The Project Gutenberg eBook of Der Teufelsschlosser.
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Title: Der Teufelsschlosser.
Dramatisches Gedicht in 3 Aufzügen mit Anlehnung an die Wiener Stock-im-Eisen-Sage
Author: Adele Gaus-Bachmann
Release date: January 10, 2026 [eBook #77667]
Language: German
Original publication: Regensburg: J. Habbel, 1906
Credits: Richard Illner, Alpo Tiilikka and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive.)
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TEUFELSSCHLOSSER. ***
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben
gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden
nicht korrigiert. Poetische Formulierungen sind unverändert geblieben.
Der Übersichtlichkeit halber ist die Buchwerbung an das Ende des
Buches verlegt worden.
Der
Teufelsschlosser.
Dramatisches Gedicht
in 3 Aufzügen
mit Anlehnung an die Wiener Stock-im-Eisen-Sage
von
A. Gaus-Bachmann.
Zweite, umgearbeitete Auflage.
Regensburg.
Druck und Verlag von J. Habbel.
Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.
Alle Rechte vorbehalten.
A. Gaus-Bachmann.
Personen:
Martin Mux, Schlosser
Der Rothmantel (Teufel)
Meister Marbacher
Agnes, seine Tochter
Erster, Zweiter, Dritter Bürger
Ein Weib
Wendel, ein Knabe
Der Bürgermeister
Der Fremde
Franz, Geselle bei Marbacher
Lene, Muxens Braut
Geri, Griesenpeck, Thenk, reiche Bürger
Die Liebe, eine Traumerscheinung
Lisbeth, Muxens Tochter
Joseph, Altgeselle
Ein zweiter Geselle
Lehrling
Schuster
Schneider
Eine blinde Bettlerin
Martin, Lisbeths Knabe.
Leute aus dem Volke.
Ort der Handlung: Wien.
Zeit: Von der Mitte bis gegen das Ende des 15. Jahrhunderts.
Zwischen dem 1. und 2. Aufzuge ist ein Zeitraum von 20 Jahren; zwischen
dem 2. und 3. Aufzuge ein solcher von 10 Jahren.
Rechts und links vom Schauspieler.
[Pg 5]
1. Aufzug.
(Das Rotenturmtor. Es ist Nacht, das Tor ist geschlossen. Mux
kommt auf das Tor zugegangen.)
1. Auftritt.
Mux (allein): Ei! Schon geschlossen? Ist es denn so spät?
Wie doch im Plaudern schnell die Zeit vergeht!
Man hat sich immer etwas noch zu sagen —
Nur dieses noch und jetzt noch einen Kuß —
Und immer kommt man nicht damit zu Ende;
Es reiht sich Wort an Wort und Kuß an Kuß,
Doch auch Minute reiht sich an Minute
Und eh’ man’s merkt, sind viele Stunden um.
Mein Lenchen, sieh, du bist ein kostbar Liebchen,
’Nen blanken Kreuzer gilt dein Abschiedskuß,
Denn grad’ um den bin ich zu spät gekommen.
Das wurmt mich eigentlich; auf einen Kuß
Hätt’ ich zur Not auch wohl verzichten können,
Ich will mir’s merken für ein andermal.
(Er greift in die Tasche.)
Wo hab’ ich nur den Beutel hingestreckt?
(Er durchsucht alle Taschen.)
Hier ist er nicht, da auch nicht — wo, zum Teufel
Kann er nur sein? Hätt’ ich ihn gar verloren?
Das wäre bös. Wahrhaftig, er ist fort!
Was fang’ ich an, ich unglücksel’ger Mensch?
[Pg 6]
Die drinnen bitten, nützt soviel wie nichts,
Nur einen Sack voll Grobheit könnt’ ich ernten;
Soll ich ein Stück des Wegs zurückegeh’n,
Den Beutel suchen? Finster ist die Nacht,
Ich sehe kaum zu meinen Füßen nieder.
Hier in der Vorstadt kenn’ ich keinen Menschen
Und zu der Lene kann ich nicht zurück —
Ihr Dienstherr nähme sauber mich beim Kragen,
Pocht’ ich zu solcher Stunde an sein Haus.
Was aber fang’ ich an? Gerade heute
Hieß mich der Meister bald nach Hause kehren,
Weil morgen es so heiße Arbeit gibt —
Er wirft mich sicher schlankweg aus dem Hause.
Ich möchte flennen wie ein kleines Kind —
Verdammte Weiber ihr mit eurem Kosen,
Ihr wart von jeher alles Uebels Schuld,
Euch sollte allesamt der Teufel holen
Und jeden Gimpel wahrlich auch dazu,
Der seine Pflicht versäumt um euretwillen!
(Ein Mann im rotem Mantel nähert sich ihm.)
2. Auftritt.
Mux. Der Rothmantel.
Rothmantel: Was steht ihr da, Gesell, und scheltet so?
Mux: Ich hab’ mich außerhalb der Stadt verspätet
Und da ich zum geschloss’nen Tore kam,
Wollt’ eben ich nach einem Kreuzer suchen —
Denn ohne Sperrgeld kommt man nicht hinein —
Da ward ich mit Entsetzen nun gewahr,
Daß auf dem Wege ich mein Geld verloren.
Rothmantel: Wenn’s sonst nichts ist, da kann geholfen werden.
Mux: O guter Herr, der Himmel schickt mir euch.
(Der Rothmantel macht eine abwehrende Gebärde.)
[Pg 7]
Wollt ihr so gut sein, mir das Geld zu borgen?
Ich geb’ es ehrlich morgen euch zurück;
Ich heiße Martin Mux und bin Geselle ...
Rothmantel (einfallend): Beim Meister Marbacher am Ruprechtsplatz.
Mux: Kennt ihr mich denn?
Rothmantel: Ich kenne alle Welt.
Mux: Ich sah euch niemals. Wohnt ihr in der Stadt?
Rothmantel: Ich wohne überall, wo Dunkel herrscht,
Und finde reichlich Platz in dieser Welt.
Mux (erschrocken): So seid ihr gar — kaum wag’ ich’s auszusprechen —
(Er schlägt ein Kreuz, der Rothmantel weicht zurück.)
Ihr seid der Teufel! Fort! Hinweg von mir!
Von solcher Hilfe will ich wohl nichts wissen,
Da bleib’ ich lieber vor dem Tore steh’n.
Rothmantel: So bleib’ nur stehen, lächerlicher Tropf!
Mux: Ich bin kein Tropf, ich bin ein wack’rer Bursche,
Mit meinesgleichen nehm’ ich’s gerne auf
Und meine Fäuste werden respektiert,
Doch mit dem Teufel kann die Faust nichts richten,
Drum halt’ ich mir den Teufel hübsch vom Leib.
Rothmantel: Haha, vom Leib! Halt’ dir ihn nur vom Leibe!
Und sag’ nicht immer Teufel! Welch’ ein Wort!
Wie dumm, wie häßlich und wie abgeschmackt!
Ich bin ein Fürst, der Fürst der Finsternis,
Mein Reich ist groß, gewaltig ist mein Heer,
Das für mich gegen Licht und Wahrheit kämpft,
Ein Schlachtfeld ist ihm jedes Menschenherz.
(Er zeigt auf das Tor.)
Willst du hinein?
Mux: Mit deiner Hilfe nicht,
Denn wer von dir nur das geringste nimmt,
[Pg 8]
Ist dir verfallen gleich mit Leib und Seele —
Um einen Groschen halt’ ich mich nicht feil.
Rothmantel: Muß es denn nur bei diesem Groschen bleiben?
Ich kann dir Reichtum geben, Ehre, Ruhm
Und was du sonst noch willst.
Mux: Ich glaub’ dir nicht;
Wenn du mir jetzt mit Gold die Taschen füllst,
Beim Tageslicht find’ ich nur Spreu darinnen —
Und Ruhm? Wie käm’ ein Schlosser wohl dazu?
Rothmantel: Nun, dazu wäre jetzt Gelegenheit.
Du weißt, es kam ein Mann in diese Stadt,
Der um den letzten Baum des Heidenhaines
Will einen Eisenring geschlagen haben,
Ein Schloß daran, so künstlich, daß kein andrer
Als nur der Schlosser, der es selbst gemacht,
Es öffnen kann. Seit einer Woche nun
Müh’n sich vergeblich alle Schlosser Wiens,
Ein solches Schloß zu machen; doch der Fremde
Zieht jedesmal, so oft ein Schlosser kommt,
Sein Kunstwerk freudestrahlend ihm zu reichen,
Aus seiner Tasche lächelnd einen Schlüssel,
Das Schloß vor des Erstaunten Augen öffnend.
Der Bürgermeister, der den Ruhm will wahren
Der Wiener Schlosserkunst, hat hohe Preise
Dem Sieger ausgesetzt und er verspricht
Die güld’ne Ehrenkette, wenn’s ein Meister
Zustandebringt, — verspricht das Meisterrecht
Und eine Summe Geldes dem Gesellen,
Wenn einer soll die Meister übertreffen.
Ich will dir helfen, du sollst Sieger sein.
Mux: Schön Dank dafür, das laß ich andern gern,
Auch ohne das werd’ ich noch einmal Meister.
Rothmantel: Doch nicht mit gleichem Ruhm. Hör’ zu, Gesell,
[Pg 9]
Wie das Gebäude deines Glücks ich baue:
Bis morgen abends will der Fremde warten,
Und bis dahin bringt keiner es zustand’,
Wenn ich nicht helfe; bist du dann der Einz’ge,
Wird alles hoch dich preisen und berühmen.
Hast du das Meisterrecht und hast das Geld,
Gehst du sofort und wirbst bei deinem Meister
Um seiner Tochter Hand.
Mux: Das geht nicht an,
Sie liebt den Altgesellen.
Rothmantel: Der ist arm;
Auf deiner Seite wird der Vater stehen.
Mux: Und ich hab’ einen Schatz, den ich nicht lass’.
Rothmantel: Du Dummkopf meinst, der Schatz ließ’ nicht von dir,
Wenn sich ein Reich’rer böt’?
Mux: Ich glaube nicht.
Rothmantel: Dann kennst du Weiber nicht. Doch höre weiter.
Bist du erst Meister und dazu der Eidam
Des Marbacher, dann läuft dir alles zu,
Ich geb’ dir Gold, soviel du haben magst,
Und niemand forscht und niemand rechnet nach,
Woher du’s hast; bist du der Künstler ja,
Der alle übertraf; man überhäuft
Mit Arbeit dich und zahlt, was du begehrst.
In wenig Jahren bist du reich und groß
Und keinen wundert’s.
Mux: Und in wenig Jahren
Kann ich auch tot sein und fall’ dir zum Opfer.
Rothmantel: Zum Opfer fällt mir keiner, der nicht will,
Ich schließe keinen Pakt bedingungslos.
Die schwachen Seelen, die ganz ohne Kampf
Sich mir ergeben wollen, acht’ ich nicht.
[Pg 10]
Wenn einer, dem du nur die Faust gezeigt,
Sich auf die Knie würf’ um Gnade flehend,
Wollt’st du den schlagen?
Mux: Nein, das wollt’ ich nicht,
Ich spuckte vor ihm aus und ließ’ ihn geh’n.
Rothmantel: So denk’ auch ich und mach’ Bedingungen.
Ein Hintertürlein lass’ ich jedem offen.
Ist einer klug und macht die Augen auf,
Entschlüpft er mir und macht den Pakt zunichte.
Mux: Und welcher Art wär’ die Bedingung wohl,
Die du mir stelltest? Daß ich’s nur gesteh’,
Es reizt mich der Gedanke, mit dem Teufel
Einmal zu raufen, ist’s auch nicht die Faust,
Die ich da brauchen kann. Man sagt mir oft,
Ich hätte einen off’nen, hellen Kopf,
Der mag in diesem Kampfe mir nun dienen.
Rothmantel: Wohl, brauch’ ihn nur! Ich geb’ dir dreißig Jahre,
Da sollst du leben, wie es dir gefällt,
In Reichtum, Glanz und Ehren; niemals soll
Dir eine Krankheit Geist und Körper schwächen,
Ich leihe Riesenkräfte deinem Arm
Und künstlerische Fertigkeit der Hand,
Kein Zeitgenosse soll dich übertreffen.
Freigebig überschütt’ ich dich mit Gold,
Die Leiter halt ich dir, auf der du mühlos
Zu hohen Ehrenstellen steigst empor.
Bist du’s zufrieden? Soll ich mehr dir geben?
Mux: Wer dreißig Jahre so die Welt genoß,
Kann ohne Murren sie dann wohl verlassen.
Ich habe dreißig Jahre hinter mir,
Bedenk’ ich’s recht, so waren sie nicht übel,
Trotzdem ich arm war und oft hart geplagt;
Wie herrlich mag sich’s erst im Reichtum leben!
[Pg 11]
Rothmantel: Nach dreißig Jahren aber bist du mein ...
Mux: Nicht unbedingt! Jetzt kommt das Hintertürchen,
Durch das ich zu entschlüpfen dir gedenk’.
Rothmantel: Ganz recht, jetzt kommt’s. Hör’ aufmerksam nun zu:
Nach dreißig Jahren also bist du mein,
Streichst du die Liebe nicht aus deinem Leben.
Mux: Ist das dein Ernst? Sonst nichts? Sonst wirklich nichts?
Nun, aus den Weibern mach’ ich mir nicht viel,
Auch meinen Schatz werd’ ich gar leicht vergessen.
Rothmantel: Versteh’ mich recht, so ist es nicht gemeint.
Es ist die Liebe ja, von der du sprichst,
Ein Teil nur jener allgewalt’gen Liebe,
Die unsichtbar die ganze Welt regiert,
Die alle Menschen aneinander bindet,
Die als Gebet aus ihren Herzen steigt,
Im Lächeln heiter thront auf ihren Lippen,
In jeder Trän’ aus ihren Augen quillt.
Nicht einer Liebe sollst du nur entsagen,
Du schwörst ihr ab in all’ und jeder Form;
Du mußt dein Herz nicht streng vor ihr verschließen,
Laß sie nur ein und dort bekämpfe sie.
Dich reizt der Kampf, so sollst du tapfer kämpfen
Und sorg’ dafür, daß stets du Sieger bleibst.
Du magst nach deinem Willen immer handeln,
Nur was dich Liebe heißt, darfst du nicht tun.
Almosen darfst du geben, wo es gilt,
Als reicher Bürger dich hervorzutun.
Doch fühlt dein Herz ein menschliches Erbarmen,
Und dringt des Mitleids Träne dir ins Aug’,
Kämpf’ alles nieder dann und werde hart.
[Pg 12]
Kannst du mit einem Blick, mit einem Worte
Ein Wesen glücklich machen — sei’s dein Weib,
Sei es dein eigen Kind — so tu es nicht.
Und wer dich anruft in der Liebe Namen,
Den höre nicht; wenn um Barmherzigkeit
Dich jemand anfleht, weis’ ihn hart zurück,
Und kannst du nicht umhin, der Zeugen wegen,
Ihm doch zu geben, sag’ ein böses Wort,
Daß ihm die Gab’ in Hand und Herzen brenne.
Und siehst du leiden irgendwo ein Tier,
Geh’ dran vorbei, gönn’ ihm den Fußtritt nicht,
Der von seiner Qual erlösen könnte.
Mit kurzen Worten: Tu’ kein Liebeswerk,
Du hast beim ersten schon dein Spiel verloren.
Mux: Die Sache mag zuweilen schwierig werden,
Doch mein’ ich, daß ich ihr gewachsen bin —
Ein allzu weiches Herz ist nicht mein Fehler —
Es sei! Ich geh’ auf die Bedingung ein.
Gib das Papier, ich will die Tinte liefern.
(Er zieht sein Messer und streift den Ärmel auf.)
Rothmantel: Laß es nur sein, es gilt der Pakt auch so.
Um diese Stunde heut’ in dreißig Jahren
Kommst du zu jenem Baum im Heidenhain,
Um den du morgen einen Ring wirst legen;
Dort gibst du Rechenschaft von deinem Tun,
Vernimmst das Schicksal, das du dir bereitet.
Mux: Noch eins! Es zwingt mich häufig mein Beruf,
In Kirchen und Kapellen auch zu schaffen;
Ich halte doch den Bund mit dir geheim
Und möchte nicht, daß man ihn jemals ahnte —
Es fiele auf, mied’ ich die heil’gen Stätten.
Rothmantel: Du brauchst sie nicht zu meiden; ist der Ort
Dir ja nur Arbeitsplatz.
[Pg 13]
Mux (zögernd): Und wenn mich dann
Einmal die Lust zu beten überkäme,
Darf ich es nicht?
Rothmantel: Warum? Bet’ du nur zu,
Wenn du’s vermagst, zu beten ohne Liebe.
Mux: Pah, man kann alles, was man will. Leb’ wohl!
Rothmantel: Auf Wiedersehn! Da hast du nun den Groschen,
Ihn, deines Glückes oder Unglücks Quell.
Mux: Der Mensch ist selber seines Glückes Schmied,
Ich will es sein, ich fühl’ die Kraft in mir.
(Er geht zum Tor und klopft; der Rothmantel blickt
ihm höhnisch lächelnd nach.)
Rothmantel: Nur zu, du armer Tropf! Trau’ deiner Kraft
Und trau’ dem Glück, das du dir schmieden willst!
Gelingt es dir, die Liebe zu besiegen,
Dann wehe dir! Du wirst umsonst wohl beten
Zu einem Gott, den du verleugnet hast.
Verwandlung:
(Der Ausgang des Heidenhaines; um den letzten Baum desselben ist ein
Eisenring gelegt. Ganz im Vordergrunde eine Gruppe, die sich unterhält.
Der Knabe Wendel etwas im Hintergrund, nach links spähend, woher der
Zug kommt.)
3. Auftritt.
Erster, zweiter, dritter Bürger. Ein Weib. Wendel. Die Menge.
Erster Bürger: So ist der Ruhm doch uns’rer Stadt geblieben,
Ein Wiener Kind errang den schweren Sieg;
Das freut mich baß, uns alle muß es freuen.
Zweiter Bürger: Ob’s alle freut, das möcht’ ich wohl bezweifeln.
Daß ein Geselle sich den Preis errang,
[Pg 14]
Das wurmt die Schlossermeister allesamt,
Den Marbacher besonders; tut er auch,
Als ob’s ihn freute, daß aus seiner Werkstatt
Das Meisterwerk hervorging. Schaut ihn an,
Welch’ ein Gesicht er macht, lobt er den Mux;
Es ist zum Lachen, wahrlich recht zum Lachen.
Erster Bürger: Mir gilt es gleich, ob Meister, ob Geselle
Den Preis errungen, schön ist’s immerhin,
Daß uns’rer Stadt er blieb. Das will ich feiern.
Dritter Bürger (halb für sich): Ihm ist’s das liebste, wenn er trinken kann,
Er trinkt auf jedes Menschen Wohl, er feiert
Die Namenstage aller Vettern, Basen,
Er ist zu sehn bei jeder Lustbarkeit,
Bei der’s herauskommt schließlich auf das Trinken.
Das Weib: Er lebt nicht schlecht, ’s ist wahr, doch schafft er auch,
Wenn’s Zeit dazu, und läßt auch and’re leben;
Ein guter Kerl, geizig ist er nicht;
Seht, gar den Lehrling hat er mitgenommen
Und läßt ihn feiern an dem heut’gen Tag.
Wendel (ihnen zurufend): Sie kommen schon! Voran der Bürgermeister,
Und hinter ihm der Marbacher und Mux —
Zu Muxens Linken der ist wohl der Fremde.
Dritter Bürger (zum ersten): Wozu nahmt ihr den Buben mit hieher?
Erster Bürger: Er soll es seh’n, wie man das Handwerk ehrt,
Wie man die feiert, die was Tücht’ges leisten.
(Den Knaben rufend.) He, Wendel, komm!
Wendel (herzulaufend): Ja, Meister, bin schon da!
(Der Zug kommt heran und die Teilnehmer gruppieren sich, während
die Gruppe im Vordergrund weiterspricht.)
[Pg 15]
Erster Bürger: Sag, wirst du auch einmal in deinem Handwerk
Was Künstliches erzeugen wie dies Schloß?
Wendel (verschmitzt): Ich mach’ euch einen Stiefel, so gewunden,
Daß keines Menschen Fuß, wie er auch sei,
Hinein kann schlüpfen.
Zweiter Bürger: Was, du kecker Bengel?
Wendel: Und wenn er’s doch kann, soll er nie im Leben
Ihn wieder auszieh’n können. (Gelächter.)
Erster Bürger (lachend): O du Wicht,
Für diese Antwort dehnt’ ich dir die Ohren
Zu andrer Zeit; heut sei es dir geschenkt.
Ich sag’ dir’s nur, schrei du recht wacker: Hoch!
Läßt man das Handwerk und den Meister leben!
Wendel: Ich will’s besorgen, habet keine Furcht!
Das Weib: Die Agnes trägt den goldenen Pokal —
Wie hübsch sie ist, wie fein herausgeputzt!
Dritter Bürger: Dort steht der Franz, sie hat ihm zugewinkt.
Das Weib: Ob die zwei Leutchen doch zusammenkommen?
Der Alte ist ein geiziger Patron
Und Franz hat nichts als seine fleiß’gen Hände.
Zweiter Bürger: Wenn Martin Mux nicht seine Lene hätt’,
Der Marbacher gäb’ Agnes ihm jetzt gerne,
Denn sicher läuft dem Mux jetzt alles zu,
Aus Neugier schon — man muß die Wiener kennen,
Der ist in kurzer Zeit ein reicher Mann.
Dritter Bürger: Wer weiß, was noch geschieht, Geld ändert viel.
Der Martin läßt vielleicht die Lene laufen,
Wenn Aussicht er auf eine Reich’re hat.
[Pg 16]
4. Auftritt.
(Die Gruppe hat sich beim Baum mit dem Eisenring aufgestellt, Mux tritt
vor, legt das Schloß an, versperrt es und überreicht dem Fremden den
Schlüssel.)
Der Fremde: Vor euch, Herr Bürgermeister, und euch Herren,
Bezeug’ ich hier, daß dieser junge Mann
Der einz’ge war, der mich zufriedenstellte;
Das Meisterstück, das man in keiner Stadt
Zustande brachte, hier ward es erzeugt,
Ihr habt euch deß zu rühmen, werte Bürger,
Und ihr tut recht, belohnt ihr diesen Mann.
Erster Bürger: Hoch soll der Fremde leben!
Wendel: Dreimal hoch! (Die Menge wiederholt.)
Bürgermeister: Dank für die Anerkennung, werter Herr,
Uns soll es freu’n, verbreitet ihr den Ruhm
Der Wienerstadt in fremden Landen weiter.
(Zu Mux): Ihr, Martin Mux, dem dieses Werk gelungen,
Das euch, der Zunft und eurer Vaterstadt
Zu Anseh’n, Ehr’ und Ruhme hat verholfen,
Empfangt von mir nun den verheiß’nen Lohn
Und die Versicherung, daß alle Bürger
Mit euch sich heute eures Sieges freu’n.
Wünsch’ ich euch Glück, sprech’ ich aus aller Herzen —
Reicht mir die Hand! Es gelte euch der Druck
Als Händedruck der ganzen Bürgerschaft.
Die Menge: Der Bürgermeister hoch, er lebe hoch!
(Der Bürgermeister drückt Mux die Hand und reicht ihm einen
gefüllten Geldbeutel, den Mux einsteckt.)
Marbacher: Das Schloß, das nun zu ewigem Gedenken
An diesem Baume hängt, hat uns gezeigt,
Daß ihr ein Meister seid in eurer Kunst;
Und so ernennt die Zunft euch nun zum Meister,
[Pg 17]
Ich führe euch mit Stolz in unsern Kreis.
Mög’ jeder Tag euch neuen Ruhm gewinnen,
Mögt ihr den Ruhm der Wiener Schlosserkunst
Auf’s neue stets befest’gen und erhalten.
Ich grüß’ euch, Meister Mux!
Die Menge: Hoch, Meister Mux!
(Wendel wirft seine Mütze in die Luft und brüllt am lautesten.)
Agnes: Das Handwerk grüßet, Meister, euch durch mich
Und läßt durch mich den Ehrentrunk euch bieten.
Mux: Vielliebe Jungfrau, soll der Trank mir munden,
Netzt eure Lippen erst in diesem Wein.
(Sie nippt an dem Becher, er nimmt ihn aus ihrer Hand.)
Mux: Ich bring es euch, bring’s meiner Vaterstadt,
Bring’s euch, ihr Herrn, und bringe es dem Handwerk!
Erster Bürger: Das Handwerk lebe hoch!
Wendel: Hoch, hoch das Handwerk!
(Er schlägt Purzelbäume und schreit laut.)
Mux: Erlaubt, Herr Bürgermeister, und ihr Herren,
Daß zum Gedenken an den heut’gen Tag
In diesen Baum ich einen Nagel schlage,
Der meinen Namen trägt.
Bürgermeister: Tut nach Gefallen.
(Mux zieht einen kleinen Hammer und einen Nagel aus der Tasche
und schlägt den Nagel in den Baum.)
Mux: Mög’ jeder, der sein Meisterstück gemacht,
Sich hier verewigen auf diese Weise.
Dritter Bürger (zu den andern): Das wird dem Baum an Mark und Leben gehn.
Erster Bürger: Ein schöner Handwerksbrauch, man muß ihn loben.
[Pg 18]
Bürgermeister: Liebwerter Meister, nun gehabt euch wohl,
Vergnügt euch recht an diesem Freudentage.
(Er reicht ihm die Hand, der Fremde desgleichen und gehen fort.
Andere drängen sich herzu und beglückwünschen Mux.)
Das Weib (zu Mux): Nehmt meinen Glückwunsch auch an, Meister Mux!
Nun geh’ ich gleich, der Lene zu erzählen,
Wie man euch ehrte; ach, die wird sich freu’n.
Mux: Ei, Frau, ihr müßt nicht viel zu schaffen haben,
Wenn ihr die Zeit euch nehmt zu diesem Gang.
Das Weib: Seh’t einer doch den undankbaren Menschen,
Ich will gefällig sein und er ist grob.
(Sie wendet sich von ihm ab.)
(Marbacher will sich von Mux verabschieden.)
Mux: Ihr wollt schon gehen, Meister? Das ist schlimm,
Weil eure Tochter uns dann auch verläßt
Und ohne sie verliert das ganze Fest
Den Reiz für mich.
Marbacher (überrascht u. erfreut): Ei, ei, mein junger Meister,
Ich wußt’ es nicht, daß Agnes euch so wert;
Natürlich bleiben wir, wenn ihr’s begehret.
Mux (zu Agnes): Und darf ich abends euch zum Tanze führen?
Marbacher (rasch): Es wird ihr Ehre nur und Freude sein.
Dritter Bürger (zu dem Weibe): Nun fängt’s schon an, wie ich vorhergesagt,
Ganz offen macht er Agnes heut’ den Hof.
Das Weib: Der schlechte Mensch! Drum war’s ihm auch nicht recht,
Daß ich von Lene sprach, dem armen Mädel.
Ein Geselle: Na, Mux, ihr zahlt doch was?
[Pg 19]
Mux: Ei, kommt nur mit,
Heut’ lass’ ich’s springen.
Mehrere Gesellen: Hoch der Meister Mux!
Franz (nähert sich Agnes): Was hat der Mux mit dir? Ist er denn toll?
Agnes: Ich weiß es nicht und kann mir’s nicht erklären,
So freundlich war er niemals noch mit mir;
War’s früher Scheu, weil ich die Meisterstochter
Und er nur einfacher Geselle war?
Franz: Nein, weil du selber heut’ so freundlich tatest,
Herausgefordert hat ihn dein Benehmen.
Agnes: Du tust mir unrecht, Franz, du weißt es wohl.
Franz: Hast du für abends ihm den Tanz gewährt?
Agnes: Der Vater gab an meiner Statt die Antwort.
Franz: Ich ahne Schlimmes, Agnes, halt’ zu mir,
Und laß vom Vater dicht nicht überreden.
Agnes: Ach, Gott verhüt’ es, Franz, daß es so kommt,
Wie du zu fürchten scheinst; streng ist der Vater
Und unbeugsam; vergebens wagt’ ich’s wohl,
Ihm Trotz zu bieten, wollte er mich zwingen.
Marbacher (hat sich nach Agnes umgesehen und faßt sie nun am Arme):
Bist du denn ganz verrückt? Was fällt dir ein,
Dich bloßzustellen da vor allen Leuten?
Die ganze Stadt spricht morgen schon davon,
Daß du geheime Zwiesprach hältst mit Franz,
Der nur Geselle ist bei deinem Vater.
Hältst du nicht mehr auf dich?
Mux: Kommt jetzt, wir geh’n.
An diesem schönsten Tage meines Lebens
Will alles ich um mich seh’n, was mir lieb.
(Er neigt sich zu Agnes und erfaßt ihre Hand; sie bleibt zögernd
stehen, ihn ängstlich anblickend.)
[Pg 20]
Marbacher: Nun, Agnes, wird’s? Willst du hier stehen bleiben?
(Sie geht mit Mux, Franz einen traurigen Blick zuwerfend, Franz
droht mit der geballten Faust Mux nach. Alle entfernen sich langsam.)
Erster Bürger: Hoch Meister Mux!
Wendel: Der Meister Mux soll leben!
Das Weib (zum dritten Bürger): Der Teufel hol’ ihn gleich, den schlechten Kerl!
Mir bricht das Herz, wenn ich an Lene denk’.
(Alle andern haben sich entfernt, nur die anfängliche Gruppe bleibt.
Ganz im Hintergrund steht Franz und schaut noch immer den Davonziehenden
nach.)
5. Auftritt.
Erster, zweiter, dritter Bürger. Das Weib. Wendel.
Dritter Bürger: Sagt Leute, ehrlich, wie gefiel es euch?
Ging euch denn gar nichts ab bei der Geschichte?
Erster Bürger: Ein wenig kurz war’s.
Dritter Bürger: Sonst mißfiel euch nichts?
Zweiter Bürger: Wenn ich’s aufrichtig sagen soll: der Mux
War gar zu wenig höflich und bescheiden,
Nahm alles hin, als ob es so sein müßt;
’s ist alles recht, es ist ja sein Verdienst,
Doch braucht er sich drum nicht so aufzublasen.
Wenn einem Christenmenschen etwas glückt
Und man ihn lobt, so schickt sich’s, daß er sage:
Mit Gottes Hilfe habe ich’s vollbracht,
Mit Gottes Hilfe werd’ ich’s weiterbringen.
Dritter Bürger: Aha! Das ist’s, was ich euch sagen wollt,
Doch horcht, was ich euch weiter drüber sage.
Nicht Hochmut war’s, daß Mux es unterließ,
[Pg 21]
Den Namen Gottes heute auszusprechen,
Er hat es nicht gewagt.
Zweiter Bürger: Warum denn nicht?
Dritter Bürger: Weil ihm der Teufel half bei seinem Werke,
Das ging mit rechten Dingen nimmer zu.
Das Weib: Herrgott im Himmel, wenn das richtig wäre!
Zweiter Bürger: Dann möchte ich in Muxens Haut nicht stecken
Und wär’ er noch so reich und angeseh’n.
Erster Bürger: Wenn er dem Teufel wirklich sich verschrieben,
Dann hol’ ihn auch der Teufel! Wendel komm’!
Wendel: Hoch soll er leben!
Zweiter Bürger (lachend): Doch der Teufel nicht?
Wendel: Hoch soll er leben, dreimal, dreimal hoch!
Erster Bürger (gibt dem Knaben einen Klapps):
Schweig, Esel du!
Wendel (heulend): Ihr habt es doch gesagt,
Ich soll recht schrei’n.
Erster Bürger: Nun ist es schon genug;
Wir gehen heim, die Lust hat nun ein Ende. (Alle
ab, bis auf Franz, der im Hintergrunde bleibt.)
6. Auftritt.
(Lene kommt atemlos hergeeilt und überschaut den Festplatz. Sie ist
in bescheidenem Sonntagsputz.)
Lene. Später Franz.
Lene: Da ist der Platz — doch ist schon alles leer,
Hier hängt das Schloß, das Fest ist längst vorbei,
Ich kam zu spät, zu spät trotz aller Eile.
Wo er wohl ist? Ich sehn’ mich so nach ihm
Und kann ihn nicht erreichen! (Franz tritt hervor.)
[Pg 22]
Franz: Sucht ihr Mux?
Lene (fährt zusammen): Um Gott, wie habt ihr mich erschreckt! Wer seid ihr?
Franz: Marbachers Altgesell, der Franz. Und ihr?
Lene: Ich bin die Lene, Martins Braut.
Franz (erfreut): Ei so?
Da hol’ ich ihn, das wird ihn sicher freuen.
Lene: Ach, könnt ihr das? Dann tut’s, ich bitt euch drum!
(Franz läuft fort, Lene schmiegt sich an den Baum.)
7. Auftritt.
Lene (allein): Du lieber Baum, gesegnet sollst du sein,
Du trägst nun unser Glück und Martins Ehre.
Ach, bliebest du doch ewig, ewig stehn
Und brächtest jedem Glück, der sich dir nahte!
Zu denken, daß ein einz’ger, einz’ger Mann
In dieser großen Stadt voll tücht’ger Leute
Das Werk vollbringen konnte! Und der einz’ge
Muß grad mein Liebster sein, kaum kann ich’s fassen,
Ist’s nicht zu groß, zu groß für mich, das Glück?
(Mux kommt eilig und finster.)
8. Auftritt.
Lene. Mux.
Mux: Was willst du hier?
Lene: Ach, Martin, zürn’ mir nicht!
Ich hielt’s nicht aus daheim.
Mux: So kommst du her,
In diesen Kleidern? Wo sich alles schmückt
Zu meinem Ehrentag, der Bürgermeister
Die Kette umlegt, wo die ganze Zunft
Sich einen Festtag macht?
[Pg 23]
Lene: Sieh mich doch an!
Bist du vom Glanz des Festes so geblendet,
Daß du’s nicht merkst, wie ich für diesen Tag
Mein bestes aus der Truhe hab’ genommen?
Sieh doch das Halstuch, das du mir geschenkt,
Die Nadel auch von dir, und da die Schürze
Aus meiner Mutter Brautkleid.
Mux: Ja doch, ja.
Doch sag’ nun schnell, was willst du? Ich hab’ Eile,
Es warten andre Leute heut auf mich.
Lene: Was ich hier will? O, Martin, wenn du wüßtest,
Wie mir zumute war die ganze Zeit!
Aus jedem Mund konnt’ ich dein Lob vernehmen,
Von allen Seiten wurdest du gerühmt,
Wie du geschickt seist, wie man dich beneidet
Und wie der Bürgermeister dich belobt,
Weil du den Ruhm der Wiener Schlosserkunst
Aufs neu’ gehoben und gefestigt hast.
Wie mir das Herz bei solchen Reden hüpfte —
Und soll ich’s leugnen — bang zugleich auch schlug,
Weil du so lange dich nicht sehen ließest.
Ich konnte kaum vor Sehnsucht mich mehr fassen,
Mir ward zum erstenmal, seitdem ich dien’,
Mein Dienst zuwider; wär’ die Frau nicht krank
Und hätt’ mir leid getan, ich wär’ wahrhaftig
Spornstreichs davongerannt und hin zu dir.
Mux: Ich hätte schwerlich für dich Zeit gehabt.
Lene: Das glaub’ ich wohl; ich bin recht unbescheiden
Und weil ich selber immer an dich denk’,
Mein’ ich, du müßtest stets an mich auch denken.
Wir Mädchen sind gar dumm, wir glauben stets,
Ein Mann sei g’rade so wie wir geartet —
Euch läuft das Herz nicht mit dem Kopf davon.
Du lieber Gott, ich schwatze immerzu
Und war doch so gespannt, von dir zu hören.
[Pg 24]
Mux: Du sagst ja selbst, daß du aus fremdem Mund
Schon längst gehört, was mir zuteil geworden,
Wozu soll ich es nochmals wiederholen?
Lene: Aus deinem Munde klingt es anders doch.
Gelt, du bist Meister jetzt und wenn du willst,
Kannst du sogleich auch ein Geschäft beginnen?
Es war ja eine Summe ausgeschrieben,
Die hast du doch bekommen?
Mux: Freilich wohl.
Lene: Die Summe ist nicht groß, doch groß genug,
Ein Häuslein außerhalb der Stadt zu kaufen,
Und wenn man wacker schafft und dabei spart,
Kann man’s in kurzer Zeit zum Wohlstand bringen.
Mux: In kurzer Zeit! Das heißt in dreißig Jahren.
Lene: Und wenn nicht früher auch, was liegt daran!
So lang man Kräfte hat, soll man sich mühen,
Hat man ein ruhig Alter nur vor sich.
Mux: ’s ist gut für dich, wenn du zufrieden bist,
Zufriedenheit ist eine schöne Sache.
Lene (sich innig an ihn schmiegend): Dann braucht der Meister eine Meisterin,
Die schafft und sorgt und spart und die das Haus
In Ordnung hält und es mit Lieb’ erfüllet,
Die nimmermüd’ nach Tages Müh’ und Last
Des Abends frohe heit’re Mienen zeigt
Und ihres Mannes Sorgenfalten glättet.
Mein Martin, gelt, wir werden glücklich sein
Wie Vöglein, die in einem Busche nisten?
Weißt du, was mich besonders noch erfreut?
Daß ich mein armes altes Mütterlein
Zu mir kann nehmen, kann es treulich pflegen
Und ihm vergelten, was es mir getan. —
Was hast du, Liebster, nur? Du schaust so finster
Und sprichst kein Wort, indessen mir der Mund
Nicht stille stehen will vor lauter Freude.
[Pg 25]
Mux: Ihr Weiber habt es leicht, ihr schwatzt so viel,
Und springt ein herbes Wort euch von den Lippen,
So schüttet ihr so viele milde nach,
Daß man das herbe beinah’ kann vergessen.
Bei uns ist jedes Wort ein Hammerschlag
Und traf der Schlag, so lassen wir ihn sitzen
Und halten nicht den Balsam gleich bereit.
Lene: Hab’ ich vielleicht ein hartes Wort gesagt?
O, dann vergib, ich hab’ es nicht gemerkt,
Und hab’ es sicherlich nicht so gemeint.
Mux (heftig): Du tatest’s nicht, ich aber will es tun.
Daß du’s nur weißt, heut’ in vier Wochen will
Ich Hochzeit machen mit des Meisters Tochter.
Lene (aufschreiend): Barmherz’ger Himmel! Nein, das kann nicht sein,
Martin, das ist nicht wahr, laß diesen Scherz!
Mux: Es ist kein Scherz, es ist die reine Wahrheit,
Ich hab’ des Vaters und der Tochter Wort.
Lene: Sie gab’s gezwungen dir, wenn sie es gab.
O, du begehst da eine Doppelsünde,
Das Mädchen liebt den Franz, es ist bekannt,
Und du, du trägst ja mich in deinem Herzen.
Mux: Nicht gar so tief, als du wohl glauben magst.
Lene: Du willst die Liebe auch zu mir verleugnen?
O Martin, das tu’ nicht! Ich will ja nie
In deinen Weg mich drängen, will ganz still
Die Hoffnung auf ein künft’ges Glück begraben,
Nur raube mir nicht die Vergangenheit,
Trüb’ der Erinn’rung mattes Glück mir nicht.
Ich zürn’ dir nicht und wünsch’ dir alles Glück,
Nur laß das eine mir, laß mir den Glauben,
Daß ich dir teuer war und daß ich nur
Der Reicheren und nicht der Lieb’ren weiche.
Gib mir ein letztes, süßes Schmeichelwort,
[Pg 26]
Sag’, daß du mich beklagst, daß du zuweilen
An mich noch denken wirst und an die Stunden,
Die wir im trauten Zwiegespräch verbracht.
Du schweigst noch immer, Martin? Wärs denn möglich,
Daß du sie lieber hast? Noch vor zwei Tagen
Hast du mit Zärtlichkeit mich überhäuft,
Es konnte sich so schnell dein Sinn nicht ändern.
So spricht doch endlich! Aus Barmherzigkeit
Sag’ mir ein Wort, das meinem Herzen schmeichelt,
Das mich an deine Liebe glauben läßt,
Das als Erinn’rung ich bewahren kann.
(Mux, der bei dem Wort »Barmherzigkeit« heftig zusammengezuckt ist,
richtet sich jetzt straff auf und spricht hart und rauh.)
Mux: So soll ich lügen aus Barmherzigkeit?
Das kann ich nicht, ich tu’ nichts aus Erbarmen.
Ich hab’ gespielt mit dir und deiner Liebe,
Und weil des Spiels ich überdrüssig bin,
Werf’ ich das Spielzeug fort und werde ernst.
Lene: Martin, die Wahrheit mag dir Gott verzeihen,
Denn sie ist größ’re Sünde sicherlich,
Als eine Lüge jetzt gewesen wäre,
Die du aus Mitleid hättest mir gesagt.
Ich fluch’ dir nicht; in deinem eig’nen Herzen
Lebt dir ein Feind, der mich noch rächen wird.
[Pg 27]
2. Aufzug.
(Zimmer im Hause des Mux. Zwei Türen, eine rechts, eine links. Ein
Fenster rechts im Hintergrunde. Ein Tisch, auf dem Kannen und Teller
stehen. Um den Tisch sitzen Griesenpeck, Thenk, Gerl, der Schuster, der
Schneider. Mux liegt zurückgelehnt in seinem Armstuhl und schläft, der
Schneider vornübergebeugt auf der Tischplatte.)
Griesenpeck: Der Thenk hat’s immer eilig mit dem Aufbruch!
Sagt, ist denn eure Alte gar so scharf?
Thenk: Nicht schärfer als die eure, Griesenpeck,
Und uns’re Predigt blieb’ uns nicht geschenkt,
Wenn wir um ein paar Stunden früher kämen,
Doch muß ein Ende sein.
Griesenpeck: Na, sei es denn!
Fangt an euch langsam aufzukrabbeln, Gerl,
Bei euch geht’s nicht so rasch!
Gerl: Ich hab’ noch Durst.
Thenk: Wir aber keine Kraft, euch heimzuschleppen.
Gerl: Ich komm’ alleine heim, schweigt ihr nur still!
Der Gerl braucht ein bißchen Schwergewicht,
Wenn er soll sicher stehn. Trink’ ich noch eins,
Dann ist’s gerade recht. (Er leert den Krug.)
[Pg 28]
Schuster: Wir wollen bleiben.
Ich roll’ euch nachher heim.
Gerl: Ihr rollt mich heim!
Ihr tut, als wäre ich ein Trunkenbold,
Der seiner Sinn’ und Glieder nicht mehr mächtig.
Wenn ihr das euern Weibern so erzählt,
Und die erzählen’s wieder andern weiter,
So ist’s kein Wunder, daß dann meine Alte
Die Hände überm Kopf zusammenschlägt,
Wenn ich nach Hause komm’.
Griesenpeck: Ihr kommt nach Hause?
Ihr werdet hingelegt vor eure Tür.
Gerl: Ah, das ist stark! Ihr wollt doch nicht behaupten,
Daß ich wie einer, der zum erstenmal
Am Wein gerochen, unterm Tisch gleich liege?
Vertrag’ ich etwa nichts?
Thenk: Mehr als wir alle,
Doch trinkt ihr stets noch mehr als ihr vertragt.
Griesenpeck: Der Mux schläft auch schon längst.
Gerl: Ich bin noch frisch.
Seht her, ich tanz’ noch eins. (Er erhebt sich, taumelt
und fällt auf seinen Sitz zurück.) Verdammte Beine!
Thenk: Da habt ihr’s nun!
Gerl: Drum soll ich sitzen bleiben
Und gar nicht heimgehn.
Schuster (schaut in die Krüge und leert Muxens Krug):
’s ist kein Wein mehr da.
Schafft Wein her, Mux, ihr seid ein netter Wirt!
Mux (im Schlafe stöhnend): O, Mutter, bleib, o gehe nicht von mir!
Thenk: Er träumt von seiner Mutter, laßt ihn geh’n!
Griesenpeck: Wir schleppen Gerl und ihr weckt den Schneider!
Mux (klagend): Tage der Jugend, o kehrt mir zurück!
[Pg 29]
Griesenpeck: Der Mux träumt schwer, dem liegt etwas im Magen.
Schuster (den Schneider weckend): Steht auf, wir gehen heim!
Schneider (erwachend): Was wollt ihr denn?
Schuster: Wir wollen heim.
Schneider: Ich will noch lustig sein.
Schuster: ’s gibt nichts zu saufen mehr.
Schneider: Dann will ich singen.
(Lallend): Flöß’ in der Donau lauter Wein,
Dann möcht’ ich wohl ein Karpfen sein.
Dann möcht’ ich (schlucksend) möcht’ ich (steht auf, setzt
sich aber sogleich auf den Boden) wohl ein Karpfen
sein (auf der Erde sitzend, immer lallend.)
Ich möcht’ ein Karpfen sein, ein Karpfen möcht’ ich
(wieder einschlafend) Ein Karpfen (der Schuster rüttelt ihn),
Ich möcht’ ein Karpfen sein.
Schuster: Ihr seid ja einer, schwimmt nur endlich fort!
(Er schleift ihn hinaus.)
Gerl: Der hat’s im Kopf, ich hab’s bloß in den Beinen,
Ich bin ein ganzer Kerl! Haltet fest!
Nur meine Beine .... haltet, haltet doch!
(Sie stolpern endlich rechts hinaus.)
(Leise Musik, im Wandgetäfel erscheint lichtumflossen eine weibliche,
rosenumkränzte Gestalt, die Liebe.)
Die Liebe: Ich bin die Liebe! Still in deinem Herzen
Halt’ ich den Schlaf, in den du mich gebannt,
In deine Träume nur darf ich mich schleichen,
O, wecke mich zu vollem Leben auf!
In deiner Brust entspringt der goldne Born,
Der unversiegbar immer sich ergießet,
Der immer reicher quillt, je mehr du schöpfst.
O schöpf aus diesem Quell, dem ewig reinen,
Und liebe, wo du kannst. O, laß das Gold,
[Pg 30]
Das ungemünzt in deinem Herzen ruht,
Nicht länger ruhn. Uebst du Barmherzigkeit,
Erwarte nicht des Nächsten Dank als Lohn,
Die Liebe zahlt vorweg, sie lohnt sich selbst.
(Die Erscheinung verschwindet; von draußen ertönt ein kräftiger Schlag
auf den Amboß, dann die Stimme des Lehrlings.)
Lehrling (von außen): Gesellen auf! Der erste Hammerschlag
Weckt aus dem Traum, lockt aus den Federn euch;
Zur Arbeit auf! Der Hammer rief die Stunde.
Mux (erwacht und reibt sich verwundert Augen und
Stirne): Was war denn das: Welch wunderbarer Traum!
In all den langen Jahren träumt ich nie
Und heut’ auf einmal zog mein ganzes Leben
An mir vorbei — woran soll das mich mahnen?
(Er richtet sich auf.)
Wie, ich sitz’ hier? So ruht’ ich heute nicht
In meinem Bette, wie ich sonst es pflege?
Nun ist es klar, woher der Traum mir kam!
Ja, ja, wir hatten gestern schwer geladen,
Die Politik macht einem gar so warm,
Man fühlt mit Wein und glättet auch die Kehlen,
Die rauhgeschrie’nen, immer nur mit Wein,
Das tut nicht gut, des Weines Geister treiben
Ihr tolles Spiel mit uns im Schlafe dann.
(Er reißt Fensterläden und Fenster auf, das helle Sonnenlicht fällt
herein.)
Von Weindunst ist die ganze Stub’ erfüllt,
Da kann kein nüchterner Gedanke kommen.
Nun rasch den Kopf ins Wasser, dann entfliehn
Die Geister ganz, die mich gefesselt hielten.
(Er verläßt die Stube durch die Tür links; durch die Tür rechts
kommt der Lehrling; er lugt erst vorsichtig in die Stube; da er sie
leer findet, tritt er zum Tisch und untersucht Teller und Krüge.)
[Pg 31]
2. Auftritt.
Lehrling (allein): Heut haben sie doch alles aufgefressen!
Kein Bissen Fleisch und auch kein Tröpfchen Wein,
Nichts, gar nichts da! Und auf die kargen Reste
Freu ich mich doch den ganzen lieben Tag.
(Er spricht oder singt.)
Kurze Nacht und langer Tag,
Wenig Essen, viele Plag’,
Reichlich Schläge jederzeit,
Dieses nennt man Lehrlingsfreud’.
Wenn im Hause was passiert,
Hat’s der Lehrling ausgeführt,
Leugnet auch der arme Tropf,
Nimmt man dennoch ihn beim Schopf.
Aber bin ich erst Gesell,
Hei, wie räch’ ich mich dann schnell,
Und mein Lehrling mag sich freu’n,
Den will ich mir tüchtig bläu’n.
Er kriegt ehrlich jeden Schlag,
Den ich heut noch selbst ertrag’,
Er muß büßen all mein Leid,
Das nennt man Gerechtigkeit.
(Ab nach rechts.)
(Gleich danach tritt Lisbeth ein, ebenfalls von rechts.)
3. Auftritt.
(Lisbeth allein. Sie macht etwas Ordnung im Zimmer.)
Lisbeth: War das ein wildes Lärmen diese Nacht!
Ich konnte lange nicht zur Ruhe kommen
Vor all’ dem Poltern und dem wüsten Schrei’n.
Ob’s auch so wär’, wenn meine Mutter lebte?
Ich hab’ es nie so schwer und tief gefühlt,
Daß mir die Mutter fehlt, als eben jetzt,
[Pg 32]
Da mir’s so enge wird im eig’nen Herzen,
Da ich so gern an eine Brust mich schmiegte,
Die gleiches Fühlen einstmals hat durchbebt.
(Seufzend): Wie klingt der Name »Vaterhaus« so süß,
Wie ist es and’rer Menschen Paradies,
Das sie ersehnen, wenn sie ferne weilen,
Von dem sie träumen noch mit grauem Haar —
Ein Kerker ist es mir trotz seiner Schätze.
Was ist der Vater andern Kindern doch!
Der Herr des Hauses, doch ein milder Herr,
Ein leuchtend Vorbild ist er seinen Söhnen,
Und seinen Töchtern ist er Inbegriff
Von allem, was erhaben, gut und edel;
Nach seinem Bilde malt die Jungfrau sich
Den Liebsten aus in ihren Zukunftsträumen,
Mit seiner Güte, seinem milden Ernst
Schmückt sie den Gatten aus, den sie ersehnt.
Mein Vater ist so rauh, so hart und kalt,
Ich könnte Schlimmeres mir nimmer denken
Als einen Gatten, der dem Vater gleicht.
Und ihm soll ich vertrauend mich erschließen
Und ihm eröffnen, was mein Herz bewegt?
Nein, nimmermehr, ich wollte lieber sterben.
(Sie tritt zum Fenster und blickt traurig hinaus.)
Tage der Jugend,
Andern so licht,
Mir seid ihr trübe,
Mir glänzt ihr nicht.
Frühling auf Erden,
Andern zur Lust,
Mir weckst du Trauer
Nur in der Brust.
Alles verkündet
Froh deine Macht,
[Pg 33]
Wem soll ich sagen:
Mein Herz ist erwacht?
Wonnig erbebend
Alles sich regt,
Ich muß verbergen,
Was mich bewegt.
Frühling, du holder,
Der du den Bach
Vom Eise befreiest,
O, küsse mich wach!
Mach’ meine Liebe,
Die traumhaft und zart,
Mach’ sie gewaltig,
Von kühnerer Art.
Daß sie die Schranken
Gewaltsam durchbricht,
Mächtig sich ringet
Aus Dunkel zum Licht.
(Mux tritt ein, Lisbeth wendet sich erschrocken um.)
4. Auftritt.
Lisbeth. Mux.
Lisbeth: Gut’ Morgen, Vater! Habt ihr wohl geruht?
Mux: Wie immer, Lisbeth. Räum’ den Tisch da ab!
Lisbeth: Grad’ wollt’ ich’s tun. Soll ich das Frühstück bringen?
Mux: Natürlich, Mädchen! Warum fragst du noch?
(Sie räumt rasch den Tisch ab und eilt hinaus.)
5. Auftritt.
Mux (allein): So wunderseltsam ist es mir zumute!
Ich dachte niemals der Vergangenheit,
Nun steht lebendig wieder sie vor mir
Mit ihrer Not und ihren kargen Freuden.
[Pg 34]
Hab’ ich den Traum gelebt? Träumt’ ich das Leben?
So rasch verfloß der eine wie das andre,
Von beiden bleibet keine Spur zurück.
Zehn Jahre noch und meine Frist ist um,
Die Welt geht ihren Gang — ich — bin gewesen.
Hab’ ich das Glück gefunden? Warf ich’s fort?
Wer kann mir’s sagen? Ei, ich träume weiter!
(Er schüttelt unwillig den Kopf und streicht sich mit der Hand über
die Stirn. Lisbeth tritt wieder ein mit dem Frühstück.)
6. Auftritt.
Lisbeth. Mux.
Lisbeth: Da ist das Frühstück, laßt es wohl euch schmecken!
Mux: Stell’ es nur her, dann kannst du wieder geh’n.
Was stehst du noch? Ich brauch dich nimmermehr.
Lisbeth (zaghaft): Mein Vater!
Mux: Nun, was gibt’s?
Lisbeth: Wißt ihr es auch,
Daß es nun Frühling ist?
Mux: Sollt’ ich’s nicht wissen?
Man kann vor Schmutz und Nässe nicht vor’s Haus,
Was soll man tun, das Uebel kommt alljährlich.
Lisbeth: Ihr nennt’s ein Uebel, Vater? Ich tu’s nicht.
Mux: Nenn’ du’s Vergnügen, wenn’s dir lieber ist,
Ich lieb’ es nicht, im Schmutz umherzuwaten.
Lisbeth: Müßt ihr denn immer nur zu Boden schau’n?
Seht doch zum Himmel, seht sein helles Blau,
Seht zu den Bäumen, wie die Knospen schwellen,
Wollt ihr nicht einmal auch ins Freie kommen?
Mux: Ach so, will’s da hinaus? Laß nachmittags
Den Wagen dir bespannen, fahr’ ins Freie.
Lisbeth: Fahrt ihr nicht mit? Ich hätte gar so gern
Die Fahrt mit euch gemacht.
[Pg 35]
Mux: Was fällt dir ein?
Ich hab’ nicht Zeit noch Lust zu solcher Fahrt.
Fahr’ du allein dem Frühling nur entgegen,
Nimm, wenn du willst, die alte Ursel mit,
Sie ist zwar taub, allein das schadet nicht.
Lisbeth: Mein Vater, wißt, ich möcht’ euch etwas sagen,
Doch in der Stube nicht, mir wird’s so schwer,
Ich sagt’ es leichter unter freiem Himmel.
Mux: Was das für lächerliche Faxen sind!
Heraus mit dem, was du zu sagen hast,
Gleich auf der Stelle! Schleich’ dich nicht darum
Wie eine Katze um den heißen Brei —
Was ist es? Vorwärts!
Lisbeth (weinend, im Hinauseilen): Nichts, mein Vater, nichts,
Als daß es Frühling ist, wollt’ ich euch sagen.
7. Auftritt.
Mux (für sich): Verrücktes Ding! Schad’, daß sie mir entlief,
Ich würfe gern den Krug ihr an den Kopf.
Ist dieses Mädchen weinerlich und dumm,
Grad wie die Mutter, mög’ sie selig ruhn! —
Ich hätte ihr die Tochter auch geschenkt.
Ein wahres Glück, daß es kein Knab’ geworden,
Solch’ einen Laffen brächt’ ich wahrlich um.
(Lehrling tritt eilig ein.)
8. Auftritt.
Mux. Lehrling.
Lehrling: Ach, Meister, helft! Soeben ward der Hund
Von einem schweren Wagen überfahren,
Er heult so jämmerlich, seht ihn doch an!
[Pg 36]
Ihr habt so manchen Balsam, manche Salbe,
O gebt davon und lindert seinen Schmerz!
(Geselle kommt nach.)
9. Auftritt.
Mux. Lehrling. Geselle.
Geselle: Ich denke, Meister, noch barmherz’ger wär’s,
Wenn man ihn tötete mit einem Schlage,
Denn auf die Beine kommt er nimmermehr.
Mux (zornig): Wer hat euch denn erlaubt, hereinzukommen?
(Lehrling schlüpft rasch hinaus.)
Euch ist der Hund willkomm’ner Anlaß nur,
Um von der Arbeit euch hinwegzustehlen.
Macht, daß ihr fortkommt! Laßt den Hund in Ruh’,
Ich will ihn weder töten, noch ihn heilen,
Er mag verenden, wie es ihm gefällt.
Geselle: Habt doch Erbarmen mit dem treuen Tier!
Mux (hebt einen Stuhl auf, bereit, ihn nach dem
Gesellen zu schleudern):
Fort, fauler Schuft! Sonst kann dir’s schlecht ergehen.
(Geselle ab.)
10. Auftritt.
Mux (allein): Verdammtes Volk mit seinem dummen Mitleid,
Das sich um jeden Wurm am Boden schert!
Es wundert mich, daß sie das Eisen schmieden,
Daß sie nicht fürchten auch, es tut ihm weh.
(Er kehrt zu seinem Frühstück zurück; es klopft schüchtern, eine alte
Bettlerin tritt ein.)
[Pg 37]
11. Auftritt.
Mux. Bettlerin.
Bettlerin: Gelobt sei Jesus Christ!
Mux: Was wollt ihr da?
Bettlerin: Herr, eine milde Gabe, seid so gut.
Mux: Packst du dich gleich hinaus, du alte Hexe!
In aller Morgenfrühe kommst du her,
Mit deinem Blick mein Frühstück zu vergiften.
Bettlerin: Herr, ich bin blind, mein Blick vergiftet nichts.
Mux: So, du bist blind und fandest doch herein?
Bettlerin: Mein Enkel, der mich führt, steht vor der Türe.
Mux: Der Junge könnte auch was bess’res tun,
Als sich zum Tagdieb so heranzubilden.
Bettlerin: Er ist ein Kind noch, kaum fünf Jahre alt
Und hat auf dieser Welt nur mich allein.
Mux: Es wär’ ein Glück für ihn, hätt’ er dich nicht.
Bettlerin: Die blinde Bettlerin, zur Last den andern,
Trägt für den Enkel dennoch einen Schatz
In ihrer Brust, den er sonst nirgends findet:
Ein Herz voll Liebe.
Mux: Fütt’re ihn damit!
Was bettelst du, wenn du so reich dich fühlst?
Bettlerin: Habt ihr nur Spott für mich und harte Worte,
So laß mich fort.
Mux: Ich halte dich nicht auf!
Bettlerin: Seht zu, daß euch der Himmel nicht bestrafe! (Ab.)
12. Auftritt.
Mux (für sich): Das bettelt, hungert und spricht von den Schätzen,
[Pg 38]
Die es im Herzen trägt. Viel Glück dazu!
(Es pocht wieder.)
Soll ich mein Frühstück nicht in Ruh’ verzehren?
Herein, wer’s immer sei! (Lene tritt ein; sie ist sehr
ärmlich gekleidet, sehr gealtert und abgehärmt.)
13. Auftritt.
Mux. Lene.
Lene: Gott grüß euch, Meister!
Mux: Schön Dank! Was wollt ihr, Frau?
Lene: Kennt ihr mich nimmer?
Mux: Warhaftig, Lene! Was sucht ihr bei mir?
Lene: Ich hätt’ es nie im Leben mir gedacht,
Daß ich zu euch noch einmal kommen würde,
Doch treibt mich bitt’re Not zu diesem Schritt.
Mux: So geht’s euch schlecht? Ich hörte nichts von euch
Seit vielen Jahren.
Lene: Ich will euch erzählen,
Wie mir’s ergangen seit ... seit jenem Tag,
Da ich zum letztenmal mit euch gesprochen.
An eurem Hochzeitstage kam der Franz,
Der eure Frau geliebt, zu mir hinaus;
Er sagte mir, wir zwei Verlassenen
Gehörten nun für alle Zeit zusammen,
Ich möge Hochzeit machen nun mit ihm.
Ich sagte nein, weil ich mir zugeschworen,
Daß ich ... doch still davon ... ich sagte nein.
Da ward die Mutter krank; mein bißchen Lohn
Genügte nicht, die Mutter zu erhalten —
Und wieder kam der Franz — da gab ich nach.
Am selben Tag, da euch das Töchterchen
Geboren ward, da standen Franz und ich
Vorm Traualtar; damit begann ein Leben
An Arbeit reich und an Entbehrungen,
[Pg 39]
Doch waren wir trotz alledem zufrieden.
Die Mutter starb, ich hab’ sie treu gepflegt
Und ihr vergolten alle ihre Liebe;
Vor einem Jahr verlor ich meinen Gatten,
Ich hab’ an ihm auch meine Pflicht getan.
Der Himmel hatte mir ein Kind geschenkt,
Ein Töchterlein, den Sonnenschein des Hauses,
Nun liegt es krank — es hat des Vaters Leiden
Von ihm geerbt, es geht dem Vater nach;
Ich weiß es wohl, daß keine Rettung ist,
Doch seine letzten Tage zu verschönen,
Ist all’ mein Streben, ist mein einz’ger Wunsch.
Ich kenne niemand, der imstande wäre,
Mir eine größ’re Summe Gelds zu borgen,
Da dacht’ ist nun an euch; ihr seid so reich
Und werdet sicher nicht zurück mich weisen.
(Weinend.) Ist es dann tot, mein heißgeliebtes Kind,
Dann will ich schaffen, daß die Hände bluten,
Ich bring’ die Summe wohl euch bald zurück.
(Mux ist erregt auf- und niedergegangen und setzt nun ein paarmal
zum Sprechen an, ehe er wirklich spricht.)
Mux: Wenn ihr sie braucht, dann sucht ihr eure Freunde —
Wie, wenn ich euch das Geld nicht geben will?
Lene: O gebt es mir! Wär’ anders ich geartet,
Ich mahnte euch an eine alte Schuld,
Doch tu’ ich’s nicht, ich flehe um Erbarmen.
(Gerl tritt ein und begrüßt Mux lärmend.)
14. Auftritt.
Mux. Lene. Gerl.
Gerl: Schon wieder munter auch? Uns alten Zechern
Tut solche Ladung Wein noch gar nichts an.
(Lene bemerkend.)
Ach so, ihr habt Besuch! Ei, seh’ ich recht?
[Pg 40]
Das ist die Lene gar! Hat euch das Sehnen
Nach eurem Jugendfreunde jäh gepackt?
Mux: Nicht nach dem Freunde, nur nach seinem Beutel.
(Sie weicht erschrocken über diese Worte einen Schritt zurück.)
Nun, ist’s nicht so? Tut etwa noch beleidigt!
Lene(zu Gerl gewendet, der sich
ohne Umstände zu Muxens Frühstück gesetzt hat und gemächlich
ißt und trinkt):
Mein Töchterlein ist krank, ich bin in Not
Und kann der Kranken nicht die Nahrung bieten,
Die sie wohl brauchte.
Gerl (behaglich schmausend): Ja, ein gutes Essen
Ist allezeit die beste Medizin.
Lene: Auf hartem Lager ruh’n die zarten Glieder
Und wenn des Fiebers eis’ge Hand sie packt,
Dann hab’ ich nichts, sie wärmend einzuhüllen.
Gerl: Nun, liebe Frau, es war recht klug von euch,
Den Meister Mux deswegen aufzusuchen,
Das ist ein braver, ein barmherz’ger Mann.
Wo man für gute Zwecke nur mag sammeln,
Gibt er die größte Summe sicherlich.
(Mux hat indessen in einem Schranke umhergekramt und wendet sich
nun zu Lene.)
Mux: Hört mir nun zu, ich will euch etwas sagen:
Ihr seid gekommen, Geld von mir zu borgen;
Ich schenk’ euch eine Summe, groß genug,
Um eures Kindes Leben lang zu fristen,
Doch tretet niemals wieder in mein Haus,
Denn ich hab’ eure Absicht klar durchschaut.
Der Tochter Krankheit, eure Bettelei
War nur ein Vorwand, in dies Haus zu kommen.
Da ihr nun endlich freigeworden seid
Und da ihr wißt, daß ich verwitwet bin,
So dachtet ihr, wir könnten uns vereinen —
Die Rechnung habt ihr ohne mich gemacht,
Ich geh’ als Gimpel nicht auf euern Leim.
[Pg 41]
Lene (empört): Martin, du Böser, dran erkenn’ ich dich!
So schlecht von einem andern Menschen denken,
Das kannst nur du, denn auch nur du allein
Bist so berechnend, so erfüllt von Selbstsucht.
Du kennst nur dich, wer außer dir noch lebt,
Ist dir nur wert, soweit er dein Behagen,
Soweit er deinen Ehrgeiz fördern kann.
Behalt’ dein Geld, ich werde lieber betteln
Als nehmen, was von deiner Hand mir kommt. (Ab.)
15. Auftritt.
Mux. Gerl.
Gerl: Dem Frauenzimmer geht es wirklich schlecht,
Soviel mir scheint.
Mux: ’s ist alles nur Komödie,
Ging es ihr schlecht, hätt’ sie das Geld genommen,
Mich täuscht kein Weib, ich hab’ es schnell durchschaut.
Gerl: Wir alte Füchse lassen uns nicht fangen,
Was, Meister Mux? Ja, Klugheit nur allein
Kann in der Welt den Menschen vorwärts bringen.
Nun hab’ ich euer Frühstück euch verzehrt,
Doch wißt, mir wird es gleich so flau im Magen,
Wenn man von Not und Elend mir erzählt,
Ob’s auch erlogen ist.
Mux (hinausrufend): Lisbeth, bring’ Wein!
Gerl (Mux umschlingend, singt):
Zu jubelnder Freude nur sind wir geboren,
Wir lassen die Tränen den Armen und Toren,
Es liegen ja offen die Schätze der Welt,
So nehme sich jeder, was ihm nur gefällt.
(Lisbeth tritt ein, stellt schweigend zwei Kannen auf den Tisch und
geht wieder hinaus.)
Gerl: Die Jungfer ist so still, die stört euch nicht,
Ich wollt’, daß meine Alte auch so wäre.
[Pg 42]
Allein die zankt und keift und keift und zankt
Und will mir keinen Tropfen Wein vergönnen,
Sie meint, das Wasser tät denselben Dienst;
Was weiß ein Weib, wie’s einem Mann zumute —
Ja, ich vergriff mich auch bei meiner Wahl.
Die Schätze dieser Welt, sie liegen offen,
Doch selten hat ein Mensch so viel Verstand,
Das richtige fürs Leben sich zu wählen.
Man greift hinein und meint, man macht es schlau,
Wenn man ein wenig wählt und — greift daneben.
An meiner Alten hab’ ich’s oft gerühmt,
Als sie noch Mädchen war, daß sie so sparte;
Ich führt’ sie heim, was hab’ ich nun davon?
Das Geld mehrt sich im Schrank und ich verdurste.
Nun muß ich aber wirklich schon hinüber,
Sonst holt sie mich am Ende selber noch.
Ja, daß ich nicht vergess’, warum ich kam:
Wir kegeln heut’ im Regensburger Hof,
Vergesset’s also nicht und kommt gewiß.
Mux: Ich komm’ gewiß, ihr könnt euch drauf verlassen. (Gerl ab.)
16. Auftritt.
Mux (allein, sieht eine Weile träumend vor sich hin):
Die Lene! Meine Lene! Welche Fülle
Von Bildern taucht bei diesem Namen auf!
Der Abendsonne Glanz ruht auf den Feldern
Und drüber zittert leiser Glockenklang,
Und ich und sie allein — wie wunderschön,
Wie weich und friedevoll ist das gewesen!
Wo sind die Zeiten hin? Verrauscht — vergangen.
O, käme eine Stunde mir zurück
Aus jenen wonnevollen Jugendtagen,
O, klängen mir die Glocken so wie einst!
[Pg 43]
(Nach einer Pause): Und ihr nicht helfen können, es nicht dürfen!
Wie froh war ich, als dieser Gerl kam —
Denn das ist ja ausdrücklich mir gestattet,
Daß ich vor Zeugen dürfe Gutes tun,
Nur müss’ ich’s dann mit hartem Wort begleiten.
Da packt das Weib nun der verdammte Stolz
Und sie verzichtet auf die milde Gabe —
Was will ich tun? ’s ist mein Verhängnis so.
(Er macht eine Bewegung, als ob er alle unangenehmen Gedanken abschütteln
wollte und blickt finster auf, als es pocht und Joseph eintritt.)
17. Auftritt.
Mux. Joseph.
Joseph: Grüß Gott!
Mux: Ei, Joseph, bist du schon gesund?
Joseph: Wie man es nehmen will. Die Wunde zwar
Ist ganz geheilt, doch kann ich meine Hand
Zur Arbeit nie im Leben mehr gebrauchen;
’s ist zwar die linke nur, doch geht sie ab.
Mux: Das will ich meinen. Doch was willst du hier?
Joseph: Was ich hier will? Wie könnt ihr fragen, Meister?
Um Arbeit euch zu bitten kam ich her.
Mux: Um Arbeit, Joseph? Sahst du je im Leben
Schon einen Schlosser mit nur einer Hand?
Joseph: Das freilich nicht; auch nicht denselben Platz,
Den ich in eurer Werkstatt eingenommen,
Verlang’ ich jetzt; gebt einen andern mir!
Es gibt so viel zu tun in eurem Hause,
Was ich mit einer Hand noch leisten kann,
Ich lern’ es bald, mit ihr mich zu behelfen.
Mux: In meinem Hause duld’ ich keinen Krüppel.
Joseph: Mein Gott, daß ich das Wort ertragen muß,
Ich, der viel stärker noch als ihr gewesen.
[Pg 44]
Mux (höhnisch): Ja, ja, gewesen — eben nur gewesen.
Joseph: Könnt ihr in eurer Werkstatt mich nicht dulden,
So gebt mir außerhalb Beschäftigung,
Ich kann mich sicher vielfach nützlich machen.
Mux: Du warst ein Schlosser; kannst du’s weiter sein,
So wie du’s warst, dann magst du wieder bleiben,
Doch and’re Arbeit hab’ ich nicht für dich.
Joseph (sichtlich mit sich kämpfend):
Hört, Meister, mich! Ich will es gerne glauben,
Daß euch ein Arbeiter zuwider ist,
Der nicht so schafft, wie er wohl schaffen sollte,
Allein ......
Mux: Was zögerst du? So sprich doch weiter.
Joseph: Verzeiht, mir fällt das Sprechen gar so schwer,
Soll eine Bitte von den Lippen gleiten,
Und schwer zur Bitte kann die Hände falten,
Wer je den Hammer schwang mit starker Hand,
Wem hartes Eisen sich gefügig zeigte;
Doch tu’ ich’s, Meister, jetzt und bitte euch,
Laßt aus Erbarmen mich in eurem Hause.
Mux: So so, du bettelst? Hast du deinen Lohn
Bis auf den letzten Groschen denn vergeudet?
Du warst ja glänzend doch bei mir bezahlt.
Joseph: Ich bat euch nicht aus Not, ich hab’ genug,
Mein Leben viele Monde noch zu fristen,
Doch bin ich so an — euer Haus gewöhnt.
Mux: Du wirst auch an ein and’res dich gewöhnen.
Joseph: Ihr schlagt die Bitte ab? So lebet wohl!
(Er wendet sich zum Gehen, Mux ruft ihm nach.)
Mux: Halt! Steh, du feiger, heuchlerischer Bursche!
Du rühmtest dich, daß du das Eisen zwangst,
Und wagst es nicht, die Wahrheit zu gestehen
[Pg 45]
Aus Furcht vor meiner Faust. Sprich nun, was ist’s,
Das dich an dieses Haus so enge fesselt,
Bin ich’s vielleicht, ist’s meines Namens Ruf?
Joseph: Ihr scheltet feige mich und heuchlerisch,
Da kann ich denn nicht länger mehr nun schweigen;
Um meinetwillen schwieg ich sicher nicht,
Ich schwieg um jener willen, die ich liebe.
Doch ist das Mädchen meiner Liebe wert,
So mag es mutig auch die Unbill tragen,
Die ihm erwachsen wird aus dieser Liebe.
Ich liebe eure Tochter, wißt es nun!
Um ihretwillen sprach ich jene Bitte,
Um ihretwillen zwang ich meinen Mund
Zu Worten, die ich niemals sonst gesprochen.
Mux: Du hast’s gewagt, dein Auge zu erheben
Zu meiner Tochter? Du, des Henkers Sohn,
Den ich aus Mitleid in mein Haus genommen,
Weil niemand anderer ihn nehmen wollt’?
Joseph: Aus Mitleid? Ihr? Ich glaubt’ es einstens auch —
Bald wußt’ ich’s besser — nur Berechnung war’s.
Ihr wußtet nur zu gut, daß ich für euch
Nicht nur ein Lehrling, nicht ein Diener nur,
Daß ich ein Sklave würde sein aus Furcht,
Von eurer Schwelle auch verjagt zu werden.
So jung ich war, ich kannte wohl den Fluch,
Mit dem des Vaters Handwerk mich belastet;
Ihr hieltet schlechter mich als einen Hund —
Wie gern hätt’ ich mit einem Hund getauscht!
Ich knirschte mit den Zähnen, doch ich schwieg
Und blieb bei euch; und eure harten Schläge
Ich gab dem Amboß härter sie zurück,
Das stärkte mich an Körper und Gemüt;
Dann fühlt’ ich nimmer mich so arm und klein.
[Pg 46]
Wenn ich den Hammer schwang, dann war ich Herrscher.
Und still im Herzen hatt’ ich mir’s gelobt,
Euch gleich zu werden an Geschicklichkeit.
Was ich geworden, dank’ ich eurer Härte;
Die mich verachtet, mußten bald mich rühmen,
Und stieß den Knaben man von Haus zu Haus,
Und wollte keiner ihn als Lehrling nehmen,
Man hätte wohl ein Auge zugedrückt,
Wenn als Geselle er dann eingetreten.
Selbst ihr gewannt es endlich über euch,
So schwer’s euch ward, das Zeugnis mir zu geben,
Daß meine Arbeit ohne Tadel sei,
Selbst ihr bezahltet endlich mir den Lohn,
Den and’re für gering’res zwar empfingen,
Doch war’s ein Lohn. Ich war nun endlich frei,
Und was der Knabe glühend einst ersehnte —
Fesseln abzustreifen — ich konnt’s tun;
So meinte ich, doch längst mit andern Ketten
War unbewußt ich an dies Haus gebunden,
Ob sie aus Rosen auch geflochten waren,
Sie hielten fester als das Eisen doch —
Liebe war’s, die mich ergriffen hatte.
Im Dunkel dieses düstern Hauses war
Doch auch ein Stern, doch auch ein Sonnenstrahl,
Der Hoffnung gab, erleuchtete, erwärmte —
Und das war Lisbeth, euer holdes Kind.
Mux: Noch einmal wagst du es, von ihr zu sprechen?
Geh, sage ich, wenn dir dein Leben lieb,
Eh’ ich vergesse, daß ein Krüppel du,
Eh’ ich vergesse, daß sich selbst beschimpft,
Wer sich vergreift an dem Geächteten.
Joseph (wild): Schweigt, sag’ ich euch! Ich werd’ an euch zum Mörder!
Wär’t ihr der Vater der Geliebten nicht,
[Pg 47]
Ich würf’ mit einer Hand euch an die Mauer,
Daß ihr dort klebtet bis zum jüngsten Tag.
Mux (höhnend): Wie ich dir dankbar bin für deine Schonung,
Du armer Tropf!
(Er geht durch die Tür links hinaus.)
18. Auftritt.
Joseph (allein, sinkt erschöpft auf einen Sessel): Was hab’ ich ihm getan,
Daß er mich so verhöhnt? Es war genug,
Daß er mich nimmermehr in Arbeit nahm —
Warum hat er so lange mich gereizt,
Bis ich den Schleier riß vom Heiligtume,
Das ich bisher verborgen in der Brust?
Nur um mich zu verhöhnen, mir zu sagen,
Daß ich geächtet und ein Krüppel bin?
(Verzweifelt an der kranken Hand rüttelnd.)
Ein Krüppel bin ich, bin ein Bettelmann, —
O Lisbeth, nimmer darf ich an dich denken!
(Lisbeth kommt von rechts und eilt in freudiger Überraschung auf ihn
zu; er erschrickt und sucht in Verlegenheit zur Tür zu gelangen.)
19. Auftritt.
Lisbeth. Joseph.
Lisbeth: Da seid ihr wieder, Joseph. Nun, wie geht’s?
Joseph (hastig): Da bin ich — ja — doch muß ich wieder geh’n —
Ich bin — ich kann — die Hand nicht mehr gebrauchen —
Und euer Vater, der — der schickt mich fort,
Wie’s ja natürlich ist — so — geh’ ich denn.
Lisbeth (schmerzlich): Ihr geht von uns — schmerzt euch der Abschied nicht?
[Pg 48]
Joseph: Ob er mich schmerzt? Schaut meine Augen, Jungfer,
Schaut meine Wangen, die von Tränen naß!
Wenn Männer weinen, Männer meines Schlages,
Könnt ihr’s ermessen, Lisbeth, was das heißt?
Die Mannesträne, sie fließt aus dem Herzen,
Nicht aus dem Auge nur — und der sie weint,
Ist einer, der sein ganzes Glück verloren.
Lisbeth: Sein ganzes Glück! Und was ist Männerglück?
Der Erste seines Standes sein, der Beste
Und auch als Bester immer anerkannt.
Ihr trauert nun, weil ihr dies Glück verloren?
Joseph: Ich traure wohl, doch nicht deshalb allein.
Seht, Jungfer Lisbeth, meine Fertigkeit,
Gewandtheit, Kraft, sie waren mir Gewähr,
Daß ich’s dereinst zu etwas bringen werde.
Und dann — ja, seht, wie man so manchmal träumt,
Unsinnig, unerfüllbar hofft und träumt —
Dann dacht’ ich hinzutreten vor die Eine,
Die mir das Herz erfüllt, und ihr zu sagen:
»Sieh, das ist dein, ich hab’ es mir erworben,
Indem ich dein gedacht; dein liebes Bild
Gab mir die Kraft, den Mut, das zu erringen,
Und wenn du willst, so teil es du mit mir.« —
Es war ein Traum, ein kühner Traum, allein
An eine Hoffnung muß der Mensch sich klammern
Und von der Zukunft etwas noch erwarten,
Soll er zum Tier nicht werden, dem kein Hoffen
Die Gegenwart verschönt. Lisbeth, ihr wißt,
Wie ich in diesem Hause ward gehalten —
Verzeiht, daß ich so sprech’, es ist das Haus,
Das euch beherbergt, eures Vaters Haus —
Doch ging es schlimmer mir als einem Hunde;
Ein Wesen gab es, das nach mir nicht schlug,
[Pg 49]
Mich nicht verhöhnte, und dies eine Wesen
Ist schuld, daß ich ein Mensch geblieben bin;
Als Engel zog’s durch meine Knabenträume,
Mein Herz hat es erfüllt; seit ich ein Mann,
Es zu erringen, war mein Lebensziel.
Nun ist’s vorbei, die Hoffnung ist erloschen,
Und ich hab’ aufgehört ein Mensch zu sein.
Lisbeth: Ich glaub’, ihr irrt euch, Joseph; nicht ein Mensch,
Ihr habt bloß aufgehört, ein Mann zu sein.
Wär’t ihr ein Mann, ein ganzer, mut’ger Mann,
So trätet ihr vor die Geliebte hin
Wie ihr jetzt seid, verkrüppelt, arm und hilflos,
Und fragtet, ob sie euch gehören will.
Joseph: Das — nein — das geht nicht; sei sie noch so gut,
Das darf man von der besten nicht verlangen.
Lisbeth: Der Männer Liebe ist wohl andrer Art,
Sonst würden sie von Frauen nicht so denken.
Ein echtes Weib, ein Weib, das lieben kann,
Fragt sicher nicht: »Wer bist du und was hast du?«
Es fragt den Mann: »Kann ich dir etwas sein?«
Und wenn das Weib, das euch im Sinne liegt,
Euch nicht so fragt, dann reißt es aus dem Herzen.
Joseph: So denkt ihr, Lisbeth, und sprecht so zu mir?
Lisbeth! Darf ich es deuten? Darf ich’s denn?
(Sie nickt lächelnd.)
Mein Schutzgeist du, du hast mich wirklich lieb,
So lieb, wie du’s gesagt?
Lisbeth (innig): So lieb, so lieb!
Du Böser, mußt’ ich selber zu dir kommen,
Mich ganz entfernen von der Mädchen Art?
Was denkst du nun von mir?
Joseph (stürmisch): Daß du kein Mädchen,
Daß du ein Engel bist. Mein holdes Lieb,
[Pg 50]
Ist es denn möglich, daß ich dich errungen?
Ich, der des Glückes Stiefkind mich genannt,
Bin plötzlich unermeßlich reich geworden!
Lisbeth: Macht meine Liebe wirklich dich so reich?
Joseph: So reich, wie es dein Vater nie gewesen
Und niemals sein wird. (Plötzlich innehaltend.) Doch dein Vater, Lisbeth,
Hast du an ihn gedacht? Wenn er erfährt,
Daß du mich liebst ... Hast du nicht Furcht vor ihm?
Lisbeth: Ich hab’ sie, doch ich will sie überwinden
Und will ihn bitten, daß er uns vereint.
Joseph: Und wenn er’s nicht tut, Lisbeth? O, ich weiß,
Daß er’s nicht tut.
Lisbeth: Dann, Joseph, folg’ ich dir
Und teil’ mit dir, was uns das Leben bringt,
Sei’s auch nur Not.
Joseph: Lisbeth, wird’s nie dich reu’n?
Bedenk’, was du verlierst! Aus deiner Heimat
Reiß ich dich fort.
Lisbeth: Dein Herz ist Heimat mir.
Joseph: Ich hab’ nur einen Arm, für dich zu schaffen —
Wenn er nicht ausreicht?
Lisbeth: Ei, so hab’ ich zwei.
Drei Arme schaffen viel, wenn sie nur wollen.
Joseph (jubelnd): Wagst du’s mit mir, mein Lieb, ich wag’ es gern!
Fühlst du, wie’s zuckt in dem gesunden Arm?
Er wächst und schwillt, er will sich nun verdoppeln,
Mein Lieb, mein Lieb, wir werden glücklich sein!
O Gott, was du mir gabst in dieser Stunde,
Wird nicht bezahlt in einer Ewigkeit!
Was ich gelitten, was noch meiner harrt,
Und wär’ es ein Jahrhundert auch voll Leid,
Ein Steuerpfennig nur ist’s meines Glückes.
[Pg 51]
Lisbeth, Geliebte, was auch kommen mag,
Wir sind vorausbeglückt für alle Zeiten.
Lisbeth (ihn umarmend): Nun geh’, mein Liebster!
Joseph (sehnend): Gingst du gleich mit mir!
Lisbeth: Die Bitte muß ich wenigstens versuchen
Und ohne Abschied kann ich auch nicht geh’n.
Kann ich auch sonst vom Vater nichts erreichen,
So will ich doch um seinen Segen fleh’n.
Joseph: Um Segen ihn? Kann dieser Mann auch segnen?
Lisbeth (mit leisem Vorwurf): Er ist mein Vater, Joseph!
Joseph: Ja, verzeih,
Ich hab’s vergessen einen Augenblick,
Wenn man dich sieht, vergißt man es so leicht.
Nun also, bitte ihn um seinen Segen —
Und wenn er ihn nicht gibt?
Lisbeth: Dann habe ich
Auf dieser Welt sonst niemand mehr als dich,
Du mußt mich doppelt lieben.
Joseph: Tausendfach.
Doch wann und wo, mein Lieb, werd’ ich dich treffen?
Lisbeth: Am Abend, etwa nach dem Aveläuten —
Und wo? Beim letzten Baum im Heidenhain,
Wo einst mein Vater ....
Joseph: Ja, beim Stock im Eisen.
Lisbeth: So geh mit Gott! Auf frohes Wiedersehen!
Joseph: Auf Wiederseh’n für immer, Herzensliebste!
(Ab nach rechts, sie geleitet ihn hinaus. Nach einer Weile kommt Mux
von links.)
20. Auftritt.
Mux (allein): Mein finsterer Beschützer hielt doch Wort.
Er sagte mir, daß mich kein Zeitgenosse
Soll übertreffen; dieser Bursche da
[Pg 52]
War nah daran, drum hab’ ich ihn gehaßt;
Nun ist’s vorbei, er kann mir nicht mehr schaden.
(Lisbeth tritt wieder ein von rechts.)
21. Auftritt.
Lisbeth. Mux.
Lisbeth: Ich sah den Joseph aus dem Hause gehen —
Wenn er gesund ist, warum ging er fort?
Mux: Er ist verkrüppelt, kann ich ihn da brauchen?
Lisbeth: Verkrüppelt ist er? O barmherz’ger Gott!
Und was wird nun? Wohin ist er gegangen?
Mux: Das weiß ich nicht, mir gilt’s auch völlig gleich.
Lisbeth: Er war bei euch, um Arbeit euch zu bitten —
Ist es nicht so?
Mux: Wohl ist es so.
Lisbeth: Mein Vater,
Ihr nahmt ihn nicht, ihr stießet ihn hinaus,
Den Mann, der eure beste Stütze war?
O, Vater, habt ihr gar kein Herz im Leibe?
Mux: Was soll mein Herz in dieser Sache tun?
Ich kann ihn doch für ewig nicht versorgen.
Lisbeth: Wer soll ihn nehmen, wenn es ihr nicht tut?
Seid überzeugt, er hätte sich das Brot,
Das ihr gegeben, hundertfach verdient,
Er hätt’ mit einer Hand euch mehr geleistet,
Als mancher, den ihr zahlt, mit seinen beiden.
Mux: Ich will es nicht, ich geb’ kein Bettelbrot.
Lisbeth: Ein Bettelbrot für ihn, den ihr geknechtet
So lang es ging, der für euch ohne Lohn
Weit mehr geleistet als die andern alle,
Dem ihr erst dann, als alle Welt ihn rühmte,
Den Lohn gegeben, den er längst verdient!
Ihr gebt kein Bettelbrot, wenn ihr ihn nährt,
Ihr zahlet nur zurück, was ihr ihm schuldet.
Mux: Du kecke Dirne, was gab dir den Mut,
Mir so zu predigen wie du es tust?
[Pg 53]
Lisbeth: Die Liebe, Vater! Frei will ich’s gesteh’n,
Was in der Brust bisher ich scheu verborgen:
Ich lieb’ ihn.
Mux: Wen liebst du? des Henkers Sohn?
Lisbeth: Des Henkers Sohn. Und wär’ er wen’ger noch,
Wär’ er der Sohn eines Gerichteten,
Ich beugte mich vor ihm als meinem König.
Mux: Glück auf, Frau Königin!
Lisbeth: Verhöhnt mich nicht!
Ihr selber tragt die Schuld, daß ich ihn liebe.
Ich war verlassen grade so wie er,
Ob ich die reiche Bürgerstochter war,
An Liebe war ich arm wie der Verstoß’ne.
Ihr hattet niemals einen Blick für mich,
Der mich erwärmte, niemals sah ein Lächeln
Auf euren Lippen ich, kam ich euch nah.
Die alte Ursel, meine Pflegerin,
Sie sorgte für mein körperliches Wohl,
Doch Zärtlichkeiten hat sie nie verschwendet.
Zuweilen schmiegt ich mich an eure Knie
Und blickte scheu und bittend zu euch auf;
Da schicktet ihr mich fort; aus eurem Auge
Traf mich kein warmer Strahl und eure Hand
Strich nie liebkosend über meine Wangen,
Nicht einmal Strafe hattet ihr für mich.
Mux: Die hast du wohl am leichtesten entbehrt?
Lisbeth: Glaubt das nicht, Vater! Meint ihr, daß ein Kind
Für Recht und Unrecht kein Empfinden hat,
Daß es den Eltern zürnt, wenn sie es strafen?
Zu Bäckers Grete kam ich einmal hin,
Als sie ihr Vater schlug für eine Lüge,
Und da durchzuckte mich ein heißer Schmerz.
Durch meine Kinderseele zog ein Ahnen,
Daß ich allein sei auf der weiten Welt;
[Pg 54]
Mich strafte niemand, allen galt es gleich,
Ob wild ich war, ob sanft, ob gut, ob böse.
Ich eilte heim und weinte stundenlang.
Mux (sucht seine Bewegung hinter Spott zu verbergen):
Du weintest also damals um die Schläge?
Ein Zeichen, daß dir’s allzu gut erging.
Lisbeth: Nicht um die Schläge, um die Vaterliebe,
Die mächtig selbst aus jenen Streichen sprach.
Um jene Zeit kam Joseph in das Haus,
Es zog mich hin zu dem verlass’nen Knaben,
Den jeder nur umherstieß, jeder schalt;
Und mag es noch so seltsam euch erscheinen,
Mir war’s, als trügen wir das gleiche Leid.
Ich wuchs heran und aus dem armen Knaben
War nun ein Mann geworden, dem man gern
Den Schimpf nachsah, der drückend auf ihm ruhte;
Doch er vergaß ihn nicht. Ich weiß es wohl,
Was ihn bewog, mir immer auszuweichen,
Ich quälte nie mit bangen Zweifeln mich,
Warum er sich allmählich mir entfremdet,
Ich weiß, sein Herz schlägt immer treu für mich,
Er wagt’s nur nicht, zu mir emporzublicken,
Zu mir, die gern als Magd ihm dienen möchte.
Mein Vater, höret mich! Auf meinen Knien
Fleh’ ich euch an, vereinigt mich mit ihm!
Gebt uns ein kleines Sümmchen, ihr sollt sehn,
Wie man mit wenigem kann glücklich sein.
Mux (sanft): Zum Zeichen, daß ich für verrückt dich halte,
Hört’ ich die Phantasien ruhig an.
Lisbeth: Ihr täuschet euch, es sind nicht Phantasien —
Ist euch des Herzens Stimme gar so fremd,
Habt ihr denn nie in eurem ganzen Leben
Ein Wesen so geliebt, daß ihr bereit,
Ihm alles aufzuopfern seid gewesen?
[Pg 55]
Mux (ärgerlich): Wenn du zu solchen Opfern bist bereit,
So kannst du deine Selbstverleugnung üben
Und magst nun wählen zwischen mir und ihm.
Entweder du entsagst ihm und bleibst hier
In Glanz und Reichtum und der sichern Hoffnung
Auf einen angeseh’nen Bräutigam
Oder du folgst ihm so wie du hier stehst
Ohn’ einen Groschen nach in Not und Elend.
Du stehst am Scheideweg, besinne dich!
Lisbeth: Besänn’ ich mich, so wär’ ich sein nicht wert,
Und da ihr kurz vor diese Wahl mich stellet,
So wähl’ ich ihn trotz Armut und trotz Not.
Was mir versagt blieb unter euern Schätzen
Gab der Verachtete, der Arme mir —
Es glich der kalten Winternacht mein Leben,
Und seine Liebe war der Sonnenstrahl,
Der mich durchleuchtete, der mich erwärmte,
Der alles in mir weckte, was da gut.
Ich geh’ mit ihm und müßt’ ich mit ihm betteln
Und müßt’ ich barfuß meines Weges ziehn
Und wär’ zeitlebens über meinem Haupte
Der Himmel nur allein gespannt als Dach.
All’ seine Leiden will ich mit ihm teilen,
Ich geh’ mit ihm und sei’s in Schmach und Tod.
Mux (zornig): So geh, doch tu’s sofort! Ich hab’ nicht länger
Geduld, dein albernes Geschwätz zu hören.
Doch sag’ ich dir das eine: hast du erst
Die Schwelle meines Hauses überschritten,
Dann kehre nimmermehr hieher zurück,
Es ist dies Haus für immer dir verschlossen,
Der fremd’ste Bettler ist nicht fremder hier.
Lisbeth: Ich kehre nicht zurück; und nun laßt mich
Mux: Was soll das Knien? Denkst du mich zu erweichen,
Wenn du die Flennerei von vorn beginnst?
Lisbeth: Nein, Vater, ihr seid unbeugsam, ich weiß,
Und nicht um Geld und Gut will ich euch bitten,
Ich bitte nur um euern Segen euch.
Mux: Den Bund, den ich nicht will, soll ich noch segnen?
Bist du verrückt?
Lisbeth: So segnet nicht den Bund,
Wenn ihr nicht wollt; mich aber könnt ihr segnen,
Mich, euer Kind, das Böses nie getan.
Nie lag die Vaterhand auf meinem Scheitel,
Laßt sie zum Abschied wenigstens d’rauf ruh’n
Und sagt ein gutes Wort!
Mux: Aus meinen Augen!
Man segnet undankbare Kinder nicht.
Lisbeth: Ich bitt’ euch, Vater!
Mux: Fort! hab’ ich gesagt.
Lisbeth: Laßt ihr mich wirklich so von dannen geh’n?
(Sie harrt einige Sekunden, er antwortet nicht.)
Mux: Du bist noch immer da?
Lisbeth (weinend): Lebt wohl, mein Vater!
(Sie geht auf ihn zu, legt die Hände auf sein Haupt.)
Gott schütze euch, geb’ euch ein frohes Alter ...
[Pg 57]
Mux (auffahrend): Mach’ dieser Narretei nun doch ein End’
Und geh’ ihm nach, dem König deines Herzens,
Sonst läuft er dir am Ende gar davon.
Lisbeth: So habt zum Abschied ihr für eure Tochter
Nur Hohn und Spott? O mög’s euch nie gereu’n!
Lebt wohl! Ihr seht mich heut’ zum letzten Male,
Lebt wohl! Ihr macht das Scheiden mir nicht schwer.
(Sie geht nach der Tür; wie sie dieselbe öffnen will, ruft Mux in
zärtlichem, sehnsüchtigem Tone ihr nach.)
Mux: Lisbeth!
(Sie kehrt mit einem Jubelruf zurück und fällt ihm zu Füßen.)
Lisbeth: Mein Vater, o ich wußt’ es ja,
Ihr könnt mich nicht so von euch gehen lassen.
(Er beugt sich zu ihr herab und will eben seine Hände auf ihr Haupt
legen, da erscheint in der Mitteltür glutumstrahlt die Gestalt des
Teufels und verschwindet gleich wieder. Mux erschrickt, läßt die Hände
sinken und bleibt eine Weile regungslos; er faßt sich aber rasch und
spricht kalt zu Lisbeth.)
Mux: Da nimm den Krug und füll’ ihn! Sag’ der Ursel,
Von diesem Abend an sei’s ihr Geschäft.
Lisbeth: Deshalb, mein Vater, rieft ihr mich zurück,
Deshalb allein?
Mux: Was dachtest du denn and’res?
Lisbeth (tonlos): Nichts, Vater, nichts. (Sie erhebt sich
langsam, nimmt den Krug und geht hinaus.) Ich will es gleich besorgen.
22. Auftritt.
Mux (allein): Noch liegt der Schrecken mir in allen Gliedern,
Doch ist’s ein Glück, daß er mir jetzt erschien,
Der Höllengeist. Noch einen Augenblick
[Pg 58]
Und zärtlich drückt’ mein Kind ich an die Brust,
Gab ihm den Segen, den es heiß erflehte.
(Lisbeth tritt wieder ein.)
23. Auftritt.
Mux. Lisbeth.
Lisbeth (stellt den Krug auf den Tisch): Braucht ihr noch was?
Mux: Nein, du kannst gehn.
Lisbeth: Lebt wohl! (Sie geht weinend hinaus.)
24. Auftritt.
Mux (allein): Mein einzig Kind! Ich werd’ es wohl vermissen,
(Es pocht; er faßt sich schnell und blickt finster drein.)
25. Auftritt.
Mux. Lene.
Mux: Herein! (Lene tritt ein.)
Wie, ihr? Was wollt ihr denn schon wieder?
Lene (flehend): Verzeiht die Worte, die ich zu euch sprach,
Gebt mir das Geld, das ich zurückgewiesen!
[Pg 59]
Mux: Nun, euer Stolz hat sich recht bald gebeugt.
Lene: Im Fieber liegt mein Kind, es ruft nach Dingen,
Die nur das Geld verschafft — o gebt es mir!
Vergeßt, was ich gesagt! Auf meinen Knien
Bitt’ ich euch’s ab, wenn ihr’s so haben wollt,
Nur helfet mir, o habt mit mir Erbarmen!
In wenig Tagen steht vielleicht mein Kind
Vor Gottes Richterstuhl und klagt mich an,
Daß ich die Liebe meinem Stolz geopfert.
Es stand in meiner Macht, die letzten Stunden
Ihm zu verschönen und ich tat es nicht;
Das soll nicht sein, das soll mein Kind nicht sagen
Und müßt’ ich mich erniedrigen so tief,
Daß mich von Stund’ an jeder Mensch verachtet,
Gott sieht mein Herz und hebt mich zu sich auf.
Ist doch nichts heiliger auf dieser Erde,
Als einer Mutter Liebe für ihr Kind,
Und was man tut in dieser Liebe Namen,
Das ist geheiligt. O, wie arm und klein
Dünkt mir der Stolz, der vorhin mich bewogen,
Das Geld zurückzuweisen, das ihr gabt.
Wie fühlt’ ich doch am Bette meines Kindes,
Wie alles irdisch ist, wie nur die Liebe
Vom Himmel kommt und wie in ihrem Feuer
Doch alles schmilzt, was von der Erde ist.
Da kehrt’ ich schnell zurück; zu euern Füßen
Leg’ ich gebrochen meinen Stolz nun hin (sie kniet nieder)
Und bitt’ euch recht, gebt jetzt mir jenes Geld.
Mux(hat ihr erregt zugehört und
spricht mit erzwungener Rauheit):
Ihr hättet’s früher überlegen sollen,
Ich will nicht Spielball eurer Laune sein.
Lene: Ihr nennet’s Laune? Sehet ihr denn nicht,
Daß ein gemartert Herz das letzte opfert,
[Pg 60]
Was ihm geblieben ist: sein bißchen Stolz?
Wißt ihr denn nicht, was Elternliebe heißt?
Ihr habt ja selbst ein Kind, ein holdes Kind —
Denkt euch, es läg’ auf seinem Sterbebette
Und flehte euch um eine Labung an,
Ließt ihr da nicht all’ euern Hochmut fahren,
Gingt ihr zu euerm ärgsten Feinde nicht
Und flehtet ihn um Hilfe, könnt’ er helfen?
(In diesem Augenblick geht Lisbeth am Fenster vorbei und winkt dem
Vater weinend zu, er preßt ergriffen seine Hände an die Brust, da
erscheint wieder für einen Augenblick die Gestalt des Rothmantels an
der vorigen Stelle. Mux wendet sich zu Lene.)
Lisbeth (von draußen): Lebt wohl, mein Vater!
Mux (zu Lene): Seht, dort geht mein Kind,
Es gibt euch selber Antwort auf die Frage.
Ich schick’ als Bettlerin es in die Welt,
Weil es der Stimme seines Herzens folgte.
Lene: Das tatet ihr? Dann fleh’ im wohl umsonst,
Ich geb’ es auf, euch ferner noch zu bitten.
Mux: Gut, daß ihr’s einseht! Und nun schert euch heim
Zu eurem Balg, sonst stirbt er unterdessen.
Lene: Martin, ich fluch’ dir nicht, ich tat es nie
Und tu’ es heute weniger als je,
Ich sehe wohl, daß ich’s nicht nötig habe.
Du bist verflucht, du kennst die Liebe nicht,
Aus deinem Herzen hat sich Gott gelöset,
Gott ist die Liebe und du kennst sie nicht.
(Sie geht. Mux sinkt auf seinen Stuhl und vergräbt das Gesicht in
die Hände. Nach einer Weile richtet er sich auf.)
26. Auftritt.
Mux (allein): Gott ist die Liebe und du kennst sie nicht!
Wie sie es sagte! Wie ein Racheengel
Erschien sie mir. Bis in das Mark durchbebt
Ward ich von diesen Worten, nie im Leben
[Pg 61]
Hat etwas mich so tief ins Herz getroffen.
Und hielt’ ich es für Teufelsblendwerk nicht,
Ich glaubte fast, es wäre Gottes Stimme. —
Ich hab’ gelebt, wie ich es mir gewünscht,
In Saus und Braus, im Taumel des Vergnügens —
War es das rechte, was ich mir erwählt?
Durch meine Seele geht ein leise Ahnen
Von einem Glück, so heilig, hoch und hehr,
Wie ich im Leben niemals es empfunden.
(Er schiebt den Stuhl zurück, steht auf und schüttelt unwillig den Kopf.)
Ob ich das Glück errang, ob ich’s verwarf,
Ich hab’ gewählt; nun muß ich bis ans Ziel
Den Weg verfolgen, den ich eingeschlagen;
Ich will ihn gehn, was hält mich davon ab?
(Er greift nach dem Kruge und will ihn ansetzen.)
Da greif’ ich nun schon wieder nach dem Kruge,
Und doch trägt nur der Wein die Schuld daran,
Daß ich so weibermäßig weich geworden.
(Er schleudert den Krug zu Boden, daß der Wein ausfließt.)
Da fließe hin, du gift’ger Zaubertrank,
Der den Verstand mir hat umnebeln wollen,
Der Teufel selber hat mir dich gemischt,
Damit ich seiner List um Opfer falle.
Jetzt bin ich wieder ich, der Martin Mux,
Der aller Bitten, aller Tränen spottet,
Der kühn es aufnimmt mit der ganzen Welt.
O, flucht mir nur, ihr Toren allesamt,
Und keuchet weiter unter eurer Bürde,
Die ihr euch selber aufgeladen habt,
Schleppt sie nur fort, brecht unter ihr zusammen!
Hohnlachend steh’ als Sieger ich vor euch,
Ein freier Mann, der sich an nichts gebunden —
Ich kenn’ die Liebe nicht, ich halt’ das Glück!
[Pg 62]
3. Aufzug.
(Dasselbe Zimmer wie im vorigen Aufzuge.)
1. Auftritt.
Mux. Gerl. Griesenpeck.
(Sie sitzen beisammen am Tische, auf dem Weinkrüge und eine
Laterne stehen.)
Gerl: Seht, Meister Mux, ’s war doch ein dummer Streich,
Daß ihr die Lisbeth damals ziehen ließet;
Nun säß’ sie warm und weich im Elternhaus,
Euch spielten Enkel fröhlich hier zu Füßen
Und das Geschäft, das ihr so hoch gebracht,
Das sähet weiter ihr gedeihn und blühen.
Dann wär’ es sicher euch nicht eingefallen,
Als alter Mann auf Wanderschaft zu gehn.
Mux: Warum denn nicht? Ich bin so rüstig noch
Wie ich vor zwanzig, dreißig Jahren war.
Griesenpeck: ’s ist wunderbar, wie ihr euch jung erhaltet!
Vielleicht ist’s doch, wie meine Alte sagt,
Daß euch der Teufel hilft.
Mux: So, sagt sie das?
Griesenpeck: Im Scherz natürlich.
Mux: Ei, was ficht’s mich an.
Wenn sie’s im Ernst auch sagt! Sei’s nun der Teufel,
[Pg 63]
Sei es was and’res, was mich jung erhält,
Ich habe Grund, darüber mich zu freuen.
Gerl: Das glaub’ ich wohl. Ich wollt’, mir ging’s wie euch!
Ich bin so ziemlich ja in eurem Alter
Und seht, mein Haar ist weiß, die leid’ge Gicht
Zwickt mich an allen Gliedern, meine Beine
Sind auch zu faul, mich alten Klotz zu tragen;
Ich bin fürwahr ein kläglicher Gesell.
Doch wißt ihr, Mux, das find’ ich doch nicht klug,
Daß ihr Geschäft und Haus sogleich verkauftet;
So jäh als euch der Wandertrieb erfaßte,
So jäh wird er verschwinden und ihr sitzt
Dann in der Fremde, einsam und verlassen.
Griesenpeck: Ach! Einsam und verlassen! Redet nicht!
Was, Meister Mux, ich hab’ nicht fehlgeraten,
Wenn ich vermut’, daß ihr zu Lisbeth geht.
Mux: Was euch nicht einfällt! Kennt ihr mich so wenig,
Daß ihr vermeint, ich lauf’ der Dirne nach,
Die mich so leichten Herzens einst verlassen?
Gerl: Mit leichtem Herzen tat sie’s wahrlich nicht.
Bei meiner Grete war sie damals drüben
Und sagt’ ihr Lebewohl; da schluchzte sie,
Daß einen Stein es hätt’ erbarmen müssen.
Mux: Ihr tat der Abschied von der Freundin weh.
Gerl: Nein, das war’s nicht, sie klagte nur um euch,
Und daß ihr sie ließt geh’n ohn’ euren Segen.
Mux: Nun, sei’s wie’s will, laßt die Geschichten ruhn.
Griesenpeck: Sagt’s ehrlich, Mux, es ist ja keine Schande —
Ihr geht zu eurer Tochter?
Mux: Hört doch auf!
Ich wüßt ja nicht einmal, wo ich sie finde.
Gerl: Drum geht ihr eben auf die Wanderschaft.
[Pg 64]
Mux: Meint ihr, daß ich die halbe Welt durchlaufe
Und nach der ungerat’nen Tochter such’?
Griesenpeck: Die halbe Welt braucht ihr nicht zu durchlaufen,
Mir dünkt, ich hätte einmal was gehört,
Daß sie nach Nürnberg ist mit ihrem Joseph.
Mux: Dann wißt ihr mehr als ich. Mich kümmert’s nicht.
Griesenpeck: Verstellt euch nicht zu eurem eignen Schaden!
Seht, damals hießen wenige es gut,
Daß ihr sie ziehen ließt. Im ersten Zorne
Tut man gar manches, was man dann bereut,
Nur will man selber sich’s nicht eingestehen
Und läßt die Jahre drüberhin vergehn,
Man läßt die Kluft, die man mit einem Worte
Im Anfang hätte überbrücken können,
Stets weiter werden. Doch ein guter Mensch
Besiegt zuletzt den Feind im eig’nen Herzen,
Den finstern Trotz und gibt der Liebe Raum.
Freund Mux, ich seh’s zu meiner großen Freude,
Daß ihr so hart nicht seid, als es oft scheint,
Ihr schämt euch nur für euere Gefühle,
Das ist nicht klug, denn man verkennt euch oft.
Mux: Ihr gebt euch Müh’, mich innen zu vergolden,
(Wehmütig) Wenn es euch Freude macht, so mag’s drum sein,
Mir ist’s ja lieb, denkt jemand gut von mir,
Ich wollte nur, daß ich es auch verdiente.
Griesenpeck: O, ihr verdient’s, es steckt ein guter Kern
In eurer rauhen Schale, nur ist sie
Oft allzu rauh, drum sucht niemand den Kern.
Gerl: Wann geht ihr fort?
Mux: In aller Morgenfrühe,
Eh noch mein Nachfolger hier Einzug hält
[Pg 65]
Und ehe die Gesellen noch erwachen;
Mir ist nichts so zuwider auf der Welt
Als das Begrüßen und das Abschiednehmen.
Gerl: Von uns müßt ihr euch’s doch gefallen lassen,
Denn wir geleiten euch ein Stück des Wegs.
Mux: O, laßt das, Freunde! Freut’s mich auch von euch,
So will ich doch das Opfer nicht verlangen,
Daß ihr um vier Uhr aus den Federn kriecht
Um meinetwillen, denn ich geh’ so früh’.
Griesenpeck: Dies einemal wird es uns doch nicht schaden,
Wer weiß, ob wir uns jemals wiedersehn.
Gerl: Dann müssen wir uns heute früher trennen,
Daß uns das Aufstehn nicht zu sauer fällt.
Griesenpeck: Der Mux bleibt gern ein Stündchen wohl allein,
Nimmt Abschied von den alten Mauern da
Und den Erinnerungen, die sie bergen.
Gerl: Doch wenn ihr morgen wollt in aller Stille
Von Hause gehn, dann müssen wir euch heut’
Das Abschiedslied noch singen. Griesenpeck,
Könnt’ ihr sie noch, die alte, schöne Weise,
Die man zu uns’rer Zeit den Burschen sang,
Wenn in die Welt auf Wanderschaft sie zogen.
Griesenpeck: Wer, der im Leben einmal sie gehört,
Kann sie vergessen? Ruft sie doch zurück
Der goldnen Jugend himmlisch schöne Tage.
Gerl: So stimmt ihn an, den ernsten, schönen Sang.
(Sie singen.)
O zieh’ nur froh und mutig fort
Ins weite, weite Land,
Dich hält doch an der Heimat fest
Ein unsichtbares Band.
[Pg 66]
Und ist die Fremde noch so schön,
Die Heimat noch so arm,
Du sehnst dich nach der Heimat doch
Wie nach dem Mutterarm.
Ward dir auch in der Fremde Glück
Und in der Heimat Schmerz,
Ein unfaßbares Sehnen zieht
Dich dennoch heimatwärts.
Wo du den ersten Traum geträumt
Und sprachst dein erst Gebet,
Der Ort bleibt immer heilig dir,
Sein Bild dir nie vergeht.
Hat jede Liebe dich getäuscht
und warfst du alles fort,
Das eine hältst du ewig fest,
Die Lieb’ zum Heimatsort.
O zieh’ nur froh und mutig fort,
Ins weite, weite Land,
Dich hält doch an der Heimat fest
Ein unsichtbares Band.
(Dies Lied kann auch hinter der Szene als eine Art Ständchen gesungen
werden. In diesem Falle bleiben die weiter oben in Klammer
gesetzten Worte weg. Regiebemerkung.)
Mux (tief gerührt, ergreift über den Tisch die Hände der beiden Männer):
Dank’ euch, ihr Freunde, für den schönen Sang —
Ja, in die Heimat will ich wiederkehren,
Aus der ich kam — wenn es mein Schicksal will.
Und laßt euch danken nun für eure Freundschaft,
Ihr standet treu zu mir in allen Tagen,
Ward ihr auch immer meiner Meinung nicht
Und hießt nicht alles gut, was ich begann.
Griesenpeck: Das ist der Männerfreundschaft Sinn und Zeichen,
[Pg 67]
Daß sie nicht Sklavin jeder Laune ist
Und von der Meinung weiß den Mann zu scheiden.
Mux: Denkt meiner auch, wenn ihr mich nimmer seht.
Gerl: Ach, spart die trüben Worte euch bis morgen,
Um gutes Angedenken bittet man
Erst in der allerletzten Scheidestunde.
Griesenpeck: Wir sehn uns morgen noch. Nun schlaft recht wohl
Zum letzten Male unter diesem Dache,
Das euch so viele Jahre treu geschirmt.
Gerl: Gut’ Nacht!
Griesenpeck: Auf Wiedersehen!
Mux: Lebet wohl!
(Er geleitet sie mit der Laterne hinaus, nach einer Weile kehrt er
zurück.)
2. Auftritt.
Mux (allein).
Mux (wehmütig): Lebt wohl, ihr guten Alten! Euer Sang
Ist ja das einz’ge, was von diesen Mauern
Mir tröstlich widerklingt — sonst hab’ ich nichts.
Allein — verlassen! Könnt’ ich, wie ihr glaubt,
Die Tochter einmal in die Arme schließen,
Mir wäre wohl. Doch still, ich werde weich —
Der Mux, der lebenslange hart gewesen,
Er bleib’ sich bis zur letzten Stunde gleich.
Ihr seht mich nimmer, liebe, alte Freunde,
Denn diesen Weg muß ich allein nun gehn.
(Er schließt einen Schrank auf, nimmt einen Sack Geld heraus, dann
hängt er einen Mantel um, setzt die Mütze auf und nimmt die Laterne
in die Hand. Er leuchtet damit an allen Wänden hinauf.)
So geh ich denn — leb’ wohl, du altes Haus!
In deinen Mauern hab’ ich viel erlebt,
Doch nichts, was mir dich eben teuer macht.
Der Hütte mit dem vielgeflickten Dach,
[Pg 68]
Wo ich als Kind gewohnt, gedenk’ ich gern,
Trotzdem ich Not und Elend dort ertragen;
Es ist ein seltsam, unbegreiflich Ding.
Was schmückte mir die elterliche Hütte?
War es der Kindheit Zauber, war’s die Liebe,
Die damals mich umgab? — O, Dämon du,
Ich zahlte reichlich, was du mir gegeben,
Da von der Liebe ich mich losgesagt.
(Er seufzt tief auf.)
Die Zeit ist um, ich will nicht länger zögern,
Sonst glaubt der Feind, ich fürchte mich vor ihm.
(Er nimmt den Sack an sich, hüllt sich fester in den Mantel und verläßt
die Stube mit der Laterne.)
Verwandlung.
(Der Ausgang des Heidenhaines; es ist Nacht; Windstöße und Wetterleuchten.
Vom nahen Stephansdom schlägt die Uhr zwölf. Mux
schaufelt ein Loch zu, das er unter einem Baume gegraben; die Laterne
steht neben ihm.)
3. Auftritt.
Mux (allein).
Mux (tiefaufatmend): Nun ist’s geschehn; all mein Vermögen ruht
In dieser Grube, niemand kann es nützen;
So schließe ich die Rechnung ruhig ab,
Kein einzig Liebeswerk muß ich verzeichnen.
Noch eine Stunde, dann hab’ ich vollendet —
Wie das wohl sein mag, nimmermehr zu sein?
Seit dreißig Jahren weiß ich nun den Tag,
An dem ich sterben muß; nie fiel’s mir ein,
Dem Worte nachzudenken — was ist Sterben?
Was ist der Tod? Ein Ruh’n nach Erdenmüh?
Ich bin nicht müde; wie vor dreißig Jahren.
Kreist schnell mein Blut und ist mein Arm noch stark
Und ich soll ruh’n? Ei nun, was will ich denn?
Die andern, die in meinen Jahren stehen,
[Pg 69]
Sie klagen bitter, daß der Herr der Welt
Zu aller Mühsal, die das Leben bringt,
Des Alters Schwäche hat hinzugefügt,
Daß sie die Früchte ihres Jugendfleißes
Nicht pflücken können aus Gebrechlichkeit.
Ich soll von hinnen gehn mit allen Kräften
Und will es nicht, weil ich zu wenig müd.
Es ist doch schwer, es allen recht zu machen,
Ein jeder wünscht sich and’res als er hat;
Ich möchte nichts als nur das eine wissen:
Was ist das Glück? Wer hat es recht erfaßt?
Ich hab’ gelebt, hab’ vieles wohl genossen,
Ich war an Gütern wie an Ehren reich,
Doch war mir oft, als wär’s das rechte nicht.
Was ich erwählt von dieses Lebens Gütern.
Ob mir die Zukunft darauf Antwort gibt,
Ob man im Jenseits drüben etwas weiß,
Von jenem Leben, das man hier geführt?
Was soll das Grübeln jetzt? In einer Stunde
Bin ich vereint mit vielen Millionen,
Die vor mir lebten, vor mir so gedacht,
Wie ich nun denk’, und denen niemand auch
Die Antwort gab, die sie ergrübeln wollten.
Mein Licht lösch’ ich nun aus, es ist so irdisch —
Zuckt doch am Himmel ein ganz andres Licht.
(Nach einer Pause): Die Zeit verrinnt — warum er nur so zögert,
Der Höllengeist? Ich freue mich auf ihn,
Auf sein erbost Gesicht; wie wird’s ihn ärgern,
Daß ich ihm doch entschlüpf’! ....
(Das Licht einer Laterne nähert sich.)
Was ist das dort?
Wer mag so spät da noch des Weges kommen?
(Er verbirgt sich hinter einem Baume. Lisbeth, sehr dürftig gekleidet
und krank aussehend, kommt mit ihrem ebenso dürftig gekleideten
Knaben.)
[Pg 70]
4. Auftritt.
Mux. Lisbeth. Der Knabe.
Knabe (klagend): Ach, Mutter, ist’s noch weit? Ich bin so müde
Und fürcht’ mich auch; schau, ein Gewitter kommt.
Lisbeth: Gar weit kann’s nimmer sein; wär’ es nur Tag,
Dann fänd’ ich Mut und Kraft, mich fortzuschleppen,
So kann ich nimmer weiter; komm’, mein Kind,
Laß uns nun ruhen unter einem Baume,
Mir fehlt der Atem und mir fehlt die Kraft,
Vielleicht geht’s später noch ein Stückchen weiter.
Komm, setz’ dich hier und lege deinen Kopf
In meinen Schoß, da kann dir nichts geschehen.
Knabe(im
Begriffe, sich niederzusetzen, hält sich an dem Baum):
Greif’ her da, Mutter! Welch’ ein selt’ner Baum,
Der hat ja eine Rinde gar von Eisen,
Fühl’ nur, wie kalt!
Lisbeth (den Baum beleucht.): Wahrhaftig ja, er ist’s,
Der Baum, der noch in fernen, fernen Zeiten
Von meines Vaters Ruhme zeugen wird.
Weißt du es noch, was ich davon erzählte?
Knabe: O freilich weiß ich’s. Laß das Schloß mich sehen!
(Sie hebt den Knaben hinauf.)
Und diese vielen Nägel in dem Baum,
Hat sie Großvater alle eingeschlagen?
Lisbeth: Nicht alle, einen nur, sieh, dieser ist’s!
Die Anfangslettern von Großvaters Namen
Sind eingegraben in den Nagelkopf.
Er schlug ihn jubelnd ein an jenem Tage,
Da ihm das Meisterrecht verliehen ward,
Seitdem ist’s Handwerksbrauch in dieser Stadt,
Daß jeder, der sein Meisterstück gemacht,
[Pg 71]
Und jeder, der von draußen eingewandert,
Hier einen Nagel einschlägt zum Gedächtnis.
Da, sieh’ nur selbst, wie viele es gewesen,
Doch keiner hat Großvater je erreicht
An Körperkraft und an Geschicklichkeit.
Knabe: Ist er so stark?
Lisbeth: O, laß dir nur erzählen.
Ganz nahe hier steht ein gewalt’ger Dom,
Der Stephansdom; sobald es hell geworden,
Wirst du ihn sehn. Es schließt den Hauptaltar
Ein Gitter ab, Großvater hat’s geschmiedet;
Doch als er’s hinbracht’, war’s nicht lang genug.
Er war um einen Ausweg nicht verlegen:
Er faßt’ das Gitter auf der einen Seite,
Dein Vater mußt’ es auf der andern halten,
Mit seinen Händen zog er es zurecht, —
Das hat bis jetzt ihm keiner nachgetan.
Knabe: Doch hätt’ der Vater nicht die Hand verloren,
Er wär’ ihm gleich geworden, Mutter, gelt?
Lisbeth: Ei freilich wohl, doch auch nur er allein.
(Es blitzt so stark, daß die Gestalt Muxens, der horchend vorgetreten,
beleuchtet wird.)
Knabe (aufschreiend): O Mutter, sieh! Dort steht ein schwarzer Mann!
Lisbeth: Ei, schäme dich, du kleiner Hasenfuß!
Das bildest du dir ein.
Knabe: Nein, liebe Mutter,
Ich sah ganz deutlich ihn, dort muß er stehn.
Lisbeth: Von deinem Irrtum dich zu überzeugen,
Führ’ ich dich hin.
Knabe (sie festhaltend): Ach, bleibe lieber da!
Lisbeth: Du selber willst ein ruß’ger Schlosser werden
Und fürchtest dich vor einem schwarzen Mann.
(Sie nähert sich Mux mit der Laterne, plötzlich stößt sie einen Schrei aus.)
Herrgott im Himmel!
Knabe (weinend): Mutter, laufe fort!
[Pg 72]
Lisbeth: Kann es denn möglich sein? Mein Vater, ihr?
Was habt ihr hier zu tun zu solcher Stunde?
Mux: Die Reih’ zu fragen ist zuerst an mir.
Ich frage dich: was hast du hier zu suchen?
Lisbeth: Hier nichts, mein Vater; ich war auf dem Wege,
Euch aufzusuchen.
Mux: So? hast du vergessen,
Was ich dir sagte, als du Abschied nahmst?
Lisbeth: Ich sollte euer Haus nie mehr betreten —
Ich hätt’s auch nicht getan; den Knaben nur
Hätt’ ich hineingeschickt; um euch zu rufen.
Mux: Was wolltest du von mir? Wo ist dein Mann?
Lisbeth: Mein Mann ist tot, schon länger als drei Jahre,
Er hat sich überschafft; mit einer Hand
Tat er viel mehr als andere mit beiden.
Als eine Seuche ausbrach in dem Lande,
Ergriff sie ihn und rafft’ auch ihn dahin.
Zwei Jahre lebt’ ich nun mit meinem Kinde
Von meiner Hände Arbeit; doch auch mich
Warf Gram und Mangel auf das Krankenbett;
Allein die Sorg’ um diesen armen Knaben
Gab mir noch einmal meine Kraft zurück.
Ich rafft’ mich auf, verkaufte meine Habe
Und machte micht zu euch nun auf den Weg.
Mux: Weil du in Not warst, dachtest du des Vaters.
Lisbeth: Ich dachte eurer sonst auch; doch aus Furcht
Vor eurem Zorne hab’ ich’s nie gewagt,
Ein Lebenszeichen euch von mir zu geben.
Ich bitte nicht für mich, nur für mein Kind —
O, nehmt es auf, aus Mitleid nehmt es auf,
Nehmt’s wie ein fremdes, nehmt’s wie seinen Vater
In strenge Zucht, es wird ihm nützlich sein.
[Pg 73]
Ich will euch meinen Anblick gern ersparen,
Für immer Abschied nehmen von dem Kinde,
Bin ich doch bald ja allem Leid entrückt,
Ich wandle nimmer lang auf dieser Erde.
(Zum Knaben):
Komm’, Kind, und bitte doch! Sieh her, das ist
Dein Großvater.
Knabe: O nein, das ist er nicht.
Mux: Ich bin es doch; warum willst du’s nicht glauben?
Knabe: Großväter müssen gut sein, du bist’s nicht.
Mux: Weißt du das so gewiß?
Knabe: Das will ich meinen.
Ich hab’ schon einen Großvater gesehn,
Des Nachbars kleiner Peter hatte einen;
O, der war gut! Der nahm ihn auf den Schoß
Und wiegt ihn ein, den schlimmen, kleinen Peter,
Wenn er recht schrie und ungebärdig war;
Und dann .....
Mux: Was noch?
Knabe: Der sah ganz anders aus —
Großväter müssen weiße Haare haben.
Lisbeth: Allein der liebe Gott hat deinen lieb
Und läßt ihm seine schwarz.
Knabe: Ich weiß warum,
Weil jeden Abend ich für ihn gebetet.
Mux: Du hast für mich gebetet? Ist das wahr?
Knabe: Die Mutter sagte doch, ich sollt’ es tun.
Mux (mit bebender Stimme):
Was hast du denn gebetet? Sag’ mir’s einmal!
Knabe(die Hände faltend, in dem halb
leiernden, halb innigen Ton,in dem Kinder zu beten pflegen):
Ich bitt’ dich, lieber Gott, laß meine Mutter
Recht lange leben und gesund auch sein,
O laß den Vater, der von uns gegangen,
[Pg 74]
Im Himmel selig sein und steh’ uns bei;
Schenk’ auch dem Großvater, der ferne weilt,
Gesundheit, Kraft und ein zufried’nes Alter
Und laß ihn eingehn einst ins Himmelreich!
Mux (wiederholt ergriffen): Und laß ihn eingehn einst ins Himmelreich!
Das hast du wirklich jeden Tag gebetet?
Knabe: Wenn es die Mutter sagt, muß ich’s doch tun
Und tat es auch; sie hat mir’s vorgebetet
Solang ich klein war, jetzt kann ich’s allein.
Mux: Wie heißest du?
Knabe: Ich heiße Martin Joseph,
Doch Martin ruft man mich.
Mux: So sage, Martin,
Was solltest du beim Großvater denn tun?
Knabe: Ich sollt’ ihn bitten, daß er in sein Haus
Mich nehme und was Tücht’ges lernen lasse.
Lisbeth: Das bitt’ ich euch, gewährt die Bitte mir!
Welch eine Zukunft steht dem Kind bevor,
Wenn ihr’s nicht schützt! Ich bin so sterbensmüde,
Ich nahm die Reste meiner Lebenskraft
Zusammen, euch zu suchen; euer Dach
Soll meines Kindes junges Haupt beschützen.
Mux: Mein Haus ist nicht mehr mein, ich hab’s verkauft
Und wand’re fort.
Lisbeth: Ihr wandert fort, mein Vater?
Ihr gönnt in eurem Alter euch nicht Ruh?
O, nehmt das Kind mit euch, es wird euch stützen,
Ihr seid Beschützer und zugleich beschützt.
O, kettet doch an euch ein menschlich Wesen,
In einer Brust erwecket Lieb und Treu,
Und laßt in eurer Lieb’ und Treu’ erwecken!
Ich blieb euch fremd — vielleicht trug dran die Schuld,
[Pg 75]
Daß ich ein Mädchen war — dies ist ein Knabe,
Auf den ihr stolz sein dürft, denn eure Kraft
Wohnt in den jungen, ungeübten Gliedern —
So mögt als Kind ihr wohl gewesen sein.
Mux: Wär’ er ein Mann, ließ’ sich darüber reden,
Der Knabe fällt zur Last.
Lisbeth (flehend): So sorgt für ihn!
Ihr habt der Freunde viel und der Genossen,
Empfehlet einem euer Enkelkind,
Setzt eine kleine Summe für ihn aus —
Ihr könnt die Weisung ja ergehen lassen,
Daß ich von diesem Gelde nichts genieß’.
Erhöret mich, nehmt euch des Kindes an!
(Mux zieht den Knaben an sich, da erscheint an der Stelle, wo er das
Geld vergraben, eine gespenstige, blaue Flamme. Er erschrickt und
stößt das Kind zurück.)
Mux: Und sähe ich euch beide Hungers sterben,
Ich tue nichts für dich und deine Brut.
Lisbeth: Erbarmen, Vater! (Zum Kinde): Martin bitte du!
Knabe: Großvater, nimm’ mich! Ich will dir gehorchen
Und nie dich ärgern! Bitte, sei doch gut!
Mux (nach langem Kampfe mühsam hervorstoßend):
Nein, nein und nein!
(Ein greller Blitz, dem ein furchtbarer Donnerschlag folgt; alle drei
sinken zu Boden, das Licht der Laterne erlischt. An der Stelle, wo
Mux das Geld vergraben, steht glutumstrahlt der Rothmantel.)
5. Auftritt.
Mux. Rothmantel.
Rothmantel (höhnisch lachend): Haha! nun bist du mein!
Mux: Ich hoffte, Himmelsharmonien zu hören ......
Und nun schlägt deine Stimme mir ans Ohr —
Und deine Schreckgestalt muß ich erblicken.
Rothmantel: Du wirst sie schaun in aller Ewigkeit.
[Pg 76]
Mux: Das ist Betrug! Ich hab’ mein Spiel gewonnen!
Nenn’ mir ein Liebeswerk, das ich vollbracht!
Rothmantel (höhnisch): Ein einzig Liebeswerk hätt’ dich gerettet.
Mux: Du hast es zur Bedingung doch gemacht,
Daß ich ein jedes Liebeswerk vermeide —
Ich hab’s getan.
Rothmantel: Ja, du hast mir geglaubt,
Dem Gott der Lüge und der Finsternis
Und wandtest dich von ihm, dem Gott der Liebe,
Der ew’gen Wahrheit und Barmherzigkeit.
Du Tor vermaßest dich, mich zu besiegen!
Mich zwingt nur Einer und das ist der Gott,
Den du verleugnet hast, der Herr der Welt.
Mux (keuchend): Gegeb’nes Wort muß auch der Teufel halten,
Mein Pakt besteht zu Recht.
Rothmantel (höhnisch): So sei es drum!
Ich geb’ dich frei; nun suche deinen Platz
In einem Himmel, den die Liebe schuf.
Mux: Versucher du, was hast du mir getan!
Was ich geliebt, das hab’ ich dir geopfert,
Um dich blieb einsam ich, blieb leer mein Herz,
Um dich hab’ die Geliebte ich verstoßen,
Mein Kind in Elend und in Not gejagt,
Um deinetwillen raubt’ ich mir die Freude,
Mein Enkelkind an meine Brust zu ziehn,
Um dich hab’ ich gedarbt, indes die andern
Am Born der Liebe unaufhörlich schöpften.
Rothmantel: Um mich hast du’s getan? Du tatst’s um das,
Was in der Erde ruht an dieser Stelle,
Worauf ich steh — du tatst’s um schnödes Gold.
Gold war das Glück, das du von mir begehrtest,
Ich gab dir Gold und nun beklagst du dich?
[Pg 77]
Mux: O schweige, du hast recht! Ich seh’ es klar,
Nicht du hast mich getäuscht, ich selber tat’s,
Ich hab’ mich selbst betrogen und enterbt.
Sie alle, die den Dornenweg gegangen,
Die ich verspottet, weil sie ihn gewählt,
Sie alle, die um Liebe Leid getragen,
Sie haben doch das echte Glück gekannt.
Doch weil ich in unseliger Verblendung
Dem Irrlicht folgte und den Stern verließ,
Soll büßen ich in aller Ewigkeit?
Gott ist barmherzig, er wird mir verzeih’n,
Wenn etwas für mich spricht — hab’ ich denn nichts?
(Nachdenkend): Ich hab’ ja doch zuweilen auch gebetet.
Rothmantel (höhnend): Gebetet hast du auch? Ei sieh doch, sieh!
Der Teufelsschlosser schmiedet einen Schlüssel
Für alle Fälle sich zur Himmelstür!
Doch hast du leider jenen Spruch vergessen,
Der dich den Schlüssel richtig brauchen lehrt.
Mux: Wie? Zum Gebet noch einen Zauberspruch?
Rothmantel (mit dröhnender Stimme): Und wenn du auch mit Engelszungen redest,
Und hast die Liebe nicht, so bist du bloß
Ein tönend Erz, bist eine Schelle nur!
Mux (zusammenbrechend): Und hast die Liebe nicht! Gott ist die Liebe
Und ich stieß sie von mir!
Rothmantel: Nun, siehst du’s ein,
Daß du dein Spiel dem Geiste nach verloren,
Mag’s auch dem Worte nach gewonnen sein?
Mux (sich aufraffend): Nein, Höllengeist, du zwingst mich dennoch nicht!
Ich bin nicht dein, weil ich mein Spiel gewonnen,
Des Himmels nicht, weil ich ihn nicht verdient,
Allein der Erde will ich angehören,
[Pg 78]
Solang noch Atem in mir wohnt und Kraft.
Mein Leben ist von Gott — wenn er mir’s läßt,
So will ich jeden Augenblick benützen,
Zu sühnen, was mein blinder Wahn verbrach.
Komm her und nimm, was du mir einst gegeben,
Und laß mir nichts, als was mein eigen wär’,
Wenn ich dich nie geseh’n!
Rothmantel: Wohlan, es sei!
Sieh hin, dort brennt das Gold, das du erworben
In all den Jahren! (Unter dem Baum brennt
wieder die blaue Flamme.) Nun, beklagst du’s nicht?
Mux: Nur, daß ich es erwarb auf diese Weise.
Rothmantel (wirft seinen Mantel über ihn):
Fühlst du die Kraft aus deinen Armen schwinden,
Fühlst du dein Har ergrauen? (Er zieht den Mantel
weg, Mux ist in einen alten Mann verwandelt.)
Mux: Ja, ich fühl’s,
Doch fühl’ ich auch, wie mir das Herz sich weitet
Und wie mir’s hell und froh im Busen wird;
Die ganze schöne Welt möcht’ ich umfassen,
An meine Brust zieh’n alles, was da lebt.
Wie ich hier steh, ein Bettler und ein Greis,
Trag’ ich mit Freude alle Erdenmüh’n,
Erleid’ ich gerne tausendfachen Tod
Für diesen Augenblick des höchsten Glückes!
Rothmantel (in wildem Grimme): Muß ich es jeden Tag auf’s neu erfahren,
Daß in dem schlecht’sten Tropf ein Funken glüht
Von jenem Himmelslicht, das ich so hasse!
Fahr’ hin und lieb’ und leide, Erdenwurm!
6. Auftritt.
Vorige ohne Rothmantel.
Mux (auf die Knie sinkend):
Du hast verzieh’n, o Herr, mir scheint die Sonne
[Pg 79]
Aufs schuldbelad’ne Haupt, nun will ich sühnen,
Ich will’s und kann’s. (Er erhebt sich.) Bin ich auch jetzt ein Greis,
Ich habe meine Kunst, die ich erworben
Durch eig’nen Fleiß; mein Handwerk hatt’ ich lieb,
Ich hab’ mich nie auf Teufelstrug verlassen,
Ich hab’s geübt und hab’s zur Kunst gemacht,
Bei meiner Arbeit war kein Höllenspuk.
Die alten Arme schaffen noch so viel,
Als Kind und Enkelkind zum Leben brauchen,
Nun an mein Herz, ihr Teuren, kommt zu mir!
(Er sieht sich nach Lisbeth und dem Knaben um, die immer noch
betäubt am Boden liegen, und beugt sich zu ihnen herab.)
Lisbeth, mein Kind, wach auf, die Sonne scheint,
Es kommt der Morgen eines neuen Lebens!
(Sie regt sich nicht.)
Erbarmen, Herr, o laß mich sühnen, sühnen!
Lisbeth! Lisbeth, wach’ auf!
Lisbeth (sich aufrichtend): Wer ruft mich denn?
Mux: Dein Vater, Lisbeth; komm und weck dein Kind!
(Er beschäftigt sich mit dem Knaben.)
Lisbeth: Mein Vater ruft? Ich hab’ von ihm geträumt,
Er war noch jung, so wie ich ihn verlassen,
Doch wie — was war das alles? Träum’ ich noch?
Mein Vater war doch hier — und dann — der Blitz.
(Plötzlich erschrocken): Martin! Wo ist er denn, wo ist mein Kind?
Mux (der den erwachenden Knaben aufgehoben hat
und ihn auf dem Arme herbeiträgt):
Hier ist es, Lisbeth, unser liebes Kind,
Mein Enkelkind!
Lisbeth: Seid ihr’s denn wirklich, Vater?
Mux: Ich bin’s und bin es nicht; laß nun das Fragen!
Verwandelt hat mich dieser Donnerschlag,
Du aber sollst dich der Verwandlung freuen.
Ich sorg’ für euch, soviel mein Arm vermag,
[Pg 80]
Du und dein Kind jedoch, ihr sollt mich lieben
Und mich die Liebe lehren. Wollt ihr das?
Lisbeth: Mein Vater!
Mux: Lisbeth, kannst du mir verzeih’n?
Ich hab’ so viel entbehrt — ich fühl’s erst jetzt —
Nun will ich lieben, lieben ohne Maß,
Dem Kind hier will ich es als Erbe lassen,
Was ich an Liebe nicht erschöpfen kann.
(Zum Knaben): Leg’ deine Händchen auf mein weißes Haupt,
Zur Sonne schau empor und sag’ mir’s nach,
Was ich dir sagen werde; ruf’ es laut,
Daß es dir widerhallt im eig’nen Herzen,
Zum Himmel ruf’ es auf, ruf’s in die Ferne:
Die Liebe ist das Größte in der Welt!
Martin (ruft laut): Die Liebe ist das Größte in der Welt!
* Der Gänsedoktor. *
Humoristische Novelle
von
A. Gaus-Bachmann.
264 S. 8o. gebd. in Leinen. Preis 1 Mk.
Urteile der Presse:
Der echte, gemütvolle Humor ist eine besondere Gabe. Aber gerade
diejenigen Menschen besitzen sie oft am wenigsten, die sie zu besitzen
glauben, und unter ihnen sind namentlich viele Leute von der Feder.
Was für Vorstellungen von Humor man häufig in der schriftstellernden
Welt hat, das geht schon ins Aschgraue; jedem gesuchten und lahmen Witz
wird die Etikette: Humor aufgeklebt. Man wird es daher begreiflich
finden, wenn der vorsichtige Kritiker nach jedem als »humoristisch«
deklarierten Buche mit einem gewissen Zagen greift, denn in neun von
zehn Fällen ist das Federprodukt gar nicht humoristisch, sondern
erzfade und langweilig. Nach diesem Präambulum wird nun der Leser
sicher eine Beurteilung des »Gänsedoktor« erwarten. Glücklicherweise
irrt er sich aber, denn diese Novelle, die ja den Lesern des »D. H.«
längst nicht mehr unbekannt ist, gehört wirklich und wahrhaftig zu
jenen literarischen Gebilden, in denen man Goldkörner des Humors findet
und zwar nicht sporadisch, sondern zahlreich und gediegen. Ja, man darf
den »Gänsedoktor« kurzweg zu den vorzüglichsten humoristischen Novellen
der Neuzeit rechnen. Da ist kein gemachter, kein gekünstelter Humor,
sondern alles fließt so echt und lauter, wie ein heller Waldbach aus
dem Gestein. Die Handlung geht rasch vorwärts und auf das Ziel zu, die
Personen, die ihre Hand im Spiele haben, sind prächtig gezeichnet,
vor allem ist der kleine Fritz, dieser allerliebste Unheilstifter,
eine wahre Kabinettsfigur. Der »Gänsedoktor« selbst stellt das Muster
eines gemütlichen Humoristen dar, und Tante Amalia, die überspannte
Tragödin aus Amerika, wird auch den griesgrämigsten Hypochonder zum
Lachen bringen. Kurz, »Der Gänsedoktor« ist, literarisch gemessen,
eine sehr erfreuliche Erscheinung, die dem Talent der noch jungen
Verfasserin ein glänzendes Zeugnis ausstellt. Wir hoffen ihr noch oft
auf dem Gebiete zu begegnen, auf dem sie ihren ersten größeren Erfolg
eingeheimst hat.
O. v. Sch.
(Deutscher Hausschatz 1905, 16.)
Alle, welche mit Volksbibliotheken zu tun gehabt haben, wissen, daß
die Nachfrage nach humoristischen Erzählungen immer viel größer ist,
als das Anbot. Alle möchten so gerne ein wenig lachen, die modernen
Humoristen aber kennen fast nur Ironie und beißende Satire, der Humor
ist den meisten abhanden gekommen. Die vorliegende Erzählung, die
auf Verwechslungen beruht, die zwar nicht hochgradig originell sind,
aber doch recht unterhaltend und erheiternd wirken, entspricht dem
vorhandenen Bedürfnisse nach harmlosen, humoristischen Erzählungen. Daß
der Gänsedoktor ein allerliebstes Gänschen heiratet, ist die Lösung
der Verwicklung, die dadurch entsteht, daß ein Tierarzt sich für einen
Doktor der Medizin ausgibt. Wenn die Sammlung für Herz und Haus noch
viele so gelungene Nummern bringt, ist ihr eine große Verbreitung zu
wünschen. Je mehr derartige gesunde Pflanzen die Giftschwämme auf
literarischem Gebiete verdrängen, umso besser.
(Vaterland, Wien 1905, 268.)
Im 18. Bande der Familienbibliothek »Für Herz und Haus«, Verlag von J.
Habbel, Regensburg, bietet die Wiener Schriftstellerin A. Gaus-Bachmann
eine allerliebste humoristische Novelle: Der Gänsedoktor. Keine
großartigen, unwahrscheinlichen Abenteuer, kein hochdramatischer Aufbau
wird geboten: es ist eine frische und erfrischende Erzählung schlichter
Vorgänge in schlichtem Bürgerhause. Aber gerade mit einfachen
Familienszenen versteht es die Verfasserin die heitersten Verwicklungen
und die gelungensten Situationen zu erzielen, von denen die eine die
andere Schlag auf Schlag, bisweilen mit frappierender Wirkung ablösen.
Hauptmissetäter ist zumeist der köstlich gezeichnete Junge Fritz,
ein wirkliches enfant terrible, das dem hoch hinaus wollenden
Papa Kienholz die urkomischen Verlegenheiten, die dieser sich selber
bereitet, noch reichlich vermehrt. Die Familienbibliothek »Für Herz und
Haus« hat mit diesem Bändchen eine besonders glückliche Bereicherung
erfahren. Die sehr empfehlenswerte und gut ausgestattete Sammlung
findet damit sicher noch weitere zahlreiche Freunde.
(Sächs. Volkszeitung Dresden 1905, 186.)
Die junge Wiener Schriftstellerin schenkt uns hier eine vom
köstlichsten Humor durchwehte Familiengeschichte eines Mannes, der
hoch hinaus will und eben dadurch sich in allerlei Ungelegenheiten
bringt. Sein Bube, das kleine Fritzchen, ist eine so ergötzliche Figur,
daß man beim Lesen förmlich nach seinen Streichen und Worten hascht.
Hoffentlich gibt uns die Verfasserin noch öfters einen so prächtigen
Niederschlag ihres gesunden Humors.
(Literarischer Handweiser 1905, Nr. 21.)
... Ein feiner Humor, lieb wie Sonnengold, strahlt aus der
humoristischen Novelle »Der Gänsedoktor« von A. Gaus-Bachmann. Die
gelungenste Figur ist unstreitig das enfant terrible der
Familie, der kleine Fritz.
(Schweiz. kath. Frauenztg. 1905, 45.)
Das dürftig beackerte Gebiet der humoristischen Novelle dürfte wenige
Erscheinungen zeigen, die in der Erfindung so ungekünstelt, in der
Darstellung so flott und unterhaltend, in der Zeichnung der Personen
so zutreffend sind wie das vorliegende Werk. Hoffentlich wird uns die
junge Verfasserin noch mit manchen ähnlichen Schöpfungen erfreuen.
(Büchermarkt 1905, 9.)
Echter Humor sprudelt in dem Büchlein. Es enthält keine
Unwahrscheinlichkeiten und unmöglichen Situationen, es geht so
natürlich darin zu, wie es eben nur in einer hausbackenen deutschen
Bürgersfamilie, in einer solchen spielt sich die Handlung ab, zugehen
kann. Trotzdem ist das Werkchen reich an ergötzlichen Szenen, die
Handlung schreitet frisch vorwärts. Wer z. B. an dem Allerweltsfratzen
Fritz, dem »dritten Bruder von Max und Moritz«, nicht seine helle
Freude hat, der muß schon ein Griesgram erster Güte sein. Die
Charaktere der handelnden Personen sind recht lebenswahr gezeichnet
und die noch junge Verfasserin versteht es, für ihre Helden zu
interessiern. Das Buch vermeidet fade Witzeleien und verbrauchte
Spässe, aber wer Freund eines gesunden, fröhlichen Humors ist, wird
es immer wieder mit Befriedigung zur Hand nehmen. Schade ist, daß der
Schluß etwas abfällt und da die Wiener Gemütlichkeit auch der Wiener
Süßlichkeit Konzessionen macht. Der Gesamteindruck wird allerdings
dadurch in keiner Weise verwischt und es wird gewiß niemand reuen, das
prächtig geschriebene Werkchen seiner Bibliothek einverleibt zu haben.
Es wird bald recht abgegriffen aussehen!
(Amberger Volkszeitung 1905, 208.)
Die Verfasserin dieser Novelle, die Wiener Schriftstellerin A.
Gaus-Bachmann, zeigt sich hier als anmutiges Erzählertalent von
köstlichem Humor und wohltuender Frische. In schlichten Worten
schildert Gaus-Bachmann die Vorgänge und Ereignisse in einer einfachen,
kerngesunden Bürgersfamilie, aber mit welchem erfrischenden und
erquickenden Humor, mit welcher lobenden Heiterkeit und sprudelnder
Komik! Mit großem Geschick und Lebenswahrheit zeichnet die Verfasserin
verschiedene Szenen aus dem Leben dieser Bürgersfamilie und versteht
es, allen Vorgängen und Situationen die heitersten Töne abzugewinnen.
Held der Handlung, welche glatt und spannend dahinfließt, ist der
Junge Fritz, ein wirkliches enfant terrible, welcher dem
hoch hinaus wollenden Papa Kienholz die komischesten Verlegenheiten
bereitet. Die Missetaten, welche er verübt, sind von der begabten
Verfasserin mit beißender Ironie und gewinnendem Humor beschrieben.
Die von Gaus-Bachmann vorgeführte Gestalt des »Gänsedoktors« ist
ebenfalls erheiternd. Denn dieser »Gänsedoktor« ist selbst ein
gemütlicher Humorist von manchmal überwältigender Komik. Auch die
anderen handelnden Personen der Novelle sind köstlich gezeichnet
und geeignet, in jedem Leser die heiterste Stimmung zu wecken. Man
braucht nur der Tante Amalia, dieser sonderbaren »Künstlerin« aus
Amerika, zuzuhören, um in aufrichtige Heiterkeit zu verfallen. Nebst
dem echten, unverfälschten Humor, von welchem die ganze Novelle von A.
Gaus-Bachmann durchtränkt ist, sind es noch die frischen, lebhaften und
erquickenden Farben, welche der Novelle »Der Gänsedoktor« besonderen
Reiz und Anmut verleihen. Freunden lustiger Lektüre wird die köstliche
und erfrischende Erzählung der noch jugendlichen Wiener Verfasserin
unstillbare Lachsalven entlocken. Den scheinbar nichtigsten Episoden
gewinnt A. Gaus-Bachmann die heitersten Seiten ab und entlockt ihnen
humorvolle Töne, welche ergötzen und belustigen.
(Neue Freie Presse Wien. 17. Dez. 1905.)
Die Verfasserin hat es darin verstanden, in schlichtem Gewande eine
einzigartige Novelle zu schreiben, deren Milieu dem Leben abgelauscht,
deren Handlung flott und fesselnd und deren Personen Menschen von
Fleisch und Blut. Und dann erst der gesunde, frische Humor, der sich
wie ein goldenes Band durch das Ganze zieht. Jeder hat seine Freude an
der Novelle!
(Düsseldorfer Tageblatt 1905, 350.)
Der Teufelsschlosser.
Dramatisches Gedicht in 3 Aufzügen
mit Anlehnung an die Wiener Stock-im-Eisen-Sage
von
A. Gaus-Bachmann.
Zweite, umgearbeitete Auflage. 80 S. 8o. Preis 1 Mk.
Stimmen der Presse:
»Der Teufelsschlosser«, dramatisches Gedicht in drei
Aufzügen, mit Anlehnung an die Wiener Stock-im-Eisen-Sage von A.
Gaus-Bachmann. — Die Sage vom Stock im Eisen ist kein Neuling
auf der Wiener Bühne. Immer war sie aber mehr oder weniger Vorwand für
allerhand Ausstattungswunder, fast nie wurde nach ihrem eigentlichen
dramatischem Kern geschürft. Ihm auf die Spur ist erst der Autor
dieses Werkes gekommen. Er holt die Konflikte aus dem religiösen
Empfinden der handelnden Gestalten heraus und entwickelt dabei doch
so viel praktischen Bühnensinn, daß auch das historische Milieu zu
seinem Rechte kommt. So gibt es denn nicht bloß eine Reihe von Szenen,
die ihre Wirkung einzig dem Dekorationsmaler und Theaterschneider
verdanken, sondern eine in sich abgeschlossene Charaktertragödie,
die zwar der Schaulust entgegenkommt, nicht aber ihre Poesie in der
Ausstattung sucht. Der fromme Zug, der durch das ganze Werk geht, trägt
zwar etwas von dem Weihrauchduft der katholischen Kirche mit herein,
allein er artet nirgends in leere Frömmelei aus.
(Ostdeutsche Rundschau.)
Der Teufelsschlosser, dramatisches Gedicht in drei Aufzügen von
A. Gaus-Bachmann, lehnt sich an die Wiener Stock-im-Eisen-Sage
an. Martin Mux, der den Teufel oft im Munde führt, schließt mit
diesem einen Pakt und gewinnt den Preis, der auf die Anfertigung
eines kunstvollen Schlosses gesetzt ist. Nach 30 Jahren ist er dem
Teufel verfallen, der Pakt soll aber nichtig sein, wenn er die Liebe
aus seinem Leben zu streichen weiß. Um seinem Schicksal zu entgehen,
verhärtet er sein Herz, bis er schließlich erkennt, daß der Teufel ihn
betrogen, da ein einzig Liebeswerk ihn aus seinen Klauen befreit hätte.
Im Sterben klammert er sich an das Gebet der Liebe, das der kleine
Martin, der verstoßenen Tochter Kind, täglich für den Großvater zum
Himmel gesandt hat. Das Drama erinnert mit seinen Traumerscheinungen
an die Tage, da Raimund mit seinen Zauberpossen die Wiener Bühne
beherrschte.
(Köln. Volksztg. Lit. Beil. 54.)
Der Teufelsschlosser. Dramatisches Gedicht in drei Aufzügen
von A. Gaus-Bachmann. Die Neuzeit hat eine Menge dramatischer
Dichtungen hervorgebracht und zwar sind es meist soziale moderne
Stoffe. A. Gaus-Bachmann hat dagegen den Stoff dem fünfzehnten
Jahrhundert entnommen und die alte Wiener Sage vom Stock im Eisen
dramatisch dargestellt, und zeigt unserm nach Reichtum und Ehre
hastenden Geschlecht, daß irdische Güter ohne Herzensfrieden nicht zu
beglücken vermögen. Das Gedicht ist den Bühnen gegenüber als Manuskript
gedruckt. Einzelne Partien können, wenn nötig, leicht gekürzt und
könnte größere Einheit der Zeit hergestellt werden; deshalb
können es auch Vereine und Gesellschaften leicht aufführen; denn
bezüglich äußerer Ausstattung macht dasselbe nicht große Ansprüche.
(Kath. Schweizerblätter.)
Bürgertheater. Das dramatische Gedicht »Der Teufelsschlosser«
von A. Gaus-Bachmann, das Samstag nachmittags zur Erstaufführung kam,
ist nicht mißraten. Die Altwiener Sage vom Stock im Eisen hat hier
eine ganz prächtige Verwertung gefunden und die zahlreiche
Kinderschar, die da geladen war, kargte mit ihrem Beifall ebenso wenig,
wie die Großen. Die Regie tat das ihrige, um die Wirkung der Dichtung
zu ergänzen und ebenso die Darstellung. Für die Dichterin und dem
Regisseur brachte die erfolgreiche Aufführung Anerkennung und Blumen in
Menge.
(Reichspost.)
Demnächst erscheint:
Gegen das Schicksal.
Von
A. Gaus-Bachmann.
Mit erschütternder Tragik führt uns die Verfasserin in diesem
einzigartigen Romane die Folgen der Unzufriedenheit und des unsicheren,
unpraktischen Umhertastens halbgebildeter Projektenmacher vor Augen.
Daß es nicht darauf ankommt, was der Mensch ist, sondern
wie er ist und wie er sich mit seinem Schicksal abfindet,
das ist die ernste, eindringliche und doch nicht aufdringliche Moral
dieses das Leben des kleinen Mannes mit rührender Naturalistik
erfassenden Werkes. Die verdienstvolle Arbeit der beliebten
österreichischen Schriftstellerin wird sicherlich überall Anklang
finden.
Lorbeer und Rose.
Novelle von A. Gaus-Bachmann.
Die Novelle »Lorbeer und Rose« dürfte nicht nur durch ihren
äußerst spannenden Inhalt, sondern auch durch die fließende
Sprache, in welcher die Handlungen sich abwickeln,
nicht minder aber auch durch die in derselben niedergelegten
herzerquickenden Ideen für wert erachtet werden, den weitesten
Kreisen zugänglich gemacht zu werden.
Verlag von J. Habbel in Regensburg.
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TEUFELSSCHLOSSER. ***
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