The Project Gutenberg EBook of Phaenomenologie des Geistes by Georg Wilhelm Friedrich Hegel Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. 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We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 8-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Phaenomenologie des Geistes Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1807) Dieser Band stellt das _werdende Wissen_ dar. Die PhAenomenologie des Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklaerungen oder auch der abstraktem ErOerterungen Ueber die Begruendung des Wissens treten. Sie betrachtet die _Vorbereitung_ zur Wissenschaft aus einem Gesichtspunkte, wodurch sie eine neue, interessante, und die erste Wissenschaft der Philosophie ist. Sie fasst die verschiedenen _Gestalten des Geistes_ als Stationen des Weges in sich, durch welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird. Es wird daher in den Hauptabteilungen dieser Wissenschaft, die wieder in mehrere zerfallen, das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein, die beobachtende und handelnde Vernunft, der Geist selbst, als sittlicher, gebildeter und moralischer Geist, und endlich als religioeser in seinen unterschiedenen Formen betrachtet. Der dem ersten Blicke sich als Chaos darbietende Reichtum der Erscheinungen des Geistes ist in eine wissenschaftliche Ordnung gebracht, welche sie nach ihrer Notwendigkeit darstellt, in der die unvollkommnen sich aufloesen und in hoehere uebergehen, welche ihre naechste Wahrheit sind. Die letzte Wahrheit finden sie zunaechst in der Religion, und dann in der Wissenschaft, als dem Resultate des Ganzen. Inhalt: Vorrede Einleitung I. Die sinnliche Gewissheit; oder das Diese und das Meinen II. Die Wahrnehmung; oder das Ding, und die Taeuschung III. Kraft und Verstand, Erscheinung und uebersinnliche Welt IV. Die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und Knechtschaft B. Freiheit des Selbstbewusstseins; Stoizismus, Skeptizismus und das unglueckliche Bewusstsein V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft A. Beobachtende Vernunft a. Beobachtung der Natur b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseins in seiner Reinheit und seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit; logische und psychologische Gesetze c. Beobachtung der Beziehung des Selbstbewusstseins auf seine unmittelbare Wirklichkeit; Physiognomik und Schaedellehre B. Die Verwirklichung des vernuenftigen Selbstbewusstseins durch sich selbst a. Die Lust und die Notwendigkeit b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigenduenkels c. Die Tugend und der Weltlauf C. Die Individualitaet, welche sich an und fuer sich selbst reell ist a. Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst b. Die gesetzgebende Vernunft c. Gesetzpruefende Vernunft VI. Der Geist A. Der wahre Geist, die Sittlichkeit a. Die sittliche Welt, das menschliche und goettliche Gesetz, der Mann und das Weib b. Die sittliche Handlung, das menschliche und goettliche Wissen, die Schuld und das Schicksal c. Rechtszustand B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes a. Die Bildung und ihr Reich der Wirklichkeit b. Der Glauben und die reine Einsicht II. Die Aufklaerung a. Der Kampf der Aufklaerung mit dem Aberglauben b. Die Wahrheit der Aufklaerung III. Die absolute Freiheit und der Schrecken C.Der seiner selbst gewisse Geist. Die Moralitaet a. Die moralische Weltanschauung b. Die Verstellung c. Das Gewissen, die schoene Seele, das Boese und seine Verzeihung VII. Die Religion A. Natuerliche Religion a. Das Lichtwesen b. Die Pflanze und das Tier c. Der Werkmeister B. Die Kunst-Religion a. Das abstrakte Kunstwerk b. Das lebendige Kunstwerk c. Das geistige Kunstwerk C. Die offenbare Religion VIII. Das absolute Wissen Vorrede Eine ErklAerung, wie sie einer Schrift in einer Vorrede nach der Gewohnheit vorausgeschickt wird--Ueber den Zweck, den der Verfasser sich in ihr vorgesetzt, sowie ueber die Veranlassungen und das Verhaeltnis, worin er sie zu andern fruehern oder gleichzeitigen Behandlungen desselben Gegenstandes zu stehen glaubt--scheint bei einer philosophischen Schrift nicht nur ueberfluessig, sondern um der Natur der Sache willen sogar unpassend und zweckwidrig zu sein. Denn wie und was von Philosophie in einer Vorrede zu sagen schicklich waere--etwa eine historische _Angabe_ der Tendenz und des Standpunkts, des allgemeinen Inhalts und der Resultate, eine Verbindung von hin und her sprechenden Behauptungen und Versicherungen ueber das Wahre--, kann nicht fuer die Art und Weise gelten, in der die philosophische Wahrheit darzustellen sei.--Auch weil die Philosophie wesentlich im Elemente der Allgemeinheit ist, die das Besondere in sich schliesst, so findet bei ihr mehr als bei andern Wissenschaften der Schein statt, als ob in dem Zwecke oder den letzten Resultaten die Sache selbst und sogar in ihrem vollkommenen Wesen ausgedrueckt waere, gegen welches die Ausfuehrung eigentlich das Unwesentliche sei. In der allgemeinen Vorstellung hingegen, zum Beispiel was Anatomie sei, etwa die Kenntnis der Teile des KOerpers nach ihrem unlebendigen Dasein betrachtet, ist man ueberzeugt, die Sache selbst, den Inhalt dieser Wissenschaft, noch nicht zu besitzen, sondern ausserdem um das Besondere sich bemuehen zu muessen.--Ferner ist bei einem solchen Aggregate von Kenntnissen, das den Namen Wissenschaft nicht mit Recht fuehrt, eine Konversation ueber Zweck und dergleichen Allgemeinheiten nicht von der historischen und begrifflosen Weise verschieden, worin von dem Inhalte selbst, diesen Nerven, Muskeln und so fort, gesprochen wird. Bei der Philosophie hingegen wuerde die Ungleichheit entstehen, dass von einer solchen Weise Gebrauch gemacht, und diese doch von ihr selbst als unfaehig, die Wahrheit zu fassen, aufgezeigt wuerde. So wird auch durch die Bestimmung des Verhaeltnisses, das ein philosophisches Werk zu andern Bestrebungen ueber denselben Gegenstand zu haben glaubt, ein fremdartiges Interesse hereingezogen, und das, worauf es bei der Erkenntnis der Wahrheit ankommt, verdunkelt. So fest der Meinung der Gegensatz des Wahren und des Falschen wird, so pflegt sie auch entweder Beistimmung oder Widerspruch gegen ein vorhandenes philosophisches System zu erwarten, und in einer Erklaerung ueber ein solches nur entweder das eine oder das andre zu sehen. Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe verschwindet in dem Hervorbrechen der Bluete, und man koennte sagen, dass jene von dieser widerlegt wird, ebenso wird durch die Frucht die Bluete fuer ein falsches Dasein der Pflanze erklaert, und als ihre Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur, sondern verdraengen sich auch als unvertraeglich miteinander. Aber ihre fluessige Natur macht sie zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist, und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus. Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiss das auffassende Bewusstsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit zu befreien oder frei zu erhalten, und in der Gestalt des streitend und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu erkennen. Die Foderung von dergleichen Erklaerungen sowie die Befriedigungen derselben scheinen vielleicht das Wesentliche zu betreiben. Worin koennte mehr das Innere einer philosophischen Schrift ausgesprochen sein als in den Zwecken und Resultaten derselben, und wodurch diese bestimmter erkannt werden als durch ihre Verschiedenheit von dem, was das Zeitalter sonst in derselben Sphaere hervorbringt? Wenn aber ein solches Tun fuer mehr als fuer den Anfang des Erkennens, wenn es fuer das wirkliche Erkennen gelten soll, ist es in der Tat zu den Erfindungen zu rechnen, die Sache selbst zu umgehen, und dieses beides zu verbinden, den Anschein des Ernstes und Bemuehens um sie, und die wirkliche Ersparung desselben.--Denn die Sache ist nicht in ihrem _Zwecke_ erschoepft, sondern in ihrer _Ausfuehrung_, noch ist das _Resultat_ das _wirkliche_ Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden; der Zweck fuer sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die Tendenz das blosse Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt, und das nackte Resultat ist der Leichnam, der sie hinter sich gelassen. --Ebenso ist die _Verschiedenheit_ vielmehr die _Grenze_ der Sache; sie ist da, wo die Sache aufhoert, oder sie ist das, was diese nicht ist. Solche Bemuehungen mit dem Zwecke oder den Resultaten, sowie mit den Verschiedenheiten und Beurteilungen des einen und des andern, sind daher eine leichtere Arbeit, als sie vielleicht scheinen. Denn statt mit der Sache sich zu befassen, ist solches Tun immer ueber sie hinaus, statt in ihr zu verweilen und sich in ihr zu vergessen, greift solches Wissen immer nach einem Andern, und bleibt vielmehr bei sich selbst, als dass es bei der Sache ist und sich ihr hingibt. --Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt, seine Darstellung hervorzubringen. Der Anfang der Bildung und des Herausarbeitens aus der Unmittelbarkeit des substantiellen Lebens wird immer damit gemacht werden muessen, Kenntnisse allgemeiner Grundsaetze und Gesichtspunkte zu erwerben, sich nur erst zu dem Gedanken der Sache ueberhaupt heraufzuarbeiten, nicht weniger sie mit Gruenden zu unterstuetzen oder zu widerlegen, die konkrete und reiche Fuelle nach Bestimmtheiten aufzufassen, und ordentlichen Bescheid und ernsthaftes Urteil ueber sie zu erteilen zu wissen. Dieser Anfang der Bildung wird aber zunaechst dem Ernste des erfuellten Lebens Platz machen, der in die Erfahrung der Sache selbst hineinfuehrt, und wenn auch dies noch hinzukommt, dass der Ernst des Begriffs in ihre Tiefe steigt, so wird eine solche Kenntnis und Beurteilung in der Konversation ihre schickliche Stelle behalten. Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das wissenschaftliche System derselben sein. Daran mitzuarbeiten, dass die Philosophie der Form der Wissenschaft naeher komme--dem Ziele, ihren Namen der _Liebe_ zum _Wissen_ ablegen zu koennen und _wirkliches Wissen_ zu sein--, ist es, was ich mir vorgesetzt. Die innere Notwendigkeit, dass das Wissen Wissenschaft sei, liegt in seiner Natur, und die befriedigende Erklaerung hierueber ist allein die Darstellung der Philosophie selbst. Die aeussere Notwendigkeit aber, insofern sie, abgesehen von der Zufaelligkeit der Person und der individuellen Veranlassungen, auf eine allgemeine Weise gefasst wird, ist dasselbe, was die innere, in der Gestalt, wie die Zeit das Dasein ihrer Momente vorstellt. Dass die Erhebung der Philosophie zur Wissenschaft an der Zeit ist, dies aufzuzeigen wuerde daher die einzig wahre Rechtfertigung der Versuche sein, die diesen Zweck haben, weil sie die Notwendigkeit desselben dartun, ja weil sie ihn zugleich ausfuehren wuerde. Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit gesetzt wird--oder, was dasselbe ist, indem die Wahrheit behauptet wird, an dem _Begriffe_ allein das Element ihrer Existenz zu haben--, so weiss ich, dass dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren Folgen zu stehen scheint, welche eine so grosse Anmassung als Ausbreitung in der Ueberzeugung des Zeitalters hat. Eine Erklaerung ueber diesen Widerspruch scheint darum nicht ueberfluessig; wenn sie auch hier weiter nichts als gleichfalls eine Versicherung, wie das, gegen was sie geht, sein kann. Wenn naemlich das Wahre nur in demjenigen oder vielmehr nur als dasjenige existiert, was bald Anschauung, bald unmittelbares Wissen des Absoluten, Religion, das Sein--nicht im Zentrum der goettlichen Liebe, sondern das Sein desselben selbst--genannt wird, so wird von da aus zugleich fuer die Darstellung der Philosophie vielmehr das Gegenteil der Form des Begriffs gefodert. Das Absolute soll nicht begriffen, sondern gefuehlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefuehl und Anschauung sollen das Wort fuehren und ausgesprochen werden. Wird die Erscheinung einer solchen Foderung nach ihrem allgemeinem Zusammenhange aufgefasst, und auf die Stufe gesehen, worauf der selbstbewusste Geist gegenwaertig steht, so ist er ueber das substantielle Leben, das er sonst im Elemente des Gedankens fuehrte, hinaus,--ueber diese Unmittelbarkeit seines Glaubens, ueber die Befriedigung und Sicherheit der Gewissheit, welche das Bewusstsein von seiner Versoehnung mit dem Wesen und dessen allgemeiner, der innern und aeussern, Gegenwart besass. Er ist nicht nur darueber hinausgegangen, in das andere Extrem der substanzlosen Reflexion seiner in sich selbst, sondern auch ueber diese. Sein wesentliches Leben ist ihm nicht nur verloren, er ist auch dieses Verlustes, und der Endlichkeit, die sein Inhalt ist, bewusst. Von den Trebern sich wegwendend, dass er im Argen liegt, bekennend und darauf schmaehend, verlangt er nun von der Philosophie nicht sowohl das _Wissen_ dessen, was er _ist_, als zur Herstellung jener Substantialitaet und der Gediegenheit des Seins erst wieder durch sie zu gelangen. Diesem Beduerfnisse soll sie also nicht so sehr die Verschlossenheit der Substanz aufschliessen, und diese zum Selbstbewusstsein erheben--nicht so sehr ihr chaotisches Bewusstsein zur gedachten Ordnung und zur Einfachheit des Begriffes zurueckbringen, als vielmehr die Sonderungen des Gedankens zusammenschuetten, den unterscheidenden Begriff unterdruecken und das Gefuehl des Wesens herstellen, nicht sowohl _Einsicht_ als _Erbauung_ gewaehren. Das Schoene, Heilige, Ewige, die Religion und Liebe sind der Koeder, der gefodert wird, um die Lust zum Anbeissen zu erwecken, nicht der Begriff, sondern die Ekstase, nicht die kalt fortschreitende Notwendigkeit der Sache, sondern die gaerende Begeisterung soll die Haltung und fortleitende Ausbreitung des Reichtums der Substanz sein. Dieser Foderung entspricht die angestrengte und fast eifernd und gereizt sich zeigende Bemuehung, die Menschen aus der Versunkenheit ins Sinnliche, Gemeine und Einzelne herauszureissen und ihren Blick zu den Sternen aufzurichten; als ob sie, des Goettlichen ganz vergessend, mit Staub und Wasser, wie der Wurm, auf dem Punkte sich zu befriedigen stuenden. Sonst hatten sie einen Himmel mit weitlaeufigem Reichtume von Gedanken und Bildern ausgestattet. Von allem, was ist, lag die Bedeutung in dem Lichtfaden, durch den es an den Himmel geknuepft war; an ihm, statt in _dieser_ Gegenwart zu verweilen, glitt der Blick ueber sie hinaus, zum goettlichen Wesen, zu einer, wenn man so sagen kann, jenseitigen Gegenwart hinauf. Das Auge des Geistes musste mit Zwang auf das Irdische gerichtet und bei ihm festgehalten werden; und es hat einer langen Zeit bedurft, jene Klarheit, die nur das Ueberirdische hatte, in die Dumpfheit und Verworrenheit, worin der Sinn des Diesseitigen lag, hineinzuarbeiten, und die Aufmerksamkeit auf das Gegenwaertige als solches, welche _Erfahrung_ genannt wurde, interessant und geltend zu machen.--Jetzt scheint die Not des Gegenteils vorhanden, der Sinn so sehr in das Irdische festgewurzelt, dass es gleicher Gewalt bedarf, ihn darueber zu erheben. Der Geist zeigt sich so arm, dass er sich, wie in der Sandwueste der Wanderer nach einem einfachen Trunk Wasser, nur nach dem duerftigen Gefuehle des Goettlichen ueberhaupt fuer seine Erquickung zu sehnen scheint. An diesem, woran dem Geiste genuegt, ist die Groesse seines Verlustes zu ermessen. Diese Genuegsamkeit des Empfangens oder Sparsamkeit des Gebens ziemt jedoch der Wissenschaft nicht. Wer nur die Erbauung sucht, wer seine irdische Mannigfaltigkeit des Daseins und des Gedankens in Nebel einzuhuellen und nach dem unbestimmten Genusse dieser unbestimmten Goettlichkeit verlangt, mag zusehen, wo er dies findet; er wird leicht selbst sich etwas vorzuschwaermen und damit sich aufzuspreizen die Mittel finden. Die Philosophie aber muss sich hueten, erbaulich sein zu wollen. Noch weniger muss diese Genuegsamkeit, die auf die Wissenschaft Verzicht tut, darauf Anspruch machen, dass solche Begeisterung und Truebheit etwas Hoeheres sei als die Wissenschaft. Dieses prophetische Reden meint gerade so recht im Mittelpunkte und der Tiefe zu bleiben, blickt veraechtlich auf die Bestimmtheit (den *Horos*) und haelt sich absichtlich von dem Begriffe und der Notwendigkeit entfernt, als von der Reflexion, die nur in der Endlichkeit hause. Wie es aber eine leere Breite gibt, so auch eine leere Tiefe, wie eine Extension der Substanz, die sich in endliche Mannigfaltigkeit ergiesst, ohne Kraft, sie zusammenzuhalten--so ist dies eine gehaltlose Intensitaet, welche als lautere Kraft ohne Ausbreitung sich haltend, dasselbe ist, was die Oberflaechlichkeit. Die Kraft des Geistes ist nur so gross als ihre Aeusserung, seine Tiefe nur so tief, als er in seiner Auslegung sich auszubreiten und sich zu verlieren getraut.--Zugleich wenn dies begrifflose substantielle Wissen die Eigenheit des Selbsts in dem Wesen versenkt zu haben und wahr und heilig zu philosophieren vorgibt, so verbirgt es sich, dass es, statt dem Gotte ergeben zu sein, durch die Verschmaehung des Masses und der Bestimmung vielmehr nur bald in sich selbst die Zufaelligkeit des Inhalts, bald in ihm die eigne Willkuer gewaehren laesst.--Indem sie sich dem ungebaendigten Gaeren der Substanz ueberlassen, meinen sie, durch die Einhuellung des Selbstbewusstseins und Aufgeben des Verstands, die _Seinen_ zu sein, denen Gott die Weisheit im Schlafe gibt; was sie so in der Tat im Schlafe empfangen und gebaeren, sind darum auch Traeume. Es ist uebrigens nicht schwer, zu sehen, dass unsre Zeit eine Zeit der Geburt und des Uebergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie in Ruhe, sondern in immer fortschreitender Bewegung begriffen. Aber wie beim Kinde nach langer stiller Ernaehrung der erste Atemzug jene Allmaehlichkeit des nur vermehrenden Fortgangs abbricht--ein qualitativer Sprung--und itzt das Kind geboren ist, so reift der sich bildende Geist langsam und stille der neuen Gestalt entgegen, loest ein Teilchen des Baues seiner vorgehenden *Welt* nach dem andern auf, ihr Wanken wird nur durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile, die im Bestehenden einreissen, die unbestimmte Ahnung eines Unbekannten sind Vorboten, dass etwas anderes im Anzuge ist. Dies allmaehliche Zerbroeckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht veraenderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt. Allein eine vollkommne Wirklichkeit hat dies Neue sowenig als das eben geborne Kind; und dies ist wesentlich nicht ausser acht zu lassen. Das erste Auftreten ist erst seine Unmittelbarkeit oder sein Begriff. Sowenig ein Gebaeude fertig ist, wenn sein Grund gelegt worden, sowenig ist der erreichte Begriff des Ganzen das Ganze selbst. Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung ihrer Aeste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wuenschen, sind wir nicht zufrieden, wenn uns an dieser Stelle eine Eichel gezeigt wird. So ist die Wissenschaft, die Krone einer Welt des Geistes, nicht in ihrem Anfange vollendet. Der Anfang des neuen Geistes ist das Produkt einer weitlaeufigen Umwaelzung von mannigfaltigen Bildungsformen, der Preis eines vielfach verschlungnen Weges und ebenso vielfacher Anstrengung und Bemuehung. Er ist das aus der Sukzession wie aus seiner Ausdehnung in sich zurueckgegangene Ganze, der gewordne _einfache Begriff_ desselben. Die Wirklichkeit dieses einfachen Ganzen aber besteht darin, dass jene zu Momenten gewordne Gestaltungen sich wieder von neuem, aber in ihrem neuen Elemente, in dem gewordenen Sinne entwickeln und Gestaltung geben. Indem einerseits die erste Erscheinung der neuen Welt nur erst das in seine _Einfachheit_ verhuellte Ganze oder sein allgemeiner Grund ist, so ist dem Bewusstsein dagegen der Reichtum des vorhergehenden Daseins noch in der Erinnerung gegenwaertig. Es vermisst an der neu erscheinenden Gestalt die Ausbreitung und Besonderung des Inhalts; noch mehr aber vermisst es die Ausbildung der Form, wodurch die Unterschiede mit Sicherheit bestimmt und in ihre festen Verhaeltnisse geordnet sind. Ohne diese Ausbildung entbehrt die Wissenschaft der allgemeinen *Verstaendlichkeit*, und hat den Schein, ein esoterisches Besitztum einiger Einzelnen zu sein;--ein esoterisches Besitztum: denn sie ist nur erst in ihrem Begriffe oder ihr Innres vorhanden; einiger Einzelnen: denn ihre unausgebreitete Erscheinung macht ihr Dasein zum Einzelnen. Erst was vollkommen bestimmt ist, ist zugleich exoterisch, begreiflich, und faehig, gelernt und das Eigentum aller zu sein. Die verstaendige Form der Wissenschaft ist der allen dargebotene und fuer alle gleichgemachte Weg zu ihr, und durch den Verstand zum vernuenftigen Wissen zu gelangen ist die gerechte Foderung des Bewusstseins, das zur Wissenschaft hinzutritt; denn der Verstand ist das Denken, das reine Ich ueberhaupt; und das Verstaendige ist das schon Bekannte und das Gemeinschaftliche der Wissenschaft und des unwissenschaftlichen Bewusstseins, wodurch dieses unmittelbar in jene einzutreten vermag. Die Wissenschaft, die erst beginnt, und es also noch weder zur Vollstaendigkeit des Details noch zur Vollkommenheit der Form gebracht hat, ist dem Tadel darueber ausgesetzt. Aber wenn dieser ihr Wesen treffen soll, so wuerde er ebenso ungerecht sein, als es unstatthaft ist, die Foderung jener Ausbildung nicht anerkennen zu wollen. Dieser Gegensatz scheint der hauptsaechlichste Knoten zu sein, an dem die wissenschaftliche Bildung sich gegenwaertig zerarbeitet und worueber sie sich noch nicht gehoerig versteht. Der eine Teil pocht auf den Reichtum des Materials und die Verstaendlichkeit, der andre verschmaeht wenigstens diese und pocht auf die unmittelbare Vernuenftigkeit und Goettlichkeit. Wenn auch jener Teil, es sei durch die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestuem des andern, zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds der Sache sich ueberwaeltigt fuehlte, so ist er darum in Ansehung jener Foderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht erfuellt. Sein Stillschweigen gehoert nur halb dem Siege, halb aber der Langeweile und Gleichgueltigkeit, welche die Folge einer bestaendig erregten Erwartung und nicht erfolgten Erfuellung der Versprechungen zu sein pflegt. In Ansehung des Inhalts machen die andern sich es wohl zuweilen leicht genug, eine grosse Ausdehnung zu haben. Sie ziehen auf ihren Boden eine Menge Material, naemlich das schon Bekannte und Geordnete, herein, und indem sie sich vornehmlich mit den Sonderbarkeiten und Kuriositaeten zu tun machen, scheinen sie um so mehr das uebrige, womit das Wissen in seiner Art schon fertig war, zu besitzen, zugleich auch das noch Ungeregelte zu beherrschen, und somit alles der absoluten Idee zu unterwerfen, welche hiemit in allem erkannt, und zur ausgebreiteten Wissenschaft gediehen zu sein scheint. Naeher aber diese Ausbreitung betrachtet, so zeigt sie sich nicht dadurch zustande gekommen, dass ein und dasselbe sich selbst verschieden gestaltet haette, sondern sie ist die gestaltlose Wiederholung des einen und desselben, das nur an das verschiedene Material aeusserlich angewendet ist, und einen langweiligen Schein der Verschiedenheit erhaelt. Die fuer sich wohl wahre Idee bleibt in der Tat nur immer in ihrem Anfange stehen, wenn die Entwicklung in nichts als in einer solchen Wiederholung derselben Formel besteht. Die eine unbewegte Form vom wissenden Subjekte an dem Vorhandenen herumgefuehrt, das Material in dies ruhende Element von aussenher eingetaucht, dies ist so wenig, als willkuerliche Einfaelle ueber den Inhalt, die Erfuellung dessen, was gefodert wird, naemlich der aus sich entspringende Reichtum und sich selbst bestimmende Unterschied der Gestalten. Es ist vielmehr ein einfarbiger Formalismus, der nur zum Unterschiede des Stoffes, und zwar dadurch kommt, weil dieser schon bereitet und bekannt ist. Dabei behauptet er diese Eintoenigkeit und die abstrakte Allgemeinheit fuer das Absolute; er versichert, dass die Ungenuegsamkeit mit ihr eine Unfaehigkeit sei, sich des absoluten Standpunktes zu bemaechtigen und auf ihm festzuhalten. Wenn sonst die leere Moeglichkeit, sich etwas auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung zu widerlegen, und dieselbe blosse Moeglichkeit, der allgemeine Gedanke, auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Aufloesung des Unterschiedenen und Bestimmten, oder vielmehr das weiter nicht entwickelte noch an ihm selbst sich rechtfertigende Hinunterwerfen desselben in den Abgrund des Leeren fuer spekulative Betrachtungsart gelten. Irgendein Dasein, wie es im _Absoluten_ ist, betrachten, besteht hier in nichts anderem, als dass davon gesagt wird, es sei zwar jetzt von ihm gesprochen worden, als von einem Etwas, im Absoluten, dem A = A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern darin sei alles eins. Dies _eine_ Wissen, dass im Absoluten alles gleich ist, der unterscheidenden und erfuellten oder Erfuellung suchenden und fodernden Erkenntnis entgegenzusetzen--oder sein _Absolutes_ fuer die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt, alle Kuehe schwarz sind, ist die Naivitaet der Leere an Erkenntnis. --Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und geschmaeht, und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn auch seine Ungenuegsamkeit bekannt und gefuehlt ist, aus der Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten Wirklichkeit sich ueber seine Natur vollkommen klar geworden ist.--In der Ruecksicht, dass die allgemeine Vorstellung, wenn sie dem, was ein Versuch ihrer Ausfuehrung ist, vorangeht, das Auffassen der letztern erleichtert, ist es dienlich, das Ungefaehre derselben hier anzudeuten, in der Absicht zugleich, bei dieser Gelegenheit einige Formen zu entfernen, deren Gewohnheit ein Hindernis fuer das philosophische Erkennen ist. Es koemmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muss, alles darauf an, das Wahre nicht als _Substanz_, sondern ebensosehr als _Subjekt_ aufzufassen und auszudruecken. Zugleich ist zu bemerken, dass die Substantialitaet sosehr das Allgemeine oder die _Unmittelbarkeit des Wissens_ als diejenige, welche _Sein_ oder Unmittelbarkeit _fuer das_ Wissen ist, in sich schliesst.--Wenn, Gott als die _eine_ Substanz zu fassen, das Zeitalter empoerte, worin diese Bestimmung ausgesprochen wurde, so lag teils der Grund hievon in dem Instinkte, dass darin das Selbstbewusstsein nur untergegangen, nicht erhalten ist, teils aber ist das Gegenteil, welches das Denken als Denken festhaelt, die _Allgemeinheit_, dieselbe Einfachheit oder ununterschiedne, unbewegte Substantialitaet, und wenn drittens das Denken das Sein der Substanz als solche mit sich vereint und die Unmittelbarkeit oder das Anschauen als Denken erfasst, so koemmt es noch darauf an, ob dieses intellektuelle Anschauen nicht wieder in die traege Einfachheit zurueckfaellt, und die Wirklichkeit selbst auf eine unwirkliche Weise darstellt. Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit _Subjekt_, oder, was dasselbe heisst, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie die Bewegung des Sich-selbst-setzens, oder die Vermittlung des Sich-anders-werdens mit sich selbst ist. Sie ist als Subjekt die reine _einfache Negativitaet_, eben dadurch die Entzweiung des Einfachen, oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder die Negation dieser gleichgueltigen Verschiedenheit und ihres Gegensatzes ist; nur diese sich _wiederherstellende_ Gleichheit oder die Reflexion im Anderssein in sich selbst--nicht eine _urspruengliche_ Einheit als solche, oder _unmittelbare_ als solche, ist das Wahre. Es ist das Werden seiner selbst, der Kreis, der sein Ende als seinen Zweck voraussetzt und zum Anfange hat, und nur durch die Ausfuehrung und sein Ende wirklich ist. Das Leben Gottes und das goettliche Erkennen mag also wohl als ein Spielen der Liebe mit sich selbst ausgesprochen werden; diese Idee sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst, der Schmerz, die Geduld und Arbeit des Negativen darin fehlt. _An sich_ ist jenes Leben wohl die ungetruebte Gleichheit und Einheit mit sich selbst, der es kein Ernst mit dem Anderssein und der Entfremdung, so wie mit dem Ueberwinden dieser Entfremdung ist. Aber dies _An-sich_ ist die abstrakte Allgemeinheit, in welcher von seiner Natur, _fuer sich zu sein_, und damit ueberhaupt von der Selbstbewegung der Form abgesehen wird. Wenn die Form als dem Wesen gleich ausgesagt wird, so ist es eben darum ein Missverstand, zu meinen, dass das Erkennen sich mit dem An-sich oder dem Wesen begnuegen, die Form aber ersparen koenne;--dass der absolute Grundsatz oder die absolute Anschauung, die Ausfuehrung des erstern oder die Entwicklung der andern entbehrlich mache. Gerade weil die Form dem Wesen so wesentlich ist, als es sich selbst, ist es nicht bloss als Wesen, d.h. als unmittelbare Substanz, oder als reine Selbstanschauung des Goettlichen zu fassen und auszudruecken, sondern ebensosehr als _Form_ und im ganzen Reichtum der entwickelten Form; dadurch wird es erst als Wirkliches gefasst und ausgedrueckt. Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich _Resultat_, dass es erst am _Ende_ das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So widersprechend es scheinen mag, dass das Absolute wesentlich als Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Ueberlegung diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: _alle_ Tiere, dies Wort fuer eine Zoologie gelten kann, ebenso faellt es auf, dass die Worte des Goettlichen, Absoluten, Ewigen u.s.w. das nicht aussprechen, was darin enthalten ist;--und nur solche Worte druecken in der Tat die Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches Wort, der Uebergang auch nur zu einem Satze, ist _ein Anderswerden_, das zurueckgenommen werden muss, ist eine Vermittlung. Diese aber ist das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, dass mehr aus ihr gemacht wird denn nur dies, dass sie nichts Absolutes und im Absoluten gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben waere. Dies Perhorreszieren stammt aber in der Tat aus der Unbekanntschaft mit der Natur der Vermittlung und des absoluten Erkennens selbst. Denn die Vermittlung ist nichts anders als die sich bewegende Sichselbstgleichheit, oder sie ist die Reflexion in sich selbst, das Moment des fuersichseienden ich, die reine Negativitaet oder das _einfache Werden_. Das Ich, oder das Werden ueberhaupt, dieses Vermitteln ist um seiner Einfachheit willen eben die werdende Unmittelbarkeit und das Unmittelbare selbst.--Es ist daher ein Verkennen der Vernunft, wenn die Reflexion aus dem Wahren ausgeschlossen und nicht als positives Moment des Absoluten erfasst wird. Sie ist es, die das Wahre zum Resultate macht, aber diesen Gegensatz gegen sein Werden ebenso aufhebt, denn dies Werden ist ebenso einfach und daher von der Form des Wahren, im Resultate sich als _einfach_ zu zeigen, nicht verschieden; es ist vielmehr eben dies Zurueckgegangensein in die Einfachheit.--Wenn der Embryo wohl _an sich_ Mensch ist, so ist er es aber nicht _fuer sich_; fuer sich ist er es nur als gebildete Vernunft, die sich zu dem _gemacht_ hat, was sie _an sich_ ist. Dies erst ist ihre Wirklichkeit. Aber dies Resultat ist selbst einfache Unmittelbarkeit, denn es ist die selbstbewusste Freiheit, die in sich selbst ruht, und den Gegensatz nicht auf die Seite gebracht hat und ihn da liegen laesst, sondern mit ihm versoehnt ist. Das Gesagte kann auch so ausgedrueckt werden, dass die Vernunft das _zweckmaessige Tun_ ist. Die Erhebung der vermeinten Natur ueber das misskannte Denken, und zunaechst die Verbannung der aeussern Zweckmaessigkeit hat die Form des _Zwecks_ ueberhaupt in Misskredit gebracht. Allein, wie auch Aristoteles die Natur als das zweckmaessige Tun bestimmt, der Zweck ist das Unmittelbare, das Ruhende, welches selbst bewegend oder Subjekt ist. Seine abstrakte Kraft zu bewegen ist das _Fuer-sich-sein_ oder die reine Negativitaet. Das Resultat ist nur darum dasselbe, was der Anfang, weil der Anfang Zweck ist;--oder das Wirkliche ist nur darum dasselbe, was sein Begriff, weil das Unmittelbare als Zweck das Selbst oder die reine Wirklichkeit in ihm selbst hat. Der ausgefuehrte Zweck oder das daseiende Wirkliche ist die Bewegung und das entfaltete Werden; eben diese Unruhe aber ist das Selbst; und jener Unmittelbarkeit und Einfachheit des Anfangs ist es darum gleich, weil es das Resultat, das in sich Zurueckgekehrte, --das in sich Zurueckgekehrte aber eben das Selbst, und das Selbst die sich auf sich beziehende Gleichheit und Einfachheit ist. Das Beduerfnis, das Absolute als _Subjekt_ vorzustellen, bediente sich der Saetze: _Gott_ ist das Ewige, oder die moralische Weltordnung oder die Liebe u.s.f. In solchen Saetzen ist das Wahre nur geradezu als Subjekt gesetzt, nicht aber als die Bewegung des sich In-sich-selbst-reflektierens dargestellt. Es wird in einem Satze der Art mit dem Worte: _Gott_ angefangen. Dies fuer sich ist ein sinnloser Laut, ein blosser Name; erst das Praedikat sagt, _was er ist_, ist seine Erfuellung und Bedeutung; der leere Anfang wird nur in diesem Ende ein wirkliches Wissen. Insofern ist nicht abzusehen, warum nicht vom Ewigen, der moralischen Weltordnung u.s.f., oder, wie die Alten taten, von reinen Begriffen, dem Sein, dem Einen u.s.f., von dem, was die Bedeutung ist, allein gesprochen wird, ohne den sinnlosen Laut noch hinzuzufuegen. Aber durch dies Wort wird eben bezeichnet, dass nicht ein Sein oder Wesen oder Allgemeines ueberhaupt, sondern ein in sich Reflektiertes, ein Subjekt gesetzt ist. Allein zugleich ist dies nur antizipiert. Das Subjekt ist als fester Punkt angenommen, an den als ihren Halt die Praedikate geheftet sind, durch eine Bewegung, die dem von ihm Wissenden angehoert, und die auch nicht dafuer angesehen wird, dem Punkte selbst anzugehoeren; durch sie aber waere allein der Inhalt als Subjekt dargestellt. In der Art, wie diese Bewegung beschaffen ist, kann sie ihm nicht angehoeren; aber nach Voraussetzung jenes Punkts kann sie auch nicht anders beschaffen, kann sie nur aeusserlich sein. Jene Antizipation, dass das Absolute Subjekt ist, ist daher nicht nur nicht die Wirklichkeit dieses Begriffs, sondern macht sie sogar unmoeglich, denn jene setzt ihn als ruhenden Punkt, diese aber ist die Selbstbewegung. Unter mancherlei Folgerungen, die aus dem Gesagten fliessen, kann diese herausgehoben werden, dass das Wissen nur als Wissenschaft oder als _System_ wirklich ist und dargestellt werden kann. Dass ferner ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist. --Es ist deswegen leicht, ihn zu widerlegen. Die Widerlegung besteht darin, dass sein Mangel aufgezeigt wird; mangelhaft aber ist er, weil er nur das Allgemeine oder Prinzip, der Anfang, ist. Ist die Widerlegung gruendlich, so ist sie aus ihm selbst genommen und entwickelt,--nicht durch entgegengesetzte Versicherungen und Einfaelle von aussen her bewerkstelligt. Sie wuerde also eigentlich seine Entwicklung und somit die Ergaenzung seiner Mangelhaftigkeit sein, wenn sie sich nicht darin verkaennte, dass sie ihre _negative_ Seite allein beachtet, und ihres Fortgangs und Resultates nicht auch nach seiner _positiven_ Seite bewusst wird.--Die eigentliche _positive_ Ausfuehrung des Anfangs ist zugleich umgekehrt ebensosehr ein negatives Verhalten gegen ihn, naemlich gegen seine einseitige Form, erst _unmittelbar_ oder _Zweck_ zu sein. Sie kann somit ebensosehr als die Widerlegung desjenigen genommen werden, was den _Grund_ des Systems ausmacht, besser aber als ein Aufzeigen, dass der _Grund_ oder das Prinzip des Systems in der Tat nur sein _Anfang_ ist. Dass das Wahre nur als System wirklich, oder dass die Substanz wesentlich Subjekt ist, ist in der Vorstellung ausgedrueckt, welche das Absolute als _Geist_ ausspricht,--der erhabenste Begriff, und der der neuern Zeit und ihrer Religion angehoert. Das Geistige allein ist das _Wirkliche_; es ist das Wesen oder _An-sich-seiende_,--das sich _Verhaltende_ oder Bestimmte, das _Anderssein_ und _Fuer-sich-sein_--und in dieser Bestimmtheit oder seinem Ausser-sich-sein in sich selbst Bleibende;--oder es ist _an und fuer sich_.--Dies An-und-fuer-sich-sein aber ist es erst fuer uns oder _an sich_, oder es ist die geistige _Substanz_. Es muss dies auch _fuer sich selbst_--muss das Wissen von dem Geistigen und das Wissen von sich als dem Geiste sein; das heisst, es muss sich als _Gegenstand_ sein, aber ebenso unmittelbar als _vermittelter_, das heisst aufgehobener, in sich reflektierter Gegenstand. Er ist _fuer sich_ nur fuer uns, insofern sein geistiger Inhalt durch ihn selbst erzeugt ist; insofern er aber auch fuer sich selbst fuer sich ist, so ist dieses Selbsterzeugen, der reine Begriff, ihm zugleich das gegenstaendliche Element, worin er sein Dasein hat; und er ist auf diese Weise in seinem Dasein fuer sich selbst in sich reflektierter Gegenstand.--Der Geist, der sich so als Geist weiss, ist die _Wissenschaft_. Sie ist seine Wirklichkeit und das Reich, das er sich in seinem eigenen Elemente erbaut. Das reine Selbsterkennen im absoluten Anderssein, dieser Aether _als solcher_, ist der Grund und Boden der Wissenschaft oder das _Wissen im Allgemeinen_. Der Anfang der Philosophie macht die Voraussetzung oder Foderung, dass das Bewusstsein sich in diesem Elemente befinde. Aber dieses Element hat seine Vollendung und Durchsichtigkeit selbst nur durch die Bewegung seines Werdens. Es ist die reine Geistigkeit, oder das Allgemeine, das die Weise der einfachen Unmittelbarkeit hat. Weil es die Unmittelbarkeit des Geistes, weil die Substanz ueberhaupt der Geists ist, ist sie die _verklaerte Wesenheit_, die Reflexion, die selbst einfach oder die Unmittelbarkeit ist, das Sein, das die Reflexion in sich selbst ist. Die Wissenschaft von ihrer Seite verlangt vom Selbstbewusstsein, dass es in diesen Aether sich erhoben habe, um mit ihr und in ihr leben zu koennen und zu leben. Umgekehrt hat das Individuum das Recht zu fodern, dass die Wissenschaft ihm die Leiter wenigstens zu diesem Standpunkte reiche. Sein Recht gruendet sich auf seine absolute Selbststaendigkeit, die es in jeder Gestalt seines Wissens zu besitzen weiss, denn in jeder, sei sie von der Wissenschaft anerkannt oder nicht, und der Inhalt sei welcher er wolle, ist es die absolute Form zugleich oder hat die _unmittelbare Gewissheit_ seiner selbst; und, wenn dieser Ausdruck vorgezogen wuerde, damit unbedingtes _Sein_. Wenn der Standpunkt des Bewusstseins, von gegenstaendlichen Dingen im Gegensatze gegen sich selbst und von sich selbst im Gegensatze gegen sie zu wissen, der Wissenschaft als das _Andre_ gilt--das, worin es bei sich selbst ist, vielmehr als der Verlust des Geistes--, so ist ihm dagegen das Element der Wissenschaft eine jenseitige Ferne, worin es nicht mehr sich selbst besitzt. Jeder von diesen beiden Teilen scheint fuer den andern das Verkehrte der Wahrheit zu sein. Dass das natuerliche Bewusstsein sich der Wissenschaft unmittelbar anvertraut, ist ein Versuch, den es, es weiss nicht von was angezogen, macht, auch einmal auf dem Kopfe zu gehen; der Zwang, diese ungewohnte Stellung anzunehmen und sich in ihr zu bewegen, ist eine so unvorbereitete als unnoetig scheinende Gewalt, die ihm angemutet wird, sich anzutun.--Die Wissenschaft sei an ihr selbst, was sie will, im Verhaeltnisse zum unmittelbaren Selbstbewusstsein stellt sie sich als ein Verkehrtes gegen es dar, oder weil das unmittelbare Selbstbewusstsein das Prinzip der Wirklichkeit ist, traegt sie, indem es fuer sich ausser ihr ist, die Form der Unwirklichkeit. Sie hat darum jenes Element mit ihr zu vereinigen, oder vielmehr zu zeigen, dass und wie es ihr selbst angehoert. Der Wirklichkeit entbehrend, ist sie nur das _An-sich_, der _Zweck_, der erst noch ein _Innres_, nicht als Geist, nur erst geistige Substanz ist. Sie hat sich zu aeussern und fuer sich selbst zu werden, dies heisst nichts anders als: sie hat das Selbstbewusstsein als eins mit sich zu setzen. Dies Werden der _Wissenschaft ueberhaupt_, oder des _Wissens_, ist es, was diese _Phaenomenologie_ des Geistes, als der erste Teil des Systems derselben, darstellt. Das Wissen, wie es zuerst ist, oder der _unmittelbare Geist_ ist das Geistlose, oder ist das _sinnliche Bewusstsein_. Um zum eigentlichen Wissen zu werden, oder das Element der Wissenschaft, was ihr reiner Begriff ist, zu erzeugen, hat er durch einen langen Weg sich hindurchzuarbeiten.--Dieses Werden, wie es in seinem Inhalte und den Gestalten, die sich in ihm zeigen, aufgestellt ist, erscheint als etwas anderes denn als die Anleitung des unwissenschaftlichen Bewusstseins zur Wissenschaft; auch etwas anderes als die Begruendung der Wissenschaft;--so ohnehin, als die Begeisterung, die wie aus der Pistole mit dem absoluten Wissen unmittelbar anfaengt, und mit andern Standpunkten dadurch schon fertig ist, dass sie keine Notiz davon zu nehmen erklaert. Die Aufgabe aber, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkte aus zum Wissen zu fuehren, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen, und das allgemeine Individuum, der Weltgeist, in seiner Bildung zu betrachten.--Was das Verhaeltnis beider betrifft, so zeigt sich in dem allgemeinen Individuum jedes Moment, wie es die konkrete Form und eigne Gestaltung gewinnt. Das besondre Individuum aber ist der unvollstaendige Geist, eine konkrete Gestalt, deren ganzes Dasein _einer_ Bestimmtheit zufaellt, und worin die andern nur in vermischten Zuegen vorhanden sind. In dem Geiste, der hoeher steht als ein anderer, ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine Spur; ihre Gestalt ist eingehuellt und eine einfache Schattierung geworden. Diese Vergangenheit durchlaeuft das Individuum, dessen Substanz der hoeherstehende Geist ist, auf die Art, wie der eine hoehere Wissenschaft vornimmt, die Vorbereitungskenntnisse, die er laengst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwaertig zu machen, durchgeht; er ruft die Erinnerung desselben zurueck, ohne darin sein Interesse und Verweilen zu haben. So durchlauft jeder einzelne auch die Bildungsstufen des allgemeinen Geistes, aber als vom Geiste schon abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und geebnet ist; wie wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in fruehern Zeitaltern den reifen Geist der Maenner beschaeftigte, zu Kenntnissen, Uebungen und selbst Spielen des Knabensalters herabgesunken sehen, und in dem paedagogischen Fortschreiten die wie im Schattenrisse nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen werden. Dies vergangne Dasein ist schon erworbnes Eigentum des allgemeinen Geistes, der die Substanz des Individuums oder seine unorganische Natur ausmacht.--Die Bildung des Individuums in dieser Ruecksicht besteht, von seiner Seite aus betrachtet, darin, dass es dies Vorhandne erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre und fuer sich in Besitz nehme. Dies ist aber ebensosehr nichts anders, als dass der allgemeine Geist oder die Substanz sich ihr Selbstbewusstsein gibt, oder ihr Werden und Reflexion in sich. Die Wissenschaft stellt diese bildende Bewegung sowohl in ihrer Ausfuehrlichkeit und Notwendigkeit, als das, was schon zum Momente und Eigentum des Geists herabgesunken ist, in seiner Gestaltung dar. Das Ziel ist die Einsicht des Geistes in das, was das Wissen ist. Die Ungeduld verlangt das Unmoegliche, naemlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel. Einesteils ist die _Laenge_ dieses Wegs zu ertragen, denn jedes Moment ist notwendig,--andernteils bei jedem sich zu _verweilen_, denn jedes ist selbst eine individuelle ganze Gestalt, und wird nur absolut betrachtet, insofern seine Bestimmtheit als Ganzes oder Konkretes, oder das Ganze in der Eigentuemlichkeit dieser Bestimmung betrachtet wird.--Weil die Substanz des Individuums, weil der Weltgeist die Geduld gehabt, diese Formen in der langen Ausdehnung der Zeit zu durchgehen und die ungeheure Arbeit der Weltgeschichte zu uebernehmen, und weil er durch keine geringere das Bewusstsein ueber sich erreichen konnte, so kann zwar das Individuum nicht mit weniger seine Substanz begreifen. Inzwischen hat es zugleich geringere Muehe, weil _an sich_ dies vollbracht,--der Inhalt schon die zur Moeglichkeit getilgte Wirklichkeit und die bezwungne Unmittelbarkeit ist. Schon ein _Gedachtes_, ist er Eigentum der Individualitaet; es ist nicht mehr das _Dasein_ in das _An-sich-sein_, sondern nur _das An-sich_ in die Form des _Fuer-sich_-seins umzukehren, dessen Art naeher zu bestimmen ist. Was dem Individuum an dieser Bewegung erspart ist, ist das Aufheben des _Daseins_; was aber noch uebrig ist, ist die _Vorstellung_ und die _Bekanntschaft_ mit den Formen. Das in die Substanz zurueckgenommne Dasein ist durch jene erste Negation nur erst _unmittelbar_ in das Element des Selbsts versetzt; es hat also noch denselben Charakter der unbegriffnen Unmittelbarkeit oder unbewegten Gleichgueltigkeit als das Dasein selbst, oder es ist nur in die _Vorstellung_ uebergegangen. --Zugleich ist es dadurch ein _Bekanntes_, ein solches, mit dem der Geist fertig geworden, worin daher seine Taetigkeit und somit sein Interesse nicht mehr ist. Wenn die Taetigkeit, die mit dem Dasein fertig wird, die unmittelbare oder daseiende Vermittlung, und hiemit die Bewegung nur des besondern sich nicht begreifenden Geistes ist, so ist dagegen das Wissen gegen die hiedurch zustande gekommne Vorstellung, gegen dies Bekanntsein gerichtet, ist das Tun des allgemeinen Selbsts und das Interesse des Denkens. Das Bekannte ueberhaupt ist darum, weil es _bekannt_ ist, nicht erkannt. Es ist die gewoehnlichste Selbsttaeuschung wie Taeuschung anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, nicht von der Stelle. Das Subjekt und Objekt u.s.f., Gott, Natur, der Verstand, die Sinnlichkeit u.s.f. werden unbesehen als bekannt und als etwas Gueltiges zugrunde gelegt und machen feste Punkte sowohl des Ausgangs als der Rueckkehr aus. Die Bewegung geht zwischen ihnen, die unbewegt bleiben, hin und her, und somit nur auf ihrer Oberflaeche vor. So besteht auch das Auffassen und Pruefen darin, zu sehen, ob jeder das von ihnen Gesagte auch in seiner Vorstellung findet, ob es ihm so scheint und bekannt ist oder nicht. Das _Analysieren_ einer Vorstellung, wie es sonst getrieben worden, war schon nichts anderes als das Aufheben der Form ihres Bekanntseins. Eine Vorstellung in ihre urspruenglichen Elemente auseinanderlegen, ist das Zurueckgehen zu ihren Momenten, die wenigstens nicht die Form der vorgefundenen Vorstellung haben, sondern das unmittelbare Eigentum des Selbsts ausmachen. Diese Analyse koemmt zwar nur zu _Gedanken_, welche selbst bekannte, feste und ruhende Bestimmungen sind. Aber ein wesentliches Moment ist dies _Geschiedne_, Unwirkliche selbst; denn nur darum, dass das Konkrete sich scheidet und zum Unwirklichen macht, ist es das sich Bewegende. Die Taetigkeit des Scheidens ist die Kraft und Arbeit des _Verstandes_, der verwundersamsten und groessten, oder vielmehr der absoluten Macht. Der Kreis, der in sich geschlossen ruht, und als Substanz seine Momente haelt, ist das unmittelbare und darum nicht verwundersame Verhaeltnis. Aber dass das von seinem Umfange getrennte Akzidentelle als solches, das gebundne und nur in seinem Zusammenhange mit anderm Wirkliche ein eigenes Dasein und abgesonderte Freiheit gewinnt, ist die ungeheure Macht des Negativen; es ist die Energie des Denkens, des reinen Ichs. Der Tod, wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen, ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die groesste Kraft erfodert. Die kraftlose Schoenheit hasst den Verstand, weil er ihr dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und von der Verwuestung rein bewahrt, sondern das ihn ertraegt und in ihm sich erhaelt, ist das Leben des Geistes. Er gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive, welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen, dies ist nichts oder falsch, und nun, damit fertig, davon weg zu irgend etwas anderem uebergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.--Sie ist dasselbe, was oben das Subjekt genannt worden, welches darin, dass es der Bestimmtheit in seinem Elemente Dasein gibt, die abstrakte, d.h. nur ueberhaupt _seiende_ Unmittelbarkeit aufhebt, und dadurch die wahrhafte Substanz ist, das Sein oder die Unmittelbarkeit, welche nicht die Vermittlung ausser ihr hat, sondern diese selbst ist. Dass das Vorgestellte Eigentum des reinen Selbstbewusstseins wird, diese Erhebung zur Allgemeinheit ueberhaupt ist nur die _eine_ Seite, noch nicht die vollendete Bildung.--Die Art des Studiums der alten Zeit hat diese Verschiedenheit von dem der neuern, dass jenes die eigentliche Durchbildung des natuerlichen Bewusstseins war. An jedem Teile seines Daseins sich besonders versuchend und ueber alles Vorkommende philosophierend, erzeugte es sich zu einer durch und durch betaetigten Allgemeinheit. In der neuern Zeit hingegen findet das Individuum die abstrakte Form vorbereitet; die Anstrengung, sie zu ergreifen und sich zu eigen zu machen, ist mehr das unvermittelte Hervortreiben des Innern und abgeschnittne Erzeugen des Allgemeinen als ein Hervorgehen desselben aus dem Konkreten und der Mannigfaltigkeit des Daseins. Itzt besteht darum die Arbeit nicht so sehr darin, das Individuum aus der unmittelbaren sinnlichen Weise zu reinigen und es zur gedachten und denkenden Substanz zu machen, als vielmehr in dem Entgegengesetzten, durch das Aufheben der festen bestimmten Gedanken das Allgemeine zu verwirklichen und zu begeistert. Es ist aber weit schwerer, die festen Gedanken in Fluessigkeit zu bringen, als das sinnliche Dasein. Der Grund ist das vorhin Angegebene; jene Bestimmungen haben das Ich, die Macht des Negativen oder die reine Wirklichkeit zur Substanz und zum Element ihres Daseins; die sinnlichen Bestimmungen dagegen nur die unmaechtige abstrakte Unmittelbarkeit oder das Sein als solches. Die Gedanken werden fluessig, indem das reine Denken, diese innere _Unmittelbarkeit_, sich als Moment erkennt oder indem die reine Gewissheit seiner selbst von sich abstrahiert;--nicht sich weglaesst, auf die Seite setzt, sondern das _Fixe_ ihres Sich-selbst-setzens aufgibt, sowohl das Fixe des reinen Konkreten, welches Ich selbst im Gegensatze gegen unterschiedenen Inhalt ist,--als das Fixe von Unterschiedenen, die im Elemente des reinen Denkens gesetzt an jener Unbedingtheit des Ich Anteil haben. Durch diese Bewegung werden die reinen Gedanken _Begriffe_, und sind erst, was sie in Wahrheit sind, Selbstbewegungen, Kreise, das, was ihre Substanz ist, geistige Wesenheiten. Diese Bewegung der reinen Wesenheiten macht die Natur der Wissenschaftlichkeit ueberhaupt aus. Als der Zusammenhang ihres Inhalts betrachtet, ist sie die Notwendigkeit und Ausbreitung desselben zum organischen Ganzen. Der Weg, wodurch der Begriff des Wissens erreicht wird, wird durch sie gleichfalls ein notwendiges und vollstaendiges Werden, so dass diese Vorbereitung aufhoert, ein zufaelliges Philosophieren zu sein, das sich an diese und jene Gegenstaende, Verhaeltnisse und Gedanken des unvollkommenen Bewusstseins, wie die Zufaelligkeit es mit sich bringt, anknuepft, oder durch ein hin- und hergehendes Raesonnement, Schliessen und Folgern aus bestimmten Gedanken das Wahre zu begruenden sucht; sondern dieser Weg wird durch die Bewegung des Begriffs die vollstaendige Weltlichkeit des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit umfassen. Eine solche Darstellung macht ferner den _ersten_ Teil der Wissenschaft darum aus, weil das Dasein des Geistes als Erstes nichts anderes als das Unmittelbare oder der Anfang, der Anfang aber noch nicht seine Rueckkehr in sich ist. Das _Element des unmittelbaren Daseins_ ist daher die Bestimmtheit, wodurch sich dieser Teil der Wissenschaft von den andern unterscheidet.--Die Angabe dieses Unterschiedes fuehrt zur Eroerterung einiger festen Gedanken, die hiebei vorzukommen pflegen. Das unmittelbare Dasein des Geistes, das _Bewusstsein_, hat die zwei Momente des Wissens und der dem Wissen negativen Gegenstaendlichkeit. Indem in diesem Elemente sich der Geist entwickelt und seine Momente auslegt, so kommt ihnen dieser Gegensatz zu, und sie treten alle als Gestalten des Bewusstseins auf. Die Wissenschaft dieses Wegs ist Wissenschaft der _Erfahrung_, die das Bewusstsein macht; die Substanz wird betrachtet, wie sie und ihre Bewegung sein Gegenstand ist. Das Bewusstsein weiss und begreift nichts, als was in seiner Erfahrung ist; denn was in dieser ist, ist nur die geistige Substanz, und zwar als _Gegenstand_ ihres Selbsts. Der Geist wird aber Gegenstand, denn er ist diese Bewegung, _sich_ ein _anderes_, d.h. _Gegenstand seines Selbsts_ zu werden, und dieses Anderssein aufzuheben. Und die Erfahrung wird eben diese Bewegung genannt, worin das Unmittelbare, das Unerfahrne, d. h. das Abstrakte, es sei des sinnlichen Seins oder des nur gedachten Einfachen, sich entfremdet, und dann aus dieser Entfremdung zu sich zurueckgeht, und hiemit itzt erst in seiner Wirklichkeit und Wahrheit dargestellt wie auch Eigentum des Bewusstseins ist. Die Ungleichheit, die im Bewusstsein zwischen dem Ich und der Substanz, die sein Gegenstand ist, stattfindet, ist ihr Unterschied, das _Negative_ ueberhaupt. Es kann als der _Mangel_ beider angesehen werden, ist aber ihre Seele oder das Bewegende derselben; weswegen einige Alte das _Leere_ als das Bewegende begriffen, indem sie das Bewegende zwar als das _Negative_, aber dieses noch nicht als das Selbst erfassten.--Wenn nun dies Negative zunaechst als Ungleichheit des Ichs zum Gegenstande erscheint, so ist es ebensosehr die Ungleichheit der Substanz zu sich selbst. Was ausser ihr vorzugehen, eine Taetigkeit gegen sie zu sein scheint, ist ihr eigenes Tun, und sie zeigt sich wesentlich Subjekt zu sein. Indem sie dies vollkommen gezeigt, hat der Geist sein Dasein seinem Wesen gleich gemacht; er ist sich Gegenstand, wie er ist, und das abstrakte Element der Unmittelbarkeit und der Trennung des Wissens und der Wahrheit ist ueberwunden. Das Sein ist absolut vermittelt;--es ist substantieller Inhalt, der ebenso unmittelbar Eigentum des Ich, selbstisch oder der Begriff ist. Hiemit beschliesst sich die Phaenomenologie des Geistes. Was er in ihr sich bereitet, ist das Element des Wissens. In diesem breiten sich nun die Momente des Geistes in der _Form der Einfachheit_ aus, die ihren Gegenstand als sich selbst weiss. Sie fallen nicht mehr in den Gegensatz des Seins und Wissens auseinander, sondern bleiben in der Einfachheit des Wissens, sind das Wahre in der Form des Wahren, und ihre Verschiedenheit ist nur Verschiedenheit des Inhalts. Ihre Bewegung, die sich in diesem Elemente zum Ganzen organisiert, ist die _Logik_ oder _spekulative Philosophie_. Weil nun jenes System der Erfahrung des Geistes nur die _Erscheinung_ desselben befasst, so scheint der Fortgang von ihm zur Wissenschaft des _Wahren_, das in der _Gestalt_ des _Wahren_ ist, bloss negativ zu sein, und man koennte mit dem Negativen als dem _Falschen_ verschont bleiben wollen und verlangen, ohne weiteres zur Wahrheit gefuehrt zu werden; wozu sich mit dem Falschen abgeben?--Wovon schon oben die Rede war, dass sogleich mit der Wissenschaft sollte angefangen werden, darauf ist hier nach der Seite zu antworten, welche Beschaffenheit es mit dem Negativen als _Falschem_ ueberhaupt hat. Die Vorstellungen hierueber hindern vornehmlich den Eingang zur Wahrheit. Dies wird Veranlassung geben, vom mathematischen Erkennen zu sprechen, welches das unphilosophische Wissen als das Ideal ansieht, das zu erreichen die Philosophie streben muesste, bisher aber vergeblich gestrebt habe. Das _Wahre_ und _Falsche_ gehoert zu den bestimmten Gedanken, die bewegungslos fuer eigne Wesen gelten, deren eines drueben, das andre hueben ohne Gemeinschaft mit dem andern isoliert und fest steht. Dagegen muss behauptet werden, dass die Wahrheit nicht eine ausgepraegte Muenze ist, die fertig gegeben und so eingestrichen werden kann. Noch _gibt_ es ein Falsches, sowenig es ein Boeses gibt. So schlimm zwar als der Teufel ist das Boese und Falsche nicht, denn als dieser sind sie sogar zum besondern _Subjekte_ gemacht; als Falsches und Boeses sind sie nur _Allgemeine_, haben aber doch eigne Wesenheit gegeneinander.--Das Falsche, denn nur von ihm ist hier die Rede, waere das Andre, das Negative der Substanz, die als Inhalt des Wissens das Wahre ist. Aber die Substanz ist selbst wesentlich das Negative, teils als Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts, teils als ein _einfaches_ Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen ueberhaupt. Man kann wohl falsch wissen. Es wird etwas falsch gewusst, heisst, das Wissen ist in Ungleichheit mit seiner Substanz. Allein eben diese Ungleichheit ist das Unterscheiden ueberhaupt, das wesentliches Moment ist. Es wird aus dieser Unterscheidung wohl ihre Gleichheit, und diese gewordene Gleichheit ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht so Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen worden waere, wie die Schlacke vom reinen Metall, auch nicht einmal so, wie das Werkzeug von dem fertigen Gefaesse wegbleibt, sondern die Ungleichheit ist als das Negative, als das Selbst im Wahren als solchem selbst noch unmittelbar vorhanden. Es kann jedoch darum nicht gesagt werden, dass das _Falsche_ ein Moment oder gar einen Bestandteil des Wahren ausmache. Dass an jedem Falschen etwas Wahres sei--in diesem Ausdrucke gelten beide, wie Oel und Wasser, die unmischbar nur aeusserlich verbunden sind. Gerade um der Bedeutung willen, das Moment des _vollkommenen Andersseins_ zu bezeichnen, muessen ihre Ausdruecke da, wo ihr Anderssein aufgehoben ist, nicht mehr gebraucht werden. So wie der Ausdruck der _Einheit_ des Subjekts und Objekts, des Endlichen und Unendlichen, des Seins und Denkens u.s.f. das Ungeschickte hat, dass Objekt und Subjekt u.s.f. das bedeuten, was _sie ausser ihrer Einheit_ sind, in der Einheit also nicht als das gemeint sind, was ihr Ausdruck sagt, ebenso ist das Falsche nicht mehr als Falsches ein Moment der Wahrheit. Der _Dogmatismus_ der Denkungsart im Wissen und im Studium der Philosophie ist nichts anderes als die Meinung, dass das Wahre in einem Satze, der ein festes Resultat oder auch der unmittelbar gewusst wird, bestehe. Auf solche Fragen: wann Caesar geboren worden, wie viele Toisen ein Stadium und welches betrug u.s.f., soll eine _nette_ Antwort gegeben werden, ebenso wie es bestimmt wahr ist, dass das Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der beiden uebrigen Seiten des rechtwinklichten Dreiecks ist. Aber die Natur einer solchen sogenannten Wahrheit ist verschieden von der Natur philosophischer Wahrheiten. In Ansehung der _historischen_ Wahrheiten, um ihrer kurz zu erwaehnen, insofern naemlich das rein Historische derselben betrachtet wird, wird leicht zugegeben, dass sie das einzelne Dasein, einen Inhalt nach der Seite seiner Zufaelligkeit und Willkuer, Bestimmungen desselben, die nicht notwendig sind, betreffen.--Selbst aber solche nackte Wahrheiten wie die als Beispiel angefuehrte sind nicht ohne die Bewegung des Selbstbewusstseins. Um eine derselben zu kennen, muss viel verglichen, auch in Buechern nachgeschlagen oder, auf welche Weise es sei, untersucht werden; auch bei einer unmittelbaren Anschauung wird erst die Kenntnis derselben mit ihren Gruenden fuer etwas gehalten, das wahren Wert habe, obgleich eigentlich nur das nackte Resultat das sein soll, um das es zu tun sei. Was die _mathematischen_ Wahrheiten betrifft, so wuerde noch weniger der fuer einen Geometer gehalten werden, der die Theoreme Euklids _auswendig_ wuesste, ohne ihre Beweise, ohne sie, wie man im Gegensatze sich ausdruecken koenne, _inwendig_ zu wissen. Ebenso wuerde die Kenntnis, die einer durch Messung vieler rechtwinklichten Dreiecke sich erwuerbe, dass ihre Seiten das bekannte Verhaeltnis zueinander haben, fuer unbefriedigend gehalten werden. Die _Wesentlichkeit_ des Beweises hat jedoch auch beim mathematischen Erkennen noch nicht die Bedeutung und Natur, Moment des Resultates selbst zu sein, sondern in diesem ist er vielmehr vorbei und verschwunden. Als Resultat ist zwar das Theorem _ein als wahr eingesehenes_. Aber dieser hinzugekommene Umstand betrifft nicht seinen Inhalt, sondern nur das Verhaeltnis zum Subjekt; die Bewegung des mathematischen Beweises gehoert nicht dem an, was Gegenstand ist, sondern ist ein der Sache _aeusserliches_ Tun. So zerlegt sich die Natur des rechtwinklichten Dreiecks nicht selbst so, wie es in der Konstruktion dargestellt wird, die fuer den Beweis des Satzes, der sein Verhaeltnis ausdrueckt, noetig ist; das ganze Hervorbringen des Resultats ist ein Gang und Mittel des Erkennens.--Auch im philosophischen Erkennen ist das Werden des _Daseins_ als Daseins verschieden von dem Werden des _Wesens_ oder der innern Natur der Sache. Aber das philosophische Erkennen enthaelt erstens beides, da hingegen das mathematische nur das Werden des _Daseins_, d.h. des _Seins_ der Natur der Sache im _Erkennen_ als solchem darstellt. Fuers andre vereinigt jenes auch diese beiden besondern Bewegungen. Das innre Entstehen oder das Werden der Substanz ist ungetrennt Uebergehen in das Aeussere oder in das Dasein, Sein fuer anderes; und umgekehrt ist das Werden des Daseins das Sich-zuruecknehmen ins Wesen. Die Bewegung ist so der gedoppelte Prozess und Werden des Ganzen, dass zugleich ein jedes das andre setzt und jedes darum auch beide als zwei Ansichten an ihm hat; sie zusammen machen dadurch das Ganze, dass sie sich selbst aufloesen und zu seinen Momenten machen. Im mathematischen Erkennen ist die Einsicht ein fuer die Sache aeusserliches Tun; es folgt daraus, dass die wahre Sache dadurch veraendert wird. Das Mittel, Konstruktion und Beweis, enthaelt daher wohl wahre Saetze; aber ebensosehr muss gesagt werden, dass der Inhalt falsch ist. Das Dreieck wird in dem obigen Beispiele zerrissen und seine Teile zu andern Figuren, die die Konstruktion an ihm entstehen laesst, geschlagen. Erst am Ende wird das Dreieck wiederhergestellt, um das es eigentlich zu tun ist, das im Fortgange aus den Augen verloren wurde, und nur in Stuecken, die andern Ganzen angehoerten, vorkam.--Hier sehen wir also auch die Negativitaet des Inhalts eintreten, welche eine Falschheit desselben ebensogut genannt werden muesste als in der Bewegung des Begriffs das Verschwinden der festgemeinten Gedanken. Die eigentliche Mangelhaftigkeit dieses Erkennens aber betrifft sowohl das Erkennen selbst als seinen Stoff ueberhaupt.--Was das Erkennen betrifft, so wird vors erste die Notwendigkeit der Konstruktion nicht eingesehen. Sie geht nicht aus dem Begriffe des Theorems hervor, sondern wird geboten, und man hat dieser Vorschrift, gerade diese Linien, deren unendliche andere gezogen werden koennten, zu ziehen, blindlings zu gehorchen, ohne etwas weiter zu wissen, als den guten Glauben zu haben, dass dies zu Fuehrung des Beweises zweckmaessig sein werde. Hintennach zeigt sich denn auch diese Zweckmaessigkeit, die deswegen nur eine aeusserliche ist, weil sie sich erst hintennach, beim Beweise, zeigt.--Ebenso geht dieser einen Weg, der irgendwo anfaengt, man weiss noch nicht in welcher Beziehung auf das Resultat, das herauskommen soll. Sein Fortgang nimmt _diese_ Bestimmungen und Beziehungen auf und laesst andre liegen, ohne dass man unmittelbar einsehe, nach welcher Notwendigkeit; ein aeusserer Zweck regiert diese Bewegung. Die _Evidenz_ dieses mangelhaften Erkennens, auf welche die Mathematik stolz ist, und womit sie sich auch gegen die Philosophie bruestet, beruht allein auf der Armut ihres _Zwecks_ und der Mangelhaftigkeit ihres _Stoffs_, und ist darum von einer Art, die die Philosophie verschmaehen muss.--Ihr _Zweck_ oder Begriff ist die _Groesse_. Dies ist gerade das unwesentliche, begrifflose Verhaeltnis. Die Bewegung des Wissens geht darum auf der Oberflaeche vor, beruehrt nicht die Sache selbst, nicht das Wesen oder den Begriff, und ist deswegen kein Begreifen.--Der _Stoff_, ueber den die Mathematik den erfreulichen Schatz von Wahrheiten gewaehrt, ist der _Raum_ und das _Eins_. Der Raum ist das Dasein, worin der Begriff seine Unterschiede einschreibt, als in ein leeres, totes Element, worin sie ebenso unbewegt und leblos sind. Das _Wirkliche_ ist nicht ein Raeumliches, wie es in der Mathematik betrachtet wird; Mit solcher Unwirklichkeit, als die Dinge der Mathematik sind, gibt sich weder das konkrete sinnliche Anschauen noch die Philosophie ab. In solchem unwirklichen Elemente gibt es denn auch nur unwirkliches Wahres, d.h. fixierte, tote Saetze; bei jedem derselben kann aufgehoert werden; der folgende faengt fuer sich von neuem an, ohne dass der erste sich selbst zum andern fortbewegte und ohne dass auf diese Weise ein notwendiger Zusammenhang durch die Natur der Sache selbst entstuende.--Auch laeuft um jenes Prinzips und Elements willen--und hierin besteht das Formelle der mathematischen Evidenz--das Wissen an der Linie der _Gleichheit_ fort. Denn das Tote, weil es sich nicht selbst bewegt, kommt nicht zu Unterschieden des Wesens, nicht zur wesentlichen Entgegensetzung oder Ungleichheit, daher nicht zum Uebergange des Entgegengesetzten in das Entgegengesetzte, nicht zur qualitativen, immanenten, nicht zur Selbstbewegung. Denn es ist die Groesse, der unwesentliche Unterschied, den die Mathematik allein betrachtet. Dass es der Begriff ist, der den Raum in seine Dimensionen entzweit und die Verbindungen derselben und in denselben bestimmt, davon abstrahiert sie; sie betrachtet z.B. nicht das Verhaeltnis der Linie zur Flaeche; und wo sie den Durchmesser des Kreises mit der Peripherie vergleicht, stoesst sie auf die Inkommensurabilitaet derselben, d.h. ein Verhaeltnis des Begriffs, ein Unendliches, das ihrer Bestimmung entflieht. Die immanente, sogenannte reine Mathematik stellt auch nicht die _Zeit_ als Zeit dem Raume gegenueber, als den zweiten Stoff ihrer Betrachtung. Die angewandte handelt wohl von ihr, wie von der Bewegung, auch sonst andern wirklichen Dingen, sie nimmt aber die synthetischen, d.h. Saetze ihrer Verhaeltnisse, die durch ihren Begriff bestimmt sind, aus der Erfahrung auf, und wendet nur auf diese Voraussetzungen ihre Formeln an. Dass die sogenannten Beweise solcher Saetze, als der vom Gleichgewichte des Hebels, dem Verhaeltnisse des Raums und der Zeit in der Bewegung des Fallens u.s.f. , welche sie haeufig gibt, fuer Beweise gegeben und angenommen werden, ist selbst nur ein Beweis, wie gross das Beduerfnis des Beweisens fuer das Erkennen ist, weil es, wo es nicht mehr hat, auch den leeren Schein desselben achtet und eine Zufriedenheit dadurch gewinnt. Eine Kritik jener Beweise wuerde ebenso merkwuerdig als belehrend sein, um die Mathematik teils von diesem falschen Putze zu reinigen, teils ihre Grenze zu zeigen, und daraus die Notwendigkeit eines andern Wissens.--Was die _Zeit_ betrifft, von der man meinen sollte, dass sie, zum Gegenstuecke gegen den Raum, den Stoff des andern Teils der reinen Mathematik ausmachen wuerde, so ist sie der daseiende Begriff selbst. Das Prinzip der _Groesse_, des begrifflosen Unterschiedes, und das Prinzip der _Gleichheit_, der abstrakten unlebendigen Einheit, vermag es nicht, sich mit jener reinen Unruhe des Lebens und absoluten Unterscheidung zu befassen. Diese Negativitaet wird daher nur als paralysiert, naemlich als das _Eins_, zum zweiten Stoffe dieses Erkennens, das, ein aeusserliches Tun, das Sichselbstbewegende zum Stoffe herabsetzt, um nun an ihm einen gleichgueltigen, aeusserlichen unlebendigen Inhalt zu haben. Die Philosophie dagegen betrachtet nicht _unwesentliche_ Bestimmung, sondern sie, insofern sie wesentliche ist; nicht das Abstrakte oder Unwirkliche ist ihr Element und Inhalt, sondern das _Wirkliche_, sich selbst Setzende und in sich Lebende, das Dasein in seinem Begriffe. Es ist der Prozess, der sich seine Momente erzeugt und durchlaeuft, und diese ganze Bewegung macht das Positive und seine Wahrheit aus. Diese schliesst also ebensosehr das Negative in sich, dasjenige, was das Falsche genannt werden wuerde, wenn es als ein solches betrachtet werden koennte, von dem zu abstrahieren sei. Das Verschwindende ist vielmehr selbst als wesentlich zu betrachten, nicht in der Bestimmung eines Festen, das vom Wahren abgeschnitten, ausser ihm, man weiss nicht wo, liegenzulassen sei, sowie auch das Wahre nicht als das auf der andern Seite ruhende, tote Positive. Die Erscheinung ist das Entstehen und Vergehen, das selbst nicht entsteht und vergeht, sondern an sich ist, und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der Wahrheit ausmacht. Das Wahre ist so der bacchantische Taumel, an dem kein Glied nicht trunken ist, und weil jedes, indem es sich absondert, ebenso unmittelbar aufloest,--ist er ebenso die durchsichtige und einfache Ruhe. In dem Gerichte jener Bewegung bestehen zwar die einzelnen Gestalten des Geistes wie die bestimmten Gedanken nicht, aber sie sind so sehr auch positive notwendige Momente, als sie negativ und verschwindend sind.--In dem _Ganzen_ der Bewegung, es als Ruhe aufgefasst, ist dasjenige, was sich in ihr unterscheidet und besonderes Dasein gibt, als ein solches, das sich _erinnert_, aufbewahrt, dessen Dasein das Wissen von sich selbst ist, wie dieses ebenso unmittelbar Dasein ist. Von der _Methode_ dieser Bewegung oder der Wissenschaft koennte es noetig scheinen, voraus das Mehrere anzugeben. Ihr Begriff liegt aber schon in dem Gesagten, und ihre eigentliche Darstellung gehoert der Logik an oder ist vielmehr diese selbst. Denn die Methode ist nichts anderes als der Bau des Ganzen in seiner reinen Wesenheit aufgestellt. Von dem hierueber bisher Gangbaren aber muessen wir das Bewusstsein haben, dass auch das System der sich auf das, was philosophische Methode ist, beziehenden Vorstellungen einer verschollenen Bildung angehoert.--Wenn dies etwa renommistisch oder revolutionaer lauten sollte, von welchem Tone ich mich entfernt weiss, so ist zu bedenken, dass der wissenschaftliche Staat, den die Mathematik herlieh--von Erklaerungen, Einteilungen, Axiomen, Reihen von Theoremen, ihren Beweisen, Grundsaetzen und dem Folgern und Schliessen aus ihnen--, schon in der Meinung selbst wenigstens _veraltet_ ist. Wenn auch seine Untauglichkeit nicht deutlich eingesehen wird, so wird doch kein oder wenig Gebrauch mehr davon gemacht, und wenn er nicht an sich gemissbilligt wird, doch nicht geliebt. Und wir muessen das Vorurteil fuer das Vortreffliche haben, dass es sich in den Gebrauch setze und beliebt mache. Es ist aber nicht schwer einzusehen, dass die Manier, einen Satz aufzustellen, Gruende fuer ihn anzufuehren und den entgegengesetzten durch Gruende ebenso zu widerlegen, nicht die Form ist, in der die Wahrheit auftreten kann. Die Wahrheit ist die Bewegung ihrer an ihr selbst, jene Methode aber ist das Erkennen, das dem Stoffe aeusserlich ist. Darum ist sie der Mathematik, die, wie bemerkt, das begriffslose Verhaeltnis der Groesse zu ihrem Prinzip und den toten Raum wie das ebenso tote Eins zu ihrem Stoffe hat, eigentuemlich und muss ihr gelassen werden. Auch mag sie in freierer Manier, das heisst, mehr mit Willkuer und Zufaelligkeit gemischt, im gemeinen Leben, in einer Konversation oder historischen Belehrung mehr der Neugierde als der Erkenntnis, wie ungefaehr auch eine Vorrede ist, bleiben. Im gemeinen Leben hat das Bewusstsein Kenntnisse, Erfahrungen, sinnliche Konkretionen, auch Gedanken, Grundsaetze, ueberhaupt solches zu seinem Inhalte, das als ein Vorhandenes oder als ein festes ruhendes Sein oder Wesen gilt. Es laeuft teils daran fort, teils unterbricht es den Zusammenhang durch die freie Willkuer ueber solchen Inhalt, und verhaelt sich als ein aeusserliches Bestimmen und Handhaben desselben. Es fuehrt ihn auf irgend etwas Gewisses, sei es auch nur die Empfindung des Augenblicks, zurueck, und die Ueberzeugung ist befriedigt, wenn sie auf einem ihr bekannten Ruhepunkte angelangt ist. Wenn aber die Notwendigkeit des Begriffs den losern Gang der raesonierenden Konversation wie den steifern des wissenschaftlichen Gepraenges verbannt, so ist schon oben erinnert worden, dass seine Stelle nicht durch die Unmethode des Ahndens und der Begeisterung und die Willkuer des prophetischen Redens ersetzt werden soll, welches nicht jene Wissenschaftlichkeit nur, sondern die Wissenschaftlichkeit ueberhaupt verachtet. Ebensowenig ist--nachdem die Kantische, noch erst durch den Instinkt wiedergefundne, noch tote, noch unbegriffne _Triplizitaet_ zu ihrer absoluten Bedeutung erhoben, damit die wahrhafte Form in ihrem wahrhaften Inhalte zugleich aufgestellt und der Begriff der Wissenschaft hervorgegangen ist--derjenige Gebrauch dieser Form fuer etwas Wissenschaftliches zu halten, durch den wir sie zum leblosen Schema, zu einem eigentlichen Scheinen, und die wissenschaftliche Organisation zur Tabelle herabgebracht sehen.--Dieser Formalismus, von dem oben schon im allgemeinen gesprochen, und dessen Manier wir hier naeher angeben wollen, meint die Natur und das Leben einer Gestalt begriffen und ausgesprochen zu haben, wenn er von ihr eine Bestimmung des Schemas als Praedikat ausgesagt--es sei die Subjektivitaet oder Objektivitaet, oder auch der Magnetismus, die Elektrizitaet und so fort, die Kontraktion oder Expansion, der Osten oder Westen und dergleichen, was sich ins Unendliche vervielfaeltigen laesst, weil nach dieser Weise jede Bestimmung oder Gestalt bei der andern wieder als Form oder Moment des Schemas gebraucht werden und jede dankbar der andern denselben Dienst leisten kann;--ein Zirkel von Gegenseitigkeit, wodurch man nicht erfaehrt, was die Sache selbst, weder was die eine noch die andre ist. Es werden dabei teils sinnliche Bestimmungen aus der gemeinen Anschauung aufgenommen, die freilich etwas anderes _bedeuten_ sollen, als sie sagen, teils wird das an sich bedeutende, die reinen Bestimmungen des Gedankens, wie Subjekt, Objekt, Substanz, Ursache, das Allgemeine u.s.f. gerade so unbesehen und unkritisch gebraucht wie im gemeinen Leben und wie Staerken und Schwaechen, Expansion und Kontraktion; so dass jene Metaphysik so unwissenschaftlich ist als diese sinnlichen Vorstellungen. Statt des innern Lebens und der Selbstbewegung seines Daseins wird nun eine solche einfache Bestimmtheit von der Anschauung, das heisst hier dem sinnlichen Wissen, nach einer oberflaechlichen Analogie ausgesprochen und diese aeusserliche und leere Anwendung der Formel die _Konstruktion_ genannt.--Es ist mit solchem Formalismus derselbe Fall als mit jedem. Wie stumpf muesste der Kopf sein, dem nicht in einer Viertelstunde die Theorie, dass es asthenische, sthenische und indirekt asthenische Krankheiten und ebenso viele Heilplane gebe, beigebracht, und der nicht, da ein solcher Unterricht noch vor kurzem dazu hinreichte, aus einem Routinier in dieser kleinen Zeit in einen theoretischen Arzt verwandelt werden koennte? Wenn der naturphilosophische Formalismus etwa lehrt, der Verstand sei die Elektrizitaet oder das Tier sei der Stickstoff, oder auch _gleich_ dem Sued oder Nord und so fort, oder repraesentiere ihn, so nackt, wie es hier ausgedrueckt ist, oder auch mit mehr Terminologie zusammengebraut, so mag ueber solche Kraft, die das weit entlegen Scheinende zusammengreift, und ueber die Gewalt, die das ruhende Sinnliche durch diese Verbindung erleidet, und die ihm dadurch den Schein eines Begriffes erteilt, die Hauptsache aber, den Begriff selbst oder die Bedeutung der sinnlichen Vorstellung auszusprechen erspart--es mag hierueber die Unerfahrenheit in ein bewunderndes Staunen geraten, darin eine tiefe Genialitaet verehren; sowie an der Heiterkeit solcher Bestimmungen, da sie den abstrakten Begriff durch Anschauliches ersetzen und erfreulicher machen, sich ergoetzen und sich selbst zu der geahndeten Seelenverwandtschaft mit solchem herrlichem Tun Glueck wuenschen. Der Pfiff einer solchen Weisheit ist so bald erlernt, als es leicht ist, ihn auszuueben; seine Wiederholung wird, wenn er bekannt ist, so unertraeglich als die Wiederholung einer eingesehenen Taschenspielerkunst. Das Instrument dieses gleichtoenigen Formalismus ist nicht schwerer zu handhaben als die Palette eines Malers, auf der sich nur zwei Farben befinden wuerden, etwa Rot und Gruen, um mit jener eine Flaeche anzufaerben, wenn ein historisches Stueck, mit dieser, wenn eine Landschaft verlangt waere.--Es wuerde schwer zu entscheiden sein, was dabei groesser ist, die Behaglichkeit, mit der alles, was im Himmel, auf Erden und unter der Erden ist, mit solcher Farbenbruehe angetuencht wird, oder die Einbildung auf die Vortrefflichkeit dieses Universalmittels; die eine unterstuetzt die andere. Was diese Methode, allem Himmlischen und Irdischen, allen natuerlichen und geistigen Gestalten die paar Bestimmungen des allgemeinen Schemas aufzukleben und auf diese Weise alles einzurangieren, hervorbringt, ist nichts Geringeres als ein sonnenklarer Bericht ueber den Organismus des Universums, naemlich eine Tabelle, die einem Skelette mit angeklebten Zettelchen oder den Reihen verschlossner Buechsen mit ihren aufgehefteten Etiketten in einer Gewuerzkraemerbude gleicht, die so deutlich als das eine und das andre ist, und wie dort von den Knochen Fleisch und Blut weggenommen, hier aber die eben auch nicht lebendige Sache in den Buechsen verborgen ist, auch das lebendige Wesen der Sache weggelassen oder verborgen hat.--Dass sich diese Manier zugleich zur einfarbigen absoluten Malerei vollendet, indem sie auch, der Unterschiede des Schemas sich schaemend, sie als der Reflexion angehoerig in der Leerheit des Absoluten versenkt, auf dass die reine Identitaet, das formlose Weisse hergestellt werde, ist oben schon bemerkt worden. Jene Gleichfaerbigkeit des Schemas und seiner leblosen Bestimmungen und diese absolute Identitaet, und das Uebergehen von einem zum andern, ist eines gleich toter Verstand als das andere, und gleich aeusserliches Erkennen. Das Vortreffliche kann aber dem Schicksale nicht nur nicht entgehen, so entlebt und entgeistet zu werden und, so geschunden, seine Haut vom leblosen Wissen und dessen Eitelkeit umgenommen zu sehen. Vielmehr ist noch in diesem Schicksale selbst die Gewalt, welche es auf die Gemueter, wenn nicht auf Geister, ausuebt, zu erkennen, so wie die Herausbildung zur Allgemeinheit und Bestimmtheit der Form, in der seine Vollendung besteht, und die es allein moeglich macht, dass diese Allgemeinheit zur Oberflaechlichkeit gebraucht wird. Die Wissenschaft darf sich nur durch das eigne Leben des Begriffs organisieren; in ihr ist die Bestimmtheit, welche aus dem Schema aeusserlich dem Dasein aufgeklebt wird, die sich selbst bewegende Seele des erfuellten Inhalts. Die Bewegung des Seienden ist, sich einesteils ein Anders und so zu seinem immanenten Inhalte zu werden; andernteils nimmt es diese Entfaltung oder dies sein Dasein in sich zurueck, das heisst, macht sich selbst zu einem _Momente_ und vereinfacht sich zur Bestimmtheit. In jener Bewegung ist die _Negativitaet_ das Unterscheiden und das Setzen des _Daseins_; in diesem Zurueckgehen in sich ist sie das Werden der _bestimmten Einfachheit_. Auf diese Weise ist es, dass der Inhalt seine Bestimmtheit nicht von einem andern empfangen und aufgeheftet zeigt, sondern er gibt sie sich selbst und rangiert sich aus sich zum Momente und zu einer Stelle des Ganzen. Der tabellarische Verstand behaelt fuer sich die Notwendigkeit und den Begriff des Inhalts, das, was das Konkrete, die Wirklichkeit und lebendige Bewegung der Sache ausmacht, die er rangiert, oder vielmehr behaelt er dies nicht fuer sich, sondern kennt es nicht; denn wenn er diese Einsicht haette, wuerde er sie wohl zeigen. Er kennt nicht einmal das Beduerfnis derselben; sonst wuerde er sein Schematisieren unterlassen oder wenigstens sich nicht mehr damit wissen als mit einer Inhaltsanzeige; er gibt nur die Inhaltsanzeige, den Inhalt selbst aber liefert er nicht.--Wenn die Bestimmtheit, auch eine solche wie zum Beispiel Magnetismus, eine an sich konkrete oder wirkliche ist, so ist sie doch zu etwas Totem herabgesunken, da sie von einem andern Dasein nur praediziert und nicht als immanentes Leben dieses Daseins, oder wie sie in diesem ihre einheimische und eigentuemliche Selbsterzeugung und Darstellung hat, erkannt ist. Diese Hauptsache hinzuzufuegen ueberlaesst der formelle Verstand den Andern.--Statt in den immanenten Inhalt der Sache einzugehen, uebersieht er immer das Ganze und steht ueber dem einzelnen Dasein, von dem er spricht, das heisst, er sieht es gar nicht. Das wissenschaftliche Erkennen erfodert aber vielmehr, sich dem Leben des Gegenstandes zu uebergeben, oder, was dasselbe ist, die innere Notwendigkeit desselben vor sich zu haben und auszusprechen. Sich so in seinen Gegenstand vertiefend, vergisst es jener Uebersicht, welche nur die Reflexion des Wissens aus dem Inhalte in sich selbst ist. Aber in die Materie versenkt und in deren Bewegung fortgehend, kommt es in sich selbst zurueck, aber nicht eher als darin, dass die Erfuellung oder der Inhalt sich in sich zuruecknimmt, zur Bestimmtheit vereinfacht, sich selbst zu _einer_ Seite eines Daseins herabsetzt und in seine hoehere Wahrheit uebergeht. Dadurch emergiert das einfache sich uebersehende Ganze selbst aus dem Reichtume, worin seine Reflexion verloren schien. Dadurch ueberhaupt, dass, wie es oben ausgedrueckt wurde, die Substanz an ihr selbst Subjekt ist, ist aller Inhalt seine eigene Reflexion in sich. Das Bestehen oder die Substanz eines Daseins ist die Sichselbstgleichheit; denn seine Ungleichheit mit sich waere seine Aufloesung. Die Sichselbstgleichheit aber ist die reine Abstraktion; diese aber ist das _Denken_. Wenn ich sage _Qualitaet_, sage ich die einfache Bestimmtheit; durch die Qualitaet ist ein Dasein von einem andern unterschieden, oder ist ein Dasein; es ist fuer sich selbst, oder es besteht durch diese Einfachheit mit sich. Aber dadurch ist es wesentlich der _Gedanke_.--Hierin ist es begriffen, dass das Sein Denken ist; hierein faellt die Einsicht, die dem gewoehnlichen begrifflosen Sprechen von der Identitaet des Denkens und Seins abzugehen pflegt.--Dadurch nun, dass das Bestehen des Daseins die Sichselbstgleichheit oder die reine Abstraktion ist, ist es die Abstraktion seiner von sich selbst, oder es ist selbst seine Ungleichheit mit sich und seine Aufloesung,--seine eigne Innerlichkeit und Zuruecknahme in sich,--sein Werden.--Durch diese Natur des Seienden und insofern das Seiende diese Natur fuer das Wissen hat, ist dieses nicht die Taetigkeit, die den Inhalt als ein Fremdes handhabt, nicht die Reflexion in sich aus dem Inhalte heraus; die Wissenschaft ist nicht jener Idealismus, der an die Stelle des _behauptenden_ Dogmatismus als ein _versichernder Dogmatismus_ oder der _Dogmatismus_ der _Gewissheit seiner selbst_ trat,--sondern indem das Wissen den Inhalt in seine eigne Innerlichkeit zurueckgehen sieht, ist seine Taetigkeit vielmehr sowohl versenkt in ihn, denn sie ist das immanente Selbst des Inhalts, als zugleich in sich zurueckgekehrt, denn sie ist die reine Sichselbstgleichheit im Anderssein; so ist sie die List, die, der Taetigkeit sich zu enthalten scheinend, zusieht, wie die Bestimmtheit und ihr konkretes Leben, darin eben, dass es seine Selbsterhaltung und besonderes Interesse zu treiben vermeint, das Verkehrte, sich selbst aufloesendes und zum Momente des Ganzen machendes Tun ist. Wenn oben die Bedeutung des _Verstandes_ nach der Seite des Selbstbewusstseins der Substanz angegeben wurde, so erhellt aus dem hier Gesagten seine Bedeutung nach der Bestimmung derselben als Seiender.--Das Dasein ist Qualitaet, sich selbst gleiche Bestimmtheit oder bestimmte Einfachheit, bestimmter Gedanke; dies ist der Verstand des Daseins. Dadurch ist es *Nus*, als fuer welchen Anaxagoras zuerst das Wesen erkannte. Die nach ihm begriffen bestimmter die Natur des Daseins als *Eidos* oder *Idea*; das heisst, _bestimmte Allgemeinheit, Art_. Der Ausdruck _Art_ scheint etwa zu gemein und zu wenig fuer die Ideen, fuer das Schoene und Heilige und Ewige zu sein, die zu dieser Zeit grassieren. Aber in der Tat drueckt die Idee nicht mehr noch weniger aus als Art. Allein wir sehen itzt oft einen Ausdruck, der einen Begriff bestimmt bezeichnet, verschmaeht und einen andern vorgezogen, der, wenn es auch nur darum ist, weil er einer fremden Sprache angehoert, den Begriff in Nebel einhuellt und damit erbaulicher lautet.--Eben darin, dass das Dasein als Art bestimmt ist, ist es einfacher Gedanke; der *Nus*, die Einfachheit, ist die Substanz. Um ihrer Einfachheit oder Sichselbstgleichheit willen erscheint sie als fest und bleibend. Aber diese Sichselbstgleichheit ist ebenso Negativitaet; dadurch geht jenes feste Dasein in seine Aufloesung ueber. Die Bestimmtheit scheint zuerst es nur dadurch zu sein, dass sie sich auf _Andres_ bezieht, und ihre Bewegung ihr durch eine fremde Gewalt angetan zu werden; aber dass sie ihr Anderssein selbst an ihr hat und Selbstbewegung ist, dies ist eben in jener _Einfachheit_ des Denkens selbst enthalten; denn diese ist der sich selbst bewegende und unterscheidende Gedanke, und die eigene Innerlichkeit, der reine _Begriff_. So ist also die _Verstaendigkeit_ ein Werden, und als dies Werden ist sie die _Vernuenftigkeit_. In dieser Natur dessen, was ist, in seinem Sein sein Begriff zu sein, ist es, dass ueberhaupt die _logische Notwendigkeit_ besteht; sie allein ist das Vernuenftige und der Rhythmus des organischen Ganzen, sie ist ebensosehr _Wissen_ des Inhalts, als der Inhalt Begriff und Wesen ist--oder sie allein ist das _Spekulative_.--Die konkrete Gestalt, sich selbst bewegend, macht sich zur einfachen Bestimmtheit, damit erhebt sie sich zur logischen Form und ist in ihrer Wesentlichkeit; ihr konkretes Dasein ist nur diese Bewegung und ist unmittelbar logisches Dasein. Es ist darum unnoetig, dem konkreten Inhalt den Formalismus aeusserlich anzutun; jener ist an ihm selbst das Uebergehen in diesen, der aber aufhoert, dieser aeusserliche Formalismus zu sein, weil die Form das einheimische Werden des konkreten Inhalts selbst ist. Diese Natur der wissenschaftlichen Methode, teils von dem Inhalte ungetrennt zu sein, teils sich durch sich selbst ihren Rhythmus zu bestimmen, hat, wie schon erinnert, in der spekulativen Philosophie ihre eigentliche Darstellung.--Das hier Gesagte drueckt zwar den Begriff aus, kann aber fuer nicht mehr als fuer eine antizipierte Versicherung gelten. Ihre Wahrheit liegt nicht in dieser zum Teil erzaehlenden Exposition; und ist darum auch ebensowenig widerlegt, wenn dagegen versichert wird, dem sei nicht so, sondern es verhalte sich damit so und so, wenn gewohnte Vorstellungen als ausgemachte und bekannte Wahrheiten in Erinnrung gebracht und hererzaehlt, oder auch aus dem Schreine des innern goettlichen Anschauens Neues aufgetischt und versichert wird.--Eine solche Aufnahme pflegt die erste Reaktion des Wissens, dem etwas unbekannt war, dagegen zu sein, um die Freiheit und eigne Einsicht, die eigne Autoritaet gegen die fremde, denn unter dieser Gestalt erscheint das itzt zuerst Aufgenommene, zu retten--auch um den Schein und die Art von Schande, die darin liegen soll, dass etwas gelernt worden sei, wegzuschaffen, so wie bei der Beifall gebenden Annahme des Unbekannten die Reaktion derselben Art in dem besteht, was in einer andren Sphaere das ultrarevolutionaere Reden und Handeln war. Worauf es deswegen bei dem _Studium_ der _Wissenschaft_ ankommt, ist die Anstrengung des Begriffs auf sich zu nehmen. Sie erfodert die Aufmerksamkeit auf ihn als solchen, auf die einfachen Bestimmungen, zum Beispiel des _An-sich-seins_, des _Fuer-sich-seins_, der _Sichselbstgleichheit_ und so fort; denn diese sind solche reine Selbstbewegungen, die man Seelen nennen koennte, wenn nicht ihr Begriff etwas Hoeheres bezeichnete als diese. Der Gewohnheit, an Vorstellungen fortzulaufen, ist die Unterbrechung derselben durch den Begriff ebenso laestig als dem formalen Denken, das in unwirklichen Gedanken hin und her raesoniert. Jene Gewohnheit ist ein materielles Denken zu nennen, ein zufaelliges Bewusstsein, das in den Stoff nur versenkt ist, welchem es daher sauer ankoemmt, aus der Materie zugleich sein Selbst rein herauszuheben und bei sich zu sein. Das andere, das Raesonieren, hingegen ist die Freiheit von dem Inhalt und die Eitelkeit ueber ihn; ihr wird die Anstrengung zugemutet, diese Freiheit aufzugeben, und statt das willkuerlich bewegende Prinzip des Inhalts zu sein, diese Freiheit in ihn zu versenken, ihn durch seine eigne Natur, das heisst, durch das Selbst als das seinige, sich bewegen zu lassen und diese Bewegung zu betrachten. Sich des eignen Einfallens in den immanenten Rhythmus der Begriffe entschlagen, in ihn nicht durch die Willkuer und sonst erworbene Weisheit eingreifen, diese Enthaltsamkeit ist selbst ein wesentliches Moment der Aufmerksamkeit auf den Begriff. Es sind an dem raesonierenden Verhalten die beiden Seiten bemerklicher zu machen, nach welchen das begreifende Denken ihm entgegengesetzt ist.--Teils verhaelt sich jenes negativ gegen den aufgefassten Inhalt, weiss ihn zu widerlegen und zunichte zu machen. Dass dem nicht so sei, diese Einsicht ist das bloss _Negative_, es ist das Letzte, das nicht selbst ueber sich hinaus zu einem neuen Inhalt geht, sondern um wieder einen Inhalt zu haben, muss etwas *Anderes* irgendwoher vorgenommen werden. Es ist die Reflexion in das leere Ich, die Eitelkeit seines Wissens.--Diese Eitelkeit drueckt aber nicht nur dies aus, dass dieser Inhalt eitel, sondern auch, dass diese Einsicht selbst es ist; denn sie ist das Negative, das nicht das Positive in sich erblickt. Dadurch, dass diese Reflexion ihre Negativitaet selbst nicht zum Inhalte gewinnt, ist sie ueberhaupt nicht in der Sache, sondern immer darueber hinaus; sie bildet sich deswegen ein, mit der Behauptung der Leere immer weiter zu sein als eine inhaltsreiche Einsicht. Dagegen, wie vorhin gezeigt, gehoert im begreifenden Denken das Negative dem Inhalte selbst an und ist sowohl als seine _immanente_ Bewegung und Bestimmung wie als _Ganzes_ derselben das _Positive_. Als Resultat aufgefasst, ist es das aus dieser Bewegung herkommende, das _bestimmte_ Negative, und hiemit ebenso ein positiver Inhalt. In Ansehung dessen aber, dass solches Denken einen Inhalt hat, es sei der Vorstellungen oder Gedanken oder der Vermischung beider, hat es eine andre Seite, die ihm das Begreifen erschwert. Die merkwuerdige Natur derselben haengt mit dem oben angegebenen Wesen der Idee selbst enge zusammen, oder drueckt sie vielmehr aus, wie sie als die Bewegung erscheint, die denkendes Auffassen ist.--Wie naemlich in seinem negativen Verhalten, wovon soeben die Rede war, das raesonierende Denken selber das Selbst ist, in das der Inhalt zurueckgeht, so ist dagegen in seinem positiven Erkennen das Selbst ein vorgestelltes _Subjekt_, worauf sich der Inhalt als Akzidens und Praedikat bezieht. Dies Subjekt macht die Basis aus, an die er geknuepft wird und auf der die Bewegung hin und wider laeuft. Anders verhaelt es sich im begreifenden Denken. Indem der Begriff das eigene Selbst des Gegenstandes ist, das sich als _sein Werden_ darstellt, ist es nicht ein ruhendes Subjekt, das unbewegt die Akzidenzen traegt, sondern der sich bewegende und seine Bestimmungen in sich zuruecknehmende Begriff. In dieser Bewegung geht jenes ruhende Subjekt selbst zugrunde; es geht in die Unterschiede und Inhalt ein und macht vielmehr die Bestimmtheit, das heisst, den unterschiednen Inhalt wie die Bewegung desselben aus, statt ihr gegenueberstehen zu bleiben. Der feste Boden, den das Raesonieren an dem ruhenden Subjekte hat, schwankt also, und nur diese Bewegung selbst wird der Gegenstand. Das Subjekt, das seinen Inhalt erfuellt, hoert auf, ueber diesen hinauszugehen, und kann nicht noch andre Praedikate oder Akzidenzen haben. Die Zerstreutheit des Inhalts ist umgekehrt dadurch unter das Selbst gebunden; er ist nicht das Allgemeine, das frei vom Subjekte mehrern zukaeme. Der Inhalt ist somit in der Tat nicht mehr Praedikat des Subjekts, sondern ist die Substanz, ist das Wesen und der Begriff dessen, wovon die Rede ist. Das vorstellende Denken, da seine Natur ist, an den Akzidenzen oder Praedikaten fortzulaufen, und mit Recht, weil sie nicht mehr als Praedikate und Akzidenzen sind, ueber sie hinauszugehen, wird, indem das, was im Satze die Form eines Praedikats hat, die Substanz selbst ist, in seinem Fortlaufen gehemmt. Es erleidet, es so vorzustellen, einen Gegenstoss. Vom Subjekte anfangend, als ob dieses zum Grunde liegen bliebe, findet es, indem das Praedikat vielmehr die Substanz ist, das Subjekt zum Praedikat uebergegangen und hiemit aufgehoben; und indem so das, was Praedikat zu sein scheint, zur ganzen und selbststaendigen Masse geworden, kann das Denken nicht frei herumirren, sondern ist durch diese Schwere aufgehalten.--Sonst ist zuerst das Subjekt als das _gegenstaendliche_ fixe Selbst zugrunde gelegt; von hier aus geht die notwendige Bewegung zur Mannigfaltigkeit der Bestimmungen oder der Praedikate fort; hier tritt an die Stelle jenes Subjekts das wissende Ich selbst ein, und ist das Verknuepfen der Praedikate und das sie haltende Subjekt. Indem aber jenes erste Subjekt in die Bestimmungen selbst eingeht und ihre Seele ist, findet das zweite Subjekt, naemlich das wissende, jenes, mit dem es schon fertig sein und worueber hinaus es in sich zurueckgehen will, noch im Praedikate vor, und statt in dem Bewegen des Praedikats das Tuende, als Raesonieren, ob jenem dies oder jenes Praedikat beizulegen waere, sein zu koennen, hat es vielmehr mit dem Selbst des Inhalts noch zu tun, soll nicht fuer sich, sondern mit diesem zusammensein. Formell kann das Gesagte so ausgedrueckt werden, dass die Natur des Urteils oder Satzes ueberhaupt, die den Unterschied des Subjekts und Praedikats in sich schliesst, durch den spekulativen Satz zerstoert wird, und der identische Satz, zu dem der erstere wird, den Gegenstoss zu jenem Verhaeltnisse enthaelt.--Dieser Konflikt der Form eines Satzes ueberhaupt und der sie zerstoerenden Einheit des Begriffs ist dem aehnlich, der im Rhythmus zwischen dem Metrum und dem Akzente stattfindet. Der Rhythmus resultiert aus der schwebenden Mitte und Vereinigung beider. So soll auch im philosophischen Satze die Identitaet des Subjekts und Praedikats den Unterschied derselben, den die Form des Satzes ausdrueckt, nicht vernichten, sondern ihre Einheit als eine Harmonie hervorgehen. Die Form des Satzes ist die Erscheinung des bestimmten Sinnes oder der Akzent, der seine Erfuellung unterscheidet; dass aber das Praedikat die Substanz ausdrueckt und das Subjekt selbst ins Allgemeine faellt, ist die _Einheit_, worin jener Akzent verklingt. Um das Gesagte durch Beispiele zu erlaeutern, so ist in dem Satz: _Gott ist das Sein_, das Praedikat _das_ Sein; es hat substantielle Bedeutung, in der das Subjekt zerfliesst. Sein soll hier nicht Praedikat, sondern das Wesen sein; dadurch scheint Gott aufzuhoeren, das zu sein, was er durch die Stellung des Satzes ist, naemlich das feste Subjekt.--Das Denken, statt im Uebergange vom Subjekte zum Praedikate weiterzukommen, fuehlt sich, da das Subjekt verlorengeht, vielmehr gehemmt und zu dem Gedanken des Subjekts, weil es dasselbe vermisst, zurueckgeworfen; oder es findet, da das Praedikat selbst als ein Subjekt, als _das_ Sein, als das _Wesen_ ausgesprochen ist, welches die Natur des Subjekts erschoepft, das Subjekt unmittelbar auch im Praedikate; und nun, statt dass es im Praedikate in sich gegangen die freie Stellung des Raesonierens erhielte, ist es in den Inhalt noch vertieft, oder wenigstens ist die Foderung vorhanden, in ihn vertieft zu sein.--So auch wenn gesagt wird: das _Wirkliche_ ist das _Allgemeine_, so vergeht das Wirkliche als Subjekt, in seinem Praedikate. Das Allgemeine soll nicht nur die Bedeutung des Praedikats haben, so dass der Satz dies aussagte, das Wirkliche sei allgemein, sondern das Allgemeine soll das Wesen des Wirklichen ausdruecken.--Das Denken verliert daher so sehr seinen festen gegenstaendlichen Boden, den es am Subjekte hatte, als es im Praedikate darauf zurueckgeworfen wird, und in diesem nicht in sich, sondern in das Subjekt des Inhalts zurueckgeht. Einleitung Es ist eine natuerliche Vorstellung, dass, eh in der Philosophie an die Sache selbst, naemlich an das wirkliche Erkennen dessen, was in Wahrheit ist, gegangen wird, es notwendig sei, vorher ueber das Erkennen sich zu verstaendigen, das als das Werkzeug, wodurch man des Absoluten sich bemaechtige, oder als das Mittel, durch welches hindurch man es erblicke, betrachtet wird. Die Besorgnis scheint gerecht, teils dass es verschiedene Arten der Erkenntnis geben, und darunter eine geschickter als eine andere zur Erreichung dieses Endzwecks sein moechte, hiemit durch falsche Wahl unter ihnen,--teils auch dass, indem das Erkennen ein Vermoegen von bestimmter Art und Umfange ist, ohne die genauere Bestimmung seiner Natur und Grenze Wolken des Irrtums statt des Himmels der Wahrheit erfasst werden. Diese Besorgnis muss sich wohl sogar in die Ueberzeugung verwandeln, dass das ganze Beginnen, dasjenige, was An-sich ist, durch das Erkennen dem Bewusstsein zu erwerben, in seinem Begriffe widersinnig sei, und zwischen das Erkennen und das Absolute eine sie schlechthin scheidende Grenze falle. Denn ist das Erkennen das Werkzeug, sich des absoluten Wesens zu bemaechtigen, so faellt sogleich auf, dass die Anwendung eines Werkzeugs auf eine Sache sie vielmehr nicht laesst, wie sie fuer sich ist, sondern eine Formierung und Veraenderung mit ihr vornimmt. Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Taetigkeit, sondern gewissermassen ein passives Medium, durch welches hindurch das Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht, wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist. Wir gebrauchen in beiden Faellen ein Mittel, welches unmittelbar das Gegenteil seines Zwecks hervorbringt; oder das Widersinnige ist vielmehr, dass wir uns ueberhaupt eines Mittels bedienen. Es scheint zwar, dass diesem Uebelstande durch die Kenntnis der Wirkungsweise des _Werkzeugs_ abzuhelfen steht, denn sie macht es moeglich, den Teil, welcher in der Vorstellung, die wir durch es vom Absoluten erhalten, dem Werkzeuge angehoert, im Resultate abzuziehen, und so das Wahre rein zu erhalten. Allein, diese Verbesserung wuerde uns in der Tat nur dahin zurueckbringen, wo wir vorher waren. Wenn wir von einem formierten Dinge das wieder wegnehmen, was das Werkzeug daran getan hat, so ist uns das Ding--hier das Absolute--gerade wieder so viel als vor dieser somit ueberfluessiger Bemuehung. Sollte das Absolute durch das Werkzeug uns nur ueberhaupt naeher gebracht werden, ohne etwas an ihm zu veraendern, wie etwa durch die Leimrute der Vogel, so wuerde es wohl, wenn es nicht an und fuer sich schon bei uns waere und sein wollte, dieser List spotten; denn eine List waere in diesem Falle das Erkennen, da es durch sein vielfaches Bemuehen ganz etwas anderes zu treiben sich die Miene gibt, als nur die unmittelbare und somit muehelose Beziehung hervorzubringen. Oder wenn die Pruefung des Erkennens, das wir als ein _Medium_ uns vorstellen, uns das Gesetz seiner Strahlenbrechung kennen lehrt, so nuetzt es ebenso nichts, sie im Resultate abzuziehen; denn nicht das Brechen des Strahls, sondern der Strahl selbst, wodurch die Wahrheit uns beruehrt, ist das Erkennen, und dieses abgezogen, waere uns nur die reine Richtung oder der leere Ort bezeichnet worden. Inzwischen wenn die Besorgnis, in Irrtum zu geraten, ein Misstrauen in die Wissenschaft setzt, welche ohne dergleichen Bedenklichkeiten ans Werk selbst geht und wirklich erkennt, so ist nicht abzusehen, warum nicht umgekehrt ein Misstrauen in dies Misstrauen gesetzt und besorgt werden soll, dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist. In der Tat setzt sie etwas, und zwar manches, als Wahrheit voraus, und stuetzt darauf ihre Bedenklichkeiten und Konsequenzen, was selbst vorher zu pruefen ist, ob es Wahrheit sei. Sie setzt naemlich _Vorstellungen_ von dem _Erkennen_ als einem _Werkzeuge_ und _Medium_, auch einen _Unterschied unserer selbst von diesem Erkennen_ voraus; vorzueglich aber dies, dass das Absolute _auf einer Seite_ stehe, und _das Erkennen auf der andern Seite_ fuer sich und getrennt von dem Absoluten doch etwas Reelles, oder hiemit, dass das Erkennen, welches, indem es ausser dem Absoluten, wohl auch ausser der Wahrheit ist, doch wahrhaft sei; eine Annahme, wodurch das, was sich Furcht vor dem Irrtume nennt, sich eher als Furcht vor der Wahrheit zu erkennen gibt. Diese Konsequenz ergibt sich daraus, dass das Absolute allein wahr, oder das Wahre allein absolut ist. Sie kann abgelehnt werden, durch den Unterschied, dass ein Erkennen, welches zwar nicht, wie die Wissenschaft will, das Absolute erkennt, doch auch wahr; und das Erkennen ueberhaupt, wenn es dasselbe zu fassen zwar unfaehig sei, doch anderer Wahrheit faehig sein koenne. Aber wir sehen nachgerade, dass solches Hinundherreden auf einen trueben Unterschied zwischen einem absoluten Wahren und einem sonstigen Wahren hinauslaeuft, und das Absolute, das Erkennen, und so fort, Worte sind, welche eine Bedeutung voraussetzen, um die zu erlangen es erst zu tun ist. Statt mit dergleichen unnuetzen Vorstellungen und Redensarten von dem Erkennen als einem Werkzeuge, des Absoluten habhaft zu werden, oder als einem Medium, durch das hindurch wir die Wahrheit erblicken und so fort--Verhaeltnisse, worauf wohl alle diese Vorstellungen von einem Erkennen, das vom Absoluten, und einem Absoluten, das von dem Erkennen getrennt ist, hinauslaufen--, statt mit den Ausreden, welche das Unvermoegen der Wissenschaft aus der Voraussetzung solcher Verhaeltnisse schoepft, um von der Muehe der Wissenschaft zugleich sich zu befreien, und zugleich sich das Ansehen eines ernsthaften und eifrigen Bemuehens zu geben, sowie statt mit Antworten auf alles dieses sich herumzuplacken, koennten sie als zufaellige und willkuerliche Vorstellungen geradezu verworfen, und der damit verbundne Gebrauch von Worten als dem Absoluten, dem Erkennen, auch dem Objektiven und Subjektiven, und unzaehligen andern, deren Bedeutung als allgemein bekannt vorausgesetzt wird, sogar als Betrug angesehen werden. Denn das Vorgeben, teils dass ihre Bedeutung allgemein bekannt ist, teils auch, dass man selbst ihren Begriff hat, scheint eher nur die Hauptsache ersparen zu sollen, naemlich diesen Begriff zu geben. Mit mehr Recht dagegen koennte die Muehe gespart werden, von solchen Vorstellungen und Redensarten, wodurch die Wissenschaft selbst abgewehrt werden soll, ueberhaupt Notiz zu nehmen, denn sie machen nur eine leere Erscheinung des Wissens aus, welche vor der auftretenden Wissenschaft unmittelbar verschwindet. Aber die Wissenschaft darin, dass sie auftritt, ist sie selbst eine Erscheinung; ihr Auftreten ist noch nicht sie in ihrer Wahrheit ausgefuehrt und ausgebreitet. Es ist hiebei gleichgueltig, sich vorzustellen, _dass sie_ die Erscheinung ist, weil sie _neben anderem_ auftritt, oder jenes andere unwahre Wissen ihr Erscheinen zu nennen. Die Wissenschaft muss sich aber von diesem Scheine befreien; und sie kann dies nur dadurch, dass sie sich gegen ihn wendet. Denn sie kann ein Wissen, welches nicht wahrhaft ist, weder als eine gemeine Ansicht der Dinge nur verwerfen, und versichern, dass sie eine ganz andere Erkenntnis und jenes Wissen fuer sie gar nichts ist; noch sich auf die Ahndung eines bessern in ihm selbst berufen. Durch jene _Versicherung_ erklaerte sie ihr Sein fuer ihre Kraft; aber das unwahre Wissen beruft sich ebenso darauf, dass _es ist_, und _versichert_, dass ihm die Wissenschaft nichts ist; _ein_ trockenes Versichern gilt aber gerade soviel als ein anderes. Noch weniger kann sie sich auf die bessere Ahndung berufen, welche in dem nicht wahrhaften Erkennen vorhanden, und in ihm selbst die Hinweisung auf sie sei; denn einesteils beriefe sie sich ebenso wieder auf ein Sein; andernteils aber auf sich, als auf die Weise, wie sie im nicht wahrhaften Erkennen ist, das heisst, auf eine schlechte Weise ihres Seins, und auf ihre Erscheinung vielmehr als darauf, wie sie an und fuer sich ist. Aus diesem Grunde soll hier die Darstellung des erscheinenden Wissens vorgenommen werden. Weil nun diese Darstellung nur das erscheinende Wissen zum Gegenstande hat, so scheint sie selbst nicht die freie, in ihrer eigentuemlichen Gestalt sich bewegende Wissenschaft zu sein, sondern sie kann von diesem Standpunkte aus, als der Weg des natuerlichen Bewusstseins, das zum wahren Wissen dringt, genommen werden; oder als der Weg der Seele, welche die Reihe ihrer Gestaltungen, als durch ihre Natur ihr vorgesteckter Stationen, durchwandert, dass sie sich zum Geiste laeutere, indem sie durch die vollstaendige Erfahrung ihrer selbst zur Kenntnis desjenigen gelangt, was sie an sich selbst ist. Das natuerliche Bewusstsein wird sich erweisen, nur Begriff des Wissens, oder nicht reales Wissen zu sein. Indem es aber unmittelbar sich vielmehr fuer das reale Wissen haelt, so hat dieser Weg fuer es negative Bedeutung, und ihm gilt das vielmehr fuer Verlust seiner selbst, was die Realisierung des Begriffs ist; denn es verliert auf diesem Wege seine Wahrheit. Er kann deswegen als der Weg des _Zweifels_ angesehen werden, oder eigentlicher als Weg der Verzweiflung; auf ihm geschieht naemlich nicht das, was unter Zweifeln verstanden zu werden pflegt, ein Ruetteln an dieser oder jener vermeinten Wahrheit, auf welches ein gehoeriges Wiederverschwinden des Zweifels und eine Rueckkehr zu jener Wahrheit erfolgt, so dass am Ende die Sache genommen wird wie vorher. Sondern er ist die bewusste Einsicht in die Unwahrheit des erscheinenden Wissens, dem dasjenige das Reellste ist, was in Wahrheit vielmehr nur der nichtrealisierte Begriff ist. Dieser sich vollbringende Skeptizismus ist darum auch nicht dasjenige, womit wohl der ernsthafte Eifer um Wahrheit und Wissenschaft sich fuer diese fertig gemacht und ausgeruestet zu haben waehnt; naemlich mit dem _Vorsatze_, in der Wissenschaft auf die Autoritaet sich den Gedanken anderer nicht zu ergeben, sondern alles selbst zu pruefen und nur der eigenen Ueberzeugung zu folgen, oder besser noch, alles selbst zu produzieren und nur die eigne Tat fuer das Wahre zu halten. Die Reihe seiner Gestaltungen, welche das Bewusstsein auf diesem Wege durchlaeuft, ist vielmehr die ausfuehrliche Geschichte der _Bildung_ des Bewusstseins selbst zur Wissenschaft. Jener Vorsatz stellt die Bildung in der einfachen Weise des Vorsatzes als unmittelbar abgetan und geschehen vor; dieser Weg aber ist gegen diese Unwahrheit die wirkliche Ausfuehrung. Der eigenen Ueberzeugung folgen ist allerdings mehr als sich der Autoritaet ergeben; aber durch die Verkehrung des Dafuerhaltens aus Autoritaet in Dafuerhalten aus eigener Ueberzeugung ist nicht notwendig der Inhalt desselben geaendert und an die Stelle des Irrtums Wahrheit getreten. Auf die Autoritaet anderer oder aus eigener Ueberzeugung im Systeme des Meinens und des Vorurteils zu stecken, unterscheidet sich voneinander allein durch die Eitelkeit, welche der letztern Weise beiwohnt. Der sich auf den ganzen Umfang des erscheinenden Bewusstseins richtende Skeptizismus macht dagegen den Geist erst geschickt zu pruefen, was Wahrheit ist, indem er eine Verzweiflung an den sogenannten natuerlichen Vorstellungen, Gedanken und Meinungen zustande bringt, welche es gleichgueltig ist, eigene oder fremde zu nennen, und mit welchen das Bewusstsein, das _geradezu_ ans Pruefen geht, noch erfuellt und behaftet, dadurch aber in der Tat dessen unfaehig ist, was es unternehmen will. Die _Vollstaendigkeit_ der Formen des nicht realen Bewusstseins wird sich durch die Notwendigkeit des Fortganges und Zusammenhanges selbst ergeben. Um dies begreiflich zu machen, kann im allgemeinen zum Voraus bemerkt werden, dass die Darstellung des nicht wahrhaften Bewusstseins in seiner Unwahrheit nicht eine bloss _negative_ Bewegung ist. Eine solche einseitige Ansicht hat das natuerliche Bewusstsein ueberhaupt von ihr; und ein Wissen, welches diese Einseitigkeit zu seinem Wesen macht, ist eine der Gestalten des unvollendeten Bewusstseins, welche in den Verlauf des Weges selbst faellt, und darin sich darbieten wird. Sie ist naemlich der Skeptizismus, der in dem Resultate nur immer das _reine Nichts_ sieht, und davon abstrahiert, dass dies Nichts bestimmt das Nichts _dessen_ ist, _woraus es resultiert_. Das Nichts ist aber nur, genommen als das Nichts dessen, woraus es herkoemmt, in der Tat das wahrhafte Resultat; es ist hiemit selbst ein _bestimmtes_ und hat einen _Inhalt._ Der Skeptizismus, der mit der Abstraktion des Nichts oder der Leerheit endigt, kann von dieser nicht weiter fortgehen, sondern muss es erwarten, ob, und was ihm etwas Neues sich darbietet, um es in denselben leeren Abgrund zu werfen. Indem dagegen das Resultat, wie es in Wahrheit ist, aufgefasst wird, als _bestimmte_ Negation, so ist damit unmittelbar eine neue Form entsprungen, und in der Negation der Uebergang gemacht, wodurch sich der Fortgang durch die vollstaendige Reihe der Gestalten von selbst ergibt. Das _Ziel_ aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortganges gesteckt; es ist da, wo es nicht mehr ueber sich selbst hinauszugehen noetig hat, wo es sich selbst findet, und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstand dem Begriffe entspricht. Der Fortgang zu diesem Ziele ist daher auch unaufhaltsam, und auf keiner fruehern Station Befriedigung zu finden. Was auf ein natuerliches Leben beschraenkt ist, vermag durch sich selbst nicht ueber sein unmittelbares Dasein hinauszugehen; aber es wird durch ein anderes darueber hinausgetrieben, und dies Hinausgerissenwerden ist sein Tod. Das Bewusstsein aber ist fuer sich selbst sein _Begriff_, dadurch unmittelbar das Hinausgehen ueber das Beschraenkte, und, da ihm dies Beschraenkte angehoert, ueber sich selbst; mit dem Einzelnen ist ihm zugleich das Jenseits gesetzt, waere es auch nur, wie im raeumlichen Anschauen, _neben_ dem Beschraenkten. Das Bewusstsein leidet also diese Gewalt, sich die beschraenkte Befriedigung zu verderben, von ihm selbst. Bei dem Gefuehle dieser Gewalt mag die Angst vor der Wahrheit wohl zuruecktreten, und sich dasjenige, dessen Verlust droht, zu erhalten streben. Sie kann aber keine Ruhe finden; es sei, dass sie in gedankenloser Traegheit stehenbleiben will; der Gedanke verkuemmert die Gedankenlosigkeit, und seine Unruhe stoert die Traegheit; oder dass sie als Empfindsamkeit sich befestigt, welche alles in _seiner Art gut_ zu finden versichert; diese Versicherung leidet ebenso Gewalt von der Vernunft, welche gerade darum etwas nicht gut findet, insofern es eine Art ist. Oder die Furcht der Wahrheit mag sich vor sich und andern hinter dem Scheine verbergen, als ob gerade der heisse Eifer fuer die Wahrheit selbst es ihr so schwer, ja unmoeglich mache, eine andere Wahrheit zu finden als die einzige der Eitelkeit, immer noch gescheuter zu sein als jede Gedanken, welche man aus sich selbst oder von andern hat; diese Eitelkeit, welche sich jede Wahrheit zu vereiteln, daraus in sich zurueckzukehren versteht, und an diesem eignen Verstande sich weidet, der alle Gedanken immer aufzuloesen und statt alles Inhalts nur das trockne Ich zu finden weiss, ist eine Befriedigung, welche sich selbst ueberlassen werden muss, denn sie flieht das Allgemeine, und sucht nur das Fuer-sich-sein. Wie dieses vorlaeufig und im allgemeinen ueber die Weise und Notwendigkeit des Fortgangs gesagt worden ist, so kann noch ueber die _Methode der Ausfuehrung_ etwas zu erinnern dienlich sein. Diese Darstellung als ein _Verhalten_ der _Wissenschaft_ zu dem _erscheinenden_ Wissen, und als _Untersuchung_ und _Pruefung der Realitaet des Erkennens_ vorgestellt, scheint nicht ohne irgendeine Voraussetzung, die als _Massstab_ zugrunde gelegt wird, stattfinden zu koennen. Denn die Pruefung besteht in dem Anlegen eines angenommenen Massstabes, und in der sich ergebenden Gleichheit oder Ungleichheit dessen, was geprueft wird, mit ihm die Entscheidung, ob es richtig oder unrichtig ist; und der Massstab ueberhaupt, und ebenso die Wissenschaft, wenn sie der Massstab waere, ist dabei als das _Wesen_ oder als _das An-sich_ angenommen. Aber hier, wo die Wissenschaft erst auftritt, hat weder sie selbst, noch was es sei, sich als das Wesen oder als das An-sich gerechtfertigt; und ohne ein solches scheint keine Pruefung stattfinden zu koennen. Dieser Widerspruch und seine Wegraeumung wird sich bestimmter ergeben, wenn zuerst an die abstrakten Bestimmungen des Wissens und der Wahrheit erinnert wird, wie sie an dem Bewusstsein vorkommen. Dieses _unterscheidet_ naemlich etwas von sich, worauf es sich zugleich _bezieht_; oder wie dies ausgedrueckt wird, es ist etwas _fuer dasselbe_; und die bestimmte Seite dieses _Beziehens_, oder des _Seins_ von etwas _fuer ein Bewusstsein_ ist das _Wissen._ Von diesem Sein fuer ein anderes unterscheiden wir aber das _An-sich-sein_; das auf das Wissen bezogene wird ebenso von ihm unterschieden, und gesetzt als _seiend_ auch ausser dieser Beziehung; die Seite dieses An-sich heisst _Wahrheit_. Was eigentlich an diesen Bestimmungen sei, geht uns weiter hier nichts an, denn indem das erscheinende Wissen unser Gegenstand ist, so werden auch zunaechst seine Bestimmungen aufgenommen, wie sie sich unmittelbar darbieten; und so, wie sie gefasst worden sind, ist es wohl, dass sie sich darbieten. Untersuchen wir nun die Wahrheit des Wissens, so scheint es, wir untersuchen, was es _an sich_ ist. Allein in dieser Untersuchung ist es _unser_ Gegenstand, es ist _fuer uns_; und das _An-sich_ desselben, welches sich ergaebe, waere so vielmehr sein Sein _fuer uns_; was wir als sein Wesen behaupten wuerden, vielmehr nicht seine Wahrheit, sondern nur unser Wissen von ihm. Das Wesen oder der Massstab fiele in uns, und dasjenige, was mit ihm verglichen, und ueber welches durch diese Vergleichung entschieden werden sollte, haette ihn nicht notwendig anzuerkennen. Aber die Natur des Gegenstandes, den wir untersuchen, ueberhebt dieser Trennung oder dieses Scheins von Trennung und Voraussetzung. Das Bewusstsein gibt seinen Massstab an ihm selbst, und die Untersuchung wird dadurch eine Vergleichung seiner mit sich selbst sein; denn die Unterscheidung, welche soeben gemacht worden ist, faellt in es. Es ist in ihm eines _fuer ein_ anderes, oder es hat ueberhaupt die Bestimmtheit des Moments des Wissens an ihm; zugleich ist ihm dies andere nicht nur _fuer es_, sondern auch ausser dieser Beziehung oder _an sich_: das Moment der Wahrheit. An dem also, was das Bewusstsein innerhalb seiner fuer das _An-sich_ oder das _Wahre_ erklaert, haben wir den Massstab, den es selbst aufstellt, sein Wissen daran zu messen. Nennen wir das _Wissen_ den _Begriff_, das Wesen oder das _Wahre_ aber das Seiende oder den _Gegenstand_, so besteht die Pruefung darin, zuzusehen, ob der Begriff dem Gegenstande entspricht. Nennen wir aber _das Wesen_ oder das An-sich _des Gegenstandes den Begriff_, und verstehen dagegen unter dem _Gegenstande_, ihn als _Gegenstand_, naemlich wie er _fuer ein anderes_ ist, so besteht die Pruefung darin, dass wir zusehen, ob der Gegenstand seinem Begriff entspricht. Man sieht wohl, dass beides dasselbe ist; das Wesentliche aber ist, dies fuer die ganze Untersuchung festzuhalten, dass diese beiden Momente, _Begriff_ und _Gegenstand, Fuer-ein-anderes-_ und _An-sich-selbst-sein_, in das Wissen, das wir untersuchen, selbst fallen, und hiemit wir nicht noetig haben, Massstaebe mitzubringen, und _unsere_ Einfaelle und Gedanken bei der Untersuchung zu applizieren; dadurch, dass wir diese weglassen, erreichen wir es, die Sache, wie sie _an_ und _fuer sich_ selbst ist, zu betrachten. Aber nicht nur nach dieser Seite, dass Begriff und Gegenstand, der Massstab und das zu Pruefende, in dem Bewusstsein selbst vorhanden sind, wird eine Zutat von uns ueberfluessig, sondern wir werden auch der Muehe der Vergleichung beider und der eigentlichen _Pruefung_ ueberhoben, so dass, indem das Bewusstsein sich selbst prueft, uns auch von dieser Seite nur das reine Zusehen bleibt. Denn das Bewusstsein ist einerseits Bewusstsein des Gegenstandes, anderseits Bewusstsein seiner selbst; Bewusstsein dessen, was ihm das Wahre ist, und Bewusstsein seines Wissens davon. Indem beide _fuer dasselbe_ sind, ist es selbst ihre Vergleichung; es wird _fuer dasselbe_, ob sein Wissen von dem Gegenstande diesem entspricht oder nicht. Der Gegenstand scheint zwar fuer dasselbe nur so zu sein, wie es ihn weiss; es scheint gleichsam nicht dahinterkommen zu koennen, wie er, _nicht fuer dasselbe_, sondern wie er _an sich_ ist, und also auch sein Wissen nicht an ihm pruefen zu koennen. Allein gerade darin, dass es ueberhaupt von einem Gegenstande weiss, ist schon der Unterschied vorhanden, dass ihm etwas das _An-sich_, ein anderes Moment aber das Wissen, oder das Sein des Gegenstandes _fuer das_ Bewusstsein ist. Auf dieser Unterscheidung, welche vorhanden ist, beruht die Pruefung. Entspricht sich in dieser Vergleichung beides nicht, so scheint das Bewusstsein sein Wissen aendern zu muessen, um es dem Gegenstande gemaess zu machen, aber in der Veraenderung des Wissens aendert sich ihm in der Tat auch der Gegenstand selbst; denn das vorhandene Wissen war wesentlich ein Wissen von dem Gegenstande; mit dem Wissen wird auch er ein anderer, denn er gehoerte wesentlich diesem Wissen an. Es wird hiemit dem Bewusstsein, dass dasjenige, was ihm vorher das _An-sich_ war, nicht an sich ist, oder dass es nur _*fuer es* an sich_ war. Indem es also an seinem Gegenstande sein Wissen diesem nicht entsprechend findet, haelt auch der Gegenstand selbst nicht aus; oder der Massstab der Pruefung aendert sich, wenn dasjenige, dessen Massstab er sein sollte, in der Pruefung nicht besteht; und die Pruefung ist nicht nur eine Pruefung des Wissens, sondern auch ihres Massstabes. Diese _dialektische_ Bewegung, welche das Bewusstsein an ihm selbst, sowohl an seinem Wissen als an seinem Gegenstande ausuebt, _insofern ihm der neue wahre Gegenstand_ daraus _entspringt_, ist eigentlich dasjenige, was _Erfahrung_ genannt wird. Es ist in dieser Beziehung an dem soeben erwaehnten Verlaufe ein Moment noch naeher herauszuheben, wodurch sich ueber die wissenschaftliche Seite der folgenden Darstellung ein neues Licht verbreiten wird. Das Bewusstsein weiss _Etwas_, dieser Gegenstand ist das Wesen oder das _An-sich_; er ist aber auch fuer das Bewusstsein das _An-sich_; damit tritt die Zweideutigkeit dieses Wahren ein. Wir sehen, dass das Bewusstsein itzt zwei Gegenstaende hat, den einen das erste _An-sich_, den zweiten das _Fuer-es-sein dieses An-sich_. Der letztere scheint zunaechst nur die Reflexion des Bewusstseins in sich selbst zu sein, ein Vorstellen, nicht eines Gegenstandes, sondern nur seines Wissens von jenem ersten. Allein wie vorhin gezeigt worden, aendert sich ihm dabei der erste Gegenstand; er hoert auf, das An-sich zu sein, und wird ihm zu einem solchen, der nur _fuer es_ das _An-sich_ ist; somit aber ist dann dies: _das Fuer-es-sein dieses An-sich_, das Wahre, das heisst aber, dies ist das _Wesen_, oder sein _Gegenstand_. Dieser neue Gegenstand enthaelt die Nichtigkeit des ersten, er ist die ueber ihn gemachte Erfahrung. An dieser Darstellung des Verlaufs der Erfahrung ist ein Moment, wodurch sie mit demjenigen nicht uebereinzustimmen scheint, was unter der Erfahrung verstanden zu werden pflegt. Der Uebergang naemlich vom ersten Gegenstande und dem Wissen desselben zu dem andern Gegenstande, _an dem_ man sagt, dass die Erfahrung gemacht worden sei, wurde so angegeben, dass das Wissen vom ersten Gegenstande, oder das _Fuer_-das-Bewusstsein des ersten An-sich, der zweite Gegenstand selbst werden soll. Dagegen es sonst scheint, dass wir die Erfahrung von der Unwahrheit unseres ersten Begriffs _an einem andern_ Gegenstande machen, den wir zufaelligerweise und aeusserlich etwa finden, so dass ueberhaupt nur das reine _Auffassen_ dessen, was an und fuer sich ist, in uns falle. In jener Ansicht aber zeigt sich der neue Gegenstand als geworden, durch eine _Umkehrung des Bewusstseins_ selbst. Diese Betrachtung der Sache ist unsere Zutat, wodurch sich die Reihe der Erfahrungen des Bewusstseins zum wissenschaftlichen Gange erhebt, und welche nicht fuer das Bewusstsein ist, das wir betrachten. Es ist aber dies in der Tat auch derselbe Umstand, von welchem oben schon in Ansehung des Verhaeltnisses dieser Darstellung zum Skeptizismus die Rede war, dass naemlich das jedesmalige Resultat, welches sich an einem nicht wahrhaften Wissen ergibt, nicht in ein leeres Nichts zusammenlaufen duerfe, sondern notwendig als Nichts _desjenigen_, dessen _Resultat_ es ist, aufgefasst werden muesse; ein Resultat, welches das enthaelt, was das vorhergehende Wissen Wahres an ihm hat. Dies bietet sich hier so dar, dass, indem das, was zuerst als der Gegenstand erschien, dem Bewusstsein zu einem Wissen von ihm herabsinkt, und das _An-sich_ zu einem _Fuer-das-Bewusstsein-sein_ des _An-sich_ wird, dies der neue Gegenstand ist, womit auch eine neue Gestalt des Bewusstseins auftritt, welcher etwas anderes das Wesen ist als der vorhergehenden. Dieser Umstand ist es, welcher die ganze Folge der Gestalten des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit leitet. Nur diese Notwendigkeit selbst, oder die _Entstehung_ des neuen Gegenstandes, der dem Bewusstsein, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, sich darbietet, ist es, was fuer uns gleichsam hinter seinem Ruecken vorgeht. Es kommt dadurch in seine Bewegung ein Moment des _An-sich-_ oder _Fuer-uns-seins_, welches nicht fuer das Bewusstsein, das in der Erfahrung selbst begriffen ist, sich darstellt; der _Inhalt_ aber dessen, was uns entsteht, ist _fuer es_, und wir begreifen nur das Formelle desselben, oder sein reines Entstehen; _fuer es_ ist dies Entstandene nur als Gegenstand, _fuer uns_ zugleich als Bewegung und Werden. Durch diese Notwendigkeit ist dieser Weg zur Wissenschaft selbst schon _Wissenschaft_, und nach ihrem Inhalte hiemit Wissenschaft der _Erfahrung des Bewusstseins_. Die Erfahrung, welche das Bewusstsein ueber sich macht, kann ihrem Begriffe nach nichts weniger in sich begreifen als das ganze System desselben, oder das ganze Reich der Wahrheit des Geistes, so dass die Momente derselben in dieser eigentuemlichen Bestimmtheit sich darstellen, nicht abstrakte, reine Momente zu sein, sondern so, wie sie fuer das Bewusstsein sind, oder wie dieses selbst in seiner Beziehung auf sie auftritt, wodurch die Momente des Ganzen, _Gestalten des Bewusstseins_ sind. Indem es zu seiner wahren Existenz sich forttreibt, wird es einen Punkt erreichen, auf welchem es seinen Schein ablegt, mit Fremdartigem, das nur fuer es und als ein anderes ist, behaftet zu sein, oder wo die Erscheinung dem Wesen gleich wird, seine Darstellung hiemit mit eben diesem Punkte der eigentlichen Wissenschaft des Geistes zusammenfaellt, und endlich, indem es selbst dies sein Wesen erfasst, wird es die Natur des absoluten Wissens selbst bezeichnen. I. Die sinnliche Gewissheit;oder das Diese und das Meinen Das Wissen, welches zuerst oder unmittelbar unser Gegenstand ist, kann kein anderes sein als dasjenige, welches selbst unmittelbares Wissen, _Wissen_ des _Unmittelbaren_ oder _Seienden_ ist. Wir haben uns ebenso _unmittelbar_ oder _aufnehmend_ zu verhalten, also nichts an ihm, wie es sich darbietet, zu veraendern, und von dem Auffassen das Begreifen abzuhalten. Der konkrete Inhalt der _sinnlichen Gewissheit_ laesst sie unmittelbar als die _reichste_ Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem Reichtum erscheinen, fuer welchen ebensowohl wenn wir im Raume und in der Zeit, als worin er sich ausbreitet, _hinaus-_, als wenn wir uns ein Stueck aus dieser Fuelle nehmen, und durch Teilung in dasselbe _hineingehen_, keine Grenze zu finden ist. Sie erscheint ausserdem als die _wahrhafteste_; denn sie hat von dem Gegenstande noch nichts weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollstaendigkeit vor sich. Diese _Gewissheit_ aber gibt in der Tat sich selbst fuer die abstrakteste und aermste _Wahrheit_ aus. Sie sagt von dem, was sie weiss, nur dies aus: es _ist_; und ihre Wahrheit enthaelt allein das _Sein_ der Sache; das Bewusstsein seinerseits ist in dieser Gewissheit nur als reines _Ich_; oder _Ich_ bin darin nur als reiner _Dieser_, und der Gegenstand ebenso nur als reines _Dieses_. Ich, _dieser_, bin _dieser_ Sache nicht darum gewiss, weil _Ich_ als Bewusstsein hiebei mich entwickelte und mannigfaltig den Gedanken bewegte. Auch nicht darum, weil _die Sache_, deren ich gewiss bin, nach einer Menge unterschiedener Beschaffenheiten eine reiche Beziehung an ihr selbst, oder ein vielfaches Verhalten zu andern waere. Beides geht die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit nichts an; weder Ich noch die Sache hat darin die Bedeutung einer mannigfaltigen Vermittlung; Ich nicht die Bedeutung eines mannigfaltigen Vorstellens oder Denkens, noch die Sache die Bedeutung mannigfaltiger Beschaffenheiten; sondern die Sache _ist_; und sie _ist_, nur weil sie _ist_; sie _ist_, dies ist dem sinnlichen Wissen das Wesentliche, und dieses reine _Sein_ oder diese einfache Unmittelbarkeit macht ihre _Wahrheit_ aus. Ebenso ist die Gewissheit als _Beziehung unmittelbare_ reine Beziehung; das Bewusstsein ist _Ich_, weiter nichts, ein reiner _Dieser_; der _Einzelne_ weiss reines Dieses, oder _das Einzelne_. An dem _reinen Sein_ aber, welches das Wesen dieser Gewissheit ausmacht, und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche Gewissheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein _Beispiel_ derselben. Unter den unzaehligen dabei vorkommenden Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, dass naemlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon genannten _Diesen_, ein _Dieser_ als _Ich_, und ein _Dieses_ als _Gegenstand_ herausfallen. Reflektieren _wir_ ueber diesen Unterschied, so ergibt sich, dass weder das eine noch das andere nur _unmittelbar_, in der sinnlichen Gewissheit ist, sondern zugleich als _vermittelt_; Ich habe die Gewissheit _durch_ ein anderes, naemlich die Sache; und diese ist ebenso in der Gewissheit _durch_ ein anderes, naemlich durch Ich. Diesen Unterschied des Wesens und des Beispiels, der Unmittelbarkeit und der Vermittlung, machen nicht nur wir, sondern wir finden ihn an der sinnlichen Gewissheit selbst; und in der Form, wie er an ihr ist, nicht wie wir ihn soeben bestimmten, ist er aufzunehmen. Es ist in ihr eines als das einfache unmittelbar seiende, oder als das Wesen gesetzt, _der Gegenstand_; das andere aber, als das unwesentliche und vermittelte, welches darin nicht _an sich_, sondern durch ein anderes ist, Ich, _ein Wissen_, das den Gegenstand nur darum weiss, weil er ist, und das sein oder auch nicht sein kann. Der Gegenstand aber _ist_, das Wahre und das Wesen; er _ist_, gleichgueltig dagegen, ob er gewusst wird oder nicht; er bleibt, wenn er auch nicht gewusst wird; das Wissen aber ist nicht, wenn nicht der Gegenstand ist. Der Gegenstand ist also zu betrachten, ob er in der Tat, in der sinnlichen Gewissheit selbst, als solches Wesen ist, fuer welches er von ihr ausgegeben wird; ob dieser sein Begriff, Wesen zu sein, dem entspricht, wie er in ihr vorhanden ist. Wir haben zu dem Ende nicht ueber ihn zu reflektieren und nachzudenken, was er in Wahrheit sein moechte, sondern ihn nur zu betrachten, wie ihn die sinnliche Gewissheit an ihr hat. _Sie_ ist also selbst zu fragen: _Was ist das Diese?_ Nehmen wir es in der gedoppelten Gestalt seines Seins, als das _Itzt_ und als das _Hier_, so wird die Dialektik, die es an ihm hat, eine so verstaendliche Form erhalten, als es selbst ist. Auf die Frage: _Was ist das Itzt?_ antworten wir also zum Beispiel: _Das Itzt ist die Nacht_. Um die Wahrheit dieser sinnlichen Gewissheit zu pruefen, ist ein einfacher Versuch hinreichend. Wir schreiben diese Wahrheit auf; eine Wahrheit kann durch Aufschreiben nicht verlieren; ebensowenig dadurch, dass wir sie aufbewahren. Sehen wir _itzt, diesen Mittag_, die aufgeschriebene Wahrheit wieder an, so werden wir sagen muessen, dass sie schal geworden ist. Das Itzt, welches Nacht ist, wird _aufbewahrt_, das heisst, es wird behandelt als das, fuer was es ausgegeben wird, als ein _Seiendes_; es erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das _Itzt_ selbst erhaelt sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso erhaelt es sich gegen den Tag, der es itzt ist, als ein solches, das auch nicht Tag ist; oder als ein _Negatives_ ueberhaupt. Dieses sich erhaltende Itzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes _dadurch_ bestimmt, dass anderes, naemlich der Tag und die Nacht, nicht ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, _Itzt_, und in dieser Einfachheit gleichgueltig gegen das, was noch bei ihm herspielt; so wenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert. Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder dieses noch jenes, ein _Nichtdieses_, und ebenso gleichgueltig, auch dieses wie jenes zu sein, nennen wir ein _Allgemeines_; das Allgemeine ist also in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewissheit. Als ein Allgemeines _sprechen_ wir auch das Sinnliche _aus_; was wir sagen, ist: _Dieses_, das heisst das _allgemeine Diese_; oder_: es ist_; das heisst das _Sein ueberhaupt_. Wir _stellen_ uns dabei freilich nicht das allgemeine Diese, oder das Sein ueberhaupt _vor_, aber wir _sprechen_ das Allgemeine _aus_; oder wir sprechen schlechthin nicht, wie wir es in dieser sinnlichen Gewissheit _meinen_. Die Sprache aber ist, wie wir sehen, das Wahrhaftere; in ihr widerlegen wir selbst unmittelbar unsere _Meinung_, und da das Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewissheit ist, und die Sprache nur dieses Wahre ausdrueckt, so ist es gar nicht moeglich, dass wir ein sinnliches Sein, das wir _meinen_, je sagen koennen. Es wird derselbe Fall sein mit der andern Form des Dieses, mit _dem Hier_. _Das Hier_ ist zum Beispiel der _Baum_. Ich wende mich um, so ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte verkehrt: _Das Hier ist nicht ein Baum_, sondern vielmehr _ein Haus_. Das _Hier_ selbst verschwindet nicht; sondern _es ist_ bleibend im Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgueltig, Haus, Baum zu sein. Das _Dieses_ zeigt sich also wieder als _vermittelte Einfachheit_, oder als _Allgemeinheit_. Dieser sinnlichen Gewissheit, indem sie an ihr selbst das Allgemeine als die Wahrheit ihres Gegenstandes erweist, bleibt also das _reine Sein_ als ihr Wesen, aber nicht als unmittelbares, sondern ein solches, dem die Negation und Vermittlung wesentlich ist; hiemit nicht als das, was wir unter dem _Sein meinen_, sondern das _Sein_ mit der _Bestimmung_, dass es die Abstraktion oder das rein Allgemeine ist, und _unsere Meinung_, fuer welche das wahre der sinnlichen Gewissheit nicht das Allgemeine ist, bleibt allein diesem leeren oder gleichgueltigen Itzt und Hier gegenueber noch uebrig. Vergleichen wir das Verhaeltnis, in welchem das _Wissen_ und der _Gegenstand_ zuerst auftrat, mit dem Verhaeltnisse derselben, wie sie in diesem Resultate zu stehen kommen, so hat es sich umgekehrt. Der Gegenstand, der das Wesentliche sein sollte, ist nun das Unwesentliche der sinnlichen Gewissheit, denn das Allgemeine, zu dem er geworden ist, ist nicht mehr ein solches, wie er fuer sie wesentlich sein sollte, sondern sie ist itzt in dem Entgegengesetzten, naemlich in dem Wissen, das vorher das Unwesentliche war, vorhanden. Ihre Wahrheit ist in dem Gegenstande als _meinem_ Gegenstande, oder im _Meinen_, er ist, weil _Ich_ von ihm weiss. Die sinnliche Gewissheit ist also zwar aus dem Gegenstande vertrieben, aber dadurch noch nicht aufgehoben, sondern nur in das Ich zurueckgedraengt; es ist zu sehen, was uns die Erfahrung ueber diese ihre Realitaet zeigt. Die Kraft ihrer Wahrheit liegt also nun im _Ich_, in der Unmittelbarkeit meines _Sehens, Hoerens_, und so fort; das Verschwinden des einzelnen Itzt, und Hier, das wir meinen, wird dadurch abgehalten, dass _Ich_ sie festhalte. _Das Itzt ist Tag_, weil ich ihn sehe; _das Hier ein Baum_, eben darum. Die sinnliche Gewissheit erfaehrt aber in diesem Verhaeltnisse dieselbe Dialektik an ihr, als in dem vorigen. _Ich, dieses_, sehe den Baum, und _behaupte den Baum als das Hier_; ein _anderer Ich_ sieht aber das Haus, und behauptet, das Hier sei nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus. Beide Wahrheiten haben dieselbe Beglaubigung, naemlich die Unmittelbarkeit des Sehens, und die Sicherheit und Versicherung beider ueber ihr Wissen; die eine verschwindet aber in der andern. Was darin nicht verschwindet, ist _Ich_, als _allgemeines_, dessen Sehen weder ein Sehen des Baums noch dieses Hauses, sondern ein einfaches Sehen ist, das durch die Negation dieses Hauses und so fort vermittelt, darin ebenso einfach und gleichgueltig gegen das, was noch beiher spielt, gegen das Haus, den Baum ist. Ich ist nur allgemeines, wie _Itzt, Hier_ oder _Dieses_ ueberhaupt; ich meine wohl einen _einzelnen Ich_, aber sowenig ich das, was ich bei Itzt, Hier meine, sagen kann, so wenig bei Ich. Indem ich sage: _dieses Hier, Itzt_ oder ein _Einzelnes_, sage ich: _*alle* diese, alle Hier, Itzt, Einzelne_; ebenso indem ich sage: _Ich, dieser einzelne_ Ich, sage ich ueberhaupt: _*alle* Ich_; jeder ist das was ich sage: _Ich, dieser einzelne Ich_. Wenn der Wissenschaft diese Forderung, als ihr Probierstein, auf dem sie schlechthin nicht aushalten koennte, vorgelegt wird, ein sogenanntes _dieses Ding_, oder einen _diesen Menschen_, zu deduzieren, konstruieren, a priori zu finden oder wie man dies ausdruecken will, so ist billig, dass die Forderung _sage_, welches _dieses_ Ding oder welchen _diesen_ Ich sie meine; aber dies zu sagen ist unmoeglich. Die sinnliche Gewissheit erfaehrt also, dass ihr Wesen weder in dem Gegenstande noch in dem Ich, und die Unmittelbarkeit weder eine Unmittelbarkeit des einen noch des andern ist, denn an beiden ist das, was Ich meine, vielmehr ein Unwesentliches, und der Gegenstand und Ich sind Allgemeine, in welchen dasjenige Itzt und Hier und Ich, das ich meine, nicht bestehen bleibt, oder _ist_. Wir kommen hiedurch dahin, das _Ganze_ der sinnlichen Gewissheit selbst als ihr _Wesen_ zu setzen, nicht mehr nur ein Moment derselben, wie in den beiden Faellen geschehen ist, worin zuerst der dem Ich entgegengesetzte Gegenstand, dann Ich ihre Realitaet sein sollte. Es ist also nur die _ganze_ sinnliche Gewissheit selbst, welche an ihr als _Unmittelbarkeit_ festhaelt, und hiedurch alle Entgegensetzung, die im vorherigen stattfand, aus sich ausschliesst. Diese reine Unmittelbarkeit geht also das Anderssein des Hier als Baums, welches in ein Hier, das Nichtbaum ist, das Anderssein des Itzt als Tages, das in ein Itzt, das Nacht ist, uebergeht, oder ein anderes Ich, dem etwas anderes Gegenstand ist, nichts mehr an. Ihre Wahrheit erhaelt sich als sich selbst gleichbleibende Beziehung, die zwischen dem Ich und dem Gegenstande keinen Unterschied der Wesentlichkeit und Unwesentlichkeit macht, und in die daher auch ueberhaupt kein Unterschied eindringen kann. Ich, dieses, behaupte also das Hier als Baum, und wende mich nicht um, so dass mir das Hier zu einem Nichtbaume wuerde; ich nehme auch keine Notiz davon, dass ein anderer Ich das Hier als Nichtbaum sieht, oder dass Ich selbst, ein anderesmal, das Hier als Nichtbaum, das Itzt als Nicht-Tag nehme, sondern Ich bin reines Anschauen; Ich fuer mich bleibe dabei, das Itzt ist Tag, oder auch dabei, das Hier ist Baum; vergleiche auch nicht das Hier und Itzt selbst miteinander, sondern halte an einer unmittelbaren Beziehung fest: das Itzt ist Tag. Da hiemit diese Gewissheit nicht mehr herzutreten will, wenn wir sie auf ein Itzt, das Nacht ist, oder auf einen Ich, dem es Nacht ist, aufmerksam machen, so treten wir zu ihr hinzu, und lassen uns das Itzt zeigen, das behauptet wird. _Zeigen_ muessen wir es uns lassen, denn die Wahrheit dieser unmittelbaren Beziehung ist die Wahrheit _dieses_ Ich, der sich auf ein _Itzt_ oder ein _Hier_ einschraenkt. Wuerden wir _nachher_ diese Wahrheit vornehmen, oder _entfernt_ davon stehen, so haette sie gar keine Bedeutung, denn wir hoeben die Unmittelbarkeit auf, die ihr wesentlich ist. Wir muessen daher in denselben Punkt der Zeit oder des Raums eintreten, sie uns zeigen, d. h. uns zu demselben diesen Ich, welches das gewiss Wissende ist, machen lassen. Sehen wir also, wie das Unmittelbare beschaffen ist, das uns aufgezeigt wird. Es wird das _Itzt_ gezeigt; _dieses Itzt_. _Itzt_; es hat schon aufgehoert zu sein, indem es gezeigt wird; das _Itzt_, das _ist_, ist ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, dass das Itzt eben dieses ist, indem es ist, schon nicht mehr zu sein. Das Itzt, wie es uns gezeigt wird, ist es ein _gewesenes_; und dies ist seine Wahrheit; es hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, dass es gewesen ist. Aber was _gewesen_ ist, ist in der Tat _kein Wesen_; _es *ist* nicht_, und um das Sein war es zu tun. Wir sehen also in diesem Aufzeigen nur eine Bewegung und folgenden Verlauf derselben: 1) Ich zeige das Itzt auf, es ist als das Wahre behauptet; ich zeige es aber als Gewesenes, oder als ein Aufgehobenes, hebe die erste Wahrheit auf, und 2) Itzt behaupte Ich als die zweite Wahrheit, dass es _gewesen_, aufgehoben ist. 3) Aber das Gewesene ist nicht; Ich hebe das Gewesen- oder Aufgehobensein, die zweite Wahrheit auf, negiere damit die Negation des Itzt, und kehre so zur ersten Behauptung zurueck: dass _Itzt_ ist. Das Itzt und das Aufzeigen des Itzt ist also so beschaffen, dass weder das Itzt noch das Aufzeigen des Itzt ein unmittelbares Einfaches ist, sondern eine Bewegung, welche verschiedene Momente an ihr hat; es wird _Dieses_ gesetzt, es wird aber vielmehr _ein Anderes_ gesetzt, oder das Diese wird aufgehoben: und dieses _Anderssein_ oder Aufheben des ersten wird selbst _wieder aufgehoben_, und so zu dem ersten zurueckgekehrt. Aber dieses in sich reflektierte erste ist nicht ganz genau dasselbe, was es zuerst, naemlich ein _Unmittelbares_, war; sondern es ist eben _ein in sich Reflektiertes_, oder _Einfaches_, welches im Anderssein bleibt, was es ist; ein Itzt, welches absolut viele Itzt ist; und dies ist das wahrhafte Itzt; das Itzt als einfacher Tag, das viele Itzt in sich hat, Stunden; ein solches Itzt, eine Stunde, ist ebenso viele Minuten, und diese Itzt gleichfalls viele Itzt und so fort. --Das _Aufzeigen_ ist also selbst die Bewegung, welche es ausspricht, was das Itzt in Wahrheit ist; naemlich ein Resultat, oder eine Vielheit von Itzt zusammengefasst; und das Aufzeigen ist das Erfahren, dass Itzt _Allgemeines_ ist. Das _aufgezeigte Hier_, das ich festhalte, ist ebenso ein _dieses_ Hier, das in der Tat _nicht dieses_ Hier ist, sondern ein Vornen und Hinten, ein Oben und Unten, ein Rechts und Links ist. Das Oben ist selbst ebenso dieses vielfache Anderssein in oben, unten, und so fort. Das Hier, welches aufgezeigt werden sollte, verschwindet in andern Hier, aber diese verschwinden ebenso; das Aufgezeigte, Festgehaltene und Bleibende ist ein _negatives Dieses_, das nur so _ist_, indem die _Hier_, wie sie sollen, genommen werden, aber darin sich aufheben; es ist eine einfache Komplexion vieler Hier. Das Hier, das gemeint wird, waere der Punkt; er _ist_ aber nicht, sondern, indem er als seiend aufgezeigt wird, zeigt sich das Aufzeigen, nicht unmittelbares Wissen, sondern eine Bewegung, von dem gemeinten Hier aus durch viele Hier in das allgemeine Hier zu sein, welches wie der Tag eine einfache Vielheit der Itzt, so eine einfache Vielheit der Hier ist. Es erhellt, dass die Dialektik der sinnlichen Gewissheit nichts anders als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung, und die sinnliche Gewissheit selbst nichts anders als nur diese Geschichte ist. Das natuerliche Bewusstsein geht deswegen auch zu diesem Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die Erfahrung darueber; aber vergisst es nur ebenso immer wieder, und faengt die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen diese Erfahrung, als allgemeine Erfahrung, auch als philosophische Behauptung, und gar als Resultat des Skeptizismus aufgestellt wird, die Realitaet oder das Sein von aeussern Dingen als _diesen_, oder sinnlichen, habe absolute Wahrheit fuer das Bewusstsein; eine solche Behauptung weiss zugleich nicht, was sie spricht, weiss nicht, dass sie das Gegenteil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des sinnlichen _Diesen_ fuer das Bewusstsein soll allgemeine Erfahrung sein; aber vielmehr ist das Gegenteil allgemeine Erfahrung; jedes Bewusstsein hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beispiel: _das Hier ist ein Baum_, oder _das Itzt ist Mittag_, selbst wieder auf, und spricht das Gegenteil aus: das Hier ist _nicht_ ein Baum, _sondern_ ein Haus; und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine ebensolche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es sofort ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Gewissheit in Wahrheit nur dies erfahren, was wir gesehen haben, das _dieses_ naemlich als ein _Allgemeines_, das Gegenteil dessen, was jene Behauptung allgemeine Erfahrung zu sein versichert.--Bei dieser Berufung auf die allgemeine Erfahrung kann es erlaubt sein, die Ruecksicht auf das Praktische zu antizipieren. In dieser Ruecksicht kann denjenigen, welche jene Wahrheit und Gewissheit der Realitaet der sinnlichen Gegenstaende behaupten, gesagt werden, dass sie in die unterste Schule der Weisheit, naemlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus zurueckzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen. Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realitaet und in der voelligen Gewissheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien, welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist. Die, welche solche Behauptung aufstellen, sagen aber, gemaess vorhergehenden Bemerkungen, auch selbst unmittelbar das Gegenteil dessen, was sie meinen; eine Erscheinung, die vielleicht am faehigsten ist, zum Nachdenken ueber die Natur der sinnlichen Gewissheit zu bringen. Sie sprechen von dem Dasein _aeusserer_ Gegenstaende, welche noch genauer, als _wirkliche_, absolut _einzelne, ganz persoenliche, individuelle_ Dinge, deren jedes seines absolutgleichen nicht mehr hat, bestimmt werden koennen; dies Dasein habe absolute Gewissheit und Wahrheit. Sie meinen _dieses_ Stueck Papier, worauf ich _dies_ schreibe, oder vielmehr geschrieben habe; aber was sie meinen, sagen sie nicht. Wenn sie wirklich dieses Stueck Papier, das sie meinen, _sagen_ wollten, und sie wollten _sagen_, so ist dies unmoeglich, weil das sinnliche Diese, das gemeint wird, der Sprache, die dem Bewusstsein, dem an sich allgemeinen, angehoert, _unerreichbar_ ist. Unter dem wirklichen Versuche, es zu sagen, wuerde es daher vermodern; die seine Beschreibung angefangen, koennten sie nicht vollenden, sondern muessten sie andern ueberlassen, welche von einem Dinge zu sprechen, das nicht _ist_, zuletzt selbst eingestehen wuerden. Sie meinen also wohl _dieses_ Stueck Papier, das hier ein ganz anderes als das obige ist; aber sie sprechen wirkliche _Dinge, aeussere_ oder _sinnliche Gegenstaende, absolut einzelne Wesen_, und so fort, das heisst, sie sagen von ihnen nur das _Allgemeine_; daher was das Unaussprechliche genannt wird, nichts anderes ist, als das Unwahre, Unvernuenftige, bloss Gemeinte.--Wird von etwas weiter nichts gesagt, als dass es ein _wirkliches Ding_, ein _aeusserer Gegenstand_ ist, so ist es nur als das Allerallgemeinste, und damit viel mehr seine _Gleichheit_ mit allem, als die Unterschiedenheit ausgesprochen. Sage ich ein _einzelnes Ding_, so sage ich es vielmehr ebenso als ganz _Allgemeines_, denn alle sind ein einzelnes Ding; und gleichfalls _dieses_ Ding ist alles, was man will. Genauer bezeichnet, als _dieses Stueck Papier_, so ist _alles_ und _jedes_ Papier, ein _dieses_ Stueck Papier, und ich habe nur immer das Allgemeine gesagt. Will ich aber dem Sprechen, welches die goettliche Natur hat, die Meinung unmittelbar zu verkehren, zu etwas anderem zu machen, und so sie gar nicht _zum Worte kommen_ zu lassen, dadurch nachhelfen, dass ich dies Stueck Papier _aufzeige_, so mache ich die Erfahrung, was die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit in der Tat ist; ich zeige es auf, als ein _Hier_, das ein Hier anderer Hier, oder an ihm selbst ein _einfaches Zusammen vieler Hier_, das heisst, ein Allgemeines ist, ich nehme so es auf, wie es in Wahrheit ist, und statt ein Unmittelbares zu wissen, _nehme ich wahr_. II. Die Wahrnehmung;oder das Ding, und die Taeuschung Die unmittelbare Gewissheit nimmt sich nicht das Wahre, denn ihre Wahrheit ist das Allgemeine, sie aber will das _Diese_ nehmen. Die Wahrnehmung nimmt hingegen das, was ihr das Seiende ist, als Allgemeines. Wie die Allgemeinheit ihr Prinzip ueberhaupt, so sind auch ihre in ihr unmittelbar sich unterscheidenden Momente, Ich ein allgemeines, und der Gegenstand ein allgemeiner. Jenes Prinzip ist uns _entstanden_, und unser Aufnehmen der Wahrnehmung daher nicht mehr ein erscheinendes Aufnehmen, wie der sinnlichen Gewissheit, sondern ein notwendiges. In dem Entstehen des Prinzips sind zugleich die beiden Momente, die an ihrer Erscheinung nur _herausfallen_, geworden; das eine naemlich die Bewegung des Aufzeigens, das andere dieselbe Bewegung, aber als Einfaches; jenes das _Wahrnehmen_, dies der _Gegenstand_. Der Gegenstand ist dem Wesen nach dasselbe, was die Bewegung ist, sie die Entfaltung und Unterscheidung der Momente, er das Zusammengefasstsein derselben. Fuer uns oder an sich ist das Allgemeine als Prinzip das _Wesen_ der Wahrnehmung; und gegen diese Abstraktion, die beiden unterschiednen, das Wahrnehmende und das Wahrgenommene das _Unwesentliche_. Aber in der Tat, weil beide selbst das Allgemeine oder das Wesen sind, sind sie beide wesentlich; indem sie aber sich als entgegengesetzte aufeinander beziehen, so kann in der Beziehung nur das eine das wesentliche sein; und der Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen muss sich an sie verteilen. Das eine als das einfache bestimmt, der Gegenstand, ist das Wesen, gleichgueltig dagegen, ob er wahrgenommen wird oder nicht; das Wahrnehmen aber als die Bewegung ist das Unbestaendige, das sein kann oder auch nicht, und das Unwesentliche. Dieser Gegenstand ist nun naeher zu bestimmen, und diese Bestimmung aus dem Resultate, das sich ergeben, kurz zu entwickeln; die ausgefuehrtere Entwicklung gehoert nicht hierher. Da sein Prinzip, das Allgemeine, in seiner Einfachheit ein _vermitteltes_ ist, so muss er dies als seine Natur an ihm ausdruecken; er zeigt sich dadurch als _das Ding von vielen Eigenschaften_. Der Reichtum des sinnlichen Wissens gehoert der Wahrnehmung, nicht der unmittelbaren Gewissheit an, an der er nur das Beiherspielende war, denn nur jene hat die _Negation_, den Unterschied oder die Mannigfaltigkeit an ihrem Wesen. Das Dieses ist also gesetzt als _nicht dieses_, oder als _aufgehoben_; und damit nicht Nichts, sondern ein bestimmtes Nichts, oder _ein Nichts von einem Inhalte_, naemlich _dem Diesen_. Das Sinnliche ist hiedurch selbst noch vorhanden, aber nicht, wie es in der unmittelbaren Gewissheit sein sollte, als das gemeinte Einzelne, sondern als Allgemeines, oder als das, was sich als _Eigenschaft_ bestimmen wird. Das _Aufheben_ stellt seine wahrhafte gedoppelte Bedeutung dar, welche wir an dem Negativen gesehen haben; es ist ein _Negieren_ und ein _Aufbewahren_ zugleich; das Nichts, als _Nichts des Diesen_, bewahrt die Unmittelbarkeit auf, und ist selbst sinnlich, aber eine allgemeine Unmittelbarkeit.--Das Sein aber ist ein Allgemeines dadurch, dass es die Vermittlung oder das Negative an ihm hat; indem es dies an seiner Unmittelbarkeit _ausdrueckt_, ist es eine _unterschiedene, bestimmte_ Eigenschaft. Damit sind zugleich _viele_ solche Eigenschaften, eine die negative der andern, gesetzt. Indem sie in der _Einfachheit_ des Allgemeinen ausgedrueckt sind, beziehen sich diese _Bestimmtheiten_, die eigentlich erst durch eine ferner hinzukommende Bestimmung Eigenschaften sind, _auf sich selbst_, sind _gleichgueltig_ gegeneinander, jede fuer sich, frei von der andern. Die einfache sich selbst gleiche Allgemeinheit selbst aber ist wieder von diesen ihren Bestimmtheiten unterschieden, und frei; sie ist das reine Sich-auf-sich-beziehen, oder das _Medium_, worin diese Bestimmtheiten alle sind, sich also in ihr als in einer _einfachen_ Einheit _durchdringen_, ohne sich aber zu _beruehren_; denn eben durch die Teilnahme an dieser Allgemeinheit sind sie gleichgueltig fuer sich. --Dies abstrakte allgemeine Medium, das die _Dingheit_ ueberhaupt oder das _reine Wesen_ genannt werden kann, ist nichts anderes als das _Hier_ und _Itzt_, wie es sich erwiesen hat, naemlich als ein _einfaches Zusammen_ von vielen, aber die vielen sind _in ihrer Bestimmtheit_ selbst _einfach allgemeine_. Dies Salz ist einfaches Hier, und zugleich vielfach; es ist weiss, und _auch_ scharf, _auch_ kubisch gestaltet, _auch_ von bestimmter Schwere, und so weiter. Alle diese vielen Eigenschaften sind in _einem_ einfachen _Hier_, worin sie sich also durchdringen; keine hat ein anderes Hier als die andere, sondern jede ist allenthalben, in demselben, worin die andere ist; und zugleich, ohne durch verschiedene Hier geschieden zu sein, affizieren sie sich in dieser Durchdringung nicht; das Weisse affiziert oder veraendert das Kubische nicht, beide nicht das Scharfe, und so weiter, sondern da jede selbst einfaches _Sich-auf-sich-beziehen_ ist, laesst sie die andern ruhig und bezieht sich nur durch das gleichgueltige _Auch_ auf sie. Dieses _Auch_ ist also das reine Allgemeine selbst, oder das Medium, die sie so zusammenfassende _Dingheit_. In diesem Verhaeltnisse, das sich ergeben hat, ist nur erst der Charakter der positiven Allgemeinheit beobachtet und entwickelt; es bietet sich aber noch eine Seite dar, welche auch hereingenommen werden muss. Naemlich wenn die vielen bestimmten Eigenschaften schlechterdings gleichgueltig waeren, und sich durchaus nur auf sich selbst bezoegen, so waeren sie keine _bestimmte_; denn sie sind dies nur insofern sie sich _unterscheiden_, und sich _auf andere_ als entgegengesetzte _beziehen_. Nach dieser Entgegensetzung aber koennen sie nicht in der einfachen Einheit ihres Mediums zusammen sein, die ihnen ebenso wesentlich ist als die Negation; die Unterscheidung derselben, insofern sie nicht eine gleichgueltige, sondern ausschliessende, anderes negierende ist, faellt also ausser diesem einfachen Medium; und dieses ist daher nicht nur ein _Auch_, gleichgueltige Einheit, sondern auch _Eins, ausschliessende Einheit_. --Das Eins ist das _Moment der Negation_, wie es selbst auf eine einfache Weise sich auf sich bezieht, und Anderes ausschliesst; und wodurch die _Dingheit_ als _Ding_ bestimmt ist. An der Eigenschaft ist die Negation als _Bestimmtheit_, die unmittelbar eins ist mit der Unmittelbarkeit des Seins, welche durch diese Einheit mit der Negation, Allgemeinheit ist; als _Eins_ aber ist sie, wie sie von dieser Einheit mit dem Gegenteil befreit, und an und fuer sich selbst ist. In diesen Momenten zusammen ist das Ding als das Wahre der Wahrnehmung vollendet, so weit es noetig ist, es hier zu entwickeln. Es ist a) die gleichgueltige passive Allgemeinheit, das _Auch_ der vielen Eigenschaften, oder vielmehr _Materien,_ b) die Negation ebenso als einfach; oder das _Eins_, das Ausschliessen entgegengesetzter Eigenschaften, und g) die vielen _Eigenschaften_ selbst, die Beziehung der zwei ersten Momente; die Negation, wie sie sich auf das gleichgueltige Element bezieht, und sich darin als eine Menge von Unterschieden ausbreitet; der Punkt der Einzelnheit in dem Medium des Bestehens in die Vielheit ausstrahlend. Nach der Seite, dass diese Unterschiede dem gleichgueltigen Medium angehoeren, sind sie selbst allgemein, beziehen sich nur auf sich, und affizieren sich nicht; nach der Seite aber, dass sie der negativen Einheit angehoeren, sind sie zugleich ausschliessend; haben aber diese entgegengesetzte Beziehung notwendig an Eigenschaften, die aus _*ihrem* Auch_ entfernt sind. Die sinnliche Allgemeinheit, oder die _unmittelbare_ Einheit des Seins und des Negativen, ist erst so _Eigenschaft_, insofern das Eins und die reine Allgemeinheit aus ihr entwickelt, und voneinander unterschieden sind, und sie diese miteinander zusammenschliesst; diese Beziehung derselben auf die reinen wesentlichen Momente vollendet erst das _Ding_. So ist nun das Ding der Wahrnehmung beschaffen; und das Bewusstsein ist als Wahrnehmendes bestimmt, insofern dies Ding sein Gegenstand ist; es hat ihn _nur zu nehmen_, und sich als reines Auffassen zu verhalten; was sich ihm dadurch ergibt, ist das Wahre. Wenn es selbst bei diesem Nehmen etwas taete, wuerde es durch solches Hinzusetzen oder Weglassen die Wahrheit veraendern. Indem der Gegenstand das Wahre und Allgemeine, sich selbst Gleiche, das Bewusstsein sich aber das Veraenderliche und Unwesentliche ist, kann es ihm geschehen, dass es den Gegenstand unrichtig auffasst und sich taeuscht. Das Wahrnehmende hat das Bewusstsein der Moeglichkeit der Taeuschung; denn in der Allgemeinheit, welche das Prinzip ist, ist das _Anderssein_ selbst unmittelbar fuer es, aber als das _Nichtige_, Aufgehobene. Sein Kriterium der Wahrheit ist daher die _Sichselbstgleichheit_, und sein Verhalten als sich selbst gleiches aufzufassen. Indem zugleich das verschiedene fuer es ist, ist es ein Beziehen der verschiedenen Momente seines Auffassens aufeinander; wenn sich aber in dieser Vergleichung eine Ungleichheit hervortut, so ist dies nicht eine Unwahrheit des Gegenstandes, denn er ist das sich selbst Gleiche, sondern des Wahrnehmens. Sehen wir nun zu, welche Erfahrung das Bewusstsein in seinem wirklichen Wahrnehmen macht. Sie ist _fuer uns_ in der soeben gegebenen Entwicklung des Gegenstandes und des Verhaltens des Bewusstseins zu ihm schon enthalten; und wird nur die Entwicklung der darin vorhandenen Widersprueche sein.--Der Gegenstand, den Ich aufnehme, bietet sich als _rein Einer_ dar; auch werde ich die Eigenschaft an ihm gewahr, die _allgemein_ ist, dadurch aber ueber die Einzelnheit hinausgeht. Das erste Sein des gegenstaendlichen Wesens als eines Einen war also nicht sein wahres Sein; da er das Wahre ist, faellt die Unwahrheit in mich, und das Auffassen war nicht richtig. Ich muss um der _Allgemeinheit_ der Eigenschaft willen das gegenstaendliche Wesen vielmehr als eine _Gemeinschaft_ ueberhaupt nehmen. Ich nehme nun ferner die Eigenschaft wahr als _bestimmte_, anderem _entgegengesetzte_, und es ausschliessende. Ich fasste das gegenstaendliche Wesen also in der Tat nicht richtig auf, als Ich es als eine _Gemeinschaft_ mit andern oder als die Kontinuitaet bestimmte, und muss, vielmehr um der _Bestimmtheit_ der Eigenschaft willen, die Kontinuitaet trennen, und es als ausschliessendes Eins setzen. An dem getrennten Eins finde ich viele solche Eigenschaften, die einander nicht affizieren, sondern gleichgueltig gegeneinander sind; ich nahm den Gegenstand also nicht richtig wahr, als ich ihn als ein _Ausschliessendes_ auffasste, sondern er ist, wie vorhin nur Kontinuitaet ueberhaupt, so itzt ein allgemeines _gemeinschaftliches Medium_, worin viele Eigenschaften als sinnliche _Allgemeinheiten_, jede fuer sich ist, und als _bestimmte_ die andern ausschliesst. Das Einfache und Wahre, das ich wahrnehme, ist aber hiemit auch nicht ein allgemeines Medium, sondern die _einzelne Eigenschaft_ fuer sich, die aber so weder Eigenschaft noch ein bestimmtes Sein ist; denn sie ist nun weder an einem Eins noch in Beziehung auf andere. Eigenschaft ist sie aber nur am Eins, und bestimmt nur in Beziehung auf andere. Sie bleibt als dies reine Sich-auf-sich-selbst-beziehen nur _sinnliches Sein_ ueberhaupt, da sie den Charakter der Negativitaet nicht mehr an ihr hat; und das Bewusstsein, fuer welches itzt ein sinnliches Sein ist, ist nur ein _Meinen_, das heisst, es ist aus dem Wahrnehmen ganz heraus und in sich zurueckgegangen. Allein das sinnliche Sein und Meinen geht selbst in das Wahrnehmen ueber; ich bin zu dem Anfang zurueckgeworfen, und wieder in denselben, sich in jedem Momente und als Ganzes aufhebenden Kreislauf hineingerissen. Das Bewusstsein durchlauft ihn also notwendig wieder, aber zugleich nicht auf dieselbe Weise wie das erstemal. Es hat naemlich die Erfahrung ueber das Wahrnehmen gemacht, dass das Resultat und das Wahre desselben seine Aufloesung, oder die Reflexion in sich selbst aus dem Wahren ist. Es hat sich hiemit fuer das Bewusstsein bestimmt, wie sein Wahrnehmen wesentlich beschaffen ist, naemlich nicht ein einfaches reines Auffassen, sondern _in seinem Auffassen_ zugleich aus dem Wahren _heraus in sich reflektiert_ zu sein. Diese Rueckkehr des Bewusstseins in sich selbst, die sich in das reine Auffassen unmittelbar--denn sie hat sich als dem Wahrnehmen wesentlich gezeigt--_einmischt_, veraendert das Wahre. Das Bewusstsein erkennt diese Seite zugleich als die seinige, und nimmt sie auf sich, wodurch es also den wahren Gegenstand rein erhalten wird.--Es ist hiemit itzt, wie es bei der sinnlichen Gewissheit geschah, an dem Wahrnehmen die Seite vorhanden, dass das Bewusstsein in sich zurueckgedraengt wird, aber zunaechst nicht in dem Sinne, in welchem dies bei jener der Fall war; als ob in es die _Wahrheit_ des Wahrnehmens fiele, sondern vielmehr erkennt es, dass die _Unwahrheit_, die darin vorkoemmt, in es faellt. Durch diese Erkenntnis aber ist es zugleich faehig, sie aufzuheben; es unterscheidet sein Auffassen des Wahren von der Unwahrheit seines Wahrnehmens, korrigiert diese, und insofern es diese Berichtigung selbst vornimmt, faellt allerdings die Wahrheit als Wahrheit des _Wahrnehmens in dasselbe_. Das Verhalten des Bewusstseins, das nunmehr zu betrachten ist, ist also so beschaffen, dass es nicht mehr bloss wahrnimmt, sondern auch seiner Reflexion in sich bewusst ist, und diese von der einfachen Auffassung selbst abtrennt. Ich werde also zuerst des Dings als _Eines_ gewahr, und habe es in dieser wahren Bestimmung festzuhalten; wenn in der Bewegung des Wahrnehmens etwas dem Widersprechendes vorkommt, so ist dies als meine Reflexion zu erkennen. Es kommen nun in der Wahrnehmung auch verschiedene Eigenschaften vor, welche Eigenschaften des Dings zu sein scheinen; allein das Ding ist Eins und von dieser Verschiedenheit, wodurch es aufhoerte, Eins zu sein, sind wir uns bewusst, dass sie in uns faellt. Dies Ding ist also in der Tat nur weiss, an _unser_ Auge gebracht, scharf _auch_, an _unsre_ Zunge, _auch_ kubisch an _unser_ Gefuehl, und so fort. Die gaenzliche Verschiedenheit dieser Seiten nehmen wir nicht aus dem Dinge, sondern aus uns; sie fallen uns an unserem von der Zunge ganz unterschiedenen Auge und so fort, so auseinander. Wir sind somit das _allgemeine Medium_, worin solche Momente sich absondern und fuer sich sind. Hiedurch also, dass wir die Bestimmtheit, allgemeines Medium zu sein, als unsre Reflexion betrachten, erhalten wir die Sichselbstgleichheit und Wahrheit des Dinges, Eins zu sein. Diese _verschiedenen Seiten_, welche das Bewusstsein auf sich nimmt, sind aber, jede so fuer sich, als in dem allgemeinen Medium sich befindend betrachtet, _bestimmt_; das Weisse ist nur in Entgegensetzung gegen das Schwarze, und so fort, und das Ding Eins gerade dadurch, dass es andern sich entgegensetzt. Es schliesst aber andere nicht, insofern es Eins ist, von sich aus; denn Eins zu sein ist das allgemeine Auf-sich-selbst-beziehen, und dadurch, dass es Eins ist, ist es vielmehr allen gleich; sondern durch die _Bestimmtheit_. Die Dinge selbst also sind _an und fuer sich bestimmte_; sie haben Eigenschaften, wodurch sie sich von andern unterscheiden. Indem die _Eigenschaft_ die _eigene_ Eigenschaft des Dinges, oder eine Bestimmtheit an ihm selbst ist, hat es _mehrere_ Eigenschaften. Denn vors erste ist das Ding das Wahre, es ist _an sich selbst_; und was an ihm ist, ist an ihm als sein eigenes Wesen, nicht um anderer willen; also sind zweitens die bestimmten Eigenschaften nicht nur um anderer Dinge willen, und fuer andere Dinge, sondern an ihm selbst; sie sind aber bestimmte Eigenschaften _an ihm_ nur, indem sie mehrere sich voneinander unterscheidende sind; und drittens, indem sie so in der Dingheit sind, sind sie an und fuer sich und gleichgueltig gegeneinander. Es ist also in Wahrheit das Ding selbst, welches weiss, und _auch_ kubisch, _auch_ scharf, und so fort ist, oder das Ding ist das _Auch_, oder das _allgemeine Medium_, worin die vielen Eigenschaften aussereinander bestehen, ohne sich zu beruehren und aufzuheben; und so genommen wird es als das Wahre genommen. Bei diesem Wahrnehmen nun ist das Bewusstsein zugleich sich bewusst, dass es sich _auch_ in sich selbst reflektiert und in dem Wahrnehmen das dem _Auch_ entgegengesetzte Moment vorkommt. Dies Moment aber ist _Einheit_ des Dings mit sich selbst, welche den Unterschied aus sich ausschliesst. Sie ist es demnach, welche das Bewusstsein auf sich zu nehmen hat; denn das Ding selbst ist das _Bestehen der vielen verschiedenen_ und _unabhaengigen Eigenschaften_. Es wird also von dem Dinge gesagt, _es ist_ weiss, _auch_ kubisch, und _auch_ scharf u. s.f. Aber _insofern_ es weiss ist, ist es nicht kubisch, und _insofern es_ kubisch und auch weiss ist, ist es nicht scharf u.s.f. Das _In-eins-setzen_ dieser Eigenschaften kommt nur dem Bewusstsein zu, welches sie daher an dem Ding nicht in Eins fallen zu lassen hat. Zu dem Ende bringt es das _Insofern_ herbei, wodurch es sie auseinander, und das Ding als das Auch erhaelt. Recht eigentlich wird das _Einssein_ von dem Bewusstsein erst so auf sich genommen, dass dasjenige, was Eigenschaft genannt wurde, als _freie Materie_ vorgestellt wird. Das Ding ist auf diese Weise zum wahrhaften _Auch_ erhoben, indem es eine Sammlung von Materien, und statt Eins zu sein zu einer bloss umschliessenden Oberflaeche wird. Sehen wir zurueck auf dasjenige, was das Bewusstsein vorhin auf sich genommen, und itzt auf sich nimmt; was es vorhin dem Dinge zuschrieb, und itzt ihm zuschreibt, so ergibt sich dass es abwechslungsweise ebensowohl sich selbst als auch das Ding zu beidem macht, zum reinen vielheitslosen _Eins_, wie zu einem in selbststaendige Materien aufgeloesten _Auch_. Das Bewusstsein findet also durch diese Vergleichung, dass nicht nur _sein_ Nehmen des Wahren, die _Verschiedenheit des Auffassens_ und _des In-sich-zurueckgehens_ an ihm hat, sondern dass vielmehr das Wahre selbst, das Ding, sich auf diese gedoppelte Weise zeigt. Es ist hiemit die Erfahrung vorhanden, dass das Ding sich _fuer das_ auffassende _Bewusstsein_ auf eine bestimmte Weise _darstellt_, aber _zugleich_ aus der Weise, in der es sich darbietet, _heraus_ und _in sich reflektiert ist_, oder an ihm selbst eine entgegengesetzte Wahrheit hat. Das Bewusstsein ist also auch aus dieser zweiten Art, sich im Wahrnehmen zu verhalten, naemlich das Ding als das Wahre sich selbst Gleiche, sich aber fuer das Ungleiche, fuer das aus der Gleichheit heraus in sich Zurueckgehende, zu nehmen, selbst heraus, und der Gegenstand ist ihm itzt diese ganze Bewegung, welche vorher an den Gegenstand und an das Bewusstsein verteilt war. Das Ding ist _Eins_, in sich reflektiert; es ist _fuer sich_; aber es ist auch _fuer ein Anderes_; und zwar ist es ein _anderes_ fuer sich, _als es_ fuer Anderes ist. Das Ding ist hienach fuer sich, und _auch_ fuer ein Anderes, ein _gedoppeltes_ verschiedenes Sein; aber es ist _auch Eins_; das Einssein aber widerspricht dieser seiner Verschiedenheit; das Bewusstsein haette hienach dies In-eins-setzen wieder auf sich zu nehmen, und von dem Dinge abzuhalten. Es muesste also sagen, dass das Ding, _insofern_ es fuer sich ist, nicht fuer Anderes ist. Allein dem Dinge selbst kommt auch das Einssein zu, wie das Bewusstsein erfahren hat; das Ding ist wesentlich in sich reflektiert. Das _Auch_, oder der gleichgueltige Unterschied faellt also wohl ebenso in das Ding, als das _Einssein_; aber da beides verschieden, nicht in dasselbe, sondern in _verschiedene_ Dinge; der Widerspruch, der an dem gegenstaendlichen Wesen ueberhaupt ist, verteilt sich an zwei Gegenstaende. Das Ding ist also wohl an und fuer sich, sich selbst gleich; aber diese Einheit mit sich selbst wird durch andere Dinge gestoert; so ist die Einheit des Dings erhalten, und zugleich das Anderssein ausser ihm, so wie ausser dem Bewusstsein. Ob nun zwar so der Widerspruch des gegenstaendlichen Wesens an verschiedene Dinge verteilt ist, so wird darum doch an das abgesonderte einzelne Ding selbst der Unterschied kommen. Die _verschiedenen Dinge_ sind also _fuer sich_ gesetzt; und der Widerstreit faellt in sie so gegenseitig, dass jedes nicht von sich selbst, sondern nur von dem andern verschieden ist. Jedes ist aber hiemit _selbst als ein Unterschiedenes_ bestimmt, und hat den wesentlichen Unterschied von den andern _an ihm_; aber zugleich nicht so, dass dies eine Entgegensetzung an ihm selbst waere, sondern es fuer sich ist _einfache Bestimmtheit_, welche seinen _wesentlichen_ es von andern unterscheidenden Charakter ausmacht. In der Tat ist zwar, da die Verschiedenheit an ihm ist, dieselbe notwendig als _wirklicher_ Unterschied mannigfaltiger Beschaffenheit an ihm. Allein weil die Bestimmtheit das _Wesen_ des Dinges ausmacht, wodurch es von andern sich unterscheidet und fuer sich ist, so ist diese sonstige mannigfaltige Beschaffenheit das _Unwesentliche_. Das Ding hat hiemit zwar in seiner Einheit das _gedoppelte Insofern_ an ihm, aber mit _ungleichem Werte_; wodurch dies Engegengesetztsein also nicht zur wirklichen Entgegensetzung des Dings selbst wird, sondern insofern dies durch seinen _*absoluten* Unterschied_ in Entgegensetzung kommt, hat es sie gegen ein anderes Ding ausser ihm. Die sonstige Mannigfaltigkeit aber ist zwar auch notwendig an dem Dinge, so dass sie nicht von ihm wegbleiben kann, aber sie ist ihm _unwesentlich_. Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt, dass das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin fuer sich erhalten soll. Ding aber, oder fuer sich seiendes Eins ist es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt; und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhoeren des Fuer-sich-seins. Durch den _absoluten Charakter_ gerade und seine Entgegensetzung _verhaelt_ es sich zu _andern_, und ist wesentlich nur dies Verhalten; das Verhaeltnis aber ist die Negation seiner Selbststaendigkeit, und das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde. Die Notwendigkeit der Erfahrung fuer das Bewusstsein, dass das Ding eben durch die Bestimmtheit, welche sein Wesen und sein Fuer-sich-sein ausmacht, zugrunde geht, kann kurz dem einfachen Begriffe nach so betrachtet werden. Das Ding ist gesetzt als _Fuer-sich-sein_, oder als absolute Negation alles Andersseins; daher absolute, nur sich auf sich beziehende Negation; aber die sich auf sich beziehende Negation ist Aufheben _seiner selbst_, oder sein Wesen in einem andern zu haben. In der Tat enthaelt die Bestimmung des Gegenstandes, wie er sich ergeben hat, nichts anderes; er soll eine wesentliche Eigenschaft, welche sein einfaches Fuer-sich-sein ausmacht, bei dieser Einfachheit aber auch die Verschiedenheit an ihm selbst haben, welche zwar _notwendig_ sein, aber nicht die _wesentliche_ Bestimmtheit ausmachen soll. Aber dies ist eine Unterscheidung, welche nur noch in den Worten liegt; das _Unwesentliche_, welches doch zugleich _notwendig_ sein soll, hebt sich selbst auf, oder ist dasjenige, was soeben die Negation seiner selbst genannt wurde. Es faellt hiemit das letzte _Insofern_ hinweg, welches das Fuer-sich-sein und das Sein fuer Anderes trennte; der Gegenstand ist vielmehr _in einer und derselben Ruecksicht das Gegenteil seiner selbst, fuer sich, insofern er fuer Anderes_, und _fuer Anderes, insofern er fuer sich ist_. Er ist _fuer sich_, in sich reflektiert, Eins; aber dies _fuer sich_, in sich reflektiert, Einssein ist mit seinem Gegenteile, dem _Sein fuer ein Anderes_, in einer Einheit, und darum nur als Aufgehobenes gesetzt; oder dies _Fuer-sich-sein_ ist ebenso _unwesentlich_ als dasjenige, was allein das Unwesentliche sein sollte, naemlich das Verhaeltnis zu anderem. Der Gegenstand ist hiedurch in seinen reinen Bestimmtheiten oder in den Bestimmtheiten, welche seine Wesenheit ausmachen sollten, ebenso aufgehoben, als er in seinem sinnlichen Sein zu einem Aufgehobenen wurde. Aus dem sinnlichen Sein wird er ein Allgemeines; aber dies Allgemeine ist, da es _aus dem sinnlichen herkommt_, wesentlich durch dasselbe _bedingt_, und daher ueberhaupt nicht wahrhaft sich selbst gleiche, sondern _mit einem Gegensatze affizierte_ Allgemeinheit, welche sich darum in die Extreme der Einzelnheit und Allgemeinheit, des Eins der Eigenschaften und des Auchs der freien Materien trennt. Diese reinen Bestimmtheiten scheinen die _Wesenheit_ selbst auszudruecken, aber sie sind nur ein _Fuer-sich-sein_, welches mit dem _Sein fuer ein Anderes_ behaftet ist; indem aber beide wesentlich _in einer Einheit_ sind, so ist itzt die unbedingte absolute Allgemeinheit vorhanden, und das Bewusstsein tritt hier erst wahrhaft in das Reich des Verstandes ein. Die sinnliche Einzelnheit also verschwindet zwar in der dialektischen Bewegung der unmittelbaren Gewissheit und wird Allgemeinheit, aber nur _sinnliche Allgemeinheit_. Das Meinen ist verschwunden, und das Wahrnehmen nimmt den Gegenstand, wie _er an sich_ ist, oder als Allgemeines ueberhaupt; die Einzelnheit tritt daher an ihm, als wahre Einzelnheit, als _An-sich-sein_ des _Eins_ hervor, oder als _Reflektiertsein in sich_ selbst. Es ist aber noch ein _bedingtes_ Fuer-sich-sein, _neben welchem_ ein anderes Fuer-sich-sein, die der Einzelnheit entgegengesetzte und durch sie bedingte Allgemeinheit vorkommt; aber diese beiden widersprechenden Extreme sind nicht nur _nebeneinander,_ sondern in _einer_ Einheit, oder, was dasselbe ist, das Gemeinschaftliche beider, das _Fuer-sich-sein_ ist mit dem Gegensatze ueberhaupt behaftet, das heisst, es ist zugleich nicht ein _Fuer-sich-sein_. Diese Momente sucht die Sophisterei des Wahrnehmens von ihrem Widerspruche zu retten, und durch die Unterscheidung der _Ruecksichten_, durch das _Auch_ und _Insofern_ festzuhalten, sowie endlich durch die Unterscheidung des _Unwesentlichen_ und eines ihm entgegengesetzten _Wesens_ das Wahre zu ergreifen. Allein diese Auskunftsmittel, statt die Taeuschung in dem Auffassen abzuhalten, erweisen sich vielmehr selbst als nichtig, und das Wahre, das durch diese Logik des Wahrnehmens gewonnen werden soll, erweist sich in einer und derselben Ruecksicht, das Gegenteil zu sein, und hiemit zu seinem Wesen die unterscheidungs- und bestimmungslose Allgemeinheit zu haben. Diese leeren Abstraktionen der _Einzelnheit_ und der ihr entgegengesetzten _Allgemeinheit_, sowie des _Wesens_, das mit einem Unwesentlichen verknuepft, eines _Unwesentlichen_, das doch zugleich notwendig ist, sind die Maechte, deren Spiel der wahrnehmende, oft so genannte gesunde Menschenverstand ist; er, der sich fuer das gediegne reale Bewusstsein nimmt, ist im Wahrnehmen nur das Spiel _dieser Abstraktionen_; er ist ueberhaupt immer da am aermsten, wo er am reichsten zu sein meint. Indem er von diesen nichtigen Wesen herumgetrieben, von dem einen dem andern in die Arme geworfen wird und durch seine Sophisterei abwechslungsweise itzt das eine, dann das gerad Entgegengesetzte festzuhalten und zu behaupten bemueht, sich der Wahrheit widersetzt, meint er von der Philosophie, sie habe es nur mit _Gedankendingen_ zu tun. Sie hat in der Tat auch damit zu tun, und erkennt sie fuer die reinen Wesen, fuer die absoluten Elemente und Maechte; aber damit erkennt sie dieselben zugleich _in ihrer Bestimmtheit_, und ist darum Meister ueber sie, waehrend jener wahrnehmende Verstand sie fuer das Wahre nimmt, und von ihnen aus einer Irre in die andere geschickt wird. Er selbst kommt nicht zu dem Bewusstsein, dass es solche einfache Wesenheiten sind, die in ihm walten, sondern er meint es immer mit ganz gediegnem Stoffe und Inhalte zu tun zu haben, so wie die sinnliche Gewissheit nicht weiss, dass die leere Abstraktion des reinen Seins ihr Wesen ist; aber in der Tat sind sie es, an welchen er durch allen Stoff und Inhalt hindurch und hin und her laeuft; sie sind der Zusammenhalt und die Herrschaft desselben, und allein dasjenige, was das sinnliche _als Wesen_ fuer das Bewusstsein ist, was seine Verhaeltnisse zu ihm bestimmt, und woran die Bewegung des Wahrnehmens und seines Wahren ablaeuft. Dieser Verlauf, ein bestaendig abwechselndes Bestimmen des Wahren und Aufheben dieses Bestimmens, macht eigentlich das taegliche und bestaendige Leben und Treiben des Wahrnehmenden und in der Wahrheit sich zu bewegen meinenden Bewusstseins aus. Es geht darin unaufhaltsam zu dem Resultate des gleichen Aufhebens aller dieser wesentlichen Wesenheiten oder Bestimmungen fort, ist aber in jedem einzelnen Momente nur dieser _einen Bestimmtheit_ als des Wahren sich bewusst, und dann wieder der entgegengesetzten. Es wittert wohl ihre Unwesenheit; sie gegen die drohende Gefahr zu retten, geht es zur Sophisterei ueber, das, was es selbst soeben als das Nichtwahre behauptete, itzt als das Wahre zu behaupten. Wozu diesen Verstand eigentlich die Natur dieser unwahren Wesen treiben will, die Gedanken von jener _Allgemeinheit_ und _Einzelnheit_, vom _Auch_ und _Eins_, von jener _Wesentlichkeit_, die mit einer _Unwesentlichkeit notwendig_ verknuepft ist, und von einem _Unwesentlichen_, das doch notwendig ist,--die _Gedanken_ von diesen Unwesen _zusammenzubringen_ und sie dadurch aufzuheben, dagegen straeubt er sich durch die Stuetzen des _Insofern_ und der verschiedenen _Ruecksichten_, oder dadurch, den einen Gedanken auf sich zu nehmen, um den andern getrennt und als den wahren zu erhalten. Aber die Natur dieser Abstraktionen bringt sie an und fuer sich zusammen, der gesunde Verstand ist der Raub derselben, die ihn in ihrem wirbelnden Kreise umhertreiben. Indem er ihnen die Wahrheit dadurch geben will, dass er bald die Unwahrheit derselben auf sich nimmt, bald aber auch die Taeuschung einen Schein der unzuverlaessigen Dinge nennt und das Wesentliche von einem ihnen notwendigen, und doch unwesentlich sein sollenden abtrennt, und jenes als ihre Wahrheit gegen dieses festhaelt, erhaelt er ihnen nicht ihre Wahrheit, sich aber gibt er die Unwahrheit. III. Kraft und Verstand,Erscheinung und uebersinnliche Welt Dem Bewusstsein ist in der Dialektik der sinnlichen Gewissheit das Hoeren und Sehen u.s.w. vergangen, und als Wahrnehmen ist es zu Gedanken gekommen, welche es aber erst im unbedingt Allgemeinen zusammenbringt. Dies Unbedingte waere nun selbst wieder nichts anders als das auf eine Seite tretende _Extrem_ des _Fuer-sich-seins_, wenn es als ruhiges einfaches Wesen genommen wuerde, denn so traete ihm das Unwesen gegenueber; aber auf dieses bezogen waere es selbst unwesentlich, und das Bewusstsein nicht aus der Taeuschung des Wahrnehmens herausgekommen; allein es hat sich als ein solches ergeben, welches aus einem solchen bedingten Fuer-sich-sein in sich zurueckgegangen ist.--Dies unbedingte Allgemeine, das nunmehr der wahre Gegenstand des Bewusstseins ist, ist noch als _Gegenstand_ desselben; es hat seinen _Begriff_ als _Begriff_ noch nicht erfasst. Beides ist wesentlich zu unterscheiden; dem Bewusstsein ist der Gegenstand aus dem Verhaeltnisse zu einem andern in sich zurueckgegangen, und hiemit _an sich_ Begriff geworden; aber das Bewusstsein ist noch nicht fuer sich selbst der Begriff, und deswegen erkennt es in jenem reflektierten Gegenstande nicht sich. _Fuer uns_ ist dieser Gegenstand durch die Bewegung des Bewusstseins so geworden, dass dieses in das Werden desselben verflochten, und die Reflexion auf beiden Seiten dieselbe, oder nur _eine_ ist. Weil aber das Bewusstsein in dieser Bewegung nur das gegenstaendliche Wesen, nicht das Bewusstsein als solches zu seinem Inhalte hatte, so ist fuer es das Resultat in gegenstaendlicher Bedeutung zu setzen, und das Bewusstsein noch von dem gewordenen zuruecktretend, so dass ihm dasselbe als Gegenstaendliches das Wesen ist. Der Verstand hat damit zwar seine eigne Unwahrheit und die Unwahrheit des Gegenstandes aufgehoben; und was ihm dadurch geworden, ist der Begriff des Wahren; als _an sich_ seiendes Wahres, das noch nicht Begriff ist, oder das des _Fuer-sich-seins_ des Bewusstseins entbehrt, und das der Verstand, ohne sich darin zu wissen, gewaehren laesst. Dieses treibt sein Wesen fuer sich selbst; so dass das Bewusstsein keinen Anteil an seiner freien Realisierung hat, sondern ihr nur zusieht, und sie rein auffasst. _Wir_ haben hiemit noch vors erste an seine Stelle zu treten, und der Begriff zu sein, welcher das ausbildet, was in dem Resultate enthalten ist; an diesem ausgebildeten Gegenstande, der dem Bewusstsein als ein seiendes sich darbietet, wird es sich erst zum begreifenden Bewusstsein. Das Resultat war das unbedingt Allgemeine, zunaechst in dem negativen und abstrakten Sinne, dass das Bewusstsein seine einseitigen Begriffe negierte, und sie abstrahierte, naemlich sie aufgab. Das Resultat hat aber an sich die positive Bedeutung, dass darin die Einheit, _des Fuer-sich-seins_ und _des Fuer-ein-Anderes-seins_, oder der absolute Gegensatz unmittelbar als dasselbe Wesen gesetzt ist. Es scheint zunaechst nur die Form der Momente zueinander zu betreffen; aber das Fuer-sich-sein und das Fuer-Anderes-sein ist ebensowohl der _Inhalt_ selbst, weil der Gegensatz in seiner Wahrheit keine andere Natur haben kann, als die sich im Resultate ergeben hat, dass naemlich der in der Wahrnehmung fuer wahr gehaltene Inhalt in der Tat nur der Form angehoert, und in ihre Einheit sich aufloest. Dieser Inhalt ist zugleich allgemein; es kann keinen andern Inhalt geben, der durch seine besondere Beschaffenheit sich dem entzoege, in diese unbedingte Allgemeinheit zurueckzugehen. Ein solcher Inhalt waere irgendeine bestimmte Weise, fuer sich zu sein, und zu Anderem sich zu verhalten. Allein _fuer sich zu sein_, und _zu Anderem sich zu verhalten ueberhaupt_, macht seine _Natur_ und _Wesen_ aus, deren Wahrheit ist, unbedingt Allgemeines zu sein; und das Resultat ist schlechthin allgemein. Weil aber dies unbedingt Allgemeine Gegenstand fuer das Bewusstsein ist, so tritt an ihm der Unterschied der Form und des Inhalts hervor, und in der Gestalt des Inhalts haben die Momente das Aussehen, in welchem sie sich zuerst darboten, einerseits allgemeines Medium vieler bestehender Materien, und anderseits in sich reflektiertes Eins, worin ihre Selbststaendigkeit vertilgt ist, zu sein. Jenes ist die Aufloesung der Selbststaendigkeit des Dinges, oder die Passivitaet, die ein Sein fuer ein Anderes ist, dies aber das Fuer-sich-sein. Es ist zu sehen, wie diese Momente in der unbedingten Allgemeinheit, die ihr Wesen ist, sich darstellen. Es erhellt zunaechst, dass sie dadurch, dass sie nur in dieser sind, ueberhaupt nicht mehr auseinander liegen, sondern wesentlich an ihnen selbst sich aufhebende Seiten sind, und nur das Uebergehen derselben ineinander gesetzt ist. Das eine Moment erscheint also als das auf die Seite getretene Wesen, als allgemeines Medium oder als das Bestehen selbststaendiger Materien. Die _Selbststaendigkeit_ dieser Materien aber ist nichts anders als dies Medium; oder dies _Allgemeine_ ist durchaus die _Vielheit_ solcher verschiedenen Allgemeinen. Das Allgemeine ist an ihm selbst in ungetrennter Einheit mit dieser Vielheit, heisst aber, diese Materien sind, jede wo die andere ist, sie durchdringen sich gegenseitig--ohne aber sich zu beruehren, weil umgekehrt das viele Unterschiedene ebenso selbststaendig ist. Damit ist zugleich auch ihre reine Porositaet oder ihr Aufgehobensein gesetzt. Dies Aufgehobensein wieder, oder die Reduktion dieser Verschiedenheit zum _reinen Fuer-sich-sein_ ist nichts anders als das Medium selbst und dies die _Selbststaendigkeit_ der Unterschiede. Oder die selbststaendig gesetzten gehen unmittelbar in ihre Einheit, und ihre Einheit unmittelbar in die Entfaltung ueber, und diese wieder zurueck in die Reduktion. Diese Bewegung ist aber dasjenige, was _Kraft_ genannt wird; das eine Moment derselben, naemlich sie als Ausbreitung der selbststaendigen Materien in ihrem Sein, ist ihre _Aeusserung_; sie aber als das Verschwundensein derselben ist die in sich aus ihrer Aeusserung _zurueckgedraengte_, oder _die eigentliche Kraft_. Aber erstens die in sich zurueckgedraengte Kraft _muss_ sich aeussern; und zweitens in der Aeusserung ist sie ebenso _in sich_ selbst seiende Kraft, als sie in diesem In-sich-selbst-sein Aeusserung ist.--Indem wir so beide Momente in ihrer unmittelbaren Einheit erhalten, so ist eigentlich der Verstand, dem der Begriff der Kraft angehoert, _der Begriff_, welcher die unterschiedenen Momente als unterschiedene traegt; denn _an ihr selbst_ sollen sie nicht unterschieden sein; der Unterschied ist hiemit nur im Gedanken.--Oder es ist im obigen nur erst der Begriff der Kraft, nicht ihre Realitaet gesetzt worden. In der Tat aber ist die Kraft das unbedingt Allgemeine, welches, was es _fuer ein Anderes_, ebenso an sich selbst ist; oder welches den Unterschied--denn er ist nichts anderes, als das _Fuer-ein-Anderes-sein_--an ihm selbst hat. Dass also die Kraft in ihrer Wahrheit sei, muss sie ganz vom Gedanken frei gelassen und als die Substanz dieser Unterschiede gesetzt werden, das heisst _einmal, sie_ als diese ganze Kraft wesentlich _an und fuer sich_ bleibend, und _dann_ ihre _Unterschiede_ als _substantiell_, oder als fuer sich bestehende Momente. Die Kraft als solche, oder als in sich zurueckgedraengte ist hiemit fuer sich als ein _ausschliessendes_ Eins, welchem die Entfaltung der Materien ein _anderes bestehendes Wesen_ ist, und es sind so zwei unterschiedne selbststaendige Seiten gesetzt. Aber die Kraft ist auch das Ganze, oder sie bleibt, was sie ihrem Begriffe nach ist, naemlich diese _Unterschiede_ bleiben reine Formen, oberflaechliche _verschwindende Momente. Die Unterschiede_ der in sich _zurueckgedraengten_ eigentlichen Kraft und der _Entfaltung_ der selbststaendigen Materien waeren zugleich gar nicht, wenn sie nicht ein _Bestehen_ haetten, oder die Kraft waere nicht, wenn sie nicht auf diese entgegengesetzte Weise _existierte_; aber, sie existiert auf diese entgegengesetzte Weise, heisst nichts anderes, als beide Momente sind selbst zugleich _selbststaendig_.--Diese Bewegung des Sich-bestaendig-verselbststaendigens der beiden Momente und ihres Sich-wieder-aufhebens ist es also, was zu betrachten ist.--Es erhellt im allgemeinen, dass diese Bewegung nichts anderes ist als die Bewegung des Wahrnehmens, worin die beiden Seiten, das Wahrnehmende und das Wahrgenommene zugleich, einmal als das _Auffassen_ des Wahren eins und ununterschieden, dabei aber ebensowohl jede Seite in sich _reflektiert_ oder fuer sich ist. Hier sind diese beiden Seiten Momente der Kraft; sie sind ebensowohl in einer Einheit, als diese Einheit, welche gegen die fuer sich seienden Extreme als die Mitte erscheint, sich immer in eben diese Extreme zersetzt, die erst dadurch sind.--Die Bewegung, welche sich vorhin als das Sich-selbst-vernichten widersprechender Begriffe darstellte, hat also hier die _gegenstaendliche_ Form, und ist Bewegung der Kraft, als deren Resultat das unbedingt Allgemeine als _Ungegenstaendliches_, oder als _Innres_ der Dinge hervorgeht. Die Kraft ist, wie sie bestimmt worden, indem sie als _solche_, oder als _in sich reflektiert_ vorgestellt wird, die eine Seite ihres Begriffs; aber als ein substantiiertes Extrem, und zwar das unter der Bestimmtheit des Eins gesetzte. Hiemit ist das _Bestehen_ der entfalteten Materien aus ihr ausgeschlossen, und ein _Anderes_ als sie. Indem es notwendig ist, dass _sie selbst_ dieses _Bestehen_ sei, oder dass sie sich _aeussere_, so stellt sich ihre Aeusserung so vor, dass _jenes andere_ zu ihr _hinzutritt_, und sie sollizitiert. Aber in der Tat, indem sie _notwendig_ sich aeussert, hat sie dies, was als ein anderes Wesen gesetzt war, an ihr selbst. Es muss zurueckgenommen werden, dass sie als _ein Eins_, und ihr Wesen, sich zu aeussern, als ein Anderes zu ihr von aussen Hinzutretendes gesetzt wurde; sie ist vielmehr selbst dies allgemeine Medium des Bestehens der Momente als Materien; oder _sie hat sich geaeussert_, und was das andere Sollizitierende sein sollte, ist sie vielmehr. Sie existiert also itzt als das Medium der entfalteten Materien. Aber sie hat gleich wesentlich die Form des Aufgehobenseins der bestehenden Materien, oder ist wesentlich _Eins_; _dies Eins-sein_ ist hiemit _itzt_, da _sie_ gesetzt ist als das Medium von Materien, _ein anderes als sie_, und sie hat dies ihr Wesen ausser ihr. Indem sie aber notwendig dies sein muss, als was sie _noch nicht_ gesetzt ist, so _tritt dies andere hinzu_ und sollizitiert sie zur Reflexion in sich selbst, oder hebt ihre Aeusserung auf. In der Tat aber ist _sie selbst_ dieses In-sich-reflektiert-sein, oder dies Aufgehobensein der Aeusserung; das Einssein verschwindet, _wie_ es erschien, naemlich als _ein anderes_; _sie ist es selbst_, sie ist in sich zurueckgedraengte Kraft. Das, was als Anderes auftritt, und sie sowohl zur Aeusserung als zur Rueckkehr in sich selbst sollizitiert, ist, wie sich unmittelbar ergibt, _selbst Kraft_; denn das Andre zeigt sich ebensowohl als allgemeines Medium wie als Eins; und so, dass jede dieser Gestalten zugleich nur als verschwindendes Moment auftritt. Die Kraft ist hiemit dadurch, dass ein Anderes fuer sie, und sie fuer ein Anderes ist, ueberhaupt noch nicht aus ihrem Begriffe herausgetreten. Es sind aber zugleich zwei Kraefte vorhanden; der Begriff beider zwar derselbe, aber aus seiner Einheit in die Zweiheit herausgegangen. Statt dass der Gegensatz durchaus wesentlich nur Moment bliebe, scheint er sich durch die Entzweiung in ganz _selbststaendige Kraefte_ der Herrschaft der Einheit entzogen zu haben. Was es mit dieser Selbststaendigkeit fuer eine Bewandtnis hat, ist naeher zu sehen. Zunaechst tritt die zweite Kraft als das Sollizitierende, und zwar als allgemeines Medium seinem Inhalte nach gegen die auf, welche als sollizitierte bestimmt ist; indem aber jene wesentlich Abwechslung dieser beiden Momente und selbst Kraft ist, so ist sie in der Tat gleichfalls _nur erst_ allgemeines Medium, _indem sie dazu sollizitiert wird_, und ebenso auch nur negative Einheit, oder zum Zurueckgehen der Kraft Sollizitierendes, _dadurch, dass sie sollizitiert wird_. Es verwandelt sich hiemit auch dieser Unterschied, der zwischen beiden stattfand, dass das eine das _Sollizitierende_, das andere das _Sollizitierte_ sein sollte, in dieselbe Austauschung der Bestimmtheiten gegeneinander. Das Spiel der beiden Kraefte besteht hiemit in diesem entgegengesetzten Bestimmtsein beider, ihrem Fuereinander-sein in dieser Bestimmung, und der absoluten unmittelbaren Verwechslung der Bestimmungen--einem Uebergange, wodurch allein diese Bestimmungen sind, in denen die Kraefte _selbststaendig_ aufzutreten scheinen. Das Sollizitierende ist, zum Beispiel, als allgemeines Medium, und dagegen das Sollizitierte als zurueckgedraengte Kraft gesetzt; aber jenes ist allgemeines Medium selbst nur dadurch, dass das andere zurueckgedraengte Kraft ist; oder diese ist vielmehr das Sollizitierende fuer jenes, und macht dasselbe erst zum Medium. Jenes hat nur durch das andere seine Bestimmtheit, und ist sollizitierend, nur insofern es vom andern dazu sollizitiert wird, sollizitierend zu sein; und es verliert ebenso unmittelbar diese ihm gegebene Bestimmtheit; denn diese geht an das andere ueber oder vielmehr ist schon an dasselbe uebergegangen; das fremde die Kraft Sollizitierende tritt als allgemeines Medium auf, aber nur dadurch, dass es von ihr dazu sollizitiert worden ist; das heisst aber, _sie setzt_ es so und _ist_ vielmehr _selbst wesentlich_ allgemeines Medium; sie setzt das Sollizitierende so, darum weil diese andere Bestimmung _ihr_ wesentlich, das heisst, weil _sie vielmehr sie selbst ist._ Zur Vervollstaendigung der Einsicht in den Begriff dieser Bewegung kann noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich die Unterschiede selbst in einem gedoppelten Unterschiede zeigen, _einmal_ als Unterschiede des _Inhalts_, indem das eine Extrem in sich reflektierte Kraft, das andere aber Medium der Materien ist; das _andremal_ als Unterschiede der _Form_, indem das eine Sollizitierendes, das andre Sollizitiertes, jenes taetig, dies passiv ist. Nach dem Unterschiede des Inhalts _sind_ sie ueberhaupt, oder fuer uns unterschieden; nach dem Unterschiede der Form aber sind sie selbststaendig, in ihrer Beziehung sich voneinander selbst abscheidend und entgegengesetzt. Dass so die Extreme nach diesen beiden Seiten nichts _an sich_, sondern diese Seiten, worin ihr unterschiedenes Wesen bestehen sollte, nur verschwindende Momente, ein unmittelbares Uebergehen jeder in die entgegengesetzte sind, dies wird fuer das Bewusstsein in der Wahrnehmung der Bewegung der Kraft. Fuer uns aber war, wie oben erinnert, auch noch dies, dass an sich die Unterschiede als _Unterschiede des Inhalts und der Form_ verschwanden, und auf der Seite der Form dem Wesen nach das _taetige, sollizitierende_ oder _Fuer-sich-seiende_ dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als in sich zurueckgedraengte Kraft; das passive, _sollizitierte_, oder Fuer-ein-Anderes-seiende auf der Seite der Form dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als allgemeines Medium der vielen Materien sich darstellte. Es ergibt sich hieraus, dass der Begriff der Kraft durch die Verdopplung in zwei Kraefte _wirklich_ wird, und wie er dies wird. Diese zwei Kraefte existieren als fuer sich seiende Wesen; aber ihre Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, dass ihr Sein vielmehr ein reines _Gesetztsein durch ein Anderes_ ist, das heisst, dass ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des _Verschwindens_ hat. Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes fuer sich behielten, und nur eine aeussere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre Beruehrung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser Mitte und Beruehrung. Es ist darin unmittelbar ebensowohl das In-sich-zurueckgedraengt- oder _das Fuer-sich-sein_ der Kraft wie die Aeusserung, das Sollizitieren wie das Sollizitiertsein; diese Momente hiemit nicht an zwei selbststaendige Extreme verteilt, welche sich nur eine entgegengesetzte Spitze boeten, sondern ihr Wesen ist dies schlechthin, jedes nur durchs andere, und was jede so durchs andre ist, unmittelbar nicht mehr zu sein, indem sie es ist. Sie haben hiemit in der Tat keine eignen Substanzen, welche sie truegen und erhielten. Der _Begriff_ der Kraft erhaelt sich vielmehr als _das Wesen_ in seiner _Wirklichkeit_ selbst; die _Kraft als wirkliche_ ist schlechthin nur in der _Aeusserung_, welche zugleich nichts anders als ein Sich-selbst-aufheben ist. Diese _wirkliche_ Kraft vorgestellt als frei von ihrer Aeusserung und fuer sich seiend, ist sie die in sich zurueckgedraengte Kraft, aber diese Bestimmtheit ist in der Tat, wie sich ergeben hat, selbst nur ein Moment der _Aeusserung_. Die Wahrheit der Kraft bleibt also nur der _Gedanke_ derselben; und haltungslos stuerzen die Momente ihrer Wirklichkeit, ihre Substanzen und ihre Bewegung in eine ununterschiedene Einheit zusammen, welche nicht die in sich zurueckgedraengte Kraft ist, denn diese ist selbst nur ein solches Moment, sondern diese Einheit ist _ihr Begriff, als Begriff_. Die Realisierung der Kraft ist also zugleich Verlust der Realitaet; sie ist darin vielmehr ein ganz Anderes geworden, naemlich diese _Allgemeinheit_, welche der Verstand zuerst oder unmittelbar als ihr Wesen erkennt, und welche sich auch als ihr Wesen an ihrer seinsollenden Realitaet, an den wirklichen Substanzen erweist. Insofern wir _das erste_ Allgemeine als den _Begriff_ des Verstandes betrachten, worin die Kraft noch nicht fuer sich ist, so ist das zweite itzt ihr _Wesen_, wie es sich _an_ und _fuer sich_ darstellt. Oder umgekehrt, betrachten wir das erste Allgemeine als das _Unmittelbare_, das ein _wirklicher_ Gegenstand fuer das Bewusstsein sein sollte, so ist dies zweite als das _Negative_ der sinnlich gegenstaendlichen Kraft bestimmt; es ist sie, wie sie in ihrem wahren Wesen nur als _Gegenstand des Verstandes_ ist; jenes erste waere die in sich zurueckgedraengte Kraft oder sie als Substanz; dies zweite aber ist das _Innere_ der Dinge, als _Inneres_, welches mit dem Begriffe als Begriff dasselbe ist. Dieses wahrhafte Wesen der Dinge hat sich itzt so bestimmt, dass es nicht unmittelbar fuer das Bewusstsein ist, sondern dass dieses ein mittelbares Verhaeltnis zu dem Innern hat, und als Verstand _durch diese Mitte des Spiels der Kraefte in den wahren Hintergrund der Dinge blickt_. Die Mitte, welche die beiden Extreme, den Verstand und das Innere, zusammenschliesst, ist das entwickelte _Sein_ der Kraft, das fuer den Verstand selbst nunmehr ein _Verschwinden_ ist. Es heisst darum _Erscheinung_; denn Schein nennen wir das _Sein_, das unmittelbar an ihm selbst ein _Nichtsein_ ist. Es ist aber nicht nur ein Schein, sondern Erscheinung, ein _Ganzes_ des Scheins. Dies _Ganze_ als Ganzes oder _Allgemeines_ ist es, was das _Innere_ ausmacht, das _Spiel der Kraefte_, als _Reflexion_ desselben in sich selbst. In ihm sind fuer das Bewusstsein auf gegenstaendliche Weise die Wesen der Wahrnehmung _so gesetzt_, wie sie an sich sind, naemlich als unmittelbar in das Gegenteil ohne Ruhe und Sein sich verwandelnde Momente, das Eins unmittelbar in das Allgemeine, das Wesentliche unmittelbar in das Unwesentliche und umgekehrt. Dies Spiel der Kraefte ist daher das entwickelte Negative, aber die Wahrheit desselben ist das Positive, naemlich das _Allgemeine_, der _an sich_ seiende Gegenstand.--Das _Sein_ desselben _fuer das_ Bewusstsein ist vermittelt durch die Bewegung der _Erscheinung_, worin das _Sein der Wahrnehmung_ und das sinnlich Gegenstaendliche ueberhaupt nur negative Bedeutung hat, das Bewusstsein also daraus sich in sich als in das Wahre reflektiert, aber als Bewusstsein wieder dies Wahre zum gegenstaendlichen _Innern_ macht, und diese Reflexion der Dinge von seiner Reflexion in sich selbst unterscheidet; wie ihm die vermittelnde Bewegung ebenso noch eine gegenstaendliche ist. Dies Innere ist ihm daher ein Extrem gegen es; aber es ist ihm darum das Wahre, weil es darin als in dem _An-sich_ zugleich die Gewissheit seiner selbst oder das Moment seines Fuer-sich-seins hat; aber dieses Grundes ist es sich noch nicht bewusst, denn das _Fuer-sich-sein_, welches das Innre an ihm selbst haben sollte, waere nichts anderes als die negative Bewegung, aber diese ist dem Bewusstsein noch die _gegenstaendliche_ verschwindende Erscheinung, noch nicht sein _eignes_ Fuer-sich-sein; das Innre ist ihm daher wohl Begriff, aber es kennt die Natur des Begriffes noch nicht. In diesem _innern Wahren_, als dem _absolut Allgemeinen_, welches vom _Gegensatze_ des Allgemeinen und Einzelnen gereinigt und _fuer den Verstand_ geworden ist, schliesst sich erst ueber der _sinnlichen_ als der _erscheinenden Welt_ nunmehr eine _uebersinnliche_ als die _wahre_ Welt auf, ueber dem verschwindenden _Diesseits_ das bleibende _Jenseits_; ein An-sich, welches die erste und darum selbst unvollkommene Erscheinung der Vernunft, oder nur das reine Element ist, worin die Wahrheit ihr _Wesen_ hat. _Unser Gegenstand_ ist hiemit nunmehr der Schluss, welcher zu seinen Extremen, das Innere der Dinge, und den Verstand, und zu seiner Mitte die Erscheinung hat; die Bewegung dieses Schlusses aber gibt die weitere Bestimmung dessen, was der Verstand durch die Mitte hindurch im Innern erblickt, und die Erfahrung, welche er ueber dieses Verhaeltnis des Zusammengeschlossenseins macht. Noch ist das Innere _reines Jenseits_ fuer das Bewusstsein, denn es findet sich selbst in ihm noch nicht; es ist _leer_, denn es ist nur das Nichts der Erscheinung und positiv das einfache Allgemeine. Diese Weise des Innern zu sein, stimmt unmittelbar denjenigen bei, welche sagen, dass das Innre der Dinge nicht zu erkennen sei; aber der Grund wuerde anders gefasst werden muessen. Von diesem Innern, wie es hier unmittelbar ist, ist allerdings keine Kenntnis vorhanden, aber nicht deswegen, weil die Vernunft zu kurzsichtig, oder beschraenkt, oder wie man es sonst nennen will, waere; worueber hier noch nichts bekannt ist, denn so tief sind wir noch nicht eingedrungen; sondern um der einfachen Natur der Sache selbst willen, weil naemlich im _Leeren_ nichts erkannt wird, oder von der andern Seite ausgesprochen, weil es eben als das _Jenseits_ des Bewusstseins bestimmt ist.--Das Resultat ist freilich dasselbe, wenn ein Blinder in den Reichtum der uebersinnlichen Welt--wenn sie einen hat, er sei nun eigentuemlicher Inhalt derselben, oder das Bewusstsein selbst sei dieser Inhalt--und wenn ein Sehender in die reine Finsternis, oder wenn man will, in das reine Licht, wenn sie nur dieses ist, gestellt wird; der Sehende sieht in seinem reinen Lichte so wenig als in seiner reinen Finsternis, und gerade so viel als der Blinde in der Fuelle des Reichtums, der vor ihm laege. Wenn es mit dem Innern und dem Zusammengeschlossensein mit ihm durch die Erscheinung weiter nichts waere, so bliebe nichts uebrig, als sich an die Erscheinung zu halten, das heisst, etwas als wahr zu nehmen, von dem wir wissen, dass es nicht wahr ist; oder damit doch in dem leeren, welches zwar erst als Leerheit von gegenstaendlichen Dingen geworden, aber, _als Leerheit an sich_, auch fuer die Leerheit aller geistigen Verhaeltnisse und der Unterschiede des Bewusstseins als Bewusstseins genommen werden muss--damit also in diesem so _ganz Leeren_, welches auch das _Heilige_ genannt wird, doch etwas sei, es mit Traeumereien, _Erscheinungen_, die das Bewusstsein sich selbst erzeugt, zu erfuellen; es muesste sich gefallen lassen, dass so schlecht mit ihm umgegangen wird, denn es waere keines bessern wuerdig, indem Traeumereien selbst noch besser sind als seine Leerheit. Das Innere oder das uebersinnliche Jenseits ist aber _entstanden_, es _kommt_ aus der Erscheinung her, und sie ist seine Vermittlung; oder _die Erscheinung ist sein Wesen_, und in der Tat seine Erfuellung. Das Uebersinnliche ist das Sinnliche und Wahrgenommene gesetzt, wie es in _Wahrheit_ ist; die _Wahrheit_ des _Sinnlichen_ und Wahrgenommenen aber ist, _Erscheinung_ zu sein. Das Uebersinnliche ist also die _Erscheinung_ als _Erscheinung_.--Wenn dabei gedacht wird, das Uebersinnliche sei _also_ die sinnliche Welt, oder die Welt, wie sie _fuer die unmittelbare sinnliche Gewissheit und Wahrnehmung ist_, so ist dies ein verkehrtes Verstehen; denn die Erscheinung ist vielmehr _nicht_ die Welt des sinnlichen Wissens und Wahrnehmens als seiende, sondern sie _als aufgehobene_ oder in Wahrheit _als innere gesetzt_. Es pflegt gesagt zu werden, das Uebersinnliche sei _nicht_ die Erscheinung; dabei wird aber unter der Erscheinung nicht die Erscheinung verstanden, sondern vielmehr die _sinnliche_ Welt, als selbst reelle Wirklichkeit. Der Verstand, welcher unser Gegenstand ist, befindet sich auf eben dieser Stelle, dass ihm das Innere nur erst als das allgemeine noch unerfuellte _An-sich_ geworden; das Spiel der Kraefte hat nur eben diese negative Bedeutung, nicht an sich und nur diese positive, das _Vermittelnde_, aber ausser ihm zu sein. Seine Beziehung auf das Innre durch die Vermittlung aber ist seine Bewegung, durch welche es sich ihm erfuellen wird.--_Unmittelbar_ fuer ihn ist das Spiel der Kraefte; das _Wahre_ aber ist ihm das einfache Innre; die Bewegung der Kraft ist daher ebenso nur als _Einfaches_ ueberhaupt das Wahre. Von diesem Spiele der Kraefte haben wir aber gesehen, dass es diese Beschaffenheit hat, dass die Kraft, welche _sollizitiert_ wird von einer andern Kraft, ebenso das _Sollizitierende_ fuer diese andere ist, welche selbst erst hierdurch sollizitierende wird. Es ist hierin ebenso nur der unmittelbare Wechsel oder das absolute Austauschen der _Bestimmtheit_ vorhanden, welche den einzigen _Inhalt_ des Auftretenden ausmacht; entweder allgemeines Medium oder negative Einheit zu sein. Es hoert in seinem bestimmten Auftreten selbst unmittelbar auf, das zu sein, als was es auftritt; es sollizitiert durch sein bestimmtes Auftreten die andere Seite, die sich hiedurch _aeussert_; das heisst, diese ist unmittelbar itzt das, was die erste sein sollte. Diese beiden Seiten, das _Verhaeltnis_ des Sollizitierens und das _Verhaeltnis_ des bestimmten entgegengesetzten Inhalts ist _jedes fuer sich_ die absolute Verkehrung und Verwechslung. Aber diese beiden Verhaeltnisse sind selbst wieder dasselbe, und der Unterschied der _Form_, das Sollizitierte und das Sollizitierende zu sein, ist dasselbe, was der Unterschied des _Inhalts_ ist, das Sollizitierte als solches, naemlich das passive Medium; das Sollizitierende hingegen das taetige, die negative Einheit oder das Eins. Hiedurch verschwindet aller Unterschied _besonderer Kraefte_, die in dieser Bewegung vorhanden sein sollten, gegeneinander ueberhaupt; denn sie beruhten allein auf jenen Unterschieden; und der Unterschied der Kraefte faellt ebenso mit jenen beiden nur in einen zusammen. Es ist also weder die Kraft noch das Sollizitieren und Sollizitiert-werden, noch die Bestimmtheit, bestehendes Medium und in sich reflektierte Einheit zu sein, weder einzeln fuer sich etwas, noch sind es verschiedene Gegensaetze; sondern was in diesem absoluten Wechsel ist, ist nur der _Unterschied als allgemeiner_ oder als ein solcher, in welchen sich die vielen Gegensaetze reduziert haben. Dieser _Unterschied als allgemeiner_ ist daher _das Einfache an dem Spiele der Kraft selbst_, und das Wahre desselben; er ist das _Gesetz der Kraft_. Zu dem _einfachen Unterschiede_ wird die absolut wechselnde Erscheinung, durch ihre Beziehung auf die Einfachheit des Innern oder des Verstandes. Das Innre ist zunaechst nur das an sich Allgemeine; dies an sich einfache _Allgemeine_ ist aber wesentlich ebenso absolut der _allgemeine Unterschied_; denn es ist das Resultat des Wechsels selbst, oder der Wechsel ist sein Wesen; aber der Wechsel, als im Innern gesetzt, wie er in Wahrheit ist, in dasselbe hiemit als ebenso absolut allgemeiner, beruhigter, sich gleich bleibender Unterschied aufgenommen. Oder die Negation ist wesentliches Moment des Allgemeinen, und sie oder die Vermittlung also im Allgemeinen ist _allgemeiner Unterschied_. Er ist im _Gesetze_ ausgedrueckt, als dem _bestaendigen_ Bilde der unsteten Erscheinung. Die _uebersinnliche_ Welt ist hiemit ein _ruhiges Reich von Gesetzen_, zwar jenseits der wahrgenommenen Welt, denn diese stellt das Gesetz nur durch bestaendige Veraenderung dar, aber in ihr ebenso _gegenwaertig_, und ihr unmittelbares stilles Abbild. Dies Reich der Gesetze ist zwar die Wahrheit des Verstandes, welche an dem Unterschiede, der in dem Gesetze ist, den _Inhalt_ hat; es ist aber zugleich nur seine _erste Wahrheit_, und fuellt die Erscheinung nicht aus. Das Gesetz ist in ihr gegenwaertig, aber es ist nicht ihre ganze Gegenwart; es hat unter immer andern Umstaenden eine immer andere Wirklichkeit. Es bleibt dadurch der Erscheinung _fuer sich_ eine Seite, welche nicht im Innern ist; oder sie ist in Wahrheit noch nicht als _Erscheinung_, als _aufgehobenes_ Fuer-sich-sein gesetzt. Dieser Mangel des Gesetzes muss sich an ihm selbst ebenso hervortun. Was ihm zu mangeln scheint, ist, dass es zwar den Unterschied selbst an ihm hat, aber als allgemeinen, unbestimmten. Insofern es aber nicht _das_ Gesetz ueberhaupt, sondern _ein_ Gesetz ist, hat es die Bestimmtheit an ihm; und es sind damit unbestimmt _viele_ Gesetze vorhanden. Allein diese Vielheit ist vielmehr selbst ein Mangel; sie widerspricht naemlich dem Prinzip des Verstandes, welchem als Bewusstsein des einfachen Innern, die an sich allgemeine _Einheit_ das Wahre ist. Die vielen Gesetze muss er darum vielmehr in _ein_ Gesetz zusammenfallen lassen. Wie zum Beispiel das Gesetz, nach welchem der Stein faellt, und das Gesetz, nach welchem die himmlischen Sphaeren sich bewegen, als _ein_ Gesetz begriffen worden ist. Mit diesem Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre Bestimmtheit; das Gesetz wird immer oberflaechlicher, und es ist damit in der Tat nicht die Einheit _dieser bestimmten_ Gesetze, sondern ein ihre Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das _eine_ Gesetz, welches die Gesetze des Falles der Koerper an der Erde und der himmlischen Bewegung in sich vereint, sie beide in der Tat nicht ausdrueckt. Die Vereinigung aller Gesetze in der _allgemeinen Attraktion_ drueckt keinen Inhalt weiter aus als eben den _blossen Begriff des Gesetzes selbst_, der darin als _seiend_ gesetzt ist. Die allgemeine Attraktion sagt nur dies, dass _alles einen bestaendigen Unterschied zu anderem_ hat. Der Verstand meint dabei, ein allgemeines Gesetz gefunden zu haben, welches die allgemeine Wirklichkeit _als solche_ ausdruecke; aber hat in der Tat nur den _Begriff_ des _Gesetzes selbst_ gefunden; jedoch so, dass er zugleich dies damit aussagt, _alle_ Wirklichkeit ist _an ihr selbst_ gesetzmaessig. Der Ausdruck der _allgemeinen Attraktion_ hat darum insofern grosse Wichtigkeit, als er gegen das gedankenlose _Vorstellen_ gerichtet ist, welchem alles in der Gestalt der Zufaelligkeit sich darbietet, und welchem die Bestimmtheit die Form der sinnlichen Selbststaendigkeit hat. Es steht somit den bestimmten Gesetzen die allgemeine Attraktion, oder der reine Begriff des Gesetzes, gegenueber. Insofern dieser reine Begriff, als das Wesen, oder als das wahre Innere betrachtet wird, gehoert die _Bestimmtheit_ des bestimmten Gesetzes selbst noch der Erscheinung oder vielmehr dem sinnlichen Sein an. Allein der reine _Begriff_ des Gesetzes geht nicht nur ueber das Gesetz, welches, selbst ein _bestimmtes_, _andern bestimmten_ Gesetzen gegenuebersteht, sondern er geht auch _ueber das Gesetz_ als solches hinaus. Die Bestimmtheit, von welcher die Rede war, ist eigentlich selbst nur verschwindendes Moment, welches hier nicht mehr als Wesenheit vorkommen kann; denn es ist nur das Gesetz als das Wahre vorhanden; aber der _Begriff_ des Gesetzes ist gegen _das Gesetz_ selbst gekehrt. An dem Gesetze naemlich ist der Unterschied selbst _unmittelbar_ aufgefasst und in das Allgemeine aufgenommen, damit aber ein _Bestehen_ der Momente, deren Beziehung es ausdrueckt, als gleichgueltiger und an sich seiender Wesenheiten. Diese Teile des Unterschieds am Gesetze sind aber zugleich selbst bestimmte Seiten; der reine Begriff des Gesetzes als allgemeine Attraktion muss in seiner wahren Bedeutung so aufgefasst werden, dass in ihm als absolut _Einfachem_ die _Unterschiede_, die an dem Gesetze als solchem vorhanden sind, selbst wieder _in das Innre als einfache Einheit zurueckgehen_; sie ist die innre _Notwendigkeit_ des Gesetzes. Das Gesetz ist dadurch auf eine gedoppelte Weise vorhanden, das einemal als Gesetz, an dem die Unterschiede als selbststaendige Momente ausgedrueckt sind; das anderemal in der Form des _einfachen_ In-sich-Zurueckgegangen-seins, welche wieder _Kraft_ genannt werden kann, aber so, dass sie nicht die zurueckgedraengte, sondern die Kraft ueberhaupt oder als der Begriff der Kraft ist, eine Abstraktion, welche die Unterschiede dessen, was attrahiert und attrahiert wird, selbst in sich zieht. So ist, zum Beispiel, die _einfache_ Elektrizitaet die _Kraft_; der Ausdruck des Unterschieds aber faellt in _das Gesetz_; dieser Unterschied ist positive und negative Elektrizitaet. Bei der Bewegung des Falles ist die _Kraft_ das einfache, die _Schwere_, welche das _Gesetz_ hat, dass die Groessen der unterschiedenen Momente der Bewegung, der verflossenen _Zeit_, und des durchlaufenen _Raums_, sich wie Wurzel und Quadrat zueinander verhalten. Die Elektrizitaet selbst ist nicht der Unterschied an sich oder in ihrem Wesen das Doppelwesen von positiver und negativer Elektrizitaet; daher man zu sagen pflegt, sie _habe_ das Gesetz, auf diese Weise _zu sein_, auch wohl, sie _habe die Eigenschaft_, so sich zu aeussern. Diese Eigenschaft ist zwar wesentliche und einzige Eigenschaft dieser Kraft, oder sie ist ihr _notwendig_. Aber die Notwendigkeit ist hier ein leeres Wort; die Kraft _muss_ eben, _weil_ sie _muss_, so sich verdoppeln. Wenn freilich _positive_ Elektrizitaet gesetzt ist, ist auch _negative an sich_ notwendig; denn das _Positive_ ist nur als Beziehung auf ein _Negatives_, oder das Positive ist _an ihm selbst_ der Unterschied von sich selbst, wie ebenso das Negative. Aber dass die Elektrizitaet als solche sich so teile, dies ist nicht an sich das Notwendige; sie als _einfache Kraft_ ist gleichgueltig gegen ihr Gesetz, als positive und negative _zu sein;_ und wenn wir jenes ihren Begriff, dies aber ihr Sein nennen, so ist ihr Begriff gleichgueltig gegen ihr Sein; sie _hat_ nur diese Eigenschaft; d.h. eben, es ist ihr nicht _an sich_ notwendig. --Diese Gleichgueltigkeit erhaelt eine andere Gestalt, wenn gesagt wird, dass es zur _Definition_ der Elektrizitaet gehoert, als positive und negative zu sein, oder dass dies schlechthin _ihr Begriff und Wesen_ ist. Alsdenn hiesse ihr Sein _ihre Existenz_ ueberhaupt; in jener Definition liegt aber nicht die _Notwendigkeit ihrer Existenz_; sie ist entweder, weil man sie _findet_, das heisst, sie ist gar nicht notwendig; oder ihre Existenz ist durch andere Kraefte, das heisst, ihre Notwendigkeit ist eine aeussere. Damit aber, dass die Notwendigkeit, in die Bestimmtheit _des Seins durch Anderes_ gelegt wird, fallen wir wieder in die _Vielheit_ der bestimmten Gesetze zurueck, die wir soeben verliessen, um _das Gesetz_ als Gesetz zu betrachten; nur mit diesem ist sein _Begriff_ als Begriff oder seine Notwendigkeit zu vergleichen, die sich aber in allen diesen Formen nur noch als ein leeres Wort gezeigt hat. Noch auf andere als die angezeigte Weise ist die Gleichgueltigkeit des Gesetzes und der Kraft, oder des Begriffs und des Seins vorhanden. In dem Gesetze der Bewegung z.B. ist es notwendig, dass die Bewegung in Zeit und Raum sich _teile_, oder dann auch in Entfernung und Geschwindigkeit. Indem die Bewegung nur das Verhaeltnis jener Momente ist, so ist sie, das Allgemeine, hier wohl _an sich selbst_ geteilt; aber nun druecken diese Teile, Zeit und Raum, oder Entfernung und Geschwindigkeit, nicht an ihnen diesen Ursprung aus _einem_ aus; sie sind gleichgueltig gegeneinander, der Raum wird vorgestellt ohne die Zeit, die Zeit ohne den Raum, und die Entfernung wenigstens ohne die Geschwindigkeit sein zu koennen--so wie ihre Groessen gleichgueltig gegeneinander sind; indem sie sich nicht _wie Positives und Negatives_ verhalten, hiemit nicht durch _ihr Wesen_ aufeinander beziehen. Die Notwendigkeit der _Teilung_ ist also hier wohl vorhanden; aber nicht der _Teile_ als solcher fuereinander. Darum ist aber auch jene erste selbst nur eine vorgespiegelte falsche Notwendigkeit; die Bewegung ist naemlich nicht selbst als _einfaches_ oder als reines Wesen vorgestellt; sondern _schon_ als geteilt; Zeit und Raum sind ihre _selbststaendigen_ Teile oder _Wesen an ihnen selbst_, oder Entfernung und Geschwindigkeit Weisen des Seins oder Vorstellens, deren eine wohl ohne die andere sein kann, und die Bewegung daher nur ihre _oberflaechliche_ Beziehung, nicht ihr Wesen. Als einfaches Wesen oder als Kraft vorgestellt ist sie wohl die _Schwere_, welche aber diese Unterschiede ueberhaupt nicht in ihr enthaelt. Der Unterschied also ist in beiden Faellen kein _Unterschied an sich selbst_; entweder ist das Allgemeine, die Kraft, gleichgueltig gegen die Teilung, welche im Gesetze ist, oder die Unterschiede, Teile des Gesetzes sind es gegeneinander. Der Verstand _hat_ aber den Begriff _dieses Unterschiedes an sich_, eben darin, dass das Gesetz einesteils das Innre, _An-sich_-seiende, aber _an ihm_ zugleich _Unterschiedne_ ist; dass dieser Unterschied hiemit _innrer_ Unterschied sei, ist darin vorhanden, dass das Gesetz _einfache_ Kraft, oder als _Begriff_ desselben ist, also ein _Unterschied des Begriffes_. Aber dieser innre Unterschied faellt nur erst noch _in den Verstand_; und ist noch nicht _an der Sache selbst gesetzt_. Es ist also nur die _eigne_ Notwendigkeit, was der Verstand ausspricht; einen Unterschied, den er also nur so macht, dass er es zugleich ausdrueckt, dass der Unterschied kein _Unterschied der Sache selbst sei_. Diese Notwendigkeit, die nur im Worte liegt, ist hiemit die Hererzaehlung der Momente, die den Kreis derselben ausmachen; sie werden zwar unterschieden, ihr Unterschied aber zugleich, kein Unterschied der Sache selbst zu sein, ausgedrueckt, und daher selbst sogleich wieder aufgehoben; diese Bewegung heisst _Erklaeren_. Es wird also ein _Gesetz_ ausgesprochen, von diesem wird sein an sich Allgemeines, oder der Grund, als die _Kraft_, unterschieden; aber von diesem Unterschiede wird gesagt, dass er keiner, sondern vielmehr der Grund ganz so beschaffen sei wie das Gesetz. Die einzelne Begebenheit des Blitzes zum Beispiel wird als Allgemeines aufgefasst, und dies Allgemeine als das _Gesetz_ der Elektrizitaet ausgesprochen: die Erklaerung fasst alsdenn das _Gesetz_ in die _Kraft_ zusammen, als das Wesen des Gesetzes. Diese Kraft ist dann _so beschaffen_, dass, wenn sie sich aeussert, entgegengesetzte Elektrizitaeten hervortreten, die wieder ineinander verschwinden, das heisst, _die Kraft ist gerade so beschaffen wie das Gesetz_; es wird gesagt, dass beide gar nicht unterschieden seien. Die Unterschiede sind die reine allgemeine Aeusserung oder das Gesetz, und die reine Kraft; beide haben aber _denselben_ Inhalt, _dieselbe_ Beschaffenheit; der Unterschied als Unterschied des Inhalts, d.h. der _Sache_ wird also auch wieder zurueckgenommen. In dieser tautologischen Bewegung beharrt, wie sich ergibt, der Verstand bei der ruhigen Einheit seines Gegenstandes, und die Bewegung faellt nur in ihn selbst, nicht in den Gegenstand; sie ist ein Erklaeren, das nicht nur nichts erklaert, sondern so klar ist, dass es, indem es Anstalten macht, etwas Unterschiedenes von dem schon Gesagten zu sagen, vielmehr nichts sagt, sondern nur dasselbe wiederholt. An der Sache selbst entsteht durch diese Bewegung nichts Neues, sondern sie kommt als Bewegung des Verstandes in Betracht. In ihr aber erkennen wir nun eben dasjenige, was an dem Gesetze vermisst wurde, naemlich den absoluten Wechsel selbst, denn diese _Bewegung_, wenn wir sie naeher betrachten, ist unmittelbar das Gegenteil ihrer selbst. Sie setzt naemlich _einen Unterschied_, welcher nicht nur fuer uns _kein Unterschied_ ist, sondern welchen sie selbst als Unterschied aufhebt. Es ist dies derselbe Wechsel, der sich als das Spiel der Kraefte darstellte; es war in ihm der Unterschied des Sollizitierenden und Sollizitierten, der sich aeussernden und der in sich zurueckgedraengten Kraft; aber es waren Unterschiede, die in Wahrheit keine waren, und sich darum auch unmittelbar wieder aufhoben. Es ist nicht nur die blosse Einheit vorhanden, so dass _kein Unterschied gesetzt_ waere, sondern es ist diese _*Bewegung*_, dass _allerdings ein Unterschied gemacht, aber_, weil er keiner ist, _wieder aufgehoben wird_.--Mit dem Erklaeren also ist der Wandel und Wechsel, der vorhin ausser dem Innern nur an der Erscheinung war, in das Uebersinnliche selbst eingedrungen; unser Bewusstsein ist aber aus dem Innern als Gegenstande auf die andere Seite in den _Verstand_ heruebergegangen, und hat in ihm den Wechsel. Dieser Wechsel ist so noch nicht ein Wechsel der Sache selbst, sondern stellt sich vielmehr eben dadurch als _reiner Wechsel_ dar, dass der _Inhalt_ der Momente des Wechsels derselbe bleibt. Indem aber der _Begriff_ als Begriff des Verstandes dasselbe ist, was das _Innre_ der Dinge, so wird _dieser Wechsel als Gesetz des Innern_ fuer ihn. Er _erfaehrt_ also, dass es _Gesetz der Erscheinung selbst_ ist, dass Unterschiede werden, die keine Unterschiede sind; oder dass das _Gleichnamige_ sich von sich selbst _abstoesst_; und ebenso, dass die Unterschiede nur solche sind, die in Wahrheit keine sind, und sich aufheben; oder dass das _Ungleichnamige_ sich _anzieht_.--Ein _zweites Gesetz_, dessen Inhalt demjenigen, was vorher Gesetz genannt wurde, naemlich dem sich bestaendigen gleichbleibenden Unterschiede entgegengesetzt ist; denn dies neue drueckt vielmehr das _Ungleichwerden des Gleichen_, und das _Gleichwerden des Ungleichen_ aus. Der Begriff mutet der Gedankenlosigkeit zu, beide Gesetze zusammenzubringen, und ihrer Entgegensetzung bewusst zu werden. --Gesetz ist das zweite freilich auch, oder ein inneres sichselbstgleiches Sein, aber eine Sichselbstgleichheit vielmehr der Ungleichheit, eine Bestaendigkeit der Unbestaendigkeit.--An dem Spiele der Kraefte ergab sich dieses Gesetz als eben dieses absolute Uebergehen, und als reiner Wechsel; das _Gleichnamige_, die Kraft, _zersetzt_ sich in einen Gegensatz, der zunaechst als ein selbststaendiger Unterschied erscheint, aber welcher sich in der Tat _keiner zu sein_ erweist; denn es ist das _Gleichnamige_, was sich von sich selbst abstoesst, und dies Abgestossene zieht sich daher wesentlich an, denn es ist _dasselbe_; der gemachte Unterschied, da er keiner ist, hebt sich also wieder auf. Er stellt sich hiemit als Unterschied _der Sache selbst_, oder als absoluter Unterschied dar, und dieser Unterschied der _Sache_ ist also nichts anders als das Gleichnamige, das sich von sich abgestossen hat, und daher nur einen Gegensatz setzt, der keiner ist. Durch dies Prinzip wird das erste Uebersinnliche, das ruhige Reich der Gesetze, das unmittelbare Abbild der wahrgenommenen Welt in sein Gegenteil umgekehrt; das Gesetz war ueberhaupt das sich _Gleichbleibende_, wie seine Unterschiede; itzt aber ist gesetzt, dass beides vielmehr das Gegenteil seiner selbst ist; das sich _Gleiche_ stoesst sich vielmehr von sich ab, und das sich Ungleiche setzt sich vielmehr als das sich Gleiche. In der Tat ist nur mit dieser Bestimmung der Unterschied der _innre_, oder Unterschied _an sich selbst_, indem das Gleiche sich ungleich, das Ungleiche sich gleich ist.--_Diese zweite uebersinnliche Welt_ ist auf diese Weise die _verkehrte_ Welt; und zwar, indem eine Seite schon an der ersten uebersinnlichen Welt vorhanden ist, die _verkehrte_ dieser _ersten_. Das Innere ist damit als Erscheinung vollendet. Denn die erste uebersinnliche Welt war nur die _unmittelbare_ Erhebung der wahrgenommenen Welt in das allgemeine Element; sie hatte ihr notwendiges Gegenbild an dieser, welche noch _fuer sich das Prinzip des Wechsels_ und _der Veraenderung_ behielt; das erste Reich der Gesetze entbehrte dessen, erhaelt es aber als verkehrte Welt. Nach dem Gesetze dieser verkehrten Welt ist also das _Gleichnamige_ der ersten das _Ungleiche_ seiner selbst, und das _Ungleiche_ derselben ist ebenso _ihm selbst ungleich_, oder es wird sich _gleich_. An bestimmten Momenten wird dies sich so ergeben, dass was im Gesetze der ersten suess, in diesem verkehrten An-sich sauer; was in jenem schwarz, in diesem weiss ist. Was im Gesetz der erstern am Magnete Nordpol, ist in seinem andern uebersinnlichen An-sich (in der Erde naemlich) Suedpol; was aber dort Suedpol ist, hier Nordpol. Ebenso was im ersten Gesetze der Elektrizitaet Sauerstoffpol ist, wird in seinem andern uebersinnlichen Wesen Wasserstoffpol; und umgekehrt, was dort der Wasserstoffpol ist, wird hier der Sauerstoffpol. In einer andern Sphaere ist nach dem _unmittelbaren Gesetze_ Rache an dem Feinde die hoechste Befriedigung der verletzten Individualitaet. _Dieses Gesetz_ aber, dem, der mich nicht als Selbstwesen behandelt, mich als Wesen gegen ihn zu zeigen, und ihn vielmehr als Wesen aufzuheben, ver_kehrt_ sich durch das Prinzip der andern Welt _in das entgegengesetzte_, die Wiederherstellung meiner als des Wesens durch das Aufheben des fremden Wesens in Selbstzerstoerung. Wenn nun diese Verkehrung, welche in der _Strafe_ des Verbrechens dargestellt wird, zum _Gesetze_ gemacht ist, so ist auch sie wieder nur das Gesetz der einen Welt, welche eine ver_kehrte_ uebersinnliche Welt sich _gegenueberstehen_ hat, in welcher das, was in jener verachtet ist, zu Ehren, was in jener in Ehren steht, in Verachtung kommt. Die nach dem _Gesetze der ersten_ den Menschen schaendende und vertilgende Strafe verwandelt sich in ihrer _verkehrten Welt_ in die sein Wesen erhaltende, und ihn zu Ehren bringende Begnadigung. Oberflaechlich angesehen ist diese verkehrte Welt so das Gegenteil der ersten, dass sie dieselbe ausser ihr hat, und jene erste als eine verkehrte _Wirklichkeit_ von sich abstoesst, die _eine_ die _Erscheinung_, die _andere_ aber das _An-sich_, die _eine_ ist, wie sie _fuer ein anderes_, die _andere_ dagegen, wie sie _fuer sich_ ist; so dass, um die vorigen Beispiele zu gebrauchen, was suess schmeckt, _eigentlich_, oder _innerlich_ am Dinge, sauer, oder was am wirklichen Magnete der Erscheinung Nordpol ist, am _innern oder wesentlichen Sein_ Suedpol waere; was an der erscheinenden Elektrizitaet als Sauerstoffpol sich darstellt, an der nichterscheinenden Wasserstoffpol waere. Oder eine Handlung, die in der _Erscheinung_ Verbrechen ist, sollte _im Innern_ eigentlich gut sein (eine schlechte Handlung eine gute Absicht haben) koennen; die Strafe nur _in der Erscheinung_ Strafe, _an sich_ oder in einer andern Welt aber Wohltat fuer den Verbrecher sein. Allein solche Gegensaetze von Innerem und Aeusserem, von Erscheinung und Uebersinnlichem, als von zweierlei Wirklichkeiten, sind hier nicht mehr vorhanden. Die abgestossenen Unterschiede verteilen sich nicht von neuem an zwei solche Substanzen, welche sie truegen und ihnen ein getrenntes Bestehen verliehen; wodurch der Verstand aus dem Innern heraus wieder auf seine vorige Stelle zurueckfiele. Die eine Seite oder Substanz waere wieder die Welt der Wahrnehmung, worin das eine der beiden Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenueber eine innre Welt, _gerade eine solche sinnliche Welt_ wie die erste, aber in der _Vorstellung_; sie koennte nicht als sinnliche Welt aufgezeigt, nicht gesehen, gehoert, geschmeckt werden, und doch wuerde sie vorgestellt, als eine solche sinnliche Welt. Aber in der Tat, wenn _das eine Gesetzte_ ein Wahrgenommenes ist, und sein _An-sich_, als das Verkehrte desselben, ebenso ein _sinnlich Vorgestelltes_, so ist das Saure, was das An-sich des _suessen_ Dinges waere, ein so wirkliches Ding wie es, ein _saures_ Ding; das Schwarze, welches das An-sich des Weissen waere, ist das wirkliche Schwarze; der Nordpol, welcher das An-sich des Suedpols ist, ist der _an demselben Magnete vorhandne_ Nordpol; der Sauerstoffpol, der das An-sich des Wasserstoffpols ist, der _vorhandne_ Sauerstoffpol derselben Saeule. Das _wirkliche_ Verbrechen aber hat _seine Verkehrung_, und _sein An-sich_ als _Moeglichkeit_ in _der Absicht_ als solcher, aber nicht in einer guten; denn die Wahrheit der Absicht ist nur die Tat selbst. Das Verbrechen seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion in sich oder seine Verkehrung an der _wirklichen_ Strafe; diese ist die Aussoehnung des Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit. Die _wirkliche_ Strafe endlich hat so ihre _verkehrte_ Wirklichkeit an ihr, dass sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch die Taetigkeit, die es als Strafe hat, _sich selbst aufhebt_, es aus taetigem wieder _ruhiges_ und geltendes Gesetz wird, und die Bewegung der Individualitaet gegen es, und seiner gegen sie erloschen ist. Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen Seite der uebersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des Unterschieds, als innrer Unterschied, Abstossen des Gleichnamigen als Gleichnamigen von sich selbst, und Gleichsein des Ungleichen als Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen. Es ist der reine Wechsel, oder _die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch zu denken_. Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das Entgegengesetzte nicht nur _eines von zweien_--sonst waere es ein _Seiendes_, und nicht ein Entgegengesetztes--; sondern es ist das Entgegengesetzte eines Entgegengesetzten, oder das Andere ist in ihm unmittelbar selbst vorhanden. Ich stelle wohl das Gegenteil _hieher_, und _dorthin_ das Andere, wovon es das Gegenteil ist; also das _Gegenteil_ auf eine Seite, an und fuer sich ohne das andere. Ebendarum aber, indem ich hier _das Gegenteil an und fuer sich_ habe, ist es das Gegenteil seiner selbst, oder es hat in der Tat das Andere unmittelbar an ihm selbst.--So hat die uebersinnliche Welt, welche die verkehrte ist, ueber die andere zugleich uebergriffen, und sie an sich selbst; sie ist fuer sich die verkehrte, d.h. die verkehrte ihrer selbst; sie ist sie selbst, und ihre entgegengesetzte in _einer_ Einheit. Nur so ist sie der Unterschied als _innerer_, oder Unterschied _an sich selbst_, oder ist als _Unendlichkeit_. Durch die Unendlichkeit sehen wir das Gesetz zur Notwendigkeit an ihm selbst vollendet, und alle Momente der Erscheinung in das Innre aufgenommen. Das Einfache des Gesetzes ist die Unendlichkeit, heisst nach dem, was sich ergeben hat, a) es ist ein _Sichselbst_gleiches, welches aber der _Unterschied_ an sich ist; oder es ist Gleichnamiges, welches sich von sich selbst abstoesst, oder sich entzweit. Dasjenige, was die _einfache_ Kraft genannt wurde, _verdoppelt_ sich selbst, und ist durch ihre Unendlichkeit das Gesetz. b) Das Entzweite, welches die in dem _Gesetze_ vorgestellten Teile ausmacht, stellt sich als Bestehendes dar; und sie ohne den Begriff des innern Unterschiedes betrachtet, ist der Raum und die Zeit, oder die Entfernung und die Geschwindigkeit, welche als Momente der Schwere auftreten, sowohl gleichgueltig und ohne Notwendigkeit fuereinander als fuer die Schwere selbst, so wie diese einfache Schwere gegen sie, oder die einfache Elektrizitaet gegen das Positive und Negative ist. g) Durch den Begriff des innern Unterschiedes aber ist dies Ungleiche und Gleichgueltige, Raum und Zeit u.s.f. ein _Unterschied_, welcher kein _Unterschied_ ist, oder nur ein Unterschied des _Gleichnamigen_, und sein Wesen die Einheit; sie sind als Positives und Negatives gegeneinander begeistet, und ihr Sein ist dieses vielmehr, sich als Nichtsein zu setzen, und in der Einheit aufzuheben. Es bestehen beide unterschiedne, sie sind _an sich_, sie sind _an sich als Entgegengesetzte_, d.h. das Entgegengesetzte ihrer selbst, sie haben ihr Anderes an ihnen und sind nur _eine_ Einheit. Diese einfache Unendlichkeit oder der absolute Begriff ist das einfache Wesen des Lebens, die Seele der Welt, das allgemeine Blut zu nennen, welches allgegenwaertig durch keinen Unterschied getruebt noch unterbrochen wird, das vielmehr selbst alle Unterschiede ist, so wie ihr Aufgehobensein, also in sich pulsiert, ohne sich zu bewegen, in sich erzittert, ohne unruhig zu sein. Sie ist sich_selbstgleich_, denn die Unterschiede sind tautologisch, es sind Unterschiede, die keine sind. Dieses sichselbstgleiche Wesen bezieht sich daher nur auf sich selbst; _auf sich selbst_, so ist dies ein anderes, worauf die Beziehung geht, und das _Beziehen auf sich selbst_ ist vielmehr _das Entzweien_, oder eben jene Sichselbstgleichheit ist innerer Unterschied. Diese _Entzweiten_ sind somit _an und fuer sich selbst_, jedes ein Gegenteil--_eines Andern_, so ist darin schon das _Andere_ mit ihm zugleich ausgesprochen; oder es ist nicht das Gegenteil _eines Andern_ sondern nur _das reine Gegenteil_, so ist es also an ihm selbst das Gegenteil seiner; oder es ist ueberhaupt nicht ein Gegenteil, sondern rein fuer sich, ein reines sich selbst gleiches Wesen, das keinen Unterschied an ihm hat, so brauchen wir nicht zu fragen, noch weniger das Gequaele mit solcher Frage fuer die Philosophie anzusehen, oder gar sie ihr fuer unbeantwortlich halten--_wie_ aus diesem reinen Wesen, wie aus ihm _heraus_ der Unterschied oder das Anderssein komme; denn es ist schon die Entzweiung geschehen, der Unterschied ist aus dem sich selbst Gleichen ausgeschlossen, und ihm zur Seite gestellt worden; was _das sich selbst Gleiche_ sein sollte, ist also schon eins der Entzweiten viel mehr, als dass es das absolute Wesen waere. Das _sich selbst Gleiche entzweit sich_, heisst darum ebensosehr, es hebt sich als schon Entzweites, es hebt sich als Anderssein auf. Die _Einheit_, von welcher gesagt zu werden pflegt, dass der Unterschied nicht aus ihr herauskommen koenne, ist in der Tat selbst nur das _eine_ Moment der Entzweiung; sie ist die Abstraktion der Einfachheit, welche dem Unterschiede gegenueber ist. Aber indem sie die Abstraktion, nur das eine der Entgegengesetzten ist, so ist es schon gesagt, dass sie das Entzweien ist; denn ist die Einheit ein _Negatives_, ein _Entgegengesetztes_, so ist sie eben gesetzt als das, welches die Entgegensetzung an ihm hat. Die Unterschiede von _Entzweiung_ und _Sich-selbst-gleich-werden_ sind darum ebenso nur _diese Bewegung des Sich-aufhebens_; denn indem das Sichselbstgleiche, welches sich erst entzweien oder zu seinem Gegenteile werden soll, eine Abstraktion oder _schon selbst_ ein Entzweites ist, so ist sein Entzweien hiemit ein Aufheben dessen, was es ist, und also das Aufheben seines Entzweitseins. Das _Sich-selbst-gleich-werden_ ist ebenso ein Entzweien; was sich _selbst gleich_ wird, tritt damit der Entzweiung gegenueber; das heisst, es stellt selbst sich damit _auf die Seite_, oder es _wird_ vielmehr ein _Entzweites_. Die Unendlichkeit oder diese absolute Unruhe des reinen Sich-selbst-bewegens, dass, was auf irgendeine Weise, zum Beispiel als Sein, bestimmt ist, vielmehr das Gegenteil dieser Bestimmtheit ist, ist zwar schon die Seele alles bisherigen gewesen, aber im _Innern_ erst ist sie selbst frei hervorgetreten. Die Erscheinung oder das Spiel der Kraefte stellt sie selbst schon dar, aber als _Erklaeren_ tritt sie zunaechst frei hervor; und indem sie endlich fuer das Bewusstsein Gegenstand ist, _als das, was sie ist_, so ist das Bewusstsein _Selbstbewusstsein_. Das _Erklaeren_ des Verstandes macht zunaechst nur die Beschreibung dessen, was das Selbstbewusstsein ist. Er hebt die im Gesetze vorhandenen schon rein gewordenen, aber noch gleichgueltigen Unterschiede auf, und setzt sie in _einer_ Einheit, der Kraft. Dies Gleichwerden ist aber ebenso unmittelbar ein Entzweien, denn er hebt die Unterschiede nur dadurch auf, und setzt dadurch das Eins der Kraft, dass er einen neuen Unterschied macht, von Gesetz und Kraft, der aber zugleich kein Unterschied ist; und hiezu, dass dieser Unterschied ebenso kein Unterschied ist, geht er selbst darin fort, dass er diesen Unterschied wieder aufhebt, indem er die Kraft ebenso beschaffen sein laesst als das Gesetz.--Diese Bewegung oder Notwendigkeit ist aber so noch Notwendigkeit und Bewegung des Verstandes, oder sie _als solche_ ist _nicht sein Gegenstand_, sondern er hat in ihr positive und negative Elektrizitaet, Entfernung, Geschwindigkeit, Anziehungskraft, und tausend andere Dinge zu Gegenstaenden, welche den Inhalt der Momente der Bewegung ausmachen. In dem Erklaeren ist eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das Bewusstsein dabei, es so auszudruecken, in unmittelbarem Selbstgespraeche mit sich, nur sich selbst geniesst, dabei zwar etwas anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit sich selbst herumtreibt. In dem entgegengesetzten Gesetze als der Verkehrung des ersten Gesetzes, oder in dem innern Unterschiede wird zwar die Unendlichkeit selbst _Gegenstand_ des Verstandes, aber er verfehlt sie als solche wieder, indem er den Unterschied an sich, das Sich-selbst-abstossen des Gleichnamigen, und die Ungleichen, die sich anziehen, wieder an zwei Welten, oder an zwei substantielle Elemente verteilt; die _Bewegung_, wie sie in der Erfahrung ist, ist ihm hier ein Geschehen, und das Gleichnamige und das Ungleiche _Praedikate_, deren Wesen ein seiendes Substrat ist. Dasselbe, was ihm in sinnlicher Huelle Gegenstand ist, ist es uns in seiner wesentlichen Gestalt, als reiner Begriff. Dies Auffassen des Unterschieds, wie er _in Wahrheit_ ist, oder das Auffassen der _Unendlichkeit_ als solcher, ist _fuer uns_, oder _an sich_. Die Exposition ihres Begriffs gehoert der Wissenschaft an; das Bewusstsein aber, wie es ihn _unmittelbar_ hat, tritt wieder als eigne Form oder neue Gestalt des Bewusstseins auf, welche in dem vorhergehenden ihr Wesen nicht erkennt, sondern es fuer etwas ganz anderes ansieht.--Indem ihm dieser Begriff der Unendlichkeit Gegenstand ist, ist es also Bewusstsein des Unterschieds als eines _unmittelbar_ ebensosehr Aufgehobenen; es ist _fuer sich selbst_, es ist _Unterscheiden des Ununterschiedenen_, oder _Selbstbewusstsein_. Ich _unterscheide mich von mir selbst_, und _es ist darin unmittelbar fuer mich, dass dies Unterschiedene nicht unterschieden ist_. Ich, das Gleichnamige, stosse mich von mir selbst ab; aber dies Unterschiedne, Ungleichgesetzte ist unmittelbar, indem es unterschieden ist, kein Unterschied fuer mich. Das Bewusstsein eines Andern, eines Gegenstandes ueberhaupt, ist zwar selbst notwendig _Selbstbewusstsein_, Reflektiertsein in sich, Bewusstsein seiner Selbst, in seinem Anderssein. Der _notwendige Fortgang_ von den bisherigen Gestalten des Bewusstseins, welchen ihr Wahres ein Ding, ein anderes war als sie selbst, drueckt eben dies aus, dass nicht allein das Bewusstsein vom Dinge nur fuer ein Selbstbewusstsein moeglich ist, sondern dass dies allein die Wahrheit jener Gestalten ist. Aber fuer uns nur ist diese Wahrheit vorhanden, noch nicht fuer das Bewusstsein. Das Selbstbewusstsein aber ist erst _fuer sich_ geworden, noch nicht _als Einheit_ mit dem Bewusstsein ueberhaupt. Wir sehen, dass im Innern der Erscheinung der Verstand in Wahrheit nicht etwas anders als die Erscheinung selbst, aber nicht wie sie als Spiel der Kraefte ist, sondern dasselbe in seinen absolut-allgemeinen Momenten und deren Bewegung, und in der Tat nur _sich selbst_ erfaehrt. Erhoben ueber die Wahrnehmung stellt sich das Bewusstsein mit dem Uebersinnlichen durch die Mitte der Erscheinung zusammengeschlossen dar, durch welche es in diesen Hintergrund schaut. Die beiden Extreme, das eine, des reinen Innern, das andere, des in dies reine Innre schauenden Innern, sind nun zusammengefallen, und wie sie als Extreme, so ist auch die Mitte, als etwas anders als sie, verschwunden. Dieser Vorhang ist also vor dem Innern weggezogen, und das Schauen des Innern in das Innere vorhanden; das Schauen des _ununterschiedenen_ Gleichnamigen, welches sich selbst abstoesst, als _unterschiedenes_ Innres setzt, aber _fuer welches_ ebenso unmittelbar die _Ununterschiedenheit_ beider ist, _das Selbstbewusstsein_. Es zeigt sich, dass hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innre verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn _wir_ nicht selbst dahintergehen, ebensosehr damit gesehen werde, als dass etwas dahinter sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, dass nicht ohne alle Umstaende geradezu dahintergegangen werden koenne; denn dies Wissen, was die Wahrheit _der Vorstellung_ der Erscheinung und ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umstaendlichen Bewegung, wodurch die Weisen des Bewusstseins, Meinen, Wahrnehmen und der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, dass das Erkennen dessen, _was das Bewusstsein weiss, indem es sich selbst weiss_, noch weiterer Umstaende bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende ist. IV. Die Wahrheitder Gewissheit seiner selbst In den bisherigen Weisen der Gewissheit ist dem Bewusstsein das Wahre etwas anderes als es selbst. Der Begriff dieses Wahren verschwindet aber in der Erfahrung von ihm; wie der Gegenstand unmittelbar _an sich_ war, das Seiende der sinnlichen Gewissheit, das konkrete Ding der Wahrnehmung, die Kraft des Verstandes, so erweist er sich vielmehr nicht in Wahrheit zu sein, sondern dies _An-sich_ ergibt sich als eine Weise, wie er nur fuer ein Anderes ist; der Begriff von ihm hebt sich an dem wirklichen Gegenstande auf, oder die erste unmittelbare Vorstellung in der Erfahrung, und die Gewissheit ging in der Wahrheit verloren. Nunmehr aber ist dies entstanden, was in diesen fruehern Verhaeltnissen nicht zustande kam, naemlich eine Gewissheit, welche ihrer Wahrheit gleich ist, denn die Gewissheit ist sich selbst ihr Gegenstand, und das Bewusstsein ist sich selbst das Wahre. Es ist darin zwar auch ein Anderssein; das Bewusstsein unterscheidet naemlich, aber ein solches, das fuer es zugleich ein nicht Unterschiedenes ist. Nennen wir _Begriff_ die Bewegung des Wissens, den _Gegenstand_ aber, das Wissen als ruhige Einheit, oder als Ich, so sehen wir, dass nicht nur fuer uns, sondern fuer das Wissen selbst der Gegenstand dem Begriffe entspricht.--Oder auf die andere Weise, den _Begriff_ das genannt, was der Gegenstand _an sich_ ist, den Gegenstand aber das, was er als _Gegenstand_, oder _fuer ein_ Anderes ist, so erhellt, dass das An-sich-sein und das Fuer-ein-anderes-sein dasselbe ist; denn das _An-sich_ ist das Bewusstsein; es ist aber ebenso dasjenige, _fuer welches ein_ anderes (das _An-sich_) ist; und es ist fuer es, dass das An-sich des Gegenstandes und das Sein desselben fuer ein Anderes dasselbe ist; Ich ist der Inhalt der Beziehung und das Beziehen selbst; es ist es selbst gegen ein Anderes, und greift zugleich ueber dies Andre ueber, das fuer es ebenso nur es selbst ist. Mit dem Selbstbewusstsein sind wir also nun in das einheimische Reich der Wahrheit eingetreten. Es ist zu sehen, wie die Gestalt des Selbstbewusstseins zunaechst auftritt. Betrachten wir diese neue Gestalt des Wissens, das Wissen von sich selbst, im Verhaeltnisse zu dem Vorhergehenden, dem Wissen von einem Andern, so ist dies zwar verschwunden; aber seine Momente haben sich zugleich ebenso aufbewahrt; und der Verlust besteht darin, dass sie hier vorhanden sind, wie sie an sich sind. Das _Sein_ der Meinung, die _Einzelnheit_ und die ihr entgegengesetzte _Allgemeinheit_ der Wahrnehmung, sowie _das leere Innere_ des Verstandes, sind nicht mehr als Wesen, sondern als Momente des Selbstbewusstseins, das heisst als Abstraktionen oder Unterschiede, welche _fuer_ das Bewusstsein selbst zugleich nichtig, oder keine Unterschiede und rein verschwindende Wesen sind. Es scheint also nur das Hauptmoment selbst verlorengegangen zu sein, naemlich das _einfache selbststaendige Bestehen_ fuer das Bewusstsein. Aber in der Tat ist das Selbstbewusstsein die Reflexion aus dem Sein der sinnlichen und wahrgenommenen Welt, und wesentlich die Rueckkehr aus dem _Anderssein_. Es ist als Selbstbewusstsein Bewegung; aber indem es _nur sich selbst als_ sich selbst von sich unterscheidet, so ist ihm der Unterschied _unmittelbar_ als ein Anderssein _aufgehoben_; der Unterschied _ist_ nicht, und _es_ nur die bewegungslose Tautologie des: Ich bin Ich; indem ihm der Unterschied nicht auch die Gestalt des _Seins_ hat, ist es nicht Selbstbewusstsein. Es ist hiemit fuer es das Anderssein, _als ein Sein_, oder als _unterschiedenes Moment_; aber es ist fuer es auch die Einheit seiner selbst mit diesem Unterschiede, als _zweites unterschiedenes_ Moment. Mit jenem ersten Momente ist das Selbstbewusstsein als _Bewusstsein_, und fuer es die ganze Ausbreitung der sinnlichen Welt erhalten; aber zugleich nur als auf das zweite Moment, die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich selbst, bezogen; und sie ist hiemit fuer es ein Bestehen, welches aber nur _Erscheinung_, oder Unterschied ist, der _an sich_ kein Sein hat. Dieser Gegensatz seiner Erscheinung und seiner Wahrheit hat aber nur die Wahrheit, naemlich die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich selbst, zu seinem Wesen; diese muss ihm wesentlich werden; das heisst, es ist _Begierde_ ueberhaupt. Das Bewusstsein hat als Selbstbewusstsein nunmehr einen gedoppelten Gegenstand, den einen, den unmittelbaren, den Gegenstand der sinnlichen Gewissheit, und des Wahrnehmens, der aber _fuer es_ mit dem _Charakter des Negati_ven bezeichnet ist, und den zweiten, naemlich _sich selbst_, welcher das wahre _Wesen_, und zunaechst nur erst im Gegensatze des ersten vorhanden ist. Das Selbstbewusstsein stellt sich hierin als die Bewegung dar, worin dieser Gegensatz aufgehoben, und ihm die Gleichheit seiner selbst mit sich wird. Der Gegenstand, welcher fuer das Selbstbewusstsein das Negative ist, ist aber seinerseits _fuer uns_ oder _an sich_ ebenso in sich zurueckgegangen als das Bewusstsein andererseits. Er ist durch diese Reflexion in sich _Leben_ geworden. Was das Selbstbewusstsein _als seiend_ von sich unterscheidet, hat auch insofern, als es seiend gesetzt ist, nicht bloss die Weise der sinnlichen Gewissheit und der Wahrnehmung an ihm, sondern es ist in sich reflektiertes Sein, und der Gegenstand der unmittelbaren Begierde ist ein _Lebendiges_. Denn das _An-sich_, oder das _allgemeine_ Resultat des Verhaeltnisses des Verstandes zu dem Innern der Dinge, ist das Unterscheiden des nicht zu Unterscheidenden, oder die Einheit des Unterschiednen. Diese Einheit aber ist ebensosehr, wie wir gesehen, ihr Abstossen von sich selbst, und dieser Begriff _entzweit_ sich in den Gegensatz des Selbstbewusstseins und des Lebens; jenes die Einheit, _fuer welche_ die unendliche Einheit der Unterschiede ist; dieses aber _ist_ nur diese Einheit selbst, so dass sie nicht zugleich _fuer sich selbst_ ist. So selbststaendig also das Bewusstsein, ebenso selbststaendig ist _an sich_ sein Gegenstand. Das Selbstbewusstsein, welches schlechthin _fuer sich_ ist, und seinen Gegenstand unmittelbar mit dem Charakter des Negativen bezeichnet, oder zunaechst _Begierde_ ist, wird daher vielmehr die Erfahrung der Selbstaendigkeit desselben machen. Die Bestimmung des Lebens, wie sie sich aus dem Begriffe oder dem allgemeinen Resultate ergibt, mit welchem wir in diese Sphaere eintreten, ist hinreichend, es zu bezeichnen, ohne dass seine Natur weiter daraus zu entwickeln waere; ihr Kreis beschliesst sich in folgenden Momenten. Das _Wesen_ ist die Unendlichkeit als das _Aufgehobensein_ aller Unterschiede, die reine achsendrehende Bewegung, die Ruhe ihrer selbst als absolut unruhigen Unendlichkeit; die _Selbststaendigkeit_ selbst, in welcher die Unterschiede der Bewegung aufgeloest sind; das einfache Wesen der Zeit, das in dieser Sichselbstgleichheit die gediegene Gestalt des Raumes hat. Die _Unterschiede_ sind aber an diesem _einfachen allgemeinen_ Medium ebensosehr als _Unterschiede_; denn diese allgemeine Fluessigkeit hat ihre negative Natur nur, indem sie ein _Aufheben derselben_ ist; aber sie kann die unterschiednen nicht aufheben, wenn sie nicht ein Bestehen haben. Eben diese Fluessigkeit ist als die sichselbstgleiche Selbststaendigkeit selbst das _Bestehen_, oder die _Substanz_ derselben, worin sie also als unterschiedene Glieder und _fuersichseiende_ Teile sind. Das _Sein_ hat nicht mehr die Bedeutung der _Abstraktion des Seins_, noch ihre reine Wesenheit, der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_; sondern ihr Sein ist eben jene einfache fluessige Substanz der reinen Bewegung in sich selbst. Der _Unterschied_ dieser Glieder _gegeneinander_ aber _als_ Unterschied besteht ueberhaupt in keiner anderer _Bestimmtheit_ als der Bestimmtheit der Momente der Unendlichkeit oder der reinen Bewegung selbst. Die selbststaendigen Glieder sind _fuer sich_; dieses _Fuer-sich-sein_ ist aber vielmehr ebenso _unmittelbar_ ihre Reflexion in die Einheit, als diese Einheit die Entzweiung in die selbststaendigen Gestalten ist. Die Einheit ist entzweit, weil sie absolut negative oder unendliche Einheit ist; und weil _sie_ das _Bestehen_ ist, so hat auch der Unterschied Selbststaendigkeit nur _an ihr_. Diese Selbstaendigkeit der Gestalt erscheint als ein _Bestimmtes, fuer Anderes_, denn sie ist ein Entzweites; und das _Aufheben_ der Entzweiung geschieht insofern durch ein Anderes. Aber es ist ebensosehr an ihr selbst; denn eben jene Fluessigkeit ist die Substanz der selbststaendigen Gestalten; diese Substanz aber ist unendlich; die Gestalt ist darum in ihrem Bestehen selbst die Entzweiung, oder das Aufheben ihres Fuer-sich-seins. Unterscheiden wir die hierin enthaltenen Momente naeher, so sehen wir, dass wir zum _ersten_ Momente das _Bestehen der selbststaendigen_ Gestalten, oder die Unterdrueckung dessen haben, was das Unterscheiden an sich ist, naemlich nicht an sich zu sein und kein Bestehen zu haben. Das _zweite_ Moment aber ist die _Unterwerfung_ jenes Bestehens unter die Unendlichkeit des Unterschiedes. Im ersten Momente ist die bestehende Gestalt; als _fuersichseiend_, oder in ihrer Bestimmtheit unendliche Substanz tritt sie gegen die _allgemeine_ Substanz auf, verleugnet diese Fluessigkeit und Kontinuitaet mit ihr und behauptet sich als nicht in diesem Allgemeinen aufgeloest, sondern vielmehr als durch die Absonderung von dieser ihrer unorganischen Natur, und durch das Aufzehren derselben sich erhaltend. Das Leben in dem allgemeinen fluessigen Medium, ein _ruhiges_ Auseinanderlegen der Gestalten wird eben dadurch zur Bewegung derselben, oder zum Leben als _Prozess_. Die einfache allgemeine Fluessigkeit ist das _An-sich_, und der Unterschied der Gestalten das _Andere_. Aber diese Fluessigkeit wird selbst durch diesen Unterschied _das Andere_; denn sie ist itzt _fuer den Unterschied_, welcher an und fuer sich selbst, und daher die unendliche Bewegung ist, von welcher jenes ruhige Medium aufgezehrt wird, das Leben als _Lebendiges_.--Diese _Verkehrung_ aber ist darum wieder die _Verkehrtheit an sich selbst_; was auf gezehrt wird, ist das Wesen; die auf Kosten des Allgemeinen sich erhaltende, und das Gefuehl ihrer Einheit mit sich selbst sich gebende Individualitaet hebt gerade damit _ihren Gegensatz des Andern, durch welchen sie fuer sich ist_, auf; die _Einheit_ mit sich selbst, welche sie sich gibt, ist gerade die _Fluessigkeit_ der Unterschiede, oder die _allgemeine Aufloesung_. Aber umgekehrt ist das Aufheben des individuellen Bestehens ebenso das Erzeugen desselben. Denn da das _Wesen_ der individuellen Gestalt, das allgemeine Leben, und das fuer sich Seiende an sich einfache Substanz ist, so hebt es, indem es das _Andre_ in sich setzt, diese seine _Einfachheit_, oder sein Wesen auf, d.h. es entzweit sie, und dies Entzweien der unterschiedslosen Fluessigkeit ist eben das Setzen der Individualitaet. Die einfache Substanz des Lebens also ist die Entzweiung ihrer selbst in Gestalten, und zugleich die Aufloesung dieser bestehenden Unterschiede; und die Aufloesung der Entzweiung ist ebensosehr Entzweien oder ein Gliedern. Es fallen damit die beiden Seiten der ganzen Bewegung, welche unterschieden wurden, naemlich die in dem allgemeinen Medium der Selbststaendigkeit ruhig auseinandergelegte Gestaltung und der Prozess des Lebens ineinander; der letztere ist ebensosehr Gestaltung, als er das Aufheben der Gestalt ist; und das erste, die Gestaltung, ist ebensosehr ein Aufheben, als sie die Gliederung ist. Das fluessige Element ist selbst nur die _Abstraktion_ des Wesens, oder es ist nur als Gestalt _wirklich_; und dass es sich gliedert, ist wieder ein Entzweien des Gegliederten, oder ein Aufloesen desselben. Dieser ganze Kreislauf macht das Leben aus, weder das, was zuerst ausgesprochen wird, die unmittelbare Kontinuitaet und Gediegenheit seines Wesens, noch die bestehende Gestalt und das fuer sich seiende Diskrete, noch der reine Prozess derselben, noch auch das einfache Zusammenfassen dieser Momente, sondern das sich entwickelnde, und seine Entwicklung aufloesende und in dieser Bewegung sich einfach erhaltende Ganze. Indem von der ersten unmittelbaren Einheit ausgegangen, und durch die Momente der Gestaltung und des Prozesses hindurch zur Einheit dieser beiden Momente, und damit wieder zur ersten einfachen Substanz zurueckgekehrt wird, so ist diese _reflektierte Einheit_ eine andere als die erste. Gegen jene _unmittelbare_, oder als ein _Sein_ ausgesprochene, ist diese zweite die _allgemeine_, welche alle diese Momente als aufgehobne in ihr hat. Sie ist die _einfache Gattung_, welche in der Bewegung des Lebens selbst nicht _fuer sich *als*_ dies _Einfache existiert_; sondern in diesem _Resultate_ verweist das Leben auf ein anderes, als es ist, naemlich auf das Bewusstsein, fuer welches es als diese Einheit, oder als Gattung, ist. Dies andere Leben aber, fuer welches die _Gattung_ als solche und welches fuer sich selbst Gattung ist, das Selbstbewusstsein, ist sich zunaechst nur als dieses einfache Wesen, und hat sich als _reines Ich_ zum Gegenstande; in seiner Erfahrung, die nun zu betrachten ist, wird sich ihm dieser abstrakte Gegenstand bereichern, und die Entfaltung erhalten, welche wir an dem Leben gesehen haben. Das einfache Ich ist diese Gattung oder das einfache Allgemeine, fuer welches die Unterschiede keine sind, nur, indem es _negatives Wesen_ der gestalteten selbststaendigen Momente ist; und das Selbstbewusstsein hiemit seiner selbst nur gewiss, durch das Aufheben dieses andern, das sich ihm als selbststaendiges Leben darstellt; es ist _Begierde_. Der Nichtigkeit dieses Andern gewiss, setzt es _fuer sich_ dieselbe als seine Wahrheit, vernichtet den selbststaendigen Gegenstand und gibt sich dadurch die Gewissheit seiner selbst, als _wahre_ Gewissheit, als solche, welche ihm selbst auf _gegenstaendliche Weise_ geworden ist. In dieser Befriedigung aber macht es die Erfahrung von der Selbststaendigkeit seines Gegenstandes. Die Begierde und die in ihrer Befriedigung erreichte Gewissheit seiner selbst ist bedingt durch ihn, denn sie ist durch Aufheben dieses Andern; dass dies Aufheben sei, muss dies Andere sein. Das Selbstbewusstsein vermag also durch seine negative Beziehung ihn nicht aufzuheben; es erzeugt ihn darum vielmehr wieder, so wie die Begierde. Es ist in der Tat ein anderes als das Selbstbewusstsein, das Wesen der Begierde; und durch diese Erfahrung ist ihm selbst diese Wahrheit geworden. Zugleich aber ist es ebenso absolut fuer sich, und ist dies nur durch Aufheben des Gegenstandes, und es muss ihm seine Befriedigung werden, denn es ist die Wahrheit. Um der Selbststaendigkeit des Gegenstandes willen kann es daher zur Befriedigung nur gelangen, indem dieser selbst die Negation an ihm vollzieht; und er muss diese Negation seiner selbst an sich vollziehen, denn er ist _an sich_ das Negative, und muss fuer das Andre sein, was er ist. Indem er die Negation an sich selbst ist, und darin zugleich selbststaendig ist, ist er Bewusstsein. An dem Leben, welches der Gegenstand der Begierde ist, ist die _Negation_ entweder _an einem Andern_, naemlich an der Begierde, oder als _Bestimmtheit_ gegen eine andere gleichgueltige Gestalt, oder als seine _unorganische allgemeine Natur_. Diese allgemeine selbststaendige Natur aber, an der die Negation als absolute ist, ist die Gattung als solche, oder als _Selbstbewusstsein. Das Selbstbewusstsein erreicht seine Befriedigung nur in einem andern Selbstbewusstsein._ In diesen drei Momenten ist erst der Begriff des Selbstbewusstseins vollendet; a) reines ununterschiedenes Ich ist sein erster unmittelbarer Gegenstand. b) Diese Unmittelbarkeit ist aber selbst absolute Vermittlung, sie ist nur als Aufheben des selbststaendigen Gegenstandes, oder sie ist Begierde. Die Befriedigung der Begierde ist zwar die Reflexion des Selbstbewusstseins in sich selbst, oder die zur Wahrheit gewordene Gewissheit. c) Aber die Wahrheit derselben ist vielmehr die gedoppelte Reflexion, die Verdopplung des Selbstbewusstseins. Es ist ein Gegenstand fuer das Bewusstsein, welcher an sich selbst sein Anderssein oder den Unterschied als einen nichtigen setzt, und darin selbststaendig ist. Die unterschiedene nur _lebendige_ Gestalt hebt wohl im Prozesse des Lebens selbst auch ihre Selbststaendigkeit auf, aber sie hoert mit ihrem Unterschiede auf, zu sein, was sie ist; der Gegenstand des Selbstbewusstseins ist aber ebenso selbststaendig in dieser Negativitaet seiner selbst; und damit ist er fuer sich selbst Gattung, allgemeine Fluessigkeit in der Eigenheit seiner Absonderung; er ist lebendiges Selbstbewusstsein. Es ist ein _Selbstbewusstsein fuer ein Selbstbewusstsein_. Erst hiedurch ist es in der Tat; denn erst hierin wird fuer es die Einheit seiner selbst in seinem Anderssein; _Ich_, das der Gegenstand seines Begriffs ist, ist in der Tat nicht _Gegenstand_; der Gegenstand der Begierde aber ist nur _selbststaendig_, denn er ist die allgemeine unvertilgbare Substanz, das fluessige sichselbstgleiche Wesen. Indem ein Selbstbewusstsein der Gegenstand ist, ist er ebensowohl ich wie Gegenstand.--Hiemit ist schon der Begriff _des Geistes_ fuer uns vorhanden. Was fuer das Bewusstsein weiter wird, ist die Erfahrung, was der Geist ist, diese absolute Substanz, welche in der vollkommenen Freiheit und Selbststaendigkeit ihres Gegensatzes, naemlich verschiedener fuer sich seiender Selbstbewusstsein, die Einheit derselben ist; _Ich_, das _Wir_, und _Wir_, das _Ich_ ist. Das Bewusstsein hat erst in dem Selbstbewusstsein, als dem Begriffe des Geistes, seinen Wendungspunkt, auf dem es aus dem farbigten Scheine des sinnlichen Diesseits, und aus der leeren Nacht des uebersinnlichen Jenseits in den geistigen Tag der Gegenwart einschreitet. A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeitdes Selbstbewusstseins; Herrschaft und Knechtschaft Das Selbstbewusstsein ist _an_ und _fuer sich_, indem, und dadurch, dass es fuer ein Anderes an und fuer sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes. Der Begriff dieser seiner Einheit in seiner Verdopplung, der sich im Selbstbewusstsein realisierenden Unendlichkeit, ist eine vielseitige und vieldeutige Verschraenkung, so dass die Momente derselben teils genau auseinandergehalten, teils in dieser Unterscheidung zugleich auch als nicht unterschieden, oder immer in ihrer entgegengesetzten Bedeutung genommen und erkannt werden muessen. Die Doppelsinnigkeit des Unterschiedenen liegt in dem Wesen des Selbstbewusstseins, unendlich, oder unmittelbar das Gegenteil der Bestimmtheit, in der es gesetzt ist, zu sein. Die Auseinanderlegung des Begriffs dieser geistigen Einheit in ihrer Verdopplung stellt uns die Bewegung des _Anerkennens_ dar. Es ist fuer das Selbstbewusstsein ein anderes Selbstbewusstsein; es ist _ausser sich_ gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung, _erstlich_, es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein _anderes_ Wesen; _zweitens_, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht auch nicht das Andere als Wesen, sondern _sich selbst_ im Andern. Es muss dies _sein Anderssein_ aufheben; dies ist das Aufheben des ersten Doppelsinnes, und darum selbst ein zweiter Doppelsinn; _erstlich_, es muss darauf gehen, das _andere_ selbststaendige Wesen aufzuheben, um dadurch _seiner_ als des Wesens gewiss zu werden; _zweitens_ geht es hiemit darauf, _sich selbst_ aufzuheben, denn dies Andere ist es selbst. Dies doppelsinnige Aufheben seines doppelsinnigen Andersseins ist ebenso eine doppelsinnige Rueckkehr _in sich selbst_; denn _erstlich_ erhaelt es durch das Aufheben sich selbst zurueck; denn es wird sich wieder gleich durch das Aufheben _seines_ Andersseins; _zweitens_ aber gibt es das andere Selbstbewusstsein ihm wieder ebenso zurueck, denn es war sich im Andern, es hebt dies _sein_ Sein im Andern auf, entlaesst also das andere wieder frei. Diese Bewegung des Selbstbewusstseins in der Beziehung auf ein anderes Selbstbewusstsein ist aber auf diese Weise vorgestellt worden, als _das Tun des Einen_; aber dieses Tun des Einen hat selbst die gedoppelte Bedeutung, ebensowohl _sein Tun_ als _das Tun des Andern_ zu sein; denn das Andere ist ebenso selbststaendig, in sich beschlossen, und es ist nichts in ihm, was nicht durch es selbst ist. Das erste hat den Gegenstand nicht vor sich, wie er nur fuer die Begierde zunaechst ist, sondern einen fuer sich seienden selbststaendigen, ueber welchen es darum nichts fuer sich vermag, wenn er nicht an sich selbst dies tut, was es an ihm tut. Die Bewegung ist also schlechthin die gedoppelte beider Selbstbewusstsein. Jedes sieht _das Andre_ dasselbe tun, was _es_ tut; jedes tut Selbst, was es an das Andre fodert; und tut darum, was es tut, auch _nur_ insofern, als das Andre dasselbe tut; das einseitige Tun waere unnuetz; weil, was geschehen soll, nur durch beide zustande kommen kann. Das Tun ist also nicht nur insofern doppelsinnig, als es ein Tun ebensowohl _gegen sich_ als _gegen das Andre_, sondern auch insofern, als es ungetrennt ebensowohl _das Tun des Einen_ als _des Andern_ ist. In dieser Bewegung sehen wir sich den Prozess wiederholen, der sich als Spiel der Kraefte darstellte, aber im Bewusstsein. Was in jenem fuer uns war, ist hier fuer die Extreme selbst. Die Mitte ist das Selbstbewusstsein, welches sich in die Extreme zersetzt, und jedes Extrem ist diese Austauschung seiner Bestimmtheit, und absoluter Uebergang in das entgegengesetzte. Als Bewusstsein aber kommt es wohl _ausser sich_, jedoch ist es in seinem Ausser-sich-sein zugleich in sich zurueckgehalten, _fuer sich_, und sein Ausser-sich ist _fuer es_. Es ist fuer es, dass es unmittelbar anderes Bewusstsein _ist_, und _nicht ist_; und ebenso, dass dies Andere nur fuer sich ist, indem es sich als fuer sich Seiendes aufhebt, und nur im Fuer-sich-sein des Andern fuer sich ist. Jedes ist dem andern die Mitte, durch welche jedes sich mit sich selbst vermittelt und zusammenschliesst, und jedes sich und dem Andern unmittelbares fuer sich seiendes Wesen, welches zugleich nur durch diese Vermittlung so fuer sich ist. Sie _anerkennen_ sich als _gegenseitig sich anerkennend_. Dieser reine Begriff des Anerkennens, der Verdopplung des Selbstbewusstseins in seiner Einheit, ist nun zu betrachten, wie sein Prozess fuer das Selbstbewusstsein erscheint. Er wird zuerst die Seite der _Ungleichheit_ beider darstellen, oder das Heraustreten der Mitte in die Extreme, welche als Extreme sich entgegengesetzt, und das eine nur Anerkanntes, der andre nur Anerkennendes ist. Das Selbstbewusstsein ist zunaechst einfaches Fuer-sich-sein, sichselbstgleich durch das Ausschliessen alles _andern aus sich_; sein Wesen und absoluter Gegenstand ist ihm _Ich_; und es ist in dieser _Unmittelbarkeit_, oder in diesem _Sein_ seines Fuer-sich-seins, _Einzelnes_. Was Anderes fuer es ist, ist als unwesentlicher, mit dem Charakter des Negativen bezeichneter Gegenstand. Aber das Andre ist auch ein Selbstbewusstsein; es tritt ein Individuum einem Individuum gegenueber auf. So _unmittelbar_ auftretend sind sie fuereinander in der Weise gemeiner Gegenstaende; _selbststaendige_ Gestalten, in das _Sein_ des _Lebens_--denn als Leben hat sich hier der seiende Gegenstand bestimmt--versenkte Bewusstsein, welche _fuereinander_ die Bewegung der absoluten Abstraktion, alles unmittelbare Sein zu vertilgen, und nur das rein negative Sein des sichselbstgleichen Bewusstseins zu sein, noch nicht vollbracht, oder sich einander noch nicht als reines _Fuer-sich-sein_, das heisst als _Selbst_bewusstsein dargestellt haben. Jedes ist wohl seiner selbst gewiss, aber nicht des Andern, und darum hat seine eigne Gewissheit von sich noch keine Wahrheit; denn seine Wahrheit waere nur, dass sein eignes Fuer-sich-sein sich ihm als selbststaendiger Gegenstand, oder, was dasselbe ist, der Gegenstand sich als diese reine Gewissheit seiner selbst dargestellt haette. Dies aber ist nach dem Begriffe des Anerkennens nicht moeglich, als dass wie der Andere fuer ihn, so er fuer den Andern, jeder an sich selbst durch sein eigenes Tun, und wieder durch das Tun des andern, diese reine Abstraktion des Fuer-sich-seins vollbringt. Die _Darstellung_ seiner aber als der reinen Abstraktion des Selbstbewusstseins besteht darin, sich als reine Negation seiner gegenstaendlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein bestimmtes _Dasein_ geknuepft, an die allgemeine Einzelnheit des Daseins ueberhaupt nicht, nicht an das Leben geknuepft zu sein. Diese Darstellung ist das _gedoppelte_ Tun; Tun des Andern, und Tun durch sich selbst. Insofern es Tun _des Andern_ ist, geht also jeder auf den Tod des Andern. Darin aber ist auch das zweite, _das Tun durch sich selbst_, vorhanden; denn jenes schliesst das Daransetzen des eignen Lebens in sich. Das Verhaeltnis beider Selbstbewusstsein ist also so bestimmt, dass sie sich selbst und einander durch den Kampf auf Leben und Tod _bewaehren_.--Sie muessen in diesen Kampf gehen, denn sie muessen die Gewissheit ihrer selbst, _fuer sich zu sein_, zur Wahrheit an dem Andern und an ihnen selbst erheben. Und es ist allein das Daransetzen des Lebens, wodurch die Freiheit, wodurch es bewaehrt wird, dass dem Selbstbewusstsein nicht das _Sein_, nicht die _unmittelbare_ Weise, wie es auftritt, nicht sein Versenktsein in die Ausbreitung des Lebens--das Wesen, sondern dass an ihm nichts vorhanden, was fuer es nicht verschwindendes Moment waere, dass es nur reines _Fuer-sich-sein_ ist. Das Individuum, welches das Leben nicht gewagt hat, kann wohl als _Person_ anerkannt werden; aber es hat die Wahrheit dieses Anerkanntseins als eines selbststaendigen Selbstbewusstseins nicht erreicht. Ebenso muss jedes auf den Tod des andern gehen, wie es sein Leben daransetzt; denn das Andre gilt ihm nicht mehr als es selbst; sein Wesen stellt sich ihm als ein Andres dar, es ist ausser sich; es muss sein Aussersichsein aufheben; das Andre ist mannigfaltig befangenes und seiendes Bewusstsein; es muss sein Anderssein als reines Fuer-sich-sein oder als absolute Negation anschauen. Diese Bewaehrung aber durch den Tod hebt ebenso die Wahrheit, welche daraus hervorgehen sollte, als damit auch die Gewissheit seiner selbst ueberhaupt auf; denn wie das Leben die _natuerliche_ Position des Bewusstseins, die Selbststaendigkeit ohne die absolute Negativitaet, ist, so ist er die _natuerliche_ Negation desselben, die Negation ohne die Selbststaendigkeit, welche also ohne die geforderte Bedeutung des Anerkennens bleibt. Durch den Tod ist zwar die Gewissheit geworden, dass beide ihr Leben wagten, und es an ihnen und an dem Andern verachteten; aber nicht fuer die, welche diesen Kampf bestanden. Sie heben ihr in dieser fremden Wesenheit, welches das natuerliche Dasein ist, gesetztes Bewusstsein, oder sie heben sich, und werden als die fuer sich sein wollenden _Extreme_ aufgehoben. Es verschwindet aber damit aus dem Spiele des Wechsels das wesentliche Moment, sich in Extreme entgegengesetzter Bestimmtheiten zu zersetzen; und die Mitte faellt in eine tote Einheit zusammen, welche in tote, bloss seiende, nicht entgegengesetzte Extreme zersetzt ist; und die beiden geben und empfangen sich nicht gegenseitig voneinander durch das Bewusstsein zurueck, sondern lassen einander nur gleichgueltig, als Dinge, frei. Ihre Tat ist die abstrakte Negation, nicht die Negation des Bewusstseins, welches _so aufhebt_, dass es das Aufgehobene _aufbewahrt_ und _erhaelt_, und hiemit sein Aufgehobenwerden ueberlebt. In dieser Erfahrung wird es dem Selbstbewusstsein, dass ihm das Leben so wesentlich als das reine Selbstbewusstsein ist. Im unmittelbaren Selbstbewusstsein ist das einfache Ich der absolute Gegenstand, welcher aber fuer uns oder an sich die absolute Vermittlung ist, und die bestehende Selbststaendigkeit zum wesentlichen Momente hat. Die Aufloesung jener einfachen Einheit ist das Resultat der ersten Erfahrung; es ist durch sie ein reines Selbstbewusstsein, und ein Bewusstsein gesetzt, welches nicht rein fuer sich, sondern fuer ein Anderes, das heisst, als _seiendes_ Bewusstsein oder Bewusstsein in der Gestalt der _Dingheit_ ist. Beide Momente sind wesentlich;--da sie zunaechst ungleich und entgegengesetzt sind, und ihre Reflexion in die Einheit sich noch nicht ergeben hat, so sind sie als zwei entgegengesetzte Gestalten des Bewusstseins; die eine das selbststaendige, welchem das Fuer-sich-sein, die andere das unselbststaendige, dem das Leben oder das Sein fuer ein Anderes das Wesen ist; jenes ist der _Herr_, dies der _Knecht_. Der Herr ist das _fuer sich_ seiende Bewusstsein, aber nicht mehr nur der Begriff desselben, sondern fuer sich seiendes Bewusstsein, welches durch ein _anderes_ Bewusstsein mit sich vermittelt ist, naemlich durch ein solches, zu dessen Wesen es gehoert, dass es mit selbststaendigem _Sein_ oder der Dingheit ueberhaupt synthesiert ist. Der Herr bezieht sich auf diese beiden Momente, auf ein _Ding_, als solches, den Gegenstand der Begierde, und auf das Bewusstsein, dem die Dingheit das Wesentliche ist; und, indem er a) als Begriff des Selbstbewusstseins unmittelbare Beziehung des _Fuer-sich-seins_ ist, aber b) nunmehr zugleich als Vermittlung, oder als ein Fuer-sich-sein, welches nur durch ein Anderes fuer sich ist, so bezieht er sich a) unmittelbar auf beide, und b) mittelbar auf jedes durch das andere. Der Herr bezieht sich _auf den Knecht mittelbar durch das selbststaendige Sein_; denn eben hieran ist der Knecht gehalten; es ist seine Kette, von der er im Kampfe nicht abstrahieren konnte, und darum sich als unselbststaendig, seine Selbststaendigkeit in der Dingheit zu haben, erwies. Der Herr aber ist die Macht ueber dies Sein, denn er erwies im Kampfe, dass es ihm nur als ein Negatives gilt; indem er die Macht darueber, dies Sein aber die Macht ueber den Andern ist, so hat er in diesem Schlusse diesen andern unter sich. Ebenso bezieht sich der Herr _mittelbar durch den Knecht auf das Ding_; der Knecht bezieht sich, als Selbstbewusstsein ueberhaupt, auf das Ding auch negativ und hebt es auf; aber es ist zugleich selbststaendig fuer ihn, und er kann darum durch sein Negieren nicht bis zur Vernichtung mit ihm fertig werden, oder er _bearbeitet_ es nur. Dem Herrn dagegen _wird_ durch diese Vermittlung die _unmittelbare_ Beziehung als die reine Negation desselben, oder der _Genuss_; was der Begierde nicht gelang, gelingt ihm, damit fertig zu werden, und im Genusse sich zu befriedigen. Der Begierde gelang dies nicht wegen der Selbststaendigkeit des Dinges; der Herr aber, der den Knecht zwischen es und sich eingeschoben, schliesst sich dadurch nur mit der Unselbststaendigkeit des Dinges zusammen, und geniesst es rein; die Seite der Selbststaendigkeit aber ueberlaesst er dem Knechte, der es bearbeitet. In diesen beiden Momenten wird fuer den Herrn sein Anerkanntsein durch ein anderes Bewusstsein; denn dieses setzt sich in ihnen als Unwesentliches, einmal in der Bearbeitung des Dings, das anderemal in der Abhaengigkeit von einem bestimmten Dasein; in beiden kann es nicht ueber das Sein Meister werden und zur absoluten Negation gelangen. Es ist also hierin dies Moment des Anerkennens vorhanden, dass das andere Bewusstsein sich als Fuer-sich-sein aufhebt, und hiemit selbst das tut, was das erste gegen es tut. Ebenso das andere Moment, dass dies Tun des zweiten das eigne Tun des ersten ist; denn, was der Knecht tut, ist eigentlich Tun des Herrn; diesem ist nur das Fuer-sich-sein, das Wesen; er ist die reine negative Macht, der das Ding nichts ist, und also das reine wesentliche Tun in diesem Verhaeltnisse; der Knecht aber ein nicht reines, sondern unwesentliches Tun. Aber zum eigentlichen Anerkennen fehlt das Moment, dass, was der Herr gegen den Andern tut, er auch gegen sich selbst, und was der Knecht gegen sich, er auch gegen den Andern tue. Es ist dadurch ein einseitiges und ungleiches Anerkennen entstanden. Das unwesentliche Bewusstsein ist hierin fuer den Herrn der Gegenstand, welcher die _Wahrheit_ der Gewissheit seiner selbst ausmacht. Aber es erhellt, dass dieser Gegenstand seinem Begriffe nicht entspricht, sondern dass darin, worin der Herr sich vollbracht hat, ihm vielmehr ganz etwas anderes geworden als ein selbststaendiges Bewusstsein. Nicht ein solches ist fuer ihn, sondern vielmehr ein unselbststaendiges; er also nicht _des Fuer-sich-seins_, als der Wahrheit gewiss, sondern seine Wahrheit ist vielmehr das unwesentliche Bewusstsein, und das unwesentliche Tun desselben. Die _Wahrheit_ des selbststaendigen Bewusstseins ist demnach das _knechtische Bewusstsein_. Dieses erscheint zwar zunaechst _ausser_ sich und nicht als die Wahrheit des Selbstbewusstsein. Aber wie die Herrschaft zeigte, dass ihr Wesen das Verkehrte dessen ist, was sie sein will, so wird auch wohl die Knechtschaft vielmehr in ihrer Vollbringung zum Gegenteile dessen werden, was sie unmittelbar ist; sie wird als in sich _zurueckgedraengtes_ Bewusstsein in sich gehen, und zur wahren Selbststaendigkeit sich umkehren. Wir sahen nur, was die Knechtschaft im Verhaeltnisse der Herrschaft ist. Aber sie ist Selbstbewusstsein, und was sie hienach an und fuer sich selbst ist, ist nun zu betrachten. Zunaechst ist fuer die Knechtschaft der Herr das Wesen; also das _selbststaendige fuer sich seiende Bewusstsein_ ist ihr _die Wahrheit_, die jedoch _*fuer sie*_ noch nicht _an ihr_ ist. Allein sie hat diese Wahrheit der reinen Negativitaet und des _Fuer-sich-seins in der Tat an ihr selbst_; denn sie hat dieses Wesen an ihr _erfahren_. Dies Bewusstsein hat naemlich nicht um dieses oder jenes, noch fuer diesen oder jenen Augenblick Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich aufgeloest worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das absolute Fluessigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen des Selbstbewusstseins, die absolute Negativitaet, _das reine Fuer-sich-sein_, das hiemit an diesem Bewusstsein ist. Dies Moment des reinen Fuer-sich-sein ist auch _fuer es_, denn im Herrn ist es ihm sein _Gegenstand_. Es ist ferner nicht nur diese allgemeine Aufloesung _ueberhaupt_, sondern im Dienen vollbringt es sie _wirklich_; es hebt darin in allen _einzelnen_ Momenten seine Anhaenglichkeit an natuerliches Dasein auf, und arbeitet dasselbe hinweg. Das Gefuehl der absoluten Macht aber ueberhaupt, und im einzelnen des Dienstes ist nur die Aufloesung _an sich_, und obzwar die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist, so ist das Bewusstsein darin _fuer es selbst_, nicht das _Fuer-sich-sein_. Durch die Arbeit koemmt es aber zu sich selbst. In dem Momente, welches der Begierde im Bewusstsein des Herrn entspricht, schien dem dienenden Bewusstsein zwar die Seite der unwesentlichen Beziehung auf das Ding zugefallen zu sein, indem das Ding darin seine Selbststaendigkeit behaelt. Die Begierde hat sich das reine Negieren des Gegenstandes, und dadurch das unvermischte Selbstgefuehl vorbehalten. Diese Befriedigung ist aber deswegen selbst nur ein Verschwinden, denn es fehlt ihr die _gegenstaendliche_ Seite oder das _Bestehen_. Die Arbeit hingegen ist _gehemmte_ Begierde, _aufgehaltenes_ Verschwinden, oder sie _bildet_. Die negative Beziehung auf den Gegenstand wird zur _Form_ desselben, und zu einem _bleibenden_; weil eben dem arbeitenden der Gegenstand Selbststaendigkeit hat. Diese _negative_ Mitte oder das formierende _Tun_ ist zugleich _die Einzelnheit_ oder das reine Fuer-sich-sein des Bewusstseins, welches nun in der Arbeit ausser es in das Element des Bleibens tritt; das arbeitende Bewusstsein kommt also hiedurch zur Anschauung des selbststaendigen Seins, _als seiner selbst_. Das Formieren hat aber nicht nur diese positive Bedeutung, dass das dienende Bewusstsein sich darin als reines _Fuer-sich-sein_ zum _Seienden_ wird; sondern auch die negative, gegen sein erstes Moment, die Furcht. Denn in dem Bilden des Dinges wird ihm die eigne Negativitaet, sein Fuer-sich-sein, nur dadurch zum Gegenstande, dass es die entgegengesetzte seiende _Form_ aufhebt. Aber dies gegenstaendliche _Negative_ ist gerade das fremde Wesen, vor welchem es gezittert hat. Nun aber zerstoert es dies fremde Negative, setzt _sich_ als ein solches in das Element des Bleibens; und wird hiedurch _fuer sich selbst_, ein _fuer sich Seiendes_. Im Herrn ist ihm das Fuer-sich-sein _ein Anderes_ oder nur _fuer es_; in der Furcht ist das Fuer-sich-sein _an ihm selbst_; in dem Bilden wird das Fuer-sich-sein als _sein eignes_ fuer es, und es koemmt zum Bewusstsein, dass es selbst an und fuer sich ist. Die Form wird dadurch, dass sie _hinausgesetzt_ wird, ihm nicht ein Anderes als es; denn eben sie ist sein reines Fuer-sich-sein, das ihm darin zur Wahrheit wird. Es wird also durch dies Wiederfinden seiner durch sich selbst _eigner Sinn_, gerade in der Arbeit, worin es nur _fremder Sinn_ zu sein schien.--Es sind zu dieser Reflexion die beiden Momente der Furcht und des Dienstes ueberhaupt, sowie des Bildens notwendig, und zugleich beide auf eine allgemeine Weise. Ohne die Zucht des Dienstes und Gehorsams bleibt die Furcht beim Formellen stehen, und verbreitet sich nicht ueber die bewusste Wirklichkeit des Daseins. Ohne das Bilden bleibt die Furcht innerlich und stumm, und das Bewusstsein wird nicht fuer es selbst. Formiert das Bewusstsein ohne die erste absolute Furcht, so ist es nur ein eitler eigner Sinn; denn seine Form oder Negativitaet ist nicht die Negativitaet _an sich_; und sein Formieren kann ihm daher nicht das Bewusstsein seiner als des Wesens geben. Hat es nicht die absolute Furcht, sondern nur einige Angst ausgestanden, so ist das negative Wesen ihm ein aeusserliches geblieben, seine Substanz ist von ihm nicht durch und durch angesteckt. Indem nicht alle Erfuellungen seines natuerlichen Bewusstseins wankend geworden, gehoert es _an sich_ noch bestimmtem Sein an; der eigne Sinn ist _Eigensinn_, eine Freiheit, welche noch innerhalb der Knechtschaft stehenbleibt. So wenig ihm die reine Form zum Wesen werden kann, so wenig ist sie, als Ausbreitung ueber das Einzelne betrachtet, allgemeines Bilden, absoluter Begriff, sondern eine Geschicklichkeit, welche nur ueber einiges, nicht ueber die allgemeine Macht und das ganze gegenstaendliche Wesen maechtig ist. B. Freiheit des Selbstbewusstseins;Stoizismus, Skeptizismusund das unglueckliche Bewusstsein Dem selbststaendigen Selbstbewusstsein ist einesteils nur die reine Abstraktion _des Ich_ sein Wesen, und andernteils, indem sie sich ausbildet und sich Unterschiede gibt, wird dies Unterscheiden ihm nicht zum gegenstaendlichen _ansich_seienden Wesen; dies Selbstbewusstsein wird also nicht ein in seiner Einfachheit sich wahrhaft unterscheidendes, oder in dieser absoluten Unterscheidung sich gleichbleibendes Ich. Das in sich zurueckgedraengte Bewusstsein hingegen wird sich im Formieren als Form der gebildeten Dinge zum Gegenstande, und an dem Herrn schaut es das Fuer-sich-sein zugleich als Bewusstsein an. Aber dem dienenden Bewusstsein als solchem fallen diese beiden Momente--_seiner selbst_ als selbststaendigen Gegenstandes, und dieses Gegenstandes als eines Bewusstseins, und hiemit seines eigenen Wesens--auseinander. Indem aber _fuer uns_ oder _an sich_ die _Form_ und das _Fuer-sich-sein_ dasselbe ist, und im Begriffe des selbststaendigen Bewusstseins das _An-sich_-sein das Bewusstsein ist, so ist die Seite des _An-sich_-seins oder der _Dingheit_, welche die Form in der Arbeit erhielt, keine andere Substanz als das Bewusstsein, und es ist uns eine neue Gestalt des Selbstbewusstseins geworden; ein Bewusstsein, welches sich als die Unendlichkeit, oder reine Bewegung des Bewusstseins das Wesen ist; welches _denkt_, oder freies Selbstbewusstsein ist. Denn nicht als _abstraktes Ich_, sondern als Ich, welches zugleich die Bedeutung des _An-sich_-seins hat, sich Gegenstand sein, oder zum gegenstaendlichen Wesen sich so verhalten, dass es die Bedeutung des _Fuer-sich-seins_ des Bewusstseins hat, fuer welches es ist, heisst _denken_.--Dem _Denken_ bewegt sich der Gegenstand nicht in Vorstellungen oder Gestalten, sondern in _Begriffen_, das heisst in einem unterschiednen An-sich-sein, welches unmittelbar fuer das Bewusstsein kein unterschiednes von ihm ist. Das _Vorgestellte, Gestaltete, Seiende_, als solches, hat die Form, etwas anders zu sein als das Bewusstsein; ein Begriff aber ist zugleich ein _Seiendes_--und dieser Unterschied, insofern er an ihm selbst ist, ist sein bestimmter Inhalt--, aber darin, dass dieser Inhalt ein begriffener zugleich ist, bleibt es sich seiner Einheit mit diesem bestimmten und unterschiedenen Seienden _unmittelbar_ bewusst; nicht wie bei der Vorstellung, worin es erst noch besonders sich zu erinnern hat, dass dies _seine_ Vorstellung sei; sondern der Begriff ist mir unmittelbar _mein_ Begriff. Im Denken _bin_ Ich _frei_, weil ich nicht in einem Andern bin, sondern schlechthin bei mir selbst bleibe, und der Gegenstand, der mir das Wesen ist, in ungetrennter Einheit mein Fuer-mich-sein ist; und meine Bewegung in Begriffen ist eine Bewegung in mir selbst.--Es ist aber in dieser Bestimmung dieser Gestalt des Selbstbewusstseins wesentlich dies festzuhalten, dass sie _denkendes_ Bewusstsein _ueberhaupt_ oder ihr Gegenstand, _unmittelbare_ Einheit des _An-sich-seins_ und des _Fuer-sich-seins_ ist. Das sich gleichnamige Bewusstsein, das sich von sich selbst abstoesst, wird sich _ansichseiendes Element_; aber es ist sich dies Element nur erst als allgemeines Wesen ueberhaupt, nicht als dies gegenstaendliche Wesen in der Entwicklung und Bewegung seines mannigfaltigen Seins. Diese Freiheit des Selbstbewusstseins hat bekanntlich, indem sie als ihrer bewusste Erscheinung in der Geschichte des Geistes aufgetreten ist, _Stoizismus_ geheissen. Sein Prinzip ist, dass das Bewusstsein denkendes Wesen, und etwas nur Wesenheit fuer dasselbe hat, oder wahr und gut fuer es ist, als das Bewusstsein sich darin als denkendes Wesen verhaelt. Die vielfache sich in sich unterscheidende Ausbreitung, Vereinzelung und Verwicklung des Lebens ist der Gegenstand, gegen welchen die Begierde und die Arbeit taetig ist. Dies vielfache Tun hat sich nun in die einfache Unterscheidung zusammengezogen, welche in der reinen Bewegung des Denkens ist. Nicht der Unterschied, welcher sich als _bestimmtes Ding_, oder als _Bewusstsein eines bestimmten natuerlichen Daseins_, als ein Gefuehl, oder als _Begierde_ und _Zweck fuer dieselbe_, ob er durch das _eigene_ oder durch _ein fremdes Bewusstsein_ gesetzt sei, hat mehr Wesenheit, sondern allein der Unterschied, der ein _gedachter_, oder unmittelbar nicht von Mir unterschieden ist. Dies Bewusstsein ist somit negativ gegen das Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft; sein Tun ist, in der Herrschaft nicht seine Wahrheit an dem Knechte zu haben, noch als Knecht seine Wahrheit an dem Willen des Herrn und an seinem Dienen, sondern wie auf dem Throne so in den Fesseln, in aller Abhaengigkeit seines einzelnen Daseins frei zu sein, und die Leblosigkeit sich zu erhalten, welche sich bestaendig aus der Bewegung des Daseins, aus dem Wirken wie aus dem Leiden, in _die einfache Wesenheit des Gedankens zurueckzieht_. Der Eigensinn ist die Freiheit, die an eine Einzelnheit sich befestigt und _innerhalb_ der Knechtschaft steht, der Stoizismus aber die Freiheit, welche unmittelbar immer aus ihr her, und in die _reine Allgemeinheit_ des Gedankens zurueckkoemmt; als allgemeine Form des Weltgeistes nur in der Zeit einer allgemeinen Furcht und Knechtschaft, aber auch einer allgemeinen Bildung auftreten konnte, welche das Bilden bis zum Denken gesteigert hatte. Ob nun zwar diesem Selbstbewusstsein weder ein Anderes als es, noch die reine Abstraktion des Ich das Wesen ist, sondern Ich, welches das Anderssein, aber als gedachten Unterschied an ihm hat, so dass es in seinem Anderssein unmittelbar in sich zurueckgekehrt ist; so ist dies sein Wesen zugleich nur ein _abstraktes_ Wesen. Die Freiheit des Selbstbewusstseins ist _gleichgueltig_ gegen das natuerliche Dasein, hat darum _dieses ebenso frei entlassen_, und die _Reflexion_ ist eine _gedoppelte_. Die Freiheit im Gedanken hat nur _den reinen Gedanken_ zu ihrer Wahrheit, die ohne die Erfuellung des Lebens ist; und ist also auch nur der Begriff der Freiheit, nicht die lebendige Freiheit selbst; denn ihr ist nur erst das _Denken_ ueberhaupt das Wesen, die Form als solche, welche von der Selbststaendigkeit der Dinge weg, in sich zurueckgegangen ist. Indem aber die Individualitaet als handelnd sich lebendig darstellen, oder als denkend die lebendige Welt als ein System des Gedankens fassen sollte, so muesste in _dem Gedanken selbst_ fuer jene Ausbreitung ein _Inhalt_ dessen, was gut, fuer diese, was wahr ist, liegen; damit _durchaus_, in demjenigen, _was fuer das Bewusstsein ist_, kein anderes Ingrediens waere als der Begriff, der das Wesen ist. Allein so wie er hier als _Abstraktion_ von der Mannigfaltigkeit der Dinge sich abtrennt, hat er _keinen Inhalt an ihm selbst_, sondern _einen gegebenen_. Das Bewusstsein vertilgt den Inhalt wohl als ein fremdes _Sein_, indem es ihn denkt; aber der Begriff ist _bestimmter_ Begriff, und diese _Bestimmtheit_ desselben ist das Fremde, das er an ihm hat. Der Stoizismus ist darum in Verlegenheit gekommen, als er, wie der Ausdruck war, nach dem _Kriterium_ der Wahrheit ueberhaupt gefragt wurde, d.h. eigentlich nach _einem Inhalte_ des _Gedankens selbst_. Auf die Frage an ihn, _was_ gut und wahr ist, hat er wieder das _inhaltslose_ Denken selbst zur Antwort gegeben; in der Vernuenftigkeit soll das Wahre und Gute bestehen. Aber diese Sichselbstgleichheit des Denkens ist nur wieder die reine Form, in welcher sich nichts bestimmt; die allgemeinen Worte von dem Wahren und Guten, der Weisheit und der Tugend, bei welchen er stehen bleiben muss, sind daher wohl im allgemeinen erhebend, aber weil sie in der Tat zu keiner Ausbreitung des Inhalts kommen koennen, fangen sie bald an, Langeweile zu machen. Dieses denkende Bewusstsein so, wie es sich bestimmt hat, als die abstrakte Freiheit, ist also nur die unvollendete Negation des Andersseins; aus dem Dasein nur in sich _zurueckgezogen_, hat es sich nicht als absolute Negation desselben an ihm vollbracht. Der Inhalt gilt ihm zwar nur als Gedanke, aber dabei auch als _bestimmter_, und die Bestimmtheit als solche zugleich. Der _Skeptizismus_ ist die Realisierung desjenigen, wovon der Stoizismus nur der Begriff,--und die wirkliche Erfahrung, was die Freiheit des Gedankens ist; sie ist _an sich_ das Negative, und muss sich so darstellen. Mit der Reflexion des Selbstbewusstseins in den einfachen Gedanken seiner selbst ist ihr gegenueber in der Tat aus der Unendlichkeit das selbststaendige Dasein oder die bleibende Bestimmtheit herausgefallen; im Skeptizismus wird nun _fuer das Bewusstsein_ die gaenzliche Unwesentlichkeit und Unselbststaendigkeit dieses Andern; der Gedanke wird zu dem vollstaendigen das Sein der _vielfach bestimmten_ Welt vernichtenden Denken, und die Negativitaet des freien Selbstbewusstseins wird sich an dieser mannigfaltigen Gestaltung des Lebens zur realen Negativitaet.--Es erhellt, dass, wie der Stoizismus dem _Begriffe_ des _selbststaendi_gen Bewusstseins, das als Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft erschien, entspricht, so entspricht der Skeptizismus der _Realisierung_ desselben, als der negativen Richtung auf das Anderssein, der Begierde und der Arbeit. Aber wenn die Begierde und die Arbeit die Negation nicht fuer das Selbstbewusstsein ausfuehren konnten, so wird dagegen diese polemische Richtung gegen die vielfache Selbststaendigkeit der Dinge von Erfolg sein, weil sie als in sich vorher vollendetes freies Selbstbewusstsein sich gegen sie kehrt; bestimmter, weil sie _das Denken_, oder die Unendlichkeit, an ihr selbst hat, und hierin die Selbststaendigkeiten nach ihrem Unterschiede ihr nur als verschwindende Groessen sind. Die Unterschiede, welche im reinen Denken seiner selbst nur die Abstraktion der Unterschiede sind, werden hier zu _allen_ Unterschieden, und alles unterschiedene Sein zu einem Unterschiede des Selbstbewusstseins. Hiedurch hat sich das _Tun_ des _Skeptizismus_ ueberhaupt, und die _Weise_ desselben bestimmt. Er zeigt die _dialektische Bewegung_ auf, welche die sinnliche Gewissheit, die Wahrnehmung und der Verstand ist; so wie auch die Unwesenheit desjenigen, was in dem Verhaeltnisse des Herrschens und des Dienens, und was fuer das abstrakte Denken selbst, als _bestimmtes_ gilt. Jenes Verhaeltnis fasst eine _bestimmte Weise_ zugleich in sich, in welcher auch sittliche Gesetze als Gebote der Herrschaft vorhanden sind; die Bestimmungen im abstrakten Denken aber sind Begriffe der Wissenschaft, in welche sich das inhaltslose Denken ausbreitet, und den Begriff auf eine in der Tat nur aeusserliche Weise an das ihm selbststaendige Sein, das seinen Inhalt ausmacht, haengt und _nur bestimmte_ Begriffe als geltende hat, es sei, dass sie auch reine Abstraktionen sind. Das _Dialektische_ als negative Bewegung, wie sie unmittelbar _ist_, erscheint dem Bewusstsein zunaechst als etwas, dem es preisgegeben, und das nicht durch es selbst ist. Als _Skeptizismus_ hingegen ist sie Moment des Selbstbewusstseins, welchem es nicht _geschieht_, dass ihm, ohne zu wissen wie, sein Wahres und Reelles verschwindet, sondern welches in der Gewissheit seiner Freiheit dies andere fuer reell sich Gebende selbst verschwinden laesst; nicht nur das Gegenstaendliche als solches, sondern sein eignes Verhalten zu ihm, worin es als gegenstaendlich gilt, und geltend gemacht wird, also auch sein _Wahrnehmen_, so wie sein _Befestigen_ dessen, was es in Gefahr ist zu verlieren, die _Sophisterei_, und sein _aus sich bestimmtes_ und _festgesetztes Wahres_; durch welche selbstbewusste Negation es _die Gewissheit seiner Freiheit_ sich _fuer sich selbst_ verschafft, die Erfahrung derselben hervorbringt, und sie dadurch zur _Wahrheit_ erhebt. Was verschwindet, ist das Bestimmte, oder der Unterschied, der, auf welche Weise und woher es sei, als fester und unwandelbarer sich aufstellt. Er hat nichts Bleibendes an ihm, und _muss_ dem Denken verschwinden, weil das Unterschiedne eben dies ist, nicht _an ihm selbst_ zu sein, sondern seine Wesenheit nur in einem Andern zu haben; das Denken aber ist die Einsicht in diese Natur des Unterschiednen, es ist das negative Wesen als einfaches. Das skeptische Selbstbewusstsein erfaehrt also in dem Wandel alles dessen, was sich fuer es befestigen will, seine eigne Freiheit als durch es selbst sich gegeben und erhalten; es ist sich diese Ataraxie des Sich-selbst-denkens, die unwandelbare und _wahrhafte Gewissheit seiner selbst_. Sie geht nicht aus einem Fremden, das seine vielfache Entwicklung in sich zusammenstuerzte, als ein Resultat hervor, welches sein Werden hinter sich haette; sondern das Bewusstsein selbst ist die _absolute dialektische Unruhe_, dieses Gemische von sinnlichen und gedachten Vorstellungen, deren Unterschiede zusammenfallen, und deren _Gleichheit_ sich ebenso--denn sie ist selbst die _Bestimmtheit_ gegen das _Ungleiche_--wieder aufloest. Dies Bewusstsein ist aber eben hierin in der Tat, statt sichselbstgleiches Bewusstsein zu sein, nur eine schlechthin zufaellige Verwirrung, der Schwindel einer sich immer erzeugenden Unordnung. _Es ist dies fuer sich selbst_; denn es selbst erhaelt und bringt diese sich bewegende Verwirrung hervor. Es bekennt sich darum auch dazu, es bekennt, ein ganz _zufaelliges, einzelnes_ Bewusstsein zu sein--ein Bewusstsein, das _empirisch_ ist, sich nach dem richtet, was keine Realitaet fuer es hat, dem gehorcht, was ihm kein Wesen ist, das tut und zur Wirklichkeit bringt, was ihm keine Wahrheit hat. Aber ebenso wie es sich auf diese Weise als _einzelnes, zufaelliges_ und in der Tat tierisches Leben, und _verlornes_ Selbstbewusstsein gilt, macht es sich im Gegenteile auch wieder zum _allgemeinen sichselbstgleichen_; denn es ist die Negativitaet aller Einzelnheit und alles Unterschieds. Von dieser Sich-selbst-gleichheit oder in ihr selbst vielmehr faellt es wieder in jene Zufaelligkeit und Verwirrung zurueck, denn eben diese sich bewegende Negativitaet hat es nur mit Einzelnem zu tun, und treibt sich mit Zufaelligem herum. Dies Bewusstsein ist also diese bewusstlose Faselei, von dem einen Extreme des sichselbstgleichen Selbstbewusstseins zum andern des zufaelligen, verworrenen, und verwirrenden Bewusstseins hinueber und herueber zu gehen. Es selbst bringt diese beiden Gedanken seiner selbst nicht zusammen; es erkennt seine Freiheit _einmal_ als Erhebung ueber alle Verwirrung und alle Zufaelligkeit des Daseins, und bekennt sich ebenso das _andremal_ wieder als ein Zurueckfallen in _die Unwesentlichkeit_ und als ein Herumtreiben in ihr. Es laesst den unwesentlichen Inhalt in seinem Denken verschwinden, aber eben darin ist es das Bewusstsein eines Unwesentlichen; es spricht das absolute _Verschwinden_ aus, aber das _Aussprechen *ist*_, und dies Bewusstsein ist das ausgesprochne Verschwinden; es spricht die Nichtigkeit des Sehens, Hoerens, und so fort, aus, und es _sieht, hoert_ und so fort, _selbst_; es spricht die Nichtigkeit der sittlichen Wesenheiten aus, und macht sie selbst zu den Maechten seines Handelns. Sein Tun und seine Worte widersprechen sich immer, und ebenso hat es selbst das gedoppelte widersprechende Bewusstsein der Unwandelbarkeit und Gleichheit, und der voelligen Zufaelligkeit und Ungleichheit mit sich. Aber es haelt diesen Widerspruch seiner selbst auseinander; und verhaelt sich darueber wie in seiner rein negativen Bewegung ueberhaupt. Wird ihm die _Gleichheit_ aufgezeigt, so zeigt es die _Ungleichheit_ auf; und indem ihm diese, die es eben ausgesprochen hat, itzt vorgehalten wird, so geht es zum Aufzeigen der _Gleichheit_ ueber; sein Gerede ist in der Tat ein Gezaenke eigensinniger Jungen, deren einer A sagt, wenn der andere B, und wieder B, wenn der andere A, und die sich durch den Widerspruch _mit sich selbst_ die Freude erkaufen, _miteinander_ im Widerspruche zu bleiben. Im Skeptizismus erfaehrt das Bewusstsein in Wahrheit sich als ein in sich selbst widersprechendes Bewusstsein; es geht aus dieser Erfahrung eine _neue Gestalt_ hervor, welche die zwei Gedanken zusammenbringt, die der Skeptizismus auseinander haelt. Die Gedankenlosigkeit des Skeptizismus ueber sich selbst muss verschwinden, weil es in der Tat ein Bewusstsein ist, welches diese beiden Weisen an ihm hat. Diese neue Gestalt ist hiedurch ein solches, welches _fuer sich_ das gedoppelte Bewusstsein seiner als des sich befreienden, unwandelbaren und sichselbstgleichen, und seiner als des absolut sich verwirrenden und verkehrenden--und das Bewusstsein dieses seines Widerspruchs ist. --Im Stoizismus ist das Selbstbewusstsein die einfache Freiheit seiner selbst; im Skeptizismus realisiert sie sich, vernichtet die andere Seite des bestimmten Daseins, aber verdoppelt _sich_ vielmehr, und ist sich nun ein Zweifaches. Hiedurch ist die Verdopplung, welche frueher an zwei einzelne, an den Herrn und den Knecht, sich verteilte, in eines eingekehrt; die Verdopplung des Selbstbewusstseins in sich selbst, welche im Begriffe des Geistes wesentlich ist, ist hiemit vorhanden, aber noch nicht ihre Einheit, und das _unglueckliche Bewusstsein_ ist das Bewusstsein seiner als des gedoppelten nur widersprechenden Wesens. Dieses _unglueckliche, in sich entzweite_ Bewusstsein muss also, weil dieser Widerspruch seines Wesens sich _ein_ Bewusstsein ist, in dem einen Bewusstsein immer auch das andere haben, und so aus jedem unmittelbar, indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu sein meint, wieder daraus ausgetrieben werden. Seine wahre Rueckkehr aber in sich selbst, oder seine Versoehnung mit sich wird den Begriff des lebendig gewordenen und in die Existenz getretenen Geistes darstellen, weil an ihm schon dies ist, dass es als _ein_ ungeteiltes Bewusstsein ein gedoppeltes ist; es selbst _ist_ das Schauen eines Selbstbewusstseins in ein anderes, und es selbst _ist_ beide, und die Einheit beider ist ihm auch das Wesen, aber es _fuer sich_ ist sich noch nicht dieses Wesen selbst, noch nicht die Einheit beider. Indem es zunaechst nur die _unmittelbare Einheit_ beider ist, aber fuer es nicht beide dasselbe, sondern entgegengesetzte sind, so ist ihm das eine, naemlich das einfache unwandelbare, als das _Wesen_; das andere aber, das vielfache wandelbare, als das _Unwesentliche_. Beide sind _fuer es_ einander fremde Wesen; es selbst, weil es das Bewusstsein dieses Widerspruchs ist, stellt sich auf die Seite des wandelbaren Bewusstseins, und ist sich das Unwesentliche; aber als Bewusstsein der Unwandelbarkeit, oder des einfachen Wesens, muss es zugleich darauf gehen, sich von dem Unwesentlichen, das heisst, sich von sich selbst zu befreien. Denn ob es _fuer sich_ wohl nur das wandelbare, und das unwandelbare ihm ein Fremdes ist, so _ist es selbst_ einfaches, und hiemit unwandelbares Bewusstsein, dessen hiemit als _seines_ Wesens sich bewusst, jedoch so, dass _es selbst_ fuer sich wieder nicht dies Wesen ist. Die Stellung, welche es beiden gibt, kann daher nicht eine Gleichgueltigkeit derselben gegeneinander, d.i. nicht eine Gleichgueltigkeit seiner selbst gegen das Unwandelbare sein; sondern es ist unmittelbar selbst beide, und es ist fuer es _die Beziehung beider_ als eine Beziehung des Wesens auf das Unwesen, so dass dies letztere aufzuheben ist, aber indem ihm beide gleich wesentlich und widersprechend sind, ist es nur die widersprechende Bewegung, in welcher das Gegenteil nicht in seinem Gegenteil zur Ruhe kommt, sondern in ihm nur als Gegenteil sich neu erzeugt. Es ist damit ein Kampf gegen einen Feind vorhanden, gegen welchen der Sieg vielmehr ein Unterliegen, das eine erreicht zu haben vielmehr der Verlust desselben in seinem Gegenteile ist. Das Bewusstsein des Lebens, seines Daseins und Tuns ist nur der Schmerz ueber dieses Dasein und Tun, denn es hat darin nur das Bewusstsein seines Gegenteils als des Wesens, und der eignen Nichtigkeit. Es geht in die Erhebung hieraus zum Unwandelbaren ueber. Aber diese Erhebung ist selbst dies Bewusstsein; sie ist also unmittelbar das Bewusstsein des Gegenteils, naemlich seiner selbst als der Einzelnheit. Das Unwandelbare, das in das Bewusstsein tritt, ist ebendadurch zugleich von der Einzelnheit beruehrt, und nur mit dieser gegenwaertig; statt diese im Bewusstsein des Unwandelbaren vertilgt zu haben, geht sie darin immer nur hervor. In dieser Bewegung aber erfaehrt es eben dieses _Hervortreten der Einzelnheit *am* Unwandelbaren_, und _des Unwandelbaren *an* der Einzelnheit_. Es wird _fuer es_ die Einzelnheit _ueberhaupt am_ unwandelbaren Wesen, und zugleich die _seinige_ an ihm. Denn die Wahrheit dieser Bewegung ist eben das _Einssein_ dieses gedoppelten Bewusstseins. _Diese Einheit wird ihm_ aber _zunaechst_ selbst eine solche, _in welcher noch die Verschiedenheit_ beider das Herrschende ist. Es ist dadurch die dreifache Weise fuer dasselbe vorhanden, wie die Einzelnheit mit dem Unwandelbaren verknuepft ist; _einmal_ geht es selbst sich wieder hervor als entgegengesetzt dem unwandelbaren Wesen; und es ist in den Anfang des Kampfs zurueckgeworfen, welcher das Element des ganzen Verhaeltnisses bleibt. Das _andremal_ aber hat das _Unwandelbare_ selbst _an ihm_ die _Einzelnheit_ fuer es; so dass sie Gestalt des Unwandelbaren ist, an welches hiemit die ganze Weise der Existenz hinuebertritt. Das _drittemal_ findet _es sich selbst_ als dieses Einzelne im Unwandelbaren. Das _erste_ Unwandelbare ist ihm nur das _fremde_ die Einzelnheit verurteilende Wesen; indem das _andre_ eine _Gestalt_ der _Einzelnheit_ wie es selbst ist, so wird es _drittens_ zum Geiste, hat sich selbst darin zu finden die Freude, und wird sich seine Einzelnheit mit dem Allgemeinen versoehnt zu sein bewusst. Was sich hier als Weise und Verhaeltnis des Unwandelbaren darstellt, ergab sich als die _Erfahrung_, welche das entzweite Selbstbewusstsein in seinem Ungluecke macht. Diese Erfahrung ist nun zwar nicht _seine einseitige_ Bewegung, denn es ist selbst unwandelbares Bewusstsein, dieses hiemit zugleich auch einzelnes Bewusstsein, und die Bewegung ebensowohl Bewegung des unwandelbaren Bewusstseins, das in ihr so sehr wie das andere auftritt; denn sie verlaeuft sich durch diese Momente, einmal unwandelbares dem einzelnen ueberhaupt, dann selbst einzelnes dem andern einzelnen entgegengesetzt, und endlich mit ihm Eins zu sein. Aber diese Betrachtung, insofern sie uns angehoert, ist hier unzeitig, denn bis itzt ist uns nur die Unwandelbarkeit als Unwandelbarkeit des Bewusstseins, welche deswegen nicht die wahre, sondern noch mit einem Gegensatze behaftete ist, nicht das Unwandelbare _an und fuer sich selbst_ entstanden; wir wissen daher nicht, wie dieses sich verhalten wird. Was hier sich ergeben hat, ist nur dies, dass dem Bewusstsein, das hier unser Gegenstand ist, diese angezeigten Bestimmungen an dem Unwandelbaren erscheinen. Aus diesem Grunde behaelt also auch das unwandelbare _Bewusstsein_ in seiner Gestaltung selbst den Charakter und die Grundlage des Entzweit--und des Fuer-sich-seins gegen das einzelne Bewusstsein. Es ist hiemit fuer dieses ueberhaupt ein _Geschehen_, dass das Unwandelbare die Gestalt der Einzelnheit erhaelt; so wie es sich auch ihm entgegengesetzt nur _findet_, und also _durch die Natur_ dies Verhaeltnis hat; dass es _sich_ endlich in ihm _findet_, erscheint ihm zum Teil zwar durch es selbst hervorgebracht, oder darum stattzuhaben, weil es selbst einzeln ist; aber ein Teil dieser Einheit als dem Unwandelbaren zugehoerend, sowohl nach ihrer Entstehung, als insofern sie ist; und der Gegensatz bleibt in dieser Einheit selbst. In der Tat ist durch die _Gestaltung_ des Unwandelbaren das Moment des Jenseits nicht nur geblieben, sondern vielmehr noch befestigt; denn wenn es durch die Gestalt der einzelnen Wirklichkeit ihm einerseits zwar naeher gebracht zu sein scheint, so ist es ihm andererseits nunmehr als ein undurchsichtiges sinnliches _Eins_, mit der ganzen Sproedigkeit eines _Wirklichen_, gegenueber; die Hoffnung, mit ihm Eins zu werden, muss Hoffnung, das heisst ohne Erfuellung und Gegenwart bleiben, denn zwischen ihr und der Erfuellung steht gerade die absolute Zufaelligkeit oder unbewegliche Gleichgueltigkeit, welche in der Gestaltung selbst, dem begruendenden der Hoffnung, liegt. Durch die Natur des _seienden Eins_, durch die Wirklichkeit, die es angezogen, geschieht es notwendig, dass es in der Zeit verschwunden, und im Raume und ferne gewesen ist, und schlechthin ferne bleibt. Wenn zuerst der blosse Begriff des entzweiten Bewusstseins sich so bestimmte, dass es auf das Aufheben seiner als einzelnen und auf das Werden zum unwandelbaren Bewusstsein gehe, so hat sein Streben nunmehr diese Bestimmung, dass es vielmehr sein Verhaeltnis zu dem reinen _ungestalteten_ Unwandelbaren aufhebe, und sich nur die Beziehung auf den _gestalteten Unwandelbaren_ gebe. Denn das _Einssein_ des Einzelnen mit dem Unwandelbaren ist ihm nunmehr _Wesen_ und _Gegenstand_, wie im Begriffe nur das gestaltlose, abstrakte Unwandelbare der wesentliche Gegenstand war; und das Verhaeltnis dieses absoluten Entzweitseins des Begriffes ist nun dasjenige, von welchem es sich wegzuwenden hat. Die zunaechst aeussere Beziehung aber zu dem gestalteten Unwandelbaren als einem fremden Wirklichen hat es zum absoluten Einswerden zu erheben. Die Bewegung, worin das unwesentliche Bewusstsein dies Einssein zu erreichen strebt, ist selbst die _dreifache_, nach dem dreifachen Verhaeltnisse, welche es zu seinem gestalteten jenseits haben wird; einmal als _reines Bewusstsein_; das andremal als _einzelnes Wesen_, welches sich als Begierde und Arbeit gegen _die Wirklichkeit_ verhaelt; und zum dritten als _Bewusstsein seines Fuer-sich-seins_.--Wie diese drei Weisen seines Seins in jenem allgemeinen Verhaeltnisse vorhanden und bestimmt sind, ist nun zu sehen. Zuerst also es als _reines Bewusstsein_ betrachtet, so scheint der gestaltete Unwandelbare, indem er fuer das reine Bewusstsein ist, gesetzt zu werden, wie er an und fuer sich selbst ist. Allein wie er an und fuer sich selbst ist, dies ist, wie schon erinnert, noch nicht entstanden. Dass er im Bewusstsein waere, wie er an und fuer sich selbst ist, dies muesste wohl von ihm vielmehr ausgehen als von dem Bewusstsein; so aber ist diese seine Gegenwart hier nur erst einseitig durch das Bewusstsein vorhanden, und eben darum nicht vollkommen und wahrhaftig, sondern bleibt mit Unvollkommenheit oder einem Gegensatze beschwert. Obgleich aber das unglueckliche Bewusstsein also diese Gegenwart nicht besitzt, so ist es zugleich ueber das reine Denken, insofern dieses das abstrakte von der _Einzelnheit_ ueberhaupt _wegsehende_ Denken des Stoizismus, und das nur _unruhige_ Denken des Skeptizismus--in der Tat nur die Einzelnheit als der bewusstlose Widerspruch und dessen rastlose Bewegung--ist; es ist ueber diese beide hinaus, es bringt und haelt das reine Denken und die Einzelnheit zusammen, ist aber noch nicht zu demjenigen Denken erhoben, _fuer welches_ die Einzelnheit des Bewusstseins mit dem reinen Denken selbst ausgesoehnt ist. Es steht vielmehr in dieser Mitte, worin das abstrakte Denken die Einzelnheit des Bewusstseins als Einzelnheit beruehrt. Es selbst _ist_ diese Beruehrung; es ist die Einheit des reinen Denkens und der Einzelnheit; es ist auch _fuer es_ diese denkende Einzelnheit, oder das reine Denken, und das Unwandelbare wesentlich selbst als Einzelnheit. Aber es ist nicht _fuer es_, dass dieser sein Gegenstand, das Unwandelbare, welches ihm wesentlich die Gestalt der Einzelnheit hat, _es selbst_ ist, es selbst, das Einzelnheit des Bewusstseins ist. Es _verhaelt_ sich daher in dieser ersten Weise, worin wir es als _reines Bewusstsein_ betrachten, _zu seinem Gegenstande_ nicht denkend, sondern indem es selbst zwar _an sich_ reine denkende Einzelnheit und sein Gegenstand eben dieses, aber nicht die _Beziehung aufeinander selbst reines Denken_ ist, geht es, so zu sagen, nur _an_ das Denken _hin_, und ist _Andacht_. Sein Denken als solches bleibt das gestaltlose Sausen des Glockengelaeutes oder eine warme Nebelerfuellung, ein musikalisches Denken, das nicht zum Begriffe, der die einzige immanente gegenstaendliche Weise waere, kommt. Es wird diesem unendlichen reinen innern Fuehlen wohl sein Gegenstand; aber so eintretend, dass er nicht als begriffner, und darum als ein Fremdes eintritt. Es ist hiedurch die innerliche Bewegung des _reinen_ Gemuets vorhanden, welches sich selbst, aber als die Entzweiung schmerzhaft _fuehlt_; die Bewegung einer unendlichen _Sehnsucht_, welche die Gewissheit hat, dass ihr Wesen ein solches reines Gemuet ist, reines _Denken_, welches sich _als Einzelnheit denkt_; dass sie von diesem Gegenstande, eben darum, weil er sich als Einzelnheit denkt, erkannt, und anerkannt wird. Zugleich aber ist dies Wesen das unerreichbare _Jenseits_, welches im Ergreifen entflieht, oder vielmehr schon entflohen ist. Es ist schon entflohen; denn es ist einesteils das sich als Einzelnheit denkende Unwandelbare, und das Bewusstsein erreicht sich selbst daher unmittelbar in ihm, _sich selbst_, aber als _das dem Unwandelbaren entgegengesetzte_; statt das Wesen zu ergreifen, _fuehlt_ es nur, und ist in sich zurueckgefallen; indem es im Erreichen sich als dies entgegengesetzte nicht abhalten kann, hat es, statt das Wesen ergriffen zu haben, nur die Unwesentlichkeit ergriffen. Wie es so auf einer Seite, indem _es sich im Wesen_ zu erreichen strebt, nur die eigne getrennte Wirklichkeit ergreift, so kann es auf der andern Seite das Andere nicht _als einzelnes_, oder als _wirkliches_ ergreifen. Wo es gesucht werde, kann es nicht gefunden werden, denn es soll eben _ein Jenseits_, ein solches sein, welches nicht gefunden werden kann. Es als einzelnes gesucht, ist nicht eine _allgemeine_, gedachte _Einzelnheit_, nicht Begriff, sondern _Einzelnes_ als Gegenstand, oder _ein Wirkliches_; Gegenstand der unmittelbaren sinnlichen Gewissheit; und ebendarum nur ein solches, welches verschwunden ist. Dem Bewusstsein kann daher nur das _Grab_ seines Lebens zur Gegenwart kommen. Aber weil dies selbst eine _Wirklichkeit_ und es gegen die Natur dieser ist, einen dauernden Besitz zu gewaehren; so ist auch diese Gegenwart des Grabes nur der Kampf eines Bemuehens, der verloren werden muss. Allein indem es diese Erfahrung gemacht, dass _das Grab_ seines _wirklichen_ unwandelbaren Wesens _keine Wirklichkeit_ hat, dass die _verschwundene Einzelnheit_ als verschwundne nicht die wahre Einzelnheit ist, wird es die unwandelbare Einzelnheit als _wirkliche_ aufzusuchen oder als verschwundne festzuhalten aufgeben, und erst hiedurch ist es faehig, die Einzelnheit als wahrhafte oder als allgemeine zu finden. Zunaechst aber ist die _Rueckkehr des Gemuets in sich selbst_ so zu nehmen, dass es sich als _Einzelnes Wirklichkeit_ hat. Es ist das _reine Gemuet_, welches _fuer uns_ oder _an sich_, sich gefunden und in sich ersaettigt ist, denn ob _fuer es_ in seinem Gefuehle sich wohl das Wesen von ihm trennt, so ist an sich dies Gefuehl _Selbst_gefuehl, es hat den Gegenstand seines reinen Fuehlens gefuehlt, und dieser ist es selbst; es tritt also hieraus als Selbstgefuehl oder fuer sich seiendes Wirkliches auf. In dieser Rueckkehr in sich ist fuer uns sein _zweites Verhaeltnis_ geworden, das der Begierde und Arbeit, welche dem Bewusstsein die innerliche Gewissheit seiner selbst, die es fuer uns erlangt hat, durch Aufheben und Geniessen des fremden Wesens, naemlich desselben in der Form der selbststaendigen Dinge bewaehrt. Das unglueckliche Bewusstsein aber _findet_ sich nur als _begehrend_ und _arbeitend_; es ist fuer es nicht vorhanden, dass, sich so zu finden, die innre Gewissheit seiner selbst zum Grunde liegt, und sein Gefuehl des Wesens dies Selbstgefuehl ist. Indem es sie _fuer sich selbst_ nicht hat, bleibt sein Innres vielmehr noch die gebrochne Gewissheit seiner selbst; die Bewaehrung, welche es durch Arbeit und Genuss erhalten wuerde, ist darum eine ebensolche _gebrochne_; oder es muss sich vielmehr selbst diese Bewaehrung vernichten, so dass es in ihr wohl die Bewaehrung, aber nur die Bewaehrung desjenigen, was es fuer sich ist, naemlich seiner Entzweiung findet. Die Wirklichkeit, gegen welche sich die Begierde und die Arbeit wendet, ist diesem Bewusstsein nicht mehr ein _an sich Nichtiges_, von ihm nur Aufzuhebendes und zu Verzehrendes, sondern ein solches, wie es selbst ist, eine _entzweigebrochene Wirklichkeit_, welche nur einerseits an sich nichtig, andererseits aber auch eine geheiligte Welt ist; sie ist Gestalt des Unwandelbaren, denn dieses hat die Einzelnheit an sich erhalten, und weil es als das Unwandelbare Allgemeines ist, hat seine Einzelnheit ueberhaupt die Bedeutung aller Wirklichkeit. Wenn das Bewusstsein fuer sich selbststaendiges Bewusstsein und ihm die Wirklichkeit an und fuer sich nichtig waere, wuerde es in der Arbeit und in dem Genusse zum Gefuehle seiner Selbststaendigkeit gelangen, dadurch dass es selbst es waere, welches die Wirklichkeit aufhoebe. Allein indem diese ihm Gestalt des Unwandelbaren ist, vermag es nicht sie durch sich aufzuheben. Sondern indem es zwar zur Vernichtung der Wirklichkeit und zum Genusse gelangt, so geschieht fuer es dies wesentlich dadurch, dass das Unwandelbare selbst seine Gestalt _preisgibt_, und ihm zum Genusse _ueberlaesst_.--Das Bewusstsein tritt hierin seinerseits _gleichfalls_ als Wirkliches auf, aber ebenso als innerlich gebrochen, und diese Entzweiung stellt sich in seinem Arbeiten und Geniessen dar, in ein _Verhaeltnis zur Wirklichkeit_ oder das _Fuer-sich-sein_ und in ein _An-sich-sein_ sich zu brechen. Jenes Verhaeltnis zur Wirklichkeit ist das _Veraendern_ oder das _Tun_, das Fuer-sich-sein, das dem _einzelnen_ Bewusstsein als solchem angehoert. Aber es ist darin auch _an sich_; diese Seite gehoert dem unwandelbaren Jenseits an; sie sind die Faehigkeiten und Kraefte, eine fremde Gabe, welche das Unwandelbare ebenso dem Bewusstsein ueberlaesst, um sie zu gebrauchen. In seinem Tun ist demnach das Bewusstsein zunaechst in dem Verhaeltnisse zweier Extreme; es steht als das taetige Diesseits auf einer Seite, und ihm gegenueber die passive Wirklichkeit, beide in Beziehung aufeinander, aber auch beide in das Unwandelbare zurueckgegangen, und an sich festhaltend. Von beiden Seiten loest sich daher nur eine Oberflaeche gegeneinander ab, welche in das Spiel der Bewegung gegen die andre tritt.--Das Extrem der Wirklichkeit wird durch das taetige Extrem aufgehoben; sie von ihrer Seite kann aber nur darum aufgehoben werden, weil ihr unwandelbares Wesen sie selbst aufhebt, sich von sich abstoesst, und das Abgestossene der Taetigkeit preisgibt. Die taetige Kraft erscheint als _die Macht_, worin die Wirklichkeit sich aufloest; darum aber ist fuer dieses Bewusstsein, welchem das _An-sich_ oder das Wesen ein ihm Andres ist, diese Macht, als welche es in der Taetigkeit auftritt, das Jenseits seiner selbst. Statt also aus seinem Tun in sich zurueckzukehren, und sich fuer sich selbst bewaehrt zu haben, reflektiert es vielmehr diese Bewegung des Tuns in das andre Extrem zurueck, welches hiedurch als rein Allgemeines, als die absolute Macht dargestellt ist, von der die Bewegung nach allen Seiten ausgegangen, und die das Wesen sowohl der sich zersetzenden Extreme, wie sie zuerst auftraten, als des Wechsels selbst sei. Dass das unwandelbare Bewusstsein auf seine Gestalt Ver_zicht tut_ und sie _preisgibt_, dagegen das einzelne Bewusstsein _dankt_, d.h. die Befriedigung des Bewusstseins seiner _Selbststaendigkeit_ sich _versagt_, und das Wesen des Tuns von sich ab dem Jenseits zuweist, durch diese beide Momente des _gegenseitigen_ Sich-_aufgebens_ beider Teile entsteht hiemit allerdings dem Bewusstsein seine _Einheit_ mit dem Unwandelbaren. Allein zugleich ist diese Einheit mit der Trennung affiziert, in sich wieder gebrochen, und es tritt aus ihr der Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen wieder hervor. Denn das Bewusstsein entsagt zwar _zum Scheine_ der Befriedigung seines Selbstgefuehls; erlangt aber die _wirkliche_ Befriedigung desselben; denn _es ist_ Begierde, Arbeit und Genuss gewesen; _es_ hat als Bewusstsein _gewollt, getan_ und _genossen_. Sein _Danken_ ebenso, worin es das andre Extrem als das Wesen anerkennt, und sich aufhebt, ist selbst _sein eignes_ Tun, welches das Tun des andern Extrems aufwiegt, und der sich preisgebenden Wohltat ein _gleiches_ Tun entgegenstellt; wenn jenes ihm seine _Oberflaeche_ ueberlaesst, so dankt es _aber auch_, und tut darin, indem es sein Tun, d.h. sein _Wesen_, selbst aufgibt, eigentlich mehr als das andere, das nur eine Oberflaeche von sich abstoesst. Die ganze Bewegung reflektiert sich also nicht nur im wirklichen Begehren, Arbeiten und Geniessen, sondern sogar selbst im Danken, worin das Gegenteil zu geschehen scheint, in das _Extrem der Einzelnheit_. Das Bewusstsein fuehlt sich darin als dieses einzelne, und laesst sich durch den Schein seines Verzichtleistens nicht taeuschen, denn die Wahrheit desselben ist, dass es sich nicht aufgegeben hat; was zustande gekommen, ist nur die gedoppelte Reflexion in die beiden Extreme, und das Resultat die wiederholte Spaltung in das entgegengesetzte Bewusstsein des _Unwandelbaren_ und in das Bewusstsein des _gegenueberstehenden_ Wollens, Vollbringens, Geniessens, und des Auf-sich-Verzicht-leistens selbst, oder der _fuersichseienden Einzelnheit_ ueberhaupt. Es ist damit das _dritte Verhaeltnis_ der Bewegung dieses Bewusstseins eingetreten, welches aus dem zweiten als ein solches hervortritt, das in Wahrheit durch sein Wollen und Vollbringen sich als selbststaendiges erprobt hat. Im ersten Verhaeltnisse war es nur _Begriff_ des wirklichen Bewusstseins, oder das _innre Gemuet_, welches im Tun und Genusse noch nicht wirklich ist; das _zweite_ ist diese Verwirklichung, als aeusseres Tun und Geniessen; hieraus aber zurueckgekehrt ist es ein solches, welches sich als wirkliches und wirkendes Bewusstsein _erfahren_, oder dem es _wahr_ ist, _an und fuer sich_ zu sein. Darin ist aber nun der Feind in seiner eigensten Gestalt aufgefunden. Im Kampfe des Gemuets ist das einzelne Bewusstsein nur als musikalisches, abstraktes Moment; in der Arbeit und dem Genusse, als der Realisierung dieses wesenlosen Seins, kann es unmittelbar _sich_ vergessen, und die bewusste _Eigenheit_ in dieser Wirklichkeit wird durch das dankende Anerkennen niedergeschlagen. Dieses Niederschlagen ist aber in Wahrheit eine Rueckkehr des Bewusstseins in sich selbst, und zwar in sich als die ihm wahrhafte Wirklichkeit. Dies dritte Verhaeltnis, worin diese wahrhafte Wirklichkeit das _eine_ Extrem ist, ist die _Beziehung_ derselben auf das allgemeine Wesen, als der Nichtigkeit; und die Bewegung dieser Beziehung ist noch zu betrachten. Was zuerst die entgegengesetzte Beziehung des Bewusstseins betrifft, worin ihm seine _Realitaet unmittelbar das Nichtige_ ist, so wird also sein wirkliches Tun zu einem Tun von nichts, sein Genuss Gefuehl seines Ungluecks. Hiemit verlieren Tun und Genuss allen _allgemeinen Inhalt und Bedeutung_, denn dadurch haetten sie ein An- und Fuer-sich-sein, und beide ziehen sich in die Einzelnheit zurueck, auf welche das Bewusstsein, sie aufzuheben, gerichtet ist. Seiner als _dieses wirklichen Einzelnen_ ist das Bewusstsein sich in den tierischen Funktionen bewusst. Diese, statt unbefangen, als etwas, das an und fuer sich nichtig ist, und keine Wichtigkeit und Wesenheit fuer den Geist erlangen kann, getan zu werden, da sie es sind, in welchen sich der Feind in seiner eigentuemlichen Gestalt zeigt, sind sie vielmehr Gegenstand des ernstlichen Bemuehens, und werden gerade zum Wichtigsten. Indem aber dieser Feind in seiner Niederlage sich erzeugt, das Bewusstsein, da es sich ihn fixiert, vielmehr statt frei davon zu werden, immer dabei verweilt, und sich immer verunreinigt erblickt, zugleich dieser Inhalt seines Bestrebens, statt eines Wesentlichen das Niedrigste, statt eines Allgemeinen das Einzelnste ist, so sehen wir nur eine auf sich und ihr kleines Tun beschraenkte, und sich bebruetende, ebenso unglueckliche als aermliche Persoenlichkeit. Aber an beides, das Gefuehl seines Ungluecks und die Aermlichkeit seines Tuns, knuepft sich ebenso das Bewusstsein seiner Einheit mit dem Unwandelbaren. Denn die versuchte unmittelbare Vernichtung seines wirklichen Seins ist _vermittelt_ durch den Gedanken des Unwandelbaren, und geschieht in dieser _Beziehung_. _Die mittelbare_ Beziehung macht das Wesen der negativen Bewegung aus, in welcher es sich gegen seine Einzelnheit richtet, welche aber ebenso als _Beziehung an sich_ positiv ist, und fuer es selbst diese seine _Einheit_ hervorbringen wird. Diese mittelbare Beziehung ist hiemit ein Schluss, in welchem die sich zuerst als gegen das _An-sich_ entgegengesetzt fixierende Einzelnheit mit diesem andern Extreme nur durch ein drittes zusammengeschlossen ist. Durch diese Mitte ist das Extrem des unwandelbaren Bewusstseins fuer das unwesentliche Bewusstsein, in welchem zugleich auch dies ist, dass es ebenso fuer jenes nur durch diese Mitte sei, und diese Mitte hiemit eine solche, die beide Extreme einander vorstellt, und der gegenseitige Diener eines jeden bei dem andern ist. Diese Mitte ist selbst ein bewusstes Wesen, denn sie ist ein das Bewusstsein als solches vermittelndes Tun; der Inhalt dieses Tuns ist die Vertilgung, welche das Bewusstsein mit seiner Einzelnheit vornimmt. In ihr also befreit dieses sich von dem Tun und Genusse als _dem seinen_; es stoesst von sich als _fuersich_seiendem Extreme das Wesen seines _Willens_ ab, und wirft auf die Mitte oder den Diener die Eigenheit und Freiheit des Entschlusses, und damit die _Schuld_ seines Tuns. Dieser Vermittler, als mit dem unwandelbaren Wesen in unmittelbarer Beziehung, dient mit seinem _Rate_ ueber das Rechte. Die Handlung, indem sie Befolgung eines fremden Beschlusses ist, hoert nach der Seite des Tuns oder des _Willens_ auf, die eigne zu sein. Es bleibt aber noch ihre _gegenstaendliche_ Seite dem unwesentlichen Bewusstsein, naemlich die _Frucht_ seiner Arbeit und der _Genuss_. Diesen stoesst es also ebenso von sich ab, und leistet wie auf seinen Willen, so auf seine in der Arbeit und Genusse erhaltene _Wirklichkeit_ Verzicht; auf sie, _teils_ als auf die erreichte Wahrheit seiner selbstbewussten _Selbststaendigkeit_--indem es etwas ganz Fremdes, ihm Sinnloses vorstellend und sprechend sich bewegt; teils auf sie als _aeusserliches Eigentum_--indem es von dem Besitze, den es durch die Arbeit erworben, etwas ablaesst; teils auf den gehabten _Genuss_--indem es ihn im Fasten und Kasteien auch wieder ganz sich versagt. Durch diese Momente des Aufgebens des eignen Entschlusses, dann des Eigentumes und Genusses, und endlich das positive Moment des Treibens eines unverstandenen Geschaeftes nimmt es sich in Wahrheit und vollstaendig das Bewusstsein der innern und aeussern Freiheit, der Wirklichkeit als seines _Fuer-sich-seins_; es hat die Gewissheit, in Wahrheit seines _Ich_ sich entaeussert, und sein unmittelbares Selbstbewusstsein zu einem _Dinge_, zu einem gegenstaendlichen Sein gemacht zu haben.--Die Verzichtleistung auf sich konnte es allein durch diese _wirkliche_ Aufopferung bewaehren; denn nur in ihr verschwindet der _Betrug_, welcher in dem _innern_ Anerkennen des Dankens durch Herz, Gesinnung und Mund liegt, einem Anerkennen, welches zwar alle Macht des Fuer-sich-seins von sich abwaelzt, und sie einem Geben von oben zuschreibt, aber in diesem Abwaelzen selbst sich die _aeussere_ Eigenheit in dem Besitze, den es nicht aufgibt, die _innre_ aber in dem Bewusstsein des Entschlusses, den es selbst gefasst, und in dem Bewusstsein seines durch es bestimmten Inhalts, den es nicht gegen einen fremden, es sinnlos erfuellenden umgetauscht hat, behaelt. Aber in der wirklich vollbrachten Aufopferung hat _an sich_, wie das Bewusstsein das _Tun_ als das seinige aufgehoben, auch sein _Unglueck_ von ihm abgelassen. Dass dies Ablassen _an sich_ geschehen ist, ist jedoch ein Tun des andern Extrems des Schlusses, welches das _ansichseiende_ Wesen ist. Jene Aufopferung des unwesentlichen Extrems war aber zugleich nicht ein einseitiges Tun, sondern enthielt das Tun des Andern in sich. Denn das Aufgeben des eignen Willens ist nur einerseits negativ, _seinem Begriffe_ nach oder _an sich_, zugleich aber positiv, naemlich das Setzen des Willens als eines _Andern_, und bestimmt des Willens als eines nicht einzelnen, sondern allgemeinen. Fuer dies Bewusstsein ist diese positive Bedeutung des negativ gesetzten einzelnen Willens der Willen des andern Extrems, der ihm, weil er eben ein Anderes fuer es ist, nicht durch sich, sondern durch das Dritte, den Vermittler als Rat, wird. Es wird daher _fuer es_ sein Willen wohl zum allgemeinen und _an sich_ seienden Willen, aber _es selbst_ ist _sich nicht_ dies _An-sich_; das Aufgeben des seinigen als _einzelnen_ ist ihm nicht dem Begriffe nach das Positive des allgemeinen Willens. Ebenso sein Aufgeben des Besitzes und Genusses hat nur dieselbe negative Bedeutung, und das Allgemeine, das fuer es dadurch wird, ist ihm nicht sein _eignes Tun_. Diese _Einheit_ des gegenstaendlichen und des Fuer-sich-seins, welche im _Begriffe_ des Tuns ist, und welche darum dem Bewusstsein als das Wesen und _Gegenstand_ wird--wie sie ihm nicht der Begriff seines Tuns ist, so ist ihm auch dies nicht, dass sie als Gegenstand _fuer es_ wird, unmittelbar und durch es selbst, sondern es laesst sich dem vermittelnden Diener diese selbst noch gebrochne Gewissheit aussprechen, dass nur _an sich_ sein Unglueck das verkehrte, naemlich sich in seinem Tun selbstbefriedigendes Tun, oder seliger Genuss; sein aermliches Tun ebenso _an sich_ das verkehrte, naemlich absolutes Tun, dem Begriffe nach das Tun nur als Tun des Einzelnen ueberhaupt Tun ist. Aber _fuer es_ selbst bleibt das Tun und sein wirkliches Tun ein aermliches, und sein Genuss der Schmerz, und das Aufgehobensein derselben in der positiven Bedeutung ein _Jenseits_. Aber in diesem Gegenstande, worin ihm sein Tun und Sein als dieses _einzelnen_ Bewusstseins, Sein und Tun _an sich_ ist, ist ihm die Vorstellung der _Vernunft_ geworden, der Gewissheit des Bewusstseins, in seiner Einzelnheit absolut _an sich_, oder alle Realitaet zu sein. V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft Das Bewusstsein geht in dem Gedanken, welchen es erfasst hat, dass das _einzelne_ Bewusstsein _an sich_ absolutes Wesen ist, in sich selbst zurueck. Fuer das unglueckliche Bewusstsein ist das _An-sich-sein_ das _Jenseits_ seiner selbst. Aber seine Bewegung hat dies an ihm vollbracht, die Einzelnheit in ihrer vollstaendigen Entwicklung, oder die Einzelnheit, die _wirkliches Bewusstsein_ ist, als das _Negative_ seiner Selbst, naemlich als das _gegenstaendliche_ Extrem gesetzt, oder sein Fuer-sich-sein aus sich hinausgerungen, und es zum Sein gemacht zu haben; darin ist fuer es auch seine _Einheit_ mit diesem Allgemeinen geworden, welche fuer uns, da das aufgehobne Einzelne das Allgemeine ist, nicht mehr ausser ihm faellt; und da das Bewusstsein in dieser seiner Negativitaet sich selbst erhaelt, an ihm als solchem sein Wesen ist. Seine Wahrheit ist dasjenige, welches in dem Schlusse, worin die Extreme absolut auseinandergehalten auftraten, als die Mitte erscheint, welche es dem unwandelbaren Bewusstsein ausspricht, dass das Einzelne auf sich Verzicht getan, und dem Einzelnen, dass das Unwandelbare kein Extrem mehr fuer es, sondern mit ihm versoehnt ist. Diese Mitte ist die beide unmittelbar wissende und sie beziehende Einheit, und das Bewusstsein ihrer Einheit, welche sie dem Bewusstsein und damit _sich selbst_ ausspricht, die Gewissheit, alle Wahrheit zu sein. Damit, dass das Selbstbewusstsein Vernunft ist, schlaegt sein bisher negatives Verhaeltnis zu dem Anderssein in ein positives um. Bisher ist es ihm nur um seine Selbststaendigkeit und Freiheit zu tun gewesen, um sich fuer sich selbst auf Kosten der _Welt_ oder seiner eignen Wirklichkeit, welche ihm beide als das Negative seines Wesens erschienen, zu retten und zu erhalten. Aber als Vernunft, seiner selbst versichert, hat es die Ruhe gegen sie empfangen, und kann sie ertragen; denn es ist seiner selbst als der Realitaet gewiss; oder dass alle Wirklichkeit nichts anders ist als es; sein Denken ist unmittelbar selbst die Wirklichkeit; es verhaelt sich also als Idealismus zu ihr. Es ist ihm, indem es sich so erfasst, als ob die Welt erst itzt ihm wuerde; vorher versteht es sie nicht; es begehrt und bearbeitet sie; zieht sich aus ihr in sich zurueck, und vertilgt sie fuer sich, und sich selbst als Bewusstsein, als Bewusstsein derselben als des Wesens, sowie als Bewusstsein ihrer Nichtigkeit. Hierin erst, nachdem das Grab seiner Wahrheit verloren, das Vertilgen seiner Wirklichkeit selbst vertilgt, und die Einzelnheit des Bewusstseins ihm an sich absolutes Wesen ist, entdeckt es sie als _seine_ neue wirkliche Welt, die in ihrem Bleiben Interesse fuer es hat, wie vorhin nur in ihrem Verschwinden; denn ihr _Bestehen_ wird ihm seine eigne _Wahrheit_ und _Gegenwart_; es ist gewiss, nur sich darin zu erfahren. Die Vernunft ist die Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein: so spricht der Idealismus ihren Begriff aus. Wie das Bewusstsein, das als Vernunft _auftritt, unmittelbar_ jene Gewissheit an sich hat, so spricht auch der _Idealismus_ sie _unmittelbar_ aus: Ich bin ich, in dem Sinne, dass Ich, welches mir Gegenstand ist, nicht wie im Selbstbewusstsein ueberhaupt, noch auch wie im freien Selbstbewusstsein, dort nur _leerer_ Gegenstand ueberhaupt, hier nur Gegenstand, der sich von den Andern zurueckzieht, welche _neben_ ihm noch gelten, sondern Gegenstand mit dem Bewusstsein des _Nichtseins_ irgendeines Andern, einziger Gegenstand, alle Realitaet und Gegenwart ist. Das Selbstbewusstsein ist aber nicht nur _fuer sich_, sondern auch _an sich_ alle Realitaet, erst dadurch, dass es diese Realitaet _wird_, oder vielmehr sich als solche _erweist_. Es erweist sich so in _dem_ Wege, worin zuerst in der dialektischen Bewegung des Meinens, Wahrnehmens und des Verstandes das Anderssein als _an sich_ und dann in der Bewegung durch die Selbststaendigkeit des Bewusstseins in Herrschaft und Knechtschaft, durch den Gedanken der Freiheit, die skeptische Befreiung, und den Kampf der absoluten Befreiung des in sich entzweiten Bewusstseins, das Anderssein, insofern es nur _fuer es_ ist, _fuer es selbst_ verschwindet. Es traten zwei Seiten nacheinander auf, die eine, worin das Wesen oder das Wahre fuer das Bewusstsein die Bestimmtheit des _Seins_, die andere die hatte, nur _fuer es_ zu sein. Aber beide reduzierten sich in _eine_ Wahrheit, dass, was _ist_, oder das _An-sich_ nur ist, insofern es _fuer_ das Bewusstsein, und was _fuer es_ ist, auch _an sich_ ist. Das Bewusstsein, welches diese Wahrheit ist, hat diesen Weg im Ruecken und vergessen, indem es _unmittelbar_ als Vernunft auftritt, oder diese unmittelbar auftretende Vernunft tritt nur als die _Gewissheit_ jener Wahrheit auf. Sie _versichert_ so nur, alle Realitaet zu sein, begreift dies aber selbst nicht; denn jener vergessene Weg ist das Begreifen dieser unmittelbar ausgedrueckten Behauptung. Und ebenso ist dem, der ihn nicht gemacht hat, diese Behauptung, wenn er sie in dieser reinen Form hoert--denn in einer konkreten Gestalt macht er sie wohl selbst--, unbegreiflich. Der Idealismus, der jenen Weg nicht darstellt, sondern mit dieser Behauptung anfaengt, ist daher auch reine _Versicherung_, welche sich selbst nicht begreift, noch sich andern begreiflich machen kann. Er spricht eine _unmittelbare Gewissheit_ aus, welcher andere unmittelbare Gewissheiten gegenueberstehen, die allein auf jenem Wege verlorengegangen sind. Mit gleichem Rechte stellen daher _neben_ der _Versicherung_ jener Gewissheit sich auch die _Versicherungen_ dieser andern Gewissheiten. Die Vernunft beruft sich auf das _Selbst_bewusstsein eines jeden Bewusstseins: _Ich bin Ich_; mein Gegenstand und Wesen ist _Ich_; und keines wird ihr diese Wahrheit ableugnen. Aber indem sie sie auf diese Berufung gruendet, sanktioniert sie die Wahrheit der andern Gewissheit, naemlich der: _es ist *Anderes* fuer mich_; Anderes als _Ich_ ist mir Gegenstand und Wesen, oder indem _Ich_ mir Gegenstand und Wesen bin, bin ich es nur, indem ich mich von dem Andern ueberhaupt zurueckziehe, und als eine Wirklichkeit _neben_ es trete.--Erst wenn die Vernunft als _Reflexion_ aus dieser entgegengesetzten Gewissheit auftritt, tritt ihre Behauptung von sich nicht nur als Gewissheit und Versicherung, sondern als _Wahrheit_ auf; und nicht _neben_ andern, sondern als die _einzige_. Das _unmittelbare Auftreten_ ist die Abstraktion ihres _Vorhandenseins_, dessen _Wesen_ und _An-sich-sein_ absoluter Begriff, d.h. die _Bewegung seines Gewordenseins_ ist.--Das Bewusstsein wird sein Verhaeltnis zum Anderssein oder seinem Gegenstande auf verschiedene Weise bestimmen, je nachdem es gerade auf einer Stufe des sich bewusstwerdenden Weltgeistes steht. Wie es sich und seinen Gegenstand jedesmal _unmittelbar_ findet und bestimmt, oder wie es _fuer sich_ ist, haengt davon ab, was er schon _geworden_ oder was er schon _an sich ist._ Die Vernunft ist die Gewissheit, alle _Realitaet_ zu sein. Dieses _An-sich_ oder diese _Realitaet_ ist aber noch ein durchaus Allgemeines, die reine _Abstraktion_ der Realitaet. Es ist die erste _Positivitaet_, welche das Selbstbewusstsein _an sich selbst, fuer sich_ ist, und Ich daher nur die _reine Wesenheit_ des Seienden, oder die einfache _Kategorie_. Die _Kategorie_, welche sonst die Bedeutung hatte, Wesenheit des Seienden zu sein, _unbestimmt_ des Seienden ueberhaupt oder des Seienden gegen das Bewusstsein, ist itzt _Wesenheit_ oder einfache _Einheit_ des Seienden nur als denkende Wirklichkeit; oder sie ist dies, dass Selbstbewusstsein und Sein _dasselbe_ Wesen ist; _dasselbe_ nicht in der Vergleichung, sondern an und fuer sich. Nur der einseitige schlechte Idealismus laesst diese Einheit wieder als Bewusstsein auf die eine Seite, und ihr gegenueber ein _An-sich_ treten.--Diese Kategorie nun oder _einfache_ Einheit des Selbstbewusstseins und des Seins hat aber an sich _den Unterschied_; denn ihr Wesen ist eben dieses, im _Anderssein_ oder im absoluten Unterschiede unmittelbar sich selbst gleich zu sein. Der Unterschied _ist_ daher; aber vollkommen durchsichtig, und als ein Unterschied, der zugleich keiner ist. Er erscheint als eine _Vielheit_ von Kategorien. Indem der Idealismus, die _einfache Einheit_ des Selbstbewusstseins als alle Realitaet ausspricht, und sie _unmittelbar_, ohne sie als absolut negatives Wesen--nur dieses hat die Negation, die Bestimmtheit oder den Unterschied an ihm selbst--begriffen zu haben, zum Wesen macht, so ist noch unbegreiflicher als das erste dies zweite, dass in der Kategorie _Unterschiede_ oder _Arten_ sein. Diese Versicherung ueberhaupt, sowie die Versicherung von irgendeiner _bestimmten Anzahl_ der Arten derselben, ist eine neue Versicherung, welche es aber an ihr selbst enthaelt, dass man sie sich nicht mehr als Versicherung gefallen lassen muesse. Denn indem im reinen Ich, im reinen Verstande selbst _der Unterschied_ anfaengt, so ist damit gesetzt, dass hier die _Unmittelbarkeit_, das _Versichern_ und _Finden_ aufgegeben werde, und das _Begreifen_ anfange. Die Vielheit der Kategorien aber auf irgendeine Weise wieder als einen Fund, zum Beispiel aus den Urteilen, aufnehmen, und sich dieselben so gefallen lassen, ist in der Tat als eine Schmach der Wissenschaft anzusehen; wo sollte noch der Verstand eine Notwendigkeit aufzuzeigen vermoegen, wenn er dies an ihm selbst, der reinen Notwendigkeit, nicht vermag. Weil nun so der Vernunft die reine Wesenheit der Dinge, wie ihr Unterschied, angehoert, so koennte eigentlich ueberhaupt nicht mehr von _Dingen_ die Rede sein, das heisst einem solchen, welches fuer das Bewusstsein nur das Negative seiner selbst waere. Denn die vielen Kategorien sind _Arten_ der reinen Kategorie, heisst, _sie_ ist noch ihre _Gattung_ oder _Wesen_, nicht ihnen entgegengesetzt. Aber sie sind schon das Zweideutige, welches zugleich das Anderssein _gegen_ die reine Kategorie in seiner _Vielheit_ an sich hat. Sie widersprechen ihr durch diese Vielheit in der Tat, und die reine Einheit muss sie an sich aufheben, wodurch sie sich als _negative Einheit_ der Unterschiede konstituiert. Als _negative_ Einheit aber schliesst sie ebensowohl die _Unterschiede_ als solche, sowie jene erste _unmittelbare_ reine Einheit als solche von sich aus, und ist _Einzelnheit_; eine neue Kategorie, welche ausschliessendes Bewusstsein, das heisst, dies ist, dass _ein Anderes_ fuer es ist. Die Einzelnheit ist ihr Uebergang aus ihrem Begriffe zu einer _aeussern_ Realitaet; das reine _Schema_, welches ebensowohl Bewusstsein, wie damit, dass es Einzelnheit und ausschliessendes Eins ist, das Hindeuten auf ein Anderes ist. Aber dies _Andere_ dieser Kategorie sind nur die _andern ersten Kategorien_, naemlich _reine Wesenheit_, und der _reine Unterschied_; und in ihr, d.h. eben in dem Gesetztsein des Andern, oder in diesem Andern selbst das Bewusstsein ebenso es selbst. Jedes dieser verschiedenen Momente verweist auf ein anderes; es kommt aber in ihnen zugleich zu keinem Anderssein. Die reine Kategorie verweist auf die _Arten_, welche in die negative Kategorie, oder die Einzelnheit uebergehen; die letztere weist aber auf jene zurueck; sie ist selbst reines Bewusstsein, welches in jeder sich diese klare Einheit mit sich bleibt, eine Einheit aber, die ebenso auf ein Anderes hingewiesen wird, das, indem es ist, verschwunden, und indem es verschwunden, auch wieder erzeugt ist. Wir sehen hier das reine Bewusstsein auf eine gedoppelte Weise gesetzt, einmal als das unruhige _Hin- und Hergehen_, welches alle seine Momente durchlaeuft, in ihnen das Anderssein vorschweben hat, das im Erfassen sich aufhebt; das anderemal vielmehr als die _ruhige_ ihrer Wahrheit gewisse _Einheit_. Fuer diese Einheit ist jene Bewegung das _Andere_; fuer diese Bewegung aber jene ruhige Einheit; und Bewusstsein und Gegenstand wechseln in diesen gegenseitigem Bestimmungen ab. Das Bewusstsein ist sich also einmal das hin- und hergehende Suchen, und sein Gegenstand das _reine An-sich_ und Wesen; das andremal ist sich jenes die einfache Kategorie, und der Gegenstand die Bewegung der Unterschiede. Das Bewusstsein aber als Wesen ist dieser ganze Verlauf selbst, aus sich als einfacher Kategorie in die Einzelnheit und den Gegenstand ueberzugehen, und an diesem diesen Verlauf anzuschauen, ihn als einen unterschiednen aufzuheben, sich _zuzueignen_, und sich als diese Gewissheit, alle Realitaet, sowohl es selbst als sein Gegenstand zu sein, auszusprechen. Sein erstes Aussprechen ist nur dieses abstrakte leere Wort, dass alles _sein_ ist. Denn die Gewissheit, alle Realitaet zu sein, ist erst die reine Kategorie. Diese erste im Gegenstande sich erkennende Vernunft drueckt der leere Idealismus aus, welcher die Vernunft nur so auffasst, wie sie sich zunaechst ist, und darin, dass er in allem Sein dieses reine _Mein_ des Bewusstseins aufzeigt und die Dinge als Empfindungen oder Vorstellungen ausspricht, es als vollendete Realitaet aufgezeigt zu haben waehnt. Er muss darum zugleich absoluter Empirismus sein, denn fuer die _Erfuellung_ des leeren _Meins_, das heisst fuer den Unterschied und alle Entwicklung und Gestaltung desselben bedarf seine Vernunft eines fremden Anstosses, in welchem erst die _Mannigfaltigkeit_ des Empfindens oder Vorstellens liege. Dieser Idealismus wird daher eine ebensolche sich widersprechende Doppelsinnigkeit als der Skeptizismus, nur dass wie dieser sich negativ, jener sich positiv ausdrueckt, aber ebensowenig seine widersprechenden Gedanken des reinen Bewusstseins als aller Realitaet, und ebenso des fremden Anstosses oder des sinnlichen Empfindens und Vorstellens, als einer gleichen Realitaet, zusammenbringt, sondern von dem einen zu dem andern sich herueberund hinueberwirft und in die schlechte, naemlich in die sinnliche Unendlichkeit, geraten ist. Indem die Vernunft alle Realitaet in der Bedeutung des abstrakten _Meins_, und das _Andere_ ihm ein _gleichgueltiges Fremdes_ ist, so ist darin gerade dasjenige Wissen der Vernunft von einem Anderen gesetzt, welches als _Meinen, Wahrnehmen_ und der das Gemeinte und Wahrgenommene auffassende _Verstand_ vorkam. Ein solches Wissen wird zugleich, nicht wahres Wissen zu sein, durch den Begriff dieses Idealismus selbst behauptet, denn nur die Einheit der Apperzeption ist die Wahrheit des Wissens. Die reine Vernunft dieses Idealismus wird also durch sich selbst, um zu diesem _Andern_, das ihr _wesentlich_, das heisst also das _An-sich_ ist, das sie aber nicht in ihr selbst hat, zu gelangen, an dasjenige Wissen zurueckgeschickt, das nicht ein Wissen des Wahren ist; sie verurteilt sich so mit Wissen und Willen zu einem unwahren Wissen, und kann vom Meinen und Wahrnehmen, die fuer sie selbst keine Wahrheit haben, nicht ablassen. Sie befindet sich in unmittelbarem Widerspruche, ein gedoppeltes schlechthin Entgegengesetztes als das Wesen zu behaupten, die _Einheit der Apperzeption_ und ebenso das _Ding_, welches, wenn es auch _fremder Anstoss_, oder _empirisches_ Wesen, oder _Sinnlichkeit_, oder _das Ding an sich_ genannt wird, in seinem Begriffe dasselbe jener Einheit Fremde bleibt. Dieser Idealismus ist in diesem Widerspruche, weil er den _abstrakten Begriff_ der Vernunft als das Wahre behauptet; daher ihm unmittelbar ebensosehr die Realitaet als eine solche entsteht, welche vielmehr nicht die Realitaet der Vernunft ist, waehrend die Vernunft zugleich alle Realitaet sein sollte; diese bleibt ein unruhiges Suchen, welches in dem Suchen selbst die Befriedigung des Findens fuer schlechthin unmoeglich erklaert.--So inkonsequent aber ist die wirkliche Vernunft nicht; sondern nur erst die _Gewissheit_, alle Realitaet zu sein, ist sie in diesem _Begriffe_ sich bewusst als _Gewissheit_, als _Ich_ noch nicht die Realitaet in Wahrheit zu sein, und ist getrieben, ihre Gewissheit zur Wahrheit zu erheben, und das _leere_ Mein zu erfuellen. A. Beobachtende Vernunft Dieses Bewusstsein, welchem das _Sein_ die Bedeutung des _Seinen_ hat, sehen wir nun zwar wieder in das Meinen und Wahrnehmen hineingehen, aber nicht als in die Gewissheit eines nur _Andern_, sondern mit der Gewissheit, dies Andere selbst zu sein. Frueher ist es ihm nur _geschehen_, manches an dem Dinge wahrzunehmen und zu _erfahren_; hier stellt es die Beobachtungen und die Erfahrung selbst an. Meinen und Wahrnehmen, das fuer uns frueher sich aufgehoben, wird nun von dem Bewusstsein fuer es selbst aufgehoben; die Vernunft geht darauf, die Wahrheit zu _wissen_; was fuer das Meinen und Wahrnehmen ein Ding ist, als Begriff zu finden, das heisst, in der Dingheit nur das Bewusstsein ihrer selbst zu haben. Die Vernunft hat daher itzt ein allgemeines _Interesse_ an der Welt, weil sie die Gewissheit ist, Gegenwart in ihr zu haben, oder dass die Gegenwart vernuenftig ist. Sie sucht ihr Anderes, indem sie weiss, daran nichts anderes als sich selbst zu besitzen; sie sucht nur ihre eigne Unendlichkeit. Zuerst sich in der Wirklichkeit nur ahndend, oder sie nur als das _Ihrige_ ueberhaupt wissend, schreitet sie in diesem Sinne zur allgemeinen Besitznehmung des ihr versicherten Eigentums, und pflanzt auf alle Hoehen und in alle Tiefen das Zeichen ihrer Souveraenitaet. Aber dieses oberflaechliche Mein ist nicht ihr letztes Interesse; die Freude dieser allgemeinen Besitznehmung findet an ihrem Eigentume noch das fremde Andre, das die abstrakte Vernunft nicht an ihr selbst hat. Die Vernunft ahndet sich als ein tieferes Wesen, denn das reine Ich _ist_, und muss fodern, dass der Unterschied, das _mannigfaltige Sein_, ihm als das seinige selbst werde, dass es sich als die _Wirklichkeit_ anschaue, und sich als Gestalt und Ding gegenwaertig finde. Aber wenn die Vernunft alle Eingeweide der Dinge durchwuehlt, und ihnen alle Adern oeffnet, dass sie sich daraus entgegenspringen moege, so wird sie nicht zu diesem Gluecke gelangen, sondern muss an ihr selbst vorher sich vollendet haben, um dann ihre Vollendung erfahren zu koennen. Das Bewusstsein _beobachtet_; d.h. die Vernunft will sich als seienden Gegenstand, als _wirkliche, sinnlich-gegenwaertige_ Weise finden, und haben. Das Bewusstsein dieses Beobachtens meint und sagt wohl, dass es _nicht sich selbst_, sondern im Gegenteil _das Wesen der Dinge als der Dinge_ erfahren wolle. Dass dies _Bewusstsein_ dies meint und sagt, liegt darin, dass es Vernunft _ist_, aber ihm die Vernunft noch nicht als solche Gegenstand ist. Wenn es die _Vernunft_ als gleiches Wesen der Dinge und seiner selbst wuesste, und dass sie nur in dem Bewusstsein in ihrer eigentuemlichen Gestalt gegenwaertig sein kann, so wuerde es vielmehr in seine eigne Tiefe steigen und sie darin suchen, als in den Dingen. Wenn es sie in dieser gefunden haette, wuerde sie von da wieder heraus an die Wirklichkeit gewiesen werden, um in dieser ihren sinnlichen Ausdruck anzuschauen, aber ihn sogleich wesentlich als _Begriff_ nehmen. Die Vernunft, wie sie _unmittelbar_ als die Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein, auftritt, nimmt ihre Realitaet in dem Sinne der _Unmittelbarkeit des Seins_, und ebenso die Einheit des Ich mit diesem gegenstaendlichen Wesen in dem Sinne einer _unmittelbaren Einheit_, an der sie die Momente des Seins und Ich noch nicht getrennt und wieder vereinigt, oder die sie noch nicht erkannt hat. Sie geht daher als beobachtendes Bewusstsein an die Dinge, in der Meinung, dass sie diese als sinnliche, dem Ich entgegengesetzte Dinge in Wahrheit nehme; allein ihr wirkliches Tun widerspricht dieser Meinung; denn sie _erkennt_ die Dinge, sie verwandelt ihre Sinnlichkeit _in Begriffe_, d.h. eben in ein Sein, welches zugleich Ich ist, das Denken somit in ein seiendes Denken, oder das Sein in ein gedachtes Sein, und behauptet in der Tat, dass die Dinge nur als Begriffe Wahrheit haben. Fuer dies beobachtende Bewusstsein wird darin nur dies, was _die Dinge_ sind, fuer uns aber, was _es selbst_ ist; das Resultat seiner Bewegung aber wird dies sein, fuer sich selbst dies zu werden, was es an sich ist. _Das Tun_ der beobachtenden Vernunft ist in den Momenten seiner Bewegung zu betrachten, wie sie die Natur, den Geist, und endlich die Beziehung beider als sinnliches Sein aufnimmt, und sich als seiende Wirklichkeit sucht. a. Beobachtung der Natur Wenn das gedankenlose Bewusstsein das Beobachten und Erfahren als die Quelle der Wahrheit ausspricht, so moegen wohl ihre Worte so lauten, als ob es allein um ein Schmecken, Riechen, Fuehlen, Hoeren und Sehen zu tun sei; es vergisst in dem Eifer, womit es das Schmecken, Riechen u.s.f. empfiehlt, zu sagen, dass es in der Tat auch ebenso wesentlich den Gegenstand dieses Empfindens sich schon bestimmt hat, und diese Bestimmung ihm wenigstens soviel gilt als jenes Empfinden. Es wird auch sogleich eingestehen, dass es ihm nicht so ueberhaupt nur ums Wahrnehmen zu tun sei, und z. B. die Wahrnehmung, dass dies Federmesser neben dieser Tabaksdose liegt, nicht fuer eine Beobachtung gelten lassen. Das Wahrgenommene soll wenigstens die Bedeutung eines _Allgemeinen_, nicht eines _sinnlichen Diesen_ haben. Dies Allgemeine ist so nur erst das _sich gleich Bleibende_; seine Bewegung nur das gleichfoermige Wiederkehren desselben Tuns. Das Bewusstsein, welches insofern im Gegenstande nur die _Allgemeinheit_ oder das _abstrakte Mein_ findet, muss die eigentliche Bewegung desselben auf _sich_ selbst nehmen; indem es noch nicht der Verstand desselben ist, wenigstens sein Gedaechtnis sein, welches das, was in der Wirklichkeit nur auf einzelne Weise vorhanden ist, auf allgemeine Weise ausdrueckt. Dies oberflaechliche Herausheben aus der Einzelnheit, und die ebenso oberflaechliche Form der Allgemeinheit, worein das Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines geworden zu sein, das _Beschreiben_ der Dinge hat noch in dem Gegenstande selbst die Bewegung nicht; sie ist vielmehr nur in dem Beschreiben. Der Gegenstand, wie er beschrieben ist, hat daher das Interesse verloren; ist der eine beschrieben, so muss ein anderer vorgenommen, und immer gesucht werden, damit das Beschreiben nicht ausgehe. Ist es nicht so leicht mehr, neue _ganze_ Dinge zu finden, so muss zu den schon gefundenen zurueckgegangen werden, sie weiter zu teilen, auseinanderzulegen, und neue Seiten der Dingheit an ihnen noch aufzuspueren. Diesem rastlosen, unruhigen Instinkte kann es nie an Material gebrechen; eine neue ausgezeichnete Gattung zu finden, oder gar einen neuen Planeten, dem, ob er zwar ein Individuum ist, doch die Natur eines Allgemeinen zukommt, zu finden, kann nur Gluecklichen zuteil werden. Aber die Grenzen dessen, was wie der Elefant, die Eiche, das Gold _ausgezeichnet_, was _Gattung_ und _Art_ ist, geht durch viele Stufen in die unendliche _Besonderung_ der chaotischen Tiere und Pflanzen, der Gebirgsarten, oder der durch Gewalt und Kunst erst darzustellenden Metalle, Erden u.s.f. ueber. In diesem Reiche der Unbestimmtheit des Allgemeinen, worin die Besonderung wieder der _Vereinzelung_ sich naehert, und in sie hie und da auch wieder ganz herabsteigt, ist ein unerschoepflicher Vorrat fuers Beobachten und Beschreiben aufgetan. Hier aber, wo ihm ein unuebersehbares Feld sich eroeffnet, an der Grenze des Allgemeinen kann es vielmehr statt eines unermesslichen Reichtums nur die Schranke der Natur und seines eignen Tuns gefunden haben; es kann nicht mehr wissen, ob das an sich zu sein Scheinende nicht eine Zufaelligkeit ist; was das Gepraege eines verwirrten oder unreifen, schwachen und der elementarischen Unbestimmtheit kaum sich entwickelnden Gebildes an sich traegt, kann nicht darauf Anspruch machen, auch nur beschrieben zu werden. Wenn es diesem Suchen und Beschreiben nur um die Dinge zu tun zu sein scheint, so sehen wir es in der Tat nicht an dem _sinnlichen Wahrnehmen_ fortlaufen, sondern das, woran die Dinge _erkannt_ werden, ist ihm wichtiger als der uebrige Umfang der sinnlichen Eigenschaften, welche das Ding selbst wohl nicht entbehren kann, aber deren das Bewusstsein sich entuebrigt. Durch diese Unterscheidung in das _Wesentliche_ und _Unwesentliche_ erhebt sich der Begriff aus der sinnlichen Zerstreuung empor, und das Erkennen erklaert darin, dass es ihm wenigstens ebenso wesentlich _um sich selbst_ als um die Dinge zu tun ist. Es geraet bei dieser gedoppelten Wesentlichkeit in ein Schwanken, ob das, was fuer _das Erkennen_ das Wesentliche und Notwendige ist, es auch an _den Dingen_ sei. Einesteils sollen die _Merkmale_ nur dem Erkennen dienen, wodurch es die Dinge voneinander unterscheide; aber andernteils nicht das Unwesentliche der Dinge erkannt werden, sondern das, wodurch sie selbst aus der allgemeinen Kontinuitaet des Seins ueberhaupt sich _losreissen_, sich von dem Andern _abscheiden_ und _fuer sich_ sind. Die Merkmale sollen nicht nur wesentliche Beziehung auf das Erkennen haben, sondern auch die wesentlichen Bestimmtheiten der Dinge, und das kuenstliche System dem Systeme der Natur selbst gemaess sein, und nur dieses ausdruecken. Aus dem Begriffe der Vernunft ist dies notwendig, und der Instinkt derselben--denn sie verhaelt sich nur als solcher in diesem Beobachten--hat auch in seinen Systemen diese Einheit erreicht, wo naemlich ihre Gegenstaende selbst so beschaffen sind, dass sie eine Wesentlichkeit oder ein _Fuer-sich-sein_ an ihnen haben, und nicht nur Zufall dieses _Augenblicks_ oder dieses _Hier_ sind. Die Unterscheidungsmerkmale der Tiere z. B. sind von den Klauen und Zaehnen genommen; denn in der Tat _unterscheidet_ nicht nur das Erkennen dadurch ein Tier von dem andern; sondern das Tier _scheidet_ sich dadurch selbst ab; durch diese Waffen erhaelt es sich _fuer sich_, und gesondert von dem Allgemeinen. Die Pflanze dagegen kommt nicht zum _Fuer-sich_-_sein_, sondern beruehrt nur die Grenze der Individualitaet; an dieser Grenze, wo sie den Schein der _Entzweiung_ in Geschlechter aufzeigt, ist sie deswegen aufgenommen und unterschieden worden. Was aber weiter hinuntersteht, kann sich nicht mehr selbst von anderem unterscheiden, sondern geht verloren, indem es in den Gegensatz kommt. Das _ruhende Sein_, und das _Sein im Verhaeltnisse_ kommt in Streit miteinander, das Ding ist in diesem etwas anders als nach jenem, da hingegen das Individuum dies ist, im Verhaeltnisse zu anderem sich zu erhalten. Was aber dies nicht vermag, und _chemischerweise_ ein anderes wird, als es _empirischerweise_ ist, verwirrt das Erkennen, und bringt es in denselben Streit, ob es sich an die eine und andere Seite halten soll, da das Ding selbst nichts Gleichbleibendes ist, und sie an ihm auseinanderfallen. In solchen Systemen des allgemeinen Sichgleichbleibenden hat also dieses die Bedeutung, ebensowohl das Sichgleichbleibende des Erkennens wie der Dinge selbst zu sein. Allein diese Ausbreitung _der gleichbleibenden Bestimmtheiten_, deren jede ruhig die Reihe ihres Fortgangs beschreibt, und Raum erhaelt, um fuer sich zu gewaehren, geht wesentlich ebensosehr in ihr Gegenteil ueber, in die Verwirrung dieser Bestimmtheiten; denn das Merkmal, die allgemeine Bestimmtheit, ist die Einheit des Entgegengesetzten, des Bestimmten und des an sich Allgemeinen; sie muss also in diesen Gegensatz auseinandertreten. Wenn nun die Bestimmtheit nach einer Seite das Allgemeine, worin sie ihr Wesen hat, besiegt, so erhaelt dieses dagegen auf der andern Seite ebenso sich seine Herrschaft ueber sie, treibt die Bestimmtheit an ihre Grenze, vermischt da ihre Unterschiede und Wesentlichkeiten. Das Beobachten, welches sie ordentlich auseinanderhielt und an ihnen etwas Festes zu haben glaubte, sieht ueber ein Prinzip die andern heruebergreifen, Uebergaenge und Verwirrungen sich bilden, und in diesem das verbunden, was es zuerst fuer schlechthin getrennt nahm, und getrennt, was es zusammenrechnete; so dass dies Festhalten an dem ruhigen, sichgleichbleibenden Sein sich hier gerade in seinen allgemeinsten Bestimmungen, z. B. was das Tier, die Pflanze fuer wesentliche Merkmale habe, mit Instanzen geneckt sehen muss, die ihm jede Bestimmung rauben, die Allgemeinheit, zu der es sich erhob, zum Verstummen bringen, und es aufs gedankenlose Beobachten und Beschreiben zuruecksetzen. Dieses sich auf das Einfache einschraenkende oder die sinnliche Zerstreuung durch das Allgemeine beschraenkende Beobachten findet also an seinem Gegenstande die _Verwirrung seines Prinzips_, weil das Bestimmte durch seine Natur sich in seinem Gegenteile verlieren muss; die Vernunft muss darum vielmehr von der _traegen_ Bestimmtheit, die den Schein des Bleibens hatte, zur Beobachtung derselben, wie sie in Wahrheit ist, naemlich _sich auf ihr Gegenteil zu beziehen_, fortgehen. Was wesentliche Merkmale genannt werden, sind _ruhende_ Bestimmtheiten, welche so, wie sie als _einfache_ sich ausdruecken und aufgefasst werden, nicht das, was ihre Natur ausmacht, verschwindende _Momente_ der sich in sich zuruecknehmenden Bewegung zu sein, darstellen. Indem itzt der Vernunftinstinkt dazu koemmt, die Bestimmtheit ihrer Natur gemaess, wesentlich nicht fuer sich zu sein, sondern in das Entgegengesetzte ueberzugehen, aufzusuchen, sucht er nach dem _Gesetze_ und dem _Begriffe_ desselben; zwar nach ihnen ebenso als _seiender_ Wirklichkeit, aber diese wird ihm in der Tat verschwinden, und die Seiten des Gesetzes zu reinen Momenten oder Abstraktionen werden, so dass das Gesetz in der Natur des Begriffes hervortritt, welcher das gleichgueltige Bestehen der sinnlichen Wirklichkeit an sich vertilgt hat. Dem beobachtenden Bewusstsein ist die _Wahrheit des Gesetzes_ in der _Erfahrung_, als in der Weise, dass _sinnliches Sein fuer es_ ist; nicht an und fuer sich selbst. Wenn aber das Gesetz nicht in dem Begriffe seine Wahrheit hat, so ist es etwas Zufaelliges, nicht eine Notwendigkeit, oder in der Tat nicht ein Gesetz. Aber dass es wesentlich als Begriff ist, widerstreitet nicht nur dem nicht, dass es fuer die Beobachtung vorhanden ist, sondern hat darum vielmehr notwendiges _Dasein_, und ist fuer die Beobachtung. Das Allgemeine, im _Sinne der Vernunftallgemeinheit_, ist auch allgemein in dem Sinne, den jener an ihm hat, dass es _fuer das_ Bewusstsein sich als das Gegenwaertige und Wirkliche, oder dass der Begriff sich in der Weise der Dingheit und des sinnlichen Seins darstellt;--aber ohne darum seine Natur zu verlieren, und in das traege Bestehen oder die gleichgueltige Aufeinanderfolge hinabgefallen zu sein. Was allgemein gueltig ist, ist auch allgemein geltend; was sein _soll, ist_ in der Tat auch, und was nur sein _soll_, ohne zu _sein_, hat keine Wahrheit. Hieran bleibt der Instinkt der Vernunft mit Recht seinerseits fest haengen, und laesst sich nicht durch die Gedankendinge, die nur sein _sollen_, und als _Sollen_ Wahrheit haben sollen, ob sie schon in keiner Erfahrung angetroffen werden,--durch die Hypothesen so wenig als durch alle andere Unsichtbarkeiten eines perennierenden Sollens irre machen; denn die Vernunft ist eben diese Gewissheit, Realitaet zu haben, und was nicht als ein Selbstwesen fuer das Bewusstsein ist, das heisst, was nicht erscheint, ist fuer es gar nichts. Dass die Wahrheit des Gesetzes wesentlich _Realitaet_ ist, wird zwar diesem bei dem Beobachten bleibenden Bewusstsein wieder zu einem _Gegensatze_ gegen den Begriff, und gegen das an sich Allgemeine, oder ein Solches, wie sein Gesetz ist, ist ihm nicht ein Wesen der Vernunft; es meint darin etwas _Fremdes_ zu erhalten. Allein es widerlegt diese seine Meinung durch die Tat, in welcher es selbst seine Allgemeinheit nicht in dem Sinne nimmt, dass _alle einzelnen_ sinnlichen Dinge ihm die Erscheinung des Gesetzes gezeigt haben muessten, um die Wahrheit desselben behaupten zu koennen. Dass die Steine, von der Erde aufgehoben und freigelassen, fallen, dazu fodert es gar nicht, dass mit allen Steinen dieser Versuch gemacht werde; es sagt vielleicht wohl, dass dies wenigstens mit sehr vielen muesse versucht worden sein, woraus dann auf die uebrigen mit groesster Wahrscheinlichkeit, oder mit vollem Rechte _nach der Analogie_ geschlossen werden koenne. Allein die Analogie gibt nicht nur kein volles Recht, sondern sie widerlegt, um ihrer Natur willen, sich so oft, dass, nach der Analogie selbst zu schliessen, die Analogie vielmehr keinen Schluss zu machen erlaubt. Die _Wahrscheinlichkeit_, auf welche sich das Resultat derselben reduzieren wuerde, verliert gegen die _Wahrheit_ allen Unterschied von geringerer und groesserer Wahrscheinlichkeit; sie sei so gross, als sie will, ist sie nichts gegen die Wahrheit. Der Instinkt der Vernunft nimmt aber in der Tat solche Gesetze fuer _Wahrheit_ an, und erst in Beziehung auf ihre Notwendigkeit, die er nicht erkennt, geraet er in diese Unterscheidung, und setzt die Wahrheit der Sache selbst zur Wahrscheinlichkeit herab, um die unvollkommene Weise, in welcher die Wahrheit fuer das Bewusstsein, das die Einsicht in den reinen Begriff noch nicht erreicht hat, vorhanden ist, zu bezeichnen; denn die Allgemeinheit ist nur als _einfache unmittelbare_ Allgemeinheit vorhanden. Aber zugleich um ihrer willen hat das Gesetz fuer das Bewusstsein Wahrheit; dass der Stein faellt, ist ihm darum wahr, weil ihm der Stein _schwer_ ist, das heisst, weil er in der Schwere _an und fuer sich selbst_ die wesentliche Beziehung _auf die Erde_ hat, die sich als Fall ausdrueckt. Es hat also in der Erfahrung das Sein des Gesetzes, aber ebenso dasselbe als _Begriff_, und nur um _beider Umstaende willen_ zusammen ist es ihm wahr; es gilt darum als Gesetz, weil es in der Erscheinung sich darstellt, und zugleich an sich selbst Begriff ist. Der Vernunftinstinkt dieses Bewusstseins geht, weil das Gesetz zugleich _an sich Begriff_ ist, notwendig, aber ohne zu wissen, dass er dies will, selbst darauf, das Gesetz und seine Momente zum _Begriffe zu reinigen_. Er stellt Versuche ueber das Gesetz an. Wie das Gesetz zuerst erscheint, stellt es sich unrein, umhuellt von einzelnem sinnlichem Sein, der Begriff, der seine Natur ausmacht, im empirischen Stoff versenkt dar. Der Vernunftinstinkt geht in seinen Versuchen darauf, zu finden, was unter diesen und jenen Umstaenden erfolge. Das Gesetz scheint hiedurch nur um so mehr in sinnliches Sein getaucht zu werden; allein dies geht darin vielmehr verloren. Diese Forschung hat die innere Bedeutung, _reine Bedingungen_ des Gesetzes zu finden; was nichts anderes sagen will, wenn auch das Bewusstsein, das sich so ausdrueckt, meinen sollte, es sage damit etwas anderes, als das Gesetz ganz in die Gestalt des Begriffs zu erheben, und alle Gebundenheit _seiner Momente_ an _bestimmtes Sein zu tilgen_. Die negative Elektrizitaet, zum Beispiel, welche etwa zuerst als _Harz_elektrizitaet so wie die positive als _Glas_elektrizitaet sich ankuendigt, verliert durch die Versuche ganz diese Bedeutung, und wird rein zur _positiven_ und _negativen_ Elektrizitaet, deren jede nicht einer besonderen Art von Dingen mehr angehoert; und es hoert auf, gesagt werden zu koennen, dass es Koerper gibt, die positiv elektrisch, andere, die negativ elektrisch sind. So macht auch das Verhaeltnis von Saeure und Base und deren Bewegung gegeneinander ein Gesetz aus, worin diese Gegensaetze als Koerper erscheinen. Allein diese abgesonderten Dinge haben keine Wirklichkeit; die Gewalt, welche sie auseinanderreisst, kann sie nicht hindern, sogleich in einen Prozess wieder einzutreten; denn sie sind nur diese Beziehung. Sie koennen nicht wie ein Zahn oder eine Klaue fuer sich bleiben, und so aufgezeigt werden. Dass dies ihr Wesen ist, unmittelbar in ein neutrales Produkt ueberzugehen, macht ihr _Sein_ zu einem an sich aufgehobenen, oder zu einem allgemeinen, und Saeure und Base haben Wahrheit nur als _Allgemeine_. Wie also Glas und Harz ebensowohl positiv als negativ elektrisch sein kann, so ist Saeure und Base nicht als Eigenschaft an diese oder jene _Wirklichkeit_ gebunden, sondern jedes Ding ist nur _relativ_ sauer oder basisch; was dezidierte Base oder Saeure zu sein scheint, erhaelt in den sogenannten Synsomatien die entgegengesetzte Bedeutung zu einem andern.--Das Resultat der Versuche hebt auf diese Weise die Momente oder Begeistungen als Eigenschaften der bestimmten Dinge auf, und befreit die Praedikate von ihren Subjekten. Diese Praedikate werden, wie sie in Wahrheit sind, nur als allgemeine gefunden; um dieser Selbststaendigkeit willen erhalten sie daher den Namen von _Materien_, welche weder Koerper noch Eigenschaften sind, und man huetet sich wohl, Sauerstoff u.s.f. positive und negative Elektrizitaet, Waerme u.s.w. Koerper zu nennen. Die _Materie_ ist hingegen nicht ein _seiendes Ding_, sondern das Sein als _allgemeines_, oder in der Weise des Begriffs. Die Vernunft, welche noch Instinkt, macht diesen richtigen Unterschied ohne das Bewusstsein, dass sie, indem sie das Gesetz an allem sinnlichen Sein versucht, eben darin sein nur sinnliches Sein aufhebt, und, indem sie seine Momente als _Materien_ auffasst, ihre Wesenheit ihm zum Allgemeinen geworden, und in diesem Ausdrucke als ein unsinnliches Sinnliches, als ein koerperloses und doch gegenstaendliches Sein ausgesprochen ist. Es ist nun zu sehen, welche Wendung fuer ihn sein Resultat nimmt, und welche neue Gestalt seines Beobachtens damit auftritt. Als die Wahrheit dieses versuchenden Bewusstseins sehen wir das reine Gesetz, welches sich vom sinnlichen Sein befreit, wir sehen es als _Begriff_, der im sinnlichen Sein vorhanden, aber in ihm selbststaendig und ungebunden sich bewegt, in es versenkt frei davon und _einfacher_ Begriff ist. Dies, was in Wahrheit das _Resultat_ und _Wesen_ ist, tritt fuer dies Bewusstsein nun selbst, aber als _Gegenstand_ auf, und zwar indem er eben fuer es nicht _Resultat_ und ohne die Beziehung auf die vorhergehende Bewegung ist, als eine _besondere Art_ von Gegenstand, und sein Verhaeltnis zu diesem als ein anderes Beobachten. Solcher Gegenstand, welcher den Prozess in der _Einfachheit_ des Begriffes an ihm hat, ist das _Organische_. Es ist diese absolute Fluessigkeit, worin die Bestimmtheit, durch welche es nur _fuer Anderes_ waere, aufgeloest ist. Wenn das unorganische Ding die Bestimmtheit zu seinem Wesen hat, und deswegen nur mit einem andern Dinge zusammen die Vollstaendigkeit der Momente des Begriffs ausmacht, und daher in die Bewegung tretend verloren geht; so sind dagegen an dem organischen Wesen alle Bestimmtheiten, durch welche es fuer Anderes offen ist, unter die organische einfache Einheit gebunden; es tritt keine als wesentlich auf, welche sich frei auf Anderes bezoege; und das Organische erhaelt sich daher in seiner Beziehung selbst. Die _Seiten des Gesetzes_, auf dessen Beobachtung hier der Vernunftinstinkt geht, sind, wie aus dieser Bestimmung folgt, zunaechst die _organische_ Natur und die _unorganische in_ ihrer Beziehung aufeinander. Diese letztere ist fuer die organische eben die ihrem _einfachen Begriffe_ entgegengesetzte Freiheit der _losgebundenen_ Bestimmtheiten, in welchen die individuelle Natur _zugleich aufgeloest_, und aus deren Kontinuitaet sie _zugleich_ sich absondert und _fuer sich_ ist. Luft, Wasser, Erde, Zonen und Klima sind solche allgemeine Elemente, die das unbestimmte einfache Wesen der Individualitaeten ausmachen, und worin diese zugleich in sich reflektiert sind. Weder die Individualitaet ist schlechthin an und fuer sich noch das Elementarische, sondern in der selbststaendigen Freiheit, in welcher sie fuer die Beobachtung gegeneinander auftreten, verhalten sie sich zugleich als _wesentliche Beziehungen_, aber so, dass die Selbststaendigkeit und Gleichgueltigkeit beider gegeneinander das Herrschende ist, und nur zum Teil in die Abstraktion uebergeht. Hier ist also das Gesetz, als die Beziehung eines Elements auf die Bildung des Organischen vorhanden, welches das elementarische Sein einmal gegen sich ueber hat, und das andremal es an seiner organischen Reflexion darstellt. Allein solche _Gesetze_, dass die Tiere, welche der Luft angehoeren, von der Beschaffenheit der Voegel, welche dem Wasser, von der Beschaffenheit der Fische sind, nordische Tiere ein dickbehaartes Fell haben und so fort, zeigen sogleich eine Armut, welche der organischen Mannigfaltigkeit nicht entspricht. Ausserdem dass die organische Freiheit diesen Bestimmungen ihre Formen wieder zu entziehen weiss, und notwendig allenthalben Ausnahmen solcher Gesetze oder Regeln, wie man sie nennen wollte, darbietet, so bleibt dies an denjenigen selbst, welche unter sie fallen, eine so oberflaechliche Bestimmung, dass auch der Ausdruck ihrer Notwendigkeit nicht anders sein kann, und es nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinausbringt; wobei man nicht weiss, was diesem Einflusse eigentlich angehoert, und was nicht. Dergleichen Beziehungen des organischen auf das elementarische sind daher in der Tat nicht _Gesetze_ zu nennen, denn teils erschoepft, wie erinnert, eine solche Beziehung, ihrem Inhalte nach, gar nicht den Umfang des Organischen, teils bleiben aber auch die Momente der Beziehung selbst gleichgueltig gegeneinander, und druecken keine Notwendigkeit aus. Im Begriffe der Saeure liegt der _Begriff_ der Base, wie im Begriffe der positiven die negative Elektrizitaet; aber so sehr auch das dickbehaarte Fell mit dem Norden, oder der Bau der Fische mit dem Wasser, der Bau der Voegel mit der Luft zusammen _angetroffen_ werden mag, so liegt im Begriffe des Nordens nicht der Begriff dicker Behaarung, des Meeres nicht der des Baues der Fische, der Luft nicht der des Baus der Voegel. Um dieser Freiheit beider Seiten gegeneinander willen _gibt_ es auch Landtiere, welche die wesentlichen Charaktere eines Vogels, des Fisches haben u. s.f. Die Notwendigkeit, weil sie als keine innere des Wesens begriffen werden kann, hoert auch auf, sinnliches Dasein zu haben, und kann nicht mehr an der Wirklichkeit beobachtet werden, sondern ist aus ihr _herausgetreten._ So an dem realen Wesen selbst sich nicht findend, ist sie das, was teleologische Beziehung genannt wird, eine Beziehung, die den bezogenen _aeusserlich_, und daher vielmehr das Gegenteil eines Gesetzes ist. Sie ist der von der notwendigen Natur ganz befreite Gedanke, welcher sie verlaesst, und ueber ihr sich fuer sich bewegt. Wenn die vorhin beruehrte Beziehung des Organischen auf die elementarische Natur das Wesen desselben nicht ausdrueckt, so ist es dagegen in dem _Zweckbegriffe_ enthalten. Diesem beobachtenden Bewusstsein zwar ist er nicht das eigne _Wesen_ des Organischen, sondern faellt ihm ausser demselben, und ist dann nur jene aeusserliche, _teleologische_ Beziehung. Allein wie vorhin das Organische bestimmt worden, ist es in der Tat der reale Zweck selbst; denn indem es _sich_ in der Beziehung auf Anderes _selbst erhaelt_, ist es eben dasjenige natuerliche Wesen, in welchem die Natur sich in den Begriff reflektiert, und die an der Notwendigkeit auseinandergelegten Momente einer Ursache und einer Wirkung, eines Taetigen und eines Leidenden, in eins zusammengenommen; so dass hier etwas nicht nur als _Resultat_ der Notwendigkeit auftritt; sondern, weil es in sich zurueckgegangen ist, ist das Letzte oder das Resultat ebensowohl das _Erste_, welches die Bewegung anfaengt, und sich der _Zweck_, den es verwirklicht. Das Organische bringt nicht etwas hervor, sondern _erhaelt sich nur_, oder das, was hervorgebracht wird, ist ebenso schon vorhanden, als es hervorgebracht wird. Diese Bestimmung ist, wie sie an sich und wie sie fuer den Vernunftinstinkt ist, naeher zu eroertern, um zu sehen, wie er sich darin findet, sich aber in seinem Funde nicht erkennt. Der Zweckbegriff also, zu dem die beobachtende Vernunft sich erhebt, wie es ihr _bewusster Begriff_ ist, ist ebensosehr als ein _Wirkliches_ vorhanden; und ist nicht nur eine _aeussere Beziehung_ desselben, sondern sein _Wesen_. Dieses Wirkliche, welches selbst ein Zweck ist, bezieht sich zweckmaessig auf Anderes, heisst, seine Beziehung ist eine zufaellige, _nach dem, was beide unmittelbar sind_; unmittelbar sind beide selbststaendig, und gleichgueltig gegeneinander. Das Wesen ihrer Beziehung aber ist ein anderes, als sie so zu sein scheinen, und ihr Tun hat einen andern Sinn, als es _unmittelbar_ fuer das sinnliche Wahrnehmen ist; die Notwendigkeit ist an dem, was geschieht, verborgen, und zeigt sich erst _am Ende_, aber so, dass eben dies Ende zeigt, dass sie auch das Erste gewesen ist. Das Ende aber zeigt diese Prioritaet seiner selbst dadurch, dass durch die Veraenderung, welche das Tun vorgenommen hat, nichts anders herauskommt, als was schon war. Oder wenn wir vom Ersten anfangen, so geht dieses an seinem Ende oder in dem Resultate seines Tuns nur zu sich selbst zurueck; und eben hiedurch erweist es sich, ein solches zu sein, welches _sich selbst_ zu seinem Ende hat, also als Erstes schon zu sich zurueckgekommen, oder _an und fuer sich selbst_ ist. Was es also durch die Bewegung seines Tuns erreicht, ist _es selbst_; und dass es nur sich selbst erreicht, ist sein _Selbstgefuehl_. Es ist hiemit zwar der Unterschied dessen, _was es ist_, und _was es sucht_, vorhanden, aber dies ist nur der _Schein eines Unterschieds_, und hiedurch ist es Begriff an ihm selbst. Ebenso ist aber das _Selbstbewusstsein_ beschaffen, sich auf eine solche Weise von sich zu unterscheiden, worin zugleich kein Unterschied herauskommt. Es findet daher in der Beobachtung der organischen Natur nichts anders als dies Wesen, es findet sich als ein Ding, _als ein Leben_, macht aber noch einen Unterschied zwischen dem, was es selbst ist, und was es gefunden, der aber keiner ist. Wie der Instinkt des Tieres das Futter sucht und verzehrt, aber damit nichts anders herausbringt als sich, so findet auch der Instinkt der Vernunft in seinem Suchen nur sie selbst. Das Tier endigt mit dem Selbstgefuehle. Der Vernunftinstinkt hingegen ist zugleich Selbstbewusstsein; aber weil er nur Instinkt ist, ist er gegen das Bewusstsein auf die Seite gestellt, und hat an ihm seinen Gegensatz. Seine Befriedigung ist daher durch diesen entzweit, er findet wohl sich selbst, naemlich den _Zweck_, und ebenso diesen Zweck als _Ding_. Aber der Zweck faellt ihm erstlich _ausser dem Dinge_, welches sich als Zweck darstellt. Dieser Zweck als Zweck ist zweitens zugleich _gegenstaendlich_, er faellt ihm daher auch nicht in sich als Bewusstsein, sondern in einen andern Verstand. Naeher betrachtet, so liegt diese Bestimmung ebensowohl in dem Begriffe des Dinges, dass es _Zweck an ihm selbst_ ist. Es naemlich erhaelt _sich_; d.h. zugleich, es ist seine Natur, die Notwendigkeit zu verbergen und in der Form _zufaelliger_ Beziehung darzustellen; denn seine Freiheit oder _Fuer-sich-sein_ ist eben dieses, sich gegen sein Notwendiges als ein Gleichgueltiges zu verhalten; es stellt sich also selbst als ein solches dar, dessen Begriff ausser seinem Sein falle. Ebenso hat die Vernunft die Notwendigkeit, ihren eigenen Begriff als ausser ihr fallend, hiemit als _Ding_ anzuschauen, als ein solches, gegen das sie, und das hiemit gegenseitig gegen sie und gegen seinen Begriff _gleichgueltig_ ist. Als Instinkt bleibt sie auch innerhalb dieses _Seins_ oder der _Gleichgueltigkeit_ stehen, und das Ding, welches den Begriff ausdrueckt, bleibt ihm ein anderes als dieser Begriff, der Begriff ein anderes als das Ding. So ist das organische Ding fuer sie nur so _Zweck_ an ihm selbst, dass die Notwendigkeit, welche in seinem Tun als verborgen sich darstellt, indem das Tuende darin als ein gleichgueltiges Fuersichseiendes sich verhaelt, ausser dem Organischen selbst faellt.--Da aber das Organische als Zweck an ihm selbst sich nicht anders verhalten kann denn als ein solches, so ist auch dies erscheinend und sinnlich gegenwaertig, dass es Zweck an ihm selbst ist, und es wird so beobachtet. Das Organische zeigt sich als ein sich selbst _erhaltendes_ und in sich _zurueckkehrendes_ und _zurueckgekehrtes_. Aber in diesem Sein erkennt dies beobachtende Bewusstsein den Zweckbegriff nicht, oder dies nicht, dass der Zweckbegriff nicht sonst irgendwo in einem Verstande, sondern eben hier existiert, und als ein Ding ist. Es macht einen Unterschied zwischen dem Zweckbegriffe, und zwischen dem Fuer-sich-sein und Sich-selbst-erhalten, welcher keiner ist. Dass er keiner ist, ist nicht fuer es, sondern ein Tun, das zufaellig und gleichgueltig gegen das, was durch dasselbe zustande kommt, erscheint, und die Einheit, welche doch beides zusammenknuepft--jenes Tun und dieser Zweck faellt ihm auseinander. Was in dieser Ansicht dem Organischen selbst zukommt, ist das zwischen seinem Ersten und Letzten mitten inne liegende Tun, insofern es den Charakter der Einzelnheit an ihm hat. Das Tun aber, insofern es den Charakter der Allgemeinheit hat, und das Tuende demjenigen, was dadurch hervorgebracht wird, gleichgesetzt, das zweckmaessige Tun als solches, kaeme nicht ihm zu. Jenes einzelne Tun, das nur Mittel ist, tritt durch seine Einzelnheit unter die Bestimmung einer durchaus einzelnen oder zufaelligen Notwendigkeit. Was das Organische zur Erhaltung seiner selbst als Individuums, oder seiner als Gattung tut, ist daher diesem unmittelbaren Inhalte nach ganz gesetzlos, denn das Allgemeine und der Begriff faellt ausser ihm. Sein Tun waere sonach die leere Wirksamkeit ohne Inhalt an ihr selbst; sie waere nicht einmal die Wirksamkeit einer Maschine, denn diese hat einen Zweck, und ihre Wirksamkeit hiedurch einen bestimmten Inhalt. So verlassen von dem Allgemeinen wuerde sie Taetigkeit nur eines Seienden als _Seienden_, d.h. eine nicht zugleich in sich reflektierte sein, wie die einer Saeure oder Base ist; eine Wirksamkeit, die von ihrem unmittelbaren Dasein sich nicht abtrennen, noch dieses, das in der Beziehung auf sein Entgegengesetztes verloren geht, aufgeben, sich aber erhalten koennte. Das Sein aber, dessen Wirksamkeit die hier betrachtete ist, ist gesetzt als ein in seiner Beziehung auf sein Entgegengesetztes _sich erhaltendes_ Ding; _die Taetigkeit_ als solche ist nichts als die reine wesenlose Form seines Fuer-sich-seins, und ihre Substanz, die nicht bloss bestimmtes Sein, sondern das Allgemeine ist, ihr _Zweck_ faellt nicht ausser ihr; sie ist an ihr selbst in sich zurueckgehende, nicht durch irgendein Fremdes in sich zurueckgelenkte Taetigkeit. Diese Einheit der Allgemeinheit und der Taetigkeit ist aber darum nicht fuer dies _beobachtende_ Bewusstsein, weil jene Einheit wesentlich die innre Bewegung des Organischen ist, und nur als Begriff aufgefasst werden kann; das Beobachten aber sucht die Momente in der Form des _Seins_ und _Bleibens_; und weil das organische Ganze wesentlich dies ist, so die Momente nicht an ihm zu haben und nicht an ihm finden zu lassen, verwandelt das Bewusstsein in seiner Ansicht den Gegensatz in einen solchen, als er ihr gemaess ist. Es entsteht ihm auf diese Weise das organische Wesen als eine Beziehung zweier _seiender_ und _fester_ Momente--eines Gegensatzes, dessen beide Seiten ihm also einesteils in der Beobachtung gegeben zu sein scheinen, andernteils ihrem Inhalte nach den Gegensatz des organischen _Zweckbegriffs_ und der _Wirklichkeit_ ausdruecken; weil aber der Begriff als solcher daran getilgt ist, auf eine dunkle und oberflaechliche Weise, worin der Gedanke in das Vorstellen herabgesunken ist. So sehen wir den ersten ungefaehr unter dem _Innern_, die andere unter dem _Aeussern_ gemeint, und ihre Beziehung erzeugt das Gesetz, _dass das Aeussere der Ausdruck des Innern ist_. Dies Innere mit seinem Entgegengesetzten und ihre Beziehung aufeinander naeher betrachtet, ergibt sich, dass vors erste die beiden Seiten des Gesetzes nicht mehr wie bei fruehern Gesetzen lauten, worin sie als selbststaendige _Dinge_ jede als ein besonderer Koerper erschienen, noch auch fuers andere so, dass das Allgemeine irgend sonst _ausser dem Seienden_ seine Existenz haben sollte. Sondern das organische Wesen ist ungetrennt ueberhaupt zu Grunde gelegt, als Inhalt des Innern und Aeussern, und fuer beide dasselbe; der Gegensatz ist dadurch nur noch ein rein formeller, dessen reale Seiten dasselbe _An-sich_ zu ihrem Wesen, zugleich aber, indem Inneres und Aeusseres auch entgegengesetzte Realitaet und ein fuer das Beobachten verschiedenes _Sein_ sind, scheinen sie ihm jedes einen eigentuemlichen Inhalt zu haben. Dieser eigentuemliche Inhalt, da er dieselbe Substanz oder organische Einheit ist, kann aber in der Tat nur eine verschiedene Form derselben sein; und dies wird von dem beobachtenden Bewusstsein darin angedeutet, dass das Aeussere nur _Ausdruck_ des Innern ist.--Dieselben Bestimmungen des Verhaeltnisses, naemlich die gleichgueltige Selbststaendigkeit der verschiedenen, und in ihr ihre Einheit, worin sie verschwinden, haben wir an dem Zweckbegriffe gesehen. Es ist nun zu sehen, welche _Gestalt_ das Innere und Aeussere in seinem Sein hat. Das Innere als solches muss ebensosehr ein aeusseres Sein und eine Gestalt haben, wie das Aeussere als solches, denn es ist Gegenstand oder selbst als seiendes und fuer die Beobachtung vorhanden gesetzt. Die organische Substanz als _innere_ ist sie die _einfache Seele_, der reine _Zweckbegriff_ oder das _Allgemeine_, welches in seiner Teilung ebenso allgemeine Fluessigkeit bleibt, und daher in seinem _Sein_ als das _Tun_ oder die _Bewegung_ der _verschwindenden_ Wirklichkeit erscheint; da hingegen das _Aeussere_ entgegengesetzt jenem seienden Innern in dem _ruhenden Sein_ des Organischen besteht. Das Gesetz als die Beziehung jenes Innere auf dies Aeussere drueckt hiemit seinen Inhalt, einmal in der Darstellung allgemeiner _Momente_ oder _einfacher Wesenheiten_, und das anderemal in der Darstellung der verwirklichten Wesenheit oder der _Gestalt_ aus. Jene ersten einfachen organischen _Eigenschaften_, um sie so zu nennen, sind _Sensibilitaet, Irritabilitaet_ und _Reproduktion_. Diese Eigenschaften, wenigstens die beiden ersten, scheinen sich zwar nicht auf den Organismus ueberhaupt, sondern nur auf den animalischen zu beziehen. Der vegetabilische drueckt auch in der Tat nur den einfachen Begriff des Organismus aus, der seine Momente _nicht entwickelt_; daher wir uns in Ansehung ihrer, insofern sie fuer die Beobachtung sein sollen, an denjenigen halten muessen, der ihr entwickeltes Dasein darstellt. Was nun sie selbst betrifft, so ergeben sie sich unmittelbar aus dem Begriffe des Selbstzwecks. Denn die _Sensibilitaet_ drueckt ueberhaupt den einfachen Begriff der organischen Reflexion in sich, oder die allgemeine Fluessigkeit desselben aus; die _Irritabilitaet_ aber die organische Elastizitaet, sich in der Reflexion zugleich _reagierend_ zu verhalten, und die dem ersten ruhigen _In-sich-sein_ entgegengesetzte Verwirklichung, worin jenes abstrakte Fuer-sich-sein ein _Sein fuer Anderes_ ist. Die _Reproduktion_ aber ist die Aktion dieses _ganzen_ in sich reflektierten Organismus, seine Taetigkeit als Zwecks an sich oder als _Gattung_, worin also das Individuum sich von sich selbst abstoesst, entweder seine organischen Teile, oder das ganze Individuum erzeugend wiederholt. In der Bedeutung der _Selbsterhaltung ueberhaupt_ genommen drueckt die Reproduktion den formalen Begriff des Organischen oder die Sensibilitaet aus; aber sie ist eigentlich der reale organische Begriff, oder das _Ganze_, das als Individuum entweder durch die Hervorbringung der einzelnen Teile seiner selbst oder als Gattung durch die Hervorbringung von Individuen in sich zurueckkehrt. Die _andere Bedeutung_ dieser organischen Elemente, naemlich als des _Aeusseren_, ist ihre _gestaltete_ Weise, nach welcher sie als _wirkliche_, aber zugleich auch als _allgemeine_ Teile oder organische _Systeme_ vorhanden sind; die Sensibilitaet etwa als Nervensystem, die Irritabilitaet als Muskelsystem, die Reproduktion als Eingeweide der Erhaltung des Individuums und der Gattung. Eigentuemliche Gesetze des Organischen betreffen demnach ein Verhaeltnis der organischen Momente in ihrer gedoppelten Bedeutung, einmal ein _Teil_ der organischen _Gestaltung_, das andremal _allgemeine fluessige_ Bestimmtheit zu sein, welche durch alle jene Systeme hindurchgeht. In dem Ausdrucke eines solchen Gesetzes haette also zum Beispiel eine bestimmte _Sensibilitaet_ als Moment des _ganzen_ Organismus ihren Ausdruck an einem bestimmt gebildeten Nervensystem, oder sie waere auch mit einer bestimmten _Reproduktion_ der organischen Teile des Individuums oder Fortpflanzung des ganzen verknuepft, und so fort.--Die beiden Seiten eines solchen Gesetzes koennen _beobachtet_ werden. Das _Aeussere_ ist seinem Begriffe nach das _Sein fuer Anderes_; die Sensibilitaet hat z.B. in dem sensibeln _Systeme_ ihre unmittelbar verwirklichte Weise; und als _allgemeine Eigenschaft_ ist sie in ihren _Aeusserungen_ ebenso ein gegenstaendliches. Die Seite, welche das _Innere_ heisst, hat ihre _eigene aeussere_ Seite, die unterschieden ist von dem, was im Ganzen das _Aeussere_ heisst. Die beiden Seiten eines organischen Gesetzes waeren also zwar wohl zu beobachten, allein nicht Gesetze der Beziehung derselben; und die Beobachtung reicht nicht darum nicht zu, weil sie, _als Beobachtung_, zu kurzsichtig waere, und nicht empirisch verfahren, sondern von der Idee ausgegangen werden sollte; denn solche Gesetze, wenn sie etwas Reelles waeren, muessten in der Tat wirklich vorhanden, und also zu beobachten sein; sondern weil der Gedanke von Gesetzen dieser Art keine Wahrheit zu haben sich erweist. Es ergab sich fuer ein Gesetz das Verhaeltnis, dass die allgemeine organische _Eigenschaft_ an einem organischen _Systeme_ sich zum Dinge gemacht und an ihm seinen gestalteten Abdruck haette, so dass beide dasselbe Wesen waeren, das einmal als allgemeines Moment, das andremal als Ding vorhanden. Aber ausserdem ist auch die Seite des Innern fuer sich ein Verhaeltnis mehrerer Seiten, und es bietet sich daher zuerst der Gedanke eines Gesetzes an, als eine Beziehung der allgemeinen organischen Taetigkeiten oder Eigenschaften aufeinander. Ob ein solches moeglich ist, muss sich aus der Natur einer solchen Eigenschaft entscheiden. Sie ist aber, als eine allgemeine Fluessigkeit, teils nicht etwas, das nach der Weise eines Dinges beschraenkt und in dem Unterschiede eines Daseins sich haelt, das seine Gestalt ausmachen sollte, sondern die Sensibilitaet geht ueber das Nervensystem hinaus, und durch alle andere Systeme des Organismus hindurch--teils ist sie allgemeines _Moment_, das wesentlich ungeschieden und unzertrennlich von Reaktion oder Irritabilitaet und Reproduktion ist. Denn als Reflexion in sich hat sie schlechthin die Reaktion an ihr. Nur In-sich-reflektiert-sein ist Passivitaet, oder totes Sein, nicht eine Sensibilitaet, sowenig als Aktion, was dasselbe ist als Reaktion, ohne In-sich-reflektiert-sein Irritabilitaet ist. Die Reflexion in der Aktion oder Reaktion, und die Aktion oder Reaktion in der Reflexion ist gerade dies, dessen Einheit das Organische ausmacht, eine Einheit, welche mit der organischen Reproduktion gleichbedeutend ist. Es folgt hieraus, dass in jeder Weise der Wirklichkeit dieselbe _Groesse_ der Sensibilitaet--indem wir zuerst das Verhaeltnis derselben und der Irritabilitaet zueinander betrachten--vorhanden sein muss als der Irritabilitaet, und dass eine organische Erscheinung ebensosehr nach der einen als nach der andern aufgefasst und bestimmt, oder wie man will, erklaert werden kann. Dasselbe, was der eine etwa fuer hohe Sensibilitaet nimmt, kann ein anderer ebensogut fuer hohe Irritabilitaet, und Irritabilitaet von _derselben Hoehe_ betrachten. Wenn sie _Faktoren_ genannt werden, und dies nicht ein bedeutungsloses Wort sein soll, so ist eben damit ausgesprochen, dass sie _Momente_ des Begriffs sind, also der reale Gegenstand, dessen Wesen dieser Begriff ausmacht, sie auf gleiche Weise an ihm hat, und wenn er auf die eine bestimmt wird, als sehr sensibel, er ebenso auf die andere, als ebensosehr irritabel auszusagen ist. Werden sie unterschieden, wie notwendig ist, so sind sie es dem Begriffe nach, und ihr Gegensatz ist _qualitativ_. Aber ausser diesem wahren Unterschiede auch noch als seiend, und fuer die Vorstellung, wie sie Seiten des Gesetzes sein koennten, verschieden gesetzt, so erscheinen sie in _quantitativer_ Verschiedenheit. Ihr eigentuemlicher qualitativer Gegensatz tritt somit in die _Groesse_, und es entstehen Gesetze der Art, dass zum Beispiel Sensibilitaet und Irritabilitaet in umgekehrtem Verhaeltnisse ihrer Groesse stehen, so dass wie die eine waechst, die andere abnimmt; oder besser gleich die Groesse selbst zum Inhalte genommen, dass die Groesse von etwas zunimmt, wie seine Kleinheit abnimmt.--Wird diesem Gesetze aber ein bestimmter Inhalt gegeben, etwa so, dass die Groesse eines Loches _zunimmt,_ je mehr das _abnimmt_, was seine Erfuellung ausmacht, so kann dies umgekehrte Verhaeltnis ebenso in ein gerades verwandelt und ausgedrueckt werden, dass die Groesse des Loches in geradem Verhaeltnisse der Menge des weggenommenen _zunimmt_;--ein _tautologischer_ Satz, er mag als direktes oder umgekehrtes Verhaeltnis ausgedrueckt werden, der in seinem eigentuemlichen Ausdrucke nur dieses heisst, dass eine Groesse zunimmt, wie diese Groesse zunimmt. Wie das Loch und das, was es erfuellt und weggenommen wird, qualitativ entgegengesetzt, aber wie das Reale derselben und dessen bestimmte Groesse in beiden ein und dasselbe, und ebenso Zunahme der Groesse und Abnahme der Kleinheit dasselbe ist, und ihre bedeutungsleere Entgegensetzung in eine Tautologie hinauslaeuft, so sind die organischen Momente gleich unzertrennlich in ihrem Realen und in ihrer Groesse, die die Groesse desselben ist; eines nimmt nur mit dem andern ab und nimmt nur mit ihm zu, denn eines hat schlechthin nur Bedeutung, insoweit das andere vorhanden ist--oder vielmehr es ist gleichgueltig, eine organische Erscheinung als Irritabilitaet oder als Sensibilitaet zu betrachten, schon ueberhaupt, und ebenso wenn von ihrer Groesse gesprochen wird. So gleichgueltig es ist, die Zunahme eines Lochs als Vermehrung seiner als der Leerheit oder als Vermehrung der herausgenommenen Fuelle auszusprechen. Oder eine Zahl, z. B. _drei_, bleibt gleich gross, ich mag sie positiv oder negativ nehmen; und wenn ich die drei zu vier vergroessere, so ist das Positive wie das Negative zu vier geworden--wie der Suedpol an einem Magnete gerade so stark ist als sein Nordpol, oder eine positive Elektrizitaet oder eine Saeure gerade so stark als ihre negative oder als die Base, worauf sie einwirkt. --Ein solches Grosses als jene drei, oder ein Magnet u.s.f. ist ein organisches _Dasein_; es ist dasjenige, das vermehrt und vermindert wird, und wenn es vermehrt wird, werden _beide_ Faktoren desselben vermehrt, so sehr als _beide_ Pole des Magnets, oder als die beiden Elektrizitaeten, wenn ein Magnet u.s.f. verstaerkt wird, zunehmen.--Dass beide ebensowenig nach _Intension_ und _Extension_ verschieden sein, das eine nicht an Extension ab-, dagegen an Intension zunehmen kann, waehrend das andere umgekehrt seine Intension vermindern, dagegen an Extension zunehmen sollte, faellt unter denselben Begriff leerer Entgegensetzung; die reale Intension ist ebenso schlechthin so gross als die Extension, und umgekehrt. Es geht, wie erhellt, bei diesem Gesetzgeben eigentlich so zu, dass zuerst Irritabilitaet und Sensibilitaet den bestimmten organischen Gegensatz ausmacht; dieser Inhalt verliert sich aber, und der Gegensatz verlaeuft sich in den Formalen des Zu- und Abnehmens der Groesse, oder der verschiedenen Intension und Extension--ein Gegensatz, der die Natur der Sensibilitaet und der Irritabilitaet weiter nichts mehr angeht, und sie nicht mehr ausdrueckt. Daher solches leeres Spiel des Gesetzgebens nicht an die organischen Momente gebunden ist, sondern es kann allenthalben mit allem getrieben werden, und beruht ueberhaupt auf der Unbekanntschaft mit der logischen Natur dieser Gegensaetze. Wird endlich statt der Sensibilitaet und Irritabilitaet die Reproduktion mit der einen oder der andern in Beziehung gebracht, so faellt auch die Veranlassung zu diesem Gesetzgeben hinweg; denn Reproduktion steht mit jenen Momenten nicht in einem Gegensatze, wie sie gegeneinander; und da auf ihm dies Gesetzgeben beruht, so faellt hier auch der Schein seines Stattfindens hinweg. Das soeben betrachtete Gesetzgeben enthaelt die Unterschiede des Organismus in ihrer Bedeutung von Momenten seines _Begriffs,_ und sollte eigentlich ein apriorisches Gesetzgeben sein. Es liegt aber in ihm selbst wesentlich dieser Gedanke, dass sie die Bedeutung von _Vorhandenen_ haben, und das bloss beobachtende Bewusstsein hat sich ohnehin nur an ihr Dasein zu halten. Die organische Wirklichkeit hat notwendig einen solchen Gegensatz an ihr, als ihr Begriff ausdrueckt, und der als Irritabilitaet und Sensibilitaet bestimmt werden kann, sowie sie beide wieder von der Reproduktion verschieden erscheinen. --Die _Aeusserlichkeit_, in der die Momente des organischen Begriffs hier betrachtet werden, ist die _eigne unmittelbare_ Aeusserlichkeit des Innern, nicht das _Aeussere_, welches Aeusseres im Ganzen und _Gestalt_ ist, und mit welchem das Innre nachher in Beziehung zu betrachten ist. Aber den Gegensatz der Momente so aufgefasst, wie er an dem Dasein ist, so sinken Sensibilitaet, Irritabilitaet, Reproduktion zu gemeinen _Eigenschaften_ herunter, die gegeneinander ebenso gleichgueltige Allgemeinheiten sind als spezifische Schwere, Farbe, Haerte, und so fort. In diesem Sinne kann wohl beobachtet werden, dass ein Organisches sensibler, oder irritabler, oder von groesserer Reproduktionskraft sei als ein anderes--so wie dass die Sensibilitaet u. s.f. des einen der _Art_ nach von der eines andern verschieden sei, eins sich gegen bestimmte Reize anders verhalte als ein anderes, wie das Pferd anders gegen Hafer als gegen Heu, und der Hund wieder anders gegen beide, u.s.f., sosehr als beobachtet werden kann, dass ein Koerper haerter ist als ein anderer, und so fort.--Allein diese sinnlichen Eigenschaften, Haerte, Farbe, und so fort, so wie die Erscheinungen der Reizempfaenglichkeit fuer Hafer, der Irritabilitaet fuer Lasten, oder der Anzahl und Art, Junge zu gebaeren, aufeinander bezogen und miteinander verglichen, widerstreiten wesentlich einer Gesetzmaessigkeit. Denn die Bestimmtheit ihres _sinnlichen Seins_ besteht eben darin, vollkommen gleichgueltig gegeneinander zu existieren, und die des Begriffs entbundne Freiheit der Natur vielmehr darzustellen als die Einheit einer Beziehung, vielmehr ihr unvernuenftiges Hin- und Herspielen auf der Leiter der zufaelligen Groesse zwischen den Momenten des Begriffs als diese selbst. Die _andere_ Seite, nach welcher die einfachen Momente des organischen Begriffs mit den Momenten der _Gestaltung_ verglichen werden, wuerde erst das eigentliche Gesetz geben, welches das wahre _Aeussere_ als Abdruck des _Innern_ ausspraeche.--Weil nun jene einfachen Momente durchdringende fluessige Eigenschaften sind, so haben sie an dem organischen Dinge nicht einen solchen ausgeschiedenen realen Ausdruck, wie das ist, was ein einzelnes System der Gestalt genannt wird. Oder wenn die abstrakte Idee des Organismus in jenen drei Momenten nur darum wahrhaft ausgedrueckt ist, weil sie nichts Stehendes, sondern nur Momente des Begriffs und der Bewegung sind, so ist er dagegen als Gestaltung nicht in solchen drei bestimmten Systemen befasst, wie die Anatomie sie auseinanderlegt. Insofern solche Systeme in ihrer Wirklichkeit gefunden, und durch dies Finden legitimiert werden sollen, muss auch erinnert werden, dass die Anatomie nicht nur drei dergleichen Systeme, sondern viel mehrere aufweist.--Alsdenn muss abgesehen hievon ueberhaupt das sensible _System_ etwas ganz anderes bedeuten als das, was _Nervensystem_ genannt wird, so das irritable _System_ etwas anderes als das _Muskelsystem_, das reproduktive _System_ etwas anders als die _Eingeweide_ der Reproduktion. In den Systemen der _Gestalt_ als solcher ist der Organismus nach der abstrakten Seite der toten Existenz aufgefasst; seine Momente so aufgenommen gehoeren der Anatomie und dem Kadaver, nicht der Erkenntnis und dem lebendigen Organismus an. Als solche Teile haben sie vielmehr aufgehoert, _zu sein_, denn sie hoeren auf, Prozesse zu sein. Da das _Sein_ des Organismus wesentlich Allgemeinheit oder Reflexion in sich selbst ist, so kann das _Sein_ seines Ganzen wie seine Momente nicht in einem anatomischen Systeme bestehen, sondern der wirkliche Ausdruck und ihre Aeusserlichkeit ist vielmehr nur als eine Bewegung vorhanden, die sich durch die verschiedenen Teile der Gestaltung verlauft, und worin das, was als einzelnes System herausgerissen und fixiert wird, sich wesentlich als fliessendes Moment darstellt, so dass nicht jene Wirklichkeit, wie die Anatomie sie findet, als ihre Realitaet gelten darf, sondern nur sie als Prozess, in welchem auch die anatomischen Teile allein einen Sinn haben. Es ergibt sich also, dass weder die Momente des organischen _Innern_ fuer sich genommen Seiten eines Gesetzes des Seins abzugeben faehig sind; indem sie in einem solchen Gesetze von einem Dasein ausgesprochen, voneinander unterschieden, und nicht jede auf gleiche Weise anstatt der andern sollte genannt werden koennen; noch dass sie, auf die eine Seite gestellt, in der andern an einem festen Systeme ihre Realisierung haben; denn dies letztere ist so wenig etwas, das ueberhaupt organische Wahrheit haette, als es der Ausdruck jener Momente des Innern ist. Das Wesentliche des Organischen, da es an sich das Allgemeine ist, ist vielmehr ueberhaupt, seine Momente in der Wirklichkeit ebenso allgemein, das heisst, als durchlaufende Prozesse zu haben, nicht aber an einem isolierten Dinge ein Bild des Allgemeinen zu geben. Auf diese Weise geht an dem Organischen die _Vorstellung_ eines _Gesetzes_ ueberhaupt verloren. Das Gesetz will den Gegensatz als ruhende Seiten auffassen und ausdruecken, und an ihnen die Bestimmtheit, welche ihre Beziehung aufeinander ist. Das _Innere_, welchem die erscheinende Allgemeinheit, und das _Aeussere_, welchem die Teile der ruhenden Gestalt angehoeren, sollten die sich entsprechenden Seiten des Gesetzes ausmachen, verlieren aber so auseinandergehalten ihre organische Bedeutung; und der Vorstellung des Gesetzes liegt gerade dies zum Grunde, dass seine beiden Seiten ein fuer sich seiendes gleichgueltiges Bestehen haetten, und an sie die Beziehung als eine gedoppelte sich entsprechende Bestimmtheit verteilt waere. Jede Seite des Organischen ist vielmehr dies an ihr selbst, einfache Allgemeinheit, in welcher alle Bestimmungen aufgeloest sind, und die Bewegung dieses Aufloesens zu sein. Die Einsicht in den Unterschied dieses Gesetzgebens gegen fruehere Formen wird seine Natur vollends aufhellen.--Sehen wir naemlich zurueck auf die Bewegung des Wahrnehmens und des darin sich in sich reflektierenden und seinen Gegenstand hiedurch bestimmenden Verstandes, so hat dieser dabei an seinem Gegenstande die _Beziehung_ dieser abstrakten Bestimmungen, des Allgemeinen und Einzelnen, des Wesentlichen und des Aeusserlichen, nicht vor sich, sondern ist selbst das Uebergehen, dem dieses Uebergehen nicht gegenstaendlich wird. Hier hingegen ist die organische Einheit, d.h. eben die Beziehung jener Gegensaetze, und diese Beziehung ist reines Uebergehen, selbst der _Gegenstand_. Dies Uebergehen in seiner Einfachheit ist unmittelbar _Allgemeinheit_, und indem sie in den Unterschied tritt, dessen Beziehung das Gesetz ausdruecken soll, so sind seine Momente _als allgemeine_ Gegenstaende dieses Bewusstseins, und das Gesetz lautet, dass das _Aeussere_ Ausdruck des _Innern_ sei. Der Verstand hat hier _den Gedanken_ des Gesetzes selbst erfasst, da er vorher nur ueberhaupt Gesetze suchte, und die Momente derselben ihm als ein bestimmter Inhalt, nicht als die Gedanken derselben vorschwebte.--In Ansehung des Inhalts sollen hiemit hier nicht solche Gesetze erhalten werden, welche nur ein ruhiges Aufnehmen rein _seiender_ Unterschiede in die Form der Allgemeinheit sind, sondern Gesetze, die unmittelbar an diesen Unterschieden auch die Unruhe des Begriffes, und damit zugleich die Notwendigkeit der Beziehung der Seiten haben. Allein weil eben der Gegenstand, die organische Einheit, das unendliche Aufheben oder die absolute Negation des Seins mit dem ruhigen Sein unmittelbar vereinigt, und die Momente wesentlich _reines Uebergehen_ sind, so ergeben sich keine solche _seiende_ Seiten, als fuer das Gesetz erfodert werden. Um solche zu erhalten, muss der Verstand sich an das andre Moment des organischen Verhaeltnisses halten; naemlich an das _Reflektiertsein_ des organischen Daseins in sich selbst. Aber dieses Sein ist so vollkommen in sich reflektiert, dass ihm keine Bestimmtheit gegen anderes uebrig bleibt. Das _unmittelbare_ sinnliche Sein ist unmittelbar mit der Bestimmtheit als solcher eins, und drueckt daher einen qualitativen Unterschied an ihm aus; wie z. B. Blau gegen Rot, Saures gegen Alkalisches u.s.f. Aber das in sich zurueckgekommene organische Sein ist vollkommen gleichgueltig gegen anderes, sein Dasein ist die einfache Allgemeinheit, und verweigert dem Beobachten bleibende sinnliche Unterschiede, oder was dasselbe ist, zeigt seine wesentliche Bestimmtheit nur als den _Wechsel seiender_ Bestimmtheiten. Wie sich daher der Unterschied als seiender ausdrueckt, ist ebendies, dass er ein _gleichgueltiger_ ist, d.h. als _Groesse_. Hierin ist aber der Begriff getilgt, und die Notwendigkeit verschwunden.--Der Inhalt aber und Erfuellung dieses gleichgueltigen Seins, der Wechsel der sinnlichen Bestimmungen, in die Einfachheit einer organischen Bestimmung zusammengenommen, drueckt dann zugleich dies aus, dass er eben jene--der unmittelbaren Eigenschaft--Bestimmtheit nicht hat, und das Qualitative faellt allein in die Groesse, wie wir oben gesehen. Ob also schon das Gegenstaendliche, das als organische Bestimmtheit aufgefasst wird, den Begriff an ihm selbst hat, und sich hiedurch von dem unterscheidet, das fuer den Verstand ist, der sich als rein wahrnehmend bei dem Auffassen des Inhaltes seiner Gesetze verhaelt, so faellt jenes Auffassen doch ganz in das Prinzip und die Manier des bloss wahrnehmenden Verstandes darum zurueck, weil das Aufgefasste zu Momenten eines _Gesetzes_ gebraucht wird; denn hiedurch erhaelt es die Weise einer festen Bestimmtheit, die Form einer unmittelbaren Eigenschaft oder einer ruhenden Erscheinung, wird ferner in die Bestimmung der Groesse aufgenommen, und die Natur des Begriffs ist unterdrueckt.--Die Umtauschung eines bloss Wahrgenommenen gegen ein in sich Reflektiertes, einer bloss sinnlichen Bestimmtheit gegen eine organische verliert also wieder ihren Wert, und zwar dadurch, dass der Verstand das Gesetzgeben noch nicht aufgehoben hat. Um die Vergleichung in Ansehung dieses Umtausches an einigen Beispielen anzustellen, so wird etwa etwas, das fuer die Wahrnehmung ein Tier von starken Muskeln ist, als tierischer Organismus von hoher Irritabilitaet, oder was fuer die Wahrnehmung ein Zustand grosser Schwaeche ist, als Zustand hoher Sensibilitaet oder, wenn man lieber will, als eine innormale Affektion, und zwar eine Potenzierung derselben (Ausdruecke, welche das Sinnliche, statt in den Begriff, ins Lateinische--und zwar noch dazu in ein schlechtes--uebersetzen) bestimmt. Dass das Tier starke Muskeln habe, kann vom Verstande auch so ausgedrueckt werden, das Tier besitze eine grosse _Muskelkraft_--wie die grosse Schwaeche als eine geringe _Kraft_. Die Bestimmung durch Irritabilitaet hat vor der Bestimmung als _Kraft_ voraus, dass diese die unbestimmte Reflexion in sich, jene aber die bestimmte ausdrueckt, denn die _eigentuemliche_ Kraft des Muskels ist eben Irritabilitaet--und vor der Bestimmung als _starke Muskeln_, dass wie schon in der Kraft die Reflexion in sich zugleich darin enthalten ist. So wie die Schwaeche oder die geringe Kraft, die _organische Passivitaet_ bestimmt durch _Sensibilitaet_ ausgedrueckt wird. Aber diese Sensibilitaet so fuer sich genommen und fixiert, und noch mit der Bestimmung der _Groesse_ verbunden, und als groessere oder geringere Sensibilitaet einer groessern oder geringern Irritabilitaet entgegengesetzt, ist jede ganz in das sinnliche Element und zur gemeinen Form einer Eigenschaft herabgesetzt, und ihre Beziehung nicht der Begriff, sondern im Gegenteil die Groesse, in welche nun der Gegensatz faellt, und ein gedankenloser Unterschied wird. Wenn hiebei zwar das Unbestimmte der Ausdruecke von _Kraft_ und _Staerke_ und _Schwaeche_ entfernt wurde, so entsteht itzt das ebenso leere und unbestimmte Herumtreiben in den Gegensaetzen einer hoehern und niedern Sensibilitaet, Irritabilitaet in ihrem Aufund Absteigen an- und gegeneinander. Nicht weniger als Staerke und Schwaeche ganz sinnliche gedankenlose Bestimmungen sind, ist die groessere oder geringere Sensibilitaet, Irritabilitaet die gedankenlos aufgefasste und ebenso ausgesprochene sinnliche Erscheinung. An die Stelle jener begriffslosen Ausdruecke ist nicht der Begriff getreten, sondern Staerke und Schwaeche durch eine Bestimmung erfuellt worden, die fuer sich allein genommen auf dem Begriffe beruht und ihn zum Inhalte hat, aber diesen Ursprung und Charakter gaenzlich verliert.--Durch die Form der Einfachheit und Unmittelbarkeit also, in welcher dieser Inhalt zur Seite eines Gesetzes gemacht wird, und durch die Groesse, welche das Element des Unterschiedes solcher Bestimmungen ausmacht, behaelt das urspruenglich als Begriff seiende und gesetzte Wesen die Weise des sinnlichen Wahrnehmens, und bleibt von dem Erkennen so entfernt, als in der Bestimmung durch Staerke und Schwaeche der Kraft, oder durch unmittelbare sinnliche Eigenschaften. Es ist itzt auch noch dasjenige _fuer sich allein_ zu betrachten uebrig, was das _Aeussere_ des Organischen ist, und wie an ihm der Gegensatz _seines_ Innern und Aeussern sich bestimmt; so wie zuerst das _Innere_ des Ganzen in der Beziehung auf sein _eignes_ Aeusseres betrachtet wurde. Das _Aeussere_ fuer sich betrachtet ist die _Gestaltung_ ueberhaupt, das System des sich im _Elemente_ des _Seins_ gliedernden Lebens, und wesentlich zugleich das Sein des organischen Wesens _fuer ein Anderes--_ gegenstaendliches Wesen in seinem _Fuer-sich-sein_.--Dies _Andere_ erscheint zunaechst als seine aeussere unorganische Natur. Diese beiden in Beziehung auf ein Gesetz betrachtet, kann, wie wir oben sahen, die unorganische Natur nicht die Seite eines Gesetzes gegen das organische Wesen ausmachen, weil dieses zugleich schlechthin fuer sich ist, und eine allgemeine und freie Beziehung auf sie hat. Das Verhaeltnis dieser beiden Seiten aber an der organischen Gestalt selbst naeher bestimmt, so ist sie also nach einer Seite gegen die unorganische Natur gekehrt, auf der andern aber _fuer sich_ und in sich reflektiert. Das _wirkliche_ organische Wesen ist die Mitte, welche das _Fuer-sich-sein_ des Lebens mit dem _Aeussern_ ueberhaupt oder dem _An-sich-sein_ zusammenschliesst.--Das Extrem des Fuer-sich-seins ist aber das Innere als unendliches Eins, welches die Momente der Gestalt selbst aus ihrem Bestehen und dem Zusammenhange mit dem Aeussern in sich zuruecknimmt, das inhaltslose, das an der Gestalt sich seinen Inhalt gibt, und an ihr als ihr Prozess erscheint. In diesem Extreme als einfacher Negativitaet oder _reiner Einzelnheit_ hat das Organische seine absolute Freiheit, wodurch es gegen das Sein fuer anderes und gegen die Bestimmtheit der Momente der Gestalt gleichgueltig und gesichert ist. Diese Freiheit ist zugleich Freiheit der Momente selbst, sie ist ihre Moeglichkeit, als _daseiende_ zu erscheinen und aufgefasst zu werden, und wie gegen Aeusseres sind sie darin auch gegeneinander befreit und gleichgueltig, denn die _Einfachheit_ dieser Freiheit ist das _Sein_ oder ihre einfache Substanz. Dieser Begriff oder reine Freiheit ist ein und dasselbe Leben, die Gestalt oder das Sein fuer anderes mag in noch so mannigfaltigem Spiele umherschweifen; es ist diesem Strome des Lebens gleichgueltig, welcher Art die Muehlen sind, die er treibt.--Vors erste ist nun zu bemerken, dass dieser Begriff hier nicht wie vorhin bei der Betrachtung des eigentlichen Innern in seiner Form des _Prozesses_ oder der Entwicklung seiner Momente aufzufassen ist, sondern in seiner _Form_ als _einfaches Innres_, welches die rein allgemeine Seite gegen das _wirkliche_ lebendige Wesen ausmacht, oder als das _Element_ des _Bestehens_ der seienden Glieder der Gestalt; denn diese betrachten wir hier, und an ihr ist das Wesen des Lebens als die Einfachheit des Bestehens. Alsdenn ist das _Sein fuer Anderes_ oder die Bestimmtheit der wirklichen Gestaltung in diese einfache Allgemeinheit aufgenommen, die ihr Wesen ist, eine ebenso einfache allgemeine unsinnliche Bestimmtheit, und kann nur die sein, welche als _Zahl_ ausgedrueckt ist. Sie ist die Mitte der Gestalt, welche das unbestimmte Leben mit dem wirklichen verknuepft, einfach wie jenes, und bestimmt wie dieses. Was an jenem, dem _Innern_, als Zahl waere, muesste das Aeussere nach seiner Weise als die vielfoermige Wirklichkeit, Lebensart, Farbe und so fort ausdruecken, ueberhaupt als die ganze Menge der Unterschiede, welche in der Erscheinung sich entwickeln. Die beiden Seiten des organischen Ganzen--die eine das _Innere_, die andere aber das _Aeussere_, so dass jede wieder an ihr selbst ein Inneres und Aeusseres hat--nach ihrem beiderseitigen Innern verglichen, so war das Innere der ersten der Begriff, als die Unruhe der _Abstraktion_; die zweite aber hat zu dem ihrigen die ruhende Allgemeinheit, und darin auch die ruhende Bestimmtheit, die Zahl. Wenn daher jene, weil in ihr der Begriff seine Momente entwickelt, durch den Schein von Notwendigkeit der Beziehung taeuschend Gesetze verhiess, so tut diese sogleich Verzicht darauf, indem sich die Zahl als die Bestimmung der einen Seite ihrer Gesetze zeigt. Denn die Zahl ist eben die gaenzlich ruhende, tote und gleichgueltige Bestimmtheit, an welcher alle Bewegung und Beziehung erloschen ist, und welche die Bruecke zu dem lebendigen der Triebe, der Lebensart und dem sonstigen sinnlichen Dasein abgebrochen hat. Diese Betrachtung der _Gestalt_ des Organischen als solcher und des Innern als eines Innern bloss der Gestalt ist aber in der Tat nicht mehr eine Betrachtung des Organischen. Denn die beiden Seiten, die bezogen werden sollten, sind nur gleichgueltig gegeneinander gesetzt, und dadurch die Reflexion in sich, welche das Wesen des Organischen ausmacht, aufgehoben. Sondern es wird hier vielmehr auf die unorganische Natur die versuchte Vergleichung des Innern und Aeussern uebergetragen; der unendliche Begriff ist hier nur das _Wesen_, das inwendig verborgen, oder aussen in das Selbstbewusstsein faellt, und nicht mehr, wie am Organischen, seine gegenstaendliche Gegenwart hat. Diese Beziehung des Innern und Aeussern ist also noch in ihrer eigentlichen Sphaere zu betrachten. Zuerst ist jenes Innere der Gestalt als die einfache Einzelnheit eines unorganischen Dinges, die _spezifische Schwere_. Sie kann als einfaches Sein ebensowohl wie die Bestimmtheit der Zahl, deren sie allein faehig ist, beobachtet oder eigentlich durch Vergleichung von Beobachtungen gefunden werden, und scheint auf diese Weise die eine Seite des Gesetzes zu geben. Gestalt, Farbe, Haerte, Zaehigkeit und eine unzaehlige Menge anderer Eigenschaften wuerden zusammen die _aeussere_ Seite ausmachen, und die Bestimmtheit des Innern, die Zahl, auszudruecken haben, so dass das eine am andern sein Gegenbild haette. Weil nun die Negativitaet hier nicht als Bewegung des Prozesses, sondern als _beruhigte_ Einheit oder _einfaches Fuer-sich-sein_ aufgefasst ist, so erscheint sie vielmehr als dasjenige, wodurch das Ding sich dem Prozesse widersetzt, und sich in sich und als gleichgueltig gegen ihn erhaelt. Dadurch aber, dass dies einfache Fuer-sich-sein eine ruhige Gleichgueltigkeit gegen Anderes ist, tritt die spezifische Schwere als eine _Eigenschaft neben_ andere; und damit hoert alle notwendige Beziehung ihrer auf diese Vielheit, oder alle Gesetzmaessigkeit auf.--Die spezifische Schwere als dies einfache Innere hat nicht den Unterschied _an ihr selbst_, oder sie hat nur den unwesentlichen; denn eben ihre _reine Einfachheit_ hebt alle wesentliche Unterscheidung auf. Dieser unwesentliche Unterschied, _die Groesse_, muesste also an der andern Seite, welche die Vielheit der Eigenschaften ist, sein Gegenbild oder das _Andere_ haben, indem er dadurch ueberhaupt erst Unterschied ist. Wenn diese Vielheit selbst in die Einfachheit des Gegensatzes zusammengefasst, und etwa als _Kohaesion_ bestimmt wird, so dass diese das _Fuer-sich--im Anders-sein_, wie die spezifische Schwere das _reine Fuer-sich-sein_ ist, so ist diese Kohaesion zuerst diese reine im Begriffe gesetzte Bestimmtheit gegen jene Bestimmtheit, und die Manier des Gesetzgebens waere die, welche oben bei der Beziehung der Sensibilitaet auf die Irritabilitaet betrachtet worden.--Alsdenn ist sie ferner als _Begriff_ des Fuer-sich-seins im Anderssein nur die _Abstraktion_ der Seite, die der spezifischen Schwere gegenuebersteht, und hat als solche keine Existenz. Denn das Fuer-sich-sein im Anderssein ist der Prozess, worin das unorganische sein Fuer-sich-sein als eine _Selbsterhaltung_ auszudruecken haette, welche es dagegen bewahrte, aus dem Prozesse als Moment eines Produkts herauszutreten. Allein dies eben ist gegen seine Natur, welche nicht den Zweck oder Allgemeinheit an ihr selbst hat. Sein Prozess ist vielmehr nur das bestimmte Verhalten, wie sein Fuer-sich-sein, seine spezifische Schwere sich _aufhebt_. Dies bestimmte Verhalten, worin seine Kohaesion in ihrem wahren Begriffe bestehen wuerde, aber selbst und die bestimmte Groesse seiner spezifischen Schwere sind ganz gleichgueltige Begriffe gegeneinander. Wenn die Art des Verhaltens ganz ausser acht gelassen und auf die Vorstellung der Groesse eingeschraenkt wurde, so koennte etwa diese Bestimmung gedacht werden, dass das groessere spezifische Gewicht, als ein hoeheres In-sich-sein, dem Eingehen in den Prozess mehr widerstaende als das geringere. Allein umgekehrt bewaehrt die Freiheit des Fuer-sich-seins sich nur in der Leichtigkeit, mit allem sich einzulassen und sich in dieser Mannigfaltigkeit zu erhalten. Jene Intensitaet ohne Extension der Beziehungen ist eine gehaltlose Abstraktion, denn die Extension macht das _Dasein_ der Intensitaet aus. Die Selbsterhaltung aber des Unorganischen in seiner Beziehung faellt, wie erinnert, ausser der Natur derselben, da es das Prinzip der Bewegung nicht an ihm selbst hat, oder da sein Sein nicht die absolute Negativitaet und Begriff ist. Diese andre Seite des Unorganischen dagegen nicht als Prozess, sondern als ruhendes Sein betrachtet, so ist sie die gemeine Kohaesion, eine _einfache_ sinnliche Eigenschaft auf die Seite getreten gegen das freigelassene Moment des _Anderssein_, welches in vielen gleichgueltigen Eigenschaften auseinanderliegt, und unter diese selbst, wie die spezifische Schwere, tritt; die Menge der Eigenschaften zusammen macht dann die andre Seite zu dieser aus. An ihr aber, wie an den andern ist _die Zahl_ die einzige Bestimmtheit, welche eine Beziehung und Uebergang dieser Eigenschaften zueinander nicht nur nicht ausdrueckt, sondern eben wesentlich dies ist, keine notwendige Beziehung zu haben, sondern die Vertilgung aller Gesetzmaessigkeit darzustellen, denn sie ist der Ausdruck der Bestimmtheit als einer _unwesentlichen_. So dass also eine Reihe von Koerpern, welche den Unterschied als Zahlenunterschied ihrer spezifischen Schweren ausdrueckt, durchaus nicht einer Reihe des Unterschieds der andern Eigenschaften parallel geht, wenn auch, um die Sache zu erleichtern, von ihnen nur eine einzelne oder etliche genommen werden. Denn in der Tat koennte es nur das ganze Konvolut derselben sein, was in dieser Parallele die andere Seite auszumachen haette. Dieses in sich zu ordnen und zu einem Ganzen zu verbinden, sind die Groessenbestimmtheiten dieser vielerlei Eigenschaften fuer die Beobachtung einerseits vorhanden, andererseits aber treten ihre Unterschiede als qualitativ ein. Was nun in diesem Haufen als positiv oder negativ bezeichnet werden muesste und sich gegenseitig aufhoebe, ueberhaupt die innre Figuration und Exposition der Formel, die sehr zusammengesetzt sein wuerde, gehoerte dem Begriffe an, welcher eben in der Weise, wie die Eigenschaften als _seiende_ daliegen und aufgenommen werden sollen, ausgeschlossen ist; in diesem Sein zeigt keine den Charakter eines Negativen gegen die andere, sondern die eine _ist_ so gut als die andere, noch deutet sie sonst ihre Stelle in der Anordnung des Ganzen an.--Bei einer Reihe, die in parallelen Unterschieden fortlaeuft--das Verhaeltnis moechte als auf beiden Seiten zugleich steigend, oder nur auf der einen und auf der andern abnehmend gemeint werden--, ist es nur um den _letzten_ einfachen Ausdruck dieses zusammengefassten Ganzen zu tun, welches die eine Seite des Gesetzes gegen die spezifische Schwere ausmachen sollte; aber diese eine Seite, als _seiendes Resultat_, ist eben nichts anders, als was schon erwaehnt worden, naemlich einzelne Eigenschaft, wie etwa auch die gemeine Kohaesion, neben welcher die andern, und darunter auch die spezifische Schwere, gleichgueltig vorhanden sind, und jede andre mit dem gleichen Rechte, d.h. mit dem gleichen Unrechte zum Repraesentanten der ganzen andern Seite gewaehlt werden kann; eine wie die andre wurde das Wesen nur repraesentieren, auf deutsch: _vorstellen_, aber nicht die Sache selbst sein. So dass der Versuch, Koerper-Reihen zu finden, welche an der einfachen Parallele zweier Seiten fortliefen, und die wesentliche Natur der Koerper nach einem Gesetze dieser Seiten ausdrueckten, fuer einen Gedanken genommen werden muss, welcher seine Aufgabe und die Mittel, wodurch sie ausgefuehrt werden sollte, nicht kennt. Es wurde vorhin die Beziehung des Aeussern und Innern an der Gestalt, welche der Beobachtung sich darstellen soll, sogleich zu der Sphaere des Unorganischen heruebergenommen; die Bestimmung, welche sie hieher zieht, kann itzt naeher angegeben werden, und es ergibt sich von da noch eine andere Form und Beziehung dieses Verhaeltnisses. Bei dem Organischen naemlich faellt ueberhaupt das hinweg, was bei dem Unorganischen die Moeglichkeit einer solchen Vergleichung des Innern und Aeussern darzubieten scheint. Das unorganische Innere ist ein einfaches Inneres, das fuer die Wahrnehmung als _seiende_ Eigenschaft sich darbietet; seine Bestimmtheit ist daher wesentlich die Groesse, und es erscheint als seiende Eigenschaft gleichgueltig gegen das Aeussere oder die vielen andern sinnlichen Eigenschaften. Das Fuer-sich-sein des Organisch-Lebendigen aber tritt nicht so auf die Seite gegen sein Aeusseres, sondern hat das Prinzip des _Andersseins_ an ihm selbst. Bestimmen wir das Fuer-sich-sein als _einfache sich erhaltende Beziehung auf sich selbst_, so ist sein Anderssein die einfache _Negativitaet_, und die organische Einheit ist die Einheit des sichselbstgleichen Sich-auf-sich-beziehens und der reinen Negativitaet. Diese Einheit ist als Einheit das Innere des Organischen; dies ist hiedurch an sich allgemein, oder es ist _Gattung_. Die Freiheit der Gattung gegen ihre Wirklichkeit aber ist eine andere als die Freiheit der spezifischen _Schwere_ gegen die Gestalt. Die der letztern ist eine _seiende_ Freiheit, oder dass sie als besondere Eigenschaft auf die Seite tritt. Aber weil sie _seiende_ Freiheit ist, ist sie auch nur _Eine Bestimmtheit_, welche dieser Gestalt _wesentlich_ angehoert, oder wodurch diese _als Wesen_ ein bestimmtes ist. Die Freiheit der Gattung aber ist eine allgemeine, und gleichgueltig gegen diese Gestalt oder gegen ihre Wirklichkeit. Die _Bestimmtheit_, welche dem _Fuer-sich-sein_ des Unorganischen _als solchem_ zukommt, tritt daher an dem Organischen _unter sein_ Fuer-sich-sein; wie sie an dem Unorganischen nur unter das _Sein_ desselben tritt; ob sie daher schon an diesem zugleich nur als _Eigenschaft_ ist, so faellt ihr doch die Wuerde des _Wesens_ zu, weil sie als das einfache Negative dem Dasein als dem Sein fuer anderes gegenuebersteht; und dies einfache Negative ist in seiner letzten einzelnen Bestimmtheit eine Zahl. Das Organische aber ist eine Einzelnheit, welche selbst reine Negativitaet und daher die fixe Bestimmtheit der Zahl, welche dem _gleichgueltigen Sein_ zukommt, in sich vertilgt. Insofern es das Moment des gleichgueltigen Seins und darin der Zahl an ihm hat, kann sie daher nur als ein Spiel an ihm, nicht aber als das Wesen seiner Lebendigkeit genommen werden. Wenn nun aber schon die reine Negativitaet, das Prinzip des Prozesses, nicht ausser dem Organischen faellt, und es sie also nicht als eine Bestimmtheit in seinem _Wesen_ hat, sondern die Einzelnheit selbst an sich allgemein ist, so ist doch diese reine Einzelnheit nicht in ihren Momenten als selbst _abstrakten_ oder _allgemeinen_ an ihm entwickelt und wirklich. Sondern dieser Ausdruck tritt ausser jener Allgemeinheit, welche in die _Innerlichkeit_ zurueckfaellt, und zwischen die Wirklichkeit oder Gestalt, d.h. die sich entwickelnde Einzelnheit und zwischen das organische Allgemeine, oder die Gattung, das _bestimmte_ Allgemeine, die _Art_. Die Existenz, zu welcher die Negativitaet des Allgemeinen oder der Gattung gelangt, ist nur die entwickelte Bewegung eines Prozesses, welcher sich an _den Teilen der seienden Gestalt_ verlaeuft. Haette die Gattung an ihr als ruhender Einfachheit die unterschiedenen Teile, und waere somit ihre _einfache Negativitaet_ als solche zugleich Bewegung, welche sich durch ebenso einfache, unmittelbar an ihnen allgemeine Teile verliefe, die als solche Momente hier wirklich waeren, so waere die organische Gattung Bewusstsein. So aber ist die _einfache Bestimmtheit_, als Bestimmtheit der Art, an ihr auf eine geistlose Weise vorhanden; die Wirklichkeit faengt von ihr an, oder was in die Wirklichkeit tritt, ist nicht die Gattung als solche, d.h. ueberhaupt nicht der Gedanke. Diese als wirkliches Organisches ist nur durch einen Repraesentanten vertreten. Dieser aber, die Zahl, welche den Uebergang aus der Gattung in die individuelle Gestaltung zu bezeichnen und der Beobachtung die beiden Seiten der Notwendigkeit, einmal als einfache Bestimmtheit, das anderemal sie als entwickelte zur Mannigfaltigkeit herausgeborne Gestalt zu geben scheint, bezeichnet vielmehr die Gleichgueltigkeit und Freiheit des Allgemeinen und Einzelnen gegeneinander, das von der Gattung dem wesenlosen Unterschiede der Groesse preisgegeben wird, selbst aber als Lebendiges von diesem Unterschiede sich ebenso frei erweist. Die wahre Allgemeinheit, wie sie bestimmt worden, ist hier nur _innres Wesen_; als _Bestimmtheit der_ Art ist sie formale Allgemeinheit, und dieser gegenueber tritt jene wahre Allgemeinheit auf die Seite der Einzelnheit, die dadurch eine lebendige ist, und sich durch ihr _Inneres ueber ihre Bestimmtheit als Art_ hinwegsetzt. Aber diese Einzelnheit ist nicht zugleich allgemeines Individuum, d.h. an dem die Allgemeinheit ebenso aeussere Wirklichkeit haette, sondern dies faellt ausser dem Organisch-Lebendigen. Dieses _allgemeine_ Individuum aber, wie es _unmittelbar_ das Individuum der natuerlichen Gestaltungen ist, ist nicht das Bewusstsein selbst; sein Dasein als _*einzelnes* organisches lebendiges Individuum_ muesste nicht ausser ihm fallen, wenn es dieses sein sollte. Wir sehen daher einen Schluss, worin das eine Extrem das _allgemeine Leben als allgemeines_ oder als Gattung, das andre Extrem aber _dasselbe als Einzelnes_ oder als allgemeines Individuum ist; die Mitte aber ist aus beiden zusammengesetzt, das erste scheint in sie sich als _bestimmte_ Allgemeinheit oder als _Art_, das andre aber als _eigentliche_ oder einzelne _Einzelnheit_ zu schicken.--Und da dieser Schluss ueberhaupt der Seite der _Gestaltung_ angehoert, so ist unter ihm ebenso dasjenige begriffen, was als unorganische Natur unterschieden wird. Indem nun das allgemeine Leben als _das einfache Wesen der Gattung_ von seiner Seite die Unterschiede des Begriffs entwickelt, und sie als eine Reihe der einfachen Bestimmtheiten darstellen muss, so ist diese ein System gleichgueltig gesetzter Unterschiede, oder _eine Zahlreihe_. Wenn vorhin das Organische in der Form der Einzelnheit diesem wesenlosen Unterschiede gegenuebergesetzt wurde, der ihre lebendige Natur nicht ausdrueckt und enthaelt--und wenn in Ansehung des Unorganischen nach seinem ganzen in der Menge seiner Eigenschaften entwickelten Dasein ebendies gesagt werden muss--, so ist es itzt das allgemeine Individuum, welches nicht nur als frei von jeder Gliederung der Gattung, sondern auch als ihre Macht zu betrachten ist. Die Gattung, welche sich in Arten nach der _allgemeinen Bestimmtheit_ der Zahl zerlegt, oder auch einzelne Bestimmtheiten ihres Daseins, z. B. die Figur, Farbe u.s.f. zu ihrem Einteilungsgrunde nehmen mag, erleidet in diesem ruhigen Geschaefte Gewalt von der Seite des allgemeinen Individuums, _der Erde_, welches als die allgemeine Negativitaet, die Unterschiede, wie sie dieselben an sich hat und deren Natur um der Substanz willen, der sie angehoeren, eine andere ist als die Natur jener, gegen das Systematisieren der Gattung geltend macht. Dieses Tun der Gattung wird zu einem ganz eingeschraenkten Geschaefte, das sie nur innerhalb jener maechtigen Elemente treiben darf, und das durch die zuegellose Gewalt derselben allenthalben unterbrochen, lueckenhaft und verkuemmert wird. Es folgt hieraus, dass der Beobachtung an dem gestalteten Dasein nur die Vernunft _als Leben ueberhaupt_ werden kann, welches aber in seinem Unterscheiden keine vernuenftige Reihung und Gegliederung an sich selbst wirklich hat, und nicht ein in sich gegruendetes System der Gestalten ist.--Wenn im Schlusse der organischen Gestaltung die Mitte, worein die Art und ihre Wirklichkeit als einzelne Individualitaet faellt, an ihr selbst die Extreme der innern Allgemeinheit und der allgemeinen Individualitaet haette, so wuerde diese Mitte an _der Bewegung_ ihrer Wirklichkeit den Ausdruck und die Natur der Allgemeinheit haben, und die sich selbst systematisierende Entwicklung sein. So hat das _Bewusstsein_, zwischen dem allgemeinen Geiste und zwischen seiner Einzelnheit oder dem sinnlichen Bewusstsein, zur Mitte das System der Gestaltungen des Bewusstseins, als ein zum Ganzen sich ordnendes Leben des Geistes--das System, das hier betrachtet wird, und welches als Weltgeschichte sein gegenstaendliches Dasein hat. Aber die organische Natur hat keine Geschichte; sie faellt von ihrem Allgemeinen, dem Leben, unmittelbar in die Einzelnheit des Daseins herunter, und die in dieser Wirklichkeit vereinigten Momente der einfachen Bestimmtheit und der einzelnen Lebendigkeit bringen das Werden nur als die zufaellige Bewegung hervor, worin jedes an seinem Teile taetig ist und das Ganze erhalten wird, aber diese Regsamkeit ist _fuer sich_ selbst nur auf ihren Punkt beschraenkt, weil das Ganze nicht in ihm vorhanden ist, und dies ist nicht darin vorhanden, weil es nicht als Ganzes hier _fuer sich_ ist. Ausserdem also, dass die beobachtende Vernunft in der organischen Natur nur zur Anschauung ihrer selbst als allgemeines Leben ueberhaupt kommt, wird ihr die Anschauung seiner Entwicklung und Realisierung nur nach ganz allgemein unterschiedenen Systemen, deren Bestimmung, ihr Wesen nicht in dem Organischen als solchem, sondern in dem allgemeinen Individuum liegt; und _unter_ diesen Unterschieden der Erde nach Reihungen, welche die Gattung versucht. Indem also in seiner Wirklichkeit die _Allgemeinheit des organischen Lebens_ sich, ohne die wahrhafte fuersichseiende Vermittlung, unmittelbar in das Extrem _der Einzelnheit_ herunterfallen laesst, so hat das beobachtende Bewusstsein nur das _Meinen_ als Ding vor sich; und wenn die Vernunft das muessige Interesse haben kann, dieses Meinen zu beobachten, ist sie auf das Beschreiben und Hererzaehlen von Meinungen und Einfaellen der Natur beschraenkt. Diese geistlose Freiheit des Meinens wird zwar allenthalben Anfaenge von Gesetzen, Spuren von Notwendigkeit, Anspielungen auf Ordnung und Reihung, witzige und scheinbare Beziehungen darbieten. Aber die Beobachtung kommt in der Beziehung des Organischen auf die seienden Unterschiede des Unorganischen, die Elemente, Zonen und Klimate, in Ansehung des Gesetzes und der Notwendigkeit nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinaus. So auf der andern Seite, wo die Individualitaet nicht die Bedeutung der Erde, sondern des dem organischen Leben _immanenten Eins_ hat, dies aber mit dem Allgemeinen in unmittelbarer Einheit zwar die Gattung ausmacht, aber deren einfache Einheit ebendarum nur als Zahl sich bestimmt, und daher die qualitative Erscheinung freilaesst,--kann es die Beobachtung nicht ueber _artige Bemerkungen, interessante Beziehungen, freundliches Entgegenkommen dem Begriffe_ hinausbringen. Aber die artigen _Bemerkungen_ sind kein _Wissen der Notwendigkeit_, die _interessanten Beziehungen_ bleiben bei dem _Interesse_ stehen, das Interesse ist aber nur noch die Meinung von der Vernunft; und die _Freundlichkeit_ des Individuellen, mit der es an einen Begriff anspielt, ist eine kindliche Freundlichkeit, welche kindisch ist, wenn sie an und fuer sich etwas gelten will oder soll. b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseinsin seiner Reinheit und seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit;logische und psychologische Gesetze Die Naturbeobachtung findet den Begriff in der unorganischen Natur realisiert. Gesetze, deren Momente Dinge sind, welche sich zugleich als Abstraktionen verhalten; aber dieser Begriff ist nicht eine in sich reflektierte Einfachheit. Das Leben der organischen Natur ist dagegen nur diese in sich reflektierte Einfachheit, der Gegensatz seiner selbst, als des Allgemeinen und des Einzelnen, tritt nicht im Wesen dieses Lebens selbst auseinander; das Wesen ist nicht die Gattung, welche in ihrem unterschiedslosen Elemente sich trennte und bewegte, und in ihrer Entgegensetzung fuer sich selbst zugleich ununterschieden waere. Die Beobachtung findet diesen freien Begriff, dessen Allgemeinheit die entwickelte Einzelnheit ebenso absolut in ihr selbst hat, nur in dem als Begriff existierenden Begriffe selbst, oder in dem Selbstbewusstsein. Indem sie sich nun in sich selbst kehrt, und auf den als freien Begriff wirklichen Begriff richtet, findet sie zuerst die _Gesetze des Denkens_. Diese Einzelnheit, welche das Denken an ihm selbst ist, ist die abstrakte, ganz in die Einfachheit zurueckgenommene Bewegung des Negativen, und die Gesetze sind ausserhalb der Realitaet.--Sie haben keine _Realitaet_, heisst ueberhaupt nichts anders, als sie sind ohne Wahrheit. Sie sollen auch zwar nicht _ganze_, aber doch _formelle_ Wahrheit sein. Allein das rein Formelle ohne Realitaet ist das Gedankending, oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an ihr, welche nichts anders als der Inhalt waere.--Auf der andern Seite aber, indem sie Gesetze des reinen Denkens sind, dieses aber das an sich Allgemeine, und also ein Wissen ist, welches unmittelbar das Sein und darin alle Realitaet an ihm hat, sind diese Gesetze absolute Begriffe und ungetrennt die Wesenheiten der Form wie der Dinge. Da die sich in sich bewegende Allgemeinheit der _entzweite_ einfache Begriff ist, hat er auf diese Weise _Inhalt_ an sich, und einen solchen, welcher aller Inhalt, nur nicht ein sinnliches Sein ist. Es ist ein Inhalt, der weder im Widerspruche mit der Form noch ueberhaupt von ihr getrennt, sondern vielmehr wesentlich sie selbst ist, denn diese ist nichts anderes als das in seine reinen Momente sich trennende Allgemeine. Wie aber diese Form oder Inhalt _fuer die Beobachtung_ als Beobachtung ist, erhaelt sie die Bestimmung eines _gefundenen_, gegebenen, d.i. _nur seienden_ Inhalts. Er wird _ruhiges Sein_ von Beziehungen, eine Menge abgesonderter Notwendigkeiten, die als ein _fester_ Inhalt an und fuer sich, _in ihrer Bestimmtheit_, Wahrheit haben sollen, und so in der Tat der Form entzogen sind.--Diese absolute Wahrheit fixer Bestimmtheiten oder vieler verschiedener Gesetze widerspricht aber der Einheit des Selbstbewusstseins, oder des Denkens und der Form ueberhaupt. Was fuer festes an sich bleibendes Gesetz ausgesagt wird, kann nur ein Moment der sich in sich reflektierenden Einheit sein, nur als eine verschwindende Groesse auftreten. Aus diesem Zusammenhange der Bewegung aber von der Betrachtung herausgerissen und einzeln hingestellt, fehlt ihnen nicht der Inhalt, denn sie haben vielmehr einen bestimmten Inhalt, sondern sie entbehren vielmehr der Form, welche ihr Wesen ist. In der Tat nicht darum, weil sie nur formell sein und keinen Inhalt haben sollen, sondern vielmehr aus dem entgegengesetzten Grunde, weil sie in ihrer Bestimmtheit, oder eben _als ein Inhalt_, dem die Form genommen ist, fuer etwas Absolutes gelten sollen, sind diese Gesetze nicht die Wahrheit des Denkens. In ihrer Wahrheit, als in der Einheit des Denkens verschwindende Momente, muessten sie als Wissen, oder denkende Bewegung, nicht aber als _Gesetze_ des Wissens genommen werden. Das Beobachten aber ist nicht das Wissen selbst, und kennt es nicht, sondern verkehrt seine Natur in die Gestalt des _Seins_, d.h. fasst seine Negativitaet nur als _Gesetze_ desselben auf.--Es ist hier hinreichend, die Ungueltigkeit der sogenannten Denkgesetze aus der allgemeinen Natur der Sache aufgezeigt zu haben. Die naehere Entwicklung gehoert in die spekulative Philosophie, worin sie sich als dasjenige zeigen, was sie in Wahrheit sind, naemlich einzelne verschwindende Momente, deren Wahrheit nur das Ganze der denkenden Bewegung, das Wissen selbst ist. Diese negative Einheit des Denkens ist fuer sich selbst, oder vielmehr sie ist das _Fuer-sich-selbst-sein_, das Prinzip der Individualitaet, und in seiner Realitaet _tuendes Bewusstsein_. Zu ihm als der Realitaet jener Gesetze wird daher das beobachtende Bewusstsein durch die Natur der Sache fortgefuehrt. Indem dieser Zusammenhang nicht fuer es ist, so meint es, das Denken in seinen Gesetzen bleibe ihm auf der einen Seite stehen, und auf der andern Seite erhalte es ein anderes Sein an dem, was ihm itzt Gegenstand ist, naemlich das tuende Bewusstsein, welches so fuer sich ist, dass es das Anderssein aufhebt, und in dieser Anschauung seiner selbst als des Negativen seine Wirklichkeit hat. Es eroeffnet sich also fuer die _Beobachtung_ ein _neues Feld_ an der _handelnden Wirklichkeit des Bewusstseins_. Die Psychologie enthaelt die Menge von Gesetzen, nach welchen der Geist gegen die verschiedenen Weisen seiner Wirklichkeit, als eines _vorgefundenen Andersseins_, sich verschieden verhaelt; teils diese in sich zu empfangen, und den vorgefundenen Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart, als worin er sich als Wirklichkeit Gegenstand ist, _gemaess zu werden_, --teils gegen sie sich selbsttaetig zu wissen, mit Neigung und Leidenschaft nur Besonderes daraus fuer sich herauszugreifen, und das Gegenstaendliche _sich gemaess zu machen_; dort sich gegen sich selbst als Einzelnheit, hier gegen sich als allgemeines Sein negativ zu verhalten.--Die Selbststaendigkeit gibt dem Vorgefundenen nach der ersten Seite nur die _Form_ bewusster Individualitaet ueberhaupt, und bleibt in Ansehung des Inhalts innerhalb der vorgefundenen allgemeinen Wirklichkeit stehen; nach der andern Seite aber gibt sie ihr wenigstens eine eigentuemliche Modifikation, die ihrem wesentlichen Inhalte nicht widerspricht, oder auch eine solche, wodurch das Individuum als besondere Wirklichkeit und eigentuemlicher Inhalt sich ihr entgegensetzt--und zum Verbrechen wird, indem es sie auf eine nur einzelne Weise aufhebt, oder indem es dies auf eine allgemeine Weise und damit fuer alle tut, eine andere Welt, anderes Recht, Gesetz und Sitten an die Stelle der vorhandenen bringt. Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmungen von den _allgemeinen Weisen_, die ihr an dem taetigen Bewusstsein vorkommen, ausspricht, findet mancherlei Vermoegen, Neigungen und Leidenschaften, und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewusstseins bei der Hererzaehlung dieser Kollektion nicht unterdruecken laesst, muss sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, dass in dem Geiste, wie in einem Sacke, so vielerlei und solche heterogene einander zufaellige Dinge beisammen sein koennen, besonders auch da sie sich nicht als tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegungen zeigen. In der Hererzaehlung dieser verschiedenen Vermoegen ist die Beobachtung in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Faehigkeiten ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die _wirkliche_ Individualitaet.--Die unterschiednen wirklichen Individualitaeten wieder so aufzufassen und zu erzaehlen, dass der eine Mensch mehr Neigung zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als selbst die Arten von Insekten, Moosen, und so fort, aufzuzaehlen; denn diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos zu nehmen, weil sie wesentlich dem Elemente der zufaelligen Vereinzelung angehoeren. Die bewusste Individualitaet hingegen geistlos als _einzelne_ seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende, dass ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist. Indem aber das Auffassen sie zugleich in die Form der Allgemeinheit eintreten laesst, findet es _ihr Gesetz_, und scheint itzt einen vernuenftigen Zweck zu haben, und ein notwendiges Geschaefte zu treiben. Die Momente, die den Inhalt des Gesetzes ausmachen, sind einerseits die Individualitaet selbst, anderseits ihre allgemeine unorganische Natur, naemlich die vorgefundenen Umstaende, Lage, Gewohnheiten, Sitten, Religion, und so weiter; aus diesen ist die bestimmte Individualitaet zu begreifen. Sie enthalten Bestimmtes ebensowohl als Allgemeines, und sind zugleich _Vorhandenes_, das sich der Beobachtung darbietet, und sich an der andern Seite in der Form der Individualitaet ausdrueckt. Das Gesetz dieses Verhaeltnisses der beiden Seiten muesste nun dies enthalten, was diese bestimmten Umstaende fuer eine Wirkung und Einfluss auf die Individualitaet ausueben. Diese Individualitaet aber ist gerade dies, _ebensowohl_ das _Allgemeine_ zu sein, und daher auf eine ruhige unmittelbare Weise mit dem _vorhandenen_ Allgemeinen, den Sitten, Gewohnheiten u.s.f. zusammenzufliessen und ihnen gemaess zu werden, _als_ sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten, und sie vielmehr zu verkehren,--sowie gegen sie in ihrer Einzelnheit ganz gleichgueltig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu lassen, und nicht gegen sie taetig zu sein. _Was_ auf die Individualitaet Einfluss und _welchen_ Einfluss es haben soll--was eigentlich gleichbedeutend ist--, haengt darum nur von der Individualitaet selbst ab; _dadurch_ ist diese Individualitaet _diese bestimmte geworden_, heisst nichts anders, als _sie ist dies schon gewesen_. Umstaende, Lage, Sitten und so fort, welche einerseits gezeigt werden als _vorhanden_, und anderseits _in dieser bestimmten Individualitaet_, druecken nur das unbestimmte Wesen derselben aus, um welches es nicht zu tun ist. Wenn diese Umstaende, Denkungsart, Sitten, Weltzustand ueberhaupt nicht gewesen waere, so waere allerdings das Individuum nicht geworden, was es ist; denn diese allgemeine Substanz sind alle, welche in diesem Weltzustande sich befinden.--Wie er sich aber in _diesem_ Individuum--und ein solches soll begriffen werden--partikularisiert hat, so muesste er sich an und fuer sich selbst partikularisiert, und in dieser Bestimmtheit, welche er sich gegeben, auf ein Individuum eingewirkt haben; nur so haette er es zu diesem bestimmten gemacht, das es ist. Wenn das Aeussere sich an und fuer sich so beschaffen hat, wie es an der Individualitaet erscheint, waere diese aus jenem begriffen. Wir haetten eine gedoppelte Galerie von Bildern, deren eine der Widerschein der andern waere; die eine die Galerie der voelligen Bestimmtheit und Umgrenzung aeusserer Umstaende, die andere dieselbe uebersetzt in die Weise, wie Sie in dem bewussten Wesen sind; jene die Kugelflaeche, dieses der Mittelpunkt, welcher sie in sich vorstellt. Aber die Kugelflaeche, die Welt des Individuums, hat unmittelbar die zweideutige Bedeutung, _an und fuer sich seiende Welt_ und _Lage, und Welt des Individuums entweder_ insofern zu sein, als dieses mit ihr nur zusammengeflossen waere, sie so, wie sie ist, in sich hineingehen lassen, und gegen sie sich nur als formelles Bewusstsein verhalten haette;--_oder_ aber Welt des Individuums so zu sein, wie das Vorhandene von ihm _verkehrt_ worden ist.--Da um dieser Freiheit willen die Wirklichkeit dieser gedoppelten Bedeutung faehig ist, so ist die Welt des Individuums nur aus diesem selbst zu begreifen, und der _Einfluss_ der Wirklichkeit, welche als an und fuer sich _seiend_ vorgestellt wird, auf das Individuum erhaelt durch dieses absolut den entgegengesetzten Sinn, dass es entweder den Strom der einfliessenden Wirklichkeit an ihm _gewaehren_ laesst, oder dass es ihn abbricht und verkehrt. Hiedurch aber wird die _psychologische Notwendigkeit_ ein so leeres Wort, dass von dem, was diesen Einfluss soll gehabt haben, die absolute Moeglichkeit vorhanden ist, dass es ihn auch haette nicht haben koennen. Es faellt hiemit das _Sein_ hinweg, welches _an und fuer sich_ waere, und die eine, und zwar die allgemeine Seite eines Gesetzes ausmachen sollte. Die Individualitaet ist, was _ihre_ Welt als die _ihrige_ ist; sie selbst ist der Kreis ihres Tuns, worin sie sich als Wirklichkeit dargestellt hat, und schlechthin nur Einheit des _vorhandenen_ und des _gemachten Seins_; eine Einheit, deren Seiten nicht, wie in der Vorstellung des psychologischen Gesetzes als _an sich_ vorhandne Welt und als _fuer sich_ seiende Individualitaet auseinanderfallen; oder wenn sie so jede fuer sich betrachtet wird, so ist keine Notwendigkeit und Gesetz ihrer Beziehung fuereinander vorhanden. c. Beobachtungder Beziehung des Selbstbewusstseinsauf seine unmittelbare Wirklichkeit;Physiognomik und Schaedellehre Die psychologische Beobachtung findet kein Gesetz des Verhaeltnisses des Selbstbewusstseins zu der Wirklichkeit oder der ihm entgegengesetzten Welt, und ist durch die Gleichgueltigkeit beider gegeneinander auf die _eigentuemliche Bestimmtheit_ der realen Individualitaet zurueckgetrieben, welche _an_ und _fuer sich_ selbst ist, oder den Gegensatz des _Fuer-sich_-seins und des _An-sich_-seins in ihrer absoluten Vermittlung getilgt enthaelt. Sie ist der Gegenstand, der itzt der Beobachtung geworden, oder zu dem sie uebergeht. Das Individuum ist an und fuer sich selbst: es ist _fuer sich_ oder es ist ein freies Tun; es ist aber auch _an sich_; oder es selbst hat ein _urspruengliches_ bestimmtes _Sein_--eine Bestimmtheit, welche dem Begriffe nach dasselbe ist, was die Psychologie ausser ihm finden wollte. _An ihm selbst_ tritt also der Gegensatz hervor, dies Gedoppelte, Bewegung des Bewusstseins und das feste Sein einer erscheinenden Wirklichkeit zu sein, einer solchen, welche an ihm unmittelbar _die seinige_ ist. Dies _Sein_, der _Leib_ der bestimmten Individualitaet, ist die _Urspruenglichkeit_ derselben, ihr Nicht-getan-haben. Aber indem das Individuum zugleich nur ist, was es getan hat, so ist sein Leib auch der von ihm _hervorgebrachte_ Ausdruck seiner selbst; zugleich ein _Zeichen_, welches nicht unmittelbare Sache geblieben, sondern woran es nur zu erkennen gibt, was es in dem Sinne _ist_, dass es seine urspruengliche Natur ins Werk richtet. Betrachten wir die hier vorhandenen Momente in Beziehung auf die vorhergehende Ansicht, so ist hier eine allgemeine menschliche Gestalt, oder wenigstens die allgemeine eines Klimas, Weltteils, eines Volks, wie vorhin dieselben allgemeinen Sitten und Bildung. Hiezu kommen die besondern Umstaende und Lage innerhalb der allgemeinen Wirklichkeit; hier ist diese besondere Wirklichkeit als besondere Formation der Gestalt des Individuums.--Auf der andern Seite, wie vorhin das freie Tun des Individuums und die Wirklichkeit als die _seinige_ gegen die vorhandne gesetzt war, steht hier die Gestalt, als Ausdruck _seiner_ durch es selbst gesetzten Verwirklichung, die Zuege und Formen seines selbsttaetigen Wesens. Aber die sowohl allgemeine als besondere Wirklichkeit, welche die Beobachtung vorhin ausser dem Individuum vorfand, ist hier die Wirklichkeit desselben, sein angeborner Leib, und in eben diesen faellt der Ausdruck, der seinem Tun angehoert. In der psychologischen Betrachtung sollte die an und fuer sich seiende Wirklichkeit und die bestimmte Individualitaet aufeinander bezogen werden; hier aber ist die _ganze_ bestimmte _Individualitaet_ Gegenstand der Beobachtung; und jede Seite seines Gegensatzes ist selbst dies Ganze. Zu dem aeussern Ganzen gehoert also nicht nur das _urspruengliche Sein_, der angeborne Leib, sondern ebenso die Formation desselben, die der Taetigkeit des Innern angehoert; er ist Einheit des ungebildeten und des gebildeten Seins, und die von dem Fuer-sich-sein durchdrungne Wirklichkeit des Individuums. Dieses Ganze, welches die bestimmten urspruenglichen festen Teile und die Zuege, die allein durch das Tun entstehen, in sich fasst, _ist_, und dies _Sein_ ist _Ausdruck_ des Innern, des als Bewusstsein und Bewegung gesetzten Individuums.--Dies _Innre_ ist ebenso nicht mehr die formelle, inhaltlose oder unbestimmte Selbsttaetigkeit, deren Inhalt und Bestimmtheit, wie vorhin, in den aeussern Umstaenden laege, sondern es ist ein an sich bestimmter urspruenglicher Charakter, dessen Form nur die Taetigkeit ist. Zwischen diesen beiden Seiten also wird hier das Verhaeltnis betrachtet, wie es zu bestimmen, und was unter diesem _Ausdrucke_ des Innern im Aeussern zu verstehen ist. Dies Aeussere macht zuerst nur als _Organ_ das Innere sichtbar oder ueberhaupt zu einem Sein fuer Anderes; denn das Innere, insofern es in dem Organe ist, ist es die _Taetigkeit_ selbst. Der sprechende Mund, die arbeitende Hand, wenn man will auch noch die Beine dazu, sind die verwirklichenden und vollbringenden Organe, welche das Tun _als Tun_, oder das Innre als solches an ihnen haben; die Aeusserlichkeit aber, welche es durch sie gewinnt, ist die Tat, als eine von dem Individuum abgetrennte Wirklichkeit. Sprache und Arbeit sind Aeusserungen, worin das Individuum nicht mehr an ihm selbst sich behaelt und besitzt, sondern das Innre ganz ausser sich kommen laesst, und dasselbe Anderem preisgibt. Man kann darum ebensosehr sagen, dass diese Aeusserungen das Innere zu sehr, als dass sie es zu wenig ausdruecken; _zu sehr_--weil das Innere selbst in ihnen ausbricht, bleibt kein Gegensatz zwischen ihnen und diesem; sie geben nicht nur einen _Ausdruck_ des Innern, sondern es selbst unmittelbar; _zu wenig_--weil das Innere in Sprache und Handlung sich zu einem Andern macht, so gibt es sich damit dem Elemente der Verwandlung preis, welches das gesprochene Wort und die vollbrachte Tat verkehrt, und etwas anders daraus macht, als sie an und fuer sich als Handlungen dieses bestimmten Individuums sind. Nicht nur verlieren die Werke der Handlungen durch diese Aeusserlichkeit von dem Einwirken anderer den Charakter, etwas Bleibendes gegen andere Individualitaeten zu sein; sondern indem sie sich zum Innern, das sie enthalten, als abgesondertes, gleichgueltiges Aeusseres verhalten, koennen sie als Innres _durch das Individuum_ selbst ein anders sein, als sie erscheinen,--entweder dass es sie mit Absicht fuer die Erscheinung zu etwas anderem macht, als sie in Wahrheit sind, oder dass es zu ungeschickt ist, sich die Aussenseite zu geben, die es eigentlich wollte, und sie so zu befestigen, dass ihm von andern sein Werk nicht verkehrt werden kann. Das Tun also, als vollbrachtes Werk, hat die doppelte entgegengesetzte Bedeutung, entweder die _innere_ Individualitaet und _nicht_ ihr _Ausdruck_, oder als Aeusseres eine von dem Innern _freie_ Wirklichkeit zu sein, welche ganz etwas anderes ist als jenes.--Um dieser Zweideutigkeit willen muessen wir uns nach dem Innern umsehen, wie es _noch_, aber sichtbar oder aeusserlich _an dem Individuum selbst ist_. Im Organe aber ist es nur als unmittelbares Tun selbst, das seine Aeusserlichkeit an der Tat erlangt, die entweder das Innre vorstellt oder auch nicht. Das Organ nach diesem Gegensatze betrachtet gewaehrt also nicht den Ausdruck, der gesucht wird. Wenn nun die aeussere Gestalt nur, insofern sie nicht Organ oder nicht _Tun_, hiemit als _ruhendes_ Ganzes ist, die innre Individualitaet ausdruecken koennte, so verhielte sie sich also als ein bestehendes Ding, welches das Innre als ein Fremdes in sein passives Dasein ruhig empfinge, und hiedurch das _Zeichen_ desselben wuerde,--ein aeusserer, zufaelliger Ausdruck, dessen _wirkliche_ Seite fuer sich bedeutungslos, eine Sprache, deren Toene und Tonverbindungen nicht die Sache selbst, sondern durch die freie Willkuer mit ihr verknuepft und zufaellig fuer sie sind. Eine solche willkuerliche Verbindung von solchen, die ein Aeusseres fuereinander sind, gibt kein Gesetz. Die Physiognomik soll sich aber von andern schlechten Kuensten und heillosen Studien dadurch unterscheiden, dass sie die bestimmte Individualitaet in dem _notwendigen_ Gegensatze eines Innern und Aeussern, des Charakters als bewussten Wesens und ebendesselben als seiender Gestalt betrachtet, und diese Momente so aufeinander bezieht, wie sie durch ihren Begriff aufeinander bezogen sind, und daher den Inhalt eines Gesetzes ausmachen muessen. In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen Wissenschaften hingegen scheint nur Aeusseres auf Aeusseres, irgend etwas auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. _Diese_ Konstellation bei der Geburt, und wenn dies Aeussere naeher auf den Leib selbst gerueckt wird, _diese_ Zuege der Hand sind _aeussere_ Momente fuer das lange oder kurze Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen ueberhaupt. Als Aeusserlichkeiten verhalten sie sich gleichgueltig zueinander und haben nicht die Notwendigkeit fuereinander, welche in der Beziehung eines _Aeussern_ und _Innern_ liegen soll. Die Hand freilich scheint nicht so sehr etwas Aeusseres fuer das Schicksal zu sein, sondern vielmehr als Inneres zu ihm sich zu verhalten. Denn das Schicksal ist auch wieder nur die Erscheinung dessen, was die bestimmte Individualitaet _an sich_ als innre urspruengliche Bestimmtheit ist.--Zu wissen nun, was sie an sich ist, dazu kommt der Chiromante wie auch der Physiognomiker auf eine kuerzere Weise als zum Beispiel Solon, der erst aus und nach dem Verlaufe des ganzen Lebens dies wissen zu koennen erachtete; er betrachtete die Erscheinung, jene aber das _An-sich_. Dass aber die Hand das _An-sich_ der Individualitaet in Ansehung ihres Schicksals darstellen muss, ist leicht daraus zu sehen, dass sie naechst dem Organ der Sprache am meisten es ist, wodurch der Mensch sich zur Erscheinung und Verwirklichung bringt. Sie ist der beseelte Werkmeister seines Gluecks; man kann von ihr sagen, sie _ist_ das, was der Mensch _tut_, denn an ihr als dem taetigen Organe seines Sich-selbst-vollbringens ist er als Beseelender gegenwaertig, und indem er urspruenglich sein eignes Schicksal ist, wird sie also dies An-sich ausdruecken. Aus dieser Bestimmung, dass das _Organ_ der Taetigkeit _ebensowohl_ ein _Sein_ als das _Tun_ in ihm ist, oder dass das innre _An-sich_-sein selbst an ihm _gegenwaertig_ und ein _Sein fuer_ Andre hat, ergibt sich eine andre Ansicht desselben als die vorherige. Wenn naemlich die Organe ueberhaupt darum nicht als _Ausdruecke_ des Innern genommen werden zu koennen sich zeigten, weil in ihnen das Tun _als Tun_ gegenwaertig, das Tun _als Tat_ aber nur Aeusseres ist, und Inneres und Aeusseres auf diese Weise auseinanderfaellt und fremde gegeneinander sind oder sein koennen, so muss nach der betrachteten Bestimmung das Organ auch wieder als _Mitte_ beider genommen werden, indem eben dies, dass das Tun an ihm _gegenwaertig_ ist, zugleich eine _Aeusserlichkeit_ desselben ausmacht, und zwar eine andere, als die Tat ist, jene naemlich bleibt dem Individuum und an ihm.--Diese Mitte und Einheit des Innern und Aeussern ist nun vors erste selbst auch aeusserlich; alsdenn aber ist diese Aeusserlichkeit zugleich in das Innere aufgenommen; sie steht als _einfache_ Aeusserlichkeit der zerstreuten entgegen, welche entweder nur ein _einzelnes_ fuer die ganze Individualitaet zufaelliges Werk oder Zustand, oder aber als _ganze_ Aeusserlichkeit das in eine Vielheit von Werken und Zustaenden zersplitterte Schicksal ist. Die _einfachen Zuege der Hand_ also, ebenso _Klang_ und _Umfang_ der _Stimme_, als die individuelle Bestimmtheit der _Sprache_,--auch dieselbe wieder, wie sie durch die Hand eine festere Existenz als durch die Stimme bekommt, die _Schrift_, und zwar in ihrer Besonderheit als _Handschrift_--alles dieses ist _Ausdruck_ des Innern, so dass er als die _einfache Aeusserlichkeit_ sich wieder gegen die _vielfache Aeusserlichkeit_ des Handelns und des Schicksals, sich als _Inneres_ gegen diese verhaelt. --Wenn also zuerst die bestimmte Natur und angeborne Eigentuemlichkeit des Individuums zusammen mit dem, was sie durch die Bildung geworden, als das _Innere_, als das Wesen des Handelns und des Schicksals genommen wird, so hat es seine _Erscheinung_ und Aeusserlichkeit _zuerst_ an seinem Munde, Hand, Stimme, Handschrift, sowie an den uebrigen Organen und deren bleibenden Bestimmtheiten; und _alsdann_ erst drueckt es sich _weiter_ hinaus nach aussen an seiner Wirklichkeit in der Welt aus. Weil nun diese Mitte sich als die Aeusserung bestimmt, welche zugleich ins Innere zurueckgenommen ist, ist ihr Dasein nicht auf das unmittelbare Organ des Tuns eingeschraenkt, sie ist vielmehr die nichts vollbringende Bewegung und Form des Gesichts und der Gestaltung ueberhaupt. Diese Zuege und ihre Bewegung sind nach diesem Begriffe das zurueckgehaltne an dem Individuum bleibende Tun, und nach seiner Beziehung auf das wirkliche Tun das eigene Beaufsichtigen und Beobachten desselben, _Aeusserung_ als _Reflexion ueber_ die wirkliche Aeusserung.--Das Individuum ist zu und bei seinem aeussern Tun darum nicht stumm, weil es dabei zugleich in sich reflektiert ist, und es aeussert dies In-sich-reflektiert-sein; dies theoretische Tun oder die Sprache des Individuums mit sich selbst darueber ist auch vernehmlich fuer andere, denn sie ist selbst eine Aeusserung. An diesem Innern, welches in seiner Aeusserung Inneres bleibt, wird also das Reflektiert_sein_ des Individuums aus seiner Wirklichkeit beobachtet, und es ist zu sehen, welche Bewandtnis es mit dieser Notwendigkeit hat, die in dieser Einheit gesetzt ist.--Dies Reflektiertsein ist zuerst verschieden von der Tat selbst, und kann also etwas _anderes_ sein und fuer etwas anderes genommen werden, als sie ist; man sieht es einem am Gesicht an, ob es ihm _Ernst_ mit dem ist, was er sagt oder tut.--Umgekehrt aber ist dieses, was Ausdruck des Innern sein soll, zugleich _seiender_ Ausdruck, und faellt hiemit selbst in die Bestimmung des _Seins_ herunter, das absolut zufaellig fuer das selbstbewusste Wesen ist. Es ist daher wohl Ausdruck, aber zugleich auch nur wie ein _Zeichen_, so dass dem ausgedrueckten Inhalte die Beschaffenheit dessen, wodurch es ausgedrueckt wird, vollkommen gleichgueltig ist. Das Innere ist in dieser Erscheinung wohl _sichtbares_ Unsichtbares, aber ohne an sie geknuepft zu sein; es kann ebensowohl in einer andern Erscheinung sein, als ein anderes Inneres in derselben Erscheinung sein kann.--Lichtenberg sagt daher mit Recht: _Gesetzt, der Physiognom haschte den Menschen einmal, so kaeme es nur auf einen braven Entschluss an, sich wieder auf Jahrtausende unbegreiflich zu machen_.--Wie in dem vorhergehenden Verhaeltnisse die vorliegenden Umstaende ein Seiendes waren, woraus die Individualitaet sich das nahm, was _sie_ vermochte und wollte, entweder sich ihm ergebend oder es verkehrend, aus welchem Grunde es die Notwendigkeit und das Wesen der Individualitaet nicht enthielt,--ebenso ist hier das erscheinende unmittelbare Sein der Individualitaet ein solches, das entweder ihr Reflektiertsein aus der Wirklichkeit und ihr In-sich-sein ausdrueckt, oder das fuer sie nur ein Zeichen ist, das gleichgueltig gegen das Bezeichnete, und darum in Wahrheit nichts bezeichnet; es ist ihr ebensowohl ihr Gesicht als ihre Maske, die sie ablegen kann.--Sie durchdringt ihre Gestalt, bewegt sich, spricht in ihr; aber dies ganze Dasein tritt ebenso als ein gleichgueltiges Sein gegen den Willen und die Handlung ueber; sie tilgt an ihm die Bedeutung, die es vorhin hatte, ihr Reflektiertsein in sich oder ihr wahres Wesen an ihm zu haben, und legt es umgekehrt vielmehr in den Willen und in die Tat. Die Individualitaet _gibt dasjenige In-sich-reflektiert-sein auf_, welches in den _Zuegen_ ausgedrueckt ist, und _legt ihr Wesen_ in _das Werk_. Hierin widerspricht sie dem Verhaeltnisse, welches von dem Vernunftinstinkte, der sich auf das Beobachten der selbstbewussten Individualitaet legt, in Ansehung dessen, was ihr _Inneres_ und _Aeusseres_ sein soll, festgesetzt wird. Dieser Gesichtspunkt fuehrt uns auf den eigentlichen Gedanken, der der physiognomischen--wenn man so will--_Wissenschaft_ zum Grunde liegt. Der Gegensatz, auf welchen dies Beobachten geraten, ist der Form nach der Gegensatz von Praktischem und Theoretischem, beides naemlich innerhalb des Praktischen selbst gesetzt,--von der sich im Handeln, dies im allgemeinsten Sinne genommen, verwirklichenden Individualitaet, und derselben, wie sie in diesem Handeln zugleich daraus heraus, in sich reflektiert, und es ihr Gegenstand ist. Das Beobachten nimmt diesen Gegensatz nach demselben verkehrten Verhaeltnisse auf, worin er sich in der Erscheinung bestimmt. Fuer das _unwesentliche Aeussere_ gilt ihm die _Tat_ selbst und das Werk, es sei der Sprache oder einer befestigtem Wirklichkeit,--fuer das _wesentliche Innre_ aber das _In-sich-sein_ der Individualitaet. Unter den beiden Seiten, welche das praktische Bewusstsein an ihm hat, dem Beabsichten und der Tat--dem _Meinen_ ueber seine Handlung und der _Handlung_ selbst--, waehlt die Beobachtung jene Seite zum wahren Innern; dieses soll seine mehr oder weniger _unwesentliche_ Aeusserung an der Tat, seine wahre aber an seiner Gestalt haben. Die letztere Aeusserung ist unmittelbare sinnliche Gegenwart des individuellen Geistes; die Innerlichkeit, die die wahre sein soll, ist die Eigenheit der Absicht und die Einzelnheit des Fuer-sich-seins; beides der _gemeinte_ Geist. Was das Beobachten zu seinen Gegenstaenden hat, ist also _gemeintes_ Dasein, und zwischen solchem sucht es Gesetze auf. Das unmittelbare Meinen ueber die gemeinte Gegenwart des Geistes ist die natuerliche Physiognomik, das vorschnelle Urteil ueber die innre Natur und den Charakter ihrer Gestalt bei ihrem ersten Anblicke. Der Gegenstand dieser Meinung ist von der Art, dass es in seinem Wesen liegt, in Wahrheit etwas anderes zu sein, als nur sinnliches unmittelbares Sein. Es ist zwar auch eben dieses im Sinnlichen aus ihm In-sich-reflektiert-sein, was gegenwaertig, die Sichtbarkeit als Sichtbarkeit des Unsichtbaren, was Gegenstand des Beobachtens ist. Aber eben diese sinnliche unmittelbare Gegenwart ist _Wirklichkeit_ des Geistes, wie sie nur fuer die Meinung ist; und das Beobachten treibt sich nach dieser Seite mit seinem gemeinten Dasein, mit der Physiognomie, Handschrift, Ton der Stimme u.s.f. herum.--Es bezieht solches Dasein auf ebensolches _gemeintes Innres_. Es ist nicht der Moerder, der Dieb, welcher erkannt werden soll, sondern die _Faehigkeit, es zu sein_; die feste abstrakte Bestimmtheit verliert sich dadurch in die konkrete unendliche Bestimmtheit des _einzelnen_ Individuums, die nun kunstreichere Schildereien erfordert, als jene Qualifikationen sind. Solche kunstreichen Schildereien sagen wohl mehr als die Qualifikation durch Moerder, Diebe, oder gutherzig, unverdorben u.s.f., aber fuer ihren Zweck das gemeinte Sein oder die einzelne Individualitaet auszusprechen, bei weitem nicht genug; sowenig als die Schildereien der Gestalt, welche ueber die flache Stirne, lange Nase u.s.f. hinausgehen. Denn die einzelne Gestalt wie das einzelne Selbstbewusstsein ist als gemeintes Sein unaussprechlich. Die Wissenschaft der Menschenkenntnis, welche auf den vermeinten Menschen, sowie der Physiognomik, die auf seine vermeinte Wirklichkeit geht und das bewusstlose Urteilen der natuerlichen Physiognomik zu einem Wissen erheben will, ist daher etwas End- und Bodenloses, das nie dazu kommen kann, zu sagen, was es meint, weil es nur meint, und sein Inhalt nur Gemeintes ist. Die _Gesetze_, welche diese Wissenschaft zu finden ausgeht, sind Beziehungen dieser beiden gemeinten Seiten, und koennen daher selbst nichts als ein leeres Meinen sein. Auch da dies vermeinte Wissen, das mit der Wirklichkeit des Geistes sich zu tun macht, gerade dies zu seinem Gegenstande hat, dass er aus seinem sinnlichen Dasein heraus sich in sich reflektiert, und das bestimmte Dasein fuer ihn eine gleichgueltige Zufaelligkeit ist, so muss es bei seinen aufgefundenen Gesetzen unmittelbar wissen, dass nichts damit gesagt ist, sondern eigentlich rein geschwatzt oder nur _eine Meinung von sich_ gegeben wird; ein Ausdruck, der die Wahrheit hat, dies als dasselbe auszusprechen--seine _Meinung_ zu sagen und damit nicht die Sache, sondern nur eine Meinung _von sich_ beizubringen. Dem _Inhalte_ nach aber koennen diese Beobachtungen nicht von denen abweichen: "Es regnet allemal, wenn wir Jahrmarkt haben, sagt der Kraemer; und auch allemal, wenn ich Waesche trockne, sagt die Hausfrau." Lichtenberg, der das physiognomische Beobachten so charakterisiert, sagt auch noch dies: "Wenn jemand sagte, du handelst zwar wie ein ehrlicher Mann, ich sehe es aber aus deiner Figur, du zwingst dich, und bist ein Schelm im Herzen; fuerwahr, eine solche Anrede wird bis ans Ende der Welt von jedem braven Kerl mit einer Ohrfeige erwidert werden."--Diese Erwiderung ist deswegen _treffend_, weil sie die Widerlegung der ersten Voraussetzung einer solchen Wissenschaft des Meinens ist, dass naemlich _die Wirklichkeit_ des Menschen sein Gesicht u.s.f. sei.--Das _wahre Sein_ des Menschen ist vielmehr _seine Tat_; in ihr ist die Individualitaet _wirklich_, und sie ist es, welche das _Gemeinte_ in seinen beiden Seiten aufhebt. Einmal das Gemeinte als ein leibliches ruhendes Sein; die Individualitaet stellt sich vielmehr in der Handlung als das _negative_ Wesen dar, welches nur _ist_, insofern es Sein aufhebt. Alsdenn hebt die Tat die Unaussprechlichkeit der Meinung ebenso in Ansehung der selbstbewussten Individualitaet auf, welche in der Meinung eine unendlich bestimmte und bestimmbare ist. In der vollbrachten Tat ist diese schlechte Unendlichkeit vernichtet. Die Tat ist ein einfach Bestimmtes, Allgemeines, in einer Abstraktion zu Befassendes; sie ist Mord, Diebstahl, oder Wohltat, tapfere Tat und so fort, und es kann von ihr _gesagt_ werden, was _sie ist_. Sie _ist_ dies, und ihr Sein ist nicht nur ein Zeichen, sondern die Sache selbst. Sie _ist_ dies, und der individuelle Mensch _ist_, was sie _ist_; in der Einfachheit _dieses Seins_ ist er fuer Andere seiendes, allgemeines Wesen, und hoert auf, nur gemeintes zu sein. Er ist zwar darin nicht als Geist gesetzt; aber indem von seinem _Sein_ als Sein die Rede, und _einerseits_ das gedoppelte Sein, der _Gestalt_ und der _Tat_, sich gegenuebersteht und jene wie diese seine Wirklichkeit sein soll, so ist vielmehr nur die Tat als sein _echtes Sein_ zu behaupten,--nicht seine Figur, welche das ausdruecken sollte, was er zu seinen Taten meint, oder was man meinte, dass er tun nur koennte. Ebenso indem _andererseits_ sein _Werk_ und seine innre _Moeglichkeit_, Faehigkeit oder Absicht, entgegengesetzt werden, ist jenes allein fuer seine wahre Wirklichkeit anzusehen, wenn auch er selbst sich darueber taeuscht, und, aus seiner Handlung in sich gekehrt, in diesem Innern ein anderes zu sein meint als in der _Tat_. Die Individualitaet, die sich dem gegenstaendlichen Elemente anvertraut, indem sie zum Werke wird, gibt sich damit wohl dem preis, veraendert und verkehrt zu werden. Aber den Charakter der Tat macht eben dies aus, ob sie ein wirkliches Sein ist, das sich haelt, oder ob nur ein gemeintes Werk, das in sich nichtig vergeht. Die Gegenstaendlichkeit veraendert nicht die Tat selbst, sondern zeigt nur, _was_ sie ist, das heisst, ob sie _ist_, oder ob sie _nichts ist_.--Die Zergliederung dieses Seins in Absichten und dergleichen Feinheiten, wodurch der _wirkliche_ Mensch, d.h. seine Tat, wieder in ein gemeintes Sein zurueckerklaert werden soll, wie er wohl selbst auch sich besondere Absichten ueber seine Wirklichkeit erschaffen mag, muessen dem Muessggange der Meinung ueberlassen bleiben, der, wenn er seine tatenlose Weisheit ins Werk richten, den Charakter der Vernunft am Handelnden ableugnen und ihn auf diese Weise misshandeln will, dass er statt der Tat vielmehr die Figur und die Zuege fuer das Sein desselben erklaeren will, die obige Erwiderung zu befahren hat, die ihm erweist, dass Figur nicht das _An-sich_ ist, sondern vielmehr ein Gegenstand der Behandlung sein kann. Sehen wir nun auf den Umfang der Verhaeltnisse ueberhaupt, in welchen die selbstbewusste Individualitaet zu ihrem Aeussern stehend beobachtet werden kann, so wird eines zurueck sein, welches die Beobachtung sich noch zu ihrem Gegenstande machen muss. In der Psychologie ist es die _aeussere Wirklichkeit_ der _Dinge_, welche an dem Geiste ihr sich bewusstes _Gegenbild_ haben und ihn begreiflich machen soll. In der Physiognomik dagegen soll er in seinem _eignen_ Aeussern als in einem Sein, welches die _Sprache_--die sichtbare Unsichtbarkeit seines Wesens--sei, erkannt werden. Noch ist die Bestimmung der Seite der Wirklichkeit uebrig, dass die Individualitaet an ihrer unmittelbaren, festen, rein daseienden Wirklichkeit ihr Wesen ausspreche.--Diese letzte Beziehung unterscheidet sich also von der physiognomischen dadurch, dass diese die _sprechende_ Gegenwart des Individuums ist, das in seiner _handelnden_ Aeusserung zugleich die sich in sich _reflektierende_ und _betrachtende_ darstellt, eine Aeusserung, welche selbst Bewegung ist, ruhende Zuege, welche selbst wesentlich ein vermitteltes Sein sind. In der noch zu betrachtenden Bestimmung aber ist endlich das Aeussere eine ganz _ruhende_ Wirklichkeit, welche nicht an ihr selbst redendes Zeichen, sondern getrennt von der selbstbewussten Bewegung sich fuer sich darstellt und als blosses Ding ist. Zunaechst erhellt ueber die Beziehung des Innern auf dies sein Aeusseres, dass sie als Verhaeltnis des _Kausalzusammenhangs_ begriffen werden zu muessen scheint, indem die Beziehung eines Ansichseienden auf ein anderes Ansichseiendes, als eine _notwendige_, dies Verhaeltnis ist. Dass nun die geistige Individualitaet auf den Leib Wirkung habe, muss sie als Ursache selbst leiblich sein. Das Leibliche aber, worin sie als Ursache ist, ist das Organ, aber nicht des Tuns gegen die aeussere Wirklichkeit, sondern des Tuns des selbstbewussten Wesens in sich selbst, nach aussen nur gegen seinen Koerper; es ist nicht sogleich abzusehen, welches diese Organe sein koennen. Wuerde nur an die Organe ueberhaupt gedacht, so wuerde das Organ der Arbeit ueberhaupt leicht bei der Hand sein, ebenso das Organ des Geschlechtstriebes, und so fort. Allein solche Organe sind als Werkzeuge oder als Teile zu betrachten, welche der Geist als _ein_ Extrem zur Mitte gegen das andere Extrem, das aeusserer _Gegenstand_ ist, hat. Hier aber ist ein Organ verstanden, worin das selbstbewusste Individuum als Extrem gegen seine eigne ihm entgegengesetzte Wirklichkeit sich _fuer sich_ erhaelt, nicht zugleich nach aussen gekehrtes, sondern in seiner Handlung reflektiertes, und woran die Seite des _Seins_ nicht ein _Sein fuer anderes_ ist. In der physiognomischen Beziehung wird das Organ zwar auch als in sich reflektiertes und das Tun besprechendes Dasein betrachtet; aber dies Sein ist ein gegenstaendliches, und das Resultat der physiognomischen Beobachtung ist dieses, dass das Selbstbewusstsein gegen eben diese seine Wirklichkeit als gegen etwas Gleichgueltiges gegenuebertritt. Diese Gleichgueltigkeit verschwindet darin, dass dies In-sich-reflektiert-sein selbst _wirkend_ ist; dadurch erhaelt jenes Dasein eine notwendige Beziehung auf es; dass es aber auf das Dasein wirkend sei, muss es selbst ein aber nicht eigentlich gegenstaendliches Sein haben, und als dies Organ soll es aufgezeigt werden. Im gemeinen Leben nun wird der Zorn zum Beispiel, als ein solches inneres Tun, in die Leber verlegt; Plato gibt ihr sogar noch etwas Hoeheres, das nach einigen sogar das Hoechste ist, zu, naemlich die Prophezeihung oder die Gabe, das Heilige und Ewige unvernuenftigerweise auszusprechen. Allein die Bewegung, welche das Individuum in der Leber, dem Herzen und so fort hat, kann nicht als die ganz in sich reflektierte Bewegung desselben angesehen werden, sondern sie ist darin vielmehr so, dass sie ihm schon in den Leib geschlagen ist, und ein animalisches heraus gegen die Aeusserlichkeit sich wendendes Dasein hat. Das _Nervensystem_ hingegen ist die unmittelbare Ruhe des Organischen in seiner Bewegung. Die _Nerven_ selbst sind zwar wieder die Organe des schon in seine Richtung nach aussen versenkten Bewusstseins; Gehirn und Rueckenmark aber duerfen als die in sich bleibende--die nicht gegenstaendliche, die auch nicht hinausgehende--unmittelbare Gegenwart des Selbstbewusstseins betrachtet werden. Insofern das Moment des Seins, welches dies Organ hat, ein _Sein fuer Anderes_, Dasein ist, ist es totes Sein, nicht mehr Gegenwart des Selbstbewusstseins. Dies _In-sich-selbst-sein_ ist aber seinem Begriffe nach eine Fluessigkeit, worin die Kreise, die darein geworfen werden, sich unmittelbar aufloesen, und kein Unterschied als _seiender_ sich ausdrueckt. Inzwischen wie der Geist selbst nicht ein Abstrakt-Einfaches ist, sondern ein System von Bewegungen, worin er sich in Momente unterscheidet, in dieser Unterscheidung selbst aber frei bleibt, und wie er seinen Koerper ueberhaupt zu verschiedenen Verrichtungen gliedert, und einen einzelnen Teil desselben nur _einer_ bestimmt, so kann auch sich vorgestellt werden, dass das fluessige _Sein_ seines _In-sich_-seins ein gegliedertes ist; und es scheint so vorgestellt werden zu muessen, weil das in sich reflektierte _Sein_ des Geistes im Gehirn selbst wieder nur eine Mitte seines reinen Wesens und seiner koerperlichen Gegliederung ist, eine Mitte, welche hiemit von der Natur beider und also von der Seite der letztern auch die _seiende_ Gegliederung wieder an ihr haben muss. Das geistig-organische Sein hat zugleich die notwendige Seite eines _ruhenden bestehenden_ Daseins; jenes muss als Extrem des Fuer-sich-seins zuruecktreten, und diese als das andere Extrem gegenueber haben, welches alsdenn der Gegenstand ist, worauf jenes als Ursache wirkt. Wenn nun Gehirn und Rueckenmark jenes koerperliche _Fuer-sich-sein_ des Geistes ist, so ist der Schaedel und die Rueckenwirbelsaeule das andere ausgeschiedne Extrem hinzu, naemlich das feste ruhende Ding.--Indem aber jedem, wenn er an den eigentlichen Ort des Daseins des Geistes denkt, nicht der Ruecken, sondern nur der Kopf einfaellt, so koennen wir uns in der Untersuchung eines Wissens, als das vorliegende ist, mit diesem--fuer es nicht zu schlechten--Grunde begnuegen, um dies Dasein auf den Schaedel einzuschraenken. Sollte einem der Ruecken insofern einfallen, als auch wohl zuweilen durch ihn Wissen und Tun zum Teil _ein_-, zum Teil aber _aus_getrieben wird, so wuerde dies dafuer, dass das Rueckenmark mit zum inwohnenden Orte des Geistes, und seine Saeule zum gegenbildlichen Dasein genommen werden muesse, darum nichts beweisen, weil es zuviel bewiese; denn man kann ebenso sich erinnern, dass auch andere aeusserliche Wege, der Taetigkeit des Geistes beizukommen, um sie zu erwecken oder zurueckzuhalten, beliebt werden.--Die Rueckenwirbelsaeule faellt also, wenn man will, _mit Recht_ hinweg; und es ist so gut als viele andere naturphilosophische Lehren _konstruiert_, dass der Schaedel allein zwar nicht die _Organe_ des Geistes enthalte. Denn dies wurde vorhin aus dem Begriffe dieses Verhaeltnisses ausgeschlossen, und deswegen der Schaedel zur Seite des Daseins genommen; oder wenn nicht an den _Begriff_ der Sache erinnert werden duerfte, so lehrt ja die Erfahrung, dass wie mit dem Auge als Organe gesehen, so _nicht_ mit dem Schaedel gemordet, gestohlen, gedichtet u. s.w. wird.--Es ist sich deswegen auch des Ausdrucks _Organ_ fuer diejenige _Bedeutung_ des Schaedels zu enthalten, von welcher noch zu sprechen ist. Denn ob man gleich zu sagen pflegt, dass es vernuenftigen Menschen nicht auf das Wort, sondern auf die _Sache_ ankomme, so ist daraus doch nicht die Erlaubnis zu nehmen, eine Sache mit einem ihr nicht zugehoerigen Worte zu bezeichnen, denn dies ist Ungeschicklichkeit zugleich und Betrug, der nur das rechte _Wort_ nicht zu haben meint und vorgibt, und es sich verbirgt, dass ihm in der Tat die Sache, d.h. der Begriff, fehlt; wenn dieser vorhanden waere, wuerde er auch sein rechtes Wort haben.--Zunaechst hat sich hier nur dies bestimmt, dass wie das Gehirn der lebendige Kopf, der Schaedel das caput mortuum ist. In diesem toten Sein haetten also die geistigen Bewegungen und bestimmten Weisen des Gehirns ihre Darstellung aeusserer Wirklichkeit, die jedoch noch an dem Individuum selbst ist, sich zu geben. Fuer das Verhaeltnis derselben zu ihm, der als totes Sein den Geist nicht in sich selbst inwohnen hat, bietet sich zunaechst das oben festgesetzte, das aeussere mechanische dar, so dass die eigentlichen Organe--und diese sind am Gehirne--ihn hier rund ausdruecken, dort breit schlagen oder platt stossen, oder wie man sonst diese Einwirkung darstellen mag. Selbst ein Teil des Organismus, muss in ihm zwar, wie in jedem Knochen, eine lebendige Selbstbildung gedacht werden, so dass, hiernach betrachtet, er von seiner Seite vielmehr das Gehirn drueckt und dessen aeussere Beschraenkung setzt; wozu er auch als das Haertere eher das Vermoegen hat. Dabei aber wuerde noch immer dasselbe Verhaeltnis in der Bestimmung der Taetigkeit beider gegeneinander bleiben; denn ob der Schaedel das Bestimmende oder das Bestimmte ist, dies aenderte an dem Kausalzusammenhange ueberhaupt nichts, nur dass dann der Schaedel zum unmittelbaren Organe des Selbstbewusstseins gemacht wuerde, weil in ihm als _Ursache_ sich die Seite des _Fuer-sich-seins_ faende. Allein indem das _Fuer-sich-sein_ als _organische Lebendigkeit in beide_ auf gleiche Weise faellt, faellt in der Tat der Kausalzusammenhang zwischen ihnen hinweg. Diese Fortbildung beider aber hinge im Innern zusammen, und waere eine organische praestabilierte Harmonie, welche die beiden sich aufeinander beziehenden Seiten frei gegeneinander und jeder ihre eigene _Gestalt_ laesst, der die Gestalt der andern nicht zu entsprechen braucht; und noch mehr die Gestalt und die Qualitaet gegeneinander--wie die Form der Weinbeere und der Geschmack des Weines frei gegeneinander sind.--Indem aber auf die Seite des Gehirns die Bestimmung des _Fuer-sich-seins_, auf die Seite des Schaedels aber die Bestimmung des _Daseins_ faellt, so ist innerhalb der organischen Einheit _auch_ ein Kausalzusammenhang derselben zu setzen; eine notwendige Beziehung derselben als aeussere fuereinander, d.h. eine selbst aeusserliche, wodurch also ihre _Gestalt_ durch einander bestimmt wuerde. In Ansehung der Bestimmung aber, in welcher das Organ des Selbstbewusstseins auf die gegenueberstehende Seite taetige Ursache waere, kann auf mancherlei Weise hin und her geredet werden; denn es ist von der Beschaffenheit einer Ursache die Rede, die nach ihrem _gleichgueltigen_ Dasein, ihrer Gestalt und Groesse betrachtet wird, einer Ursache, deren Innres und Fuer-sich-sein gerade ein solches sein soll, welches das unmittelbare Dasein nichts angeht. Die organische Selbstbildung des Schaedels ist zuerst gleichgueltig gegen die mechanische Einwirkung, und das Verhaeltnis dieser beiden Verhaeltnisse ist, da jenes das Sich-auf-sich-selbst-beziehen ist, eben diese Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit selbst. Alsdenn wenn auch das Gehirn die Unterschiede des Geistes zu seienden Unterschieden in sich aufnaehme und eine Vielheit innerer einen verschiedenen Raum einnehmenden Organe waere--was der Natur widerspricht, welche den Momenten des Begriffs ein eigenes Dasein gibt, und daher die _fluessige Einfachheit_ des organischen Lebens _rein auf eine Seite_, und die _Artikulation_ und _Einteilung_ desselben ebenso in seinen Unterschieden auf die _andere_ Seite stellt, so dass sie, wie sie hier gefasst werden sollen, als besondere anatomische Dinge sich zeigen--, so wuerde es unbestimmt sein, ob ein geistiges Moment, je nachdem es urspruenglich staerker oder schwaecher waere, entweder in jenem Falle ein _expandierteres_, in diesem ein _kontrahierteres_ Gehirnorgan besitzen muesste, oder auch gerade umgekehrt.--Ebenso ob seine _Ausbildung_ das Organ vergroesserte oder verkleinerte, ob es dasselbe plumper und dicker oder feiner machte. Dadurch, dass es unbestimmt bleibe, wie die Ursache beschaffen ist, ist es ebenso unbestimmt gelassen, wie die Einwirkung auf den Schaedel geschieht, ob sie ein Erweitern oder Verengern und Zusammenfallenlassen ist. Wird diese Einwirkung etwa _vornehmer_ als ein _Erregen_ bestimmt, so ist es unbestimmt, ob es nach der Weise eines Kanthariden-Pflasters auftreibend oder eines Essigs einschrumpfend geschieht.--Fuer alle dergleichen Ansichten lassen sich plausible Gruende vorbringen, denn die organische Beziehung, welche ebensosehr eingreift, laesst den einen so gut passieren als den andern, und ist gleichgueltig gegen allen diesen Verstand. Dem beobachtenden Bewusstsein ist es aber nicht darum zu tun, diese Beziehung bestimmen zu wollen. Denn es ist ohnehin nicht das Gehirn, was als _animalischer_ Teil auf der einen Seite steht, sondern dasselbe als _Sein_ der _selbstbewussten_ Individualitaet.--Sie als stehender Charakter und sich bewegendes bewusstes Tun ist _fuer sich_ und _in sich_; diesem Fuer- und In-sich-sein steht ihre Wirklichkeit und Dasein fuer Anderes entgegen; das Fuer- und In-sich-sein ist das Wesen und Subjekt, welches am Gehirne ein Sein hat, das _unter es subsumiert_ ist, und seinen Wert nur durch die inwohnende Bedeutung erhaelt. Die andre Seite der selbstbewussten Individualitaet aber, die Seite ihres Daseins ist das _Sein_ als selbststaendig und Subjekt, oder als ein Ding, naemlich ein Knochen; die _Wirklichkeit und Dasein des Menschen ist sein Schaedelknochen_.--Dies ist das Verhaeltnis und der Verstand, den die beiden Seiten dieser Beziehung in dem sie beobachtenden Bewusstsein haben. Diesem ist es nun um die bestimmtere Beziehung dieser Seiten zu tun; der Schaedelknochen hat wohl im Allgemeinen die Bedeutung, die unmittelbare Wirklichkeit des Geistes zu sein. Aber die Vielseitigkeit des Geistes gibt seinem Dasein eine ebensolche Vieldeutigkeit; was zu gewinnen ist, ist die Bestimmtheit der Bedeutung der einzelnen Stellen, in welche dies Dasein geteilt ist, und es ist zu sehen, wie sie das Hinweisen darauf an ihnen haben. Der Schaedelknochen ist kein Organ der Taetigkeit, noch auch eine sprechende Bewegung; es wird weder mit dem Schaedelknochen gestohlen, gemordet u.s.f., noch verzieht er zu solchen Taten im geringsten die Miene, so dass er sprechende Gebaerde wuerde.--Noch hat auch dieses _Seiende_ den Wert eines _Zeichens_. Miene und Gebaerde, Ton, auch eine Saeule, ein Pfahl, der auf einer oeden Insel eingeschlagen ist, kuendigen sich sogleich an, dass noch irgend etwas anderes damit gemeint ist, als das, was sie unmittelbar _nur sind_. Sie geben sich selbst sogleich fuer Zeichen aus, indem sie eine Bestimmtheit an ihnen haben, welche auf etwas anderes dadurch hinweist, dass sie ihnen nicht eigentuemlich angehoert. Man kann sich wohl auch bei einem Schaedel, wie Hamlet bei Yoricks, vielerlei einfallen lassen, aber der Schaedelknochen fuer sich ist ein so gleichgueltiges, unbefangenes Ding, dass an ihm unmittelbar nichts anderes zu sehen und zu meinen ist als nur er selbst; er erinnert wohl an das Gehirn und seine Bestimmtheit, an Schaedel von anderer Formation, aber nicht an eine bewusste Bewegung, indem er weder Miene und Gebaerde noch etwas an ihm eingedrueckt hat, das von einem bewussten Tun herkommend sich ankuendigte; denn er ist diejenige Wirklichkeit, welche an der Individualitaet eine solche andere Seite darstellen sollte, die nicht mehr sich in sich reflektierendes Sein, sondern rein _unmittelbares Sein_ waere. Da er ferner auch nicht selbst fuehlt, so scheint sich eine bestimmtere Bedeutung fuer ihn etwa noch so ergeben zu koennen, dass bestimmte Empfindungen durch die Nachbarschaft erkennen liessen, was mit ihm gemeint sei; und indem eine bewusste Weise des Geistes bei einer bestimmten Stelle desselben ihr Gefuehl hat, wird etwa dieser Ort in seiner Gestalt sie und ihre Besonderheit andeuten. Wie zum Beispiel manche bei dem angestrengten Denken oder auch schon beim _Denken_ ueberhaupt eine schmerzliche Spannung irgendwo im Kopfe zu fuehlen klagen, koennte auch das _Stehlen_, das _Morden_, das _Dichten_ und so fort jedes mit einer eigenen Empfindung begleitet sein, die ausserdem noch ihre besondere Stelle haben muesste. Diese Stelle des Gehirns, die auf diese Art mehr bewegt und betaetigt waere, wuerde wahrscheinlich auch die benachbarte Stelle des Knochens mehr ausbilden; oder diese wuerde aus Sympathie oder Konsensus auch nicht traege sein, sondern sich vergroessern, oder verkleinern, oder auf welche Weise es sei sich formieren.--Was jedoch diese Hypothese unwahrscheinlich macht, ist dies, dass das Gefuehl ueberhaupt etwas Unbestimmtes ist, und das Gefuehl im Kopfe als dem Zentrum das allgemeine Mitgefuehl alles Leidens sein moechte, so dass sich mit dem Diebs-, Moerders-, Dichters-Kopf-Kitzel oder--Schmerz andere vermischen, und sich voneinander sowie von denen, die man bloss koerperlich nennen kann, sowenig unterscheiden lassen wuerden, als aus dem Symptome des Kopfwehs, wenn wir seine Bedeutung nur auf das Koerperliche einschraenken, sich die Krankheit bestimmen laesst. Es faellt in der Tat, von welcher Seite die Sache betrachtet werde, alle notwendige gegenseitige Beziehung, so wie deren durch sich selbst sprechende Andeutung, hinweg. Es bleibt, wenn denn die Beziehung doch stattfinden soll, eine _begrifflose_ freie praestabilierte Harmonie der entsprechenden Bestimmung beider Seiten uebrig und notwendig; denn die eine _soll geistlose Wirklichkeit, blosses Ding_ sein.--Es stehen also eben auf einer Seite eine Menge ruhender Schaedelstellen, auf der andern eine Menge Geistes-Eigenschaften, deren Vielheit und Bestimmung von dem Zustande der Psychologie abhaengen wird. Je elender die Vorstellung von dem Geiste ist, um so mehr wird von dieser Seite die Sache erleichtert; denn teils werden die Eigenschaften um so weniger, teils um so abgeschiedener, fester und knoecherner, hiedurch Knochenbestimmungen um so aehnlicher und mit ihnen vergleichbarer. Allein obzwar durch die Elendigkeit der Vorstellung von dem Geiste vieles erleichtert ist, so bleibt doch immer eine sehr grosse Menge auf beiden Seiten; es bleibt die gaenzliche Zufaelligkeit ihrer Beziehung fuer die Beobachtung. Wenn von den Kindern Israels aus dem Sand am Meere, dem sie entsprechen sollen, jedes das Koernchen, dessen Zeichen es ist, sich nehmen sollte, so ist diese Gleichgueltigkeit und Willkuer, welche jedem das seine zuteilte, ebenso stark als die, welche jeder Seelenfaehigkeit, Leidenschaft und, was hier gleichfalls betrachtet werden muesste, den Schattierungen von Charakteren, von welchen die feinere Psychologie und Menschenkenntnis zu sprechen pflegt, ihre Schaedelstaetten und Knochenformen zuweist.--Der Schaedel des Moerders hat dieses--nicht Organ, auch nicht Zeichen, sondern diesen Knorren; aber dieser Moerder hat noch eine Menge anderer Eigenschaften, sowie andere Knorren, und mit den Knorren auch Vertiefungen; man hat die Wahl unter Knorren und Vertiefungen. Und wieder kann sein Mordsinn auf welchen Knorren oder Vertiefung es sei und hinwiederum diese auf welche Eigenschaft es sei bezogen werden; denn weder ist der Moerder nur dies Abstraktum eines Moerders, noch hat er nur _eine_ Erhabenheit und _eine_ Vertiefung. Die Beobachtungen, welche hierueber angestellt werden, muessen darum gerade auch so gut lauten als der Regen des Kraemers und der Hausfrau am Jahrmarkte und bei der Waesche. Kraemer und Hausfrau konnten auch die Beobachtung machen, dass es immer regnet, wenn dieser Nachbar vorbeigeht, oder wenn Schweinsbraten gegessen wird. Wie der Regen gegen diese Umstaende, so gleichgueltig ist fuer die Beobachtung _diese_ Bestimmtheit des Geistes gegen _dieses_ bestimmte Sein des Schaedels. Denn von den beiden Gegenstaenden dieses Beobachtens ist der eine ein trockenes _Fuer-sich-sein_, eine knoecherne Eigenschaft des Geistes, wie der andere ein trockenes _An-sich-sein_; ein so knoechernes Ding, als beide sind, ist vollkommen gleichgueltig gegen alles andere; es ist dem hohen Knorren ebenso gleichgueltig, ob ein Moerder in seiner Nachbarschaft, als dem Moerder, ob die Plattheit in seiner Naehe ist. Es bleibt allerdings die _Moeglichkeit_, dass mit irgendeiner Eigenschaft, Leidenschaft u.s.f. ein Knorren an irgendeiner Stelle verbunden sei, unueberwindlich uebrig. Man _kann sich_ den Moerder mit einem hohen Knorren hier an dieser Schaedelstelle, den Dieb mit einer dort _vorstellen_. Von dieser Seite ist die Schaedelwissenschaft noch grosser Erweiterung faehig; denn zunaechst scheint sie sich nur auf die Verbindung eines Knorren mit einer Eigenschaft _an demselben Individuum_, so dass dieses beide besitzt, einzuschraenken. Aber schon die natuerliche Schaedelwissenschaft--denn es muss so gut eine solche als eine natuerliche Physiognomik geben--geht ueber diese Schranken hinaus; sie urteilt nicht nur, dass ein schlauer Mensch einen faustdicken Knorren hinter den Ohren sitzen habe, sondern sie stellt auch vor, dass die untreue Ehefrau nicht selbst, sondern das andre ehliche Individuum Knorren an der Stirne habe.--Ebenso kann man sich auch den, der mit dem Moerder unter einem Dache wohnt, oder auch seinen Nachbar, und weiter hinaus seine Mitbuerger u.s.f. mit hohen Knorren an irgendeiner Schaedelstelle _vorstellen_, so gut als die fliegende Kuh, die zuerst von dem Krebs, der auf dem Esel ritt, geliebkost und hernach u.s.f. wurde.--Wird aber die _Moeglichkeit_ nicht im Sinne der Moeglichkeit _des Vorstellens_, sondern der _innern_ Moeglichkeit oder des _Begriffs_ genommen, so ist der Gegenstand eine solche Wirklichkeit, welche reines Ding und ohne dergleichen Bedeutung ist und sein soll, und sie also nur in der Vorstellung haben kann. Schreitet, ungeachtet der Gleichgueltigkeit der beiden Seiten, der Beobachter jedoch ans Werk, Beziehungen zu bestimmen, teils frisch gehalten durch den allgemeinen Vernunftgrund, dass das _Aeussere der Ausdruck des Innern_ sei, teils sich unterstuetzend mit der Analogie von Schaedeln der Tieren--welche zwar wohl einen einfachern Charakter haben moegen als die Menschen, von denen es aber zugleich um ebenso schwerer zu sagen wird, welchen sie haben, indem es nicht der Vorstellung eines jeden Menschen so leicht sein kann, sich in die Natur eines Tieres recht hineinzubilden--, so findet der Beobachter bei der Versicherung der Gesetze, die er entdeckt haben will, eine _vorzuegliche Huelfe_ an einem Unterschiede, der uns hier notwendig auch einfallen muss.--Das _Sein_ des Geistes kann wenigstens nicht als so etwas schlechthin Unverruecktes und Unverrueckbares genommen werden. Der Mensch ist frei; es wird zugegeben, dass das _urspruengliche_ Sein nur _Anlagen_ sind, ueber welche er viel vermag, oder welche guenstiger Umstaende beduerfen, um entwickelt zu werden, d.h. ein _urspruengliches_ Sein des Geistes ist ebensowohl als ein solches auszusprechen, das nicht als Sein existiert. Widerspraechen also Beobachtungen demjenigen, was irgendeinem als Gesetz zu versichern einfaellt, waere es schoen Wetter am Jahrmarkts oder bei der Waesche, so koennten Kraemer und Hausfrau sprechen, dass es _eigentlich_ regnen _sollte_, und die _Anlage_ doch dazu _vorhanden_ sei; ebenso das Schaedelbeobachten, --dass dies Individuum _eigentlich_ so sein _sollte_, wie der Schaedel nach dem Gesetze aussagt, und eine _urspruengliche Anlage_ habe, die _aber_ nicht ausgebildet worden sei; vorhanden ist diese Qualitaet nicht, aber sie _sollte vorhanden_ sein.--Das _Gesetz_ und das _Sollen_ gruendet sich auf das Beobachten des wirklichen Regens, und des wirklichen Sinnes bei dieser Bestimmtheit des Schaedels; ist aber die _Wirklichkeit_ nicht vorhanden, so gilt die _leere Moeglichkeit_ fuer ebensoviel.--Diese Moeglichkeit, d.i. die Nichtwirklichkeit des aufgestellten Gesetzes und hiemit ihm widersprechende Beobachtungen muessen eben dadurch hereinkommen, dass die Freiheit des Individuums und die entwickelnden Umstaende gleichgueltig gegen das _Sein_ ueberhaupt sind, sowohl gegen es als urspruengliches inneres wie als aeusseres knoechernes, und dass das Individuum auch etwas anderes sein kann, als es innerlich urspruenglich und noch mehr als ein Knochen ist. Wir erhalten also die Moeglichkeit, dass dieser Knorren oder Vertiefung des Schaedels sowohl etwas wirkliches als auch nur eine _Anlage_, und zwar unbestimmt zu irgend etwas, dass er etwas Nichtwirkliches bezeichne; wir sehen es einer schlechten Ausrede wie immer ergehen, dass sie wider dasjenige, dem sie aufhelfen soll, selbst zu gebrauchen steht. Wir sehen das Meinen durch die Natur der Sache dahin gebracht, das _Gegenteil_ dessen, aber _gedankenlos_, selbst zu sagen, was es festhaelt;--zu sagen, es wird durch diesen Knochen irgend etwas angedeutet, aber ebensogut _auch nicht_. Was der Meinung selbst bei dieser Ausrede vorschwebt, ist der wahre, sie gerade vertilgende Gedanke, dass das _Sein_ als solches ueberhaupt nicht die Wahrheit des Geistes ist. Wie schon die Anlage ein _urspruengliches Sein_ ist, das an der Taetigkeit des Geistes keinen Anteil hat, ein ebensolches ist seinerseits auch der Knochen. Das Seiende ohne die geistige Taetigkeit ist ein Ding fuer das Bewusstsein, und so wenig sein Wesen, dass es vielmehr das Gegenteil desselben und das Bewusstsein sich allein _wirklich_ ist, durch die Negation und Vertilgung eines solchen Seins.--Es ist von dieser Seite fuer voellige Verleugnung der Vernunft anzusehen, fuer das _wirkliche Dasein_ des Bewusstseins einen Knochen auszugeben; und dafuer wird er ausgegeben, indem er als das Aeussere des Geistes betrachtet wird, denn das Aeussere ist eben die seiende Wirklichkeit. Es hilft nichts, zu sagen, dass von diesem Aeussern _nur_ auf das Innere, das _etwas anders_ sei, _geschlossen_ werde, das Aeussere nicht das Innere selbst, sondern nur dessen _Ausdruck_ sei. Denn in dem Verhaeltnisse beider zueinander faellt eben auf die Seite des Innern die Bestimmung der sich _denkenden_ und _gedachten_, auf die Seite des Aeussern aber die _der seienden Wirklichkeit_.--Wenn also einem Menschen gesagt wird: du (dein Inneres) bist dies, _weil_ dein _Knochen_ so beschaffen ist; so heisst es nichts anderes als: ich sehe einen Knochen fuer _deine Wirklichkeit_ an. Die bei der Physiognomik erwaehnte Erwiderung eines solchen Urteils durch die Ohrfeige bringt zunaechst die _weichen_ Teile aus ihrem Ansehen und Lage, und erweist nur, dass diese kein wahres _An-sich_, nicht die Wirklichkeit des Geistes sind;--hier muesste die Erwiderung eigentlich so weit gehen, einem, der so urteilt, den Schaedel einzuschlagen, um gerade so greiflich, als seine Weisheit ist, zu erweisen, dass ein Knochen fuer den Menschen nichts _An-sich_, viel weniger _seine_ wahre Wirklichkeit ist.-Der rohe Instinkt der selbstbewussten Vernunft wird eine solche Schaedelwissenschaft unbesehen verwerfen--diesen andern beobachtenden Instinkt derselben, der zur Ahndung _des Erkennens_ gediehen, es auf die geistlose Weise, dass das Aeussere Ausdruck des Innern sei, erfasst hat. Aber je schlechter der Gedanke ist, desto weniger faellt es zuweilen auf, worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es, sie auseinanderzulegen. Denn der Gedanke heisst um so schlechter, je reiner und leerer die Abstraktion ist, welche ihm fuer das Wesen gilt. Der Gegensatz aber, auf den es hier ankoemmt, hat zu seinen Gliedern die ihrer bewusste Individualitaet und die Abstraktion der ganz zum _Dinge_ gewordenen Aeusserlichkeit--jenes innre Sein des Geistes als festes geistloses Sein aufgefasst, eben solchem Sein entgegengesetzt. --Damit scheint aber auch die beobachtende Vernunft in der Tat ihre Spitze erreicht zu haben, von welcher sie sich selbst verlassen und sich ueberschlagen muss; denn erst das ganz Schlechte hat die unmittelbare Notwendigkeit an sich, sich zu verkehren.--Wie von dem juedischen Volke gesagt werden kann, dass es gerade darum, weil es unmittelbar vor der Pforte des Heils stehe, das verworrenste sei und gewesen sei; was es an und fuer sich sein sollte, diese Selbstwesenheit ist es sich nicht, sondern verlegt sie jenseits seiner; es macht sich durch diese Entaeusserung ein hoeheres Dasein _moeglich_, wenn es seinen Gegenstand wieder in sich zuruecknehmen koennte, als wenn es innerhalb der Unmittelbarkeit des Seins stehengeblieben; weil der Geist um so groesser ist, aus je groesserem Gegensatze er in sich zurueckkehrt; diesen Gegensatz aber macht er sich in dem Aufheben seiner unmittelbaren Einheit und in der Entaeusserung seines Fuer-sich-seins. Allein wenn ein solches Bewusstsein sich nicht reflektiert, ist die Mitte, worin es steht, die unselige Leere, indem dasjenige, was sie erfuellen sollte, zum festen Extreme geworden ist. So ist diese letzte Stufe der beobachtenden Vernunft ihre schlechteste, aber darum ihre Umkehrung notwendig. Denn die Uebersicht der bisher betrachteten Reihe von Verhaeltnissen, welche den Inhalt und Gegenstand der Beobachtung ausmachen, zeigt, dass in ihrer _ersten Weise_, in der Beobachtung der Verhaeltnisse der unorganischen Natur ihr schon das _sinnliche Sein verschwindet_; die Momente ihres Verhaeltnisses stellen sich als reine Abstraktionen und als einfache Begriffe dar, welche an das Dasein von Dingen fest geknuepft sein sollten, das aber verlorengeht, so dass das Moment sich als reine Bewegung und als Allgemeines erweist. Dieser freie in sich vollendete Prozess behaelt die Bedeutung eines Gegenstaendlichen; tritt aber nun als ein _Eins_ auf; im Prozesse des Unorganischen ist das Eins das nicht existierende Innere; als Eins aber existierend ist er das Organische.--Das Eins steht als Fuer-sich-sein oder negatives Wesen dem Allgemeinen gegenueber, entzieht sich diesem und bleibt frei fuer sich, so dass der Begriff, nur im Elemente der absoluten Vereinzelung realisiert, in der organischen Existenz seinen wahrhaften Ausdruck, _als Allgemeines_ da zu sein, nicht findet, sondern ein Aeusseres oder, was dasselbe ist, ein _Inneres_ der organischen Natur bleibt.--Der organische Prozess ist nur frei _an sich_, ist es aber nicht _fuer sich selbst_; im _Zwecke_ tritt das Fuer-sich-sein seiner Freiheit ein; _existiert_ als ein anderes Wesen, als eine ihrer selbst bewusste Weisheit, die ausser jenem ist. Die beobachtende Vernunft wendet sich also an diese, an den Geist, den als Allgemeinheit existierenden Begriff oder als Zweck existierenden Zweck, und ihr eignes Wesen ist ihr nunmehr der Gegenstand. Sie wendet sich zuerst an seine Reinheit; aber indem sie Auffassen des in seinen Unterschieden sich bewegenden Gegenstandes als eines seienden ist, werden ihr _Gesetze des Denkens_, Beziehungen von Bleibendem auf Bleibendes; aber da der Inhalt dieser Gesetze nur Momente sind, verlaufen sie sich in das Eins des Selbstbewusstseins. --Dieser neue Gegenstand ebenso als _Seiendes_ genommen, ist das _einzelne, zufaellige_ Selbstbewusstsein; das Beobachten steht daher innerhalb des gemeinten Geistes und des zufaelligen Verhaeltnisses von bewusster Wirklichkeit auf unbewusste. Er an sich selbst nur ist die Notwendigkeit dieser Beziehung; die Beobachtung rueckt ihm daher naeher auf den Leib, und vergleicht seine wollende und tuende Wirklichkeit mit seiner in sich reflektierten und betrachtenden Wirklichkeit, die selbst gegenstaendlich ist. Dieses Aeussre, obzwar eine Sprache des Individuums, die es an ihm selbst hat, ist zugleich als Zeichen etwas Gleichgueltiges gegen den Inhalt, den es bezeichnen sollte, so wie das, welches sich das Zeichen setzt, gleichgueltig gegen dieses. Von dieser wandelbaren Sprache geht darum die Beobachtung endlich zum _festen Sein_ zurueck, und spricht ihrem Begriffe nach aus, dass die Aeusserlichkeit, nicht als Organ, auch nicht als Sprache und Zeichen, sondern als _totes Ding_ die aeussere und unmittelbare Wirklichkeit des Geistes sei. Was von der allerersten Beobachtung der unorganischen Natur aufgehoben wurde, dass naemlich der Begriff als Ding vorhanden sein sollte, stellt diese letzte Weise so her, dass sie die Wirklichkeit des Geistes selbst zu einem Dinge macht, oder umgekehrt ausgedrueckt, dem toten Sein die Bedeutung des Geistes gibt.--Die Beobachtung ist damit dazu gekommen, es auszusprechen, was unser Begriff von ihr war, dass naemlich die Gewissheit der Vernunft sich selbst als gegenstaendliche Wirklichkeit sucht.--Man meint zwar dabei wohl nicht, dass der Geist, der von einem Schaedel vorgestellt wird, als Ding ausgesprochen werde; es soll kein Materialismus, wie man es nennt, in diesem Gedanken liegen, sondern der Geist vielmehr noch etwas anders als diese Knochen sein; aber er _ist_, heisst selbst nichts anders als: er ist ein _Ding_. Wenn das _Sein_ als solches oder Dingsein von dem Geiste praediziert wird, so ist darum der wahrhafte Ausdruck hievon, dass er ein solches wie _ein Knochen_ ist. Es muss daher fuer hoechst wichtig angesehen werden, dass der wahre Ausdruck davon, dass vom Geiste rein gesagt wird, _er ist_, sich gefunden hat. Wenn sonst vom Geiste gesagt wird, _er ist_, hat _ein Sein_, ist ein _Ding_, eine einzelne _Wirklichkeit_, so wird damit nicht etwas _gemeint_, das man sehen oder in die Hand nehmen, stossen und so fort kann, aber _gesagt_ wird ein solches, und was in Wahrheit gesagt wird, drueckt sich hiemit so aus, dass _das Sein des Geistes ein Knochen ist_. Dies Resultat hat nun eine doppelte Bedeutung, einmal seine wahre, insofern es eine Ergaenzung des Resultates der vorhergehenden Bewegung des Selbstbewusstseins ist. Das unglueckliche Selbstbewusstsein entaeusserte sich seiner Selbststaendigkeit und rang sein _Fuer-sich-sein_ zum _Dinge_ heraus. Es kehrte dadurch aus dem Selbstbewusstsein in das Bewusstsein zurueck, d.h. in das Bewusstsein, fuer welches der Gegenstand ein _Sein_, ein _Ding_ ist;--aber dies, was Ding ist, ist das Selbstbewusstsein; es ist also die Einheit des Ich und des Seins, die _Kategorie_. Indem der Gegenstand fuer das Bewusstsein so bestimmt ist, _hat es Vernunft_. Das Bewusstsein sowie das Selbstbewusstsein _ist an sich_ eigentlich Vernunft; aber nur von dem Bewusstsein, dem der Gegenstand als die Kategorie sich bestimmt hat, kann gesagt werden, dass es Vernunft _habe_;--hievon aber ist noch das Wissen, was Vernunft ist, unterschieden.--Die Kategorie, welche die _unmittelbare_ Einheit des _Seins_ und des _Seinen_ ist, muss beide Formen durchlaufen, und das beobachtende Bewusstsein ist eben dieses, dem sie sich in der Form des _Seins_ darstellt. In seinem Resultate spricht das Bewusstsein dasjenige, dessen bewusstlose Gewissheit es ist, als Satz aus--den Satz, der im Begriffe der Vernunft liegt. Er ist das _unendliche Urteil_, dass das Selbst ein Ding ist--ein Urteil, das sich selbst aufhebt.--Durch dieses Resultat ist also bestimmt zur Kategorie dies hinzugekommen, dass sie dieser sich aufhebende Gegensatz ist. Die _reine_ Kategorie, welche in der Form des _Seins_ oder der _Unmittelbarkeit_ fuer das Bewusstsein ist, ist der noch _unvermittelte_, nur _vorhandne_ Gegenstand, und das Bewusstsein ein ebenso unvermitteltes Verhalten. Das Moment jenes unendlichen Urteils ist der Uebergang der _Unmittelbarkeit_ in die Vermittlung oder _Negativitaet_. Der vorhandne Gegenstand ist daher als ein negativer bestimmt, das Bewusstsein aber als _Selbst_bewusstsein gegen ihn, oder die Kategorie, welche die Form des _Seins_ im Beobachten durchlaufen hat, ist jetzt in der Form des Fuer-sich-seins gesetzt; das Bewusstsein will sich nicht mehr _unmittelbar finden_, sondern durch seine Taetigkeit sich selbst hervorbringen. _Es selbst_ ist sich der Zweck seines Tuns, wie es ihm im Beobachten nur um die Dinge zu tun war. Die andere Bedeutung des Resultats ist die schon betrachtete des begrifflosen Beobachtens. Dieses weiss sich nicht anders zu fassen und auszusprechen, als dass es unbefangen den Knochen, wie er sich als sinnliches Ding findet, das seine Gegenstaendlichkeit fuer das Bewusstsein nicht zugleich verliert, fuer die _Wirklichkeit_ des Selbstbewusstseins aussagt. Es hat aber auch darueber, dass es dies sagt, keine Klarheit des Bewusstseins, und fasst seinen Satz nicht in der Bestimmtheit seines Subjekts und Praedikats und der Beziehung derselben, noch weniger in dem Sinne des unendlichen sich selbst aufloesenden Urteils und des Begriffs.--Es verbirgt sich vielmehr aus einem tieferliegenden Selbstbewusstsein des Geistes, das hier als eine natuerliche Honettetaet erscheint, die Schmaehlichkeit des begrifflosen nackten Gedankens, fuer die Wirklichkeit des Selbstbewusstseins einen Knochen zu nehmen, und uebertuencht ihn durch die Gedankenlosigkeit selbst, mancherlei Verhaeltnisse von Ursache und Wirkung, von Zeichen, Organ u.s.w., die hier keinen Sinn haben, einzumischen, und durch Unterscheidungen, die von ihnen hergenommen sind, das Grelle des Satzes zu verstecken. Gehirnfibern und dergleichen als das Sein des Geistes betrachtet, sind schon eine gedachte nur hypothetische--nicht _daseiende_, nicht gefuehlte, gesehene, nicht die wahre Wirklichkeit; wenn sie _da sind_, wenn sie gesehen werden, sind sie tote Gegenstaende und gelten dann nicht mehr fuer das Sein des Geistes. Aber die eigentliche Gegenstaendlichkeit muss eine _unmittelbare, sinnliche_ sein, so dass der Geist in dieser als toten--denn der Knochen ist das Tote, insofern es am Lebendigen selbst ist--als wirklich gesetzt wird.--Der Begriff dieser Vorstellung ist, dass die Vernunft sich _alle Dingheit_, auch die _rein gegenstaendliche selbst_ ist; sie ist aber dies _im Begriffe_, oder der Begriff nur ist ihre Wahrheit, und je reiner der Begriff selbst ist, zu einer desto albernern Vorstellung sinkt er herab, wenn sein Inhalt nicht als Begriff, sondern als Vorstellung ist--wenn das sich selbst aufhebende Urteil nicht mit dem Bewusstsein dieser seiner Unendlichkeit genommen wird, sondern als ein bleibender Satz, und dessen Subjekt und Praedikat jedes fuer sich gelten, das Selbst als Selbst, das Ding als Ding fixiert und doch eins das andre sein soll.--Die Vernunft, wesentlich der Begriff, ist unmittelbar in sich selbst und ihr Gegenteil entzweit, ein Gegensatz, der eben darum ebenso unmittelbar aufgehoben ist. Aber sich so als sich selbst und als ihr Gegenteil darbietend, und festgehalten in dem ganz einzelnen Momente dieses Auseinandertretens, ist sie unvernuenftig aufgefasst; und je reiner die Momente desselben sind, desto greller ist die Erscheinung dieses Inhalts, der allein entweder fuer das Bewusstsein ist, oder von ihm unbefangen allein ausgesprochen wird.--Das _Tiefe_, das der Geist von innen heraus, aber nur bis in sein _vorstellendes Bewusstsein_ treibt und es in diesem stehen laesst,--und die _Unwissenheit_ dieses Bewusstseins, was das ist, was es sagt, ist dieselbe Verknuepfung des Hohen und Niedrigen, welche an dem Lebendigen die Natur in der Verknuepfung des Organs seiner hoechsten Vollendung, des Organs der Zeugung,--und des Organs des Pissens naiv ausdrueckt.--Das unendliche Urteil als unendliches waere die Vollendung des sich selbst erfassenden Lebens, das in der Vorstellung bleibende Bewusstsein desselben aber verhaelt sich als Pissen. B. Die Verwirklichungdes vernuenftigen Selbstbewusstseinsdurch sich selbst Das Selbstbewusstsein fand das Ding als sich, und sich als Ding; d.h. _es ist fuer es_, dass es _an sich_ die gegenstaendliche Wirklichkeit ist. Es ist nicht mehr die _unmittelbare_ Gewissheit, alle Realitaet zu sein; sondern eine solche, fuer welche das Unmittelbare ueberhaupt die Form eines aufgehobenen hat, so dass seine _Gegenstaendlichkeit_ nur noch als Oberflaeche gilt, deren Inneres und Wesen _es selbst_ ist. --Der Gegenstand, auf welchen es sich positiv bezieht, ist daher ein Selbstbewusstsein; er ist in der Form der Dingheit, d.h. er ist _selbststaendig_; aber es hat die Gewissheit, dass dieser selbststaendige Gegenstand kein Fremdes fuer es ist; es weiss hiemit, dass es _an sich_ von ihm anerkannt ist; es ist der _Geist_, der die Gewissheit hat, in der Verdopplung seines Selbstbewusstseins und in der Selbststaendigkeit beider seine Einheit mit sich selbst zu haben. Diese Gewissheit hat sich ihm nun zur Wahrheit zu erheben; was ihm gilt, dass es _an sich_ und in seiner _innern_ Gewissheit sei, soll in sein Bewusstsein treten, und _fuer es_ werden. Was die allgemeinen Stationen dieser Verwirklichung sein werden, bezeichnet sich im allgemeinen schon durch die Vergleichung mit dem bisherigen Wege. Wie naemlich die beobachtende Vernunft in dem Elemente der Kategorie die Bewegung des _Bewusstseins_, naemlich die sinnliche Gewissheit, das Wahrnehmen und den Verstand wiederholte, so wird diese auch die doppelte Bewegung des _Selbstbewusstseins_ wieder durchlaufen, und aus der Selbststaendigkeit in seine Freiheit uebergehen. Zuerst ist diese taetige Vernunft ihrer selbst nur als eines Individuums bewusst, und muss als ein solches seine Wirklichkeit im andern fodern und hervorbringen--alsdenn aber, indem sich sein Bewusstsein zur Allgemeinheit erhebt, wird es _allgemeine_ Vernunft, und ist sich seiner als Vernunft, als an und fuer sich schon anerkanntes bewusst, welches in seinem reinen Bewusstsein alles Selbstbewusstsein vereinigt; es ist das einfache geistige Wesen, das, indem es zugleich zum Bewusstsein kommt, die _reale Substanz_ ist, worein die fruehern Formen als in ihren Grund zurueckgehen, so dass sie gegen diesen nur einzelne Momente seines Werdens sind, die sich zwar losreissen und als eigne Gestalten erscheinen, in der Tat aber nur von ihm getragen _Dasein_ und _Wirklichkeit_, aber ihre _Wahrheit_ nur haben, insofern sie in ihm selbst sind und bleiben. Nehmen wir dieses Ziel, das der _Begriff_ ist, der _uns_ schon entstanden--naemlich das anerkannte Selbstbewusstsein, das in dem andern freien Selbstbewusstsein die Gewissheit seiner selbst, und eben darin seine Wahrheit hat--, in seiner Realitaet auf, oder heben wir diesen noch innern Geist als die schon zu ihrem Dasein gediehene Substanz heraus, so schliesst sich in diesem Begriffe _das Reich der Sittlichkeit_ auf. Denn diese ist nichts anders als in der selbststaendigen _Wirklichkeit_ der Individuen die absolute geistige _Einheit_ ihres Wesens; ein an sich allgemeines Selbstbewusstsein, das sich in einem andern Bewusstsein so wirklich ist, dass dieses vollkommene Selbststaendigkeit hat, oder ein Ding fuer es, und dass es eben darin der _Einheit_ mit ihm sich bewusst ist, und in dieser Einheit mit diesem gegenstaendlichen Wesen erst Selbstbewusstsein ist. Diese sittliche _Substanz_ in der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_, ist sie nur das _gedachte_ Gesetz; aber sie ist ebensosehr unmittelbar wirkliches _Selbstbewusstsein_ oder sie ist _Sitte_. Das _einzelne_ Bewusstsein ist umgekehrt nur dieses seiende Eins, indem es des allgemeinen Bewusstseins in seiner Einzelnheit als seines Seins sich bewusst, indem sein Tun und Dasein die allgemeine Sitte ist. In dem Leben eines Volks hat in der Tat der Begriff der Verwirklichung der selbstbewussten Vernunft, in der Selbststaendigkeit des _Andern_ die vollstaendige _Einheit_ mit ihm anzuschauen, oder diese von mir vorgefundene freie _Dingheit_ eines andern, welche das Negative meiner selbst ist, als _mein_ Fuer-_mich_-sein zum Gegenstande zu haben, seine vollendete Realitaet. Die Vernunft ist als die fluessige allgemeine _Substanz_, als die unwandelbare einfache _Dingheit_ vorhanden, welche ebenso in viele vollkommen selbststaendige Wesen wie das Licht in Sterne als unzaehlige fuer sich leuchtende Punkte zerspringt, die in ihrem absoluten Fuer-sich-sein nicht nur _an sich_ in der einfachen selbststaendigen Substanz aufgeloest sind, sondern _fuer sich selbst_; sie sind sich bewusst, diese einzelne selbststaendige Wesen dadurch zu sein, dass sie ihre Einzelnheit aufopfern und diese allgemeine Substanz ihre Seele und Wesen ist; so wie dies Allgemeine wieder das _Tun_ ihrer als einzelner oder das von ihnen hervorgebrachte Werk ist. Das _rein einzelne_ Tun und Treiben des Individuums bezieht sich auf die Beduerfnisse, welche es als Naturwesen, das heisst als _seiende Einzelnheit_ hat. Dass selbst diese seine gemeinsten Funktionen nicht zunichte werden, sondern Wirklichkeit haben, geschieht durch das allgemeine erhaltende Medium, durch die _Macht_ des ganzen Volks. --Nicht nur aber diese _Form_ des _Bestehens_ seines Tuns ueberhaupt hat es in der allgemeinen Substanz, sondern ebensosehr _seinen Inhalt_; was es tut, _ist_ die allgemeine Geschicklichkeit und Sitte aller. Dieser Inhalt, insofern er sich vollkommen vereinzelt, ist in seiner Wirklichkeit in das Tun aller verschraenkt. Die _Arbeit_ des Individuums fuer seine Beduerfnisse ist ebensosehr eine Befriedigung der Beduerfnisse der andern als seiner eignen, und die Befriedigung der seinigen erreicht es nur durch die Arbeit der andern.--Wie der Einzelne in seiner _einzelnen_ Arbeit schon eine _allgemeine_ Arbeit _bewusstlos_ vollbringt, so vollbringt er auch wieder die allgemeine als seinen _bewussten_ Gegenstand; das Ganze wird _als Ganzes_ sein Werk, fuer das er sich aufopfert, und ebendadurch sich selbst von ihm zurueckerhaelt.--Es ist hier nichts, das nicht gegenseitig waere, nichts, woran nicht die Selbststaendigkeit des Individuums in der Aufloesung ihres Fuer-sich-seins, in der _Negation_ ihrer selbst ihre _positive_ Bedeutung, fuer sich zu sein, sich gaebe. Diese Einheit des Seins fuer Anderes oder des Sich-zum-Dinge-machens und des Fuer-sich-seins, diese allgemeine Substanz redet ihre _allgemeine Sprache_ in den Sitten und Gesetzen seines Volks; aber dies seiende unwandelbare Wesen ist nichts anders als der Ausdruck der ihr entgegengesetzt scheinenden einzelnen Individualitaet selbst; die Gesetze sprechen das aus, was jeder Einzelne _ist_ und _tut_; das Individuum erkennt sie nicht nur als seine _allgemeine_ gegenstaendliche Dingheit, sondern ebensosehr sich in ihr, oder als _vereinzelt_ in seiner eignen Individualitaet und in jedem seiner Mitbuerger. In dem allgemeinen Geiste hat daher jeder nur die Gewissheit seiner selbst, nichts anders in der seienden Wirklichkeit zu finden als sich selbst; er ist der andern so gewiss als seiner.--Ich schaue es in allen an, dass sie fuer sich selbst nur diese selbststaendigen Wesen sind, als Ich es bin; Ich schaue die freie Einheit mit den andern in ihnen so an, dass sie wie durch Mich, so durch die andern selbst ist. Sie als Mich, Mich als Sie. In einem freien Volke ist darum in Wahrheit die Vernunft verwirklicht; sie ist gegenwaertiger lebendiger Geist, worin das Individuum seine _Bestimmung_, das heisst sein allgemeines und einzelnes Wesen, nicht nur ausgesprochen und als Dingheit vorhanden findet, sondern selbst dieses Wesen ist, und seine Bestimmung auch erreicht hat. Die weisesten Maenner des Altertums haben darum den Ausspruch getan: _dass die Weisheit und die Tugend darin bestehen, den Sitten seines Volks gemaess zu leben_. Aus diesem Gluecke aber, seine Bestimmung erreicht zu haben, und in ihr zu leben, ist das Selbstbewusstsein, welches zunaechst nur _unmittelbar_ und dem _Begriffe nach_ Geist ist, herausgetreten, oder auch--es hat es noch nicht erreicht; denn beides kann auf gleiche Weise gesagt werden. Die Vernunft _muss aus diesem Gluecke heraustreten_; denn nur _an sich_ oder _unmittelbar_ ist das Leben eines freien Volks die _reale Sittlichkeit_, oder sie ist eine _seiende_, und damit ist auch dieser allgemeine Geist selbst ein einzelner, das Ganze der Sitten und Gesetze, eine _bestimmte_ sittliche Substanz, welche erst in dem hohem Momente, naemlich im _Bewusstsein ueber ihr Wesen_, die Beschraenkung auszieht, und nur in diesem Erkennen ihre absolute Wahrheit hat, nicht aber unmittelbar in ihrem _Sein_; in diesem ist sie teils eine beschraenkte, teils ist die absolute Beschraenkung eben dies, dass der Geist in der Form des _Seins_ ist. Ferner ist daher das _einzelne_ Bewusstsein, wie es unmittelbar seine Existenz in der realen Sittlichkeit oder in dem Volke hat, ein gediegenes Vertrauen, dem sich der Geist nicht in seine _abstrakte_ Momente aufgeloest hat, und das sich also auch nicht als reine _Einzelnheit fuer sich zu sein_ weiss. Ist es aber zu diesem Gedanken gekommen, wie es muss, so ist diese _unmittelbare_ Einheit mit dem Geiste oder sein _Sein_ in ihm, sein Vertrauen verloren; es fuer sich _isoliert_, ist sich nun das Wesen, nicht mehr der allgemeine Geist. Das _Moment dieser Einzelnheit des Selbstbewusstseins_ ist zwar in dem allgemeinen Geiste selbst, aber nur als eine verschwindende Groesse, die, wie sie fuer sich auftritt, in ihm ebenso unmittelbar sich aufloest und nur als Vertrauen zum Bewusstsein kommt. Indem es sich so fixiert--und jedes Moment, weil es Moment des Wesens ist, muss selbst dazu gelangen, als Wesen sich darzustellen--, so ist das Individuum den Gesetzen und Sitten gegenuebergetreten; sie sind nur ein Gedanke ohne absolute Wesenheit, eine abstrakte Theorie ohne Wirklichkeit; es aber ist als dieses Ich sich die lebendige Wahrheit. Oder das Selbstbewusstsein hat _dieses Glueck noch nicht erreicht_, sittliche Substanz, der Geist eines Volks zu sein. Denn aus der Beobachtung zurueckgekehrt, ist der Geist zuerst noch nicht als solcher durch sich selbst verwirklicht; er ist nur als _innres_ Wesen oder als die Abstraktion gesetzt.--Oder er _ist_ erst _unmittelbar_; unmittelbar seiend aber ist er _einzeln_; er ist das praktische Bewusstsein, das in seine vorgefundene Welt mit dem Zwecke einschreitet, sich in dieser Bestimmtheit eines Einzelnen zu verdoppeln, sich als Diesen als sein seiendes Gegenbild zu erzeugen und dieser Einheit seiner Wirklichkeit mit dem gegenstaendlichen Wesen bewusst zu werden. Es hat die _Gewissheit_ dieser Einheit; es gilt ihm, dass sie _an sich_ oder dass diese Uebereinstimmung seiner und der Dingheit schon vorhanden ist, nur _ihm_ noch durch es zu werden hat, oder dass sein Machen ebenso das _Finden_ derselben ist. Indem diese Einheit _Glueck_ heisst, wird dies Individuum hiemit sein _Glueck zu suchen_ von seinem Geiste in die Welt hinausgeschickt. Wenn also die Wahrheit dieses vernuenftigen Selbstbewusstseins fuer uns die sittliche Substanz ist, so ist hier fuer es der Anfang seiner sittlichen Welterfahrung. Von der Seite, dass es noch nicht zu jener geworden, dringt diese Bewegung auf sie, und das, was in ihr sich aufhebt, sind die einzelnen Momente, die ihm isoliert gelten. Sie haben die Form eines unmittelbaren Wollens oder _Naturtriebs_, der seine Befriedigung erreicht, welche selbst der Inhalt eines neuen Triebes ist.--Von der Seite aber, dass das Selbstbewusstsein das Glueck in der Substanz zu sein verloren, sind diese Naturtriebe mit Bewusstsein ihres Zweckes als der wahren Bestimmung und Wesenheit verbunden; die sittliche Substanz ist zum selbstlosen Praedikate herabgesunken, dessen lebendige Subjekte die Individuen sind, die ihre Allgemeinheit durch sich selbst zu erfuellen, und fuer ihre Bestimmung aus sich zu sorgen haben.--In jener Bedeutung also sind jene Gestalten das Werden der sittlichen Substanz, und gehen ihr vor; in dieser folgen sie, und loesen es fuer das Selbstbewusstsein auf, was seine Bestimmung sei; nach jener Seite geht in der Bewegung, worin erfahren wird, was ihre Wahrheit ist, die Unmittelbarkeit oder Roheit der Triebe verloren, und der Inhalt derselben in einen hoehern ueber; nach dieser aber die falsche Vorstellung des Bewusstseins, das in sie seine Bestimmung setzt. Nach jener ist das _Ziel_, das sie erreichen, die unmittelbare sittliche Substanz; nach dieser aber das Bewusstsein derselben, und zwar ein solches, das sie als sein eignes Wesen weiss; und insofern waere diese Bewegung das Werden der Moralitaet, einer hoehern Gestalt als jene. Allein diese Gestalten machen zugleich nur _eine_ Seite ihres Werdens aus, naemlich diejenige, welche in das _Fuer-sich-sein_ faellt, oder worin das Bewusstsein _seine_ Zwecke aufhebt; nicht die Seite, nach welcher sie aus der Substanz selbst hervorgeht. Da diese Momente noch nicht die Bedeutung haben koennen, im Gegensatze gegen die verlorne Sittlichkeit zu Zwecken gemacht zu werden, so gelten sie hier zwar nach ihrem unbefangenen Inhalte, und das Ziel, nach welchem sie dringen, ist die sittliche Substanz. Aber indem unsern Zeiten jene Form derselben naeher liegt, in welcher sie erscheinen, nachdem das Bewusstsein sein sittliches Leben verloren und es suchend jene Formen wiederholt, so moegen sie mehr in dem Ausdrucke dieser We