The Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel

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Title: Das liebe Nest

Author: Paula Dehmel

Release Date: October 13, 2004 [EBook #13732]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST ***




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DAS LIEBE NEST






Gesammelte Kindergedichte
von
Paula Dehmel






Herausgegeben von Richard Dehmel
mit Zeichnungen von Hans Thoma
bei E. A. Seemann in Leipzig
1919






GRUSS AN DIE GROSSEN


Aus lichtem See,
ber Sterne und Schnee,
rauschen die Schume,
lauschen die Trume,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.

Aus Kinderland,
ber Acker und Sand,
wachsen die Gluten,
die bsen, die guten,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.



GRUSS AN DIE KLEINEN


Ich mcht euch alle miteinander
auf bunten Wiesen sehn,
bei Klarinetten und Geigen
die Fchen im Tanze drehn.

Ich mcht euch alle miteinander
mitnehmen im Fliegerkahn,
euch die schne Erde zeigen,
und was fleiige Menschen getan.

Ich mcht euch alle miteinander
still fhren an der Hand,
euch heimliche Dinge sagen
von Gott und dem Sternenland.





ERSTER TEIL



WUNDERCHEN


Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Darf sich kein Staub, kein Krmel verstecken,
mu alles so blank wie Ostertag sein,
denn das Wunderchen zieht ein.
Zieht ein--schon stimmen die Englein die Geigen;
alle Knige werden sich neigen,
Hirten und Knige mit dem Stern
haben Wunderchen gern.
   Wer soll Wunderchens Taufpate sein?
Sieben groe Meister laden wir ein;
sieben groe Helden mit Kron und Schalmein
sollen Wunderchens Taufpaten sein.
   Und wer ist schnell
   sein Spielgesell?
Da kommen gesprungen
die reizenden jungen
Wachholderweibchen und Fliedermnnchen,
Taunixchen mit silbernen Wasserknnchen.
Aus Vogelnestern und Weidenktzchen
gucken neugierige Schelmenmtzchen:
   Wir lachen fein,
   wir singen fein,
wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein!



GEHT LEISE


Geht leise--
es ist md von der Reise.
Es kommt weit her:
vom Himmel bers Meer,
vom Meer den dunklen Weg ins Land,
bis es die kleine Wiege fand--
Geht leise.



WITTEWOLL SCHLAFEN


Auf der Leine, auf grnem Platz
hngen sieben Hemdchen und ein Latz;
im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt,
liegt mit groen Augen mein Kind--
wittewoll schlafen?

Henne macht sich ein Bett im Sand,
Fliege trumt an der Mauerwand,
Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,
schaukelt die Flgel auf und zu--
wittewoll schlafen?

Suselesu, der Sonnenwind
blst in die Augen dem mden Kind;
es will noch blinzeln--Spinnchen hlt
den bunten Schleier vor die Welt--
--wittewoll--schlafen-- --



FRHSTCK


So morgens um halb acht herum:
Rumpumpel macht das Mulchen krumm.
Und keine fnf Minuten drauf
wacht Rumpumpel auf.

Hu! kommt der kalte Badeschwamm,
Rumpumpel hlt die Ohren stramm;
und schlgt die Ticke-Tacke acht,
wird ihm die Milch gebracht.

Die schmeckt Rumpumpeln aber fein;
er patscht mit beiden Fustchen drein
und trinkt und trinkt, bis alles leer.
Rumpumpelchen, das freut mich sehr:
morgen gibt's gut Wetter!



SEEREISE


Pitsch--patsch--Badefa,
Rumpumpel plantscht die Stube na,
ist ein junger Wasserheld,
segelt durch die ganze Welt,
im Wipp--im Wapp--im Schaukelkahn
ber den groen Ozean.
Stehn drben alle Wilden still
und schrein: Was blo Rumpumpel will?
so splitternackt und pitschena
in seinem kleinen Schaukelfa?
Schnell das Badelaken!



SO LALA


Steht ein Tpfchen rund und nett
unterm Bett,
so lala, so lala.
Reicht mir mal das Kindel her,
das braucht jetzt keine Windel mehr,
so lala, so lala.

Rolle, rolle, ratteratt,
rollt ein Wagen durch die Stadt;
sind zwei blanke Pferdchen davor,
hinten drauf ein schwarzer Mohr.

Horch, er hlt vor unserm Haus;
steigen zwei feine Jungherren aus,
mit Federbarettchen
und goldenen Kettchen.
Schnell das Tpfchen unters Bettchen!



MEIN WAGEN


Mein Wagen hat vier Rder,
vier Rder hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch blo sagen.

Mein Wagen hat 'ne Deichsel,
'ne Deichsel hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch blo sagen.

Mein Wagen hat ein Pferdchen,
ein Pferdchen hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch blo sagen.

Mein Wagen fahrt nach Potsdam,
nach Potsdam fhrt mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch blo sagen.

Und wer mit mir nach Potsdam will,
in meinem neuen Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
der braucht es blo zu sagen.



KUTSCHER AUF DEM KNIE


Wagen im Wind.
Wie sitzt mein Kind?
Wie geht mein Pferd?
Alles verkehrt.
Holdriutsch--
oben die Rder, unten die Kutsch!

Wagen im Schnee.
Da guckt das Reh,
da schnuppert der Has
mit der wackligen Nas.
Holdriuff--
da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!



EREIGNIS


(von Paula und Richard Dehmel)


Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da steht er!
hlt sich am Rckchen,
hlt sich am Stckchen,
grade wie 'n Licht,
frchtet sich nicht.

Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da geht er!
guck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen!
Aua, Geschrei--
bautz!--vorbei.



HEILSPRCHEL


Kra, kra, kalter Schnee,
dem Raben tut sein Beinchen weh,
dem Hsechen sein Herzchen;
die bse Zeit, die kalte Zeit,
ein jedes hat sein Schmerzchen.

Heile, Fingerchen, heile,
es dauert noch 'ne Weile,
es dauert noch bis Rosmarein,
dann ist lauter Sonnenschein.



SCHLIMME GESCHICHTE


Im Stall unser Schfchen--bht,
im Hof unser Hhnchen krht,
und der Karo an der Kette
bellt mit Spitz um die Wette.
Auf'm Dach unser Ktzchen--maut,
und im Ententeich die Frsche, alle Frsche quaken laut:
Kinder, denkt euch den Schreck,
unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg.



AUSTREIBUNG


Das kann doch nicht Rumpumpel sein?
So kann Rumpumpel doch nicht schrein?
Seelwen sind in unserm Haus;
schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus.
Ich 'n Stock,
Du 'n Stock,
alle beide einen Stock.
Ei der Daus,
wollt ihr raus,
wollt ihr in euer Seelwenhaus!



WENN RUMPUMPEL BRUMMIG IST


Die Henne legt ein Ei,
da ging der Mond entzwei;
die Hlfte fiel nach Nuckenstadt
und schlug zwei groe Brummer platt.

Zwei groe Brummer, brumm,
summten hier herum,
um Rumpumpels Kopf,
um Rumpumpels Bauch
und um sein dickes Nschen auch.

Nun sind sie tot... Aber im Ei
pickt das Kken die Schale entzwei,
kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz--
--ist der Mond wieder ganz.



DER PUDDING


Rumpumpel will essen,
nun fix gebraten:
ein Ktzel, ein Sptzel
und sieben Soldaten.

Das gibt einen Pudding
so gro wie ein Haus.
Zuletzt leckt Rumpumpel
die Kuchenschssel aus.



ZWEI MULCHEN


Winkele, wankele,
vor der Tr steht ein Bankele,
auf der Bank sitzt mein Kindele,
spielt mit mei'm Hndele,
winkele, wankele.

Winkele, wankele,
ich hab ein Gedankele:
ein pfle frs Kindele,
ein Knchle frs Hndele.
Dankele.



MCKEBOLD


Mckchen, Mckchen, Dnnebein,
Mckchen, la das Stechen sein,
Stechen tut ja weh!
Mckchen, Mckchen, weit du was:
bei doch in das grne Gras,
bei doch in den Klee!



DAS SCHERCHEN


Schnipsel, schnipsel, Scherchen,
schneid mir ein Gewehrchen;
schie ich mir ein Hschen tot,
brat's dem Kind zum Mittagbrot.
Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus
durch den Sonnenschein in des Grtners Haus;
der hat seine Freude dran,
oder guckt sie gar nicht an,
oder streut sie in den Wind,
oder schenkt sie seinem Kind--
schnipsel, schnipsel, Scherchen-- --



GESCHICHTCHEN VOM WINDE


   Wer kommt dort angeflogen?
   Das ist der Wind.
   Der Wind ist ungezogen,
   er blst dem Kind
   unters Rckchen,
   an die Sckchen,
   um die Ohren, an die Nase;
   solch Geblase!

   Ganz zerfleddert und zerzaust
   kommt Rumpumpel angesaust;
   und hustet
   und prustet,
   das arme Trpfchen,
   und steckt sein Kpfchen
   in Mutters Scho.

Und weit du, warum der Wind so getollt?
Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.



ANZIEHLIEDCHEN


Wer strampelt im Bettchen?
versteckt sich wie 'n Dieb?
Das ist der Rumpumpel,
den haben wir lieb.

Was guckt da fr 'n Nschen?
Ein Bbchen sitzt dran.
Das ist der Rumpumpel,
den ziehn wir jetzt an.

Erst wird er gewaschen,
vom Kopf bis zur Zeh;
er weint nicht, er greint nicht,
denn es tut ja nicht weh.

Schnell her mit dem Hemdchen:
da schlpfen wir fein,
erst rechts und dann links,
in die rmelchen 'rein.

Fix an noch die Strmpfchen,
fix an auch die Schuh;
kommts Hndchen, schnrts Bndchen,
schon sind sie zu.

Nun Leibchen und Hschen,
ein Rckchen kommt auch;
sonst friert dem Rumpumpel
sein kleiner runder Bauch.

Das Kmmchen kmmt sachte,
aber still mu man stehn;
zuletzt noch das Kleidchen,
der Tausend, wie Schn!
Nun geht er und sagt: Guten Morgen.



DAS LMMECHEN


In Wolfenbttel wohnt ein Lamm,
das hat ganz schwarze Haare.
Meint ihr, es brauche einen Kamm?
I Gott bewahre!

Aber mein Lmmechen
braucht ein Kmmechen,
braucht ein Schwmmechen,
lt sich nix verdrieen;
setzt sein neues Kppechen auf,
will mal Koppkegel schieen.



DIE WILDEN BEINCHEN


Guten Morgen, ihr Beinchen!
Wie heit ihr denn?
Ich heie Hampel,
ich heie Strampel;
und das ist Fchen bermut,
und das ist Fchen Tunichtgut.

bermut und Tunichtgut
gehn auf die Reise,
platsch, durch alle Smpfe,
na sind Schuh und Strmpfe;
guckt die Rute um die Eck--
laufen sie alle beide weg.



DER LUMPICHTE BU


Ka Strmpferl im Kasten,
ka Bnderl am Schuh,
ka Knpferl am Wams--
oh, der lumpichte Bu!



TINTENHEINZ UND PLTSCHERLOTTCHEN


Heini, Heini,
ach, ist Heini dumm:
stippt mit allen Fingerchen
im Tintenfa herum.

Heini, Heini,
kleiner dummer Mohr:
stippt sich alle Fingerchen,
klecks, ins Ohr.

Und unten am Brunnen,
da steht ein Fa,
da macht sich unsre Lotte
pitschepatschena.

Und oben die Sonne
hat drber gelacht
und hat unsre Lotte
wieder trocken gemacht.



ES REGNET


Es regnet, es regnet
der Kuh auf den Schwanz;
es regnet, es regnet
der Braut in den Kranz.

Es regnet, es regnet,
die Welt ist schon na;
hol 's Tpfchen,
fang 's Trpfchen,
dann sag ich dir was:

Wscht du die Nase,
bleibt sie fein grade.
Wscht du das Mndchen,
bist du 'n lieb Kindchen.
Wscht du aber die Augen schn,
kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.



TRSTERCHEN


Blmchen hngt das Kpfchen,
der Tau ist ihm zu schwer;
kommt der durstige Morgenwind,
trgt die Tropfen ins Meer.

Sptzchen piepst und bettelt,
das Krpfchen ist ihm leer;
Pferdchen hat die Krippe voll,
streut Krnerchen umher.

Kindchen weint noch immer,
Bckchen stt so sehr.
Schenkt ihm Mutter einen Ku:
sieh mal, nun weint's nicht mehr.



HSCHEN IN DER GRUBE


(mit Benutzung des Volkspiels)


Hschen in der Grube
sa und schlief,
kam der heilge Kuckdiguck
und bracht ihm einen Brief.

Hschen, bist du mde
oder bist du krank?
Steck doch deine Lufer raus,
ob du noch hpfen kannst.

Und was stand geschrieben
in Kuckdiguckens Brief?
"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,
geht der Wagen schief."



HASENSPIEL


Hinter den Birken ber den Rasen
huschen drei Hasen
an uns vorbei,
Springen ber Busch und Dorn,
wollen ins junggrne Winterkorn,
hocken da,
locken sich da,
laufen kreuz,
laufen quer,
hin und her,
als gb's in der Welt keine Schrotflinte mehr.

Warte, in der Weihnachtszeit
kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.
Den grten verschicken wir,
den zweitgrten spicken wir,
der kleinste kommt ins Hundehaus
und steckt hinten sein Schwnzchen raus.



DREI BUMCHEN


Jung jung drei Bumchen
wachsen im Wiesengras,
jung jung drei Bumchen
sagen mir was.

Das erste hat sich
so geqult,
hat alle seine siebentausend
Blttchen gezhlt.

Das zweite trgt Pflumchen,
schlicker-schleckerfein;
htt es deine Zhnchen,
es e sie allein.

Das dritte, das dritte
schttelt sich blo:
fallen lauter Blten
in meinen Scho.

Sag ich schn Dank,
geh ich nach Haus,
mach ich Rumpumpeln
ein Krnzchen draus.



SCHABERNACK


Wenn ich in die Stube geh
und den Rumpumpel seh,
tanzen wir zwei
Ringeldireih,
lachen wir,
machen wir
Schabernack,
Huckepack,
Ktzchen spielt den Dudelsack,
macht Rumpumpel Hottehh
nach der alten Melodie:
Miau, miau,
dem Kater seine Frau,
dem Kater seine grisegrimme
gritzegraue Frau.



AM ABEND


Still.
Was blo das Ktzchen will?
Es streicht um meinen Scho herum,
das Schwnzchen hoch, den Buckel krumm,
Still--
und weit du, was es will?

Still.
Was blo die Glucke will?
Sie lockt und lockt die kleine Brut
zum warmen Stall und deckt sie gut,
Still--
und weit du, was sie will?

Still.
Was blo Rumpumpel will?
Die Augen macht er schon ganz klein
und ghnt und will genommen sein,
still--
nun weit du, was er will.



GUTENACHTLIEDCHEN


Leise, Peterle, leise,
der Mond geht auf die Reise;
er hat sein weies Pferd gezumt,
das geht so still, als ob es trumt,
leise, Peterle, leise.

Stille, Peterle, stille,
der Mond hat eine Brille;
ein graues Wlkchen schob sich vor,
das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,
stille, Peterle, stille.

Trume, Peterle, trume,
der Mond guckt durch die Bume;
ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
um Peterle im Schlaf zu sehn--
trume, Peterle, trume.



FREUND HUSCH


(von Paula und Richard Dehmel)


Husch, husch, husch,
ich schlpfe aus dem Busch;
ich stecke mein Laternchen an,
ich znde uns die Sternchen an,
husch.

Husch, husch, husch,
ich putze meinen Busch.
Der Mond ist da, der Mond ist hell;
der Mond, der ist mein Spielgesell,
husch.

Husch, husch, husch,
ich schttel meinen Busch.
Die Kinderchen sind all zur Ruh,
ich schttel ihnen Trume zu;
die haben wir vergangne Nacht,
der Mond und ich, uns ausgedacht,
husch, husch, husch,
im Busch.



RUMPUMPELS GEBURTSTAG


Krht der Hahn frh am Tage,
krht laut, krht weit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Guckt das Eichhrnchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Kommt das Hschen gesprungen,
macht Mnnchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!

Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut
schrein: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!



MUTTERS GEBURTSTAG


Leises Klopfen an der Tre:
Kann ich 'rein, Mama?
Frisch gewaschen, frisch gebgelt
steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Hndchen;
wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut.
Vater putzt die groe Stube,
die ist mchtig schn.
Lauter Blumen! Und die Torte!
Komm, zu Vati gehn!



RUMPUMPEL TANZT


Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
es blitzen seine Schuh;
der Kreisel und der Hampelmann
sehn verwundert zu.

Der Kreisel pufft den Hampelmann:
guck, Hans, was sagst du nur?
der Junge tanzt, der Junge tanzt
und sitzt an keiner Schnur.

Der Hampelmann zieht ein Gesicht
und schlenkert und sagt: puh,
auch eine Peitsche braucht er nicht,
tanzt doch so schn wie du.

Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
die liebe Sonne scheint;
der Kreisel und der Hampelmann
sind sich spinnefeind.



KREISELLIEDCHEN


Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
kommt die dicke Marmelkugel,
rollt ihn um, rollt ihn um;
pa auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
pfeift der Wind aus einer Ecke,
pfeift ihn um, pfeift ihn um;
steh auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,
peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;
hopp hopp, wie springt das Brderlein,
halt den Dieb, halt den Dieb,
heia, Herr Dreidel!



KONZERT


Musik, Musik, die Flte kommt,
Rumpumpel tut's begreifen:
er horcht und hebt das Fingerchen,
fngt gleich an mitzupfeifen.

Musik, Musik, die Geige kommt,
die Geige tut fein klingen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
fngt leise an zu singen.

Musik, Musik, der Brummba kommt,
ganz deutlich hrt man's summen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
tut wie 'ne Hummel brummen.

Das gibt ein herrliches Konzert,
ihr Kinder, kommt, ich bitte!
Drei Kirschen kost't der erste Platz,
und eine kost't die Mitte.

Hinten herum ist alles frei,
gromtig sind wir heute;
der Mohr, der Spitz, der Hampelmann
sind gar zu arme Leute.



DIE ERSTEN HSCHEN


Der Schneidermeister Piekenich
ist ein geschickter Mann,
er kommt und mit dem Peterle
die ersten Hosen an.

Er nimmt sein Buch und Meterma,
schreibt sich die Zahlen auf;
und wenn der Bub nicht stille steht,
kriegt er eins hinten drauf.

"Du lieber Meister Piekenich,
mach die Hosen recht schn!
Ich will ja unter den Linden
damit spazieren gehn.

Und alle kleinen Jungens
gucken nach mir hin
und sehn an meinen Hschen,
da ich auch ein Junge bin."



DER KLEINE SNDER


(von Paula und Richard Dehmel)


Gestern lief der Peter weg,
spinnefix verstohlen.
Setzt sich Mutter den Bnderhut auf:
wart, ich will dich holen.
Sausepeter,
Flausepeter,
kleiner Snder, wo bist du?

Hahnematz steht auf der Wiese,
"Kiek ins Grne" krht er;
sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter?
Bummelpeter,
Schummelpeter,
kleiner Snder, wo bist du?

Wie sie sich im Garten umguckt,
ist er nicht zu sehen,
bleibt sie neben dem Spargelbeet
unterm Pflaumbaum stehen.
Aber Peter,
nirgends steht er;
kleiner Snder, wo bist du?

Hrt sie etwas lachen, horch
oben aus dem Baume;
sitzt der Peter seelenvergngt,
pflckt sich eine Pflaume.
Wirft ein Steinchen,
schwenkt die Beinchen,
wupptich--: Mutter, da bin ich!



FLUTSCHPETER


Flutschpeter lief nie gradeaus;
ja, und warum? Er lief
getreulich seiner Nase nach,
und die, ja die war--schief.



DIE TROMMELPARTIE


Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Ktzchen
Mausemtzchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Hndchen
Belleinstndchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Schweinchen
Rosenfeinchen,
das will mit.

Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt der Br
Brummesehr,
der will mit.

So geht's im Trab,
bergauf, bergab,
durch Dnn und Dick,
durch Schlamm und Schlick;
Rumpumpel schlgt die Trommel.

Das Ktzchen maut,
das Hndchen bellt,
das Schweinchen quiekt,
der Br brummt: was 'ne dumme Welt!
Rumpumpel schlgt die Trommel.



RUMPELREIM


Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,
Ride-bide-Bummstock lie sie wieder raus;
Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,
die Muse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.



DAS KARNICKEL


Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
was bist du heut so still?
Sieh her, ich habe Kohl fr dich,
sitz doch nicht gar so feierlich!
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
wie kommst du mir heut vor!

Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
ist dir dein Haus zu eng?
Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,
blo fri mir nicht die Knospen all!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
bist mir nun wieder gut?



LEKTION


Hhner, wollt ihr wohl artig sein!
hbsch langsam essen und nicht so schrein!
Mt ihr denn immer zanken und beien?
euch um jedes Krnchen reien?
Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,
du it ja fr vier.
Weg! hrst du nicht? du sollst dich trollen!
Die niedlichen kleinen Kken wollen
auch mal heran an das schne Futter.
Wenn du nicht hrst, sag ich's der Mutter;
die fngt dich ein und macht dich tot,
dann essen wir dich zum Mittagbrot.



LIED DES HHNCHENS


   Tuck--tuck--heut ist Regentag,
   und ich mu mich plagen;
   kratze schon acht Stunden, tuck,
   und noch knurrt mein Magen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck die Enten, tuck die Enten,
   Enten sind doch Narren;
   gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,
   als knnte man da scharren.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Pferde, tuck tuck tuck, und Khe
   haben groe Kpfe,
   aber keine Krpfe, tuck;
   traurige Geschpfe!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, wie war der Hahn galant,
   suchte mir manch Krmchen;
   heute geht er, tuck tuck tuck,
   mit Cochinchina-Mhmchen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, du fetter Regenwurm,
   dich mu ich noch ergattern;
   schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,
   Muhmen und Gevattern!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.

   Tuck, wr ich doch endlich satt,
   tuck, das wr ein Segen;
   mu Rumpumpeln, tuck tuck tuck,
   sein Frhstcks-Ei noch legen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
ach, wann hat man wohl genug?



SO SIEHT UNSRE WIRTSCHAFT AUS


Unser Mller hat ein Mhlenhaus,
mi-ma-Mhlenhaus,
kommt Korn hinein und Mehl heraus,
mi-ma-Mehl heraus;
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unser Bcker, der backt weie Wecken,
wi-wa-weie Wecken,
und braunes Brot und Streuelschnecken,
stri-stra-Streuelschnecken;
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unser Schlchter schlacht't ein feistes Schwein,
fi-fa-feistes Schwein,
und pkelt Wurst und Schinken ein,
schi-scha-Schinken ein;
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,
bi-ba-bunte Kuh,
die gibt uns Milch und Butter dazu,
bi-ba-Butter dazu;
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.

Unsre Henne macht ein laut Geschrei,
li-la-laut Geschrei,
und legt dabei ein frisches Ei,
fri-fra-frisches Ei;
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefgt.]

Rumpumpel ist ein kluges Kind,
kli-kla-kluges Kind,
das fragt nicht viel und it geschwind,
i-a-it geschwind;
kluges Kind, it geschwind,
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weie Wecken, Streuelschnecken,
Mhlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.





ZWEITER TEIL



DAS HAUS


Ich bau, ich bau ein steinern Haus;
vorne guckt ein Esel raus,
hinten eine Kuh,
muh.



MIT TROMMEL UND TRAB


Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fden ber Land,
ber Bume,
ber Zune,
um Stoppel und Dorn,
immer von vorn.

Fr wen sitzen die alten Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fden ber Land?
Fr Wildbub Kraushaar,
kommt alle hundert Jahr
mit Trommel und Trab
vom Himmel herab,
reit alle Fden auf einmal ab,
macht sich ein'n Mtzenpuschel draus
und lacht die alten Weiber aus.



SIEBENSCHLFER


Ihr Siebenschlfer in den Hhlen,
reckt euch, streckt euch, aufgewacht!
Der Frhling leuchtet in den Himmel
nach einer einzigen warmen Nacht.

Schnell, schttelt eure grauen Zotteln,
und blinzelt in das blaue Licht;
Herrgott, wer wird so langsam trotteln,
ich lauf voraus, ich warte nicht.

Die Amsel bt schon ihre Lieder,
ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;
und denkt euch nur, der blaue Flieder
hat Knospen, und der Haselstrauch.

Der Teckel bellt vor lauter Wonne
und whlt die frische Erde um--
Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,
ihr Siebenschlfer faul und dumm?



OSTERLIED


Has, Has, Osterhas,
wir mchten nicht mehr warten.
Der Krokus und das Tausendschn,
Vergimeinnicht und Tulpen stehn
schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas,
mit deinen bunten Eiern.
Der Star lugt aus dem Kasten aus,
Blhktzchen sitzen um sein Haus;
wann kommst du Frhling feiern?

Has, Has, Osterhas,
ich wnsche mir das Beste:
ein groes Ei, ein kleines Ei
und ein lustiges Dideldumdei,
alles in einem Neste.



MAIWUNDER


(von Paula und Richard Dehmel)


Maiknig kommt gefahren,
in seinem grngoldnen Wagen,
mit Saus und Gesinge.
Seine Zgel sind Sonnenstrahlen,
groe blaue Schmetterlinge
ziehn ihn ber Busch und Bach,
da die weien Bltenglocken
in seinen Locken
schwingen und springen,
und Hans guckt ihm nach
und hrt sein Lied:
wer zieht mit? zieht mit?

Kommt das Maienweibchen,
trgt ein weies Kleidchen,
trgt ein grnes Krnzchen,
sagt zu unserm Hnschen:
Eia, Hans,
komm zum Tanz!
Einen Schritt Frau Nixe,
einen Schritt Herr Nix,
Ringeldireih, Ringeldireih,
Dienerchen,
Knix!



HANSEL UND GRETEL


Hansel und Gretel stehen zu zwein,
der Hansel ist grob,
und die Gretel ist fein,
der Hansel ist dick,
und die Gretel ist dnn,
der Hansel ist aus Birkenholz,
die Gretel ist aus Zinn.
Heia, juchheia, wer wird nun Knig?
Was der eine zu viel hat, hat der andre zu wenig.



PRINZESSCHEN


Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
ich bin so sehr allein.
Kam da der gelbe Sonnenstrahl:
Ich tanze Tippel-huschemal,
willst du meine Tnzerin sein?

Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Sonnenstrahl ist zu fein.
Kam da der wilde Pustewind:
Heidih, ich spiele Wegefind,
lauf doch, fang mich ein!

Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Wind macht mein Krnchen entzwei.
Kam da unser brauner Junge an,
macht 'nen Diener wie 'n Edelmann:
Prinze, ich bin so frei.



DAS GROSSE LOCH


Das groe Loch,
wie kam es doch
in Gretens neuen Schuh?
Die ganzen Zehn
sind ja zu sehn;
wer macht das Loch uns zu?

Drben hinterm Rathaus
hngt ein groes Schild raus,
goldner Stiefel drauf.
Da wohnt der Schuster Firlefanz,
der macht dein Schuhchen wieder ganz;
lauf, Grete, lauf!



ZWEI GESELLEN


Es tanzen zwei Gesellen
   hier herum;
der eine, der ist klug,
und der andre, der ist dumm.
Der eine liegt im Grase,
der andre sitzt am Tisch;
der eine kaut den Kanten,
der andre it den Fisch
   it den Fisch.

Es tanzen zwei Gesellen
   hier herum;
der eine, der ist grad,
und der andre, der ist krumm.
Der eine, der bleibt mager,
der andre, der wird fett;
der eine kommt an'n Galgen,
der andre stirbt im Bett.
   Je nun, je nun,
   was ist dabei zu tun.



WENN'S PFINGSTEN REGNET


Oben aus dem Fahnenhaus
guckt das schwarze Wettermnnchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an;
schme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
hast du dem Fritze fest versprochen,
da zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschnste Wetter sei.
Und nun regnet's, liebe Not,
alle hellen Blten tot;
sie liegen da wie nasser Schnee.
Auf den Wegen steht See an See;
ja, wenn wir noch drin baden knnten,
wie die Spatzen oder die Enten.
Wir drfen aber gar nicht raus,
sehn so mucksch wie Maulwrfe aus;
rche nicht der Kuchen so lecker her,
wte man gar nicht, da Feiertag wr.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Schme dich, schwarzer Wettermann!



EINE HHNERGESCHICHTE


Vor der Laube krht der Hahn,
ein rot-schwarz-gelb und grner:
Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,
fix, kommt fix, ihr Hhner!

Seht die Hennen,
wie sie rennen,
aus Verstecken,
ber Zune, ber Hecken,
gackern, beien sich und schrein,
jede will die erste sein.
Wie sie fliegen, wie sie flattern,
um ein Pltzchen zu ergattern.
Oben auf des Tisches Mitte
steht Herr Hahn:
Bitte, meine Damen, bitte,
fangt nur an!
Pick und schluck,
nicht genug,
immer mehr
Kuchen her!
Unser Kropf
ist ein Topf,
wird nicht voll,
wird nicht leer,
darum mehr
Kuchen her,
bis der Teller leckeleer!

Drben aus des Grtners Haus
guckt der kleine Fritz und lacht:
Ei, wie sah das lustig aus,
das haben die Hhner klug gemacht.



MARIEKEN UND DIE KKEN


Marie, Marei, Marieken
mit deinen sieben Kken,
was willst du tun?

"Die alte Kluckenmutter ist tot,
nun frieren die Kinder und finden kein Brot;
ich will sie pflegen."

Marie, Marei, Marieken
mit deinen sieben Kken,
was hast du im Sack?

"Kartoffelmus und Hirsekern,
das essen meine Kinderchen gern,
das streu ich ihnen."

Marie, Marei, Marieken,
gib mir eins von deinen Kken,
du hast noch genug.

"Wenn ich meine Kinder verschenken tt,
mt ich weinen von frh bis spt,
da sollst du wissen."

Marie, Marei, Marieken,
Zu Hhnern werden die Kken;
was machst du dann?

"Und werden hbsch bunt und werden gro,
fliegen mir alle um Kopf und Scho,
hei, alle sieben!"



KINDERKCHE


Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Pfanne;
nimmt sie sich die Schiefertafel
von klein Schwester Hanne.
Hat sie eine Pfanne.

Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Butter;
borgt sie beim Kanarienvogel
rasch ein bichen Futter.
Hat sie Butter.

Marie-Marei will Braten machen,
hat keine Kohlen;
vor der Tr blht roter Mohn,
geht sie den sich holen.
Hat sie Kohlen.

Marie-Marei will Braten machen,
fehlt noch das Gnschen;
nimmt sie sich die Pudelmtze
von klein Bruder Frnzchen.
Hat sies Gnschen.

Hei, mit diesen Wunderdingen
mu der Braten wohlgelingen;
bitte zu Tisch!



ESSENSREGELN


Spitzt das Ohr und merkt euch still,
was die gute Sitte will!
Wer die schne Form erfat,
ist ein gern gesehner Gast;
wer sich frech und plump betrgt,
wird ohne Besen hinausgefegt.


--1--

Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen,
soll Mund und Hnde sich sauber waschen,
sich erst setzen, wenn die andern sitzen,
das Mulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen,
nicht plappern, wenn groe Leute sprechen,
das Brot nicht zerkrmeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen.


--2--

Rckt immer den Stuhl so dicht heran,
da Lffel und Gabel zum Munde kann,
ohne das Tischtuch zu betrippen;
und schliet beim Kauen hbsch die Lippen!
Turnen beim Essen, das will nicht passen;
also die Ellbogen hbsch unten lassen!


--3--

Nicht gierig stopfen! langsam essen!
auch keinen Rest auf dem Teller vergessen!
Nicht wie Hunde oder Katzen
schlecken, schlrfen, schnaufen, schmatzen!
Nicht kichern und nicht heimlich fragen,
und immer schn bitte und danke sagen!


--4--

Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen,
sollt ihr zuvor die Lippen wischen.
Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden,
das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden.
Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen;
auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schlen.


--6--

Wer stochert in den Zhnen,
nicht unterdrckt das Ghnen,
das Messer in den Mund steckt,
Gabel und Teller ableckt,
zuviel packt auf den Lffel,
gilt als Flegel und Tffel.



DIE BSE MIES


Es war einmal ein Ktzchen,
ein allerliebstes Frtzchen.
Es hatte das Mamsellchen
ein seidenweiches Fellchen
und einen Bart ums Schnuzchen
und Augen wie ein Kuzchen.
Es machte gern den Rcken krumm
und brachte viele Muse um,
dann schlich es auf die Ofenbank
und leckte sich die Pfoten blank.

Einst aber, oh das Ktzchen,
was tut das liebe Frtzchen?
Einst stand auf unserm Tische
ein Teller Bratenfische.
Hopp, ist das Ktzchen oben:
die Fische mu ich loben.
So denkt es sich und sitzt und schmaust,
doch Mutterchen kommt angesaust,
und gibt dem Naschmamsellchen
--na warte--eins aufs Fellchen.

Nein, unser Miesektzchen
war gar kein liebes Frtzchen:
los auf die gute Mutter,
und durch das rmelfutter
--kratz--in den Ellenbogen!
War das nicht ungezogen?
Dann lief es voller Wut hinaus
und kam erst abends spt nach Haus,
und schlich sich auf die Ofenbank
und leckte sich die Pfoten blank.



POTTKIEKER


Mutti, Mutti, was ist denn da drin?
   "Hoppel-poppel-Appelreis,
   mach dich weg, Naseweis,
   kann dich hier nicht brauchen,
   der Ofen tut rauchen,
   mu Sphne suchen,
   sonst brennt der Kuchen,
   mu Gnse schlachten,
   in sechs Wochen ist Weihnachten."

Mutti, Mutti, wo soll ich denn hin?
   "Ei, tanz mit dem Schimmel,
   bohr Lcher in den Himmel,
   lehr die Katz das Alphabet,
   sieh nach, ob sich der Kirchturm dreht,
   oder lauf ans Ende der Welt,
   pa auf, da keiner runter fllt,
   marsch!"



DER REITERSMANN


(von Paula und Richard Dehmel)


Schimmel, willst du laufen,
will ich uns was kaufen.
Heia, lauf nach Mexiko,
da kaufe ich dir Bohnenstroh;
laufe nach der Mongolei,
da kauf ich mir ein Osterei,
hopp!

Eile, Schimmel, eile,
oder du kriegst Keile.
Hoppa, lauf nach Hindostan,
da kaufe ich mir Marzipan;
laufe nach Kap Morgenrot,
da kauf ich dir ein Dreierbrot,
burr!



DAS RICHTIGE PFERD


(von Paula und Richard Dehmel)


Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!
Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,
es hat so steife Beine,
es stampft nicht, frit nicht, wiehert nicht,
und macht solch ledernes Gesicht,
und wei nicht, was ich meine.

Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,
ein wirklich richtiges Pferd beschert,
dann reit ich ber die Brcke,
und reite durch den Kiefernforst
nach Vehlefanz und Haselhorst
und noch fnf groe Stcke.

Dann bin ich mitten in der Welt,
da such ich mir ein Haberfeld
und lasse mein Pferdchen grasen.
Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,
wo der Riese den Regenbogen hlt,
und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte.



DER KLEINE REKRUT


Ich hab einen Helm aus Packpapier,
mit einem Federbusche;
der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf
mit schwarz-wei-roter Tusche.

Einen hlzernen Sbel hab ich auch,
mit einem richtgen Griffe;
wenn nur der Scherenschleifer km,
da er ihn endlich schliffe!

Meine Mutter ist 'ne gute Frau,
die schenkt mir einen Dukaten,
dann kauf ich mir ein Schiegewehr,
geh unter die Soldaten.



DER HAUPTMANN


Ich bin der Hauptmann,
ihr die Soldaten;
immer gehorsam,
das will ich euch raten,
hrt ihr!

Eins, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
marsch!

Seht euch nicht um,
seht euch nicht an,
immer hbsch stramm,
Mann hinter Mann,
halt!

Eins, zwei, immer hinterher,
eins, zwei, schultert das Gewehr,
marsch!



ABZHLREIM


Rechts, links, ber Eck,
die Henne legt die Eier weg,
legt sie in ein Bndel Stroh,
irgendwie, irgendwo;
kommt der Marder Wagemut,
jagt die Henne von der Brut,
rechts, links, ber Eck--
ein Kken hat--er--weg.



FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE


(von Paula und Richard Dehmel)


Fritz, ich mcht den Spaten haben.
"Mutterchen, warum?"
Mchte eine Grube graben.
"Mutterchen, warum?"

Mchte drin ein Bumchen pflanzen.
"Mutterchen, warum?"
Wird mein Fritze drunter tanzen.
"Mutterchen, warum?"

Wird das Bumchen Kirschen tragen.
"Mutterchen, warum?"
Ei, du mut die Spatzen fragen,
die sind nicht so dumm!--

Kommt die kleine Plappertasche:
"Mutterchen, nicht wahr,
ich bin klger als der Fritze,
bin schon bald sechs Jahr.

"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze
ist ein Schaf, o je!
Ich kann schon bis zwanzig zhlen
und das A-B-C."

I, du kleine Plappertasche,
la den Fritz in Ruh.
Plappertasche, wische wasche,
halt das Mulchen zu.

bermorgen in vier Wochen
kommt der Weihnachtsmann;
wenn du dann noch immer plapperst,
was bekommst du dann?

Einen groen Maulkorb!--



PLAPPERMNDCHEN


In Leipzig wohnt ein Bckermeister,
Hans-back-die-Semmeln-grer heit er;
Seine Mutter, die Frau Meisterin,
zieht den Teig wer wei wie dnn,
rollt ihn mit der Mangel aus,
macht sieben bucklige Bretzeln draus,
drei fr den Vater,
drei fr die Mutter,
eine fr unser Plappermndchen,
dann schweigt's vielleicht ein Viertelstndchen.



PUPPENDOKTOR


Lieber Doktor Pillermann,
guck dir blo mein Pppchen an.
Drei Tage hat es nichts gegessen,
hat immer so stumm dagesessen,
es will nicht einmal Zuckerbrot,
die Arme hngen ihr wie tot.
Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
ist diese Krankheit sehr gefhrlich?

Madam, Sie ngstigen sich noch krank;
der Puls geht ruhig, Gott sei Dank.
Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
sie mu zu Bett und tchtig schwitzen;
drei Kiebitzeier gebt ihr ein,
dann wird es morgen besser sein.
Empfehle mich.



KLEINER EINKAUF


Guten Tag, guten Tag, liebe Grnkramfrau,
Gemse will ich kaufen,
ich bin mit meinem Henkelkorb
extra hergelaufen;
auch schne frische Eier will ich,
hoffentlich sind sie heute billig.

Die Schoten hier gefallen mir,
zuckerse Kerne;
auch von den Rbchen mchte ich
ein halbes Liter gerne.
Kohlrben? lieben wir nicht sehr;
doch zeigen Sie mal die Pflaumen her!

Davon will ich fnf Literma,
haufenvoll gemessen!
weil meine Kinderchen zu Haus
alle gern Pflaumen essen.
Geld schick ich Ihnen morgen her;
ich denke doch, es eilt nicht sehr,
ich hab es grad vergessen.



VATERS GEBURTSTAG


Schnell, schnell, Besen,
feg die Stube rein;
wenn Vterchen zum Kaffee kommt,
mu alles sauber sein.

Wisch, wisch, Lappen,
ber Stuhl und Schrank;
wenn Vterchen zum Kaffee kommt,
sind sie blitzeblank.

Blh, blh, Blume,
blh recht frisch;
wenn Vterchen zum Kaffee kommt,
Stehst du auf dem Tisch.

Herz-Herz-Muttchen,
schnell das neue Kleid;
bis Vterchen zum Kaffee kommt,
ist nur noch wenig Zeit.

Tick, tick, Uhrchen,
renn doch nicht so fix;
wenn Vterchen zum Kaffee kommt,
mach ich meinen Knix.

Fertig, alles fertig,
der Kuchen auch ist da;
der Kaffee kommt, der Vater kommt,
mein Verschen kann ich ja:
"Heut ist dein Geburtstag!"



DAS HIMMELSPRINZESSCHEN


Ich bin das Himmelsprinzechen,
habe Flgel von blauem Duft,
ich schlafe im Wolkenbettchen
und bade in Licht und Luft.
Mir gehrt die silberne Schaukel
hoch oben im Himmelssaal;
wenn die goldenen Seile schwingen,
blitzt es unten im Tal.

Der alte Wetterriese
donnert und schilt mich aus,
ich flitze ber die Sterne
und lache den Brummbart aus.
Die Mirlamein vom Monde
webt meine Kleider und Schuh,
die gute Mutter Sonne
gibt goldne Spangen dazu.

Der liebe Gott hat mich gerne,
ich bin sein liebes Kind;
er nimmt uns auf die Kniee,
mich und den Frhlingswind.

Des Abends sitzen wir stille
bei Mirlamein im Zelt
und spinnen Wnsche und Trume
und streuen sie ber die Welt.



WINDFREUDE


Wenn der Wind ber Wiesen und Felder rennt,
renn ich mit;
da denk ich, da ich fliegen kann,
und guck mir lustig die Vgel an,
susewitt, susewitt.

Wenn der Wind durch die Strucher und Bume fegt,
feg ich mit;
die Bltenktzchen feg ich zu Hauf
und setz mir vom Ahorn ein Nasenhtchen auf,
susewitt, susewitt.

Wenn der Wind durch die Turmlcher singt und pfeift,
pfeif ich mit;
sein Jodler wird mir gar nicht schwer,
und den Brummba lern ich nebenher,
susewitt, susewitt.



LIED VOM MONDE


Wind, Wind, sause,
der Mond ist nicht zu Hause;
er ist wohl hinter den Berg gegangen,
will vielleicht eine Sternschnuppe fangen,
Wind, Wind, sause.

Stern, Stern, scheine,
der Mond, der ist noch kleine;
er hat die Sichel in der Hand,
er mht das Gras am Himmelsrand,
Stern, Stern, scheine.

Singe, Vogel, singe,
der Mond ist guter Dinge;
er steckt den halben Taler raus,
das sieht blank und lustig aus,
singe, Vogel, singe.

Und hell wird's, immer heller;
der Mond, der hat 'nen Teller,
mit allerfeinstem Silbersand,
den streut er ber Meer und Land,
und hell wird's, immer heller.



WEIHNACHTSSCHNEE


Ihr Kinder, sperrt die Nschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die groe Himmelsbchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut--die Kuchen sind schon voll--
er streut--na, das wird munter:
er schttelt die Bchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Mulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schsseln!--Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid unglubige Leute!



KNECHT RUPRECHT IN NTEN


Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
und rckt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, lrmt nicht so,
seid mal ein bichen stille!
Kommt, rckt hbsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!

Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten?--:
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
Schick uns doch mal das Luftschiff her!

Hans mchte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Gropapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will blo nach Neuruppin
mit Zeppelin, mit Zeppelin.

Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganze liebe kleine Pack
will blo noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.

Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnten,
baut mir ein Luftschiff riesengro
mit hunderttaufend Bten,
lat lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!

Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dank schn, sagt Ruprecht, fhrt hinab,
holt alle Jungs und Mdels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erklten?



FROHE BOTSCHAFT


Frh, eh ich's konnt begreifen,
hrt ich schon etwas pfeifen,
hrt ich Schon etwas brummen,
wie tausend Bienen summen.
   Was ist denn los? Ach ja:
   der Weihnachtsmann ist da!

Die Raben und die Spatzen,
sie mssen's weiterschwatzen;
in alle Huser dringt es,
von allen Glocken klingt es.
   Was luten sie? O ja:
   der Weihnachtsmann ist da!

Mit seinem braven Esel
zieht er von Thorn bis Wesel;
wo Mdels sind und Buben,
tritt er in ihre Stuben
und langt aus Sack und Taschen
zum Spielen was und Naschen.
   Wo habt ihr's her? Na ja:
   der Weihnachtsmann war da!



DER LIEBE WEIHNACHTSMANN


(von Paula und Richard Dehmel)


Der Esel, der Esel,
wo kommt der Esel her?
Von Wesel, von Wesel,
er will ans schwarze Meer.

Wer hat denn, wer hat denn
den Esel so bepackt?
Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht
mit seinem Klappersack.

Mit Nssen, mit pfeln,
mit Spielzeug allerlei,
und Kuchen, ja Kuchen
aus seiner Bckerei.

Wo bckt denn, wo bckt denn
Knecht Ruprecht seine Speis?
In Island, in Island,
drum ist sein Bart so wei.

Die Rute, die Rute
hat er dabei verbrannt;
heut sind die Kinder artig
im ganzen deutschen Land.

Ach Ruprecht, ach Ruprecht,
du lieber Weihnachtsmann:
komm auch zu mir mit deinem
Sack heran!



SANKT NIKLAS' AUSZUG


Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,
klopft seine lange Pfeife aus
und sagt zur heiligen Kathrein:
l mir die Wasserstiefel ein,
bitte hol auch den Knotenstock
vom Boden und den Fuchspelzrock,
die Mtze lege oben drauf,
und schtte dem Esel tchtig auf,
halt auch sein Sattelzeug bereit;
wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
Und da ich's nicht verge, ein Loch
ist vorn im Sack, das stopfe noch!
Ich geh derweil zu Gottes Sohn
und hol mir meine Instruktion.

Die heilige Kthe, sanft und still,
tut alles, was Sankt Niklas will.
Der klopft indes beim Herrgott an,
Sankt Peter hat ihm aufgetan
und sagt: Gr Gott! wie schaut's denn aus?
und fhrt ihn ins himmlische Werkstttenhaus.

Da sitzen die Englein an langen Tischen,
ab und zu Feen dazwischen,
die den kleinsten zeigen, wie's zu machen,
und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
hmmern und hkeln, schnitzen und schneidern,
flteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
packen die Schachteln, binden sie zu
und haben so glhende Bckchen wie Du.
Herr Jesus sitzt an seinem Pult
und schreibt mit Liebe und Geduld
eine lange Liste. Potz Element,
wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
Die sollen die schnen Engelsgaben
zu Weihnachten haben.

Was fertig ist, wird eingesackt
und auf das Eselchen gepackt.
Sankt Niklas zieht sich recht warm an;
Kinder, er ist ein alter Mann,
und es fngt tchtig an zu schnein,
da mu er schon vorsichtig sein.

So geht es durch die Wlder im Schritt,
manch Tannenbumchen nimmt er mit;
und wo er wandert, bleibt im Schnee
manch Futterkrnchen fr Hase und Reh.
Aus Haus und Htte strahlt es hell,
da hebt er dem Esel den Sack vom Fell,
macht leise alle Tren auf,
jubelnd umdrngt ihn der kleine Hauf:
Sankt Niklas, Sankt Niklas,
was hast du gebracht?
was haben die Englein
fr uns gemacht?
"Schn Ding, gut Ding,
aus dem himmlischen Haus;
langt in den Sack! holt euch was raus!"



BESCHEIDENE FRAGE


Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du der flinken Grete was?
Sie ist fast immer artig gewesen,
hat fleiig in ihrer Fibel gelesen,
kann das groe H schon ganz richtig schreiben,
wird Ostern gewi nicht sitzen bleiben;
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihr was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du dem dicken Peterle was?
Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn,
aber beten kann er schon wunderschn:
"Lieber Dott, mach alle Menen dut,
nimm alle unter deinen Hut'"
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihm was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
bringst du der kleinen Lene was?
Sie gehrt der armen Flick-Marie
und hat schon lange ein schlimmes Knie;
zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus,
sieht immer so bla und ngstlich aus.
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du ihr was?

Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
ich wnsch mir selber auch noch was:
mcht in der Weihnacht mit dir gehn,
mir all die frhlichen Kinder besehn,
wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken
und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken.
   Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
   schenkst du mir das?





DRITTER TEIL



WIDMUNG


Klnge wachsen auf den Wegen
im Gebsch, im jungen Grn;
alle meine Melodien
mchte ich mit leisem Segen
abends auf dein Kissen legen.

Wilde Blumen, seltne Frchte:
was der reife Sommer bringt,
mcht ich in dein Zimmer tragen,
sollst mir keine Antwort sagen--
Still--der Traum versinkt--verklingt.



SONNE


Sonne scheint drauen und scheint in die Stube,
unten am Boden kugelt mein Bube,
greift nach den schimmernden, flimmernden Stubchen;
ich sitze am Fenster und nhe ein Hubchen,
ein ganz kleines Hubchen aus weiem Batist.
Ob's wohl ein Mdel ist?--
Und hat's _seine_ Augen, _seinen_ trotzfrohen Sinn,
dann wei kein Mensch, wie glcklich ich bin!
Blo Er--Er--sein liebes Gesicht-- --
"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"--



MARIENLIED


Maria herzt ihr Kindlein
und kt sein rotes Mndlein;
sie wei es nicht,
da einst zu Golgatha
sein Kreuz wird aufgericht't.

Der Wind mit Blumendften
tut des Kindes Hrlein lften;
nicht wei der Wind,
da einst zu Golgatha
unschuldig Blut verrinnt.

Sein Lmmlein kommt gesprungen,
spielt um den holden Jungen;
sieht nicht von fern,
da man zu Golgatha
einst hhnt den lieben Herrn.

Ihr sorgend Mutterherzen
mt es fein still verschmerzen;
ihr wit es nicht,
wann eurem teuren Kindlein
sein Kreuz wird aufgericht't.



KORSISCHES WIEGENLIED


Schlafe, mein kleiner Wildling,
du schlankes Reis, schlaf ein;
drauen im Mondschein die Pappel
sieht auf dein Bett herein.

Trume, mein heier Wildling;
was ballst du die kleine Faust?
Khl geht der Wind durchs Fenster,
die hohe Pappel braust.

Wachse, mein trotziger Wildling,
wachse dich hoch und frei,
horch auf die herrischen Strme
und des Adlers stolzen Schrei!

Rche mich, Sohn meiner Wildheit,
rche den Mutterleib,
Schrfe den Dolch und tte,
tte das fremde Weib!



KNIGSKIND


--1--

Schlafe ruhig, Knigskind;
wie im Traume singt der Wind,
schweigend sitzt der Mond zu Haus,
giet die weien Strahlen aus,
giet sie ber das weite Land,
ber Wald und Hgelwand.

Taube gurrt im dunklen Laub,
Kfer surrt und fliegt auf Raub,
Fischlein steht im Wasser still,
wei nicht, ob es schwimmen will.
Was dir auch das Leben spinnt:
trume, Knigskind!


--2--

Ein Vogel flog aus dem Heimatland,
er flog wohl sieben Tage lang
ber fremde Wlder und Seen;
da wurden ihm die Flgel lahm,
und als er ans groe Wasser kam,
konnt er nicht weiter.

Ein Mgdlein mute von Hause fort,
in ein fernes Land an fremden Ort,
so bang und alleine.
Die Mutter gab ihr drei Tropfen Blut:
Tochter, liebe Tochter, wahre sie gut,
sonst trifft dich ein Unheil.

Das Vglein fiel aus der Hh herab,
brach die Flgel beide und fand sein Grab
im den Lande;
das Mgdlein verlor der Mutter Blut,
verlor den Weg und verlor den Mut
und irrt in der Fremde.


--3--

Waldtaube sa gefangen,
Kuruh, das Vgelein,
wohl hinter Gitter und Stangen;
da lie das Kpflein hangen
Kuruh das Vgelein.

Waldtaube sa am Gitter,
Kuruh, das Vgelein,
da kam ein blauer Ritter,
ein Falke an ihr Gitter:
Kuruh, mein Vgelein.

Und bist du auch gefangen,
Kuruh, mein Vgelein,
meine Liebe zerbricht die Stangen,
zu dir will ich gelangen,
Kuruh, mein Vgelein.

Mit seinen starken Fngen
tat er das Gitter aufzwngen,
Kuruh, mein Vgelein.
Sie breiteten aus die Flgel,
flogen weithin ber die Hgel,
grad in die Sonne hinein,
Kuruh, mein Vgelein.



HEIMWEH


Quellchen geht in den Rauschebach,
Bach geht in den Flu,
Flu geht vorbei am Elternhaus,
Mtterchen hrt seinen Gru;
gre mir, Quellchen, gre mir fein
Vater und Mutter, vergi es nicht, nein?

Vater pfeift seinem Hhnerhund,
Mutter sorgt fr den Herd,
Schwesterchen giet ihre Tausendschn,
Bruder zumt sich sein Pferd;
gre mir, Quellchen, ich bin so allein,
Bruder und Schwester, vergi es nicht, nein?



ELFENREIGEN


   Eia, wir Elfen,
   wir kommen und helfen,
   eh du's gedacht, Kind, eh du's gedacht.
      Wir kommen
      im frommen
      Geleuchte der Nacht,
      Gewnder
      und Bnder
      vom Monde erdacht;
      wir schweben
      und heben
      im Reigenspiel sacht
      die Schleier
      zur Feier
      der freundlichen Nacht.
   Eia, wir reichen
   uns schmeichelnd die weichen
   Hnde im gleichen
   lieblichen Takt, im lieblichen Takt.
      Wir gleiten
      durch Weiten
      der wandernden Welt,
      wie ziehende
      fliehende
      Nebel im Feld;
      wir lauschen,
      dem Rauschen
      der Quellen gesellt,
      und schauen
      die blauen
      Gefilde bestellt.
   Eia, wir zeigen
   im silbernen Reigen
   mit Nicken und Neigen
die Zauber der Welt, die Zauber der Welt.



WIEGENMRCHEN


Des Mondes Tochter, Mirlamein,
kam in die warme Welt herein,
sie kam aus ihres Vaters Haus
auf einer weien Fledermaus.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Da sa Prinzessin Mirlamein
auf einem groen weien Stein
mitten in blhender Heide
in ihrem milchweien Kleide.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

In ihren Hnden bleich und fein
hielt sie die Flte aus Elfenbein;
sie blies--das klang so hell und hold,
als ob ein Engel uns trsten wollt.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Gleich stecken alle Vgelein
den Kopf in die Flgel und schlummern ein,
die Hirsche und Rehe im tiefen Wald
suchen ihr Lager und schlafen bald.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Glhwrmchen lscht das Lmpchen aus,
fliegt mde in sein Bltterhaus,
die Tauben gurren im Schlaf kuruh,
mein Kind macht auch die Augen zu.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.

Die Flte verklingt. Vom Heidestein
wehen die Schleier der Mirlamein,
Sie winkt der weien Fledermaus
und fliegt zum stillen Mond nach Haus.
Mirlama, Mirlamein,
schlaf ein.



TRAUMBALLADE


Traumknig geht durch bleiches Land,
rings gren ihn verstohlen
die braunen Nachtviolen;
Marlenchen geht an seiner Hand,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumknig geht an den Rosmarinstrauch,
da brennen die Lebenskerzen,
sie brennen mit roten Herzen;
Marlenchen fhlt ihren heien Hauch,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumknig geht am See entlang,
die Wasserelfen singen
ein Lied von khlen Dingen;
Marlenchen berkommt es bang,
Marlenchen, jung Marlenchen.

Traumknig geht mit leisem Schritt
hinein in die weichen Wellen,
die silbern im Mond aufquellen;
Marlenchen geht in die Tiefe mit,
Marlenchen, jung Marlenchen.



MUTTER HULE


(nach einer alten Volksdichtung)


Die alte Mutter Hule
kann reisen ohne Geld:
sie setzt sich auf den Gnserich
und reitet durch die Welt.

Die alte Mutter Hule,
die hat im Wald ein Haus;
der Uhu sitzt als Wchter davor,
lt niemand 'rein und 'raus.

Frau Hulens Sohn heit Michel,
der ist nicht grad, nicht krumm;
am Sonntag ist er manchmal klug
und Montags manchmal dumm.

Sie schickte ihn zum Markte,
da kauft er sich 'ne Gans;
die flatterte und schnatterte
und wippte mit dem Schwanz.

Frau Hule holt den Ganter;
wie liebten sie sich gleich!
Sie fraen zusammen aus einem Napf
und schwammen in einem Teich.

Des Morgens in der Frhe
fand Michel ein groes Ei;
das hatte die liebe Gans gelegt,
der Gnserich stand dabei.

Der Michel lief zur Hule:
guck, was ich dir gebracht,
ein goldnes Ei. Die Hule sagt:
das hast du brav gemacht.

Der Michel trug's zu Markte,
drei Dukaten wollt er haben;
der Jud wollt blo die Hlfte geben,
da schmi er ihn in'n Graben.

Er ging am Schlo vorber,
da stand ein Frulein lilienschn;
dem Michel schwoll das Herze,
er blieb ein bichen bei ihr stehn.

Der Jude und ein Ritter
fielen ber Michel her
von vorne und von hinten,
da schrie der Michel sehr.

Die alte Mutter Hule
flog ber Prag und Wien,
verwandelt ihren Michel schnell
in einen Harlekin.

Und auch das Frulein rhrte sie
mit ihrem Flederwisch,
da stand ein Kolombinchen da
mit Backen rot und frisch.

Wo blieb das goldne Ei, huchjee?
Das rollte weit ins Meer.
Der Michel zog die Stiefel aus
und sockte hinterher.

Die alte Mutter Hule
sattelt hui die groe Gans
und flog damit zum roten Mond,
denn da war Fastnachtstanz.



EIN SINGSANG VOM RHEINE


Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brck von Kllen an!
Ein Schifflein kommt gefahren
wohl ber den grnen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?
   Ei, roten Wein,
   ei, weien Wein,
den hat das Schiff geladen.

Zu Kllen an der Brcke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Was wollen die Herren trinken?
   Ei, roten Wein,
   ei, weien Wein,
den wollen die Herren trinken.

Ein Schifflein kommt gefahren
wohl ber den grnen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?
   Ei, blonde Jngferlein,
   ei, braune Jngferlein,
die hat das Schiff geladen.

Zu Kllen an der Brcke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Wen wollen die Herren kssen?
   Ei, blonde Jngferlein,
   ei, braune Jngferlein,
die wollen die Herren kssen.

Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brck von Kllen an!



BADEBALLADE


Lise Nackfisch und Hans Pitschena
badeten im Teiche,
strampelten, tauchten,
plantschten und fauchten;
   --hell lachte die alte Eiche.

Murrian Knurr, der Pudelhund,
kam vorbei am Teiche,
erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei!
da baden zwei, nackend und frei!
   --hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschena
sprangen aus dem Teiche,
faten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf,
seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein,
   --hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschena
baden wieder im Teiche,
hampeln und strampeln, spritzen und tauchen,
patschen und plantschen, prusten und fauchen,
   --hell lacht die alte Eiche.



DER TEUFEL UND DIE KATZ


(nach Schwinds Bildern)


Ein Ktzlein ging einst jagen,
welch schne Katz, welch feine Katz;
an einer Kirchhofsmauer,
da lag sie auf der Lauer
und fing sich einen Ratz.

"Ach Ktzlein, la mich leben,
du schne Katz, du feine Katz;
will dienen deinem Willen,
jed Wnschlein dir erfllen
als dein getreuer Schatz."

Das Ktzlein lie sich rhren,
die schne Katz, die feine Katz;
sie lie die Ratte leben,
tat ihr ein Laternchen geben,
zu leuchten bei der Hatz.

"Ich tu dir wacker helfen,
du schne Katz, du feine Katz;
brauchst blo die hrlein spitzen,
da laufen aus Spalt und Ritzen
Langschwnze auf den Platz."

Der Ratz ward gro und grer--
"Du schne Katz, du feine Katz,
wir wollen beid spazieren,
am Arm will ich dich fhren
als dein getreuer Schatz.

Dein Schwnzlein will ich kmmen,
ei schne Katz, ei feine Katz!"
Er rupft sie zum Erbarmen,
kein Mauen hilft der armen,
vor Schmerz tut sie 'nen Satz.

Htt ich dich doch gefressen,
ich gute Katz, ich feine Katz;
ein Untier bist du worden,
wirst mich gewi noch morden,
du Ungetm von Ratz.

Er sprang ihr auf den Rcken:
"Hei, Schne Katz, hei, feine Katz,
jetzt habe _ich_ zu sagen,
mut mich als Reiter tragen
auch ohne Zaum und Latz.

Jetzt fahren wir zur Hlle,
du schne Katz, du feine Katz;
heidi, ein Katzenbraten
wird dem Teufel schon geraten,
ich schr den Ofen, Schatz."



DER ESEL UND DIE LWENHAUT


(nach der Fabel von Hans Sachs)


Ein Mllersmann aus Oberwesel
hatt 'nen gewitzten jungen Esel;
der weidete auf grnem Gras
und dachte sich so dies und das,
wollt fr sein Leben gern auf Erden
was Bessers als ein Esel werden.
Da fand er--und sein Herz schlug schnell--
ein unversehrtes Lwenfell.
Er kriecht hinein, es pat ihm gut,
er fhlt auch gleich des Lwen Mut
und denkt mit innerstem Behagen:
nun brauchst du nicht mehr Scke tragen.
Stolz trabt er durch den Wald daher,
tut ganz, als ob ein Leu er wr,
schttelt die Mhne, schlgt mit dem Schweif
und setzt die Tatzen breit und steif.
Das Hslein spitzt das lange Ohr,
die Sache kommt ihm kitzlig vor,
es springt hinweg; das Rehlein auch.
Wie freut sich da der eitle Gauch!
Und als der Mller, der ihn sieht
von weitem, auch erschrocken flieht,
kann er vor Wonne kaum sich fassen,
mu laut sein I-A tnen lassen.
Da merkt der Mller, wen er hat,
prgelt den Esel mrb und matt
und schimpft ihn aus: du dummes Vieh!
zum Lwen wird ein Esel nie;
du hast mich mit dem Fell genarrt,
das sollst du ben, Esel, wart!
und schlgt und pufft ihn immer mehr.
Der Esel hngt die Ohren sehr,
als so sein Meister ihn verblut;
sein Hochmut hat ihn recht gereut,
wollt frder Scke tapfer tragen,
nie mehr nach Lwenhuten fragen.



EIN SPATZENGESPRCH


Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
und hatte einen Ring erhandelt
mit einem seltsam geschliffenen Stein;
sollte der Ring Knig Salomos sein.
Wer ihn bese, verstnde sofort
zahlreicher Tiere Geberde und Wort,
knnte das Gras beim Wachsen belauschen,
hrte Musik aus den Quellen rauschen,
verstnde die Sprache von Baum und Stein,
mte aber ein Sonntagskind sein.
Nun, ich war zu meinem Frommen
Beim Glockenluten auf die Welt gekommen,
nahm meinen Ring, bezahlte bar,
und--war jetzt klger, als ich war.

Frhlich ging ich zur Stadt hinaus,
wute da ein einsames Bauernhaus,
warf mich glatt in die Frhlingsruh,
kaute Halme und pfiff dazu,
dachte an dies und dachte an das,
wie so gedeihlich aus Ernst und Spa
die Welt sich verbastelt zum Gottgetriebe,
dachte an Glauben, dachte an Liebe,
und wie hellauf ber Zacken und Kanten,
trotz Pflichten, Gesetzen und alten Tanten,
das Leben in neue Blten schiet,
in die der Saft der Zeit sich ergiet.
Dachte und dachte, eiferbeflissen,
glaubte den Weg aller Wege zu wissen,
genau der Lnge nach und der Breite,
der die Welt zum Heile geleite;
dachte-- --was man so buntes denkt,
wenn ber einem die Sonne hngt.

Neben mir blhte lichtblauer Flieder;
ein Spatzenprlein lie sich drin nieder,
die plusterten zrtlich die dicken Hlschen,
zogen sich Federchen aus den Pelzchen,
sahen recht verliebt darein,
muten wohl jung verheiratet sein.
Doch das Schweigen whrte nicht lange,
bald war eine Unterhaltung im Gange;
ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten,
deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten
und durfte mit Vergngen ermessen,
sie hatten hhere Interessen.

"Mnne," sagte das Spatzenfrauchen
und rckte nher an ihr Grauchen,
"du bist so klug vom vielen Reisen,
knntst mich ein wenig unterweisen.
Sag mir doch, was die Menschen wollen,
wenn sie die Erde in dicken Schollen
aufwerfen; nie kriegen sie genug
von ihrem Getue mit Spaten und Pflug."
"Hm," sagte der Spatzmann mit Bedacht,
nachdem er ein Weilchen nachgedacht,
"Hm, in der Erde gibt's schne Dinge,
Zum Beispiel Kfer und Engerlinge,
die werden sie brauchen zu Schmaus und Festen
und werden damit ihre Jungen msten.
Auch Krner graben sie sehr gescheit
in den Boden ein; und wenn's friert und schneit,
und es ist Futtermangel im Haus,
graben sie alle wieder aus."

"Du bist doch der gescheiteste Spatz,"
sagte die Sptzin, "mein trautester Schatz.
Doch noch was andres wollt ich dich fragen,
du kannst mir sicherlich auch sagen,
warum die Sonne morgens aufsteht
und abends wieder untergeht;
ich habe mir seit vielen Wochen
umsonst darber den Kopf zerbrochen."
Der Spatz putzt sich den Schnabel und spricht:
"Kleines Nrrchen, das weit du nicht?
Wie sollten wir Vgel anders wissen,
wann wir morgens ausfliegen mssen?
Die Sonne ist da, um uns zu wecken
und abends uns wieder ins Nest zu stecken."

"Ja, ja, nun wird mir alles klar,"
sagte das Weibchen; "ganz offenbar
hast du da recht. Doch in der Nacht
der Mond? fr wen ist der gemacht?"
"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht;
der hlt es mit dem Katzengezcht,
lockt Marder und Eulen auf unsre Brut,
drum hass' ich ihn mit aller Wut."
Und zornig strubt der kleine Mann
die Federn und sieht sein Weibchen an.
Das drngt sich an ihn, zrtlich, dicht,
glttet ihm die Daunen an Hals und Gesicht
und flstert erschrocken: "Du hast ja recht,
der meint es gewi mit uns Vgeln schlecht;
nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester,
ob nicht auch in der Menschen Nester
die Sonne Licht und Wrme bringt,
da alles frh aufsteht und singt?"

"Nein, Kind, fr _uns_ ist die Sonne gemacht,
uns bringt sie Tag, uns bringt sie Nacht.
Die Menschen haben in ihren Zimmern
ihre eignen Sonnen, ich sah sie flimmern.
Als ich mal nachts, aus dem Schlaf geschreckt,
an ein Fenster stie, hab ich's entdeckt:
sie machen blo knips, dann haben sie Licht,
die brauchen unsre Sonne nicht."

Das Spatzenfrauchen schien ganz beglckt
von so viel Klugheit und sah entzckt
ihr Mnnchen an: "Du bist ein Genie,
und weit auch sicher, warum und wie
die Menschen in ihren Steinhusern kleben
und nicht so frei wie wir Vgel leben?"

Das Sptzchen guckte ein wenig ins Land,
hatte aber die Antwort schnell bei der Hand:
"Vor Mardern und Eulen und Katzengetier
sind sie in den Husern viel sichrer als wir,
und, was der wichtigste Grund von allen,
kein Junges kann aus dem Neste fallen.
Ja, ja, die Menschen haben Geist,
sind auch den Vgeln gefllig meist,
haben sie doch von Land zu Land
lauter feste Drhte gespannt,
damit unsre Wandrer scharenweise
sich ausruhn knnen auf der Reise.
Auch Versammlungen werden von Jungen und Alten
im Herbste darauf abgehalten;
wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet,
so praktisch haben sie's eingerichtet."

"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug,
aber noch immer nicht klug genug,"
sagte das Weibchen; "was wrden sie geben,
knnten sie frei in den Lften schweben,
doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen
und werden niemals Flgel kriegen."

"Blo mit den dicken seidenen Bllen
steigen sie manchmal tausend Ellen,"
lachte das Mnnchen; "was nur die tollen
Leute bei uns in den Lften wollen?
Jetzt baun sie sogar allerhand Gestelle
und rasen herum mit Windesschnelle.
Auch der Dompfaff lachte neulich
und meinte, er fnde die Dinger abscheulich;
sinnlos wr dies Gefliege und Rattern,
kein Mcklein knnt man dabei ergattern.
Ernsthaft sitzen sie in dem Kahn
und gucken die Welt durch Rhren an;
es ist wirklich lachhaft mitanzusehn.
Komm, Schatz, wir wollen zu Bette gehn;
fr heute hast du genug profitiert,
morgen wird wieder ein Stndchen doziert."
Eine Weile noch plusterte da was rum,
dann waren die Plappermulchen stumm.

Ich aber ging bers stille Feld;
so malt sich in Spatzenkpfen die Welt,
dacht ich und lchelte berlegen.
Da hrt ich's in den Lften sich regen,
eine alte Esche rief mir zu:
"Wieviel ist der Spatz denn beschrnkter als du?
Seid ihr Menschen nicht auch allesamt
zu solchen unwissenden Tierlein verdammt,
die das groe Warum und das ewige Wie
mit ihrer tppischen Kindsphantasie
zu begreifen suchen? Drft ihr vertraun
dem Funken in euch und aufwrts schaun?
Sind eure stolzesten Grbler und eifrigsten Spher
der Gottheit nur um ein Strichelchen nher?"
So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten,
sacht fhlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten,
scheu blickt' ich hin--er war verschwunden,
und niemals hab ich ihn wiedergefunden.



DREI KOBOLDSTREICHE


Fixfax der arge Kobold spricht:
die Langeweile bekommt mir nicht,
ich will in lustigen Abenteuern
den alten Koboldruhm erneuern,
denn geht's den Menschen allzu glatt,
wird ihre Seele stumpf und matt.
Drum will ich sie in diesen Tagen
ein wenig necken, ein wenig plagen;
ein Kobold will doch auch mal lachen,
sich ber die Menschlein lustig machen,
die den Kern aller Dinge glauben zu kennen
und sich so leicht die Finger verbrennen.
Drum, Fixfax, auf zu keckem Wagen,
str ein bichen ihr Wohlbehagen,
brauchst sie ja nicht ins Unglck zu hetzen,
ihnen blo ein paar sanfte Pffe versetzen.


ERSTER STREICH

Ei, wie strmen Wohlgerche
aus Frau Puffkes Wirtschaftskche,
denn fr hungrige Soldaten
will sie grad ein Ferkel braten;
alles ist schon gut bereit
und die Essenszeit nicht weit.
Fixfax nun, das muntre Mtzchen,
klettert hurtig wie ein Ktzchen
hoch hinauf zu Schornsteins Rand,
setzt sich listig und gewandt
mitten auf das Loch da, schwapp,
und nun zieht der Rauch nicht ab;
rckwrts strmt er in die Kche,
weg sind alle Wohlgerche,
und Frau Puffke steht und hustet,
krebsrot im Gesicht, und prustet,
kann dem dicken Rauch nicht wehren,
sich die Sache nicht erklren.
Rennt zum Schornsteinfeger Krause,
aber der ist nicht zu Hause;
niemand wei, wo Krause schweift,
und Frau Puffke steht und keift,
denn die Uhr luft immer weiter.
Endlich kommt er mit der Leiter,
um den Schaden zu ergrnden,
doch er kann durchaus nichts finden;
denn der Fixfax, wohlbedacht,
hat sich aus dem Staub gemacht,
und Herr Krause mit dem Besen
brummt, die Sonne sei's gewesen.
Vier Uhr schlug's, als die Soldaten
endlich kriegten ihren Braten.


ZWEITER STREICH

Vor dem Spiegel, kerzengrad,
steht Herr Amtsvorsteher Plath;
tadellos und mit Geschmack
sitzt die Hose und der Frack,
ausgezeichnet auch die glatte
bltenweie Taftkrawatte,
Kragen, Vorhemd, _comme il faut_,
und Herr Plath ist seelenfroh.
Langt noch sorglich aus dem Schrank
den Zylinder blitzeblank;
nimmt dann Stock und Handschuh munter,
steigt voll Stolz die Treppe runter,
denn er ist heut eingeladen
Zum Empfang bei ihrer Gnaden
der Prinzessin Schneckenstein,
und das hebt ihm Brust und Bein.
Fixfax aber dachte gleich:
wart, dir spiel ich einen Streich.
Auf den Taubenboden geht er
und nach losen Federn spht er,
sammelt allen Flaum ins Sckchen,
blst verschmitzt das ganze Pckchen
ber Plathens neuen Frack
und auf seinen _Chapeau-claque_.
Plath sieht ganz befiedert aus,
doch er ahnt nichts von dem Graus,
steuert durch die Nacht geschwind,
denkt blo: was fr'n arger Wind!
tritt mit Wrde in den Saal,
Alle lachen--o Skandal!
Bis er endlich sich besieht
und geknickt von dannen flieht.
Drauen denkt er rgerlich:
So ein Pech, das hab nur ich!


DRITTER STREICH

Auf des Sofas weichem Grunde
schlummert sanft mit offnem Munde
Pastor Pfannkuch. Nur die Fliegen
summen sich was zum Vergngen,
sonst ist's muckstill. Fast erledigt
liegt der Text der Sonntagspredigt
auf dem Schreibtisch. Sonnenfleckchen
spielen in den Zimmereckchen;
nichts bedroht den tiefen Frieden,
der dem frommen Mann beschieden.
Doch da stiehlt sich in die Stube
Fixfax, dieser lose Bube,
kichert, fngt ein Dutzend Fliegen,
die sind hier sehr rasch zu kriegen,
tunkt sie in das Tintenfa,
bis sie gnzlich schwarz und na,
lt sie dann gleich wieder fliegen
und entfernt sich mit Vergngen.
Nach 'nem Weilchen, ach Herrjee,
kommt Frau Pastor mit dem Tee,
ruft voll Abscheu, Schreck und Graus:
Berthold! Mensch, wie siehst du aus!
bist ja wie'n Idiot beschmiert,
Backen, Nase, schwarz karriert!
Himmel, auch die neue Predigt
ist beschmudelt und beschdigt,
und auf meinen weien Deckchen
grinsen lauter Tintenfleckchen!
Mann, wie hast du das getan?
Und sie sehn sich grbelnd an...

Fixfax aber, auf der Wacht,
sitzt im Mauseloch und lacht
sich ins Fustchen ohne Reue,
und--gebt Acht--er wird sich neue
Schelmentaten ausklabuntern,
um uns Menschen aufzumuntern.



SPUK


(nach alten Mustern)


Der Bauer schlft im Hirsekraut;
wer fhrt dem Bauer sein Heu nach Haus?
Der rote Mond guckt bern Strauch,
der Bauer schlft und wacht nicht auf.

Wer fhrt dem Bauer sein Heu nach Haus?
Aus ihrem Loche lugt die Maus,
der Fuchs schleicht sacht aus seinem Bau;
der Bauer trumt und wacht nicht auf.

Der Mond scheint hell und hoch herauf,
der Marder schleicht durchs fahle Laub,
die Eulen huschen schwarz und grau;
der Bauer sthnt, doch wacht nicht auf.

Husch, horch: Wer trippelt und trappelt zu Hauf?
Wer spannt die mden Gule aus?
Die Gule wissen den Weg nach Haus;
der Bauer schlft im Hirsekraut.

Wer kichert in des Wagens Bauch?
Wohin rollen die Rder ohne Ruck, ohne Laut?
Wer hlt sie an am Garten, am Zaun?
Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus?

Der kommt verstrt beim Morgengraun:
O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum!
Die Frau fhrt lachend ihn zum Zaun,
da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut.

"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul,
wenn der Vollmond steigt bern Berg herauf;
die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus,
jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut."



DER MRCHENKNIG UND SEIN TCHTERLEIN


Herbei, ihr kleinen Wichte,
Kobold, Alraun und Wurzelmann,
schafft hunderttausend Lichte
und putzt damit die Bume an!
Bis in die hchsten Spitzen
soll Licht bei Lichtlein blitzen.

Der Mond und alle Sterne
sind doch blo blasser Himmelsschaum;
mein Tchterlein will gerne
den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum.
Drum macht, wie ich euch sage,
die Nacht zum hellen Tage!

Der Mrchenknig spricht's. Im Nu
geht's an ein Lichterkneten;
kein einziger sieht mig zu,
gnnt kaum sich Zeit zum Beten.
Und als die Heilige Nacht heran,
znden sie alle Kerzen an.

Hei, war das ein Gestrahle,
ein Leuchten, flimmern, berhell,
als brach mit einem Male
von Fels zu Fels ein Feuerquell.
Auf Zweig und ste blicken
die Bume mit Entzcken.

Der Meister fhrt sein Tchterlein
durch diese Weihnachtspracht.
Sie schreitet wie im Sonnenschein,
fhlt Klte nicht noch Nacht,
und flstert traumverloren:
Die Liebe ward geboren.

Da rauschte durch die Weiten
dies wundersame Wort,
in Erd- und Himmelsbreiten
pflanzt es sich heilig fort.
Mit hunderttausend Kerzen
glht's heut in allen Herzen,
klingt's heut durch alle Ohren:
Die Liebe ist geboren!



WEIHNACHTSGANG


Es war zur lieben Weihnachtszeit,
die Wlder lagen tief verschneit,
im Acker schlief in guter Ruh
das Korn und trumte dem Frhling zu,
die Winternachmittagssonne stand
wie ein gelber Fleck an weier Wand--
da schritt ich hinaus in die blinkende Weite
und summte ein Lied mir zum Geleite.

Wie ich so ging auf stillen Wegen,
kam mir ein seltsamer Zug entgegen.
Ein Eselchen ganz vollgesackt
mit Schachteln und allerhand Kram bepackt,
Schritt langsam durch die Felderruh;
Sein Fhrer rief ihm bisweilen zu,
es war ein Alter in weiem Haar,
mit Runzelgesicht und sonderbar
altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Krften,
die Fe staken in hohen Schften
und kamen munter mit Hott und Hh
grad auf mich zu samt dem Eselsvieh.
Potz Blitz, fllt mir auf einmal ein,
das mu doch der Gottesknecht Ruprecht sein.
Ich blicke scharf in das brtge Gesicht:
"Gr Gott, mein Alter, kennst du mich nicht?
Ich hab doch oft dein Loblied gesungen,
und all die Mdels und all die Jungen,
die noch an Mutters Rockzipfel hngen
oder sich auf den Schulbnken drngen,
kennen dich wie ihre groen Zehen,
doch hat wohl noch niemand dich drauen gesehen.
Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen
uns erst in der heimlichen Stube entgegen
mit Sack und Pack und netten Geschenken;
was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken?
Da stehst du nun mit Haut und Haar,
bist nicht ein bichen unsichtbar,
wie es dir zukommt."--"So ist meine Art,"
brummte der Alte und strich sich den Bart,
"ich denke mir gern berraschungen aus,
fr diesmal mach ich's auerm Haus;
komm mit, da sollst du was erleben,
das wird ein Extra-Vergngen geben."
"Topp," rief ich, "Alter, ich bin dabei,
ich hre gern lustiges Kindergeschrei."

So schritten wir rstig zur Stadt. Am Tor
langte Ruprecht ein hlzernes Pfeifchen hervor
und blies. Wie konnte der Alte pfeifen!
Jetzt lernt ich den Rattenfnger begreifen:
aus allen Straen, aus Tr und Tor
--mir klingt der Lrm noch immer im Ohr--
mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen
kamen wohl hundert Kinder gelaufen.
Sie tanzten um Ruprecht, bettelten, baten,
eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten,
eins um ein Pppchen, eins um ein Bchlein,
eins um ein Rlein, eins um ein Tchlein,
und Ruprecht langte in seinen Sack
und gab, was es wnschte, dem kleinen Pack.
Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen;
aber die bermtigen Rangen
schrien durcheinander und wollten mehr,
kletterten ber das Eselchen her,
zupften den Ruprecht an Bart und Kragen,
wollten ihm gar die Scke wegtragen.
Da wurde es aber dem Alten zu bunt,
er nahm sein Zauberpfeifchen, und--
schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch.
Sie wurden ganz kleinlaut, man hrte nur noch:
"Komm, Fritzchen--Hans, la doch--nicht schreien, Marie--
Knecht Ruprecht wird bse--seht ihr nicht wie?!"
Und sie stellten sich artig um ihn herum
und waren wie die Muschen stumm.
Er kommandierte: "Linksum, kehrt,
nun geht nach Hause, wie sich's gehrt!"
Da faten die Groen die Kleinen an:
"Gr Gott und schnen Dank auch, Herr Weihnachtsmann."

Und wieder tnte die Schalmei,
die Kinder trabten zwei zu zwei
und sangen lustig die Weise mit,
und fern und ferner klang ihr Schritt;
mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm.
Wie sind ihre Bckchen vor Freude warm--
so dacht ich--und Freude ist der Saft,
den wir auf unsrer Wanderschaft
durchs Leben aus frohen Kindertagen
ins graue Alter mit hinbertragen
als verjngendes Elixier;
ein gut Teil davon verdanken wir dir,
du alter brtiger Gottgeselle!
Ich sah mich um--leer war die Stelle,
nur fern in der dmmernden Abendluft
verschwebte ein Wlkchen wie Weihrauchduft,
und durch die feiernde Stille drang
der erste hohe Glockenklang.



WEIHNACHTSBESUCH


Lndliche Straen, dicht beschneit.
Knirschen, Gelut,
ein Schlitten;
inmitten
sitzen drei kleine Leut
bis zu den hrchen vermummt.
Es singt und summt
von Weihnachtsglocken;
ein paar neugierige Flocken
lassen vom Wind sich herberwehn,
wollen durchaus das Mdelchen sehn
mit den roten Kltebckchen
und den goldbraunen Zottellckchen
und das Bbchen daneben,
das sich eben
das immer tropfende Nschen putzt.
Grougig, verdutzt,
bis zum Mulchen zugedeckt,
im Wollmtzchen fast versteckt,
sitzt das Kleinste auf Mutters Scho.
"Kutscher, ein bichen los,
es wird kalt;
Sie wissen doch, drben zum Frster am Wald."
Der Alte schmunzelt und knallt
mit der Peitsche, hh, hott--
die Gule bleiben bei ihrem Trott.
... Von drben her Lichter,
Zwei altliebe Gesichter
hinter den Scheiben:
"Wo sie nur bleiben?
Ist schon die fnfte Stunde!"
Da knurren die Hunde,
bellen, wollen hinaus;
Gromutter luft vors Haus.
Da:--Knirschen, Gelut,
ein Schlitten,
inmitten
sitzen vier liebe Leut.
Wie das Altchen sich freut!
Unter Lachen und Weinen
wickelt sie aus den Tchern die Kleinen,
kt die Tochter, nimmt ihr das Jngste vom Knie:
"Ein prchtiges Kindchen! Gott schtz es, Marie!"
Neben ihr sprudelt ein Znglein:
"Gromutter, komm doch 'rein!
Gromutter, sind die Hhner noch wach?
Gromutter, Vater kommt morgen nach,
er lt schn gren."
... Auf bedchtigen Fen,
als ging ihn die Sache nichts an,
kommt auch der Frster langsam heran.
"Na?
Seid ihr endlich da?"
Gleich luft der Fritz auf ihn zu:
"Grovater, Du,
guck mal drben den roten Fleck!
och, Grovater, nu is die Sonne weg."
"Die Sonne? Hm, la man; drin is noch eine,
'ne ganze feine,
die wird uns bald blinken--
nu aber, bitte, kommt Kaffee trinken."
... Der Platz wird leer,
schneestill und stumm.
Der alte Kutscher lenkt langsam um,
nickt vor sich her,
gedankenschwer,
und brummelt fr sich:
"Der oll Frster hett's gaud, manch enner hett's nich."



KNIG KUCHEN UND KNIGIN SCHOKOLADE


Bei Knig Kuchen und Knigin Schokoladen
war ich mit Linchen heut Nacht in Gnaden
zu Gaste geladen.
Ein prachtvolles Fuhrwerk, tripp, tripp, trapp,
holte uns stolz von Hause ab.
Vorn stampften zwei schneeweie Vollblutjucker
aus feinem biegsamen Lederzucker,
auf dem Kutschbock der dicke Mohr
kam uns marzipanisch vor,
und neben ihm der fette Mops
war ganz gefllt mit englischen Drops.
Die Kutsche, aus weiem Zuckerkant,
erstrahlte hell wie Diamant;
sie ging auf zierlichen Sholzrdern,
aus Vanille waren die Deichsel, die Federn,
dicke Polster aus Traubenrosinen
sollten uns als Sitze dienen,
aber in den Btterteig-Wagentaschen
gab es allerhand Gutes zum Naschen.
Ein allerliebster Pralin-Page
dienerte neben der Equipage
in einem rot kandierten Frack
und ffnete uns den Wagenschlag.
Wir stiegen ein und fuhren im Nu
durch Ruland und Asien nach China zu.
Bald kamen wir in jenes Land,
wo Knig Kuchen, der Se genannt,
unumschrnkt herrscht in seinen Reichen
mit seiner Frstin ohnegleichen,
der herrlichen Knigin Schokolade,
die uns zum Fest befohlen in Gnade.

Das goldgelb glacierte Ballfesthaus
sah wie ein riesiger Napfkuchen aus,
umgeben von einem Spritzkuchengitter;
als Wache davor zwei braune Ritter
aus Pfefferkuchen mit Gufiligran,
die hatten Knackmandel-Harnische an.
Als Fhrer dienten mir und Linchen
zwei allerliebste Thorner Kathrinchen;
sie verbeugten sich hflich als wir kamen,
und sagten: bitte, meine Damen.

Ach, Kinder, wie das Herz mir lacht,
denk ich zurck an all die Pracht!
Die Wnde waren von Makronen,
verbrmt mit Schokoladenbohnen,
aus grnen Bonbons die glatten Dielen,
da wir nachher beim Tanz fast fielen,
die Sulen aus mchtigen Baumkuchentorten
von den allerhchsten und edelsten Sorten,
die Tische aus marmoriertem Konfekt,
mit drolligen Lutschfigrchen bedeckt,
die Sthle Fchen mit Gelees,
mit Eingemachtem und Knusperknees;
rings auf appetitlichen Zimmetstaffeln
lagen Biskuits und Keks und Waffeln.
Im Hintergrunde ein Gletschersee,
mit Vanille-Eisbergen und Schlagsahnen-Schnee,
entsandte in doppelter Kaskade
Zitronen- und Himbeer-Limonade;
und hoch ber allem, im glanzvollen Saal,
strahlte eine Sonne aus Zucker-Opal.

In der Mitte aber stand ein Thron,
gebaut aus Bretzeln mit blauem Mohn,
darauf sa liebreich in ihrer Gnade
die herrliche Knigin Schokolade.
Sie harrte huldvoll, bis die Schar
der Kinder ganz versammelt war,
die sie aus kalter und warmer Zone
herbefohlen zu ihrem Throne,
um ihnen mit kniglichen Hnden
von ihren sen Kleinodien zu spenden;
ihr hoher Gemahl, der Knig Kuchen,
hatte Mhe, sie auszusuchen.
Da waren Kinder aus Deutschland und Spanien,
aus Frankreich, Chile, Mesopotamien,
Kinder von Kaffern und Hottentotten,
von Persern, Eskimos und Schotten,
Kinder aus Sden und Kinder aus Norden
von den feinsten Familien und den wildesten Horden,
denn alle Kinder zu allen Zeiten
essen gerne Sigkeiten.

An der Knigin Seite, im leckeren Grase
machte Mnnchen ein stattlicher Osterhase,
und als die Kinder versammelt waren,
ordnete er die bunten Scharen;
rechts gingen die Mdchen, links die Knaben,
so wollt es der Knig Kuchen haben,
und jedes Kind in jeder Reih
bekam ein prchtiges Osterei,
die Mdchen blaue, rote die Jungen,
dann ist das Hschen davongesprungen.

Nun fing die Kapelle zu spielen an,
vorn geigte ein Nrnberger Lebkuchenmann;
ich sag euch, es war 'ne Musik fr Kenner,
und waren doch alles gebackene Mnner,
mit Rosinenaugen und Mandelnasen,
und konnten so lieblich flten und blasen.
Es wurde getanzt, gespielt, gelacht,
damit verging die schne Nacht.
Zuguterletzt, nicht zu vergessen,
wurde alles aufgegessen,
artig gedankt und Abschied genommen;
wir fuhren heim, wie wir gekommen,
und erwachten in unserm Bett--
Kinder, Kinder, wie war das nett!--



DER ERSTE MAI


Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten,
immer wei man nicht neue Geschichten;
oft sind die Mrchengeister stumm,
als wren sie wer wei wie dumm,
und alle Wnde grinsen mich an,
als htt ich ihnen was angetan.
So war's auch neulich. Bei mir zu Haus
sah alles de und langweilig aus,
da bin ich in den Abend geschlendert;
der Himmel hing rosenrot umbndert,
die Wolken trmten sich wie ein Tor,
pltzlich stand ich grade davor
und sah hinein in das Himmelsschlo.
"Na, Petrus, was ist denn hier oben los?"
fragt ich; "hier sieht's ja munter aus."
Da schmunzelt der alte Wchter vom Haus
und sagt mir--aber ihr drft nicht lachen--:
Im Himmel wre gro Reinemachen,
die Jungfrau Maria tt revidieren
und die himmlischen Scharen zum Scheuerfest fhren.
Die kleinsten Englein mten ran,
kriegten groe Schrzen an,
drfte keins spielen und mig bleiben,
mten fegen und wischen, seifen und reiben.
Da wrden die Sterne blitzblank geputzt,
den kleinen Kometen die Schwnzchen gestutzt,
der Himmel mit Wunderblau lackiert,
der Regenbogen neu ausstaffiert;
dem Vollmond wrde, wie er sich auch steift,
mal grndlich wieder die Glatze geseift,
und damit am klaren Firmament
die liebe Sonne schn leuchten knnt,
wrden die Wolken fest ausgedrckt
und hinter den Horizont geschickt.
Wenn alles fertig, wschen sich
die Englein die Flgel suberlich--
denn morgen sei ja der erste Mai-- --
Ich fragte, was an dem Tage sei,
da blitzte mich Petrus an und sprach:
"Na, weit du, das ist doch wirklich 'ne Schmach;
da sieht man wieder, wie wenig ihr wit,
nicht mal, wann Gottes Geburtstag ist."
Na, Kinder, ich machte ein dummes Gesicht;
das wut ich bei aller Gelehrsamkeit nicht.
Doch nun wurde mir auf einmal klar:
Darum putzt sich die Erde Jahr fr Jahr
mit Blumen und Krutern im bunten Gemisch,
darum grnen die Hecken, die Bume so frisch,
darum ben die Vgel die Festmelodie,
und Bienen und Grillen begleiten sie,
darum wird dem Menschen die Freude so gro,
als s er dem lieben Gott im Scho,
wenn der Maiwind kommt ber Berg und Tal--
nun begriff ich den Frhling mit einem Mal.
Und ich fragte Petrus aus froher Seele:
Erlaubst du, da ich das weiter erzhle?
"Immerzu," sagte der und strich sich den Magen;
"kannst den neugierigen Leuten gleich noch sagen,
da an Gottes Geburtstag, dem ersten Mai,
auch der Tanztag fr Teufel und Hexen sei.
Sonst drfen sie, zu Aller Segen,
sich keinen Schritt ohne Leine bewegen;
doch an dem Tage sind sie frei,
--da macht die Bande genug Geschrei,"
entfuhr es brummend dem alten Knaben--
"doch Gott ist der Herr und will es so haben.
Er sieht in hoher heiliger Ruh
dem tollen Blocksbergvergngen zu;
und treibt es einer zu arg von der Sippe,
kommt er sofort wieder an die Strippe.
Nun aber leb wohl, ich wnsch gute Nacht,
um neun wird der Himmel zugemacht."
Langsam schlo sich das Wolkentor;
ich ging, ein Liedchen klang mir im Ohr.
Zu Haus in heimlicher Abendruh
nickt ich den Sternen frhlich zu
und betete: Ich bin nur ein Zwerg,
und die herrliche Welt, sie ist dein Werk,
o Gott; du hast alles, nichts kann man dir schenken,
nur deiner in Freude und Demut gedenken.
So nimm dieses Liedchen, ich hab es erdacht
in dieser Frhlings-Geburstagsnacht.



WETTERWUNSCH


Scheine, Sonne, scheine,
die Wsch hngt auf der Leine;
unsre Hemden, unsre Socken,
mach sie uns bis Sonntag trocken,
scheine, Sonne, scheine!

Rausche, rausche, Regen,
gib uns deinen Segen,
wasch die armen Snder rein,
gib uns Brot und gib uns Wein,
rausche, rausche, Regen!

Zu best ist allerwegen
Sonnenschein _und_ Regen;
auch der Wind mu pfeifen,
soll die Ernte reifen.
Regen, Wind und Sonnenschein
mgen bei unserm Hause sein!



HAMMERLIEDCHEN


Pink, pank, Hammerschlag,
der Nagel hat 'nen Kopf;
und wenn er keine Spitze hat,
ist er ein armer Tropf.
   Mein Hmmerlein du,
   schlag zu, schlag zu!

Pink, pank, Hammerschlag,
hast du der Ngel zehn
und nagelst du ein Srglein zu,
ist's um einen geschehn.
   Mein Feuerlein du,
   blas zu, blas zu!



IM SONNENSCHEIN


(nach einer alten Fabel)


Kribbel-krabbel-Kfer
luft hinab zum See,
er kommt vom grnen Hgel,
hell leuchten seine Flgel
   im Sonnenschein.

Kommt der Fisch geschwommen,
Sperrt das Fischmaul auf,
da ist in zwei Sekunden
der Kfer drin verschwunden
   im Sonnenschein.

berm See der Reiher
sieht, wies Fischlein schnappt,
nimmt seinen spitzen Schnabel
und spiet es auf die Gabel
   im Sonnenschein.

Wie nun stolz der Reiher
seine Kreise zieht
mit leuchtendem Gefieder,
knallt ihn der Jger nieder
   im Sonnenschein.



WANDERLIED


   Sonnenlichter,
   Frhlingswichter
spielen auf der dunkeln Wand.
Prfend ffne ich das Fenster;
seht die Wolken, die Gespenster
lsen sich am Himmelsrand.

   Holla, Jungen,
   aufgesprungen,
schnell das Rnzel aus dem Spind!
Kommt, wir wandern durch die feuchten
Saaten; wie Smaragden leuchten
Halm an Halm im Morgenwind.

   Feste Schritte,
   Mnnersitte;
wie die Ferne lockt und wirbt!
Und wir lassen sie im Schreiten
achtlos oft vorbergleiten,
bis sie hinter uns erstirbt.

   Hohe Ziele,
   nicht zum Spiele;
immer steiler wchst der Pa.
Aber oben wolln wir rasten
nach der Arbeit, nach dem Fasten;
Jungens, trinkt, ich komm euch was!

   Hoch im Blauen
   selig Schauen,
unter uns der Erde Glck!
Doch es zieht mit tausend Armen
immer wieder zu den warmen
Menschensttten uns zurck.





VIERTER TEIL



SPRUCH FRS LEBEN


Hinber, hinein!
ber Wipfel und Stein!
die Herzen zu baden
im Goldsonnenschein!
Auf schwierigen Pfaden
zu lichten Gnaden!
ber Wipfel und Stein,
hinunter, hinein!



ALLERLEI RTSEL


(Die Lsungen stehen im Verzeichnis der berschriften)


--1--

Ich habe Flgel--rate, Kind--
doch flieg ich nur im Kreise;
und singen tu ich, wenn der Wind
mir vorpfeift, laut und leise.
Was ihr den Feldern abgewinnt,
kau ich auf meine Weise;
doch was mir durch die Kehle rinnt,
das mundet euch als Speise.


--2--

Standen vier weie Ritterchen
auf einem roten Gitterchen,
die machten alles klitzeklein
und warfen es in ein Loch hinein.
Als das die andern Ritter sahn,
zogen sie neue Harnische an,
kamen aus ihren Burgen herbei,
stellten sich tapfer in die Reih
und machten hack
und sagten knack
und warfen alles in einen Sack.


--3--

Die erste frit,
der zweite it,
das dritte wird gefressen;
das ganze wird zu Pkelfleisch
und Erbsenbrei gegessen.


--4--

Mein erstes ist ein Hund,
mein zweites ist ein Junge,
mein ganzes ist ein Dieb,
kein Hundejunge!


--5--

Die ersten sind ein Untertan,
die dritte ist ein Untertan,
das ganze ist ein Untertan,
wird von dem andern Untertan
unter den ersten Untertan
ganz untertnigst untergetan.


--6--

Wenn das R am Anfang steht,
liebt man es nicht sauer;
wenn es bis ans Ende rutscht,
ht dich vor dem Hauer!

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein Heldenname;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Waldbaumsame.

Wenn das R am Anfang steht,
sind es bse Leute;
wenn es bis ans Ende rutscht,
gerbt man seine Hute.

Wenn das R am Anfang steht,
ist es eine Schale;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Orientale.

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein klein schwarz Luder;
wenn es bis ans Ende rutscht,
ist's von "wenn" der Bruder.


--7--

Wchst einer alten Dame
ein Buckel kleinster Sorte,
verwandelt sie sich augenblicks
in ein Stck Mandeltorte.
Doch nimmst du ihr den Rcken,
auf dem der Buckel wchst,
hast du die alte Dame
zur trocknen Frucht verhext.


--8--

Ich stand begehrlich am Worte,
umgekehrt wuchs es nicht weit;
ein arges Diebsgelste
besiegte die Redlichkeit.
Ich stahl das umgekehrte,
kein Argus achtete drauf;
Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte
und a es umgekehrt auf.


--9--

Mein erstes ist nicht wenig,
mein zweites ist nicht schwer;
mein ganzes lt dich hoffen,
doch hoffe nicht zu sehr!


--10--

Es luft und hat keine Beine,
es gibt viele und doch nur eine.
Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken;
wer zu wenig hat, mu es beschrnken.
Bald geht es langsam, bald schnell;
mal ist es dunkel, mal hell.


--11--

Christkindchen lag im Stalle
und hrte die ersten schrein;
die zweiten tragen wir alle
zur Weihnachtszeit am Bein.


--12--

Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile;
wird es der Junge, kriegt er halt Keile.


--13--

Der Vater will's das Fritzchen
(die erste Silbe betont)--
jedoch die Mutter bittet,
da ward der Schelm verschont.
Sie sprach: Du mut dir's, Liebster,
(die dritte Silbe betont)--
denn Nachsicht mit den Kleinen
wird oft von Herzen belohnt.
Denk doch, wie du's dem Jungen
an Einsicht bist und Geist;
du mut was andres dasselbe,
das ihn sich bessern heit.


--14--

Klrchen nhte an dem ersten
und war ganz die beiden zweiten,
denn sie durfte Sonntag reiten,
Leutnant Kurt wollt sie begleiten;
ihre Augen wurden gro,
mig lag die Hand im Scho.

Mutter nht am andern Fenster,
sah's und runzelte die Brauen:
Hre, Kind, Luftschlsser bauen
taugt nicht viel fr fleiige Frauen,
weil man leicht die Pflicht vergit
und zu sehr das Ganze ist.


--15--

Mariechen war's. Mit meinem Kuchen
stand ich nun da und dem Bukett.
Wo soll ich blo das Mdel suchen?
Wenn sie doch nur geschrieben htt!

Ja ja, ich hab sie es seit Jahren;
ich gebe zu, das war recht dumm.
Nein, welch ein rcksichtslos Gebaren!
Und schwer gergert kehrt' ich um.


--16--

Froh singt ihr Lied am Sommertag
die eins-zwei frh und spat.
Die drei wnscht jeder Jngling sich;
doch bricht er ab, ist's schad.
Das Ganze war ein Knig, der
lustig und unverschmt
die stolze Prinze, die ihn nicht wollt,
bestraft hat und gezhmt.


--17--

In eins-zwei-drei lebt ganz gemtlich
Herr Mller mit Herrn Schulze friedlich;
bis Mller einst, wer htt's gedacht,
Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht.
Da hrte man ein bs Geschrei:
So denk doch eins, mein Herr eins-zwei!
Ich mu stets alles zwei bezahlen,
kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen;
kommst du noch mal mir drum ins Haus,
ist's mit der guten eins-zwei-drei aus.


--18--

Er geht in sich, um sich zu pflegen,
und ist in sich um sich verlegen.


--19--

Rate, Freund, es ist nicht schwer:
Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr.
Wer's aber ist, den fft des Teufels Brut;
man sperrt ihn ein und frchtet seine Wut.


--20--

Wer es hat, der ist betrbt;
aber froh und stolz, wer's gibt.


--21--

Das Wort pflegt zu erhhn
den Glanz des Edelsteins;
solang man es bewahrt,
ist man der Herr des Seins.


--22--

Sind es die Feinde, mu man sich wehren;
sind's deine Backen, mut du sie nhren.
Ist mir's ein Rtsel, schreib ich es nieder;
ist es mein Haus--nun, so bau ich es wieder.


--23--

Wenn es von Freund und Liebchen kommt,
oder von dir verfat,
so liebst du wohl das erste Wort;
sonst ist es dir verhat.

Das zweite Wort, so klug wir sind,
machen wir Menschen viel;
und was dich reut, oft andre freut
im schadenfrohen Spiel.

Der Schlu: gefrchtet und geneckt,
teils boshaft und teils dumm,
geht er als Geist des Widerspruchs
in Schrift und Mren um.

Die drei vereint: wir stehn verdutzt,
wie Zufalls Koboldmacht
das Wort entstellt, den Sinn verdreht--
man rgert sich und lacht.


--24--

Zwei Worte wei ich, die einander feind,
das eine sucht das andre zu verderben,
in beiden mssen viel Geschpfe sterben;
und hast du sie zu einem Wort vereint,
eint sich auch ihre zehrend bse Kraft,
schon manchen Volksstamm hat es hingerafft.


--25--

Auf der hchsten Berge Rcken
ist es immer leicht zu finden,
wo die kleinen Gletscherbche
schumend sich zu Tale winden.

Tausch die Silben--ach, verlegen
steh ich vor gemischten Dingen,
Chemiker und Apotheker
mgen dir die Lsung bringen.


--26--

Ich hab keine Hnde und kann doch tragen,
hab keine Flinte und kann doch jagen;
kann klettern und schwere Lasten heben
und bin doch ein zartes, hinflliges Leben.


--27--

Viel Glieder hab ich, die einander gleichen.
Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade,
doch himmelshell fhr ich empor zur Gnade;
manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen.

Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen;
denn Ehre trgst du neben mancher Last,
die arbeitsfroh du bernommen hast,
ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade.


--28--

Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder;
mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder.
Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder,
bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brder.

Hitze und Klte trag ich, hin und wider;
bt mich der Knabe, strkt er seine Glieder.
Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder;
den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder.


--29--

Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
Bescheiden bin ich selten, niemals still;
ja, Schweigen ist mir gnzlich unbekannt.

Ein Wort fg an, das keiner gern empfngt
und das die Kinder schreckt von Alters her;
doch ohne es fllt manche Arbeit schwer,
weil's feste Massen auseinander drngt.

Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen,
die im Gerll sich finden, glatt und spitz;
du hebst sie auf und freust dich an dem Witz,
den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen.


--30--

Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt;
dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft
vertiefte ich den Blick der Forschungskraft.
Ein Wort fg an, das sich der Mensch gesetzt
zur Ordnung gegen den, der sie verletzt;
der Fromme fhlt es oft von Gott gesandt,
ans Letzte, Jngste denkt er furchtgebannt,
an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid--
da ist das Ganze eine Seltenheit.


--31--

Die erste Silbe fhrt die krause Schar,
die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit.
Die zweite tnt durch Weiten hell und klar,
ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit.
Und wenn der tapfre Krieger
sein junges Leben gab,
fllt ihm vielleicht der Schatten
des Ganzen auf sein Grab.


--32--

Ein deutscher Meister war es, gottgesandt,
der jenes edle Tonstck uns geschenkt;
der Vogel bt's, der seine Flgel lenkt--
dir wnsch ich es, mein deutsches Vaterland.

Was allen Flgelwesen wohlbekannt,
was jedes Blatt, das aus der Hlle bricht,
ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht--
das wnsch ich dir, mein deutsches Vaterland.

Ein Flchen, an der Schieferberge Rand,
sehr vielen ist sein Name leerer Schall,
ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all--
wnsch ich dir auch, mein deutsches Vaterland.

Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand,
den Engel, der auf Morgenwiesen geht,
doch oft verhllten Hauptes abseits steht--
ihn sende Gott dir, o mein Vaterland!


--33--

In Not und Gefahr
greife ich ein,
Schmerzlich willkommen
der Angst und der Pein;
lies mich von vorn,
lies mich verkehrt,
immer der gleiche,
geschmht und geehrt.


--34--

Wir sind's mit Stamm und Vaterland,
mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt,
mit jeder Arbeit, die der Seele wert;
der Reiter rhmt: wir sind's, ich und mein Pferd.

Doch wer es ist, trgt eine schwere Last,
er ist sich selbst ein migeschickter Gast;
Statt Liebe blht ihm Mitleid, und im Schwarm
gesunder Jugend fhlt er doppelt Harm.


--35--

Wir sind's gewi in vielen Dingen
in einem sind wir's nimmermehr;
die sind's, die wir zu Grabe bringen,
und eben die sind's bald nicht mehr.
      Drum, weil wir leben,
      sind wir's eben
      an Wesen wie Gesicht;
      drum, weil wir leben,
      sind wir's eben
      zur Zeit noch nicht.


--36--

Nennst du das Ganze, tnt es uns entgegen
von Sommernchten, wo des Mondes Horn
verschwrmten Prchen winkt auf lauschigen Wegen,
und wo aus seinem wundersamen Born
das Mrchen auftaucht und in tiefem Sinnen
uns anschaut, und vertrumte Bche rinnen.

Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar
die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen,
die Heiden einst wie Christen heilig war,
wo Pilger heut und Kenner sich erbauen;
ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest
und hlt den Glanz vergangner Zeiten fest.


--37--

Ohne Zepter, ohne Krone
herrsche ich auf dieser Erde,
buntes Spiel vor meinem Throne
zaubert stets mein Wort: Es werde!

Noch zwei Zeichen: Alles wich,
Pracht und Buntheit sind verschwunden,
und in knftigen dunklen Stunden
werden es auch du und ich.

Aber ndre den Akzent:
sieh, schon quillt das Leben wieder,
neue Schau und neue Lieder,
die man gern mit mir benennt.


--38--

Mein Strom ergiet sich sickernd durch die Welt,
ich dring in Haus und Htte, Schlo und Zelt.

Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
sind Geist und Wille durch mich offenbart.

Ich schre Gluten, wirke Herzeleid,
tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.

Vershnung bring ich und entfache Streit,
zeig manchen tricht, manchen grundgescheit.

Doch sitzt du in mir, fhlst du dich geknickt;
vielleicht, da dir durch mich die Rettung glckt.


--39--

Ich nhre mich von fremden Stoffen,
doch kann auch ohne sie bestehn;
ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
und alle Weiten stehn mir offen,
ihr wrdet ohne mich vergehn.

Am hellen Tage herrsch ich gerne,
doch auch die Nacht ist mir vertraut;
ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
mich schreckt sie nicht, die groe Ferne
die mich mit Geisterhnden baut.

Ich wirke in den Himmelsblitzen,
versteckter Tat bin ich verhat;
wo grbelnd die Gelehrten sitzen
und ratlos ob der Lsung schwitzen,
bin ich ein hochwillkommner Gast.


--40--

In alten Zeiten
hat mich der Mensch erdacht
und Ordnung mit mir
in die Dinge gebracht.

Wie ntig bin ich
der Wissenschaft,
wie zeige ich
der Vlker Kraft!

Wenn ich nicht eng
ihm verbunden wr,
wie wrde erliegen
das tapferste Heer!

Und doch wei jeder,
wie schwach ich bin,
denn erst mein Nachbar
gibt Halt mir und Sinn.


--41--

Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
mein Leben ging so lind wie Frhlingswellen,
und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
      eng, doch erbaulich.

Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
mein Schaffenswille trmte ohne Schranken
      Quadern auf Quadern.

Den Knsten schuf ich manche Pflegesttte,
ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
      die feste Kette.

Doch Ruh und Frieden muten weiterziehen;
und meine Kinder lassen gern sich locken
von grnen Wldern, sanften Herdenglocken,
      mir zu entfliehen.


--42--

Mein erstes Wort, im engen Raum genhrt,
strebt weit hinaus, da es die Welt regiere;
wir stken noch im Dmmersinn der Tiere,
htte nicht Gott dem Menschen es gewhrt.

Mein zweites hat der Kaiser und der Knig,
und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
es irgendwie zu sein, solang er lebt,
und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.

Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
anfeuernd ins Gesprch und ins Gerede,
ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.


--43--

Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
so hast du eine schwere Arbeit vor,
so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.

Das andre Wort scheint winzig und gering,
doch schlummern in ihm unbegrenzte Krfte;
es schwillt und wchst, wenn es die rechten Sfte,
die nur Natur verleihen kann, empfing.

Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
Gemeinden oder Stnden zuerkannt,
beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
doch schwinden hin im spteren Geschlechte.


--44--

Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone
flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne
bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,
in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.
Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,
bin ich--ich sag es stolz--der grten Taten Vater.

Ein neues Wort schlie an: Es ist des Knstlers Ziel,
dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,
das er mit seinem Lebensblute trnkt
und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?
Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wr.

Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
die unsrer Seele dunkle Trume bringen,
und fhlen scheu des Geistes Doppelwesen.
Du groes Rtsel, wer wird je dich lsen?



POLTERABENDGEDICHT


fr ein kleines Mdchen

(mit einer Schlssel-Atrappe)


Ich bin eine kleine Sternschnuppe
und rutschte herab vom Himmel
und fiel aus der groen Milchstrae
grad hier in das Gewimmel.
Verwundert fragt' ich die Leute:
Wo kommt ihr denn alle her?
Da sagten sie mir, da heute
hier Polterabend wr.
Die Ehen schliet man im Himmel,
und Donnergepolter gibt's auch;
da bin ich ja wie zu Hause
und bring meine Gabe auch.
Nehmt hier den Zauberschlssel,
vom Sirius bracht ich ihn mit
in meiner Sternentasche,
als ich herunter glitt.
Stets hng er zu euern Hupten,
und zieht es euch hinauf,
schliet er zu jeder Stunde
den ganzen Himmel auf.



HOCHZEITSGEDICHT


(mit einem Frhlingsblumenstrau)

Maienknig schickt mich her,
sagte, da hier Hochzeit wr,
sollt fein gratulieren;
suchte einen vollen Strau
allerschnster Blten aus,
euer Haus zu zieren.

Himmelschlssel, goldig, zart,
Blumen von besondrer Art,
schickt er euch mit Gren.
Seht, sie leuchten sonnengleich;
Liebe heit das Himmelreich,
das sie euch erschlieen.

Dieses blaue Sternchen spricht
frommen Sinns: Vergi-mein-nicht,
vergi mir nicht die Treue!
Treue, die zu Liebe steht,
ist so stark wie ein Gebet,
trstet stets aufs neue.

Hier Narzissen. Wei und rein,
ohne Makel sollt ihr sein,
htet Sinn und Herzen!
Seht der Unschuld klares Bild;
wer an ihm sich strkt und stillt,
trgt leicht Not und Schmerzen.

Nehmt hin, was der Mai geschickt,
nehmt den Strau und seid beglckt
fr ein langes Leben!
Unverwelklich blh er fort,
tief in eurer Seele Hort
glhe gttlich Streben!



NEUJAHRSSPIEL


DAS ALTE JAHR

(tritt in grauem Mantel ein)

Gr Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,
das immer ist und immer war,
das immer kommt und immer geht
und niemals zaudernd stille steht,
das mit geheimem Pendelschlag
die Weltuhr regelt Tag fr Tag.
Die Wrfel werf ich: Leben und Tod,
Glck oder Unglck, Heil oder Not--
sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,
einem Hheren unterstellt.
Zwlf Kinder hab ich zur Welt gebracht,
sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;
sie ziehen gestaltend durch die Welt,
eins mir immer zugesellt,
whrend die andern harren und ruhn
zu neuer Arbeit, zu frischem Tun.
Nur heute an meinem Geburtstag sind
sie alle gekommen, aus Regen und Wind,
aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Hhn,
ihre alte Mutter wiederzusehn.
Herein, meine Shne, ein Kompliment,
und sagt den Leuten, was ihr knnt!


JANUAR

(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen)

Gr Gott! Ich bin der Januar,
voll Schnee und Eis hngt Bart und Haar;
der Vetter Nordwind versteht das Blasen,
steif sind die Ohren, rot die Nasen.
Zugefroren ist See und Flu;
rasch den Schlittschuh unter den Fu!
      Die Eisen gleiten
      durch blitzende Weiten
      in Bogen und Zacken,
      das gibt rote Backen!
Hrt ihr das Schellengelut? Meine Gste
sausen durch Schnee und Rauhreifgeste.


FEBRUAR

(in Karnevalskostm mit Pritsche)

Gr Gott! Ich heie Februar,
gleiche dem Bruder fast aufs Haar,
nur trage ich gern ein Maskenrckchen,
an meiner Kappe klingeln Glckchen.
Weil ich im Spiel und Tanzen tchtig,
schelten sie mich vergngungsschtig,
spotten und lachen hinter mir her,
weil ich zu kurz geraten wr,
      rufen: "Prinz Karneval,
      Narren gibt's berall!"
Doch meinen Punsch und Pfannekuchen
mchten Narren wie Weise versuchen.


MRZ

(in Landstreichertracht, mit einem Veilchenstruchen)

Gr Gott! Ich bin der Bruder Mrz,
ich habe ein wildes, strmisches Herz.
Kann mich nicht mit den Brdern vertragen,
puste ihnen den Schnee vom Kragen.
      Subre die Wlder,
      fege die Felder,
tu aus der Seele das Kalte hassen,
mu es doch oft mir gefallen lassen;
aber bin ich erst Knig ein Weilchen,
grt ihr mit mir die ersten Veilchen,
seht ihr die Spitzen an Struchern und Bumen,
die selig von knftger Entfaltung trumen.


APRIL

(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige)

Gr Gott! Ich bin der lustge April,
der immer tut, was er grade will.
Mal liebe ich's na, mal liebe ich's trocken,
die Zugvgel tu ich nach Hause locken.
      Schneewassergsse
      schwellen die Flsse,
ich aber streif durch den Wiesengrund,
ffne der Obstblte lieblichen Mund
und nicke den nrrischen Trumern zu;
mit denen steh ich auf du und du,
_schickt_ sie nur immer! ich lehre sie lachen
und sich aus den Plagen der Welt nichts machen.


MAI

(in Bauerntracht mit Maiglckchenstrau)

Gr Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,
Besondres von sich auszusagen.
Ich schme mich wirklich; bin so bekannt
wie ein bunter Pudel rings im Land.
Diese sammetlockigen teutschen Tichter,
hol der Kuckuck das Reimgelichter:
      "--der se Mai,
      der entzckende Mai,
der bltenbekrnzte, der himmlische Mai--"
mir wird ganz blmerant dabei,
denk ich an all die Dudelei.
Die Kinder lob ich; das lrmt und lacht
und feiert ganz ungereimt meine Pracht.


JUNI

(in Grtnertracht, mit Giekanne und Rosenstrau)

Gr Gott! Ich werde Juni genannt,
Farben und Dfte bring ich ins Land.
Seht, wie's im Garten knospet und quillt,
seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!
Vor allem mu ich die Rosen wecken,
ich ksse sie wach an Stamm und Hecken.
      Sind Regen und Wind
      mir wohlgesinnt,
schaff ich und wirk ich am grnen Gewande,
halte die Hoffnung am schimmernden Bande
und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;
wenn der Schnitter prft, ist die Saat bereit.


JULI

(in Schfertracht, mit Kornblumenstrau)

Gr Gott! Erlaubt mir, da ich sitze,
ich bin der Juli; sprt ihr die Hitze?
Kaum wei ich, was ich noch schaffen soll,
die hren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Mhren und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf mich ein bichen im Schatten ruhn.
      Duftender Lindenbaum,
      rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? fhlt ihr die Schwle?
Bald bringt Gewitter Regen und Khle.


AUGUST

(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke)

Gr Gott! Ich bin der Monat August,
bin ernster Pflichten mir bewut;
mu Frucht und Korn zur Ernte reifen,
meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.
Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,
der Segen wird in die Scheunen gebracht.
      Zum frhlichen Reigen
      jubeln die Geigen.
Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt
des Schpfers, der alles zum Besten lenkt,
der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,
da Schwei und Flei auch Freude bringe.


SEPTEMBER

(im Touristenkostm)

Gr Gott! Ich bin der September, ich ziere
mit rotem Weinlaub eure Spaliere.
Dem Wandrer lachen auf allen Wegen
kstlich die reifenden Frchte entgegen,
die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,
am Ufer der Meere trume ich gerne,
      wo die Welle beginnt,
      wo die Welle zerrinnt,
wo die Brandung braust und berschumt
und ein Zugvogelschwarm den Himmel sumt;
da lieg ich und grble und suche vergebens
den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.


OKTOBER

(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche)

Gr Gott! Ich bin der Bruder Oktober;
die Nase glnzt mir wie Zinnober,
das kommt vom Gucken ins Glschen. Vor Zeiten
lehrt ich die Menschen Wein bereiten;
der wurde bald ihr Lieblingsgetrnke,
jetzt kriegt man ihn in jeder Schnke.
      Kommt mit zum Wein,
      ich lade euch ein!
Seht, wie die Wlder sich buntselig frben,
sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.
So kommt und sinnt und fragt nicht viel;
"das Leben ist des Lebens Ziel!"


NOVEMBER

(in Jgertracht mit Gewehr)

Gr Gott! Der November stellt sich vor.
Mir ist ergeben der groe Chor
der Winde und Strme, die das Gefilde
von Unrat subern; und auch die Gilde
der Nebel und Wolken ist mir vertraut.
Wer auf des Meeres Sanftmut baut,
wagt sein Leben, wenn ich regiere;
ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,
ich hasse die Sonne, hasse die Milde,
zerreie im Felde das letzte Gebilde.
Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,
hinter scheuem Wild die Bchse knallt.


DEZEMBER

(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbumchen)

Gr Gott! Ich bin der Dezember und flechte
zu kurzen Tagen die langen Nchte.
Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,
doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.
Wenn im Ofen die Bratpfel schmoren,
flstert es leise von Mndern zu Ohren,
gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,
ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,
ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,
ists Christkindel denn noch nicht da?"
Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,
bin ich in meinem Element;
      hell sind die Kerzen,
      warm sind die Herzen,
uns kmmert nicht Klte noch Regen noch Wind.
Und denen, die arm und traurig sind,
und wo die Not sonst die Freude verbannt,
geben wir gern mit Herz und Hand.


DAS JAHR

(lt den grauen Mantel allmhlich fallen, steht dann in hellem Festgewand)

Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt
an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!
Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,
Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,
Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,
Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.
Und immer rollt durchs Himmelszelt
die Erde, unsre alte Welt,
die stets verjngt, in neuer Kraft,
fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.
Jedoch ihr Diadem und Zier,
ihr Menschenkinder, das seid ihr!
Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,
freut euch des Meeres, so stark und weit,
freut euch der Wlder, der Blte, der Frucht,
freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!
Und freut euch eurer eignen Kraft,
die der Erkenntnis Wunder schafft;
seid glcklich, da ihr Menschen seid,
der schnste Schmuck an Gottes Kleid,
wenn ihr euch seiner wert gestaltet,
euch immer gttlicher entfaltet.
Seid glaubensstark, seid willensklar,
das wnscht das neue Erdenjahr!


CHOR DER MONATE

Seid friedensstark, seid liebesklar,
das wnscht der Monate bunte Schaar!
      Prosit Neujahr!
   Nun reicht euch zur Wende
   des Jahres die Hnde
   und grt euch mit Neigen
   und schlingt einen Reigen!
   Spiel auf, Musik, begleite sie,
   des Jahres Schlu sei Harmonie!



RUBER UND PRINZESSIN


Eine Kartoffelkomdie


EINFHRUNG

Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomdie gehrt? Nein? So will ich
euch erzhlen, was das ist.

Die Kartoffelkomdie ist ein Theaterstck, das statt mit Puppen mit
Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu groe
Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so da ihr euern
Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken knnt, und die Hauptsache
ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknpfchen als Augen,
ein Stckchen Rbe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein
farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um
den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Lcher fr Daumen und
Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man
die Finger als Arme und Hnde benutzen kann.

Natrlich mu man sich in der Kleidung ein bichen nach den Personen des
Stckes richten. In unsrer Komdie, die ich nach einer lteren Vorlage
ausgebaut habe, bekommt der Knig eine Krone von Goldpapier und ein rotes
oder grnes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen knnt.
Pumpfia trgt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen
Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen groen braunen oder grauen Hut
mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natrlich
wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider knnt ihr euch selbst
ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar.

Wenn ihr das Stck auffhren wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt
irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Trrahmen, und zwar so
hoch, da ihr bequem mit den Hnden hinauflangen knnt; eure Kpfe drfen
natrlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Fe. Einen Vorhang braucht
man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch
wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder
Hand eine; bei einer mu es dann seine Stimme etwas verstellen.

So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spa machen; und den
Zuschauern auch.


PERSONEN:

Knig Pflaumenmus.
Prinzessin Pumpfia.
Der Kanzler.
Der Ruber Jagomir.


ERSTE SZENE.

Der Knig tritt auf, vom Kanzler begleitet.


KNIG:

Der Sommerabend ist so schn,
da mu man doch spazieren gehn.
Die Rosen duften s, hazieh!
Die Nachtigall singt trt--
--wie schmerzt mein linker groer Zeh,
und auch der rechte tut schon weh.
Den Schuster hng mir an den Galgen,
(Kanzler verbeugt sich)
denn er gehrt zu den Kanallgen.
(Knig schnffelt in die Luft)
Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,
da kriegt man wirklich Appetit.
Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,
und bring die Abendzeitung mit.
(Kanzler verbeugt sich und will gehn)
Halt! hemme noch den eiligen Lauf
und setz mir erst die Brille auf.
(Kanzler tut's, dann ab.)
Ein Knig mu sich informieren,
es knnt doch was im Land passieren.
(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurck.)


KANZLER:

Hier, Knig, bringe ich die Zeitung,
die allerneuste Meinungsleitung.
Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,
wie Majestt befohlen hatte;
und frage untertnigst an,
ob ich noch sonstwie dienen kann.


KNIG:

Nun ja, rck mir die Krone grade;
denn fiel sie runter, wr's doch schade.
(Kanzler rckt die Krone zurecht.)
Was steht denn hier im Tageblatt?
Prinz Kasimir kommt in die Stadt?
Da wird er uns gewi besuchen.
He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?


KANZLER:

Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.


KNIG:

Na, hng nicht gleich die Unterlippe;
hol Streuelkuchen vom Konditor,
auch Vollmilch, einen halben Litor.


KANZLER:

Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.


KNIG:

Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.
Wir Knige lassen uns nicht lumpen,
und sollten wir die Welt auspumpen.
Geh jetzt und sorge fr mein Land
mit Militr und mit Verstand!
(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)


KANZLER:

Was hat ein Kanzler doch fr Sorgen;
wo soll ich blo schon wieder borgen?
Wer schafft mir von der Deutschen Bank
den Schlssel zu dem Kassenschrank?
Reichskanzler sein ist wirklich schwer;
ich dachte nicht, da es so wr.
Ich annonciere in der "Quelle",
vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.
(Kanzler ab.)


KNIG (lesend):

Den Streik, den soll der Kuckuck holen!
Wir haben so schon keine Kohlen,
mein Thronsaal wird tagtglich klter,
und ich--ich werde immer lter.
Auf diese Bank will ich mich legen,
ein Stndchen ser Ruhe pflegen.
(Legt sich hin und schnarcht.)


ZWEITE SZENE.

Pumpfia, Knig.


PUMPFIA:

Wo bist du denn, mein Vterchen,
mein ser Pumps, mein Kterchen?


KNIG:

Wer strt mir meine Ruh im Grase?
Ach, _Du_ bist's, kleine Stumpelnase.


PUMPFIA:

Papa, ich bring dein Leibgericht,
Bratkartoffeln! riechst du's nicht?
Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?
mit Liebe und mit Hammelfett;
und machte Klopse dir zulieb,
vom Fleisch, das gestern brig blieb.


KNIG (essend):

Ich danke dir, mein Herzensmops,
fr die Kartoffeln und den Klops.


PUMPFIA:

Papa, ich bin bald zwanzig Jahre
und kriege nchstens graue Haare;
ich mach mich immer wunderschn,
allein kein Freier lt sich sehn.
Ich krieg am End gar keinen Mann;
was fang ich alte Jungfer an?
(Sie weint.)


KNIG:

So liebe _mich_, mein ses Kind!
Heiraten geht nicht so geschwind.


PUMPFIA:

Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.
Wenn doch ein Prinz, ein trauter, km!
(weint strker.)


KNIG:

Mein Pmpfchen, trste dich bis morgen,
da will ich dir 'nen Mann besorgen.


PUMPFIA

(fllt ihm um den Hals):
Du guter einziger Papa,
ich sag gewi zu allen ja.


KNIG:

Leb wohl, ich mu zur Konferenz;
es ist nicht gut, wenn ich die schwnz.
(Knig ab.)


DRITTE SZENE.

Pumpfia, nachher Jagomir.


PUMPFIA:

Ich arme Pumpfia und Prinzessin,
ach knnt ich doch mein Leid vergessen!
allein, o leider ganz allein,
in diesem holden Mondenschein!
Kein Jngling liebt mich nur ein bichen,
kein Prinz gibt mir ein holdes Kchen.
Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,
ich fall vor lauter Sehnsucht um--
(fllt um.)


JAGOMIR (tritt auf):

Ich stahl mir heimlich hier herein,
hier wird doch was zu mausen sein?
(Schnffelnd)
Nee, wo mit Hammelfett gebraten,
da regnet's sicher nich Dukaten.
(Er erblickt Pumpfia )
'ne Dame? Ei, wie wunderschn;
die mu ich mal genau besehn.
(Er tut's.)
Ich nehme mir den Hochgenu
und geb ihr einen sen Ku.
(Er tut's.)


PUMPFIA (erwachend):

Was ist das fr ein schner Mann?
Ich wag's und red ihn lieblich an.
Wer seid Ihr, herrlicher Geno?
Wie kamt Ihr her in dieses Schlo?
Ich bin durch Euern Gru beglckt;
hat Euch ein Engel hergeschickt?


JAGOMIR:

'n Engel? Nee, das war der Robert;
der hat das Ding hier ausbaldowert.


PUMPFIA:

Ist alles gleich; du bist mein Schtzchen,
mein ser Freund, mein Busenltzchen.


JAGOMIR:

Aber--was wird dein Vater sagen?


PUMPFIA:

Ach was, wer wird den Alten fragen.


JAGOMIR (kt sie):

Mein honigser Sirupstengel,
mein Marzipan, mein Zuckerengel!


PUMPFIA:

Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!
Pumpfia geht mit dir durch die Welt!


JAGOMIR:

Mein Schtzchen, hast du auch Moneten?


PUMPFIA:

Die sind hier weniger vertreten;
an diese Frage rhre nich,
geliebter Freund, entfhre mich.


JAGOMIR:

Na, denn man zu, du se Hummel!
(Beiseite)
Verflixt, das wird 'n schner Rummel.


VIERTE SZENE.

Knig, die Vorigen.


KNIG:

Prinzessin Pumpfia, Kasimir,
wo seid ihr kleinen Schker ihr?
Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?
Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.


JAGOMIR (beiseite):

I, du meine himmlische Gte,
die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblte;
dabei gehr ick zum Ruberstand,
der ernhrt seinen Mann besser als so'n Land.
(Laut):
Guten Tag, Herr Knig, ich habe die Ehr
und verbeuge mir sehr.
(Er tut's)


KNIG:

Mein Vaterherz hpft froh und warm:
mein Pmpfchen in des Prinzen Arm.
Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,
wie findet meine Tochter Ihr?


JAGOMIR:

Das Mdel hier? Na, himmlisch s,
wie'n Engelken im Paradies.


KNIG:

Na, nimm se dir se denn se doch,
und spanne sie ins Ehejoch;
dann kocht dir deine kleine Braut
Erbsen mit Speck und Sauerkraut.


JAGOMIR:

Ach ja, und dann Kartoffelkle
mit einer sen Pflaumense.
(Umarmung.)


PUMPFIA:

Wenn man in deinen Armen ruht,
dann kocht sich's gleich noch mal so gut.


KNIG:

Ich bin gerhrt wie Quetschkartoffeln,
verlier vor Rhrung die Pantoffeln.
(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)


FNFTE SZENE.

Kanzler, die Vorigen.


KANZLER:

Der Brief kommt eben von der Post,
der fnfundzwanzig Pfennige kost't.


KNIG:

Wie oft schon hab ich deklariert,
ich nehme nichts mehr unfrankiert.
Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,
dann fliegt es gleich zum Fenster raus.
(Er ffnet den Umschlag)
La sehn, was steht in diesem Brief.


JAGOMIR (beiseite):

Na, geht die Sache doch noch schief?


KNIG (liest):

"Prinz Kasimir entbeut den Gru
dem hohen Knig Pflaumenmus;
er wird ihn heute noch besuchen
und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."--
Von alldem tut der Bauch mir weh;
was nun, mein Schwiegersohn _in spe_?
Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?


JAGOMIR (stolz):

Ich bin der Ruber Jagomir!


KNIG:

Ein Ruber? Hu, das ist ein Graus,
der reit mir die Gedrme aus!
Gewi, er wird mich massakrieren
und mir mein Pmpfchen dann entfhren.
(Er weint.)


PUMPFIA:

Was mich betrifft, ich halte still,
wenn er nur dich verschonen will.


JAGOMIR:

Ich schon ihn gern, und auch sein Geld--
(beiseite): das er nicht hat!
Ich bin ein edler Ruberheld.


PUMPFIA:

Mein ser Schuft, mein Wonneheld,
mit dir stehl ich die ganze Welt.
(Umarmung.)


JAGOMIR:

Bald kommt der Kasimir ins Haus;
komm, Pmpfchen, komm, wir rcken aus!
Im Walde steht mein freies Schlo,
da schlft sich's fein--auf Heu und Moos.


KNIG:

Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
Hier hast du noch ein Angebind
(gibt ihr einen Zweimarkschein)
und auerdem noch meinen Segen.


PUMPFIA:

Den kannst du uns auf Zinsen legen.
(Beide ab.)


KNIG:

Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
ich weine mir ein Auge aus.
(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
O Kasimir, Prinz Kasimir,
warum warst du nicht eher hier!
Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
die Welt, die ist ein Wackeltopf.
Nur eins ist unverrckt und wahr,
nur eins wie meine Pleite klar:
Hoch herrschen ber Raum und Zeit
die Frechheit und die Dreistigkeit.
(Vorhang.)



KASPERLE UND DER KRIEG


Ein Stckchen frs Kasperltheater


KASPERLE (allein, singt):

   Bummvallera
   ist nicht da;
   wo ist Bummvallerallerallera?

(Er ghnt.) Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich
schon ein paarmal meine Finger gezhlt; aber komisch, es kommt immer was
andres raus. (Er zhlt an seinen Hnden): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14,
15--na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12,
13, 14--komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14
Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.) Ei, da kommt
Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein! (Polizist kommt.)


POLIZIST:

Bist du der Kasper?


KASPERLE:

Was? Kasper? Herr Kasper heit es, geehrter Herr Kasper heit es,
wertgeschtzter Herr Kasper heit es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie
untertnigster Rasselsbel!


POLIZIST:

Mann, seien Sie mal etwas hflicher zur kniglichen Polizei!


KASPERLE:

Hflich? Hi hi, hflich? Mit Hflichkeit fngt man nicht mal 'nen Floh.
Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh?


POLIZIST:

Kasper, du bist ein Esel!


KASPERLE:

'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert
auf die hchsten Stellen und fllt nicht runter. Hihi, mcht schon solch
Tierchen sein.


POLIZIST:

Lirum, larum, Kasper, du mut jetzt in den Krieg; darum bin ich
hergekommen.


KASPERLE:

Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch
kein Kriechtier!


POLIZIST:

Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und
Kanonen.


KASPERLE:

Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und
Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!--Und Bomben? wissen Sie, die
backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und
Kanonen? ja, die stehn noch vom Grovater selig her auf'm Kramboden; der
war Sie nmlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln.
Also, dann kenn ich ja den Krieg; mu 'ne lustige Sache sein.


POLIZIST:

Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um
die Ohren knallt.


KASPERLE:

Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen
hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie.


POLIZIST:

Idio_syn_krasie meinst du wohl, dummer Kasper.


KASPERLE:

Nee, Herr Rasselsbel, Sinn ist da nicht drin; sonst wr's ja keine
Idiotokratie. (Er singt):

   Die Welt, die haut sich tot wie nie,
   tot wie nie, tot wie nie,
   und fttert das Meer mit Korn und Vieh,
   Korn und Vieh, Korn und Vieh;
   das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,
   Idiotokratie!


POLIZIST:

Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die
hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heit, Kasper.


KASPERLE:

Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil
ich das selber nicht wei. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater.


POLIZIST:

Und deine Mutter?


KASPERLE:

'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Blo 'ne Gromutter und
'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht.


POLIZIST:

Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne
Mutter.


KASPERLE:

'n Ochse? das wr was, ei der Daus! Was wr ich da wert bei den heutigen
Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister.
Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100
mal 8 Mark 50--hngen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark;
und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht
rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat?


POLIZIST:

Na, das sind ungefhr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her,
da ich in der Schule war.


KASPERLE:

Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark.
Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein
Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da
erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was:
wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrten.
(Er singt):

  O wr ich doch ein chselein,
  chselein, chselein,
  oder auch ein fettes Schwein,
  fettes Schwein, fettes Schwein,
  dann pkelt' ich mich selber ein,
  si- sa- selber ein.
  Da km ich in ein groes Fa,
  groes Fa, groes Fa,
  da rollt' ich in das Kellergela,
  Kellergela, Kellergela,
  da htt ich fr den Winter was,
  Wi- Wa- Winter was.


POLIZIST (packt ihn):

Ach was, vorwrts marsch mit dir in den Krieg! und hast-du-nicht-gesehn
ins Feuer!


KASPERLE:

Ins Feuer soll ich? Ich ins Feuer? Aber ich bin doch keine Prekohle,
Herr Oberheizer, da ich ins Feuer soll? (Er ruft ins Haus): Gromama,
mein Puttchen, du alte Knochenmhle! komm doch mal her, aber putz dich
nicht erst! man will dein Kasperle ins Feuer stecken! (Gromutter kommt.)


GROSSMUTTER:

Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen?


POLIZIST:

Er mu in den Krieg und will nicht, der Racker!


GROSSMUTTER:

O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich
totschieen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch!


KASPERLE:

La man, Omamachen wenn sie schieen wollen, nehm ich meine Pritsche und
hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den
Polizisten tot, wirft ihn ber die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man!
den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsbel!--





VERZEICHNIS DER BERSCHRIFTEN



Gru an die Groen
Gru an die Kleinen



ERSTER TEIL


Wunderchen
Geht leise
Wittewoll schlafen
Frhstck
Seereise
So lala
Mein Wagen
Kutscher auf dem Knie
Ereignis
Heilsprchel
Schlimme Geschichte
Austreibung
Wenn Rumpumpel brummig ist
Der Pudding
Zwei Mulchen
Mckebold
Das Scherchen
Geschichtchen vom Winde
Anziehliedchen
Das Lmmechen
Die wilden Beinchen
Der lumpichte Bu
Tintenheinz und Pltscherlottchen
Es regnet
Trsterchen
Hschen in der Grube
Hasenspiel
Drei Bumchen
Schabernack
Am Abend
Gutenachtliedchen
Freund Husch
Rumpumpels Geburtstag
Mutters Geburtstag
Rumpumpel tanzt
Kreiselliedchen
Konzert
Die ersten Hschen
Der kleine Snder
Flutschpeter
Die Trommelpartie
Rumpelreim
Das Karnickel
Lektion
Lied des Hhnchens
So sieht unsre Wirtschaft aus



ZWEITER TEIL


Das Haus
Mit Trommel und Trab
Siebenschlfer
Osterlied
Maiwunder
Hansel und Gretel
Prinzechen
Das groe Loch
Zwei Gesellen
Wenn's Pfingsten regnet
Eine Hhnergeschichte
Marieken und die Kken
Kinderkche
Essensregeln
Die bse Mies
Pottkieker
Der Reitersmann
Das richtige Pferd
Der kleine Rekrut
Der Hauptmann
Abzhlreim
Fragefritze und die Plappertasche
Plappermndchen
Puppendoktor
Kleiner Einkauf
Vaters Geburtstag
Das Himmelsprinzechen
Windfreude
Lied vom Monde
Weihnachtsschnee
Knecht Ruprecht in Nten
Frohe Botschaft
Der liebe Weihnachtsmann
Sankt Niklas' Auszug
Bescheidene Frage



DRITTER TEIL


Widmung
Sonne
Marienlied
Korsisches Wiegenlied
Knigskind
Heimweh
Elfenreigen
Wiegenmrchen
Traumballade
Mutter Hule
Ein Singsang vom Rheine
Badeballade
Der Teufel und die Katz
Der Esel und die Lwenhaut
Ein Spatzengesprch
Drei Koboldstreiche
Spuk
Der Mrchenknig und sein Tchterlein
Weihnachtsgang
Weihnachtsbesuch
Knig Kuchen und Knigin Schokolade
Der erste Mai
Wetterwunsch
Hammerliedchen
Im Sonnenschein
Wanderlied



VIERTER TEIL

Spruch frs Leben
Allerlei Rtsel:
    1) Windmhle
    2) Die ersten Zhnchen
    3) Sau-er-kraut
    4) Spitzbube
    5) Stiefelknecht
    6) Rebe--Eber; Recke--Ecker; Rotte--Otter; Rinde--Inder; Rabe--aber
    7) Matrone, Makrone, Marone
    8) Gitter, Rettig
    9) Vielleicht
    10) Zeit
    11) Schafwolle und Rindleder
    12) Versohlt
    13) berlegen
    14) Saumselig
    15) Verzogen
    16) Drosselbart
    17) Nachbarschaft
    18) Der Rat
    19) Besessen
    20) Ausschlag
    21) Fassung
    22) Eingefallen
    23) Druckfehlerteufel
    24) Feuerwasser
    25) Wasserscheide, Scheiderwasser
    26) Winde
    27) Leiter
    28) Welle
    29) Donnerkeile
    30) Linsengericht
    31) A, Horn, A horn
    32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden
    33) Retter
    34) Verwachsen
    35) Verschieden
    36) Romantik
    37) Mode, modern
    38) Die Tinte
    39) Das Licht
    40) Die Zahl
    41) Die Stadt
    42) Geistreich
    43) Gerecht, Same, Gerechtsame
    44) Gedankenbertragung
Polterabendgedicht
Hochzeitsgedicht
Neujahrsspiel
Kartoffelkomdie: Ruber und Prinzessin
Kasperle und der Krieg





VERZEICHNIS DER ANFANGSZEILEN



Auf der hchsten Berge Rcken
Auf der Leine, auf grnem Platz
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich
Aus lichtem See
Bei Knig Kuchen und Knigin Schokoladen
Blmchen hngt das Kpfchen
Bummvallera ist nicht da
Christkindchen lag im Stalle
Das groe Loch
Das kann doch nicht Rumpumpel sein
Das Wort pflegt zu erhhn
Der Bauer schlft im Hirsekraut
Der Esel, der Esel
Der Schneidermeister Piekenich
Der Sommerabend ist so schn
Der Vater will's das Fritzchen
Des Mondes Tochter Mirlamein
Die alte Mutter Hule
Die erste frit
Die ersten sind ein Untertan
Die erste Silbe fhrt die krause Schar
Die Henne legt ein Ei
Eia, wir Elfen
Ein deutscher Meister war es, gottgesandt
Ein Ktzlein ging einst jagen
Ein Mllersmann aus Oberwesel
Ein Vogel flog aus dem Heimatland
Er geht in sich, um sich zu pflegen
Es luft und hat keine Beine
Es regnet, es regnet
Es tanzen zwei Gesellen
Es war einmal ein Ktzchen
Es war zur lieben Weihnachtszeit
Fixfax der arge Kobold spricht
Flutschpeter lief nie gradeaus
Fritz, ich mcht den Spaten haben
Froh singt ihr Lied am Sommertag
Frh, eh ich's konnt begreifen
Geht leise
Gestern lief der Peter weg
Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder
Gr Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr
Guten Morgen, ihr Beinchen
Guten Tag, guten Tag, liebe Grnkramfrau
Hansel und Gretel stehen zu zwein
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr
Hschen in der Grube
Has, Has, Osterhas
Heini, Heini
Herbei, ihr kleinen Wichte
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
Herr Steuermann, Herr Steuermann
Hinter den Birken ber den Rasen
Hinber, hinein
Hhner, wollt ihr wohl artig sein
Hurra, zum ersten Mal
Husch, husch, husch
Ich bau, ich bau ein steinern Haus
Ich bin das Himmelsprinzechen
Ich bin der Hauptmann
Ich bin eine kleine Sternschnuppe
Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
Ich habe Flgel--rate, Kind
Ich hab einen Helm aus Packpapier
Ich hab keine Hnde und kann doch tragen
Ich mcht euch alle miteinander
Ich nhre mich von fremden Stoffen
Ich stand begehrlich am Worte
Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
Ihr Kinder, sperrt die Nschen auf
Ihr Siebenschlfer in den Hhlen
Im Stall unter Schfchen bht
In alten Zeiten
In eins-zwei-drei lebt ganz gemtlich
In Leipzig wohnt ein Bckermeister
In Not und Gefahr
In Wolfenbttel wohnt ein Lamm
Jung jung drei Bumchen
Ka Strmpferl im Kasten
Klnge wachsen auf den Wegen
Klrchen nhte an dem ersten
Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
Krht der Hahn frh am Tage
Kra, kra, kalter Schnee
Kribbel-krabbel-Kfer
Lndliche Straen, dicht beschneit
Leise, Peterle, leise
Leises Klopfen an der Tre
Lieber Doktor Pillermann
Lise Nackfisch und Hans Pitschena
Maienknig schickt mich her
Maiknig kommt gefahren
Maria herzt ihr Kindelein
Mariechen war's; mit meinem Kuchen
Marie-Marei-Marieken
Marie-Marei will Braten machen
Mein erstes ist ein Hund
Mein erstes ist nicht wenig
Mein erstes Wort, im engen Raum genhrt
Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone
Mein Strom ergiet sich sickernd durch die Welt
Mein Wagen hat vier Rder
Mckchen, Mckchen, Dnnebein
Musik, Musik, die Flte kommt
Mutti, Mutti, was ist denn da drin
Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten
Nennst du das Ganze, tnt es uns entgegen
Oben aus dem Fahnenhaus
Ohne Zepter, ohne Krone
Pink, pank, Hammerschlag
Pitsch--patsch--Badefa
Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Quellchen geht in den Rauschebach
Rate, Freund, es ist nicht schwer
Rechts, links, ber Eck
Ride-bide-Bummstock
Rumpumpel macht 'ne Landpartie
Rumpumpel tanzt
Rumpumpel will essen
Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus
Sankt Nikolas, Sankt Nikolas
Scheine, Sonne, scheine
Schimmel, willst du laufen
Schlafe, mein kleiner Wildling
Schlafe ruhig, Knigskind
Schnell, schnell, Besen
Schnipsel, schnipsel, Scherchen
Sind es die Feinde, mu man sich wehren
Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile
Sitzen zwei alte Weiber im Sand
So morgens um halb acht herum
Sonnenlichter, Frhlingswichter
Sonne scheint drauen und scheint in die Grube
Spitzt das Ohr und merkt euch still
Standen vier weie Ritterchen
Steht ein Tpfchen rund und nett
Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant
Still--was blo das Ktzchen will
Traumknig geht durch bleiches Land
Tuck--tuck--heut ist Regentag
Unser Mller hat ein Mhlenhaus
Viel Glieder hab ich, die einander gleichen
Vor der Laube krht der Hahn
Wchst einer alten Dame
Wagen im Wind
Waldtaube sa gefangen
Wenn das R am Anfang steht
Wenn der Wind ber Wiesen und Felder rennt
Wenn es von Freund und Liebchen kommt
Wenn ich in die Stube geh
Wer es hat, der ist betrbt
Wer kommt dort angeflogen
Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd
Wer strampelt im Bettchen
Wer tanzt mit mir
Willst du das erste Wort stets sein und handeln
Wind, Wind, sause
Winkele, wankele
Wir sind's gewi in vielen Dingen
Wir sind's mit Stamm und Vaterland
Zwei Worte wei ich, die einander feind









End of the Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST ***

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