The Project Gutenberg EBook of Das rasende Leben, by Kasimir Edschmid

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Das rasende Leben
       Zwei Novellen

Author: Kasimir Edschmid

Release Date: December 8, 2009 [EBook #30628]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS RASENDE LEBEN ***




Produced by Jens Sadowski





Transcriber's Note: Text that was s p a c e d - o u t has been changed to italics.

DAS RASENDE
LEBEN


ZWEI NOVELLEN

von


KASIMIR EDSCHMID

LEIPZIG






KURT WOLFF VERLAG

Bücherei »DER JÜNGSTE TAG« Band 20
Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig.























COPYRIGHT/KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG/1915

Diese Novellen reden im hauptsächlichen Sinn nicht
(wie das vorausgegangene Buch) vom Tod als einer
letzten Station, nicht von Trauer und vom Verzichte.
Sie sagen auch nicht: leben. Sie sagen: rasend
leben. — — Mit vierundzwanzig Jahren starb, ein
ungeheueres zersprungenes Gefäß der Kraft, zu
früh mein Landsmann und sehr großer toter Bruder
Georg Büchner. Er stammte aus Darmstadt, liebte
den Elsaß und ist mir auch sonst seltsam nahe.
Schrieb Lenz, Danton, Wozzek und die unendliche
Süßigkeit Leonce und Lenas.
Ich widme dies Buch des größten
Lebenswillens seinem großen
Andenken.

DAS BESCHÄMENDE ZIMMER

DEN ABEND war ich bei einem Freunde. Wir waren allein. Wir hatten uns in politischen Dingen ausgerast. Wir hatten Tee getrunken, der — ich glaube — sehr leicht nach dem Haar von Kamelen roch. Er sprach von einer Jagd in Turkestan. Darauf sagte ich einiges und beiläufig von Wintertagen bei Utrecht. Dann redeten wir lange wieder von Paris. Ich hatte gerade die Schattenspiele der Connards erwähnt und wollte anfangen, von dem merkwürdigen Effekt zu erzählen, als ich Wolfsberg ohne Bart am Square de Vaugirard traf . . . da war mein Freund, der ganz ruhig gesessen hatte, wie unter einem lang zurückgehaltenen Entschluß rapid aufgestanden und hatte mich durch sein Bad in ein Zimmer geführt, von dessen Existenz ich keine Ahnung hatte.

Er hob den Arm. Zwei Lichter am Fuß der Wände füllten sich langsam mit prächtigem Licht und strichen in warmen Flutungen und Bündeln die honiggelben Seiten hinauf. Dann öffnete er das große Fenster nach der Straße und schob eine Jalousie vor das Loch. Sein Profil stand rasch, von Abenteuern zerfetzt, aber gütig, vor dem hellen Tuch . . . dann waren nur seine Hände da, die grotesk waren in ihrer Röte und noch mehr wie sonst denen eines Matrosen ähnlich schienen, wo sie allein von Licht überspielt dastanden. Kraft, die in Weichheit gebändigt war, ging von allen seinen Bewegungen aus.

Dann öffnete er gegenüber zwischen zwei Schränken das Schiebefenster zum Garten. Sommerliche Nacht strich herein. Das Tuch lehnte sich tief aus der Füllung. Schatten überschaukelten den Teppich und an den Wänden zog ein Klappern hin. Es war ein melancholisches unangenehmes Geräusch. Als ich aufsah, lächelte der Freund, wies mit halbgedrehter Hand auf die Bilder, die die hohe und breite Mauer in einem Gurt durchschnürten, daß über und unter ihnen eine gleiche Fläche glänzender Tapete freiblieb. Sie hingen an Stricken, Bändern, Seidenkordeln und Tauen. Einige bedeckten sich fast völlig, manche überschnitten sich mit den Rahmen und bildeten in allen Stufen und Farben zusammenhängend ein eigentümliches Mosaik.

Wies auf die Bilder und sagte: „Es ist keines darunter, in dem nicht ein Erlebnis wühlte. Es ist eine Laune oder ein Experiment. Ich muß es abwarten. Ich habe sie hier aufgehängt ohne Auswahl, ohne Ordnung, je wie ich hierher zurückkehrte und wie es mir gefiel. Es liegen Jahre in manchem eingeschlossen und strömen sich aus.

Oft ist mein ganzes Zimmer hier voll von dem Frühling in Paris. Dieses Bild ist die Schaukelnde des Fragonard. Sie hat das eine Bein zurückgezogen, das andere zieht in dem trotzigen Aufschwung noch die Volute der losgeschnippten Pantoufle nach, und um diese graziöse Entblößung fällt das Schwebende der weiten Robe und der Duft der Farbe, der gleich einer Wolke darübersteht.

Ich kaufte es eines Abends an einem Tag, da wir morgens nach St. Germain gefahren waren. Es war der erste jener bezwingenden Tage, die aufquellen aus einer gleichgültigen Nacht und voll sind von der Zärtlichkeit des Blaus und der warmen Stille einer Verheißung. Wir standen auf den Dächern der Waggons, die starrten von Ruß. In den Gärten brachen die Mandelbäume auf. Wir liefen wie ganz junge Hunde die Quere durch den Park. Es gibt in dieser Zeit nur eine Seligkeit: fühlen, wie das Spiel der Muskeln um eine Freude herum erwacht. Wir lachten und liefen, sprangen über Hürden, öffneten eine Holztür mit Lilien . . . und dann wußten wir erst, daß wir Eindringlinge seien: als wir gerade hineintraten in das Rondell.

Aus einem Bogengang ließ sich eine Schaukel nieder. Eine Dame saß darin. Sie trug ein dünnes hellrosa Kleid. Wir sahen sie vom Rücken. Ihre Arme umfingen die beiden Schnüre und zogen sie in einer lässigen Knickung zusammen, wobei sie sich etwas nach rechts lehnte. Ihre nach vorn vereinigten Hände mußten etwas halten, über das sie den Kopf senkte. Es war so still, daß man die Schaukel quietschen hörte, wenn die Dame am vorderen Auslauf sich mit dem einen Bein an einem in rotpunktierten Blüten stehenden Aprikosenbaum abstieß, während sie das andere hastig zurückzog. Dabei senkten sich jedesmal eine Handbreit Spitzen unter dem Brett augenblickslang über ein sehr zierliches Bein.

Dann hörte sie uns. Sie glitt von dem Holz. Ihr schmaler weißer Kopf senkte sich schräg. Sie raffte mit einer schützenden Bewegung die dünne und kurze Matinee. Damit gab sie sich noch mehr preis. Wieder erschien ihre Wade in dem glänzenden Strumpf und der noch hellere Schuh. Allein das merkwürdige war . . . sie ward nicht rot, nicht verlegen, sagte nur mit einer Stimme, die kindlich war, anklagend, alles war und umschloß in Inhalt, Tiefe und Modulation dieses ‚Good morning‘ — nur dieses —, schritt langsam, ohne wieder herzusehen, in einen Seitenweg.

Wir zogen uns zurück.

Ein Erlebnis wie ein Pastell . . . sagte einer.

Kindlich, dachte ich, niedlich, ästhetisch! Verstehen Sie! Es war kein Herr dazugekommen, niemand hatte gerufen, etwas gesagt, nur ein Geräusch: good morning.

Aber am Abend im aufheulenden Lärm des Boulevards kaufte ich dies Bild. Manchmal hörte ich den Klang der Stimme nachts im ganz Stillen, oft am Meer, im Orkan der Versammlungen, im Räderstampfen und in der Explosion der Dampfer. Jetzt im Augenblick rieche ich, physisch — Sie lächeln — ich rieche jeden Geruch jenes Morgens, das Feuchte vom Boden, das Arom der Luft zwischen den Knospen, den Aprikosenbaum und das Warme darüber. Sie sehen, mit welch wahnsinniger Intensität sich ein Erlebnis einfressen kann, das wir zuerst flach empfinden und leicht ablösbar wie die Spur des Atmens an einem Spiegel . . . und das bleibt, stärker und nachwirkender wie das Ungeheuere im ersten Erblicken eines anderen Erdteils, wie verstörter Ehrgeiz und Tod der Schwester. — — —

Ich habe stets das gedacht, was mich retten konnte. Darum liebe ich jenes Bild. Es ist wenig daran. Eine alte Radierung, zwei alte Menschen, ganz dunkel, um die Köpfe nur ein wenig Licht. Ich dachte mir einiges Angenehme dazu. Es half mir. Ich lag damals immer zu Bett, krank und mutlos. Ein kleines Mädchen schenkte es mir, das abends in den Vorstädten geigte. Ich besinne mich vergeblich auf ihre Haltung. Ich weiß keinen Zug mehr von ihrem Gesicht. Aber ich weiß, wie sie das Bild auf meine Decke legte und ihren grauen baumwollenen Handschuh daneben, der irgendwo dunkler geflickt war. — — —

Der Goya da kam eines Morgens als Paket in graues Sackpapier eingeschlagen. Mag sein, daß ich mißmutig war. Riß es auf, und der Riß fuhr in ihn hinein, klaffend bis mitten in die Kampfszene. Genau zwischen Stier, der den Nacken zum Stoß einzieht, und Pferdebauch und gerade über den schnelleren Heft der Lanze.

Er kam von einem Brasilianer, mit dem ich eine Nacht fuhr von Kowno nach der Grenze. Es war Schneesturm. Er sagte mir mit Leidenschaft vieles von seiner Heimat: dem fürstlichen Meer des Amazonenstroms, den glühenden Nächten, die sie erträglicher machten durch das Genießen unzähliger Kannen sehr heißen Kaffees, und dem Gekreisch der Papageienherden.

Der Sturm brach sich an der Böschung, drückte mit blödsinnigen Stößen auf den langen Leib des Zuges. Wir wurden warm und zogen zusammen das Fenster herunter. Sofort zerbrach es. Die Scheibe spritzte uns ins Gesicht. Wir bluteten mit vielen kleinen Wunden. Der Wind knallte das andere Fenster hinaus, die Rahmen krachten. Schnee stopfte uns den Mund voll, wenn wir sprechen, rufen wollten, wir würgten, konnten nicht atmen. Pse! lachte der Brasilianer. Mehr hörte ich nicht.

Hagel klatschte uns gegen das Gesicht, das anschwoll, schmolz daran, und fror im gleichen Augenblick in einer Maske von Eis wieder vor. Wir sahen aus, als hätten wir Gesichter aus Glas oder von roter Gelatine. Denn wir bluteten sehr und lachten.

Es ist auf dem Bild des Stierkampfs nur die unterste Reihe der Zuschauer zu erkennen. Doch es scheint: eine Welle von Wut und Ekstase sei das Amphitheater in einer Kaskade hinuntergestürzt und habe sich in diesem Parkett bäumend gestaut.

Es ist eine schwere Lache Blut auf dem Bild.

Der Stich liegt auf einem alten gelben Papier, das vor Leidenschaft knistert, wenn die Sonne durch das kleine Fenster in einer Säule darauf steht.

Ich denke gern an diese Nacht.

Aber ich liebe noch mehr jenen Sommer, in dem alle Tage waren wie jene Nacht.“ (Er hob mit steifem Arm eine breite, weißgerahmte Radierung heraus, daß die Schnur sich straff ins Zimmer spannte, und blieb, sie auf der hohlen Hand wiegend — die andere in der Tasche — stehen.) — „Man kann nicht anders empfinden: Alles ist hier bezwungen von dem bleichen Weg. Sei es, daß er zwischen dunklen Hügeln in einer geheimnisvollen Biegung läuft, . . . ob dämmrige, schwere Fischerhäuser nebenan der Düne liegen mit verglasten Luken und dann der Spuk der Telegraphenstangen ihn begleitet bis zu dem Kreuz auf dem Hügel . . . mag sein, daß das alles die geballte Atmosphäre gibt von Trauer, Unheil und ganz schwachem süßem Licht am Horizont . . . ganz groß und so, daß er all dies missen könnte, ist nur der lange weiße Gang des Wegs, der sich langsam mit unheimlichem Wollen, steigend, verblassend, in den grauen Himmel über den Dünen wie in ungeheure, frevelhafte Übersinnlichkeiten hinausschraubt.

Es ist ein Sujet aus Bornholm von dem jungen Radierer Georgi. Ich traf ihn auf einem Petroleumsegler von Kopenhagen nach den Faeroers. Wir waren die einzigen Passagiere. Und die einzigen Fremden (wenn wir einen kleinen Botaniker, der nach drei Tagen von einem unmöglichen Hügel abstürzte, nicht rechnen) auf den Faeroers von Anfang Juli bis in den Oktober hinein, der schon Eis brachte von Island her.

Wir lebten jeder in einem anderen Fischerdorf. Er zeichnete. Ich schrieb, nein ich fischte, schoß mit einem siebenendigen Kugellazo nach Vögeln und liebte die breiten Mädchen. Meistens war Sturm. Er kam und man fühlte ihn rund oder blau und so stets wie als könne man ihn packen irgendwo. Oft schien es, er flösse aus einer immer breiteren metallenen Hülse, dann stieg er auf der See hoch gleich einem Segel und überschwemmte in einer plastischen Strömung den Strand.

Häufig lagen wir einen ganzen Tag auf einer Klippe, die in rechtem Winkel hinabsauste zum Meer. Wir hatten die Köpfe in den Arm gewühlt. So raste der Wind. Ganz hell, fast weiß war der Himmel. Wir konnten nicht aufstehn. Er hätte uns hinuntergeweht. Ganz sacht vielleicht, spielend wie ein Stück Tuch, locker es aufhebend, kreisend, rasch senkend und dann aufs Wasser legend. Wer weiß! Zeitweis hielt ich mit aller Kraft (er machte eine Parade als zerknackte er etwas im Armgelenk) einen Block vor den andern, auf den er Striche setzte. Wie hinter einer Barrikade verschanzt und in atemloser Eile. So raste der Wind.

Ich lag ein anderesmal allein einen Tag in brennender Sonne und dann noch eine Nacht auf einem Felsen und wagte einen Tritt nicht zurück, bis morgens unten die Mädchen der Fischer vorüberfuhren. Eine trug einen roten Rock. Sie winkte. Sie rief: Du bist früh hinaufgestiegen . . . Sie war aus Store Dimon. Da tat ich es.

Wir trugen keine Schuhe in dieser Zeit. Bündel Bast lagen um unsere Füße. Unsere Insel hatte einen kleinen Strand. Schwarze Felsen lagen um sie herum in Aufstiegen von hundert Metern. Unten formten sie kleine in sich selbst strudelnde Fjords von hinreißender Elastizität der Linie. Ganz schwarz waren sie und am Abend wie Basalt dunkelblau. Manchmal lösten sich hellere aus den anderen und wurden Mövenschwärme, die den Himmel zuzogen und das Meer überschrien.

Aller acht Tage kam der Dampfer von Edinburgh, der Konserven brachte und Tabak. Er legte nur bei gutem Wetter an. Während der großen Sturmzeit kam er vier Wochen nicht. Mit dem Glas sahen wir ein paar Amerikaner an der Reling stehen, die nach Island fuhren. In dieser Zeit versäumte ich die wichtigste Post in meinem Leben. Was lag mir an Post?

Teufel lag mir daran. Merde lag mir daran . . .

Freund! in diesen Tagen fingen wir eine Art Delphin. Größer als ein Mann. Aufgesperrt den Rachen mit Lamellen aus samtnem Weiß. Die Augen ganz dunkles Violett mit einem rötlichen dünnen Schein drüber von der Sonne, die ihm gerade hineinschien. Einer der Fischer mit einer farbigen Mütze, die lang, spitz über den Rücken fiel, stieß ihm eine Harpune in den Rachen, stieß immer noch nach, als die Augen schon hinstarben, keine Sonne mehr brachen und der Leib aufbrandete in drei zuckenden Sprüngen. Der scharfgefloßte Schwanz wühlte ein Loch in den Sand, schlug, rasend wie der Kolben eines Preßlufthammers, wütenden Takt und machte Wind an dem stillen Tag. Seltsames Ding, dieser Schwanz: Porös, wie gewebt aus Gallerte, weichem Stahl und etwas, das war, als ob es köstlich sein müsse auf der Zunge oder schön in einem merkwürdigen Gefäß und vor allem von einer so maßlosen feuchten Fremdheit. Ich glaube, daß ich nie etwas Neueres erlebte, etwas Seltsameres sah als die Flosse des Fisches, die mit einer nie empfundenen Ekstase auf meine Seele stieß.

Was war mir der wichtigste Brief meines Lebens?

Zut . . . ein Dreck war er mir.

Zwischen Georgis und meinem Dorf lag eine schwierige Klippe. Morgens schossen wir, ließen die Echos hinüber- und herüberrollen, grüßten uns so. Abends trafen wir uns darauf. Dann sahen wir ins Innere der Insel, das wie eine Arena war, in deren Mitte das große, weiße Viereck lag, das Gebäude für die einzige Krankheit, die diese Menschen hinfrißt, Männer Frauen, Frauen Männer, durcheinander, wie es kam, aus ihren Hütten heraus in dies Gebäude, das in das Dunkel noch lange hinausblitzt wie der Bauch eines Hais. — — —

Um zu diesem tief vorwachsenden holländischen Rahmen zu kommen, von dem ich wollte, daß er aus dem siebzehnten Jahrhundert sei . . . vielleicht ein wenig früher, aber keine Minute mehr, mußte ich achtundzwanzig Seineantiquariate durchsuchen vier Tage lang, dann fand ich ihn . . . und sollte dazwischen das Überfahrenwerden eines blonden Kindes erleben, das mir jeden Morgen um zehn Uhr auf der ersten Straße des Jardin des Plantes ein Lächeln ins Gesicht warf. Es hatte ein Kleid aus schwarzer Seide und eine gelbe, schöne Krause an.

Von dem Bild in diesem Rahmen, das Segelboote zeigt, will ich nicht erzählen. — — —

An dem kältesten Tag, den ich in Deutschland erlebte, stand ich vor dem Bildzyklus in der Ecke dort, Hallo . . . ich stand nicht. Ging!

So kalt war es. Ging auf den Holzfliesen. Aber die Kälte brannte mir in die Füße. Ich ging rascher und dann sehr rasch. Drei Schritte auf das Bild zu, drei kleinere es entlang nach rechts, sechs die ganze Fläche hinunter nach links, zurück zur Mitte und drei wieder, langsamer, rückwärts . . . und so fortfahrend eilender im Schauen, unheimlich und lautlos gleich der Parade des schwarzen Panthers vor seinem Gitter im ersten Käfig in Frankfurt.

Es ist der Isenheimer Altar des Grünewald. Sehen Sie die übersinnliche Kraft des Lichtstrahls aus der oberen Ecke und den Leib dieses Leprösen, der schon grün ist und überfault und so vegetativ, daß er sich nach Erde sehnt und halb schon Erde ist, aber hier aufgefangen steht als qualvoller Schrei des Fleisches zwischen Sehnsucht und Hiersein und Bestimmung zum Ende. Ganz Kolmar klirrte an diesem Tag vor Kälte.

Ich liebe das Bild, weil es mich plötzlich mit einer überflutenden Intuition mehr als durch tausend Bücher wie durch eine klaffende Wunde hineinschauen ließ in das aufzischende Herz des Mittelalters. — — —“

(Nun hob er den Arm, als wollte er eine Lanze werfen und beschoß mit den zitternden Kreisen der elektrischen Taschenlampe ein ganz kleines Bild) „Erinnerungen eines Monats in einem schottischen Landhaus. Abends Silber, Kerzen, Toaste. Sonst Gehen auf geraden Wegen im Park, Rasen, zwei Schwestern, Lilith und Jane, Rudern mit den Brüdern, die auf Ferien aus Oxford waren, und zwischen all diesem Frischen endlose Ruhe. Holte mir Arbeitslust für ein paar Jahre. Stahl, als ich wegging, von der Diele diesen winzigen Stich. Es ist eine Szene mit Affen. Einer trägt das Kostüm Voltaires. Steht darunter: the travelling monkey. — — —

Weheste und zarteste Erlebnisse, die wahllos ineinanderstürzen, aber binden sich an diese Silhouette. Germaine schnitt sie mir, ultramarin auf orange, in unserem kleinen Haus an den Tuilerien, als der Sommer dunkel und mit Gerüchen durch unsere Gardinen wehte. Niemals in der grenzenlosen Flucht der Zeit habe ich den Leib einer Frau mit dieser Hingebung geliebt wie den Germaines. Ich ließ sie alle Tänze lernen, die ihren Gliedern neue Linien, tiefere Inbrunst und glänzendere Seligkeit geben konnten. Am schönsten war sie, wenn sie auf einem Fell abends neben meinen Füßen lag.

Sie trug ein langes weißes Hemd, träumte und färbte die Nägel ihrer Zehen. Draußen der dunkle Garten bewegte sich manchmal. In Pausen ging jemand vorüber, roter Himmel wuchs über die Rideaux, und wir wußten, wie nah und brennend Paris über der Seine sei.

Germaine saß oft tagelang auf ihrem sechsbeinigen Schemel und schnitt Silhouetten. Dann nahm ich sie mit ans Meer in ein kleines Nest der Bretagne. Tagelang wieder lagen wir da im Sand, ihr Leib an meinem Leib, und wenn sie anfing zu zittern, dann ward es Abend, und die Nacht schliefen wir in einem Bett, das Boot war, und Germaines Glieder lagen auf den schweren roten Decken wie Achat.

Paul Fort sagte von ihr, sie sei rührender als ein Papillon und schmerzender als ein Gedicht von Francis Jammes.

Germaine liebte mich, ehe sie mich verließ, aber sie hatte keine Seele. Allein sie besaß — unsagbarstes Wunder — besaß Knie von ungeheurer Süße, kleiner, zärtlicher als die Brust eines schlanken norddeutschen Mädchens von dreizehn Jahren. — — —

Den Carrière in dem ovalen Rahmen nahm ich aus dem Zimmer des Malers Binetti, als er nach dreitägigem Kranksein an Cholera starb. Stunde auf Stunde, den ganzen letzten Tag rief er einen seltsamen Namen. Er diktierte mir einen Brief, dessen Adresse ich nicht verstand. Binetti schrie. Ich habe ihm Wasser gereicht. Habe ihn in Eis gepackt. Ich habe ihn gebadet mit einer alten Frau. Binetti schrie den Namen. Ich habe ihn nicht verstanden. Am Abend gestikulierte er und formte immer eine merkwürdige Gebärde in die Luft. Sein Blick wollte mich zwingen, zu begreifen. Immer wieder machte er die Bewegung, und eine maßlose wütende Angst löste sich von seinen Augen ab. Er stieß mit der Zunge noch lange wie mit einem Dolch in die Luft, rascher, qualvoller, spitzer. Aber ich verstand es nicht.

Der Brief ist das Furchtbarste an Weh. Ich habe die Adresse nie gefunden. Es war in Marseille. Der Mond bewarf das Meer von flachen Dächern mit einem Licht, daß sie, eine aufflammende Kette von Spiegeln, Feuer in den Himmel brannten.

Vom Hafen her heulte das wahnsinnige Schmerzgeschrei eines Arabers die Straße herauf.

Ich und Binetti, wir hatten nach Tunis fahren wollen.

Ich trug diesen Brief in der Tasche, und manchmal machte ich die vage Geste in die Luft und wunderte mich und erschrak und wollte mich zwingen, es zu lassen. Aber sie hatte Macht über mich bekommen und meinen Nachahmungstrieb vergewaltigt, und so lief ich, ein Automat der fürchterlichen Gebärde des Sterbenden, den Quai entlang. Und ich fühlte, wie ich anfing einen Namen zu rufen, der sich langsam rundete wie aus einem zu A hin erhellten O mit fremden Palatallauten dahinter. Bis ich mich plötzlich wiederfand und den Kopf in die Fäuste geklammert aus dem Hafen rannte. Zwei Sergeanten traten mir in den Weg. Ich kam in eine Allee, wo ein Weinen mich nahm und über eine Bank warf.

Dies war die einzige Nacht, in der ich sterben wollte. — —

Den mennigroten Tod aus Wachs über Ihrer linken Schulter . . . nein so . . . ja . . . schön . . . schenkte mir der finnische Dichter Karelainen, der eigentlich Grönquist heißt. Grönquist ist schwedisch. Karelainen ist finnisch, Darin besteht der wesentliche Wert Karelainens, daß er sich eindeutig so und nicht anders heißt. Denn seine Verse sind schlecht. Für den Adel und die Intelligenz ist das Schwedische die höhere Sprache, und sie heißen sich mit solchen Namen. Karelainen stemmte dem aber seine breite Brust entgegen, seine feinen Hände dazu und vor allem das helle Wunder seines Mezzosoprans und propagierte mit dieser dreifachen Opposition das Finnische.

Aber es handelt sich nun keineswegs um Finnland. Wir saßen in einer schmutzigen Schenke einer kleinen Stadt an dem litauischen See Ssilkine, in dem wir gefischt hatten.

„Die litauischen Weiber sind Klötze Fleisch. Die Liebe der Männer geht über sie hin, Unempfindliche, wie eine Welle beim Krebsen oder ein Schlag auf den Schenkel. Sie atmen kaum.

Die litauischen Männer haben einen seltsamen Gang. Ihr Blut ist dick und ihre Brunst ist die der Zugtiere.

Aber es gibt keinen Treubruch, niemals . . .“ sagte Karelainen.

Er sah mich forschend an. Ich schaute an ihm vorbei Da winkte er ungeduldig einem Hausierer, der, ein Grubenlicht vor den Bauch geschnallt, in der Ecke Spiritus trank, kaufte den roten, wächsernen Tod und schenkte ihn mir.

Er wußte, daß ich jede Nacht bei der jungen Frau des Wirtes war, die neunzehn Jahre und ganz weiße Haare hatte und eine Haut, glatt wie ein Aal.

Es ist nicht wahr, daß die Litauerinnen in ihren Betten liegen wie Klötze Fleisch . . .

Dann hob Karelainen seine Hand, die flach auf dem Tisch lag, bis auf die Kante des schmalen kleinen Fingers, und indem er sie viele Male zart aber scharf auf den Tisch hakte, erzählte er, daß es im Finnischen nur drei Flüche gebe, deren erster ist „Perkala“, deren zweiter ist „Perrrkala“ und deren dritter ist ein rasches schneidendes Streichen eines jener Messer, deren Griff aus Horn ist und deren Spitze etwas nach der Seite gebogen scheint fast wie eine Rosenschere.

Es ist nicht wahr, daß es im Finnischen nur drei Flüche gibt.

Es gibt viele Stufen dazwischen.

Denn hier stehe ich.

Und es ist unwahr, daß es niemals Treubruch gibt in Litauen.

Karelainen war klug. Allein seine Fallen lagen zu plump, weil er zu sehr voll war von Eifersucht und Gift. Denn erstlich habe ich nie Angst vor Männern und dann in diesem Falle, seine Stimme war — Mezzosopran.

Im übrigen war er auch darum wütend auf mich, weil ich eine Forelle fischte, einen halben Fuß größer als seine längste. Er vergaß mir dies nie.

Auch ist an dem billigen Symbolismus seines Geschenks apriorisch ersichtlich, daß er ein mieser Dichter war. — — —“

(Nun ging der Freund zögernd und unentschlossen um einen Schnitt herum, der eine japanische Marterszene darstellte, und wechselte den Kopf zwischen träumerischem Mich-Anschauen und einem Anstarren des Bildes. Dann warf er rasch die Schultern herum und dachte aber, eh die entschlossene Bewegung beendet war, — es schien mir — wieder eine Flut neuer Dinge. Auch sein Profil hatte schärfere Linien. Und sagte dann:) „Ja.“

Nur: ja.

Ich sagte auch: „Ja.“

Ich wußte nichts anderes zu sagen. Auch fand ich es heiß und drückend.

Er sah mich sehr fremd und erstaunt an. „Ja“ . . . sagte ich.

Da antwortete er ganz kurz: „Gut.“ Und dann:

„Auch dies war in Marseille. Viele Städte haben mich geschlagen. Doch mein bestes hellstes Blut ließ ich in dieser. Wenn ich im Traum Schiff fahre und strande: es ist die Mole von Marseille. Wenn man im Traum (herrlicher Rimbaud!) mich amputiert: es ist das gelbe Spital dort im östlichen Viertel. Und auch dies, man krönt mich mit allen Insignien meines Ehrgeizes: es ist das Stadthaus von Marseille, aus dem ich in das Hohngelächter des Erwachens fahre.

So hasse ich diese Stadt . . . Die Pest . . .

Ich fuhr viel damals nach Aix. Es ist nicht weit. An der Universität hatte ich einen Bekannten, der über Bakteriologie las. Abends spielten wir zur Besänftigung Ecarté zu viert, ein jüdisch-russischer Flieger und ein japanischer Schüler meines Freundes, der noch kleiner war, als Japaner gewöhnlich scheinen. Er hatte eine sympathische Weichheit der Bewegungen und hinter den Augen: Energie. Er besuchte mich oft in Marseille und verstand es, was Ecarté allein ermöglicht, beim Kartenspiel entzückend zu plaudern. Einmal traf ich ihn mit einer Dame. Doch grüßte er mich nicht.

Auf Karneval waren wir alle zusammen in eines der großen mehrstöckigen Cafés gezogen, mußten uns aber bald zerstreuen. Nach einer Weile bekam ich Streit mit einem kleinen Kolonialoffizier, dem ich seine Jungfrau abnehmen wollte, die ich als Modell des roten Malers Hessemer von Lausanne erkannte — es ist ja nur ein Sprung —, die Kleine hatte ein Kostüm als Nymphe, loses Haar mit einem Reif, kurzes Kleid und nackte Beine. Ich faßte sie um die Taille, doch sie wollte, halbbetrunken, zu ihrem Leutnant. Sie wollte sich losreißen. Da legte der Flieger Blumenthal seine Pranke um ihr Gelenk. Jetzt gab es kein Loskommen mehr. Sie riß, warf sich mir schäumend um die Brust und biß mich durch den Frack tief in die Schulter,

Blumenthal sah es, ließ sie los, sie riß sich frei. Lief davon, ich folgte. Der Leutnant nahm den Flieger auf sich. Ich glaube, er wollte ihn in die Tasche stecken. Doch ich verlor die Nymphe.

Auf der Treppe zum dritten Stock sah ich aber eine junge Frau, die ein gelbes Kleid trug, das schönste an diesem Abend. Ich griff nach ihr. Sie lachte und stieß mir, rückwärts steigend, stets über mir, immer mit dem Knie an die Brust. Ich lachte. Plötzlich entlief sie mir.

Ich folgte ihr über ein paar Treppen, und da ich sie küssen wollte, führte ich sie in eine Nische gerade unter einen Streif Sternhimmel, der zwischen zwei Firsten lag. Sie legte mit Grazie und Wissen zwei halbvolle, leicht nach Wein duftende Lippen, die sehr warm waren, auf meinen Mund und flüsterte jedesmal — denn ich tat es öfters — dazwischen: maman . . . Dann lief sie wieder. Ich hinter ihr.

Sie rannte in einen Schminkraum. Ich wartete und sah auf dem Milchglas der Tür ihre Silhouette. Sie legte Rot auf. Ich lugte hinter einer Säule. Als sie herauskam, trat ich vor, und sie lief wie sehr erschreckt im Spiel davon. Wir rannten durch einen Saal, durch Lauben und Séparés, und kamen auf einen Korridor, ich wollte sie greifen — da sah ich an einem hohen Fenster gleich einem überraschend aufgestellten Marionettenspiel die Szene: Der kleine Japaner gestikulierend . . . ihm gegenüber ein Mann mit stark südlichem, fast spanischem Aussehen, in tückischer Haltung. Daneben an die Draperie des Fensterbogens gelehnt, bleich, halb leblos, sehr gerade, eine Dame.

Ich sah, wie der Japaner den Arm leise hob, wie das Gesicht seines Partners zu bluten anfing, und wie der Japaner dessen Arm über den Rücken hochriß . . .“

Da geschah etwas Seltsames.

Der Freund stockte, er keuchte. Sein Atem pfiff über die Stimmbänder mit einem Ton, als geige jemand über gebrochenes Glas. Ich fuhr auf. Er hob befehlend die Hand, ein wenig gebückt. Ich setzte mich wieder.

Er schellte rasch: „Wasser . . .!“

„Verzeihen Sie!“ rief er. „Ich habe Sie geblufft . . . es hat mich überwältigt . . . ich wollte zuerst nicht erzählen . . . dann mußte ich doch. Aber ich travestierte, tauschte alles um . . . Alle Personen sind unwahr. Keine ist echt . . . keine Kontur. Glauben Sie es! . . .“

Ich sah ihn kalt an.

„Diese Geschichte ist ganz anders,“ sagte er nun. „Ich habe geglaubt, sie von mir abtun zu können, wenn ich sie erzählte, aber ich konnte sie nicht erzählen. Da phantasierte ich sie. Aber das war noch schlimmer, zu sehen, wie etwas hätte werden können . . .“

Er sah starr nach dem Fenster.

Dann brach er in ein häßliches Gelächter aus. Sein Mund zog sich nach dem Kinn hinunter wie im Zwang von zwei Fäusten.

Dann drehte er stumm den Schnitt gegen die Wand, verbeugte sich und bat, nachdem er die Lichter gelöscht hatte und indem sein Gesicht wieder langsam in die alte Form zurückkehrte, ihn hinüber zu begleiten.

Allein ich blieb in der Türe stehen.

Alles stürzte mit verdoppelter Wut, mit erneuter Wucht über mich hin.

Ich fühlte: Abenteuerlichkeit fraß sich in die Wände. Schicksal brannte in den Rahmen und wollte heraus. Sehnsüchte ohne Maß, gelebte, nur gestreifte, schwellten den Raum, daß er fast barst, und Jahre rasten auf dem Sekundenblatt der Pendüle herunter.

Ich sah in diesem Zimmer alles wie in einem glänzenden Kaleidoskop verwirrt.

Und als ich über die Schwelle zurücktrat und das Gebeugte im Gang meines Freundes sah, ward mir plötzlich das Straffe meiner Brust bewußt und das Brutale meiner Haltung, und da wußte ich, daß ich mein Leben gut gelebt hatte. Denn dies ist nicht die Frage, ob wir aufleuchtende Dinge erleben und in heiß aufklaffenden Abenteuern stehen (wie wäre das klein und subaltern), sondern es ist dieses, was dem Geschehenen erst Form gibt und Würde: was wir mit den Erlebnissen tun . . . Und ich wußte bei diesem Zusammenbruch, was mir immer klar war, das war recht:

Man soll keine Erinnerungen haben. Niemals. Nein! Und am wenigsten noch armselig Fetische bilden und seine Erlebnisse in Dinge tun. Man soll keine Beichtstühle in seine Wohnungen tun. Sie zwingen in die Knie. Dann oder wann.

Man soll die Dinge von sich werfen. Weit. Und die Erlebnisse abstreifen wie einen Seifenschaum mit nachlässiger Hand von der Brust am Morgen und am Abend und jeden Tag, damit sie uns nicht demütigen einmal früher oder später so und so.

Denn der Genuß des Abenteuers ist das ungewiß Beschwebende: Wissen, vieles Bunte getan zu haben, aber eine Luft hinter sich zu fühlen ohne Halt und ohne Farbe. Tosendes . . . rasendes Leben . . . — So ist es.

Aber auch ohne dies war das Zimmer eine Sünde gegen die Kraft: Sein Rausch war ein Anreiz im einen, und ein Opiat im andern, und eine Hemmung im Ganzen. Denn es lagen in ihm (wie ein Hohn) zusammen das Große und Schwache, und das Ungeheure wie das Süße . . . die Erhebungen, zwischen deren Polen sich die Skala unserer Erlebnisse bewegt und beglänzt, und die in dieser Spaltung, das Eine oder das Andere, maßlos entfernt und fremd voneinander und niemals zu packen in einem Griff, unser Leben ausmachen und erfüllen und so sind (im täglichen Leben) wie diese beiden Beispiele:

Die Sensation eines Expreß, der eine kleine abendliche Station durchrast — und das Erleben eines Ladens mit ausgebreiteten Seiden an einem allzuschnellen Frühlingstag auf der Meisengasse zu Straßburg.

DER TÖDLICHE MAI

ALS es nun um Ende der Woche kam, daß der Tod ihm (dem Maler und Offizier) die Eingeweide zerriß und er brüllend lag zwei Stunden lang, geschah es, daß die Pflegende erstaunte, denn das Geschrei bog sich langsam um in eine Stille, und aus der plötzlich sanften Ruhe seines Mundes stiegen jauchzende Rufe wie bunte Kugeln mählich in die Höhe und ketteten sich ineinander zu Jodlern, wie sie im Sommer der Schweiz tagelang von Berg zu Berg hinüberschweben.

Sie trat dicht an ihn heran und wusch ihm mit einem getränkten Lappen den Schweiß, der um den Mund herum austrat, aber er sang durch ihre kreisenden Handbewegungen weiter, verdrehte die Augen, streckte sich scharf in die Länge, legte sich auf die Seite und schwieg.

Nach einer halben Stunde rief er die Pflegende.

Seine Augen lagen tief in den Deckeln der Lider begraben, ein rötliches Weiß schimmerte heraus und der halbe Abschnitt der Pupille. Der Mund und das Kinn glänzten in leiser Seligkeit, die Stirn war rein und hell trotz der Bräune. Die Schläfen waren eingefallen, die Nase angespannt und an den Nüstern unbewegt wie über eine Pauke gezogenes Pergament.

„Die Bäume . . .“ sagte er. „Die Bäume . . .“ und jubelte mit der Hand.

Die Pflegende schauderte. Sie sah, wie der Tod seinen Leib aufwirbelte und blähte und empfand zugleich, wie der Raum sich furchtbar unter seiner Heiterkeit anfüllte.

Er sang das Wort „Diebäume“ im wechselnden Umschwung aller Melodien. Er hielt mitten in den Buchstaben ein, ließ den Ton verrollen und schob zwischen den bläulichen Lippen rasch und lachend den Rest nach. Er knickte die Silben wie Weidengerten, warf die schwachen Vokale glitzernd hoch und duckte die saftigen. Manchmal schien das Wort ein explosiver Ton, andermal eine verwirrende Skala. Oft bog und verengte er die Laute, ließ sie wie Brandblasen aufglühn und zerplatzen und schrie sie plötzlich in gleicher Folge wütend hinaus. Er spielte mit dem Wort wie mit einer Beute, katzenhaft, tückisch, selig, feig, lind und grenzenlos erbost.

Er klomm die letzte Krise der Krankheit hinauf, das Wort wie einen Säbel zwischen den Lippen.

Manchmal warf sich ein Lächeln über sein Gesicht. Trunken spannte er die Nasenflügel und sog. Die letzten Stunden der Nacht waren höllisch.

Das Fieber kurbelte an die äußerste Grenze. Der Bauch sackte ein und wand sich in Zuckungen. Das Weiß des Auges war über Gelb zu dickem Grün geworden.

Er brach blutigen Kot, schüttelte die Hand und sang das Wort

Das Herz war im Brechen. Der Puls lief lächerlich dünn. Seine Zähne stießen kleinen Schaum auf den Lippenrand, der sich unmerklich rundete: es war das Wort.

Er hing an ihm zäh wie ein Affe, verbissen an einem Trapez. Und es riß ihn heraus.

Schlank wie ein Tänzer lief er auf ihm durch die Nacht, das Fieber und den blutigen Auswurf.

Segelte dumpf genesend durch das Aufundabgehen der Gestirne, der tödlichen schweren Sonne und den leichteren Aufflug des glänzenderen Mondes wie durch ein Spiel mit wechselnden bunten Ballonen hin mit unsäglicher und berauschend linder Bewegung.

Schwamm mit beruhigendem Opium in den Adern durch die breite Schwermut der ersten Abende und sehr frühen Morgen und das harte massive Dunkel der Wolkendämmerungen mit einem Weiß auf der Stirn, das alle erstaunte, und einem unmerklichen Flüstern auf den Lippen, die stets bewegt waren gleich der Brust einer weich Schlafenden.

Eines Morgens stieß die Sonne in einem langen und schönen Streifen durch sein Fenster und fiel hart unter sein Kinn. Da lief eine schwache Erregung über ihn, er verdrehte die Augen nach links, warf sie dann nach rechts hinüber, starr, daß die Pupillen, nach oben gestemmt und aus den Höhlen getreten, in das Innere des Kopfes hinein zu bohren drohten, ließ sie dann sanft zurücksinken, schüttelte sich, machte den Mund auf, groß und weit und schloß ihn wieder.

Schloß ihn hart und fest, lag nach diesem Signal noch zwei Tage und war darauf völlig durch die Gefahr hindurch. Er war mimosenhaft zart und sehr scheu in den Stunden des genesenden Körpers und des kommenden Bewußtseins. Seine Soldaten kamen zu ihm und gratulierten ihm zu dem Sieg gegen den Tod. Er winkte mit der Hand hinauszugehen, erkannte sie kaum. Die Pflegende sagte ihm, sie seien traurig, wo sie unter ihm in tausend überschwemmenden tödlichen Minuten gestanden hätten, nun, wie er krank, nicht von ihm geliebt zu sein. „So . . .“ sagte er. Assistenten, Ärzte kamen. Sie versicherten ihm alle, daß er ihr Kopfschütteln ignoriert und stramm und siegreich über ihren Unglauben in die Gesundung hineingesprungen sei, zweibeinig und massiv. Er sah sie verwirrt an.

Apathische Wochen folgten. Der Vorsteher des Genesungsheims erzählte ihm. Krieg . . . ja . . . gewiß . . . er freue sich. Er legte den Kopf herum.

„Bücher?“

„Danke . . . nein.“

„Palette . . . Wollen Sie wieder malen? . . . Bedenken der Überanstrengung zwar. Allein . . . ich wäre stolz —“

Er schüttelte langsam den Kopf.

Das Gewicht des Körpers nahm geringfügig nur zu. Wenig Interesse füllte ihn für den Umkreis der Dinge, noch weniger für sich selbst. Lag eine Schwebe zwischen Lebenwollen und Lebenmüssen, der Funktion aller Physis fähig, ein Fragezeichen der Bejahung, allen Möglichkeiten neuen Lebens ausgesetzt . . . aber ohne Schwung.

Oft trat er abends auf den Balkon des Hauses, der verwachsen und kühl war. Die Ebene betäubte ihn anfangs mit ihrer Grenzenlosigkeit, langsam empfand er sie aber — um ein an das Endliche stoßendes Bild zu haben — als eine riesige Kreisbewegung, die um ihn herum, zuerst stark, dann sich im Silber der Ferne verzehrend, gegen den Horizont schwinge. An einer Seite hingen ein paar Wellenschläge ferner Gebirge, runde Hügel, gleich nach unten gekehrten Wolken, zittrig in der Luft. Diese Gegend aus Fläche, Gras und Steppe, von brüchiger Luft überstanden, gab ihm das Gefühl, Mittelpunkt einer gläsernen Glocke zu sein. Sonne schlief reglos auf Bach und Moos und kleinem Gestrüpp. Die Tage hatten katzenhaften Ablauf, stumpf und aufreizend in dem währenden Gespanntsein dieser Leblosigkeit.

Da warf ihn eine Wagenfahrt, zu der der Arzt ihn zwang, in die unmittelbare Nähe einer wenig entfernten Königsstadt in eine Schloßanlage. Der große Dogcart mit den polierten roten Rädern schaukelte einen Nachmittag lang über geschwungene Wege und über Brücken. Er erlebte dichtes Dunkel des Parks, unendliche Stille um pagodenhafte Pavillons, den raschen Vorbeischwung weißer Nebenschlösser. Dann befanden sie sich mitten im Gewühl weiter Auffahrten, auf die ganz am Ende der Alleen die Kaskaden fesselloser Terrassen herabstürzten. Hier empfand er Weite und Herrlichkeit der Welt an sich vorbeiziehn. Der Wagen schwamm an dem langen Wasserspielwerk, das von der Fassade bis in den blauen Horizont hinunterlief, entlang zwischen Hunderten spazierender Menschen, zwischen farbigen Jacken, weichgelben Handschuhen und der Orgie aufgeblasen roter Sonnenschirme.

Er kehrte nachdenklich nach Hause zurück.

Am Morgen erwartete er den Aufgang der Sonne von seinem Balkon. Er sah den Aufstieg über die schmalen Hügel und die langsame Belichtung der Ebene, die sich sinnlos und schwer mit dem Rot anfüllte. Da ging eine unfaßbare Sehnsucht nach Glühendem, Rasendem in ihm auf, er bog sich vor Gier nach der Stadt. Der Arzt war dafür, er brach auf, durchstreifte Straßen, die voll Anmut, Gärten, die voll Jugend waren. Am Abend landete er in einem Lokal, das mit jubelnden Tapeten überzogen war. Es war gefüllt mit schönen weißen Tischen und Stühlen. Viele bunte Laternen glühten darüber. Der Wind bewegte sie leicht. Alle Gesichter waren von schwankendem Rot überströmt. Feine Frauen saßen in den Sesseln, zurückgelehnt, lässig und mit Herren plaudernd. Es gab Musik. Manchmal lief der Wind heftig durch die ausgehängten Fenster und es gab ein Gewoge von Licht, das alle überstürmte. Dann hoben sich die Geigen aus der Musik in die Höhe und übergitterten mit namenlosen Spitzen den Raum.

Da ergriff ihn das Gewühl des Daseins mit einer tobenden Berauschtheit. Er fühlte sich von heißester Erregung in starre Kälte geschleudert und dann von neuem beißender Hitze entgegengeworfen. In seiner Brust wütete ein Orchester, Orgeln brannten auf, und in langen, grausamen Voluten hoben sich die Bläser zu einem furchtbaren Stoß.

Es war zuviel: Man sah einen Offizier die Arme dehnen, die Brust herauspressen, einen seltsamen Jodler über das Lokal hinfeuern und die Hände auf den Tisch zurückhauen.

Er zerschlug die Lampe und einiges Geschirr.

Der Kellner tat sehr ruhig. Fernersitzende dachten an Zufall und Mißgeschick. Er gab dem Kellner märchenhaftes Trinkgeld, nahm die Mütze und ging breitspurig, säbelschleifend hinaus.

Draußen begann er sofort zu weinen. Toll tanzten die wunderbaren Frauen, die er wie zum erstenmal wieder sah (wieviele er gemalt hatte, wußte er nicht mehr, denn Dasein dünkte ihm noch neues Leben nach halbem Tod) vor seinen Augen, die Seiden, die Funken der Lichter. Unbegreiflich schluchzend empfand er die Wärme der Nacht, flüsternd . . . „le . . . ben . . .“ —

Dann ballte er die Fäuste, und als er von der kleinen Station nach dem Landhaus fuhr, stand sein Kopf scharf und sehr entschlossen auf seinem Körper.

Es kamen rasche Tage. Er rieb sich den Buckel an der blitzenden Scheibe der Stadt. Freude umgab ihn lind. Trieb und Wonne füllten golden seine Adern. Säfte rannen über seine Haut. Leben umspielte ihn reich. Es war die Rede, daß er zur Front zurückkehre. Er nickte.

Er nickte. Es war gut.

Der Mond kam abends aus der Ebene durchsichtig und schön wie aus dem weichen Munde eines Glasbläsers gebildet, und gleichsam von seinem Atem gehoben, so schlank und zart überflog er die stumme und dunkle Festlichkeit des Himmels.

Bald gab es tagelangen Sturm. Böen überschütteten die Steppe. Wolken schlugen übereinander mit Geheul. Schwere Regen knallten an den Fenstern. Geduckt sprang brüllender Wind in jede Spalte und zersprang dort in Fetzen von niederreißendem Radau. Nachts, wenn die Regenschwaden vom Sturm schräg herabgehauen auf die Ebene knatterten, schien es, Tausende von Eskadronen überritten die Steppe und die Bäuche aller Pferde schlügen langgestreckt zwischen den rasenden Sprüngen in einem Takt gegen die Erde.

Da zog er rocklos durch das Haus, probte die Muskeln, steckte Lichter an und sang mit jubelnd gesteigerter Stimme.

Er sagte (als der Wind eine Pause einschob) „Sehen Sie die Kassiopeia?“ zur Pflegenden, zog sie in die Fensternische, hob die Flügel, deutete nach oben und lachte, als der Staunenden ein Nebelstreifen glitzernden Regen ins Haar schmiß.

Später einmal kam, heiß und verstaubt, ein schmaler Zug die Ebene herunter. Er tauchte grau und wie ein Punkt auf und wurde ein dünnes Gerinnsel durch das vergilbte Gras. Sie defilierten am Haus auf die Entfernung von zwanzig Metern.

Zuerst ging ein großer Mann, braun mit Narben von Hieben durch das Gesicht. Sein Kleid war Polichinell. Enganliegend mit Dreiecken gemustert zitronengelb und weiches Blau. Der Hals war unbedeckt und gefurcht. Seine Beine traten wie ein Pferd einen nach vorne ausbiegenden Trab, der stets Silhouetten vor dem vergrauten Horizont spannte und von trauriger Müdigkeit war. Hinter ihm kam ein Elefant, ein Dromedar und ein Wagen voll von farbigen Kindern.

Er trug zwei Stangen über der Schulter, um deren Spitzen ein Netz geknotet war, in dessen Maschen ein kläffender Hund saß und ein perlweißer Fasan.

Es war so süß langweilig in diesen Tagen, daß die Insassen des Hauses alle staunend und lachend hinausliefen, die Taschen umwandten, Geld über die Menschen warfen und in Eile Stühle aufschlugen. O Rausch eines unerwarteten Zirkus.

Es gab eine glänzende Vorstellung.

Der lange Führer wirbelte in die heiße Luft, mit Fahnen in der Hand, Sprünge und Verrenkungen, strahlend und bunt.

Alle Soldaten suchten auf dem Dromedar zu reiten; Die farbigen Kinder warteten gespannt, bis ein zufälliger Blick auf ihnen zu ruhen begann, sprangen in die Höhe, überschlugen sich grotesk, setzten sich fest auf die Hintern und streckten bettelnd die Hand vor.

Der Elefant rückte verlegen auf seinen Beinen, verengte den Raum unter sich und ließ sich endlich mit seiner Rückseite auf einem Fünfzigliterfaß nieder und zog die Vorderbeine hoch wie ein Pudel.

Der Führer gab ihm eine Mandoline in den Rüssel und band ihm ein rosa Band an die Spitze des Ohrs. Sein Gesicht blieb unbewegt und verächtlich wie bei seinen Sprüngen.

Indem fuhr auf der anderen Seite des Hauses ein Wagen an. Der Maler sprang heraus mit zwei geschossenen Lapins und die Augen voll Träumerei von Frauen, mit denen ihn die Einsamkeit der Heide überfallen hatte. Er trat in das Haus und schaute durch das Fenster.

Da schwoll sein Gesicht hochrot, er blies die Backen auf vor Zorn, und einen dumpfen Laut ausschreiend, sprang er heraus. In seiner Hand lag ein Säbel. Er machte einige Sätze und schlug dann die flache Klinge mit einem sirrenden Ton dem Elefanten ausgestreckten Arms klatschend auf das Blatt.

Das Tier sprang auf. Es stand. Es spreizte langsam die Beine, schob die Ohren zurück und hob den langen Rüssel ganz wagrecht.

Da ließ er, während alle anderen starr gebannt steif zuschauten, den Stahl fallen und strich andächtig und bewundernd den Rüssel mit der Hand entlang und hob ihn hoch, daß das weißliche Rosa des Mauls, das gleich einer fremden von Überreife angefaulten Frucht zwischen der harten Seltsamkeit der elfenbeinenen Hauer lag, aufklaffte. Dahinein legte er die Hand. Der Pulcinell brachte unter Bücklingen Zucker und legte sie in den untersten Rüssel. Der Elefant bog sie mit schlangenhafter Windung in das Maul.

Dann warf er wie einen Springbrunnen den Rüssel hoch und schoß überraschend und plötzlich einen so ungeheuren dunklen und wilden Schrei gegen die Menschen, daß sie einen Augenblick alle schwiegen.

„So . . . gefällst du“, sagte der Maler und steckte den Säbel ein.

Das Gesicht des Führers blieb über den Verbeugungen unbewegt und verächtlich wie bei seinen Sprüngen.

Es lag den Abend ein gewaltiger Druck auf der Landschaft.

Sie waren, als die Sonne sank, heiß und verstaubt, ein schmaler Zug, die Ebene hinuntergezogen. Sie flossen ein dünnes Gerinnsel durch das vergilbte Gras und verschwanden grau und wie ein Punkt.

Am späten Mittag saß die Pflegende bei dem Maler, der auf einem Schaukelstuhl lang lag und rauchte. Sie schwiegen lange Zeit.

„Können Sie sich den Urwald vorstellen“, fragte er. Sie lächelte: „Nein —“

„. . . den Rand des Urwalds, Schwester. Ein Elefant reißt Lianen auseinander, erscheint. Die Sonne schwingt auf, rot. Er schreit ihr entgegen . . . Und hier: o Müdigkeit . . . o Müdigkeit . . .“

Sie sah nachdenklich auf ihn. Dann stach sie eine Nadel durch ein Fliederblatt und sagte langsam: „Es ist Ihre Sehnsucht, Wald, ich weiß es. Ich weiß, daß Sie sich stets daran klammerten, als Ihre Krise war! Sie wissen nichts?“

Er wußte es nicht.

Er schüttelte den Kopf, lächelte und verneinte.

Da sagte sie leis: „Die Bäu . . . me.“

Wieder kam das Lächeln über sein Gesicht Aber ihr war, als ob es Gewalt bekomme über den Inhalt des Gesichts und als ob es sich einforme wie eine fressende Säure. Seine gespannten Muskeln waren einem sekundenhaften Verfall unterworfen. Sie schwanden unter der Haut.

Ganz weiß hob er den Kopf: „Habe ich . . . ha — — — be ich . . .“

Von schwerem Entsetzen geschüttelt wand er die Arme durch die Luft. Seine Augen wurden rund, kugelhaft und fast wie Glas und starrten über die Ebene. Er keuchte und deutete vor sich: „Geben Sie mir diesen Stein.“

Ihm schien die Schwelle eines seltsamen Unterbewußtseins durchstoßen. Er hatte alle die Wochen nur ein Leben gehabt, das seine Wurzeln hatte in seiner letzten Krankheit. Wohl wußte er die Dinge und Vorgänge der Zeit und seines Lebens auch vorher. Aber in diesem Augenblick schien es ihm, daß eine dünne Haut darüber gewesen sei und daß ihm die Erkenntnis nach deren Platzen nun erst neu, groß und unendlich furchtbar wieder zuströme.

Er nahm den Stein, den ihm die Pflegende reichte. Er war sehr schwer und kantig. Er drückte seine Hände hinein, hielt ihn an die Stirn, hob und prüfte ihn und legte ihn fest auf das Knie. Er empfand, wie die Angst vor der plötzlichen Leere um ihn herum schwinde und wie das Gewicht des realen Steins ihn wieder an das natürliche Leben und die geliebte Erde (prometheisch) zurückriß.

Dann warf er den Stein weg und sagte:

„Schwester, Sie kennen das nicht. Sie kennen das nicht, daß der Himmel plötzlich ein Abgrund scheint und entflieht und die Erde unter Ihnen sanft entweicht und am Horizont ein Strudel unermeßlich aufgeht und beginnt Sie aufzusaugen, der Sie sich schon langsam zu drehen scheinen. Schwester, bleiben Sie sitzen. Es könnte mich sehr stören, wenn Sie sich bewegten. Hören Sie: ich war niemals feig . . . nie . . .“

Sie bewegte ihr stilles Gesicht hin und her.

„Sie denken an meine Auszeichnungen,“ schrie er sie an. „Nein. Sagen Sie nichts. Daran sollen Sie nicht denken. Das liegt außerhalb meiner Betrachtung. Bleiben Sie sitzen. Sie sollen an meine Seele und Ihren Mut denken. Können Sie das? He — — —“

Sie sagte, ihr sei das Leben keine so besondere Sache, daß sie nicht auch dies vermöge.

Da fing er an zu weinen, wurde sehr still und flüsterte: „Sie haben unrecht, Schwester . . . es ist alles . . . al . . . es — —“

Er schluchzte mit einem zerreißend stillen Laut.

Darauf begann er wieder zu sprechen, kalt und hart.

Seine Stimme flog aus seinem Munde, als sei sie durch ihn, beziehungslos zu den Lippen, die sie formten, aus irgendeiner dunklen Ferne geflossen. Sein Kopf hob sich bleich und edel über der Kante des Stuhls, und die Haut der Schläfen zitterte über dem blauen Geäder.

„Mitteldeutschland . . . Schwester, beim zweiten Rücktransport von der Front nach der Passion von fünf durchlegenen Lazaretten . . . Mitteldeutschland im Westen . . . und es war Mai . . . das ist fabelhaft. Der Rhein war nicht fern. Himmel seidig und bebte vor Blau.

Wir waren da fast alles Offiziere im letzten Stadium des Genesens aus böser Erkrankung wie hier fast . . . nur anders, süßer — unbeschreiblicher. Es war ein modernes Schloß mit säuligen Bogen und Wiener Keramik, mein Gott. Dahinter Wälder und überall herum schweifige Hügel und Täler, leicht gesenkt. Es gab eine phantastische Hygiene. Marmor, weißes Gemöbel, Staubsektoren, Sonnenfenster, Duschen von oben, Duschen von unten. Es gab einen unendlichen von Weite ausgedehnten blauen Tanzsaal mit einem großen glänzenden Flügel. Pariser Millionäre hatten diesen strenglinigen Tempel gebaut und ihn einer südamerikanischen Tänzerin gegeben, die da die schönsten Mädchen Europas in die gleitende Form körperlicher Musik hinein erzog. Die Mädchen waren in einer nahen Stadt damals.

Die Kirschblüte kam. Die unzähligen Bäume beschwebten sich weiß. Es flaggte drei Tage. Dann ging das flaumige Strahlen in einem wahnsinnigen Wind zum Teufel. Ich liebe diese Blüte nicht. Sie ist zu weich. Kennen Sie worpswedische Maler?

Nein, — ja, Schwester, was soll Ihnen Kunst, was soll Ihnen Bildnis?

O Nebensache, o Nebensache! Leben ist hundsföttisch mehr, ich weiß.

Nun ebenso schwach, so zag, ekelhaft überfein ist diese Blüte wie Zweige, gemalt von diesen Menschen, hypertrophierten Empfindungsdestillatoren des Seins. Leben ist breiter, saftiger, spritzender, Schwester: Weinernte am Rhein, Heringsfang in Holland, bürgerliches Schmausen im Elsaß . . .

Dann brachen alle Apfelbäume aus. Unten die Blüten ein wenig rot, oben kräftig weiß. Die Hügelkette war zum Platzen voll von ihnen. Manchmal standen sie wie Haine zusammen. Ich liebe sie.

Es roch, Schwester —“

Er warf das Gesicht zurück in einer wahnsinnigen Spannung: „Ich fürchte mich,“ flüsterte er.

Sie legte ihre Hand auf seine.

Aber er schüttelte sie ab: „Lassen Sie das —.“

Sie ließ es. Sie setzte sich näher zu ihm. Seine Stimme fing wieder an:

„Abends sanken Herden von Nachtigallen in die Bäume und verwüsteten die Nacht mit Süßigkeit.

Niemand weiß das, der es nicht sah: Sie werfen ihren Hals hoch, daß er plötzlich mit Gesang, der nicht Ton wurde, rasend gefüllt steht gleich einer runden Trommel, eine glühende Blase, größer schier als ihr Leib, an der sie wie an Montgolfieren in die weiche Unendlichkeit verschweben könnten — und dann werfen sie die stählerne Wärme der langen aufblitzenden Laute ergreifendsten Verzücktseins in die entzündete Dunkelheit.

Wir hatten einen blonden Kameraden aus Bornholm. Er wurde verrückt, als nach einem Gewitter aus einem nassen Fliederbusch ein Dutzend Nachtigallen plötzlich mit Gesang aufklirrend sein Gleichgewicht zu schwer erschütterten.

Ja, daß Schönheit tausendfach mehr tötet als Haß und Wut, Sie sollen es wissen. Was sage ich Ihnen, Schwester. Wo will ich hin . . . hören — hören Sie mich? . . .“

„Sie erzählen die Verzücktheit des Lebens . . .“ sagte die Schwester innig und bewegt.

„Ich erzähle die Verzücktheit des Lebens. Ja. O Rausch, o Sonne, o Ruhm, o Süßigkeit . . .“ Er stemmte die Fäuste im äußersten Schmerz und schwärmerisch gegen die Brust.

„An einem Abend kamen dreißig Damen, ein Fürst und viele Herren. Es hatte eine märchenhafte Art. Sie trugen seidige Kleider, Schwester, o von so feinen Firmen, die Sie nicht kennen. Und es gab wie Glas schimmernde Namen und schwermütige Profile.

Es gab Lampione.

Es gab Mond.

Unter den Apfelbäumen war eine Lichtung. Der Hügel schob sich leicht und schräg gegen den Horizont.

Wir saßen alle auf Stühlen, die auf der Wiese standen. Der Fürst hatte einen Säbel in einer Hand, in der anderen Blüten.

Dann kamen die Mädchen, Jungfrauen im Alter bis gegen Zwanzig, die kein Mann berührt hatte und die nur wenige sahen, die sich, weibliche Narzisse, nur in der entrollten Geschmeidigkeit sälelang ins Uferlose gestellter Spiegel in ihren Körpern empfanden. Sie trugen kleine Tuniken, die wie nichts waren, und tanzten auf dieser schrägen Ebene uns gegenüber zwischen den Bäumen, tanzten mit Hüften, fließend wie die glatten Sprünge der Leoparden, Beinen . . . stumm vor Berauschtheit, und Armen, die sie im wilden Entsetzen der Schönheit in den Mond hinein schwangen.

Alle gingen dann zurück zum Schloß, ich stieg zum höchsten Hügel . . .“

Er hielt ein. Sein Blick tauchte verschleiert in die Tiefe des späten Mittags. Seine Worte fielen dann, als er wieder anhub, heftig, immer schärfer und in monotoner Geschwindigkeit. Sie fielen, als stünde einer im Licht in voller Rüstung und schlüge im riesigen Kreisschwung beider Arme zwei Schwerter pfeifend immer rascher durch die Luft.

Er sagte:

„Es war still geworden, fast tonlos. Manchmal allein in langen brausenden Linien stürzten schwere Hummeln auf die weiße Ebene der Bäume. Es war lau, weich, Wasserdampf schwebte in der Luft. Das ließ die Ferne vibrieren und die Sterne hatten davon etwas feuchten Schimmer. Hügel schob glatt über Hügel, Linie über Linie schwingend, in die Rheinebene. Bäume sprangen Abhänge hinauf, in der Nacht hin und her, und standen näher, tänzerisch zueinandergeneigt. Oben hing der Mond.

Diese Nacht war ungeheuerlich in ihrer Üppigkeit. In ihrer nassen Glut. In ihrem unheimlich gesteigerten stummen Gebrüll nach Dasein und trunkenster Fülle des Lebens.

Schwester: ich dachte da mit einemmal blitzhaft an die wüstesten und größten Dinge meines Lebens.

Ich wußte um Grate im bayrischen Gebirg, die ich spielerisch als Knabe überrannt hatte. Ich sah den schweren Wahnsinn der afrikanischen Hetzen. Sah den zerschlagenen beuligen Kopf im Dirnenhaus des Genuesischen Hafenviertels im Augenblick des Erwachens verzerrt in schmutzigen Kissen. Ich wußte um das aufschreiende Werben fetzender Granaten, die trunkene Explosion der Abendschlacht. Ich sah ein Segelboot kentern im Starnberger See, sah den großen Verzicht eines feinen Mädchenauges (o weinen, weinen), sah den verwesten Leichnam des Freundes aus der Konfirmation im Park erhängt, sah das Sterben Maria Anderssons, die ich geliebt habe, die Schöne und Tanzende, wie einen bunten Vogel. Ich wußte um den Augenblick, der bewegungslos in der Pupille des Persers hing, als er in einer Pariser Spielspelunke den Dolch mir über die Achsel in den Rücken schlug — —

Was wissen Sie, Schwester, was einem Mann schwer und Gefahr ist . . .

Aber ich wußte in dieser Minute: daß ich lächelnd dies alles wiederholen würde, daß ich singend wie ein Engel van Dycks gegen tausend Mündungen Kanonen gehen könne . . . statt dieser Minute . . . daß dies alles Erlebte eine kleine Prüfung, ein verächtlicher Vergleich und ein Geringes und Unwirkliches an Schwere sei gegen diesen einen Augenblick des Erlebens.

Denn es kam, daß ich vor der tobenden Süßigkeit der Nacht, in der das Leben dunkel rauschte wie ein verschlossener Schwarm von Bienen, daß ich vor der ungeheuerlichen Berauschtheit des Daseins mich hinwarf und weinte und grenzenlos den Tod zu fürchten begann.

Den Tod, der mir eine gemeine Sache, Oberfläche und sehr gering zu schätzen erschien, wo er mir nahe war wie eine Kugel, ein Gift oder ein Dolch . . . und es mir blieb . . . in dieser Form . . . auch späterhin. In dieser Form . . . in dieser Form.

Ich weinte.

Und da schwamm aus dem Schloß das hungrige Begehren einer Geige, hob sich, klirrte wie ein scharfer Käfer, raste um die Hügel, hieb sich verzweifelt sehnsuchtsvoll in die starke Brunst der weißen Bäume und kreiste den Horizont ein in zuckende Tiraden.

Und ich spürte die Hand, welche sie führte, fühlte mit gleichem Gefühl das weiche Fleisch des jungen Mädchens, das sie spielte, die rasche Berührung ihrer Brust, ihres streifenden Beines, das erzitternde weiche Fleisch mit dem silbernen Flaum, die mädchenhafte Weise des wiegenden Gangs, die königliche Süßigkeit . . . und ich brüllte, Schwester! Ich lief in den Hain und brüllte: — Nicht sterben! — brüllte ich. Riß kleine Zweige und zerkaute sie, bohrte das Gesicht in überschäumte Äste, betete, fluchte, weinte . . . es gab keinen Gott, der dies löste.

Ich begriff es nicht: Den Tod belächeln, das Leben fürchten . . .

Aber überall war Tod. Die Blüten brannten furchtbar an den unteren Flächen. Tausendfach schwoll Blut in der Luft. Eine riesige Spinne krampfte schnürend das Getanz der Apfelbäume zusammen, sie zitterten unter entsetztem Schrecken. Regenbogen schnellten durch die Nacht. Mord saß dunkel im Geäst. Ich ängstete auf der Stirn. Der Mond war mild. Aber die Sterne bogen sich herum und blitzten kalt wie die Spitzen unzähliger hingehaltener Schwerter.

Und das Schweigen dehnte sich, als ob es zerreißen müsse, und die Stummheit, die volle maßlose Trunkenheit der Nacht kam in Bewegung, drehte einmal um und begann zu kreisen und ward ganz fern am Himmel ein dunkler Strudel, der sog und sog —

Ich schrie. Hell. Entsetzt und außer mir . . . Ich wollte nicht sterben.

Wollte nicht sterben. Nein . . schrie —

Schwester, ich habe nachher noch, eh ich herkam, vor meinem Typhus, den Tod gekannt in vielen Phasen, nahe an mir vorbei oder sich zurückwerfend vor mir im letzten Moment des Anlaufs. Ich stand in ihm wie der Mittelpunkt einer Explosion zahlloser Schrapnells.

Ich lüge nicht. Ich hob die Hand, ihn zu zerdrücken.

Ich hob die Hand, verächtlich, und schlug nach seinem Gesicht —

Aber in jener Nacht, da . . . da erkannte ich tiefer den Tod in der ungeheuerlichsten Schwellung des Lebens.

Ich lief ins Schloß, kroch in eine Ecke und fürchtete mich.

Ich wurde verachtet, geschmäht, verlacht. Man tat das Äußerste zur Erklärung des Unbegreiflichen im zivilen Dasein: man zweifelte an meiner Zurechnungsfähigkeit. Man hätte mich anspeien können.

Ich hätte gebettelt: Leben . . . leben . . .

So ist es.

Schwester — aber ich weiß, ich weiß nun mehr, unerträglich mehr wie alle anderen Menschen. Ich weiß: ungeheure Taten mögen geschehen, endloser Ruhm errafft werden von Dichtern, Feldherrn, Musikanten und Malern . . . im letzten Ziel ist Tod. Andere wissen das nicht, ahnen es, haben aber nicht die Schärfe ewigverkündlichen Wissens und Umsichfühlens.

Wie ist die Welt bunt! Leichte Karussells laufen über die Jahrmärkte. Flieger erschwimmen die betäubende Höhe der Gestirne, gewiegt vom Nichts. Kapellen spielen in Theatern und Gärten. Mädchen tragen Schürzen im Hause und Bänder zum Ball. Und die Pferde . . . auch die Hunde sind schön und von Andacht . . . Städte erleuchten sich abends mit sanftem Gas.

Wie kann ich dieses Beschwingte fürder noch spüren, den feinen Reiz und die breite Schönheit, wenn ich den Tod darin sehe jederzeit? Und muß sie doch lieben grenzenloser als immer und brennender wie jeder, weil ich weiß, daß das Leben so schwer und so gewaltig hoch das Letzte ist. Aber meine glühende Liebe wird stets auf den Tod stoßen, und so werde ich hin und her geschleudert sein, ahasverisch und in einem verzehrenden Tosen, zwischen ungeheuerer Anbetung und tödlicher Erkenntnis.

Ich werde in unmenschlichen Spannungen leben müssen, denn das Spannungslose saugt mich auf. Ich werde lächeln und, von Gefahr und höchstem Erleben zu anderen springend, mich bewegen wie aus dem Arm von unzähligen Frauen in den von neuen Namenlosen. Es ist eine tolle übersinnliche Liebe zum Leben dies, Schwester.

Ich werde nicht mehr ruhen können.

Denn Gefahr ist ein kleiner Augenblick und Sterben darin eine strahlende Sekunde. Schönheit der Welt aber dem Wissenden eine unendliche Qual und Bedrohung und ewige Leere.

Ich möchte nicht, daß Sie an diese Erkenntnis streiften, Schwester, weil Sie ein schönes und ruhiges Gesicht haben.

Ich bin von Freude geschwellt für den Augenblick, wo ich hier abziehe. Denn alles da ist trostlos und müd und ohne Heroischkeit.

Sehn Sie, es ist furchtbar, wenn ich müßig in die Ferne schaue . . . Schwester, liebe Schwester . . . wie der Horizont sich dann zusammenzieht, wie Hügel hineinschwanken und gleichsam in einem Rachen verschwinden. Manchmal blinkt es silbern. Nun hebt sich die Ebene. Taumelnd gurgelt die Welt in den Strudel. Die Leere . . . die Leere —

Glauben Sie nichts. Ich weiß, daß das eine Vision ist, daß wir fest stehen und unerschütterlich, wie wir es glauben. Aber ich empfinde alles im Gleichnis, und oft ist Gleichnis uns die nächste und verwirrend deutlichste Realität. Ich sehe vieles im Bilde, weil ich in einer übersteigerten Sekunde über das Leben und gewöhnte Maß hinaus erkannt habe.“

Er schwieg und schloß die Augen.

Er sagte noch: „Wo ich das Grauen vor dem Tod am zerschmetterndsten empfunden habe, an dieser Stelle, meine ich, muß die ungeheuerlichste Kraft des Lebens sitzen —

Darum rief ich, wie ich sterben sollte, nach diesen Bäumen.“

Er sann nach. Und plötzlich schien Furchtbares auf ihn zu stürzen.

Aber bald formte sich sein verzerrter Mund in lächelnde Ruhe, und er flüsterte halb singend, somnambul: „Die Bäu . . . me —“

Dann schüttelte er kurz den Kopf, lächelte rasch und sagte: „. . . Liebe Schwester — müssen Sie nicht bei all diesem auch dem Tode näher sein als dem Leben?“

„Nein,“ sagte die Pflegende unendlich mild und fest, „es ist das Gegenteil.“

Er sah sie staunend an.

Dann aber war es, als rase das entsetzliche Erleben in einer letzten grauenhaften Spannung noch einmal in ihm hoch.

Er warf die Hände in die Luft und rannte hinaus.

Die Pflegende ging ans Fenster und lehnte sich ruhig hinaus. Sie sah ihn eilig hinauslaufen und in den Hof einbiegen.

Dort stolperte er über eine Gießkanne, schwebte kurz in der Luft und taumelte dann zur Seite. Er fiel, die Hände vorgestreckt, in einen Hügel und bohrte auch sein Gesicht hinein.

Es war Kuhdünger aus den Ställen vom Morgen her.

Der Hügel dampfte in einer weißen Wolke warm und schön.

Er aber tat den Kopf nicht gleich zurück, sondern ließ ihn wenige Herzschläge lang da noch liegen, denn er fühlte in einem wunderbaren Gefühl, daß diese Lage unschön sei und schmutzig vielleicht und auch wohl manchem großen Ekel machend, aber (was viel größer sei) tief und warm und so unendlich voll Dasein.

Die Pflegende am Fenster hob ihr Gesicht ein wenig höher und dachte: O diese Hölle in einer Brust. Er wird das Leben furchtbar packen wie eine unendliche Geliebte. Wie ich ihn lieben muß.






End of the Project Gutenberg EBook of Das rasende Leben, by Kasimir Edschmid

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS RASENDE LEBEN ***

***** This file should be named 30628-h.htm or 30628-h.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/3/0/6/2/30628/

Produced by Jens Sadowski

Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.