The Project Gutenberg EBook of Komik und Humor, by Theodor Lipps Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. You can also find out about how to make a donation to Project Gutenberg, and how to get involved. **Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** **eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** *****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** Title: Komik und Humor Author: Theodor Lipps Release Date: June, 2005 [EBook #8298] [This file was first posted on July 4, 2003] Edition: 10 Language: German Character set encoding: US-ASCII *** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, KOMIK UND HUMOR *** E-text prepared by Carlo Traverso, Thomas Berger, and the Online Distributed Proofreading Team KOMIK UND HUMOR EINE PSYCHOLOGISCH-AESTHETISCHE UNTERSUCHUNG VON THEODOR LIPPS Vorwort Vor jetzt zehn Jahren habe ich in den "Philosophischen Monatsheften" eine Reihe von Aufsaetzen ueber die "Psychologie der Komik" zu veroeffentlichen begonnen. Teils eigenes Beduerfnis, teils der Wunsch anderer, hat mich zu einer Umarbeitung und Erweiterung dieser Aufsaetze veranlasst. Daraus ist schliesslich dies Buch geworden. Ich bezeichne den Inhalt desselben als "psychologisch-aesthetische Untersuchung". Dabei koennte das "psychologisch" ueberfluessig erscheinen. Eine aesthetische _Untersuchung_ ist immer psychologisch. Aber ich wollte mit diesem Ausdruck andeuten, dass es mir vor allem ankam auf die psychologische Analyse meines Gegenstandes, auf die breite psychologische Fundamentierung des Problems, auf die Einfuegung desselben in den Zusammenhang mit angrenzenden, verwandten und allgemeineren psychologischen und aesthetischen Problemen. Darueber trat ein anderes Interesse zurueck. Ich habe darauf verzichtet, den Humor oder die kuenstlerische Verwendung des Komischen weiter, als es die Natur der Sache erforderte, in die verschiedenen Kunstgattungen und Kunstrichtungen hinein zu verfolgen, oder gar bestimmte humoristische Kunstwerke im einzelnen zu analysieren. Es genuegte mir, die verschiedenen Moeglichkeiten, die Arten, Daseinsweisen und Stufen der Komik und des Humors allgemein aufgezeigt und in ihrer Wirkung verstaendlich gemacht zu haben. Jene mehr kunst- und litterarhistorische Aufgabe moechte ich gerne anderen, womoeglich solchen, die dazu geschickter sind, ueberlassen. Ich hoffe aber freilich, dass fuer solche Arbeit das in diesem Buche Gebotene als die geeignete Grundlage erscheinen wird. Ich gedenke noch mit besonderem Danke der Anregung, die ich bei Abfassung dieses Buches aus einem die Komik betreffenden Aufsatze _Heymans'_ in der Zeitschrift fuer Psychologie habe schoepfen koennen. _Starnberg_, Mai 1898. Th. L. INHALT. I. ABSCHNITT. THEORIEN DER KOMIK. I. Kapitel. _Theorie des Gefuehlswettstreites_. Heckers Theorie. Komik, Lust und Unlust.--Gefuehl und Gefuehlswettstreit.--Gefuehl der Tragik und der Komik.--Gefuehlskontrast.--Der Wechsel der Gefuehle.--Schadenfreude und gesteigertes Selbstgefuehl. II. Kapitel. _Die Komik und das Gefuehl der Ueberlegenheit_. Hobbes' und Groos' Theorie.--Gefuehl und Grund des Gefuehls.--Allerlei aesthetische Theorien.--Die Komik des Objektes und meine Ueberlegenheit.--Ueberlegenheit und "Erleuchtung".--Das Wesen der "Ueberlegenheit".--Zieglers Theorie. III. Kapitel. _Komik und Vorstellungskontrast_. Kraepelins "intellektueller Kontrast".--Wundts Theorie.--Verwandte Theorien. II. ABSCHNITT. DIE GATTUNGEN DES KOMISCHEN. IV. Kapitel. _Die objektive Komik_. Kontrast des Grossen und des Kleinen.--Nachahmung und Karikatur.--Situationskomik.--Die Erwartung.--Die Komik als Groesse und Kleinheit _Desselben_. V. Kapitel. _Objektive Komik_. _Ergaenzungen_. Das komische "Leihen".--"Selbstgefuehl in statu nascendi". Komik und Lachen. --Komik des "Neuen".--Komische Unterbrechung.--Positive Bedeutung der Neuheit.--"Verblueffung" und "Verstaendnis". VI. Kapitel. _Die subjektive Komik oder der Witz_. Abgrenzung der subjektiven Komik.--Verschiedene Theorien.--Begriffsbestimmung und verschiedene Faelle.--Witzige Handlungen.--Verwandte Theorien.--"Verblueffung und Erleuchtung" beim Witz. VII. Kapitel. _Das Naiv-Komische_. Die Theorien.--Die drei Arten der Komik.--Moeglichkeiten des Naiv-Komischen.--Kombination der drei Arten der Komik.--"Verblueffung und Erleuchtung" beim Naiv-Komischen. III. ABSCHNITT. PSYCHOLOGIE DER KOMIK. VIII. Kapitel. _Das Gefuehl der Komik und seine Voraussetzung_. Komik als "wechselndes" oder "gemischtes" Gefuehl.--Die Grundfarbe des Gefuehls der Komik.--"Psychische Kraft" und ihre Begrenztheit.--Genaueres ueber die "psychische Kraft".--"Aufmerksamkeit". "Psychische Energie".--Die besonderen Bedingungen der Komik. IX. Kapitel. _Das Gefuehl der Komik_. Gesetz des Lustgefuehls.--"Qualitative Uebereinstimmung" als Grund der Lust.--"Quantitative Verhaeltnisse".--Gefuehl der "Groesse".--"Groesse" und Unlust.--Gefuehl des "Heiteren".--Das ueberraschend Grosse.--Das ueberraschend Kleine. Die Komik. X. Kapitel. _Das Ganze des komischen Affektes_. Umfang und Erneuerung der komischen Vorstellungsbewegung.--Ruecklaeufige Wirkung der psychischen "Stauung".--Hin- und Hergehen der komischen Vorstellungsbewegung.--Das Ende der komischen Vorstellungsbewegung.--Einzigartigkeit des komischen Prozesses. XI. Kapitel. _Lust- und Unlustfaerbung der Komik_. Primaere Momente der Lust- und Unlust.--Qualitative Uebereinstimmung und quantitativer Kontrast.--Ausserkomische Gefuehlsmomente.--Besonderheit der naiven Komik. IV. ABSCHNITT. DIE UNTERARTEN DES KOMISCHEN XII. Kapitel. _Die Unterarten der objektiven und naiven Komik_. Stufen der objektiven Komik.--Situations- und Charakterkomik.--Natuerliche und gewollte Komik.--Possenhafte, burleske, groteske Komik. XIII. Kapitel. _Die Unterarten der subjektiven Komik_. Allgemeines.--Der Wort- oder Begriffswitz.--Die witzige Begriffsbeziehung.--Das witzige Urteil.--Die witzige Urteilsbeziehung.--Der witzige Schluss. V. ABSCHNITT. DER HUMOR. XIV. Kapitel. _Komik und aesthetischer Wert_. Allgemeines ueber "aesthetischen Wert".--Erkenntniswert und aesthetischer Wert.--"Verstaendnis" des Kunstwerkes.--"Kunstwert".--Die Komik als "Spiel".--Arten von Gegenstaenden des Gefuehls ueberhaupt.--Der Wert der Komik kein aesthetischer Wert. XV. Kapitel. _Die Tragik als Gegenstueck des Humors_. Die Tragik als "Spiel".--Tragik und "aesthetische Sympathie".--Volkelts ausseraesthetische Begruendung der Tragik.--Das Specifische des tragischen Genusses.--Weitere aesthetische Wirkungen des Konfliktes.--Aesthetische Bedeutung des Boesen. XVI. Kapitel. _Das Wesen des Humors_. Lazarus' Theorie.--Naivitaet und Humor.--Humor und "psychische Stauung". XVII. Kapitel. _Arten des Humors_. Die Daseinsweisen des Humors.--Humor der Darstellung.--Stufen des Humors.--Unterarten des Humors.--Die humoristische Darstellung und der Witz. XVIII. Kapitel. _Der objektive Humor_. Unentzweiter Humor.--Satirischer Humor.--Ironischer Humor. I. ABSCHNITT. THEORIEN DER KOMIK. Die Psychologie der Komik kann ihre Aufgabe auf doppeltem Wege zu loesen versuchen. Komisch heissen Gegenstaende, Vorgaenge, Aussagen, Handlungen, weil sie ein eigenartiges Gefuehl, naemlich eben das Gefuehl der Komik in uns erwecken. Das Wort "komisch" will, allgemein gesagt, zunaechst nicht wie das Wort "blau" eine Eigenschaft bezeichnen, die an einem Gegenstaende angetroffen wird, sondern die Wirkung angeben, die der Gegenstand auf unser Gemuet ausuebt. Freilich muss dieser Wirkung irgendwelche Beschaffenheit des Gegenstandes zu Grunde liegen. Insofern dies der Fall ist, heisst dann auch die Beschaffenheit selbst oder der Traeger derselben komisch. Darnach scheint der naturgemaesseste Weg zur Bestimmung des Wesens der Komik, dass man erst jene Wirkung feststellt, also das Gefuehl der Komik in seiner Eigentuemlichkeit zu begreifen sucht, um dann zuzusehen, welche Besonderheiten der Gegenstaende diese Wirkung nach psychologischen Gesetzen ergehen koennen, bezw. wie sie dieselbe ergeben koennen. Daran muesste sich natuerlich die Probe auf das Exempel anschliessen, d. h. es muesste festgestellt werden, inwiefern die thatsaechlich gegebenen Arten des Komischen diese Besonderheiten an sich tragen. Andererseits hindert doch nichts, auch in anderer Weise die Untersuchung zu beginnen. Das Gefuehl der Komik ist ein so eigenartiges, dass wir im gegebenen Falle kaum zweifeln koennen, ob wir einen Gegenstand, ein Verhalten, ein Ereignis, eine Gebaerde, Rede, Handlung unter die komischen zu rechnen haben. Darauf beruht die Moeglichkeit, zunaechst von diesen _Gegenstaenden_ auszugehen. Wir fassen dieselben ins Auge, analysieren sie, vergleichen die verschiedenartigen Faelle, variieren die Bedingungen, und gelangen so zu den Momenten, auf denen die Wirkung beruhen muss. Auch hier ist dann eine Probe erforderlich. Wir muessen uns ueberzeugen, ob diese Momente auch nach allgemeinen psychologischen Gesetzen die komische Wirkung hervorbringen koennen, bezw. wiefern sie dazu faehig sind. Darin ist dann die Analyse des Gefuehls der Komik schon eingeschlossen. Diese beiden Wege unterscheiden sich nicht hinsichtlich dessen, was zu leisten ist, sondern lediglich hinsichtlich des Ausgangspunktes. Offenbar hat aber der zweite Weg insofern einen Vorzug, als man dabei von vornherein in den Gegenstaenden der Komik einen sicheren Halt hat. Im Uebrigen wird individuelle Neigung und Befaehigung die Wahl des Wegs bestimmen, oder zum Mindesten darueber entscheiden, ob die eine oder die andere Weise der Untersuchung vorherrscht. I. KAPITEL. THEORIE DES GEFUEHLSWETTSTREITES. HECKERS THEORIE. KOMIK, LUST UND UNLUST. Achten wir auf die Geschichte der Psychologie und Aesthetik des Komischen in unseren Tagen, so sehen wir den ersten jener beiden Wege am entschiedensten eingeschlagen von _Hecker_ in seiner "Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischen", Berlin 1873. Dagegen tritt die andere Weise deutlicher hervor bei _Kraepelin_, dem Verfasser des Aufsatzes "Zur Psychologie der Komik" im zweiten Bande von _Wundts_ "Philosophischen Studien". Hiermit habe ich zugleich diejenigen Arbeiten bezeichnet, die bisher--abgesehen von den Aufsaetzen, als deren Umarbeitung und Erweiterung diese Schrift sich darstellt--, mit der Psychologie der Komik am eingehendsten sich befasst haben. Wie leicht der Versuch, das Gefuehl der Komik in seiner Eigenart zu begreifen, ohne dass man von vornherein an den Gegenstaenden der Komik einen festen Halt sucht, in die Irre fuehren kann, zeigt _Hecker_ deutlich. Er meint das Gefuehl der Komik zu analysieren. Statt dessen dekretiert er es. Fuer Hecker ist das Gefuehl der Komik ein "beschleunigter Wettstreit der Gefuehle" d. h. ein "schnelles Hin- und Herschwanken zwischen Lust und Unlust". "Von einem Punkte aus sehen wir ploetzlich und gleichzeitig zwei verschiedene unvereinbare Gefuehlsqualitaeten (Lust und Unlust) in uns erzeugt werden." Dass sie von einem Punkte aus und darum gleichzeitig erzeugt werden und doch unvereinbar sind, dies bedingt nach _Hecker_ den Wettstreit. In diesem Wettstreit wuerde die schwaechere der beiden Qualitaeten unterdrueckt werden, wenn eine erhebliche Verschiedenheit der Gefuehle hinsichtlich ihrer Staerke bestaende. Eine solche besteht aber nach _Hecker_ nicht. Die kontraeren Gefuehle sind von "annaehernd gleicher Staerke". Daraus ergiebt sich die Notwendigkeit des Hin- und Hergehens. Dasselbe wird zum schnellen Hin- und Hergehen, zum beschleunigten Wettstreit in diesem Sinne, wegen der Ploetzlichkeit der Wirkung. Das Gefuehl der Lust, das urspruenglich dem der Unlust nur die Wage hielt, erscheint in diesem ploetzlich erzeugten Wettstreit durch Kontrast gehoben, so dass in der schliesslichen Gesamtwirkung die Lust ueberwiegt. Den Inhalt dieser Erklaerung sucht _Hecker_ zu stuetzen, indem er auf das Phaenomen des Glanzes verweist. Wenn dem einen Auge eine schwarze, dem andern an derselben Stelle des gemeinsamen Sehfeldes eine weisse Flaeche dargeboten wird, so ergiebt sich unter Umstaenden das Gesamtbild einer glaenzenden schwaerzlichen Flaeche. Die beiden monokularen Bilder koennen, so wie sie sind, nicht an derselben Raumstelle gleichzeitig gesehen werden. Sie koennen wegen der Selbstaendigkeit, welche sie besitzen, auch nicht einfach zu einem Mittleren, also zum Bilde einer grauen Flaeche verschmelzen. Sind keine Bedingungen vorhanden, welche das eine der Bilder vor dem andern bevorzugt sein lassen, so fehlt endlich auch die Moeglichkeit, dass das eine durch das andere auf laengere Zeit verdraengt werde. So bleibt nach _Hecker_ nur uebrig, dass die Wahrnehmung zwischen beiden mit grosser Schnelligkeit hin- und herzittert; und dies Hin- und Herzittern, meint _Hecker_, sei der Glanz. In gleicher Weise nun sollen auch annaehernd gleich starke Gefuehle der Lust und Unlust, die gleichzeitig gegeben sind, nicht nebeneinander bestehen, noch zu einem mittleren Gefuehle verschmelzen koennen, sondern zu schnellem Wechsel genoetigt sein. Und in diesem Wechsel soll das Gefuehl der Komik bestehen. Scharfsinnig ausgedacht mag diese Theorie erscheinen. Schade nur, dass sie gar keinen Boden unter den Fuessen hat. Dem Physiologen _Hecker_ erscheint die Analogie zwischen Gefuehl der Komik und Wahrnehmung des Glanzes als eine vollstaendige. Ich sehe in _Heckers_ Meinung nur ein Beispiel dafuer, wie leicht es demjenigen, der mit der Eigenart eines Gebietes wenig vertraut ist, begegnet, dass er Erscheinungen, die diesem Gebiete angehoeren, mit Erscheinungen von voellig heterogener Natur in Analogie setzt und aus dieser Analogie zu erklaeren meint. Dass auch _Heckers_ Erklaerung des _Glanzes_ keineswegs einwandfrei ist, soll dabei nicht besonders betont werden. Thatsaechlich ist freilich auch nach _Heckers_ Darstellung die Analogie zwischen Glanz und Komik keine vollstaendige. Der beschleunigte Wettstreit wird beim Glaenze einfach daraus abgeleitet, dass die entgegengesetzten Qualitaeten sich die Wage halten, waehrend beim Gefuehl der Komik das ploetzliche Auftreten des Kontrastes als wesentlich erscheint. Aber davon wollen wir absehen. Wichtiger ist, dass die Grundvoraussetzung der ganzen Theorie irrig ist. Das Gefuehl der Komik gehoert der Linie zwischen reiner Lust und reiner Unlust an. Aber es erfuellt in seinen moeglichen Abstufungen die ganze Linie, so dass es stetig einerseits in reine Lust, andererseits in reine Unlust uebergeht. Wenn jemand eine anerkannte Wahrheit in witziger Form ausspricht, so spielend und doch so unmittelbar einleuchtend, wie es der gute Witz zu thun pflegt; wenn durch einen solchen Witz niemand verletzt oder abgefertigt wird; dann ist das Gefuehl der Komik, das sich daran heftet, zwar durchaus eigenartig, hinsichtlich seines Verhaeltnisses zu Lust und Unlust aber mit den reinsten Lustgefuehlen, die uns beschieden sind, vergleichbar. Wenn andererseits ein Mann sich wie ein Kind betraegt, jemand, der wichtige Verpflichtungen mit viel Selbstbewusstsein uebernommen hat, im letzten Momente sich feige zurueckzieht, so kann ein Gefuehl der Komik entstehen, das von reiner _Unlust_ sich beliebig wenig unterscheidet. Auch hier darf freilich das Moment der Erheiterung nicht fehlen, wenn wir das Gebahren noch komisch oder "laecherlich" nennen sollen. Aber eine bestimmte Staerke desselben ist dazu nicht erforderlich. Denken wir uns dies Moment schwaecher und schwaecher, so geht das Laecherliche nicht sprungweise, sondern allmaehlich in das Veraechtliche oder Erbaermliche ueber. Das Gleiche gilt von dem "Hohnlachen", mit dem der Verbrecher, der am Ende seiner nichtswuerdigen Laufbahn angekommen ist und alle seine Plaene hat scheitern sehen, sich gegen sich selbst und seine Vergangenheit wendet. Auch hierin steckt noch jenes Moment der Erheiterung. Zunaechst aber spricht aus diesem verzweiflungsvollen Lachen eben das Gefuehl der Verzweiflung, also des hoechsten seelischen Schmerzes. Und dieser Schmerz kann sich steigern und die Faehigkeit sich darueber zu erheben und der Sache eine heitere Seite abzugewinnen, sich mindern. So lange dies letztere Moment nicht voellig verschwindet, ist der Verbrecher sich selbst laecherlich, also Gegenstand einer, wenn auch noch so schmerzlichen Komik. GEFUEHL UND "GEFUEHLSSWETTSTREIT". Das Gefuehl der Komik, das steht uns fest, ist nicht durch ein bestimmtes quantitatives Verhaeltnis von Lust und Unlust gekennzeichnet. Darueber haette _Hecker_ schon der einfache Sprachgebrauch belehren koennen, der ein Lachen bald als lustig, froehlich, herzlich, bald als aergerlich, schmerzlich, bitter bezeichnet. Es koennen aber auch umgekehrt Lust und Unlust, die "aus einem Punkte erzeugt" sind, recht wohl sich annaehernd die Wage halten, ohne dass doch, sei es das Gefuehl der Komik, sei es der Wettstreit entsteht, der nach _Hecker_ die Komik machen soll. Lust und Unlust sollen nicht nebeneinander bestehen und sich zu einem Gesamtgefuehl vereinigen koennen. Und warum nicht? Wegen der Analogie des Glanzes? Aber diese Analogie wird Lust und Unlust schwerlich verhindern, ihren eigenen Gesetzen zu gehorchen. Sagen wir es kurz: Der ganze _Hecker_'sche Wettstreit der Gefuehle ist ein psychologisches Unding. Es giebt in uns gar keine "_Gefuehle_", die mit einander in Wettstreit geraten koennten, sondern von vornherein immer nur ein _Gefuehl_, genauer: eine so oder so beschaffene Weise, wie uns zu Mute ist, oder wie wir "_uns_" fuehlen. Fuehlen heisst _sich_ fuehlen. Alles Gefuehl ist Selbstgefuehl. Dies ist eben das Besondere des Gefuehls im Gegensatz zur Empfindung, die jederzeit Empfindung von Etwas, d. h. Empfindung eines von mir unterschiedenen Objektes ist. Ich fuehle mich lust- oder unlustgestimmt, ernst oder heiter, strebend oder widerstrebend. So gewiss nun ich in meinem Selbstgefuehl mir nicht als eine Mehrheit erscheine, so gewiss giebt es fuer mich nicht in einem und demselben Momente nebeneinander mehrere Gefuehle. Dies hindert nicht, dass ich an dem Gefuehl oder Selbstgefuehl eines Momentes mehrere _Seiten_ unterscheide, so etwa, wie ich auch an einem Klange, diesem einfachen Inhalte meines Bewusstseins, verschiedene Seiten, naemlich die Hoehe, die Lautheit und die Klangfarbe unterscheide. Aber diese verschiedenen Seiten sind eben doch nur verschiedene Seiten eines und desselben an sich _Einfachen_. Ich fuehle mich etwa in einem Momente lustgestimmt. In der Lust aber liegt zugleich ein gewisser Ernst. Andererseits ist damit ein Streben oder Sehnen "verbunden". Dann habe ich doch nicht drei Gefuehle, so wenig ich drei Toene hoere, wenn mein Ohr eine Tonhoehe und mit ihr "verbunden" eine bestimmte Lautheit und eine bestimmte Klangfarbe vernimmt. Sondern ich fuehle Lust, aber die Lust ist nicht Lust ueberhaupt, sondern Lust von eigentuemlich ernster Art. Und wiederum ist diese ernste Lust nicht ernste Lust ueberhaupt, sondern zugleich Lust mit einem Charakter des Sehnens. Oder umgekehrt gesagt, das Sehnen oder Streben ist ein lustgestimmtes und ernstes. Dem entspricht auch der eigentliche psychologische Sinn der Lust. In dem einen Gefuehl giebt sich mir jedesmal der _Gesamtzustand_ meines psychischen Lebens, der immer nur einer sein kann, in gewisser Art unmittelbar kund. Oder genauer gesagt: Es giebt sich mir darin eben die--freie oder gehemmte--_Weise_ kund, _wie_ sich die mannigfachen Vorgaenge und Regungen in mir zu einem psychischen Gesamtzustande vereinigen. Nichts ist unrichtiger als die Vorstellung, dass jemals ein Gefuehl, so wie Gefuehle in uns thatsaechlich vorzukommen pflegen, an einer einzelnen Empfindung oder Vorstellung oder auch an einem einzelnen Komplex von solchen, hafte. Nichts ist unzutreffender als die Lehre vom "Gefuehlston" einer Empfindung oder Vorstellung, wenn damit eine solche Meinung sich verbindet. Dies schliesst nicht aus, dass dennoch ein Gefuehl an bestimmten einzelnen Empfindungsinhalten oder Komplexen von solchen in gewissem Sinne "haften" koenne und als an ihnen haftend sich uns darstelle. Wir muessen nur wissen, was wir damit meinen und einzig meinen koennen. In dem gesamten psychischen Leben eines Momentes sind nicht alle Elemente psychisch gleichwertig. Sondern die einen treten beherrschend hervor, die anderen treten zurueck. Und es treten in aufeinanderfolgenden Momenten bald diese bald jene Elemente hervor oder zurueck. Damit aendert sich auch das Gefuehl. Es gewinnt jetzt diesen, jetzt jenen Charakter. Es wandelt sich etwa, indem ein bestimmter psychischer Inhalt, eine bestimmte Empfindung oder Vorstellung, hervortritt, ein Gefuehl, das Lustcharakter besass, in ein unlustgefaerbtes, und diese Faerbung wird immer deutlicher, jemehr jener bestimmte Inhalt hervortritt. Dann kann ich sagen, es hafte diese Unlustfaerbung meines Gefuehles, oder auch: es hafte ein Gefuehl der Unlust an diesem Inhalte. Das einheitliche oder einfache Gesamtgefuehl bleibt dann doch durch den psychischen Gesamtzustand bedingt. Nur ist zugleich eben dieser psychische Gesamtzustand vorzugsweise durch jenen bestimmten, in ihm hervorstrebenden _Inhalt_ bedingt. Darnach giebt es auch keinen Wettstreit der Gefuehle. Man muss in Wahrheit etwas anderes meinen, wenn man diesen Ausdruck gebraucht. Und was man einzig meinen kann, das ist der Wettstreit der _Vorstellungen_, an denen verschiedene Gefuehle im oben bezeichneten Sinne des Wortes "_haften_". Ein solcher Vorstellungswettstreit besteht ja thatsaechlich. Es geschieht nicht nur, wie oben gesagt, dass Vorstellungen hervortreten, andere zuruecktreten, sondern das Hervortreten einer Vorstellung bedingt das Zuruecktreten anderer. Und damit vollzieht sich zugleich, wie gleichfalls bereits bemerkt, ein Wechsel der Gefuehle, genauer ein Wechsel in der "Faerbung" _des_ Gefuehls. Nehmen wir aber jetzt versuchsweise an, auch _Hecker_ wolle eigentlich von einem Wettstreit der _Vorstellungen_ reden. Dann erscheint doch der Irrtum, in dem _Hecker_ sich befindet, nicht geringer. Nach _Hecker_ muessten Vorstellungen, die "von einem Punkte aus", also gleichzeitig erzeugt werden, in Wettstreit geraten, also sich wechselseitig verdraengen, wenn oder weil sie eine entgegengesetzte Faerbung des Gefuehles bedingen. Aber dies trifft nicht zu. Der Vorstellungswettstreit hat an sich mit dem Gegensatz der Gefuehle gar nichts zu thun. Vorstellungen geraten in Wettstreit einmal, weil sie einander fremd sind, d. h. in keinem Zusammenhang miteinander stehen; zum anderen, zugleich in anderer Weise, weil sie miteinander unvertraeglich sind, also sich wechselseitig ausschliessen. Vorstellungen nun, die von einem Punkte aus erzeugt sind, koennen, eben weil sie von einem Punkte aus erzeugt sind, einander niemals voellig fremd sein. Sie sind es um so weniger, je mehr sie von einem Punkte aus erzeugt sind. Und ob Vorstellungen sich ausschliessen oder nicht, dies haengt keineswegs von den an ihnen haftenden Gefuehlen ab. Die Vorstellungen, dass ein Objekt jetzt hier, und dass dasselbe Objekt jetzt dort sich befinde, schliessen sich aus. Dies heisst doch nicht, dass die eine Vorstellung von Lust, die andere von Unlust begleitet sei. Und umgekehrt: Die Vorstellung, dass ein Objekt eine schoene Form und zugleich eine haessliche Farbe habe, vertragen sich vortrefflich miteinander, obgleich die schoene Form Gegenstand der Lust, die haessliche Farbe Gegenstand der Unlust ist. Geraten aber Vorstellungen, die von einem Punkte aus erzeugt und einerseits von Lust, andererseits von Unlust begleitet sind, nicht miteinander in Wettstreit, so ist auch kein Grund zum Wechsel des Gefuehles. Sondern es entsteht ein einziges in sich gleichartiges Gefuehl, in dem beide zu ihrem Rechte kommen. GEFUEHL DER TRAGIK UND DER KOMIK. Hierfuer giebt es allerlei Beispiele, auf die _Hecker_ haette aufmerksam werden muessen. Psychologie ist doch nicht ein Feld fuer blinde Spekulationen, sondern fuer die Feststellung von Erfahrungsthatsachen, und fuer sichere Schluesse aus solchen. Nicht auf die ganze Mannigfaltigkeit der hier in Betracht kommenden Thatsachen, sondern zunaechst nur auf eine einzige will ich hier hinweisen. Ich meine die Tragik und das Gefuehl der Tragik. Eine Persoenlichkeit leide, sei dem Untergange geweiht, gehe schliesslich thatsaechlich unter. Aber in allem dem bewaehre sich eine grosse Natur, irgend welche Staerke und Tiefe des Gemuetes. Hier werden, wenn irgendwo, von einem Punkte aus gleichzeitig Lust und Unlust erzeugt. Der fragliche Punkt ist das Leiden der Persoenlichkeit. Dass sie--nicht nur ueberhaupt--sondern in solcher Weise, _leidet_, ist Grund der Unlust; dass sie--nicht nur ueberhaupt, sondern in solcher _Weise_, d. h. als diese grosse Persoenlichkeit, leidet, oder dass sie im Leiden als diese grosse Persoenlichkeit sich zeigt, das ist Grund der Lust. Hier waeren also in besonderem Masse, ja wir duerfen sagen in unvergleichlicher Weise, die Bedingungen des _Hecker_'schen Wettstreites der Gefuehle gegeben. Aber derselbe will sich nicht einstellen. Gerade dies, dass in so hohem Grade von _einem Punkte_ aus die entgegengesetzten Gefuehle erzeugt werden, verhindert ihn. In dem einen psychischen Gesamtthatbestande sind die beiden Vorstellungen, des Leidens und der Persoenlichkeit, die leidet, untrennbar verbunden. Ebendarum findet kein Vorstellungswettstreit statt; und damit unterbleibt auch der Wechsel der Gefuehle. Die Eigenart jenes Gesamtthatbestandes giebt sich vielmehr, hier wie ueberall, dem Bewusstsein kund in einem einzigen _eigenartigen Gefuehl_. Wir kennen es als Gefuehl der Tragik. Dies Gefuehl ist so wenig ein wechselndes oder schwankendes dass vielmehr die feierliche Ruhe fuer dasselbe kennzeichnend ist. Lassen wie uns aber den "Wettstreit" fuer einen Augenblick gefallen. Er finde bei der Tragik statt, obgleich ich wenigstens von solchem Stattfinden desselben nichts weiss. Dann besinnen wir uns, dass doch Hecker aus demselben nicht das Gefuehl der Tragik, sondern das Gefuehl der Komik ableiten will. Der Wechsel der Gefuehle soll das Gefuehl der Komik sein. Das Gefuehl der Tragik ist aber, wie man weiss, nicht das Gefuehl der Komik. GEFUEHLSKONTRAST. Allerdings bezeichnet _Hecker_ die Bedingungen dieses Gefuehles noch genauer. Lust und Unlust sollen sich beim Wettstreit zunaechst die Wage halten. Dann aber soll das Gefuehl der Last durch Kontrast gehoben werden. Indessen auch diese Bedingungen koennen in unserem Falle erfuellt sein. Es hindert zunaechst nichts, dass das Unlustvolle des Leidens und das Befriedigende, das die Weise des Leidens oder die Eigenart der leidenden Persoenlichkeit in sich schliesst, in beliebigem Grade sich die Wage halten. Und auch eine Kontrastwirkung kann nicht nur, sondern wird jederzeit bei der Tragik stattfinden.--Doch ist hierzu eine besondere Bemerkung erforderlich. _Hecker_ redet von _Gefuehls_kontrast. Das Gefuehl der Unlust soll unmittelbar das mit ihm wechselnde Gefuehl der Lust "_heben_". Hier ist ein, auch sonst behauptetes allgemeines psychologisches _Kontrastgesetz_ vorausgesetzt. Nehmen wir einmal an, dies Gesetz bestaende, so muesste ihm zufolge offenbar, wie die Lust durch die Unlust, so auch die Unlust durch die Lust gehoben werden. Damit waere das schliessliche Ueberwiegen der Lust, das _Hecker_ bei der Komik annimmt, wiederum illusorisch geworden. Aber jenes Kontrastgesetz existiert nicht. Wohl giebt es mancherlei Thatsachen, die man als Wirkungen eines Kontrastes bezeichnen kann. Aber wenn man dies thut, so hat man nur einen zusammenfassenden Namen, und zwar einen Namen fuer sehr Verschiedenartiges. Die fraglichen Thatsachen sind der mannigfachsten Art und beruhen auf voellig heterogenen Gruenden. Rot _scheint_ nicht bloss, sondern _ist_, fuer das Auge naemlich, roeter neben Gruenblau als neben Rot. Dies hat seine bestimmten, naemlich _physiologischen_ Gruende. Der Mann von mittlerer Groesse _ist_ nicht, fuer unsere Wahrnehmung naemlich, groesser, wenn er neben einem Zwerge, als wenn er neben einem Riesen steht, aber er wird groesser _geschaetzt_ oder _taxiert_. Dies hat wiederum seine bestimmten, aber diesmal _psychologischen_ Gruende. Wie es aber auch mit dem Empfindungs- oder Vorstellungskontrast bestellt sein mag; eine Kontrastwirkung, die Gefuehle unmittelbar auf Gefuehle ausuebten, giebt es nicht. Wenn ich hier ganz allgemein reden darf: Gefuehle wirken ueberhaupt nicht. Sie haben als solche keine psychomotorische Bedeutung. Sie sind ueberall nichts als begleitende Phaenomene, Bewusstseinsreflexe, im Bewusstsein gegebene Symptome der Weise, wie _Empfindungen_ und _Vorstellungen_, oder Zusammenhaenge von solchen, in uns wirken. Die Psychologie hat sich noch nicht ueberall zur klaren Anerkennung dieses Sachverhaltes durchgearbeitet. Aber sie wird sich wohl oder uebel dazu entschliessen muessen. Was man so Wirkung von Gefuehlen nennt, ist Wirkung der Bedingungen, aus denen die Gefuehle erwachsen, also Wirkung der Empfindungs- und Vorstellungsvorgaenge und der Beziehungen, in welche dieselben verflochten sind. So ist auch der "Gefuehlskontrast" in Wahrheit Empfindungs- oder Vorstellungskontrast. Vorstellungen koennen anderen, zu denen sie in Gegensatz treten, eine hoehere psychische "Energie" verleihen, und dadurch auch das an diesen haftende Gefuehl steigern. Sie thun dies nicht ohne weiteres, wohl aber unter bestimmten Voraussetzungen. Welches diese Voraussetzungen sind, und nach welcher psychologischen Gesetzmaessigkeit dieselben die "Kontrastwirkung" vermitteln, dies muss natuerlich im einzelnen festgestellt werden. Das Kontrastgesetz ist mehr als ein blosser Sammelname, soweit dieser Forderung genuegt ist. Ich sagte nun schon, dass auch bei der Tragik eine Kontrastwirkung stattfinde. Auch diese hat ihre eigenen Gruende. Je groesser das Leid, je haerter der Untergang, und je groesser unser Eindruck von beidem, desto schoener und groesser erscheint die Persoenlichkeit, die in allem dem sich oder das Grosse, Gute, Schoene, das in ihr liegt, behauptet. Damit ist wenigstens eine moegliche Art der tragischen Kontrastwirkung bezeichnet. Fassen wir alles zusammen, dann sind--falls wir fortfahren, die _Hecker_sche Theorie des "Wettstreites" uns gefallen zu lassen, in der Tragik alle _Hecker_'schen Bedingungen der Komik in ausgezeichneter Weise gegeben. Die Tragik muesste also nach _Hecker_ die komischste Sache von der Welt sein. Wir muessten ueber die Tragik des Leidens und Untergangs aufs herzlichste lachen. Dies thun wir nicht, Tragik und Komik sind aeusserste Gegensaetze. DER WECHSEL DER GEFUEHLE. Ich nahm oben versuchsweise an, dass der _Hecker_'sche "Wettstreit" unter den _Hecker_'schen Bedingungen wirklich stattfinde. Traefe diese Annahme zu, dann waere noch die Frage, ob aus solchem Wettstreit, oder dem damit gegebenen schnellen Wechsel von entgegengesetzten Gefuehlen ein einheitliches Gefuehl, wie das Gefuehl der Komik es ist, sich ergeben wuerde. Auch diese Frage muss verneint werden. Ein Wettstreit der Vorstellungen kann thatsaechlich stattfinden und mit einem Wechsel der Gefuehle, speciell der Gefuehle der Lust und Unlust, verbunden sein, ohne dass doch das Gefuehl der Komik entsteht. Ich stehe etwa vor dem Momente, wo es sich entscheiden muss, ob eine lange gehegte Hoffnung in Erfuellung gehen wird oder nicht. Alles scheint fuer die Erfuellung zu sprechen. Nur ein Umstand liegt vor, der am Ende die ganze Hoffnung zunichte machen koennte. Diese gegensaetzlichen Gedanken werden sich weder dauernd das Gleichgewicht halten, noch wird einer den andern fuer laengere Zeit voellig unterdruecken koennen. Das letztere um so weniger, in je engerem Zusammenhang die der Hoffnung guenstigen, und der ihr unguenstige Faktor miteinander stehen. Ich achte jetzt auf die guenstigen Faktoren und glaube an die Erfuellung der Hoffnung. Aber je lebendiger dieser Gedanke in mir wird, um so sicherer weckt er die Vorstellung jenes anderen, unguenstigen Faktors. Diese Vorstellung tritt hervor und verwandelt fuer einen Augenblick mein Vertrauen in sein Gegenteil. Doch nur fuer einen Augenblick. Denn in Wirklichkeit ist zu ernster Besorgnis kein Grund. Ich brauche nur den unguenstigen Faktor genau ins Auge zu fassen, um zu sehen, wie wenig er doch gegen die anderen Faktoren in Betracht kommen kann, wie unwahrscheinlich es also ist, dass er die Erfuellung der Hoffnung verhindern wird. Damit hat wieder der erste Gedanke das Uebergewicht gewonnen u. s. w. So ergiebt sich ein bestaendiges Hin- und Hergehen, zunaechst zwischen entgegenstehenden Gedanken, dann auch zwischen entsprechenden Gefuehlen. Und die Unruhe dieses Hin- und Hergehens, in dem im Ganzen ebensowohl die Lust wie die Unlust ueberwiegen kann, wird sich steigern, je mehr der Moment der Entscheidung naht. Heisst dies: mir wird immer komischer und komischer zu Mute? Ich denke nicht. Andere moegen ueber die Situation lachen. Ich selbst werde vom Lachen soweit als moeglich entfernt sein. Ist dem aber so, dann liegt in dem Beispiel der Beweis, dass auch, wo das gleichzeitige Entstehen von Lust und Unlust aus einem Punkte wirklich in den _Hecker_'schen beschleunigten Wettstreit muendet, noch etwas hinzukommen muss, wenn das Gefuehl der Komik entstehen soll. Dies Etwas ist die Komik. SCHADENFREUDE UND GESTEIGERTES SELBSTGEFUEHL. Nachdem _Hecker_ das Gefuehl der Komik in der bezeichneten Weise bestimmt hat, geht er dazu ueber, die Moeglichkeiten der gleichzeitigen Entstehung von Lust und Unlust festzustellen und daraus die moeglichen Arten der Komik abzuleiten. Das ist gut und konsequent gedacht. Die Ausfuehrung des Gedankens aber geschieht in denkbar unvollstaendigster Weise. Freilich, waere sie weniger unvollstaendig, so wuerde _Hecker_ selbst die Unmoeglichkeit seiner Theorie des komischen Gefuehles sich aufgedraengt haben. Die Faelle der Komik, die er anfuehrt, sind wirklich komisch, wenn auch nicht aus den angegebenen Gruenden. Dagegen wuerden andere Faelle und Klassen von Faellen, die er haette anfuehren _muessen_, sich jeder Bemuehung, sie komisch zu finden, widersetzt haben. Einige Bemerkungen genuegen, um dies zu zeigen. Eine Hauptgattung der Komik bezeichnen fuer _Hecker_ die Faelle, bei denen zwei Vorstellungen in ihrer Vereinigung oder ihrem Zusammenhang unseren logischen, praktischen, ideellen "Normen" oder den "Normen der Ideenassociation" entsprechen, waehrend zugleich die eine der Vorstellungen einer der Normen widerstreitet. Nachher schrumpft die ganze Gattung zusammen zur Komik der "gerechten Schadenfreude". Die rote Nase zum Beispiel missfaellt, weil sie unseren "ideellen Normen" widerspricht. Betrachten wir sie aber als verdiente Strafe der Unmaessigkeit, so befriedigt diese Ideenverbindung unser Gerechtigkeitsgefuehl. Und aus Beidem zusammen ergiebt sich das Gefuehl der Komik. Diese Erklaerung ist ohne Zweifel falsch. Die Schadenfreude hat, so oft sie auch zur Erklaerung der Komik verwandt worden ist, mit Komik nichts zu thun. Die gerechteste und intensivste Schadenfreude ergiebt sich, wenn wir ueber einen nichtswuerdigen und gefaehrlichen Verbrecher die wohlverdiente Strafe verhaengt sehen. Je nichtswuerdiger und gefaehrlicher er ist, je gerechter und wirkungsvoller andrerseits die Strafe erscheint, um so staerker ist das Gefuehl der Unlust, das er selbst, und das Gefuehl der Befriedigung, das seine Bestrafung erweckt. Nun mag ein solcher Verbrecher zwar, wie wir schon oben meinten, sich selbst in gewisser Weise Gegenstand der Komik werden, uns wird er nie so erscheinen. Dementsprechend kann die Schadenfreude auch die Komik der roten Nase nicht begruenden. Andrerseits haette _Hecker_ neben den Faellen der Schadenfreude mannigfache andere Faelle beruecksichtigen muessen, die ganz den gleichen Bedingungen genuegen. Ich hoere etwa, jemand habe eine entehrende Handlung begangen aus Freundschaft, um einen andern, vielleicht mich selbst, aus toedlicher Verlegenheit zu retten. Oder ich lese in der Geschichte, L. Junius _Brutus_ habe seine eigenen Soehne hinrichten lassen, um seiner Pflicht zu genuegen. In beiden Faellen missfaellt die That an sich; sie gefaellt zugleich, wenn wir sie im Zusammenhang mit dem zu Grunde liegenden Motiv betrachten. Sie befriedigt insofern nicht unser Gerechtigkeitsgefuehl, aber andere sittliche "Normen". Darum ist doch von Komik keine Rede. Neben der Schadenfreude spielt bei _Heckers_ Erklaerung der (objektiven) Komik das gesteigerte "Selbstgefuehl" die Hauptrolle. Freilich, Schadenfreude ist am Ende eine Weise des gesteigerten Selbstgefuehles, oder kann es zum mindesten sein. Dann waere mit dem gesteigerten Selbstgefuehl kein neues Moment eingefuehrt. Aber _Hecker_ sagt nicht, ob und wie er die Schadenfreude auf das gesteigerte Selbstgefuehl zurueckzufuehren gedenkt. Dies gesteigerte Selbstgefuehl spielt in der Psychologie der Komik auch sonst eine Rolle. Schon _Hobbes_ hat es zur Erklaerung der Komik herangezogen. Es ist aber fast der schlechteste Erklaerungsgrund, den man finden kann. Jede Unwissenheit, die ich nicht teile, jeder Irrtum, den ich durchschaue, jede mangelhafte Leistung, der gegenueber ich das Bewusstsein des Besserkoennens habe, muesste mich zum Lachen reizen, wenn das Gefuehl der Ueberlegenheit dem unangenehmen Gefuehl, das Unwissenheit, Irrtum, mangelhafte Leistung an sich erwecken, ungefaehr die Wage haelt. Der Pharisaeer muesste lachen ueber den Zoellner, dessen Verschuldungen seiner Vortrefflichkeit zur Folie dienen, der Reiche ueber den Armen, der vergeblich sich ein gleich behagliches Dasein zu verschaffen sucht, die schoene Frau ueber die haessliche, deren Haesslichkeit sie an ihre Schoenheit erinnert, auch wenn der Charakter des Zoellners, die Not des Armen, die Haesslichkeit der haesslichen Frau an sich nicht im mindesten komisch erschiene. Aber eben das ist es, was _Hecker_ und was jeder, der den Eindruck der Komik aus der Erhoehung des Selbstgefuehles abzuleiten versucht, im Grunde jedesmal voraussetzt. Man meint nicht den Irrtum, sondern den laecherlichen Irrtum, nicht die Haesslichkeit, sondern die laecherliche Haesslichkeit u. s. w. und diese allerdings sind komisch, nicht wegen des hinzutretenden Selbstgefuehles, wohl aber gelegentlich trotz demselben. Denn es ist offenbar, dass das Selbstgefuehl geradezu die Komik _zerstoeren_ kann. Ich sehe jemanden vergebens bemueht, eine Last zu heben, zu der, wie ich mich sofort ueberzeuge, seine Kraefte nicht ausreichen. Der Anblick ist mir peinlich, zugleich aber habe ich das befriedigende Bewusstsein, dass ich die Last heben und dem Armen helfen kann. Hier ist von Komik keine Rede, auch wenn das Bedauern und das Befriedigende des Bewusstseins, zu koennen, was der Arme nicht kann, sich die Wage halten. Ich lache nicht, eben weil ich die Kraft des Menschen mit der eigenen vergleiche und die letztere als so viel groesser erkenne. Unterlasse ich dagegen den Vergleich und fasse nur einfach die Situation ins Auge, so kann mir diese recht wohl komisch erscheinen. Und ich habe allen Grund, mir _selbst_ so zu erscheinen, wenn ich den Versuch mache, die Last selbst zu heben, und dabei es erlebe, dass mein Selbstgefuehl nicht gesteigert, sondern schmaehlich zu _Schanden_ wird. Der Begriff der Ueberlegenheit ist nach dem oben Gesagten, ebenso wie der engere Begriff der Schadenfreude, nicht ein entscheidender Begriff der _Hecker_'schen Theorie. Er soll nur besondere Faelle der Komik charakterisieren. Sehen wir darum von diesem Begriffe hier ab, und beachten den oben dargelegten allgemeinen Grundgedanken _Heckers_. Dann scheint doch ein doppeltes Moment der Kritik standzuhalten. Einmal wird es dabei bleiben, dass lust- und unlusterzeugende Elemente in die Komik eingehen. Das Gefuehl der Komik wird in gewissem Sinne beide Gefuehle in sich enthalten. Das andere Moment ist der Gegensatz oder Kontrast zwischen Vorstellungen oder Gedankenelementen. Mag _Hecker_ diesen Kontrast noch so unzutreffend bezeichnen, der Gedanke, dass ein solcher Kontrast beim Komischen stattfinden muesse, wird seinen Wert behaupten. II. KAPITEL. DIE KOMIK UND DAS GEFUEHL DER UEBERLEGENHEIT. HOBBES' UND GROOS' THEORIE. Dagegen ist das gesteigerte Selbstgefuehl von anderen in den Mittelpunkt der Theorie der Komik gestellt worden. Wie schon gesagt, hat bereits _Hobbes_ dasselbe zur Erklaerung der Komik verwendet. _Hobbes_ meint, der Affekt des Lachens sei nichts, als das ploetzlich auftauchende Selbstgefuehl, das sich ergebe aus der Vorstellung einer Ueberlegenheit unserer selbst im Vergleich mit der Inferioritaet anderer, oder der Inferioritaet, die wir selbst vorher bekundeten. Hierin liegt zugleich, so viel ich weiss, der zeitlich erste Versuch einer Begruendung des _Gefuehls_ der Komik. _Aristoteles_ bezeichnet als komisch das unschaedliche Haessliche. Hier fehlt die Antwort auf die Frage, wiefern denn das Haessliche, das an sich Gegenstand der Unlust ist, vermoege des rein negativen Momentes seiner Unschaedlichkeit die komische Lust oder Lustigkeit hervorrufen koenne. Dagegen scheint die lusterzeugende Wirkung des Gefuehles der Ueberlegenheit ohne weiteres einleuchtend. Ich will aber hier nicht an _Hobbes_, sondern an einen Erneuerer der _Hobbes_'schen Theorie meine weiteren kritischen Bemerkungen anknuepfen. Ich denke an _Groos'_ Einleitung in die Aesthetik. _Groos_ scheint sich freilich seines Verhaeltnisses zu _Hobbes_ nicht bewusst zu sein. Seine Theorie giebt sich wie eine neue. Indessen dies thut hier nichts zur Sache. In welcher Weise _Groos_ zu seiner Theorie gelangt ist, ob auf dem einen oder dem anderen der eingangs dieser Schrift unterschiedenen Wege, vermag ich nicht zu entscheiden. _Groos_ beginnt sofort mit der Definition der Komik, um sie dann zu eroertern und zu begruenden. Das Gefuehl der Komik ist fuer _Groos_ das Gefuehl der Ueberlegenheit ueber eine Verkehrtheit. In diesem _Groos_'schen Gefuehl der Ueberlegenheit liegt eine genauere Bestimmung des _Hecker_'schen gesteigerten Selbstgefuehles. Zugleich ist bei _Groos_ die Forderung eines Gleichgewichtes von Lust und Unlust und des Wettstreits zwischen beiden Gefuehlen weggefallen. An die Stelle tritt die Forderung, dass nicht Mitleid oder Furcht in den Vordergrund trete, weil sonst die erheiternde Wirkung notwendig ausbleiben muesste. Dabei sollen unter dem Mitleid auch die "sanfteren Regungen der Ehrfurcht und Einschuechterung" begriffen werden. Gehen wir darauf etwas naeher ein. Ich darf von vornherein sagen: Ist es unzutreffend, dass jedes Gefuehl der Ueberlegenheit, bei dem Lust und Unlust--nach _Heckers_ Forderung--sich die Wage halten, ein Gefuehl der Komik ist, dann ist es noch unzutreffender, dass jedes Gefuehl der Ueberlegenheit ein Gefuehl der Komik ist, falls das Angenehme dieses Gefuehles nicht durch Furcht oder Mitleid aufgehoben wird. Und ebenso unzutreffend ist die Umkehrung dieser Annahme, dass bei allem Komischen ein Gefuehl der Ueberlegenheit ueber eine Verkehrtheit stattfinde. Wenn ich das Bewusstsein habe, klueger oder geschickter zu sein, als ein anderer, so mag es wohl geschehen, dass ich mit dem im Vergleich mit mir Unklugen oder Ungeschickten Mitleid habe. Dann ist nach _Groos_ die Bedingung fuer die Komik nicht gegeben. Aber vielleicht habe ich kein Mitleid. Der Unkluge oder Ungeschickte beansprucht gar kein Mitleid. Er mueht sich in einer Sache vergeblich und laesst dann die Sache laufen. Oder es waere wohl Grund zum Mitleid, aber ich gebe mir nicht die Muehe mich darauf zu besinnen. Ich bin nun einmal der Selbstbewusste, fuer den die "Verkehrtheit" anderer lediglich ein Mittel ist, sich in seiner Ueberlegenheit zu sonnen. Ich thue dies also auch in diesem Falle. Wo ist dann die Komik? Es ist kein Zweifel, dass dieselbe um so sicherer unterbleibt, je mehr ich meinem Gefuehl der Ueberlegenheit mich hingebe. GEFUEHL UND GRUND DES GEFUEHLS. Dass es so sich verhalten muss, zeigt eine einfache Ueberlegung. Fuer _Groos_ soll die _Verkehrtheit komisch_ erscheinen, weil ich mich _ueberlegen_ fuehle. Das Gefuehl meiner Ueberlegenheit ist fuer _Groos_ identisch mit dem Gefuehl der Komik des Gegenstandes, oder allgemeiner gesagt, ein auf mich bezogenes Gefuehl soll identisch sein mit einem nicht auf mich, sondern auf ein Objekt bezogenen Gefuehl. Dies ist ein Widerspruch in sich selbst. Was heisst dies: Ein Gefuehl ist fuer mich auf ein Objekt bezogen? Worin besteht das _Bewusstsein_ dieses _Bezogenseins_? Gewiss nicht einfach darin, dass ich ein Objekt und neben ihm oder gleichzeitig mit ihm ein bestimmtes Gefuehl in meinem Bewusstsein vorfinde. Gefuehle koennen mit Objekten gleichzeitig vorhanden sein und doch nicht auf sie bezogen erscheinen. Ich stehe etwa vor einem Kunstwerk, und es stoert mich etwas an ihm. Aber ich weiss zunaechst nicht, was das Stoerende ist. Hier ist das Gefuehl des Stoerenden, d. h. das Gefuehl der Unlust fuer mein Bewusstsein nicht auf sein Objekt bezogen. Und wie nun kommt das Bewusstsein der Beziehung des Gefuehls auf ein bestimmtes Objekt zu stande? Jedermann weiss die Antwort. Ich analysiere den Wahrnehmungskomplex, in dem das Kunstwerk fuer mich besteht; d. h. ich richte nach einander auf die verschiedenen Teile, Zuege, Momente des Kunstwerkes meine Aufmerksamkeit, und sehe zu, wann das Unlustgefuehl heraustritt oder sich steigert. Endlich weiss ich, was mich stoerte. Ich achtete auf einen bestimmten Zug des Kunstwerkes mit Ausschluss anderer. Indem ich dies that, und mir zugleich dieses Thuns, d. h. der auf diesen bestimmten Zug gerichteten Aufmerksamkeit bewusst war, trat das Unlustgefuehl rein oder beherrschend zu Tage. So besteht die bewusste Beziehung oder das Bewusstsein der Bezogenheit eines Gefuehles der Lust oder Unlust auf ein Objekt immer darin, dass das Gefuehl hervortritt, indem ich das Bewusstsein habe, es sei die Aufmerksamkeit auf eben dieses Objekt gerichtet. Neben die eben gestellte Frage stelle ich jetzt die andere, davon verschiedene: Wie wird ein psychischer Vorgang von uns als _Grund_ eines Gefuehles erkannt? Diese Frage haben wir schon ehemals gestreift. Offenbar muss die Antwort lauten: Ein psychischer Vorgang ist Grund eines Gefuehles, wenn und sofern die Steigerung dieses Vorganges, oder die erhoehte Kraft seines Auftretens in uns dies Gefuehl steigert oder erst heraustreten laesst. Es leuchtet ja ein: Ist ein psychischer Vorgang, ein Vorgang des Empfindens oder Vorstellens etwa, dasjenige, was ein Gefuehl bedingt, oder woran ein Gefuehl "haftet", so muss das fragliche Gefuehl sich steigern--oder, was dasselbe sagt, es muss unser Gesamtgefuehl die Faerbung dieses Gefuehles annehmen--in dem Masse als der bedingende Vorgang psychisch zur Geltung kommt, Kraft gewinnt, im Zusammenhang des psychischen Geschehens dominierend hervortritt. Nun findet dies "Hervortreten" oder Kraftgewinnen eines psychischen Vorganges statt, wenn wir auf ihn unsere Aufmerksamkeit richten. Und der _Bewusstseinsthatbestand_, den wir als _Bewusstsein_ des Aufmerkens auf ein empfundenes oder vorgestelltes Objekt bezeichnen, ist nichts anderes als die Begleiterscheinung dieses Hervortretens, Kraftgewinnens, Dominierens des Empfindungs- oder Vorstellungsvorganges. Also koennen wir auch sagen: Erscheint in unserem Bewusstsein, oder nach Aussage desselben, ein Gefuehl der Lust oder Unlust auf einen Empfindungs- oder Vorstellungsinhalt bezogen, so ist in dem entsprechenden Empfindungs- oder Vorstellungs_vorgang_ zugleich der _Grund_ dieses Gefuehles zu suchen. ALLERLEI AESTHETISCHE THEORIEN. Diese Einsicht scheint nun eine sehr triviale. Aber dies hindert nicht, dass damit eine ganze Reihe psychologisch-aesthetischer Theorien endgueltig abgewiesen sind. Ich erwaehne etwa die Theorie, die das Wohlgefallen an Linien auf das Wohlgefallen an bequemen oder leicht zu vollziehenden Augenbewegungen zurueckfuehrt; oder derzufolge Linienschoenheit nichts anderes ist als Annehmlichkeit von Augenbewegungen. Es ergiebt sich aus Obigem, was dagegen einzuwenden ist: Die Linien, nicht die Augenbewegungen meine ich, wenn ich die Linien schoen finde. Auf jene nicht auf diese erscheint mein Gefuehl der Lust bezogen. Dies zeigt sich besonders deutlich, wenn ich besondere Faelle annehme. Es koennte geschehen, dass die Augenbewegungen, vermoege deren ich eine schoene Linie--wirklich oder angeblich--"verfolge", einmal sehr unbequeme waeren. Die Linie findet sich etwa an einer Wand, so weit oben, dass ich den Kopf und die Augen stark nach oben wenden muss, um die Linie zu betrachten. Jetzt sind die Augenbewegungen vielleicht sogar schmerzhaft. Dann ist doch nicht die Linie fuer mich haesslich, sondern eben die Augenbewegung schmerzhaft. Ich verspuere Wohlgefallen "_an_" der Linie, d. h. ich verspuere Lust, wenn und in dem Masse, als ich auf die Linie achte, und damit zugleich meine Aufmerksamkeit von der Stellung und Bewegung meiner Augen _abwende_. Ich verspuere andererseits Unlust "_an_" den Augenbewegungen, d. h. ich verspuere Unlust, wenn und in dem Masse, als ich auf die Augenbewegungen achte, und die Linie fuer eine Zeitlang Linie sein lasse. Also habe ich auch den _Grund_ jener Lust in der Linie zu suchen. Wenn nicht in der sichtbaren Form der Linie, dann in etwas, das fuer mich in der Linie oder ihrer Form unmittelbar liegt. Dies wird allerdings gleichfalls eine Bewegung sein. Aber nicht eine Bewegung meiner Augen, ueberhaupt nicht eine Bewegung in oder an mir, sondern eine Bewegung _der_ Linie oder _in_ der Linie selbst, eine Bewegung, die die Linie selbst zu vollfuehren, oder vermoege welcher die Linie, dies von mir unterschiedene und mir frei gegenuebertretende Objekt, in jedem Augenblick von neuem _sich selbst zu erzeugen_ scheint.--Nicht minder liegt der Grund meiner Unlust in den Augenbewegungen, also _nicht_ in der Linie und dem, was sie leistet, sondern in mir und dem was ich, diese von der Linie unterschiedene und sich ihr gegenueberstellende Person, leiste oder zu leisten jetzt genoetigt bin. Eben dahin gehoert die Theorie, welche die Erhabenheit von Objekten identifiziert mit dem Gefuehl meiner Erhabenheit, etwa der Ueberlegenheit meines Verstandes. In dieser Theorie liegt gewiss Richtiges. Aber es fehlt noch die Hauptsache. Das Gefuehl meiner Erhabenheit ist an sich schlechterdings nichts, als das Gefuehl meiner Erhabenheit, niemals ein Gefuehl der Erhabenheit eines _Objektes_. Wie ueberall, so setze ich auch hier deutlich einander gegenueber: mich und das Objekt. Dieser Gegensatz ist ja fuer uns der allerfundamentalste. Es ist der Gegensatz der Gegensaetze. Es ist damit hier wie ueberall absolut ausgeschlossen, dass ich mich mit dem Objekt, das ich anschaue, verwechsele oder dem Objekte zurechne, was mir zugehoert, dass ich also auch ein Gefuehl auf das Objekt bezogen glaube, das nach Aussage meines unmittelbaren Bewusstseins auf mich bezogen ist. Erst wenn ich, durch das "erhabene" Objekt selbst genoetigt,--nicht meine gegenwaertige Erhabenheit, aber eine Erhabenheit, wie ich sie in mir finden _kann_, also eine moegliche Erhabenheit menschlichen Wesens--und eine andere Erhabenheit giebt es fuer uns nicht--in das Objekt _hinein verlege_, und in ihm, als etwas ihm Zugehoerigen, _wiederfinde_, oder besser gesagt, wenn ich im Objekte, als ihm zuhoerig, die persoenlichen Regungen, inneren Verhaltungsweisen, Wollungen wiederfinde, die das Gefuehl der Erhabenheit begruenden, wenn mir also diese Regungen in dem Objekte als etwas von mir Verschiedenes, "Objektives", gegenuebertreten, kann das Objekt fuer mich zu einem erhabenen werden, oder kann mein Gefuehl der Erhabenheit mir auf dies Objekt bezogen erscheinen. Und umgekehrt, erscheint das Gefuehl auf das Objekt bezogen, erscheint also das Objekt mir erhaben, so liegt darin der Beweis, dass das Objekt diesen Grund des Erhabenheitsgefuehles in sich selbst traegt, dass nicht mein Erhabensein, sondern der erhebende Sinn und Inhalt des Objektes das Gefuehl bedingt.--Dass, nebenbei bemerkt, diese Erhabenheit des Objektes keine Erhabenheit des Verstandes sein kann, leuchtet ein. Unser Anthropomorphisieren ist kein Objektivieren unseres Verstandes, sondern unseres Willens. Nicht minder gehoert hierhin der ganze Grundgedanke der _Groos_'schen Aesthetik. Freude an der Schoenheit von Objekten, oder, wie _Groos_ zu sagen vorzieht, Freude am "aesthetischen Wert" von Objekten soll _Groos_ zufolge Freude am Spiel meiner Phantasie sein. Ich entgegne: Es ist nun einmal thatsaechlich nicht so. Freude am Spiel meiner Phantasie ist--Freude am Spiel meiner Phantasie. Solche Freude mag vorkommen. Vielleicht gelingt es auch diesem oder jenem, solche Freude zu haben, waehrend er angeblich mit einem _Kunstwerke_ innerlich beschaeftigt ist. Ich mag vielleicht gelegentlich das Kunstwerk, dies mir objektiv gegenuebertretende und fuer mein Bewusstsein von mir total unterschiedene Ding, eine Zeitlang aus dem Auge lassen und auf meine Phantasiethaetigkeit hinblicken; ich meine: auf die Phantasiethaetigkeit, die ich jetzt eben, wo ich noch mit dem Kunstwerk beschaeftigt war, geuebt habe; und ich mag dann an dem Spiel dieser Thaetigkeit, an diesem von mir erkannten psychologischen Faktum, meine Freude haben. Dann freue ich mich eben an diesem Spiel. Und dies Spiel ist dann notwendig auch der _Grund_ meiner Freude. Ebenso gewiss aber ist dieses Spiel _nicht_ der Grund meiner Freude, sondern der _Gegenstand_ dieses Spieles begruendet mein Gefuehl, wenn ich das Gefuehl innerlich auf diesen Gegenstand beziehe, wenn also das _Kunstwerk_ mir wertvoll oder erfreulich erscheint. Ich sage: der Gegenstand des "Spieles" ist der Grund der Freude. Dabei setze ich natuerlich voraus, dass mein Verhalten zum Kunstwerk wirklich Spiel ist, ich nicht etwa in allem Ernst mich dem Kunstwerk hingebe, nicht etwa das Kunstwerk mich so erfasst und zu sich hinzwingt, dass das Spielen mit ihm ein Ende hat. DIE KOMIK DES OBJEKTES UND MEINE UEBERLEGENHEIT. Am auffallendsten tritt aber schliesslich die Verwechselung, auf welcher, nach dem eben Gesagten, _Groos'_ Begruendung des aesthetischen Genusses ueberhaupt beruht, bei _Groos'_ Theorie der Komik zu Tage. Ich sei ueberlegen ueber die Verkehrtheit des komischen Objektes. Das komische Objekt, oder das Verkehrte, ist dann natuerlich nicht ueberlegen, sondern inferior. Komisch aber ist fuer mich das Objekt, nicht ich, oder meine Ueberlegenheit. Mein Gefuehl der komischen Lust ist ein nicht auf das ueberlegene Ich, sondern auf das inferiore Objekt bezogenes Gefuehl. Ich kann wohl auch hier meiner Ueberlegenheit mich freuen. Das heisst, ich kann auf die Ueberlegenheit, die mir und nur mir zukommt, achten, und dabei ein angenehmes Gefuehl haben. Aber das, worum es sich hier handelt, das ist ja das Gefuehl, das ich auf das von mir so deutlich als moeglich unterschiedene Objekt und seine Inferioritaet beziehe, d. h. das Gefuehl, das entsteht, indem ich--_nicht_ mich und meine Ueberlegenheit mir vergegenwaertige, _nicht_ auf _diese_ Seite des Gegensatzes zwischen mir und dem Objekte meine Aufmerksamkeit richte, sondern dem Objekte und seiner Inferioritaet, dieser _anderen_ Seite des Gegensatzes meine Aufmerksamkeit zuwende. Dann kann auch der _Grund_ des Gefuehles der Komik nicht in meiner Ueberlegenheit oder dem Bewusstsein derselben liegen. Sondern er muss in dem Objekte, seiner Verkehrtheit, seiner Inferioritaet, kurz seiner Nichtigkeit gesucht werden. Er muss liegen in dieser Nichtigkeit selbst, nicht etwa in dieser Nichtigkeit sofern sie meine Ueberlegenheit begruendet. Denn dann muesste wiederum das Achten auf mich und meine Ueberlegenheit das Gefuehl der Komik hervortreten lassen. Dies muesste also doch wiederum auf mich bezogen erscheinen. Es entstaende, mit anderen Worten, von neuem der Widerspruch, der darin liegt, dass ein Gefuehl, das ich thatsaechlich nicht auf mich, sondern auf ein von mir verschiedenes Objekt beziehe, mit einem auf mich bezogenen Gefuehle identisch sein soll. Es liegt aber in _Groos'_ Anschauung nicht nur eine einfache, sondern eine doppelte Verwechselung. Das Gefuehl der Komik ist, soviel ich sehe, nicht ein Gefuehl der Ueberlegenheit, sondern eben--ein Gefuehl der Komik. Es ist also fuer _Groos_ nicht nur ein auf mich bezogenes Gefuehl ein aufs Objekt bezogenes, sondern es ist auch das Gefuehl der Ueberlegenheit identisch mit einem Gefuehl der Komik. Das Gefuehl meiner Ueberlegenheit ist eine Art des Gefuehles der Erhabenheit, naemlich meiner Erhabenheit. Das Gefuehl der Komik aber ist das Gegenteil jedes Gefuehles der Erhabenheit. Fuer _Groos_ sind beide identisch. Das ist eine zu starke Zumutung. Achten wir schliesslich auch noch--auch sonst erweist sich dergleichen als nuetzlich--auf die objektiv gegebenen Thatsachen. Fragen wir zunaechst, wer denn das Gefuehl der Ueberlegenheit ueber wirkliche oder vermeintliche Verkehrtheiten zu haben, und wer andererseits dem Gefuehl der Komik hingegeben zu sein und ueber das Komische herzlich zu lachen pflegt. Dann erscheint _Groos'_ Theorie in demselben seltsamen Lichte. Jene "Ueberlegenen", das sind die Suffisanten, die Eitlen, die Gecken. Ihnen ist alles ein Mittel sich ueberlegen zu fuehlen. Ihnen aber fehlt eben damit der Humor dem Komischen gegenueber, d. h. die Faelligkeit die Komik zu geniessen. Die "Ueberlegenen" wissen nichts von herzlichem Lachen. Und es kann dies auch von ihnen nicht gefordert werden. Der Humor, die Anteilnahme an der Komik des Komischen ist nun einmal ein sich Hingeben an das Komische, oder das in ihm liegende Verkehrte. Wer ueber das Verkehrte herzlich lacht, geht in die Verkehrtheit ein, macht sich zum Teilhaber, sozusagen zum Mitschuldigen. Er steigt von dem Piedestal, auf dem er sonst stehen mag, herab; betrachtet die Sache von unten, nicht von oben. Die Komik ist zu Ende in dem Momente, wo wir wiederum auf das Piedestal heraufsteigen, d. h. wo wir beginnen, uns ueberlegen zu fuehlen. Das Gefuehl der Ueberlegenheit erweist sich so als das volle Gegenteil des Gefuehls der Komik, als sein eigentlicher Todfeind. Das Gefuehl der Komik ist moeglich in dem Masse, als das Gefuehl der Ueberlegenheit nicht aufkommt und nicht aufkommen kann. So verhaelt es sich, soweit Objekten der Komik gegenueber ein Gefuehl der Ueberlegenheit ueberhaupt _moeglich_ ist. In vielen Faellen der Komik ist aber gar nicht einzusehen, wie ein solches Gefuehl zu stande kommen sollte. Ich will etwa ein grosses, wohlvorbereitetes Feuerwerk abbrennen. Und der Erfolg ist: ein Zischen, ein Lichtschein, weiter nichts. Dies wirkt auf mich komisch, falls ich den noetigen Humor habe, d. h. meinen etwaigen Aerger unterdruecke und mich ganz der Situation hingebe. Worueber nun fuehle ich mich hier ueberlegen? Die Verkehrtheit, die vorliegt, besteht in der Thatsache, dass das Wohlvorbereitete aus irgendwelchem Grunde, vielleicht weil mir ohne meine Schuld verdorbene Feuerwerkskoerper geliefert wurden, misslingt, meine hochgespannte Erwartung zergeht. Aber wie kann ich mich solcher Thatsache gegenueber ueberlegen fuehlen? Wie wuerde ich wohl meine Ueberlegenheit ueber das misslingende Feuerwerk oder ueber das Pulver, das seine Schuldigkeit nicht that, in praxi dokumentieren? Zum Gefuehl der Ueberlegenheit gehoert, dass ich mich mit dem Verkehrten vergleiche. Mit mechanischen Vorgaengen aber kann ich mich nicht vergleichen. Ich vergleiche mich auch nicht mit leblosen Dingen. Wenn neben einem Palast ein kleines Gebaeude staende, das in seiner Form den Palast getreu nachahmte, so koennte dies ueberaus komisch wirken. Was soll es hier heissen, ich fuehle mich ueber eine Verkehrtheit ueberlegen. Die Verkehrtheit besteht hier darin, dass ein Kleines aussieht, wie ein Grosses, und doch nicht gross ist wie dieses. Habe ich hier etwa das Bewusstsein, mir koenne dergleichen nicht begegnen? Eher schon vergleichen wir uns mit Kindern und Tieren. Aber ein freudiges Bewusstsein der Ueberlegenheit ueber Kinder, oder ueber das possierliche Gebahren junger Katzen und Hunde, waere doch allzu kindisch. Kinder und Tiere sind komisch vor allem, wenn sie sich gebaerden wie wir, und doch wiederum nicht wie wir, zweckvoll und doch wiederum zwecklos oder zweckwidrig, ernsthaft und nichtig und doch wiederum spielend und nichtig. Im Bewusstsein hiervon liegt ein Vergleich. Aber doch eben ganz und gar nicht der Vergleich, wie er in _Groos'_ Theorie vorausgesetzt ist, kein Messen, kein Abwaegen dessen, was das Objekt der Komik ist oder kann, und dem, was wir sind oder koennen, jedenfalls nicht ein Abwaegen mit dem schliesslichen stolzen Bewusstsein, dass wir es in Vergleich mit den Objekten, also den Kindern, oder den jungen Hunden und Katzen so herrlich weit gebracht haben. Auch der Witz soll endlich von _Groos'_ Definition getroffen werden. Dieser Anspruch ist selbstverstaendlich, da ja der Witz eine Gattung des Komischen ist. Man vergegenwaertige sich aber einmal etwa das zweifellos witzige und witzig komische Raetsel _Schleiermachers_ "der Galgenstrick": Fest vom Dritten umschlungen, so schwebt das vollendete Ganze, Wann es die Parze gebeut, an den zwei Ersten empor. Das Verkehrte, das hier sich findet, besteht in der abnormen oder spielenden Form, in welcher der gar nicht verkehrte Gedanke ausgedrueckt ist. Freilich, hier ist der Ausdruck Verkehrtheit etwas--verkehrt. Aber _Groos_ versteht unter der Verkehrtheit so vielerlei, dass wir auch diese Abnormitaet als Verkehrtheit--in seinem Sinne--bezeichnen koennen. Ich frage nun: Worin besteht unser Gefuehl der Ueberlegenheit ueber dies Abnorme, oder ueber diese witzig geistreiche Art des Ausdrucks eines Gedankens? Trifft hier _Groos'_ Satz zu: "Wir haben bei jedem Komischen das behagliche Pharisaeergefuehl, dass wir nicht und wie dieser Verkehrten einer"? In der That sind wir vielleicht nicht wie dieser Verkehrten, d. h. dieser Witzigen einer. Aber es ist zu befuerchten, dass in diesem Falle das Pharisaeergefuehl eher in ein gegenseitiges Gefuehl umschlage. _Groos_ hat Sinn fuer Witz, vielleicht zu viel. Darum vermute ich, das er den "Humor" des _Schleiermacher_'schen Witzes nicht etwa in dem Gefuehl der Ueberlegenheit finden wird, das der logische Pedant der witzigen Wendung gegenueber allerdings haben wird. Diese Ueberlegenheit ist aber die einzige, die der witzigen Komik gegenueber moeglich ist. UEBERLEGENHEIT UND "ERLEUCHTUNG". Doch wir duerfen nicht uebersehen: _Groos_ kennt noch eine andere Art der Ueberlegenheit. Und die koennte hier, wie in dem vorhin erwaehnten Falle _Groos'_ Theorie zu retten scheinen. _Kant_ sagt, und _Groos_ zitiert, es sei eine merkwuerdige Eigenschaft des Komischen, dass es immer etwas in sich enthalten muesse, das auf einen Augenblick taeuschen koenne. Diese vortreffliche Bemerkung _Kants_ wendet _Groos_ in folgender Weise zu seinen Gunsten. Wir fallen auf das komische Objekt herein, "das komische Objekt will uns weismachen, dass seine widersprechenden Glieder in friedlichstem und geordnetstem Zusammenhang seien. Und erst wenn wir diesen scheinbaren Zusammenhang zerrissen haben, kommen wir zu dem vollen Gefuehl der Ueberlegenheit." Offenbar handelt es sich hier um eine andere Art der Ueberlegenheit, als diejenige ist, von der vorhin die Rede war. Es ist eine Ueberlegenheit nicht ueber das Verkehrte, sondern eine Ueberlegenheit oder ein sich Erheben ueber den Schein, als sei das komische das Gegenteil eines Verkehrten, ein sich Erheben ueber die Taeuschung, der man einen Moment unterlag, also eine Art der Ueberlegenheit ueber uns selbst. Man erinnert sich, dass auch diese Ueberlegenheit schon bei _Hobbes_ vorkam. _Groos_ bezeichnet sie auch als "Erleuchtung" nach der "Verblueffung". Mit dieser "Erleuchtung nach der Verblueffung" pfropft offenbar _Groos_ auf seine erste Theorie der Komik eine zweite, die etwas voellig Neues giebt. Dies spricht gegen beide. Es scheint, wenn es wahr ist, dass wir bei aller Komik jenes oben bezeichnete Pharisaeergefuehl haben, dann beduerfen wir nicht mehr dieses beglueckenden Gefuehles, ueber unsere eigene Verblueffung Herr geworden oder daraus siegreich hervorgegangen zu sein. Und wenn wir ueberall dieses letztere Gefuehl haben, dann ist jenes erstere ueberfluessig. Aber bleiben wir bei der neuen Theorie. Soweit sie Theorie der "Verblueffung und Erleuchtung" ist, koennte aus ihr sachlich Richtiges herausgelesen werden. Aber der dominierende Begriff bleibt eben doch auch hier der Begriff der Ueberlegenheit. Insofern bessert diese neue Theorie nichts. Es ist ja gewiss so: Eine Art des "Hereinfallens" gehoert zu jeder Komik. Das Komische muss uns in Anspruch nehmen, als ob es mehr waere, als nur dies komisch Nichtige. Es muss in unseren Augen den Anspruch erheben, mehr zu _sein_. Der Witz insbesondere muss etwas Glaubhaftes an sich tragen. Und auch dies gehoert zur Komik, dass dieser Anspruch zergeht. Aber was dies heisst, muss genauer gesagt werden. Und es muss in jedem Falle anders gesagt werden, als _Groos_ es sagt. Die Einsicht, _dass_ wir hereingefallen sind, diese "Erleuchtung" giebt an sich keinen Grund zum Gefuehl der Komik. Sie giebt nicht einmal ohne weiteres ein beglueckendes Gefuehl der Ueberlegenheit. Solche Erleuchtung kann beschaemend sein. Sie kann uns auch gleichgueltig sein. Ich frage: Wenn sie weder das eine noch das andere ist, sondern ein beglueckendes Gefuehl der Ueberlegenheit schafft, worin liegt dies? Aber die Antwort auf diese Frage wuerde uns ja nichts nuetzen. Das Gefuehl unserer Ueberlegenheit ueber das Verkehrte konnte nicht das Gefuehl der Komik des Verkehrten sein. Ebensowenig, oder noch weniger kann das Gefuehl der Ueberlegenheit ueber uns mit dem auf das Objekt bezogenen Gefuehl der Komik eine und dieselbe Sache sein. _Groos_ scheint schliesslich besonderes Gewicht zu legen auf das Momentane der Verblueffung und das Momentane der Erleuchtung, auf den _Zeising_'schen ploetzlichen "Choc und Gegenchoc". Aber auch damit kommen wir dem Ziel nicht naeher. Erzeugt die Erleuchtung momentane Beschaemung, so erzeugt sie eben momentane Beschaemung, erzeugt sie ein momentanes Gefuehl der Ueberlegenheit, so erzeugt sie eben ein momentanes Gefuehl der Ueberlegenheit. Kein Gefuehl wird lediglich dadurch, dass es ein momentanes ist, zu einem Gefuehle ganz anderer Art, und ausserdem auch noch zu einem Gefuehl, das auf einen ganz anderen Gegenstand bezogen erscheint. DAS WESEN DER "UEBERLEGENHEIT". Fragen wir schliesslich auch noch: Was ist doch eigentlich dies Gefuehl der Ueberlegenheit, das _Groos_ und anderen so sehr das klare Denken verwirrt. Es scheint fast, _Groos_ haette, der er doch einmal mit diesem Begriffe operiert, diese Frage sich vorlegen muessen. Schon oben sagte ich, das Gefuehl der Ueberlegenheit ergebe sich aus einem Messen. Dies bestimmen wir genauer. Ein Mensch begehe Verkehrtes. Darum ist er doch Mensch, wie ich. Mit dem Gedanken an das Menschsein verknuepft sich also der Gedanke des verkehrten Thuns. Verkehrt sich zu gebaren ist also menschlich. Es ist also mehr als menschlich, zum mindesten mehr als allgemein menschlich, wenn man so vernuenftig ist, wie wir es sind oder zu sein uns einbilden. Wir sind "Uebermenschen", mehr als unsere "Juengsten", die sich als Uebermenschen duenken, wenn sie nichts sind als besonders jaemmerliche Menschen. Oder anders gesagt: Ich stehe, wenn ich jenes verkehrte Thun erlebt habe, unter dem unmittelbaren Eindruck: Menschen koennen sich so unvernuenftig gebaerden. Also ist mein vernuenftiges Gebaren keine so selbstverstaendliche Sache. Waere sie etwas durchaus Selbstverstaendliches, so wuerde ich in meinen Gedanken darueber zur Tagesordnung uebergehen, wie ueber alles Selbstverstaendliche. Jetzt ist diese Selbstverstaendlichkeit, ich kann auch sagen: es ist die "Gewohnheit", Menschen als vernuenftig zu betrachten, wenn auch nur fuer einen Augenblick, durchbrochen. Es ist, wenn ich in Ausdruecken meiner "Grundthatsachen des Seelenlebens" sprechen darf, der freie "Vorstellungsabfluss" aufgehoben; also eine psychische "Stauung" eingetreten. Und diese hat die Wirkung, die jede psychische Stauung hat. Das heisst die psychische Bewegung haftet an der Stelle, wo die Stauung geschieht, die psychische Wellenhoehe dessen, was an dieser Stelle sich findet, wird gesteigert. Oder wenn wir diese Ausdruecke wiederum fallen lassen: Das, was nur nicht mehr als ein Selbstverstaendliches oder Gewohntes erscheint, faellt mir in hoeherem Grade auf. Es wirkt wie ein Neues. Damit steigert sich auch die Gefuehlswirkung. Meine Vernuenftigkeit wird also durch den Vergleich mit der Unvernunft anderer fuer mich eindrucksvoller. Damit ist das gesteigerte Selbstgefuehl, der Stolz auf meine Vernuenftigkeit, das Gefuehl der Ueberlegenheit gegeben. Auch aus dieser Betrachtung der Entstehungsweise des Gefuehles der Ueberlegenheit ergiebt sich, wie wenig dasselbe mit der Komik zu thun hat. Es ist einfach erhoehtes Gefuehl des Wertes meiner selbst, hoehere Selbstachtung, Stolz. Und darin liegt nichts komisch Erheiterndes. Das Gefuehl der Komik steht dazu im Gegensatz. Es wird demnach auch vermoege eines entgegengesetzten Prozesses entstehen. _Groos_ zitiert beim Beginn seiner Eroerterung der Komik das bekannte Wort _Jean Pauls_: Das Laecherliche wollte von jeher nicht in die Definition der Philosophen gehen, ausser unfreiwillig. Derselbe _Jean Paul_ sagt auch, die Komik verwandle halbe und Viertelsaehnlichkeiten in Gleichheiten. Auch in _Groos'_ "Definition" fehlen solche halbe und Viertelsaehnlichkeiten nicht. Er meint Richtiges. So meinen, wie im Grunde selbstverstaendlich, alle Theoretiker der Komik Richtiges. Aber sie meinen oder sagen es nicht immer richtig. Worin das Richtige bei _Groos_ besteht, wurde schon angedeutet. Es liegt in dem von ihm uebernommenen _Zeising_'schen "Choc und Gegenchoc", oder der "Verblueffung und Erleuchtung". Schon _Hecker_ hatte einen Kontrast statuiert. Dass dieser Kontrast hier genauer als Kontrast zwischen Verblueffung und Erleuchtung erscheint, bedeutet einen Fortschritt. Und noch mehr kann zugestanden werden. Auch eine "Ueberlegenheit" findet bei der Komik statt, nur in voellig anderem als dem _Groos_'schen Sinne, naemlich eine Ueberlegenheit meiner Auffassungskraft ueber ein Aufzufassendes. Und daran schliesst sich ein entsprechendes Gefuehl, wenn nicht der "Ueberlegenheit", so doch der geloesten Spannung. ZIEGLERS THEORIE. Ich schliesse an die Kritik der _Groos_'schen Theorie unmittelbar noch eine Bemerkung an ueber _Ziegler_, der in seiner Skizze des Gefuehlslebens--"Das Gefuehl" Stuttgart 1898--_Groos'_ Theorie teilweise uebernimmt, und damit die _Hecker_'sche "Schadenfreude" verbindet. Auch bei _Ziegler_ sehe ich nicht, wie weit er sich der Uebereinstimmung mit seinen Vorgaengern bewusst ist. Besteht keine Abhaengigkeit, so ist doch die Identitaet der Gedanken nicht verwunderlich. Es liegt in jenen Begriffen, wenn man gewisse besonders in die Augen springende Faelle der Komik im _Ganzen_ nimmt, etwas Plausibles. Das Gefuehl der Komik schlaegt in der That in gewissen Faellen leicht in das Gefuehl der Ueberlegenheit oder der Schadenfreude um, oder es tritt zu ihm ein solches Gefuehl, allerdings jedesmal die Komik als solche beeintraechtigend oder zerstoerend, hinzu. Genauere Untersuchung ergiebt zwar unschwer die Eigenart der Komik. Aber auch _Ziegler_ verzichtet auf solche genauere Untersuchung. Ich sagte, _Ziegler_ uebernehme teilweise die _Groos_'sche "Ueberlegenheit". Dies thut er nicht von vornherein. _Ziegler_ operiert zunaechst mit dem von _Groos_ in zweiter Linie herbeigezogenen Gegensatz der Duepierung und Erleuchtung. Dass _Ziegler_ dies Moment zum Primaeren macht, darin scheint wiederum ein Fortschritt zu liegen. Aber es fragt sich, wie diese Begriffe verwendet werden. Wir fallen, so erfahren wir auch hier, auf die Verkehrtheit, Zweckwidrigkeit, Unvernunft herein, bemerken sie nicht, werden also duepiert. Dann sehen wir sie ein. Wir lachen dann in gewisser Weise doppelt, ueber die Verkehrtheit, und ueber uns, die wir duepiert worden sind.--Man beachte, wie hier _Groos'_ Gefuehl der Ueberlegenheit ueber uns selbst, oder _Groos'_ stolzes Bewusstsein des Sieges zu einem Verlachen unserer selbst wird, also in gewisser Weise sich in sein Gegenteil verkehrt. Aber wenn bei Ziegler das beglueckende Gefuehl unserer Ueberlegenheit wegfaellt, warum lachen wir dann, ueber das Objekt und ueber uns selbst? _Ziegler_ meint selbst, das Verkehrte oder die Unvernunft koenne als solche nur Unlust erregen, und indem die Unvernunft als solche sich herausstelle, werde die Unlust nur verdoppelt. Wie kommt es dann, dass das Verkehrte, in dem es als solches sich herausstellt, _belustigt_? _Ziegler_ antwortet: Dies liege daran, dass die Unvernunft oder Zweckwidrigkeit keine bedenkliche, der Schaden, der daraus erwachse, kein grosser sei. Die ganze Sache, so sagt er, ist ein "Nichtssagendes; statt Ernst ist alles, was daran resultiert, nur Scherz und Spiel"; es ist "ohne erheblichen Schaden, also nicht ernsthaft, sondern nur spasshaft zu nehmen". Damit ist fuer _Ziegler_ die Komik erklaert. Dass das, was nur spasshaft genommen werden kann, nur spasshaft, d. h. komisch genommen werden kann, ist ja selbstverstaendlich. Aber die Frage ist eben die, wie das Nichtssagende dazu _komme_, spasshaft, d. h. komisch genommen zu werden. Oder verwandelt sich Unlust ueber einen Schaden lediglich dadurch, dass der Schaden ein geringer ist, in "Spass", oder komische Lust? Mir scheint vielmehr, wenn ein Schaden Unlust erzeugt, so erzeugt ein geringer Schaden zunaechst nichts anderes als verminderte Unlust. Ist der Schaden sehr gering, so wird die Unlust schliesslich gleich Null. Aber verminderte oder gar nicht mehr vorhandene Unlust ist doch nicht identisch mit heiterer Lust. Es ist deutlich, _Ziegler_ setzt in seiner Erklaerung genau das voraus, was er erklaeren will. Seine Erklaerung der Komik besteht darin, dass er andere Worte dafuer einsetzt, naemlich die Worte "Scherz" und "Spass". Warum erscheint uns ein Objekt komisch? Weil es uns nicht ernsthaft sondern scherzhaft erscheint. Warum erscheinen wir selbst uns komisch? Weil die Spannung, in die wir durch das komische Objekt versetzt worden sind, nicht ernsthaft sondern spasshaft zu nehmen ist. Erst wo es sich um das Zweckwidrige in oder an einer von uns verschiedenen Person handelt, begegnen wir auch bei _Ziegler_ dem Begriff der Schadenfreude und der Ueberlegenheit. Nicht das _Wort_ "Schadenfreude" kommt vor, aber die Sache: Es geschieht dem Verkehrten "Recht, dass seine verschuldete Unvernunft ihm den kleinen Schaden gebracht hat." Ich habe schon oben zugestanden, dass in der That in allerlei Faellen der Komik die Schadenfreude zu stande kommen und ein Gefuehl der Ueberlegenheit sich einstellen kann. Nur dass dies mit dem Gefuehl der Komik als solchem nichts zu thun hat. Gefuehl der Komik ist Gefuehl der Komik; und Gefuehl der Schadenfreude oder der Ueberlegenheit ist Gefuehl der Schadenfreude oder der Ueberlegenheit.--Im uebrigen wiederhole ich nicht, was ich gegen die Theorie der Ueberlegenheit vorhin gesagt habe. III. KAPITEL. KOMIK UND VORSTELLUNGSKONTRAST. KRAEPELINS "INTELLEKTUELLER KONTRAST". Wie schon gesagt, geht _Kraepelin_ von der Betrachtung der komischen Objekte und Vorgaenge aus. Dies Verfahren schien uns von einem Bedenken frei, dem das _Hecker_'sche von vornherein unterlag. Aber Kraepelins Weise der Betrachtung ist einseitig; darum das schliessliche Ergebnis durchaus ungenuegend. Dies schliessliche Ergebnis lautet: Komisch wirkt der "unerwartete intellektuelle Kontrast, der in uns einen Widerstreit aesthetischer, ethischer oder logischer Gefuehle mit Vorwiegen der Lust erweckt". Ich betone hier zunaechst die Anerkennung der Notwendigkeit eines Kontrastes. Diesem Elemente begegnen wir schon in der Aesthetik von _Kant_ und _Lessing_. Wir sehen dann die Aesthetiker bemueht, schaerfer und schaerfer die Besonderheit zu bestimmen, die den komischen Kontrast vor jedem beliebigen anderen Kontrast auszeichnet. Auch Kraepelin sucht eine solche naehere Bestimmung. Er glaubt sie gefunden zu haben, indem er den komischen Kontrast als intellektuellen bezeichnet. Da an dem "intellektuellen" Kontrast fuer _Kraepelin_ alles haengt, so sollte man eine scharfe und unzweideutige Abgrenzung dieses Begriffes erwarten. Dieser Erwartung wird nicht genuegt. Der intellektuelle Kontrast entsteht nach _Kraepelin_ aus dem notwendig misslingenden Versuch der begrifflichen Vereinigung disparater Vorstellungen. Dabei duerfen zunaechst die "disparaten" Vorstellungen nicht allzu ernst genommen werden. Gemeint sind einfach Vorstellungen, welche die ihnen angesonnene begriffliche Vereinigung nicht zulassen, sie moegen im Uebrigen von der Disparatheit beliebig weit entfernt sein. Was aber will die begriffliche Vereinigung? Sie soll mehr sein als ein blosser Vergleich, demnach der intellektuelle Kontrast kein bloss sinnlicher. Aber ich sehe nicht, worin jenes Mehr bestehen soll. "Der Bauer lacht ueber den Neger, den er zum ersten Male sieht." Auch wir koennen uns bisweilen "eines leisen Gefuehls der Komik nicht erwehren, wenn wir einen Freund mit veraenderter Haarfrisur, abrasiertem Bart, oder zum ersten Male in der feierlichen Kopfbedeckung des Cylinders begegnen." Dies sind Faelle der von _Kraepelin_ sogenannten "Anschauungskomik", der ersten Hauptgattung, die er aufstellt. Bei ihr kontrastieren jedesmal "sinnliche Anschauungen mit Bestandteilen unseres Vorstellungsschatzes unmittelbar und ohne intellektuelle Verarbeitung". Nun leugne ich das Vorhandensein und die Bedeutung dieses Kontrastes nicht, ich sehe nur nicht, was ihn von einem blossen Vergleichskontrast unterscheiden soll. Es scheint mir sogar, _Kraepelin_ bezeichne ihn, indem er ihn "unmittelbar und ohne intellektuelle Verarbeitung" entstehen lasse, ausdruecklich als solchen. In der That koennen wir einen wahrgenommenen Gegenstand mit anderen, die wir frueher wahrgenommen haben, nicht vergleichen, ohne des Kontrastes zwischen ihm und den frueher wahrgenommenen, also jetzt zu Bestandteilen unseres Vorstellungsschatzes gewordenen, inne zu werden. Das Resultat der Vergleichung, die Unterscheidung, besteht eben in diesem Innewerden des Kontrastes. Statt von begrifflicher Vereinigung spricht _Kraepelin_ auch wohl von inniger Verbindung disparater Vorstellungen. Aehnlichkeiten der disparaten Vorstellungen werden benutzt, diese innige Verbindung herzustellen. Aber auch damit ist kein Gegensatz zwischen begrifflicher Vereinigung und blossem Vergleich bezeichnet. Was mich zum Vergleich veranlasst, sind immer Aehnlichkeiten, und der Vergleich selbst besteht jederzeit in dem Versuch der Verschmelzung oder der Identifikation von Vorstellungen, also der denkbar _innigsten_ Verbindung derselben. Eben aus diesem Versuch der Identifikation ergiebt sich beim Vergleiche das Unterschieds- oder Kontrastbewusstsein. Heisst demnach intellektueller Kontrast derjenige, der aus dem Versuch inniger, auf vorhandene Aehnlichkeiten sich gruendender Verbindung von Vorstellungen entsteht, so muss jeder Kontrast, der bei irgendwelcher Vergleichung sich ergiebt, diesen Namen tragen. Oder besteht die begriffliche Vereinigung und damit die specifische Bedingung der Komik in den oben genannten Faellen darin, dass der Bauer den Neger, ebenso wie den Kaukasier, dem Begriff "Mensch", oder dass wir das Bild des anders frisierten und mit ungewohnter Kopfbedeckung versehenen Freundes ebenso wie das gewohnte Bild dem Begriff "unser Freund" unterzuordnen versuchen, und dabei die Erfahrung machen, dass dies nicht ohne Widerspruch gelingt? Dies scheint wirklich _Kraepelins_ Meinung. Weil wir in reicherer Lebenserfahrung solche Begriffe gewonnen haben, die auch Neues und Ungewohntes widerspruchslos in sich aufnehmen, darum ist seiner Erklaerung zufolge fuer uns nicht mehr, wie fuer den Ungebildeten, alles Neue und Ungewohnte komisch. Aber auch darin liegt nichts, was nicht bei beliebigen Vergleichen vorzukommen pflegte. Jeder Vergleich, so sagten wir oben, sei Versuch der Identifikation. Dieser Versuch der Identifikation aber ist ohne weiteres auch Versuch der Unterordnung unter denselben Begriff. So vergleiche ich eine Pflanze, der ich irgendwo begegne, mit den mir bekannten Arten, indem ich versuche, ihre Form mit den Typen der letzteren zu identificieren. Damit ist der Versuch, die Pflanze dem _Begriff_ einer der fraglichen Arten unterzuordnen, sofort verbunden. Daher ich denn auch das Resultat des Vergleichs ohne weiteres in der Weise ausspreche, dass ich von der Pflanze die Zugehoerigkeit oder Nichtzugehoerigkeit zu einem bestimmten Artbegriff praediziere: die Pflanze ist eine Orchidee oder sie ist es nicht. Ebenso kann ich den veraenderten Zustand, in dem sich eine Pflanze heute befindet, mit dem Zustand, in dem sich dieselbe Pflanze gestern befand--sie habe etwa ueber Nacht Blueten getrieben--nicht vergleichen, ohne beide Wahrnehmungsinhalte--die bluehende und die bluetenlose Pflanze--demselben Begriff dieser mir bekannten Pflanze einzuordnen. Wenigstens hat es hier ebensoviel bezw. ebensowenig Sinn, von einer Einordnung in einen gemeinsamen Begriff zu sprechen, wie beim komischen Kontrast zwischen dem neufrisierten Freunde einerseits und dem gewohnten Anblick desselben andererseits. Darnach sind wir wohl berechtigt, in der "begrifflichen Vereinigung" oder "innigen Verbindung" und dem "intellektuellen Kontrast" das ueber den blossen Vergleich und Vergleichskontrast hinausgehende Moment zu vermissen. _Kraepelin_ ist im Rechte, insofern er ein solches Moment ueberhaupt fordert. Er irrt nur, wenn er meint es damit aufgewiesen zu haben, dass er jene Namen einfuehrt. Die Ausdruecke, "begrifflich" und "intellektuell" sind ja freilich so vieldeutig, dass sie alles besagen koennen. Aber eben darum besagen sie in einer wissenschaftlichen Theorie wenig oder gar nichts. Sie gehoeren zu den in der Psychologie so vielfach ueblichen Worten, die wohl "um die Ohren krabbeln", aber statt das Verstaendnis zu foerdern, vielmehr ueber die Notwendigkeit des Verstaendnisses hinwegtaeuschen. Moegen nun aber die begriffliche Vereinigung und der intellektuelle Kontrast sein was sie wollen. Auch fuer _Kraepelin_ begruenden sie ja die Komik nicht unter allen Umstaenden. _Kraepelin_ bezeichnet als Gegenstaende der Anschauungskomik auch die leichter zu ertragenden menschlichen Gebrechen. Der Kontrast mit der gewohnten menschlichen Bildung laesst sie komisch erscheinen. Warum, so fragen wir, muessen gerade Gebrechen die eine Seite des Kontrastes bilden? Warum entsteht der Eindruck der Komik nicht ebenso, wenn ein Mensch durch irgend welchen Vorzug zu dem, was wir zu sehen gewohnt sind, in Gegensatz tritt? Warum lachen wir ueber den ungewoehnlich Kraeftigen und Wohlgebildeten nicht, wie ueber den ungewoehnlich Fetten oder Hageren?--Und warum verschwindet bei uns gebildeten Menschen sogar die Komik der Gebrechen, wenn sie schwer zu ertragende sind? Warum lachen wir ueber den Armen, der beide Beine verloren hat, nicht ebenso, wie ueber die rote Nase, da doch der Kontrast in jenem Falle viel deutlicher in die Augen springt? Auf alle diese Fragen bleibt _Kraepelin_ die Antwort schuldig. Doch nein. Wir irren. _Kraepelin_ giebt auf diese Fragen sogar eine sehr bestimmte Antwort. Wir wissen schon, der intellektuelle Kontrast wirkt komisch nur, wenn er in uns einen Gefuehlswiderstreit "mit _Vorwiegen der Lust_" erweckt. Nun erweckt die ausserordentlich wohlgebildete Gestalt in uns keine Unlust, also keinen Widerstreit der Gefuehle, der Anblick des schwer zu ertragenden Gebrechens laesst nicht die Lust, sondern die Unlust ueberwiegen; es fehlt also in beiden Faellen ein wesentliches Element der Komik. Aber ist dies wirklich eine Antwort auf jene Fragen? Die komische Wirkung _besteht_ ja fuer _Kraepelin_ in gar nichts Anderem, als dem Widerstreit der Lust und Unlust mit Ueberwiegen der Lust. Wenn er uns also sagt, nur der Kontrast wirke komisch, der diesen Widerstreit erwecke, so heisst dies, nur der Kontrast wirke komisch, der komisch wirke. Nun werden wir uns ja freilich dieser Einsicht nicht verschliessen koennen. Wir erfahren nur das nicht, was wir gerne wissen moechten, unter welchen Umstaenden naemlich ein Kontrast komisch wirke, _das heisst_--nach _Kraepelin_--den Widerstreit der Gefuehle erzeuge, in dem die komische Wirkung angeblich besteht. Jener allgemeinen Antwort auf die Frage, warum der "intellektuelle" Kontrast vielfach gar nicht komisch wirke, entspricht die Art, wie _Kraepelin_ sich in speciellen Faellen hilft. Kinder finden leicht alles komisch, weil bei ihnen der intellektuelle Kontrast leichter entsteht. Vorausgesetzt ist, dass dabei nicht die Furcht ueberwiegt. Die Faelle, in denen der intellektuelle Kontrast seine Pflicht versaeumt, erscheinen also als Ausnahmen, die die Regel bestaetigen. Der Kontrast _wuerde_ das Gefuehl der Komik erzeugen, wenn nicht statt desselben ein anders geartetes oder entgegengesetztes Gefuehl eintraete. Aber dies hat ebensoviel Sinn, als wenn ich erst den allgemeinen Satz aufstellen wollte: alle Koerper sinken im Wasser, um dann hinzuzufuegen: wofern sie nicht oben bleiben. Oder will _Kraepelin_ sagen, in jenen Faellen werde das Eintreten der Komik durch andersgeartete Gefuehle aufgehoben? Auch damit ist nichts gebessert. Auch von Koerpern, die sich nicht darauf einlassen im Wasser zu sinken, kann ich zur Not sagen, bei ihnen werde durch das Obenbleiben oder die Tendenz des Obenbleibens der Effekt des Sinkens aufgehoben. Eine Begruendung des Sinkens dieser Koerper und des Nichtsinkens jener waere damit nicht gegeben. Endlich ist es aber auch, wie wir schon wissen, gar nicht richtig, dass Widerstreit von Lust und Unlust mit Ueberwiegen der Lust das Gefuehl der Komik ausmacht. Weder von einem solchen Widerstreit zu reden ist _Kraepelin_ so ohne weiteres berechtigt, noch findet das Ueberwiegen der Lust jederzeit statt. Umgekehrt koennen, wie wir gleichfalls schon wissen, Lust und Unlust thatsaechlich in dem bezeichneten Verhaeltnis stehen und doch kein Gefuehl der Komik ergeben. Es koennen aber auch schliesslich die ganzen _Kraepelin_'schen Bedingungen der Komik erfuellt, also der unerwartete intellektuelle Kontrast samt dem von _Kraepelin_ geforderten Verhaeltnis von Lust und Unlust gegeben sein, ohne dass von Komik im entferntesten die Rede ist. Jedes zugleich praechtige und furchtbare Schauspiel, das ich nie gesehen, das also zu meinem "Vorstellungsschatz" in unerwarteten Gegensatz tritt, der unerwartete Anblick eines maechtigen Heeres, eines maechtig aufsteigenden Wetters und dergleichen erfuellt die Bedingungen, wenn zufaellig der erhebende Eindruck der Pracht das Gefuehl der Furcht ueberwiegt. Darum finden wir ein solches Schauspiel doch niemals komisch. So bleibt schliesslich von der ganzen _Kraepelin_'schen Bestimmung der Komik nur der Vorstellungskontrast uebrig. Wie der beschaffen sein muesse, davon erfahren wir nichts. Das heisst, wir erfahren nichts von der eigentlichen Hauptsache. WUNDTS THEORIE. Wir werden zu _Kraepelin_ nachher noch einmal zurueckkehren muessen. Vorerst schliessen wir an das ueber seine Theorie Gesagte eine Bemerkung ueber verwandte Anschauungen. Zunaechst ueber die _Wundts_. Nur in wenigen Worten charakterisiert _Wundt_ die Komik. Diese Worte finden sich im zweiten Bande der "Grundzuege der physiologischen Psychologie" 4. Aufl. In seiner Charakteristik vereinigt _Wundt_ in gewisser Weise mit der _Kraepelin_'schen Theorie die _Hecker_'sche. _Wundt_ meint: "Beim Komischen stehen die einzelnen Vorstellungen, welche ein Ganzes der Anschauung oder des Gedankens bilden, unter einander oder mit der Art ihrer Zusammenfassung teils im Widerspruch, teils stimmen sie zusammen. So entsteht ein Wechsel der Gefuehle, bei welchem jedoch die positive Seite, das Gefallen, nicht nur vorherrscht, sondern auch in besonders kraeftiger Weise zur Geltung kommt, weil es, wie alle Gefuehle, durch den Kontrast gehoben wird." Was ich dagegen zu sagen habe, ist der Hauptsache nach bereits gesagt: Werden alle Gefuehle durch Kontrast gehoben, so erfaehrt in dem Wechsel der Gefuehle, wie die Lust durch die Unlust, so auch die Unlust durch die Lust eine Steigerung. Es bleibt also das Verhaeltnis dasselbe. Zweitens: Das hier vorausgesetzte Kontrastgesetz existiert nicht. Das _Gefuehls_kontrastgesetz insbesondere ist eine psychologische Unmoeglichkeit. Drittens: Es kann auch nicht gesagt werden, dass bei der Komik das Gefuehl der Lust ueberwiegen muesse. Die Komik des Veraechtlichen, die Komik, die aus dem Lachen der Verzweiflung spricht, zeigt ein Uebergewicht der Unlust, Komik ist ihrem eigentlichen Wesen nach weder Lust noch Unlust, sondern im Vergleich mit beiden etwas Neues. Viertens: Damit ist auch schon gesagt, dass zur Komik der Wechsel der Lust und Unlust nicht gehoert. Mag beim Gefuehl der Komik bald die Lust- bald die Unlustfaerbung staerker heraustreten; das Gefuehl der Komik ist an sich ein von diesem Gegensatze unabhaengiges eigenartiges Gefuehl. Fuenftens, abgesehen von allem dem: Setzen wir den Fall, zwei Thatsachen lassen sich unter einen Gesichtspunkt stellen, und fordern, dass wir dies thun, wenn wir sie von einer bestimmten Seite her betrachten. Sie widerstreiten dagegen dem Versuch, dies zu thun, wenn wir andere Momente an ihnen ins Auge fassen. Hier ist fuer _Wundt_ die Grundbedingung der Komik gegeben. Es kann auch daraus unter Umstaenden ein Wechsel der Gefuehle sich ergeben. Ich achte bald auf das Moment der Uebereinstimmung, bald auf das Moment des Widerstreites. Dann schwankt auch mein Gefuehl zwischen Lust und Unlust. Dabei wird freilich nicht das Gefuehl der Lust, sondern das der Unlust durch den "Kontrast" gesteigert: Je mehr, was beide Thatsachen Uebereinstimmendes haben, zur Zusammenfassung unter den einen wissenschaftlichen Gesichtspunkt einladet, um so unangenehmer beruehrt es uns, wenn wir dann doch wiederum von der Unmoeglichkeit der Zusammenfassung uns ueberzeugen muessen. Dagegen wird das Moment der Uebereinstimmung keineswegs dadurch fuer uns erfreulicher, dass das gegenteilige Moment uns die Freude daran immer wiederum verkuemmert. Verkuemmerte Freude ist nicht, wie es nach dem Gesetz des "Gefuehlskontrastes" sein muesste, doppelte Freude. Indessen nehmen wir an, das Kontrastgesetz bestaende, und wirkte, so wie es nach _Wundt_ wirken muesste; es wuerde also im obigen Falle die Lust "gehoben". Dann waeren alle Bedingungen, die nach _Wundt_ fuer die Komik charakteristisch sind, gegeben. Es muesste also eine den obigen Angaben entsprechende Beziehung zwischen Thatsachen jederzeit komisch sein. Das heisst jede Theorie, jede Zusammenfassung von Thatsachen, die einerseits berechtigt, andererseits doch auch wiederum unzulaessig erscheint, muesste komisch erscheinen. Nun haftet gewiss mancher wissenschaftlichen Theorie von der bezeichneten Art der Charakter der Komik an. Sie braucht nur etwa sehr selbstbewusst aufzutreten und zugleich dieses Selbstbewusstsein moeglichst wenig zu rechtfertigen. Oder sie verbluefft uns momentan durch einen Schein der Wahrheit; dann aber sinkt _eben das_, was ihr den Schein der Wahrheit verlieh, in _nichts_ zusammen. Aber das sind ja Voraussetzungen, die _Wundt_ nicht macht. Es fehlt so bei _Wundt_ die Pointe der Komik, also ihr eigentlicher Sinn. Immerhin liegt auch in _Wundts_ Charakteristik der Komik ein Hinweis auf Richtiges und Wichtiges. Ich denke wiederum vorzugsweise an die Anerkenntnis, dass ein Gegensatz oder ein Kontrast, und zwar, allgemein gesagt, ein Kontrast zwischen einem Positiven und einem Negativen fuer die Komik notwendig sei. Dass und wiefern diese Anschauung berechtigt ist, werden wir nachher genauer sehen. Dass sie ein gewisses Recht haben muesse, koennen wir aber auch schon aus der Thatsache entnehmen, dass uns aehnliche Wendungen, sei es zur Charakterisierung des Witzes, sei es zur Kennzeichnung der Komik ueberhaupt frueher und spaeter immer wieder begegnen. VERWANDTE THEORIEN. Hier kommen fuer uns einstweilen nur diejenigen Definitionen der Komik in Betracht, die auf die Komik ueberhaupt sich beziehen. Erwaehnung verdient vor allem _Schopenhauer_, der in "Die Welt als Wille und Vorstellung" II. Buch I sek. 13 sagt: "Das Lachen entsteht jedesmal aus nichts Anderem, als aus der ploetzlich wahrgenommenen Inkongruenz zwischen einem Begriff und den realen Objekten, die durch ihn in irgend einer Beziehung gedacht worden waren; und es ist selbst eben nur der Ausdruck dieser Inkongruenz." "Je richtiger einerseits die Subsumtion ... unter den Begriff ist, und je groesser und greller andererseits ihre Unangemessenheit zu ihm, desto staerker ist die aus diesem Gegensatz entspringende Wirkung des Laecherlichen. Jedes Lachen also entsteht auf Anlass einer paradoxen und daher unerwarteten Subsumtion, gleichgueltig ob diese durch Worte oder Thaten sich ausspricht. Dies ist in der Kuerze die richtige Erklaerung des Laecherlichen." Hier begegnen uns in sehr ausgesprochener Form die oben als positiv wertvoll anerkannten Momente. Im uebrigen wissen wir, warum diese Erklaerung so unzulaenglich ist, wie sie kurz ist und anspruchsvoll auftritt. _Schopenhauers_ "Laecherliches" ist laecherlich, wenn es nicht aergerlich, oder imponierend, sondern eben laecherlich ist. Es ist _zunaechst_ lediglich _aergerlich_, wenn wir ploetzlich wahrnehmen, ein Objekt sei dem Begriff, unter den wir es subsumiert haben, inkongruent. Und zwar ist zu diesem Gefuehl um so mehr Grund, je richtiger die Subsumtion schien, oder je mehr unser Urteil ueber das Objekt zwingend und einleuchtend war. Es ist zweitens _imponierend_, wenn wir ein Objekt zunaechst, etwa auf Grund einer bloss aeusserlichen Betrachtung, einem Begriff subsumierten, dessen Anwendung eine geringe Bewertung des Objektes in sich schloss, und wenn dann ploetzlich diese Subsumtion und mit ihr diese niedrige Bewertung als fuer das Objekt voellig unangemessen sich ausweist. Es ist endlich _komisch_ dann und nur dann, wenn dem Objekt vermoege der Subsumtion, oder vermoege unserer Beurteilung desselben, irgend welche Wuerde zukam, oder zuzukommen schien, und nun ploetzlich _diese Wuerde verleihende_ Subsumtion als inkongruent oder unangemessen sich darstellt. Man sieht, auch _Schopenhauer_ setzt bei seiner Erklaerung der Komik die Komik voraus. Daneben mag erwaehnt werden _Lillys_ "Theory of the Ludicrous", Fortnightly Review, Mai 1896, wonach das Laecherliche ist: an irrational negation which arouses in the mind a rational affirmation. Sehr nahe mit _Kraepelin_ beruehrt sich dann _Melinauds_ Erklaerung in einem Aufsatz der Revue des deux mondes 1895: Pourquoi rit-on? Etude sur la cause psychologique du rire. Die Antwort auf jene Frage lautet: Quand un objet d'un cote est absurde, et d'autre trouve une place toute marquee dans une categorie familiere. Soll auch dagegen noch eine besondere Bemerkung gemacht werden, so sei auf folgendes hingewiesen: Ein menschliches Verhalten, ein religioeser Gebrauch etwa, sei in sich moeglichst "absurd". Diese Absurditaet wird komisch erscheinen, wenn sie ueberraschend oder verblueffend ist; d. h. wenn wir die betreffenden Personen mit unserem Masse messen, sie also als vernuenftige Menschen betrachten, wenn demgemaess die Unvernunft in unseren Augen den Anspruch erhebt, vernuenftig, ja vielleicht erst recht vernuenftig zu sein, zugleich aber voellig klar in ihrer Unvernunft einleuchtet. Nehmen wir dagegen an, die absurde Handlung sei uns in aller ihrer Absurditaet dennoch aus Erziehung, Gewohnheit, Unkenntnis, geistiger Stumpfheit der Personen voellig verstaendlich, so dass wir uns sagen, die Personen muessen unter diesen Umstaenden so absurd sich gebaerden, wie sie es thun. Dann hoert die Komik auf. Es tritt dann an die Stelle der Komik dies nuechterne Verstaendnis oder diese klar bestimmte Einordnung in eine "categorie familiere". Man erinnert sich des Wortes: Nicht weinen, nicht lachen, _sondern_ verstehen. Hier ist also die "place toute marquee dans une categorie familiere" der Komik feindlich. Andererseits ist doch freilich auch wiederum das Verstaendnis des absurden Gebarens Bedingung einer bestimmten Art der Komik, naemlich der _naiven_ Komik. Nur muss hier die Verstaendlichkeit in besonderem Sinne genommen werden. Nicht im Sinne der einfachen verstandesgemaessen Einsicht, sondern im Sinne der Anerkenntnis: Das absurde Gebaren erscheint als Gebaren dieser Person berechtigt, sinnvoll, "natuerlich"; es giebt sich darin etwas Gutes, Gesundes, eine Einsicht, kurz eine gewisse Groesse der Person kund. Andererseits aber bleibt doch das Gebaren an sich betrachtet absurd. Angenommen _Melinaud_ haette an diese Art der Komik gedacht, dann gehoerte seine Theorie zu den zahlreichen, deren Schiefheit sich aus der aeusserlichen und unzureichenden Betrachtung bestimmter Moeglichkeiten der Komik erklaert. Endlich erwaehne ich die letzte Schrift, die mit der Frage der Komik sich eingehender beschaeftigt, naemlich _Herkenraths_ Problemes d'estetique et de morale, Paris 1898. _Herkenrath_ knuepft an _Melinauds_ Definition unmittelbar an. Er will sie nur verallgemeinern. Zugleich bestimmt er sie genauer. Er meint, komisch sei die "reunion soudaine de deux aspects, qui paraissent incompatibles". Hier ist das "soudaine" gegen _Melinaud_ eine Verbesserung. Aber auch die "ploetzlichste" Vereinigung zweier unvertraeglicher "Aspekte" erzeugt nicht ohne weiteres die Komik. _Herkenrath_ setzt den Fall: Wir hoeren aus einem Wandschrank ein Wimmern, und meinen, die Katze sei darin eingesperrt. Beim Oeffnen finden wir darin unsere Tante oder unseren Schwiegervater. Dies waere gewiss komisch. Und es trifft auch hier thatsaechlich ein "Aspekt", naemlich die Erwartung, dass das Eingeschlossene eine Katze sei, mit einem anderen damit unvertraeglichen "Aspekt", naemlich der Wahrnehmung, dass es meine Tante oder mein Schwiegervater ist, ploetzlich zusammen. Aber die Wahrnehmung, dass ein kleiner Hund in den Schrank eingesperrt worden sei, wuerde jener Erwartung ebenso widersprechen. Worauf es ankommt, das ist: die Tante oder der Schwiegervater, diese wuerdevollen oder auf Wuerde Anspruch machenden Personen; und weiter der Umstand, dass eine solche wuerdevolle Person in den Schrank eingeschlossen ist, und damit ploetzlich in meinen Augen ihrer Wuerde verlustig geht, und in dem speziellen Falle sogar auf das Niveau einer kleinen wimmernden Katze herabsinkt. Die Komik entsteht hier nicht aus der ploetzlichen Vereinigung zweier unvertraeglicher Aspekte, sondern aus diesem Zergehen der Wuerde der Tante oder des Schwiegervaters. _Herkenrath_ meint, hier ein Beispiel gegeben zu haben, in welchem die Komik entstehe, indem an die Stelle eines erwarteten Kleinen ein Grosses oder Wuerdevolles tritt. In Wahrheit findet hier wie in allen Faellen der Komik das Gegenteil statt: Ein Grosses schrumpft zu einem Kleinen zusammen. Waere dies nicht der Fall, so wuerde die Komik unterbleiben. Die Wahrnehmung eines reissenden Stromes, wo nach vorangehenden Erfahrungen ein wasserarmer Bach erwartet wurde, wirkt nicht komisch, sondern imponierend. Und doch haben wir auch hier die ploetzliche Vereinigung zweier unvertraeglicher Aspekte. * * * * * II. ABSCHNITT. DIE GATTUNGEN DES KOMISCHEN. IV. KAPITEL. DIE OBJEKTIVE KOMIK. KONTRAST DES GROSSEN UND KLEINEN. Mit den letzten Bemerkungen des vorigen Abschnittes habe ich dem Folgenden vorgegriffen. Das dort Angedeutete wird in diesem Abschnitt naeher auszufuehren sein. Wir reden zunaechst von der objektiven Komik. Die genauere Abgrenzung derselben von den beiden anderen Gattungen der Komik, der subjektiven und der naiven Komik, wird spaeter, im Kapitel ueber die naive Komik, zu vollziehen sein. Hier genuegt uns einstweilen diejenige Bestimmung des Begriffes der objektiven Komik, die sich aus dem hier Folgenden von selbst ergiebt. Ich sagte oben, _Kraepelin_ unterlasse es, uns zu sagen, welcher Kontrast komisch wirke. Die Antwort auf diese Frage ist teilweise seit lange gegeben. In gewisser Weise schon von der Aesthetik der _Wolff_'schen Schule. Diese bezeichnet den komischen Kontrast als einen Kontrast zwischen Vollkommenheiten und "Unvollkommenheiten". Deutlicher redet Kant. Ihm zufolge entsteht die Komik aus der ploetzlichen Aufloesung einer Erwartung in "Nichts". Nach _Jean Paul_ ist das Laecherliche das unendlich "Kleine", das zu einem Erhabenen in Gegensatz tritt. Und dieselbe Anschauung begegnet uns in der folgenden Geschichte der Aesthetik immer wieder, in den mannigfachsten Modifikationen, in geistvollster Weise durchgefuehrt von _Vischer_. Ich erwaehne speziell noch _Spencer_, fuer den die Komik beruht auf einer "descending incongruity"; einem unvermerkten Uebergang "from _great_ things to _small_". Aehnlich ist fuer _Bain_ der Anlass der Komik "the _degradation_ of some person or interest possessing dignity in circumstances, that excite no other strong emotion". Die Antwort auf die Frage nach dem Grunde der Komik, die ich meine, liegt aber im Grunde auch schon in der gewoehnlichen und jedermann gelaeufigen Gegenueberstellung des _Erhabenen_ und des Komischen oder Laecherlichen. Wie kann man es unterlassen, das Recht solcher Anschauungen und Wendungen wenigstens zu pruefen? Ein Kleines, ein relatives Nichts, dies liegt in allen diesen Wendungen, bildet jederzeit die eine Seite des komischen Kontrastes; ein Kleines, ein Nichts, nicht ueberhaupt, sondern im Vergleich zu demjenigen, mit dem es kontrastiert. Die Komik entsteht eben, indem das Kleine an dem Andern, zu dem es in Beziehung gesetzt wird, sich misst und dabei in seiner Kleinheit zu Tage tritt. Damit ist auch schon gesagt, dass das Kleine in der Vorstellungsbewegung, die dem Eindruck der Komik zu Grunde liegt, jederzeit _das zweite Glied_ sein muss, d. h. dasjenige, zu dem wir in unserer Betrachtung uebergehen, nicht der Ausgangspunkt, sondern der Zielpunkt der Bewegung. Wir moegen immerhin das Kleine schon vorher wahrgenommen oder ins Auge gefasst haben, klein erscheinen im Vergleich zur anderen Seite des Kontrastes kann es doch erst, nachdem wir den Massstab, den die andere Seite liefert, aus der Betrachtung derselben schon gewonnen haben. Dass diese Anschauung im Rechte ist, zeigen beliebige Beispiele. Auch die von _Kraepelin_ angefuehrten. Wir finden uns, um zunaechst ein Beispiel zu erwaehnen, das uns bei _Kraepelin_ nicht begegnet, das aber von uns bereits oben angefuehrt wurde, komisch angemutet, wenn wir neben einem maechtigen Palast ein kleines Haeuschen, wohl gar ein solches, das in seiner Form den Palast nachahmt, stehen sehen. Die komische Wirkung tritt noch sicherer ein, wenn das kleine Haeuschen eine ganze Reihe maechtiger Bauten unterbricht. _Kraepelins_ Fehler besteht darin, dass ihm dieser Kontrast zwischen Gross und Klein ein Kontrast ist wie jeder andere, und dass er die Stellung der Glieder des Kontrastes nicht beachtet. Denken wir uns eine Reihe von maechtigen Palaesten durch einen Bau unterbrochen, dessen Bauart eine ganz andere ist, der ihnen aber an Maechtigkeit nichts nachgiebt, eine grosse Kirche, ein Theater oder dergleichen, dann unterbleibt der Eindruck der Komik. Und angenommen, wir gehen erst zwischen Reihen kleiner Haeuser und erblicken ploetzlich einen riesigen Palast, so schlaegt er gar in den des Erstaunens um; obgleich natuerlich der Kontrast zwischen Klein und Gross nicht kleiner ist, als der zwischen Gross und Klein. Man vergleiche hier auch die Beispiele, die am Ende des vorigen Abschnittes angefuehrt wurden. In dem obigen Beispiele ist das "Kleine" ein Kleines der _Ausdehnung_. Ein solches ist es nicht in allen Faellen. Was ich mit dem Kleinen, dem relativen Nichts oben meinte, das ist ueberhaupt das fuer uns relativ Bedeutungslose, dasjenige, was fuer uns, sei es ueberhaupt, sei es eben jetzt, geringeres Gewicht besitzt, was geringeren Eindruck macht, uns in geringerem Masse in Anspruch nimmt, oder wie sonst wir uns ausdruecken moegen. Dergleichen Praedikate kann aber ein Objekt aus gar mancherlei Gruenden verdienen. Auf Eines muss ich besonders aufmerksam machen. Die Art, in der Objekte auf uns wirken oder uns in Anspruch nehmen, pflegt der Hauptsache nach nicht auf dem zu beruhen, was sie fuer unsere Wahrnehmung sind, sondern auf dem, was sie uns bedeuten, oder anzeigen, woran sie gemahnen oder erinnern. Die Wirkung der Worte liegt vor allen Dingen an dem, was sie sagen, nicht minder die der sichtbaren Formen, sei es einzig, sei es zum wesentlichen Teile, an den Gedanken, die sie in uns erwecken. Schon fuer die Komik der "leicht zu ertragenden menschlichen Gebrechen" kommt dies in Betracht. Inwiefern, dies wird deutlich, wenn man bedenkt, dass von Haus aus, das heisst abgesehen von den Vorstellungen und Gedanken, die wir auf Grund mannigfacher Erfahrungen hinzufuegen, die Bildung des menschlichen Koerpers ueberhaupt kein Gegenstand besonderen Interesses ist. Der menschliche Koerper waere uns sogar, wenn wir alle diese "associativen Faktoren" einen Augenblick zum Schweigen bringen koennten, die gleichgueltigste Sache von der Welt. Er gewinnt Bedeutung, indem mit ihm der Gedanke an ein darin waltendes koerperliches und geistiges Leben aufs Innigste verwaechst. Er wird dadurch zum sinnlichen Traeger der Persoenlichkeit. Nicht nur das Auge ist Spiegel des Innern, sondern der ganze Koerper in allen seinen Teilen, wenn auch nicht ueberall in gleichem Grade. Dies heisst nicht, wir lesen aus jeder Form des menschlichen Koerpers ein bestimmtes, _thatsaechlich_ darin verkoerpertes Leben in zutreffender Weise heraus. Nur dies ist mit jener Behauptung gesagt, es werde durch jede Form auf Grund der Erfahrung die Vorstellung eines bestimmt gearteten Lebens in uns erweckt, gleichgueltig ob die Vorstellung jedesmal der Wirklichkeit entspricht, oder nicht. Ausserdem muss hinzugefuegt werden, dass solche Vorstellungen uns nicht zum Bewusstsein zu kommen brauchen, wenn das Interesse an der Form entstehen, also die Form uns bedeutungsvoll werden soll. Die _normalen_ Formen des menschlichen Koerpers sind es aber, mit denen vor allem der Gedanke an _positives_, in gewisser Fuelle, Kraft, Ungestoertheit vorhandenes koerperliches und geistiges Leben sich verknuepft. Sie heissen eben normal, weil in ihnen ueberall das Mass von "Leben" und Lebensfaehigkeit sich darstellt oder darzustellen scheint, das wir allgemein fordern oder fuer wuenschenswert halten. Sie sind eben damit fuer uns Gegenstand erheblichen _positiven_ Interesses und darum bedeutungs- und eindrucksvoll. Mit diesem Interesse Hand in Hand geht dann das negative Interesse, das solche abnorme Formen fuer uns haben, die die Vorstellung eines erheblichen _Eingriffs_ in jenes koerperliche und geistige Leben oder einer erheblichen _Herabminderung_ desselben erwecken. Auch dies negative Interesse involviert eine entsprechende Eindrucksfaehigkeit. Dagegen erscheinen Abweichungen von der normalen Form, die mit keiner derartigen Vorstellung verbunden sind, notwendig relativ "nichtssagend" und damit psychologisch mehr oder weniger gewichtlos. Sie erscheinen insbesondere dem Sinn und Inhalt der _normalen_ Formen gegenueber entweder als ein Zuwenig oder als ein Zuviel oder als beides zugleich. Der uebermaessig Hagere bleibt schon rein aeusserlich betrachtet hinter der normalen Bildung zurueck. Aber nicht dies aeusserliche Zurueckbleiben, sondern der damit sich verbindende Gedanke einer geringeren Kraft- und Lebensentfaltung laesst die Form relativ nichtig erscheinen. Dasselbe gilt von der zu kleinen Nase. Sie macht den Eindruck der Verkuemmertheit, als habe der Organismus nicht Kraft genug gehabt, eine normale Nase zu bilden; indem sie an die Bildung der kindlichen Nase erinnert, erweckt sie zugleich die Vorstellung einer niedrigeren Stufe geistigen Lebens. Dagegen erscheint die zu grosse Nase, soweit sie ueber das normale Mass hinausgeht, als ein Ueberschuessiges, Zweckwidriges, zum Ganzen des Organismus und des ihn erfuellenden Lebens im Grunde nicht mehr Hinzugehoeriges, und insofern Sinnloses und Nichtiges. Dort ist fuer unsere Vorstellung mit der Form zugleich der Inhalt vermindert; hier reicht der Inhalt nicht zu fuer die Form, so dass diese teilweise inhaltlos erscheint. Endlich vereinigen sich beide Arten relativer Bedeutungslosigkeit beim uebermaessig Fetten. Das Fett erscheint als kraftlose, also bedeutungslose Wucherung, zugleich hemmt es das gewohnte Mass freier Bewegung und Lebensbethaetigung. Unter denselben Gesichtspunkt stellt sich der Typus und die Hautfarbe des Negers, ueber welchen der Ungebildete, und das Neue, worueber das Kind lacht. Der Negertypus erweckt allgemein gesagt die Vorstellung einer niedrigeren Stufe der Entwicklung; die Hautfarbe ist wenigstens dem Ungebildeten als Farbe des menschlichen Koerpers _unverstaendlich_. An sich besitzt ja auch die weisse Hautfarbe keine besondere Wuerde. Aber sie gehoert fuer uns, wie die normalen Formen, zum Ganzen des Menschen, ist Mittraeger des Gedankens an menschliches Leben geworden, auch auf sie hat sich damit etwas von der Wuerde der menschlichen Persoenlichkeit uebertragen. Diese Wuerde fehlt naturgemaess der schwarzen Hautfarbe, so lange wir nicht gelernt haben, auch sie als rechtmaessige menschliche Hautfarbe zu betrachten. Sie ist also so lange ein relatives Nichts. Ebenso ist das Neue fuer das Kind ein relativ Bedeutungsloses, weil das Kind seine Bedeutung, die Zugehoerigkeit zu Anderem, aus dem sich die Bedeutung ergiebt, die Brauchbarkeit zu diesem oder jenem Zweck u. s. w. noch nicht kennen gelernt hat. Als Unverstandenes, noch Sinnloses, und darum Nichtiges, nicht um der Neuheit willen, ist das Neue dem Kinde komisch,--soweit es dies ist. Wie in den bisher besprochenen, so ist es in allen Faellen der Anschauungskomik wesentlich, dass das relativ Nichtige als ein solches erscheine, nicht irgendwo oder irgendwann, sondern in dem Gedanken- oder Vorstellungszusammenhang, in den es hineintritt; oder, wie wir auch sagen koennen, dass es nichtiger erscheine, als der Vorstellungs- oder Gedankenzusammenhang, in den es sich einfuegt, _fordert_ oder _erwarten laesst_. Wir erwarten, wenn wir an einer Reihe grosser Gebaeude voruebergegangen sind, nun auch weiter grosse Gebaeude anzutreffen. Wir fordern oder erwarten von allem dem, was nun einmal zum Menschen gehoert, nicht bloss seinen Reden und Handlungen, sondern auch den Formen und Farben seines Koerpers, dass sie uns den Eindruck einer gewissen Bedeutsamkeit machen, dass in ihnen fuer unser Gefuehl oder Bewusstsein ein gewisser--nicht ueberall identischer, auch nicht ueberall gleich erhabener--Sinn, ein gewisses Mass von Zweckmaessigkeit, koerperlicher oder geistiger Lebenskraft und Leistungsfaehigkeit sich ausspreche, oder auszusprechen scheine. Wir erwarten, wenn wir unserm Freunde begegnen, an ihm alle die Zuege der aeussern Erscheinung wieder wahrzunehmen, die wir gewohnt sind als zu ihm gehoerig zu betrachten und die schon dadurch eine gewisse positive Bedeutung fuer uns gewonnen haben u. s. w. Die Komik entsteht, wenn _an Stelle_ des erwarteten Bedeutungs- oder Eindrucksvollen und unter Voraussetzung eben des Vorstellungszusammenhanges, der es erwarten laesst, ein fuer uns, unser Gefuehl, unsere Auffassung, unser gegenwaertiges Verstaendnis minder Eindrucksvolles sich einstellt. NACHAHMUNG UND KARIKATUR. Die Wichtigkeit dieser Bestimmung erhellt noch besonders deutlich, wenn wir jetzt mit _Kraepelin_ innerhalb der Anschauungskomik die Fuelle der Komik der Nachahmung und der Karikatur speziell ins Auge fassen. Wir sehen nach _Kraepelin_ bei der Komik der Nachahmung "die eine von zwei uns als verschieden bekannten Individualitaeten eine teilweise Uebereinstimmung mit der andern gewinnen und werden dadurch gezwungen, jene beiden Vorstellungen miteinander in nahe Beziehung zu setzen, ohne sie doch natuerlich zu einer vollstaendigen Deckung bringen zu koennen." Darauf beruht hier fuer _Kraepelin_ die Komik. Nach dieser Theorie muesste das Gefuehl der Komik immer entstehen, wenn zwei Personen sich in gewissen Punkten entschieden aehnlich, in andern entschieden unaehnlich sind, wenn beispielsweise von zwei Bruedern der eine ganz die Zuege des Vaters hat, waehrend der andere teilweise dem Vater, teilweise der Mutter gleicht. Auch hier setzen wir ja Personen in nahe Beziehung, ohne sie zur Deckung bringen zu koennen. _Kraepelins_ Theorie vergisst eben auch hier wiederum die Hauptsache. Er uebersieht in der Komik der Nachahmung die _Nachahmung_. Nachahmung ist _Herausloesung_ von Zuegen einer Person, Eigentuemlichkeiten derselben, Arten zu sprechen, zu handeln, sich zu bewegen, aus dem Zusammenhang, dem sie angehoeren und in dem sie ihre Bedeutung haben. Dabei koennen zwei Moeglichkeiten unterschieden werden. Die nachgeahmten Eigentuemlichkeiten seien zunaechst Eigentuemlichkeiten _irgend welcher_ Art. Sofern wir sie an der Person wahrnehmen, der sie zugehoeren, sind sie Eigentuemlichkeiten dieser Person; d. h. diese Person giebt ihr Wesen darin nach gewisser Richtung kund; sie sind nicht bloss diese Eigentuemlichkeiten, sondern Eigentuemlichkeiten, in denen diese Person _steckt_. Nun werden sie von mir nachgeahmt. Damit erscheinen sie von dieser Person losgeloest. Zugleich erscheinen sie doch fuer denjenigen, der weiss, dass ich nachahme, nicht etwa auf mich uebertragen. Sie werden nicht als mir thatsaechliche zukommende Eigentuemlichkeiten aufgefasst. Sie sind also isoliert; schweben sozusagen in der Luft. Andererseits werden sie doch immer noch als Eigentuemlichkeiten der anderen Person _erkannt_. Man weiss, ich ahme jene _Person_ nach. Damit ist der Grund zur Komik gegeben. Die Eigentuemlichkeit, die als Eigentuemlichkeit der Person ihren Sinn hat, buesst vermoege der Losloesung von der Person diesen Sinn ein. Sie ist, als zur Person gehoerig betrachtet, Ausdruck des Wesens derselben; indem ich durch die Nachahmung gezwungen werde, sie _fuer sich_ zu betrachten, geht sie dieses Anspruches verlustig. Sie hat, sofern sie der Person zugehoert, diese zum Inhalt oder Substrat, jetzt kommt ihr dieser Inhalt oder dies Substrat abhanden. Sie wird mit einem Worte zur leeren Form. Immer wieder, wenn ich sie im Zusammenhang der Person betrachte, fuellt sich die Form mit persoenlichem Inhalte; und jedesmal wenn ich sie in ihrer Isolierung betrachte, schrumpft sie zur leeren Form zusammen. Ein Etwas wird zu einem Nichts. Dies aber ist der Grund aller Komik. Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass die komische Wirkung der Nachahmung umso groesser sein muss, einmal je mehr das ganze Wesen der Person in der nachgeahmten Eigentuemlichkeit sich kund giebt, je _charakteristischer_ also die Eigentuemlichkeit fuer die Person ist, zum anderen, je weniger die Eigentuemlichkeit zu mir passt, je weniger sie also als meine Eigentuemlichkeit genommen werden kann. Andererseits steigert sich die Wirkung notwendig, wenn wir die zweite der oben gemeinten Moeglichkeiten ins Auge fassen, d. h. wenn wir annehmen die Eigentuemlichkeit sei eine "_Eigenheit_", ich meine: ein solcher Zug der nachgeahmten Person, der im Vergleich zum normalen menschlichen Wesen, ebenso wie die leicht zu ertragenden Gebrechen, als ein Zuviel oder ein Zuwenig erscheint, also in jedem Falle einen Eindruck relativer Nichtigkeit zu machen geeignet ist. Ich sage mit Absicht: geeignet ist; denn dass solche "Eigenheiten" an der Person selbst als Kleinheiten oder Schwaechen erscheinen muessten, soll hier nicht gesagt sein. Sie erscheinen dann um so sicherer als solche in der Nachahmung. Eine Art zu sprechen etwa verraet eine gewisse Weichheit, ein Sichgehenlassen des Gefuehls. Die Gefuehlsweichheit passt aber zur Person, ist mit anderen wertvollen Eigenschaften derselben notwendig verbunden; wir finden sie darum an der Person voellig in Ordnung. So finden wir ja an ganzen Gattungen von Menschen, an den verschiedenen Geschlechtern, Lebensaltern, Staenden, Besonderheiten in der Ordnung und fordern sie sogar, die ohne Ruecksicht auf die besondere Natur der Traeger als Kleinheiten erscheinen wuerden. Oder, gehoert die Eigentuemlichkeit nicht zum Wesen der Person, in dem Sinne, dass wir gar nichts Anderes von ihr erwarten, dann haben wir uns doch vielleicht in die Person und die Eigentuemlichkeit gefunden. Wir haben gelernt die Persoenlichkeit als Ganzes zu fassen; und in ihrer Ganzheit, zu der auch die Schwaeche gehoert, ist sie uns vertraut.--Indem ich nun aber die Eigentuemlichkeit nachahme, reisse ich sie aus jenem Zusammenhang heraus. Sie wird jetzt gewissermassen Gegenstand absoluter Beurteilung, d. h. sie tritt statt in ihrer Beziehung zu ihrem Traeger, in ihrer Beziehung zum Menschen ueberhaupt ins Bewusstsein. Sie wird gemessen an dem, was man vom Menschen ueberhaupt erwartet. Und in diesem Zusammenhang stellt sie sich als Kleinheit dar und wirkt entsprechend. Sie wirkt komisch. Voellig entgegengesetzte Eigenschaften koennen auf diese Weise durch Nachahmung komisch werden. Wie die Sprechweise, die ein Sichgehenlassen des Gefuehls verraet, so auch die besonders energische, trotzig herausfordernde, kommandomaessige. Der Kommandoton bleibt nicht hinter dem zurueck, was wir im allgemeinen zu erwarten pflegen, sondern geht darueber hinaus; er laesst aber seinerseits einen entsprechenden Zweck und Inhalt der Rede erwarten. Auch wo der fehlt, ertragen wir am Ende den Ton, wenn die Person und Stellung dazu passen. Reissen wir ihn, nachahmend, aus diesem Zusammenhang, so erscheint er in seiner Zweck- und Inhaltlosigkeit und damit relativ nichtig. Man sieht leicht, dass zwischen den beiden hier unterschiedenen Faellen hinsichtlich des Grundes der Komik derselbe Gegensatz besteht, wie zwischen der zu kleinen und der zu grossen Nase oder zwischen uebermaessiger Hagerkeit und uebermaessiger Koerperfuelle. Ein Objekt wird komisch das eine Mal, weil es selbst eine Erwartung unerfuellt laesst, das andere Mal, weil es eine Erwartung erregt, die unerfuellt bleibt. Dieser Gegensatz geht durch. Der Mann, der ein Kinderhaeubchen aufsetzt, und der kleine Junge, der sich einen Cylinder aufs Haupt stuelpt, beide sind gleich komisch. Zunaechst ist dort das Haeubchen komisch, weil man an seiner Stelle die wuerdige maennliche Kopfbedeckung erwartet, hier das Kind, weil wir als Traeger des wuerdigen Cylinders einen Mann erwarten. Dann aber heftet sich die Komik auch, in jenem Falle an den Mann, in diesem an den Cylinder, weil der Mann, indem er das Haeubchen aufsetzt, seiner Wuerde als Mann, der Cylinder, indem er sich herablaesst das Haupt des Kindes zu schmuecken, seiner Wuerde als maennliche Kopfbedeckung sich zu begeben scheint. Mit der Komik der Nachahmung ist die der Karikatur verwandt. Auch bei der letzteren werden "Eigenheiten" herausgehoben, nicht durch Herausloesung aus dem gewohnten Zusammenhang, aber durch Steigerung. Ich zeichne einen Menschen im uebrigen korrekt, vergroessere aber die etwas zu grosse, oder verkleinere die etwas zu kleine Nase, verstaerke die Hagerkeit oder die Rundung der Person u. s. w. In jedem Falle handelt es sich um die Hervorhebung eines relativ Nichtigen. Dies macht zunaechst die Karikatur selbst zum Gegenstand der Komik, dann auch das Original, mit dem wir nicht umhin koennen sie zu identifizieren. Dass _Kraepelin_ das Wesentliche dieses Vorgangs uebersieht, verwundert uns nicht mehr. Die Komik beruht ihm hier wie bei der Nachahmung auf Aehnlichkeit und daneben bestehendem Kontrast: Die Karikatur laesst die Aehnlichkeit praegnant hervortreten, sorgt aber zugleich dafuer, dass der Kontrast mit dem Original genuegend gewahrt bleibt. Nach dieser Theorie muesste jedes in einigen Teilen getroffene, in andern vom Original entschieden abweichende Bildnis komisch wirken, selbst dann, wenn die Abweichung vielmehr in einer _Vertuschung_ oder _Weglassung_ solcher Eigentuemlichkeiten bestaende, die im Original abnorm oder komisch sind. SITUATIONSKOMIK. Sollte aus dem Bisherigen das Recht der an _Kraepelin_ geuebten Kritik und der an Stelle der seinigen gesetzten Anschauung noch nicht voellig deutlich geworden sein, dann wird die Betrachtung der zweiten _Kraepelin_'schen Hauptgattung der Komik hoffentlich zu diesem Ziele fuehren. Kraepelin bezeichnet als solche die Situationskomik. "Das gemeinsam wirkende Element der Situationskomik ist stets ein Missverhaeltnis zwischen menschlichen Zwecken und deren Realisierung". Dass diese Angabe, auch wenn wir nur _Kraepelins_ Beispiele ins Auge fassen, zu enge ist, verschlaegt uns hier um so weniger, als _Kraepelin_ selbst sie im darauf folgenden Satze wieder aufhebt und den Begriff der Situation wesentlich erweitert: "Gerade das ist das Charakteristische der Situation, dass sie keinen Ruhezustand zulaesst, sondern einen einzelnen Moment aus einer Reihe von Handlungen oder Begebenheiten herausgreift". Darnach waere die Situationskomik die Komik des Nacheinander von Begebenheiten oder Handlungen. Dagegen ist mir der Umstand wesentlich, dass jene Bestimmung zugleich zu weit ist. Auch bei der Situationskomik kann nicht ein Missverhaeltnis als solches das Gefuehl der Komik erzeugen. Auch hier entsteht dies Gefuehl nur, indem ein Element in dem Gedankenzusammenhang, in den es hineintritt, als ein relativ Kleines erscheint. Wiederum ist dabei notwendig das Kleine der Zielpunkt, nicht der Ausgangspunkt der gedanklichen Bewegung. Es ist nicht komisch, wenn Columbus, statt den Seeweg nach Ostindien zu finden, Amerika entdeckt. Der Kontrast zwischen "Zweck" und "Realisierung" ist hier gross genug, aber er ist nicht zugleich ein Kontrast zwischen Gross und Klein. Dagegen waere Columbus Gegenstand der Komik geworden, wenn er schliesslich auf irgendwelchem Umweg in laengst bekannter Gegend gelandet waere und diese vermeintlich entdeckt haette. Es ist nicht komisch, sondern furchtbar, wenn ein Apotheker sich vergreift, und dem Kranken statt des Heilmittels ein toetliches Gift giebt. Dagegen wuerde der Eindruck der Komik nicht ausbleiben, wenn wir saehen, dass jemand seinem Feinde, in der Meinung ihn zu vergiften, ein unschaedliches Pulver eingegeben habe. _Kraepelin_ freilich glaubt Faellen jener Art ihre Beweiskraft zu nehmen, indem er erklaert, es duerften, wo die Komik zu stande kommen solle, "keine Unlustgefuehle" erregt werden; aber wie es komme, dass in gewissen Faellen statt des Gefuehles der Komik ein Gefuehl der Unlust erzeugt werde, das ist eben die Frage, um die es sich handelt, ganz abgesehen davon, dass ja auch nach _Kraepelins_ eigner Meinung Unlustgefuehle zur Komik hinzugehoeren. Ob der anderen Bedingung, dass das Kleine _Zielpunkt_ der Bewegung sei, in einem gegebenen Falle genuegt sei, dies erfahren wir am einfachsten, wenn wir wiederum, wie schon oben, den Begriff der Erwartung oder Forderung verwenden. "Komisch wirkt die Erfolglosigkeit lebhafter Bemuehungen." In der That ist es komisch, wenn wir den Schulmeister sich vergeblich muehen sehen, eine Schar ungezogener Rangen zur Ruhe zu bringen. Dagegen irrt _Kraepelin_, wenn er dieselbe Wirkung dem "unvermuteten Erfolg geringfuegiger Bestrebungen" zuschreibt. So ist es nicht komisch, sondern imponierend, wenn eine Person durch ihr blosses Auftreten, einen Blick, ein Wort, eine geringfuegige Bewegung, eine grosse Menge beherrscht und leitet. Der Unterschied beider Faelle besteht aber eben darin, dass der Erfolg dort hinter dem zurueckbleibt, was wir nach gewoehnlicher Erfahrung erwarten oder fordern, waehrend er hier darueber hinausgeht. Ebenso entsteht der Eindruck der Komik, wenn viel versprochen und wenig geleistet wird, wenn jemand stolz und selbstbewusst auftritt und ueber kleine Hindernisse stolpert, wenn der Erwachsene redet, handelt, denkt wie ein Kind u. s. w.; er entsteht nicht, wenn umgekehrt wenig versprochen und viel geleistet wird, wenn jemand bescheiden auftritt und leistet, was nach der Art seines Auftretens niemand von ihm erwartete, wenn das Kind, ohne doch unkindlich zu erscheinen, einen Grad des Verstaendnisses verraet, dem wir in seinem Alter sonst nicht zu begegnen gewohnt sind. Nur unter einer Bedingung kann auch bei Faellen dieser letzteren Art das Gefuehl der Komik sich einstellen; dann naemlich, wenn sich in unseren Gedanken der Zusammenhang der Facta in der Weise umkehrt, dass dasjenige, was dem natuerlichen Gang der Dinge zufolge an die Stelle des Erwarteten tritt, zu dem wird, was die Erwartung erregt, und umgekehrt. Angenommen etwa, wir sehen nicht die geringe Bemuehung und auf diese folgend das bedeutsame Ergebnis, sondern hoeren zuerst von dem letzteren, und erwarten nun oder fordern an der Hand gelaeufiger Erfahrung, dass eine bedeutsame Anstrengung vorausgegangen sei, oder wir sehen wohl erst die geringe Bemuehung, und dann den grossen Erfolg, wenden aber nachher unsern Blick von dem Erfolg wiederum zurueck zur geringen Bemuehung und finden diese geringfuegiger als wir eigentlich glauben erwarten zu muessen,--in jedem der beiden Faelle kann die geringfuegige Bemuehung komisch erscheinen. Aber derartige Faelle wiederlegen nicht, sondern bestaetigen unsere Behauptung. Nicht der objektive Zusammenhang, sondern der Zusammenhang in unserem Denken und das Vorher und Nachher innerhalb dieses Zusammenhangs, ist ja fuer uns das Entscheidende. DIE ERWARTUNG. Mit der Anschauungs- und Situationskomik ist fuer _Kraepelin_ der Umkreis der objektiven Komik abgeschlossen. Entsprechend koennten auch wir die Kritik der _Kraepelin_'schen Theorie abschliessen, wenn wir uns nicht bereits in einen neuen Streit mit ihrem Autor verwickelt haetten. Wir thaten dies durch die Art, wie wir den Begriff der Erwartung verwandten. Die Einfuehrung dieses Begriffs geschah gelegentlich; und seine Verwendung schien in den speziell angefuehrten Faellen wohl gerechtfertigt. Es fehlt aber noch--nicht nur die prinzipielle Rechtfertigung, sondern sogar die genauere Bezeichnung desjenigen, was eigentlich mit diesem Begriff gesagt sein solle. Beides wollen wir im Folgenden nachzuholen versuchen. Dabei wird auch erst die volle Tragweite dieses Begriffs deutlich werden. Wie schon erwaehnt, erklaert _Kant_ die Komik aus der ploetzlichen Aufloesung einer Erwartung in Nichts. Auch _Vischer_ laesst die Erwartung als ein wesentliches Moment der Komik erscheinen, wenn er gelegentlich das "Erhabene", zu dem das Nichtige in komischen Gegensatz tritt, mit dem identifiziert, was irgend eine, wenn auch an sich unmerkliche Erwartung und Spannung erregt. (Aesthetik I, sek. 156). Mit solchen Erklaerungen scheint eben unsere Anschauung ausgesprochen. Dagegen spricht _Kraepelin_ der Erwartung jede prinzipielle Bedeutung ab, obgleich er doch wiederum jener _Kant_'schen Bestimmung ein gewisses Recht zugesteht. Zunaechst soll die Erwartung die Wirkung der Komik nur verstaerken. Was die Wirkung eigentlich hervorbringt, ist der Vorstellungskontrast. Darnach sind Kontrast und in Nichts aufgeloeste oder enttaeuschte Erwartung fuer _Kraepelin_ jederzeit nebeneinander stehende Momente. Von einem solchen Nebeneinander nun konnten wir in den oben besprochenen Faellen nichts bemerken. Vielmehr lag eben in der Enttaeuschung der Erwartung, d. h. in dem Kontrast zwischen dem Erwarteten und dem relativen Nichts, das dafuer eintrat, jederzeit der ganze Grund der Komik. Es ist, um viele Faelle in einen Typus zusammenzufassen, komisch, wenn Berge kreissen und ein winziges Maeuschen wird geboren. Man lasse dabei die Erwartung weg, nehme an, das Kreissen der Berge gebe zu keiner Vermutung ueber die Beschaffenheit dessen, was daraus entstehen moege, Anlass, so dass der Gedanke, es werde etwas Grosses geboren werden, nicht naeher liegt als der entgegengesetzte, und die Komik ist dahin. Sie beruht also freilich auf einem Kontrast, aber nicht auf dem Kontrast der Berge und des Maeuschens, sondern auf dem Kontrast des Erwarteten und des dafuer Eintretenden. Dies wird noch deutlicher i