The Project Gutenberg eBook of Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook. Title: Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen Author: Alfred Martin Release date: October 11, 2026 [eBook #79761] Language: German Original publication: Jena: Eugen Diederichs, 1906 Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/79761 Credits: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive) *** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHES BADEWESEN IN VERGANGENEN TAGEN *** #################################################################### Anmerkungen zur Transkription Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1906 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert. Seitenüberschriften wurden als Randnotizen in diese Ausgabe übernommen, mit Ausnahme der ganzseitigen Abbildungen und Fortsetzungen vorhergehender Randnotizen. Die im Original mit Sternchen (*) markierten Fußnoten auf den jeweiligen Seiten werden in der vorliegenden Bearbeitung am Ende eines jeden Kapitels zusammengefasst. Dabei werden diese mit Großbuchstaben fortlaufend alphabetisch geordnet, jeweils wieder mit dem Buchstaben [A] beginnend. Die nummerierten Anmerkungen (z.B. [427] finden sich als Endnoten im Kapitel ‚Literatur‘ mit der Nummerierung 1. bis 700. wieder. Letztere sind im fortlaufenden Text nicht zwangsläufig numerisch geordnet, sondern orientieren sich an ihrer jeweiligen Position in der Literaturliste. Die Berichtigungen am Ende des Buches wurden bereits in den Text eingearbeitet. Besondere Schriftvarianten werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden Symbole gekennzeichnet: kursiv: _Unterstriche_ Kapitälchen: ~Tilden~ gesperrt: +Pluszeichen+ #################################################################### ALFRED MARTIN DEUTSCHES BADEWESEN IN VERGANGENEN TAGEN NEBST EINEM BEITRAGE ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN WASSERHEILKUNDE MIT 159 ABBILDUNGEN NACH ALTEN HOLZSCHNITTEN UND KUPFERSTICHEN [Illustration] VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS IN JENA 1906 INHALTSVERZEICHNIS Seite Das deutsche Bad von der Urzeit bis zur Zeit der Karolinger 1 Badebräuche, die dem Urgermanentum entstammen 10 Baden und Schwimmen unter freiem Himmel 39 Die ehehaften Badestuben und das Badergewerbe 64 Die privaten Bäder 102 Die Vorgänge in den öffentlichen Badestuben 144 Badeleben im späteren Mittelalter und in nachmittelalterlicher Zeit 172 Rückgang und Aufhören der öffentlichen Badestuben, Ersatz derselben in der Neuzeit 196 Die deutschen Mineralbäder im Mittelalter und die aus diesem in die Neuzeit hinübergenommenen Badegebräuche 222 Die Gesundbrunnen in nachmittelalterlicher Zeit bis zum Dreißigjährigen Kriege 272 Die deutschen Mineralbäder seit dem Dreißigjährigen Kriege. Die Wasserheilkunde 352 Nachtrag 399 Literatur 408 Verzeichnis der Abbildungen 433 Namenregister 439 Ortsregister 445 DAS DEUTSCHE BAD / VON DER URZEIT / BIS ZUR ZEIT DER KAROLINGER Tacitus berichtet uns in seiner Germania, „daß die Germanen gleich nach dem Schlafe, den sie meistens bis in den Tag hinein ausdehnen, sich öfters baden in warmem Wasser, weil bei ihnen die meiste Zeit über Winter ist“[1]. Welcher Art das warme Bad war, können wir nur vermuten. Vielleicht handelte es sich um ein Wasserbad, das durch Hineinwerfen von heißen Steinen erhitzt wurde, eine Methode, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Tiroler an der Val-Sinistra-Quelle in Graubünden noch bedienten, während die Einheimischen längst mitgebrachte Kessel benutzten[2]. Die Sprachwissenschaft hat uns jedoch gezeigt, daß das Wort Stube, das erst in späterer Zeit für ein heizbares Zimmer gebraucht wird, mit dem althochdeutschen stiuban, stioban = stieben und stoup = Staub, auch stiebendes Wasser zusammenhängt und ursprünglich eine einfache Vorrichtung zur Erzeugung von Wasserdampf bezeichnete. Dann ging der Name auf das Badehaus über. Die Deutschheit und ursprüngliche Bedeutung dieses gemein germanischen Wortes, das nur gotisch nicht überliefert ist (aber altnordisch, angelsächsisch, althochdeutsch vorkommt), ist völlig sicher, sagt ~Moritz Heyne~[3]. Durch Goten und Langobarden kam der Name nach Italien (stufa) und wurde auch von den Slaven übernommen (litt. stuba, altslav. istuba) und damit auch die Einrichtung der Badestube. Die erste Erwähnung findet die Badestube in den alten germanischen Volksrechten. In der noch zur Merovingerzeit entstandenen Lex Alemannorum wird die Brandstiftung an der Stube mit der an Schaf- und Schweineställen verglichen, und die Lex Bajuvariorum führt als Gebäude für sich neben Küche, Backhaus und anderen kleineren Baulichkeiten den balnearius[A] auf. Die Badestube war demnach ein leicht gebautes, selbständiges Gebäude. Ihre Einrichtung und Benutzung kennen wir jedoch nicht. [Sidenote: _Die slavischen / germanischen und finnischen Dampfbäder_] Dagegen haben wir eine Schilderung der ähnlich gebauten slavischen Bäder aus älterer Zeit. Der jüdische Arzt Ibrahim-ibn-Jakub, der 973 mit einer Gesandtschaft des Kalifen von Corduwa bei Otto I. in Merseburg weilte, besuchte von dort aus slavische Länder, Mecklenburg und Böhmen. Wo er beobachtete, sagt er nicht, sondern hält sich im allgemeinen. Sein Bericht lautet: „Bäder haben die Slaven nicht, aber sie machen ein Gemach von Holz, dessen Ritzen sie zustopfen mit etwas, das auf ihren Bäumen wächst und wie Wassermoos aussieht und sie moch[B] nennen. Sie gebrauchen das auch zu ihren Schiffen statt Pech. In einem Winkel dieses Gemachs bauen sie einen Feuerherd von Steinen und lassen darüber eine Öffnung, um den Rauch hinauszulassen. Wenn nun der Herd erhitzt ist, so verstopfen sie das Luftloch und verschließen die Tür. In dem Gemache sind Gefäße mit Wasser, woraus sie nun Wasser auf den glühenden Herd gießen, so daß der Dampf aufsteigt. Jeder hat ein Büschel Heu in der Hand, womit er die Luft bewegt und an seinen Leib treibt. Dann öffnen sich die Poren und das Überflüssige vom Körper kommt heraus und läuft in Strömen von ihnen ab, so daß an keinem von ihnen mehr eine Spur von Ausschlag oder Geschwulst zu sehen ist. Sie nennen einen solchen Verschlag itba“[3: 312]. [Illustration: Abb. 1. Pörte und Badehaus (rechts) im Kirchspiel Pihtipudas, Tavastland (Finnland). Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm 1881.] In Anbetracht der Ergebnisse der Sprachforschung, der Tatsache, daß in den späteren öffentlichen Bädern die Verhältnisse ähnliche waren, und nach den kurzen Angaben in den Volksrechten müssen wir uns Bauart, Einrichtung und Gebrauch der Badestuben auf den einzelnen germanischen Höfen gleich oder ähnlich vorstellen. Dampfbäder in dieser primitiven Form bestehen heute noch in Rußland, Esthland, Livland und Finnland[4] (Abb. 1). Die Finnen baden Sommer und Winter, während der Erntezeit jeden Abend, die ganze Familie mit dem Gesinde, auch neugeborene Kinder. Selbst der arme Mann muß sein Badehaus haben, und wenn es auch noch so klein und ärmlich wäre, daß man nicht einmal darin gerade stehen oder liegen kann. Es ist ein aus Balken gebautes viereckiges Häuschen mit einem großen Ofen von Feldsteinen in der einen Ecke, sowie einem hochgelegenen, großen und breiten Hängeboden oder Bretterregal, der Schwitzbank, auf welche die Badenden hinaufklettern, um ihr Dampfbad zu nehmen. Der Dampf wird dadurch erzeugt, daß Wasser schaufel- oder eimerweise von einer Frau auf den Haufen erhitzter Steine gegossen wird. Dabei peitschen sich die Badenden mit Birkenreisern und übergießen sich von Zeit zu Zeit mit kaltem Wasser (Abb. 2). Das finnische Dampfbad ist nach Angabe einheimischer Ethnographen von auswärts eingeführt, ob von den slavischen oder germanischen Nachbarn, bleibt zweifelhaft. Es wird im finnischen Volksepos Kalewala oft erwähnt und eingehend beschrieben, und dieses Epos entstand erst nach der Einwanderung der Finnen aus dem Innern Rußlands ins heutige Finnland, also an die germanische Grenze, die um 800 n. Chr. erfolgte. Auch die Skandinavier hatten nicht näher beschriebene kleine Badehäuser auf ihren Höfen[5]. [Illustration: Abb. 2. Inneres einer größeren finnischen Badestube. Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm 1881.] [Sidenote: _Ansichten über das germanische Bad der Urzeit_] [Sidenote: _Das Dampfbad der Völker Amerikas / Die deutschen Badegefäße_] Ich bin im Vorhergehenden, soweit die Sprachwissenschaft in Frage kommt, ~Moritz Heyne~ gefolgt. Nach ihm ist das Dampfbad urgermanisch und später von den Slaven übernommen worden, eine Ansicht, die vor ihm schon ~E. Martin~[6], wenn auch nicht in so bestimmter Weise, vertrat. Dieser Anschauung ist ~Kochendörffer~[7] entgegengetreten, der die umgekehrten Verhältnisse annimmt und im altgermanischen Bade ein Wannenbad sieht. Eine weitere Anschauung läßt das Dampfbad als eine indogermanische Einrichtung gelten[7]. Wir finden es aber auch bei den Völkern Amerikas. Meist sind es steinerne Gebäude, bisweilen so kleine, daß nur 1 oder 2 Personen darin Platz haben. Sie werden mit dem aztekischen Worte Temescal oder mit dem spanischen Estufa bezeichnet. Die Glut wird darin mit Wasser besprengt. Die Indianer Guatemalas schlagen sich selbst oder gegenseitig während des Bades mit Zweigen, die sie vorher in eine Schüssel mit heißem Wasser getaucht haben. In den größeren Dampfbädern Neu-Mexikos finden sich in der Mitte ein viereckiger Steinherd und ringsherum Bänke[232]. Es muß befremden, daß die von Ibrahim-ibn-Jakub geschilderte Einrichtung diesem erst auffällt, als er die germanisch-slavische Grenze überschreitet, nachdem er sich vorher in deutschen Ländern aufgehalten hat. Zudem sind die ersten schriftlichen Zeugnisse über germanische Bäder nur Belege für Wasserbäder, so daß die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, daß die germanischen Badehäuser Wannen enthielten und später erst die slavischen Dampfbäder eingeführt wurden, vorausgesetzt, daß der viereckige Herd und die Bänke auf dem noch zu besprechenden Bauriß des Klosters St. Gallen nicht eine Dampfbadeeinrichtung darstellen, die neben den Wannenbädern bestand. [Illustration: Abb. 3. Taufe des Herzogs Rathold von Friesland. Holzschnitt aus: ~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.] [Sidenote: _Das Taufen in Badegefäßen / Die Bäder im Kloster St. Gallen_] Das zum Wasserbade benutzte Gefäß war in alter Zeit nur kreisrund und dem Namen stunz nach aus einem ausgehöhlten Baumstamme hergestellt (~Heyne~). Bei den schon erwähnten Quellen im Val Sinistra fand sich noch 1874 ein halbverfaulter Baumstamm vor, der von den Landleuten aus der Umgebung und Tirolern bis in die 60er Jahre als Badewanne benutzt worden war (s. auch später). Im Bauriß des Klosters St. Gallen[8] vom Jahre 820 sind die Badegefäße rund gezeichnet (Abb. 4, 5). Diese Form hat sich bis heute im Taufstein erhalten, der wohl ursprünglich in seinem Äußern der Badewanne glich; ja man benutzte Badewannen zum Taufen. Herzog Rathold von Friesland zog es vor, nachdem er schon mit dem einen Fuß „in den Zuber und die Tauf getreten war“, dereinst ungetauft zur Hölle zu fahren, weil er dort mehr Menschen als im Himmel antreffen würde[9] (Abb. 3). Eine Massentaufe von Pommern in Kufen oder Fässern, die zum bequemen Einsteigen der Täuflinge in die Erde eingegraben waren, beschreibt ~Herbord~ im Leben des Bischofs Otto von Bamberg (1124)[10]. Das Salzburger Antiphonar aus dem 12. Jahrhundert bildet den heiligen Rupertus ab, wie er erwachsene Heiden in einem runden Holzfasse tauft[532]. In ärmeren Gemeinden versah noch in späteren Zeiten die Badewanne die Stelle des Taufsteins. Der Verfasser der Stretlinger Chronik, ~Eulogius Kiburger~, Kirchherr des Paradieses zu Einingen (Kanton Bern) erwähnt, daß er im Jahre 1446 einen Taufstein machen ließ, da man vorher in einem „hölzernen Stande oder Kübel“ zu taufen genötigt war[11]. ~Maaler~ übersetzt 1561 Baptisterium mit Badstein[162]. Nach dem Nürnberger Meistersinger ~Hans Foltz~ muß der Vater „ein padmulter“ zur Taufe kaufen[12]. [Illustration: Abb. 4. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: subtus calefactoria domus supra dormitorium (unten der Warmraum, oben der Schlafsaal). _b_: lecti similiter (Betten und ähnliches). _c_: caminus ad calefaciendum (Kamin zum Heizen). _d_: evaporatio fumi (Ableitung des Rauches). _e_: egressus de pisale (Ausgang aus dem Warmraum). _f_: balneatorium et lavandi locus (Bad und Waschraum). _g_: exitus ad necessarium (Ausgang zum Abtritt). _i_: sedilia (Abtritte). Nach ~Keller~.] [Sidenote: _Die Bäder im Kloster St. Gallen_] Im Kloster St. Gallen waren für die Wannenbäder eigene Zimmer vorgesehen, die in Verbindung mit anderen Einrichtungen in freistehenden Gebäuden untergebracht waren. Vom Wohnhaus der Brüder führte ein langer Gang (egressus de pisale) zu einem kleinen Gebäude (balneatorium et lavandi locus), das einen Wasch- und einen Baderaum enthielt. Der Grundriß zeigt in ersterem einen viereckigen Herd, an den Wänden ringsherum Bänke. Durch eine Bogentür gelangte man in den Baderaum mit 2 runden Badegefäßen; auch hier waren an den Wänden Bänke aufgestellt (Abb. 4_f_). Über diese Räumlichkeiten sind wir durch St. Galler Schriftsteller genauer unterrichtet. Das Wohnhaus der Brüder (Abb. 4_a_) enthielt nach dem Baurisse im oberen Stockwerke den Schlafsaal (dormitorium), im unteren einen Warmraum (calefactoria domus), der durch einen Kamin (_c_, caminus ad calefaciendum) geheizt wurde. Auffallenderweise liegt der Abzugskanal des Rauches (evaporatio fumi, _d_) nicht über diesem. Die Entfernung des Schornsteines läßt darauf schließen, daß der Rauch und die mit ihm gemischte heiße Luft auf dem Wege zu diesem noch Verwendung fand und vielleicht zur Erwärmung des Zimmers diente, indem er den hohl angelegten Fußboden durchstrich, daß also eine Hypokaustanlage nach römischem Muster vorlag. In kleinerem Maßstabe besaßen sie die innere Schule und das Krankenhaus. Gestützt wird diese Ansicht durch die Erwähnung eines Hypokaustes im St. Galler Codex No. 915[13], allerdings als Reinigungsort für Hände und Kopf. Dies widerspricht scheinbar den Angaben im Bauriß. Doch gibt uns der 4. ~Ekkehart~ in seinen Casus St. Galli (wahrscheinlich 1053 vollendet) Aufschluß[13]. Er berichtet von einer Untersuchung der Klosterzustände durch eine kaiserliche Kommission. Diese gelangt auch in den Warmraum (pyrale)[A], in diesem in das lavatorium und in die dem Warmraume zunächstliegende Schreibstube, „und“, fährt ~Ekkehart~ fort, „sie versicheren, daß diese 3 Räumlichkeiten vor allen, welche sie jemals gesehen, die regelrechtesten seien“. Das lavatorium liegt also im Warmraume und ist doch eine selbständige Räumlichkeit. Das stimmt mit dem Bauriß gut überein. Wir müssen demnach die Vorgänge, die sich im Warmraume abspielen und zu Baden und Waschen Beziehung haben, in jenen durch einen Gang mit dem eigentlichen Warmraume verbundenen kleinen Bau verlegen, den der Bauriß als balneatorium et lavandi locus bezeichnet[C]. Hier ließ Bischof Adalbero von Augsburg im Jahre 908 (St. Galler Codex No. 915) bei seinem Besuche als Geschenke für die Mönche elfenbeinerne Kämme an ehernen Ketten aufhängen, denen er für jeden einzelnen Handtücher hinzufügte. Wo sich in diesen Räumen die Rute befand, und ob sie zum Bade benutzt wurde, läßt sich nicht sagen; jedenfalls wird sie nur als Prügelinstrument erwähnt (s. Anm. S. 6). Kehren wir zu den Badeanlagen auf dem Bauriß zurück. Westlich vom Gebäude der inneren Schule, aber durch eine Gasse von diesem getrennt, stand die Küche der Studenten mit einem Herd in der Mitte. Neben ihr und unter demselben Dache befand sich ein Badezimmer (Abb. 5) mit 4 Wannen, 2 Bänken und einem Feuerherde in der Mitte. Ein ebenso eingerichtetes Gebäude gehörte zum Krankenhaus; nur diente hier die Küche noch zum Aderlassen. Ein viertes Bad (Abb. 6) war im Gesindehaus, das aus Küche, Speisekammer, Badezimmer und 3 hinter diesen gelegenen kleineren Kammern bestand. Hier fehlten die Badegefäße. Neben diesen, lediglich zu Wasch-und Badezwecken dienenden Räumen boten auch andere Zimmer Badegelegenheit. So erzählt uns ~Ekkehart~ eine köstliche Badegeschichte, die im Haus der Fremden und Armen (domus peregrinorum et pauperum auf dem Bauriß) spielt, die hier folgen soll. [Illustration: Abb. 5. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: balneatorium (Bad). _b_: coquina eorundem (Küche der Studenten). Nach ~Keller~.] [Illustration: Abb. 6. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: coquina (Küche). _b_: cellarium (Speisekammer). _c_: balneatorium (Bad). _d_, _e_, _f_: cubilia famulantium (Kammern der Diener). Nach ~Keller~.] [Sidenote: _Heilung eines Hysterischen im Bad des Klosters St. Gallen_] „Weil aber auch ~Ekkehart~ (I.) selbst an sich Almosener war, werden wir von ihm etwas Ergötzliches erzählen. Da ~Ekkehart~ einen gewissen Mann von der Hausdienerschaft zu dem Zwecke bestimmte, daß derselbe, wenn ihm von jenem etwa Arme oder Fremde bezeichnet würden, dieselben heimlich in dem dazu bestimmten Hause wüsche und schöre, die Bekleideten erfrischte und bei Nacht von sich entließe, mit dem Befehl, es keinem Menschen zu sagen, geschah es eines gewissen Tages, daß er demselben nach Gewohnheit einen Lahmen, einen Wälschen von Geschlecht, welcher auf einer Karre herbeigefahren worden war, anvertraute. Als nun jener den Kranken, welcher nämlich ein dicker und starker Mann war, mit aller Anstrengung seiner Kräfte mit Mühe in das Badegefäß vorwärts gewälzt hatte und, wie er geheißen war, die Türe hinter ihnen beiden allein verschloß, sprach er — denn er war zornmütig — unter Schimpfworten: „Fürwahr, heute weiß ich keinen einfältigeren Menschen als meinen Herrn, welcher nicht zu unterscheiden weiß, wem er wohltun soll, und auch mir einen so fetten Schlemmer auf den Rücken zu heben aufgebürdet hat.“ Da aber dem Lahmen das Wasser des Bades allzu warm zu sein schien, sagte er in seiner bäurischen Weise: „Cald[D], cald est!“ Aber jener antwortete, weil das in der Sprache der Deutschen: Es ist kalt — bedeutet: „Und ich will ihm warm machen“, und er goß aus dem vor Hitze wallenden Kessel geschöpftes Wasser in das Bad hinein. Jener jedoch rief mit schauerlichem Geschrei: „Ei mi! Cald est, cald est!“ „Ja wahrhaftig“, sprach der Diener, „wenn es noch kalt ist, so will ich, bei meinem Leben, es dir heute warm machen“, und er schöpfte noch glühenderes Wasser und goß es hinein. Wie jedoch jener die Hitze des wallenden Wassers zu ertragen nicht aushielt, vergaß er seine Lahmheit und erhob sich rasch, sprang aus dem Bade, um die Tür aufzuschließen und zu entfliehen, kämpft aber nach schnellem Laufe eine Zeitlang mit dem hemmenden Riegel. Allein auch der Diener, wie er nun den Mann als einen Betrüger vor sich sah, riß, schneller als ein Wort, vom Feuer ein halbbrennendes Scheit und schlug dem Nackten schwere Streiche ohne Zahl auf.“ Aus dieser Darstellung erfahren wir, daß man das Wasser im Kessel erwärmte und in die Badewanne schöpfte, und des weiteren, daß mit dem Baden das Scheren, d.❆h. das Rasieren verbunden wurde. Der Ruodlieb (gedichtet um 1030) erzählt uns, wie ein Held und sein junger Verwandter sich im Bad rasieren, dann die Bütte verlassen und sich im Bademantel aufs Bett legen bis die Hitze weicht[6]. Diese große Toilette fand in der Regel vor Feiertagen und festlichen Gelegenheiten statt; denn man badete nicht täglich. Kaiser Ludwig der Fromme nahm jeden Samstag ein Bad, wie uns der Mönch von St. Gallen[E] berichtet, und von demselben erfahren wir, daß ein Diakonus, ehe er vor Karl dem Großen das Evangelium las, früh ein Bad nahm, sich den Bart ganz glatt abnehmen ließ, die Nägel reinigte und die Haare ganz kurz schnitt. [Sidenote: _Baden vor dem Feste / Baden der Geistlichen_] Der heilige Benedikt gestattete in seiner 515 entworfenen Ordensregel den Ordensbrüdern mäßigen Gebrauch der Bäder. Kranke sollten baden, so oft es der Zustand erforderte, junge Leute nur selten. Die Hirsauer Mönche badeten bloß zweimal im Jahre, vor dem Weihnachts-und dem Pfingstfeste (~Wilhelm~, Hirsaugens., gest. 1091), Kranke jedoch nach Bedürfnis. Der heilige Udalrich (gest. 973), Bischof von Augsburg, badete nur Samstags vor den Fasten, in der Mitte derselben und am Karsamstage[16]. [Sidenote: _Baden von Armen und Kranken / Enthaltung vom Bade_] Das Bad vor dem kirchlichen Feiertag galt als geistige Reinigung; denn als sich die Eltern des gelehrten St. Galler Mönchs ~Iso~ (gest. 871) nach dem Bade gegen kirchliche Einrichtungen vergingen, badeten sie zum zweiten Male (~Ekkehart~). Überhaupt wurden begangene Sünden durch das Bad „abgewaschen“, und als eine besondere Buße galt es, Arme und Pilger zu baden. Ein Bischof von Neustrien, der zur Fastenzeit Fleisch gegessen hatte, forderte am heiligen Osterabend aus der ganzen Stadt viele Badewannen zusammen und ließ allen Dürftigen bis zum Abend warme Bäder darbieten. Er selbst nahm jedem einzelnen den Bart ab und reinigte mit seinen Fingern die Geschwüre ihrer borstigen Körper. Zuletzt ging er selbst ins Bad und stieg mit gereinigtem Bewußtsein daraus hervor (Mönch von St. Gallen). Auch die heilige Wiborad, eine Klausnerin beim Kloster St. Gallen (gest. 925), badete Arme. ~Zappert~[16] führt zahlreiche Beispiele aus dem 10. bis 13. Jahrhundert an, nach denen hochgestellte Personen weltlichen und geistlichen Standes (die Bischöfe von Mainz und Utrecht, die Gemahlin Kaiser Heinrichs I., die Tochter Kaiser Ottos II., die Mutter Kaiser Heinrichs IV., die heilige Elisabeth) durch Baden von Armen und Kranken Barmherzigkeit übten. Aus diesen Quellen, wie auch aus dem Mönch von St. Gallen, ersehen wir, daß der Aussatz schon vor den Kreuzzügen bei uns Einkehr gehalten hatte und mit Warmwasserbädern behandelt wurde. Gesunden galt Baden für eine Hauptannehmlichkeit des Lebens, und den Klosterschülern von St. Gallen war solches an ihren Ergötzungstagen eine ihrer Hauptfreuden, wie uns ~Ildefons von Arx~ für den Zeitraum von 920–1076 berichtet[17]. Deswegen wurde Enthaltung vom Bade als kirchliche Strafe auferlegt, was wir noch im 12. Jahrhundert antreffen. Der exkommunizierte Kaiser Heinrich IV. brachte die Weihnachtsfeiertage 1105 in Bichelsheim non balneatus et intonsus — nicht gebadet und ungeschoren — zu, und der Teichner klagt im 14. Jahrhundert, daß Wallfahrer, die doch zu den Büßenden zählen, sich scheren und „gen gein pat“[16]. Aus diesem Grunde enthielt man sich zur Fastenzeit des Bades (~Ekkehart~), und besonders fromme Personen verzichteten dauernd auf den Genuß desselben. Der Bischof Reginard von Lüttich (gest. 1037) badete nie, und die heilige Elisabeth erklärte mit dem Eintauchen eines Fußes in das Wasser das Bad für beendet, als sie sich auf Zuspruch endlich entschlossen hatte, ein solches zu nehmen[16]. ~Cäsarius von Heisterbach~ erzählt, wie ein frommer Mönch eine Weltdame, die in sündiger Liebe zu ihm entbrannt war, auf immer dadurch heilte, daß er ihr seinen von Unsauberkeit und Ungeziefer starrenden Körper zeigte[18]. [A] Der balnearius ist ein Gebäude und nicht, wie öfters übersetzt wurde, der Bademeister. Dieser tritt erst später auf. [B] Das slavische Wort moch wird heute noch in der Gegend der Untermulde für kurzes Moos gebraucht; mochig ist dumpf, feucht. [C] Der Warmraum ist fälschlicherweise von ~Du Cange~ und ~Meyer von Knonau~ als Kapitelsaal bezeichnet worden. Dem Bauriß nach wurde als solcher der an der Kirche hinlaufende Flügel des Kreuzganges benutzt. ~Kochendörffer~[7] trat der Ansicht der beiden Forscher entgegen und gab folgende Erklärung: „Wenn es im Cod. Sangall. nr. 915 heißt ad mundandas manus et capita, cui in hypocausto locus erat, so geht daraus erstens hervor, daß die Mönche sich im hypocaustum wuschen, und zweitens, daß der Waschraum der Mönche nach Art des alten laconium geheizt wurde, oder mit anderen Worten, da eine derartige Heizung keinen anderen Zweck haben konnte, daß die Mönche ein dem römischen ähnliches Schwitzbad hatten.“ Der Warmraum hieß im Mittelalter auch pyrale, und da ~Ekkehart~ gelegentlicher Züchtigungen die im pyrale aufgehängte Rute erwähnt, ~Kochendörffer~ diese als Badegerät auffaßt, glaubt er einen weiteren Beweis für die Benutzung des Warmraums als Bad zu erbringen. Er geht dabei von der falschen Voraussetzung aus, daß eine Hypokaustanlage nur mit einem Schwitzbade verbunden sein könne. Wir wissen aber, daß in den römischen Villen nordwärts der Alpen auch die Wohnzimmer durch Fußbodenheizung erwärmt wurden im Gegensatz zum Badezimmer, das auch Wandheizung besaß[13]. Für ein Schwitzbad im Kloster St. Gallen haben wir keinen Anhalt. Es ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß in kleineren Klöstern Waschen und Baden im Warmraume selbst vorgenommen wurde, fand doch in anderen Klöstern (z.❆B. in Wettingen) der Aderlaß im calefactorium statt, während auch hierfür St. Gallen seinen eigenen Raum besaß. In jüngster Zeit hat ~Stephani~[14] zwar nicht im Warmraume, sondern in dem als balneatorium et lavandi locus bezeichneten Hause eine Badeanlage nach römischem Muster gesehen. Während er auf Grund der Mitteilungen ~Ekkeharts~ für das 10. Jahrhundert Wannenbäder annimmt, läßt er diese, obwohl sie der Mönch von St. Gallen[15], wenn auch nicht im Kloster St. Gallen, erwähnt, für das 9. Jahrhundert nicht gelten. Wohl auf Grund der Sprachforschung kommt er zu folgender Deutung der betreffenden Stelle des Baurisses: „Durch die im Badehause eingezeichneten Kreise werden nicht Badewannen, oder richtiger gesagt Badefässer angedeutet, sondern runde Steinöfen, welche erhitzt und mit Wasser begossen Dampf stäubten. Mithin konnten in dem Badehause nicht Wasser-, sondern ausschließlich Dampfbäder genommen werden. Der dem Baderaume korrespondierende, wörtlich als Waschhaus bezeichnete Raum scheint jedoch nicht das gewesen zu sein, was wir heute unter diesem Worte begreifen, ein Haus zur Reinigung der Wäsche, sondern vielmehr ein Raum zur Vornahme kalter Abwaschungen (frigidarium), welche römischer Sitte gemäß nach dem Dampfbade genommen wurden.“ Auch glaubt ~Stephani~, um eine weitere Übereinstimmung mit dem römischen Bade geltend zu machen, daß in Abb. 5 die Küche wahrscheinlich als Auskleideraum (apodyterium) gedient habe. Vergl. damit meine obigen Ausführungen. [D] cald, calidus = warm. [E] Als Kaiser Karl der Dicke 883 das Kloster St. Gallen besuchte, forderte er den „Mönch von St. Gallen“ auf, die ihm von alten Brüdern überlieferten Geschichten aufzuzeichnen[15].] BADEBRÄUCHE / DIE DEM URGERMANENTUM ENTSTAMMEN Ehe wir die geschichtliche Entwicklung des Badelebens weiter verfolgen, müssen wir hierher gehörige Bräuche und Sitten besprechen, die teilweise bis in die jüngste Zeit bestanden oder noch bestehen und zu einem beträchtlichen Teile im Urgermanentum wurzeln. [Sidenote: _Das Frühlingswasser_] Die Ankunft des Sommers, des Maies oder, wie wir jetzt sagen, des Frühlings wurde von alters her festlich begangen. Das Eintreten des Sommers erfolgte aber nicht auf einen bestimmten Tag des Jahres, sondern wurde nach zufälligen Zeichen wahrgenommen, aufblühenden Blumen oder anlangenden Vögeln[19]. Im Gebirge trat noch das Hervorsprudeln der Quellen hinzu, die im Herbst versiegt waren, der Maibrunnen (fontes majales). „Sie quellen gemeinlich in dem Meyen einsmahls, und mit solchem Geräusch hervor, daß, wer darbey stehet, erschricket“, sagt ~Scheuchzer~[20]. Von einem solchen oberhalb Schwanden im Glarnerland gelegenen Quell berichtet er: „Es gewahren die Anwohner von disem Bach, daß er nicht anfangt fließen, bis der Winter völlig vorüber, und keine rauhe Winterkälte mehr dahinden, daß daher der Fluß dises Wassers angesehen wird als ein Zeichen der vorstehenden Frühlingswärme“, und ~Paracelsus~[21] glaubt vom Pfäferswasser, seine Verjüngung gehe mit dem Frühling an und terminiere sich mit dem Winter, es wachse mit den Kräutern und sterbe mit ihnen ab. Diese Ansicht scheint heute noch im Volk zu herrschen und deshalb schon vor ~Paracelsus~ bestanden zu haben, obwohl sie nicht den Tatsachen entspricht. Vor der Herstellung der heutigen technischen Anlagen blieb das Wasser wohl mehrmals des Winters aus, floß aber auch zuweilen, so 1596 und 1628[20], und der als Chirurg bedeutende Berner Stadtarzt ~Fabricius Hildanus~ (geb. 1560) war der Ansicht, des ~Paracelsus~ Ausspruch sei nur bildlich zu nehmen[22]. Auch das Leuker Thermalwasser nahm im Mai dem Volksglauben nach an Heilkraft zu, und die Anwohner von Sitten gebrauchten es zu ~Scheuchzer~s Zeit, wenn es „in dem Meyen etliche Tag nacheinander von weißer Kalck-Materi“ trüb lief, „sonderlich, weilen sie es zur selben Zeit am kräftigsten zu seyn bedunken, vornehmlich, wann der April und Meymonat einen großen Grad der Wärme außgehalten“. Der Glaube an eine besondere Heilkraft der Bäder im Frühjahr war weit verbreitet und nicht nur auf germanische Länder beschränkt; auch im Gebiete der welschen Zunge, an den Wormser Thermen (Bormio) im Veltlin lockten die ersten warmen Frühlingstage schon zu Ende Januar und Anfangs Februar zahlreiche Scharen von Talbewohnern zu den naturwarmen Quellen von S. Martino[23]. [Illustration: Abb. 7. Wasserbad. Holzschnitt von ~Urs Graf~ aus: Kalender des Doctor Kung (Kungsberger). Zürich, Hans am Wasen. 1508.] [Illustration: Abb. 8. Schmausen und Zechen von Mann und Frau im Wasserbad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg, Johannes Blaubirer.] Nicht die Schule von Salerno mit ihren im 12. Jahrhundert aufgestellten Gesundheitsregeln hat das Maibad im Mittelalter und der nachfolgenden Zeit zu Ansehen verholfen. Es war uralte Sitte, die durch den Glauben an die heilende und stärkende Kraft der wieder erwachenden Natur erstand und aufrecht erhalten wurde, sei es im naturwarmen oder erwärmten Quell oder den Maikräutern, die dem Wannenbad zugesetzt wurden. „Man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund“, wenn’s auch der zechende Sänger dieses Volksliedes nicht glaubt[24]. „Arbeyten in dem Meyen ist dir nit schad Loss dyn odern vnd mach ein lustiges bad“, sagt das Straßburger Regimen sanitatis vom Jahre 1505[25]. Und wie lustig es im Maienbade zuging, zeigen die Illustrationen aus jener Zeit. Gewöhnlich stellen sie das Gegenteil von dem dar, was der Text sagt. Verboten auch die Ärzte Essen und Trinken während des Bades, setzt auch Urs Graf seinem Bilde im Züricher Kalender von 1508 die Worte vor: „Ich bad nach des artzet lere“, dem Badenden läßt er doch den Becher reichen (Abb. 7)[26]. In der Regel saßen Mann und Frau im Bad und schmausten und zechten am „zwerchen Standenbrett“ (Abb. 8 und andere), das im 17. Jahrhundert noch seinen Sänger fand: „Das zwerche Standenbrett ist eines Bäders Tisch, Der nicht ist Vogelscheuch; liebt Hüner, Krebs, und Fisch“[27]. [Illustration: Abb. 9. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert. Berliner Blockbuch.] [Sidenote: _Beziehung des Badens zur Venus_] [Sidenote: _Das Maibad_] Auch das Liebesspiel der Maifeste durfte im Bad nicht fehlen. In einem geistlichen Lied des 15. Jahrhunderts findet sich folgende Strophe: „Gar warm solt du dich halten vnd dich nit lon erkalten noch diser mynne bad. Din baden bůle sye die allerschönst Marie, ein gott vnd namen drye mit andocht zů dir lad“[28]. Diese Verse ins Weltliche übertragen, würden die Badebuhlen in keinem günstigen Lichte erscheinen lassen. Wir besitzen genug Illustrationen, die das belegen. Sehen wir von tendenziösen Übertreibungen, wie Virgil Solis Wiedertäuferbadstube ab, so betreffen die Darstellungen zügellosen Liebeslebens ausschließlich Wannenbäder, und Wannenbad findet sich meist gleichbedeutend mit Maibad gebraucht. ~Hans Sachs~ sieht im großen Höllenbade die Hurer und Ehebrecher paarweise im Vollbad sitzen[29], und ~Thomas Murner~s Illustration zum „lürlesbad“ (Narrenbad, Schilderung der Hölle) in der Narrenbeschwörung (1512) zeigt Mann und Frau in der Bütte. Der Mann hält einen Maiblumenstrauß in der Hand[30]. Sämtliche Darstellungen des Planeten Venus haben Bäder, meist Wannenbäder (Abb. 9 u. 10), nur bei ~Beham~ wird in einem Teiche unter freiem Himmel gebadet. In den Kurorten sah es ähnlich aus. [Illustration: Abb. 10. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus: Eyn nyge Kalender recht hollende, 1519. Lübeck, Steffen Arndes.] Jm meyen farend wir gen baden (in der Schweiz) Lug das der seckel sy geladen Denn das bad hat solche art Wer mit wybren daryn fart Vnd bringt nit pfenniggelt domit So würckt dasselbig bad do nit Denn syn natürlich würckung thut Das du verdouwest gelt und gut.“ höhnt ~Murner~ 1519 in der Geuchmatt[31]. Das Liebesspiel konnte aber auch durchaus harmloser Natur sein. In dem auf der Wolfenbüttler Bibliothek befindlichen Reisebuche ~Hansens von Waldheim~, Ratsmeisters zu Halle an der Saale, das ungefähr um 1474 geschrieben wurde, berichtet dieser von seiner in der Pfingstwoche begonnenen Badekur zu Baden in der Schweiz. Adlige und geistliche Herrn nahmen ihn in ihr Privatbad auf, und einer derselben, „Hans von Emsz, rittere szu Friborg, in deme Breiszkouwe wohnhafftigk, eyn rad des hochgebornen fürsten herczogin Albrechtis, erczherzogen in Osterich“ bat ihn in sein Haus und tat ihm viel Ehre und Gutes „und“, fährt ~Waldheim~ fort, „gab mir syne huszfrawe zou eynem meyenbulen“[32]. [Sidenote: _Baden und Maispiele_] Die älteste Darstellung des Maibades möchte ich in einem Bilde der sog. Mannessischen Handschrift, jetzigen großen Heidelberger Liederhandschrift, sehen, das aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammt (Abb. 45)[33]. Auf blumenbedeckter Wiese sitzt der alte Herr Jakob von Warte in der Badekufe im Schatten einer Linde, deren grüne Laubkrone singenden Vögeln zum Aufenthalte dient. Soll das etwas anderes darstellen als den Lenz, den die Minnesänger so oft besungen? „Es get gen des maien zeit, Die uns neue freüde geit. Die vogl alle singen, Die plüml schön entspringen. Jch sag euch fürwar das, Es grünet schon laub und gras, Der summer uns vil nahen leit.“ So die Schilderung in ~Neithart~s Veilchen[12]. Und wie im späteren Maibade darf hier der Becher nicht fehlen, den eine Jungfrau dem Ritter darbietet. Eine andere setzt ihm den Kranz auf den kahlen Scheitel, und ich möchte ihr mit demselben Liede ~Neithart~s die Worte der fünften Jungfrau Afra in den Mund legen: „Jch han eu im herzen hold. Mein maienpuel solt ir sein, Jch pin eur und ir seit mein. Was mir in ern wol an stat, Daß will ich laisten fruo und spat. Wer mich mit eren ganzlich maint, Mit dem so will ich sein veraint. Wir süllen frölich hie nun leben. Jch will euch das kranzlein geben.“ Man führe gegen diese Deutung des Bildes nicht an, daß der dargereichte Kranz aus Rosen gewunden ist. In dem angeführten Neithartspiele wird aller Naturwissenschaft zum Trotz vor dem Auffinden des ersten Veilchens zweimal der „Rosenkranz“ als Tanzpreis (für Mann und Jungfrau) ausgesetzt. Der Begriff „Rose“ wurde in einem weiteren Sinne als heute gebraucht; auch die Veilchen werden als „Veiolroesen“ bezeichnet. Vielleicht war Rose gleichbedeutend mit wohlriechender Blume, und deren Darstellung geschah unter dem Bilde der Rose. Bei der Hildesheimer „Maigrevenfahrt“ erhält der Maigreve einen Kranz und bewirtet die Holzerben. In der kölnischen „Holzfahrt“ mußte der von den Bürgern gewählte „Rittmeister“ von Kopf bis zu Fuß gewappnet sein, und nach dem nicht näher beschriebenen Zug in den Wald wurde ihm ein Kränzchen aufgesetzt, wofür er ein Gastmahl zu geben hatte, das wieder „Kränzchen“ hieß[34]. Dies Kränzchen finden wir unter den Badegebräuchen in der „Morgensuppe“ zu Baden in der Schweiz wieder (Abb. 87); es kam sogar unserem heutigen dadurch näher, daß der Gastgeber abwechselte und das Kränzchen der Reihe nach umging. ~Pantaleon~[35] berichtet 1578: „Man bettet vor vnd nach der morgensuppen vnnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt, damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet, setzet jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle morgen zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen“. In „Ein badenfart guter gsellen“[36] heißt es darum: „Also lieber Vintzentz von Bernn gib ich dir das krentzli gernn Das du morn sigist vnser wirt.“ und „All vol lassend vns frölich singen ich wil den krantz dem basler bringen Vnd jm den setzen vff mit pracht lůg heinrich das die sup werd gmacht.“ Als man nicht mehr ausschließlich im Mai badete, hielt man natürlich die Morgensuppe die ganze Badesaison hindurch. Nach dem Meistersinger ~Hans Foltz~[37] konnte man sich in Baden zwar im „meyen zuo vorauß“, aber auch im Herbst „ermeyen“. [Sidenote: _Baden in der Walpurgisnacht zu Pfäfers und im Baseler Gebiete_] Das Maibad steht mit dem altgermanischen Heidentum in enger Beziehung. Das Landvolk aus der Umgebung von Pfäfers wickelte noch 1631 seine Maibadekur in einer einzigen Nacht ab und zwar zu Walpurgis. „Vnder andern, so pflegt auff den ersten Tag Maij, alten Calenders, ein vnzehlbare menge Volcks, zu Vesper vnd Abendts zeit, auß allen benachbarten Dörffern, Thälern vnd Gebirgen, mit einem Wort alles gemein, vnnd lauffige Gesinde, theyls Gesund(heits), theyls Lust vnd Fürwitz halber, herbey zukommen, in die Badschwämme, einzusitzen, vnnd die gantze Nacht, darinn wachtsamb zuzubringen, auch dise Nachtfrist, einer gantzen Bad Chur, jhres Sinns abzuschätzen; Alsdann, folgenden Morgen, wann sie abreisen wöllen, jhre Hembter, zuvor in das Badwasser wol einzutrucken, vnd also anzuziehen, mit mainung, einer mit sich hinweg tragenden großen gefunden Krafft, welches gleichfalls auch fürnehmer vnnd Edler, mit einnetzung jhrer Hembter vnnd Leylacher, zu jhrem Abzug pflegen[349]. [Sidenote: _Der Glaube an das Maibad und dessen Bekämpfung_] Sonst finde ich Maibäder in diesem Sinne neben anderen, später zu erwähnenden nur noch im Baseler Gebiete[A]. Hauptsächlich kam das auf der Jurahöhe, damals schwierig zugängliche Bad Ramsen in Betracht. Die Kirchenbehörde kämpfte vergeblich gegen den Brauch. 1572 findet sich in den Akten die Angabe der Prediger im Amte Homburg, in deren Sprengel das Bad lag: Bei dem Bad Ramsen „tryben sy uff den mey und Sant Johans oben Superstitiones“. Noch 1606 verzeichnen die Akten des Waldenburger Kapitels „Anzug des Bades halben zu Ramsen in Homburger Vogtey gelegen, von wegen dz es, aus Aberglauben, vom Landvolck auff den tag der Himmelfahrt, Meytag und S. Johanstag besucht wirt“. Darauf wurde erkannt, dem Obervogt auf Homburg vorzuschlagen, er solle den Badewirt anhalten, an den obengenannten Tagen keine Gäste aufzunehmen, „welches leicht geschehen könnte, so der wirt oder bader das bad nit heitzen wurde“. Die Bedeutung der Walpurgisnacht kommt auch in folgenden Erlassen des Markgrafen Christof vom Jahre 1488 für Baden-Baden zur Geltung: „Vff das hat der vorgenannt min gnediger Herr geordnet, vnd will gehabt haben, daß das gemelt groß Frybad hinfür allweg durch das ganz jahr, one +am Meyabend, so man die Meypfennig gitt+, fry sin vnd blyben, vnd von niemand mee, er sy frembd oder heimsch, vmb badens willen gelt darin genommen, .... +wie von alter herkommen ist+“, und die beiden Bäder sollen frei sein „dann vff den Maiabent, da soll ein jede person, vßgenommen kindere, es gang vff denselben Abent in die fryen Bedere oder nit, Hans Vlrichen oder siner Husfrowen vnd sinen Erben geben vnd antwurten 1 pfenning, als das von alter herkomen vnd gewonheit gewesen ist“[40]. Das Maibad ist stets ein Wasserbad. In keinem der vielen Kalender, die ich durchgesehen habe, ist in diesem Monat das Schweißbad empfohlen, wohl aber in anderen. Es findet sich meist die allgemein gehaltene Vorschrift, im Mai zu baden. In einer astrologischen Gesundheitsanweisung von 1556 wird Baden im Gegensatz zu Schweißbaden gesetzt[41]. Daraus geht auch hervor, daß das Baden im Mai Wasserbaden war. Es finden sich auch solche, die Kräuterbäder empfehlen und zwar nur in diesem Monat. Die eben erwähnte Anweisung zur Gesundheit sagt: „Alle bad seind gutt, besonder kreuter bad“. Eine Münchener Handschrift des 15. Jahrhunderts hat: „Vnd von würczen adele uolpade sie Die zymen wol dem Leibe dein“[42]. In dem 1428 von ~Johannes Gredinger~ zu Nürnberg geschriebenen Kalender[43] heißt es: „Pad mit guten krewtern in eym schaff, daz oben wol bedeckt sei“, in einem von 1467 der Züricher Stadtbibliothek (Msc. E. 102): „bad ist gut vnd besunder wurtz beder“ und in gedruckten Züricher Kalendern, z.❆B. von 1569 und 1641: „Von aller wurtz vnd krütern bad“. Es handelt sich selbstverständlich immer um frische Frühlingskräuter, denen man eine besondere Wirkung zuschrieb. Daß man auch das Wasser an sich im Frühling für gesünder als zu anderen Zeiten hielt, ist schon erwähnt worden. Man muß den Begriff des Maibades deshalb etwas weiter fassen und gleich Frühlingsbad setzen. Die Mainauer Naturlehre (13. Jahrhundert) macht ihre Badevorschläge nicht für Monate, sondern für Jahreszeiten. Vom Lenz sagt sie: „so ist och decheine zit besser .... zu badenne“ [44]. Ein Frühlingsbild, das wahrscheinlich von ~Michael Wohlgemuth~ stammt, bringt das gemeinsame Bad von Mann und Frau bei Saitenspiel und Trank, das durch Maiblumen als Maibad charakterisiert wird (Abb. 11)[45]. [Illustration: Abb. 11. Der Frühling. Holzschnitt aus: Conradi Celtis quatuor libri amorum. Nürnberg. 1502.] [Sidenote: _Frühlingsbad_] [Sidenote: _Märzenbäder_] Mancherorts wurden die Frühlingsbäder schon im März gehalten. Die Badstuben- oder Badwaid-Ordnung von Sonthofen in Bayern von 1544 schrieb vor, im ganzen Jahr wöchentlich 1 Bad am Samstag zu halten, aber „mörzenbäder an den 3 Dornstag in Mörzen“, und zu Rorbach fanden „an den dreyen pfinztagen (Donnerstagen) im Merzen die Merzenpäder“ statt[46]. In Kalenderversen ~Oswalds von Wolkenstein~ (15. Jahrhundert) heißt es beim März: „âdryânns der wardt gesund phincztages inn merczischen pad“[313]. ~Brunssfels~ (16. Jahrhundert) spricht sonderbarerweise von Bädern „in dem andern Meyen“, die im Gegensatz zu den eigentlichen Maibädern gegen auswendige Schäden gut sein sollen[47]. Im engeren Sinne sind unter Maibädern die in der Walpurgisnacht genommenen zu verstehen. Man muß berücksichtigen, daß es früher Brauch war, bei einer rechten Badekur eine bestimmte Anzahl Tage und an diesen mehrere Stunden im Bad zu sitzen. Unter der Landbevölkerung war der Glaube verbreitet, der Erfolg wäre derselbe, wenn man die gesamte Kur hintereinander im Bade absäße. Es gibt Berichte, nach denen die Leute noch im 17., auch vereinzelte noch im 19. Jahrhundert tagelang ununterbrochen im Bad zubrachten und darin sogar schliefen. Man glaubte deshalb, daß einen Tag ununterbrochen gebadet genüge, um die Gesundheit während des ganzen Jahres zu erhalten. Noch heute kommen die Schwarzwaldbauern aus diesem Grunde jährlich einmal in die bei Freiburg gelegenen Bäder Kuckucksbad, Glotterbad und Silberbrünnlein, wo gelegentlich zwölf Wannen in einem Raume zusammenstehen, in denen die Bauern die Zeit mit Baden und Zechen zubringen[6]. Man darf nicht erstaunt sein, wenn man in früherer Zeit diesen Badetag auf Walpurgis oder an den noch zu nennenden Tagen abhielt, an denen man dem Wasser besondere Kraft zuschrieb. Schon im 16. Jahrhundert verstand man unter Maienbad ein gewöhnliches Warmwasserbad, aber „fürnemlichen im früling“[48]; der Zusatz von Kräuterabsuden scheint eher nicht erforderlich gewesen zu sein. ~Ryff~ beginnt ein Kapitel: „nechst volgendt die warmen wasser vnnd lieplichen Mayen badt“. Er spricht dann aber nur vom Wasserbad in der Wanne und sagt: „Zum wasser Badt oder gemeinen Mayen Badt, ist auch das Regen wasser wo man es haben mag, am aller bequemsten“ und besser als Brunnen- und fließendes Wasser, weil es reiner, subtiler ist, die Wärme des Sonnenscheins und kräftige Influenz des Gestirns und dadurch seine schädliche Kraft zum Teil verändert und gemildert hat[48]. [Sidenote: Geschenke ins Maibad_] Das Volk scheint aber im Maienbad ein mit Wohlleben, d.❆h. ein mit Essen und Trinken, vielleicht auch mit Venusdienst verbundenes gesehen zu haben. „Sie kamen in kein Maienbad“, heißt es höhnisch im Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400)[49]. Die sogenannten Badschenken, die man Vorgesetzten oder Freunden vor einer Badekur oder auch ins Bad sandte, waren ursprünglich nur Nahrungs- und Genußmittel, und da man ehedem nur im Mai ins Bad fuhr, erscheint es nicht auffällig, wenn im Mittelalter öfters Geschenke ins „Maibad“ gegeben werden. So sind in Ulm „vff Pfingsten 3 Pfund Schmalz in das Maienbad“ verzeichnet[50]. 1466 wurde gestattet, dem Bürgermeister, den Richtern und den Räten zu Ulm ein Maß Malvasier oder dessen Wert ins Maienbad zu schenken[51]. Das kurgemäß gebrauchte Maienbad konnte auch in einer Badestube stattfinden. 1429 fing ~Caspar Sommerer~ in Augsburg ein Maienbad an, „daß man badete für den Wertachbruggerthor“. Nach einer Biberacher Chronik wurde im 17. Jahrhundert Maienbad und Maienmilch dem Kranken im Spital verordnet. Der lutherische Sittenprediger ~Martinus Bohemus~, der keinen der üblichen Maibräuche bestehen lassen will, hält dagegen die Maibäder für recht, „das man seiner Gesundheit pflege, das man warm bade, auch kreuterbade gebrauche“[51]. Sogar von einem zwangsweise gebrauchten Maienbade wird berichtet. Die Mitglieder der Schneidergilde zu Hildesheim waren verpflichtet, an den sogenannten „freien Montagen“, d.❆h. am Montage nach Ostern, St. Johannis und in der Maiwoche unmittelbar nach Beendigung der Messe das Bad aufzusuchen. „Wem nicht gelüste zu baden, der soll dem Schaffer (der Gilde) einen Pfennig zahlen“[52]. Daß man in den Mineralbädern ursprünglich nur im Mai und nicht im Herbst, wenigstens nicht gern badete, geht aus der Mainauer Naturlehre aus dem Ende des 13. Jahrhunderts hervor, wo es beim Herbst heißt: „Aber da wider so derret unde swechit den lip .... daz man bade in den badern die mit listen gemaht sint, daz siu selber warment“[44]. 1436 aber hielt sich Frau Anna von Weinsberg vom 15. September bis zum 1. Oktober zur Kur im württembergischen Wildbad auf[53], 1481 die Pfalzgräfin Amalie von Veldenz, die Tochter des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg, im August in Baden-Baden[54]. ~Anemorinus~ (~Wintperger~) schlägt für Baden bei Wien 1511 sogar unter Weglassung des Mais den Juni, Juli, August und September als Kurzeit vor[16], ja ~Dryander~ will 1535 für Ems Winterbäder eingeführt wissen[55]. Im allgemeinen herrschte aber die alte Ansicht vor, die dem Mai eine Sonderstellung zuschrieb. Nach ~Ryff~ sind für die, „welche allein gesundtheit zu pflegen zu sonderlichem leiblichem wollust“, „fürnemlichen im früling die Meyenbad zugerichtet“[48], und ebenso war es für Kranke. 1597 sagt ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), der den Schriftstellern seiner Zeit gegenüber als Fortschrittler betrachtet werden muß: „Nim in acht die fröliche Meyzeit, dan zu derer zeit ist der Brun (zu Pyrmont) am krefftigesten“[56], und im 16. Jahrhundert singt der freigeistige Stadtpfarrer ~Johann Jakob Müller~ von Luzern (er wagte als erster den berüchtigten Pilatussee zu durchwaten): „Im Meyen ist die beste Zeit Ein Badenfahrt anstellen“[38]. Nach ~Pictorius~’ Baderbüchlein (1560) erfordern etliche Krankheiten den Mai zum Baden[152]. [Sidenote: _Rückgang des Maibades_] Im 19. Jahrhundert war man anderer Ansicht. Die „Kinder im Feld“ (Aussätzigen) zu St. Georg bei Winterthur hielten in der Mitte des 16. Jahrhunderts ihre jährliche Badekur in der Badestube des Sondersiechenhauses ab. „Wenn sie im Mai baden, giebt man einem jeden, so viel im Hause sind, alle Fleischtage sein Pfund Fleisch und eine halbe Maß Wein und in der Badenfahrt 7 oder 8 Pfund süße Butter, auch einen Teller mit Eiern und Zieger (Kräuterkäse) und nach der Badenfahrt 2 Pfund Badgeld und in der Badenfahrt 1 Viertel Mehl für Küchly“[58]. 1813 hatten die Siechen noch ähnliche Vergünstigungen; nur der Kräuterkäse und die Küchly werden nicht mehr erwähnt, und die Badekur fand in den 30 (!) Juliustagen statt[57]. Der Glaube an den Mai war verloren gegangen. [Sidenote: _Die Sommersonnenwende_] ~Guler~ erwähnt in seiner Rätia (1616)[59] das schon besprochene Hervortreten der Therme von Pfäfers im Mai. Ein-oder zweimal habe er aber erlebt, daß sich die Ankunft des Wassers hinausgezogen und zwar bis auf „St. Johansen deß Täuffers tag“, „daß man darvor nicht hat baden können, vorbehalten etlich personen im Kessel (einer der Quellen).“ Der Zusatz zeigt, daß das Wasser doch schon vorher eingetreten war. Das rechnet ~Guler~ aber nicht mit; für ihn kommt erst der Johannistag in Betracht, weil diesem nach dem Volksglauben gleich dem Mai oder Walpurgis besondere Bedeutung im Badeleben zukam. Ein einziges Bad in der Johannisnacht wirkt so viel als 9 Bäder zu anderer Zeit, sagte man besonders im Württembergischen[34]. Es war über fast ganz Europa, ja außerhalb desselben verbreitet[19]; nach dem Zeugnisse des heiligen Augustin (395 n. Chr.) war es ein heidnischer Brauch[34]. Für unsere Vorfahren galt der 24. Juni, der Mittsommertag, der Tag der Sommersonnenwende als festliche Jahresmitte, deren Feier mit vielerlei Bräuchen verbunden war[B][19]. Klagte die alte Kirche über heidnische Sitte, so bekämpfte die evangelische das Johannisbad als päpstliche Einrichtung. Das zeigt folgendes Gutachten der Stuttgarter Synode: „Es ist Im Herbst Synodo Anno 1591 einkhommen, wie an Joannis Baptistae uff die Achzehn doch mehrentheils weibspersonen das Badt In der Eßlinger Vorstatt allhie besucht, die ganze nacht und den Tag, und allßo zwanzig vier stundt gebadet, welches auch andere Jahr uff Joannis Baptistae abends beschehen. Daruff der Synodus das unterthänig bedenkchen gegeben, weil es ein Superstition seye, möchte dem Vogt bevolchen werden, den Bädern ernstlich uffzulegen, solches baden nit mehr zu gestatten, sonst werde man sie und die Badleute gepürlich straffen. Der meynung seyn unterzeichnete Consistoriales auch noch, darumb sie dem Sulzbäder zu Canntstat die St. Johanns Bäder zu halten allerdings abstricken ließen, doch zu der Oberkait fernerem Erwägen. Geben Stuttgart den 6. July 1602. Consistorium.“ [Sidenote: _Johannisbäder in Kannstatt_] Der zu diesem Gutachten eingeholte Bericht des Vogts von Kannstatt lautete dahin, daß diese Bäder ein Überrest des Papsttums seien und hauptsächlich nur noch von den benachbarten Katholiken zu Hofen und Öffingen gebraucht würden, und deswegen um so mehr abgeschafft zu werden verdienten, als sie nur Veranlassung zu Unfug gäben[63]. [Sidenote: _Johannisbäder im Baseler Gebiete_] Des Kampfes der Baseler Geistlichkeit gegen die Johannisbäder wurde schon beim Maibad gedacht. Die Kirchenakten zeigen zugleich, daß das Bad in der Walpurgisnacht gegen das Johannisbad zurückstand, was wohl darin zu suchen ist, daß dem Volk das Verständnis für die Walpurgisnacht verloren gegangen war, während das Bad zur Sommersonnenwende in dem Glauben an die Taufe Johannis des Täufers weiter unterhalten wurde. Dafür spricht auch das Bestehen des Johannisbades in einem viel größeren Gebiete. Wir dürfen annehmen, daß zu der Zeit, aus der die Quellen stammen, das Walpurgisbad an den meisten Orten nicht mehr gebraucht wurde. Sonst wäre es erwähnt worden. Die Baseler Akten berichten noch 1600: „Im bad zu Ramseln wirt uff St. Johannis abend und nacht neben großem muttwillen superstition und Aberglauben getriben, sonderlich von unsern Leuten (d.❆h. denen aus dem Baseler Gebiet), welche diß tags halben dem Bad große Krafft zuschreiben“, und 1605 „wird geklaget von wegen der Bädern Ramsen und anderswo, dz man deren kraft auf gewisse tag lege, sonderlich auf den tag S. Johannis Baptistae“. Im Jahre darauf erfolgte dann jener schon erwähnte Beschluß, der dem Aberglauben ein Ende bereiten sollte. [Sidenote: _Johannisbäder zu Köln_] In einem Briefe von 1330 hat uns ~Petrarca~ die älteste Nachricht über das Johannisbad auf deutschem Boden hinterlassen. Am Vorabende des Johannisfestes beobachtete er selbst den alten Brauch. „Kaum war ich bei meiner Ankunft zu Köln in der Herberge abgestiegen, wo meine Freunde mich empfingen, als sie mich an den Rhein führten, um ein eben an diesem Tage bei Sonnenuntergang aus dem Altertume überkommenes Schauspiel in ihrer Gesellschaft anzusehen. Das ganze Ufer war mit einer langen Reihe von Weibern bedeckt. Ich stieg auf einen Hügel, um eine bessere Aussicht zu gewinnen. Unglaublich war der Zulauf. Ein Teil der Frauen war mit wohlriechenden Kräuterranken geziert, mit zurückgeschobenem Gewande fingen Weiber und Mädchen plötzlich an, ihre weißen Arme in den Fluß zu tauchen und abzuwaschen. Dabei wechselten sie in ihrer mir unverständlichen Sprache lächelnd einige Sprüche miteinander. Man antwortete mir, daß dies ein +uralter Brauch+ unter der weiblichen Bevölkerung Kölns sei, die in der Meinung lebt, daß alles Elend des ganzen Jahres durch die an diesem Tage bei ihnen gewöhnliche Abwaschung im Fluße weggespült werde und gleich darauf alles nach Wunsch gelinge. Es sei also ein jährliches Reinigungsfest, welches von jeher mit unverbrüchlicher Pünktlichkeit gefeiert werde“[19]. [Sidenote: _Johannisbäder im Unterelsaß_] Der Hagenauer Physikus ~Heliseus Rösslin~ berichtet in seiner Beschreibung des Soolbades Niederbronn im Wasgau (Unterelsaß) von 1593, daß „sonderlich vmb Johannis Baptistae alle jar ein große menge vom Landvolck dahin kommen, so ein tag zwen da gebliben, tag vnd nacht im wasser gesessen, in den Burgers Heusern dasselbig wärmen lassen, vnd darein in Bütten gesessen, daß das gantz Dorff voll Badgest vnd erfüllet gewesen, vermeynend, sie seien das gantz Jar hernacher von kranckheiten verwaret vnd sicher“[64]. Von dem ebenfalls im Unterelsaß gelegenen Sulzbad schreibt ~Sebiz~ in seinen Mißbräuchen der Bäder 1647: „Ich habe gesehen, zwar nicht in dem Sauerbrunnen, sondern in vnserm Sultzbad, das gemeine Leuthe an St. Johanns tag 24 stunden continue nach einander in dem bade gesessen, die baden Cur in solcher Zeit zu ende geführt, vnd in dem bade gessen, getruncken, geschlaffen, auch wol, wann sie in der grösten hitze gewesen, vnd köpffe so roth als die Zinßkappen gehabt, ein Glaß nach dem andern von dem gesaltzenen Wasser auß getruncken“[65]. [Sidenote: _Johannisbäder in Biberach_] Aus dem Württembergischen liegt ein weiteres Zeugnis vom Jahre 1673 vor. ~Salomon Braun~ spricht bei Beschreibung des 1673 nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege wieder errichteten Biberacher Bades von den Mißbräuchen beim Baden, „darunter auch noch einer, als nicht der geringste zu mercken, daß auch bey uns dieser übele Gebrauch bey vielen sich gefunden, die da zu verkürtzung der Zeit und Bade Cur desto länger, und wol gar continuirlich 24 Stunden im Zuber sitzen blieben, darinnen geessen, getruncken, geschlaffen, und ja theils so eine sonderliche Zeit, nemblich S. Johannis Baptistae Nacht dazu erwehlet, und meynen solche Leuthe, wenn sie nur frisch wider heimgehen können, haben sie die Sache wol getroffen, gedencken aber nicht, wenn ihnen darnach ein und anderer Zufall anstösset, daß der Mißbrauch deß Bades daran schuldig sey, welches aber viel mit Schaden erfahren“[66]. [Sidenote: _Johannisbäder in Baden-Baden_] Als ~Zeiller~ auf einer Reise abends um 8 Uhr nach Baden-Baden kam, berichtet er 1632, konnte er erst nach eineinhalbstündigem Suchen Unterkunft finden, „weiln so viel Badleuthe, sonderlich Bauern, vorhanden waren, die wegen der S. Johans Nacht jhnen einbildeten, wann sie selbigen Abent badeten, daß sie hierdurch das gantze Jahr für Kranckheiten solten befreyet sein“[67]. Auch im Mineralbade Laimnau (1840 Badhütten bei Laimnau genannt[154]) wurde in der Johannisnacht gebadet[68]. [Sidenote: _Johannisbäder in Warmbrunn_] Mit einem Beispiele aus Schlesien will ich die Johannisbäder beschließen. 1607 schreibt ~Schwenckfeldt~[69] von Warmbrunn bei Hirschberg: „Vnd weil man zur selbigen Zeit, von den Warmen Bädern hier zu Lande, wenig Wissenschafft gehabet, ist es von den lieben Alten vor ein Wunder Wasser gehalten worden, in dem sie aus Gottes Wort von dem Teiche Bethesda zu Jerusalem beym Schaffhause vernomen, daß er Järlichen zu gewisser Zeit, von einem Engel, der das Wasser trübete, sonderliche Krafft vnd Wirckung vberkommen, daß es den ersten Menschen, welcher sich darein tauchete, von aller Leibes Kranckheit vnd Schwachheit, wie die auch sein möchte, entledigte. Allweil sie dann befunden, daß dieses Warme Wasser zu vielen gefährlichen Kranckheiten nützlich vnd gut, vnd die beste fürnemeste Krafft vmb Johannis darinnen beruhete (weil vmb dieselbige zeit, wegen der nahegelegenen Schne Gebürgen, dasselbige zu brauchen die bequemeste vnd lustigste Zeit gewesen) haben sie solche Krafft dem H. Johanni zugeschrieben, als wenn er, gleich wie der Engel zu Bethesda, daß Wasser im Warmen Brunnen bewegete, vnd dadurch die Krafft erweckete (vgl. Abb. 12). Welcher Aberglaube heutiges Tages bey dem gemeinen Volcke noch sehr tieff eingewurtzelt. Denn an S. Johannis Abendt, vnd an Johannis Tage vberaus viel Volckes von nahen vnd fernen Orthen, dahin sich findet, Gesunde, gesunden Leib vbers Jahr zubehalten, Krancke, Lahme, Krätzige, Außsetzige, Gichtbrüchige, jre Kranckheit zuwenden. Fellet hauffenweise vbereinander in Brunnen wie die Gänse, gäntzlicher meinung, daß Warme Bad, were diesen Tag viel kräfftiger, als andere Zeit deß Jahres, vnd gebe in einer halben Stunde dem Leibe mehr Krafft, als sonsten Vier oder Fünff Wochen. Derowegen die Alten S. Johanni zu Ehren eine Capell erbawen lassen, in welcher vor zeiten Jährlichen an Johannis Tage eine Messe gelesen worden, denen, welche das Warme Bad gebrauchet haben. Wie denn vor Jahren eine große Wallfahrth dahin gewesen ist.“ [Sidenote: _Reinigung der Brunnen am Johannistage_] Auch die Trinkbrunnen entfalten mit dem Johannistage neue Tätigkeit, nachdem man sie gereinigt hat. Dies geschieht im Elsaß[70], am Rhein, wo man einen neuen Brunnenmeister wählt, sich die Nachbarn zu einem kleinen Feste zusammenfinden und die Kinder in der Nachbarschaft herumziehen, um Eier zu sammeln[71]. Am bekanntesten ist die Brunnenfege in Thüringen. In Blankenhain hat man gar eine Feier der Augsburger Konfession aus dem altheidnischen Gebrauche gemacht, die mit einem Gottesdienst und fröhlichem Treiben auf der Straße verbunden ist, wobei man den eigentlichen Zweck, die Reinigung des Brunnens, nicht vergessen hat. Nachdem dieser ausgepumpt und gesalzen ist, wird er verschlossen, mit Blumen bekränzt, um am anderen Tage von neuem seine Tätigkeit aufzunehmen[72]. Nach ~Grimm~ fordert die Saale jährlich ihr Opfer auf Walpurgis oder Johannis. Der Glaube, daß der See oder der Fluß sein Opfer verlange, ist weit verbreitet; daß dies aber am Johannistage geschehen solle, läßt sich nicht gut mit der Häufigkeit des Bades an diesem Tage in Einklang bringen. Auch ist mir der erwähnte Aberglaube in etwas anderer Fassung bekannt: Es soll nicht +vor+ Johannis gebadet werden wegen des angeblich geforderten Opfers. Der Johannistag ist demnach für das Volk der Anfang der Badesaison. In Schwaben wird im Neckar erst gebadet, wenn am Fronleichnam das Allerheiligste über den Fluß getragen, und in der Donau, wenn der Meßner am Pfingstmontag das übrig gebliebene Weihwasser in die Donau geschüttet hat[73]. [Illustration: Abb. 12. Der Teich Bethesda. Holzschnitt aus der Züricher Bibel. Zürich, Froschauer. 1545.] [Sidenote: _Ostern als Badetag_] Auch Ostern kam als Badetag in Betracht. Zu Osterode am Harz galt das am Ostermorgen vor Sonnenaufgang genommene Bad für gut gegen Grind und andere Gebrechen (1788)[74], in der Bunzlauer Gegend nahm man an, daß der das ganze Jahr gesund bliebe, der sich am 1. Ostertag im kalten Wasser badete (1791/92)[19]. ~Wuttke~ gibt diesen Glauben für die Gegend der Niederelbe und Mitteldeutschland an. Er besteht in Böhmen für das Flußbad am Tage der Heiligen drei Könige. In Bayern, Böhmen und im Erzgebirge schützt man sich durch Baden am Karfreitag vor Sonnenaufgang gegen Fieber und vertreibt damit Ausschlag und Krätze[75]. Wer am Fastendienstag morgens nüchtern badet, der bekommt das ganze Jahr kein Rückenweh (1650)[76]. [Sidenote: _Heilige Brunnen_] Quellen, neben denen oder auch über denen Kapellen errichtet waren, wurden natürlich am Namenstage ihres Schutzpatrons besonders eifrig benutzt, und ~Cysat~[77] vergißt nicht (1661) zu betonen, daß im kalten Bad auf dem Rigi +neben+ der Wallfahrt die Wirkung dem Bade zugute komme. Bei manchem dieser Gesundbrunnen läßt sich trotz ihrer Beziehung zu christlichen Heiligen nachweisen, daß ihre Verehrung aus heidnischer Zeit stammt. So führt das eben erwähnte kalte Bad auf dem Rigi, dessen Kapelle dem Erzengel Michael geweiht ist, auch den Namen Schwesternbrunnen, und die Sage erzählt, daß zu Kaiser Albrechts Zeit drei leibliche Schwestern vor der Landvögte Tyrannei und Übermut dort hingeflohen und ihr Leben am Brunnen heilig beschlossen hätten. Trotz dieser lokalen Sage finden sich Schwesternbrunnen von den Alpen bis nach Norddeutschland, und ~Runge~[78] verweist darauf, daß die drei heiligen Schwestern von der Kirche nicht angenommen sind und sich mit St. Einbett, St. Warbett und St. Wilbett, die ~Panzer~ für Bayern häufig nachgewiesen hat, decken; diese sind aber nach ~Wolf~[68] die drei Schicksalsjungfrauen, die Nornen. Auf dem Kronberg in Appenzell befindet sich der noch heute benutzte St. Jakobsbrunnen, auch der Wunderbrunnen genannt, in der Nähe einer Kapelle der Apostel Bartholomäus und Jakobus; der letztere soll von hier aus seinen Wanderstab bis nach San Jago di Compostella geschleudert haben. ~Runge~ hat nachgewiesen, daß sich unter dem schleudernden St. Jakobus Donar verbirgt, dessen Hammer Miölnir sich in manchen Sagen in einen Stab verwandelt. Bei Courfaivre im Berner Jura und am Ufer der Sorne liegen der heiligen Columba (nicht Columbus oder Columban) gewidmete Heilbrunnen. Die Kirche kennt keine Heilige dieses Namens, und man glaubt sie zu den keltischen Feen rechnen zu dürfen[78]. Ich könnte die Beispiele noch vermehren, die zeigen, daß die Kirche heidnische Traditionen auf Heilige übertrug, nachdem ihre Ausrottung mißlungen war, ein Zeichen, daß derartige Heilbrunnen schon in uralter Zeit benutzt wurden. Das letztere gilt auch für die Heiden- oder Guggers-(Teufels-)brunnen. Sie galten trotz ihrer Bezeichnung für heilkräftig und wurden wie die heiligen Quellen benutzt[78]. [Sidenote: _Maibrunnen_] Auch die Maibrunnen suchte übrigens die Kirche in Verbindung mit heiligen Zeiten zu bringen. Von einigen dieser Quellen behauptet das Volk heute noch, daß sie genau an einem Marientage (Verkündigung, 25. März) hervorkommen und an einem anderen (Geburt, 8. Sept.) abstehen[78]. Zu diesen gehört „Unserer Lieben Frauen Brunnen“ im Leuker Bad[79]. Andere fließen zwischen zwei Kreuztagen (Kreuzerfindung, 3. Mai bis Kreuzerhöhung, 14. September). ~Cysat~ gibt 1616 diese Zeit für einen Brunnen in der See-Enge (Vierwaldstätter See) zwischen Lopp und Rotzberg an. Nach ~Huggelin~ (1559)[80] fließt die Pfäferser Therme vom 3. Mai bis zum 24. September, wobei irrtümlich 24. für 14. gedruckt ist. (~Kempfe~[81] gibt 1706 den 4. September an). 1749 wendet sich ~Walthier~[82] gegen die „fabulöse Vorgebung“, daß das Wasser „nicht ehender, als bis mans in Festo S. Crucis mit Creutz und Fahnen hohle“, komme. [Sidenote: _Die heiligen Brunnen der Schweiz_] Von heiligen Heilquellen in der Schweiz seien hier nach ~Runge~[78] einige angeführt. Bei dem Kirchlein zu Munzach zeigte sich einst die Mutter Gottes. An der Stelle, die ihr Fuß betrat, entsprang der treffliche Brunnen, der jahrhundertelang von Pilgern mit Scheu und Ehrfurcht getrunken wurde, wenn sie, Heilung von körperlichen Leiden suchend, hierher kamen. Man leitete ihn als Heilbrunnen in das ziemlich entfernte Siechenhaus. Die Quelle von Sakramentswald in Unterwalden entstand, als Räuber auf der Alp das gestohlene Sakrament niedergelegt hatten. Man errichtete sofort über ihr eine Kapelle, und sie zeigt drei wunderbare Eigenschaften, befreit nämlich den Badenden von allen Krankheiten, läßt sich nicht trinken und kann auch nicht herausgeführt werden[C]. In der Kirche zu Beinwyl stellte der Brunnen des heiligen Pfarrers Burkhardt so viele Krüppel her, daß von den in der dortigen Kirche aufgehängten Krücken, Stelzen und wächsernen Gliedern der Ort selbst den Beinamen Ghanget-Beuel empfing. [Sidenote: _Die heiligen Brunnen Steiermarks_] Für Steiermark hat ~Wichner~[84] die beim Volk im Rufe besonderer Heilkraft stehenden Quellen zusammengestellt. Sie sind nicht selten. Öfters wölbt sich auch hier über diesen eine Kapelle. So zu Cilli der „Fons decollationis S. Maximiliani“, zu Kaltbrunn bei Göß, Ulrichsbrunn bei Graz, Schüsserlbrunn, Heilbrunn, der schon im 17. Jahrhundert gegen Augenleiden gebraucht wurde. Bei Mautern fließt in einer Kapelle das Wasser aus der Seitenwunde des Heilands. Zu Dietrichshag bei St. Gallen (in Steiermark) steht die Kapelle neben der bei Augenleiden gesuchten Quelle. Auch die Kapelle „Maria zum guten Rate“ im Hauswalde bei Strechau birgt einen für Augen und Haut nützlichen Brunnen. Kleine Kreuze, an Baumstämmen angebracht, bezeugen die Dankbarkeit der Geheilten. Dasselbe geschieht beim „heiligen Brunnen“ ob Bärendorf im Paltentale. Am „Stein“ bei Mitterndorf am Fuße des Grimming entspringt seit „undenkbarer Zeit“ eine Quelle gegen Gicht und Geschwüre und heißt „Heilbrunn“. In alten Zeiten war ein steinernes Becken vorhanden, und noch sieht man dort ein Bild, Personen vorstellend, die ihre Füße baden. In Studenitz war schon vor Gründung des Klosters eine wundertätige Quelle. Um 1249 bekam ein blindes Mädchen dort das Gesicht wieder. [Sidenote: _Die heiligen Brunnen des übrigen deutschen Landes_] [Sidenote: _Die kalten Bäder und ihr Gebrauch_] Im übrigen Deutschland finde ich zwei Quellen, die beim Volke eine besondere Beachtung fanden, von denen „des Merkwürdigen und Wundersamen viel erzählt wurde“, das sind die Ludgeriquelle bei Helmstädt, der heilige Born, und der Ottoborn bei Pyritz in Pommern, wo die ersten Sachsen von St. Ludgerus, bezw. Pommern vom Bischof Otto von Bamberg zu Christen getauft wurden[85]. In Königsberg lag ein heiliger Brunnen an einer Kirche, und die eine Quelle der Pegnitz bei Lindenhart in Bayern wird heute noch der heilige Brunnen genannt[70]. Über Mineralquellen oder vermeintliche Mineralquellen, welche den Namen Fons sacer oder heiliger Brunn führten, wird später berichtet werden. Die meisten dieser Bäder sind eiskalt und wurden gewöhnlich ungewärmt an ihrem Ursprunge benutzt. Darauf weisen in der Schweiz die Namen Kaltbad, in Steiermark Kaltbrunn hin. Im Tobelbad, einer Therme bei Graz, ließ die Landschaft 1546–47 ein kaltes Bad für Arme erstellen[84]. Die Quelle wurde also in einer Temperatur, wie sie die Natur gab (25–29° C), benutzt. In Pyrmont gebrauchte man 1597 den siedenden (späteren Bad-) Brunnen zum kalten und warmen Bade[56]. 1719 war der niedere Badbrunnen daselbst mit eichenen Bohlen 22 Schuh in der Länge, 16 in der Breite gefaßt und hatte 4 Schuh Wassertiefe. Er wurde als kaltes Bad von den Armen gebraucht, welche den Sommer über hineinstiegen[381]. Der schon erwähnte Brunnen der heiligen Columba im Berner Jura liegt in einer prächtigen Grotte, welche durch ihre fast regelmäßige Wölbung die Gestalt eines Backofens erhält. Das Gewölbe ist fast zwanzig Fuß hoch, die Grotte fünfzehn Schritte breit und dreißig bis vierzig Schritte tief. Im Grunde der Grotte fällt von der Wölbung der letzteren senkrecht eine ziemlich starke Quelle in ein schmuckloses Bassin. In dieses beständig mit kaltem Wasser gefüllte Becken tauchen Eltern ihre rachitischen (nach anderer Mitteilung verkümmernden) Kinder. Oft, wenn man die Straße entlang geht, hört man ein Gebrülle und Geschrei; das sind die Kinder, welche man eben in das kalte Wasser taucht. Dieser Brauch datiert schon seit undenklicher Zeit (1867)[86]. Nach ~Runge~ geht der Eintauchung ein Gebet voran, und der Volksglaube verbietet ein Eintauchen Unerwachsener am Freitag. [Sidenote: _Die kalten Bäder der Schweiz_] In der Schweiz nannte man die „Kaltbäder“ auch „Kaltwehbrunnen“, weil sie gegen Kaltweh, Malaria, benutzt wurden. In der Regel bestand die Kur in einem dreimaligen Eintauchen. „So hat man gnug“, wie ~Stumpf~ (1546)[9] sagt. Im kalten Bad auf der Rischi-Alp hinter der Eck in Unterwalden (jetzt Schwendikaltbad), das bis ins 19. Jahrhundert sehr schwer zugänglich war, bestand vormals die Sitte, Leute für Geld zu dingen, um sich für einige Minuten ins kalte Bad zu setzen für Rechnung und Frommen irgend eines Kranken, welcher diese Verrichtung an dem wilden, sehr entlegenen Orte selbst übernehmen nicht wollte oder konnte[87]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts behielt man, wenn auch nicht immer, beim Eintauchen die Kleider an[20]. Auch noch 1826 war es vielfältig Sitte, daß man den ganzen Körper oder einzelne Teile samt den Kleidern in das Wasser tauchte und sie dann an der Sonne trocknete[88]. Von ärztlicher Seite wurde jedoch das nackt genommene Bad befürwortet[88]. Obenan stand Rigikaltbad, ein großer Trog, in den der nie über 5° C warme Schwesternbrunn floß. Zum ersten Male wird er 1661 von ~Cysat~[77] erwähnt, dem glaubwürdige Personen versicherten, das Bad habe Fieber und andere Gebrästen geheilt. Noch 1826 bestand es aus einer Badewanne; 1832 fand sich neben dieser (als ausgehöhlter Baumstamm bezeichnet) 50 Schritt davon eine kleine Hütte mit 2 Wannen, wo man um 24 Kreuzer ein Waschbad nehmen konnte[88]. Daneben wird schon ein größeres Gebäude, die Molkenkuranstalt, erwähnt, aus dem sich allmählich die jetzige Anlage auf Rigikaltbad entwickelte. Außer diesem hat es nur noch der genannte Brunnen hinter der Eck auf Rischialp, das heutige Schwendikaltbad, zu einem blühenden Kurorte gebracht. 1576 wird es von ~Adam von Bodenstein~ zum ersten Male erwähnt: „In Vnderwalden ist ein solch kalts bad, das sich in klüfften in welchen der schnee zu keiner ewigen zeit abgeschmoltzen nimmet, hat seinen cataracten durch die alabaster vnd gewaltige kreuter, wirt von vilen besucht, aber sie verharren nit lang darin, vertreibt etliche kranckheiten gar schnell“[89]. Es scheint erst seit 1706 gewärmt benutzt zu werden; denn in diesem Jahre wurde eine aus Baumstämmchen bestehende Hütte erweitert und ein Kessel zum Erwärmen des Wassers eingestellt[90]. Das Bad erhielt trotz des beschwerlichen Zugangs großen Zulauf. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es in acht Jahren von über fünftausend Personen besucht[88]. ~Rüsch~[88] führt 1826 an, daß die Kur dort sehr schnell vollendet werde; zehn Tage genügten in der Regel. „Zum Beschluß pflegt man gewöhnlich noch einige Male den Körper oder das leidende Glied in kaltes Wasser einzutauchen, welches freilich nicht überall anwendbar ist.“ Ein letzter Rest von der alten Gebrauchsart des Bades war im Volksbewußtsein doch noch erhalten geblieben. Auch der schon erwähnte Brunnen Unserer lieben Frauen zu Leuk, der mit einer Temperatur von 0–0,6° C mitten unter den heißen Quellen entspringt[91], wurde nach dem warmen Bade, allerdings in direktem Anschluß, benutzt, nach ~Collinus~ (1574) zum Schaden der Patienten[79]. [Illustration: Abb. 13. Kaltes Bad auf dem Wepchen. Holzschnitt aus Stumpf, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer. 1548.] Eingegangen ist das einst viel benutzte kalte Bad im Krauchtal (Kanton Glarus), das ~von Stumpf~(1546)[9] irrtümlich als Bad auf dem Wepchen (Bad auf dem Vepioberg)[88] bezeichnet wird[86]. Beschreibung und Bild (Abb. 13) stimmen nicht mit der dortigen Quelle überein, sondern mit dem Krauchtaler Bade. Auch ~Wagner~[93] und ~Scheuchzer~[94] vereinigen beides zu einem und sprechen von einem Krauchtaler Bad auf dem Wepchen. In früherer Zeit zog während der drei ersten Sonntage im August, die deshalb „kalte Badsonntage“ genannt wurden, viel Volk ins Krauchtal zum Zwecke des Badens. Noch in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Bad benutzt, doch bei weitem nicht mehr wie früher, 1867 gar nicht mehr[86]. Nach ~Stumpf~ vollbrachte es Wunder; verfinsterte Augen wurden erleuchtet, etliche ihm bekannte Personen bekamen das Gehör wieder; doch fügt er hinzu, daß etliche Gebrechen auch böser geworden seien. Das Bad ist ein Wasserbecken von mehreren Minuten Umfang, in das sich einige kalte Quellen ergießen[86], nach älteren Schriftstellern ein Sammelbecken von Schnee- und Gletscherwasser. Zu ~Wagner~s Zeit (1680) besuchten es die jungen Leute aus dem Glarner und Sarganser Land um den Anfang August, mehr um sich zu erfrischen als krankheitshalber. Dasselbe berichtet ~Tschudi~ (1714)[92]. Wegen Erkrankung wurde es auch noch zuweilen besucht, „habe aber, die Wahrheit zu bekennen, noch von keinen Proben gehört, die mir den Glauben darvon geben könnten“. Eine dem Rigi-Kaltbad ähnliche Wirkung schrieb ~Cysat~ einem Kaltbad im Entlibuch nicht weit von den Brüderen zu[77]. Das in der Jeninser Alp eine Meile von Malans gelegene galt 1717 für gut gegen Fieber und Raud[94]. Der vor Kälte kaum genießbare Jakobsbrunnen in Appenzell und der Kaltwehbrunnen auf dem Pilatus, den ~Konrad Gessner~ 1555 erwähnt, scheinen vornehmlich zum Trinken benutzt worden zu sein und zwar bis zum Erbrechen gegen Malaria, eine Behandlungsart, der sich auch ~Priessnitz~ bediente; andere Brunnen trank man gegen Dysenterie und Aussatz. 1826 waren noch sichtbare Merkmale der ehemaligen Badeeinfassung einer Quelle auf dem Falknißgebirge (in der Nähe von Ragatz) oberhalb der Alphütten sichtbar, 1830 waren sie unbekannt[88]. ~Rüsch~ führt auch eine Quelle im Maschanzertobel in der Gemeinde Trimmis an. In der Nähe von Thun lag das Juckibrünnelein, das noch 1832, wenn auch selten, benutzt wurde[88]. 1707 tauchten sich die Leute in allerhand Krankheiten mit und ohne Kleider darin ein. Ein zweiter Brunnen in der Nähe von Thun, der zu Dießbach am Schlag-Weg, wurde vorzüglich gegen Migräne, Hemikranie und andere Hauptschmerzen gerühmt[20]. Man gebrauchte diese sehr kalten Brunnen demnach besonders gegen Kopf-, Lenden- und Bauchschmerzen, sowie gegen Fieber, wie es scheint besonders gegen Kaltweh, Malaria. [Sidenote: _Sonstige kalte Bäder_] Bei den zwei genannten Brunnen in der Nähe von Thun bemerkt ~Scheuchzer~ 1707, daß sie in die Zunft jener Kaltwehbrunnen gehören, welche hin und wieder in schweizerischen Gebirgen zur Heilung dieser Krankheit angewendet werden. Der Kaltwehbrunnen auf dem Pilatus wurde besonders gegen das dreitägige kalte Fieber getrunken. ~Rüsch~ führt an, diese Bäder seien auch gegen Rachitis gebraucht worden, doch ist mir in dieser Hinsicht in der Schweiz nur der erwähnte Brunnen der heiligen Columba bekannt. Im Württembergischen schrieben die Bauern (1840) dem „Heilbrönnle“ bei Möhringen Kraft gegen die englische Krankheit zu[154]; ob sie den Brunnen kalt gebrauchten, wird nicht gesagt. Des weiteren galt er, wie die schweizerischen, als Heilmittel von Hautkrankheiten. Dies wußte auch ~Paracelsus~. Räude (pruritus) und Krätze (scabies) werden nach ihm durch Schneewasser in Gebirgen geheilt. Die erkrankten Glieder seien darin zu baden, wodurch sie narkotisiert (wohl in bezug auf das Jucken) und die Krankheit vertrieben würde[95]. Seit wann die kalten Quellen in Gebrauch waren, ist nicht bekannt. Das dreimalige Eintauchen läßt auf Beziehungen zur Taufe schließen, doch wurde schon im Vorhergehenden auf den Zusammenhang mit dem Heidentum hingewiesen. [Sidenote: _Kalte Bäder in England und ihr Gebrauch_] Eine ganz auffallende Ähnlichkeit im Gebrauch der kalten Bäder bestand zwischen dem Kontinent und England, und diese englischen Kaltbäder waren es, welche den Anstoß zur späteren Kaltwasserbehandlung der Ärzte und dem Abhärtungssystem der Pädagogen gaben. In England waren nicht alle kalten Brunnen Heiligen gewidmet, doch galten diese als die heilsamsten, und ~Floyer~ klagt 1702, daß zu seiner Zeit mit dem Glauben an die Kraft der Heiligen der Glaube an die Kraft der kalten Bäder verloren gegangen sei[96]. Aus dem Umstande aber, daß die Kirche das Eintauchen in Brunnen verbot, geht hervor, daß es sich auch hier um altheidnischen Brauch handelte. Nach ~Floyer~ stammte er aus vorgeschichtlicher Zeit. Die Benutzungsart der kalten Bäder in England ist uns eingehender als anderorts überliefert worden. ~Floyer~ erkundigte sich bei Bekannten nach den heiligen Brunnen und veröffentlichte 1702 die eingegangenen Berichte in seiner Psychrolusia, aus denen ersichtlich ist, daß das Eintauchen und Baden in den kalten Bädern doch nicht ganz abgekommen war. Das englische gemeine Volk hat nach ~Floyer~ entdeckt, daß Doppelglieder (Rachitis) und Flußschmerzen (dolores rheumatici) durch kalte Bäder kuriert werden. Hier also dieselben Indikationen wie in der Schweiz; denn die Haupt-, Rücken-, Lenden- und Mutterschmerzen waren nach damaliger Auffassung Flüsse, Rheumatismen. Auch wurden die heiligen Brunnen, wie auf dem Festlande, als Heilmittel gegen Krätze und Aussatz, die wir wohl allgemein als Hautkrankheiten bezeichnen können, Malaria und böse Augen angewendet. Am berühmtesten waren St. Winfreds Brunnen[D], der schon im Jahre 644 Wunder bewirkte, St. Mongahs (auch St. Mungos genannt), St. Bedes und Honwick-Brunnen. [Sidenote: _Eintauchen der Kinder in kaltes Wasser mit nachfolgendem Schwitzen_] Ich teile hier einige Auszüge aus den interessanten, an ~Floyer~ gerichteten Briefen mit. ~Ellison~ schreibt 1700: „Nichts ist gemeiner in diesem Lande, und wird gemeiniglicher nützlich zu Verhütung oder Curirung der Rhachitis befunden, als Kinder von einem Jahre, und drüber, zu St. Bede’s, Honwick oder St. Mungo’s Brunnen (welches sehr kalte Quellen sind) zu schicken, und in den Monaten Junii und Julii des Abends 14 Tage lang, und länger, einzutauchen; wenn aber die Kinder sehr schwach sind, in der ganzen Zeit etwan 1 oder 2 Tage mehr auszusetzen. Einige tauchen sie 2 bis 3 mal über den Kopf, in ihren Nachthemdern und Kappen, und lassen sie zwischen jedem Eintauchen ein wenig verblasen. Andere tauchen sie nur bis an den Hals (weil das Wasser ihnen den Atem benehmen könnte), tunken aber die Nachtkappen treulich ein, und setzen sie naß auf ihr Haupt. Andere (wo der Brunnen nicht räumlich genung) sind zufrieden, ihre Kinder in einen Kübel voll von der Quelle gesammleten Wassers zu stecken, und ihnen das Wasser über den Kopf zu gießen. Welches alles so geschwinde, als möglich, verrichtet wird, damit das Kind nicht länger im Wasser bleiben dürfe, als es nöthig, das ist, bis sein Leib, Hemde und Nachtkappe recht naß. Andere sind aus Zärtlichkeit gegen das Kind, oder in Ansehen der Schwachheit des Kindes zufrieden, daß sie nur das Hemde und Nachtkappe eintauchen, und sie ihnen so naß anlegen. So bald als die Kinder eingetauchet worden, werden sie in ihren nassen Kleidern in warme Decken über das Haupt und ganzen Leib eingehüllet, und bald zu Bette geleget, worauf sie in kurzem heftig schwitzen; in welchem Zustande sie die ganze Nacht bis gegen den Morgen liegen, da denn nach und nach die Bedeckungen weggethan werden, daß sie nach und nach sich abkühlen; des Morgens aber bekommen sie trockene Hemden und Hauptkappen. Innerhalb 3 Minuten erholen sich die Kinder von dem Schrecken, worein sie das Eintauchen gebracht; und ob sie gleich gegenwärtig schwächer sind (indem sie durch heftiges Schwitzen die Geister erschöpfet), so erholen sie sich doch gradatim, durch Beyhülfe stärkender Gallerten von Hirschhorn, Kalbsfüßen u.s.w. so gar, daß wenn das Laub zu fallen beginnet, sie entweder völlig gesund, oder doch viel besser sind. Hat das Eintauchen eines Jahres nicht geholfen, wird es das nächste Jahr wiederholet. Es werden auch zur Vorbereitung, oder hernach keine Purgirmittel gebrauchet, oder Herzstärkungen gegeben, außer 1 Löffel voll Sectwein bald vor und nach dem Eintauchen, wenn es die Kinder nehmen wollen. Es wird ihnen auch ihre gewöhnliche Diät und Ergezlichkeit nicht benommen; nur muß Acht gegeben werden, daß ihr Nacken warm gehalten wird, damit sie sich nicht erkälten.“ Er versichert, daß kein Todesfall bekannt geworden und seine eigenen vier Kinder mit guter Wirkung eingetaucht worden seien. Ich habe diesen Brief ziemlich ausführlich wiedergegeben, weil wir über das Eintauchen bei Rachitis in den Brunnen der heiligen Columba so wenig wissen, und in Anbetracht des Alters dieses Brauches, der vielleicht gemeinsamen Ursprung hat, das Verfahren in der Schweiz und in England das gleiche war. Wir sehen auch, daß hier die sogenannte ~Priessnitz~sche Einpackung gebraucht wurde, eine Einrichtung, die also schon vor ~Priessnitz~ bekannt war. Aus einem zweiten Briefe, der die Mitteilungen eines Dr. ~Davison~ enthält, erfahren wir, daß Leute vom 6. Monat bis zum 80. Jahre die Brunnen gegen eingewurzelte Schmerzen in Gelenken und Muskeln nach langwierigen Flüssen (Rheumatismen) und Quartanfiebern, wie auch von Verdrehung der Flechsen und Quetschungen, gegen Rachitis und alle Schwäche der Nerven entweder überhaupt oder eines besonderen Gliedes anwandten. Die Behandlung der Kinder wird wie im vorigen Briefe beschrieben, nur wird noch Massage der gelähmten Glieder nach dem Eintauchen erwähnt. Erwachsene Leute blieben ¼–½ Stunde im Wasser. Kranke schwitzten darnach im Bette, Gesunde kleideten sich an und bewegten sich bis zur Erwärmung. Die Badekur erforderte keine Vorbereitung und Wechsel der Lebensweise. Sie dauerte vierzehn Tage. Täglich wurde zweimal eingetaucht. ~Davison~ macht den Erfolg allein von der Kälte abhängig, obwohl einer der Brunnen mineralische Bestandteile enthielt. [Sidenote: _Des Arztes Floyer und des Erziehers Locke Ansicht über die kalten Bäder_] ~Floyer~s Verdienst liegt darin, daß er das bis dahin in den heiligen Brunnen geübte Baden wieder mehr zur Geltung brachte und betonte, daß der Erfolg auch bei jedem anderen kalten Brunnen zu erwarten sei[E]. Er erweiterte die Indikationen, ja allzusehr; es gab beinahe keine Krankheit, bei der er nicht Heilung erwartete. Mit Nachdruck verteidigte er seine Lehre gegen seine Gegner. Er konnte sich jedoch auch von hergebrachten Vorstellungen nicht frei machen. Im Gegensatz zum Volksbrauch verlangte er eine Vorbereitungskur durch Purgieren. Das Auftreten der Rachitis verlegte er ins Jahr 1620 und schob es dem damals abgeschafften Eintauchen bei der Taufe zu, weswegen er die Wiedererrichtung des alten Brauches forderte. Das Volk sollte durch Eintauchen des Kindes in kaltes Wasser bei der Taufe zu der Erkenntnis gebracht werden, daß kaltes Baden den Kindern nicht schädlich sei; er ging aber auch hier zu weit, indem er erklärte, allein das dreimalige Eintauchen bei der Taufe verhindere Rachitis und viele erbliche Krankheiten. Das Schwitzen nach dem kalten Bade verlangte er bei Lähmungen, Rachitis und verschiedenen Krankheiten. Bei anderen sollte es wegfallen, ebenso da, wo das Bad zur Erhaltung der Gesundheit dienen sollte. Hierzu gibt er folgende Anleitung: „Ich kann keine bessere Art zu Bewahrung der Gesundheit anraten, als die kühle Lebensart, alle ihre Kinder in der Taufe einzutauchen, hernach oft zu waschen, bis sie ¾ Jahr sind, wodurch die Rachitis und Schwerenot verhütet wird; die Kinder zu kühler Luft und Wassertrinken zu gewöhnen, und wenige Kleider tragen lassen, welche, wenn sie zuviel sind, nur das Fleisch verzehren, und die Kinder zu Flüssen geneigt machen; sie, wenn sie Knaben sind, zum Baden in Flüssen, und wenn sie Männer werden, zu kalten Bädern gewöhnen, damit sie ihre Haut wider die Veränderungen der Luft abhärten, und den Appetit und Dauung, wie auch die Stärke der Glieder vermehren. Es ist auch die Erhaltung der Gesundheit, die Reinligkeit, und die angenehme Erfrischung nach kalten Bädern, genung, derselben Gebrauch zu recommandieren.“ In der Empfehlung des kalten Wassers zur Abhärtung der Jugend hatte ~Floyer~ in seinem Landsmann, dem Philosophen und Pädagogen ~John Locke~[99], einen Vorgänger, der 1693 in seinen Gedanken über Erziehung das Baden im kalten Wasser während des Sommers vorschlug, sowie eine Abhärtung der Füße durch Baden in immer kälter genommenem Wasser verlangte. Er stützt sich auch auf den Gebrauch der heiligen Brunnen: „Nicht jedermann ist geneigt zu glauben, es sei ein Wunder oder eine besondere Kraft von St. Winifreds Brunnen, welche es bewirkt, daß das kalte Wasser dieser berühmten Quelle den zarten Körpern, die darin baden, keinen Schaden zufügt. Jedermann ist gegenwärtig voll von Wundern, welche kalte Bäder an heruntergekommenen und schwachen Konstitutionen für die Wiederherstellung der Gesundheit und Kraft wirken; daher können sie nicht untunlich oder unerträglich sein für die Stärkung und Abhärtung des Leibes bei Leuten, welche in besseren Verhältnissen sind.“ ~Locke~s Ideen über Abhärtung der Kinder wurden von ~Rousseau~[100] aufgenommen und nach dessen Art erweitert. Beider Lehre ging an die Philanthropen über. In ärztlichen Kreisen (~Tissot~[389] und dessen Nachfolger), glaube ich, hat aber ~Floyer~ den Anstoß zu weiteren Arbeiten über Abhärtung der Jugend mit kaltem Wasser gegeben. [Sidenote: _Ansichten von Schweizer Ärzten über den Gebrauch der kalten Bäder_] Auch in der Schweiz war das Eintauchen Kranker in die kalten Quellen den Ärzten nicht unbekannt geblieben. Der Züricher Arzt ~Wagner~[93] stellte in seiner 1680 erschienenen Helvetia curiosa die zu seiner Zeit in der Schweiz gebräuchlichen Bäder zusammen. Er vergißt nicht, neben den Mineralquellen die kalten aufzuzählen, auch die Krankheiten, gegen die sie gebraucht wurden, anzugeben; weiter geht er aber nicht. Hier war es der Züricher Stadtarzt und Professor der Mathematik ~Johann Jakob Scheuchzer~[94], der die Heilwirkung nicht bestimmten Brunnen, sondern dem kalten Wasser zuschrieb. 1717 schließt er seine Beschreibung der bekannten „sogenannten kalten Bäder“ der Schweiz mit den Worten: „Es wäre zu wünschen, daß man nicht nur von jetzt erzehlten, sondern auch anderen kalten Berg-Brünnen (dänn zweifelsohne alle von gleichen Wirkungen, folglich auf allen Bergen, ja auch in Thäleren und Dörfferen dergleichen Wasser anzutreffen) mehrere und genaue Proben wurde machen, damit diese Materi zum Nutzen des Menschen in mehrere Heitere könte gebracht werden“, und beim Kaltwehbrunnen auf dem Pilatus schlägt er vor, ihn gegen dreitägiges Wechselfieber nicht nur zu trinken. „Es lasset sich aber auch reden von dem Baden, mit erforderlicher Vorsicht, dänn durch einmalige starke Einzeuhung der Haut-Zäseren die Zähe in denen außeren Röhrlein sich steckende Materi solcher gestalt kan conquassiert, zerrieben, und flüssig gemacht werden, daß der Kreis-Lauff hernach desto besser geschehen, und die Fiebrische Materi durch den Harn oder Stuhlgang ausgeführt werden kann.“ ~Scheuchzer~ bringt außerdem eine umständliche Schilderung der physiologischen Wirkung der kalten Bäder. Als Indikation gibt er an: „Blutflüsse, Entzündungen, Rothlauff, allerhand, insonderheit von Flüssen kommende Schmerzen, Gliedersucht, Gichter“. Besonders empfiehlt er sie den Weichlingen, „welche durch Mißbrauch des Weins, warmer Bädern, der lieben Venus, der Thee- und Coffee-Getränken sich verderbet, den Leib und sonderlich die nervosen Theil geschwächet haben“. Ist ~Scheuchzer~ von ~Floyer~ beinflußt worden? Die Frage läßt sich mit ja und mit nein beantworten. ~Floyer~ berichtet, daß einige Engländer das kalte Bad im Winter gebrauchen, wie es die Römer getan. Er spricht sich nicht über den Nutzen oder die Schädlichkeit dieses Verfahrens aus. Der Brauch selbst war ~Scheuchzer~ bekannt. Er schreibt: „Es haben auch vor wenig Jahren die kalten Bäder, selbst in Mitten des Winters, wiederum eingeführt die Engelländer, ob sie aber damit fortsetzen werden, und ob es nicht auch Experimenta per mortes geben werde, stehet zu erwarten.“ Vielleicht war diese Tatsache ~Scheuchzer~ auf anderem Wege als durch ~Floyer~s Buch zur Kenntnis gekommen. Er beschäftigte sich mit der englischen Literatur und übersetzte sie auch ins Deutsche. Auffallend ist es jedenfalls, daß er ~Floyer~s Namen nicht nennt, während er sonst peinlich genau sogar die Seitenzahl seiner Quellen angibt. Wie dem auch sei, ~Scheuchzer~ hat vor ~Floyer~ voraus, daß er vorurteilsfreier und weniger einseitig den Gegenstand behandelte. „Es können“, sagt er, „die kalten Bäder viel beytragen zu Erhaltung und Wiederbringung, aber auch zur Verstörung der Gesundheit. Es gehet mancher naher Baden, oder in andere gewärmte Bäder, der sich weit besser befunden bey unserem kalten Sil-, Limmat- oder See-Bad. Hergegen gibt es auch solche welche sich der kalten Bäderen bedienen, denen gesünder und angemessener wären die warmen.“ Blicken wir noch einmal zurück, so müssen wir die Tatsache feststellen, daß unsere heutige Kaltwasserbehandlung von uralten Volksgebräuchen ausgegangen ist, die jedoch zur Heilung von Krankheiten nur Wasser bestimmter Brunnen zuließen. Ärzte waren es, welche die Kaltwasserbehandlung von diesem Banne befreiten. Seit ~Floyer~s Auftreten wurde unaufhörlich am Ausbau der Hydrotherapie weiter gearbeitet. Nicht mehr, wie es vorher in einzelnen Fällen geschah, fiel das Errungene wieder der Vergessenheit anheim, und ehe des Laien ~Vincenz Priessnitz~ Ruf durch Europa ging, war ein Teil der Hydrotherapie, die Behandlung fieberhafter Erkrankungen, der Nervenschwäche, aber auch mancher anderen, von ärztlicher Seite so fest begründet und in einzelnen Universitätskliniken praktisch zur Anwendung gekommen, daß es unbegreiflich erscheint, wie heute noch behauptet werden kann, nicht Ärzte, sondern Laien hätten im 19. Jahrhundert den Grundstein zur Hydrotherapie gelegt. Doch davon weiteres in einem anderen Kapitel. [Sidenote: _Kaltwasserkuren im Mittelalter_] Von Kaltwasserkuren erfahren wir schon im Mittelalter. Die erste, von der uns berichtet wird, wurde an einer Friesin, die an Verkrümmung und Zittern der Glieder litt, vorgenommen. Sie erhielt von den sie bedienenden Frauen beinahe eine Stunde lang ein kaltes Wasserbad. Die Folge davon war eine Verschlimmerung der Lähmung und Verkrümmung. Erst am Grabe des heiligen Alexander ward sie geheilt. Später aber nahm der Bischof Otto von Bamberg eine Kur an sich mit Erfolg vor, als die Kälte seine Füße bis aufs Mark angegriffen hatte. Er wies warmes Wasser zurück, steckte die Füße in kaltes und vertrieb so Kälte mit Kälte[3]. In einzelnen Gegenden war diese Behandlung erfrorener Gliedmaßen Volksgebrauch, doch nicht überall. Im 17. Jahrhundert warnte ~Fabricius Hildanus~[101] vor Wärme und schlug Benetzung mit kaltem Wasser oder Reiben mit Schnee vor. Er selbst gibt an, dies sei bei den Nordländern Sitte, und bringt ein Beispiel, nach dem ein ihm bekannter Herr einen vor Kälte erstarrten Menschen dadurch rettete, daß er den ganzen Körper in kaltes Wasser warf. Auch ~Scheuchzer~ schlug 1705 Begießungen mit kaltem Wasser vor und hielt es für nötig, den erstaunten Leser durch eine längere Begründung von der Wirksamkeit dieser Behandlung zu überzeugen[20]. Der in einer Speierer Urkunde 1344 vorkommende Wasserarzt[102] dürfte kein Hydrotherapeut, sondern ein Wasser, also Urin beschauender Arzt gewesen sein. [Sidenote: _Osterwasser_] Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, schrieb das Volk nur dann dem Wasser eine besondere Kraft zu, wenn es an der Quelle gebraucht wurde. Man scheute beschwerliche Reisen in entlegene Gebirgsgegenden nicht und stellte lieber einen Stellvertreter, als daß man das Wasser holen ließ. Geschöpftes Wasser genügte nur in seltenen Fällen, wenn es nämlich an besonderen Tagen und zu bestimmter Stunde geholt und nicht von der Sonne beschienen worden war[19]. Ich erinnere an das Osterwasser, das heute noch unter strengstem Stillschweigen in Bädern oder Flüssen gegen den Strom geschöpft wird. Es hält sich das ganze Jahr frisch, soll nicht nur Krankheiten heilen, sondern auch gegen Hexen und Ungeziefer das Jahr hindurch schützen. Das gilt in Böhmen auch für das in der Nacht vor dem Tage der Heil. drei Könige geholte Wasser[75]. [Sidenote: _Heilawag_] Das größte Ansehen genoß früher das in der heiligen Weihnacht geschöpfte Wasser, das heute seine Bedeutung vollständig verloren hat. Es führte noch in späteren Zeiten den Namen heilawâc, heilwâc, heilwaege[19]. ~Grimm~ hebt das Alter des Ausdrucks hervor, der sich nur wegen des großen Ansehens des Heilwags so lange in der alten Form erhalten konnte. Die erste Erwähnung geschieht durch ~Reinmar von Zweter~: „Man seit von heilawage uns vil, wie heil, wie guot ez si, wie gar volkomen der saelden spil, wie gar sin kraft verheilet, swaz wundez an dem man verseret ist“[103]. 1482 nennt ~Anshelm~ in seiner Berner Chronik neben anderen vermeintlichen heiligen Dingen auch „heilawag“ als Mittel gegen Gespenster, Hexenwerk, Zauberei und Ungewitter. Das hatte eine zu Murten verbrannte Hexe angegeben. Aber schon ~Anshelm~ bekämpft den Aberglauben[104]. Die letzte Erwähnung geschieht durch ~Philander von Sittewald~ 1677, der ebenfalls gegen den Aberglauben predigt. „Das fließend brunnwasser, so man in der H. Weynacht so lang die Glock Zwölffe schlägt, samlet, und Heilwag genant wird, ist gut wider das Nabelwehe“[76]. In etwas veränderter Bedeutung und unter entstelltem Namen kommt es um 1600 im Baseler Gebiete vor. Dort führte der Landmann um die Weihnachtszeit das Vieh an gewisse Brunnen oder Quellen zur Tränke. Diese Örtlichkeiten sind bald als „hellewag“ oder „hellenwag“ (1599 und 1601), bald als „heiliger Wegbrunnen“ (1572) bezeichnet[39]. Hier ist die ursprüngliche Bezeichnung des Wortes, heilende Woge, kaum zu erkennen. Ähnliche Zusammenstellungen sind „Badwag“ (1462) für Badeplatz[73] und Babenwag. Heute noch wird im Kanton Zürich vom Volk eine Sihlbrücke als „Brücke an der Babenwag“ bezeichnet. Schon 1267 kommt in der betreffenden Gegend eine Furt, Babenwag genannt, urkundlich vor[105]. [Sidenote: _Taufwasser_] Besondere Kraft schrieb man auch dem Taufwasser zu. Der Aberglaube zu Osterode am Harz verlangte (1788), ein Kind so lange mit demselben zu waschen, bis es aufgebraucht sei, um unreine Ausschläge zu verhüten[74]. [Sidenote: _Wasserurteil_] Zum Schluß muß ich der unfreiwillig genommenen Bäder gedenken, die mit altgermanischen Rechtsgepflogenheiten in Zusammenhang stehen. Das Wasser galt als heiliges Element, das nichts Unreines duldete. Diese Ansicht macht sich noch heute im Aberglauben geltend, nach dem Leichen am neunten Tage vom Wasser ausgestoßen werden[68]. Im Mittelalter beruhte darauf ein Gottesurteil, das Wasserurteil, und zwar das kalte. Es wurde auffallenderweise nicht im fließenden Wasser, sondern nach den Bildern des Heidelberger und Dresdener Sachsenspiegels in großen, viereckigen, walzenförmigen und schalenartigen, mit Wasser gefüllten Gefäßen vorgenommen (Abb. 14)[F]; vielleicht stand dies mit der Weihung des Wassers durch den Priester in Zusammenhang[18]. Der Angeschuldigte wurde mit einem Strick umwunden ins Wasser geworfen. Ging er unter, war er unschuldig, im umgekehrten Falle schwamm er, d.❆h. das Wasser stieß ihn aus. Das war die alte Auffassung. [Illustration: Abb. 14. Wasserurteil. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel. Handschrift. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.] In einem rheinischen Weistume von 1338 (des Dreieicher Wildbanns in der Nähe von Frankfurt) wird Knebelung an Händen und Füßen verlangt. Hier dient als Gefäß „eine meieschebodin (Bütte) von dren fudir wassirs“[535]. Ähnlich ist die Vorschrift in einem Pfälzer Weistum von 1423. Aber in beiden wird der Untersinkende für schuldig erklärt. Die alte Auffassung findet sich hier gerade umgekehrt, woraus ~Grimm~ folgert, daß die Ausübung längst unbekannt war[106]. Schon Ludwig der Fromme erließ 823 ein strenges Verbot des Wasserurteils. Es scheint mehr bei den gemeinen Leuten beiderlei Geschlechts zur Anwendung gekommen zu sein, wie dies auch in einer Verordnung Kaiser Heinrichs III. ausdrücklich hervorgehoben wird[18]. Ein Anklang an das alte Wasserurteil in großen Gefäßen fand sich zu Eßlingen noch im 16. Jahrhundert. Dort hatte 1546 eine Jungfrau, Anna Ulmerin genannt, ihre Mitbürger vier Jahre lang mit einem künstlich gemachten Bauch genarrt. Als man der Sache überdrüssig war, da hat der Rat „die tochter in einem Badzuber, wie man böse leut, so mit zauberey befleckt, zů halten pflegt, durch zwen statkneckt zum gefencknuß tragen lassen“[107] (Abb. 15). Im 16. und 17. Jahrhundert fand bei den Hexenprozessen die Wasserprobe wieder reichliche Anwendung[18]. 1584 empfahl sie ~Wilhelm Adolf Scribonius~, ein berühmter Marburger Arzt, bei Verdacht auf Hexerei[108]. Luther wollte sogar einen mit Kropf behafteten blödsinnigen Knaben (Wechselbalg, Kilkropf) zu Dessau in der Mulde ertränken lassen, womit aber der Kurfürst zu Sachsen und die Fürsten von Anhalt nicht einverstanden waren[109]. Wir finden aber auch etwas mildere Verfahren, den Teufel auszutreiben. So führten Mönche einen vermeintlich besessenen Knaben in ein Kloster zu Konstanz „Vnd namen in darnach gar pald Vnd satzten in in ain wasser kaltt.“ Einer „Der sprach: bist von synnen kommen, So must in disem wasser baden, Biß du vergissest deines schadens“[110]. In einem anderen Falle, den der Pfaffe ~Amis~ erzählt, wurde der angeblich Geisteskranke im Schweißbade behandelt, allerdings so energisch, „daz er vil nâch verbrunnen was“[3]. [Illustration: Abb. 15. Anna Ulmerin wird als Hexe im Badzuber von den Stadtknechten ins Gefängnis zu Eßlingen getragen. Bilderbogen von 1551.] [Sidenote: _Schwemmen_] Vom Wasserurteil ist das Hineinwerfen ins Wasser als Strafe ohne Tötung, das Schwemmen, zu unterscheiden. Daß es sich nicht um ein Gottesurteil handelt, geht aus einer, wahrscheinlich 1320 gegebenen Luzerner Verordnung hervor. Gotteslästerer sollten mit Geld gebüßt werden. Wer die Strafe nicht bezahlen konnte, wurde geschwemmt[111]. Es war gleichsam eine Vorstufe des Ertränkens: „Man hat dich ouch z Straßburg geschwemmt Und bist ouch fast kum worden erbätten; Und wo sy dich noch möchtend beträtten, So wurdest du von inen ertrenkt“[12]. In Luzern (Abb. 16) und Zürich nahm man das Schwemmen wörtlich. Man zog den Verbrecher an einem Seile eine vorgeschriebene Strecke den Fluß hinab[112]. Anderorts hatte man Badekörbe (Mülhausen), Wippen, Geigen und Fiedeln, mit welchen der Frevler ins Wasser gelassen und wieder herausgezogen (geschnellt) wurde[113]. Hierher gehört die Wassertauche, ein Verbrechen, das im Altertum häufig, späterhin selten war und darin bestand, daß einer unversehens in Wasser gestürzt wurde, aber mit dem Leben davon kam[106]. Man ging wohl von der Vorstellung aus, dem Gegner damit etwas Schimpfliches anzutun. ~Jeckel More~ von Kederich warf seinen ungezogenen Sohn an ein Seil gebunden in den Bach. Einem herzugeeilten Manne erklärte er, „daz tede er, vmb daz er sich vur Ime deste mehr schemete“[114]. [Illustration: Abb. 16. Schwemmen des Hans Hegenheim in Luzern 1473. Holzschnitt nach der Miniatur aus Diebold Schilling, Schweizerchronik. 1484. Nach ~von Liebenau~.] [Sidenote: _Unfreiwilliges Hineinstürzen ins Wasser_] Mehr scherzhaften Charakter haben ähnliche Gebräuche aus späterer Zeit. 1480 erwähnt ~Anshelm~ in seiner Berner Chronik Mißbräuche in der Fastenzeit. Neben anderem gebietet der Rat, „daß fürohin sollte abgestellt syn das Werfen der Jungfrouwen in die Bäch“[104]. Im Erfurter Zuchtbrief von 1351 heißt es: „Vnser hern verbieten auch, das niemant zu Ostern, zu Pfingsten, noch zu keiner andern Zeit den andern in das Wasser tragen oder werffen sal“[115]. ~Grimm~ erwähnt einen ähnlichen Brauch in Polen und Schlesien. Dort werden am zweiten Ostertage Mädchen, welche die Frühmette verschlafen haben, von den Burschen gewaltsam begossen und mit Birkenruten geschlagen, oder man reißt sie nackt aus den Betten, schleppt sie in einen Fluß oder Röhrentrog, in eine wassergefüllte Krippe und läßt sie das Bad aushalten. In Schlesien nennen sie das „schmagostern“. Der Name kommt auch in Oberhessen vor und heißt, auf Ostern die Rute geben[19]. [Sidenote: _Aufnahme in die Brunnengemeinde_] Anderen Ursprungs ist das Bräuteln in Sigmaringen, d.❆h. das Inswasserwerfen der Neuvermählten. Man nahm es so streng damit, daß sich sogar der Erbprinz Leopold von Hohenzollern und der König von Rumänien vertreten ließen. Es wurde dabei der Neuvermählte um den Brunnen getragen, ihm eine Fußspitze gewaschen. Dann mußte er auf einer Stange reiten und scheint ins Wasser gestürzt worden zu sein[51]. Ich glaube, daß der Brauch eine feierliche Aufnahme in die zum Brunnen gehörige Gemeinde bedeutet. So wird heute noch in Blankenhain in Thüringen am Tage der Brunnenfege jede Familie, die während des verflossenen Jahres in das um den Hütersbrunnen gelegene Stadtgebiet, in die sogenannte Nonnengemeinde zog, von den übrigen Mitgliedern durch Musik feierlich bewillkommnet[72]. [A] Die Nachrichten darüber verdanke ich Herrn Alt-Schulinspektor Dr. ~J. W. Hess~ in Basel. Sie sind Ergänzungen zu dessen Aufsatz im Basler Jahrbuch[39]. [B] Die Sommersonnenwende findet um den 21. Juni herum statt, fällt also nicht mit dem Johannistag zusammen. Man hielt auch beide auseinander. Bei ~Jos. Simler~ findet sich 1576 die Stelle: „Es wirdt aber järlich +vor+ Sant Johans tag zu Sonnwenden ein Eydgnössischer Tag zu Baden gehalten“[60]. Häufiger aber decken sich beide Tage. So machte Seifrit der Futraer 1333 den Armen im Wiener Bürgerspitale eine Schenkung, die sie „an sand Johans tage zu sunniwenden“ zu genießen hatten[16]. Der Inhaber des unteren Bades zu Liebenzell hatte 1403 die Hälfte des jährlichen Zinses „uff s. Johanns tag zu sungethen“ zu zahlen[61], und die Regensburger Bader durften nach einer Verordnung aus dem 15. Jahrhundert ihr Gesinde nicht vor „Sannt johannstag Sunwenden“ dingen[62]. [C] 1580 wurde im Dorf Klein-Engstingen bei Aurach in Württemberg ein Brunnen von saurem Wasser gefunden. Als Merkwürdigkeit wird angegeben (1655), er lasse sich nicht einschließen (wohl wegen der Kohlensäure) und sei doch gesund zum Trinken[83]. [D] St. Winfreds oder Wienfrieds Brunnen, jetzt Holywell genannt, liegt bei dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Flint in Wales. Nach einer älteren Angabe von 1748 gibt die Quelle in der Minute hundert Tonnen Wasser. Ihre Verehrung knüpft an die Enthauptung der heiligen Winefrida an. An der Quelle wächst grünes Moos, das „Winefrids Haar“, das angenehm riechen und mit Erfolg auf eiternde Wunden gelegt werden soll. Nach authentischen Nachrichten wird die Heilung eines Ritters von Bath, der an Aussatz litt (1606), erzählt, ferner die eines Geschwürs nach dreimaligem Baden, die Genesung eines gelähmten Quäkers, sogar die auf einmaliges Baden erfolgte Heilung einer Abgezehrten, die in England, Frankreich und Portugal vergebens Hilfe gesucht hatte. Man trank das Wasser nicht. 1863 wurde es noch meist äußerlich und namentlich bei Schnupfen und Unfruchtbarkeit gebraucht. 1360 wurde die Quelle von Ranulf Hidgen in seinem Polychronikon besungen[70]. [E] ~Floyer~ hatte übrigens in ~Robert Wittie~ einen Vorläufer. In seinem „Fons Scarburgensis“ beschrieb er 1678 die zu Scarborough in der Grafschaft York an der Nordsee gelegene sehr kalte Quelle. Dort tauchten nach ihm die Mütter ihre rachitischen Kinder fünf- bis neunmal mehrere Tage nacheinander ein und ließen sie danach in warmen Betten schwitzen. Krampfkranke sollen eine halbe Stunde darin ausgehalten haben. ~Wittie~ gebrauchte auch Seebäder gegen Gicht mit Nutzen[97]. Auch ~Erasmus~ von Rotterdam berichtet von zwei Brunnen vor einer Kapelle im Weichselland, die der Jungfrau heilig waren und von wunderlicher, sehr großer Kälte und heilsam den Schmerzen des Hauptes und des Magens sein sollten. Er schreibt diese Wirkung aber jedem kalten Wasser zu. Die Hilfe der Jungfrau würde von den Weichselleuten nur zur Ausbeutung der Fremden vorgeschoben[98]. [F] In einer Wessobrunner Pergamenthandschrift von 814 oder 815 findet sich neben dem bekannten Wessobrunner Gebete eine Beschreibung der Begebenheiten bei und nach Auffindung des heiligen Kreuzes und dessen Bewährung. Auf einer der Illustrationen zieht ein Mann einen zweiten an einem Strick aus einem viereckigen Gefäße. (Abbildung bei ~Kugler~)[625]. Ich würde die Darstellung für ein Wasserurteil halten, wenn nicht die Überschrift „ubi ascendit iudas a lacu“ bestände, über die ich auch bei Fachleuten keine Auskunft erhalten konnte. BADEN UND SCHWIMMEN / UNTER FREIEM HIMMEL Das einfache Bad im kalten Wasser war mit Ausnahme der wenigen angeführten Beispiele zu Heilzwecken nicht in Gebrauch. Die Schriftsteller erwähnen das kalte Bad, um es in der systematischen Einteilung der Bäder nicht fehlen zu lassen, und kommen dann zu dem Schluß, daß, wie ~Ryff~ sagt, „solchs baden diser zeit gentzlichen aus der gewonheit kommen, .... dann sich diser zeit niemandts mehr deß kalten badens oder begießens mit kaltem wasser gebraucht, dann die vnerzogen mutwillig jugent zu Sommers zeit mehr der kurtzweil vnd lusts halben, auch etwan schwimmen zu lernen, dann auß notturft“[48]. So schreibt auch der dänische Statthalter Heinrich Rantzau in Schleswig vom kalten Bade im 16. Jahrhundert: „Die jungen leute und handwerckspersonen solche bade im Sommer allermeist gebrauchen, sonsten aber nicht gebreuchlichen“[459]. Ich stimme mit ~Zappert~ überein, daß sich die Jugend zu keiner Zeit den Flußbädern entfremdete und es ihr vom Rhein bis zur Donau stets als Hochgenuß galt, sich während der warmen Jahreszeit im kühlenden Wogengischt tummeln zu dürfen[16]. Die Markomannen und Quaden wollten nicht in Städten wohnen, weil sie dort des Flußbades hätten entbehren müssen[3]. Schon ~Cäsar~ berichtet von dem Baden der Sueben im Flusse und wiederholt es von den Germanen insgesamt, wobei er hervorhebt, daß die ganze Jugend, Mädchen und Knaben, miteinander badete[116]. Die Schwimmkunst war in hervorragendem Maße ausgebildet. Nach ~Tacitus~ waren die Bataver so eifrig im Schwimmen, daß sie mit Pferd und Waffen in geordneten Scharen über den Rhein dringen konnten[117]. Die Franken durchquerten auf ihren Schilden die Rhone; denselben Brauch hatten die Alamannen[3]. Die Fertigkeit im Schwimmen wußten die Römer an den in ihren Diensten stehenden Germanen wohl zu schätzen, nachdem sie dieselbe in den Jahren 69 und 70 zu ihrem Nachteil genügend kennen gelernt hatten[118]. So wurden die Germanen ausgewählt, den anderen Soldaten voran über den Tigris zu schwimmen. Einen Bataver Soranus rühmte Kaiser Hadrian, weil er vor seinen Augen, mit allen Waffen angetan, die Fluten der Donau durchschwamm[116]. [Sidenote: _Schwimmen im Mittelalter_] Seinen Helden schrieb das Volk übermenschliche Geschicklichkeit und Kraft darin zu. Beowulf gewann ein Wettschwimmen, in dem er sieben Tage aushielt und von der Küste seiner Heimat bis nach dem hohen Norden hinaufschwamm. Auch entrann er dem Feinde durch Schwimmen übers Meer und führte dabei noch dreißig erbeutete Rüstungen mit sich[116]. Von Fürsten werden Kaiser Karl der Große und Otto II. als Schwimmer gerühmt. Karls Biograph ~Einhard~ sagt von ihm, er habe seinen Leib fleißig im Schwimmen geübt und verstand es so vortrefflich, daß es ihm keiner darin zuvor tat[119]. Als Otto II. 982 bei Cotrone von den Sarazenen geschlagen war, stürzte er sich zu Roß ins Meer und erreichte nach einem erst gescheiterten Versuche zu Roß ein bekanntes Schiff, das ihn aufnahm[120]. Barbarossa ertrank 1190 beim Baden im Flusse Kalykadnos in Kleinasien. In einzelnen Fällen wurden badende Krieger vom Feinde überrascht, so die Alamannen 367 von den Römern[314], 976 die Bayern bei Pilsen unter ihrem Herzog Heinrich von Kaiser Otto II.[120], und auch 1499 in der Schlacht bei Dorneck griffen die Eidgenossen das Heer des schwäbischen Bundes unerwartet an, als ein Teil in der Birs badete[121]. Im Mittelalter gehörte das Schwimmen zu den sieben ritterlichen Künsten. „Di ander daz her kan geswumme Und in dem wazzir getuche, Sich gewende und gekrumme Uf dem rucke und uf dem buche.“ So die Vorschrift in dem zu Kassel befindlichen Ritterspiegel des 15. Jahrhunderts, und weiter heißt es dort: „Schizin swummen stigin, Sal ein ritter wole lerne, Dese dri stucke in grozin krigin Mag man werlichin kunnen gerne“[122]. Auch die Kirche stand dem Flußbad im Mittelalter und auch später nicht so unfreundlich gegenüber, als gewöhnlich angenommen wird. Zwar finden sich in mittelalterlichen Beichtspiegeln besondere Fragen für Kinder, ob sie sich durch Schwimmen einer Todesgefahr ausgesetzt hätten[123]. Doch badeten die Nonnen von Rathhausen (Cistercienserinnen) im Kanton Luzern noch um das Jahr 1470 in der Reuß und im Rothsee. Sie mußten jedoch ihr Habit anbehalten und durften nur soweit in den See hinausgehen, als es ohne die Schicklichkeit zu verletzen mit emporgehobenem Kleide möglich war. Später wurde ihnen dieses Baden allerdings verboten[124]. Im Nekrologium des Klosters Wettingen ist von 1385–1691 mancher Todesfall von Mönchen verzeichnet, der sich in der am Kloster vorbeifließenden Aare beim Baden ereignete[125]. Der Froschmäusler rechnet neben Fechten, Ballschlagen und anderen Unterhaltungen Gewandtheit im Schwimmen zu den Gepflogenheiten der Studenten: „Wie Jung Geselln zu Sommers zeit, Am Wassr vnd Wiesen suchen freud. Wie auff den Schulen die Studenten, Baden, vnd tauchen gleich den Enten. Schwemmen künstlich, wie Genß vnd Schwanen, Fischen, fahren in Schiff vnd Kanen“[126]. [Sidenote: _Schwimmen der Jugend_] 1548 badeten in Frankfurt auch die Handwerksgesellen täglich im Main, 1484 die Barchentweberknechte sogar noch am Allerseelentage (2. November), was wegen der Jahreszeit vom Chronisten als unvernünftig bezeichnet wird[127]. 1521 wurde von etlichen zu Weißenhorn in Schwaben am heiligen Tag zu Weihnachten in der Rot „von wunders wegen“ gebadet[128]. Offenbar verlief der Winter sehr gelinde. 1660 war der Herbst so warm, daß in Allensbach die „junge Burst“ vielfältig im See badete[129]. [Illustration: Abb. 17. Kinder in Ihren Spielen. Nach Dem Gemälde Von ~Pieter Brueghel~ (ca. 1520–1569).] [Illustration: Abb. 18. Schwimmen der Kinder mit luftgefüllten Tierblasen. Kupfer von ~Conrad Meyer~. Zürich. 1657.] Schon im 13. Jahrhundert wird das Baden unter den Kinderspielen aufgezählt und ein alter Mann, der daran teilnimmt, für dumm erklärt: „Rite ein gra man vf vnd ab Mit cleinen kinden vf einem stab, vnd spilte gerade vnd vngerade vnd ging mit in zewasser pade“[130]. ~Pieter Brueghel~ hat es auf seinem in Wien befindlichen Gemälde der Kinderbelustigungen nicht vergessen (Abb. 17), und der Züricher Kupferstecher ~Conrad Meyer~ bildet es in der Mitte des 17. Jahrhunderts unter den 26 Kinderspielen ab (Abb. 18)[132]. ~Georg Pictorius~, Stadtarzt zu Ensisheim im Elsaß, berichtet 1553, seine Landsleute, hauptsächlich die adeligen, führten zur heißen Sommerzeit ihre Knaben zum Bad nach dem nächsten Flusse[16], im Baderbüchlein (1560) hält er jedoch für seine Pflicht, den Eltern zu eröffnen, „das nit hochuerstendig, so im summer die jugent im kalten wasser badet. Dann ye so find ich geschriben, vnd zeigt es auch gemeiner verstand an, dz actualis frigidatis, das ist des wassers kalte wäsentlichkeit, die poros verschließet“. Die Komplexion des Menschen sei, wie sie wolle, sie ist allweg vor dem Wasser, das vom Sonnenschein erwärmt wird, zu hüten[152]. ~Conrad Heresbach~ (gest. 1576) und ~Johannes Sturm~ empfahlen, daß man Prinzen im Schwimmen übe[16]. Nach ~Ryff~ war das Baden im Flusse in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im „hefftigen Gebrauch“[48], ~Lersner~ berichtet dasselbe 1706 von Frankfurt[133]. Hundert Jahre früher schreibt der nicht gerade badefreundliche steirische Physikus ~Guarinonius~: „Kein Wunder, daß alle Menschen Alter, so sonsten in jhrer Natur vnnd Begierden vnterschiedlich, in diesem nicht anderst, als wir Teutschen im Wein trincken, fast all zusammen stimmen, vnd nichts geliebters dann im Wasser schwimmen, baden, schwemmen, waten vnnd waschen. Vnd gleich wie die newgeborene Kindlein im Wasserbad alles jhres Leyds, Schmertzens vnd Heulens vergessen, also ist der ersten Jugend nichts annemblichers, als im Wasser herumb zu schwimmen, und zu baden“[134]. 1790 lesen wir bei ~Ferro~ in Wien: „Alle unsere Landleute, die an Seen oder Flüssen wohnen, üben sich von Jugend auf im Schwimmen, und man sieht oft ganze Schwärme von Bauern an heißen Sommertagen zu ihrer Belustigung und Abkühlung herumschwimmen. Nur unter den verfeinerten Menschen, besonders in Städten, ist diese natürliche Geschicklichkeit zu einer beschwerlichen Kunst geworden“[135]. Von einem Rückgang des Flußbadens kann höchstens — wenigstens für Zürich — in den siebziger und achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts unter der Stadtbevölkerung die Rede sein, bei der es für pöbelhaft angesehen wurde. Doch finden wir um dieselbe Zeit schon die lebhafteste Agitation für dessen Wiedereinführung. Sie nahm ihren Ausgang, wie schon erwähnt wurde, von England. ~Flover~ als Arzt und ~Locke~ als Erzieher traten zuerst in ihren Schriften dafür ein. „Ich werde nicht nötig haben, es erst zu sagen, daß der Knabe schwimmen lernen muß“, lautet ein Ausspruch ~Locke~s[136]. [Sidenote: _Schwimmen als körperliches Erziehungsmittel_] Man hob besonders hervor, daß Baden im kalten Wasser nicht nur zum Vergnügen, sondern vor allem als körperliches Erziehungsmittel zur Verhütung der Weichlichkeit und Abhärtung der Jugend diene. Eines weniger bekannten Verfechters dieser Ideen sei hier noch gedacht, des Baseler Ratsschreibers (von 1756–1782) ~Isaac Isilin~[137]. Verfehlt muß ~Rousseau~s Vorschlag bezeichnet werden, nach dem die Kinder durch Baden in möglichst kaltem und auch in möglichst heißem Wasser gegen Temperaturschwankungen der Luft unempfindlich gemacht werden sollen[100]. Am vernünftigsten war unter den Erziehern ~Guts-Muths~, dessen kleines Lehrbuch der Schwimmkunst 1798 erschien. In der zweiten Auflage seiner Gymnastik für die Jugend[136] sagt er: „Ich denke mir diese Art des Bades (des kühlen und kalten von den warmen Tagen des Frühlings bis in den Herbst hinein), indem ich als Pädagog schreibe, nie anders als mit Schwimmen verbunden, weil dadurch der Nutzen desselben ungemein gesteigert wird. Ein solches Bad hat seinen entschiedenen, großen Nutzen für gesunde Knaben und Jünglinge. Für gesunde sage ich; denn nur diesen bestimme ich die ganze Gymnastik.“ Im übrigen sagt er: „Bade, wie es dir wohl bekommt.“ Dadurch unterscheidet sich ~Guts-Muths~ vorteilhaft von ~Salzmann~, der an den ihm anvertrauten Zöglingen als Lehrer Kaltwasserkuren in Krankheitsfällen vornahm (Noch etwas über die Erziehung nebst Ankündigung einer Erziehungsanstalt, Leipzig 1784)[138]. [Sidenote: _Verordnungen gegen das Baden im offenen Wasser_] Kehren wir zu vorhergehenden Jahrhunderten zurück, so finden wir unter den Schulmännern durchaus andere Ansichten. Die Sorge um das leibliche Wohlergehen ließ sie Baden in offenem Wasser, Wettlaufen, Springen, zuweilen auch Schlittschuhlaufen verbieten. Solche Vorschriften wurden 1584 für die Hofmeister und Präzeptoren der jungen, elf und acht Jahre alten Herzoge von Bayern, Maximilian und Philipp, gegeben[139]. ~Valentin Friedland~ (genannt ~Trotzendorf~) erließ ähnliche für seine berühmte Lateinschule zu Goldberg in Schlesien[140], und nach seinem Tode wurden sie 1563 erneuert[141]. Sie finden sich um die gleiche Zeit in Schulpforta und noch später unter ~Bertuch~, der von 1601–1621 Rektor war[141]. In der Schulordnung des Hamburger Johanneums vom Jahre 1537 heißt es lateinisch: „Qui — se aquis committunt — poenas graves dabunt“, deutsch übersetzt: „de an dat Water gehn unde sick baden unde schwemmen gelyck alse de Göse edder de Entechen — schälen schwehrlicken gestraffet werden“. Auch in Eßlingen ward in der Schulordnung von 1548 das Baden im Neckar verboten; ebenso war an der Fürstenschule zu Meißen nach der Schulordnung von 1580 das Baden im Flusse der Gefährlichkeit wegen untersagt[118] und zu Bern, wie ~Wilhelm Lutz~, Deutschlehrmeister daselbst, berichtet, 1685 in der Aare, aber in den umliegenden Bächen gestattet[142]. Noch 1736 wurde in Baden durch obrigkeitlichen Erlaß sämtlichen Rektoren und Lehrern befohlen, ihre Schüler „vor dem so gemeinen als höchst gefährlichen und ärgerlichen Baden“ zu warnen und die Übertreter zu bestrafen[18]. Daneben treffen wir behördlicherseits angeordnete, wohl begründete Verbote. Im Stadtrecht von Wiener-Neustadt (1221–1230) wird das Baden im Stadtgraben untersagt, damit der Feind dessen Tiefe nicht erspähe[143]. 1502 hatte in Würzburg der Viertelmeister (Quartiervorstand) zu Haug von Haus zu Haus zu gehen und anzusagen, daß niemand bei Strafe im Stadtgraben baden dürfe[144]. 1554 verordnete ein kurfürstlich St. Ambergisches Gesetz die Abschaffung des Badens im Stadtgraben[16]. Würzburg verbot auch und ließ es 1504 im Stadtteile zu Haug und im Sande von der Kanzel verkünden, das Baden der Menschen des in diesen Bezirken gelegenen Eichelsees. Dort wurde nämlich das Vieh geschwemmt[144]. Wiener Verbote aus den Jahren 1633, 1643 und 1711 betreffen das Bad in der Donau. Die Veranlassung dazu gab 1633 das Ertrinken einiger bezechter jungen Leute[16]. Behördlicherseits wurde auch darauf gesehen, daß die Grenzen des Anstandes nicht überschritten wurden und die Badenden nicht ganz im Adamskostüm auftraten. ~Paulus Behaim~ kaufte 1559 sogar seinem Kinde eine Badehose[123], und ~Hans Sachs~ läßt den Kaiser Julianus nach dem Ablegen der Kleider im „badtmantel“ zum Flußbad gehen und an dessen Stelle den Engel im „badlach“ zurückkehren[29]. 1541 hatten in Frankfurt auf den Eistag oder am Tag St. Petri acht Mann, wie sie Gott geschaffen, ganz nackt und bloß im Main gebadet, getanzt und gesprungen. Dafür wurden sie vier Wochen gefangen gelegt und die Zeit über mit Wasser und Brot gespeist[133]. 1548 wird in derselben Stadt in Anbetracht, daß die Handwerksgesellen, so täglich im Main baden, viel Unzucht treiben, beschlossen, den Meistern in den Handwerken zu befehlen, ihren Dienern anzuzeigen, daß sie hinfür „ir nidercleider“ anziehen. 1550 muß wiederum auf allen Zünften, auch in der Neustadt und in Sachsenhausen, eine Mahnung erlassen werden, daß die Gesellen gedeckt und züchtig baden. Wo sich jemand ungebührlich zeigen werde, solle er gestraft und zur Haft gezogen werden[127]. In Elgg, einer kleinen Gemeinde des Kantons Zürich, wurde 1668 durch Mandat das Zusammenbaden von Knaben und Mädchen verboten[145]. „Weillen das Baden der Jungen Menscher und Bueben Sommerszeit sehr ärgerlich, und vill schlimbes nach sich ziehet“, heißt es in einer Verordnung des Markts „Weickendorff in Marchfelt“, „als will hiemit soches die gnädige Grundobrigkeit dergestalten abgeschafft haben“. Das Verbot trifft nicht etwa Kinder; denn es heißt weiter, daß die erwachsenen Bueben und Menscher (Mädchen)[A], wenn sie beim Baden gesehen werden, gestraft werden sollen. Im gleichen Sinne ist auch die 1748 für denselben Ort vom Abt ~Thomas~ von Mölk getroffene Verfügung aufzufassen, nach der Eltern, die ihren Kindern öffentliches Baden zuließen, um ein Pfund vier Schilling gestraft werden. Erwachsene sollten „gleich aufgehoben und eingespöret werden“[146]. [Sidenote: _Die Furcht vor dem Ertrinken / Maßnahmen gegen Unglücksfälle_] Sehen wir die angeführten Verbote durch, so tritt uns als Badehindernis — neben Gründen der Schicklichkeit — an erster Stelle die Furcht vor dem Ertrinken, namentlich in reißenden und größeren Flüssen entgegen. „Bäche hatte man nicht überall, besonders in Städten. In Flüssen wars zu gefährlich; nebstdem schickte es sich auch nicht für den Wohlstand, öffentlich vor aller Welt sich aus- und anzuziehen. In Wannen sich zu baden, war gegen die Absicht des kalten Bades selbst“, so schildert ~Ferro~ die Ansichten seiner Zeit[135]. Da nun aber trotzdem gebadet wurde, suchten Behörden und Privatleute die Gefahren wenigstens zu mindern. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurden in zahlreichen Orten Anleitungen zur Rettung Ertrunkener (oder überhaupt Verunglückter) herausgegeben. Im letzten Viertel traten Rettungskisten — ich finde sie einmal als Pariser bezeichnet — hinzu, die an geeigneten Orten in der Nähe des Ufers angebracht waren. Sie enthielten neben wollenen Decken zumeist chirurgische Instrumente und Arzneien zur Wiederbelebung Ertrunkener. 1780 fanden sie sich sogar in den kleinen Orten am See und an den Flüssen im Kanton Zürich vor[147]. Immerhin fehlte es in Deutschland noch an Gelegenheit, sich in den Flüssen „sicher und bequem“ zu baden. Frankreich errichtete Badeanstalten. Selbst Polen ging voran, nur Deutschland blieb zurück (~Held~ 1777 in der Vorrede zur Übersetzung von ~Marteau~)[148]. Ich muß hier einfügen, daß man auch schon im Mittelalter für geeignete Stellen zum Baden im Freien sorgte. 1462 liegt zu Meßkirch in Baden eine Weidegrenze „in dem graben bey dem Badwag“[149], der nach ~Fischer~s schwäbischem Wörterbuch ein Badeplatz ist. Auch das mittelalterliche Hausbuch aus dem 15. Jahrhundert zeigt in der Darstellung des Planeten Luna badende Kinder in einer Ausbuchtung des Sees (Bodensees?), zu der Leitern vom Ufer hinabführen[150]. Nach ~Grimm~ wird die Badestelle auch mit Badefleck bezeichnet[151]. Doch versteht der Meistersinger ~Hans Foltz~ (15. Jahrhundert) darunter etwas anderes (siehe S. 118). [Sidenote: _Die sogenannten Flußbadeanstalten_] Die erste Flußbadeanstalt errichtete 1760 ~Poitevin~ in Paris. Sie lag auf zwei Schiffen in der Seine. Das größere davon war fest verankert und trug ein zweistöckiges Gebäude, das kleinere ein einstöckiges und konnte fortbewegt werden. Das Flußwasser wurde in beide Häuser gepumpt und nach Filtration in Wannen zum Bad verwendet[4]. Man konnte dort aber auch im Flusse schwimmen lernen und baden[97]. Nach einer Schilderung von 1803 befanden sich in der Anstalt Heizvorrichtungen zum Erwärmen des Badewassers. Auch eine angebrachte Brause, die vom oberen ins untere Stockwerk fiel, war für warmes Wasser eingerichtet[4]. Diese ~Poitevin~sche Anstalt, ursprünglich wohlfeil, wurde immer eleganter eingerichtet, und 1835 kostete ein Bad einen Louisdor[97]. Sie kann nicht als Muster unseres heutigen deutschen Schwimmbades angesehen werden, obwohl sie für einzelne deutsche Bäder vorbildlich wurde. Dahin gehört das 1800 vom Frankfurter Arzte ~Kohl~ auf dem Main errichtete Badeschiff[153]. Man erhielt darin neben einfachen warmen Wasserbädern auch Stahl-, Kräuter-, Schwefel-, wohlriechende Seifenbäder, ein künstliches Wiesbad (Wiesbaden) und künstliche Seewasserbäder. In nett möblierten Badezimmern mit Wannen von weißem englischen Doppelblech konnte man hier das kalte Mainflußbad (!) mit mehr Sicherheit und Bequemlichkeit isoliert gebrauchen. (~Kohl~ selbst sagt übrigens davon nichts.) In der Nähe der Anstalt war eine schöne Esplanade angelegt, wo die Badegäste vor und nach dem Bade Mineralwasser trinken und lustwandeln konnten[4]. Man muß nach dieser Schilderung nicht mehr von Flußbadeanstalten, sondern von Bädern mit Flußwasser sprechen. Sie sind den ihnen nachgebildeten gleichwertig, die „reines“ Brunnenwasser verwendeten und den Winter über geöffnet waren. Da die Schriftsteller beide Arten nicht immer auseinander halten, auch in einzelnen Anstalten bald warme, bald kalte Bäder gereicht wurden, will ich sie zusammen besprechen. Sie waren in erster Linie für den reichen Mann bestimmt und traten als Konkurrenten der Kurorte auf. ~Schreger~ sagt 1803 vom ~Kohl~schen Badeschiffe: „Viele Frankfurter Einwohner, welche sonst auswärtige Bäder besuchen, erhalten durch dieses gemeinnützige Institut Befriedigung ihres Bedürfnisses an ihrem Wohnorte, wobei sie viele Kosten ersparen und während der Badekur ihre Berufsgeschäfte forttreiben können“[4]. In Sagard auf Rügen errichtete 1795 ein Prediger ~Willich~ auf seine Kosten ein Badhaus, das mit Brunnenwasser gespeist wurde. Es enthielt zwei Steinbäder in der Erde, die ursprünglich für kaltes Wasser bestimmt waren und nur auf schriftliche ärztliche Verordnung benutzt werden durften. Auch ein Sturzbad war angelegt. Später kamen warme Bäder hinzu. 1800 hatte das Badehaus Billard-, Tanz- und Spielzimmer. Pharao war jedoch verboten[153]. Frankfurt besaß 1803 eine zweite Badeanstalt in der Stadt, die ein Uhrmacher ~Hof~ in seinem Hause errichtet hatte. In Nürnberg war 1803 aus älterer Zeit her eine öffentliche Anstalt im sogenannten Fechthause mit mehreren Badezimmerchen in Gebrauch. Von Ärzten wurden Badeinstitute 1797 in Bayreuth durch ~von Schallern~ mit warmen und Flußbädern und einem Spritzbade, 1798 (?) durch ~de la Roux~ in Celle mit künstlichen Bädern, in Bremen von ~Heineken~, 1803 (?) von ~Welper~ in Berlin errichtet. Ballenstädt am Harz bekam 1802 am Riederschen Bache eine Badeanstalt mit warmen und kalten Bädern. Eine größere scheint die im selben Jahre vom Stadtwundarzt ~Meyer~ in Braunschweig beim Einfluß der Oker errichtete gewesen zu sein. Sie lag auf einem Floß, hatte vierzehn Zimmer in Abteilungen zu kalten und warmen, als auch Tropf-, Spritz- und Dampfbädern. Alle auswärtigen Mineralwasser zum Trinken, sowie Stahl-, Schwefel-, Kräuter-, wohlriechende Seifen-, künstliche See- und Mineralbäder waren daselbst zu haben[4]. In Wien wurde 1804 das Dianabad erbaut[154] Mannheim hatte 1807 mehrere Bäder, von denen sich diejenigen der Herren ~Etienne~ und ~Hagenmeier~ durch große Gartenanlagen auszeichneten. In der ~Hagenmeier~schen Anstalt erhielten Arme, deren Krankheit bezirksärztlich bescheinigt war, „freie, einfache und componierte Bäder“ gratis. Im gleichen Jahre sagt ~Wichelhausen~: „In Deutschland dürften jetzt wohl wenige bedeutende Städte vorhanden sein, wo nicht Fluß- und andere Badeanstalten angelegt worden wären“[155]. [Sidenote: _Die echten Flußbadeanstalten_] Kehren wir zu den kalten Bädern im Flusse zurück. Die eingepfählten Badeplätze und kleineren Häuschen am Ufer, in denen man badete, scheinen 1803 schon häufig benutzt worden zu sein[4]. 1792 hatte aber Jena trotz der zahlreichen Studenten keinen beaufsichtigten Badeplatz. Gebadet wurde dennoch. Es konnte, wie der Jenaer Professor ~Gruner~ mitteilt, nicht verhindert werden[156]. Die erste große deutsche Badeanstalt wurde auf dem Rhein bei Mannheim 1777 errichtet[157]. Ihre genauere Einrichtung konnte ich nicht ermitteln. Sie lag mitten im Flusse, stieg und sank mit diesem und hatte Vorrichtungen, durch die man sitzend das Bad gebrauchen konnte. Der Zulauf war sehr bedeutend. „Das Gedränge des Volks, sich dieses heilsamen Instituts zu bedienen“, sagt ~Ferro~, „das Frohlocken der Ärzte, die itzt endlich einmal ein Mittel gebrauchen konnten, womit sie der überall eingerissenen Nervenschwäche, die eben so sehr den Arzt als den Kranken quält, Einhalt zu thun im Stande waren — dieß sind offenbare Beweise, daß itzt nicht mehr Verzärtlung, nicht Eigensinn, nicht Dummheit, sondern bloß der Mangel an Gelegenheit die Schuld des Aufschubs gewesen war“[135]. Schon 1778 badeten Gesunde und Kranke aus Mode blindlings darauf los, weil man die Rheinbäder für ein untrügliches Mittel gegen alle Übel ansah. Das veranlaßte den Heidelberger Professor ~May~, eine ernste Mahnung an seine lieben, guten Mitbürger zu erlassen, in der er die Bäder nur Gesunden für zuträglich erklärte und nur dann, wenn sie recht gebraucht würden. Vor allem hatte er zu tadeln, daß man ruhig im Bade saß, ohne sich zu reiben. Manche aßen sogar Schinken und Butterbrot und zechten. Schwangere Frauen hatten Blutflüsse erlitten, Kranke bekamen Blutspeien, Husten, Schnupfen und dergleichen mehr. Manche Badenden konnten sich nicht wieder erwärmen[158]. 1774 errichtete ein Schiffer in Frankfurt auf dem Main eine Badeanstalt für Frauen[127], über die ich nichts näheres erfahren konnte. [Sidenote: _Die Flußbadeanstalten zu Wien und Dessau_] 1781 kündigte der Wiener Arzt ~Ferro~ seine Badeanstalt auf der Donau an. Er bezeichnete sie als neu eingerichtete englische Bäder, wohl weil die Engländer das kalte Bad, namentlich das im offenen Meere, in Aufschwung brachten. Von englischen Flußbadeanstalten ist mir nichts bekannt. Sie genoß der besonderen Gunst Kaiser Josephs, auf dessen Befehl zu einem bequemeren Besuch des Bades die hintere Tür des Augartens gegen die Brigittenau ständig offen gehalten wurde. Trotzdem wurde ~Ferro~ von den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~ wegen seiner Ankündigung angefeindet[159]. Die Anstalt bestand aus einem Floß mit Badehäusern und durchbrochenen Senkkästen (Abb. 19/20). Diese waren in der Größe verschieden, für einzelne Personen und auch zum gemeinsamen Gebrauch, in denen auch geschwommen werden konnte. Interessant ist, daß ~Ferro~ von den letzteren sagt, sie seien von vielen Personen, die schamhaft sind und sich deshalb nicht gern in Gesellschaft baden wollen, gemieden worden[135]. [Illustration: Abb. 19. Die Ferrosche Flußbadeanstalt in Wien. Kpfr. aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.] Nach ~Ferro~s Muster wurde in Dessau 1802 die ~Olberg-Thorspeden~sche Anstalt auf der Mulde errichtet. Sie bestand aus zwei Kähnen mit drei von doppelten Leinwandwänden eingeschlossenen Zimmern[4]. Warme Bäder gab es in diesen Anstalten nicht. Dagegen hatte ~Ferro~ zur Abkühlung vor dem Bade eine Brause, die er als Spritzbad bezeichnet, angebracht. Sie war übrigens nicht ~Ferro~s geistiges Eigentum. Der Pyrmonter Badearzt ~Marcard~ hat das kalte Traufbad (Shower bath) aus England zuerst in Deutschland eingeführt[160]. Die Gelehrten stritten um diese Zeit untereinander, ob man nach deutscher Art mit den Füßen voran langsam ins Bad einsteigen oder sich nach englischer plötzlich ins Wasser werfen solle, womöglich mit dem Kopfe voran. Was hier als deutscher Brauch bezeichnet wird, dürfte wohl aber nur für die jene Anstalten besuchende verzärtelte Stadtbevölkerung Geltung gehabt haben. Der Kopfsprung war in Deutschland längst in Gebrauch (siehe S. 56–58). [Sidenote: _Das Plongier- oder Sturzbad und sein richtiger Gebrauch_] Die englische Sitte führt den Namen Plongier- oder Sturzbad. Im freien Flusse schloß sich das Schwimmen daran an. Wurden die Sturzbäder in großen Kästen genommen, so galt die Vorschrift, nach dem Eintauchen das Bad sofort zu verlassen. Es konnte mehrere Male wiederholt werden. Auf keinen Fall sollte man aber im Bad weiter verbleiben. Wir sehen hier das heutige ~Priessnitz~sche Vollbad der Wasserheilanstalten oder Bassinbad, wie es ~Matthes~[161] nennt, vollkommen ausgebildet. Der oft mit Unrecht als Kaltwassergegner bezeichnete ~Marcard~, der es in Pyrmont errichtete, gab uns 1793 die heute noch gültigen Vorschriften, es richtig zu gebrauchen. Als er sich 1775 eingehender mit den englischen Bädern beschäftigte, kam er zu der Ansicht, daß man in Deutschland das kalte Bad falsch gebrauche. Die richtigen Vorschriften, die er gibt, sind folgende. Man soll nicht erhitzt ins kalte Wasser gehen. Das war schon früher bekannt. „Aber ein Irrtum ist es denn doch auch, wenn man meint, man müsse aus der größten Ruhe des Körpers ins kalte Bad gehen. Viel besser ist’s, den Körper vorher ein wenig bewegt zu haben. Dieses ist .... eine Regel, welche die Engländer befolgen (~Marcard~ ist meines Wissens der erste, der sie angibt), und die sehr vernünftige Gründe hat. Die Engländer waren daher auch sehr wohl damit zufrieden, daß das neue Pyrmonter Plongierbad einige Minuten außerhalb Pyrmont angelegt sei, weil durch diesen kleinen Gang der Körper in einige Bewegung gesetzt wird.“ Allzugroße Ruhe vor dem Bade hat Frieren, Unbehaglichkeit und Bedrücktheit nach demselben zur Folge, was auch der Fall bei zu schwacher Konstitution ist. Bei einigen lassen sich die unangenehmen Folgen etwas mindern durch starkes Frottieren nach dem Bade. Ein jedes kalte Bad muß kurz sein, falls man nicht schwimmt oder sonst die Muskeln bewegt. Das gilt um so mehr, je kälter das Bad ist. Das eigentliche Plongierbad, das sofort nach dem Eintauchen verlassen wird, kann kälter als das Schwimmbad sein. Mittelschwache Personen vertragen das ganz kurze Bad noch leidlich, aber ganz schwache vertragen auch dieses nicht. „Kurz baden die Engländer in ihren eigentlichen kalten Bädern, und ihr häufiger Gebrauch seit 100 Jahren konnte sie wol die beste Methode lehren.“ Eine Abhärtung ist nicht durch langes kaltes Baden, sondern durch öftere kurze kalte Bäder zu erzielen. „Der Engländer springt plötzlich ins Wasser, kehrt sich darin um, und in wenigen Sekunden geht er wieder heraus; er wiederholt zuweilen diese Operation zum zweiten, ja sogar zum dritten Male; alsdann läßt er sich trocken abreiben, kleidet sich an und macht sich Bewegung.“ Das Trockenreiben soll mit ungewärmtem Tuche geschehen. Nach demselben geht man an die Luft, zumal an die Sonne, oder reitet, wenn es das Wetter erlaubt. Bleibt man zu Hause, muß man sich da auch stärkere Bewegung machen, nicht gleich zum Schreiben oder Lesen hinsetzen. Gute Bewegung, zumal in freier Luft, ist nach dem kalten Bade höchst nötig; aber man muß sich nicht in Schweiß laufen. Nach dem Bade zu Bett zu gehen, ist in den meisten Fällen der Absicht dieses Mittels geradeswegs zuwider. [Illustration: Abb. 20. Querschnitt der Ferroschen Badeanstalt. Kpfr. aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.] ~Ferro~ war (1790) etwas ängstlicher. Er warnte vollblütige und auch blutarme Personen vor dem Sturzbade. Von letzteren sah er einige wie vom Schlage getroffen nach dem Bade, manchmal auch tödliche Ohnmachten. Er ließ den Badenden an einem Seile durch das Wasser fahren. Andere benutzten eine Schaukel, die eine Erfindung ~Cesaratis~ war. Man sprach dann von Schwungbädern[4]. Auch ~Ferro~ hielt das kälteste Wasser für das geeignetste, nur beim nachfolgenden Bade sollte Brunnenwasser als zu kalt nicht verwendet werden. Er ließ die Sturzbäder in einem seiner Senkkästen nehmen. [Illustration: Abb. 21. Hilfsapparate zum Schwimmen gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Kupfer von ~Schellenberg~. Aus: XI. Neujahrstück ab dem schwarzen Garten. Zürich 1796.] [Sidenote: _Abarten und Ersatz des Sturzbades_] Als Ersatz für die Sturzbäder galten (1803) plötzliche Übergießungen von kaltem Wasser in starkem Strome[4] und als mildeste Form das schon genannte Regenbad (Shower bath), das Spritzbad ~Ferro~s, das aus einem siebartig durchlöcherten Blechgefäß auf den Badenden herabfiel. Die genannten Bäder können für den Gesunden nur als minderwertiger Ersatz des Schwimmens gelten. Wie sehr man die Gefahr vor dem Ertrinken noch fürchtete, geht aus der Anlage des Schwimmkastens im ~Ferro~schen Bade hervor. Selbst in der ~Salzmann~schen Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal schwammen die Schüler in einem großen Wasserbehälter[136]. [Sidenote: _Schwimmen und Schwimmapparate_] Unseren heutigen Schwimmunterricht schuf ~Guts-Muths~. Von ihm stammt der Schwimmgürtel und die Angel. ~Ferro~s Anleitung ist viel schwülstiger und umständlicher. Beide stimmen darin überein, daß neben dem Schwimmen auch Wassertreten und Tauchen zu üben sei, was wir ja auch in früheren Jahrhunderten schon finden. ~Maaler~s Lexikon verzeichnet 1561 das „Wasser trätten“. Man schwamm, schwäbte und fuhr auf dem Wasser, schoß auch „underhin“[162]. Vor Ausbildung unseres heutigen Schwimmunterrichtes lernte die Jugend, wie mancherorts noch jetzt, das Schwimmen durch Hilfsapparate (Abb. 21). Meist sind es aus Rohr oder Binsen gefertigte Bündel, zwei Rindsblasen, Flaschen aus Kürbis, Büchsen aus Blech, lederne Kissen, die durch einen Riemen verbunden waren, auf den sich der Schwimmende legte. Es kommen auch Rinden (~Conrad Clauser~, 1598), lederne Brustgürtel (~Guarinonius~, 1610) und solche aus Pantoffelholz (Kork) vor. Bei unvorsichtigem Gebrauch waren diese Apparate sehr gefährlich. Die „Windmaschinen“ konnten platzen, oder der sie verbindende Riemen glitt an das Fußende, wodurch der Kopf nach unten zu liegen kam (Abb. 18). Auch beim Gürtel, wenn er nur Kork auf der Brustseite enthielt, konnte der Badende bei Wendung auf den Rücken ertrinken. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen aus Frankreich besonders gut gearbeitete Schwimmgürtel, unsere heutigen Rettungsgürtel, unter dem Namen Scaphander nach Deutschland, unter denen sich der „Bachstromische Curas“ auszeichnete[135]. Daneben finden wir Apparate, die das Schwimmen ersetzen sollten. Meist waren sie Geheimnisse ihres Erfinders und wurden zufällig bekannt gegeben. Die Züricher Kantonsbibliothek bewahrt ein Papiermanuskript aus dem 15. Jahrhundert, das technische Fertigkeiten, zumeist kriegswissenschaftliche, abbildet. Dort geschieht das Schwimmen in lufthaltigen Stiefeln, die mit Platten an den Sohlen beschwert sind (Abb. 22/23). Eine andere Abbildung zeigt einen doppelwandigen, mit einer Platte beschwerten Taucheranzug für nahezu den ganzen Körper (Abb. 24). 1615 gab ~Franz Kessler~ in Wetzlar die „sonsten lang geheime, unglaubliche Kunst“ bekannt, in „Lufthosen“, die an den Sohlen mit Blei beschwert waren und Flußfedern zum Steuern trugen, übers Wasser zu gehen. Im Prinzip gleichen sie den vorigen. Sein Wasserharnisch ist eine aus Rindshäuten hergestellte Taucherglocke (Abbildungen bei ~Scheible~)[163]. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehren sich dergleichen Apparate. Sie sind sämtlich als Westen gearbeitet. 1782 ließ ein Ungenannter einen solchen durch den königlichen Juwelier Jolly in Berlin ankündigen[164]. Ein Herr ~Leconte~ in Paris empfahl 1787, sein „gilet hydrostatique“ unter dem Frack zu tragen, um bei Unglücksfällen durch Aufblasen desselben in zehn bis zwölf Sekunden dem Tode zu entrinnen[165]. Schließlich arteten diese Apparate in Spielereien aus. Der Tübinger Professor ~Ploucquet~ ging so weit, daß er 1798 vorschlug, im Scaphander oder einem aus Pantoffelholz selbst gefertigten Schwimmgürtel, der zur Sicherheit mit einem Schenkelriemen versehen sein sollte, einen Sonnenhut auf dem Kopfe, die nötigen Kleidungsstücke auf dem Rücken, mit einem Ruder in der Hand, ganze Landseereisen zu machen. Er konstruierte ein Wasserbett und einen Wasserstuhl, die, im Flusse festgelegt, dem Nichtschwimmer den Genuß eines Bades unter freiem Himmel schaffen sollten. Die Apparate konnten auch zwischen zwei Kähnen angebracht werden, mit denen der Badende herumfuhr. Ähnliche Vorrichtungen waren bei Konstanz auf dem Bodensee unter dem Namen des Wasserschlittens schon vorher in Gebrauch[166]. [Sidenote: _Schwimmen in den Erziehungsanstalten und beim Militär_] Die wahre Volkstümlichkeit erhielten die Flußbadeanstalten durch Errichtung derselben von seiten der Militärbehörden, wo auch der gemeine Soldat und ebenso der Bürger sein Bad nehmen konnte. In den Erziehungsinstituten des 18. Jahrhunderts, die namentlich adelige Knaben aufnahmen, war, wie schon erwähnt wurde, das Schwimmen eingeführt. Die Eleven (Karlsschüler) in Stuttgart badeten, um den Körper zu stärken[135]. In der Schnepfenthaler Anstalt fanden Dauerschwimmen statt. Bei einem solchen ging ein Schüler aus Genf als Sieger hervor, der in ein und drei viertel Stunde fast eine drittel deutsche Meile zurückgelegt hatte. Wettschwimmen wurden in Kopenhagen unter den Zöglingen des gymnastischen Instituts, den Artillerie- und den Seekadetten veranstaltet, unter den letzteren sogar in Kleidern (~Guts-Muths~, 1804). [Illustration: Abb. 22/23. Hilfsapparate zum Wassertreten und Schwimmen im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.] 1817 führte General ~von Pfuel~ das Schwimmen in der preußischen Armee ein[167], und 1839 wurde die erste militärische Schwimmschule zu Graz in Österreich errichtet[168]. Es ist nicht uninteressant, die Flußbadeverhältnisse einer einzelnen Stadt durch mehrere Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Aus naheliegenden Gründen wähle ich Zürich, zumal sich für keine andere Stadt ein größeres Material vorfinden dürfte. [Illustration: Abb. 24. Taucheranzug im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.] [Sidenote: _Nic. Wynmanns Bericht vom Jahre 1538 über die Schwimmkunst der Züricher Jugend_] ~Nicolaus Wynmann~, gebürtig aus dem Saanetale, hat im Jahre 1538 als Professor der alten Sprachen in Ingolstadt ein lateinisches Gespräch veröffentlicht, das den Titel „Colymbetes sive de arte natandi“ trägt und Jugenderlebnisse des Verfassers in Zürich schildert[169]. Ich gebe es in der Übersetzung ~Gustav Freytag~s wieder[170]. „Pampinus: Da ich noch als Knabe zu Zürich in Helvetien mich aufhielt, gingen unser oft zwanzig bis dreißig Schüler zusammen in das Schilfwerk am Seeufer. Erotes: Was wolltet ihr da machen? P.: Jener Ort ist ungefähr tausend Schritte von der Stadt entfernt. E.: Weiter. R: Dort fertigte sich jeder aus dem Schilfe, das in der Seebucht eine bedeutende Höhe erreicht, ein Bündel, befestigte es um den Leib, so daß er mit vorgestrecktem Kopf und Hals einer Gans ziemlich ähnlich sah; an das Bündel knüpfte er sein Hemd — denn die übrigen Kleider ließen wir gewöhnlich zu Hause — und so, von unsern Rohrbündeln getragen und nur mit den Füßen rudernd, schwammen wir in Reih und Glied in den See hinaus. E.: Die Verwegenheit dieser Knaben in einem so tiefen See hätte wohl der Lehrer mit einer guten Rute züchtigen dürfen. R: Draußen im See, vierzig Schritte vom Ufer, war eine sehr große steinerne Bildsäule des heiligen Nikolaus, die auf einem mächtigen Fels ruhte. E.: Besser hätte da der heilige Christoph hingepaßt. P.: Nachdem wir den Heiligen in geordneten Reihen dreimal umschwommen und pflichtgemäß gegrüßt hatten, da er doch der Jugend gütiger Schutzpatron ist, kehrten wir um und steuerten gerade der Stadt zu. E.: Auf so weitem Wege? R: Allerdings. Jeden, der aus der Reihe gewichen wäre, traf die Strafe, daß er zu Hause sein Pferd (?) verlieren sollte. E.: Eine schwere Buße. R: In geordnetem Zuge schwammen wir unter dem Wassertor der Stadt durch, da wo die Limmat aus dem See zu fließen beginnt. Dann stimmten wir ein bekanntes Lied an und schlenderten fröhlich mitten durch die Stadt nach Hause. E.: Ich bin ganz erstaunt. Aber wie? Lerntet ihr Knaben alle schwimmen ohne irgendwelche Hilfe? P.: Ganz gut. E.: Woher lernen denn dort die Knaben so geschickt schwimmen? P.: Du weißt, was gute Lehrer in jeder Kunst ausrichten können und was eine anhaltende Übung, die beste Lehrmeisterin, vermag; dazu kommt als neuer Reiz ein herrlicher Fluß und der nahe See. Man möchte behaupten, daß die Kinder die Kunst mit ihrer Geburt fast spielend erlernen. E.: Die Kunst der Enten meinst du, nicht der Menschenkinder. P.: Der Unterricht in dieser Fertigkeit geht gleichsam von einer Hand in die andere. Kurz, du könntest da, wie das Sprichwort sagt, die echten Schwimmer aus Delos sehen. Und nicht nur Knaben, sondern auch Mädchen würden dir ein angenehmes Schauspiel bieten. E.: Mädchen sagst du? P.: Ja freilich. An hellen Sommerabenden, wenn das Wasser durch die Sonne des Tages erwärmt worden, baden sie scharenweise nach dem Nachtessen; man möchte glauben, daß Delphine im Wasser spielten. E.: Es wäre nicht zu verwundern, wenn alle Seegötter und Göttinnen als Schutzgeister des Ortes da wohnten. P.: Von den Erwachsenen lernen die Knaben; und es gibt auch hierin gewisse Lehrer; wie wir von den Delphinen lesen, daß sie ihren Jungen einen bejahrten Meister anweisen, von dem sie lernen können, was ihnen einst zum schnellen Erhaschen der Beute von Nutzen sein wird. E.: Glaubst du, daß dies wahr sei? P.:Gewiß ist es wahr. Doch ich will zu meinem früheren Gegenstande zurückkehren. E.: Ganz recht. P.: Vom frischen Bade gehen sie meist bald schlafen ohne Kleider. E.: Die zärtlichen Asiaten! P.: Wir sahen so oft Paare gleichsam im Wettstreite weite Strecken hinausschwimmen, Manns- und Frauenspersonen, ähnlich wie zwei zusammengespannte Rosse. E.: Was höre ich? P.: Was ich sage. E.: Was sagst du, Pampinus? P.: Was du hörst, oder vielmehr, wie es wirklich zugeht. E.: Wie, schämen sich jene nackten Mädchen denn nicht? P.: Sie tragen Hemden, die hierzu bequem eingerichtet sind. E.: Ich glaube, daß Mädchen, wenn sie einmal sich die Fertigkeit erworben haben, in dieser Kunst mehr Gewandtheit zeigen als Männer. P.: Über den feinen und trefflichen Mann! Glaubst du das wirklich? Wärst du nicht ein wenig neugierig? E.: Wenn ich nicht irre, pflegt man wohl unter dem Baden süße Gespräche, wofern nicht traute Umarmung gestattet ist. P.: Ja bisweilen wird auch eine Vermählung geschlossen, nicht mit dem Beistand der Juno, nur der Nereiden. E.: Nach Art der Frösche! Es sind völlige Amphibien wie in der Fabel. P.: So etwas siehst du kaum anderswo. E.: Wer lehrt denn die Enten, Gänse, Wasserhühner und Taucher sogleich schwimmen, wie sie geboren sind? Denn über die Fische wundere ich mich nicht. P.: Die Natur. E.: Aber wie schwimmen sie denn so leicht einher? P.: Ihre breiten, biegsamen Füße gebrauchen sie ganz bequem wie die unteren Enden der Ruder. Sie breiten sie aus und falten sie beim Zurückziehen wieder zusammen. Denn die Federn, welche bei diesen Vögeln nur wenig benetzt werden, mögen in nichts hindern und eher in die Höhe heben als senken. Ja, du kannst dasselbe an mehreren Vierfüßern bewundern. E.: So ist also der Mensch das einzige Geschöpf, das unglücklich und in allen diesen Dingen unwissend zur Welt kommt? P.: So will es unser, der Sterblichen, Los. Aber noch mehr würdest du dich wundern, wenn du sähest, wie man sich von hohen Brücken herabstürzt, was auch in Basel und Konstanz geschieht. Es gibt in Zürich eine schöne Kirche, welche gleich einem Schiffschnabel hinausgebaut ist und nach dem Wasser genannt wird. E.: Und weiter! P.: Ringsum ist dieselbe von Wasser umgeben, außer da, wo auf schmaler Strecke eine kunstvolle Brücke an die Kirche angebaut ist. E.: Erzähle weiter. P.: Dort könntest du im Sommer einen merkwürdigen Wettstreit der jungen Leute sehen. In diesem Umkreise folgen sie einander schnellen Zuges gegen den äußern Teil der Kirche hin, wo wie am Vorderteil eines Schiffes die Strömung des Flusses anprallt und nach beiden Seiten sich teilt. E.: Und dann? P.: An dieser Stelle stürzen sie sich in die Tiefe des Flusses und zwar nach der Reihe. Es ist vom Rate erkannt, daß, wer im Begriffe herabzustürzen, den nächstfolgenden nicht beim Namen ruft, oder wer nicht aus der Tiefe irgend ein Zeugnis, z.❆B. ein Steinchen oder etwas anderes mit sich heraufbringt, dadurch gestraft werden soll, daß er mit angezogenem Hemde von anderen herabgeworfen wird. E.: Eine harte Bestimmung. P.: Dir, mein Erotes, wäre das wohl unerträglich. Du sähest da zuerst geflügelte Knaben, dann Forellen, zuletzt Grundeln; denn der Fluß ist durchsichtig wie Glas. E.: Man dürfte sich nicht wundern, wenn sie im Herabstürzen mit dem Kopf gefährlich auf den Grund aufstießen. R: Sie werfen sich nieder mit vorgehaltenen Händen. E.: Warum nicht mit den Füßen voraus? P.: Willst du das wissen? E.: Allerdings. P.: Es ist weniger Gefahr dabei. Denn nicht gering ist die Gefahr, daß, wenn du mit ausgebreiteten Füßen herabspringst, dich das heftig strömende Wasser mitten durchschneide, was anderswo öfter begegnet ist. E.: Du sprichst da von unerhörten Dingen. Etwas so Weiches soll einen Körper verletzen können? P.: Verletzen? Wisse, das Wasser, welches in seiner Strömung aufgehalten wird, ist etwas so Gewaltsames, daß, wenn du die Klinge eines Schwertes hineinstößest, diese schneller bricht, als ein noch so harter Stein. E.: Du erzählst von einer wunderbaren Eigenschaft des Elementes. P.: Wenn ich noch etwas werde beigefügt haben, werde ich von den Zürichern Abschied nehmen, was vielleicht schon früher hätte geschehen sollen. E.: Sei versichert, daß mir alles, was du erzähltest, sehr angenehm war. P.: Wir sahen in jenem See einmal einen Schulherrn, der unglücklich aufgefangen wurde. E.: Wieso? P.: Da er allein schwamm, widerfuhr ihm, daß er mit seinen etwas zu tief gestreckten Füßen in Wasserkräuter sich verwickelte; nachdem er lange vergeblich sich zerarbeitet hatte, sank er zuletzt müde zusammen. Als einige Fischer dies bemerkt und ihn mit Mühe aufgefunden hatten, zogen sie ihn mit einer Stange heraus. Nachdem er ans Ufer getragen worden war, wurde er auf Befehl einer abergläubischen alten Frau, nutzlos, aus dem kalten in ein warmes Bad getragen. E.: Eine unangenehme Waschung war das[B]. P.: Damit er, denke ich, durch die Wärme, erquickt wie eine Feldgrille wieder neu auflebe. Etwas Ähnliches ist daselbst einer Schwimmerin von schöner Gestalt begegnet, wie ich mit eigenen Augen gesehen. E.: Meinst du eine Wasserschlange? P.: Nein, sondern ein hübsches Mädchen, eine Nymphe, würdest du sagen. E.: Warum bist du denn nicht mitleidig der zugrunde Gehenden zu Hilfe gesprungen? P.: Was sollte ich tun, da ich noch Knabe war ... Das herrlich schöne Mädchen starb in der ersten Blüte ihrer Jahre eines traurigen Todes[C]. O hätte doch ein gütiger Gott sich ihrer Jugend erbarmt und sie demselben entrissen, auch wenn er sie plötzlich in einen Vogel verwandelt haben würde! E.: Für eine runzlige Alte oder einen alten Kracher hättest du, das weiß ich sicher, nicht soviel Mitleid empfunden.“ [Sidenote: _Zwinglis und anderer Ansicht über das Schwimmen der Jugend_] Nicht gerade wohlwollend drückt sich ~Zwingli~ über das Schwimmen aus: „Schwimmen syhe ich wenig leütten dienen wiewol es zuweylen dem leyb gut ist das man schwimmet vnd zu ainem visch wirt. Doch ist das schwimmen vnder weylen zu ettlichen fellen gutt gewest. Also ist etwa ainer auß dem Capitolio geschwummen der dem Camillo der Römer obristen Feldthauptman von dem erbermlichen zustandt der stat Rom botschaft bracht. So ist die edel Römisch Junckfraw Clelia auch wider zu den jren geschwummen“[171]. 1525 wurde folgendes Mandat erlassen: „Unser Herren Bürgermeister und Räte der stadt Zürich gebietend mänklichem der iren, jungen und alten, daß hinfür niemas mer so man im Sew badet, uf die räder beider bruggen stigen und darab in Sew springen solle; deßglichen, daß keiner hinfür mer, so er badet, ein sölich unwesenlich geschrei und brüelen füere, als dann bishar beschechen ist, alles bi 10 s. buoß“[172]. Allzulange wurde dieses Verbot nicht befolgt. Der ~Murer~sche Stadtplan von 1576, auch ein Glasgemälde von 1661 zeigen das Hinunterspringen von der Brücke[173], und eine Scheibe im Seidenhofzimmer des Schweizerischen Landesmuseums von 1581 (Abbildung bei ~Rahn~[174]) stellt den Kopfsprung eines völlig nackten Knaben vom Wasserrade dar. 1576 sagt der Züricher ~Josias Simler~: „Darzu acht ich, das nit ein volck in der Christenheit funden werde, weliches sich also übe mit schwümmen, also daß sy über die großen See, deren vil in dem land sind, auch mächtige vnd starcke rünnende wasser leychtlich schwümmen, etwan hoch hinab in die wasser springen“[60]. 1586 zerbrach sogar an der unteren Brücke „die Lähne nächst dem Wasserrad“ von der Last des vielen darauf gelegenen Volkes, welches jungen Knaben, die sich mit Springen und Schwimmen in der Aa (Limmat) ergötzten, zuschaute. Ein gut Teil davon stürzte ins Wasser[173]. [Sidenote: _Eschers Bericht vom Jahre 1692 über die Schwimmkunst der Züricher Jugend_] Hundert Jahre später finden wir die Badelust unverändert bestehen. ~Escher~ hat uns 1692 in seiner Beschreibung des Zürichsees[175] eine eingehende Schilderung hinterlassen. Das Titelbild zeigt das Treiben auf dem See, darunter einen breiten Kahn, von dem Stufen ins Wasser hinabführen, und um ihn herum in Badehosen Schwimmende. „So ist auch nicht eine von den mindesten Ergetzlichkeiten, wann Sommerszeit, in der großen Hitz, Junge und Alte Leuth in disem See mit schwümmen sich erlaben; ja, es gibet wenig Manns-Personen die nicht schwümmen können, ursach, weilen das Wasser nächst dem Land keinen Morast noch tieffenen hat, sonder sich nach und nach vertieffet: Derohalben gibt es solche erfahrne Schwümmer, die sich nichts scheuhen über den See zuschwümmen, wie dann Hans Heinrich Sutz in dem Meiler-Feld, von daselbsten gen Horgen geschwummen, ist drey starke viertheil stund wegs. Ob der Statt Zürich, da der See eine starke vierthel stund breit, seind sehr viel hinüber geschwummen, haben das Gelt in die Bruch gebunden, in dem Wirtshaus bey dem Sternen getruncken, und seind widerum heimgeschwummen. So ist auch bei Mannsgedencken eine gewüsse Jungfrau hinüber geschwummen. Es gibet auch deren, die sehr lang under dem Wasser schwümmen, auch sich etliche Klafter tieff under dasselbige hinab lassen bis an den Boden, und bringen zum Wahrzeichen mit sich von dem Boden einen Stein oder Kraut: Dises hatte bey guter Gesellschaft zum öftern gethan Herr Hans Caspar Thoman, der Buchbinder. Wann einer lust hat, wol versuchte und erfahrne Schwümmer zusehen, kan er sich nur Sonntags nach der Abend-Predig zu Zürich auf der oberen Brugge einfinden, so wird er die noch gar junge Knaben (deren etliche nicht über acht oder neun Jahr alt) mit verwunderung sehen auf dem Wasser hin vnd wider schwümmen, welche bald liggen als ob sie todt, bald mit einem, bald mit beyden Füßen, auf dem Ruggen liggende, darein schlagen, daß das Wasser viel über Manns-höhe sprützet, zun zeiten das Wasser, aufrechtstehende, mit den Füßen tretten, als wann Sie grund hetten, vnd auf dem Boden einhar giengen, auch andere Posturen vnd Lustbarkeiten mehr machen. Das verwegneste aber an disen Knaben ist, daß sie sehr hohe sprüng in das Wasser thun. Es ist lustig zusehen, wie sie in großer Anzahl ab der Oberen Brugge über Kopf und über Hals in das Wasser hinunder bürtzlen, und die Statt, mit jauchzen und schreyen, hinunder schwümmen: Aber, es machet einem die Haar gen Berg stehen, wann man sie siehet ab dem Helmhaus-Tache ja gar ab dem Rahthaus, ab der Lauben vor der Rathstuben, sich in das Wasser stürzen, welches eine entsetzliche höhe von vielen Ruthen ist. Ich habe selbs einen gesehen, der einen anderen auf dem ruggen getragen, und mit ihme ab dem oberen Helmhaus in das Wasser gesprungen. Darneben aber seind sie sehr kunstlich in ihrem springen, indem sie sich kein bedenken machen, auch ab den höhesten Oertheren in das Wasser zuspringen, darinnen sie dennoch grund haben, und nicht viel über drey schuhe tieff, da sie sich dann in follem sprung wüssen zuwenden, daß sie die Füße so geschwind widerum aus dem Wasser herfür strecken, daß einer meinen sollte, sie weren nicht einmahl under dem Wasser gewesen; in disem dünnen Wasser kommen sie gleichwolen niemahlen auf den Boden: Und aber, so bekommen sie der gar hohen sprüngen halben etwan keine bessere belohnung, als daß sie in dem Alter um das Gehör kommen.“ An anderer Stelle sagt ~Escher~: „Auch gibet es in disem See, mancherley See-Gewächse, da ich auch des einten und anderen mit wenigem gedenken wil: als nammlich: Großer Bintz, (Juncus maximus) ist in die acht Schuhe, und noch höher, eines Fingers dick, hat innwendig gleich anderem Bintz viel Marck. Die jungen Knaben binden desselbigen in dem Sommer viel zusammen, legen sich darauf, und lehrnen also schwümmen; Etwann flechten sie zum Lust eine große Burde zusammen mit dünnen Stricken, biegen denselbigen, machen ihme einen aufgerichteten Hals, formieren ihn wie einen Schwanen, binden ihme an den Schnabal einen Zaum; ein theil der Knaben setzen sich alsdann darauf, fahren darvon, und führen selbigen mitsich in die Statt hinein, der Lindmat nach hinab bis in den Schützen-Platz; andere schwümmen selbigem nach, setzen sich bald darauf, springen wieder darab in das Wasser, und ergetzen sich darmit mit Jauchzen und frolocken.“ Dem zuletzt geschilderten Brauche hat ~Runge~[78] einen mythologischen Hintergrund gegeben. In anderen Schweizer Orten, in Glarus am Fridolinstag (6. März), in Winterthur am Fastnachtssonntage wurden früher kleine Schiffe und Holztröge geteert, bewimpelt, nachts mit brennenden Kerzen besteckt, die man die Bäche hinabschwimmen ließ, und noch früher wurden in den bayrischen Donaugegenden Kähne mit Feuer auf den eisernen Mastkörben auf Rollen durch die Ortschaften gezogen[78]. Schon ~Tacitus~ spricht von dem Wagen der Isis in Germanien, der den Sterblichen Friede und Fruchtbarkeit verleiht. Auch etwa um 1133 wurde in einem Wald bei Jnda in Ripuarien ein Schiff gezimmert, mit Rädern versehen und durch vorgespannte Menschen nach Aachen, dann nach Mastricht und weiter im Land herum gezogen, überall unter großem Zulauf und Geleite des Volkes. Wo es anhielt, war Freudengeschrei, Jubelgesang um das Schiff herum bis in die späte Nacht. Die Ankunft des Schiffes sagte man den Städten an, welche ihre Tore öffneten und ihm entgegengingen[19]. [Sidenote: _Zusammenhang von Schwimmgebräuchen mit dem Urgermanentum_] Alle diese Gebräuche stellen einen feierlichen Einzug des Frühlingswassers dar, und ~Runge~ glaubt in dem Binsenschwan eine Darstellung des fließenden Elementes zu sehen, das von der Jugend in die Stadt geleitet, aber nicht hinaus geleitet wurde, weil die Knaben nur bis zum Schützenplatz, der Stadtgrenze, schwammen. Man könnte in der Schilderung ~Wynmann~s Ähnliches vermuten. Auch er schwamm mit seinen Genossen in die Stadt und zwar von der St. Nikolaussäule, der Stadtgrenze aus, wo man demnach das Frühlingswasser empfing. Doch schildern sowohl ~Wynmann~ als ~Escher~ die Bräuche als allgemeine Vergnügungen und erwähnen nichts von einem bestimmten Tage. ~Runge~ sagt allerdings, daß der Überbringer des Binsenschwans von der Obrigkeit einen Trunk erhielt. Auch anderorts wurde der erste Melder von Frühlingsboten belohnt, bekannt ist dies vom Turmwächter (z.❆B. in Bern), der noch im 18. Jahrhundert den ersten eintreffenden Storch anzublasen hatte und dafür einen Ehrentrunk aus dem Ratskeller erhielt[34]. Doch habe ich nirgends eine Quelle gefunden, die von einer obrigkeitlichen Belohnung spricht, welche dem Überbringer des Binsenschwans zuteil wurde. [Sidenote: _Rückgang des Badens im Freien_] Im 18.Jahrhundert haben wir auch in Zürich die anderorts üblichen Klagen. ~Murer~, ein Lehrer an der Realschule, gedenkt 1785 mit Wehmut der Väter Erzählungen und seiner eigenen Jugendzeit. „Reitzend war uns das Baden und Schwimmen im See und in der Sihl.“ Jagen und Schlittschuhlaufen ausgenommen soll der Geschmack der Zeit die Vergnügungen der Jugend als pöbelhaft, niedrig und kindisch verboten und sie bis auf armselige Überreste ausgerottet haben[176]. Zehn Jahre früher hatten die Gebrüder ~Stolberg~ durch nacktes Baden am Tage in einem Teiche bei Darmstadt solchen Skandal erregt, daß ~Goethe~ beschloß, die Abreise zu beschleunigen. Er nennt im Anschluß daran das Baden im Freien unter offenem Himmel eine der damaligen Verrücktheiten, die aus dem Begriff entstanden, man müsse sich in einen Naturzustand zu versetzen suchen. Wollten dergleichen Naturübungen in Deutschland ~Goethe~ nicht gut zu den modernen Sitten paßlich erscheinen, so konnte auch er in der Schweiz „beim Anblick und Feuchtgefühl des rinnenden, laufenden, stürzenden, nach und nach zum See sich ausbreitenden Gewässers“ der Versuchung nicht widerstehen. „Ich selbst will nicht leugnen“, schreibt er in Wahrheit und Dichtung, „daß ich mich im klaren See zu baden mit meinen Gesellen vereinte, und, wie es schien, weit genug von allen menschlichen Blicken. Nackte Körper jedoch leuchten weit, und wer es auch mochte gesehen haben, nahm Ärgernis daran.“ Den Gebrüdern ~Stolberg~ legten Freunde nahe, sich etwas weniger oft nackt wie heidnische Gottheiten sehen zu lassen. Da zogen sie in den Sihlwald hinauf und badeten dort. „Dies geschah freilich nicht ohne Geschrei, nicht ohne ein wildes, teils von der Kühlung, teils von dem Behagen aufgeregtes Lustjauchzen, wodurch sie diese düster bewaldeten Felsen zur idyllischen Scene einzuweihen den Begriff hatten.“ Dafür mußten sie von unbekannter Hand Steinwurf auf Steinwurf über sich ergehen lassen. Ihr „wildes, unbändiges, unchristliches, ja heidnisches Naturell“ führte schließlich auch hier in der „gesitteten, wohlgeregelten Gegend“ zu einem Skandale, daß ~Lavater~, bei dem sie zu Gaste waren, sie abschob, um Unannehmlichkeiten zu entgehen, noch ehe ~Goethe~ aus der Innenschweiz zurückgekehrt war. 1796 brachte die Gesellschaft (der Chirurgen) auf dem schwarzen Garten in ihrem für Kinder bestimmten Neujahrsstücke eine Abhandlung über Baden und Schwimmen und im Jahr darauf eine über Rettung Ertrunkener[177]. Sie spricht von der immer weichlicher und zärtlicher werdenden Erziehungsart, infolge deren viele Kinder beinahe nicht wüßten, was es heiße, sich im kalten Wasser zu baden. Dafür würden allenfalls warme Bäder benutzt, weil keine Gefahr dabei vorhanden sei. Auch hören wir hier wieder den Gebrauch der Väter gerühmt, die ehemals von der unteren Brücke in die Limmat gesprungen und bis zum Spitz (Zusammenfluß von Sihl und Limmat) geschwommen seien, ja den See durchquert hätten. Diese Klagen sind entschieden übertrieben; denn 1789 weiß das Journal des Luxus und der Moden aus Zürich zu melden, daß man zur körperlichen Ausbildung der Jugend ein Kadettenkorps gebildet habe, in dem neben anderem auch das Bad im See und in den Flüssen unter Aufsicht geübt werde[165]. [Sidenote: _Wiedereinführung des Badens im Freien / Baden im Stadtbrunnen_] 1804 erfahren wir von ~Diethelm Lavater~, dem Bruder des Physiognomikers ~Johann Caspar~, daß auch Frauen badeten, aber aus wohlverstandener Delikatesse nicht an den öffentlichen Plätzen und nur abends. Im selben Jahre schlug die Regierung einen Ort an der Kohlschanze und einen in der Sihlwiese als Badeplätze vor. ~Lavater~ fügte einen dritten im See an der St. Nikolaussäule (also den alten, schon von ~Wynmann~ und ~Escher~ genannten) hinzu, weil dort der Grund sich langsam senke, mit flachen Steinen besetzt sei und rechts und links keine Abgründe vorhanden wären. Das Ideal sieht er der alten Leute und Frauen wegen in Badeanstalten, doch schränkt er schließlich sein Verlangen auf mit Pfählen umgebene Badeplätze ein, bei denen ein Aufseher angestellt ist, der Schwimmunterricht erteilt[178]. Auf Betreiben des Arztes und Chorherrn ~Johann Heinrich Rahn~ (1749–1812) wurde wenigstens das Sihlbad errichtet[179]. Dieses war für Knaben und Mädchen bestimmt, auch das an der Kohlschanze, das man kurz danach angelegt zu haben scheint. Beide hatten einen Aufseher[180]. In seinen Erinnerungen schreibt ~Kölliker~ (geb. 1817), er und sein Bruder hätten im Sommer die meiste Zeit mit Baden und Schwimmen, Indianer- und Ritterspielen zugebracht[181]. Sie werden sich an die Badeplätze wohl kaum gehalten haben, was auch andere alte Leute von sich berichten. 1837 ließ die Stadt in der Nähe der Bauschanze am Ausfluß des Sees eine Badehütte für das weibliche Geschlecht mit einem Kostenaufwande von tausend Gulden errichten. Da immer noch viel an ungeeigneten Stellen im See gebadet wurde und Unfälle vorkamen, traf man 1839 auch dort eine Einrichtung für Männer, die aus zwei Abteilungen bestand, einer für Schwimmer der Bauschanze gegenüber, die 1840 in eine ordentliche Badehütte umgewandelt wurde, und einer für Nichtschwimmer etwas seitwärts davon mit einer Badehütte. Neben derselben errichtete man eine Abteilung für Knaben. Die beiden letzteren wurden mit Pfahlwerk umschlossen. Jede Abteilung hatte ihren Aufseher. Wer in den Vormittagsstunden badete, bezahlte eine kleine Gebühr[180]. 1843 wurde die Frauenbadeanstalt an die Bauschanze neben die der Männer verlegt, 1844 eine neue Badeanstalt für Knaben und neben derselben auch eine Vorrichtung für ein Männerbad am Hafen errichtet, die 1847 erweitert wurde[245]. Vom Jahre 1858 berichten die Züricher Merkwürdigkeiten: „Die neuen Badeanstalten im See kosten der Stadt 50000 Franken“[182]. Zum Schluß muß ich einer etwas sonderbaren Abkühlung von des Tages Hitze gedenken. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts badeten in Zürich Dienstmägde und andere nicht gerade scheue Dirnen nachts in den laufenden Brunnen, und als ein Verbot des Rates kein Gehör fand, wurden sie von jungen Männern auseinandergejagt, die lebendige Katzen unter sie in das Brunnenbecken warfen, wobei der Rat gern die Augen zudrückte[124]. Derartige Ungezogenheiten kamen übrigens auch an anderen Orten vor. In Freiberg in Sachsen wurden zwei Männer im 15. Jahrhundert „verzellt“ (aus der Stadt gewiesen), weil sie nächtlich Unfug und Geschrei getrieben und in den Brunnen gebadet hatten[183]. [Sidenote: _Errichtung der ersten deutschen Seebadeanstalt_] Im engsten Zusammenhang mit der Einführung der kalten Bäder in Deutschland steht die Errichtung von Seebadeanstalten. England war vorbildlich. [Illustration: Abb. 25. Die erste deutsche Seebadeanstalt zu Doberan in Mecklenburg. Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Stendal 1794.] 1785 machte ein Prediger ~Janus~ auf der Insel Juist bei Norderney dem ostfriesischen Medizinalkollegium Vorschläge zur Errichtung eines Seebades in der Nordsee, die aber unbeachtet blieben. Als ~Lichtenberg~ von einer seiner Englandreisen, auf der er die Bäder Margate und Deal gebraucht hatte, nach Deutschland zurückkehrte, trat er in seinem Göttinger Taschenkalender 1793 für die Errichtung derartiger Bäder in der Nordsee ein und forderte ~Woltmann~ auf, sein Gutachten abzugeben, ob Kuxhafen der geeignete Ort dafür sei. ~Woltmann~ verneinte. Er meinte, die friedlichere Ostsee schicke sich besser dazu[97]. Auch ~Marcard~ stand (1793) dem Plane pessimistisch gegenüber, „weil unseren Küsten die für die englischen Bäder so wichtige Wärme des atlantischen Ozeans (des Golfstroms) entbehrten, auch kein langsam abfallender Sandgrund vorhanden sei, um die Karren hinauszufahren“[160]. ~Hufeland~ und ~Metzger~ wiederholten ~Lichtenbergs~ Aufruf[97]. Im folgenden Jahre kündigte der Rostocker Professor ~Vogel~ das erste deutsche Seebad in der Ostsee bei Doberan an, das er im Auftrag und mit Hilfe des Herzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin zustande brachte[184]. Es bestand aus einem großen Gebäude (Abb. 25) am Ufer mit elf Bädern, die kalt und warm benutzt werden konnten. Die warmen Seewasserbäder hatte ~Bromfield~ zu Harwich in England eingeführt. Es gab auch Einrichtungen dazu in Margate, Brighthelmstone und anderen Orten. Doberan hatte auch Tropf-, Spritz- und Dunstbäder. Außerdem lagen auf der See einige Badeboote, die mit einsenkbaren Kästen zum Baden versehen waren. Sie konnten an beliebige Stellen in die See geführt werden (Abb. 26). Bei stürmischem Wetter war aber ihre Benutzung nicht möglich, weil die Badenden seekrank wurden. 1799 waren für diejenigen, welche in der offenen See baden wollten, kleine Schilderhäuser zum Auskleiden am Ufer errichtet und Brücken in die See hinaus gebaut[165]. 1797 erstand das erste Nordseebad auf der Insel Norderney[97]. Eine hohe Stange und zwei Buden für die den englischen Karren nachgebildeten Badekutschen bezeichneten die für Frauen und Männer getrennten Badeplätze[165]. Andere folgten, 1800 Travemünde, 1802 Colberg in Preußisch-Pommern, wozu der König von Preußen zweihunderttausend Taler stiftete, 1804 Wangeroog, 1813 Apenrade, 1815 Rügenwalde, 1816 Puttbus auf Rügen, 1818 Scheveningen, 1819 Wyk auf Föhr, 1821 Zoppot bei Danzig, 1822 Kiel, 1825 Swinemünde, 1826 Helgoland[97]. [Sidenote: _Die späteren deutschen Seebäder_] Die Seebäder kamen sehr schnell in Mode, zumal sich die Aristokratie ihrer bald bemächtigte. Stehende Pharaobänke, tägliche Bälle, große Tees und etikettenmäßige splendide Zirkel blieben nicht aus[185], und damit waren sie in die Reihe der Kurorte und auch der Luxusbäder aufgenommen. [Illustration: Abb. 26. Badeboot der Seebadeanstalt zu Doberan. Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb~ Vogel, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Stendal 1794.] [A] Heute noch werden — allerdings nur bei Kindern — im Schweizerdialekt Buben und Kinder unterschieden. Ein Kind ist stets ein Mädchen. [B] ~Öchsli~ übersetzt: Ein trauriges Bad[169]. [C] Von hier ab nach ~Öchsli~[169]. DIE EHEHAFTEN BADESTUBEN / UND DAS BADERGEWERBE Mit der Ausbildung von Stadt und Dorf traten neben privaten Badestuben öffentliche auf. Sie wurden von einem Bader und dessen Angestellten gewerbsmäßig betrieben, während vorher ein Baderberuf nicht bestand. Wie wir sahen, besorgte in St. Gallen ein Mann von der Hausdienerschaft die Bäder. Ludwig der Fromme wurde dort von einem Knecht des Klosters, dem Glaser Stracholf, bedient[15]. [Sidenote: _Einschränkung der Badestuben auf eine bestimmte Anzahl_] Von Anfang ihres Bestehens an waren die meisten öffentlichen (gemeinen) Badestuben gleich Schmieden, Mühlen, Bäckereien, Fleischereien, Wirtshäusern ehehafte, nach heutigem Sprachgebrauche privilegierte, wie es zu unserer Zeit noch die Apotheken in Deutschland sind. Die Errichtung von Badestuben hing also von der behördlichen Genehmigung ab. Die Folge war ihre Einschränkung auf eine bestimmte Anzahl. Kaiser Ludwig befahl 1346, daß niemand in der Vorstadt zu Regensburg eine Badestube baue, da solches dem Spital Schaden bringen könnte an seiner Badestube, welche es von alter Zeit her habe[144]. Als 1425 die Badestube in Winterthur aus Privatbesitz an die Stadt überging, übergab der Inhaber vier Freiheitsbriefe, zwei von Herzog Albrecht in den Jahren 1349 und 1387, einen dritten von Herzog Leopold und einen vierten von Herzog Friedrich von Österreich ausgestellt. In allen vier Briefen wurde bei achtzig Mark Silber verboten, eine andere Badestube weder in der Stadt Winterthur, noch in ihrem Friedkreise zu bauen und zu haben. Als 1437 die Badestube von den Erben des früheren Besitzers zurückgekauft wurde, forderte Herzog Albrecht von Österreich in einem neuen Freiheitsbriefe seinen Landvogt Hans den Geßler, den Schultheißen und Rat und die Bürger der Stadt auf, die alten erteilten Rechte zu wahren[57]. Kaiser Friedrich III. gab (1460?) der Stadt Schwäbisch Hall das Privilegium, daß ferner niemand „in der gemeldten Stadt Hall Landwehr, noch auf unsern und des Reiches Grenzen und Gütern, darin gelegen, keine Badstuben, Tafern, Wirthschaft errichte“, was von Kaiser Maximilian II. 1567 bestätigt wurde[16]. Unter die Privilegien, welche die von Johannes Oltinger 1343 in der Stadt Baden im Aargau gekaufte Badestube vom Rat besaß, gehörte auch, daß zu Baden in dem Gerichte keine andere Badestube sein sollte[186]. Jedoch wurde hin und wieder das Gesetz umgangen. 1594 mußte Kaiser Rudolf II. auf Beschwerde der Landstände hin das Errichten neuer Bäder ohne Erlaubnis der Obrigkeit wegen Beeinträchtigung der bereits bestehenden ehehaften untersagen[16]. Die Landesordnung des Herzogs Georg von Bayern vom Jahre 1491 gebot, „item einen yeden — bey jren eetafern vnd ander eehafte — beleiben zu lassen, wo auch new tafern, schenktest schmid vnd peder — die von alter nit gewesen — die söllen abgestellt“ werden[16]. Als 1525 die Thurgauer die Errichtung von Ehehaften, darunter der Badestuben, frei haben wollten, lautete die Antwort ihrer Herren, der Eidgenossen: „Ohne Einwilligung der Gerichtsherrn dürfen keine Ehehaften errichtet werden“, und diese wurde 1532 und 1668 wiederholt. 1593 verordnete die Tagsatzung sogar, daß in Zukunft nicht einmal der Landvogt Befugnis haben solle, ohne Bewilligung der Orte Bauten von Ehehaften zu erlauben[187]. Zu Zürich waren unter der Regierung des Bürgermeisters Waldmann etliche Öltrotten und Badestuben auf der Landschaft abgetan worden. Die Unzufriedenheit des Landvolkes über diese „Neuerung und Beschwerd“ führte neben anderem zum Aufstande von 1489, der erst mit dem Fallen von Waldmanns Haupt sein Ende fand. Auf die Beschwerde der Seeleute und anderer Landesteile antworteten die sieben eidgenössischen Orte, welche die Regelung der Angelegenheit in die Hand genommen hatten: „Wegen der Öltrotten und Badstuben möge sin, min Herren haben etlich so newlich und jn einer zal jaren her gemachet syen, heißen abtun, als das billich sei. Nichts desto weniger sollen die früher gebauten bestehen, doch keine neuen errichtet werden ohne Wissen und Willen der Herrn Räth und Bürgermeister“[A]. 1471 wurden zu Luzern alle Badestuben, die innerhalb einer Meile Wegs um die Stadt auf ihrem Gebiete lagen, aufgehoben, nur die zu Rußwyl (Mineralbad) blieb bestehen. Die, welche weiter von der Stadt entfernt waren, ließ man zu, doch sollten nirgends neue errichtet werden[189]. [Sidenote: _Verleihung und Kauf von Badstubengerechtigkeiten_] Badestuben und Badestubengerechtigkeit (beide sollten voneinander gehalten werden, was nicht immer möglich ist) verlieh als Erblehen, seltener auf Lebenszeit, oder verkaufte der Landesherr an Einzelne oder an Gemeindekörperschaften. Politisch selbständige Städte verfügten ebenso, auch in der ihr untertanen Landschaft. So wurden 1244 in einer Verleihung an Kloster Marienzell ausdrücklich unter anderen Liegenschaften auch Bäder genannt[16]. ~Zappert~ führt aus den Jahren 1252 bis 1295 mehrere Beispiele aus Schlesien und Böhmen an, in denen die Herzoge bezw. Könige mit der Vogteigerichtsbarkeit Badestuben verliehen. In Zürich wurde im 14. und 15. Jahrhundert ein Teil der Badestuben von der Gerichtsherrin, der Äbtissin zum Fraumünster, zum Erblehen gegeben[173]. Ein Erkenntnis des Landmarschalls Grafen von Hardek sprach 1406 dem Bistum Passau das Recht des Stiftens und „Storens“ in einer Badestube zu Nußdorf zu[144]. Von einigen Badestuben in Schlesien und Böhmen wird angegeben, daß sie dem Grundherren dafür nicht zu zinsen hatten. Dagegen mußte die Stadt Marienburg 1380 für Überlassung der Ehehaften, darunter der „Badstobin“ dem Hochmeister einen jährlich zu zahlenden Zins entrichten[16]. Als Ausnahmefall muß die Verleihung der Badestube zu Germersheim (1427) als Erblehen ohne jeden Zins an den Barbier Ehrhard durch den Pfalzgrafen Ludwig III. betrachtet werden. Ehrhard hatte aber auch die Magd der Pfalzgräfin zur Frau genommen[61]. In der Regel hatten die Bader, wenn sie vom Landesfürsten direkt mit der Badestube belehnt wurden, einen jährlichen Zins zu entrichten, mußten sich verpflichten, die Badestube in gutem baulichen Zustande zu erhalten und die Gäste zur Zufriedenheit zu bedienen. So erhielt der Scherer von Kuppenheim 1484 vom Markgrafen Christoph zu Baden die Badestube zum Erblehen, das ihm aber bei Nichtbezahlung des Zinses und Vernachlässigung des Hauses entzogen werden konnte. Bei schlechter Bedienung der Gäste durfte durch den Markgrafen eine zweite Badestube errichtet werden. Und Markgraf Christoph nahm es ernst damit. Die Badestube zu Iffetzheim bei Rastatt ließ er, weil es unordentlich darin zugegangen war, aufheben. 1487 verlieh er sie der Stadt wieder probeweise auf sechs Jahre, 1493 wieder auf dieselbe Zeit[61]. Kauften Städte in ihrem Gebiet liegende Badestuben von Privaten oder dem Landesfürsten, so wurden sie ihnen außerdem als Erblehen gegen Zins verliehen, so zu Rastatt 1473 und Bruchsal 1430[61], Beweis genug, daß die Verleihung durch den Landesherrn oft nur die Badestubengerechtigkeit betraf. Auch der Scherer zu Liebenzell, der die dortige Badestube kaufte, erhielt, wie ausnahmsweise angegeben wird, 1498 die Badestubengerechtigkeit gegen einen jährlichen Zins zum Erblehen. Dies Erblehen war nur mit Wissen und Erlaubnis des Markgrafen verpfänd- und verkaufbar[61]. Die Rechte der Städte über die in ihrem Gebiet gelegenen Badestuben waren also sehr verschieden. Da behielt sich der Landesherr die Belehnung vor, dort erhielten sie von diesem freies Verfügungsrecht, andere mußten dafür zinsen, wieder andere waren ganz selbständig, z.❆B. Zürich nach Erlöschen der Vorrechte der Äbtissin vom Fraumünster und auch Winterthur, das mit Aufhören der österreichischen Herrschaft die erwähnten Freiheitsbriefe der einen Badestube stürzte und 1470 eine zweite errichtete. [Sidenote: _Verleihung und Kauf von Badstuben_] Die Badestube selbst war entweder Eigentum des Landesherrn und wurde von diesem an Bader oder Gemeinden verliehen, oder die Gemeinden besaßen sie, manchmal nur vorübergehend und auch nicht sämtliche, zum Eigentum, wie Halle[190], Berlin[191], Hildesheim[52], Hannover 1352[192], Ulm 1388[50], Riga im 13. und 14. Jahrhundert[193], und verliehen sie an Bader, oder die Bader waren selbst Eigentümer. Nur ausnahmsweise war der Bader von der Gemeinde angestellt. Als 1494 die Chorherrn des St. Markuskugelhauses zu Butzbach in Hessen den Besuch ihrer Badestube dem Publikum nicht mehr gestatten wollten, kaufte diese der Rat gegen jährlichen Zins und verwaltete sie selbst. Badeknechte und Badmaide wurden aus der Stadtkasse bezahlt. 1511 wurde sie aber an einen Bader verpachtet[194]. Ende des 14. Jahrhunderts war der Bader zu Heiligenkreuz wie der Feldhüter Gemeindediener[16]. Manche Städte gaben die Badestuben zum Erblehen, und hier scheint es sich nicht nur um die Badestubengerechtigkeit, sondern um die Badestube selbst zu handeln. 1517 gab Winterthur seine untere Badestube „mit Hus, Hoffreity, Schüten und allen Rächten, Nutzen und Zugehörden“ Hans Kreis und seinen Erben „zu einem rechten Erbgute, nach Erblechens Rächt“. Auch hier hatte der Bader das Grundstück „in guten Eren und wäsentlichen Buwe, suber und unverwüstlich“ auf eigene Kosten zu erhalten[57]. Bei Verleihung auf kürzere Zeit übernahm jedoch die Stadt die Instandhaltung des Gebäudes. Als 1512 zu Baden in der Schweiz der Rat die Badestube auf zwei Jahre verlieh, hatte der Scherer nur, „so etwas fensterwercks brechen würde“, auf seine Kosten machen zu lassen[32]. Bei Verpachtung der oberen Badestube zu Winterthur auf ein Jahr (1514) übernahm der Rat die Sorge für das „Gmürwerckh“, auch die Reinigung des Brunnens[57]. Auch Klöster gaben und nahmen Badestuben zum Lehen, kauften und verkauften sie, zuweilen wurden sie ihnen geschenkt. 1288 übergab Konrad von Kürenberg laut einer Urkunde die Badestube an der Pegnitz in Nürnberg dem Franziskaner-Kloster[195]; die zur Ebersburg in Würzburg war 1318 Lehen des Stifts Sand Johans zu Haug. In Zürich hatte das Kloster Einsiedeln schon vor 1303 eine Badestube von der Äbtissin zum Fraumünster als Lehen[247]. 1386 kaufte das Kloster St. Nikolaus zu Passau eine Badestube aus Privatbesitz, 1417 das Stift zum neuen Münster eine in Würzburg[144]. Das Ziegelstube genannte Bad in Leipzig schenkte 1301 Johannes Auriga, Bürger daselbst, „von Liebe geleitet wegen der Belohnung durch Gott, zum Lobe Gottes und zu Ehren seiner Mutter Maria, der glorreichen Jungfrau und des heiligen Apostels Thomas“ der Kirche des heiligen Thomas und dem Kolleg der Regularkanoniker, die Gott daselbst unter Beobachtung der Regel St. Augustins dienten, zum erblichen Besitz[196]. 1337 schenkte Bischof Leopold von Bamberg die an dem Steinbrunn gelegene Badestube der Domkirche[197]. Das Martinsstift zu Bingen verlieh 1435 seine Badestube dem Meister Peter von Ingelheim[197]. Wie oben erwähnt wurde, ging die Badestube der Chorherrn zu Butzbach in Hessen 1494 an die Stadt über. Sie war eine Stiftung des Grafen Philipp VII. von Falkenstein (gest. 1410) an das Markusstift und gehörte somit der Markuskirche. Deshalb mußte beim Verkauf an die Stadt die Zustimmung des Papstes eingeholt werden, die auch nicht verweigert wurde[194]. Als Seltenheit soll der Kauf einer Badestube zu Pfaffenhofen im Jahre 1428 durch Herzog Albrecht in Bayern von dem Bürger Heinrich Pader angeführt werden[144]. Nach der Konstanzer Chronik heiratete Herzog Ernsts Sohn, Herzog Albrecht von Bayern, eines Baders Tochter von Augsburg[129], was vielleicht mit jenem Kauf im Zusammenhange steht. In älteren Zeiten wurde der Zins nicht nur in barem Gelde, sondern auch in Naturalien verabreicht. Zu Philippsburg hatte der Bader 1430 außer 10 ß einen Kapaun, zu Zellingen bei Würzburg 1332 „2 pfunt pfenning und vier vasnaht hünre“ zu geben[61]. 1296 gab die Badestube zu Zizersdorf neben Geld zu Weihnachten „zehen hvener“[16]. In Böblingen (vor 1554) bekam die Herrschaft jährlich zwei Pfund Heller und vier Gänse; dem „Heyligen“ mußte außerdem ein Pfund Heller gegeben werden[198]. Beim Verkaufe der Gerechtigkeit über die Badestube der Stadt Schwarzach vom Kloster Münster-Schwarzach an das Stift Würzburg im Jahre 1531 wurden als jährlicher Zins „zwee schilling pfenning und zwey Vaßnachtshuner Martini“ festgesetzt. Vom Dorfe Wettrungen verlangte der Bischof Konrad von Würzburg 1535 nichts weiter als ein Fastnachtshuhn jährlich für die bischöfliche Kellerei als Abgabe der neu errichteten Badestube[144]. Mit Übernahme der Badestubengerechtigkeit ging der Bader gewisse Verpflichtungen ein. Er war gehalten, die Badestube an vorgeschriebenen Tagen zu heizen, eine bestimmte Anzahl Personal zu haben, das nötige Inventar zu beschaffen und die ihm für seine einzelnen Tätigkeiten vorgeschriebenen Preise innezuhalten. Dafür erhielt er in älteren Zeiten die Erlaubnis, für Bau und Heizzwecke ohne Entgelt Holz zu fällen. In Bern durften die Bader im 16. Jahrhundert Eichen für die Badkästen im Walde schlagen[199]. Eine besondere Vergünstigung hatte der Inhaber der eben erwähnten Badestube im Dorfe Wettrungen. Er war frei von Fronen und anderen Beschwerden, aber nur solange die Badestube im Besitz der Gemeinde blieb. Nach einem etwaigen Verkaufe sollte er wie jeder andere Untertan gehalten werden. In Augsburg waren Bader, Bartscherer und Chirurgen schon 1347 von allen öffentlichen Leistungen befreit, damit sie Tag und Nacht ihrer Kunst unverdrossen obliegen konnten, wie die Begründung des Magistratsbeschlusses lautet[144]. Auch in Hildesheim waren sie im 15. Jahrhundert frei von Abgaben[52]. [Sidenote: _Die Bader als Löschmannschaft beim Feuer_] Die Bader hatten auch Verpflichtungen außerhalb der Badestube. Der Rat von Regensburg gebot im 14. Jahrhundert, „daz alle padar, die hie sint, senden zu dem fevr ie von den padstuben Ein schaf, da zwen knecht wazzer inne zue tragent an einer stangen“. Jede neue Füllung wurde mit einem Pfennig bezahlt[200]. Im 13. und 14. Jahrhundert mußte in Nürnberg jeder Bader einen ganzen Zuber, der „unzerlechent“ sei, halten und ihn zum Feuer bringen[201]. Es handelt sich in beiden Fällen um das Herbeischaffen von Wasser in großen Badewannen, was in manchen Städten anderen Handwerkern, z.❆B. den Brauern, in entsprechenden Gefäßen zur Pflicht gemacht wurde. Die Bader hatten dann nur für kleinere Handgefäße zum Begießen des Feuers zu sorgen. In Nürnberg mußten sie und ihr Gesinde mit den Schaffen herbeieilen. Jeder beteiligte Meister erhielt zwölf, ein Badknecht sechs Pfennig[201]. Görlitz verlangte ca. 1434 die Eimer[202], München 1347 die „scheffelein“. Was davon beim Feuer verloren ging, wurde aus der Stadtkammer ersetzt[203]. Ähnliche Verordnungen hatten Prag, Danzig 1455[16], Würzburg im 15. und 16. Jahrhundert[144], Zittau im 16., Speier 1608 und Rotenburg[16]. In Würzburg wurde im 16. Jahrhundert auch die Beteiligung des weiblichen Badepersonals gefordert[144]. Wien stellte aber 1534 jedem Bader zehn lederne Eimer. 1639 und 1688 hatten sie selbst jeder vier Eimer und ihre „Ganter“ stets voll Wasser zu halten. Die Feuerordnung der Stadt Zwickau vom Jahre 1530 verpflichtete Bader und Badergesellen, „die wasser gerinne auff den pflastern mit mist oder stro zuzuschütten“[16]. Zu Ulm hatten die Bader nach einer Ordnung, die von 1379–1538 in Kraft war, die Leichen (wohl in der Hauptsache die Leichenwäsche) zu besorgen. Bei Strafe von sechs Hellern mußten sie der Aufforderung dazu Folge leisten. Die Frau war jedoch nicht verpflichtet, wenn der Mann schon über Land war, einem anderweitigen Rufe vom Land aus Folge zu leisten und ebenso umgekehrt auch der Mann nicht[50]. Nach Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts hatten die Bader und Badknechte nicht nur Badeöfen zu setzen, abzubrechen und zu reinigen, sondern auch andere Öfen[16]. Daraus erklärt sich, daß die Bader in Bamberg 1488 und in Altenburg 1490 als Schornsteinfeger[B] fungierten[84]. Für ihr Hineinpfuschen ins Glaserhandwerk weiß ich keinen Grund anzugeben. Zu Frankfurt am Main[127] und 1531 in Freiburg im Breisgau[216] wurde ihnen nach alter Gewohnheit Glaswerk zu machen weiter erlaubt, doch neue und große Arbeit verboten. Auch nach einer Speierer Zunftordnung von 1553 „mögen sie wie die Scherer schlechte Bauern fenster mit Viertheile, vnd Waldtglaß machen, vnd ein zerbrochen scheyb oder rautten wider einsetzen“[204]. [Sidenote: _Nebenberufe der Bader_] Näher standen den Badern andere Berufe, die sie nebenher ausübten. In Reutlingen hatten sie das Recht Seife zu machen[205]; vielleicht kommt dabei in Betracht, daß sie mit den Metzgern zu einer Zunft gehörten. In Speier reinigten sie 1553 die Brunnen der Stadt[204] und nach ~Tuchers~ Haushaltungsbuch (1507–17) auch in Nürnberg[206]. 1505 mußten daselbst die Badknechte einen Ertrunkenen aus dem Brunnen holen[207]. In Zürich war den Badern und Scherern das Schleifen der eigenen Messer und Scheren gestattet, doch besorgten sie das Schleifen auch für andere, was zu Klagen Anlaß gab. 1525 wurde auf Beschwerde der Schmiede einem Scherer das Schleifen auf der Brücke (wo der Markt stattfand) verboten, doch in seinem „gaden“ erlaubt. 1529 wollten die Schmiede das Schleifen des großen und schweren Geschirrs[C] durch Scherer und Bader abgestellt wissen und ihnen nur Messer und Scheren überlassen. Doch wurde nach der Scherer und Bader Antwort erkannt, daß Schleifen sowohl gemein sei, also, daß einer den Schleifern, Scherern oder Badern sein Geschirr zu schleifen geben möge, wie es ihm beliebe. Doch sollten die Schleifsteine, die vor die Häuser gesetzt wurden, eine bestimmte Größe nicht übersteigen, auch durfte nur ins Haus gebrachtes Geschirr geschliffen werden[209]. In St. Gallen war 1488 Scherern und Badern auch das Schleifen der eigenen Messer nicht gestattet[17]. Es ist anzunehmen, daß die Bader die aus Stroh geflochtenen Badehüte überall selbst anfertigten. Aber auch andere „ströen vnd geflochtene hüett zumachen, zukauffen vnd wider zuuerkaufen“, hatten sie in Speier 1553 in Gebrauch[204]. In Zürich flochten sie „Schinnhüte“ aus Roggenstroh, breite Hüte, die vor Sonnenschein schützten. [Sidenote: _Das Rasieren fand ursprünglich im Bade statt_] Die eigentliche Tätigkeit der Bader war, wenigstens in früheren Zeiten, die Bereitung des Bades, sowohl des Schwitz- (Dampf- oder Heißluft-), als auch des Wasserbades, auf die später eingegangen werden soll. Daneben wurde die Toilette besorgt, und drittens war die Badestube der Ort chirurgischer Tätigkeit. Diese letzteren zwei Verrichtungen fielen außerhalb der Badestube einem anderen Berufe, dem der Scherer zu. Ich glaube im Gegensatz zu ~Zappert~, daß in der älteren Zeit die Bader den Hauptanteil hatten, sowohl was Scheren des Haupt- und Barthaars, als Wundbehandlung betrifft. War ein Badermeister in diesen nicht bewandert, so durfte er sie in seiner Badestube nicht durch einen Scherer ausführen lassen. 1406 wurde in Frankfurt am Main den Scherern verboten, sich in Gemeinschaft mit einem Bader an einer Badestube zu beteiligen[127]. Breslau verlangte 1486 vom Badestubenbesitzer, daß er selbst scheren, aderlassen und schröpfen könne[210]. Schon in karolingischer Zeit war, wie wir sahen, mit dem Baden das Scheren und auch die Behandlung von Geschwüren verbunden. Ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes Gedicht läßt Joseph aus dem Kerker holen, baden und scheren, obwohl die Bibel nur das letztere angibt[211]. Das Scheren betraf Haupt- und Barthaar, auch das mit dem Messer vorgenommene Rasieren wurde Scheren genannt. Im nackten Boten (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) wird ein Knecht zu einem der Dienstmannen seines Herrn auf eine kleine Burg geschickt. Der Ritter befindet sich in der Badestube, und der Knappe glaubt, „daß er da badet’ und schere“[212]. Der Ritter besorgte also das Rasieren selbst. Auch in den öffentlichen Badestuben scheint dies der Fall gewesen zu sein; nach dem Sachsenspiegel (12. Jahrhundert) brachten die Badenden wenigstens ihre eigenen Schermesser und Becken mit[213], vorausgesetzt, daß das Becken beim Rasieren Verwendung fand. ~Seifried Helbling~ dagegen ruft in einer Wiener Badestube: „Nû dar her scheraer strîchet scharsach unde schaer ebent hâr und scheret bart“[214]. In Hamburg wurden die armen Leute vom „Achterhause“ von einem Badknecht barbiert „so vaken de guden lüde badeden“. Dafür hatten die Bader zwei Freistellen im Hospital für ihre Armen. 1532 erhielt der Knecht eine kleine Geldzulage. Es geschah noch 1632[217]. Die Vorliebe für das Rasieren im Bade möge folgendes erklären. Man unterschied „trucken scheren, trucken putzen, ungenetzt scheren“ vom „Putzen auf nassen Bänken, naß scheren, im Bad scheren und unangekleidet balbieren“ (Abb. 41). Deshalb hießen in Ulm 1470 die Scherer im Gegensatz zu den Badern „Truckenscherer“[215]. In einem um 1400 verfaßten Gedichte ~Heinrich Kaufringers~ wird ein Chorherr in einem Badezuber mit seiner Geliebten, eines Schusters Frau, von deren Ehemanne überrascht. Nachdem dieser durch eine List der Frau glücklich abgeschlagen ist, ruft der in Angstschweiß geratene Liebhaber aus: „Wann er auch wol scheren kan, Er hett mir geschoren ungenetzt“[256]. Ironisch heißt es im Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400), man habe die Städter ungenetzt in der Stuben geschoren[49], und ein Gedicht des 13. Jahrhunderts sagt: „ir hiezt scheraere vil baz. ir schert trucken unde naz, ir schert mangen ungebeit (ungebadet) dem iuwer schern ist vil leit“[218]. [Sidenote: _Vorzug des Rasierens im Bade gegenüber dem Trockenscheren_] Das ungebadet Scheren wurde also als etwas Unangenehmes empfunden, was gar nicht überrascht, da man wahrscheinlich den Seifenschaum beim Rasieren noch nicht verwendete. Ich fand die älteste Darstellung des Schaumschlagens auf der in Abb. 39 wiedergegebenen Züricher Scheibe von 1524. Im Bad ging das Rasieren schmerzlos vonstatten, weil durch das Wasser oder die Dämpfe das Barthaar erweicht war. Heute noch rasieren sich die Finnen im Dampfbad, und ~Retzius~ sagt, daß das stumpfeste Messer den Bart ohne Beschwerden abnimmt (Abb. 2)[5a]. Kein Wunder, wenn man in älteren Zeiten dem Putzen auf nassen Bänken den Vorzug gab. Zudem war es billiger. In Bräunlingen bei Donaueschingen kostete es „1 Haller, trucken scheren 1 Pfennig“, also das Doppelte[219]. Für das häufigere Scheren in der Badestube als im Schergaden spricht auch die ehemals größere Anzahl der Bader gegenüber den Scherern, während in späterer Zeit das Verhältnis umgekehrt wurde. Schon 1375 bildeten die Hamburger Bader eine anerkannte und bestätigte Zunft, während sich die Bartscherer erst 1452 zu einer geistlichen Brüderschaft vereinigten[220], in Frankfurt am Main hatten erstere um 1400 Artikel ihrer Zunft und einer Brüderschaft, die Scherer waren aber 1406 noch mit Sattlern, Schildnern, Malern, Glasern und Kummetern in einer gemeinsamen Zunft untergebracht. In einer dortigen Ratsverordnung von 1454 heißt es: „Die beder lassen baden vnd im bade czu scheren als +von alder+“[127]. Als weiterer Beweis möge dienen, daß die Scherer an zahlreichen Orten den Badern das Scheren beim Bade zu entreißen suchten; aber nirgends gelang es ihnen. Die Bader hatten alte verbriefte Rechte. Wie bittend klingt es, wenn der Frankfurter Rat auf Klage der Scherer hin den Badern 1491 sagen ließ, „das scheren nit so strenglich in der batstoben zu vben“[127]. Die erste Scherstube entstand zu Nürnberg im Jahre 1565, während die Bader in ihren Streitigkeiten mit den Scherern nachwiesen, daß das sogenannte Rosenbad schon vor siebenhundert Jahren unter dem Namen Burgbad bestand, wie ~Roth~ 1792 berichtet[195]. Im eigenen Hause ließ man sich, falls mans nicht selbst besorgte, im Badestübchen vom Bader scheren, so daß für den Trockenscherer kein großes Feld seiner Rasiertätigkeit übrig blieb. Darum suchte er wenigstens der Bürger Badstübchen für sein Schermesser zu erobern. Wie weit ihm dies gelang, soll bei den Streitigkeiten der beiden Handwerke untereinander erörtert werden. [Sidenote: _Rasiermesser / Scheren / Kämme_] Bemerkt soll hier werden, daß die Klinge des Rasiermessers, für das noch im 16. Jahrhundert neben Schermesser Scharsach gebraucht wird[221], bis ungefähr 1500 unbeweglich mit dem Griffe verbunden war. Das zeigen die Bilder zum Sachsenspiegel aus dem 13. und 14. Jahrhundert (Abb. 67 u. 68) und der Holzschnitt von 1498 (Abb. 27). Im 16. Jahrhundert finden sich nur noch zusammenlegbare Messer; als Ausnahme kommt ein solches schon in einem Reichenhaller Gräberfeld vor[3]. ~Ryffs~ große Chirurgie[221] zeigt spitz auslaufende und ein dem heutigen ähnliches, vorn abgerundetes, das als Badermesser bezeichnet wird. Die Scheren waren in alter Zeit und bis ins 16. Jahrhundert hinein pinzettenartig, die beiden Blätter kreuzten sich nicht. Diese Form ist auf den Sachsenspiegelbildern und in den Darstellungen ~Simsons~, z.❆B. am Züricher Großmünster (12. Jahrhundert) und auf einem Holzschnitte von ~Lucas van Leyden~[222] wiedergegeben. [Illustration: Abb. 27. Badknecht gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: Hortus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryss, ca. 1498.] Kämme, ein- und zweireihige, waren seit den ältesten Zeiten in Gebrauch. Auch die Verwendung von Bürsten ist alt. Von den Seligen im Himmelreich heißt es: „ane straelaere unde bursten wirdit in daz har geslihtet“[223], und ~Seifried Helbling~ sieht sonderbarerweise die Nachbarn mit „niugebürsten hâr“ zur Badestube gehen. Codex 760 der St. Galler Stiftsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert empfiehlt zur Erhaltung der Gesundheit tägliches „Har erpürsten vnd kempten“. Im 13. bis 16. Jahrhundert hatten die Bürsten Pinselform (Abb. 40). [Sidenote: _Kopfwaschen_] Dem Scheren folgte das Kopfwaschen, kurz zwahen, waschen genannt. ~Zappert~ glaubt, daß die häufige Anwendung desselben durch die Kreuzzüge aus dem Orient über Italien nach Deutschland kam, doch führt er selbst eine Quelle aus dem 10. Jahrhundert an, nach der sich in der Abtei Farfa die Mönche nach der Rasur die Köpfe waschen mußten. Die heilige Elisabeth schor einem siechen (aussätzigen) Bettelmann das Haar. Darauf „Di frouwe selic unde clůg Ime ouch daz sieche houbet twůg Mit einer scharpen laugen“[224]. Auch bei den Frauen des 13. Jahrhunderts war es üblich. „sie hiezen, daz ist wâr, ir houbet twahen und ir hâr straelen unde slihten und ir scheiteln rihten,“ heißt es von den Frauen, die sich Eraclius zur Brautschau für Kaiser Focas vorstellten[225]. Eine Äbtissin ordnete in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an: „rôswazzer sol man balde haben, dâ mit sol man mîn houbet laben; daz ziucht ûz boese hitze“[226]. Die Nonnen des Klosters zu St. Verena in Zürich, die anfangs nach der Regel des heiligen Augustin lebten, später aber zu Dominikanerinnen wurden, hatten siebenmal jährlich den Kopf zu waschen und die Haare zu schneiden, obschon in ihrer Regel die vom heiligen Augustin gegebene Vorschrift des monatlichen Bades fehlt[227]. Der Mann ging nach dem König vom Odenwalde (Anfang des 14. Jahrhunderts) ins Bad, „daz man imez haubet twahe“[228]. Daheim besorgte ihm die Frau das Haar. In ~Paulis~ Schimpf und Ernst (16. Jahrhundert) wird einer Frau vorgeworfen, sie habe in dreißig Jahren ihrem Manne nie das Haar gestrehlt[16]. ~Hermann Fressant~ von Augsburg schrieb 1447 ein Gedicht „Ehefrau und Bulerin“. Der Mann kehrt nach weiter Reise beraubt in die Heimat zurück. Zwei Buhlerinnen empfangen den Armen schlecht, seine Frau aber hieß ihm „ein guot bad bereiten si zwuog im wol daz houbet, Wan si was aller tugend vol“[212]. Die Arbeiter des Klosters Denkendorf nahmen jedoch, wenn sie nicht verheiratet waren, ihre „Zwagerin“ mit ins Bad[73]. Als Kaiser Wenzel 1375 bei Nikolaus Muffel, einem vornehmen Bürger in Nürnberg, zu Gaste war, bat er dessen Ehefrau, „das si im das haubt twige“. Sie tat es und erhielt dafür von ihm ein Stück von einem Span des Kreuzes Christi, den Wenzel am Halse trug[207]. Das regelmäßige Kopfwaschen war ein unentbehrliches Bedürfnis. Auch im Kriege vergaß man es nicht. Der Baseler Hauptmann Meltinger hat auf dem Zuge in die Lombardei, der 1513 zur Entsetzung des Herzogtums Mailand unternommen wurde, für Zwahen seiner Person und der Überritter einen Posten in den Ausgaben für den Scherer verzeichnet[229]. Neben dem Sinn für Reinlichkeit, und vielleicht mehr als dieser, war die Sorge um das Wohlergehen des Gehirns die Triebfeder der Kopfreinigung. Die zahlreichen Anweisungen zur Körperpflege, welche für sich allein und in den Volkskalendern erschienen und bei ihrem Befolgen dauernde Gesundheit garantieren, berufen sich mit ihren Ratschlägen auf Meister ~Avicenna~, welcher spricht, man soll ein- oder zweimal in vierzehn Tagen das Haupt waschen oder so oft des Menschen Gewohnheit ist, wie es in Wiener Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts heißt[16]. Im Ring läßt ~Wittenweiler~ (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts) den Bauern Bertschi Triefnas vom Dorfarzt Straub folgende Belehrung zuteil werden: „In der wuchen ze dem mäysten (höchstens) Einest (einmal) scholt daz twahen läysten Deinem haubt, so tuost du wol, Und ze dem minsten (mindestens) tzwahen schol Der mensch sein haubt an widersprecht In einem mänat (Monat), daz ist recht“[230]. [Sidenote: _Häufigkeit des Kopfwaschens_] Die Kalender nach Dr. ~Küngsberger~ verlangen es aller fünfzehn Tage, der Züricher vom Jahre 1507 setzt hinzu, es nicht über zwanzig Tage zu unterlassen. Die Instruktion für den Hofmeister des Herzogs Ludwig zu Württemberg vom Jahre 1562 schrieb es aller acht Tage vor[16], ebenso ~Hero~ in den Schachtafeln zur Gesundheit 1533 jede Woche mit der sonderbaren Begründung, „vff das dir der bart nit vssfall“[231], und ~Brunssfels~ (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) aller sieben Tage[47], ~Dryander~ 1547 aller fünfundzwanzig Tage[233], ~Wittich~ 1590 den Monat ein- oder zweimal[16], der erwähnte Codex der St. Galler Stiftsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert nur im Sommer und zwar oft mit kaltem Wasser. Im allgemeinen aber verwendete man Lauge. „Wer baden wel, muoß sich besachen Das er auch künd ein laugen machen, Die vnser haubt vnd alle sinn Wesch, vnd alles das ist din.... Zuo laugen muoß man eschen (Asche) han, Durch einen sack abrinnen lan Das wasser, so wirt laugen dan,“ heißt es bei ~Murner~[6]. [Illustration: Abb. 28. Der Barbier. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Hans Sachs~, Beschreibung aller Stände. Frankfurt 1568.] Zur Verwendung kam nach ~Brunssfels~ Rebenasche, doch war auch andere gute brauchbar, nach ~Wittich~ neben Reben- auch Weidenasche. In der Regel begnügte man sich mit gewöhnlicher Lauge. Die erwähnte Instruktion für den Hofmeister des Herzogs Ludwig in Württemberg schrieb nur diese vor. Beim armen Mann wird der Bader gewiß nicht die beste Qualität verwendet haben. In einem satirischen Gedicht von 1535, „Der Judenn Badstub“, heißt es vom „Zwagen“: „Wär nur die laugen nit so scharff, So wolt ich lassen zwagen mich, Dweils doch můß sein, gedultiglich.... Nun her die laug ist schon gemacht, Gezwagen das die schwarten kracht.“ Vornehme Leute wurden besser behandelt: „Man zwegt sie mit kamillen blůmen. Dieweil es die nit schmirtzen thůt“[234]. [Sidenote: _Mittel zum Kopfwaschen_] Unter den zahlreichen Rezepten zum Kopfwaschen spielen die Kamillenblüten neben vielerlei anderen Kräutern eine Hauptrolle. Sie wurden entweder in der Lauge gesotten (nach den Wiener Handschriften in einer „ring laug, die nit zu stark sei“) oder fein geschnitten in Säckchen genäht und in die heiße Lauge geworfen. ~Hero~ schlägt zur Entfernung des Schweißes aus dem Haar auch das Reinigen mit Salz vor, und nötigenfalls setzt er der Kräuterlauge „leüß samen safft“ hinzu, „das tödtet die leüß vnd nyßz“[231]. Gegen Läuse und Nisse (Lauseeier) hat man häufiger als heute kämpfen müssen. Schon der Sachsenspiegel rechnet „nizkemme“ zur Gerade der Frau[213], und bei ~Helbling~ wird neben dem „strêler“ auch der „nizkamp“ genannt[214], wie ja heute noch im Volke der engzahnige Staubkamm Lausekamm heißt. „Ein Bürsle eym zwaghub vnd ouch ein Strel Do mit reyn dyn houbt vnd der Lüse nit fel“, heißt es 1514 im Straßburger Gedicht vom „Hußrat“[257]. Es ist nicht richtig, wenn die heutigen Ärzte das mit Nissen und Läusen durchsetzte, verfilzte Kopfhaar als Plica polonica oder Weichselzopf bezeichnen. Der deutsche Ausdruck stammt aus einer Zeit, wo der berüchtigte, vom Aberglauben beschützte Zopf nicht nur auf die Weichselgegend beschränkt war, und lautete Wichtelzopf, weil man den Wichtelmännchen das Zustandekommen der Haarverwirrung zuschob. Kehren wir zum Kopfwaschen zurück. In der einfachsten Form vollzog man es an sich selber, so eine Frau auf dem ~Dürer~schen und auf dem diesem nachgebildeten ~Beham~schen Holzschnitte (Abb. 40). Die Abbildungen zeigen häufig Schwämme, vermittels derer gewiß das Haar mit Lauge durchtränkt wurde. Fast nie fehlt ein Gefäß, in das die abrinnende Lauge aufgefangen wird. Möglicherweise ist dies das öfters, so von den Meistersingern ~Hans Foltz~[12], ~Hans Sachs~ und in dem Straßburger Gedichte von allem Hausrat[257] erwähnte „badbeck“. Das Kopfwaschen der Kinder besorgte die Mutter in der Badestube, so in ~Amman~s Holzschnitt zu ~Hans Sachs~’ Ständen[208] und in einer Darstellung der vier Elemente aus dem 15. Jahrhundert[123]. [Illustration: Abb. 29. Kopfwäsche des Königs Wenzel von Böhmen durch eine Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.] [Sidenote: _Der Zwagstuhl / Der Trockenofen_] Häufig fließt die Lauge aus einem halbkugeligen, seltener walzenförmigen Gefäß, das von der Decke oder von einem an der Wand befestigten Stabe herabhängt, dem Laugenkessel (Abb. 28 u. 71). Am Erwachsenen vollzog der Bader die Kopfwäsche. Im Dresdener und Wolfenbüttler Sachsenspiegel (14. Jahrhundert) liegt der Badende auf einer Bank, und der Bader tritt von hinten an ihn heran (Abb. 68), ebenso die Bademagd, die dem am Boden sitzenden König Wenzel den Kopf wäscht (Abb. 29, s. auch Abb. 66). Doch kommt in der Wenzelbibel (14. Jahrhundert) eine zweite Abbildung vor, auf der Wenzel am Boden kniet und den Kopf mit nach unten gewandtem Gesicht auf eine Bank stützt. Ähnlich ist das Kopfwaschen in einem Manuskript der Züricher Kantonsbibliothek aus dem 15. Jahrhundert dargestellt (Abb. 30). Aus der einfachen Bank wurde schließlich ein besonderes Instrument, der Zwagstuhl. Er hatte wohl den Zweck, die Kleider beim Kopfwaschen zu schützen, weswegen ihn die Abbildungen von Badestuben nicht zeigen, wohl aber die der Scherstuben. Auf einer im Musée de Cluny zu Paris befindlichen Schweizerscheibe von 1559[235] kniet der Kunde des Scherers auf der nur wenig über dem Boden erhabenen Stufe und stützt die Arme auf die hohe Lehne, über die der Kopf hinausragt. Eine ähnliche Darstellung zeigt ein ~Lucas Cranach~ zugeschriebenes Bild im Dresdener Kupferstichkabinett[236]. Der ~Amman~sche Holzschnitt zu ~Hans Sachs~’ Balbierer bringt den Stuhl noch mehr entwickelt (Abb. 28) und ebenso ein von diesem beeinflußter Berner Scheibenriß mit dem Monogramm H P vom Jahre 1575[199]. [Illustration: Abb. 30. Kopfwaschen im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.] Nach dem Waschen wurde der Kopf mit einem Tuche abgetrocknet, das auf dem ~Cranach~schen Bilde von einer Frau bereitgehalten wird. Die ~Amman~sche und die Berner Scherstube, auch der Züricher Kalender von 1585, zeigen auf einer senkrecht stehenden Stange einen kugeligen, durchlöcherten Apparat, auf dem ein Tuch liegt (Abb. 28). Die Erklärung desselben gibt die Ausgabe des ~Dryander~schen Arzneispiegels vom Jahre 1547, die den Apparat auch im Bilde bringt. Er dient zum Erwärmen der zum Haarabtrocknen benutzten Leintücher und wird „balbierer Trückenofen oder pfann“ genannt. „Soliche sind küpffern oben mit einem gelöcherten deckel, der ob den kolen, so in der pfann gethon werden sollen, geheb zuschließe. Etliche machen auch jrden Trücken hüt daruff wärmet man die leinen tücher, damit das haar, haupt vnd glider zu trücknen vnd bereiben“[233]. Noch im 17. Jahrhundert treffen wir in der Badestube das Waschen des Kopfes an. Im Privileg der Wiener Barbiere von 1662 ist vorgeschrieben, daß die Mittler (junge Gesellen) alle Abend den „Zwagtuell“ zu reiben haben[16]. Dagegen scheint es im 18. Jahrhundert nicht mehr üblich gewesen zu sein. Der erwähnte Berner Scheibenriß hat einem satirischen Kupferstich auf den 1712 geführten Toggenburger Krieg zum Vorbilde gedient (Stadtbibliothek Zürich). Der Zwagstuhl ist jedoch verschwunden, und an Stelle des „balbierer Trückenofens“ steht wohl auf einer Stange ein nahezu kugeliger Körper, der aber als Perückenständer dient[237]. [Sidenote: _Schröpfen_] Eng mit dem Baden war das Schröpfen verbunden (Abb. 31). Die Kalender handeln beides in einem Kapitel ab. Es wurde nicht nur bei bestehenden Krankheiten vorgenommen, sondern auch, wie man glaubte, um den Körper bei Gesundheit zu erhalten. Wo wegen Ansteckungsgefahr bei Epidemien vor Besuch der öffentlichen Badestuben gewarnt wird, ist stets auf die ans Schröpfen gewöhnten Leute Rücksicht genommen. „Schräpffen, sonderlich wer sich daran gewänt hatt, soll man nicht unterlassen“, sagt ~Huggelin~[80] 1559, und ~Ellenborg~[16] empfiehlt es 1484 alle Monate oder so oft man meint, wenn man daran gewöhnt ist, ebenso ein anonymer Druck aus dem 15. Jahrhundert[238]. Das Schröpfen war wegen seines innigen Zusammenhangs mit dem Baden mancherorts in den Badepreis inbegriffen. In der Stadt Gerolzhofen mußte 1557 „yedes alts mensch, Weip oder Mansperson, es las schrepfen oder nit“, zwei neue Pfennige fürs Bad bezahlen[239]. In Zürich hatte man es 1604 für einen halben Batzen samt zehn Hörnli; wer noch mehr verlangte, zahlte für jedes darüber einen Haller[240]. [Illustration: Abb. 31. Schröpfen im Bad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer.] Das Schröpfen war Sache des Baders. Niemals wurde es ihm streitig gemacht; ja es war den Scherern verboten, und wo diese es doch ausüben durften, waren sie Bader zugleich, oder beide Berufe waren zu einem verschmolzen. Auch die Frauen hatten sich vom Bader schröpfen zu lassen. „Er tuot in dem bad howen, Man und och den frowen“, heißt es in des Teufels Netz (Anfang des 15. Jahrhunderts)[241], und in Darstellungen von Frauenbädern sehen wir als einzige männliche Person den Schröpfer, während die übrigen Funktionen von weiblichem Personal übernommen sind (Abb. 40 u. 72). Selbst in Nonnenklöster fand der Schröpfer Eintritt, z.❆B. 1474 im Frauenkloster Urspringen und 1304 im Kloster der Benediktinerinnen zu Schönfeld in Rheinbayern[16]. In Zürich brachte 1542 eine Pfuscherin, die geschröpft hatte, als Entschuldigung vor, sie wäre nicht nachgelaufen, sondern es sei zu ihr geschickt worden, „etwann eine eeren frowen die nit gern einen bader gehept“ zu schröpfen[209]. In den gerichtlichen Verhandlungen vor der Züricher Baderlade und den höheren Instanzen habe ich öfter Frauen als Angeklagte gefunden, die unbefugterweise geschröpft hatten. Als männliche Schuldige kommen nur Baderknechte und Besitzer von Mineralbädern vor. In letzteren beanspruchte selbstverständlich der Inhaber der nächstgelegenen ehehaften Badestube das Schröpfrecht für sich. Dies war in Zürich nach Verordnungen von 1593 und 1659 an den Betrieb einer Badestube gebunden[209], ebenso in Sachsen-Weimar nach der noch 1754 gültigen Baderordnung[242]. Nicht einmal der Besitz einer Badestubengerechtigkeit, bei der der Inhaber die Badestube nicht betreiben wollte, genügte 1774 in Zürich, wenigstens nach Ansicht der Meister Bader, das Schröpfen in den Bürgerhäusern auszuüben[243]. Es brachte dem Bader gewiß mehr Gewinn als das Baden. Schon im 15. Jahrhundert heißt es in einem Aderlaßzettel über einem beigefügten Badestubenbild[244]: „Schröpfen fristet mir min leben.“ Das Ansetzen der Schröpfköpfe und Hörner wurde meist stückweise bezahlt. Nach der Bamberger Baderordnung von 1480 hatten Vermögende einen Pfennig fürs Bad zu geben. Für zwei Pfennig erhielt man noch einen oder zwei Schröpfköpfe; jeder darüber wurde mit einem Heller berechnet[144]. In Bräunlingen bei Donaueschingen kostete das Bad für Erwachsene einen Pfennig und zwei „winttusen seczen“ einen Haller, drei einen Pfennig, vier ebensoviel[219]. ~Guarinonius~ tadelt 1610 die Habsucht der Bader und wirft ihnen übertriebenes Schröpfen vor, weil jeder Köpfel um einen Pfennig mehr trug, wodurch die Leute mit höchstem Schaden an Leib und Säckel geschunden würden[134]. Zu Konstanz bestand jedoch 1483[219], zu Böblingen vor 1554[198] ein Einheitspreis unabhängig von der Zahl der Köpfe. Als im 18. Jahrhundert und im Anfang des 19. die Badestuben selten und vielleicht nur noch des Schröpfens wegen benutzt wurden, wird in den Züricher Protokollen Bader und Schröpfer für dieselbe Person gebraucht. Der Baderberuf war also in dem des Schröpfers aufgegangen, wenigstens an den Orten, wo er sich nicht zur Ausübung der Chirurgie emporschwingen durfte. [Sidenote: _Schröpfen in der Badstube_] Das Schröpfen in der Badestube hatte seine Gründe. Da durch die Wärme die Hautgefäße erweitert werden, erfolgt unter ihrer Anwendung eine reichliche Blutentleerung beim Schröpfen. Die als Ersatz des Bades empfohlenen Mittel bezweckten dasselbe. Doch hatten die Schriftsteller zu Ausgang des Mittelalters und zu Anfang der Neuzeit unter Zugrundelegung der Lehren alter Meister eine andere Vorstellung von der Mithilfe des Bades. Durch Schröpfen allein konnte man nur „subtiles“ Blut aus dem Körper entfernen. Wer Überfluß an diesem zu haben glaubte und ihn ablassen wollte, bedurfte nicht des Bades. Anders bei Leuten von „grobem gepliet“! ~Arnoldus~ sagt „das einn jeder der solch gepliet hat im selber schaden thät, so er nitt im bad schrepffte, dann vmb gröbe willen gieng allein das subtil vnd gut gepliet haraus vnd nitt das grob, welches durch das bad flüssig wirt vnd von stat mag“ (~Pictorius~ 1555)[246]. ~Ryff~[221] empfiehlt in seiner großen Chirurgie zu diesem Zweck innerlich geeignete Nahrung, äußerlich „bereiben, baden vnnd dergleichen“, und der schon angeführte anonyme Druck aus dem 15. Jahrhundert[238] neben Baden im Wasserbad oder in der Badestube „anheim in deinem haws bey warmem ofen schrepfen“. Dies letztere nennt ~Guarinonius~ (1610) „trucken schrepffen“ (siehe da). Er tadelt die dadurch verursachte Überhitzung der Stuben, die unverständige Balbierer und Bader herbeiführten, weil sie meinten, das Blut könne sonst nicht rinnen, und will dafür reiben mit einem warmen Tuch bis zur Hautröte haben. 1484 brach in Nürnberg ein großes Feuer aus, weil einer im Juli ein „stibla“ geheizt, „er hat im weln vorn ofen schrepfen lassen“[248]. [Illustration: Abb. 32. Anlegen der Aderlaßbinde. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer.] [Sidenote: _Aderlaß _] Neben dem Schröpfen spielte im Mittelalter und bis in die neuere Zeit eine andere Art der Blutentziehung eine große Rolle, ich meine den Aderlaß, auch Lässe und Läse genannt. Der Gesunde ließ ihn viermal im Jahr an sich vornehmen; in den Klöstern war dies Vorschrift[249]. Hier fand er im Calefaktorium, dem Warmraume, statt, nicht etwa, wie ~P. Gregor Müller~ meint, damit die Hand des Chirurgen nicht vor Kälte zittere[249], sondern aus den schon beim Schröpfen erwähnten Gründen, die wohl auch die Leute deshalb ins Bad gehen ließen. Die Operation war einfach. Mit einer um den Oberarm gelegten Binde, der Aderlaß-, Laß- oder Läserbinde wurde das Blut gestaut (Abb. 32) und die dadurch stark hervortretende Vene angeschnitten. Der Aderlaß fand auch an anderen Körperteilen statt, worüber das Aderlaßmännchen vom 15. bis ins 19. Jahrhundert genaue Auskunft gab. Das Volk zog das Schröpfen dem Aderlassen vor. Auch die Ärzte, so ~Pictorius~, tun es „by denenn so adelassen nit wol erleiden mögen, diewil es nit so hart schwechet, spricht ~Rases~, als aderlassen, welches gar einn starcke euacuation ist, wie ~Galenus~ bezeugt, darumb auch fil das schrepffen setzent für aderlassen“[246]. Besonders tat man dies bei schwachen und alten Leuten und Kindern. Doch scheint man bei kleinen Kindern nicht geschröpft zu haben; Ryff sagt, die alten Ärzte täten es und zwar vom zweiten Jahre an. Aus ~Guarinonius~’ Schimpfereien geht hervor, daß es an Sechsjährigen zu den Ausnahmen gehörte. Er verwirft es aber auch bei älteren Kindern mit der Begründung: „Die Kinder die treiben kein Mutwillen mit Vberfressen vnd Vbersauffen, noch mit anderer Vnzucht, so ist nit billig, daß sie jhr vnschuldiges Blut ... vergießen sollen“[134]. [Sidenote: _Trocken schröpfen_] [Sidenote: _Schröpfen mit Kopf oder Horn_] Ich habe im Vorhergehenden das Schröpfen als Blutentziehung bezeichnet. Das muß ich teilweise zurücknehmen. Aus den Schriften von ~Ryff~ und ~Pictorius~ geht hervor, daß man im 16. Jahrhundert, wie heute noch, Schröpfköpfe auch ohne „Hauen und Bicken“ setzte, ~Ryff~ nennt das trocken[221], auch blind[250] schröpfen. Im Schröpfkopf (Kopf = Gefäß), der auch Laß-, Baderkopf, Ventose, Ventuse, Vintuse, Fintusze hieß, wurde die Luft durch Erwärmen an einer Flamme verdünnt (Abb. 36) und dadurch nach dem Ansetzen eine Beule auf der Haut gezogen. ~Rueff~[251] schlägt in seinem Hebammenbuche 1554 für den Notfall als Ersatz ein „dickes gloß (wie ein fintusen)“ vor, das man über ein brennendes Licht stülpen soll. Nach ~Pictorius~ (1560) wurde das Trockenschröpfen von den Badenden nicht gebraucht[152]. Beim blutigen Schröpfen wurden die gezogenen Beulen aufgehauen[250]. Öfters geschah es allerdings, daß die „Scarification“ dem Aufsetzen der Schröpfköpfe voranging[221][246]. [Illustration: Abb. 33. Schröpfen mit dem Horn im Mineralbad zu Baden im Aargau. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich 1818.] In der Gestalt glich der Schröpfkopf dem heutigen. Man verwendete verschiedene Größen, die größten im Land zu Sachsen, weil dort die Leute angeblich am vollblütigsten waren[221]. Neben dem Schröpfkopf wird häufig das Schröpfhorn oder Schröpfhörnli erwähnt (Abb. 33/34). Nach ~Ryff~ stellt es das ältere Instrument dar und fand namentlich in einigen Mineralbädern Verwendung. Bilder zeigen es noch im 19. Jahrhundert in Tätigkeit. Auch ~Murner~ bildet es in seiner Badenfahrt ab. Dort ist es schlüsselförmig. Die früheste Erwähnung findet es zu Anfang des 14. Jahrhunderts beim König vom Odenwalde[228], welcher der Kuh ein Loblied singt und dabei auf das Schröpfen mit ihrem Horn gegen Rückenweh hinweist. In einer Züricher Teilrödel des 16. Jahrhunderts kommen aber auch acht „möschin Schräpf-Hörnle“ (aus Messing) vor[252]. Die Verdünnung der Luft geschah durch Ansaugen mit dem Munde; ein kleines Leder verhinderte das Wiedereinströmen derselben. Bei vielen Naturvölkern finden wir das Schröpfen mit dem Horne heute noch[232]. Ich sah es jüngst auf einer aus dem Togo stammenden Photographie bei Dr. ~Hans Gruner~. Es liegt deshalb kein Grund vor, anzunehmen, die Deutschen hätten es von den Römern übernommen. Die erste Kunde vom Schröpfen in fränkischen Landen gibt ~Gregor von Tour~, indem er erzählt, daß Eberulf, der Oberkämmerer des Königs Chilperich, einen Priester mit Faustschlägen fast bis zu Tode mißhandelt habe, der auch gestorben sein würde, wenn ihn die Ärzte nicht durch Schröpfen gerettet hätten[3]. In ~Wolfram~s Willehalm kommt jemand vor, der „wolde phlegn vintûsen an sich setzen“[254]. [Illustration: Abb. 34. Schröpfhörner und Schnepper. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich 1818.] [Sidenote: _Laßeisen und Schnepper_] Den Schröpfschnepper kannte man in früheren Zeiten noch nicht. In seiner heutigen Gestalt finden wir ihn zuerst bei ~Ambroise Paré~[235]. Bei älteren Instrumenten liegt das ganze Räderwerk frei. Ein Schnepper mit einer Klinge scheint auf einem Holzschnitt ~Jost Amman~s dargestellt zu sein (Abb. 36). Gewöhnlich geschah die Skarifikation durch sog. Schröpfeisen, die ~Ryff~ im Gegensatz zum Laß-(Aderlaß)eisen von runder Schneide sein läßt (Abb. 35). Doch scheint man praktisch den Unterschied nicht gemacht zu haben. Die Züricher Bader, die nichts mit Aderlassen zu tun hatten, führten im 19. Jahrhundert neben dem Rasiermesser das spitze Eisen im Siegel. Dies Wappen findet sich außerdem auf einem Lafettenschild des 17. Jahrhunderts im schweizerischen Landesmuseum (vergl. das Wappen in Abb. 39). Zu ~Ryff~s Zeiten verwendete man auch das Rasiermesser, in Aachen sogar noch im 18. Jahrhundert (Abb. 37). Bei diesen Instrumenten wurde die Klinge mit der Schneide auf die Haut gesetzt und mit dem Finger in diese eingedrückt. Genau so verfuhr man beim Aderlaß. Auch hier traten erst später einklingige Schnepper auf. Auf dem ältesten mir bekannten Aderlaßbilde in Codex 306 der Einsiedeler Stiftsbibliothek aus dem 12. Jahrhundert oder aus noch älterer Zeit[538] ist das Messer lanzettförmig. Nicht immer lassen sich in den Schriften Aderlassen und Schröpfen auseinanderhalten. Wird gewöhnlich unter Lassen Aderlassen verstanden, so bezeichnet es auch Schröpfen, z.❆B. im Augsburger Kalender von 1488 und 1511[261]. Das ist auch in dem Wort Laßkopf ausgedrückt. Im Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht wird mit dem „Laßisen“ geschröpft[49]. Nach ~Hans Sachs~ kam es vor, daß man auf der „laspanck“ vom „Lasser“ verbrannt wurde[337]. Das konnte nur beim Schröpfen geschehen. Das sanguinem minuere könnte beides bedeuten, ja ~Diefenbach~ übersetzt sogar flebotomare mit aderlassen und schröpfen[151]. Im Bauriß des Klosters St. Gallen findet sich ein „Fleotomatis hic gustandum vel potionarius“ benanntes Haus neben dem Krankenhause, das eher für eine Verwendung zum Aderlassen sprechen würde. Der in der Nähe gelegene, „sanguinem minuentium“ bezeichnete, mit dem Bad unter einem Dach liegende Raum dürfte vielleicht zum Schröpfen benutzt worden sein (Abb. 5 _b_). Sehr oft sehen wir dargestellt, daß die Person, welche sich auf der Schröpfbank im Schweißbade schröpfen läßt, zugleich ein Fußbad nimmt (Abb. 36), oder wenigstens steht dieses daneben bereit. Die Schriftsteller geben an, man soll den Leib vor dem Schröpfen im Bad reinigen und darauf die Füße bis ans Knie in warmes Wasser setzen, das mache das Blut dünn[41. 47. 262]. Im Züricher Kalender von 1508 wird als Grund angegeben, es mache das Gesicht lauter[26]. Nur einmal finde ich ein besonderes Schröpfstüblein bei ~Geiler von Kaisersberg~ erwähnt. Es lag neben der Badestube und hatte niedrigere Temperatur als diese[151]. [Illustration: Abb. 35. _a_ Schröpf-, _b_ Laßeisen. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt 1547.] [Sidenote: _Schröpfen in den Mineralbädern_] Im Mineralbade wurde, wie es in einer Aachener Schrift von 1737[263] heißt, ordentlicherweise während des Badens geschröpft (Abb. 33 u. 37), wenigstens in den kleinen Privatbädern. Nur in Baden in der Schweiz fand es in einem öffentlichen Bade, das von mehreren Personen gemeinschaftlich benutzt wurde, statt. Es durfte jedoch nur in dem einen der beiden freien Bäder, dem sog. Freibade, geschehen. Schon 1339 besaß es Schröpfrecht[32]. Es wurde namentlich am Samstag von den Landleuten der Umgebung viel besucht, und ~Pantaleon~[35] sagt 1578, die Leute vermeinen, „sie haben nit gebadet wann sie nit voll hörnlin wie ein Igel hangen“. Es schien oft, als wenn man im Blute badete (Abb. 46). Das bezeugen auch andere Schriftsteller bis ins 19. Jahrhundert. In Baden-Baden hatte dagegen 1488 das eine Freibad eine Badestube, die täglich erwärmt werden mußte (trotz der Therme!), in der gebadet und geschröpft wurde[40]. Von Warmbrunn in Schlesien wird 1607 berichtet: „an das Bad stößet gegen Mitternacht eine gemeine Badestube, in welcher alle 14 Tage ein Schweiß vnd Köpffe Bad gehalten wird, welches der Bader von Friedeberg pfleget zu versorgen, vnd müssen die Bad Gäste denselben Tag nach Mittage mit dem Bade inne halten“[69]. Auch in Töplitz war 1607 ein Arm der Mineralquelle durch Röhren in das Haus des Baders vor dem Tor geleitet[264]. Nach einer Notiz von 1706 fand hier das Schröpfen statt[81]. In Leuk war das Schröpfen nur in den dazu bestimmten Bädern gestattet. 1832 war ein sehr unheimlich aussehendes doppeltes Schröpfbad dem Armenbad angebaut. Enatbühl bei St. Johann hatte im selben Jahre eine Schröpfstube mit zwei Wannen[88]. [Illustration: Abb. 36. Badestube. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Paracelsus~, Wund- vnd Artzney Buch. (Titelholzschnitt zum Baderbüchlin.) Frankfurt a.❆M. 1565.] Der Augsburger Großkaufmann Lukas Rem hielt sich 1521, 1525 und 1529, jedesmal achtundzwanzig Tage, im württembergischen Wildbad auf. 1521 hat er in seinem Tagebuch am 3. Oktober 5½ Stunde Thermalbad und „Schwaisbattet und koplett“ (geschröpft) verzeichnet, 1525 am 23. August bei 7 Stunden Mineralbad „schwaisbatt“ und 1530 am 24. und 31. März bei 8 und 7 Stunden Mineralbad „gebatt im Schwais, kopflet“[265]. Dadurch wird auch verständlich, daß Markgraf Christoph von Baden 1507 für sein, also das herrschaftliche Badehaus in Baden-Baden trotz der Therme Lieferung von Holz durch die Stadt verlangte, das übrigens fremde Fürsten, wenn sie zur Kur anwesend waren, auf eigene Kosten besorgen mußten[266]. [Sidenote: _Streichen und Verbinden im Bad_] Über den Ort chirurgischer Tätigkeit in der älteren Zeit ist uns nur wenig bekannt. Quetschungen wurden auf den Burgen im Wasserbade massiert. Den jungen Parzival behandelten Jungfrauen (Anfang des 13. Jahrhunderts): „Si twuogn und strichen schiere Von im sîn amesiere (Quetschung) Mit blanken linden henden“[254]. Ebenso erging es dem Tandareis. „Den wolde man das niht erlân, Er muoste sitzen in daz bat; Sit man in des niht erlât Dô tet erz, wan ez muoste sîn. Vier klâriu juncvröwelin Erstrichen von im sîn amasier, Sîn lîp was klâr unde fier“[267]. (Vgl. Abb. 45.) Ulrich von Liechtenstein erzählt uns, daß die Ritter nach dem Turnier von Friesach im Jahre 1224 in die Stadt zogen und während der Nacht noch badeten, wobei mancher vor Müdigkeit ohnmächtig wurde. Im Bade fand zugleich die Behandlung der im Turnier erhaltenen Wunden statt. „Man pant den dort, man salbet den hie, dem dort die arme, dem hie diu knie“[268]. 1397 behandelten Stover (Bader) kranke Beine bei einigen Personen des Hofgesindes der Witwe des Herzogs Otto des Quaden[269], und die „Bayrische Landesordnung erclärung“ von 1578 klagte, daß „die alten Ehehafft Pader vnnd Padstuben, dabei hieuon guete wundärtzt gefunden worden“, in Verfall gerieten[16]. Die Bader, welche hier Wundarznei ausübten, waren gewiß nicht vom Badestubenbesitzer angestellte Gesellen oder Knechte des Schererhandwerks. In den Reiserechnungen des Patriarchen Wolfger von Ellenbrechtskirchen aus den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts ist bei Passau ein Posten für den Minuter (Aderlasser) in estuario verzeichnet, und eine Ausgabe ist „aliis balneatoribus“ bestimmt[270]. Der Minutor war also ein Bader. In dem schon erwähnten Gedichte Kaufringers heißt es vom Badereiber: „Wann er auch wol scheren kan, er hett mir geschoren ungenetzt“[256]. [Illustration: Abb. 37. Schröpfen mit dem Rasiermesser und Schröpfköpfen in einer Badezelle zu Aachen. („Wie man die Schröpff Köpfe im Bade gebrauchet“.) Kpfr. aus: Amusements des eaux d’Aix-la-Chapelle. Amsterdam 1736.] [Sidenote: _Verschiedenheit der Badangestellten_] Daraus geht hervor, daß nicht alle Bader scheren konnten. Auch sagt eine Baseler Ratsverordnung von 1360, daß die Bader und ihre Knechte, die scheren, Scherer sollen heißen und Scherer sein und auch alle die Rechte haben, so die Scherer in der Zunft zu unserer Stadt haben[255]. Die Bader, welche nicht scheren konnten, hatten also weniger Rechte. Der Badermeister hatte demnach zweierlei Personal angestellt, einmal Knechte, die sich auf Scheren, Schröpfen, Aderlassen und Wundarznei verstanden und dementsprechende Namen führten, und zweitens männliche und, wie ich hier schon erwähnen möchte, weibliche Personen, die das eigentliche Bad besorgten, Wasser herbeitrugen, das Bad und die Holzgeräte scheuerten und dergleichen mehr verrichteten. Beide unterschieden sich auch durch ihr Einkommen. Alle Badhüter und Reiber in den Badestuben mußten nach einer Ordnung des Rates zu Ulm vom Jahre 1346 wöchentlich einen halben Heller in die Handwerksbüchse legen, die Schröpfer aber, die mehr verdienten, einen ganzen Heller[50]. Zur Ausübung des niederen Dienstes in den Badestuben war eine besondere Geschicklichkeit und Intelligenz nicht erforderlich, auch ein eigentliches Erlernen nicht nötig. So kam es denn, daß im Bad allerlei Gesindel Beschäftigung fand. Nach einem gegen 1420 in der Nähe des Bodensees entstandenen Gedicht[241] gehen dem Teufel ins Netz: „Schellenslaher, gogler (Gaukler) und affer, Varend schuoler und buoban“. Für „buoban“ setzt eine der Handschriften „badstuben buoben“. In einer der Predigten, die ~Geiler von Kaisersberg~ 1498 in Straßburg hielt, heißt es von den verunglückten Studenten: „Diese ziehen nachmals (wann sie der füllerey gewohnet haben) inn dem land herumb, der eine wirdt ein Gauckler, oder spilmann, der ander ein thellerschlecker, der dritt ein Teryackskremer, der viert ein bader, der fünfft ein Henselin oder sonst ein lotterbub“[271]. Codex C 101 der Züricher Stadtbibliothek, 1453–67 von einem St. Galler Mönch geschrieben, sagt vom Planeten Luna: „mine kind man keines gezeymen kan Nieman sy gerne sind vndertan jr angesicht ist bleich vnd runt“, und als Kinder Lunas werden angeführt: „leufer, geugler, fischer marner (Schiffer) farenschuler fögler müller bader vnd was sich mitt wasser erneret Den ist diß mons schin bescheret“ (Abb. 38). [Sidenote: _Badestube und Frauenhaus_] Fast wörtlich lautet die Stelle in dem von der Bodenseegegend stammenden mittelalterlichen Hausbuch aus dem 15. Jahrhundert[150][D]. Wir finden hier die Bader in Gemeinschaft mit zumeist fahrendem Gesindel. Einen hohen Grad von Sittlichkeit konnte man bei diesen Leuten nicht erwarten. Kein Wunder, wenn manche Bäder bis ins 15. Jahrhundert Frauenhäuser, wenn auch wohl selten öffentliche, darstellten, mancherorts bis in neuere Zeiten. Die eigene Badestube, welche nach ~Felix Faber~s Bericht die gemeinen Frauen zu Ulm in der Nähe des Münsters hatten, dürfte wohl ein offenes Frauenhaus gewesen sein[50]. Auch fanden sie Unterkunft in den Bädern. ~Johannes Stumpf~ erzählt, daß sich 700 zum Konzil in Konstanz einfanden, die „durch die gantz statt hinweg“ in Frauenhäusern, Ställen und Winkeln wohnten[336]. Nach einer anderen Nachricht waren es zweimal 700, und viele hatten Herberge in den Badestuben genommen[626]. Es klingt demnach gar nicht unwahrscheinlich, wenn in der „Wiletzkinder Vasnacht“ ein Sohn seinem Vater erklärt: „Ich wil wern ein frauenwirt Und ain padkneht, der lest (zur Ader) und schirt, So mag ich paiderseit gewin haben“[12]. [Illustration: Abb. 38. Darstellung des Planeten Luna. Oben links die Badestube mit einem Bader und Baderinnen. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550)] Nicht ohne Grund schrieb Breslau 1486 seinen Badern vor, keinen Dirnen Aufenthalt zu gewähren[210]. [Sidenote: _Ruf der Bader und Baderinnen im 13. und 14. Jahrhundert_] Aber auch das weibliche Badepersonal selbst stellte die Dirnen, das männliche machte die Kuppler und nicht nur zwischen jenen, sondern auch sonst nicht gerade ehrbaren Frauen, die zum Bade kamen, und ihren Liebhabern. Rîberîn (Badereiberin) war gleichbedeutend mit Hure[258] (siehe S. 179 Zwagerin), und Quostenbinderin (Person, welche die zum Schweißbade nötigen Laubbüschel anfertigt) galt als Schimpfwort[259]. Auch in ~Luther~s Schriften tritt die tiefe Verachtung der Baderinnen zutage: „Er heißt mich einen Wechselbalg und Bademagds Sohn“ und „es würden zuletzt auch die Bademeid wider mich schreiben“[151]. Der Barfüßermönch Michael Eisenhart in Rotenburg ob der Tauber sagt 1526, die Deutschen hätten um Luthers willen „Die mutter gots und zart junckfrawen Gotslesterlich und unbeschayden Vergleicht den alten badmayden“[627]. Fürs 13. Jahrhundert hat uns ~Neithart~ eine diesbezügliche Schilderung hinterlassen: „Von dem vruestük süln wir gan san dan hinne zuo dem bade; lade wir die finen vröulin dar, z’war, die uns riben, unt vertriben unser wile; keiner ile dar uz vaste, e er raste drinnen, sam ein vürste. Sich, baderinne, du besinne unser gewinne, zuo der minne bereite (ie) dem manne ein (weichez) bette; du darft niht sorgen umb daz borgen, ane kargen, sich, uf morgen so schaffen wir, daz es wirt eben wette“[103]. Auch ~Herrand von Wildonie~ läßt bei dem Kaiser im Bad „solher wîbelîn ein teil, diu man dâ vindet ringe veil“ verweilen[438]. [Sidenote: _Die ersten Gesetze gegen die Unsittlichkeit in den Badestuben_] Zu Anfang des 14. Jahrhunderts führt der König vom Odenwalde unter den dreißig Ursachen, welche die Leute ins Bad treiben, auch das Bedürfnis zu minnen an. Besonders berüchtigt war in dieser Beziehung die Badestube zu St. Leonhard in Basel[260]. In diese Zeit fällt die erste bekannte Verordnung gegen die Unsittlichkeit in den Badestuben. Im ältesten Stadtbuch Luzerns, das vor 1320 abgefaßt ist, verbietet der Rat das Spielen und Übernachten von Fremden in den offenen Frauenhäusern und Badestuben. Es durfte keine Frau bei zehn Schilling Buße in einer Badestube baden; am Mittwoch konnten dagegen zwei, die Ritzmanns und Stecken, nur von Frauen besucht werden. Überschritt ein Mann das Verbot, so büßte er es mit einem Pfund und mußte einen Monat von der Stadt sein. Wußte der Bader darum, zahlte er die Buße[111]. Ähnliche Verordnungen treffen wir in Norddeutschland an. Hamburg schrieb 1375 vor: „De vrowen scholen baden alle werkeldage van des morgens beth to seven tyd dages sunder man unde nicht lenger. Van twen tyd dages scholen de man baden beth dat men tho deme dome vesper luedet, sunder frowen unde nicht lenger. Van vespertyd scholen de vrowen baden beth des avendes sunder man, mer des sunnavendes scholen de vrowen nicht mer baden den van des morgens beth tho twen tyd dages unde nicht lenger. Unde denne scholen de man allen dagh vortom uthbaden.“ Wer zur Mannszeit Frauen oder umgekehrt oder beide Geschlechter zusammen baden ließ, hatte zehn Schilling dem Rate und fünf dem Handwerk zu geben. „Und were dat welk badstover (stove = stube, Badstover = Badstubenhalter) ver werve hir ane breke binnen eneme jare, de schall jar unde dagh uth dem ampte wesen, id en were, dat en de rad begnaden wolde“[217]. „De olden gelofte der Stad“ Wernigerode enthalten folgende diesbezügliche Stelle: „Ok umme dat stowen bad schulle gy wetten. dat de mane mege baden van dem morgen we to XII. slegen unde de frawen van XII. wete to twey; so moget de manne auch baden. Unde de manne unde frawe schulle nicht to samende baden“[272]. Speier hatte 1357 zwei Badestuben vor dem „Rinburgetor“, „die manne bastube vnde die vrouwen bastube dabi gelegen“[273]. Das Zusammenbaden von Männern und Frauen hatte schon eine unter dem heiligen Bonifacius 745 abgehaltene Synode verboten, ebenso das Merseburger Poenitiale aus dem 9. Jahrhundert[16]. 1451 erinnerten der Züricher Chorherr ~Felix Hemmerlin~[274] und 1489 der Berner Chorherr ~Heinrich Gundelfinger~[334] wieder daran, daß verheiratete Männer und Frauen, die mit Leuten anderen Geschlechts zusammen badeten, das Heiratsgut verlieren müßten. Dringe aber ein Mann mit Gewalt in die abgesonderten Frauenbäder, solle er mit dem Tode bestraft werden. Der Meistersinger ~Hans Foltz~ gibt die strenge Durchführung dieser Beschlüsse nur von einem Bad bei Avignon an: „der bad eins für die frawen ist. alein der man das ander wist. welch man bat an der frawen schar so bald vnd man des wirt gewar sein haupt hat er on gnad verlorn“[12]. Schon im 14. Jahrhundert sollen nach ~Hingst~[183] in Freiberg in Sachsen die beiden Badestuben gesonderte Männer- und Weiberbäder gehabt haben. Aus der Taxordnung von 1447 geht jedenfalls hervor, daß die Frauen von der Bademayd bedient wurden. Auch in Baden in der Schweiz schrieb 1496 der Rat dem Bader vor, „darzu soll er denen frowen nun fur hin ein frowen zuo einer riberin halten“[32]. In Basel badeten bis 1431 Männer und Frauen zusammen, „das nit wol loblich und an manchen Enden eine ungehörte Sach ist“. Darauf wurden Männer- und Frauenbad voneinander abgeteilt[260]. 1480 durften nach einer Bamberger Ordnung Eheleute zusammen baden[144]. In Butzbach in Hessen war im städtischen Bad gegen Ende des Jahrhunderts das Männer- vom Frauenbad getrennt[194]. Den Badern wird jedoch auch im 15. Jahrhundert kein besseres Zeugnis als früher ausgestellt: „Der bader und sin gesind Gern huoren und buoben sind, (Das sich wol dik enphind) Dieb, lieger und kuppler, Und wissend alle fremde maer. Och kunnend sie wol schaffen Mit laigen und och mit phaffen, Die ir uppkait wend triben, Und kunnend die fröwlin zuo in schiben“[241]. In Regensburg sollten die Bader im 15. Jahrhundert nach einer Ordnung, die sie mit dem Rate machten, fürderhin niemanden auf ihrem Handwerk arbeiten lassen, „es sey fraw oder man auf die Intzigk geen, oder die von Rwf wegen verarckwaingt sint“. Doch wird 1509 von der Stadt Frickenhausen oberhalb Ochsenfurt berichtet: „Erat puella in domo balnearia lavari cupientibus ad serviendum conducta, cujus nomen memoriae non occurit“[144]. [Sidenote: _Bestimmungen gegen Unsittlichkeit im 16. Jahrhundert_] Die Badestube in der Borngasse zu Frankfurt a.❆M. hatte im Beginn des 16. Jahrhunderts getrennte Bäder für Männer und Frauen[127], in Braunschweig gab es eine besondere Frauenstove. Die Züricher Bader haben auf ihrer Pergamentrolle im Jahre 1503 folgende hierher gehörige Bestimmung verzeichnet: „Item man sol ouch kein üppiklich bad haben, noch niemant den andern zůsamen welben[E] weder er, noch die sinen, noch nieman von sinen wegen, es sol ouch niemant den andern in kein standen zů samen lassen sitzen, sy sygent dann eelich personen, die zůsamen gehörent, oder eelich natürlich geboren geschwisteryit. Es sol ouch niemant in keinem wasserbad, in heimlichen wincklen baden, noch in keine kamer verfüren, damit biderben lüten ire kind vnd ander die iren nit geschmächt, oder geschentt werden“[243]. [Illustration: Abb. 39. Farbige Glasscheibe von 1524. Im Besitz von Prof. ~Rahn~ in Zürich.] [Illustration: Abb. 40. Frauenbadstube. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550)] [Sidenote: _Wie weit diese Gesetze befolgt wurden_] Wie weit solche Bestimmungen durchgeführt wurden, zeigen uns die Bilder dieses Jahrhunderts, und der Züricher Prediger ~Lavater~ sagt 1583 in seiner Auslegung des Buches Esther: „Wie auch das, wenn mann vnnd wyb by einanderen in einer badstuben sitzend, darwider etliche alte canones sind“[276]. Auffallend ist, daß wir nirgends die Darstellung weiblicher Bedienung im Männerbad sehen. Wohl werden Frauen, und zwar vollständig nackte Frauen, von Männern besorgt (Abb. 39), es gibt aber auch Bäder, die nur von Frauen besucht sind, wo die Baderin das alleinige Personal bildet (Abb. 40) oder als einzige männliche Person der Schröpfer sein Amt ausübt (Abb. 72). Es wurde in diesem Jahrhundert im allgemeinen auf strenge Zucht und Sitte im Bade gesehen. 1514 entfernten die Räte und der Domdechant von Würzburg den Bader zum Becken, einer Badestube, die mit dem Spital in Verbindung stand. Als der Fürstbischof sich des Baders annahm, teilte man ihm die Gründe der Entfernung mit. Obgleich dem Bader bei seiner Annahme eröffnet wurde, er solle die Tür an der Frauenstube geschlossen halten, habe er dies nicht getan, vielmehr einige Domherren und Edelleute gegen die Spitalpfleger unwillig gemacht, so daß sie sogar den Pflegern einen Kübel an den Hals hängen wollten. So sei es gekommen, daß viele Uneheliche und besonders „verleumutte“ Frauen in das Bad gerne gingen und unziemliches Wesen trieben, so daß fromme Frauen und anständige Jungfrauen gar nicht mehr hingehen möchten[144]. Auch ~Ulrich von Hutten~ sagt 1521 von den Domherrn: „so ligen sye gemeynlich am rücken, vnd haben ire kurtzweyl im bad, vnd brassend stets, sitzen da vnder den schönen metzen, offt die gantz nacht“, und weiter: „Herr Curtisan ich wünsch eüch gruß. In ewerm hauß ist überfluß. Drumb kumm ich eüch zůwonen bey. Tragt essen trincken auff, seyd frey. Doch erst ein bad man wörmen sol. Vnd vnser dorinn pflegen wol, Mit reyben, iuken, warm, vnd kalt. Darauß wir gehn zům essen bald. Do werd ein schön pancket gemacht. Mit großem kosten, reychem pracht. Das were biß nach mitter nacht. Do müssen vil gerichten sein, Fisch, vögel, wiltpret, bir vnd wein. Kein wurtz man spar, noch spetzerey. Schadt nit, ob das schon tewer sey. Obs sey geholt auß India, Gewachsen in Arabia. Kumm auß der newen Insel her. Tragt auff, die fucker[F] bringens mer. Mit essen drincken schafft ein můt. Mit vollem bauch ist schlaffen gůt. Ob dann schon ich bin auch im spil, Hatt wol sein fug, ist nit zů vil. Ein idas wesen hat sein zil. Ich habs gewogt“[277]. Eine ähnliche Schilderung ist in den Briefen der Dunkelmänner „De concubinariis ordine tertiis“ enthalten[144]. Nach ~Ryff~ waren in etlichen Landen deutscher Nation, vornehmlich in den niederländischen Städten, die Badestuben am meisten „zu anreyzung der vnkeuscheyt erbawen, also das mehr můtwillens vnd schand darinn geübt wirdt, dann in offnen Frawen heuseren“, und er klagt, daß die Obrigkeit solche Hurerei öffentlich zuläßt[48]. Ein Kupfer ~de Brys~ von ca. 1600 zeigt, daß es in den niederländischen Barbierstuben nicht besser zuging[244]. [Sidenote: _Der Ruf der Badestuben im 17. Jahrhundert_] [Sidenote: _Der Ruf einzelner Bäder im 18. und 19. Jahrhundert_] Im 17. Jahrhundert eifert der steirische Physikus ~Guarinonius~ gegen die Badestuben. Anständige Leute ließen ihre Töchter nicht in diese gehen. Dort seien zwar durch dünne Wände Männer und Weiber voneinander geschieden, der obere Teil aber, um Holz zu sparen, gegattert, so daß jeder beim Besteigen der oberen Bänke nach der anderen Seite sehen könnte. Man lasse auch die Tür offen stehen zum Ein- und Ausgehen der Bader und „Schandknecht“. Diese träten nackend vor Weiber und Jungfrauen, und wenn sie auch mit der Niderwad bedeckt seien, ließen sie diese öfter scheinbar zufällig entfallen. Auch ließen sie Liegestätten zu unter dem Vorwande, nach dem Bade zu ruhen und zu schlafen (Abb. 41). Sie hielten Metzen und Baddirnen, welche die Badenden reiben, zwagen und zur Üppigkeit anreizen täten. So sei das Päperle-Bad zu N. in Böhmen durch ganz Österreich verschrien gewesen[134]. Diese letzte Bemerkung zeigt aber, daß die Unsittlichkeit doch auf einzelne Bäder beschränkt war. Ja ~Guarinonius~’ scharfe Verurteilung der Bäder erscheint in einem eigentümlichen Lichte, wenn man weiter von ihm erfährt, daß auch das Baden im eigenen Hause wegen der dazu nötigen Entkleidung unsittlich sei. Einige fromme Leute hätten nie gebadet, nicht zum Schaden ihrer Gesundheit, im Gegenteil, sie hätten sich besser dabei befunden. Aber auch bei ~Philander von Sittewald~ findet sich (Vorrede von 1664) folgende Stelle: „Andere giengen in das Bad warumb? darumb, daß sie wollten schräpffen lassen: Aber zu höchstem ihrem mißfallen hat man vor kurtzem löblich verordnet, daß die Mannsleute, denen zu Ehren offt dergleichen Badgeldt spendieret worden, in andere Zimmer zu baden sollen angewiesen werden: Vnd derowegen nicht ohne vrsach ist daß dise arme Weibriger ietzund so Maulhenckolisch da in gedancken ligen, vnd so traurig da sitzen, als wolten sie den Banck durchschwitzen“[76]. Noch im 18. Jahrhundert weist eine Gothaische Ordnung die Obrigkeiten an, fleißig Aufsicht zu üben, daß in den gemeinen Badestuben die Orte, wo die Manns- und Weibspersonen baden, genügend unterschieden werden, weil dort zuweilen viel Üppigkeit vorzugehen pflegt[242]. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren in Bern die Mattenbäder übel beleumdet[253], und 1832 schreibt ~Rüsch~, man habe vor einigen Jahren jene Venustempel geschlossen, ihr Ruf sei aber auf die Aarzihlebäder übergegangen[88]. [Illustration: Abb. 41. Darstellung eines nach Art der Badestuben betriebenen Mineralbades. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550)] [Sidenote: _Die Unehrlichkeit / Recht- und Wehrlosigkeit der Bader_] Ich glaube, daß die in älteren Zeiten bestehende Unehrlichkeit der Bader ihren Grund darin hatte, daß die Hefe des Volkes zu ihren Angestellten zählte. In Augsburg und Umgebung wurden durch eine Urkunde von 1365 einige Bader und Scherer als aus der Leibeigenschaft losgekauft erklärt[46]. Die frühere Leibeigenschaft kann aber nicht Grund zur Unehrlichkeit gewesen sein, wir treffen sie auch bei anderen durchaus ehrlichen Handwerken an. Einzelne Badestuben waren Eigentum oder Lehen vornehmer Familien. Das steht scheinbar nicht in Einklang mit der Unehrlichkeit der Bader und hat zu der irrtümlichen Angabe geführt, manche Bader seien vornehme Herren gewesen. Bischof oder Bader heißt aber alles oder nichts[151]. Nach einem 1656 von Herzog August dem Jüngern zu Braunschweig-Lüneburg für Burchhard von Bortfeld ausgestellten Lehnsbriefe war dessen Familie im Mannsstamme „von alten Zeiten her mit einem Stoben auf St. Ulrichs Kirchhofe“ in Braunschweig belehnt[279]. In Frankfurt a.❆M. waren einige Badestuben Eigentum vornehmer Familien[127], in Ulm besaß ein reicher Großkaufmann Ott Ruland 1448 eine solche[284]. In Baden im Aargau hatten im 14. und 15. Jahrhundert die Herren von Rümlang das Schröpf- und Scherrecht als Lehen von den Herzogen zu Österreich[32]. Diese verpachteten wohl sämtlich (was auch bei einigen angegeben wird) ihre Badestuben bezw. Rechte an Bader, wie sich ja auch vornehme Geschlechter, z.❆B. die gefürsteten Grafen von Henneberg und die Grafen von Pappenheim mit den Einkünften der Frauenhäuser belehnen ließen[139], ohne selbstverständlich ihre Familienmitglieder dort tätig sein zu lassen. Durch die Einnahmen aus dem unsauberen Handwerke erlitt ihr Ansehen keine Einbuße, wenn auch die öffentlichen Frauen tief verachtet waren. So konnten auch vornehme Leute Inhaber von Badestuben sein; die im Baderberufe tätigen Personen waren doch unehrlich. Da die Scherer aus den Badestuben hervorgingen, erscheint es nicht wunderbar, wenn auch sie mit dem Makel der Unehrlichkeit behaftet waren, sonst bietet sich kein Anhalt dafür. [Sidenote: _Ausschluß der Baderskinder von ehrlichen Handwerken_] Wir sahen die Bader schon in Gemeinschaft mit allerlei fahrendem Gesindel. Sie werden diesem in rechtlicher Beziehung auch gleich bewertet. „Pfifer, pûker, videler, singer, springer, und koukeler, lêzer, scherer, beder“ gehören nach der Görlitzer Glosse zum Sachsenspiegel zu den Spielleuten[3] und denen, die Gut für Ehre nahmen und sich für Geld zu eigen gaben, denen der Sachsenspiegel kein Wehrgeld zubilligte, sondern nur die Rache am Schatten des Gegners. Daraus erklärt sich auch das Verbot des Waffentragens. „Es ensal kein Beder, Scherer, noch ire gesynde tragen schwert, Schermesser, noch andere wher wider zu wein, noch zu Byer, noch niergen in der stad“, heißt es im Erfurter Zuchtbrief von 1351[115] und in den Statuten aus der Stadt Halle aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts[285]: „Ouch wilkorn wir, das gernde leute, spelleute, scherer’, bedere, vnd ore knechte nyrkeyne were tragen sollen, messere noch swert, bey funff schillingen“[G]. Die älteste Rigaer, 1252 gegründete Gilde des heiligen Kreuzes und der heiligen Dreieinigkeit untersagte die Aufnahme von Webern, Badstubern und deren Angehörigen[193] und die Ladung derselben zu den Gildemahlen[16]. In Prag konnten Bader, Bartscherer, Pfeifer und Musikanten im 15. Jahrhundert nicht Mitglieder des Rates werden[16]. Zünfte, namentlich vornehme, verschlossen Baderskindern die Erlernung ihres Handwerks, so die Lakenmacher in Braunschweig (14. bis 16. Jahrhundert), deren Statuten verlangten, der Aufzunehmende solle von Vater und Mutter echt und recht geboren, deutsch und nicht wendisch, nicht eines Zöllners, Müllers, Leinewebers, Baders, Barbiers oder Schäfers Sohn sein[278]. 1472 und 1525 mußte der Rat von Hamburg einigen Goldschmiedegesellen behufs ihrer Aufnahme in Köln bescheinigen, daß keiner von ihnen sei, „Bartscherers, noch Badstövers, noch Linnenwebers, noch Spielmanns Kind“[220]. In Geburtsbriefen wird deshalb öfters die Nichtabstammung von Badern und neben den schon genannten Berufen, auch von Bütteln, Pferdeschindern, Henkern und anderen dergleichen, „dy man nicht pflegt vf redeliche hantwerger zu nemen“, bezeugt, so 1431 und 1443 vom Abt von Altenzella[16]. Einen Geburtsbrief, der den Anforderungen der Braunschweiger Lakenmacher entsprach, stellte noch 1660 die Stadt Gronau an der Leine im Stift Hildesheim aus[242]. Ja man bezeugte nicht nur dem Ehrlichen seine Ehrlichkeit, sondern vermerkte in den Taufbescheinigungen dem Unehrlichen in einer besonderen Klausel seine Unehrlichkeit. Über diese beschwerten sich „sehr beweglich“ die Barbiere, Bader und Leinweber bei dem Herzog August dem Jüngeren von Braunschweig, da sie ihren Kindern bei der Erlernung zünftiger Handwerke hinderlich sei. Infolgedessen hob sie der Herzog 1650 für Barbierer, 1652 für alle übrigen durch einen Befehl auf[279]. [Sidenote: _Aufhebung der Unehrlichkeit der Bader_] 1652 attestierte der Rat zu Hamburg dem Amt der Bader auf dessen Bitte hin, daß die Bader und deren Kinder daselbst zu allen ehrlichen Handwerken, Zünften und Ämtern zugelassen würden, daß bloß wegen dessen, daß er ein Bader oder eines Baders Sohn sei, niemand von Ämtern usw. ausgeschlossen werden möge[217]. Nach ~Sach~ mußte der Rat noch 1728 den Badern ihre Ehrlichkeit den Zünften (wohl auswärtigen) gegenüber bezeugen[18]. Man sieht, wie fest der Begriff der Unehrlichkeit mit dem Baderhandwerk verbunden war. Schon 1406 hatte Kaiser Wenzel, der wegen seiner 1393 erfolgten Rettung aus der Gefangenschaft der böhmischen Stände zu Prag durch die Bademagd Susanne den Badern sehr geneigt war, diesen 1406 einen nach ~Schlosser~ übrigens gefälschten „herrlichen und ehrlichen Brieff“ gegeben; „darinnen er das Bader-Handwerck allen anderen Handwercken gleich gemacht und ihr Handwerck und Dienste, so sie Königen, Fürsten, Herren, Rittern und aller Stände Personen zu leisten pflegen, vor ehrlich und rein gesprochen; daneben allen Jüden, Heyden und anderen Unchristen oder berüchtigten Leuten verboten, daß sie nicht alleine die Badstuben sondern auch der Bader Wohnunge nicht besuchen und dieselbige meiden solten. Aber das solte sich niemand vorsetzlich unterstehen, die Bader zu schmähen oder etwas wider ihre ehrliche Dienste zu reden. Dafern aber jemands ihnen oder ihrem ehrlichen und reinlichen Handwercke zu Nachtheil und Verkleinerung etwas muthwillig reden würde, derselben jeglicher solte ohn alle Gnade in des gegenwärtigen oder zukünfftigen Königs von Böhmen Zorn und Ungnade fallen, seines Kopffs verlustig und alles sein beweglich und unbeweglich Gut von Rechtswegen an die Ältisten des Bader-Handwercks, so dazumal seyn würden, verfällig seyn, welches sie an ihres Handwercks gemeinen Nutz und Frommen anzuwenden schuldig seyn solten. Daneben hat ihnen gemeldter König aus Gnaden verliehen, daß sie sich allesamt dieses Wapens gebrauchen solten, als nemlich: In einem güldenen Schilde eine blaufarb knotenweise gebundene Binden führen, darinnen in der mitten ein grüner Papagei stehen solle (Abb. 42). Dessen allen zu Zeugnuß hat der König zu diesem Brieff seine Majestät in weißem Wachse mit eigener Hand angehengt und auf rothem Wachse sein Secret, darinnen eine Baderin im Bade-Kittel, welche am lincken Arm einen Wasser-Kübel hengende und in der rechten Hand einen grünen Quast hält, ausgegraben (Abb. 65), aufgedrückt etc.“[286]. [Illustration: Abb. 42. „Prager Entlein“ an dem vom König Wenzel vollendeten Altstädter Brückenturm in Prag. Die blaufarb knotenweise gebundene Binde und der grüne Papagei (Eisvogel), das von Wenzel den Badern verliehene Wappen, welches sich auch häufig in den für Wenzel angefertigten Bilderhandschriften findet. Nach ~von Schlosser~.] Die Reichspolizeiordnungen von 1548 und 1577 mußten von neuem den Zünften gebieten, der Bader und anderer verachteter Handwerksleute Kinder, wenn sie sonst eines ehrlichen Herkommens, Handelns und Wesens seien, aufzunehmen, was 1689 von Leopold I.[16] und später in Sachsen-Gotha wiederholt wurde[242]. Die Gräflich Schwarzburgische Badeordnung im Amt Gehren bestrafte noch im 18. Jahrhundert die Beleidigung der ganzen Baderzunft[242]. Die Unehrlichkeit der Bader übertrug sich nicht nur auf die männlichen, sondern auch auf die weiblichen Nachkommen. Kein Handwerksmeister oder Geselle durfte, wenn er nicht seine Zunftmitgliedschaft gefährden wollte, eines Baders Tochter heiraten. Übrigens zeigt sich an manchen Orten keine Spur von einer Unehrlichkeit der Bader, so in Frankfurt a.❆M.[127], nach ~Zappert~ in Österreich[16]. In Augsburg heiratete 1525 Dr. ~Frost~, der sechs Jahre zu St. Anna Prior der Karmeliter gewesen war und Augsburgs erster lutherischer Prediger wurde, eines armen Badereibers Tochter, und sind „vil erbarer, reicher leut auff seiner hochzeit gewessen, frauen und mann“[280]. In Hamburg bildeten die Bader 1375 eine anerkannte und bestätigte Zunft. Ihre Mitglieder genossen des Waffenrechts, und dem erbangesessenen Badermeister war der Besuch der bürgerlichen Konvente ebensowohl gestattet, wie jedem Haus und Erbe besitzenden Bürger[220]. Auch in Würzburg finden wir die Bader bei der Aufbeschwörung und dem Vertrag aller Handwerke mit dem Rat 1373 vertreten[144]. Als Zürich 1336 die ~Brun~sche Verfassungsänderung annahm und es zur Bildung der bis dahin verbotenen Zünfte kam, wurden Bader und Scherer mit Schmieden, Schwertfegern, Kannengießern, Glockengießern, Spenglern und Waffenschmieden, also den angesehensten Handwerken in einer Zunft untergebracht. Nur die „Uffbisewer“ und Kammacher waren nicht zünftig[281]. Die Bader genossen damit zu den städtischen Ämtern aktives und passives Wahlrecht. 1337 bestätigte Kaiser Ludwig die neue Ordnung[287]. Doch zeigt sich auch hier ein Anklang an die Mißachtung der Bader und der mit ihnen seit 1490 zu einer Gesellschaft innerhalb der Zunft vereinigten Scherer. 1655 hatten die Messerschmiede in Basel die Heirat eines ihrer Mitglieder mit eines Barbiers ehelicher Tochter als an ihren Ehren nachteilig erklärt, was zu einem „Schimpf- und Scheltungshandel“ führte. Den gleichen Lärm erhoben die Meister Messerschmiede in Zürich bei Anlaß einer gleichen Heirat. Der daran anschließende „kostliche Prozeß“ fand erst 1658 durch Vergleich ein Ende, wie es scheint durch Vermittelung der Zünfte von Frankfurt a.❆M. und Nürnberg. 1668 hatten die Bader wieder einen Handel mit den Messerschmieden, in dem sie von den Scherern mit fünfundzwanzig Schilling aus der Gesellschaftskasse unterstützt wurden. Die Scherer dünkten sich wieder mehr als die Bader. 1684 hatte ein Geselle, der bei einem Landmeister zum Scherer und Bader zugleich herangebildet war, das Wörtchen Bader in seinem Lehrbrief ausgekratzt. Die Meister Scherer erklärten, ob dieser Frechheit nicht wenig verwundert zu sein, aber hundert Jahre später (1762) gaben auch sie ihre Mißachtung der Bader offen kund. Man wollte den Obmann der Bader bei Zusammenkünften und Mahlzeiten nicht am Tisch der Vorgesetzten sitzen lassen, weil ein geschworener Meister der Scherer allezeit mehr geachtet werde denn ein Obmann der Bader. Man einigte sich schließlich dahin, daß der Bader Obmann über den jüngeren geschworenen Meistern der Scherer sitzen solle, aber nur bis zur Mitte vorrücken dürfe[243]. [Sidenote: _Verhalten der ehrlichen Bader gegen unehrliche Handwerke_] Wo Bader und Scherer ehrlich waren, verhielten sie sich den Unehrlichen gegenüber ebenso schroff ablehnend wie die übrigen Handwerke. Fast zur selben Zeit, als die Messerschmiede in Zürich den Scherern ihre Mißachtung ausdrückten, verweigerten diese (1658) die Aufnahme des Sohnes eines losgekauften Scharfrichters in ihr Handwerk. Sogar Meister und Gesellen von Straßburg legten memoria ein. Der junge Volmar, nun Steinfels genannt, wurde aber 1665 auf Ratsbeschluß zum Examen zugelassen[243]. In Würzburg erschien am 19. März 1495 das ganze Baderhandwerk vor dem Rate und klagte, daß zu einer Hochzeit, welche ein Knecht ihres Handwerks gehalten, der Scharfrichter gekommen sei und sich zwischen Bräutigam und einen anderen Knecht gesetzt habe. Deshalb baten sämtliche Zunftmitglieder, damit Ehrbarkeit und Zucht erhalten bleibe, dem Bräutigam das Handwerk zu verbieten. Dieser verteidigte sich jedoch, er habe den Scharfrichter nicht eingeladen, dieser sei als Nachbar seines Weibes von selbst gekommen und habe sein eigenes Essen mitgebracht. Auch sagte er, er müsse den Scharfrichter baden, scheren und stehe sonst noch im Verkehr mit ihm. Trotz dieser Einrede wurde der Bräutigam mit ein Pfund Wachs und ein Achtel Wein bestraft[144]. [Sidenote: _Die Bader als Trinker und Schwätzer_] Sehen wir von der Unehrlichkeit der Bader ab, so hatten sie auch aus anderen Gründen keinen besonders guten Ruf. Sie galten im allgemeinen als Trinker. Bei ~Stieler~ heißt es: „Er izzet als ein mâder (Mäher) und trinket als ein bader“[151], und ~Abraham a Santa Clara~ sagt 1711: „Sie können sich in das Fasten weniger schicken, als David in den Harnisch des Saul. Es kommt mancher ganz roth im Gesicht nach Haus, daß man vermeinte, er hätte sich mit Zinnober gebadet, es war aber nur ein Safft vom Oktober“[288]. Auch ~Goethe~ spricht von einem versoffenen Bader[151]. Sogar die Hüterin trinkt nach des Teufels Netz „och gern guoten win“[241]. Die 1754 noch gültige gräflich schwarzburgische Baderordnung für das Amt Gehren ermahnte die Bader, sich neben der Gottesfurcht auch der Nüchternheit zu befleißigen, damit niemand der chirurgisch Behandelten durch Unfleiß und Trunkenheit verwahrlost werde[242]. Man darf deshalb nicht verwundert sein, wenn § 11 in den Statuten der Züricher Bader von 1604 lautet: „Zum einlifften. sol einer verstendigen Person da nüdt für geschriben syn“[240]. Eine Verordnung des Rats zu Ulm von 1379, die bis 1538 in Kraft blieb, kennzeichnet die Bader als recht leichtsinniges Volk. Es wurde den Badknechten untersagt, das zur Unterstützung Dürftiger in die Zunftbüchse gelegte Geld nicht mehr wie früher bei Höfen, Gastereien und Fastnachtsschimpfen zu verzehren[50]. Auch in Zürich hatten Bader und Scherer 1490 nach ihrer Abtrennung von der Schmiedezunft nichts eiliger zu tun, als das ihnen ausgezahlte Geld unter sich zu verteilen. Der Rat forderte aber die Wiederaufbringung des Gesellschaftsgutes und bestrafte die anführenden Übeltäter noch besonders[289]. Die Geschwätzigkeit der Bader ist allgemein bekannt. „Und wissend alle fremde maer“, sagt schon des Teufels Netz[241]. Der Ausdruck Salbadern, viele und unnütze Worte reden, soll nach ~Adrian Beyer~s Architectus Jenensis (1681) von dem Bader an der Saale in Jena, dem Saalbader, hergenommen sein, „der albern Possen auf die Bahn brachte“[282]. Eine andere Erklärung läßt Salbadern mit Seelenbad in Zusammenhang stehen (siehe S. 194). In Würzburg wurden die Badknechte von der Obrigkeit auf die Handwerksgesetze verpflichtet. Trotzdem treffen wir einige Male Auflehnungen gegen die Meister im 15. Jahrhundert an. 1457 wurden sechs Baderknechte gefangen gesetzt, die etlichen Meistern vor die Häuser gegangen waren und die Badknechte herausgefordert hatten. 1462 hatte Eberhard Ludwig, ein Schererknecht zum „Becken“, der Badestube des Spitalmeisters, alle anderen Badknechte Gelübde ablegen lassen, worauf alle aus der Stadt gezogen waren. Er wurde abwesend verurteilt, später aber gefangen genommen und ins Loch gelegt, um auch den anderen Handwerksgesellen Furcht zu machen. Ihm war schon früher das Betreten der Stadt Kitzingen verboten worden, weil er auch dort dem Handwerk „treulos“ geworden war. Nach Verbüßung einer Strafe wurde er aus Würzburg verbannt[144]. [Sidenote: _Trennung von Bader- und Schererberuf_] Nach meiner Ansicht deckten sich ursprünglich Bader- und Schererberuf. Da aber die Badestuben auf eine bestimmte Zahl beschränkt waren, der Kauf und Betrieb einer solchen große Mittel erforderte, übte ein Teil der Bader, falls sie nicht lebenslang Gesellen bleiben wollten, das Handwerk, Scheren, Schröpfen, Aderlassen und Wundbehandlung ohne die eigentliche Baderei aus, das waren die Scherer. Wir finden deshalb in früheren Zeiten ohne weiteres die Übernahme eines Bades durch einen Scherer. In Zürich hatte von 1369–70 Hans Scherer von Straßburg die Badestube an der Linggi-Gasse inne[173], in Jena die vor dem Saaltor 1369 ein „rasor“[290]. Im 15. und 16. Jahrhundert kam dies in den süddeutschen Mineralbädern öfters vor. Aber auch schon 1397 erhielt in Bad Enggisstein (Kanton Bern) Hans Scherr von Worb als Erblehen die „Taferne“, „datz er besorgen soll datz bhad und 8 Bhadkammern yn richten“[90]. Erst als die Handwerke in ihren Ordnungen die Befugnisse eng umgrenzten und sich gegenseitig zu befehden anfingen, traten an zahlreichen Orten Scherer und Bader einander schroff gegenüber, selbst dann, wenn sie zu einer Zunft gehörten. Die Badergesellen durften nicht mehr eigenmächtig ihrem Berufe nachgehen, in Ulm wurde den nicht zünftigen, d.❆h. den nicht bei einem Meister in Arbeit stehenden 1470 jede Tätigkeit verboten[215]. Sie durften nur noch im Auftrage eines Meisters arbeiten. Die Badermeister und noch öfter die Scherer erhoben unerbittlich Einspruch gegen die unerwünschte Konkurrenz. Auch durfte kein Scherer, der nicht Bader zugleich war, eine Badestube übernehmen. In Zürich wurde jedoch dem Scherer die Übernahme eines Bades leicht gemacht. Er kaufte sich bei der Baderlade ein, und damit wurde der Scherer Bader. „Wenn einer nur eine Badstubengerechtigkeit hat“, heißt es vorwurfsvoll in einer Eingabe an den Züricher Rat im 18. Jahrhundert, „so machen die Bader gegen Gebühr jemanden in einer und der gleichen Minute zum Jungen, Gesellen und Meister“[243]. Die Wiener Bader verlangten jedoch 1625 vom Barbierer, wenn er das Baderecht erlangen wollte, daß er das Handwerk erlernt habe und wenigstens drei Jahre darauf gewandert sei, was Kaiser Leopold I. 1665 bestätigte[16]. Darauf haben wohl Beschlüsse von 1740 und 1750 der Züricher Gesellschaft zum schwarzen Garten (die Scherer und Bader umfaßte) Bezug. Es sollten, um mit dem Reich nicht in Streit zu kommen, die Lehrbriefe der Knaben, welche auf dem Lande Scherer und Bader zugleich gelernt hatten, nicht mehr von den Scherern allein ausgestellt werden, sondern auch von den Badern, weswegen sie sich in Zukunft auch bei deren Lade und nicht nur bei der der Scherer einkaufen mußten. Tatsächlich war vorher ein solcher von den Scherern ausgestellter Scherer-Bader-Lehrbrief von den Badern in Wangen beanstandet worden, was einen Sturm von Entrüstung bei den Züricher Scherern hervorgerufen hatte, „sintemal noch alle von ihnen gegäbene Lehrbrief nit allein durch das ganze römische Reich, sondern in allen Orten, durch das gantze Teutschland passiert seyen“[243]. Das sind die wenigen Fälle, in denen die Bader den Spieß gegen die Scherer kehrten, sonst sind sie in dem unausgesetzten Kampfe, der zwischen den beiden Bruderhandwerken bestand, die Angegriffenen gewesen. [Sidenote: _Die Bader und die innere Medizin_] Im Mittelalter waren die innere Medizin, die höhere Chirurgie eine freie Kunst. Was dem landfahrenden Arzte zustand, war dem Bader nicht verweigert. Innere Krankheiten wurden in Badestuben behandelt. Dafür sprechen die Kräuterbäder, die man in diesen bis in die neueste Zeit verabreichte, die Schwitzapparate, die dort aufgestellt waren (Abb. 43). Die Badestube erscheint sogar einmal als Krankenhaus. 1491 baten die Bürger zu Würzburg den Rat, um Gottes willen einen armen Mann, welcher alt, krank und unvermöglich sei, sich Almosen zu betteln, ins Spital aufzunehmen, derselbe sei auch vier Wochen in der Badestube gelegen[144]. Daß der Bader bei Kuren innere Mittel, namentlich die vor jeder Badekur notwendigen Abführmittel reichte, ist anzunehmen. 1553 bestimmten Bürgermeister und Räte zu Zürich, daß den Apothekern nach Ablegung des Eides vorgelesen werden solle, starke Abführmittel nicht an jedermann zu verkaufen und das rechte Gewicht zu beachten, namentlich „Scammonea, ein safft, welchen M. Jakob Jeger, Bader vf Dorf vil brucht hat“[283]. [Illustration: Abb. 43. Badestube zu Heilzwecken (Kräuterbadstube). Holzschnitt aus: Eyn new Badenfart von ~L. Friessen~. Straßburg, M. Jacob Cammer. ca. 1540.] [Sidenote: _Die Bader und die Chirurgie_] Als die Verabreichung innerer Mittel ausschließlich den studierten Ärzten als Recht zugestanden wurde, verbot man überall den Badern, auch Scherern und Chirurgen, Abführmittel anzuwenden, oder gestattete ihnen nur, sie auf ärztliche Verordnung zu reichen. Wundtränke waren erlaubt. Anders verhielt es sich mit der höheren Chirurgie. Als diese den Marktschreiern entrissen wurde, verblieb sie in einem Teile Deutschlands Badern und Scherern gemeinsam, ebenso die Behandlung frischer Wunden. In Konstanz[219], Breslau[210] waren im 15. Jahrhundert, in Wien, Berlin, Köln an der Spree[291], Augsburg, Nürnberg im 16., in Ulm 1653[235], in Württemberg 1651[292] die Bader den Scherern vollkommen gleichberechtigt. Meist wurde zur Ausübung der Chirurgie die Ablegung einer Prüfung neben einem Meisterstück, das in der Regel in Anfertigung von Salben und Pflastern bestand, gefordert. Aus beiden Handwerken konnten die Amtschirurgen gewählt werden. Schon 1400 behandelte in Nürnberg der Bader am Zottenberg einen vom Scharfrichter Geblendeten auf Ratskosten[207]. Freiberg in Sachsen hatte im 16. Jahrhundert einen Bader pestilentialis[293]. In anderen Städten wurde den Badern das Recht zur Ausübung der Chirurgie von den Scherern bestritten, obwohl sie fast überall behaupteten, es von alters her zu besitzen. In den Streitigkeiten gingen die Scherer mit großer Leidenschaft und nicht immer allzu ehrlich vor. Als Halberstadt 1694 einen Bader zum beeidigten Stadtchirurgen machen wollte, erklärten die Balbierer, daß im ganzen römischen Reiche „nicht erhöret worden, daß ein Bader Chirurgiam exercieren, vielweniger ein beeydigter Stadt-Chirurgus seyn könte“. Die Bader wandten sich aber an den Rat von Dresden, und der bezeugte, daß dort den Badern Chirurgie zu üben freistehe wie den Balbierern, der Stadtbader die im Dienste der Stadt Verunglückten und die Kinder des Waisenhauses behandele, „zu geschweigen, daß bey Chur-Fürstens Joh. Georgen des II. höchstseel. Andenckens Zeiten, aus dessen officin unterschiedliche Compagnien der am Hofe stehenden Garde mit Feldscherern versehen gewesen“. Im gleichen Jahre hatte der Kurfürst von Brandenburg schon einige Monate vor jenem Briefe Halberstadt freigegeben, einen Bader als Stadtchirurg anzustellen, und 1696 tat es dies auch. 1701 geschah das nämliche zu Holzthaleben für das Amt Keula vom Grafen von Schwarzburg aus[242]. [Illustration: Abb. 44. Joß Lindouwer, Bürger von Zürich, Okulist, Stein- und Bruchschneider und gewesener Feldscherer in Frankreich. Scheibenriß von ~Hans Jäggli~ in Winterthur. 1607. Aus der Statistik Schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg. 1900. Landesmuseum Zürich.] [Sidenote: _Die Bader und das Barbierhandwerk_] Daß es ein Militärarzt im 17. Jahrhundert nicht unter seiner Würde hielt, im Bad als Bader nackt seines Amtes zu walten, zeigt Abb. 44. In Würzburg war 1604 ein Dr. Stengel zugleich Barbier und Bader. Er ließ im dortigen Franziskanerkloster zur Ader, schröpfte und badete[294]. Der eigentliche Baderberuf trat aber trotzdem immer mehr in den Hintergrund. Die Wiener Bader, die einst mit ihren Wasserkübeln zum Feuer laufen mußten, erschienen von 1759 an mit Verbandszeug auf der Brandstelle[16]. In einzelnen Gegenden, namentlich im nordwestlichen Deutschland, aber auch teilweise in der Schweiz, war den Badern nur die Behandlung alter Schäden und Geschwüre, nicht die frischer Wunden erlaubt. In Zerbst und Gotha wurde ihnen im 17. Jahrhundert wenigstens das Anlegen eines Notverbandes gestattet. Große, Jahrzehnte dauernde Prozesse wurden in mehreren Städten bis zu den höchsten Instanzen zwischen Badern und Scherern wegen des Rechts der Wundbehandlung geführt[242]. Die Behandlung von Knochenbrüchen und Verrenkungen ist nirgends Gegenstand des Streites, sie war 1653 in Naumburg, 1699 im schwarzburgischen Amte Keula auch dem Scharfrichter erlaubt[242]. Eine Züricher Ratsverordnung von 1431 gestattete den Schuhmachern, Schmieden und Wagnern, bei Einrichtung der Arm- und Beinglieder einander zu helfen ohne Widerspruch der Scherer[551]. Zur Ader zu lassen, war den Badern bald verboten, bald erlaubt, mancherorts nur in der Badestube, ebenso das Aushängen der Aderlaßbinde (Abb. 28) an den zum Aderlaß günstigen Tagen. 1792 war die Sitte in Nürnberg abgekommen, obwohl Bader und Scherer noch auf das rechtzeitige Aushängen schwören mußten[195]. Am heftigsten umstritten war das Scheren. Im allgemeinen kam es den Badern da zu, wo sie Chirurgen waren und gleiche Rechte wie die Scherer besaßen. Obwohl letzteres in Nürnberg der Fall war, verlangten die Scherer, daß die Bader nur dann scheren sollten, wenn die Leute wirklich bei ihnen badeten, folglich ausgezogen und naß waren. Der Streit wurde anfangs vor dem Rate geführt, kam nachher an den kaiserlichen Reichshofrat und endlich an das Kammergericht, kostete beiden Parteien mehrere tausend Gulden und wurde 1704 durch einen Vergleich beendet. Das Verhältnis zwischen beiden Handwerken war um diese Zeit ein derart gespanntes, daß die gegen Ende des 17. Jahrhunderts gegründete Anatomie einging, weil die Scherer den Badergesellen den Zutritt erschwerten. Auch 1773 mußte in einer Anatomieordnung geboten werden, Haß und Neid und Feindschaft gegeneinander solle abgelegt werden, Bader und Barbierer seien Chirurgen, und keiner habe vor dem anderen einen Vorzug[195]. In Basel war 1340 den Badern erlaubt, in den Badestuben zu scheren[255], 1582 in Lübeck (1672 aber nur an den Badetagen), 1701 in Jena[242], 1454 in Frankfurt a.❆M., 1455 wurde aber hier verordnet, daß nur das Naß-, nicht das Trockenscheren in der Badestube gestattet sei, 1470 das Scheren außerhalb derselben verboten[127], was auch in Jena der Fall war[242]. In Zürich durften 1490[243] und in Ulm 1470[215] die Bader in ihren Stuben scheren, wenn sie dazu aufgefordert wurden, in Zürich 1529 aber nicht in der Hütstube (Abziehstube). In den Bürgerhäusern zu scheren, war ihnen gestattet, wenn sie dahin gerufen wurden, und nur im Bad, 1603 in Lübeck[242], wenn der zu Scherende tatsächlich unangekleidet war. [Sidenote: _Kampf der Bader mit den Scherern wegen des Rasierens_] An manchen Orten war den Badern gestattet, Barbierbecken gleich den Scherern auszuhängen, zuweilen zum Unterschied von diesen in einer geringeren Anzahl (Abb. 38). Doch wurde ihnen zuweilen trotz des Scherrechts in der Stube kein Becken zugebilligt. Der Rat zu Zerbst ließ 1620 durch seine Diener die ausgehängten Becken der Bader entfernen und schrieb vor, nach früherem Brauch ein weißes Laken über der Tür anzubringen[242]. In Hamburg suchte 1674 der kaiserliche Friedens-Kommissarius Graf Windischgrätz den Badern das sehnlichst gewünschte Recht zum Aushängen mehrerer Becken zu verschaffen, doch ohne Erfolg. Im Anfang des 18. Jahrhunderts nahm der Streit zwischen Badern und Scherern in Hamburg mehr einen komischen als ernsten Charakter an. Die zum Rasieren ausgehenden Badergesellen wurden von den Barbiergesellen überfallen, geschlagen und ihrer Scherbeutel beraubt. 1705 erschien bei einem ähnlichen Vorfall „die notleidende Gerechtigkeit der Barbierer und der daran hangenden bürgerlichen Freiheit u.❆s.❆w.“, worin die Barbierer über namhafte Ratsherren und Graduierte sich beschwerten, daß diese sich von Badern und anderen Pfuschern rasieren ließen. Die Bader entgegneten in einer gedruckten Vorstellung, daß die Barbierer wider Wahrheit, Recht und Tugend, wider Gott und Menschen sich versündigten, wenn sie die Bader zu den Pfuschern zählten. Sie beriefen sich auf Kaiser Wenzels Freiheitsbrief und nannten die Barbierer „Böhnhasen des Baderamts“, was diese eine „beispiellose Ausverschamtheit“ nannten. Sie ließen eine Schmähschrift drucken: „Die durch bessere Gegenvorstellung entblößten Bader, ihrer mit Feigenblättern beschmückten Vorstellung entgegengesetzet“[220]. Man versteht den Kampf der Bader, wenn man bedenkt, daß im 18. Jahrhundert mit der eigentlichen Baderei nicht mehr viel zu verdienen war. Wo ihnen Chirurgie und Barbierhandwerk verschlossen war, fristeten sie von den geringen Einkünften des Schröpfens ihr Leben. Als in Zürich im 19. Jahrhundert nach der Auflösung der alten politischen Zunft die Gesellschaft zum schwarzen Garten als eine Privatvereinigung wieder erstand, fügte man dem früheren Namen noch „der Chirurgen“ hinzu, wodurch der Ausschluß der schon längst lästigen Bader für immer erfolgte[243]. [A] Mitteilung von Herrn Professor ~Dändliker~ in Zürich. Siehe auch dessen Aufsatz im Züricher Taschenbuch[188]. [B] Nach dem Nürnberger Planetenbuch von 1515 werden die, welche unter dem Zeichen Saturns geboren sind, „klayber, badreyber, Schlot- und Winkelfeger[16]. [C] Von ~Hans Sachs~[208] erfahren wir, was unter großem und schwerem Geschirr zu verstehen ist und warum dessen Schleifen die Schmiede anging. Er sagt vom Schleifer: „Ich schleiff sehr scharff auff meim schleyffstein Messerklingen, mittl, groß vnd klein, Feyln, Schlösser, bender allewegen, Helleparten, Dolch, Schwert vnd Degn, Allen Harnisch zu Fuß und Roß, Halb vnd gantz Hacken (Hakenbüchsen), zum geschoß, Reit Hämmer, Partisan, ich zier, Auch auff der Scheiben ich palier.“ [D] Die Zeichner des mittelalterlichen Hausbuches und des Holzschnittes zum Züricher Codex haben Bader entsprechend den Eigenschaften Lunas „naß und kalt“ als im kalten Wasser Badende aufgefaßt. In einer Planetendarstellung ~Beham~s findet sich dagegen die Badestube abgebildet (Abb. 38). [E] Den Ausdruck „welben“ erklärt eine Ratsverordnung von 1530[275]: „Kupplerin. Der Kuppleren halb, so da werdend erfundenn, das sy eins bidermans tochter oder Eemenschen verkupplend, vffenthaltend, ynfürend vnnd gwelbt habend, .... der (Burgermeyster) sol sy dann in Wellenberg lassen legen, vnd morndes ein stund in das Halßysen stellen, vnd jren dann den Eyd vß vnserer Herren Statt, Gericht vnnd Gebiet geben.“ [F] Fugger, augsburgisches Handelsgeschlecht. [G] Mir scheint unter Berücksichtigung des Obigen folgende Angabe bei ~Jäger~ über die Ulmer Verhältnisse auf einem Irrtum zu beruhen. 1513 gab der Rat das Tragen der langen Wehren gänzlich frei. Ein späterer Versuch, dies Gesetz zurückzunehmen, mißlang, weil man die Apotheker und Bader ausnehmen wollte und die übrigen Bürger sich diese Bevorzugung nicht erklären konnten (Chron. ~Veit Martaller~)[50]. DIE PRIVATEN BÄDER Neben den ehehaften Badestuben bestanden die privaten weiter. Ihre Errichtung war, wenn auch nicht immer, unabhängig von einer obrigkeitlichen Bewilligung. Auf den Burgen wurde ausgiebig vom Bade Gebrauch gemacht, obwohl der Ritterspiegel von den abgehärteten Rittern sagt: „und wizzin von badin nicht zu segin“, nur dem „Zertelinge“ sind die „badehemede wol bekant“[122]. Aber Heinrich von Kempten nahm auf der Heerfahrt in seinem Zelte ein Bad und ließ dazu aus einem Dorfe einen Zuber herbeischaffen[295]. Man badete nicht täglich. Ulrich von Liechtenstein ließ eines Tags im Jahr 1248 die Falkenbeize ausfallen. „Ich wil ez durch mîn bât hînt lân“, sagt er[268]. Tannhäuser badete zweimal in der Woche, was neben schönen Weibern, gutem Wein und Morchelfrühstück den Geldbeutel nach eigenem Geständnis sehr erleichterte[103]. Das geschah aber wohl in einer öffentlichen Badestube. Vor der Aufnahme in den Ritterstand hatte der Knappe ein Bad zu nehmen. Es handelte sich nicht nur um ein einfaches Reinigungsbad vor dem Feste, sondern um einen Teil der Zeremonien, die eine geistige Reinigung darstellten. Nach dem Bade wurden ganz neue Kleider angelegt. Der Knappe brachte darauf die Nacht mit dem Priester und den Taufpaten unter Fasten und Beten in der Kirche zu. Der Brauch bestand nur an manchen Orten. Der wahrscheinlich über ganz Europa verbreitete Bathorden erhielt von den genannten Zeremonien seinen Namen[307]. Ich möchte einen Rest derselben, allerdings als Karikatur, in späteren Gebräuchen der Handwerksgesellen, der Studenten und einiger sogenannten Burschengesellschaften in den Dörfern Thüringens sehen, wo auch bei der festlichen Aufnahme Bader oder Barbierer neben den Paten auftraten, ohne daß eigentlich gebadet wurde. [Sidenote: _Baden auf den Burgen_] Dem Gaste wurde nach seiner Ankunft auf der Burg „nâch hübschen siten“[296] ein Bad bereitet (Erec[297], Bieterolf[298], trojanischer Krieg[296], Alpharts Tod[299]). Der Knappe geht im nackten Boten sogar uneingeladen ins Bad[212]. Im Wigalois[300] wird der Empfang zu Anfang des 13. Jahrhunderts, wie folgt, geschildert: „er nam geselleclîche hern Gâwein bî der hant. den helm man im abe bant und fuorte in an guot gemach. zuo sînen knappen er dô sprach ‚nu badet den rîter schône, daz ichs iu iemer lône‘. abe schutter sîn îsengewant. si fuorten in enwec zehant und batten in rîterlîche.“ [Illustration: Abb. 45. Herr Jakob von Warte im Wasserbad. Miniatur aus der Manesseschen Handschrift. 14. Jahrhundert. Nach ~Kraus~.] Das Baden geschah im „wazzerbad“[301], der Zweck desselben war, den „râm“ oder den „harnaschrâm“ (Bieterolf) abzuwaschen. „Ein bat hiez er (Erec) bereiten: wand’ er von arbeiten von dem gewaefen ûf der vart sweizic unde râmic wart“[297]. Das Bad wurde aber auch am Tage nach der Ankunft gereicht, so Tandareis[267], Parzival[254]. Meleranz langte auf Burg Belfortemunt an. Am anderen Morgen „dô lac er niht langer dâ. er stuont ûf, man fuort in sâ in ein harte schoenez bat. er wart an der selben stat gebadet und erstrichen wol“[302] (vgl. Abb. 45). Das Streichen geschah einmal zum Entfernen des Schmutzes, dann als eine Art Massage besonders zur Behandlung von Beulen, die im Turnier erhalten waren. Das Bad nach dem Turnier wird öfters erwähnt, z.❆B. im Bieterolf[298], von Ulrich von Liechtenstein[268] und im Liederbuch der Clara Hätzlerin[259]. „Gunthêr dô die helde bat daz si sich ze hûse liezen laden er wolt si schône heizen baden unde in schenken sînen wîn“[298]. Man zechte also auch bei dieser Gelegenheit. Im Parzival, in Liechtensteins Frauendienst, auf Jakob von Wartes Bild in der ~Manesse~schen Handschrift (Abb. 45) wird das Bad als besondere Ehrung mit Rosen bestreut. Noch im 18. Jahrhundert berichtet ~Marcard~[160] von einer derartigen Galanterie einer Dame gegenüber. Der Verehrer hatte aber nicht mit dem Pyrmonter Wasser gerechnet, das mit den ins Bad geworfenen wohlriechenden Kräutern unangenehme Verbindungen einging, so daß die Dame mit pechschwarzen Fingerspitzen und Nägeln an Händen und Füßen das Bad verließ. [Sidenote: _Badehemd und Badelaken_] Die Bedienung beim Bad geschah durch Jungfrauen, Mägde (Abb. 45) oder Knappen. Auffallenderweise ist von einem Abtrocknen nach dem Bad nicht die Rede. Nach fast allen Berichten wird dafür ein Badelaken oder Badehemd gereicht, in dem man sich zur Erkühlung oder um Ruhe zu pflegen aufs Bett legte, um darnach leinene, vom Hausherrn gestiftete Gewänder anzulegen. Nach ~Conrad Clauser~ (Basel 1598) aber trocknete man den Leib mit „der badlachen“[556], nach dem St. Galler Codex Nr. 760 rieb man ihn mit warmen Tüchern trocken, die man nachdem um sich schlug. Der Name „badtuch“ kommt schon in dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht vor (1400)[49]. Das Badelaken sollte Parzival „umbe nemen“, dem Vater in der halben Decke (13. Jahrhundert) wurde es „angegeben“, um darauf im Bett zu liegen[212], das mit Ärmeln versehene Badhemd zog Agamemnon über den Kopf[296]. Beide Gegenstände sind aber dasselbe. „ouch hienc ein badelachen dâ an einem ast der linden. ich waen ieman möht vinden ein badehemde atsô rîch. mit golde was vil meisterlîch vil waehiu bilde dran genât“, heißt es im Meleranz[302]. ~Hans Sachs~ läßt den Kaiser Julianus im „badtmantel“ zum Bade gehen, an seiner Stelle kehrte der Engel im „badlach“ zurück[29]. Murner legt sich nach dem Bad im „badmantel“ nieder[6]. Nach ~Hans Sachs~ gebrauchte ein Pfaffe einen schneeweißen „badkittel“ nach dem Bad[151]. Ein anderer Ausdruck für dies Kleidungsstück war „badekappe“. Die Ambraser Handschriften des Schwabenspiegels aus dem 13. Jahrhundert, die des Klosters Einsiedeln aus dem 14., die der juristischen Bibliothek zu Zürich aus dem 15. haben „badelachen“, die drei Baseler und eine Züricher auch aus dem 15. Jahrhundert dafür „badekappe“ und der erste Druck „badhemet“[558]. In Frankfurt sind beim Verkauf des Hausrats eines Metzgers „10 hel. vor ein allten badkittel“ verzeichnet[127], die Markgräfin Margarete von Brandenburg hatte, wie sie 1473 von Köln an ihren Oheim, den Kurfürsten Albrecht schrieb, „grosen geprechen an hemden und padkitteln“[54]. Im Loos- und Teilungsbuch der Kinder Konrads von Glauburg zu Frankfurt kommen 1482 zwei „Badekappen“ vor[127]. Ulm hat 1346 in einer Hüttenrechnung ein „Badhemd“ verzeichnet[50]. In der Regel werden die Badelaken bei den Minnesängern als weiß, häufig als seidene, sonst als leinene bezeichnet. Sie wurden auf den Burgen vom Wirt dem Gaste zur Verfügung gestellt. Im Bieterolf erhalten sie die nach dem Turnier badenden Ritter von edlen Frauen zugesandt. Markgräfin Anna von Brandenburg schickte 1470 ihrem Bruder, dem Herzog Albrecht von Sachsen ein Badhemd und schrieb dazu von Ansbach aus: „Uff das eur liebe vermerck, wir eur auß angeborner swesterlicher treu in gedechtnus und unvergessen haben, schicken wir eur lieb hiemit ein padhemd, guttlich pittend, ir wollet das von uns zu gut uffnemen, das von unsern wegen uff den somer tragen unnd unser dapay auch gedencken“[54]. Es fällt in dem Brief auf, daß der Herzog das Badhemd den Sommer über tragen soll, das scheint doch fast, als ob das Badhemd nicht nur beim Baden angelegt wurde. Dafür spricht eine Stelle aus der Chronik des ~Clemens Sender~. 1490 zogen die Augsburger gegen die Leute ihres Bischofs mit achtzehn Fahnen und ihren Zunftmeistern viertausendundsechzig Mann stark unter Führung ihrer Bürgermeister. „Ir etlich wassen fast wol mit harnisch angelegt, etlich ploß, ir etlich giengen auch in langen badthemether, als ob sie in das bad wolten gan, nun was aber diser tag überaus feindtlich hitzig und haiß.“ Zum Löschen des Durstes führte man sogar etliche Faß Wein mit. Es kam nicht zur Schlacht, der Friede wurde schon vorher verkündigt. Die, welche in Badhemden ausgezogen waren, hatten nicht unpraktisch gehandelt; denn als man wieder nach Augsburg kam, starb Wilhelm Artzat, der einen schweren Harnisch angehabt hatte, „vor großer Hitz im Stüblein unterm Rottenthor“[280]. Das Badhemd erscheint hier als eine Art Sommerkleid und würde beim Soldaten unserem heutigen Drillichzeug entsprechen. Tatsächlich rechnet auch das Stadtbuch von Verden 1330 das Badelaken zur „Hergewede“[559], das in der Erbschaft vom Vater auf den Sohn überging und im wesentlichen Waffen und Rüstung begriff, während es sonst zur Gerade, dem Frauenerbteil, gehört. 1467 wurden in Frankfurt bei Faschingsmaskeraden der jungen Patrizier lange weiße Badekittel angezogen[127]. Heinrich IV., Herzog in Schlesien, verordnete (1396) letztwillig: „Ein Leilachen und eine Bade-Kappe, de soll man uns inne begraben“[16]. Nach den Aufzeichnungen des Luzerner Stadtschreibers ~Cysat~ über Kostüme bei den Fastnachtsspielen hatten die Toten einen Bademantel umgeschlagen[423]. Im Inventar der Johanniterordenskomturei Wildenbruch fand sich 1560 eine Badekappe in des „Hern Compthers understen Gemach“. Eine gleichzeitige Randbemerkung sagt aber: „Ist eine Khorkappe“, also ein priesterliches Gewand[560]. [Sidenote: _Das Bad auf den Burgen_] Man darf wohl annehmen, daß jede Burg ihr Badezimmer besaß, wenn man auch Parzival die Kufe ins Schlafzimmer brachte und Enite in der „heimlîche“ der Königin Ginover das Bad nahm[297]. Im Bieterolf werden fünfhundert Ritter auf einmal gebadet. Das ist eine Übertreibung, wie sie auch in Bezug auf die Badestuben und Badegerätschaften vorkommt. Herzog Ernst (12. Jahrhundert) stößt mit seinen Helden auf eine verlassene Burg: „Mer noch funden die jungen Zcwey wesserlin ensprungen, Die durch die burg flossen Vnd nach willen sich ergossen, Als der eyn meister het edacht, Der das mit kunst hett tzubracht; Die burg sie nyrgen funden arm; Der eyne was kalt, der ander warm, Als er wer gewermet, la; Ein bat funden sie alda, Gar lutter vnd reyne, Von grunem mermelsteyne Wol ußgemuret vnd obirtzogen Mit funfftzig hoen swybogen; Es enkunde nicht bas getziret sin; Do stunden ynne tzwey bottelin, Die waren rot guldin; Die borne waren geleitet darin Mit silberinen roren. Hie mogit ir wunder horen: Wie man in dem golde Das wasser haben wolde, Entweder kalt oder la, Also mochte man es haben da. Noch mer ich uch sagen wil: Das wasser uß den butchen vil In rynnen gut von silber gros, Das es in der burg alumb flos, Die recht vnd auch die krumme, Jn all der burg alumme“[303]. Ähnlich ist die Schilderung im Wigamur[304]. Hier steht das aus dem sonderbaren Stein Aptor gehauene Bad unter freiem Himmel. „Auch stunden allvmb da Rosenstöck vnd weinreben sa, Die waren jn ain gulden rayff gepogen, Vnd hoch über den stain gezogen, Dick gleich ainem hag, Das dardurch kum der tag Mocht sein schein gehan: Also stund es vmb den blan.“ Im Meleranz schützt das dichte Laubdach der Linde vor dem Sonnenschein. Die Badebütte wird nicht weniger kostbar geschildert: „daz holz was lign âlôê, verre brâht über sê von dem lant ze Kovesas. mit golde si gebunden was“[302]. [Sidenote: _Bäder unter freiem Himmel_] [Sidenote: _Badewannen mit Bedeckung_] Bäder unter freiem Himmel sind nicht unwahrscheinlich. Wir finden sie noch im 19. Jahrhundert in den Mineralbädern, besonders den Thermen (Abb. 46). Nach ~Ryff~ soll die Badewanne im Sommer in einem grünen Garten aufgestellt werden[48]. Man schützte das Wasser vor Abkühlung durch eine Bedeckung, die auch den Körper des Badenden in sich hüllte. Im Meleranz wird sie beschrieben: „daz bat er verdecket sach mit eines samîtes dach, daz guot und riche waere“[302], ebenso in einem Gedichte ~Kaufringers~ (c. 1400): „Der zuber schon bedecket wart Mit ainem golter seidein Das niemant sehen mocht hinein“[256]. [Illustration: Abb. 46. Die großen Bäder zu Baden im Aargau mit den unter freiem Himmel gelegenen „freien Bädern“, dem St. Verenabad (links vorn) und dem freien Bade (im Hintergrund), in dem eine Reihe Bauern geschröpft wird. Kupfer von ~F. Hegi~ nach ~Martin Usteri~. Neujahrsgeschenk von der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich. 1808.] [Illustration: Abb. 47. Wanne mit „Baderof“. Holzschnitt aus: Eyn nyge Kalender recht hollende. Lübeck, Steffen Arndes. 1519.] Im 15. und 16. Jahrhundert wird der „baderof“ als dachartiges Gestell über der Badewanne (Abb. 47) mehrmals in niederdeutschen Quellen erwähnt: „En kuuen (Kufe) vnde en roff, en badekuffen myt dem roue, en halv wynvath myd eneme baderoue“[533]. C. 1474 kommen im Frauenkloster Prez (Schleswig-Lauenburg) „Badeküven“ mit „Roven“ im Badehaus vor[16]. Wie im Herzog Ernst geschieht auch im Wigamur[304] und im Meleranz[302] die Zuleitung des Wassers in zwei silbernen Röhren, die getrennt kaltes und heißes Wasser führen. Schweben derartige Einrichtungen den Dichtern als Ideal vor, so waren sie doch nicht unmöglich. Das neue Schloß zu Baden (-Baden) hatte im Keller zwei Badezimmer. 1582 sah und beschrieb eins davon ~Michael Häberer~ von Bretten: „Auch zeigt man uns in dem Schloß ein schönes Bad, ganz überzinnt und heimliche Wasserkünst von warmen und kalten Quellen“[40]. Dies war wohl das größere Bad, das ~Klüber~ 1810 als Schwimmbad bezeichnet, das den ganzen Raum ausfüllte und nur eine Nische unter dem Gang (Treppe) übrig ließ, in dem eine Anzahl Ritter wohl „gemeinlich“ zum Bade sitzen konnte. Ein anderes Gemach mit einem Fenster in der östlichen Mauer der Terrasse hatte einen eingemauerten steinernen Badkasten, der durch eine Scheidewand zum Baden von zwei Personen eingerichtet war. Über dem Bad befand sich ein gleich großer Wasserbehälter, aus welchem das Wasser strom- oder tropfweise durch zwei Löcher in den Badekasten gelassen werden konnte. Wahrscheinlich erhielten dieses Bad und das Schwimmbad das Wasser mittels eines Saug- oder Druckrohrs entweder aus der sog. Höhlenquelle (52,8° R heiß), welche die nächste am Schlosse und die höchst gelegene aller Badequellen ist, oder aus einem tiefen Brunnen, der in dem Schneckengarten am Schloß an der Seite, wo die Bäder sich befanden, liegt und bei einer Untersuchung im Jahre 1808 28° R Temperatur zeigte. In der Mauer fanden sich noch Spuren von Wasserröhren (1810)[405]. [Sidenote: _Badestuben auf Burgen_] Vielleicht ist auch ein als Badezimmer bezeichneter Raum im zweiten Stock des westlichen Teils der Burg Runkelstein bei Bozen in Südtirol[305] ein Bassinbad gewesen, das im letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts vom Besitzer Niklas Vintler mit Wandmalereien ausgestattet wurde[306]. Es ist ein großer Raum, in dessen Mitte eine Holzsäule von dem Estrich bis zum Plafond hinaufführt. Auf letzterem sind Sonne, Mond und Sterne auf blauem Grunde dargestellt. Zwei tiefliegende Fenster lassen nur wenig Licht in das Zimmer. Eine kleine Tür führt gegen Süden auf einen offenen Gang, welcher neben dem Zimmer an der Mauer hinläuft. Ringsherum an den Wänden sind oberhalb der Türen und Fenster übereinander zwei Streifen mit figürlichen Darstellungen angebracht. Auf dem unteren größeren sieht man je acht bemalte Öffnungen in der Art von Badekabinen. In diesen befinden sich an drei Wänden einzelne Figuren, meistens an eine Stange gelehnt, an der östlichen Wand Frauen-, gegen Norden Männergestalten, gegen Westen Badende. Von den Stangen und Badekabinen hängen an einzelnen Schnüren tiefrote (gemalte) Teppiche an den Wänden herab[514]. [Illustration: Abb. 48. Tristan wird von Isolde im Bad überfallen. Wandgemälde auf Burg Runkelstein in Tirol. Ende des 14. Jahrhunderts. Nach ~Selos~ und ~Zingerle~.] Meist wird das Wasserbad in Kufen genommen. Deren Form sehen wir aus den eigentlichen Badebildern, den Darstellungen der Taufe Erwachsener, des heiligen Nikolaus, der fast immer von einer Badewanne begleitet ist, und des Martyriums des Ölsiedens. Im Bebenhauser Passional heißt es 1439 von „St. Johannes Er“: „und hieß jn setzen in ein bittenen siedendigs Oels. Da saß er jn und saß da yn als in ainem mayenbade“[51]. Bald sind die Badewannen rund, hoch, Fässer nach heutiger Auffassung, in denen der Badende steht oder (auf einem Schemel) sitzt (Abb. 48), häufiger, wie heute, oval (Abb. 45). Sie sind in der älteren Zeit aus Holz, nach ~Ryff~ aus Tannenholz gefertigt[48]. Nach dem Recht der Stadt Straßburg aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts hatten die Küfer für den Bischof, den Kaiser und die Kaiserin, wenn sie anwesend waren, die Badewannen zu binden[550]. Ich will die Burgen übergehen, von denen wir wissen, daß sie eine Badestube hatten, und nur die anführen, von denen uns nähere Angaben übermittelt sind. [Sidenote: _Die Badestube der Wartburg und anderer Burgen_] Die Badestube auf der Wartburg war ein Fachwerkbau an der Südseite des Palas, in dem sich auch das Backhaus befand. Ein mächtiger Rauchschlot lehnte sich an den Palas an. Das Abwasser ging in den Hauptkanal, der aus dem Palas ins Freie führte. Die Fenster der Badestube waren mit Schiebevorrichtungen versehen. Im 18. Jahrhundert geriet das Bad in Verfall, im 19. wurde es abgetragen[A]. Auf der Burg Thiersberg in der Ortenau, die nur aus zwei Gebäuden bestand, befanden sich im 15. Jahrhundert in dem östlich gelegenen jüngeren Bau im Erdgeschoß die Pfisterie (Bäckerei), eine Badstubenkemenate und die Speisekammer[561]. Wir werden später sehen, daß die Verbindung vom Backhaus mit der Badestube keine zufällige war, sondern aus praktischen Gründen erfolgte, und es etwas gewagt erscheint, wenn moderne Schriftsteller[501] nach Minnesänger Art auf der Wartburg im 13. Jahrhundert Galerien im Bade sehen, von denen Frauen und Jungfrauen Rosen auf den badenden Gast werfen. Ich glaube, daß die Badestuben sehr einfach eingerichtet und auf den eigentlichen Burgen schon wegen Raummangels kleine Kammern waren. Ich zweifele auch daran, daß das sog. Bad auf Runkelstein ein Bad war. Gerade in diesem Raum sind mit Ausnahme der einen Wand, wo die Badenden dargestellt sind, die Malereien am besten erhalten, sie stammen aus der ältesten Zeit, wurden nie restauriert[514], und der beim Bad unvermeidliche Dampf würde doch eher als Zerstörer denn als Erhalter gewirkt haben. Die Bilder sprechen mehr für die Darstellung eines Mineralbades, wo Zuschauer auf Galerien nichts Ungewöhnliches waren. Übrigens ist über dem sog. Bad ein Raum mit der Darstellung eines Turniers, das auch von Zuschauern, die an einer Stange lehnen, betrachtet wird[515], und das Turnier hat wohl bestimmt nicht in diesem Raume stattgefunden. So ist das sog. Badezimmer lediglich ein mit Badeszenen geschmückter Raum, wie sich auch im 14. Jahrhundert im Hause des Domherrn von Eberstein zu Mainz unter mehreren Darstellungen die einer Badeszene befand, die ~Henricus de Hassia~ einer Besprechung der damaligen Badeverhältnisse zugrunde legte, ohne daß das Zimmer als Bad bezeichnet wurde[357]. Runkelstein hatte aber an anderer Stelle ein „pad“, in dem sich nach dem Inventar von 1493 „Fünff stain püchsel“ und „ain alter, langer Tisch“ befanden. Das Bad wurde aber zur Zeit wie das gesamte Schloß als Waffenaufbewahrungsort benutzt. Nach demselben Inventar befanden sich „im gemach, genant das Swietal, drey alt pettstatten, ain alter venster ram“. Daneben lag ein „stüblen“, das neben anderem auch „zehen spanngürtel“ enthielt[516]. Nach Graf ~Waldstein~ ist die Lage des „Swietal“ bis heute nicht festgestellt[515]. Könnte nicht das „Swietal“ ein Schwitzsaal gewesen sein und das „stüblen“ daneben das noch zu besprechende Vorstübchen der Badestube? Das fürstliche Schloß in Münden hatte 1545 neben Backhaus, Fleischhaus eine Badestube, also anscheinend einen selbständigen Bau[549]. Auf dem Schlosse der deutschen Ritter zu Marienburg war die Baderei in der Vorburg als ein Teil des Kornhauses an der Nogat untergebracht[553]. Nach dem Inventar der Johanniterordenskomturei Wildenbruch von 1570 lag dort „vor der Badtstuben“ ein heizbarer Raum, in welchem eine eingemauerte Pfanne angebracht war, „darinnen ohngefehr ein Thonne Wasser gehet“. „In der Badestuben“ war ein „Wasserfas“, ferner eine „Oberbanck mit zwe Vorbencken oder Trippen“[560]. Wir werden später sehen, daß es sich hier um eine Schwitzbadeanstalt handelt. In nackten Boten (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) wird zur kühlen Herbstzeit die „bat stuben“ alle Tage vom Gesinde geheizt. Die „rehte stube“ blieb kalt liegen, „daz die vliegen gar vervlugen und in die stuben niht enzugen“. Tochter und Frau des Ritters benutzten mit dem Gesinde die Badstube „vür ein werk gaden“. Vor der Stube legte der Knappe auf dem Hofe seine Kleider ab. Über der Tür fand er „guoter wedel’ viel geleit, daz dûhte in ouch ein saelikeit“. Als er unerwartet die Badestube verlassen mußte und der Hofhund ihn anfiel, wehrte er diesen mit dem Wedel ab[212]. Auch diese Badestube war ein Schwitzbad. [Sidenote: _Badestuben in Klöstern_] Die Regel des heiligen Benedikt war für alle Orden und Kongregationen in der ersten Hälfte des Mittelalters maßgebend und bestimmend[197]. In der zweiten Hälfte des Mittelalters kam man aber vom mäßigen Gebrauch des Bades ab. Das Konzil zu Magdeburg schrieb 1370 den Geistlichen vor, eigene Badestuben zu haben und alle vierzehn Tage zu baden[210]. Ein Dekret für Vorau in Steiermark vom Jahre 1340 schärfte den Kanonikern ein, nur innerhalb des Stiftes Bäder zu gebrauchen[84]. Es hatte demnach wohl jedes Kloster seine eigene Badestube. Ich will auch hier nur die anführen, deren Beschreibung uns Einblick in das Badewesen gibt. Im Zisterzienser-Kloster Salmannsweiler lag unter Abt Ulrich II. (reg. 1282–1311) das Bad bei der Küche[129], also wie in St. Gallen. Besonderes Interesse bietet das Kloster Maulbronn. Das Praefugium erwärmte nicht das Winterrefektorium, sondern einen kleinen Saal, der als Schwitz- oder Badestube betrachtet wird. Die heiße Luft wurde hier durch Verbrennen von Holz in einem von starken Mauerwänden eingeschlossenen Gewölbe erzeugt und mittels Löcher in ein über dem Gewölbe liegendes Zimmer geleitet. Es fehlte eine Heizung der Wände[561]. [Sidenote: _Verbindung von Back- und Badhaus_] Wir haben es hier mit einer ausgesprochenen Heißluftbadestube zu tun. Sollten auf Burg Thiersberg und auf der Wartburg nicht auch solche gewesen sein? Die Verbindung mit der Bäckerei macht es sehr wahrscheinlich. Auffallenderweise werden die Bäckerbadestuben von den Schriftstellern, besonders den Vielschreibern des 16. Jahrhunderts nicht erwähnt. Vielleicht gehört das in einer Augsburger Urkunde von 1343 vorkommende „Bäcken Badhaus“ am Hospital zum heiligen Geist hierher[434]. Eine Stift St. Gallische Verordnung unter Abt Ulrich VIII. schärfte den Klosterpfistern ein, in der „phistry“ (Bäckerei) „niemand keinen wandel laussen, weder mit baden, weschen noch anderem“[557]. 1291 entstand in Augsburg ein Grenzstreit zwischen der Judengemeinde und dem Spital. Es lagen „der iuden badhus und des spitals bathhus“ nebeneinander. Es wurde vom Rat entschieden, daß die Juden des Spitals Wand an dem „backhuse“ nießen sollten[434]. Des Spitals „bathhus“ und „backhus“ war also +ein+ Gebäude. Nach dem Plan des Klosters Tänikon im Thurgau vom Jahre 1687 lag an der äußeren Grenze des Klosters über einem Kanale ein Bade- und Waschhaus, näher an der Klausur ein ebensolches. Der Text sagt aber für Bad- und Waschhaus Back- und Waschhaus[562]. Nach einer anderen Quelle ließ die Äbtissin Victoria 1683 für neunundneunzig Gulden dreizehn Batzen ein Bad- und Waschhaus von Grund aus neu erstellen, das war das äußere; sie schaffte aber auch für das Schweißbadehaus einen neuen Kessel im Wert von fünfundvierzig Gulden an[187]. Da erfahren wir, daß das andere als Back- und als Badhaus bezeichnete ein Schweißbad war. Zwei gleichartige Bäder außerhalb der Klausur wären ja sinnlos gewesen, sie waren eben zweierlei Art. In dem Sinne sind auch die zwei von der Äbtissin Barbara von Spangenstein (1523–43) im Kloster Goeß (Steiermark) erbauten Badehäuser[84] aufzufassen. 1645 ward in Zürich erkannt, „daß den becken zu statt und land, ihre nachbahren und kunden in die vom brothbachen erwärmenden badstüebli zulassen erlaubt sey, jedoch sie keinen lohn von ihnen nemmen, noch ihnen schrepfen sollen“[209]. Zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte Aadorf im Thurgau in der mit einer Bäckerei verbundenen Gastwirtschaft über dem Backofen eine Schwitzbadestube, die von noch jetzt (1898) lebenden Leuten besucht wurde[187]. In der Tavernenbewilligung von 1768 ist sie nicht erwähnt, was dadurch erklärt wird, daß sie, wie auch die in Zürich, keine ehehafte war. 1783 warnte Scherb, ein Arzt zu Bischofszell im Thurgau, das vielen so beliebte und oft ohne Not zu gewissen Zeiten heftige Schwitzen in allen Fällen anzuwenden[563]. Nach ~Rüsch~ waren die Bäder über dem Backofen in den Kantonen Appenzell, St. Gallen, Thurgau und Zürich in Gebrauch[88], das Volk nannte sie Brotbäder. Schüttete man ein Glas Essig in den heißen Backofen, sprach man von einem Essigdampfbad. Man hatte auch Haferbäder, wenn statt des Brotes Hafer im Ofen gedörrt wurde. Dieser mußte von Zeit zu Zeit aufgerührt werden, wobei ein angenehmer Duft in die Badestube drang. Der Baderaum lag manchmal direkt über dem Backofen, und die Hitze stieg durch ein Loch in dem Plattenboden hinauf, oder es führte ein mit einer Klappe verschließbares Metallrohr in ein im oberen Stockwerk befindliches, vollständig dunkles Kabinettchen, das ringsherum mit Reihenbänken versehen war. In der Decke dieses Kastens war ein Ventil gegen den Kamin hin angebracht, so daß die Ventilation nach Belieben geregelt werden konnte. Die Badegäste entkleideten sich in einem Vorzimmer, traten nackt oder im Hemde in den Baderaum und setzten sich der Reihe nach auf die Bänke. Hatte sich das Brot zu bräunen angefangen, öffnete der Bäcker das Ventil, und nun strömte der heiße, duftende Brotdampf in das Badezimmer hinauf. Wurde die Hitze zu stark, öffnete ein Gast die Klappe an der Decke. Nach dem Bade rieb man sich ab, kleidete sich rasch an und begab sich in die Stube hinunter, um sich durch einen Trunk Wein zu erfrischen. „Man muß“, sagt ~Senn~ 1871, „jene rotbackigen, redseligen Weiblein nach einem Brotbade hinter dem Wirtstische gesehen haben, um sich von der Wichtigkeit einer solchen Kur überzeugen zu können“[564]. Nach anderen Berichten ruhte man vor dem Trunke nach Wunsch auf einem Bette aus[529]. Man blieb eine halbe bis anderthalbe Stunde im Bade[565] und nahm es gewöhnlich sechs Tage lang[564], namentlich gegen Rheumatismus und Gicht[565]. Die Bäder hatten Platz für acht bis zwölf Personen[564], es gab aber auch solche für zwei bis vier. ~Meyer-Ahrens~ maß ein Zimmer für acht Personen aus. Es hatte 1,30 m Tiefe, 1,70 m Höhe, 1,80 m Länge. Die Eingangstür war 1,35 m hoch und 42 cm breit. Die Bäder sollen im Kanton Zürich gegen 1862/63 abgekommen sein[565], in den anderen Kantonen bestanden sie 1871 noch oder waren kurz vorher eingegangen[564]. Ich habe einen alten Mann aus Wetzikon im Kanton Zürich gesprochen, der sich aus seiner Jugendzeit der Brotbäder und des daran anschließenden Trunkes wohl erinnerte. Die Bäder wurden mit zehn Rappen bezahlt oder gratis verabreicht, wo dann allerdings der Bäcker durch den Wein auf seine Rechnung kam[564] [565]. [Sidenote: _Die Bäckerbadstuben_] ~Senn~ gibt sie 1871 oder kurz zuvor in der Krone zu Baltersweil bei Eschlikon (Thurgau), in Tannegg bei Fischingen (in der Mühle und „ins Mühlemachers“), in Elgg, in Wiezikon bei Wyl, in der Langgasse bei St. Gallen usw. an[564]. In der einzigen Gemeinde Wetzikon gab es ungefähr zehn bis zwölf Schwitzkämmerchen, und noch in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden mehrere neue errichtet[565]. Es wird im Dorfe Wetzikon wohl kaum zwölf Bäcker gegeben haben, und ~Senn~ führt eine Bäckerbadstube in der Mühle an. Es wurden demnach auch die Privatbacköfen zur Heizung von Schwitzstübchen verwendet. Heute sind sie nicht mehr in Gebrauch. [Sidenote: _Die Badehäuschen der oberdeutschen Bauern_] Auch in anderen Gegenden sind ähnliche Badevorrichtungen nur dem Namen nach erhalten. Noch jetzt findet man in gewissen Teilen Schwedens bei den Bauernhöfen gezimmerte Häuschen, die man Badehäuser, badstugor, nennt, doch dürften sie nach ~Retzius~ nunmehr selten zu ihrem eigentlichen Zwecke verwendet werden, sondern sie dienen anstatt dessen als Waschhaus, fürs Trocknen von Korn, fürs Räuchern von Rind- und Schweinefleisch usw.[5a]. Ebenso gibt es heute im bayerischen Oberlande Badstuben, die ein zum Hofe gehöriges Nebenhäuschen sind, worin sich der Backofen, die Anstalt zum Flachsdörren oder -brechen befindet, oder das einem Tagelöhner zur Wohnung dient[46]. In Steiermark sind auf dem flachen Lande die „Badstuben“ Hütten zum Flachsrösten. ~Wichner~ glaubt, daß sie wohl nie oder selten zum Zwecke des Badens gedient haben. „Rösten und Dörren“, sagt er, „ist identisch mit bähen (bahan), im Volksmunde „bahden“, z.❆B. die „Pahde“ ist eine gebähte, geröstete Semmel. Es sind daher jene Forscher auf dem Holzwege, welche in dem zahlreichen Vorkommen der Badestuben selbst bei einzelnen Bauernhäusern auf einen hervorragenden Reinlichkeitssinn des Landvolkes schließen wollten“[84]. ~Wichner~ ist aber im Irrtum, die Badstuben wurden tatsächlich als solche benutzt. Nach der bayerischen Landesordnungerklärung vom Jahre 1578 waren die „sonderbaren Padstuben“, welche „die Paurssleut gemainlich zu jren hausswohnungen“ aufzurichten sich unterstanden, verboten. Nur die Einöden vor den Gebirgen, „wölche weite dess weegs haben die Eehaft Päder nit besuchen mögen“, waren ausgenommen[16], ebenso verbot eine bayerische Forstordnung von 1616 die „sondern Badstuben der bawren bey Ihren Hauswohnungen“ außer bei den Einöden an den Gebirgen, wo man weit in das ehehafte Bad hatte[46]. Der Propst des Klosters Baumburg in Bayern gestattete in dem Altenmarkt nur ein „eepat“. In dem Weistum von 1439 heißt es: „es schol auch sunst kain vailpad noch haimleich oder besunder pad in dem Altenmarkt sein, es waren dreu (3) aufgevangeneu pad zu dem Altenmarkt, aines gehöret zu dem Jacob Zolnär, sunst genant der Engelhaimer, das ander ainem genant der Alt Jorig, das dritt dem Symon Chueperger, also wolt die selben pad mein vorvoder säliger gedächtnüsz brobst Ulreich Seman nider haben lassen prechen, das ward im durich die vorgenanten drei, der die pad waren, abgepeten, doch in solicher masz das die selben pad hinfür nicht pessert schulten werden, und wenn si ab wären gangen, so schulten si hinfür nimmer zimmert werden. nun seind die pad alle dreu von alter abgangen. ich hab auch selbst bei wandeln poten, das sie nimmer zimmert schullen werden, da wais man sich nu wol nach zu richten“[535]. [Illustration: Abb. 49. Vereinigung von Bad- und Waschhaus. Kpfr. aus dem 18. Jahrhundert. Sammlung Pachinger in Linz.] Aus diesen drei Urkunden erfahren wir, daß die Bäder bei den Bauern den ehehaften Konkurrenz machten, daß in ihnen also gebadet wurde, ferner, daß sie gezimmert wurden und zwar so leicht, daß die Regierungszeit eines Propstes genügte, um sie zerfallen zu lassen. Das sind noch dieselben kleinen hölzernen Badstuben, wie sie als selbständige Gebäude im alamannischen und bayerischen Rechte vorkommen. Wir finden sie auch in der Schweiz. 1550 wurde an das Siechenhaus zu St. Gallen der Hof Bernang verkauft: „Haus und Hofstatt mit Zimmern, Torggel, Stadel, Speicher, Badstuben, Schweinestall, Brunnen mit Wasser und Wassergängen, Baumgarten und Reben, alles in einem Einfang im Dorf gelegen“[311]. [Sidenote: _Verbindung von Bad- und Waschhaus_] Ein weiterer Typus des Badehauses, wie ich glaube aus späterer Zeit, ist die Verbindung desselben mit dem Waschhause (Abb. 49). Wir sahen schon, daß das Kloster Tänikon im Thurgau 1693 neben dem Schweißbadehaus ein Wasch- und Badhaus hatte, und zwar über einem Wasserkanal gelegen[187]. Die Veste Kyburg besaß an der Ringmauer gegen den Hof hin ein Bad- und Waschhaus nebst Holzschuppen, das bei Beschreibung des Planes als „neu“ bezeichnet wird[517]. 1583 erbaute das Kloster St. Blasien im Schwarzwald „ain neuwe Badstuben sampt ainem Waschhauß darin“ am Teich bei der Brücke[129]. Das Fraumünsterstift zu Zürich hatte 1439 eine „batstube“. 1540 wurde die St. Niklauskapelle nebst „Bad- und Waschhaus“, um Platz zu schaffen, abgerissen. 1439 bestand aber daneben „miner fröwen gnad batstübel“, das 1514 wieder erwähnt wird[174]. Im Züricher Waisenhause wurde 1765 ein „Wasch- und Badhaus“ erbaut[566]. Der zu Nürnberg 1705 gedruckte „kluge und rechtsverständige Hausvater“ hat ein Kapitel überschrieben: „Von der Wasch-Kuche, item dem Bad- und Back-Häusel“. Alle drei Stätten sollen auf einem Vorwerk oder Meierhof unter einem Dache untergebracht werden. Drei Öfen heizen fünf Zimmer. Ein Ofen steht im Bad, geht aber mit einer Seite in die Abziehstube, ein zweiter liegt dem ersten gegenüber. Die Öfen haben inwendig Kessel, die oben mit Deckeln und unten mit „Reiben“, das Wasser abzulassen, versehen sind. Sie dienen zum Waschen und Baden. In der Mitte des Raumes steht eine Badewanne mit niederem Sitz. Das Bad kann achteckig und oben mit einer Halbkugel oder einem Spiegelgewölbe geschlossen sein[567]. Auch sagt die 1703 zu Nürnberg veröffentlichte „kluge als künstliche ... Hauß-Halterin“: „Wo man ein Bad in den Häusern hat, findet man in den Ofen derselben einen großen küpfernen Kessel eingemauret, um das benöthigte Wasser darinnen auf zu wärmen. Man kann ihn auch zum Waschen benutzen, wenn man nicht besondere Kessel im Hofe eingemauert hat. Übrigens muß das Bad mit Bäncken umgeben und rings mit Holz getäfelt seyn, damit die Kälte nicht durch das Mauer-werk häufig eindringe, und man an einen Ort verbrenne, und an den andern fast erfröhre. Nechst deme gehören auch in das Bad ein messing- oder küpfernes Laugen-Kesselein, den Kopf zu zwagen, ein und andere Bad-Wannen, hölzerne Schäfflein und Gelten, so wohl zu kalten Wasser, das allzu heiße damit zu temperiren und abzukühlen, als auch zu warmen Wasser, die Füße darein zu setzen, wiewohl man gemeiniglich hiezu besondere aus Kupfer gemachte tiefe Fuß-Becken hat, welche man hiezu gebrauchen, und jedes mal aus der Küche hinab in das Bad zu tragen pfleget“[568]. Im germanischen Museum zu Nürnberg befindet sich ein Puppenhaus vom Jahre 1639. Zuunterst in dem Hause ganz links liegt die Badestube, die mit allerlei hölzernen Bänken, Kübeln und einer zinnernen Badewanne angefüllt ist. In einem zweiten Puppenhause des germanischen Museums ist ein Raum im Erdgeschoß durch die Bemalung der Innenseite der Tür (Abb. 50) als Badestube gekennzeichnet[B]. ~Roth~ erwähnt 1792, daß sich in Nürnberg fast in jedem Hause Zimmer zur Reinigung der Wäsche im untersten Stockwerk vorfinden, die man „Bädlein“ heißt[195]. Sie wurden demnach nicht mehr als Bad benutzt. [Sidenote: _Das Bad im Garten_] Anton Tuchers Badestube befand sich zu Nürnberg nach dessen Haushaltungsbuche (1507–17) dementsprechend im Vorderhause. Tucher hatte aber ein zweites Bad im Garten[206]. Den Nürnberger Verhältnissen der damaligen Zeit nach zu urteilen, muß es außerhalb der Stadt gelegen haben. 1584 wurde eine Nürnberger Patrizierin Magdalena Paumgartner, geb. Beheim, zu ihrer Freundin, der Scherly ins Bad im Garten geladen[248]. Der Abt Johann III. zu Admont in Steiermark errichtete 1473 ein Badhaus im Garten. 1560 wurde es neu gemauert und im Innern durch Steinpfeiler gestützt, 1576 eine neue Verglasung der Fenster erstellt[84]. Im erzbischöflichen sog. Mainzer Hofe zu Erfurt ließ Nikolaus Engelmann, der von 1494–1516 Küchenmeister war, „eyn schöne newe badestubbe mit zweyen stubben vnd eynem sommerheuslein“ errichten. Von der Badestube im Mainzer Hofe sagt der Bericht an anderer Stelle: „Szo man baden will, fallen sie (keszemutter) vnd die viehemaidt laugen machen, die badestoben wormen, vnd die benck vnd boddeme, schemel vnd hultzern pfulffe (kissen) darin rein weschen.“ Der „heymknecht“ oder die „Viehemaydt“ und die Hirten sollten Holz tragen und Wasser schöpfen, den Badekessel füllen und die Badestube wärmen[569]. Sie enthielt nach dieser Schilderung, wie wir später sehen werden, ein Schwitzbad. Diese Gartenbadehäuser waren Lusthäuser, die sich manchmal zu wahren Prachtbauten gestalteten. So erbaute der Kurfürst Max Emanuel 1718 im Rokokostil die „Badenburg“ im Park zu Nymphenburg bei München[168]. [Illustration: Abb. 50. Frau (Bademagd?) mit Kind zum Bade gehend. Bemalung der Innenseite einer Tür (der Badestube) im Erdgeschoß eines Puppenhauses von ca. 1600 im germanischen Museum zu Nürnberg. Nach einer farbigen Zeichnung von ~Hefner-Alteneck~.] [Illustration: Abb. 51. Badestube im Fuggerpalast zu Augsburg (erbaut 1571–81). Holzschnitt nach ~Dohme~.] Der Renaissance gehören die beiden herrlichen von 1571–81 erbauten Badestuben im Fuggerpalast zu Augsburg an[430] (Abb. 51), ebenso die des Ambrosius Höchstetter daselbst[565]. Das schönste Badezimmer aus jener Zeit besitzt der Vatikan nach einer Mitteilung des Freiherrn von Gleichen-Rußwurm im Neuen Wiener Tageblatt. Raffael hat es für seinen Gönner, den Kardinal Bibbiena, mit mythologischen Szenen geschmückt. [Sidenote: _Inventar der Hausbadestuben_] In Frankfurt ermietete 1495 der Kammerrichter Eitel Friedrich Graf zu Zollern das Haus Rustenberg an der Leonhardskirche samt Mobiliar. „In der baetstoben“ fand er „eyn großen coppern kessel vnd 2 groiß messen (messingerne) becken vnd eyn cleyn becken und eyn coppern becken, eyn lilach mit zadel vnd 2 lilach vnd eyn blechen laugkessel (Laugenkessel)“. In der Badestube des zu Frankfurt 1502 verstorbenen Wernher Dulling befanden sich zwei kupferne Kessel[127]. Das Reichskloster Salem (Salmansweiler) hatte zu Pfullendorf einen Hof, das „Stainhauss“. Als 1577 Frater Hägelin in die Pflege eingesetzt wurde, befanden sich im „Badstüblin“: „kupfferin lauggelten 1, wassergelten 2, kübel 2, laughäfen, alles kupffern“, im „Abziechstüblin“: „gutschenbettlin 1, darinn strosackh 1“ und in der Küche „1 badbeckelin“ aus Messing[570]. Auch in einem Züricher Inventar aus dem 16. Jahrhundert kommt ein „möschi Becki“ (Becken aus Messing), „als man in das Bad treit“, vor, daneben „1 kupferner Badhafen sammt dem Hut (Deckel), 1 Badkasten und 1 Hafen in ein Badstuben“[252]. ~Michel Behaim~ gedenkt 1491 der „padstuben“, 1499 kaufte er seinem Weibe für siebzig den. eine Badewanne[210]. Anton Tucher in Nürnberg hatte nach seinem Haushaltungsbuche (1507–1517) ein „abcziehkemerlen vor dem pad“ mit Rautenfenstern. In der Badestube war der Boden aus Stein und Brettern. An Inventar kaufte er einen kupfernen Badeofen von 261 Pfund Gewicht, einen Badkessel aus Kupfer[C] und vier kupferne „padschefflen“, einmal eine neue Badewanne in den Garten[206]. In der Badestube der Benediktinerabtei Neustadt am Main befanden sich 1555 zwei messingerne Wannen mit zinnernen Deckeln, eine kupferne Wanne, ein messingernes Becklein, fünf Badgelten von Holz und ein großer Wasserzuber[196]. Nach ~Ryff~ waren die Öfen in den kleinen Badestuben aus Eisen oder Kupfer oder gemeinem Hafnergeschirr aufgesetzt[466]. Manche Hausbadestuben waren gemauert, zuweilen künstlich gewölbt, doch zog er die aus Holz gebauten vor, die steinernen sollten wenigstens mit Holz getäfelt sein[48]. In den verschiedenen Gedichten vom Hausrat[257] wird das Inventar der Hausbadestube angegeben. ~Hans Foltz~ sagt in den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts in einem Spruchgedicht: „Darnach was als ghort yns badt Ein krugk mit lawen ist nith schad badsack badschwam ein heris tuch welchs man darff das man es her such Schemel badfleck badlach badbeck Strel badhut kussen das man legh.“ In einem Meistergesang desselben Dichters heißt es: „So mon nün in das pad wil gan ein krüg mit laügen müs mon han pattüch wisch düch vnd ein pad schwam patpeck pat hüt ein strel.“ ~Hans Sachs~ hat in einem Spruchgedicht von 1544 „Der gantz Hawsrat“: „Wen man den in das pad wil gan Ein krueg mit lawgen mues man han Padmantl, padhuet vnd Hauptuech Peck, puersten, kamb, schwamen vnd pruech.“ [Sidenote: _Badebeutel mit Zubehör_] In den Verzeichnissen ist der Krug mit Lauge ohne weiteres verständlich und entspricht dem heute ins Bad mitgenommenen Stück Seife. „Ein Krůg zů der Lougen dz man zwag“, heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat (1514), das übrigens auch den Blasebalg anführt, der das Feuer unter dem Kessel „vff glesten“ macht[257]. Darauf folgt im Spruchgedicht von ~Foltz~ der „badsack“, in dem die später genannten Gegenstände bis zum Strel (Kamm) oder auch mit Einschluß des Badehutes untergebracht waren. In Ulm sollte 1584 „ein köstlicher Badsack, der mit Hemden, Scheertüchern, Fezenetlin und anderer Bereitschaft gefüllt ist“, nicht höher als vierundzwanzig fl. kommen[73]. Meister ~Curd Hallis~, Rektor der Stadtschule in Göttingen, ließ 1458 von seiner Geliebten den „snor“ (Schnur) an seinem „badebudel“ machen[526]. 1537 kommt in Wismar „1 badekappe mit deme badebudel“ vor[533]. Nach der Rostocker Kleiderordnung von 1581 schenkte die Braut dem Bräutigam einen Badebeutel[543]. ~Lukas Rem~ hat 1518 in seinem Tagebuch aufgezeichnet, daß seine Frau für ihn kaufte „mein breigoff, 2 hembder, badsack mit seim zugehör & und ander fil, Ir zuo der hochzeit net gwest“[265]. ~Schmid~ und ~Greiff~ verstehen unter Breigoff die Gabe der Braut an den Bräutigam[265]. Doch hat ~Rem~ 1518 beim Hochzeitsgeschenk für seinen Schwager und dessen Braut angemerkt: „Sie hetten aber mir, meim weib eerliche breygoff stuck nach Ir manier geschenkt“[265]. Breygoff bedeutet demnach ganz allgemein ein bei der Hochzeit gegebenes Geschenk. Heute noch beschenken sich in manchen Gegenden der deutschen Schweiz, z.❆B. im Klettgau, auch die Hochzeitsgäste gegenseitig. In dem zu Ulm 1584 erwähnten Badsack befanden sich auch „Fezenetlin“. Der Ausdruck kommt vom italienischen fazzoletto, und heute bedeutet in der Schweiz Fazinetli ein kleines Tuch, meist das Taschentuch. Im Wildenbrucher Inventar werden 1560 „15 zwilch Facinetlein“ aufgeführt mit der Bemerkung „sein Tellertücher“[560]. ~Conrad Clauser~ (Basel 1598) hat aber badlachen gleich „faceletly“[556], darum gehörten sie in den Badesack. Der „badfleck“ bei ~Foltz~ ist nicht verständlich, da aber die von ~Sachs~ angeführte pruech fehlt, möchte ich ihn für die Badehose halten. [Sidenote: _Kopfbedeckung im Bad_] Der Badehut wurde fast durchgehends im Bad getragen. Die Ansicht, dadurch das Haar vor Nässe zu schützen, stammt erst aus späterer Zeit. Die meist kleinen, aus Stroh geflochtenen Badehüte hätten diesen Zweck auch nicht erfüllt (z.❆B. Abb. 36). Im Anfang des 14. Jahrhunderts sagt der König vom Odenwald vom strôwe badehüete geben guot gemüete“[228]. Die ersten Abbildungen von Badehüten aus Stroh finden sich im Dresdener und Wolfenbütteler Sachsenspiegel (14. Jahrhundert) (Abb. 68), während im Heidelberger (13. Jahrhundert) die Badenden barhaupt dargestellt sind (Abb. 67). Noch im 18. Jahrhundert kommt der „Schaub-(Stroh-)hut“ in der Kurfürstlich Sächsischen Taxordnung des Kreises Meißen vor. Für die Benutzung war dem Bader ein Pfennig zu zahlen[242]. Nach einem Weistum von Huisheim in Schwaben von 1505 hatte der Bader jedem Erwachsenen einen Badehut zu geben[535], nach dem „Öttinger Ehaftbüechl“ von 1577 ebenfalls, wenn der Badende keinen mitbrachte[46]. In ~Maalers~ Lexikon (1561) wird der Badehut als aus Roggenstroh gefertigt angegeben[162]. Daneben finden wir auch andere Kopfbedeckungen, zuweilen die im gewöhnlichen Leben getragenen, z.❆B. ein Federbarett bei Männern und auch bei Frauen. Auf dem ältesten, im 14. Jahrhundert gebrauchten Siegel der Stadt Baden (Schweiz) trägt die im Bade sitzende Frau eine Bedeckung (Schleier) (Abb. 52), wie sie auf den Siegeln und steinernen Denkmalen des 13. Jahrhunderts und in den Sachsenspiegelbildern vorkommt, durch welche die verheiratete Frau von der Jungfrau unterschieden wird[552]. Frauen und auch Männer tragen häufig Haarnetze, zuweilen turbanartig geknotete Tücher und Kappen, wohl von Leinwand. ~Wildvogel~ gibt im 18. Jahrhundert solche aus Wolle an[242], und ~Behaim~ erhielt 1500 zum Baden im Wildbad von seiner Frau ein „swartze seiden hauben“[210]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts schützte die Frau ihr Haupt vor Nässe durch eine Badehaube[422], nach ~Zedlers~ Lexikon war diese 1733 von weißer Leinwand und ein auf dem Kopfe „zusammengefitztes“ Tuch[468]. [Illustration: Abb. 52. Siegel von Baden im Aargau, _a_ im 14., _b_ im 15. Jahrhundert gebraucht. Schweizerisches Landesmuseum in Zürich.] Das Becken nennt ~Hans Sachs~ zwischen Haupttuch und Haarbürste, und fand es vielleicht deswegen beim Kopfwaschen Verwendung. Dagegen glaube ich, daß das „badbeckelin“ aus Messing in der Küche des Steinhauses zu Pfullendorf und das „möschi Becki, als man in das Bad treit“ des Züricher Verzeichnisses dem aus Kupfer gefertigten tiefen Fußbecken der Nürnberger Haushalterin entspricht, welches man jedesmal in das Bad zu tragen pflegte. Daß man es nicht im Bad aufbewahrte, lag an der durch Feuersgefahr begründeten Abgelegenheit der Badestube (erst im 18. Jahrhundert liegt sie beim Schlafzimmer)[422], und weil man Fußbäder sehr häufig nahm. ~Ryff~ kannte schon den Einfluß der Schenkel- und Fußbäder, die ziemlich heiß genommen werden sollten, auf den Kopf und schrieb ihnen Stärkung von Gesicht, Gehör und Gedächtnis zu[48]. Über „kussen das man legh“ siehe S. 164. Man muß annehmen, daß die Leute in ihrer eigenen Badestube trotz der Meistersinger Inventar nackt badeten. Hans von Schweinichen erzählt: „daß ich wenige Tage zu Hofe war, badete die alte Herzogin (von Liegnitz c. 1562); alda mußte ich aufwarten als ein Junge. Es währet nicht lange, kummt eine Jungfrau, Katharina genannt, stabenakend raus, heißt mich, ihr kaltes Wasser geben“[16]. [Sidenote: _Der Badschild des armen Mannes_] In frühester Zeit hatte wohl jeder Grundeigentümer seine eigene Badestube. Es scheint fast, als wenn diese zuweilen dem verarmten Manne die letzte Zufluchtsstätte war, in der er wohnte. In uralten hessischen Rechtsformeln heißt es: „wer aber alhie eigen und erbe hat, derselbige sal sich darauf finden lassen, und denselbigen sal man auch uf keinen groszern buwen dringen, diewil er sich unter einem batschilde erhalten mag“. „Item, ob einer verarmt, das er sinen bew nicht gehalten kan, sol er seinen schilt stürzen uf sin erb oder gut, sol er us dem batschild geben des besten, das er vermag, so sollen die herren in nit zu vertriben haben.“ „auch sal man einen armen Mann in diseme gerichte lassen sitzen uf dem sime, die wile he sich mag behalden under einem badschilde“[151]. GRIMM meint zwar, daß Badschild gleich Badewanne wäre, doch konnte man unter einer solchen nicht wohnen, wohl aber, wie wir sahen, in einer Badestube[D]. Außerdem wird Badschild in Gegensatz zu einem großen Bau gestellt. Vielleicht ist es gewagt, wenn ich unter Badschild den durch das Bad gewährten Schutz und in weiterem Sinne die den Schuldner schützende Badestube verstehe. Nach dem König vom Odenwald zu Anfang des 14. Jahrhunderts nahm sogar ein Herzog von Sachsen seine Zuflucht zur Badestube, um nicht gepfändet zu werden[228]. Jedenfalls geht aus den Rechtsformeln hervor, daß das unter dem Badschild befindliche Eigentum die letzte Habe des armen Mannes war, zu der demnach auch der Badschild selbst, sei er Badestube oder Badewanne, gehörte. [Illustration: Abb. 53. Bad unter der Dachtraufe eines Bauernhauses. Holzschnitt aus einer Serie: „Aus der Gründung der Eidgenossenschaft“. 1580. Stadtbibliothek Zürich.] [Sidenote: _Bewegliche Badstübchen_] [Sidenote: _Das eigentliche Schweißbad_] In den Städten finden wir bei vornehmen Leuten frühzeitig eigene Badestuben, so in Ulm 1352 bei Heinrich von Weißenhorn[50]. 1385 besaß der Hof des Herrn Friedrich Roth in der Sterngasse zu Würzburg ein eigenes Bad[144]. Fehlte in bürgerlichen Wohnhäusern das Badezimmer, so war doch eine Badewanne vorhanden. In den Gedichten ~Kaufringers~ hatte eine Augsburger Schustersfrau den Zuber vor der Kammer stehen, und im Hause des Bürgermeisters von Erfurt war er im „kemenat“[256]. In Dörfern stand er nach zahlreichen Darstellungen des Todes Wolfenschießens im Hausflur, einmal erscheint er unter der Dachtraufe (Abb. 53). Ganz armen bedürftigen Leuten, namentlich „kindbetteren“ wurde die „badebütt“ geliehen, so 1338 von der Äbtissin zu Andlahe, welche nach der Dinghofrodel zu Marlei (altem Königshof bei Straßburg) die „dugen“ von denen zu Birken schicken ließ, die der Baumeister mit den vom Keller gegebenen Reifen zur Badebütte vereinigte[535]. Immerhin verlangte eine bayerische Forstordnung (1616) vom geringen Bürger und Handwerker ordentliche gemauerte Badstuben im Hause[46]. Man hatte nämlich auch transportable Apparate, die durchweg den Namen Badstüblein führen. Schon 1345 kommt in einer Klosterrechnung zu St. Emmeran ein solches vor. Die bayerischen Bauern hatten bei ihren Wohnungen und die geringen Bürger und Handwerksleute in Städten und Märkten ebenfalls „solche Bädlen, die man hin und wider tragen mag und mit Gluet haizt“ (1616)[46]. Das waren im Gegensatz zu den in Wannen genommenen Bädern solche zum Schwitzen. Aber bei genauerem Betrachten erscheinen auch manche Wannenbäder, die man zunächst für Wasserbäder halten könnte, als Schweißbäder. Vom Frauenkloster Prez in Schleswig-Lauenburg heißt es c. 1474: „Item leth ick maken in dat Badehus IV lange nige (neue) Badeküven mit IV nigen Roven (Dach darüber) und mit bequemen Schemelen up to sittende, und ok under de Vote“[16]. Die Schemel waren also zum Sitzen in der Badewanne bestimmt, und es gab auch welche für die Füße. ~Ryff~ sagt: „Aber die kleineren Badtstuben oder schweiß bäder so allenthalben in sonderlichen Bürgerlichen wonungen bey vns Teutschen vast (sehr) gemein sindt, pflegt man durch dunst vnd dämpff siedens wassers zu heitzen. Aber solche truckne (er rechnet die Dampfbäder zu den trocknen) schweißbäder zu der notturfft inn der eil zu bereiten vnnd erhitzigen haben wir gar mancherley geschicklicheit vnd vortheil, als mit glüendigen Eysen sinter stein, Maur stein oder gebachen steinen, kißling steinen vnd dergleichen wie yederman wol bewust, darmit man schnel truckne schweiß bäder zurichten mag“[48]. 1519 empfiehlt der St. Galler Bürgermeister und Arzt Joachim von Watt, zur Verhütung der Pest Schwitzbäder im Haus zuzurichten „als in einem verdeckten zuber, mit heißen steinen usw“. Im Badwasser sollte man Kräuter sieden „vnd domit vff gießen“ und auch waschen[571]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „aber bey vilen im brauch +dz wir eigentlich schweißbad nennen+, so kreütter in einem kessel gsotten, von dem selbigen laum (Dampf) der leib erschwitzet, allein für sich selbs oder mit glüenden sinckelsteinen mit wein begossen, menigklich bekant, vnnötig weitter daruon zureden“. An anderer Stelle sagt er, daß das Schweißbad in der Bütte genommen werden soll, und weiter: „... so allein das haupt außerhalb des dampffs der badestuben ist. So aber der schweiß in schweißbädern mit gesottnen kreüttern erwermet, gefürdert wird .... ist würcklicher (wirksamer), dann so es allein mit holtz in gemeinen badstuben bescheh ... Wann aber der dampff vnnd erwermet lufft, von dem wasser, in welchem saltz, salpeter, oder schwebel ist, erhept, ... seubert mehr dann das drucken schwitzen, vil mehr dann so der schweiß vom dampf der süßen wasser zugericht wurde“[449]. [Illustration: Abb. 54. Dampf- und Beräucherungsapparate des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt am Main. 1547[E].] [Sidenote: _Badeapparate im 16. Jahrhundert_] Nun ist es verständlich, warum im Kloster Prez die Kufen Schemel zum Sitzen und für die Füße hatten; denn das kochende Wasser wurde direkt auf den Boden der Wanne oder auf dort befindliche, glühend gemachte Steine gegossen. Hervorgehoben muß werden, daß man in der Regel nur das Bad in diesen Apparaten Schweißbad nannte, und ~Murner~ bildet unter diesem Namen eine mit Dach versehene Badebütte, aus der der Kopf herausragt, ähnlich wie Abb. 54 f ab. Nach ~Ryff~ sollte die Bütte bedeckt sein[250]. An Stelle des einfachen Wassers scheint man noch häufiger Abkochungen von Kräutern verwendet zu haben. „Acten, ruten, gesotten mit wyden, getrunken, und ab den krüteren gschweiß-badet“, heißt es 1588 in einem Zuger Arzneibuch[557]. ~Guarinonius~ versteht 1610 unter „Dempffbad“, das er auch Schweißbad nennt und in Gegensatz zum gemeinen Bad (in der Badestube) stellt, „wann man in den ehrlichern vnd ansehnlichern Häusern, ein darzu gerüste Wannen, oder kleine Stüble hat, darinnen man gehitzte Ziegel, oder Kißlingstein einträgt, vnd mit abgesottenem Wasser von guten vnd wol riechenden Kräutern, die Stein begeust, darauß die Wärme vnd der Dampff räucht“[134]. Diese Schweißbäder waren, wie aus der Stelle bei ~Etschenreutter~ hervorgeht, sehr bekannt, auch ~Watt~ beschreibt sie nicht näher, sondern setzt dafür ein usw. Noch 1697 empfiehlt ~Zapf~ in Weimar, das Rastenberger Wasser gegen Podagra auf heiße Kieselsteine oder in ein Badstüblein oder „versprügelten Wannen“ aufzugießen[401]. Nach ~Ryff~ setzte man auch zwei Wannen oder Gefäße übereinander (natürlich die obere mit dem Boden nach oben) oder gebrauchte über der Wanne ein „obdach von Stro geflochten“[48] (Abb. 43). Im Straßburger Gedicht vom „Hußrat“ (1514) heißt es: „Ich bring dir sicher ouch ein Badbütten Bedket mit eyner Schoubin (von Stroh) hütten Darzů so můstu gůte Krüter hon So würstu ouch schwytzen wol dar von“[257]. [Sidenote: _Die kleinen Heißluft- und Dampfbadestuben_] Andere „kleine Badstüblein“ hatten die Form eines Schrankes und waren aus dicken Brettern gefertigt, um die Wärme besser zu halten (Abb. 54 e). In den Doppelboden wurden glühendes Eisen, erhitzte Sintersteine, Kieselsteine, gebackene Steine, Mauersteine oder Schlacken eingeschoben oder darin Branntwein angezündet. Es handelte sich also um Heißluftbäder. Im Deckel befanden sich Löcher, die mit Zapfen verschlossen werden konnten, um die Hitze zu mäßigen. Wenn es für nötig befunden wurde, leitete man von einem Topf (Abb. 54 c) aus die Dämpfe von Kräutern in das Badestübchen. An der Einmündung des Rohres wurde im Innern des Kastens eine hohle, nach unten offene Halbkugel angebracht, damit der Dampf dem Badenden nicht direkt gegen den Leib dringe. ~Ryff~ nennt 1549 den Kasten eine Neuerfindung seiner Zeit[48]. In der einfachsten Form verwendete das Volk einen Topf und ließ durch einen hölzernen Trichter den Dampf gegen das kranke Glied treiben (Abb. 54 b). An Stelle des Wasserdampfes konnten Beräucherungen von Trociscen (Trochisci-Zeltchen) und anderen „bequemen Stücken“ treten, die in einem „glutpflännlin“ verbrannt wurden (Abb. 54 a). Zuweilen wurden die Badenden zum Dampfbaden und Beräuchern auf einen Stuhl gesetzt und mit Tüchern behangen (Abb. 43 u. 54 d)[233]. Man verbrannte auch Kräuter auf heißen Steinen. In einer Wiener Handschrift des 15. Jahrhunderts heißt es: „Vnd mach ein stain pad vnd leg das chraut vber die stain vnd erswicz wol“[16]. Im 14. Jahrhundert wird von ~Boner~ im Edelstein das Schwitzen im Bette durch einen heißgemachten Stein erwähnt. Eine Äbtissin ist „von dem Ritten“ (Fieber) geplagt. „Sie sprach: ‚mîn rugge und ouch mîn bein die ridwent (fiebern) vaste. ein ziegelstein soltu mir balde machen heiz; und würde mir ein senfter sweiz, ich möcht vil lîchte wol genesen! ... acht eben, wenne ich switze: sô nim den belz und decke mich. lâ nieman în, des bit ich dich, daz der sweiz nicht erwinde‘“[226]. ~Ryff~ hat oft gesehen, daß man die Schweißbäder in großen Weinfässern machte[48]. Dies „Fäßlischwitzen“ war bis in die jüngste Zeit in der deutschen Schweiz in Gebrauch. In der Küche wurde ein Salzfaß, mit dem Boden nach oben gerichtet, auf drei Mauersteine gestellt und darunter ganz dürres Wacholderholz, das nicht raucht, angezündet, bis das Faß über und über heiß war. Dann brachte man es ins Schlafzimmer, stellte es aufrecht, setzte sich auf einem Stuhl hinein und deckte das Faß oben mit Tüchern zu[564]. An Stelle des Wacholderholzes verbrannte man auch Rebholz oder legte heiße Kieselsteine, besonders Ädersteine in das Faß oder legte erhitzte Steine in einen eisernen Topf mit einem Absud von Wacholder- und Föhrenzweigen und nahm über diesen das Fäßlibad[557]. [Sidenote: _Deutscher Ursprung der Hausdampfbäder_] Diese Hausdampfbäder sind deutschen Ursprungs. ~Schultz~ beschrieb eine Münchener Handschrift aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, die, lateinisch von einem italienischen Arzte verfaßt, eine Anleitung für Italienerinnen zur Pflege der körperlichen Schönheit enthält und für besonders förderlich dazu ein Schwitzbad empfiehlt. Sollte ein solches Bad, heißt es darin, nicht zu erlangen sein, so kann man auch auf andere Weise (stuphis) denselben Zweck erreichen, indem man das Verfahren der Frauen jenseits der Alpen nachahmt, man macht nämlich Ziegel oder schwarze Steine glühend heiß, wirft sie in eine Tonne (tina), gießt kaltes Wasser darauf und setzt sich nun wohlverpackt mit Tüchern über den aufsteigenden Dampf und schwitzt tüchtig[537][F]. Der von ~Ryff~ angegebene Schwitzkasten hat sich in seiner Form bis heute erhalten, 1733 gedenkt ~Zedler~s Lexikon unter diesem Namen des Badekastens von Holz[468]. Im 19. Jahrhundert tauchten neue Arten des Heißluftbades auf. ~Lavater~ setzte 1804 zur Wiederbelebung Ertrunkener an Stelle des lauen Wasserbades einen doppelwandigen Blechkasten, in dessen äußeren Teil warmes Wasser gefüllt wurde[178]. Als 1831 in Hamburg die Cholera war, legte man die nackten Kranken auf niedere Gurtenbetten, über die Reifen gespannt wurden, die durch Decken einen Abschluß erhielten. Unter dem Bett wurde Weingeist in einer Schale angezündet. Diese Cholerabetten kamen aber wegen Verbrennungen der Patienten bald in Mißkredit, so daß man Wasserbäder an ihre Stelle setzte[572]. Heute hat man im sog. Phénix à l’air chaud dem Übelstand abgeholfen, in dem man wie beim ~Ryff~schen Apparat den Dampf, die heiße Luft aus einer besonderen Heizvorrichtung ins Bett leitet. In der Dachauer Gegend findet man in den Bauernhäusern Bahaisl (Badhäuslein), Badl (Bädlein) genannte bretterne Verschläge im oder um den Ofenwinkel (Schwitzkasten)[46]. Auch im Fürstentum Hohenlohe bezeichnete 1789 Badstübchen einen kleinen Verschlag hinter dem Ofen[555]. Diese Einrichtungen sind wohl auch ein Ersatz für die selbständigen Badstubenhäuschen begüterter Bauern. In der Passauer Gegend deutet heute nur noch der Name Badl für den Winkel hinter dem Ofen[46] ihr ehemaliges Vorhandensein an. [Sidenote: _Das Schwitzbad im Backofen_] Als selten geübter Volksgebrauch kommt das Schwitzen im Backofen auf Brettern nach dem Herausholen des Brotes vor. Nach ~Ryff~ muß sich zuweilen der arme Mann auf den Dörfern aus Notdurft gegen Wassersucht mit dieser Art Bad behelfen[48]. „Aber die meister der artznei bruchen es wenig“, sagt ~Phries~[386]. ~Guarinonius~ nennt es 1610 eine neue Badform und berichtet Fälle mit unglücklichem Ausgang[134]. 1748 starb in Hadlikon eine Frau Hartmann, von welcher es heißt, „sie hatte den 23. Januar im Ofen geschwitzt, wurde für tot herausgezogen, lebte aber noch bis den 26. Wie es zugegangen novit Deus“[573]. 1857 schwitzten in Böhmen Kinder im Backofen gegen Krätze, nachdem sie mit einer Salbe eingerieben waren. Eins davon wurde halbverkohlt herausgezogen[16]. 1871 spricht ~Senn~ für die deutsche Schweiz von einem veralteten Brauch, der aber doch noch gegen Rheumatismus angewendet wurde[564]. Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, nahm man in der Hausbadestube nicht nur Reinigungsbäder, sondern badete auch gegen Krankheiten. Der Bürgermeister Nikolaus Gentzkow von Stralsund tat es am 31. März 1564 auf ärztlichen Rat. Am 2. Dezember verzeichnete er in seinem Tagebuche: „badede ick in minem eigen stauen vth diekwater“, am 27. Januar des folgenden Jahres: „leth ick den kum am stauen vthschmelten vnd den stauen heruthmaken, vnd badede darin vmb des bains willen“[542]. Hieraus ist übrigens zu entnehmen, daß der stauen nicht nur die Badestube, sondern auch die Badewanne war. Schon 1562 badete Gentzkow öfters „mit minen qwaden ruggen“. Aus ~Fabricius Hildanus~ geht hervor, daß im 17. Jahrhundert besonders von armen Leuten als Ersatz der Badekur nicht nur in Krankheiten, sondern auch zur Bewahrung der Gesundheit ein- oder mehrmals im Jahr Tage und Stunden lang, wie in den Mineralbädern, im Zuber gebadet wurde. ~Fabricius~ sah dabei Krämpfe, Schlaganfälle auftreten und führt diese bösen Zufälle darauf zurück, daß die Leute meinten, die zur Badekur nötige Reinigung des Leibes, vorzüglich die durch Purgieren, nicht nötig zu haben. Ganz besonders sei sie gerade beim Baden im süßen (gewöhnlichen) Wasser erforderlich, weil das den Leib schlüpfrig und glatt mache. Auch die mineralischen Bäder, die durch die Kunst der Chemie zubereitet würden, seien, wie die aus süßem Wasser, unserer Natur zuwider. Die Nachbildung einiger natürlicher Mineralbäder durch Schwefel, Alaun und Salz erkennt er für Notfälle an, erklärt es aber für Eitelkeit, Frechheit und Aufschneiderei, natürliche Bäder durch die Kunst der Chemie zu machen[101]. Es gab schon im 16. Jahrhundert z.❆B. von ~Thurneisser~ Rezepte, Mineralbäder nachzuahmen[390], und ~Paracelsus~ ergänzte die Mineralbäder für bestimmte Krankheiten durch Zusätze von Kräutern[374]. Meister ~Burckhart~ von Reytlingen gab ein „bewert wiltbad“ an[47]. ~Johann Wilhelm Simler~, ein großer Verehrer der Mineralbäder, singt „vonwegen des Podagrams, im Meyen, 1668 und 69“: „Gewärmtes Kräuterbad in meinem Ofenkessel; nächst Gott; entbande mich von Podagrames Fessel“[27]. [Sidenote: _Kräuterbäder im Hause gegen Krankheiten_] Ja man nahm regelrechte Badekuren im Hausbade vor. 1528 schreibt ~Hans Stockar~ in Schaffhausen: „Uff dye Zitt hain jch 33 Dag Wasser badett jn mim Hus, und schlug heffdyg us“[597]. Felix Platter ließ Kuren mit Kräuterbädern im Hause gegen Aussatz vornehmen[488]. Nach ~Brunssfels~ sollte man nicht über vierundzwanzig Tage lang baden und bis auf acht Stunden täglich steigen, dazwischen schweißbaden. Man saß dabei auf dem Kräutersack, dessen Abkochung sich im Badewasser befand[47], nach ~Dryander~ 1547 täglich eine Stunde lang[233]. Es gab also zweierlei Kräuterbäder, Dampf- und Wasserbäder. Der Kosten wegen wurde das Kräuterbad mehrmals benutzt. Infolgedessen machte das Wärmen eine besondere, in Abb. 55c wiedergegebene Vorrichtung nötig, die auch ~Thurneisser~ 1572 etwas abgeändert bringt[390]. Nach ihm und ~Brunssfels~ sollte das Bad alle drei Tage erneuert werden. Die Badebütte war zuzudecken, damit die Kraft darin bleibe[47]. ~Guarinonius~ sagt 1610: „Die Badwann laß offen, oder schleuß nur vor dir, Den Dampff laß vnten beyn Füssen riechen herfür“[134]. 1647 schlug ~Sebiz~[65] vor, die Badebütte mit hölzernen Deckeln oder dicken groben Tüchern, „Kutern oder Sergen“, ~Gessner~[335] 1745, mit einem Tuch, Teppich oder einem Brett mit einem Ausschnitt für den Hals zuzudecken. Für Kräuterbäder einzelner Teile dienten der „Lendenzuber“ (Abb. 55a), dessen Sitzbrett nach hinten abfallen sollte, und eine besondere Schenkelbadewanne (Abb. 55b)[48. 221], die auch zu Dampfbädern verwendet werden konnte. [Illustration: Abb. 55. Apparate für Wasser- und Kräuterbäder im 16. Jahrhundert. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M. 1547.] [Sidenote: _Andere Bäder zu Heilzwecken_] 1684 machte ~Lamzweerde~ neue Badeapparate bekannt, darunter einen Sack aus Leder in dem sehr schwache Kranke das Bad im Bett nehmen konnten (Abb. 56). Er beschrieb auch einen, erst in der modernen Hydrotherapie zur Geltung gelangten Rückenschlauch (Abb. 57) und mit Wasser gefüllte Ledersäcke, die über einzelne Gliedmaßen gezogen wurden[574]. Sein geistiges Eigentum scheinen diese Apparate aber nicht zu sein, denn einzelne sind schon in einem Werke des aus Illyrien stammenden Arztes ~Santorio~ abgebildet, der 1636 zu Venedig starb und sich auf technisch-medizinischem Gebiete, unter anderem auch durch Herstellung von Instrumenten zur Ermittelung der Körpertemperatur und des Pulses auszeichnete[235]. [Illustration: Abb. 56. Sack aus Leder zum Dauerbad im Bett für sehr schwache Kranke v. Lamzweerde. Kfpr. 1684.] ~Pictorius~ erwähnt 1560 Bäder von Baumöl, Milch, Molken, Wein und Öl, in dem ein Fuchs oder Dachs zuvor gesotten wurde, sagt aber, „man schreibt von ihnen“; sie waren also nicht in Gebrauch[152]. Nach ~Ryff~ war bei den Deutschen in Milch zu baden ebenso ungewohnt, als in Wein und Öl[48]. 1793 benutzte man aber Milch- und Molkenbäder[160], wobei man glaubte, die Kranken dadurch zu ernähren. Von dieser Vorstellung ging wohl auch ~Pantaleon~ aus, als er den Lungensüchtigen und denen, so das Abnehmen am Leib haben, den Besuch der Thermen verbot, dafür aber Wasserbäder „so ab Kalbsköpfen und füssen gesotten“ empfahl[35]. Trotz mancher Kuren im Hause gingen Leute, denen eigene Badestuben zur Verfügung standen, in die öffentliche Badestube zum Schröpfen, Aderlassen oder um Heilbäder zu nehmen. Nach der Pfründeordnung des Klosters Geisenfeld in Bayern aus dem 13. Jahrhundert hatten die Frauen aller vierzehn Tage ein Anrecht auf ein Bad, das zwei „lantnaer“ bereiteten. War eine Frau „siech“ (krank), oder wollte sie „us einer aderlazz baden“, ging sie zum „veilen pade“. Wer das nicht wollte und das Bad lieber im Kloster nahm, hatte es zu bezahlen[548]. Bürgermeister Gentzkow war am 3. April 1559 „mit vruw vnd kindern jm steinstauen vnd leth wohl 7 koppe setten“, am 24. November badete er „jm gemeinen stauen und leth 3 koppe setten“[542]. [Illustration: Abb. 57. Rückenschlauch von Lamzweerde. Kpfr. 1684.] [Sidenote: _Einladungen in die Hausbadestuben zum Schmausen und Zechen_] Wir sahen schon im nackten Boten, daß die Badestube zur kühlen Jahreszeit als Wohnraum benutzt wurde. Sie diente aber auch als Speise- und Trinkzimmer, in das man gern Freunde und Bekannte lud. ~Guarinonius~ sagt 1610: „Wann manicher, der sonsten nichts zu thun hat, nicht weiß was er anfangen solle, läßt er jhm ein Schweiß- Dempff- oder auch Vollbad zurichten, darin er etwan mit seinem Weib, oder sonsten einem guten Freund sitzet, und ein Kändele drey, vier Wein, neben guten Sträublen außleeret, damit in seinem Leib innen nicht etwan das Vacuum rusticum entstehe“[134] (Abb. 58). 1584 wurde, wie erwähnt, Magdalena Paumgartner in Nürnberg zu einer Bekannten ins Bad geladen[248]. Der Bürgermeister Gentzkow berichtet uns in seinem Tagebuche des öfteren von solchen Einladungen[542]. Am 13. Mai 1559 hat er verzeichnet: „badede ick in minem eigen stauen mit D. Khetell“, am 3. Oktober 1562: „do badede ick in minem stauen. D. Kehtel vnd sine vruw badeden mit mj. eethen darna mit mj vnd toueden bet nha negen“, am 9. Juni 1563 „badede ick in minem stauen vnd beheld min volck by mi to gast“. Unter Volk sind die Angestellten des Bürgermeisters zu verstehen. Aus den Angaben scheint hervorzugehen, daß die Gasterei erst nach dem Bade stattfand. Ferner hat Gentzkow verzeichnet am 13. Januar 1558: „leht ick minen batstauen heiten vnd badede mit minem volcke“, am 21. April 1559: „badede ick mit all minem volck, vnd worden dorch den roden wyn so vrolick darna, dat alle jungen vnd knecht dantzen vnd singen musten bet in die nacht, dat die glock ein schlug“, am 30. Juni desselben Jahres: „badede ick mit minem volck vnd zechten darna wol“, am 3. Januar 1560: „badede ick mit alle minem volck noch jm suluen minem stauen. Ick leth ock minen naber Christoff Lafferde mit siner vruwen vnd all sinem volck darinn baden“, am 10. Februar desselben Jahres: „leth ick den stauen in minem haue (Hause) anheiten vnd badede mit minem volcke drinn“ und am 15. April: „hadde ick mien volck togaste vnd was mit en guder dinge“. Gentzkow lud sein Volk auch sonst zu Gaste, z.❆B. in seinen Garten zum Tanz oder am 10. November 1560 zum Martinsabend, wobei der Exzeß, wie Gentzkow selbst schreibt, so groß war, daß er am anderen Tag auf der Bank liegen mußte. Das sind aber Seltenheiten gegenüber den Einladungen ins Bad, die wir unseren heutigen Gesellschaften gleichstellen müssen. [Illustration: Abb. 58. Mann und Frau beim Schmause im Hausbadestübchen. (Der Mai). Kpfr. von ~Franz Brun~ 16. Jhdt.] [Sidenote: _Die Hausbadestube als Speisezimmer_] Daß es auch in Nonnenklöstern bei den Einladungen ins Bad fröhlicher, als es die Sitte erheischte, zuging, zeigt folgender Züricher Ratsbeschluß von 1523: „Abrednuss miner Herren von Zürich verordnoten ratsboten mit frow priorin und den ratsfrowen zuo Töss, etlicher bösen missbrüchen halb beschechen. Zum ersten: als dann ein badstuben zuo Töss im gottshus ist, darin dann unzhar etlich ander frowen von den klosterfrowen geladen gewesen, mit inen zuo baden, die syent von der Töss ab der strass, von Winterthur oder anderschwohar; das aber vil geschreis und nüt anders dann ein liechtfertigkeit und zerstörung guots wesens mag bringen; ist von minen Herren mit verwilligung der frowen abgeredt und beschlossen, daß hinfür gar niemas in solich bad sölle kommen oder gan, dann allein die kloster- und ordensfrowen. Es soll ouch endheine under inen, jung oder alt, nit gewalt oder macht haben, dhein andere usserthalb dem kloster, wer joch die syg, in das gemeldt bad zuo laden, ane gunst und willen (der) frow priorin und der ratsfrowen“[172]. ~Rudolf Collin~ erzählt in seiner Lebensbeschreibung: „Im Jahr 1524 den 14. Hornung verliesse ich mein Vaterland (Lucern), kame um den Abend gen Zürich, und nahme meine Einkehr in Herrn Oßwald Myconius Hause, wo mir eine lustige Begebenheit aufstieße: Es war namlich an der alten Faßnacht, da stuhnde (wie um diese Zeit gewohnt) ein Tisch mit den niedlichsten Speisen, und vollen Bechern versehen in einer Schweißstube (vaporario).“ Kein Mensch war zugegen, weil alle Gäste auf die Ringmauer hinausgegangen waren, dem Fastnachts- oder Märzenfeuer zuzusehen[551]. Das Baden ist garnicht erwähnt, und die Gäste müssen in Kleidern gewesen sein, um das Haus zu jener Jahreszeit vorübergehend zu verlassen. Die Schweißstube war hier das Speisezimmer des Hauses. [Illustration: Abb. 59. Doktor Moser in Konstanz wird in der Hausbadestube mit seiner Geliebten vom Ehemanne derselben überrascht und zu Tode gestriegelt. 16. Jahrh. Wyckiana. Zürich, Stadtbibliothek.] [Sidenote: _Liebesabenteuer im Bad_] Im Hausbadestübchen empfing auch die ungetreue Ehefrau ihren Liebhaber. Das schien so selbstverständlich, daß z.❆B. in einem Volksliede des 16. Jahrhunderts die Badestube garnicht erwähnt ist, wohl aber auf dem Titelbilde dargestellt wird[310]. Manche dieser Stelldicheins endigten mit Mord und Totschlag durch den betrogenen Ehemann. Von einem solchen Fall, der sich zu Zofingen 1559 zutrug, berichtet der Züricher Chorherr ~Wyck~[308]. 1530 wurde in Zürich bei Augustin Fries ein fliegendes Blatt gedruckt „Ein hübsch Lied, genannt der Striegel“, das in des Knaben Wunderhorn[309] aufgenommen ist. Das Gedicht war ein seinerzeit weit bekanntes Volkslied. Eine Kaufmannsfrau in Konstanz empfing in Abwesenheit ihres Mannes den Geliebten, einen Doktor, im Bad. Der Ehemann, dem die Sache zu Ohren kam, gab eines Tages vor, eine weite Reise zu unternehmen, ließ aber einen Striegel anfertigen, mit dem er unerwartet in die Badestube trat und den Doktor zu Tode striegelte. ~Wyck~ klebte in seine Sammlung einen kolorierten Holzschnitt (Abb. 59) ein, der wahrscheinlich dem genannten fliegenden Blatt entnommen ist, und fügte, ohne das Gedicht anzuführen, hinzu, dieser Doktor (auf dem Bild durch die Kopfbedeckung als solcher gekennzeichnet) sei ein Sohn des Organisten Moser vom Großmünster in Zürich gewesen und der Bruder einer Nonne im Ötenbach, die fromme Moserin genannt, die 1554 starb[308]. Etwas abgeändert wurde das Gedicht zu Augsburg „durch Valentin Schönigk, auff vnser Frawen Thor“ (auf der Abbildung tragen Mann und Frau den Badehut von Stroh) und 1606 zu Basel bei Johann Schröter gedruckt. Auch ~Fischart~ sagt in der Gargantua: „o bad gestrigelter doctor von Costenz!“[151]. Noch 1624 wurden Szenen aus dem Gedicht auf einer Glasscheibe dargestellt, die das Landesmuseum zu Zürich besitzt, wo die Liebenden entgegen der sonstigen Auffassung nebeneinander auf der Schröpfbank in der Schweißbadestube sitzen. Die Hausbadestuben scheinen demnach, wenigstens in dieser Beziehung, ihre frühere Bedeutung nicht mehr besessen zu haben[G]. Bekanntlich forderte der Landvogt Wolfenschießen 1307 zu Alzellen von Baumgartens Weib, mit ihm im Bad zu sitzen. Sie rief aber ihren Mann herbei, der den Landvogt mit der Axt erschlug (Abb. 53). In den um 1400 verfaßten Gedichten ~Heinrich Kaufringer~s ladet einmal eine Augsburger Schustersfrau ihren Geliebten, einen Chorherrn ins Haus zum Bad, ein ander Mal die Frau des Bürgermeisters von Erfurt den Sohn des Königs von Frankreich, der dorthin „gen schuole“ gesandt war[256]. [Sidenote: _Badestuben in den Amtswohnungen_] Wir finden häufig das Hausbadestübchen in Amtswohnungen auf Kosten der Behörde errichtet. Zu Frankfurt am Main kommt 1436 die Badestube in der Bonameser, 1470 die in der Erlenbacher Burg für die Amtmänner beider Orte vor, sowie 1499 die Badestube für den Marstaller. Auch im Römer befand sich ein Badstübchen, offenbar für den Stadtschreiber, welcher dort seine Amtswohnung hatte. In Hamburg finden wir sie im 16. Jahrhundert in den Wohnungen des Physikus und des Stadtschreibers. 1477 wurde das „batstobelin im Rathuse“ in- und auswendig geweißt und das „batstobechin“ mit Fenstern (638 Scheiben) versehen[127]. Berlin und Cöln an der Spree hatten im 16. Jahrhundert in den Kaplan- und Predigerhäusern Badestuben[191], 1610 das evangelische Pfarrhaus zu Aadorf. 1640 schaffte hier das Amt Winterthur ein neues „Badestubenöfeli“ an. Auch im Pfarrhaus zu Aawangen war schon vor 1597 ein Badstübli eingerichtet, und 1619 fehlte es nicht im neuerbauten Pfarrhaus[187]. 1557 wurde zu Waldulm im Pfarrhaus der Ofen in dem „badstublin“ errichtet[460]. In Frankfurt am Main war die Fahrbadstube, auch die Badstube am Fahr genannt, die 1337 zuerst erwähnt wird, gemeinschaftliches Eigentum der Stadt und des Leonhard-Stiftes. Die Herren des Rates und wohl auch die Mitglieder des erwähnten Stiftes bedienten sich ihrer, dem großen Publikum war sie aber verschlossen[127]. [Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben zur Förderung der ehehaften_] Aus verschiedenen Gründen finden wir hie und da die Privatbäder eingeschränkt oder verboten. Nach der bayerischen Landesordnungerklärung von 1578[16] und der Forstordnung von 1616[46] wurde den Bauern mit Ausnahme der in den Einöden wohnenden untersagt, eigene Badestuben zu bauen, nach der zweiten Ordnung auch der Gebrauch transportabler und dieser nicht nur den Bauern, sondern auch den Bürgern in den Städten und Märkten, dafür diesen aber erlaubt, ordentliche gemauerte Badestuben in den Häusern zu haben. Die Gründe zu diesem Verbot lagen in dem zu reichlichen Holzverbrauche und der Feuergefährlichkeit der kleinen Badestuben. Daneben sollten durch dieselben die Einkünfte der ehehaften nicht geschmälert werden. Aus letzterem Grunde erfolgte das erwähnte Verbot im Altenmarkt (Bayern) 1439[535], ein solches zu Kuppenheim bei Rastatt 1484: „und daruff so sollent alle kleine badtstuben, die bißheer zu Cupenheim gewesen sind, abgetan und nyemandt mee, er sy geistlich oder weltlich, gestattet werden, in den hüsern badtstuben zu haben oder fürter zu machen, damit Diethrichs Hans und sine erben unser badtstube dester baß gehalten und den zinß jerlich daruß geben mögend; es were dann, das ein amptmann zu Cupenheim in sinem huse ein badtstüblin haben wölt, des solt er macht han allein fur sich und sin gesinde und sust fur nyemandt mee zu gebruchen ungeverlich“[61]. Ebenso wurde 1440 und 1476 in Görlitz die Badestube nur zum eigenen Gebrauch erlaubt. „Vnd forder sal nymandis ander lüte weder vor der Stat noch in der Stat baden denn alleine sich sine kinder vnd gesinde“[202]. 1547 führten die Lübecker Bader Klage darüber, daß nicht nur der Hausvater und Familie nebst Gesinde, sondern auch dessen Bekannte bei ihm badeten[16]. Bei der Verleihung des Bades zu Liebenzell 1498 behielt sich der Lehnsherr das Recht vor, die „badstüblin“ im Hause nach eigenem Gefallen jemandem zu gestatten, jedoch sollte es der Betreffende nur für sich selber brauchen. Im sog. Ried, der Niederung an der Mündung der Murg bei Rastatt, lagen im 15. Jahrhundert fünf Dörfer (heute noch drei). Diese hatten zusammen ein „badstublin“. Als 1487 das nahe Iffezheim auf Bitten der Gemeinde vom Markgrafen Christoph zu Baden ein ehehaftes Bad erhielt, wurde denen im Ried befohlen, ihr Badstüblein durch den Bader von Iffezheim wärmen zu lassen oder nach dort zum Bad zu gehen[61]. [Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben wegen Feuersgefahr_] Die Feuergefährlichkeit der Badestübchen tritt häufiger als Grund ihrer Einschränkung auf. Nach dem klugen und rechtsverständigen Hausvater war es 1705 jedermann freigegeben, ein Badhäuschen oder Badstübchen zu erbauen, es durfte jedoch keine Feuersgefahr bringen[567], weswegen es von der Obrigkeit besichtigt wurde. Dies geschah z.❆B. in Frankfurt 1478. Trotzdem entstand 1556 von einer „clein batstoben“ aus eine Feuersbrunst[127]. In der Bergstadt S. Marienberg verordnete man 1540, die Badstüblein jährlich zweimal zu besichtigen, nach der Stuttgarter Feuerordnung von 1607 sollten sie nur geduldet werden, wenn der Schornstein gut gebaut und bis übers Dach hinausgeführt wäre[16]. 1484 veranstalteten Kellner und Rat zu Butzbach in Hessen einen besonderen Umgang durch die Stadt, um festzustellen, welche von den Badestuben zu leiden oder nicht zu leiden seien. Im Herbst 1489 sah sich der Rat veranlaßt, eine Anzahl Öfen in den Badestuben gewaltsam abbrechen zu lassen. 1494 erging an verschiedene, bei einem vorherigen Umgange aufgezeichnete Bürger der gemessene Ratsbefehl, „die sorglichen Badstuben abzuthun“. In demselben Jahre hatte aber auch der Rat eine Badestube in eigenen Betrieb übernommen[194]. Die Görlitzer Statuten verlangten die „badestoben“ wegen Feuersgefahr zur ebenen Erde gelegen. 1440 und 1476 wurde verordnet: „Alle badestobin uff den Estrichin vnd sust empor stehende, sullin gantz abgethon werdin vnd was sust badestobin sindt ouch wol bewart“[202]. In der Stadt Brieg wurde 1550 sogar verlangt, daß „alle Badebutten In der Stadt bay den gemeinen Manne abgestalt werden, welcher aber daruber inn seinem Hause baden wirt, sol so offte solchs geschicht zur pehn ein margk vorfallen sein“[16]. 1748 wurde in der Instruktion für bürgerliche Obrigkeit (Bayern) verboten, „in den Stuben gefährliche Baadel (am Ofen) zu halten“[46]. Würzburg gestattete 1564 die Privatbäder, doch durfte niemand Stroh, Heu, Reben, Pfähle, Wolle u.❆s.❆w. in engen Häusern, auf den Boden und an Orte, wo man feuert, „Bäder machet oder waschet“, hinlegen[575]. [Sidenote: _Das Bad der Neugeborenen_] Die alten Germanen sollen ihre Kinder auf einem Schild im Rhein gebadet haben[151]. Nach der „Kindheit Jesu“ von Kuonrât von Fuozesbrunnen aus dem 12. Jahrhundert wurde Christus nach der Geburt in einem „vazze“ gebadet[520]. Die heilige Elisabeth (Ende des 13. Jahrhunderts) erhielt zur Ausstattung eine silberne Badewanne. Die Mutter ließ anfertigen: „Von silbere lodec wize Mit druwelichem flize Deme kinde ein zuberlin, So es wehes kunde sin, Da man iz inne mochte Gebaden wan iz dochte“[224]. In einem „Vasnachtspil vom Münch Berchtolt“ aus dem 15. Jahrhundert sagt der „Preut Vater“: „Merk, tochter, was ich dir geben wil! Ein padschaf und ain wiegen“[12]. [Sidenote: _Temperaturbestimmung des Badewassers mit dem Fuße_] In der Regel war die Badewanne aus Holz, wie die meisten Abbildungen zeigen. „Ein Tennin zuberlin dar inn mans bad Deck es zů das im der Lufft nit enschad Vnnd mach ym das Wasser nit zů warme“, heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat (1514)[257]. Während die deutsche Ausgabe von ~Rueff~s Hebammenbuch eine Holzbadewanne zeigt[251], hat die holländische Übersetzung eine runde, flache Metallschüssel[576], ebenso eine Darstellung der Geburt der Maria vom Meister der ~Lyversberg~schen Passion (Abbildung bei ~Schultz~)[210]. Nach den von ~Schultz~ zusammengestellten Schriften aus dem 18. Jahrhundert wurden die Kinder in einer hölzernen Badewanne oder in einer kupfernen Bademolde gebadet[422], nach ~Zedler~s Lexikon 1733 Sechswochenkinder in einer kupfernen ovalen oder flach getriebenen Bademolde. Dieses erwähnt auch den „Badewisch“, eine Decke aus zartem Stroh, dessen sich die Weiber beim Baden kleiner Kinder bedienen[468]. Auffallend ist, daß die Badewanne stets auf dem Fußboden, nie auf einer Bank oder einem Tische steht, was vielleicht mit der Temperaturbestimmung des Wassers zusammenhängt. Auf dem erwähnten Bilde vom Meister der ~Lyversberg~schen Passion und auf einem vergoldeten Holzrelief, Geburt der Maria von einem Augsburger Meister (1510–20), (Abbildung bei ~Bode~)[525], geschieht diese zwar mit der Hand, weit häufiger aber mit dem Fuße, wie Abb. 60 zeigt. In der Chronica von Josaphat und Baarlaam von 1477 (Abbildung bei ~Boesch~) hat die das Königskind badende Frau einen Fuß in den Zuber gesteckt[123], ebenso auf der Badeszene zu Wigamur in einer Wolfenbütteler Handschrift von 1477 (Abbildung bei ~Hagen~ und ~Büsching~)[304], und auf dem Titelbilde zu ~Rösslin~s Rosengarten von 1528 hält die Hebamme beide Beine in die Wanne[505]. (Siehe auch ~Strigel~, Altarflügel von 1515 bei Janitschek[306]). Textlich wird diese Temperaturbestimmung nur einmal und zwar von ~Brunssfels~ erwähnt: „So du baden wilt so solt du das wasser versuchen darinn du baden wilt, vnd sollt die füß darein setzen, ist es dann das dir die beyn schwitzen, so ist es dir gůt“[47]. Meines Wissens war ~Hufeland~ (1790) der erste, welcher die Bestimmung der Temperatur mit dem +Bade+thermometer verlangte[518], aber schon ~Rousseau~ empfahl zur genauen Temperaturbestimmung beim Baden der Kinder das Thermometer[100]. Im Salzburger Antiphonar aus dem 12. Jahrhundert kommt für das neugeborene Jesuskind eine mit einem Fuß versehene Badewanne vor, die dem heutigen Taufstein gleicht. Diese Form ist wohl nicht deutschen Ursprungs; denn die gleiche Darstellung findet sich auf den Bronzetüren zu St. Paul extra muros in Rom[532]. Das Baden von mehreren Kindern geschah in der gewöhnlichen großen Badewanne (Abb. 61). [Illustration: Abb. 60. Bestimmung der Badetemperatur mit dem Fuße. Geburt der Maria. Kupfer von Meckenem. 15. Jahrhundert.] [Illustration: Abb. 61. Kinderwäsche in der Hausbadestube. Kupfer von J. von Meckenem. 15. Jahrhundert.] Der Züricher Kalender von 1508 gibt für die Behandlung des Kindes kurz nach der Geburt folgende Vorschrift[H]: „Die kind můß ich weschen vnd baden Zart vnd rein für mengen schaden Ich bad min kind alle tag In lawen wasser als ich dir sag Vnd lan es nit darin ein halb stund Salb es mit roß öl das ist im gsund Vnd kratz im alle sin glider Das rügglin vff vnd nider Den knaben ist es sunder gůt Wann es die glider krefften thůt Man sol trucken dem jungen kind Sine glider die wil sy weich sind Als sy sond sin so sy werden alt Mit weschen rein vnd machen wol gstalt Den mund, oren vnd nassen klein Den ars můß man im machen rein“[26]. [Sidenote: _Baden der Kinder in Wein und Bier_] ~Ryff~ sagt, junge Kinder sollen in bequemen Fässern täglich einmal, höchstens dreimal gebadet werden in süßem Wasser, das im Sommer lau, im Winter ziemlich warm sei, und nicht länger, bis die Kinder anfangen über den ganzen Leib „rottfarb“ zu werden[48], auch ~Etschenreutter~ erklärt mit dem Rotwerden der Haut das Bad für beendet[449]. ~Metlinger~ in Augsburg empfiehlt 1476, das Kind ein halbes Jahr lang alle Tage zu baden und zwar im Winter wärmer als im Sommer, die Tochter wärmer als den Sohn[123]. Nach ~Ryff~ hatten etliche fürwitzige Weiber in Brauch, die Neugeborenen in recht temperiertem Wein zu baden, und hielten den dicken roten, rauhen Wein für den besten, was nach ihm nicht befolgt werden sollte, ebenso die niederländische Sitte, die Kinder in Bier zu baden[48]. In einem berühmten Hebammenbuche von Frau ~Bourgeois~, das 1628 und 48 deutsch erschien, wird das Baden der Kinder in Wasser und Wein empfohlen[577], auch ~Hirzel~ ließ 1784 dem lauen Bad ein wenig Wein zumischen. Er wollte aber die späteren Bäder immer kälter bis ganz kalt haben[578]. Hier macht sich schon der Einfluß ~Lockes~ geltend, der 1693 zur Abhärtung der Füße das kalte Waschen vorschrieb und sagte, die kalten Bäder wirkten bewunderungswürdig, besonders bei schwächlichen Personen[140]. [Sidenote: _Die Bademuhme_] Das Baden des Kindes war eine so selbstverständliche Sache, daß ~Caspar Bauhins~ Schwiegermutter ihrer Tochter bei Anlaß eines Unwohlseins 1582 schrieb, sie hoffe, „eß soll eine gute lebendige kranckheit werden, daß es veber ein Jahr Jm züberlin pfladern werdt“[521]. Bademoder und Bademome hieß im Niederdeutschen Hebamme[533], in Hildesheim kommt 1544 Bademöme dafür vor[52], eine Münchener Handschrift hat im 15. Jahrhundert „Badmueter“[46]. Im Niederdeutschen heißt auch Taufpate „badegode“[553]. 1526 begehrte Anna, Herzogin zu Mecklenburg, geb. Markgräfin zu Brandenburg, vom Rat zu Berlin die Zusendung einer „Bademuhme“[191]. Das Waschen des Herzogs Ludwig von Württemberg hatten unter Obhut der Mutter die Mägde besorgt, bis im Jahre 1562 die Erziehung Männern übertragen wurde und damit auch des Leibes Reinigung. Die Instruktion für den Hofmeister, den Lehrmeister und den Untergehülfen lautet: „Es soll auch der Jung fürst, In 14 tagen Einmahl zue Morgens vor dem essen, schwaißbaden, unnd allwegen Hofmaister, oder Präceptor, unndt der Jung Maister Conradt Bausch, auch mit Ime baden, sonnst alle acht tage soll Ime der Kopf gewäschen werden, durch gemellten Conradten, mit der laugen, wie Ime der Jungen frewlein Hofmaisterin ordnen wurdet. Das haar soll Ime durch gedachten Conradten, doch annderer Zeit nicht, dann im zunemenden Mon, unnd ußerwellten Zaichen beschnitten werden.“ Wenn von nöten, sollte Meister Conrad Bausch auch den Kopf und die Füße waschen[579]. Als Hans Christoph von Venningen 1582 als Hofmeister des acht Jahre alten Kurprinzen Friedrich von der Pfalz angestellt wurde, schrieb ihm der Kurfürst nach Angabe des Dr. ~Strupp~ in seiner Bestallung vor: „Er soll auch daran seyn, daß vnser Sohn vnd andere ihm zugeordnete Knaben jederzeit am Haubt oder Leib durch die Balbirer vnd Bader der Gebür mundirt werden“. Im selben Jahre heißt es in einer Ordnung für die Hofmeisterin von Fräulein Christine, Pfalzgräfin, des Herzogs Friedrich Schwester, „die nötige vnschädliche Säuberung des Haubts, Füßen vnd ganzen Leibs wird gegenwärtige Hofmeisterin wohl wissen, sonderlich auf die Sonnabend nützlichen ahnzustellen. ... Solche des Leibs Badungen aber sollen nit nüchtern, sondern vmb Vesper-Zeit, auch nit in Schweiß- sondern Wasserbäden wegen ihrer truckhenen Natur vnd Complexion geschehen“[583]. [Sidenote: _Die Kinder in der öffentlichen Badestube_] Aus diesen Anweisungen geht hervor, daß auch Kinder Schweißbäder nahmen. Auf einem Konstanzer Wandgemälde aus den ersten Dezennien des 14. Jahrhunderts ist dies dargestellt (Abb. 86), ebenso auf mehreren Bildern ~Beham~s (z.❆B. Abb. 40). Aber auch zum Wasserbade nahm man Kinder mit in die Badestube (Abb. 36). Für den Besuch der öffentlichen Badestuben durch Kinder sprechen viele Badetaxen, in der von Gerolzhofen in Franken aus dem Jahre 1557 sind sogar Kinder, die man ins Bad trägt, berücksichtigt[239]. Die Bamberger Baderordnung von 1480 verbot Sechswöchnerinnen und saugenden Kindern den Zutritt zur Badestube[144]. Nach der Nabburger Schulmeisterordnung von 1480 sollten die Schulkinder am Mittwoch ins Bad gehen, weil die Bäder am Samstag von Erwachsenen zu sehr besetzt seien[46]. Die Ordnung der Fürstenschule von Meißen aus dem Jahre 1580, welche das Baden im Flusse wegen Gefährlichkeit untersagte, schrieb vor, den Knaben einen Mittwoch um den anderen die Badestube zu heizen. Am dazwischenliegenden Mittwoch wurden die Köpfe durch den Bader gewaschen und die Haare geschnitten. Überdies war eine Frau angestellt, um den Kindern zu den Häuptern zu sehen, und so es vonnöten, sie zu reinigen[118]. [Sidenote: _Das kalte Bad der Juden_] Eine besondere Berücksichtigung verlangen die Bäder der Juden. Nach ~Preuss~ schreibt der jüdische Ritus den Frauen vor, den Zustand der „Unreinheit“ durch ein Bad zu beseitigen, sei er durch eine Blutung aus den Genitalien auf physiologischer (Menstruation, Wochenbett) oder krankhafter Grundlage hervorgerufen. Der ganze Leib muß sich zu diesem Zwecke im Wasserbad befinden, d.❆h. jede Stelle der Körperoberfläche mit dem Wasser in Berührung kommen (Abb. 64). Dieses kalte Tauchbad soll in „lebendigem Wasser“, das sich aus Quellen ergießt, genommen werden, das durch ein Rohr in ein Bassin geleitet werden kann. Es ist unzulässig in einer Wanne zu baden. Da Quellwasser nicht überall vorhanden ist, verwendet man als Ersatz auch Regenwasser. Die jüdischen Gemeinden haben fast durchweg Bassins dafür angelegt, deren Inhalt durch Zuschütten von heißem Wasser erwärmt wird. Vor dem Tauchbad nimmt man ein warmes Reinigungsbad[522]. Die zahlreichen Abbildungen von Bathseba und Susanna im Bade, die vielleicht auch ein gewöhnliches Bad nach orientalischer Sitte darstellen, zeigen stets ein unter freiem Himmel gelegenes Bassinbad (Abb. 62). [Illustration: Abb. 62. Bathseba im Bad von David beobachtet. Kpfr. von ~Jakob Binck~. 16. Jahrhundert.] [Sidenote: _Die kalten Judenbäder zu Speier und Friedberg_] Als rituelle Bäder haben wohl die meisten bei den Judenschulen (Synagogen) angelegten zu gelten. Sie führten den Namen „Judenpitz, puteus Judeorum, lapis lavationis Judeorum (Cöln)“[580]. In Karlsbad ließ Kaiserin Maria Theresia 1762 ein neues Badehaus errichten, das den Mühl-, Neu- und teilweise auch den Garten-, späteren Theresienbrunnen aufnahm und neben fünf Badezimmern, einem Tropfbade auch eine „Judentauche“ für Judenfrauen enthielt[347]. Das älteste Frankfurter Judenbad, das urkundlich 1323 zuerst erwähnt wird, lag der Judenschule gegenüber und diente nur zu kalten Bädern[127]. In Mainz war mit dem Bad eine Judenherberge verbunden, „die Herberg im kalten Bad“[205], die aus zwei Häusern bestand. Im 15. Jahrhundert war es das einzige Judenbad bei der Stadt[581]. Zwei hierher gehörige, architektonisch bedeutende Judenbäder aus alter Zeit haben sich bis heute wohl wegen ihrer unterirdischen Lage trotz Judenverfolgungen erhalten. Das eine liegt in Speier nahe bei der Judenbadgasse und stammt aus romanischer Zeit (12. Jahrhundert). Eine Treppe führt zum Wasserspiegel hinab, der 5 m unter der Erde liegt[523]. Das Judenbad zu Friedberg in Hessen ist ein gotisches Tiefbauwerk aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (Abb. 63). Urkundlich wird es 1350 zuerst erwähnt, als es samt Judenschule, allen Judenhäusern und Hofstetten verkauft wurde. Der Wasserspiegel liegt ca. 30 m tief, der mittlere Wärmegrad ist 6°R. Heute wird es fälschlicherweise das Römerbad genannt. 1856 erkannte es Dr. ~Dieffenbach~ als Judenbad[524]; die im Innern an einigen Stellen angebrachten hebräischen Inschriften legen Zeugnis dafür ab[319]. Übrigens war es ~Zeiller~ 1655 als solches bekannt und nach ihm noch in Gebrauch. Es lag in der Judengasse und ist ein „wunderbarlich weiter Brunn, sehr künstlich, vnd sonder Zweiffel, mit großer Gefahr, vnd Kosten, erbauet. Dann der Brunn ist rund, vnd hat 84 steinerne Staffeln biß auff das Wasser, vnd 13 oder 14 vngefährlich in das Wasser hinab; ist bogenweiß also geschlossen, daß man, von oben herab, biß zum Wasser, und wieder hinauff, steigen kann“. Nach ihm haben die Juden den Brunnen um eine Summe Geldes erstanden[83]. [Illustration: Abb. 63. Das Judenbad zu Friedberg in Oberhessen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Nach ~Kratz~.] [Sidenote: _Beaufsichtigung der Kellerquellenbäder_] In kleinen Gemeinden entbehrten die Bäder nicht nur jeden Schmuck, sondern waren recht oft in einem derartig unhygienischen Zustande, daß ~Mombert~ 1830 für ihre Abschaffung eintrat[582]. Später kamen die Bäder in Bayern unter bezirksärztliche Kontrolle. In den ersten Bänden der Balneologischen Zeitung wird z.❆B. 1856 und 57 berichtet: „Die in Mittelfranken existierenden Kellerquellenbäder der Juden entsprechen durchaus der Gesundheitspolizei“ oder „Die Kellerquellenbäder der jüdischen Gemeinden sind zweckmäßig und zur Erwärmung des Wassers eingerichtet. In Schwabach wurde das alte schlechte Kellerbad durch ein neuaufgebautes ersetzt“[I]. [Illustration: Abb. 64. Judenbad. _a_ das warme, _b_ das kalte Bad. Kpfr. aus: ~T. C. Kirchner~, Jüdisches Ceremoniel. Nürnberg 1726.] [Sidenote: _Die Badestuben der Juden_] Neben den kalten Judenbädern finden sich solche, die den öffentlichen Badestuben entsprechen, „rechte Bäder“, wie sie die Frankfurter Juden 1460 selbst nennen[133] (Abb.64). Das Wiener Konzil hatte im Jahr 1267 den Juden das Benutzen der christlichen Badestuben[16], König Wenzel sogar das Betreten der Bader Behausung[286] verboten, das Konzil zu Freising 1440 das Zusammenbaden von Juden und Christen[144]. Nach den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts sollte kein Christ in der Judenbadstube baden und die Juden in der eigenen[201]. Ein gleiches Gesetz erließ Augsburg 1276. Infolgedessen wurde 1290 den Juden auf ihre große Bitte erlaubt „ein badhous zu machen des Haerpheres house und des spitals badhouse“. Auch das christliche Gesinde der Juden hatte dort zu baden und nicht in anderen Badstuben[541]. München verfügte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, es solle wie zu Augsburg gehalten werden[203]. In Nürnberg verlegten die Juden schon 1349 die Badestube in ihr neues Schlachthaus zur weißen Krone in der Judengasse. Sie hatten vorher das Zottenbergerbad, eines der ältesten Bäder Nürnbergs benutzt[195]. Die Badestube „Wunderburg“ in Wien hatte 1314 ein Jude Liebmann inne. 1385 kaufte die Judengemeinde daselbst von Ulrich Pader eine Badestube[16]. Von 1416–1447 wird das Judenbad zu Hildesheim mehrfach genannt. 1443 wurden Juden mit 2½ ℔ 3 Schillingen und 4 Pfennigen bestraft, weil sie „auf den heiligen Tag“ gebadet hatten[52]. In Speier wird 1340 „der Juden Badstobe“ erwähnt[273], eine „stupa balnearis judeorum“ im 14. Jahrhundert zu Bamberg, in Erfurt im Mittelalter ein Judenbad[16], 1449 ein solches zu Görlitz[202]. Die Konzilbeschlüsse, welche den Christen gemeinsames Baden mit den Juden verboten, wurden, wie aus der Nürnberger Polizeiordnung hervorgeht, nicht gehalten. In Frankfurt badeten die Juden bis etwa zum Jahre 1450 in allen öffentlichen Badestuben mit den Christen vermischt, und niemand nahm Anstoß daran. Erst um jene Zeit, als das Volk auch hier angefangen hatte, sie zu mißhandeln, wurde ihnen nur eine öffentliche Badestube, die obere in Sachsenhausen (1348 zuerst erwähnt) zu besuchen erlaubt. In einer Bittschrift der Frankfurter Juden kommt unter anderem vor: „Als vormals, davon vns nit czwifelt uwerer wißheit wissentlich sin mag, die Jutscheit czu Franckfurt myt dem Christenen volcke, wo vnd welich zit iglichem eben was, czu bade ginge, han vnsere herren der Raidt czu der czit im besten der Jutscheyt ein badestobe, nemlich die czu Sassenhusen, czubescheyden vßgesundert vnd darinne czugeen bevolhen, das auch also bißhere gehalten ist, wir vns auch darinne vnd myt den Christen czuchtlich vnd schicklich gehalten vnd verdragen han.“ Schon 1444 verfügte der Rat: „Die Juden lassen baden uff die frytage, obe sie wollen; wil sie aber der beder uff ander tage baden, das moge er tun oder nit, oder sie in Meyne lassen czum kalden bade geen.“ Manchmal aber verweigerten die Bader oder die Besitzer der oberen Badestube zu Sachsenhausen den Juden überhaupt den Zutritt. Im Jahre 1491 ersuchte der Rat Claus von Rückingen, daß er, „wo er mit fugen moge, die Judescheit in der batstoben zu Sassenhusen baden laiße“. Diese Bitte ward jedoch nicht erfüllt, und der Rat beschloß infolgedessen, eine besondere jüdische Badestube in der Judengasse erbauen zu lassen[127]. Die Juden von Frankfurt müssen aber doch schon vor dieser Zeit eine eigene Badestube gehabt haben, wenn sie auch die christlichen besuchten. Als auf kaiserlichen Befehl die der Judengemeinde gehörigen Häuser, die bei der Pfarrkirche des Stifts S. Bartholomäus lagen, weggerissen werden sollten, wurden die Juden 1460 beim Rat vorstellig: „vnd sulichs als jne vnser Schule ist, auch eynß Kalden Baddes vnd Buwe darzu vnder der Erden, das müssen wir Nachts gebruchen vnd nit zu dem Meyn komen känen, mogen wir auch mit nit entpheren, auch eynß rechten Badß des wir daher auch jne bresten gewest sin, vnd vnsere Herre fast darume angelegen han, vnß eyn Bat zu bestellen, oder uff das Ende uwer Ersamkeit vnß gegünt, vnd geheyschen han, wir sullen selbst eynß buwen, wir haben doch Fleckens genonck vnd wie dann solches geluydet hait; Also gnedigen lieben Herrn han wir eynß gebuwet, vnd schwerlich vnd großen Kosten dran gewant.“ Als der Rat von Frankfurt der Judengemeinde ihre Häuser auf seine Kosten in der Judengasse wieder aufbaute, da wurde 1461 in der Baurechnung verzeichnet: „Heile dem Cleiber, von dem Gehäuse da das kalde Bad insteet, zu stecken, zu cleiben und zu binden XVII. ℔. VIII. ß“[133]. Eine Badestube wird nicht erwähnt. [Sidenote: _Die Juden in den Mineralbädern_] Auch in den Mineralbädern badeten die Juden abgesondert. Töplitz hatte 1706 zwei Judenbäder[81]. In Baden bei Wien lag das Judenbad 1649 vor dem Städtlein und wurde vom „Abfall“ gespeist[371]. 1734 mußten die Juden doppelte Taxe bezahlen[499]. In Baden (Aargau) hatten die kleinen Bäder 1790 ein Judenbad[424], in Schinznach wohnten um die gleiche Zeit die armen Juden abgesondert im „Judenhüttchen“, reiche nahmen eigene Zimmer unter den anderen Gästen, kochten und aßen aber für sich[421]. [A] Diese Mitteilung verdanke ich Herrn Professor ~Weber~ in Jena. [B] Die Nachricht darüber verdanke ich Herrn Dr. ~Hampe~. [C] Nach einer Abbildung in ~Ryff~s Vitruv von 1575[466] waren die metallenen Badewannen aus großen Blechstücken zusammengenietet. [D] Dabei kann Badschild außerdem die Badewanne bedeuten, wie Badestube das Badehaus, die Stube selbst und auch das Gefäß, in dem man badete, bezeichnet. [E] Die in Abb. 34, 53 und 54 wiedergegebenen Apparate finden sich in mehreren Büchern des Egenolfschen Verlages, namentlich in ~Ryff~s großer Chirurgie. [F] Diese Stelle stützt die Ansicht ~Heyne~s, daß die Italiener das Wort Stufa aus dem Deutschen entlehnt haben[3]. Auch ~Faloppius~ (1523–62) aus Modena sagt — nach der deutschen Übersetzung von ~Bauhin~s Buch über das Bad von ~Boll~ 1602 —, daß die in Italien vorkommenden großen Bäder voller warmer Dämpfe (über den heißen Quellen, die heute noch Stufen heißen) von den neuen Skribenten Stufen genannt werden[331]. [G] Der Striegel wird textlich nur noch einmal erwähnt. Im Höllenbad von ~Hans Sachs~ „thet man mit scharpffen strigeln krawen“[29]. Krauen, das heute am besten durch „krabbeln“ wiedergegeben wird, war ein erhöhter Grad von Reiben, das sich bis zum Kratzen steigern konnte und im Schwitzbade stattfand. Aber auffallenderweise ist auf keinem Schweißbadbilde ein Striegel zu finden. Er kommt öfters und zwar in der auf Abb. 59 angegebenen Gestalt, aber nur bei Wasserbädern vor, z.❆B. auf dem Titelblatt zu ~Murner~s Badenfahrt[6], dem zum Buche ~Etschenreutter~s über Mineralbäder (Abb. 101)[449], dem zu ~Phries~’ Wildbädern (Abb. 117)[429], auf dem Männerbade ~Dürer~s (Abb. 138) und einem Mineralbadbilde in ~Münster~s Cosmographey (Abb. 111)[351]. [H] Der schwangeren Frau rät der Kalender nicht zu baden. „Doch so ist eß inen gůt vnd gesundt Wenn der hinderst monat kunt Denn sol ein bad syn gemacht Von ypschen bappelen ge schlacht Beren klawen vnd vyol krut Sy da by mit sunder trut Wenig sol sy darin schwitzen Vnd zelang nit darin sitzen Das sy ein omacht köme an Wenn sy den vß dem bad wil gan So sol man sy den salben Mit öle allenthalben Das von vyol sy gemacht Oder populeon geschlacht Nach dem bad sond sy geflissen sin Mit essen vnd trincken gůten win.“ [I] Ich halte ein bei Pyrmont gelegenes Bad, das von Schriftstellern des 18. Jahrhunderts beschrieben wird, aber nicht erklärt werden konnte[394, 381], für ein rituelles Judenbad. Für Pyrmont fiel auf, daß es mit gewöhnlichem Wasser versorgt wurde. Es war ein altes (schon 1706) Gewölbe, oben mit Moos und Hecken überwachsen, das die Einwohner den Eichenkeller nach den auf dem Hügel stehenden alten Eichen nannte. Die Länge desselben betrug 60, die Höhe 7, die Breite auf Handhöhe beim Eingang 9, weiter hinten 5 Schuh. Oben war es noch enger. Wegen Erde und Schlamm konnte man die Tiefe des Wassers nicht messen, das aus 4 in den Berg getriebenen Löchern hervorquoll. Zu beiden Seiten waren gemauerte Absätze angebracht, die man für Bänke hielt, wohl aber doch die Stufen zum hinabsteigen waren. Der Ausfluß des Wassers geschah durch ein Loch, das leicht zugestopft werden konnte. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts benutzten die Einwohner von Pyrmont den Keller zum Aufbewahren von Milch während des Sommers. DIE VORGÄNGE IN DEN ÖFFENTLICHEN BADESTUBEN [Illustration: Abb. 65. Bademägde. Deutsche Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach von ~Schlosser~.] Unter den älteren Schilderungen der Vorgänge in der Badestube ist die eingehendste im Seifried Helbling[214], einem Gedicht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts enthalten, das Wiener Badegebräuche beschreibt. „‚Sit nû diu frâge ist volbrâht, sô hân ich eines mir gedâht, daz nâch unmuoze niht schat: ob bereit sî daz bat, des nim war frumer kneht.‘ ‚herr, ir welt wol und reht. ob ich dâ bî die wârheit kies? ich hôrte, daz der bader blies und sach mit niugebürstem hâr barfüez ân gürtel slîchen dar unser nâchgebûren drî: dâ kius ich die wârheit bî.‘ ‘ich wil dar, wol dan nâch mir! nim mîn badhemd mit dir.‘“ [Sidenote: _Ankündigung des Bades_] „Ich hôrte, daz der bader blies“, versichert der Knecht seinem Herrn als Zeichen, daß das Bad bereitet ist. Auch in späteren Zeiten bestand diese Sitte noch. ~Thomas Murner~ sagt in seiner Badenfahrt (1514): „Got hat vns selb ins bad geblasen“, und auf dem zugehörigen Bilde bläst Christus auf einer Posaune zum Fenster hinaus[6]. In der Schweiz hat sich das „in’s Bädli blasen“ oder „gugen“[557] bis in die neueste Zeit erhalten. Im Tale von Pfäffikon (Kt. Zürich) blies der Bäcker (siehe S. 112) noch 1866 ein Horn zum Zeichen, daß die Badestube bezogen werden könne[529]. Der Brauch bestand auch in Zell[557], in Stegen bei Wetzikon (Mitteilung von ~Ferdinand Keller~ an ~Meyer-Ahrens~) und in einzelnen Ortschaften der Kantone Thurgau und St. Gallen. Der Bäcker verließ sogar sein Haus und machte auf einem großen Horn (Ochsenhorn) blasend die Runde, um auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften zum Bad zu blasen (noch 1871)[564]. „Wir wöllend auch das unnötige Badrüeffen am h. Wienacht Abend verboten haben“, lautet ein Züricher Mandat von 1636 und ähnlich eins von 1650. In Beromünster (Kt. Luzern) wurde die Badestunde in Versen angezeigt: „Giri giri Geiss, euses Bad ist heiss; wer will baden, ist früntlich ing’laden!“ Ein ähnlicher Ruf ertönte im Einsiedeler Gebiete: „Giri giri Geiss, ’s Bad ist heiss; wer will schräpfen und z’ Oder lon, sell zuem runden Turen (Turm) in’s Badhus chon“![557]. Auch in einem hochdeutschen Baderufe kommt 1606 die Ziege vor: „Bock, Bock, Bock, Geiß, ich lauf, daß ich schweiß, kommt her, die Badstub ist sehr heiß“![437]. Fast unglaublich klingt folgende Badeankündigung, die Antistes ~Rudolf Stumpf~ in seiner Lebensbeschreibung erzählt: „Es hat sich A. 1567 am Pfingsttag in der Kirche zu Kilchberg (bei Zürich, wo Stumpf damals Pfarrer gewesen) begeben, daß Jung-Hans ab Egg, von Rüschlikon, Wirth im Nydelbad, während der H. Communion vor dem Tisch des Herrn offentlich ausgeruffen: „Wer im Nydelbad baden, Lan (Aderlassen), oder Schräpfen wolle, solle auf Morn am Pfingst-Montag ins Nydelbad kommen“[551]. In der deutschen Bearbeitung des griechischen Romans vom König Apollonius von Tyrus durch ~Heinrich Steinhövel~ von Wil, „Doctor der Arcni“, vom Jahre 1461 lautet der Baderuf: „Hört reich vnd arm Das bad ist warm Wer sich wöll waschen vnd salben Am hobt vnd allenthalben Er sey herr, Knecht, frow, oder man Dem wirt gewarttet schon“[A]. Nach ~Hans Sachs~[29] (1553) hörte Apollonius „mit eim beck ein knaben klopfen an das bad“[B]. Sachs bringt den Baderuf nicht, hat aber die Beschreibung des Baderhandwerks in seinen Ständen[208] als solchen gefaßt: „Wolher ins Bad Reich vnde Arm, Das ist jetzund geheitzet warm, Mit wolschmacker Laug man euch wescht, Denn auff die Oberbanck euch setzt, Erschwitzt, denn werdt jr zwagen vnd gribn, Mit Lassn das vbrig Blut außtriebn, Denn mit dem Wannenbad erfreuwt, Darnach geschorn vnd abgefleht“[C]. [Sidenote: _Aushängezeichen der Bader_] Nach ~Zinken~s Allgemeinem ökonomischen Lexikon (Leipzig) ging 1740 an den Tagen, an welchen das Bad geheizt wurde, ein Junge durch die Gassen, auf ein „messigen Becken mit einem kleppel schlagend“, in Eger wurde im 18. Jahrhundert in den Straßen eine kupferne Pfanne angeschlagen und ausgerufen, daß das Bad bereitet sei[16]. ~Wildvogel~ sagt 1754, daß zur Zeit nach allgemeiner Sitte am Tage, an dem das Bad bereitet, jemand durch die Straßen der Stadt läuft und auf einem messingernen oder eisernen Becken oder mit einem hölzernen Instrumente einen Ton hervorruft und so das Bad öffentlich anzeigt[242]. Schon im Ring heißt es von Gunterfay, dem Spielmann: „Und cham her aus gestoben Gerumpelt und geflogen Mit seinem bekkin, daz war new. Bertschi sprach: Nu plew und plew Und lass uns heynt hofieren! ... Uber al daz bekk erschal, Daz es erchnal in perg und tal.“ Diese Beckenmusik, die ein Ständchen vor Tagesanbruch darstellen sollte, wird auffallenderweise gleich darauf als Pfeifen bezeichnet. Es fand wohl beides zusammen statt. „Wes schlaist uns heint mit deinem pfeyffen? Wilt, daz wir dir dhant derstrichen? Des antwurt in der Schollentrit: Lieben herren, zürnet nicht! Mich dunkt, er hab ins pad gschlagen, Wier schüllen uns da hin dertraben. Schollentritten glaubt man do, Yederman der ward so fro, Daz er also zsteite Sich huob von seinem beite Wen seu pey allen iren tagen Häiss pad chonden nie gehaben“[230]. [Illustration: Abb. 66. Inneres einer Badestube. ~Philipp von Allendorf~, Der Juden Badstub. Titelholzschnitt. 1535.] Die im Morgenschlaf gestörten Bauern lassen sich also durch die Angabe beruhigen, der Spielmann habe ins Bad geschlagen, worauf sie sich von ihren Betten erheben und dem Bade zueilen. Mir scheint fast, daß die Aushängezeichen der Bader wegen ihrer Vergänglichkeit nur an den Badetagen — wie die Aderlaßbinde an den Aderlaßtagen — ausgehängt wurden. In Zerbst war dies 1620 ein weißes Laken[242], in Abbildungen zu ~Murner~s Badenfahrt[6] und zu ~Allendorf~s Judenbadestube[234] ein Badehut mit darunter hängendem Badewedel (Abb. 66). [Sidenote: _Bekleidung beim Gang zum Bade_] Helbling geht als Ritter angekleidet zum Bad und läßt vom Knecht das Badhemd nachtragen. 1227 mußte für Ulrich von Liechtenstein dessen Kämmerer das „badgewant“ aus der Herberge holen[268]. Das Nachtragen der Badewäsche durch den Diener ist auf einer Abbildung von Aachen aus dem Jahre 1727 zu sehen[410]. Arme Leute ließen an Kleidung möglichst viel daheim — barfuß und ohne Gürtel kommen bei ~Helbling~ die Nachbarn —, und noch 1610 wendet sich ~Guarinonius~ an die steierischen Stadtrichter und Bürgermeister: „Besinn dich, ob du nicht bißher gesehen hat, vnd alle Wochen noch sihest, daß deine wol erzogne Burger vnd Burgerinen, sich in jhren Häusern entblößen, vnd also nackend vber die offentliche Gassen, biß zum Bad- oder Schandhauß vor aller fürgehenden Augen gehen dörffen? Ja damit dise lustige Zucht nicht abgehe, auch jhre junge Knaben vnd Töchter fein zeitlich darzu abrichten, damit sie fein früe, die Geschämigkeit verlieren ... Wie vil mal sihe ich (ich nenn darumb die Stadt nicht) die Mägdlein von 10. 12. 14. 16. vnd 18. Jaren gantz entblößt, vnnd allein mit einem kurtzen leinen offt schleussigen vnd zerrißnen Badmantel, oder wie mans hier zu Land nennt mit einer Badehr allein vornen bedeckt, vnd hinden vmb den Rucken, Dieher vnnd Füssen offen, vnd die ein Hand mit gebür in dem Hindern haltend, von jhrem Hauß auß, vber die lang Gassen, bey mitten tag, biß zum Bad lauffen? Wie vil laufft neben jhnen die gantz entblößten zehen — zwölff — virtzehen vnd sechtzehen järigen Knaben her, vnd begleit das erbar Gesindel einander ins Schand vnd Wüsthauß hinein? Ja wie vil mal laufft der Vatter bloß von Hauß mit einem eintzgen Niderwad (Badehose) vber die Gassen, sambt seinem entblößten Weib vnd blossen Kindern, dem Bad zu?“[134] König Pipin ging in Aachen nur mit Schuhen und Hemd angetan und dem Schwerte zum Bade[15], und in dieser Tracht verläßt ein Mann auf dem Bilde der Heidelberger Sachsenspiegelhandschrift die Badestube; das Badelaken ist weiß, bedeckt den Körper und ist über den Kopf geschlagen[552] (Abb. 67). Als 1490 die Augsburger zum Kampf auszogen, waren etliche in langen Badhemden darunter, „als ob sie in das bad wollten gan“[280]. In Hildesheim mußte der Bader im Mittelalter Sorge tragen, daß niemand nackt über die Straße ging, dort herumstände und säße[52]. [Illustration: Abb. 67. Badestube. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel. Handschr. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.] ~Zappert~ glaubt, daß die geringe Bekleidung beim Gang zum Bade neben Bequemlichkeitsrücksichten durch Mißtrauen gegen Badediebe veranlaßt wurde[16][D]. Schon der Sachsenspiegel (13. Jahrhundert) berücksichtigt die Verwechselung von Schwert, Kleid, Becken oder Schermesser in der Badestube[213]. Die Bilderhandschriften fassen Kleid als Badekleid (Abb. 67 u. 68) auf. Im Hamburger und im Bremer Stadtrecht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts wird dagegen neben dem Kleid (das hier also die gewöhnliche Bekleidung bedeutet) noch das Badelaken besonders genannt[16]. [Illustration: Abb. 68. Badestube. Kolorierte Zeichnung aus dem Wolfenbütteler Sachsenspiegel. Handschrift. 14. Jahrh.[E].] [Sidenote: _Die Abziehstuben und die Kleiderhüter_] Größere Badestuben hatten zum Ablegen der Kleider einen besonderen Raum, die Abziehstube, welche in Zürich nach dem Aufbewahren, dem Hüten der Kleider, Hütstube (1529 und früher) hieß[243]. „Badhieter“ kommen neben Reibern und Schröpfern in Ulm 1346 als Mitglieder des Baderhandwerks vor[73]. Nach der Durlacher Ordnung von 1536 hatte die „Reybermagt“ reiche und arme Gäste „gutlich und tugentlich“ zu empfangen und alles, was ihr zu versorgen befohlen, getreulich aufzuheben und zu verwahren. Der Bader sollte seinem Weib, den Knechten und allem Gesinde befehlen und sie anhalten, das von den Badgästen zum Aufbewahren Gegebene auf ihr Fordern nach dem Bad unmangelhaft zurückzugeben[219]. In Breslau hatte der Rat 1582 viele Klagen und Beschwerden wegen Verwechselung und Entwendung von Kleidern in den gemeinen Badestuben zu hören bekommen, die nach Ansicht der Betroffenen auf Unfleiß und Nachlässigkeit der Hüter zurückzuführen waren. Verordnet wurde daraufhin, daß in Zukunft Hüter und Aufseher im Männer- und Frauengemach nur dann verantwortlich wären, wenn die Kleider ihnen übergeben und auch die Gebühren dafür bezahlt worden seien[242]. Eine ähnliche Verordnung hatte München schon 1437: „Swer ze pad lonet (bezahlt), swaz der selb und sein hausfrau und sein hausgesind ze pad verliesent, daz süllen die gewanthütterinn gelten“. Nach einem Zusatz von 1392 war der Bader haftbar, wenn der Aufseher nicht zahlen konnte[203]. In Würzburg beschloß der Rat 1459, daß die Bader alles und nur das zu ersetzen hätten, was ihnen während des Badens anvertraut würde, was sie allen Leuten mitteilen sollten. 1509 wird in Würzburg eine alte und kranke Magd und „Aufheberin“ in der Badestube zum Becken erwähnt[144]. Nach des Teufels Netz war der Hüterin, die es als Trinkerin bezeichnet, nicht sehr zu trauen: „Trait ainr pfenning in das bad Da möcht im wohl beschehen schad; Er git ir das zuo kalten Und lat es got walten. Villicht vint er minder denn vor. Er ist sicher ain rechter tor, Der pfenning in das bad treit, Es wirt im sicherlichen leid“[241]. Mehr scherzhaft sagt ~Hans Sachs~ 1538 vom „lörles pad“ (Narrenbad): „Da ging ich aus dem pad gar spet sauber vnd new gewaschen, der pader spilet in dem pret, die fraw dranck aus der flaschen. als ich grieff in mein daschen, da war sie mir geraumbt, im lörles pad ich nit saumpt, darein ich nit mer kumb“[337]. [Sidenote: _Seifried Helblings Schilderung des Bades_] ~Helbling~ fährt fort: „als ich zuo dem badhûs kam, der kneht von mir nam daz gewant und leit ez hin: ze dienste het er guoten sin. er sprach: ‚nu her ân allen tadel einen frischen niuwen wadel, hinden wol gebunden!‘ ‚den hân ich schiere funden‘, sprach der wirt und gap uns vier; dar ûz nâm die besten wir, als ich in die stuben gie, das badvolk mich wol enphie. sie heten unverdrozzen die diln wol begozzen, gewaschen schôn die benke. ein wibel vil gelenke nam mîn dâ mit dienste war. sie truoc mit bat ein scheffel dar, weder ze kalt noch ze warm, sie streich mir rücke, bein und arm als eim wetloufaere. dô sprach min kneht gewaere: ‚mich juckent arm und diu bein, nu dar! zwei scheffel an die stein, dâ wir nâch erswitzen! macht vinster, dâ wir sitzen, daz wir die wedel swingen! lât an dem oven klingen zwên würfe mêr, die krachen!‘ des begund ich lachen in der vinsternüsse, ich traf ouch, dâ daz küsse scheidet mich und die bank. ich sprach: ‚geselle, nû hab dank diser gramazin. durch den willen mîn bit noch zwên würfe werfen dar.‘ des wart der badaer gewar; er sprach: ‚seht dar einez!‘ (das was niht ein kleinez) ‚seht dar einz und aber mêr, dâ mit ich den herren êr! seht einz durch des knehtes willen!‘ dô muost ich ûf die dillen. ‚nû dar nâch, badliute reht, ze mînem herren!‘ sprach der kneht, ‚lât iuch niht bedriezen. riben und begiezen füeget nâch der lecke wol. guot louge man gewinnen sol lûter und lieht gevar. ein badwîbel füeg sich dar, diu wol künne dwahen, des êrsten niht gâhen, mit langen umbesweifen, wie gist in der seifen der kamerwîp gebende; alsô lât iuwer hende in der gist dar strîchen. ze leste nemt einclîchen der loug ie mêr unde mêr, sô tuot daz jesen widerkêr. nû dar, her scheraer, strîchet scharsach unde schaer, ebent hâr und scheret bart!‘ ich sprach: ‚geselle, wol mich wart dîner grozen sinne! würd dîn der herzog inne, er lieze dich mir nimmer. nû wil ich helen immer, wie dîn name sî genant, daz dû im sîst unerkant.‘ dô iz allez geschach, min kneht stuont dar nâch, dô saz ich ûf die fürbank. ich sprach: ‚geselle nû hab dank, ginc her unde knie für mich. ich wil ouch bewîsen dich, wâ dû mir bist ungezesem; ’ie lieber kneht, ie groezer besem, daz muoz an dir werden schîn.‘ dô wart durch den willen mîn ein besem mir gereichet, der was wol erweichet die wîl in einem heizen bad .... der kneht stuont ûf, im was endank, ich rûmt ouch die selben bank, dâ ich was gesezzen. mîn wart niht vergessen, begozzen wart ich vor der tür. dâ was mir gerihtet für ein bett, als ich wolde, dâ ich ruowen solde. als ich geruote, zehant der kneht reichte mir daz gwant; ich leit mich an vil schône. die badliut nâch ir lône dienten; des wart in gegeben: ‚herr, got lâz iuch lange leben, der aller ding wol lônen kan!‘ sprâchens, dô ich schiet von dan.“ Noch vor dem Betreten der eigentlichen Badestube legt der Ritter die Kleider ab, also in der Abziehstube, und erhält vom Badewirt einen Wadel. In der Badestube sind Dielen (Fußboden) und Bänke frisch gescheuert. Nun beginnt das Baden. Eine weibliche Angestellte trägt in einem Scheffel lauwarmes „bat“ herbei und streicht damit dem Ritter Rücken, Beine und Arme mit größtmöglichster Geschwindigkeit. Nachdem die heißen Herdsteine mit zwei Scheffel Wasser begossen sind, nimmt der Ritter auf der mit einem Kissen[F] versehenen hochgelegenen Bank seinen Platz ein und läßt die Badestube finster machen. Die Wedel werden geschwungen und dem hohen Gast zu Ehren der Ofen wohl mehr, als es sonst üblich ist, mit Holz geheizt. Die Hitze wird dem Ritter unerträglich, er muß zu den Dielen hinuntersteigen. Nach dieser „lecke“ wird er gerieben und begossen. Ein „badwibel“ besorgt das „dwahen“ (Waschen, meist im Sinne von Kopfwaschen) mit guter, gischender Lauge. Der Scherer ebnet das Haar und schiert den Bart. Nach einer längeren Unterhaltung mit dem Knecht, während der der Ritter auf der „fürbank“ sitzt, wird dieser vor der Tür der Badestube nochmals begossen, um darnach auf einem Bette auszuruhen. Reichlichen Lohn empfangen die Badeleute, worauf der Ritter angekleidet das Bad verläßt. [Sidenote: _Des wälschen Gastes und Herrands von Wildonie Schilderung_] Eine ältere Schilderung des Badstubenbadens haben wir andeutungsweise vom wälschen Gast[467], der seine Dichtung 1216 vollendete und ein Höllenbad beschreibt. Auf einem Stuhle sitzend wird man begossen (in der Hölle „mit wallendem pade, peche und swebel“) und gerieben, bis man weiß wird. Darauf folgt eine abermalige Begießung, und nun „wadelt“ man (in der Hölle die armen Leute mit Geißeln); „dem herren bringet man snellîche guote wedel harte rîche“, um den Schweiß herauszubringen. Später wird man „gebettet“. Etwa 1259/60 vollendete ~Herrand von Wildonie~ seine Dichtung „Von dem blôzen keiser“, aus der folgende Stelle hierher gehört: „der keiser ûf sin phert dô saz und reit vil spâte durch die stat; dâ was bereit im ein bat. dâ gie er in, und habt hie vor vil manic ritter vor dem tor. dem keiser wâren dinnen bî kleiner junkherlîne drî und solher wîbelîn ein teil, diu man dâ vindet ringe veil. dô der keiser het gebât, als man ze bade gewonheit hât, dô sprach er: „man sol giezen an, wir suln erwarmen unde gân zuo den rossen für daz tor; dâ wartent uns die ritter vor.“ der keiser legt sich ûf ein banc, als in diu hitze dâ betwanc; diu venster wurden zuo getân: dô gie ûz der tür ein man, der was dem keiser gar gelîch, sîn lîp, sîn stimme hêrlîch, als ez der keiser waere. dô sprungen kameraere und reichten im sîn badekleit. er sprach: „fürwâr, mir ist daz leit, daz ich lange hân gebât, ich waen, iuch des verdrozzen hât.“ die ritter sprâchen: „hêrre, nein, ez ist uns ein dienest klein.“ er saz ûf und reit mit in gên der herberge hin. den kameraeren wart vil gâch, sin batgewant si truogen nâch. der an des keisers stat dâ saz vil manic ritter vor dem az, mit den er vil schimphes pflac. Dannoch der tumbe keiser lac ze bade und het gemaches vil. ein badekneht im brach daz spil, der lief zer badestuben in, er sprach: „der keiser ist hin gevarn an die herberge sîn.“ sus drungen die junkhêrrelîn und legten balde an sich ir kleit; si liefen nach, wan in was leit, daz der keiser ân si was geriten zuo dem palas. diu venster man ûf warf zehant: dâ lac des rîchen sarjant ûf der dillen alles hie. er lachte des, der hin in gie und sagt, der keiser waere enwec: „wes liget ir dâ, her schandenflec?“ sprach der knabe dem keiser zuo, „ir welt vil lîhte morgen fruo uns überfüeren umb diu kleit, diu wir dâ hân, daz waere uns leit.“ der keiser sprach: „nu lât her gân mîn kameraere, ich wil mich an legen und wil ze hûse varn ... und ist, daz man mir vor der tür niht wartet mit dem badekleit, ez wirt ir etelîchem leit“ ... die badere sprâchen: „ir sult gân hinfür, und welt ir ruowe hân; tuot ir des niht, iu mac geschehen, daz ir ungerne müget sehen.“ .... der blôze weinent gie zer tür. nâch im si sparten zuo daz tor, dâ stuont er jâmerlichen vor. ein wadel was sîner lide kleit; diu vinster naht was im niht leit, wan si im dacte sîne scham“[438]. Auffallend ist, daß sich der Kaiser auf die Bank legt, nachdem er, wie es die Gewohnheit mit sich brachte, gebadet hatte. Hier tritt an Stelle der Übergießung ein Wasserbad. Ulrich von Liechtenstein, der 1227 auf seiner Venusfahrt vor Wiener-Neustadt ein „wazzerbat“ von Badern bereiten ließ und, nachdem er schon im Bad gesessen, wegen eines Liebesabenteuers, wie er sagt, „ungebat“ herausging[268], hat in Anbetracht dieses Ausdruckes das Wasserbad doch wohl auch nur als Einleitung zum Schwitzbade benutzt. Wir erfahren aus ~Wildonie~s Dichtung noch, daß das von ~Helbling~ erwähnte Finstermachen der Badestube durch Schließen der Fenster geschah, wie es auch auf einem Bilde der Göttinger Handschrift von ~Konrad Kieser~s Bellifortis von 1405 zu sehen ist (Abb. 74). [Sidenote: _Schilderung des Bades durch Meistersinger_] Aus Meistersingerliedern, die von ~Hans Sachs~’ Hand geschrieben und zum Teil auch von ihm gedichtet sind[337, 464] erfahren wir, daß man in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den eintretenden Gast Gott willkommen hieß. Dann langte man Wasser her und frug, ob er einnetzen wolle. Dies besorgte darauf die „Untermaid“ mit selbst gebrauter Lauge, in weniger guten Badestuben mit Wasser. Dann stieg man auf die Bank hinauf, die auch als „Schwitzbank“, „ober panck“, „leckpanck“ bezeichnet wird, um zu schwitzen. Nun wurde von einem Reiber, der vor den Ofen trat, aus einem Kübel aufgegossen, manchmal auch schon vor dem Hinaufsteigen zur Oberbank. Nach dem Schwitzen setzte man sich „abher“, anscheinend auf eine tiefere Bank, wo ein Reiber, Baderknecht oder „poden knecht“ das Reiben vornahm, das zu einem unangenehmen Kratzen wurde, wenn dieser Nägel „wie vögel klawen“ hatte. Das Reiben scheint aber auch auf der Oberbank stattgefunden zu haben. In diesem Falle erfolgte nach dem Herabkommen auf die Bank das Zwagen vom Baderknecht, welches wohl der Hauptsache nach Kopfwaschen war, das auch die „vntermaid“ besorgte. In der „scherstat“ oder „schereck“ fand darauf das Scheren statt, in Zürich im 18. Jahrhundert auf dem „Stöckele“ oder „Stöckli“, wo auch zur Ader gelassen wurde[243]. Zum Schluß bereitete die Untermaid Lauge zum „abfleihen“ (abgießen), die Fleihlaug’ genannt wird. Wer schröpfen wollte, saß „an der laspanck“ vor dem Kopfwaschen und nach dem Reiben, ließ sich darnach Wasser in einem Scheffel aus dem Kessel geben und darauf „ein wannen giesen“, um darein zu sitzen. Nach der Bamberger Baderordnung von 1481 hatte der, welcher „ein Wannen gegossen haben will“ sechs Pfennig auf der „frawen stule“ (soll wohl stube heißen) zum Bade zu geben[46]. Pfarrer ~Johann Schalyss~ zu Holtzheim besang 1599 das neu errichtete Bad Boll: „Das Badhauß eben ist gewehlbt, Auff schönen Stein in Seulen gstelt. Drey Kessel groß es drinnen hat, Darauß man warm wird +gießen+ an“[489]. Boll hatte nur Wasserbäder in Wannen. Das „Angießen“ bedeutet demnach nicht immer, wie man vermuten sollte, ein Begießen der heißen Steine zur Dampfentwickelung, sondern auch das Füllen der Badewanne. [Illustration: Abb. 69. Begießen im Bad. Kpfr. aus: ~Murner~, Nebulo nebulonum. Frankfurt, Fickwirth, 1663.] [Sidenote: _Andere Berichte_] Mehrmals wird erwähnt, daß sich die Badenden Wasser in einem Scheffel aus dem Kessel bringen lassen, anscheinend um sich selbst zu begießen (Abb. 69). In die Badestube an der Pegnitz floß warmes und kaltes Wasser, „darmit man sich kann säuberlich nach allem Wunsch begießen“. Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor, er „sol auch ainem iedem menschen, so zu gottz tisch gaut (d.❆h. Erwachsenen), geben ain kibel mit warmem wasser und ain badhut, es seien mans- oder weibsbild ... und iedes bad allein und in sonder ain schaf mit laug in die badstuben verordnen, dar mit die leut versechen seien“[535]. Nach der Durlacher Baderordnung hatte der Bader 1536 „wie von alter der bruch“ dreißig Kübel und dreißig Hüte vorrätig zu halten[219]. Erwähnt werden auch in den Meistersingerliedern die von den Badern geflochtenen Hüte, das Heizen der Badestube mit Holz, der Ersatz von Lauge durch Seife und das Zechen nach dem Bad. Im wesentlichen ist die Darstellung gleich der von ~Hans Sachs~ in den Ständen (S. 145) gegebenen. Einer der erwähnten Meistergesänge ähnelt übrigens sehr einem solchen aus dem 15.Jahrhundert. Abweichend heißt es darin: „reich mir ein kost und einen hot (Hut) einer legk solt uns geweren. darnach so sol wir scheren, so sin wir schir gerecht“. Auch hier ist +nach+ dem Bad der Sinn auf den Ort gerichtet, wo der Beste geschenkt wird[469]. [Sidenote: _Eigenartige Veranlassung zum Reiben_] Eine eigenartige Veranlassung zum Reiben gibt dieser Meistergesang, wie auch der von ~Hans Sachs~ an: „die hüt byssen uns ser“[469], „mich selbst juckt die Haut sehr“[464]. Nach ~Hero~ (1533) vertreibt das Bad das Jucken[231]. Auch bei ~Helbling~ ist für den Knecht Jucken der Arme und Beine die Begründung für weitere Dampfentwickelung im Bad[214]. ~Murner~ läßt die Füße gegen Jucken reiben[6]. Nach dem König vom Odenwald badete man, „überlût, daz in jücket die hût“[228]. Im Höllenbad (1540) sah ~Hans Sachs~[29] „.... reyben, lechzen und schwitzen, Negel abschneyden, volbad sitzen, Lassen und schrepfen, kemmen und zwagen, Schern, abfleyhen, wasser tragen, Zehn außbrechen, die rewding salben, Doch undterschiedlich allenthalben.... Auch hört ich schreyen on zal grillen[G]. In summa all ding daucht mich ghrad, Als wer die hell gleich wie ein bad“. Das Bad begann mit Einnetzen von Lauge; nachdem sah ~Sachs~ auf den Bänken eine Summe „Gelb dürrer seel, die waren lecken Und sich mit dörren kosten schlugen“; andere schwitzten schon auf den Bänken, daß es wie ein Bach herabfloß. [Sidenote: _Die allegorischen Beschreibungen des Bades_] In ~Murner~s geistlicher Badenfahrt (1514), wie überhaupt in den allegorischen Beschreibungen, ist die Reihenfolge der Vorgänge wahrscheinlich nicht innegehalten; denn dem Kämmen des Haares folgt bei ~Murner~ das Lecken. Am Schluß finden statt: Abgießen, Bademantelgeben, Niederlegen und nach dem Bad Wohlleben[6]. Aus der von ~Philipp von Allendorf~ 1535 herausgegebenen Judenbadstub sei hervorgehoben, daß der Bader questete und man am Schluß das Badgeld bezahlte[234]. Nach „des Bapsts vnd der Pfaffen Badstub“ (1546) „geüßt man sich fein sauber ab“, ehe man aus dem Bad geht. Nach dem Bad pflegt man der Ruhe[440]. Die Judenbadstube Abb. 70/71 hat die Steine zum Begießen abgebildet, dieses selbst, wie das Hinaufsteigen auf die Bank und das Lecken fehlen; vielleicht waren diese Vorgänge zum Schröpfbade, das hier beschrieben wird, nicht nötig. Möglicherweise sind sie aber nur weggelassen, weil sie in der allegorischen Darstellung keine Verwertung fanden. [Illustration: Abb. 70/71. Juden-Badstub. 1. In der ersten Figur stehet ein Kaufmann, der großen Handel will treiben. 2. schlegt sich zu den Juden und wird von ihnen in die Gaß geführt. 3. handelt mit ihnen. 4. die wollen ihn baden, darumb schöpft der Teufel und Jud Wasser. 5. henken den Kessel über. 6. schüren das Feuer. 7. kehren die Badstub. 8. reiben ihn. 9. schrepffen ihn. 10. zwachen ihn. 11. waschen ihn ab. 12. er beklaget sich seines Schadens. 13. kompt aber arm wieder zur Gassen heraus. 14. siehet er, daß er umb das Seine gekommen. 15. die Juden waschen die Sünd ab, der Teufel fischet sie wieder auf. 16. und führet sie in die Hell. Kpfr. aus dem 16. Jahrhundert.] [Sidenote: _Brunßfels’ Schilderung der Vorgänge im Bad_] Bei den populär-medizinischen Schriftstellern ist nicht auseinanderzuhalten, was als Gebrauch bestand und was Vorschlag des betreffenden Verfassers ist, wobei das römische Vorbild verwirrend wirkte. Die wirklichen Vorgänge scheint ~Brunssfels~[47] gegen Mitte des 16. Jahrhunderts in einer nach der Vorrede für den armen Mann gegebenen Anweisung zu schildern: „Eyn kurtze leer von baden. So du baden wilt, so beweg dich vor vnd exercier dich etwa mit, spacier ein gůte weil biß du erwarmest, darnach gang in das bad, bleib an einer külen statt erschwitz da[H], vnd laß dich dann mit einem heyssen wasser begiessen, darnach setze dich an ein warme statt im bad, darnach aber wermer, also nach einander je baß je baß biß du gleich wol erschwitzest, nach dem wesche dich mit wasser das nit zůheyß seye als das erst, vnd zům letzten mit eim külen wasser das doch nit zů kalt sey, vnd wann du außghast so halt dich warm.“ An anderer Stelle sagt ~Brunssfels~, daß man sich nach dem Eintritt ins Bad „zů stundt“ mit warmem Wasser, so warm man es vertragen mag, begießen soll, kurz vor dem Ausgehen, wenn „mann wol erschwitzt“, mit kühlem, das nicht zu kalt sei, ein wenig kühler als lau, das erfrische die Glieder des Körpers. Etliche Menschen, die viel Schweiß baden, würden gern räudig und bekämen „eyssen“ (Furunkel). Die sollen dem zuvorkommen und sich, wenn sie’s vertragen und nicht Gliederschmerzen bekommen, mit kaltem Wasser vor dem Ausgehen beschütten, sonst mit wenig warmem. Wasserbäder sollen nicht zu heiß sein. Man soll über den Nabel, aber nicht über die Brust hinein sitzen. Dieses Baden nützt sehr den Menschen mit dem Stein und Grimmen im Leib und sonst zu vielen anderen Dingen. Wer zuviel Hitze und Durst im Wasserbad bekommt, muß sich vor dem Ausgehen mit kaltem Wasser beschütten „Item es seye schweiß oder wasserbad, wann dir der mund schwitzt so hör auff.“ Nach dem Bad (Schweiß- und Wasserbad) soll man im Bett ruhen und die Füße mit Salz und Essig reiben, das ziehe die böse Hitze aus dem Leib und mache lustig. Auch im Bad soll man die Sohlen mit einem Messer schaben lassen. Schon in ~Boner~s Fabeln (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts) sagt die Äbtissin nach Anordnung des Schwitzbades: „ouch hab ich selbe daz gelesen, daz man die vüeze rîben sol mit ezzich und mit salze wol“[226]. Ein Reiserischer Druck aus dem 15. Jahrhundert schlägt vor, im Bad zu kratzen und zu reiben, den Schweiß mit trockenen Tüchern vom Körper zu streichen, darauf folgt das Begießen mit wenig warmem Wasser, darnach das Schröpfen. Vor dem Ausgehen aus dem Bad sollen die Sohlen der Füße mit einem Messer oder rauhen Steine geschabt werden. Zum Schluß folgt eine Begießung mit kaltem Wasser, das nicht zu kalt sei, ein wenig kälter als lau[238]. Nach dem St. Galler Codex 760 soll man sich in der warmen Stube abziehen, dann immer wärmer, aber nicht zu heiß baden, den Leib kratzen, und, wenn man dann zum ersten Male schwitzt und geruht hat, soll man sich begießen mit lauem Wasser, das nicht zu heiß sei, und so man „anderwert“ schwitzt (gemeint ist im Ruhebett) und sich reibt, soll man sich mit noch kälterem Wasser begießen; denn nach Avicenna werden die Glieder dadurch am leichtesten erkühlt, des Leibes Kraft gehärtet und bleibt die natürliche Hitze im Leib. Der Leib wird nun mit einem weichen Tuch getrocknet, das darnach um den Körper geschlagen wird. [Sidenote: _Das kalte Abgießen nach dem Schweißbad_] ~Ryff~ sagt vom Begießen: „Welchen aber das Hirn fast (sehr) hitzig mit etwas vnmessiger feuchte, denen ist ein zimliche rechtmessige, doch nit vberflüssige begiessung, mit kaltem wasser vber das haupt abgossen, wo man sich erstlichen mit zimlicher laugen, die vast (sehr) warm gezwagen hette nit schedlich, wie dann etliche inn diesem fall inn gemeinem brauch haben, die heisse scharpffe laugen mit zimlicher maß kaltem wasser abzuspülen, vnd das erhitzigt Hirn also külen.“ „+Das aber an vilen orten der gebrauch on zweiffel auß alter gewonheit, vnsere vorfarn nach bliben, das man die so vast hitzig gebadet haben vnd yetzundt aus dem Badt hinweg gehen wöllen, mit kaltem wasser pflag ab zugiessen+, welche alte gewonheit on zweyffel an solchen orten allein dardurch erhalten worden, vnd im brauch bliben, das sich grobe starcke leuth gesundes vermöglichs leibs vnd harter Complexion, daruon oberzelter vrsachen halb vast wol befunden haben“[I]. Die Deutschen machten nach ihm meist keinen Unterschied in der Complexion, heute würde man sagen Konstitution, er riet aber denen mit schwachem Körperbau, sich zu hüten „vor stümpfflinger abgießung mit kaltem wasser auff hitzig schweiß badt“. Etliche fleißige Medici hätten deshalb an Stelle der kalten Übergießung an den Schluß des Schweißbades ein Ausgießen von kaltem Wasser um den Menschen herum, nicht auf seinen Leib, gesetzt, um durch die erkühlte Luft zu laben und zu erquicken. Der gemeine Brauch der Deutschen sei aber in solchem Fall, daß „das angesicht mit kaltem wasser vast nützlichen gekület vnd erwaschen werden mag, welche külung den augen fürnemlichen nutzlich vnd gut ist ... Aber den starcken vermöglichen Cörpern, erweckt das kalt Baden von obgemelts begiessen mit kaltem wasser das rott lauffen, schnel durch lauffender hitz vnnd fröstigs schaudern, vnnd inn magern personen werden dardurch Febres verursacht“[J]. Er tadelt den gemeinen Brauch, stracks aufs Bad ein paar frische Eier mit zerriebenen Muskatnüssen zu essen[48]. Die deutsche (aber nur die wohlgeordnete[48]) Badestube hatte nach ~Ryff~ zwei Abteilungen, das „vorstüblin“ zum Abziehen und Erkühlen und das eigentliche „truckene Schweißbad“, in dessen Hitze man vom Vorstüblein ging[250]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „Wir aber habend allein die badstuben, vnd die abziechstuben, darinn gemeincklich bether (Betten) seind, darinn sich der bäder mag abtrucknen. Der gemein man sucht an sollichem beth mehr ruhe, dann abtruckung des schweiß“[449]. Nach ~Ryff~ ruhte man „für die schwacheyt“, nachdem man vor dem Aussteigen aus dem Bad Schweiß und Nässe mit warmen Tüchern abgetrocknet hatte. Wer „euacuationem vnnd resolutionem“ begehrte, erschwitzte wiederum im „rhůbetlin“, so viel er erleiden mochte[48]. ~Wittenweiler~ gibt gegen 1450 im Ring zwei Arten der Bäder an: „Hie so scholt du mercken pey, Daz man da vindet zwayerlay Peder nach der gmainen sag, Swaysspad und auch wasserpad. Swaysspad daz sey dir beräyt, Hast du uberflüssichait Zwüschen flaysch und auch der haut. Wasserpad mit edelm chrawt, Daz lawich sey und nicht ze hayss, Macht dich schön und dar zuo fäyss“[230]. [Sidenote: _Arten der Bäder_] ~Pictorius~ unterscheidet 1560 nach ~Petrus de Ebano~ drei Arten von Bädern: (1.) Wasserbäder, (2.) Bäder in den Badestuben mit warmen Dämpfen und (3.) in einer Stube oder Backofen, aus dem erst das Brot herausgezogen wurde oder solche, die mit heißen Steinen angemacht sind[152]. ~Dryander~ kennt 1547 nur Baden (1.) in „gewärmten zübern oder (2.) stuben, mit heyssen dämpfenden wasser“[233]. Nach ~Phries~ sind (1.) „ettliche (Bäder) vonn feuwer gemachet (on Wasser[420]), als in den Öfen, da man die krancken ynleget (Backöfen), vnnd seind heisser vnd truckner complexion, ettliche von hitz vnd wesserigen tempffen, als (2.) die badstuben oder (3.) zûber so man hitziget mit feuer vnd wasser, welche warmer vnd füchter complexion seind“[386]. Er unterscheidet also (1.) heiße, trockene (Heißluft-), (2.) Dampfbäder in den Badestuben und (3.) Wasserbäder in Zubern. Die unter 2 und 3 genannten Bäder sind im Gegensatz zu 1 warmer und feuchter Art. ~Ryff~ nennt aber „trucken schweiß badt“ die Bäder „on alle benetzung“, d.h. ohne direkte Berührung mit eigentlichem Wasser und rechnet zum trockenen Bade die „mit hitzigem dampf vnnd dunst erfüllet“[K]. [Illustration: Abb. 72. Frauenbad von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550).] [Sidenote: _Die deutsche Badestube als Dampfbad_] Dazu gehört zuerst die Badestube: „wiewol bey vns Teutschen gemeinklichen der grossen schweiß Bäder oder Badstuben mit wacken vnd Kißling steinen (diese wieder durch Holzfeuer) erhitzigt werden“, und weiter sagt er: „Dieweil aber nach vnseren gemeinen Teutschen brauch die Badstuben bader mehr durch hitzigen dunst vnnd dampff des siedenden wassers, dann von der hitz des Fewers allein gewermet oder erhitziget werden mag“[48]. [Sidenote: _Die deutsche Badestube als Heißluftbad_] Nach ~Etschenreutter~[449] wurden die Badestuben mit Holz beschickt im Gegensatz zu den kleinen, die man eigentlich Schweißbäder nannte (dampfkastenartigen), wo heiße Steine mit Kräuterabkochung begossen wurden. An anderer Stelle heißt es, daß der durch diese (Kräuter-)Schweißbäder erzeugte Schweiß wirksamer sei; „dann so es allein mit holtz in gemeinen badstuben bescheh“. Pictorius sagt dagegen wieder, daß die Badestuben mit warmen Dämpfen des Wasser zugerichtet würden[152]. Aus allem geht hervor, daß man in manchen öffentlichen Badestuben erhitzte Steine mit Wasser zur Dampfentwickelung begoß (Abb. 40), in anderen man nur ein Heißluftbad durch Erhitzen des Ofens nahm, wo aber nebenbei noch Dämpfe aus dem Kessel aufstiegen; in dem das Wasser zum Begießen erwärmt wurde (Abb. 70). Ein Bild ~Beham~s zeigt (Abb. 72) einen hohen, bis zur Decke reichenden Kachelofen. Die genaue Beschreibung einer Badestube in ~Zedler~s Lexikon vom Jahre 1733 erwähnt nichts von Dampfentwickelung, und wenn 1788 in einer Züricher Badestube ein mit Steinen wohl garnierter Ofen vorkommt, so ist zu berücksichtigen, daß die alten hohen Kachelöfen der Schweiz große Feldsteine enthalten, die nach dem Erlöschen des Feuers durch Abgabe von Wärme die Wohnstube noch längere Zeit warm halten sollen. ~Blondel~ stellt 1688 dem Dampfkasten die Badestuben gegenüber[409]. 1727 heißt es in der holländischen Ausgabe für Badestuben „de drooge Baaden (Laconia)“[410]. Ich habe nach den Berichten den Eindruck, daß in der älteren Zeit die Bäder mit Dampfentwickelung vorherrschten, allmählich Heißluftstuben daneben auftraten, die schließlich allein übrig blieben. In den gemeinen Badestuben war nach ~Ryff~ der Ofen mit Werksteinen gemacht, an etlichen Orten (in Deutschland?) aber in Brauch, „allein durch die erhitzung des vndersten Gewelbs solche Bad zu heizen, vnd auff gelegten Brettern darinn vmbher zugehn“[466]. Sollte hier eine Einrichtung gemeint sein, wie sie sich im Kloster Maulbronn befand? (s. S. 111). Einmal begab sich der Rat von Butzbach in Hessen nach dem Zisterzienserkloster Arnsberg, um die dortigen Badeeinrichtungen zu studieren, und beschloß, sie für die Neueinrichtung der städtischen Badestube zum Muster zu nehmen. In der Tat erhielt diese auch eine ziemlich umständliche und kostspielige Heizvorrichtung[197], die leider nicht näher angegeben wird. In einer Göttinger Handschrift, dem Bellifortis ~Konrad Kieser~s von 1405, sind ein Wasser- und ein Kräuterbad (Abb. 73 u. 74) dargestellt. Auf beiden findet sich eine Heizvorrichtung, die im wesentlichen der ~Dryander~s (Fig. 55 c) und ~Thurneisser~s, nur in größerem Maßstabe, entspricht. Der Kessel, der in dem einen Falle Wasser, im anderen eine Kräuterabkochung enthält, steht mit einem darüberliegenden Behälter in Verbindung, in den das heiße Wasser hinaufsteigt und von diesem aus weiter in die Badegefäße geleitet wird[3]. Im Kräuterbad sind die Fensterladen geschlossen, die beim Wasserbade offen stehen, weil man hier den Dampf nicht gebrauchte. [Illustration: Abb. 73. Wasserbad mit Dampfheizung. Nach einer farbigen Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.] [Sidenote: _Die Steinstuben_] Wo Steine zum Begießen in der Badestube abgebildet sind, liegen sie in einer Nische (Abb. 86). Nach dem Gedicht von der Einnahme Hohenkrähens (1512) goß man das Wasser „in ofen dar“[49], und ~Hans Sachs~ sah in den Ofen des Höllenbades hinein und unten die Steine liegen[29]. Es ist möglich, daß der Steinofen nicht immer, vielleicht in manchen Gegenden nur zu Kräuterdampfbädern begossen wurde, oder daß nur manche Badestuben in der Stadt derartige Einrichtungen hatten, dafür spricht das Vorkommen besonderer Steinstuben, wie auch Kräuterstuben genannt werden. So hatte Klein-Basel im 14. Jahrhundert zwei Kräuterbadstuben, die „zum Fröwlin und zer Trüwe“, und in Basel gab es zu dieser Zeit Steinbadstuben[260]. In Zürich erscheint die seit 1399 erwähnte untere Badestube 1553 unter dem Namen Krut-(Kräuter-)bad[173]. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird mehrmals in Hildesheim eine „Steynstove“ erwähnt[52]. Bürgermeister Gentzkow badete 1559 und 1562 „jm steinstauen“, aber 1559 auch im „gemeinen stauen“[542]. [Illustration: Abb. 74. Kräuter- und Heilbad. Nach einer farbigen Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.] [Sidenote: _Die Kräuterstuben_] Abb. 43 weicht auffallend von den übrigen Bildern der Zeit ab. Wir sehen in der großen Badestube zwei von ~Dryander~ und ~Ryff~ beschriebene sog. kleine Badestuben, in denen Kräuterdampfbäder genommen wurden, auch ein Wasserbad, in das der Bader eine Flüssigkeit, wahrscheinlich eine Kräuterabkochung gießt. Dieser Art waren wohl die erwähnten Kräuterbadestuben. Sie wurden nur von Kranken benutzt. ~Phries~ klagt darüber, daß häufig Schweiß- (die in den Apparaten) und Kräuterbäder auf Anraten von alten Weibern und „zwilchartzet“ genommen würden[386]. Die Wasserbäder wurden nach ~Ryff~ „von Fewer (im Kessel), oder von Fewer erhitzigten dingen, darinn glüendig abgeleschet“ erwärmt[48]. Aus dem Kessel schöpfte man das heiße Wasser in die Wanne mit Gefäßen, die nach Abbildungen auf Wandgemälden (auch auf den Züricher Leutpriestersiegeln) im 14. Jahrhundert schöpflöffelartig[345], im 15. kleine Kübel waren, an denen ein langer Stiel befestigt war[517] (vgl. Abb. 61). Im 16. finden die oft erwähnten Gelten und Schefflein (Abb. 82) dazu Verwendung. [Illustration: Abb. 75. Badestube aus dem Kalender von 1515. Basel, Pamphilus Gengenbach.] [Sidenote: _Die Bänke im Schweißbad_] Die Temperaturbestimmung des Wasserbades geschah nach ~Brunssfels~ mit dem Fuße, wohl aber mehr bei Kinderbädern. 1669 wurde in der oberen Badestube zu Winterthur ein Mann von Reterschen, der „in einem Wynrüschlein entnuckt, so versotten, daß er noch selbigen Abend den Hinscheid aus dieser Welt ergriffen“[57]. Im Schwitzbade wurde natürlich jedem einzelnen überlassen, die für ihn rechte Temperatur zu wählen. Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß mehrere übereinanderliegende Bänke im Bad vorhanden waren, deren höchste nach ~Ryff~ der „Pfal“ genannt wurde[48]. Je höher man stieg, um so höherer Temperatur wurde man ausgesetzt. In der Johanniterkomturei Wildenbruch gab es eine Oberbank und zwei Verbänke oder „Trippen“. Diese drei Bänke (Abb. 40) fanden sich aber nicht in allen Badestuben, in den kleinen sogar nur eine (Abb. 75), und dort war manchmal nicht ein Vorstübchen vorhanden[48]. Man sollte allmählich immer höher steigen, legte sich aber häufig gleich anfangs auf die hohen Bänke, daß einer da, der andere dort ohnmächtig herabfiel und teils gar tot wie das Vieh aus der Badestube hinausgetragen wurde, wie ~Guarinonius~ 1610 berichtet. Er sagt deshalb: „Wiltu ohne grossen Schaden schwitzen, Fleuch die grosse Hitz, thu nicht z’hoch sitzen, Sonst fällst herab auff allen viern, Ligst da wie todt, kanst dich nicht rührn“[134]. ~Murner~ sagt auch: „Das schweißbad hat ein starcke art, Da manchem in onmechtig wart“[6]. Nach ~Pansa~ (1609) wird mancher durch Aufgießen von kaltem Wasser von gefährlichen Ohnmachten wieder zu Recht gebracht, wie solches oft die Bader und viel erfahren, da durch unmäßiges Schwitzen und unziemlichen Gebrauch der Schröpfköpfe oftmals Menschen in den Badestuben umfallen und in Ohnmacht geraten[350]. ~Hans Stockar~ hat mehrmals in seinem Tagebuche, z.❆B. 1528, Beschwerden von zu heißem Baden im „Schwatzbad“ (Schweißbad) angemerkt[597]. [Illustration: Abb. 76. Im Kübel sitzende Bademagd mit Wedeln. Miniatur in der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach von ~Schlosser~.] [Sidenote: _Das Lecken im Bad_] Die Schwitzbank heißt bei den Meistersingern auch „leckbank“, weil dort das Lecken stattfand. Heute leckt ein Gegenstand, der Flüssigkeit hindurchläßt; ehemals bedeutete Lecke Flüssigkeit[L] und lecken mit Flüssigkeit übergießen. Nach ~Oswald von Wolkenstein~ (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts) wurde der künftige Kaiser Sigmund in der Stadt „parpiân“ empfangen: „dô ward gehaitzet im ain pad hêt man die leck auff gossen“[313]. Im Phalarismus Huttenicus (1517) wird von einem Nackenden, der um sich glühende Kohlen und daneben ein Faß mit kaltem Wasser stehen hat, gesagt, sobald ihn die Hitze von den Kohlen an allen Orten angeht, „so +lecket+ er das kalt wasser vff sich“[629]. In der Badestube bedeutet lecken naß werden vom Schweiß, schwitzen. So wird es bei ~Helbling~ gebraucht. Im Renner (13. Jahrhundert) heißt es: „Vnd so die leib in werden sat, So gent sie leckent in ein pat“[130]. Der Ausdruck lecken ging aber schon frühzeitig auf einen Vorgang über, der neben der Hitze der Badestube den Schweiß hervorrief, das Schlagen mit Büscheln von Birken- (Abb. 76) oder Eichenzweigen (Abb. 77). Im Liederbuch der Klara Hätzlerin heißt es: „Da sicht man lecken vnd streichen (schlagen), Kain fräd mag ir geleichen. Wann der ofen recht erhitzt Vnd wol waidenlich erschwitzt, Vnd gäb der küng Im zehen Marck, Sein krey wär dannocht nit so starck, So er sich vff die panck streckt Vnd sich streichet vnd leckt!“[259] und in der erweiterten Fassung desselben Gedichtes: „dâ sichet man bruech fellen, an beiden arßbellen sichet man sich streichen, kein freude kan ir geleichen, wan ein man vff die bank siczet vnd der vff wol erswiczet vnd sich hauwet, dâ man siczet, dâ hinden vmb die minneglocken“[441]. [Illustration: Abb. 77. Schröpfmann mit Badehut und Badewedel. Holzschnitt aus: ~Pictorius~, Laßbüchlin. Basel, Jacob Kündig, 1555.] Das Instrument zum Lecken wird Wedel, Wadel genannt. Nach ~Ryff~ trieb man damit (wedelte) den Dampf auf den Körper[48]. Ein anderer Ausdruck ist Queste, wodurch die Form, die einer Quaste, bezeichnet wird; dafür kommt auch der questen und für lecken das Zeitwort questen vor. „Darnach er dich zů qwesten weyß, Das er dirs bad nit macht zů heyß“, sagt ~Philipp von Allendorf~ 1535 in der Judenbadstube[234]; woraus hervorgeht, daß das Questen zur Hervorrufung des Schweißes diente. Dafür spricht auch eine Stelle in einem Neithartliede: „Swelch badestub’ wirt gehizzet also linde, ein man gelekket vil, e er enpfinde hizze, der sin herze gert; swie guot diu schiter sin, unt ist boese der hert, von hizze enpfaeht er doch vil selten vröuden“[103]. [Illustration: Abb. 78. König Wenzel, der zur Bedeckung der Scham den Wedel benutzt, wird von Bademägden gestrichen. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.] Ein anderer Ausdruck für Queste ist kosten, kost. „Kosten das man leck“, hat ~Hans Foltz~ in seinem Hausrat verzeichnet[257], im Höllenbad waren die Seelen „lecken“ und schlugen sich mit „kosten“[29]. „Reich mir ein +kost+ und einen hot (Hut), einer legk solt uns geweren“, heißt es im Meistersingerliede aus dem 15. Jahrhundert[469]. Das Lecken besorgten die Badenden (Abb. 40), wie auch der Bader (Abb. 86), z.❆B. auf einer Abbildung bei ~Murner~[6]. In dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) heißt es: „An lecke mochten sie nit baden, das ward in von stunden schaden, sie begerten keines glichen. Die badeknecht begundens strichen, daß sie gewunnen einen sweiß, sie lekten, daß in ward ze heiß. Ir questen waren wunderlich“[49]. ~Sastrow~ erzählt, daß, als er als Knabe am Strande gebadet, sein Vater am anderen Morgen mit der Rute vor ihn trat und sagte: „Habt ir gebadet, so muß ich questen“, wobei er ihn schlug[258]. So finden wir questen und auch lecken ganz allgemein für schlagen gebraucht. „Wolfdieterîch der werd begunde nider lecken manegen heiden zuo der erd“[442]. [Sidenote: _Der Wedel zur Bedeckung der Scham_] Da, wo man ohne Badehose im Bade saß, diente der Wedel zur Bedeckung der Scham. „Du thust wie ein quest im bad; deckest du dein scham der laster mit den predicanten“, sagt ~Geiler von Keisersberg~[258] und an anderer Stelle: „beschirmung (Bemäntelung) der sünden wird gemerckt in allen menschen, die da mit dem baderquesten der entschuldigung understont zu verbergen ire laster“. Bei ~Wolfram von Eschenbach~ findet sich die Stelle, er säße eher nackend ohne Tuch im Bad, als daß man seinen Parzival für ein Buch hielte, vorausgesetzt „sô ich in dem bade saeze, ob ichs questen (den Quast) niht vergaeze“[585]. Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor, zu „verordnen den mannen ein notturft +costen+ in die batstuben und ainer ieden frawen verordnen ire claider ausz und ein zu tragen“[535]. Dem Badekleid der Frau entspricht hier beim Manne der Kosten zur Bedeckung der Scham. [Illustration: Abb. 79. Adam u. Eva. Holzschnitt aus der Practica von 1499. Straßburg.] Auf einem Bilde der deutschen Bibel Wenzels sitzt der König im Bad, die Scham vom Wedel bedeckt, während ihn zwei Bademägde massieren (Abb. 78)[286], und als der Kaiser in der Erzählung ~Herrand~s ~von Wildonie~ vor die Tür gestoßen wurde, da war „ein wadel sîner lide kleit“, er hatte also auch nackt im Bad gesessen, und die Wiener Handschrift aus dem 16. Jahrhundert bildet den Kaiser ganz nackt, die Krone auf dem Haupt, ab, und neben ihm liegt der Wedel. Ebenso wird in der Judenbadstube von ~Philipp von Allendorf~ der arme Mann nackt aus der Badestube gelassen und deckt seine Scham mit dem Wedel (Abb. 66). Zu diesem Zwecke kommt der Wedel auch dann vor, wenn vom Bad gar nicht die Rede ist. ~Geiler von Keisersberg~ macht den Vorschlag, wenn Kinder sich mit Lügen entschuldigen und wie beim Sündenfall Questen von Feigenblättern machen, soll man sie mit Birkenquesten von Birkenreisern durchhauen[123], und ~Suchenwirt~ sagt von Adam und Eva: „zwên questen deckten in ir scham“[258]. Auch im Pfaffenleben aus dem 12. Jahrhundert heißt es: „mit dem Adâmes cherm wadele Wellent si ir scham bedechen“[584]. Darstellungen von Adam und Eva zeigen deshalb häufig — wie ~Zappert~ meint, nur in Werken deutschen Ursprungs[16] — statt des Feigenblattes den Wedel (Abb. 79), so in der deutschen Bibel ~Wenzels~ und den Bildern zum Sachsenspiegel. Bei einer in Zerbst 1507 aufgeführten Prozession heißt es und ist durch figura in der Handschrift dargestellt: „Die Bader. Eynen Bom mit eyner slangen. Adam vnd Eua naket mit questen“[586]. Hier fiel den Badern also wegen ihres Handwerkzeugs, des Wedels, die Rolle von Adam und Eva zu. Weil die Metzger in Nürnberg bei ihrem Tanz, der 1350 zum ersten Male gehalten wurde, auf den Pöbel, um Platz zu machen, allzukräftig dreinschlugen, befahl der Rat, um alle Unruhe zu vermeiden, keine Waffen und Wehr mehr zu gebrauchen, sondern nur Quasten oder Büsche von Eichenlaub. Deswegen bestellten die Metzger anfänglich vierundzwanzig Männer, die sich in Zwillich kleideten, das Angesicht verdeckten, hölzerne Knebelspieße und einen Busch in der Hand tragen mußten, um ihnen zum Tanzen Raum zu verschaffen. Nach den Abbildungen der Schönbart(Narren)bücher von 1459 und 1560 waren diese Badewedel aber durchaus nicht so harmlos, wie sie der Rat gewünscht hatte; denn aus einzelnen schießen Wasser- und Feuerstrahlen hervor[587]. 1360 hatten die Bader zu Basel den Quast als Wappen[255], 1373 führten ihn die Würzburger Bader im Siegel[144]. [Sidenote: _Die Tracht der Bader_] Auf den Bildern zum Sachsenspiegel sind die Bader völlig nackt (Abb. 67 und 68), auf dem Konstanzer Gemälde aus den ersten Dezennien des 14. Jahrhunderts in einem Frauenbade aber mit der Badehose versehen (Abb. 86). Später finden wir sie damit angetan bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts. In Freiberg wurde ihnen 1480 geboten, „Vortüchel“ zu haben bei fünf Groschen Strafe[183]. Die Bader gingen in diesem Kostüm ungeniert über die Straße (Abb. 82). Deswegen gebot die Lüneburger Baderrolle von 1361: „Ok en schall nement des hilligen dages barebeende ane hosen gan up den straten by broke ein punt wasses (Wachses)“ und Hamburg 1375: „Vortmer en schal nen knecht ut sines heren hues ghan barschinket unde myt blotem hovede vorder den syn ronsteen keret (Rinnstein kehret)“[217]. Noch 1649 wurde daselbst festgesetzt: „es soll fortan kein Badergesell oder Lehrjunge baarfuß oder mit dem Badehute ausgehen, bei 4 Schill. Strafe; wers siehet und verschweigt’s, soll gleiche Strafe geben“. 1419 beschlossen die Breslauer Bader, daß fortan keiner von ihnen, weder Meister noch Geselle „baarschenkelig“ ausgehen dürfe, „es sei denn, Einer wäre krank oder käme just vom Bade oder trüge ein so langes Gewand darüber, daß man seine Peine nit sehen könne“ bei Strafe eines Pfundes Wachs und zwar um der Ehre des Handwerks willen[220]. Nach der Bamberger Baderordnung von 1481 sollen „Meister und knecht ... am suntag und an allen gepanten feiertagen gehost und nicht mit bloßen peynen und on schwe (Schuhe) gehen“. Später wurde das Verbot, „on hosen oder parschenkel“ zu gehen, dahin gelindert, „daß sie Vormittag gehoset gehen sullen, nach der Predigt aber die Hosen ausziehen und einen langen Rock anlegen mogen und ye nicht mit pleckenden peynen über die gassen gehen“[46]. Es scheint darum nicht wunderbar, wenn ~Osse~ Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem Testamente schreibt, selbst Magistri gingen in leichtfertiger zerschlitzter Kleidung und es wäre wenig Unterschied zwischen ihnen und einem Barbiergesellen[554]. [Illustration: Abb. 80. Badknecht und Bademagd. Kpfr. aus: Nürnbergische Kleider-Arten. Nürnberg bei Johann Kramer. 1669.] [Illustration: Abb. 81. Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.] Im 17. Jahrhundert trat zur Badehose ein Schurz, so auf einem satyrisch-politischen Kupferstich von 1612[443], auf dem Badstubenbilde von 1711 (Abb. 91)[288] und im Nürnberger Trachtenbuch von 1669 (Abb. 80), so daß ~Goethe~ mit Recht sagen konnte: „Bader erkennt man an der Schürze“[151]. Schon im 16. Jahrhundert wurde nach ~Jost Amman~s Abbildung zu ~Hans Sachs~’ Ständen ein solcher Schurz von dem im übrigen völlig nackten Bäcker vor dem Backofen getragen[208], und ~Guarinonius~ schlug 1610 diese Kleidung für die Bader vor[134]. Ich möchte aber ~Guarinonius~ nicht für den Urheber dieses Gedankens halten; denn er schmückt sich zu oft mit fremden Federn, und so wird der Baderschurz schon 1610 im allgemeinen Gebrauch gewesen sein. [Sidenote: _Die Tracht der Baderinnen_] Auch die Tracht der Baderinnen ist uns bekannt. Die ältesten Darstellungen finden sich in den für König Wenzel von Böhmen angefertigten Handschriften, zum erstenmal im „Wilhelm von Oranse“ 1387. Zumeist besteht sie in einem kurzen, weißen hemdartigen Gewande, das mit Achselbändern an den Schultern befestigt ist, die Arme und die obere Brust freiläßt (Abb. 81). Einmal erscheint die Bademagd in einem durchsichtigen feinen Gewande, ein paarmal ganz nackt in der deutschen Bibel und der goldenen Bulle[286]. Das wird wohl auch der Wirklichkeit entsprochen haben je nach der moralischen Höhe der einzelnen Badestube. In ~Hans Sebald Beham~s (1500–1550) Darstellung der Luna ist die Tracht noch die alte (Abb. 38), und die Dorfordnung von Nüdlingen von 1594 gebot, es „sollen die Mannspersonen sowohl die junge Gesellen an dem Tantz, sonderlich vf dem offen Platz in ihren Kleydungen, Kittel oder Röcken vnd nicht im Leib wie eine Badmaid im Hembd tantzen“[589], ebenso die von Euerdorf gegen Ende des 16. Jahrhunderts[144]. Im Nürnberger Trachtenbuch (17. Jahrhundert) erscheint die Baderin gegenüber früheren Zeiten bedeutend mehr bedeckt (Abb. 80), im Frauenbade waltete sie aber völlig nackt ihres Amtes (Abb. 40). [Sidenote: _Die Bekleidung der Badenden / Die Badehr_] Die Badenden sind auf den Bildern zum Sachsenspiegel (Abb. 67 und 68) nackt, aber schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts bezeichnet es ~Wolfram von Eschenbach~ im Parzival als größte Verlegenheit, wenn man nackend ohne Tuch im Bad gefunden würde[585]. Die Männer tragen auf anderen Bildern durchgehends, auch wenn sie von männlichen Badern bedient werden, die Badehose, im 18. Jahrhundert auf den erwähnten Abbildungen auch den Schurz (Abb. 91). Auffallenderweise sind die Frauen auch bei Bedienung durch männliche Bader meist nackt im Bade (Abb. 39). Auf einzelnen Darstellungen, z.❆B. in Abb. 36 und 82, tragen sie eine Art Schürze, und ~Guarinonius~ erwähnt 1610 eine Bekleidung für Mädchen, die hinten offen ist, und nennt sie Badehr[134]. Mit diesem Ausdruck wird zuweilen auch ganz allgemein ein Badhemd bezeichnet, so geschieht es z.❆B. bei ~Hess~, aber mehr ironisch[315]. ~Wieland~ sagt: „Kurz und gut, sie hat, mit Gunst zu sagen, keinen Lappen am Leibe, nicht einmal eine Badehre“[151]. Badehr war ein Kleidungsstück, das die Scham der Frau bedeckte und beim Manne der Badehose, die „bruech oder Niderkleid“, auch niderwat und Untergewand genannt wurde, entsprach. So sollten nach einer Ordnung des Rats von Baden in der Schweiz (1506) die Männer (im Mineralbade) im Untergewand, die Frauen in der Badehr ins Bad gehen[38], und in einer Züricher Gschauordnung vom Jahre 1769 wurde befohlen, mit der Austeilung von „Bruechen und Badehren“ an die Armen des Bads an der Spannweid sparsam zu sein[412]. Nach dem Frauenzimmerlexikon von 1715 band die vornehme Frau die Badeschürze vor, wenn sie auf dem Rücken geschröpft wurde[422]. ~Zedler~ gibt 1733 in seinem Lexikon an, daß Badeschürze ein Vortuch von weißer Leinwand sei mit einem angesetzten Latz, dessen sich die Frau beim Schröpfen bediene. Er nennt aber auch einen von weißer Leinwand gemachten Schurz, welchen das Frauenzimmer bei dem Bad umschlägt und fast die Gestalt einer Weiberschürze hat, Bademantel[468], während nach dem Frauenzimmerlexikon der Bademantel beim Verlassen des Bades umgeschlagen wird. Es kann kein Zweifel sein, daß die Badeschürze die alte Badehr und nur ein Bekleidungsstück der Frau war. 1669 hinterließ Jungfrau Elisabetha Zollerin in Zürich: „16 Hembder und Bad-Ehren, 32 Hembder und Bad-Lacken, item Bad-Ehren“[308]. Auffallenderweise mußten aber 1347 die Einwohner von Augsburg dem Bischof, wenn er badete, zwei neue Badeschürzen schenken[144]. Möglich ist es, daß in diesem Falle die Badehose durch die Schürze vertreten wurde. Das Badehemd des Mannes muß sich von dem der Frau auch unterschieden haben; denn in der Hinterlassenschaft der adeligen Familie von Sal in Winterthur fand sich 1469 ein „Manbadhempt“[57]. [Illustration: Abb. 82. Badestube. Holzschnitt aus: Michael Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.] [Sidenote: _Die Herbeischaffung des Wassers zur Badestube_] Nach ~Ryff~ war es in Deutschland Sitte, das Wasser für die Badestube aus dem Bach zu nehmen, der als Kloake durch die Stadt floß. Die Badestube sollte am fließenden Bach liegen[48]. Wir finden aber recht oft die Verwendung von Brunnen- und Quellwasser, ja einzelne Badestuben gebrauchten Mineralwasser. So wurde 1470 an der Metzgergasse in Winterthur eine Badestube (die untere) gegründet, die ihr Wasser aus dem heiligen Berge bezog, nach dem sie den Namen Goldbad führte. Wohl auf Grund der edlen Bestandteile der Quelle steigerte man 1675 dem Bader den Zins des Wasserrechts von 12 auf 42 Pfund, während — wie wir sehen werden — gerade um diese Zeit die Badestuben eher einer Erleichterung bedurften. 1691 beschrieb der Stadtarzt ~Künzli~ angebliche mineralische Bestandteile des Wassers. Das Bad nahm infolgedessen an Besuch zu; aber Ende des 18. Jahrhunderts war der Glaube an das Gold und dessen Wirkung verloren gegangen und das Wasser des Goldbades fand nur noch im Schlachthause Verwendung. 1806 wurde die Badestube abgebrochen[57]. Auch in Basel gab es einen Goldbach, der in der Nähe des Gesellschaftshauses zum Ingber hervorquoll und im 14. Jahrhundert zwei Badestuben, seit 1407 drei hinter St. Andreas gelegene versorgte[260]. 1471 wird bei Winterthur auf dem Limperge das Lörlibad zuerst genannt, 1527 standen noch drei Häuser und Hofstetten samt dem Bad. 1537 leitete man das Wasser in die 1349 zuerst genannte (obere) Badestube, die bisher ihr Wasser aus zwei Quellen im Mockentobel bezog, ließ das alte Lörlibad verfallen, und nun wurde die obere Badestube unter dem Namen Lörlibad zum Mineralbad erhoben. Die Gäste, welche fortan zur Reinigung ihres Körpers die Badestube aufsuchten, durften nicht in die Badkästen aufgenommen werden, sondern erhielten besondere Zuber oder durften nach Schluß der Badezeit um sieben Uhr abends im Wasser der Kurgäste baden[57]. Auch in Canstadt leitete man die Quelle des Wildbades nach dessen Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege in die 1538 neu erbaute Badestube, wo bis gegen 1820 gebadet wurde[154]. 1337 lag in Bamberg eine Badestube bei der Quelle, genannt Steinbrunn[144]. In Durlach floß 1536 das Wasser in das Bad. War es unsauber, mußte der Bader dem Bürgermeister Anzeige erstatten[219]. Selbstverständlich waren Röhrenleitungen oder andere Vorrichtungen nötig, um das Wasser in das Bad zu leiten. In Abb. 39 rechts ist neben zwei Arten von Ziehbrunnen eine solche (links das Herbeischaffen des warmen Wassers) dargestellt, ähnlich in Abb. 82. In Görlitz wurde 1489 der Salmannsborn in Röhren in die neue „badestoben“ geführt[202], in Bräunlingen bei Donaueschingen lief 1467 der Brunnen in zwei eisernen Röhren in die Badestube[219]. Die Heidestube in Wernigerode, die man auch „den stoven“ auf der Heide nannte, hatte 1447 eine Röhrenleitung aus Erlenholz[439]. Im 18. Jahrhundert bestand die Leitung des Cannstatter Mineralwassers zur Badestube in einer ungefähr sechshundert Schritt langen offenen Rinne[154]. Nach ~Meyer-Ahrens~ zeigt die Abbildung einer Klosterbadestube einen laufenden Brunnen[565]. 1567 bat der Bader zum Loch in Würzburg, daß ihm an den Badetagen der Bach durch einen Kanal über den Stadtgraben an der Spitalmühle in seinen Brunnen geführt oder in das Bad geleitet werde[144]. Die 1288 zuerst erwähnte Badestube an der Pegnitz in Nürnberg[195] erhielt das Wasser aus dem Fluß durch ein Schöpfrad: „Ein Wasserrad, schöpft in das Bad Wasser genug nach allem Fug, Thut in die Stuben fließen“[464]. Im Boller Bad wurde 1632 das Wasser mit Eimern aus dem Brunnen gezogen, die sich selbst ausgossen[67]. 1636 bewilligte der Rat von Zürich, daß in die Badestube an der Schipfe (zuerst 1357 erwähnt, das Haus heißt heute noch zur Badestube) ein Wasserrohr vom Rad auf der unteren Limmatbrücke auf Kosten des Baders gelegt werde[173]. Auch Hausbadestuben hatten, wie wir vom Schloß in Baden-Baden wissen und wie Abb. 61 zeigt, Röhrenleitungen. In Zürich wurden schon 1421 Wasserleitungen in Privathäuser bewilligt, die von den öffentlichen Brunnen ausgingen und ins Haus zu einem Brunnen mit Hahn führten[590]. [Sidenote: _Die Abführung des Badestubenwustes_] Viel Sorge machte der sogenannte Badstubenwust, der Abfall der Badestube. Man hielt den mit dem Schweiß der Badenden vermischten Dampf für schädlich. So verbat sich einmal ein Professor, der Zöglinge zu unterrichten hatte, die Nachbarschaft einer Badestube, weil die aufsteigenden Dämpfe Kopfweh, Schwere und Mattigkeit der Glieder hervorrufen könnten[242]. 1515 unterstand sich der Bader am Sande in Würzburg, den Abzugskanal aus seiner Badestube bei den Steinhütten in den Main zu leiten, wodurch ein solcher Gestank entstand, daß die Steinmetzen nicht mehr arbeiten konnten[144]. Nach den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts durfte der Bader hinter den Fleischbänken keine Tür und Fenster (die übrigens nach ~Ryff~ der Holzersparnis wegen sehr klein waren)[48] in der Gasse gegen die Fleischbänke haben. Der Bader unter der Burg mußte eine Grube für sein Wasser graben, daß es nicht durch die Stadt herabrinne. Er sollte das Wasser mit dem Regen herablassen, und wenn es lange nicht geregnet hatte, nachts austragen, daß es bei Nacht herabrinne[201]. In Bern wurde 1392 Hans Sachs, dem Inhaber der „Baadstube bei dem obern Thor“ befohlen, besonders „mit dem Wässeri“ die Badestube redlich und recht zu unterhalten, daß hierdurch weder der Stadtturm und die Ringmauer noch des Bernhard Fridbolds Haus geschädigt werde[557]. [Sidenote: _Lage der Badestuben_] Die Badestuben finden wir öfters dicht aneinander gelegen, häufig in der Altstadt, was wohl darin seinen Grund hat, daß die Ehehaftrechte auf ihnen lagen und in späterer Zeit, neue Badestuben aufzuführen, verboten war. In Ulm gab es Badeplätze, wo mehrere Badestuben beieinander lagen[50]. Maßgebend für die Anlage war auch die Nähe des Wassers. In Bern lagen die meisten am Badergraben[199], in Zürich an der Limmat, sogar in Nachbarhäusern[173]. Wir finden sie auch öfter bei oder vor den Toren. So hatte Jena eine Badestube vor dem Johannistor[16], eine vor dem Saaltor[290]. In Riga lagen die 3 Badestuben im 13. und 14. Jahrhundert an den Pforten, nach denen sie benannt wurden[193], in Zittau kommt 1340 eine Stube vor der Stadt vor[16]. Speier hatte im 14. Jahrhundert ein „estuarium an dem drencdor“, 1326 eine Badestube „vor deme Rinburgetor“, im 14. Jahrhundert ein „ante veterem portam estuarium zu dem Nusbaume“, das 1586 als in der Vorstadt „vorm Altportel“ gelegen bezeichnet wird[273]. Vielleicht war diese Lage vor der Stadt durch die Feuergefährlichkeit der Badestuben bedingt. Im Dorfe Altenmarkt (Bayern) lag die Badestube an „aim gässel“, welches so weit sein sollte, daß die Zufuhr von Holz und anderen Dingen nicht behindert würde[535]. In Burgau, einem kleinen Dorfe bei Bülach (Schweiz), stieß die Badestube im 16. Jahrhundert mit zwei Seiten an die Landstraße[600]. [Sidenote: _Zusammenfassung_] Fassen wir die Vorgänge in der Badestube noch einmal kurz zusammen. In der Abziehstube legte man die Kleider ab, wo sie fehlte, auch im Bad selbst, falls man nicht vorzog, sie daheim zu lassen. In der Badestube gossen sich arme Leute mit warmem Wasser ab, bei reichen besorgte es der Bader mit Lauge und verband damit das Massieren (Abb. 83). Der Vorgang konnte auch durch ein Wasserbad, wahrscheinlich in Verbindung mit Reiben, ersetzt werden. Darauf legte man sich auf die Schwitzbank, in größeren Badestuben stieg man allmählich bis zur Oberbank. Nun wurden die heißen Steine begossen, die Dampfentwicklung ging vor sich, währenddessen die Badenden oder der Bader questete. Nach dem Schwitzen wurde man abermals begossen mit lauem Wasser oder Lauge, wobei auch gerieben wurde (Abb. 83). Wer Kopf waschen oder Schröpfen wünschte, ließ es jetzt besorgen, ruhte darauf in der Abziehstube und verließ nach einer kalten Abgießung das Bad. Diese letzte Übergießung scheint in der Abziehstube stattgefunden zu haben (vgl. ~Helbling~), darum fand sich in derselben bei den Johannitern in Wildenbruch eine eingemauerte Pfanne mit Wasser vor. Immer wurde dieses Schema wohl nicht innegehalten. So konnte man an Stelle der vorletzten Übergießung auch ein Wasserbad nehmen, tat dies auch nach dem Schröpfen, oder man kühlte nur den Kopf. Manche schwitzten nochmals im Ruhebett. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „dann vil mahl sich zůtregt, wann einer in der batstuben erschwitzet, darnach im wasser bad badet, also außgehet, das er für sich selbs erst in der anziehe stub widerumb erschwitzet, die sonst für sich selbs allein terperirter werme“[449]. Überall da, wo mehrere Menschen zusammenwohnten, glichen die privaten Badestuben den öffentlichen. In den Bürgerhäusern gab es nur Wasserbäder und als Ersatz des Schweißbades kastenartige Vorrichtungen. Nach Gebrauch derselben goß man sich aber wahrscheinlich, im Gegensatz zur öffentlichen Badestube einer Bemerkung bei ~Ryff~[48] nach, nicht ab. [Illustration: Abb. 83. Reiben vor (links) und nach dem Bad (rechts). Holzschnitt aus: Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.] [A] Nach dem Baseler Exemplar. Die Mitteilung verdanke ich Herrn Oberbibliothekar Dr. ~Bernoulli~. [B] Nach den deutschen Volksbüchern sah ~Apollonius~ einen Knaben mit einem Becken durch die Straßen laufen, der an alle Türen klopfte und mit lauter Stimme rief: „Hört Reich und Arm usw.“[470]. Der Ruf ist dem bei Steinhövel sehr ähnlich. [C] ~Guillaume de la Villeneuve~ sagt in seinen Crieries de Paris: „Oiez c’on crie au point du jor: Seignor, qu’or vous allez baingnier Et estuver sans delaier; Li bains sont chaut; c’est sans mentir.“ Schon im 13. Jahrhundert mußten sich die pariser Bader verpflichten, das Bad nicht vor Tagesanbruch auszurufen. Das altfranzösische Badeleben hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem deutschen. Vergl. darüber ~Depping~[471]. [D] Ich habe nur zweimal Diebstähle erwähnt gefunden. 1456 wurde dem Rat in Würzburg angezeigt, daß der Bader zum Sand einen Dieb gefangen habe[144]. In seiner Weißenhorner Historie vom oberschwäbischen Bauernaufstand schreibt ~Nikolaus Thoman~ 1488: „Es begab sich, das ain waldknecht ain fremden seckel in dem bad nam, saget, er were sein. Do es offenbar wart, wollten in die andren knecht nit me under ynen lassen, da musset er hinweg und sunst ander ach“[128]. [E] Diese Abbildung verdanke ich dem verstorbenen Herrn Oberbibliothekar ~von Heinemann~ in Wolfenbüttel. Sie deckt sich vollkommen mit der des (von Karl von Amira herausgegebenen[624]) Dresdener Sachsenspiegels. [F] Im Mainzer Hofe zu Erfurt waren im Bad Bänke, Boden, Schemel und „hultzern pfulffe“, also +hölzerne Kissen+ rein zu waschen[569]. [G] ~Hess~ singt 1818 von Baden: „Einsam zwar und allein im stillen Gewölbe des Bades, Bin ich verlassen doch nicht; denn das Heimchen, das gern Sich zu Menschen gesellt, zirpt ungesehn in der Nähe, Und vor der inneren Welt lächelt mir, Liebchen, dein Bild!“[315]. [H] Diese Stelle steht mit der weiter unten erwähnten, aus ~Brunssfels~ entnommenen, in Widerspruch. Das Schwitzen vor dem Begießen mit heißem Wasser ist hier gleich erwärmen zu setzen und sollte an kühler Stätte in der Badestube oder, wenn eine Abziehstube vorhanden war, in dieser stattfinden, um den Körper nicht dem plötzlichen Temperaturwechsel zwischen kalter Außenluft und der Hitze der Badestube auszusetzen. [I] Nach diesen Angaben kann kein Zweifel sein, daß man sich nach dem Schweißbad mit kaltem Wasser abgoß. Auch ~Fischart~ sagt in „Aller Practick Großmutter“ (Vorrede zur Ausgabe von 1623): „Ihr schnapt nach dem Athem oder nicht, wie ... ein Kaltbeschütter im Bad“[31]. [J] ~Ryff~ kannte also schon die sogenannte Reaktion und wußte, daß im Gegensatz zu kräftigen Personen von magern die kalte Übergießung schlecht vertragen wurde. [K] In der Einteilung der Bäder herrscht ein großer Wirrwarr. In ~Blondels~ Werk über Aachen werden 1688 die Dampfkastenbäder als Sudatoria sicca, seu vaporosa (truckne schweiß oder schwadembäder) bezeichnet[409]. ~Wetzler~ spricht 1822 vom +trockenen Dampfbade+, das gemeinhin Schwitzbad genannt wird (~Reil~ nennt es Feuerbad) und stellt diesem gegenüber das feuchte Dampfbad, das in engerem Sinne Schweißbad genannt wird, wobei auf dem Ofen liegende Kieselsteine mit Wasser übergossen werden, oder wo in eigenen Apparaten (Dampfbadewannen) Wasser durch bis zum Rotglühen erhitzte eiserne Kugeln in Dampf verwandelt wird, oder wo Dämpfe von Thermen in Schwitzhäuser oder Kasten oder endlich die Dämpfe gewöhnlichen Wassers von einem Kessel in solche Kabinette geleitet werden“[370]. Auch ~Schreger~ unterscheidet trockene und feuchte Dampfbäder. Erstere sind meist Beräucherungen, zu letzteren rechnet er das Weingeistdampfbad[4], unser heutiges Heißluftbad. In ~Zedlers~ Lexikon von 1733 sind Bäder von Asche, Salz und Stahl-Feile als Balnea sicca in Gegensatz zu den balnea humida bezeichnet, die vaporosa vom Dunst ausgekochter Kräuter oder aquosa (künstliche von Dekokten und natürliche Bäder) sein können[468]. ~Bauhin~ sagt 1602 von den Dampfbädern: „man nenne sie jetzt gleich Dampfbäder, trucken Bäder oder Schweißbäder“[331]. Verhaltungsmaßregeln zur Pestzeit aus dem 15. Jahrhundert geben an: „in einem Wasserbad magst du ein wenig switzen“[238], ebenso ~Ellenborg~ 1484[16]. ~Ryff~, der das Dampfbad als trockenes Schweißbad bezeichnet, spricht einmal vom nassen und feuchten Schweißbad[48], worunter nach dessen sonstiger Auffassung ein Wasserbad verstanden werden muß. Vielleicht waren diese Wasserschwitzbäder die mit einem Dach versehenen, durch welches das Entweichen der Dämpfe verhindert wurde. [L] Sollte Lecke nicht mit Lacus See, Lake Salz(See)wasser und Lache (im österreichischen Dialekt Lacke) Wasserpfütze zusammenhängen? Nach ~Schöpf~ heißt in Tirol das Bad auch „die lak“[441]. BADELEBEN IM SPÄTEREN MITTELALTER / UND IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT Welch hohe Bedeutung man dem Baden für das Volkswohl zuschrieb, geht daraus hervor, daß es in den populären Anweisungen zur Gesundheit und den Volkskalendern, die der tägliche Ratgeber des gemeinen Mannes waren, eingehende Berücksichtigung fand. Die darin gegebenen Regeln sind eine Umarbeitung und Anpassung an unsere Verhältnisse des Regimen sanitatis Salernitanum, eines Lehrgedichtes der medizinischen Schule von Salerno, das gegen Ende des 11. oder zu Anfang des 12. Jahrhunderts entstand. Es ist dem Prinzen Robert, dem Sohn Wilhelms des Eroberers gewidmet[527]. Nach der Straßburger Bearbeitung von 1505[25] ist es von einem weisen Meister zu Paris für den König von England geschrieben worden, nach einer Leipziger Handschrift aus dem 14.[507] und dem St.Galler Kodex 760 aus dem 15. Jahrhundert von Aristoteles für den König Alexander. Baden wird an dritter Stelle zur Erhaltung der Gesundheit für nötig gefunden. „Daz drit, daz die nataur wil haben, ist daz twahen und daz paden“, heißt es im Ring[230], und der Meistersinger ~Hans Rosenblut~ sagt (ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts): „Der dritt leiparczt ist ain pader Der padt den leip vnd schleht dy ader Vnd schirt das haubt vnd fegt dy glyder“[12]. [Sidenote: _Das Regimen sanitatis_] Neuere Schriftsteller geben fast durchgehends an, die Lehren des Regimen sanitatis, das nur italienische Verhältnisse berücksichtigt, sei in plumper Weise von den Deutschen befolgt und so der Mai auch für unsere kältere Gegend zum eigentlichen Bademonat erhoben worden, während Juli und August als ungeeignet verworfen wurden, weil Italiens Ärzte wegen der dort herrschenden Hitze vom Gebrauch der Bäder abrieten[16]. Diese Ansicht ist unrichtig. Zunächst glaube ich nicht, daß die Vorschriften des Regimen im allgemeinen eingehalten wurden. So sollten Leute, die wenig arbeiten, aber viel essen und trinken, Schweißbäder, die anderen Wasserbäder gebrauchen. Im Züricher Kalender von 1508, einem der ausführlichsten und besten, sind Schweiß- und Wasserbäder miteinander verwechselt[26], und ~Ryff~[48] sagt, daß in Deutschland mäßige, zum Wasserbad geeignete Leute wenig gefunden würden, zugleich ein Beweis, daß Wasserbäder weniger als Schwitzbäder benutzt wurden[A]. Die Vorschriften in den Kalendern und den verschiedenen Anweisungen zur Gesundheit betreffen in der Regel nur das Baden in der Badestube. Das geht am deutlichsten aus einer Schrift von ~Küngsper~ (Regiomontanus, Joh. Müller von Königsberg) hervor. Er sagt: „Mann soll nicht lassen (aderlassen), wedder Baden noch tranck nemen in den Hundtstagen“ (17. Juli bis 21. August) und beim August: „Man solt auch offt in kaltem wasser baden für die hitze, denn hütet man sich vor hitze nicht, so kompt dauon hauptweh“[262]. Hören wir weiter die verschiedenen diesbezüglichen Schriften selbst. [Illustration: Abb. 84. Darstellung der im Regimen sanitatis geforderten Vorgänge zur Erhaltung der Gesundheit. Im Vordergrunde Aderlassen, Schweißbaden mit Schröpfen und Wasserbaden. Fabel vom reichen Mann. Kpfr. von Aldegrever. 1554.] [Sidenote: _Baden in den Volkskalendern_] Die älteste deutsche Bearbeitung des Regimen sanitatis, die beinahe, aber doch nicht wörtlich mit einer zu Basel aufbewahrten provençalischen Handschrift aus Montpellier übereinstimmt, ist die sogenannte Mainauer Naturlehre. Sie wurde wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts von einem Deutschritter auf der Insel Mainau verfaßt und ist in einer Handschrift des 14. Jahrhunderts von ~Konrad~ von St. Gallen enthalten. Dort heißt es vom Lenz: „so ist och decheine zit besser ... zebadenne“, vom Sommer: „unde man sol kaltiu beder mezeclich uben“. Im Herbst wird vor den Thermen gewarnt[44]. Ein deutscher Pergamentkalender der Kopenhagener Bibliothek aus dem 14. Jahrhundert empfiehlt im Februar „sweis baden“, im März baden und verwirft im November und Dezember das Bad[504]. ~Johannes Gredinger~ hat 1428 in seinem Kalender verzeichnet für Januar: „Vnd paden ist gesunt vnd pad in steynpaden .... vnd la dir vil mit warmer lawg twahen“, für Februar: „Vnd nymst du ein trank, daz trink in eym pad“, für März: „Vnd oft paden ist gesunt, vnd niht zu hais. Vnd wasch dein zen ym pad vnd reib sie mit salcz“, für Mai: „pad mit guten krewtern in eym schaff, daz oben wol bedekt sei“, für Juni: „Vnd pad niht vil vnd vast niht lang“, für Juli: „vnd pad kül“, für Oktober: „Vnd pad niht hais noch ze vil“, für November: „Vnd pad niht hais“ und für Dezember: „Vnd paden ist gut“. Er faßt zusammen: „In dem Merczen pad, in dem Awgst (August) ge niht zu haissem pad“[43]. Im Pergamentkalender der Züricher Stadtbibliothek von 1467 heißt es: „Im Hornung: offt sol man baden in schwaiß bad. Im Mertzen: vnd in schwaiß baden sol man offtbaden. Im Abrellen: offt sol man baden. Im Meyen: bad ist gůt vnd besunder wurtz beder. Im brachet: och in kaltem wasser dick (oft) baden. Im Höwet: darumb sol man nit tranck nemen noch nit lassen (aderlassen). wann in dem bad mit fintusen dem es not ist. In senfften bedern mag man wol nüchter baden. Im Ögsten (August): offt sol man in kaltem wasser baden. von der grossen hitz wegen. wann hütet man sich nit vor der hitz. so erwellet sich das hirn das der mensch villicht houbt siech werden möcht. Der erst winttermanott (November): wenig vnd selten ist zebaden. myd ouch namlich sweiß bad. es ist ouch in keinem manot (Monat) bad als vngesund als in dem manot“[308]. Aus dem 16. Jahrhundert sei der Kalender des Frankfurter Stadtarztes ~Eucharius Rösslin~ von 1533 angeführt. Im Januar soll man nach dem „Regiment Ipocratis der 12 Monat“ selten baden, im Februar, März oft schweißbaden und im April oft baden. Im Mai sind alle, besonders Kräuterbäder gut. Im Juni soll man kurze Bäder haben, im Juli allein im Bad schröpfen, wenn es vonnöten ist. „In senfften baden mag man wol nüchtern baden ... Man soll auch wenig badenn“, im August oft in kaltem Wasser baden für die Hitze, im November wenig und selten baden und gar nicht schweißbaden[505]. Auffallend ist es, daß eine Münchener Handschrift des 15. Jahrhunderts beim Januar hat: „Kühl erlaub ich dir zu paden“[42], wobei „in der Badestube“ zu ergänzen ist. [Illustration: Abb. 85. Badeszene. Darstellung des Monats August. Handzeichnung von Virgil Solis. (1514–1562.)] [Sidenote: _Beachtung des Mondstandes_] Allmählich schrumpfen im 16. Jahrhundert die in den Kalendern gegebenen Baderegeln immer mehr zusammen, die alten Badebilder, die sich fast durchgehends nur beim Mai finden (Abb. 58) — ~Virgil Solis~ (1514–1562) bildet aber das Bad beim August ab (Abb. 85)[594] — fallen schließlich ganz weg. Im Badener Kalender treten 1739 zum ersten Male beim Juni die im Flusse badenden Kinder auf[506]. Die zum Baden günstigen Himmelszeichen sind im Züricher Kalender bis 1826 samt dem Aderlaßmännchen angegeben. 1827 findet sich eine moderne Anweisung zum Gebrauch der Bäder mit dem Zusatze, daß die Alten einigen Wert auf den Einfluß, den der Mond auf unseren Körper habe, legten und deswegen der Kalender die Himmelszeichen noch bringe, damit niemand nichts vermisse. Von 1833 an wird das Baden nicht mehr erwähnt. Die alten Kalender berücksichtigten den Stand des Mondes sehr genau. In der Regel, z.❆B. im St. Galler Kodex 760, ist angegeben, im abnehmenden Mond zu baden und wenn der Mond im Widder, Skorpion, Krebs oder den Fischen ist. Zugefügt ist noch, daß Meister ~Halevy~ spricht, in keinem heißen Zeichen als im Löwen, Jungfrau, Zwillingen und Steinbock in das Bad zu gehen. In einer Ordnung der fünf Meister Bader zu Zürich von 1604 wird auf die Himmelszeichen Bezug genommen: „Demnach söllent die fünff Meister ein täfeli haben. Darjnnen sy mit jren nammen geschriben sind. Da sol nun je der eltist Meister zum vorderisten. vnnd dann also ein anderen nach, vom kräps. biß jnn Zwiling. diß täfeli by synen hannden haben. Derselbig Meister sol alßdann die anfrag thun. wann vnnd wie mann jm schützen vnnd jm waßerman heitzen welle. vnnd waß sich dann dryg (3). vnnder jnnen mit einanderen verglichen thetind. sol alßdann der meister. der die Vmfrag vnnd diß täfeli hat. sölliches den vberigen beiden Meisteren verkünden. Damit man also einheilig heitzen khönne, vßgenommen alle Sambstag. doran ein jeder sonst ze heitzen befügt jst“[240]. [Sidenote: _Badebedürfnis_] Durch Befolgung der Kalenderregeln hoffte man seine Gesundheit zu erhalten. Wie sehr das Bedürfnis zum Bade vorhanden war, zeigen folgende Stellen. Nach der Speierischen Chronik zog 1476 König Matthias gegen die Türken mit siebenhundert Schiffen, „die sint zu gericht nach aller notturff mit volck, were und spiß, und uff den schiffen sint zu gericht stuben, kamern, +batstuben+, smytten und backoffen“[129]. ~Geiler von Kaisersberg~ sagt 1498, viele Weiber gingen nicht nur zwei- oder dreimal ins Bad, sondern heizten auch noch Sonntags das Badstüble daheim[271]. Im Juliusspital zu Würzburg bestand schon frühzeitig eine Abteilung für Geisteskranke, die damaliger Auffassung gemäß im „Kerker der Wahnsinnigen“ oder dem „Gefängnis der Angefochtenen“ in Ketten lagen. Diese hatte nach der Ordnung von 1585 die Wärterin je zu Zeiten herauszutun und zu baden[528]. Wenn ein Gläubiger in Frankfurt am Main einen Schuldner gefangen nehmen ließ, war er gesetzlich verpflichtet, ihm alle vier Wochen ein Bad geben zu lassen[127]. Selbst die gemeinen Frauen zu Nürnberg hatten im 13. und 14. Jahrhundert vom Wirt alle Woche in ihrem Hause mindestens ein Bad zu beanspruchen[201]. In Regensburg war 1369 einer angesehenen Bürgerin als Strafe auferlegt worden, ein Jahr lang nicht aus ihrem Hause zu gehen; jedoch gestattete man ihr neben Beichte und Abendmahl nach ihrer Notdurft den Besuch des Bades[16]. 1502 erschien der Türmer Lorenz vor dem Rat zu Würzburg mit der Bitte, ihm bisweilen zu erlauben, in die Kirche und zum Bad zu gehen. Letzteres wurde ihm alle vierzehn Tage gestattet nach vorheriger Einholung der Erlaubnis vom Bürgermeister. 1599 erhielt der Türmer einen Verweis wegen Trunkenheit, unzeitigen Herabkommens, und weil er am Sonntag statt am Samstag Bad gehalten habe. Künftig sollte er jedesmal um Erlaubnis nachsuchen[144]. Fremden Bettlern wurde 1527 der Aufenthalt in der Stadt Münerstadt (Mürstat), den Dörfern Ethausen und Werberichshausen im Bistume Würzburg verboten, nur dem Armen vorübergehend gestattet, welcher „der notturfft halbenn seins leibs artzeney zu suchenn, zu badenn“ käme oder wegen Teuerung aus der Heimat gezogen wäre[472]. Fast die gleiche Ordnung wurde 1528 für die Stadt Würzburg erlassen[144]. 1562 heißt es in einem Liede: „Die Handwercksgesellen, die kumen das Badgelt hand, solch Hosen (Flodderhosen) tragen wöllen“[557]. „Ach bist so ellend dort (in der anderen Welt), mein man, hast nit ein pfenning in ein badt“, klagt die einfältige Bäuerin, der der fahrende Schüler von ihrem verstorbenen Mann und dessen Not erzählt (1560)[46]. [Illustration: Abb. 86. Badestube in Konstanz zu Anfang des 14. Jahrhunderts. Wandgemälde daselbst. Nach ~Ettmüller~.] [Sidenote: _Schweißbäder wurden zur Reinigung des Körpers genommen_] An erster Stelle waren die Bäder natürlich zur Reinigung des Körpers bestimmt, und zwar diente dazu, wie heute noch bei den Finnen, das Schweißbad. „Heüttigs tags brauchend wir gemeincklich dz schweißbad allein, die haut vom schweyß, vnnd schmutz zů seübern, auch dz wasserbad mehr von wollust (Vergnügen) wegen, dann zů gsuntheit“, schreibt 1571 ~Etschenreutter~[449]. Schon im nackten König vom Stricker (Mitte des 13.Jahrhunderts) wird der Bader „sweizbadaere“ genannt[212]. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts sagt ~Guarinonius~, der gemeine „Böffel“ und viele ansehnliche Bürger aller Städte halten am „schweiß- und dempffbaden ... dermaßen steiff vnd starck ..., daß sie vermeyneten viel verloren vnd verabsaumbt zu haben, wann sie nit alle Sambstag vor dem Sontag, oder alle Feyrabend vor den Fest- und Feyrtägen, in das gemeine feil oder besondere Schweißbad gehen, schwitzen, sich reiben, fegen, butzen, vnd abwaschen lassen solten“. Alle Samstag laufen die Handwerker dem Bade zu, nicht allein ihren Schmutz und Wust, sondern auch den an ihnen vertrockneten Schweiß durch geringen Schweiß wieder vom Leib „abzuschwentzen“. Reiche und Arme meinen, es sei nicht Sonntag oder Feiertag, wenn sie nicht Sommer und Winter am Samstag oder Feierabend gebadet haben[134]. Wahrscheinlich wurde das Wasserbad vom armen Manne selten benutzt, das hatte seinen Grund schon im Preise, der in Bamberg z.❆B. 1480 zwölfmal höher war als der fürs Schweißbad[144]. Auf den Konstanzer Wandgemälden aus den ersten Dezennien des 14. Jahrhunderts sind auf siebzehn Bildern Fabrikarbeiterinnen der Textilindustrie in Tätigkeit dargestellt und zuletzt das Baden im Schwitzbad[529] (Abb. 86). Auch Gudrun verlangt für sich und die Jungfrauen, die in harter Gefangenschaft mit ihr spinnen und weben mußten, nach der Befreiung sogleich ein Bad: „‚Tuot mirz ze liebe Hartmuot‘ sprach daz edele kint ‚alle mîne meide, die hie verderbet sint, daz man si bade hînte. volget mîner raete‘“[530]. So war das Bad am Samstag als am Ende der Arbeitszeit namentlich der arbeitenden männlichen Bevölkerung bestimmt. Darum öffnete man am Sonnabend Abend in Hamburg (1375) die Badestuben den Männern, während an den Abenden der übrigen Tage die Frauen badeten, und wenn auf den Sonnabend ein heiliger Tag fiel, mußten die Frauen den vorhergehenden Werktagabend den Männern abtreten[217]. Die Handschrift eines oberdeutschen Weichbildes schließt: „Daz buech hat ein ende. Daz got all vaig schende. vnd geb uns sein gnad vnd hincz samztag ein guet bad. amen“[531]. [Sidenote: _Das Schweißbad der Handwerker am Ende der Woche_] Um die Badestube aufzusuchen, hörten einige Handwerke am Sonnabend eine Stunde früher mit der Arbeit auf, man machte „Badschicht“[468], wozu der Arbeitgeber noch das Badgeld, bezw. Stovengeld gab. Nach den Baurechnungen des Bremer Rathauses erhielten meistens gegen zwanzig Mann zusammen vier bis sechs Groschen „für den staven“[533]. Endres Tucher bemerkt im Baumeisterbuche der Stadt Nürnberg (1464–1475): „So soll im (dem Werkmeister der von der Stadt beschäftigten Maurer und dem der Zimmerleute) der stat paumeister geben alle wochen, es sei veiertag oder werckentag, für sein lone und padgelt fünf pfunt alt“. Der Baumeister oder Werkmeister konnte einem Arbeiter, der es verdiente, „zu zeitten ein pare pfenning zu badgelt mer geben“. Als die Löhne stiegen, wurden die Badgelder herabgesetzt[596]. Außer diesem wöchentlich verabreichten, gleichsam zum Lohne gehörigen Badgelde gab man es aber sonst noch, wie heute das Trinkgeld. Im Regensburger Stadtbuch von 1366 war ausgesprochen, den Tagelöhnern habe man kein Trinkgeld, wohl aber Badgeld zu geben. In Frankfurter Ausgaberechnungen von diplomatischen Reisen findet sich für die Diener der Gasthäuser und für die Geleitsknechte Badegeld verzeichnet[127]. Man sprach auch vom „Verbaden“ der Leute. 1485 sollten in Nürnberg die Brautleute außer den Dienstboten „nyemannd verbaden oder padgelt für sie zalen“[201]. ~Walfhart~ hat unter den Ausgaben Herzog Albrechts des Jüngeren von Bayern im 14. Jahrhundert verzeichnet: „an Montag nach Purificationis beate Marie verpadt mein Herre etlich fraven; an Pfintztag vor Invocauit, verpadten die Zenger der Muraher meinen Herrn“[509]. In Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg findet sich im 15. Jahrhundert mehrfach ein Posten, „die weinczürl (Winzer) ze verpaden“[16]. [Sidenote: _Die Höhe des Badgeldes_] In der Regel war das Badgeld für die einzelne Person so niedrig, daß es nur die kleinste Münze betrug. „Meine Bücher, die ich mit großer Arbait geporn, umb ein Badgeld hab müssen verschlaudern“, sagt ~Sebastian Frank~[73]. In Bayern hieß man es geradezu Padpfenning (1294)[534]. Das Badgeld wurde auch in Naturalien gezahlt. In Raitenbuch bei Weißenburg hatte jeder Bauer zu Lichtmeß „ain mz. korns, und 1 kebler, der ein sondre feuerstatt hat, ein mz. habern“ zu geben, außerdem jeder, der zu Gottes Tisch geht (Erwachsener) dem Bader drei „hochzeit pfennig“, nämlich Ostern, Pfingsten und Weihnachten[535]. In Böblingen erhielt der Bader von Unerwachsenen einen Laib Brot zu Weihnachten[198], ebenso in Sundelfingen[16]. Wenn der Abt von Wiltzburg nach Wetelsheim kam, um die „Pauding-Recht“ zu „suchen“, sollte der Bader für ihn ein Bad haben, wofür er „ein metzen lauters Korns“ von ihm erhielt (1402)[144]. Zuweilen werden die verschiedenen Angestellten für die einzelnen Prozeduren bezahlt. In Böblingen erhielt gegen 1554 der Reiber einen Heller zu reiben und einen Pfennig zu baden[198]. 1480 zahlte in Freiberg in Sachsen jeder namhafte Mann drei Pfennig für sich und sein Gesinde, anderthalb Pfennig dem Bader, einen Pfennig in die Stube und der „Schurin“[B] einen Heller, ein Handwerksmann, ein lediger Geselle dem Bader zwei Pfennig, die Frauen zwei Pfennig für sich, einen Pfennig für die Magd, dem Bader und der Bademagd einen Pfennig[183]. Das Badegeld wurde demnach standesgemäß berechnet. Auch in Bamberg betrug es 1480 einen Heller, für Vermögliche einen Pfennig, also das Doppelte[144]. Nach ~Guarinonius~ erhielten die Ansehnlichen im Bad besondere Bänke[134]. Es ist wohl anzunehmen, daß die verschiedenen Stände gesondert badeten. In Gerolzhofen wird z.❆B. 1445 angegeben, daß viele Frauen und auch etliche Männer am Sonnabend nicht gern ins Bad gingen[239]. Die Fahrbadestube in Frankfurt am Main (1337 zuerst erwähnt, 1450 aufgehoben), die dem Leonhardsstifte und der Stadt gehörte, war dem Publikum nicht zugänglich, sondern für die Insassen des Stiftes und die Herrn des Rates bestimmt[127]. In Butzbach in Hessen dagegen gestatteten 1468 die Chorherren des Kugelhauses gegen mäßige Entschädigung auch den Bürgern die Benutzung ihrer Badestube, bis 1494 die Erlaubnis zurückgezogen wurde[194]. Auch in Villingen verliehen die Johanniter ihre Badestube, bedungen sich aber aus, daß wenn sie badeten, es geschehen sollte, als ob sie ihr Geld darum gäben[16]. [Sidenote: _Das Badgeld der Angestellten_] Nicht nur Handwerkern, sondern auch Beamten, zuweilen sogar den höheren, wurde Badgeld verehrt und auch regelmäßig am Samstag. In Rottweil erhielten die städtischen Angestellten (von 1315 bis Mitte des 16. Jahrhunderts) „von ... amptz wegen“ neben Lohn, Geld für Essen und Trinken an „Ungeltern“ auch Opfergeld und „batt gelt“[473], ebenso bekamen zu Basel im 14. Jahrhundert der Ratsschreiber und Unterratsschreiber von Zeit zu Zeit „Geld ins Bad“[260]. Frankfurt am Main gab noch 1706 nach althergebrachter Gewohnheit den Bürgermeistern und einigen Kanzleibediensteten alle Sonnabend eine gewisse Zahl „Creutz-Heller“, die zur Zeit keine gangbare Münze mehr waren und „BaadHeller“ genannt wurden[133]. In Butzbach in Hessen nahmen bei Gelegenheit des Bürgermeisterimbisses Kellner und Herrendiener, Rat und Ratsdiener regelmäßig ein Bad, dessen Kosten aus der Stadtkasse bestritten wurden. Auch wenn man neue Gesellen in den Rat kor, pflegten sich Schöffen und Ratsmannen diesen Genuß selten zu versagen. 1446 wird des bezeichneten Vorfalles gedacht, daß Schöffen und Ratsfreunde, nachdem sie im Bad gewesen, auf dem Rathause einen gemeinsamen Imbiß und ein fröhliches Gelage veranstalteten und dann „unbezahlt hinweg gingen“[194][C]. Das speierische Domkapitel hatte (1512) jährlich auf Martini dem Stadtrat und den übrigen Stadtbeamten von Eßlingen ein großes Gastmahl im Zehenthofe zu geben. Von einem Bade wird hier nichts erwähnt, wohl aber gestattete man nach dem Mahle den Dienstboten, in das Badehaus zu gehen und dort ein Bad zu nehmen. Am Fastnachtsdienstag mußte der Zehenthof wieder ein großes Essen geben. Darnach durften die dabei beschäftigten Dienstboten wieder ins Bad mit Ausnahme des Bäckers und seiner Frau, die nur zu Martini das Bad bezahlt bekamen[61]. Fremde Gäste wurden von Behörden auch ins Bad geladen, das für sie samt der Zeche bezahlt wurde. Als der Frankfurter Rat 1432 mit einem anwesenden Edelknecht unterhandelte, beschloß er, ihm „daz bat zu machen“[127]. In Basel ließ der Rat im 14. Jahrhundert fremde Gesandte auf seine Kosten ins Bad führen[260]. 1423 verehrte der Butzbacher Rat dem Junker von Eppenstein zwei Viertel Wein, „als ihn Herr Johann von Stockheim (der Butzbacher Schultheiß) in das Bad geladen hatte“[194]. Ein besonderes Badgeld wurde den Arbeitern nach Fertigstellung einer größeren Arbeit geschenkt. In erster Linie kommen auch hier die Bauhandwerker in Betracht, die unseren heutigen Richtschmaus im Bade feierten. Nach Frankfurter Baumeisterrechnungen gab man 1429 2 ß den Maurern „czum bade, als man murens uffhorte“, 1436 3½ ß den Steindeckern „czu bade czu geen vnd czu uerdrincken, als sie den buwe follenbrachten“[127]. Ebenso häufig war ein Freibad mit Bewirtung nach der Ernte und der Weinlese. Die Schnitter des Spitals zu Mosbach bekamen 1527 nach der Ernte 1 ß. 2 den. zum Badgeld[461]. In den Rechnungen des Chorherrnstiftes zu Klosterneuburg wird im 15. Jahrhundert häufig für die Winzer Geld zum Bad und „das mal ze pessern“ erwähnt[16]. Nach Beendigung der Herbstgeschäfte wurde dem Klostergesinde, den Handwerksleuten und allen, welche für das Kloster Denkendorf gearbeitet hatten, ein Badtag gegeben. An diesem Tag nahm jeder nach dem Mittagessen sein Weib und, wer ledig war, seine „Zwagerin“[D] und zog mit ihr nach Eßlingen ins Bad[73]. 1559 gibt die Domrechnung von Basel nach der Ernte an: „den knechten fürs mol und badgelt 1 Pfd. 5 ß“[219]. Im 15. Jahrhundert mußten nach einer Herbstordnung zwei Bannwarte in Begleitung der anderen von Haltingen „ein hengelin trüblen“ an einer Stange über die Rheinbrücke nach Basel in das Bauhaus tragen. „Do sol inen ein bumeister ir obendbrot erbarlich bereit han und dannenthin in die badstuoben schicken, und den badstuoben trunck geben und für sie bezalen.“ In ähnlicher feierlicher Weise hatten 1338 die Jäger des Dreieicher Wildbanns, eines großen Forstes, in der Messe einen eingefangenen Hirsch nach Frankfurt zu bringen. „Vnd wan sye komen tzu Sassenhusen, so sullent sye blasen durch die stadt, vnd sullent yne dem schultheiszen heym furen, der sall sye tzu bade furen, vnd sall sye erlichen laszen, vnd sall den hyrtz (Hirsch) mit den scheffen teylen als sin ere ist“[535]. [Sidenote: _Das Bad als Verschönerungsmittel_] Mit dem einfachen Reinigungsbad verbanden namentlich eitele Frauen eine künstliche Verschönerung des Körpers. „Ez ist manig altez wib Dü färwet vnd badet jren lib Vnd schint jr daz vil lützel an Man sech jr doch die runzeln an“[536]. ~Hero~ gibt 1533 bei Besprechung des Bades eine haarfressende Arznei an, die den Körper nicht verbrennt, d.❆h. ein Haarentfernungsmittel, außerdem auch Färbemittel[231], und nach ~Abraham a Santa Clara~ (1711) badeten manche, um sich des Bleiweißes und Spießglanzes bequemer zu bedienen[288]. Die Arsenverbindungen spielten bei der Hautverschönerung eine große Rolle, und man gebrauchte sie, wie aus der schon erwähnten italienischen Anweisung aus dem 14. Jahrhundert hervorgeht, nach dem Dampfbade[537], wodurch die Aufnahme in den Körper besser erfolgte. [Sidenote: _Trinkgelage in den öffentlichen Badestuben_] Man ging aber nicht nur zur Reinigung, sondern, wie schon aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, zum Vergnügen ins Bad und um Gesellschaft zu suchen, was schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts der König vom Odenwald bemerkt[228]. Wein trinken, „harpffen, geygen, tantzen vnd paden“ geben nach einem Weingruß viel Freude[584]. In einem Gedichte des Liederbuches der ~Clara Hätzlerin~[259] wird Baden für Mann und Frau zu den größten Freuden des Lebens gerechnet. „Baden ist ain rainclich lust, Als er vf erden mag gesein. Es ward vff erd chain fraw so vein An leib, an claidern, an allen sachen, Sy haisz ir dannocht machen Ain bad durch sunderlichen lust. Hatt ain man dann vf der iust Gedienet schönen frawen, Ist er in Turnay wol erplawen, Hatt er gewallet oder geraiszt, So gert er doch aller meist Vor allen fräden baden. Darzů tůtt man laden Alle gůt gesellen, Die zu der fräd wöllen ... Baden ist ain sauber spil, Das ich auch ymmer preisen wil.“ Um das Jahr 1470 feierte ein Stiftsherr zu St. Bartholomäus in Frankfurt am Main sein Jubiläum und „hat den ganzen Stift und ander sine gute Frunde darzu geladen und diesen allen den ganzen Tag gütlichen gethan und den andern Tag gebatt in dem Sweis- und Wasserbaden“[197]. Auf dieselbe Weise feierte ein Chorherr des genannten Stiftes 1410 sein Jubiläum[127]. Die vornehme Gesellschaft Limburg in Frankfurt feierte einmal im 15. Jahrhundert mehrere Tage lang Fastnacht, „und am Schluß gehend die Gesellen in das Bad zu der Weißen Badstuben und das Badgeld bezahlen die Frauen“[519]. Zieht man in Betracht, daß nach dem Liederbuch der ~Hätzlerin~ am Montag die Trunkenen baden[259], nach dem König vom Odenwald man in die Badestube geht, um nüchtern zu werden[228], nach ~Hans Sachs~ im Höllenbade auf den Bänken „schlemmer, trunckenböltz, füllhels und demmer (Schwelger)“ sitzen[29], und daß der Greifswalder Professor ~Franc. Joel~ (16. Jahrhundert) Wasserbäder gegen Katzenjammer empfiehlt[16], so erscheint der Besuch der Badestuben nach den Frankfurter Festlichkeiten in einem eigentümlichen Lichte. Das Gleiche gilt vom Baden am blauen Montag der Handwerke. In Amberg durften die Gesellen alle vierzehn Tage ihren guten Montag, den sog. Badtag, erst des Nachmittags nach beendetem Tagwerk halten[205]. Die bayerische Landesordnung von 1553 will den guten (blauen) Montag und das Badgeld abgeschafft haben[46]. In Hildesheim waren die Mitglieder der Schneidergilde bei Strafe verpflichtet, an den sogenannten „freien Montagen“ nach Beendigung der Messe das Bad aufzusuchen. ~Becker~ versteht unter den freien Montagen die nach Ostern, Johannis und in der Maiwoche[52]. Hier handelt es sich wohl um eine andere Art Bäder der Handwerker, die sogenannten Stovenlaghe (Badstubengelage), die z.❆B. in Lübeck die Drechsler und Kistenmacher, in Wismar 1515 die Zimmerleute, 1523 die Maurer abhielten[533]. In Görlitz wurde alle Quartal an dem Badetage, an welchem sich die Gesellen baden und gründlich reinigen sollten, ein Mahl gehalten[205]. In Frankfurt am Main durfte in den Zunftgeboten, in welchen die Rechnungsablage vorgenommen wurde, jedem Anwesenden Badgeld aus der Zunftkasse gegeben werden[127]. Eine mecklenburgische Polizeiordnung von 1516 verbot den an etlichen Orten herrschenden Mißbrauch, daß die Handwerksfrauen „im ingange der hantwercke erer eelicken manne mit neinem stouenbade, collacien edder spyse“ beschwert würden[53]. [Sidenote: _Das Singbad_] Als Badestubengelage muß auch das Singbad der Meistersinger gelten. In der Kolmarer Meisterliederhandschrift heißt es in einem wohl aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gedichte: „So will ich singen waz ich kan als dick als es gelanget mir Al in dem bad vnd bij dem win wie gerne ich daz tet“[464]. Die Ulmer Tabulatur von 1644 bestimmte: „Die Singer .... sollen sich alles Zusammen Singens, es sey auff der Schul, in den Zechen, in dem Bad enthalten. Es wäre dann sach der Bixenmeister oder Märcker begehrtens an Sie.“ In der Ulmer Tabulatur von 1599 wird das Singbad auch „Bad-Zech“ genannt, die von einem „Schulmeister“ gegeben wurde. Nach der Ulmer Tabulatur von 1644 sollte der Kron-(Kranz-)gewinner, der „Kronmeister“ gleich den Montag nach der Freischule ein Singbad anstellen. Dem Singbad in Ulm entsprach in Nürnberg die „Festsuppe“, die vom „Schulhalter“ auf eigene Kosten den Sängern nach der Festschule gegeben werden mußte. Dem Schulhalter war bei jeder Singschule die Anordnung übertragen. Wie in Ulm der Krongewinner, so hatte in Nürnberg der Sieger im Kranzsingen drei Monate nach seinem Siege ein Kranzsingen, gewöhnlich Kränzlein oder Kranz genannt, zu geben[465]. Erinnern wir uns, daß in der „Suppe“ bei der Badenfahrt guter Gesellen[36] das Kränzlein von einem auf den anderen überging, wobei der Besitzer des Kranzes die Kosten der Zeche tragen mußte, so ist hier unschwer ein Singbad zu erkennen, zumal die einzelnen Gesellen ihre Wünsche in gebundener Form vorbrachten (Abb. 87). Die erwähnten Meisterlieder, die von ~Hans Sachs~’ Hand geschrieben sind, müssen auch als Lieder des Singbades gelten. Meist wird der Bader wegen schlecht besorgter Badestube geneckt, doch ist es dem Dichter nicht ernst damit: „Pader, ich thu nur spotten, hapt mir für guett, im padt mon thuett oft reisen solche zotten“[337]. Es kommen auch Lobeserhebungen des Baders und seiner Stube vor, wofür einmal das Schenken des Badgeldes gefordert wird[464]. [Sidenote: _Die Badestube als Versammlungsort_] In manchem glich die Badestube dem heutigen Wirtshause, „Stovenmere“ ist das Gerede in den Badestuben und bedeutet soviel als Wirtshausgeschwätz[533]. In ~Philipp von Allendorf~s Judenbadstube (1535) heißt es: „So schwetzt man auch im bad gar vil“[234]. Selbstverständlich wurde auch politisiert. „Das ist wider die juden und bösen christen, die da spöttisch reden von den heiligen sacramenten, als man da thůt in den batstůben“, sagt ~Geiler von Kaisersberg~ 1518, und in einer Predigt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts heißt es: „Dort sitzen sie imm Padstübl und reden keczrisch wider gott vnd kaisser“[16]. Die Badenfahrt guter Gesellen[36] ist ein Religionsgespräch aus der Zeit der Reformation, das zur Versöhnung der feindlichen Parteien beitragen sollte. In Köln wurden bei einem Aufstand die Feinde des Rats nicht müde, auf den Gaffeln, in Trinkstuben und in Badestuben, den Ratsherren und Ratsbeamten Gewalthandlungen, Rechtsverletzungen und Bestechungen vorzuwerfen[539]. 1488 heißt es in der Weißenhorner Historie vom oberschwäbischen Bauernaufstand: „Alß die waldknecht, die den lerman angefangen hetten, die grosse aufrur und not sachen, da manet sy ir fenderich, sy sölten iren herbergen und waffen zulaffen. Das theten sy, versamleten sich etlich bey dem spital und namen die gassen ein, etlich kamen zesamen in der badstuben, möchten weyter nichts mer thon“[128]. [Illustration: Abb. 87. Morgensuppe im 16. Jahrhundert zu Baden im Aargau. Titelholzschnitt zu „Ein badenfart gůter gsellen“ von ~Hans Achtsinit~ (wahrscheinlich ~Nikolaus Manuel~).] [Sidenote: _Badetage_] In kleinen Ortschaften badete man nur am Samstag, z.❆B. 1467 in Bräunlingen bei Donaueschingen, in anderen zweimal in der Woche, z.❆B. im Dorfe Langensteinenbach bei Karlsruhe[219]. In den Städten waren meist drei Tage dazu bestimmt, in Zwickau 1284 Montag, Mittwoch und Sonnabend[540]. Häufiger kommen Dienstag, Donnerstag und Sonnabend vor, z.❆B. 1536 in Durlach[219]. War einer der genannten Tage ein Feiertag, mußte dafür an einem anderen, meist am vorhergehenden Tage Badetag gehalten werden. Eine besondere Stellung nahm der Donnerstag ein. In einem Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts werden die Wünsche einer Frau für jeden Tag angeführt: „Am phinztag sie zum pad begert“[12]. Daß die Märzenbäder am Donnerstag stattfanden, wurde S. 17/18 erwähnt. An Sonn- und Feiertagen und am Freitag durfte fast überall nicht gebadet werden. Nach dem Liederbuch der ~Hätzlerin~ taten es die Ungehorsamen[259]. „Man hat auch gesetzet, daz dehaine pader an dehainem freytage kaine pade furbas mer haben sol“, heißt es in den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts[201]. Luzern verbot vor 1320 das Heizen der Badestuben am Freitag[111]. In Breslau durften die Bader (1486) an heiligen Tagen nicht arbeiten[210], in Eßlingen (1487) weder Freitags noch an der Fastnacht heizen[16]. In Steiermark wurde 1652 und 1676 den Badern gesetzlich untersagt, am Vormittag der Sonn- und Feiertage ihre Stuben zu öffnen[84]. [Sidenote: _Erlaubnis zum Heizen außer den Badetagen_] Die von der Obrigkeit vorgeschriebenen Tage mußte der Bader innehalten. Ausnahmsweise durfte in Frankfurt nach Einholung bürgermeisterlicher Erlaubnis auch an anderen Tagen geheizt werden[127]. In Konstanz war den Meistern 1483 sogar am Freitag gestattet, Bad zu halten mit „erlobung ains zunftmaisters, und sol nymand baden noch laden wan dye mit dem komend der daz bad gefrümpt (bestellt)[E] haut“[219]. Die Bamberger Baderordnung verbot 1480 „zwahen oder scheren“ an Sonn- und Feiertagen, es sei denn ein Fremder. Bis 1515 hatten in Würzburg manche Bader an einigen Chorfeierfesten Bäder bereitet, andere nicht. Nun sollte keiner mehr Feuer anzünden, es sei denn mit Genehmigung zweier geschworener Meister[144]. In einer Ordnung setzten 1604 die fünf Meister Bader von Zürich fest: „Wan die fümff Meister Bader zu Sommers Zyt, waßer beder. einer oder meer hetend. daruon dann die badstuben warm wirt. so sol derselbig Meister an den vnngraden tagen. an denen mann gemeinlich nit heitzt. jnn der Badstuben niemandts schrepfen noch baden laßen. es werind dan durchreißende Personen verhanden. die an gmeinen heitztagen die badstuben nit bsuchen köntendt. alß dann sol ein jeder Meister harjnnen gefrigt syn“[240]. „Die von Ulm ließen (1529) offenlich beschreyen vor dem heyligen Tag (25. Dez.), man wellte marckt halten am newen jarstag, wie sunst anaynem samßtag, so allweg marckt ist, desgleichen bad, wie sunst, mit aller handthierung (loblich sachen)“[128]. Während der Messe und an Fürstentagen durfte in Frankfurt mit Ausnahme der Charwoche und der Feiertage alle Tage gebadet werden[127]. [Sidenote: _Das Hochzeitsbad_] Es scheint selbstverständlich, daß man vor der Hochzeit als einem Feste badete, der Bräutigam, die Braut und die Badegäste. „Wenn man hochzeit haben sol, Wen man hat darzu geladen, Der muez sich gar sauber paden Vnd legt schonew chlaider an“, singt der ~Teichner~ im 14. Jahrhundert[16]. Es handelt sich aber nicht nur um ein einfaches Reinigungsbad direkt vor dem Feste, sondern um eine Feierlichkeit, die einen Teil der Tage dauernden Hochzeit ausmachte. In Zittau wurde 1616 das Brautbad am Sonnabend oder am Badetage genommen[16], d.❆h. an einem gewöhnlichen Badetage in der öffentlichen Badestube. Einer der Hochzeitstage hieß 1490 in Gerolzhofen (Franken) der „Wenzeltag“, an ihm fand das Bad statt[239], in Stolberg am Harz 1526 in der „Walgernacht“[592]. In Erfurt geschah 1351 das „vßbade“ nach der Hochzeit[115]. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts, auch 1476[202] und noch 1565 werden in Görlitz vor und nach der Hochzeit Bäder erwähnt, ebenso 1626 in Pritzwalk[16]. Das Bad nach der Hochzeit scheint aber die größere Feier gewesen zu sein. „So denn der Hochzceittag loblich hingebrocht ist vnd nach alder gewonheit braut vnd breutigam mit ihren frunden zcu bade gegangen sint“, heißt es in den Görlitzer Statuten von c. 1434 und 1476[202]. Dies ist nichts Auffallendes; wir finden ja auch am Schlusse anderer Festlichkeiten ein Bad. Zum Hochzeitsbade begleiteten Männer den Bräutigam, Frauen und Jungfrauen die Braut. Schon früh wird die Zahl der Begleiter beschränkt, in Braunschweig 1320[127]. Nach den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts sollen vier Frauen mit der Braut zum Bade gehen[201]. Regensburg erlaubte im 14. Jahrhundert dem Bräutigam vierundzwanzig seiner Genossen „daz er vnd die Prawt sol selb acht frawen dar gen vnd mit dheiner mer“[200], und das Münchener Stadtrecht (vor 1347) schrieb vor: „ze der vest und ze pette und ze pade (auch hier nach der Hochzeit!) sol man haben ietweders tails niur sehs frawen, daz sint zwelf frawen“[203]. Danach scheint es fast, als ob im 14. Jahrhundert der Bräutigam auch Frauenbegleitung gehabt habe. Augsburg erlaubte in einer Verordnung des 13.Jahrhunderts jedem Teile fünf und im selben Jahrhundert etwas später zehn Begleiter[541], Görlitz c. 1434 je zwölf, 1440 aber nur zehn[202], 1467[210] und 1476 wieder je zwölf[202]. [Illustration: Abb. 88. Darstellungen aus dem Leben der Frau. Links Badestube mit Kindsbetthof und Brautbad. Kpfr. ~Wenzel Hollar~. 1607–1677.] Ob beide Parteien getrennt badeten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, immer wurde die Scheidung der Geschlechter jedenfalls nicht durchgeführt. Man aß dabei und trank im Übermaß im Bade oder wenigstens nach dem Bade im Badehause, wo auch der Tanz stattfand. „Vom Brautbade (wie mans nennet)“, sagt ~Spangenberg~ 1563 im Ehespiegel, „will ich nichts sagen, so man nicht ein vnordentlichs geseüffe darauff treibet, vnd züchtig vnnd erbarlich sich helt, so hat es seinen weg. Die schändtliche gewonheyt der Walgernacht (an ettlichen orten noch breüchlich) ist hye billich abgeschafft, solte auch nicht geduldet noch gelitten werden“[508]. Der Erfurter Zuchtbrief ließ zu einer Hochzeit nur zweiunddreißig Schüsseln Speise zu „vnd 16 zu dem vssbade, vnd sechs spilman vnd zwene vnrether“[115]. Wie es beim Tanz herging, zeigt eine Stelle aus den ältesten Statuten von Görlitz (c. 1434): „Alsdenn vormols dy jungen gesellen noch dem bade widir gute sitten jn badekappin vnd barschenckicht, vnd ouch nicht alleine zcu der zceit, sunder ouch zcu andern tentzcen getantzt habin, wil der Rath das fortmeh kein mansbilde jn badekappen adir barschinckicht tantzcen sulle, sunder alle dy do tanzcen wollen sullen sein mit yopen vnd hossin angethon noch ander lannde vnd stette loblicher gewonheyt“[202] (verg. Abb. 88). [Sidenote: _Einschränkungen des Brautbades_] Die behördlichen Verordnungen, welche das Brautbad betrafen, suchten es zu einem einfachen Bade zu gestalten. Nach den Nürnberger Polizeiordnungen (13. und 14. Jahrhundert) war der Braut wohl erlaubt, vier Begleiterinnen mit ins Bad zu nehmen, doch sollte man zur „padlat“ Männer und Frauen „weder peiten noch ezzen noch trincken noch tantzen von derselben padlat wegen“. 1485 durften weder Braut noch Bräutigam jemand „verbaden oder padgelt“ zahlen, „noch auch nach dem pade ainicherlay mal noch zech haben“ und nur der Braut und des Bräutigams Hausgesinde Badgeld zahlen[201]. Augsburg erlaubte 1550 und 1562 den Brautleuten, nach dem „Breutelbad“ eine Zech zu halten, wenn sie es wollten, doch nur mit sechzehn Gästen[16]. Ausdrücklich wird 1476 in Görlitz verlangt, daß die Freunde nach dem Bade die Brautleute heimbegleiten und zu Hause ein einfaches Mahl aus Käse, Brot und Obst mit Landwein und heimischem Bier einnehmen sollen[202]. Grünberg in Hessen verbot 1492, „mal ader orten“ nach dem Bad zu haben[619]. Nach einer Verordnung von Gerolzhofen vom Jahre 1490 lud der Bräutigam zum Bad und dem darauf folgenden Nachtessen ein; er mußte demnach die Kosten tragen. Auch die Badleute (Bader) erhielten Speise und Trank, was Gerolzhofen in demselben Jahre verbot[239]. 1616 sollte in Zittau am Badetage kein Gast außer den Hochzeitsbittern gespeist werden[16]. In Ulm wurde 1400 bei einer Hochzeit Badgeld gegeben[73]. Nürnberg verbot 1485, wie wir sahen, anderen Leuten als dem Gesinde Badgeld zu zahlen[201], ebenso die Stadt Grünberg in Hessen 1492[619]. Ein vollständiges Verbot der Brautbäder soll nach ~Westenrieder~ der Münchener Rat schon 1405 erlassen haben[46]. „Die walger nacht, wie sie vor alters gehalten, als mit bade vnd dantzen, soll gantz vnd gar absein vnd nit mehr gehalten werden“, heißt es in den Stolberger Statuten (1526)[592]. 1555 wurden in Görlitz alle „geprängischen“ Hochzeitsbäder, 1626 die in Pritzwalk verboten, in Havelberg 1655 die Abendhochzeiten, Kranzmachen und Brautbaden. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg untersagte 1551, Gäste zu laden, 1580 erneuerte der Rat von Berlin die Verordnung[16], und 1604 verbot Kurfürst Joachim Friedrich auch das Baden der Brautleute[144], nach ~Fidicin~ wurde es nur eingeschränkt[191]. Nach der Heilbronner Hochzeitsordnung vom Jahre 1492 mußten (?) sich einen Tag vor der Hochzeit alle Hochzeitsgäste baden, worauf sich die Gesellschaft in das Hochzeitshaus zu einer sog. gelben (Safran-)Suppe begab. Die Hochzeitsordnung von 1699 verbot diese „Barbiersuppe“[73]. Vornehme Leute hielten das Brautbad nicht in der öffentlichen Badestube ab. Am 18. September 1563 hat Bürgermeister Gentzkow von Stralsund in seinem Tagebuche bemerkt: „badede die brudt ehr bet in minem stauen; dat costede mi all etwas“. Es handelte sich um die Braut seines Sohnes. Das Bad fand zwei Tage vor dem „brutlacht“ statt[542]. 1715 war das Brautbad nach ~Corvinus~ nur ein einfaches Reinigungsbad der Braut vor der Hochzeit, dem vornehme Personen wohlriechende Kräuter zusetzten[422]. [Sidenote: _Das Schenken von Badewäsche zur Hochzeit_] Mit dem Brautbad wurde das Schenken von Badewäsche verbunden, die man in solcher Fülle austeilte, daß die Zahl der Beschenkten gesetzlich beschränkt werden mußte, aber auch der Luxus, mit dem die Wäsche ausgestattet wurde. In Augsburg sollte Ende des 13. Jahrhunderts zur Hochzeit niemand mit leinenem Gewand beschenkt werden als der Bräutigam und der nur mit zwei Bräutelgewand und einem Badelaken[541]. 1562 traten an Stelle der letzteren zwei Zwagtücher[16]. In Nordhausen sollten Braut und Bräutigam 1470 an „brutstugken“ nicht mehr geben, als bisher Gewohnheit gewesen ist, nämlich an „badecappen, hemden, sleigern, gorteln unde schon“ (Schuhen)[588]. Magdeburg verbot 1544 das Schenken von Hemden und Badekitteln an Eltern und Verwandte der Brautleute[16]. In Nürnberg durfte 1485 die Braut nur dem Bräutigam ein Mannshemd oder Badhemd schenken[210], und der Rat von Berlin verordnete 1580 neben dem Verbot der Brautbäder, daß die Braut niemandem als dem Bräutigam, seinen Brüdern und des Bräutigams Vater und zwar jedem nur ein Hemd, nicht aber den Schwestermännern, Brüdern oder Bruder- oder Schwesterkindern etwas unter dem Namen von Badekleidern zu geben befugt sein solle. Die Rostocker Kleiderordnung vom Jahre 1581 befahl, die Braut dürfe dem Bräutigam nicht mehr als eine Badekappe, höchstens fünf Gulden an Wert, zwei Kopftücher und einen Badebeutel schenken[543]. Lübeck schrieb (zwischen 1467–78) vor, die Braut solle niemandem als dem Bräutigam leinene Kleider geben, „unde de badekappe, de de brud deme brudegamme gifft myt deme hemede, en schal nicht beter wesen dan achte mark lubesch“[544] (siehe auch S. 119). Man setzte den Wert der Wäschestücke fest, weil diese nicht mehr einfache Gebrauchsgegenstände, sondern Prunkstücke waren. So kommt in einer Züricher Teilrödel der adeligen Familie von Zoller 1690 ein Zwachtuch mit „Carmoßin Syden genehet“ vor[308], und in der Stralsunder Kleider- und Hochzeitsordnung vom Jahre 1570 wird der Braut wohl gestattet, dem Bräutigam ein „hembde vnd nesedock“ zu geben, doch sollten beide nicht mit Gold und Perlen geziert sein[593]. Im 18. Jahrhundert wußte man nichts mehr vom Brautbade im alten Sinne und dazu geschenkten Badehemden. Wohl bestand aber die Sitte, daß die Braut den Bräutigam in den meisten Gegenden Deutschlands mit einem oder mehreren Hemden beschenkte und der Bräutigam am Abend seiner Verbindung einen Schlafrock und eine Mütze auf dem Hochzeitsbette fand. Schriftsteller des 18. Jahrhunderts haben in der Mütze die alten Kopftücher (Zwagtücher zum Kopftrocknen) und im Schlafrock das alte Badehemd sehen wollen[543][F]. [Sidenote: _Die Kindbettbäder_] Nicht minder als die Hochzeit gab das Wochenbett Anlaß zu mehreren Gastereien, die aber nur im Kreise der Frauen gehalten wurden. Man nannte sie Kindbetthöfe, in Basel „Westerlage“, in Zittau „Lachen“ und die eingeladenen Frauen „Lachenweiber“. Sie fanden zur Taufe, zum ersten Kirchgang und zum ersten Bade der Frau nach dem Wochenbett statt. Auch hier mußte die Zahl der Eingeladenen und der Aufwand beschränkt werden. Beim Mahl standen Süßigkeiten im Vordergrunde. In Frankfurt durften sie nur in Lebkuchen und Konfekt bestehen[127]. Ulm schaffte 1411 alle Kindbetthöfe ab und gestattete, nur einmal zu einem Bade Frauen, aber nicht mehr als drei zu laden. Auch hier mußte der Rat gegen das kostbare Konfekt und den Zucker, der dabei gebraucht wurde, eifern[50]. Ebenso ließen die Nürnberger Polizeiordnungen (13. und 14. Jahrhundert) nur drei Frauen zur „padlat“ zu[201], die übrigens in Ulm 1411 „Badhof“ genannt wurde[73]. In derber Weise schimpft ~Fischart~ über „Kindtauff, Kindschenck, die Kindbetthöf, die Küchelbäder, da man die Kindbetterin vnd sechswochnerin wider zu Jungfrawen vnd gromat[G] sauffet“[598]. [Sidenote: _Die Seelenbäder_] Eine besondere Beachtung verdienen die sogenannten Seelenbäder (balnea animarum). Sie verdanken ihre Entstehung den Lehren der katholischen Kirche. Demnach erscheint es natürlich, wenn sie mit der Reformation zurückgingen. Aber auch in katholischen Gebieten verminderten sie sich beträchtlich im 16. Jahrhundert. Sie sind barmherzige Stiftungen und für Arme bestimmt, die unentgeltlich das Bad genießen sollten. Ihnen liegt die Vorstellung zugrunde, daß jedes Werk der Barmherzigkeit der Seele seines Urhebers im ewigen Leben zu Nutzen und Förderung gereiche und insbesondere imstande sei, einen Teil der durch irdische Sündhaftigkeit verwirkten Strafen abzutilgen. Sie sind eine Unterart der in den mannigfaltigsten Formen auftretenden Seelgeräte[545], in einem Koldizer Aktenstück aus dem 15. Jahrhundert ausdrücklich als „zelgerethe zcu der badestuben“[510], 1340 in Zittau als „Seelengeräth auf der Stuben vor der Stadt“[16] bezeichnet. In der Subachschen Seelgerätstiftung von 1440 für das Jungfrauenkloster St. Georg zu Glaucha vor Halle wird Abhaltung von Vigilien und Seelenmessen und am selben Tage ein Bad vorgeschrieben[190], ebenso 1330 in einer Wiener Stiftung nach dem Seelenamt ein Bad[16]. Wir müssen demnach die Seelenbäder als Fortsetzung der in früheren Zeiten von Wohltätern Armen und Kranken persönlich gereichten Bäder auffassen. Die Stiftungen von Seelenbädern sind meist letztwillige Verfügungen und dem entsprechend die Stifter einzelne Personen oder Familien, meist bürgerliche, selten adelige oder fürstliche[545], z.❆B. Friedrich der Weise 1517[196]. Ausnahmsweise kommen auch weltliche und geistliche Korporationen vor. So ließ der Rat von Zwickau (1350) jährlich vier Seelbäder auf Gemeindekosten verabreichen[545]. 1403 lehnte der Rat von Jena die vor dem Johannistor gelegene Badestube erblich dem Nic. Jungen, „und sollen auch alle jahr, jerlichen vier Seel Bade machen zu jeglicher Wichfasten eins, uff yr eigen kosten“. In Freiburg in Sachsen (?) verkaufte 1532 die Stadt ihre Badestube mit der Verpflichtung, daß der Bader jährlich vier Seelbäder zu Weihfasten abhielte, wofür er die Gebühren wie von alters her vom Rate erhielt[16]. 1543 schloß der Magistrat der Stadt Grimma mit dem Bader Georg Zeiß einen Pachtvertrag, nach dem dieser jährlich ein Seelenbad zu halten hatte[545]. Ich glaube, daß in diesen Fällen die Seelbadstiftung nicht von der Stadt ausging, sondern daß die Gemeinde durch ältere Vermächtnisse verpflichtet war, die Bäder zu halten. Als 1494 die Stadt Butzbach von den Kugelherren des St. Markusstiftes deren Badestube übernahm, ging an sie die Verpflichtung über, Seelbäder zu halten. Die Kugelherren waren aber nicht die Stifter derselben, sondern Hartmann Möller, ein Kanoniker des Bartholomäusstiftes in Frankfurt[194]. Selbst arme Leute stifteten Seelenbäder. „Margaret Hannsen Angeruelder des Jungern dienerinn; verordnet letztwillig (1425 in Wien): Item Iren Sechsfuechtigen Sloyr mit dem prawnen entlein schafft Si in das Spital den armen leuten, doch sol man versuhen, ob man dauon mug ausrichten ain mal vnd ain pad — vnd ain Armen menschen, den Si albeg genant hat Vater, dem schafft Si dauon ain pfund vnd vmb zwen Schuch ain padgelt“[16]. In Wien kommen im 14. und 15. Jahrhundert häufig Seelenbadstiftungen für die Dürftigen und Siechen im Spital vor, 1411 in Königgrätz. In Regensburg findet sich ein Seelbad für die Dürftigen zu St. Lazarus[16], in Jena 1369 für die Schwachen und Kranken im Nicolaispitale vor dem Saaltore[290]. Viel häufiger wurden sie mit Ausnahme Wiens den Armen im allgemeinen gestiftet, so in Hannover 1393 allen armen, notdürftigen Leuten[197], ebenso 1461 in Grünberg in Hessen[435] und 1552 in Halle[190] allen Armen, in Zittau 1424 für alle Arme, „sie seyen gelehrt oder ungelehrt, Mann oder Weib, jung oder alt, Niemand ausgenommen“[545]. In Lübeck waren im 14. und 15. Jahrhundert die Seelenbäder meist für eine beschränkte Anzahl Armer, z.❆B. für zwölf, fünfzig und hundert bestimmt, in Halle 1513 für zwölf Arme, in Freiberg für Schüler und arme Leute[196]. Nur einmal finde ich 1440 ein Seelenbad für Nonnen und zwar im Jungfrauenkloster zu St. Georg zu Glaucha vor Halle, das alle Quartal nach den Vigilien und Seelenmessen in der Badestube des Klosters abgehalten werden sollte[190]. Nirgends ist das Baden von Armen in Nonnenklöstern als Seelbadstiftung erwähnt. Ich möchte darum auch folgende bei ~Bodmann~ erwähnte Stelle nicht auf ein Seelenbad beziehen, zumal nach den Quellen sich nirgends ein Anhalt dafür findet, daß es bei den Seelbädern unehrbar zugegangen wäre. Den Schwestern in der St. Georgenklause unter dem Johannisberge im Rheingau wurde vom Erzbischof Konrad III. von Mainz 1426 auf Antrag des Vizedoms verboten, irgend jemand von auswärts weder umsonst noch gegen Geld in der Klause baden zu lassen, weil die Schwestern unter dem Vorwande, Laien beiderlei Geschlechts zu baden, sich die Gelegenheit zu einem freien, skandalösen Benehmen verschafft hätten und die Leute statt zu baden sich zu ergötzen kämen[114]. [Sidenote: _Beköstigung beim Seelenbade_] Nach einer Dresdener Seelenbadstiftung von 1394 sollten zwölf Badelaken für die Armen bereit gehalten werden[16]; wer in Halle (1552) neben dem Baden auch Schröpfen wollte, sollte es um Gottes willen haben[190]. Sehr häufig kommen auch noch andere kleinere Vergünstigungen für die Armen vor. In Wien war das Seelenbad meist mit einem Mahl verbunden, das 1428 als Wein und Brot näher bezeichnet wird. Der Erzbischof Matthias Lang von Salzburg stiftete 1539 ein Seelenbad, bei dem jedem armen Menschen drei Kreuzer auf die Hand gegeben werden sollten[16]. In Lübeck sind 1370 eine Tonne Bier für fünfzig Personen zur Erquickung und jedem ein Weißpfennig, 1375 jedem ein Heller, 1376 zehn Mark zum Trinken verzeichnet. In Halle bekam 1513 jeder der zwölf Armen ein paar Semmeln, ein paar Eier und einen alten Pfennig, in Freiberg wurden (1487) zu jedem Bade ein Faß Bier und ein Brot um zwei Gulden unter die Armen verteilt[196]. Die Nonnen zu St. Georg in Glaucha vor Halle erhielten 1440 nach dem Bad, jung und alt, Bier aus dem Subachschen Vermächtnis[190]. 1488 kommt in einer Seelbadstiftung zu Glauchau vor: „Item auch hat er versurget eyn sehelbath vnd eyne spende jn sulcher forme. Daß das sehelbath nach gewohnheyt mit aller notdorft. mit, eßenn vnd trinken dy menschen versorget sullin werden. Vnd daß allir beste bir. alß jn seynem keller funden wert sal man dem armen mildiglich zu der Spenden reichen vnd eynen itzlichen armen menschen 1. pfennigk vnd eyn broth daß eyn phennigk gilt darzun geben“[540]. Die Zahl der Speisenden wurde zuweilen nach „Tischen“ bestimmt. In Waltershausen erhielten auch die Badergesellen ein mäßiges „Tranckgeldt“, welches die „Vormündere“ der Marienpfarrkirche auszuzahlen hatten[545]. In Lübeck waren die Seelenbäder vom 14. bis zum 16. Jahrhundert meist nur einmal oder innerhalb des ersten Jahres nach dem Tode des Stifters einmal wöchentlich abzuhalten[196]. Der Ratsmeister Caspar Querhammer in Halle verlangte es innerhalb des ersten Vierteljahres nach seinem Tode[190]. In Wien sollten 1330 die Armen des Spitals fünfzig Tage lang an den Montagen ein Bad erhalten[16]. Häufiger sind die Stiftungen „auf ewige Zeiten“. In Leyznick sollte 1506 jedes Jahr einmal Seelbad gehalten werden[16], in Zwickau im 14. Jahrhundert zweimal jährlich[540]. Am meisten aber wird das viermalige Abhalten im Jahr, so außer an den schon genannten Orten in Meiningen 1370[197], in Glaucha vor Halle 1440[190], und etwas seltener die wöchentliche Wiederholung verfügt, 1394 in Dresden, 1340 in Zwickau[16], 1393 in Hannover[197]. In Würzburg wurde 1462 ein 1411 gestiftetes Seelenbad bestätigt, das alle Montag, und wenn dieser Tag ein Feiertag wäre, alle Donnerstag gehalten werden sollte[144]. Die Badezeit erstreckte sich in der Regel über den ganzen Tag, beginnend nach Beendigung des Morgengottesdienstes („nach den vier Messen“) in der Pfarrkirche[545], für Zwickau wird 1340 angegeben früh bis nach Vesperzeit[16], für Grünberg in Hessen 1461 ein halber Tag[435], für Dresden 1394 der ganze Tag[16]. Das Waltershäuser Quatemberseelenbad scheint „an dem mittag ump zwölff hora“ seinen Anfang genommen zu haben und währte „bis zu abend, daß der Seyger sechse schläget“[545]. [Sidenote: _Ankündigung des Seelenbades_] Den Beginn des Seelenbades hatte der Bader hie und da durch „läuten oder klimpeln“ kundzumachen. In Erfurt hatte jedoch die Eröffnung des domkapitelischen Armenbades ein „Bierrufer“ auf dem Markte und zwar mit den Worten auszurufen: „ein Seelenbad, ein gutes Bad haben unsere Dom-Herrn allererst aufgethan hinter unser lieben Frauen Berge; wer baden will, soll garnichts geben“. In Döbeln verordnete 1460 der Stadtrat, welcher für die Seelbäder die Gewährleistung übernommen hatte, daß „künftig jedesmal den Sonntag vorher, ehe eines der vier Seelbäder für die Armen gehalten würde, solches und von wem sie gestiftet worden seien, auf der Kanzel vermeldet werden sollte“[545]. Nach einer Stiftung zu Hannover aus dem Jahre 1393 wurde ein wöchentlich zu haltendes Seelbad zweimal im Jahr „van dem Predichstole (herab) gekundiget“[197]. Caspar Querhammers Seelenbad in Halle (1552) mußte in allen drei Pfarren der Stadt und außerdem zu St. Lorenzen und St. Georg von der Kanzel angesagt werden[190]. In Zwickau lautete im 16. Jahrhundert eine Ankündigung: „Dergleichen hat der Radt vff morgen montag ayn selenbadt zu der obern stuben bestellen lassen, wer um gotte willen baden will mag sich dahyn fugen“[16]. Die Verpflichtung zum Beten für den Stifter war offenbar in jedem Seelbadvermächtnis enthalten, wie ~Gengler~ meint. In einzelnen Urkunden wird es ausdrücklich hervorgehoben. So hatte der Bürger Nikolaus Schwertfeger zu Döbeln 1446 in der Niederbadstube zwei Seelbäder gestiftet, „uff das die armen luthe vlißlichen den almechtigen got geloben, vor vns vnd frauwen ylßen kreczemerynne, Nicolaen Swertfegers vnd alle der synen vorfahren vnd nachkommen selin gebethin mogen, das vns der Almechtige got muße genedigk sein“, und in dem Schoßbefreiungsprivileg der Grafen von Beichlingen von 1440 wird den Besuchern des im eximierten Sedelhofe zu Cölleda befindlichen Seelenbades sonderlich ans Herz gelegt, auch den auf dem Schloß Beichlingen verstorbenen gräflichen Familiengliedern ihre fromme Fürbitte zuzuwenden[545]. Es scheint jedoch nicht bei jedem Armenbade, das seine Entstehung einer Seelbadstiftung verdankt, ein Beten für den Stifter stattgefunden zu haben. So sollten im Katharinenspitale zu Bamberg 1493 die Kranken aller vierzehn Tage von des Pulen (eines Wohltäters) Almosen gebadet werden. Außerdem erhielt jeder Badende ein Quart Wein oder Bier aus der Stiftung eines Chorherrn. In der Goldwoche nach Lucia (13. Dezember) sollte aber ein „Sele padt“ gehalten werden mit drei Pfund „Semelin“, ein Eimer Getränk und ¼ Obst von des Pulen Almosen[144], woraus doch zu schließen ist, daß nur an diesem einen Tage des Stifters in feierlicher Weise gedacht werden sollte. Hervorgehoben soll noch werden, daß das aller vierzehn Tage genommene Bad und das dabei genossene Getränk von zwei verschiedenen Stiftern herstammte, und ~Roth~ verweist darauf, daß Seelenbad bisweilen auch eine Spende ohne Bad bedeutet[195]. [Sidenote: _Besondere Arten der Seelenbäder_] Es sei noch einiger besonderer Arten von Seelbadstiftungen gedacht. Claus Becker mußte 1504 in Halle wegen eines begangenen Totschlags dem Entleibten zum besten ein Seelbad stiften[190]. Zu Schneeberg in Sachsen wurde 1499 ein Totschlag dahin verglichen, daß der Täter unter anderem auch ein Seelenbad mit Brot und Bier halten lassen mußte[540]. Ähnliche Seelbadstiftungen kommen in Todsühnebriefen 1474, 1508 und 1515 zu Freiberg vor[545]. Der Priester Hans von Beierstock stiftete zu Zwickau im 14. Jahrhundert ein Seelbad nicht nur für sich und seine Vorfahren, sondern auch für alle, die im Streit erschlagen würden[540]. Es sei noch einiger besonderer Seelenbäder gedacht. In Hildesheim gab es eine unter Aufsicht der „Älterleute“ des Trinitatis- oder Geisthospitals stehende Stiftung von zwei Seelbädern, die für die Aachenfahrer bestimmt waren. Vor der Ausreise nach Aachen sollte das Bad in der Osterbadestube, bei der Rückkehr in der Steinbadestube genommen werden, wobei zur Bewirtung Brot, Speck und zwei Tonnen Bier gespendet wurden. Die Torwächter am Oster- und Dammtore mußten die Pilger auf diese Einrichtungen aufmerksam machen. Solche Aachenfahrten kamen 1474, 1489 und 1503 vor[52]. 1396 verzichtete Graf Johann von Werdenberg auf seine Einkünfte aus dem Bad Pfäfers, damit das Gute, was durch das Bad geschähe, dem Seelenheil seiner Familie zugute käme: „Wir Graf Johans von Werdenberg Herre ze Sanegans der elter bekennen vnd tund kunth mäniglichem mit dem brief, als Wir vnd vnser vordern, von dem Abten vnd dem Convent des gottzhus phäfers durch ain lieby und schirmes willen, von dem wildbad ze phäfers das undrent valens dem dorff in dem tobel ist gelegen, järljch halben zins habin gehebt, da verychen wir für vns vnser erben vnd nachkommen, das wir solichen gebresten so dasselb gottzhus hat, und ouch die gottzdienst und das Gut so täglich durch gott, durch siner lieben mutter magt Maryen und ander gottes hailigen da begangen und volbracht wirt, Vnd ouch sunderlich durch vnser vordern, vnser und aller vnser nachkommen selan hail willen angesehen habint, vnd hand vns desselben zinses und nutzes so vns oder vnsern erben nun hinnenthin darvon gevallen möcht gänzlich entzigen vnd es dem vorgenannten Convent und gottzhus ze phäfers das in Churer Bistum ist gelegen gänzlich ledig gelassen“[316]. Hie und da mal wurde bei besonderen Anlässen von Obrigkeits wegen die Bereitung eines einzelnen Seelenbades einem Bader übertragen und die Ausgabe dafür z.❆B. aus dem Gotteskasten gedeckt. So stifteten 1348 zur Pestzeit die Erfurter Domherrn ein Seelbad[545]. 1347 gaben Rat und Gemeinde zu Vilshofen dem Pfarrer und Dechant daselbst „zu einem Trost aller ihrer lieben Verwandten“ die obere Badestube mit der Verbindlichkeit, daß er oder einer seiner Gesellen alle Montage mit den Schülern „mit Weichprun“ und Gesang um die „Chirichen“ gehe[144]. Von den eigentlichen Seelenbädern sind die einfachen Bäder für Arme abzutrennen. So gewährte der Rat zu Braunschweig einem Bader Abgabenfreiheit unter der Bedingung, seine Stube zu bestimmten Zeiten den Armen unentgeltlich zu öffnen[127]. Dem Bader zu Böblingen wurde gegen 1554 gestattet, liegendes Holz im Liechtenwald zu fällen, so viel er bedürftig sei, wofür er am Dienstag in der Fastnacht ein Freibad ohne jedes Entgelt halten mußte[198]. Die Seelenbäder wurden derart zahlreich von den Armen besucht, daß die Leute dabei „vber einander“ geschlagen wurden (1445 Gerolzhofen)[239], und der Rat von Zwickau verfügte 1284, die Seelenbäder hätten nicht an den üblichen Badetagen, sondern an anderen, dem Dienstag, Donnerstag und Freitag (!) stattzufinden, „vmme daz arm Lute denn eren ruwm vnd gemach desto baz gewarten mügen Got czu Lobe vnd denselben czu troste vnd allin gelawigen selen den man czu troste vnd selicheit dy Bade macht yr gelt abe dinen das ys denselben czu nucz vnd Trost chome. Des man yn (den Badern) darunne gibt“[540]. Ebenso wie das Bad, zog gewiß Essen und Trinken die armen Leute an. „Drey Würtz-Tröge stunden (bei den Erfurter Kanonikern) vor der Badestuben hinter dem Berge; die wurden voll Wein gegossen und Semmeln darein gepflockt. Da kam dann das Volk zu hundert und tausend mit ihren Gefäßen, und die Geistlichen hatten eine Kelle, da fast ein Nößel darein ging; also gaben sie einem jeden eine Kelle voll in sein Gefäß“[545]. In einer Fastnachtspredigt aus dem 16. Jahrhundert des Doktors Schwarm von Hummelshahn heißt es höhnisch: „Aber den alten Vetteln wird man halten ein Seelbad in der Mühl unter dem Kammrad. Die Spend soll ihnen werden auch: Schwefel, Pech und Hüttenrauch, Pilsensamen und Pulverkorn“[271]. Die Seelenbäder waren über ganz Deutschland verbreitet; die Lübecker, die bis zum Jahre 1539 ihre eigene Stadt reichlich mit solchen versahen, stifteten sie selbst mehrfach zu Bergen in Norwegen, mit dem sie in regem Handelsverkehr standen[196]. Für Frankfurt konnte ~Kriegk~ keine Beispiele finden[127], auch in der Schweiz läßt sich kein Seelbad, abgesehen von der Pfäferser Stiftung, nachweisen; doch kommen in Siechenhäusern Bäder mit Speise und Trank vor, die als alte Seelbadstiftungen aufzufassen sind. [Sidenote: _Die letzten Seelenbäder_] In Nürnberg hatte im Anfang des 16. Jahrhunderts die Zahl der gestifteten Seelbäder bereits eine solche Höhe erreicht, daß man unter dem Einflusse reformatorischer Bestrebungen beschloß, fernere derartige Stiftungssummen anderen wohltätigen Zwecken zuzuwenden (1522). 1525 spricht sich ~Luther~ in einem Briefe an Hans Minkwitz über eine Stiftung dessen Vaters, darunter auch über Seelbäder, dahin aus: „Das fünfte Stücke mit dem Seelbade gefällt mir auch wohl, ohne daß ichs nicht ein Seelbad für die Seelen sein lassen wolle, sondern ein Exempel Christi, da er seinen Jüngern im Abendmahl die Füße wusch“[16]. In den Schmalkaldischen Artikeln wird 1537 gesagt, die Messe habe „gezeuget das Fegfeuer, da hat man mit Seelmessen, Vigilien, ..... zuletzt mit Gemeinwochen und aller Seelentag, Seelbad ums Fegfeuer gehandelt“[540]. Selbst nach der Reformation wurden 1560 und 1568 in Zittau Seelbäder gestiftet[16]. Die herzoglichen Brüder Johann Friedrich der Mittlere, Johann Wilhelm und Johann Friedrich der Jüngere von Sachsen verfügten in einem die „vier Seelbade“ zu Waltershausen betreffenden Reskripte von 1556, daß dieselben nicht, wie man projektiert hatte, in ein Geldreichnis des Badstubenbesitzers umgewandelt würden, sondern da sie, „obwohl im Bapstthum Seelbad genennet, doch der armen leute halben gestifftet und verordnet worden“ seien, fernerhin in natura geleistet werden sollten[545]. In Hamburg stiftete Frau Anna, des Bürgermeisters Henning Büring Witwe, 1535 „twee seelbade“, trotzdem sie ihr erstes Testament vom Jahre 1504 wegen der neuen Lehre ~Luther~s aufgehoben hatte[197]. Noch 1836 gaben einige Zünfte in München zu Quatember oder anderen Zeiten für die Seelen ihrer Abgeschiedenen Seelbäder zum besten. „Morgen läßt das ehrsame Handwerk der bürgerlichen Loderer dahier beym Bader am Radlsteg ein Sêlbad halten“, lautet eine kirchliche Verkündigung[46]. Nach ~Rocholz~ wurden 1867 in München bei Trauergottesdiensten eine Anzahl Seelbäder ausgeboten, in denen die Armen zum Gedächtnis des eben Verstorbenen unentgeltlich gewaschen werden sollten[513]. [Sidenote: _Eine andere Auffassung des Seelenbades_] Eine 2. Auffassung des Seelenbades in ganz anderem Sinne als das besprochene entspringt altheidnischem Glauben. In einem Beichtspiegel des 15. Jahrhunderts wird als Todsünde bezeichnet der Glaube „von den totten: Also wenn die Menschen sterbend so far die sel durch das Wasser vnd reinge sich darin, denn schittend sy das wasser vss“[511]. Heute noch wird in Obwalden beim Tode eines Menschen alles in der Küche befindliche Wasser sofort ausgeschüttet; denn die „abreisende“ Seele würde sich sonst darin baden wie „ein Vogel“[512]. In den ostdeutschen und letto-russischen Provinzen soll man nach ~Rocholz~ am Allerseelentage die Abgeschiedenen in der Badestube empfangen, wo eigens dazu aufgeräumt wird und mancherlei Speisen aufgetragen werden. Alsdann baden hier, nimmt man an, die Seelen eine nach der anderen[513]. Man hat den Ausdruck Salbadern, viele und unnütze Worte reden, mit Seelbad in Verbindung gebracht. Die S. 96 gegebene, aus dem 17. Jahrhundert stammende Erklärung des Wortes ist unrichtig; denn Salbader kommt schon in den Briefen der Dunkelmänner vor[601]. Manche vermuten einen Zusammenhang mit Salvator, daß Salbadern den Namen des Heilands und sonst nichts weiter im Munde führen hieße[197]. ~Kluge~ glaubt, Salbader beruhe auf dem älteren Seelbader, womit der Arzt der Krankenhäuser bezeichnet wurde[601]. Seelbader könnte schon den Bader im Seelhause bedeuten, aber ebenso gut den Bader, der ein Seelenbad abhält. Da aber unter Bader häufig auch der Badende zu verstehen ist, so sind Seelbader die im Seelenbade Badenden, die viel schwatzen; denn das Seelbad war ja einem Wirtshausbesuch der armen Leute gleichzusetzen. Es ist aber noch eine andere Erklärung möglich. Bei den großen, für alle Armen bestimmten Seelenbädern, die Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte nach dem Tode des Stifters abgehalten wurden, wird das Gebet für dessen Seelenheil bei vielen wohl nur ein leeres Wortemachen gewesen sein, und diese Leute waren die Seelenbader, Salbader, die Schwätzer. 1789 sagt der Jenaer Professor ~Gruner~, die Geistlichen hätten in den Klöstern Seelenbäder errichtet, hoffentlich sei der Name „Saalbader“ daher entstanden, andere leiteten denselben von Salben ab[654]. Tatsächlich gebrauchte ~Samuel Hahnemann~ das Wort Salbbaderei im Sinne von Quacksalberei[660]. [Sidenote: _Rechtliche Stellung der öffentlichen Badestube_] In rechtlicher Beziehung galt die Badestube als öffentlicher Ort. Einem Totschläger im Toggenburg wurde 1548 aufgegeben, den Verwandten des Erschlagenen bis zum dritten Grade beim Begegnen drei Schritte aus dem Wege zu gehen, oder, wenn solches nicht möglich wäre, ihnen im Vorübergehen den Rücken zuzukehren, kein Wirts- oder Badhaus, darin sie sich befänden, zu betreten [112]. Hans Nef von Appenzell, der 1587 den Lorenz Schlipf daselbst getötet hatte, mußte sich verpflichten, allen Geschwisterkindern, Schwägern und nahen Verwandten des Getöteten auf Stegen und Wegen, in Holz und Feld, in Städten, Dörfern und Marktplätzen auszuweichen, ohne ihre Bewilligung in kein Speise- und Wirtshaus, in keine Bade- oder Scherstube zu treten, wo sie sich fänden, wäre er aber zuerst da, so sei er nicht schuldig, sich zu entfernen[546]. Auch in Kempten mußte ein Totschläger ein ganzes Jahr lang den Verwandten des Erschlagenen auf der Gasse, dem Kirchgang und den vier ehehaften Orten (Wirtshaus, Badestube, Mühle und Schmiede) ausweichen[16]. Starb jemand an den Folgen eines Schlages, und war er zuvor in der Kirche, auf dem Markte oder „to deme stouen“ gesehen worden, so galt der Täter nach dem Hamburger Stadtrecht (1270, 1292, 1497) nicht als Mörder, ebenso nach den Bremer Statuten vom Jahre 1333[16]. Verwundungen, Schlägereien, Injurien in der Badestube wurden, als an einem der befriedeten Orte begangen, in Riga (13. und 14. Jahrhundert) doppelt bestraft[193]. Wer in seiner Kleidung mit bloßer Wehr den Nackenden in der Badestube blut und blau schlug, hatte nach dem lübeckischen Recht eine vorsätzliche Gewalt getan und sollte am Leben mit dem Schwert gerichtet werden[547]. Diebstahl in der Badestube wurde in Riga, wenn der Wert des Gestohlenen ein Lot oder darüber war, mit dem Tode bestraft[193]. Auch in anderer Beziehung bot die Badestube einen Schutz. Der Schuldner durfte nicht festgenommen werden. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts singt der König vom Odenwald: „der zweinzigst muoz des bades gern vor sînen schuldêrn[H]: swenn er sie niht zuo rihte hât, sô birget er sich in daz bat: herzoge von Sachsen schanden ôn, er giht, er habe ez auch getôn“[228]. Aber „in deme veylen stoven oder stofhuse mach men“, nach den Goslarer Statuten, „wol vorvestede lude unde overhorighe lude upholden (verhaften)“[533]. [A] In einem wahrscheinlich von ~Hans Sachs~ stammenden Gedicht werden „Die neun ler im pad“, in derber Weise verhöhnt[337]. Eine Parodie auf das gesamte Regimen sanitatis erschien Mitte des 16. Jahrhunderts in der Schweiz[595], eine solche ist auch ~Fischart~s „Aller Practick Großmůtter[630]. [B] ~Gengler~[545] nennt unter den Angestellten des Baders den Schürer. Die „Schurin“ ist demnach eine Baderin, die das Feuer schürte. [C] Ein auf Gemeindekosten gehaltenes Bad scheint auch das „burgerbad“ zu Durlach gewesen zu sein, das 1536 der Bader um einen halben Gulden halten mußte, wobei noch den Knechten ein Schilling Pfennig geschenkt wurde[219]. [D] Zwagerin ist hier im üblen Sinne ähnlich wie Reiberin gebraucht (vergl. S. 86). [E] Im Ausgabenbuch des Herzogs Albrecht des Jüngeren von Niederbayern (1389–1392) hat der Landschreiber Walfhart mehrmals Geld für ein „frumpad“, „frümpad“, oder „frempad“ verzeichnet[509]. ~Frommann~ vermutet unter dem ersten und dritten Namen ein bestelltes Bad[46]. Doch lautet eine Angabe bei Walfhart: „An Erihtag nach Petri meinen Herrn ein frumpad auf der Ader“. Es scheint sich also um ein Bad, das frommt, d.❆h. ein Bad zu Heilzwecken zu handeln. [F] Diese Ansicht erhält dadurch eine Stütze, daß man in den Mineralbädern in älterer Zeit im Bademantel, später im Schlafrock ins Bad ging. [G] Gromat ist nach ~Stöber~ ein mit Wacholderbeeren gewürzter Wein oder Branntwein[599]. [H] Schuldiger kommt vom 14.–17. Jahrhundert auch in der Bedeutung von Gläubiger vor[591]. RÜCKGANG UND AUFHÖREN DER ÖFFENTLICHEN BADESTUBEN / ERSATZ DERSELBEN IN DER NEUZEIT Das Gedeihen der Badestuben erhielt einen ersten heftigen Stoß durch Steigerung der Holzpreise im 15. Jahrhundert. Als 1596 in Würzburg die Elß Lermännin ihre alte Badestube in der Büttnersgasse wieder aufbauen wollte, beklagten sich die Bader und erklärten, früher seien wohl zwölf Badestuben zu Würzburg gewesen, aber des teuren Holzes wegen abgegangen[144]. In den Niederlanden und Brabant mußte man schon 1465 wegen Mangels an Holz mit Kuhmist und Torf kochen. Ungefähr in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in Wien der Vorkauf des Holzes untersagt, und 1475 beschwerten sich die ärmeren Meister Bader beim Rat, daß die bemittelteren das Holz vorkauften, wodurch es verteuert würde, daß sie nicht einmal das notdürftigste haben könnten und ganz verderben müßten. Es wurde beschlossen, die Bader sollten gemeinsam einkaufen und nach Bedürfnis das Holz verteilen[16]. In mehreren der erwähnten Meistersingerlieder wird der Bader wegen kalter Badestube und des Einkaufs von Holz nach dem Pfennwert (im einzelnen) geneckt[337]. Ott Ruland hat 1448 in seinem Handelsbuch neun Gulden Schulden des Baders für Holz in der ihm gehörigen Badestube verzeichnet. Später mußte der Bader einmal den Zins schuldig bleiben[284]. In Augsburg verordnete im März 1477 der Rat, daß das Holz, das bisher nach dem Gewicht verkauft worden, nach einem gewissen Maß, das Klafter genannt wurde, abgemessen und bezahlt werden sollte. 1548 wird angegeben, daß zu Augsburg das Holz seit einigen Jahren auf einen ungemein hohen Preis gestiegen sei; um die Stadt herum gab es fast nichts mehr, und 1566 durfte nichts mehr vor der Stadt, sondern nur noch auf offenem Markte verkauft und abgemessen werden[495]. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts macht ~Guarinonius~ wieder auf den Holzmangel in Augsburg aufmerksam und rügt im Gegensatz zu Augsburg das Überheizen der Stuben in Steiermark, weil zu reichliche Holzmengen zur Verfügung ständen[134]. Diesem entsprechend finden wir hier ein für die Zeit noch hochentwickeltes Badewesen. 1430 verkaufte der Bischof von Speyer die Badestube von Bruchsal an die Stadt und führte große Klage, daß durch die Bader die Wälder verwüstet seien. Forthin sollte der von Bruchsal täglich im Winter nur ein und im Sommer zwei Karren Holz holen dürfen[61]. In Frankfurt a.❆M. begann 1497 ein Mangel an Holz, und man deckte von nun an den Bedarf nicht mehr im städtischen Wald, sondern bezog es vom oberen Maine her[127]. [Sidenote: _Steigen der Holz- und der Badpreise_] Die steigenden Holzpreise hatten ein Steigen der Badepreise zur Folge, die wieder einen verminderten Badebesuch — neben noch zu erörternden Ursachen — bewirkten, wodurch die Einnahmen der Bader sich wesentlich verminderten; denn ob wenig oder viel Leute in der Badestube saßen, die Kosten für Heizung waren dieselben. Als in Winterthur 1514 die obere, die städtische Badestube verpachtet wurde, erhielt der Bader nach dem Vertrage zehn Klafter Holz jährlich in der Stadt oder aus dem Wald; als er 1517 die Badestube von der Stadt kaufte, bekam er von nun an nur soviel als andere Einwohner. Im selben Jahre wurde dem Inhaber der unteren Badestube, die Erblehen war, mitgeteilt, daß er nicht mehr „Vordrung noch Ansprach an unserm Wald Eschenberg des Holzes halb“ haben sollte, und ihm zugleich befohlen, die Welt mit dem Badgeld nicht zu steigern[57]. 1496 ermahnten Schultheiß und Rat zu Baden (Schweiz) ihren Bader, die Gemeinde beim alten Lohn zu lassen und von einem Mann nicht mehr als drei Heller, von einer Frau nicht mehr als zwei Heller zu nehmen[32]. In Stuttgart klagten 1547 die Bader, daß sie bei den festgesetzten Badepreisen nicht mehr bestehen könnten, und es wurde infolgedessen das Badgeld für einen erwachsenen Mann auf drei Pfennig, für eine Frau auf drei Heller und für ledige Personen, Dienstboten und Kinder auf einen Heller erhöht. Im selben Jahre steigerten die Eßlinger Bader die Preise und begründeten dies direkt mit einer Erhöhung des Holzpreises, ebenso 1622 die Bader zu Nürnberg[16]. In Berlin ersuchten 1624 die Verordneten der Bürgerschaft den Rat, dafür zu sorgen, daß die Taxen nicht erhöht würden; denn die Bader forderten von einer älteren Person für ein Bad acht gute Pfennig und Trinkgeld, so daß es auf zwei Groschen zu stehen käme. Aber 1677 beklagten sich die Besitzer der Badestuben beim Kurfürsten, daß sie aus Mangel an Nahrung gänzlich in Verfall gerieten, indem sie jeder wöchentlich kaum drei Groschen einnähmen und wohl sechzehn Groschen für Holz zum Heizen der Badestube ausgeben müßten[191]. Obwohl 1774 in der Stadt Zürich fünf Badestubengerechtigkeiten, aber nur zwei Badestuben in Betrieb waren, bekämpfte das Handwerk der Bader die Niederlassung eines dritten Meisters, der die Badestube nicht betreiben wollte, mit Erfolg unter Hinweis darauf, daß die zwei Meister Bader zum Heizen ihrer Badestuben von der Obrigkeit verpflichtet seien und mit dem Wärmen große Kosten hätten[243]. [Sidenote: _Bestrebungen der Bader / die vorgeschriebenen Badetage einzuschränken_] Im wesentlichen ging das Bestreben der Bader darauf hinaus, nur noch zu schröpfen und die eigentliche Baderei, die mehr Unkosten als Einnahmen brachte, eingehen zu lassen, bezw. die Anzahl der Badetage einzuschränken, was aber nach den Verleihungsurkunden nicht angängig war. So wurden einmal durch kurfürstlichen Befehl die Badstübner zu Köln bei Berlin aufgefordert, ungesäumt die Badestuben zu heizen und für die Einwohner in Bereitschaft zu halten[191]. 1445 beschwerten sich die Einwohner von Gerolzhofen beim Vogt und beim Rate, daß „vor alter Herkommen“ von jedem der zwei Bader alle Woche vier Bäder gemacht worden seien und werde nun durch deren eigenes Vorgehen ein Bad abgebrochen und nur noch drei gehalten. Viele Frauen, heimische und vom Lande, und etliche Männer pflegten am Samstage nicht zu baden, dazu habe sich die Stadt an Einwohnern gemehrt, daß „die andern zwen tag als Dinstag vnd Mitwochen, die leute alle mit Iren kinden gerewmlichen nicht vnd nach nodturfft gebaden konnen noch mogen, sundern werden vber einander, als ob ein Seelbad were, geslagen“. In der Folge sollten vier Bäder, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag, und wenn der Donnerstag ein Feiertag wäre, am Montag gehalten werden. Fast hundert Jahre später, 1543, ließen Vogt und Rat die zwei Bader fordern, weil sie sich unterstanden, in der Woche nur ein Bad zu machen. Sie sollten zweimal, Mittwoch und Samstag, Bäder halten, und wenn an diesen Tagen Feiertag wäre am Dienstag und Freitag(!). Von nun ab mußten auch Kinder mit neun oder zehn Jahren das Bad mit einem neuen Pfennig bezahlen, was am Tage Johannis „vber die Cantzel verkunt worden“. Von 1557 an hatten auch Kinder, die ins Bad getragen wurden, jedes einen Pfennig zu geben[A], Erwachsene zahlten zwei neue Pfennige[239]. 1573 erschienen vor Rat und Bürgermeister beide Bader und trugen vor, das Brennholz würde zu so hohem Preise verkauft, daß sie in Zukunft nicht mehr um den alten Lohn Bäder halten könnten, und baten um Steigerung des Badgeldes. Künftig sollten zwei Bäder wie bisher gehalten werden. Erwachsene sollten vier alte Heller, junge Leute über vierzehn Jahren drei alte Pfennige und jüngere einen Neupfennig geben. Die Ordnung sollte bis zum Abschlagen der Holzpreise gelten. Auf weiteres Bitten wurde den Badern bewilligt, daß vier Wochen lang jeder nur ein Bad zu halten brauche. 1575 wurde diese Ordnung wieder abgeändert. Fortan sollten alle Erwachsenen einen neuen, Kinder aber einen alten Heller zum Bade geben[144]. Schrieben die Behörden den Badern vor, das Badgeld nicht zu hoch zu rechnen, so verpflichteten die Zünfte ihre Mitglieder, nicht zu wenig zu nehmen, um gegenseitige Konkurrenz zu vermeiden. In Zürich durfte 1503 kein Bader jemandem das Badgeld schenken[243]. 1483 sagt die Konstanzer Schererordnung: „Item es ist ain sacz, daz kain bader kain nächer (wolfeiler) sol baden den umb 2 D.“, und Scherer und Bader sollten „kainen nächer verdingen dan um 7 ß D.“ für das Jahr, er sei jung oder alt[219]. Von größtem Einfluß auf das Badeleben waren die Infektionskrankheiten. Manche Schriftsteller behaupten sogar, der Gebrauch der Badestuben sei erst nach Einschleppung des Aussatzes, der Lepra, aus dem Orient zur Zeit der Kreuzzüge aufgekommen und habe ebenfalls seinen Ursprung dort genommen. Beides ist falsch. Wir hatten Aussatz und Badestuben schon vor dieser näheren Bekanntschaft mit dem Osten. Das Mittelalter ging mit äußerst scharfen Maßnahmen in der Absonderung der Leprösen von den Gesunden vor, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Es war dem Aussätzigen der Zutritt zu allen öffentlichen Anstalten verboten, auch der Besuch der Badestube. Zu Windsheim in Franken wurde 1410 eine Frau aus der Stadt gestoßen, weil man sie für aussätzig hielt; „denn die Gemeind wollt das Weib nit leiden zur Kirchen, Straßen und Bad“[144]. [Sidenote: _Die Badestuben in oder bei den Aussatzhäusern_] Im Siechenhause stand den Kranken ein eigenes Bad zur Verfügung. Das Bad „zu wärmen und zu rüsten“ war im Sondersiechenhause auf der Steig in Schaffhausen Sache der Kranken selbst, die der Reihe nach die Verpflichtung auf sich nahmen. Auch vornehme Personen waren davon nicht ausgenommen, so 1574 ein Mann, dem im Leibgedingsvertrag sogar Stallung für ein eigenes Pferd zugebilligt wurde. Als Lohn erhielten die Kranken „dry köpf“ (Gefäß) Wein von der Verwaltung[487]. An anderen Orten besorgte ein Bader von Beruf die Bäder, der wegen seines intimen Verkehrs mit den Leprösen zur Abgeschlossenheit von der übrigen Menschheit verurteilt war. Der Siechenbader Jörg Wuster, der siebzehn Jahre im Siechenhause St. Georg bei Winterthur gewohnt und auch hin und wieder im Land die Badstuben in den Siechenhäusern versehen hatte, war lange verhindert, zur Ehe zu schreiten, bis er 1591 auf der Schau zu Zürich von den Doktoren und Verordneten bei ihren Eiden als gesund und rein erkannt worden war und als Beleg einen Brief der Stadt Zürich mit Sekret vorgewiesen hatte[57]. Auch im Baseler Siechenhaus war ein Bader angestellt, welcher mit dem Zimmermann, der die Sondersiechenmagd geheiratet hatte, zusammen als Nichtaussätziger von 1652 ab das Almosen an hohen Festtagen in der Stadt einsammelte, was bis dahin die Siechen selbst besorgt hatten und ihnen nun verboten wurde[480]. Man scheint aber nur den persönlichen Verkehr mit den Aussätzigen gemieden zu haben. In Würzburg mußte nach einer Urkunde von 1318 die beim Spital gelegene Badestube zum Bekein (Becken) den Siechen des Spitals alle vierzehn Tage am Montag zur Abhaltung ihres Badetages überlassen werden[144]. In der übrigen Zeit badete dort das Volk (siehe S. 89). Zweifelhaft bleibt aber, ob hier unter den Siechen Aussätzige zu verstehen sind, obwohl sie das ganze Mittelalter hindurch und noch später diesen Namen führen. In der Regel werden sie Feld- oder Sondersieche genannt und waren nicht im Spital, sondern im Siechen- oder Sondersiechenhause untergebracht. 1470 wird in einer Ordnung des Bürgerspitals der Mitgebrauch der genannten Badestube durch die Siechen des Spitals ausdrücklich wiederholt; es wird aber für Sieche auch der Ausdruck krang (Pfründner) gebraucht[144]. Um diese Zeit dürfte es sich also nicht mehr um Aussätzige gehandelt haben. Auch lagen 1533 die Sondersiechen in den zu „Sant Claus“ genannten Häusern vor der Stadt. Sie waren streng abgesondert und durften um Almosen nur in bestimmten dazu verordneten Häusern bitten[486]. Zu Ypphofen in Franken wurde 1402 eine Badestube beim Spital der Aussätzigen errichtet, in der diese aller vierzehn Tage ein Bad erhielten, dazu noch jeder eine halbe Maß Wein, bis drei Eimer im Ganzen[144]. Ob die Badestube dem Publikum zugänglich war, wird nicht gesagt. [Sidenote: _Kräuter- und Mineralbäder gegen Aussatz_] Da die Feststellung des Aussatzes bei einer Person schwere Folgen hatte, sie gleichsam für bürgerlich tot erklärt, dazu unbarmherzig aus ihrer Familie gerissen wurde, suchten die Betroffenen ihre Krankheit möglichst lange zu verheimlichen. Deswegen waren alle Medizinalpersonen verpflichtet, des Aussatzes Verdächtige anzuzeigen. Darauf mußten 1426 in Luzern die Scherer und Bader dem Rate schwören[189]. Bei der Unsicherheit der Diagnose — sie wurde durch die Geschau oder Schau aus dem Aderlaßblute gestellt — kam es zu häufigen Mißgriffen. Gewissenhafte Ärzte, wie Felix Platter in Basel (1536–1614), der als Stadtarzt das Siechenhaus zu St. Jakob an der Birs zu besorgen hatte, überwiesen deshalb Aussatzverdächtige nicht ohne weiteres dem Siechenhause, sondern versuchten das Übel neben inneren und äußeren Mitteln durch eine Badekur zu heben. Hatte diese Erfolg, war die Person nicht aussätzig. So heilte Platter einen Mann, dessen Mutter und Schwester aussätzig waren, der selbst Pusteln im Gesicht hatte und schon drei Jahre abgesondert war, durch eine zweijährige Badekur. Er ließ sich sogar herbei, bei einem mit Aussatz behafteten Manne eine derartige Kur durchzuführen, nachdem dieser versprochen hatte, das Haus niemals zu verlassen, obwohl er am Erfolg zweifelte. Die Kur im Hause bestand in Kräuterbädern mit oder ohne Zusatz von Schwefel, Alaun oder Kochsalz, die im Frühling oder Herbst täglich eine Zeitlang gebraucht wurden. Auch natürliche Thermen, besonders die schwefelhaltigen von Baden in der Schweiz und Brieg im Wallis wurden benutzt[488]. Leuk hatte im 16. Jahrhundert eine besondere Quelle, die eingefaßt und „den Feldsiechen mit einer behausung“ zugerichtet war und „einen guten Weg hinauff“ vom Hauptbade entfernt lag[318]. Schon der Meistersinger und Barbier ~Hans Foltz~ erwähnt im 15. Jahrhundert den Gebrauch der Leuker Thermen gegen Aussatz[12]. 1827 lag das Bad der Aussätzigen in Trümmern, an seiner Stelle erstand das Armenbad[88]. Sonst finden wir, daß die mit ekelerregenden Hautkrankheiten Behafteten zusammen, die Aussätzigen also nicht besonders badeten. So hatte Karlsbad in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in dem Badehause, das die öffentlichen gemeinen Bäder enthielt, noch eine besondere Abteilung für „Kretzige und Aussätzige“[347]. Zuweilen wurden die Kranken von ihrem Siechenhause in Badeorte geschickt. Die Rechnungsbücher der „Senti“ in Luzern geben an, 1659 vier Personen, welche in das „Walliss Baadt“ (Leuk) verreisten, je einen Gulden sechs Kreuzer Zehrgeld und 1673/74 Jakob Kapelin eine „Baadestür“ von zwei Gulden zehn Kreuzer zu demselben Zwecke[488]. Das neuerstandene Wunderbad zu Boll im Württembergischen nahm 1597 und achtundneunzig Leute aus den Gutleuthäusern (Leproserien) zu Heilbronn, Neuffen, Stuttgart und einen von Bernhausen „auff den Fildern“ (Feldern, daher Feldsieche) zur Kur auf, die zum Teil „wegen jhres abschewlichen anblicks in gemeinem Badgewölb, zu Baden (-Baden) nicht gestattet, sondern in ein besonder Badhütlein darzu gemacht, abgesündert hat, wie dann I. F. G. löbliche Badeordnung außweiset“, und die alle geheilt wurden. Bei zweien fügt der Berichterstatter ~Rentzius~ Gutachten hinzu, auf Grund deren die Personen aus dem Gutleuthause zu Heilbronn entlassen wurden. Es hat sich in allen diesen Fällen wohl nicht um Aussätzige gehandelt. ~Rentzius~ bezeichnet sie auch nur als mit Erbgrind, beißender Flechte und Rauden behaftet[489], und doch waren sie im Aussatzhause abgesondert und der Schau des Physikus unterworfen. Von den Thermen sagt ~Felix Platter~, „sie wirken kräftiger (als die Kräuterbäder), sie heilen nicht nur eine Anzahl von Hautkrankheiten, sondern sie nehmen dem Aussatze die Bösartigkeit und mildern die durch den Aussatz erzeugten äußeren Schäden. Darum gehen in diese Bäder nicht nur Kranke, bei denen der Aussatz konstatiert ist, um das Übel länger geheim zu halten, sondern wir schicken auch solche Kranke dorthin, bei denen wir nach vorgenommenem Untersuch noch in Zweifel sind, um vorerst den Erfolg derselben und allfällige Veränderungen abzuwarten“[488]. Eine für die Prognose ausschlaggebende Bedeutung schrieb schon ~Foltz~ den Leuker Thermen zu: „Vnd wem man den aussatz zuo schreib Der mag bey zeit heilung erwerben. Beit er zuo lang er muß drin sterben“[12][B]. [Sidenote: _Mineralbäder gegen Aussatz_] Neben den Thermen kamen auch andere natürliche Quellen, Mineralbäder und vermeintliche Mineralbäder in Betracht. Das Eintauchen in die kalten Brunnen der Alpen wurde schon erwähnt und auch der heilige Brunnen bei dem Kirchlein zu Munzach, den man in ein entferntes Siechenhaus leitete, wo das Wasser selbstverständlich erwärmt wurde. Die Grafen von Rapperswil errichteten zu Kempraten nahe bei einer Fluhe für Aussätzige ein Pfleghaus und über den daselbst für den Aussatz heilsamen Quellen ein Badhaus. Weil dies aber auf morastigem Boden stand, wurde es später, vermutlich 1354, auf die Fluh verlegt und hieß darnach „an der Fluh“[490]. Kempraten ist wahrscheinlich eine römische Niederlassung und sein Name aus campus prati entstanden. Das Siechenhaus wurde bis 1810 als Armenhaus benutzt und bestand 1867 noch als Privathaus. Auch die Gypsquelle zu Bellerive im Kanton Bern datiert aus Römerzeit. Sie wurde nach den Kreuzzügen zur Heilung des Aussatzes benutzt und mit Badeanstalten versehen. 1375 zum erstenmale und trotz der Fürsorge der Bischöfe von Basel später noch öfters zerstört, gerieten die Badegebäude nach ihrer Auffrischung im 19. Jahrhundert bald wieder in Verfall[86]. Der Johanniterorden trat das Haller Wildbad an das Spital der Stadt Hall, in der es lag, im 13. Jahrhundert unter der ausdrücklichen Bedingung ab, dieses Bad so instand zu halten, daß täglich zwölf Aussätzige damit bedient werden könnten[154]. Nach ~Zeiller~ lag 1655 zu Freiberg in Sachsen vor dem Peterstor ein Brunnen, dessen Wasser für heilkräftig gegen Aussatz betrachtet wurde[83]. Das eine der Züricher Siechenhäuser, das zu St. Moritz an der Spannweid, bezog für sein Badehaus das Wasser aus einer angeblichen Heilquelle, der des oberhalb gelegenen Röslibades. Nach der bis ins 19. Jahrhundert geltenden Badeordnung wurde in drei Einsätzen gebadet, d.❆h. ein Teil der Siechen hatte den dritten Teil der jährlichen Badesaison zur Verfügung, dann rückten andere an ihre Stelle. [Illustration: Abb. 89. Heilige (Sainte Segouleine, veuve, abbesse de Troclar en Albigeois) einen Aussätzigen badend. Holzschnitt von ~Hans Burgkmair~ (1473–1531).] [Sidenote: _Übergang der Baderechte der Aussätzigen an die Siechen_] Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß die Aussätzigen eine Zeitlang täglich badeten, also nach früherer Sitte eine regelrechte Badekur vornahmen. ~Martin Rulandus~ empfiehlt 1568 gegen „Aussatz vnd malatzey“ „Bäder von schwefel, item das Pfefferbad, Wallisserbad (Leuk), oder dz Bad Bruntzbach, Wendigerbad“[400]. Auch im Badehause des schon erwähnten Siechenhauses zu St. Georg am Feld bei Winterthur wurde im 16. Jahrhundert im Mai gebadet. Als die vier badeberechtigten Siechen nach Aufhebung des Siechenhauses ins Pfrundhaus der Stadt aufgenommen waren, hielten sie auch jetzt noch ihre jährliche Badekur, nun im Juli, und zwar in der Badestube der Stadt ab. Dabei genossen sie Vergünstigungen an Lebens- und Genußmitteln, wobei der Wein eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Des Spitals Rechnung zeigte 1842 „112 Maaß Wein für die Badweiber“. Kurz darauf kaufte sich aber die Stadt mit sechsunddreißig Gulden von der Verpflichtung dieser Lieferungen los[57][C]. [Sidenote: _Die Aussätzigen gebrauchten die Schweißbadestuben nicht zum Zwecke der Heilung_] Diese Belege zeigen zur Genüge, daß der Aussatz mit Wasserbädern, wenn auch nicht von gewöhnlichem süßen Wasser, behandelt wurde, wie schon zur Karolingerzeit (siehe S. 9). Die heilige Elisabeth badete und wusch, wie ihr Biograph berichtet, einen armen aussätzigen Mann und legte ihn in ihres Gemahls Bett[16], und die Abbildungen zu ~Hans Burgkmair~s Heiligen (1517/18) stellen nur Voll- und Fußbäder der Aussätzigen (Abb. 89) dar[479]. Die von neueren Schriftstellern behauptete Behandlung mit Schweißbädern scheint demnach mehr auf Vorschlägen in älteren ärztlichen Werken als auf wirklich durchgeführter Praxis zu beruhen. Dabei soll nicht gesagt sein, daß die Aussätzigen nicht schweißbadeten. Die Benutzung der Badestube zum Becken in Würzburg, die aller vierzehn Tage einmal erfolgte, macht es sogar wahrscheinlich. Doch handelt es sich hier um ein Bad, das der gemeine Mann zur Lebens Notdurft in damaliger Zeit für unentbehrlich hielt. Warum sollte das den Aussätzigen vorenthalten werden? Das aber war kein kurgemäßer Gebrauch des Badens zum Zwecke der Heilung. Es sei bemerkt, daß auch für die Siechen in Würzburg der Badetag ein Freudentag war. Wenn sie vom Bade kamen, erhielten sie (1470) zwei Eier, eins gesotten oder gebraten und eins roh, und zum Nachtessen eine halbe Maß Wein. „Das Almosen gibt man von einem Hauß“[144]. Es wird wohl eine Seelbadstiftung gewesen sein. Im 17. Jahrhundert kann der Aussatz im mittleren Europa als erloschen betrachtet werden[491]. Was in späterer Zeit im Siechenhause Unterkunft fand, waren Hautkranke und Sieche im heutigen Sinne, chronisch Kranke. Die alten Siechenordnungen blieben aber bis ins 19. Jahrhundert in Kraft, und auch die einst den Aussätzigen gemachten Vergünstigungen und wohltätigen Stiftungen erbten auf die späteren Insassen der Siechenhäuser fort. Dabei glaubte man an ein tatsächliches Weiterbestehen des Aussatzes. Die noch im 18. Jahrhundert geltende gräflich Schwarzburgische Baderordnung im Amt Gehren schrieb vor, die bei Aussätzigen gebrauchten Instrumente, Laß- und Schröpfeisen, nicht bei anderen Personen zu verwenden[242]. [Sidenote: _Blutbäder gegen Aussatz_] Nicht unerwähnt soll ein praktisch wohl kaum angewandtes Heilmittel gegen den Aussatz, das Blutbad, bleiben. Bekannt ist, daß in ~Hartmann~s ~von Aue~ Armen Heinrich der Ritter vom Aussatz geheilt werden sollte, wenn eine reine Jungfrau ihr Herzblut für ihn gäbe[297]. Im Silvester von ~Konrad von Würzburg~ ist Kaiser Konstantin von Rom mit der „miselsucht“ behaftet. Die Meister vom Kapitol haben ihm geraten, im Blut unschuldiger Kinder zu baden. „Nû daz der rât im wart gegeben umbe die genist und umbez leben, dô sante er in daz lant sîn, und hiez driu tûsent kindelîn zuo Rôme bringen in die stat dar umbe daz im würde ein bat gemachet ûz ir bluote dô“[492]. Allen Ernstes berichtet der Züricher Chorherr ~Wyck~ in seiner Sammlung von einem Blutbad, das er sogar im Bild hat darstellen lassen. „Von einer grusammen mortlicher thaatt, der Hertzogen von Florentz uß einem schryben von Ferrara den 24. Aprilis (15)87 an J. Hanns Ulrych Grebell“. Danach hat Signora Biancha Capella, die Gemahlin des Herzogs zu Florenz, als sie etwas krank gewesen, auf den Rat jüdischer Ärzte zweihundert Kinder aus den Dörfern nehmen, die Hälse heimlich abschneiden und ihr unschuldiges Blut auffangen lassen, darin sie die Juden gebadet. „Ist aber glich wol Ir kranckheit nit hingangen.“ Als das der Herzog vernommen, hat er vier der Juden vierteilen lassen, „unnd ist Iro bißhar (der Gemahlin des Herzogs) nichts beschähen.“ „Dise thaatt ist nütt unglych deß Königs Herodis der die armen unschuldigen Kindli zu Bethlehem ermürdt unnd umgebracht“, setzt ~Wyck~ hinzu[308]. Auch der Berner Chronist ~Anshelm~ berichtet, 1483 ließ sich König Ludwig XI. von Frankreich gen Tours zu S. Martin tragen, der vor seinem Tode „insunders von wegen der Malacy vil Kinderblut gebrucht“[104]. [Sidenote: _Warnung vor dem Gebrauch der Badestuben zur Pestzeit_] Weit mehr als der Aussatz griff, wenn auch vorübergehend, das Auftreten der Pest in das Badeleben ein. Ich habe zahlreiche Pestordnungen vom 15. bis 18. Jahrhundert durchgesehen. Die meisten gleichen sich wie ein Ei dem andern. Sie bringen Ratschläge für Gesunde und Kranke. Daß man in „diesen sterbenden Läufen“ Gesunden empfahl, alle Orte, wo viele Menschen zusammenkamen, wie Rathaus, Kirchen, Wirtshäuser, öffentliche Badestuben u.❆s.❆w. zu meiden, erscheint selbstverständlich. „Auch meydet bat gemeynschaft der lewte und vil reden mit den lewthen; worumme? eyne mensche wirt von dem andirn vorgift“, heißt es in der ältesten deutschen Anweisung von Albicus, Erzbischof von Prag (1412)[474]. Man fürchtete aber nicht nur direkte Ansteckung, sondern auch Übertragung durch dritte Personen; „es mag sich leichtlich begeben, dz yemandt für sich selbs gesund, etwas mit jm bringt daß einer anderen complexion verderblichem ist“ (~Pantaleon~ 1564)[602]. Deshalb durften nach einer Nürnberger Ratsverordnung von 1600[493], solchen von Zürich (1564)[494], Amberg (1555)[16] alle Pestrekonvaleszenten die genannten Orte wenigstens einen Monat nach überstandener Krankheit nicht betreten, in Luzern (1594) sechs Wochen lang[481], in Stettin (1567) für längere Zeit nicht[475]. Das Verbot galt auch für Personen, die in infizierten Häusern wohnten, in Nürnberg für vierzehn Tage[493], in Zürich für einen Monat bei zehn Pfund und fünf Schillingen Buße[494]. In Stettin wurden 1567 die Bader aufgefordert, Kranke, Rekonvaleszenten, der Pest Verdächtige aus ihren Badestuben zu weisen[475]. In Wien sollten 1602 Personen, die aus verseuchten Orten kamen, durch Anschlag an der Badestube vom Betreten derselben abgemahnt werden[16]. Die Warnung vor Schweiß- und Wasserbaden in öffentlichen Bädern hatte noch ihren besonderen Grund. ~Vadian~ (1519)[571], ~Pantaleon~ (1564)[602]; ~Lavater~ (1668)[603] begründen sie, teilweise unter Hinweis auf ~Avicenna~, damit, daß durch die infolge des Badens geöffneten Schweißlöchlein die böse Luft (~Pantaleon~), die giftige Luft (~Herlicius~ 1623)[604], das Erb(Ansteckungs)gift (~Lavater~) leicht eindringe, wodurch einmal in der Badestube eine Ansteckung durch andere erfolgen könne, nach dem Verlassen derselben aber auch durch die Luft. Deshalb wurde geraten, die Schweißlöcher vor dem Betreten der Straße durch Einreibungen wieder zu verengen. „Item vor allen dingen vffsechen domit man an den offnen vnd sorglichen lufft bald nach dem bad nit kum. Item so die hitz etwas in vnß nachgelassen hat, roßwasser nemen vnd das mischen mit ein wenig gapher vnd essig, domit die hend füchten, vnd die stirn, die nasen, den mund vnd hals bestrichen, voran wo einer vß gon wölt, ist treffenlich wersam“ (~Vadian~). Auch ~Pantaleon~ schlägt Waschen der Hände und des Gesichts mit Rosenwasser und Essig vor, ~Herlicius~ Waschen und Reiben des ganzen Körpers mit Kamillenöl oder gutem Wein. Begnügten sich in der Regel Ärzte und Behörden damit, das Volk vor dem Besuch der öffentlichen Badestube zu warnen, gingen andere weiter. Nürnberg beschränkte 1562 den Gebrauch der Badestuben auf dreimal in der Woche, bei späteren Seuchen auf zweimal[291]. In Stettin durfte jeder Bader 1591 nur einmal in der Woche heizen[475]. Einige Ärzte schlugen vollständiges Schließen der Badestuben vor, ~Crato von Crafftheim~ 1548, ~Hiltprant~ 1607 für Österreich,[16], ~Schleher~ 1611 für Konstanz[605], ~Lavater~ 1668 für Zürich, ~Herlicius~ 1623 für Pommern. In den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 wurden sämtliche Badestuben Wiens, bald allein, bald mit anderen öffentlichen Anstalten zusammen, gesperrt, 1562 auch die, welche zwei Meilen um die Stadt herum lagen[16]. 1597 war die rote Badestube in Frankfurt a.❆M. eine Zeitlang geschlossen[127], wohl wegen eines im Hause vorgekommenen Pestfalles. Dagegen waren 1542 in Zürich trotz der behördlichen Warnung vor Besuch infizierter Häuser die Badestuben weiter in Betrieb, obwohl man wußte, daß der Tod auch dort gewesen war[209]. Nicht nur das Baden in den öffentlichen Badestuben, sondern das Baden überhaupt wurde zur Pestzeit fast durchgehends für schädlich angesehen. „Item ouch sol man vast (sehr) sich hüten vor vberyger fulle, vor allen bedern, besunder vor badstuben“, sagt Magister ~Henricus Münsingen~ Mitte des 15. Jahrhunderts[476]. In einem Traktat von 1482 heißt es: „Baden wie das ist sol man nit zu den zyten thun als die sucht regnieret“[477]. Auch hier berief man sich wieder auf ~Avicenna~, der lehrte, daß das Baden zur Pest geneigt mache eben wegen der erweiterten Hautporen, obwohl dieselben Schriftsteller angeben, das Gift würde durch die geöffneten Schweißlöchlein im Bad ausgetrieben. „Wer des Badens entraten kann, thue es“, „wo man je aus Notdurft baden will“, „wer gewohnt zu baden“, „wo aber die Gewohnheit des Badens so groß wäre“, so beginnen die Vorschläge für Ersatz des öffentlichen Bades. Nur einer verachtete ~Avicenna~s Lehre, ~Paracelsus~: „Wiewol aber im Brauch ist, vil baden, schrepffen, soliches alles soll im alten Brauch bleiben, wo es mag geschehen, on vermischung ander Volcks“[655]. An Stelle der öffentlichen Badestube wird das Bad in „einer sondern Badstuben in seiner Behausung“ empfohlen. Nicht zu heiß soll es genommen werden. Wer Theriak vor dem Bade will, um zu schwitzen, soll ihn sechs Stunden vorher nehmen (~Neef~ 1577)[606]. ~Ellenborg~ (1484)[16] und der erwähnte anonyme Reisersche Druck aus dem 15. Jahrhundert[238] schlagen ein wenig Schwitzen in einem Wasserbad vor. ~Willich~ warnt dagegen vor dem „laulichen“ Warmwasserbad in der Wanne „wie sonst geleert wird“. Es soll nur um des Schweißes willen gebadet werden, der mit hölzernen und knöchernen Messern abzureiben ist. Danach soll man sich mit warmem Wasser abspülen und mit Seife allen Unflat und Schweiß abtreiben[607]. ~Herlicius~ empfiehlt ein Schweißbad im Hause nach Einnahme von einem Quentlein Theriak oder Mithridat mit nachfolgendem Schwitzen im Bett, ~Vadian~ ebenfalls ein Schwitzbad im Haus herzurichten „als in einem verdeckten zuber, mit heißen steinen u.❆s.❆w. Vnd in dem bad wasser Camilien, ruten, Isopen, Basiliken, poleyen, wolgemůt, sametlich oder sunderlich sieden, vnd domit vffgiessen vnd waschen“[571]. Ein Vorschlag ~Tansstetter~s (1521)[16] galt wohl den Armen, die weder eigene Badestuben noch Badezuber besaßen. Sie sollten alle Woche die Füße einmal waschen. ~Willich~ verwirft auch den nach seiner Angabe üblichen Gebrauch der Wildbäder. In Pfäfers wurde aber in den Jahren 1611 und 1629 ausnahmsweise auch im Winter gebadet und zwar wegen der Pest. Es wurde niemand von der Seuche ergriffen, während in der Umgebung Dörfer zur Hälfte oder ganz ausstarben und die Luft so vergiftet war, daß Vögel, Hunde und Katzen tot zur Erde fielen. Einige Ärzte wollten die Sicherheit der Kurgäste aus der abgeschiedenen Lage herleiten, wogegen ~Rüsch~ 1832 anführt, daß auch bei anderen Thermen in der Nähe niemals Ansteckung erfolgt sein soll[88]. In Baden-Baden suchte man 1551 durch den Dunst der geöffneten Quellen die Pest abzuhalten[70]. [Sidenote: _Baden zur Verhütung der Pest_] Einer für ihre Zeit genialen prophylaktischen Maßnahme gegen die Pest sei hier noch gedacht. Der Züricher Arzt ~Johann Heinrich Lavater~, ein Schüler des Chirurgen ~Fabricius Hildanus~, verfaßte 1668 auf Befehl des Rates eine neue Pestordnung. Sie unterscheidet sich von anderen wesentlich durch neue Gedanken, die ich anderweitig nicht fand und deshalb ~Lavater~ selbst zuschreiben möchte. Er schlug vor, Landeskinder, die durch ihren Beruf zum Reisen genötigt seien, bei der Rückkehr aus verseuchten Orten nicht abzuweisen, sondern sie an den „vordersten Pässen“ folgender Behandlung zu unterziehen. Man soll die Person „bey oder nach leibsöffnung einen oder zwen Theriacalische schweißtrünke eingeben, hernach in ein wasserbad mit Wasserknoblauch, Scordium genannt, oder in mangel dessen, mit gemeinem Knoblauch, Schwalmen- und Eberwurzen alterirt, oder gebrochen, 2 oder 3 stunde lang setzen, und ihnen in dem bad mit einer gelinden laugen von rebäschen, darinn Rautenblätter, Angeliken- oder Aletwurzen gesotten worden, durch eine bestelte, gesunde, und starke person zwagen und abwaschen lassen, hernach mit sauberen kleideren, von gesundem hause auß, sich anzuziehen, oder sich in jez gebräuchliche, für arme und reiche bequeme leinwad zukleiden, und ihre alte angestekte kleidung, von der solen an bis auf die scheitel, zuverbrennen, befehlen“[603]. Sehr ängstlich sahen die Badeorte darauf, daß niemand aus pestverdächtigen Gegenden zur Kur kam, wohl gerade deswegen, weil man dort Schutz vor der Seuche suchte. Nach der Ordnung des Wunderbades Boll (Württemberg) aus dem Ende des 16. Jahrhunderts war es bei zwölf Gulden Strafe verboten, von verdächtigen Orten aus, „da der Erbsucht und sterbender Laufft habben, der Luft nicht rein ist“, Aufenthalt in Boll zu nehmen[331]. 1634 erging an den Wirt im Tobelbad der Befehl, einige „Pollakhische Studenten“, welche der Infektion wegen von Graz ohne Bewilligung in das Bad gezogen, abzuschaffen. Ohne Vorweisung eines Gesundheitspasses sollte er niemanden aufnehmen. Im gleichen Jahre wurde der Pfarrer von St. Veit, welcher einer verdächtigen Person Beichte gehört hatte, abgesperrt. Das gleiche widerfuhr dem Wirt und seinem Gesinde. 1679 wurde der Wirt beschuldigt, daß er aus infizierten Orten kommende Personen dulde, darunter eine getaufte Jüdin aus Wien. Der herrschenden Kontagion wegen wurde 1682 das Bad ganz geschlossen und selbst die Kapelle gesperrt[84]. [Sidenote: _Badebehandlung der Pestkranken_] Die von der Pest Ergriffenen wurden mit Schwitzen behandelt. Meist begnügte man sich, die Kranken gut zugedeckt im Bett zu halten und einen Schweißtrunk, fast durchgehends Theriak, einzugeben. Beim Ausbleiben des Schweißes suchte man ihn mit warmen Ziegelsteinen hervorzurufen. Nach ~Pantaleon~ wurden sie im Feuer erhitzt. Wurden die Steine heiß verwendet, umwickelte man sie mit nassen Tüchern. In der Regel sollten sie die Füße erwärmen; manche legten sie auch zwischen die Schenkel oder um den ganzen Patienten herum. Als Ersatz der heißen Steine dienten frisch aus dem Ofen gezogenes, durchgebrochenes Brot, mit warmem Wasser gefüllte Flaschen, auch von Blech, Guttern (enghalsige Flaschen) und Rindsblasen. Nach ~Untzer~ (1607) sollten die am Fußende angewandten warmen Gegenstände nicht allein Schweiß treiben, sondern auch das Gift vom Herzen ziehen. Beim Ausbleiben des Schweißes galt der Patient für verloren[608]. [Sidenote: _Verbot des Bäderbesuches von Syphilitischen zur Vermeidung der Ansteckung_] Am empfindlichsten wurde das Badeleben durch das epidemische Auftreten der Syphilis betroffen. Die Chroniken geben an, die Landsknechte Kaiser Maximilians hätten die Seuche vom Zug gen Mailand mitgebracht. Im Jahre 1495, sagt eine Nürnberger Chronik, „ist bös krankheit, malo franco, welches man die Franzosen nennt, erstlich ins Teutschland kommen“[195]. Auch von Frankreich (daher der Name Franzosenkrankheit) und von den Niederlanden wurde sie durch die aus Italien heimgekehrten Söldner Karls VIII. von Frankreich, unter denen 1494 die Krankheit als Epidemie ausgebrochen war, eingeschleppt. Nach den schweizerischen Schriftstellern der Zeit brachten die Schweizer 1495 die Krankheit aus dem neapolitanischen Feldzuge mit in die Heimat[480]. Schon 1496 wird als Hauptpräservationsmittel angegeben, „ein gemeyns bad, darein mangerley menschen koome“, zu fliehen (~Grünpeck~)[478]. Im gleichen Jahre erging in Nürnberg das Gesetz, „allen padern bei einer poen zehen gulden zu gepieten das sie darob vnd vor sein, damit die menschen, die an der Newen krankhait malum Frantzosen, beflekt und krank sein, in Irn paden (Bädern) nicht gepadet“[195]. Die eidgenössische Tagsatzung verbot für alle Orte (Kantone) denen, „so die böße Blatteren habent“, den Besuch von Kirchen, Straßen, Wirtshäusern, Bädern und Scherstuben (Abschied zu Luzern 1496). Im gleichen Jahre wurde auf der Jahresrechnung zu Baden im Aargau bekannt gemacht: „Der lüthen halb, so die bößen Blatteren hannd, ist angesehen, das man alle hett geheißen vß Baden schweeren, vnd sol jederman deheim mit denselbigen verschaffen, daß sy nit gen Baden faren (d.❆h. zur Badekur kommen), wann die Eidtgnossen wends da nit liden noch dulden“ (Abschied 1496). Ungefähr gleichzeitig verbot der Rat von Zürich Syphilitischen den Besuch der Badestuben[480]. In Frankfurt a.❆M. wurde im selben Jahre dem Inhaber der am meisten besuchten Badestube, der roten, befohlen, einen angesteckten Knecht sofort zu entlassen, widrigenfalls die Stube geschlossen würde. Im nächsten Jahre erkrankten der Meister selbst und seine Frau. Dies und der Umstand, daß „viel lude darinn befleckt sin worden“, hatte den Befehl zur Schließung der Badestube zur Folge. Erst ein halbes Jahr später wurde die Wiedereröffnung derselben gestattet, jedoch unter der Bedingung, daß nicht nur die Öfen, Bänke und Stuben unter obrigkeitlicher Aufsicht gereinigt und gewaschen, sondern auch niemals Erkrankte zugelassen würden. Das Publikum fürchtete sich jedoch so sehr vor der Ansteckung, daß der Bader aus Mangel an Zuspruch schon drei Monate später mit seinen Gläubigern akkordieren mußte. In Frankfurt warnte 1499 der Rat die Bürger sogar, die „klein badstuben in den husen“, also die Privatbäder, gemeinschaftlich mit Syphilitischen zu benutzen[127]. Die ungemein schnelle Ausbreitung und die schwere Form, in der die Seuche auftrat, ließ die Menschen erzittern. Am 18. August 1506 schrieb ~Albrecht Dürer~ aus Venedig an ~Wilibald Pirckheimer~ nach Nürnberg: „Saget mir vnserm prior (Eucharius Karl, bey den Augustinern daselbst) mein willig dienst. Sprecht, dz er Gott vür mich pit, daz ich behüt werd vnd sunderlich vor den Frantzosen, wan ich weis nix, daz ich vbeller fürcht, wan schir iederman hat sy. Vil leut freßen sy gar hinweg, daz sy also sterben“[195], [478]. „Vor 25 Jahren“, sagt ~Erasmus~ von Rotterdam, „war bei den Brabantern nichts beliebter als die öffentlichen Bäder (thermae), die jetzt überall kalt stehen; denn die neue Hautkrankheit (scabies) lehrte uns, von ihrem Gebrauche abzustehen“[483]. [Sidenote: _Ansteckung mit Syphilis durch Schröpfen in den Badestuben_] Im 16. und 17. Jahrhundert sind die Verbote des Badestuben- und zuweilen auch Heilbäderbesuches für Syphilitische nicht selten, in Luzern mußten diese sogar nach Verordnungen aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts noch drei ganze Monate, nachdem sie aus der Kur gekommen, die Badestuben meiden[480], [482], und doch sind trotz dieser Vorsichtsmaßregeln mehrere kleinere durch Badestuben veranlaßte Epidemien bekannt. Die Übertragung geschah wohl in den meisten Fällen durch chirurgische Instrumente, namentlich beim Schröpfen. Schon nach der Nürnberger Ratsverordnung von 1496 war es den Badern verboten, Eisen und Messer, die sie beim Scheren und Aderlassen Syphilitischer in deren Wohnung benutzt hatten, wieder in der Badestube zu verwenden[195]. Nach ~Roth~ erzählt eine alte (wohl Nürnberger) Chronik, ehrbare Leute gingen nicht gerne in die Badestuben, weil etliche lose Landsknechte die Leute dort verderbet, daß sie elend geworden, die Laßköpfe ausgeschworen, und sie zum Teil gestorben[195]. ~Jordanus~ berichtet, daß der größte Teil jener, die am 13. Dezember 1577 das am Fuße des Spielberges in Brünn gelegene Schwitzbad besuchten und dort sich Schröpfköpfe setzen ließen, syphilitisch infiziert wurden[16]. 1615 geschah es in der Badestube zu Sommerach a.❆M. durch nicht gereinigte Schröpfköpfe[144]. 1614 wurde die ganze Gemeinde Merchendorf infiziert[393]. 1601 schreibt ~Maier~ von Wurzberg bei Wimpfen (~Marius~), zwei Jahre vorher seien in der Gegend der Aysche (Zufluß der Regnitz), wie auch in anderen Städten und Dörfern herum, von dem Schröpfen in gemeinen Bädern oft zwanzig, zuweilen vierzig auf einmal und nicht die geringsten „verunrainet“ worden. Deswegen habe jedermann Furcht vor dem Baden bekommen. Die Leute schämten sich dieser „Vnreine“, ließen sich heimlich von Kurpfuschern behandeln, und so breitete sich das Übel immer weiter aus. Als die Untersuchung keine Ursache feststellen ließ, da gab man aus, die Krankheit sei „von einer sondern himmels constellation, auß der lufft“ gekommen, „daß Gottes zorn dies verhengete, andere doch disputirten von Schrepffeissen oder flitten, letzlich man gar herauß saget, von frantzosen pocken,“ und ~Marius~ begründete diese letztere Ansicht damit, daß nur Leute betroffen worden, die im Bad gewesen waren. Die erste Veränderung sei an den geschröpften Stellen und entsprechend dem Laßkopf rund gewesen und erst später der Ausschlag gekommen. ~Marius~ macht in unklarer Weise auch noch andere Umstände, z.❆B. die Zubereitung der „flitten“, verantwortlich, „vber das einer bekant, die flitten in zwibel (Pancratio forsan) stecken gehabt“[485]. Die Erklärung dieser Stelle gibt uns ein Eintrag vom 13. November 1599 in das Tagebuch von Meister ~Frantz~, des Nachrichters von Nürnberg: „Andreas Seitzen, Badersgesell, welcher im Weißenthurmbad gearbeitet, mit seinem Gesellen Michel uneins worden, ihme gedroht, ein Possen zu machen, daß er an ihn gedenken soll, und ihm darauf sein Schrepfeisen in eine Zwiebel gesteckt, auch nüchtern Erbes gekaut und das Eisen angeathmet, dieweil nun über die 70 Personen im Bad verderbt und die Franzosen bekommen, auch die Köpf (wohl die Stellen, wo die Schröpfköpfe gesessen hatten) ausgefallen, wiewohl er die Franzosen selbst bekommen, acht Wochen im Haus gelegen, hat man ihm die Schuld geben; weil aber hernachmals er eben sowohl die Leut verderbt in andern Baden, hat man ihn aus Gnaden mit Ruthen ausgestrichen“[484]. Wie schwer die Syphilis den Wohlstand der Bader beeinflußte, zeigen die Würzburger Verhältnisse im 16. Jahrhundert. 1512 brachte der Pfortenschreiber im Domkapitel vor, der Bader zu Sulzdorf habe nun die Badestube Jahr und Tag inne, aber noch nichts bezahlt. 1544 wurde dem Rate gemeldet, die Badestube am Sand drohe dem Einsturz; der Bader konnte wegen Armut keinen Neubau errichten, so daß sie die Stadt übernehmen mußte. 1551 kaufte die Stadt auch die Badestube zu Bleich. 1552 bat der Bader zum Gulden um Ausbesserung von Bänken und Boden, sonst könne er um den Zins nicht länger bleiben, 1557 bat derselbe um Verringerung des Zinses. 1570 drohte die Badestube zu Randersacker, einem Marktflecken bei Würzburg, dem Verfall. 1580 brachte der älteste Bürgermeister vor, des Spitals Badestube trage im Jahr nur 15 fl., davon gingen 5 fl. ab, wofür der Bader die Armen baden müsse, dagegen sei die Baulast eine große. Es wurde beschlossen, die Badestube zu verkaufen unter der Bedingung, daß sie auf ewig erhalten bleibe und die Insassen des Spitals weiter baden könnten. 1588 wurde ein Armenhaus für die Bader gebaut. 1595 erhielt ein Bürger und Bader den Bescheid, er solle sich auf dem Lande nach einer Badestube umsehen, indem die Mittelstube zu erbauen für ihn zu kostspielig sei[144]. [Sidenote: _Zahl der Badestuben in verschiedenen Jahrhunderten_] Sehr deutlich spricht auch die Anzahl der Badestuben in einzelnen Orten zu verschiedenen Jahrhunderten. Die älteste urkundlich zuerst erwähnte öffentliche Badestube war zu Fulda. Abt Marquard, der von 1150–68 regierte, errichtete eine Fleischbank auf dem Markte und daneben eine Badestube, macellum in foro ac juxta illud balnearia stupa. Wenn die Badestube damals etwas ganz Außerordentliches gewesen wäre, bemerkt ~Falk~, so würde die Klostergeschichte nicht versäumt haben, dessen Erwähnung zu tun. Die Badestuben gehen demnach weiter zurück[196]. Wolfger von Ellenbrechtskirchen badete auf der Reise in öffentlichen Badestuben zu Passau und Ebbelzperg bei Linz zu Anfang des 13. Jahrhunderts[270]. In Hildesheim wird 1295 die Badestube „bei den kleinen Steinen“ als die frühere erwähnt[52]. Zwickau hatte 1284 mehrere Badestuben[540]. Die Reichsstadt Wimpfen am Neckar kann drei Badestuben im 14. Jahrhundert aufweisen[196]. Noch heute besteht das 1354 zuerst erwähnte Badehaus bei den Predigern als „alte Badestube“, aus der ein starker Strahl klaren Quellwassers hervorsprudelt[623]. Zu Wimpfen im Tal gab es im Mittelalter ein Bad, das im 17. Jahrhundert verboten wurde[196]. Speyer hatte im 14. Jahrhundert neun Badestuben, eine davon wird noch im 17. erwähnt[273], Basel elf und Kleinbasel fünf[260]. In Riga waren im 13. und 14. Jahrhundert die drei Bäder städtisch[193]. Mainz hatte im 14. Jahrhundert vier Badestuben[127], Regensburg im 15. ebenfalls vier[62], Ulm im Mittelalter zehn[50], Würzburg zwölf, 1470 noch neun. Ochsenfurt hatte in der Nähe des Spitals eine alte Badestube, die 1431 von diesem gekauft wurde. 1691 wurde sie wieder verkauft, obgleich neben ihr eine neue angelegt war. Bald ging aber diese ein, 1717 auch die alte, in welchem Jahre der Kessel in das städtische Waschhaus versetzt wurde[144]. Meßkirch hatte gegen Ende des 14. Jahrhunderts vier Badestuben[149]. 1350 werden Bäder in den Dörfern Schornheim (Schornsheim bei Mainz) und Kunigernheim (Königernheim bei Alzei oder bei Oppenheim) erwähnt[219]. Nach Urkunden von 1426–1515 hatten fünf Dörfer bei Ulm jedes seine eigene Badestube, im 15. baten die Leipheimer, eine zweite errichten zu dürfen[50]. Das Dorf Burgau bei Bülach (Schweiz) besaß Mitte des 16. Jahrhunderts bei ungefähr fünfunddreißig Hofstätten eine öffentliche Badestube[600]. Die Zahl der Wiener Badestuben betrug im Mittelalter einundzwanzig, 1534 elf, Anfang des 18. Jahrhunderts sieben[16]. In Eger gab es im 16. Jahrhundert vier gemeine Badestuben[318]. Nach ~Guarinonius~ war 1610 in Österreich keine Stadt, kein Markt, kein Dorf so gering, daß er nicht seine Badestube hatte[134]. Aus einer Jenaer Verordnung von 1701 geht hervor, daß dort zur Zeit mehr als eine Badestube in Betrieb war[242]. Halle hatte 1755 fünf privilegierte Badestuben[190]. 1699 wurde nach einer im städtischen Museum zu Jena befindlichen Urkunde eine Badestube zu Weimar von den Herzogen Wilhelm Ernst und Johann Ernst zum Erblehen gegeben. In Frankfurt a.❆M. kommen von 1290–1500 fünfzehn öffentliche Badestuben urkundlich vor (die erste 1290), das offizielle Bürgerverzeichnis vom Jahre 1387 gibt sogar neunundzwanzig Bader an, wovon aber doch wohl ein Teil Gesellen gewesen sein werden. 1555 waren noch zwei Badestuben in Betrieb und diese nur an zwei Wochentagen[127], sie bestanden noch 1706[133]. 1809 stellte auch die letzte aus alter Zeit ihre Tätigkeit ein, die rote Badestube, welche 1356 zuerst erwähnt wird, 1498 wegen der Syphilis und 1597 wegen der Pest eine Zeitlang geschlossen war[127]. Nürnberg hatte nach ~Hans Sachs~ dreizehn gemeine Badestuben[498], 1671 wurden zwölf und ein Gesundbrunnen, das Wildbad, gezählt. Dies bestand 1792 noch mit zehn gemeinen oder öffentlichen Badestuben, darunter die älteste, das Rosenbad, welches ehemals Burgbad hieß, und von dem die Bader in ihren Streitigkeiten mit den Barbierern nachwiesen, daß es, wie ~Roth~ 1792 schreibt, schon siebenhundert Jahre vorher bestand[195]. Zürich hatte seit dem 14. Jahrhundert fünf Badestuben (die erste wird 1303 erwähnt)[173], die 1605 noch in Betrieb waren[209], im 18. Jahrhundert nur zwei. Dagegen fanden sich auf der Landschaft Zürich im 18. Jahrhundert fast in allen Dörfern Badestuben. Mit Inbegriff von zwölf Wirten gab es fünfundzwanzig „alleinige“ Bader in ebenso vielen Ortschaften, wozu noch die Bader kamen, welche zugleich Scherer waren. Die „alleinigen“ Bader übten die Baderei tatsächlich aus und waren nicht etwa Chirurgen; denn es war ihnen nicht erlaubt, zur Ader zu lassen. Im Dorf Steinenbach wurde sogar 1775 eine alte eingegangene Badestube wieder eröffnet. Im selben Jahr bestand eine zu Bassersdorf, 1774 eine zu Waldenstein bei Winterthur, 1776 eine in Volkerschwil[243]. 1775 und 1776 prozessierte der Inhaber der Badestube zu Horgen, die aus dem 15. Jahrhundert stammte, mit dem Besitzer des Badrechts im Mineralbade auf Bocken, einem Feldscherer, wegen des Schröpfens daselbst und erreichte, daß ihm eine jährliche Geldentschädigung zugesprochen wurde, falls auf Bocken ein eigener Badermeister angestellt wurde [243, 502]. 1730 lag der Bader von Hinweil mit der Gemeinde wegen Holzlieferung im Streit. Sie wurde ihm auf Grund einer Ordnung von 1563 zugesprochen, wofür er die Dorfgenossen um einen halben Schilling billiger als andere baden mußte[573]. Bern hatte 1820 sechs Badewirtschaften[253]. In Dießenhofen gab es 1826 ein mit Bachwasser versorgtes Bad[88]. Im grellen Gegensatz zu den geschilderten Würzburger Verhältnissen stehen die Darstellungen der Künstler im 16. Jahrhundert, so daß man den Eindruck gewinnt, es habe ihnen nur daran gelegen, ein belebtes Bild nackter Personen zu schaffen. ~Ephrussi~ behauptet geradezu, ~Dürer~ habe die Badestuben zu Aktstudien benutzt[609]. ~Beham~s Frauenbad (Abb. 40) ist übrigens nur eine abgeänderte Nachzeichnung des gleichnamigen Bildes ~Dürer~s, das vielleicht noch aus der vorsyphilitischen Zeit stammt. Auch ~Hans Baldung Grien~s Frauenbad im Cabinet des Estampes zu Paris ist nach ~Ephrussi~ nur ein Gegenstück zu einer Federzeichnung ~Dürer~s in der Kunsthalle zu Bremen (~Ephrussi~ schreibt es deswegen ~Dürer~ zu). Jedenfalls geht daraus hervor, daß wir Bilder des 16. Jahrhunderts mit Vorsicht zur Beurteilung des damaligen Badewesens verwenden müssen, weil sie zuweilen nur ein Abklatsch von Bildern älterer Zeit sind. Auffallend ist das verhältnismäßig häufige Vorkommen des Badewedels auf Bildern, während er von den medizinischen Schriftstellern nur einmal erwähnt wird, nämlich von ~Ryff~, und nur als Instrument, den Dampf an den Körper zu treiben, nicht als Schlaggerät. Natürlicher erscheinen mir die Abbildungen der Kalender und der Anweisungen zur Erhaltung der Gesundheit (Abb. 75, 9O). Trotz des Verschwindens des Badewedels — zum letztenmal finde ich ihn 1677 dargestellt[76], falls der Holzschnitt nicht aus einem älteren Werke entnommen ist — war auch in den folgenden Jahrhunderten das Schwitzbad in den meisten Badestuben noch vorhanden. [Sidenote: _Die Badestuben im 18. Jahrhundert_] Im dritten Bande von ~Zedler~s Universallexikon[468] findet sich 1733 folgende Beschreibung einer öffentlichen Badestube: „Es siehet aber eine Badstube also aus: Es ist nemlich ein niedriges Gemach, an dessen einem Ende ein Ofen, neben diesen Ofen aber ein Kessel mit heißen, und ein Kübel mit kalten Wasser ist, daraus man schöpffen, und wie man es brauchen will, die Wärme mäßigen kann. An denen Wänden sind Bäncke vor und über einander, darauf man sich höher oder niedriger setzen kann, nachdem man starck oder gelinde zu schwitzen verlanget, und diese werden die Schwitz-Bäncke genennet. Diejenigen, welche naß baden wollen, setzen sich in eine Bade-Wanne, die mit Wasser angefüllt ist. Zu diesen Stuben nun ist insgemein iemand bestellet, welches denen Bade-Gästen aufwartet, auch ist insgemein ein Bader bey der Hand, wenn jemand schröpfen will.“ Den badenden Personen ging mit Abwaschen die „Bade-Magd“ an die Hand, die auch sonst im Bad bediente. 1734 erwähnt ~Dietman~ (Baden bei Wien) die Dampfbäder von angezündetem Spiritus oder Branntwein und die Schwitzbänke der Bader[499]. [Illustration: Abb. 90. Badestube in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Dryander~, Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M., 1547.] 1788 kam in Zürich die „Baad-Stub“ auf Dorf zur Versteigerung. Darin fand sich à plein pied ein Holzschopf und die Badestube selbst, in dieser „ein mit Steinen wohl garnierter ofen, 2 küpferne Kessel in circa 6 Tausen Wasser haltend, 2 Tollenöfen darzu, ein hölzerner Baadkasten nebst Bänken mit Baad Gerechtigkeit darbei, in gleichem Zimmer ist ein guter Galgbrunnen mit steinernem Wassertrog“. Von der Badestube waren alljährlich an ewigem Zins zwei Pfund ins Säckelamt zu entrichten. 1665 wird in derselben Badestube, die damals zu St. Anna hieß, als Eigentum angegeben: „Drey Möschen (von Messing) Hänen, zwey steinin trög, zwey Badkästen item die Gerechtigkeit zu einem Brunnen und zu einer garvy (Gerberei)“[243]. Aus dem Vorhergehenden ist zu ersehen, daß mit dem epidemischen Auftreten der Syphilis das deutsche Badeleben schwer beeinflußt, das Badebedürfnis aber nicht vernichtet wurde, dasselbe gilt vom Dreißigjährigen Kriege. So bauten 1660 die Bürger von Allensbach ihre 1640 im Kriege zerstörte Badestube im Frondienste umsonst wieder auf und hatten dazu dreihundert Gulden Unkosten[129]. In Göttingen wurde noch kurz nach dem Kriege täglich geheizt, doch bat ein Pächter den Rat dringend, ihn von dieser Verpflichtung zu entbinden, da die Gäste so selten wären[3]. 1655 sagt ~Zeiller~, eine berühmte Badestube sei zu Leipzig am Ransteter Tor, schön und von Steinen erbaut, auch ganz gewölbt[D], darin viel große kupferne Wannen und Zuber, bei deren jedem ein hoher messingner Hahn, aus welchem das frische Wasser auf des Badegasts Begehren nach aller Lust springen thue. Dergleichen sei auch in anderen Badestuben, so vor der Thomaser Pforte anzutreffen. Diese wäre jedoch nicht so „artlich vnd fest“ als die oben genannte[83]. [Sidenote: _Im Mittelalter gingen auch Vornehme / später nur das Volk in die Badestube_] Trotz dieser guten, anscheinend nur für Wasserbäder bestimmten Einrichtung glaube ich, daß vornehme Leute nicht mehr, wie im Mittelalter, ständig die öffentliche Badestube gebrauchten. Karl IV. behielt sich in Königsfeld 1360 ausdrücklich vor „stubam balnearem“ zum eigenen Gebrauch, dem seiner Nachkommen und Erben, der Könige von Böhmen[552]. In Bayern mußte 1294 der Viztum das Badgeld für den Herzog zahlen, wenn dieser in den Amtsbezirk kam[534]. Den Herzog Ludwig II. zu Brieg und Liegnitz ereilte 1436 der Tod in der Badestube in der Liebfrauengasse zu Liegnitz[16]. Aber schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sagt der Erzbischof Albicus von Prag in seinen Verhaltungsmaßregeln zur Pestzeit nach einer Warnung vor dem Bade überhaupt: „Du armer ... Du salt meyden gemeyne bat“[474], und der Stadtarzt König von Bern warnt zur Pestzeit 1628 und 29 nicht den Junker vor dem Besuch der gemeinen Schweiß- und Badestuben, sondern rät ihm, sein Hausgesinde von diesen fern zu halten[610]. Nach dem zu Leipzig 1715 erschienenen Frauenzimmerlexikon badete die vornehme Frau zu Hause, nur Weibsbilder vom schlechten Stande besuchten die öffentliche Badestube, wo die Bademagd die Bedienung besorgte[422]. Während 1610 nach ~Guarinonius~ in Steiermark die Handwerker am Sonnabend abend ein Reinigungsbad nahmen[134], auch 1733 in Mitteldeutschland die Badeschichten noch zum Baden benutzt wurden[468], sagt ~Grellmann~ 1794, die Badeschichten seien ein Überbleibsel aus früher Zeit, die bei einigen Handwerken noch in Gebrauch wären[543]. Gebadet wurde also von diesen nun auch nicht mehr. [Sidenote: _Rückgang der Badestuben seit der Mitte des 18. Jahrhunderts_] +Das Zurückgehen des Badebedürfnisses beim gemeinen Mann müssen wir in die Mitte des 18. Jahrhunderts legen.+ 1733 waren nach ~Zedler~s Lexikon in Polen, Rußland, Littauen, Livland und den Nordländern die Badestuben „sehr gemein, in Teutschland aber sind sie so sehr bräuchlich nicht“, noch weniger in den übrigen Teilen Europas[468]. In Winterthur hatte die schon erwähnte Lörlibadestube durch Zuführung eines angeblichen Mineralwassers einen Aufschwung genommen. 1670 fand sich jedoch kein einheimischer Bewerber, sondern nur Fremde. 1733 aber beschloß der Rat, die obere (Lörli-)Badestube solle wie von alters her eine ehehafte und ein Erblehen bleiben, und als der Bader um Erleichterung nachsuchte, gab ihm der Rat den Trost, „wenn nach Beschaffenheit der Zeit sich keine oder nur sehr wenige Badgäste einfinden sollten, daß er nicht erleiden möchte zu wärmen, daß dann wohl niemand ihn dazu nötigen werde“. 1766 wurde die Badestube neu gebaut. Der Bader erhielt 5000 fl. zu 2½ % geliehen und alles Holz zum Baue frei. Als 1801 die Badestube der Stadt zum Ankauf empfohlen wurde, fehlte es am nötigen Gelde, und 1804 wurde der Vorschlag gemacht, das Badhaus zur Errichtung eines Waisenhauses anzukaufen. Durchgeführt wurde er aber nicht. Dem Bader ließ man das Geld mit leichtem Zins unter dem Vorbehalt, daß das Gebäude stets eine Badestube bleibe (sie bestand schon vor 1349) und in unklagbarem Zustande erhalten werden müsse. 1841 forderte der Rat jedoch eine Verzinsung seines Geldes zu 4 %[57], und nicht lange nach 1843 scheint die Badestube eingegangen zu sein. Im 17. Jahrhundert hielt man die Badestube noch für unentbehrlich. So singt ~Greill~ 1610 von München nach Aufzählung von zweiundvierzig Weinhäusern, vierzehn Methschenken, zweiundsiebzig Bierbrauereien und zweiundsechzig Bäckereien: „Vergessen hett ich schier noch eins, Welches dannoch kein kleins, Daß da zwölff offne Bad thut han, Darin man sich kan putzen lan“[497]. [Illustration: Abb. 91. Deutsche Badestube zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Kupfer aus: ~Abraham a Santa Clara~, Etwas für Alle. Würzburg, 1711.] In einer Stettiner Pestordnung von 1625 wird vor unnötigen Versammlungen in den Badestuben gewarnt und zugefügt, man könne derselben „ad interim eine Zeitlang woll entrathen“[475]. Noch 1711 sagt ~Abraham a Santa Clara~, wer ein Freund der Reinlichkeit ist, werde in Wahrheit auch ein Freund des Badens sein. Wie denn fast alle Landschaften nicht ohne Bäder sein werden (Abb. 91)[288], und im Odenwalde waren 1754 die Badestuben noch so in Brauch, daß ~Klein~ Kleidung, Gebäude (Tiguria), Bäder (Hypocausta) und Betten in einem Kapitel beschreibt, die Badestuben demnach als zum Leben notwendige Einrichtungen galten. Der Schilderung nach waren sie mit Holz geheizte Heißluftbäder, aus der sich die Besucher direkt an die freie Luft zur Arbeit begaben, ob es nun regnerisch, windig oder kalt war. Auch Wöchnerinnen brachte man in die Badestube[645]. [Sidenote: _Im allgemeinen schröpfte man nun nur noch in den Badestuben_] Abgesehen von Krankheitsfällen scheint die Badestube aber von den meisten nun nur noch zur Vorbeugung von Krankheiten einige Male im Jahre in Verbindung mit dem Schröpfen benutzt worden zu sein. Schon im 17. Jahrhundert wird in Muri (Aargau) dem Hofscherer befohlen, die „Schweiß- und Schräpfbäder“ ordentlicher Zeit abzuhalten[557]. In Ettenhausen erhielt der Wagner Zehnder 1720 von der Äbtissin Euphemia des Klosters Tänikon eine Schweißstubengerechtigkeit mit Schenkrecht und zwar nicht für das ganze Jahr. Die Schweißstube sollte er jeweils vom 13. November bis zum Johannistag zum öffentlichen Gebrauche geben. Jeden Samstag, und wenn ein Feiertag darauf fiel, am vorhergehenden Freitag, wurde das Badezimmer geheizt. An anderen Tagen durfte niemand mit Brot und Wein bewirtet werden. Keine Verdächtigen, besonders Fremde und Landstreicher, sollten im Hause übernachten. Spiel und Tanz war jederzeit untersagt. Im Sommer wurde das Bad um zehn, im Winter um neun Uhr geschlossen[187][E]. Fast durchgehends geben die Schriftsteller gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts an, daß die Bader nichts mehr mit Baden zu tun hätten. Die Bader und Barbierer, sagt ~Gruner~ 1789, unterschieden sich allein durch den Besitz der Bade- oder Barbierstube, die Bader machten den bloßen Barbierer oder deutschen Chirurgen und unterschieden sich durch weiter nichts, als durch das Ansetzen der Schröpfköpfe, dessen sich die Barbierer schämten[654] (siehe Anm. S. 219). Doch auch dem gewohnheitsgemäß genommenen Schweiß- und Schröpfbad schlug die letzte Stunde. Ich erinnere an die Privatbäder der bayerischen Bauern, die 1827 nicht mehr zum Baden Verwendung fanden. 1822 schreibt P. ~Maurus Lindenmayr~ von Österreich ob der Enns: „’s Schrepfen, ’s Dünstbad um Quatemä ist ietzunda gar a’kemmä“[46][F]. Gleichzeitig mit dem schnellen Rückgang der alten Badestuben im 18. Jahrhundert setzt die Agitation der Ärzte für Wiedereinführung der Bäder ein, die mit der für kalte Bäder Hand in Hand ging. Dr. ~Schelhamer~ beklagt 1747, daß die Bäder so sehr in Verachtung geraten wären. Er sagt, daß er sich erinnere, ehemals in allen nur einigermaßen berühmten Städten Deutschlands öffentliche Bäder gesehen zu haben, worinnen sich das Volk täglich gebadet habe. Es wären aber dieselben in Verfall geraten, weil die Obrigkeit jedes Orts auf dergleichen Anstalten zu wenig acht gehabt hätte, weswegen er ihnen auch aufs Nachdrücklichste die Wiederherstellung ans Herz legte[97] [611]. Dabei zeigte man keine große Lust, die alte deutsche Badestube wieder einzuführen. ~Gruner~ wollte 1789, man solle bei dem herrschenden Modegeschmack am Baden den Bader im wahren Sinne des Wortes wieder den Bader machen, von ihm kalte und warme Bäder in der Badestube besorgen lassen und ihm genaue Anweisung geben, wie und wo er dergleichen anlegen und in verschiedenen Fällen bei verschiedenen Personen brauchen solle[654]. [Sidenote: _Die russischen Dampfbadeanstalten in Deutschland_] Der größte Teil der Ärzte gab sich gar nicht die Mühe, die Geschichte der deutschen Badestube und deren einstige Einrichtung zu studieren[G], obwohl in den Sammelwerken seitenlange, aus Reiseberichten gezogene Beschreibungen fremder Schwitzbäder zu finden sind. Die meisten Schriftsteller erwähnen sie nur flüchtig als geheizte Kammern mit abscheulicher Atmosphäre, die teils sogar unter der Erde gelegen sein sollten. Dies wurde besonders in einem Werk des in russischen Diensten stehenden Arztes ~Sanchez~ hervorgehoben, von dem ein Auszug 1789 zu Memmingen deutsch erschien[612], und das die russischen Dampfbäder als Allheilmittel empfahl, die alle Übelstände der deutschen Badestuben nicht haben sollten. Der bayrische Stadtgerichtsarzt und Medizinalrat ~Hirsch~ begründete 1815 ihre Einführung in Deutschland neben dem Nutzen für unser Volk sogar damit, die durch Deutschland ziehende kaiserlich russische Armee bei guter Gesundheit zu erhalten[613]. Es bedurfte nicht des Aufrufs, die Russen halfen sich schon selbst. Aus Schlesien wird wenigstens berichtet, daß sie gewöhnlich eine feste, ziemlich luftdichte Bauernstube zum Bad herrichteten, indem sie den Kachelofen bis zum Heizungsherd abbrachen, Feldsteine auflegten und wie in der Heimat badeten. Die kalte Schlußbegießung nahmen sie auf dem Hofe beim Brunnen vor[643][H]. Das erste russische Dampfbad wurde 1781 unter dem Namen des englischen Dampfbades (weil eins vorher in London bestand) von einem Arzte ~Uden~ in Berlin errichtet[614]. Es war in Vergessenheit geraten, als 1818 ein höherer preußischer Steuerbeamter ~Pochhammer~ in Berlin das Mariannenbad eröffnete, in dem von den gewöhnlichen Bädern abgesondert das „erste“ russische Dampfbad erbaut wurde. ~Sanchez~’ Buch, der Rat eines geborenen Russen und „die Ansicht des russischen Bades, welches des Königs von Preußen Majestät zu Ihrem Gebrauche zu Potsdam hatten einrichten lassen“, dienten dabei zur Anleitung[652]. Dieses Bad im Potsdamer Schlosse, das Friedrich der Große für sich erbauen ließ, hatte um die eigentliche Badestube herum mehrere Backöfen, die ihre „Glut“ aus Drachenköpfen in das Zimmer ergossen und einzeln durch Hähne an- und abgestellt werden konnten[653]. In der ~Pochhammer~schen Anstalt wurden rotglühend gemachte Kieselsteine mit Wasser begossen. Die Badenden ließen sich nach vollständiger Durchwärmung mit eingeseiften Birkenzweigen reiben — die in den Schriften von ~Sanchez~ und ~Hirsch~ sonderbarerweise den alten deutschen Namen „Badequästen“ führen — und danach den Seifenschaum mit lauwarmem bis kaltem Wasser abgießen. Es fanden außerdem noch Übergießungen statt, auch in Form der verschiedenen Duschen. Nicht selten wurde das kalte Wasserbad mehrere Minuten lang benutzt, nachdem sich die Badenden vorher in einer Temperatur von 50° C befunden hatten, in die sie nach dem Bad wieder hinaufstiegen. Diese wechselwarmen Prozeduren wurden mit einer kalten geschlossen. Gesunde kleideten sich darauf an oder begaben sich der Gemächlichkeit wegen noch einige Zeit auf ein Ruhebett im Aus- und Ankleidezimmer. Kranke schwitzten dort, in wollene Decken gehüllt, nach[652]. Im großen und ganzen badete man hier wieder wie in der alten deutschen Badestube. Nach den Plänen der ~Pochhammer~schen Anstalt wurden in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts ähnliche in Berlin, Frankfurt a.❆d. Oder, Blankenburg i.❆d. Uckermark, Helfte im Mansfeldischen, Freienwalde, Magdeburg, Groß-Salze, Potsdam, Stettin, Memel, Köln a. Rhein, Danzig und Breslau errichtet[643][652]. Um die gleiche Zeit entstanden die russischen Dampfbäder zu Frankfurt a.❆M., Halle, Weimar, Leipzig, Dresden, Prag, Wien, Weißenfels, Bahrenfeld, Altona, Hamburg[643][653], im Muskauer Hermannsbade und beim Solbad zu Elmen[622]. In Würzburg wurde es mit einer orthopädischen Anstalt verbunden (1825)[653]; im ~Barrie~schen Alexanderbade zu Hamburg fand sich auch ein sogenanntes türkisches Bad mit wohlriechenden Dämpfen[622][643]. [Sidenote: _Die römisch-irischen Bäder in Deutschland_] Auch das alte deutsche Badstübchen, den Schwitzkasten, bei dem der Kopf nicht vom Dampfe umgeben war (Abb. 54 e), führte ~Marcard~ 1778 als englische Neuheit ein[160]. Von Großbritannien mußten wir uns auch die zweite Form der alten deutschen Badestube, das Heißluftbad mit Übergießungen, unter dem Namen des römisch-irischen Bades holen. Der irische Arzt ~Barther~ errichtete 1856 in St. Anns Hill bei Cork in Irland das erste „römische Bad“. Als Neuerung (?) fügte er am Schluß Begießungen hinzu, deren Wärmegrad allmählich abnahm[168]. Die erste derartige Anstalt schuf in Deutschland ein Dr. ~Luther~ in Nudersdorf bei Wittenberg in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts[501][I]. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war für die alte deutsche Badestube, die doch in ihrer Hauptform Schwitzbad war, besonders ungünstig, weil von ärztlicher Seite die hitzige Lebensweise, wie man sagte, samt den Schwitzbädern bekämpft wurde. ~Zwierlein~ spottet 1793 über die „altmodischen“ Schwitzdoktoren[656]. Die kalten und lauen Bäder waren Mode und dadurch entstanden neben den Badeanstalten auf den Flüssen jene schon besprochenen nach französischem Muster, die Wasserheilanstalten im heutigen Sinne waren und neben einfachen Reinigungsbädern über einen reichlichen Badeapparat verfügten und sich in den Einrichtungen mit den Mineralbädern deckten, ja diese zu ersetzen strebten. Eins der Cannstatter Bäder hatte 1838 sogar ein künstliches Salzbad mit Wellenschlag als Surrogat für Seebäder. 1838 wurden dort Schlammbäder eingeführt[154]. Der größte Teil der Bäder, welche ehemals als mineralhaltig galten, es aber nicht waren, ging, wenn nicht zugrunde, in die genannten Badeanstalten auf. So war die S. 46 erwähnte, im Fechthause zu Nürnberg gelegene das alte Wildbad, das schon 1577 nach zweihundertjährigem Bestehen in Stein neu aufgeführt wurde. Das 1628 erbaute Fechthaus machte einen Flügel des Wildbadhauses aus und diente ursprünglich nur als Vergnügungsraum[195]. [Sidenote: _Die deutschen Badestuben im 19. Jahrhundert_] Mit diesen Badeanstalten war aber kein Ersatz für die alte Badestube geboten, die große Masse des Volkes wurde von ihnen nicht berührt. ~Tissot~s Anleitung für das Landvolk war in fast alle europäischen Sprachen, ja in Dialekte übersetzt. Gelesen wurde sie aber nach zeitgenössischem Urteil von dem, für den sie bestimmt war, nämlich vom Bauern, nicht[663]. ~Hufeland~s nötige Erinnerung an die Bäder, zur Belehrung des Volkes geschrieben, erließ ~Bertuch~ im Journal des Luxus und der Moden[518], und das las der gemeine Mann nicht, auch wohl kaum die übrigen diesbezüglichen ~Hufeland~schen Schriften. So badete denn das Volk gar nicht mehr. „Auf Baden in warmem Wasser haltet der Roggwyler wenig“, heißt es 1835 in einer Schweizer Dorfchronik, „dieses wird mehr für eine Mode, denn für die Gesundheit zuträglich angesehen; obwohl auch nur die bloße Reinigung des Leibs zu empfehlen wäre“[J][657]. Das war jedoch nicht überall so. Wir erfuhren schon, daß in München die Handwerker noch 1836 Seelbäder, wenn auch nur einige Male im Jahr, ankündigen ließen[46]. ~Kahtlor~ schreibt 1822 von den deutschen Badestuben, man setze sich in denselben nur durch starke Hitze ihrer Öfen in Schweiß. Viele Personen schwitzten in ihnen zu gleicher Zeit, so daß die Luft bald zu einem stinkenden Qualm werde. Wohl seien viele Badehäuser mit Flüssen in Verbindung gesetzt, manche aber, wenn sie auch in der Nähe vom Wasser lägen, nicht. In der Badestube befänden sich viereckige, in die Erde gegrabene, mit Brettern oder Backsteinen belegte Löcher, in denen man nach dem Schwitzen bade. Das täten aber nur wenige, die meisten reinigten sich durch Abwaschen. In einem alten Badehause zu Krautheim an der Jagst sah ~Kahtlor~ neben den erwähnten Löchern, also den in die Erde gelassenen Badewannen, noch eine Einrichtung, die er als ein ehemals bestandenes Gußbad deutete, das durch ein kleines, vom Berge kommendes Bächlein bewerkstelligt sein sollte[644], die ich aber doch eher für eine verfallene Wasserzuleitung halten würde, falls sie aus älterer Zeit stammte. Augsburg hatte 1837 zehn Badestuben, von denen eine, die ~Breyvogel~sche, als neue Badeanstalt von ~Jäger~ rühmend hervorgehoben wird[496]. Von ~Wetzler~ erfahren wir +1822, daß sich in Augsburg in vier Häusern Schwitzbäder vorfanden, welche die Woche zweimal bereitet und von den Webern, Fabrikarbeitern, Taglöhnern+ usw. +zahlreich benutzt wurden. Viele besuchten sie das ganze Jahr hindurch, und sie waren ihnen so zum Bedürfnis geworden, daß sie sich unwohl fühlten, wenn sie dieselben einmal nicht besuchen konnten.+ Von vornehmen Leuten wurden diese vier Badestuben nicht gebraucht. ~Wetzler~ erst riet „rechtlichen Bürgern“ und sogenannten Honorationen, bei Rheumatismen die Bäder eigens heizen zu lassen, um allein baden zu können, und im geschlossenen Wagen hinzufahren. Sonderbarerweise bezeichnet ~Wetzler~ diese vier Augsburger Schwitzbäder nicht als Badestuben, sondern schreibt, es sei kein Schade, daß die deutschen Badestuben eingingen. Er habe selbst solche in Bayern und Schwaben gesehen, die enge, finstere Löcher ohne Lufterneuerung waren, durch stark geheizte Öfen erhitzt wurden (also keine Dampf-, sondern Heißluftbäder waren!), wo man ungeheuer schwitzte und zugleich und im Übermaß schröpfte. Trotzdem kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die vier Bäder zu Augsburg alte deutsche Badestuben waren, wodurch bewiesen wird, daß es eben zur Zeit nicht nur enge, finstere Löcher zum Schweißbaden in Deutschland gab[K]. Sie bestanden aus einer Schwitzstube und einem Verschlage, wo der Badende sich aus- und ankleidete und nach dem Bad verweilte, bis er sich abgekühlt hatte. Die Hitze fand ~Wetzler~ 36 bis 38° R. Das Bad kostete nur vier Kreuzer. Beide Geschlechter badeten zusammen. Leider sagt ~Wetzler~ nicht, ob Dampf entwickelt wurde. Er hielt die Anstalten, so mangelhaft sie wären, doch für eine große Wohltat für die Arbeiter, namentlich die Weber, welche in Augsburg auch den Winter unter der Erde arbeiteten. ~Wetzler~ entwarf nun folgenden Plan. Die kalten Bäder hielt er zur allgemeinen Einführung als diätetisches Mittel nicht für geeignet, wohl aber die warmen, weil sie das ganze Jahr hindurch genommen werden können. „Die öffentlichen allgemeinen Bäder“, sagt er, „können keine Wasserbäder sein, die Anlegung und Einrichtung der Gebäude, die Bereitung der Bäder würde zu viele Kosten erfordern“. So empfahl er dann für den großen Haufen die Dampfbäder und verlangte von den großen Städten Deutschlands als Notwendigkeit die Einführung von Bädern, namentlich Dampf- und Duschbädern. Der Dampf sollte am besten mit Röhren aus dem Kessel in das Badegemach geleitet werden. Vor dem Schwitzbad sollte ein laues Bad oder eine Abwaschung mit Seife genommen werden, im Bad wünschte er Massage und zum Schluß ein Abwaschen oder Begießen mit Wasser von geringer und zuletzt von kalter Temperatur[370]. Vielleicht waren ~Wetzler~s Vorschläge doch nicht ganz in Vergessenheit geraten; denn 1852 beantragte der Gerichtsarzt Dr. ~Wolfring~ in Fürth eine Dampfbadeanstalt für Quecksilberarbeiter. Sie sollte als Schutzmittel gegen Metallintoxikationen der Quecksilber- und Farbwarenarbeiter dienen[615]. Tatsächlich kam sie in Verbindung mit einer anderen Art von Badeanstalten zur Ausführung, die ihren Ausgang von England nahm und dem Volk einen Ersatz der alten deutschen Badestube anfangs zu bieten schien, in England ihre Aufgabe auch erfüllte. [Sidenote: _Die Wasch- und Badeanstalten_] Als in England 1832 die Cholera ausbrach, erneute sich die längst gemachte Erfahrung, daß die Seuche in den unreinlichsten Quartieren den bösartigsten Charakter annahm und selbigen von den genannten Punkten, wie von einem Fokus aus, auf die Nachbarschaft übertrug. Man fühlte das Bedürfnis größerer Reinlichkeit in allen Stadtteilen und allen Schichten der Bevölkerung. Einer armen Frau gebührt das Verdienst der Lösung. Sie zuerst mietete in einem abgelegenen Hinterhause einen Schuppen, stellte dort einen Waschkessel auf und machte es, unterstützt durch die Beiträge einiger Damen, nach Anschaffung der nötigsten Waschgeräte möglich, ihren Nachbarinnen gegen einen Wochenbetrag von einem Penny eine Waschgelegenheit außerhalb ihrer eigenen engen Wohnungen zu verschaffen. Nach kurzer Zeit hatte sie fünfundachtzig Arbeiterfamilien zu ihren Kunden. Überrascht durch dieses Ereignis, bemächtigte sich die gutgesinnte Spekulation des fruchtbaren Gedankens, worauf dann im Jahre 1842 die erste regelmäßige Anstalt dieser Art zu Liverpool eröffnet ward[616]. Mit diesen englischen Waschhäusern waren Bäder verbunden, in Liverpool acht. Gleich darauf baute man in London zwei größere Anstalten gleichen Charakters. In einer großen Volksversammlung in London wurde nun 1844 auf die hohe Bedeutung dieser Wasch- und Badeanstalten für das Volkswohl nachdrücklich hingewiesen; infolgedessen befaßte sich eine Parlamentsakte von 1846 mit dem Bau derselben, nach der den Gemeinden die Verwendung von öffentlichen Geldern gestattet wurde und, was das wesentlichste war, die Verpflichtung bestand, zwei Drittel der Bäder für Arbeiter einzurichten und den Preis für ein kaltes Bad mit zehn, den für ein warmes mit zwanzig Pfennig anzusetzen. 1854 waren schon zwölf derartige Anstalten in England errichtet[500]. In Deutschland entstand die erste Badeanstalt nach diesem Vorbild in Hamburg. Die Stadt gab den Grund und Boden samt der Wasserversorgung umsonst ab. 1855 war die Anstalt fast vollendet[L] und kostete bis dahin über hunderttausend Mark. Neben der Bade- und Wascheinrichtung bestand auch ein Schnelltrockenraum, so daß man während des Badens seine Leibwäsche reinigen lassen konnte[616][M]. In Fürth wurde 1857 die vierte deutsche und erste bayrische „Bad- und Waschanstalt“ errichtet, mit der das erwähnte Dampfbad für Metallarbeiter verbunden wurde. Sie war Eigentum einer Aktiengesellschaft[615]. [617]. Wurden durch die Verbindung von Bad- und Waschanstalt die Betriebskosten vermindert, und konnte man dadurch Bäder um einen billigen, für den Arbeiter aber immer noch hohen Preis bieten, so erlangten diese Bäder doch keine Volkstümlichkeit. Die zeitgenössischen Schriftsteller heben die Großartigkeit der Anstalten hervor, und darin lag die Ursache ihres Untergangs. Man hätte weniger kostspielige Anstalten und mehrere bauen sollen. Schon 1858 betont ~Pappenheim~, daß Badeanstalten, wenn sie nützen sollen, sich mitten in der dichtesten Arbeiterbevölkerung befinden müssen, darum waren in Berlin zu derselben Zeit die Flußbäder außerordentlich beliebt. Sie wurden an einzelnen Sommertagen von tausend Personen besucht, und der Preis des Bades betrug nur sechs, mit Handtuch zehn Pfennig[618]. [Sidenote: _Die Brausebadanstalten_] Die Lösung der Frage des volkstümlichen Bades gebührt ~Lassar~. Schon 1832 hatte ~Meissner~ als Ersatz des Flußbades für Soldaten Duschen in leicht transportabler Form unter dem Namen Militärbad empfohlen[446], aber ~Lassar~ hob hervor, daß das Brausebad nur dann dem Volk von Nutzen sei, wenn es warm oder kalt mit Seife und Handtuch in einzelner Zelle für zehn Pfennig geboten würde[620]. Auf der Berliner Hygiene-Ausstellung führte ~Lassar~ 1883 praktisch seine Gedanken durch. In einem Wellblechhäuschen waren zehn Brausezellen eingerichtet, die von zehntausend zahlenden Besuchern benutzt wurden[500]. Wenn auch vorläufig kein Grund vorhanden ist, an das Aufblühen der alten deutschen Badefreudigkeit zu glauben, so möge doch ~Lassar~s Wunsch in Erfüllung gehen: „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“[620]. [A] Während Kinder im 15. Jahrhundert kein Badgeld zahlten, wird es jetzt auch für diese gefordert. In Zürich war 1604 der Badepreis nach Altersgrenzen bestimmt. Ein Mann oder Weib zu baden kostete einen halben Batzen. Eine mannbare Person, die schwitzte oder badete, zahlte einen Kreuzer, Personen von neun und zehn Jahren für Baden sechs Heller, unter neun Jahren vier Heller. Um Übervorteilungen auszuschließen, mußten die Preise an der großen Holztür angeschlagen werden[240]. [B] Die geheilten Fälle waren selbstverständlich nicht Aussätzige, sondern andere Hautkranke, und die übrigen, die nicht gerade im Bad starben, aber ihre Krankheit bis zum Tode behielten, litten am echten Aussatz. ~Zimmermann~ sagt 1689 von Pfäfers, wenn dort die Lepra nicht gleich anfangs abgewaschen würde, geschähe es überhaupt nicht[428]. ~Foltz~ schreibt auch dem „bad bey kalb zuo zell genant“, dem Liebenzeller Bad, für mit Gelbsucht und gleichzeitig mit Schwindsucht Behaftete eine gleiche Eigenart wie Leuk zu. Wer in vierzehn Tagen nicht gesund wurde, mußte sterben[12]. [C] Diese mit Weinbewirtung verbundenen Bäder führten den Namen „Badwein“. 1482 kaufte sich eine Bürgerin in das Spital zu Biberach als Pfründnerin ein „ohne Anspruch auf Wein und Fische bei Badwein und Jahrzeiten“[436]. [D] Diese Badestube war ein Werk des Bürgermeisters Lotter. Ein Verzeichnis von dessen Bauten aus dem Jahre 1573 sagt: „bei dem Rannischen Thore eine gemeine steinerne Badstuben innerhalb der Stadt und habe dieselbige lassen wölben, daß solch Gewölb kein Trauffen oder Feuchtigkeit von sich gegeben“[196]. Es ist auffallend, daß im 16. und 17. Jahrhundert hervorgehoben wird, die Badestube sei gewölbt gewesen. ~Ryff~ warnte vor dem Besuch der steinernen Badestuben wegen der Feuchtigkeit, sie sollten zumindestens mit Holz getäfelt sein[48], die Leipziger muß also ein besonders vorteilhafter Bau gewesen sein. [E] Diese Badestube scheint nicht für Wasserbäder eingerichtet gewesen zu sein, dafür spricht der Betrieb vom 13. November bis zum Johannistag, der also in den Monaten stattfand, welche die Anweisungen zur Gesundheit im großen und ganzen zum Schweißbaden empfahlen. [F] Daß auch in früheren Jahrhunderten die Quatemberbäder eine Rolle spielten, geht aus den häufig viermal im Jahr (zu Fronfasten, Weihfasten) stattfindenden Seelbädern und den Quartalbädern der Handwerker hervor. Es handelte sich gewiß um Bäder, die man zur Erhaltung der Gesundheit für unbedingt notwendig hielt. Ich erinnere daran, daß auch der Aderlaß viermal im Jahr stattfand. [G] Charakteristisch ist, daß nach Ephrussi der Holzschnitt einer deutschen Badestube von ~Hans Baldung Grien~ im Cabinet des Estampes zu Paris den Namen „Bain d’Orient“ führt (s. auch Nachtrag)[609]. [H] Noch 1690 verlangte der brandenburgische Militärarzt â Gehema die Benutzung der Badestuben auch für den deutschen Soldaten. „Das vierte Mittel“, sagt er, „wodurch die Soldaten sich praeserviren können, sind die Bäder und Badstuben, wodurch aller in denen poris und Schweißröhrlein der Haut sitzende Unrath, welcher die so nothwendige transpiration oder außdämpfung verhindert, und zu vielen Kranckheiten uhrsache giebet, außgetrieben wird; dannenhero der Mensch hurtig, munter, leicht, actif und frisch wird, gleich als wann er von neuen were gebohren worden“[664]. Diese Stelle findet sich in ~Muralts~ Kriegs- und Soldatendiät von 1712 wörtlich wieder[680]. [I] Es herrschte geradezu eine Sucht, alte deutsche Badeweisen mit fremdem Namen zu benennen. 1803 erwähnt ~Schreger~ das Schwitzen über Weingeistdampf, wobei nach „spanischer Sitte“ der Körper in Tücher gehüllt auf einen Lehnstuhl gebracht wird[4] (vergl. Abb. 54 d). [J] 1663 wurde aber noch in derselben Gemeinde alles Baden in Bädern an Sonntagen verboten[657]. [K] Die Auffassung ~Wetzler~s ist wieder ein Beleg, wie gering man das Gute im eigenen Lande schätzte. In ~Schreger~s Balneotechnik (1803)[4] sind sämtliche in Deutschland bestehenden Bäder aufgeführt, aber keine einzige alte deutsche Badestube, z.❆B. in Frankfurt die ~Kohl~schen und ~Hof~schen neuen Badeanstalten, nicht aber die dort zur Zeit noch bestehende Badestube, weil er die deutsche Badestube nicht als Bad auffaßte. Es handelte sich bei dieser ja schließlich auch nur noch um einen besonders stark erhitzten Raum, der in den meisten Fällen zum Schröpfen erwärmt wurde, und diesem Heißluftbad versagte man den Namen Bad. So erklären sich denn auch die gleichzeitigen, widersprechenden Angaben, die Bader hätten nichts mehr mit Baden zu tun und seien nur noch Schröpfer (S. 215), einerseits und andererseits, die deutschen Badestuben würden durch stark geheizte Öfen zum Zwecke des Schwitzens erhitzt, seien also Schwitzbäder, und man schröpfe im Übermaß darin. [L] In Wien bestand aber 1842 im „Fahnenstangenwasser“ eine Flußbadeanstalt, die einem Herrn Kauff gehörte, und mit ihr war eine Waschanstalt mit zwei Duschen in Verbindung, die zahlreichen Besuch herbeilockten[636]. [M] Schon der König vom Odenwald erwähnt zu Anfang des 14. Jahrhunderts, man ginge in die Badestube, daß man die Kleider wasche[228], und als dem Hans Ulrich Krafft 1573 in Baden (Schweiz) die Weiber sein „schnupftüechlin“ entführten, brachten sie es ihm sauber und trocken zurück, ehe er seine Kleider angezogen hatte[329]. DIE DEUTSCHEN MINERALBÄDER IM MITTELALTER UND DIE AUS DIESEM IN DIE NEUZEIT HINÜBERGENOMMENEN BADEGEBRÄUCHE[A] Natürliche Bäder zu Heilzwecken, Heil- oder Gesundbrunnen genannt, sind wahrscheinlich seit den ältesten Zeiten in Gebrauch. Ich erinnere an die Seite 24 ff. genannten, zumeist heiligen und sehr kalten Quellen. In Betracht kamen ferner die durch ihre Farbe, Geschmack, Ausscheidungen und Wärme auffallenden Bäder, die Mineralbäder und Thermen, wobei oft genug von Mineralien kaum nennenswerte Bestandteile vorhanden waren, die kostbarsten und heilbringendsten aber angenommen wurden. Obenan standen von jeher die natürlich warmen Quellen. Zum Teil wurden sie schon von den Römern benutzt und mit Badeanlagen versehen, z.❆B. Aachen, Bertrich, Wiesbaden, Badenweiler und die drei Baden: bei Wien, in Baden und in der Schweiz[70]. Keines der Römerbäder hatte einen dauernden Bestand, alle zerfielen oder wurden noch öfter in Kriegszeiten, mit wenigen Ausnahmen von germanischen Völkerschaften, zerstört. Auf ihren Trümmern entstanden neue Anlagen, zumeist unter Nichtbenutzung der römischen. Mir ist als Ausnahme nur das 1845 abgebrochene Verenabad zu Baden in der Schweiz bekannt, dessen Einfassung von den Römern gebaut wurde. „In der nördlichen Wand sah man früher“, schreibt ~Keller~ 1864, „in dem roten Cement die Eindrücke von kleinen quadratischen Tafeln, welche in der Weise des Opus reticulatum angeordnet gewesen waren“[131]. Auf einer Handzeichnung ~Vogel~s vom Jahre 1820 ist es gut sichtbar und von diesem als solches angemerkt (Abb. 103 rechts unten). Beim Abbruch des Bades fand man in der Quelle römische Münzen. Das aus der Zeit der Römer stammende und wahrscheinlich von diesen als Bad benutzte marmorne Gewölbe, das den „Ursprung“, die Hauptquelle von Baden-Baden, aufnahm, diente, wenigstens 1606[362] und 1810, nicht als Bad, sondern als Sammelkasten des heißen Wassers[405]. Die althochdeutschen Worte Badun und Wisibadun[16] sprechen für die Benutzung der heute noch so benannten Badeorte in alter Zeit. [Sidenote: _Der Jungbrunnen_] Während die Heilbrunnen nur Kranke heilten, finden wir, wenigstens in der Sage, auch Brunnen, welche die Eigenschaft besaßen, Häßliche schön und Alte jung zu machen, die sogenannten Jungbrunnen. Sie sind öfters Gegenstand bildlicher Darstellungen (Abb. 92, 93) und dichterischer Betrachtungen gewesen. [Illustration: Abb. 92. Darstellung eines Jungbrunnens und Verherrlichung der Heilbäder. Holzschnitt von ~Albrecht Glockendon~ nach ~Hans Sebald Beham~ ca. 1570. (Das Bild ist die seitliche Fortsetzung zu Abb. 41.) Um 1600 wurde das Bild von ~Jo. Theo de Bry~ verkleinert in Holz geschnitten und trägt die Unterschrift: „Balnea Mundana non vltima gaudia vitae Esse vides, crebro quae faemina virque requirant. Aestum Nymphaeis dum fallunt, frigora thermis, Tempora colloquiis, quibus haud obsonia desunt Exultant nunc loripedes, laetasque choreas Circum ignem ducunt, multus quem scipio pascit“. ] „Do furt sy in dem land(e), den tugenthaften man, für einen (hohen) perg; da west sy ein jung brunnen stan, der was ain halb kalt(er), und anderhalb was er warm: dar ein sprang die frawe, sy pat sich got bewaren. Do ward sy getaufet: vor was sy rauch Els genant, nu hiesz sy fraw Sigminne, dy schönst über alle lant. Do het sy dy rauhen haut in dem brunnen gelan: in gedaucht, das nie kain schöner fraw(e) wär getan.“ (~Wolfdietrich~)[341]. [Illustration: Abb. 93. Jungbrunnen nach einer Freske von ~Hans Holbein~ d. J. im Hertenstein-Hause zu Luzern (zwischen 1516 und 1519). Nach ~von Liebenau~.] Diese Darstellung stammt wohl aus einer Zeit, zu der man noch an den Jungbrunnen glaubte. Man denke an die weiten Wanderungen Kranker zu den kalten Gebirgsbädern, um dort durch Eintauchen in einfaches kaltes Wasser Genesung zu erhalten, und wird nicht unwahrscheinlich finden, daß mancher oder manche in aller Stille den beschwerlichen Gang zum einsam im Hochgebirge gelegenen Jungbrunnen unternahm und durch Untertauchen in ihm einen Versuch zur Verjüngung und Verschönerung wagte. Ganz anders war die Auffassung im 16. Jahrhundert. Man vermengte den Jung- mit dem Heilbrunnen und stellte ihn demnach als Mineralbad dar. Im Grundgedanken der Altweibermühle gleich, spielte er nunmehr die Rolle eines Scherzes und kam in Nürnberg auch einmal an der Fastnacht zur Darstellung. Hier „Der junkbrunn“ (1548) von ~Hans Sachs~: »1. Eins nachts traumt mir gar wol besunnen, wie ich köm zu eim großen brunnen von merbelstein polieret klar, darein das waßer rinnen war, warm und kalt, aus zwelf gulden rören, gleich eim wiltbad; tunt wunder hören: Dis waßer het so edle kraft, welch mensch mit alter war behaft, ob er schon achzigjerig was, wen er ein stunt darinnen saß, so teten sich verjüngen wider sein gmüt, herz und alle gelider. Um den brunnen war ein gedreng, wan dahin kam ein große meng, allerlei nation und gschlechte, münich, pfaffen, ritter und knechte, burger, bauer und hantwerker, der kam on zal zum brunnen her und wolten sich verjüngen laßen, vol zug es zu auf allen straßen, 2. Aus allen landen weit und ferren auf senften, schlitten, wegen, kerren, ir vil man auf radwerben zug, etlich man auf mistberen trug, und etlich trug man auf dem rücken, etlich gingen daher auf krücken. Zusamen kam ein hauf der alten wunderlich, entig, ungestalten, gerunzelt, zanlücket und kal, zittrent und kretzig überal, dunkler augen und ungehöret, vergeßen, doppet und halb töret. Ganz mat, bleich, bogrücket und krum da war in summa summarum ein husten, reispern und ein kreisten, ein achizen, seufzen und feisten, als obs in einem spital wer. zwölf man waren bestellet her die allen alten, so sie funnen, halfen steigen in den junkbrunnen; 3. Die teten sich alle verjüngen nach einer stunt, mit freien sprüngen sprangen sie aus dem brunnen runt, schön, wolgefarbt, frisch, jung und gsunt, ganz leichtsinnig und wolgeberig, als ob sie weren zwainzig jerig. Da dacht ich mir im traum: fürware, alt bist auch vier und funfzig jare, dir get ab an ghör und an gsicht, wes zeichst du dich, das du auch nicht wol balt in den junkbrunnen sitzest, die alten haut auch von dir schwitzest? In dem daucht mich, wie ich zuhant auch abzüg alles mein gewant, in dem junkbrunnen mich zu baden, ab zu kumen des alters schaden. in dem einsteigen ich erwacht; meins verjüngens ich selber lacht, dacht: kein kraut ist auf ert gewachsen mich zu verjüngen und Hans Sachsen«[29]. Als 1556 Pyrmont als Wunderbrunnen in Ruf kam, da ließen sich nach dem Braumschweiger Chronikenschreiber ~Bünting~ (1586) auch alte verlebte Weiber hinführen, die vermeinten, dort vielleicht wieder jung zu werden[381]. [Sidenote: _Das Bad im Stein Aptor_] Dem Jungbrunnen nahe an Wunderkraft stand das Bad im Steine Aptor, von dem sich in Wigamur folgende Schilderung findet: „Wer jnwendig jn falschait ist, Der enmag kain fryst Gewynnen bey dem stain; Wer aber sein hercz rain, So wirt er von des staines krafft Vil werd vnd lobhafft. Diese mer söllennt jr mercken wol, Der stain was gemacht hol, Baide tieff vnd weytt, Als vns die vrkunt geyt. Dise abenteür reich, Ainem vass was geleich Darjnnen man paden sollt Wen der wirt wollt .... Vnd jn dem selben stain badet kain man Der falschen muet ye gewan, Er wurde kranck, plaich, missefar Vnd des leybs vnkrefftig gar. Wer aber jn das pad gye, Der raine tugent mynnet ye, Von des staines macht vnd türe Vnd von des prunnen natüre, So er jn das pad gesaß, Aller swere er vergaß, Sein leyb ward ring, sein hercz fro, Sein kraft starck sein gemüt hoh, Der synnen ward er weyße, Sein leyb stund gar nach preyße; Suß lebt er ain manat Das jm kainerlay schlacht not Von freuden geschaiden mocht. Jn so gethanner acht, Als ich euch gesaget han, So was das pad lobesam“[304]. [Sidenote: _Die ältesten Badenfahrten_] Man muß annehmen, daß in der älteren Zeit die Gesundbrunnen meist nur von Leuten aus der Umgebung benutzt wurden, vielleicht nur einen oder wenige Tage, um dann wieder heimzuziehen, wie wir das bei den kalten und heiligen Brunnen sahen. Solche einfache Badenfahrt wird 1574 von ~Collinus~ beschrieben. Zur Quelle von Augsport (Wallis) wallte täglich eine große Menge Menschen, zum Teil aus weiter Ferne. Von Krankheit geschwächt, von der langen und beschwerlichen Reise ermüdet, kamen die unwissenden, einfältigen Bauern hungrig und durstig an und tranken nun so viel von dem höchst kalten Wasser, als sie nur immer zu schlucken vermochten. Hierauf wuschen sie entweder den ganzen Körper oder ein einzelnes Glied, den kranken Teil mit dem Wasser, das sie mittelst der Hände schöpften, zündeten dann ein Feuer aus Alpenrosensträuchern an, setzten sich um dasselbe, langten nun aus ihren Säcken und Ranzen die mitgebrachten Lebensmittel hervor, brieten Käse und tranken dazu von Zeit zu Zeit von dem Heilwasser in vollen Zügen, indem sie von diesem Wasser kein Sättigungsgefühl zu spüren behaupteten. Nach Beendigung des Mahles füllten die Leute ihre mitgebrachten Fläschchen mit dem Heilwasser und begaben sich nun auf den Rückweg[86]. Aber schon im 14. Jahrhundert treffen wir Badereisen von längerer Dauer in benachbarte Kurorte an. Als 1376 Meister und Konvent des heiligen Geist-Hospitals zu Ulm von ihren Gütern und Almosen eine neue Präbendenmesse in der Hospitalkirche stifteten, ward besondere Rücksicht darauf genommen, daß jeder jeweilige Inhaber dieser Pfründe alljährlich auf zwanzig Tage in ein natürliches Bad ziehen konnte, wie ~Jäger~ meint, wahrscheinlich nach Überkingen[50]. 1352 unternahm der Abt von Sankt Emmeram eine Badereise[16]. In den 1346 erneuten Statuten der Züricher Chorherren vom karolinischen Stift heißt es: „Ein Chorherr mag wohl im Frühling und Herbst seiner Gesundheit halber eine achttägige Badenfahrt halten und gleichwohl sein Pfrundeinkommen beziehen, als hätte er dem Gottesdienst beigewohnt; bleibt er aber länger aus, so wird er als abwesend gehalten“[315]. Im 15. Jahrhundert treten einzelne Kurorte vor anderen als berühmte hervor; manche davon kennen wir heute kaum dem Namen nach. [Sidenote: _Baden-Baden_] 675 schenkte der fränkische König Dagobert dem Abte von Weißenfels die badischen Bäder. Die Stadt Baden lag noch in Ruinen von der Zerstörung durch die Alemannen her[70]. Nach einer Urkunde bei ~Zappert~ überließ derselbe König Dagobert 676 dem Kloster Weißenfels die Bäder jenseit des Rheins im aucicensischen Gau, welche die Kaiser Antonius und Hadrian gebaut hatten[16]. 873 gab König Ludwig dem Kloster Weißenfels die in den Kriegen verlorenen Bäder zu Baden zurück[70]. Die Stellen betreffen Baden-Baden. [Sidenote: _Steirische Bäder_] Ein „Padebrunne“, das heutige Badenbrunn bei Kirchberg an der Raab, wird in Dokumenten von 1183–1187 erwähnt. Eine Urkunde von 1141 nennt in der Gegend von Cezt und Wibestein bei Gleichenberg in Steiermark einen „fons marmoreo lapide signatus“. Gleichenberg war schon den Römern bekannt, ebenso Tüffer, das im 14. und 15. Jahrhundert wieder als Bad erwähnt wird, zur selben Zeit auch Einöd in Steiermark[84]. Das im Wasgenwalde, zwar nicht auf deutschem Gebiet liegende, aber viel von Deutschen benutzte Plummers (Plombières) erhielt 1292 vom Herzog Friedrich III. von Lothringen ein Castrum oberhalb des Bades, um die Badenden vor räuberischen Überfällen zu schützen[16]. 823 wurde die Saline zu Kissingen dem Benediktinerkloster in Fulda geschenkt, das Rippoldsauer Bad gegen 1140 von den Benediktinern vermietet und zwar mehrere Jahrhunderte hindurch[70]. [Sidenote: _Böhmische und andere Bäder_] Die Quellen von Bilin sollen 761, die von Teplitz im folgenden Jahre entdeckt worden sein. 1160 wurde hier gebadet[70]. Karlsbad erhielt der Sage nach von Kaiser Karl IV. seinen Namen und wurde 1370 von demselben beim Jagen entdeckt[350]. Die Auffindung der Warmbrunner Therme soll in das Jahr 1175 fallen. 1403 besaßen die Zisterzienser das Propsteibad daselbst. Gastein wird zum ersten Male in einem Liede von „Nithart“ im 13. Jahrhundert erwähnt. „Hienach folget wie Neidhart bey einer schönen graserin in der Kasteien badet“: „Ein graserin in der Gastein (bat) diu gab mir lust (unt vröud) mit irem gerein, Do ich sach durch ir pfat die briun’ mich tet mit iren högk noch zein, Ich greif si an unt tet si zuo mir smükken, schon’ bükken, jükken in dem bat; was aller welt ein kleiner schat, unt tet uns wol im libe und im herzen“[103]. 1420 wurde ein neues Kurhaus gebaut, und man machte die Wege zugänglicher[70]. „Anno 1436 ist Kaiser Friedrich der dritt alhir in den Padt gewesen, hat an einem Schenkhel ain ofenen schadten gehabt, ist ihm geholfen, auch frisch und gesundt worden.“ 1489 wurde durch den Gewerken Konrad Strochner zur Aufnahme unbemittelter Kranker ein Badehospital gegründet. Zur Zeit standen die Goldbergwerke Gasteins in höchster Blüte[344]. Baden bei Wien war 1450 stark besucht. Kaiser Friedrich III. hielt sich damals dort auf. Im folgenden Jahre badete auch die Kaiserin Eleonore nach einem Wochenbett. Im 13. Jahrhundert soll es Sitte gewesen sein, daß junge Ehemänner ihre Frauen zum Brunnen von Spa schickten, obgleich erst 1327 einige Wohnungen um den Pouhon aufgeführt wurden[70]. Die älteste Brunnennachricht von Wildungen findet sich hinter dem Altare und ist vom Jahre 1378[343]. [Sidenote: _Bayrische Bäder_] [Sidenote: _Heilbronn_] Heilbrunn in Oberbayern, heute noch durch seine Adelheidsquelle ein blühender Kurort, soll schon vor 1059 den Mönchen als heilender Quell bekannt gewesen sein[343]. Dagegen ist das Wasser von Heilbronn heute außer Gebrauch. Der Sage nach sollen die Gesellen des heiligen Kilian hier Christen getauft haben, wonach die Quelle den Namen Heiligbronn erhielt. Tatsächlich kommt in Urkunden seit der Karolinger Zeiten bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts — nach ~Jäger~ sogar ausschließlich — die Bezeichnung Heiligbrunn (z.❆B. 841 Hailigbrunno) vor, 1225 aber auch „Heilesbrunnen“ und 1338 „Heylprunnen“. Schon 745 übergab Karlmann eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche zu Heilbronn dem neu errichteten Bistume Würzburg[363]. Nach einer Urkunde von 1132 erhielt das Kloster vom Heilbrunnen seinen Namen. Es sind auch Heilungen aus alter Zeit bekannt. Man hielt sie jedoch, wie den Zusammenhang vom Kloster mit seinem Namen, für Sage, weil kein Brunnen vorhanden war. Als man aber 1729 in dem im alten Kloster gelegenen Brauhof einen bis dahin öden Brunnen ausräumte, um einen Fischbehälter daraus zu machen, zeigte es sich, daß man nicht nur vier oder fünf Treppen hinabgehen, sondern auch um denselben her in ausgerundeten Steinen sitzen und das daneben gefaßte Wasser bequem schöpfen konnte. Das war das ehemalige Badebassin. Man suchte auch nach der Quelle und fand sie in ihrer alten Einfassung, nämlich in schön zusammengeklammerten Quadersteinen in ein längliches Viereck gefaßt, fünf Schuh tief unter der Erde. Bei diesen Arbeiten wurden, wie das nach den älteren Bäderberichten öfters zu geschehen pflegte, zwei zufällig mit Krankheiten behaftete Taglöhner sofort gesund, und nun war der Ruf der alten Quelle wieder hergestellt. Bis dreißig Meilen weit wurde das Wasser fortgeführt, oft badeten an einem Tage mehrere hundert Personen. Man leitete aus der alten, unverändert gelassenen Fassung die Quelle in einen Neubau (Abb. 94), der für Trinkkuren und zum Schöpfen von Badewasser eingerichtet war[361]. Nach vielen, auch im Druck veröffentlichten Heilungen schwand der Ruf der Quelle, die fortan gutes Trinkwasser lieferte und gegen 1854 auch eine kleine Badeanstalt für Gesunde erhielt[364]. [Illustration: Abb. 94. Gesundbrunnen im Kloster Heilbronn. Kupfer aus: ~Feuerlein~, Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge. Nürnberg, 1732.] [Sidenote: _Burgbernheim_] Das gleiche Schicksal hatte das einst hochberühmte Wildbad zu Burgbernheim in Franken. Schon Kaiser Lothar ließ 1118 das Wasser nach Nürnberg bringen und benutzte es gegen Nierensteine. 1308 wurde das Bad von vielen vornehmen und geringen Personen besucht[343], darunter war der Bischof Gottfried III. von Würzburg, der die Quellen hatte fassen lassen[70]. Wegen der Hilfe, die Kaiser Karl IV. im Jahre 1347 bei seinem Magenweh durch das Wasser fand, verlieh er dem Ort Privilegien in folgender Urkunde: „Fürters verneuen und befreyen Wir auch der Vogtei Bern ihren Markt, Rathhaus und von Gott gesegnetes Wildbad, welches Wir selbsten zu Nürnberg zur Abwehr unseres Magengrimmens abholend kräftiglich genossen. Benebens Wir die junge Gesellschaft der Vogtey Bern, die uns das heilsame Wasser von Bern gen Nürnberg gebracht, mit einem Danz deren erst gesetzten Ort des Kirchschirms die zween ersten Tage mit zwanzig, den dritten aber mit zwölf Reihen, Unsere Gnad ewiglich zu gedenken, fürgänglich verehren“[70]. In den nächsten Jahrhunderten hielt sich das Bad noch, nahm vielleicht an Bedeutung zu. 1484 gebrauchte es der Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg. 1487 wurde ein neues Badehaus gebaut. In den Jahren 1558–1603 betreffen mehrere Verordnungen vom Markgrafen Georg Friedrich das Bad. Dann soll es verfallen sein[343]. Aber doch benutzte es 1605 die Äbtissin Anna vom Kloster St. Afra zu Würzburg vom 12. Mai bis 20. Juni[367]. 1712 wurde wieder ein neues Badehaus errichtet. Bis 1720 war es viel besucht; der König von Polen, der Markgraf von Brandenburg-Onolzbach, der Fürst von Sulzbach und der Kurfürst von Mainz gehörten zu den Gästen. Dann trat abermals Verfall ein[343]. 1856 war der Besuch sehr gering[364]. [Sidenote: _Bertrich_] Die Bertricher Thermen werden in mehreren Urkunden als Thermae ad Sanctum Bertricum oder als Aquae Bertlichianae erwähnt. Der Ort soll gegen Ende des 14. Jahrhunderts Eigentum der Bischöfe von Trier geworden sein und der Erzbischof Johann zur Wiederherstellung der Thermen (die schon zur Römerzeit benutzt waren) 1456 sechzehntausend Gulden verwendet und das Gemeinbad errichtet haben. Doch besagen die Gesta Trevirorum noch beim Jahre 1471, daß derselbe Bischof die ganz verlassenen Thermen mit ungeheuerem Fleiße repariert und mit einer starken Mauer umgürtet habe. Bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts behaupteten sie ihren Ruf, um dann in Vergessenheit zu geraten. 1741 waren sie verfallen und zerstört. ~Cohausen~ suchte sie damals wieder in Ruf zu bringen, was aber erst achtundzwanzig Jahre später durch Fürsorge des letzten Kurfürsten von Trier gelang[70]. [Sidenote: _Aachen_] Aachens römische Bäder waren während der Völkerwanderung zerstört oder in Verfall geraten. Karl der Große setzte sie nach einer karolingischen Chronik wieder instand und traf Vorrichtungen zum Abkühlen der Therme mit kaltem Wasser. Sie wurden, wie aus ~Angilbert~s Gedichte an Kaiser Karl hervorgeht, prächtig ausgestattet. Marmorstufen führten zum Bassin, und bequeme Sitze umgaben die Wände[14]. Karls Liebe zu den Dünsten der warmen Quellen veranlaßte ihn, zu Aachen ein Schloß zu bauen, in dem er in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode beständig wohnte. Und nicht nur seine Söhne, sondern auch die Vornehmen und seine Freunde, nicht selten auch die ganze Schar seines Gefolges und seiner Leibwächter lud er zum Bade, so daß bisweilen hundert Menschen und darüber zusammen badeten[119]. Dies berichtet uns ~Einhard~, der Biograph Karls des Großen. Es war in Aachen also ein größeres Bassinbad, wie wir es später in den meisten größeren Bädern finden. In dem auf der Insel Reichenau geschriebenen Codex Egberti[356] ist ein Badebassin aus dem Ende des 10. Jahrhunderts abgebildet, nämlich der Teich Bethesda, der, soweit mir bekannt, auch sonst als unter freiem Himmel liegendes Mineralbad dargestellt ist (Abb. 12)[426]. Es hat schon die später meist vorkommende viereckige Gestalt und ist mit einer Einfassung umgeben. [Sidenote: _Burtscheid_] Nach dem Mönch von St. Gallen badete bereits Pipin vor Erbauung der Badehäuser in Aachen. Als dieser einst zur Quelle ging, wirbelte plötzlich der Dampf auf, und das Wasser trübte sich. Pipin deutete es als einen Angriff des Teufels, den er mit dem Zeichen des Kreuzes und dem Schwerte abwehrte, das dabei tief in den Boden fuhr[15]. Als die Normannen 881 den Palast Karls des Großen zerstörten oder wenigstens stark verwüsteten und ausplünderten, machten sie, wie ~Liutprand~ ausdrücklich hervorhebt, auch das Bad zunichte. Seit dieser Katastrophe blieb es nach ~Stephani~ Ruine und mag 1225 mit anderen Liegenschaften von Kaiser Friedrich II. dem Münsterstifte geschenkt worden sein[14]. Nach Quellen bei ~Zappert~ badeten jedoch Kaiser Heinrich III. (1039–56) und mehrere andere Kaiser bei ihrer Anwesenheit in Aachen, und 1226 verlieh der römisch-deutsche König (nicht Kaiser) Heinrich VII. (der Sohn Kaiser Friedrichs II.) dem Marienstifte die Aachener Bäder, welche der Reichsministeriale Wilhelm, genannt Bayer, als Lehen besaß und jenem Stift käuflich überließ[16]. Wir sehen hier, daß auch die Mineralbäder wie die ehehaften Badestuben trotz des Kaufes noch eine Belehnung von seiten des Landesherrn erforderten. 1240 gab die Krönungskirche das Königsbad in Erbpacht[70]. Von den Aachen benachbarten Burtscheider Bädern wissen wir, daß sie wahrscheinlich 786 Eigentum des Benediktinerklosters und später im Besitz einer reichsunmittelbaren Nonnenabtei waren. ~Caesarius von Heisterbach~ (gegen 1222) erzählt von einem Mönch, der so einfältigen Sinnes war, daß er fast täglich in den warmen Bädern, die vor dem Eingange des Klosters des heiligen Johann Baptist zu Burtscheid lagen, unter den Armen saß, ihnen den Rücken frottierte, den Kopf wusch und die Kleider reinigte. [Sidenote: _Ems / Pyrmont / Wildbad / Hall / Liebenzell_] 1355 belehnte der Erzbischof von Köln den Grafen von Nassau mit dem Dorf Ems und dem Warmbade. 1403 verkaufte eine Gräfin von Nassau das Dorf mit den warmen Bädern um fünftausend Gulden[70]. Die erste Nachricht über Pyrmont gibt ~Henricus de Hervordia~, ein Dominikanermönch, der ums Jahr 1350 lebte. Er beschreibt den jetzigen Trinkbrunnen sowohl als den Badebrunnen, jener hieß damals fons sacer, dieser fons bulliens, der Siede- oder Brodelbrunn. Der erstere spritze dem ins Gesicht, der sich darüber beuge, der andere quille mit solchem Geräusch, daß man ihn auf beträchtliche Weite schon höre[342]. Württembergs Wildbad wird zum erstenmal aus Veranlassung des Überfalls des Grafen Eberhard des Greiners, der hier zur Kur weilte, durch die Martinsvögel im Jahre 1367 erwähnt. Das Haller Wildbad — nicht zu verwechseln mit dem dortigen, später entdeckten Solbad — wird schon in jener bereits erwähnten Urkunde aus dem 13. Jahrhundert genannt[154]. 1403 wurde das untere Bad zu Liebenzell verliehen, 1415 „unser nüw wildbad zu Liebenzelle, genant das ober bade“, ein Beweis, daß die Zahl der Besucher zugenommen hatte[61]. Im 16. Jahrhundert zählte das „Zeller Bad“, wie es meist genannt wurde, zu den angesehensten Bädern, im 18. wurden die beiden Badeanstalten sogar durch eine Lindenallee verbunden. Trotzdem ging die Regierung gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Plane um, eines der Bäder eingehen zu lassen. Um diese Zeit scheinen beide in Privatbesitz übergegangen zu sein, allein auch so wollten sie nicht gedeihen. Kurz vor 1839 war es nahe daran, daß eines der Bäder zu anderen Zwecken verwendet wurde[154]. Von da ab kam es mit den anderen württembergischen Bädern zusammen wieder in die Höhe. [Sidenote: _Soden / Kreuznach_] Die Sodener Mineralquellen werden in Frankfurter Urkunden zum ersten Male 1433 genannt, von 1437 an auch eine warme Quelle. Die Stadt Frankfurt erhielt durch kaiserliches Privileg das Eigentumsrecht „der Quelle und Springe einer warmen Adern und Flosses“ und wurde ermächtigt, sie zu „bessern, bauen und gebrauchen“. 1567 fanden sich zu Soden vier Salzbrunnen und die warme Quelle. Im Frankfurter Ratsprotokoll desselben Jahres heißt es, wenn man die letztere zurichten ließe, so könnte sie als Bad benutzt und so mit der Zeit einträglich gemacht werden. Sie wurde damals wirklich gefaßt und um ihretwillen Soden seitdem als Kurort besucht. Die Solquellen dienten nur zur Salzgewinnung. Später wurde der warme Quell verschüttet, wie es heißt von den Einwohnern zugedeckt, die im Dreißigjährigen Kriege zum Auswandern genötigt worden seien. Nach ihrer Rückkehr fanden sie die Quelle nicht wieder. Am Anfang des 18. Jahrhunderts brach sie von selbst hervor, und man fand beim Nachsuchen die alte Brunnenfassung. Von dieser Zeit an diente Soden wieder als Kurort, wurde jedoch anfänglich nur von wenig Gästen, meist Frankfurtern, besucht[127]. Zu Kreuznach erhielten 1490 zwei Köche des Pfalzgrafen Philipp bei Rhein den „saltz- und badbronnen“ wegen treuer Dienste zum Erblehen mit der Erlaubnis, eine oder mehrere Badestätten zu errichten, was für andere gleichzeitig verboten wurde. Die Benutzung der Solquellen als Bad reicht demnach nicht über 1490 zurück[61]. [Sidenote: _Wiesbadener Leben im 14. Jahrhundert nach Heinrich von Langenstein_] Im Testamente der Begine Methildis zu Boppard findet sich 1322 eine auf die Blüte der Bäder zu Wiesbaden gehende Notiz. Im 14. Jahrhundert waren elf Bäder vorhanden, deren ältestes sich 1326 nachweisen läßt[432]. In den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts beschrieb ~Henricus de Langenstein~, dictus de Hassia, (1325–1397) ein Wandgemälde im Saale des Mainzer Kämmerers und Domherrn Johann von Eberstein, das ein Badefest in Wiesbaden darstellte[357]. Hier die Schilderung in der deutschen Übersetzung von ~Schultz~[210]: „Von fleischlicher Lust. Wenn ich mich nicht täusche, so ist der Sinn dessen, der die Reihe besagter Malereien angab, von dem Geiste getrieben worden, um stillschweigend die Meinung des Apostels Johannes auszudrücken, der da spricht: „alles was auf der Welt vorhanden ist, ist Begehrlichkeit des Fleisches oder Begehrlichkeit der Augen oder Übermut des Lebens“. Das heißt: alle Laster weltlicher Verirrung sind auf drei zurückzuführen: fleischliche Lust, weltliche Habgier und Stolz auf eitlen Ruhm. Wie aber konnte schicklicher fleischliche Lust dargestellt werden, als auf einem Bilde des Wiesbadener Festes, das durch alle Fleischlichkeit anstößig, von dem Schaume aller sinnlichen Wollust triefend ist? Zu ihm kommen sie von allen Seiten in Freude und Ausgelassenheit, mit Trompeten und Pfeifen, mit vollen Kasten und Flaschen, man bringet Lebensmittel und die leckersten Getränke herbei, man nimmt Geld in Menge mit, seltsame Kleider werden mitgeführt; in der Hoffnung, sich zu ergötzen, wird schon auf dem Wege gespielt, gesungen, geplaudert, als ob man am Ziele die Freude der Glückseligkeit zu erwarten habe. Wenn man angekommen ist, werden Gastereien veranstaltet, man sucht der Frauen Gesellschaft, geht ins Bad, wäscht den Leib, befleckt die Seele. Man geht heraus, und es schmettern die Trompeten, erklingen die Pfeifen, beginnen die Tänze. Da werden den keuschen Augen der Zuschauer vorgeführt die Schauspiele der Verderbnis, nämlich die wollüstigen Gebärden, die unzüchtigen Kleider beider Geschlechter. Da sieht man bei den Frauen die Blöße des Busens, bei den Männern die Entblößung des Gesäßes, überall Ausschweifung, durch die ein keuscher Sinn beleidigt wird. Was mehr? Hier sieht man lauter Eitelkeit und Zerrüttung, keine Frömmigkeit, keine Ordnung, hier ist Gottvergessenheit, hier ist jede Tugend verbannt; es gibt keine Schamhaftigkeit, es fehlt das Maßhalten, es herrscht die Genußsucht, es rast die Wollust. Bei diesem Feste des Bauches, oder richtiger diesem öffentlichen Hause der Venus, diesem Spielwerk des Teufels, wirst du wunderbare Ungeheuer sehen: wenn der Mönch im ritterlichen Kleide sich sehen läßt, der Ritter in der Mönchskutte, die Nonne im Anzug einer öffentlichen Dirne, der Geistliche in Frauenkleidern. Da werden versteckt Küsse gegeben: es küssen sich Männer und Weiber. Im Bade sitzen sie nackt mit Nackten beisammen (vgl. Abb. 95), nackt mit Nackten tanzen sie. Ich schweige darüber, was im Dunkeln vor sich geht, denn alles geschieht öffentlich. Aber was ist das? Der Ausgang und der Eingang dieses unsinnigen Festes ist nicht gleich, wenn, nachdem alles verzehrt ist, die Kasten leer zurückkommen, die Geldbeutel ohne Geld, man die Rechnung hört und die Verschleuderung so vielen Geldes bereut. Und zuweilen beißt auch die Seelen der Heimkehrenden das Gewissen wegen der begangenen Sünden. Der ist traurig über solche Verirrung, der klagt, weil er von der Lust scheiden muß, der gedenkt betrübt, wie kurz und inhaltlos die Freuden der Welt sind. Was mehr? Sie kehren heim, die Körper sind weiß gewaschen, die Herzen durch Sünde geschwärzt; die gesund hingingen, sie kehren heim angesteckt (discrustati); die durch die Tugend der Keuschheit stark waren, kehren heim verwundet von den Pfeilen der Venus. Das möchte noch wenig bedeuten, wenn nicht die Mädchen, die als Jungfrauen hinreisten, als Dirnen zurückkehrten, als Ehebrecherinnen, die anständige Ehefrauen waren, wenn nicht als Teufelsweiber heimkehrten, die als Gottesbräute hingingen. Und so erfahren sie durch diese und andere Anlässe zur Trauer bei der Rückkehr alle die Wahrheit des Satzes, daß das Ende aller fleischlichen Lust Trauer ist.“ [Illustration: Abb. 95. Darstellung eines Wildbades. Federzeichnung von ~Peter Flötner~. 16. Jahrhundert[B].] [Illustration: Abb. 96. Leuk im Wallis. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.] [Sidenote: _Pfäfers_] Pfäfers wurde 1038 entdeckt, 1240 oder 1242 wiederum. Um 1242 traf der Fürstabt Hugo II. von Villingen eine Vorrichtung zum Baden, aber erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint Abt Johann II. von Mendelbüren ein Badehaus errichtet zu haben, das in der Schlucht mitten über der Tamina auf hölzernen Tragbalken ruhte (Abb. 130). 1382 gab es der erwähnte Abt zwei Brüdern Camaurizi aus Valens auf zehn Jahre zu Lehen unter der Bedingung, noch einiges an Gebäuden aufzuführen und die Personen des Klosters unentgeltlich aufzunehmen. Da der Andrang der Gäste immer stärker wurde, so errichteten teils die Pächter, teils Private einige Häuser im Badtobel, der Schlucht am Wege nach Valens. Den Hindernissen, welche die Natur der Entwicklung des Bades entgegenstellte, traten Zwistigkeiten des Klosters mit dessen Schirmvögten zur Seite, die auch ein Recht am Bad zu haben behaupteten und in der Tat seit 1330 den halben Pachtzins bezogen hatten, bis 1396, wie schon erwähnt, Graf Johann von Werdenberg seine Ansprüche am Bad zu seinem und seiner Familie Seelenheil an das Kloster abtrat. 1420 errichtete Abt Werner IV. von Reitnau ein neues Badhaus, ließ den Weg etwas zugänglicher machen und löste nach und nach die erteilten Badlehen wieder ein. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gingen die im Badtobel gelegenen Häuser an das Kloster über[316]. [Illustration: Abb. 97. Leuk im 18. Jahrhundert. Kupfer nach ~von Rodt~.] [Sidenote: _Leuk_] Die Leuker Thermen werden 1315 zum erstenmale urkundlich erwähnt. 1481 erneuerte der Bischof Jost von Sitten einige Logierhäuser, ließ für sich ein besonderes Bad erbauen und legte den Grund zum großen Ruf der Quellen. Weitere Bauten folgten. Aber 1518 zerstörte eine Lawine alle größeren öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser[90]. Die darauf neu erstandenen Einrichtungen waren sehr einfach (Abb. 97) und trotzdem berühmt. Fast in keiner der Bäderbeschreibungen des 16. Jahrhunderts sind sie unberücksichtigt geblieben. Den völligen Untergang des alten Bades brachte am 18. Januar 1719 eine riesige Lawine, die fünfzig Häuser, alle Bäder, die Gasthöfe, das Steinhaus des Kardinals und eine Menge Hütten zerstörte, wobei fünfundfünfzig Personen umkamen. Ein neues Dorf entstand am rechten Dalaufer „ohne Schönheitsrücksichten, ohne Bequemlichkeit, die zusammengedrängten Häuser mit unbequemem Zugang und wunderlicher Lage, die kleinen Straßen ohne Plan“. (Vgl. Abb. 96.) Es verschwand durch die modernen Bauten der Neuzeit[90]. [Sidenote: _Fideris_] Während wir bis zum 16. Jahrhundert vom Sauerbrunnen zu St. Moritz noch keine Nachricht haben, wird der zu Fideris im Prättigau 1464 urkundlich erwähnt. Das später eingegangene untere Badbrünneli wurde mit der Verpflichtung verliehen, ein Bad zu beginnen. Die Bewohner von Fideris verpflichteten sich, so lange im unteren Bad Platz sei, keine Fremden ins obere (jetzige) Bad zu führen. 1497 war letzteres im Besitze des Hauses Österreich und wurde verpachtet. 1529 hatte es Pergätzi von Fideris zum Lehen. Er bat die Gemeinde, da er alles, was ihm Gott an Zeitlichem beschert, auf das Bad gelegt habe, man solle ihm, dieweil das Bad ein Schatz und eine Gabe Gottes sei, in das so „meng siech presthaft Mensch“ komme, der darin gesund und gebessert werde, gestatten, statt nur eines Pferdes drei auf die Gemeindeweide zu treiben. 1545 riß, wie ~Campell~ berichtet, die durch einen Wolkenbruch angeschwollene Raschitscha alle Bäder und Gebäude samt allem Inhalt hinweg, so daß die Quelle verschüttet wurde und lange nicht mehr gefunden werden konnte. Alles mußte neu erbaut werden; 1547 sah ~Campell~, wie eine Menge Männer einen ungeheueren Wasserwärmkessel über den engen Fußsteig wieder in das Bad schleppte. Von 1550 an wurden Küche, Keller, Metzgerei, Bäckerei, Wirtsstüblein, Tanzlaubezimmer, Landvogteistüblein, Spensa und Zwickezimmer errichtet[90]. 1553 kam der Züricher Naturforscher ~Conrad Gessner~ nach Fideris und bewunderte dort das Pumpwerk, mit dem der Sauerbrunnen in die Badkessel gehoben wurde (Abb. 98)[334]. Für die damalige Zeit war diese Anlage ein Ereignis. Fideris scheint überhaupt sehr gut eingerichtet und eine Art Luxusbad gewesen zu sein; denn 1559 schreibt der Baseler Arzt ~Huggelin~: „Wo einer zů vil gelt inn dem seckel hat, dem hilfft es auch geschwind daß er sein ledig wirt. Dann gůten weyn, auch andere gůte kost findet man genůg in disem Bad“[80], und ~Martin Ruland~ sagt 1568: „Für alle kranckheit helffen warme Bäder, vnd dz Bad Fideris“[400]. Seither blieb es fast ununterbrochen im Gebrauch. [Sidenote: _Worms_] Es muß hier eines im welschen Gebiet liegenden Bades gedacht werden, das für das deutsche Badeleben von nicht untergeordneter Bedeutung war. Bormio, deutsch Worms genannt, schon von Plinius beschrieben und vom Ostgotenkönig Theoderich dem Großen benutzt[38], hatte 1336 ~Petrus de Tussignano~ zu Gaste, der dort am 13. März des genannten Jahres „ad honorem Dei, beatae Mariae, et Sancti Martini“ zwölf Baderegeln aufstellte[333], die den deutschen Schriftstellern später zur Richtschnur dienten. 1616 war Bormio weit berühmt, nicht nur in Rätien, Tirol, Bayern, Schwaben, Österreich, den anstoßenden Ländern Italiens, sondern auch bei den äußersten Holländern und Goten in solcher Gestalt, daß ein Sprichwort bei ihnen entstand: „Wormserbad heylt allen schad“[59]. [Illustration: A Locus in quo aqua Balnei hauritur è puteo. B Rota quam riuus montanus impellit. C Canalis ligneus. D Aqua defluens è riuo montano impellens Rotam. E Aqua riui montani seorsum defluens quando non impellit rotam. F Hastæ immissæ quæ implent tubos. G Tubi in puteum demissi. H Orbis ligneus. I Corpus circumaffixus. K Canalis ex quo aqua effunditur. L Lebes in quo calefit aqua. M Lignum quod est operculum impediens riuum monunum. N Baculum præcipuũ quod sustinet Cyconiam. O Tabula quæ lebetem operit. P Baculum paruum infixum operculo Lebetis. Abb. 98. Pump- und Heizwerk des Sauerbrunnens zu Fideris. Holzschnitt aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Helveticis. In: De Balneis. Venetiis (Venedig) apud Juntas, 1553.] [Sidenote: _Baden im Aargau_] Die Bäder zu Baden in der Schweiz führen nach ~Konrad Gessner~ in alten Schriften die Namen „das Bad der Drey Küngen in Ober-Schwaben, bey Schweitz“, so benannt nach der Kapelle der Heiligen drei Könige, und „das Bad der Herzogen in Österreich“[94]. Die Stadt wurde „Herzogen-Baden“ im Gegensatz zu Markgrafen Baden (Baden-Baden) genannt[315]. Beide werden auch als Ober- und Niederbaden unterschieden. Die alten Bäder waren offen, doch kommt schon im 13. Jahrhundert auch ein geschlossenes Bad (clausum balneum) vor, das wahrscheinlich der noch öfter zu nennende Hinterhof war. 1322 gab es der Herzog Leopold von Österreich dem Lienhard Meyer von Baden zum Erblehen, in dessen Familie „das beslozzen pad ze Paden“ (1357, 1364) bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts blieb samt einem zweiten, dem 1398 genannten Widchenbade, vermutlich der späteren Kesselquelle zum Bären. „Der Hof nid dem Rain oder am Rey“, der spätere Staadhof, wurde 1361 vom Herzog Rudolf von Österreich zum Lehen gegeben, aber 1405 dem Heinrich Kaufmann wegen treuer Kriegsdienste gegen die Schwyzer zum Eigentum geschenkt, während der Hinterhof bis ins 19. Jahrhundert Lehen blieb. Die Inhaber der beiden Höfe waren nicht etwa Bader oder Scherer, sondern vornehme Personen. Götz Meyer vom Hinterhof war Untervogt von Baden und Ritter. Er zog als Bannerträger der Stadt 1386 mit zwei Söhnen auf österreichischer Seite in die Schlacht bei Sempach, wo er auf der Wahlstatt blieb. Bis ins 19. Jahrhundert waren die beiden Höfe nur von der vornehmen Welt besucht, bis sie 1872 von einer Aktiengesellschaft gekauft und niedergerissen wurden. Aus ihnen entstand das heutige Grand Hotel. Daneben gab es schon im 14. Jahrhundert die bürgerlichen Badehäuser zum Bären, zum Ochsen, zum Raben, zur Blume und zur Sonne. So wurde z.❆B. der Bär, der österreichisches Lehen war, 1361 verpfändet, der „Badhof, so man nennt des Berners Geseste, mit Haus, Hofstatt, Bädern und den fließenden warmen Wassern, die von +altersher+ in die Bäder gerinnen, mit all dem, so dazu gehört“. Wir finden auch hier die Zahlung des Zinses in Naturalien. Das später zum Raben genannte Bad gab 1299 jährlich nur zwei weiße Gänse. Neben diesen Badegasthäusern bestand ein größeres Gasthaus, das zum Schlüssel (in Abb. 99 durch sein Aushängeschild kenntlich), das kein Thermalwasser hatte. Es besaß den anderen gegenüber aber Vorrechte — nachweislich seit dem Jahre 1377 —, die darin bestanden, daß jedermann, sei er bei ihm in Herberge oder nicht, um sein Geld essen und trinken konnte, was er wollte. Den anderen Wirtshäusern in den Bädern war bei Strafe untersagt, fremden Gästen, die nicht bei ihnen Herberge hatten, Speise und Trank zu verabreichen. Zur Erläuterung sei angeführt, daß die Bäder eine Viertelstunde von der Stadt entfernt lagen und somit die Wirtshäuser in der Stadt von dieser Verordnung nicht getroffen wurden, ja sie war in deren Interesse erlassen. Das Vorrecht des Schlüssels wurde dadurch zunichte, daß er 1404 von der Stadt gekauft wurde, nachdem der Rat von Baden mit dem Besitzer, dem Kreuzfahrer Walter Brunner, 1398–1503 bis zum kaiserlichen Landgericht in Rottweil herumprozessiert hatte[32]. Brunner hatte nämlich sein Vorrecht auf Grund einer päpstlichen Bulle erhalten, die anscheinend die Stadt anerkennen mußte. Noch im 16. Jahrhundert durften die Badewirte nur ihren Gästen und keinen anderen Leuten Wein und Speisen auftragen, damit den Wirten in der Stadt kein Abbruch geschehe. Obwohl jene 1510 vorstellig wurden, sie könnten gar nicht verhindern, daß die Karrer und die Gäste derselben, daß der Besuch der Badenden Herberge nähmen, daß die Badegäste selbst einen Fremden zum Trunk einlüden, die von Baden beriefen sich auf Brief und Siegel, und die acht Orte bestätigten es[315]. Im Schlüssel befand sich ein mit zwölf Tischen versehener geräumiger Sommersaal, in dem die vornehmen Herren aus den beiden Höfen, wenn sie nicht eigene Küche führten, die Mahlzeiten einnahmen; denn die Inhaber der Höfe gaben noch im 15. Jahrhundert ihren Gästen nur Zimmer und Bäder, aber keine Lebensmittel. Außerdem gab es in den Bädern mehrere Gasthäuser, in denen die ärmeren Leute wohnten, welche die beiden freien Bäder, das Verena- und das Freibad benutzten. Vom Freibad ist 1399 das erstemal die Rede. Die Herren von Rümlang, welche das Scher- und Schröpfrecht daselbst als Lehen besaßen, setzten durch, daß ein Scherer Hensli, der dort seinen Beruf auszuüben sich anmaßte, weggewiesen wurde. Den sogenannten großen Bädern gegenüber liegen auf der anderen Seite der Limmat die sogenannten kleinen. 1347 stritten die Besitzer der fünf Wirtshäuser um den Besuch der dortigen zwei öffentlichen Bäder. Der Zwist wurde dahin beigelegt, daß alle Gäste der fünf Wirtshäuser gleiche Rechte haben sollten[32]. [Illustration: Abb. 99. Baden im Aargau. Holzschnitt aus: ~Joh. Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.] [Sidenote: _Poggios Bericht über Baden im Aargau von 1417_] Einen eingehenden Bericht über das Leben zu Baden hat uns ~Johann Franz Poggio~ in einem 1417 an seinen Freund Nicolo Nicoli gerichteten Briefe hinterlassen. ~Poggio~ war vierzig Jahre lang Sekretär von zehn verschiedenen Päpsten und starb 1459 als Kanzler der Republik Florenz. Er begleitete den Papst Johann XXIII. zum Konzil nach Konstanz, von wo aus er die Bäder zu Baden besuchte. Ich gebe seinen Bericht nach der Übersetzung im helvetischen Almanach von 1800 wieder[327]. „Ich schreibe dir diesen Brief aus den hiesigen Bädern, wohin mich die Gicht an den Händen getrieben, und denke, sie verdienen es, sowohl die Lage und Anmut derselben, als die Sitten der sich hier aufhaltenden Gäste, und ihre Badensweise dir zu schildern. Die Alten machten viel Redens von den Bädern zu Puteoli, wohin beinahe ganz Rom, um sich zu erlustigen, zusammenfloß. Allein, nach meiner Meinung, kamen dieselben in dieser Rücksicht den hiesigen nicht bei, und leiden überhaupt keine Vergleichung mit ihnen. Dort trug die Schönheit der Gegend und die Pracht der umliegenden Landhäuser, mehr als das Baden und die fröhliche Gesellschaft, zu den Vergnügen des Orts bei. Hier hingegen gewährt die Lage dem Gemüt keine, oder doch nur sehr geringe Ergötzung; alles andere aber hat so unendlichen Reiz, daß ich mir öfters träumen konnte, Cypria selbst, und was sonst die Welt Schönes in sich fassen mag, sei in diese Bäder zusammengekommen; so sehr hält man hier auf die Gebräuche dieser Göttin, so sehr findest du da ihre Sitten und losen Spiele wieder; und so wenig die guten Leute Heliogabals[C] Rede gelesen haben, so vollkommen scheinen sie doch von Mutter Natur selbst hierin unterrichtet zu sein. Vor allen Dingen aber noch ein Wort von dem Wege, der von Constanz hieher führt, damit du wissest, in welchem Teile Galliens unsre Bäder gelegen seien. Den ersten Tag fuhren wir in einem kleinen Nachen auf dem Rhein bis Schaffhausen sechs Meilen weit; hernach mußten wir des hohen Falles wegen, den dort der Fluß über abgerissene schroffe Felsen macht, anderthalb Meilen zu Fuße gehen, und kamen so zu dem jenseit des Rheins gelegenen Schlosse, Kaiserstuhl, wo, aus dem Namen zu schließen, die Römer (der vorteilhaften Lage wegen, auf einem hohen Hügel, an dem Strome, wo Gallien mit Germanien durch eine kleine Brücke verbunden wird) einst ein Lager gehabt. Auf unserer Straße sahen wir, wie gesagt, den Rhein von einem hohen Berg über dazwischen stehende Klippen mit einer Wut und einem Getöse sich herabstürzen, daß man glauben sollte, er bejammre selbst seinen Fall. Hier fiel mir ein, was man von den Katarakten des Nils erzählt, daß nämlich die daran wohnenden Menschen von dem Geräusch und Geprassel taub werden, da man schon das von diesem Flusse, der doch gegen jenen nicht viel mehr als ein Waldbach ist, fast eine halbe Stunde weit höret. Endlich kamen wir nach Baden, einer ziemlich wohlhabenden Stadt, die in einem von Bergen rundum eingeschloßnen Tal an einem großen schnell laufenden Flusse liegt, welcher anderthalb Meilen unter dem Ort sich in den Rhein ergießt. Ungefähr eine Viertelstunde von der Stadt nun, dicht am Flusse, hat man zum Gebrauch der Bäder einen schönen Hof angelegt, in dessen Mitte sich ein großer Platz befindet, ringsum von prächtigen Gasthäusern umgeben, die eine Menge Menschen fassen können. Jedes Haus hat sein eigenes Bad, dessen sich nur diejenigen bedienen, die in demselben wohnen. Die Zahl der öffentlichen und Privatbäder beläuft sich zusammen an die dreißig. Für die niedrigste Klasse des Volkes indessen sind zwei besondere von allen Seiten offne Plätze bestimmt, wo Männer, Weiber, Jünglinge und unverheiratete Töchter, kurz alles, was vom Pöbel hier zusammenströmt, zugleich baden. In diesen befindet sich eine die beyden Geschlechter absondernde Scheidewand, welche jedoch nur Friedfertige abhalten könnte; und lustig ist es anzusehn, wie da zugleich alte abgelebte Mütterchen und junge Mädchen, nackend vor aller Augen hinabsteigen, und das, was sonst jedermann sorgfältig verbirgt[D], den Mannsblicken preisgiebt. Mehr als einmal hat mich dieses köstliche Spektakel belustigt; die floralischen Spiele sind mir dabei eingefallen, und ich habe bei mir selbst die Einfalt dieser guten Leute bewundert, die eben so wenig ihr Auge darauf richten, als sie dabei das mindeste Arge denken oder reden. [Illustration: Abb. 100. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~J. J. Huggelin~, Von heilsamen Bädern des Teutschenlands. Mühlhausen, 1559.] Nun die besondern Bäder in den Gasthöfen betreffend, so sind diese sehr schön ausgeputzt, und — beiden Geschlechtern gemein. Zwar werden dieselben durch ein Getäfel gesondert, worin aber verschiedene Ablaßfensterchen angebracht sind, durch welche man zusammen trinken und sprechen, und sich also gegenseitig nicht bloß sehn, sondern auch berühren kann, wie denn dies Alles häufig geschieht. Neben dem sind in der Höhe Gänge angebracht, wo sich Mannspersonen zum Sehen und Plaudern einfinden; und, wohlverstanden, stehet da jedem frei, in des andern Bad einen Besuch zu machen, zu scherzen, sein Gemüt zu erheitern, und beim Hereintritt ins Bad, sowie beim Aussteigen, hübsche Frauen am größten Teil des Leibes nackend zu schauen. Also keine Posten bewahren hier die Zugänge, keine Thüren — zumal keine Furcht des Unanständigen, verschließen sie. In mehreren Bädern treten sogar beide Geschlechter durch denselben Eingang ins Bad, und nicht selten trägt sich’s zu, daß die Mannsperson einem nackten Frauenzimmer, und umgekehrt, begegnet. Doch binden die Männer eine Art von Schürze vor, und die Weiber haben ein linnen Gewand an, welches aber von oben bis in die Mitte, oder an der Seite offen ist, so daß weder Hals, noch Brust, noch Arme, noch Schultern damit bedeckt sind (Abb. 100). In dem Bade selbst speisen sie öfters von allseitig zusammengetragenen Gerichten an einem Tisch, der auf dem Wasser schwimmt (Abb. 87, 102), wobei sich natürlich auch die Männer einfinden. In dem Haus, wo ich badete, wurde auch ich eines Tags zu einem solchen Fest eingeladen. Ich gab meinen Beitrag, ging aber, ob man mir gleich sehr zusetzte, nicht hin — und zwar nicht aus Schüchternheit, die man hier für Faulheit oder bäurisches Wesen hält, sondern weil ich die Sprache nicht verstand; denn es kam mir abgeschmackt vor, daß ein des Deutschen unkundiger Welsche, stumm und sprachlos zwischen Schönen, einen ganzen Tag im Bad bloß mit Essen und Trinken zubringen sollte. Zwei meiner Freunde hingegen fanden sich wirklich ein, aßen, tranken, schäckerten, sprachen durch einen Dolmetsch mit ihnen, wehten ihnen mit einem Fächer Kühlung zu, und kurz belustigten sich sehr. Denn nichts fehlte an dem Schauspiel, als die Vorstellung Jupiters, wie er durch den goldnen Regen auf Danaen wirkte, usw. und waren zwar meine Gefährten mit dem Linnengewand bekleidet, das auch Männer anzulegen pflegen, wenn sie in Frauenzimmerbäder geladen werden. Ich sah dann alles an von der Galerie, die Sitten und Gewohnheiten dieser Ehrenleute, ihr gutes Essen, ihren angenehmen, zwanglosen Umgang. Wunderbar ist es zu sehen, in was für Unschuld sie leben, und mit welch unbefangenem Zutrauen die Männer zuschauten, wie Fremde gegen ihre Frauen sich Freiheiten herausnahmen; nichts beunruhigte sie; Alles deuteten sie zum Besten aus; oder viel mehr, sie gaben nur nicht Acht darauf. Denn nichts ist so schwer, das, nach den Sitten dieser guten Menschen, nicht federleicht wird. In ~Platon~s Republik, deren Sitten Alles gemein machen, hätten sie sich vortrefflich benommen, da sie schon, ohne seine Lehre zu kennen, sich so zu seiner Sekte neigen. [Illustration: Abb. 101. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~Gallus Etschenreutter~, Aller heilsamen Bäder und Brunnen Natur. Straßburg, 1571.] Einige dieser Bäder gebrauchen, wie schon gesagt, Manns- und Frauenspersonen zugleich, wenn sie untereinander durch Bande des Bluts oder der Freundschaft verbunden sind. — Mancher besucht täglich drei bis vier solcher Bäder, und bringt da den größten Teil seines Tages mit Singen, Trinken und nach dem Bade mit Tanzen zu. Selbst im Wasser setzen sich einige hin und spielen Instrumente (Abb. 95, 101, 102, 111). Nichts aber kann reizender zu sehen oder zu hören sein, als wenn eben mannbare oder schon in voller Blüte stehende Jungfrauen, mit dem schönsten offensten Gesicht, an Gestalt und Benehmen Göttinen gleich, in diese Instrumente singen, ihr leichtes zurückgeworfenes Gewand auf dem Wasser schwimmt, und jede eine andre Venus ist. Dann haben sie die artige Sitte, wenn Männer ihnen von oben herab zusehen, sie scherzweise um ein Almosen bitten; da wirft man, zumal den hübschern, kleine Münzen zu, die sie mit der Hand oder mit dem ausgebreiteten Linnengewand auffangen, indem eine die andre wegstößt; und werden bei diesem Spiel eben nicht selten auch die geheimen Schönheiten enthüllt. Ebenso wirft man ihnen auch aus allerlei Blumen geflochtene Kränze herab, mit denen sie sich das Köpfchen schmücken. [Illustration: Abb. 102. Mineralbad unter freiem Himmel (angeblich Leuk). Gemälde von ~Hans Bock~ d. Ä. 1597. Eigentum der öffentlichen Kunstsammlung in Basel.] Diese vielfältige Gelegenheit, das Auge zu ergötzen und den Geist zu ermuntern, hatte einen so großen Reiz für mich, daß, ungeachtet ich selber täglich zweimal badete, ich noch die übrige Zeit mit Besuchung andrer Bäder zubrachte, und ebenfalls Münzen und Kränze hinunterwarf, wie die Andern. Denn unter diesem immerwährenden Geräusch von Klang und Gesang, war da weder zum Lesen noch zum Denken Zeit; und hier allein weise sein wollen, wäre die größte Torheit gewesen, zumal für Einen, der kein selbstpeinigender Menedem, und dem nichts Menschliches fremde ist. Zur höchsten Lust mangelt freilich noch die Unterhaltung durch Gespräche, die denn doch unter allen die vorzüglichste ist. Mir blieb also nichts übrig, als die Augen an den Schönen zu weiden, ihnen nachzugehn, sie zum Spiele zu führen und wieder zurückzugeleiten. Auch war zum nähern Umgange Gelegenheit da, und so große Freiheit dabei, daß man sich eben um die gewohnte Stufenleiter der Bewerbung um Gunst und Zuneigung nicht zu bekümmern brauchte. Außer diesen Vergnügungen gab es dann noch eine andere von nicht geringem Reize. Hinter den Höfen, allernächst an dem Flusse, liegt nämlich eine große, von vielen Bäumen beschattete Wiese. Hier kömmt nach dem Essen jedermann zusammen und belustigt sich mit Gesang, Tanz und mancherlei Spielen. Die meisten spielen Ball; aber nicht wie bei uns, sondern Manns- und Weibspersonen werfen sich, jedes dem, den es am liebsten hat, einen solchen Ball zu, worin viele Schellen sind. Alles läuft zu, ihn zu haschen; wer ihn bekömmt, hat gewonnen, und wirft ihn wieder seinem Geliebten zu: Alles streckt die Hände empor, ihn zu fangen; und wer ihn hält, tut, als ob er ihn bald dieser, bald jener Person zuschanzen wollte. So viele andere tausendlustige Ergötzlichkeiten muß ich, der Kürze wegen, übergehen, und gab dir nur das Pröbchen von einigen, um dir einen Begriff zu machen, was hier für eine große Gesellschaft von Epikuräern sei. Bald glaub ich, das sei der Ort, wo der erste Mensch geschaffen worden, den die Hebräer Gan Eden, d.❆i. den Garten der Wollust nennen; denn, falls anders diese uns Glückseligkeit verschaffen kann, so seh’ ich nicht, was dem Orte hier fehlet, um solche vollkommen zu gewähren. Frägst du mich denn, Freund! weiter, zumal nach der Kraft des hiesigen Wasser, so ist dieselbe eben sehr verschieden und mannigfaltig; in einigen Stücken aber besonders groß und fast göttlich; denn auf der ganzen Welt, glaub ich, ist kein Bad, welches mehr die weibliche Fruchtbarkeit fördere. Kömmt eine Frauensperson hieher, deren Leib verschlossen ist, so erfährt sie bald die bewundernswürdige Wirkung dieser Bäder, wenn sie nur geflissen die Mittel anwendet, welche die Kunst den Unfruchtbaren vorschreibt. Unzählbar ist übrigens die Menge der Vornehmen und Gemeinen, die, nicht sowohl der Kur, als des Vergnügens wegen, von 100 Meilen weit hier zusammenkommen. Alle die lieben, alle die heiraten wollen, oder wer sonst das Leben im Genusse setzt, strömen hieher, wo sie finden, was sie wünschen. Viele geben körperliche Leiden vor und sind nur am Gemüte krank. Da sieht man hübsche Frauen die Menge, die ohne ihren Mann, ohne Verwandte, nur in Begleit zweier Mägde und eines Dieners hier anlangen — oder etwa eines alten Mütterchens von Muhme, die sich leichter hintergehen als bestechen läßt. Jede aber zeigt sich, so viel möglich, in Gold, Silber und Edelgestein, so daß man denken sollte, sie wären nicht in’s Bad, sondern zu der prächtigsten Hochzeit gekommen. Auch Nonnen, oder, richtiger zu reden, floralische Jungfrauen, Äbte, Mönche, Ordensbrüder und Priester, leben hier noch in größerer Freiheit als alle übrigen; letztere baden sich wohl mit dem Frauenzimmer, schmücken ihr Haar mit Kränzen und vergessen alles Zwanges ihrer Gelübde. Alle nämlich haben einerlei Absicht: — Traurigkeit zu verbannen, Vergnügen zu suchen, keinen Gedanken zu haben als wie sie des Lebens und seiner Freuden genießen mögen. Keiner bemüht sich dem Gemeinschaftlichen etwas zu entziehen; vielmehr sucht jeder, das Besondere allgemein zu machen. Und zum Erstaunen ist es, wie bei einer so großen Menge (es mögen immer an die tausend Menschen da sein) bei so verschiedenen Sitten, in einem so freudetrunkenen Gemische, keine Händel, kein Zwist, kein Schimpfwort, nur kein Murmeln noch Beschweren des einen über den andern entsteht. Da sehen Männer, wie mit ihren Weibern getändelt wird, und treffen sie mit einem wildfremden Manne unter vier Augen an; das Alles bewegt sie nicht, sie wundern sich über nichts, und glauben, daß alles auf die eingezogenste Art, im Vertrauen des redlichsten Hausfreundes geschieht. So ist der Teufel der Eifersucht, der anderswo bald alle Männer plagt, hier ein unerhörter Gast, und da sie die Sache nicht kennen, auch dem Namen nach unbekannt. O Sitten, wie unähnlich den unsrigen! Wir Welsche sehen alles von der schlimmsten Seite an und finden an Verläumden und Verkleinern Geschmack, daß, wo der schwächste Schein zum Argwohn ist, wir sofort auf die schwärzesten Verbrechen schwören. Schon mehr als einmal hab ich daher die unzerstörbare Gemütsruhe dieser guten Menschen beneidet, und dagegen unsre verkehrte Denkart verwünscht, die wir immer klagen, immer begehren, durch keinen Gewinn befriedigt, durch keinen Wucher gesättigt, Himmel und Erde umkehren wollen, um nur Geld zu erwerben. Da werden wir von ewigem Kummer und Angst umhergetrieben, und erbeben meist vor erst künftigem Elend; um nicht unglücklich zu werden, hören wir nie auf, unglücklich zu sein, starren mit unverwandtem Blick unsern Mammon an, und wissen weder dem Leib noch dem Geist gütlich zu thun. Diese Glücklichen hingegen, mit Wenigem vergnügt, leben nur für heute, machen sich jeden Tag zum Feste, verlangen nicht nach Reichtum, der ihnen wenig nützen kann, freuen sich dessen, was sie haben, und zittern nie vor der Zukunft. Begegnet ihnen je etwas Widriges, so tragen sie es mit Geduld, und ihr größter Schatz ist der Wahlspruch: „Der lebte, der seines Lebens genoß!““ Sehen wir von Ungenauigkeiten ab, die ~Poggio~, um möglichst schön zu reden, der Wahrheit entgegen, sich erlaubt und selbst widerruft, so ist sein Bericht im großen und ganzen richtig und wird von anderen noch ergänzt. Man hat angenommen, daß ein derartiges Leben sich nur zu Baden abspielte, und ~Johannes von Müller~ hat darauf hingewiesen, daß tausende von zügellosen Kriegern während der Sommermonate in Baden zubrachten, wenn sie nicht durch Feldzüge ferngehalten wurden[317]. Doch finden wir ja nach ~Henricus’ de Hassia~ Bericht ein gleiches Leben zu Wiesbaden. [Sidenote: _Die Geistlichen in den Mineralbädern_] Auffallend ist hier wie dort das Treiben der Geistlichkeit, das in Baden derartig anstößig war, daß Bischof Burkhard von Konstanz 1463 dem jeweiligen Leutpriester zu Baden Vollmacht erteilte und befahl, fehlbare Geistliche, wenn nötig mit Hilfe des weltlichen Armes, festnehmen zu lassen und dem bischöflichen Vogte zu Kaiserstuhl zur Bestrafung auszuliefern, was bis 1498 mehrmals wiederholt wurde. Veranlaßt wurde die Verfügung auf Wunsch des Rates von Baden, weil bei dem Zusammenströmen von Leuten verschiedener Nationen in die Bäder „von Priestern oft enorme, ärgerliche und strafbare Excesse verübt werden“[32]. 1415 verkaufte die Äbtissin des Frauenmünsters in Zürich den gesamten Meierhof von Stadelhofen, um die Kosten einer Badenfahrt bestreiten zu können. Der Bericht über den Verkauf des Kelnhofes lautet: „es ist zu wissen als die Äbtissin Frau Anastasia von Hohenklingen den Kelnhof zu Stadelhofen entfremdet hat, und Recht und Herrlichkeit der Lechen mit Zins und aller Zubehörd gegeben den Frauen und Kloster am Oetenbach. Und haben dieselben Frauen der Äbtissin darum geschenkt eine Summe Gelds zu einer Badenfahrt, die sie dazumal wollt haben; Gott gesegne ihr das Bad in jener Welt!“[90]. Die Klosterfrauen zu Töß erkauften sich zu Anfang des 16. Jahrhunderts für schweres Geld päpstliche Bullen und Indulgenzen, um nach Baden zu fahren und daselbst unter dem Skapulier weltliche Kleider tragen zu dürfen, falls sie, wie die Erlaubnis besagte, im Kloster nicht alle nötigen Hilfsmittel, ihre Gesundheit herzustellen, finden könnten. Der im Jahre 1492 zum Abt in Kappel erwählte Ulrich Trinkler von Zürich war berüchtigt durch seine dem Kloster höchst nachteiligen Badenfahrten. Er hielt in den Bädern wochenlang und täglich für mehr als zwanzig Personen offene Tafel und ward sogar eines näheren Umgangs mit den daselbst befindlichen Nonnen verdächtigt. Am Ende aber trieb er es so arg, daß er aus seiner Abtei verstoßen wurde[315]. Anno 1566 „haben einige Chorherrn im Hof (zu Luzern) den Rath um Erlaubniß gefragt, mit ihren Metzen gan Baden eine Badfahrt z’han, das ihnen aber um der Ergerniß wegen abgeschlagen worden“[320]. Die Bitte der Chorherren erscheint gar nicht auffällig, wenn man folgende Weisung von Rat und Schultheiß der Stadt Baden vom Jahre 1520 an die beiden Stadtknechte bedenkt: „Sy söllent zu den Bädern niden deheinen an Si gmach gan noch uff tun, Sy wissent dann wol, das er ein metzen by im da inn habe. Unnd ob ein priester har gen Baden keme und ein Junckfrowen mit im brechte, und ein gemach empfienge, denselben söllent si nit uffnemen; ob er aber ein priester ein frye metzen zu im in siner kamer fürte, den mögent si uffnemen. Sy söllent ouch erenlütten nit in ir kamer noch gemach gan, Sy wissent dann wol, das er ein metzen by Im hette. Sy söllent ouch die so sie uffheben in der Setzung bescheidentlichen halten je nach gestalt der personen und des Handels. Unnd insunders so sollent si kein Dietrich me bruchen noch haben“[32.] [Illustration: Abb. 103. Das St. Verenabad zu Baden im Aargau 1820. Bleistiftzeichnung von ~Ludwig Vogel~. Landesmuseum Zürich.] [Sidenote: _Der Verenakultus_] Entspricht diese Anweisung der sonst üblichen Auffassung des Mittelalters, so wird sie für Baden besonders verständlich, wenn man bedenkt, daß in der Nähe Zurzach, der Hauptort des Verenenkultus, lag. Baden selbst hatte zu diesem durch sein Verenaloch, die Quelle im Verenabad, Beziehung. Hier stand die Bildsäule der Heiligen (Abb. 46, 103)[E] bis zum Abbruch des Bades. Sie wurde am Verenentage mit einem Blumenkranz geschmückt und acht Tage und Nächte hindurch mit fünf geweihten Kerzen beleuchtet. Jahrhundertelang wurde das Bad von Frauen aller Stände besucht, die durch seinen Gebrauch Kindersegen erhofften. Sonst wurde es von Vornehmen nicht benutzt. Es war das Bad der Armen und Hilfsbedürftigen, denen Verena wieder Heilung und Genesung gab. Sie selbst soll gegen Ende des 3. Jahrhunderts dem Volksglauben nach dort Arme und Kranke gepflegt und ihnen das Bad bereitet haben[315], obwohl die Legende nichts davon erzählt. Aber Verena war nicht nur die Schutzpatronin der Armen. Im Siggentale sang man einst ein Lied vom Tannhäuser, der in Frau Vrenelis Berg gegangen sei. Vreneli und Venus sind beide identisch. An St. Verenas Grab zu Zurzach war ein Jahrtausend lang der Ort ausgesuchtester Sinnlichkeit und zügellosester Üppigkeit. Zwar finden wir auch hier Eheleute, die ehelichen Segen erflehten. So soll König Konrad von Burgund mit seiner Gemahlin zu St. Verenas Grab gewallfahrtet haben und nachher mit einem Prinzen beschenkt worden sein. Desgleichen wurde daselbst der Herzog Hermann von Alemannien erhört. Hier flehte auch König Ottokars von Böhmen Tochter Agnes, die Gemahlin des Herzogs Rudolf von Österreich, um einen Prinzen, der ihr dann auch in Johann Parricida geschenkt wurde[32]. Zur Zeit der einst weltberühmten Märkte sammelte sich dort aber ein anderes Volk. Wie Pfeifer und Keßler an bestimmten Orten einmal im Jahr zusammenkamen, fanden sich zu Zurzach die fahrenden Weiber ein. Der Landvogt von Baden hatte den Zurzacher Markt zu der Eidgenossen Lob und Ehre mit „Pfiffern und Trummeteren“ zu versehen und sich laut Verordnung der Tagsatzung von 1418 mit vier ehrbaren Männern aus der Stadt, den Untervögten und deren Knechten selbst hinzubegeben[32]. Dort eröffnete er den Matzentanz und beschenkte die Schönste mit einem Gulden[F], weil 1308 Kaiser Albrecht in den Armen einer Dirne gestorben war. Die vermeintliche Stiftung soll von der Königin Agnes von Ungarn gemacht worden sein[38]. Als die reformierten Stände im Jahre 1535 dem Treiben zu Zurzach etwas Einhalt tun wollten und der Landvogt Schütz einen bezüglichen Antrag an die Tagherren brachte, verwahrten sich die katholischen Orte gegen „diese ketzerische Neuerung“. Es wurden auch die unsittlichen Tänzereien während der Messe beibehalten; denn, sagte der Tagherr von Luzern, es tanze da mancher gute Geselle mit einer armen Dirne und behelfe sich mit ihr, während er sonst etwas Böseres tun könnte[32] (vgl. S. 266). [Sidenote: _Sittenlosigkeit zu Baden im Aargau und Baden-Baden_] Wie es zur Zeit der Zurzacher Messe im nahen Baden zuging, braucht nicht durch Quellen belegt zu werden. Bedenkt man noch die Anwesenheit von zahlreichen Landsknechten, dann wird kein anderer Kurort Baden um sein Gesindel beneidet haben. Im Jahre 1486 lag der Hauptmann Ruppli aus dem luzernischen Amte Rothenburg längere Zeit in Baden eingetürmt, weil er in Ennetbaden (den kleinen Bädern) mit gezücktem Schwerte eine Dirne aus dem Bade gerissen, um seine Lust mit ihr zu treiben, und versucht hatte, den im Bade sitzenden Nebenbuhler zu verwunden. Ruppli war deshalb zum Tode verurteilt worden; allein die Bitten einflußreicher Freunde und Verwandter konnten zuletzt seine Begnadigung erwirken. Er mußte Urfehde schwören und dem Landvogte, sowie der Stadt Baden eine beträchtliche Buße zahlen[32]. Auch in den beiden freien Bädern zu Baden-Baden waren vor Jahren, wie es 1488 heißt, Tag und Nacht von Heimischen und Fremden allerhand „vnfuren“ begangen, weswegen der Bader angewiesen wurde, starke (kräftige) Bettler, fahrende Schüler und Dirnen, die in den Herbergen hinter dem freien Bade ihr Wesen trieben, vor den Schultheißen zu bringen, „damit man mit denselben lüten alles überlasts, betrugs vnd vnwesens vertragen blybe, auch vnfuren vnd bubereyen tags vnd nachts im großen vnd kleinen Bade dardurch abbestallt“[40]. Am tollsten ging es in Baden (Schweiz) vielleicht Anfang des 16. Jahrhunderts zu. Die Eidgenossen hatten dem Kaiser Maximilian einen Römerzug versprochen, den Frankreich zu verhindern und die Eidgenossen für sein Heer zu gewinnen suchte. Geld, das dem Kaiser fehlte, stand Ludwig XII. in Menge zur Verfügung. Zürich wurde 1505 vom Gesandten Rocquebertin bearbeitet, der zu Baden fürstliche Tafel hielt, die Badenfahrten vieler Weiber, öfters die ganze Zehrung aller Gäste bezahlte. Er hatte beständigen Zulauf an feilen Dirnen, warf Geld in die Bäder und unter die Weiber[315. 317]. Selbst Zürichs Bürgermeister Waldmann (1489 hingerichtet), der in seiner Stadt durch strenge Sittenmandate den Ausschweifungen wehrte, ging, als wären die Mandate nicht für ihn gemacht, häufig mit einer Schar lockerer Gesellen nach Baden, um auf die zügelloseste Art der Freude und Lust zu frönen[32]. Ein St. Galler war Augenzeuge, daß der Bürgermeister auf einer Gesandtschaft nach Baden neben seiner Frau noch sechs Weibsbilder bei sich führte und zugleich einer Baslerin durch Geschenke vergebens nachstellte. Endlich konnte er den Badwäscher bestechen, der ihn zu ihr führte. Sie aber widerstand und klagte nachher Waldmann öffentlich an[321]. Wir finden auch in späteren Jahrhunderten die Züricher öfter in Baden, um die heimatlichen Sitten- und Luxusgesetze zu umgehen, weswegen die Badenfahrten zu wiederholten Malen verboten wurden. [Illustration: Abb. 104. Geselliges Treiben in einem kleinen Mineralbade am Bodensee im 15. Jahrhundert. Aus dem Hausbuch der Familie Goldast zu Konstanz, wahrscheinlich von Bartholomäus Zeitblom. Nach dem mittelalterlichen Hausbuch.] Zürich sah überhaupt darauf, daß seine Bürger sich in Baden anständig aufführten. 1492 ist im Ratsprotokoll verzeichnet: „J. Aberli und L. Holzhalb sollen nachgohn als etlich Mann und Frauen nackend gesessen und by enandern getrunken haben“[317]. Aus den Verordnungen und verfügten Strafen des Rates von Baden geht ebenfalls hervor, daß man das unsittliche Leben nicht billigte und den guten Willen hatte, es abzustellen, und selbst ~Poggio~ gibt zu, daß Männer Frauenbäder im Bademantel besuchten. ~Montaigne~ empfiehlt im 16. Jahrhundert sogar Baden den Frauen, die abgesondert und züchtig zu baden wünschen, als geeigneten Ort[326]. In den vornehmen Bädern ging es gewiß ehrbar zu. ~Hans von Waldheim~ badete 1474 nur mit Männern, schwäbischen Adeligen und Züricher Geistlichen zusammen. Von ihm erfahren wir auch, daß „graven, hern, rittere und knechte und vile eddil luthe usz Swabin und usz andern landen, und dorczu vile schoner frawen, burgere und burgerynne von Basil von Kostenicz und von Lyndouwe, die gar kostlich mit yren cleydern und silbern tringgefesse do weren“[32]. Trotz der großen Zahl anwesender Badegäste[G] befand sich im 15. Jahrhundert in Baden noch kein Arzt. Als im Jahre 1478 Frau Anna geb. Gräfin von Kirchberg beim Spiele plötzlich unwohl wurde, mußte man nach Zürich zum Arzte schicken. Als dieser erschien, war sie dem Tode nahe[32]. Das Treiben in einem Bade um die Mitte des 15. Jahrhunderts zeigt uns ein Bild des mittelalterlichen Hausbuches (Abb. 104)[150]. Es stellt den Typus eines kleinen Bades dar, wie wir ihn bis ins 19. Jahrhundert finden. Neben dem Badehaus liegt der Lustgarten. Das Ganze ist durch eine Mauer von der Umgebung vollkommen abgeschlossen und mitten im Feld gelegen. Ein größeres Bad stellt eine ebenfalls aus Konstanz stammende und auch um die Mitte des 15. Jahrhunderts gemalte Blockwand des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich vor. Leider ist das Bad selbst nur in Resten vorhanden und der größte Teil abgesägt. [Sidenote: _Häufigerwerden der Badenfahrten im 15. Jahrhundert_] Im 15. Jahrhundert mehren sich die Nachrichten von Badenfahrten. Das Protokoll des Frankfurter Rates enthält schon häufig Urlaubsbewilligungen für Beamte, vorzugsweise für die angeseheneren, wie den Stadtschultheiß, die Dorfamtmänner und den Stadtarzt[127]. Luzern ließ sogar mehrere in der Schlacht bei Murten (1476) verwundete Krieger auf Staatskosten in Bäder gehen; auch Zürich tat dies 1532 im Kappeler Kriege[229]. Man besuchte jetzt auch entfernt liegende Bäder. Herzog Wilhelm von Sachsen weilte 1476 im Wildbade zur Kur. Auf einen Brief an den Kurfürsten Ernst von Sachsen antwortete ihm dieser, er freue sich, daß Herzog Wilhelm dort die Gemahlin des Grafen Ulrich von Württemberg angetroffen habe und „neben uwer libe in underscheyd gebatt und sich fruntlich irköset (unterhalten)“. Der Herzog badete alle Tage acht oder neun Stunden[54]. Für das Wildbad schlägt ~Mechinger~ auch 1513 bis neun Stunden tägliche Badezeit vor[346]. [Sidenote: _Der Badeausschlag_] Philippine Welser gebrauchte 1571 wegen Gallensteine die Kur in Karlsbad. Nach den Aufzeichnungen ihres Leibarztes Dr. ~Georg Handsch de Limusa~ trank sie während der ersten Wochen nur das Wasser und zwar bis acht Seidel am Tage. Am vierzehnten Tage begann sie zu baden, mit je einer Stunde am Vor- und Nachmittag beginnend und bis zu je fünf Stunden steigend, also zehn Stunden am Tage. Am sechzehnten Badetage nahm der „Badeausschlag“ einen rotlaufartigen Charakter an; von diesem Tage an wurden wärmere Bäder von kürzerer Dauer genommen, „damit der Ausschlag wieder abtrockene“[347]. Der Badeausschlag war eine Entzündung der Haut infolge des lang anhaltenden thermischen und auch chemischen Reizes beim Baden. Die Bäder mit höheren Temperaturen und reichlichen mineralischen Bestandteilen riefen ihn schneller hervor. Ein Jesuit, der in Pfäfers badete, beschrieb ihn 1642. Es entsteht zweierlei Ausschlag nacheinander. Der erste ist hitzig und brennt wie Feuer oder Nesseln und wird „Obrist Fresser“ genannt. Wenn er durchs Bad abgeheilt ist, kommt bald ein anderer, der nicht so brennt, aber heftig beißt und zu stetem Kratzen Ursache gibt. Der wird „Obrist Kratz“ genannt. Bei etlichen kommt der Ausschlag am dritten oder vierten Tage, die Haut wird rot, schält sich, Arme und Füße schwellen. Im Wasser besteht kein Schmerz, aber außerhalb desselben, besonders im Bett. Die Glieder brennen wie mit Nesseln bestrichen; man nennt dies den Brenner. Wenn die Geschwulst an Händen und Füßen zunimmt, tritt Krampf auf, das ist der Spanner. Etliche können dann nicht gehen und die Hände zum Munde bringen. Es tritt Kälte wie beim Fieber auf. Das Wasser kommt einem eiskalt vor, dieser Geselle heißt der Zitterer oder Schnatterer. Nur im Bett wird man warm. Später kommt der Kratzer oder Obrist Kratz; der tut manchen nach Hause begleiten[366]. Der „Schauder oder Schütter“ war oft so heftig, daß die Patienten zwei bis drei Tage im Bett bleiben mußten (1689)[428]. Philippine Welser wartete, wie aus den Angaben ihres Leibarztes hervorgeht, den zweiten Ausschlag nicht ab, sondern heilte den ersten durch sogenanntes Abbaden, bei dem die Badezeit verkürzt und die Temperatur des Bades +erhöht+ wurde. Diese Art scheint auch später noch in Karlsbad Sitte gewesen zu sein, war aber nicht die gewöhnliche[H]. Traten die ersten Zeichen des Ausschlags — der übrigens auch die Ausschlächte genannt wurde — auf, ging man, wenn Bäder von verschiedener Temperatur zur Verfügung standen, in ein wärmeres Bad, bis er sich vollständig entwickelt hatte. Man badete zu dem Zwecke auch länger. Darauf folgte das Abbaden in kälterem Wasser bei Abnahme der Badezeit. So geschah es in aargauisch Baden noch 1790[424]. Nach ~Dorer~ (1806) war kälteres Badewasser nur dann nötig, wenn der Ausschlag schwer abheilen wollte[418], und ~Hess~ gibt 1606 für Baden-Baden an, daß, wenn nach dem Ausschlagen die frische Haut „schwerlich“ werden und wachsen wollte, man nicht frisches Wasser benutzen solle, sondern solches, das einen Tag und eine Nacht gestanden habe[362]. ~Leucippaeus~ sagt 1598, daß etliche in Markgrafenbaden ein bis zehn Tage anfangen zu baden und baden danach im Wildbad die übrigen Tage gar aus[431]. (Wildbad ist kälter als Baden-Baden.) Die Doktoren von Augsburg schickten aber gegen 1571 ihre Kranken zuerst auf zehn Tage ins Wildbad zum Baden und ließen darauf im (kälteren) Zellerbad (Liebenzell) die Badenfahrt ausrichten. ~Günther von Andernach~ und ~Etschenreutter~ waren damit nicht einverstanden. „Wo aber die krancken, allein zůbaden begerten, das sie an demselbigen ort da sie das baden angehebt, volstreckten, das wer nutzlich jnen vnd gůt.“ Dagegen hielten sie eine Teilung der Kur für angebracht, wenn man das Wildbad trinke und im Zellerbad die Badenfahrt mit Baden vollende[388. 449]. Manche, die in Pfäfers nicht ausbaden konnten oder wollten, taten dies im Nieder-Urnerbade am Wallensee[86]. In Leuk benutzte man im 16. Jahrhundert nach dem Ausbaden[I], d.❆h. nachdem der Ausschlag herausgebadet war, einen Tag lang einen besonderen Brunnen, der gar nicht schmeckte, also wohl nur geringe mineralische Bestandteile hatte, die Haut schnell heilte und deshalb Heilbrunnen genannt wurde[318]. Man war sich nicht einig, ob zur Kur der zweite Ausschlag nötig sei, bei manchen Badenden scheint er überhaupt nicht aufgetreten zu sein, bei anderen kam nach Abheilen des einen immer wieder ein neuer zum Vorschein. In Pfäfers badeten manche vier Wochen Tag und Nacht und wurden den Ausschlag nicht los (1642)[366]. ~Lucas Rem~[265], der im November 1529 den „englischen Schwais“ überstanden hatte, zog 1530 zur Nachkur ins Wildbad. Am 7. März begann er die Kur mit fünfstündigem Baden. Am 12. war er auf acht Stunden gestiegen, am 13. fing er an „fast“ (sehr) auszuschlagen. Der Ausschlag währte acht Tage. ~Rem~ badete aber weiter und schlug am 28. und 29. wieder aus. Am 24. und 31. März hat ~Rem~ Schweißbad und Schröpfen verzeichnet, also in der Ausschlagperiode, 1525 fand das Schweißbad am elften Tage statt. ~Sytz~[375] schlug es 1516 nach dem achten oder zehnten Tage vor. Nach ~Hess~ (Baden-Baden, 1606)[362] sollte im Bett oder sonstwie geschwitzt werden, wenn der Ausschlag stark juckte oder langsam fortschritt. Das Schweißbaden geschah also zur Heilung des Ausschlages. [Sidenote: _Übermäßig langes Baden zur Erzielung des Badeausschlags_] +Einen+ Ausschlag hielt man aber in der Regel für nötig zum Gelingen der Kur, weil dadurch die inneren Unreinigkeiten zum Körper hinausbefördert wurden. Unterstützt wurde dieser Heilungsvorgang nach damaliger Ansicht (bis ins 19. Jahrhundert) durch Schröpfen, das wohl in der Regel mit dem Schweißbade verbunden wurde, also in die Ausschlagperiode der Badekur fiel. Kam kein Ausschlag zustande[J] und wurde man geheilt, war man darüber nicht bekümmert; dann hatte das Wasser durch seine Kraft und Wärme die bösen Flüsse und Feuchtigkeiten ohne alle Schmerzen und Verletzung der Haut trotzdem ausgezogen[366]. Es kam übrigens vor, daß der Ausschlag sich erst nach Verlassen des Kurortes bildete, namentlich bei Leuten, welche die Kur zu zeitig abbrachen und besonders bei denen, welche sie zu Hause mit einfachen Wasserbädern fortsetzten, weswegen in vielen Anweisungen vor diesen, manchmal auf Wochen hinaus, gewarnt wurde. ~Leucippaeus~ (1598) verbietet Süßwasserbäder auf ein halbes Jahr und läßt Schweißbäder, wenn sie vonnöten sind, zu[431]. Da nach Ansichten der meisten Leute der Badeausschlag zur Kur nötig war, suchte man ihn möglichst schnell zu erzielen, namentlich Arme, die wegen Mangel an Geld zur baldigen Heimreise genötigt waren. Sie suchten die üblichen hundert Stunden[K] womöglich in einem fort im Bade, Tag und Nacht, abzusitzen. Sie drängten sich deshalb auch möglichst nahe an den „Ursprung“ des Wassers, wo dies heißer als im übrigen Bade war. In Baden bei Wien begannen einige nach ~Anemorinus~ (1511) mit dem Baden bald nach Mitternacht[70]. Man aß, trank und schlief (nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht) im Wasser. Das kam namentlich in Pfäfers vor, wird aber im 16. Jahrhundert auch von Karlsbad berichtet[348]. Unglücksfälle waren dabei nicht wunderbar. Die Kirchenbücher von Gastein führen in den vergangenen Jahrhunderten fast in jedem Monat mehrere Todesfälle von Badenden an und diese meist im Bade selbst. Oftmals heißt es „suffucatus in balneo“[70]. ~Kolweck~ sagt 1631 von Pfäfers, daß man in anderen Wildbädern auf der Gelehrten Rat mit Baden auf und ab steige, in Pfäfers mache man aber gleich mit vielen Stunden den Anfang. „Dahero gewohnlich, daß jhr vil, vnter Tag vnd Nacht, niemaln auß dem Bad tretten, sondern daselbst bleibende, Essen, Trincken, vnnd Schlaffen: Die Reichen zwar, vmb Lust halber, welchen sie vnder dem Baden empfinden: Die Armen aber, vmb Willen, ermanglender Herberg oder Prouiant, oder damit sie die Zeit ersparen, vnnd desto bälder fertiger werden. Zwar halten jhnen, vil grosse Herren, zu einem Rhumb, wie länger dieselben, vber den gantzen Tag, auch vil stundt in der Nacht, im Bad zubringen, vnnd die Bad Wärme erleyden mögen ... Zwar die wenigern vnd vermůglich, pflegen vngefahr, drey Wochen, mit Baden zubringen; Demnach es das Gebrechen vnnd Leibsgelegenheit geduldet. Die meisten, so bald die Haut an dem Leib außgeschlagen, vnd versöhrt, die mögen so gar kein kleine weil, vnd so gar nicht in den waichesten Beth, ruhen; Seytemalen das Bad Wasser, die Krancken nicht anderst, als der Magnet, das Eysen, an sich ziehet. Andere, die gerahten, auß vnauffhörlichen Baden, vnd zerbrochnen Schlaff, in die Vnsinnigkeit, deren etliche wenig, als die Nebensitzenden, alle geschlaffen, gesuncken vnd ertruncken“[349]. Auch ~Fabricius Hildanus~ erlebte 1610 in Pfäfers, daß Leute während der Nacht im Bad ertranken[22]. In Pfäfers wurde aber 1676 auch auf- und abgebadet. Dr. Abiss schlägt kräftigen Leuten vor, den ersten Tag morgens und abends vier Stunden, den zweiten sieben, den dritten zehn, den vierten zwölf Stunden zu baden, bis sie ausschlügen. Nachdem soll auch in der Nacht gebadet werden, um die Schmerzen zu lindern und den Ausschlag wegzubaden. Schwache und Personen von sieben Jahren sollten bis neun Stunden baden, nach Ausbruch des Ausschlags sich wie Erwachsene verhalten[365]. ~Lucas Rem~, der 1511 zu Pfäfers in neunzehn Tagen hundertsiebenundzwanzig Stunden badete, stieg von vier auf elf Stunden am Tage an. „Schluog adi 30. 31 (Mai, anscheinend am 9. und 10. Tag) aus. Da badet ich die nacht 1, 1, 3 stundt“[265]. In den Bädern, deren Wasser erwärmt werden mußte, wurde auch des Nachts gebadet, und, wie aus nachfolgender Stelle hervorgeht, im Notfalle das Bad von den Gästen selbst geheizt. 1580 empfing Caspar Cunrad Wielli von „gemeinen Nachpuren von Sumwix“ zu einem ewigen Erblehen „das Bad in Wall“ (Somwixer- oder Tennigerbad bei Disentis). Dafür sollte er und seine Erben „denen von Sumvix das Bad erhalten und wärmen, wann ihrer acht Personen zusammen kommen, umb 1 Krützer, +Tag und Nacht+, und die Främden umb 2 Krützer“. Kamen aber weniger als acht Personen zusammen, dann sollte er ihnen „das groß Kässen (Kessel) sammt ander Rüstung lihen“, damit sie selber „wärmen“ könnten[86]. [Sidenote: _Rückgang des Ausschlagbadens_] Schon 1597 empfahl ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), man solle in Pyrmont nicht länger als eine halbe Stunde hintereinander baden[56]. 1609 war in Karlsbad das „Auffressen der Haut“ eine seltene Kur[350]. Das war auch an anderen Orten der Fall und hing damit zusammen, daß die Badezeit bedeutend kürzer war. Im 17. Jahrhundert badete man in den meisten deutschen Badeorten nur noch ungefähr zwei Stunden am Vormittag, starke Personen noch am Nachmittag, soweit es die Kräfte vermochten. Zuweilen trat auch da ein Ausschlag auf. Für Leuk empfahl ~Fabricius Hildanus~ dem Bürgermeister Anton von Grafenried sechs Stunden täglich bei einer Kur von dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Tagen mit Ansteigen an den ersten sechs und Absteigen an den letzten sechs Tagen[101]. Nach ~Hess~ stieg man in Baden-Baden 1606 bis auf sechs Stunden an[362]. Der Ausschlag verlor seine „kritische“ Bedeutung im 19.Jahrhundert und wird heute nur noch zur Heilung von Hautkrankheiten gebadet; denn mit ihm wird die alte kranke Haut entfernt. Einige Bäder, die nur Hautkrankheiten heilten, hießen deswegen im Volke etwas verächtlich Krätze- oder Raudenbäder. 1806 sagt ~Dorer~ (Baden), der Ausschlag sei vielfach unnütz und nicht zur Heilung nötig, trotzdem schreibt er vor, täglich bis fünf Stunden mit Auf- und Absteigen zu baden[418]. 1818 gab es aber in Baden auch schon zwei Arten der Kur, eine mit Erzielung des Ausschlags bei einer Badezeit bis zu fünf Stunden in einundzwanzig Tagen, und eine ohne Ausschlag, bei der früh eine und am Abend eine halbe Stunde gebadet wurde[315]. ~Kerner~ schlägt 1832 für das Wildbad zweimal täglich eine Stunde Gebrauchszeit vor[325]. In Ragaz badete man 1857 täglich eine halbe bis eine Stunde. Der Badeausschlag war selten. Die Kur dauerte, wie in den meisten Schweizer Orten, einundzwanzig Tage. In Leuk fand dagegen ein methodisches An- und Abbaden statt. Heute noch ist dort die Ausschlagkur üblich. In Pfäfers wurde sie 1857 selten[368], 1869 nicht mehr gebraucht[369]. [Sidenote: _Die Trinkkur_] Bei Trinkkuren stieg man mit der Menge des genommenen Wassers ebenfalls an und nach einiger Zeit ab. Übertreibungen kamen auch hier vor, namentlich von den Armen in Pfäfers, die nach Berichten des 16. und 17. Jahrhunderts meinten, je mehr, je besser zur Heilung und das noch dazu im Bade. Der gleichzeitige Gebrauch einer Trink- und einer Badekur galt als großer Verstoß gegen die Gesundheit. Man nahm in der Regel beide nacheinander vor. 1598 riet ~Kieffer~ sogar, das Wildbad nur zu trinken und danach zur Badekur nach Liebenzell zu gehen[154]. (Siehe auch ~Günther~ und ~Etschenreutter~ S. 253.) Es gab aber auch Ärzte, welche zwar nicht gerade das Trinken im Bad empfahlen, doch Trink- und Badekur zu gleicher Zeit vornehmen ließen. Die Badezeit war dann eine kürzere. So badete ~Konrad Gessner~ 1563 in Baden von fünf bis sieben Uhr und trank von sieben bis acht Uhr. Ja er durchbrach die allgemein geltende Vorschrift und nahm abends im Bad noch acht Unzen Wasser zu sich[94]. Im 17. Jahrhundert kommt das schon öfter vor. ~Blondel~ will es für Aachen aber nur bei starken Naturen, bei anderen einige Tage Trinken, ebensolange Baden oder einen Tag um den anderen abwechseln[409]. Wie man bei der Badekur den Ausschlag als Krise nötig zu haben glaubte, hielt man es bei der Trinkkur für ein Erfordernis, daß Verlust der Eßlust, schlechter Geschmack im Munde, belegte Zunge, Magendrücken, Müdigkeit der Glieder, Gemütsverstimmung u. dergl. auftraten, und nahm mit der Wassermenge immer mehr zu, bis man endlich den Magen verdorben hatte. Dann ging man mit der Zahl der Becher herunter. Auch diese Ansicht verlor sich im 19. Jahrhundert[368]. Der Glaube, daß zu einer Kur eine bestimmte Anzahl Tage oder Stunden nötig sei, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert und besteht teilweise heute noch im Volke. „~Priessnitz~ und seine Anhänger“, sagt ~Vogt~, „haben zuerst mit Erfolg den durch lange Gewohnheit eingewurzelten Wahn zu besiegen gewußt, daß Bade- und Trinkkuren immer in einer bestimmt abgemessenen Frist gemacht werden müssen“[368]. Vielfach trank man, wenn man einmal in einem Kurorte war, das Wasser derselben Quelle, die man zum Baden benutzte. Mineralwässer, die heute nur noch als Bad Verwendung finden, wurden infolgedessen getrunken. So nahm ~Konrad Gessner~ vom Wasser in Baden in der Schweiz 1562 den ersten Tag fünfzig, den zweiten fünfundsiebzig, den dritten hundert Unzen, 1563 den ersten Tag zweiunddreißig, den zweiten achtzig, den dritten hundertundvier, den vierten hundertundachtundsechzig, den fünften hundertundzwanzig, den sechsten zweiundsiebzig, den siebenten vierzig Unzen zu sich und jeden Abend noch acht Unzen, 1564 stieg er auf zweiundzwanzig Gläser täglich[94]. Heute trinkt das Wasser kaum jemand mehr. [Sidenote: _Verschicken von Mineralwasser_] Im 16. Jahrhundert konnte man in den Mineralbädern schon Wasser von auswärts haben. ~Leucippaeus~ erwähnt 1598 das Sauerbrunnentrinken in den Herbergen von Baden-Baden, Wildbad und Zellerbad[431]. Es ist aber von frischem Sauerbrunnen die Rede. Er wurde demnach aus der Nähe hingebracht. Häufig geschah das Hinwegschaffen des Wassers nach anderen Orten, weil für die Gäste beim Brunnen selbst nicht genügende oder standesgemäße Unterkunft zu finden war, seltener wohl, um die Vergnügungen im Kurorte zu fliehen. Es galt aber doch der Grundsatz (1647): „Das beste Wasser, so man trinckt, Ist diß, welchs auß der Quell entspringt“[65]. [Illustration: Abb. 105. Der zu Bilfeld Anno 1666 am 2. Sontag nach der H. Drey Einigkeit entsprungene Heyl-Brunnen. Kupfer aus: ~Conradi Redekeri~ descriptio Bilfeldiani fontis. Amstelaedami 1668.] Im Wildbad scheute man sich 1513 nicht, das Wasser aus den Quelladern am Boden des Bades zu schöpfen, nachdem das Badewasser abgelassen war[346]. Der Transport geschah in Flaschen oder Fässern, die ohne besondere Maßnahmen gefüllt wurden (Abb. 105). In jüngster Zeit wurde noch darüber geklagt, daß die hessischen Wasserbauern, welche Sauerbrunnen nach Frankfurt bringen, die Füllung in der primitivsten Weise vornähmen. Leere Krüge würden mit allem anhaftenden Schmutz ins Wasser getragen und unter dem Spiegel gefüllt, manche führen gleich den ganzen Karren samt den Krügen in die Quelle hinein[377]. In Eger (Franzensbad) wurde im 16. Jahrhundert der Sauerbrunnen von jungen, sechzehnjährigen Leuten in Krügen haufenweise in die Stadt getragen[318]. ~Sebiz~ sagt 1647, man soll den Sauerbrunnen von Griesbach und Petersthal nicht von den gemeinen Sauerbrunnenmännern kaufen, die das Wasser in „zimlichen, aber offtermaln schimmlichten vnd stinckenten faulen Fässern bringen“[65]. In seinem Neu-Wasserschatz gab 1581 ~Jakob Theodor von Bergzabern~ (~Tabernaemontanus~) zunächst für den Weinbrunnen von Schwalbach folgende Vorschrift zum Verschicken, die auch für andere Sauerbrunnen galt. Das Wasser soll in steinernen oder Siebenbürgerkrügen geholt werden, die morgens oder abends gefüllt werden. Sie sind mit Wachs, Pergament oder einer Blase zu verstopfen und zu verbinden und in einem Rückkorb, mit frischem Wasser oder mit nassen Lumpen umgeben, nicht bei Sonnenschein zu transportieren. Oder man nimmt neue Fässer, die mit siedendem Wasser gefüllt, zugeschlagen werden und die Nacht über stehen. Am nächsten Morgen werden sie geleert, wieder mit frischem Wasser gefüllt und so eine oder mehrere Nächte gelassen, dann mit Sauerbrunnen ausgeschwenkt und eine Nacht mit diesem gefüllt stehen gelassen. Am Morgen vor Sonnenaufgang wird das Faß wieder mit Sauerbrunnen gefüllt, zugeschlagen und aufgeladen, auf frische, grüne, mit Tau besprengte „Wasen“ gelegt und oben mit nassen leinenen Tüchern bedeckt. Der Karren soll außerdem mit einem „Spriegel vnd Deck“ versehen sein, daß die Sonne nicht auf das Faß scheint. Krüge und Fässer werden nach der Ankunft im kühlen Keller aufbewahrt. Im Winter muß das Faß mit Stroh umgeben sein, damit das Wasser nicht gefriert. Das Einlassen des Sauerbrunnens soll bei schönem und hellen Himmel ohne Wolken geschehen. ~Tabernaemontanus~ wollte, wenn es großen Herren möglich wäre, den Transport in der Nacht und dafür die Errichtung einer gemeinen Fußpost von Dorf zu Dorf haben. Der Sauerbrunnen sollte sich auf die angegebene Weise zehn Tage halten, besser wäre es, wenn er als Arzneitrank aller drei Tage frisch bezogen würde[324]. [Illustration: Abb. 106. Versand des Aachener Mineralwassers und Wiedererwärmen desselben zum Gebrauch. (Die Gestalt der Flaschen; die Art, sie wieder warm zu machen; die Weise, die Wärme zu unterhalten.) Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727. (Das Bild findet sich auch in der Ausgabe von 1688.)] [Illustration: Abb. 107. Der „Cornelische Badwasser-Brun“ in Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen 1688.] [Illustration: Abb. 108. Der „Kayserliche Badwasser-Brun“. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen 1688.] ~Sebiz~ gab ähnliche Vorschriften und hielt gläserne Flaschen für das beste Transportmittel[65]. Zu Seebach beim Bade Rippoldsau wurde 1587 eine eigene Glashütte zur Anfertigung von „Sauerbronnen-Guttern“ (Gläsern mit engem Hals, aus denen das Wasser zwar nicht tropfenweise (gutta, der Tropfen), aber in dünnem Strahle (Abb. 106) herausfloß) für das Bad gegründet. 1688 beklagten sich die Glasmacher daselbst beim Grafen von Fürstenberg, weil die Glashütten der Klöster St. Blasien und St. Peter im Schwarzwald die Gläser billiger lieferten und die Hütte in Seebach dadurch sehr benachteiligt würde[338]. Das Rastenberger Wasser wurde 1696 im Waldenburgischen, mit Wachs verwahrten Flaschen verschickt[401]. Der Versand des Emser Kränchens geschah in Krügen, die 1859 noch mit einem Stopfen Leder oder Pech verschlossen wurden[339]. Die sogenannte Krugbäckerei befand sich im Dorfe Arzbach bei Ems, wo sie 1750 von drei Gebrüdern Gerharz eingeführt wurde und seitdem in den Händen von deren Nachkommen war, die fast die Hälfte der Dorfeinwohner ausmachten (1862)[340]. 1627 trank man in Ems einen von ~Tabernaemontanus~ 1581 gepriesenen dortigen Sauerbrunnen nicht mehr und auch, bei Tisch wenigstens, nur selten das Emser Wasser, sondern auswärtige Sauerbrunnen, Braubacher und Denkholder[358]. Selters (Sältz) wurde 1720, schon wenige Jahre nach seiner Bekanntmachung durch den Leibmedikus ~Gundelsheimer~ verschickt, zur selben Zeit auch Karlsbader Wasser[402]. 1603 gingen zweihundert Flaschen Spawasser nach London, später ebenso viele nach Mantua; die Gemahlin Heinrichs IV. trank es zu Monceaux[70]. Von Pyrmont wurden jährlich sechzig- bis achtzigtausend Bouteillen die Weser hinab nach London geführt. Die Engländer hatten dieses „kräftigste“ Stahlwasser in ihre Materia medica eingeführt (1733)[343]. Um die Zersetzung mancher Wasser zu verhüten, trieb man 1826 einen Nagel durch den Pfropf bis ins Wasser. Im gleichen Jahre schlug ein Dr. ~Hecht~ in Franzensbad für diesen Zweck den Zusatz von Kohlensäure durch „aufgefaßte kräftige Sauerteige“ vor[88]. [Sidenote: _Die Aachener Trinkbrunnen_] Auch das Wasser von Pfäfers wurde im 19. Jahrhundert in größerer Menge nach Deutschland, Italien und Frankreich versandt[419]. Man ließ also mit vielen Kosten reines Quellwasser kommen. Ob es gewärmt getrunken wurde, wird nicht angegeben. Dagegen trank man Aachener Wasser nur warm. Der Badearzt ~Blondel~ schlug 1688 auch den kalten Gebrauch vor, hatte aber schon heftige Angriffe zu bekämpfen, die sich gegen das Trinken von warmem Aachener Wasser richteten und es „gantz von der übung der medicin außgeruttet“ wissen wollten. ~Blondel~ selbst bezeichnet das Trinken in Aachen als neuen Brauch. Der Magistrat scheint kurz vorher den ersten Brunnen (Abb. 107) auf freier Straße errichtet zu haben, was dem nicht fernliegenden Spa anscheinend unangenehm war. Der Brunnen wurde von einem „Sprung“ (Quelle) des Corneliusbades gespeist, das Wasser mußte gepumpt werden. ~Blondel~ schlug noch vor, wärmere Sprünge aus dem Kaiserbade in ähnlicher Weise zu verwenden[409]. Ein zweiter Brunnen kam auch später zur Ausführung, wenn auch nicht in der von ~Blondel~ vorgeschlagenen Art (Abb. 108), sondern als laufender Brunnen (Abb. 109)[410]. Kurz vor 1736 bestand dieser allein noch, war aber umgebaut worden (Abb. 110) und zwar aus den Überbleibseln des ersten Brunnens, den man abgerissen hat. Das Standbild der Jungfrau Maria (Abb. 107) war mehr als einmal die Veranlassung zu bitteren Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten gewesen[263]. Während wir in anderen Bädern gleich in oder beim Bade meist eine Röhre zum Trinken finden, mußten die Aachener Kranken zu dem Corneliusbrunnen über die Straße gehen. Für Leute, die an das Haus gefesselt waren, schrieb ~Blondel~ eine besondere Verschickungsart vor. Es sollten „dupele Gläserne Flaschen“ genommen werden mit engem Hals. Durch steinerne ginge die Kraft, in ihnen bliebe auch der Wüst stecken. Nach der Ankunft sollten die Flaschen uneröffnet in einen Kessel mit kaltem Wasser gelegt und in diesem erwärmt, danach im warmen Wasser in einem Holzkübel bis zum Gebrauch aufbewahrt werden (Abb. 106)[409]. [Illustration: Abb. 109. Neuer Trinkbrunnen in Aachen 1727. (Nieuwe warme Fontein op alle vier Hoeken Water geevende.) Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727.] [Illustration: Abb. 110. Ansicht des warmen Brunnens auf dem Markte zu Aachen. 1. Der Brunnen, wo man trinket. 2. Der Spazierplatz. 3. Das Herrenbad. Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam 1736.] [Sidenote: _Badebekleidung_] Eng mit den Ansichten über den Badeausschlag hing die Bekleidung im Bade zusammen. Es ist verständlich, daß man nach Auftreten der Hautentzündung, die beim Karlsbader Wasser sogar zu eiternden Geschwüren führte[350], die Körperoberfläche mit möglichst wenig Stoff in Berührung brachte. Deswegen die so eng bemessene Bruoch (Badehose) der Männer auf dem ~Dürer~schen Bilde (Abb. 138), wie sie im gewöhnlichen Leben den Abbildungen nach nicht getragen wurde[L], deswegen die von ~Poggio~ beschriebenen Hemden der Frauen, die Brust, Schultern und Rücken frei ließen und lange Schlitze an den Seiten hatten (Abb. 100). Vielfach erscheinen auch die Frauen mit einem mehr oder weniger leicht umschlungenen Tuche, das häufig sogar beiseite gelegt ist (Abb. 102). Gewiß ist die Absicht der Künstler nicht zu verkennen, in den Badeszenen möglichst reine Akte darzustellen, wodurch das Treiben auf den Bildern anstößig erscheint. Aber auch auf den alten Siegeln von Baden (Abb. 52), auf dem Bild zu ~Foltz~’ Wildbädern, wo die Geschlechter getrennt sind (Abb. 114), sitzen die Frauen nackt, und ähnliche Darstellungen in ~Sebastian Münster~s Cosmographey (Abb. 111) wurden in einem auf der Züricher Stadtbibliothek befindlichen, von ~Hugo von Amerongen~ im Auftrage der Inquisition korrigierten Exemplar[351] nicht anstößig befunden, während man ziemlich harmlose Stellen überklebte, z.❆B. das ganze Kapitel über Kaiser Ludwig den Bayer, oder an Stelle von „Dominus Calvinus“ „Studiosus quidam“ setzte[455]. Die Männer in der Bruoch, die Frauen im Badhemd, so befanden sich wenigstens die Armen im gemeinsamen Bad bis ins 19. Jahrhundert (Abb. 46 u. 140). Nach ~Poggio~ legten die Männer, wenn sie in Frauenbäder gingen, den Bademantel um. Mit diesem bedeckt stieg man ins Bad und ging mit ihm heraus (Abb. 137). Die Glotterthaler Badeordnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb vor: „Item es sollen die Mann in jren Niderklaidern zu vnd vß dem Bad gehn, auch die Hembder oder Badmentel, biß sie in dem Casten nidersitzen wollen, anbehalten“[330]. Ob im 16. Jahrhundert die Frauen außerhalb des Bades über dem Badhemd einen Bademantel trugen, wird nicht angegeben. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts schritten die Armen, Frauen und auch Männer, in Baden aus den Gasthöfen zum Verenabade nur im Hemd über die Straße[424]. 1819 rügte ~Wetzler~, daß auch junge Mädchen im nassen Hemd zum Gasthof zurückgingen[370]. Beim Freibade zog man sich auf offenem Platze aus[424]. [Illustration: Abb. 111. Mineralbad. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.] [Sidenote: _Badebekleidung und Badewäsche_] Vor dem Anlegen des Bademantels trocknete man sich im 16. Jahrhundert wahrscheinlich nicht ab. Anders im 17. Jahrhundert. Da nahm man 1689 nach Pfäfers an Leinwand mit: „Badttücher, Badhößlein, Bad-Mäntel drey“, als dienlich wird angegeben „1 langer Beltz oder sonst warmer Bad-Mantel“[428], 1665 ein bis drei Badtücher oder Schürzen, bequeme „schlaffhosen“ von Leinwand, doch mit dem Schlitz an der Seite und anstatt des Bandes mit einem paar Haften, weil die Bänder nach dem Bad schwer zu lösen seien, und einen oder zwei Bademäntel mit Ärmeln[456]. ~Ritter~ läßt 1696 mit dem Bademantel abtrocknen und im Nachtrock ins Zimmer gehen[M][411]. Im 17. Jahrhundert legten die Männer, wenn sie mit Frauen badeten, auch im Bade den Bademantel um. In Österreich war das schon im 16. Jahrhundert Sitte. Im Tobelbade bei Graz wurde 1549 verordnet: Es soll „ein Herr oder ander Person (also Mann)“, „sonderlich, so das Frauenzimmer vorhanden, an (ohne) ain Pfaidtn mit ainen ..... guertl umbpunden“ nicht in den Ursprung (anscheinend Bassinbad bei der Quelle) gehen oder im Vollbad sitzen[84]. „Ayn padphayt“ ließ sich 1428 der Propst von Klosterneuburg für 46 dn anfertigen und kaufte in Baden bei Wien ein „femural“ für 11 dn[16]. Aus den Preisen geht hervor, daß „padphayt“ ein größeres Wäschestück als die Badehose und wahrscheinlich der Bademantel ist. Auch hinterließ in Wien 1413 eine Jungfer „ain welische patphait“[16]; wonach es nicht die Badehose sein konnte. ~Zeiller~, der selbst das Herzogsbad zu Baden bei Wien gebraucht hatte, beschreibt 1649 die dortige Badekleidung. Junge und Alte, Edel und Unedel, Manns- und Weibsvolk saß untereinander mit „angezogenen, vnd mit Fleiß dazu gemachten Badekleidern, Theils seynd nur in Hembder, vnnd Schlaffhosen (siehe Anm. S. 261 u. 262) angethan, die Männer mit bedecktem Haupt, welches sie im ein- vnd außgehen, entblössen, vnnd neben dem Gruß, das Bad gesegnen müssen; Das Weibervolck aber mit theils angethanen Vberschlägen, Zierd vnnd Schmuck vmb den Kopff auf Österreichische Manier gebůtzt .... lassen jhnen den Saum an den Badröcken, mit Bley einnehen, damit solche nit vbersich schwimmen können“. Es wurde, wie ~Zeiller~ bemerkt, Ausschlag gebadet[371]. [Illustration: Abb. 112. Das Herzogsbad zu Baden bei Wien. Titelkupfer aus: Beschreibung deren Gesundheits-Bädern Baaden, Teutsch-Altenburg und Pyrenwarth. Nürnberg 1734.] Im 18. Jahrhundert sehen wir (Abb. 112) in Baden bei Wien niemanden mehr in Badehosen[448]. 1758 gibt ~Moser~ folgende umständliche Beschreibung vom „Bad-Geräthe“ für das Wildbad: „Eine Manns-Person von einigem Stand hat ohnehin einen Schlafrock, Kappe und Pantoffeln; brauchet also nur noch ein Bad-Hembd. Dieses machet man wie einen fast auf die Erde gehenden Schlafrock, mit offenen, (welches besser ist) oder mit beschlossenen Ermeln, und oben mit einem Kragen und Knopf. Hinten werden mitten in dem Rücken 2 Bändel einer Ehle lang angenähet, mit welchen man so dann das Bad-Hembd zuknüpfet. Weißes zartes Tuch schicket sich nicht darzu, weil es sehr an dem Leib klebt, und dadurch dessen ganze Beschaffenheit zeigt; sondern man nimmt ungebleicht oder gar hänfen Tuch darzu. Weibs-Personen lassen sich auch ein solch Bad-Hembd machen: Andere thun kein Hembd an, sondern bedecken den Ober-Leib mit einem Capuciner-mäßigen Ober-Mantel, oder Saloppe, so dann bedienen sie sich eines ungefüterten Unterrocks von baumwollen Zeug oder Barchet; wiewohl Einige wahrscheinlich meinen, die Krafft des Bad-Wassers werde durch die Dicke des Barchents mercklich geschwächt“[332]. Nach ~Gessner~ trugen 1746 die Frauen auch Röcke und Mäntel von Barchent „nebst“ dem Badhemd und die Männer lange, weiße Badhemden „so als ein Schlaffrock“. Man ging im Schlafrock über die Straße zum Bad[335]. Bei reichen Leuten waren die Badhemden mit Spitzen geziert, und nach den Handzeichnungen ~Vogel~s von 1820 im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich reichten die der Frauen bis zu den Zehen. Sie wurden nach ~Hess~’ Bericht[315] als Paradestücke im Anfang des 19. Jahrhunderts zu den Fenstern der Gasthöfe zum Trocknen hinausgehängt (Abb. 46), was auch in Wildbad den Badegästen ein Bedürfnis gewesen zu sein scheint, denn die dortige Badeordnung vom Jahre 1828 verbot das Trocknen der Bademäntel, Badehemden und Abtrocknungstücher auf dem öffentlichen Marktplatze vor den Badegebäuden[325]. [Sidenote: _Mitführen des gesamten Haushaltes in das Bad_] Es wurde schon erwähnt, daß die Besitzer der Höfe in Baden (Schweiz) den Gästen nur Wohnung und Bad zur Verfügung stellten. Man zog allgemein, wie ~Ryff~ 1549 berichtet, mit ganzen Haushaltungen ins Bad[48]. In Baden (Schweiz) erhielt man noch 1786 mehrere Zimmer, eine dabei gelegene Badehalle, eine Küche und einen Keller[415]. Die Badegäste kauften auf dem Markte in der Stadt Baden (im Bade selbst war es verboten) Nahrungsmittel ein, kochten selbst, den Wein brachte man von Hause mit[32]. So war es in den meisten Kurorten. In den Beschreibungen wird fast immer angegeben, daß kein Mangel an Essen und Trinken sei und man in den benachbarten Orten gut einkaufen könne. So gibt ~Pictorius~ 1560 für Badenweiler die Stadt Neuenburg an[152]. 1747 konnte man dort noch selbst kochen und brachte insgemein die Betten mit[352]. Aber schon 1485 finden wir ein Abweichen von dieser Lebensweise im Bad. Nach der Badeordnung von Meinhardt in Württemberg aus dem genannten Jahre war wohl das Selbstkochen gestattet, und der Wirt durfte niemand drängen, es zu unterlassen. Man mußte aber zwei Pfennig Liegegeld für die Nacht zahlen, wer nach dem Pfennigwert aß (die Speisen einzeln bezahlte), nur einen Pfennig, und wer das Mahl beim Wirt nahm, gar nichts[53]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts konnte man in Wiesbaden die Speisen selbst richten, in Schlangenbad litt es der Wirt nicht. Sein Wein war aber so schlecht, daß die Badegäste ihren eigenen mitbrachten[407]. Im allgemeinen nahm man im 18. Jahrhundert wenigstens Betten von Hause mit, ins Wildbad noch 1832[325]. [Sidenote: _Baden ganzer Familien_] Das Verlegen des gesamten Haushaltes in das Bad brachte Nachteile mit sich, die trotz öfteren ärztlichen Hinweises nicht beachtet wurden. So sagt ein Bericht aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts von Baden: „Oft aber, wenn auch nur ein oder zwei Glieder des Hauses kurbedürftig sind, machen die Übrigen aus Sparsamkeit die Kur mit, um nicht die Kosten zweier Wirtschaften, einer bei Hause und einer zweiten im Bade, zu tragen, und gehen nicht selten, nachdem sie gesund angelangt waren, halb krank heim“[32]. Und ~Scheuchzer~ schreibt 1732: „Da werden ganze Familien versorgt mit Zimmern, Küche, Keller, Tisch- und Bettzeug, Holz- und Küchengeräten nebst eigenen Bädern. Großer Mißbrauch wird damit getrieben, daß ganze Haushaltungen gleich streng, gleich lang baden ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Ratet man einer Hausmutter das Bad, so muß die Tochter, der Sohn, die Sohns-Frau und deren Kinder die Bader-Cur auch genießen“[355]. Noch im 19. Jahrhundert nahm man die Kinder mit in das Bad, und wie aus Abb. 113 hervorgeht, auf längere Zeit[353]. [Illustration: Abb. 113. Familienbad zu Baden im Aargau. Kupfer nach ~Martin Usteri~ von ~F. Hegi~ aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich 1808.] [Sidenote: _Der Meistersinger Hans Foltz über die deutschen Bäder_] Gegen 1480 wurde in Nürnberg ein Gedicht des Meistersingers und Barbiers ~Hans Foltz~ gedruckt[37], das 1504 in Straßburg einen Neudruck[12] erfuhr und eine poetische Bearbeitung der Baderegeln ~Petrus’ de Tussignano~ enthält, zwischen die eine Beschreibung von warmen Bädern eingeflochten ist (Abb. 114). Uns interessieren neben dem französischen „plumbers“ die deutschen Bäder: „baden jn der marck grofschafft“, „ein bad bey mentz genant wißbaden“. „Zuo Ems ein bad do selbest vmb Wer bades halben do hin kum. Ist mer vmb lust dan vmb gesunt.“ „Ein bad bey kalb gelegen nho. Genant jm swartz wald dz wilpad.“ „Bey kur nit ferr ein wilbad ist. Leyt bey sant benedicten wist. Genant pfeffers diff jn einer krufft Do tages licht noch windes tufft. Gar fast wenig gemerckt wirt Das bad wünderlich hilff gebürt Vnd wird für vil ander gepreist. Großer hilff halb die es beweist. Ist fein lauter wie ein cristal. Sie kochen vnd drincken sein all Vor grossem wol gesmack vnd güt Es krefftigt hertz, sel vnd gemüt. Vnd hat nie nymant wee getan. Dint auch eins yder complexian. Es fleüst von lauter goldes ertz. Nymant hat do verdriß noch smertz Veriagt allen vnlust vnd grawen. Dint kalt vnd heissen man vnd frawen Dewt wol all speis dz sie nit schat Wer den smertzen padagran hat Mit allen den geschlechten sein Dut es offenlich hilffe schein. Lüfft dem gehörd dint dem gesicht Vnd waß man sunst von flüssen spricht Treybt auch auß all vnreinigkeyt Die sich jm gantzen lieb auß breyt.“ „Ein bad jn zweitz zuom walles heist“ (Leuk), „bey kalb ein bad zuo zell genant“ (Liebenzell), „ein bad bey eger zuom elnbogen“ (Karlsbad). „Noch ist ein bad jn öbern swaben Dut man für diese alle loben. Hertzogen baden man es nent. Wunsamer bad wart nie erkent. Des lusts glich sind man jn keim bad Von wannen jm her kum die gnad Kunt nie kein weiser auß studirn. Man meint dz ein sunders gestirn Ein sülchen jnfluß do hin hab. Das do kein freid nümer ge ab Im herbst vnd meyen zuo vor auß. Do wart nie zweiung oder strauß. Von wan falck dar kumpt auß eim lant Oder waß sprach jm sey bekant Er sey reich arm oder ein paur. Wie schon suptil wi grober knaur Münsch pfaff, fürst, grof, oder frey Von wan er kum vnd wer er sey Wirt allß vereinet jn eim plick. Do macht sich mancherley geschick Von essen, trincken, tantzen, springen Stein stossen, lauffen, fechten, ringen Seiten spil, pfeiffen, singen, sagen. Ein ander von vil sachen fragen. Lib kosen halsen vnd sunst schimpfen Künen sie ein ander alls gelimpfen. In wisen gerten sich ermeyen. In weld vnd zuo den prunen reyen Nymant den andern hasset nicht Spürn waß eclesiastes spricht. In frölich vnd fryem gemüt. Ein lust grünendes allter plüt. Gedencken auch vnd sehen an. Den spruch den spricht der saloman. Die trauikeit mit irem gewallt Macht mager geruntzelt allt. Dar vmb zuo wundern ist von aln Den dise ding also für valn Das geistlich vnd keiserlich recht Verpitung thun bey schweret echt. An vil enden der welt gemein Nit jn den wilpaden allein. Sunder jn allen sammungen gar. Gesündert seint der frawen schar. Von manen auch die jungen geselen Von jungfrawen bilden, vnd ertzelen Manch bös vrsachen vil dar bey. Des halb sint zuo gelossen frey. Gemeine weib, groß zuo bewarn[N] Dz sunst der mensch möcht über farn Nicht sprich jch das jn disem bad Imant gesche einiger schad. Eren halben das sprich jch nicht. Sunder der al ding weiß vnd sicht Vnd durch die jnflüß der natur. Lest würcken jn sein creatur .... Dar vmb ob jm gemelten bad. Sich alles folck zuo samen lad. In fruntschaft such freid vnd schimpf Wer wolt das als zuo vngelimpf Als bald verkern, so doch nymant In sülchs bis her zuo argem want Lentlich ist sitlich hört jch ye Des gleichen las man bleipen sy. Denoch ist ye zuo loben bas. Kürtzweilig freid mit mitler mas In lib vnd früntschafft für genomen.“ [Illustration: Abb. 114. Mineralbad. Titelholzschnitt zu: ~Hans Foltz~, Gedicht von den naturheißen Bädern.] [Illustration: Abb. 115. Badehalle in Aachen 1736. (Die Art, wie man sich badet.) Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam 1736.] [Sidenote: _Vorteile der blutwarmen Bäder_] Wir erfahren hier auch von ~Foltz~, daß Baden über alle Bäder zu loben ist, nämlich als Luxusbad. Als Heilbad steht Pfäfers trotz seiner unangenehmen Lage obenan. „Vnd hat nie nymant wee getan Dint auch eins yder complexian“, dessen können sich nicht viele Bäder rühmen, wenn es auch für Pfäfers eingeschränkt werden muß. Die meisten ließen nicht alle Komplexionen (Konstitutionen) zu. Von Wiesbaden sagt ~Foltz~, daß es den Colericis bald schaden bringe. Der Grund liegt in der Temperatur. Pfäfers Wärme ist gleich der des menschlichen Blutes, aus demselben Grunde war auch das Wildbad im Schwarzwald hochangesehen und viel besucht. Die Redensart „Eben recht wie das Wildbad“ erwähnt schon ~Leucippaeus~ 1598[431]. Ein Teil der Thermen war zu heiß[O] und mußte vor dem Gebrauche abgekühlt werden — die Aachener Bassinbäder (Abb. 115) erforderten fünfzehn bis achtzehn Stunden[409] —, andere nicht warm genug (z.B. Liebenzell) und mußten erwärmt werden. In beiden Fällen gelang es nicht, einen andauernd gleichmäßig warmen Strom hervorzubringen und bei längerem Gebrauche war während des Badens ein Zusatz von heißem Wasser erforderlich (Abb. 116). Um vieles mehr waren die Bäder, die ganz und gar gewärmt werden mußten, im Nachteil, und ihr Emporkommen zuungunsten anderer, z.❆B. des Wildbades, verdanken sie zum Teil einer geschickten Reklame, die der unserer heutigen Zeit kaum nachstand. [Sidenote: _Bäderreklame_] Mit dem 16. Jahrhundert beginnt eine enorm große Bäderliteratur, meist in Buchform. Neben der eingehenden Schilderung des Bades, einer möglichst weit zurückgehenden Geschichte, sind Verordnungen über den Gebrauch des Bades bis ins kleinste angegeben, daneben oft zahlreiche Krankengeschichten, natürlich nur mit Erwähnung der geheilten Fälle, und mehreren Gedichten, die das Bad und noch öfter den Beschreiber des Bades in der Regel als Wohltäter des Ortes oder der Menschheit preisen. Der Wert der Krankengeschichten wird am besten durch folgenden Vorfall beurteilt: Über Dr. ~Gessner~, den Herausgeber mehrerer Monographien über die Bäder Württembergs, wurde in den Leipziger gelehrten Zeitungen wegen seiner „Zaysenhauser Bad-Beschreibung“ ein „nichtallzu gütiges Urtheil, in Ansehung der Observationum practicarum“ gefällt, „und hat der Hr. Censor selbige in sehr aequivoquen terminis, als ein Mittel, Pfuscher in der Medicin zu machen, angegeben“. ~Gessner~ entschuldigte sich 1748 damit, die Observationes wären nicht seine, sondern anderer Leute Arbeit und er habe sie selbst als unvollkommen bezeichnet. Weder er, noch der Verleger habe sie mit gutem Willen beigesetzt, „da es aber von andern ansehnlichen Orten expresse verlangt worden, hat man sich dessen nicht entschlagen können, und solches als suspensam hederam angesehen“[372]. Manche Bäder gaben auch auf einzelnen Bogen gedruckte Empfehlungen heraus. Ein solcher von Baden in der Schweiz vom Jahre 1619 ist 80 cm lang[322]. Antegast ließ noch 1704! ein Plakat für seinen Sauerbrunnen aus ~Tabernaemontanus~’ Neu-Wasserschatz abdrucken[323], der 1580 geschrieben wurde[324]. Waren die dort niedergelegten Ansichten auch ganz veraltet, sie waren empfehlend, und das genügte. Dazu wurde auf den Bogen statt 1580 1505 gesetzt, um den Gebrauch des Brunnens noch ein wenig älter erscheinen zu lassen. [Sidenote: _Das gemeinschaftlich genommene Mineralbad_] Ein großer Nachteil erwuchs den Thermen mit indifferenter Temperatur durch ihre Lage. Sie konnten sich nicht zu Luxusbädern entwickeln. Das württembergische Wildbad wird zu Anfang des 19. Jahrhunderts in den meisten Brunnenschriften, selbst in der von ~Hufeland~ in drei Auflagen nicht einmal erwähnt[354]. Da war es ~Justinus Kerner~[325], der 1832 warm für die Heilkraft der genannten Bäder, besonders des Wildbades eintrat und zugleich eine Lanze, wohl die letzte, für die alte Gebrauchsart der Bäder brach. Im 19. Jahrhundert eiferte man gegen das gemeinschaftliche Baden in Bassinbädern und bereitete ihm auch mit wenigen Ausnahmen ein schnelles Ende. Schon 1758 nennt es ~Moser~ (Wildbad) für manche scham- und ekelhafte Personen einen der allerbeschwerlichsten Punkte[332]. ~Hottinger~[373] wußte 1702, daß in Baden in der Schweiz der weiße Fluß der Frauen nicht nur vertrieben, sondern auch erworben wurde und nicht nur durch zu heißes Baden, sondern auch durch Zusammenbaden mit Leuten, die damit behaftet waren. Auch ~Scheuchzer~ hebt es 1732 hervor[355]. Die alten Ärzte gingen darüber leicht hinweg. ~Leucippaeus~ sagt 1598 vom Wildbad, es säßen viele beieinander „als in einer Kirchen oder Keller“, keine Ansteckung erfolge durch den anderen, „dieweil des wassers natur nichts vnreines annimt“[431]. Im 19. Jahrhundert mehrten sich aber die Stimmen, die eine Ansteckung annahmen, dazu kamen andere, die auf eine Gefährdung der Sittlichkeit hinwiesen[370]. Auch das Wildbad konnte nicht mehr zurückbleiben und führte Wannenbäder ein[P]. ~Justinus Kerner~s Stimme verhallte umsonst. Die Zukunft zeigte, daß Wildbad recht daran getan hatte; denn schnell kam es zur Blüte. ~Kerner~s Auffassung ist so eigenartig, daß ich sie widergebe: [Sidenote: _Justinus Kerners Eintreten für das gemeinschaftliche Baden_] [Sidenote: _im fließenden Mineralwasser_] „Vor vielen Bädern und namentlich auch vor dem benachbarten Baden haben die Quellen des Wildbades auch das voraus, daß zu ihnen nicht leicht jemand wandert, der nicht wirklich erkrankt ist, oder der nur der Welt und ihrer Lust fröhnen will. Zum Glücke ist hier die Natur so sehr von Granit, daß sie den Bestrebungen der Menschen, sie den Wünschen der verweichlichten Menge mehr anzupassen, stets widerstrebt. Hier sprudeln einzig Heilquellen, hier sind keine Farobänke, keine Schauspielhäuser, keine üppig besetzten Tafeln. Wer den Tumult der Menge liebt, wen nur die Langeweile aus der gewohnten Lage treibt, wer meint, er müsse jährlich in ein Bad, weil es die Mode so will, der bleibe doch, um Gottes willen! fern von dieser, nur dem Kranken geweihten, Stätte, sie würde seine Langeweile, seine Leere nur vermehren. Zu diesen segenvollen Quellen aber komme der wirklich Kranke mit Liebe und Vertrauen, und hält er sich hier an die so einfache, unverweichlichte Natur, richtet er seine Lebensweise dieser gemäß ein, wird er auch Heilung oder Linderung seiner Leiden finden. Der, dem es Ernst ist, hier zu gesunden, der nicht bloß mit diesen Wassern sein Spiel treiben will, der hat vor allem zu bedenken, daß nur eine einfache Lebensweise, kräftig und naturgemäß, der stillen und einfachen Größe der Natur dieses Heilorts entspricht. Mit Betrübniß muß man sehen, wie solche Stätten, die die Natur einzig zur Heilung kranker Körper bestimmte, so oft zu ihrer Vergiftung, durch die unnatürliche Lebensweise an ihnen, mißbraucht werden. Noch scheinen, besonders auch in den Bädern unseres Vaterlandes (was hauptsächlich aber auch noch in dem benachbarten Baden-Baden der Fall ist), die Tafeln der Wirte die Hauptsache zu sein, die Quellen die Nebensache. Ahme man doch hier Bäder des Auslandes von größtem Rufe nach, wie z.❆B. das Marienbad, das Karlsbad, wo die Wirtstafeln den Quellen, die Wirte den Ärzten, untergeordnet sind .... Hört man doch meistens auch die Esser, die von solchen übervollen Tafeln mißmutig und träge aufstehen, im Gefühle ihrer Übersättigung, dem Wirte zum Danke, noch über alles, was sie gegessen, nur schimpfen! Dem war die Trüffelpastete zu wenig pikant, jenem das schwarze Wildbret als zahmes verdächtig; der schimpft, daß der Aal in zu kurzen Stücken aufgeschnitten, und jener, daß die Gans nicht mit Kastanien gefüllt gewesen, und wieder ein anderer meint, daß er das Alles da oder dort um die Hälfte des Preises wohl besser und reichlicher gefunden habe .... In diesen Bädern des Wildbades ist keines Menschen Nachhülfe nötig, weder kaltes noch warmes Wasser wird mühsam in diese Bassins getragen (Vgl. Abb. 116), ganz so, wie der Wärmegrad dem oder jenem Körper am angemessensten ist, als hätte die Natur diese Quellen zu nichts anderem, als zur Heilung kranker Körper, von Anbeginn bestimmt (man kann nämlich mit diesem Wasser weder Hühner noch Schweine brühen) steigen sie aus der geheimnißvollen Werkstätte wohlthuender Geister herauf. Die lebenerweckende, gleichförmige Verbindung dieses Wassers mit Wärme kann, glaube ich, kein Thermometer so schön darthun, als das Experiment sie darthut: daß Hühnereier beinahe zum Ausbrüten in ihm gebracht werden können. Neben diesem immer gleichen Temperaturgrade haben die Bäder des Wildbades wohl auch noch diesen Vorzug, — daß ihr Wasser ein lebendiges fließendes ist. Wer in diesen Bädern badet, der badet in einem natürlich warmen Flusse: denn dieses gerade aus seinen Felstiefen entsprungene Wasser ist über dem reinen Flußsande in beständiger Bewegung, in einem beständigen Ab- und Zuflusse. Der Badende sitzt umwallt von immer sich bewegenden, krystallhellen, lebendigen Quellen, die soeben das Licht des Tages begrüßen, umspielt von dem unaufhörlich unter ihm in großen Blasen aufperlenden mit Wasserdämpfen geschwängerten Gas. Ein solches Baden verdient in Wahrheit erst ein Baden genannt zu werden. Wie arm und höchst notdürftig (auch bei seiner geringen Wassermenge) ist dagegen jedes Zuberbad, das Röhren oder Menschenhände von seiner Geburtsstätte tragen, mit kaltem Wasser vermischen, das in toten Gefäßen gebunden steht und bei dem das Thermometer immer beschäftigt ist, eine gleichförmige Wärme anzuordnen, die doch bei aller Sorgfalt nicht erhalten werden kann! .... Das gemeinschaftliche Zusammenbaden trägt auch vieles zur Unterhaltung bei, man spricht gemeinschaftlich über die Gefühle im Bade, über seine Wirkung; der Hypochondrist vergißt seine Grillen; der Gichtkranke seine Schmerzen; der an der Heilung schon fast Verzweifelnde schöpft neuen Mut und neue Hoffnung, indem er einen Andern die wohlthätige Wirkung des Wassers preisen hört .... Die Bäder des Wildbads sind, wie schon öfters gesagt, warme Flüsse. Somit vereinigt sich in diesen Bädern, als in einem Brennpunkt, alles, was je ein kranker Organismus von der Heilkraft eines reinen, lebendigen Brunnquells und einer immer gleichen Naturwärme zu erwarten hat. Und wie ein schöner Frühlingstag, an welchem das Licht der Sonne im Bunde mit dem reinsten Äther uns umströmt, fachen sie selbst im Greise wieder neues Leben und frische Jugend an. Harmonisch, ungetrübt und wohlthuend ergießen diese frommen Nymphen ihre Wasser, und Segen werden sie gewiß auch dem bringen, der die Stufen ihrer Tempel mit Liebe und Glauben betritt.“ [Illustration: Abb. 116. Mineralbad aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Gleichzeitige Radierung im germanischen Museum zu Nürnberg.] „Der Wasser gute Geister singen Hier aus krystallnen Tiefen laut: „Bald werden Dem wir Heilung bringen, Der liebend unsrer Kraft vertraut“. Wie Lenzeshauch wird’s Dich durchbeben; Frag’ nicht, wie diese Kraft man heißt; Du kehrst ein neuer Mensch ins Leben Und sprichst: Das that des Wildbads Geist!“ Nach diesen Ausführungen ist es verständlich, wenn ~Kerner~ das Zuberbad von Wildbader Wasser nicht mehr ein Baden im Wildbade nennt und die zu seiner Zeit errichteten Badekufen nur für warme Bäder mit Zusätzen von Steinsalz, Schwefelleber, Sublimat und aromatischen Kräutern gebraucht wissen will[Q]. [A] Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auch die nachmittelalterliche Zeit einiger Mineralbäder hier gleich besprochen worden. [B] Die Unterschrift lautet: „Die fissirung Jst nit die recht groß sunder Ein meinung dor vonn man muß den prunnen vnd Berckwerck nach machenn Bey maister pancraz findt man wol aller ley gattung dor zue nur das man dor noch fein zusamen richt vnd ordennir.“ ~Konrad Lange~ identifiziert den Meister Pancraz mit Pancraz Labenwolf und nennt die Zeichnung den „Entwurf zu einer bronzenen Brunnenverzierung, die offenbar bestimmt war, in der Werkstatt Labenwolfs ausgeführt zu werden“. Diese Mitteilung verdanke ich der Generalverwaltung der königlichen Museen in Berlin durch Herrn von Loga. Von ~Pancraz Labenwolf~ († 1563) stammen in Nürnberg der Gänsemännchenbrunnen und der Brunnen im alten Hofe des Rathauses. [C] Omnes de circo, de theatro, de stadio, et omnibus locis et balneis, meretrices collegit in aedes publicas, et apud eas concionem habuit quasi militarem, dicens eas commilitones, disputavitque de generibus schematum et voluptatum. Ael. Lampr. Heliogab. 25. in Script. Hist. Aug. (Lips. 1774) p. 194. [D] Verenda et nates, sagt der geistliche Begleiter eines Papstes auf ein Conzilium ohne alle Umstände. [E] Von ~Pantaleon~ wird sie 1578 nicht erwähnt[35]. ~Hess~, der sie genau untersuchte, verlegt ihre Entstehung in die erste Hälfte des Mittelalters. Die Heilige war mit Laugenkrug und Strehl (Kamm) dargestellt[315]. So findet sie sich schon auf einem Bild in der Klosterkirche zu Kappel aus dem 14. Jahrhundert[345]. Durch diese Attribute hat sie in der Volkssage vieles gemeinsam mit Frau Holle. Stäfa am Zürichsee führt ihr Bild, auch mit Krug und Kamm, heute noch im Wappen. Hier soll die Heilige der Legende nach den Armen viel Gutes getan und den grindigen Kindern die Köpfe gereinigt und gekämmt haben. Sie heißt heute noch „Vreneli mit dem Strehl“. Ihr waren in der Gegend zwei Kapellen geweiht, von denen uns die eine „in den Wannen“ auf der Berghöhe gegen Ötweil zu interessiert. Sie lag bei den Quellen des Wannenbades, von welchen noch kurz vor 1818 Überbleibsel zu sehen waren[315]. Dies war einst weit berühmt. 1538 besaß Peter Wysling von Ötweil „zu Eigen das Kilchli mit sammt dem Bad genannt in der Wannen“. Das Kirchlein führte den Namen „zur heiligen Jungfrau zur Wannen“[86]. Gegen 1768 wurde das Bad nach längerem Nichtgebrauche wieder eröffnet[419] und blieb bis in die siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts in Benutzung. Später leitete man das Wasser tausend Fuß weiter in die Krone zu Oberhausen, die 1842 einging[86]. In der Krone wohnte ~Goethe~ während seines Aufenthaltes in Stäfa. [F] In einem Fastnachtsspiele heißt es: „Ich han dich wol in großen eeren gsehen, Es ist iez by siben jaren bschehen, Zuo Zurzach an dem huorendanz: Darumb so treist du wol ein kranz; Dann da warend mee dann hundert huoren, (D)ie do all am danz da umbher fuoren; (Do) hast du da den gulden gwunnen, (Den) man der hüpschisten solt gunnen, (Den) der vogt von Baden gibt denn zmal (Der) hüpschisten in der huorenzal, Die denn zuo mal uff der Wißmatten sind“[12]. [G] ~Lersch~[70] gibt die Zahl der Kurgäste 1480, als Markgraf Christoph dort badete, auf dreitausend an. Wie aus einer späteren Stelle bei ihm hervorgeht, liegt eine Verwechslung mit Baden-Baden vor. [H] Die Ausschlagkur in Karlsbad wich überhaupt von der in anderen Orten ab. Nach Dr. ~Fabian Summer~ (1571)[347] biß das +laue+ Bad die Haut auf, das +warme+ heilte sie zu. In ersterem wurde bei täglichem Zunehmen mit der Badezeit bis zu zehn oder zwölf Stunden gestiegen. War die Haut aufgebissen, schlug ~Summer~ vor, einige Tage mehrmals eine Stunde lang in wenig wärmerem Wasser zu baden, so lange die Haut offen sei, darauf mit der Temperatur, aber auch wieder mit der Badezeit zu steigen, bis die Haut „widerumb zusammen wachse, gantz vnd fest möge werden“. Wie weit es sich um wirklich bestehenden Gebrauch oder um Vorschläge ~Summer~s handelt, läßt sich nicht entscheiden. Jedenfalls ist ~Summer~ im Irrtum, wenn er glaubt, die Ausschlagkur sei eine „gewonheit“ nur Karlsbads gewesen, ja sie erscheint nach seinen Auseinandersetzungen dort nicht als eine allgemein geübte Badeart, sondern mehr als eine Ausnahme, zu der namentlich die „Creusin-Quelle“ benutzt wurde, die deshalb den Namen „Fresser“ erhalten hatte. Als der Nürnberger Kaufmann Paumgarten 1591 in Karlsbad über vierzehn Maß Wasser getrunken hatte, wollte der Doktor, er solle alle Tage zweimal und je ein und eine halbe Stunde (!) nicht über dem Nabel im Wasser sitzen[248]. [I] Ausbaden heißt auch die Badezeit eines Tages oder auch die ganze Kur beenden. [J] ~Wetzler~ berichtet 1819, daß er zu Baden (Schweiz) vergeblich Ausschlag baden wollte[370]. [K] ~Rem~ badete aber im Wildbad 1525 und 1529 bei jeder Kur hundertsiebenundsiebzig, 1521 in genau vier Wochen hundertzweiundsechzig Stunden[265]. [L] Die Bruoch war ein Kleidungsstück, das mit den Hosen, unseren heutigen Hosenbeinen, zusammen der jetzigen Hose entspricht. Gut sichtbar ist diese Bekleidung im mittelalterlichen Hausbuche[150]. Die Bruoch wurde auch, wie aus Darstellungen plötzlicher nächtlicher Flucht in den Bilderchroniken hervorgeht, im Bett anbehalten, wodurch der Ausdruck Schlafhose verständlich wird. [M] Es scheint, daß die Badetücher oder Schürzen die Bedeckung der Frauen während des Bades im Gegensatz zu den Bade- oder Schlafhosen der Männer waren und man sich mit dem Bademantel abtrocknete, worauf man in einem warmen Bademantel oder Schlafrock das Bad verließ. [N] Diese Auffassung — Frauen und Jungfrauen zu bewahren — war im Mittelalter die Begründung für die Zulassung der öffentlichen Frauen (siehe S. 249). [O] ~Foltz~ sagt von Baden-Baden: „Wer jn sein flüß weich eyer leg Die sint dar jn gesoten schier“. Man verwendete auch praktisch die hohe Temperatur. Eine der Quellen in Baden-Baden wurde 1606 zum Brühen von Hühnern, Vögeln und Schweinen benutzt und danach „Brühequell“ genannt[362]. Auch ~Klüber~ erwähnt ihn und seinen Gebrauch 1810[405]. Mehrere derartig benutzte Quellen, die als Schöpfbrunnen gefaßt waren, lagen bei Burtscheid[409]. In Abb. 144 ist das Brühen der Tiere neben dem Karlsbader Sprudel dargestellt. [P] Nach ~Leucippaeus~ wurde 1598 in Baden-Baden im Gegensatz zum Wildbad nur in Kästen gebadet[431]. Sie müssen aber sehr groß gewesen sein; denn ~Ryff~ sagt in seiner Übersetzung zum Vitruv, daß unter Labrum nicht Kasten mit Wasser zu verstehen seien, wie man sie zu Wiesbaden und Markgrafenbaden habe. Dort seien sie mit Lehnen und Geländern versehen, daß man den Badenden zuschauen mag[466]. In Gastein führte man 1804 die großen Gesellschaftsbäder an Stelle der Wannenbäder ein, und hier wurde dies als zweckmäßige Neuerung begrüßt. Seit dieser Zeit hob sich der Verkehr in Gastein, zum Teil lag dies aber auch daran, daß die Kurgäste von da ab nicht mehr in den hölzernen Wohnhäusern (Abb. 121) Herberge nehmen mußten[344], die dann nach und nach verschwanden und zum Leidwesen manches Verehrers von Gastein modernen Steinbauten im Stile der Renaissance Platz machten, so daß 1858 der Maler ~Steinfeld~, von Rotschild zur Anfertigung eines Gemäldes aufgefordert, erwiderte: „Das kann und will ich nicht“[452]. Nach ~Wetzler~ badeten 1819 die Geschlechter zu Baden bei Wien, Gastein und Leuk gemeinsam. Einige Jahre vorher war in Baden bei Wien das gemeinschaftliche Baden verboten worden, allein das Verbot mußte auf Vorstellung der Einwohner zurückgenommen werden, da die Bäder unbesucht blieben[370]. [Q] ~Kerner~ macht an mehreren Stellen seinem Ärger über die neu errichteten Wannenbäder Luft. „Das gemeinschaftliche Zusammenbaden in diesem naturwarmen lebendigen Flusse und das Baden in stagnierendem Wasser in einer Kufe verhält sich zu einander wie ein gemeinschaftlicher Spaziergang in lebendiger freier Luft zu einem einsamen Sitzen in einer verschlossenen Stube.“ Und doch übertreibt ~Kerner~. Nach der Badeordnung von 1828, die ~Kerner~ selbst bringt, erneuerte sich das Wasser in den Badewannen beständig. DIE GESUNDBRUNNEN IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT / BIS ZUM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE[A] Sehen wir von ~Hans Foltz~’ens Gedicht über die Wildbäder ab, so beginnt die deutsche Bäderliteratur zu Anfang des 16. Jahrhunderts, zuerst mit einigen Monographien über Baden bei Wien, Karlsbad, Wildbad, Baden in der Schweiz; dann folgt das erste zusammenfassende Buch, der Traktat der Wildbäder von ~Laurentius Phries~, der freien Kunst und Arznei Doktor, gedruckt zu Straßburg 1519 von Johannes Grieninger[420], 1538 abermals von Bartholomäus Grieninger[676] und zum dritten Male im 16. Jahrhundert zu Straßburg bei M. Jacob Cammer Lander von Mainz[47]. [Sidenote: _Baderegeln von Laurentius Phries_] ~Phries~ fühlte sich nach der Vorrede bewogen, sein Buch zu schreiben, weil wegen unvernünftigen Gebrauches der Bäder oft großer Schaden erwuchs und glaubte durch sein Traktat mehr zu nützen „dann andere quotlibetische bücher, so man yetz und in tütsch der artzny zůschreibt, wie dann sunderlichs yetzund einer zůsamen gefügt hat widertige subiecta, dz ist hilff des menschlichen leibs vnd die lollbrüdery wie man den sterbenden vor betten sol“. Er rechtfertigt sich, daß er das erste derartige Buch in deutscher Sprache schreibt. „Wiewol etlich möchten sprechen das es gnůg wer so es die gelerten wissten, welches doch nicht ist, vrsach das der gemein nicht fůglich mag gehaben die gelerten, oder zů zeiten so vngehobelt das er nicht achtet rats zů pflegen. Auch anderer vrsach halb hie nit not zů erzalen.“ Andere die deutschen Bäder behandelnden Werke ähneln sehr dem von ~Phries~. Eine selbständige Stellung nimmt das von ~Paracelsus~[374] ein. Die Baderegeln, welche ~Phries~ gibt, sind die von ~Petrus de Tussignano~ und nur weiter ausgeführt. Vor der Abreise soll man nach dem Rat eines gelehrten Arztes den Leib durch Purgieren und Aderlassen reinigen. Dann fährt man ins Bad, wo man sich nach folgenden Regeln verhalten soll: „So du nun auß angezeugter ler verfasset hast ein bad dir dienende, auch den leib nach rat darzů bereitet. Ist auch not das du wissest wie du dich haltenn sollest so du wilt baden, welliches ich dir anzeigen will durch ettliche nachfolgende regulen. Die erst ee du in ein bad ziehest soltu schauwen das dein seckel geladen sei mitt gold vff das du mögest halten zimliche ordnung. Wann so bald das gelt ein ort hat, so hat auch die ordenung ein ort. Die ander regul, so du in das bad kummest solt du nicht eilends streng baden, sunders von tag zu tag ein stund zůgeben. Die drit regul, so du in hitziger zeit zů baden bist, das du nit badest wann die hitz groß ist, sunders morgens frů vnd abents, wann von hitz der zeit vnd hitz des badens würden die leib zů hart eroffnet vnnd geschwechet. Die fierd regul, die stund so du baden wilt sol sein die stund so die sonn vffgat, oder wennig daruon, wann zů der selbigen stund die sonn zů dem weitesten von vnserm halbteil des circuls gesetzt ist. Die fünfft regul, wan du in das bad gon wilt solt du dich vorhin reinigen von vberflüssigkeiten der stůlgeng, des harns, der speichelen u.❆s.❆w. wann du also in das bad giengest, würden die vberflüssigkeiten gezogen in die schwachen glider, vnnd darinnen machen verstopffungen vnnd geschwer, darumb ein yeglicher badender oder der da badet sol lůgen vnnd achtenn das er gereiniget sei durch die natur oder von kunst. [Illustration: Abb. 117. Titelholzschnitt von E. Schlitzoc (?) zur ersten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. Straßburg, 1519.] Die sechst regul, die weil du in dem wasser sitzest, so solt du weder essen noch trincken, vnnd dis ist wider den gemeinen bruch der bad gesellen. Vrsach warum man nit in dem bad essen sol, ist dz die speiß oder tranck eintweders hitzigend vnd darzů auch warm sein, deßhalb sie dann die hitz des badens merent vnndleichelichen von dem bad in dem magen faul werden. Oder sie hitzigend vnd seind kalt wie kalter wein, darumb dann von der selbigen keltin gehindert würt die wirckung des bades vnd nicht eroffnet das da eroffnet solt werden. Auch so tringet die selbig speiß oder trank von wegen der hitz so sie in irer macht hat in die engen weg des leibes, welliche von dem bad eroffnet seind, vnd macht darinnen böße verstopffungen. Oder villeicht seindt die speiß oder tranck warm vnd kulent doch in irem gwalt welche dann auch leichtlichen in füle verkert werdendt, mitsampt hinderung der wirckung des badens so sye dann thůnd. Die sibend regul, einer der da ist heisser vnd truckner complexion, mitt einer dünnen haut vnd subteilen füchten, der schwach ist von geburt oder der zeit, sol sich hüten das er nicht lang bade vnnd sich nicht hart reibe, wann zů förchten ist in solichem ein böse resolucion geschehen möcht. Die achtend regul, wann du auß dem bad gast, so solt du dich wol bedecken mitt weißen tüchern das der lufft nicht an dich gange, wann der lufft ist zů vil kalt in vergleichung gegen der wörmin des bades, so ist der leib ietzund dünn gemacht vnnd eröffnet von wegen der verzerung der glider füchtin vnnd geist, darumb dann schedlich wer daz der lufft gienge in die tieffe des leibs. Die nünd regul, so du nun auß dem bad gegangen bist so solt du dich legen in ein bedt wol zůgedeckt, vnnd solt dann also schlaffen vnnd schwitzen, wann durch die rů vnnd den schlaff, so stillet sich die vffledigung, vnnd erholendt sich widerumb die seelischen geist, vnnd würt auch hingethon die müde. Auch so seind vil vberflüssigkeiten subteil gemacht von der hitz des bades vnd gezogen in dem vmbkreiß des leibs, welche dann durch den schweiß vßgeschlossen werden, dauon der leib erleichtert würt. [Illustration: Abb. 118. Titelholzschnitt zur dritten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. „Eyn new Badenfart. Wildt Bäder L. Friessen“. Straßburg, Jacob Cammer. Mitte des 16. Jahrhunderts.] Die X. regul, ee das du issest soltu dich ein weil etwz üben mit hin vnd her gon vff dz die tempff vnd windikeiten so von des bades hitz erhebt seind vßgetriben werden. ob du aber so schwach bist dz du nit gon magst, so laße dir deine glider senfft reiben mit einem warmen thůch. Vnd so du dis auch nit leiden magst von wegen schmertzens der glider, oder du villeicht geschwer daran hast. So nym vor essens ein suppositorium, das ist ein zepflin, welches gemacht sei von honnig vnd mangolt wurtzel, oder von violwurtz, oder vonn gesaltzenem speck. Die eilfft regul, so du nun diße ding alle volbracht hast, so solt du dann essen vnnd trincken speiß vnnd tranck zimliches wesens vnnd zimlicher vile. So ich sprich zimliches wesens so solt du verston speiß vnnd tranck welche nicht zů vil heiß vnnd trucken, hart vnd grob seiend, oder zů vil kalt vnnd feucht schleimerig vnnd weich, welche alle der douwung widerstrebend, vnnd ietzund die hitz des magens vonn wirckung des bades geschwecht. Auch so ist not das die speiß vnnd tranck seiend mittelmäßiger narung, vnd leichter durch tringung zů den glidern vnnd darumb so soll der bader brot sein, wol gehefelt vnnd wol gebachen, nicht vber zwen tag alt. Ir fleisch sol sein kitzin, kalb, ieriges lambfleisch, oder von cleinen iungen vögeln, nitt von wasserfogeln. Vnd gewild mögend sie essen frischling, hasen, künglin. Item sie sollendt auch meiden milch ist sich das die vrsach, das sie leichtlichen sauer würt in iren mägen. Doch so mögend die so gewon seind milch zů essen wol bruchen süße milch die nüwlichen gemolcken ist, nach anderer speiß ein wennig nüwes keß ist inen auch zůgelassen. Von eyern mögend sie essen nach irem willen on allein so sie hart gekocht seind. Die kůchen vnd gebächtns der pfannen seind inen auch nicht bequem oder gůt. Sie sollend auch meiden alle gemüß außgenommen rot erbißen, vnd gersten mitt fleischbrüe gekochet. Von früchten wennig, wann sie leichtlichen in iren magen faulend. Von wolriechender specery, yngber zymmet vnnd muscatblüet, vnnd die andern gar wennig. Fisch welche schüppig seind vnnd in steinigen wassern gefangen, seind inen bequem. Ouch so sol al ire speiß ein mittel haben zwischend süßem vnnd sauerem geschmack, nicht scharpff sein als zübel, knoblouch, pfeffer, senff, auch nicht sauer als vnzeitige frucht. Sie sollen trincken subteilen wolriechenden weissen wein, nicht zů vil starck noch tempffig, sollend meiden alles wasser, wann so die glider außgelert vnnd erhitziget seind, möchte das wasser leichtlich dareyn tringen vnnd gezogen werden in die außern glider, dauon dann den neruischen glidern dem haubt, der brust, den beinen, vnnd dem marck grosser schaden entsteen möchte, wie dann Hipocrates apho. part. V. anzeuget. Ich hab auch oben gesagt das die bader die speiß vnd tranck sollend nemmen in zymlicher maß. Vrsach so sye die aller edelsten speiß zů vil auff ein mal nemend, möcht die selbig nicht verdöwet vnnd recht gekocht werden, dhweil die hitz der glider von wirckung des bades geschwechet ist. Nemmend sie aber minder dann billich speiß vnnd tranck, so möchte nicht beschehen widerlegung der verzerten vnnd verlornen feuchte, daruon dann die glider mer getrencket oder beschwechet würdent. Die zwölfft regul, so du das mal genummen hast so solt du nicht in das bad gon ee sechß stund vergangen seiend, wann so du badest dweil die speiß noch nicht verdouwet, so würt sie gezogen in die leber vnnd ire adern, vnnd macht darinn verstopffung vnd böße bresten. Vnnd diser mißbruch beschicht, sunders vil vrsach das die groben in schneller yl außgericht wöllendt sein. Die dreizehend regul, du solt meiden das werck der liebe dweil du badest, vrsach das sunst vil feuchte eröffnet vnnd verzeret würt durch das bad. So würt auch durch diße werck verzert die vberflüssigkeit der letsten narung welche vil nütz ist, wie dann bezügt Auicenna. XX. tertii. u.❆s.❆w.“ Darauf folgt die Angabe von Arzneimitteln gegen die übelen Zufälle im Bad, nämlich gegen Schlaflosigkeit, großen Durst, Kopfschmerzen, Verstopfung, Schweißausbrüche nach dem Bad, „brunst vnnd stechen des harnes“, gegen „ein fluß von dem haubt herab fallende vonn wegen der materi des hirnes so die hitz des bades geschmeltzet hatt“ und Appetitlosigkeit. [Sidenote: _Baderegeln von Phries / Leucippaeus / Mechinger / Sytz_] Interessant ist, daß ~Phries~ an Stelle der Bewegung nach dem Bade bei gelähmten Gliedern die Massage setzt. Auch ~Leucippaeus~ will 1598, daß Lahme und die, welche keine besondere Leibesübung wegen Unvermögens haben können, sich vor oder nach dem Essen, wenn sie noch nicht ausgeschlagen sind, „an den Händen vnd Füßen, auß vnd abwerts, ad exteriora membra, sich streichen vnd reiben lassen, damit überflüssige Dämpfe auch verzehrt durch solche Fricationes und als eine natürlich Hitze artificiali modo in ihnen erweicht werde“[431]. Nach ~Mechinger~ (1513) sollen im Wildbad die mit lahmen und zitternden Händen und geschwollenen Gliedern auch im Bade die Glieder mit dem am Boden liegenden Sand reiben[346]. Gegen Schlaflosigkeit gibt ~Leucippaeus~ 1598 im Gegensatz zu den sonst gebräuchlichen Arzneimitteln an, vor dem Schlafengehen die Füße erst mit warmem Wasser, darnach mit kaltem zu waschen und die Füße im Bett nicht zuzudecken[431]. Bei im Bad auftretendem Fieber (gemeint sind Wallungen) läßt ~Sytz~ 1516 an Stelle des Mineralbades ein Bad aus Brunnenwasser setzen, frischen Landwein mit Gerstenwasser gemischt trinken, im Bett schlafen und schwitzen und nach dem Erwachen massieren. Wäre aber das Fieber nicht ein solches schlechtes (gewöhnliches), sondern ein böses, „so soll der selb stracks onuerzogen vßgän, vnd aller bäder müssig stän, oder empfacht darumb sein lon“[375]. Bei starkem Nasenbluten im Bad wollen ~Sytz~ (1516) und ~Mechinger~ (1513) nach Versagen von großen trockenen Schröpfköpfen auf den Bauch „arm vnnd füeß mit sailen vnnd selbennden, (Salbenden, Tuchleisten) von tuch hart binden, vnnd etwan vff laßsen vnd wider binden (~Sytz~ nur einseitig), vnnd so man die brüst inn frawen vnnd die hochbelg inn mannen auch alßo bindet ist so vil dester stercker“ (~Mechinger~). Beide empfehlen noch, die Nasenlöcher mit „Maißelin“ von altem leinenen Tuch genetzt mit frischem Saft gedrückt aus Eselsmist oder, wenn man den nicht haben kann, aus Schweinsmist, zu verstopfen. Die wirken nach ~Mechinger~ sicherer als die sehr kalten Dinge, die etliche außen und innen gebrauchen nach Sag der Lehrer. Bei Ohnmachten und Schwindel im Bad schlug ~Fabricius Hildanus~ vor, die Zehen über das Bad hinaus zu erheben, was nach Aussage des Badearztes ~Petrus de Spina~ 1593 in Aachen mehrfach mit gutem Erfolg vorgenommen wurde[101]. [Sidenote: _Der Name Wildbad_] ~Phries~ zählt die ihm bekannten Wildbäder im hohen (oberen) Deutschland auf: „pfeffers, plumers (Plombières), baden in Eidgnossen, Wildbaden, marckgraffen Baden, Zellerbad (Liebenzell), Göppingen vnd Ow, Emps ob Constantz, das wasser in der vorstat zů Vberlingen, Gebersweiler und bad bei Oppenow. Darunter befinden sich auch kalte Sauerbrunnen, die ~Phries~ also zu den Wildbädern zählt. ~Folz~ rechnete nur die Bäder, die von Natur heiß sind, dazu, ebenso ~Ryff~[48] und ~Pictorius~[152]. Aber auch das „Wildbad“ zu Nürnberg, in dem Michel Beham 1499, 1500 und 1502 badete[210], das Wildbad zu Roigheim (1476)[61] mußten gewärmt werden. Der Name Wildbad für das zu Nürnberg leuchtete schon im 18. Jahrhundert nicht recht ein. ~Roth~ schreibt 1792: ~Cardilucius~ suchte den Namen Wildbad zu erklären und meinte, das Wasser heiße so, weil es im Vergleich mit anderen süßen Wässern gleichsam ein wildes, das ist von selbst und ohne besonderen dazu angewandten Fleiß entstandenes Wasser sei, dahingegen jene in ihren Quellen gesucht und durch Röhren, Rinnen und Wasserleitungen geleitet werden müßten. Ein Dr. ~Schoder~ wollte nicht gestatten, daß man dieses Wasser thermas ferinas nenne, sondern behauptete, daß wild hier soviel wie unecht heiße[195]. Unter wildem Wasser verstand man stets gewöhnliches Quellwasser, dessen Zufluß man von den Mineralquellen, manchmal unter großem Kostenaufwand, fernzuhalten suchte. Beide Erklärungen sind so gezwungen, daß man annehmen kann, im 18. Jahrhundert hatte der Ausdruck Wildbad eine andere und schon die heutige Bedeutung: natürlich warmes, in wilder Gegend gelegenes Bad. Nach dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) war das Wildbad ein unter freiem Himmel gelegenes[49]. ~Konrad von Megenberg~ (gest. 1374) sagt, es „nimpt auch das wasser sere seinen geschmack von dem geschmeid vnd auch von dem schwefel die man die Wildtbad nennet, daruon dasselb wasser fleußt durch brennendes schwefenlichs erdtrich daruon das wasser heyß wirt vnd stinckt“[429]. Die Annahme, daß die Thermen Schwefel enthielten, gründete sich auf dessen Vorhandensein in einigen derselben, woraus man schloß, der Schwefel müsse sich in allen vorfinden und bewirke die Wärme. Obwohl für Pfäfers nachgewiesen war, daß das Wasser keine mineralischen Bestandteile enthalte, konnte man sich im 18. Jahrhundert noch nicht entschließen, den Schwefel als Bestandteil fallen zu lassen und folgerte sein Vorhandensein aus der Wirkung des Bades. „Es gebens auch die Effectus und Gebrechen, die allda curirt werden vnd geheylet, die des Schwefels, und keines anderen Eygenschaft synd“ (~Reydt~ 1708)[383]. Deswegen konnte man durch Zusatz von Mineralien zum gewöhnlichen Wasserbade künstliche Wildbäder erzeugen[47]. [Sidenote: _Die Frauenbäder_] ~Rueff~ sagt 1554 in seinem Hebammenbuch, unfruchtbare Weiber sollen nach genügendem Purgieren in ein warmes Schwefelbad fahren und baden[251]. Für schwefelhaltig galten aber sämtliche Thermen, die denn auch alle darauf Anspruch machten, die Unfruchtbarkeit der Frauen zu heben. ~Ruland~ bezeichnet in der lateinischen Ausgabe seines Buches (1568) als geeignet: Gastein und andere warme Wasser, Aachen, Baden in der Schweiz, Brieg, Plumbersbad (Plombières), die Wasser in Löffingen, Broylerborn, Brochenborn, Kesselborn, die Sauerwasser in Wehr und Cissen, den Sauerbrunnen von Kissingen und die Aquae nitrosae, an anderer Stelle auch noch Markgrafenbad, Ems, Niderbron, Karlsbad und „Badenses Herciniae“[384], in der deutschen Ausgabe vom selben Jahre wird zunächst nur Gastein, später werden die Bäder von Schwefel, Alaun, Salz und warme Bäder angeführt, „item Oberbad (Schweiz), Marggraffbad, das bad Gastein“[400]. Wie schon erwähnt wurde, stand in dieser Beziehung in sehr großem Rufe das Verenabad zu Baden (Schweiz), den es nicht nur seiner Beziehung zur heiligen Verena, sondern in manchen Fällen wohl tatsächlichen Heilerfolgen verdankte; denn die Verenaquelle war eine kräftige aufsteigende Dusche, auf deren Wirkung schon ~Sytz~ 1516 hinwies[375]. Auch die „Bubenquelle“ in Ems war eine aufsteigende Dusche[370]. In Wettbewerb mit Baden trat Bormio. Erzherzogin Catarina von Mantua, die Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand von Österreich, hatte im Sommer 1590 die Wormser Thermen „der Nachkommenschaft halber“ besucht. Quelle, Bad und Zimmer, welche die Fürstin benutzt hatte, hießen von nun ab nicht mehr das untere oder das Frauenbad, sondern führten den Namen „der Erzherzogin“. Nach Abbruch desselben erhielt die Quelle den Namen „Frauenheil“[23]. Die Kur der hohen Frau hatte übrigens insofern nur Erfolg, als sie ihren Gemahl in Zukunft mit drei Mädchen beschenkte[38]. Bormio aber kam in Ruf und hieß 1616 bei den Deutschen das Weiberbad[59]. Der Erfolg dieser Kuren wurde Jahrhunderte hindurch in nicht mißzuverstehender Weise weniger der Wirkung des Wassers zugewiesen. Darf man auch ~Poggio~[327], ~Murner~[31], ~Guler~[59], ~Merveilleux~[385] nicht ernst nehmen, so sagt doch der glaubwürdige ~Phries~, daß zu „Marckgrauenbaden“ ein Priester bei vielen Frauen im Spiele gewesen wäre[386]. Im Liebenzeller Badhause befand sich 1748 unter einem Gemälde der Spruch: „Auf ein Zeit hat ein Mann ein Weib, Die liebt er als sein eigen Leib. Weil sie ihm aber kein Kinder gab So bekümmert er sich hefftig darab, Rieth ihr, daß sie zog in dies Bad. Das Weib zog hin auf des Mannes Rath. Weiß nicht wie es gieng, gut war die Stund Schwanger ward das Weib, die Magd und der Hund“[372]. Man schob überhaupt gern den Frauen ein besonderes Bedürfnis einer Badereise zu. In einem die deutschen Mineralbäder in Kupferstichen darstellenden Werke aus dem 17. Jahrhunderte finden sich die Verse: „Der Mann schafft Tag und Nacht, badet in seinem Schweiß, Alles die Frau verzehrt in ihrem Bad mit Fleiß“[387]. Tatsächlich machten auch einige Bräute in ihrem Ehekontrakt eine Badenfahrt aus. In einem solchen, datiert Wien, September 1762, „begibt sich im VII. Punkte der Bräutigam Herr Anton Waltoner: gwester Bräumeister: hierin iedes Widerspruches gegen seine zukünftige Eheliebste, die ehrsame Jungfrau Appolonia Molin: Wär auch Sach dass sie wollt alljährlich in ein Badt fahren so soll das geschehen unverwerth“[16]. Der Brauch wird auch von den Frankfurterinnen für Schwalbach[407], den Züricherinnen für Baden[448] angegeben, doch sind die Quellen nicht glaubwürdig. Im 16. Jahrhundert hatte man eine hohe Meinung von den Mineralbädern. ~Martin Rulandus~ sagt 1568: „Nach dem bißher kein Artzneney erfunden noch erdacht worden zu erhaltung der gesundtheit, vnd zur heylung yeder vnd aller kranckheit des leybs, ohne allein das wasser vnd Wasserbäder ..... ist schier kein kranckheyt, sie sey an Jungen oder allten leuten, Weybern oder Männern, welliche durch dise vnsere Wasserbäder nicht möge geheylet werden ... So seind die Bäder auch in bösen vnnd vnheylsamen kranckheyten die letzte vnd beste hilff vnnd zuflucht. Dann welliche kranckheyt durch ärtzeney nicht können geheylet werden, heylen dieselbigen die Bäder, so mans recht thůt brauchen.“ ~Ruland~ ist aber kein einseitiger Verehrer der Bäder, bei jedem gibt er eingehend die Gegenanzeigen des Gebrauches an[400]. Auch ~Sytz~ sagt, daß etliche in den Wildbädern Gehör, Gesicht, Geschmack verloren hätten, andere lahm geworden seien, wie er selbst vielfach gesehen[375]. Leute, die gesund, oft nur zum Vergnügen ins Wildbad zogen, gingen häufig als Kranke wieder heim. Natürlich gab es neben den Vergnügungssüchtigen auch wirkliche Kranke, man muß aber doch recht mißtrauisch gewesen sein. Als 1583 drei Männer von Weil an der Wiesen das Luthernbad bei Willisau besuchten, brachten sie ein Zeugnis mit, daß sie wirklich zur Pflege der Gesundheit kämen und nicht in betrügerischer Absicht Frau und Kinder verlassen hätten, mit der Bitte, „sie dieses göttliche Geschenk genießen zu lassen“[38]. [Sidenote: _Die Badeärzte_] Für Kranke war besser als früher gesorgt. Die besuchteren Badeorte hatten jetzt selbst oder in benachbarten Städten Ärzte. 1578 war der Baseler Professor ~Pantaleon~ zum fünfundzwanzigsten Male in Baden (Schweiz)[35]. In kleinen Bädern war meist der Verwalter oder ein Bader und Schröpfer der Ratgeber der Kranken, falls sich nicht fahrende Ärzte, zumeist Juden, am Orte aufhielten, die sich der höchsten Mißgunst der damaligen Ärztewelt erfreuten[35][375][324]. ~Blondel~ in Aachen (Abb. 119) war der bedeutendste Badearzt des 17., ~Marcard~ in Pyrmont der des 18. Jahrhunderts. [Illustration: Abb. 119. ~Franz Blondel~ d. Ä., Badearzt in Aachen. Kupfer aus: Erklärung deren heylsamen Badt- und Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.] [Sidenote: _Bäder für Vornehme_] Vornehme Patienten brachten ihren eigenen Arzt mit. 1562 begleitete ~Günther von Andernach~ den Grafen Philipp den Älteren von Hanau nach Pfäfers[388]. Herzog Wilhelm von Sachsen bat 1476 den Kurfürsten Ernst um den Doktor ~Hildebrand~, damit dieser ihn ins „Wiltbad zu Swarzwald“ begleite[54]. 1593 war ~Fabricius Hildanus~ mit einem Edelmann in Aachen, 1610 mit dem Fürsten Radziwill in Pfäfers[22]. Der Arzt leistete dann seinem Patienten im Bade Gesellschaft, so der Baseler Professor ~Pantaleon~ 1575 dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg[35]. Für vornehme Personen hatte man besondere Bäder, die dementsprechende Namen führten, die nach den verschiedenen Personen, von denen sie benutzt wurden, sogar umgeändert wurden. So erhielt das erwähnte Bad, das Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg benutzt hatte, den Namen Markgrafenbad, vorher hieß es Bischofsbad. Teplitz hatte 1607 sein Herzogenbad, das durch einen Gang mit dem Schlosse verbunden war[264], 1607 hieß es das Kurfürstenbad[81], 1733 das kurfürstliche oder fürstliche Bad. Es wurde möbliert, wenn fürstliche Personen anwesend waren, sonst durfte es nur von Standespersonen, nicht von gemeinen Leuten benutzt werden[447]. Das Wildbad hatte vom 16.[431] bis ins 19. Jahrhundert sein Fürstenbad. In diesem durfte 1758 niemand baden, er habe denn bei der fürstlichen Rentkammer darum angehalten und einen Befehl deswegen an den Vogt bekommen. Um die Erlaubnis suchten meist Frauen nach. Die Fürsten selbst und die Grafen benutzten es nicht, sondern badeten lieber im Herrenbad[332]. Der Augsburger Großkaufmann ~Lucas Rem~ wieder, dem seinem Stande gemäß im Wildbad das Herrenbad zukam, zog 1521 das gemeine große Bad vor, nachdem er vierzehn Tage „im hern“ gebadet hatte, „um daz (es) wermer und mer geselschaft was“. 1525 badete er seine Kur von hundertsiebenundsiebzig Stunden im „großen hernbad“ und nur wenige davon im „clainen hern bedlin“ ab[265]. Die meist im oberen Deutschland erschienenen Badebücher behandeln nur die dort gelegenen Bäder. 1572 gab ein Anhänger des ~Paracelsus~, ~Thurneisser~, ein nach Flußläufen geordnetes Werk über die deutschen Bäder heraus, das erste, das auch eingehend Norddeutschland berücksichtigt und 420 Folioseiten umfaßt[390]. [Illustration: Abb. 120. Balneum Plummers (Plombières). Holzschnitt aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Germanicis. In: De Balneis. Venetiis (Venedig) apud Juntas. 1553.] [Sidenote: _Karlsbad / Plombières / Wiesbaden_] Von einzelnen Bädern erfahren wir im 16. Jahrhundert folgendes. Karlsbad war 1591 nach dem Berichte des Nürnberger Kaufmanns ~Paumgarten~ ein „sehr spröhttes willdbad, da umbs geltt doch garnichtts zu bekommen, schier weder weyn noch bier allhie hatt“[248]. Trotzdem war es zur Zeit von Fürstlichkeiten auch aus der Ferne besucht, z.❆B. dem Markgrafen von Brandenburg, dem Herzog von Pommern und dem von Mecklenburg[391]. Das französische Plombières (Abb. 120) wurde von den Elsässern fast ausschließlich benutzt, daß ~Pictorius~ 1560 seine Landsleute darauf aufmerksam machte, es gäbe auch nützliche Bäder im deutschen Land, es ist „nit alles mit dem Bad Plummers außgericht“[152]. Wiesbaden war nach ~Ryff~ „allenthalben vast (sehr) wol bekant“[48]. ~Philipp von Allendorf~ erwähnt es 1535 in der Judenbadstub: „Man sagt mir vil von dem Wißbad Wes es eym fast im seckel schad“[234]. [Sidenote: _Aachen_] Über das berühmt warm Bad bei Ach (Aachen) geht ~Ryff~ hinweg, „dieweyl.... dasselbig dieser zeyt mehr zum lust dann zu der gesundheyt gebraucht“ wird[48]. [Illustration: Abb. 121. Bad Gastein im 17. Jahrhundert. Gleichzeitiger Stich.] [Sidenote: _Aachen / Gastein / Wildbad / Schwalbach_] Im Jahre 1534 kam Pfalzgraf Philipp, Fürst und Herr am Rhein, am Tage Bartholomay mit sechzig Pferden nach Gastein (Abb. 121), badete sieben Wochen und wurde gesund. Im Jahre 1537 zwischen Ostern und Pfingsten kamen Ott Heinrich Pfalzgraf und sein Vater Friedrich mit zwanzig Wagen und fünfzig Pferden[344]. Man hat diese Badefahrten als besonders pompös betrachtet, was sie jedoch nicht waren. Zur Mitführung der nötigen Haushaltungsgegenstände brauchte man reichliches Transportmaterial, und außerdem waren die Straßen unsicher. Als der Augsburger Kaufmann ~Lucas Rem~ am 12. September 1535 Wildbad verließ, nahm er auf eigene Kosten wegen Straßenräuberei „fil folck, glait, Reiter, fuosknecht“ mit sich. 1538 zog er „im Frankfurter grossen glaitt“ heim[265]. Daß Vorsicht geboten war, geht aus folgendem, auch sonst interessanten Bericht über die Badereise des Kurfürsten August von Sachsen hervor, die 1584 zustande kam. Im Rat der Leibärzte hatte Dr. ~Paul Luther~ „den Sauerbrunnen, eine Meile von Friedland gelegen“ (jetzt Bad Liebenwerda), in Vorschlag gebracht, wohin viele fremde Leute gingen und von dem man einige Fäßlein hatte kommen lassen. Allein die anderen Ärzte gaben Schwalbach den Vorzug. Sie wünschten vorerst genau zu wissen, ob Leute in des Kurfürsten Alter (siebenundfünfzig Jahre) und die an Wassertrinken nicht gewöhnt seien, solchen Brunnen zumal nüchtern vertragen könnten. Der Kurfürst schrieb im April 1583 an die Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel und Philipp von Hessen-Rheinfels, erhielt auch von ersterem ein Regiment (Anweisung), welches ihm sein Bruder Ludwig gegeben, der den Brunnen mehrmals gebraucht hatte. Die befreundeten Fürsten meinten, daß sich der Kurfürst im Dorfe Langenschwalbach nicht werde behelfen können, weil die Gelegenheit da gar zu geringe und enge sei. Im Frühling 1583 wurde deshalb der kurfürstliche Furier ~Neumann~ abgeschickt, um „ein bequem Losament“ auszumachen. Er kam im Herbst nach unermüdlichem Nachforschen in Langenschwalbach an und meldete, daß „solch Flecklein gar übel gebauet, hat also geringe und arme Leut, seint eitel Tuchweber“, das Rathaus habe nur eine Stube, sei übel verwahrt und allenthalben offen, es solle sich auch allerlei loses Gesindel allda aufhalten. ~Neumann~ entdeckte auf seiner Erkundigungsfahrt auch einen Ort, genannt Wiesbad (Wiesbaden). Dort sei gute Unterkunft und Schloß und Stadt wohl verwahrt, er habe auch ein Bad, das könnte der Kurfürst gebrauchen oder von da aus Schwalbach besuchen. Dem Furier gefiel aber auch das Schloß des Kurfürsten von Mainz zu Ellfeld oder Eltvil, der Hauptstadt des Rheingaus, und er glaubte, das Wasser könnte täglich von Schwalbach geholt werden, indem man in den dazwischen liegenden Dörfern die Träger wechsele. Der Kurfürst von Mainz lud darauf den Patienten ein, in seinem Schloß zu wohnen, und erst im Mai 1584 wurde die Reise angetreten mit einem Troß von zweihundertundneun Pferden und sechzehn Leibpferden des Kurfürsten. Nach achtzehn Tagen langte der Kurfürst an der hessischen Grenze an, wo er vom Mainzer bewaffneten Geleit empfangen wurde[378]. Ein ganz anderes Urteil fällte 1580 ~Tabernaemontanus~ über Schwalbach: „So findet man auch zimliche gute Herberg die von tag gebessert werden. Zu dem hat es gute trewhertzige Leuth daselbst, die menniglich vmb billiche belohnung zur Hand gehen vnnd dienen, also daß niemands, der sich benügen lassen will, zuklagen hat.“ Auf die Schwalbacher Sauerbrunnen machte 1568 ein Bauer den Bruder des Erzbischofs von Mainz „Philipsen Brendeln von Homburgk Vitzthumb zu Meyntz“ als ein besonders mildes Sauerwasser aufmerksam, nachdem diesem die Kur in Göppingen nicht gut bekommen war. ~Tabernaemontanus~ untersuchte die Brunnen und erklärte, einer derselben, der Weinbrunnen, sei „der edelst, allerbest vnd heylsameste vnder allen andern Sauwerbrunnen die mir noch vorkommen sind“. Darum gab er ihm den ersten Platz in seinem Neu-Wasserschatz[324]. Wie gut die Reklame zog, zeigt der Besuch des Kurfürsten von Sachsen. Trotzdem blieb der Weinbrunnen, als man ihn fassen wollte, aus und mußte durch fleißige Arbeit und anhaltendes Gebet wieder gesucht werden[379]. [Sidenote: _Griesbach_] ~Tabernaemontanus~ machte auch auf einen zweiten, bis dahin unbekannten Sauerbrunnen, den zu Greißbach (Griesbach) aufmerksam, den Georg von Schauenburg gefunden und gebraucht und danach hatte fassen lassen (Abb. 122). Er wurde bald sehr bekannt. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts gab ~Fabricius Hildanus~ dem Berner Bürgermeister Anton von Grafenried Anweisung, wie er den Brunnen gebrauchen solle[22]. 1606 trank man ihn in Baden-Baden neben dem näher gelegenen Petersthaler, der aber aller zwei bis drei Tage frisch geholt werden mußte[362]. [Sidenote: _Göppingen_] Im höchsten Rufe stand im 16. Jahrhundert der Sauerbrunnen von Göppingen. Schon 1404 wurde der Schwalbronnen zum Lehen gegeben[70]. Der erste bekannte Kurgast war Graf Eberhard III. von Württemberg, der 1417 während einer Sauerbrunnenkur dort starb[154]. Das Göppinger Wasser hatte eine ganz besondere Eigenschaft; es trieb das eingenommene Gift aus und verzehrte es. Unter anderem wurde auch Herzog Christoph von Württemberg, dem während seines Aufenthaltes in Frankreich Gift gereicht sein sollte, nach mehrjährigen Kuren in Göppingen von den Folgen geheilt[324]. In den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts erbaute man ein neues Gast- und Badehaus. Damals wurde dem Göppinger Sauerbrunnen die erste Stelle durch den von Jebenhausen streitig gemacht, den man den Edelmann nannte und den Göppinger nur den Bürger; der Überkinger erhielt bei diesem Vergleich wegen seiner „Räse“ (Schärfe) die Bezeichnung Bauer. 1839 war Göppingen aufs äußerste heruntergekommen; es fanden sich nur noch wenige Gäste. Der Versand von Wasser war unbedeutend, während vorher ganze Schiffsladungen nach Wien gegangen sein sollten. Eine der Quellen wurde damals durch eine ganz in der Nähe angelegte Dunggrube zugrunde gerichtet[154]. [Illustration: Abb. 122. Bad Griesbach im Rauchtale. Kupfer. 18. Jahrhundert.] [Sidenote: _St. Moritz / Leuk_] ~Paracelsus~ bespricht im Baderbüchlein Göppingen als ersten Sauerbrunnen, setzt den „jm Growen pundt“ (St. Moritz) ihm gleich, fügt aber noch hinzu, der in Graubünden sei edeler[374]. Im Schreiben über die tatarischen Krankheiten sagt er: „Ein acetosum fontale, das ich für alle so in europa erfaren hab, ist in Engiodin zů S. Mauritz“[681], und ~Adam von Bodenstein~ schreibt 1576: „Was solte ich sagen vom brunnen im Bundt, der also saur und kreftig?“[89]. ~Tabernaemontanus~ kannte das Wasser aber nur vom Hörensagen (1580). Vielleicht wurde es zur Zeit gar nicht benutzt; denn 1570 hatte das Hochwasser des Inns die Quellen verschüttet. Nach der Neufassung kam das Mineralwasser wieder in Aufnahme, besonders in Italien hatte es großen Ruf und wurde weithin versandt. Der italienische Arzt ~Malcarida~ dichtete 1650 Sonette auf die Quelle, die sich von der damaligen schwülstigen deutschen[B] Quellenpoesie vorteilhaft abheben, deren zweite in deutscher Übersetzung lautet: „Wie Blumen, wenn sie trinken, frisch erstehen, So muß durch diese Quelle neues Lebens Auch jedes schwache Alter wieder blühen. Wie wunderbar! Das Eisen, sonst so tödlich, Das leichte Gas, sonst von so kurzer Dauer, Hier helfen beide, daß der Mensch nicht sterbe.“ 1670 ließ die Gemeinde von St. Moritz als Besitzerin der Quelle einige Arbeiten zur besseren Benutzung ausführen und verpachtete sie an mehrere Einwohner. Aus Oberitalien trafen immer mehr vornehme Kranke ein, 1697 der Herzog Amadeo von Savoyen, 1699 der Herzog von Parma. Um diese Zeit wurde der Brunnen auch von Deutschen besucht. Jedoch durch die napoleonischen Kriege und die Gleichgültigkeit der Einwohner trat eine Vernachlässigung der Quelle ein[90]. 1811 schrieb der Züricher Leutpriester ~Johann Ludwig Meyer~: „Die Celebrität, die dies heilsame Wasser hat, könnte den, der sich noch nie an der Stelle befand, leicht vermuten lassen, da wo es der Erde entquillt, eine Menge schöner und geräumiger Wohnhäuser zu finden. Aber wie sehr würde er sich in seinen Erwartungen getäuscht sehen, wenn er dorthin versetzt, statt der gehofften bequemen Gebäude, in dem kleinen Tale nichts als ein Häuschen erblickte, dessen Außenseite und innere Einrichtung alle Begriffe von Armseligkeit übersteigt! Und doch verhält sich die Sache nicht anders. Gerade da, wo zum Behufe der Kurgäste gut eingerichtete Absteigquartiere stehen sollten, finden sie nichts, als jene elende Hütte, nach der sie, so lange die Kurzeit dauert, täglich bei jeder Witterung zu wandeln gezwungen sind. Das Erdgeschoß dieser baufälligen Hütte ist in zwei ungleiche Hälften abgeteilt; die größere ist ein halboffener Stallraum ohne Bahre und Krippe, in den nur die kleinere Anzahl der Pferde, welche die Brunnengäste mit sich führen müssen, zur Not eingestellt werden kann .... Die kleinere Hälfte ist für das eigentliche Trinkzimmer (Abb. 123) bestimmt. Hier sprudeln drei stärkere und vier schwächere Quellen zwischen den mit Eisenocker überzogenen Steinen, und sammeln sich in einer aus rohen Granitplatten bestehenden Einfassung von etwa drei Schuh in das Gevierte, um welche herum in einem so engen Raum, daß kaum vier Personen in die Tiefe zu stehen kommen, die Kurgäste sich zudrängen, um entweder von dem bestellten Aufseher sich ihre Gläser und Gläschen aus einer eisernen Kelle füllen zu lassen, oder sich tief herunterbückend selbst sie zu füllen, um die fixe Luft besser beisammen zu halten.“ Über dem Pferdestall befand sich ein Raum zum Aufenthalt der Kurgäste bei schlechtem Wetter mit fensterlosen Lichtöffnungen und zwei Kaminen, durch die der Wind den Rauch ins Zimmer blies. Ein italienischer Graf bot aus Dankbarkeit für seine Genesung Geld zum Bau eines Gasthauses bei der Quelle an, die St. Moritzer wollten von keiner Änderung wissen[444]. Noch später behaupteten sie, der Mineralquell sei ihnen mehr schädlich als nützlich[360]. 1814 überrumpelte aber die jüngere Gemeinde die Alten, als diese in Tirano den Viehmarkt besuchten, und beschloß eine Innkorrektion, die 1815 bereits vollendet war, wodurch Quelle und Dorf mit einer Fahrstraße verbunden wurden. 1831 pachtete eine Aktiengesellschaft die Quelle, von der aus die ersten Gebäude bei derselben errichtet wurden[90]. [Illustration: Abb. 123. Der Sauerbrunnen zu St. Moritz im Ober-Engadin. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1811.] [Sidenote: _Pyrmont_] Weit mehr von des Schicksals Gunst und Ungunst beeinflußt war der Brunnen zu Pyrmont. Wollte man im 16. Jahrhundert die Güte eines Sauerbrunnens hervorheben, verglich man ihn mit Göppingen, im 18. und im Anfang des 19. mit Pyrmont, daneben auch wohl noch mit Spa und Schwalbach, und doch sagt das Journal des Luxus und der Moden von 1800, der Pyrmonter Trinkbrunnen eigne sich gar nicht zum Verschicken, an der Quelle selbst sei er nach langem Regen von gewöhnlichem Wasser kaum zu unterscheiden. Seit der Erwähnung durch ~Henricus de Hervordia~ im Jahre 1350 haben wir keine Nachricht von einem Brunnen zu Pyrmont. Da ging plötzlich 1556 die Kunde von einem Wunderbrunnen in der Grafschaft Spiegelberg durch ganz Europa. Die erste gedruckte Nachricht davon gab ~Metobius~, die als Beispiel derartiger Schriften hier vollständig wiedergegeben werden soll. [Sidenote: _Metobius’ Schrift über Pyrmont von 1556_] „Beschreibung des newen gefundnen Brunnens, in welchem der allmechtig Gott täglich seine gaben vnnd gůthat reichlich den menschen erscheinen laßt, deßgleichen vor nie erhört. Vnnd ist der selb Brunn gelegen in der Graffschafft Speygelberg zwo meil wegs von Hamelen, an dem fluß Weser gelegen. Diser Brunn, gelegen inn der Graffschafft Speygelberg, zwo meil wegs von Hamelen an dem fluß Weser, ist vngeferd bey dreyhundert Jaren auch in grosser krafft vnnd würde gewesen, also das er dazemal eben als yetz grosse kranckheiten, lammen vnnd tauben genert hat. So ist inn dem der Herr derselben Graffschafft zů gefaren, hat den Brunnen lassen eynfassen, vnd allda von dem wasser Tribut oder zinß geheyschet, so ist in dem das wasser verschwunden vnnd gantz vnnd gar der Brunn versigen, biß auff den yetzigen Mertzen diß 56. Jars, da hatt der Brunn seinen fluß wider bekommen, auch sein vorige würckung vnd tugent durch die krafft Gottes wider erzeigt. [Illustration: Abb. 124. Titelholzschnitt zu: ~Metobius~’ Schrift über Pyrmont. 1556.] Die Vögel in lüfften, auch andere vierfüssige thier, die ab disem wasser trincken, sterben dahin, als ob sy vergifftet weren. Vnnd das vernimpt ein armer ellender gsüchtiger mann, der tag vnd nacht kein rhů hat, gedacht vor grossem schmertzen, du wilt auch ab disem wasser trincken, so stirbst auch gleich, wie die thier vnd vögel, vnnd kompst also deiner marter, angst vnd not ab. So er nun hingat, vnd des wasser trinckt wirt es etwas besser vmb jn. Vnd gedenckt in jm selbs, Du wilt noch mee von dem wasser trincken, villeicht wirdt es noch besser. Vnd trinckt des wassers ein zeitlang, weschet auch sein gantzen leib darmit. Genist aller dingen, verlaßt seine krucken, lobet Gott den Herren, vnnd fart dahin. Wölches er nun kundt hat gethan yederman. Vnnd ist yetz so ein grosses zůlauffen dahin von allen orten vnnd enden, von den armen krüppelen, lamen, tauben, blinden, vnd besessenen menschen, ja auch was sie für kranckheiten haben, das man nicht herberg noch behausung gnůg mag haben, sonder machen alda vff dem feld hütten, gleich wie in einem läger. Nit weit vonn dem Brunnen ligt ein Closter, welliche Münch vor mangel vnd armůt entlauffen můssen, dann sie von den den armen leüten überfallen werden mit almůsen geben: vnd haben sich selbs dermassen eröset, das sie kein bleibens mee allda haben. Erstlich von der gestalt des Wassers. Der Brunn ist metallisch vnnd saur, vnd hat mehr Oker bey sich, dann sunst einig andere bewerte Ertze. Die gele farb, so bey vnd in dem Brunnen ist, vnd erfunden wirt, wirt vff Latin Ocera genennt, vnnd auf Teütsch gelber Oker, vnd ye gelber dasselbe in vnnd bey dem Brunnen ist, dester krefftiger das wasser ist. Diser Brunn ist von Gott mit nachfolgenden tugenden reichlich begabet. Erstlich hat er die krafft, das daß Wasser zů zeücht, wem die Zeen loß schwach vnnd offen sein, auch das Paralysis, Podagra, Gelsucht, Gegicht, Hilgedinck hierinnen gebadet, machet die seenen adern, vnnd das fleisch gůt, offne schaden heilet es auß dem grund, vnd machet sie rein. Dioscorides in lib. V. cap. 58. schreibt das Oker des Brunnen krafft sey, das da zů zeücht, zů bindet, vertreibt vnd abbeisset die überein vnnd andere gewechß, vnnd verzert alten leüten jre reüdigkeit, vnd andere zůfallende kranckheit. Item das Wasser mit Oker vnd gelben wachs vermischet, füllt die wunden, mit newem fleisch. Die Gelsucht, Gegicht, Podagra verzeret es an henden vnd füssen. Jungen starcken leüten schadet es nicht getruncken: dieweil es aber ein nagende vnd beissende krafft hatt, beschediget es die Derm. Welcher zům Colera geneigt ist, das ist, der gech zornig ist, der drinck es nicht. Der Leib gepurgiert, vnd darnach gebadet, vertreibt vnd heilet die Rud, den Grind, vnd böse flüß, Frantzosen, vnd alle alte offne schaden die niemants gneren kan. Auch schäden die übel geheilet seind durch vnfleiß, beißts wider auff vnd heilets recht. Man hatt auch Gott sey lob funden, das diser Brunn vilen geholfen hat, die etliche Jar taub vnd blind gewesen sind. Deßgleichen ist befunden, das er vilen leüten die den Kancker oder Krebs vnnd Harwürm gehabt haben, geholffen hat. Es ist auch ein mensch zů disem Brunnen gebracht worden, wie sollichs in der warheit gesehen vnd glaubwirdig befunden, welcher mit dem bösen feind besessen gewesen, dem selben hat man mit gewalt dises Wasser in den mund gegossen hat der böß feind als bald weichen müssen. Vnd ist der selbig mensch mit grosser dancksagung zů Gott, von dem Brunnen gesund hinweg gangen. Es hat Gott der Herr durch disen Brunnen vilen menschen geholffen, die alle tage gesund wider heim kommen, vnd noch täglich vil mit grossen hauffen dahin ziehen, in hoffnung gesundtheit zů erlangen. Gott verleihe vns allen Christgleubigen sein genad vnnd barmhertzigkeit, Amen. Durch Doctor Borchardum Metobium.“ „Diser nachfolgender brieff ist vonn dem Pastoren bey dem Brunnen wonhafftig einem burger auß Lubeck (der da selbst auch durch die Gottes gnaden seiner kranckheit erlediget) zůgeschrieben. Item zům ersten heilet diß wasser auß disem Brunnen genommen, alle wunden, die kein pflaster erleiden wöllen. Auch heilet diß wasser, alle wunden so geschossen, gehauwen oder gestochen sind. Item das wasser heilet auch den bösen erbgrindt, vff dem haupt oder am leibe. Item welcher mensch den harwurm hat, vnnd badet darinnen der würdt gesundt. Item welcher mensch der verkrencket ist, vnd dem die glidmassen steiff vnd entschlaffen sind, vnd darinnen badet vnd er trincket von dem wasser, mit dem wirdts besser. So ein mensch gifft bey jhm hett, vnd diß wasser trinckt, vnd badet darinnen, der wirt gesundt. Als noch ein Fraw von Bylfeld allhie ist, welcher ein Maulworff, ein schnecken vnd ein Schößlinck abgegangen seind. Item welcher mensch kranckheit vnd weetag an den augen hat, vnd netzet oder weschet sie, mit disem wasser, dem wirt besser. Es seind auch etlich leüt bey dem brunnen gewesen, welchen nach dem sie sich mit disem wasser geweschen, würm auß jren beinen gekrochen vnd gekommen seind, vnd ist von stund an besser mit jnen worden. Item dise vorgemelte puncten zůgebrauchen, mag ein yeder mensch drey oder vier wochen thůn, darnach der schaden groß ist, dann vil leüt kommen des einen tags kranck vnnd schwach darzů, vnd gehn des anderen tags gesund wider hinweg. Auch ist hieher kommen ein Schmidtknecht, der mit einem aug blind gewesen, vnd hat dasselbe aug drey tag nach einander mit dem wasser geweschen, vnd darnach sein gesicht wider dermaß erlangt, das er allerley Müntz mit dem selbigen aug nun erkennen kan. Es seind auch dahin kommen drey Landtsknecht, deren zwen wund waren, der drit aber gesund, die haben sich auch mit disem wasser geweschen, doch die krafft vnd würckung des wassers verlacht vnd verspottet. Spricht der ein, Ich můß mein schultern auch weschen, der ander: vnd ich mein armen. Der gsund spricht auch, můß mich weschen vileicht wirden ich hübscher. Vnd haben also jr gauckel spil triben mit der gaab Gottes, biß das der ein vnsinnig vnd rasend ist worden, das man jn hat müssen an ein ketten legen. Der ander gar toll vnd wütend, das man jm all viere hat müssen binden. Der dritt ist mitt dem teuffel besessen worden. Vnd seind also all drey verdorben, von wegen der verachtung der gaben Gottes. Zů disem brunnen ist ein grosses zůlauffen auß allen landen weit vnd breit von reichen vnd armen, krüppelen, vnd lamen, stummen vnd ghörlosen, blinden vnd kriechenden, die alte schäden an armen vnd schencklen haben, trieffende bein die niemandts on schaden gstellen kan, die den Roten schaden haben, weiber die brustwee haben. In summa, was doch presthafft ist, kein kranckheit vßgenommen, hat alles sein zůflucht zů disem brunnen. Man sind heütigs tags leüt, die dörffen sagen, dz bey vnsern zeiten der allmechtig Gott nit so grosse wunderwerck und miracklen den menschen erzeigt, als zůn zeiten Christi seines geliebten sůns, nemen die selbige diß wunderwerck für augen, so werdens nit so vnwüssent von Gott vnd seinem wunderwerck reden. Der brunn ist auch der art wann ein krancker dahin geradt, vnd jn das wasser nit dolen will so wirffts jn auß, oder tödtet jn gar, bey dem villeicht ein kranckheit hat gar überhand genommen, welches doch selten geschicht. Gott der allmechtig hat den kindern von Israel vil gůtthaten vnd wunder werck erzeigt, dardurch sie jn erkennen solten, aber sie waren vndanckbar vnd murreten wider den Herren, darumb er sie straffet, das sie in der wüste sturben, vnnd jren nit mer dann zwo personen in das gelobt land kamen. Also ist es zů vnsern letsten zeiten gleich auch ein ding, so vns Gott seine gaben mit wunder wercken erzeigt, so halten wir es für ein gspöt oder fabel. Strafft er vns dann mit plagen, so gat es sunst niemand zů hertzen, dann denn (dem?) es zů hauß gat. Warnet er vns dann mit wunderzeichen so gat es niemandt zů hertzen, vnnd die es nit gesehen haben, halten es für ein gedicht, als ich acht, das dise gab Gottes vnd wunderwerck, von vilen verlachet vnd verspottet würdt, als ob es ein erdicht ding sey, wiewol die wunderwerck heiter am tag ligen, darmit vns Gott sein güte vnd barmhertzigkeit anzeigt, darmit wir erkennen das wir einen gnedigen vatter haben, vnd sich zů jm keren vnd jn anrüffen vmb sein gnad. Sollichs wöll er vns verleihen das wir durch jhn erwerben nach disem leben das ewig leben, Amen.“ [Sidenote: _Wunderkuren in den Bädern_] Man ist leicht versucht, die erwähnten Wunderkuren als Betrug anzusehen. Ziehen wir die auf Suggestion beruhenden ab, bleiben doch noch ein Teil auf den ersten Blick für uns unverständliche zurück. Die damalige Generation begnügte sich aber schon, geringe Besserungen als großen Erfolg anzusehen und als Heilung auszuschreien, auch sah man mit anderen Augen als heute. Man betrachte nur die Ungeheuer, die nach ~Rueff~s Hebammenbuch[251] oder nach den Bilderbogen der Zeit Menschen geboren haben sollten. Die Falten der macerierten Haut von manchen Frühgeburten sind fast immer vom Zeichner so gelegt, daß ein kleines Schwein oder ein kleiner Elefant oder das berüchtigte Mondkalb zustande kommt. In ~Johannes Bauhin~s Abhandlung über das Bad zu Boll vom Jahre 1602[331] sind mehrere Petrefakten abgebildet, darunter auch ein Schieferstein, der einen Wirrwarr von geflügelten Menschen zeigt. Der aufgeklärte ~Bauhin~ setzt aber dem Bilde die Worte bei: „Die Menschliche Gestallten gehören nicht hinein“. So werden wohl die von ~Metobius~ angegebenen Tiere, Maulwurf, Schnecke und Schößling nichts weiter als Blutgerinnsel gewesen sein. Des Brunnens Pouhon berühmtes Insekt von Spa, das durch die Nieren ausgeschieden wurde (Abb. 125)[404], erscheint auf den ersten Blick als ein Harnleitergerinnsel. Das Würmlein, das in den Abhandlungen von Aachen im 17. und 18. Jahrhundert in natürlicher und mikroskopischer Vergrößerung auftritt[409][410][263], ist weiter nichts als eine zufällige oder absichtliche Beimischung zum Harn. Gewebsfetzen wurden häufig als Würmer mit mehreren Köpfen und Füßen gedeutet. Die Heilungen von Blinden sind sehr vorsichtig aufzunehmen. Beim Weihenzeller Wunderbrunnen bestanden sie z.❆B. auch darin, daß jemand ein am Boden liegendes Geldstück sehen, ein anderer den am Finger steckenden Ring erkennen konnte[393]. [Illustration: Abb. 125. Inseckt aus den Nieren einer Frauen gekommen durch Würckung derer Wasser des Pouhons. Kupfer aus: Les amusements de Spa: or, the galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745.] [Sidenote: _Der große Zulauf in Pyrmont 1556_] Die Entdeckung des Brunnens von Pyrmont, wie sie ~Metobius~ schildert, ist eine Fabel. ~Pyrmontanus~[56] und ~Bünting~ in seiner braunschweigischen Chronik[392] geben an, daß 1502 und die folgenden Jahre die Gemahlin des Grafen zum Rietberg, eine geborene zu der Lippe, das Wasser gebraucht habe. Selbst wenn diese Nachricht falsch wäre, erscheint es auffällig, daß das Volk den Brunnen den heiligen (er lag auch auf dem heiligen Anger) nannte, also mit einem Namen, den schon zwei Jahrhunderte vorher ~Henricus de Hervordia~ gebrauchte, und daß ~Pyrmontanus~[56] 1597 den zweiten von diesem erwähnten, den Brodelbrunn, als nichts Auffälliges bespricht. Die kleine Schrift von ~Metobius~ veranlaßte aber, daß in den balneologischen Büchern des 16. Jahrhunderts vom „Neubrunn“ die Rede ist. ~Pyrmontanus~ und ~Bünting~ erwähnen auch den großen Zulauf 1556. In Spanien, Frankreich, England, Schottland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn und Italien soll der Brunnen bekannt gewesen sein. In vier Wochen fanden sich an zehntausend Menschen ein. Die benachbarten Dörfer Odeßdorff (Oßdorff) und Holtzhausen seien Tag und Nacht voll von Kranken und Gebrechlichen gewesen, „daß man die Behausung vnd was sunsten zur Noturfft bedürffens nicht zukommen wüste“. Die Stadt Lüdge, einen Büchsenschuß vom Brunnen gelegen, sei dermaßen von kranken Personen hohen und niederen Standes überfüllt gewesen, daß kein Raum in den Häusern mehr übrig, kein Brot oder Bier zu bekommen war, und daß die Armut große Not gelitten. Während eines Vierteljahres war eine solche Menge Volks daselbst vorhanden, daß Lager im Holz aufgeschlagen, öffentliche „Scharren“, Fleisch-, Bier- und Brothäuser angelegt werden mußten. „In summa es war gleich einem grossen Feldtlager“[56][392]. (Vergl. Abb. 105, 126, 127.) Graf Philipp von Spiegelberg, der damals zu Pyrmont residierte, hatte viel Schaden durch Besuch vornehmer Gäste, die den Brunnen gebrauchten. Anwesend waren unter anderen Frau Hedwig, des Kurfürsten Joachim zu Brandenburg Gemahlin, Frau Catharina, Herzog Johann Ernsten zu Sachsen auf Coburg Gemahlin, Graf Conrad zu Teckelburg, der letzte im Geschlecht, und Graf Sigismund von Gleichen, der bald nach dem Bad starb[56]. [Illustration: Abb. 126. Bad Walkershofen in Bayern 1551. Holzschnitt aus einem Flugblatt des 16. Jahrhunderts.] An einem Lindenbaum hing neben Stangen und Krücken Geheilter die Badeordnung, die ~Melanchthon~ 1556 zu Wittenberg lateinisch abdrucken ließ. Der erste etwas sonderbare Artikel lautet in deutscher Übersetzung: „Zum ersten solln, so diesen Fontein Besuchen, reich, arm, groß und klein Sich in alleweg thun befleissen, Daß sie nicht Göttliche Ehr beweisen Diesem Brunn, und machen ihn nicht Zu einem Abgott, sondern schlicht Zu Gottes Ehrn sein geniessen Von dem kömmt diese Gnad herfliessen“[381]. [Sidenote: _Ältere Ansichten über die kohlensauren Wasser und die Thermen_] Der Zulauf hörte im folgenden Jahre auf um die Zeit, als Graf Philipp von Spiegelberg, der letzte seines Geschlechts, „für Quentin“ den 10. August erschossen ward. Man vermutete ein göttliches Strafgericht, das dem Wasser seine Kraft nehmen ließ, weil der gemeine Haufe öffentlich Sünde, Schande und Hurerei bei dem Brunnen getrieben und vornehme Weibspersonen den Brunnen beschuldigt hatten, durch ihn wassersüchtig geworden zu sein, welche Bosheit aber Gott durch die Geburt schöner Kindlein zuschanden gemacht hatte. Dies der Bericht von ~Pyrmontanus~ 1597[56]. Spätere Beschreiber von Pyrmont lassen ihren Unwillen über den Rückgang des Besuches zum Teil in derben Ausdrücken an ~Tabernaemontanus~ aus, der seinen Ruf als berühmter Arzt benutzt habe, um Pyrmont zugunsten des Schwalbacher Weinbrunnens herabzusetzen[394]. Allerdings sprach sich dieser nicht gerade lobend aus: „Es war vor zwentzig Jahr dieser Sawerbrunnen in einem solchen ruff vnnd geschrey, daß auch auß frembden Nationen, als Franckreich, Italien vnd Sicilien Leut herauß gezogen, diesen Brunnen zubesuchen, dann ein solch geläuff zu diesem Wunderbrunnen war, wie vor zeiten das wütend vnnd rasend Wallen zu der schönen Maria vnd Nothelferin zu Regenspurg, dann es war schier kein Blinder, Tauber, Stummer oder von Mutterleib Lahmer, wie auch die Sondersiechen oder Aussetzigen, die nicht verhofften in diesem Brunnen jhre Gesundheit zu erlangen, ein solch greuwlich Lügengedicht vnnd falsch geschrey kam darvon auß in alle Land, darzu halffen etliche ärtzt oder Doctores, oder vielmehr Impostores oder Deceptores vnnd Landbuben, die liessen ein offentlichen truch außgehen, daß dieser neuw Wunderbrunnen nicht nur allein die erzehleten Kranckheiten, sonder sonst auch alle andere Erbkranckheiten oder angeborene Seuchten curiren vnnd heylen solt, welches doch mit keiner Artzney auff dem gantzen Erdboden zuwegen zubringen ist, vnd dieselbig Kunst vnser Erlöser vnd Seligmacher jhme allein vorbehalten hat. Wie schändlich aber die guten Leut, daß sie einen solchen weiten Weg diesem Brunnen zugefallen reysen müssen, betrogen worden seind, hat mancher mit schmertzen vnd bekümmernüß müssen erfahren, dann ich in warheit etliche gute Leut gekennt die all jr haab vnd Gut versetzt vnd verpfendet, vnd die hoffnung hatten durch diesen Brunnen jre gesundheit widervmb zuerlangen, haben aber durch ein so weite reyß sich also verzehret, daß sie biß jhr ende haben müssen mangel leiden, vnd sonderlich die so sich zum ersten vff die reyß den gemeldten Brunnen zubesuchen begeben haben, dann dieselben musten den größten kosten tragen, die andern aber die zum letzten kommen, die wurden vff dem Weg vnnd Reyß von den ersten gewarnet, vnnd jhn der betrug vnd falsch eröffnet, also daß sie bey zeiten vmbkehrten vnnd sich widervmb zu Hauß verfügten, vnnd also jhr einer den anderen warnete, dannenher dieser Brunnen (wiewol er doch nit gar zuverwerffen, sonder in etlichen kranckheiten nützlich mag gebraucht werden) gar in ein verachtung kommen und der Gauchsbrunnen, dieweil er so vil Narren und Gäuch gemacht, genannt worden ist, vnd sich also je einer mit dem andern selbst vexiert. Soviel aber die ärtzt vnd Medicos anlangen thut, die durch den offentlichen Truck die Leut also verführt vnd betrogen, weren einer guten verehrung vnnd lohns wol werdt gewesen, dann wann man sie schon mit Ruthen zum Land hinauß gestrichen hette, hetten sie wol verdient“[324]. Von diesem Urteil erwähnen die Verehrer Pyrmonts nichts, wohl aber fallen sie über ~Tabernaemontanus~ her, weil er vor dem Trinken des Brunnens warnte auf Grund von Bestandteilen, die auch ~Metobius~ angab und auch wie dieser auf das Absterben von Tieren im Wasser hinwies. Dies letztere erwähnt Metobius auch von Wildungen[56], ~Tabernaemontanus~ vom Weinbrunnen in Schwalbach[324] ~Bauhin~ von den Sauerbrunnen im Schwarzwald[331] und auch schon ~Thurneisser~ wußte, daß Tiere in kohlensäurehaltigem Wasser nicht leben können[390]. Die Schrift von ~Metobius~ war aber im 18. Jahrhundert nur noch dem Titel nach bekannt, sonst wäre man wohl vorsichtiger gegen ~Tabernaemontanus~ vorgegangen. Um diesen zu widerlegen, warf ~Bolmann~[392] 1656 einen Frosch in Gegenwart vieler vornehmer Personen in den Brunnen, nötigte ihn, diesen etliche Male zu durchschwimmen. Wie er aber müde und wegen des Wassers dick wurde, nahm ihn ~Bolmann~ vorsichtigerweise heraus, band ihn in seinem Garten an, wo er vier Tage danach aus Mangel des nutrimenti starb. Und damit hatte er — wie ein Hauptvertreter der Balneologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schreibt — die offenbar unrichtige Behauptung ~Tabernaemontanus~’ widerlegt[416]. ~Seipp~, der das Ersticken von Tieren schon über dem Wasser anerkannte, wollte aber durchaus kein Gift in dem „Dunst“ sehen, sondern nur eine „sonderbare elastische ausbreitende Krafft“, die aus der Lunge alle Luft verdränge[381], infolgedessen also der Tod durch Sauerstoffmangel erfolge. Das edele Wasser durfte nun einmal nichts Giftiges an sich haben. Wenn ~Tabernaemontanus~ wirklich die Pyrmonter Verhältnisse beeinflußt hätte, wie hätte es da Plombières ergehen müssen, von dem ~Paracelsus~ sagte, seine Wärme sei die des gärenden Misthaufens, es habe keine sonderliche Tugend, den Ausschlag bade man ohne Nutzen, weil seine Art, die Müdigkeit zu nehmen, auch gemeinem Wasser zukomme? Es habe sogar einen unangenehmen Anhang. Was zu dem Guten auf der Bahn sei, fördere es, aber auch das Böse, so zu Bösem geschickt ist. Baden-Baden, Wildbad, Liebenzell, Teplitz, Baden bei Wien, Villach, sie alle haben nach ihm nicht mehr Kraft als erwärmtes gemeines Wasser[374]. [Illustration: Abb. 127. Dorf Hornhausen sampt den darin entspringenden Heilbronnen 1646. Kupfer von ~V. Wagner~.] [Sidenote: _Pyrmont_] Nach dem Dreißigjährigen Kriege kam Pyrmont wieder in die Höhe. 1651 wurde der Brunnen auch innerlich häufig gebraucht[392]. 1681 waren sogar vierzig königliche und fürstliche Personen anwesend. Man fand diese Zusammenkunft damals so merkwürdig, daß man auch in Paris sich darum kümmerte, eine Erzählung in den Mercure galant einrückte und urteilte, man werde vielleicht in langer Zeit nicht wieder so viele souveräne Prinzen beisammen sehen. Anwesend waren unter anderen Friedrich Wilhelm der große Kurfürst mit seiner Gemahlin, der Herzog, nachmalige Kurfürst von Hannover, die Herzoge von Celle und von Braunschweig, der Landgraf Carl von Hessen, Prinz Georg von Dänemark, nachheriger Gemahl der Königin Anna von England. Als junge Prinzen waren auch da der Kurprinz von Hannover, nachher Georg I. von England, und seine Schwester, die spätere erste Königin von Preußen, und Sophie Charlotte, die Prinzessin von Celle, spätere Mutter König Georgs II.[342] Von nun ab war Pyrmont Adelsbad und blieb es bis zu seinem Rückgang in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. [Sidenote: _Hornhausen_] Was im 16. Jahrhundert Pyrmont, war im 17. Hornhausen zwischen Aschersleben und Halberstadt (Abb. 127). Sechs Wunderbrunnen waren dort 1646 entsprungen, von denen im selben Jahr drei Beschreibungen erschienen und 1647 darauf eine vierte, nach der in diesem Jahre über zweitausend Personen gezählt wurden, welche sich beim Pastor des Orts wegen der Danksagung angegeben hatten. Ein Schäfer entdeckte den ersten Brunnen und war gleich vom Fieber geheilt worden. Das wurde im Dorf ruchbar, viele neugierige Leute liefen mit dem Priester und Schulmeister hin. Eine alte Bauersfrau, die viele Jahre kontrakt gewesen war, ward völlig geheilt. Nun drang der Ruf von diesem Wasser bald in fremde Gegenden. Von allen Orten eilten die Kranken herzu, und unter den anwesenden hohen Personen zählte man die Königin von Schweden und den Kurfürsten von Brandenburg. Allein nach kurzer Zeit erstarb das Gerücht von den Brunnen, bis sie 1689 wieder emporkamen. Viele Hunderte hatten das Dorf damals angefüllt. Dann kamen die Wasser abermals in Verfall; erst 1718 hörte man wieder von ihnen. Sechzehn gute Quellen und eine große Menge von Kranken wurden gezählt. 1719 war ein einziger armer Kranker da, nur noch sechs Quellen bestanden, von denen die meisten modrig waren. Man warnte jetzt öffentlich vor ihrem Gebrauch. Seither herrschte tiefes Stillschweigen über diese Quellen, welche — wie ~Zückert~ 1768 sagt — das Schicksal gehabt haben, dreimal besucht und gelobt und dreimal vergessen und verachtet zu werden[343]. [Sidenote: _Die Wunderbrunnen bei Nordhausen und Hofgeismar_] Im 17. Jahrhundert entstanden mehrere Wunderbrunnen, die sämtlich plötzlich in Ruf kamen, Blinde, Taube, Lahme heilten und nach kurzer Zeit wieder verschwanden. Es scheint fast, als ob unter der Not des Dreißigjährigen Krieges ein Bedürfnis nach derartigen Brunnen vorgelegen habe. ~Zeiller~ schreibt 1655: „Vil Brünne, die vor wenig Jahren entstanden, vnd deren Wasser vnheilsame Kranckheiten zu recht gebracht hat, als die zu Hornhausen, vnnd andere mehr, haben jhre Krafft wider verlohren. So auch die Anno 1646 den 24. May im Ambt Stoltzenau, nächst dem Dorff Müslering entstandene drei Heilbrünnen gethan, so umb den Wintermonat selbigen Jahrs jhre Krafft mehrertheils wider verlohren haben, da zuvor vil hohes, vnd nidriges Standes Personen, nicht allein dabey sich angefunden, vnd deren bedient; sondern auch, nach erhaltener zimlicher guten Gesundheit, die Lahmen jhre auffgehenckte Krücken hinterlassen; auch sonsten etliche hundert vilfältig presthafft geweste gesund worden seyn.“ 1652 entstanden die Brunnen beim Dorf Lose im Lüneburgischen und 1646 beim Kloster Lüne wieder, die viele Jahre zuvor in Ansehen gewesen, dazwischen aber kraftlos gewesen waren. Ein berühmter Wunderbrunnen beim Dorf Nordhausen im Amt Kassel hatte 1655 keinen Ruf mehr. Der Trinkbrunnen zu Hofgeismar begann auch seine Laufbahn 1639 als Wunderbrunnen[83]; der alte Badbrunnen war aber schon über achtzig Jahre bekannt[343]. [Illustration: Abb. 128. Gesundbrunnen bei Ham. Kupfer aus: ~Peter Hesselius~, Hertzfließende Betrachtungen von dem Elbe-Strom. Altona, 1675.] [Sidenote: _Die Wunderbrunnen zu Rastenberg / Bielefeld / Weihenzell / Ham / Burgwinnumb_] 1646 wurde zu Rastenberg im Weimarischen ein Gesundbrunnen entdeckt. Blinde, Lahme und Krüppel wurden geheilt, viele Krücken blieben zurück. Der Herzog Wilhelm zu Weimar verordnete, den Brunnen mit einer halben Mauer und einem Staket darauf zu umgeben, alle Woche Betstunden dabei zu halten und einen Almosenstock anzulegen. 1648 blieb aber das Wasser aus. 1696 entsprang es neu. Ein kranker Holzknecht trank zufällig davon. Dies wurde im Backhaus erzählt, und schnell entstand großer Zulauf. Der Weimarische Leib- und Hofmedicus Zapf beschrieb ihn, und schon im Jahr darauf mußte sein Büchlein zum vierten Male gedruckt werden. Diesmal wurde täglich zweimal, morgens und abends um sechs Uhr, Betstunde gehalten, jedesmal ein Bußlied gesungen, Johannes, Kapitel 5 Vers 2–14 vorgelesen und darauf ein sehr langes Gebet gesprochen. Der Zulauf war auch jetzt wieder sehr groß. Man erhielt nicht ein frisches Bund Stroh, viel weniger ein Bett und eine warme Stube. Vier bis fünf Personen mußten in einer Wanne baden, ohne daß das Wasser erneuert wurde. Viele gingen, ohne den Brunnen gebraucht zu haben, heim[401]. 1666 entsprang zu Bielefeld ein Heilbrunnen. Bei diesem derselbe Zulauf. Abb. 105 zeigt das Treiben wie bei den anderen Wunderbrunnen. Wir finden auch hier die „ordentliche Beth-Stunde“. „Ach Jesu! hast du denn vergessen, daß wirs sind, die das Unrecht in sich gesoffen wie Wasser?“ Diese Stelle mag das Bußgebet charakterisieren, das beim Brunnen vorgelesen wurde[403]. In Weihenzell bei Ansbach entdeckte 1680 ein bettelnder abgedankter Soldat unter einer Miststätte einen Quell, trank davon und nannte ihn einen unvergleichlichen Schatz. Sein altes Brustübel wurde nach einer Stunde gebessert, nach wenigen Tagen geheilt, ebenso zwei Weiber im Dorf. Damit begann der Ruf, und nun kam der Zulauf. Der Fürst von Brandenburg-Onolzbach ließ den Quell in Marmor fassen und in Gegenwart vieler tausend Personen durch seinen Generalsuperintendenten ein öffentliches Dankgebet sprechen, das auch im Druck erschien, und der fürstliche Leibmedicus ~Löle~ wurde nicht müde, den Ruf der Quelle in Wort und Bild zu verkünden[393]. ~Zückert~ erwähnt sie aber 1768 gar nicht, ebenso die Wunderbrunnen bei Ham (Abb. 128), die zu Walkershofen (Abb. 126) und zu Burgwinnumb (Abb. 129). [Illustration: Abb. 129. Der Brunnen bei Burgwinnumb in Franken. Holzschnitt aus einem Flugblatt von ca. 1600.] [Sidenote: _Der heilige Brunnen zu Zürich_] Genossen auch viele Bäder einen unverdienten Ruf, die mineralische Bestandteile angaben, welche sie nicht besaßen, so unterschieden sie sich doch wesentlich von diesen Wunderbrunnen durch ihren dauernden Ruf und Gebrauch. Die Badeärzte von Pyrmont hoben hervor, daß ihr Brunnen, obwohl er das Schicksal eines Wunderbrunnens gehabt habe, mit diesen nicht auf eine Stufe zu stellen sei, weil er durch seine wirksamen Bestandteile geheilt habe. Umgekehrt wurde beim heiligen Brunnen an der Wasserkirche in Zürich im 16. Jahrhundert von ~Albrecht von Weissenstein~ die Mitwirkung von Mineralien in Abrede gestellt, weil Gott durch die Kraft des Wassers allein die Verdienste der Heiligen ehren wolle[414]. [Sidenote: _Pfäfers_] Unter den Thermen steht bei ~Paracelsus~ Pfäfers obenan[374], das er 1535 selbst besuchte und beschrieb[21]. Angenehmer als früher war auch im 16. Jahrhundert der Aufenthalt noch nicht. [Illustration: Abb. 130. Pfäfers 1610. Holzschnitt von ~Joseph Pleb~ nach einem Modell von ~Fabricius Hildanus~. Aus: ~Guilhelmus Fabricius Hildanus~, De conservanda valetudine. Frankfurt a.❆M., Merian, 1629.] ~Stumpf~ sagt 1548: „Gleych nebend dem Closter in einem tieffen vngeheüren tobel, dardurch der bach Taming gantz vngestüm über die velsen rauschet, vnder einem finsteren holen velsen, ligt das kostlich vnd heilsam warm Bad, auch nach dem Closter, dem es zůgehörig, Pfäuers genennt ..... Das tobel ist noch heüttigs tags vnwägsam, kleine ellende heüßle sind darinn, die man allein Summers zeyt bewonet, zur notturfft deren so darinn badend. Weyn, brot, fleisch, vnd alles das man darinn braucht, můß man hinab tragen. Das tobel hat zween wäg hinab inns Bad, beiderseyts in die velsen gehauwen: also böß vnd gefarlich zewandlen, das vil leüt auß forcht nit hinab bedörffend wandlen: etlich tregt man dareyn, etlich fürt man hinab. Etlich hab ich selbs kennt, die biß darauff kommen, vnd auß forcht des gefarlichen wägs widerumb vngebadet hinweg sind gefaren. Aber im jar 1543 ward erst ein gůter wäg hinab gemachet, den man reyten vnd wol gewandlen mag .... Da ist in disem finsteren loch kein fröud noch kurtzweyl dann im Bad, darinn ligt man tag vnd nacht. Merteils leüten farend dar vnd dannen, daß sy an keinem bett zů růwen niemer kommend. Die Sonn scheynt im Summer bey mittemtag bey einer stund hinab. Der bach rauschet also durch die velsen vnder dem Bad hin, daß einer dem andern redende, gleych als in einer müllin, laut zůrüffen můß. Zů Herbst zeyt im October vergadt dz Bad, gibt kein warm wasser mer, stadt lär den Winter, als denn ziehend die Würt herauß“[9]. ~Münster~ hätte 1550 gern in seiner Cosmographey eine Abbildung von Pfäfers gebracht. Es war ihm aber unmöglich. „Es ist so gar zwischen den grawsamen hohen Felsen beschlossen, dz man sein gelegenheit nicht anzeigen kan. Es ist ein treffliche weite Spelunck, von zweyen hohen Felsen erwachsen, vnder welchen der ein gantz gebogen ist wie ein Gewelb, vnd neigt sich gegen dem andern, vnd lassen oben in der höhe gegen Mittag ein öffnung, das die Sonn Summers zeiten zu Mittag ein Stund vngefährlich dareyn scheinen mag, aber dannoch gantz dunckel da vnden ist, daß man auch vmb den Mittag eins Liechts in den engen Gemachen bedarff. Dann es stehn vnden gleich vber dem fließenden Gletscherwasser drey oder vier Heußlin, darinnen man kocht, vnnd kleine Stüblin hat.... Nun aber ist der Kasten (auch in Felsen gehauwen) so eng, das nicht viel vber 100 Menschen darinn gesitzen mögen, die sich dannoch gantz eng vnnd nahe zusammen schmucken müssen, vnnd sitzen da in der dunckelheit, wie die Seelen in S. Patricij Fegfewr“[318], und, wie 1665 ein Unterösterreicher Namens ~Schmuz~ hinzufügt, in „deß Lutheri Höll“[456]. 1610 fertigte ~Fabricius Hildanus~ ein Modell des Bades an, nach dem er einen Holzschnitt (Abb. 130) zeichnen ließ[22]. Vom Beschauer aus wölbte sich der Felsen über die Häuser. Wie man vor der Erbauung des breiten schwebenden Stegs im Jahre 1543 ins Bad gelangte, wird nirgends angegeben. Man könnte vermuten, daß ein schmalerer schon früher bestand. Nach ~Münster~ mußten die Kranken ehemals an langen Seilen und hängenden Leitern ins Bad hinabgelassen werden[351]. Der Aufenthalt im Bad selbst war furchtbar. Der Dampf verdunkelte das Zimmer, daß man am Tage Licht brennen mußte, und wenn die Sonne hell am Himmel stand, war es erst recht dunkel, weil dann die Dämpfe nicht abzogen. Dazu kam das Brausen der Tamina und das Geräusch des Badewassers, das mit großer Gewalt in den Fluß fiel. Manche sollen närrisch geworden sein, konnten nicht schlafen, Fieber und andere Zufälle folgten[22]. ~Günther von Andernach~ fiel bei seinem Aufenthalte im Jahre 1562 noch unliebsam auf der „foetor ex alui recrementis, hic illic per uiam qua ad lauacrum, uel extra hospitium itur, positis occurrit, ut animi defectionem hominibus paulo humanius educatis accersat“[C][388]. Große Steine und Bäume fielen zuweilen von der Höhe auf die Häuser hinab, einmal als dreihundert Menschen im Bade saßen[349]. „Mühe und Gefahr“, schrieb ~Ulrich von Hutten~ 1523, als er die Kur umsonst gebraucht hatte, „waren vergeblich bestanden“[395]. Viel wurde nicht für das alte Bad getan. Die Brücke war 1610 wackelig und zitterte, wenn man darauf ging, daß niemand mehr hinabreiten konnte und Furchtsame von den Bauern in Sesseln mit verbundenen Augen getragen werden mußten[22]. Oftmals kam es vor, daß nicht allein Betrunkene, sondern Nüchterne im Ein- und Ausgehen zur Tag- und Nachtzeit in den Abgrund zu Tode stürzten. Schließlich wurde die lange Brücke durch abfallende Steine eingeschlagen, die Häuser und die Badehütte verfaulten durch die Dämpfe. Im Winter 1626 wurde das obere Wirtshaus durch einen herabfallenden Stein zerstört, und 1629 brannte im Winter, als man zur Pestzeit badete, durch Unvorsichtigkeit dreier Mädchen das untere Gasthaus ab. Das sah der Abt als eine Fügung Gottes an und entschloß sich zum Bau des Bades an der heutigen Stelle. Am 19. Mai 1630 floß das Wasser in seiner Leitung zum ersten Male die Taminaschlucht hinab. Den 10. Januar 1631 wurde auch noch das alte Badehaus durch einen herabfallenden Stein ganz zerschmettert und dadurch das Baden im alten Tobel „nunmehro auffgehebt“[349]. 1680 wurde das Fortbestehen des neuen Bades ernstlich in Frage gestellt. Am 11. März stürzten nach anhaltendem Tauwetter schon länger drohende Felsenstücke mit großen Eis- und Schneemassen über die Quelle und verschütteten dieselbe derart, daß auch nicht eine Spur von Thermalwasser mehr zu finden war. Im Konvent zu Pfäfers wurden Beratungen gepflogen, ob man die Quelle wieder hervorsuchen oder dem ungeheuren Schutt preisgeben wolle. Schließlich entschied man sich für ersteres, und am 1. Mai fand man sie wieder. Eine wichtige Beratung fand 1700 statt. Das Badehaus genügte für die vielen Gäste nicht mehr, war auch baufällig geworden und sollte abgetragen werden. Es wurde die Erbauung eines neuen Gebäudes am Schwattenfall erwogen, ungefähr in der Mitte des heutigen Weges von Ragaz nach Pfäfers. Der Plan kam nicht zur Durchführung, dafür erstand das heutige klosterartige Gebäude in den Jahren 1704 bis 1716[316]. Es war anfänglich vier Etagen hoch und diente zweihundert Personen zur Herberge. Um dasselbe herum war kein Raum für Spaziergänge. Obgleich der Ort, so dermalen das Badehaus steht, nicht mehr so gräßlich ist als der ehemalige Aufenthalt bei der Quelle, sagt 1766 ~Fäsi~, „so würden doch Übelthäter, denen das Leben abgekennt ist, Gnade verdienen, wenn sie gezwungen wären, sich allhier ein Vierteljahr aufzuhalten“. Nur die Hoffnung auf Gesundheit mache den Aufenthalt erträglich[419]. 1825 schrieb ein deutscher Arzt in ~Hufeland~s Journal, daß kaum ein berühmter Badeort Ärzten und Kranken weniger bekannt sei als Pfäfers. Man wisse gar nicht, wie man dahin gelange. Er selbst war siebzehn Tage dort. Der Weg von Ragaz wurde in zwei kleinen Stunden zu Fuß, zu Pferd oder auf von Männern getragenen Sesseln zurückgelegt. Fahren konnte man nicht. Von Valens senkte sich der Weg, ins Bad führten Stufen hinab. „Es werden wenige sein,“ sagt er, „in welchen dieser Anblick den Gedanken nicht erregte, die unverzügliche Rückkehr einem mehrwöchentlichen Begräbnisse in diesem schauerlichen Schlunde vorzuziehen.“ Die Quelle besuchte er nicht, weil er sich an den schauderhaften Anblick nicht gewöhnen konnte. Er fand überall nicht nur Mangel an Eleganz, sondern viel Unreinlichkeit. Die Fugen der Wasserleitung waren mit halbfaulem Moos verstopft, und das Wasser hatte Holzgeschmack. Beim ersten Anblick eines Badgewölbes (Abb. 131; 1805 waren nach ~Ebel~ in sämtlichen sechs Bädern die Fenster fest vernagelt[682]) war er sehr verwundert: „Wie! in so ekelhaft schmutzigen Hallen Thront Pfäfers Nymphe, die Fürstin aus allen? Sie, die mit Wunderkraft Stets neues Leben schafft! — Still Freund! man findet ja überall Spuren Von großer Heilwirkung der Ekelkuren.“ Die Preise fand er nicht billig, tröstete aber den Gast mit der Ersparnis an Equipagen, Gesellschaften, Ballkostümen und den hier fehlenden Verlusten im Hasardspiel[396]. [Illustration: Abb. 131. Pfäfers 1784. Kupfer von J. J. M. Zürich. Stadtbibliothek.] Dem weiten Weg von Ragaz über Valens und dem schaudererregenden Abstieg auf der Felsentreppe zum Bad wurde 1838/39 durch Anlegen der neuen Kunststraße längs der Tamina abgeholfen, so daß man von nun an von Ragaz nach Pfäfers nicht nur in dreiviertel Stunde gehen und reiten, sondern auch fahren konnte, und kurz darauf wurde gar die Wasserleitung längs der Straße hinabgeführt, daß am 31. Mai 1840 die neue Badeanstalt in Hof Ragaz, dem alten Statthaltergebäude des Klosters, eröffnet werden konnte[316]. Nun stand dem alten Wasser, das ein Jahrtausend nur als Heilbad gedient, nichts mehr im Wege, sich zu einem Luxusbad zu entwickeln, wenn auch Professor ~Vogt~ noch 1857 sagt: „In Ragaz darf man nicht rauschende Vergnügungen wie in großen Bädern suchen. Man kennt da nicht Bälle, Konzerte, Musik eines großen Orchesters, Hazardspiel u. dgl., überhaupt nicht ein städtisches Gesellschaftsleben mit Putz und Tand aller Art. Man ist hier in der Tat auf dem Lande und alle Vergnügungen und Unterhaltungen haben durchaus das ländliche Gepräge“[368]. [Sidenote: _Wildbad_] Weit besser als in Pfäfers war im 16. Jahrhundert in Wildbad gesorgt. ~Günther von Andernach~ fand alle Bequemlichkeiten[388], und auch andere Schriftsteller geben an, daß für Arm und Reich gute Herberge zu finden sei[431]. Es wurde zur Zeit von mehreren Fürstlichkeiten und vornehmen Personen besucht. Die Anwesenheit Heinrich Ottos, Pfalzgrafen bei Rhein, im Jahre 1526 wurde der Nachwelt durch eine Inschrift auf dem Bogen der sogenannten Hölle im Herrenbad überliefert. Dem Namen war auch sein Wahlspruch „Mit der Zeit“ beigesetzt. 1532 stiftete König Ferdinand, als er sich während seiner Interimsregierung im Wildbad aufhielt, eine steinerne Brunnensäule mit zwölf metallenen Röhren, auf der er sein gewappnetes Bild errichten ließ. Herzog Ulrich von Württemberg scheint aber kein Freund seines eigenen Bades gewesen zu sein. Als sein Sohn Herzog Christoph 1545 um hundert Stunden gebadet hatte, warnte er ihn, die Kur fortzusetzen und schrieb unter anderem: „Wenn auch das Bad zum allerbesten geriethe, so ist keine andere Vermuthung, als daß du nach solchem Bad deinem Halten und Wesen nach (wie mir bericht) so feyst werdest, wie eine Mastsaw.“ In einem anderen Schreiben warnt er ihn, sich in Hinsicht des Bades wohl vorzusehen, „sonst erwürgt’s dich, ehe du dich’s versiehst“. Das Städtchen Wildbad wurde sechsmal beinahe gänzlich in Asche gelegt. Das scheint beim Zurückgehen des Bades einen wesentlichen Anteil gehabt zu haben, obwohl es den Dreißigjährigen Krieg infolge eines Schutzbriefes Kaiser Ferdinands III. gut überstand[325] [335]. Um das Bad zu heben, wurde 1821 der Regierung eine Denkschrift mit Vorschlägen überreicht, in der als Hauptmangel das für die höheren Stände widerliche und viele Badegäste zurückschreckende Baden von Leuten aus allen Volksklassen in denselben Bassins sowohl im Herren- als im Frauenbade zur Sprache kam. 1824 beschloß man, das Pferdebad zu einem Menschenbad einzurichten, das den Armen überwiesen wurde, so daß 1828 durch Neuherstellung der Einrichtungen der schickliche Vorteil erreicht wurde, nach verschiedenen Klassen der Kurgäste zu baden, die Vornehmen auf Wunsch auch in Einzelbädern[382]. 1837 befand sich im Wildbad noch nicht ein einziger norddeutscher Kurgast, 1839 erst neunzehn[154]. Durch Neubauten brachte es Wildbad schließlich dahin, daß auch Personen höchsten Ranges standesgemäße Unterkunft fanden. Es wurde (1857) wiederholt von der Kaiserin-Witwe von Rußland und vielen anderen hohen Personen besucht[457]. [Sidenote: _Spa_] Spa scheint schon im 16. Jahrhundert das Bad fremder Fürstlichkeiten gewesen zu sein. Ein Leibarzt Heinrichs VIII., ein Venezianer und eine spanische Dame waren angeblich die ersten fremden Kurgäste. Mehrere Monographien halfen zur Verbreitung des Rufes. Louis de Gonzaga, Herzog von Nevers, war 1575 und 78 und Alexander Farnese, Herzog von Parma, war vor 1589 dort, auch Karl I. von England und Heinrich III. von Frankreich gebrauchten die Kur, 1577 Margaretha von Valois mit einer liebeskranken Prinzessin, die aber aus politischen Gründen das Wasser nach Lüttich kommen ließ. Maldonat und Margaretha von Valois wissen noch nichts Gutes von den Spaer Einrichtungen zu berichten[70]. [Illustration: Abb. 132. Gleichzeitiger Gebrauch von Dusche und Mineralbad in den alten Stadtbädern zu Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen 1688.] [Sidenote: _Die Dusche_] Zu Anfang des 16. Jahrhunderts kam eine neue Gebrauchsart der Mineralbäder nach Deutschland, die Dusche. Tucia (~Ryff~), Ditia (~Leucippaeus~), das sind die ersten, dem italienischen Wort Doccia oder Duccia nachgebildeten Namen in Deutschland für das „Vff sich lassen rinnen vnd fallen von oben herab“ (1513)[346]. Als ~Paumgarten~ 1584 in Lucca weilte, schlugen ihm die Ärzte das „doccirn“ mit dem Wildbadwasser vor[248]. Häufig wird der allgemeinere Name Stillicidium gebraucht. Die Dusche wurde im Gegensatz zu unserem heutigen Gebrauch zuerst nur auf den Kopf angewandt (Abb. 132), was nicht den Beifall aller deutschen Ärzte fand. ~Phries~ (1519) will nichts von dem Gießen des heißen Wassers aufs Haupt wissen, weil es Kopfschmerz mache[420], und ~Conrad Gessner~ gebrauchte zu Baden (Schweiz) an Stelle des ehemals berühmten Stillicidiums — wie er sagt —, welches vielen Personen Ungelegenheit gemacht hatte, einen Schwamm, womit das Haupt bedeckt und auf den das warme Badewasser geschüttet wurde[94]. 1598 wandte sich ~Leucippaeus~ gegen die eine Elle hoch herabfallende Dusche, sie solle für etliche Mängel des Haupts dienen, in Wahrheit sei aber solch Stillicidium viel schädlicher als es nützen könne[431]. Nach ~Phries~ war die Fallhöhe 1516 drei Schuh hoch, gegen Ende des Jahrhunderts aber viel niedriger, so daß wir bei dem schwachen Strahl heute eigentlich nicht von einer Dusche sprechen würden. Als der Nürnberger Kaufmann Wolf Flenntz 1571 nach „Carls Padt bey Ellenbogen“ ging, gab ihm ~Volcher Coiter~, ein bekannter Nürnberger Anatom und späterer Feldmedikus des Fürsten Kasimir von Anhalt, eine Anleitung zur Kur. Darin heißt es: „Man mus ein hiltzes schefflin +zwo spannen hoch vom haupt+ hennckhenn vnd wan das ihr im badt seidt, das wasser darin ir badett in das selbige schefflein giessenn, vnd durch ein henlin, so +weith+ das +aines klains fingerlin halb groß darein ghenn mag+, dasselbig wasser auff das haubt also warm fallenn lassenn das muß geschehenn ein wenig vor ehe das ihr auß dem badt woldt ghenn, Erstlich müst ihr das wasser fallenn lassen vornen auf das hauptt, ein handt braith von der stirnn, letzlich hinden ein handtbraith vom knieckh, das müst ihr treibenn +so lanng ir badett+“[376]. Nach ~Bauhin~ fiel das Wasser nur eine Hand, aufs höchste eine Spanne hoch herab[331]. Die Dauer setzte ~Mechinger~ (1513) auf ungefähr eine Stunde[346], ebenso ~Bauhin~[331] bei fünfzehntägiger Gebrauchszeit, ~Coiter~ für Karlsbad auf zwei Stunden fest[376]. Mehrere geben eine besondere Vorrichtung an, um das Wasser länger auf dem Kopf zu halten und dann die Wirbelsäule hinabfließen zu lassen. Nach ~Mechinger~ sollte das Wasser „fallen vffs haubt vornen da es offen ist, als man das an iungen kinden sehen kan, da tringt es durch yn. Soll aber das das haubt mit ainem bauschs wie itzo die frawen vff iren haubtern tragen bewart sein, der selbe soll hinnen offen sein, das die wasser dahin durch mögen lauffen übern hals hinab“[346]. Dieselbe Vorrichtung beschreibt ~Sytz~[375]. ~Ryff~ wollte dafür ein Tuch um Stirn und Schläfe gewunden haben, so, daß hinten eine Öffnung blieb[48]. Manche schoren das Haar ab (~Bauhin~, ~Reydt~). In diesem Falle hielt man eine warme Bedeckung des Kopfes nach der Dusche noch nötiger als sonst. Für Priester, die bei der Messe die Kappe abnehmen mußten, schlug ~Reydt~ 1708 ein Pflaster auf den Kopf vor[458]. Die Kur geschah auf zweierlei Weise, im Bad (Abb. 132) und außerhalb des Bades (Abb. 133); wie beim Baden erhöhte man allmählich die Wärme[331], in späterer Zeit stieg man auch mit der Fallhöhe und der Dauer der Dusche und nahm am Schlusse wieder ab. 1606 gebrauchte man in Baden-Baden das „Träuffen“ wie das andere Bad täglich zweimal, fing mit wenig Stunden an, stieg bis zum höchsten (bis sechs Stunden?) und nahm darauf ab[362]. Es entstand auch eine „Ruffe“ (Ausschlag), die nicht abgerissen werden sollte, weswegen das Kopfwaschen vierzig Tage zu unterlassen war (~Baccius~)[331]. [Illustration: Abb. 133. Auf- und absteigende Duschen (Stillicidia oder Wassergüß) im St. Cornelii- (oben) und im Rosenbade (unten) zu Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.] ~Ryff~ empfahl als einfachstes Instrument den Laugenkessel der Barbiere[48]. Man verband auch das Kopfwaschen mit der Dusche. Der dänische Statthalter in Holstein, ~Heinrich Rantzau~ schrieb eine lateinische Anweisung zur Gesundheit, die 1573 herausgegeben[397] und 1587 von ~Wittich Vinar~ ins Deutsche übersetzt wurde. Er empfahl zur Erhaltung der Gesundheit, jährlich das Haupt drei- oder viermal mit kaltem Wasser zu zwagen: „erstlichen sol das heupt mit laulicher laug gewaschen werden, wenn solches geschehen, soll man mit frischem brunnwasser +allgemachsam von der höhe auff das heupt treuffen+, vnd bald darnach heuffig ein drey oder vier nössel kalte laug oder frisch brunnwasser vber den kopff schütten“[459]. Schon ~Ryff~ empfahl, die Dusche auch auf kranke Glieder tropfen zu lassen, und dieser Gebrauch trat allmählich immer mehr in den Vordergrund (Abb. 46, 133, 135_a_). Die einfachste Vorrichtung der Dusche in Form eines Gießfasses war leicht in jedem Bade anzubringen. Immerhin wurde sie nicht überall häufig gebraucht. In Warmbrunn war 1607 die „Treffte“ selten[69]. ~Bauhin~ erwähnt schon, daß in dem neuen Namen Duccia zwei Sachen begriffen seien, das „abtroffen“ und die „Besprengung“. Man gebrauchte neben dem Herabtropfen auch einen stärkeren Strahl, der aus Teucheln floß, die vom Brunnen hergeleitet wurden[331]. „Newe vor diesem niemahl gebrauchte Stillicidia oder Wassergüß“ kündigte ~Blondel~ 1688 im S. Cornelii und im Rosenbad zu Aachen an, die von den Franzosen la douche oder la touche, von den Aachenern aber die „Pompe“ genannt wurden (Abb. 133). Sie waren nur ohne Bad zu brauchen und hatten in der Nähe Betten zum Schwitzen. Als Besonderheit führte ~Blondel~ an, die Patienten wären nach der Dusche mit Schwefelblumen bedeckt, daß man mit Fingern auf der Haut schreiben konnte. Im kaiserlichen, dem kleinen und in S. Quirinibad, den sogenannten alten Stadtbädern, war der Wasserguß „von alters her“ im Brauch, und zwar fiel das Wasser aus einem erhöhten Geschirr herunter. 1688 wurde das Wasser durch eine Pumpe emporgehoben (Abb. 132). Geduscht wurde während des Badens[409]. Da die Pumpen nur das Wasser in die Höhe zu treiben hatten, war der Druck des fallenden Wassers gering, und man suchte ihn durch möglichst hochgelegene Duschebehälter zu erhöhen. 1806 war die Dusche im Verenabade zu Baden zehn bis zwölf Schuhe hoch (Abb. 46, 103), man benutzte sie zehn bis fünfzehn Minuten lang, nahm mit der Zeit zu und ab wie beim Bade[418]. ~Vogt~ verlangte 1857 eine Fallhöhe von zehn bis fünfzehn Fuß, welche die meisten Bäder nicht besaßen, um eine Erschütterung der tiefer gelegenen Teile zu bewirken[368]. 1793 war im Brückenauer Bade bei Fulda ein Tropfbad von zweiunddreißig Schuh Fallhöhe in Gebrauch, das auf ~Zwierlein~s Vorschlag errichtet worden war, in Ronneburg eins von fünfundvierzig, in Lauchstädt von achtundzwanzig[656], in Driburg 1792 von achtzehn Fuß Höhe[674]. Im Seebad zu Zoppot fielen 1823 die Tropf-, Dusch-, Regen- und Sturzbäder von einem Turme herab[185]. [Sidenote: _Duschemassage und schottische Dusche_] In den süddeutschen Bädern hatte man 1822 noch die alten Duscheeinrichtungen, bei denen das Wasser von der Decke oder vom Dachboden herabfiel. Es mußte in die Behälter getragen oder gepumpt werden, wodurch die Temperatur nicht gut regulierbar war und außerdem nur Duschen von oben nach unten gegeben werden konnten. In den norddeutschen Bädern zu Rehburg, Nenndorf, Eilsen, Pyrmont, Mainberg und Driburg hatte man Duschemaschinen, die im wesentlichen Feuerspritzen waren und den Strahl unter höherem Druck auf jeden Körperteil richten ließen. Bemerkt muß hier werden, daß man zu dieser Zeit unter Dusche (Tropfbad) nur die Strahlendusche verstand, die Regendusche hieß Trauf- oder Sturzbad und wurde nur kalt verwendet [370][D]. Die bewegliche Strahlendusche unter Verwendung einer Art Feuerspritze wurde von einem Dr. ~Lucas~ vorgeschlagen, was ~Zückert~ 1768 erwähnt[343]. Zur Unterstützung der Duschewirkung rieb man die Glieder. Das besorgte der Kranke selbst, und in dieser Form war die „Douchemassage“ ein allgemeiner Brauch. Zu Aix in Savoyen, Aachen und Warmbrunn bestand noch eine besondere Anwendungsart. „Es setzt sich nämlich“, schreibt ~Rüsch~ 1832, „der Badewärter zu dem Kranken in eine ovale Wanne, reibt, streicht, drückt, dehnt, manipulirt während dem Herabströmen eines Wasserstrahls die Glieder desselben eine Viertelstunde lang unausgesetzt: durch welche Behandlung die Wirksamkeit der Douche sehr erhöht werden soll“[88]. Auch ~Justinus Kerner~ erwähnt 1832 von Aachen, daß dort eigene Leute männlichen und weiblichen Geschlechts (Frotteurs und Frotteuses genannt) zum Reiben der kranken Gelenke mit der bloßen Hand während des Duschens angestellt seien[325]. In seiner Gymnastik weist ~Tissot~ darauf hin, daß man bei Gelenkerkrankungen zur Vermeidung von Steifigkeit und Kontrakturen einige Tage nach dem Schwinden des Schmerzes und der Entzündung neben passiven Bewegungen Reiben der Gelenke und namentlich die warme Dusche mit großer Fallhöhe anwenden müsse, die durch ihren Stoß schon als Erschütterung wirke, um allmählich zu aktiven Bewegungen überzugehen. Die Dusche von warmem Mineralwasser hielt er für besonders vorteilhaft und stützte sich dabei auf die guten Berichte aus Aachen[453]. 1768 machte ~Zückert~ darauf aufmerksam, daß bei irgendwelcher Entzündung an den Gliedern oder in den Eingeweiden die Dusche auf jeden Fall unterbleiben müsse. [Illustration: Abb. 134. Entwurf ~Blondel~s zu Dampfbädern in Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Thermarum Aquisgranensium et Porcetananarum elucidatio et thaumaturgia. Aachen, 1688.] [Sidenote: _Die Mineraldampfbäder_] Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam aus Italien eine zweite neue Gebrauchsart der Mineralbäder nach Deutschland, die Verwendung als Stufe, auf Deutsch als Dampfbad, direkt über oder in unmittelbarer Nähe der Quelle. Nach ~Bauhin~ hatte man in Italien drei Hauptarten in Gebrauch. Die Dämpfe wurden entweder über der Quelle aufgefangen und durch einen engen Gang in ein kleines Haus geführt, oder man schwitzte in Höhlen, unter denen sich „feurige Hitze“ befand, und die nach Art der Badestuben aufsteigende Bänke hatten, oder man steckte nur einzelne Glieder in kleine Höhlen. ~Bauhin~ schlug für das Boller Bad vor, die Kessel und Deckel so zuzurüsten, daß das Wasser, welches heraustropfte, zum Trinken könne aufgefangen werden und die Dünste durch Kanäle, welche man vor die Löcher gestellt, in das über dem Kessel gelegene Kämmerlein aufsteigen konnten. In dieser Kammer sollten Häußlein mit krummen Teucheln an die Kanäle angeschlossen werden, wo der Kranke auf einem hölzernen durchlöcherten Brette saß und der Kopf sich außerhalb des Häuschens befand, also ein Schwitzkasten, wie er schon beschrieben wurde. Ein derartiges Schweißbad befand sich bereits beim Bad zu Plombières, und ~Bauhin~ schlug vor, dort mehrere zu errichten, ebenso zu Baden-Baden und zu Baden in der Schweiz[331]. In Baden-Baden wollte man aber davon nichts wissen. ~Hess~ nahm 1606 an, ein solches Dampfbad müsse über der Quelle liegen, wodurch das Badewasser durch abrinnenden Schweiß verunreinigt würde, außerdem könne man das Gewölbe des Hauptquells nicht zerstören[362]. Vornehme Männer und Ärzte verlangten „schweiß- oder schwadembäder“ für Aachen und Burtscheid, und ~Blondel~ schlug 1688 den in Abb. 134 wiedergegebenen Kasten für das Kaisersbad an der Stelle, wo das überflüssige Wasser ablief, vor. Eine Art aufsteigende Dampfdusche im St. Cornelius- und im Rosenbade bildet ~Blondel~ ab (Abb. 133 links), beschreibt sie aber nicht[409]. Dampfkästen für den ganzen und halben Köper und Dampfduschen für einzelne Glieder finden sich im 18. Jahrhundert in mehreren Schriften über Aachen angegeben (Abb. 135)[263][410]. 1768 sagt ~Zückert~, daß die mineralischen Dampfbäder nur bei den schwefelhaltigen Thermen angebracht seien, die übrigen hätten vor dem gewöhnlichen Dampfbade keinen Vorzug[343]. In Karlsbad wurde 1794 ein kleines Dampfbad gegen den Sprudel hin errichtet, das 1825 unter Weglassung der Wasserbäder zu einer größeren Dampfbadeanstalt mit mehreren Kästen über der Hygieensquelle umgestaltet wurde. Die Erbauung geschah unter Leitung eines Dr. ~Jean de Caro~, der sie 1829 beschrieb[347]. [Illustration: Abb. 135. Bilder aus Aachen von 1827. _a_ Die Art, wie man das warme Wasser auf die schwachen Glieder fließen läßt. _b_ Trockenbad oder auf was für Art man den Dampf von dem Wasser auf die kranken Glieder bringt. _c_ Gebrauch des trockenen oder Dampfbades. _d_ Das halbe Dunstbad. _e_ Das halbe Wasserbad. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.] [Illustration: Abb. 136. Dampfbad zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1827.] In einen neuen Entwicklungsabschnitt traten die Dampfbäder mit dem Auftreten des bayerischen Legationsrates ~Carl von Gimbernat~. Seine Vorstudien machte er in Aix in Savoyen, 1823 kam er nach Baden in der Schweiz, wo er in aller Stille seine Untersuchungen begann. Er glaubte schon in Aix eine organische Substanz, gebildet durch die elastische Flüssigkeit dieser Quelle, gefunden zu haben, die viel Gleichheit mit der tierischen Substanz und alle negativen Eigenschaften von Azot (Stickstoff) haben solle, dessen Gegenwart sich ihm im Gas der Quelle anzeige. Nach ihm verlor sich wegen unzweckmäßiger Einrichtungen der Behälter, der Quellen, der Wasserleitungen die Haupttugend dieser elastischen Flüssigkeit so sehr, daß Gas und Schwefel nur in sehr unbedeutender Menge zu den Bädern und Brunnen gelange. Die Eigentümer der großen Bäder gingen auf Versuche ~Gimbernat~s nicht ein, die er dann in den kleinen anstellte. 1824 legte er der Stadt Baden, nachdem er von der aargauischen Regierung die Zusicherung zur Unterstützung seiner Pläne erhalten hatte, eine Zuschrift vor, in der er unter anderem zeigte, daß der größte Teil der elastischen Flüssigkeiten, die sich aus den Thermalquellen entwickeln, ein dem Azot (Stickstoff) entsprechendes Gas sei, dem er den Namen tierischer Thermalstoff gab, daß dieses Schwefelgas sich sehr schnell zersetze und fast weder Gas noch Schwefel zu den Wassersammlern gelange, was für die Kranken ein großer Verlust sei, indem ihnen von der Kraft dieser Schwefelbäder und des Gases, das hier die Natur in großer Menge diesen Heilquellen mitteile, nichts zugute komme. Er wollte ein großes Vaporarium über dem Verenabade errichten und bei Erfolgen die Badebesitzer zur Errichtung ähnlicher Anstalten ermuntern. Am 3. Juli wurde der erste Dampfkasten über dem Verenabade errichtet. ~Gimbernat~ erhielt nach England und Frankreich ehrenvolle Einladungen, blieb aber in Baden und verlangte vom Stadtrate auch eine Abkühlungsanstalt (Tepidarium), weil das allzuschnelle Aussetzen des gebadeten Körpers an die freie Luft gerade in dem Maße schädlich sei, als die Gasbäder bei dem Gebrauch eines Tepidarii nützen könnten. Seine Wünsche erregten den Unwillen der Bevölkerung. Als die Regierung vorschlug, ihm als Wohltäter der Menschheit das Bürgerrecht zu schenken, erklärte sich die Bürgerschaft damit nicht einverstanden. Zwar empfahl die Sanitätskommission die Errichtung von Thermalbädern und Tepidarien in den Bädern, statt der Ausführung nahm man aber die Einrichtung im Verenabade 1825 weg. ~Gimbernat~ protestierte bei der Regierung, das Dampfbad wurde wieder hergestellt. Auch in den Höfen und dem Wirtshaus zum Bär entstanden nun Einrichtungen (Abb. 136), weil viele Kranke in die kleinen Bäder gingen. Das Haupthindernis seitens der Bäderbesitzer bei der Errichtung von Dampfbädern lag darin, daß ~Gimbernat~ darauf bestand, sie müßten direkt über der Quelle angelegt werden. Schinznach, das nur eine einzige Bade- und Trinkquelle besaß und nur einen Kessel, dessen Wasser zu den Bädern nicht entbehrt werden konnte, der zugleich als Dampfbad diente, mußte wegen Beschwerde der Badegäste die Anstalt bald eingehen lassen, die nicht in einem verunreinigten Badewasser sitzen wollten[353]. 1817 errichtete man auch zu Baden-Baden drei Dampfbäder über dem an mehreren Stellen durchbohrten Gewölbe der Ursprungsquelle. Im folgenden Jahre wurde auch im Badgasthause zum Baldreith ein Dampfbad errichtet, und 1819 kam eine große Dampfbadeanstalt an der Ursprungsstelle zustande, in deren zweitem und drittem Stock sich vierzehn Badekabinette befanden. In den meisten gab es ganze Dampfbäder, außerdem halbe, Fuß-, Arm-, Schulter-, Hüft-, Nacken-, Ohren-, Mund- und Augendampfbäder, auch Vorrichtungen zum Einatmen des Dampfes[370]. Auch die Errichtung der Dampfbäder in Baden-Baden suchte ~Gimbernat~ zu beeinflussen. Wildbad hatte 1832 keine Dampfbadeanstalt, seine Temperatur eignete sich nicht dazu[325]. Ihre Errichtung war schließlich aus praktischen Gründen auf die höher temperierten Bäder beschränkt. Bemerkt muß noch werden, daß nur der Gedanke, besondere Vorrichtungen für Mineraldampfbäder zu errichten, italienischen Ursprungs ist. Die Dämpfe selbst wurden in Deutschland schon früher verwendet. ~Ryff~ schlug z.❆B. vor, gegen Wassersucht den ganzen Körper mit Badleim (dem Niederschlag der Mineralbäder) zu bestreichen und über die Dämpfe, nicht im Wasser zu halten, später den Leim mit dem Wasser abzuwaschen[48]. Von Pfäfers wurde sowohl vom alten Bade (Abb. 130), als auch vom neuen (dessen Fenster nicht zu öffnen waren) (Abb. 131) gesagt, daß die Badenden mit dem Oberkörper gleichsam in einem Dampfbad säßen, und ~Fabricius Hildanus~ sah darin 1610 ein hervorragendes Heilmittel, weswegen er auf eine Anfrage hin angab, das Baden in Wannen mit Pfäferser Wasser außerhalb des Bades selbst habe nur wenig Wirkung, weil da der Dampf wegfalle[22]. In Baden (Schweiz) empfahl schon ~Conrad Gessner~ zur Stärkung der Glieder, diese über das heiße Wasser zu halten[94], und ~Pansa~ erwähnt 1609 in Karlsbad das Bähen der Glieder vor dem Bad über warmem Wasser in einem Fasse, das oben bedeckt sein solle, wie man die Schweißbäder anzurichten pflegt[350]. [Sidenote: _Pantaleons Bericht über Baden im Aargau von 1578_] Eine sehr eingehende Schilderung des Badelebens im 16. Jahrhundert gibt der Baseler Professor ~Pantaleon~ von Baden in der Schweiz im Jahre 1578[35]. Die einzelnen Bäder und die dortigen Gebräuche beschreibt er wie folgt: VON DEM FREYEN BAD Das freye Bad, so auch das Burgerbad genennet, ist vnder dem heiteren himmel, zwischen den Herberigen auff einem zimlichen besetzten platz gelegen. Es ist 30 schuh lang vnd 24 schuh breit, also das vber die hundert menschen zu mal darinnen baden mögen. Es ist auch zuring herumb mit steinen blatten besetzet, vnd mancherley sitz darinnen geordnet. Hiemit ist auch ein eck vnd viertetheil deß Bads durch ein höltzenen gatter vnderschlagen, vnd für die Weiber geordnet. Weil aber offt die gemeinen Weiber dahin kommen, pflegen sich andere in dem größeren Bad zuenthalten. Es lauffet ein großer Brunnen in diß Bad von deß großen stein ersten quell vnd vrsprung. Demnach auch ein kleinere rören in das vergättert Frawenbad, von dem viertheil dises quell so gegen der Herberig zu dem Blumen gerichtet. Dises wirt alle freytag abgelassen vnd sauber geweschen, man laßt auch bald das wasser starck hinein lauffen, also das dises in sieben stunden wider erfüllet. Dann man darff disem Bad kein mangel an wasser lassen, vnd müssen etwann andere mangeln, biß dises erfült ist. In disem Bad darff jederman frembd vnd heimisch vmbsonst baden, vnd sein ergetzung lang oder kurtz da haben. Fürnemlich kompt an Sambstagen das Volck von der Statt vnd ab dem Land mit hauffen daher, vnd begert Weib vnd Mann sein kurtzweil zu haben, vnd hüpsch zu werden. Hie ist sich aber hoch zu verwundern das man das schräpffen dermassen mißbrauchet, dann es will jederman schräpffen, vnnd vermeinen mehrtheils sie haben nit gebadet wann sie nit voll hörnlin wie ein Igel hangen. So jnen doch offt vil nützer das blut zu jnen zukauffen ... Es were auch besser wann regenwetter vorhanden, man sesse nit in das bad: dann ob wol dz bad halb bedecket, vnd man sich an den schirm thun mag, verleuret doch das Bad durch deß regenwassers vermischung sein qualitet vnd eigenschafft. Deßhalben keinem zu rahten das er sein gantze Badenfart darinnen vollbringen solle, dieweil nicht alle zeit das wätter bestendig sein mag. Dises solle man auch von S. Verena bad verstehn. Es ist ein Badermeister oder Scherer vber dises verordnet, welcher der Knaben vnzucht stillen, vnd gute ordnung darinnen erhalten solle. Diser hat etwann zwen, drey oder vier Diener, welche doch alle mit schräpffen gnug zuschaffen, also das ein parthey offt der andern kümerlich mag platz geben. Deßhalben auch offt das bad dermassen geferbet, als wann man in dem blut badet. Diser hat es von der Statt zu einem Lehen entpfangen, verdienet vil gelt, vnd muß auß disem Bad vnd seiner behausung järlich 40 Gulden erlegen. VON SANCT VERENABAD Dises Bad ligt auch vnder dem Himmel auf der anderen seiten deß grossen platz, in gleicher form wie das freye bad mit steinen vnd mauren eingefasset, es ist 34 schuh lang vnd 20 breit. Es baden mehrtheils arme prästhaffte leut darinnen. Daher es auch S. Verenabad genennet. Dann dise heilige Fraw ist mit sampt S. Mauritio vnd dem Christenlichen hauffen vnder den Heydnischen Keysern Diocletiano, Maxentio vnd Maximino vmb das 300 jare nach Christi geburt, als jhrer ordenlichen Oberkeit hilff zu beweisen, auß Affrica in der Heluetier land kommen: wie auch die Thebanische Legion zu Martinach in Wallis als bestendige Christen grausam gemartert, vnd etliche auß jnen als S. Felix, Regula, Vrsus vnd andere Weib vnd Mannspersonen mehr biß an die Aar vnd Limmat entronen, auch letstlich durch die Keyserliche Landtuögt hingericht, hat S. Verena in disem Bad den armen gedienet, jhr gut jnen reichlich mitgetheilet, vnnd sie den Christen glauben gelehrt, biß sie zu letst auch abgethon worden. Dise ligt nicht weit von disem Bad zu Zurzach begraben, da auch ein reiche gestifft vorhanden. In disem bad entspringet der ander quall gantz reichlich herfür, vnd zeigen sich vil bläterlin als wann ein hafen auffquallet. Es ist aber hie ein abergleubischer wohn vorhanden. Dann es vermeinen hie jren vil, wann ein vnfruchtbare Fraw darinnen bade, vnd ein fuß in dz loch stosse, da dz wasser herfür quillet, es werde S. Verena bey Gott erwerben dz sie fruchtbar werde. Deßhalben sich auch begibt, wann das bad sauber abgelossen vnnd geweschen, welches dann zweymalen in der wochen beschicht am Mittwochen vnnd Sambstag, das vil schöner reicher Frawen mit guldinen Ketten bezieret sich darein setzen, den fuß hinein stossen, jr gebett vollbringen, vnnd den armen jr allmusen mittheilen. Es begibt sich auch offt das sie bald hernach schwanger werden. Man findet wol etliche so da vermeinen es helffen auch etwann die starcken Bettler darzu, welcher vil darinnen vorhanden. Man thut aber den ehrlichen Frawen vnrecht: dann wann sie darinnen baden, ist heiterer häller tag etwann zwo stund vor dem jmbiß mal, vnd stehn vil leut vmb das bad so jnen zulugen. Ich weiß aber ein bessere vrsach. Namlich das dises bad art vnd eigenschafft ist die Bermuter außzutrücknen vnd zu erwermen also das sie geschickter wirt zu entpfahen. Also muß ein jeder Acker bereitet werden, so den samen entpfahen, vnd hernach frucht bringen solle. Weil auch in disem bad das wasser nit oben herab durch die Kenel fallet, sonder von vnden auff quillet, wirt die muter vil krefftiger erwermet, so man ein stund bey dem loch sitzet, dann wann man sonst ein gantzen tag im anderen wasser sesse .... So vil aber die armen leut belanget kommen offt vorab im Meyen etliche hundert dahin zusamen. Sie müssen aber vorhin vmb ein Herberig lugen damit sie jr heimwesen haben vnd nit dörffen auff der gassen ligen, wie dann zwo oder drey zunechst bey dem bade vorhanden. Dise werden durch fromer leuten allmusen teglichen erhalten. Es setzen die armen jre schüsseln zuring vmb das bad auff die mauren, vnd bleiben sie im bad sitzen, darff auch keiner die seine anzeigen. Dann legt man Gelt, Brot, Wein, Suppen, Fleisch, oder anders in die Schüsseln, vnd weißt niemand welchem dise zu gehörig. Wann auch etwann große heuffen herzugetragen, theilet der Wechter, so sein Heußlin an dem Bad hat, dises ordentlichen auß, vnd ermanet dise zubetten vnd sich danckbar zu erzeigen. Demnach geht ein jeder herfür, vnd nimpt wz in seiner schüsseln ist. Weil aber hie offt vnder den frommen sich auch vil böser bůben vnd seck einmischen so nicht wercken mögen, sonder andern dörfftigen das Brot vor dem maul abschneiden, were notwendig vnd nutzlich wann ein jeder armer, so sich deß allmusen behelffen wille, ein schein von jrer Oberkeit brechten, das sie dises nottürfftig vnd dz allmusen an jnen wol angelegt were. Es wurden sich hiemit vil böser Buben schemmen, vnd einem biderman wercken müssen, welche sonst deß müssiggangs gewohnen, vnd in vil böse laster, als stälen vnd mörden gerahten. Es hat sich im 1571 jar zugetragen, das ein Vatter Heine Eyselin vnd der Sohn Lude genennet, mit der Muter daselbst gebadet, auch etwann öpffel vnd byren auß den Dörffern zugetragen vnd da verkauffet. Wann aber dise vermercket, das etwann schlechte leut auß dem Bad wöllen heimziehen, haben sie an kommlichen orhten auff sie gewartet, vnnd dise ermördet vnnd vmbgebracht: dise seind hernach zu Bruck gefangen worden, vnnd hat sich der Vatter nach bekannter schuld inn der gefengknuß selbs erhencket, der Sohn warde auff das Rad gelegt, vnd die Muter ertrencket. Wann sie hetten ein schein von jrer Oberkeit sollen bringen, wurden sie disen nicht bald erlanget haben. Dann ob sie wol sich einer kranckheit angenommen, ware es doch nur ein erdichteter handel, vnd mochten wol wercken. Ich hette jnen dises nicht vertrawet. Dann sie seind lang auch zu Basel gewesen, vnnd haben mir offt in Reben vmb ein Taglon gewercket. Wann die armen etwas vnzucht begehn, werden sie von dem Wächter gestraffet vnnd in das taubheußlin gesetzet, so vnden zu dem Schlüssel steht. Wann auch jr Badenfart nach einem Monat vollendet, manet er dise ab, vnnd heisset die je nach gelegenheit deß prästen hinweg ziehen, damit ander leut mögen platz haben. Sie müssen jm auch bey schwerer straff gehorsamen. VON DEM STADHOF Der Stadhof, so auch der vordere Hof genennt, vnd an der Limmat gestad gelegen, ist ein grosse lustige Herberig, so mit vil schönen stuben, sälen vnd gemachen bezieret. Daselbst seind zwo grosser Kuchen vorhanden. Die eine gehöret dem Herren wirt zu, auß welcher er die Gest mit ordenlichen malen, oder mit dem pfennwert noch eines jeden gelegenheit speisset. Die andere hat ein besonderen Koch für alle dise so selbs einkauffen, vnd jre speiß nach gefallen zu Kochen begeren. Dann es ist solches einem jeden zugelassen. In disem Hof seind acht lustige Beder vnder welchen fünffe gemein: vnnd die vberigen drey werden sonderbaren personen vmb ein bestimpt Gelt zu jeder wochen mit sampt den ordenlichen gemachen, verliehen. Das erst ist das Herrenbad, in welchem Edel vnd Vnedel, Geistlich vnd Weltlich, Jung vnd Alt Mannspersonen von den Catholischen oder Euangelischen ohne alles disputieren vnd zancken, gantz freundtlich nach vnd nach zusammen kommen, vngefahr bey 20. Es ist 15 schuh lang, vnd 13 schuh breit. Diser wirt durch den ersten quall so vor dem Hof bey dem grossen stein vorhanden, mit sampt dem Frawenbad, vnd den vndern dreyen sonderbaren Bedern zubereitet vnd gewermet. Man mag auch dises heiß, warm, oder law machen, nach dem man den zapffen außzeuhet, darzu vil oder wenig lauffen lasset. Dises ist fast dem Hof eben, vnnd mag man also sitzende hinauß durch die thüren in Hof sehen, vnd mancherley Volck besichtigen. Welcher in dises Bad will, gibt zu einzug zwen doppelfierer, oder ein angster vnd drey Creutzer. Demnach geben sie alle morgens vmb sechs vhr die suppen (Abb. 87), ordenlich nach einander, etwann einer vil der ander wenig, nach dem ein jeder will gesehen sein. Ob wol auch zu vil essen vnd trincken in dem Bad nicht nutz, begibt sich doch offt das jren vil, so vmb drey oder vier vhren in das Bad sitzen, eines süpplin notwendig, vnd nicht lenger mögen one trincken sein. Doch were gut das hierinn ein ordnung gemacht, vnd das auff ein Person nicht vber ein halb maß weins gegeben wurde: solches brechte dem Bad einen besseren nammen, vnd dörffte man nit offentlich schreiben vnnd in truck lassen kommen, es were der Schlemmer Bad, vnnd wurde hie die volle Mette gesungen. Dann es mögen der Badergesellen der sach nach jrem gefallen mit einander eins werden. Wann man die Suppen gar abstellen, wurde meniglich arm vnd reich darinnen Baden, vnnd das Bad mit personen vberfüllet sein, das man sich nicht wol geregen möchte. Man bettet vor vnd nach der morgensuppen vnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt, damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet, setzet jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle morgen zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen. Doch lasset man am Sontag vnd grossen Feyrtagen die gemeine Suppen vnnd gesang anstehn. [Illustration: Abb. 137. Badgericht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.] In disem bad wirt ein Schultheiß erwelet mit mehrer hand der Badergesellen, deßgleichen ein Statthalter, Seckelmeister, Caplan, Schreiber, Großweybel, Kalthanß, Scherg und Nachrichter, so nach der suppen das gericht (Abb. 137) besitzen, vnnd die vnzucht, so daselbst vnd in allen Bedern dises Hofs begangen, wol straffen vnd abstellen mögen. Es muß auch ein jeder Badergesell dem Schultheissen mit der lincken hand an den Stab geloben jme zu gehorsamen. Was für bussen fallen, geben sie den armen oder vmb Wein, oder verzehren es mit einandern. Also geht jnen der morgen mit kurtzweil hinweg. Wann auch jemand außgebadet, nimpt er freundlich vrlaub vnd gibt sein ehrlich letze[E]. Das ander ist das Frawenbad, in welchem allerley ehren Frawen vnnd Jungfrawen zusammen kommen, mehrtheils bey 30. Es ist 16 schuh lang, vnd 10 schuh breit. Dises bekommet auch sein wasser von der ersten quell so vnder dem grossen stein vor dem Hof entspringet, vnnd wirt durch Kenel hinein geleitet, vnd durch den lauffenden zapffen gemindert oder gemehret. In disem haben die Frawen auch alle tag nach ordnung jr Wirtin, haben ein fröliche suppen, dancken derselbigen, vnd machen dann ein andere mit einem Krantz vnd frölichen gesang, wie in dem Herrenbad. Sie haben auch ein besondere Seckelmeisterin, welche jhr gelt vnd letzin in seckel entpfahet, das sie auch mit einandern freundtlich verzehren. Wann aber etwas vngeschickt vnnd straffwürdig bey jhnen fürgeht, zeigen sie es dem Schultheissen vnd gericht im Herren Bad an, damit darüber etwas nach altem gebrauch erkennet werde. Das dritte ist der Kessel, so 18 schuh lang vnd 15 breit. In disen kompt allerley Volck, Weyb vnnd Mann, bey den 50 Personen zusammen, seind züchtig vnd freundtlich beyeinandern, vnd isset ein jeder was jm gefalt, vnd wz es vermag. Doch seind sie auch deß Herren bads gericht vnderworffen. Es mag auch ein jeder auß dem Herren oder Frawen bad etwann in Kessel gehn, sich wol zu erwermen. Hergegen dörffen aber dise nicht in dieselbigen gehn, sie machen sich dann der suppen theilhafftig. Dises ist ein wunderbar gut vnnd krefftiges Bad, welches von vnden her gantz reichlich herfür quillet, vnd dasselbig Bad krefftig erwermet. Der Kessel haltet obenher im zirckel 20 spannen vmbsich, vnnd wann ein Mann auff dem jnneren gattern steht, so ob dem Brunnquell ist, geht er einem biß an die brust. Es hat dises bad ein nutzliche würckung vnd werden offt contracte vnd lame hinein getragen, welche bald hernach frisch vnd gerad selbs wider herauß gehn, wie in dem 1577 jar einem Frewlin von Waltzhůt beschehen, welche sich nit vberessen, vnd mit ordnung gebadet. Ich raht auch insonderheit den Weibern, so etwas mangel an der Bermuter befinden oder vnfruchtbar seind, dz sie sich offt zu disem Kessel setzen, vnd die füß hinein hencken, so werden sie gewißlich jr Badenfart wol anlegen, vnd nicht begeren den Badkosten wider in dem Seckel zu haben, wie ich solches von vil ehrlichen Weib vnd Mannspersonen gehöret, so nicht zustreng, sonder ordenlich gebadet, wie wir hernach wöllen anzeigen. Das vierdte ist neben dem Kessel, vnd wirt von demselbigen auch erwermet. Doch ist es nicht also heiß, wie der Kessel, weil er durch den Bogen lauffet, vnd in dem vberschlagen etwas kelter wirt. Darumb solle man erstlich in dises, vnd vber ein stund oder zwo in den Kessel sitzen. Es ist 16 schuh lang vnd 13 breit. Dahin kommen auch Weib vnd Mann jung vnd alt bey 40 etwann zusammen. Das fünffte ist neben der Frawen bad, vnd bekompt sein wasser auch auß vorgemeltem Kessel, vnd lasset die hitz durch das ablauffen auch etwas nach. Es ist fast in der Frawen bad größe, vnd kommen allerley personen, wie in vorgemeldtem, bey den 40 dahin zusammen. Wann aber der Frawen Bad mit personen gar erfüllet, so müssen alle andere personen weichen, vnd nemmen es die Frawen, so die suppen geben, auch für sich ein. Dise Beder werden alle nacht sauber geweschen, vnd ist man nicht anders, weder dem Badwäscher, alle wuchen ein Creutzer schuldig. Das sechßte heisset deß Bischoffs vnd etwann deß Marggrauen bad. Es wirt sonderbaren personen verliehen, vnd bekompt sein wasser, von der ersten brunnquell, wie das Herren bad. Dises ist 10 schuh lang vnd 8 breit, wie die zwey volgende. In disem ist der Durchleuchtige, Hochgeboren Jörg Friederich Marggraue zu Brandenburg auff einem Pferde sitzende gemalet, so daselbst im 1575 jar in eigner person gebadet. Wann ich an dises Bad gedenck, muß ich warlich eines wunderbaren bossen lachen so darinnen fürgangen vnd würdig zubeschreiben. In gemeltem Jare hatten Burgermeister vnd ein Ersamer raht der loblichen weitberümpten Statt Zürych dem Hochgebornen Fürsten von Brandenburg ein ehrliche Badenschencke von Wein vnd Habern zu gesendet, vnd Herrn Heinrich Lochman dem Panerherren von Zürych beuohlen dise zu presentieren vnd zu vberantworten. Wie nun diser zu Baden mit der schencke erschienen, begab sich dz der fromme Fürst durch das Bad zimlich erhitziget, vnd schwach worden, also das er etliche tag nicht zu der tafeln gangen, sonder sich in seinem gemach oder in dem Bad still gehalten. Hiezwischen beuahle er Hertzog Johansen von der Lignitz vnnd seinen Rähten die frembden Gest zu entpfahen, vnd jnen gut geschirr zu machen. Als man nun guter dingen gewesen, vnd der Panerherr gern den Fürsten gesehen, ward jm angezeigt, der Fürst lasse jetz niemand für sich kommen, sonder enthalte sich in dem gemach oder im bad. Da schwure der Panerherr vnnd gelobt bey seinen ehren, er wolte morgen ehe er verritte wann es anders nicht möchte sein, mit Stiffel vnd Sporen zu dem Fürsten in das Bad tretten vnd jme die hand bieten, damit er seiner Oberkeit könte anzeigen er habe den Fürsten gesehen. Weil ich nun auch ob derselbigen tafel gesessen, vnd zu morgen von dem Fürsten erfordert mit jm allein zu baden, hab ich dem Fürsten züchtiglich angezeigt, wz sich ob dem nachtessen für reden zugetragen, vnd wz der Panerherr versprochen. Hiemit zeigt ich auch dem Fürsten deß Panerherren hoch alter, vnd auffrecht dapffer gemüt an[F], bittende wann solches beschehen, jr Fürstliche Gnad wölte jm nicht zu vngnaden auffnemmen: Wie wir also zwo stund bey einander gesessen, vnd vns mancherley sachen ersprachet, so kompt der gute alte Lochman wie ein alter einfeltiger Eydgnoß daher, wünschet dem Fürsten einen guten tag, wattet mit Stiffel vnd Sporen durch das Bad, vnd beutet dem Fürsten die hand. Ich vermercket damalen das sich der Fürst etwas entferbet. In solchem trate der Panerherr hindersich, vnd bate den Fürsten vmb Gottes willen jme zu verzeihen, dann es were auß guter meinung beschehen, damit er seiner Oberkeit deß Fürsten miltigkeit vnd freundtligkeit erzellen mögen. Da hat der Fürst, als ein weiser wolberedter Herr, erstlich seiner Oberkeit, vnd auch jhme von wegen der presentierung gedancket, vnnd sich allergnaden gegen den Zürychern erbotten. Hiemit hat er jm auch dise that so auß frommem einfaltigem gemüt beschehen, verzigen, vnd jm auch hiemit ein grossen stauff mit Wein zu einer freundtschafft außgebracht. Disen hab ich von dem Fürsten entpfangen vnd dem Panerherren dargereicht, welcher dem Fürsten bescheyd gethon, vnd jn mir auß gebracht. Er ist auch hernach gantz demütig vnnd frölich von dem Fürsten gescheiden. Weil solches in disem Bad beschehen, so jetz deß Marggrauen Bad genennet, hab ich es hie müssen anzeigen, vorab weil der fromme Lochman in volgendem jare in hohem alter auß diser zeit seliglichen verscheiden. Das siebende heißet der H. drey König bad oder das schellenbedlin, ist in gleicher grösse, vnd wirt auch von disem wasser erwermet. Das achte heisset das Meyenbedlin geht hinauß auff die Limmat ist mit schönen fenstern bezieret, welche man auff vnd zuthun mag, vnd fürnemlich in dem Meyen einen großen lust vnd nutz darinnen entpfahen. Es ist auch in vorgehnder grösse, vnnd wirt mit vorgehndem heilsammen wasser zubereitet. Dise drey letsten Beder werden von sonderbaren Personen etwann ein Monat zuuor bestellet, damit wann sie kommen, dise ledig seyen, vnnd vorgehnde Ehrenleut jhr badenfart vollendet haben. Es hat auch Herr Hans Jakob Vberlinger der jetzige Wirt im Stadhof im 1576 jar ein newen Brunnenquell in seinem Hof etwann zehen schrit von der Limmat erfunden, vnnd mit grossem kosten lassen einfassen, wie ich dann dises selbs besichtiget, vnnd sein werme erfahren, so obenher bey vier spannen zu ring vmb sich haltet, vnd lustige bläterlin auffwirffet. Wann man auch disen etwas höher vbersich bringen, vnd dann hinab in Kenel durch die kammern richten, möchte es an der behausung eck zwey oder drey lustige Beder geben, auß welchen man zu beyden ecken die Limmat hinauff vnnd hinab sehen köndte. In disem Hof ist auch ein lustiger dantzplatz mit schönen beumen bezieret, deßgleichen ein schöne Sommerlauben darbey, so 28 schuh lang vnd 25 breit ist, also das bey zehen tisch darinnen stehn mögen. Er ist mit schönen Fenstern, vnnd vil ehrlichen Wappen bezieret. Daselbst kommen die Badergest offt zusammen, thund ein abendtrunck, oder begehn die malzeit mit einandern, damit jr kurtzweil gemehret, vnd jr gemüt erfrewt werde, welches dann zu einer nutzlichen badenfart höchlichen von nöthen. VON DEM HINDEREN HOF Der hindere Hof ist vnder dem vorgemelten auch an der Limmat gelegen, mit einem großen Hof, darzu mit vil Stuben, Sälen vnd Gemachen bezieret, also das mancherley Weib vnd Mannspersonen von Adel vnd Burgern, Geistlichen vnnd Weltlichen stadt daselbst kommlich wonen, jr speiß entpfahen, vnd jrer badenfart wol mögen außwarten: dann es seind auch zwo Kuchen darinnen vorhanden, für dise so selbs Kochen, oder bey dem Wirt wöllen essen, wie im Stadhof. Dises Hofs warm heilsam wasser kompt von einem sonderbaren Brunnenquel herfür, so der vierdte mag genennet werden, vnd vor dem Hof vnder einem runden gemewr von quadersteinen erbawen, herauß tringet. Es hat Herr Caspar Falck ein frölicher Mann vnd jetziger Wirt desselbigen Hof erst vor zweyen jaren disen vrsprung geöffnet vnd geseubert, welches vorhin bey menschen gedechtnuß nicht beschehen. Dises wasser wirt in acht Beder außgetheilet, so in demselbigen Hof vorhanden. Das erste ist das Herren Bad, in welches man von dem Hof etliche staffel hinab geht. Es ist sehr lustig vnd die steinine sitz mit täfelwerck eingefasset. Dises ist 18 schuh lang vnd 9 breit, also das bey dreissig mann darinnen baden mögen, vnd ist fast in der mitte der andern bedern gelegen. Es kommen allerley stadt ehrliche Menner in dises zusammen. Geben nach einander die morgensuppen, vnnd besetzen das Gericht aller dingen wie im Stadhof beschicht. Es hat sich auch etwann zugetragen, wann der Personen wenig vorhanden, vnd jr Gericht nit wol besetzen mögen, das man auß beiden Höfen ein morgen vmb den andern zusammen gangen, die suppen entpfangen, vnnd das Gericht gehalten, auff das jhr kurtzweil gemehret, viel kundtschafft gemachet, vnnd einigkeit erhalten wurde. Das ander ist das Frawen bad, so vngefahr 12 schuh lang vnd breit ist, vnd auch bey 24 Frawen setzen mag. In disem kommen auch vil schöner ehrlicher jung vnd alte Weibspersonen zusammen, seind freundtlich mit einander, geben ordenlich jr suppen, vnd halten es auch aller dingen, wie man im Frawen bad deß Stadhofs zuthun pfleget. Das dritte ist der Kessel, so auch ein quell von vndenher, vnnd doch auch von der großen Brunnquell etliche wasser entpfahen muß. Dises ist bey 20 schuh lang vnd 12 schuh breit, in welchem bey den 40 personen von weib vnnd mannen kommlich baden mögen. Das vierdte ist zwischen dem Kessel vnnd Frawen bad gelegen, vnd bey 12 schuh fast geuierdt, in welchem auch allerley personen wie in dem Kessel zusammen kommen. Die volgenden viere seind nicht gemein sonder werden sonderbaren personen verliehen, welche dise gemeinlich auff ein bestimpte zeit von wochen zu wochen entpfahen. Also ist das König bad das fünffte so zu oberst gelegen, vnd das erste wasser von der großen Brunnquell entpfahet. Es ist vngefahr 12 schuh lang vnd 8 breit, ist gar lustig bezieret, vnd muß man ein Stegen hinab zu dem eingang gehn. Das sechßte heißet der Königin bad, ist fast geuierdt 12 schuh lang vnd breit, vnnd zu nechst an dem vorgehnde in der tieffe gelegen, inn welchem mehrtheil der Adel sein Badenfart vollbringet. Das siebende ist deß Jungbrunnen bad, so vnden an der Limmat zu niderst an den andern Bedern gelegen. Es ist fast rund vnd sehr lustig mit Fenstern beziert, in welchem mehrtheil ein sonderbare freundtschafft badet, vnnd vil kurtzweil hat, ist auch bey 12 schuhen lang vnd breit. Das achte ist zu niderst in dem Hof bey einem Fürstlichen saal vnd lauben gelegen, bey 10 schuh lang vnnd breit, darzu lustig getäfelt, also das groß Herren vnd Prelaten daselbst baden vnd jr kurtzweil haben mögen. Man spacieret gemeinlich durch disen hindern Hof, wann man auff der Matten etwas kurtzweil vollbringen will. VON DEM RAPPEN Der Rappen ist ein lustige Herberig bey dem Freyen bad an dem Stadhof gelegen, in welchem vil lustiger gemach vorhanden, also das der Adel vnd vil ehrlicher leut gern daselbst einkehren. Es hat sechs Beder, welche alle jr wasser von dem ersten grossen quel haben, so vnder dem grossen stein bey dem Freyen bad entspringet. Das erste ist das Gewelb, inn welchem allerley Personen Weib vnd Mann bey 30 zusammen kommen. Es ist vngefahr 16 schuh lang vnd 10 breit. Demnach seind in einem lustigen gemach vier Beder ordentlich mit gattern vnd täfelwerck creutzweiß vnderscheiden, jedes bey 10 schuh lang vnd breit, welche sonderbaren personen verlihen werden. Das sechßte ligt an einem besondern orth mit lustigen gemachen bezieret. Es hat lustige Fenster gegen der Limmat welche man beschliessen oder gar offen mag lassen. Dises Bedlin ist auch bey zehen schuhen geuierdt, vnd gantz kommlich für contracte oder lame personen, welche jhr Bett begeren nahe bey dem Bade zu haben. Es ist auch für sonderbare personen zubereitet. Ähnlich beschreibt ~Pantaleon~ die Herbergen zur Blume, zum Ochsen, zum Bären. Dann folgt das letzte Badehaus in den großen Bädern. VON DER SONNEN In diser Herberig so auch auff dem platz bey S. Verena Bad gelegen, kommet mancherley Volck zusammen, vnnd werden vmb jr Gelt wol gehalten. Es seind sechs Beder darinnen vorhanden, so durch deß sechßten quell heilsame wasser (wie auch zu dem Beren) zubereitet. Die ersten zwey seind mit gattern vnderscheiden vnd jedes bey zwölff schuh lang vnnd zehen breit, in welchen allerley personen Weib vnd Mann zusammen kommen. Die vberigen vier seind fast von 8 schuhen geuierdt, vnnd werden sonderbaren personen verliehen, sich nach jrem gefallen darinnen zu ergetzen. Dergestalt seind die heilsamen wasser zu den grossen Bedern in 41 orth abgesündert. VON DEN KLEINEN BEDERN Jenseith der Limmat ist der siebende Brunnenquell gleich zwischen den Bedern vorhanden, welcher in vier Beder durch Kessel außgetheilet. Das erste ist 22 schuh lang vnd 19 breit, also das bey 50 personen darinnen baden mögen. Es lauffet sonst auch ein rörlin darein von einem anderen kleinen quell. In disem bade seind gemeinlich Weib vnd Mann so von dem Land zusammen kommen, vnd begeren jr badenfart etwas ringer zu verrichten. Das ander ist 15 schuh lang vnd 19 breit, so mit gatteren von dem ersten vnderscheiden, auch mit dergleichen personen erfüllet. Wann aber deß Volcks weniger, machet man dises Bad nicht an, sonder lasset dem ersten desto mehr wasser. Das drit vnd vierte seind dargegen vber vnder einem andern tach an einandern gelegen, vnd werden auch durch ein gattern vnderscheiden. Das dritt ist 8 schuh, vnd das viert 7 schuh breit, vnd ein jedes 17 schuh lang, in welchem auch allerley Volck zusammen kompt. Weil aber etwann sonderbare reiche Personen sich in dise kleine Beder thun, damit sie destermehr ruh mögen haben, wirt es denselbigen auch insonderheit verliehen, damit sie mit jrem Haußgesind daselbst jhr badenfart nutzlich vollbringen mögen. Es seind vier Wirtsheusser daselbst vorhanden. Zu dem Hirtzen, Sternen, Engel vnd Löwen, welchen die Beder zugehörig: deßhalben mag ein jeder gast einkehren wo jm gefallet, sich zu dem Wirt verdingen, auch das maal oder pfennwert vmb ein zimlichen pfennig bey jnen essen, doch wirt niemand zugelassen für sich selber zukochen. Es haben die Landtleut ein guten mut daselbsten, führen mancherley gesang, vnd muß Trommen, Pfeiffen, Geigen, vnd Sackpfeiffen offt bey jnen leyden, daß man etwann jnen gern gelt gebe, das sie auffhörten: doch begerten sie es nit besser zu haben ..... (Vgl. Abb. 138.) [Illustration: Abb. 138. Männerbad im Anfang des 16. Jahrhunderts. Aus einem Holzschnitt von ~A. Dürer~[G].] VON DEM SCHLÜSSEL VND ANDERN HERBERGEN Die Herberig zu dem Schlüssel hat keine Beder, gehört der Statt zu, vnd ist einem sonderbaren Wirt vmb ein Zinß verliehen. In diser kehren erstlich die frembden Gest zu Rossz vnd Fuß ein, welche vorhin kein kundtschafft zu den Bedern haben, biß daß sie ein komliches gemach mit sampt dem Bad in anderen Herberigen bestellet. Wann aber jemand begeret in dem Freyen bad zu verharren, der mag daselbsten bleiben. Etwann vor hundert jaren, was es ein groß wesen vnd gastung zu dem Schlüssel. Dann die Wirt im Vorderen vnd Hinderen Hof kocheten nit für jhre Gest, sondern waren groß Junckherrn, vnd verlihend frembden leuten allein die Gemach vnd sonderbare Beder, von einer wochen, oder einem Monat zu dem andern, vmb ein gewissen zimlichen zinß. Deßhalben der Adel vnd andere Herren, so in den Höfen gebadet, mehrtheil die malzeit, zu dem Schlüssel entpfangen. Dann es ist ein lustiger Sommersaal daselbst vorhanden, so bey 44 schuh lang vnnd 35 schuh breit also das bey 12 Tisch darinnen stehn mögen. Weil sich aber diser brauch verendert, vnd die Wirt in Höfen, jre Gest so nit selber kochen, auß jrer Kuchen speisen, hat der Schlüssel sehr abgenommen, vnnd muß sich allein diser personen, so erst ankommen, oder der Bauren behelffen, so im Freyen bad etliche stund bleiben, vnnd ein abendtrunck thun wöllen. Doch bestellen auch etwann die Gest auß beiden Höfen ein malzeit daselbsten, ergetzen sich mit einandern, vnd ist Weib vnd Mann frölich. Also lassen sie auch etwann auß diser Herberig wein in jr gemach bringen. Sonst seind noch andere Herberig, als zu dem Gälenhorn, Löwen, vnnd halben Mon vmb Sanct Verena Bad, deßgleichen in der oberen straß, zu dem Hirtzen vnnd Krebs in welchen offt die Landtleut, so sich inn dem freyen Bad erweschen oder schräpffen wöllen, essen oder ein abendtrunck thun: deßgleichen seind die armen leut daselbst zu Herberig, vnnd mögen sich vmb ein klein gelt ring enthalten. Dann man lasset niemand inn S. Verena bad sitzen, er habe dann vorhin ein Herberig bestellet. Wann man auch daselbst deß weins befindet, ist man gleich so frölich wie an andern orten. VON DES BADS FREYHEIT Es seind dise Beder mit mancherley Freiheiten von alten zeiten her, durch König vnd Keyser, vnnd auch letstlich durch die lobliche Eydgnoschafft, deßgleichen durch die Statt Baden begabet. Dann welcher in dem Bad sitzet ist seines leibs vnd lebens auch haab vnd gut versichert, vnd darff gar niemand einerley waaffen oder seitenwehr zu dem Bad tragen. Wo sich auch jemand hie vbersehe, vnd vngefahr ein wehr mit jm zu dem Bad bringen, hat er das wehr verwircket, vnnd muß es der Oberkeit durch den Wechter zuhanden stellen. Es mag auch jederman in disen Bedern sich ergetzen vnd sein Badenfart vmbsonst vollbringen. Dann er ist niemand nicht daruon schuldig weder dem Badwescher ein wochen ein creutzer, welcher das Bad seuberen soll, oder dem Bader den schrepfferlon, so er jhm ab verdienet hat. Hiemit solle auch dises Bad bey schwerer straff sauber vnd rein gehalten werden, vnd darff niemand einerley vnuernünfftig thier, als Sew, Hünd, Katzen, oder dergleichen darauß wäschen, oder darein werffen. Wann aber jemand solches vbersehen, der ist neun pfund zu straff der Oberkeit verfallen. Wann sich auch etwann vnzucht in dem Bad begeben, es were mit worten oder wercken, dises mag durch die Badergesellen gestraffet, vnd durch jhren Schultheissen vnd gericht verbessert werden. So aber jemand nicht gehorsamen, oder zu vil grosse vnzucht begangen oder ohne nidercleid in das Bad kommen, also das hiedurch etliche andere fromme Weib vnd Manns personen verletzet oder geergert, die werden von der Statt Schultheissen gestraffet vnd dahin gehalten, das sie von mutwillen abstehn, vnnd meniglich müssen vnbekümmert, vnd in dem Bad rüwig lassen. Wo aber jemand etwas an den andern zusprechen, der mage darumb bey der Statt Schultheissen vmb Recht ansuchen. Es solle auch dises Bad vil andere Freyheit haben, welche mir bisher doch vnbekannt gewesen.“ Die Badegäste fanden, außer in den Bädern selbst, auch noch in der Stadt Baden Gelegenheit zu Vergnügungen. „Es ist auch gleich an der Statt bey dem nideren Thor ein schöner Saal vnd Garten, so der Herren Garten genennet, in welchem zu Sommer zeit gemeiner Eydgnossen Legaten, fremde Bader Gest, oder Statt Räht vnd Burger alle tag zusammenkommen, offt jhr Malzeit entpfahen oder ein abendtrunck thun, darzu vil freud vnnd kurtzweil bey einander haben, also das keiner den andern verachtet, was Religion Catholisch oder Euangelisch er sein möchte. Diser saal ist 82 schuh lang vnd 32 breit, also das bey 40 Tischen vnd 400 Mann wol daselbsten zu Tisch sitzen mögen. In der mitte lauffet ein schöner Brunnen mit dreyen rören, also das sich das wasser in die erden verleuret, vnd stehet der gekrönet Bachus mit zweyen angesichten auff dem Brunnen, welchen etliche Janum die andern Noe genennet, so die Weinreben zu pflantzen erfunden, auch die Welt vor vnd nach dem Sündfluß gesehen. In disen werden die Bächer gekület, vnd mag also mancher hitziger Badergesell mit wein oder wasser seinen durst löschen. Doch ist der Statt beste wasser in dem grossen Brunnen bey dem Löwen vorhanden. Hinder disem Saal ist ein schöner Garten mit wolschmeckenden Linden, vnd Reben gehelden bezieret: auff der Linden sind auch Tisch bereitet, bey welchen man mag guter dingen sein, also das diser platz den Burgeren vnd frembden nit ein kleiner lust ist.“ Diese Gartenzunft oder -gesellschaft, zu der nur die Honoratioren von Baden Zutritt hatten, gab auf den 1. Mai ein großes Jahresfest. Sie löste sich erst 1798 während der Revolution auf, aus Besorgnis, ihres reichen Fonds beraubt zu werden, den sie unter die lebenden Mitglieder verteilte[315]. ~Pantaleon~ berichtet auch, daß die Stadt ein reiches Spital besaß, das 1310 Königin Agnes, Andreas von Ungarn Gemahlin und des ermordeten Kaisers Albrecht Tochter, gestiftet hatte. „In disem werden vil einheimischer vnnd frembder armer leuten erhalten, welche kranck bey den Bedern vorhanden, vnd sich nicht selbs versehen mögen.“ [Sidenote: _Montaignes Bericht über Baden im Aargau von 1580_] 1580, also zwei Jahre später, berichtet ~Michel de Montaigne~ über seinen Aufenthalt in Baden: Es ist „eine kleine Stadt, mit einem Flecken daneben, wo sich die Bäder befinden. Diese Stadt ist katholisch und steht unter dem Schutze der 8 Schweizer Kantone. Es wurden hier auch mehrmals große fürstliche Zusammenkünfte gehalten. Wir nahmen aber nicht in der Stadt, sondern in dem Flecken unsere Herberge, der unten an der Tiefe ganz an einem Flusse oder vielmehr Waldstrome liegt, welcher Limmag heißt und aus dem Zürichsee fließt. Hier finden sich 2 bis 3 öffentliche und unbedeckte Bäder, derer sich deswegen nur die armen Leute bedienen. Die übrigen sind in sehr großer Anzahl inner der Häuser, wo sie in mehrere kleine, offene sowohl als beschlossene Gemächer abgeteilt und geleitet werden, die man zugleich mit den Wohnzimmern zur Miete nimmt. Diese Badegemächer sind sehr niedlich und bequem eingerichtet, so daß zu jedem Bad eine Ader Wasser fließt. Diese Häuser sind gar prächtig. Da, wo wir wohnten, fanden sich eines Tags an die 300 Menschen zum Essen ein. Die Badegesellschaft war bei unserer Anwesenheit noch so stark, daß die Gäste wohl 170 Betten brauchten. Es sind siebenzehn Stuben und elf Küchen da und in einem anderen nahen Wirtshause fünfzig möbelierte Zimmer. Die Mauern der Häuser sind ganz mit den Wappenschilden der Edelleute bekleidet, welche hier wohnten .... Das Badwasser in Baden riecht nach Schwefel, gleich dem zu Aigues-Chaudes und andern. Die Wärme desselben ist gemäßigt wie dort und zu Barbotan, und die Bäder sind daher sehr sanft und angenehm. Wer Damen zu begleiten hätte, welche recht züchtig und bequem baden wollten, mag sie nur hierher bringen; denn da können sie ganz allein in einem Bade sitzen, das einem geschmückten Cabinet ähnlich ist, durchaus hell, mit Glasfenstern, bemalten Wänden und reinlichen Fußböden; überdas findet man Stühle und kleine Tische, so daß man nach Belieben im Bade sogar lesen und spielen kann. Der Badende hiernächst kann sich selbst so viel Wasser zugießen oder wieder ablaufen lassen, als er will, und nahe am Bade hat man sein Zimmer, schöne Spaziergänge am Fluß und daneben die künstlichen auf etlichen Galerien .... Die Landeinwohner brauchen es aber vielmehr als Bad (als zum Trinken) und lassen sich da so stark schröpfen und Ader schlagen, daß ich die beiden öffentlichen Bäder bisweilen so gerötet sah, als ob sie ganz von Blut wären. Wer übrigens das Wasser trinkt, nimmt gewöhnlich nicht mehr als 1 oder 2 Gläser zu sich. Insgemein hält man sich 5 bis 6 Wochen hier auf, und die dortigen Gasthöfe sind den ganzen Sommer über besucht, selten zwar von einer anderen Nation als von Deutschen; diese aber kommen in großer Menge her.“ Wir erfahren ferner von ~Montaigne~, daß er das Wasser vornehmlich zum Trinken benutzte, daneben schweißbadete, daß er im Hinterhofe wohnte, die Bezahlung etwas stark fand und zudem noch gegen die sonstige Sitte des Landes mehrfach geprellt wurde. In seinen Versuchen (Bd. II, Kap. 37) kommt ~Montaigne~ noch einmal auf die Bäder von Baden zu sprechen, welche er mit denen von Bagnères, Plombières, Lucca und della Villa hauptsächlich der angenehmen Gegend, mancherlei Bequemlichkeit für die Badegäste, der Gelegenheit zu Leibesübungen und der guten Gesellschaft wegen in eine Linie setzt und dabei glaubt, daß, wer bei dem Besuche solcher Bäder die obenerzählten Eigenschaften derselben, wo sie sich finden, nicht mit Freuden benutze, törichterweise sich selbst ihrer besten Wirkungen beraube[326]. [Sidenote: _Die Badschenken_] Aus ~Pantaleon~s Beschreibung ersehen wir, daß die Stadt Zürich dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg Wein und Hafer als Badschenke zusandte. Derartige Geschenke waren nicht ungewöhnlich. Als der Landgraf Moritz von Hessen am 8. August 1603 mit seiner Gemahlin Juliane nach Wolfshagen kam, verehrte ihm der Rat einen halben Ohm Wein und ein halbes Fuder Bier und der Landgräfin zwei Rinder[413]. Besonders suchte man aber dadurch fremde hohe Personen in Bädern zu ehren. Die Art der Geschenke, anfangs meist Nahrungsmittel, in dem erwähnten Fall auch Hafer, läßt darauf schließen, daß man ursprünglich den Gast in den meist vom Verkehr abgeschlossenen Badeorten mit Lebensmitteln versorgte. In Pfäfers konnte der Wirt noch im 17. Jahrhundert den Gästen nur Brot und Wein bieten. Fleisch, Fische und Wildbret sandte der Abt ohne Entgelt Standespersonen ins Bad hinab[22]. Schon im Jahre 1474 schenkte die ganze Eidgenossenschaft der Gemahlin des Herzogs Siegmund von Österreich, Eleonora, einer schottischen Prinzessin, die mit vielen Hofdamen und Edelleuten in Baden zur Kur weilte, an Ochsen, Wein, Schafen, Butter, Hafer und anderen Dingen im Werte von siebzig Gulden, „weil von ihr viel Ehren und Gnade Armen und Reichen geschen“. Die Herzogin hatte viel zur Aussöhnung des Hauses Österreich mit den Eidgenossen beigetragen[32]. Dem Pfalzgrafen Otto Heinrich bei Rhein nebst seiner Gemahlin wurden im Wildbad vom Herzog Christoph von Württemberg Wein, Hafer und Wildpret „verehret“[335]. 1576 schickte der Rat von Zürich dem Landgrafen Maximilian von Stühlingen, römisch-kaiserlichen Erbmarschall, und seiner Gemahlin, welche die Kur in Baden gebrauchten, durch beide Standessäckelmeister ein schönes Rind mit weiß und blau bemalten Hörnern und einer ebenfalls weiß und blauen, mit Quasten gezierten Decke, welches fünfundsechzig Gulden gekostet hatte. 1609 sandten „meine gnädigen Herren“ von Zürich durch den Bürgermeister Rahn und drei andere Magistratspersonen dem Herzog Ernst von Bayern, Kurfürsten von Köln, welcher sich in den Bädern aufhielt, einen silbernen und vergoldeten, die Weltkugel vorstellenden Becher, welcher zweiundsiebzigeinhalb Lot wog, einen Hirsch aus dem Stadtgraben nebst einigen Lachsen und Aalen[315]. Ähnliche Badschenken mit mehr oder weniger diplomatischem Charakter sind des öfteren in der Geschichte Badens verzeichnet. Auch die Stadt Baden selbst wartete zuweilen ihren Gästen mit Geschenken auf. 1706 erhielt der Schultheiß Grafenried von Bern, weil er das erstemal im Bade war, ein paar Schafe und vier Kannen Wein, 1712 der Züricher Bürgermeister Holzhab vier gute welsche Hühner, sechs paar Güggel und sechs paar Tauben[32]. Hie und da werden Badegeschenke, zuweilen mit scherzhaften Anspielungen, an Angehörige und Bekannte erwähnt; auch solche an Mitpatienten kommen vor. Pfarrer Schweizer wurde von den Damen, mit denen er zu Baden an einer Tafel speiste, mit einer täuschend nachgemachten Pfeife aus Zucker beschenkt, weil sie bemerkt hatten, daß er trotz ärztlichen Verbotes heimlich rauchte. Vor seiner Abreise zum Bad hatte Schweizer von seinen Angehörigen einen seidenen Hut aus Biberhaaren und einen seidenen Schwarzrock als Badschenke erhalten[399]. 1474 schickte der Doktor Heinrich Steinhövel der Gräfin Margarete von Württemberg von Ulm aus „22 pombrantzen von Kum (Como)“ ins Zellerbad (Liebenzell) und schrieb dazu: „bitt ich üwer fürstlich genad, dises min armes gäblin für ain schenkin zu gelüklichem bad genädiglich uffzenieman“[54]. 1632 erfreute Statthalter Heidegger in Zürich seinen Schwiegersohn Hauptmann Heß im Hinterhof zu Baden mit einem „schönen Badermeyen nebst vielen andern Gutthaten“. Der Badermeyen (sonst ein Blumenstrauß) bestand in einem Gedicht, in dem der Herr Schwiegervater zunächst alles Gute zur Kur wünschte, dann eine lange gelehrte Abhandlung über die schädlichen Folgen des Trunkes mit Zitationen aus alten und neuen, geistlichen und weltlichen Schriftstellern folgen ließ[315]. Es war ferner Sitte, daß Körperschaften ihren Vorgesetzten Geschenke zur Ehrung ins Bad sandten. Von der kleinen Gemeinde Elgg im Kanton Zürich erhielten Frau Beatrix von Hinweil 1546 eine Krone und drei „Gitzi“, 1548 der Junker Felix ein Kalb, 1549 der Junker Hans von Ulm und seine Frau ein Kalb, 1667 der Pfarrer ein Schaf. Als Junker Jörg 1576 von Baden kam, gab ihm die Gemeinde ein Schaf[145]. Wolfach hat 1643/44 in der Stadtrechnung verzeichnet: „Dem Herrn Pfarrer von gemeiner Statt wegen in sein Badenchur in Grießbach an brod, flaisch geschickt und verehrt worden 12 ß 4 d“[460]. Wie schon erwähnt wurde, gestattete Ulm 1466, dem Bürgermeister, den Richtern und den Räten ein Maß Malvasier oder dessen Wert ins Maienbad[H] zu schenken[51]. [Illustration: Abb. 139. Wie etlich Herren vnd Burger zůsamen geschossen. Die Herren Bürgermeister Johansen Kambly vnd Herrenn Seckelmeister Clůnrath Aescher. Einen Ochsen gan Baden zů einen Baden Schencke gebracht. 1576. Nach einer farbigen Zeichnung der ~Wyckiana~. Zürich, Stadtbibliothek.] Alle diese Badschenkungen werden weit in den Schatten gestellt durch die, welche Zürich seinen Standespersonen zukommen ließ. Die erste, welche großes Aufsehen erregte, ward im Jahre 1534 von hundertachtundneunzig Zürcherischen Stadt- und Landbürgern zu Pferd und zu Fuß ihrem Bürgermeister Diethelm Röust nach Baden überbracht. Sie bestand in einem fetten Ochsen, welcher über vierundzwanzig Gulden gekostet, mit weiß und blauer Decke behangen war, vergoldete Hörner hatte und zwischen denselben einen weiß und blauen Beutel trug, der zwanzig rheinische Gulden enthielt. Die Mannschaft war neu in Sammet und Seide gekleidet, mit Federbüschen geschmückt, auch mit Handbüchsen und Spießen wohl bewaffnet, und zog so fröhlich nach Baden hinab. Als aber die Bürger dieser Stadt, wo eben die eidgenössische Tagsatzung versammelt war, einen so zahlreichen Zug anrücken sahen, schickten sie, da sie demselben wegen der noch neuen Religionsänderung der Züricher keine guten Absichten zutrauten, heimlich zu den Gesandten der übrigen Kantone, um sich Rat zu holen, ob sie nicht ihre Tore schließen sollten. Diese aber befahlen ihnen, sich ruhig zu verhalten, indem die Züricher auch ihre Oberherrn seien. Da ließen sie zwar die lustige Mannschaft ungehindert durch die Stadt ziehen, erwiesen ihr aber keinerlei Ehre. Nachdem die fröhlichen Gesellen ihr Geschenk abgegeben und die Nacht in den Bädern zugebracht, zogen sie am folgenden Morgen wieder heimwärts. Da fürchteten die Bürger von Baden, ihr Verdacht und ihre Unfreundlichkeit möchten übel gedeutet werden und bewirteten nun, um alles wieder gut zu machen, den Zug, als er in die Stadt eintrat, mit Wein und beschenkten denselben mit drei Goldgulden. Im Jahre 1571 (?) schickte die Zunft zum Widder dem damaligen Bürgermeister Kambli einen Ochsen zum Geschenk (Abb. 139), der eintausendeinhundertdreißig Pfund wog, den derselbe aber nicht in Baden verzehrte, sondern bei seiner Heimkunft auf sämtliche Zünfte verteilen ließ[315]. 1604 besuchte der Deputat und Zunftmeister Melchior Hornlocher von Basel mit seiner Gattin das Bad Ramsen im Jura. Diesen Anlaß ergriff die gesamte Geistlichkeit der Landschaft, um „ihrem getreüwen patronen“ einen Beweis der Hochachtung darzubringen. Im Namen der drei Kapitel der Landschaft machten sich die drei Herren Dekane auf den Weg zum Bade. Sie waren beauftragt, dem wohlweisen und ehrenfesten Herrn Zunftmeister „einen salmen, so zwölf Pfund kostet“, zu überreichen. Sie „presentierten, verehrten und schenkten“ nicht allein „zu einer guten badenfahrt, zu lybs gesundheit und langwieriger wohlfahrt“, sondern auch „zur Ehr Gottes, zu nutz des Vatterlandts und fürderung der kilchen (Kirche)“[39]. Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts traten in Zürich zuweilen an Stelle der Naturalien silberne Becher, im 17. öfter. In Basel gehörte es zu den „Kompetenzen der Herrn Häupter“, daß ihnen nach einer gebrauchten Bad- oder Sauerbrunnenkur ein silbernes Trinkgeschirr von vierzig Gulden Wert mit der Stadt Wappen von Obrigkeit wegen geschenkt wurde. Das geschah von 1604 bis 1631 mehrmals. Auch der Stadtmagistrat von Baden ließ öfters an angesehene schweizerische Staatsmänner silberne Becher und dergleichen als Badgeschenk überreichen[315]. Da die Geschenke immer kostspieliger wurden, griffen die Behörden ein. Der Stadtrat von Konstanz verbot sie aus diesem Grunde schon im 15. Jahrhundert[461]. Gegen Ende des 16. beginnen in Zürich die Verbote, die häufig wiederholt und ebensooft, selbst von der Behörde, nicht gehalten wurden. Als 1647 alle Gaben an Vorgesetzte abermals verboten wurden, übersandte die Regierung im selben Jahre, in Widerspruch mit sich selbst, dem Bürgermeister Rahn eine künstlich gearbeitete Uhr mit einem silbernen Schreibzeug ins Bad. Es finden sich auch in den Ratsmanualen derselben Zeit Beweise, daß die Regierung Ratsrednern, Stadttrompetern, Hebammen, Schanzenschreibern und dergleichen von der Stadt besoldeten Leuten Badschenkungen an Geld, Wein und Getreide zu senden verordnete. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließen sämtliche Stadtknechte, Läufer und Überreuter jeden Sommer vor dem Rate durch einen Anwalt um ihre Badschenkungen bitten, die für jeden einige Pfund an Geld betrugen und einen Teil der Einnahmen ausmachten, welche ihnen im Jahre 1679 durch eine obrigkeitliche Verordnung zugesichert worden war, ohne daß sie dieselben in Baden zu verzehren brauchten. In Schaffhausen war das Herbstbadgeld, auch kurz Herbstbad genannt, ein Besoldungsposten höherer Beamter. Im Ämterbuche daselbst finden sich im 18. Jahrhundert z.❆B. die Stellen: „Dem Antistes Herbstbaadgelt 36 Kreuzer.“ „Besoldung eines Herrn Diakoni im Münster, Herbstbad aus dem Kloster 36 Kreuzer, Herbstbad aus dem Spital 36 Kreuzer“[557] (vergl. Badgeld S. 178 u. 179). Da sich in Zürich ein vollständiges Verbot der Badschenkungen nicht durchführen ließ, so wurden zuweilen die scharfen Mandate gemildert. Bald waren nur silberne Becher, bald auch Geld oder Geldeswert und lebendige Schafe verboten. Manchmal wurden die Bürgermeister, häufiger die Verwandten ausgenommen, denen unbenommen sein sollte, ihren Angehörigen Eßwaren zu schicken. Mehr als alle Mandate bewirkte, wenn auch nur vorübergehend, das Auftreten des Antistes Breitinger vom Großmünster. Als dieser 1618 zur Kur in Baden weilte, verordnete der Rat, daß jedes Mitglied desselben einen Dukaten erlegen solle und der Bürgerschaft freistehe, auch das Ihrige beizutragen, um dem ersten Lehrer der vaterländischen Kirche ein namhaftes Geschenk zu machen. Allein sobald Breitinger von diesem Vorhaben Kunde bekam, lehnte er die ihm zugedachte Badschenkung so entschlossen und beharrlich ab, daß der Ratsdiener die bereits eingezogenen Dukaten jedem Geber zurückerstatten mußte. 1632 eiferte Breitinger von der Kanzel herab gegen den Mißbrauch und derartig, daß er wegen seiner ehrenrührigen Anspielungen zur Verantwortung gezogen wurde. Seine Verteidigung gestaltete sich zu einer abermaligen Strafpredigt, daß der Herr Bürgermeister am nächsten Ratstag gestehen mußte: „Wir sind bestanden, wie ein Lauß auf dem Ermel!“ Aus Breitingers selbstverfaßter Lebensbeschreibung geht hervor, daß die Badschenken zu Stadt und Land geradezu erpreßt wurden, wenn auch nicht von den Vorgesetzten selbst, sondern von deren Schmeichlern, die nachher die Geschenke überbrachten. Wie reichlich die Geschenke flossen, ist aus einem Verzeichnis zu ersehen, das Bürgermeister Waser von Zürich aufgestellt hat, als er 1665 von Amts wegen zur Tagsatzung in Baden weilte und zu gleicher Zeit mit seinen Angehörigen das Bad gebrauchte. Von siebzig verschiedenen Orten erhielt er: „an barem Gelde vierzehn Gulden sechzehn Schilling; zwei Louisd’or und drei Dukaten in Gold, ferner: einen großen Hirsch, ein Zimmerstück von einem Hirsch und noch ein anderes Stück Wildbret, ein Vorderstück von einem wilden Schwein, vier Hasen, drei Schafe, zwei Lämmer, ein Schafsviertel, acht Schafsfüße, ein Essen Kalbsmilchen, fünfundzwanzig größere und kleinere Fische, vierzig Hähne, ein Huhn und achtzehn Eier, zwei Gänse, zwanzig Tauben, zehn kalekutische Hennen, dreiundsechzig Rebhühner, zwölf Rebvögel, sechs Wachteln, zwei Haselhühner, zwei Steinhühner, zweihundertsechsundzwanzig Krebse und einen Vierling dito, eine Pastete, allerlei Salat und Rettige, Artischocken, einen Stock Blumenkohl, zwei Ankenbräute (Butterbemmen), ein neugebackenes Hausbrot, zwei Semmeln, drei Eierweggen, einen Eierkranz, zwei große Bachis (Gebäck), einen Hammen (Schinken), acht Scatellen (Schachteln) mit allerhand Konfekt, Rosinen und Makronen, eine Schachtel Truciscas (wohl Trochisci = Bonbons, Zeltchen), zwei Mandel- und Rosinen-Torten, Brustzucker, Melonen, Zitronen und verschiedene Zierraten, mancherlei Aprikosen, zwei Zuckerstöcke. Ferner ein schönes Hofessen, nämlich: einen Kapaun, ein Quart von einem indischen Hahn, einen Hasen, ein Rebhuhn, Brigniolen, ein Stück von einer Mandeltorte, ein Stück von einer Quetschentorte und eine überzuckerte Zitrone. Ein Ührlein. An Büchern: Plantin, Histoire Helvetique (französische Übersetzung) und Hottingeri Historia Ecclesiastica, und endlich noch von zwei armen Kapuzinern im Hinterhof zwei Melönchen, eine Hand voll Fenchel und einen Maien (Strauß)“[315]. Noch 1755 wurden in Zürich durch Mandat die „Badschenki“ im allgemeinen bei zwei Pfund Buße verboten und 1790 — wohl zum letzten Male — die Geschenke ganzer Gemeinden an ihren Pfarrer oder von Schulen an den Lehrer bei 30 Pfund[412]. Soweit aus ~Hess~’ Badenfahrt zu ersehen ist, bestanden sie, mit Ausnahme der von Verwandten gespendeten, 1818 nicht mehr[315]. Wurden Vornehme bei ihrem Aufenthalt im Bad von dem Landesfürsten oder der Stadt beschenkt, so hinterließen sie wiederum „nach glücklich vollbrachter Baden-Kur zur Gedächtnuß Ihre Wappen“ (~Walch~, Liebenzell 1668)[154], und das geschah meistens in Gestalt gemalter Fensterscheiben, ein Brauch, den schon ~Poggio~ erwähnt. Auf dem Bild des mittelalterlichen Hausbuchs sind die Wappenscheiben im Badehause dargestellt (Abb. 104). Selbst kleine Bäder waren reichlich mit solchen versehen, z.❆B. im 16. Jahrhundert das nicht mehr vorhandene Bad Urdorf (Zürich) mit den Wappen des Grafen Georg von Württemberg-Mömpelgard, der Reformatoren Bullinger und Pelicanus[427], das Gyrenbad bei Hinweil mit denen Bullingers, der Bürgermeister von Zürich, der Prälaten von Einsiedeln, Fischingen und Rheinau[425]. Im 18. Jahrhundert, z.❆B. in Spa, scheinen die Einwohner selbst mehr zu Reklamezwecken ihre Häuser mit den Wappen fürstlicher Personen geziert zu haben[404]. [Sidenote: _Baderkräm_] Kehrte man vom Bade heim, so erforderte die Sitte, Geschenke mitzubringen, die den Namen „Baderkräme“ (kramen, kaufen) führten. ~Johann Grob~ aus dem Toggenburg hat unter dieser Überschrift in seiner „Dichterischen Versuchgabe“ 1678 folgende Verse verzeichnet: „Wann der Frauen Bader-Cur und die liebe Zeit verflossen, Dann so geht das Kramen an; freuet euch, ihr Hausgenossen, Knecht und Magd ist unvergessen, auch der nächstgeseßnen Schaar; Hat der Mann dann nichts zu hoffen? Ja, ein schönes Hörnerpaar!“[315]. Mit dem Titel „Bad-kramet“ schickte der Kanzler Löffler 1633 Eberhard III. ein Schreiben aus dem Wildbad[73]. Pfarrer Burkhard zu Nieder-Weningen kaufte 1736 in Baden mehrere Kegelspiele als „Baderkröme“, um sie daheim zu verschenken[32]. Vielleicht handelte es sich um Geschenke bestimmter Natur; denn als der Astronom ~Fäsi~ 1703 seine Schwiegermutter von Baden abholte, da brachte er seinen Kindern etwas mit, aber nur dem Rägeli (Regula) „Baderkräm“[462]. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts bedachte man auch noch die Kinder, Verwandte und Dienstboten, aber nur mit kleinen Geschenken, besonders mit Spanischbrötchen, einem Backwerk, das in Baden besonders gut hergestellt wurde[315]. Armen Leuten, die ins Bad fuhren, gab die Heimatsbehörde kleine Unterstützungen zum Unterhalt mit. Solche „Wildbadalmosen“ wurden z.❆B. im 16. Jahrhundert in Nürnberg ausgeteilt[16]. In Basel erhielt 1593 ein armer Mann von Normandingen (jetzt Ormalingen) aus dem Kirchengute eine „Badesteuer“ von sechzehn Schillingen[39], in Würzburg 1590 ein Bader zwei oder drei Gulden „Beisteuer“ ins Wildbad[144]. [Sidenote: _Die Freibäder_] Das Baden selbst war für Arme unentgeltlich, ja sogar für Vornehme, die auch, abgesehen von kleinen Entschädigungen, nichts für das Wasser zahlten. In Pfäfers hatte 1610 jeder, der es vermochte, einen Kreuzer für Licht, und wer hinwegzog, einen Batzen dem Aufseher zu geben, nichts weiter[22]. Pfäfers wird deswegen öfters als edles Wild- und Freibad bezeichnet. Wie ~Pantaleon~ berichtet, bezahlte man in Baden (Schweiz) nur die Säuberung des Bades wöchentlich mit einem Kreuzer[35]. „Es mügen zu diesem Brunnen kommen vngehindert, Adel oder vnadel, Reich oder Arm“, sagt ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~) 1597 von Pyrmont, „gratis datur gratis accipitur“[56]. Mit einem gewissen Aberglauben wurde die Zulassung zum Bad jedermann gestattet. Dem ~Fabricius Hildanus~ erzählten 1610 die Einwohner von Pfäfers, ein Abt habe das Bad mit Abgaben belegt, da sei der Brunnen verschwunden, bis der Zoll aufgehoben wurde[22]. Ähnliches berichtet ~Wagner~ von Gontenschwyl bei Reinach im Aargau. Dort wurde 1640 eine Quelle entdeckt, die bei massenhaftem Zulauf viele Wunderkuren vollbrachte. Aber schon im folgenden Jahre hatte der Brunnen seine seltsame Heilkraft vollständig eingebüßt, weil die Bauern aus Habgier das Wasser verkauften[679]. ~Metobius~ erzählt 1556, der Pyrmonter Brunnen habe dreihundert Jahre vorher große Krankheiten geheilt. Als aber der Herr der Herrschaft Zins erheischte, da verschwand das Wasser und versiegte der Brunnen[417]. In Baden-Baden beschwerten sich die Einwohner 1488 beim Markgrafen Christoph, als der Bader von den Armen Geld genommen hatte, mit Erfolg[40]. Zu Baden in der Schweiz bezog das Freibad mit mehreren Wirtshäusern zusammen sein Wasser aus der Quelle, die der heiße Stein hieß. Es wurde ängstlich darauf gesehen, daß zuerst die Armen mit genügend Wasser versorgt wurden. Nach alten Badefreiheiten konnte im Freibad jedermann den Zapfen (dargestellt in Abb. 102 rechts) ziehen oder stecken, wenn er das Wasser wärmer oder kühler haben wollte. Kein Wirt durfte bei Strafe den Zapfen berühren, schon sein bloßes Erscheinen beim Freibade nach dem Läuten der Betglocke hatte für ihn unnachsichtlich eine Buße von fünfundzwanzig Pfund zur Folge. Als im Jahre 1641 der Nachtwächter bei den Bädern auf Geheiß eines Wirtes, um ihm mehr Wasser zuzuhalten, den Zapfen des Freibades steckte, wurde er solange in den Turm gesperrt, bis er den nannte, der es ihm geheißen[32]. In Baden war auch der Besuch der Matte, des Vergnügungsplatzes, für jedermann frei, trotzdem sie zum Hinterhofe, also dem Gasthause der Vornehmen, gehörte, der Besitzer desselben den Platz instand zu halten hatte und ihn mit den nötigen Ruhebänken versehen mußte. 1424 wurde „als +altes+ Herkommen geoffnet, daß die Werdmatte zu Niederbaden (es ist nicht Baden-Baden gemeint, Niederbaden steht hier wohl im Gegensatz zu der höher gelegenen Stadt Baden) zu dem Hofe, der Heinrich Schinders sel. gewesen ist, gehöre und gehören soll, daß aber jedermann, in welchen Ehren und Würden er sei, Jung oder Alt, Herren und Frauen, zu jeder Zeit, Sommers und Winters, auf diese Matte gehen, allda tanzen oder andere ziemliche Kurzweil treiben mögen, von jedermann ungehindert. Und wer den Schinders Hof inne habe, der soll die Tanzstühle auf der Matte machen und in Ehren halten und nießen, was auf der Matte wächst, ohne jemand an Kurzweil, Steg oder Weg daselbst zu hindern“[32]. Die Abgabe von Mineralwasser zum Trinken war fast überall gänzlich frei, zu Bädern jedoch nur da, wo das Wasser nicht erwärmt werden mußte. Im Solbade Kreuznach kostete 1490 einen Tag baden einen Heller[61], zu Meinhardt in Württemberg zahlte man 1485 für das Baden am Vor- und Nachmittag je zwei Pfennig[53]. Das waren die Preise der öffentlichen Badestuben. 1602 verordnete der Rat von Luzern, daß die Bauern das Wasser aus dem Bad in der Luthern nicht wegführen dürften, weil der Bader auf eigene Kosten das Bad hatte herstellen lassen[38]. [Illustration: Abb. 140. Das Freibad zu Baden im Aargau 1820. Aquarell von ~Ludwig Vogel~. Zürich, Landesmuseum.] [Sidenote: _Das Auswerfen_] Die Auffassung, daß auch der Reiche nichts fürs Bad zu zahlen habe, hatte seine Ursache einmal darin, daß man das Mineralwasser als Gabe Gottes betrachtete; dadurch war es steuerfrei. Diese Ansicht hatte auch zur Folge, daß etliche (1610) annahmen, Pfäfers verletze die, welche mit Franzosen (Syphilis) behaftet seien, weil die hohe und heilige Arznei solche unreine und wüste Krankheit nicht annehme[22]. (Der Abt von Pfäfers lud aber doch ~Ulrich von Hutten~ zur Kur ein!) Nach ~Thurneisser~ (1572) sollten sich vor Pfäfers auch die Goldschmiede hüten, die viel vergoldet haben, die schwämmen empor darin. Er kannte einen aus Lindau, der viel vergoldet und deshalb viel Quecksilber an sich gezogen hatte. Als dieser nun mit dem Podagra beschwert nach Pfäfers kam, konnte er nicht unter Wasser bleiben und mußte ungebadet wieder heimziehen, weil das Wasser kein Quecksilber litte[390]. ~Fabricius Hildanus~ widerlegte diese Ansicht durch einen Versuch am eigenen Leibe, nachdem er ihn an einem seiner Lehrlinge vorgenommen hatte. 1628 wurde auch ein Goldschmied vom Gliederweh geheilt[101]. Das Wasser warf aber Wassersüchtige aus, die wegen des leichteren spezifischen Gewichts emporschwammen. Man sah das als ein absolutes Anzeichen zum sofortigen Verlassen des Bades an. So wurden 1663 in Pfäfers zwei Wassersüchtige ausgeworfen, ein dritter badete weiter und starb[456]. [Illustration: Abb. 141. Mineralbad von ca. 1600. Federzeichnung von ~Bartholomäus Lingg~ in Straßburg. Statistik schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg. 1904. Zürich, Landesmuseum. Vgl. Abb. 58.] [Sidenote: _Einfache Einrichtungen in den Mineralbädern_] Auch rührte das Freibaden gewiß aus einer Zeit her, wo sich die einfachsten Vorrichtungen in oder bei der Quelle befanden. Die Freibäder — und das waren die ältesten — lagen sehr häufig unter freiem Himmel[I], die zu Baden in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert (Abb. 46). Erst 1812 wurden die bis dahin offenen Bäder mit Jalousien eingewandet (Abb. 103, 140), 1824 das Freibad gedeckt und auch für beide Geschlechter in zwei Abteilungen unterschieden, drei Jahre darauf geschah letzteres im Verenabad, das immer noch offen blieb, bis es 1841 einging[32]. Als Verbesserung traten die sogenannten Badeschuppen auf (Abb. 124, 138). Auch in dieser Gestalt treffen wir Bäder mehrfach noch im 19. Jahrhundert an. So hatte 1867 das Kuttlenbad in der Gemeinde Summiswald (Bern) einen einzigen offenen Schuppen als Baderaum, unter dem in sechs Wannen die Geschlechter ungetrennt badeten[86]. 1832 sagt ~Rüsch~ vom Langeneybad am Fuße des Seelibühls, zwischen dem Gurnigel und den Stößen, drei Viertelstunden vom Gurnigelbad (Berner Oberland) gelegen: „Es gleicht in seiner Lage und Bauart nach eher einer Räuberhöhle als einer Heilanstalt. Wind, Regen und Schneegestöber streichen ungehindert durch das von vornen und hinten offene Giebeldach (Vgl. Abb. 96). Wohnung und Bewirtung findet man nicht; die ganze Einrichtung beschränkt sich auf vier im Erdgeschoß angebrachte ausgehölte Baumstämme, in welchen acht Personen mit gegeneinander gerichteten Füßen baden können“[88]. Baden-Baden hatte aber 1488 schon geschlossene Freibäder[40]. [Illustration: Abb. 142. Karlsbad vor dem Brande von 1759 mit den Holzrinnen (2), die vom Sprudel aus längs der Tepl und über dieselbe das Thermalwasser in die im ersten Stock gelegenen Badstüblein der Uferhäuser leiteten. Kupfer.] [Sidenote: _Zusammenbaden verschiedener Stände in den Mineralbädern_] Ursprünglich saßen im Freibad Vornehme und Arme beieinander. In Plombières (Plumbersbad) badete alles in einem unter freiem Himmel gelegenen See (Abb. 120); nur das Königsbad war „beschlossen“[449]. Auf Verlangen des Pfalzgrafen Herzog Friedrich wurde 1524 für diesen im Wildbad das Herrenbad zum Gebrauch für zwanzig Personen unterschlagen[335]. Später errichtete man noch mehrere Abteilungen, immerhin saßen die verschiedenen Stände in einem gemeinsamen Bade und waren nur durch Bretterwände voneinander getrennt. In Pfäfers war das obere Bad 1610 (Abb. 130) (auch im neuen Bad (Abb. 131) bestand die Trennung der Stände) für große Herren und Edelleute bestimmt und führte den Namen Herrenbad[22], obwohl die Badeordnung vom Jahre 1619 sagt, keiner solle, weil Pfäfers ein Freibad, seines Standes wegen vorgezogen werden[632]. Sie fügt jedoch hinzu, die Badenden seien nach ihrer Würde zu setzen, und das geschah durch strenge Absonderung im Herrenbad. Baden in der Schweiz hatte Bäder für Vornehme in den Gasthäusern, ebenso Baden-Baden. Hier waren 1606 zehn offene Wirtshäuser mit dreihundertneunundachtzig Badkästen neben einem Privatbadhause[362]. In Karlsbad wurde das Wasser des Sprudels in die benachbarten, zur Fremdenbeherbergung dienenden Bürgerhäuser in offenen Holzrinnen geleitet und dort in den „Badstueblein“ gebadet. Solcher zählte man im 16. Jahrhundert gegen zweihundert, und noch vor dem großen Brande vom Jahre 1759 waren vierzig Häuser mit Badestuben versehen. (Auf Abb. 142 liegen sie als vergatterte Hallen im untersten Stockwerk der Häuser längs des Flusses; bei den ersten beiden Häusern sind sie kleine Anbauten.) Nach dem Brande jedoch hatten die meisten Bürger in ihren Häusern keine Bäder mehr, weil das Baden um diese Zeit außer Gebrauch gekommen war[347]. In den Beschreibungen wird vielfach berichtet, daß Patienten, welche den gemeinsamen Baderaum nicht benutzen wollten, das Wasser in ihre Zimmer tragen ließen, ja nach benachbarten Orten, wenn sie im Bade selbst keine standesgemäße Unterkunft fanden. In Liebenzell wurden 1748 die Bäder nur von den Dienern und armen Leuten gebraucht, wer es bezahlen konnte, ließ das Wasser ins Zimmer bringen[372]. Immerhin wurde hie und da auch das gemeinsame, selbst das Armenbad, von Vornehmen benutzt, wie wir sahen das Verenabad in Baden wegen seiner besonderen Eigenschaft. [Sidenote: _Trennung der Stände in den Mineralbädern_] Die Regel scheint aber doch gewesen zu sein, daß man die Armen aus dem alten Freibade verdrängte und ihnen andere Bäder zuwies. So wurden, wie wir schon sahen, im Wildbad 1828 die Armen aus dem gemeinschaftlichen großen Bade entfernt, und sie erhielten in einer besonderen Anstalt das Wasser vom früheren Pferdebade. Es bestand jedoch zur selben Zeit die auf lagerbüchlichem Herkommen beruhende Berechtigung zum unentgeltlichem Gebrauch der Bäder für die Bürger und Bürgerinnen der Orte Wildbad, Kalmbach mit Höfen, Neuenbürg, Gräfenhausen mit Arnbach und Oberhausen, sowie die Dienstboten und die Verwandten der Wildbader Bürger und Bürgerinnen bis in den dritten Grad bürgerlicher Berechnung einschließlich[325]. 1584 wurde im Tobelbad bei Graz geklagt, daß gesunde und „presshafte“ Personen ohne Unterschied „fast beinander“ badeten und die Armen „gleich hervor vom neuen Ursprung (Quelle) säßen“[84]. Im 17. Jahrhundert bestand das Armenbad zu Burtscheid aus einer Grube (Abb. 143), bei der zwei bienenkorbartige Schwitzhütten, wie wir sie oft als ersten Anfang einer Badeanstalt antreffen (Abb. 129), errichtet waren[409], und doch muß nach Aussage von ~Baccius~ im 16. Jahrhundert ein größeres Freibad bestanden haben, bei dem Lustbarkeiten stattfanden[70]. Man kam von der alten Auffassung des Freibades immer mehr ab und gab den als Bettler umherziehenden, mit häßlichen Krankheiten Behafteten, die früher am meisten Mitleid erregt hatten, Bäder, die man kaum noch mit diesem Namen bezeichnen kann. In Teplitz war 1607 das vor der Stadt gelegene Bad für Bettler, Aussätzige und die an Franzosenkrankheit Leidenden nur ein Tümpel und das in der Stadt befindliche „Frantzöser- oder Rossebad“ ein „Pfudel“[264]. In Warmbrunn mußten sich 1607 die Armen gefallen lassen, daß Vornehme mit ekelhaften Krankheiten in ihrem Bade saßen, weil das für Herren diesen verschlossen wurde[69]. [Illustration: Abb. 143. Armenbad in Burtscheid mit zwei Strohhütten zum Schwitzen. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727. (Befindet sich schon in der Ausgabe von 1688, in der ersten Auflage von 1685 fehlen die Strohhütten.)] [Sidenote: _Die Zulassung zu den Freibädern_] An einzelnen Orten nahm man das Freibaden wörtlich. 1688 hatte zum „armen oder Comphaußbad“ in Aachen jedermann freien Zutritt. Da badeten Kranke und Gesunde, Weiber und Männer, Junge und Alte, „besudelte, krätzige vnd mit geschwären behaffte“ durcheinander. Die Waschweiber wuschen ihre Leinwand, die Färber Wolle und Tücher. Sitzplätze, Zimmer und Betten gab es nicht. Einmal im Jahre wurde das Bad von vierzig Tuchmachern gereinigt. Im St. Quirinibad durften die Bürger wenigstens Wasser holen[409]. Ins Freibad zu Baden (Schweiz) konnte jedermann kommen und gehen. Das Verenabad durften aber schon zu ~Pantaleon~s Zeiten nur die benutzen, welche Herberge genommen hatten, also zur Kur im Orte weilten. Später mußte von der Heimatsbehörde ein Dürftigkeitszeugnis vorgewiesen werden, und das hatte seinen Grund im Vorhandensein zahlreicher sogenannter starker Bettler, Nichtstuer, die haufenweise in den Bädern lagen. In Baden-Baden hing 1528 die Erlaubnis zum Betteln für die, welche des Bades notdürftig waren, von der Einwilligung des Schultheißen ab[454]. 1702 ließ man in Baden (Schweiz) auch nicht mehr jedermann ohne weiteres ins gemeinsame Verenabad. Die mit ekelerregenden und ansteckenden Krankheiten Behafteten badeten einige Tage an einem abgeschlagenen, von der Quelle entferntem Ort, bis sie von der gröberen Unsauberkeit befreit waren[373]. [Sidenote: _Die Freibäder zu Karlsbad_] Karlsbad hatte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts öffentliche (Gemein-) Bäder am rechten Teplufer in nächster Nähe des Sprudels. Das Badehaus besaß je eine Abteilung für Männer (Abb. 144, No. 5) und Frauen (No. 6), sowie eine abgesonderte für „Kretzige und Aussätzige“ (No. 7), die nach Abb. 144 noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts ohne Dach war. Nach dem großen Stadtbrande im Jahre 1759 wurde das Gemeinbad neuerdings errichtet und nach einer Abbildung von ca. 1780 dem alten sehr ähnlich. Auch das dritte Bad für Aussätzige wurde hinter dem Weiberbad wieder aufgeführt. Das ganze Gebäude erstand 1794 neu mit einem kleinen Dampfbade, wurde aber 1809 beim explosionsartigen Ausbruch des Sprudels[J] derart beschädigt, daß es abgetragen werden mußte[347]. Damit verschwand das alte Bad, das wir unbedingt als Freibad auffassen müssen. An seiner Stelle erstand um die 1809 hier neu entsprungene Hygieensquelle — das alte Bad wurde vom Sprudel versorgt — eine Säulenhalle, mit einem zweiten Stock, das zur Dampfbadeanstalt eingerichtet wurde. Der Mühlbrunnen war schon im 16. Jahrhundert bekannt. Zu Anfang des 18. war er in ein nur mit Brettern verschlagenes Bad geleitet, was die Armen benutzten, namentlich auch zum Schröpfen[347]. [Illustration: Abb. 144. Der Sprudel zu Karlsbad im 17. Jahrhundert. Kupfer von ~G. Hupschmann~.] [Sidenote: _Die Freibäder zu Baden-Baden_] [Sidenote: _Die Freibäder wurden am meisten am Sonnabend benutzt_] In Baden-Baden bestanden ähnliche Verhältnisse wie zu Baden in der Schweiz. Es gab zwei Freibäder[K], ein großes und ein kleines, die nach einer Ordnung des Markgrafen Christoph 1488 Freibäder im eigentlichen Sinne des Wortes waren. Als sich die von Baden beschwerten, der Bader habe den Mägden das Wasserholen nicht gestattet, das eine Freibad während des Badens geschlossen gehalten und auch von Armen Geld genommen, wurde im selben Jahre eine neue Verfügung erlassen. Nach ihr war das große Freibad von altersher „armen, ellenden menschen vmb Gottswillen allweg fry“. Das kleine Freibad stand aber nur den Einheimischen frei zur Verfügung (auch in Baden in der Schweiz hieß das eine Freibad, das nicht von den Armen kurgemäß gebraucht wurde, nach ~Pantaleon~ das Bürgerbad), Fremde zahlten täglich einen Pfennig. Die Verordnung enthält aber schon eine Einschränkung des kleinen Freibades, die der Bader nach seinem Vertrage aufrecht hielt. Wenn er fremde Gäste „zu lust“ behielte, hatten die Einwohner von Baden keinen Zutritt[40]. So wurde in Pfäfers nach der Badeordnung von 1619 dem Verwalter bei Strafe verboten, Leute aus der Umgebung nach Feierabend oder am Samstag abend baden zu lassen, wenn das Bad mit Kranken besetzt sei[632][L]. Diese Verordnung hatte ihren Grund darin, daß die Bauern, um das Badegeld zu sparen, die Freibäder an Stelle der Badestuben benutzten. In Baden-Baden wurden deshalb die Freibäder alle „gebannte sampstags- und feyernächte“ im Sommer um neun, im Winter nach sieben Uhr für Nichtkranke geschlossen[40]. Im Freibad zu Baden (Schweiz) war der Andrang am Samstag Abend am größten, wo nicht nur gebadet und geschröpft, sondern auch bis in die Nacht getrunken wurde. Mehrmals wurde in den Berner Kapitelakten über das ärgerliche Unwesen in den Bädern, namentlich am Samstag abend und Sonntag geklagt, weswegen der Rat 1650 das Baden zu dieser Zeit verbot. Betroffen wurden sechs Bäder, darunter das Gurnigelbad, weil Samstag zu Nacht und am Sonntag mehrenteils nur Knechte und Mägde von Üppigkeit wegen in diese Orte zögen. Die Klagen gehen bis zum Jahre 1673[142]. [Sidenote: _Unterhaltung im Bad_] Bei dem stundenlangen Baden war es natürlich, wenn man Unterhaltung suchte, und das geschah in den meisten Fällen — den Schriftstellern nach als Eigenart der Deutschen — durch Zechen, Singen und Instrumentalmusik, wovon schon ~Poggio~ berichtet, und das auf vielen Abbildungen des 16., seltener des 17. Jahrhunderts dargestellt ist (Abb. 95, 102, 117, 138). Angeblich sollte auch dadurch der als schädlich geltende Schlaf verscheucht werden. Einen eigenartigen Zeitvertreib schuf ~Gailer von Kaisersberg~ dem Peter Schott und dessen Frau, indem er einen Doktor als Lustigmacher ins Wildbad schickte, der seinen Posten so gut versah, daß Schott, ein sonst sehr ernsthafter Mann, ihm das Zeugnis geben mußte, „er habe die werte Gesellschaft über Tisch mit seinen omeliis et scommatibus so belustigt, ut risu pene omnes defecerimus, praesertim famulae nostrae, quibus risus in urinationem cessit“[325]. Der Tübinger Professor ~Bebel~ schrieb seine berühmten Facetiae, eine Anekdotensammlung, aus welcher das ganze 16. Jahrhundert schöpfte, als Badelektüre für seine Freunde[6]. Die Unterhaltung der Badegäste war gewiß nicht immer die anständigste; denn ~Simler~ hat in seiner Gedichtsammlung (1688) unter mehreren Sprüchen in das Badehaus auch die folgenden: „Die Säüglock bleib unangezogen: nur guten g’sprächs werd hier gepflogen.“ „Im Bad- und Wöschhauß meid anreitzendes Geschwätz zu schnöder üppigkeit, zorn, hader, und Gefätz: dann, was du, sonder nutz, geredt in disem Leben, darvon must Rechenschafft dem grossen Richter geben“[27]. [Illustration: Abb. 145. Vergnügungen beim Mineralbade in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.] Zur Unterhaltung gehörte auch der Tanz, und es scheint, daß dieser zuweilen direkt beim Bade (Abb. 145) und manchmal im Badekostüm stattfand. ~Baccius~, der Arzt des Papstes Sixtus V., hörte (1571) beim Freibad von Burtscheid Tanzmusik und Gesang und sagt, das wäre in ganz Deutschland Sitte[70]. ~Hans Rudolf Räbmann~ singt noch 1606 von Leuk: „Etlich gand aus dem Bad zum Tantz, Im Nachtbeltz springs frölich ganz“[38]. [Sidenote: _Die Badelieder_] Es gibt mehrere aus dem 15. Jahrhundert stammende geistliche Badelieder[28], die genau genommen nicht Bade-, sondern geistliche Lieder sind und Baderegeln zur Grundlage frommer Ermahnungen nehmen. Sie mögen wohl auch im Bade gesungen worden sein. Aus späterer Zeit sind mehrere Badelieder mit religiösem Charakter bekannt (Abb. 146). Die Glotterthaler Badeordnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb vor: „Item es soll kein Gesang wider die Catholische Religion gestattet, auch sunsten nichts Schandtliches gesungen werden“[330]. In Pfäfers wurde 1619 das Singen deutscher Psalmen verboten, nachdem es des öfteren die Jahre vorher den Katholischen zum Trotz geschehen war[632]. Auch im Wallis, namentlich im Bade Leuk nahmen 1600 die Katholischen wahr, daß ihnen „mit Singen, Gebärden, Worten und Werken Trotz geboten werde“[38]. Nach der Ordonnanz von 1679 für Baden bei Wien durften geistliche und christliche Gesänge und Historien, auch andere ehrliche und fröhliche Sachen gesungen und gesprochen werden. Buhllieder und „unschambare“ Worte wurden mit vierhundert Pfund verpönt[84]. Bei Badenfahrten vornehmer Personen wurden von Verehrern eigene Wunschgesänge gedichtet[700]. Ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Lied, mit drei Melodien gedruckt, besingt in scherzhafter Weise die Qualen des Badeausschlags[328]. Mehrere Badelieder dichtete und setzte der Züricher Dichter ~Simler~ im 17. Jahrhundert in Musik. Es sind meist Verherrlichungen der heimatlichen Bäder, z.❆B. „Zu Vrdorf, und am Geiren Rein, auf Aeügst, und auf dem Riedt, entspringen gsunde Brünnelein, durch Gottes sondre güt: so, daß wir können baden, für ein und andern schaden, auch in dem Zürichbiet.“ Auch ~Simler~ schrieb ein besonderes Gedicht, als etliche Herrn Häupter geistlichen und weltlichen Standes der Städte Zürich, Bern, Basel und Schaffhausen 1669 Baden gleichzeitig besuchten[27]. Sicherlich wurden auch die alten Schlemmlieder häufig angestimmt. ~Pantaleon~ war sehr betrübt darüber, daß man von Baden öffentlich schreibe und auch in Druck kommen lasse, es wäre der Schlemmer Bad und werde dort die volle Mette gesungen[35]. Geschrieben hatte dies Pictorius, aber auch mit eigenen Ohren gehört, daß man alle Morgen den Schlemmer zu singen anhob, aber nicht in ~Schiler~s Ton, sondern der vollen Zapfen[152]. [Illustration: Abb. 146. ~M. Muchheimin von Vri~[M]. Ein nüw Lied, in Badenfärten lustig zesingen. Getruckt im Jar 1617.] [Sidenote: _Zechen im Bad_] Getrunken wurde im allgemeinen viel, aber nicht Wasser, sondern Wein, besonders in Baden, wo bis 1811 das Trinkwasser in die großen Bäder von auswärts herbeigeschafft wurde und von Arm und Reich bezahlt werden mußte[32]. So waren dort selbst die Armen gezwungen, Wein zu trinken. Als der Ulmer Patrizier Hans Ulrich Krafft 1573 in einem der freien Bäder badete, entführten ihm die Weiber sein „Schnupftüechlin“, zum Säubern, um sich einen Trunk damit zu verdienen. Die vier Ulmer Maß Wein, die ihnen Krafft schickte, vertranken sie fröhlich unter Jubilieren und Gesang[329]. ~Pictorius~ sagt 1560 vom Wattwyler Bad im oberen Elsaß, der Wein verderbe dort viel, was das heilsame Bad aufrichte; „dann offt badend allda gute Herrn vnnd gesellen“[152]. Als ~Albrecht Dürer~ im Oktober 1520 in Aachen weilte, schrieb er unter anderem in sein Tagebuch „Auch 5 Stüber für’s Baden ausgegeben und mit den Gefährten vertrunken“, „ich habe 5 Weißpfennige in Gesellschaft vertrunken und für’s Baden ausgegeben“[675]. [Sidenote: _Die Morgensuppe_] Die vornehmen Badegäste hatten unter sich eine Art studentischen Komments, der am deutlichsten in der sogenannten Morgensuppe (Abb. 87), von der ~Pantaleon~ berichtet, hervortrat. Sie hatte viel Ähnlichkeit mit dem heutigen Bierstaat der Jenaer Studenten. Zu Baden hielten sie auch die Frauen bei fröhlichem Gesang in ihrem Bad. Sie fand im Stad- und im Hinterhofe statt. Um gemeine Leute fernzuhalten, mußte man sich mit einer größeren Menge Wein einkaufen, auch dann, wenn man im selben Gasthofe, aber nicht in einem der genannten Bäder badete und diese nur vorübergehend benutzen wollte. Umgekehrt war aber den Gästen der Herren- und der Frauenbäder erlaubt, andere Bäder zu betreten und dort zu baden, was z.❆B. im Kessel des Stadhofs vorkam, weil dessen Wasser wärmer war und für heilkräftiger galt. Wie sehr die Teilnehmer der Morgensuppe bevorzugt wurden, geht daraus hervor, daß ihnen bei Überfüllung des Frauenbades im Stadhofe ein zweites, sonst von anderen Personen benutztes Bad, eingeräumt wurde. „All vol lassend vns frölich singen“[36], mit solchem oder ähnlichem Lied begann die Morgensuppe zu Baden in der Schweiz, und zu Baden bei Wien sang man 1588: „Aussig Wasser inne Wein, Last uns alle frölich sein“[16]. [Sidenote: _Das Badgericht_] Mit der Morgensuppe war auch das Badgericht (Abb. 137) verbunden. Es fand zu Baden (Schweiz) in den Herrenbädern des Stad- und des Hinterhofes statt; bei ungenügender Beteiligung in einem Bade taten sich die Gäste beider zusammen und hielten das Gericht abwechselnd in einem der beiden Höfe. Zur Aburteilung durch das Badgericht kamen nur kleinere Vergehen, die im Verenabade vom Wächter bestraft wurden, der auch das Recht hatte, Leute in das Taubenhaus (Gefängnis bei den Bädern) zu setzen. In den von gemeinen Leuten benutzten kleinen Bädern hatte nach der Ordnung von 1506 der Badknecht „die Unzucht mit guten Worten oder mit der Ruthe fernzuhalten“[32]. Zur Einführung des Badegerichtes hatte wohl der Umstand geführt, daß den Bädern Freiheiten verliehen wurden, nach denen die Ortspolizei bei kleineren Vergehen nicht eingreifen durfte. Freiheiten in dieser Beziehung hatten, wie es scheint — und aus ~Pantaleon~ geht dies ja hervor — nur die von Vornehmen besuchten Bäder. 1475 gab Friedrich I. von der Pfalz dem neu entstandenen Bad Hub in der Ortenau, da „gewonlich ein yedes Bad sunder friheit hat“, die ordnung, „das keinerley gerichtsstabe noch gerichtszwang gebrucht werden soll gegen den luten, die umb badens willen die obgenanten herberg besuchen und das bat bruchen“. Im Wildbad Roigheim bei Möckmühl verordnete aber derselbe Pfalzgraf 1476, daß die Badenden dem Roigheimer Recht unterstehen sollten[61]. Das Badgericht bestand im ganzen deutschen Sprachgebiet. Nach der Badeordnung von Baden bei Wien von 1613 und den Zusätzen bis 1690 wählten die Kurgäste unter sich das Gericht[84]. Aus der Glotterthaler Badeordnung (Mitte des 16. Jahrhunderts) seien folgende hierher gehörige Stellen angeführt: „Und damit die nachuolgenden Verbott steyff gehalten vnd die verbrachtern gestrafft werden, so soll jederzeit ain Schulthaiß, so den stab füeret, vnd fünff Richter, ain Waibel, auch zwen Fürsprechen, vnder den Bädern geordnet vnd gesetzt, vnd was durch die erkannt, exequiert werden. Vff daß auch ain jedtwederer Amptsuerweser wisse, was ein tragendt Ampt in sich habe, so soll erstlich ain jeder verordneter vnd gesetzter Schuldhaiß schuldig sein, sobald jme von dem hern Wirdt der Stab ....[N] Item es soll auch ain jedtder .... maister (wohl Seckelmeister) schuldig sein .... gelt inzuziehen vnd getreuwlich alles wer ..... auff zuheben vnd vff begeren abzulüffern. Item es soll auch ein jedtwederer Kuchemeister allwegen zu Essenszeit in der gewohnlichen Malstuben ainen vnd den andern befragen, ob jme aus der Kuche vnd aus dem Keller seinem begeren nach gewillfahret, vnd da in der Kuchin durch faul- oder hinlässigkeit ettwas verabsaumbt vnd .... ohne alle jnredt .... der richterlichen ...... Es soll ain jedtwederer Waibel acht haben, daß wann ain Bader oder anderer .... mit gewehrter Handt, als da seind Degen, Waidmer, Beyhel oder dergleichen schneidenden Waffen, in das Hauß kummpt, daß er denselben, er sey in dem Bad oder nit, angloben lasse, daß er ehender nit auß dem Badort weichen (wolle), bitz er sich den Bädernen richte vnd ain fueder Weyns mit zweyen Reyffen gebunden zur Straff gebe. Item es soll auch ain jedtwederer Sigrist schuldig sein, siben zaichen mit dem Glöcklin, so in der Kirchen hanget, zu nachuolgenden vnderschidlichen malen zu geben, alß erstlich Morgendts bey zeit zu Bett, volgends vor neun vhren vß dem Bad vnd vmb zehne zum Essen. Sodann auch zue Mittag vnd Aubendts vmb fünff vhren widerum vß dem Bad; dann vmb sex vhren zum Essen, vnd letzlichst wann es zeitt, widerumb zu Bett zu leutten, darnach sich alle Bäder wissen zu richten. Item es soll auch ain jedtwederer Britzenmeister oder Schlager, wan man endenlich Gericht haltet, sich in seinem anbefolnen Richtschwerdt in der Nähe bey Gericht verlassen vnd daselbsten fleissig achtung geben, wann jme Jemandt in sein handtwerck greifft, erkannt würd, daß er ...... krafft ergangener Vrthail vnd tragenden Ampts halber Richte schuldig sei (Abb. 137). Vnd sollen demnach alle die jenige benempt vnd andere Badgenossen, so ..... anbeuolhner Empter vnd abgefertigter Artickel, wie die dann ordenlich nach ainandern beschworen vnd verlesen werden, würcklich nachsetzen vnd vor dem Gericht anklagt nach aller gebür von recht wegen gestrafft, auch alle verwürckte Straff gleich alsbald erlegen. Dar durch aber der hohen Oberkeit an jren Rechten vnd Gerechtigkeiten nichts entzogen sein werdt“[330]. Ob tatsächlich einer der Mitbadenden als Sigrist die Kirchenglocke läutete oder das Badgericht nur die Aufsicht darüber führte, daß es rechtzeitig geschah, mag dahingestellt sein. Nach der Badenfahrt guter Gesellen lag die Beaufsichtigung von Küche und Keller dem Pritschenmeister ob. „Vnd han ich inn der kuchi acht so lang der koch dsuppen macht Wil ouch bim keller trülich stan biß er hat die maß voll glan“[36]. [Illustration: Abb. 147. Gyrenbad bei Turbenthal im Kanton Zürich. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1826.] In Baden (Schweiz) hatte im Gegensatz zum Glotterbad das Badgericht nicht das Recht, Leute zu bestrafen, die mit Waffen zum Bade kamen. Die Wehr war der Obrigkeit verwirkt und mußte ihr durch den Wächter zugestellt werden[35]. Waffentragen in der Nähe des Bades war überall verboten. Selbst der Zar Peter I. mußte 1707 am Brunnen in Spa den Degen ablegen[404]. Auch in Pyrmont trug 1784 niemand einschließlich der Offiziere beim Brunnen einen Degen, wie ~Marcard~ glaubt, weil alles nur zum Frieden und zur Ruhe beisammen war[342]. Im Glotterbad bestand die Strafe in Wein. Doch deutet die unvollständige Stelle vom (Säckel-)meister darauf hin, daß sie auch in Geld gegeben wurde. In Baden (Schweiz) wurde das Strafgeld von den Badergesellen verzehrt oder armen Leuten gegeben[35], in Baden bei Wien kam es anscheinend nur armen Leuten zugute[84] [371]; dagegen wurde es in dem kleinen Gyrenbad bei Turbenthal (Abb. 147) nach der Badeordnung des Junkers von Breitenlandenberg vom Jahre 1600 zu einem „Abletzemahl“ verwendet[445]. Von Leuk singt ~Hans Rudolf Räbmann~ 1606: „Im Bad sind Richter und Amptslüt, Die lassen ungestraffet nüt. Wo einer fehlt mit Wort und That, Der Badbrief da sein Buss drauf hat. Manch Fuder Wein[O] wird g’setzt zur Buss Wie viel jeder bezahlen muss“[38]. Die einfachste Strafe bestand jedoch nicht im Bezahlen von Wein, sondern in zwangsweisem Trinken. In einem Notizbuche von Baden bei Wien vom Jahre 1588 heißt es: „Nimm mit dir ein voll wein kandel Und bekommst du in pad einen handel So sei stäts willig und bereit Zu bussen mit dem kandel dein tumpheit“, und „Ein schöner Spruch von dem Wildbad zu Nürnberg“ hat 1581 die Worte: „Noch ist zu merken zu der letz, Ein nütz und nöthig Badgesetz, Dass wer allda will sitzen ein, Der bring mit sich ein flaschen wein“[16]. Nach ~Pantaleon~ wurde, wer sich dem Badgericht nicht fügte, vom Schultheißen der Stadt gestraft. Das ist übertrieben; denn nach der Badenfahrt guter Gesellen verfiel er dem Pritschenmeister. „Ouch das man vns söll ghorsam sin oder werden gestraft vm win Der sich aber welte weren Dem wurd ich näst vfkeren“[36]. Der Pritschenmeister war einer der Mitbadenden, in Abb. 87 nur durch die Pritsche, in Abb. 117 u. 137 auch noch durch die Narrenkappe gekennzeichnet. Abb. 137 zeigt uns eine Szene, die wir häufig bei der Darstellung von Schützenfesten antreffen, wo der berufsmäßige Pritschenmeister als Festordner, Dichter und Polizist seines Amtes waltete. Ernst waren seine Schläge nicht gemeint; denn auf Abb. 137 erhebt einer der Delinquenten den zur Richtstatt mitgebrachten Becher. [Sidenote: _Gebote und Verbote in den Mineralbädern_] Auffallend erscheint es, daß im Glotterbad harmlose Vergehen nicht unter die Paragraphen fallen, die dem Badgericht unterstanden. „Item es sollen auch die Bäder (Badenden), noch Fremde, so die Bäder besuechen, dem Bad nit Wasser sagen, bey Straff eines Fueder Weins mit zweyen Reiffen gepunden.“ Die Art der Strafe zeigt aber doch, daß die Obrigkeit sie nicht verhängte. Dasselbe Verbot hatte übrigens auch Baden bei Wien [84] [371]. Verboten war ferner im Glotterbad, wie überall, Schwören und Gotteslästern, im Bad bei Boll (ca. 1600) auch das Nennen des Teufels „ohne Vrsach“, sich selbst oder andere beim Teufel verfluchen[331]. „Item sollen ain Jedtwederer Bäder es seyen Manns- oder Weybspersonen, jre Heimligkeiten zuedecken, vnd wo ainer oder aine dasselbig vnzüchtigerweiß vbergüengen vnd vor dem Gericht deßhalben anklagt wurden, der oder die sollen ebenmäßig straffwürdig sein“ (Glotterbad). Wer in Baden (Aargau) ohne Niderkleid ins Bad kam ohne große Unzucht beging, wurde vom Schultheißen der Stadt bestraft, nicht vom Badgericht[35]. 1571 verurteilte man zu Baden Hans Brunner wegen Ungebührlichkeiten im freien Bade und wegen Schwörens, am nächsten Sonntage während des Hochamtes in der Kirche das „Erterich“ zu küssen. Auch erhielt er das Wirtshaus- und Gesellschaftsverbot, bis ihn der Rat begnadigte[32]. In Pfäfers wurden Gäste, die sich ungebührlich benahmen, wenn sie sich auch schon in vorgerückterem Alter befanden, auf hundertundein Jahr vom Besuche des Bades ausgeschlossen, so 1479 ein Rudi Teller, der einen Ehebruch begangen hatte[38]. Fast in allen Ordnungen sind Gespräche, die leicht zu Streitigkeiten führen konnten, verboten, seit der Reformation namentlich Religionsgespräche. Noch die Badeordnung vom Wildbad vom Jahre 1828 bestimmt für das gemeinschaftliche Bad: „Ebenso soll Niemand durch Schreien oder Singen, durch Gespräche, welche einen Anderen beunruhigen oder ärgern, durch Reden oder Handlungen, welche irgend ein Volk, einen Stand oder einen Beruf lächerlich machen oder herabsetzen, durch Unschicklichkeiten oder Zudringlichkeiten irgend einer Art die Mitbadenden stören“[325]. Es sollte ein sicherer und steifer Burgfrieden gehalten werden[331] [393]. Überflüssig Essen und Trinken war im Glotterbad verboten. „Welcher bezechter vnd voller weiß im Bad erfunden wirdt“, zahlte im Boller Bad einen halben Gulden, und für das, was er in der Trunkenheit fehlte, wurde er besonders bestraft[331]. In der Ordonnanz von 1676 für Baden bei Wien wird Schwimmen und Untertauchen untersagt, Ausspucken nur beim Ausfluß geduldet. Personen, Badeordnung und Protokolle dürfen nicht „angespritzt“ werden[84]. Im Wildbad wurde 1757 neben dem Bespritzen der Mitbadenden auch das Werfen mit Sand verboten[332], nach der Lörlibadsordnung von Winterthur (1537) zahlte 5 ß Buße, „wer den andern im Bad wurd tufen oder unzimmlich sprützen“[57]. Leute mit ekelerregenden Krankheiten wurden abseits gesetzt oder badeten zu besonderen Zeiten. In der Boller Ordnung findet sich noch ein eigenartiger Zusatz: „Da auch jemands ein heßlich vnd abschewlich Gesicht hette, der soll vmb der Schwangern vnd anderer Personen willen, dasselb bedeckt halten. Da aber einer oder mehr, solcher bresthafften Leut, diesem Nachzukommen sich verweigern wolten, die sollen also bald vom Bad ab- vnd gentzlich hinweg geschafft werden“[331]. Gegen Verunreinigung des Bades waren überall Gesetze erlassen. „Item wann ain Bader ins Bad sitzen will vnd zuvor die Füeß nit abbutzet (Vgl. Abb. 148), der selbige soll in die Straff gefallen sein, doch die Jenigen, so Bandoflen oder Hosen anhaben, außgenommen“ (Glotterbad). „Der Bader soll auch Niemandts in das Bad sich aus dem Staub und Kath ze wäschen gan vergunnen, und biderb Lüt also übersetzen, besonders so einer, es sige joch Burger oder Frömd, sich zu wäschen kömmend, daß er dem oder denen besonderbar Zuber oder Kasten geben solle. Wohl wann das Badzit verschinnen, also wann es ze Abend Siben geschlagen hat, daß er alsdann einen in dem Kasten sich ze erwäschen gar wohl erlauben möge“ (Lörlibadsordnung)[57]. Im Wildbad hatte im 18. Jahrhundert jeder vor Beginn der Kur ein „Abwasch-Bad“ zu nehmen. Es war nicht gestattet, „den Kopf in das Bad zu zwagen“[332]. [Illustration: Abb. 148. Frauenbad um 1560. Zeichnung aus einer alchimistischen Handschrift des germanischen Museums in Nürnberg.] [Sidenote: _Pferdebäder_] Nach ~Pantaleon~ war es in Baden in der Schweiz verboten, Tiere mit dem Badewasser zu waschen oder in dasselbe zu werfen, auch im Lörlibad war das Hineinwerfen von Tieren (neben Kleidern, Schuhen, Kot) untersagt. An manchen Orten hatte man deswegen, wenigstens für Pferde, besondere Bäder. Schon ~Foltz~ sagt vom Bad bei Avignon: „Auch sint do ander bad erkorn. Für reüdig vnd repige pferd Vnd mancher der gleichen geferd“[12]. Roßbäder gab es in Teplitz[264], Ems[370]. In Bormio lag es (1616) unter St. Martins Kirchlein und diente zur „benemmung der müde vnnd heilung viler schäden sehr wol“[59]. Im Wildbad wurden noch im 19. Jahrhundert königliche und andere Pferde mit gutem Erfolge behandelt. Gesunde Pferde durften aber nicht länger als zwölf Tage lang täglich eine Stunde eingestellt werden, weil sonst die Hufe erweichten. Nach Eingehen des alten Pferdebades trat ~Justinus Kerner~ für Neuerrichtung eines solchen ein[325]. Unterstanden einzelne Bäder nicht der Ortspolizei, sondern unmittelbar dem Landesherrn, so mußten Frevel strenger und höherbestraft werden, um einerseits Tätlichkeiten zu verhüten, andererseits auch vornehme Gäste im Zaume zu halten und dadurch allen die nötige Sicherheit zu gewähren[61]. ~Guler von Weineck~ singt 1630 von Pfäfers: „Da Sicherheit, frey Luft, gut Muth, Die Kräft dess Bads vermehren thut“[38]. [Sidenote: _Die Freiheit der Mineralbäder_] Von Baden sagt ~Pantaleon~, wer im Bad sitzt, sei seines Leibes und Lebens, auch Habes und Gutes sicher, deswegen dürfe auch niemand mit Waffen oder Seitengewehr ins Bad gehen. Zur Freiheit des Bades Hub gehörte (1475): „Ob aber yemant darinn frevelt mit worten, und sunderlich gein yemant, der von badens wegen da were, oder den dienern des bads, der solt sich verwirckt han in pene hundert rinischer gulden off gnode, darnach die wort schedelich und auch die persone gewirdigt, die das berurn, were. Ob aber yemants sich frevelich einer wehere und uberlaufs gebrucht, als gezugk swert, messer, tegen, gespanner armbrost, geladener buchsen oder ander wehere derglichen, als spieß, kolben, oder helbarten, wie man die nennen mocht, oder wurff det, er letz’ yemant darmit oder nit: so solt der detter ein hant und fuß verfallen sin und zu uns als dem hern des lands zu unserm teil steen, ob wir also von ime richten lassen oder darfur ein abtrag mit gelde von ime nemmen wolten. Wer aber yemant by nacht uberfiel im bade oder der herberg, oder yemant im bade oder der herberg wondet off den tot oder gar libloß mecht, der solt lip und gut verlorn han und verfallen sin und one gnad von ime gericht werden nach recht one geverde“[61]. Nach der Ordnung eines kleinen württembergischen Bades Mainhardt von 1485 wurde dem, der mit gewappneter Hand gegen den Mitbadenden vorging, die rechte Hand abgehauen[53]. Recht naiv wird 1597 im Tobelbad bei Graz das Verbot von „Rumoren, Poldern, schlagen, raufen“, Schwert- und Dolchziehen, Büchsenschießen begründet, weil dadurch die Badegesellschaft und sonderlich „das löbliche Frauenzimmer und ander ehrliche Weibspilder“ im Baden gestört und erschreckt würden. Von einem Bruch der Freiheit ist hier nicht die Rede, sie scheint demnach auch nicht bestanden zu haben, trotzdem Tobelbad viel von Adeligen besucht war. Auch das Badgericht fehlte, an seiner Stelle standen sechs aus der Gemeinde gewählte Männer. Der Wirt hatte deswegen vom Adel viel zu leiden. 1584 führte er Beschwerde, für die jungen Herren vom Adel müsse er oft um zehn bis elf Uhr nachts das Bad heizen, und wenn er die Tagestaxe mit sechs Kreuzern als zu gering nicht annehmen wolle, „so well man miers umbs Maull schlagen“. Die Landschaft empfahl dem Wirt ein bescheidenes Benehmen gegen jedermann, ordnete aber zugleich an, die Sperre des Bades um zehn Uhr morgens und fünf Uhr abends durch Glockenzeichen zu signalisieren. In Anbetracht dieses Urteils darf man es dem Wirt nicht verdenken, wenn er 1597 eigenhändig Justiz übte. Die Badegäste hatten mutwillig Schlösser, Türen, Fenster, Öfen, Betten und Bänke beschädigt. Dafür hatte er einen der Täter, den Hofkoch Georg Trugker im Bade „überloffen und mit straichen übl traktirt“[84]. [Sidenote: _Der Freiheitsbrief für das Wildbad_] Die Sicherheit einiger Bäder erstreckte sich auch auf Übeltäter. 1491 wurde das Bad Losdorf vom Rat von Solothurn zu einer Freiheit erhoben, daß innerhalb der Dachrinnen des Badehauses kein Missetäter gefangen werden durfte[86]. Das Wildbad erhielt von Kaiser Maximilian einen ähnlichen Freiheitsbrief, der 1525 beim großen Brande verloren ging und deswegen von Kaiser Karl V. 1530 erneuert wurde: „Kayserlich Begnadigung, mit wöllicher die Statt Wildbad vngevährlich Todtschlags begabt. Beneben einnerley Pt. Straffen die yederzeit alda frevenlich verwürckht, wie solliche zue straffen. Wir Carl der Fünfft, von Gottes Gnaden Römischer Kayser zu allen Zeiten Mehrer des Reychs ..... Bekennen offentlichen mit disem Brief, und thun kundt allermeniglichen als Uns yetzo Vnnser und des Reychs liebe Getrewen, Schultheis, Burgermeister, Gericht und Raathe zu Wildtpaad in Vnnserm Fürstenthum Württemberg gelegen fürbringen lassen, wie daß sie von weylandt dem Durchleuchtigsten Fürsten Vnsern lieben Herrn und Anherrn, Kaysern Maximiliano loblicher Gedächtnuß, mit sondern Gnaden privilegiert, fürseehen, und begaabt seien, und namblich das die Badgässt so yederzeith da wehren, hohes und nider Stands, keiner mit dem andern weder mit Worten noch Wercken, jehzeit vnfreundtlichs, aigens Gevallen vnbillichs, frevenlichs, oder tähtlichs fürnemen noch handeln sollen, bey einer Straaf als namblichen Verlierung des Haupz, +darzue auch das ein jeder so ein vngevorlichen Todschlag begangen vnd andere (vßgenomen Mörder, und offentliche Straaßreuber und dergleichen Ubelthäter) daselbsten im Flecken des Wildbads, Jhar und Tag, Frid und Freyungs gehapt und gehaben sollten u.❆s.❆w.+ Wölliche Kayserliche Freyheit auch yederzeiten den Baad-Gästen und andern daselbsten zum offtermahlen im Jar durch den Schultheissen angesagt, verkündt und offentlich vßgeruffen worden were. Uber wölliche Freyheit und Begnadigung sie auch von obgenandten vnsern lieben Herrn und Anherrn offen, glaubhafft und versigelt Brief und Urkundt in Irem Gewalt und Verwarung gehapt; Wölliche Brieff aber Inen vngevarlich bey fünff oder sechs Jaren, als in der grosen Brunst im Wildtbaad auffgangen, da die Statt in der Ringmauren, sampt andern Ihren Haaben und Güetern, gar verbronnen weren. Vnd vns darauf demüetiglichen anrueffen und pitten lassen, das Wir sollichen Iren empfangenen Schaden mültiglichen bedencken, vnd Inen sollich Ir vorgedacht vorgegeben vnd verbrant Privilegium Gaab und Begnadigung zu confirmiren. Vnd von neuem widerum zu geben, und zustellen gnädiglich geruhen; das Wir gütlich angesehen, Ihr demüthig Pitten, vnd das sie allso vsser vnversehenem zugestandenem Vnfahl obberürter Irer Privilegien durch angezeigte Brunst beraubt sein. Vnd Inen darauff also mit gueten Raathe Vollkommenheit, und rechten Wissen, sollich obgedacht Freyheiten confirmirt, besteet, und von newem gegeben haben, confirmiren, besteeten und geben Inen die allso von newem hiemit. Von Römischer Kayserlicher Macht in Crafft dises Brieffs. Mainen und wöllen, das sie derselben Freyheiten, wie sie der Baadgäst halben, so yederzeit darkommen, alles obgemellt gehabt, fürohin auch haben, prauchen und genießen sollen und mögen. +Von Recht oder Gewonheit allermeniglich vnverhindert+ .... und wöllen das die berürte Schultheissen, Burgermeister, Gericht und Raathe zu Wildbaad, die yetzundt seindt oder künfftigl. da sein würden; an obgedachter Confirmations-Begnadigung vnd Gebung der Freyheit alls obstehet nit irren. Sonder sie gäntzlichen dabey pleyben, vnd sich dero geruwiglichen und vnverhündert gebrauchen lassen. Alls lieb Inen allen vnd einem yeden sei Vnser, vnd des Reichs Vngnad, vnd darzu ein Peen, namlichen dreyßig Marck lotig Golds zu vermeiden ....“[335]. [Sidenote: _Das sichere Geleit_] Die Badeordnung von Mainhardt (1485) sicherte nicht nur jedem des Bades Bedürftigen zu, daß er im Bad „frei, stark und sicher“ sei, sondern auch ungefährliches Geleit für sich und seine Begleiter[53]. Pyrmont war 1856 eben erst bekannt geworden und erhielt in seiner Badeordnung schon den Satz: „Ein sicher Geleid thun wir auch geben Den so sich halten recht daneben“[381]. Freies, sicheres Geleit erhielten in der Schweiz alle diejenigen, die sich zur Herstellung ihrer Gesundheit in den in den eidgenössischen Vogteien gelegenen Bädern aufhielten[38]. Kaum sechs Jahre waren vergangen, seit die Eidgenossen dem Herzog Friedrich von Österreich Baden und den Aargau weggenommen hatten, da bat dieser den alten Gegner um Erlaubnis, während des kommenden Sommers (1421) mit einem Gefolge von sechzig Personen einige Wochen in den Bädern zu Baden zubringen zu dürfen. Am 4. Mai 1463 gaben die Eidgenossen dem im Züricher Kriege durch seine mordbrennerischen Anschläge berüchtigt gewordenen Hans von Rechberg Geleit, mit sechzehn bis siebzehn Personen eine Badenfahrt nach Baden zu machen[32]. Das Einholen der Erlaubnis zur Badenfahrt hatte seine Gründe. Wenigstens der ungefähr aus dem Jahre 1492 stammende Geleitsbrief für das Bad Pfäfers enthielt die Bestimmung, daß unter Umständen die eidgenössischen Orte einzelnen Personen das Geleit künden dürften. Eine Verletzung des Geleites durch den Abt von Pfäfers an Jörg Gossenbrot von Augsburg, der mit dem Grafen von Werdenberg in Konflikt geraten war (1498), bildete neben anderem eine Ursache zum Ausbruche des Schwabenkrieges (1499). Großes Aufsehen erregte zur Zeit die Geleitsaufkündung an einen böhmischen Revolutionär. Im Jahre 1620 wurde auf Reklamation des Erzherzogs Leopold von Österreich der im Bade Pfäfers sich aufhaltende Freiherr Friedrich von Tieffenbach, einer der böhmischen Direktoren, ausgeliefert, weil er in drei Punkten das Geleit gebrochen hatte: erstens durch Tragen von „Unterwaffen“, zweitens durch Ausstellen von bewaffneten Wachen und drittens durch Schimpfen gegen die katholische Religion[38]. [Sidenote: _Badeordnung von Pfäfers von 1610_] Das Badeleben zu Anfang des 17. Jahrhunderts wird durch folgende Ordnung von Pfäfers vom Jahre 1619 charakterisiert: „Avß Gottes Gnaden, Wir Michael von Hohen Sax, Abbte dess vralten Freyen Fürstlichen Gottshaus vnser lieben Frawen zu Pfeffers, Sanct Benedicten Ordens, so ohne mittel Bäpstlicher Heyligkeit vnderworfen: Vrkunden menigklichen, so allhero in vnser FreyBad Pfeffers in das Tobel kommen, es seyen frembde oder heimsche, Geystliche oder Weltliche, Reich oder Arme, niemandt außgenommen. Demnach vns, als an dem ohrt freyen Gerichts, vnd diß Bads ordenlichen inhabenden Herren, die Gericht, Mandat, Gebott vnn verbott zu thun, zu setzen, vnnd zu publicieren vnd die vbertretter zu Büssen vnd zustraffen, von Obrigkeit wegen gebürt vnd zugehört. Damit aber vnder den Badgästen, so sich dises vnsers Bads gebrauchen, frid, ruh vnd einigkeit gemacht, auch alle gebür, Erbarkeit vnd Zucht so in ein Badt gehören erhalten, dem vbel, mutwillen, leichtfertigkeit vnnd frefel vmb sovil mehr abgewert vnd gesteurt werde, sich auch menigklichen vor dergleichen vnbillichkeiten fürzusehen vnd zubehüten wisse, also haben wir an vnserm Ampt vnd schuldigkeit nit wöllen ermanglen, sonder bey vnsern vorfahrern, deß gemeldten vnsers Gottshauß löblich herkommen, so wol als in andern Bädren gebraucht wirdt, ein Bad Ordnung, vnnd dise nachvolgende Gebott vnd verbott auff das Papir bringen vnd stellen lassen, die wir vnnachläßlich bey den nachgesetzten Straffen vnd Bussen wöllen gehalten, vnd von den vngehorsamen jhr verbrechen vnnd begangne frefel, durch vnsere verordnete Badmeister oder andere Befelchshaber, ohn alle Gnad abzufordern vnd einzuziehen befohlen. 1. Erstlich so gebieten wir ernstlich, das keiner wer der seye, einen andern mit der Faust schlage, welcher aber hierwider muhtwilliger weiß handlete, im Tobel oder ausser halb, verfallt Buss 10. ℔. pfenning. Item wann einer oder eine, den andern mit einem Wehr, Tolchen oder Messer schädigte, dardurch die Freyheit gebrochen wurde, die sollen nach erkandtnuss des Rechten, vnnd gestaltsame dess verbrechens würcklich abgestrafft, vnnd auff Leib vnd Gut geklagt werden. Es solle auch keiner kein ander Waffen als ein seytenwehr in das Tobel tragen, vnd dasselbig also baldt dem Würth (biß zu außgang seiner Badenfahrt) zubehalten geben, bey straff 1. ℔. pfenning. 2. Zum andern verbieten wir ernstlich, das keiner dem andern vbertrang thun solle, als durch spritzen, tauffen, oder freuenlich in das Bad fallen, welcher hierüber thete, verfallt 1. ℔. pfenning: Da aber weiters vnraht darauß ervolgte, soll mit Recht gestrafft werden. 3. Zum dritten verbieten wir, das kein Mensch das Bad maculiere, oder reuerenter durch vnwillen, Menschlicher notturfft, oder womit das geschehen köndte: Welche hierüber mißhandleten, verfallt ein jedes 2. ℔. pfenning. Vnd da ein anders solches sehe, vnd anzeygte, dem wirdt das Badgellt geschenckt. Deßgleichen auch, welches die häuser, steeg vnd weeg solte mit vorgemeldter vnzucht verwüsten, verfallt auch ein jedes 1. ℔. pfenning. darumb, das solcher gestanck vnd geschmack vermitten bleibe. 4. Zum vierten, dieweilen dann vilmahlen von den Weibspersonen geklagt worden, das sie etwan vnzüchtiger vnd mutwilliger weiß von den Mannsbildern in den Schrancken angetastet werden, vnd damit aber diß ohrts vnzucht vnnd ärgernuß in allweg abgeschafft werde, gebieten Wir ernstlich, das nach ordnung deß Badmeisters die Weib vnd Mannspersonen (ausserhalb der Eheleuthen oder verwandten) in abgesünderten Schrancken baden thethen, im fahl aber solches wegen vile der Badgästen oder anderer vrsachen, nit kan geschehen oder statt haben, so wöllen Wir jhnen nichts desto weniger (sovil jmmer möglich) ruhe schaffen, setzens derhalben menigklichen zu einer wahrnung, an 2. ℔. pfenning buss, damit kein vngebür gegen jhnen, weder mit vnzüchtigem antasten, vppigen oder vnschamhafften worten oder geberden, sonder durchauß alle ärgernuß vnd vnbillichkeit abgeschnitten wurde. 5. Zum fünfften verbieten Wir auch, das keiner sein Scham entdecke, oder andere dergleichen vnschamhafftigkeit erzeige, bey Buss. 1. ℔. pfenning. Zu dem auch gebieten Wir ernstlich, das alles vnzüchtiges (reuerenter) Huren und Bubenleben, da solches einreissen wolte, durch vnsern Badmeister bey mercklicher Straff, die Wir gegen den mutwilligen vbertrettern (nach gestalt der sach vnd deß verbrechens) vorbehalten haben wöllen, vnd welches darwider handlete, solle vns gefäncklich herauß gebracht werden. 6. Item zum sechßten verbieten Wir auch ernstlich, das keiner den andern mit dem zutrincken solle vbernötigen, damit durch die völlrey keiner den Wein widerumb von sich geben müsse, welcher aber darwider thete, verfallt 1. ℔. pfenning. Item welcher in der Trunckenheit fluchte oder Gott lästerte, oder einen andern an seinen Ehren vnd guten Lümbden antasten solte, verfallt 4. ℔. pfenning. Vnd da auß gedachter völlerey vneinigkeit entstünde, solle der vrsächer mit Recht würcklich abgestrafft werden, vnd wirdt sich keiner mit seinem vollen kopff, vnd das er bezecht gewesen sey zu entschuldigen haben: Es solle auch niemandts ohn Unser verwilligung, von andern ohrten Wein ins Tobel beschicken oder holen lassen, bey Straff 2. ℔. pfenning. 7. Zum sibenden gebieten wir denen, die da liebhaber deß newen Glaubens weren, das sie, dieweil sie in dem Bad seind, denselbigen mit jhrer Lehr ihnen selbst behalten, vnd damit weder Geystlich noch Weltlich anziehen, jederman ohn gestumpfiert vnd zufriden lassen, vermög deß Landtfridens, vnd bey Buss 3. ℔. pfenning, so offt solliches beschicht: Da aber weiter nach gethanem anzug vngelegenheit darauß entspringen solte, vnd durch schmitzen oder schmähen wider den Landtsfriden gefreflet wurde, alsdann wirdt solcher mit Recht (laut deß Landtfridens) abgestrafft werden. Zu dem sollen sie auch der Teutschen Psalmen singen, gäntzlich bey obgeschribner Buß sich enthalten, damit nicht (wie die Jahr hero beschehen) vil vngelegenheit vnd widerwillen erwachßen möchte: Insonderheit, wann man söllich vngestum singen, den Catholischen zu einem trutz anheben solte, darauff dann baldt ein zwyspalt vnd vneinigkeit entstehn möchte, da aber einer je grossen lust zu singen hette, der kan andere Geystliche, oder sonsten erbare Lieder (doch alles mit bescheydenheit) singen, vnd darumb das Bad mit keinem vngehewren geschrey fullen, damit nit zuforderst die Alten, vnd die sonst blöde Häupter haben mit verdruß im Bad sitzen, oder offt gar außweichen müssen. 8. (Betrifft Bestrafung ungebührlichen Verhaltens (3. ℔. pfenning) während des Morgen- und Abendgebetes.) 9. Wiewol zum neundten, dise Herliche vnd grosse Gaab Gottes dises warme Wasser allhie, für ein FreyBad geachtet soll werden vnd sein, das weder Reichen noch Armen, Frembden oder Heimschen verbotten, sonder einen jeden (so diser Vnser Badordnung gehorsamen will) erlaubt ist, darinnen sovil ohrt vnd platz als er bedürfftig, vnd die enge deß Bads leyden mag, jhm selbs einzunemmen: So wöllen Wir darumb nicht gestatten oder gutheissen, das deß Standts halben der minder dem mehrerem, nach Würde vnd gelegenheit der ohrten vnd sitzen, im Bad solle für gezogen werden, sondern es solle in disem ein Badmeister fleissig achtung geben vnd warnemen sovil müglich, das ein jeder nach seiner Würde, vnd nit nach seinem muhtwillen, solle eingelosiert werden, da aber hierüber wider gebür gefrefelt wurde, solle der vbertreter nach erkandtnuß deß Badmeisters, würcklich abgestrafft werden. 10. Zum Zehenden, befehlen Wir auch, im fahl sich etwas frefels, muhtwillen, vngebür vnd bussfelliges zutrüge, so hierinnen in diser Bad Ordnung nit begriffen were, solle gleich .... vngestrafft nicht verbleiben .... Da aber einer oder mehr, ab vnser Straff sich nit ergeben wolte, gegen denen solle mit Recht verfahren werden, .... vnd da der Badmeister, wie auch der Würth samt jhren Diensten nicht mächtig oder starck genug weren, solle der Badmeister auch andere Nachpauren berüffen, vnd jhnen bey verliehrung jhrer ämpter vnd Lehen gebieten, das sie jhnen die vbertretter, Vns hellfen vber andtworten. Letstlichen, gebieten Wir den Badmeistern sampt den Würthen, seytemahlen Wir an vilen ohrten vnschuldiger weiß außgerufft werden, als hielten Wir gegen niemandts kein ordnung, das sie derowegen, diser BadSatzung stracks ohn alles conniuieren, vnd verschonen, endtlich darauff halten vnd sorg tragen ...... Datum in Vnserm Gottshaus Pfeffers, den 6. Julij: Nach Christi vnsers einigen Erlösers Geburt, 1619.“ Darauf folgen noch Artikel für die Angestellten. Der Bademeister hat abends und morgens das Gebet fleißig zu läuten, das Badlicht ordentlich anzuzünden, die Badeordnung am Mittwoch und Samstag vorzulesen, „gesunde, freche vnd böse Bettelbuben“ aus dem Badtobel hinwegzuschaffen, Leute aus der Umgegend nach Feierabend oder Samstag abend, falls das Bad besetzt ist, nicht baden zu lassen, im übrigen für Reinlichkeit im Bad und der Umgebung desselben zu sorgen. Die Wirte im Bad und zu Valens dürfen sich bei schwerer Strafe nicht die Gäste abjagen. Im Bad darf nur Klosterwein ausgeschenkt werden, der allerdings so schlecht war, daß der Herausgeber der Beschreibung des Bads 1619 den Abt um einen besseren Trunk für die Gäste bat[632]. Diese Ordnung entspricht noch vollkommen denen früherer Zeiten; die c. 1631 vom Abt Jodocus für das neue Bad Pfäfers erlassene deckt sich nahezu mit der angeführten, enthält aber einige Verschärfungen gegen die Nichtkatholischen, denen z.❆B. das Fleischessen an Freitagen und Samstagen verboten wurde. Mitbringen von eigenem Wein wurde jetzt nicht mehr mit zwei, sondern mit fünf Pfund bestraft. Geheilte sollten spätestens einen Monat nach Verlassen des Bades zur Ehre Gottes Nachricht von ihrem Zustand geben[349]. [A] Auch in diesem Kapitel sind, um Wiederholungen zu vermeiden, Gebräuche aus späterer Zeit besprochen. [B] Aus der deutschen Literatur sei als Ausnahme ~Albrecht von Haller~s Gedicht über die Leuker Thermen hervorgehoben: „Im Mittel eines Thals von Himmel-hohem Eise, Wohin der wilde Nord den kalten Thron gesetzt; Entsprießt ein reicher Brunn mit siedendem Gebräuse, Raucht durch das welke Gras, und sänget was er netzt. Sein lauter Wasser rinnt voll flüssiger Metallen, Ein heilsam Eisensalz vergüldet seinen Lauf: Ihn wärmt der Erde Gruft, und seine Fluten wallen Vom innerlichen Streit vermischter Salze auf. Umsonst schlägt Wind und Schnee um seine Flut zusammen, Sein Wesen selbst ist Feu’r und seine Wellen Flammen“[380]. [C] ~Etschenreutter~ hat dafür die Stelle (Übersetzung): „Es ist nichts das dem bad mehr schaden bringt dann die vngelegenheyt der herberg, Engge vnnd wuste, in welchen offtermals, so ein böser gestanck, mit zicht zůmelden, auß dem me(n)schenkaht, an allen orten, da man ins bad oder ausserhalb der herberg geht, hingelegt, widerfart, das es denen höfflichen leüthen, ein onmacht bringt“[449]. Vgl. die Badeordnung von 1619 S. 349. [D] ~Zwierlein~ gebrauchte 1793 dafür den Namen Spritzbad (siehe auch ~Ferro~ S. 50) und führte als Charakteristikum desselben an, daß der +ganze+ Körper von vielen kleinen Tropfen aus einem durchlöcherten Gefäße wie aus einer Gießkanne getroffen werde. An die Stelle einer komplizierten Vorrichtung setzte er dann auch die einfache Gießkanne, mit der er auf einem Stuhle stehend den Kranken begoß[656]. Das kalte Traufbad wurde in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von England aus durch den Pyrmonter Badearzt ~Marcard~ eingeführt[160]. Der häufig gebrauchte Name „schower bath“ erinnerte bei uns an den englischen Ursprung. In Frankreich, wohin diese Badeform um dieselbe Zeit gelangte, wurde sie geradezu englische oder häufiger schottische Dusche (Douche écossaise) genannt[690]. Nach zwei Schriften von ~Despine~, auf die ~Forestier~ (Archives génér. d’hydrologie, 1900) hinwies, war es der Großvater dieses Dr. ~Despine~ — in der einen ~Despierre~ (? Druckfehler?) genannt —, der in Edinburg bei Dr. ~Cullen~ das „schower bath“ kennen gelernt hatte, es zu Aix in Savoyen einführte und zur Erinnerung „douche écossaise“ nannte. 1850 verstand man nach der einen Schrift zu Aix unter schottischer Dusche das kalte, laue +oder+ warme Bad in Regenform[690]. — In Aix gab es drei Ärzte mit Namen ~Despine~, der älteste war wohl der Überführer des schower-bath von England nach Frankreich (bezw. Savoyen). 1787 wurde er zum medizinischen Direktor von Aix ernannt. Das Bad nahm unter seiner Leitung einen ungeheueren Aufschwung; während es vorher drei- bis vierhundert Gäste jährlich gezählt hatte, mehrten sich diese — ausgenommen während der Herrschaft der Republik — von Jahr zu Jahr, und gegen 1830 waren zweitausendfünfhundert bis dreitausend anwesend. Dieser ~Despine~ starb 1830 fünfundneunzig Jahre alt. Sein Sohn, der sich selbst ~Despine~ père, der Vater nennt[692], installierte 1822 im Thermalinstitute von Aix eine schottische Dusche[690]. Er selbst gibt 1838 von der douche écossaise die Erklärung: „C’est ainsi qu’on appelle à Aix-en-Savoie, le Schawer Bath des Anglais ou Bain de pluye froid“[692]. Er versteht in dieser Bemerkung demnach darunter nur die kalte Regendusche. Eine Reklameschrift nach ~Despine~ fils, dem Sohne des vorigen, bringt eine Abbildung, bei welcher der Kranke mit den Füßen im (warmen) Bassinbade steht und vom Badewärter einen (wohl kalten) Regen von oben herab über den ganzen Körper erhält[691]. Nach diesen Ausführungen ist man versucht, anzunehmen, daß die schottische Dusche der Familie ~Despine~ eine kalte, laue oder warme, vielleicht meist kalte allgemeine Regendusche war, bei welcher der Kranke die Füße im warmen Thermalwasser stehen hatte, und doch ist die Erfindung unserer heutigen schottischen Dusche, bei der warmes und kaltes Wasser nacheinander gebraucht wird, geistiges Eigentum des einen, nämlich des zweiten ~Despine~, nur daß wir sie heute in der Regel nicht mehr als allgemeine Prozedur und auch nicht mehr als Regenbad gebrauchen. Der dritte ~Despine~ (fils) sagt in der genannten Reklameschrift aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, daß bei der schottischen Dusche Kälte und Wärme abwechsele. Sie wurde zur Bekämpfung von Nervenkrankheiten, allgemeiner Schwäche, Lähmung und Rheumatismen gebraucht[691]. Auch ~Rüsch~ erwähnt 1832 von Aix in Savoyen: „~Despine~ läßt Wasser von 35 Grad R. mit solchem, das beinahe bis zum Gefrierpunkt erkaltet ist, abwechselnd in einem Strahle (!!) auf den leidenden Teil (!!) strömen, wobei er bei Nervenaffektionen vorzüglichsten Nutzen wahrnahm; dies ist die sogenannte schottische Douche“[88]. [E] ~Leonhart Strübin~ beschrieb 1576 das Badgericht: „Nun volgt der bruch der badenden, in beyden Höfen, hinder vnd Statthof im Herrenbad, welcher darein sitzt, můß erstlich das Burgrecht kauffen mit einem oder zweien fůder wyn, so mit zweyen reiffen gebunden, das ist ein maß oder zwo wyn, vnd gibt jeder ein morgen suppen, alle morgen ein Wirt gemacht, derselbig můß den andern tag Wirt syn vnd die suppen geben, also von eim zum andern, vnnd nach der suppen halt man Gericht, da ist der Schultheiß vnd Vogt des Rychs, Seckelmeister, Schreyber, Landweybel, Hencker vnd fürsprechen, vnd welcher das Burgrecht gelobt, sol die rechte hand an der bruch haben, vnd mit der lincken hand an den Richterstab geloben, lieb vnd leid mit den rüdigen vnd schebigen bader gesellen liden vnd tragen, vnd was im bad gehandlet wirt allzit bliben lassen, die bader straffen, so einer etwas vnzüchtigs begieng, oder ouch schimpflich mit wyberen oder in seinem gemach, der wirt morgen vom Landtweybel beklagt, vnd vmb ein fůder wyn drey, vier oder mehr gestrafft, besonder vnzucht vnd Gotts lesterung vnd alle straffen alle morgen dem Seckelmeister vberantwortet, welcher auch syn Badenfart endet, der stadt vor dem Bad, dancket gůten Herren vnd Badergselln jhr ehr vnd zucht vnd bewißne gůte gesellschafft, hieby mit bit begerende ob er jemandts erzürnt jm verzyhen, vnd hieruff gibt vnnd schenckt er die letzte, jeder nach synem vermögen vnd gefallen, etwann zwen, drey oder vier batzen, mehr oder minder, vnd dann vss disem straff vnd letze gelt, zert man täglich zoben, hieneben frey vnd vngezwungen essen oder fasten. Es ist ouch bey den Wirten frey das mal oder pfennwert nemmen oder essen. So vil vom bruch vnd art des Bads dem vnwissenden, gůter freundtlicher meinung fürgestelt“[398]. [F] Schon 1531 hatte Lochmann, damals zwanzig Jahre alt, in der Schlacht bei Kappel gefochten, war durch die Nase gestochen und schwer am Kopfe verwundet worden und über fünf Stunden unter den Toten liegen geblieben[315]. [G] Anmerkung zu Abb. 138. Der Aachener Arzt ~Sträter~[688] verlangt als Unterschrift zu diesem Bild „Bad zu Aachen“ mit der sonderbaren Begründung, ~Dürer~ habe nach seinem Tagebuche[675] in Aachen gebadet, und es sei ihm daran gelegen gewesen, dem Publikum und seinen Landsleuten etwas bis dahin wenig oder gar nicht Gesehenes vorzulegen. „Daß ~Dürer~ bei der Herausgabe dieses Blattes nicht die Absicht haben konnte, eine Badeanstalt darzustellen, wie sie sich in jeder Stadt, etwa in Nürnberg, seinem Wohnorte selbst, vorfand, muß bei einiger Betrachtung des Gegenstandes klar werden, denn abgesehen davon, daß uns garnicht bekannt ist, daß schon im Anfange des 16. Jahrhunderts in Nürnberg selbst eine Badeanstalt bestanden, so würde, selbst in dem gesetzten Falle, ~Dürer~ sich durch die Publikation eines solchen Blattes sehr wenig Anklang haben versprechen können.“ Nun, ~Dürer~ hat nicht verschmäht, eine Badestube darzustellen; was sein Mineralbad betrifft, so haben wir keinen Anhalt dafür, daß ein bestimmter Ort wiedergegeben ist. In Nürnberg war zur Zeit das heute noch vorhandene Wildbad auf der Insel Schütt in großem Ansehen und sogar in einem Lobspruch verherrlicht worden. Das „Wiltpat an der Begnitz“ wird schon von ~Endres Tucher~ im Baumeisterbuche der Stadt Nürnberg (1464–1475) erwähnt[596]. Das ~Dürer~sche Bild fand in plumper Weise auf dem Titelholzschnitt eines anonymen Buches Verwendung[689] (wohl vor 1520 und vor der Aachener Reise ~Dürer~s), der dem Humanisten ~Wimpheling~ zugeschrieben wird. [H] Es handelt sich vielleicht um das Mayenbad bei Mindelheim in der Nähe von Memmingen. [I] Angenehm war der Aufenthalt bei schlechtem Wetter in einem solchen Bade nicht. ~Hess~ singt 1818 von den Freibädern in Baden: „Wasser begehr’ ich wohl hier; allein von oben und unten, Kaltes und warmes zugleich, ist mir doch wahrlich zu viel“[315]. Die Kranken wurden auch viel von den „stechenden Bader-Fleugen“ belästigt, die 1688 ~Simler~ besang[27]. In Abb. 141 ist das Abwehren der Fliegen mit dem Wedel dargestellt, eine Beschäftigung, zu der sich in der Badenfahrt guter Gesellen der Pritschenmeister dem Wirt an Stelle einer Bezahlung der Getränke anbietet[36]. [J] Am 1. November 1775 beim Erdbeben von Lissabon blieb der Sprung der Hauptquelle zu Teplitz auf einmal sieben Minuten aus, dann drang aber das Wasser mit ungeheuerer Gewalt hervor, daß man auf dem Platz der Vorstadt mit Kähnen fahren konnte. Am 26. Juli 1805 stand während des Erdbebens von Neapel der Sprudel zu Karlsbad sechs Stunden lang still und man befürchtete, das Wasser möchte ausbleiben[325]. Der Streit über die Entstehung der Thermen war damit geschlossen. [K] 1606 hatte Baden-Baden ein „gefreytes Haus“. Es war „vnsers gnedigsten Herrn deß Marggraffen“, also das schon früher erwähnte Privatbad des Fürsten und nicht ein Freibad (vielleicht aber eine alte Freiheit für Verbrecher), wie es ~Hess~ bezeichnet. Außerdem gab es zwei große Bäder am Markt, das eine für die Armen, das andere für die Bürger. Man könnte vermuten, daß diese beiden die alten Freibäder seien. Es bestanden aber noch zwei Badehäuser oder „Stuffen“, darin man sich nur wusch. Das oberste hieß das Freibad, das andere das untere Bad[362], und da, wie früher ausgeführt wurde, eins der alten Freibäder in sich eine Badestube schloß, sind vielleicht die beiden zuletzt erwähnten die alten Freibäder. [L] 1805 schreibt aber ~Ebel~ von Pfäfers, daß alle Sonnabende große Haufen von Landleuten aus allen umliegenden Gegenden, besonders Graubünden, herbeiströmten, welche bis Montag früh im Bade schwitzten (man saß ja mit dem Oberkörper im Dampf) und schröpften[682]. [M] Ein Hieronymus Muheim in Uri war Pritschenmeister und Dichter[683]. [N] Im Manuskript ist hier ein Stück weggerissen. [O] Die Höhe der Strafe ist hier scherzhaft übertrieben. Für Baden bei Zürich gibt ~Strübin~[398] an, daß das Fuder mit zwei Reifen gebunden und gleich ein Maß Wein sei. In Baden bei Wien waren die Strafen nach Pfund bemessen, weswegen ~Wichner~ die Höhe für unwahrscheinlich hält[84], nach ~Zeiller~ (1649) war aber ein Pfund Strafgeld gleich einen Pfennig[371]. DIE DEUTSCHEN MINERALBÄDER SEIT DEM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE / DIE WASSERHEILKUNDE ~Sebiz~ schreibt 1647 in seinen Mißbräuchen der Bäder: „Es finden sich auch vnterweilen Grobiani, welche vermeinen, es seye jhnen alles erlaubt, was sie thun vnd fürnemmen — andere müssen es wol leiden — sie seyen in jhren Gemachen vnd vmb jhr gelt da. Scheuwen sich derwegen nicht, gantze durchgehente Nächte zu Zächen, zu schreyen, zu jählen, zu raßlen vnd zu spielen, haben auch wol die gantze durchgehente Nacht biß an den hellen liechten Morgen Spiel Leuth bey sich, dadurch andere Badgäste, welche jhre gesundheit suchen, in jhrer Nachtruhe mercklich vnd schmertzlich verhindert werden“[65]. Auffallend ist, daß ~Sebiz~ nichts von Gastereien und Musik +während+ des Bades, sondern nur „viel reden vnd schwätzen, vnd vnterweilen auch mit heller stimme singen“ erwähnt und nach seinem Bericht die „Grobiani“ doch zu den Ausnahmen zählten. Ja Sebiz nimmt in seinen Diätvorschriften Rücksicht auf Personen, die „abstemius“ sind[A]. +Die alte deutsche Badeherrlichkeit war verschwunden, und das hatte der Dreißigjährige Krieg[B] bewirkt. Nach ihm entstand ein neues, vollständig anderes Leben.+ Morgensuppe (wenigstens die in Wein bestehende) und Badgericht gingen ein, und wo sie sich in Gegenden, die der Krieg nicht berührt hatte, noch hielten, überlebten sie nicht den Anfang des 18. Jahrhunderts. Man hat den Niedergang von Baden in der Schweiz mit der Einnahme durch die reformierten Kantone im Jahre 1712 in Zusammenhang gebracht, die großen Gesellschaftsbäder samt Morgensuppe und Badgericht bestanden aber schon 1702 nicht mehr[373]. An Stelle fröhlicher Gesellen saßen Familien im Morgenbad, tranken Kaffee, Tee und Schokolade und aßen Konfekt mit Spanisch Brödli[424]. [Sidenote: _Unterhaltung in den Mineralbädern_] Das übermütige Schlemmerlied war verstummt, nun sang man Bußlieder in den Wunderbrunnen. Der Pritschenmeister hatte seine Tätigkeit eingestellt, die alten derben Spruchgedichte und Gesänge wollten niemand mehr gefallen. Zoten in Form schmutzigster Liebesgeschichten wurden jetzt den Badegästen in den verschiedenen Amusements des eaux de N. N. zur Unterhaltung gereicht. Man braucht nicht die Versicherung des Herrn von Merveilleux, des Verfassers einiger derselben (sie erschienen namenlos), daß die Vergnüglichkeiten bei den Wassern zu Spa und Aix la Chapelle (Aachen) das Glück hatten, der galanten Welt zu gefallen[385], die heute noch zahlreich vorhandenen Exemplare in französischer, deutscher und teilweise auch englischer Ausgabe sagen genug[C]. Nicht wesentlich unterschied sich von der Lektüre das Theater. In Baden bei Wien spielten 1727 Wiener Komödianten „das Baadener-Bad“, das voller schmutziger Liebesgeschichten war[406]. Die deutsche Komödie zu Wiesbaden zeichnete sich um die gleiche Zeit durch grobe Zoten aus, der Hanswurst wiederholte dabei zuweilen ein Wort wohl zweihundertmal in einem Stück[407]. 1797 vertauschten in Karlsbad beim Schauspiel Männer und Frauen die Rollen, wobei sich die Frauen darstellenden Männer grobe Unsittlichkeiten zuschulden kommen ließen, die vom größten Teil der Zuschauer gemißbilligt wurden, was aber nicht verhinderte, daß das „neue Sonntagskind“ in den gleichen Kostümen auf „hohes Begehren“ wiederholt wurde[165], und das geschah im vornehmsten Bade Deutschlands. Das kleine Lauchstedt war berufen, als erstes Bad Goethes und Schillers Bühnenwerke seinen Gästen vorzuführen. Jetzt zogen die Fürsten nicht mehr mit großem Geleit zur Sicherung gegen räuberische Überfälle in die Bäder, der ganze Hofstaat erschien unter militärischer Prachtentfaltung. Als Friedrich August, König von Polen, 1705 nach Karlsbad kam, wurden aus Dresden an Garde, Wrangelschen Dragonern, Chevalier- und Schweizergarde sechshundertachtundsechzig Köpfe kommandiert. Da in den Bürgerhäusern die Truppen nicht untergebracht werden konnten, mußten aus Dresden die erforderlichen Lagergerätschaften zu einem Campement gesandt werden[451]. Glänzende Kavalkaden, Brunnenfeste und Bälle hatte die Anwesenheit der Höfe zur Folge; Grafen und Barone suchten in der Prachtentfaltung nicht zurückzustehen und sich gegenseitig darin zu überbieten[D]. Es soll sogar vorgekommen sein, daß hohe Persönlichkeiten ihren alljährlich gegebenen Ball ausfallen ließen, wenn ihnen durch Anwesenheit Begüterter die Aussicht genommen wurde, an erster Stelle zu glänzen. [Sidenote: _Einteilung der Bäder nach den Ständen der Besucher_] Trat in früheren Jahrhunderten eine Trennung der Stände in einzelnen Bädern auf, so sonderten sich jetzt die verschiedenen Bäder nach Ständen. Das Luxusbad wurde das Ideal der Bäderbesitzer und Badeärzte; in einem solchen die Saison in Gegenwart hoher fürstlicher Personen zuzubringen, rechnete man sich zur höchsten Ehre an, und wenn der Bürgerliche nur hinter den Stühlen den Tänzen des Adels zusehen durfte und der einheimische Adel von ausländischen Fürsten stehend empfangen wurde (z.❆B. 1801 in Pyrmont von der Gemahlin Ludwigs XVIII.)[E]. Seine bevorzugte Stellung mußte übrigens 1797 in Karlsbad der Adel mit doppelter Kurtaxe bezahlen. Die Armen sah man in diesen Bädern jetzt nur ungern noch. 1761 heißt es in einer Wiesbadener Schrift, daß alle Jahre Hunderte von Fremden, sonderlich gemeine Leute das Bad besuchten, die viel kürzer durch Arzneien kuriert werden könnten[433]. Diese Zustände waren übrigens nicht ein Charakteristikum des Badelebens, sondern ein allgemeines Zeichen jener Zeiten. Ich erinnere daran, daß auch auf den Universitäten der studierende Graf an einem besonderen Tische saß, doppeltes Kollegiengeld zu zahlen hatte, und daß ~Meiner~, der Prorektor von Göttingen, 1802 schrieb, die Anwesenheit nur einer mäßigen Anzahl von fleißigen und untadeligen jungen, aber armen Studenten, sei ein großes Übel für diese Universität[140]. Wie von alters her zog der Bauer alljährlich weiter (in Süddeutschland und der Schweiz bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus) in sein Schröpfbad, um bei Abzapfung einer genügenden Menge Blutes je nach der Größe des Geldbeutels einen halben bis acht Tage lang die Zeit mit Essen und Trinken im Bade zuzubringen. [Sidenote: _Mosers Schrift über das Wildbad von 1758_] Das Leben in einem bürgerlichen Kurorte wird am besten durch einige Stellen aus ~Moser~s Schrift über das Wildbad vom Jahre 1758 gezeichnet: „Wer von Stuttgart oder Tübingen kommt, muß die Calmbacher Steig paßieren, welche zwar nicht gäh, aber eine Stunde lang ist, und, wann sie allererst wieder gemacht worden, durch Plaz-Regen leicht so verdorben wird, daß sie arg stoßt und das Gefährt, wann es nicht gut beschaffen ist, Schaden nehmen kan; dahero ist auch schon Fürstliche und andere Standes-Personen, so grose Schmerzen gehabt, durch Ochsen diese Steige haben herab-führen lassen, weil selbige langsamer und gleicher ziehen, als Pferde. Anmeldung bey dem Badmeister. Wann man im Wildbad angelanget ist, lassen die Personen, so einiges Standes seynd, den Badmeister zu sich ruffen, melden ihme, daß sie baden wollen, ziehen von ihme, wo nöthig, ferneren Unterricht ein, und übergeben ihm die Bad-Gerähte. Compliment an die Mit-Bad-Gäste. So dann erkundiget man sich, was für Personen ohngefähr gleichen Standes in eben dem Wirthshaus logiren, lässet so dann ihnen, auch andern Bekannten, ein Compliment machen, Glück zum Bad wünschen, und sich erbieten, wann man ausgeruhet habe, sie zu besuchen; worauf man insgemein von ihnen bald den ersten Besuch erhält ..... Umkleidung. Alle Manns-Personen gehen nur in Schlafrock, Kapp, Strümpfen und Pantoffeln über die Strasse in das Bad. Um auch desto eher fertig zu seyn, läßt man das Halstuch, Knie-Riemen und die Hembd-Knöpfe zu Haus, ingleichem die Ringe, so leicht im Baden verlohren gehen, auch wohl die Steine im Wasser ihren Glanz verliehren. Man nimmt nur ein Schnupftuch zum abtrocknen des Gesichts mit; einige auch die Taback-Dose. Frauens-Personen pflegen im Mantel, Unterrock und Hembd in das Badhaus zu gehen. Kommt man in das erste Vor-Zimmer und findet das zweyte, weil sich würcklich jemand umkleidet, verschlossen, sitzet man so lang nieder, bis dise Person herausgehet. Alsdann gehet man in das zweyte gewärmte Vor-Zimmer, und setzet sich: Der Badmeister oder Bad-Frau ziehet die Strümpfe ab; so dann stehet man auf, bietet ihn den Rücken, und gibt den Schlafrock weg, schlupft mit dem einen Arm aus dem Hembd heraus und in das Bad-Hembd hinein, so dann auch mit dem andern, läßt sofort das ganze Hembd fallen, knüpft ferner das Bad-Hembd am Hals und um den Leib mit den Bändeln zu, thut die Pantoffeln aus, nimmt das Schnupftuch und Dose, und geht also mit blossen Füßen durch die von dem Badmeister oder Bad-Frau eröffnete Thüre einige Staffeln hinab in das Bad ..... Bezeugen währenden Bades ..... So löblich auch sonst und an und für sich das Singen geistlicher Lieder ist; so muß man sich doch dessen enthalten, wann es nicht allen anständig ist, weil die Andere alsdann nicht dafür mit einander sprechen können, oder es sie sonst incommodirt. Gleiche Beschaffenheit hat es mit lautem Lachen, oder allzustarkem Reden. Wann die im Bad sitzende Personen mit einander sprechen, müssen sie sich in Acht nehmen, was sie sprechen, weil man, wo es in einem Bade stille ist, alles deutlich höret, was in einem benachbarten Bad gesprochen wird; wovon mir merckwürdig- und bedenckliche Exempel bekannt seynd ..... Vom Aussteigen und Ankleiden. Ob man gleich im Bad selbst die Uhr schlagen hört; so sagt doch der Badmeister oder Bad-Frau jeder Person im Fürsten- Herren- und Edel-Frauen-Bad, wann es Zeit ist, auszusteigen. Man stehet so dann auf, trocknet das Gesicht ab, nimmt sein Schnupftuch und Dose, empfiehlet sich denen Anwesenden, unter nochmahliger Anwünschung eines gesegneten Bades, steiget aus dem Bad herauf und begibt sich in das warme Vor-Zimmer. Der Badmeister oder Bad-Frau halten sodann das gewärmte Leilach in die Höhe, und werffen solches, wann man das nasse Bad-Hembd hat fallen lassen, um; oder man stellt sich mit dem Rücken gegen sie, schlupft mit einem Arm aus dem Bad-Hembd und lässet sich das Leilach umlegen, macht es sodann mit der andern Seite auch so, und läßt endlich das Bad-Hembd fallen: Man trocknet sich hierauf, mit Hülf des Badmeisters oder Bad-Frau, ab, läßt sich das gewohnliche Hembd überwerffen, und ziehet den Schlafrock an, setzet sich sofort nieder, läßt sich auch die Füsse abtrocknen und die Strümpfe anziehen, schlupft in die Pantoffeln, setzt etwa auch eine warme trockene Kapp auf, trocknet nochmahls das Gesicht ab, nimmt das Schnupftuch und Dose zur Hand, und gehet so wieder nach Haus“[332]. [Illustration: Abb. 149. Das Täfeli im Hinterhof zu Baden im Aargau im 18. Jahrhundert. Kupfer von ~Hegi~ aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt. Zürich, 1818.] [Sidenote: _Die Badeordnung von Neu-Schauenburg von 1762_] Als Seitenstück mögen folgende Bestimmungen aus dem 1762 erlassenen „Baad- und Aufführungs-Reglement“ für das im Gebiete von Basel liegende Bad Neu-Schauenburg hier folgen: „Des Morgens von 7 bis 8 Uhr sollen sich sämtliche Baad-Gäste mit ihren Curen, als besonders mit Thée, Caffée, Chocolade, Wein-Waaren, Saurbrunnen, Kraut-, Kachel-, und Blatten-Muess, Butter-Schnitten, und was dergleichen mehr ist, im grossen Saal einfinden. — Die, so nicht in das Baad gehen, sollen sich während 9 bis 10 Uhr still, ehrbar und bescheiden aufführen und mit etwas Nützlichem beschäftigen. 10 bis 12 Uhr ist zum Spazieren bey schönem Wetter, und beym Regen zum Spielen, Conservieren und unschuldigen Belustigungen gewidmet. 12 bis 1 Uhr zum Mittag-Essen, doch solle es auf eine Viertelstund mehr oder weniger nicht ankommen. 1 bis 2 Uhr zum Caffée, wer aber keines nicht trinket, mag sich indessen mit etwas anders erquicken; doch ist in dieser Stund der Chocolade gänzlich verbotten. [Illustration: Abb. 150. Die Matte zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1809.] 5 bis 8 Uhr, zu einem Spaziergang vor die ganze Gesellschaft; wenn aber wider alles Erwarten ein Regen einfiele, so könnte aus Desperation gespielt werden. 8 bis 9 Uhr Nacht-Essen. Von 9 bis 11 Uhr, wäre der Tag mit einem Ehren-Tänzlin, oder einer andern angemessenen Ergötzlichkeit zu beschliessen. Um 11 Uhr sollen alle und jede sich in das Bett verfügen, und eine allgemeine Stille regieren, besonders wenn sich Jemand unter den Baad-Gästen nicht wohl befinden thäte. — Das particulare Gesundheit-Trinken solle aussert dem generale über Tisch gänzlich abgethan, doch einem jeden wohl erlaubt seyn, seinen Nachbarn in der Stille einen Trunk zuzubringen. In denen Gemächern sowohl als in dem Baad solle man so wenig als möglich Geräusch machen, damit die Nachbaren nicht beunruhiget werden. Sollte auch jemand durch einigen Zufall überfallen werden — das Wasser von Schauenburg wirkte nämlich, wie ~Bruckner~ meldet, „verdinnernd“ — der ihne, es seye bey Nacht oder in der frühen Morgen-Zeit, aus dem Gemach zu gehen nöthigen würde, so wird eine anständige Stille ebenfalls bestens anbefohlen, welche auch von der Herrschaft ihrem Gesinde soll eingeschärft werden; in dieser Zeit aber sollen die hölzernen Absätz an Schuen und Pantouffeln gänzlich verbotten seyn. Alle Ohrenbläser, Sonderling und Murrolfen sollen gänzlich von hinnen verbannisirt seyn; es seye dann Sach, dass sie Besserung versprechen. — Weilen der ganzen Ehren-Compagnie daran gelegen, dass Sie weder zur Nachtzeit noch an der Tafel, durch Hunde nicht beunruhiget werden, als solle ein jeder Ehren-Gast, welcher solcher Thieren mitbringet, gehalten seyn, selbige an gehörigem Ort verwahren zu lassen. — Was die Strafe dieser Anordnung anbelanget, so könnte der Uebertretter derselben am Geld, das Frauenzimmer aber am Leib abgestraft werden, welches aber billichermassen der Ehren-Compagnie zur Decision überlassen wird. Desgleichen, wenn ein Mann seiner Frauen, oder eine Frau ihrem Mann, innert ersten 8 Tagen keinen Besuch abstattet, solle jeder Parthey frey stehen, sich anderwärts Rath zu schaffen.“ Da Neu-Schauenburg wie Dr. ~Rudolf Wackernagel~, der Herausgeber dieses Reglements, bemerkt, als „ein höchst heimeliges Burgerbädlein unserer lieben alter Basler“ galt, das weder wegen der Heilkraft des Wassers, noch wegen Zudrangs der Schöngeister berühmt war, wie Schinznach, so ist auch natürlich, daß die Kurgäste „nach der Ordnung ihrer Ankunft ihren Platz an dem Tisch bezogen“[38]. [Illustration: Abb. 151. Der Brunnenplatz zu Pyrmont mit dem Trinkbrunnen (dem Kuppelbau rechts) und dem vor ihm liegenden Badebrunnen. Kupfer nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.] Daß sich in den bürgerlichen Bädern Leute von einigem Stande von den übrigen Kurgästen absonderten, braucht nicht weiter hervorgehoben zu werden. Zu Baden im Aargau mieden im 18. Jahrhundert die Badegäste aus vornehmen Kreisen die gemischte Gesellschaft auf der Matte, jenem schon oft erwähnten uralten Vergnügungsplatze, und zogen vor, ihr Morgenstelldichein an einem runden steinernen Tische, dem Täfeli beim Hinterhofe vor den Ställen des Federviehs zu halten (Abb. 149)[32]. Aber nach der Revolution (1797) wurde es einsam am Täfeli, und die Matte kam wieder zu Ehren (Abb. 150)[315]. [Sidenote: _Die alten berühmten Bäder gehörten anfänglich nicht zu den Luxusbädern_] [Sidenote: _An Stelle der Badekur war jetzt die Trinkkur Mode_] Unter den Luxusbädern vermißt man den größten Teil der im Mittelalter berühmt gewesenen Bäder, und das hatte mehrere Gründe. Die Lage der alten Wildbäder verhinderte deren Ausdehnung. Neue Bauten ließen sich wegen Platzmangels schwer errichten, und die alten, mit großen Kosten hergestellten konnten ohne längeres Aussetzen des Betriebes höchstens um-, nicht neugebaut werden. So findet man vielfach Klagen über ungenügende Einrichtungen, z.❆B. im Wildbad, in Pfäfers, in Baden in der Schweiz. Von Leuk schrieb ein Berner im 18. Jahrhundert, daß für die Gäste wenig gesorgt werde, die Gebäude schlecht (Abb. 97), das Ameublement häßlich, die Tafel nicht sonderlich und die Preise teuer seien[675], und ~Goethe~ wußte bei seinem dortigen Aufenthalte 1779 vom Besuch eines Heeres hüpfender Insekten zu berichten, daß er am andern Morgen aussah, als hätte ihn die Nesselsucht befallen[38]. +Der Hauptgrund des Aufkommens neuer Bäder an Stelle der alten lag aber darin, daß statt der Bade- die Trinkkur Mode der vornehmen Welt wurde.+ Darum rechnete Baden-Baden im 18. Jahrhundert noch nicht zu den Luxusbädern. Es kam erst durch den Rastatter Kongreß (1797) in Aufnahme, galt dann als das billigste der größeren Bäder und war nach ~Wetzler~ (1817) das einzige, wo der Gast nicht geprellt wurde[370]. 1810 kannte man als alleiniges Vergnügen der Badegäste die gemeinsame öffentliche Tafel[405]. So wird verständlich, wenn alte Badegebräuche, wie Morgensuppe, Badgericht verschwanden, die an das Wasserbad geknüpft waren und zur Unterhaltung, namentlich der vornehmen Gesellschaft, während des stundenlangen Einsitzens dienten. [Illustration: Abb. 152. Ansicht des Markts zu Spa und des Brunnens Pouhon. Kupfer aus: Les Amusements de Spa or, the galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745.] [Illustration: Abb. 153. Aachen 1727. De Groote Vergaader-Plaats van alle gebrekkelyke Menschen, die sig na de Fonteinen begeeven om de Wateren te Drinken. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.] Karlsbad erstand nach dem Brande von 1759 fast nur als Trinkkurort[347]. Zu Pyrmont gab es im 18. Jahrhundert für vornehme Leute keine öffentlichen Badeinrichtungen, man mußte das Wasser in die Wohnungen holen lassen[342]. Man trank zumeist den alten heiligen Brunnen (Abb. 151). In Spa (Abb. 152) wurde im 17. Jahrhundert nur getrunken, wegen Verlustes der Kohlensäure beim Erwärmen des Wassers verzichtete man auf die Verwendung zum Bad[F]. Zum Ärger der Spaer Ärzte führte ~Blondel~ in Aachen zur Bade- die Trinkkur ein, was ihm, nebenbei bemerkt, den Titel „Thermopotationum institutor“ (Abb. 119) eintrug. Welch bewegtes Leben sich dort im 18. Jahrhundert am frühen Morgen bei den Brunnen entwickelte, zeigt Abb. 153. [Illustration: Abb. 154. Der Spaziergang bei den Brunnen zu Aachen. Aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den Wassern zu Achen. Berlin, 1737.] [Sidenote: _Pyrmont / Spa / Aachen / Karlsbad_] [Sidenote: _Die Luxusbäder_] Pyrmont wird von ~Schiller~ neben Karlsbad als glänzendstes der Bäder erwähnt[677]. Nach ~Zückert~ waren 1768 Karlsbad, Pyrmont, Eger und Spa am besuchtesten[343]. Als Luxusbad ersten Ranges galt Langenschwalbach. 1711 waren elf fürstliche und fünfzehn gräfliche Personen anwesend[387]. Von kleinen Bädern rechnete sich Brückenau im Fuldaischen gegen Ausgang des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu den vornehmen, und dessen Badearzt ~Zwierlein~ war unausgesetzt bemüht, das Bad als ersten Kurort hinzustellen. Als teuerstes Bad galt (1798) Freienwalde, wo sich der brandenburgische, mecklenburgische und pommersche Adel trafen. Durch die Kriege am Rhein verlor Schwalbach im 18. Jahrhundert seine Bedeutung als Luxusbad, Spa durch die Revolution, während Pyrmont infolge derselben den französischen Adel samt Hof öfters zu Gaste bekam, bis es auch im 19. Jahrhundert des Titels eines Luxusbades verlustig ging. [Illustration: Abb. 155. Die „Allee“ in Pyrmont. Kupfer nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.] [Sidenote: _Einteilung des Tages in den Trinkbrunnen_] Wie eben angedeutet wurde, trank man das Mineralwasser am Morgen. In Spa trafen 1735 die ersten Gäste schon um vier Uhr in Schlafkleidern beim Brunnen von Pouhon ein, und gegen neun Uhr ging man in die Herbergen, um sich anzukleiden. Die Zwischenzeit wurde mit Trinken und zur guten Verdauung des genossenen Wassers mit Spazierengehen zugebracht[404]. In Aachen gab es für letzteren Zweck einen besonderen Spazierplatz (Abb. 154), bei Regenwetter wandelte man unter Galerien (Abb. 110), und zuweilen wurden (1737) die Trinkgäste von der Stadt mit Musik beehrt[263]. Außerdem traf die Kurgesellschaft noch zu bestimmten Zeiten einige Male am Tage zusammen. In Spa besuchte man um vier Uhr den Garten der Kapuziner oder die Vieruhrwiese, um sieben die Siebenuhrwiese[404]. Pyrmont hatte seine herrliche „Allee“ (Abb. 155), eine von Baumreihen begleitete Straße, die anscheinend für andere Kurorte mustergültig wurde; denn die „Allee“ spielte in Bädern, die sich für vornehm hielten, eine größere Rolle als der Kurgarten. Dort schritten Damen und Herren würdevoll auf und ab, ihre Kleider spazieren führend, die Damen in großer Toilette, die Herren in nicht weniger ausgesuchtem Anzuge, Militärpersonen in voller Uniform. [Sidenote: _Die Kleiderpracht_] War angeblich in Karlsbad kein steifer Etiquettenzwang, so liebten die Damen doch eine öftere Änderung des Anzuges am Tage, viele sah man viermal die Toilette wechseln (1797), und bestand auch keine Verordnung, die einfach und reinlich gekleideten Damen das Spazierengehen unter den Kurgästen daselbst verbot, soll es doch vorgekommen sein, daß sie an der anderen Seite des Flusses gehen mußten, wenn sie den Anzug nicht ändern wollten (1798). [Sidenote: _Badeuniformen_] Gegen den Putz und die Kleiderpracht wurde von Brückenau aus ein Kampf oder, wohl richtiger gesagt, ein Scheinkampf eröffnet. ~Zwierlein~ machte 1788 den Vorschlag zu einer allgemeinen Badeuniform für Damen, die elegant, bequem und nicht kostbar sein sollte. Er glaubte an die Verwirklichung seines Planes, weil in Aachen, Pyrmont, Wiesbaden, Schlangenbad, Karlsbad, Brückenau usw. adelige Damen häufig mit ihrer Hofuniform auskämen, vergaß aber dabei, daß diese nicht ohne eine bestimmte Absicht getragen wurde, wobei die Damen vom Hofe das Angenehme mit dem Nützlichen verbanden. 1791 schlug im Brückenauer Bad im Anschluß an ~Zwierlein~s Veröffentlichung „eine teutsche National-Versammlung von Gräfinnen und andern Damen vom ersten Range“ ein bestimmtes Kleid in der Erwartung vor, daß die Herren so galant und gefällig sein würden, eine Uniform in den gleichen Farben zu tragen. Die Brückenauer Nationalversammlung erinnerte aber in derselben Bekanntmachung daran, daß ihr Vorschlag nicht dahin aufzufassen sei, als sollten die Damen nichts als diese Kleidung tragen. Wer wollte es wagen, der Damen-Toilette Gesetze zu geben, ihrem Geschmacke Fesseln anzulegen? So waren denn wohl die Uniformen mit ihren Abzeichen à la Spa, Karlsbad, Brückenau, Pyrmont nur darauf berechnet, der heimatlichen Nachbarschaft zu zeigen, in welchem vornehmen Kurorte man die Saison zugebracht hatte. Im übrigen vertändelten die Damen weiter den Morgen mit der Toilette und erschienen nach dem Frühstück in vollem Glanze. Den Nachmittag brachten sie in steifem Putze ohne Bewegung zu und saßen meistens mit den Karten oder dem Strickzeuge in der Hand wie angenagelt auf ihren Stühlen. Abends wurde in schweren Kleidern mit möglichst enggeschnürter Brust getanzt (1788), und am nächsten Morgen erschienen dieselben Damen (in Karlsbad 1799) unfrisiert, oft noch in Wickeln oder doch in Schlafhäubchen in offenen englischen Schlafröcken mit umgehängtem Schal beim Brunnen. Fremde kennen lernen, spielen (und zwar meist Hasard), sich zerstreuen, das war die Losung in den Luxuskurorten, und die meisten Gäste tranken weder Wasser, noch badeten sie. Ernster als die Vorschläge der Damen von Brückenau zur Beseitigung der Übelstände im Badeleben sind Äußerungen aufzufassen, die ländliche Einfachheit als Voraussetzung eines wahren Kur- und Erholungsortes priesen. So empfahl eine Frau Tourte-Cherbuliez 1793 Grindelwald aus dem Grunde, weil man dort weder „Piano’s, noch Harfen, weder Karossen, noch Teppiche, weder Vorhänge aus Mousseline, noch Wachslichter, noch Operntoiletten finde“[38]. „Warum auf dem Lande nicht ländlich?“, schrieb ein Ungenannter im Journal des Luxus und der Moden 1788. „Wie viele ziehen nicht regelmäßig entweder nach dem Bade oder aufs Land, und auch da leben sie wie innerhalb der Stadt-Mauern! Was der Patient um der Genesung, was der Geschäftsmann um der Erholung willen thut, das thun sie bloß, weil es Andere thun, aus Nachahmung, aus Gewohnheit.... Lohnt sichs auch alsdann der Mühe, den Haushalt zu ändern, das Gerät einzupacken, vier und sechs und mehr Stunden in dem Wagen gefangen zu sitzen, sich mit Beschwerlichkeit anderswo nieder zu lassen, blos um sagen zu können: Wir ziehen aufs Land, wir kommen vom Lande zurück? Solche Leute führen die Stadt mit sich aufs Feld, coelum, non animum mutant. Nicht belauschen sie am buschigten Ufer die Liebesklagen der Nachtigall; nicht begrüßen sie auf der waldigten Anhöhe die erwachende Sonne; ohne sie geht der Mäher auf die Flur und der Winzer ins Traubengebirg. Sie gähnen am Fenster oder vor der Türe, und mit sehnsuchtsvoller Ungeduld harren sie auf das Rollen des Wagens oder auf die Staubwolke von Pferden, die irgend einen neuen Ankömmling verkündigen. Dann wird mit ebenso viel steifem, ängstlichem Ceremoniell, wie in der Stadt, die Tafel gedeckt; eben so langweilig setzt man sich dann zum traurigen Spieltische.“ Im Gegensatz dazu rühmt der Verfasser die liebenswürdige Gesellschaft zu Baden im Aargau, mit der er die Freuden der Weinlese genoß, Berg und Tal durchstreifte und an der St. Michaelsherbstfeier unter Winzern und Winzerinnen teilnahm, wo in gleichen Reihen Dorfnymphen und Damen, Gebieter und Diener tanzten[678]. [Sidenote: _Reformvorschläge / Prießnitz_] [Sidenote: _Reaktion gegen die Kaltwasserbehandlung_] Eine eingreifende Änderung der unnatürlichen und ungesunden Zustände im Badeleben kam erst durch das Auftreten von ~Vincenz Priessnitz~ zustande, das in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts fällt. Welches Verdienst hat sich der Bauerndoktor auf dem Gräfenberge erworben, um als ein Grenzpfeiler im deutschen Badeleben zu gelten? Die Ärztegegner betrachten ihn als Gründer der Hydrotherapie, als Erfinder eines ganz neuen Heilverfahrens mit dem kalten Wasser[634]. Es geht aus dem Vorhergehenden zur Genüge hervor, daß diese Anschauung eine falsche ist, daß die Verwendung von gewöhnlichem Wasser und auch von kaltem vor ~Priessnitz~ in Gebrauch war, daß Ärzte unter Hinweis auf alte Volksgebräuche das kalte Wasser in den Heilschatz aufnahmen. Im besonderen war die Kaltwasserbehandlung der akuten Infektionskrankheiten hoch entwickelt, nicht minder die der Nervenkrankheiten, zweier Gebiete, welche heute noch eine hervorragende Rolle in der Hydrotherapie spielen. Die übertriebene und ausgeartete Kaltwasseranwendung hatte im 18. Jahrhundert sogar schon, wie wir sahen, eine Reaktion hervorgerufen, ja man war — wie in unseren Tagen — noch weiter gegangen und hatte darauf hingewiesen, daß der Mensch doch eigentlich nicht im Wasser, sondern in der Luft lebe und eine Luftbehandlung die naturgemäßere sei. So erschien in ~Lichtenberg~s Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte (dritter Band, viertes Stück) ein Aufsatz über die unmittelbare Wirkung der Luft auf die Oberfläche des menschlichen Körpers, den ich nach dem ersten Bande von ~Rahn~s Archiv vom Jahre 1787 wiedergebe. [Sidenote: _Luftbäder_] Wie der Fisch im Wasser — wird darin ausgeführt —, so lebt der Mensch beständig umgeben von einer anderen Flüssigkeit, der Luft. Das Bad in dieser ist vielleicht unserem Körper noch angemessener als das kalte Wasserbad. Man kann es ohne allen Aufwand so oft wiederholen, als man es für gut befindet; es besteht darin, daß man den entblößten Leib der atmosphärischen Luft zur unmittelbaren Berührung darbietet. Man hat in unseren Zeiten all die Übel empfunden, welche mit einer weichlichen und verzärtelten Erziehung verbunden sind, und man verfällt deshalb in die entgegengesetzte Ausschweifung und badet Kinder zu allen Jahreszeiten in kaltem Wasser, ohne auf die ihnen eigentümliche Beschaffenheit des Körpers zu sehen. ~Galen~ tadelte die alten Deutschen, weil sie ihre Kinder gleich nach der Geburt einer so harten Tauchung aussetzten, und das Luftbad ist wirklich ein viel sanfteres und der Natur mehr angemessenes Mittel, ebendenselben Zweck zu erlangen. Die +Wirkung+ der +Luft+ und die vom +Licht der Sonne+ sind vielleicht die ersten Beförderungsmittel der Gesundheit und der Lebhaftigkeit. Die Natur bietet uns an allen Orten Luft, Sonnenlicht und freie, mäßige Bewegung unserer Gliedmaßen dar, und in der Tat hat auch beständig die Diätetik dergleichen Mittel für chronische Krankheiten empfohlen, und von diesem darf man nicht fürchten, was die Freunde des Magnetismus von den Arzneien behaupten, daß sie tötend und zerstörend wären[635][G]. Auch der Tübinger Professor ~Ploucquet~ sagt 1798, kalte Bäder in der Badewanne seien für den Gesunden kaum auszuhalten, und noch weniger für kranke, geschwächte Personen geeignet, denen man noch vor kurzem aus der falschen Hypothese, die tierische Faser müsse stringiert werden, sie geradezu verordnete und oft genug die Unbefolgbarkeit des Vorschlags oder auch seinen Schaden erfahren mußte. Er empfahl als Ersatz des kalten Bades in der Wanne, sich auf einem Schemel sitzend von einer vertrauten Person mittels eines Schwammes oder genetzten Tuches den ganzen Körper waschen oder reiben zu lassen (Schwammbad nach ~Schreger~ 1803[4]), auch mit der Kanne begießen oder an Stelle des Wasserbades das Luftbad treten zu lassen[166]. Ein praktischer Verehrer des Luftbades war 1803 Lord Monboddo in London, der es selbst ohne Hemd neben seinem Hause täglich nahm und auf der anderen Seite desselben oder auf freiem Altane von seinen Töchtern gebrauchen ließ[157]. In seinem kosmetischen Taschenbuch empfahl ~Schreger~ (ca. 1814) den Damen das Luftbad als „erstes Schönheitsmittel in seiner Art“[659]. ~Franklin~ nahm das Luftbad im Zimmer. „Beinahe alle Morgen“, sagt er in einem Briefe an den französischen Übersetzer seiner Werke, „stehe ich sehr früh auf und bleibe, ohne irgend eine Art von Bedeckung, in meinem Zimmer eine halbe oder ganze Stunde nach der Jahreszeit sitzen und lese oder schreibe. Dies Verfahren ist nichts weniger als lästig, sondern sogar angenehm; ja wenn ich mich vor dem Ankleiden noch einmal zu Bette lege, wie es zuweilen geschieht, so verfalle ich, gleichsam als Nachtrag zu meinem nächtlichen, in einen zweistündigen Schlaf, der so sanft ist, als man sich ihn nur vorstellen kann. Ich finde, daß daraus gar keine üblen Folgen entstehen, und daß es meiner Gesundheit nicht schadet, wenn es ihr ja nicht etwa gar sehr viel nützen sollte.“ (Oeuvres de Franclin, Tome II)[659]. Von höchstem Interesse sind die Ausführungen des Jenaer Chemieprofessors ~Döbereiner~ in einer kleinen Schrift vom Jahre 1816, die eine Anleitung zur Darstellung und Anwendung aller Bäder enthielt, und die er den Jenaer Medizinprofessoren ~Stark~ und ~Succow~ widmete. Diese Schrift enthält die Grundgedanken unserer modernen Lichttherapie. [Sidenote: _Luft- / Sonnenwärme- und Sonnenlichtbäder_] ~Döbereiner~ trennt von den Luftbädern, die er mit den flüssigen und festen Bädern zusammen als stoffliche auffaßt, die geistigen; diese letzteren wieder können Licht-, Wärme-, elektrische und magnetische Bäder sein. Von den Lichtbädern sagt er: „Jedem Erdengeschöpfe mithin auch jedem Menschen ist es gegönnt, die Wirkungen des Lichtes zu empfangen; jeder Raum, welcher unmittelbar von der Sonne beleuchtet wird, bietet für letzten ein Lichtbad dar, in welches er nur nackt oder loose und weiß bekleidet sich tauchen darf. Weiße Bekleidung ist da, wo +Licht allein+ wirken soll, jeder anderen, d.❆h. farbigen und selbst dem nackten Zustande des Körpers darum vorzuziehen, weil Weiß die Sonnenstrahlen in reines Licht und Wärme scheidet und die letzte abstößt, während farbige Flächen und also auch die Haut, mit dem Lichte gleichzeitig die durch dasselbe veranlaßte Wärme einsaugen, und so ein Sonnenlichtbad in ein Feuerbad umwandeln. Das letzte ist es, was die meisten Menschen, besonders die Landleute immer statt des ersten empfangen, weil sie sich stets, selbst mitten im heißen Sommer, mit farbigen Kleidern bedecken. Für Gesunde mag ein Sonnenfeuerbad sehr wohlthätig wirken, aber für gewisse Krankhafte möchten denselben reine Lichtbäder vorzuziehen sein, z.❆B. in Fällen, wo auf den äußeren Teilen des Körpers der Oxydationsproceß vorherrschend geworden, wie vielleicht bei der Bleichsucht, und zur Heilung eine entgegengesetzte, nehmlich desoxydirend wirkende Kraft angezeigt wäre. Soll das Licht blos auf einzelne Teile des Körpers wirken, so muß man das unmittelbare Sonnenlicht durch kleine Öffnungen in verfinsterte Räume auf den zu beleuchtenden Teil fallen lassen. Durch ein Brennglas lassen sich die einfallenden Lichtstrahlen verdichten und in ihrer Wirksamkeit erhöhen. Bei gewissen krankhaften Zuständen des Organismus und auch der Seele, möchte vielleicht farbiges, d.❆h. rotes, blaues, gelbes, oder grünes Licht sich heilsam erweisen, und ein farbiges Lichtbad dem einfachen vorzuziehen sein. Es ist leicht das homogene Licht in farbiges umzuwandeln. Man darf nur die Sonnenstrahlen oder auch das gewöhnliche Tageslicht durch eine rote, blau, gelb oder grün gefärbte Glasscheibe in ein dunkles Zimmer fallen, und wenn es stark wirken soll, die Glasscheibe so schleifen lassen, daß das Licht bei seinem Durchgange mehr oder weniger verdichtet werde. Von farbigen Lichtbädern haben die Ärzte noch gar keinen Gebrauch gemacht. Es läßt sich aber erwarten, daß sie sich gegen den tierischen Organismus und gegen das, was diesen belebt, nicht gleichgültig oder unwirksam verhalten werden, denn die Farben wirken überaus mächtig auf das Gemüt und können den Menschen sogar zu Handlungen bestimmen, an welche nicht ohne vorhergegangene Einwirkung desselben gedacht worden.“ ~Döbereiner~ glaubt dann, daß Licht, rein oder farbig angewandt, nach schon vorliegenden Versuchen bei gewissen Augenkrankheiten mit sicherem und schnellem Erfolge gebraucht werden könne und verweist auf Stellen aus ~Goethe~s Farbenlehre, die einen Einfluß der Farbe auf das Gemüt darlegen. Von den durch die Sonne erzeugten Wärmebädern sagt ~Döbereiner~: „Die Sonnenwärme wird stets vom Licht begleitet und ist daher gewissermaßen geistiger und lebendiger, mithin auch belebender und durchdringender als die künstliche Wärme ... Das Sonnenlicht wird an farbigen, besonders aber an schwarzen Gegenständen, fast ganz in Wärmematerie umgewandelt, und man muß daher den Organismus, welcher ein Sonnenwärme-Bad empfangen soll, farbig und am besten schwarz bekleiden[666]“[H]. [Sidenote: _Preisausschreiben über Wasserbehandlung_] Der Standpunkt der Ärzte in der Wasserbehandlung der Infektionskrankheiten zur Zeit von ~Priessnitz~’ Auftreten wird am besten durch ein Preisausschreiben der ~Hufeland~schen medizinischen Gesellschaft zu Berlin im Jahre 1821[I] charakterisiert. „Seit Erscheinung des ersten und zweiten Teils der Berichte des Dr. ~J. Currie~ (vormals in Liverpool) über die Wirkungen des Wassers in Fiebern, sind in Berlin und manchen andern Teilen Deutschlands, wie auch in Ungarn und Oberitalien, viele Versuche gemacht worden. Wenn die bisherigen Erfahrungen günstig dafür sind, so verdient die einfache Methode allgemeiner angewandt zu werden, als noch heutiges Tages geschieht. Um den Wert dieser Methode sicherer auszumitteln und dieselbe demnächst in die tägliche Praxis einzuführen, ihre Anwendbarkeit näher zu bestimmen, oder zu Folge ungünstiger Resultate die Methode ganz zu verbannen, ist dienlich erachtet worden, einen Preis von funfzig Dukaten auszusetzen auf die beste Abhandlung über den durch die Überschrift bezeichneten Gegenstand.“ Es sollten eine Zusammenstellung und Vergleichung der wichtigsten, seit ~Currie~s Schriften bekannt gewordenen und durch dieselben veranlaßten Versuche und Zeugnisse über die äußerliche Anwendung des kalten Wassers zum Zwecke der Mäßigung der Fieberhitze gegeben werden, ferner als Hauptteil eine Reihe eigener Versuche mit kalten Übergießungen nach ~Currie~ und kalten Abwaschungen an Fiebernden bei Verwendung des Thermometers und unter Angabe der Pulsschläge und drittens die Meinung des Verfassers über die Art der Wirkung genannter Prozeduren. „Möge diese Preisfrage“, schrieb ~Hufeland~, „weniger durch den Preis, als durch die Richtung der Aufmerksamkeit auf einen wichtigen, nahen, nützlichen, nur durch treue Beobachtungen auszumittelnden Gegenstand dazu beitragen, daß nicht allein derselbe auf sichern Grundsätzen zurückgeführt wird, sondern daß auch überhaupt die übermäßige Liebhaberei des Schwärmens in den dunkelsten und schwerlich je ganz zu erhellenden Gegenden der Medizin abnehme unter den teutschen Ärzten.“ Drei Schriften liefen auf das Ausschreiben ein. Die zur Prüfung ernannte Kommission war lange unschlüssig, welcher sie den Preis erteilen sollte, entschied sich aber endlich, ihn der Abhandlung zuzuerkennen, „welche sich am meisten durch lange, gereifte Erfahrung auszeichnet“, deren Verfasser der um diesen Gegenstand durch frühere Schriften verdiente K. K. Hofmedikus und „Senior als Dekan“ der medizinischen Fakultät in Wien ~Frölich~ war[662]. [Sidenote: _Die Kaltwasserbehandlung in der Berliner Klinik_] Aus der „Preis-Aufgabe-Beantwortung“ des bayerischen Medizinalrates und Aschaffenburger Physikus ~Reuss~ möchte ich folgende Stelle hervorheben, die uns die Kaltwasserbehandlung der Infektionskrankheiten in der Berliner Klinik zeigt. ~Reuss~ schreibt: „Dr. ~Ernst Horn~, k. p. Hofrat und Professor der Klinik an der k. medizinisch-chirurgischen Militär-Akademie und Direktor der klinischen Lehranstalt im Charité-Krankenhause zu Berlin hat seine Erfahrungen über die Heilung des ansteckenden Nerven- und Lazarettfiebers und über die Mittel, seine Entstehung und Verbreitung von den Lazaretten aus zu verhüten und sich vor Ansteckung zu sichern, bei dem Antritte des Jahres 1814 in einer besonderen Schrift bekannt gemacht. Die Kranken dieser Art ließ er bei ihrer Aufnahme in einem Reinigungszimmer, ganz entkleidet, in einem warmen Bade mit Seife abreiben, reinigen, mit reiner Wäsche versehen und in die zu ihrer Aufnahme bestimmten hellen und luftigen Zimmer bringen. Dieses Bad wurde täglich zweimal bis zur Entscheidung ihrer Krankheit fortgesetzt. War aber der Kopf eingenommen und schwer, der Kranke betäubt und irre, die Haut heiß und trocken, das Auge stier, glanzlos und entzündet, so wurde er entkleidet, in eine trockne Badewanne gesetzt und mit 5 bis 6 Eimern kalten Wassers, jeder zu 4 bis 5 Portionen, über den Kopf und Körper übergossen und dieses täglich 2 bis 3mal wiederholt. Da, wo das Gehirnleiden noch heftiger war, die Kranken raseten und beständig zitterten, wurden die Sturzbäder täglich 3mal wiederholt und ihre Wirkung durch das kalte Douchebad auf den Scheitel noch erhöht. Wenn aber die große Hitze und Trockne der Haut abnahm und der Patient gegen die Sturzbäder empfindlicher wurde, die Schwere und Betäubung im Kopfe aber noch fortdauerte, so wurde er in ein lauwarmes Bad gesetzt und sein Kopf mit eiskaltem Wasser übergossen. Allen Nervenfieberkranken wurde der Kopf, besonders die Stirngegend, mit einer in eiskaltem Wasser getauchten und immer erfrischten Compresse Tag und Nacht bedeckt, und allen, derer Haut heiß und trocken war, es mochten Peteschen (Petechien) oder keine darauf sichtbar sein, wurden die heißesten Stellen mit eiskaltem Wasser öfters gewaschen. Den Vollblütigen wurde anfangs durch Blutegel und später durch einen Aderlaß Blut abgelassen usw. Eine wesentliche Bedingnis zur Kur war (wodurch auch die Erzeugung und Verbreitung des Contagiums dieser Krankheit gehindert wurde) eine reine und kalte Zimmerluft. Die Zimmer wurden nicht geheizt, und einige Fenster blieben Tag und Nacht offen. Die Wirkungen dieser Behandlungsart bewiesen sich, nach Hrn. ~Horn~s Versicherung, bei den meisten gefährlichen Nervenfieberkrankheiten sehr günstig, die Entscheidung der Krankheit trat bei den meisten allmählich, nach dem 9., 11. und 14. Tag ein. Sie dauerte 3–4, 5 Tage, oft länger, selten wenige Stunden. Derselbe Arzt empfiehlt in seinem Archiv für medizinische Erfahrung Heft 2, J. 1812 auch die Anwendung der kalten Sturzbäder bei den Röteln und dem Scharlachfieber, scheint aber nur bei einzelnen Krankheiten dieser Art Versuche damit gemacht zu haben“[662]. [Sidenote: _Die Kaltwasserbehandlung in der josephinischen Akademie zu Wien_] Zum Schluß seien die Worte eines Schweizer Dorfarztes ~Gabriel Rüsch~ zu Speicher im Appenzellischen aus dem Jahre 1825 angeführt, die zeigen, daß ein einfacher Landarzt ein ausgezeichneter Beobachter und tüchtiger Praktiker in der Wasserbehandlung war und diese an der Wiener Klinik zur Zeit ausgiebig und mit Erfolg angewandt wurde. [Sidenote: _Rüsch über das kalte und das laue Bad_] ~Rüsch~ schreibt: „Beim Tauchbad begiebt sich der Patient, wenn er bei gehöriger Einsicht und Kräften ist, selbst einigemal ins Wasser, bis über den Kopf; widrigenfalls pflegt man ihn auf einem starken, von vier Männern gehaltenen Leintuch in eine mit Wasser gefüllte Wanne niederzulassen, eine Minute lang unterzutauchen, den Kopf mit kaltem Wasser zu begießen, dann wieder empor zu heben, und nach zwei- bis dreimaliger Wiederholung dieses Verfahrens den Kranken gut getrocknet in das Bette zu legen. ~Hahn~, einem schlesischen Arzte, haben wir die Anwendung dieser Methode im Typhus zu verdanken, welche hernach von ~Currie~ in England, von ~Mylius~ in Rußland und seither +von vielen deutschen Ärzten mit dem größten Erfolg angewandt wurde+. Im Jahr 1817 war ich +täglich+ Zeuge, wie in der +josephinischen Akademie+ zu +Wien+, unter Leitung von ~Kasterlitz~, Typhuskranke, welche besinnungs- und sprachlos, stöhnend mit starrem Blicke und spröder Haut, ohne Ausdruck in den Gesichtszügen, als ein Bild des Todes da lagen, auf das Tauchbad wieder zur Besinnung, Bewegung und Sprache kamen, wie die Physiognomie heiterer, der Blick lebhafter, der Puls langsamer und kräftiger, Zunge und Haut feuchter wurden, wie sich darauf Schlaf, allmählicher Appetit, mehr Kräfte und Wohlbefinden einstellten, und wie einzig durch diese Methode, zweimal täglich angewandt, unter Gebrauch von Wein als Getränk, die meisten Kranken hergestellt wurden. Man suchte dabei die Temperatur des Wassers der Reizbarkeit des Körpers möglichst anzupassen und vermied sie bei Brustaffection, feuchter Haut, kritischen Bewegungen, Gefühl von Kälte und im letzten paralytischen Stadium der Krankheit. Wo Vorurteile einer solchen einfachen, heroischen Behandlung entgegen stünden, wo Gegenanzeigen vorhanden sind oder der Typhus nicht den entzündlichen Charakter hätte, wie bei dem Genius Stationarius der letzten Dezennien, da möchte wenigstens ~Ficker~s Vorschlag (Memorabilien der Heilkunde, 2. Bd. 1818. S. 92), bei übriger zweckmäßiger Behandlung den Körper mit Essig und Wasser zu waschen, anzuwenden sein, wovon er vortrefflichen Erfolg wahrnahm. Der Erfolg kühler und kalter Tauchbäder beim Typhus trug viel dazu bei, daß sie auch bei andern Krankheiten, die sich demselben annähern, häufig angewandt wurden und zwar mit glücklichem Erfolg, wie bei hitzigen Wechsel-, Gallen- und Entzündungsfiebern, Scharlach, Masern, brandiger Bräune, Gehirnfieber der Säufer u. dgl., doch ist ihre Anwendung hier im Allgemeinen sehr gewagt und noch mehr bei Brustentzündungen, rheumatischen und catarrhalischen Krankheiten, Convulsionen der Kinder, bei der Pest, dem gelben Fieber, der Wasserscheu und dem Tetanus, in welchen letzteren Fällen man auch zuweilen Genesung, oft aber auch einen plötzlichen Tod erfolgen sah. Ich verweise hierüber des näheren auf die Betrachtung der kalten und warmen Bäder, mit welchem ersterm das Tauchbad im Grunde übereinkommt.“ Das laue Bad ist nach ihm angezeigt „bei hitzigen, ansteckenden Ausschlagskrankheiten, die sich dem Typhus in so vielen Stücken annähern und in ihren bösartigen Formen auch ein wahres Bild des Typhus sind, namentlich gegen Blattern, Masern, Scharlach und ihre Modifikationen. Wenn diese gutartig sind, ist es freilich nicht nötig, und wo sie einen sehr entzündlichen Charakter haben, da ist kaltes Waschen im Ganzen dienlicher (als das laue Bad); dagegen ist es von um so größerem Nutzen (das laue Bad), je schwieriger der Ausschlag zum Ausbruch kommt wegen Unreinigkeit, Dichtigkeit und Trockenheit der Haut, je mehr die Krankheitsmaterien sich nach innern Teilen, namentlich auf die Nerven, wirft und dadurch Unruhe, Angst und Convulsionen hervorbringt, je mehr die Krankheit sich dem Typhösen nähert. Wenn der Ausschlag wegen Erkältung zurückzusinken droht, unterstützt es trefflich die Wirkung gelinder Reizmittel; es befördert die Abschuppung und verhütet und erleichtert manche Nachkrankheiten, die oft aller Sorgfalt ungeachtet dennoch erscheinen. Während der hiesigen Scharlach- und Masernepidemie 1818 und 19 hat mir das laue Bad unter angegebenen Umständen die vorzüglichsten Dienste geleistet“[88]. [Sidenote: _Die Wasserhahns_] Der von ~Rüsch~ erwähnte schlesische Arzt ~Hahn~ ist ein Mitglied der Ärztefamilie ~Hahn~, die den Gebrauch des kalten Wassers in Deutschland volkstümlich machte. Der älteste der „Wasserhahns“ war der Vater ~Siegemund Hahn~ (geb. 1664, gest. 1742), der über fünfzig Jahre in Schweidnitz als Arzt tätig war, sich noch in hohem Alter oft bei ziemlich rauher Witterung kalt badete und sein „Wasserglaubenbekenntnis“ 1732 in seinem Peterswälder Brunnen, besonders aber 1737 in der Psychrolusia veteri renovata niederlegte, die 1738 wieder vermehrt aufgelegt wurde[670]. Nach ~Küchenmeister~ führte sie den Titel „Psychroluposia vetus renovata, jam recocta. Wieder aufgewärmt Alt-Kalt Bad und Trinken, Schweidnitz 1738“[671][J]. [Sidenote: _Theden_] Der „alte“ ~Hahn~ war von großem Einfluß auf den späteren preußischen Generalchirurgen ~Theden~, dem er, wie dieser selbst erzählt, freien Zutritt und seine schriftlich gesammelten Bemerkungen zu lesen erlaubt hatte. ~Theden~ war damals Esquadronfeldscher beim Buddenbrockischen Kürassierregiment in Schweidnitz, und als 1742 ein Unteroffizier nach Beschneiden eines Leichdorns an Blutvergiftung bedenklich erkrankte, wandte er sich in Abwesenheit des Regimentsfeldschers an ~Hahn~ und behandelte den Kranken nach dessen Rat. „Ich ließ einen Eimer frisches Wasser aus dem Brunnen ziehen, tauchte das Betttuch darein, und ließ solches um den Fuß und Unterleib schlagen; der Patient schrie gewaltig, und ich zitterte gleichfalls wegen des Ausgangs und Folgen der Kur. Nichts destoweniger wiederholte ich, nach der Verordnung, das kalte Umschlagen, so bald nur das Tuch warm ward; der Kranke fing an, es besser zu vertragen, und nach einer Beschäftigung von drei Stunden mit dieser Arbeit nahm die Röte und Geschwulst ab; es erfolgte ein ruhiger Schlaf und Schweiß, und am Abend desselben Tages war aller Geschwulst weg, und ein Fuß wie der andere, ohne alle Schmerzen; dennoch fuhr ich bis zum folgenden Morgen mit Umschlagung des kalten Wassers fort“[611]. [Sidenote: _Johann Gottfried de Hahn_] Am meisten wurden ~Hahn~s Söhne vom Vater beeinflußt, von denen der zweite, ~Johann Gottfried de Hahn~, praktischer Arzt zu Breslau und Adjunkt der Leopold. Carolin. Akademie, der 1754 über die Kaltwasserbehandlung einer Faulfieberepidemie in Breslau berichtete[671], weniger hervortrat als der ältere Sohn ~Johann Siegemund Hahn~ (1696–1773), praktischer Arzt zu Schweidnitz, der des Vaters und seine Lehren im „Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers“ zusammenfaßte[670], welcher zu Lebzeiten ~Hahn~s in wenigstens sechs Auflagen erschien[K]. [Sidenote: _Die Lehre des alten Hahn_] Da ich das Buch von ~Hahn~, dem Vater, nicht erhalten konnte, gebe ich einen Auszug von ~Küchenmeister~ wieder. „Das Wasser zum Trinken, zum Waschen und Baden, meistens frisch, selten lau, dient im Sommer und Winter, in der Nacht, wie am Tage, Gesunden, vornehmlich aber Kranken. Gesunde können kalt trinken beim Aufstehen, unter und zwischen dem Essen, beim Schlafengehen und nachts; wenigstens sollte man es morgens und abends thun. Nach ~Hippokrates~ mache Wassertrinken Appetit, „gefräßig“. Manche werden dadurch verstopft, manche bekommen Stuhl, wie z.❆B. auch durch Auflegen von Eis auf den Bauch oder durch Setzen der Füße auf einen naß gemachten Marmorfußboden. — Noch mehr haben es Kranke, mehr in hitzigen, als langwierigen Fiebern nötig, frisch, überschlagen, in der Rekonvaleszenz lau. Waschen soll man sich beim Aufstehen, man schwitze oder nicht, aus einem mit recht frischem Wasser gefüllten Becken zuerst das Gesicht und das ganze Haupt mit flachen Händen, dann mit dem eingetauchten Schwamme über Arme, Brust, Rücken, Bauch und den ganzen entblößten Körper fahren, in die auf die Seite gewendeten Ohren den Schwamm drücken, auch das Wasser in die offenen Augen strömen lassen. Dann trockne man sich ab und kleide sich oberwärts an, während man den Mund mit frischem Wasser ausspült und das übrige durch die Nase zieht. Hierauf müssen auch die Schenkel ins Becken. Dieses Kaltwaschen und Trinken nannte ~Hahn~ die „kleine Gerätschaft, petit apareil“. Die „große Gerätschaft, grand apareil“ besteht in Folgendem. Man setzt sich so tief man kann in die Kühlwanne und trocknet sich alsdann ab. „Dies mache ihn so warm beim Ankleiden, daß er ihn im Winter sogar nicht ebenso sehr zum Einheitzen nöthige.“ Hat er sich oben wieder angekleidet, geht er zum Fußwaschen über, und je länger man seine Füße bis zu den Knöcheln ins Wasser setzt, um so gelenker werden die Glieder. Die „höchste Gerätschaft, haut apareil“ ist das Baden des ganzen Menschen. Da dies in Fluß und See nicht immer geht, nahm ~Hahn~ eine kupferne Wanne, zehn Ellen im Durchschnitt weit, fünf Ellen hoch, dreißig Ellen im Umfang, die zweitausend Bath faßte (also etwa eine Braupfanne), voll frischen Wassers, stellte sie in den Hof unter ein Zelt, ließ, wenn es den Leib wärmte, kaltes Wasser nachgießen und kühlen, und setzte sich bis an die Achseln hinein, darinnen mit den Händen arbeitend. „Stützt man sich auf die Arme, so fährt man auf und nieder; hält man sich zum Füßen an den Rand der Wanne, so zieht und schwimmt man fürwärts, und von dannen wird wieder abgestoßen, dahin gefahren, wo zuvor gesessen.“ Bei solchen Bewegungen, die den ganzen Körper unter Wasser setzen, schlagen die Wellen über den Kopf zusammen. „Wer sich ein paar hundert Mal in der Wanne auf- und abzieht, wird über keine Kälte des Bades zu klagen haben.“ Man bleibe eine viertel oder eine halbe Stunde nach Belieben darin, „man erfriert sich nichts“[671]. [Sidenote: _Johann Siegemund Hahn der Jüngere_] Das Buch des Sohnes ~Johann Siegemund Hahn~ übertrifft in seiner derben, volkstümlichen Sprache alle vorausgegangenen populären Schriften über Wasseranwendung, auch die des von ihm so oft angeführten ~Floyer~. „Was meine gebrauchte Schreib- und Lehr-Art betrift,“ sagt er, „so glaube ich, es sey jedweden erlaubt zureden, wie ihm der Schnabel gewachsen, und sich in seinem Vortrag einer Ordnung zu bedienen, die seinem Genio am gemäßesten ist“. Hier als Beispiel die Behandlung des Hauptwehs. „Wenn das Dach anhebt zu glimmen, kan man es oft mit einem nassen Sacke dämpffen, aber wenn die Flammen heller lichter Loh ausbrechen, muß man die beständig gießende Spritze gebrauchen: Also auch wird eine angehende geringe Hitze und daher kommender Schmertz der Schwarte meistens mit etlichen frischen Umschlägen von schlechtem Wasser gehoben; allein wenn der gantze Kopff schon so hefftig brennt, daß er wie die glüenden Dach-Ziegel in Stücken zerspringen möchte, so müssen wir immer mit kühlem Wasser drauf loß gießen, oder sich dasselbe gar, von einem Spring-Brunnen eine halbe Stunde lang über das Haupt lauffen lassen“ (Abb. 156). [Illustration: Abb. 156. Titelkupfer zu: ~Hahn~, Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers. Breßlau u. Leipzig, 1745.] [Sidenote: _Johann Siegemund Hahns Unterricht von Kraft und Wirkung des frischen Wassers_] Die Formen, in denen ~Hahn~ neben dem Trinken das kalte Wasser gebrauchte, waren Waschungen, Umschläge, Bäder, Duschen oder Übergießungen. (Unter besonderen Umständen nahm er das Wasser auch „überschlagen“.) Von den Lähmungen sagt er, sie mögen von Krämpfen oder einem Schlagfluß herrühren, „so wird nöthig seyn, nicht nur bloß die um ihre Bewegung gebrachten Glieder, sondern auch besonders das Haupt und Genicke, als wo die beyden Übeln angegriffnen Nerven entspringen und auch deren Verstopfung oder Irritation gemeiniglich den Anfang nimmt unbesorgt frisch zu waschen. Kan man den gelähmten Theil gar ins Bad setzen, so ist es noch besser, am allerbesten aber thut die Embrocation, da man das Wasser (aber nicht, wie sonst dabey gewöhnlich, warm, sondern gantz frisch) von einer gewissen Höhe auf das mit hiezu verfertigten Schwamm-Kappen verwahrte Haupt und die mit leinen Tüchern umgebne (oder auch gantz nackte) Glieder eine Weile herab träufelt oder gießet; denn da darf man nicht besorgen, daß, wie vom allzu langen Verweilen im Baden geschehen könnte, eine gar zu heftige Abkühlung und Auslöschung der natürlichen Lebens-Wärmde davon entstehen würde, sondern die beym Angießen vorgehende starcke Bewegung und Andrückung des Wassers wird vielmehr auch den erstarrten Gliedern eine angenehme Erwärmung verschaffen, und über dieses auch Ursache seyn, daß die angebrachten Feuchtigkeiten desto tiefer durch die Haut hinein dringen, und geschwinder und nachdrücklicher werden würcken können. ~Hippokrates~ sagte daher schon, daß das viele Übergießen mit frischem Wasser die Wärmde wiederbringe, die Wärmde aber heile den Krampf und Steifigkeit des Genickes, lindre die Convulsiones. Wird aber irgendswo Zeit und Gedult erfordert, so ist es bey diesen Zufällen und ihrer Cur, welche nicht Tage, sondern Monate, ja oft Jahre erfordert, vonnöthen; denn selten wird ein solcher Patient, wie neulich erst einem von heftigem Reißen gelähmten 20 jährigen Menschen vom frischen Waschen wiederfahren, innerhalb 8 Tagen restituirt. Doch wenn man bald Anfangs, da der reißende Schmertz sich wittert, dem kürtzlich von einer vornehmen Dame einigen ihrer angefallnen Unterthanen gegebenen Rathe zu folge, die wehthuenden Glieder eine halbe Stunde lang unter der Pumpe mit frischem Wasser überlaufen ließe, so würde man so wohl als diese den Anfall bald abwenden, und so gar der Contractur zuvor kommen.“ Aus dieser Schilderung geht hervor, daß ~Hahn~ den Kollaps bei zu langem kalten Baden kannte[L], daß er aber auch, wie schon sein Vater, wußte, durch kaltes Wasser lasse sich eine angenehme Erwärmung des Körpers hervorbringen. Übrigens hat er sein sechstes Kapitel überschrieben: „Des frischen Wassers Kraft die erkälteten Glieder wieder zu erwärmen.“ Außer Infektionskrankheiten behandelte ~Hahn~ namentlich chirurgische Erkrankungen, Wassersucht, Lähmungen, Gicht, englische Krankheit und Hautkrankheiten. Vor allem lag es ihm daran, im Volke bestehende Vorurteile zu beseitigen, so den Glauben „alter Weiber“, die Rose dürfe man nicht netzen, die Annahme, durch kaltes Waschen könnten böse Säfte zurückgetrieben werden oder beim Haupte gar ein Schlagfluß erfolgen. Er wies auch darauf hin, daß da, wo das Volk das kalte Wasser in Verbindung mit einem Aberglauben schon gebrauchte, es auch ohne diesen wirke. „Einige mischen statt der Artzeney (die ~Hahn~ zuweilen gab) ein wenig Aberglauben mit zur Cur, wie diejenigen, welche davor halten, die Krätze könne vom kalten Baden nicht vergehn, wenn solches nicht am Charfreytage geschähe. Ein mit dergleichen Aberglauben so starck als mit der Krätze behaffteter Mann und 2 Weibs-Personen verfügten sich an einem Char-Freytage in den Bach, der etliche hundert Schritte von ihrer Wohnung entfernt war, badeten darinnen in ihren Hemdern, welche sie anbehielten, giengen also ungetrocknet nach Hause, legten sich zu Bette und wurden völlig rein; da hieß es nun wohl nicht, dein Glaube, sondern allein das Wasser hat dir geholffen.“ [Sidenote: _Scheuchzer / Hofmann / Johann Siegemund Hahns Unterricht_] Ferner trat ~Hahn~ der herrschenden Mode entgegen, in Mineralbäder auch in Fällen zu ziehen, wo das einfache kalte Wasser ebenso oder besser wirkte. Seine Stellung zu den Mineralbädern ist schon durch den Titelholzschnitt seines Buches (Abb. 156) gekennzeichnet; denn die Unterschrift stellt nichts anderes als eine Verhöhnung derunter dem Namen der Amusements de N. N. erschienenen Badeschriften dar. Übrigens hatten schon der Züricher Stadtarzt ~Scheuchzer~ und der hallische Professor ~Hofmann~ (den ~Hahn~ auch anführt) darauf hingewiesen, daß die Wirkung der Mineralbäder in erster Linie dem Wasser zukomme und zahlreiche sogenannte Mineralbäder sich in nichts vom gemeinen Wasser unterschieden[383]. ~Hahn~ sagt: „Nebst diesen ist noch zu erinnern, daß diejenigen, welche das frische Wasser-Trincken als eine schädliche Sache verwerfen, sich öfters mit der That selbst widersprechen, indem ja die meisten derselben ihre Patienten, auch in solchen Zufällen, da eben keine sonderliche Hitze, eine außerordentliche Abkühlung erfordert, in die Brunnen reisen und sich daselbst das kalte mineralische Wasser in großer Menge bis zum Schauer eingießen lassen. Hat denn dieses weniger Kraft zu erkälten, als das sogenannte schlechte. Ich dächte, jenes sauren Spiritus, (dergleichen ich aus dem Pyrmonter-Brunne per simplicem destillationem seines Saltzes in retorta, selbst heraus gebraucht,) vitriolische und Salpeterhafte Theilgen, so mit ihm vermischt sind, solten es eher kühlender machen, als das, so mit dergleichen nicht beladen ist. Doch mineralische Wasser heißen Gesund-Brunnen, darum müssen sie ja gesünder seyn, als die, so diesen Namen nicht führen; das andre nennt man gemeines, ja gar, in Ansehung der itzt gemeldeten, wildes Wasser, daher muß es auch geringe Würckung haben und nur vor wilde Bestien, nicht aber vor vernünftige Menschen gehören. Zwar wollen wir immerhin mit den Thieren (so die mineralische Wasser kaum bey dem heftigsten Durste trincken mögen), schlecht Geträncke genießen, wenn wir nur auch mit ihnen frisch und gesund leben können, ohne uns zu bekümmern, ob andre, die nichts, als was seltsam ist, hochachten, dadurch ihre Gesundheit verkünsteln. Mir scheinet es wenigstens sehr wahrscheinlich, daß, da die mineralischen Wasser meist in unwegsame Örter relegirt sind, solches eine vorsichtige Behutsamkeit des allerweisesten Schöpfers andeute, welcher gewolt, daß solche Brunnen schwer zu finden und zu erreichen seyn, damit nicht die Menschen sich derselben ohne Unterscheid und genugsamen Vorsicht bedienen und sich dadurch Schaden zuziehen möchten, wie denn auch die verständigen Liebhaber mineralischer Wasser gestehn müssen, daß dieselben mit kluger Vorsicht müsten gebraucht werden, weil sie sonst schädlich seyn würden, wie selbst vom berührten Achner Gesund-Brunn der Auctor des Zeitvertreibs bey den Wassern zu Achen pag. m. 175. gestehet, daß wer sie ohne Vorbedacht genießet, sich vielen Zufällen unterwerfen würde. Julii Caesaris sonst gesunde Armee fiel auf einen mineralischen Brunnen, und wurde davon in kurtzer Zeit räudig. Genung, wir glauben wenigstens mit dem gemeinen kalten Wasser eben so viel, wo nicht mehr Gutes in allerley Kranckheiten auszurichten, als man von dem andern nur immer erwarten mag. Und ich glaube gar gerne, was ein guter Freund muthmaste, nemlich, wenn die gantze Welt voll bittrer und Sauer-Brunnen, aber nur ein eintziger süßer Quell im äußersten Monomotapa zu finden wäre, so würde man vor eine kleine Bouteille von diesem gantz willig mehr denn einen Ducaten bezahlen. Aber weil schlecht Wasser überall fleußt, und weil es umsonst zu haben, so meynt man, daß es auch von schlechter Kraft seyn müsse, und man setzt also ein größer Vertrauen auf solche Sachen, welche schwer und mit großen Kosten zu erlangen sind, und welche mit vieler meist unnöthigen Mühe erst zusammen gesetzt und mit großprahlenden Titeln belegt worden. Der ehrliche ~Lucanus~ sucht uns vernünftigere Gedancken beyzubringen, wenn er schreibt: discite quam parvo etc. „Lernt der Natur gemäß von wenigen zu leben; Ein goldener Pocal mit alten Wein gefüllt, Hilft nicht den Krancken auf; was in dem Bache quillt, Und Brod ist schon genung, uns LebensKraft zu geben.““ ~Hahn~ war durchaus trotz seiner teilweise sogar übertriebenen Wasseranwendung kein einseitiger Wasserspezialist. Er bediente sich, wie er selbst sagt, zugänglicher (obschon nicht überflüssiger) Medikamente. Auch die Anempfehlung und der eigene Gebrauch des Wassertrinkens hatte ihn nicht zum Totalabstinenten gemacht. Er schließt sein Buch: „Je zeitlicher aber ein Mensch anhebt das frische Wasser bey gesunden oder ungesunden Tagen zum Trincken und Waschen zu gebrauchen, desto mehr Nutzen wird er davon verspühren; doch ist es auch im Alter nie zu spät, sich daran zu gewöhnen; man fange also in der Wiege schon an, und höre damit nicht eher auf, als im Grabe. Wer aber zur Freude und Abwechselung zuweilen beym Wasser-Trincken ein Gläßgen Wein bescheid zu thun Lust hat, dem will ich solches mit einem hertzlichen Prosit gesegnen, denn immer einerley gebrauchen verursacht leicht Überdruß: Allezeit Wasser oder Wein trincken ist nicht lustig, sondern zuweilen Wein, zuweilen Wasser trincken, das ist lustig.“ Der Ruf der Wasserhahns muß ein bedeutender gewesen sein. Das Vertrauen, was der Militärarzt ~Theden~ dem alten ~Hahn~ entgegen brachte, spricht sattsam dafür, auch schreibt der jüngere ~Hahn~, daß „viel gelehrte und erfahrne Practici, nebst vernünftigen und gewissenhaften Chirurgis in unsren und umliegenden Gegenden, sich bey ihren Krancken des frischen Wassers äußerlich und innerlich gebrauchen, und seine Kraft gar unvergleichlich befinden“. Aber die ~Hahn~s waren auch außerhalb Schlesiens Grenzen bekannt. Das Buch des jüngeren ~Hahn~ ist heute noch, auch in den älteren Auflagen, in zahlreichen Exemplaren und auf den meisten Bibliotheken vorhanden. Der jüngere ~Johann Siegemund~ erwähnt die Freunde der Wasserbehandlung, „unter denen besonders den weyl. hoch-berühmten Herrn Geheimden Rath ~Hofmann~ (den schon genannten Professor) in Halle anzuführen mir die Freyheit nehme, als welcher nicht alleine selbst in öffentlichen Schriften die Heilsamkeit des Wassers aufs gründlichste erwiesen, sondern auch in einem an meinen geliebten Bruder in Breßlau abgelassenen eigenhändigen Schreiben, sein Vergnügen bezeuget, weil er +von vielen Reisenden vernommen, daß wir hier zu Lande mit gelinden Mitteln, besonders dem Gebrauch des Wassers, denen Krancken nicht geringe Dienste leisteten+“[670]. ~Baldinger~, ein Marburger Medizinprofessor, schrieb 1792: „Wer kennt nicht wenigstens das, was ~Anton Musa~, ~Floyer~, ~Hahn~ und ~Friedrich Hofmann~ mit Wasser thaten. Und ~Theeden~s und ~Schmucker~s Anwendung des kalten Wassers hat allgemeinen Beifall gefunden, und viele Menschen sind dadurch gerettet worden, die sonst ohne Rettung verloren waren. Mit Recht nannte schon ~Friedrich Hofmann~ das Wasser eine medicina universalis. Und dieser Arzt, die Zierde der Ärzte Teutschlands, erweckte in seinem Vaterlande allgemeinen Sinn vor die Wirkungen des kalten Wassers und ermunterte dadurch zuerst seine Schüler und Nachfolger zu dessen häufigen Gebrauch“[650]. [Sidenote: _Baldinger / Schmucker_] Der von ~Baldinger~ genannte ~Schmucker~ war der Vorgänger ~Theden~s als preußischer Generalchirurg. Nach ~Reuss~ wurde auch er durch die Beobachtungen der ~Hahn~s aufgemuntert, „die Fomentationen mit kaltem Wasser, welches er zur Erhöhung der Kälte noch mit Salpeter, Salmiak und Essig versetzten ließ, bei allen Kopfverletzungen und andern Contusionen, während den zwei schlesischen Kriegen zu versuchen. Diese haben durch ihn auch eine so große Reputation erhalten, daß sie seitdem unter der Benennung „die ~Schmucker~ischen Fomentationen“ allgemein bekannt sind und bei ähnlichen Vorfällen gebraucht werden“ (1822)[662]. [Sidenote: _Paré / Lombard / Percy_] Andere Chirurgen entnahmen die Wasseranwendung für ihre Kunst direkt dem Volksbrauche unter Weglassung des Aberglaubens. Der berühmte ~Ambrosius Paré~ hatte bei der Belagerung von Metz 1553 den Verdruß, daß ihm der Meister ~Doublet~, welcher das Verbandwasser zu beschwören verstand und nach dem Zeugnisse von Zeitgenossen selbst die schwersten Verletzungen damit heilte, von den Verwundeten vorgezogen wurde. Ich bezweifelte nicht, sagt ~Paré~, daß man Wunden mit reinem Wasser heilen kann, wenn man vorher über dasselbe gewisse Worte gesprochen und die Leinwand in Kreuzesform in dasselbe getaucht hat, aber es sind weder die Worte, noch das Kreuz, sondern das Wasser allein, weil es die Wunde reinigt und der Entzündung entgegen wirkt. Als 1785 in Straßburg bei Prüfung von Artilleriewaffen viele Soldaten bedeutend verwundet und in das unter ~Lombard~ und ~Percy~ stehende Hospital gebracht wurden, erbot sich ein Müller, die Verwundeten mit einem von ihm unfehlbar gemachten Wasser zu heilen, und erfüllte zur Verwunderung aller sein Versprechen. Obgleich der Müller sein Wasser mit allerlei Beschwörungen[M] zugerichtet und auch eine Kleinigkeit von Alaun zugesetzt hatte, so schrieben ~Lombard~ und ~Percy~ die Erfolge dem Wasser allein zu und stellten später Versuche an, deren günstiges Resultat beide veröffentlichten[672]. [Sidenote: _Langenbeck_] Zum Schluß muß ich die Worte eines Chirurgen aus Vorprießnitzscher Zeit, des Göttinger Professors ~Langenbeck~, anführen, der 1822 unter seinen Ratschlägen, Frostbeulen zu vermeiden, folgendes schreibt: „Man wasche Hände, Gesicht und Füße kalt, bürste oder reibe dabei Hände und Füße, worauf eine angenehme Wärme folgt. Was das kalte Waschen der Füße anbetrifft, so kann sich freilich nicht jeder dazu verstehn; indessen sichern gehöriges Abtrocknen und Reiben vor den Nachteilen, die darauf folgen können. Die Füße werden nie wärmer, als wenn man sie nur in kaltes Wasser taucht, tüchtig reibt und dann Strümpfe anzieht. Wer daran gewohnt ist, wird bald den guten Einfluß auf den ganzen Körper bemerken. Ich wasche alle Morgen meinen ganzen Körper kalt und empfinde darnach eine allgemein verbreitete Wärme, bekomme eine große Leichtigkeit, ein äußerst behagliches Gefühl und kenne keinen Rheumatismus. Wer gesund ist, wird beim mäßigen Leben, beim Genuß weniger und nahrhafter Speisen, einfacher Kost, und wenn er dem Bacchus und der Venus nicht zu häufige Opfer bringt, bei kaltem Waschen gesund bleiben und keinen Rheumatismus bekommen, weil das kalte Waschen die Haut stärkt und die zu große Empfindlichkeit aufhebt“[665]. [Sidenote: _May / Marcard / Offterdinger_] Die inneren Mediziner waren bestrebt, die Wasseranwendung zu vervollkommnen, namentlich Anzeigen und Gegenanzeigen aufzustellen, Mißbräuche zu bekämpfen, besonders aber bei der Behandlung zu individualisieren. Der Warnung über den Mißbrauch der kalten Bäder durch den Heidelberger Professor ~May~ (S. 47) und der Vorschriften über den vernünftigen Gebrauch des unter dem Namen Tauchbad gebrauchten kalten Bassinbades von seiten des Pyrmonter Badearztes ~Marcard~ (S. 48 ff.) ist schon gedacht worden. Neben diesen Ärzten sind drei besonders hervorzuheben, der Kanstatter Physikus ~Georg Gottlieb Offterdinger~, ~Brandis~, Badearzt zu Driburg, später Professor in Kiel (als solcher gab er ein Buch über Kaltwasserbehandlung der Infektionskrankheiten heraus[673]) und ~Samuel Hahnemann~, der spätere Homöopath. ~Offterdinger~ sagt 1782 bei Besprechung der Krankheiten, die wir heute mit dem allgemeinen Ausdruck Nervenschwäche bezeichnen, in seiner „Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine Gesundheit“: „Man sollte sich einmal bereden können, daß nicht alle Krankheiten blos durch Arzneien zu heilen sind, und daß bei vielen chronischen die Bewegung und eine dienliche Lebensordnung öfters mehr ausrichten, als alle Mittel aus der Apothek, und daß eben diese beiden heilsamen Mittel, gleich wie sie die vornehmsten Stützen zur Aufrechthaltung der menschlichen Gesundheit sind, auch in allen denjenigen Übeln, welche mit einem gehinderten Umlauf des Geblüts in den Eingeweiden, dem Kopfe, der Brust, dem Unterleib, einer Verstopfung derselben, dergleichen die meisten chronischen oder mit einer Schwachheit und Empfindlichkeit der Nerven verbundenen sind, auch die wahren und zuverlässigsten zur Wiederherstellung derselben abgeben ... Allein nicht nur die Bewegung, sondern auch die Bäder sind von der herrlichsten Würkung. Man gebraucht sie nach Beschaffenheit der Umstände, wärmlicht, lau, und bleibt so lange darinnen sitzen, bis sie kalt sind, oder wenn die Empfindlichkeit der Nerven nicht gar zu groß ist, gar kalt. Ich habe nicht nötig, daß ich die verdienten Lobsprüche derselben wiederhole, welche ihnen Herr ~Tissot~ und andere große Ärzte schon längst gegeben haben, und ich sage nicht zuviel, wenn ich behaupte, daß die Bewegung, die Bäder und eine taugliche Lebensordnung allein hinreichend sind, dieses öfters verzweifelte Übel zu heben, insonderheit in dem Fall, da die allzustarke Empfindlichkeit der Nerven die vornehmste Ursache davon ist, oder wenn nur noch keine unheilbaren Fehler in den festen Teilen vorhanden sind: Zu eben diesem Zweck dienen auch die kalten Fußbäder, womit man allenfalls den Anfang machen kann, und ich kann nicht umhin, hier den ungemeinen Nutzen des kalten Wassers, wenn man alle Teile des Leibes, hauptsächlich den Unterleib, die Brust, den Kopf, den Rückgrad, Morgens und Nachts vorm Schlafen stark damit reibet, aufs äußerste anzurühmen, welches in allen denjenigen Fällen, da die kalten Bäder noch zu reizend sind, deren Stelle anfangs vertreten kann. Viele bereden sich, daß die Bäder überhaupt ihrer Natur nicht taugen, allein es ist dies ein irriges Vorurteil. Man kann sie unstreitig nach eines jeden Temperaments und Leibesbeschaffenheit einrichten, einige haben sie lau, andere kälter, andere ganz kalt nötig, und der Erfolg wird dieses am besten anzeigen, auch muß man, wenn sie stärken sollen, nicht darauf ins Bett liegen und schwitzen, wol aber auf dasselbe“[633]. [Sidenote: _Brandis_] ~Brandis~ schreibt 1792: „~Friedrich Hofmann~, ~Tissot~, ~Maret~, ~Marteau~ und ~William Falconer~ haben sehr viel Gutes über die Bäder überhaupt, ~Floyer~, ~Hahn~, ~Marcus Herz~ und ~Ferro~ vortrefflich über kalte Bäder geschrieben: aber gewiß haben alle doch noch manches übrig gelassen, was den Gebrauch dieses äußerst wichtigen Heilmittels bestimmter, sicherer und wahrscheinlich allgemeiner machen kann ... [Sidenote: _Brandis Ansichten über Kälteanwendung_] Sowohl als Vorbauungsmittel gegen Krankheiten, als auch als Heilmittel, sind Bäder eine der wirksamsten Arzneien, werden daher aber auch oft, wie alle wirksamen Arzneien, zu großem Nachteile Kranker und Gesunder äußerst gemißbraucht. Wer sich schwach glaubt, setzt oft sein ganzes Heil in den Gebrauch kalter Bäder, friert in denselben täglich Stunden und länger durch, und kommt vielleicht, wenn seine Nerven noch weit empfindlicher und seine Fasern weit reizbarer geworden sind, von seinem schädlichen Wahne zurück, daß dieses seine Panacee sei, durch die er in kurzer Zeit einem Herkules oder Milon gleich werden könnte ... Daher ist es, vorzüglich für reizbare, schwächliche Personen, eine äußerst wichtige Regel, diese Heilmittel nicht ohne Zuraten eines erfahrnen, aufgeklärten Arztes zu gebrauchen.“ ~Brandis~ führt dann aus, daß beim kalten Bade die Kälte die Hauptsache sei, durch den starken Reiz der Kälte würden die Haut und mit dieser consensualisch die übrigen festen Teile des Körpers, vorzüglich aber die auf der Oberfläche überall verbreiteten kleineren Gefäße schnell zusammengezogen. Das vorher in ihnen enthaltene Blut habe nicht mehr Raum in ihnen und werde mit großer Schnelligkeit in die größeren Gefäße nach dem Herzen zurückgetrieben. „Auf das Nervensystem wirkt die plötzliche Kälte als ein heftiger Reiz. Allgemeines Zittern, vorzüglich Zahnklappern, sind die sichtbaren Folgen davon. Läßt die Kälte bald nach, oder haben die größern Gefäße Kraft genug, den Widerstand des Kreislaufs auf der Oberfläche zu überwinden: so treiben sie das Blut, durch die größere Menge desselben gereizt, mit verdoppelter Gewalt nach der Oberfläche zurück, es entsteht eine allgemein vermehrte Wärme über den ganzen Körper, die zuletzt eine sehr vermehrte Transspiration hervorbringt ... In alle diesem siehet man ganz den Verlauf eines künstlichen Fiebers; und alles Gute, was man von einem Fieber erwarten kann, wird auch ein sehr kaltes Bad bewürken[N]. Hartnäckige Verstopfungen der Gefäße und beträchtliche Hindernisse, die irgendwo dem freien Kreislaufe der Säfte im Wege stehen, werden dadurch aufgehoben; träger Kreislauf, der auf die flüssigen Teile nicht hinlänglich wirkt, sie nicht genug bereitet und animalisiert, erhält dadurch eine neue Kraft, dieses Geschäft gehörig zu verrichten; die Fiber wird dichter, gespannter und elastischer. Durch die darauf folgende häufige Transspiration werden viele unnütze wäßrige Feuchtigkeiten aus den Säften ausgeschieden ...“ Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, daß die kalten Kopfbäder zur Zeit „oft gebraucht und gemißbraucht“ wurden. Ganz hartnäckige Kopfschmerzen schwanden häufig durch das äußerst schmerzhafte kalte Tropfbad auf den geschorenen Scheitel. „Kalte Bäder gehören daher ohne Zweifel unter die wirksamsten Mittel, aber müssen auch mit äußerster Vorsicht und genauer Rücksicht auf alle Nebenumstände angewandt werden. Ärzte, die der Idee von Schwäche nur allzeit die freilich leicht zu findende Cur von Stärkung und Zusammenziehung der Faser entgegensetzen, werden kalte Bäder sehr oft mißbrauchen. Ein ganz kaltes Bad, das alle die oben beschriebenen Wirkungen in ihrer völligen Stärke hervorbringt, hat daher nur bei solchen Personen statt, deren Kraft des Herzens und der innern Gefäße stark genug ist, den durch die Kälte hervorgebrachten Widerstand der Gefäße auf der Oberfläche zu überwinden. Daher ist für schwache und alte Personen ein ganz kaltes Bad sehr gefährlich, eben so sehr für solche, bei denen man irgend eine Verletzung oder lokale Schwäche eines innern Teils, z.❆B. Fehler in den Lungen, zu großen Drang des Blutes nach dem Kopfe, Neigung zum Schlage, beträchtliche Verstopfungen im Unterleibe u.❆s.❆w. vermuten kann. Auch für sehr vollblütige, bei denen die Masse der Säfte zu groß ist, als daß sie von den Gefäßen bequem könnten im Umlauf erhalten werden; für alle, deren Nervensystem sehr reizbar ist, ihre Fasern mögen auch immer noch so schlaff sein, werden kalte Bäder, wenigstens anfangs, nie ein zweckmäßiges Mittel sein. Die Reizbarkeit wird durch die Kälte immer vermehrt und die ganze Maschine dadurch äußerst zerrüttet werden. Ich habe Gelegenheit gehabt, mehrere traurige Fälle von der Art zu sehen. Vorzüglich hat man sich aber bei der örtlichen Anwendung der Kälte sehr zu hüten, daß man nicht die Lebenskraft in dem Teile durch die Kälte ganz unterdrückt, wo man der Faser nur mehr Zusammenziehung und mehr Kraft geben wollte. Vorzüglich gilt dieses von den äußersten Teilen, die vom Herzen weiter entfernt sind. Hier hat es immer mehr Schwirigkeit, daß die ganze Wirkung des kalten Bades hervorgebracht werde. Die Gefäße werden zwar schnell zusammengezogen und den Nerven ein heftiger Reiz mitgeteilt, das Herz wird aber von dieser partialen Zusammenziehung nicht hinlänglich gereizt, um den Widerstand zu überwinden und eine schnellere Circulation in den Teilen zu bewirken. Daher kann durch eine unbedachtsame Anwendung kalter Bäder an solche einzelne entfernte Stellen, z.❆B. die Füße, der Blutumlauf und die Lebenskraft ganz unterdrückt werden ... Dahingegen ist das ganz kalte Bad für jüngere Personen von schlaffer und untätiger Faser, mit weniger reizbarem Nervensysteme, die an hartnäckigen Verstopfungen, zu häufigen Secretionen, Lähmung und Atonie irgend eines Teils leiden, das wirksamste Stärkungsmittel; und ich bin überzeugt, daß ~Floyer~ und ~Hahn~ nicht zu viel von der Wirksamkeit dieses vortrefflichen Mittels gesagt haben, daß von vielen Ärzten wol bei weitem nicht häufig genug angewandt wird. Auch für empfindsamere Personen kann man kalte Bäder im Notfalle anwendbar machen, da man nach Willkür den Wärmegrad desselben der Empfindsamkeit des Kranken angemessen machen kann. Je mehr sich die Wärme der von 80° (Fahrenheit) nähert, desto gelinder wird begreiflich der Reiz, aber desto geringer auch die Zusammenziehung der Gefäße, desto mehr nähern sich die Wirkungen desselben denen eines lauen Bades. Bei sehr empfindsamen Personen ist es am ratsamsten, sich an kalte Bäder nach und nach zu gewöhnen, mit einem kühlen oder gar lauen Bade anzufangen, und dasselbe, wenn sie einige Zeit darin zugebracht haben, durch Zugießen von kaltem Wasser kälter zu machen und den nächsten Tag die Kälte des Bades gleich anfangs zu verstärken. ~Tissot~ sah von dieser Methode bei äußerst empfindsamen Personen vortreffliche Wirkung, und ich habe mich derselben Art, die kalten Bäder anzuwenden, gleichfalls sehr oft mit den besten Wirkungen bedient ... Kalte Bäder dürfen bei weitem nicht so lange gebraucht werden (als die lauwarmen). Bei den meisten, wo man blos Erschütterung des Nervensystems und Zusammenziehung der festen Teile zum Zwecke hat, ist ein Aufenthalt von zwei bis drei, höchstens von fünf bis sechs Minuten hinlänglich; nur in einzelnen Fällen, wo man durch das Bad noch andere Zwecke, z.❆B. auf die Haut unmittelbar in Ausschlägen, Flechten, weißem Flusse u. dgl., oder um sehr hartnäckige Verstopfungen aufzulösen, erreichen will, kann man den Aufenthalt verlängern ... [Sidenote: _Brandis Ansicht über die kalte Dusche_] Bei Tropfbad und Douche ist der Zweck, durch die größere Gewalt, womit das Wasser auf einzelne Teile gespritzt wird, diesen Teilen einen besondern Reiz mitzuteilen, die lebendige Faser zu einer tätigen Zusammenziehung zu reizen und die Nervenkraft mehr zu beleben. Nach der Höhe, von welcher das Wasser herunterfällt, oder nach der Kraft, mit welcher es auf den einzelnen Teil aufgespritzt wird, und nach dem dickern oder dünnern Strahle des aufgestossenen Wassers, kann dieser Reiz von der Heftigkeit des größten Schmerzes, dem Röte und Entzündung der Haut folgt, bis zu dem Gefühl einer geringen Gewalt modificirt werden. An Absorption ist, wenigstens bei einer etwas beträchtlichen Gewalt, wol nicht zu denken; und geschieht sie, so wird sie in dem leidenden Teile, auf welchen man wirken will, schwerlich unmittelbare Veränderungen hervorbringen. Die Bestandteile des aufgespritzten Wassers kommen also wol schwerlich bei Tropfbad und Douche in weitern Betracht, also insofern sie auf die Haut unmittelbar wirken. Wichtiger ist dabei die Temperatur des Wassers. Kälte und große Wärme vermehren den Reiz beträchtlich und auf verschiedene Art. Der Reiz dieser Bäder ist aber ganz besonders, und vielleicht einer der wirksamsten, die der Arzt anwenden kann ... Diese mechanische Gewalt erschüttert jede Faser, jedes Gefäß und jeden Nerven des Teils, auf welchen man wirken will, gleich stark. Daher ist es sehr begreiflich, daß man durch ihn Wirkungen hervorbringen kann, die man von allen andern Reizmitteln vergebens erwarten würde. Die Oscillation der kleinsten Gefäße des Teils wird durch diesen Reiz beträchtlich vermehrt, und bei großer Stärke desselben entsteht selbst Röte und Entzündung; bei minderer Heftigkeit ist eine sehr häufige Transspiration des einzelnen Teils die Folge davon. Stockungen in den kleinen Gefäßen müssen also sehr wirksam aufgelöset und jedes derselben zur freien Circulation der Säfte wieder geöffnet werden. Daher ist die Douche bei sehr hartnäckigen chronischen Rheumatismen eins der wirksamsten Mittel. Auch die resorbirenden Gefäße werden zu neuer Tätigkeit angereizt und in den Stand gesetzt, stockende Säfte aus dem Zellgewebe oder andern Behältern wieder einzusaugen und in den allgemeinen Kreislauf zurückzuführen. Daher ist die Douche oft das einzige Heilmittel in kalten Geschwülsten, vorzüglich aber in den oft so gefährlichen Geschwülsten der Gelenke (white swellings) und in Lähmungen, die von einem zu häufig ergossenen, verdorbenen oder verhärteten Gliedwasser herrühren, Anchylosen u. dgl. Besonders wohlthätig ist dieser Reiz aber oft den einzelnen Nerven, die dadurch wirksamer als durch irgend ein anderes Reizmittel in Thätigkeit gesetzt werden und sich vielleicht schädlicher Materien, die sich auf dieselben geworfen haben, auf eine dem Physiologen freilich noch unerklärbare Art entledigen. In verschiedenen Arten Nervenkopfweh, Schwindel, Melancholie, Lähmung einzelner Teile, in krampfhaften Ziehungen einzelner Teile, z.❆B. des Kopfs, in Schwindung einzelner Glieder, in Schwäche einzelner Teile von unordentlicher Einwirkung der Nerven, z.❆B. der Zeugungsteile, und den so mancherlei daher rührenden Übeln, sind Tropfbäder und Douche ein über alle Maßen wirksames Heilmittel, das oft da eine wohlthätige Heilung hervorbringt, wo sich die erfahrensten Ärzte an wirksamen Mitteln vergebens erschöpft hatten. Auf den Grad des Reizes kommt bei Anwendung dieses heilsamen Mittels alles an; durch plötzliche heftige Anwendung der ganzen Kraft desselben kann man vielleicht den noch übrigen Lebensfunken ganz ersticken oder das Übel sehr vermehren, wo man mit einem gelindern Reize völlige Heilung würde hervorgebracht haben. Diesen Grad zu bestimmen, kann bloß der Erfahrung und Einsicht des Arztes überlassen werden, der durch öftere Beobachtungen ähnlicher Fälle und durch genaue Kenntnis der Kräfte der Werkzeuge, der Reizbarkeit und Empfindsamkeit des Kranken, der Temperatur des aufzugießenden Wassers usw. in den Stand gesetzt ist, richtig darüber zu urteilen“[674]. [Sidenote: _Samuel Hahnemann_] ~Hahnemann~ schrieb ein Buch, alte Schäden und faule Geschwüre zu heilen, in dem er neben einer örtlichen Behandlung eine Kaltwasserkur des ganzen Körpers vorschlug. [Sidenote: _Hahnemanns Kaltwasserbehandlung_] „Wenn man irgend eine allgemein hülfreiche Arznei hätte, so würde es Wasser sein. Meine Kranken mit alten Geschwüren kann ich ohne kaltes Bad nicht heilen, nicht dauerhaft heilen, die Kälte an sich scheint nicht nur als stärkend zusammenziehendes Mittel, sondern auch als ein fäulungswidriges hiebei zu wirken. Man kann die Heilkraft der Kälte auf keine Art so lokal anwenden, als durch den Gebrauch kalter Bäder, eine Anwendung, die der ganzen Gradleiter des Wärmemessers fähig ist, ohne übrigen Nachteil und ohne Kosten. Anfangs lasse ich, der Schade mag an irgend einem Teile des Körpers sein, Wasser von funfzig Grad fahrenheitischer Wärme zum Fußbade blos über die Knöchel alle Abende vor Schlafengehn sechs Minuten lang unter beständiger Bewegung des Wassers nehmen. Dies ist der geringste Grad des stärkenden Bades, welches selbst Kranken von äußerster Schwäche diensam und nicht beschwerlich ist, ich erhöhe es von Zeit zu Zeit immer mehr und mehr, selbst wenn das Geschwüre am Fuße ist, und so steige ich, nach Beschaffenheit der anwachsenden Kräfte und der Güte der Wunde, nach und nach bis zum ganzen Bade, auf funfzehn Minuten Dauer, bis zu dreien Malen des Tags, früh vor Einnahme des Frühstücks, zwei Stunden nach dem Mittagsessen und eine halbe Stunde vor Schlafengehn, auf vierzig, dreißig und selbst zwanzig Grad fahrenheitischer Wärme des Wassers. Dies sind die höchsten Grade. Da diese Genauigkeit bei Bädern von fließendem Wasser nie angebracht werden kann, so muß, einmal für allemal gesagt, durch stete Bewegung des Wassers die Kälte des Bades immer in Gleichförmigkeit erhalten werden, und selbst die Menge des dazu nötigen Wassers darf in dieser Absicht nicht geringe sein, wenn das Stubenbad alle Vorteile eines Flußbades erreichen soll. Die Grade des kalten Bades und die steigende Bewegung des Körpers müssen mit der Zunahme der Kräfte in gleichen Schritten fortgehn. Es lassen sich bei so angestellter Badekur so viel Grade der Erhöhung anbringen, daß auch der schwächste Körper ohne die mindeste Erschütterung seines Gefühls nach und nach bis zur höchsten Staffel steigen kann, wenn genaue Vorschriften des Arztes und die pünktlichste Folgsamkeit des Kranken verbunden werden. Ich habe noch nie aufhören können, mich zu verwundern, wie unsre größten Ärzte bei Vorschreibung der stärkenden Kur so nachlässig in Bestimmung des kalten Bades haben sein können. Man brauche halbe oder ganze Bäder früh oder auch abends, das ist der Inbegriff ihrer Vorschriften. Von den Graden der Kälte, der genauen Dauer des Bades und den übrigen unentbehrlichen Bestimmungen kein Wort. Alle Verwunderung über den so häufigen durch kalte Bäder angerichteten Nachteil auf die Gesundheit hört so gleich auf, wenn man bedenkt, wie viel zweckwidrige Anwendungen des kalten Wassers durch so verstümmelt hingeworfene, dreisilbige Vorschriften haben können hervorgebracht werden. Der entkräftete Siechling warf sich Stunden lang in Schneewasser, um durch heroische Befolgung unbestimmter Vorschriften jenen großen Männern Ehre zu machen, und man zog ihn ohnmächtig, durch Krampf erstarrt, vom Schlage gelähmt, oder bis zum Faulfieber erkältet wieder heraus, oft auch wohl tot. Kann mans dem wolthätigen Eisen beimessen, daß sich das unmündige Kind die Adern öffnete, oder ist vielmehr die Nachlässigkeit seiner Aufseher und Gesetzgeber anzuklagen. Man kann bei Aufzeichnung der Gebrauchsregeln kräftiger Heilmittel nicht pünktlich und umständlich genug zu Werke gehn, an nachläßiger Befolgung wirds demungeacht nie fehlen. Diese Unbestimmtheit hat dem kalten Wasser so viel Feinde zugezogen, daß man eine ungeheure Anzahl Menschen antrifft, die kalte Bäder als den äußersten Grad arzneilicher Karnifizin ärger als den Tod scheuen. Aber die Hefe nachbetender Ärzte hatte auch durch sinnlose Anwendung dieser unbestimmten Vorschriften unsrer Hippokraten die Schmach des kalten Bades aufs äußerste gebracht. Der Patient mußte oft mit Gewalt und auf einmal in ein kaltes Bad steigen und gewöhnlich eine Stunde drin bleiben. Um die Pein der auf ihn eindringenden Kälte zu mäßigen, fühlt er, ist ihm kein Mittel übrig, als unbeweglich still zu sitzen. Nach Verlauf von Viertelstunden, nachdem er viel Kräfte zur Ausdauer der Kälte einer solchen Menge Wassers verschwendet hat, wird das Wasser um ihn her lau. Ruhig bleibt er sitzen, um sich, wie ihm deucht, in der warmen Wasseratmosphäre wieder zu erholen und die Kräfte zu ersetzen, die er auf ihre Erwärmung verschwenden mußte. Dies erwärmte Wasser wirkt nun als ein laues Bad und nimmt ihm einen Teil der Kräfte vollends weg, die ihm die Ausdauer der übermäßigen anfänglichen Kälte des Wassers übrig gelassen hatte. Nun wickelt man ihn in erwärmte Tücher und so nimmt ihn ein erwärmtes Bett in Empfang, Behandlungen, die den Nachteil dieses unsinnigen Bades vollenden. Er kömmt nun in Schweiß und verliert durch diese zwölfstündige Folter wenigstens zwanzig vom Hundert der Kräfte, die er vor dem Bade hatte, des drauf folgenden Krampfs, des Schnupfens, des Hustens, des Durchlaufs oder des Rheumatism nicht zu gedenken, die er Tags darauf als unvermeidliche Unbequemlichkeiten seines hülfreichen Bades mit Geduld verschmerzt, nur Schade, daß er dies liebe stärkende Bad kaum drei- bis viermal aushalten kann, es würde ihm wohl sonst noch rechten Nutzen gestiftet haben! Eine sehr artige, aber, welches ihr sehr zur Empfehlung dient, fast durchgängige Verordnung, mächtig genug, die Kirchhöfe der berühmtesten Bäder Europas so ansehnlich zu erweitern, von der ich jedoch zeitig zurückgekommen zu sein, mich glücklich schätze. Da meine Kranken nur allmählich und nach Verhältnis ihrer zunehmenden Kräfte dazu angeführt werden, wie oben erwähnt worden, so findet sich, daß die meisten nach vollendeter Kur kaum aufhören wollen, sich kalt zu baden. Ich bemerke nach meiner Verordnung keine Verkältung, vielmehr vermehrte oder doch ununterbrochene Ausdünstung, und die Kräfte nehmen von Tage zu Tage bei meinen Kranken zu, da ich durchs kalte Bad nicht mehr Wärme aus dem Körper ziehen lasse, als er sehr bald durch eigne Blutwärme wieder ersetzen kann. Der Schwung des durch den Körper kreisenden Blutes verstärkt sich durch die von der Kälte gleichförmig veranstaltete Zusammenziehung der Muskelfasern und Gefäße, so wie die Kraft der Spiralfeder zunimmt, je dichter sie zusammengewunden wird, und alle Verrichtungen des Körpers bekommen ein neues Leben. Um diese Stärkung und Zusammenziehung der Fibern desto gleichförmiger zu bewirken, schärfe ich bei jedem Grade des Bades als unumgänglich ein, das Wasser in steter Bewegung um den Körper oder das eingetauchte Glied zu halten und ein so großes Gefäß, wie möglich, dazu zu nehmen, um die Vorteile hier zu ersetzen, die das fließende Wasserbad vor den Stubenbädern sonst voraus hat. Flußbäder wende ich auch nicht gerne eher an, als bis nach vollendeter Heilung, wo etwas mehr oder mindere Kälte und vernachlässigte Aufsicht nicht leicht schaden kann, übrigens schränke ich alles auf Stubenbäder ein, wo eine gehörige Leitung gehandhabt und jeder Vorteil der fließenden Bäder, wie gesagt, erhalten werden kann, ohne daß einer ihrer Nachteile hinzukommen darf. Das Wasser kann entweder der Kranke selbst bewegen, wenn er ehrlich genug dazu ist, oder man veranstaltet es. Die Art, wie das Wasser bei Destillationen in den Kühlfässern erneuert wird, entspricht zu diesem Behufe aller Absicht. So viel nämlich kaltes Wasser durch eine angebrachte Röhre nach dem Boden des Badegefäßes sinkt, so viel läuft oben durch eine Rinne von selbst ab, durch die Wärme des Körpers erwärmt, da das kalte schwerer, das warme Wasser aber leichter ist und nach oben schwimmt und von da abläuft. Ich erinnere aber, für unbemitteltere, daß ein etwas großes Badegefäß und die Bewegung des Wassers darin schon hinlänglich sein kann. Ärmere, die den Grad der Wärme nicht genau zu bestimmen wissen und sonst wenig Bequemlichkeit haben, lasse ich eine einfachere Vorschrift befolgen. Die Grade der Eintauchung nebst den Graden der Dauer bestimmen bei ihnen allein die Leiter, wonach das Bad erhöhet werden soll. In Wasser aus einem sehr tiefen Brunnen sich so und so tief, so und so oft und so und so lange einzutauchen, gleichviel ob im Sommer oder im Winter, ist die Vorschrift. Dies erhöhe ich bei ihnen von Zeit zu Zeit nach Beschaffenheit ihrer Kräfte. Sie können nichts dabei versehn, da die Vorschrift so einfach ist, und haben fast gleich großen Nutzen davon, als Reichere, die genauere und kostbarere Verordnungen befolgen können. Das kälteste Wasser, was selbst bemitteltere im Sommer haben können, ist doch nur das aus Brunnen, die auf dreißig und mehrere Fuß tief sind und höchstens etwas unter zweiundfunfzig Grad fahrenheitischer Wärme haben. Man müßte denn den Aufwand machen können, die Kälte des Bades mit Eise aus Eisgruben zu bestimmen. Das kälteste Wasser der Brunnen ist jedoch für jedermann hinlänglich, wenn die Kur im Sommer fällt, da man die mindere Kälte durch öfteres oder länger daurendes Baden und den Grad der Eintauchung ersetzen kann .... Die Schwäche des Kranken, zuweilen auch rauhe Witterung machen es fast zur durchgängigen Notwendigkeit, sich vor dem Eintritte ins kalte Bad und nach dem Ausgange aus demselben eine mäßige Bewegung zu machen, ein unvergleichliches Mittel, den Kreislauf hiebei in Ordnung zu erhalten. Die erregte Wärme des Blutes kann dann der Kälte des Bades desto leichter widerstehen und die Muskelfibern nebst den Gefäßen gleichförmig zusammen ziehn. Eben hiedurch erhält man auch den Vorteil, daß das kalte Bad nie Erkältung verursacht, und daß man geschwindere Schritte in Erhöhung des kalten Bades thun kann, als wenn der in Ruhe gebliebene Kranke sich auf einmal und unvorbereitet der Kälte des Wassers anvertrauen soll. Die Bewegung vor dem Bade aber muß so gemäßigt sein, daß sie nie bis zum Schweiße ausartet, es wäre sehr undienlich, in solchem Zustande die Wanne zu besteigen. Die Bewegung nach dem Bade kann etwas kräftiger sein, doch darf sie auch nie weder bis zum Schweiße, noch zur Ermüdung führen. Unter dieser Einschränkung kann man sich ungemeine und sonst durch nichts zu ersetzende Vorteile davon versprechen. Wenn das kalte Bad besonders bei der Nachkur vom halben Bade bis zum ganzen steigt und die Kälte und die Dauer des Bades täglich erhöhet werden soll, da lasse ich meine Kranken ein oder zwei Gläser des ihnen beschiednen Weines im Wasser genießen. Der Vorteil hievon hat sich mir oft sichtlich bewiesen, und er wird jedem, der hierüber nachdenkt, leichtlich einleuchten. Ich setze zu den Gebrauchsregeln des kalten Bades noch einen wesentlichen Umstand, der sehr genau mit den gleich vorher beschriebenen Handgriffen zusammenhängt, ein Umstand, der die Vorteile des zu bewegenden Wassers mit einbegreift. +Ohne diese Handanlegung lasse ich nie ein kaltes Bad nehmen. Von der ersten geringen Eintauchung an bis zum kältesten ganzen Bade lasse ich den Kranken die Teile, die unter dem Wasser sind, sowie die nächsten, mit wollenen Tüchern nur immer stärker reiben, je nachdem der Patient bald heraustreten will. Dies kann der Kranke selbst thun, es kann auch von jemand anderm geschehen.+ So bald er heraustritt, lasse ich denselben Teil nur mit trocknen, auch wohl mit Gewürzen und Harzen durchräucherten Tüchern noch eine und mehrere Minuten hindurch, gewöhnlich noch etwas stärker als im Bade selbst, reiben, ihn dann bedecken und so eine viertelstündige bis stündige Bewegung vornehmen, die seinen Kräften angemessen ist. Will man stärkere Fortschritte bei Erhöhung des kalten Bades thun, so kann man das +Frottieren auch vor dem Bade+ an den einzutauchenden Teilen vornehmen, man wird Vorteile hervorbringen, die durch andere Behandlungen nie erreicht werden. Was überhaupt Bewegung für die ganze Maschine des menschlichen Körpers ist, dies und noch mehr ist Reiben und besonders mit wollenen Tüchern für einzelne Teile. Die Lebenskraft wird erweckt, der Kreislauf der Säfte wird hiedurch ganz ungemein befördert und in Ordnung gebracht, die Muskeln dieser Teile werden gestärkt, und die Haut empfindlicher und für den Eindruck, den das kalte Wasser darauf ausüben soll, empfänglicher gemacht, so werden Häute während des Gerbens gerieben, geschlagen und gewalkt, damit die zusammenziehenden Kräfte der Lohe desto stärker darauf wirken können. Man wird mir dies Gleichnis vergeben, da es übrigens so passend ist. Durchs Frottieren werden, mit einem Worte, Vorteile hervorgebracht, die man zu unsrer Absicht durch andre Mittel zu bewirken, sich vergeblich bemühen würde. Vermittelst des Frottierens kann die schwächste Person mit Vorteil das kälteste Bad nehmen ... Wenn ich das kalte Bad nächst der gehörigen Diät zum Hauptstücke der stärkenden Kur alter Geschwüre mache, so habe ich die ausgesuchtesten und zahlreichsten Erfahrungen vor mir und verlange unumschränkten Glauben in diesem Stücke. Daß selbst der Ärmste sich dieses herrlichen Hülfsmittels leicht und ohne weitläuftige Vorschriften, außer den oben angezeigten, bedienen kann, ist kein geringer Beweis seiner Vortrefflichkeit. Er kann sich vor und nach dem Bade eben so gut bewegen, sich eben so reiben, eben sowohl das Wasser um den badenden Teil herum in Bewegung halten, als der Reichste. Er kann eben sowohl der freien Luft genießen, und ein kräftiges Bier wird ihm statt des Weines dienen. Sein Körper aber, der gewöhnlich durch Erziehung und Lebensart fester und benervter worden ist, als des Vornehmern zärtlicherer Leibesbau, nimmt zweckmäßige Mittel viel leichter zur Genesung an, die Hälfte der dem Verzärtelten zu reichenden Heilmittel bewirken bei ihm schon alles nötige, und Pumpernickel dient ihm statt der Kraftsuppen. Also auch für ihn ist gesorgt“[660]. [Sidenote: _Gebrauch der Kaltwasserbehandlung_] [Sidenote: _Auswüchse der Kaltwasserbehandlung im 18. Jahrhundert und durch Prießnitz_] Aus dem Angeführten geht zur Genüge hervor, daß die Ärzte nicht nur Bücher über Kaltwasserbehandlung schrieben, sondern diese auch praktisch bei ihren Kranken durchführten. Ich erinnere nochmals daran, daß ~Marcard~ in Pyrmont ein Bassinbad errichtete (S. 48). ~Brandis~ gebrauchte neben einfachen kalten Wasserbädern auch das Driburger Wasser kalt, dem er wegen seines Reizes auf die Haut, namentlich durch die Kohlensäure und das Eisen, eine besondere Wirkung zuschrieb[674]. Im Jahre 1815 sagt ~Hufeland~, daß er sich von der außerordentlichen Kraft der Sturzbäder von kaltem Wasser auf den Kopf bei Gemütskranken im Irrenhause der Charité zu Berlin überzeugt habe, wo der äußerst glückliche Erfolg der Kuren, da im Durchschnitt der dritte Teil geheilt werde, hauptsächlich diesem Mittel zuzuschreiben sei[O][642]. Nun genug davon! Ich mußte etwas breit in meiner Darstellung werden, um zu zeigen, daß die Welt, als ~Priessnitz~ mit gesegnetem Wasser und Abwaschungen Kranke zu behandeln anfing, mit keinem neuen Heilverfahren überrascht wurde, und als ~Priessnitz~ immer mutiger in der Kaltwasseranwendung wurde und schließlich zu recht heroischen Verfahren griff, da war er im Grunde genommen auf einem Standpunkt angelangt, dem die deutschen Ärzte als Auswuchs des Wasserheilverfahrens Jahrzehnte vorher entgegengetreten waren, wie er auch noch zu Lebzeiten des ~Priessnitz~ von dessen Schülern ~Munde~[647] und ~Rausse~[637](Pseudonym für ~H. F. Franke~[661]) bekämpft und in der späteren Wasserheilkunde fallen gelassen wurde. Ich will nur ein Beispiel anführen. ~Rausse~, der ~Priessnitz~ den Entdecker der Wasserheilkunde und den Held derselben nennt, muß doch „Irrtümer“ des ~Priessnitz~ zugeben. „Dahin gehört vor allen Dingen“, sagt er, „seine gänzliche Mißkenntnis der kranken Nervenzustände und das daraus hervorgehende Abtreiben und Überhetzen seiner Patienten mit unausgesetzter Bewegung, mit zu vielem Trinken und zu vielem und zu kaltem Baden .... Wenn das Frostrégime lange fortgesetzt wird, so kann die dadurch hervorgebrachte Aufregung bis zum Ausbruch des wirklichen Wahnsinns gesteigert werden, und das ist, wie ich aus den sichersten Quellen erfahren habe, öfter als einmal bei Gräfenberger Patienten der Fall gewesen, wenn gleich vielleicht erst kurz nach dem Abgang aus der Anstalt“[637], und nun vergleiche man mit dieser ~Priessnitz~schen Behandlung die oben wörtlich wiedergegebenen Ansichten älterer Ärzte über denselben Gegenstand. Statt Abhärtung erhielten die Patienten beim ~Priessnitz~schen Frostregiment eine größere Empfänglichkeit gegen Infektionskrankheiten. Manche konnten sich noch ein halbes Jahr nach der Kur selbst in der Hundstagshitze in der Sonne und obendrein im Pelz nicht erwärmen[637] [647], die Leute hatten, statt ihre Blutgefäße zu üben, sie bis zur dauernden Lähmung überanstrengt. Das Endergebnis einer vernünftigen Wasserkur, der prompte Eintritt der sog. Reaktion, eines wohligen Wärmegefühls auf Kältereize, war verloren gegangen. Das betraf Patienten, die wohl ~Priessnitz~’ Verordnungen wörtlich durchgeführt hatten. Verwundern darf man sich über den ungünstigen Ausgang nicht. So mußte ein Mann in heftigster Winterkälte duschen (im Freien) und nach der Dusche eine halbe Stunde lang nackt Holz hauen. Zum Glück für die Patienten befolgten viele die Anordnungen von ~Priessnitz~ nicht. Auf dem Gräfenberge ging ein Sprichwort um: „Wer die Kur am schlechtesten macht, der macht die beste Kur“[637]. Die Unzufriedenheit mit ~Priessnitz~ und seinem Heilverfahren von seiten seiner Schüler und Patienten fällt erst in die spätere Zeit seines Wirkens. Im Anfange herrschte eine Begeisterung, wie wir sie nur bei den Wunderbrunnen, namentlich bei Pyrmont, finden, und wo auch die Ernüchterung auf dem Fuße folgte. Derselbe ~Rausse~, der jene Verordnung von ~Priessnitz~, einen Patienten nach der Dusche nackt eine halbe Stunde lang Holz hauen zu lassen, auf das tiefste verurteilt, schrieb auch einst, man könne durch fortgesetzte Abhärtung dahin kommen, bei heftigster Winterkälte nackt oder doch in leichter Kleidung zu gehen, und er muß das klägliche Geständnis machen: „Da ich die erste Auflage jener Schrift (ich muß es bekennen) in einem durchaus krankhaften Zustand in der Lohe der ersten Begeisterung für die Wasserheilkunde schrieb, ohne selbst noch genügende Erfahrungen gemacht zu haben, so sind Auswüchse und Extreme leicht erklärlich und sogar notwendig(!?) gewesen“[637]. [Sidenote: _Angaben von Selinger / Weiß / Rausse_] Die Angaben über die Entstehung der Behandlungsweise ~Priessnitz~’ sind in ganz ähnlicher Weise verschieden, je nachdem der begeisterte oder ernüchterte Schriftsteller schrieb. Nach ~Selinger~ hat ~Priessnitz~ seine ganze Kurmethode selbst gefunden, und das hat ihm ~Priessnitz~ selbst mitgeteilt[634]. ~Priessnitz~’ ehemaliger benachbarter Wasserkollege in Freiwaldau, der frühere Tierarzt und spätere Direktor der Wasserheilanstalt zu Stanstead Bury in England ~Weiss~ sagt aber von ihm, „in Vereinigung mit seinen Kranken machte er immer neue Versuche, und so gelangte sein Heilsystem nach und nach zu einer solchen Ausdehnung, wie sie bis dahin die Geschichte der Medizin in Bezug auf das Wasser nicht aufzuweisen hat. Ich sagte soeben, in Vereinigung mit seinen Kranken; +denn P. leugnet es nicht+, daß ihn während jener Periode, wo sich seine Kurart auszubilden anfing, oft die Kranken selbst auf neue Anwendungsarten des kalten Wassers aufmerksam machten, ja selbst das Möglichste zu deren Ausführung beitrugen“[668]. Bestätigt wird diese Angabe durch ~Rausse~, der trotz seiner Lobeserhebungen über ~Priessnitz~ in demselben Buche von diesem angibt, er sei kein tiefer Denker im wahren Sinne des Wortes gewesen. „Es ist oft gesagt worden, daß ~Priessnitz~ die meisten seiner großen Entdeckungen nicht aus der Tiefe seines Geistes, sondern aus den Beobachtungen und Reden seiner Kurgäste geschöpft habe“[637]. [Sidenote: _Ehrenberg_] Ein Leipziger Arzt ~Ehrenberg~, der bei ~Priessnitz~ gewesen war, erzählt: „Schon die Untersuchung, wie wohl ~Priessnitz~ darauf geleitet sei, dem kalten Bade jene Einwicklung und Schweißerregung voraus gehen zu lassen, war mir interessant und von Wert, da mir nicht unbekannt war, daß die Wasseranwendung schon Jahre lang auch mit glänzendem Erfolg von ~Priessnitz~ ausgeübt worden war, ohne die dem Bade vorausgehende Schweißerregung für nötig zu erachten. Ich war denn auch so glücklich auszumitteln, daß nur erst, nachdem ein Kranker, der gegen seine Leiden früher einmal russische Dampfbäder gebraucht und dort die Überzeugung gewonnen hatte, daß man ungefährdet den erhitzten, von Schweiß triefenden Körper der Einwirkung des kalten Wassers aussetzen könne, in Gräfenberg eines Morgens in vollem Schweiß erwachend, sich ohne das Vertrocknen des Schweißes abzuwarten, dem kalten Bade ausgesetzt hatte, man in Gräfenberg von der Ungefährlichkeit, von der Möglichkeit des glücklichen Ausganges und bald sogar von der Notwendigkeit dieser vorausgehenden Schweißerregung überzeugt war, so daß in kurzem dieselbe zu einem wesentlichen Moment der Wasserkur erhoben wurde, und jetzt streng genommen die Wasserkur ohne diese Procedur kaum gedacht werden kann“[651]. [Sidenote: _Grafenfeld_] ~Ernst Grafenfeld~ sagt 1842 sogar: „So waren es kranke Gäste, die sich in Gräfenberg zuerst eine Badewanne verfertigen ließen und in kaltem Wasser zu baden wagten; kranke Gäste waren es, die, ermutigt durch die Kenntnis des Gebrauchs eines russischen Dampfbades, zuerst ihren schwitzenden Körper dem kalten Bade, ohne Furcht vor irgend einem Nachteil, aussetzten; es waren kranke Gäste, die bei ihrem Herumschlendern im Walde zuerst auf die glückliche Idee kamen, einzelne, hier im Überflusse vorhandene Bergquellen durch eine Rinne zu einem einzigen Wasserstrahl zu vereinigen, und sich der Einwirkung dieses von einer gewissen Höhe herabströmenden Wasserstrahls unterzogen; selbst die Verbesserung der grundlosen Wege, das Anlegen notwendiger und zweckmäßiger Spaziergänge, die hölzernen Umkleidungen des benannten, vereinigten Wasserstrahles oder der Douchen im Walde, kurz Alles und Jedes verdankt seine Entstehung dem Nachdenken und der Freigebigkeit der in Gräfenberg weilenden kranken Gäste“[636]. [Sidenote: _Munde_] Der Wasserarzt ~Munde~ konnte 1840 zum Teil durch nahe Verwandte von ~Priessnitz~ über dessen Werdegang als Arzt folgendes erfahren: [Sidenote: _und einem Anonymus über die Entstehung des Prießnitzschen Heilverfahrens_] „Ein reisender Hausirer kehrte eines Tages in dem kleinen Häuschen, welches ~Priessnitz~ens Großvater auf dem Gräfenberge gebaut, ein. Es war eben eine Kuh am Fuße mit der Sense verletzt worden und die Nachricht davon kam herein, während der Handelsmann sich in der Stube befand. „Ich will Euch Eure Kuh curiren“, sagte der Mann. „Gebt mir ein Stückchen Holz.“ Man willfahrtete seinem Begehren. Er holte ein Messer aus seiner Tasche und schnitt drei kleine Hölzchen ab, ließ sich dann einen linnenen Hader und einen Krug mit Wasser geben und ging hinaus auf das Feld, wo die Kuh sich befand[P]. „Vinzla“, sagte der alte Vater zu ~Priessnitz~, „gieh ok un sieh, wie er’s macht.“ Und ~Priessnitz~ ging und sah. Der Mann tauchte das Hölzchen in die Wunde, den Lappen in den Wasserkrug, und verband erstere dann, nachdem er sie ausgewaschen unter dem Hermurmeln einiger unverständlicher Worte. Hierauf schnitt er von dem Lappen einen Zipfel ab, wickelte die Hölzchen hinein und empfahl, das Verfahren täglich wenigstens drei Mal zu wiederholen; besser wäre es, wenn es noch öfter geschähe. Die Hölzchen wurden dann mit dem Läppchen auf den Ofen gelegt und mußten abdorren. Die Kuh wurde bald hergestellt und als der Handelsmann wiederkam, kaufte man ihm das Geheimnis, d.❆h. die Worte, welche er hermurmelte, für ein Geldstück ab. [Sidenote: _Munde über Prießnitz und Schrott_] Der junge ~Priessnitz~ fing sogleich an, zu curiren. Das Volk ist dort abergläubisch; also wurde es ihm leicht in Kundschaft zu kommen, und bei seiner großen Vorsicht (denn anfangs ließ er bloß Wasser trinken und verordnete Waschungen) und den Heilkräften des kalten Wassers fehlte es nicht an recht glücklichen Erfolgen. Man nannte ihn den „Hölzladoctor“[Q]. Nach und nach wurde er auf die Idee gebracht, daß die „Hölzla“ eine sehr überflüssige Sache bei den Kuren wären[R], und da er sich der wohlthätigen Wirkungen der kalten Waschungen bewußt geworden war, so schaffte er statt der Hölzchen einen Waschschwamm an, mit dem er die kranken Stellen selbst abwusch, wobei er Sorge hatte, den Leuten glaublich zu machen, daß die heilende Kraft in seinem Schwamme stecke, woran diese gern glaubten, da es ihnen ein Greuel gewesen wäre, sich auf eine natürliche und einfache Weise durch bloßes Wasserheilen zu lassen. Man nannte ihn nun den „Schwambladoctor“. Die Kundschaft des jungen Arztes vermehrte sich mit seinen Erfahrungen, unter die der bekannte Rippenbruch gehört, den er selbst erlitt, den aber die Freiwaldauer Ärzte auf eine ganz andere Art erzählen, als ich ihn nach ~Priessnitz~ens eigener Mitteilung referiert habe[S]. Mit seiner Kundschaft erwachte auch der Neid der Mediziner, welche sich so lächerlich machten, das „Schwambla“ vor Gericht zu zerschneiden und zu analysiren, um Heilstoffe darin zu entdecken und den ~Priessnitz~ als Pfuscher zu denunciren. Man weiß nicht recht, soll man bei diesem Prozesse die Einfalt der gelehrten Herren oder die Klugheit des ungelehrten Bauern mehr bewundern, welche diesem den Sieg über seine Gegner verschaffte. Man intriguierte auf jede Weise gegen ihn, konnte ihm aber nicht verbieten, den Leuten zum Abzuwaschen und Wassertrinken zu raten .... Der Schwamm war indessen zerschnitten, und ~Priessnitz~ hatte Ruf genug, um desselben nicht mehr zu bedürfen. Er curierte nun mit bloßem Wasser; doch wollte nun das Volk nicht mehr so recht daran. Dagegen kamen Leute aus der Nachbarschaft und bald auch aus größeren Entfernungen und brachten Geld mit. Die Cur bestand hauptsächlich nur in Waschen, Trinken und Baden, neben einfacher Diät. Die Kranken wohnten bei ~Priessnitz~ und schliefen zum Teil auf dem Heuboden. Man genierte sich nicht. ~Priessnitz~ ging barfuß und setzte sich in Hemdärmeln zu Tische. Sein freundliches und dienstfertiges Wesen und seine nette Frau machten den Leuten den Aufenthalt in seinem Hause angenehm. Er war übrigens damals noch nicht so streng in seinen Grundsätzen, als er es späterhin wurde. Im Jahre 1829 war ein Bekannter von mir aus Neisse bei ihm in der Cur, welcher als ein Lebemann den Wein ungern entbehrte, obschon er ihm als Gichtkranken schädlich sein mußte. Er ließ mit einem anderen Freunde zusammen ein Fäßchen Ungarwein anschroten und, während die anderen ihre Milchsuppe verzehrten, saßen die beiden mit ~Priessnitz~ zusammen im Keller beim Weinfasse und frühstückten ein kräftiges Stück Fleisch. Er erinnerte sich noch mit Vergnügen der Herzlichkeit des ~Priessnitz~schen Ehepaares und der glücklichen Tage, die er bei ihnen zugebracht. — Ich glaube, jene Zeit war auch für ~Priessnitz~ die glücklichste! — Dann klagte er über ~Priessnitz~ens Undank gegen die Neisser, die ihn doch zuerst in Ruf gebracht; wie er sie zurückweise, wenn sie nicht reich wären, wie er seine alten Neisser Freunde kalt und frostig empfange, wie ihn der Reichtum verderbe; denn er ließe alle Wochen eine Menge Staatsschuldscheine in Neisse einkaufen ..... Es scheint, ~Priessnitz~ hält gern die Leute von seiner Anstalt fern, welche ihn an die früheren Zeiten erinnern, oder von denen er fürchtet, daß sie die Art, wie er nach und nach herausgewachsen, den Gästen erzählen und dadurch den mühsam um sich gezogenen Nimbus zerstreuen möchten. Daher seine Kälte gegen alle Freunde. Sie ist kein Beweis eines guten Herzens! Die Cur bildete sich nach und nach durch die Bemühungen der Kranken selbst aus. Es ist leicht zu begreifen, daß eine Anzahl Kranker, der Behandlung eines ungebildeten Bauern hingegeben, nicht blindlings seinen Anordnungen folgt, sondern selbst denkt und verbessert, wo sich nur Gelegenheit zeigt. So erfand man das Schwitzen vor dem Baden, weil man bemerkte, das kalte Bad sei weniger unangenehm, wenn man es mit feuchter Haut nehme. Die erste Douche war nichts anderes als ein Stück Röhre, die im Walde liegen geblieben war und die man in den über den Berg herabstürzenden Bach steckte, um sich das Wasser über den Körper laufen zu lassen. +Jemand brachte des alten Schweidnitzer+ ~Hahn~ +treffliche Schrift über den heilsamen Gebrauch des kalten Wassers bei Krankheiten mit, und nun wurde alles durchprobiert, was im+ ~Hahn~ +stand+. Und darin steht Viel und viel Gutes. Nach und nach bildete sich die Wasserheilkunde zu einem System aus, und man muß ~Priessnitz~en nachsagen, daß er eine schätzenswerte Geschicklichkeit bewies, alle die fremden gewagten Erfahrungen zu seinen eigenen zu machen und zum Nutzen anderer anzuwenden. Mehrere eclatante Curen machten Aufsehen. ~Priessnitz~ fand Gönner unter den Leuten von Einfluß. Nach und nach strömten immer mehr und immer reichere Kranke seiner Anstalt zu, die zu eröffnen ihm erlaubt worden war. Einmal im Zuge, konnte es ihm nicht schwer werden, das zu werden, was er ist. [Sidenote: _Hahns Einfluß auf Prießnitz_] Die von ~Priessnitz~ so sehr verachteten und verunglimpften Mediziner haben übrigens das Ihre redlich zu seiner Ausbildung beigetragen. Sobald ~Priessnitz~ ein wenig bekannt geworden, machten es sich Mehrere, teils aus den nahe liegenden Ortschaften, teils aus dem entfernteren Breslau und Berlin, zur Pflicht und zum Vergnügen, ihn zu besuchen. Einige kamen auch, um die Cur bei ihm zu gebrauchen, und machten, besonders Gichtkranke, die Erfahrung, daß in den Bergen Schlesiens sich Heilmittel befanden, welche gegen mancherlei Übel größere Wirkung zeigten, als die berühmtesten Specifica. Daß die Ärzte zur Beseitigung von Mißbräuchen, zur Anwendung von manchem in der medizinischen Praxis längst bekannten, wenn schon vernachlässigten Hülfsmittel, zur Einführung einer einfachen Diät und überhaupt zur Ausbildung der Methode und zur Belehrung ~Priessnitz~ens wesentlich beitrugen, ist leicht zu begreifen. Mit dem herrlichen Buche des alten ~Hahn~ in der Hand mußten sie in kurzer Zeit den ~Priessnitz~ zu Anwendung aller darin angegebenen Hülfsmittel bringen, ohne daß er selbst genötigt war, das Buch zu studieren. Wer ~Hahn~ gelesen hat, wird nur wenig von der Gräfenberger Methode darin vermissen: ich war überrascht, als er mir nach Herausgabe meines Buches zum ersten Male in die Hände fiel; es ist so viel Klarheit und Erfahrung darin, daß man sich wundern muß, wie dieser Schatz unter dem Wuste medizinischer Schriften fast ein Jahrhundert lang hat begraben bleiben können. So ist es aber mit der Wahrheit: die Haarzopfperioden, welche von Zeit zu Zeit das Menschengeschlecht verblenden, erdrücken sie oft. Ein Trost ist es, daß sie immer wieder durchbricht. [Sidenote: _Ansichten des Volkes zu Prießnitz’ Zeiten über Wasseranwendungen_] Aus dieser Relation ergiebt sich, daß diejenigen, welche ~Priessnitz~en für inspirirt halten oder ihm allein die Erfindung der gesamten Wasserheilkunst zuschreiben, im Irrtum sind. Ich möchte ihn fast mehr als den Mittelpunkt betrachten, an welchem sich mehrere zufällige und glückliche Umstände häuften, die er mit einer bewundernswürdigen Klugheit und Ruhe festzuhalten wußte. +Geholt+ hat er sich den Schatz seines ärztlichen Wissens nicht, wie es andere mit vieler Mühe und großen Kosten thun; man hat ihm denselben +gebracht+, und er wußte es so geschickt anzufangen, daß man ihm nicht nur sein Wissen, sondern auch das Geld noch dazu brachte. Dazu gehörte seine seltene Selbstbeherrschung und die unerschütterliche Ruhe, sein Scharfblick, sein gutes Gedächtnis und so manche lobenswerte Eigenschaft, ohne welche ein Mensch sich nie zu erheben vermag. ~Priessnitz~ würde unter verschiedenen, aber gleich günstigen Umständen, vor Jahrhunderten vielleicht ein Mahomet geworden sein, und so er Millionen um den Dreizack gesammelt hat, vielleicht ganze Völkerschaften dem Vollmonde oder irgend einem anderen Gestirn haben nachwandern lassen .... [Sidenote: _Hahns Einfluß auf Örtel_] Übrigens glaube man ja nicht, daß das System der Wasserheilkunst auf dem Gräfenberge auf so unwandelbare Weise fest gestellt sei, daß nicht zahlreiche und wichtige Veränderungen daran vorgenommen würden. So fest steht ~Priessnitz~ens Wissen nicht, daß es nicht hin und wieder dem Einflusse der Umstände wiche. Jedes Jahr beinahe zeigt Veränderungen und Moden in der Curmethode. Im Jahr 1836 war das unmäßige Schwitzen an der Tagesordnung; im Jahre 1840 mußten die nassen Tücher Alles thun, und man schwitzte wenig“[647]. Selbst wenn keins der vorstehenden Zeugnisse vorläge, würde ich in ~Priessnitz~ nicht das Erfindergenie sehen, das man aus ihm heute noch gern macht. Man hat vergessen, daß zu ~Priessnitz~’ Zeiten die Duschen auch anderwärts eine gewaltige Höhe erreichten (Abb. 46), und bewundert diese nur bei ~Priessnitz~ (Abb. 157). Das übertrieben lange und wiederholte Baden in Gräfenberg bis zur Bildung eines Ausschlages, der Krise — ich glaube, ich habe zur Genüge gezeigt, daß man ein Ausschlagbaden als Ziel jeder Badekur betrachtete —, beweist nur, daß ~Priessnitz~ ein echtes Kind seiner Zeit und seines Volkes war. ~Priessnitz~ wäre nicht mehr und nicht weniger aus dem Rahmen seiner Heimat hervorgetreten als die übrigen zahlreichen Bauernärzte. Er hatte unter diesen das Glück, einen Zweig der Volksmedizin auszuüben, der, modern gesprochen, zur Zeit höchst aktuell war. [Illustration: Abb. 157. ~Priessnitz~’ Walddusche in Gräfenberg. Aus: ~Kröber~, ~Priessnitz~ in Gräfenberg. Breslau, 1836.] [Sidenote: _Örtel_] In weiteren Kreisen machte der Ansbacher Gymnasialprofessor ~Örtel~ ~Priessnitz~ bekannt. Er war zum Wasserheilverfahren durch das +Buch+ des jüngeren ~+Johann Siegemund Hahn+~ geführt worden, von dem ihm 1804 ein Exemplar in die Hände gefallen war. „Seit diesem glücklichen Funde“, schreibt er, „suchte ich die darin enthaltenen Grundsätze und Erfahrungen des alten ehrlichen, menschenfreundlichen, uneigennützigen +Schweidnitzer Stadtarztes Dr. ~Hahn~+ an mir und den Meinigen so wie an meinen Freunden und Bekannten in Ausübung zu bringen. Diese und mehrere dergleichen Erfolge veranlaßten mich, die Heilsache des frischen Wassers im Allg. Anz. öffentlich zur Sprache zu bringen und so allmählich meine Erfahrungen in mehreren Aufsätzen mitzuteilen. Und so entspann sich mir eine ausgebreitete Wasserkorrespondenz, welche noch fortdauert. ... Im Jahre 1830 war ich der Erste, welcher die im Jahre 1829 errichtete Wasserheilanstalt des ~Vincenz Priessnitz~ in Gräfenberg öffentlich bekannt machte. Denn die erste Kunde davon gab mir im Jan. 1830[T] der Amtmann Knur in Kuchelna bei Ratibor in Oberschlesien — durch ein freundschaftliches Schreiben, worin er mir diese neue Anstalt und seine darin erhaltene Gesundheit beschrieb. S. mein 3. Wasserheft. Seitdem posaunte ich diese Heilanstalt fast in jedem meiner Wasserhefte aus ihrem Sudetenwinkel hervor und in alle Welt hinaus und empfahl sie auch in einer eigenen Schrift unter dem Titel „Vincenz Prießnitz“ (1834), worin ich einen Aufruf an alle Regierungen Deutschlands zur Errichtung von Wasserheilanstalten ergehen ließ. Außerdem wäre ~Priessnitz~ noch lange nicht so bekannt geworden“[641]. [Sidenote: _Kröber / Künz über Prießnitz_] Von ärztlicher Seite wurde zuerst durch einen Breslauer ~Kröber~ auf ~Priessnitz~ in einer diesen empfehlenden Schrift 1833 (2. Aufl. 1836) aufmerksam gemacht[669], nachdem er zwei Monate auf dem Gräfenberge zugebracht hatte. Eine Broschüre von Dr. ~Künz~ folgte, und von nun ab hielten sich in Gräfenberg und Freiwaldau stets Ärzte, oft sechs bis acht gleichzeitig auf[668], um bei ~Priessnitz~ zu beobachten. Wenn trotzdem die Ärztewelt im allgemeinen sich in der Folgezeit ablehnend dem ~Priessnitz~schen Verfahren gegenüber verhielt, so hatte dies in der übertriebenen und der einseitigen Anwendung seinen Grund; denn ~Priessnitz~ lehrte, daß kaltes Wasser allein unter Ausschluß aller anderen Heilmittel[U] und nur in den von ihm vorgeschriebenen Formen, ja — so hoch stellte er seine Person und seine Anstalt — nur von ihm persönlich verordnet und in Gräfenberg gebraucht wirke. Jede Anwendung des Wassers außerhalb Gräfenbergs, wofür er nicht die Verordnung gegeben, erklärte er für Pfuscherei [651. 647]. Er hielt sich allein für fähig, zu bestimmen, ob Kranke für seine Kur geeignet und wie sie zu behandeln seien, und doch ist so mancher Patient, den ~Priessnitz~ als ungeeignet von der Behandlung ausschloß, durch Wasseranwendung von anderer Seite geheilt worden, und umgekehrt mancher, dem ~Priessnitz~ Besserung und Heilung versprach, wie er gekommen, vom Gräfenberge gegangen. Nach ~Munde~ fielen auf zwölf aufgenommene Kranke elf ungeheilt entlassene, und dabei wurden Schwerkranke überhaupt nicht aufgenommen[647]. [Sidenote: _Prießnitz’ Verhältnis zu den Ärzten / Zulauf nach Gräfenberg_] Das Verhältnis zwischen ~Priessnitz~ und der Ärzteschaft wurde mit der Zeit ein gespanntes und artete schließlich geradezu in Haß aus, wobei leider häufig die Ärzte die Person von der Sache nicht zu trennen wußten und mit ~Priessnitz~ sein Wasserheilverfahren verdammten. ~Priessnitz~ erklärte jeden Arzt für unfähig, weil er Arzt war, Wasserheilkunde zu treiben. „Sie sind“, äußerte er zu Herrn von Kobbe, „halt wie die Juden, wenn man sie auch zehn Mal tauft, sie werden doch keine Christen“[636], und gegenüber einem anderen Patienten: „Kömmt meine Anstalt nach meinem Tode in die Hände eines Doktors, so geht sie zu Grunde“[634]. Den ärztlichen Untersuchungsmethoden, die ihm völlig fremd waren, galt besonders sein Spott. Als er einst einen Kranken mit „gestorbenem Hautsystem“ zugeschickt bekam, dessen Behandlung er ablehnte, und ein anwesender Arzt unter Hinweis auf den noch guten Puls des Patienten dennoch die Annahme empfahl, zeigte ~Priessnitz~ an Stelle einer Antwort nur einen Anflug von Spötteln im Gesicht. Am folgenden Tage sagte er zu ~Rausse~ auf dessen Anfrage: „Puls! Was kümmert’s mich, ob der Puls gut ist oder schlecht! — ich taxiere meine Leute bloß nach den Augen und nach dem Rock“ (er meinte die Haut)[V][638]. In welch grellem Gegensatze zu dieser stolzen Antwort steht die Annahme von „Korrespondenz-Patienten“ durch ~Priessnitz~, die sogar ~Rausse~, der Reformator der Wasserheilkunde (wie er genannt wird)[639], der davon Nachricht gibt, in der Vorrede zur 2. Auflage seiner Miszellen zur Gräfenberger Wasserkur nicht an und für sich verurteilt, sondern nur wegen der möglichen falschen Auffassung der Vorschriften beseitigt haben will[640], wo doch das Auge des Wasserarztes den Rock des Patienten gar nicht zu sehen bekam! Am meisten verletzte ~Priessnitz~ die Ärzte durch seine Lehre von der Entstehung chronischer Krankheiten. Diese waren nach ihm durch die Ärzte verschuldet, welche mit Medikamenten bei akuten Erkrankungen nur einen „augenblicklichen Erfolg“ herbeiführten und die akute Krankheit „zu schnell“ heilten, wodurch dauerndes Siechtum entstände[W][634]. Die echten Prießnitzianer, namentlich die recht zahlreichen mit selbstverschuldeten Leiden, betrachteten sich deshalb als ein Opfer der Ärzte, und selbst gebildete Leute verfolgten diese in Gräfenberg mit ihrem Haß, wo und wie sie nur konnten. ~Priessnitz~’ Anstalt entwickelte sich ungemein schnell. Im Jahre 1829 hatte er 45 Patienten, im folgenden 54. 1833 bestellte er seine Felder noch selbst. Schnell stieg die Zahl der Kurgäste, nämlich auf 62, 118, 206, 256, 342, 469, 570 jährlich; im Jahre 1840 betrug sie bereits 1576. „Die meisten waren aus Österreich, Ungarn und Polen, nur zwei aus England. Im Jahre 1841 zählte ~Priessnitz~ unter seinen Patienten zehn Fürsten und Fürstinnen, wenigstens hundert Grafen und Freiherren, Militärs aller Grade, mehrere Ärzte und gegen fünfhundert Professoren und Advocaten.“ Namentlich waren „große ungarische Fürsten und Magnaten“ anwesend. Im Jahre 1843 behandelte ~Priessnitz~ in runder Summe zweitausend Kranke, unter denen sich achtzig vom höchsten Adel befanden[636]. [Sidenote: _Prießnitz’ Bedeutung für die Heilkunde_] Man findet hier ein Publikum beisammen, wie es in früheren Zeiten nur Luxusbäder ersten Ranges aufzuweisen hatten, ein Zeichen, daß in der vornehmen Welt selbst das Bedürfnis nach Reformen vorhanden war. Neben Baden und Mineralwassertrinken oder auch ohne diese galt bis dahin vom Luxus- bis zum Bauernbad mit wenigen Ausnahmen die Losung Vergnügen und Genießen. ~Priessnitz~ verlangte Entsagung und setzte dafür eine vernünftige Beschäftigungstherapie bei derber Bauernkost mit kalter Milch und gewöhnlichem Wasser als Getränk[X]. +War seine Wasserbehandlung nicht die richtige, seine Diät nicht für alle geeignet, eins steht fest, er schuf einen Kurort, in den der Gast nicht halb als Kranker, halb als Vergnügen Suchender, sondern ganz seiner Gesundheit lebte, und das hatte trotz aller Vorschläge kein Arzt vor ihm praktisch zur Durchführung gebracht.+ Als 1839 die Freiwaldauer Kurgäste ein „Casino“ daselbst gründeten, war ~Priessnitz~ gar nicht damit zufrieden, da, wie er sagte, die Leute dort äßen, tränken, läsen und spielten und darüber die Kur versäumten[636]. Trotz aller Klagen der Kurgäste, trotz aller Mahnungen seiner Schüler ~Munde~ und ~Rausse~ war ~Priessnitz~ nicht zu bewegen, seine Diät zu ändern. Er wußte, daß in Bauernkost und Fernhaltung jedes Luxus die Stärke seiner Anstalt lag. [Sidenote: _Fortschritte der Balneologie und Hydrotherapie / Spengler_] Unstreitig wurde die schon im Werden begriffene Reformation der Kur- und Badeorte durch das Auftreten von ~Priessnitz~ in hohem Grade beschleunigt. Der Wettbewerb mit den Wasserheilanstalten nötigte sie mehr als je zur Rücksichtsnahme auf wirklich Kranke, wollten sie nicht ganz zu Vergnügungsorten herabsinken. Aus den Badeärzten wurden wissenschaftlich denkende Ärzte. „Es ist doch ein wahrer Jammer“, sagt ~Spengler~ noch 1854, „wie es bis jetzt zugegangen: Badeorte kommen in und aus der Mode, wie Leibröcke und Damenhüte. Ein Bad, das vor wenig Jahren noch ein großes Renomee hatte, ist jetzt vergessen; neue, früher fast gar nicht benutzt gewesene Badeorte kommen dagegen in Gunst; andere werden bloße Vergnügungsörter. Sieht das nicht aus, als ob das Ganze ein bloßes Spiel sei!? Soll es wirklich so bleiben, daß Ärzte und ein großes Publikum lediglich der Gunst des Augenblicks und der Mode huldigend in einem Lustrum hiehin, in einem andern dorthin vorzugsweise getrieben werden? Der Mangel aller festen Anschauungen über die eigentlichen Indikationen für die einzelnen Heilquellen; das Herumtappen der Ärzte in Benutzung derselben; das fortwährende Umherreisen und sich Empfehlen der Brunnenärzte gleicht den mit Proben ihrer Ware herumreisenden Commis-Voyageurs; das fortwährende Coquettiren mit Abfassung immer neuer Badeschriften über hundertmal dagewesene Dinge, bloß als Empfehlungskarte — ist wahrhaft unerträglich und der Nachtheil für die Bäder sicherlich kein geringer! Es ist zu fürchten, daß der Schwindel unsere herrlichen Quellen, diesem großen Heilschatze, immer mehr in Verruf bringe. ... Das Feld der Balneologie war bisher zu sehr der Charlatanerie und Oberflächlichkeit überlassen, aber es verdient doch wahrlich, wie kaum ein andres, auf eine würdige Weise bearbeitet zu werden, damit es ferner nicht länger den practischen Arzt ungläubig mache; es muß auch den Nichtbalneologen befriedigen, wenn nur die Thatsachen +nüchtern+ und +wahr+ niedergeschrieben werden.“ Privatunterhandlungen auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Göttingen im Herbst 1854 führten zur Bildung einer deutschen hydrologischen Gesellschaft zu gemeinschaftlicher Förderung der Balneologie und zur Gründung der balneologischen Zeitung. „+Ehrlichkeit+“, sagt ~Spengler~ im ersten Bande derselben, „und ganz besonders +Wahrheitsliebe+ sollen für unser Blatt die Druckerschwärze liefern, und alles Entgegengesetzte soll mit unbarmherzigen Händen Preis gegeben werden. Sie soll das allen Brunnen +Gemeinschaftliche+ faßlich, aufrichtig, wahr bringen, und immer wieder darauf verweisen. Durch die +Association+ der deutschen Kräfte muß ein gemeinsamer Weg der Forschung in diesem Gebiete der Arzneiwirkung angebahnt, und so die +Balneologie+ in die Reihe der +exacten Wissenschaften+ eingeführt werden, die dann gewiß etwas Nützliches leisten wird“[646]. [Sidenote: _Currie / Winternitz / Matthes_] Die Hydrotherapie hielt gleichen Schritt. ~Currie~ bestimmte schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Thermometer den Einfluß der kalten Übergießungen auf den Körper Fiebernder[649] und schuf somit den Anfang für eine wissenschaftliche Grundlage der Hydrotherapie. Langsam wurde, namentlich auf dem Gebiete der fieberhaften Erkrankungen, am Ausbau weiter gearbeitet, bis ~Wilhelm Winternitz~[648] in Wien unter Berücksichtigung älterer Forschungen und mit zahlreichen neuen Untersuchungen der gesamten Hydrotherapie die wissenschaftliche Grundlage gab. Aus der einseitigen Kaltwasserbehandlung war mittlerweile eine Wasserbehandlung geworden. ~Winternitz~ trat scharf für seine Wissenschaft ein und erhielt als erster auf deutschem Boden zu Wien eine Professur für Wasserheilkunde. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß im großen und ganzen sich die Klinik der Hydrotherapie gegenüber ablehnend verhielt. Wohl wurden die Kaltwasserbehandlung der fieberhaften Erkrankungen eifrig gepflegt und einzelne Prozeduren sonst noch angewandt, die systematische Wasserkur chronischer Krankheiten verblieb aber lange Zeit den Wasserheilanstalten und wurde erst in den letzten Jahren Gemeingut einzelner Kliniken. ~Winternitz~ hat sich auch hier ein bleibendes Verdienst erworben. Vielleicht war das Allzuviel seiner Schule noch ein Hindernis der Einführung. Eine vollständige Aussöhnung zwischen Klinik und Wasserheilkunde brachte erst ~Max Matthes~ in Jena, der erste Kliniker und Nichtspezialist, im Jahre 1900 durch die Herausgabe seines Lehrbuches der klinischen Hydrotherapie[161] zustande. [Sidenote: _Heilige Brunnen / Floyer / Hahn / Prießnitz / Winternitz_] Schauen wir noch einmal auf den Entwicklungsgang der Wasserheilkunde zurück. Uralte, dem germanischen Heidentum entstammende Volksgebräuche bilden für Deutschland den Ausgang. Ihrem Aussterben nahe, werden sie von Ärzten aufgenommen, von denen das, was einst als Glaube, nun als Aberglaube im Vordergrunde stand, allmählich zurückgedrängt und schließlich — von manchen von vornherein — gänzlich fallen gelassen wird. Die Namen ~Floyer~, ~Hahn~, ~Priessnitz~, ~Winterlitz~ tragen die Hauptglieder der ununterbrochenen Kette vom einsamen heiligen Brunnen bis zum heutigen hydrotherapeutisch glänzend eingerichteten Krankenhause. [Illustration: Abb. 158. Schlußkupfer aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt. Zürich, 1818.] [A] Die Mäßigkeitsbewegung scheint im 17. Jahrhundert größere Ausdehnung gewonnen zu haben. 1616 klagten die Landleute im württembergischen Amte Haidenheim einen Bäcker und Bierwirt zu Oberbabingen an, daß er aus Dinkel, Roggen und anderen Getreidearten Branntwein brenne, wodurch Gottes Gabe mißbraucht und verkehrt und aus Speise Trank gemacht werde. Auch würde den Leuten dadurch zu übermäßigem Zechen Ursache und, indem man diesen Branntwein mit anderem guten Wein mische, auch Anlaß zu Betrügereien gegeben (Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte, Jahrg. 1856). Über die ältesten Mäßigkeitsvereine, insbesondere von der Christophs-Gesellschaft, siehe ebenda. Das unmäßige Zechen der vorhergehenden Zeit hatte, wie es scheint, recht häufig unangenehme Nachwirkungen; denn die Folgen der Alkoholpolyneuritis und ihr Zusammenhang mit dem Trinken waren sehr gut bekannt. Nach ~Paracelsus~ heilte Pfäfers die Kontrakturen der Glieder, die vom Wein entstanden[21], und ~Stumpf~ schreibt von Worms (Bormio): „An disem ort ist ein warm Bad, von natur, gantz krefftig, vnnd gůt für vilerley geprästen, besonder des haupts, auch den erlameten glideren dienstlich: vnd deßhalb den Etschleüten, vnd gůten zächbrüdern (die sich bey weylen an dem starcken Etschweyn abtrinckend, vnnd daran gar contract werdend) gar wol gelegen vnd gantz gebreüchig“[9]. Nach ~Martin Ruland~ heilte das Trinken von gewöhnlichem kalten Wasser das „Zittern vom Wein“[400]. [B] Am meisten litten die württembergischen Bäder[154]. Wiesbaden wurde entvölkert. Man erpreßte Geld von den Badegästen. 1623 war Tilly dort[70]. Auch die badischen und elsäßischen Bäder wurden schwer heimgesucht[61]. Baden in der Schweiz aber brachte der Krieg goldene Tage. So wohnten in den Wirtshäusern der Stadt vom 27. Januar bis 27. Februar 1644 zweitausendeinhundertfünfundvierzig Personen[38]. [C] Die Amusements hatten einen Vorläufer in ~Mich. Caspar Lundorf~s Wißbadischem Wiesen-Brünnlein von 1610, das weiter nichts als „schlechte Histörgen“ enthielt, die den Kurgästen zum Zeitvertreib dienen sollten[433]. Dem „unschuldigen“ Zeitvertreib im Karlsbad dienten angeblich als Quellen ~Abraham a Santa Clara~ und französische, italienische und holländische Literatur[463]. [D] Die hier folgenden Angaben fußen auf Schilderungen der verschiedenen „Amusements“, den Zeitungen und den Brunnentaschenbüchern der Zeit; namentlich kommt das Journal des Luxus und der Moden[165] in Betracht. [E] Die Bedeutung eines an- oder abwesenden Hofes für die Mineralbäder zeigt am besten das Schicksal der Quelle von Imnau im Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. 1822 schreibt ~Wetzler~ darüber: „Vor etlichen und zwanzig Jahren ließ der damalige Fürst Anton ein großes und schönes Badehaus aufführen und kam alle Jahr im Sommer dahin. Der Hof, das Spiel zog viele Gäste herbei. Der Hof blieb weg, und die Gäste, die derselbe, sowie das Spiel angezogen, blieben auch weg, so daß der Brunnen die letzten Jahre sehr wenig besucht ward, und das Bad, das an oder gar über die hunderttausend Gulden gekostet haben soll, vor einem Jahre, dem Vernehmen nach, mit 15000 fl. verkauft wurde“[370]. [F] Das Entweichen der Kohlensäure beim Kochen der Säuerlinge war schon ~Bolmann~, einem Arzte in Hameln, aufgefallen, der 1682 ein Werk über Pyrmont verfaßte. In jungen Jahren hatte er 1628 den im Dreißigjährigen Kriege berühmt gewordenen Grafen von Pappenheim nach Lüdge begleitet. Dieser gebrauchte dort den heiligen Brunnen von Pyrmont zum Baden, und ~Bolmann~ machte die Erfahrung, daß beim Erwärmen des Wassers im Kessel „alle Spiritus, darin die Kräffte stecken evanesciren, sich verlieren und ausrauchen“. Er schlug einen Modus — wie er glaubte einen neuen, den er erfunden — vor und „practicirte“ ihn auch, nämlich bei zugedeckter Badewanne glühend gemachte große Kieselsteine, Kugeln oder Schmiedeschlacken vermittelst eiserner Kellen durch ein Loch des Deckels in das Wasser zu werfen und dies dadurch zu erwärmen[392]. [G] Es ist demnach die Angabe, ein englischer Arzt ~Abernetzy~ habe 1793 das Luftbad zuerst zur Sprache gebracht[662], falsch. [H] ~Döbereiner~ glaubte auf Grund dieser Ausführungen, daß die natürlich schwarzen Menschen von der Sonne mehr +Wärme+ als Licht erhielten und sie vielleicht daher mit weniger Geisteskräften begabt seien als die Weißen, bei denen die Sonne mehr als +Licht+ wirke. Es wäre nicht uninteressant, einen eventuellen Unterschied in der Wirkung unserer modernen Lichttherapie bei verschiedenfarbigen Menschen festzustellen. Aus ~Döbereiner~s Schrift hebe ich noch hervor, daß von der künstlichen Wärme die am freien flammenden Feuer, die strahlende, die beste ist, die man durch metallene Hohlspiegel nach jeder Richtung bequem und besonders leicht an die kranken Teile des im Bett liegenden Patienten leiten kann. [I] Ähnliche Preisausschreiben erließen die Akademien zu Dijon und Bordeaux im Jahre 1756 bezw. 1765[416]. [J] Der alte ~Hahn~ war der erste, der ~Luther~s Worte: „Wasser thut’s freilich nicht“ in „Wasser thut’s freilich! Nicht?“ umwandelte[671], was später von Laienwasserärzten, ~Rausse~ und Pfarrer ~Kneipp~, wiederholt wurde. [K] ~Hirschel~ gibt folgende Auflagen an, die erste von 1738, die zweite von 1743, die dritte von 1754 (ist wohl Druckfehler für 1745), die vierte von 1754, die 1770 mit neuem Titelblatt, also als unveränderter Abdruck, erschien[622]. Ich kenne die „2.“ Auflage von 1745, die von ~Hirschel~ nicht erwähnte „3.“ von 1749 und die „4.“ von 1754. Da nun ~Hahn~ in der Vorrede zur sogenannten zweiten Auflage von 1745 selbst angibt, das Buch sei 1738 zum ersten Male herausgegeben, 1743 abermals und durch Zusätze vermehrt worden, und nun wage sein Verleger die dritte Auflage, so ist die Bezeichnuug zweite Auflage auf dem Titelblatte falsch. Das Buch erschien also 1738, 1743, 1745, 1749, 1754 und 1770, hatte demnach eine ungemeine Verbreitung gefunden. Die Züricher Bibliotheken enthalten fünf Exemplare, von denen drei die medizinisch-chirurgische Bibliothekgesellschaft besitzt. 1833 gab ~Örtel~ eine unveränderte „5.“ und 1834 eine von ihm völlig umgearbeitete Auflage heraus[622]. In neuester Zeit ließ ~Winternitz~ das Buch wieder erscheinen. [L] Darum sagt ~Hahn~ auch: „Das Baden der Krancken geschieht entweder in hitzigen oder langwierigen Kranckheiten. In hitzigen zwar läst es sich, wenn die Patienten allzu schwach werden, daß sie in der Wanne nicht ausdauren können, nicht allemahl thun, und man kan auch dabey schon mit dem bloßen Waschen zurechte kommen; doch wenn dergleichen Leute das Baden vertragen können, so läßt man sie nicht eben so lange darinnen, aber man kan es desto öffters wiederholen, doch nicht länger, als bis man aus dem Pulß und der Empfindung des Patienten selbst gewahr wird, daß die größte Hitze gedämpft sey, und dabey beobachtet man eben keine Zeit auch sonst keine besondere Diät.“ Bei chronischen Krankheiten war ~Hahn~ weniger ängstlich, so riet er sogar einmal einer mit „gemeiner Krätze“ „durch den gantzen Leib schändlich damit behaffteten“ Frau, etliche Tage in einer Wanne zuzubringen und gar darinnen zu essen und zu schlafen. „Da ihr aber solches allzu beschwerlich und ihre Profession ihr daran hinderlich war, so wusch sie sich nur oft den Tag über, und des Nachts wickelte sie sich gantz bloß in nasse Tücher, und in kurtzem wurde sie gantz rein.“ Diese schroffe Verordnung ~Hahn~s gehört aber zu den Ausnahmen. Ich möchte das deswegen hervorheben, weil man hin und wieder liest, ~Hahn~ habe Menschen mit wahren Pferdekuren behandelt, und deswegen soll durch ihn die Kaltwasserbehandlung nicht populär geworden sein. Im Gegenteil, ~Hahn~ individualisierte schon, wie wir bei der Behandlung von Infektionskrankheiten sahen. Fälle, bei denen Bekannte von ihm bei rauher Luft anfangs Herbst unter freiem Himmel ellenhoch kaltes Wasser Armsdick auf sich schießen ließen, sich bei heftigem Leibschneiden nackend aufs freie Feld legten, als die Erde schon gefroren war, und den Leib mit Eis bedeckten oder in einer großen Badewanne mit eiskaltem Brunnenwasser, bis sie „ziemlich gefrohren und verblaut“ zubrachten, rechnet ~Hahn~ zu den „Excessen mit gantz kaltem Baden“. Obwohl er hinzufügt, daß die Betreffenden keinen Schaden genommen hätten, sagt er doch: „Ich mag eben nicht allen und jeden rathen es nach zu thun.“ [M] Den Ausdruck Beschwörungen halte ich nicht für richtig, es handelt sich um das sog. Segnen. In schweizerischen Verboten findet sich der Ausdruck Lachsnen. Man besprach wohl Krankheiten als etwas vom Bösen Zugefügtes. Es ist aber sinnwidrig, ein Heilmittel zu besprechen, bezw. zu beschwören. [N] Diese Auffassung finden wir bei ~Priessnitz~ wieder. „~Priessnitz~ erkannte oder ahnte in einem gewissen hydriatischen Instinct, daß, wenn die chronischen Krankheiten in der Wasserkur sich zur acuten Form gestalten, eben dadurch die Heilung vom Organismus erstrebt wird, und in den meisten Fällen nur dadurch erreicht werden kann“, schreibt ~Rausse~[637]. [O] Es ist noch anzuführen, daß das sogenannte ableitende Verfahren den Ärzten nicht unbekannt war. ~Floyer~ erwähnt, es sei eine mehrmals versuchte Erfahrung der Weiber, daß sie bei Blutstürzen der Gebärmutter ihre Füße in kaltes Wasser setzen[96]. ~Dauter~ spricht von einer Anwendung des kalten Wassers auf andere entfernte Teile, damit es „vermöge der Mitleidenschaft“ auf den Krankheitssitz selbst wirke, beim Nasenbluten z.❆B. leiste es, nicht nur auf die Nase selbst, sondern auch auf den Hodensack geschlagen, gute Dienste[658]. [P] Eine etwas andere Schilderung gibt 1845 ein Anonymus: „Durch einen Handelsmann aus der Nachbarschaft (Ludwigsthal), welcher in ~Priessnitz~ens elterlichem Hause einkehrte und, wenn er sich bei seinem Hantieren mit Eisen- und Drahtwaren an Händen und Füßen oft verwundet hatte, nur dadurch, daß er die Verletzung mit kaltem Wasser abwusch und dann mit einem in frisches Wasser getauchten Lappen umwickelte, bald völlig heilte, war die Aufmerksamkeit von Gräfenberger und anderen Landleuten, die sich verwundet oder gequetscht hatten, auf ihn gelenkt worden, und so natürlicherweise auch die immer rege Aufmerksamkeit des jungen ~Priessnitz~, welcher, als Altersschwäche den unter den Landleuten berühmten Wunder-Wasserdoktor ferner zu curiren hinderte, nun selbst, nach vollbrachter Feldarbeit, bei sich an ihn wendenden Leidenden dessen Kunst glücklich ausübte. Sie beschränkte sich damals nur darauf, daß er die leidenden Teile mit einem runden Schwamme, welchen er stets bei sich trug, wusch, weswegen ihm von diesen Leuten der Name „Schwammeldoctor“ beigelegt wurde[636]. [Q] ~Munde~ schreibt von ~Schrott~, dem Begründer der ~Schrott~schen Kur, der in Lindewiese bei Gräfenberg praktizierte: „Er erzählte uns, daß er auf seine Methode durch einen reisenden Handwerksburschen gekommen sei, den er einst auf seinem Wagen eine Strecke mitgenommen und der ihm geraten habe, seine gichtisch geschwollenen Kniegelenke mit frischem Wasser täglich einige Mal zu waschen und zwar mit einem Läppchen, in welches er ein mit seinem Blute beflecktes Hölzchen zu wickeln hätte. Das Waschen half, der Lappen verfaulte, und ~Schrott~ nahm nun einen andern Lappen ohne Hölzchen, was bei ihm und anderen dieselben Dienste that. Durch das Anraten seines Mittels hatte er einen gewissen Ruf bekommen und, so wie ~Priessnitz~, eine oberflächliche Idee von verschiedenen Krankheiten sich angeeignet, welche ihm bei seinen Verordnungen von Nutzen war. Ein guter Kopf und praktische Lebensklugheit hatten ihm gelehrt, daß die Leute sich besser halten und eine Kur besser brauchen, wenn sie sie nicht verstehen und etwas Ungewöhnliches, ihnen Unbegreifliches dabei vorkommt. Er magnetisierte also das Wasser, welches er zu seinen Waschungen und zum Trinken benutzen ließ, fügte späterhin das Schwitzen in nassen Tüchern hinzu ..., setzte jedoch, und zwar mit Recht, einen vorzüglichen Wert auf eine strenge Diät.“ Das Magnetisieren des Wassers durch ~Schrott~ war natürlich weiter nichts als das alte Segnen unter einem zur Zeit besser ziehenden Namen. ~Schrott~ stillte auch Blutungen durch Magnetisieren, nach alter Weise ausgedrückt, er besprach oder segnete das Blut. Die Wundsegen reichen bis in heidnische Vorzeit zurück. [R] Ganz frei von Aberglauben war aber ~Priessnitz~ auch in späterer Zeit nicht. Als bei einer polnischen Gräfin trotz (wie ~Munde~ sagt, wegen) seiner Behandlungsweise ein Krebs aufbrach und ihre Familie untröstlich wurde, der Mann der Kranken ~Priessnitz~ Vorwürfe machte, daß die Krankheit unter seiner Behandlung einen so üblen Ausgang genommen, entschuldigte sich dieser damit, „es sei ein Hexenschuß, dafür könne er nicht“. ~Munde~ bemerkt, daß Hexenschuß in Schlesien zur Zeit ein Behextsein der Kühe bedeute. [S] ~Selinger~ sagt in seinem nach ~Priessnitz~’ Angaben verfertigten Werke: „Um jene Zeit lebten im schlesischen Gesenke mehrere Männer unter dem Volke, die wegen glücklich bewirkter Kuren häufig genannt wurden. Einer derselben heilte verschiedene Krankheiten mit Kräutern, ein anderer kurierte Beinbrüche, ein dritter Rippenbrüche. Gebrochene Rippen wieder einzurichten verstand mit besonderer Geschicklichkeit der Müllermeister im Dorfe Sandhübel, der daher auch weit und breit bekannt und häufig gesucht war.“ Als ~Priessnitz~ (im 17. Lebensjahre) von einem Wagen überfahren worden war, da „erinnerte er sich (nach Fehlschlagen der Kur des Freiwaldauer Wundarztes) der Art und Weise, wie der bereits verstorbene Müller in Sandhübel gebrochene Rippen einzurichten pflegte. Er nahm nun einen eichenen Sessel, legte den Unterleib auf die Ecke desselben, hielt den Atem an und drückte den Bauch so lange in die Höhe, bis die eingedrückten und gebrochenen Rippen in ihre natürliche Lage hervorgehoben waren. Nachdem er dies glücklich zu Stande gebracht, fiel ihm ein, daß sich das kalte Wasser an ihm selbst und an Andern bei verschiedenen Gelegenheiten sehr wohltätig erwiesen habe, und er beschloß daher, das kalte Wasser auch in diesem Falle als Heilmittel zu versuchen. Er machte sich nun kalte Umschläge um den Leib, worauf die wütenden Schmerzen nachließen und er in einen langen, ruhigen Schlaf verfiel“. Die Umschläge wurden fortgesetzt, dabei fleißig kaltes Wasser getrunken, und kein Wundfieber trat ein. ~Priessnitz~ trug noch ein Jahr lang Umschläge um den Leib und fühlte sich dann hergestellt[634]. [T] ~Örtel~s allerneueste Wasserkuren begannen schon 1829 zu erscheinen[622]. [U] Ich muß hier jedoch an zwei Stellen aus ~Munde~s Memoiren erinnern: „Die Frau Doctor Rupprecht und die Gräfin Potocka starben beide am Schlage nach dem Bade. Bei ersterer sollte nach ~Priessnitz~ens Urteil ein Aderlaß am Fuße Schuld sein, welchen ihr der schnell herbeigeholte Arzt gemacht hatte. Der zweiten +verordnete+ ~Priessnitz~ +selbst eine Blutentlassung+, ohne daß er sie zu retten vermochte.“ Eine ältere Dame starb in Gräfenberg an einem eingeklemmten Bruch. ~Munde~ nennt sie das Opfer des ärztlichen Egoismus, weil ein anwesender Arzt als Ausländer keine Operation wagen wollte, deren Ausgang zweifelhaft war, und ~Priessnitz~? Der wollte sich mit dem eingeklemmten Bruche nicht befassen. So ließ man die Dame sterben[647]. [V] ~Rüsch~ rechnet 1825 (als ~Priessnitz~ noch keine kalten Bäder verabreichte[668]) Untätigkeit, Sprödigkeit, Dichtigkeit, Risse der Haut zu den „Umständen, welche zu einem unglücklichen Erfolg des kalten Bades geneigt machen“[88]. ~Hufeland~ sagt 1804: „Die Haut ist der Sitz der beständigen Ausdünstung, des größten Reinigungsmittels unsrer Säfte.“ „Keine Krankheit kann ohne Mitwirkung der Haut kuriert werden, und ihre Beschaffenheit bestimmt am sichersten unsre Hoffnung und die Gefahr“[667]. [W] ~Priessnitz~ selbst mußte später von seiten seines Schülers ~Rausse~ über sich den Vorwurf ergehen lassen, er habe durch falsche Wasseranwendung bei akuten Erkrankungen nicht nur Todesfälle, sondern auch chronische Übel verschuldet. ~Priessnitz~’ eigene Tochter leide seit einer Lungenentzündung an Herzklopfen, er habe durch verkehrte Wasseranwendung die Lungenentzündung nicht geheilt, sondern unterdrückt. Bei ~Rausse~s „richtiger“ Behandlung darf nämlich kein Todesfall oder eine Nachkrankheit vorkommen[637]. [X] Ich muß allerdings bemerken, daß in dem in bezug auf Diät heute noch mustergültigen Karlsbad schon 1795 eine ausdrückliche Küchenvorschrift für die Speisewirte vorhanden war[370], und ~Justinus Kerner~ schreibt 1832, daß zu Karlsbad und auch zu Marienbad schon längst den Speisewirten eine Küchenvorschrift erteilt sei, von der sie trotz allen Geschreies leckerer Mäuler bei Verlust ihrer Privilegien nicht abgehen dürften[325]. [Illustration: Abb. 159. Leiste aus: De Balneis Venetiis (Venedig) apud Juntas. 1553.] NACHTRAG [Sidenote: _Baden im 8. Jahrhundert_] Für die Häufigkeit des Badens in Deutschland im 8. Jahrhundert spricht vielleicht ein Vermerk in zwei +altdeutsch+ geschriebenen Rezepten der Baseler Universitätsbibliothek, die aus jener Zeit stammen. Während des Gebrauchs der dort aufgeführten Gewürze soll nicht gewaschen und gebadet werden: „ni in demo ni duuahe: ni in demo ni pado“[695]. [Sidenote: _Johannisbäder_] Die Johannisbäder wurden im Württembergischen nicht nur 1591 und 1602 (S. 20) verboten, sondern auch am 19. August 1639 und nochmals am 14. Mai 1666 zusammen mit dem Johannifeuer[291]. [Sidenote: _Wiener Badeverhältnisse_] Weswegen die Ankündigung der ~Ferro~schen Badeanstalt in Wien von den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~ angegriffen wurde (S. 47), ist nicht recht klar; denn ~Ferro~ selbst schreibt, die medizinische Fakultät habe über die Errichtung seiner Anstalt den vorteilhaftesten Bericht abgegeben. „Es ist“, schrieb sie unter anderem, „durch Erfahrungen bestätigt, daß in sehr vielen kränklichen Umständen die kalten Bäder großen Nutzen schaffen und oft solche Kranke vollkommen herstellen, die lange Zeit andere Mittel fruchtlos gebraucht haben“[135]. [Sidenote: _Agnes Bernauerin_] Die S. 52 angeführte, seit 1839 bestehende militärische Schwimmschule in Graz war nicht die erste derartige Anstalt in Österreich, sondern die 1812 errichtete k. k. Militär-Schwimmschule im Fahnenstangenwasser im Prater zu Wien, wo auch Zivilpersonen auf Wunsch gegen mäßige Vergütung Unterricht im Schwimmen erhielten und nach dem Erlernen baden durften. Unmittelbar daran errichtete 1838 der Schwimmeister das „Fahnenstangenbad“, abgesondert für Geschlechter, als eigene Unternehmung, mit den nötigen Bequemlichkeiten. Im Kaiserwasser, links von der kleinen Taborbrücke, bestand seit 1830 die „Damenschwimmschule“ mit Abteilungen auch für Männer unter dem Namen „Ferdinand- und Maria-Annabad“. Bemerkt sei noch, daß 1810 die Freibäder in der Donau an Plätzen entstanden, die der Sicherheit wegen durch Pfähle mit Stricklinien abgesteckt wurden[636]. Die S. 67 erwähnte Baderstochter von Augsburg, die Herzog Albrecht III. von Bayern 1432 heiratete, ist die bekannte Agnes Bernauer, die auf Betreiben von Albrechts Vater, Herzog Ernst, 1432 zum Tode verurteilt und zu Straubing in der Donau ertränkt wurde. [Sidenote: _Züricher Kalender_] Der S. 76 angeführte Züricher Kalender von 1585 ist der durch Kaspar Wolff gestellte und von Froschauer gedruckte[696]. [Sidenote: _Schröpfen im Bad_] Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern (S. 81) sagt ~Pyrmontanus~ 1597: „Aderlassen oder Schrepffen soll man bey höchster gefahr vermeiden, die jnsonderheit baden wollen“[56]. Gemeint ist das Baden im Wasser von Pyrmont. Von ~Marius~ erfahren wir 1601, daß eine alte Gewohnheit beim Schröpfen war, am Ende mit kaltem Wasser abzukühlen[485]. Die Rolle der „Badstover“ zu Lübeck, die der Handschrift nach Mitte des 14. Jahrhunderts aufgeschrieben wurde, enthält neben Zunftangelegenheiten folgende das Badeleben betreffende Stellen: „Ok so en mach nyn sulves here mannes baden laten des avendes na des dat de vrouwen gebadet hebben by dren marken sulvers na vnser heren gnade, yd en weren vnse heren edder junckheren van der stad vnde erlike borgere ane vrowen to badende (siehe S. 86 u. 87). Ok so en schal nyn knecht de ene mit deme andern in den stoven spelen, de wile dar lude baden, by eneme halven punde.“ Das Amt der Bader bestand 1806 noch aus vier Personen und wurde im gleichen Jahre mit dem der Barbiere vereinigt[689]. [Sidenote: _Sittlichkeit_] Die in den Badestuben (S. 91) und Mineralbädern bestehenden Mißbräuche gingen auch auf die Flußbadeanstalten über. ~Zwierlein~ schreibt 1803: „Pfiffige Wirte waren hierbei nicht müßig und machten Speculation auf die Beutel der Badegäste; sie veranstalteten Bälle, halten anlockende, reizende Mädchen, haben Erfrischungen aller Art, Getränke und Speisen in Bereitschaft, um ihre Badegäste zu laben und zu ermuntern und solchen immer mehr Lust zu dem angenehmen Badegeschäft zu machen, zumal jungen Personen; es wird geschmauset, gespielt, gelärmt, geschwärmt und getanzt bis tief in die Nacht, und so endigt sich in vielen Städten bei den Badeanstalten auf den Flüssen fast jeder Tag .... Andere bleiben dann abends, durch Gesellschaft beredet, im Badehause oder auf dem Badschiffe beim Souppee, schwärmen, spielen, tanzen und schaden sich mehr, als sie durch das Bad gut gemacht haben, in welchen Fehler Jünglinge und andere lustige Brüder gern verfallen. In einer Stadt wurden die Ausschweifungen unter den Badgästen so auffallend, daß sich die Geistlichkeit darein mischte und es dahin brachte, daß die Badeanstalt aufgehoben wurde“[157]. Ähnliche unangenehme Verhältnisse traf ~Munde~ zu Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in einer der ersten Wasserheilanstalten, der zu Elgersburg, an und kämpfte gegen sie ohne jeden Erfolg[647]. Nicht nur in Deutschland (S. 111), sondern auch in Rußland wurde die Badestube als Wohnraum benutzt. So berichtet ~Petri~ in den Pitoresken aus dem Norden, daß man in Rußland die Badestube Leuten zur Wohnung unter der Bedingung überlasse, daß sie im Sommer täglich frische Birkenzweige holen, im Winter aber nackte Zweige in der Badestube zum Ausschlagen bringen[644]. [Sidenote: _Baderuf_] Ein Baderuf (S. 145) sei hier noch angeführt, der aus einem Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts genommen ist, das die Rufe verschiedener Handwerker parodiert. „Wol auf gen pad! Ir herrn, mit lecken, paden und krauen Kan ich versehen wol die frauen“[12]. Wurde in Zürich 1636 und 1650 das Badrufen am Weihnachtsheiligabend verboten (S. 144), so findet es 1748 in den hundertsechsundfünfzig Züricher Ausrufbildern von ~Herrliberger~ keine Erwähnung mehr. Obwohl es zur Zeit keinen Weinrufer mehr gab, bringt ~Herrliberger~ aus geschichtlichem Interesse sein Bild und seinen Ruf. Den Badrufer kennt er aber nicht einmal vom Hörensagen[697]. [Sidenote: _Regimen sanitatis_] Die Mainauer Naturlehre (S. 173) diente zur Grundlage einem Regimen sanitatis, das ein Arzt im 15. Jahrhundert für den Großmeister des deutschen Ordens zu Marienburg bearbeitete. Im Auszug ist es in ~Raumer~s Taschenbuch (1844)[698], vollständig aber in ~Gruner~s Almanach (1784)[699] mitgeteilt. Das Manuskript befindet sich auf der Königsberger Bibliothek. Die das Baden betreffende Stelle lautet: „Ouch genediger herre moget ir vnderczeithen baden noch euwer gewonheit des morgens nuchtern vnd noch dem bade haltdet euch warm besunder das houpt noch dem waschen.“ [Sidenote: _Wichelhausens falsche Schilderung des Badewesens_] Eine vollkommene Unkenntnis des einstigen deutschen Badewesens zeigt ~Wichelhausen~ in seinem 1807 erschienenen geschichtlichen Werke über die Bäder. Vieles hat er des Leibmedikus ~Moehsen~ Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg entnommen, selbst aber noch reichlich Verwirrung angerichtet. Kaiser Karl der Große trug nach ihm „zur Erhaltung des kunstgemäßen Badegebrauches nicht wenig bei“. Unter dessen ersten Nachfolgern scheint sich der Badegebrauch noch erhalten, im 10., 11. und 12. Jahrhundert aber abgenommen zu haben. ~Moehsen~ behauptet, daß die Bäder damals in Deutschland vernachlässigt worden. Daß der Gebrauch derselben in diesen Zeiten der bürgerlichen Kriege und der Anarchie sehr abgenommen, erhellt auch daraus, was ~Moehsen~ anführt. Er behauptet, daß es in diesem Zeitalter den Regenten und Geistlichen schwer geworden wäre, die Menschen an Reinlichkeit und den Gebrauch der Bäder zu gewöhnen, die doch wegen des herrschenden Aussatzes doppelt notwendig gewesen. Die Mönche bedienten sich in der Hinsicht damals des Kunstgriffes, daß sie den Badegebrauch durch religiöse Grundsätze heiligten, indem sie behaupteten, daß durch das Baden die Sünden abgewaschen und Absolution von allen Vergehungen erhalten werden könnte. Diese Bäder nannten sie Seelenbäder (balnea animarum, refrigeria animi). Unter diesem Vorwande erhielten sie Vermächtnisse, wofür sich arme Leute entweder in den Klöstern, in den Hospitälern oder den Badestuben frei baden durften, auch auf Verlangen geschröpft und zur Ader gelassen werden konnten und gespeiset oder mit Brot, Bier und Salz beschenkt wurden. Diese Werke der Wohltätigkeit sollten auf das Wohl der Seelen der Stifter im Fegefeuer einen Einfluß haben, sie abkühlen und ihre Pein vermindern. Die Ritter und Knappen scheinen damals auch keine Muster der Reinlichkeit gewesen zu sein und an Bädern großen Gefallen gefunden zu haben, weil ein Gesetz notwendig war, nach welchem kein Ritter nicht am Abend vorher gebadet und ihre schmutzigen langen Bärte hatten abnehmen lassen. Auch durfte damals kein Brautpaar getrauet und kein Gast zur Hochzeit gelassen werden, wenn sie sich nicht vorher gebadet hatten. Die Handwerker suchte man dadurch an die Bäder zu gewöhnen, daß sie alle Sonnabend durch eine Prozession der Lehrlinge der Bader unter dem Klange der Becken zum Baden aufgemuntert wurden.“ Schon seit der Mitte des 14. (!) Jahrhunderts sollen sich die Badeanstalten allmählich infolge ansteckender Krankheiten ihrem gänzlichen Verfall im abendländischen Europa genähert haben. „Die große, schreckliche, aus dem Morgenlande gekommene Pest, welche von dem Jahre 1347 oder nach anderen 1348 an, den größten Teil der Bevölkerung von Europa aufrieb, hat zuverlässig die Vernachlässigung der Bäder zur Folge gehabt“[155]. [Sidenote: _Gebrauch der Thermometer_] Das Thermometer fand zur Bestimmung des Badewassers erst allmählich volle Anerkennung. 1793 sagt noch ~Zwierlein~, es könne nicht zum allgemeinen Maßstab dienen, das Gefühl sei der richtigste Wärmemesser[656], andere wollten wieder, man solle mit dem Thermometer feststellen, ob sich die Temperatur nicht über und nicht unter bestimmten Graden befände, innerhalb derselben müsse das Gefühl entscheiden. In den Kurorten wurde im allgemeinen der Gebrauch des Thermometers vernachlässigt. Das Journal des Luxus und der Moden warf ~Marcard~ vor, daß er wohl in seinen Schriften die verschiedene Wirkung verschieden warmer Bäder erörtere, in seinem Bad Pyrmont die Bäderwärter die vorgeschriebene Temperatur des Bades aber gar nicht beachteten. ~Wetzler~ fand (1822) in zwanzig Bädern nur zwei Thermometer. Wenn er danach fragte, hieß es immer, sie seien erst vor ein paar Tagen zerbrochen worden[370]. ~Hufeland~ rühmte dagegen 1815 die pünktliche Temperaturmessung in Nenndorf, wo besondere Badethermometer auf einer Korkscheibe senkrecht im Wasser schwammen und man die Veränderung der Wärme während des Badens beobachten konnte, um rechtzeitig einen nötigen Zusatz von warmem Wasser feststellen zu können[642]. Sehr viele Thermometer wichen in ihren Angaben vom Normalen ab. Als die besten galten gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts die ~Ramsden~schen Badethermometer, doch sagt ~Kahtlor~ 1722, daß man jetzt vollkommen richtige auch in Deutschland anfertige, und er rühmt die Fabrikate aus Frankfurt a.❆M., Jena, Nürnberg und Wien, die manchem ~Ramsden~schen vorzuziehen seien[644]. [Sidenote: _Wildbad Gastein_] Wildbad Gastein (S. 227, S. 269 und Abb. 121) behielt bis ins 19. Jahrhundert seinen alten Charakter. 1832 besaß es zwanzig Häuser, von denen mit Ausnahme des Schlosses und des erzherzoglich Johannschen Gebäudes kaum drei steinern waren. „Untersuchen wir nun die innere Beschaffenheit derselben, so kommen wir leider abermals zu keinem tröstlicheren Resultate; denn mit Ausnahme des Schlosses und zum Teil des neuen Straubinger und Grabenwirtshauses, dann der Wohnung des Chirurgen sind alle übrigen und namentlich das dreihundert Jahre alte, ganz und gar aus Holz gebaute und daher mit Recht die alte Straubingerhütte[A] genannte Haus höchst dürftig und unbequem. Wer die Beschreibungen vom Gasteiner Wildbad früher gelesen hat, kommt ohnehin mit einer bangen Erwartung hier an; hat er aber das Unglück, in eine solche erbärmliche, bretterne Spelunke verwiesen zu werden, dann fällt ihm der Mut gewaltig, und nur die unerwartete Überzeugung von der Gleichgiltigkeit, womit die andern Badegäste das gemeinschaftliche unvermeidliche Mißgeschick tragen, muntert ihn einigermaßen auf, ein Gleiches zu thun.“ Folgende Anekdote wurde von einem Gasteiner Tavernisten erzählt: „Einer dieser letzteren äußerte sich über die unbilligen und übertriebenen Forderungen der jetzigen Badegäste ungefähr also: Ich weiß nicht, was die Leute heut zu Tag alles begehren; sonst waren gar viele froh, wenn sie in der Gastein auf Heu schlafen konnten; die Vornehmen legte ich je zwei und zwei in ein Bett, und solcher Betten standen zwei bis drei in einem Zimmer; nur in ganz besonderen Fällen wurde einer einzelnen Person ein einzelnes Zimmer zu Teil; jetzt will jeder Gast gleich dem größten Herrn bedient und für sich allein bequartiert sein!“ Über die Beschaffenheit der Bäder sagt dieselbe Schrift: „In dieser Hinsicht werde ich mich wieder vorzugsweise an die Straubingerschen halten, da jene im Schloß, sowie alles daselbst, keiner Kritik bedürfen, und diese unter den übrigen nicht allein die zahlreichsten, sondern auch die zweckmäßigsten sind. Das alte Straubingerhaus besitzt sieben Bäder und zwar ein Kommun- oder gemeinschaftliches, dann vier Solitär- oder Separat- und zwei für gemeine Leute bestimmte Bäder; im neuen Hause befinden sich ein Vollbad und zwei Einzelnbäder. Außerdem besitzt der Mitterwirt drei und der Grabenwirt ebenfalls drei Bäder, und endlich ist noch in dem Hause des Chirurgen das sogenannte Schröpf- oder Krükenbad. Die gemeinschaftlichen oder Vollbäder sind alle kaum so groß, daß zwölf bis sechszehn Personnen bequem zusammen baden können, d.❆h. jedoch nur in dem Fall, wenn die Ankleidezimmer darnach eingerichtet wären. Diese aber sind in einer Art angelegt, daß man sich nicht genug über den Baumeister wundern kann. Denn hat man sich eine zweiundvierzig Stufen zählende, ziemlich steile Stiege mühsam hinabgeschleppt, so gelangt man durch einen engen Gang in die bretternen Verschläge, die man Ankleidezimmer nennt. Sie sind sämtlich so eng, daß sich höchstens zwei Personen zu gleicher Zeit an- und auskleiden können, aber dabei so finster, daß man anfangs beim Eintritt ganz blind zu sein scheint, und endlich bieten sie zur Bequemlichkeit außer einer kaum einen Schuh breiten, längs der Wand hinlaufenden hölzernen Bank ein paar Nägel zum Aufhängen der Kleider und einem eisernen Ofen zum Wärmen der Badewäsche weiter nichts dar. Ein jedes Vollbad besitzt, was ebenfalls unbegreiflich ist, nur ein solches Zimmer, und man kann sich demnach leicht denken, wie sehr die Badegäste hier beengt sind, indem beide Geschlechter sich desselben Zimmers bedienen müssen und der kleine Raum desselben nicht gestattet, auf einmal mehr als zwei Personen aufzunehmen. Die Solitärbäder sind nur etwas wenig kleiner, entsprechen daher ihrem Zweck insofern gar nicht, als sie für jedes einzelne Bad nicht besonders ab- und vollgelassen werden können, weil sie zu groß sind und daher zu langsam erkalten würden. Man badet also auch hier zumeist in demselben Wasser, worin sich früher ein Anderer schon befunden hat. Alle Bäder haben den gemeinschaftlichen Fehler, daß sie nur mit einem bretternen Dach bedeckt, daher nicht selten dem Wind und Wetter zu sehr Preis gegeben sind, indem es sich selbst in diesem Jahr sogar ereignet hat, daß die Badenden mit Schneeflocken heimgesucht wurden ..... Endlich kann ich nicht ungerügt lassen, daß in den sämtlichen Bädern längs den Wänden des Wasserbehälters nur zwei Bänke angebracht sind, und daß daher Kinder und solche Kranke, welche z.❆B. nur die untern Gliedmaßen und das Gesäß in Wasser setzen wollen, so wie sehr Schwache, da sie sich nirgends als an der Bank zu halten vermögen, ohne besondere Unterstützung nicht baden können.“ Die „ungünstige und wahrhaft furchtbare“ Lage des Wildbades Gastein regte den Gedanken an, das Wasser nach einer für Bauten günstigeren Stelle zu leiten. Schon im Jahre 1760 hatte der Erzbischof Sigmund von Schrattenbach eine kleine Badeanstalt für zwölf Personen unterhalb des Wildbades bei der sogenannten Badbrücke errichtet, die aber nach dem Tode des Erbauers wegen Gefährdung durch die wilde Kötschach einging. Spätere Pläne, darunter einer, das Wasser aufwärts zu leiten, scheiterten aus verschiedenen Gründen, bis 1829 der Bau der Wasserleitung nach Hof Gastein — zwei-undeinviertel Stunde vom Wildbad gelegen — in Angriff genommen wurde. Das Wasser, das mit 36° R im Bad entspringt, traf mit 26 bis 29° im Hof ein. Übrigens wurde es schon früher in Fässern nach dem dreizehn Meilen entfernten Salzburg mit Postpferden geführt und konnte daselbst noch mit 29° R zum Baden gebraucht werden. Auch nach Hof Gastein wurde schon vor Herstellung der Leitung seit 1824 das Wasser vom Wildbade fuhrenweise in Fässern in die Brauerei hinabgeführt, wo in Wannen gebadet wurde. Eine zweispännige Fuhre reichte für sechs Bäder hin[688]. [Sidenote: _Fabian Sommer über Karlsbad 1572_] Schon ~Fabian Sommer~ erwähnt in seinem Buche über Karlsbad (deutsch nach seinem Tode 1572 von seinem Bruder Matthias herausgegeben), daß man beim „Brudel“ (Sprudel) Eier koche, Hühner, Gänse und Schweine abbrühe (S. 267 und Abb. 144). „Aber das wir wider auff den Brudel kommen, beim Stege auff der lincken seiten, da man von der Kirchen herunter gehet, ist ein ebener blatz, dahin das Wasser zu mancherley nutz fleusset, denn daselbst die Hüner, Gense (wie oben berurt), Enten, Schwein, mit dem heissen Wasser abgebrüet werden, daselbst reibet vnd weschet man allerley gefes, vnd mit dem Wasser brühet man dem Vieh das Grummet an, vnd sonst machet man allerley garstige weide rein, daselbst fenget man das warme Wasser, welchs den Becken zum kneten vnd backen sehr dienstlich, vnd ist das Wasser fast zu allen dingen nützlich, darzu man sonst das schlecht gesottene Wasser gebrauchet.“ [Sidenote: _Die Bäder und die Quellen in Karlsbad_] An das Sprudelgehäuse „sind viel Rinnen geleget, welche denn das Wasser an alle örter, in der Wirte Heuser zum baden einführen .... Auff das ich aber widerumb komme auff die Rinnen, die in die zwey Heuslein angesetzet, so sind derselben sehr viel vnd mancherley in vnd nach einander gesetzet, Denn etliche in die lenge, etliche in die breite vber das Wasser auffgerichtet, vnnd in der Bürger Heuser eingefüret werden, dadurch das Wasser in die Bade einfliessen möge (S. 334 und Abb. 142). Von dem ort (Hospital), wenn man hienauffwarts nach dem Marckt zugehet, seind die Wirdt gegen der Döpel zu, vnd die Herbergen für diese Geste, so eines bessern vermügens sind, vnter welchen etliche zwey, etliche drey, etliche auch vier Bade haben, welche für allerley gelegenheit vnd kranckheit frembder Leut auffgebawet sind. Vnd treget sich offt zu, dieweil jr viel in einem Hause sind, denen doch nicht zugleich mit einander zu baden geraten, das ein Gast ein bad für sich, der ander dergleichen ein anders, vnd so fort an, jnnen hat. Eben an denselben ort da man nach dem Stege (beim Sprudel) zugehet, ist das grosse gemeine Bad, welches in zwey Theil vnterschiedlich gebawet ist, denn in den ersten die Menner, in den andern die Weiber baden (Abb. 144). Vnd mag in denselbigen jederman beyde frembde vnd Inwoner baden, wo sie nicht kretzig, aussetzig, oder dergleichen schedliche vnnd schwirichte kranckheit an sich haben, denn inn diesen fellen werden sie inn andere Bad gewiesen, welche hart bey den gemeinen Baden sind gelegen. Denn für diese Krancken hat man drey Bad auffgebawet, die nach eines jeden kranckheit ort vnterschieden, Denn in dem ersten baden die schlechts kretzig sind, in dem andern so aussetzig (vgl. S. 200), in dem dritten so mit hefftigen vnd gefehrlichen geschwüren beladen sind. (Die Angabe ~Becher~s S. 200, daß nach ~Sommer~ Kretzige und Aussätzige in Karlsbad zusammen badeten, ist demnach nicht richtig). Es wolte sich aber wol gebüren das die Aussetzigen oder mit andern gefehrlichen Geschwürn befleckten Leut, an einem andern von gesunder leut gemeinschafft abgesünderten ort, mit sonderlichem baden versorget würden. Welches beyde den Auslendischen die jhre Krancken fast alle Jar ins warme Bad verschicken (siehe S. 200), vnd den Inwohnern gebüren wil. Wiewol ohne das die Inwohner mehr denn zu viel von armen leuten, auch sonsten von allerley Streichern vnd Stürtzern beschweret werden .... Es ist auch vor etlichen Jaren ein Geschrey in viel Lender kommen, als solte das Wasser wegen der Inwohner Geitz aussen blieben sein (vgl. S. 330). Vnd ob ich wol den Geitz nicht lobe, sondern viel mehr als ein Laster straffe, Doch so ist des aussenbliebenen Wassers, dieses nicht die vrsach, sondern weil es an eim andern ort sich gesamlet vnd auffgesprungen ist, hat dieser Brudel auffgehöret (vgl. S. 336) .... Eben an dem ort, da jetzt das Rathaus stehet, sind vor zeiten die gemeinen Bad gestanden, die jetzt vber den Steg bey der Döpel gelegen. Vnnd dieselbigen Bad waren an einem nidrigen ort auffgebawet, mit Mawren verwahret, vnd also vnterschieden, wie diese so jetzt für Man vnnd Weibs Person vnterschiedlich sind auffgebawet. Es ist aber das sehr heisse Wasser, von dem Brudel, vber die Döpel, in die alten gemeine Bade, so beym Rathaus gestanden, eingeführet worden. Vnd weil das Wasser allzu heis gewesen, ist das lalichte welches an bemeltem ort auffgequollen, das es zu baden bequem vnnd nützlich werden möchte, durch sonderliche Rinnen ins heisse Wasser eingefüret, vnnd damit vermenget worden.“ [Sidenote: _Die Karlsbader Badekuren_] Dieses laue Wasser, in dem Kaiser Karl IV. gebadet haben sollte, das 1572 aber unbenutzt war, hatte die Haut so heftig aufgebissen, daß es des Fressers Namen bekommen. Das laue Creusinbad, dessen Quelle zur gleichen Zeit mit Mist verschüttet war, hieß aus demselben Grunde der Fresser. Auch von anderen lauen Adern hebt ~Sommer~ hervor, daß sie die Haut aufbissen, die heißen Quellen auch dann, wenn das Wasser etwas kühler und lauer geworden war. Wie schon S. 252 erwähnt, bildete das Baden mit dem Aufbeißen der Haut in Karlsbad eine besondere Badeart neben dem gewöhnlichen Baden. Bei letzterem ließ ~Sommer~ im warmen Wasser vierzehn oder fünfzehn Tage mit Ansteigen bis fünf Stunden täglich baden. Einen Ausschlag erwähnt er bei der Beschreibung dieser Kur nicht, er scheint aber doch aufgetreten zu sein; denn an anderer Stelle sagt ~Sommer~: „Aber wenn das wasser etwas wermer ist, so wird dieselbe verschlossene vnd kalte materien beweget vnd thetig, das daraus kretz, Bletterlein vnnd dergleichen geschwür erfolgen. Aber man mus darumb nicht gedencken, dieweil das warme Wasser solche kretz heraus in die Haut treibet, das es dieselbe auch auffbeisse.“ [Sidenote: _Der Fresser_] Das Aufbeißen der Haut war demnach nur eine besondere, mit starker Entzündung derselben einhergehende Form des Badeausschlags, bei der der Leib offen war und die böse Materie herausfloß. Nach ~Sommer~ sollte man am Tag bis zwölf Stunden baden, die Kranken taten es aber bis zwei Tage und Nächte hintereinander und darüber. Daß bei diesem langen Baden der Ausschlag stärker ausfiel als bei fünfstündigem am Tag, ist selbstverständlich, im Gegensatz zu allen anderen Bädern geschah dies aber in Karlsbad nicht im warmen, sondern im lauen oder gar kalten Wasser; denn Sommer kämpft gegen die Ratschläge der Wirte, daß die Gäste kalt baden sollten, wenn ihnen auch die Haut darüber schauern möchte, sagt aber selbst: „Da aber einer mit dem baden, vnd auffbeissen eilen wolte, sol er das Wasser nicht alle tage auslassen, sondern ein drey, oder vier tage lassen stehen, denn wenn es stehet (also doch kalt ist!), wird es scherffer, vnd beisset die Haut desto eher auff.“ [Sidenote: _Eigenart des Karlsbader Wassers beim Baden_] Das Karlsbader Wasser muß also ganz besondere Eigenschaften haben; denn allgemein galt, das warme Wasser „beisse die Haut auff, vnd mache sie schwürich, welches doch nicht ist,“ wie ~Sommer~ auf Grund seiner Erfahrung in Karlsbad annimmt, „sondern wie zuuor vormeldet, das warme Wasser machet widerumb gantz vnd heilet“. Ausnahmen kämen allerdings vor. Man war damals verschiedener Meinung über die Ursache der eigenartigen Wirkung. „Die erste vrsach, warumb das lalichte wasser auffbeisset“, schreibt ~Sommer~, „stehet inn des Alauns, Vitriols, vnnd Salpeters scherffe, welche mineren im warmen Wasser, wenn es lalicht worden, gar krefftiger wircken. Denn so das Wasser warm ist, so werden die theil der vorbenandten mineren zurstrewet, vnd etwas stumpffer, das sie nicht so thetig in warmen, als in lalichten wasser sein können. Wenn aber wie gesaget, das wasser lalichter ist worden, werden sie etwas scherffers vnd thetigers, dieweil die hitze (welche die jetzt bemelten mineren etwas vndüchtig gemacht) dem wasser entgangen ist. Die ander vrsach ist, das keine fettigkeit mehr vorhanden ist, vom Kalch weisser vnd roter Erden, wie wir oben Bergröte vnnd Bergweisse genandt haben. Denn wenn die zehen feuchtigkeiten durch die hitze im wasser allent halben beysammen vnd gantz bleibet, vnd nicht durch den Braden vnd das auskülen von dem Wasser abgesondert werden, so dempffen sie die obbemelte mineren das sie jre kreffte, nicht haben vnd wircken können, denn die fettigkeit drückt vnter die scherff der jetzt benandten mineren. Wenn sich aber solche zehe vnd schleimichte fettigkeit, durch das ausbrednen verliret (welches geschieht, wenn das Wasser kalt wird) werden die Mineren, so von der zehen fettigkeit frey sein, viel krefftiger vnnd thetiger. Vnnd aus diesen zweyen vrsachen beisset das kalte Wasser die haut auff, nemlich weil die hitz dem Wasser entgangen vnd fettigkeit des kalchs, Schwefels, Bergröt, vnd Bergweis durchs ausbrednen zerstrewet, welche fettigkeit zuuor, da das Wasser warm war, bemelte mineren krafft vnd wirckung gedempfet hat.“ Im gleichen Sinne erklärt er, warum das warme Wasser die Haut wiederum zuheile. ~Sommer~ hat an der Wahrheit wohl nicht allzuweit vorbeigeschossen, wenn er die Wirkung verschieden temperierter Bäder von Karlsbader Wasser dem verschiedenen Verhalten der mineralischen Bestandteile zuschreibt. Vielleicht kann uns heute die physikalische Chemie darüber aufklären, warum die mineralischen Bestandteile des Karlsbades in heißem Wasser weniger reizend als in lauem oder kaltem wirken. [Sidenote: _Trinkkuren_] ~Sommer~ wandte sich gegen den gleichzeitigen Gebrauch einer Trink- und Badekur. Manche tranken einen Tag, den anderen badeten sie, andere tranken früh und badeten am Nachmittag, und wieder andere hatten den bösesten Brauch, im Bade Mineralwasser zu trinken. Sechs oder sieben Tage sollte die Trinkkur betragen, an die sich die Badekur, wenn vonnöten, anzuschließen hatte. [Sidenote: _Duschen / Dampfbäder in Karlsbad_] Eingehends handelt ~Sommer~ von der „Trefft“ (Dusche), die, wie wir ja sahen, in Karlsbad reichliche Anwendung fand. Die „Stuffen“ (Dampfbäder über den Quellen) waren aber noch nicht in Gebrauch. ~Sommer~ machte Vorschläge zur Errichtung derselben[684]. [A] „~Westenrieder~ nennt diese Hütte eine armselige, unbehülfliche, modernde, traurige und gefahrvolle und sagt, daß die Fußböden und Stubenwände so dünn sind und hörig, daß man jeden leisen Tritt über sich wie ein Geklapper, jede leise Bewegung und Stimme eines Gastes neben sich, als stünde er vor uns, vernehmen kann; ferner daß fast keine Stube mehr in ihrer ursprünglichen, rechtwinkligen Lage, sondern die meisten sichtlich verschoben und auf einer Seite bedeutend abhängig, endlich daß die alten Treppen stark gespalten und so wie die Abtritte, welche in der freien Luft über Abgründen schweben, das tief unten vorbeischäumende Wasser erblicken lassen. Und diese Beschreibung, wer wundert sich darüber nicht! paßt heute (1832) nach zwanzig Jahren noch aufs genaueste! — ~Blumauer~ sagt in seiner Epistel vom Jahre 1785: ............... die Fenster alle Stehn mit dem Wind Jahr aus Jahr ein Dem Ansehn nach in förmlichen Tractaten, Ihm stets den Durchgang zu gestatten.“ LITERATUR 1. +Tacitus+, Germania. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Die Urzeit. Bd. 1. Berlin, 1849. 2. +Alpenpost+. Bd. 7. Zürich, 1874. 3. +Heyne+, Fünf Bücher deutscher Hausaltertümer. Bd. 1 (Wohnungswesen), Bd. 3 (Körperpflege und Kleidung). Leipzig, 1899 u. 1903. 4. +Schreger+, Balneotechnik oder Anleitung, Kunstbäder zu bereiten und anzuwenden. Fürth, 1803. 5a. +Retzius+, Finland i nordiska museet; några bidrag till kannedomen om finnarnes gamla odling (Bidrag till vår odlings häfder ut gifna af Artur Hazelius. I.). Stockholm, Beijers Förlag, 1881. 5b. Dasselbe Buch, übersetzt von +Appel+. Berlin, 1885. 6. Badenfahrt von +Thomas Murner+. Neudruck nach der Ausgabe Straßburg 1514. Mit Erläuterungen insbesondere über das altdeutsche Badewesen von +Martin+. Straßburg, 1887. Beiträge zur Landes- und Volkskunde von Elsaß-Lothringen. Bd. 1. Straßburg, 1889. 7. +Kochendörffer+, Zum mittelalterlichen Badewesen. Zeitschrift für deutsche Philologie. Bd. 24. Halle, 1892. 8. +Keller+, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich, 1844. 9. Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen vnd Völckeren Chronick wirdiger thaaten beschreybung .... Durch +Johann Stumpfen+. Zürych, 1548. 10. +Herbords+ Leben des Bischofs +Otto von Bamberg+. Übersetzt von +Prutz+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. XII. Jahrhundert. Bd. 6. Berlin, 1869. 11. Die +Stretlinger Chronik+. Herausgegeben von +Baechtold+. Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz. Bd. 1. Frauenfeld, 1877. 12. +Fastnachtspiele+ aus dem 15. Jahrhundert. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 28, 29, 30 und Nachlese Bd. 47. Stuttgart, 1853 und 1858. 13. +Ekkeharti+ (IV.) Casus sancti Galli, herausgegeben von +Meyer von Knonau+. Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte. Heft 15 und 16. St. Gallen, 1877. — Deutsch von +Meyer von Knonau+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. X. Jahrhundert. Bd. 11. Leipzig, 1878. Dort Bruchstücke aus Cod. Nr. 915 (lat. Mitteilungen usw. Heft 11). 14. +Stephani+, Der älteste deutsche Wohnbau und seine Einrichtung. Bd. 2. Leipzig, 1903. 15. Der +Mönch von St. Gallen+ über die Taten Karls des Großen. Übersetzt von +Waltenbach+. Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. IX. Jahrhundert. Bd. 13. Berlin, 1850. 16. +Zappert+, Über das Badewesen mittelalterlicher und späterer Zeit. Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Bd. 21. Wien, 1859. 17. +von Arx+, Geschichten des Kantons St. Gallen. St. Gallen, 1810–1813. 18. +Sach+, Deutsches Leben in der Vergangenheit. Halle, 1890 u. 1891. 19. +Grimm+, Deutsche Mythologie. 4. Ausgabe von +Meyer+. Berlin und Gütersloh, 1877. 20. +Scheuchzer+, Beschreibung der Naturgeschichten des Schweizerlands. Zürich, 1706–1708. 21. Von dem Bad Pfeffers. Gelegen in ober Schweitz, von seinen tugenten, krefften, vnd wirckung, vrsprung vnd herkommen, Regiment vnd ordinantz. Durch den hochgelehrten, vnd erfarnen baider artzney Doctorem Philippum Theophrastum +Paracelsum+. Getruckt zů Straßburg, bey Christian Müller, MDLXXI. 22. Gvilhelmi +Fabricii Hildani+ ... Consilivm: In quo de conservanda valetudine, item, de thermis Vallesianis, et acidulis Griesbachcensibus ... agitur. Accessit epistola ..., in qua de thermis Piperinis, et nonnullis aliis, lectu dignis, agitur. Francofvrti, MDCXXIX. 23. +Brügger+, Ostrhätische Studien zur Geschichte des Badelebens, insbesondere der Kurorte Bormio und St. Moritz. Zürich, 1863. 24. +Uhland+, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder. Bd. 1. Abt. 2. Stuttgart und Tübingen, 1845. 25. +Regimen Sanitatis+. Dis ist das Regiment der gesuntheit durch all monat des gantzen iors wie man sich halten soll mit essen vnd trincken vnd ouch von lossen u. Impressum Argentine per Mathiam Brant im Rosengarten u. Anno dni. im V. ior (1505). 26. Ein +kalender+ mit sinem nüwen vnd stunden vs des hochgelerten doctor iohannis +kung+ (Kungsberger) sunst vil subtiler sachen mit vil figuren.... Getruckt in der keiserlichen statt +Zürich+ durch +Hansen am wasen+ ... 1508. 27. Johann Wilhelm +Simlers+ Teutscher Getichten die vierte, von Ihme selbsten und auß hinterlassenen Schrifften um einen Viertheil vermehrt- und verbesserte Außfertigung. Zürich, 1688. 28. +Wackernagel+, Das deutsche Kirchenlied. Stuttgart, 1841. 29. Hans +Sachs+’ Werke. Herausgegeben von +Arnold+. Berlin und Stuttgart. — Dichtungen von Hans +Sachs+. Herausgegeben von +Goedeke+. 1. Teil: Geistliche und weltliche Lieder. Leipzig, 1870. — Hans +Sachs+’ Werke. Herausgegeben von +Keller+ und +Götze+. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 102 ff. Tübingen, 1870 ff. 30. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 4. Stuttgart und Leipzig, 1846. 31. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 8. Stuttgart und Leipzig, 1847. 32. +Fricker+, Geschichte der Stadt und Bäder zu Baden. Aarau, 1880. 33. +Kraus+, Die Miniaturen der +Manesse+schen Liederhandschrift. Im Auftrage des Großherzoglich Badischen Ministeriums. Straßburg, Trübner, 1887. 34. +Simrock+, Handbuch der deutschen Mythologie. Bonn, 1864. 35. Warhafftige vnd fleissige beschreibung der Vralten Statt vnd Graueschafft Baden, sampt jher heilsamen warmen Wildbedern, so in der hochloblichen Eydgnoschafft inn dem Ergöw gelegen .... durch Heinrich +Pantaleon+ der Philosophey vnnd Artzney Doctor zu Basel jetzt erstlich verzeichnet. Getruckt zu Basel, Anno 1578. 36. (Hanns +Achtsinit+), Ein Badenfart gůter gsellen. 37. (Hanz +Foltz+, Meistersänger und Barbier), Dises puchlin saget vns von allen paden die von natur heiß sein. (Nürnberg um 1480.) Neudruck, Straßburg, Heitz (Heitz & Mündel), 1896. 38. +von Liebenau+, Das Gasthof- und Wirthshauswesen der Schweiz in älterer Zeit. Zürich, 1891. 39. +Heß+, Basler Kulturbilder aus dem 16. und dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Basler Jahrbuch, 1905. 40. +Krieg von Hochfelden+, Die beiden Schlösser zu Baden, ehemals und jetzt. Karlsruhe, 1851. 41. Des +Himmels Lauffes Wirckung+, vnnd Natürliche Influentz der Planeten, Gestirn vnd Zeychen, auß grund der Istronomei, nach jeder zeit, jar, tag vnd stunden Constellation. In Natiuiteten, zur Artznet, wolfart vnd allem leben der menschen zu wissen von nöten. Getruckt zu Franckfort am Meyn, bei Christian Egenolffs Erben. Anno M. D. LVI. 42. Monatliche +Gesundheitsregeln+. Taschenbuch für vaterländische Geschichte. 33. Jahrg. Berlin, 1844. 43. +Baader+, Vorschriften eines mittelalterlichen Kalenders über Gesundheitspflege. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 11. Nürnberg, 1864. 44. +Meinauer Naturlehre+. Herausgegeben von +Wackernagel+. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 22. Stuttgart, 1851. 45. Conradi +Celtis+ ... quatuor libri amorum. Anno M D. noui seculi II. Inpressa Noribergae. 46. +Schmeller+, Bayrisches Wörterbuch. 1.–3. Teil. Stuttgart und Tübingen, 1827–1836. — +Schmeller-Frommann+, Bayerisches Wörterbuch. 2. Aufl. Stuttgart und Tübingen, 1872 und 1877. 47. Eyn new Badenfart. Wildt Bäder +L. Friessen+, sampt einer trewen vnderrichtung wie mann sich vor, inn, vnd nach dem Bad halten soll, Das erst Bůch. Haymische wasser vnd schweys Bäder, für das grün, steyn, vnd lame glieder .... +Ottho Brunßfelsii+, das ander Bůch ... Von newem außgangen, vnd getruckt zů Straßburg bei M. Jacob Cammer Lander von Mentz. 48. Newe heilsame vnnd nutzliche Badenfart .... Beschrieben durch D. Gualterum +H. Riuium+ Medicum et Chirurgum. Gedruckt zu Wirtzburg durch Johan Myller, MDXLIX. 49. +von Liliencron+, Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13.–16. Jahrhundert. Bd. 1 und 3. Leipzig, 1865 und 1867. 50. +Jäger+, Ulms Verfassungs-, bürgerliches und commercielles Leben im Mittelalter. Schwäbisches Städtewesen. Bd. 1. Stuttgart und Heilbronn, 1831. 51. +Birlinger+, Aus Schwaben. Bd. 2. Sitten- und Rechtsgebräuche. Wiesbaden, 1874. 52. +Becker+, Geschichte der Medizin in Hildesheim während des Mittelalters. Zeitschrift für klinische Medizin. Bd. 38. Berlin, 1899. 53. Aus dem mittelalterlichen Badeleben. 1. Badereise der Frau Anna von Weinsberg in das Wildbad 15. Sept.-1. Okt. 1436. Mitgeteilt von +Boger+. 2. Badordnung für das Bad Mainhardt. Mitgeteilt von +Bossert+. Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jg. 2. Stuttgart, 1879. 54. +Steinhausen+, Deutsche Privatbriefe des Mittelalters. Bd. 1. Denkmäler der deutschen Kulturgeschichte, I. Abt., 1. Bd. Berlin, 1899. 55. +Thilenius+, Über die Winterbäder. Taschenbuch für Gesundbrunnen auf das Jahr 1817 von Fenner. Darmstadt, 1817. 56. Fons sacer, Das ist, Beschreibung der Wunderbaren, Köstlichen vnd Weitberümbten Heiligbrunnen, gelegen in der Graffschafft Pyrmont. ... Auctore Johanne +Pyrmontano+ aliâs +Feurbergk+, Lugdunensi, Scholae patriae Moderatore. Gedruckt zu Lemgo, durch Conrad Grothen Erben, Anno 1597. 57. +Troll+, Geschichte der Stadt Winterthur. 3. und 4. Teil. Winterthur, 1843 und 1844. 58. +Hauser+, Das Sondersiechenhaus zu St. Georg bei Winterthur. Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft von Winterthur, 1901. 59. +Guler von Weineck+, Raetia. Zürych, 1616. 60. +Jos. Simler+, Regiment gemeiner löblicher Eydgnoschafft. Zürich, 1576. 61. +Mone+, Über Krankenpflege vom 13. bis 16. Jahrhundert. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 2. Karlsruhe, 1851. 62. Abschrift mehrer +Zunft- und Gewerbs-Ordnungen+ der Stadt +Regensburg+. Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz und von Regensburg. Bd. 8. Regensburg, 1844. 63. Die +Johannisbäder+, oder der Gebrauch 24 Stunden lang in ein Bad zu sitzen. Würtembergische Jahrbücher, 1823. 64. +Rößlin+, Des Elsäss vnd gegen Lotringen grentzenden Wassgawischen Gebirgs gelegenheit, vnd Commoditeten inn Victualien vnd Mineralien: vnnd dann der Mineralischen Wassern, sonderlich dessen zu Niderbronn Hanawischen Liechtenbergischen gebiets, generation vnd wirckung. Strassburg, 1593. 65. +Sebizius+, Beschreibung vnd Widerlegung etlicher Mißbräuche vnd Irrthumb, so biß anhero in dem Gebrauch der Saurbrunnen, vnd andern warmen vnd kalten Bädern bey uns fürgangen .... Straßburg, 1647. 66. Salomonis +Braunen+, Med: Doct.: .... Teutscher Jordan oder Biberacher Bad. Augsburg, 1673. 67. +Zeiller+, Itinerarium Germaniae nov-antiquae. Teutsches Reyßbuch. Straßburg, 1632. 68. +Wolf+, Beiträge zur deutschen Mythologie. 2. Abt. Göttingen, 1857. 69. +Schwenckfeldt+, Hirschbergischen warmen Bades, in Schlesien vnter dem Riesen Gebürge gelegen, kurtze vnd einfältige Beschreibung .... Görlitz, 1607. 70. +Lersch+, Geschichte der Balneologie, Hydropsie und Pegologie oder der Gebrauch des Wassers zu religiösen, diätetischen und medicinischen Zwecken. Würzburg, 1863. 71. +Nork+, Der Festkalender. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 7. Stuttgart und Leipzig, 1847. 72. (+Martin+), Die Nonnenkirche und die Nonnenkirmes zu Blankenhain. Thüringer Monatsblätter. Jg. 8. Eisenach, 1900. 73. +Fischer+, Schwäbisches Wörterbuch. Bd. 1. Tübingen, 1904. 74. Vom +Aberglauben zu Osterode+ am Harze. Journal von und für Deutschland. Herausgegeben von Siegmund Freyherrn +von Bibra+ (in Fulda). Jg. 5. 1788. 75. +Wuttke+, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart. 2. Bearbeitung. Berlin, 1869. 76. Wunderliche und warhafftige Gesichte +Philanders von Sittewald+, Das ist Straff-Schrifften Hans-Michael +Moscherosch+ von Wilstädt. 1. Theil. Jetzo wider von neuem auffgelegt. Straßburg, 1677. 77. +Cysat+, Beschreibung deß Berühmten Lucerner- oder 4. Waldstätten Sees. Lucern, 1661. 78. +Runge+, Der Quellkultus in der Schweiz. S.-A. Monatsschrift des wissenschaftlichen Vereins in Zürich, 1859. 79. +Simler+, Vallesiae Descriptio. De Alpibus Commentarius. Tiguri, 1574. 80. Von heilsamen Bädern des Teütschenlands, .... zůsammen getragen, Durch Johannem Jacobum +Huggelium+, der Artzney Doctorn zů Basel. 1559. Getruckt zu Mülhusen im obern Elsaß durch Hans Schirenbrand vnnd Peter Schmid. 81. +Kempfe+, Genaue und eigentliche Beschreibung .... des uhralten Töplitzer Bades. Berlin, 1706. 82. +Walthier+, Neue Beschreibung des Halts vom weltberühmtesten Pfäfferser-Mineral-Wasser. Zug, 1749. 83. Handbuch von allerley nutzlichen Erinnerungen, anmüetigen und lustigen, erbaulichen, denkwürdigen, und meistentheils neuen Exempeln oder Beyspielen .... durch Martin +Zeillern+. Ulm, 1655. 84. +Wichner+, Beiträge zu einer Geschichte des Heilwesens, der Volksmedicin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis incl. Jahr 1700. Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark. Heft 33. Graz, 1885. 85. +Hille+, Die Ludgeriquelle bei Helmstädt, die Taufstelle der ersten Christen in Ostsachsen. Vaterländisches Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen. Jg. 1844. Hannover, 1846. 86. +Meyer-Ahrens+, Die Heilquellen und Kurorte der Schweiz. 2. Aufl. Zürich, 1867. 87. +Ziegler+, Bemerkungen über gemeines Wasser, und besonders über natürliche und künstliche Mineralwasser .... Winterthur, 1799. 88. +Rüsch+, Anleitung zu dem richtigen Gebrauche der Bade- und Trinkcuren. Ebnat, Bern und Chur, 1825–1832. 89. Doctoris Aureli +Theophrasti+ schreiben von warmen oder Wildbäderen. Jetzunder fleißig mit des authoris scripto collaciniert vnnd publiciert Durch, Doctor Adamen von +Bodenstein+. Getruckt zu Basel, bey Peter Perna. MDLXXVI. 90. +Gsell Fels+, Die Bäder und klimatischen Kurorte der Schweiz. 3. Aufl. Zürich, 1892. 91. (von +Escher+, Die Heilquellen der Schweiz). An die zürcherische Jugend auf das Jahr 1855. Von der Naturforschenden Gesellschaft. LVII. Stück. 92. +Tschudi+, Beschreibung des lobl. Orths und Lands Glarus. Zürich, 1714. 93. +Wagner+, Historia naturalis Helvetiae curiosa. Tigurum, MDCLXXX. 94. +Scheuchzer+, Hydrographia helvetica. Beschreibung der Seen, Flüssen, Briinnen, warmen und kalten Bäderen, und anderen Mineral-Wasseren des Schweitzerlands. Der Natur-Histori des Schweitzerlands zweyter Theil. Zürich, 1717. 95. +Paracelsus+, Chirurgische Bücher und Schriften. Straßburg, 1618. 96. +Floyers+ ... wieder belebte alte Psychrolusia oder, Versuch, zu beweisen, daß kaltes Baden gesund und nützlich sey. Übersetzt von +Sommer+. Breßlau und Leipzig, 1749. 97. +Sachse+, Medicinische Beobachtungen und Bemerkungen. Bd. 1. Über die Wirkungen und den Gebrauch der Bäder, besonders der Seebäder zu Doberan. Berlin, 1835. 98. Colloquia +Erasmi+. Gespräche des hochgelerten vnnd weytberümpten Doctors Erasmi von Roterdam, vmbgesatzt vnd verdeütscht .... durch Justum +Alberti+ von Volckmarsen, Pfarrherr vnnd diener der Gemayne zu Gladenbach. Anno MDXXXXV. Gedruckt vnnd vollendet inn der Kayserlichen Reychstatt Augspurg, durch Heynrich Stayner. 99. John +Locke+’s Gedanken über Erziehung. Herausgegeben von E. von +Sallwürk+. Langensalza, 1883. 100. +J. J. Rousseau+, herausgegeben von Vogt und von +Sallwürk+. Langensalza, 1876 und 1878. 101. +Fabricius Hildanus+, Opera, quae extant omnia. Francofurti, MDCXLVI. Auch deutsch von Friderich +Greiffen+. Frankfurt, 1652. 102. +Weinhold+, Die deutschen Frauen im Mittelalter. 2. Aufl. Wien, 1882. 103. +von der Hagen+, Minnesinger. Leipzig, 1838. 104. +Valerius Anshelm+’s, genannt +Rüd+, Berner-Chronik, von Anfang der Stadt Bern bis 1526. Herausgegeben von +Stierlin+ und +Wyß+. Bd. 1 u. 2. Bern, 1825 u. 1826. 105. +Urkundenbuch+ der Stadt und Landschaft +Zürich+. Bearbeitet von +Escher+ und +Schweizer+. Bd. 4. Zürich, 1896 und 1898. 106. +Grimm+, Deutsche Rechtsaltertümer. 4. Ausgabe von +Heusler+ und +Hübner+. Leipzig, 1899. 107. Gruntliche Antzaigung, des Teufflischen vnd schantlichen +betrugs+, mit dem +gemachten Bauch+, des falschen Weibs, vnd Junckfrawen zů Eßlingen, von anfang biß zů end 1551 auß gericht. 108. +Sprengel+, Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneykunde. 3. Aufl. 3. Teil. Halle, 1827. 109. D. Martin +Luthers+ ... sämtliche Schriften. 22. Teil, welcher die Colloquia oder Tischreden ... enthält. Herausgegeben von +Walch+. Halle, 1743. 110. +Erzählungen aus altdeutschen Handschriften.+ Gesammelt durch Adalbert +v. Keller+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 35. Stuttgart, 1855. 111. +Kopp+, Des alten Lucerns Sitten und Satzungen vor dem Streite am Morgarten. Geschichtsblätter aus der Schweiz. Bd. 1. Lucern, 1854. 112. +Osenbrüggen+, Deutsche Rechtsaltertümer aus der Schweiz. Zürich, 1858. 113. von +Maurer+, Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und der Hofverfassung in Deutschland. Bd. 4. Erlangen, 1863. 114. +Bodmann+, Rheingauische Alterthümer oder Landes- und Regiments-Verfassung des westlichen oder Niederrheingaues jm mittleren Zeitalter. Mainz, 1819. 115. +Förstemann+, Der Erfurter Zuchtbrief v. J. 1351. Neue Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen. Bd. 7. Halle und Nordhausen, 1844. 116. +Müllenhoff+, Die Germania des Tacitus. Deutsche Altertumskunde. Bd. 4. Berlin, 1900. 117. +Tacitus+’ Historien. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Urzeit. Bd. 1. Berlin, 1849. 118. +Bintz+, Die Leibesübungen im Mittelalter. Gütersloh, 1880. 119. +Kaiser Karls Leben+ von +Einhard+. Übersetzt von +Abel+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. IX. Jahrhundert. Bd. 1. Berlin, 1850. 120. Die Chronik +Thietmars+, Bischofs von +Merseburg+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. XI. Jahrhundert. Bd. 1. Berlin, 1848. 121. +Bluntschli+, Geschichte der Republik Zürich. Bd. 2. 1870. 122. +Mitteldeutsche Gedichte+, herausgegeben von +Bartsch+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 53. Stuttgart, 1860. 123. +Boesch+, Kinderleben in der deutschen Vergangenheit. Leipzig, 1900. 124. +Meyer-Ahrens+, Die kalten Bäder im Mittelalter und im Anfang der Neuzeit. Die illustrierte Schweiz. 3. Jg. Bern, 1873. 125. +Willi+, Baugeschichtliches über das Kloster Wettingen. Cistercienser Chronik. 5. Jg. Bregenz, 1893. 126. +Froschmevsler+, Der Frösch vnd Meuse wunderbare Hoffhaltunge .... Gedruckt zu Magdeburgk, durch Andreas Gehn. Im Jahr, MDXCV. 127. +Kriegk+, Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Frankfurt a.❆M., 1868. — Neue Folge, 1871. 128. +Baumann+, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 129. Tübingen, 1876. 129. +Mone+, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte. Bd. 1–3. Karlsruhe, 1848–1863. 130. Der Renner. Ein Gedicht aus dem 13. Jahrhunderte verfaßt durch Hugo von +Trimberg+. Herausgegeben vom historischen Verein zu Bamberg. Bamberg, 1833–1834. 131. +Keller+, Die römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz. II. Abteilung. Zürich, 1864. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 15. 132. Sechs und zwänzig nichtige Kinderspiel zu richtiger Erinnerung erhebt und in Kupfer gebracht durch Conrad +Meyer+ Maalern in Zürich. Teil von: H. Jacob +Catsen+, Kinder-Lustspiele, durch Sinn- und Lehrbilder geleitet; zur underweisung in guten sitten. Auß dem Nider- in das Hochteutsche gebracht Durch H. Johann Heinrichen +Amman+: und mit Kupferstichen geziert, vermehret und verlegt durch Conrad +Meyern+, Mahlern in Zürich, MDCLVII. 133. +von Lersner+, Der weit-berühmten Freyen Reichs-, Wahl- und Handels-Stadt Frankfurt am Mayn Chronica. 1706. — +von Lersner+, Nachgehohlte, vermehrte und continuirte Chronica der ... Stadt Franckfurth am Mayn, oder zweyter Theil der ordentlichen Beschreibung der Stadt Franckfurth. Frankfurt am Mayn, 1734. 134. Die Grewel der Verwüstung menschlichen Geschlechts ... durch Hippolytum +Guarinonium+, Art. et Med. Doctorem, deß Königlichen Stiffts Hall im Ynthal. ... Leib, vnd gemainer Statt beställten Physikum. Ingolstatt, 1610. 135. +Ferro+, Vom Gebrauche des kalten Bades. 2. Aufl. Wien, 1790. 136. +Guts Muths+, Gymnastik für die Jugend. 2. Ausg. Schnepfenthal, 1804. 137. +Hunziker+, Geschichte der Schweizerischen Volksschule. Zürich, 1881. 138. +Gazette de santé+ oder gemeinnütziges Magazin für Leser aus allen Ständen ....., herausgegeben von J. H. +Rahn+. Jg. 3. Zürich, 1784. 139. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 6. Stuttgart und Leipzig, 1847. 140. +von Raumer+, Geschichte der Pädagogik. 3. Aufl. Stuttgart, 1857–1861. 141. +Gärtner+, Baden und Schwimmen, in +Rein+, Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Bd. 1. Langensalza, 1895. 142. +von Rodt+, Bern im 17. Jahrhundert. Bern, 1903. 143. +von Meiller+, Österreichische Stadtrechte und Satzungen aus der Zeit der Babenberger. Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Bd. 10. Wien, 1853. 144. +Heffner+, Über die Baderzunft im Mittelalter und später, besonders in Franken. Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 17. Würzburg, 1865. 145. +Hauser+, Geschichte der Stadt, Herrschaft und Gemeinde Elgg. Elgg, 1895. 146. +Kaltenbaeck+, Die Pan- und Bergtaidingbücher in Österreich unter der Enns. Bd. 1. Wien, 1846. 147. +Helvetischer Kalender+ fürs Jahr 1780. Zürich. 148. +Marteaus+ theoretische und praktische Abhandlung über die Bäder vom einfachen Wasser und vom Seewasser, nebst einem Anhange von dem Tropfbade. Übersetzt von +Held+. Leipzig, 1778. 149. +Fürstenberger Urkundenbuch.+ Bd. 6. Tübingen, 1889. 150. +Mittelalterliches Hausbuch.+ Bilderhandschrift des 15. Jahrhunderts. Herausgegeben vom germanischen Museum. Leipzig, Brockhaus, 1866. 151. +Grimm+, Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1854 ff. 152. Baderbüchlin. Gantz kurtzer bericht von allerhand einfachten, vnd 38 componierten mineralischen teütsches lands wild bädern .... Alles durch D. Georgium +Pictorium+. MDLX. Getruckt zu Mülhusen im oberen Elsaß, durch Peter Schmid. 153. +Journal des Luxus und der Moden.+ Weimar, 1800. 154. +Riecke+, Die Heilquellen und Bäder Würtembergs, ihre Geschichte und ihr gegenwärtiger Zustand. Württembergische Jahrbücher. Jg. 1839. Stuttgart und Tübingen, 1840. 155. +Wichelhausen+, Über die Bäder des Alterthums. Mannheim und Heidelberg, 1807. 156. (+Gruner+), Flußbäder und Badeanstalten. Almanach für Ärzte und Nichtärzte auf das Jahr 1792. Herausgegeben von Gruner. Jena, 1792. 157. +Zwierlein+, Über die neuesten Badeanstalten in Deutschland. Frankfurt, 1803. 158. +May+, Vermischte Schriften. Mannheim, 1786. 159. Das erste +ärztliche Inserat+ und die erste Kaltwasserheilanstalt in Österreich. Balneologische Zeitung. Bd. 11. Wetzlar, 1862. 160. +Marcard+, Über die Natur und den Gebrauch der Bäder. Hannover, 1793. 161. +Matthes+, Lehrbuch der klinischen Hydrotherapie. Jena, 1900. 2. Aufl. 1903. 162. Josua +Maaler+, Die Teütsch spraach .... Tiguri, MDLXI. 163. +Scheible+, Das Schaltjahr. Bd. 3. Stuttgart und Leipzig, 1847. 164. +Gazette de santé+ oder gemeinnütziges Magazin für Leser aus allen Ständen .... herausgegeben von +J. H. Rahn+. Jg. 1. Zürich, 1782. 165. +Journal des Luxus und der Moden.+ Weimar, 1787–1806. 166. +Ploucquet+, Das Wasserbett. Tübingen, 1798. 167. +Marcuse+, Bäder und Badewesen in Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart, 1903. 168. +Genzmer+, Bade- und Schwimmanstalten. Handbuch der Architektur. Teil 4. Halbband 5. Heft 3. Stuttgart, 1899. 169. +Oechsli+, Quellenbuch zur Schweizergeschichte. Neue Folge. Zürich, 1893. 170. +Freytag+, Aufsätze zur Geschichte, Literatur und Kunst. Gesammelte Aufsätze. Bd. 2. Leipzig, 1888. 171. Herr Ulrich +Zwingli+ leerbiechlin wie man die Knaben Christlich vnterweysen vnd erziehen soll, mit kurtzer anzayge aynes gantzen Christlichen lebens. MDXXIIII. 172. +Egli+, Actensammlung zur Geschichte der Züricher Reformation in den Jahren 1519–1533. Zürich, 1879. 173. +Vögelin+, Das alte Zürich. 2. Aufl. Zürich, 1878 und 1890. 174. +Rahn+, Das Fraumünster in Zürich, mit Anhang: Auszüge aus den Rechnungen des Fraumünsterstiftes im Staatsarchive Zürich von Zeller-Werdmüller. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. XXV. 175. +Escher+, Beschreibung des Zürichsees. Zürich, 1692. 176. +Murer+, Über die öffentlichen Zeitvertriebe der Zürcherischen Jugend. Gazette de santé oder gemeinnütziges Archiv. Herausgegeben von +Rahn+. Jg. 4. Zürich, 1785. 177. +An die liebe Zürcherische Jugend+ auf das Neujahr 1796. Von der Gesellschaft zum schwarzen Garten. 178. +Lavater+, Abhandlung über den Nutzen und die Gefahren des Badens der Jugend an freyen Orten, nebst Vorschlägen, wie die letzteren zu vermindern seyen. Zürich, 1804. 179. +Lavater+, An die lernbegierige Zürcherische Jugend auf das Neujahr 1836. Von der Gesellschaft der ehemaligen Chorherrnstube. 58. Neujahrsblatt. 180. +Vogel+, Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich. Zürich, 1841. 181. +Koelliker+, Erinnerungen aus meinem Leben. Leipzig, 1899. 182. +von Escher+, Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850–1860. Zürich, 1870. 183. +Hingst+, Sanitätsverhältnisse Freibergs und darauf bezügliche obrigkeitliche Maßnahmen im Mittelalter. Mitteilungen vom Freiberger Altertumsverein 1884. 21. Heft. Freiberg i. S., 1885. 184. +Vogel+, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Nebst der Ankündigung einer öffentlichen Seebadeanstalt, welche an der Ostsee in Mecklenburg angelegt wird. Stendal, 1794. 185. Die +Seebadeanstalten+ zu +Zoppot+ bei Danzig. Danzig, 1823. 186. Die +Urkunden+ des Stadtarchivs zu +Baden+ im Aargau. Herausgegeben von +Welti+. Bd. 1. Bern, 1896. 187. +Nater+, Geschichte von Aadorf und Umgebung. Frauenfeld, 1898. 188. +Dändliker+, Die sogenannten Waldmannischen Spruchbriefe, ihre Beurteilung und ihr Schicksal. Züricher Taschenbuch. 1900. 189. +von Segesser+, Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Lucern. Bd. 2. Lucern, 1852. 190. +von Dreyhaupt+, Ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des ... Saal-Kreyses. Halle, 1755. 191. +Fidicin+, Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin. Berlin, 1837–1842. 192. +Grote+ und +Broennenberg+, Das hannoversche Stadtrecht. Vaterländisches Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen. Jg. 1844. Hannover, 1846. 193. +von Bunge+, Die Stadt Riga im 13. und 14. Jahrhundert. Leipzig, 1878. 194. +Otto+, Aus dem Volksleben der Stadt Butzbach im Mittelalter. Archiv für hessische Geschichte. N. F. Bd. 1. Darmstadt, 1894. 195. +Roth+, Fragmente zur Geschichte der Bader, Barbierer, Hebammen, Erbarn Frauen und Geschwornen Weiber in der freyen Reichstadt Nürnberg. Nürnberg, 1792. 196. +Falk+, Zur Volksgesundheitspflege Deutschlands im Mittelalter (Badewesen und Seelenbad). Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland. Bd. 108. München, 1891. 197. +Falk+, Die Volksgesundheitspflege im Mittelalter. Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland. Bd. 118. München. 1896. 198. +Reyscher+, Sammlung altwürttembergischer Statutar-Rechte. Tübingen, 1843. 199. +von Rodt+, Bern im 16. Jahrhundert. Bern, 1904. 200. +von Freyberg+, Sammlung historischer Schriften und Urkunden. Bd. 5. Stuttgart und Tübingen, 1836. 201. +Baader+, Nürnberger Polizeiordnungen aus dem 13.–15. Jahrhundert. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 63. Stuttgart, 1861. 202. +Scriptores rerum Lusaticarum.+ Sammlung Ober- und Niederlausitzischer Geschichtsschreiber. N. F. Bd. 1 u. 2. Goerlitz, 1839 und 1841. 203. +Auer+, Das Stadtrecht von München. München, 1840. 204. +Rau+, Die Regimentsverfassung der freien Reichsstadt Speier. 2. Abt. Speier, 1845. 205. +von Maurer+, Geschichte der Städteverfassung in Deutschland. Bd. 2 und 3. Erlangen, 1870. 206. Anton +Tuchers+ Haushaltungsbuch (1507–1517), herausgegeben von +Loose+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 134. Tübingen, 1877. 207. Die +Chroniken+ der fränkischen Städte. +Nürnberg.+ Bd. 4 und 5. Die Chroniken der deutschen Städte. Bd. 10 u. 11. Leipzig, 1872 u. 1874. 208. Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden .... Durch den weitberümpten Hans +Sachsen+ .... Franckfurt am Mayn, MDLXVIII. 209. +J. F. Meiss+, Beschreibung der Stadt Zürich. Msc. der Stadtbibliothek Zürich. 210. +Schultz+, Deutsches Leben im XIV. und XV. Jahrhundert. Große Ausgabe. Wien, Tempsky, 1892. 211. Deutsche +Gedichte des 12. Jahrhunderts+ und der nächstverwandten Zeit. Herausgegeben von +Massmann+. 2. Teil. Quedlinburg u. Leipzig, 1837. 212. +von der Hagen+, Gesammtabenteuer. Stuttgart und Tübingen, 1850. 213. Der +Sachsenspiegel+ nach der ältesten Leipziger Handschrift herausgegeben von +Weiske+. 3. Aufl. Leipzig, 1863. 214. Seifrid +Helbling+. Herausgegeben von +Seemüller+. Halle, 1886. 215. +Roth von Schreckenstein+, Die Bader, Truckenscherer und Vintuser zu Ulm 1470. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 6. Jg. 1859. Nürnberg. 216. +Zeitschrift+ für die +Geschichte+ des +Oberrheins+. Herausgegeben von Mone. Bd. 16. Karlsruhe, 1864. 217. +Rüdiger+, Die wiedergefundene Handschrift der Zunft der Bader in Hamburg. Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 3. Hamburg, 1887. 218. +von Karajan+, Buch der Rügen. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Bd. 2. Leipzig, 1842. 219. +Mone+, Armen- und Krankenpflege vom 13.–16. Jahrhundert. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 12. Karlsruhe, 1861. 220. +Beneke+, Von unehrlichen Leuten. Hamburg, 1863. 221. Groß Chirurgei, oder volkommene Wundartznei. Durch Gwaltherum +H. Ryff+, Argent. Medicum vnnd Chirurgum. Getruckt zu Franckfurt am Meyn, Bei Christian Egenolffs Erben. Im Iar MDLIX. 222. +Meister-Holzschnitte+ aus vier Jahrhunderten. Herausgegeben von +Hirth+ und +Muther+. München u. Leipzig. 223. +Schmeller+, Deutsches des X.-XII. Jahrhunderts aus Münchener Handschriften. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Bd. 8. Leipzig, 1851. 224. Das +Leben der heiligen Elisabeth+ vom Verfasser der Erlösung. Herausgegeben von +Rieger+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 90. Stuttgart, 1868. 225. +Eraclius+, Deutsches Gedicht des 13. Jahrhunderts. Herausgegeben von +Graef+. Straßburg, 1883. 226. Der Edelstein von Ulrich +Boner+. Herausgegeben von +Pfeiffer+. Dichtungen des deutschen Mittelalters. Bd. 4. Leipzig, 1844. 227. +Bär+, Das Frauenkloster St. Verena in Zürich. Programm der höheren Töchterschule der Stadt Zürich. Schuljahr 1902–1903. 228. +von Bahder+, Gedichte des Königs vom Odenwald. Germania. Jg. 23. Wien, 1878. 229. +Brunner+, Die Verwundeten in den Kriegen der alten Eidgenossenschaft. Tübingen, 1903. 230. Der Ring von Heinrich +Wittenweiler+. Herausgegeben von +Bechstein+. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 23. Stuttgart, 1851. 231. Schachtafelen der Gesuntheyt .... durch Michael +Hero+, Leibartzt zu Straßburg. Getruckt durch Hans Schotten zum Thyergarten. MDXXXIII. 232. +Bartels+, Die Medicin der Naturvölker. Leipzig, 1893. 233. Artznei Spiegel .... durch D Joan. +Dryandrum+. Itzt widerumb, mit verbesserung, im Truck verordnet. Franckfurt am Meyn, Bei Christian Egenolph. 1547. 234. (+Philipp von Allendorff+), Der Judenn Badstub. Eyn Anzeygung Irer manigfeltigen schedlichen hendel ... 1535. 235. +Gurlt+, Geschichte der Chirurgie und ihrer Ausübung. Berlin, 1898. 236. +von Hefner-Alteneck+, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts. 2. Aufl. Bd. 8 und 10. Frankfurt a.❆M., Keller, 1887 u. 1889. 237. Allerhand über den 1712. Jahrs verloffnen Toggenburger Krieg außgegangner getrukter und geschribner .... inscriptionen zusammen getragen von Erhard +Dürsteler+, Pfarrer zu Horgen. Msc. der Stadtbibliothek zu Zürich. 238. Hie nach volget ein gut +regiment+ vnd ordnung vnd bewert preseruatiua vnd ler, wie man sich wider den geprechen der +pestilentz+ aufhalten vnd bewaren sol.... Die durch hochgelert doctores vnd meyster der ertzney, auf das kurtzist ausgezogen vnd hie mit durch disen truck zu gemeynem nutz, für reich vnd arm geoffenbart sein. (Reiserscher Druck.) 239. +Scharold+, Auszüge aus den ältesten Raths-Protokollen der Stadt Gerolzhofen. Archiv des historischen Vereins für den Untermainkreis. Bd. 3. Würzburg, 1836. 240. Hienach stadt der +Meister+ der +Scherer+ vnnd +Baderordnung+ vnd Artickel was ir handtwerch antrift. Anno Domini 1608. Msc. der Med. Bibliothek in Zürich. 241. Des +Teufels Netz+. Herausgegeben von +Barack+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 70. Stuttgart, 1863. 242. +Wildvogel+, Libellus de balneis et balneatoribus. Francofurti et Lipsiae, MDCCLIIII. 243. +Manuscript+ der medizinischen Bibliothek in Zürich. 244. +Peters+, Der Arzt in der deutschen Vergangenheit. Leipzig, 1900. 245. +Vogel+, Memorabilia Tigurina 1840–1850. Zürich, 1853. 246. +Pictorius+, Laßbüchlin. Anhang: Vonn schrepffen. Gedruckt zů Basel, by Jacob Kündig im jar MDLV. 247. +Ringholz+, Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes U. L. F. zu Einsiedeln unter Abt Johannes I. von Schwanden, 1298–1327. Der Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen Vereins der fünf Orte. Bd. 43. Einsiedeln und Waldshut, 1888. 248. Briefwechsel Balthasar +Paumgartners+ des Jüngern mit seiner Gattin Magdalena, geb. Behaim. Herausgegeben von +Steinhausen+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 204. Tübingen, 1895. 249. +Müller+, Der Aderlaß. Cistercienser Chronik. Jg. 5. Bregenz, 1893. 250. Spiegel, vnnd Regiment der Gesundtheyt .... Vualtherus +Riuius+. Getruckt zu Franckfurt am Mayn, bei Egenolph, im Jar MDLV. 251. Ein schön lustig Trostbüchle von den empfengknussen vnd geburten der menschen .... durch Jacob +Rueff+, burger vnd Steinschnyder der loblichen Statt Zürych. Getruckt zu Zürych by Christoffel Froschouer, im MCLIIII. jar. 252. +Ganz+, Aus zürcherischen Theilrödeln. Züricher Taschenbuch. Zürich, 1900. 253. +von Rodt+, Bern im 19. Jahrhundert. Bern, 1898. 254. +Wolfram von Eschenbach.+ 3. Ausgabe von +Lachmann+. Berlin, 1872. 255. +Ochs+, Geschichte der Stadt und Landschaft Basel. Bd. 2. Basel, 1792. 256. Heinrich +Kaufringer+s Gedichte. Herausgegeben von +Euling+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 182. Tübingen, 1888. 257. +Hampe+, Gedichte vom Hausrat aus dem XV. und XVI. Jahrhundert. Straßburg, 1899. 258. +Haupt+, Zu Wolframs Parzival. Zeitschrift für deutsches Altertum. Bd. 11. Berlin, 1859. 259. Liederbuch der Clara +Hätzlerin+. Herausgegeben von +Haltaus+. Quedlinburg und Leipzig, 1840. 260. +Fechter+, Topographie (Basels) mit Berücksichtigung der Cultur- und Sittengeschichte. Basel im 14. Jahrhundert. Basel, 1856. 261. Das ist der Teutsch +Kalendari+ mit den Figuren. Getruckt zu +Augsburg+ von Nannsen +Froschauer+ in der Kaiserlichen stat. Als man zalt nach Christi gepurt. MCCCCC vnd 11 Jar — Ohne Titelblatt. Gedruckt vnnd volenndet in der keyserlichen statt +Augspurg+ von Hannsen +Schobser+ ..... MCCCC vnnd in dem LXXXVIII. jare. 262. Temporal, Des weitberhümpten M. Johann +Küngsperger+s, natürlicher kunst der Astronomey kurtzer begriff, von Natürlichem einfluß der Gestirn, Planeten, vnd Zeichen .... Getruckt zu Franckfurdt am Mayn, durch Weygand Han, in der Schnurgassen, zum Krug. 263. +Amusements des eaux d’Aix-La-Chapelle.+ Amsterdam, 1736. — Amusements des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den Wassern zu Achen. Berlin, 1737. 264. +Schwenckfeldt+, Thermae Teplicenses. Von deß Töplitzen warmen Bades, in Böhmen, nicht weit vom Graupen gelegen, Vrsprung, Gelegenheit, Abetheylung, Natur, Eigenschafft, vnd rechtem Gebrauch. Görlitz, 1607. 265. Tagebuch des Lucas +Rem+ aus den Jahren 1494–1541. Mitgeteilt von +Greiff+. Augsburg 1861. 26. Jahresbericht des historischen Vereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg für das Jahr 1860. Augsburg, 1861. 266. +Mone+, Stadtordnungen. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 4. Karlsruhe, 1853. 267. Tandareis und Flordibel. Ein höfischer Roman von dem +Pleiaere+. Herausgegeben von +Khull+. Graz, 1885. 268. +Ulrich+s +von Liechtenstein+ Frauendienst. Herausgegeben von +Bechstein+. Leipzig, 1888. 269. +Blumenbach+, Blicke in den Hofstaat und die Lebensweise einer verwittweten Fürstin im 14. Jahrhundert. Archiv des historischen Vereins in Niedersachsen. Jg. 1849. Hannover, 1851. 270. Reiserechnungen +Wolfger+s +von Ellenbrechtskirchen+, Bischofs von Passau, Patriarchen von Aquileja. Herausgegeben von +Zingerle+. Heilbronn, 1877. 271. +Scheible+, Das Kloster. Bd. 1. Stuttgart und Leipzig, 1845. 272. +Varges+, Zur Verfassungsgeschichte der Stadt Wernigerode im Mittelalter. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 3. Weimar, 1896. 273. +Zeuß+, Die freie Reichsstadt Speier vor ihrer Zerstörung. Speier, 1843. 274. +Reber+, Felix +Hemmerlin+ von Zürich. Zürich, 1846. 275. +Ordnung+, ansehen vnd erkanntnus eines Ersamen Radts der Statt +Zürich+, wie hinfür über Eelich sachenn gericht ... sol werden. Actum an Samstag 23. Aprilis. 1530 vor Räthen vnnd Burgeren. 276. Ludwig +Lauater+, Erklerung vnd vßlegung über das Buch Hesther. Zürych, 1583. 277. Gespräch bůchlin herr Vlrichs von +Hutten+. Feber das Erst. Feber das Ander. Wadiscus, oder die Römische dreyfaltigkeit. Die Anschawenden. (Geben zů Ebernburgk, vff den heyligen newen jars abent, im jar nach Christi geburt MCCCCC. vnd einvndzweintzigsten.) 278. +Hegel+, Städte und Gilden der germanischen Völker im Mittelalter. Bd. 2. Leipzig, 1891. 279. +Stoltze+, Unehrliche Leute. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. N. F. Jg. 2. Hannover, 1873. 280. Die Chronik von Clemens +Sender+. Die Chroniken der schwäbischen Städte. Augsburg. Bd. 4. (Die Chroniken der deutschen Städte. Bd. 23.) Leipzig, 1894. 281. +Bluntschli+, Staats- und Rechtsgeschichte der Stadt und Landschaft Zürich. 2. Aufl. Teil 1. Zürich, 1856. 282. +Sanders+, Wörterbuch der deutschen Sprache. Leipzig, 1860–1865. 283. +Keller+, Zürcherische Apotheken und Apotheker. Festschrift zur Erinnerung an die fünfzigjährige Stiftungsfeier in Zürich am 16. und 17. Aug. 1893. Zürich, 1893. 284. Ott +Ruland+s Handlungsbuch. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 1. Stuttgart, 1843. 285. +Förstemann+, Die alten Statuten der Stadt Halle. Neue Mittheilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen. Bd. 1. Halle, 1834. 286. +von Schlosser+, Die Bilderhandschriften Königs Wenzel I. Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses, herausgegeben ... vom Oberstkämmer-Amte. Bd. 14. Wien, Tempsky, 1893. 287. +Bluntschli+, Memorabilia Tigurina, Merkwürdigkeiten der Statt Zürich. 2. Aufl. Zürich, 1711. 288. +Abraham a S. Clara+, Etwas für alle. Anderer Teil. Nürnberg-Würtzburg, 1711. 289. +Meyer-Ahrens+, Die Ärzte und das Medicinalwesen der Schweiz im Mittelalter. Archiv für pathologische Anatomie. Herausgegeben von +Virchow+. Bd. 24 u. 25. Berlin, 1862. 290. +Martin+, Urkundenbuch der Stadt Jena und ihrer geistlichen Anstalten. Bd. 1. Jena, 1888. 291. +Solger+, Aus dem Sanitätswesen der Reichsstadt Nürnberg im 16. Jahrhundert. Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege. Bd. 2. Braunschweig, 1870. 292. +Pfaff+, Württembergs Wiedergeburt nach dem dreißigjährigen Krieg. Württembergische Jahrbücher. Jg. 1848. Stuttgart und Tübingen, 1849. 293. +Pfotenhauer+, Über Freibergs Ärzte und Heilkünstler in den ältesten Zeiten. Mitteilungen vom Freiberger Altertumsverein. Heft 22, 1885. Freiberg in Sachsen, 1886. 294. +Scharold+, Mannigfaltiges. Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 4. Würzburg, 1838. 295. Otte mit dem Barte von +Cuonrat von Würzeburc+. Herausgegeben von +Hahn+. Quedlinburg und Leipzig, 1838. 296. Der trojanische Krieg von +Konrad von Würzburg+. Herausgegeben von +A. von Keller+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 44. Stuttgart, 1858. 297. +Hartmann von Aue.+ Herausgegeben von +Bech+. 1. Teil. Êrec der wundermaere. 2. Teil. Der arme Heinrich. Leipzig, 1867. 298. +Biterolf und Dietleib.+ Herausgegeben von +Jänicke+. Deutsches Heldenbuch. Teil 1. Berlin, 1866. 299. +Alpharts Tod.+ Von der +Hagen+, Heldenbuch. Bd. 1. Leipzig, 1855. 300. Wigalois. Eine Erzählung von +Wirnt von Gravensberg+. Herausgegeben von +Pfeiffer+. Leipzig, 1847. 301. +Mai und Beaflor.+ Eine Erzählung aus dem 13. Jahrhundert. 1. Druck. Dichtungen des deutschen Mittelalters. Bd. 7. Leipzig, 1848. 302. Meleranz von dem +Pleier+. Herausgegeben von +Bartsch+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 60. Stuttgart, 1861. 303. Herzog Ernst des +Heinrich von Veldeck+. Von der +Hagen+ und +Büsching+, Deutsche Gedichte des Mittelalters. Bd. 1. Berlin, 1808. 304. +Wigamur.+ Von der +Hagen+ und +Büsching+, Deutsche Gedichte des Mittelalters. Bd. 1. Berlin, 1808. 305. +Selos+ und +Zingerle+, Fresken-Cyclus des Schlosses Runkelstein bei Bozen. Innsbruck. 306. +Janitschek+, Geschichte der Malerei. Berlin, 1890. 307. +De la Curne de Sainte-Palaye+, Das Ritterwesen des Mittelalters. Aus dem Französischen mit Anmerkungen, Zusätzen und Vorrede von +Klüber+. Bd. 1. Nürnberg, 1786. 308. +Manuskript+ der Stadtbibliothek Zürich. 309. +von Arnim+ und +Brentano+, Des Knaben Wunderhorn. Arnims sämtliche Werke. Bd. 17. Berlin, 1846. 310. +Ein schön new Lied+, Zu Leyptzig saß ein Kauffman reich, der het ein gutte Hetzen. Im Thon: Ein Buch Cento Nouella heist. 311. +Göldi+, Der Hof Bernang. St. Gallen, 1897. 312. Bericht des +Ibrahîm ihn Jakûb+ über die Slawen aus dem Jahre 973, mitgeteilt von +Wigger+. Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Jg. 45. Schwerin, 1880. 313. Die Gedichte +Oswald+s +von Wolkenstein+. Herausgegeben von +Weber+. Innsbruck, 1847. 314. Auszüge aus +Ammianus Marcellinus+, übersetzt von +Coste+. Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit. Urzeit. Bd. 2. Leipzig, 1879. 315. Die Badenfahrt von David +Heß+. Zürich, 1818. 316. +Kaiser+, Die Heilquelle zu Pfäfers und Hof Ragaz. 3. Aufl. St. Gallen, 1847. 317. Johann +von Müller+s Geschichten Schweizerischer Eidgenossenschaft. Teil 5, Abt. 2. Von +Glutz-Blozheim+. Zürich, 1816. 318. Cosmographey: das ist, Beschreibung aller Länder, Herrschafften vnd fürnemesten Stetten des gantzen Erdbodens. Erstlich durch Herrn Sebastian +Munster+ ... gebessert; jetzt ... bis ins MDXCVIII. jar gemehret. Getruckt zu Basel. 319. Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. +Adamy+, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg. Darmstadt, 1895. 320. +Pfyffer+, Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern. Zürich, 1850. 1852. 321. +Füßli+, Joh. Waldmann. Zürich, 1780. 322. Kurtze, vnd eigentliche +Beschreibung+, deß Vrsprungs, Krafft, Nutzbarkeit vnnd gebrauchs deß Edlen, weitberümbten warmen Bads, zu +Baden im Ergöuw+, in der loblichen Eydtgnoschafft. Allen denen, so sich deß Badts nutzlich gebrauchen wöllen, zu hochnohtwendiger nachrichtung vnd gefallen in Truck verfertiget. Getruckt im Jahr, MDCXIX. (1683 abermals gedruckt.) 323. Von dem Antegaster Saur-Brunnen, und von seiner Krafft und Würckung. Abgeschrieben auß dem Neuen Wasser-Schatz, und probieret durch Jacobum +Theodorum+, der Artzney Doctor zu Wormbs, Im Jahr Christi 1505. Straßburg, 1704. 324. Neuw Wasserschatz, Das ist: Aller Heylsamen Metallischen Minerischen Bäder vnd Wasser, sonderlich aber der new erfundenen Sawrbrunnen zu Langen Schwallbach ... beschreibung. ... Durch Jacobum +Theodorum Tabernaemontanum+. Franckfurt am Mayn, MDLXXXI. 325. +Kerner+, Das Wildbad im Königreich Würtemberg mit Nachrichten über die Heilquelle zu Liebenzell. 3. Aufl. Tübingen, 1832. 326. Michel +Montaigne+s Reise durch die Schweiz. I. J. 1580. Helvetischer Almanach für das Jahr 1800. Zürich. 327. Die +Bäder zu Baden+ in der Schweiz. I. J. 1417. Helvetischer Almanach für das Jahr 1800. Zürich. 328. +Weemühtige Klag vnd Traurgeschicht+ der zu Rottenburg und Gniffikon von der Bickweilerischen Rott u. übel-gequelten, aber doch selbsschuldigen sechs- oder siben-wüchigen Qualbilderen. Vber ihre bitter-süsse selbs-gesuchte Heil-noht ... Getruckt zu Kretzingen, in der Thermopolitanischen gegne. 329. Reisen und Gefangenschaft Hans Ulrich +Krafft+s. Herausgegeben von +Haßler+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 61. Stuttgart, 1861. 330. +Bader+, Nachrichten über das Glotterbad. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 21. Karlsruhe, 1868. 331. Ein New Badbuch, Vnd Historische Beschreibung, Von der wunderbaren Krafft vnd würckung, des Wunder Brunnen vnd Heilsamen Bads zu Boll ... Durch Johannem +Bauhinum+, ins Deutsch gebracht, durch M. Dauid +Förter+. Getruckt zu Stutgarten, 1602. 332. (+Moser+), Brauchbare Nachrichten für diejenige, so sich des fürtrefflichen Würtembergischen Wildbades bedienen wollen. Zur Bequemlichkeit seiner Mit-Bad-Gäste gesammlet von einem danckbaren Bad-Gast. Stuttgart, 1758. 333. +Petri de Tvssignano+ liber de balneis Burmi etc. De Balneis omnia quae extant apvd Graecos, Latinos, et Arabas, tam medicos quam quoscunque ceterarum artium probatos scriptores ... Venetiis apvd Ivntas, MDLIII. 334. Conradi +Gesneri+ Excerptorum et obseruationum de Thermis liber primvs. De Thermis in genere. De Thermis Germaniae ordine literarum, liber secundus. De Balneis etc. (Siehe Nr. 333.) 335. Historisch-physikalische Beschreibung des Würtembergischen Wild-Bades. I.A.G.M.D. (+Geßner+). Stuttgart, 1745. 336. Des grossen gemeinen Conciliums zu Costentz gehalten, kurtze, doch grundtlichere vnd volkommenere dann vor nie in Teutsch gesähen, beschreybung u.❆s.❆w. Durch Johann +Stumpffen+. (Zürich, Froschower.) 337. +Schnorr von Carolsfeld+, Zur Geschichte des deutschen Meistergesangs. Berlin, 1872. 338. +Mone+, Gewerkschaften für Eisen, Glas und Salz. Vom 11. bis 17. Jahrhundert. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 12. Karlsruhe, 1861. 339. +Spengler+, Bericht über die Saison 1858 zu Bad-Ems. Balneologische Zeitung. Bd. 8. Wetzlar, 1859. 340. +Spengler+, Bericht über die Saison 1860 zu Ems. Balneologische Zeitung. Bd. 11. Wetzlar, 1862. 341. +Wolfdietrich.+ Von der +Hagen+, Heldenbuch. Bd. 1. Leipzig, 1855. 342. +Marcard+, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784 u. 1785. 343. +Zückert+s systematische Beschreibung aller Gesundbrunnen und Bäder Deutschlands. Berlin und Leipzig, 1768. 344. +Kiene+, Die warmen Quellen zu Gastein. Salzburg, 1844. 345. +Rahn+, Die Wandgemälde in der Klosterkirche zu Kappel. Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. Zürich, 1884. 346. Ain nützlichs büchlin von dem Wildpad, gelegen im fürstenthumb Wirtenberg, gemacht von dem berümpten doctor Johann +Mechinger+ (Johann +Widman+ genannt +Mechinger+). Gedruckt zů Tübingen Anno 1513. 347. +Becher+, Karlsbads Bade-Einrichtungen und Brunnen-Kolonnaden einst und jetzt. S.-A. aus der Festschrift der Stadt Karlsbad für die 74. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad 1902. Prag, 1902. 348. D. Johann Stephan +Strobelberger+s .... Kurtze Vnterweisung, wie man nemlich deß Kaysers-Carls-Bads sich recht zu gebrauchen ... solle. Anjetzo auff das newe an das Liecht gebracht, und zufinden bey Andreas Becher. Prag, 1696. 349. Tractat von deß überauß heylsamen, weitberühmten, selbst warmen, Vnser Lieben Frawen Pfeffersbad, inn Oberschweitz gelegen, wunderthätiger Natur, Art, Eygenschafft, Tugent, Krafft vnd Würckungen ... Durch Johann +Kolwecken+. Dilingen, 1631. 350. Kurtze Beschreibung deß Carolsbades, so nahe beym Städlein Ellnbogen in Böhmen gelegen .... Durch Martinum +Pansam+. Annenbergk, 1609. 351. Cosmographiae universalis Lib. VI. Autore Seb. +Munstero+. Basileae apud Henrichum Petri, MDL. 352. +Hofmann+, Bade-Preise zu Badenweiler aus dem Jahre 1747. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. N. F. Jg. 2. Hannover, 1873. 353. (+Meyer+) Beschreibung der Heilbäder zu Baden im Kanton Aargäu. Über die Dampf- und Qualmbäder zu Baden im Canton Argau. Über die Dampf- und Gas-Bäder zu Baden mit einigen Notizen über Schinznach im Canton Aargau. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet auf das Jahr 1808, 1809, 1827, 1828. 354. +Renz+, Wildbad im Königreich Württemberg. Stuttgart, 1871. 355. +Scheuchzer+, Vernunfftmäßige Untersuchung des Bads zu Baden, dessen Eigenschafften und Würkungen. Zürich, 1732. 356. +Kraus+, Die Miniaturen des Codex Egberti in der Stadtbibliothek zu Trier. Freiburg, 1884. 357. +Will+, Henricus de Hassia über das Wiesbadener Badeleben im 14. Jahrhundert. Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde. Bd. 13. Wiesbaden, 1874. 358. D. Joh. Dan. +Horstii+ ... kurtzer Bericht vom Embser-Bad .... samt .. Bericht Doct. Marsillii +Weigelii+ vom Embser Bad und Brunnen. Darmbstadt, 1683. 359. Eucharius +Rößlin+, Der Schwanngeren frawen vnd Hebammen Rosengarten. Augspurg, 1528. 360. +Capeller+ und +Kaiser+, Die Mineralquellen zu St. Moritz, Schuls, Tarasp, Fideris ... Chur, 1826. 361. +Feuerlein+, Heylsbronnisches Zeugnuß der Göttlichen Güte und Vorsorge, bey dem uralten, nun aber neu entdeckten, mitten in dem Closter Heylsbronn befindlichem Heylbronnen. Nürnberg, 1732. 362. Natürliche wolerfahrne Beschreibung des Marggräffischen Bades .... durch Herrn D. Johan. Matthaeum +Hessum+. Speyer, 1606. 363. +Jäger+, Geschichte der Stadt Heilbronn. Heilbronn, 1828. 364. +Eckart+, Die Mineral-Gesundheits- und Reinigungsbäder in Mittelfranken 1854–1855. Balneologische Zeitung. Bd. 3. Wetzlar, 1856. 365. Kurtzer Bericht dess Lobwürdigen Pfeffers Baad- und Trinckt-Wassers, Aller andern Mineralischen Gesund-Wasseren Königin .... Von Joann +Abiss+, Med. Doct. Löbl. Statt Chur und gedachtem Baades Physico Ordinario. Veldkirch, 1676. 366. (Lor. +Forer+) Etliche kurtze Obseruationes, oder wahrnemmungen von dem Pfeffersbad, Von einem Patre der Societet Jesu, welcher zum öfftern solches Bad selbsten gebraucht, zusamen getragen ... Augsburg, 1642. 367. +Scharold+, Mannigfaltiges. Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5. Würzburg, 1839. 368. +Vogt+, Der Kurort Hof-Ragaz in der Schweiz. Gießen, 1857. 369. +Kaiser+, Die Therme von Ragaz-Pfäfers. 5. Aufl. St. Gallen, 1869. 370. +Wetzler+, Über Gesundbrunnen und Heilbäder. Mainz, 1819 u. 1825. — Über Gesundbrunnen und Heilbäder. 2. Aufl. (vom 1. u. 2. Teil). Mainz, 1822. — Zusätze und Verbesserungen zu den 2 Bändern der neuen Ausgabe des Werkes: Über Gesundbrunnen und Heilbäder. Mainz, 1822. 371. (+Zeiller+) Topographia provinciarum Austriacarum Austriae, Styriae, Carynthiae, Carniolae, Tyrolis etc.: Das ist Beschreibung vnd Abbildung der fürnembsten Stätt vnd Plätz in den Österreichischen Landen .... durch Matthaeum Merian in Franckfurt am Meyn, 1649. 372. Historisch-physikalische Beschreibung des berühmten mineralischen Bades .... der Würtembergischen kleinen Amts-Stadt Lieben-Zell, das Zeller-Bad genannt, herausgegeben von J. A. G. M. D. (+Geßner+). Stuttgart, 1748. 373. Thermae Argoviâ-Badenses. Das ist, Eigentliche Beschreibung der warmen Bädern ins gemein; deß herrlichen in dem Aergöw gelegenen warmen Bads zu Baden ins besonder. Durch Salomon +Hottinger+. Baden, 1702. 374. Baderbüchlin. Sechs köstliche Tractat, armen vnd reychen, nutzlich vnd notwendig, von wasserbädern .... Durch den hocherfarnen Herren Theophrastum +Paracelsum+. Mit fleyß vnd müe, Doctor Adams von +Bodenstein+, zů einem gůten neuwen jar publicirt. Gedruckt zů Mülhausen, im oberen Elsäß, durch Peter Schmid. 1562. 375. Menschlichs lebens art vnd vrsprung, vnd wie man daß befristen soll durch die wilbäder, beuor zů Oberbaden. Ouch von deren crafft, tugent vnd eygentschafft. Vnd wie man sich dorinnen halten sol. Einem yeglichen menschen vast nutzlich zůwissen. Durch den hochgelerten doctorem Alexandern +Sytzen+, von Marckpach nüwlich beschribben. Getruckt zů Basel, durch Adam Petri. 1516. 376. +Boesch+, Eine Karlsbader Kur vor 300 Jahren. Mitteilungen aus dem germanischen Museum. Nürnberg. Jg. 1891. 377. +Fromm+, Über „Tafelwasser“ in rechtlicher und hygienischer Beziehung. Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medicin. Berlin, 1903. 3. Folge. Bd. 25. 378. Kurfürst +August+s +von Sachsen Badereise+ nach Langenschwalbach im Jahre 1584. Balneologische Zeitung. Bd. 9. Wetzlar, 1860. 379. +Hensing+, Genaue und neue Erforschung des Schwalbacher Sauer-Brunnens. Franckfurt am Mayn, 1711. 380. Gedichte des Herrn von +Haller+. Zürich, 1762. 8. Aufl. 381. +Seippii+ Neue Beschreibung der Pyrmontischen Stahl-Brunnen. 2. Aufl. Hannover, 1719. 382. +Würtembergische Jahrbücher.+ Jg. 1828. Stuttgart und Tübingen, 1830. 383. +Martin+, Von Paracelsus bis Scheuchzer. Zentralblatt für physikalische Therapie und Unfallheilkunde. Bd. 1. Wien u. Berlin, 1905. 384. Hydriatrice. Aquarvm medicarvm sectiones quatvor: quarum elenchus est in sequenti pagella, Avtore Martino +Rulando+, Frisigensi, Doct. Medico et Physico Professore in Schola Laugingana. 1568. Dilingae excvdebat Sebaldvs Mayer. 385. (+Merveilleux+) Angenehmer Zeitvertreib in den Bädern zu Baaden in der Schweitz, zu Schintznach und Pfeffers. Aus dem Frantzösischen übersetzet. Dantzig, 1739. 386. Spiegl der Artzny ... gemacht von Laurentio +Phryesen+ von Colmar, der Philosophy vnd Artznei Doctor. 387. +Stricker+, Zur Kulturgeschichte der deutschen Bäder. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Jg. 1856. Nürnberg. 388. Joannis +Guintherij+ Andernaci Medici Commentarius de balneis et aquis medicatis in tres Dialogos distinctus. Argentorati, MDLXV. 389. +Tissot+, Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine Gesundheit. Mit neuen Zusätzen vermehrt. Aus dem Französischen übersetzt durch +Hirzel+. Zürich, 1762. 390. Von Kalten, Warmen, Minerischen vnd Metallischen Wassern, sampt der vergleichunge der Plantarum vnd Erdgewechsen 10 Bücher: Durch Leonhart +Thurneisser+ zum Thurn. 1572. Gedruckt zu Franckfurt an der Oder, durch Johan Eichhorn. 391. Hydriatria Carolina, Das ist: Kurtze Beschreybung, was das weit-berühmte, Kayser-Carlsbad vor köstliche Mineralien mit sich führet. — Durch Wenceslaum +Hüllingern+. An. 1638. Anjetzo aber anderweit, in Verlegung Andreas +Becher+s, Apothekers in ermeldten Carls-Bad, auff das newe an das Liecht gebracht. Prag. 392. Kurtze Beschreibung des Pyrmontischen Sauer-Brunnens, sonst genandt der Heilige Brunn ... durch Georgium +Bolmannum+. Cassel und Marburg, 1682. 393. Hygia Weihenzellensis, oder: Weihenzellischer Heil- und Wunder-Bronnen .... von Johanne Laurentio +Loelio+. Nürnberg und Onolzbach, 1682. 394. Einige historische Nachrichten und Anmerkungen von der Graffschafft Pyrmont .. von Sigismund +Beermann+. Franckfurt und Leipzig, 1706. 395. +Strauß+, Ulrich von Hutten. Leipzig, 1858. 396. (Dr. +Ziegler+ in Regensburg) Bemerkungen über den Kurort Pfäfers in der Schweiz aus dem Tagebuche eines reisenden Arztes. Journal der praktischen Heilkunde. Herausgegeben von +Hufeland+ und +Osann+. Bd. 60. Berlin, 1825. 397. Henrici +Rantzovii+ de conservanda valetudine liber, in privatum liberorvm svorum vsum ab ipso conscriptus, ac editus a Dethlevo +Silvio+ Holsato. Francofordi, 1591. 398. Oberbaden im Ergöw der Eydgnoschafft, Erstlich Menschlichs lebens Art vnd Vrsprung, vnd wie man das befristen soll durch die Wilbäder, beuor zů Oberbaden. Ouch von deren krafft, tugend vnd eygenschafft. Vnd wie man sich darinnen halten soll. Einem jeglichen menschen fast nutzlich zůwissen. Durch den Hochgelerten D. Alexandern +Sitzen+, von Marckbach beschriben, vnd jetz widerumb nüwlich an tag bracht. 1576. (Nach der Vorrede ist der Wiederherausgeber Leonhart +Strübin+ Dec.) 399. +Schweizer+, Die Bade-Kur in Aargauisch Baden mit ihren Vor- und Nachwehen. Burgdorf, 1834. 400. Vom Wasserbaden drey Theyl. Durch D. Martium +Rulandum+, von Freysingen, der Statt Laugingen Physicum. MDLXVIII. Getruckt zu Dilingen, durch Sebaldum Mayer. 401. +Zapf+, Kurtze Beschreibung derer in einem Triangul nahe bey einander liegenden Gesund-Brunnen, welche bey ... Rastenberg neulich entprungen ... Zum 4. mahl gedruckt Franckfurter und Leipziger Meß 1697. 402. +Unterricht+ von dem Gebrauch des +Sältzer Wasser+s beyläuffig etwas vom verführten Carls-Bader-Wasser. Berlin, 1720. 403. Conradi +Redekeri+ ... brevis descriptio ... Bilfeldiani fontis et ususe jusdem. Amstelaedami, MDCLXVIII. 404. +Amusements des eaux de Spa+ oder Vergnügungen und Ergötzlichkeiten bey den Wassern zu Spaa. Aus dem Französischen ins Teutsche übersetzt von P. G. v. K. Franckfurt und Leipzig, 1735. 405. +Klüber+, Beschreibung von Baden bei Rastatt. 1. Teil. Tübingen, 1810. 406. +Jasander+, Amusements des eaux de Bade en Autriche. Das ist: Angenehmer Zeitvertreib und Ergözlichkeiten, in dem Nieder-Oesterreichischen Baadner-Bad, nebst Herrn D. +Dietmann+s Untersuchung von dessen Gebrauch und Mißbrauch. Nürnberg, 1747. 407. +Amusements des eaux de Schwalbach+ oder Zeitvertreibe bey den Wassern zu Schwalbach, denen Bädern zu +Wisbaden+, und dem +Schlangenbade+. Lüttich, 1739. 408. +Zwierlein+ und +Kühn+, Taschenbuch für Brunnen- und Badegäste. Leipzig, 1794. 409. Thermarum Aquisgranensivm, et Porcetanarvm Elucidatio, et Thaumaturgia ... Francisci +Blondel+. Editio tertia. Aquisgrani, 1688. — Außfürliche Erklärung vnd Augenscheinliche Wunderwirckung deren heylsamen Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Durch Franciscum +Blondel+. Aach, 1688. 410. Beschryving van de .... Stadt Aken Beschreeven door de Heer Franziscus +Blondel+. Gedruckt op Ordre van de Wel.-Ed: Groot Agtb: Raad en Magistraat der voorsz. Stad. Leiden, 1727 (Herausgeber: J. du +Vivier+). 411. +Ritter+, Kurtze Beschreibung der von neuem wieder hervorgesuchten und in brauchbaren Stand gesetzten, milch-warmen Mineral-Wassern, hinder Weissenburg, Ampts Wimmis .... gelegen. 1696. 412. +Sammlung+ der Bürgerlichen und Policey-+Geseze+ und Ordnungen Löbl. Stadt und Landschaft +Zürich+. Bd. 2, 1757. Bd. 4, 1779. Bd. 5, 1779. Bd. 6, 1793. 413. +Lyncker+, Geschichte der Stadt Wolfhagen. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Altertumskunde. Suppl. 6. Kassel, 1855. 414. +Vögelin+, Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich. Neujahrsblatt herausgegeben von der Stadtbibliothek in Zürich auf das Jahr 1842–48. Zürich, 1848. 415. Beytrag zur +Topographie+ von (Ober-)+Baden+ in der Schweitz. Helvetischer Kalender fürs Jahr 1786. Zürich. 416. +Vetter+, Handbuch der Heilquellenlehre. 1. und 2. Teil. Berlin und Wien, 1838. 417. (+Metobius+), Beschreibung des newen gefundnen Brunnens ... in der Graffschafft Speygelberg zwo meil wegs von Hamelen, an dem fluß Weser gelegen. 1556. 418. +Dorer+, Wirkungen des natürlich warmen Mineral Bades zu Baden im Kanton Argau. Baden, 1806. 419. +Fäsi+, Staats- und Erdbeschreibung der ganzen Helvetischen Eidgenoßschaft. Bd. 3. Zürich, 1766. Bd. 1, 2. Aufl., 1768. 420. Tractat der Wildbeder natuer wirckung vnd eigentschafft mittsampt vnderweisung wie sich ein yeder bereiten sol ee er badet, auch wie man baden, vnd ettliche zůfell der badenden wenden sol, Gemacht mit grossem fleiß, durch Laurentium +Phriesen+ der freien kunst vnnd artzny doctorem. Getruckt vnd seliglich vollendet in der Keiserlichen stat Straßburg ... von Johannem Grieningern, 1519. 421. +Murer+, Beschreibung des Habsburgerbads. Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer Kenntnisse. Herausgegeben von +Rahn+. Bd. 1. Zürich, 1787. 422. +Schultz+, Alltagsleben einer deutschen Frau des 18. Jahrhunderts. Leipzig, 1890. 423. +Baechtold+, Geschichte der deutschen Litteratur in der Schweiz. Frauenfeld, 1887 und 1892. 424. (+Murer+), Localbeschreibung des Heilbads zu Baden in der Schweiz. Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer Kenntnisse. Herausgegeben von +Rahn+. Bd. 3, Abt. 2. Zürich, 1791. 425. +Ziegler+, Beschreibung des Geirenbads, in der Pfarr Hinweil, drey meilen von Zürich .... gelegen. Zürich, 1662. 426. Die gantze +Bibel+, das ist alle bücher allts vnnd neüws Testaments, den vrsprünglichen spraachen nach, auffs aller treüwlichest verteütschet. Getruckt zů Zürich bey Christoffel Froschouer, im Jar als man zalt MDXLV. 427. Neue, kurze und einfaltige Beschreibung deß herrlichen, und, wegen seines grossen nutzens, in disen unseren Landen wol bekandten +Urdorffer-Bads+ ... an das helle Tag-Liecht gegeben durch Liebhaber deß Bads und der Artzney-Kunst. Zürich, 1691. 428. Unda Jordanis Fabariana. Pfeffesserischer Jordan, oder Piscina Probatica Fabariana. Eygentlicher Entwurff deß heylreichen Weltberühmten Pfaeffersbads ..... Von Matthaeo +Zimmermann+. Baden, 1689. 429. Naturbuch, Von nutz, eigenschafft, wunderwirckung vnd gebrauch aller Geschöpff, Element vnd Creaturn. Beschriben, verordnet vnnd verteutscht durch Conradum +Mengenberger+. Getruckt zu Franckenfurt am Meyn, bey Christian Egenolff ... MDXL. 430. +Dohme+, Geschichte der deutschen Baukunst. Berlin, Grote, 1887. 431. Von Natur, Eigenschafft, Wirckung, vnd rechtem Gebrauch, der warmen vnd wilden Bäder, jnsonderheit aber der vier, so in dem Schwartzwald, nicht weit von einander gelegen sind, nemlich Marggraven Baden, Wildbad, Zellerbad, vnd Huberbad. M. Philibertus +Leücippaeus+. Getruckt Anno Christi 1598. 432. +Meier+, Über Alwin Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger. 2. Aufl. Zeitschrift für deutsche Philologie. Bd. 24. Halle, 1891. 433. (+Speth+), Neue Beschreibung der uralten warmen Brunnen und Bäder zu Wißbaden. 4. Aufl. Wißbaden, 1761. 434. +Meyer+, Urkundenbuch der Stadt Augsburg. Bd. 1. Augsburg, 1874. 435. +Glaser+, Über Seelenbäder. Archiv für hessische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 2. Darmstadt, 1841. 436. +Ernst+, Das Biberacher Spital bis zur Reformation. Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. N. F. Jg. VI. Stuttgart, 1897. 437. Der Jüdenbadstub aufs neu viel kräftiger als vorhin zugericht. Gedruckt zu Ursell, 1606. Auctore Adriano +Warnero+, Franco. (2. Ausgabe von Abb. 70/71) Scheible, Das Schaltjahr. Bd. 3. Stuttgart und Leipzig, 1847. 438. Die poetischen Erzählungen des +Herrand von Wildonie+ und die kleinen innerösterreichischen Minnesinger, herausgegeben von +Kummer+. Wien, 1880. 439. +Jacobs+, Urkundenbuch der Stadt Wernigerode bis zum Jahre 1460. Halle, 1891. 440. Des +Bapsts+ vnd +der Pfaffen Badstub+. M. D. XLVI. 441. +Bech+, Zu dem von M. Haupt herausgegebenen Gedicht: Von dem übelen Weibe. Germania. Jg. 17. Wien, 1872. 442. +Ortnit und die Wolfdietriche+, herausgegeben von +Amelung+ und +Jänicke+. Deutsches Heldenbuch. 4. Teil. Berlin, 1873. 443. +Scheible+, Die fliegenden Blätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Stuttgart, 1850. 444. (Meyer), +Beschreibung+ des Sauerbrunnens bey St. +Moritz+ im Ober-Engadin. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet, auf das Jahr 1811. 445. (Meyer), +Beschreibung+ des +Gyrenbades+ im Turbenthal im Canton Zürich. Neujahrsgeschenk von der neuerrichteten Gesellschaft zum schwarzen Garten der lieben Zürcherischen Jugend gewidmet, auf das Jahr 1826. 446. +Meißner+, Abhandlung über die Bäder im Allgemeinen und über die neuen (Köberlinschen) Apparate zu Sprudel-, Sturz- und Dampfbädern insbesondere. Leipzig, 1832. 447. +Sparmann+, Kurtze doch gründliche Beschreibung aller in und vor der Stadt Töplitz befindlichen warmen Bäder. Dreßden und Leipzig, 1733. 448. Eigentliche +Beschreibung+ deren berühmten dreyen Gesundheits-Bädern in dem Ertz-Hertzogthum Österreich unter der Enns, als +Baaden+, +Teutsch-Altenburg+ und +Pyrenwarth+ ... von J. A. C. v. S. Nürnberg und Wien, 1734. 449. Aller heilsamen Bäder vnd Brunnen Natur, krafft, tugendt, vnd würckung, so in Teutschlanden bekandt vnd erfahren: Beschriben in Teutscher sprach, durch Gallum +Etschenreütterum+, der Artzney Doctor zů Straßburg. Getruckt zů Straßburg bey Christian Müller, 1571. 450. +Batt+, +v. Babo+, +Eitenbenz+, +Mone+ und +Weber+, Teutsche Denkmäler. Lief. 1. Enthält die Bilder zum Sächsischen Land- und Lehnrecht. Heidelberg, 1820. 451. Zur +Kulturgeschichte der deutschen Bäder+. Balneologische Zeitung. Bd.7. Wetzlar, 1859. 452. +Oberer+, Gasteiner Reise- und Bade-Zustände früherer Zeit. Balneologische Zeitung. Bd. 7. Wetzlar, 1859. 453. +Tissot+, Medizinische und chirurgische Gymnastik oder Versuch über den Nutzen der Bewegung oder der verschiedenen Leibesübungen, und der Ruhe bey Heilung der Krankheiten. Aus dem Französischen mit Anmerkungen des Herausgebers bereichert. Leipzig, 1782. 454. +Mone+, Über die Armenpflege vom 13. bis 16. Jahrhundert. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 1. Karlsruhe, 1850. 455. +Vögelin+, Sebastian Münsters Cosmographey. Basler Jahrbuch 1882. 456. Newe Wunderbeschreibung. Deß Wilt, oder Waltbads zu Pfeffers .... Durch Michael Rapha. +Schmuzen+, von Poystorff. Neuburg an der Daunaw, 1665. 457. +Württembergische Jahrbücher 1857.+ Stuttgart, 1858. 458. +Reydt+, Hydrophylacium oder neuwe Beschreibung deß wunder-heylsammen, weitberühmten, selbst-warmen, im Bistumb Chur und Herrschafft Pfeffers gelegenen Bads. Zug, 1708. 459. +Mauthner+, Die Heilkräfte des kalten Wasserstrahls. Wien, 1837. 460. +Mone+, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 19. Karlsruhe, 1866. 461. +Mone+, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 17. Karlsruhe, 1865. 462. +Wolf+, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. Cyklus 1. Zürich, 1858. 463. Unschuldiger +Zeitvertreib+ im +Carlsbad+ unter einer vereinten Gesellschaft. Franckfurth und Leipzig, 1751. 464. +Hampe+, Sittenbildliches aus Meisterlieder-Handschriften. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 4. Weimar, 1896. 465. +Plate+, Die Kunstausdrücke der Meistersinger. Dissertation. Straßburg, 1887. 466. +Vitruuius+ des allernamhafftigisten vnnd hocherfahrnesten, römischen Architecti .... Marci Vitruuij Pollionis, zehen Bücher von der Architectur vnd künstlichem Bawen.... Durch D. Gualtherum +H. Riuium+ Medic. et Mathem. Vormals in Teütsche sprach zu tranferieren, noch von niemand sonst vnderstanden, sonder für vnmüglichen geachtet worden. Getruckt zu Basel durch Sebastian Henricpetri. MDLXXV. 467. Der wälsche Gast des +Thomasin von Zirclaria+, herausgegeben von +Rückert+. Quedlinburg und Leipzig, 1852. 468. +Zedlers+ Universal-Lexikon. Bd. 3. Halle und Leipzig, 1733. 469. +Holtzmann+, Meistergesänge des XV. Jahrhunderts. Germania. Jg. 5. Wien, 1860. 470. +Simrock+, Die deutschen Volksbücher. Bd. 3. Frankfurt a.❆M., 1846. 471. +Depping+, Réglemens sur les arts et métiers de Paris, rédigés au XIII. siècle. Paris, MDCCCXXXVII. 472. +Stadtordnung für Münnerstadt+, gegeben im Jahre 1527. Archiv des historischen Vereins für den Untermainkreis. Bd. 3. Würzburg, 1836. 473. +Greiner+, Das ältere Recht der Reichsstadt Rottweil. Stuttgart, 1900. 474. +Hoffmann von Fallersleben+, Pestregeln. Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters. Nürnberg, 1832. 475. +Müller+, Die Polizeimaßregeln wider die Pestseuchen des 16. und 17. Jahrhunderts zu Stettin. Baltische Studien. Jg. 9. Heft 2. Stettin, 1843. 476. +Mayer+, Zur Geschichte der Pest im 15. und 16. Jahrhundert. Schau-ins-Land. Jg. 28. Freiburg i. B., 1901. 477. Eyn +tractat+ von der dotlichen sucht der +pestelentz+ mit grosem fliß vß vielen pucheren der namhaftigesten lerern in der ertzney gezogen vnd in das dutsce brocht. Anno MCCCCLXXXII. 478. +Fuchs+, Die ältesten Schriftsteller über die Lustseuche in Deutschland von 1495 bis 1510. Göttingen, 1843. 479. Images de Saints et Saintes issus de la famille de l’empereur Maximilien I ... d’après les dessins de Hans +Burgmaier+. Vienne, 1799. 480. +Meyer-Ahrens+, Geschichtliche Notizen über das erste Auftreten der Lustseuche in der Schweiz. Zürich, 1841. 481. +Reber+, Beiträge zur Geschichte der Medicin und der Pharmacie. S.-A. der „Pharmaceutischen Post“. Wien, 1900. 482. +Reber+, Ein Beitrag zur Geschichte der Syphilis. Correspondenzblatt für Schweizer Ärzte. Jg. 30. Basel, 1900. 483. Colloquiorum familiarium opus, Des. +Erasmo Rot.+ autore. Basileae apud Mich. Ising. MDXLIII. 484. +Scheible+, Das Schaltjahr. Bd. 2. Stuttgart und Leipzig, 1846. 485. Newe erzelungen von dem, auß etlichen gemeinen Baden verunreinigen am schrepffen, vnnd verhalten dero vrsachen, auch wie zu rathen solchem sein macht, meniglich damit sich vor zu sehen in guetem vermeinet vnd beschrieben. Anno MDCI. Georgivs +Marivs+ genant +Maier von Wvrtzberg+ Doctor Medicus. 486. +Scharold+, Würzburger Almosen-Ordnung vom Jahre 1533. Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5. Würzburg, 1839. 487. +Harder+, Das Sondersiechenhaus und die H. Dreikönigskirche auf der Steig in Schaffhausen. Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Schaffhausen, 1874. 488. +Bühler+, Der Aussatz in der Schweiz. Zürich, 1902. 489. Kurtzer vnd warhafftiger Bericht: Was schwärer vnd mühseliger allerhand Kranckheiten, vom jahr 1596 biß ins 1599. wol vnnd glücklich seyen geheilet worden, durch die Gnad Gottes, vnd wunderbarliche würckung deß Wunderbads zu Boll im Hertzogthumb Württemberg gelegen, so da newlich erfunden, ... vnd durch ... Joannem +Bauhinum+ F. Württemb. Archiatrum, newlich eigentlich vnd weitleufftig beschrieben ... sampt vielen denckwürdigen Historien ... jetzund aber dise Exempel trewlich verzeichnet worden, durch den hochgelehrten H. Joan. +Rentzium+ F. W. Medicum im ermelten Wunderbad. Mümpelgart, MDXCIX. 490. Kurzgefasste +Geschichte+ der uralten Familie, Stadt und Grafschaft +Rapperswill+. Einsiedeln, 1821. 491. +Haeser+, Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der epidemischen Krankheiten. 3. Bearbeitung. Jena, 1875–82. 492. +Konrad+s +von Würzburg+ Silvester von Wilhelm +Grimm+. Göttingen, 1841. 493. Eins Erbarn Raths der Statt +Nürnberg+, verneute +Gesetz+ vnd Ordnung, in gegenwärtigen +Sterbsläuftten+ diß MDC. Jars, auffgericht. Gedruckt zu Nürnberg durch Paulum Kauffmann. 494. +Meyer-Ahrens+, Der Stich in den Jahren 1564 und 1565 im Zusammenhange mit den übrigen Epidemien der Jahre 1562–1566. Zürich, 1848. 495. +von Stetten+, Geschichte der Heil. Röm. Reichs Freyen Stadt Augspurg. Frankfurt und Leipzig, 1743. 496. +Jäger+, Geschichte der Stadt Augsburg. Darmstadt, 1837. 497. Ein schöner Lobspruch: Von der Fürstlichen Hauptstatt München, vnnd von dem gantzen Bayerland. Gestellt durch Thomas +Greilln+, von Steinfeldt, Carinthium. Gedruckt Anno 1610. 498. Hans +Sachs+, Eyn Lobspruch der Stat Nürmberg. Der Stat Nürmberg ordnung vnd wesen findestu in disem gdicht zu lesen. Gedruckt zu Nürmberg durch Kunegund Hergotin. 499. +Dietmann+s Untersuchung des Nieder-Österreichischen Badner-Bades, dessen Gebrauch u. Mißbrauch ... ins Teutsche übersetzet und mit einer Vorrede D. Joh. Nic. +Weiß+ens vermehret. Wien, 1734 (lateinisch 1732). 500. +Bäumer+, Die Geschichte des Badewesens. Breslau, 1903. 501. +Marggraff+, Badewesen und Badetechnik der Vergangenheit. Berlin, 1881. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von Virchow und Holtzendorff. XVI. Serie. Heft 380. Berlin, 1881. 502. +Strickler+, Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen, 1882. 503. Also hastu den +Kalender+, der do volendet ist vff Montag vor Matthie jm MCCCCCXIIIII. Jor. Am Schluß: Das +regiment der gesuntheit+. Getruckt in der loblichen stat +Basel+ durch Pamphilum +Gengenbach+. 504. +von Liliencron+, Deutsches Calendarium aus dem XIV. Jahrhundert. Zeitschrift für deutsches Altertum. Bd. 6. Leipzig, 1848. 505. +Kalender+ mit allen astronomischen haltungen usw. Durch den wol erfarnen D. Eucharium +Rößlin+, Statartzt zu +Franckfurt+ am Meyn, new ann tag geben. Gedruckt zu +Franckfurt+ am Meyn bei Christian Egenolphen, 1533. 506. Newer Verbesserter Gregorianischer +Schreib-Kalender+ ... Auffs Neu nach den Festen Constantzer Bistumbs, vnd Eydtgnössischen Meridian gerichtet. Auff das Jahr nach Christi Geburt. MDCCXXXIX. +Baden+, bey Joseph Ludwig +Baldinger+, 1739. 507. +Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters.+ Jg. 2. Nürnberg, 1833. 508. Ehespiegel: Das ist, alles was vom heyligen Ehestande, nützliches, nötiges, vnd tröstliches mag gesagt werden. In sibentzig Brautpredigten: zusammen verfasset. Durch Cyriacum +Spangenberg+, im Thal Manßfeldt. Vnd jetzundt auffs neuw vom Authore selbst fleißig vbersehen, vnd an vilen orten trefflich gemehret vnd gebessert. Getruckt zu Straßburg, durch Samuel Emmel. Anno MDLXIII. 509. Nota liber Rationis Walfardi Helttampt. +von Freyberg+, Sammlung historischer Schriften und Urkunden. Bd. 2. Stuttgart und Tübingen, 1829. 510. +Herschel+, Zur Geschichte von Koldiz. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 6. Jg. 1859. Nürnberg. 511. +Morel+, Zur Geschichte des Aberglaubens. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 4. Jg. 1857. Nürnberg. 512. +Lütolf+, Sagen, Bräuche und Legenden aus den fünf Orten. Lucern, 1865. 513. +Rocholz+, Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel der Vorzeit. Bd. 1. Deutscher Unsterblichkeitsglaube. Berlin, 1867. 514. (+Becker+), Schloß Runkelstein und seine Wandgemälde. Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Jg. 4. N. F. Wien, 1878. 515. Graf +Waldstein+, Nachlese aus Runkelstein. Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Jg. 20. N. F. Wien, 1894. 516. +Schönherr+, Das Schloß Runkelstein bei Bozen. Mit einem Inventar des Schlosses von 1493. Innsbruck, 1874. 517. +Pfau+ und +Kinkel+, Beschreibung der Burg Kyburg. Zürich 1870. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 16. 518. +Hufeland+, Nöthige Erinnerung an die Bäder und ihre Wiedereinführung in Teutschland. Journal des Luxus und der Moden. Weimar, 1790 und 1801. 519. +Römer-Büchner+, Wohlleben und Prachtliebe der Gesellschaft Limburg zu Frankfurt a.❆M. im Mittelalter. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Jg. 1856. Nürnberg. 520. Die +Kindheit Jesu+, Gedicht des 12. Jahrhunderts. Herausgegeben von +Feifalik+. Wien, 1859. 521. +Hes+, Kaspar Bankin’s Leben und Charakter. Basel, 1860. S.-A. aus dem 7. Band der Beiträge zur vaterländischen Geschichte. 522. +Preuss+, Waschungen und Bäder nach Bibel und Talmud. Wiener medizinische Wochenschrift. Wien, 1904. 523. +Weisstein+, Das Judenbad in Speier. Centralblatt der Bauverwaltung. Jg. 5. Berlin, 1885. 524. +Kratz+, Das Judenbad in Friedberg in Oberhessen. Die Denkmalpflege, herausgegeben von der Schriftleitung des Centralblattes der Bauverwaltung. Schriftleiter Sarrazin und Schultze. Jg. 4. No. 8. Berlin, Ernst u. Sohn, 1902. 525. +Bode+, Geschichte der deutschen Plastik. Berlin, 1885. 526. Erdichtete +Liebesbriefe des XV. Jahrhunderts+ in niederdeutscher Sprache. Germania. Jg. 10. Wien, 1865. 527. +Neuburger+ und +Pagel+, Handbuch der Geschichte der Medizin. Jena, 1903 ff. 528. +Rieger+, Über die Psychiatrie in Würzburg seit 300 Jahren. Würzburg, 1899. 529. +Ettmüller+, Die Frescobilder zu Konstanz. Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 15. Zürich, 1866. 530. +Kudrun.+ Bearbeitet von Piper. Stuttgart, 1895. 531. +Homeyer+, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters und ihre Handschriften. Berlin, 1856. 532. +Lind+, Ein Antiphonarium im Stifte St. Peter zu Salzburg. Mitteilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Jg. 14. Wien, 1869. 533. +Schiller+ und +Lübben+, Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen, 1875–1881. 534. +Mone+, Geschichtliche Notizen. Medizinalwesen. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 14. Karlsruhe, 1862. 535. +Weisthümer+, gesammelt von Jacob +Grimm+. Göttingen, 1840–1869. 536. +von Laßberg+, Liedersaal. Bd. 3. St. Gallen und Konstanz, 1846. 537. +Schultz+, Toiletten-Anweisungen des 14. Jahrhunderts. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Jg. 24. Nürnberg, 1877. 538. +Rahn+, Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz. Zürich, 1876. 539. +Ennen+, Geschichte der Stadt Köln. Bd. 1 und 3. Köln und Neuß, 1863 und 1869. 540. +Weller+, Altes aus allen Theilen der Geschichte .... 2 Bände. Chemnitz, 1762 u. 1766. 541. +Meyer+, Das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276. Augsburg, 1872. 542. D. Nicolaus +Gentzkow+’s, weiland Bürgermeisters in Stralsund, Tagebuch von 1558–1567. Im Auszuge mitgeteilt von +Zober+. Baltische Studien. Jg. 12 ff. Stettin, 1846 ff. 543. +Grellmann+, Historische Kleinigkeiten zum Vergnügen und Unterricht. Göttingen, 1794. 544. +Wehrmann+, Eine Luxusordnung. Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 2. Lübeck, 1867. 545. +Gengler+, Seelbäder. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. N. F. Jg. 2. Hannover, 1873. 546. +Osenbrüggen+, Culturhistorische Bilder aus der Schweiz. Leipzig, 1863. 547. Das +Lübeckische Recht+. Unveränderter Abdruck von 1728. Lübeck, 1829. 548. +Wittmann+, Pfründe-Ordnung des vormaligen Klosters Geisenfeld. Aus dem 13. Jahrhundert. Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte. Bd. 1. München, 1856. 549. +Blumenbach+, Nachricht von Herzog Ernst des Jüngern Beylager zu Münden und dem Hofstaate daselbst. Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen. Jg. 1849. Hannover, 1851. 550. +Gaupp+, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Bd. 1. Breslau, 1851. 551. (+von Moos+) Astronomisch-politisch-historisch- und kirchlicher Calender für Zürich. 2. u. 3. Theil. Zürich, 1775 u. 1777. 552. +Kopp+, Bilder und Schriften der Vorzeit. Mannheim, 1819. 553. +Büsching+, Das Schloß der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin, 1823. 554. +Zinck+, Studentisches Leben in Leipzig zur Zeit des Kurfürsten August (1555–1586). Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Bd. 6. Weimar, 1899. 555. +Hirsching+, Beytrag von Idiotismen aus dem Fürstenthum Hohenlohe. Journal von und für Deutschland. Herausgegeben von Siegmund Freyherrn von Bibra (in Fulda). Jg. 6. 1789. 556. +Clauser+, Sylvula formularum quotidiani sermonis, in puerorum gratiam congesta. Basel, 1595. 557. +Staub+ und +Tobler+, Schweizerisches Idiotikon. Frauenfeld, 1881 ff. 558. Das Landrecht des +Schwabenspiegels+ in der ältesten Gestalt, herausgegeben von +Wackernagel+. Zürich und Frauenfeld, 1840. 559. +Gengler+, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Erlangen, 1852. 560. +von Bülow+, Inventarien der S. Johanniterordenscomthurei Wildenbruch aus den Jahren 1547 und 1560. Baltische Studien. Jg. 29. Stettin, 1879. 561. +Näher+, Die deutsche Burg, ihre Entstehung und ihr Wesen, insbesondere in Süddeutschland. Deutsche Bauzeitung. Jg. 19. Berlin, 1885. 562. +Rahn+, Die mittelalterlichen Architektur- und Kunstdenkmäler des Cantons Thurgau. (Frauenfeld, 1899.) 563. +Scherb+, Kurze Anleitung zur Erhaltung und Wiederstellung der Gesundheit insofern beydes ohne medizinische Hülfe erhalten werden kann. Nach Tissot und Unzer. Bischoffzell, 1783. 564. +Senn+, Archiv traditioneller Antiquitäten aus den Alpen. Alpenpost. Bd. 1. Glarus, 1871. 565. +Meyer-Ahrens+, Die Bäder und Badesitten im Mittelalter und dem Anfang der Neuzeit. Die illustrierte Schweiz. Jg. 3. Bern, 1873. 566. +Holzhab+, Supplement zu dem allgemeinen ... schweizerischen Lexicon von +Leu+. Zürich, 1795. 567. Franzisci Philippi +Florini+ ... Oeconomvs prvdens et legalis. Oder Allgemeiner Klug- und Rechts-verständiger Haus-Vatter. Nürnberg, 1705. 568. +Boesch+, Ein süddeutsches bürgerliches Wohnhaus vom Beginne des 18. Jahrhunderts. Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jg. 1897. Nürnberg, 1897. 569. +Michelsen+, Der Mainzer Hof zu Erfurt am Ausgange des Mittelalters. Jena, 1853. 570. +Birlinger+, Ein Inventar von 1577. Alemannia. Bd. 3. Bonn, 1875. 571. Ein kurtz vnd trüwlich vnderricht, wider die sorgklich kranckeyt der Pestilentz, nach aller notturfft vnd ordnung so in söllichem fal, betracht vnd gehalten werden mag: neulich vß gangen vnd zů nutz gemeyner Lantschafft der eydgnoschafft zůsamen bracht, im XV. hundert vnd XIX. Jar. Zůsamen bracht vß dem Latin durch den hochgelerten Joachim +Vadianum+, der syben fryen künsten vnd Ertzny Doctor. Gedruckt in der loblichen statt Basel durch Adam Petri. 572. +Osiander+, Volksarzneimittel. 3. Aufl. 2. Abdruck. Tübingen, 1844. 573. +Näf+, Geschichte der Kirchengemeinde Hinweil. Zürich, 1869. 574. +de Lamzweerde+, Monita salutaria, de magno thermarum et acidularum abusu. Coloniae Agrippinae, 1684. 575. +Heffner+, Beitrag zur Geschichte der abendländischen Lepra in Ost-Franken. Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 12. Würzburg, 1853. 576. T’Boeck van de Vroet-Wijfs ... van den seer vermaerden Jacob +Rvffen+. Ouergeset in ons Nederlantsche sprake deur Martyn +Everaert+. Amstelredam, 1591. 577. Hebammenbuch ... durch Fraw Louyse +Bourgeois+, der alten Königin in Frankreich bestellten Amme .... Franckfurt, 1628–48. 578. +Hirzel+, Lese-Buch für das Frauenzimmer über die Hebammenkunst. Zürich, 1784. 579. Herzog +Christoph+s +zu Würtemberg Instruction für den Hofmeister+, Lehrmeister und Unter-Gehülfen seines Sohns, Herzog Ludwigs ... vom Jahr 1562. Patriotisches Archiv für Deutschland. Bd. 9. Mannheim und Leipzig, 1788. 580. +Gengler+, Deutsche Stadtrechts-Alterthümer. Erlangen, 1882. 581. +Schaab+, Geschichte der Stadt Mainz. Bd. 1. Mainz, 1841. 582. +Mombert+, Das gemeinschaftliche Bad der jüdischen Frauen in Kellern, ein Gegenstand für die medicinische Polizei und für praktische Ärzte. Zeitschrift für die Staatsarzneikunde. Bd. 20. Erlangen, 1830. 583. Beurkundete +Erziehungs-Geschichte Pfalzgrafen Friedrich+s als Churfürsten, dieses Namens des IV. Churf. Ludwigs VI. zu Pfalz einigen Sohns und Landes-Nachfolgers. Patriotisches Archiv für Deutschland. Bd. 4. Frankfurt und Leipzig, 1786. 584. +Haupt+ und +Hofmann+, Altdeutsche Blätter. Bd. 1. Leipzig, 1836. 585. +Wolfram von Eschenbach+s Parzival und Titurel. Herausgegeben von +Martin+. 1. Teil. Halle, 1900. 586. +Sintenis+, Beschreibung einer im Jahre 1507 zu Zerbst aufgeführten Procession. Zeitschrift für deutsches Altertum. Bd. 2. Leipzig, 1842. 587. +Flögel-Ebeling+, Geschichte des Grotesk-Komischen. Leipzig, 1862. 588. +Förstemann+, Die Gesetzsammlungen der Stadt Nordhausen im 15. und 16. Jahrhundert. Neue Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen. Bd. 6. Halle und Nordhausen, 1843. 589. +Scharold+, Auszüge aus alten Dorfsordnungen. Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. 5. Würzburg, 1839. 590. +Zeller-Werdmüller+, Die Züricher Stadtbücher. Bd. 2. Leipzig, 1901. 591. +Lochner+, Schuldiger gleichbedeutend mit Gläubiger. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 5. Jg. 1858. Nürnberg. 592. Die alten +Statuten+ der Stadt +Stolberg+ am Harz. Neue Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen. Bd. 6. Halle und Nordhausen, 1843. 593. +Stralsunder Kleider- und Hochzeitsordnung+ vom Jahre 1570. Mitgeteilt von +Zober+. Baltische Studien. Jg. 21. Stettin, 1866. 594. +Handzeichnungen+ alter Meister aus der +Albertina+ und anderen Sammlungen. Herausgegeben von +Schönbrunner+ und +Meder+. Bd. 9. Wien, Gerlach und Schenk (1904). 595. Prattica auff das künfftig jar, von korn, win, vnd andern früchten, auch von kranckheiten, kriegen, tod, thüre, vnd andern dingen, so sich alls zebesorgen, allenthalben zůtragen werden. Durch D. Hanß +Wyerman+, der siben fulen künsten meister, in der nechsten Statt bey Chillion, do man die hürling facht. Mit priuilegium auff 12. monat nit nach zetrucken, aber wol abzeschryben. Gedicht zů Chillion, in der wachtstuben, bey meister Hanß Seltengelt, gleich bey der wachtkannen. (Erschien auch als: Practica vff das MDLXV. jar u.❆s.❆w. Getruckt zů Chillion ... 1564.) 596. Endres +Tucher+s Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg. Herausgegeben von +Lexer+. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 64. Stuttgart, 1862. 597. Heimfahrt von Jerusalem Hans +Stockar+’s von Schaffhausen, Pilgers zum heiligen Grabe im Jahr des Heils 1519 und Tagebuch von 1520 bis 1529. (Herausgegeben von +Maurer-Constant+.) Schaffhausen, 1839. 598. (+Fischart+), Affentheurlich Raupengeheurliche Geschichtsklitterung ... Durch Huldrich Elloposcleron. Gedruckt zur Grensing im Gänsserich, 1590. 599. +Stöber+, Vierundfünfzig verschiedenartige Familien- und Gesellschaftsfeste und Zechgelegenheiten. Aus Fischarts Gargantua, Ausgabe von 1608. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. Bd. 2. Jg. 1855. Nürnberg. 600. +Senn+, Alte Offnungen, Landtrechte, Dorff Rächte vnd Hofsrechtte aus der Ostschweiz. Frauenfeld, 1873. 601. +Kluge+, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 5. Aufl. Straßburg, 1894. 602. Nutzliche vnnd trostliche vnderrichtung, wie sich mencklich in diser gefahrlichen zeyt der pestelentz halten solle ... durch Heinrich +Pantaleon+, Ordinarium Physikum inn der loplichen hohen schůl zů Basel, 1564. 603. Neue Pestordnung der Statt Zürich: Samt einem kurzen Bericht, wie man sich mit Gottes hülffe vor dieser kranckheit bewahren, und dieselbige heilen sölle, auf ungleiche Naturen gerichtet, Durch Joh. Heinrich +Lavatern+, beyder Arzneyen Doctorn. Zürich, 1668. (Auch unter dem Titel: Getreue Anleitung, wie man sich zu besorgender Pestzeit verhalten, mit Gottes hülffe vor dieser kranckheit bewahren usw.) 604. Consilium politico-physicum, Gründliches Bedencken, vnd getrewer Rath, was eine Stadt, in welcher, den vorgangenen Herbst, die Pest ein wenig angefangen, künfftigen Früling, in den Gassen oder Strassen, wie auch in öffentlichen Privathäusern, fürnemen solle ..... durch Davidem +Herlicium+, der Philosophie vnd Medicinae Doctorem, jetzund zu Stargard in Pommern, Astronomum vnd Medicum. Gedruckt zu Nürnberg, In verlegung Georg Endters deß Eltern, Buchhändlers. MDCXXIII. 605. Ein nutzlicher bericht vnd regiment, Wie zu disen gefährlichen Sterbensläuffen vor der Pestilentz vmb vns herumb vnd andern ohrten eingerissen, Gesunde zu verwahren, vnnd Krancke widerumb zu curieren seyen. Gestellt durch, Joannem +Schleherum+: Doctorem Philos: et Medic: Physicum Constantiensem. Getruckt zu Costantz am Bodensee, bey Jacob Straub, 1611. 606. Ein kurtzer Bericht: Wie man sich in denen jtzo vorstehenden Sterbensleufften, mit der Praeseruation oder verwahrungen, Dornach auch der Curation der Pestilentz, vnd etzlicher jrer accidentien, oder zufellen, verhalten sol. Zu dienste den Einwohnern der Churfürstlichen Stadt Dreßden u.❆s.❆w. von Johann +Neefen+, der Ertzney Doctorn, u. Churfürstlichem Sechsischen Leibmedico. MDLXXVII. 607. Vonn der Pestilentz ein nützlich Regiment, auff diese Zeit gestellet .... Durch D. Jodocum +Willich+, Franckfort an der Oder. 608. Kurtzer vnd einfältiger doch nützlicher vnd nothwendiger Bericht von der Pestilentz ... Auff Anordnung vnd Befehl eines Ehrnvesten Hochweisen Raths der Stadt Halle, ... durch Matthiam +Untzerum+. Hall in Sachsen, 1607. 609. +Ephrussi+, Les Bains de femmes d’Albert Durer. Nuremberg. 610. +König+, Concilium medicum. Bern, 1721. 611. +Bergius+, Abhandlung von denen kalten Bädern ..., aus dem Schwedischen übersetzt von +Georgi+, zum Druck befördert und mit Anmerkungen auch einer Vorrede vom Nutzen des Badens überhaupt und insbesondere der kalten Bäder versehen von +Rhades+. Stettin, 1766. 612. (+Sanchez+), Bemerkungen über den Gebrauch der Dampfbäder bey verschiedenen Völkern, insbesondere in Rußland. Aus dem Russischen. Memmingen, 1789. 613. +Hirsch+, Von den Vortheilen der in den Kaiserlich Russischen Staaten gebräuchlichen Dampf- oder Schwitzbäder und ihrer Einrichtung. Bamberg, 1816. 614. +Uden+, Nachrichten das zu Berlin angelegte englische Dampfbad betreffend. Berlin, 1781. 615. +Meyer+, Brunnen, Mineralbäder, Wasch- und Badeanstalten in Mittelfranken 1855/56. Balneologische Zeitung. Bd. 5. Wetzlar, 1857. 616. +Schär+, Über öffentliche Wasch- und Badeanstalten. Balneologische Zeitung. Bd. 1. Wetzlar, 1855. 617. +Mayer+, Badegelegenheiten, Mineralbäder, Bad- und Waschanstalten im Reg.-Bezirk Mittelfranken 1856–57. Balneologische Zeitung. Bd. 7. Wetzlar, 1859. 618. +Pappenheim+, Öffentliche Badeanstalten. Balneologische Zeitung. Bd. 6. Wetzlar, 1858. 619. +Glaser+, Urkunden zur Geschichte der Stadt Grünberg. Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 3. Darmstadt, 1844. 620. +Lassar+, Die Cultur-Aufgabe der Volksbäder. Berlin, 1819. 621. +von Liebenau+, Das alte Luzern. Luzern, Prell, 1881. 622. +Hirschel+, Hydriatica oder Begründung der Wasserheilkunde auf wissenschaftlichen Principien, Geschichte und Literatur. Leipzig, 1840. 623. Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. +Schäfer+, Ehemaliger Kreis Wimpfen. Darmstadt, 1898. 624. Die +Dresdener+ Bilderhandschrift des +Sachsenspiegels+. Herausgegeben von Karl +von Amira+. Bd. 1. Leipzig, 1802. 625. +Kugler+, Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Bd. 1. Stuttgart, 1853. 626. +Hüllmann+, Städtewesen des Mittelalters. 4. Teil. Bonn, 1829. 627. +Baumann+, Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges aus Rotenburg an der Tauber. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. Tübingen, 1878. 628. Des Weitberümbten Hochgelehrten vnd Erfarnen Aureoli Theophrasti +Paracelsi+ Medici, u. Wund vnd Artzney Buch .... Sampt vier Büchern wolermeldts Theophrasti Paracelsi, so jetzt erst hinzů kommen. Alles mit sonderlichem fleiß durch Herrn Adam von +Bodenstein+, beyder Artzneyen Doctorn, zů nutzen vnd wolfart Teutscher Nation in Truck geben .... Getruckt zů Franckfurt am Mayn, Anno 1565. 629. Hie nach volget ein scharffes künstlichs gedicht von einem Tyrannen vnd etzlichen grausamen, vnmenschlichen geschichten, Erstlich durch den Ernuesten vnd hochberümpten hern Vlrichen +von Hutten+ gekrönten vnd Orator jm latein seer zirlich beschriben, darnach durch andere, jn dz teutsch, wie sich das hat schicken wöllen bracht .... (Ist Übersetzung von: Phalarismus Dialogus +Hvttenicvs+ ... Mense Martio An. M.D.XVII.) 630. (+Fischart+) Aller Practick Großmůtter. Ein dickgeprockte newe vnnd trewe, laurhaffte vnnd jmmerdaurhaffte Procdick ... gestellet durch gůt duncken, oder gůt truncken des Stirnweisen H. Winhold Wůstblůt vom Nebelschiff, des Königs Artsus von Landagrewel höchsten Sterngauckler, Practickträumer vnd Kalender reimer ... Kunim kratzen vnd Brieffelegen, nach laut der Pructick. MDLXXII. 631. +von Rodt+, Bern im 18. Jahrhundert. Bern, Schmid u. Francke, 1901. 632. Kurtze vnd eygentliche Beschreibung, Von Vrsprung, Natur, Qualitet vnd Würckung, deß Weitberümbten, Heylsamen, vnd Warmen Bads Pfeffers in Obern Schweytz, deß Fürstenthumbs Pfeffers gelegen. Vngefahr vor 80. Jahren durch den Hochgelehrten Herren Theophrastum +Paracelsum+ Medicinae Doctorem, etc. beschriben, vnnd der Welt zu Nutz an Tag gegeben. Anjetzo aber menigklichen zu besserer erkandtnuß obgedachten Bads Nutzbarkeiten, widerumb mit fleiß vbersehen, vnd in offentlichen Truck verfertiget. Durch Johann +Beyern+, deß Freyen Fürstlichen Gottshaus Pfeffers HoffSchreibern. Getruckt in dem Gräfflichen Marckt Embs, bey Bartholome Schnell, Anno 1619. 633. +Offterdinger+, Anleitung für das Landvolk in Absicht auf seine Gesundheit. 2. Aufl. Zürich, 1782. 634. +Selinger+, Vincenz Prießnitz. Wien, 1852. 635. Über die unmittelbare +Wirkung der Luft auf die Oberfläche des menschlichen Körpers+. Aus +Lichtenberg+s Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte. Bd. 3. 4. Stück. Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer Kenntnisse ... herausgegeben von +Rahn+. Bd. 1. Zürich, 1787. 636. Der +Curgast deutscher Kaltwasserheilanstalten+. Leipzig, 1845. 637. +Rausse+, Über die gewöhnlichsten ärztlichen Mißgriffe beim Gebrauch des Wassers als Heilmittel. Leipzig. 638. +Rausse+, Der Geist der Gräfenberger Wasserkur. Zeitz, 1838. 639. +Rausse+, Miszellen zu den verschiedenen Heilmethoden. Neu herausgegeben von +Winkler+. Leipzig. 640. +Rausse+, Wasser thut’s freilich! oder Miszellen zur Gräfenberger Wasserkur. 5. Aufl. Herausgegeben von +Hahn+. Leipzig (1858). 641. Professor Dr. +Oertel+ in Ansbach ... als Theolog, Philolog und Hydrolog, von ihm selbst dargestellt. Erlangen, 1840. 642. +Hufeland+, Praktische Übersicht der vorzüglichsten Heilquellen Teutschlands nach eignen Erfarungen. Berlin, 1815. 643. +Wendt+, Über die Bedeutung und Wirkung der russischen Dampfbäder. Breslau, 1830. 644. +von Kahtlor+, Über die zweckmäßige Anwendung der Haus- und Flußbäder zur Erhaltung der Gesundheit, Jugend und Schönheit. Wien, 1822. 645. +Klein+, De aere, aquis et locis agri Erbacensis atque Breubergensis, largi Odenwaldiae tractus. Francofurti et Lipsiae, 1754. 646. +Spengler+, Was wir bringen? Balneologische Zeitung. Bd. 1. Wetzlar, 1855. 647. +Munde+, Memoiren eines Wasserarztes. Dresden und Leipzig, 1844. 648. +Winternitz+, Die Hydrotherapie auf physiologischer und klinischer Grundlage. Wien, 1877–1880. 2. Aufl. des 1. Bds. Wien und Leipzig, 1890. 649. +Currie+, Über die Wirkungen des kalten und warmen Wassers als eines Heilmittels im Fieber und in andern Krankheiten. Nach der 2. Ausgabe übersetzt von +Michaelis+. Leipzig, 1801. 650. +Bergius+, Von dem Nutzen der kalten Bäder. Aus dem Schwedischen übersetzt und mit Anmerkungen und Zusätzen vermehrt von +Rhades+. Neue Ausgabe mit einer Vorrede vom Geh. Rath +Baldinger+. Marburg, 1793. 651. +Ehrenberg+, Ansichten über die Gräfenberger Wassercuren begründet auf einen längeren Aufenthalt daselbst. Leipzig, 1840. 652. +Pochhammer+, Russische Dampfbäder als Heilmittel durch Erfolge bewährt ... Mit einer kurzen Anweisung zum Gebrauche der russischen Dampfbäder von +Schmidt+. Berlin, 1824. 653. Die orthopädische Heilanstalt und das russische Dampfbad von Dr. +A. Mayer+ in Würzburg. Würzburg, 1829. 654. (+Gruner+) Was fängt man mit den Barbirern und Barbirstuben, mit den Badern und Badstuben an? Almanach für Ärzte und Nichtärzte auf das Jahr 1789. Herausgegeben von +Gruner+. Jena, 1789. 655. De Peste Philippi Theophrasti +Paracelsi+, des hocherfarnen Teutschen Philosophi, vnd beyder Artzney Doctoris, an die Statt Stertzingen geschriben. Item, etliche Consilia Theophrasti +Paracelsi+ .... Vorhin nie getruckt, jetzunder aber alles durch Doctorem +Toxiten+ gefertigt ... Getruckt zu Straßburg bey Niclauß Wyriot. MDLXXVI. 656. +Zwierlein+, Allgemeine Brunnenschrift für Brunnengäste und Ärzte. Weißenfels u. Leipzig, 1793. 657. +Glur+, Roggwyler Chronik. Zofingen, 1835. 658. +Dauter+, Von dem äußerlichen, örtlichen Gebrauche des kalten Wassers in verschiedenen Krankheiten des menschlichen Körpers. Leipzig, 1784. 659. +Renard+, Das Bad als Mittel zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit und Schönheit. Frei bearbeitet nach +Hallé+, +Guilbert+ und +Nysten+. Mainz, 1814. 660. +Hahnemann+, Anleitung alte Schäden und faule Geschwüre gründlich zu heilen. Leipzig, 1784. 661. +Rausse+, Anleitung zur Ausübung der Wasserheilkunde für Jedermann, der zu lesen versteht. Herausgegeben von +Hahn+. 1. Abt. Leipzig, 1850. 662. Über die äußerliche Anwendung des kalten Wassers in hitzigen Fiebern. Drei Preisschriften der Herren +Frölich+, +Reuß+ u. +Pitschaft+. Herausgegeben von +Hufeland+. Journal der practischen Heilkunde. Herausgegeben von +Hufeland+. Supplementstück des Jahrgangs 1822. Berlin, 1823. 663. Etwas über +Populärmedizin+ (von einem ungenannten Verfasser eingesendet). Archiv gemeinnütziger physischer und medizinischer Kenntnisse. Herausgegeben von +Rahn+. Bd. 3. Zürich, 1790. 664. +â Gehema+, Der krancke Soldat bittende, daß er hinführo besser möge conserviret, mitleidiger tractiret, und vorsichtiger curiret werden. Allen Hohen Generals-Persohnen und brafen Officirern, die ihre Soldaten lieben, zu sonderbahren Nutzen. 1690. 665. +Langenbeck+, Nosologie und Therapie der chirurgischen Krankheiten in Verbindung mit der Beschreibung der chirurgischen Operationen oder gesammte ausführliche Chirurgie für practische Ärzte und Wundärzte. Bd. 1. Göttingen, 1822. 666. +Döbereiner+, Anleitung zur Darstellung und Anwendung aller Arten der kräftigsten Bäder und Heilwässer, welche von Gesunden und Kranken gebraucht werden. Jena, 1816. 667. +Hufeland+, Über den Nutzen der lauwarmen Bäder und über den Nachtheil, den die Vernachläßigung derselben auf die Gesundheit hervorbringt. Berlin, 1804. 668. +Weiß+, Handbuch der Wasserheilkunde für Ärzte und Laien. Leipzig, 1844. 669. +Kröber+, Prießnitz in Gräfenberg und seine Methode, das kalte Wasser gegen verschiedene Krankheiten des menschlichen Körpers anzuwenden. 2. Aufl. Breslau, 1836. 670. +Hahn+, Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen besonders der Krancken bey dessen innerlichen und äußerlichen Gebrauch. 2. und vermehrte Auflage. Breßlau u. Leipzig, 1745. 671. +Küchenmeister+, Die therapeutische Anwendung des kalten Wassers bei fieberhaften Krankheiten. Berlin, 1869. 672. +Petri+, Wissenschaftliche Begründung der Wasserkur gestützt auf eine dreizehnjährige Erfahrung. Coblenz, 1853. 673. +Brandis+, Erfahrungen über die Anwendung der Kälte in Krankheiten. Berlin, 1833. 674. +Brandis+, Anleitung zum Gebrauche des Driburger Bades und Brunnens. Münster, 1792. 675. +Thausing+, +Dürer+s Briefe, Tagebücher und Reime. Quellenschriften für Kunstgeschichte. Bd. 3. Wien, 1872. 676. Ein hochnutzlicher tractat, eygenschafft vnnd würckung, der wunderbaren natur aller Wildbeder, so in Teütschen landen gelegen ... Durch den Hochgelerten Laurentium +Frießen+, der Artzney Doctorem, mit hohem fleiß zusamen gezogen. Getruckt vnd vollendet in der Keiserlichen Statt Straßburg ... durch Bartholomeum Grieninger, im jar nach der geburt Christi, MDXXXVIII. 677. +Geschichtliches über Pyrmont.+ Balneologische Zeitung. Bd. 5. Wetzlar, 1857. 678. +Warum auf dem Lande nicht ländlich?+ Ein Zeitvertreib in den Bädern zu Baaden. Journal des Luxus und der Moden. Weimar, 1788. 679. +Peyer+, Geschichte des Reisens in der Schweiz. Basel, 1885. 680. Kriegs- und Soldatendiät. Das ist: Wie sich unsere, im Feld liegende Soldaten verhalten müssen, damit sie gesund bleiben. Durch Johann von +Muralt+, Doctor und Statt-Arzt Lobl. Statt Zürich. Zürich, 1712. 681. Aureoli Theophrasti +Paracelsi+ schreiben von tartarischen kranckheiten, nach dem alten nammen, Vom grieß sand vnnd stein. Sampt dem Baderbüchlin wie deß der from Herr Paracelsus selbs mundlich seinen Secretarijs zuschreiben angeben. (Herausgegeben von Adam von +Bodenstein+, Datum Basel, die Bartholomei, 1563.) 682. +Ebel+, Anleitung, auf die nützlichste und genußvollste Art die Schweiz zu bereisen. 3. Teil. 2. Aufl. Zürich, 1805. 683. +Tobler+, Schweizerische Volkslieder. Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz. Bd. 4. Frauenfeld, 1882. 684. Ein kurtzes, notwendiges und nützlichs Büchlein, von erfindung, Beschreibung, eigenschafft, krefften, Vnd zuuor aus, von dem rechten gebrauch, des Keyser Carlsbads, Lateinisch geschrieben, von Fabiano +Sommer+, aus dem Keyser Carlsbad, der Philosophien vnd Medicin D. Jetzt aber auffs kürtzest, vnd einfeltigest verdeutschet, Durch M. Mathiam +Sommer+, aus dem Keyser Carlsbad. Gedruckt zu Leipzig, Durch Jacob Berwalds Erben. Anno, MDLXXII. 685. Hec +practica+ narrat de presenti anno et sequentibus quamplurimis annis de nouis raris et inauditis rebus et gestis que futura sunt in hoc mundo. Impressione MCCCCXCIX. +Argentina+ vltima die mensis Decembris. 686. +von Liebenau+, Hans Holbein d. J. Fresken am Hertenstein-Hause in Luzern nebst einer Geschichte der Familie Hertenstein. Luzern, Prell, 1888. 687. +Schneeli+ und +Heitz+, Initialen von Hans Holbein. Straßburg, Heitz (Heitz u. Mündel), 1900. 688. +Sträter+, Wie badete man in den deutschen Bädern zu Zeiten Carl V., und wie badete man namentlich zu Aachen im Jahre 1520? Deutsche Klinik. Berlin, 1858. 689. (+Wimpheling+?) De fide concubinarum in sacerdotes questio accessoria causa ioci et vrbanitatis in quod-libeto Heydelbergensi determinata, quibusdam nouis additionibus denuo illustrata. Impressum Maguntie per Fridericum Hewman. 690. +Forestier+, Der Ursprung der „schottischen Douche“. Blätter für klinische Hydrotherapie. 10. Jg. Wien, 1900. 691. Notions sur les eaux minérales d’Aix-en-Savoie, d’après les publications récentes du Dr. +Despine+ fils. Anneci. 692. +Despine+ père, Observations de médecine pratique faites aux bains d’Aix-en-Savoie. Anneci, 1838. 693. +Eble+, Das Wildbad Gastein .... und die neu errichtete Filial-Bad-Anstalt zu Hof-Gastein. Wien, 1832. 694. Die älteren Lübeckischen Zunftrollen. Herausgegeben von +Wehrmann+. Lübeck, 1864. 695. +Wackernagel+, Die altdeutschen Handschriften der Basler Universitätsbibliothek. Basel, (1835). 696. +Schreybkalender+ vnd Marcktbüchlin vffs Jar MDLXXXV Gestelt durch Caspar Wolffen, der Artznyen Doctor zu Zürich. Getruckt zu +Zürych+ in der Froschow, by Christoffel Froschower. 697. Zürcherische Ausruff-Bilder, vorstellende diejenigen Personen, welche in Zürich allerhand so wol verkäuffliche, als andere Sachen ... ausruffen. Zürich bey David +Herrliberger+ MDCCXLVIII. 698. +Voigt+, Das Stillleben des Hochmeisters des deutschen Ordens und sein Fürstenhof. Historisches Taschenbuch. Herausgegeben von +Raumer+. 1. Jg. Leipzig, 1830. 699. Diätetische Vorschrift eines Arztes aus dem 15. Jahrhundert an den damaligen Großmeister des deutschen Ordens. Almanach für Ärzte und Nichtärzte auf das Jahr 1784. Herausgegeben von +Gruner+. Jena, 1784. 700. +Ehren-+ unnd +Wunsch-gesang+, als von Ihr Ehrsamen Weißheit, Herrn Burgermeister Johann Conrad Grebel, auch anderen ansehnlichen Herren, Geist- und Weltlichen Standes, Loblicher Stadt Zürich, das von Natur warme Bader-bad im 1670. Heil-jahr gebraucht ward. 1670. VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN Abb. 1. Pörte und Badehaus (rechts) im Kirchspiel Pihtipudas, Tavastland (Finnland). Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm, 1881.[5a][A]. Abb. 2. Inneres einer größeren finnischen Badestube. Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm, 1881.[5a] Abb. 3. Taufe des Herzogs Rathold von Friesland. Holzschnitt aus: ~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9] Abb. 4. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: subtus calefactoria domus supra dormitorium (unten der Warmraum, oben der Schlafsaal). _b_: lecti similiter (Betten und ähnliches). _c_: caminus ad calefaciendum (Kamin zum Heizen). _d_: evaporatio fumi (Ableitung des Rauches). _e_: egressus de pisale (Ausgang aus dem Warmraum). _f_: balneatorium et lavandi locus (Bad und Waschraum). _g_: exitus ad necessarium (Ausgang zum Abtritt). _i_: sedilia (Abtritte). Nach ~Keller~.[8] Abb. 5. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: balneatorium (Bad). _b_: coquina eorundem (Küche der Studenten). Nach ~Keller~.[8] Abb. 6. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820. _a_: coquina (Küche). _b_: cellarium (Speisekammer). _c_: balneatorium (Bad). _d_, _e_, _f_: cubilia famulantium (Kammern der Diener). Nach ~Keller~.[8] Abb. 7. Wasserbad. Holzschnitt von ~Urs Graf~ aus: Kalender des Doctor Kung (Kungsberger). Zürich, Hans am Wasen. 1508.[26] Abb. 8. Schmausen und Zechen von Mann und Frau im Wasserbad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg, Johannes Blaubirer. Abb. 9. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert. Berliner Blockbuch. Abb. 10. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus: Eyn nyge Kalender recht hollende. 1519. Lübeck, Steffen Arndes. Abb. 11. Der Frühling. Holzschnitt aus: Conradi Celtis quatuor libri amorum. Nürnberg. 1502.[45] Abb. 12. Der Teich Bethesda. Holzschnitt aus der Züricher Bibel. Zürich, Froschauer. 1545.[426] Abb. 13. Kaltes Bad auf dem Wepchen. Holzschnitt aus: ~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9] Abb. 14. Wasserurteil. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel. Handschrift. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.[450] Abb. 15. Anna Ulmerin wird als Hexe im Badzuber von den Stadtknechten ins Gefängnis zu Eßlingen getragen. Bilderbogen von 1551.[107] Abb. 16. Schwemmen des Hans Hegenheim in Luzern 1473. Holzschnitt nach der Miniatur aus Diebold Schilling, Schweizerchronik. 1484. Nach ~von Liebenau~.[621] Abb. 17. Kinder in ihren Spielen. Nach dem Gemälde von ~Pieter Brueghel~ (ca. 1520–1569). Abb. 18. Schwimmen der Kinder mit luftgefüllten Tierblasen. Kpfr. v. ~Conr. Meyer~. Zürich, 1657.[132] Abb. 19. Die Ferrosche Flußbadeanstalt in Wien. Kpfr. aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien, 1796.[135] Abb. 20. Querschnitt der Ferroschen Badeanstalt. Kpfr. aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien, 1796.[135] Abb. 21. Hilfsapparate zum Schwimmen gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Kupfer von ~Schellenberg~. Aus: XI. Neujahrstück ab dem schwarzen Garten. Zürich, 1796.[177] Abb. 22/23. Hilfsapparate zum Wassertreten und Schwimmen im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich. Abb. 24. Taucheranzug im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich. Abb. 25. Die erste deutsche Seebadeanstalt zu Doberan in Mecklenburg. Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Stendal, 1794.[184] Abb. 26. Badeboot der Seebadeanstalt zu Doberan. Kpfr. aus: ~Samuel Gottlieb Vogel~, Über den Nutzen und Gebrauch der Seebäder. Stendal, 1794.[184] Abb. 27. Badknecht gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: Hortus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryss, ca. 1498. Abb. 28. Der Barbier. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Hans Sachs~, Beschreibung aller Stände. Frankfurt, 1568.[208] Abb. 29. Kopfwäsche des Königs Wenzel von Böhmen durch eine Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 30. Kopfwaschen im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich. Abb. 31. Schröpfen im Bad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer. Abb. 32. Anlegen der Aderlaßbinde. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg. Johannes Blaubirer. Abb. 33. Schröpfen mit dem Horn im Mineralbad zu Baden im Aargau. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich, 1818.[315] Abb. 34. Schröpfhörner und Schnepper. Kpfr. aus: ~Hess~, Badenfahrt. Zürich, 1818.[315] Abb. 35. _a_ Schröpf-, _b_ Laßeisen. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt, 1547.[233] Abb. 36. Badestube. Holzschnitt von ~Jost Amman~ aus: ~Paracelsus~, Wund- vnd Artzney Buch. (Titelholzschnitt zum Baderbüchlin.) Frankfurt a.❆M., 1565.[628] Abb. 37. Schröpfen mit dem Rasiermesser und Schröpfköpfen in einer Badezelle zu Aachen. („Wie man die Schröpff Köpfe im Bade gebrauchet“.) Kpfr. aus: Amusements des eaux d’Aix-la-Chapelle. Amsterdam, 1736.[263] Abb. 38. Darstellung des Planeten Luna. Oben links die Badestube mit einem Bader und Baderinnen. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550) Abb. 39. Farbige Glasscheibe von 1524. Im Besitz von Prof. ~Rahn~ in Zürich. Abb. 40. Frauenbadstube. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550) Abb. 41. Darstellung eines nach Art der Badestuben betriebenen Mineralbades. Holzschnitt von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550) Abb. 42. „Prager Entlein“ an dem vom König Wenzel vollendeten Altstädter Brückenturm in Prag. Die blaufarb knotenweise gebundene Binde und der grüne Papagei (Eisvogel), das von Wenzel den Badern verliehene Wappen, welches sich auch häufig in den für Wenzel angefertigten Bilderhandschriften findet. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 43. Badestube zu Heilzwecken (Kräuterbadstube). Holzschnitt aus: Eyn new Badenfart von ~L. Friessen~. Straßburg, M. Jacob Cammer. ca. 1540.[47] Abb. 44. Joß Lindouwer, Bürger von Zürich, Okulist, Stein- und Bruchschneider und gewesener Feldscherer in Frankreich. Scheibenriß von ~Hans Jäggli~ in Winterthur. 1607. Aus der Statistik Schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg.1900. Landesmuseum Zürich. Abb. 45. Herr Jakob von Warte im Wasserbad. Miniatur aus der Manesseschen Handschrift. 14. Jahrhundert. Nach ~Kraus~.[33] Abb. 46. Die großen Bäder zu Baden im Aargau mit den unter freiem Himmel gelegenen „freien Bädern“, dem St. Verenabad (links vorn) und dem freien Bade (im Hintergrund), in dem eine Reihe Bauern geschröpft wird. Kupfer von ~F. Hegi~ nach ~Martin Usteri~. Neujahrsgeschenk von der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich. 1808.[353] Abb. 47. Wanne mit „Baderof“. Holzschnitt aus: Eyn nyge Kalender recht hollende. Lübeck, Steffen Arndes. 1519. Abb. 48. Tristan wird von Isolde im Bad überfallen. Wandgemälde auf Burg Runkelstein in Tirol. Ende des 14. Jahrhunderts. Nach ~Selos~ und ~Zingerle~.[305] Abb. 49. Vereinigung von Bad- und Waschhaus. Kpfr. aus dem 18. Jahrhundert. Sammlung Pachinger in Linz. Abb. 50. Frau (Bademagd?) mit Kind zum Bade gehend. Bemalung der Innenseite einer Tür (der Badestube) im Erdgeschoß eines Puppenhauses von ca. 1600 im germanischen Museum zu Nürnberg. Nach einer farbigen Zeichnung von ~Hefner-Alteneck~.[236] Abb. 51. Badestube im Fuggerpalast zu Augsburg (erbaut 1571–81). Holzschnitt nach ~Dohme~.[430] Abb. 52. Siegel von Baden im Aargau, _a_ im 14., _b_ im 15. Jahrhundert gebraucht. Schweizerisches Landesmuseum in Zürich. Abb. 53. Bad unter der Dachtraufe eines Bauernhauses. Holzschnitt aus einer Serie: „Aus der Gründung der Eidgenossenschaft“. 1580. Stadtbibliothek Zürich. Abb. 54. Dampf- und Beräucherungsapparate des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt am Main. 1547.[233] Abb. 55. Apparate für Wasser- und Kräuterbäder im 16. Jahrhundert. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M. 1547.[233] Abb. 56. Sack aus Leder zum Dauerbad im Bett für sehr schwache Kranke ~v. Lamzweerde~. Kpfr. 1684.[574] Abb. 57. Rückenschlauch ~von Lamzweerde~. Kpfr. 1684.[574] Abb. 58. Mann und Frau beim Schmause im Hausbadestübchen. (Der Mai). Kpfr. von ~Franz Brun~. 16. Jahrhundert. Abb. 59. Doktor Moser in Konstanz wird in der Hausbadestube mit seiner Geliebten vom Ehemanne derselben überrascht und zu Tode gestriegelt. 16. Jahrh. Wyckiana. Zürich, Stadtbibliothek. Abb. 60. Bestimmung der Badetemperatur mit dem Fuße. Geburt der Maria. Kupfer van Meckenem. 15. Jahrhundert. Abb. 61. Kinderwäsche in der Hausbadestube. Kupfer von J. van Meckenem. 15. Jahrhundert. Abb. 62. Bathseba im Bad von David beobachtet. Kpfr. von ~Jakob Binck~. 16. Jahrhundert. Abb. 63. Das Judenbad zu Friedberg in Oberhessen aus der Mitte des 13. Jahrh. Nach ~Kratz~.[524] Abb. 64. Judenbad. _a_ das warme, _b_ das kalte Bad. Kpfr. aus: ~T. C. Kirchner~, Jüdisches Ceremoniel. Nürnberg, 1726. Abb. 65. Bademägde. Deutsche Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 66. Inneres einer Badestube. ~Philipp von Allendorf~, Der Juden Badstub. Titelholzschnitt. 1535.[234] Abb. 67. Badestube. Zeichnung aus dem Heidelberger Sachsenspiegel. Handschr. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.[450] Abb. 68. Badestube. Kolor. Zeichnung aus dem Wolfenbütteler Sachsenspiegel. Handschrift. 14. Jahrh. Abb. 69. Begießen im Bad. Kpfr. aus: ~Murner~, Nebulo nebulonum. Frankfurt, Fickwirth, 1663. Abb. 70/71. Juden-Badstub. 1. In der ersten Figur stehet ein Kaufmann, der großen Handel will treiben. 2. schlegt sich zu den Juden und wird von ihnen in die Gaß geführt. 3. handelt mit ihnen. 4. die wollen ihn baden, darumb schöpft der Teufel und Jud Wasser. 5. henken den Kessel über. 6. schüren das Feuer. 7. kehren die Badstub. 8. reiben ihn. 9. schrepffen ihn. 10. zwachen ihn. 11. waschen ihn ab. 12. er beklaget sich seines Schadens. 13. kompt aber arm wieder zur Gassen heraus. 14. siehet er, daß er umb das Seine gekommen. 15. die Juden waschen die Sünd ab, der Teufel fischet sie wieder auf. 16. und führet sie in die Hell. Kpfr. aus dem 16. Jahrhundert. Abb. 72. Frauenbad von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550). Abb. 73. Wasserbad mit Dampfheizung. Nach einer farbigen Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405. Abb. 74. Kräuter- und Heilbad. Nach einer farbigen Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405. Abb. 75. Badestube aus dem Kalender von 1515. Basel, Pamphilus Gengenbach.[503] Abb. 76. Im Kübel sitzende Bademagd mit Wedeln. Miniatur in der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 77. Schröpfmann mit Badehut und Badewedel. Holzschnitt aus: ~Pictorius~, Laßbüchlin. Basel, Jacob Kündig, 1555.[246] Abb. 78. König Wenzel, der zur Bedeckung der Scham den Wedel benutzt, wird von Bademägden gestrichen. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 79. Adam u. Eva. Holzschnitt aus der Practica von 1499. Straßburg.[685] Abb. 80. Badknecht und Bademagd. Kpfr. aus: Nürnbergische Kleider-Arten. Nürnberg bei Johann Kramer. 1669. Abb. 81. Bademagd. Miniatur aus der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.[286] Abb. 82. Badestube. Holzschnitt aus: Michael Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.[231] Abb. 83. Reiben vor (links) und nach dem Bad (rechts). Holzschnitt aus: Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.[231] Abb. 84. Darstellung der im Regimen sanitatis geforderten Vorgänge zur Erhaltung der Gesundheit. Im Vordergrunde Aderlassen, Schweißbaden mit Schröpfen und Wasserbaden. Fabel vom reichen Mann. Kpfr. von Aldegrever. 1554. Abb. 85. Badeszene. Darstellung des Monats August. Handzeichn. von Virgil Solis. (1514–1562.)[594] Abb. 86. Badestube in Konstanz zu Anfang des 14. Jahrhunderts. Wandgemälde daselbst. Nach ~Ettmüller~.[529] Abb. 87. Morgensuppe im 16. Jahrhundert zu Baden im Aargau. Titelholzschnitt zu „Ein badenfart gůter gsellen“ von ~Hans Achtsinit~ (wahrscheinlich ~Nikolaus Manuel~).[36] Abb. 88. Darstellungen aus dem Leben der Frau. Links Badestube mit Kindsbetthof und Brautbad. Kpfr. ~Wenzel Hollar~. 1607–1677. Abb. 89. Heilige (Sainte Segouleine, veuve, abbesse de Troclar en Albigeois) einen Aussätzigen badend. Holzschnitt von ~Hans Burgkmair~ (1473–1531).[479] Abb. 90. Badestube in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Dryander~, Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M., 1547.[233] Abb. 91. Deutsche Badestube zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Kupfer aus: ~Abraham a Santa Clara~, Etwas für Alle. Würzburg, 1711.[288] Abb. 92. Darstellung eines Jungbrunnens und Verherrlichung der Heilbäder. Holzschnitt von ~Albrecht Glockendon~ nach ~Hans Sebald Beham~ ca. 1570. (Das Bild ist die seitliche Fortsetzung zu Abb. 41.) Um 1600 wurde das Bild von ~Jo. Theo de Bry~ verkleinert in Holz geschnitten. Abb. 93. Jungbrunnen nach einer Freske von ~Hans Holbein~ d. J. im Hertenstein-Hause zu Luzern (zwischen 1516 und 1519). Nach ~von Liebenau~.[686] Abb. 94. Gesundbrunnen im Kloster Heilbronn. Kupfer aus: ~Feuerlein~, Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge. Nürnberg, 1732.[361] Abb. 95. Darstellung eines Wildbades, Federzeichnung von ~Peter Flötner~. 16. Jahrhundert. Abb. 96. Leuk im Wallis. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI, Basel, Petri, 1550.[351] Abb. 97. Leuk im 18. Jahrhundert. Kupfer nach ~von Rodt~.[631] Abb. 98. Pump- und Heizwerk des Sauerbrunnens zu Fideris. Holzschnitt aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Helveticis. In: De Balneis. Venetiis (Venedig) apud Juntas, 1553.[334] Abb. 99. Baden im Aargau. Holzschnitt aus: ~Joh. Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.[9] Abb. 100. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~J. J. Huggelin~, Von heilsamen Bädern des Teutschenlands. Mühlhausen, 1559.[80] Abb. 101. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~Gallus Etschenreutter~, Aller heilsamen Bäder und Brunnen Natur. Straßburg, 1571.[449] Abb. 102. Mineralbad unter freiem Himmel (angeblich Leuk). Gemälde von ~Hans Bock~ d. Ä. 1597. Eigentum der öffentlichen Kunstsammlung in Basel. Abb. 103. Das St. Verenabad zu Baden im Aargau 1820. Bleistiftzeichnung von ~Ludwig Vogel~. Landesmuseum Zürich. Abb. 104. Geselliges Treiben in einem kleinen Mineralbade am Bodensee im 15. Jahrhundert. Aus dem Hausbuch der Familie Goldast zu Konstanz, wahrscheinlich von Bartholomäus Zeitblom. Nach dem mittelalterlichen Hausbuch.[150] Abb. 105. Der zu Bilfeld Anno 1666 am 2. Sontag nach der H. Drey Einigkeit entsprungene Heyl-Brunnen. Kupfer aus: ~Conradi Redekeri~ descriptio Bilfeldiani fontis. Amstelaedami, 1668.[403] Abb. 106. Versand des Aachener Mineralwassers und Wiedererwärmen desselben zum Gebrauch. (Die Gestalt der Flaschen; die Art, sie wieder warm zu machen; die Wärme zu unterhalten.) Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727. (Das Bild findet sich auch in der Ausgabe von 1688.)[410] Abb. 107. Der „Cornelische Badwasser-Brun“ in Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409] Abb. 108. Der „Kayserliche Badwasser-Brun“. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinkwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409] Abb. 109. Neuer Trinkbrunnen in Aachen 1727. (Nieuwe warme Fontein op alle vier Hoeken Water geevende.) Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.[410] Abb. 110. Ansicht des warmen Brunnens auf dem Markte zu Aachen. 1. Der Brunnen, wo man trinket. 2. Der Spazierplatz. 3. Das Herrenbad. Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam, 1736.[263] Abb. 111. Mineralbad. Holzschnitt aus: ~Sebastian Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.[351] Abb. 112. Das Herzogsbad zu Baden bei Wien. Titelkupfer aus: Beschreibung deren Gesundheits-Bädern Baaden, Teutsch-Altenburg und Pyrenwarth. Nürnberg, 1734.[448] Abb. 113. Familienbad zu Baden im Aargau. Kupfer nach ~Martin Usteri~ von ~F. Hegi~ aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1808.[353] Abb. 114. Mineralbad. Titelholzschnitt zu: ~Hans Foltz~, Gedicht von den naturheißen Bädern.[37] Abb. 115. Badehalle in Aachen 1736. (Die Art, wie man sich badet.) Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam, 1736.[263] Abb. 116. Mineralbad aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Gleichzeitige Radierung im germanischen Museum zu Nürnberg. Abb. 117. Titelholzschnitt von E. Schlitzoc (?) zur ersten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. Straßburg, 1519.[420] Abb. 118. Titelholzschnitt zur dritten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. „Eyn new Badenfart. Wildt Bäder L. Friessen“. Straßburg, Jacob Cammer. Mitte des 16. Jahrhunderts.[47] Abb. 119. ~Franz Blondel~ d. Ä., Badearzt in Aachen. Kupfer aus: Erklärung deren heylsamen Badt- und Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409] Abb. 120. Balneum Plummers (Plombières). Holzschnitt aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Germanicis. In: De Balneis. Venetiis (Venedig) apud Juntas. 1553.[334] Abb. 121. Bad Gastein im 17. Jahrhundert. Gleichzeitiger Stich. Abb. 122. Bad Grießbach im Rauchtale. Kupfer. 18. Jahrhundert. Abb. 123. Der Sauerbrunnen zu St. Moritz im Ober-Engadin. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1811.[444] Abb. 124. Titelholzschnitt zu: ~Metobius’~ Schrift über Pyrmont. 1556.[417] Abb. 125. Inseckt aus den Nieren einer Frauen gekommen durch Würckung derer Wasser des Pouhons. Kupfer aus: Les amusements de Spa: or, the galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745. Abb. 126. Bad Walkershofen in Bayern 1551. Holzschnitt aus einem Flugblatt des 16. Jahrhunderts. Abb. 127. Dorf Hornhausen sampt den darin entspringenden Heilbronnen 1646. Kupfer von ~V. Wagner~. Abb. 128. Gesundbrunnen bei Ham. Kupfer aus: ~Peter Hesselius~, Hertzfließende Betrachtungen von dem Elbe-Strom. Altona, 1675. Abb. 129. Der Brunnen bei Burgwinnumb in Franken. Holzschnitt aus einem Flugblatt von ca. 1600. Abb. 130. Pfäfers 1610. Holzschnitt von ~Joseph Pleb~ nach einem Modell von ~Fabricius Hildanus~. Aus: ~Guilhelmus Fabricius Hildanus~, De conservanda valetudine. Frankfurt a.❆M., Merian, 1629.[22] Abb. 131. Pfäfers 1784. Kupfer von J. J. M. Zürich. Stadtbibliothek. Abb. 132. Gleichzeitiger Gebrauch von Dusche und Mineralbad in den alten Stadtbädern zu Aachen. Kpfr. aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409] Abb. 133. Auf- und absteigende Duschen (Stillicidia oder Wassergüß) im St. Cornelii- (oben) und im Rosenbade (unten) zu Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen, 1688.[409] Abb. 134. Entwurf ~Blondel~s zu Dampfbädern in Aachen. Kupfer aus: ~Blondel~, Thermarum Aquisgranensium et Porcetananarum elucidatio et thaumaturgia. Aachen, 1688.[409] Abb. 135. Bilder aus Aachen von 1827. _a_ Die Art, wie man das warme Wasser auf die schwachen Glieder fließen läßt. _b_ Trockenbad oder auf was für Art man den Dampf von dem Wasser auf die kranken Glieder bringt. _c_ Gebrauch des trockenen oder Dampfbades. _d_ Das halbe Dunstbad. _e_ Das halbe Wasserbad. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.[410] Abb. 136. Dampfbad zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1827.[353] Abb. 137. Badgericht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.[318] Abb. 138. Männerbad im Anfang des 16. Jahrhunderts. Aus einem Holzschnitt von ~A. Dürer~. Abb. 139. Wie etlich Herren vnd Burger zůsamen geschossen. Die Herren Bürgermeister Johansen Kambly vnd Herrenn Seckelmeister Cůnrath Aescher. Einen Ochsen gan Baden zů einem Baden Schencke gebracht. 1576. Nach einer farbigen Zeichnung der ~Wyckiana~. Zürich, Stadtbibliothek. Abb. 140. Das Freibad zu Baden im Aargau 1820. Aquarell von ~Ludwig Vogel~. Zürich, Landesmuseum. Abb. 141. Mineralbad von ca. 1600. Federzeichnung von ~Bartholomäus Lingg~ in Straßburg. Statistik schweizerischer Glasgemälde und Handzeichnungen. Jg. 1904. Zürich, Landesmuseum. Abb. 142. Karlsbad vor dem Brande von 1759 mit den Holzrinnen (2), die vom Sprudel aus längs der Tepl und über dieselbe das Thermalwasser in die im ersten Stock gelegenen Badstüblein der Uferhäuser leiteten. Kupfer. Abb. 143. Armenbad in Burtscheid mit zwei Strohhütten zum Schwitzen. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727. (Befindet sich schon in der Ausgabe von 1688, in der ersten Auflage von 1685 fehlen die Strohhütten.)[410] Abb. 144. Der Sprudel zu Karlsbad im 17. Jahrhundert. Kupfer von ~G. Hupschmann~. Abb. 145. Vergnügungen beim Mineralbade in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.[318] Abb. 146. ~M. Muchheimin von Vri.~ Ein nüw Lied, in Badenfärten lustig zesingen. Getruckt im Jar 1617. Abb. 147. Gyrenbad bei Turbenthal im Kanton Zürich. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1826.[445] Abb. 148. Frauenbad um 1560. Zeichnung aus einer alchimistischen Handschrift des germanischen Museums in Nürnberg. Abb. 149. Das Täfeli im Hinterhof zu Baden im Aargau im 18. Jahrhundert. Kupfer von ~Hegi~ aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt, Zürich, 1818.[315] Abb. 150. Die Matte zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem: ~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1809.[353] Abb. 151. Der Brunnenplatz zu Pyrmont mit dem Trinkbrunnen (dem Kuppelbau rechts) und dem vor ihm liegenden Badebrunnen. Kupfer nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.[342] Abb. 152. Ansicht des Markts zu Spa und des Brunnens Pouhon. Kupfer aus: Les Amusements de Spa: or, the galanteries of the Spaw in Germany. London, 1745. Abb. 153. Aachen 1727. De Groote Vergaader-Plaats van alle gebrekkelyke Menschen, die sig na de Fonteinen begeeven om de Wateren te Drinken. Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.[410] Abb. 154. Der Spaziergang bei den Brunnen zu Aachen. Aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle, oder Zeitvertreib bey den Wassern zu Achen. Berlin, 1737.[263] Abb. 155. Die „Allee“ in Pyrmont. Kupfer nach Weitsch von Geyser. Aus: ~Marcard~, Beschreibung von Pyrmont. Leipzig, 1784.[342] Abb. 156. Titelkupfer zu: ~Hahn~, Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers. Breßlau und Leipzig, 1745.[670] Abb. 157. ~Priessnitz~’ Walddusche in Gräfenberg. Aus: ~Kröber~, ~Priessnitz~ in Gräfenberg. Breslau, 1836.[669] Abb. 158. Schlußkupfer aus: ~David Hess~, Die Badenfahrt. Zürich, 1818.[315] Abb. 159. Leiste aus: De Balneis Venetiis (Venedig) aput Juntas. 1553.[333] Die Initialen sind mit Ausnahme von Abb. 65 von ~Hans Holbein~ d. J.[687] [A] Die Zahlen hinter dem Druckjahr beziehen sich auf das Literaturverzeichnis. NAMENREGISTER Abernetzy 364 Abiß 255, 420 Abraham a Santa Clara 96, 180, 214, 353, 417 Achtsinit 182, 409 Adalbero von Augsburg 6 Adamy 418 Agnes von Ungarn 248, 323 Albicus von Prag 204 Albrecht Achilles 229 Albrecht von Bayern 67, 177, 183, 400 Albrecht von Österreich 64 Albrecht von Weißenstein 298 Aldegrever 173 Alexander, heiliger 33 Amalie von Veldenz 19 von Amerongen 262 von Amira 147, 429 Amis 36 Amman 74, 75, 76, 80, 82, 167 Ammianus Marcellinus 418 Anastasia von Hohenklingen 246 Anemorinus 19 Angilbert 229 Anna von Weinsberg 19 Anshelm 34, 37, 411 Arndes 13, 108 von Arnim 418 von Arx 9, 408 Auer 414 August von Sachsen 282, 420 Augustin, heiliger 73 Avicenna 73, 205 Baader 409, 414 von Babo 35, 147, 423 Baccius 304, 335, 338 Bachstrom 51 Bader 418 Baechtold 422 von Bahder 415 Baldinger 376 Baldung Grien 211, 216 Bär 415 Barbarossa 40 Barrie 217 Bartels 415 Barther 217 Batt 35, 147, 423 Bauhin 126, 137, 158, 290, 294, 303–305, 307, 418, 425 Baumann 412, 429 Bäumer 425 Bebel 338 Becher 405, 419 Becker 181, 410, 425 Beermann 421 Beham 13, 44, 75, 84, 85, 89, 91, 118, 120, 138, 158, 159, 167, 211, 223, 277 Benedikt, heiliger 8, 111 Beneke 415 Beowulf 39 Bergius 429, 430 Bernauer 400 Bernoulli 145 Bertuch 43, 218 Beyer 96 Binck 139 Bintz 412 Birlinger 410, 427 Blaubirer 77, 79 Blondel 157, 256, 258–60, 279, 303–305, 307, 308, 335, 360, 422 Blumenauer 403 Blumenbach 416, 426 Bluntschli 412, 417 Bock 243 Bode 136, 426 von Bodenstein 27, 285 Bodmann 189, 412 Boesch 136, 412, 420, 427 Bolmann 294, 360, 421 Boner 125, 155, 415 Bourgeois 137, 427 Brandis 377 ff., 386, 431 Braun 22, 410 Breitinger 328 Brentano 418 Brönnenberg 414 Brueghel 41, 42 Brügger 409 Brun 91, 130 Brunner 415 Brunßfels 18, 74, 128, 136, 153, 162, 409 de Bry 90, 223 Bühler 424 Bullinger 329 von Bülow 427 von Bunge 414 Bünting 225, 291 Burgkmair 202, 203, 424 Burkhardt 25 Büsching 136, 427 Calvin 262 Cammer 98, 274 Campell 236 Du Cange 6 Capeller 420 Cardilucius 277 de Caro 308 Cäsar 39 Cäsarius von Heisterbach 9, 230 Celtis 17 Cesareti 50 Christoph von Baden 16, 66 Christoph von Württemberg 325, 427 Clauser 51, 104, 119, 427 Cohausen 229 Collinus 27, 226 Columba, heilige 24, 26, 30 Corvinus 187 Cranach 76 Crato von Crafftheim 205 De la Curne 418 Currie 366–368, 397, 430 Cysat 24, 26, 28, 106, 410 Dagobert 226 Dändliker 65, 414 Dauter 386, 431 Davison 30 Depping 145, 424 Despine 306, 432 Dieffenbach 81, 140 Dietmann 212, 421, 425 Döbereiner 365, 366, 431 Dohme 117, 422 Dorer 253, 255, 422 von Dreyhaupt 414 Dryander 19, 74, 76, 81, 124, 128, 157–159, 161, 212, 415 Dürer 75, 132, 208, 211, 261, 320, 321, 340, 431 Dürsteler 415 Ebel 301, 337, 431 Ebeling 428 Eberhard III. 283, 329 Eberhard der Greiner 231 Eble 432 Eckart 420 Egli 413 Ehrenberg 388, 430 Einhard 40, 230, 412 Eisenhart 86 Ekkehart 6 ff., 408 Eleonora von Österreich 324 Elisabeth, heilige 9, 72, 203, 415 Ellenborg 77, 158, 206 Ennen 426 Ephrussi 211, 429 Erasmus von Rotterdam 31, 208, 411, 424 Ernst 423 Ernst von Bayern 67, 325, 400 Escher 57 ff., 61, 326, 413, 414 Etienne 47 Etschenreutter 123, 125, 132, 137, 159, 171, 176, 242, 299, 253, 256, 299 Ettmüller 176, 426 Faber 84 Fabricius Hildanus 11, 33, 127, 206, 255, 276, 283, 298, 299, 310, 330, 331, 408, 411 Falconer 378 Falk 210, 414 Faloppius 126 Fäsi 300, 329, 422 Fechter 416 Ferro 42, 45, 47–50, 378, 399, 412 Feuerlein 228, 420 Feurbergk siehe Pyrmontanus Ficker 369 Fidicin 186, 414 Fischart 156, 173, 188, 428, 429 Fischer 45 Flenntz 303 Flögel 428 Flötner 233 Florinus 427 Floyer 29 ff., 43, 371, 376, 380, 386, 398, 411 Foltz 5, 15, 45, 75, 87, 118, 119, 164, 200, 201, 261, 265–267, 272, 277, 345, 409 Forer 420 Forestier 306, 432 Förstemann 412, 417, 428 Frank 178 Franke, siehe Rauße Franklin 365 von Freyberg 414, 425 Freytag 53, 413 Fricker 409 Friedland 43 Friedrich III. 64, 227 Friedrich August von Polen 353 Friedrich der Große 216 Friedrich der Jüngere von Sachsen 193 Friedrich der Weise 188 Friedrich Franz von Mecklenburg 62 Friedrich von Österreich 64, 348 Frölich 367, 431 Fromm 420 Frommann 183, 409 Froschauer 4, 23, 27, 238 Frost 94 Fuchs 424 Fugger 90, 116, 117 Füßli 418 Galen 79, 364 Ganz 416 Gärtner 413 Gaupp 426 â Gehema 216, 431 Geiler von Kaisersberg 81, 84, 165, 175, 182, 337 Gengenbach 162, 425 Gengler 178, 191, 426, 427 Gentzkow 127, 128, 130, 161, 187, 426 Genzmer 413 Georg von Bayern 65 Georg Friedrich von Brandenburg 280, 316, 324 Georg von Württemberg-Mömpelgard 329 Gerharz 259 Geßner 28, 128, 236, 237, 256, 264, 268, 281, 303, 310, 419 Geyser 358, 361 von Gimbernat 308 ff. Glaser 423, 429 von Gleichen-Rußwurm 118 Glockendon 223 Glur 431 Goethe 60, 96, 167, 248, 353, 359 Goldast 250 Göldi 418 Gossenbrot 348 Gottfried III. 229 Graf 11 Grafenfeld 388 von Grafenried 325 Grebel 432 Gredinger 16, 173 Gregor von Tours 80 Greiff 119 Greill 425 Greiner 424 Grellmann 213, 426 Grimm 23, 34, 35, 37, 121, 408, 411, 413, 426 Grob 329 Grote 414 Gruner 47, 80, 194, 215, 216, 401, 413, 430, 432 Grünpeck 207 Gsell Fels 411 Guarinonius 42, 51, 79, 90, 123, 129, 146, 162, 167, 168, 176, 178, 196, 210, 213, 412 Gudrun 177, 426 Guillaume de la Villeneuve 145 Guler 20, 278, 345, 410 Gundelfinger 87 Gundelsheimer 259 Günther 253, 256, 280, 299, 302, 421 Guts-Muths 43, 50, 52, 412 Häberer 108 Hadrian 39 Haeser 425 von der Hagen 136, 411, 415 Hagenmeier 47 Hahn 368 ff., 380, 392, 393, 398, 431 Hahnemann 194, 377, 382 ff., 431 Halevy 175 von Haller 285, 420 Hampe 116, 416, 424 Handsch de Limusa 252 Hans am Wasen 10, 409 Hans von Ems 14 Hans von Rechberg 348 Hans von Schweinichen 121 Hans von Waldheim 14, 251 Harder 424 Hartmann von Aue 203, 417 Hätzlerin 104, 163, 180, 183, 416 Haupt 416, 428 Hauser 410, 413 Hecht 259 Heffner 427 von Hefner-Alteneck 116, 415 Hegel 417 Hegi 107, 265, 356 Heidegger 325 Heineken 46 von Heinemann 147 Heinrich I. 9 Heinrich III. 35 Heinrich IV. 9 Heinrich von Bayern 40 Heinrich (Henricus) von Langenstein 110, 231, 245 Heinrich von Kempten 102 Heinrich von Veldeck 417 Heitz 409, 432 Helbling 70, 72, 75, 144, 146, 148, 151, 152, 163, 415 Held 45 Hemmerlin 87, 417 Henricus de Hervordia 230, 286, 291 Henricus Münsingen 205 Hensing 420 Herbord 4, 408 Heresbach 42 Herlicius 205, 206 Hero 74, 152, 169, 171, 180, 415 Herrand von Wildonie 86, 150, 151, 165, 423 Herrliberger 401, 432 Herz 378 Herschel 425 Heß 15, 80, 153, 168, 246, 253, 255, 264, 307, 325, 329, 332, 337, 356, 398, 409, 418, 420, 426 Hesselius 296 Heyne 1, 3, 4, 126, 408 Hidgen 29 Hildebrand 280 Hille 411 Hiltprand 205 Hingst 87, 414 Hippokrates 371, 372 Hirsch 216, 217, 429 Hirschel 429 Hirsching 427 Hirzel 137, 427 Hof 46 Hofmann 374, 376, 378, 428 Hoffmann von Fallersleben 424 Holbein 224, 432, 438 Hollar 185 Holzhab 325, 427 Homeyer 426 Horn 367, 368 Hornlocher 327 Horst 420 Hottinger 268, 420 Hufeland 136, 218, 268, 300, 366, 367, 395, 402, 426, 430, 431 Hugo von Trimberg 412 Huggelin 24, 77, 236, 241, 411 Hüllinger 421 Hüllmann 429 Hunziker 412 Hupschmann 336 von Hutten 90, 163, 299, 331, 417, 421, 429 Ibrahim-ibn-Jakub 1, 4 Isilin 43 Iso, Mönch in St. Gallen 8, 9 Jacobs 423 Jäger 92, 226, 227, 410, 420, 425 Jäggli 99 Jakob von Warte 14, 103 Janus 62 Jasander 421 Joachim II. 186 Joel 181 Johann Friedrich 186 Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen 193 Johann von Eberstein 231 Johann von Werdenberg 192 Johann Wilhelm von Sachsen 193 Jordanus 209 Kaiser 418, 420 Kaltenbaeck 413 Kambly 326 von Kahtlor 218, 402, 430 Karl IV. 213, 227, 229, 406 Karl V. 346 Karl VIII. 207 Karl der Dicke 8 Karl der Große 40, 229, 230, 412 Kasterlitz 368 Kaufringer 70, 83, 108, 121, 416 Keller 5, 7, 144, 222, 408, 412, 417 Kempfe 24, 411 Kerner 255, 268 ff., 306, 345, 396, 418 Keßler 51 Kiburger 4 Kieffer 256 Kiene 419 Kieser 151, 160, 161 Kinkel 426 Kirchner 141 Klein 215, 430 Klüber 267, 421 Kluge 194, 428 Kneipp 370 von Kobbe 394 Kochendörffer 3, 6, 408 Koelliker 61, 414 Kohl 46 Kolweck 419 König 213, 429 König vom Odenwald 119, 180, 195, 220 Konrad von Fusesbrunn 134 Konrad von Megenberg 277, 422 Konrad von Würzburg 203, 417, 425 Kopp 412, 427 Krafft 221, 339 Kramer 167 Kratz 140, 426 Kraus 409, 419 Krieg von Hochfelden 409 Kriegk 193, 412 Kröber 394, 431 Küchenmeister 370, 431 Kugler 429 Kühn 422 Kündig 163 Küngsberger 73, 173, 416 Künz 394 Künzli 169 Labenwolf 233 de Lamzweerde 128, 129, 427 Lange 233 Langenbeck 377, 431 Lassar 221, 429 von Laßberg 426 Lavater 60, 89, 126, 204–206, 414, 417, 428 Leconte 51 Leopold I. 94 Leopold von Österreich 64, 348 Lersch 251, 410 von Lersner 42, 412 Leucippaeus 253, 256, 267, 269, 276 Lichtenberg 62, 364 von Liebenau 37, 224, 409, 429, 432 von Liliencron 410, 425 Lind 426 Lindauer 99 Lindenmayr 215 Lingg 332 Liutprand 230 Lochmann 316 Lochner 428 Locke 31, 32, 43, 137, 411 Löffler 329 von Loga 233 Löle 297, 421 Lombard 376 Lothar 229 Lübben 426 Lucas 306 Lucas van Leyden 72 St. Ludgerus 25 Ludwig II. 213 Ludwig III. 66 Ludwig XI. 204 Ludwig XII. 249 Ludwig der Bayer 262 Ludwig der Fromme 8, 35, 64 Lundorf 353 Luther 36, 86, 193, 217, 282, 370, 412 Lütolf 425 Lutz 44 Lyncker 422 Maaler 5, 51, 120, 413 Maier von Wurzbach (Marius) 209, 400 Malcarida 285 Manesse 14, 103, 104 Manuel 182 Marcard 48, 49, 62, 104, 217, 279, 306, 342, 386, 402, 413, 419 Marcuse 413 Maret 378 Margarete von Württemberg 325 Marggraff 425 Marquard von Fulda 210 Martaller 92 Marteau 45, 378, 413 Martin 3, 408, 410, 417, 420 Martinus Bohemus 19 Matthes 48, 397, 413 von Maurer 412, 414 Mauthner 424 Maximilian 207, 249, 346, 424 Maximilian II. 64 Maximilian von Stühlingen 325 May 47, 413 Mayer 424, 429, 430 Mechinger 276, 303, 419 van Meckenem 135, 136 Meier 423 von Meiller 413 Meiner 354 Meiß 414 Meißner 221, 423 Melanchthon 293 Meltinger 73 Merveilleux 278, 353, 421 Metlinger 137 Metobius 286 ff., 290, 291, 330, 422 Metzger 62 Meyer 42, 46, 285, 412, 419, 423, 426, 429 Meyer-Ahrens 113, 170, 411, 412, 427 Meyer von Knonau 6, 408 Michael von Hohensax 348 Michelsen 427 Minkwitz 193 Moehsen 401 Mombert 140, 427 Monboddo 364 Mönch von St. Gallen 6 ff., 230, 408 Mone 410, 412, 415, 416, 419, 423, 424, 426 Montaigne 251, 323, 324, 418 von Moos 426 More 37 Morel 425 Moritz von Hessen 324 Moser 131, 263, 268, 354 ff., 418 Muchheim. 339 Muffel 73 Muheim 339 Müllenhoff 412 Müller 19, 79, 245, 416, 418 Munde 387, 389 ff., 394, 396, 400, 430 Münster 132, 234, 262, 299 ff., 314, 338, 418, 419 von Muralt 216, 431 Murer 57, 59, 413, 422 Murner 13, 14, 74, 80, 132, 144, 146, 152, 153, 162, 164, 278, 408 Musa 376 Myconius 131 Mylius 368 Näf 427 Näher 427 Nater 414 Neef 206, 429 Neithart 14, 86, 164, 227 Neuburger 426 Nork 410 Oberer 423 Ochs 416 Öchsli 56, 57, 413 Offterdinger 377, 430 Olberg 48 Örtel 370, 393, 394, 430 Osenbrüggen 412, 426 Osiander 427 Osse 166 Oswald von Wolkenstein 18, 163, 418 Otto Heinrich bei Rhein 325 Otto 414 Otto II. 40 Otto von Bamberg 4, 25, 33, 408 Pachinger 114 Pagel 426 Pansa 162, 310, 419 Pantaleon 15, 81, 204, 205, 207, 246, 279, 280, 310 ff., 323, 330, 335, 339, 340, 343, 345, 409, 428 Pappenheim 221, 429 Paracelsus 10, 11, 28, 82, 127, 205, 272, 280, 284, 294, 298, 352, 408, 411, 420, 429, 431 Paré 80, 376 Parzival 83 Pauli 73 Paumgarten 130, 252, 280, 303, 416 Pelicanus 329 Percy 376 Peter I. 342 Peters 416 Petrarca 21 Petri 234, 262, 400, 431 Petrus de Ebano 157 Petrus de Spina 276 Petrus de Tussignano 236, 265, 272, 419 Peyer 431 Pfaff 417 Pfau 426 Pfotenhauer 417 von Pfuel 52 Pfyffer 418 Philander von Sittewald 34, 91, 410 Philipp bei Rhein 282 Philipp von Allendorf 146, 153, 164, 165, 182, 280, 415 Phries 98, 127, 132, 157, 272 ff., 276, 278, 303, 421, 422, 431 Pictorius 19, 42, 78, 79, 129, 157, 159, 163, 264, 277, 280, 339, 340, 413, 416 Pipin 230 Pirckheimer 208 Pitschaft 431 Plate 424 Platter 200 Pleb 298 Pleiaer 416, 417 Plinius 236 Plouquet 51, 364, 413 Pochhammer 216, 217, 430 Poggio 239, 245, 261, 262, 278, 329 Poitevin 45, 46 Preuß 138, 426 Prießnitz 28, 30, 33, 48, 256, 363, 366, 379, 387 ff., 398 Pryss 72 Pyrmontanus (Feurbergk) 19, 255, 291, 293, 330, 400, 410 Querhammer 190, 191 Räbmann 338, 343 Radziwill 280 Raffael 118 Rahn 57, 61, 88, 325, 327, 364, 412, 413, 419, 426, 427 Ramsden 402 Rantzau 39, 304, 421 Rathold von Friesland 4 Rau 414 von Raumer 401, 413 Rauße 370, 379, 387, 388, 395, 396, 430, 431 Reber 417, 424 Redeker 257, 421 Reginard von Lüttich 9 Reil 157 Reinmar von Zweter 34 Rem 82, 119, 253, 255, 280, 282, 416 Renard 431 Rentzius 200, 425 Renz 419 Retzius 2, 3, 71, 113, 408 Reuß 367, 376, 431 Reydt 277, 304, 423 Reyscher 414 Riecke 413 Rieger 426 Ringholz 416 Ritter 262, 422 Rocholz 193, 194, 425 Rocquebertin 249 von Rodt 235, 413, 416, 430 Römer-Büchner 426 Rosenblut 172 Rößlin 21, 136, 174, 410, 420, 425 Roth 71, 191, 208, 211, 277, 414 Roth von Schreckenstein 415 Rousseau 32, 43, 136, 411 Röust 326 de la Roux 46 Rotschild 269 Rüdiger 415 Rudolf II. 64 Rueff 79, 134, 277, 290, 416, 427 Ruland 92, 196, 201, 236, 277–279, 352, 417, 421 Runge 24 ff., 59, 410 Ruodlieb 8 Rüsch 27, 28, 91, 112, 206, 306, 332, 368, 369, 395, 411 Ryff 18, 19, 39, 42, 72, 78–80, 90, 106, 109, 118, 120, 123–127, 129, 137, 156–159, 161–163, 168, 170–172, 212, 213, 264, 269, 277, 280, 282, 303–305, 310, 409, 415, 416, 424 Sach 93, 408 Sachs 13, 44, 69, 74–76, 81, 105, 119, 120, 145, 148, 151, 152, 160, 167, 170, 173, 181, 182, 211, 225, 409, 414, 425 Sachse 411 von Sal 168 Salzmann 43, 50 Sanchez 216, 217, 429 Sanders 417 Santorio 129 Sastrow 164 Schaab 427 Schäfer 429 von Schallern 46 Schalyß 151 Schär 429 Scharold 415, 417, 424, 428 Scheible 51, 409, 412, 413, 416, 424 Schelhammer 215 Schellenberg 50 Scherb 112, 427 Scheuchzer 10, 11, 27, 28, 32 ff., 265, 269, 374, 408, 411, 419 Schiler 339 Schiller 353, 360, 426 Schilling 37 Schleher 205, 428 Schlitzoc 273 von Schlosser 75, 93, 94, 144, 163, 164, 167, 417 Schmeller 409, 415 Schmid 119 Schmucker 376 Schmuz 299, 423 Schneeli 432 Schnorr von Carolsfeld 419 Schoder 277 Schönherr 426 Schöpf 163 Schott 337 Schreger 46, 158, 217, 219, 364, 365, 408 Schrott 390 Schultz 126, 134, 231, 414, 422, 423, 426 Schweizer 325, 421 Schwenckfeld 22, 416 Scribonius 35 Sebiz 21, 128, 258, 352, 410 von Segesser 414 Seifrit der Futraer 20 Seipp 294, 420 Selinger 388, 390, 430 Selos 109, 418 Sender 105, 417 Senn 112, 113, 127, 427, 428 Simler 20, 57, 127, 332, 338, 339, 409–411 Simrock 409, 424 Sintenis 428 Solger 417 Solis 174 Sommer (Summer) 252, 404 ff., 432 Sommerer 19 Soranus 39 Spangenberg 425 Sparmann 423 Spengler 397, 419, 430 Speth 423 Sprengel 411 Stark 365 Staub 427 Steinfeld 269 Steinhausen 410 Steinhövel 145, 325 von Stetten 425 Stephani 6, 230, 408 Stieler 96 Stöber 188, 428 Stockar 127, 162, 428 Stolberg 60 Stoltze 417 Störk 47, 399 Stracholf 64 Sträter 432 Strauß 421 Stricker 176, 421 Strickler 425 Strigel 136 Strobelberger 419 Strübin 314, 343, 421 Stumpf 4, 26, 27, 85, 145, 238, 298, 352, 408 Sturm 42 Succow 365 Suchenwirt 165 van Swieten 47, 399 Sytz 276, 279, 304, 420, 421 Tabernaemontanus 258, 259, 268, 283, 285, 293, 294, 418 Tacitus 1, 39, 59, 408, 412 Tannhäuser 102, 248 Tanstätter 206 Teichner 9, 184 Thausing 431 Theden 370, 375, 376 Thilenius 410 Thietmar von Merseburg 412 Thoman 147 Thomas von Mölk 45 Thomasin von Zirclaria 424 Thorspeden 48 Thurneisser 127, 128, 159, 280, 294, 331, 421 von Tieffenbach 348 Tissot 32, 218, 378, 380, 421, 423, 427 Tobler 427, 432 Tourte-Cherbuliez 363 Troll 410 Trotzendorf 43 Tschudi 27, 411 Tucher 69, 116, 118, 177, 321, 414, 428 Udalrich von Augsburg 6 Uden 216, 429 Uhland 409 Ulmerin 35, 36 Ulrich von Liechtenstein 83, 102, 104, 146, 151, 416 Untzer 207, 429 Unzer 427 Usteri 107, 265 Vadianus siehe von Watt Varges 416 St. Verena 246–248, 311 Vetter 422 Vinar 304 Vitruv 424 Vogel 62, 63, 222, 247, 264, 331, 416 Vögelin 413, 422, 423 Vogt 256, 301, 305, 420 Voigt 432 Wackernagel 357, 409, 432 Wagner 27, 32, 330, 411 Walch 329 Waldmann 249 Waldstein 110, 426 Walfhart 177, 183 Walthier 24, 411 Warner 423 Waser 328 von Watt (Vadianus) 123, 125, 204, 205, 206, 427 Weber 110 Wehrmann 426 Weiß 388, 425, 431 Weisstein 426 Weitsch 358, 361 Weller 426 Welper 46 Welser 251, 252 Wendt 430 Wenzel von Böhmen 73, 75, 93, 141, 164 von Werdenberg 348 Westenrieder 186, 402 Wetzler 157, 218 ff., 262, 269, 354, 402, 420 Wiborad, heilige 9 Wichelhausen 47, 401, 413 Wichner 25, 113, 343, 411 Widmann siehe Mechinger Wieland 168 Wildvogel 120, 145, 416 Wilhelm Hirsaugensis 8 Wilhelm von Sachsen 251, 280 Will 419 Willi 412 Willich 46, 206 Wimpheling 321, 432 Winternitz 370, 397, 398, 430 Wintperger 19 Wirnt von Gravensberg 417 Wittenweiler 73, 157, 415 Wittich 74 Wittie 31 Wittmann 426 Wohlgemuth 16 Wolf 410, 424, 431 Wolfenschießen 121, 122, 132 Wolfring 220 Wolfger von Ellenbrechtskirchen 83, 210, 416 Wolfram von Eschenbach, 80, 165, 168, 416, 428 Woltmann 62 Wuttke 23, 410 Wyck 131, 204 Wyerman 428 Wynmann 53, 59, 61 Zapf 125, 296, 421 Zappert 9, 39, 65, 70, 72, 94, 147, 165, 230, 408 Zedler 120, 126, 134, 159, 168, 212, 213, 424 Zeiller 22, 140, 201, 213, 263, 295, 343, 410, 411, 420 Zeitblom 250 Zeller-Werdmüller 428 Zeuß 416 Ziegler 411, 421, 422 Zimmermann 201, 422 Zinck 427 Zingerle 109, 418 Zinken 145 Zoller 168 Zückert 295, 297, 306–308, 361, 419 Zwierlein 217, 305, 361, 362, 400, 402, 413, 422, 431 Zwingli 57, 413 ORTSREGISTER[A] Aachen 59, 146, 222, 229, 230, 256, 258–261, 267, 276, 277, 279, 282, 290, 303, 304–308, 321, 335, 340, 353, 360–362 Aadorf 132 Aawangen 132 Admont 116 Aigues-Chaudes 323 Aix 306, 308 Allensbach 42, 213 Altenburg 69 Altenmarkt 114, 133, 171 Altenzella 93 Altona 217 Amberg 44, 181, 204 Antegast 268 Apenrade 63 Appenzell 194 Arzbach 259 Augsburg 19, 91, 94, 98, 105, 111, 116, 117, 121, 132, 142, 147, 168, 184, 186, 187, 196, 218, 219, 400 Augsport 226 Baden (Aargau) 14, 15, 64, 67, 81, 87, 92, 120, 143, 168, 197, 200, 208, 221, 222, 236 ff., 246–249, 251, 253, 255, 256, 261, 262, 264–266, 268, 272, 278, 279, 303, 305, 307, 309 ff., 328, 330–332, 334–337, 339, 340, 342–345, 348, 352, 353, 356–358, 363 Baden-Baden 16, 19, 22, 82, 108, 170, 200, 222, 226, 251, 253, 255, 256, 265, 267, 269, 270, 276, 277, 278, 283, 294, 304, 307, 310, 330, 334–336, 359 Baden (bei Wien) 19, 143, 222, 227, 263, 269, 272, 294, 339–341, 343, 344, 353 Badenbrunn 226 Badenweiler 222, 264 Badhütten 22 Bahrenfeld 217 Ballenstädt 46 Baltersweil 113 Bamberg 69, 78, 87, 138, 142, 166, 169, 177, 178, 183, 191 Basel 15, 21, 34, 55, 83, 86, 87, 100, 160, 166, 169, 178, 179, 188, 199, 200, 201, 210, 327, 329, 356, 399 Bassersdorf 211 Bayreuth 46 Bellerive 201 St. Bedes Brunnen 29 Beinwyl 25 Bergen 193 Berlin 46, 66, 98, 132, 186, 187, 197, 216, 217, 221, 367, 386 Bern 44, 59, 68, 91, 170, 213, 337 Bernang 115 Bernhausen 200 Bertrich 222, 229 Biberach 22, 203 Bichelsheim 9 Bielefeld 257, 296 Bilin 227 Bingen 67 Bischofszell 112 Blankenburg 217 Blankenhain 23, 38 St. Blasien 115, 259 Böblingen 67, 178, 192 Bocken 211 Boll 126, 151, 170, 200, 207, 290, 344 Bordeaux 366 Bormio 11, 236, 278, 345, 352 Bräunlingen 71, 78, 169, 182 Braunschweig 46, 92, 93, 184, 192 Bremen 46, 177 Breslau 70, 85, 98, 148, 166, 183, 217 Brieg 134, 200, 277 Brighthelmstone 62 Bromfield 62 Bruchsal 66, 196 Brückenau 305, 361–363 Brünn 209 Bunzlau 23 Burgau 171, 210 Burgbernheim 229 Burgwinnumb 297 Burtscheid 267, 334, 338 Butzbach 66, 67, 133, 178, 179, 189 Cannstatt 20, 169, 218, 377 Cappel s. Kappel Celle 46 Colberg 63 Cölleda 191 Cöln s. Köln Cotrone 40 Dachau 126 Danzig 68, 217 Deal 62 Denkendorf 73, 179 Dessau 48 Dijon 366 Dießbach 28 Dietrichshag 25 Dießenhofen 211 Disentis 255 Döbeln 191 Dorneck 40 Dreieicher Wildbann 35, 180 Dresden 99, 189, 190, 217 Driburg 305, 377 Durlach 148, 152, 169, 179 Eger 210, 257, 361 Eilsen 305 Einingen 4 Einöd 227 Einsiedeln 67 Elgersburg 400 Elgg 44, 113, 325 Elmen 217 Eltvil 283 St. Emmeran 122, 226 Ems 19, 230, 259, 265, 277, 278 Enatbühl 82 Enggisstein 97 Klein-Engstringen 25 Erfurt 37, 92, 116, 121, 142, 149, 184, 190, 192, 193 Eßlingen 35, 44, 179, 183 Ethausen 175 Ettenhausen 215 Euerdorf 168 Fideris 236, 237 Frankfurt 40, 42, 44, 46, 47, 69–71, 88, 92, 94, 100, 105, 118, 132, 133, 139, 142, 175, 177–181, 184, 193, 196, 205, 208, 211, 217, 219, 231 Franzensbad 257, 259 Frickenhausen 88 Friedberg 140 Freiberg 61, 87, 98, 178, 189–191, 201 Freiburg 69, 188 Freienwalde 217, 361 Fulda 210 Fürth 220 St. Gallen 4 ff., 64, 69, 81, 111, 113, 115 Gastein 227, 269, 277, 278, 282, 402 ff. Gehren 94, 96, 203 Geisenfeld 129 Germersheim 65 Gerolzhofen 77, 178, 184, 186, 192, 197 Glarus 59 Glauchau 190 Gleichenberg 227 Glotterbad 18, 262, 338, 341–344 Goeß 112 Goldberg 43 Gontenschwyl 330 Göppingen 277, 283, 284, 286 Görlitz 68, 133, 134, 142, 169, 181, 184, 186 Goslar 195 Gotha 91, 100 Göttingen 213, 354 Gräfenberg 393, 394 Graz 52, 399 Griesbach 258, 283, 284, 326 Grimma 189 Grindelwald 363 Gronau 93 Grünberg 186, 189 Gurnigelbad 337 Gyrenbad 329, 342, 343 Hadlikon 127 Halberstadt 99 Hall 64, 201, 231 Halle 14, 66, 92, 188–191, 210, 217 Ham 296, 297 Haltingen 179 Hamburg 43, 70, 71, 86, 93, 94, 101, 126, 132, 166, 177, 193, 195, 217, 220 Hannover 66, 189–191 Havelberg 186 Heidelberg 14 Heilbronn 186, 200, 227, 228 Heilbrönnle 28 Heilbrunn 25, 227 Heiligenkreuz 66 Helfte 217 Helgoland 63 Herzogen - Baden s. Baden im Aargau Hildesheim 14, 19, 66, 68, 142, 160, 181, 192, 210 Hinweil 211 Hofen 20 Hohenlohe 126 Honwick-Brunnen 29 Hornhausen 295 Hub 340, 345 Huisheim 120, 152, 165 Iffetzheim 66, 133 Imnau 354 Jakobsbrunnen 24, 28 Jebenhausen 284 Jena 47, 96, 97, 100, 170, 188, 189, 210 Jeninser-Alp 28 Juckibrünnelein 28 Juist 62 Kaltbrunn 25 Kappel 246, 251 Karlsbad 139, 200, 227, 251, 252, 255, 259, 261, 265, 267, 270, 272, 277, 280, 303, 308, 310, 333–336, 353, 354, 359–362, 396, 404 ff. Kempraten 201 Kempten 194 Keula 100 Kiel 63, 377 Kissingen 227, 277 Klosterneuburg 69, 177, 179, 263 Koldiz 188 Köln 21, 98, 132, 139, 182, 197, 217 Königgrätz 189 Königsberg 25 Königsfeld 213 Konstanz 36, 51, 55, 85, 98, 131, 138, 166, 176, 177, 183, 198, 245, 250, 251, 277 Kopenhagen 52 Krauchthaler-Bad 27 Krautheim 218 Kreuznach 231, 331 Kuckucksbad 18 Kunigernheim 210 Kuppenheim 66, 133 Kyburg 115 Laimnau 22 Langeneybad 332 Langenschwalbach s. Schwalbach Langensteinenbach 183 Lauchstädt 305, 353 Leipzig 67, 213, 217 Leuk 11, 24, 27, 82, 200–202, 234, 235, 243, 253, 255, 265, 269, 285, 338, 339, 343, 359 Leyznick 190 Liebenwerda 282 Liebenzell 66, 133, 201, 231, 253, 256, 265, 267, 277, 278, 294, 325, 329 Liegnitz 213 Lindenhart 25 Liverpool 220 London 220 Losdorf 346 Lübeck 13, 100, 133, 181, 187, 189, 190, 193, 195, 400 Lucca 303, 324 Ludgeriquelle 25 Lüneburg 166 Luthernbad 279, 331 Luzern 36, 65, 86, 183, 199, 200, 204, 208, 224, 246, 249, 251 Magdeburg 187, 217 Mainau 16, 19, 173, 401 Mainberg 305 Mainz 110, 139, 210, 231 Mannheim 47 Margate 62 Marienbad 270, 396 Marienberg 133 Marienburg 65, 111, 401 Marienzell 65 Margrafen-Baden s. Baden-Baden Marlei 121 S. Martino 11 Mayenbad 326 Maulbronn 111 Mautern 25 Maschanzertobel 28 Mastricht 59 Meinhardt 264, 331, 346, 347 Meiningen 190 Memel 217 Meißen 44, 120, 138 Merchendorff 209 Meßkirch 45, 210 St. Mongahs Brunnen 29 St. Moritz 284–286 Mosbach 179 Mülhausen 36 München 68, 116, 142, 148, 184, 186, 193, 214, 218 Münden 111 Münerstadt 175 Munzach 25, 201 Muri 215 Murten 251 Muskau 217 Nabburg 138 Naumburg 100 Nenndorf 305, 402 Neuffen 200 Neustadt 118 Niederbronn 21, 277 Nieder-Urnen 253 Norderney 62 Nordhausen 187, 296 Nudersdorf 217 Nüdlingen 168 Nürnberg 46, 67–69, 71, 73, 79, 98, 100, 115, 116, 118, 120, 130, 142, 166–168, 170, 175, 177, 181, 183, 184, 186–188, 193, 204, 205, 207–209, 211, 218, 224, 233, 277, 321, 329, 343, 402 Nydelbad 145 Nymphenburg 116 Ochsenfurt 210 Öffingen 20 Osterode 23, 34 Öttingen 120 Ottoborn 25 Paris 45, 145 Passau 65, 67, 83, 126, 210 St. Peter 259 Petersthal 258, 283 Pfäfers 10, 15, 20, 24, 192, 201, 202, 206, 234, 252, 253, 255, 256, 260, 262, 265–267, 276, 277, 280, 298 ff., 310, 324, 330–332, 334, 337, 338, 344, 345, 348 ff., 352, 358 Pfaffenhofen 67 Pfäffikon 144 Pfullendorf 118, 120 Philippsburg 67 Pilatus 32 Plombières 227, 265, 276, 277, 280, 281, 294, 307, 324, 333 Plummers s. Plombières Potsdam 216, 217 Prag 68, 93, 217 Prez 108, 123 Pritzwalk 184, 186 Puttbus 63 Pyrmont 26, 48, 141, 225, 230, 255, 259, 286 ff., 294, 295, 305, 330, 342, 347, 354, 358–362, 374, 386, 402 Ragaz 28, 301 Raitenbuch 178 Ramsen 15, 21, 327 Randersacker 209 Rapperswil 201 Rastatt 66 Rastenberg 259, 296 Rathhausen 40 Regensburg 20, 64, 68, 87, 177, 184, 210 Rehburg 305 Reichenau 230 Reutlingen 69 Riga 66, 92, 170, 210 Rigikaltbad 24, 26, 28 Rippoldsau 258 Rischialp 26 Roggwyl 218 Roigheim 341 Ronneburg 305 Rorbach 18 Rostock 119, 187 Rotenburg 68 Rottweil 178 Rügenwalde 63 Runkelstein 109, 110 Rußwyl 65 Salerno 11, 172 Salmannsweiler 111, 118 Salzburg 190 Groß Salze 217 Sakramentswald 25 Sargard 46 Schaffhausen 127, 327 Neu-Schauenburg 356 ff. Scheveningen 63 Schinznach 143, 357 Schlangenbad 264, 362 Schneeberg 191 Schnepfenthal 50, 52 Schönfeld 77 Schornheim 210 Schulpforta 43 Schwabach 141, 286, 293, 361 Schwalbach 258, 278, 282, 283 Schwanden 10 Schwarzach 67 Schwendikaltbad 26, 27 Seebach 258 Selters 259 Sigmaringen 37 Silberbrünnlein 18 Soden 231 Sommerach 209 Sonthofen 16 Spa 227, 259, 260, 286, 290, 291, 302, 353, 359–362 Speicher 368 Speyer 34, 69, 87, 140, 142, 179, 196, 210 Spiegelberg s. Pyrmont Stadelhofen 246 Stäfa 248 Stegen 144 Steinenbach 211 Stettin 204, 205, 214, 217 Stolberg 184, 186 Stralsund 127, 187 Straßburg 11, 36 Strechau 25 Stuttgart 20, 52, 133, 197, 200 Sulzbad 21 Sulzdorf 209 Sundelfingen 178 Swinemünde 63 Tänikon 112, 115, 215 Tannegg 113 Teplitz 82, 143, 227, 280, 294, 335, 345 Thiersberg 110, 111 Tobelbad 26, 207, 262, 334, 346 Töß 246 Travemünde 63 Tüffer 227 Überkingen 226, 284 Überlingen 277 Ulm 18, 66, 68, 70, 84, 92, 96, 98, 105, 119, 121, 148, 170, 181, 183, 186, 210, 226, 326 Ulrichsbrunn 25 Urdorf 329, 339 Urspringen 77 Val Sinistra 1, 4 Villach 294 Villingen 178 Vilshofen 192 Volkerschwil 211 Vorau 111 Waldenstein 211 Waldulm 132 Walkershofen 292, 297 Walliserbad s. Leuk Waltershausen 190, 193 Wangeroog 63 Wannenbad 248 Warmbrunn 22, 82, 227, 335 Wartburg 110, 111 Wattwyler Bad 340 Weihenzell 297 Weikendorf 44 Weimar 211, 217 Weißenfels 217, 226 Weißenhorn 42, 147, 182 Wepchenbad 27 Werberichshausen 175 Wernigerode 87, 169 Wessobrunn 35 Wetelsheim 178 Wettingen 40 Wettrungen 68 Wetzikon 113 Wien 42, 44, 47, 97, 98, 100, 142, 189, 190, 204, 205, 210, 217, 220, 278, 284, 367, 368, 399, 402 Wiener-Neustadt 44 Wiesbaden 222, 231 ff., 264, 265, 267, 269, 280, 283, 352–354, 362 Wiezikon 113 Wildbad 19, 82, 231, 251, 253, 255–257, 263–265, 267, 268, 269 ff., 272, 276, 280, 282, 294, 302, 310, 325, 329, 334, 337, 344–346, 354 ff., 358 Wildenbruch 106, 111, 119, 162 Wildungen 227 Wimpfen 210 St. Winfreds Brunnen 29, 31 Winterthur 19, 59, 64, 66, 67, 162, 168, 169, 197, 199, 202, 214 Wismar 181 Wolfach 325 Wolfshagen 324 Worms 11, 236, 278, 352 Würzburg 44, 67, 68, 89, 95, 96, 99, 121, 134, 148, 166, 170, 175, 176, 183, 190, 196, 199, 203, 209, 210, 329 Wyck 63 Ypphofen 199 Zaysenhausen 268 Zell 144 Zellerbad s. Liebenzell Zerbst 100, 101, 146, 166 Zittau 68, 171, 184, 186, 188, 189, 193 Zizersdorf 67 Zoppot 63, 305 Zürich 11, 23, 34, 36, 43, 45, 51, 53 ff., 65, 66, 69–71, 73, 77, 78, 80, 88, 94–98, 100, 101, 112, 113, 115, 130, 131, 144, 160, 162, 168, 170, 175, 183, 197, 198, 201, 204–206, 208, 211, 212, 226, 246, 249, 251, 298, 324–329, 400, 401 Zurzach 246, 248, 249, 311 Zwickau 68, 183, 188, 190–192, 210 [A] Das Literaturverzeichnis ist im +Orts+verzeichnis +nicht+ berücksichtigt worden. BERICHTIGUNGEN S. 18 Z. 6 v. o., S. 128 Z. 2 v. o. und Z. 14 v. u. lies ~Brunssfels~ statt ~Brunfels~ S. 194 Z. 13 v. u. lies ~Hahnemann~ statt ~Hahneman~ S. 4 Z. 6 v. u. lies ~Herbord~ statt ~Herbold~ S. 193 Z. 13 v. o. lies ~Kriegk~ statt ~Krieg~ S. 136 Z. 5 v. u. lies ~Rousseau~ statt ~Rouseau~ S. 79 Z. 5 v. u. und S. 134 Z. 11 v. u. lies ~Rueff~ statt ~Ryff~ S. 145 Z. 12 v. o. lies ~Steinhövel~ statt ~Steinhöwel~ S. 136 Z. 8 v. o. lies ~Strigel~ statt ~Striggel~ GEDRUCKT IN DER FROMMANNSCHEN BUCHDRUCKEREI (HERMANN POHLE) IN JENA *** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHES BADEWESEN IN VERGANGENEN TAGEN *** Updated editions will replace the previous one—the old editions will be renamed. Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright law means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to copying and distributing Project Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge for an eBook, except by following the terms of the trademark license, including paying royalties for use of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for copies of this eBook, complying with the trademark license is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, performances and research. Project Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away—you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark license, especially commercial redistribution. START: FULL LICENSE THE FULL PROJECT GUTENBERG™ LICENSE PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free distribution of electronic works, by using or distributing this work (or any other work associated in any way with the phrase “Project Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full Project Gutenberg License available with this file or online at www.gutenberg.org/license. Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg electronic works 1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the terms of this license and intellectual property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all copies of Project Gutenberg electronic works in your possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. 1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be used on or associated in any way with an electronic work by people who agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can do with most Project Gutenberg electronic works even without complying with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project Gutenberg electronic works if you follow the terms of this agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg electronic works. See paragraph 1.E below. 1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project Gutenberg electronic works. Nearly all the individual works in the collection are in the public domain in the United States. If an individual work is unprotected by copyright law in the United States and you are located in the United States, we do not claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, displaying or creating derivative works based on the work as long as all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support the Project Gutenberg mission of promoting free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg works in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project Gutenberg name associated with the work. You can easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in the same format with its attached full Project Gutenberg License when you share it without charge with others. 1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in a constant state of change. If you are outside the United States, check the laws of your country in addition to the terms of this agreement before downloading, copying, displaying, performing, distributing or creating derivative works based on this work or any other Project Gutenberg work. The Foundation makes no representations concerning the copyright status of any work in any country other than the United States. 1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: 1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate access to, the full Project Gutenberg License must appear prominently whenever any copy of a Project Gutenberg work (any work on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed: This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg™ License included with this eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook. 1.E.2. If an individual Project Gutenberg electronic work is derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not contain a notice indicating that it is posted with permission of the copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in the United States without paying any fees or charges. If you are redistributing or providing access to a work with the phrase “Project Gutenberg” associated with or appearing on the work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. 1.E.3. If an individual Project Gutenberg electronic work is posted with the permission of the copyright holder, your use and distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project Gutenberg License for all works posted with the permission of the copyright holder found at the beginning of this work. 1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg License terms from this work, or any files containing a part of this work or any other work associated with Project Gutenberg. 1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic work, or any part of this electronic work, without prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate access to the full terms of the Project Gutenberg License. 1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any word processing or hypertext form. However, if you provide access to or distribute copies of a Project Gutenberg work in a format other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official version posted on the official Project Gutenberg website (www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg License as specified in paragraph 1.E.1. 1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, copying or distributing any Project Gutenberg works unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. 1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or distributing Project Gutenberg electronic works provided that: • You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from the use of Project Gutenberg works calculated using the method you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to the owner of the Project Gutenberg trademark, but he has agreed to donate royalties under this paragraph to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60 days following each date on which you prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4, “Information about donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation.” • You provide a full refund of any money paid by a user who notifies you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ License. You must require such a user to return or destroy all copies of the works possessed in a physical medium and discontinue all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™ works. • You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the electronic work is discovered and reported to you within 90 days of receipt of the work. • You comply with all other terms of this agreement for free distribution of Project Gutenberg™ works. 1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. 1.F. 1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread works not protected by U.S. copyright law in creating the Project Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ electronic works, and the medium on which they may be stored, may contain “Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your equipment. 1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the “Right of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a Project Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE. 1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a written explanation to the person you received the work from. If you received the work on a physical medium, you must return the medium with your written explanation. The person or entity that provided you with the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a refund. If you received the work electronically, the person or entity providing it to you may choose to give you a second opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a refund in writing without further opportunities to fix the problem. 1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. 1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement shall not void the remaining provisions. 1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg work, and (c) any Defect you cause. Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg Project Gutenberg is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life. Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg’s goals and ensuring that the Project Gutenberg collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state’s laws. The Foundation’s business office is located at 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, +1 (862) 621-9288. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation’s website and official page at www.gutenberg.org/contact Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine-readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS. The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit www.gutenberg.org/donate. While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate. International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. Please check the Project Gutenberg web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate. Section 5. General Information About Project Gutenberg electronic works Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For forty years, he produced and distributed Project Gutenberg eBooks with only a loose network of volunteer support. Project Gutenberg eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition. Most people start at our website which has the main PG search facility: www.gutenberg.org. This website includes information about Project Gutenberg, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.