumkoenig geht am See entlang,
die Wasserelfen singen
ein Lied von kuehlen Dingen;
Marlenchen ueberkommt es bang,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumkoenig geht mit leisem Schritt
hinein in die weichen Wellen,
die silbern im Mond aufquellen;
Marlenchen geht in die Tiefe mit,
Marlenchen, jung Marlenchen.



MUTTER HULE


(nach einer alten Volksdichtung)


Die alte Mutter Hule
kann reisen ohne Geld:
sie setzt sich auf den Gaenserich
und reitet durch die Welt.

Die alte Mutter Hule,
die hat im Wald ein Haus;
der Uhu sitzt als Waechter davor,
laesst niemand 'rein und 'raus.

Frau Hulens Sohn heisst Michel,
der ist nicht grad, nicht krumm;
am Sonntag ist er manchmal klug
und Montags manchmal dumm.

Sie schickte ihn zum Markte,
da kauft er sich 'ne Gans;
die flatterte und schnatterte
und wippte mit dem Schwanz.

Frau Hule holt den Ganter;
wie liebten sie sich gleich!
Sie frassen zusammen aus einem Napf
und schwammen in einem Teich.

Des Morgens in der Fruehe
fand Michel ein grosses Ei;
das hatte die liebe Gans gelegt,
der Gaenserich stand dabei.

Der Michel lief zur Hule:
guck, was ich dir gebracht,
ein goldnes Ei. Die Hule sagt:
das hast du brav gemacht.

Der Michel trug's zu Markte,
drei Dukaten wollt er haben;
der Jud wollt bloss die Haelfte geben,
da schmiss er ihn in'n Graben.

Er ging am Schloss vorueber,
da stand ein Fraeulein lilienschoen;
dem Michel schwoll das Herze,
er blieb ein bisschen bei ihr stehn.

Der Jude und ein Ritter
fielen ueber Michel her
von vorne und von hinten,
da schrie der Michel sehr.

Die alte Mutter Hule
flog ueber Prag und Wien,
verwandelt ihren Michel schnell
in einen Harlekin.

Und auch das Fraeulein ruehrte sie
mit ihrem Flederwisch,
da stand ein Kolombinchen da
mit Backen rot und frisch.

Wo blieb das goldne Ei, huchjee?
Das rollte weit ins Meer.
Der Michel zog die Stiefel aus
und sockte hinterher.

Die alte Mutter Hule
sattelt hui die grosse Gans
und flog damit zum roten Mond,
denn da war Fastnachtstanz.



EIN SINGSANG VOM RHEINE


Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brueck von Koellen an!
Ein Schifflein kommt gefahren
wohl ueber den gruenen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?
   Ei, roten Wein,
   ei, weissen Wein,
den hat das Schiff geladen.

Zu Koellen an der Bruecke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Was wollen die Herren trinken?
   Ei, roten Wein,
   ei, weissen Wein,
den wollen die Herren trinken.

Ein Schifflein kommt gefahren
wohl ueber den gruenen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?
   Ei, blonde Juengferlein,
   ei, braune Juengferlein,
die hat das Schiff geladen.

Zu Koellen an der Bruecke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Wen wollen die Herren kuessen?
   Ei, blonde Juengferlein,
   ei, braune Juengferlein,
die wollen die Herren kuessen.

Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brueck von Koellen an!



BADEBALLADE


Lise Nackfisch und Hans Pitschenass
badeten im Teiche,
strampelten, tauchten,
plantschten und fauchten;
   --hell lachte die alte Eiche.

Murrian Knurr, der Pudelhund,
kam vorbei am Teiche,
erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei!
da baden zwei, nackend und frei!
   --hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschenass
sprangen aus dem Teiche,
fassten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf,
seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein,
   --hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschenass
baden wieder im Teiche,
hampeln und strampeln, spritzen und tauchen,
patschen und plantschen, prusten und fauchen,
   --hell lacht die alte Eiche.



DER TEUFEL UND DIE KATZ


(nach Schwinds Bildern)


Ein Kaetzlein ging einst jagen,
welch schoene Katz, welch feine Katz;
an einer Kirchhofsmauer,
da lag sie auf der Lauer
und fing sich einen Ratz.

"Ach Kaetzlein, lass mich leben,
du schoene Katz, du feine Katz;
will dienen deinem Willen,
jed Wuenschlein dir erfuellen
als dein getreuer Schatz."

Das Kaetzlein liess sich ruehren,
die schoene Katz, die feine Katz;
sie liess die Ratte leben,
tat ihr ein Laternchen geben,
zu leuchten bei der Hatz.

"Ich tu dir wacker helfen,
du schoene Katz, du feine Katz;
brauchst bloss die Oehrlein spitzen,
da laufen aus Spalt und Ritzen
Langschwaenze auf den Platz."

Der Ratz ward gross und groesser--
"Du schoene Katz, du feine Katz,
wir wollen beid spazieren,
am Arm will ich dich fuehren
als dein getreuer Schatz.

Dein Schwaenzlein will ich kaemmen,
ei schoene Katz, ei feine Katz!"
Er rupft sie zum Erbarmen,
kein Mauen hilft der armen,
vor Schmerz tut sie 'nen Satz.

Haett ich dich doch gefressen,
ich gute Katz, ich feine Katz;
ein Untier bist du worden,
wirst mich gewiss noch morden,
du Ungetuem von Ratz.

Er sprang ihr auf den Ruecken:
"Hei, Schoene Katz, hei, feine Katz,
jetzt habe _ich_ zu sagen,
musst mich als Reiter tragen
auch ohne Zaum und Latz.

Jetzt fahren wir zur Hoelle,
du schoene Katz, du feine Katz;
heidi, ein Katzenbraten
wird dem Teufel schon geraten,
ich schuer den Ofen, Schatz."



DER ESEL UND DIE LOeWENHAUT


(nach der Fabel von Hans Sachs)


Ein Muellersmann aus Oberwesel
hatt 'nen gewitzten jungen Esel;
der weidete auf gruenem Gras
und dachte sich so dies und das,
wollt fuer sein Leben gern auf Erden
was Bessers als ein Esel werden.
Da fand er--und sein Herz schlug schnell--
ein unversehrtes Loewenfell.
Er kriecht hinein, es passt ihm gut,
er fuehlt auch gleich des Loewen Mut
und denkt mit innerstem Behagen:
nun brauchst du nicht mehr Saecke tragen.
Stolz trabt er durch den Wald daher,
tut ganz, als ob ein Leu er waer,
schuettelt die Maehne, schlaegt mit dem Schweif
und setzt die Tatzen breit und steif.
Das Haeslein spitzt das lange Ohr,
die Sache kommt ihm kitzlig vor,
es springt hinweg; das Rehlein auch.
Wie freut sich da der eitle Gauch!
Und als der Mueller, der ihn sieht
von weitem, auch erschrocken flieht,
kann er vor Wonne kaum sich fassen,
muss laut sein I-A toenen lassen.
Da merkt der Mueller, wen er hat,
pruegelt den Esel muerb und matt
und schimpft ihn aus: du dummes Vieh!
zum Loewen wird ein Esel nie;
du hast mich mit dem Fell genarrt,
das sollst du buessen, Esel, wart!
und schlaegt und pufft ihn immer mehr.
Der Esel haengt die Ohren sehr,
als so sein Meister ihn verblaeut;
sein Hochmut hat ihn recht gereut,
wollt fuerder Saecke tapfer tragen,
nie mehr nach Loewenhaeuten fragen.



EIN SPATZENGESPRAeCH


Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
und hatte einen Ring erhandelt
mit einem seltsam geschliffenen Stein;
sollte der Ring Koenig Salomos sein.
Wer ihn besaesse, verstuende sofort
zahlreicher Tiere Geberde und Wort,
koennte das Gras beim Wachsen belauschen,
hoerte Musik aus den Quellen rauschen,
verstuende die Sprache von Baum und Stein,
muesste aber ein Sonntagskind sein.
Nun, ich war zu meinem Frommen
Beim Glockenlaeuten auf die Welt gekommen,
nahm meinen Ring, bezahlte bar,
und--war jetzt klueger, als ich war.

Froehlich ging ich zur Stadt hinaus,
wusste da ein einsames Bauernhaus,
warf mich glatt in die Fruehlingsruh,
kaute Halme und pfiff dazu,
dachte an dies und dachte an das,
wie so gedeihlich aus Ernst und Spass
die Welt sich verbastelt zum Gottgetriebe,
dachte an Glauben, dachte an Liebe,
und wie hellauf ueber Zacken und Kanten,
trotz Pflichten, Gesetzen und alten Tanten,
das Leben in neue Blueten schiesst,
in die der Saft der Zeit sich ergiesst.
Dachte und dachte, eiferbeflissen,
glaubte den Weg aller Wege zu wissen,
genau der Laenge nach und der Breite,
der die Welt zum Heile geleite;
dachte-- --was man so buntes denkt,
wenn ueber einem die Sonne haengt.

Neben mir bluehte lichtblauer Flieder;
ein Spatzenpaerlein liess sich drin nieder,
die plusterten zaertlich die dicken Haelschen,
zogen sich Federchen aus den Pelzchen,
sahen recht verliebt darein,
mussten wohl jung verheiratet sein.
Doch das Schweigen waehrte nicht lange,
bald war eine Unterhaltung im Gange;
ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten,
deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten
und durfte mit Vergnuegen ermessen,
sie hatten hoehere Interessen.

"Maenne," sagte das Spatzenfrauchen
und rueckte naeher an ihr Grauchen,
"du bist so klug vom vielen Reisen,
koenntst mich ein wenig unterweisen.
Sag mir doch, was die Menschen wollen,
wenn sie die Erde in dicken Schollen
aufwerfen; nie kriegen sie genug
von ihrem Getue mit Spaten und Pflug."
"Hm," sagte der Spatzmann mit Bedacht,
nachdem er ein Weilchen nachgedacht,
"Hm, in der Erde gibt's schoene Dinge,
Zum Beispiel Kaefer und Engerlinge,
die werden sie brauchen zu Schmaus und Festen
und werden damit ihre Jungen maesten.
Auch Koerner graben sie sehr gescheit
in den Boden ein; und wenn's friert und schneit,
und es ist Futtermangel im Haus,
graben sie alle wieder aus."

"Du bist doch der gescheiteste Spatz,"
sagte die Spaetzin, "mein trautester Schatz.
Doch noch was andres wollt ich dich fragen,
du kannst mir sicherlich auch sagen,
warum die Sonne morgens aufsteht
und abends wieder untergeht;
ich habe mir seit vielen Wochen
umsonst darueber den Kopf zerbrochen."
Der Spatz putzt sich den Schnabel und spricht:
"Kleines Naerrchen, das weisst du nicht?
Wie sollten wir Voegel anders wissen,
wann wir morgens ausfliegen muessen?
Die Sonne ist da, um uns zu wecken
und abends uns wieder ins Nest zu stecken."

"Ja, ja, nun wird mir alles klar,"
sagte das Weibchen; "ganz offenbar
hast du da recht. Doch in der Nacht
der Mond? fuer wen ist der gemacht?"
"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht;
der haelt es mit dem Katzengezuecht,
lockt Marder und Eulen auf unsre Brut,
drum hass' ich ihn mit aller Wut."
Und zornig straeubt der kleine Mann
die Federn und sieht sein Weibchen an.
Das draengt sich an ihn, zaertlich, dicht,
glaettet ihm die Daunen an Hals und Gesicht
und fluestert erschrocken: "Du hast ja recht,
der meint es gewiss mit uns Voegeln schlecht;
nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester,
ob nicht auch in der Menschen Nester
die Sonne Licht und Waerme bringt,
dass alles frueh aufsteht und singt?"

"Nein, Kind, fuer _uns_ ist die Sonne gemacht,
uns bringt sie Tag, uns bringt sie Nacht.
Die Menschen haben in ihren Zimmern
ihre eignen Sonnen, ich sah sie flimmern.
Als ich mal nachts, aus dem Schlaf geschreckt,
an ein Fenster stiess, hab ich's entdeckt:
sie machen bloss knips, dann haben sie Licht,
die brauchen unsre Sonne nicht."

Das Spatzenfrauchen schien ganz beglueckt
von so viel Klugheit und sah entzueckt
ihr Maennchen an: "Du bist ein Genie,
und weisst auch sicher, warum und wie
die Menschen in ihren Steinhaeusern kleben
und nicht so frei wie wir Voegel leben?"

Das Spaetzchen guckte ein wenig ins Land,
hatte aber die Antwort schnell bei der Hand:
"Vor Mardern und Eulen und Katzengetier
sind sie in den Haeusern viel sichrer als wir,
und, was der wichtigste Grund von allen,
kein Junges kann aus dem Neste fallen.
Ja, ja, die Menschen haben Geist,
sind auch den Voegeln gefaellig meist,
haben sie doch von Land zu Land
lauter feste Draehte gespannt,
damit unsre Wandrer scharenweise
sich ausruhn koennen auf der Reise.
Auch Versammlungen werden von Jungen und Alten
im Herbste darauf abgehalten;
wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet,
so praktisch haben sie's eingerichtet."

"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug,
aber noch immer nicht klug genug,"
sagte das Weibchen; "was wuerden sie geben,
koennten sie frei in den Lueften schweben,
doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen
und werden niemals Fluegel kriegen."

"Bloss mit den dicken seidenen Baellen
steigen sie manchmal tausend Ellen,"
lachte das Maennchen; "was nur die tollen
Leute bei uns in den Lueften wollen?
Jetzt baun sie sogar allerhand Gestelle
und rasen herum mit Windesschnelle.
Auch der Dompfaff lachte neulich
und meinte, er faende die Dinger abscheulich;
sinnlos waer dies Gefliege und Rattern,
kein Muecklein koennt man dabei ergattern.
Ernsthaft sitzen sie in dem Kahn
und gucken die Welt durch Roehren an;
es ist wirklich lachhaft mitanzusehn.
Komm, Schatz, wir wollen zu Bette gehn;
fuer heute hast du genug profitiert,
morgen wird wieder ein Stuendchen doziert."
Eine Weile noch plusterte da was rum,
dann waren die Plappermaeulchen stumm.

Ich aber ging uebers stille Feld;
so malt sich in Spatzenkoepfen die Welt,
dacht ich und laechelte ueberlegen.
Da hoert ich's in den Lueften sich regen,
eine alte Esche rief mir zu:
"Wieviel ist der Spatz denn beschraenkter als du?
Seid ihr Menschen nicht auch allesamt
zu solchen unwissenden Tierlein verdammt,
die das grosse Warum und das ewige Wie
mit ihrer taeppischen Kindsphantasie
zu begreifen suchen? Duerft ihr vertraun
dem Funken in euch und aufwaerts schaun?
Sind eure stolzesten Gruebler und eifrigsten Spaeher
der Gottheit nur um ein Strichelchen naeher?"
So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten,
sacht fuehlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten,
scheu blickt' ich hin--er war verschwunden,
und niemals hab ich ihn wiedergefunden.



DREI KOBOLDSTREICHE


Fixfax der arge Kobold spricht:
die Langeweile bekommt mir nicht,
ich will in lustigen Abenteuern
den alten Koboldruhm erneuern,
denn geht's den Menschen allzu glatt,
wird ihre Seele stumpf und matt.
Drum will ich sie in diesen Tagen
ein wenig necken, ein wenig plagen;
ein Kobold will doch auch mal lachen,
sich ueber die Menschlein lustig machen,
die den Kern aller Dinge glauben zu kennen
und sich so leicht die Finger verbrennen.
Drum, Fixfax, auf zu keckem Wagen,
stoer ein bisschen ihr Wohlbehagen,
brauchst sie ja nicht ins Unglueck zu hetzen,
ihnen bloss ein paar sanfte Pueffe versetzen.


ERSTER STREICH

Ei, wie stroemen Wohlgerueche
aus Frau Puffkes Wirtschaftskueche,
denn fuer hungrige Soldaten
will sie grad ein Ferkel braten;
alles ist schon gut bereit
und die Essenszeit nicht weit.
Fixfax nun, das muntre Maetzchen,
klettert hurtig wie ein Kaetzchen
hoch hinauf zu Schornsteins Rand,
setzt sich listig und gewandt
mitten auf das Loch da, schwapp,
und nun zieht der Rauch nicht ab;
rueckwaerts stroemt er in die Kueche,
weg sind alle Wohlgerueche,
und Frau Puffke steht und hustet,
krebsrot im Gesicht, und prustet,
kann dem dicken Rauch nicht wehren,
sich die Sache nicht erklaeren.
Rennt zum Schornsteinfeger Krause,
aber der ist nicht zu Hause;
niemand weiss, wo Krause schweift,
und Frau Puffke steht und keift,
denn die Uhr laeuft immer weiter.
Endlich kommt er mit der Leiter,
um den Schaden zu ergruenden,
doch er kann durchaus nichts finden;
denn der Fixfax, wohlbedacht,
hat sich aus dem Staub gemacht,
und Herr Krause mit dem Besen
brummt, die Sonne sei's gewesen.
Vier Uhr schlug's, als die Soldaten
endlich kriegten ihren Braten.


ZWEITER STREICH

Vor dem Spiegel, kerzengrad,
steht Herr Amtsvorsteher Plath;
tadellos und mit Geschmack
sitzt die Hose und der Frack,
ausgezeichnet auch die glatte
bluetenweisse Taftkrawatte,
Kragen, Vorhemd, _comme il faut_,
und Herr Plath ist seelenfroh.
Langt noch sorglich aus dem Schrank
den Zylinder blitzeblank;
nimmt dann Stock und Handschuh munter,
steigt voll Stolz die Treppe runter,
denn er ist heut eingeladen
Zum Empfang bei ihrer Gnaden
der Prinzessin Schneckenstein,
und das hebt ihm Brust und Bein.
Fixfax aber dachte gleich:
wart, dir spiel ich einen Streich.
Auf den Taubenboden geht er
und nach losen Federn spaeht er,
sammelt allen Flaum ins Saeckchen,
blaest verschmitzt das ganze Paeckchen
ueber Plathens neuen Frack
und auf seinen _Chapeau-claque_.
Plath sieht ganz befiedert aus,
doch er ahnt nichts von dem Graus,
steuert durch die Nacht geschwind,
denkt bloss: was fuer'n arger Wind!
tritt mit Wuerde in den Saal,
Alle lachen--o Skandal!
Bis er endlich sich besieht
und geknickt von dannen flieht.
Draussen denkt er aergerlich:
So ein Pech, das hab nur ich!


DRITTER STREICH

Auf des Sofas weichem Grunde
schlummert sanft mit offnem Munde
Pastor Pfannkuch. Nur die Fliegen
summen sich was zum Vergnuegen,
sonst ist's muckstill. Fast erledigt
liegt der Text der Sonntagspredigt
auf dem Schreibtisch. Sonnenfleckchen
spielen in den Zimmereckchen;
nichts bedroht den tiefen Frieden,
der dem frommen Mann beschieden.
Doch da stiehlt sich in die Stube
Fixfax, dieser lose Bube,
kichert, faengt ein Dutzend Fliegen,
die sind hier sehr rasch zu kriegen,
tunkt sie in das Tintenfass,
bis sie gaenzlich schwarz und nass,
laesst sie dann gleich wieder fliegen
und entfernt sich mit Vergnuegen.
Nach 'nem Weilchen, ach Herrjee,
kommt Frau Pastor mit dem Tee,
ruft voll Abscheu, Schreck und Graus:
Berthold! Mensch, wie siehst du aus!
bist ja wie'n Idiot beschmiert,
Backen, Nase, schwarz karriert!
Himmel, auch die neue Predigt
ist beschmudelt und beschaedigt,
und auf meinen weissen Deckchen
grinsen lauter Tintenfleckchen!
Mann, wie hast du das getan?
Und sie sehn sich gruebelnd an...

Fixfax aber, auf der Wacht,
sitzt im Mauseloch und lacht
sich ins Faeustchen ohne Reue,
und--gebt Acht--er wird sich neue
Schelmentaten ausklabuntern,
um uns Menschen aufzumuntern.



SPUK


(nach alten Mustern)


Der Bauer schlaeft im Hirsekraut;
wer faehrt dem Bauer sein Heu nach Haus?
Der rote Mond guckt uebern Strauch,
der Bauer schlaeft und wacht nicht auf.

Wer faehrt dem Bauer sein Heu nach Haus?
Aus ihrem Loche lugt die Maus,
der Fuchs schleicht sacht aus seinem Bau;
der Bauer traeumt und wacht nicht auf.

Der Mond scheint hell und hoch herauf,
der Marder schleicht durchs fahle Laub,
die Eulen huschen schwarz und grau;
der Bauer stoehnt, doch wacht nicht auf.

Husch, horch: Wer trippelt und trappelt zu Hauf?
Wer spannt die mueden Gaeule aus?
Die Gaeule wissen den Weg nach Haus;
der Bauer schlaeft im Hirsekraut.

Wer kichert in des Wagens Bauch?
Wohin rollen die Raeder ohne Ruck, ohne Laut?
Wer haelt sie an am Garten, am Zaun?
Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus?

Der kommt verstoert beim Morgengraun:
O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum!
Die Frau fuehrt lachend ihn zum Zaun,
da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut.

"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul,
wenn der Vollmond steigt uebern Berg herauf;
die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus,
jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut."



DER MAeRCHENKOeNIG UND SEIN TOeCHTERLEIN


Herbei, ihr kleinen Wichte,
Kobold, Alraun und Wurzelmann,
schafft hunderttausend Lichte
und putzt damit die Baeume an!
Bis in die hoechsten Spitzen
soll Licht bei Lichtlein blitzen.

Der Mond und alle Sterne
sind doch bloss blasser Himmelsschaum;
mein Toechterlein will gerne
den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum.
Drum macht, wie ich euch sage,
die Nacht zum hellen Tage!

Der Maerchenkoenig spricht's. Im Nu
geht's an ein Lichterkneten;
kein einziger sieht muessig zu,
goennt kaum sich Zeit zum Beten.
Und als die Heilige Nacht heran,
zuenden sie alle Kerzen an.

Hei, war das ein Gestrahle,
ein Leuchten, flimmern, ueberhell,
als brach mit einem Male
von Fels zu Fels ein Feuerquell.
Auf Zweig und Aeste blicken
die Baeume mit Entzuecken.

Der Meister fuehrt sein Toechterlein
durch diese Weihnachtspracht.
Sie schreitet wie im Sonnenschein,
fuehlt Kaelte nicht noch Nacht,
und fluestert traumverloren:
Die Liebe ward geboren.

Da rauschte durch die Weiten
dies wundersame Wort,
in Erd- und Himmelsbreiten
pflanzt es sich heilig fort.
Mit hunderttausend Kerzen
glueht's heut in allen Herzen,
klingt's heut durch alle Ohren:
Die Liebe ist geboren!



WEIHNACHTSGANG


Es war zur lieben Weihnachtszeit,
die Waelder lagen tief verschneit,
im Acker schlief in guter Ruh
das Korn und traeumte dem Fruehling zu,
die Winternachmittagssonne stand
wie ein gelber Fleck an weisser Wand--
da schritt ich hinaus in die blinkende Weite
und summte ein Lied mir zum Geleite.

Wie ich so ging auf stillen Wegen,
kam mir ein seltsamer Zug entgegen.
Ein Eselchen ganz vollgesackt
mit Schachteln und allerhand Kram bepackt,
Schritt langsam durch die Felderruh;
Sein Fuehrer rief ihm bisweilen zu,
es war ein Alter in weissem Haar,
mit Runzelgesicht und sonderbar
altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Kraeften,
die Fuesse staken in hohen Schaeften
und kamen munter mit Hott und Hueh
grad auf mich zu samt dem Eselsvieh.
Potz Blitz, faellt mir auf einmal ein,
das muss doch der Gottesknecht Ruprecht sein.
Ich blicke scharf in das baertge Gesicht:
"Gruess Gott, mein Alter, kennst du mich nicht?
Ich hab doch oft dein Loblied gesungen,
und all die Maedels und all die Jungen,
die noch an Mutters Rockzipfel haengen
oder sich auf den Schulbaenken draengen,
kennen dich wie ihre grossen Zehen,
doch hat wohl noch niemand dich draussen gesehen.
Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen
uns erst in der heimlichen Stube entgegen
mit Sack und Pack und netten Geschenken;
was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken?
Da stehst du nun mit Haut und Haar,
bist nicht ein bisschen unsichtbar,
wie es dir zukommt."--"So ist meine Art,"
brummte der Alte und strich sich den Bart,
"ich denke mir gern Ueberraschungen aus,
fuer diesmal mach ich's ausserm Haus;
komm mit, da sollst du was erleben,
das wird ein Extra-Vergnuegen geben."
"Topp," rief ich, "Alter, ich bin dabei,
ich hoere gern lustiges Kindergeschrei."

So schritten wir ruestig zur Stadt. Am Tor
langte Ruprecht ein hoelzernes Pfeifchen hervor
und blies. Wie konnte der Alte pfeifen!
Jetzt lernt ich den Rattenfaenger begreifen:
aus allen Strassen, aus Tuer und Tor
--mir klingt der Laerm noch immer im Ohr--
mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen
kamen wohl hundert Kinder gelaufen.
Sie tanzten um Ruprecht, bettelten, baten,
eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten,
eins um ein Pueppchen, eins um ein Buechlein,
eins um ein Roesslein, eins um ein Tuechlein,
und Ruprecht langte in seinen Sack
und gab, was es wuenschte, dem kleinen Pack.
Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen;
aber die uebermuetigen Rangen
schrien durcheinander und wollten mehr,
kletterten ueber das Eselchen her,
zupften den Ruprecht an Bart und Kragen,
wollten ihm gar die Saecke wegtragen.
Da wurde es aber dem Alten zu bunt,
er nahm sein Zauberpfeifchen, und--
schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch.
Sie wurden ganz kleinlaut, man hoerte nur noch:
"Komm, Fritzchen--Hans, lass doch--nicht schreien, Marie--
Knecht Ruprecht wird boese--seht ihr nicht wie?!"
Und sie stellten sich artig um ihn herum
und waren wie die Maeuschen stumm.
Er kommandierte: "Linksum, kehrt,
nun geht nach Hause, wie sich's gehoert!"
Da fassten die Grossen die Kleinen an:
"Gruess Gott und schoenen Dank auch, Herr Weihnachtsmann."

Und wieder toente die Schalmei,
die Kinder trabten zwei zu zwei
und sangen lustig die Weise mit,
und fern und ferner klang ihr Schritt;
mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm.
Wie sind ihre Baeckchen vor Freude warm--
so dacht ich--und Freude ist der Saft,
den wir auf unsrer Wanderschaft
durchs Leben aus frohen Kindertagen
ins graue Alter mit hinuebertragen
als verjuengendes Elixier;
ein gut Teil davon verdanken wir dir,
du alter baertiger Gottgeselle!
Ich sah mich um--leer war die Stelle,
nur fern in der daemmernden Abendluft
verschwebte ein Woelkchen wie Weihrauchduft,
und durch die feiernde Stille drang
der erste hohe Glockenklang.



WEIHNACHTSBESUCH


Laendliche Strassen, dicht beschneit.
Knirschen, Gelaeut,
ein Schlitten;
inmitten
sitzen drei kleine Leut
bis zu den Oehrchen vermummt.
Es singt und summt
von Weihnachtsglocken;
ein paar neugierige Flocken
lassen vom Wind sich herueberwehn,
wollen durchaus das Maedelchen sehn
mit den roten Kaeltebaeckchen
und den goldbraunen Zottelloeckchen
und das Buebchen daneben,
das sich eben
das immer tropfende Naeschen putzt.
Grossaeugig, verdutzt,
bis zum Maeulchen zugedeckt,
im Wollmuetzchen fast versteckt,
sitzt das Kleinste auf Mutters Schoss.
"Kutscher, ein bisschen los,
es wird kalt;
Sie wissen doch, drueben zum Foerster am Wald."
Der Alte schmunzelt und knallt
mit der Peitsche, hueh, hott--
die Gaeule bleiben bei ihrem Trott.
... Von drueben her Lichter,
Zwei altliebe Gesichter
hinter den Scheiben:
"Wo sie nur bleiben?
Ist schon die fuenfte Stunde!"
Da knurren die Hunde,
bellen, wollen hinaus;
Grossmutter laeuft vors Haus.
Da:--Knirschen, Gelaeut,
ein Schlitten,
inmitten
sitzen vier liebe Leut.
Wie das Altchen sich freut!
Unter Lachen und Weinen
wickelt sie aus den Tuechern die Kleinen,
kuesst die Tochter, nimmt ihr das Juengste vom Knie:
"Ein praechtiges Kindchen! Gott schuetz es, Marie!"
Neben ihr sprudelt ein Zuenglein:
"Grossmutter, komm doch 'rein!
Grossmutter, sind die Huehner noch wach?
Grossmutter, Vater kommt morgen nach,
er laesst schoen gruessen."
... Auf bedaechtigen Fuessen,
als ging ihn die Sache nichts an,
kommt auch der Foerster langsam heran.
"Na?
Seid ihr endlich da?"
Gleich laeuft der Fritz auf ihn zu:
"Grossvater, Du,
guck mal drueben den roten Fleck!
och, Grossvater, nu is die Sonne weg."
"Die Sonne? Hm, lass man; drin is noch eine,
'ne ganze feine,
die wird uns bald blinken--
nu aber, bitte, kommt Kaffee trinken."
... Der Platz wird leer,
schneestill und stumm.
Der alte Kutscher lenkt langsam um,
nickt vor sich her,
gedankenschwer,
und brummelt fuer sich:
"Der oll Foerster hett's gaud, manch enner hett's nich."



KOeNIG KUCHEN UND KOeNIGIN SCHOKOLADE


Bei Koenig Kuchen und Koenigin Schokoladen
war ich mit Linchen heut Nacht in Gnaden
zu Gaste geladen.
Ein prachtvolles Fuhrwerk, tripp, tripp, trapp,
holte uns stolz von Hause ab.
Vorn stampften zwei schneeweisse Vollblutjucker
aus feinem biegsamen Lederzucker,
auf dem Kutschbock der dicke Mohr
kam uns marzipanisch vor,
und neben ihm der fette Mops
war ganz gefuellt mit englischen Drops.
Die Kutsche, aus weissem Zuckerkant,
erstrahlte hell wie Diamant;
sie ging auf zierlichen Suessholzraedern,
aus Vanille waren die Deichsel, die Federn,
dicke Polster aus Traubenrosinen
sollten uns als Sitze dienen,
aber in den Baetterteig-Wagentaschen
gab es allerhand Gutes zum Naschen.
Ein allerliebster Praline-Page
dienerte neben der Equipage
in einem rot kandierten Frack
und oeffnete uns den Wagenschlag.
Wir stiegen ein und fuhren im Nu
durch Russland und Asien nach China zu.
Bald kamen wir in jenes Land,
wo Koenig Kuchen, der Suesse genannt,
unumschraenkt herrscht in seinen Reichen
mit seiner Fuerstin ohnegleichen,
der herrlichen Koenigin Schokolade,
die uns zum Fest befohlen in Gnade.

Das goldgelb glacierte Ballfesthaus
sah wie ein riesiger Napfkuchen aus,
umgeben von einem Spritzkuchengitter;
als Wache davor zwei braune Ritter
aus Pfefferkuchen mit Gussfiligran,
die hatten Knackmandel-Harnische an.
Als Fuehrer dienten mir und Linchen
zwei allerliebste Thorner Kathrinchen;
sie verbeugten sich hoeflich als wir kamen,
und sagten: bitte, meine Damen.

Ach, Kinder, wie das Herz mir lacht,
denk ich zurueck an all die Pracht!
Die Waende waren von Makronen,
verbraemt mit Schokoladenbohnen,
aus gruenen Bonbons die glatten Dielen,
dass wir nachher beim Tanz fast fielen,
die Saeulen aus maechtigen Baumkuchentorten
von den allerhoechsten und edelsten Sorten,
die Tische aus marmoriertem Konfekt,
mit drolligen Lutschfiguerchen bedeckt,
die Stuehle Faesschen mit Gelees,
mit Eingemachtem und Knusperknees;
rings auf appetitlichen Zimmetstaffeln
lagen Biskuits und Keks und Waffeln.
Im Hintergrunde ein Gletschersee,
mit Vanille-Eisbergen und Schlagsahnen-Schnee,
entsandte in doppelter Kaskade
Zitronen- und Himbeer-Limonade;
und hoch ueber allem, im glanzvollen Saal,
strahlte eine Sonne aus Zucker-Opal.

In der Mitte aber stand ein Thron,
gebaut aus Bretzeln mit blauem Mohn,
darauf sass liebreich in ihrer Gnade
die herrliche Koenigin Schokolade.
Sie harrte huldvoll, bis die Schar
der Kinder ganz versammelt war,
die sie aus kalter und warmer Zone
herbefohlen zu ihrem Throne,
um ihnen mit koeniglichen Haenden
von ihren suessen Kleinodien zu spenden;
ihr hoher Gemahl, der Koenig Kuchen,
hatte Muehe, sie auszusuchen.
Da waren Kinder aus Deutschland und Spanien,
aus Frankreich, Chile, Mesopotamien,
Kinder von Kaffern und Hottentotten,
von Persern, Eskimos und Schotten,
Kinder aus Sueden und Kinder aus Norden
von den feinsten Familien und den wildesten Horden,
denn alle Kinder zu allen Zeiten
essen gerne Suessigkeiten.

An der Koenigin Seite, im leckeren Grase
machte Maennchen ein stattlicher Osterhase,
und als die Kinder versammelt waren,
ordnete er die bunten Scharen;
rechts gingen die Maedchen, links die Knaben,
so wollt es der Koenig Kuchen haben,
und jedes Kind in jeder Reih
bekam ein praechtiges Osterei,
die Maedchen blaue, rote die Jungen,
dann ist das Haeschen davongesprungen.

Nun fing die Kapelle zu spielen an,
vorn geigte ein Nuernberger Lebkuchenmann;
ich sag euch, es war 'ne Musik fuer Kenner,
und waren doch alles gebackene Maenner,
mit Rosinenaugen und Mandelnasen,
und konnten so lieblich floeten und blasen.
Es wurde getanzt, gespielt, gelacht,
damit verging die schoene Nacht.
Zuguterletzt, nicht zu vergessen,
wurde alles aufgegessen,
artig gedankt und Abschied genommen;
wir fuhren heim, wie wir gekommen,
und erwachten in unserm Bett--
Kinder, Kinder, wie war das nett!--



DER ERSTE MAI


Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten,
immer weiss man nicht neue Geschichten;
oft sind die Maerchengeister stumm,
als waeren sie wer weiss wie dumm,
und alle Waende grinsen mich an,
als haett ich ihnen was angetan.
So war's auch neulich. Bei mir zu Haus
sah alles oede und langweilig aus,
da bin ich in den Abend geschlendert;
der Himmel hing rosenrot umbaendert,
die Wolken tuermten sich wie ein Tor,
ploetzlich stand ich grade davor
und sah hinein in das Himmelsschloss.
"Na, Petrus, was ist denn hier oben los?"
fragt ich; "hier sieht's ja munter aus."
Da schmunzelt der alte Waechter vom Haus
und sagt mir--aber ihr duerft nicht lachen--:
Im Himmel waere gross Reinemachen,
die Jungfrau Maria taet revidieren
und die himmlischen Scharen zum Scheuerfest fuehren.
Die kleinsten Englein muessten ran,
kriegten grosse Schuerzen an,
duerfte keins spielen und muessig bleiben,
muessten fegen und wischen, seifen und reiben.
Da wuerden die Sterne blitzblank geputzt,
den kleinen Kometen die Schwaenzchen gestutzt,
der Himmel mit Wunderblau lackiert,
der Regenbogen neu ausstaffiert;
dem Vollmond wuerde, wie er sich auch steift,
mal gruendlich wieder die Glatze geseift,
und damit am klaren Firmament
die liebe Sonne schoen leuchten koennt,
wuerden die Wolken fest ausgedrueckt
und hinter den Horizont geschickt.
Wenn alles fertig, wueschen sich
die Englein die Fluegel saeuberlich--
denn morgen sei ja der erste Mai-- --
Ich fragte, was an dem Tage sei,
da blitzte mich Petrus an und sprach:
"Na, weisst du, das ist doch wirklich 'ne Schmach;
da sieht man wieder, wie wenig ihr wisst,
nicht mal, wann Gottes Geburtstag ist."
Na, Kinder, ich machte ein dummes Gesicht;
das wusst ich bei aller Gelehrsamkeit nicht.
Doch nun wurde mir auf einmal klar:
Darum putzt sich die Erde Jahr fuer Jahr
mit Blumen und Kraeutern im bunten Gemisch,
darum gruenen die Hecken, die Baeume so frisch,
darum ueben die Voegel die Festmelodie,
und Bienen und Grillen begleiten sie,
darum wird dem Menschen die Freude so gross,
als saess er dem lieben Gott im Schoss,
wenn der Maiwind kommt ueber Berg und Tal--
nun begriff ich den Fruehling mit einem Mal.
Und ich fragte Petrus aus froher Seele:
Erlaubst du, dass ich das weiter erzaehle?
"Immerzu," sagte der und strich sich den Magen;
"kannst den neugierigen Leuten gleich noch sagen,
dass an Gottes Geburtstag, dem ersten Mai,
auch der Tanztag fuer Teufel und Hexen sei.
Sonst duerfen sie, zu Aller Segen,
sich keinen Schritt ohne Leine bewegen;
doch an dem Tage sind sie frei,
--da macht die Bande genug Geschrei,"
entfuhr es brummend dem alten Knaben--
"doch Gott ist der Herr und will es so haben.
Er sieht in hoher heiliger Ruh
dem tollen Blocksbergvergnuegen zu;
und treibt es einer zu arg von der Sippe,
kommt er sofort wieder an die Strippe.
Nun aber leb wohl, ich wuensch gute Nacht,
um neun wird der Himmel zugemacht."
Langsam schloss sich das Wolkentor;
ich ging, ein Liedchen klang mir im Ohr.
Zu Haus in heimlicher Abendruh
nickt ich den Sternen froehlich zu
und betete: Ich bin nur ein Zwerg,
und die herrliche Welt, sie ist dein Werk,
o Gott; du hast alles, nichts kann man dir schenken,
nur deiner in Freude und Demut gedenken.
So nimm dieses Liedchen, ich hab es erdacht
in dieser Fruehlings-Geburstagsnacht.



WETTERWUNSCH


Scheine, Sonne, scheine,
die Waesch haengt auf der Leine;
unsre Hemden, unsre Socken,
mach sie uns bis Sonntag trocken,
scheine, Sonne, scheine!

Rausche, rausche, Regen,
gib uns deinen Segen,
wasch die armen Suender rein,
gib uns Brot und gib uns Wein,
rausche, rausche, Regen!

Zu best ist allerwegen
Sonnenschein _und_ Regen;
auch der Wind muss pfeifen,
soll die Ernte reifen.
Regen, Wind und Sonnenschein
moegen bei unserm Hause sein!



HAMMERLIEDCHEN


Pink, pank, Hammerschlag,
der Nagel hat 'nen Kopf;
und wenn er keine Spitze hat,
ist er ein armer Tropf.
   Mein Haemmerlein du,
   schlag zu, schlag zu!

Pink, pank, Hammerschlag,
hast du der Naegel zehn
und nagelst du ein Saerglein zu,
ist's um einen geschehn.
   Mein Feuerlein du,
   blas zu, blas zu!



IM SONNENSCHEIN


(nach einer alten Fabel)


Kribbel-krabbel-Kaefer
laeuft hinab zum See,
er kommt vom gruenen Huegel,
hell leuchten seine Fluegel
   im Sonnenschein.

Kommt der Fisch geschwommen,
Sperrt das Fischmaul auf,
da ist in zwei Sekunden
der Kaefer drin verschwunden
   im Sonnenschein.

Ueberm See der Reiher
sieht, wies Fischlein schnappt,
nimmt seinen spitzen Schnabel
und spiesst es auf die Gabel
   im Sonnenschein.

Wie nun stolz der Reiher
seine Kreise zieht
mit leuchtendem Gefieder,
knallt ihn der Jaeger nieder
   im Sonnenschein.



WANDERLIED


   Sonnenlichter,
   Fruehlingswichter
spielen auf der dunkeln Wand.
Pruefend oeffne ich das Fenster;
seht die Wolken, die Gespenster
loesen sich am Himmelsrand.

   Holla, Jungen,
   aufgesprungen,
schnell das Raenzel aus dem Spind!
Kommt, wir wandern durch die feuchten
Saaten; wie Smaragden leuchten
Halm an Halm im Morgenwind.

   Feste Schritte,
   Maennersitte;
wie die Ferne lockt und wirbt!
Und wir lassen sie im Schreiten
achtlos oft voruebergleiten,
bis sie hinter uns erstirbt.

   Hohe Ziele,
   nicht zum Spiele;
immer steiler waechst der Pass.
Aber oben wolln wir rasten
nach der Arbeit, nach dem Fasten;
Jungens, trinkt, ich komm euch was!

   Hoch im Blauen
   selig Schauen,
unter uns der Erde Glueck!
Doch es zieht mit tausend Armen
immer wieder zu den warmen
Menschenstaetten uns zurueck.





VIERTER TEIL



SPRUCH FUeRS LEBEN


Hinueber, hinein!
ueber Wipfel und Stein!
die Herzen zu baden
im Goldsonnenschein!
Auf schwierigen Pfaden
zu lichten Gnaden!
ueber Wipfel und Stein,
hinunter, hinein!



ALLERLEI RAeTSEL


(Die Loesungen stehen im Verzeichnis der Ueberschriften)


--1--

Ich habe Fluegel--rate, Kind--
doch flieg ich nur im Kreise;
und singen tu ich, wenn der Wind
mir vorpfeift, laut und leise.
Was ihr den Feldern abgewinnt,
kau ich auf meine Weise;
doch was mir durch die Kehle rinnt,
das mundet euch als Speise.


--2--

Standen vier weisse Ritterchen
auf einem roten Gitterchen,
die machten alles klitzeklein
und warfen es in ein Loch hinein.
Als das die andern Ritter sahn,
zogen sie neue Harnische an,
kamen aus ihren Burgen herbei,
stellten sich tapfer in die Reih
und machten hack
und sagten knack
und warfen alles in einen Sack.


--3--

Die erste frisst,
der zweite isst,
das dritte wird gefressen;
das ganze wird zu Poekelfleisch
und Erbsenbrei gegessen.


--4--

Mein erstes ist ein Hund,
mein zweites ist ein Junge,
mein ganzes ist ein Dieb,
kein Hundejunge!


--5--

Die ersten sind ein Untertan,
die dritte ist ein Untertan,
das ganze ist ein Untertan,
wird von dem andern Untertan
unter den ersten Untertan
ganz untertaenigst untergetan.


--6--

Wenn das R am Anfang steht,
liebt man es nicht sauer;
wenn es bis ans Ende rutscht,
huet dich vor dem Hauer!

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein Heldenname;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Waldbaumsame.

Wenn das R am Anfang steht,
sind es boese Leute;
wenn es bis ans Ende rutscht,
gerbt man seine Haeute.

Wenn das R am Anfang steht,
ist es eine Schale;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Orientale.

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein klein schwarz Luder;
wenn es bis ans Ende rutscht,
ist's von "wenn" der Bruder.


--7--

Waechst einer alten Dame
ein Buckel kleinster Sorte,
verwandelt sie sich augenblicks
in ein Stueck Mandeltorte.
Doch nimmst du ihr den Ruecken,
auf dem der Buckel waechst,
hast du die alte Dame
zur trocknen Frucht verhext.


--8--

Ich stand begehrlich am Worte,
umgekehrt wuchs es nicht weit;
ein arges Diebsgelueste
besiegte die Redlichkeit.
Ich stahl das umgekehrte,
kein Argus achtete drauf;
Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte
und ass es umgekehrt auf.


--9--

Mein erstes ist nicht wenig,
mein zweites ist nicht schwer;
mein ganzes laesst dich hoffen,
doch hoffe nicht zu sehr!


--10--

Es laeuft und hat keine Beine,
es gibt viele und doch nur eine.
Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken;
wer zu wenig hat, muss es beschraenken.
Bald geht es langsam, bald schnell;
mal ist es dunkel, mal hell.


--11--

Christkindchen lag im Stalle
und hoerte die ersten schrein;
die zweiten tragen wir alle
zur Weihnachtszeit am Bein.


--12--

Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile;
wird es der Junge, kriegt er halt Keile.


--13--

Der Vater will's das Fritzchen
(die erste Silbe betont)--
jedoch die Mutter bittet,
da ward der Schelm verschont.
Sie sprach: Du musst dir's, Liebster,
(die dritte Silbe betont)--
denn Nachsicht mit den Kleinen
wird oft von Herzen belohnt.
Denk doch, wie du's dem Jungen
an Einsicht bist und Geist;
du musst was andres dasselbe,
das ihn sich bessern heisst.


--14--

Klaerchen naehte an dem ersten
und war ganz die beiden zweiten,
denn sie durfte Sonntag reiten,
Leutnant Kurt wollt sie begleiten;
ihre Augen wurden gross,
muessig lag die Hand im Schoss.

Mutter naeht am andern Fenster,
sah's und runzelte die Brauen:
Hoere, Kind, Luftschloesser bauen
taugt nicht viel fuer fleissige Frauen,
weil man leicht die Pflicht vergisst
und zu sehr das Ganze ist.


--15--

Mariechen war's. Mit meinem Kuchen
stand ich nun da und dem Bukett.
Wo soll ich bloss das Maedel suchen?
Wenn sie doch nur geschrieben haett!

Ja ja, ich hab sie es seit Jahren;
ich gebe zu, das war recht dumm.
Nein, welch ein ruecksichtslos Gebaren!
Und schwer geaergert kehrt' ich um.


--16--

Froh singt ihr Lied am Sommertag
die eins-zwei frueh und spat.
Die drei wuenscht jeder Juengling sich;
doch bricht er ab, ist's schad.
Das Ganze war ein Koenig, der
lustig und unverschaemt
die stolze Prinzess, die ihn nicht wollt,
bestraft hat und gezaehmt.


--17--

In eins-zwei-drei lebt ganz gemuetlich
Herr Mueller mit Herrn Schulze friedlich;
bis Mueller einst, wer haett's gedacht,
Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht.
Da hoerte man ein boes Geschrei:
So denk doch eins, mein Herr eins-zwei!
Ich muss stets alles zwei bezahlen,
kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen;
kommst du noch mal mir drum ins Haus,
ist's mit der guten eins-zwei-drei aus.


--18--

Er geht in sich, um sich zu pflegen,
und ist in sich um sich verlegen.


--19--

Rate, Freund, es ist nicht schwer:
Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr.
Wer's aber ist, den aefft des Teufels Brut;
man sperrt ihn ein und fuerchtet seine Wut.


--20--

Wer es hat, der ist betruebt;
aber froh und stolz, wer's gibt.


--21--

Das Wort pflegt zu erhoehn
den Glanz des Edelsteins;
solang man es bewahrt,
ist man der Herr des Seins.


--22--

Sind es die Feinde, muss man sich wehren;
sind's deine Backen, musst du sie naehren.
Ist mir's ein Raetsel, schreib ich es nieder;
ist es mein Haus--nun, so bau ich es wieder.


--23--

Wenn es von Freund und Liebchen kommt,
oder von dir verfasst,
so liebst du wohl das erste Wort;
sonst ist es dir verhasst.

Das zweite Wort, so klug wir sind,
machen wir Menschen viel;
und was dich reut, oft andre freut
im schadenfrohen Spiel.

Der Schluss: gefuerchtet und geneckt,
teils boshaft und teils dumm,
geht er als Geist des Widerspruchs
in Schrift und Maeren um.

Die drei vereint: wir stehn verdutzt,
wie Zufalls Koboldmacht
das Wort entstellt, den Sinn verdreht--
man aergert sich und lacht.


--24--

Zwei Worte weiss ich, die einander feind,
das eine sucht das andre zu verderben,
in beiden muessen viel Geschoepfe sterben;
und hast du sie zu einem Wort vereint,
eint sich auch ihre zehrend boese Kraft,
schon manchen Volksstamm hat es hingerafft.


--25--

Auf der hoechsten Berge Ruecken
ist es immer leicht zu finden,
wo die kleinen Gletscherbaeche
schaeumend sich zu Tale winden.

Tausch die Silben--ach, verlegen
steh ich vor gemischten Dingen,
Chemiker und Apotheker
moegen dir die Loesung bringen.


--26--

Ich hab keine Haende und kann doch tragen,
hab keine Flinte und kann doch jagen;
kann klettern und schwere Lasten heben
und bin doch ein zartes, hinfaelliges Leben.


--27--

Viel Glieder hab ich, die einander gleichen.
Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade,
doch himmelshell fuehr ich empor zur Gnade;
manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen.

Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen;
denn Ehre traegst du neben mancher Last,
die arbeitsfroh du uebernommen hast,
ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade.


--28--

Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder;
mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder.
Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder,
bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brueder.

Hitze und Kaelte trag ich, hin und wider;
uebt mich der Knabe, staerkt er seine Glieder.
Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder;
den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder.


--29--

Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
Bescheiden bin ich selten, niemals still;
ja, Schweigen ist mir gaenzlich unbekannt.

Ein Wort fueg an, das keiner gern empfaengt
und das die Kinder schreckt von Alters her;
doch ohne es faellt manche Arbeit schwer,
weil's feste Massen auseinander draengt.

Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen,
die im Geroell sich finden, glatt und spitz;
du hebst sie auf und freust dich an dem Witz,
den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen.


--30--

Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt;
dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft
vertiefte ich den Blick der Forschungskraft.
Ein Wort fueg an, das sich der Mensch gesetzt
zur Ordnung gegen den, der sie verletzt;
der Fromme fuehlt es oft von Gott gesandt,
ans Letzte, Juengste denkt er furchtgebannt,
an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid--
da ist das Ganze eine Seltenheit.


--31--

Die erste Silbe fuehrt die krause Schar,
die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit.
Die zweite toent durch Weiten hell und klar,
ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit.
Und wenn der tapfre Krieger
sein junges Leben gab,
faellt ihm vielleicht der Schatten
des Ganzen auf sein Grab.


--32--

Ein deutscher Meister war es, gottgesandt,
der jenes edle Tonstueck uns geschenkt;
der Vogel uebt's, der seine Fluegel lenkt--
dir wuensch ich es, mein deutsches Vaterland.

Was allen Fluegelwesen wohlbekannt,
was jedes Blatt, das aus der Huelle bricht,
ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht--
das wuensch ich dir, mein deutsches Vaterland.

Ein Fluesschen, an der Schieferberge Rand,
sehr vielen ist sein Name leerer Schall,
ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all--
wuensch ich dir auch, mein deutsches Vaterland.

Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand,
den Engel, der auf Morgenwiesen geht,
doch oft verhuellten Hauptes abseits steht--
ihn sende Gott dir, o mein Vaterland!


--33--

In Not und Gefahr
greife ich ein,
Schmerzlich willkommen
der Angst und der Pein;
lies mich von vorn,
lies mich verkehrt,
immer der gleiche,
geschmaeht und geehrt.


--34--

Wir sind's mit Stamm und Vaterland,
mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt,
mit jeder Arbeit, die der Seele wert;
der Reiter ruehmt: wir sind's, ich und mein Pferd.

Doch wer es ist, traegt eine schwere Last,
er ist sich selbst ein missgeschickter Gast;
Statt Liebe blueht ihm Mitleid, und im Schwarm
gesunder Jugend fuehlt er doppelt Harm.


--35--

Wir sind's gewiss in vielen Dingen
in einem sind wir's nimmermehr;
die sind's, die wir zu Grabe bringen,
und eben die sind's bald nicht mehr.
      Drum, weil wir leben,
      sind wir's eben
      an Wesen wie Gesicht;
      drum, weil wir leben,
      sind wir's eben
      zur Zeit noch nicht.


--36--

Nennst du das Ganze, toent es uns entgegen
von Sommernaechten, wo des Mondes Horn
verschwaermten Paerchen winkt auf lauschigen Wegen,
und wo aus seinem wundersamen Born
das Maerchen auftaucht und in tiefem Sinnen
uns anschaut, und vertraeumte Baeche rinnen.

Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar
die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen,
die Heiden einst wie Christen heilig war,
wo Pilger heut und Kenner sich erbauen;
ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest
und haelt den Glanz vergangner Zeiten fest.


--37--

Ohne Zepter, ohne Krone
herrsche ich auf dieser Erde,
buntes Spiel vor meinem Throne
zaubert stets mein Wort: Es werde!

Noch zwei Zeichen: Alles wich,
Pracht und Buntheit sind verschwunden,
und in kuenftigen dunklen Stunden
werden es auch du und ich.

Aber aendre den Akzent:
sieh, schon quillt das Leben wieder,
neue Schau und neue Lieder,
die man gern mit mir benennt.


--38--

Mein Strom ergiesst sich sickernd durch die Welt,
ich dring in Haus und Huette, Schloss und Zelt.

Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
sind Geist und Wille durch mich offenbart.

Ich schuere Gluten, wirke Herzeleid,
tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.

Versoehnung bring ich und entfache Streit,
zeig manchen toericht, manchen grundgescheit.

Doch sitzt du in mir, fuehlst du dich geknickt;
vielleicht, dass dir durch mich die Rettung glueckt.


--39--

Ich naehre mich von fremden Stoffen,
doch kann auch ohne sie bestehn;
ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
und alle Weiten stehn mir offen,
ihr wuerdet ohne mich vergehn.

Am hellen Tage herrsch ich gerne,
doch auch die Nacht ist mir vertraut;
ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
mich schreckt sie nicht, die grosse Ferne
die mich mit Geisterhaenden baut.

Ich wirke in den Himmelsblitzen,
versteckter Tat bin ich verhasst;
wo gruebelnd die Gelehrten sitzen
und ratlos ob der Loesung schwitzen,
bin ich ein hochwillkommner Gast.


--40--

In alten Zeiten
hat mich der Mensch erdacht
und Ordnung mit mir
in die Dinge gebracht.

Wie noetig bin ich
der Wissenschaft,
wie zeige ich
der Voelker Kraft!

Wenn ich nicht eng
ihm verbunden waer,
wie wuerde erliegen
das tapferste Heer!

Und doch weiss jeder,
wie schwach ich bin,
denn erst mein Nachbar
gibt Halt mir und Sinn.


--41--

Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
mein Leben ging so lind wie Fruehlingswellen,
und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
      eng, doch erbaulich.

Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
mein Schaffenswille tuermte ohne Schranken
      Quadern auf Quadern.

Den Kuensten schuf ich manche Pflegestaette,
ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
      die feste Kette.

Doch Ruh und Frieden mussten weiterziehen;
und meine Kinder lassen gern sich locken
von gruenen Waeldern, sanften Herdenglocken,
      mir zu entfliehen.


--42--

Mein erstes Wort, im engen Raum genaehrt,
strebt weit hinaus, dass es die Welt regiere;
wir staeken noch im Daemmersinn der Tiere,
haette nicht Gott dem Menschen es gewaehrt.

Mein zweites hat der Kaiser und der Koenig,
und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
es irgendwie zu sein, solang er lebt,
und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.

Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
anfeuernd ins Gespraech und ins Gerede,
ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.


--43--

Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
so hast du eine schwere Arbeit vor,
so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.

Das andre Wort scheint winzig und gering,
doch schlummern in ihm unbegrenzte Kraefte;
es schwillt und waechst, wenn es die rechten Saefte,
die nur Natur verleihen kann, empfing.

Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
Gemeinden oder Staenden zuerkannt,
beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
doch schwinden hin im spaeteren Geschlechte.


--44--

Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone
flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne
bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,
in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.
Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,
bin ich--ich sag es stolz--der groessten Taten Vater.

Ein neues Wort schliess an: Es ist des Kuenstlers Ziel,
dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,
das er mit seinem Lebensblute traenkt
und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?
Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht waer.

Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
die unsrer Seele dunkle Traeume bringen,
und fuehlen scheu des Geistes Doppelwesen.
Du grosses Raetsel, wer wird je dich loesen?



POLTERABENDGEDICHT


fuer ein kleines Maedchen

(mit einer Schluessel-Atrappe)


Ich bin eine kleine Sternschnuppe
und rutschte herab vom Himmel
und fiel aus der grossen Milchstrasse
grad hier in das Gewimmel.
Verwundert fragt' ich die Leute:
Wo kommt ihr denn alle her?
Da sagten sie mir, dass heute
hier Polterabend waer.
Die Ehen schliesst man im Himmel,
und Donnergepolter gibt's auch;
da bin ich ja wie zu Hause
und bring meine Gabe auch.
Nehmt hier den Zauberschluessel,
vom Sirius bracht ich ihn mit
in meiner Sternentasche,
als ich herunter glitt.
Stets haeng er zu euern Haeupten,
und zieht es euch hinauf,
schliesst er zu jeder Stunde
den ganzen Himmel auf.



HOCHZEITSGEDICHT


(mit einem Fruehlingsblumenstrauss)

Maienkoenig schickt mich her,
sagte, dass hier Hochzeit waer,
sollt fein gratulieren;
suchte einen vollen Strauss
allerschoenster Blueten aus,
euer Haus zu zieren.

Himmelschluessel, goldig, zart,
Blumen von besondrer Art,
schickt er euch mit Gruessen.
Seht, sie leuchten sonnengleich;
Liebe heisst das Himmelreich,
das sie euch erschliessen.

Dieses blaue Sternchen spricht
frommen Sinns: Vergiss-mein-nicht,
vergiss mir nicht die Treue!
Treue, die zu Liebe steht,
ist so stark wie ein Gebet,
troestet stets aufs neue.

Hier Narzissen. Weiss und rein,
ohne Makel sollt ihr sein,
huetet Sinn und Herzen!
Seht der Unschuld klares Bild;
wer an ihm sich staerkt und stillt,
traegt leicht Not und Schmerzen.

Nehmt hin, was der Mai geschickt,
nehmt den Strauss und seid beglueckt
fuer ein langes Leben!
Unverwelklich blueh er fort,
tief in eurer Seele Hort
gluehe goettlich Streben!



NEUJAHRSSPIEL


DAS ALTE JAHR

(tritt in grauem Mantel ein)

Gruess Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,
das immer ist und immer war,
das immer kommt und immer geht
und niemals zaudernd stille steht,
das mit geheimem Pendelschlag
die Weltuhr regelt Tag fuer Tag.
Die Wuerfel werf ich: Leben und Tod,
Glueck oder Unglueck, Heil oder Not--
sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,
einem Hoeheren unterstellt.
Zwoelf Kinder hab ich zur Welt gebracht,
sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;
sie ziehen gestaltend durch die Welt,
eins mir immer zugesellt,
waehrend die andern harren und ruhn
zu neuer Arbeit, zu frischem Tun.
Nur heute an meinem Geburtstag sind
sie alle gekommen, aus Regen und Wind,
aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Hoehn,
ihre alte Mutter wiederzusehn.
Herein, meine Soehne, ein Kompliment,
und sagt den Leuten, was ihr koennt!


JANUAR

(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen)

Gruess Gott! Ich bin der Januar,
voll Schnee und Eis haengt Bart und Haar;
der Vetter Nordwind versteht das Blasen,
steif sind die Ohren, rot die Nasen.
Zugefroren ist See und Fluss;
rasch den Schlittschuh unter den Fuss!
      Die Eisen gleiten
      durch blitzende Weiten
      in Bogen und Zacken,
      das gibt rote Backen!
Hoert ihr das Schellengelaeut? Meine Gaeste
sausen durch Schnee und Rauhreifgeaeste.


FEBRUAR

(in Karnevalskostuem mit Pritsche)

Gruess Gott! Ich heisse Februar,
gleiche dem Bruder fast aufs Haar,
nur trage ich gern ein Maskenroeckchen,
an meiner Kappe klingeln Gloeckchen.
Weil ich im Spiel und Tanzen tuechtig,
schelten sie mich vergnuegungssuechtig,
spotten und lachen hinter mir her,
weil ich zu kurz geraten waer,
      rufen: "Prinz Karneval,
      Narren gibt's ueberall!"
Doch meinen Punsch und Pfannekuchen
moechten Narren wie Weise versuchen.


MAeRZ

(in Landstreichertracht, mit einem Veilchenstraeusschen)

Gruess Gott! Ich bin der Bruder Maerz,
ich habe ein wildes, stuermisches Herz.
Kann mich nicht mit den Bruedern vertragen,
puste ihnen den Schnee vom Kragen.
      Saeubre die Waelder,
      fege die Felder,
tu aus der Seele das Kalte hassen,
muss es doch oft mir gefallen lassen;
aber bin ich erst Koenig ein Weilchen,
gruesst ihr mit mir die ersten Veilchen,
seht ihr die Spitzen an Straeuchern und Baeumen,
die selig von kuenftger Entfaltung traeumen.


APRIL

(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige)

Gruess Gott! Ich bin der lustge April,
der immer tut, was er grade will.
Mal liebe ich's nass, mal liebe ich's trocken,
die Zugvoegel tu ich nach Hause locken.
      Schneewasserguesse
      schwellen die Fluesse,
ich aber streif durch den Wiesengrund,
oeffne der Obstbluete lieblichen Mund
und nicke den naerrischen Traeumern zu;
mit denen steh ich auf du und du,
_schickt_ sie nur immer! ich lehre sie lachen
und sich aus den Plagen der Welt nichts machen.


MAI

(in Bauerntracht mit Maigloeckchenstrauss)

Gruess Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,
Besondres von sich auszusagen.
Ich schaeme mich wirklich; bin so bekannt
wie ein bunter Pudel rings im Land.
Diese sammetlockigen teutschen Tichter,
hol der Kuckuck das Reimgelichter:
      "--der suesse Mai,
      der entzueckende Mai,
der bluetenbekraenzte, der himmlische Mai--"
mir wird ganz bluemerant dabei,
denk ich an all die Dudelei.
Die Kinder lob ich; das laermt und lacht
und feiert ganz ungereimt meine Pracht.


JUNI

(in Gaertnertracht, mit Giesskanne und Rosenstrauss)

Gruess Gott! Ich werde Juni genannt,
Farben und Duefte bring ich ins Land.
Seht, wie's im Garten knospet und quillt,
seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!
Vor allem muss ich die Rosen wecken,
ich kuesse sie wach an Stamm und Hecken.
      Sind Regen und Wind
      mir wohlgesinnt,
schaff ich und wirk ich am gruenen Gewande,
halte die Hoffnung am schimmernden Bande
und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;
wenn der Schnitter prueft, ist die Saat bereit.


JULI

(in Schaefertracht, mit Kornblumenstrauss)

Gruess Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze,
ich bin der Juli; spuert ihr die Hitze?
Kaum weiss ich, was ich noch schaffen soll,
die Aehren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Moehren und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf mich ein bisschen im Schatten ruhn.
      Duftender Lindenbaum,
      rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? fuehlt ihr die Schwuele?
Bald bringt Gewitter Regen und Kuehle.


AUGUST

(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke)

Gruess Gott! Ich bin der Monat August,
bin ernster Pflichten mir bewusst;
muss Frucht und Korn zur Ernte reifen,
meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.
Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,
der Segen wird in die Scheunen gebracht.
      Zum froehlichen Reigen
      jubeln die Geigen.
Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt
des Schoepfers, der alles zum Besten lenkt,
der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,
dass Schweiss und Fleiss auch Freude bringe.


SEPTEMBER

(im Touristenkostuem)

Gruess Gott! Ich bin der September, ich ziere
mit rotem Weinlaub eure Spaliere.
Dem Wandrer lachen auf allen Wegen
koestlich die reifenden Fruechte entgegen,
die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,
am Ufer der Meere traeume ich gerne,
      wo die Welle beginnt,
      wo die Welle zerrinnt,
wo die Brandung braust und ueberschaeumt
und ein Zugvogelschwarm den Himmel saeumt;
da lieg ich und grueble und suche vergebens
den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.


OKTOBER

(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche)

Gruess Gott! Ich bin der Bruder Oktober;
die Nase glaenzt mir wie Zinnober,
das kommt vom Gucken ins Glaeschen. Vor Zeiten
lehrt ich die Menschen Wein bereiten;
der wurde bald ihr Lieblingsgetraenke,
jetzt kriegt man ihn in jeder Schaenke.
      Kommt mit zum Wein,
      ich lade euch ein!
Seht, wie die Waelder sich buntselig faerben,
sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.
So kommt und sinnt und fragt nicht viel;
"das Leben ist des Lebens Ziel!"


NOVEMBER

(in Jaegertracht mit Gewehr)

Gruess Gott! Der November stellt sich vor.
Mir ist ergeben der grosse Chor
der Winde und Stuerme, die das Gefilde
von Unrat saeubern; und auch die Gilde
der Nebel und Wolken ist mir vertraut.
Wer auf des Meeres Sanftmut baut,
wagt sein Leben, wenn ich regiere;
ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,
ich hasse die Sonne, hasse die Milde,
zerreisse im Felde das letzte Gebilde.
Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,
hinter scheuem Wild die Buechse knallt.


DEZEMBER

(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbaeumchen)

Gruess Gott! Ich bin der Dezember und flechte
zu kurzen Tagen die langen Naechte.
Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,
doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.
Wenn im Ofen die Brataepfel schmoren,
fluestert es leise von Muendern zu Ohren,
gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,
ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,
ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,
ists Christkindel denn noch nicht da?"
Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,
bin ich in meinem Element;
      hell sind die Kerzen,
      warm sind die Herzen,
uns kuemmert nicht Kaelte noch Regen noch Wind.
Und denen, die arm und traurig sind,
und wo die Not sonst die Freude verbannt,
geben wir gern mit Herz und Hand.


DAS JAHR

(laesst den grauen Mantel allmaehlich fallen, steht dann in hellem Festgewand)

Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt
an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!
Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,
Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,
Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,
Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.
Und immer rollt durchs Himmelszelt
die Erde, unsre alte Welt,
die stets verjuengt, in neuer Kraft,
fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.
Jedoch ihr Diadem und Zier,
ihr Menschenkinder, das seid ihr!
Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,
freut euch des Meeres, so stark und weit,
freut euch der Waelder, der Bluete, der Frucht,
freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!
Und freut euch eurer eignen Kraft,
die der Erkenntnis Wunder schafft;
seid gluecklich, dass ihr Menschen seid,
der schoenste Schmuck an Gottes Kleid,
wenn ihr euch seiner wert gestaltet,
euch immer goettlicher entfaltet.
Seid glaubensstark, seid willensklar,
das wuenscht das neue Erdenjahr!


CHOR DER MONATE

Seid friedensstark, seid liebesklar,
das wuenscht der Monate bunte Schaar!
      Prosit Neujahr!
   Nun reicht euch zur Wende
   des Jahres die Haende
   und gruesst euch mit Neigen
   und schlingt einen Reigen!
   Spiel auf, Musik, begleite sie,
   des Jahres Schluss sei Harmonie!



RAeUBER UND PRINZESSIN


Eine Kartoffelkomoedie


EINFUeHRUNG

Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomoedie gehoert? Nein? So will ich
euch erzaehlen, was das ist.

Die Kartoffelkomoedie ist ein Theaterstueck, das statt mit Puppen mit
Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu grosse
Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so dass ihr euern
Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken koennt, und die Hauptsache
ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknoepfchen als Augen,
ein Stueckchen Ruebe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein
farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um
den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Loecher fuer Daumen und
Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man
die Finger als Arme und Haende benutzen kann.

Natuerlich muss man sich in der Kleidung ein bisschen nach den Personen des
Stueckes richten. In unsrer Komoedie, die ich nach einer aelteren Vorlage
ausgebaut habe, bekommt der Koenig eine Krone von Goldpapier und ein rotes
oder gruenes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen koennt.
Pumpfia traegt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen
Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen grossen braunen oder grauen Hut
mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natuerlich
wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider koennt ihr euch selbst
ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar.

Wenn ihr das Stueck auffuehren wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt
irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Tuerrahmen, und zwar so
hoch, dass ihr bequem mit den Haenden hinauflangen koennt; eure Koepfe duerfen
natuerlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Fuesse. Einen Vorhang braucht
man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch
wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder
Hand eine; bei einer muss es dann seine Stimme etwas verstellen.

So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spass machen; und den
Zuschauern auch.


PERSONEN:

Koenig Pflaumenmus.
Prinzessin Pumpfia.
Der Kanzler.
Der Raeuber Jagomir.


ERSTE SZENE.

Der Koenig tritt auf, vom Kanzler begleitet.


KOeNIG:

Der Sommerabend ist so schoen,
da muss man doch spazieren gehn.
Die Rosen duften suess, hazieh!
Die Nachtigall singt tueruetue--
--wie schmerzt mein linker grosser Zeh,
und auch der rechte tut schon weh.
Den Schuster haeng mir an den Galgen,
(Kanzler verbeugt sich)
denn er gehoert zu den Kanallgen.
(Koenig schnueffelt in die Luft)
Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,
da kriegt man wirklich Appetit.
Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,
und bring die Abendzeitung mit.
(Kanzler verbeugt sich und will gehn)
Halt! hemme noch den eiligen Lauf
und setz mir erst die Brille auf.
(Kanzler tut's, dann ab.)
Ein Koenig muss sich informieren,
es koennt doch was im Land passieren.
(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurueck.)


KANZLER:

Hier, Koenig, bringe ich die Zeitung,
die allerneuste Meinungsleitung.
Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,
wie Majestaet befohlen hatte;
und frage untertaenigst an,
ob ich noch sonstwie dienen kann.


KOeNIG:

Nun ja, rueck mir die Krone grade;
denn fiel sie runter, waer's doch schade.
(Kanzler rueckt die Krone zurecht.)
Was steht denn hier im Tageblatt?
Prinz Kasimir kommt in die Stadt?
Da wird er uns gewiss besuchen.
He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?


KANZLER:

Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.


KOeNIG:

Na, haeng nicht gleich die Unterlippe;
hol Streusselkuchen vom Konditor,
auch Vollmilch, einen halben Litor.


KANZLER:

Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.


KOeNIG:

Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.
Wir Koenige lassen uns nicht lumpen,
und sollten wir die Welt auspumpen.
Geh jetzt und sorge fuer mein Land
mit Militaer und mit Verstand!
(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)


KANZLER:

Was hat ein Kanzler doch fuer Sorgen;
wo soll ich bloss schon wieder borgen?
Wer schafft mir von der Deutschen Bank
den Schluessel zu dem Kassenschrank?
Reichskanzler sein ist wirklich schwer;
ich dachte nicht, dass es so waer.
Ich annonciere in der "Quelle",
vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.
(Kanzler ab.)


KOeNIG (lesend):

Den Streik, den soll der Kuckuck holen!
Wir haben so schon keine Kohlen,
mein Thronsaal wird tagtaeglich kaelter,
und ich--ich werde immer aelter.
Auf diese Bank will ich mich legen,
ein Stuendchen suesser Ruhe pflegen.
(Legt sich hin und schnarcht.)


ZWEITE SZENE.

Pumpfia, Koenig.


PUMPFIA:

Wo bist du denn, mein Vaeterchen,
mein suesser Pumps, mein Kaeterchen?


KOeNIG:

Wer stoert mir meine Ruh im Grase?
Ach, _Du_ bist's, kleine Stumpelnase.


PUMPFIA:

Papa, ich bring dein Leibgericht,
Bratkartoffeln! riechst du's nicht?
Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?
mit Liebe und mit Hammelfett;
und machte Klopse dir zulieb,
vom Fleisch, das gestern uebrig blieb.


KOeNIG (essend):

Ich danke dir, mein Herzensmops,
fuer die Kartoffeln und den Klops.


PUMPFIA:

Papa, ich bin bald zwanzig Jahre
und kriege naechstens graue Haare;
ich mach mich immer wunderschoen,
allein kein Freier laesst sich sehn.
Ich krieg am End gar keinen Mann;
was fang ich alte Jungfer an?
(Sie weint.)


KOeNIG:

So liebe _mich_, mein suesses Kind!
Heiraten geht nicht so geschwind.


PUMPFIA:

Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.
Wenn doch ein Prinz, ein trauter, kaem!
(weint staerker.)


KOeNIG:

Mein Puempfchen, troeste dich bis morgen,
da will ich dir 'nen Mann besorgen.


PUMPFIA

(faellt ihm um den Hals):
Du guter einziger Papa,
ich sag gewiss zu allen ja.


KOeNIG:

Leb wohl, ich muss zur Konferenz;
es ist nicht gut, wenn ich die schwaenz.
(Koenig ab.)


DRITTE SZENE.

Pumpfia, nachher Jagomir.


PUMPFIA:

Ich arme Pumpfia und Prinzessin,
ach koennt ich doch mein Leid vergessen!
allein, o leider ganz allein,
in diesem holden Mondenschein!
Kein Juengling liebt mich nur ein bisschen,
kein Prinz gibt mir ein holdes Kuesschen.
Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,
ich fall vor lauter Sehnsucht um--
(faellt um.)


JAGOMIR (tritt auf):

Ich stahl mir heimlich hier herein,
hier wird doch was zu mausen sein?
(Schnueffelnd)
Nee, wo mit Hammelfett gebraten,
da regnet's sicher nich Dukaten.
(Er erblickt Pumpfia )
'ne Dame? Ei, wie wunderschoen;
die muss ich mal genau besehn.
(Er tut's.)
Ich nehme mir den Hochgenuss
und geb ihr einen suessen Kuss.
(Er tut's.)


PUMPFIA (erwachend):

Was ist das fuer ein schoener Mann?
Ich wag's und red ihn lieblich an.
Wer seid Ihr, herrlicher Genoss?
Wie kamt Ihr her in dieses Schloss?
Ich bin durch Euern Gruss beglueckt;
hat Euch ein Engel hergeschickt?


JAGOMIR:

'n Engel? Nee, das war der Robert;
der hat das Ding hier ausbaldowert.


PUMPFIA:

Ist alles gleich; du bist mein Schaetzchen,
mein suesser Freund, mein Busenlaetzchen.


JAGOMIR:

Aber--was wird dein Vater sagen?


PUMPFIA:

Ach was, wer wird den Alten fragen.


JAGOMIR (kuesst sie):

Mein honigsuesser Sirupstengel,
mein Marzipan, mein Zuckerengel!


PUMPFIA:

Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!
Pumpfia geht mit dir durch die Welt!


JAGOMIR:

Mein Schaetzchen, hast du auch Moneten?


PUMPFIA:

Die sind hier weniger vertreten;
an diese Frage ruehre nich,
geliebter Freund, entfuehre mich.


JAGOMIR:

Na, denn man zu, du suesse Hummel!
(Beiseite)
Verflixt, das wird 'n schoener Rummel.


VIERTE SZENE.

Koenig, die Vorigen.


KOeNIG:

Prinzessin Pumpfia, Kasimir,
wo seid ihr kleinen Schaeker ihr?
Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?
Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.


JAGOMIR (beiseite):

I, du meine himmlische Guete,
die jlooben, ick sei ein Prinz von Gebluete;
dabei gehoer ick zum Raeuberstand,
der ernaehrt seinen Mann besser als so'n Land.
(Laut):
Guten Tag, Herr Koenig, ich habe die Ehr
und verbeuge mir sehr.
(Er tut's)


KOeNIG:

Mein Vaterherz huepft froh und warm:
mein Puempfchen in des Prinzen Arm.
Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,
wie findet meine Tochter Ihr?


JAGOMIR:

Das Maedel hier? Na, himmlisch suess,
wie'n Engelken im Paradies.


KOeNIG:

Na, nimm se dir se denn se doch,
und spanne sie ins Ehejoch;
dann kocht dir deine kleine Braut
Erbsen mit Speck und Sauerkraut.


JAGOMIR:

Ach ja, und dann Kartoffelkloesse
mit einer suessen Pflaumensoesse.
(Umarmung.)


PUMPFIA:

Wenn man in deinen Armen ruht,
dann kocht sich's gleich noch mal so gut.


KOeNIG:

Ich bin geruehrt wie Quetschkartoffeln,
verlier vor Ruehrung die Pantoffeln.
(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)


FUeNFTE SZENE.

Kanzler, die Vorigen.


KANZLER:

Der Brief kommt eben von der Post,
der fuenfundzwanzig Pfennige kost't.


KOeNIG:

Wie oft schon hab ich deklariert,
ich nehme nichts mehr unfrankiert.
Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,
dann fliegt es gleich zum Fenster raus.
(Er oeffnet den Umschlag)
Lass sehn, was steht in diesem Brief.


JAGOMIR (beiseite):

Na, geht die Sache doch noch schief?


KOeNIG (liest):

"Prinz Kasimir entbeut den Gruss
dem hohen Koenig Pflaumenmus;
er wird ihn heute noch besuchen
und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."--
Von alldem tut der Bauch mir weh;
was nun, mein Schwiegersohn _in spe_?
Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?


JAGOMIR (stolz):

Ich bin der Raeuber Jagomir!


KOeNIG:

Ein Raeuber? Hu, das ist ein Graus,
der reisst mir die Gedaerme aus!
Gewiss, er wird mich massakrieren
und mir mein Puempfchen dann entfuehren.
(Er weint.)


PUMPFIA:

Was mich betrifft, ich halte still,
wenn er nur dich verschonen will.


JAGOMIR:

Ich schon ihn gern, und auch sein Geld--
(beiseite): das er nicht hat!
Ich bin ein edler Raeuberheld.


PUMPFIA:

Mein suesser Schuft, mein Wonneheld,
mit dir stehl ich die ganze Welt.
(Umarmung.)


JAGOMIR:

Bald kommt der Kasimir ins Haus;
komm, Puempfchen, komm, wir ruecken aus!
Im Walde steht mein freies Schloss,
da schlaeft sich's fein--auf Heu und Moos.


KOeNIG:

Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
Hier hast du noch ein Angebind
(gibt ihr einen Zweimarkschein)
und ausserdem noch meinen Segen.


PUMPFIA:

Den kannst du uns auf Zinsen legen.
(Beide ab.)


KOeNIG:

Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
ich weine mir ein Auge aus.
(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
O Kasimir, Prinz Kasimir,
warum warst du nicht eher hier!
Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
die Welt, die ist ein Wackeltopf.
Nur eins ist unverrueckt und wahr,
nur eins wie meine Pleite klar:
Hoch herrschen ueber Raum und Zeit
die Frechheit und die Dreistigkeit.
(Vorhang.)



KASPERLE UND DER KRIEG


Ein Stueckchen fuers Kasperltheater


KASPERLE (allein, singt):

   Bummvallera
   ist nicht da;
   wo ist Bummvallerallerallera?

(Er gaehnt.) Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich
schon ein paarmal meine Finger gezaehlt; aber komisch, es kommt immer was
andres raus. (Er zaehlt an seinen Haenden): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14,
15--na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12,
13, 14--komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14
Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.) Ei, da kommt
Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein! (Polizist kommt.)


POLIZIST:

Bist du der Kasper?


KASPERLE:

Was? Kasper? Herr Kasper heisst es, geehrter Herr Kasper heisst es,
wertgeschaetzter Herr Kasper heisst es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie
untertaenigster Rasselsaebel!


POLIZIST:

Mann, seien Sie mal etwas hoeflicher zur koeniglichen Polizei!


KASPERLE:

Hoeflich? Hi hi, hoeflich? Mit Hoeflichkeit faengt man nicht mal 'nen Floh.
Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh?


POLIZIST:

Kasper, du bist ein Esel!


KASPERLE:

'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert
auf die hoechsten Stellen und faellt nicht runter. Hihi, moecht schon solch
Tierchen sein.


POLIZIST:

Lirum, larum, Kasper, du musst jetzt in den Krieg; darum bin ich
hergekommen.


KASPERLE:

Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch
kein Kriechtier!


POLIZIST:

Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und
Kanonen.


KASPERLE:

Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und
Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!--Und Bomben? wissen Sie, die
backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und
Kanonen? ja, die stehn noch vom Grossvater selig her auf'm Kramboden; der
war Sie naemlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln.
Also, dann kenn ich ja den Krieg; muss 'ne lustige Sache sein.


POLIZIST:

Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um
die Ohren knallt.


KASPERLE:

Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen
hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie.


POLIZIST:

Idio_syn_krasie meinst du wohl, dummer Kasper.


KASPERLE:

Nee, Herr Rasselsaebel, Sinn ist da nicht drin; sonst waer's ja keine
Idiotokratie. (Er singt):

   Die Welt, die haut sich tot wie nie,
   tot wie nie, tot wie nie,
   und fuettert das Meer mit Korn und Vieh,
   Korn und Vieh, Korn und Vieh;
   das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,
   Idiotokratie!


POLIZIST:

Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die
hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heisst, Kasper.


KASPERLE:

Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil
ich das selber nicht weiss. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater.


POLIZIST:

Und deine Mutter?


KASPERLE:

'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Bloss 'ne Grossmutter und
'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht.


POLIZIST:

Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne
Mutter.


KASPERLE:

'n Ochse? das waer was, ei der Daus! Was waer ich da wert bei den heutigen
Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister.
Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100
mal 8 Mark 50--haengen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark;
und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht
rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat?


POLIZIST:

Na, das sind ungefaehr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her,
dass ich in der Schule war.


KASPERLE:

Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark.
Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein
Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da
erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was:
wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrueten.
(Er singt):

  O waer ich doch ein Oechselein,
  Oechselein, Oechselein,
  oder auch ein fettes Schwein,
  fettes Schwein, fettes Schwein,
  dann poekelt' ich mich selber ein,
  si- sa- selber ein.
  Da kaem ich in ein grosses Fass,
  grosses Fass, grosses Fass,
  da rollt' ich in das Kellergelass,
  Kellergelass, Kellergelass,
  da haett ich fuer den Winter was,
  Wi- Wa- Winter was.


POLIZIST (packt ihn):

Ach was, vorwaerts marsch mit dir in den Krieg! und hast-du-nicht-gesehn
ins Feuer!


KASPERLE:

Ins Feuer soll ich? Ich ins Feuer? Aber ich bin doch keine Presskohle,
Herr Oberheizer, dass ich ins Feuer soll? (Er ruft ins Haus): Grossmama,
mein Puttchen, du alte Knochenmuehle! komm doch mal her, aber putz dich
nicht erst! man will dein Kasperle ins Feuer stecken! (Grossmutter kommt.)


GROSSMUTTER:

Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen?


POLIZIST:

Er muss in den Krieg und will nicht, der Racker!


GROSSMUTTER:

O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich
totschiessen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch!


KASPERLE:

Lass man, Omamachen wenn sie schiessen wollen, nehm ich meine Pritsche und
hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den
Polizisten tot, wirft ihn ueber die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man!
den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsaebel!--





VERZEICHNIS DER UeBERSCHRIFTEN



Gruss an die Grossen
Gruss an die Kleinen



ERSTER TEIL


Wunderchen
Geht leise
Wittewoll schlafen
Fruehstueck
Seereise
So lala
Mein Wagen
Kutscher auf dem Knie
Ereignis
Heilspruechel
Schlimme Geschichte
Austreibung
Wenn Rumpumpel brummig ist
Der Pudding
Zwei Maeulchen
Mueckebold
Das Scherchen
Geschichtchen vom Winde
Anziehliedchen
Das Laemmechen
Die wilden Beinchen
Der lumpichte Bu
Tintenheinz und Plaetscherlottchen
Es regnet
Troesterchen
Haeschen in der Grube
Hasenspiel
Drei Baeumchen
Schabernack
Am Abend
Gutenachtliedchen
Freund Husch
Rumpumpels Geburtstag
Mutters Geburtstag
Rumpumpel tanzt
Kreiselliedchen
Konzert
Die ersten Hoeschen
Der kleine Suender
Flutschpeter
Die Trommelpartie
Rumpelreim
Das Karnickel
Lektion
Lied des Huehnchens
So sieht unsre Wirtschaft aus



ZWEITER TEIL


Das Haus
Mit Trommel und Trab
Siebenschlaefer
Osterlied
Maiwunder
Hansel und Gretel
Prinzesschen
Das grosse Loch
Zwei Gesellen
Wenn's Pfingsten regnet
Eine Huehnergeschichte
Marieken und die Kueken
Kinderkueche
Essensregeln
Die boese Mies
Pottkieker
Der Reitersmann
Das richtige Pferd
Der kleine Rekrut
Der Hauptmann
Abzaehlreim
Fragefritze und die Plappertasche
Plappermuendchen
Puppendoktor
Kleiner Einkauf
Vaters Geburtstag
Das Himmelsprinzesschen
Windfreude
Lied vom Monde
Weihnachtsschnee
Knecht Ruprecht in Noeten
Frohe Botschaft
Der liebe Weihnachtsmann
Sankt Niklas' Auszug
Bescheidene Frage



DRITTER TEIL


Widmung
Sonne
Marienlied
Korsisches Wiegenlied
Koenigskind
Heimweh
Elfenreigen
Wiegenmaerchen
Traumballade
Mutter Hule
Ein Singsang vom Rheine
Badeballade
Der Teufel und die Katz
Der Esel und die Loewenhaut
Ein Spatzengespraech
Drei Koboldstreiche
Spuk
Der Maerchenkoenig und sein Toechterlein
Weihnachtsgang
Weihnachtsbesuch
Koenig Kuchen und Koenigin Schokolade
Der erste Mai
Wetterwunsch
Hammerliedchen
Im Sonnenschein
Wanderlied



VIERTER TEIL

Spruch fuers Leben
Allerlei Raetsel:
    1) Windmuehle
    2) Die ersten Zaehnchen
    3) Sau-er-kraut
    4) Spitzbube
    5) Stiefelknecht
    6) Rebe--Eber; Recke--Ecker; Rotte--Otter; Rinde--Inder; Rabe--aber
    7) Matrone, Makrone, Marone
    8) Gitter, Rettig
    9) Vielleicht
    10) Zeit
    11) Schafwolle und Rindleder
    12) Versohlt
    13) Ueberlegen
    14) Saumselig
    15) Verzogen
    16) Drosselbart
    17) Nachbarschaft
    18) Der Rat
    19) Besessen
    20) Ausschlag
    21) Fassung
    22) Eingefallen
    23) Druckfehlerteufel
    24) Feuerwasser
    25) Wasserscheide, Scheiderwasser
    26) Winde
    27) Leiter
    28) Welle
    29) Donnerkeile
    30) Linsengericht
    31) A, Horn, A horn
    32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden
    33) Retter
    34) Verwachsen
    35) Verschieden
    36) Romantik
    37) Mode, modern
    38) Die Tinte
    39) Das Licht
    40) Die Zahl
    41) Die Stadt
    42) Geistreich
    43) Gerecht, Same, Gerechtsame
    44) Gedankenuebertragung
Polterabendgedicht
Hochzeitsgedicht
Neujahrsspiel
Kartoffelkomoedie: Raeuber und Prinzessin
Kasperle und der Krieg





VERZEICHNIS DER ANFANGSZEILEN



Auf der hoechsten Berge Ruecken
Auf der Leine, auf gruenem Platz
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich
Aus lichtem See
Bei Koenig Kuchen und Koenigin Schokoladen
Bluemchen haengt das Koepfchen
Bummvallera ist nicht da
Christkindchen lag im Stalle
Das grosse Loch
Das kann doch nicht Rumpumpel sein
Das Wort pflegt zu erhoehn
Der Bauer schlaeft im Hirsekraut
Der Esel, der Esel
Der Schneidermeister Piekenich
Der Sommerabend ist so schoen
Der Vater will's das Fritzchen
Des Mondes Tochter Mirlamein
Die alte Mutter Hule
Die erste frisst
Die ersten sind ein Untertan
Die erste Silbe fuehrt die krause Schar
Die Henne legt ein Ei
Eia, wir Elfen
Ein deutscher Meister war es, gottgesandt
Ein Kaetzlein ging einst jagen
Ein Muellersmann aus Oberwesel
Ein Vogel flog aus dem Heimatland
Er geht in sich, um sich zu pflegen
Es laeuft und hat keine Beine
Es regnet, es regnet
Es tanzen zwei Gesellen
Es war einmal ein Kaetzchen
Es war zur lieben Weihnachtszeit
Fixfax der arge Kobold spricht
Flutschpeter lief nie gradeaus
Fritz, ich moecht den Spaten haben
Froh singt ihr Lied am Sommertag
Frueh, eh ich's konnt begreifen
Geht leise
Gestern lief der Peter weg
Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder
Gruess Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr
Guten Morgen, ihr Beinchen
Guten Tag, guten Tag, liebe Gruenkramfrau
Hansel und Gretel stehen zu zwein
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr
Haeschen in der Grube
Has, Has, Osterhas
Heini, Heini
Herbei, ihr kleinen Wichte
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
Herr Steuermann, Herr Steuermann
Hinter den Birken ueber den Rasen
Hinueber, hinein
Huehner, wollt ihr wohl artig sein
Hurra, zum ersten Mal
Husch, husch, husch
Ich bau, ich bau ein steinern Haus
Ich bin das Himmelsprinzesschen
Ich bin der Hauptmann
Ich bin eine kleine Sternschnuppe
Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
Ich habe Fluegel--rate, Kind
Ich hab einen Helm aus Packpapier
Ich hab keine Haende und kann doch tragen
Ich moecht euch alle miteinander
Ich naehre mich von fremden Stoffen
Ich stand begehrlich am Worte
Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
Ihr Kinder, sperrt die Naeschen auf
Ihr Siebenschlaefer in den Hoehlen
Im Stall unter Schaefchen baeht
In alten Zeiten
In eins-zwei-drei lebt ganz gemuetlich
In Leipzig wohnt ein Baeckermeister
In Not und Gefahr
In Wolfenbuettel wohnt ein Lamm
Jung jung drei Baeumchen
Ka Struempferl im Kasten
Klaenge wachsen auf den Wegen
Klaerchen naehte an dem ersten
Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
Kraeht der Hahn frueh am Tage
Kra, kra, kalter Schnee
Kribbel-krabbel-Kaefer
Laendliche Strassen, dicht beschneit
Leise, Peterle, leise
Leises Klopfen an der Tuere
Lieber Doktor Pillermann
Lise Nackfisch und Hans Pitschenass
Maienkoenig schickt mich her
Maikoenig kommt gefahren
Maria herzt ihr Kindelein
Mariechen war's; mit meinem Kuchen
Marie-Marei-Marieken
Marie-Marei will Braten machen
Mein erstes ist ein Hund
Mein erstes ist nicht wenig
Mein erstes Wort, im engen Raum genaehrt
Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone
Mein Strom ergiesst sich sickernd durch die Welt
Mein Wagen hat vier Raeder
Mueckchen, Mueckchen, Duennebein
Musik, Musik, die Floete kommt
Mutti, Mutti, was ist denn da drin
Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten
Nennst du das Ganze, toent es uns entgegen
Oben aus dem Fahnenhaus
Ohne Zepter, ohne Krone
Pink, pank, Hammerschlag
Pitsch--patsch--Badefass
Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Quellchen geht in den Rauschebach
Rate, Freund, es ist nicht schwer
Rechts, links, ueber Eck
Ride-bide-Bummstock
Rumpumpel macht 'ne Landpartie
Rumpumpel tanzt
Rumpumpel will essen
Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus
Sankt Nikolas, Sankt Nikolas
Scheine, Sonne, scheine
Schimmel, willst du laufen
Schlafe, mein kleiner Wildling
Schlafe ruhig, Koenigskind
Schnell, schnell, Besen
Schnipsel, schnipsel, Scherchen
Sind es die Feinde, muss man sich wehren
Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile
Sitzen zwei alte Weiber im Sand
So morgens um halb acht herum
Sonnenlichter, Fruehlingswichter
Sonne scheint draussen und scheint in die Grube
Spitzt das Ohr und merkt euch still
Standen vier weisse Ritterchen
Steht ein Toepfchen rund und nett
Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant
Still--was bloss das Kaetzchen will
Traumkoenig geht durch bleiches Land
Tuck--tuck--heut ist Regentag
Unser Mueller hat ein Muehlenhaus
Viel Glieder hab ich, die einander gleichen
Vor der Laube kraeht der Hahn
Waechst einer alten Dame
Wagen im Wind
Waldtaube sass gefangen
Wenn das R am Anfang steht
Wenn der Wind ueber Wiesen und Felder rennt
Wenn es von Freund und Liebchen kommt
Wenn ich in die Stube geh
Wer es hat, der ist betruebt
Wer kommt dort angeflogen
Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd
Wer strampelt im Bettchen
Wer tanzt mit mir
Willst du das erste Wort stets sein und handeln
Wind, Wind, sause
Winkele, wankele
Wir sind's gewiss in vielen Dingen
Wir sind's mit Stamm und Vaterland
Zwei Worte weiss ich, die einander feind









End of the Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST ***

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501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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