The Project Gutenberg EBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil by Georg Wilhelm Friedrich Hegel #2 in our series by Georg Wilhelm Friedrich Hegel Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. You can also find out about how to make a donation to Project Gutenberg, and how to get involved. **Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** **eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** *****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** Title: Wissenschaft der Logik, Erster Teil Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel Release Date: October, 2004 [EBook #6729] [Yes, we are more than one year ahead of schedule] [This file was first posted on January 20, 2003] Edition: 10 Language: German Character set encoding: ASCII *** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK 1 *** This text was produced for Project Gutenberg by Mike Pullen and Delphine Lettau. We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 7-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Wissenschaft der Logik. Georg Wilhelm Friedrich Hegel Erster Teil. Die objektive Logik. Mit einem Vorwort von Leopold v. Henning, Berlin 1841. Inhalt: Vorrede zur ersten Ausgabe. Vorrede zur zweiten Auflage. Einleitung Allgemeiner Begriff der Logik Allgemeine Eintheilung der Logik Erstes Buch Die Lehre vom Seyn. Womit muss der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? Allgemeine Eintheilung des Seyns Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualitaet). Erstes Kapitel A. Seyn. B. Nichts. C. Werden. 1. Einheit des Seyns und Nichts. Anmerkung 1. Anmerkung 2. Anmerkung 3. Anmerkung 4. 2. Momente des Werdens. 3. Aufheben des Werdens. Anmerkung. Zweites Kapitel. Das Daseyn A. Daseyn als solches. a. Daseyn ueberhaupt. b. Qualitaet. Anmerkung. c. Etwas. B. Die Endlichkeit. a. Etwas und ein Anderes. b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze. c. Die Endlichkeit. 1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit. 2. Die Schranke und das Sollen. Anmerkung. 3. Uebergang des Endlichen in das Unendliche. C. Die Unendlichkeit a. Das Unendliche ueberhaupt. b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. c. Die affirmative Unendlichkeit. Der Uebergang. Anmerkung 1. Anmerkung 2. Drittes Kapitel. Das Fuersichseyn. A. Das Fuersichseyn als solches. a. Daseyn und Fuersichseyn. b. Seyn-fuer-eines. Anmerkung. c. Eins. B. Eins und Vieles. a. Das Eins an ihm selbst. b. Das Eins und das Leere. Anmerkung. c. Viele Eins. Repulsion. Anmerkung. C. Repulsion und Attraktion. a. Ausschliessen des Eins. Anmerkung b. Das Eine Eins der Attraktion. c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion. Anmerkung. Zweiter Abschnitt. Die Groesse (Quantitaet) Anmerkung. Erstes Kapitel. Die Quantitaet. A. Die reine Quantitaet. Anmerkung 1. Anmerkung 2. B. Kontinuirliche und diskrete Groesse. C. Begrenzung der Quantitaet Zweites Kapitel. Quantum A. Die Zahl. Anmerkung 1. Anmerkung 2. B. Extensives und intensives Quantum a. Unterschied derselben. b. Identitaet der extensiven und intensiven Groesse. Anmerkung 1. Anmerkung 2. c. Die Veraenderung des Quantums. C. Die quantitative Unendlichkeit a. Begriff derselben. b. Der quantitative unendliche Progress. Anmerkung 1. Vers Anmerkung 2. c. Die Unendlichkeit des Quantums. Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen. Fussnote Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung abgeleitet. Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Groessenbestimmtheit zusammenhaengende Formen. Drittes Kapitel. Das quantitative Verhaeltniss. A. Das direkte Verhaeltniss. B. Das umgekehrte Verhaeltniss. C. Potenzverhaeltniss. Anmerkung. Dritter Abschnitt. Das Maass. Erstes Kapitel. Die specifische Quanititaet. A. Das specifische Quantum. B. Specificirendes Maass. a. Die Regel. b. Das specificirende Maass. Anmerkung. c. Verhaeltniss beider Seiten als Qualitaeten. Anmerkung. C. Das Fuersichseyn im Maasse. Zweites Kapitel. Das reale Maass A. Das Verhaeltniss selbststaendiger Maasse. a. Verbindung zweier Maasse. b. Das Maass als Reihe von Maassverhaeltnissen. c. Wahlverwandtschaft. Anmerkung. B. Knotenlinie von Maassverhaeltnissen. Anmerkung. C. Das Maasslose Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens. A. Die absolute Indifferenz. B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhaeltniss ihrer Faktoren. Anmerkung. C. Uebergang in das Wesen. Vorrede zur ersten Ausgabe. Die vOellige UmAenderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa fUenf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der hoehere Standpunkt, den das Selbstbewusstseyn des Geistes in dieser Zeitperiode ueber sich erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluss auf die Gestalt der Logik gehabt. Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hiess, ist, so zu sagen, mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo duerfen sich Laute der vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie oder selbst gar der vormaligen natuerlichen Theologie noch vernehmen lassen? Untersuchungen, zum Beispiel ueber die Immaterialitaet der Seele, ueber die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes werden nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemuethserhebung angefuehrt. Es ist diess ein Faktum, dass das Interesse Theils am Inhalte, Theils an der Form der vormaligen Metaphysik, Theils an beiden zugleich verloren ist. So merkwuerdig es ist, wenn einem Volke, z.B. die Wissenschaft seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwuerdig ist es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich beschaeftigende Geist kein wirkliches Daseyn mehr in demselben hat. Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,--dass der Verstand die Erfahrung nicht ueberfliegen duerfe, sonst werde das Erkenntnisvermoegen theoretische Vernunft, welche fuer sich nichts als Hirngespinnste gebaehre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zu entsagen. Dieser popularen Lehre kam das Geschrei der modernen Paedagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Beduerfniss richtet, entgegen, dass, wie fuer die Erkenntniss die Erfahrung das Erste, so fuer die Geschicklichkeit im oeffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht sogar schaedlich, und Uebung und praktische Bildung ueberhaupt das Wesentliche, allein Foerderliche sey.--Indem so die Wissenschaft und der gemeine Menschenverstand sich in die Haende arbeiteten, den Untergang der Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel herbeigefuehrt zu werden, ein gebildetes Volk ohne Metaphysik zu sehen;--wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmueckten Tempel ohne Allerheiligstes.--Die Theologie, welche in fruehern Zeiten die Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhaengigen Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefuehle, gegen das Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher Veraenderung entsprechend ist, dass anderwaerts jene Einsamen, die von ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem Zwecke, dass die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein dienendes Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Segens willen,--verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das vorhin Erwaehnte, betrachtet werden kann.--So dass, nach Vertreibung dieser Finsternisse, der farblosen Beschaeftigung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine schwarze giebt. Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Dass man durch sie denken lerne, was sonst fuer ihren Nutzen und damit fuer den Zweck derselben galt,--gleichsam als ob man durch das Studium der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte--, diess Vorurtheil hat sich laengst verloren, und der Geist des Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer Schwester. Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde selbst als Gegenstand des oeffentlichen Unterrichts beibehalten. Diess bessere Loos betrifft jedoch nur das aeussere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser Ueberlieferung immer mehr verduennt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspueren lassen. Es ist aber ein fuer allemal vergebens, wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die Formen frueherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blaetter, welche von den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestossen werden. Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veraenderung faengt es nach gerade an, auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind selbst den Gegnern die andern Vorstellung gelaeufig und eigen geworden, und wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd sproede thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafuer die Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als dass sie in den neuen Vorstellungsweisen mitsprechen. Von der andern Seite scheint die Zeit der Gaehrung, mit der eine neue Schoepfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die ausgebreitete Systematisierung des fruehen Princips zu verhalten, Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im Beduerfnisse einer solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu greifen. Die Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um so dringender. Es ist eine Periode in der Bildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner unentwickelten Intensitaet zu thun ist. Aber die hoehere Forderung geht darauf, dass es zur Wissenschaft werde. Was nun auch fuer die Sache und fuer die Form der Wissenschaft bereits in sonstiger Ruecksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft, welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlaessigt gesehen. Was ich unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte naeher verstehe, habe ich in der Einleitung vorlaeufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche fuer die vorgenommen Umbildung haetten benutzt werden koennen, moegen bei billigen Beurtheilern in Ruecksicht kommen, wenn auch eine vieljaehrige Arbeit diesem Versuche nicht eine groessere Vollkommenheit geben konnte. --Der wesentliche Gesichtspunkt ist, dass es ueberhaupt um einen neuen Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwaerts erinnert Phaenomenologie des Geistes, Vorr. zur ersten Ausg.--Die eigentliche Ausfuehrung ist die Erkenntniss der Methode, und hat ihre Stelle in der Logik selbst, habe, hierzu ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so wenig als es bei kategorischen Versicherungen innerer Anschauung bewenden lassen, oder sich des Raisonnements aus Gruenden der aeussern Reflexion bedienen. Sondern es kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt. Der Verstand bestimmt und haelt die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in Nichts aufloest; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt, und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas Getrenntes von der Vernunft ueberhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der hoeher als Beides, verstaendige Vernunft, oder vernuenftiger Verstand ist. Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualitaet sowohl, der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht;--er negirt das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des Verstandes, er loest ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch. Er haelt sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin ebenso positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der Aufloesung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die immanente Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode des Erkennens, und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst. --Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich, ist die Philosophie faehig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu seyn.--In dieser Weise habe ich das Bewusstseyn in der Phaenomenologie des Geistes darzustellen versucht. Das Bewusstseyn ist der Geist als konkretes und zwar in der Aeusserlichkeit befangenes Wissen; aber die Formbewegung dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung alles natuerlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen Wesenheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewusstseyn, als der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und aeusserlichen Konkretion befreit, wird zum reinen Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und fuer sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind die reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und dessen Darstellung sie ist. Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phaenomenologie des Geistes nenne, zur Logik angegeben.--Was das aeusserliche Verhaeltniss betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der Wissenschaft, (Bamberg und Wuerzburg bei Goebhard 1807). Dieser Titel wird der zweiten Ausgabe, die auf naechsten Ostern erscheinen wird, nicht mehr beigegeben werden.--An die Stelle des im Folgenden erwaehnten Vorhabens eines zweiten Theils, der die saemmtlichen andern philosophischen Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die Encyklopaedie der philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der dritten Ausgabe, ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten Ausgabe), der die Phaenomenologie enthaelt, ein zweiter Theil zu folgen bestimmt, welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der Philosophie, die Philosophie der Natur und die Philosophie des Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft beschlossen haben wuerde. Aber die nothwendige Ausdehnung, welche die Logik fuer sich erhalten musste, hat mich veranlasst, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane die erste Folge zur Phaenomenologie des Geistes aus. Spaeterhin werde ich die Verarbeitung der beiden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen lassen.--Dieser erste Band der Logik aber enthaelt als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten. Nuernberg, den 22 Maerz 1812 Vorrede zur zweiten Auflage. An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewusstseyn sowohl der Schwierigkeit des Gegenstandes fuer sich und dann seiner Darstellung, als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der ersten Ausgabe an sich traegt, gegangen; so sehr ich nach weiterer vieljaehriger Beschaeftigung mit dieser Wissenschaft bemueht gewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fuehle ich noch Ursache genug zu haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel solchen Anspruchs aber zunaechst darf wohl auf den Umstand gegruendet werden, dass sich fuer den Inhalt vornehmlich nur aeusserliches Material in der frueheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und haeufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort, getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt, abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflaechlichkeit verduennt, bald der alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt worden, so dass durch solche, haeufig ganz nur mechanische Bemuehungen dem philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thaetigkeit, oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung darzustellen, musste deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten Denkformen, aber ist als eine hoechst wichtige Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier und da einen duerren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in Unordnung untereinander geworfen, dargiebt. Die Denkformen sind zunaechst in der Sprache des Menschen herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran erinnert werden, dass das, wodurch sich der Mensch vom Thiere unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem Innerlichen, zur Vorstellung ueberhaupt, wird, was er zu dem Seinigen macht, hat sich die Sprache eingedraengt, und was er zur Sprache macht und in ihr aeussert, enthaelt eingehuellter, vermischter, oder herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natuerlich ist ihm das Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthuemliche Natur selbst. Stellt man aber die Natur ueberhaupt, als das Physikalische, dem Geistigen gegenueber, so muesste man sagen, dass das Logische vielmehr das Uebernatuerliche ist, welches sich in alles Naturverhalten des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Beduerfniss, Trieb eindraengt und es dadurch ueberhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache, wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdruecken, naemlich eigenthuemlichen und abgesonderten, fuer die Denkbestimmungen selbst besitzt; von den Praepositionen, Artikeln, gehoeren schon viele solchen Verhaeltnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur duerftig bis dahin gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas weniges abgeloester, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf. Viel wichtiger ist es, dass in einer Sprache die Denkbestimmungen zu Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenstaendlichen Form gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzuege vor den anderen modernen Sprachen; sogar sind manche ihrer Woerter von der weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben, so dass darin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude gewaehren, auf solche Woerter zu stossen, und die Vereinigung Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation fuer den Verstand aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie bedarf daher ueberhaupt keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen einige Woerter aufzunehmen, welche jedoch durch den Gebrauch bereits das Buergerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter Purismus wuerde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am Platze seyn.--Das Fortschreiten der Bildung ueberhaupt und insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewoehnlichsten Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner Eigenschaften und dergleichen) bewegen, foerdert nach und nach auch hoehere Denkverhaeltnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu groesserer Allgemeinheit und damit zu naeherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polaritaet, die uebrigens zu sehr... tort e... travers in Alles selbst in das Licht eingedraengt wird, die bedeutendste Rolle,--die Bestimmung von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;--dass auf solche Weise von der Form der Abstraktion, der Identitaet, durch welche eine Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbststaendigkeit erhaelt, fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher zugleich als ein Untrennbares in der Identitaet bleibt, herausgehoben und eine gelaeufige Vorstellung geworden, ist von unendlicher Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die Realitaet, in welcher ihre Gegenstaende sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr nicht laenger ignorirt werden koennen, wenn auch mit der groessten Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen werden, zu fixiren, und es nicht zu gestatten, dass, wie im Geistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit uebergegangen wird. Aber indem so die logischen Gegenstaende, wie deren Ausdruecke, etwa in der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwaerts gesagt, was bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld erregen, sich noch mit Bekanntem beschaeftigen zu sollen, und was ist bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde herausgehen. Ueber den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, ueber das Verhaeltniss des wissenschaftlichen Denkens zu diesem natuerlichen Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die fruehere Einleitung enthaelt, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen Erkennens zu geben. Zunaechst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, dass die Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewussten Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (--und es ist kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen--) versenkt sind, befreit, diese Allgemeinheiten fuer sich herausgehoben, und wie Plato, dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der Betrachtung fuer sich gemacht worden; diess giebt den Anfang des Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens gehoert, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische Erkenntniss zu bemuehen." "In Aegypten," hatte er vorher bemerkt, "sind die mathematischen Wissenschaften frueh ausgebildet worden, weil daselbst der Priesterstand frueh in die Lage versetzt worden, Musse zu haben."--In der That setzt das Beduerfniss sich mit den reinen Gedanken zu beschaeftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist durchgemacht haben muss, es ist, kann man sagen, es ist das Beduerfniss des schon befriedigten Beduerfnisses der Nothwendigkeit der Beduerfnisslosigkeit, zu dem er gekommen seyn muss, der Abstraktion von dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die Denkbestimmungen eingehuellt stecken. In den stillen Raeumen des zu sich selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die Interessen, welche das Leben der Voelker und der Individuen bewegen. "Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange, "ist die Natur des Menschen abhaengig, aber diese Wissenschaft, die nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und fuer sich freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn. "--Die Philosophie ueberhaupt hat es noch mit konkreten Gegenstaenden, Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik beschaeftigt sich ganz nur mit diesen fuer sich in ihrer vollstaendigen Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunaechst anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten Lebens eingetreten ist, in der Musse in Ruecksicht derselben lebt, und nur erst fuer ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und der Moeglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thaetig zu werden, sich und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschaeftigen hat. Unter diese Mittel wird im Widerspiele von der angefuehrten Vorstellung des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die Bemuehung mit derselben ist eine vorlaeufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst der Ernst des Lebens und die Thaetigkeit fuer die wahrhaften Zwecke folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden von der Ehre, fuer sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln der darauf bezueglichen Vorstellungen, zu dienen,--Theils als Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;--denn welche unendliche Menge von Einzelnheiten des aeusserlichen Daseyns und der Thaetigkeit fasst die Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich zusammen;--wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von Vorstellungen, Thaetigkeit, Zustaenden u.s.f. epitomirt!--Theils zur naeheren Bestimmung und Findung der gegenstaendlichen Verhaeltnisse, wobei aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhaengig gemacht ist und den Denkbestimmungen fuer sich keine Inhaltbestimmende Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der vorhin die natuerliche Logik genannt worden ist, ist bewusstlos, und wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhaeltniss, als Mittel zu dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken ueberhaupt zu etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, dass sie uns dienen, sondern sie gelten als selbststaendige Kraefte und Maechte, so dass wir diess selbst sind, so zu empfinden, diess zu begehren und zu wollen, in diess unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr unser Bewusstseyn werden, dass wir im Dienste unserer Gefuehle, Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als dass wir sie im Besitz haben, noch weniger, dass sie bei unser innigen Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des Gemueths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit, als die wir uns bewusst werden, in der wir unsere Freiheit haben, und halten dafuer, in diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht zu werden. Sonach koennen wir dann viel weniger dafuer halten, dass die Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen bloss theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem Triebe, dem Willen angehoert, hindurch ziehen, uns dienen, dass wir sie, und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns uebrig gegen sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere ueber sie hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin beschraenkt, unfrei fuehlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und in die Freiheit zurueck zu ziehen vermoegen, dieser Ort der Gewissheit seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur fuer das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werden wir noch viel weniger sagen, dass wir sie beherrschen oder dass die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im Gegentheil muss sich unser Denken nach ihnen beschraenken und unsere Willkuer oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen. Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so koennen wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht ueber demselben stehen, und ebenso wenig koennen wir ueber die Natur der Dinge hinaus. Von der letzteren Bestimmung jedoch koennen wir absehen; sie faellt mit der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergaebe, weil die Sache damit als Regel fuer unsere Begriffe aufgestellt werden wuerde, aber eben die Sache fuer uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die kritische Philosophie das Verhaeltniss dieser drei Terminorum so versteht, dass wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, dass diese Mitte uns von den Sachen vielmehr abschliesst, statt uns mit denselben zusammenzuschliessen, so ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, dass eben diese Sachen, die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (--das sogenannte Ding-an-sich) der leeren Abstraktion selbst sind. Doch diess mag fuer den Gesichtspunkt genuegen, aus welchem das Verhaeltniss verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit Zusammenhaengende, nach welchem sie als aeussere Formen gefasst zu werden pflegen.--Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungen durchwirkende Thaetigkeit des Denkens ist, wie gesagt, bewusstlos geschaeftig (die natuerliche Logik); was unser Bewusstseyn vor sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstaende der Vorstellungen, das, womit das Interesse erfuellt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem Verhaeltniss als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt selbst seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, dass die Natur, das eigenthuemliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei der Mannigfaltigkeit und Zufaelligkeit des Erscheinens und der Zufaelligkeit des Erscheinens und der voruebergehenden Aeusserung, der Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthuemliches, das Prius aller seiner Eigenthuemlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so waere nicht zu sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen sonstigen Praedikaten Ausgeruesteten weggenommen wuerde, ob sie gleich wie die anderen ein Praedikat genannt werden kann, was so ein Individuum noch seyn sollte. Die unerlaessliche Grundlage, der Begriff, das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgueltige Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken aller natuerlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthaelt und noch den Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer relativen Realitaet an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele fuer sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstaende, ihr einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist. Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum Bewusstseyn zu bringen, diess ist die Aufgabe. Das instinktartige Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch ueberhaupt, dass dieses mit Bewusstseyn geschieht, indem der Inhalt des Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur Gegenstaendlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff zersplittert ist. In diesem Netze schuerzen sich hin und wieder festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und Bewusstseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben dem, dass sie vor das Bewusstseyn gebracht an und fuer sich seyenden Begriffe seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt fuer die Natur des Geistes ist das Verhaeltniss nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiss; dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewusstseyn, Grundbestimmung seiner Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmaessig als Triebe wirksam sind, und zunaechst vereinzelt, damit veraenderlich und sich verwirrend in das Bewusstseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewaehren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, diess ist also das hoehere logische Geschaeft. Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth fuer sich und zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniss vorhin anerkannt worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs ueberhaupt, die Denkbestimmungen zunaechst als Formen, die von dem Stoffe verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, diess giebt sich sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so als blosse Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfaehig macht. Mag das Wahre sonst, in welcher Ruecksicht es sey, wieder mit Beschraenkung und Endlichkeit vergesellschaftet seyn, diess ist die Seite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloss formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich endlich so erstarkt gefuehlt, dass er ihre Kenntniss mit Verachtung dem Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik ueberlaesst, zugleich mit der Missachtung des Werthes, den schon das Bewusstseyn dieser Faeden fuer sich hat, und mit der Bewusstlosigkeit, in dem instinktartigen Thun natuerlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniss und Erkenntniss der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung solcher Formen ist die Identitaet, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher Gesetze der Wahrheit und in der sie noch immer so fortgefuehrt werden, so sehr verloren, dass sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiss: die Pflanze ist eine--Pflanze, die Wissenschaft ist--die Wissenschaft, und sofort ins Unendliche, fuer unertraeglich haelt. Ueber die Formeln auch, welche die Regeln des Schliessens, das in der That ein Hauptgebrauch des Verstandes ist, hat sich--so ungerecht es ist zu verkennen, dass sie ihr Feld in der Erkenntniss haben, worin sie gelten muessen und zugleich, dass sie wesentliches Material fuer das Denken der Vernunft sind,--das ebenso gerechte Bewusstsein festgesetzt, dass sie gleichgueltige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, fuer die hoehere, z.B. die religioese Wahrheit unbrauchbar sind; dass sie ueberhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit betreffen. Die Unvollstaendigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche die Wahrheit auf der Seite laesst, ist allein dadurch zu ergaenzen, dass nicht bloss das, was zu aeusseren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich von selbst bald, dass was in der naechsten gewoehnlichsten Reflexion als Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht bestimmungslos in sich, seyn soll; so waere er nur das Leere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich,--dass er vielmehr Form in ihm selbst, ja durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und dass sie selbst es ist, die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein eines an diesem Scheine Aeusserlichen, umschlaegt. Mit dieser Einfuehrung des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird. Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, dass es eine Menge Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge beschraenkt wird, ist Theils vorhin gesagt worden, dass der Begriff als Gedanke ueberhaupt, als Allgemeines, die unermessliche Abbreviatur gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalitaet, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens, und die an und fuer sich seyende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge fuehrt; am wenigsten ist es der Logos, was ausserhalb der logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muss darum nicht ein Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn draussen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur aeusserliche Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Fuer-sich-seyn-sollens und als ihre Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die ueberhaupt unsern Geist instinktartig und bewusstlos durchziehen, und selbst indem sie in die Sprache hereintreten, ungegenstaendlich, unbeachtet bleiben, abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt aeussere Formen fixiert sind. Die Darstellung keines Gegenstandes waere an und fuer sich faehig, gar streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner fuehrte so sehr diese Forderung mit sich; seine Wissenschaft muesste darin auch die Mathematik uebertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese Freiheit und Unabhaengigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie diess in seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, dass bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion vorkaeme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den vorhergehenden in sie heruebergekommen ist. Allein auf solche abstrakte Vollkommenheit der Darstellung muss freilich im Allgemeinen Verzicht gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen, hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muss, liesse der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdruecke des Einfachen ohne allen weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;--was der Sache nach Statt finden duerfte, waeren negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu entfernen sich bemuehten, was sonst die Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmischen koennte. Solche Einfaelle in den einfachen immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch fuer sich zufaellig, und die Bemuehung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufaelligkeit behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfaellen, eben weil sie ausser der Sache liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens waere Unvollstaendigkeit das, was hierbei fuer die systematische Befriedigung verlangt wuerde. Aber die eigenthuemliche Unruhe und Zerstreuung unseres modernen Bewusstseyns laesst es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfaelle Ruecksicht zu nehmen, ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen Sinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Juenglinge und Maenner so ruhig mit der Selbstverlaeugnung eigener Reflexionen und Einfaelle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache folgende Zuhoerer, wie sie Plato dichtet, wuerden in einem modernen Dialoge nicht aufgestellt werden koennen; noch weniger duerfte auf solche Leser gezaehlt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu haeufig und zu heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion machen mochten, dass ihre Einfaelle und Einwuerfe Kategorien enthalten, welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik beduerfen, ehe sie gebraucht werden. Die Bewusstlosigkeit hierueber geht unglaublich weit; sie macht das Grund-Missverstaendniss, das ueble d. h. ungebildete Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewusstlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle muessen gefunden haben, und daselbst fuer sich der Betrachtung werden unterworfen seyn. Am auffallendsten ist diess in der ueberwiegenden Menge von Einwuerfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Saetze der Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als welches, selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten,--die einfachste Analyse zeigt diess,--jene beiden Bestimmungen als Momente enthaelt. Die Gruendlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den Grund, worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil vielmehr, wenn diess nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu verwerfen. Diese Gruendlichkeit hat zugleich den Vortheil, die groesste Erleichterung fuer das Denkgeschaeft zu gewaehren, sie hat die ganze Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und haelt sich fuer mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst zufriedene Gruendlichkeit wesentlich empfiehlt. Diese Beschraenkung auf das Einfache laesst der Willkuer des Denkens, das fuer sich nicht einfach bleiben will, sondern seine Reflexionen darueber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschaeftigen, und damit sich auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gruendlichkeit in ihrem Geschaefte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, dass die Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes als die Form, das Innere ein Anderes als das Aeussere, die Vermittelung ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht wuesste, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewiesen, als erzaehlt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen liegt--man kann es nicht anders nennen,--eine Albernheit; der Sache nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, dass es das Beduerfniss und Geschaeft des logischen Denkens ist, eben diess zu untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt und eine inhaltlose Form, so ein Inneres fuer sich, das keine Aeusserung hat, eine Aeusserlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.--etwas Wahres, ebenso etwas Wirkliches ist.--Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der einfallenden Reflexion ueberwunden wuerde, wird allein durch das Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung verschafft. Bei der Erwaehnung platonischer Darstellung kann, wer ein selbststaendiges Gebaeude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten neu aufzufuehren arbeitet, an die Erzaehlung erinnert werden, dass Plato seine Buecher ueber den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in sich zu schliessen schiene, duerfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch treiben, dass fuer ein Werk, das, als der modernen Welt angehoerig, ein tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Musse, es sieben und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewaehrt gewesen waere. So aber musste der Verfasser, indem er es im Angesicht der Groesse der Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnuegen, was es hat werden moegen, unter den Umstaenden einer aeusserlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren Zerstreuung durch die Groesse und Vielseitigkeit der Zeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der laute Laerm des Tages und die betaeubende Geschwaetzigkeit der Einbildung, die auf denselben sich zu beschraenken eitel ist, noch Raum fuer die Theilnahme an der leidenschaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntniss offen lasse. Berlin, den 7. November 1831. Einleitung Allgemeiner Begriff der Logik Es fuehlt sich bei keiner Wissenschaft staerker das Beduerfniss, ohne vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei der logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den sie behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang macht, sondern von andern Begriffen abhaengt, und um sich herum mit anderem Stoffe zusammenhaengt. Diesen Wissenschaften wird es daher zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen ohne weiteres anzuwenden, und sich der gewoehnlichen Art des Raisonnements zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestimmungen zu bedienen. Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil ihres Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begruendet zu werden. Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode, sondern auch der Begriff selbst der Wissenschaft ueberhaupt gehoert zu ihrem Inhalte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist, kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung bringt diess Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre Vollendung hervor. Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das begreifende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer abgehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe, und kann somit nicht vorausgeschickt werden. Was daher in dieser Einleitung vorausgeschickt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der Logik etwa zu begruenden, oder den Inhalt und die Methode derselben zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen, sondern, durch einige Erlaeuterungen und Reflexionen, in raisonnirendem und historischem Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft zu betrachten ist, der Vorstellung naeher zu bringen. Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen angenommen wird, so wird dabei verstanden, dass diess Denken die blosse Form einer Erkenntniss ausmache, dass die Logik von allem Inhalte abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstueck, das zu einer Erkenntniss gehoere, die Materie, anderswoher gegeben werden muesse, dass somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhaengig sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniss angeben, nicht aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu realer Wahrheit seyn koenne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit, der Inhalt, ausser ihr liege. Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, dass die Logik von allem Inhalte abstrahire, dass sie nur die Regeln des Denkens lehre, ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit Ruecksicht nehmen zu koennen. Denn da das Denken und die Regeln des Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran ihren eigenthuemlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite Bestandstueck der Erkenntniss, eine Materie, um deren Beschaffenheit sie sich bekuemmert. Allein zweitens sind ueberhaupt die Vorstellungen, auf denen der Begriff der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen, Theils ist es Zeit, dass sie vollends verschwinden, dass der Standpunkt dieser Wissenschaft hoeher gefasst werde, und dass sie eine voellig veraenderte Gestalt gewinne. Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewoehnlichen Bewusstseyn ein fuer allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der Erkenntniss und der Form derselben, oder der Wahrheit und der Gewissheit. Es wird erstens vorausgesetzt, dass der Stoff des Erkennens, als eine fertige Welt ausserhalb des Denkens, an und fuer sich vorhanden, dass das Denken fuer sich leer sey, als eine Form aeusserlich zu jener Materie hinzutrete, sich damit erfuelle, erst daran einen Inhalt gewinne und dadurch ein reales Erkennen werde. Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,--(denn sie sollen das Verhaeltniss von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen mechanischer oder hoechstens chemischer Weise zusammengesetzt--) in dieser Rangordnung gegen einander, dass das Objekt ein fuer sich Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit vollkommen entbehren koenne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollstaendigen, und zwar als eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen habe. Wahrheit ist die Uebereinstimmung des Denkens mit dem Gegenstande, und es soll, um diese Uebereinstimmung hervorzubringen, --denn sie ist nicht an und fuer sich vorhanden,--das Denken nach dem Gegenstande sich fuegen und bequemen. Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der andern geschiedene Sphaere. Das Denken kommt daher in seinem Empfangen und Formiren des Stoffs nicht ueber sich hinaus, sein Empfangen und sich nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewusste Bestimmen gehoert ohnediess nur ihm an; es kommt also auch in seiner Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande, dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des Denkens. Diese Ansichten ueber das Verhaeltnis des Subjektes und Objekts zu einander druecken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers gewoehnlichen, des erscheinenden Bewusstseins ausmachen; aber diese Vorurtheile, in die Vernunft uebergetragen, als ob in ihr dasselbe Verhaeltniss Gott finde, als ob dieses Verhaeltniss an und fuer sich Wahrheit habe, so sind sie die Irrthuemer, deren durch alle Theile des geistigen und natuerlichen Universums durchgefuehrte Widerlegung die Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind. Die aeltere Metaphysik hatte in dieser Ruecksicht einen hoehern Begriff von dem Denken als in der neuern Zeit gaeng und gaeb geworden ist. Jene legte naemlich zu Grunde, dass das, was durchs Denken von und an den Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; somit nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die Form des Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit dafuer, dass das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenstaenden Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder dass die Dinge und das Denken derselben, (--wie auch unsere Sprache eine Verwandtschaft derselben ausdrueckt,--) an und fuer sich uebereinstimmen, dass das Denken in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte Natur der Dinge, ein und derselbe Inhalt sey. Aber der reflektirende Verstand bemaechtigte sich der Philosophie. Es ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst vielfach als Schlagwort gebraucht wird; es ist ueberhaupt darunter der abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in seinen Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt betraegt er sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, dass die Wahrheit auf sinnlicher Realitaet beruhe, dass die Gedanken nur Gedanken seyen, in dem Sinne, dass erst die sinnliche Wahrnehmung ihnen Gehalt und Realitaet gebe, dass die Vernunft, insofern sie an und fuer sich bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun der Vernunft auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren, sie ist darauf eingeschraenkt, nur subjektive Wahrheit, nur die Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurueckgefallen. Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust und Rueckschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf ueberhaupt die Erhebung der Vernunft in den hoehern Geist der neuern Philosophie beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung ist naemlich in der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der Bestimmungen des Verstandes mit sich selbst, zu suchen.--Die schon namhaft gemacht Reflexion ist diess, ueber das konkrete Unmittelbare hinaus zu gehen, und dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie muss ebenso sehr ueber diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen, und sie zunaechst beziehen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens tritt der Widerstreit derselben hervor. Dieses Beziehen der Reflexion gehoert an sich der Vernunft an; die Erhebung ueber jene Bestimmungen, die zur Einsicht des Widerstreits derselben gelangt, ist der grosse negative Schritt zum wahrhaften Begriffe der Vernunft. Aber die nicht durchgefuehrte Einsicht faellt in den Missverstand, als ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit sich gerathe; sie erkennt nicht, dass der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft ueber die Beschraenkungen des Verstandes und das Aufloesen derselben ist. Statt von hier aus den letzten Schritt in die Hoehe zu thun, ist die Erkenntniss von dem Unbefriedigenden der Verstandesbestimmungen zu der sinnlichen Existenz zurueckgeflohen, an derselben das Feste und Einige zu haben vermeinend. Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniss sich als die Erkenntniss von Erscheinendem weiss, wird das Unbefriedigende derselben eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die Dinge an sich, aber doch innerhalb der Sphaere der Erscheinung richtig erkannt wuerde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstaende verschieden waere, und die eine Art, naemlich die Dinge an sich zwar nicht, aber doch die andere Art, naemlich die Erscheinungen, in die Erkenntniss fielen. Wie wenn einem Manne richtige Einsicht beigemessen wuerde, mit dem Zusatz, dass er jedoch nichts Wahres, sondern nur Unwahres einzusehen faehig sey. So ungereimt das Letztere waere, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniss, die den Gegenstand nicht erkennte, wie er an sich ist. Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angefuehrte Resultat gehabt, dass diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben. --Diess kann keinen andern Sinn haben, als dass diese Formen an ihnen selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie fuer die subjektive Vernunft und fuer die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat die Kritik keine Aenderung an ihnen selbst bewirkt, sondern laesst sie fuer das Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst fuer das Objekt galten. Wenn sie aber ungenuegend fuer das Ding an sich sind, so muesste der Verstand, dem sie angehoeren sollen, noch weniger dieselben sich gefallen lassen und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht Bestimmungen des Dings an sich seyn koennen, so koennen sie noch weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Wuerde eines Dings an sich zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, dass sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder dass sie Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiss ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete mit einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich aufloest, indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie uebergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie beide in sich enthaelt, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich Aufloesendes.--Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder Gegenstandes, worauf sie angewendet wuerde, oder in dem sie sich befaenden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand hat nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm. Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat dabei naemlich diese Formen nicht an und fuer sich selbst, nach ihrem eigenthuemlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so dass von einer Ableitung ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen Betrachtung derselben die Rede war. Der konsequenter durchgefuehrte transcendentale Idealismus hat die Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch uebrig gelassenen Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends zu zerstoeren. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft aus sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die subjektive Haltung dieses Versuchs liess ihn nicht zur Vollendung kommen. Fernerhin ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang und die Ausbildung der reinen Wissenschaft aufgegeben worden. Ganz ohne Ruecksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird. Diese Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realitaet und als eine wahrhafte Sache in dem gewoehnlichen Bewusstseyn gilt, Aber sie ist nicht aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit entbehrende Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermisst, welchem Mangel das Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden pflegt, ist ohnehin das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern das Gehaltlose der logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, sie zu betrachten und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen aus einander fallen und nicht in organischer Einheit zusammengehalten werden, sind sie todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht wohnen, der ihre lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber entbehren sie des gediegenen Inhalts,--einer Materie, welche Gehalt an sich selbst waere. Der Inhalt, der an den logischen Formen vermisst wird, ist nichts anderes, als eine feste Grundlage und Konkretion dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein solches substantielles Wesen pflegt fuer sie aussen gesucht zu werden. Aber die logische Vernunft selbst ist das Substantielle oder Reelle, das alle abstrakten Bestimmungen in sich zusammenhaelt, und ihre gediegene, absolut-konkrete Einheit ist. Nach dem also, was eine Materie genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu werden; es ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie gehaltlos seyn soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefasst wird. Diese Reflexion fuehrt naeher auf die Angabe des Standpunkts, nach welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und der allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft fuer immer zu stellen ist. In der Phaenomenologie des Geistes habe ich das Bewusstseyn in seiner Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht durch alle Formen des Verhaeltnisses des Bewusstseyns zum Objekte durch, und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser Begriff bedarf also (abgesehen davon, dass er innerhalb der Logik selbst hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst erhalten hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung faehig, als nur dieser Hervorbringung desselben durch das Bewusstseyn, dem sich seine eignen Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit aufloesen. --Eine raisonnirende Begruendung der Erlaeuterung des Begriffs der Wissenschaft kann zum hoechsten diess leisten, dass er vor die Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniss davon bewirkt werde; aber eine Definition der Wissenschaft oder naeher der Logik hat ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den absoluten Anfang macht, kann nichts anders enthalten, als den bestimmten, regelrechten Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebner- und bekanntermassen unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt. Dass man sich gerade diess darunter vorstelle, ist eine historische Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise beibringen kann, dass man diess und jenes als anerkannt gelten lassen moege. Es hoert gar nicht auf, dass der Eine daher, der Andere dorther einen Fall und Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und anderes bei diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also noch eine naehere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach auch die Wissenschaft einzurichten sey.--Es kommt dabei ferner auf Raisonnement an, was alles und bis zu welcher Grenze und Umfang es hereingezogen oder ausgeschlossen werden muesse; dem Raisonnement selbst aber steht das mannigfaltigste und verschiedenartigste Dafuerhalten offen, worueber am Ende allein die Willkuer eine feste Bestimmung abschliessen kann. Bei diesem Verfahren, die Wissenschaft mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem Beduerfniss nicht die Rede, dass die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer selbst aufgezeigt wuerde. Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in gegenwaertiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die Phaenomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des Bewusstseins, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewissheit seiner selbst vollkommen sich aufgeloest hat, und die Wahrheit, dieser Gewissheit, so wie diese Gewissheit, der Wahrheit gleich geworden ist. Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des Bewusstseyns voraus. Sie enthaelt den Gedanken, insofern er eben so sehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewusstseyn, und hat die Gestalt des Selbst, dass das an und fuer sich seyende gewusster Begriff, der Begriff als solcher aber das an und fuer sich seyende ist. Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie zu einer wirklichen und wahren Erkenntniss, dass ihr Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist,--eine Materie aber, der die Form nicht ein Aeusserliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Huelle an und fuer sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdruecken, dass dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist. Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken ausgesprochen habe, dass der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt, dass das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist. Er hat damit den Grund zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren reine Gestalt die Logik seyn muss. Es ist in ihr nicht um ein Denken ueber etwas, das fuer sich ausser dem Denken zu Grunde laege, zu thun, um Formen, welche blosse Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern die nothwendigen Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der Inhalt und die hoechste Wahrheit selbst. Um diess in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung auf die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches seyn muesse. Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch in die platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, hineingetragen, als ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer andern Welt oder Region seyen, ausserhalb welcher die Welt der Wirklichkeit sich befinde und eine von jenen Ideen verschiedene, erst durch diese Verschiedenheit reale Substantialitaet habe. Die platonische Idee ist nichts anderes, als das Allgemeine oder bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in seinem Begriffe hat Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe verschieden ist, hoert es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; die Seite der Handgreiflichkeit und des sinnlichen Aussersichseyns gehoert dieser nichtigen Seite an.--Von der andern Seite aber kann man sich auf die eigenen Vorstellungen der gewoehnlichen Logik berufen; es wird naemlich angenommen, dass z.B. Definitionen nicht Bestimmungen enthalten, die nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die Bestimmungen des Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste Natur ausmachen. Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere geschlossen wird, wird angenommen, dass das Erschlossene nicht ein dem Gegenstande Aeusserliches und Fremdes sey, sondern dass es ihm vielmehr selbst zukomme, dass diesem Denken das Seyn entspreche.--Es liegt ueberhaupt bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, Schlusses, Definition, Division u.s.f. zu Grunde, dass sie nicht bloss Formen des selbstbewussten Denken sind, sondern auch des gegenstaendlichen Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene Bestimmung vorzugsweise dem Bewusstseyn beilegt. Aber insofern gesagt wird, dass Verstand, dass Vernunft in der gegenstaendlichen Welt ist, dass der Geist und die Natur allgemeine Gesetze habe, nach welchen ihr Leben und ihre Veraenderung sich machen, so wird zugegeben, dass die Denkbestimmungen eben so sehr objektiven Werth und Existenz haben. Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur Logik, aber sie, wie der spaetere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert worden, aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine wesentlich subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem Objekte, das sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein unendlicher Anstoss, blieb als ein Jenseits an ihnen uebrig. Aber die Befreiung von dem Gegensatze des Bewusstseyns, welche die Wissenschaft muss voraussetzen koennen, erhebt die Denkbestimmungen ueber diesen aengstlichen, unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung derselben, wie sie an und fuer sich, ohne eine solche Beschraenkung und Ruecksicht, das Logische, das Rein-vernuenftige sind. Kant preist sonst die Logik, naemlich das Aggregat von Bestimmungen und Saetzen, das im gewoehnlichen Sinne Logik heisst, darueber gluecklich, dass ihr vor andern Wissenschaften eine so fruehe Vollendung zu Theil geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rueckschritt gethan, aber auch keinen Schritt vorwaerts, das Letztere deswegen, weil sie allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.--Wenn die Logik seit Aristoteles keine Veraenderung erlitten hat,--wie denn in der That die Veraenderungen, wenn man die neuern Kompendien der Logik betrachtet, haeufig mehr nur in Weglassungen bestehen,--so ist daraus eher zu folgern, dass sie um so mehr einer totalen Umarbeitung beduerfe; denn ein zweitausendjaehriges Fortarbeiten des Geistes muss ihm ein hoeheres Bewusstseyn ueber sein Denken und ueber seine reine Wesenheit in sich selbst, verschafft haben. Die Vergleichung der Gestalten, zu denen sich der Geist der praktischen und der religioesen Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen Bewusstseyns emporgehoben hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik, sein Bewusstseyn ueber sein reines Wesen, befindet, zeigt einen zu grossen Unterschied, als dass es nicht der oberflaechlichsten Betrachtung sogleich auffallen sollte, dass diess letztere Bewusstseyn den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und ihrer unwuerdig ist. In der That ist das Beduerfniss einer Umgestaltung der Logik laengst gefuehlt worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den Lehrbuechern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. Sie wird noch mitgeschleppt mehr im Gefuehle, dass eine Logik ueberhaupt nicht zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit an die Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Ueberzeugung, dass jener gewoehnliche Inhalt und die Beschaeftigung mit jenen leeren Formen Werth und Nutzen habe. Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, paedagogisches und selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind nachher fuer Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An und fuer sich muss ein grosser Theil dieser psychologischen, paedagogischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie mochten in der Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und trivial erscheinen. Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, dass man dasjenige durchdenken und pruefen solle, was man in Buechern lese oder muendlich hoere; dass man, wenn man nicht gut sehe, seinen Augen durch Brillen zu Huelfe zu kommen habe,--Regeln, die von den Lehrbuechern in der sogenannten angewandten Logik, und zwar ernsthaft in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf dass man zur Wahrheit gelange,--muessen jedermann als ueberfluessig vorkommen,--nur hoechstens dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch irgend etwas auszudehnen. Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten in ihrer Festigkeit unverrueckt, und werden nur in aeusserliche Beziehung miteinander gebracht. Dadurch dass bei den Urtheilen und Schluessen die Operationen vornehmlich auf das Quantitative der Bestimmungen zurueckgefuehrt und gegruendet werden, beruht Alles auf einem aeusserlichen Unterschiede, auf blosser Vergleichung, wird ein voellig analytisches Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das Ableiten der sogenannten Regeln und Gesetze, des Schliessens vornehmlich, ist nicht viel besser, als ein Befingern von Staebchen von ungleicher Laenge, um sie nach ihrer Groesse zu sortiren und zu verbinden,--als die spielende Beschaeftigung der Kinder, von mannigfaltig zerschnittenen Gemaelden die passenden Stuecke zusammen zu suchen.--Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem Rechnen und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt. In der Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das ausser seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heisst, ausser seinem ganz aeusserlichen Verhaeltnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst, noch dessen Beziehung ein Gedanke ist. Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, dass dreiviertel mit zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthaelt diese Operation ungefaehr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung, ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben koenne. Damit dass diess todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und Inhalt belebt werde, muss ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie allein faehig ist, reine Wissenschaft zu seyn. In dem Zustande, in dem sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher Methode zu erkennen. Sie hat ungefaehr die Form einer Erfahrungswissenschaft. Erfahrungswissenschaften haben fuer das, was sie seyn sollen, ihre eigenthuemliche Methode, des Definirens und des Klassificirens ihres Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die reine Mathematik hat ihre Methode, die fuer ihre abstrakten Gegenstaende und fuer die quantitative Bestimmung, in der sie allein betrachtet, passend ist. Ich habe ueber diese Methode und ueberhaupt das Untergeordnete der Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik Statt finden kann, in der Vorrede zur Phaenomenologie des Geistes, das Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst naeher betrachtet werden. Spinoza, Wolf und Andere haben sie verfuehren lassen, sie auch auf die Philosophie anzuwenden, und den aeusserlichen Gang der begrifflosen Quantitaet zum Gange des Begriffes zu machen, was an und fuer sich widersprechend ist. Bisher hatte die Philosophie ihre Methode noch nicht gefunden; sie betrachtete mit Neid das systematische Gebaeude der Mathematik und borgte sie, wie gesagt, von ihr, oder behalf sich mit der Methode von Wissenschaften, die nur Vermischungen von gegebenem Stoffe, Erfahrungssaetzen und Gedanken sind,--oder half sich auch mit dem rohen Wegwerfen aller Methode. Die Exposition dessen aber, was allein die wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, faellt in die Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewusstseyn ueber die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der Phaenomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewusstseyn ein Beispiel von dieser Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewusstseyn, aufgestellt. (*Spaeter an den anderen konkreten Gegenstaenden und resp. Theilen der Philosophie.*) Es sind hier Gestalten des Bewusstseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst aufloest, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat,--und damit in eine hoehere Gestalt uebergegangen ist. Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um dessen ganz einfache Einsicht sich wesentlich zu bemuehen ist,--ist die Erkenntniss des logischen Satzes, dass das Negative ebenso sehr positiv ist, oder dass das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstrakte Nichts aufloest, sondern wesentlich nur in die Negation seines besonderen Inhalts, oder dass eine solche Negation nicht alle Negation, sondern die Negation der bestimmten Sache, die sich aufloest, somit bestimmte Negation ist; dass also im Resultate wesentlich das enthalten ist, woraus es resultirt;--was eigentlich eine Tautologie ist, denn sonst waere es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der hoehere, reichere Begriff als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder Entgegengesetztes reicher geworden; enthaelt ihn also, aber auch mehr als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.--In diesem Wege hat sich das System der Begriffe ueberhaupt zu bilden,-- und in unaufhaltsamen, reinem, von Aussen nichts hereinnehmendem Gange, sich zu vollenden. Wie wuerde ich meinen koennen, dass nicht die Methode, die ich in diesem Systeme der Logik befolgt,--oder vielmehr die diess System an ihm selbst befolgt,--noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im Einzelnen faehig sey, aber ich weiss zugleich, dass sie die einzige wahrhafte ist. Diess erhellt fuer sich schon daraus, dass sie von ihrem Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist;--denn es ist der Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn fortbewegt. Es ist klar, dass keine Darstellungen fuer wissenschaftlich gelten koennen, welche nicht den Gang dieser Methode gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemaess sind, denn es ist der Gang der Sache selbst. In Gemaessheit dieser Methode erinnere ich, dass die Eintheilungen und Ueberschriften der Buecher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklaerungen, zum Behuf einer vorlaeufigen Uebersicht gemacht, und dass sie eigentlich nur von historischem Werthe sind. Sie gehoeren nicht zum Inhalte und Koerper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der aeusseren Reflexion, welche das Ganze der Ausfuehrung schon durchlaufen hat, daher die Folge seiner Momente voraus weiss und angiebt, ehe sie noch durch die Sache selbst sich herbeifuehren. In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und Eintheilungen gleichfalls fuer sich nichts anderes, als solche aeussere Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht ueber diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heisst es etwa, "die Logik hat zwei Hauptstuecke, die Elementarlehre und die Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres etwa die Ueberschrift: Gesetze des Denkens;--alsdann erstes Kapitel: von den Begriffen. Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u. s.f.--Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerueste und den ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik sieht es fuer ihren Beruf an, davon zu sprechen, dass die Begriffe und Wahrheiten aus Principien muessen abgeleitet seyn; aber bei dem, was sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, in der Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und anderen aeusserlichen Ruecksichten. Aber in Ruecksicht eines inneren, nothwendigen Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der Abtheilungsbestimmungen, und der Uebergang macht sich nur damit, dass es jetzt heisst: Zweites Kapitel;--oder: wir kommen nunmehr zu den Urtheilen, u. dergl. Auch die Ueberschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme vorkommen, sollen fuer sich keine andere Bedeutung haben, als die der Inhaltsanzeige. Ausserdem aber muss die Nothwendigkeit des Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie faellt in die eigene Fortbestimmung des Begriffes. Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin angegebene Negative, das er in sich selbst hat; diess macht das wahrhaft Dialektische aus. Die Dialektik, die als ein abgesonderter Theil der Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und Standpunktes, man kann sagen, gaenzlich verkannt worden, erhaelt dadurch eine ganz andere Stellung.--Auch die platonische Dialektik hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch direkter, Theils nur die Absicht, beschraenkte Behauptungen durch sich selbst aufzuloesen und zu widerlegen, Theils aber ueberhaupt das Nichts zum Resultate. Gewoehnlich sieht man die Dialektik fuer ein aeusserliches und negatives Thun an, das nicht der Sache selbst angehoere, in blosser Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, sich das Feste und Wahre in Schwanken zu setzen und aufzuloesen, seinen Grund habe oder wenigstens zu Nichts fuehre, als zur Eitelkeit des dialektisch behandelten Gegenstandes. Kant hat die Dialektik hoeher gestellt, und diese Seite gehoert unter die groessten seiner Verdienste,--indem er ihr den Schein von Willkuer nahm, den sie nach der gewoehnlichen Vorstellung hat, und sie als ein nothwendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur fuer die Kunst, Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt, wurde schlechthin vorausgesetzt, dass sie ein falsches Spiel spiele, und ihre ganze Kraft allein darauf beruhe, dass sie den Betrug verstecke; dass ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver Schein seyen. Kant's dialektische Darstellungen in den Antinomien der reinen Vernunft verdienen zwar, wenn sie naeher betrachtet werden, wie diess im Verfolge dieses Werkes weitlaeufiger geschehen wird, freilich kein grosses Lob; aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde gelegt und geltend gemacht hat, ist die Objektivitaet des Scheins und Nothwendigkeit des Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen gehoert: zunaechst zwar in der Art, insofern diese Bestimmungen von der Vernunft auf die Dinge an sich angewendet werden; aber eben, was sie in der Vernunft und in Ruecksicht auf das sind, was an sich ist, ist ihre Natur. Es ist diess Resultat in seiner positiven Seiten aufgefasst, nichts anderes, als die innere Negativitaet derselben, als ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller natuerlichen und geistigen Lebendigkeit ueberhaupt. Aber so wie nur bei der abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird, so ist das Resultat nur das Bekannte, dass die Vernunft unfaehig sey, das Unendliche zu erkennen;--ein sonderbares Resultat, indem das Unendliche das Vernuenftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht faehig, das Vernuenftige zu erkennen. In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber fuer die noch ungeuebte, unfreie Denkkraft schwerste Seite. Ist solche noch darin begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom Raisonniren loszureissen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken zu ueben. Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen erkennen zu lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf haette sich in ihrer Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung des naeheren Inhalts an die Bestimmungen, die sich fuer die einzelnen Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische einzulassen. Sie wuerde der aeusseren Gestalt nach dem gewoehnlichen Vortrag dieser Wissenschaft aehnlich werden, sich uebrigens dem Inhalte nach auch davon unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das abstrakte, ob zwar nicht das spekulative Denken zu ueben, welchen Zweck die durch psychologische und anthropologische Zuthaten populair gewordene Logik nicht einmal erfuellen kann. Sie wuerde dem Geiste das Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des Gebaeudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin erschiene. In Ruecksicht auf die Bildung und das Verhaeltniss des Individuums zur Logik, merke ich schliesslich noch an, dass diese Wissenschaft wie die Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. Sie ist etwas Anderes fuer den, der zu ihr und den Wissenschaften ueberhaupt erst hinzutritt, und etwas Anderes fuer den, der von ihnen zu ihr zurueckkommt. Wer die Grammatik anfaengt kennen zu lernen, findet in ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufaellig Regeln, ueberhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den Werth und die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren Sinne liegt; das Erkennen erkennt in ihnen zunaechst nichts als sie. Wer dagegen einer Sprache maechtig ist und zugleich andere Sprachen in Vergleichung mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die Bildung eines Volks in der Grammatik seiner Sprache zu fuehlen geben; dieselben Regeln und Formen haben nunmehr einen erfuellten, lebendigen Werth. Er kann durch die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes ueberhaupt, die Logik, erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, findet in der Logik zunaechst ein isolirtes System von Abstraktionen, das auf sich selbst beschraenkt, nicht ueber die anderen Kenntnisse und Wissenschaften uebergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum der Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der anderen Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der absoluten Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur des Geistes und der Welt, die Wahrheit zu enthuellen, hat diese Wissenschaft in ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten Einfachheit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles eher zu leisten als diess Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum gegenueber zu stehen, Die erste Bekanntschaft mit der Logik schraenkt ihre Bedeutung auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur fuer eine isolirte Beschaeftigung mit den Denkbestimmungen, neben der die anderen wissenschaftlichen Beschaeftigungen ein eigener Stoff und Gehalt fuer sich sind, auf welche das Logische etwa einen formellen Einfluss hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht, und fuer den die wissenschaftliche Gestalt und deren Studium allerdings auch zur Noth entbehrt werden kann. Die anderen Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine Folge von Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu seyn, im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natuerliche Logik macht sich fuer sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken selbst gerichtete Erkenntnis fort. Vollends aber haelt sich der Stoff und Inhalt dieser Wissenschaften fuer sich selbst vom Logischen voellig unabhaengig, und ist auch fuer Sinn, Gefuehl, Vorstellung und praktisches Interesse jeder Art ansprechender. So muss denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, das man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und weitere Bedeutung anfangs vermisst wird. Erst aus der tiefern Kenntniss der anderen Wissenschaften erhebt sich fuer den subjektiven Geist das Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern als das den Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine; --wie derselbe Sittenspruch in dem Munde des Juenglings, der ihn ganz richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen er im Geiste eines lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die ganze Kraft des darin enthaltenen Gehaltes ausdrueckt, so erhaelt das Logische erst dadurch die Schaetzung seines Werths, wenn es zum Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt sich daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere Kenntniss neben anderem Stoffe und Realitaeten, sondern als das Wesen alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar. Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser bewussten Kraft fuer den Geist vorhanden ist, so empfaengt er durch dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des Bewusstseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und Zwecken, von Gefuehlen, von der bloss gemeinten Vorstellungswelt fernes Geschaeft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht diess Geschaeft in dem Fernhalten der Zufaelligkeit des raisonnirenden Denkens und der Willkuer, diese oder die entgegengesetzten Gruende sich einfallen oder gelten zu lassen. Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbststaendigkeit und Unabhaengigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewussten Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniss und Wissenschaften in die vernuenftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu erfassen und festzuhalten, das Aeusserliche abzustreifen und auf diese Weise aus ihnen das Logische auszuziehen,--oder was dasselbe ist, die vorher durch das Studium erworbene abstrakte Grundlage des Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfuellen, und ihm den Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Besonderes neben anderem Besonderen steht, sondern ueber alles dieses uebergreift und dessen Wesen, das Absolut-wahre, ist. Allgemeine Eintheilung der Logik In dem, was ueber den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, dass die allgemeine Eintheilung hier nur vorlaeufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher historisch hier zum Voraus anzufuehren im Stande ist, zu welchen Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen wird. Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist, zum Voraus im Allgemeinen verstaendlich zu machen, obgleich auch dabei ein Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muss, das seine volle Verstaendigung und Rechtfertigung erst innerhalb der Wissenschaft erhaelt.--Zuvoerderst also ist zu erinnern, dass hier vorausgesetzt wird, die Eintheilung muesse mit dem Begriffe zusammenhaengen, oder vielmehr in ihm selbst liegen. Der Begriff ist nicht unbestimmt, sondern bestimmt an ihm selbst; die Eintheilung aber drueckt entwickelt diese seine Bestimmtheit aus; sie ist das Urtheil desselben, nicht ein Urtheil ueber irgend einen aeusserlich genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, d.i. Bestimmen des Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit, Spitzwinklichkeit u.s. f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach welchen Bestimmungen die Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in der Bestimmtheit des Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der Begriff des Dreiecks genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem, was fuer den Begriff des Thieres ueberhaupt, oder des Saeugethiers, Vogels u.s.w. die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Saeugethiere, Voegel u.s. w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt werden. Solche Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen Anschauung aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von Aussen hinzu. In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muss der Begriff selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen. Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier gleichfalls als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik bestimmte sich danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu ihrem Princip das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern dadurch konkrete lebendige Einheit, dass in ihr der Gegensatz des Bewusstseyns von einem subjektiv--fuer sich Seyenden und einem zweiten solchen Seyenden, einem Objektiven, als ueberwunden, und das Seyn als reiner Begriff an sich selbst, und der reine Begriff als das wahrhafte Seyn gewusst wird. Diess sind sonach die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind. Aber sie werden nun als untrennbar seyend gewusst, nicht wie im Bewusstseyn jedes auch als fuer sich seyend; dadurch, allein, dass sie zugleich als unterschiedene (jedoch nicht fuer sich seyende) gewusst werden, ist ihre Einheit nicht abstrakt, todt, unbewegend, sondern konkret. Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so dass die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die Eintheilung, wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen der ihm schon immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes ist, so darf diess Setzen nicht als ein Wiederaufloesen jener konkreten Einheit in ihre Bestimmungen, wie sie als fuer sich seyend gelten sollen, gefasst werden, was hier ein leeres Zurueckgehen auf den vorigen Standpunkt, den Gegensatz des Bewusstseyns waere; dieser ist vielmehr verschwunden; jene Einheit bleibt das Element, und aus ihr tritt jenes Unterscheiden der Eintheilung und ueberhaupt der Entwickelung nicht mehr heraus. Damit sind die frueher (auf dem Wege zur Wahrheit) fuer sich seyenden Bestimmungen, wie ein Subjektives und Objektives, oder auch Denken und Seyn oder Begriff und Realitaet, wie sie in irgend einer Ruecksicht bestimmt worden seyn moegen, nun in ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer Einheit, zu Formen herabgesetzt. In ihrem Unterschiede blieben sie daher selbst an sich der ganze Begriff und dieser wird in der Eintheilung nur unter seinen eigenen Bestimmungen gesetzt. So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, das andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff an sich, der Realitaet oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, fuer sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, im denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewusster noch weniger als gewusster Begriff, im empfindenden Thier, und in der organischen Individualitaet ueberhaupt ist; Begriff an sich ist er aber nur in der unorganischen Natur).--Die Logik waere hiernach zunaechst in die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs, --oder indem wir uns der sonst gewoehnlichen, obgleich der unbestimmtesten und darum der vieldeutigsten Ausdruecke bedienen,--in die objektive und subjektive Logik einzutheilen. Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs in sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, muessen diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in ihrem Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander stehen. Es ergiebt sich daraus eine Sphaere der Vermittelung, der Begriff als System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum Insichseyn des Begriffs uebergehenden Seyns, der auf diese Weise noch nicht als solcher fuer sich gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren Seyn als einem ihm auch Aeusseren zugleich behaftet ist. Diess ist die Lehre von dem Wesen, die zwischen der Lehre vom Seyn und der vom Begriff inmitten steht.--Sie ist in der allgemeinen Eintheilung dieses logischen Werks noch unter die objektive Logik gestellt worden, insofern, ob das Wesen zwar bereits das Innere, dem Begriffe der Charakter des Subjekts ausdruecklich vorzubehalten ist. Kant Ich erinnere, dass ich auf die kantische Philosophie in diesem Werke darum haeufig Ruecksicht nehme, (was manchen ueberfluessig scheinen koennte) weil sie,--ihre naehere Bestimmtheit so wie die besonderen Theile der Ausfuehrung moegen sonst und auch in diesem Werke betrachtet werden, wie sie wollen,--die Grundlage und den Ausgangspunkt der neueren deutschen Philosophie ausmacht, und diess ihr Verdienst durch das, was an ihr ausgesetzt werden moege, ihr ungeschmaelert bleibt. Auch darum ist auf sie in der objektiven Logik haeufig Ruecksicht zu nehmen, weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen naeher einlaesst, spaetere Darstellungen von Philosophie hingegen dasselbe wenig beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,--aber nicht ungeraechte,--Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen Resultaten, dass die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen koenne, und in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey, heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende Ausfuehrung, aus welche jenes Resultat herkoemmt, und welche philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische Philosophie dient so als ein Polster fuer die Traegheit des Denkens, die sich damit beruhigt, dass bereits Alles bewiesen und abgethan sey. Fuer Erkenntniss und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in solcher unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist sich daher an jene vorangegangene Ausfuehrung zu wenden. hat in neueren Zeiten dem, was gewoehnlich Logik genannt worden, noch eine, naemlich eine transcendentale Logik gegenueber gestellt. Das, was hier objektive Logik genannt worden, wuerde zum Theil dem entsprechen, was bei ihm die transcendentale Logik ist. Er unterscheidet sie von dem, was er allgemeine Logik nennt, so, dass sie a) die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstaende beziehen, somit nicht von allem Inhalte der objektiven Erkenntniss abstrahire, oder dass sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, und ss) zugleich auf den Ursprung unserer Erkenntniss gehe, insofern sie nicht den Gegenstaenden zugeschrieben werden koenne.--Diese zweite Seite ist es, auf die das philosophische Interesse Kants ausschliessend gerichtet ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem Selbstbewusstseyn, als dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermoege dieser Bestimmung bleibt die Ansicht innerhalb des Bewusstseyns und seines Gegensatzes stehen, und hat ausser dem Empirischen des Gefuehls und der Anschauung noch Etwas, das nicht durch das denkende Selbstbewusstseyn gesetzt und bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem Denken fremdes und aeusserliches, uebrig bleiben; obgleich leicht einzusehen ist, dass ein solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst nur ein Produkt des, und zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.--Wenn andere Kantianer sich ueber das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so ausgedrueckt haben, dass das Objektiviren des Ich, als ein urspruengliches und nothwendiges Thun des Bewusstseyns anzusehen sey, so dass in diesem urspruenglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,--als welche erst ein Bewusstseyn jenes Bewusstseyns, oder selbst ein Objektiviren jenes Bewusstseyn sey,--so ist dieses von dem Gegensatze des Bewusstseyns befreite objektivirende Thun naeher dasjenige, was fuer Denken als solches ueberhaupt genommen werden kann. Wenn der Ausdruck objektivirendes Thun des Ich an andere Produktionen des Geistes, z.B. die der Phantasie erinnern kann, so ist zu bemerken, dass von einem Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist, insofern dessen Inhalts-Momente nicht dem Gefuehl und der Anschauung angehoeren. Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heisst Theils ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes ist, weitere Gedanken ueber ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln. Dieses Thun sollte aber nicht mehr Bewusstseyn genannt werden; Bewusstseyn schliesst den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in sich, der in jenem urspruenglichen Thun nicht vorhanden ist. Die Benennung Bewusstseyn wirft noch mehr den Schein von Subjektivitaet auf dasselbe, als der Ausdruck Denken, der aber hier ueberhaupt im absoluten Sinne als unendliches mit der Endlichkeit des Bewusstseyns nicht behaftetes, Denken, kurz Denken als solches, zu nehmen ist. Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die Abhandlung derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst sind, ohne die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre Bestimmtheit gegen und ihr Verhaeltniss zu einander ist nicht zu einem Gegenstande der Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniss ihrer Natur hat sich daher durch diese Philosophie nicht im geringsten gefoerdert gefunden. Das einzige Interessante, was hierauf Beziehung hat, kommt in der Kritik der Ideen vor. Fuer den wirklichen Fortschritt der Philosophie aber war es nothwendig, dass das Interesse des Denkens auf die Betrachtung der formellen Seite, des Ich, des Bewusstseyns als solchen, d.i. der abstrakten Beziehung eines subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen, dass die Erkenntniss der unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese Weise eingeleitet wurde. Um jedoch diese Erkenntniss zu erreichen, musste jene endliche Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewusstseyn ist, noch abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht, enthaelt es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt zu geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,--als System der Denkbestimmungen. Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebaeude ueber die Welt war, das nur durch Gedanken aufgefuehrt seyn sollte.--Wenn wir auf die letzte Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Ruecksicht nehmen, so ist erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die objektive Logik tritt,--der Theil jener Metaphysik, der die Natur des Ens ueberhaupt erforschen sollte;--das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen in sich, fuer welchen Unterschied unsere Sprache gluecklicherweise den verschiedenen Ausdruck gerettet hat.--Alsdann aber begreift die objektive Logik auch die uebrige Metaphysik insofern in sich, als diese mit den reinen Denkformen die besondern, zunaechst aus der Vorstellung genommenen Substrate, die Seele, die Welt, Gott, zu fassen suchte, und die Bestimmungen des Denkens das Wesentliche der Betrachtungsweise ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese Formen frei von jenen Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und ihre Natur und Werth an und fuer sich selbst. Jene Metaphysik unterliess diess und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik gebraucht zu haben, ohne die vorgaengige Untersuchung, ob und wie sie faehig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach kantischem Ausdruck,--oder vielmehr des Vernuenftigen zu seyen.--Die objektive Logik ist daher die wahrhafte Kritik derselben,--eine Kritik, die sie nicht nach der abstrakten Form der Aprioritaet gegen das Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem besondern Inhalte betrachtet. Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,--des Wesens, das seine Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und in seiner Bestimmung nicht aeusserlich mehr, sondern das freie selbststaendig, sich in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das Subjekt selbst ist.--Indem das Subjektive das Missverstaendniss von Zufaelligem und Willkuerlichem, so wie ueberhaupt von Bestimmungen, die in die Form des Bewusstseyns gehoeren, mit sich fuehrt, so ist hier auf den Unterschied von Subjektivem und Objektivem, der sich spaeterhin innerhalb der Logik selbst naeher entwickeln wird, kein besonderes Gewicht zu legen. Die Logik zerfaellt also zwar ueberhaupt in objektive und subjektive Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile: I. Die Logik des Seyns, II. die Logik des Wesens und III. die Logik des Begriffs. Erstes Buch Die Lehre vom Seyn. Womit muss der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? In neuern Zeiten erst ist das Bewusstseyn entstanden, dass es eine Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der Grund dieser Schwierigkeit so wie die Moeglichkeit, sie zu loesen, ist vielfaeltig besprochen worden. Der Anfang der Philosophie muss entweder ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht zu zeigen, dass es weder das Eine noch das Andere seyn koenne; somit findet die eine oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung. Das Princip einer Philosophie drueckt wohl auch einen Anfang aus, aber nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge. Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,--das Wasser, das Eine, Nus, Idee,--Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die Natur des Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine objektive Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die Subjektivitaet selbst, so ist es hier gleichfalls die Inhaltsbestimmung, auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als solches dagegen bleibt als ein Subjektives in dem Sinne einer zufaelligen Art und Weise, den Vortrag einzuleiten, unbeachtet und gleichgueltig, somit auch das Beduerfniss der Frage, womit anzufangen sey, unbedeutend gegen das Beduerfniss des Princips, als in welchem allein das Interesse der Sache zu liegen scheint, das Interesse, was das Wahre, was der absolute Grund von Allem sey. Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren Beduerfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch um das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik ueberhoben seyn wollten. Wenn das frueher abstrakte Denken zunaechst nur fuer das Princip als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung auf die andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten getrieben ist, so wird auch das subjektive Thun als wesentliches Moment der objektiven Wahrheit erfasst, und das Beduerfniss fuehrt sich herbei, dass die Methode mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip vereint sey. So soll das Princip auch Anfang und das, was das Prius fuer das Denken ist, auch das Erste im Gange des Denkens seyn. Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt, entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang auf unmittelbare Weise. Die in der Bildung der Zeit so wichtig erscheinende Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares, schlechthin anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein vermitteltes Wissen sey, ist an diesem Orte nicht zu eroertern. Insofern solche Betrachtung vorlaeufig angestellt werden kann, ist diess anderwaerts (in m. Encykl. der philos. Wissenschaf. 3te Ausg. im Vorbegr. _. 61. ff.) geschehen. Hier mag daraus nur diess angefuehrt werden, dass es Nichts giebt, nichts im Himmel oder in der Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht ebenso die Unmittelbarkeit enthaelt, als die Vermittelung, so dass sich diese beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener Gegensatz sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche Eroerterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die Eroerterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhaelt, wird die Natur des Erkennens ueberhaupt, sowohl innerhalb der Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die Phaenomenologie desselben faellt. Vor der Wissenschaft aber schon ueber das Erkennen ins Reine kommen wollen, heisst verlangen, dass es ausserhalb derselben eroertert werden sollte; ausserhalb der Wissenschaft laesst sich diess wenigstens nicht auf wissenschaftliche Weise, um die es hier allein zu thun ist, bewerkstelligen. Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei fuer sich seyenden Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt ist es hiermit dadurch, dass das reine Wissen die letzte, absolute Wahrheit des Bewusstseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, dass die Phaenomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewusstseyns, die Darstellung davon ist, dass das Bewusstseyn den Begriff der Wissenschaft, d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer Voraussetzung, welche die Nothwendigkeit und damit den Beweis der Wahrheit des Standpunkts, der das reine Wissen ist, wie dessen Vermittelung ueberhaupt, enthaelt und aufzeigt. In dieser Wissenschaft des erscheinenden Geistes wird von dem empirischen, sinnlichen Bewusstseyn ausgegangen; und dieses ist das eigentliche unmittelbare Wissen; daselbst wird eroertert, was an diesem unmittelbaren Wissen ist. Anderes Bewusstseyn, wie der Glaube an goettliche Wahrheiten, innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung u.s.f. zeigt sich bei geringer Ueberlegung sehr uneigentlich als unmittelbares Wissen aufgefuehrt zu werden. In jener Abhandlung ist das unmittelbare Bewusstseyn auch das in der Wissenschaft Erste und Unmittelbare, somit die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige die Voraussetzung, was aus jener Betrachtung sich als das Resultat erwiesen hatte,--die Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine Wissenschaft, d.i. das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner Entwickelung. Diese Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin bestimmt, die zur Wahrheit gewordenen Gewissheit zu seyn, die Gewissheit, die nach der einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenueber ist, sondern ihn innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiss,--und die auf der andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem Gegenstaendlichen gegenueber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben, dieser Subjektivitaet entaeussert und Einheit mit seiner Entaeusserung ist. Dass nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang seiner Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu betrachten oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller Meinungen, die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist. Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hoert somit selbst auf, Wissen zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden. Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine Seyn. Wie das reine Wissen nichts heissen soll, als das Wissen als solches, ganz abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heissen, als das Seyn ueberhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung und Erfuellung. Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar durch sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden, dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats des endlichen Wissens, des Bewusstseyns. Soll aber keine Voraussetzung gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden, so bestimmt er sich nur dadurch, dass es der Anfang der Logik des Denkens fuer sich, seyn soll. Nur der Entschluss, den man auch fuer eine Willkuer ansehen kann, naemlich dass man das Denken als solches betrachten wolle, ist vorhanden. So muss der Anfang absoluter oder was hier gleichbedeutend ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so nichts voraussetzen, muss durch nichts vermittelt seyn, noch einen Grund haben; er soll vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft seyn. Er muss daher schlechthin ein Unmittelbares seyn, oder vielmehr nur das Unmittelbare selbst. Wie er nicht gegen Anderes eine Bestimmung haben kann, so kann er auch keine in sich, keinen Inhalt enthalten, denn dergleichen waere Unterscheidung und Beziehung von Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung. Der Anfang ist also das reine Seyn. Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunaechst nur zu diesem selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehoert, koennen noch folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch koennen sie nicht sowohl zur Erlaeuterung und Bestaetigung jener Darlegung, die fuer sich fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch Vorstellungen und Reflexionen veranlasst werden, die uns zum Voraus in den Weg kommen koennen, jedoch, wie alle andere vorangehende Vorurtheile, in der Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden muessen, und daher eigentlich zur Geduld hierauf zu verweisen waeren. Die Einsicht, dass das Absolut-Wahre ein Resultat seyn muesse, und umgekehrt, dass ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber, weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach der subjektiven Seite, nicht erkannt ist,--hat in neuern Zeiten den Gedanken hervorgebracht, dass die Philosophie nur mit einem hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn koenne, eine Ansicht, welche Reinhold in den spaetern Zeiten seines Philosphirens vielfach urgiert hat, und der man die Gerechtigkeit widerfahren lassen muss, dass ihr ein wahrhaftes Interesse zu Grunde liegt, welches die spekulative Natur des philosophischen Anfangs betrifft. Die Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich eine Veranlassung, ein vorlaeufiges Verstaendniss ueber den Sinn des logischen Fortschreitens ueberhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht schliesst die Ruecksicht auf das Fortgehen sogleich in sich. Und zwar stellt sie es so vor, dass das Vorwaertsschreiten in der Philosophie vielmehr ein Rueckwaertsgehen und Begruenden sey, durch welches erst sich ergebe, dass das, womit angefangen wurde, nicht bloss ein willkuerlich Angenommenes, sondern in der That Theils das Wahre, Theils das erste Wahre sey. Man muss zugeben, dass es eine wesentliche Betrachtung ist,--die sich innerhalb der Logik selbst naeher ergeben wird,--dass das Vorwaertsgehen ein Rueckgang in den Grund, zu dem Urspruenglichen und Wahrhaften ist, von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhaengt, und in der That hervorgebracht wird.--So wird das Bewusstseyn auf seinem Wege von der Unmittelbarkeit aus, mit der es anfaengt, zum absoluten Wissen, als seiner innersten Wahrheit, zurueckgefuehrt. Diess Letzte, der Grund, ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst als Unmittelbares auftrat.--So wird noch mehr der absolute Geist, der als die konkrete und letzte hoechste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt, erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entaeussernd und sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,--zur Schoepfung einer Welt sich entschliessend, welche alles das enthaelt, was in die Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und das durch diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem Resultate als dem Principe Abhaengiges verwandelt wird. Das Wesentliche fuer die Wissenschaft, ist nicht so sehr, dass ein rein Unmittelbares der Anfang sey, sondern dass das Ganze derselben ein Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das Letzte, und das Letzte auch das Erste wird. Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig, dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurueckgeht, als Resultat zu betrachten. Nach dieser Ruecksicht ist das Erste ebenso sehr der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem Ersten ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als auf den Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang ferner von dem, was den Anfang macht, ist nur als eine weitere Bestimmung desselben zu betrachten, so dass das Anfangende allem Folgenden zu Grunde liegen bleibt, und nichts daraus verschwindet. Das Fortgehen besteht nicht darin, dass nur ein Anderes abgeleitet, oder dass in ein wahrhaft Anderes uebergegangen wuerde;--und insofern diess Uebergehen vorkommt, so hebt es sich ebenso sehr wieder auf. So ist der Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwickelungen gegenwaertige und sich erhaltende Grundlage, das seinen weiteren Bestimmungen durchaus immanent Bleibende. Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes ueberhaupt zu seyn, einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise. --Zugleich ergiebt sich, dass das, was den Anfang macht, indem es darin das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht wahrhaft erkannt wird, und dass erst die Wissenschaft, und zwar in ihrer ganzen Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft begruendete Erkenntniss ist. Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt, ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches, noch ein problematisches und hypothetisches, sondern es muss durch die Natur der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist jener Anfang etwas Willkuerliches und nur einstweilen Angenommenes, noch ein als willkuerlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes, von dem sich aber doch in der Folge zeige, dass man Recht daran gethan habe, es zum Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die man zum Behuf des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen angewiesen wird, es der Fall ist, dass von ihnen es sich erst hinterher an den Beweisen ergiebt, dass man wohlgethan habe, gerade diese Linien zu ziehen, und dann in den Beweisen selbst, mit der Vergleichung dieser Linien oder Winkel anzufangen; fuer sich an diesem Linienziehen oder Vergleichen begreift es sich nicht. So ist vorhin der Grund, warum in der reinen Wissenschaft vom reinen Seyn angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst angegeben worden. Diess reine Seyn ist die Einheit, in die das reine Wissen zurueckgeht, oder wenn dieses selbst noch als Form von seiner Einheit unterschieden gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt desselben. Diess ist die Seite, nach welcher diess reine Seyn, diess Absolut-Unmittelbare, ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muss ebenso wesentlich nur in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu seyn, genommen werden, eben weil es hier als der Anfang ist. Insofern es nicht diese reinen Unbestimmtheit, insofern es bestimmt waere, wuerde es als Vermitteltes, schon weiter Gefuehrtes, genommen; ein Bestimmtes enthaelt ein Anderes zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur des Anfangs selbst, dass er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf daher keiner sonstigen Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen, noch anderweitiger Reflexionen und Anknuepfungspunkte. Dass der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich auch keine naehere Bestimmung oder ein positiver Inhalt fuer denselben genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen giebt nur diese negative Bestimmung, dass er der abstrakte Anfang seyn soll. Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen wird, so hat dieses von seinem Inhalte zurueckzutreten, ihn fuer sich selbst gewaehren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.--Oder indem das reine Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen, auf seiner hoechsten Spitze der Einigung mit dem Objekte, zusammengefallen, so ist das Wissen in diese Einheit verschwunden, und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine Bestimmung fuer sich uebrig gelassen.--Auch sonst ist nicht Etwas, oder irgend ein Inhalt vorhanden, der gebracht werden koennte, um damit den bestimmteren Anfang zu machen. Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns koennte weggelassen werden, so dass nur gefordert wuerde, dass ein reiner Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang selbst, und es waere zu sehen, was er ist.--Diese Stellung koennte zugleich als ein Vorschlag zur Guete an diejenigen gemacht werden, welche Theils damit, dass mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen Reflexionen es sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem Erfolge, den das Seyn hat, in das Nichts ueberzugehn,--Theils ueberhaupt nicht anders wissen, als dass in einer Wissenschaft mit der Voraussetzung einer Vorstellung angefangen werde,--einer Vorstellung, welche hierauf analysirt werde, so dass nun das Ergebniss solcher Analyse den ersten bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe. Indem wir auch diess Verfahren beobachteten, so haetten wir keinen besondern Gegenstand, weil der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt, ganz allgemein, ganz Form ohne allen Inhalt seyn soll; wir haetten somit gar nichts, als die Vorstellung von einem blossen Anfang als solchem. Es ist also nur zu sehen, was wir in dieser Vorstellung haben. Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; das Seyn ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthaelt also Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; --oder ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich Nichtseyn ist. Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden; denn er weisst auf etwas Anderes hin;--er ist ein Nichtseyn, das auf das Seyn als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch nicht; es geht erst dem Seyn zu. Der Anfang enthaelt also das Seyn als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt, als ein ihm Entgegengesetztes. Ferner aber ist das, was anfaengt, schon, eben so sehr aber ist es auch noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre ununterschiedene Einheit. Die Analyse des Anfangs gaebe somit den Begriff der Einheit des Seyns und des Nichtseyns,--oder in reflektirterer Form, der Einheit des Unterschieden--und des Nichtunterschiedenseyns,--oder der Identitaet der Identitaet und Nichtidentitaet. Dieser Begriff koennte als die erste, reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen werden;--wie er diess in der That seyn wuerde, wenn es ueberhaupt um die Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun waere. In diesem Sinne wuerden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so alle weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und reichere Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit dem Seyn als Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts uebergeht, und daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, moegen zusehen, ob sie mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des Anfangs anfaengt, und mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird, aber gleichfalls auf die Einheit des Seyns und Nichts fuehrt, zufriedener seyn moegen, als damit, dass das Seyn zum Anfange gemacht wird. Es ist aber noch einen weitere Betrachtung ueber dieses Verfahren zu machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise an, dass jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin ungefaehr dieselben Bestimmungen finden moege, die sie durch Analyse, Vergleichung und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther beibringen und angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht, muss gleichfalls ein sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes, somit in sich mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung, die es in sich ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit als etwas Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie ist nur Beziehung als von Unterschiedenen, enthaelt somit die Vermittelung in sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufaelligkeit und Willkuer der Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche Bestimmungen herausgebracht werden, haengt von dem ab, was jeder in seiner unmittelbaren zufaelligen Vorstellung vorfindet. Die in einem Konkreten, einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine nothwendige nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die eigenen Bewegung der Momente, in diese Einheit zurueck zu gehen, hervorgebracht ist;--eine Bewegung, die das Gegentheil des analytischen Verfahrens ist, eines der Sache selbst aeusserlichen, in das Subjekt fallenden Thuns. Hierin ist auch das Naehere enthalten, dass das, womit der Anfang zu machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das eine Beziehung innerhalb seiner selbst enthaelt. Denn ein solches setzt ein Vermitteln und Heruebergehen von einem Ersten zu einem Anderen innerhalb seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete das Resultat waere. Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein Erstes und ein Anders seyn; ein solches das ein Erstes und ein Anderes in sich ist, enthaelt bereits ein Fortgegangenseyn. Was den Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares, in seiner einfachen unerfuellten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als das ganz Leere zu nehmen. Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes leere Seyn; denn was die Sache sey, diess ist es, was sich eben erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt vorausgesetzt werden kann. Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben, als das leere Seyn, so leidet er an den angefuehrten Maengeln. Diejenigen, welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, moegen sich zu der Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese Maengel zu vermeiden. Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwaehnt gelassen werden, der sich in neuerer Zeit beruehmt gemacht hat,